Abendausgabe Nr. 29642. Jahrgang 5 Pfennig Donnerstag = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 145 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 25. Juni 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Cindenstraße 3 Berfeger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 63, Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der zweite Rathenauprozeß. Helfer der Mörder vor dem Staatsgerichtshof. B. S. Leipzig, 25. Juni. Vor dem 1. Senat des Staatsgerichtshofes zum Schuße der Republik begann heute morgen die Verhandlung gegen Brandt und Küchenmeister wegen Beihilfe im Rathenau- Mord. Bon den für heute geladenen Zeugen waren zuerst die ehemaligen Angeklagten aus dem ersten Rathenau- Prozeß, Kapitän leutnant Tilessen, Plaas und Steinbed sowie Korvettentapitän v. Abendroth und der Bruder Küchenmeisters, der Kaufmann Friz Küchenmeister erschienen. Von Bolizeibeamten vorgeführt, betrat dann zuerst der Bantbeamte v. Salomon, der im ersten Rathenau- Prozeß fünf Jahre Zuchthaus erhalten hatte und diese jetzt in der Strafanstalt Striegau verbüßt, den Saal. v. Salomon, der Zivilkleidung trägt, sieht sehr schlecht und eingefallen aus. Dann öffnet sich wieder die Tür und nun erschien, ebenfalls von zwei Beamten geführt, Ernst Werner Techow, der Hauptangeklagte des ersten Rathenau- Prozesses. Techow trug braune Anstaltskleidung. Er scheint in der Haft größer und stärker geworden zu sein und sieht gut aus. Während er seine Kameraden, die auf der Zeugenbant Plaz genommen hatten, lächeind mit einem Kopfniden begrüßt hatte, nahm er, von den übrigen getrennt, Platz. Der Vorsitzende gestattete zunächst dem Angeklagten Küchenmeister, während seiner Bernehmung im Hinblick auf seine schwere Verwundung figen zu bleiben, da er, wie der Reichsgerichtsrat Lorenz erklärte, seine Nervenkraft in diesem Prozeß noch werde brauchen müssen. Dann erfolgte der Zeugenaufruf und im Anschluß daran eine furze Personalvernehmung der Angeklagten. Günther Brandt gab an, daß er 27 Jahre alt sei, aus Kiel stamme, wo fein Bater Universitätsprofessor war, und daß er nur im Jahre 1922 wegen unerlaubten Waffenbefizes vorbestraft sei. Ein Ber fahren, das gegen ihn wegen Betruges und Diebstahls schwebte, ist jetzt eingestellt worden, weil sich seine Unschuld erwiesen hat. Im Jahre 1915 ging Brandt freiwillig zur Marine, wurde 1917 zum Leutnant zur See befördert und nahm an der Skagerak- Schlacht teil. Nach der Revolution war er auf Gütern in Mecklenburg tätig, ging dann 1919 als Freiwilliger zur Sturmtompagnie der Brigade Ehrhardt und nahm an der Bekämpfung der Unruhen in Berlin und in Oberschlesien, sowie am Kapp Putsch teil, wurde dann in die Reichsmarine übernommen, aus der er 1921 wegen eines Knieleidens ausschied. Nach Studien an der Technischen Hochschule in Dresden ging Brandt im Sommer 1922 nach Jena, wo er Landwirtschaft und Nationalötonomie studierte. In Dresden betätigte er fich, wie er angibt, start in nationalen Verbänden, in die er durch feine Bekanntschaft mit dem dortigen Leiter des Deutschnationalen Jugendbundes, D. Abendroth, hineinfam. Er wurde Geschäftsführer dieser Organisation und war auch eine Zeitlang Mitglied des Bölkischen Deutschen Turnerbundes, sowie der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei. Vorf.: Wie famen Sie zu dieser Partei? Brandt: Mein Empfinden und Denken ist deutsch, deutsch und nochmals deutsch. Der Dienst im Volkstum ist mir alles. Das ist meine politische Ansicht und das steht für mich turmhoch über allen anderen Nebensächlichkeiten. Der Sozialismus scheint mir für mein Vaterland unbedingt nötig, aber nicht ein internationaler, sondern ein deutscher