Nr. 295 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 152 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 8,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Quremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Vorwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit" mit„ Gied. Jung und Aleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille. zeile 70 Pfennig. Reklamezeile 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Bort 20 Bfennig ( zuläffia amei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengesuche das erste Wort 10 Pfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwet Worte. Familienanzeigen für Abonnenten 8eile 30 Pfennig. 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Wissells Anklagerede. Der Andrang des Publikums zu den Reichstagstribünen Hälfte des ursprünglich geplanten Erhöhungsmaßes wieder| Plenum noch nicht beendet ist. Man einigte sich schließlich, bekundete gestern das lebhafte Interesse, das weite Bevölkerungstreise an dem parlamentarischen Bollkampf nehmen. In der Tat: es geht um Gedeih und Verderb der deutschen Wirtschaft, es geht um die wichtigsten Fragen der Einkommens- und Vermögensgestaltung des deutschen Volkes, es geht um die Zukunft ganzer Gewerbezweige und es geht nicht zuletzt darum, ob das deutsche Bolt es sich gefallen lassen will, daß auf seinem Rücken das unerhörteste Geschäft der großkapitalistischen Interessenten in der politischen Arena ausgetragen werden soll. Noch ehe sie erschien, war die Zollvorlage der Rechtsregierung Gegenstand lebhaftefter Meinungskämpfe. Die darin enthaltenen Gedanken waren von der Wissenschaft mit seltener Einmütigkeit abge= lehnt worden. Man mußte erwarten, daß die Regierung großes taktisches Geschick und ein hohes Führerbewußtsein an den Tag legen würde, um mindestens den zu erwartenden Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. -Allein wo nichts ist, hat auch Luther sein Recht verloren, und Eigenschaften, die man nicht hat, kann man nicht gut zeigen. So kam es, daß die Erklärung des Rechtskabinetts, langweilig nerlesen vom Finanzminister von Schlieben, eher ermüdend als aufrüttelnd wirken mußte. Die alte abgebrauchte Balze von der Wichtigkeit des Tarifs für Handelsvertragsverhandlungen mußte herhalten, um auch die Agrarzölle, die mit diesem Ziel in schroffem Widerspruch stehen, zu rechtfertigen. Kein Wort der Entgegnung auf die schwerwiegenden fachlichen Einwände, die in der Deffentlichkeit gegen die Vorlage erhoben worden sind, fein neuer Gedanke überhaupt überhaupt fein Gedanke, behaupten einige, sondern nur leeres Stroh. Als im Jahre 1902 der letzte 3olltarif dem Reichstag vor gelegt wurde, der in seiner Wirkung längst nicht so weit fragend war wie der jetzt geplante schroffe Eingriff in eine durch Krieg und Inflation geschwächte Wirtschaft, da hielt es menigstens der damalige Reichskanzler v. Bülow für notwendig, dem Buchertarif einige salbungsvolle Worte mit auf den Weg zu geben, um sie dann noch durch den Staatssekretär des Reichsschazamtes, Freiherrn v. Thielmann eingehender begründen zu lassen. Im Parlament der Republit glänzt der Reichskanzler zunächst durch Abwesenheit; als er glücklich erschienen ist, verfolgt er mit einiger Aufmerksamkeit die Rede des Genossen Wissell, um sich später in die Lektüre einer Zeitung, des ,, Borwärts" zu versenken. Lieft ihn, gibt ihn dann seinem Kollegen zur Rechten, Herrn von Schlieben, weiter. Der liest ihn auch und gibt ihn dem Grafen Kaniz weiter. So lesen drei Minister den einen Vorwärts" für fünf Pfennige, während das Parlament über Schicksalsfragen des Volkes berät. Drei Minister und ein Zeitungsexemplar - und da soll die ,, nationale Arbeit" noch nicht geschüßt werden?! Eine scharfe Abrechnung mit den Plänen der Regierung brachte die fachlich ausgezeichnete Rede des Gen. Bissell. Scharf charakterisierte er den Kuhhandel der Regierung mit den Interessenten, der sie davon abgehalten hat, das notwendige Wert einer Zolltarifrevision schon früher fertigzu: stellen, und sie veranlaßte, die der Handelspolitik wesensfremden Getreidemindestzölle mit den Berhandlungszöllen zu perkoppeln. Die Empörung ging über die Reihen der Sozialdemokratie hinaus, als der Redner feststellen konnte, daß die Getreidepreise heute bereits um ein Beträchtliches höher sind, als die Regierung es im legten Herbst felbft als er wünscht bezeichnet hatte, daß man aber jetzt troẞdem den Kornzoll verlange. Die hochschuß zöllnerischen Tendenzen in den Zolljäßen auf Industriewaren, deren ganzen Stärfe manche Herren auf der Rechten noch nicht einmal fonnten, wies Gen. Wissell entschieden zurück. Seine Rede flang aus in die Mahnung, der internationalen Verständigung in der Handelspolitik die Wege zu bahnen, fie nicht zu sperren. Gegenüber der schwachen Erklärung einer Regierung, die sich von den Parteien treiben läßt, anstatt selbst zu führen, die sich willenlos der Diftatur einer kleinen Minderheit von Intereffenten beugt, war Wiffells Kampfanjage der Ausdruck des geschlossenen Willens der Volksmehrheit, gegen die egoistische Intereffentnten politit antämpfen. heraufgesezt und die Erhöhung der Zigarettensteuer wieder hergestellt werden. Nicht die Regierung, sondern die Parteien müssen führen... Der Vertreter der Deutschnationalen trat wie nicht anders zu erwarten- für den Schutzzoll ein, ebenso der Redner der Deutschen Boltspartei, der Abg. Schneider Dresden. Der letztere hatte noch sein Konzept vom Dienstag früh in der Tasche und verhaspelte sich gründlich. Er trat nämlich für die Agrarzölle ein, obwohl am Dienstag nachmittag der Reichsverband der deutschen Indust rie sich bereits gegen die Mindestzölle gewandt hatte. Die" lussprache eröffnet burch folgende Rede des Man ist sich eben im Lager der Volksparteiler nicht ganz klar. Noch mehr gilt das für das Zentrum und für die Wirtschaftspartei, für die der Bauernbündler Fehr sprach. Sowohl er wie der Zentrumsabg. Dessauer, der in funstvoll abgewogener Rede die Schwierigkeiten der eigenen Partei an= deutete, ohne sie jedoch deutlich auszusprechen, ließen durchleuchten, daß man zwar am Tarif mitarbeiten und ihn befchleunigen wolle, daß man in ihm aber noch nicht das ,, harmonische Ganze" sehe, das man von einem Zolltarif erwarte. Selbst wenn also die Regierung auf ihrer Absicht beharren sollte, den Tarif durchzupeitschen, so wird sie aus dem Lager ihrer eigenen Freunde manche ihr unliebsame Korrektur erwarten müssen. Nach der Begründung" der Vorlage durch den Reichsfinanzminister v. Schlieben, die wir in der Beilage wiedergeben, wird Die Sozialdemokratie wird aus der Uneinigkeit im bürgerlichen Lager ihre Schlüsse ziehen müssen. Sie wird ihre ganze Kraft dafür einsehen, daß der zynisch ausgeheckte Anschlag auf die Bolfsernährung, zu dessen Werkzeug die Regierung sich die Volfsernährung, zu dessen Werkzeug die Regierung sich auf den Befehl des Landbundes machen will, ebenso zu sammenbricht wie die Absicht, den Lebensnerv der Produktion, die deutsche Warenausfuhr, durch einseitige schutzöllnerische Bevorzugung der fartellierten Rohstoff- und Halbzeugindustrien abzuschneiden. Zum Schluß der gestrigen Sitzung gab es noch eine bewegte Auseinandersetzung. Namens der sozialdemokratischen Fraktion protestierte Gen. Breitscheid gegen eine auf heute Vormittag angesezte Sigung des handelspolitischen Ausschusses, in der der Zolltaris schon in Beratung gezogen werden sollte, obwohl die erste Lesung im Abg. Wiffell( S03): Ueberrascht bin ich über die außerordentliche Bescheidenheit, mit der der Herr Minister den Wunsch ausgesprochen hat, wir möchten diese Borlage möglichst i chleunigt noch vor den Sommerferien verabschieden. Hat er diesen Wunsch nur um deswillen in so bescheidener Form zum Ausdruck gebracht, weil die Regierung schon mit den Parteien, die hinter ihr stehen, über die Frage verhandelt hat, ob etwa diese Vorlage wenigstens in den Hauptabschnitten hier im Reichstag en bloc zur Verabschie= dung gelangen könnte? Bermißt habe ich in den Ausführungen des Herrn Ministers die Erörterung zweier ganz wesentlicher Punkte, einmal die Darlegung, weshalb diefe fleine Zolltarifvorlage denn erst jezt an den Reichstag gelangt, obwohl sie doch schon feit Monaten für die Verhandlungen über die verschiedensten Handelsabkommen sehnsüchtig erwartet wurde, gerade auch von den Bertretern der Reichsregierung bei diesen Verhandlungen. Zum anderen vermisse ich die Darlegung der Zielfezung der deut fchen Handelspolitik, die mit dieser Boriage erstrebt wird. Die Gesamttendenz dieser Vorlage ist doch eine fo ausgesprochen hechichutzöllnerische, daß den Worten der Begründung recht wenig Beweistraft innewohnt. Darum hätten wir vom Herrn Mi nister etwas Positiveres hören müssen. Die zum Schaden der Handelsvertragsverhandlungen verzögerte Einbringung der Vorlage hat schon im März den Reichswirtschaftsrat auf das lebhaftefte beunruhigt. Er hat damals gebeten, das Wirtschaftsministerium möchte doch schließlich auf das Ernährungsministerium drücken, daß die Frage der Getreidezölle erledigt werde, damit diese Vorlage vom Reichstag verabschiedet werden fönne. Schon im November hat er diesen Wunsch einstimmig geäußert, mit Zustimmung auch der landwirtschaftlichen Bertreter. Sie wollen Hergt hängen! Enttäuschte deutschnationale Wähler in der Wandelhalle des Reichstags. Das Interesse des Reichstages spaltete sich gestern zwischen den wichtigen Berhandlungen im Sizungsfaal und den dramatischen Borgängen, die sich mittlerweile in der großen Wandelhalle abspielten. Dem früher deutschnationalen Abg. Best war es mit Hilfe einiger Freunde gelungen, Deputationen der Berliner Sparer- und Hypothekengläubiger- Organisationen in großer Zahl in den Reichstag einzuführen. Die Deputationen verlangten stürmisch, die führenden Persön= lichkeiten der deutschnationalen Reichstagsfraktion zu sprechen, um sie an die Versprechungen zu erinnern, die sie ihnen vor den Wahlen über die Auswertung abgegeben hatten. Die Herren ergt und Graf. We starp waren besonders stark begehrt. Ein temperamentvoller alter Here mit Kriegsauszeid; nungen von 1870/71 im Knopfloch rief: Wenn man Herrn Hergt erwische, werde man ihn hängen. Dieser Ruf fand bei den anderen Deputationsmitgliedern, unter denen sich auch zahlreiche Frauen befanden, stürmische Zustimmung. Die beiden vielgesuchten Heiren hatten sich jedoch in ihre Arbeitszimmer zurüdgezogen und waren während der ganzen Sizung weder im Saal noch in der Wandelhalle zu sehen. Andere deutschnationale Abgeordnete, die die Wandelhalle passierten und das Unglück hatten, erkannt zu werden, zogen sich eiligst in die dem Publitum unzugänglichen Seitengänge zurück. Der deutschnationale Vizepräsident Graef Thüringen vollzog diejen strategischen Rüdzug mi: bemerkenswertem Geschick und lebhaft entschuldigenden Beitifulationen. Den Dienern, die diesen Rückzug dedien, wurde M „ Erst haben wir sie( die deutschnationalen Abgeordneten) gewählt, dann haben sie uns um unjer Geld gebracht, und nun dürfen wir nicht einmal mit ihnen reden!" Wie sehr die Rechtsregierung die Führung verloren hat, dafür gab es übrigens gestern ein anschauerflärt: liches Beispiel. Der Steuerausschuß des Reichstages hatte die Erhöhung der Bier- und Tabaffteuer abgelehnt. Der Finanzminifier glaubte aber, harauf nicht verzichten zu Pönnen. Ein Konflikt schien unvermeidlich. Den Ausmeg fand nicht die Regierung, sondern ihre Parteien, die jetzt einen Initiativantrag einbringen. Danach soll die Biersteuer um die teln und auf seine Taschen weisen, offenbar um zu bekräftigen, daß diese leer seien. Herr Bruhn enifloh mit hochrotem Kopf, während Köseworte, wie" Sump! Gauner!", hinter ihm herflangen. Um den Abg. Spuler sammelte sich ein dichter Schwarm, es murden Ansprachen an ihn gehalten, aus denen die Worte herausflangen: Zieht die schwarzweißroten Fahnen ein, unter diesen Fahnen habt ihr uns belogen und betrogen!" Die Besucher und Besucherinnen, wohl eina hundert an Zahl, versicherten übereinstimmend, daß sie allesamt bei den letzten Wahlen deutschnational gewählt und zum größten Teil für den Sieg der Deutschnationalen eifrig geworben hätten. Nun aber seien sie einfür allemal geheilt. Ihre konkreten Forderungen an die Deutschnationalen, die sie noch immer als ihre Abgeordneten betrachten, da sie ja ihrer Arbeit ihre Mandate verdankten, gingen dahin: Ablehnung des Regierungsfompromisses, Annahme des Beitschen Entwurfes, namentliche Abstimmung darüber und fein Fraktionszwang! Es versteht sich von selbst, daß es ihnen nicht gelang, bindende Zuficherungen in dieser Richtung zu erzielen. So lebhaft sich das Ganze abspielte, so muß doch festgestellt werden, daß kein deutschcationaler Abgeordneter tätlich bedroht wurde. Bon Worten abgesehen, die allerdings äußerst unfreundlich tlangen, hielten sich die Deputationen in ihren Schranken, und den Anordnungen der Reichstagsbeamten wurde willig Folge geleistet. Ueberhaupt hatte man den Eindruck, daß an diesen Szenen nichts Gestellies und nichts Gespieltes war, sie waren eben nichts anderes als der spontane Stimmungsausbruch von Leuten, die gläubig vertraut hatten und die sich nun maßlos betrogen fühlen. Die Hundert, die gestern im Reichstag erschienen, waren die Bertreter von Hunderttausenden, die noch im Herbst vorigen Jahres eifrige Apostel der Hergt- Partei gewesen sind, die sich aber Herr Laverrenz geriet arg ins Gedränge. Man jah ihn bei den nächsten Wahlen als flammende Anfläger gegen sie be inmitten einer erregt auf ihn einredenden Schar fich lebhaft schüttätigen werden. Nach den Erklärungen, die der Herr Vertreter des Reichswirtschafts- ministerimns im März im Reichvwirtschaftsministerium abgegeben hat, hat zwar das Wirtfchafts Ministerium sich mit allerstärfster Befürwertuno beim Ernährungsministerium dafür eingesetzt, daß diesem Wunsche des Reichswirtschaftsrats entsprochen wurde. Aber wie der Herr Vertreter des Wirtschaftsministeriums erklären mußte, war bis zum 10. März trotz wiederholter Erinnerung vom EriHährungsministerium keine Antwort beim Wirtschasts- mimstsrium eingegangen. Jedenfalls ist der Reichswirtschaftsrat erst vor einem Monat mit den Getreidezöllen befaßt worden. Weshalb ist nun die kleine Zolltarifvorlage erst jetzt an den Reichstag gebracht worden? Vell man meinte, unter dem Druck der Rotweadigkelt, zu einer sicheren verhandlungsgrundlaae mit den verhandlungs- gegnern kommen zu müssen, auch die Gekreidezolle bei dieser Vorlage mit durchdrücken zu können. Die Regierung hat um deswillen die Getreidezölle mit den Zöllen oerkoppelt, weil sie meinte, den Sonderwünschsn der Kreise Rechnung tragen zu müssen, die hinter ihr stehen, weil sie diesen Parteien die Getreidezölle bringen wollte. Sie mußte ja den Herren von rechts die Annahme auch ermöglichen: denn ahne die Getreidezölle würden sie ja die Zolltarifvorlage nicht annehmen. Die Getreidezölle find doch die Kompensation für Ihre Zustimmung (nach rechts) zu dieser Vorlag«.(Sehr wahr! links.) Freilich, wenn die Regierung diese Vertoppelung nicht vorgenommen hätte, wie würden dann wohl die Herren von rechts zu der A u ß e n p o l i t i k der Regierung so ruhig geblieben sein, wie sie es in diesem Jahre geblieben sind!(Stürmische Zustimmung links.) Diel« stillschweigende Zustimmung zu einer Politik, die nach Auffassung der Rechten das nationale Wohl gefährdet, die Zustimmung zum deutsch-spanischen Handelsabkommen, sie soll mit den Getreidezölle« bezahlt werden. Die Einkassierung dieses Kaufpreises beweist, daß es Kreise gibt, die das ualionale Wohl gar nicht kümmert, wen« nur Ihren Sonderinteressen Förderung zuteil wird. (Sehr wahr! links.— Unruhe rechts.) Der Verbindung der l.üetreidezöllc mit den Jndustriezöllen wegen hat«s denn der Herr Reichswirtz'chaftswinister ertragen, daß die Handels- rertragsoerhandlungen der letzten Monate durch das Fehlen einer gesetzlichen Grundlage auf deutscher Seite gefährdet und erschwert worden sind(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.), daß unseren Unterhändlern ein llalienischer llnlerhändler erklären mußte. wir missen ja gar nicht, was unser Angebot wert ist: denn ihr selbst wißt ja noch nicht einmal, welchen Zollsatz euer Reichstag endgültig in den Tarif hineinschreibcn will. Und der Herr Reichswirtschastsminister hat es ertragen, daß unser« Unterhändler bei den� handelspolitischen Verhandlungen in der gänzllch unmög- lichcn Situation gewesen find, verhandeln zu müssen und nur oer- handeln zu können auf der Grundlage� eines Zolltarifs, der nicht Gesetz war, und zu verhandeln auf Grund von Unter- lagen, die mit den Interessenten vereinbart sind.(Hört! hört! bei den Soz.) Es hat ganz den Eindruck, als wenn diese In- teressenten die Regierungsstellen so von ihrer Auffassung überzeugt haben, daß die Regierung jetzt ganz im Schlepptau der Znteressenlen segelt. Es hat den. Anschein, daß die Handelspolitik nicht von der Regierung, sondern von den Znt-ressenlen dirigiert wird. Meine Fraktion sieht in der Gestaltung der Handelspolitik eine der wichtigsten Entscheidungen, die für die zukünftig? Entwicklung der deutschen Wirtschaft getroffen werden kann, und die Handels- Politik erfordert eine streng sachliche, auch die Umänderungen und die Umwälzungen, die durch den Krieg eingetreten sind, be- rücksichtigende Behandlung, bei der aber vor allem die Interessen der breiten Schichten der Bevölkerung in erster Linie berücksichtigt werden müssen. Ein? sollte un» wundern, daß auch die Herren von der Deutschen A o l k s p a r t e i, die sich als Vertreter der Wirtschaft fühlen, sich so still unter dieses kaudinifche Joch der Verbindung mit den Deutsch- nationalen begeben haben. Sic, mein« Herren, die Sie wissen, was die Hinouszögerung des Handelsabkommens für die deutsche Wirt- schaft bedeutet/ lassen die Verkoppelung der kleinen Zolltarif- vorläge mit den durchaus nicht eiligen Getreidezöllen zu. Man mag vielleicht auch zu der Vermutung kommen, daß bei den Kreisen der Wirtschaft für dieses Stillschweigen in den letzten Monaten ein anderes Moment eine wesentlich? Rolle gespielt hat. Eni- sprach es etwa den Interessen der hinter Ihnen stehenden Kreise, die Veränderungen des deutschen Zolltarifs, die in der Inflationszeit durch ermächtigte und bevollmächtigte Gesetzgebung bewirkt worden sind, möglichst lange zu erhalten? Waren Ihnen oder den hinter Ihnen stehenden Kreisen die zahlreichen Zollerhöhungeu bis aufs Zehn- und Mehrfache der früheren Sätze etwa«in will» kommenes Geschenk, das die hinter Ihnen stehenden Kreis« so lange wie möglich sich zu erhalten suchten? Diese zahlreichen Zollerhöhungen durch ermächtigte und bevollmächtigt« Gesetz- gebung sind In der Oeffentlichkeit kaum beobachtet worden, und wir hoben Zölle erlebt, von denen man sagen muß, daß sie Vrohlbiilvzöllea gleichkommen. Hier liegt der Hauptgrund für die Tatsache, daß Deutschland heute sasi das teuerste Land in Mittel- und Westeuropa ist. Aber noch eine ander« Vermutung drängt sich geradezu zwin- gend auf. Nach den Londoner Vereinbarungen sollten die Der- Handlungen mit Belgien schon am 15. September vorigen Jahres, die mit Frankreich am 1. Oktober beginnen. Ich frage die Regierung: ist etwa der Umstand, daß diese Verein- barungen nicht zustandegekommen sind, nicht zustandegekommen sind infolge der fehlenden Grundlagen für feste Vereinbarungen auf deutscher Seite, dir«* oder indirekt schuld oder hat er dazu bei. getragen, daß die Lösung der Rävmoagsfrag« so erschwert worden ist? Wenn das der Fall wäre, dann würde mit den Interessen ein Spiel getrieben worden fein, wie es frevelhafter nicht würde ge- trieben werden können zugunsten einer kleinen Schicht. Herr Dr. S t r e s e m a n n hat im Mol auf der Tagung des Landesverbandes seiner Partei gemeint, in der Wirtschaftspolitik handle es sich darum, das Primat der Politik vor dem Veruss- tnteresse durchzusetzen. Das ist die Theorie, eine Theorie, so richtig. daß selbst die Vertreter einseitigster Lerufsinteressen sich mühen, diese Interessen als die der Allgemeinheit erscheinen zu lassen. Aber die Praxis sieht leider anders aus. Die Praxis sieht so aus wie dieser Zolltarif, der vom ein- seitigsten Verussinteresse nicht einseitiger hätte aufgestellt sein können.. Ein in seinem Sinn oft nicht zu erfassendes Aufeinandertürmen. eine Addition und eine Multiplikation der Zoll- fätze bis zum Doppelten, Dreifachen. Fünffachen, Zehnfachen, Zwanzigfachen, Dreißigfachen bis hinauf über das vierzigfache der bisherigen Zollsähe. Wenn Sie, meine Herren, eine derartige Erhöhung, für die in der Vorkriegszeit und in normalen Zeiten bei einer neuen ein- gehenden Prüfung kein Mensch zu haben wäre, verteidigen wollen. dann ist es geradezu unverständlich. Von den§24 Einzel- Positionen in den 448 Tarkfpositionen werden 746 geändert ocn der doppelten bis zur über vierzigfachen Höhe hinaus. 37 werden ermäßigt oder befreit. 74 neu mit Zollsätzen b«. lastet. Aus dieser Vorlage tritt uns eine ganz unverhüllte Tendenz bewußter Schutzzollpolitik entgegen. Schade, daß man der deutschen Regierung ein solches Verfahren, das Primat des Staates durchzusetzen, nicht patentieren kann. Und patentieren müßte man der Regierung auch den von ihr beschritten«» sicheren Weg, die deutsche Industrie dauernd konkurrenzunsähig zu machen. Sind schon die Zollsätze der vereinfachten und ermächtigten Gesetz- gebung jett der Stabilisierung zu einem Mittel geworden, manchem Zweige der Mrkschast geradezu ein Lokler- und ein Faulbett zu bereiten. auf dem sie technischen Fortschritt und organisatorische Verbesserungen unbeachtet lassen konnte, so werden diese Zollsätze es in noch viel, viel höherem Matze sein. Niemals hat der deutschen Wirtschaft der frische Luftzug der Weltkonkurrenz so uot getan wie heute. Selbst ein S t! n n c s hat vor eineinhalb Jahren als Mitglied Ihrer Partei in öffentlicher Erklärung das noch verkündet. Statt diesen Luftzug der deutschen Wirtschaft zu verschaffen, schließt man sie sorgfältig von ihm ab. Der Herr Minister Stresemann hat im Ueberseeklub Hamburg im April dieses Jahres gemeint, das Abschließen des deutschen Marktes durch Hochschutzzoll- Politik sei unmöglich. Ich bin gespannt auf seine Dialektik, mit der er den Nachweis führen wird, daß diese Auffassung mit diesem Zolltarif in Einklang steht.(Zurufe links: Der kann alles!) Wir jedenfalls maihen keine Polikik, die den technischen Fort- schritt hemmt und eine Bequemlichkeitsprämie darstellt. Wir lohnen es auch ab, auf die Argumentation hereinzufallen, daß die Ar- b e i t e r s ch a f t als Produzenten an hohen Industrie- zollen Interesse hätte, weil sie dann höhere Löhne bekäme. Wir lassen uns auch nicht durch die Warnung vor etwa kommender Arbeitslosigkeit auf«ine Hochschutzzöllnerische Bahn drängen. Sie (nach rechts) wollen den Staat für Ihre Interessenein- scannen, und das nennen Sie dann Freiheit der Per- sönlichkeit(sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.— Zurufe rechts), und für Herrn Stresemann ist es dann die Durchsetzung des Primats des Staates gegenüber den Berufsinteressen. Wir gehen auch nicht die Wege mit, die Produktionskosten der Industrie noch durch Agrarzöll« zu erhöhen und ihr damit die Möglichkeit zu nehmen oder zu erschweren, im Ausland Absatz für ihre Erzeugnisse zu finden. Heute, meine Damen und Herren (nach rechts), ist Ihrer Weisheit A und O: Getreidezölle und noch einmal Getreidezölle. Die fast einmütige Meinung der Wissenschaft wird in Ihren Kreisen verhöhnt als das Gerede von Kurpfuschern. Maine Herren, wo ist das landwirtschaftliche Hilfe- werk geblieben, das noch vor zwei, drei Iahren die land- wirtschaftliche Produktion steigern wollte? Das ist versunken und vergessen, weil Sie heute glauben, die durch die Aufwertungsver- sprechungen vorübergehend erlang!« Macht zu Ihrem vorteil aus- nutzen zu können.(Sehr wahr! links.) Niemand von uns wird bestreiten, daß es wünschenswert sei, auf eigenem Boden die Bs- völkerung zu ernähren. Aber dieses Ziel ist doch erst in weiter Sicht zu erreichen. Ich will Ihnen nur ein paar Zahlen vorlesen. In der Vorkriegszeit haben Sie es mit Ihrem Zollschutz nicht verhindern können, daß von Jahr zu Jahr eine immer größere Zahl von deutschen Einwohnern mit fremdem Getreide ernährt werden mußte. Dieses Verhältnis, das im Jahre 1912, abgesehen von allen anderen Nahrungsmitteln, fünf Millionen Deutscher von fremdem Getreide ernähren ließ, ist im letzten Jahre auf über zwölf Millionen angewachsen. Nicht die künstliche Förde» r u n g des gegenwärtigen Getreidebaus ist die beste Zukunftsstche- lung, sondern die bei einem Fehlen des Zollschutzes für Getreide sich unfehlbar einstellende Vermehrung der Viehhaltung, die rückwirkend auch wieder eine Steigerung des Getreidebaus zur Folge haben wird. Di« Steigerung'des Feldfutter- bans, die dann«intreten würde, diese intensive Grünlandwirtschast. vor allem die Einfuhr von Futtergetreide unh anderen Kraftfutter- Mitteln wollen Sie nicht, obwohl Sie gerade dem kleinere« und mittleren Besitz in der Landwirtschaft helfen und ihn vorwärt« treiben wollen. Aber gerade deren Interessen werden von der Re- giernng preisgegeben. Nur in einem einzigen Satz, bei 317 D, wird der phosphorsaure Kolk, der bei der Viehzucht so dringend benötigt« Fullerkalk, der heute frei ist. mit einem Zollsatz belegt, der den Preis um 50 Proz. in die Höhe bringt. Wenn es notwendig ist, dann scheuen auch wir uns nicht, den Konsumenten Opfer aufzuerlegen. und ich möchte gewissermaßen grundsätzlich von dieser Stelle aus sagen: müßte die Landwirtschaft ohne Schutzzoll zusammenbrechen oder würde eine erhebliche Extensioierung eintreten, dann mühte eine Belastung des Konsums, dann müßten Sonderoorteile für die landwirtschaftlichen Produzenten in den Kauf genommen werden. Aber so liegt es eben nicht. Wie falsch, wie grundlegend falsch sind die Behauptungen der Begründung gewesen. Das Verhältnis der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und landwirtschaftliche Bedarfsartikel sollte der Beweis einer ge- fährlichen, ständig sich verschärfenden Krise sein. Damals bekam man für 100 nur 75 der landwirtschaftlichen Bedarfsartikel. Warum hat die Regierung heute nicht wieder eine solche Rechnung aufge- macht? Hätte sie es getan, dann wäre nämlich der Beweis er- bracht worden, daß diese Behauptung von damals falsch bis in die letzte Einzelheit jedes Faktors dieser Rechnung gewesen ist. Die Regierung hat damals auf Jahr« hinaus mit einem Ueber- angebot an Weizen gerechnet. 