Sozialismus. Deshalb scheinen mir die Nationalsozialisten die beste Gewähr dafür zu bieten, daß eine Brücke zwischen rechts und links geschlagen werde. Borf.: Sie haben auch früher ausgesagt, daß Sie gegen das Judentum Haß empfänden. Brandt: Nein, ich hege feinen Haß gegen das Judentum. Ich bin nur der Ansicht, daß das Volkstum und seine Eigenart durch Blut und Raffe bestimmt werde, wie dies ja auch die Wissenschaft behauptet. Ich berufe mich dabei auf den größten Juden des vorigen Jahrhunderts, Disraeli, der gesagt hat, jebes Boltstum muß untergehen, wenn es nicht auf die Reinheit seiner Raffe tum muß untergehen, wenn es nicht auf die Reinheit seiner Raiſe hält. Ich bin aber nicht von einem Haß gegen die Frembrasse erfüllt. Das Judentum in Deutschland ist durch seinen frassen Gegensatz enorm nüßlich für das Deutschtum, weil die Deutschen dadurch zur Selbstbesinnung aufgerüttelt werden und mit um so größerer Energie an ihrem Deutschtum arbeiten. Deshalb können wir froh sein, daß wir in Deutschland Juden haben. Borf.: Waren Sie Mitglied der D.-C.?". Brandt: Ich war bis zum September 1921 in der Reichs: marine. Im gleichen Monat wurde die D.-C. aufgelöst. Das war also unmöglich, denn ich fonnte nicht zwei Herren dienen." Der Angeklagte Küchenmeister gibt an, daß er in Freiberg eine Flachsspinnerei besitze, daß er wohl rechtsstehend sei, sich aber niemals politisch betätigt habe. Der Borsigende stellt dann fest, daß Küchenmeister bei dem Versuch, einen verwundeten Ka meraden zu retten, selbst schwer verlegt worden sei. Weiter betont dann der Vorsitzende, daß von dem Kraftwagen Küchenmeisters aus Minister Dr. Rathenau seinerzeit ermordet worden sei, daß Küchenmeister längere Zeit in Desterreich in Haft behalten wurde, wo seine Auslieferung abgelehnt wurde, und daß er erst im Jahre 1924 auf Grund der Zusicherung freien Geleites nach Deutschland zurückgekehrt sei. An Hand des Urteiles gegen Techow und Genossen schildert dann Reichsgerichtsrat Lorenz noch einmal den ganzen Hergang des Rathenau- Attentates und die Feststellungen des Urteils in dem damaligen Prozeß. Dann wurde in die eigentliche Vernehmung Brandts eingetreten, der sich zunächst über den Charakter des Rathenau- Mörders Kern näher äußerte. Zwischen ihm und Kern habe ein wesentlicher Unterschied in den Temperamenten bestanden. Kern sei eine edle, reine Natur, aber vollkommener Fana titer gewesen, während er, Brandt, mehr zur ruhigen leberlegung neige. Kern habe auch Deffentlichkeit, und der Staatsgerichtshof beschloß dem gemäß, nur für diesen Punkt die Deffentlichkeit furze Zeit auszuschließen. Der Saal wurde darauf geräumt. Nach 10 Minuten fonnte dann aber die Deffentlichkeit wiederhergestellt werden. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung schilderte Brandt dann, wie er von Kern die Weisung erhalten habe, ein Auto für eine nationale Sache" zu beschaffen, zu welchem Zweck er sich mit Frizz Küchenmeister in Freiberg in Verbindung gefegt habe. Dieser habe ihn dann an seinen Bruder Johannes ver wiesen, der zwei Tage später fommen sollte. Brandt übernachtete donn in Dresden bei Steinbeck und bestellte von dort bei Kern einen Chauffeur, der in der Person Techows dann am nächsten Tage in Dresden ankam. Die Tatsache, daß dieser ihm einen Brief mit der Aufschrift„ Bredt" übergab, erklärte Brandt damit, daß Bredt sein Spiznahme bei der Brigade Ehrhardt gewesen sei; im übrigen habe er Techow von der Brigade her gekannt. Am 19. Juni begab er sich dann wieder nach Freiberg, um nun Johannes Küchenmeister seinen Wunsch vorzutragen. Wie er seine Bitte motiviert habe, wiffe er nicht mehr. Er glaube, er habe von einem gegen die Entente