6 bis 7 Millionen Tonnen sollten zu viel sein. heule haben wir eine Verknappung an Getreide, wie wir st« niemals für möglich gehalten haben. Die abnorme Preisbildung auf dein Getreidemarkt, deren ständige Verschärfung in Aussicht gestellt wurde, ist beseitigt Alles ist anders gekommen als es im vorigen Jahre von der Regie» rung behauptet wurde. Ale die Vorlag« im vorigen Jahre einge- bracht wurde, da kostete die Tonne Weizen 165 M. und der Roggen 136 M. Damals hatte die Regierung einen Zoll von 5 5 u n d 3 0 M. in Aussicht genominen. Wenn dieser Zoll sich in voller Höh« aus- gewirkt hätte— und das bezeichnete die Regierung damals als nicht einmal erwünscht—, dann würden die Getreidepreise 220 M. für Weizen und 186 M. für Roggen gewesen sein. heute kostet ohne Zoll der Weizen 265 2JL und der Roggen 211 M. Da» heißt: ohne Zoll heute 45 bzw. 25 M. mehr, als ihn die Regierung im vorigen Zahre als unerwünscht bezeichnet hattet Diese grundlegend anders gewordenen Verhältnisse werden heute von der Negierung unbeachtet gelassen. Die Regierung begründet die Zollvorloge mit der Bekämpfung der passiven Handels- bilanz. Minister R e u h a u s hat auf der Düsseldorfer Tagung des Vereins zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen Rheinlands und Westfalen« festgestellt, daß die Pasflvitöt der hondesbllanz nur das Korrelat der Versorgung Deutschlands mit aueläadischen Krediten noch Annahme des Dawes-Gutachlens sei. Ich würde als Minister meine Unterschrift unter eine Vorlage, die meiner wissenschasilichon Ueberzeugung widerstreitet, nicht geben. Der Herr Minister Dr. Neuhaus denkt anders oder er hat diesen Passus der Begründung nicht gelesen. Die Regierung kuriert an Symptomen. aber si« geht nicht aus die Ursachen unserer Nöte zurück, wenn si« meint, die Passivität der Handelebilanz durch Zollerhöhun- gen bekämvfen zu können. Zur Begründung führt sie auch an. die Zölle würden eine Stärkung des Inlandmarktes bewirten. Zölle bedeuten doch zunächst immer«ine Verteuerung: sie haben sicher keine wirtschaftlichere Produktion zur Folge. Wenn man uns nachweisen könnte, daß Industrie- oder Agrarzölle zu einer verbillig. ten oder vermehrten Produktion führen"würden, dann würden wir allerdings zustimmen. Vorläufig aber haben die Erfahrungen seit 1840, als List sich für die Erzieyungezöll? einsetzte, also die Ersah- rungen mehrerer Menschenalter, bewiesen, daß Zollschutz nur einzelnen privakkapilallslischen Znleressen der Industrie und Landwirtschast dient, denen aus Kosten der Allgemeinheit eine vor- zugsrenle gesichsrl wird. Eine solche Politik, eine Handel». Politik, die mit Zöllen unsere deutsche Wirtschast auf die Beine bringen will, lehnen wir ab, weil sie das Gegenteil von dem erreicht, was zu erreichen ihr Ziel sein müßte. Nicht Belastung des inneren Konsums, sondern Mindernag der Lasten durch Befreiung von den Zöllen, das muß die Aus- gab« sein. Die Wiedererstarkung der inneren deutschen Kaufkraft würde auch den Beschäftigungsgrad erhöhen und stärken und so eine Berbilligung der industriellen Produktion ermög- lichen, die ihrerseits wieder zu einer Steigerung der deutschen Aus- fuhr führen würde, die ja jetzt unter zu hohen inländischen Produk- tionskosten zu leiden haben soll. Was geschehen kann, um auch die AufnahmefähtgteitderLandwlrtschaft�ür industrielle Erzeugnisse zu steigern, da« hat zu geschehen. Aber wir werden uns auch jedem Weg und jedem Versuch widersetzen, diese Aufnahmefähig- keit auf dem Wege landwirtschaftlicher Zölle zu erreichen. Denn eine Steigerung der Ausnahmefähigkeit der Landwirtschast durch Zölle bedeutet eine noch viel größere S ch w ä ch u n g d e r S ch i ch t e n, die der Landwirtschaft nicht angehören, eine«chwächung, die größer ist als die Stelgerung auf der anderen Seite. Was die Landwirt- schaft an billigen technischen Produktionsmitteln gebraucht, das soll ihr werden. Dazu werden wir mit sorgen. Auch was dient, die- Mechanisierung der Landwirtschast zu erreichen, werden wir unter- stützen. Deshalb meinen wir, daß Zölle auf landwirtschaftliche Maschinen nicht gerechtfertigt sind. Seitdem die Zollvorlage angekündigt ist, erleben wir schon eine Preis st eigerung. wie man sie niemals für möglich gehalten hat. Es ist sicher, daß wir, wenn diese Vorlage Gesetz wird, den schwersten Zeiten im Innern entgegengehen. Soziale kämpfe. Lohukämpse der schwersten Art müßten entbrennen. Wie die gesundheitliche Gefährdung sein wird, hat Ihnen am vorigen Sonnabend mein Parteifreund Moses auseinandergesetzt. Unserer Ueberzeugung nach steht fest, daß die Vorlag« zum Fluche für das deulfche Volk werden wird. Und jene, die es mitbewirkt lKiben, das ein solcher Fluch das deutsche Volk treffen kann, weil sie auf Ihre Versprechungen bezüglich der Aufwertungen herein- gefallen sind, werden Ihnen das freilich niemals vergessen. Da heißt es nicht: versunken und vergessen, da heißt es: daran denken und immer daran erinnern. Glauben Sie es wirklich, daß Sie es einem der kleinen Sparer plausibel machen können, die Ihren Versprechungen ge- glaubt haben, daß er eine jährliche Belastung ollein bei Brot- getreide von 40 bis 4 5 Mark zu tragen haben wird? Glauben Sie. es einem K riegsbeschädigten verständlich machen zu können, der in der Sonderklasse O 100 Prozent er- werbsbeschränkt, eine monatliche Rente von 40,40 Mark bekommt? Glauben Sie es einer der Heimarbeiterinnen im Osten, Nordosten oder im Süden Berlins plausibel machen zu können, daß diese Brotverteuerung zwingendes Erfordernis ist? Das glauben Sie selbst im Ernst nicht. Ich habe selten eine Vorlage der Regierung an den Reichs- tag gesehen, deren Begründung so schwach war wie dies«. Schema?, und damit ist alles erschöpft! Nirgend- ein neuer Gedanke, nirgends eine neue Idee, Unvermögen oder, wenn ich höflicher sein will, Unwille, der gegen früher so wesentlich geänderten geographischen und internationalen wirtschaftspolttisthen Situation gerecht werden wollen! Weil im Ausland hohe Zoll- nmuern aufgetürmt wurden, weil ein Protektionismus sonder- gleichen dort Einzug gehalten hat, deshalb das gleich« auch bei uns! Die Regierung sieht nicht, daß diese Politik sich nicht halten kann, daß die' Bedingungen dafür gar nicht gegeben sind. Sie sieht nicht. daß die Länder, die uns umgeben, heute anders geworden sind, als sie früher waren. In diesen Ländern, die, wie z. B. Polen und die Tschechoslowakei, soweit Eisen in Frage kommt, haben eine zehnmal so große Produktionskapazität, kann sich dieser Protektiv- nismue nicht halten. Auch ein Deutschland, in dem für jeden Dritten die Frage der Ausfuhr eine Frage von Leben und Tod ist. kann die Grenzen seiner Wirtschast nicht über die Grenzen seines verstümmelten Gebiete« hinaus ausdehnen, wenn es sich mit selbst- errichteten Zollmauern umgibt. Damit verteuert es seine Lebenshaltung, erschwert e« seine Lage, verhindert es feine eigene produktlon. Ist es schon«in Wahnsinn, das kleine Gebiet Europa« in 2B oder nach mehr getrennte Territorien zu zerlegen, die gegenüber der geschlossenen Einheit in Nordamerika zur volligen Konkurrenz- unfShigtett verdammt sind, dann ist es, wenn es so etwas gehen tonnt«, geradezu kumulierter Wahnsinn, wenn diese Gebiet« sich nun noch selbst oom Auslände abschließen wollen. Wenn je die Zeit zu einer großen Idee gekommen ist, dann heute. Di« Idee ist da, nur müßte die Regierung sich zum Träger dieser Idee machen. Sagen Sie«» den Völkern, daß keine wirtschaftlichen Interessengegensätze der europäi- schen Völker vorhanden zu sein brauchen, daß der Er- folg jedes einzelnen Landes allein von der Tüchtigkeit und oom Wert seiner Leistung abhängt, daß die Auflösung der wirtschaftlich geschlossenen Einheften die Interessen der Völker Europas aus das mannigfachste gegenseittg verknüpft und damit die stärkst« Sicher- Heft gegen eine Wiederholung des Wettkrieges gibt! Wenn Sie so sprechen, werden Sie gewiß in den Massen zündenden Widerhall finden. Wo aber ist in dieser Zollvorlage auch nur die Spur von solchem Geist zu finden? wa» anderen Staaten zum Vorwurf gemacht wird, trabt Deutschland in verdoppeltem Maße. Statt den Versuch zu machen, die Zollmauer abzubauen, sst das A'und O auch der Regierungsweisheit: höher türmen, aufbauen! Wollen Sie wirklich etwas tun, was der deutschen Wirtschaft und dem ganzen deutschen Volk zum Nutzen gereicht, dann stützen Sie sich auf die Grundlagen, die Deutschland seinerzeit für die Frieden»- Verhandlungen gelten lassen sollte, auf den dritten der vierzehn Punkte Wilsons(Lachen rechts): Beseitigung aller«irkschastlichen Schranken, soweit si« möglich ist und Herstellung gleicher Handelsbeziehungen unter allen Völker»! Proklamieren Sie diese« Ziel, und es wird auf die Dauer durchzusetzen sein! Wir glauben absolut keine Illusionspolitik zu treiben, sondern Realpolitik nüchternster Wirklichkeit. Diesen Weg werden wir gehen, und wenn das Beschreiten dieses Weges am Verhallen der anderen scheitert, dann werden wir auch zu tun wissen, was dann im Interesse Deutschlands zu tun notwendig ist. Wenn sich die Regierung nicht aufrafft, diese Gedanken zu proklamieren, hoffen!- lich ist es dann der Reichstag, der dazu beiträgt, daß es anfängt zu tagen in den Köpfen derer, in die allerdings schwer das Licht ein- dringen tonn, weil ihre Köpfe durch die Eigeninteressen verkleistert und verklebt sind.(Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokraten und auf den Tribünen.) Späte Sühne. Drei Jahre nach der Ermordung Wallsr Rothenaus, am 26. Juni, beginnt vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Re- publik der zweite Rathenou-Prozeß. Er richtet sich gegen den Ober- leutnant zur See a. D. Günther Brandt aus Kiel und den Fabrikbesitzer Johannes Küchen meist er aus Freiburg a. d. Saale. Brandt hat vor der Mordtat entsprechend einem Auftrag des Mörders Kern gemeinsam mft dem MordgehUfen Techow von Küchenmeister das Mordauto besorgt. Die von dem Staaleanwalischastsrat Rückert vertretene Anklage lautet auf Vsr- brechen und Bergehen gegen die ZK 211, 49, 74 StGB, und gegen die Verordnung über den Waffenbesitz vom 13. Januar 1919, da bei Küchenmeister auch ein geheimes Waffen- und Munitionslager ent- deckt wurde. Unter den 13 Zeugen befinden sich auch 5 Angeklagte aus dem ersten Rathenou-Prozeß, und zwar Ernst Werner Techow, Tillessen, Plaß, Solomon. Steinbeck und Korvetten- kapitän A b e n d r o t h. Da Küchenmeister angeblich unter Dämmer- zuständen zu leiden hat, sind 3 Psychiater als Sachverständige ge- laden. »Ehrbare Kaufleute". Einige Fragen an Herr» Laverrenz. erhalten folgende Zuschrift, die sich mit den Der» i ultnifsen in der eingegangenen„N a t i o n a l p o st" des Herrn Laverrenz beschäftigt: Das Berliner Blatt der Deutschnatianolen Volkspartei, die ,.N a t i o n a l p o st" des Abgeordneten Laverrenz, ist vor einigen Tagen sanft entschlafen. Seltsamerweise haben nämlich alle Betteleien und Fußfälle des Herrn Laverrenz bei den Industrie- Magnaten der Rechtsparteien zwecks Sanierung der.Nationalpost" nicht den geringsten Erfolg gehabt, obwohl doch sonst die Herren Hugenberg u. Co. sich nicht so lange bitten lasten. Jetzt erst werden die Gründe für diese seltsame Zurückhaltung bekannt. Die Sperrung aller Subventionen für die.Nationalpost" ist zurückzuführen auf die einfach unglaublich klingenden, schon ans Groteske grenzenden Geschäftspraktiken dieses Blattes. Im Interesse der Säuberung des politischen Lebens wie auch im Interesse der aufs gemeinst« belogenen, betrogenen und schwer geschädigten Ange st eilten, Leser und Inserenten der.Nationalpost" unterbreiten wir heut« der Ocfsentlichteit einige Tatsachen aus der Fülle des uns zur Verfügung stehenden Materials. Vielleicht hat Herr Laverrenz, der ia als Mitgründer und Herausgeber der.Nattonalpost" für die standaläsen Zustände verantwortlich ist, die Liebenswürdig- keit, sich über diese Dinge einmal öffentlich zu äußern! Um ihm dies zu erleichtern, stellen wir einige Fragen an ihn: Zst es wahr. 1. daß Herr Laverrenz am vergangenen Mittwoch den An- gestellten usw. der.Nationalpost" mündlich und schriftlich mit- geteilt hat, er habe den Konkurs der Zettung angemeldet— ob- wohl dies« Mitteilung in dieser Form nicht den Tatsachen entsprach(stehe auch 11.)? 2. daß Herr Laverrenz den bisherigen Geschäftsführer der Zeitung, Rentsch, durch die Gesellschaft absetzen und sich selbst an dessen Stelle wählen ließ?(Warum übrigens?) 3. daß Herr Loverrenz der schwer ringenden.Nattonalpost' (als deren Herausgeber!) in den Rücken fiel, indem er durch sein« Partei in der parteiamtlichen Wochenschrift vor der eigenen Zeitung warnte? 4. daß Herr Laverrenz als Herausgeber der.Rationalpost" duldete, daß nicht die geringsten Steuern gezahlt wurden, daß den Angestellten zwar die Steuern von Löhnen und Gehältern abgezogen, aber nicht an die Steuerbehörde abgeführt wurden? 5. daß weder Krankenkassenbeiträge gezahlt noch Invaliden- marken getauft wurden? 6. daß den Angestellten noch nicht einmal ein Drittel des Maigehalt» ausgezahll wurde? 7. daß Angestellte, die ihren ärztlich angeordneten Erholungsurlaub antraten, zehn deutsche Reichsmark mit auf den Weg bekamen? 8. daß fast alle Mitarbeiter der Zettung seit Ro- vember noch kein Honorar erhalten haben— trotz un- zähliger Schreiben, Besuche und Bittgänge? 9. daß(statt dessen) der Geschäfteführerposten mit 64999 M. Iahresgehalt buttert wurde? 10. daß dar abgesetzte Geschäftsführer Rentsch, um einen Riesenskandal zu vermeiden bezw. zu verwschen, die Zügel wieder an sich gerissen hat und Herrn Laverrenz das Betreten der Zeitung s- räum« verbot? 11. daß in Wahrijett erst jetzt(Sonnabend) der frühere Ge- schäfteführer den Konturs angemeldet Hot? 12. daß dringende Schreiben der mit durchschnittlich eineinhalb Monatsgehältern rückständigen�) Angestellten an die maßgebenden Herren der Deutschnattonalen Partei einfach unbeantwortet blieben? Wir begnügen uns zunächst mit diesen Fragen an Herrn Laverrenz. Bei Gelegenhett wird noch ein Wörttein gesprochen werden müssen über andere, noch kompliziertere Dinge, z. B. über die Papiergeschäft« des Geschäftsführer« der.Nattonalpost", der ja auch Schatzmeister der Deutschnattonalen Partei war(!), über die der Druckerei Hempel immer noch nicht bezahlten 190090 M. Schulden, über die Sanierungsoerhandlungen und die feit Monaten bestehenden Pfändungen. Weiß Herr Laverrenz nicht auch Näheres über die neve „Zlalionolpost". die unter dem Titel.Deutfchmttlonal« Tagespost" gestern(Mittwoch) morgen zum ersten Mal« erschienen ist, und wer hinter diesem Unternehmen steht? Sind«igenttich die Verlagsrecht« der eingegangenen.Nattonalpost" schon ver- kauft worden— rechtzeittg vor Anmeldung des Konkurses, Herr Laverrenz? Soweit die Zuschrift. Wir haben im allgemeinen kein Interesse an der schmutzigen Wäsche der Deutschnattonalen. In diesem Falle— es handelt sich um das offizielle Organ der Deutschnattonalen in Berlin— liegt ein Interesse der Oeffentlichkeit vor. Herr Laverrenz wird sich konkret äußern müssen._ Tannenzapf entlarvt! Der Gefaährsmatt» der„Börsen-Zeitaua" und Staats- antvaltfchaft ein Erpresser! Die gestrige Abendsitzung des Preußischen Untersuchungsaus- schusses endete mit der völligen moralischen Vernichtung dr» Kronzeugen, von dessen phantastischem Geschwätz die Hetzpresse der Rechten wochenlang gelebt hol. Am Schluß eine« mehrstündigen bewegten Verhör« stand Herr Tannenzapf aus Stanislau da. ent- larvt als—«in gewöhnlicher Erpresser! Zunächst wurde durch die von der sozialdemokratischen Fraktion beantragten Zeugen Punkt für Punkt seiner Aussage widerlegt. Recht»- anwatt Bahn soll nach Tannenzapf 100 000 Gulden Honorar im Januar von Barmat erhalten haben. Der Rechtsanwall ist jetzt da. kein Wort von der Geschichte ist wahr! Die wertlosen Aktten der Donauländischen Werk« sollen nach T. mit S Millionen geschätzt nnd beliehen worden sein. Direktor L i ch t c n st e i n von der Merkur-Bank verweist diese Angaben ins Reich der Fabel. Ebenso die angeblich nach Holland verschobenen 3 Millionen Gulden. Kam- merzienrat Ma nasse, der Direktor der Treuhandgesellschaft, soll in Köln erklärt haben, die Barmat» hätten ihr Bermögen recht- zeitig nach Holland verschoben Der Zeuge Manass« erklärt, er habe derartige» nicht gesagt und auch nicht sagen können, denn ihm sei kein« Spur einer unredlichen Dermögensver- Schiebung durch die Barmat» zur Kenntnis gekommen. Heber die Berhaftung Tannenzapfs, die seinerzeit am Bahnhof Zoologischer Garten auf Antrag der Frau Barmat erfolgte, entspinnt sich ein« dramatisch« Auseinandersetzung, bei der der Vorsitzende Leidig den Zeugen zu retten sucht. Umsonst! Interessant ist nur ein« Fest- stcllung: Nach Tannenzapf» eigener Aussog« gaben die Polizei- beamten ihm, als die Abteilung l, des Polizeipräsidiums anrief und die Festnahme Tannenzapf, verlangte, de» Rot z» verschwi«. d« n, um dann, während T. noch in der Tür stand, der Abteilung I» mitzuteilen, daß Tannenzapf bereits entlassen sei! Aber der Höhepunkt dieser Vernehmung war es, als durch die Vernehmung des Direktors Schäffer von der Merkur-Bank sich fi lzendes herausstellte und von Tannenzapf bestätigt werden mußte: Tannenzapf wurde am 15. Januar 1925 von der Merkur-Bank wegen seines Verhaltens fristlos gekündigt. Er stellte darauf ganz unsinnige Forderungen, die er nach nnd nach auf 7400 IN. steigerte. Er gab der INerkur-van! bis zum 3. Februar Frist. Als er das Geld bis dahin nichl erhielt, ging er am 4. Februar zum Ehes- rrdakleur Dr. Oesterreich der»Lörfen-Zeitung". und am 5. Februar fetzte die Sensationstampagoe dieses Blattes ein mit seitenlangen Berichken und handbreiten Uebccschrislszeilen. wie:.Unser Gewährs- mann berichtel über die varmat-Sorrnptton." Und so sieht nun dieser Gewährsmann aus! Das ist der Urheber der Berichte, von denen die deutschnationale Presse wachen- lang voll war. Die Skrupellosigkeit, mit der die ganze Barmat- Hetze betrieben wurde, ist damit vor der ganzen Oessentlichkell festgestellt, nicht minder aber die Leichtfertigkeit einer Staatsanwall- schast, die, gestützt auf das Zeugnis eines Herrn Tannenzapf. Der- Haftung über Verhaftung vornahm. Höfles Toö. DaS Gutachte« des LandeSgesundheitsrates. Im Untersuchungsausschuß des preußischen Landtages hatte der Abg. Dr. Weyl beantragt, ein Gutachten des Landes. gcsundheitsrate», der höchsten Medizinalbehörd« in Preußen, einzuholen über die Frage: ob und inwieweit bei Vergiftungen be- wußtloser Personen die Anwendung de» Magen- s ch l a u ch e s oder einer Kochsalzinfusion möglich oder notwendig ist, uMer Berücksichtigung der im Fall« Höste gegebenen Komplikattonen. Der Medizinalrat Dr. Stürmer hatte bekanntlich den Hinweis des Genossen Weyl, daß er sowohl wie Dr. Thiel« bei der Behandlung des Schwererkrankten Maßnahmen zur Besettigung der eingedrungenen Gifte vollkommen unterlassen habe, erklärt, jede solch« Anwendung wäre ein schwerer Kunstfehler gewesen. Der Landesgesundheitsrat trat nun gestern unter dem Vorsitz seines Präsidenten, Ministerialdirektor Dietrich, im Wohlfahrts- Ministerium zusammen. Vom Hösle-Ausschuß wohnten der Sitzung bei Dr. W e st e r und Dr. Wey l. Berichterstotter waren der Leiter des Berliner Rettungswesen Dr. Frank. Die beiden toyitologischen Sachverständigen Prof. L e w i n und Prof. Joachim M o g l u, Geheimrat H i ß von der Chartte und der Breslauer Ge- richtsarzt, Geheimrat Puppe. Alle fünf Sachverständigen einigten sich auf ein Gutachten, wonach die Frage, die ihnen zur Begu:- achtung gestellt war, mit einem entschiedenen.Ja" b e- antwortet wurde. Damit Ist dem Untersuchungsausschuß ein Obergutachten erstklassiger Autoritäten unterbreitet, wonach lal- sächlich sowohl Dr. Thiele wie Medizivalrat Slörmer durch Richl- anwendung de« INageuschlauches usw. eine grobe Fahrlässigteil begangen haben... Das Neichswehruaglück vor Gericht. Auffällige Aussagen. Maden. 23. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am zweiten Tage nn Prozeß gegen den Oberleutnant Jordan wurde im wetteren Per. lauf der Verhandlungen Amtsgerichtsrat Middeldorf vernommen. Zeuge hat die ersten Vernehmungen geführt und im Benehmen mtt der Staatsamvallschaft die abgetriebene Fähre nach dem Unglück besichtigt. Leider habe die Technische Rothilse in ihrem llebereiser das geborgene wrack abmoukiert. so daß nichl mehr fest- zustellen war. in meübem Anstand sich die Fähre oach dem Unglück desaud. Man habe ein« neue Fähre Herrichten lassen und dabei fest- gestellt, daß«in solches Fahrzeug»empfindlich wie Apo» thekerware" ist. Ein einzelner Mann könne schon Schwan- tungen hervorrufen. Es ist dem Zeugen bei der Vernehmung der Pioniere ausgefallen, daß sie alle von einer Panik auf der Fähr« sprachen. Da die Ueberfahrt aber nur 20 Minuten dauerte, sei eine Panik gar nicht denkbar. Der Zeuge will den Eindruck gehabt haben. daß diese Aussagen der Pionier« verabredet waren. Ein anderer Zeug« näherte sich nach seiner eigenen Rettung mit einem Rettungs- boot einem noch bemannten Rest der Fähre. Als er das Wrack erreichte, stürzten sich sämlliche Leute in da» Rettungsboot, das da- durch zum Kentern kam. Di« Verhandlung wurde schließlich auf Mittwoch vertagt. * winden. 24. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der 3. VerHand- lungstag in Sachen des Dellheimer Unglücks brachte nichts wesentlich Neues. Di« vernommenen Zeugen bekunden durchweg alle über- einstimmend, daß die Föhre zum Teil gleich nach dem Ruf:»Wasser im Ponton" versackt sei, ohne daß gegebene Kommando« überhaupt noch ausgeführt werden konnten. Ebenso haben sich die Leute aus der Fähre nicht sonderlich bewegt. Gerettet wurden meist nur die- jenigen, die schwimmen tonnten. Der Bursche des Oberleut- nont» Jordan, Pionier Pap«, hatte sich am Ufer befunden und eine Anzahl Soldaten gerettet. Zeug« Unterfeldwebel Horath gibt an, daß ihm Oberleutnant Jordan den Befehl gegeben habe, oberhalb der Unglücksstell««inen Rettungstahn berett zu halten. Der Staatsanwalt stellt fest, daß nach der Vorschrift der Kahn unterhalb der Fähre Hütte liegen müssen. Bei dem Unglück haben die als Rettungstruppen«ingeteilten Leute de» Rettung»- kahnes in der Aufregung dann alle ihr« Plätze verlassen, sich unter- halb an den Rettungsarbeiten beteiligt und ein« Anzahl Leute ge- rettet. Zivilisten hatten inzwischen den Rettungstahn bestiegen und waren vom Ufer abgestoßen. Der Zeug« Meiling bekundet. daß sich das Publikum bei Abfahrt der Fähr« geäußert hätte: „Wenndasmangutgeht!" Er Hab« die Bedenken zerstreut, da die Scheuerleiste ja noch über Wasser lag. 10 Minuten später sei dann da« Unglück passiert. Erläuterung öer Paktnote. Von Deutschland erbeten«ud erhalte«. London. 24. Juni.(Reuter.) Die französssch« Regierung hat in Beantwortung von Anfragen der deutschen Regierung Erläute- rungcn zu der französischen Goroiiiiepaktnote gegeben. Diese Er- läuterungen, nicht zahlreich und offenbar nicht von weitreichender Bedeutung, sind der brittschen Regierung mitgeteill worden. Es ist jetzt in der offiziellen Sprach« nicht mehr von einem Sicherheitspakt. sondern von einem»Vertrag gegenseitiger Garantien" die Rede, da das Wort Pakt in Frankreich«ine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit dem V ö l t e r b u n d s pakt besitzt. programmüebatte in Srüflel. JaSpar gegen Bandervelde. Brüssel, 24. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der frühere Außen» minsster Jaspar wandte sich in der Kammer gegen die Ueber- nahm« des Außenminifterium» durch Bandervelde. Dieser biete keine genügenden Garantien, ausschließlich die Interessen Belgiens zu verfolgen. Seine Vergangenheit, feine Verbindung mtt der Internationale, machten ihn zu deutfchland- freundlich. Hab« doch Bandsrvelde sogar erklärt, er habe den Versailler Vertrag nur mit wichttgen Vorbehalten unterzeichnet, und auch das nur nach vorheriger ausdrücklicher Ermächtigung der belgischen Arbetterpartei. Heute, wo die deutsche Abrüstung nicht vollendet, wo der deutsche Eeneraljtab wiederaufgerichtet und wo Hindenburg Reichspräsident sei, wäre es für Belgien gefährlich, einen Außenminister zu haben, der die Ideale der Internationale mit den Interessen des Landes verwechsle. Die Rede Jaspar» wurde vielfach durch ironische Zurufe der Sozialisten unterbrochen. Ehamberlain beschulüigt üen Kreml. Als Anstifter der Ehina-Unruhen. London, 24. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Im Unterhaus wurde Ehamberlain gefragt, ob er Beweise habe, daß die Un- ruhen in China durch Agenten anderer Staaten verursacht und geschürt worden sind. Der Minister antwortet«, er glaube das, obwohl tatsächliche Leweise dafür nicht vorlägen. Nach einem WTB.-Bericht hat Ehamberlain dies« Frage geradezu bejaht. Gegenüber Lloyd George, der vermutlich gegen den Pakt reden wird, erinnerte Ehamberlain an Lloyd Georges Garantte- Pläne und hob hervor, daß ein einseitig gegen Deutschland gerichteter, ohne Deutschland vereinbarter Vertrag heute und in Zukunft für E n.g l a n d nicht mehr in Betrocht kommt. Ueber die Ehamberlain folgenden Redner war bei Redak- ttonsschluß ein Bericht noch nicht eingetroffen. Keine Isolierung Englanüs! Ehamberlain für den Sicherheitsvertrag. London, 24. Juni.(WTB.) Bor dichtbesetztcm Unterhaus er- öffnete heute Staatssekretär Ehamberlain die Besprechung der Garanttepaktfrage. Seine Ausführungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Heute kann sich keine Ration isolieren. Alles. was ernstlich den Frieden Europas berührt nmß jede Nation berühren. ob sie sich im Kriege befind« nicht. Zurückhaltung Großbritanniens insbesondere von der europäischen Angelegenheit habe niemal» den Interessen des Friedens gedient und werde ihnen niemals dienen. Seine Unterschrift unter der völkerbuadsatzung ist unvereinbar mll einer Zsotterung. Unsere Sicherhett liegt nicht im Tracht« nach einer unmöglichen Iso- lieruna, sondern in einem weisen und klugen Gebrauch unseres Einflusses unb unserer Macht, um den Frieden zu erhellten und um zu verhindern, daß wieder ein Krieg ausbricht. Es besteht noch kein Vertrag oder Vertragsentwurf, dem Unterhaus liegt nur eine vor- läufige Mitteilung darüber vor, wns nach Ansicht der verschiedenen Länder für sie zu übernehmen möglich sein würde und der Richtung, in der sie nach ihrer Anficht wetterkommen können. Englands neue Verpflichtungen müssen endgültig auf die Grenze zwischen Deutsch- l a n d, Frankreich und Belgien beschränkt werden und aus unsere Garantierung dieser Grenze darf fich niemand, der Unrecht tut, berufen, um bei seiner Rechtsverle�ung geschützt zu werden. Der Plan ist ein sehr großer Schritt in der Richtung auf die Ab- rüstung, da er zur Beseitigung der Furcht betträch. Furcht beherrscht jedes Land, und die Gefahren eines neuen Kampfes sind im Lauf« der Zett nicht geringer, sondern größer geworden. Zehk steht eine neue and vielleicht letzte Gelegenheit ossea. die aus die Initiative Deutschlands zurückzuführen und von Frank- reich in ftaundschostlichstem und versöhnlichstem Geiste aufgenommen ist. Wenn die großen Westmächte der Welt ein Beispiel geben, un* den Frieden zu erdalten und ihre Differenzen an ein Schieds- a« r i ch t zu verweisen, wer Sann dann sagen, welch« Wirkung dieses Beispiel auf die kleinere, Mächte haben kann, deren Streitig- ketten in der Bergaugenhett den Frieden und die Ruhe anderer Teile der Welt störten und deren Eifersucht sie n o ch h e u t« st L r« n. Diese Dorschläge bieten große und glückliche Aussichten auf ein« bessere, freundlicher« Well: sie werden isdoch zu nicht» führen ohne die britische Mitwirkung, um die er das Hau» und das Land im Interesse einer nationalen Politik bittet. Nach üem Kammervotum. Klärung erst bei der Finanzdebatte. Pari». 24. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Das genaue Ab- stimmungsergebni, zeigt, daß in der vergangenen Nacht bei der Abstimmung über die Priorität der vom Linkstartell eingebrachten Tagesordnung 66 Sozialisten, darunter Blum, Auriol, Renaudel, Narenne und Paul Boncour für die Regierung, zwei gegen sie ge- stimmt und 37, darunter Eompere-Morel. Buisson, Faure und Prsssemane sich der Stimme entholten haben. Falls es nicht, wie allgemein erwartet wird, in den nächsten Tagen bei der Finanz- debatte zur anderweitigen Klärung der innerpolitischen Situation kommt. Dürste der Nationalrat der Partei einberufen werden, um über die Frage der Unterstützungspolittt zu entscheiden. Tie Kämpfe in Marokko scheinen wieder größer« Aktivität angenommen zu haben. Der amtliche Bericht spricht von einem heftigen Angriff der Etrettkräste Abd el Krim? nördlich von Uezza: dies« Ossensiv« sei abgewiesen worden, aber die dort stehenden französischen Truppen. deren Verproviantier ung außerordentlich schwer geworden sei, haben ihre Positionen nicht zu bchcnipton vermocht. Im Süd- osten von Uezza hat die Armee Freydenberg eine Gegenoffen- s i v e unternommen. Aus spanischer Quelle wird gemeldet, daß die von der spanischen Regierung auf offiziösem Wege eingeleiteten Friedensver- Handlungen mit Abd el Krim gescheitert sind. Der spa- nische Unterhändler ist am Mittwoch nach Madrid zurückgekehrt, um das negative Ergebnis zu berichten. Die geplante Marineaktion gegen die Bai von Alhucemas, die wegen dieser Berhondlungen hinausgeschoben war, soll in der ersten Iuliwoche beginnen. Die spanische Flotte soll bei Algeciras konzentriert sein, um dann die Landung der Truppen zu sichern. In Paris und Umgebung, wurden 198 Haussuchungen bei ausländischen Kommunisten vorgenommen, daninter 180 bei Chinesen, 16 bei Russen und 2 bei Italienern. 15 Kommunisten wurden ausgewiesen. Dokumente von Bedeutung wurden nicht aufgefunden, nur solche geringfügigen Inhalls beschlagnahmt. Bei dieser Gelegenheit erfährt man, daß in Paris zwei chinesisch« Kommunistenzeitungen herausgegeben werden: ihre Redakteure sollen demnächst vor Gericht gestellt werden. Gefangene Rifkabplen in der Pfalz. Mannheim, 24 Juni.(WTB. aus..N. Mannh. Ztg.") Am 12. Juni trafen auf dem Bahnhof Saarbrücken etwa 60 in Marokko oefangene Rifkabylen unter starker militärischer Bedeckung«in und sind in die Pfalz, vermutlich nach Zweibrücken, weitsrtransporticrt worden._ Außenminister Dr. INalaja hat auf die Protest« gegen seine Pariser Reise diese um«inen halben Tag verschoben und erst die Zustimmung des Ministerrats und der Mehrhettsführer eingeholt. Als Reisszweck gab er an: lediglich Vorbesprechung mit den zwei Professoren, die der Völkerbund den Wirtschastsstand Deutschöstcr- reichs untersuchen läßt. ver bulgarische Bandit Gaaefs, der fett längerer Zeit die Segend von Easkovo und Lirdjalü unsicher machte, wurde mit neun setner Genossen in der Nähe des Dorfes Susam« umstellt. Es kam zu einem Kugelwechsel, bei dem Ganefs und sieben Mittäter getötet wurde«. Gewerkschaftsbewegung Die Rechtlosigkeit in Sowjetrußland. Kommunistischer Gewerkschaftsführer unter Zenjur. Der Vorsitzende des ruffischen Eisenbahnerverbandes, Andrejem, Borstandsmitglied des Zentralrats der russischen Gemertschaften, einer der Sekretär der Zentrale der Kommunistischen Bartei Rußlands, hielt vor einiger Zeit in einer Sitzung des erweiterten Borstandes der Eisenbahner einen Vortrag über die gegenwärtige Lage und die nächsten Aufgaben der ruffischen Gewerkschaften. Am 2. April ist der Vortrag im„ Budot", dem vom Eisenbahnerverband herausgegebenen Tageblatt, erschienen; die Nummer der 3eitung wurde aber so ifort beschlagnahmt, der Einlagebogen mit der Rede Andrejems herausgenommen und vernichtet und erst dann die Zeitung zur Verbreitung ausgegeben. Der Vortrag Andrejews wurde dann frisiert und am 3. April in einer neuen Fassung in derselben Zeitung veröffentlicht. aber sofort beschlagnahmt, der Einlagebogen mit der Rede Andrejews in ihrer ursprünglichen Fassung sind aber doch in Berkehr gelangt. S Selbst in seiner zensierten Fassung wirft dieser Vortrag ein grelles Licht auf die Verhältnisse in den russischen Gewerkschaften. Der Referent spricht von der Passivität der Arbeitermassen, von der Herrschaft der Gemert schaftsbureaukratie, die die Versammlungen der Mitglieder des Verbandes zu einer bloßen Formalität herab. drückt, ohne den Verbandsmitgliedern die Möglichkeit zu gewähren, ihren Willen zum Ausdruck zu bringen. So heißt es in der Rede: Ich habe genügend Beobachtungen gemacht, wie man die Vorsitzenden und die Leiter der Versammlungen in den Werkstätten wählt. Wer wird als Vorsitzender der Versammlung gewählt? Die höchsten Beamten des betreffenden Gouvernements oder Ortes: der Sekretär bes Gouvernementstomitees, der Vorsitzende des Verbandsfomitees, der Sefretär des Bezirksbureaus, des Zentralfomitees ujm., statt daß man einen porgeschrittenen Arbeiter mit eigener Initiative wählt. Welcher Arbeiter wird nun auf die Tribüne lettern, wenn er sieht, daß so hochgestellte Bersonen am Borstandstisch ſizen? Unsere Genossen jedoch übersehen dies alles und glauben, daß darin die Leitung der breiten masse bestehe. Sehr häufig lassen sich unsere Gemertschaftsfunttionäre bei der Durchführung ihrer Anträge in den General versammlungen nicht davon leiten, daß diese Anträge wirklich von der Majse verstanden und ihr erläutert werden, für sie ist vielmehr das Bestreben maßgebend, daß ihr Antrag, foste es, was es wolle, durchgedrückt wird, und deshalb fürchten fie vor allem eine lebhafte Erörterung. Aus diesem Grunde ist die einstimmige Annahme dieser Anträge oder dieser Listen bei den Wahlen häufig nur eine einfache For malität und feineswegs ein Bemeis für die Anteilnahme der breiten Massen an diesen Abstimmungen. Es ist aber besonders interessant festzustellen, was in der zweiten Fassung der Rede Andrejews unterdrückt ist und worüber ein russischer Gewerkschaftsführer, mag er selbst einer der Gewaltigen der kommunistischen 3entrale sci, öffentlich nicht frei reden darf. In der nicht zensierten Fassung seiner Rede findet Andrejem scharfe und treffende Worte, um die Rechtlosigkeit der rbeitermassen zu schildern: Meiner Auffassung nach müssen mir offen anerkennen, daß auf unseren Eisenbahnen beim Abban der Angestellten und Beamten und bei Entlassungen aus diesen oder jenen Gründen einfach unerhörte Zustände herrschen. Ich kenne Fälle, mo Leute entlassen wurden, weil sie feine Mitgliedsbeiträge für die Rote Hilfe entrichteten, und ähnliche blödsinnige Fälle mehr. Deshalb glaube ich, daß 50 v. H. der Schuld an diesen unerhörten Zuständen der Lässigkeit des Verbandes zuzuschreiben sind." Scharf geißelt der Redner den Feldzug, der systematisch gegen den Arbeitslohn geführt wird und in unzähligen Abzügen Dom. Lohn bald für die„ Rote Hilfe, bald für den Bau der Luftflotte usw. seinen Ausdrud findet: ,, Nehmen wir nun die Frage der Arbeitslöhne. Ich frage Sie auf Ehre und Gewissen, ob wir wirklich die Arbeitslöhne schüßen oder den Arbeiter wie in früheren Zeiten aus plündern? Ich bin der Ansicht, daß wir ihn nach wie nor ausplündern. Ihr schüttelt den Kopf, ich sage aber, daß wir die Arbeiter entweder ausplündern oder bei dieser Aus: plünderung mitwirken." Der Redner schilderte, wie er es vergeblich versucht habe, die Gewerkschaften durch die Presse zu bewegen, den Bureaufratismus in den eigenen Reihen zu bekämpfen. „ Ich habe aus Anlaß dieser Frage einen Artikel in der Bramba" veröffentlicht; ich glaubte, daß dieser Artikel der Sache einen fleinen Anstoß geben werde, meil die Frage von altuellem Interesse ist. Aber bisher hat sich noch feine einzige Organisation ans Wert gemacht. Mir ist im Gegenteil ein Haufen unterbrüdter illegaler Briefe aus der Redaktion der Bramda" zugesandt worden, in denen meinem Artitel zugestimmt murde." Der Redner wies darauf hin, daß die schwere wirtschaft liche Lage der Eisenbahner sie daran hindert, sich an der Tätigkeit des Verbandes aftin zu beteiligen: Die wirtschaftliche Lage des Eisenbahners ist außerdem viel zu schmer, als daß er voll und ganz am öffentlichen Leben teilnehmen fönnte. 3u dem niedrigen Arbeitslohn tommt noch die ständige Drohung des Abbaus hinzu." Böllig sind diese Säge allerdings nicht unterdrückt worden. Was Ht aber von ihnen in der frisierten Fassung geblieben? gebaut zu merden. Charakteristisch sind auch zahlreiche meitere Aenderungen in dem Vortrag, die Furcht, das Wort Demotratte zu oft gebrauchen zu lassen( völlig läßt es sich nicht mehr ausrotten, so sucht man wenigstens seinen Gebrauch einzuschränken). Der ganze Borgang mit dieser unterdrückten und später zensierten Rede illustriert grell das System der Rechtlosigkeit, unter dem die russische Arbeiterklasse leben muß. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Uber nicht bei E. Zwietusch u. Co. Die Arbeiterschaft der Firma E. Zwietusch u. Co. G. m. b. H., in Charlottenburg, hat sich aus eigenen Mitteln eine Fahne anfertigen lassen, auf die fie folgende Inschrift stiden ließ: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. E. 3mietusch u. Co., Charlottenburg. Dies erfuhr die Geschäftsleitung und sie ließ den Fahnenwart, der zugleich Obmann des Betriebsrates ist, wissen, er habe mit der Fahne zu erscheinen. Große Entrüstung, als die Fahne vorgelegt wurde. Man denfe sich: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Darunter der Name der Firma! Konnte man nicht annehmen, es sei die Firma, die für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit eintritt? Und noch dazu auf einer roten Fahne! Da man der Firma nicht zumuten kann, in den Verdacht" zu fommen, für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einzutreten, wäre sie berechtigt gewesen, von der Arbeiterschaft zu verlangen, die Inschrift zu ändern. Statt dessen machten sich die beiden Firmeninhaber eines Eigentumsvergehens schuldig, indem fie die Fahne einfach sagen wir nahmen. Damit nicht ge: nug, legten sie dem Betriebsrat einen Revers zur Unterschrift vor, um die Angelegenheit außergerichtlich zu regeln, indem sich der Betriebsrat verpflichten sollte, die Worte E. Zwietusch u. Co." von der Fahne innerhalb vier Wochen entfernen zu lassen und die Fahne bis dahin nicht zu benutzen. Bis zur Entfernung der inder Firma". friminierten Borte bliebe die Fahne jedoch im Gewahrsam Wie die Entfernung der inkriminierten Worte im Gewahriam der Firma" entfernt werden sollen, das anzugeben haben die Firmeninhaber jedoch vergessen. Darüber hinaus soll der Betriebsrat der Firma das Recht anerkennen, fie fristlos entlassen zu dürfen, wenn die vorgezeichneten Bedingungen nicht erfüllt würden. AußerGeschäftsleitung vorgelegt werden. dem müßte die Fahne nach Anbringung des neuen Tertes de r Wir sind der Meinung, daß sich da die Inhaber der Firma E. Zwietusch u. Co. einer Reihe von Bergehen schuldig gemacht haben, die nicht nur gefezwidrig sind, sondern sie auch für immer vor dem Verdacht schützen, irgend etwas mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu tun zu haben. Der Streit im Altmetallhandel geht weiter. Seit Freitag voriger Woche stehen die Arbeiter im It. metallbandel im Streit. Verhandlungen, die am Freitag stattgefunden haben, führten zu feinem zufriedenstellenden Ergeb nis. Am Dienstag fanden auf Veranlassung des Schlichters abermals Verhandlungen statt. Nach stundenlangen Beratungen erflärten sich die Arbeitgeber bereit, 3 M. je Woche Lohnzulage zu bewilligen. Die Säße liegen aber wesentlich unter den sonst üblichen Säßen des Transportgewerbes. Das Angebot wurde daher als zu gering bezeichnet. Eine Berständigung war nicht au erzielen. Die Arbeitnehmer lehnten das Angebot einstimmig ab und beschlossen, weiter im Streit zu beharren. Zu erwähnen ist noch, daß die Firmen, die dem Berliner Arbeitgeberberband angeschloffen find, die berechtigten Forderungen der Arbeitnehmer ab-. lehnten, während die unorganisierten Firmen die Forde rungen refilos anerkannt haben. Der Merger der Durchgefallenen. Aus der Knorr- Bremse, Oberspree, wird uns geschrieben: Zum dritten Male innerhalb eines fnappen halben Jahres be schäftigt sich die Rote Fahne" mit dem Betrieb Knorr- Bremse, Oberfpree. In der Nummer 131 vom 12. Juni wird gleich eine ganze Spalte gebraucht, um die angeblichen Mißstände aufzudecken, die durch das Verschulden der SPD.- Funktionäre, insbesondere aber des Betriebsratsvorsitzenden Rohnte entstanden sein sollen. Es verlohnie fich faum, auf die Sudelei einzugehen. Niedriger gehängt zu werden verdient aber doch, in welch hahnebüchener Art hier gelogen und verleumdet wird. Borweg die Feststellung, daß vor der Neuwahl des Betriebsrates Ende März d. J. die Wortführer der„ Opposition" dem alten Betriebsrat und besonders dem Vorfizenden R. ausdrücklich erklärten, daß an der Geschäftsführung feinerlei fachliche Kritik geübt werden könne. In den Artikel wird behauptet, daß oppositionelle" Kollegen, die sich im Interesse der Belegschaft betätigen, gemaßregelt würden. Zum Beweis für diese Behauptung werden die Namen von 4 Kollegen angeführt, die in den letzten Monaten zur Entlassung tamen. Hierzu ist zu bemerken, daß des öfteren zur Vermeidung von Ueberstunden auf Verlangen des Betriebsrates eine 2. Schicht vorübergehend eingelegt wurde. Diese 2. Schicht wurde dann nach Erledigung der Mehrarbeit wieder entlassen. Dabei ließ es sich beim besten Willen nicht vermeiden, daß unter ungefähr 50 Entlassenen auch einige Kommunisien waren. Wie diese oppositionellen Kollegen aussahen, dafür einige Beispiele: Der in der„ R. F." benannte Revisor Sch. erfundigte sich in einer Betriebsversammlung bei einem SPD- Kollegen, ob er es wagen tönne, in der Versammlung zu sprechen, ohne sich bei der Direftion unbeliebt zu machen. Der Revolverdreher K., ein besonders radikaler Kommunist, hat mit seiner Arbeitskraft in unerhörter Weise Raubbau getrieben. Im Sperrdruck heißt es, daß die Ueberstunden einen erschrecken den Umfang annehmen, und daß in Abteilungsversammlungen der Betriebsrat für Ueberstunden spreche. Dazu folgende Feststellung: Die Arbeitszeit beträgt 48 Stunden wöchentlich. Ueberzeitarbeit ist in den letzten 1½ Jahren nur in ganz wenigen Ausnahmefällen geleistet worden. Wenn in einem Falle in einer Abteilung in größerem Umfange Ueberstunden 3 Bochen lang geleistet wurden, so geschah dies gegen den Willen des Betriebsrates. Es ist auch noch nie von den KPD.- Kollegen dem Betriebsrat der Vorwurf gemacht worden, daß er für Ueberstunden eintrete. Wenn dann weiter gesagt wird, daß gute Anregungen von dem Obmann des Arbeiterrats in 5 Minuten abgemürgt würden, so ist Charakteristisch ist diese Abschwächung und dieses Zaudern felbft damit gesagt, was der Zweck der ganzen lebung ist. Die„ guten vor der Erwähnung der Tatsache, daß der russische Eisen Anregungen" bestehen nämlich aus den fast täglichen Aufforderungen, bahner jederzeit der Gefahr ausgesezt ist, abzu irgendwelchen politischen Ereignissen im Betriebe Die wirtschaftliche Lage des Eisenbahners ist noch zu schwer, als daß er sich voll und ganz im öffentlichen Leben entfalten fönnte. Aber diese wirtschaftliche Lage beffert sich und wird sich auch weiter verbessern." EMS SCHUTZ- MARKE Emser Wasser ( Kränchen) Emser Pastillen Emser Quellsalz Uch hältlich Stellung zu nehmen. Dazu haben sich die Funktionäre des Werkes nie hergegeben. Insbesondere hat es der Arbciterrat ftets entschieden abgelehnt, im Betriebe die Partei= But einiger besonders tüchtigen" Moskaujünger, deren Vorhaben, geschäfte der KPD. zu verrichten. Aus der ohnmächtigen sich bei der KPD.- Zentrale beliebt zu machen, im Betrieb KnorrBremse, Oberspree, immer wieder zunichte wird, erklären sich die Artifel in der„ R. F". Zum Schluß noch eine Bemerkung. Erheiternd hat bei den meisten Kollegen gewirkt, daß die R. F." erklärt, die klassen= bewußte Arbeiterschaft müßte daran denken, von außen her auf die Belegschaft des Werkes einzuwirken. Wie stellen sich die Revolutionsstrategen diese Einwirkung vor? Will sich etwa der Hindenburg- Transportarbeiter Thälmann mit seinem Roten Frontfämpferbund nach der Knorr- Bremse, Oberspree, in Marsch sezen? Arbeitsvermittlung und Notstandsarbeit. Uns wird geschrieben: In den Richtlinien für Notstandsarbeiter", herausgegeben vom Preußischen Wohlfahrtsministerium und veröffentlicht in Nr. 289 des Borwärts", wird über un genügende Leistungen der Notstandsarbeiter geklagt. Als Grund wird angegeben, daß die mit Notstandsarbeiten beschäftigten Erwerbslosen bestrebt gewesen seien, ihre Leistungen der bisherigen niedrigen Entlohnung anzu paffen. Das mag zum Teil zutreffen. Niedrige Entlohnung ist noch nie ein Anjporn zu außerordentlichen Leistungen gewesen. Aber den Kern der Sache trifft dies nicht. Ursache der ungenügenden Leistung der Notstandsarbeiter ist vielmehr, daß zum Teil, wenn nicht zum größten Teil, ungeeignete Kräfte für Notstands( d. h. Erd-) arbeiten herangezogen werden. Von den Unterftügung beziehenden Erwerbslosen wird diese Arbeit fategorisch ver langt, ohne Rücksicht auf Beruf, Alter und förperliche Eignung. Wer erklärt, diese Arbeiten nicht machen zu können, dem wird die Unterstügung gesperrt und er wird aufgefordert, sich vom Gewerbearzt untersuchen zu lassen. In Berlin wurden in den letzten Wochen Hunderte, vielleicht Tausende dazu aufgefordert, und der Gewerbearzt hat sich bereits ein allzuviel verbeten. Wenn der Andrang bein Arzt zu groß ist, werden die Erwerbslosen zum Wiederkommen an einem anderen Tage aufgefordert und sie können dann oft fünf bis sechs Stunden, manchmal auch noch länger auf die Untersuchung marten. Biele ziehen deshab vor, um den Scherereien aus dem Wege zu gehen, die Notstandsarbeiten anzunehmen, auch wenn sie ihr nicht gewachsen sind. Sie arbeiten dann, so gut oder so schlecht, so lang oder so turz es geht, und die Folge ist natürlich eine mangelhafte Leistung der Gesamtarbeiterschaft. Stellt aber der Arzt die Unfähigkeit zur Erd- und Notstandsarbeit fest, dann ist es gewöhnlich mit der Kunst der Arbeitsvermittlung zu Ende. Der Betreffende erhält die ungenügende Unterstützung weiter und wird im übrigen seinem Schicksal überlaffen. Ob mit einem derartigen Vorgehen dem einzelnen und der Allge= meinheit gedient ist, kann doch wohl mit Recht bezweifelt werden. Not tut, daß bei der Arbeitsvermittlung mehr als bisher indipiduell verfahren und für erwerbsbeschränkte Personen mehr als bisher paffende Erwerbsmöglichkeit geschaffen wird. Notstands arbeit in bisheriger Weise ist sozial und wirtschaftlich unfruchtbar! Trohender Lehrerstreit in Oesterreich. Wien, 24. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Freitag halten die niederösterreichischen Bollsschullehrer in der Volksballe des Wiener Rathauses eine Protestversammlung ab, da ihre Gehaltsforderungen nicht erfüllt wurden. Sie wollen am Freitag in ganz Niederösterreich streiken. Litauen verzichtet auf Arbeitervertreter. Kowno, 28. Juni( DE.). Da trotz der sozialdemokratischen Warnung die Regierung den Parteisekretär der christlichen Arbeiter Ambrosaitis neben dem Regierungsvertreter Dr. Saunius als r beitervertreter zur Genfer Arbeitsfonferenz gesmidt hatte, hat die litauische Sozialdemokratie dem Arbeitsamt des Völkerbundes einen Bericht über die Verfolgung der Gewerkschaften in Litauen zugehen lassen. Auf Grund dieses Berichts haben die Vertreter Frankreichs, Lettlands und Belgiens einen Brotest beantragt, worauf die beiden genannten Vertreter Bitauens auf ihre Mandate berzichteten. Der Arbeitskonflikt im englischen Bergbau. London, 24 Juni.( TU.) Der Kündigung des Arbeitsvertrages im englischen Bergbau seitens der Arbeitgeber und der bevorstehenden Konferenz aller Arbeiterverbände legt man die größte Bedeutung bei. Der gewerkschaftliche Mitarbeiter der„ Daily News" hält den Konflikt für nicht so bedrohlich. Der Sekretär der Bergarbeitergewerkschaft hätte fich für Verhandlungen mit den Arbeitgebern ausgesprochen. Allerdings wäre er für ein völlig neues Arbeitsabkommen eingetreten. Der Erekutivausschuß der Bergarbeiter beschäftigt sich heute mit den Grundlinien der Verhandlungen, die er der Delegiertenfonferenz unterbreiten will. Auf dieser soll die Verhandlungsbasis gemeinsam festgelegt werden. Das Unterkomitee der Bergwertsbefizerorganisationen ist ebenfalls zusammengetreten. Morgen wird das Zentralfomitee seine Beschlüsse fassen. Achtung, SPD.- Metallarbeiter, Generalversammlungsdelegierte! Ale SPD. Delegierten müssen ant Freitag zur Generalversammlung gehen. Die Ronferenz der Partei ist von solchen Genoffen zu beschicken, die nicht Delegierte find. Das Betriebssekretariat. Deutscher Bangemertsbund, Fachgruppe der Töpfer. Freitag 5½ Uhr Mitaliederversammlung bei Bätsch, Landsberger Str. 31. Die Fachgruppenleitung. Af- Funktionäre her Metallindustrie. Die endgültige Entscheidung des RAM. über den Schiedsspruch vom 23, Mai liegt nunmehr vor. Die AfAFunktionäre werden am Freitag abend 6% Uhr im Reid) stafino, Reue Rönig ftraße 26, om Aleranderplan, zu der Gifuation Stellung nehmen. Bei der Bichtigkeit der Tagesordnung ilt pünktliches Erscheinen a II er. Af- funkfionäre unbedingt erforderlich. Die Mitglieder des AfA- Metalfartens treffen sich bereits um 5% Uhr im gleichen Lotal. AfA- Metalferte: Günther, Lange, Rothe. Wetterbericht für Berlin und Umgegend: Zeitweise heiter, vorübergehend stärker bewölft bei wenig geänderter Temperatur. Seine erheblichen Regenfälle. Für Deutschland: Im Küstengebiet größtenteils bewölkt und zeitweise leichte Regenfälle, in Mittel und Süddeutschland meist frođen. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frih Karstäbi; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Sieran 2 Beilagen ,,, Unterhaltung und Wissen" und Frauenstimme". und Berlagsanstalt Beul Singer u. Co., Berlin G. 68, Lindenstraße 3. Bad Ems Empfohlen von den bedeutendsten Aerzten durch die Jahrhunderte bei Erkrankungen der Luftwege( Katarrhen, Asthma, Emphysem, Folgezuständen von Grippe, Rückständen von Lungen- und Rippenfellentzündung), Katarrhen der Verdauungs- und Unterleibsorgane, Frauenleiden, Herz- und Kreislaufstörungen, Gicht und Rheumatismus. Natürliche kohlensaure Bäder, Inhalatorien, Pneumatische Kammern, Staatliche ärztliche Untersuchungsanstalt mit den neuzeitlichsten Einrichtungen. Alle Kurmittel, Vielseitige Unterhaltungen und Sport jeder Art. 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Bis vor kurzem galten sie aber als Brutstätten neuer Verbrecher. Und heute? Der moderne Strafvollzug will den Menschen bessern. Lehrer, Gefängnisbeamte, Geistliche und selbst spezielle Fürsorger haben die Aufgabe, an der inneren Umwandlung des Gefangenen zu arbeiten. Die Einsamkeit der Zelle, das Gefühl der Berlaffenheit, macht ihn bem Mitempfinden und dem verstehenden Worte zugänglich. Reue über ein verfehltes Leben, Hoffnung und Zuversicht, nach wiedergewonnener Freiheit ein neues zu beginnen, erfüllen ihn. Doch die besten Abfichten zerfließen oft in nichts, wenn, nach Jahren künstlicher Isolierung von den zermürbenden und stärkenden Einflüssen des Lebens, der eben noch Gefangene plötzlich wieder auf sich selbst gestellt wird und nun ben für ihn tausendfältig erschwerten Stampf ums Dafein wieder aufnehmen muß, zudem mit dem Matel der Strafe behaftet und von keiner Seite gestüßt. So entsteht für die Gesamtheit die Pflicht, dem Entlassenen zu Hilfe zu kommen, ihm den Weg der Einordnung ins bürgerliche Leben zu bahnen. Sie hat gewissermaßen das an ihm wieder gutzumachen, was fie nicht selten felbft an ihm verschuldet hat. In England. Diefe einfache Wahrheit hatte bereits vor eineinhalb Jahrhunderten der Engländer Howard begriffen, als er der Entlaffenenfür forge als einem Zweige der allgemeinen Gefangenenfürsorge das Wort sprach. Elisabeth Fren, genannt der„ Engel der Gefangenen", bemühte fich praktisch um die Sträflinge", auch Lord Shaftesbury nahm regen Anteil an dieser Arbeit. Als dann im Jahre 1857 die Deportation der Verurteilten eingestellt wurde und die Strafen im Mutterland selbst verbüßt werden mußten, auch die bedingte Ent Taffung eingeführt war, da entstanden besondere Fürsorgevereine, die fich der entlaffenen Strafgefangenen annahmen. Der Staat gewährte ihnen Zuschüffe, die, laut parlamentsbeschluß, im Jahre 1878 auf 80 000 m. jährlich festgelegt wurden. Hingu famen noch Einnahmen Don Stiftungen, die bereits im Jahre 1896 40 000 m. betrugen. Die Zahl der Fürsorgevereine wuchs von Jahr zu Jahr. Es gab schließlich fein Gefängnis, bas nicht mit einem solchen in Verbindung gestanden hätte, in London rief man eine Zentralfomnission ins Leben, allfährlich wurden Ronferenzen abgehalten. In jeder Gefängniszelle war die Adresse des Vereins zu lesen, feine Mitglieber durften die Gefangenen bereits vor der Entlassung besuchen, der Arbeitslohn wurde dem Berein birett überwiesen; er übernahm auch die Schußaufsicht im Jahre 1896 gab es bereits 39 907 bedingt Berurteilte. Im Oftober 1897 murbe eine Berordnung erlassen, die bie Tätigkeit der Fürsorgevereine regelte und ihnen zur Pflicht machte, in all den Fällen, mo gefehlich feine Schuhoufficht vorliegt, das Leben der Ent laffenen im Laufe von sechs Monaten fchügend und stüßend zu übermachen. Im Jahre 1911 wurde dann eine Zentralstelle der Für. forgevereine geschaffen. In Deutschland. Eine ähnliche Entwicklung nahm, mehr oder weniger erfolgreich, die Gefangenenfürsorge auch in anderen Ländern. Schon im Jahre 1878 bezeichnete fie der Gefängnistongreß in Washington als unentbehrliche Ergänzung einer gedeihlichen Gefängnisreform. Der Kon4] Die Baumwollpflücker. Roman von B. Traven. Copyright 1925 by B. Traven, Columbus, Tamaulipas, Mexico. Die Sonne stand schon sehr tief, und es mußte ungefähr fünf Uhr sein. Wir fahen uns deshalb nach einem Lagerplah um. Bald fanden wir eine Stelle, wo seitlich in dem Busch hinein hohes Gras ftand. Wir riffen soviel von dem Gras aus, wie wir Platz zum Lagern brauchten. Dann zündeten wir ein Feuer an und brannten den Rest des Grases nieder, wodurch wir uns Ruhe vor Insekten und friechendem Getier für die Nacht verfchafften. Eine frisch gebrannte Grasfläche ist der beste Schuh, den man haben tann, wenn man nicht mit den Ausrüstungsstüden eines Tropenreisenden wandert. Ein Kampfeuer hatten wir, aber es gab nichts zum Rochen, denn wir hatten fein Wasser. Da tam der Chink mit einer Literflasche noll taltem Kaffee hervor. Wir wußten nichts davon, daß er einen so wertvollen Stoff mit sich führte. Er machte den Kaffee heiß, und bereitwillig bot er uns allen zu trinken an. Aber was ist ein Liter Kaffee für sechs Mann, die ohne einen Schluck Wasser zu haben einen halben Tag in der Tropensonne gewandert sind, vor morgen früh um sieben oder acht Uhr ganz bestimmt auch nichts Trintbares haben werden und vielleicht die nächsten 36 Stunden genau so wenig Wasser finden werden, wie sie heute nachmittag gefunden haben! Der Busch ist das ganze Jahr hindurch grün, aber Wasser findet man dort nur in der Regenzeit an günftigen Stellen, wo sich Zümpel bilden können. Nur mer selbst im tropischen Busch gewandert ist, weiß, was für ein Opfer es war, das der Chint uns bot. Aber feiner fagte ,, Danke!"; jeder betrachtete es als selbstverständlich, daß der Kaffee in Teile ging. Wahrscheinlich hätten wir es genau so selbstverständlich gefunden, wenn der Chint den Kaffee allein getrunken hätte. Nach einem halben Tag Wanderung in wafferlofem Landstrich raubt man noch nicht für einen Becher Kaffee; aber am dritten Tage beginnt man ernsthaft Mord zu finnen im Busch für eine fleine rostige Ronfervenbüchse voll stinkender Flüssigkeit, die man Wasser nennt, obgleich fie teine andere Aehnlichkeit mit Wasser hat, als daß fie eben Flüssigkeit ist. Antonio und ich hatten etwas hartes Brot zu tnabbern. Gonzalo hatte vier Mangos und der große Nigger einige | greß stellte die Forderung auf, baß die Gefangenen und Entlaffenen| fürsorge erweitert, nach wie vor privat aufgezogen und mit staatlichen Mitteln versehen werden solle. In Deutschland hatte die Engländerin Fren Anhänger gefunden: im Jahre 1826 wurde in Düsseldorf die anderen wichtigen Gefängnisreformen auch die Entfaffenenfürsorge Rheinisch- Westfälische Gefangenengesellschaft gegründet, die neben befürwortete. In den verschiedensten Städten entstanden Fürsorgevereine, die größtenteils eines fonfessionellen Charakters nicht entPolizei Wache Z frommar Entlassen was nun? behrten. Die einzelnen Staaten begünstigten diefe Entwidlung. So regulierte ein preußischer Erlaß im Jahre 1895 die Berwendung von Slaatsgeldern und machte den uforgevereinen zur Pflicht, Hand in Hand mit den Strafvollzugs- und Polizeiorganen zu arbeiten, menn nötig auch Nachforschungen über die Familienverhältnisse der Bananen. Der fleine Nigger aß irgendwas ganz verstohlen. Was es war, weiß ich nicht. Der Chink hatte ein Stüd Zelttuch, daß er über seinen Schlafpelz spannte. Dann widelte er sich in ein großes Handtuch ein, auch den Kopf, und begann zu schlafen. Gonzalo hatte seine schöne Dede, in die er sich einrollte, so daß er wie ein Baumstamm aussah. Ich wickelte mir den Kopf in einen zerlumpten Lappen ein, den ich stolz ,, mein Handtuch" nannte, und schlief los. Wie sich die übrigen einrichteten, weiß ich nicht, weil die noch lange um das Feuer herumfaßen und rauchten und Schwazten. Bor Sonnenaufgang waren wir schon wieder auf dem Marsche. Abzukochen gab es nichts, und waschen brauchte man sich auch nicht. Denn womit hätte man es tun follen? Der Weg durch den Busch war weite Streden hindurch schon wieder zugewachsen. Der Nachwuchs der jungen Bäume reichte uns oft bis über die Schultern, und der Grund war mit Rattusstauden so dicht bewachsen, daß diese stach ligen Pflanzen zuweilen beinahe die ganze Breite des Weges einnahmen. Meine nackten Unterschentel waren bald fo zer schnitten, als wenn sie durch eine Hackmaschine gezogen wor den wären. Gegen mittag tamen wir an eine Stelle, wo sich rechts des Weges ein Stacheldrahtzaun hinzog, der uns die Gewiß heit gab, daß hier eine Farm liegen müffe. Als wir etwa zwei Stunden lang, immer den Stachel drahtzaun zur rechten Hand, gewandert waren, famen wir an eine meite offene Stelle im Busch, die mit hohem Gras bewachsen war. Als wir den Blah absuchten, fanden wir auch eine Bisterne. Aber sie war leer. Einige morsche Pfähle, alte Konservenbüchsen, verrostetes Wellblech und ähnliche lleberbleibfel einer menschlichen Behausung zeigten uns eine verlassene Farm. Ueber eine solche Enttäuschung muß man rasch hinwegfommen. Farmen werden hier gegründet, zehn, auch zwanzig Jahre lang bewirtschaftet und dann aus irgendeinem Grunde plößlich aufgegeben. Fünf Jahre später, oft schon früher, ift fein 3eichen mehr davon vorhanden, daß hier jemals Menschen gelebt und gearbeitet haben. Es erweckt den Anschein, als seien es hundert Jahre her, seit jemand hier gelebt hat. Der tropische Busch begräbt rascher, als Menschen bauen fönnen; er fennt feine Erinnerung, er fennt nur Gegen wart und Leben. Aber um vier Uhr tamen wir doch an eine lebende Farm. Hier wohnte eine amerikanische Familie. 