gerichteten plan gesprochen. im Hinblick auf die Entente zu schweigen. Im übrigen sei er damals Küchenmeister erklärte hierzu, daß Brandt ihn verpflichtet habe, sehr ermüdet von der Reise gekommen und habe sich auch nicht so leicht entschließen können, den wertvollen Wagen einem anderen anzuvertrauen. Deshalb habe er sich Bedenkzeit erbeten, habe sich aber am anderen Tage gesagt, er müsse es tun, denn man fönne baß er und Küchenmeister sich in dieser Unterredung die Kameraden nicht im Stich lassen. Brandt erklärte hierzu noch, menschlich sehr nahe gekommen seien. Am 20. Suni früh habe dann Küchenmeister nach Dresden telephonisch Bescheid gegeben, daß er mit dem Auto dorthin fomme. und man habe sich in einem Lokal getroffen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Techom gemacht habe, wie„ man müffe die Nummer überkleben oder verbei dieser Zusammenfunft nicht einige verfängliche Aeußerungen hängen, und als der Chauffeur Buch na das gehört hatte, so macht man's, wenn man ein Auto stiehlt," erklärte Küchenmeister, daß er sich an diese Aeußerungen nicht erinnere, betont aber, daß fie jedenfalls, wenn sie gefallen find, mit dem Fluchtplan aus dem besetzten Gebiet in Zusammenhang stand. Von einer Ermordung irgend jemands fei nicht die Rede gewesen. Man fuhr dann zusammen nach Berlin ab, Küchenmeister fuhr bis Faltenberg mit, weil er, wie er sagte, von dort nach Schlesien fahren und sich zuerst überzeugen wollte, wie Techow fuhr. Brandt begleitete den Wagen bis nach Berlin, weil er sich Küchenmeister verpflichtet fühlte, den Wagen Kern persönlich zu übergeben. Ich wollte Kern ermahnen, vorsichtig mit dem Wagen umzu gehen. Daß das nicht geschehen ist, das ist das, was mich die ganzen mit in bezug auf den Wagen zu Ende. Er wat tatsächlich noch in Jahre und noch heute so bedrückt. Küchenmeisters Tätigkeit war hierSchlesien beschäftigt, weilte dann am Mordtage, den 24. Juni, zum Besuch seiner Frau in Kissingen, wo er von dem Mord erfuhr, fehrte dann am Abend nach Freiberg zurüd, wo er bis zum Dienstag, den 27., blieb, um dann von Freiberg nach Det in Tirol abzureisen, und zwar, wie er erklärte, in Ausführung einer schon längere Zeit geplanten Reise, die nur deshalb früher angetreten war, weil er damals starke Herzbeschwerden gehabt habe. 3wei Tage später wurde er dann in Deh verhaftet. Brandt kam dann ausführlich auf die Berliner Berhandlungen fie Kern das Eintreffen des Wagens, stellten das Auto in einer vor dem Mord zu sprechen. Nach ihrer Ankunft in Berlin meldeten Garage unter und übernachteten in einem kleinen Hotel, das aber o übel gewesen sei, daß sie sich geniert hätten, ihren richtigen so Namen anzugeben. Am nächsten Tage, Mittwoch, den 21. Juni, trafen sie sich an der Ede Unter den Linden und Friedrichstraße mit Kern, Fischer und v. Salomon und machten zusammen eine Fahrt in den Tiergarten. Brandt betonte noch, daß hierbei, entgegen der Annahme der Anklage, noch nicht über den mordplan gesprochen worden sei. die Herkunft des Autos erkundigt, von dem er geglaubt habe, daß es ihm nun bedingungslos zur Verfügung stände, was aber nicht noch eine heimliche Fahrt vor hatten, stiegen Salomon und der Fall gewesen sei. Da Kern und Fischer für den Vormittag Brandt aus und lekterer verabredete mit den beiden eine Zu Wohnung, über die er jedoch jede Auskunft verweigert, erfuhr er sammenkunft für den Nachmittag. In seiner eigentlichen Berliner dann, daß Fischer und Plaas in Berlin eingetroffen wären. ( Fortsetzung im Morgenblatt.) Kern habe sich nur über China in Gärung. Weitere Exzesse. Berhandlungen Entente- China. London, 2. Juni.