000000 Gefangenen anzustellen. Ein weiterer Erlaß aus dem Jahre 1900 ertlärte es als zulässig, die Polizeiaufficht durch Schußaufsicht des Bereins zu ersetzen und die Ausweisung bei erfolgter Schutzaufsicht zurückzustellen. Auch wurde den Vereinen ein Zuschuß in Höhe von 1902, 1905, 1909 war das Problem der Entlaffenenfürsorge Gegen34 000. genehmigt. 3u wiederholten Malen, so in den Jahren stand der Landtagsdebatten; felbft die Schaffung eines speziellen Staatstommiffariats ist gefordert worden Staatstommiffariats ist gefordert worden das letztemal im Jahre 1913. Solch eine Zentralstelle bestand seit 1909 in Bayern unter dem Namen„ Hauptstelle für Gefangenenobjorge". Der Weltkrieg und die Inflationszeit haben selbstverständlich auch auf dieses Gebiet der Wohlfahrt verhängnisvoll eingewirft.- In Berlin geht die Gefangenen- und Entlassenenfürsorge auf das Ende der 40er und den Anfang der 50er Jahre zurück. Den Anstoß gaben die verschiedenen Frauenvereine, die ihren geistlichen Zuspruch in den Gefängnissen selbst auf die Betreuung entlaffener weiblicher Strafgefangener ausbehnten.( Diese Tätigkeit blieb in den Anfängen stecken.) Die Fürforge für männliche Strafgefangene hatte die Stadtmission übernonunen, fie wurde dann in den nächsten Jahren vom Verein zur Befferung der Strafgefangenen ausgebaut. Er hatte feinen Sitz in ber Grunerstraße, gewährte ben Entlassenen mannigfaltige Unterftügung, fuchte und fand Verbindung mit den Arbeiterkolonien, tonnte aber im großen und ganzen den Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, nur in geringem Maße gerecht werben. In den legten Monaten des vorigen Jahres trat die Zentrale Arbeitsgemeinfchaft für freie und öffentliche Wohlfahrt- so heißt die Vereinigung aller Berliner Wohlfahrtsvereine and der frühere Verein zur Befferung der Strafgefangenen zu einer Arbeitsgemeinschaft zujammen und eröffneten in den alten Räumen, Grunerstraße 1, eine Stelle für Gefangenenfürsorge. In Wirklichkeit treibt sie Entlassenenfürsorge. Das Tätigkeitsfeld der Entlassenenfürsorge. Fünf Monate Entlaffenenfürsorge am 1. Januar hat sie ihre Tätigkeit aufgenommen ist eine zu turze Spanne Zeit, um ingendwelche bestimmte Schlüffe zu ziehen. Soviel steht jedoch fest: die Arbeitsgemeinschaft befindet sich im großen und ganzen auf dem richtigen Wege- bas empfinden auch ihre Schüßlinge. Sie wird aber den ungeheuren Anforderungen, welche die volle Entfaltung ihrer Tätigkeit an sie stellen muß, mur durch zielbewußten und tonsequenten Ausbau der allgemeinen Hilfsarbeit und der Schußaufsicht gerecht werben tönnen. Diese wird im Augenblick in der Hauptfache Don zwei Fürsorgern und einem Leiter bewältigt. Zur Aushilfe stellen die Freien Wohlfahrtsvereinigungen jeden Tag zwei freiwillige Helfer, in der Regel Frauen, die die verschiedensten Aufträge der Stelle erledigen. Schon im Monat Februar hatte sie 585 Befuche zu verzeichnen. Die Zahl ist für März ungefähr die gleiche geblieben. Eta/ von ben Besuchten find ehemalige Strafgefangene, ein Fünftel bitben Untersuchungsgefangene, alles fast ausschließfich Männer. Alle Gefängnisse wurden angewiefen, die Gefangenen bei der Entlassung auf ihre Tätigkeit aufmertfam zu machen. Eine Fühlungnahme des Fürsorgers mit dem Gefangenen vor seiner Entlaffung geschieht in der Regel nicht. Ift der Gefangene außerhalb Berlins anfäffig, jo tommt die Gefängnisverwaltung für die Bahntarte auf. In gleicher Weise hat sie für seine Einkleidung zu sorgen. Erklärt der Gefangene, daß er nach der Entlaffung die GefangenenIch wurde im Hause gut bewirtet und fand auch ein Lager innerhalb des Hauses. Die übrigen als Nichtweiße, wurden auf der Beranda beföftigt und durften in einem Schuppen übernachten. Sie betamen alle reichlich zu effen, aber ich war der eigentliche Gast. Mir wurde aufgetischt, wie eben nur in einem so menschenarmen Lande einem Weißen Don weißen Gastgebern aufgetischt werden kann. Drei verschiedene Fleischgänge, fünf verschiedene Beigerichte, Kaffee, Schokolade und abends heißen Kuchen. Am nächsten Morgen befamen wir alle ein reichliches Frühstüc; ich am Tische des Farmers. Der Farmer hatte genügend leere Flaschen, und so betamen wir jeder einzelne eine Literflasche talten Tee mit auf den Weg. Er fannte Mr. Shine und sagte uns, daß wir noch etwa sechzig Kilometer zu marschieren hätten. Kein Waffer am ganzen Weg; die Straße an verschiedenen Stellen faum noch erkennbar, weil sie seit drei Jahren nicht mehr benutzt worden sei. Um 9 Uhr hatte der fleine Nigger Abraham seinen Tee schon ausgetrunken und die Flasche fortgeworfen. Es war ihm zu läftig, fie zu tragen. Wir erklärten ihm, daß er unter diesen Umständen von uns nichts.zu erwarten habe, und wenn er versuchen sollte, auch nur einen Schluck zu stehlen, würden wir ihn braun und blau schlagen. An diesem Abend im Lager war es, wo Abraham zwar feinen Tee ftahl, aber jenen Streifen getrocknetes Rindfleisch, das Antonio gehörte. Da sich unsere Drohung nur auf Tee bezog, ließen wir ihn laufen mit der Warnung, daß von nun an jeder Raub in unsere Drohung einbegriffen sei. Den folgenden Tag gegen Mittag tamen wir bei Mr. Shine an. 5. Mr. Shine empfing uns mit einer gewissen Freude, weil er nicht genügend Leute zum Baumwolle pflüden hatte. Mich nahm er persönlich ins Gebet. Er rief mich ins Haus und sagte mir:" Was! Sie wollen auch Baumwolle pflücken?" Ja," sagte ich ,,, ich muß, ich bin vollständig ,, broke", bas sehen Sie ja, ich habe mur Fezen am Leibe. Arbeit ist in den Städten feine zu haben. Alles ist überschwemmt mit Arbeitslosen aus den States, wo die Verhältnisse augenblicklich auch nicht rofig zu sein scheinen. Und wo man wirklich Arbeiter braucht, nimmt man lieber Eingeborene, weil man denen Löhne zahlt, die man einem Weißen nicht anzubieten wagt." ( Fortsetzung folgt.) , ürforge aufzusuchen bereft ft, so erhält er nur einen Tell feiner Arbeitsbelohnung ausgezahlt. Das Uebrige wird dann der Fürsorgestelle überwiesen und kann in diesem Fall bis auf 15 M. erhöht werden. Erfahrungsgemäß erscheinen die Entlassenen hier erst nach drei bis vier Tagen, in der Regel, wenn ihnen das Geld ausgegangen ist. Sie haben im Asyl für Obdachlose oder sonst wo übernachtet, sind nicht selten wieder mit ihrer alten Umgebung in Verbindung getreten. Nun heißt es den Entlassenen irgendwo unterbringen( im Asyl der Heilsarmee, in der Herberge zur Heimat, im Frauenajyl in der Gr. Frankfurter Straße, in der Uebergangsstation in Cantwith, in der Arbeiterkolonie Hoffmannstal ufto., für seine Ernährung zu sorgen, durch den Arbeitsnachweis Arbeit zu schaffen er genießt hier gleich den Erwerbsbeschränkten den Borzug, die Berbindung mit feiner Familie herzustellen, sofern dies nicht bereits durch die Gefängnisverwaltung geschehen ist, die Schlafstelle zu bezahlen, bis zur ersten Lohnauszahlung für seinen Unter halt aufzukommen, ihn mit Werkzeug zu versehen, ev. sein Gepäck auszulösen oder seine verpfändeten Sachen aufzufaufen oder dergl. mehr. Dies alles erfordert Mittel, die vorläufig noch sehr beschränkt find. Die Schuhaufficht ist vorläufig nur in etwa fechs Fällen übernommen worden. Die Fürsorge für die Trinker übt sie durch den Guttemplerorden aus. Die Betreuung der Familien der Entlassenen überläßt sie den Bezirkswohlfahrtsämtern, ebenso die weitere Sorge für die Entlaffenen selbst. In bezug auf die Berfolgung des weiteren Lebens der Ratsuchenden begnügt sie sich damit, durch mitgegebene frantierte Postkarten eine Benachrichtigung zu ermöglichen. Die Bemühungen, jeden Fall individuell zu behandeln, scheitern zum Teil an den unzureichenden Hilfsmöglichkeiten. Weitere Aufgaben. Widerspruch. Hochachtungsvoll Dr. Mühlhaus, Amtsgerichtsrat| föße und Boltzeigriffe vor. Reitersportliche Borführungen, die gute und Schöffengerichtsvorsitzender." Herr Amtsgerichtsrat Dr. Mühlhaus bestätigt also, daß er den Zeugen genötigt hat, das schwarzrotgoldene Bändchen abzulegen. Er bemängelt nur ein paar Nebenangaben, die gleichgültig, ob unsere Darstellung oder die seinige richtig ist. an dem Kern der Sache nichts ändern. Unflar bleibt, warum ,, ohne weiteres anzunehmen war", daß der Zeuge ,, das Band nur als Zeichen seiner Dr. M. sagt, der Zeuge habe ihn nicht darauf hingewiesen, daß es Zugehörigkeit zum Reichsbanner trug". Herr Amtsgerichtsrat sich um ,, die Farben des Reiches, der Republik" handelte. Was wäre hiermit für den Herrn Amtsgerichtsrat gewonnen? Es bedurfte ja hiermit für den Herrn Amtsgerichtsrat gewonnen? Es bedurfte ja wußte, daß die Farben der Republik Schwarz- Rot- Gold find. Er gar nicht eines solchen Hinweises, da er selbstverständlich ohnedies erklärt, er habe nicht die Farben der Republik als Vereinsabzeichen wußte, daß die Farben der Republik Schwarz- Rot- Gold find. Er bezeichnet oder hingestellt. Alles das schafft nicht die Tatsache aus der Welt, daß er das Band, das weiter nichts als die Farben der Republit aufwies, im Gerichtssaal nicht geduldet hat. Kennt der Herr Amtsgerichtsrat einen Richter, der in den Zeiten der Monarchie gewagt hätte, im Gerichtsfaal einem Zeugen ein schwarzweißrotes Band zu unterBand unbestreitbar als ein Vereinsabzeichen zu erkennen gewesen fagen? Zweifelt jemand, daß selbst dann, wenn das schwarzweißrote wäre, fein Richter daran Anstoß genommen und feiner die Bemit welchem Recht will jeitigung verlangt hätte? Im übrigen überhaupt ein Richter sich gegen ein so wenig auffälliges Vereinsabzeichen" wehren? Wird dadurch vielleicht die Ordnung im Gerichtssaal gestört? Herr Amtsgerichtsrat Dr. Mühlhaus sagt, daß ,, durch solche politische Kundgebungen, die beim Gericht unbedingt erforderliche Unparteilichkeit gefährdet würde". Dieser Rede Sinn ist so dunkel, daß man um eine Erläuterung dazu bitten möchte. Beffen Unparteilichteit soll denn durch ein Am Grabe Rathenaus. Die Entlassenenfürsorge ist darauf angewiesen, mit der Gefan. genenfürsorge und der Gefängnisverwaltung Hand in Hand zu arbeiten. Der Idee nach bildet fie gewissermaßen die Forsehung der Erziehungsarbeit des Strafvollzuges, der u. a. mit Hilfe spezieller Geschwarz rotgoldenes Bändchen gefährdet sein? fangenenfürsorgevereine die eigentliche Fürsorge der Gefangenen und ihrer Familien übt; die neuen Grundsätze des Bollzuges von Freiheitsstrafen vom Jahre 1923 machen der Gefängnisverwaltung Die Gedächtniskundgebung des Reichsbanners. zur direkten Pflicht, sich der zur Entlassung Rommenden anzunehmen; demgemäß müßte auch die Entlassenenfürsorge bereits im Gefängnis Nach langer Zeit ein herrlicher Abend, warm und regenfrei. ihren zukünftigen Schüßling und feine Beziehungen zur Außenwelt Durch die östlichen Vororte Berlins wälzen fich unübersehbare kennen lernen, in die Gefängnisatten Einblick nehmen, die Bersonal Menschenmaffen: Reichsbanner, Arbeiter, Kleinbüger fie alle tenntnis der Gefängnisverwaltung sich zu eigen machen, gemeinsam pilgern am dritten Jahrestag der Ermordung des großen Walter mit ihr die weitere Lebensgestaltung des Entlassenen bestimmen. Rathenau zu seinem Grabe. Das Erb begräbnis der Familie Noch richtiger wäre es natürlich, wenn der im Gefängnis tätige soziale Fürsorger auch den Entlassenen zu betreuen hätte. Dieser foll Rathenau in Oberschöne weide ist reich geschmückt. Das Kura. noch unter dem Eindruck der wiedergewonnenen Freiheit, den Für- torium der Rathenau- Stiftung, Friz v. Unruh, das Reichsbanner, forger aufsuchen, nicht erst zwei bis drei Tage in der Stadt herum der Betriebsrat der AEG. und zahllose andere Organisationen und bummeln. Er soll aus dem Gefängnis fommend direkt in dem Heim Persönlichkeiten haben Kränze mit schwararotgoldener der Entlassenenfürsorge Unterfunft finden und nicht erst einige Schleifen niederlegen lassen. Eine Ehrenwache des Reichsbanners Nächte in fragwürdigen Herbergen verbringen. Das schwierigste aller steht bereits seit dem frühen Morgen an der Pforte. Schwarzrot Probleme bildet augenblicklich die Arbeitsbeschaffung. Jeder Ge- goldene Fahnen halten sie in der Hand und Schwarzrotgold ist am fangene müßte bereits vor seiner Entlassung mit Arbeit in der Frei- Abend überall zu sehen. Schwarzrotgold ist das Rednerpult drapiert, heit versorgt sein. Die momentane Arbeitslosigkeit, eine der Hauptjächlichsten Quellen der Kriminalität, wird auch zur Urfache der Rüdfälle. Hier gilt es für die weiten Massen der Bevölkerung, insbe fondere für die Wertmeister der großen Unternehmen, der Fürsorge Stelle weitgehendst entgegenzukommen. Auf die Unternehmer felbst find abfolut feine Hoffnungen zu sehen. Solange die übertriebene Scheu vor dem Bestraften besteht, ist die Tätigkeit der Entlassenen fürsorge wenigstens zum großen Teile zur Unfruchtbarkeit verdammt. Besonders schlecht sind die geistigen Berufe daran. Es genügt aber nicht, sich auf die Sorge um das leibliche Wohl des Entlassenen zu beschränken; er will und muß auch dauernd moralisch gestützt werden. Das wird aber nur die Hilfsbereitschaft einer genügenden Anzahl verständiger Männer und Frauen ermöglichen. Die Fürsorge muß entsprechend dem individuellen Falle und dem Wohnbezirke jedesmal den freiwilligen Helfer wählen tönnen. Nur unter solchen Umständen wäre es auch möglich, die lebernahme der amtlich übertragenen Schutzaufsicht auszubauen. Bei Lösung der Frage der freiwilligen Helfer hätte gerade die Arbeiterwohlfahrt ein tüchtiges Stüd Arbeit zu leisten. * Schwarzrotgold leuchtet zwischen den Bäumen und Büschen des alten Kirchhofes auf, Schwarzrotgold auf der großen Wiese, die die Heimat der Toten umgibt und auf der Tausende Tausende versammelt find. Längst und aber zeigt die Uhr auf 8, längst versinten im weichen Abendhimmel die Türme und Schornsteine der AEG., die jahrlang unter Rathenaus Leitung standen. Da eröffnet die Reichsbannerkapelle die Feier mit einem Trauermarsch, singt der 12. Bezirkschor vom Arbeiterfängerbund ein Lied von Flemming und schließlich ergreift der Abg. D. Richthofen das Wort: Rathenau war ein Charakter von untadeliger Art, aber er war auch ein großer Staatsmann, einer der wirklich die Gabe besaß, Führer der Nation zu sein. Die Deutschen nennen sich gern das Bolt der Dichter und Denter, nun, Walter Rathenau, war gewiß einer, der in sich die Fähigkeit zu tiefem Denken mit der göttlichen Gabe der Phantasie zu vereinen wußte. Er lebte auf der Erde und besaß doch einen weiten Blid, der den Kindern und Kindeskindern unseres Boltes zum großen Segen hätte gereichen tönnen. Rathenau fannte das Wirtschaftsleben unseres Staates wie taum ein anderer und vor Die Entlassenenfürsorge ist nicht allein an einem modernen seinem Blick hielt nicht stand, was nicht wahr und flar war. Für uns Strafvollzug, sondern auch an einer Strafrechtsreform interessiert. war er nach dem verlorenen Kriege der gegebene Mann, der notJe weniger von der Freiheitsstrafe Gebrauch gemacht wird, je ener- wendige Führer, der wie fein anderer geeignet war, die schweren zischer die Sicherungsmaßnahmen gegen Geistestrante, Alkoholiker, Probleme der Politik zu lösen. Rathenau war es, der Deutschland Arbeitsscheue und Gewohnheitsverbrecher durchgeführt werden, um in Genua in hervorragender und würdevoller Weise wieder in den o mehr wird sie von unfruchtbarer Arbeit entlastet. Der Entrourf Rat der Völker eingeführt hatte und Rathenau zeigte außenpolitische ses neuen Strafgesetzbuches, der Sicherungsmaßnahmen, bedingte Bahnen auf, die ihm zwar zum Verhängnis wurden, die aber Jahre Entlassung, Schußaufsicht und Wirtshausverbot vorsieht, setzt den später Leute, die früher seine stärksten Gegner waren, selber zu beschreiten gezwungen find. Nicht nur bei uns lebt Walter Rathenau weiteren Ausbau der Entlassenenfürsorge voraus. Ohne sie würden fort das ist eine Selbstverständlichkeit sondern auch gerade bei Diese Gesetze auf dem Papiere bleiben. So erscheint es notwendig, feinen früheren Feinden. Rathenaus Ideen leben fort in daß der Staat, ohne die private Initiative einzuschränken, dafür dem Versuch, mit unserem Nachbar im Westen zu sorgt, daß überall nach englischem Muster mit genügenden Mitteln einer dauernden Berständigung zu kommen. Diese versehene Entlassenenfürsorgestellen entstünden. Jeder Pfennig, der Idee wird aber nur dann glücklich verwirklicht werden können, wenn für die Fürsorge gespart wird, fostet eine Mart im Strafvollzug. Das Männer für sie arbeiten, die zumindest von dem Geiste eines größte Unglück jedoch ist, daß die Massen der Bevölkerung den Bro- alter Rathenau einen Hauch verspürt haben. Der große Gedante ist restlos nur dann durchzuführen, wenn wahre Friedensliebe und blemen des Strafvollzuges und der Entlaffenenfürsorge so geringes wahres Bertrauen ihn tragen. Das große Biel nationaler Freiheit Berständnis entgegenbringen. Es gilt, dem amerikanischen Beispiele und das Ziel eines einigen Mitteleuropas verlangen ein ft artes, folgend, eine großzügige Agitation in die Wege zu leiten; etwa wie demokratisches, republitanisches Deutschland. in den Vereinigten Staaten einmal im Jahre an einem bestimmten Schutz der Republik des sei das Gelöbnis des Reichsbanners an Tage in Bolksversammlungen und in den Kirchen die Bevölkerung dieser historischen Stätte, die Rathenaus irdische Reste birgt. Zu über Verbrechen und Strafen, über ihre Pflichten gegen ge- Ehren des Toten senkten i die Fahnen und dann lauschte man erstrauchelte Menschen aufzuklären. Solch ein alljährlich durch griffen und doch von startem Willen erfüllt dem Chor: Das heilige geführter„ Gefängnis- Tag" würde in Zukunft den Tag der wieder. Feuer schüren wir..." gewonnenen Freiheit für den Sträfling zum Tag der Hoffnung auf neues Leben werden lassen. „ Schwarz- Rot- Gold ein Vereinsabzeichen." Zu der mit dieser Ueberschrift gebrachten Mitteilung im ., Borwärts" Nr. 287 vom 20. Juni ds. Is., schickt uns der darin vom Schöffengericht genannte Amtsgerichtsrat Mühlhaus Bankow folgende Zuschrift: ,, Es ist unwahr, daß der betreffende Zeuge darauf hingewiesen hat, daß es sich um ,, die Farben des Reiches, der Republit handele, und daß er sogar den betreffenden Passus der Verfassung zitiert" hat. Unwahr ist auch, daß ich die Farben der Reichsrepublik als solche als Vereinsabzeichen bezeichnet oder hingestellt have. Der Vorgang hat sich vielmehr in folgender Weise abgespielt: Nachdem ich bereits einen mit der Reichsbannernadel erschienenen Zeugen um Abnahme dieses politischen Abzeichens ersucht hatte und dieser dem Ersuchen auch anstandslos nachgekommen war, tam ein anderer Zeuge( ebenfalls Reichsbannermitglied, wie festgestellt war und Sie ja auch berichten) mit einem schwarzrotgoldenen Bändchen im Knopfloch. Da ohne weiteres anzunehmen war, daß er das Band nur als Zeichen seiner Zugehörigkeit zum Reichsbanner trug, richtete ich das gleiche Ersuchen an ihn, worauf er erflärte ,,, er könne das doch tragen und trage es immer". Ich erwiderte ihm, daß es sich bei ihm doch offenbar lediglich um ein Abzeichen seiner Zugehörigkeit zum Reichsbanner handele, und daß ich das Tragen von politischen Abzeichen durch Zeugen im Gerichtssaal nicht dulden könne, zumal wenn, wie in diesem Falle, eine politische Straftat zur Berhandlung stehe. Ich fügte hinzu, daß durch solche politische Rundgebungen die beim Gericht unbedingt erforderliche Unparteilichkeit gefährdet würde und gerade auch im Interesse des Zeugen selbst das Ablegen des Zeichens vor Gericht liege, damit er fich nicht dem Berdacht der Parteilichkeit aussetze. Ich bemerkte ferner ausdrücklich, daß ich das Tragen politischer Abzeichen vor Gericht von feiner Seite, weder von rechts noch von links, zuließe, und wies den Zeugen schließlich noch auf sein Recht hin, sich bei meiner vorgesetzten Dienststelle über mich zu beschweren. Nach diesen Ertlärungen entfernte der Zeuge das Bändchen ohne jeden weiteren Ein gewaltiger Demonstrationszug bewegte sich dann durch die Straßen Niederschöneweides, längst war es dunkel, als noch zahllose Fackeln gen Himmel leuchteten. * Gestern war Walter Rathenaus Todestag. Gestern sandte der Berliner Rundfunk wie sonst sein Unterhaltungsprogramm. Aber was hätte näher gelegen, als daß man in wenigen Worten auch des großen Toten gedacht hätte oder daß ein weniges aus dem imposanten Wert Rathenaus vorgelesen worden wäre? Man hört bereits den Einwand, der Rundfunt darf weder Parteipolitik treiben noch irgend etwas tun, was Parteipolitisch zu verstehen wäre. Doch wer wird behaupten wollen, daß Walter Rathenau jemals als Staatsmann noch Parteipolitiker gewesen wäre? Wer will und wer fann den Nachweis erbringen, daß der Minister jemals etwas unternommen hätte, das ihm persönlich oder einer ihm nahestehenden Gruppe, nicht aber der Republik diente? Aber das ist es eben: Rathenau war nicht nur Jude, was an sich schon schlimm genug ist, er war Republitaner und das Bekenntnis zur Republik wird von ihren Gegnern, und nicht nur von Amtsrichtern, zu gern noch als parteipolitische Einstellung ausgelegt. Der Rundfunt will nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch dem Staate. Der Staat von 1925 aber ist eine Republik, und Republikaner war Rathenau. Es war unpatriotisch, eines der Besten der Nation gestern nicht zu gedenken. Berliner Turn- und Sportwoche. Auch Dienstag und Mittwoch find wieder viele Beranstaltungen zu Wasser geworden sofern sie nicht im Wasser stattfanden. Die Schwimmveranstaltungen fonnten restlos durchgeführt werden, wenn auch der Besuch nur schwach war. Eines der größten sportlichen Ereignisse des Dienstags war das Polizei Werbefportfest. Bereits am Sonntag fanden auf dem Polizei- Sportplay Golßener Straße die Borkämpfe zu den Hauptkämpfen auf dem Tiergarten- Sportplag statt. Hier hatte sich trotz des Wetters ein sehr zahlreiches Publikum eingefunden, das sich von den Sportmannschaften der Polizei gute Leistungen versprach. Es wurde auch feineswegs enttäuscht. Beim Stabhochspringen, Distuswerfen und Laufen wurde Erstaunliches geleistet. Die Mannschaften führten dann auch auf dem Gebiete der Körperschulung Freiübungen, BoxBilder boten, wurden durch den reich gespendeten Beifall der Zu schauer belohnt. Unter den Anwesenden konnte man u. a. den Polizeipräsidenten Gen. Grzesinski, Oberbürgermeister Böß, den japanischen Gesandten, Vertreter des Reichswehrministeriums und Mitglieder der Stadtbehörden beobachten. Eine große Kapelle der Polizei sorgte für musikalische Unterhaltung. Das im Rahmen der Berliner Sportwoche gestern bei Kroll geplante Gartenfest iſt in Anbetracht der unsicheren Wetterverhältnisse auf Montag, den 29. Juni, nachm. 4 Uhr, verlegt worden. Das Programm wird ungefürzt beibehalten. Am Mittwoch wurden an der Schloßbrüde in Charlottenburg Schwimmtonkurrenzen ausgetragen, die durch einen Damenreigen und ein Wasserballspiel Intereffe verfolgt wurden. Man zeigte rein sportliche Rämpfe, dann umrahmt waren. Im kleinen Tiergarten fanden Jiu- Jitsufämpfe statt, die von der zahlreich erschienenen Bevölkerung mit aber auch die Abwehr von Angriffen auf Einzelpersonen und Gruppen. Der Mädchen- Luftmord. Wer hat das Kind auf dem Bahnhof Carow gesehen? weiter mitgeteilt: Wenn die wichtige 3 eugin, über deren BekunZu dem Verbrechen an der fleinen Senta Edert wird bungen wir gestern berichteten, sich nicht irrt, und das scheint nicht der Fall zu sein, so hat die fleine Senta am 8. Juni, dem letzten Ferientage, den Eisenbahnzug um 10 Uhr 16 min. vormittags von der Station Gesundbrunnen aus benutzt und ist um 10 Uhr 30 min. auf dem Bahnhof Ca row, nicht Blankenburg, ausgestiegen. Mit der Kleinen sind nach den weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei etwa 20 bis 30 Personen ausgestiegen und haben den Bahnhof verlassen. Einige von ihnen werden sicherlich das Kind, vielleicht auch schon während der Fahrt, von einem Nebenabteil 3. Klasse aus gesehen haben. Senta Edert ist vom Bahnhof aus in südlicher Richtung, in der Richtung nach der Laube der Eltern hin, am Bahndamm entlang und durch die Rudelsburgstraße gegangen. In dieser Straße ist zu der Zeit auf der Strecke, so weit sie vom Bahnhof aus in füblicher Richtung gepflastert ist, eine Frau in dunklem Rod und Umschlagetuch, die einen etwa 8 Jahre alten Jungen mit Jodeymize an der Hand führte, gefehen worden. Etwas später ging hinter dieser Frau eine zweite her, die einen geblümten Rod und um die Stirn ein gelbblaues Tuch trug, das hinten zusammengeknüpft war und wahr. Scheinlich in Zipfeln herunterhing. Diese Frau ist vermutlich in die 1,55 Meter groß, mit spiker Nase und schmächtigem fräntlichen Geficht, die des Weges fam, wurde von der einen Frau nach dem Wege nach Franz. Buchholz gefragt. Sie antwortete mit tranflich flingender Stimme u. a. daß sie selbst noch einen ziemlich weiten Weg habe. Sie müffe noch über Blankenburg hinaus. Diese Frauen, wie auch die anderen von den 20 bis 30 Personen, die den Bahnhof verlassen und das Kind gesehen haben, werden dringend ersucht, fich umgehend bei der Mordtommission, den Kommissaren WerneburgAlbrecht im Simmer 80 des Polizeipräsidiums zu melden. Eine dritte Frau, etwa Zoo- Schmerzen. Abgelehnte Blasmufit. 3u hohe Eintrittspreise. Zu Beginn der gestrigen ordentlichen Generalversamm= lung des Aftienvereins Zoologischer Garten entspann sich eine mehrere Stunden dauernde Debatte über Meinigteiten, die den 300logischen Garten betreffen. 3. B. über die Akustik des neuen Musikpavillons, über die Frage, ob es zweckmäßig fei, Streichoder Blasmusit im Zoologischen Garten konzertieren zu lassen und noch verschiedenes andere. Interessant war, daß die Einführung von Blasmufit der Militärkapellen von der Verwaltung mit der Befürchtung politischer Demonstrationen abgelehnt wurde. Es habe sich gezeigt, daß von Militärkapellen dauernd Militärmärsche verlangt wurden und daß diese Anlaß zu Kundgebungen politischen Charafters gegeben hätten. Aus der Debatte ist dann noch erwähnenswert, daß nach Mitteilung der Verwaltung heute die legten Tiere der abeffinischen Erpedition ange. tommen feien und daß vom Fistus die Zusicherung gegeben sei, dem Zologischen Garten pachtweise 41% Morgen( 10 600 Quadrat meter an der Lichtenstein allee gegen eine Pachtſumme von 5300 M. zu überlassen. Im Jahre 1924 hatte der Garten 1089 Abonnenten, im laufenden Jahre sind es bis jeht 1493. Erörterungen entspannen sich dann über die Frage des Eintrittspreises, die von der Oeffentlichkeit bemängelt wurden. Es heißt, daß die Stadt Berlin beabsichtige, ihren Zuschuß für den Zoologischen Garten zu ermäßigen, wenn nicht eine Berringerung des Eintrittspreises vorgenommen wird. Das tönne nicht geschehen, erklärte die Berwaltung, wegen der Höhe der Luftbarkeitssteuer. Außerdem seien ja für eine ganze Reihe von Gruppen Ermäßigungen erfolgt. lassen von Schulkindern könnten den Zoologischen Garten unter Führung ihrer Lehrer zum Preise von 11 Pf. besuchen. Dieser Preis soll allmählich auf 5 Pf. herabgesetzt werden. Studierende, Lehrervereine, fachwissenschaftliche Vereinigungen haben ebenfalls ermäßigte Eintrittspreise. Die Gesellschaft erzielte im Jahre 1924 für Eintrittsgelder etwas über 1,5 Millionen Mark. Der Gewinn eine Einnahme von zirta 2 Millionen Mart. Darunter von zirta 500 000 m. wird vorgetragen. In den Aufsichtsrat wurde u. a. anstelle des perstorbenen Bürgermeisters Ritter sein Nachfolger Bürgermeister Scholz gewählt. Der Wiking- Mörder vor dem Schwurgericht. Wegen der Tötung des Reichsbannermanns Erich Schulz am Tage vor der Reichspräsidentenwahl auf dem Bayerischen Plaz wird sich am 8. Juli vor dem Schwurgericht des Landgerichts II das Mitglied des Wiking- Bundes, Landwirtschaftseleve Alfred Rehnig, zu verantworten haben. Die Anflage gegen ihn lautet auf Körperverlegung mit tödlichem Ausgang. Die Anllage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Herder. Gegenwartsfullur und Religiöser Sozialismus. Unter diesem Gesichts. bunit veranstaltet der Bund religiöser Sozialisten in Neukölln in der Aula der Oberrealschule in der Emser Str. 133 drei öffentliche Aussprache. Abende. Das einleitende Referat wird jeweils von Genoffen Schriftsteller Erich Poppel gehalten werden. Der erste Abend findet am Freitag, den 26. Juni, abends 8 Uhr, statt. Es soll die Stellung des religiösen So zialismus zu Staat, Kirche und Nationalismus behandelt werden. Der Eintritt ist frei. LAXIN und die Dose kostet nur R.-M. 1.20 Kriegsbeschädigtentagung in Guben. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterblibenen, Gau Brandenburg, hielt am 20. und 21. in Guben feinen Gautag ab. " Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus Abend Opernhaus Tägl. 8 Uhr: Die Göttin am Königsplatz auf der Balz 7: Lust. Weiber von Windsor Schauspielhaus Lustspiel von Hans Bachwitz Uhr: Brand im Trianon- Th. Opernhaus Schiller- Theater Tägl. 8 Uhr: U. Glückspliz Die blaue Stunde Nachdem der Vorsitzende den umfangreichen Geschäftsbericht gegeben hatte, wurde der Vortrag des Kassenwartes, der einen augenblicklichen Kaffenbestand von 3848 M. feststellte, zur Kenntnis ge- 8 Uhr: Strawinskinommen. Der Reichstagsabgeordnete Genosse Roßmann- Stutt gart hielt einen fesselnden Vortrag über das Thema: Reichstag und Kriegsopfer". Mit aller Schärfe wandte der Redner sich gegen die standalöse Rentenpolitik der Luther- Re= gierung, die noch immer bei der Durchführung dringend notwendiger fozialer Maßnahmen versagt habe. Der 7 zweite Verhandlungstag begann mit einem Vortrag des Bundesvorsitzenden Pfändner Berlin, der in längeren Ausführungen die Stellung des Reichsbundes zur Siedlungsfrage behandelte. Nachdem er zunächst eine umfassende Uebersicht der gefeß lichen Grundlagen der Siedlungsbewegung gegeben hatte, sprach er sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß sowohl der die Siedlung betreffende§ 155 der Reichsverfassung, wie die auch sonst den Kriegern und Kriegsbeschädigten gegebenen Versprechungen auf dem Bapier stehen geblieben seien. Bon den einzelnen Ortsgruppen waren mehr als 66 Anträge gestellt, die die Besserung der augenblicklichen Versorgungsbestimmungen verlangten. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde Nölte. Nowawes zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der nächstjährige Tagungsort steht noch nicht fest. Einladungen find von mehreren Städten ergangen. Verschleierte Fahrpreiserhöhung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Volksbühne 7% U.: Zum 25. Male Datterich. Theater im Adpiralspalast Tävlich 2 Uhr: Chocolate Kiddies Amerikas größte farbige Künstler! Sonntag nachm. 31 Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen! Central Theater Lustspiel von Felix Josky Kleines Th. Täglich 8 Uhr: Angele Komöd.v.Hartleben DerArzt seiner Ehre Groteske v. Mongré Berliner Theater 7.45 Uhr: 8: Hilfe, ein Kind ist Anneliese v. Dessau v. Himmel gefallen! Th. d. Westens Steinpl.931 8U: USCHI v. Jean Gilbert Uschi Elleat, Fr. Schulz Gertrude Berliner Sommerpreise Die Reichsbahndirektion Berlin gab fürzlich bekannt, daß ab 12. Juli ds. Is. jeder Fahrgast, der eine Arbeiterwochen= farte haben will, über die Lage seiner Wohnung eine behörd liche Bescheinigung beibringen muß, während bisher dafür Unterschrift und Stempel des Arbeitgebers genügten. Unzuträglichfeiten sind aus der bisherigen vereinfachten Abfertigung nicht befannt geworden, da sich jeder Arbeitgeber aus strafrechtlichen Erwägungen heraus sehr hütete, falsche Beurkundungen auszustellen. Für die Erteilung der behördlichen Bescheinigung soll nun eine Stempelgebühr von 1,50 mt. erhoben werden. Wenn die Bolizeireviere der inneren Stadt bisher diesen Betrag in den feltensten Fällen erhoben, so war das nur der Menschlichkeit der unteren Organe zu danken. Vor dem Kriege war man nicht so bureaukratisch eingestellt wie heute. Damals genügte zum Bezuge einer Arbeiterwochenkarte die Erklärung des Fahrgastes, daß er mit mechanischen oder Handarbeiten beschäftigt ist. Im Zweifelsfalle entschieden Kleidung oder sonst glaubhaft gemachte Tatarch den Rundfunki fachen. Jetzt dagegen muß eine formularmäßige Beschei. nigung dafür beigebracht werden, daß der Fahrgast mit mechanischen oder Handarbeiten beschäftigt ist. Diese Bescheinigung foftet dem Fahrgast Geld, der dann auch noch für seine Bohnungsbescheinigung Stempelgebühren entrichten muß. Sobald der Arbeiter seinen Arbeitgeber wechselt, ist die Bescheinigung ungültig und die Geldausgaben beginnen von neuem. Besonders belastet werden durch diese bureaukratischen Maßnahmen Bauarbeiter, Monteure, Gelegenheitsarbeiter und ähnliche Berufe. Die jetzigen Bedingungen zum Bezuge von Arbeiterwochenfarten sind bedeutend erschwert. Personen, die z. B. mit Beamtendiensten beschäftigt find, ohne Beamte zu sein( man denke an die Postaushelfer), find ebenso ausgeschlossen wie die schlecht be= zahlten Techniker, Bureauarbeiter usw. Die ganze Maßnahme er= weckt den Eindruck, als solle eine neue Erhöhung der Personenfahrpreise verschleiert werden. Leidtragende sind in erster Linie die am schlechtest bezahlten Arbeiterkreise. SPD.- Stadtverordnete. Heute, Donnerstag, nachmittags 41, Uhr( pünktlich), Fraffionsfizung 3immer 109.-Anschließend Stadtverordnetenversammlung. Mordversuch einer Geiftestranten. Gestern nachmittag versuchte die 59jährige Witwe Franziska Holzmann am Ostbahnhof 9 ihren Sohn zu erstechen. Die Frau hat zwei Söhne, die beide regelmäßig Arbeit haben, und leble mil ihnen zufrieden in ausfömmlichen Verhältniffen. Seit längerer Zeit aber zeigte sie Spuren von Tiefsinn und äußerte wiederholt, daß sie sich das Leben nehmen wolle, wenn die Söhne damit einverstanden seien". Diese versuchten die Mutter von dem unfeligen Wegen d.großen Andrangs and. ei Abend k. bitte a. Vorverkauf zu benutzen. Th.i.Komm.- Str. Doch.5080,5083 80. D. stürmische Lacher folg Zum 25. Male Komödienhaus 71 Uhr: Der letzte Kuß Deutsch. Künstlertbeat. Tägl. 8 Uhr: Monsieur Tralala Masik von Hugo Hirsch Operettenhaus am Schiffbauerdamm Heute 8 Uhr: Der klein.Ruppler ( Le chien qui rapporte) Wailner- Theat. Tägi. 8 Uhr Meiseken Metropol Theat. 84 Uhr: Tausend süße Beinchen Theater a. Kettb. Tor Tägl 8 Uhr: ElifeSänger Konkurrenzlosos JuniProgramm. Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Berlins erfolgreichste Revue: Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! Berliner Prater Kastanien- Allee 7-9 Heute Gr. Volkstag Gr. Varieté- Vorstellung Auf allen Plätzen 50 Pf., außer Logen Anfang 4 Uhr Gedanken abzubringen. Gestern nachmittag war nur einer ihrer Lunapark Söhne, der 21 Jahre alte Kurt, daheim. Um sich auszuruhen, hatte er sich nachmittags schlafen gelegt. Da stieß ihm die Mutter gegen 6 Uhr einen Dolch in die Brust. Als sie sah, was sie angerichtet hatte, ging fie zur Mache des 87. Reviers und machte Anzeige. Während man sie auf der Wache behielt, begaben sich mehrere Beamte nach der Wohnung. Hier hatte sich der junge Mann gleich, nachdem die Mutter weggegangen war, aus dem Bett erhoben und mühsam nach der Rüche geschleppt. Dort mar er zusammengebrochen und lag bewußtlos da. Schwer verletzt wurde er nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Die Frau wird voraussichtlich heute in eine Irrenanstalt gebracht werden. Heute Elite- Tag Großes Elite- Kunst- Feuerwerk 6 Borrys die phänomenalen Tänzer Salge's Monumental. Skulpturen KONZERT Eintritt 125 M. des Berliner Philh. Blas- Orchesters Reichshallen- Theater 8 Uhr: Steffiner Sänger ,, Das Deutsche Meer Ab 1. Juli Gastspiel der Dresdener Viktoria- Sänger Dönhoff- Brett'l: Saal und Garten Großes Programm Ein großer Brand tam gestern nachmittag in Steglit, Steinstraße 6, aus unbekannt gebliebener Ursache auf dem Boden eines Miethauses zum Ausbruch. Als die Steglitzer Feuermache an der Brandstelle, nahe der Ringstraße erschien, stand der Dachstuhl des Borderhauses schon in ganzer Ausdehnung in Flammen. Diese waren offenbar erft bemerkt worden, als bereits das Feuer weit über seinen Herd hinaus war. lleber die total verqualmten Aufgänge und über zwei mechanische Leitern, wurde mit Montag, 29. Juni: Benefiz Karl Braun mehreren Schlauchleitungen von Motorsprigen vorgegangen und unausgefegt gelöscht bis der Brand vollständig eingefreist war, und dann die Macht des entfesselten Elements gebrochen war. Der Schaden ist ganz erheblich. Der Dachstuhl ist niedergebrannt und muß erneuert werden. Mehrere Mieter sind empfindlich geschädigt worden. Durch Wasser sind auch einige Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen worden. Mit den Aufräumungsarbeiten wurde die Wehr gegen Abend fertig. Trabrennen Ruhleben PEEK& CLOPPENBURG e. M. B. H. BERLIN C 19 GERTRAUDTENSTRASSE 25-27ROSS- STR. 1-4 Für Straße, Sport und Reise melierter Noppenstoff, Jacke gefüttert, Rock mit aut gesetzten Taschen, solide Ausführung, Form 210, M. gefüttert.. 48.Damen- Kostüm Damen- Kostüm elegantes Sportkostüm mit Sattel und Falten, Jacke 50.Damen- Kostüm und Fate Form 175, M. fesches Sportkostüm mit Sattel und Falten gearbeitet, 70.mit Halbseide gefüttert. ********... Form 176, M. Damen- Kostüm Waffelmuster, in schönen modernen Farben, mit Halbseide gefüttert, Quetschfalten u. 4 Taschen, Form 210, M. Damen- Kostüm reinwollener Loden, la Qualität, gefüttert in grünund braunmeliert. Form 264, M. Damen- Motorrad- Anzüge dunkelmodefarben....... ...... 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Juni, abds.7Uhr D.blaueHeinrich in ber Arbeiterwohlfahrts Ausstellung 84 Gartenbühne: 734 U.: Rund um die Berolina KrauseCharlottenburg, Frauenhoferstraße, Versammlung aller der Charlottenburger GewerkschaftsUnterkommission angeschloffenen Mitglieder Pianos Vortrag über die soziale Bedeutung Zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße Neue der Krankenversicherung. Die Unterfommission. Cinladung zur Generalversammlung M. Form 210 Damen- Strick- Westen in schönen, modernen Mustern 14.von M. an Damen- Bergsteigerstiefel braun Elk, sportgerecht benagelt, 30.zwiegenäht DER M. TODESSPRE CLIFF AEROS IM AP PRING UL mit seinem Feuersturz aus 28 m Bōbe am Sonntag, den 5. Juli 1925, nach mittags 2 Uhr, im Saale der Gastwirtschaft Raup in Rörbistrug. Tagesordnung: 1. Berlesen des Protofolls der Generalversammlung vom 22 8.24 2. Bericht des Borktandes und Aufsichtsrats. 3. Berlesung des Berichts des vereid. Bücherrevisors. 4. Betanntgabe und Ge nehmigung der Bilanz sowie Gewinn- und Berlustrechnung für 1924 5 Entlastung des wachsen schon wieder! Borstandes. 6. Nochmalige Beschlußfaffung Reichels Haarkraft über die Berufung Weinert betreffend Aus 10 Kapellen waffer Jatraft" schluß aus der Genossenschaft. 7. Anträge. wirtt Wunder nach 8 Gagungsänderungen. 9. Neuwahl von Galafeuerwerk- Turmseilläufer 3maligem Einreiben. Borstands. und Aufsichtsratsmitgliedern. Haare 79/18 Die Bilanz nebst Gewinn- und BerluftSo lauten viele An- 10. Verschiedenes. erkennungen. M. 2,25 und 3.50. In Dro- rechnung für 1924 liegt bis zum 4. Juli gerien, sonst bei Otto 1925 bei unserem 1. Borfizenden Genossen Reichel, Berlin 43, Bahl in Rörbistrug zur Einsichtnahme aus SO, Gtfenbahnstr. 4. Baugenoffenschait Bürgerwalde L/ Mart e. G. m. b. S. Berlin D., Gneiststraße 2 II. Croco Volleder 3.75 Rindled.- Saffian 9.00 Auto- Rindiack 10.00 W. Wahl. Eintritt 50 ptg. Riesenvariété Volkstümliche Eröffnungsfahrt der Motorschiffsflotte des Vereins Gewerblicher Groß Berlins am Motorschiffsbesitzer Montag, den 29. Juni, P. Engel nachm. 2%, Uhr ab Brandenburger Ufer( Jannowitzbr.) nach Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Achtung! Keffeifmiede! Grünau( Mark), Gesellschaftshaus Programm: Hin- und Rückfahrt, nur 50 Pfennig Konzert, Ball, Feuerwerk usw. Vorverkauf: Buschardtsche Buchhandlung, Bülowstraße 88; Restaurant Schmidt, An der Stralauer Brücke 1; Neudo.eleg.Einricht.18.00 Donnerstag, 25. Juni, abbs. 71, Uhr, köllnische Zeitung, Berliner Straße 70; Gesellschaftshous bei Sachse, Cindower Str.: Grünau; Brückenwärter am Brandenburger Ufer Besuchstasche do. 11.00 Aktentasche Rindl. 4.75 Vertrauensmännerfihung Schulranzen Rindl.6.75 Die Kommissionsmitglieder treffen fich auch einz. zu haben eine Stunde früher im selben Lokal. Schiller, Beberwaren Donnerstag, 25. Juni, nachm. 3 Uhrabritate Engros Freitag, den 26. Juni, abends 6 2hr, 12 WINDORTEN Parteifreunde, Arbeitersportler und Arbeiterjugend Neuköllns Der Kreisvorstand bittet uns mitzuteilen: Das tommunistische Arbeitersportlartell veranstaltet am Sonnabend, abends 6, Uhr, einen Propagandaumzug in den Straßen Neuköllns und hat dazu auch unsere Partei und die Sozialistische Arbeiterjugend eingeladen. Der erweiterte Kreisvorstand hat in seiner lezten Sigung die Beteiligung an dem Umzuge abgelehnt und fordert alle. Parteigenoffen und Sportler, die auf unserem Boden stehen, auf, Der glänz. Juni- Spielplan( as) I diefer Beranstaltung fernaubleiben. Loeser& Wolff nicht schwarzweißrot. Die Belt am Montag" brachte in ihrer legten Nummer die Nachricht, die Filiale von Queser& Wolff in Stodholm babe schwarzweißrot geflaggt. Es handelt sich bei dieser Meldung, wie wir gebeten werden mitzuteilen, um einen bedauerlichen Irrtum. Loeser& Wolff haben überhaupt feine Filiale in Stockholm. tie Die Bewohner der Gartenstadisiedlung Faltenberg am Bahnhof Grünau veranstalten am fommenden Sonntag, nachmittags ab 2 Uhr, wieder einen fröhlichen Sonntag für fich und ihre Freunde, Gönner und Anhänger. ie im vorigen Jahr, so wird auch biesmal alles wieder auf 11lt und Spaß, Satire und fere Bedeutung eingestellt sein. Nach der Faltenberger Meffe beginnt um 3 Uhr der große, alten herger Repp" unter Mitwirkung hervorragender Sträfte der Boltsbühne, der Arbeiterjugend, des Sprechchores u. a. Alle Freunde gesunden, urs wüchigen Humors find herzlichst eingeladen. Eintritt 50 Pf., Kinder die Hälfte. Auf der Sonnenwendfeier in den Goiener Bergen sind folgende Gegenfande gefunden worden: ein Belghalsfragen, ein feststehendes Messer, en Rudsad, ein Brotbeutel. Die Eigentümer oder zum Empfang Berechtigten tönnen die Sachen im Bureau des Bezirksbildungsausschusses wochentags in der Zeit von 9-5( Donnerstags 9-7 Uhr) gegen Ausweis abhol en. 5 Rauchen Neue Welf Arnold Scholz. Hasenheide 108/114 Donnerstag, den 25. Juni: Großes Riesen- W Kunstfeuerwerk Zum letzten Male Schloß Freienfels in Flammen entworfen und abgebrannt von dem Kunstfeuerwerker E. Nielandt außerd. Großes Konzert Varieté- Vorstellung ( ganz neues Programm) und Gr. Ball Einlaẞ 3 Uhr und Anfang 5 Uhr Export Ritterstr. 88. im großen Saale des Verbandshauses, Linienste. 83/85: Dezimalwagen Branchenversammlung der Blech- und Bandwalzer, Rohr- u. Stangenzieher fowie Profilzieher in Eljen u. Metail u. Metallffangenpreffer Tagesordnung: 1 Stellungnahme zur Lohnregelung der Branche. 2. Branchenangelegenheiten. 8utritt haben alle in der Branche beschäftigten Kollegen. Tafelwag., Gewichte, Billigste Preise. Großes Lager In Anbetracht der wichtigen TagesGeorg Wagner ordnung ist es Pflicht, au erscheinen. Die Ortsverwaltung. Köpenicker Str. 71 Kein Ladengeschäft Keine Schaufenster- gem. Kranten- u. Sterbetale Reklame, dafür we- d.Metallarbeiter B. a. G. Filiale Neukölln sentl.billigerePreise Sonnabend, 27. Juni, abends 8 Uhr, bei Grieger, Leffing straße 9 Inferieren Generalversammlung bringt ERFOLG! AbessinierPumpen, Rühren, Filter, Ersatztelle. Preisliste gratis Koblank& Co., Pumpenfabrik, Beriin N 65, Reinicken dorfer Str. Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes 2. Aussprache. 3. Neuwahl der Orts verwaltung. Faßweine zu Sonderpreisen und an Bord der Schiffe. Ziehung 15. und 16. Juli 1925. Kölner DombauGeld- Lotterie 120 000 Lose, 4552 Gewinne und 1 Prämie M. 100000 60000 50000 10000 Höchstgewinn Hauptgewinn Prämie USW. Alle Gewinne bar ohne Abzug zahlbar! Lose zu 3 M.( Porio und Liste 30 PL) erhältlich bei den staatlichen LotterieTARRAGONA Einnehmern u. allen Lotterie- Geschäften. Gefäße Liter 1,20 Mk. exkl. Steuer. ( Fl. u. Korbfl. etc.) bitte mitzubringen. Karlstr. 32, Spanischer Wein- Import Staatlicher Lotterie- Einnehmer Heinz Berlin W 8 Postecheck- Konie Berlin. Friedrichstraße 83. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin piele. ffets as bas Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Tren rechts, an richten. Genoffen, beteiligt End an ber Sennenwenbrier ber Cozialistischen beiterjugend am Sonnabenb, ben 28. Juni, abenbs 11 he, auf dem Außenfpielplak( Jugenbhans) neben bem Sportplak Reinidendorf Belt, Scharnweber ftraße. Rezitationen, Gesang und Sprecher. Untoftenbeittag 28 Bf. 5. Kreis Friedrichshain. Freitag, den 25. Juri, 7 Uhr, erweiterte Kreis. Dorftandsfigung bei Wittfdruk, Petersburger Str. 5. Gagungen mitbringen. 6. Kreis Kreuzberg. Freitag, den 26. Juni, 7% Uhr, erweiterte Kreisnotstandssitung bei Steim, Urbanstr. 29. 9. Rreis Bilmecedorf. Donnerstag, den 25. Juni, 8 Uhr, Kreisbelegiertenperfammlung bei Rulta, gauenburger Str. 21. Tagesordnung: Bericht der Bezirksverordnetenfraktion. Stellungnahme zum Bezirks und Barteitag. Die Bezirtstagsbelegierten müssen ebenfalls erscheinen. 14. Rreis Neukölln. Die SAJ. veranstaltet am Freitag, ben 26. Juni, 7% Uhr, auf dem Herzbergplak im Rahmen der Berliner Turn- und Sportwoche einen Werbecbend. Die Genoffen merben gebeten, au erfdeinen. 15. Argis. Fre..ng, ben 26. Suni, 7% Uhr, reisdelegiertenversammlung in Johannisthal, Solal Botha, Etubenrauchftr. 12. Sagesordnung: 1. Bor trag des Genoffen Stelling, M. b. R.: Die Aufgaben des Dacketbages". 2. Stellungnahme aum Beairtstag. Heute, Donnerstag, den 25. Juni: 37. t. 7 Uhr Abteilungsverfammlung im Betersburger Sof, Beters Gruppe Prenzlauer Berg: 8 Uhr Jugendheim Danziger Straße( Baraden), Staat burger Str. 54. Bortrag des Genossen Dr. von Ungern- Sternberg: Der Rampf um bie Rölle". Jungsozialisten. Gruppe Rentälln: 8 Uhr Sogatstr. 11-12, Fortfehung des Referats des Genossen Ermin Marquardt: Außenpolitische Fragen Arbeitsgemeinschaft: Sozialismus Nation". Leitung Ge Tilfiter Str. 4. Bortrag des Genoffen Bach: Billerbund und Sicherheitspatt". Gruppe Schöneberg: 7% Uhr Jugendheim Rubensstraße, Bolts banzraum, Arbeitsgemeinschaftsabend. Gruppe Sichtenberg: 714 Uhr Beteiligung an der Veranstaltung der Gruppe Treptow. Genoffin Ellert foridht über Demokratie oder Diktatur?" im Jugendheim Elsenstr. 3. Gruppe Treptow: Binttlich 7% Uhr fpricht Genoffin Ellert im Jugendbeim Elsenstr. 3 fiber Dittature oder Demokratie?" Alle Gruppen find hinzu eingeladen. noffe Beneditt Obermant. Gruppe Friebrichshain: 7 th Jugendheim Morgen, Freitag, den 26. Juni: 74. Abt. Rehlendorf. 8 Uhr im Barteilotal Midlen, Botsdamer Straße, wid tige Funktionärfikung. Reukölln. 89. t. 7% Uhr Borstands- und Funktionärigung bei Schla, Dobrechtstr. 64. 91. t. 8 1hr Borstandssitung bei Bubbele, Ravis partenftr. 12. 83. t. 7 Uhr bei Ruppelt, Raiser- Friedridy Straße 171-172, Funktionärsihung. Sierzu sind die Rreisvertreter besonders eingelaben. Vereinigung sozialdemokratischer Stubenten. Die Bereinigung macht am Sonntag, den 28. Juni, einen Frühausflug nach dem Often Berlins. Treff punkt 9 Uhr vormittags Bahnhof Friedrichshagen. Abmaridh von dort pünkt lich um 9.15 Uhr( Rülge: Stadtbahn ab Friedrichstraße 7.57, Schleicher Bahnhof 8.00, Warschauer Straße 8.12, übrige Stationen entsprechenb). Wanderung am Güdufer des Müggelfees nach Rahnsdorf, Motorbootfahrt nach Beliers dorf, Wanderung nach Ertner. Rüdfebyr von bort gegen 1215 Uhr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 32. bt, Genoffe Friedrich Raafdh, Königsberger Str. 32, ift ner ftorben. Einäfcherung Freitag, ben 26. Juni, nachmittags 3% Uhr, Krematorium Gerichtstraße. 83. bt. Liderfelbe. Der langjährige Genoffe ifted Reubert int am 20. d. R. verstorben und wird heute, Donnerstag, nachmittag 8 Uhr Don ber Reichenhalle des Gemeindefriedhofs Bichterfelbe Oft, Bange Straße, aus beerbigt. Pahlreiches Erscheinen erwünscht 125. bt. Weißenfee. Genoffe Rarl Thiebe ist verftorben. rung Freitag, den 26. Juni, 8 Uhr, Krematorium Gezichtstraße. Jugendveranstaltungen. CindscheAchtung, B.- B.- Mitglieber! Seute 7½ the Sibung im Jugendfetrebariat 2inbenstr. 3. Heute, Donnerstag, den 25. Juni, abends 7% Uhr: Gefundbrunnen: Schule Gothenburger Str. 2, Bertrag: Slaven ber Ge. mohnheit" Rorben: Schule Butbufer Str. 3, Bortrag: wed und Siele ber 643." Schönhauser Bocitabt 1: Schule Sbfenftr. 17, Bortrag: Jugend, Rörper und Radikulture" Schönhauser Barfbaht II: Jugendheim Chers mather Str. 17, Aussprache: Unfere Mäbelarbeit.- Cibweten: Jugendheim Linbenftr. 8, Grotestenabend. Berbebezirk Reinidenbort: Sonnenmenbfeier am Sonnabenb, ben 2. Sui, abenbs 11 1hr, auf dem Außenspielplas( Sugendhaus), neben bem Sportplat Reinidenborf Belt, Scharnmeberstraße. Resitationen, Gefang und Spredor. Untoftenbeitrog 20 Bf. Die Treffpunkte der Abteilungen werben noch befannt aegeben. Arbeitersport. Kommt schwimmen, lernt schwimmen!" Unter dieser Barole veranstalteten bie Schwimmbereine„ Bor wärts" Berlin, Welle"-Berlin, Berliner Schwimm- Union und Neptun" Lichtenberg im Stadtbad Friedrichshain ein Werbefchwimmfest. 3med der Beranstaltung mar zur weitesten Berbreitung der Schwimmfunft in den Arbeitertreisen bei zutragen. Genosse Bud mies in treffenden Worten bei der Begrüßungsansprache auf die Bedeutung des Schwimmens, den gefundheitlichen Wert und seine Anwendbarkeit als Gebrauchsfunft hin. In der geschmüdten Halle zeigten die Arbeiterschwimmer ohne Unterschied des Alters und Geschlechts ihr Können vor den leider nur mäßig erschienenen Gästen. Das Einzel- und Stafettenschwimmen in den verschiedenen Lagen und über verschieden lange Streden hielten die Zuschauer in Spannung. Zum Schauspringen traten Frauen und Männer an. Die Glanznummer bildete der Frauenreigen des Berliner Schwimmvereins Welle". An den schönen Figuren und Ornamenten, die exakt geschwommen wurden, fand ein jeder B OLE Genossen melden, die sich dieser Aufgabe widmen werden." Gefallen. Den Abschluß des Brogramms bilbeten zwei Wafferball| mm ganz lofer Sufammenhang. Ich zweifle nicht, daß sich genügend spiele. Beim ersten tonnte„ Borwärts" Bersin über Berliner Schwimm- Union" mit 7: 6 den Sieg erringen. Im Jugendspiel standen sich Borwärts"-Berlin und„ Neptun"-Lichtenberg gegen über und es gelang der Vorwärts"-Mannschaft das Spiel mit 7: 4 für sich zu entscheiden. D 1 Resultate der Sädfleistungen: Mäbchen, Rüden, 40 Meter: 1. Glimm ( Vorwärts) 0: 45,2; 1. Sachs( Neptun) 0: 46,1. Bruft, 40 Meter: 1. Quardocus ( Union) 0: 45,4; 2. Rörber( Welle) 0: 46,1. Knaben, Bruft, 40 Meter: 1. Sträufig ( Reptun) 0: 42,2; 2. Cristian( Vorwärts) 0: 42,4. Weibliche Jugend, BruftSafette, 4 × 40 Meter: 1. Welle 2: 52,1; 2. Reptun 2: 57,1. Frauen, Al. B, bel 40 Meter: 1. Büchner( elle) 0: 38,4; 2. Saafe( Welle) 0:43. Bruft, Männliche 80 Meter: 1. Röhfa( Neptun) 1: 28,4; 2. Saafe( Welle) 1:31. Jugend, 4 × 40- Meter- Stafette Eel.: 1. Borwärts 1: 53,3; 2. Neptun 2: 2,2. Männer, 4x40- Meter- 2agenftafette: 1. Borwärts 2: 6,2; 2. Neptun 2: 7,4. Rüden, 80 Meter: 1. Luftig( Union) 1: 15,2; 2. Sampe( Vorwärts) 1: 16,4. 80 Meter bel.: 1. Heise( Welle) 1: 1,4: 2. Kolm( Union) 1: 6,2. Männer über 35 Jahre, 40 Meter bel.: 1. Bud( Welle) 0:33; 2. Gelchom( Neptun) 0: 34,2. Arbeiter, Angestellte, Beamte Berlins! In nächster Zeit soll eine besondere Konferenz einberufen werden, die sich mit den Vorarbeiten zu diesem Plan befassen soll. Die Deutschlandreise unserer englischen Genoffer war also nicht umsonst. Arbeiter- Sport- und Kulturkartell, 6. Bezirk( Kreuzberg). Donnerstag, den 25. Juni, auf dem Städtischen Sporiplak Am Urban, Freie Turnerschaft GrphBerlin, Bezirke Silden und Südoft, Turnen, Seichtathletik und Spiele Fußballflub Biftoria, Abt. Areuzberg. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität", 2. bt., auf der großen Spielmiefe in Treptow gemeinsames Training der Arbeitsgemeinschaft der Gibost- Abteilungen. Fichte 3 und Gildoft, AthletikSportklub: Staffellaufen, Springen, Werfen, Freiübungen und Spiele. Sonriftenverein Dic Naturfreunde( Bentrale Wien). Wht. Gefuund. brunnen: Freitag, den 26. Juni, 28 Uhr, Bortragsabend im Gesangscal des Schiller- Enzeums, Bank, Ede Böttcherstraße. Thema:„ Das Wefen des Freibenkertums". Detsgruppe Berlin: Treffpunkt fämtlicher Abteilungen zum RAST. am Sonntag vormittag 10 Uhr Teufelssee( Grunewald). Fahnen und Wimpel mitbringen. Die Liften betr. Anmeldung zur Volksbühne find schnellstens beim Genoffen Schuppa, Lorkingftr. 34, abzuliefern. Freie Zurnerschaft Neukölln- Briz. Alle Genoffinnen und Genossen erfacinen zur Werbebemonstration des Rartells am Sonnabend, den 27. Juni, pünktlich 6 Uhr am Reuterplag. Es ist Bflicht aller Mitglieder, zu erscheinen. Die Regierung Luther- Schiele, im Bunde mit den bürgerlichen Bar Vorträge, Vereine und Versammlungen. teien des Reichstages, ist drauf und dran, zu dem Lohndrud und dem Steuerbrud durch unerhört hohe 3ölle auf Brot und andere wichtige Nahrungsmittel den breiten Massen weitere untragbare Casten aufzuerlegen. Seht Euch zur Wehr und protestiert mit uns am Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Dienstag, den 30. Juni, abends 7'/ Uhr, in folgenden Kundgebungen gegen den geplanten Raubzug: übungen finden jeden Donner stag und Freitag, pünktlich abends für Berlin- Mitte: Mufiferfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31. für Moabit: Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 23. für den Norden: Pharusfäle, Müllerstraße 142. für den Often: Andreasfäle, Andreasstraße 21. für den Süden und Neukölln: Kliems Fejlfäle( Erbe), Hasenheide 13. für den Westen: Spichernjäle, Wilmersdorf, Spichernstr. 