( Eigener Drahtbericht.) In Kanton sowie in Hongkong dehnt sich der Streit immer mehr aus. In verschiedenen Städten wurden japanische Konsulate angegriffen, in Riufiang der japanische Konsul mit Steinen beworfen, in Wutschou soil der japanische 3011tommissar ermordet und einige andere Japaner schwer verletzt worden sein. In Beting find auf den 25. und 30. Juni große Landesdemonstrationen angefagt, während der überall Arbeitsruhe herrschen wird. liche Agitation auf Manila( Amerif.- Philippinen) auszudehnen. Nach amerikanischer Meldung wird versucht, die fremdenfeind Die Rabitalen in Schanghai forderten ihre Barteigenossen in Manila telegraphisch auf, den Generalstreit am 25. Juni zu erklären. Die Ententemächte haben der chinesischen Regierung eine Antwort auf ihre legte Note vom Sonnabend erteilt. Sie brüden darin von dem Mord an Erzberger in den Tönen höchfter Begeisterung ihr Bedauern aus, daß die chinesische Regierung die Borgänge in gefprochen und erklärt, die Täter hätten die edelste fitfliche Shanghat ganz anders darstelle, als dies die Mächte nach forgTugend gezeigt, nämlich völlige Selbstentjagung. fältiger Brüfung getan hätten. Eine solche Haftung sei nicht geeignet, Der Angeklagte fam dann auf die Tagung ehemaliger Marine die freundschaftliche Einigung zu erleichtern. Das diplomatische offiziere Pfingsten 1922 in Berlin zu sprechen, ertlärte aber, Storps in Beling hat einstimmig beschlossen, mit der chinesischen Ne daß er über die dort gepflogenen Verhandlungen mit Rücksicht auf gierung direkte Verhandlungen zu beginnen, um die Berantwort die Entente nicht in öffentlicher Eigung sprechen fönne. Sein Berlichkeit für die Ereignisse in Shanghai festzustellen und einen Berjuch teidiger, Rechtsanwalt Bög, beantragte darauf den Ausschluß der zur Regelung der Lage zu machen. Reichsstädteordnung. Ein Vorschlag des Deutschen Städtetages. E. R. Saarbrüden, 23. Juni. Der Vorstand des Deutschen Städtetages hat auf seiner Saarbrückener Tagung den seit Jahren von ihm bearbeiteten Entwurf einer Reichsstädteordnung endgültig verabschiedet und beschlossen, ihn der Reichsregierung als Unterlage für eine reichsgefeßliche Regelung zu überweisen. Prinzipiell hatte bereits der Deutsche Städtetag im September 1924 in Hannover fich für ein Reichsgesez entschieden. An der damals vorliegenden Fassung sind aber in den weiteren Beratungen des Vorstandes erhebliche Veränderungen vorge widlung der deutschen Städte werden tönnen. nommen, die von großer Bedeutung für die weitere EntDie wichtigste Aenderung, die nach langen Debatten mit großer Mehrheit zur Annahme gelangte, ist das Bekenntnis zur Einführung des Einförpersystems. Aus der Buntscheckigkeit der in Deutschland geltenden Städteverfassungen fassungen in Preußen existieren nicht weniger als sechs Städteordnungen- heben fich drei Arten der Berfassung besonders hervor. Die in Preußen im Osten übliche Magistrats verfassung( 3weitammersystem), die rheinische Bürgermeisterei verfassung und die süddeutsche Stadtrats verfassung. Der in Hannover verhandelte Entund ließ in den entscheidenden Verfassungsbestimmungen die wurf trug noch den Charakter eines Reichs r ahmen gesetzes Der jetzt verabschiedete Entwurf wird absichtlich nicht mehr Wahl zwischen diesen drei Formen der Stadtverfassung zu. ordnung bezeichnet. Die Magistratsverfassung( 3weitammerals Rahmenentwurf, sondern als Entwurf einer Reichsstädtefyftem) hat man gänzlich fallen lassen. Als einzige der Reichsregierung empfohlene Verfassungsart körpersystem übrig. Die selbstverständlich umstrittenen fuch, die wesentlichen Bestimmungen der süddeutschen Stadt- Einzelheiten dieses Berfassungsvorschlages machen den Berratsverfassung mit der rheinischen Bürgermeistereiverfassung zu einer Einheit zu verschmelzen. blieb das Ein= Falls eine solche reichsgefeßliche Regelung erfolgen sollte, so wäre damit ein ganz bedeutender Erfolg erreicht. Gegenüber dem Wirrwarr der Stadtverfassungen in den einzelnen Ländern ist das Bekenntnis zur Reichsgesetzgebung und zur einheitlichen Regelung prinzipiell auf das Entschie denfte zu unterstützen. Die deutschen Städte bekennen sich unterstützen damit die sich aus der wirtschaftlichen Eniroidiung damit zum Reich und zur einheitlichen Gesetzgebung. Sie leberwindung unnötiger Bersplitterung und der mit ihr mit absoluter Notwendigkeit ergebenden Tendenzen auf immer verbundenen Kraftvergeudung. Das Eintörpersystem würde, in die Praxis umgefeßt, eine ungeheure nalen Berwaltung bedeuten. Der Wirrwarr und das DurchBereinfachung und Verbilligung der fommu Nebeneinanderlaufens von Beschlüssen des Magistrats und einander der Instanzen, der Ausschüsse und Deputationen, des der Stadtverordneten, die damit verbundenen Reibungen und Beitverluste machen die Magistratsverfassung zu einer so fostspieligen Verwaltungsmaschinerie, daß ihre Beseitigung schon aus rein finanziellen Gründen unbedingt angestrebt werden muß. Gewiß ist nicht jede Einzelheit des Vorschlages, den der Deutsche Städtetag unterbreitet, als Ideal zu bczeichnen, hier aber tam es zunächst darauf an, einem Brinzip zum Siege zu verhelfen, dem die Zukunft in der Stadtverwaltung unter allen Umständen gehören wird. Das war auch der Grund, weswegen die sozialdemokratischen Bertreter im Vorstand des Städtetages diesem Entwurf troz abweichender Meinung im einzelnen ihre Sustimmung gaben. In einer Reihe von Einzelheiten enthält der jetzt beschlossene Entwurf Borschläge, die durchaus einer moder nen Auffassung von fommunaler, freiheitlicher Selbstverwaltung gerecht werden. Das gilt besonders für den entscheidenden§ 3, der die Aufgaben der Stüdte umreißt, die für den § 34, der die rechtliche Grundlage für die Errichtung gemeinnahmsweise auf alle Bolizeigesete fich ftüken müssen. In nüßiger städtischer Einrichtungen schaffen will, jetzt fast ausdem Bassus über die Aufgaben der Städte heißt es: „ Die Städte haben die Aufgabe, die geistige, fittliche, förperliche und wirtschaftliche Wohlfahrt ihrer Einwohner zu pflegen. Sie find befugt, zum Besten ihrer Einwohner alle Aufgaben freiwillig zu übernehmen, die nicht durch das Gesetz anderen Stellen ausschließlich vorbehalten find. Sie sind die Träger der örffichen öffentlichen Berwaltung. Reich oder Länder können Aufgaben der örtlichen Berwaltung, örtlichen Sonderbehörden nur übertragen, wenn das staatliche Interesse es dringend erfordert." ben wird folgendermaßen formuliert: Das Recht auf Einrichtung von Gemeindebetrie „ Die Städte sind berechtigt, sofern es das Gemeinwohl er pflichtet sind, sich an bestimmte, gemeinnützige städtische Einrichtungen fordert. durch Ortsgefeh vorzuschreiben, daß die Einwohner veranzuschließen. Insbesondere fann der Anschluß und Benußungszwang vorge schrieben werden für städtische Kanalisation, Wasserleitung, Mül abfuhr, Straßenreinigung und Leichenbestattung." gesehe auf Grund dieses Paragraphen, soweit wie sie über Allerdings foll die Staatsaufsichtsbehörde gegen Drisbie in Abf. 2 vorgesehenen Einrichtungen hinausgehen, Ein. pruch erheben können. Troh dieser Einschränkung ging den volksparteilichen Bertretern dieser gefährliche Soziali fierungsparagraph" schon viel zu weit. Sie hätten überhaupt am liebsten gesehen, wenn der ganze Vorschlag nicht zur Annahme getmmnen wäre. Sie wollen weder eine reichsgesetzlich« Regelung, noch wollen sie die Beseitigung des Zweikammersystems. Selbstverständlich ist mit der Ueberreichung