3. Tagesordnung: Gegen den Brotwucher Gefo& ftstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 87/38, Sof 2 Tr. Gauvorstand. Die Kamerabschaften von Groß- Berlin werden erfucht, die ausgefüllten Quartierfragebogen umgehend nach dem Gan bureau, Berlin G. 14, Sebastianftr. 37-38, einzusenden. Kamerabshaft Wilmersdorf: Die lekte Notia ändert sich wie folgt: Die Turn- und SportUnd 8 bis 10 Uhr, in der Turnhalle der Oberrealschule am Seepark statt. zwar übt Donnerstags lediglich die Sportabteilung. Rameradschaft Schön. berg- Friedenau: Achtung, Zug Rathaus! Die für Freitag, den 26. Juni, abends 8 Uhr, angefehte Mitgliederversammlung fällt umständehalber aus. Ramerabfchaft Köpenid nnd Untergruppen: Sonnabend, den 27. Juni, abends 7½ Uhr, Treffen om Bahnhof Friedrichshagen mit Tambourtorps und Fahnen zur Werbeverfammlung. Abfahrt Köpenid Köllnischer Plag 6% Uhr, Grünau und Bohnsdorf entsprechend frither. Tschechoslowakische Kriegsinnallben, Witwen, Waisen und Sozialrentner. Sonnabend, den 27. Juni, abends 7 Uhr, findet eine Bersammlung für Mitglieder und Nichtmitglieder in den Hohenstaufen sälen, Rottbuser Damm 76, fiatt, in ber die Magnahmen der tschechflowakischen Regierung in der Rentenverforgung und weiterhin Anträge auf eine Rentenerhöhung behandelt werden. Referenten aus Reichenbach und Cheinnig. Arbeiter Radio- Klub. Bezirk Neukölln: Freitag, den 26. Juni, 8 Uhr, Rütlischule. Bortrag und Besprechung der Sufammentiinfte. Gäste will fammenkunft aller Mitglieder und werftätigen Radiofreunde bei Rosenthal, Schöneberg. Ebersstt. 66. Gäste willkommen. Redner sind die Reichstagsabgeordneten Crifpien, Künstler, tommen, Gruppe Schöneberg: Donnerstag, den 25. Juni, 7% Uhr, Bu Dr. Moses, Stampfer, Wels, Wissell. Sozialdemokratische Partei. Bezirksverband Berlin. Internationaler Arbeitersport. Die Pfingstspiele der englischen Fußballmannschaft in Sachsen haben in den Kreifen der englischen Arbeiterpartei und Gewerkschaften die erhoffte Wirkung ausgelöst: man scheint jetzt ernstlich anfangen zu wollen, die bestehenden Arbeitersportorganifationen zusammenzufassen. Das führende Mitglied des Generalrats der englischen Gewerkschaften, Purcell, äußerte sich einem Vertreter des Daily Herald" gegenüber über diese Angelegenheit folgender maßen: „ Der Kongreß der Gewerkschaften, sowie der Generalrat find gehalten, dem Sportbetrieb innerhalb der Gemertschaften seine ganze Aufmertsamteit zu schenken. Sicherlich werden sportliche Vorführungen und Auslandsreisen viel zur Hebung des Arbeitersportgebankens beitragen. Wir gehen aber noch weiter und mollen mirtlich anfangen, und zwar denten wir uns das fo: sämtliche organisierte Arbeitersportler werden zusammengefaßt. Radfahrer, Leichtathleten, Schwimmer, Boger und die restlichen Sportarten merden herange zogen und in einer Drganisation zusammengefaßt. Denn bisher besteht zwischen den bereits bestehenden fleinen Sportabteilungen ein Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 25. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Direktor Erdmann: Technik und Straßenreinigung". 7.30 Uhr abends: Professor Dr. Gustav Leithäuser: Rundfunkempfang und Gewitter". 8 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Philosophie. Dr. med. Alfred Beyer: Psychologie für das tägliche Leben. 6. Vortrag. Praktische Auswertung". 8.30 Uhr abends: Volkstümliches. 1. a) Puccini: Wie sich die Bilder gleichen, aus der Oper Tosca", b) Puccini: Es blitzen die Sterne, aus der Oper Tosca( Enrico Regattieri, Tenor). 2. Anek, doten von deutschen Erzählern( Wilhelm Dieterle). 3. a) Auber: Schlummerlied aus der Oper Die Stumme von Portioi" b) Gounod: Gegrüßt seist du, du heil'ge Stätte, aus der Oper Faust"( Enrico Regattieri). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. 9.30 Uhr abends: Robert Steidel trägt vor: 1. Berliner Schlager von 1894-97: a) Linoke: Die Damenkapelle, b) Lincke Emma, mein geliebtes Mauseschwänzchen, c) Aletter: Drehorgelballade 2. Schlager von 1925: a) V. Scotto: Der Tiller- Girls- Triller, b) R. Steidl: Der Sänger vorm Mikrofon, c) P. Lincke: Alles fährt Motorrad! Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. von Rentier Dahse. Brieftasten der Redaktion. Clettes 100. Die Mieter fönnen nur dann zur Zahlung herangezogen werden, wenn fie eine bahingehende Berpflichtung übernommen haben. D. 8. 33. Rein, Ete brauchen eine Invalidenmarken mehr zu leben. C. 8. 18. 1. Rein. 3. Arbeiter Radio- Klub, Berlin, Petersburger Str. 39. Basquit. Shre Frau und Ihr Kind müffen ihren Austritt felbst erklären. Emminger. Die Berufung ist nicht zuläffig. Go fommt nur eine Biederaufnahme des Berfahrens nach Berurteilung der Rengen in Frage. Babenweiler. Co muk selbstverständlich das Gefch abgewartet werden. Borher läßt sich nichts Bestimmtes fagen. 6. D. 20. Steuerfrei bleiben täglich 3,10 M. oder wöchent lich 18,60 m. 2.%. 71. 1. An die Versicherungsanstalt haben Sie feine Beiträge su entrichten. 2. Eine Aufwertung findet nicht statt. Ihr Familientisch erfährt eine köstliche Bereicherung, wenn Sie aus besonderem Anlaß, einer Geburtstagsfeier oder sonstigen Festen Dr. Oetker's Götterspeise sodice zum Nachtisch auftragen. 9 Schon der Name Götterspeise" weist auf den delikaten, aromatischen Geschmack hin, den diese hochfeine GeleeNachspeise besitzt. Verschiedene Arten wie Himbeer, Erdbeer, Johannisbeer, Kirsch, Waldmeister, stellen den verwöhntesten Geschmack zufrieden. Zur Zubereitung ist nur Wasser erforderlich Ein Päckchen Dr. Oetker's Götterspeise kostet 40 Pfennig. Versuchen Sie ferner: Dr. Oetker's Schokoladenspeise mit geh. Mandeln. Päckchen 20 Pig. Dr. Oetker's Schokoladenspeise m. Makronen Päckchen 30 Pfg. Dr. Oetker's Gala- Schokoladen- Puddingpulver Päckchen 15 Pig. Dr. Oetker's Puddingpulver nach türk. Art..... Päckchen 25 Pfg. Dr. Oetker's Puddingpulver nach holl. Art...... Päckchen 18 Pig. Dr. Oetker's Puddingpulver mit Makronen Päckchen 30 Pig. ,, Dr. Oetker's Puddingpulver" kommen in den Berliner Hausfrauen- Vereinen zur Verwendung. Verlangen Sie die beliebten Oetker- Rezeptbücher kostenlos in den Geschäften oder wenn vergriffen, umsonst und portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeld Probiert Bolle Schokolade Am 20. d. M. verftarb nach kurzem Krankenlager unser Vorftandsmitglied Herr Friedrich Raafch Der Verftorbene gehörte mehr als zwei Jahrzehnte dem Vorftande an und hat während der ganzen Zeit unermüdlich die Rechte der Kalle und der Verficherten nach allen Seiten hin wahrgenommen. Sein Andenken wird von uns ftets in Ehren gehalten werden. Allgemeine Ortskrankenkaffe d. Stadt Berlin. Die Einäfcherung findet am Freitag, den 26. d.M., nachmittags 31 Uhr, im Krematorium Gerichtftraße ſtatt. 51/6 Der Tod entriß uns am 20. d. M. plötzlich und unerwartet unseren lieben Kollegen, den Dekateur Friedrich Raasch Wir betrauern in dem Verstorbenen einen langjährigen treuen Freund und Kollegen. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. [ 1020b Die Kollegen und Angestellten der Firma Gottschalk& Laske. Am 20. d. M. verschied ganz wartet während seines Urlaubs uner Herr Friedrich Raasch Wir verlieren in ihm einen Mitarbeiter, der in jahrzehntelanger treuester Pflichterfüllung seine Tätigkeit, jedem zum Vorbild, bis zuletzt mit voller Hingabe ausübte. Wir werden dem Dahingeschiedenen über das Grab hinaus eine ehrende und stete Erinnerung bewahren. [ 1019b Gottschalk& Laske. Etatt besonderer Anzeige teilen mir mit, daß am 20. Juni 1925 im Moabiter Krantenbaus nach hutzer, schmerer Krankheit mein innigge liebter Mann Friedrich Raasch im Alter von 66 Jahren sanft ver schieden ist. Um stille Teilnahme bittet Frau Anna Raasch. Trauerfeier 26.Juni, nachm 31 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße 87. Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin. Todesanzeige. Den Kollegen zur Slachricht, daß unser Rollege, der Rundschleifer Max Oberender Tegel, Brunomftr. 50, am 19. b. M. geftorben ist. Chre seinem Anbeufen! Die Einäscherung findet am Frei tag, ben 26. Juni 1925, nachmittags 7 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstraße ftatt. Rege Beteitigung erwartet Die Ortsverwaltung. Am 20. Juni ftarb im hiesigen Stran- Traueripenden fenhause nach schwerem Leiben mein lieber Mann, unser guter Bater Paul Neubert erit 54 Jahre alt. Beerdigung heute, Donnerstag, nach mittags 2 Uhr, auf dem Friedhofe Lichterfelbe- Oft, Lange Straße.[ 10156 Ju tiefer Trauer Fran Agues Reubert und Rinder. Lichterfelbe, Giesensdorfer Str. 19. Ganz ploglich und völlig uner martet entri uns, nach bem erften Lebensjahr, der Tod unser innigft geliebtes Töchterchen Gerda Jn tiefem Schmer 1018b Paul Dölz und Fran. Die Beerdigung findet am Freitag, ben 26. Junt, nachmittags 8 Uhr, auf dem Marien- Friedhof, Prenzlauer Alee 7, statt. Stiftzähne Zähne 2 vorzüglich Mart an, D. jeder Art ltetett preiswert Paul Golletz, vormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. 10503 SCHUTZ ARKE Ouittungs Rabatt Peklomemarken ernet seit 45 Jahren Spezialität Conrad Müller Schkeuditz Leipzig Gardinen Sonderangebote Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. Reparatur in 3 Stunden, Kronen bon 3 Mart an Zahnziehen mit Betäubung. Schonendes Plombieren non 2 Mart an Günstige Sahlungsbedingung. Garantie. Spezial- Gardinenwerkstatt Besonders wind EER ANTENCES Spee it 9-7, Contags 9-19 Uhr Neukölln, Bergstr.67 desondage and bladar esant billig! M. Müller, 17 Riterstate 1 Gesamt- Auflage 17 am Ringbahnhof. Nr. 295 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Beginn des Zollkampfs im Reichstag. ein. Schliebens ,, Begründung". Reichsfinanzminister v. Schlieben: Die Parteien äußern Bedenken. Der Reichstag trat gestern in die erste Lesung der Jollvorlage| fann; unfere verarbeitende Industrie muß jo behandelt werden, daß sie wieder wettbewerbsfähig mit dem Ausland wird. Der Zolltarif muß geändert werden, zu einer organischen Einheit werden; unsere Industrie braucht eine solche gesetzliche Basis. Das Zentrum will nicht den einen Berufsstand einem anderen preisgeben, sondern Schutz für die Industrie und für die Landwirtschaft haben. Es kann nicht bestritten werden, daß unser jegt geltender Zolltarij veraltet ist. Es find jetzt 24½ Jahre her, daß dieser Zolltarij hier im Reichstage zur Annahme empfohlen wurde. Daher entspricht ouch die Gliederung unseres Tarifs nicht mehr den Bedürfnissen, das gleiche gilt von der Höhe der einzelnen Tariffäße. Hierzu fommt, daß das Ausland feine Bollschuhmauern bis zur schwindeln den Höhe emporgeführt hat. Die Einfuhrverbote fönnen nur noch eine furze Lebensdauer haben. Sie müssen verschwinden, wenn unsere Versuche, Deutschland wieder in die Weltwirtschaft einzu reihen, Erfolg haben sollen. Wir müssen eine Grundlage zu Tarif verhandlungen mit andern Ländern erhalten. Die Regierung legt daher Wert darauf, daß die Vorlage mit allergrößter Be ichleunigung erledigt wird( Lachen links), da sonst die schon eingeleiteten Handelsvertragsverhandlungen zum Stillstand kommen müffen. Die Reichsregierung hat bei der Berfolgung ihres Ziels, den Zolltarif zu modernisieren, sich auf das beschränkt, was in furzer Beit erreichbar ist. Sie hat die Gliederung des Tarifs nur dort ge= ändert, wo ein unaufschiebares wirtschaftliches Bedürfnis vorliegt. Es muß aufgeräumt werden, so erklärt der Minister weiter, mit dem Rest der Kriegsmaßnahmen. Während für einen großen Teil der Erzeugnisse sowohl der Industrie wie der Landwirtschaft die aus dieser Zeit stammende Zollfreiheit wieder beseitigt worden ist, sind es jetzt im wesentlichen nur noch die großen Gruppen der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, Getreide, Vieh, Fleisch, Fette, Gemüse, Eier, Milchprodukte und Zucker, für die die Zollfreiheit und damit eine große Lüde im Schutz der deutschen Wirtschaft besteht. Es ist die Pflicht und Aufgabe der Reichsregierung, durch Wiedereinführung agrarischer Zölle ( lebh. Widerspruch links) folgenden beiden wichtigsten Zielen zu entsprechen: 1. das notwendige Rüstzeug in Form von Ver handlungszöllen zu schaffen, die wir brauchen, um niit anderen Ländern, namentlich Ländern bedeutender landwirtschaft. licher Produktion, unserer Ausfuhr förderliche Tarifverträge abjchließen zu fönnen, 2. aber, was noch wichtiger ist, der Landwirt schaft als einem so überaus bedeutsamen Faktor der nationalen Arbeit denjenigen Schutz zu sichern, der ihr aus Gründen der Barität gegenüber den Industriezöllen gewährt werden muß, wenn nicht eine gefährliche Störung des Gleichgewichts die Folge sein soll ( Beifall rechts, lachen links). Es geschieht das unter weitgehen der Rücksichtnahme auf die Verbraucherschaft( lautes Lachen links), deren dauerndes Interesse doch mit dem Bestehen einer intensiven und leistungsfähigen Landwirtschaft durchaus verbunden ist.( 3uftimmung rechts, erneutes Lachen lints.) = Der Minister verweist auf die einzelnen Baragraphen der Vorlage und fährt fort: Die Mindestzölle als System, d. h. den Mini maltarif lehnt die Reichsregierung ab. Sie hält grundsäglich an dem Einheitstarif fest. Es liegt in der Natur der Sache, daß ein starter Handelsvertraggegner sich mit dem autonom aufgestellten Minimaltarif nicht begnügt, sondern Berüdfichtigung seiner besonderen wirtschaftlichen Bedürfnisse durch Gewährung eines besonderen Ausnahmetarifs verlangt. Was man aber im System verwerfen muß, das tann als Ausnahme nüßlich und sogar notwendig sein. Solche Notwendigkeit nimmt die Reichsregierung für die Mindestgetreidezölle als gegeven an. Sie faffen eine Sicherheit dafür, daß ein gewiffer 3ollschuh der Landwirtschaft auf die Dauer gewährleistet ist. Ohne die Festjehung autonomer ermäßigter 3ölle für eine gewisse Uebergangszeit würden aber für die wichtigen Lebensbedürfnisse die vollen Sätze des autonomen Tarifs unvermittelt zur Geltung kommen, und das würde, wenn die Spekulation sich dieser günstigen Gelegenheit bemächtigte, zu einer plöglichen unberechtigten Berteuerung der Lebensmittel und zu schweren Störungen des Wirtschaftslebens führen. Bei der Frage des Einfuhrschein- Systems handelt es sich um eine sehr verwickelte Frage, die unter Hinzuziehung der beteiligten Wirtschaftskreise noch gründlich geprüft werden muß.( Abg. Höllein: Liebesgabe!) Die Reichsregierung wird jedoch an die Neuregelung des Einfuhrschein- Systems fofort nach Berabschiedung der Boriage herantreten. Der Minister betont nochmals die große Bedeutung der Vorlage für die deutsche Produktion und die deutsche Handelspolitik. Das bereits unterzeichnete Handelsabkommen mit der belgisch- luxemburgischen Wirtschafts Union, das inzwischen dem Reichsrat zugegangen ist, beruht auf den im Entwurf vorgesehenen Zollfäßen, die gleichfalls den schwebenden Handelsvertragsverhandlungen mit Frankreich und Italien zugrunde gelegt werden. Zur Erzielung eines günstigen Abschlusses dieser Berhandlungen sowie zur Aufnahme und Fortführung Sonstiger Handelsvertragsverhandlungen ist die schleunigste Berabschiedung der Borlage unbedingt erforderlich Ramens der Reichsregierung bitte ich daher, die notwendigen Beratungen im Plenum und in dem Ausfus so zu fördern, daß die Voriage unter allen Umständen noch por den Sommerferien Gejegestraft erlangt.( Bei jallsgemurmel rechts. Widerspruch links.) Hierauf eröffnete Gen. Wissell die Debatte mit einer Rede, die mir im Hauptteil des Blattes wiedergeben. 2bg. Thomsen( Dnat.): Die schleunige Verabschiedung der Vorlage ist dringend notwendig. Wir werden zu prüfen haben, ob die Borlage die Gewähr bietet, das mit ihr verfolgte Ziel zu erreichen. Sie berücksichtigt nicht die Interessen eines Standes, sondern des garzen Volkes. Auf der einen Seite ist jetzt die Industrie durch Schutzölle geschützt, auf der anderen entbehrt die Landwirt fchaft dieses Schuhes. Diese Disparität muß das Gleichgewicht der Birtschaft stören. Die Zuutnft unserer Industriebevölkerung hängt durchaus von der Produktivität und Ausnahmefähigkeit der Landwirtschaft ab. Unsere Handelsbilanz fann verbessert, die Lebens haltung verbilligt werden. Der überflüssig verteuernde 3wischenhandel muß beseitigt, die Luxuseinfuhr beschränkt werden; die vorgesehenen Zölle sind als Berhandlungszölle ungeeignet. Der Abschluß von Handelsverträgen mit gleitenden 3011 fäßen ist kaum denkbar. Alle Verträge mit Meistbegünstigung werden auf dem Rüden und auf Kosten der Landwirtschaft abge schloffen. Bir dürfen uns nicht durch langfristige Handelsverträge binden, sondern wir brauchen autonome Tarife.( Sehr wahr!) Die Frage Schußzzoll oder Freihandel ist für uns fein Dogma; wir müssen uns entsprechend unseren Bedürfnissen einrichten. Der Redner erinnert an eine Rede von Karl Marx vom 8. Januar 1849 in Brüssel, an deren Schluß es heißt: Im allgemeinen ist heutzutage das Schutzzollsystem vorzuziehen, während das Freihandels inftem zerstörend wirkt. Es zersetzt die Nationalitäten und treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie auf die Spize, mit einem Wort, es zerstört die Nationen. Und in diesem Sinne stimme ich für den Freihandel.( hört, hört! rechts. Lärm bei den Sozial demokraten.) Abg. Dr. Deffauer( 3.): Das Zentrum sieht in dem Zolltarif ein unvermeidliches, ein notwendiges Mittel, zu Handelsverträgen zu gelangen. Die Landwirtschaft leidet schwer. Eine starte Land wirtschaft, die einen großen Teil der Boltsernährung leistet, ist un vermeidlich notwendig. Unsere Sch merindustrie muß erhalten werden, damit sie einen großen Teil unseres Bedarfs wieder decken Wir wollen also mitarbeiten und rasche Arbeit machen.( Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Schneider- Dresden( D. Bp.): Die Vorlage ist so dringHoffentlich kommt im Winter die große Zollvorlage; hier lich, daß fie unmöglich bis zum Herbst hinausgezogen werden kann. schaffen wir nur etwas Borläufiges und dieser Umstand könnte über manche Meinungsverschiedenheiten hinweghelfen. Die Berhältnisse haben sich in Vergleich zu der Borkriegszeit grundlegend geändert. England sieht sich infolge des Zurückbleibens seiner Wettbewerbsfähigkeit gezwungen, zum Schutzoll überzugehen. Die technische Entwicklung Ameritas ist uns überlegen. Die Steigerung der Produktion verbilligt sie zugleich. Wir arbeiten mit 30 bis 40 Proz. Leerlauf in unserer Industrie. Wir fönnen unsere Schulden an das Ausland nur bezahlen, wenn mir exportieren fönnen, also unsere Produktion steigern. Deutschland fann innerhalb des balfanisierten Europas die amerikanischen Arbeitsmethoden nicht nachmachen, weil ihm der große Markt fehlt. Unsere Handelsbedürfnisse zwingen uns also zum Bergleich mit anderen Staaten. Solange eine europäische 3ollunion nicht möglich ist, tann Deutschland seine eigenen Zollbahnen nicht verlassen. Wir können nichts anderes tun als an dem 3ustandekommen der europäischen Zollunion zu arbeiten, die sich übrigens feineswegs gegen Amerika richten würde. Wir halten die deutsche Schuhzollpolifif für notwendig, und zwar für Industrie und Landwirtschaft. Die Landwirtschaft braucht ihre Zölle, damit fie in der Lage ist, die Industriezölle mit zu tragen. Donnerstag, 25. Juni 1925 Auch der sozialdemokratische Antrag auf Borlegung einer Nachweisung über die Ergebnisse der Auflösung der Fidzi tommiffe wurde angenommen, ferner der Zentrumsantrag auf Anwendung der Bachtschutzordnung auf vor dem 1. März 1924 abgeschlossene Bachtverträge. Nach Erledigung der Reste aus der Beratung der Gestüts. Dermaltung wurde die unterbrochene des Beratung Domänenhaushalts mit einer Debatte fortgesezt, die feine wesentlich neuen Gesichtspunkte brachte. Nach einer Reihe persönlicher Bemertungen vertagte sich das Haus auf Donnerstag 12 Uhr: Fortsetzung der Etatsberatungen. Schluß 5 1hr. Schuß den Spekulanten! Dürftige Zukunftswechsel für die verarmten Reichsgläubiger. Reichsbankpräsident Schacht hatte fürzlich im Aufwer tungsausschuß des Reichstages auf die Frage, ob eine Döllige Streichung des Neubesizes an öffentlicher Anleihe dem Kredit des Reiches im Auslande nachteilig sein mürde, mit einem tiaren ein geantwortet. Für die sozialdemofotischen Vertreter im Ausschuß gab diese Erklärung den entscheidenden Anstoß zu dem Antrag, den aus spekulativen Absichien erworbenen Reubesig vom Umtausch der alten Marfanleihen in die neu geplante. Anleihcablösungsschuld auszuschließen. Da durch wäre des Deutsche Reich, da seit dem 1. Juli 1920, den die Regierung als Stichtag für die Unterscheidung von Alt- und Neubesitz vorschlägt, rund 50 Goldmilliarden Reichsanleihe den Besitzer gewechselt haben, von dieser Schuld entlastet worden und seine Bewegungsfreiheit in der Fürsorge für die völlig verarmten Altbesitzer märe in Zukunft entsprechend größer. Da an der Spekulation in deutscher Anleihe in den letzten Jahren das Ausland start beteiligt war, wäre diese Schuldbefreiung Deutschlands zum erheblichen Teil zu Lasten von Ausländern erfolgt. Man hätte meinen sollen, daß eine Rechtsregierung und die Rechtsparteien, die sich über den vom Ausland uns auferlegten Tribut mit Worten so gern empören, dem sozialdemokratischen Antrag mit Freuden zustimmen würden. Das Gegenteil aber trat ein. Mit 10 gegen 10 Stimmen lehnten die Regierungsparteien den Antrag ab, nachdem sie zuvor von der Erschütterung des Vertrauens zur Börse und von der Untergrabung der Kreditfähigkeit des Die Kauftraft der Landwirtschaft muß gehoben werden, weil sie die Reichs gesprochen hatten, die der Antrag im Gefolge haben würde. größte Abnehmerin der Industrie. Auch unsere Frattion spricht sich Abg. Keil( Soz.) hielt der Regierung, die so argumentierte, entfür die Annahme der Vorlage und für die schnelle Verabschiedung derfür die Annahme der Vorlage und für die schnelle Berabschiedung der- friegszeit, die mit entwerteten Bapierfesten erfüllt wurden, in großem gegen, daß fie ehrliche Ansprüche aus der Kriegs- und Vorfelben aus.( Lebhafter Beifall rechts.) Umfange für erloschen erfläre, dem Spetulantentum aber ihre eifrigste Fürsorge zuwende. Auch davon sprachen die Regierungsvertreter, daß die Börse nach dem Erscheinen der Regierungsvorlage mit der Aufwertung des Neubefizes habe rechnen fönnen und daß man ihr jetzt feine Enttäuschung bereiten dürfe. Reil antwortete, die Börse habe es sich selbst zuzuschreiben, wenn ihre vor der Entscheidung des Reichstags betriebenen Spefulationen sich als falsch erwiesen. Lieber den Börsenspekulanten als den verarmten Gläubigern eine Enttäuschung bereiten. Aber alle Beweisgründe prallten an der Mehrheit ab; sie gewährte den Spekulanten ihren besonderen Schuh. Abg. Dr. Rosenberg( Komm.): Gestern hat sich auch der Reichsverband der Deutschen Industrie gegen gebundene Agrarzölle ausgesprochen. Die Industrie wird ihre Ernte in die Scheuern bringen, die Herren vom Landbund werden die betrübten Lohgerber fein. Ist es richtig, daß die deutschen und französischen Schwerindustriellen sich auf der Basis verständigt haben, daß die französische Industrie ein bestimmtes Kontingent Roheisen zum halben Zollsaz bei uns einführen kann und dafür mit dem System der Eisenzölle einverstanden ist, wie es in dieser Zollvorlage festgestellt ist? Dann wäre ja ein bedeutender Abschnitt unseres Bolltarifes bereits festgelegt. Der Konzern Otto Wolff hat es durch seine Beziehungen im Wirtschaftsministerium verstanden, für gewisse Bleche, die er allein fabriziert, eine neue Zollpofition in die Vorlage einzuschieben, die ihm einen Ertraprofit verschafft. Auch andere Konzerne haben im Wirtschaftsministerium 3ölle durchseßen können, die für sie besonders günstig sind. Die Kommunisten fönnten im Interesse der unterdrückten Arbeitnehmer die Vorlage in ihrer jebigen Gestalt nicht annehmen.( 3u stimmung links.) Abg. Fehr( W. Bg.) gibt namens der Wirtschaftlichen Vereinigung eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Wir halten die Vorlage. eines Gefezes über Zollfäße für eine Notwendigkeit. Die deutschen Zölle müssen selbstverständlich alle Wirtschaftszweige umfaffen, also auch der Landwirtschaft, als der Grundlage der gesamten deutschen Wirtschaft, den notwendigen Zollschutz geben. Dabei soll aber auch auf die Verbraucherschaft die erforderliche Rückficht genommen werden, sowie auf Handel und Gewerbe. In sachlicher Arbeit im Ausschuß müsse die wichtige Aufgabe der deutschen Zölle eine Lösung finden.( Beifall rechts.) Zollvorlage und setzt sich dabei besonders für die Landwirtschaft ein. Abg. Horlacher( Bayr. Bp.) unterstreicht die Notwendigkeit der Erforderlich sei ein tragbares Kompromiß zwischen Industrie und Landwirtschaft zum Wohle des deutschen Volkes.( Zustimmung rechts.) Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Abg. Dr. Breitfcheid( S03.) erhebt Einspruch dagegen, daß der handelspolitische Ausschuß sich schon am Donnerstag mit der Zollvorlage beschäftigen wolle, ohne daß der Gesetzentwurf an den Ausschuß verwiesen sei. unzulässig sei, solange die erste Lesung im Plenum nicht beendet sei. Bizepräsident Graef stellt fest, daß eine Beratung im Ausschuß Segen 7% Uhr nachm. wird die Beiterberatung auf Donnerstag 2% Uhr vertagt. Verschleppung untere Beamte. Aus dem Landtag. des Antrags auf Wirtschaftsbeihilfe für Annahme des Gesezes auf Verschiebung der Provinzialwahlen. Eine weitere bedeutsame Entscheidung traf der Ausschuß, indem er einen sozialdemokratischen Antrag ablehnte, monach den Altbesigern ein Zins von 5 Proz. der neuen Ablösungsanleihe gewährt werden sollte. Da die Ablösung nach dem sozialdemokratischen Antrag im Verhältnis von 20 Proz. erfolgen sollte, würde der Altbefizer 1 Broz. des ursprünglichen Rennbetrages feiner Anleihestücke an 3ins bekommen haben. Die Regierungsparteien beschlossen, den Altbesizern abgesehen von der Vorzugsrente an die Bedürftigen- teinerlei 3ins zu geben, sondern sie nur auf die Tilgungsauslosung zu verweisen, die in 30 Jahren vor sich gehen soll. Bei der Auslosung, die den Gläubiger im ersten oder auch erst im dreißigsten Jahr berücksichtigen fann das hängt voni Zufall absoll er statt 1000 m. ganze 125 m. bekommen und dazu jährlich 4,5 Proz. Zins, der aber bis zur Auslosung ange sammelt werden soll. Die lebhaften Einwände unserer Genossen Ströbel, Reit und Leber, daß mit einem derartigen Wechsel auf die Zukunft den hungernden Gläubigern der Gegenwart nicht geholfen sei, wurden von Hergt( Dnat.) abgetan mit dem Hinweis auf die Beräußerlichkeit des Auslosungsrechts. Die Regierung mußte aber bekennen, daß der Kurswett eines solchen Auslosungsrechts höchstens 8,9 Proz. des ursprünglichen Kapitalbetrages erreicht. Wahrscheinlich wäre der Kurswert noch viel niedriger. Nach dem gefaßten Beschluß fann der Gläubiger hoffen, in einer ungewissen 3ukunft einmal 12,50 Broz. seiner Kapitalforderung und 0,56 Broz. 3ins zu bekommen. Nach dem sozialdemokratischen Antrag hätte er sofort 1 Proz. Zins und ein Auslosungsrecht von 20 Broz. seines Kapitalbetrages bekommen. Aber für diesen Antrag ist, so sagen die Regierung und ihre Parteien, fein Geld da. Für die Ruhrkönige war es da! Im Landtag beantragten gestern vor Eintritt in die Tagesordnung die Kommunisten, die beabsichtigte Umbildung der Preußischen Regierung, bei der die Zentrumspartei den Ruh händler" spiele, im Plenum zu besprechen. Der Antrag scheitert, datischen Antrag, den Neubesig, der in den Inflationsjahren Widerspruch erhoben wird. Hierauf wird der Antrag der Sozialdemokraten auf Gewährung einer Wirtschaftsbeihilfe an die Beamten der sechs untersten Besoldungsgruppen in Höhe von 100 m., bei des Hauses sich herausgestellt hatte, in der vom Beamtenausschuß dem Antrag gegebenen Fassung mit knapper Mehrheit gegen die Stimmen der Linksparteien, denen sich einige Zentrumsmitglieder anschließen, auf Antrag Schmedding( 3.) dem Hauptausschuß überwiesen Nach einer weiteren Debatte über den Domänenhaushalt nimmt das Haus die Wiederholung der namentlichen Abstimmung über den Gesezentwurf vor, durch den die Wahlzeit der Provinziallandtage und der Kreistage und ihrer Mitglieder bis zum 1. November 1925 verlängert wird. Bei den früheren Abstimmungen hatte die Rechte durch nichtbeteiligung an der Stimmenabgabe die Nichtbeschlußz fähigkeit des Landtags herbeigeführt. des TO Im Aufwertungsausschuß des Reichstages wurde am Dienstag der sozialdemokratische Antrag, soweit er die Umwandlung der Reichsanleihe in Ablösungsanleihe zu 20 Proz. statt zu 5 Broz, mie gelehnt und die Regierungsvorlage mit 13 gegen 12 Stimmen die Regierung vorschlägt, bezweckt, mit 14 gegen 12 Stimmen a b angenommen. Die Sparprämienanleihe von 1919 wird auf Antrag Philipp( Dnat.) statt zu 2% Proz. zu 3½ Bros. umgewandelt, d. h. für 1500 m. Sparprämienanleihe werden 50 W. Anleiheablösungsschuld ausgegeben. Eine ausgiebige und politisch sehr bedeutsame Debatte drehte sich um den sozialdemokra in der Hauptsache aus spekulativen Absichten erworben worden ist, von der Auswertung auszuschließen. In dieser Debatte waren wieder einmal die Rollen vollkommen vertauscht. In scheinbarer Angst vor den ausländischen Spefulanten, in Wahrheit aus Sorge für die inländischen Börsianer, setzte sich die Regierung für die Umwandlung des ganzen papiernen Spetula. tionsbefizes in Reichsmartanleihen ein. Ministerial. direktor von Brandt sprach in diesem Zusammenhang allen Ernstes von der Wahrung von Treu und Glauben gegenüber Den Spekulanten und vergaß dabei ganz, mas aus Treu und Glauben derjenigen wird, die während des Krieges den Bersicherungen Glauben geschenkt haben, daß die Kriegsanleihe absolut sicher sei. Während die Vertreter der Regierungsparteien den Standpunkt der Regierung unterstützten und dabei die Rücksicht auf die ausländischen Anleihefäufer, die doch gewisse Hoffnungen auf die deutsche Anleihe gesetzt hätten, immer wieder betonten, traten die Abgeordneten keit( 503.), v. Richthofen ( Dem) und Rosenberg( Komm.) nicht nur für die Ausschließung des Neubefizes von der Umwandlung, sondern für deren völlige Annullierung ein. Sie erklärten, die Rücksicht aufs Ausland sei in diesem Falle völlig unverständlich. Es handele sich nicht darum, den Neubejiz im Ausland für erloschen zu erflären, sondern den Neubesiz fchlechtweg, gleichgültig ob er in inländischen oder ausländischen Händen sei. Diese Redner konnten sich auch auf den Reichsbantpräsidenten berufen, der kürzlich erklärt hette, daß die Streichung der ganzen deutschen Markanleihe oder lande nicht berühre Zu einer Abstimmung über diese Frage tam es noch nicht, weil die Regierungsparteien sich nicht klar dar über maren, mas fie tun sollten. Angenommen wurde ein Antrag Seil, monach die Regierung bis zur zweiten Lesung eine Gegenüberstellung der Entwicklung des Dollarfuries und des Anleihefurjes während der legten vier Jahre vorlegen soll. Mit 223 Stimmen gegen 48 Stimmen bei 4 Enthaltungen wird der einzige Artikel des Gefehentwurfes in dritter Lesung angenommen und darauf das Gesetz im ganzen. Hierauf erfolgen die ausstehenden Abstimmungen über den Hauhalt der Landwirtschaftlichen Verwaltung. Die Entschließungen Hauptausschusses wurden im wesentlichen an= genommen. Das Staatsministerium soll ersucht werden um Ein wirkung auf die Reichsregierung, daß diese beschleunigt einen Gauch nur des Neubefizes die Kreditfähigkeit Deutschlands im Aus. fezentwurf über die Neuregelung des fozialen Bachthues vorlegt. Annahme findet auch der Antrag Borsch ( 3.), auf Bewährung von Krediten und Steuererleichterungen an die Winzer und Abänderung der Zollsäge für Wein, Gemüse und Obst im spanischen Handelsvertrag bezw. Kündigung des letzteren. Wivtfdyafi Ententeinöuftrie gegen Dawes-Plan. Reparationen und Schutzzollpolitik. Von dem Kongreß der internationalen Handelskammern in Brüssel werden heftige An- griffe der interalliierten Industrie und Volkswirt- schaftlichen Sachverständigen gegen die Auswirkungen des Dawesplans gemeldet, weil die Sachleistungen sowohl als die Barleistungen, wenn sie in Warenlieferungen sich ausdrücken, die Industrien der Gläubigerländer gefohriben. Insbesondere das frühere Mitglied des Dawes- k o m i t e e s, Sir I o s i a h S t v m p, der englische Volks- Wirtschaftler, äußerte sich sehr nachdrücklich über die un- günstigen Folgen der Ausführung des Dawesplanes und den Konflikt zwischen den industriellen Interessen einerseits und den nationalen und finanziellen Interessen der Gläubigerstaaten andererseits. Er frage sich voll Sorge, so führte er aus, ob dieser Zustand der Dinge während 2 0 oder li0 Iahren fortdauern soll. Entweder wolle man Neparationszahlungen, oder man wolle sie n i ch t. Wenn man sie wolle, müsse man dauernd auf wiederaufbauende Zusammenarbeit bedacht sein. Jede einschrünkenbe Schutzmaßnahme müsse die Tendenz und das Ergebnis haben, Reparationen zu erschweren und in weitem Umfange angewandt dahin führen, jegliche Reparationspolitit zu zer- stören. Durch diese einschränkenden Schutzmaßnahmen könnten die Transferoperationen so schwierig werden, daß man Deutschland würde erlauben müssen, in seinen Anstren- gungen nachzulassen. Die Enkentestaaten sollten sich nicht länger sagen lassen, daß Nationen, die nicht vor den feindlichen Geschützen zittern, unfähig sind, ihren eigenen Schwierigkeiten ms Gesicht zu sehen. Nach einer anderen Meldung führte Stamp weiter aus, daß nach Zusammenbruch des Dawesgut» achtens Amerika auch die Hoffnung auf Zahlung der a l l i» ierten Kriegsschulden aufgeben müßte. Der wahre ijinderungsgrund für die Lösung der Reparationsfrage wie auch für die Zahlung der interalliierten Kriegsschulden sei die amerikanische Schutzzollpolitik. So sehr der Dawesplan eine absolute politische Not» wendigkest war, so selbstverständlich mußten diese seine w i r t- s ch a f t l i ch e n Auswirkungen erwartet werden. Daß sie eine fa rücksichtslose Kritik von Ententeseite erfahren, ist von Deutschland zu begrüßen. Sie rechtfertigen die Erwartung, daß die bisherige Reparations- und Handelspolitik der Entente eines Tages an ihren eigenenWiderfprüchen scheitern muß. Um so nachdrücklicher wird die Erfüllungspolitik der Sozialdemokratie gerechtfertigt, die, bevor noch die eigentlichen Zahlungen auf Grund des Dawesvertrages be- gönnen haben, diese Wendung der öffentlichen Meinung der Ententevülker zugunsten Deutschlands möglich gemacht hat. Den eigentlichen Nachdruck erhalten die Brüsseler Angriffe, die nicht die politische Bedeutung des Dawesplans, sondern die Reparationszahlungen überhaupt treffen, aber erst durch die Begründung Sir Stamps, daß die Schutzzollpolitik der Nationen mit den Reparationszahlungen auch jede wiederaufbauende Zusammenarbeit der Nationen auf die Dauer unmöglich mache. Sein Hinweis auf Am e r i k a ist natürlich zunächst aus dem engeren Gesichtswinkel der eng- lifchen Interessen erfolgt. Er gilt aber ebenso und noch stärker für uns, da gerode von Deutschlands Initiative sehr viel ab- hängt. Die Annahme der Zolloorlage durch den Reichstag müßte, da sie direkt die der Entente verpfändeten Zoll- einnahmen erhöhen muß und unter schwerster Schädi- gung der volks- und weltwirtschaftlichen Interessen Deutsch- lands die schwierige Lage der Industrien in der ganzen Welt verschärfen muß, die doppelte Wirkung haben, daß einer- seits die Leistungsfähigkeit Deutschlands fälschlicher- weise bedeutend erhöht erscheint, und daß anderer- sests die finanziellen Erwartungen der Gläubigerstaaten den Ausgleich der industriellen Interessen der Völker ver- hindern. Der internationale Eifenvertrag. Tie Einzelheiten des Abkommens. Paris. 24 3nnl((Eigener vrahlbericht.) Am Mittwoch morgen sind die Verhandlungen zwischen der deutschen und der fran- zöfischen Industrie materiell und formell zum Abschluß gebracht morden. An den Verhandlungen waren aus deutscher Seite uebeu Bnthn und klöckner auch Jtifz Thyssen beteiligt. Die sranzSsische Industrie wurde hauptsächlich durch de Mendel und Pinnot vertreten. Der Vertrag gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil regelt die französischen Einfuhrquoten. Die Gesamtmenge der Eisen- einfuhr nach Deutschland beträgt 1,7 Millionen Tonnen pro Jahr. wie ja schon bereits gemeldet wurde. Auch bezüglich der Lieferungs- länder(Frankreich, Luxemburg und das Saarreoier) verbleibt es bei der Regelung, die bereits publiziert worden ist. Auf das Saorrevier entfällt pro Jahr ein Kontingent von 800 000 Tonnen. Der zweite Teil enthält die Regelung der Marktfrage. Deutschland und Frankreich bleiben in ihrem eigenen Lande, ab- gesehen von der Regelung der französischen KoMingente, völlig souverän. Hier sind, ähnlich wie im Kalivertrag. Bestimmungen über die Produktionskontingentierung bzw. Neu- anlagen eingeführt worden. Soweit der Auslandsmarkt in Frage kommt, sind gemeinsame Verkaufssyndikate vorgesehen. Di« einlausenden Eingänge werden in der Verkaufszentrale gsmein- sam bearbeitet. Die Verteilung geschieht nach einem Schlüssel, der noch näher festzulegen ist. Der dritte Teil enthält die Regelung über das vorgesehene Pro- duktiossyndikat. Wesentlich sind hier Vereinbarungen über langfristige Mi nette-, Kohlen- und Kokslieferungs- v e r t r ö g e. Teilweise sind in bezug auf die Rohstofflieferungen Austauschlieferungsoerträge, deren Regelung noch erfolgen muß, vor- gesehen.— Finanziell enthält die Vereinbarung grundsätzliche Bestimmungen über den Austausch von Kapitalbeteiligungen. Der Vertrag ist ohne weiteres als die Grundlage des kommenden Eisentrustes anzusehen. In informierten Kreisen wird weiter mit der bevorstehenden Gründung eines ch e m i- s ch e n Syndikats gerechnet. Die deutfch-französische Industrie wäre damit also in ihren wesentlichen Bestandteilen in drei großen Syndikaten, dem Eisentrust, dem Kalisyndikat und dem chemischen Trust, vereinigt. Man erwartet für den Eisentrust und den chemischen Trust eine gewisse Autorisierung durch den Staat, wie sie auch auf französischer Seite beim Kalisyndikat erfolgt ist. Die Pläne scheinen hier nach der Richtung hin zu gehen, daß die deutsche und die französische Republik für 30 Jahre Garantie für den Bestand der gebildeten Syndikate übernehmen sollen. Die Sergbautrise im Ruhrrevier. Die WirtschaftskriseimKohlenrevier nimmt immer größeren Umfang an. Eine Zeche nach der anderen wird stillgelegt, jeden Tag vermehrt sich das Heer der arbeitslosen Bergarbeiter. Bis zum Jahresschluß will man 60000 bis 80000 Bergknappen entlassen. Bon 270 Zechen wurden bisher 35 ganz und 50 teilweise stillgelegt. Das hat natürlich zur Folge, daß z. B. vom Februar bis Mai allein auf den Staatszechen infolge der schlechten Entlohnung nicht weniger als 1700 Bergleute, in der Zeit vom März bis April im Ruhrgebiet überhaupt 10 000 Bergarbeiter freiwillig in andere Berufe übergetreten sind. Ganze Berg- arbeitergemeinden an der Ruhr veröden und ver- elenden. Im Kreise Hörde saßen früher 15 000 Bergleute, heute sind es nur noch 7000, im Hattinger Revier ist ihr« Zahl von 14 000 auf 8000 gesunken, im Wittener Revier sind von 15 000 nur noch 9000 übrig geblieben und in der Gemeinde Linden-Dahlhausen gibt es von iOOO Lergarbeitsrn nur noch 1850. Trotz diefer rückläufigen Entwicklung sind für die nächste Zeit folgende Entlassungen vorge- sehen: Thyssen 3000 Mann, Neumüh! 500. Unser Fritz 1100, Staats- zechen 2000, Maßen 1600, Graf Blumenthal 850, Freie Vogel und Unverhosst 1100, Admiral 300. Herdcder Steinkohlenbergwerke 900. Unter diesen Zechen befinden sich Betriebe, die in den besten Bergbaubezirten des Ruhrgebiets liegen. Welche Politik von den Zechenverwaltungen betrieben wird, mag die Tatsache zeigen, daß die zum Lothringer Konzern gehörige Zeche König Ludwig die äußerst ungünstig und unrentabel fundierte Zeche Trappe auf- kaufte, während der gleiche Konzern vier andere Zechen stillegte. Es handelt sich hier um ein Manöver, das darauf hinausläuft, die nach dem Syndikatsvertrag vorgesehene A b s a g q u o t e zu übernehmen und dann den Betrieb ebenfalls wieder stillzulegen. Der Lothringer Konzern will also an dieser Stillegung verdienen. Dieses Beispiel zeigt den Charakter der Unternehmerpolitik. Das Risiko wird vollständig auf die Arbeiter- schaft abgewälzt. Außerordentlich zu beklagen ist. daß keine behördlichen Maßnahmen die Grubenherren daran hin- dern, ihre Sanierung auf Kosten der Arbeiter vorzunehmen. Neben dem Verlust ungeheurer Bodenschätze für die Volksgemeinschaft werden noch Hunderttausende der kostbarsten Arbeitsträste ver- schwendet und nutzlos verwüstet. Zollvsrlage unü Kammgarninöuftrie. Der Stühr-Kouzern. In der Textilindustrie und auf dem engeren Gebiet der Woll- industrie ist der St ö h r- K o n z e r n eins der aktivsten und zweifellos das interessanteste Konzerngebilde. In der Vorkriegszeit schon von bedeutender Ausdehnung(Eigenkapital 12 Millionen und 4 Millionen Reserven), war sein Konzerncharakter damals noch wesentlich horizontal. Seine damals IIP? Millionen Wertpapiere und Beteiligungen griffen nicht über das Gebiet der Kammgarn- spinnerei hinaus, wenn auch feine amerikanische Gründung, die Botany Worsted Mills, deren Beieiligunaswert 1913 mit 8,3 von den 11,07 Millionen die wichtig st ederBeteil, gungen war, den starken Ausdehnungsdrang des Stohr-Konzerns schon damals beweist. In der gleichen Richtung wies auch die Beteiligung am Amsterdamfch Wol©yndicaat in Amsterdam seit 1921. Ganz anderer Art ist die seit 1922 durchgeführte vertikale Kombination, die mit der Interessengemeinschaft mit der Elberfelder Textilwerke 2L■<3.(Etag) begann und die konzernmäßige Angliederung emes Großabnehmers für die Kernerzeugnisse der Kammgarnspinnerei bedeutete. Der Gründung eines Interessengemeinschafts o r g a n s, der A.-G. für deutsche Kammgarnerzeugnisse, um die sich zahlreiche mehr oder weniger abhängige Unternehmungen gruppieren, folgten seit Anfang 1924 Beteiligungen der Siöhr-Etag-Gruppe an der Vertikal- Streichgarn- A.-G. Berlin(zusammengeschlossene Tuch- fabriken) und an der Betrievsgemeinschaft erster Konfektions- Häuser Leipzigs(Esders-Äonzern). Damit war die starke Hori- zontalkombinatinn mit direktem Rohstoffeinkauf zur Dertikalkombi- Nation vom Rohstoffeinkauf der Garnspinnereien bi» zum Absatz der fertigen Stoffe und Anzüge ausgewachsen. Wie stark der Stöhr- Etag-Konzern sich fühlte, geht daraus hervor, daß in New Port die Stoehr and Sons gegründet wurde(die gemeinsam mit der Stöhr- Etag-Gruppe 50 Proz. der Botany Consolidated Will« kon- trollierte), obwohl die Forderungen an den amerikanischen Zwangs- verwaller aus dem Botany Worsted Mills im Betrage von 5 MIl- lionen Dollar oder 20 Millionen Mark bis heute noch nicht frei- gegeben sind. Nach neuesten Mitteilungen haben sich die Auslaichs- ivtersssen der Stöhr-Etag-Gruppe noch auf die A.- G. f ü r T e x t i l- Unternehmungen Amsterdam erweitert. Wie weit die Stöhr-Etag-Gruppe auch zu jenen vertikalen I n- f l o t i o n s konzernen gehört, die abgebaut werden müssen, um sich finanziell halten zu können und schließlich trotzdem in die Abhängig- keit ausländischer Kapitalgeber kommen, läßt sich heut« noch nicht übersehen. Interessant ist jedenfalls, daß sich schon im Jahre 1924 die Ausdehnung in die Aonsektionsbranche und die Tuchfabrikation nicht halten ließ, weil der Konkurrenzkampf die Interessen- gemeinfchaft mit den Konfektionshäusern sprengte und auch die Tuchfabriken bei der sinkenden Tendenz der Garnpreise an der Konzernverbindung kein besonderes Interesse zu haben brauchten. Ob der 2- M i ll i o n e n- D ol la r- K r e d i t, den die bis jetzt von dem Stöhr- Etag> Konzern und der Stoehr and Sons New Park kontrollierten Botany Tonsolidated Mills besorgt haben, nicht schließlich zur Umkehrung des Herrschastsver- bältniffes führen wird, hängt davon ab. ob die Kreditnehmer die 2 Millionen Dollar bis 1929 zurückzahlen können, was wohl wieder erst möglich fein wird, wenn der amerikanische Zwangs- verwaller die Z-Millionen-Dollar-Forderung freigibt. Jedenfalls liegt das dem amerikanischen Kreditgeber eingeräumte Recht, einen be« deutenden Bruchteil des Stöhr-Etag-Konzernkapitals bis 1929 zu erwerben, auf dem Wege zu dieser Umkehrung. Unter diesen Umständen gewinnen die Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 1924 und die Schlußbilanz für 1924 der Muttergesellschaft Stöhr u. Eo., die gleichzeitig veröffentlicht worden sind, besondere Bedeutung. Krieg und Inflation sind glän- zend überstanden, das ist der erste Eindruck. Obwohl die S-Millionen- Dollar-Forderung, auf deren Freigabe stark gerechnet wird, in den Beteiligungen und Wertpapieren der Goldbilanz noch nicht enthaltm sind, ist der Posten doch noch um 214 Millionen höher(13,65 gegen 11.07 Millionen 1913) als 1913. Trotz der starken Ausdehnung des Betriebs- und Gefchäftsumfangs gegenüber 1913(Forderungen. Wechsel und Kasse verdoppelt bzw. ver- d r e i f a ch t), sind die Fabrikanlagen in der Gold- und Abschluß- bilanz um fast 40 Proz. niedriger bewertet(5D bzw. 5,6 Millionen acgenüber 8,6 Millionen 1913). Die Rohstoff- und Warenbestände sind trotz der auch heute noch mindestens 70proz. Wertsteigerung in der Goldbilonz mit 50 Proz. und in der Abschlußbilanz auch immer noch niedriger als 1913 eingesetzt. Dem entspricht auch die verhältnismäßig geringe Erhöhung des Goldkapitals und der Re- seinen auf 17,62 und 3,5 Millionen gegenüber 12,0 und 4,4 Millionen 1913. Di« Bilanzierung ist also sehr vorsichtig zu nennen. Eine noch so günstig und vorsichtig aufgemochte Bilanz bedeutet allerdings wenig für das Schicksal des Stöhr-Konzern», wenn die Konjunktur sich u n g ü n st i g entwickelt und da- durch alle Berechnungen und selbst olle stillen Reserven wertlos macht. In dieser Richtung sieht es allerdings weniger günstig aus. Wichtiger als die 6 Proz. Dividende, die Stöhr für 1924 ver- teilt, ist die Marktloge und sind die Marktonssichten. über die sich auch der Geschäftsbericht sehr wenig optimistisch äußert. Rur sind mit aller Bestimmtheit nicht der„mangelnde Schutzzoll' und die für den ersten Einfuhnimsatz fehlende Ilmsatzbesteuerung daran schuld. Eher schon die hohen Zinssätze und die allgemeine Kapital- und Kreditkrise. Entscheidend sind aber die mächtigen E i n- und Ausfuhrverschiebungen seit 19 13 und besonders deren innere Gründe, die durch die geplante Verdoppc- lung bis Vervierfachung der Garnzölle keines- wegs beseitigt werden können. Was die Uinksh'' des Aus- fu h r Überschusses der Vorkriegszeil mit monatlich 609 000 Kilo- gramm in einen Einfuhrüberschuß mit monatlich 440 000 Kilogramm anbelangt, so ist dieser trotz des Wegfalls der zallfre'en Ein- fuhr Frankreichs im Jahre 1925 nach der eigenen Feststellung des Geschäftsberichts ja nicht gesunken, sondern auf 758 00O Kilogramm aestiegen. Daraus ergibt sich mir zwingender Ztvtwendigkeit der Schluß, daß die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der deutschen Garne im Inland und im Ausland aui die absolute produktionstech- Nische Ueberlegenheit der A u s l a n d s k o n k u r r e n-, keinesfalls auf ungenügenden Zollschutz und ähnliches zurück- zuführen ist. Diese Konkurrenzunfähigkeit mußte sich natürlich, als die Preise für Rohwolle so erheblich sanken(1925 um 30— 40 Proz.). noch bedeutend verschärfen. Es ist daher vollständig abwegig, wenn die Begründung der Zollvorläge die Garnzölle deshalb einführen will, weil die deutschen Kammgarnspinnereien den deui- schen Markt selbst versorgen könnten und weil der Schutz der Kamm- garnspinnerien eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit sei. Den volks- wirtschaftlichen Notwendigkeiten könnte vielmehr nicht anders ge- dient werden, als wenn die deutschen Spinnerien in der scharfen Luft der Auslandskonkurrenz ihre Konkurrenzfähigkeit wieder herstellen müßten, statt daß aus den Zöllen eine Bcquemlichkeitsprämie wird, die die Verbesserung und Verbilligung der Produktion verhindert. K— r. Aus der Pciroleumindustrie. Die Generalversammlung der Deutschen Petroleum A.-G und der Rütgerswerke wurde von dem Aufsichtsratsvorsitzenden, dem Direktor der Deutschen Bank, Dr. v. S t a u ß, dazu benutzt, um ein ausführliches Bild der Wirtschasis- läge und der Loge der beiden Gesellschaften insbesondere zu geben. Interessant waren besonders die Darlegungen in der Versammlung der Rütgers-Werk« über die Steuern." Es ist— so führte Herr o. Stauß aus— schon in der Presse darauf hingewiesen worden, daß die Gesellschaft 90 Proz. ihrer Ueberschüsse an Steuern hat abführen müssen. In den Vorkriegsjahren hat die Gesellschaft selbst in den Jahren, in denen sie die höchsten Steuern zu bezahlen hatte. 20 Proz. an Steuern abgesührt, im Durchschnitt aber nur 10 Proz. an Steuern im Verhältnis zum Ueberschuß. Die Gesellschaft hat aus den Erträgnissen 4 Millionen für Ver- besser ung der Betriebseinrichtungen verwandt. Sic beabsichtigt im lausenden Jahre 5 Millionen für diese Zwecke in Anwendung zu bringen. Sie will dabei nicht einmal die ausstehende Cinzahtung auf die Kapitalserhöhung von 18 Millionen in An- spruch nehmen. Der Umsatz im laufenden Jahre hat sich sehr st a r k erhöht. Obwohl die Preise niedriger sind als im Vorjahre, hat die Gesellschaft dem Werte nach 20 Proz. mehr, der Menge nach 30 Proz. mehr als im Vorjahre umgesetzt. Dadurch haben sich, weil die Zahlungstermine bekanntlich jetzt sehr lang- sristig sind, die Außenstände um 40 Proz. erhöht, und es hat auch eine entsprechende Erhöhung der Warenbestände stattge- funden. Trotzdem ist es der Gesellschaft gelungen, ihre Bank- schuld um 2 Millionen zu verringern, eine außerordentliche wirtschaftliche Leistung, wie der Borfitzende selbst ausführte. Und nun vergleiche man damit die Kritik an den„zu hohen Steuern". Die Gesellschaft hat einen Rohüberschuß von 4 309 681 M. ausge- wiesen, hat 4 Millionen für Betriebsoerbesserungen venvandt, um 2 Millionen ihre Bankschulden verringert. Damit erhöht sich der Ueberschuß auf 10 309 681 M., runb ck0 Millionen Marl. An Steuern Hot die Gesellschaft rund 3 Millionen Mark gezahlt, das sind aber nicht 90 Proz. des Erträgnisses, sondern n u r 3 0 Proz., wobei noch zu berücksichtigen ist. daß sie die Umsatz- steuer zum größten Teil auf die Abnehmer ihrer Produkte ob- zuwälzen in der Lage war. Die Gesellschaft bestätigt das selbst. In- dem sie erklären ließ, daß sie die Preise bei einem Erlaß der Steuer nicht hätte zu senken brauchen! Auch bei der Deutschen Pe- troleum-Mtiengesellschaft hat also das Handelsgeschäft trotz vieler ungünstiger Momente, die ja bekannt sind, mit Ueberschuß ob- geschlossen. Die Gesellschaft nimmt in neuerer Zeit wieder einen planmäßigen Auebau ihrer Produktionsstätten vor, und zwar aus dem Ertrage. Sie sucht ferner solche Produktionsstätten abzu- stoßen, deren Ausbau große Mittel erfordert und die erst in ziemlich später Zeit Ertrag verheißen. Sie hat aus diesem Grunde das Braunkohlenwerk Berzdorf verkauft und die Bar- einnähme aus diesem Verkauf zur Verringerung der Bankschuld oerwandt. Bank für Textilindustrie. In ihrem Geschäftsbericht führt die Verwaltung dieses zum Blumenftein-Konzern gehörigen Unter- nehmen? aus,„daß der A b f a tz der Erzeugnisse durch die S t e i g e- rung der Rohstoffpreise, vor allem aber dadurch beein- trächtigt wurde, daß die Kaufkraft im Jnlande infolge der durch die Stabilisierung hervorgerufenen Umstellung stark beschränkt mar. Hinzu kam, daß auch der Zwischenhandel und die weiterver- arbeitende Industrie durch die ollgemein vorhandene Knappheit an Betriebmitteln und die hiermit verbundenen unregelmäßigen, teil- weise schleppenden Eingänge der Außenstände in ihren Dispositionen beengt wurde. Es war nicht immer leicht, den an die Banken in- folge dieser Schwankungen gestellten finanziellen Anforderungen gerecht zu iperden. Die Beschäftigung kann als normal bezeichnet werden. Jedoch wird aus den Kreisen der Industrie über die Schwere der Steuern und sozialen Lasten geklagt, die in ihrem jetzigen Um- fange auf die Dauer untragbar geworden sind und die zur Foige haben, daß die Preise sich verteuern, wodurch die Absatzmöglichkeit infolge verminderter Aufnahmefähigkeit sich verringert. Ebenso sind die geschilderten Umstände nicht ohne nachteiligen Einfluß auf den Export.' Interessant an diesen Darlegungen ist die Anerkennung, daß die Berminderung des Absatzes zu einem wesentlichen Teil auf die Beschränkung der Kaufkraft im Inland« zurückzu- führen ist. Man müßte logischerweise annehmen, daß Industrie und Handel, die schon wegen des Exportes an einem starken Umsatz im Jnlande interessiert sind, olles daransetzen würden, um die Inlands- kaufkraft zu vergrößern. Man vergleiche damit die Politik, die Industrie und Handel als Arbeitgeber treiben. Wenn auch anzu» erkennen ist, daß manche Steuern sehr erheblich zur Verteuerung der Produktion beitragen, so muß doch auf der anderen Seit« be- rücksichtigt werden, daß durch die niedrigen Löhn«, die be- sonder» in der Textilindustrie gezahlt werden, hier für das Kopital ein Ausgleich geschafsen wird. Von den unbefangenen Kennern der Textilindustrie wird immer wieder hervorgehoben, daß die Betriebe dieses Gewerbezweiges sehr stark rückständig sind und daß dieser Umstand sehr wesentlich unsere Wettbewerbsfähigkeit vermindert. Nach dieser Richtung hin müßte die Industrie arbeilen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Zölle, die von der Verwaltung der Bank sogar als gerechtsertigt hingestellt werden, können hier nichts nutzen, sondern nur schaden, weil sie gerade dazu beitragen, die rückständige Produktionsweise der Industrie zu oerewigen. Abbau und ZentraNsation im Slinneskonzern. Wie gemeldet wird hat der Etinneskonzern in den letzten Wochen auch sein Aktien- paket von 6 Millionen am Barmer Bankverein abgebaut. Z Mil- lionen sind durch Vermittlung de» Barmer Bankoereins oerkauft worden. Die restlichen 3 Millionen sind dem Barmer Bankverein für seine 2l4.Millionen.Forderung an den Stinneskonzern verpfändet. (Zu dieser Deckung, die bei einem Goldturs von 68 Proz. der Bar- mer Bankvereinsaktien ungenügend wäre, tritt der Anteil der Effektenhinterlegungen des Stinneskonzerns bei der Stützungsgrupoe, der auch»er Barmer Bankverein angehört.) Der Stinneskonzern soll außer diesem Abbau der Beteiligung auch zu einer Konzentration seiner Eiseninteressen geschritten sein, die von der Firma Etim s Eisen 2L-®., Mühlheim a. d. Ruhr hauptsächlich vertreten werden. rca Unterhaltung unö 30iffcn*xz. Die Staöt mit öem?anuskopf. Don Richard Rainer. Leichte Rauchwolken schweben vom Vahnkörper über das in nottem. ruhioem Glänze daliinfliehende breite Band der Saale. Sine Briijfe setzt in flachem Bogen über den Fluß: glolte, schlichte Steineinsajsung, eine Nothelferkapelle inmitten, mit der Statue irgendeiner bewehrten Heiligen, die einen Delphin bezwingt. Die 'arstigen Kaltberge, mit spärlichem Kammwuchs und kahlen be- zäunten Hängen ordnen sich in gefälligem Rund: Jena. Ehemals zaute man hier Wein— wer die Chroniken nachliest, verzieht noch zeute das Gesicht. Doch das lachende Obst, das heute auf diesen hängen gedeiht, verscheucht jede saure Erinnerung. In dem Kessel, »essen verhängnisvolle Zlehnlichkeit mit dem von Sedan die Geschichte schlagend genug erwiesen hat, häuft sich die Stadt. Die Häuser »rängen sich im Gewirr verschlungener Gassen und Gätzchen, Schlupf- uinkeln der Nachtwächterromantik, sie stehen wohldiszipliniert in Brammer Ordnung in den Vorstädten, reglos klettern sie, wie eine lufgelöste fliehende Truppe, hier und dort einen Berghang hinan; in lauschiger Gruppeneinsamkeit schmiegen sie sich in den Seitentälern. Wenn in den nächsten Tagen die Abgesandten der 200 F r e i e n Volksbühnen Deutichlands hier zusammentreffen werden. im auf dem schwierigen Wege zu einer neuen Theaterkultur neue Schritte zu finden, so werden sie neben den Anregungen aus dem zemeinsamen Werke soziale Eindrücke von dem nicht ohne Bedacht zusgewählten Orte der diesjährigen Volksbühnentagung mit sich rehmen, die einigen Anspruch auf aufschlußreiche Eigenart erheben lürfey. Das soziologische Gesicht dieser Stadt bietet sich dem Fremden in einem frappanten Kontrast von seltener Ausschliesilichkeit dar, hinter dem alle Einsprengsel. Rudimente, Zwischenglieder in Wesen» losigkeit zerstieben. Da ist das Zeitwert, ein mächtiger Komplex von luftigen Glas- und Betonwürfeln in der monumentalen, be- kenntnishaften Zweckmäßigkeit eines Doms des Fleißes, fast Bau- Haus(mit sanften Rundungen in den Winkeln, wie ein Zurück- schrecken vor der letzten Forderung konsequenter Sachlichkeit). Hier ist das Reich der feingliedrigen Hand, des fügenden Sinnes, der hundertfach gestuften Präzisionsarbeil, an der sich ein beherrschter indioiduatitäts- und klassenbewußter, besonnen-ausrechter Arbeiter- stamm geschult hat. Er ist es, der dem sozialen Leben dieser Zweck» stodt zur guten Hälfte ein einheitliches, achtunggebietendes Gepräge gibt. Ein Gepräge der auf Kollektioleifrung begründeten Kollettiv- fordcrung. Die politische Front der Arbeiterbewegung des kleinen Landes hat hier— und nicht in dem soignierten, bürgerschläfrigen Weimar— ihr Zentrum. Die führenden Arbeiterzeitungen des Landes erscheinen hier, eine Anzahl der parlamentarische» Führer hat hier ibren Wohnsitz; ein reges, an Sensation reiches Der. sammlungsleben entfaltet sich. Der fehlende Anteil an dem äußeren Bilde, das andere Gesicht der Stodt, die Kehrseite des Ianuskopfes wird in den fesselnden Zügen bestimmt durch die U n i v e r s i t ä t. In Jena, der Heimat der Durschenroinontik. bedeutet das zunächst; Mützen in allen For- malen, vom grotesk-äffischen Zereviskäpxchen bis zur bedrohlichen Eleganz des Stürmers, Bänder in allen Farben der Anilinchemie (Nuancen, Nuancen I). Doch so gemessen und unentwegt auch die äußere Haltung dieser Jugend ist, so wcht sie doch eine Ahnung der atavistischen Grimasse an, in die sie sich im Laufe der Zeiten ihr kor- settierter Komment verzerrt hat. Stumm und betont höflich weichen sie überall aus. Unsicherheit, oerschanzt Himer korrekter Abweisung. Der Schleier der seligen Sauf- und Menfurausgelassenheit ist arg zerfetzt und hat den nüchternen Blick auf den sozialen Zweck- charakter des Wissensbetriebes osfenoelasfen: Der Ort der gehüteten und vermittelten Intelligenz, die Produktlonssiätt» der organisoto- rischen und höchstqualifizierten Fähigketten im Prozeß des gesell- fchafllichen Lebens, die geistige Rüstkammer der harschenden Schicht. das Arsenal der Bevorrechtung. Und selten klar liegt hier zutage, wie diese Ordnung genährt und gestützt wird durch die schaffend« Arbeit: Die zahllosen reichen Institute für oll« Zweiggebiete der Natur- Wissenschaften, die Stadt der Kliniken, der Universitätsneubau selbst mit seinen gotischen und romantischen Etilanklängen: st« wurden er» richtet und werden unterhalten zu einem großen AMeile aus dem Mehrwert der Zeißumernchmungeu. So dient dieser industrielle Musterbetrieb, mit seinen Ansätzen zur Betriebsdemotratie,„ein Kapitalist ohne fleisch und B e i n wie der Gründer Abbe einmal in bildhafter Wortplastik seinen Uebergangscharakter ausdrückte, zwangsläufig zur Alimcntierung der gegenwärtigen Sozialordnung(unter dem ideclogischcn Deckmantel der Unterstützung der„absoluten" Wissenschaft). Wird die Zeiß-Stiftung, die Der Clown. Zs Von Hans hyan. (Schluß.) Element ritt gut, aber der illmansor hatte heute entschieden seinen schlechten Tag. Wenn er Trab gehen sollte, hielt er Galopp, anstatt mit den Hinterbeinen trat er vorn auf den Manegenrand. und sobald sein Reiter ihn mit den Sporen kitzelte, machte er Sprünge wie ein Ziegenbock. Der Alte, der am Manegeneingang als Stallmeister mit der langen Peitsche stand, wurde krebsrot vor Wut. Er langte auch ein paarmal so aus, daß die Schmitz« fühlbar den Schenkel des Kunstreiters traf. Und Clement biß die Zähne aufeinander und klemmte ten Almansor mit den Schenkeln, daß er hell aufwieherte.... Doch schließlich ging auch diese Nummer zu Ende. Hugo Ras- musien brummte wütend, wie der Schimmel mit prachtvollen Sätzen unter der hochgehobenen Zeltleinwand verschwand.... Und nun kam die Minka in einem allerliebsten Jagdkostüm, das unter ihrer eigenen geschickten Hand entstanden war. Mit einer kleinen Hetzpeitsch« knallend, improvisierte sie eine Bärenjagd. Ihr reger Geist hatte die gestern zufällig bemerkte Hätz zwischen Murx und den vier Terriern sofort aufgegriffen und eine neu«. zugkräftige Nummer daraus gestallet, die besonders von den Kin» dern mit Jubel aufgenommen wurde. Hernach stand Petz recht schlecht Kopf, die Hund« zeigten ihre Künste, und der kleine braune Kerl erfand selbst noch einen ganz neuen Trick, indem er plötzlich an einem der Zeltpfeiler hinaufkletterte, an denen die Sasolinlompen angebrocht waren, die das menschenüberfüllte Leinwandhaus mit ihrer flackernden Helle erfüllten. Aber trotzdem ihn Minka scharf anrief, kam Murx nicht wieder herunter. Er überwand selbst geschickt die offene Flamme der Lampe und hing wie ein brauner Ball schaukelnd auf dem Querholz des Balkens unier der Zeltdeck«. Zuerst amüsierte sich das Publlkum darüber, ober schließlich wollte es doch etwa» anderes sehen. Und Minka selbst verging fast vor Angst, des Vaters wegen, der sowieso schon böse war. und der nie«in Tier, sondern stets den Mensche» für den Mißerfolg einer Nummer verantwortlich macht«. .Do komm' mi wedder!" drohte der alt« Rosmusien und wollte schon selbst hinaus in die Manege, um den Bären herunterzuholen. den anfallenden Mehrwert der Betriebe unangetastet dem„gemeinen Nutzen" zuleitet, diese Zusammenhänge begreisen? Wird sie vcr- stehen, daß es für das Gemeinwohl, nicht sowohl auf die Höhe des gesellschaftlichen Wissens ankommt, als vielmehr darauf,. welche Klasse dieses Wissen beherrscht und anwendet? Wird sie,»m aus dieser Kritik die sozialpolitische Nutzanwendung zu ziehen, bald etve Rente auswerfen, die hundert Arbeitersöhnen den Besuch der Schulen und der Universität ermögliaft? Oder, was bester wäre— den ökonomischen Grundstein zur Errichtung der ersten Arbciteruniversität in Deutschland legen,— statt wieder einmal irgendein Spezialinstttitt zu subventionieren? Schlendert man durch den Stadtkern, so wehen hier und dort bunte Fähnchen vor den Augen; man gewahrt cfeuumrankte Türm- che» mit Miniaturzinnen, romaneske und pseudogotische Sandstein« überhaupl abschaffen!" bürgen mit vornehmer Heraldik: Die Derbindungshäuser. Zu Tal gesttegene Ritterromantik. Die Borbilder dieser Burgen ragten einstmals aus den Bergen ringsum. Nächtens zuweilen, so um Neujahr und Walpurgis, sind auf dem Marktplatz die Geister losgelassen. Dann springen sie durchs Fenster, verbrennen Zopf und Pandekten, gießen dem feisten Kurfürsten Lichtenhainer Lav« ins gönnerhaft« Bacchusgesicht: Spukhafte Schemen, auferstanden aus einer zurückliegenden Epoche echten Burschenwagemuts, da die ata- demische Jugend noch der Jungborn eines revolutionären, auf Ent- faltung drängenden Bürgertums war. Hinter dem Iustizpalast, der das Thüringer Oberlandesgericht beherbergt, beginnt hügelanklimmend das Wohnviertel des ge- sicherten Mittelstandes, eine« öffentlichen und privaten Beamtentums geistiger Berufe. In seinem architektonischen Bild manifestiert sich in grotesker Weise die individualistische Lebcnsanschauung dieser Schicht. Sinnige Sprüche wispern aus allen heimlichen Winkeln dieser Wäusepalöste, verkleinerte Sehnsüchte nach einem großbour- geoisen Herrentum:„Mein Heim, meine Well".„Wie mir? ge- fällt." Eklektizistisches Stil-Tohuwabohu aus den Architekturen aller Völker und Zellen. Ein Tudor-Landsitz«n miniature— wie ein Niesenspielzeug. Ein Barockschlößchen init Gipsgesthweif. Eine Wartburgkemenate(Boudoir der Frau Prosestor) mitsamt einem Kinderbergfried(Arbeitszimmers des Herrn Professor). Ein wild- Erbost sah er sich nach einer Stange um, da fiel sein Aug« auf August, der hinter ihm vorbeischleichen wollte. Er trug noch immer das für ihn viel zu weite, sackförmige Bein- kleid aus schwarzweiß kariertem Stoff und den roten Frack, bellen Schöße ihm kaum bis an die Lenden reichten. Dazu hatte er jetzt einen alten Strohhut, eine sogenannte Sonnenblume, auf dem Kopf, weil dieser chm in der kühlen Abendluft leicht fror. Dem Alten kam eine tolle Idee! .Do!"— er sagt« zu niemand Sie—„do kannst ooi mal wat dohn un'n bißken Blaak machen da unten!" Indem hob er auch schon mit der Linken die Zeltdecke, packte mit seiner ungeheuren Rechten den langen Menschen wie einen Sack Lappen und schob ihn hinaus in die Manege. August stand mit herabhängenden Armen, wenige Schritte vom Eingang, bumsstill. Er blinzelte und sah mit seinem verlegenen und gerade deshalb so wahnsinnig komischen Gesicht schüchtern um sich. Das Publikum nahm diese urdumm« Pos« und ebenso das schreckliche Kostüm für Absicht und fing leise an zu lochen. Indem stieß August, der sich besonders vor Minka schämt« und wieder«us der Manege herauswollt«, sich umdrehend an«ine» Pfeiler und sagte: .Pardon!" Da erscholl im Publikum eine tobende Lachsaloe. Und August, der noch immer nicht begriff, daß er jetzt eben an einem Wendepunkt seines �Daseins angelangt war. sagte fast wütend: „Sie wünschen?" Indem schrie hinter der Gardine der alte Rasmusien ganz laut: „August!" Und dieser, sich hastig umwendend, fragte:„Ja?" Dabei glitt ober der nicht passend« Strohhnt vom Kopse, er bückte sich, wobei ihm eine. Zigarrenspitze entfiel; er hob die auf und wieder sank der Strohhut in den Sand und kollerte nach hinten. Das Publikum lachte nicht mehr, es tobte und schrie. Indem grisf eine Hand, die einen Haken hielt, durch die Zelttür. Der Haken faßte den Strohhut und hielt ihn dem Langen hin: der nahm ihn, erst noch zögernd: aber plötzlich begriff er die Situation; er machte dem sich zurückziehenden Haken«ine tiefe Verbeugung und sagte:„O. St« sind sehr liebenswürdig!" Das schlug dem Faß den Boden au»! Die Leute fielen" fast von den Bänken vor Bergimgen. Und der alte Rasmusien, der wohl ein- sah, daß sein« neueste Attraktion leichtmöglicherweife in der nächsten Minute auf dem toten Punkt ankommen könne, streckte schon die westliches Blockhaus. Daneben ein romantischer Kretin aus Sand- stein mit gußeisernem Balkon. Alles in allem; Eine steinerne Dis- Harmonie der Niedlichkeiten, Auswurf eines sich selbst verhöhnenden Individualismus, der sich nervös an die ideologischen Berbrämun- gen eines Familienlebens klammert, der aus der Welt sozialer und ökonomischer Wirklichkeiten längst gewichen ist. Doch drüben, in der sanft ansteigenden Talfaltc, hat die soziale Bauhütte Jena eine Heimstättenkalonie errichtet. Hier ist Ge- bundenheit, Gesüge, Verpflegung, Klarheit. Gewalt einer einheit- tichen und freudigen Linie. Hoffnungsvoller Ansatz zu einer neuen genoffenschastlichcn Baukunst, die die Seele des Bauwerks der Seele der Landschaft verschmilzt, oder aber in gewolltem Kontrast gegen- überstellt. Ein anderes muß ich noch erwähnen: den neuen Theater- bau. Ein Speick«? des Worts von befreiender Schlichtheit, Groptus, des Meisters, Schöpfung. Hier wie dort, in Werk und Lehrgebäuden, Maulwurf-wshn- vierte! und Heimstaitengenossenschaft die beiden scharf ausgeprägten sozialen Kontrastphysiognomien der Stadt mit dem Jonuskopf. VeckposiagZere. Bon Iwan ckzsilbut. Heute habe ich einem älteren, beleibten Herrn das Leben ge- rettet. Das ist ein gutes Gefühl. Wir beide saßen oben auf Teck auf dem Omnibus. Er beschäs- tigte sich mit Zigarrerauchen und Zeitunglesen, und ich— zu meinem Heil— beobachtete ihn dabei. Wir waren die einzigen Deckpalsagiere. Kurz vor der Unterführung in Alt-Moabit kommt regelmäßig der Omntbuskapitän aus der Kajüte heraufgeklettert, er haut dann dreimal gegen ein Blechschild an der Seiteiiwand und ruft: Sitzen bleiben! Dieser Ruf geht im Raitergeräusch des Motors verloren. Es ist aber auch gleichgültig! Denn wenn er wirklich vernehmlich wäre, so würden alle Pasiagiere von den Bänken aufspringen(nun gerade!) nur aus Widerspruchsgeist. Nun, du die Aufforderung also unverstanden bleibt, fühlt sich der normale Autobusreisend« bewogen, auf das Bumsen gegen das Blech reagierend, aufzu- springen: Ist irgendein Unglück geschehen? Oder: Ist hier End- stotion?— Endlich bleibt zu erwähnen, daß der Kapitän kaum zehn Zehntelsekunden, bevor das Fahrzeug unter den Betonbau ge- langt, mit dem Bumsen beginnt, so daß niemand, den die Warnung in der Tat erreichen sollte, noch Zeit fände, seinen Entschluß zu ändern. Er muß, wie gesagt, aus Humanität, aus Sport oder aus Spaß seine Mitreisenden auf diesem gefährlichen Abschnitt des Weges ein wenig belehren!--- Es brimste. Mein Nachbar aus der Provinz, fuhr auf, indem er die Zeitung zusammenschlug. Aber schon hatte ich ihn an der Schütter g>packt— und da waren wir denn auch unter der Brücke! Das Entsetz:» vor dem Ungebeuerlichen. das seinen Hut und weiß-:» Kragen bedroht hatte, bemächtigte sich so heftig seiner armen Seele, daß er sich tiefer als eine Henne in sich selber duckte... und auch das erschien chm nicht sicher genug: er streckte sich platt auf die Bank.— Dann, als ich sagte:„Wir sind durch" zwinkerte er bleich in die Höhe. Er zittert« am Leibe, seine Hände ließen die zusammen- ge krumpfte Zeitung fallen.—„Ich habe meinen Kopf schon sozu- sagen durch die Luft fliegen fühlen," sagte er. Dann faßte er mit beiden flachen Händen an seine Ohren. Und als er sich so ver- gewiiseri hatte, daß sein Kopf noch immer zwischen ihnen saß, zog er sein Taschentuch hervor und wischte sich seuszend die Stirn. ZNodcrn« Roblnsone. Wie aus Valparaiso gemeldet wird, bemerkt« der Kapitän eines Segelschiffes, das durch das schlechte Detter gezwungen war, in der Nähe der weltverlorenen O st e r> i n s e l inmitten des Stillen Ozeans Anker zu werfen. Signale, die von der Insel gegeben wurden. Er ließ daraufhin ein Boot klar machen, das die Insel anlief und hier die lleberlebenden des Schoners„Falcon", der im Mai des Jahres 1924 bei der Osterinscl gescheitert war, antraf. Unter ihnen befand sich auch die Witwe de» Kapitäns des untergegangenen Schoners, eines Deutschen, namens ' Fricke, der in einem Augenblick der Berzweiflung über das primitive Robinsonleben auf der einsamen Insel Selbstmord begangen hak. Frau Fricke, eine energische Chilenin, hilt in den langen Monaten, die dann noch folgten, den Mut ihrer Gefährten aufrecht. Sie war es auch, die zum Bau eines kleinen Bootes aus den Trümmerstücken des gescheierten Schoners anregte, mit dem versucht werden ftollte, die Insel Tahiti zu erreichen. Der gefährliche Versuch ist jetzt durch die unvermutete Befreiung der Schiffbrüchigen aus ihrer fast drei- zehnmonatige» Verbannung hinfällig geworden. Faust durch die Zeltspalte, um den Langen an seinem roten Frack wieder aus der Manege zu ziehen. Aber er griff vorbei. Denn August avancierte! Berauscht von diesem unerwarteten Erfolg und sortgerissen von seiner Zärtlichkeit für das schwarzlockig« Mädchen, das selber ganz verblüfft, dort drüben noch immer beim Pfeiler stand, stolpert« der Longe vorwärts und, wie er in ihrer Nähe war. da fiel er halb, halb sank er ihr zu Füßen. Und kniend, die langen Arme mit den viel zu kurzen Acrmeln entgegenstreckend, rief er:„Minka!... ich liebe dich!..." Wie?... Was?... Die Leute wußten anfänglich nicht, ob sie recht gehört hatten... Gehörte das zum Spiel?.. oder... Aber das Zirlusfräulein wurde ja auf einmal ganz rot!... Indem kam der alte Rasmussen, der mit diesem Abschluß vor- läufig noch durchaus nicht einverstanden war, heraus und schrie, zum erstenmal„Sie" sagend: „Sä!... Dat loten Se man sind!... Min Mäken, dat's nix for son dummen August!..." Weiter kam er nicht! „August... August!... heulte und tobte dos Volk.„Woü.! woll! er soll sä hoben!... loi' em doch!..." Und eine ganz hohe fistelnde Diskantstimme quietschte:„August und Mrnka... hoch!... hoch!...'hoch!..." Der Alte hatte rasch überlegt. Das Publikum war fein Gott!... Das dos Publikum hoben will, dos soll man tun! ... Und schließlich, mit dem heutigen Abend war der„dumme August" eine Nummer, die man festhalten muhte! Er ging, mit seinen mächtigen Reitstieseln schwer aufstampfend, zu de» beiden hin und sagte:„Also ji wullt enk wirklich frigen?... Ra, dem, man to!... Dann givt eich man"n Säten!...", Das ließ sich der dumme August nicht zweimal sagen. Aber ehe er das erglühende Mädchen noch umfassen konnte, flog Minka an ihm vorbei, hinaus aus der Manege. Und wie das Publikum noch lachend und jubelnd hinter ihr drein rief, kam plötzlich mit tiner Rapidität ohnegleichen der braune Murx die Stange herunter und sauste hinter seiner Herrin her gegen die Zeltleinwand, die wie ein« Fabn« flatterte.... Trotz aller Anstrengungen konnte der olt« Raemusie», der die nächst« Vorstellung für morgen ankündigen wollte, sich nicht»erstand- lich machen, so lochten die Leute! Er winkt« nur immer und dann, als sie alle draußen waren, ging er vergnügt vor sich hinträumend hinüber zu seinen Kindern... Wärmewirtschaft und Städteheizung. Von Arnold Batter. Die Bervollkommnung der Ausnügungsmöglichkeiten der Kohle stellt eines der tiefgreifendsten technischen Probleme der Gegenwart dar. Die Lösung dieser Frage ist bis heute noch sehr mangelhaft fortgeschritten, obwohl in vielen Ländern die abbauwürdigen Kohlenfioze nur noch wenige Jahrzehnte eine nennenswerte Ausbeute gewähren. Bas dann an Stelle derr schwarzen Diamanten treten wird, wissen wir noch nicht; die Wasserfräfte werden zwar in neuester Zeit sehr sparsam ausgewertet und riesige Kraftwerke sind enistanden, oder im Bau begriffen, aber trotzdem beträgt der Anteil der durch Bisserträfte gewonnenen Energiemerte nur etwa 10 Broz. der insgesamt benötigten Energiemenge. Außer den Wasserkräften tommen aber die Sonnenstrahlen als Energieipender in Betracht, deren Ausnügung auf nicht unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen dürfte, wenn auch die bis heute konstruierten Sonnenfraftmaschinen noch ziemlich unvollkommen sind. Hier bleibt der Technik des fommenden Zeitalters ein großes Betätigungsfeld und die Ingenieure werden diese Aufgabe sicher zu meistern wissen. Trogdem behält das Problem der besseren Ausnügung und der wirtschaftlichen Berwendung der Rohle seine eminente Wichtigkeit. Die Bervollkommnung fann teilweise erreicht werden durch Berbesserung der Energiebewirtschaftung bei der Erzeugung von Kraft, Sicht und Bärme, sowie bei der chemischen Berarbeitung der Kohle. Eine zweites Hilfsmittel bietet sich in der Zusammenlegung von unwirtschaftlichen Kleinbetrieben zur Großwirtschaft, wie wir es augenblicklich bei den Wasserkraftwerken und deren Bereinigung zu staatlichen oder vom Staate geförderten Sammelschienen beobachten fönner. Ungeheure Energiemengen werden heute noch nuglos vergeudet bei der Erzeugung von Bärma. Niemand denkt daran, in einer Großstadt eine eigene Gaserzeugung zu erstellen, weil er das Gas aus ciner Fabrit zu viel billigerem Preise erhält; dagegen ist es allgemein üblich, die Wärme im eigenen Haushalt entweder in Defen oder bei Zentralheizungen in Dampffesseln herzustellen. Im all gemeinen sind es Ausnahmefälle, wo es auf anderem Wege geschieht, mie etwa in großen Fabriten, wo die überschüssigen Wasserdämpfe oder das heiße Kesselmasser in Röhren fortleitet und zur Heizung von Wohn- und Geschäftsräumen verwendet wird. In In größerem Maze sind nur in allerneuester Zeit einige Städte in den Genuß solcher Fernheizungen gefommen. New York werden zwei große Stadtgebiete, im einen liegen riesige Geschäftshäuser und im anderen befindet sich ein Billenviertel, von Fernheizwerken mit Wärme versorgt. Die Werke gehören einer Gesellschaft, der New York Steam Corporation und finden großen Antlang, indem sie stets Neuanschlüsse erhalten und in rajchen Beiträumen erweitert und vergrößert werden müssen; die Gesellschaft plant in nächster Zeit die Errichtung eines weiteren Wertes. Aber auch in Deutschland sind schon einige Werke im Betrieb. Die Stadt Hamburg hat im Jahre 1921 ein Fernheizwert eröffnet mit einem Gesamtheizwert von 7 000 000 Wärmeeinheiten pro Stunde und in drei Jahren hat sich die Zahl der Abnehmer so start Ersparnis wieder aufgehoben wird durch die Berluste bei der Forts leitung in den langen Rohrsträngen, die unter der Straße verlegi meiben. Dies trifft aber nicht zu; bei einer Leitungslänge von 1000 Metern und einem lichten Durchmesser der Röhren von 70 Milli metern entsteht ein Berluit von 20 Proz. Nimmt man aber Röhren von 300 Millimeter Durchmesser, so geht auf derselben Länge nur etwa 1,5 Proz. verloren, und diese Beilustquote ist nicht höher ais diejenige bei Gas-, Wasser- und Elektrizitätsleitungen. vermehrt, daß die Stundenleistung auf 18 000 000 Wärmeeinheiten| werden.. Vielfach ist allerdings die Ansicht verbreitet, daß diest pro Stunde und in drei Jahren hat sich die Zahl der Abnehmer so starf vermehrt, daß die Stundenleistung auf 18 000 000 Wärmeeinheiten erhöht werden mußte. Die Anschlüsse in Hamburg waren insofern sehr einfach, als viele Geschäftshäuser schon vorher Bentralheizung besaßen. Gleich nach Hamburg folgt Kiel, wo im Jahre 1922 ein Fernheizwert mit einer Stundenleistung von 10 200 000 Wärmeeinheiten in Betrieb gesetzt wurde, dessen Heizwert aber in furzer Zeit auf 14 000 000 Wärmeeinheiten pro Stunde erhöht werden mußte. Die Wärme wird hier in Röhren bis auf eine Entfernung von 1300 Metern versandt. Die Vorteile dieser Steuerung sind sehr augenfällig; durch bessere Ausnugung der Kohle können große Ersparnisse erzielt werden. Die besonderen Großanlagen lassen die Möglichkeit zu, auch minder wertiges Kohlenmaterial, also Staub und Ruß, zur Anwendung zu bringen. Außerdem können Arbeitsträfte erspart werden, die sonst mit der Heizung der Häufer betraut sind, und der Abnehmer braucht frühmorgens nicht erst seine Defen anzuheizen, sondern fann sofort heißen Dampf aus der Zentrale beziehen. Wertvolle Räume, inmitten der Städte, die früher für Kohlenlager benutzt wurden, werden für andere Zwede frei, und gleichzeitig erfährt der Straßen verkehr durch Wegfall der Kohlentransporte cine nicht unwesentliche Entlastung. Giner der größten Vorzüge besteht aber in der außerordentlich hohen Reinlichkeit und Sauberkeit, die mit dieser Neuerung einher geht, und der damit verbundenen Entgiftung der Großstadt von Ruß und Kohlenstaub. Die Rauchschäden, die in großen Städten an Menschen und Pflanzen entstehen, sind in ihrer furchtbaren Wirfung oft zu menig befannt. Bedentt man aber, daß ein Mensch in 24 Stunden 10 Kubifmeier Luft, entsprechend einem Gewicht von 10 Kilogramm, einatmet und in den Lungen zu verarbeiten hat, so fann man sich ein ungefähres Bild von diesen Wirkungen machen. Ein englischer Forscher hat im Jahre 1907 lehrreiche Beobachtungen über die Wirkungen des Kohlenstaubes und des in der Luft angereicherten Fabrikrauches in der englischen Fabrikstadt Leeds angestellt und gefunden, daß in dieser Stadt die gesamte Sonnenstrahlung im Jahre lediglich 1167 Stunden betrug, während sie sich in dem 4 Meilen entfernten Orte Adel auf 1407 Stunden belief, daß also in Adel die Sonne rund 17 Proz. länger als in Leeds schien. Er führt diesen starken Unterschied zugunsten von Adel auf die schädliche Wirkung des Rauches in Leeds zurück und behauptet, daß die Kohleteilchen, die in der Luft schweben, einen sehr großen Teil der Sonnenstrahlen abschirmen. Die New Yorf Steam Corporation beabsichtigt noch weitere Röhren mit einen Durchmesser von 600 Millimetern zu verwenden, welche in vier Strängen unter den Straßen verlegt werden sollen und durch die der Dampf mit einem Druck von 14 Atmosphären geleitet würde. Bei solchen Ausmaßen fällt der Verlust an Energie praftijd) faum ins Gewicht. Andererseits wird merkwürdigerweise in New York auf die Ausnügung des Heizdampfes zur Gewinnung ron Abfallenergie ganz verzichtet, und diese Maßnahme dürfte die Kosten nicht unwesentlich verteuern. Wenn auch die andersgearteten Verhältnisse bei uns die Einführung der New Yorker Einrichtungen nicht ermöglichen, so bieten sich uns doch lehrreiche Hinweise. Die deutschen Städte, welche bereits Fernheizwerke bejizen, haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, und eine ganze Anzahl trägt sich mit dem Gedanken, soiaje Werte zu erbauen. Wenn auch die Anlagekosten ziemlich hoch sind, so ermöglichen doch die großen Ersparnisse, die erzielt werden, dah daß Anlagekapital gut verzinst und rasch getilgt werden fann. Mit dieser Neuerung beginnt in der Wärmebewirtschaftung eine neue Epoche, die mesentlich wirtschaftlicher mit den Heizmitteln umgeht, als es früher der shall war. daß die Museen, jene Kunst- und Kulturstätten, eine Schöpfung unDas älteste Museum der Welt. Es ist ein Irrtum, zu glauben, serer Zeit sind. Schon lange, bevor man in Europa daran dachte, die Schätze und Meisterwerfe der Kunst aufzubewahren und diese der Deffentlichkeit zugängig zu machen, haben die Ostasiaten diesen Gedanken vorweg genommen. Dem Lande der aufgehenden Sonne, der Kirschblüten und der Geishas, gebührt der Ruhm, der Kunst ein würdiges Heim geschaffen zu haben, in dessen Hallen die Werke der großen Meister und schönsten Erzeugnisse des Landes ihren Blaz fanden. In der Tat beherbergt die japanische Stadt Nara das älteste Museum der Welt. Es hat heute das ehrwürdige Alter von über 1100 Jahren erreicht, denn seine Gründung geht auf das Jahr 756 zurüd. Das Museum enthält wundervolle Erzeugnisse altjapanischen Kunstgewerbes. Ganz herrliche Bronzen, Ladarbeiten, die, an Schönheit ihresgleichen suchen, duftige Gewebe und zierliches Borzellan entzücken den Beschauer. Aber auch die Naturschäze des Landes sind nicht übergangen worden, reichhaltige Mineraljammvollen Bestand dieses ältesten Museums. Nur darin unterscheidet sich diese Stätte von ihren europäischen Schwestern, daß ihre Besichti gung nicht allgemein zugängig und nur von Fall zu Fall erlaubt ist, um Schädigungen durch Luft und Licht nach Möglichkeit hintanzuhalten. Das Museum zu Nara untersteht einer staatlichen Kontrollkommission, deren besondere Aufgabe die Konservierung der kostbaren Ausstellungsobjekte ist. Bei Fernheizwerfen ist die Rauchplage starf permindert, und dadurch wird der Fabrikstadt ein großer Teil ihrer Unannehmlichkeiten genommen. Die Fernheizung wird nämlich nicht allein zur Erzeugung von Wärme, sondern auch zum Antrieb von Kraftmaschinen verwertet, wie beispielsweise in New York, wo eine große Kälteanlage von 1000 Pferdestärken und eine Kraftanlage mit 3000 Pferdelungen, Proben japanischer Flora usw. vervollständigen den wertstarten betrieben wird. Durch diese Maßnahme wird der Wirkungsgrad des Dampfes wesentlich gesteigert. Bei Dampfmaschinen und Turbinen können bekanntlich höchstens 15-20 Proz. der Energie ausgenügt werden und der große Rest geht nutzlos verloren. Bei gekoppeller Berwendung, nämlich für Krafterzeugung und Heizung, fann aber die 2usnutzung bis auf 85 Pro3. des gesamten Energieaufwands erhöht !!! Am 5. Juli hat Berlin seine Sensation!!! I. Avus- Automobil- Rennen deutscher Film- und Bühnendarsteller Fahrer sind die bekanntesten Filmgrößen wie z. B. Harry Piel, Georg Alexander, Lia de Putti, Ria Jende, Hanni Weise, Paul Heidemann, Leo Peukert, Harry Lamberts- Beulsen, Charles Willy Kaiser usw. 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