dieses Eni- Wurfes durch den Städtetag an die Reichsregicrung der Ent- wurf noch lange nicht Gesetz und bis zur Annahme einer Reich.chadteordnung durch den Deutschen Reichstag wird sicher noch manche Zeit vorgehen. Die Wider st ände gegen eine solche Regelung sind dazu viel zu stark. Sie gehen von den partikular! st ischen Tendenzen gleichermaßen wie von den reaktionären Grundauffassungen der Rechtsparteien aus. Die unmittelbarste Wirkung werden die Beschlüsse des Städtetages möglicherweise auf die VerHand- lungen des Preußischen Landtags ausüben. Seit Jahren berät der Landtag über die Neuregelung der preußischen Städteordnung. Das Zentrum hat durch einen Urantrag vorgeschlagen, den Entwurf in der Fassung der zweiten Lesung zu verabschieden. In diesem Entwurf stehen noch rheinische Bürgermeistereiverfassung und östliche Magistratsverfassung wahlweise nebeneinander. Auch für Preußen schlägt jetzt der Städtetag vor. genau wie in seinem Entwurf einer Reichsstädteordnung, das Einkörper- system obligatorisch zu machen. Es ist durchaus möglich, daß durch diesen Borschlag für die Beratungen des Landtags eine neue Grundlage geschaffen wird. Da das in Preußen vorliegende Ergebnis langer Kompromißverhand- lungen eigentlich niemanden recht befriedigt und im wesentlichen nur eine Reukoedifizierung bestehender Gesetzes- bestimmungen vorgenommen worden ist. so wird man es nur bgrüßen können, wenn durch den Vorschlag des Städtetages neuen Gedanken Bahn gebrochen wird. Die fchwankenüe Aollfronr. Rufe«ach einem Kompromiß. Der erste Tag der Zolldebatte im Reichstag hat noch nicht erkennen lassen, ob die Regierungsparteien geschloffen die Zollvorlage in der vorliegenden Form erledigen wollen, oder ob sie die provozierendsten Bestimmungen preisgeben wollen. Die Besprechungen, die vor der ersten Lesung zwischen Regierung und Regierungsparteien geführt worden sind, ließen auf Bedenken und Schwierigkeiten im Lager der Regierungsparteien schließen. Der Beschluß des Präsidiums des Reichsverbandes der deutschen Industrie hat gezeigt, wo diese Schwierigkeiten zu suchen sind: die Be- lastung der Zollvorlage mit den G e t r e i d e m i n'd e st- zollen wird selbst bei einflußreichen Regierungsparteien für gefährlich gehalten. Die„S i) l n i s ch e Z e i t u n g"� eröffnet die Auseinandersetzung unter den Regierungsparteien mit der Forde- rung, den Ballast der Getreidemindestzölle über Bord zu werfen: „Wenn die Zolloorlage am Mittwoch oder am Donnerstag in erster Lesung durch die Vollsitzung de« Reichstags gegangen ist, wird es Aufgabe der Regierung fein, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Herbeiführung eines Kompromisses über die Zolloorlage zwischen den an der Regierung beteiligten Parteien zu versuchen. Daß dabei die Mindestzölle für Getreide zurückgestellt werden müssen, ergibt«in kurzer Blick auf die Verteilung der Kräfte im Parlament. Bei Kommunisten, Sozialdemokraten und Demokraten darf man nicht nur auf eine Opposition, sondern auf eine Obstruktion gefaßt sein, die bereits in vorbereitenden Maßnahmen eingesetzt hat, und deren Linien in der sozialdemokratischen Presse deutlich gezogen werden. Darüber hinaus darf man zu den grundsätzlichen Gegnern der Mindestzölle die Hälfte de« Zentrums, ein Drittel der Deutschen Volkspartei und den größten Teil der Wirtschaftspartei rechnen, so daß im Parlament die Erledigung der Zollvorlag« mit diesen Mindestzöllen auch dann ausgeschlossen erscheint, wenn sich das Kabinett Luther mit der K a b i n e t t s f r a g e für sie einsetzt. Man wird daher ein Kompromiß schaffen müssen, das der Landwirtschaft das gibt, was sie braucht, und das sind im Augenblick die Weltmarktpreis«, nnd sie darüber hinaus gegen kommend« Eventuallläten sicherstellt. Man wird dabei n. a. an eine gleitend« Zollskala denken kötmen.� Diese scharfe Wendung gegen die Getreidemindestzolle m der„Kölnischen Zeitung" ist verbunden mit einer fast drohen- den Mahnung an die Deutschnationalen, die Zollvorlage nicht mit Fragen der Außenpolitik zu verknüpfen. Der Zusammen- hang mit der Stellungnahme des Reichsverbandes der deutschen Industrie ist unverkennbar. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" sekundiert diesen Vorstoß gegen die Getreidemmdestzölle: »Ein nicht zu verhehlender Mangel Ist es allerdings, daß bei den Getreidezöllen die feste Bindung an einen Doppeltarif vorgesehen ist. Diese Stelle des vorgeschlagenen Zolltarifs durchbricht eben doch das Prinzip, daß der für Deutschland jetzt zu schaffende Zollschutz lediglich als Basis für Handelsvertragsverhondlungen dienen soll, daß die neuen Zollsätze den Zweck haben sollen, im Gegenseitigkeitsver- fahren für die den anderen Ländern eingeräumten Zollvergünstigungen und Exportermöglichungen herabgesetzt oder gar auf- gehobenzu werden. Ueberhaupt braucht man für die Mängel dieser ganzen kleinen Zolltarisnovelle keineswegs blind zu fein. Es ist richtig, daß sie nicht als das neue, bahnbrechende Reformwerk zu werten ist, das man von der deutschen Handelspolitik erwartet." Eine Zolloorlage, die aus dem Lager der Regierungs- Parteien heraus eine solche Beurteilung erfährt, ist unmdg- lich. Die Kräfteverteilung hat sich jetzt schon zuungunsten der brotwuchernden Forderung der agrarischen Interessenten ver» schoben. Werden die Vertreter der Deutschnationalen in der Regierung trotzdem durchsetzen, daß die Regierung den Brot- wucher zu einer Kabinettsfrage macht? Zeriettreifca nach Sowjetrußlanü. Ein kommunistischer Propagandatrick. Um das sinkende Schiff der KPD. wieder flott zu machen, sind die Kommunisten auf einen neuen Propagandatrick verfallen. Sie arrangieren.Arbeiter st udienfahrtev'' nach Sowjetrußland. Einige hundert deutsche Arbeiter sollen für ein paar Wochen Rußland besuchen. Für angenehme Reise und beste Unterkunft wird gesorgt. Da sich die Reisenden unter ständiger Obhut der Sowjetbehörden befinden, kein Russisch verstehen und nur dorthin kommen, wohin man sie nach sorgfältiger Vorbereitung führt, kann es nicht fehlen, daß sie mit den allerbesten Eindrücken nach Hause zurückkehren, wo inzwischen auch für ihre Familien durch ausreichende Unterstützung gesorgt werden soll. Den Dank für er- wiesenc Gastfreundschaft sollen dann die Besucher in Form eines Bericht» erstatten, in dem man lesen wird, daß in Rußland die soziale Frage gelöst ist und daß dort die Arbeiter herrlich und in Freuden leben. Besonderen Wert legt man auf die Beteiligung von sozial» demokratischen Arbeitern, die im Triumph al» gerettete Seelen au« Rußland zurückgebracht werden sollen. Darum sollen die Reisenden der Form nach aus den Betrieben gewählt werden. Außerdem will man auch in den Betrieben Sammlungen für die Reisekosten veranstalten, um den Schein zu erwecken, als ob die Kosten von den deutschen Arbeitern selbst getragen würden, während in Wirtlichkeit die große Kasse in Moskau für das Nötige sorgt. Eine objektive Berichterstattung über die Zustände in Rußland kann natürlich auf solche Weis« nicht zustand« kommen, sie ist auch gar nicht beabsichtigt. Die sozialdemokratischen Arbeit« in den De- trieben werden den Zweck der Veranstaltung«kennen und für die nötige Aufklärung sorgen. Vulgarischer Dandlienkrieg. Eine bulgarische Truppenabteilung entdeckt« vor kurzem die Spur der Banditen, die im April den Anschlag gegen den König ausgeführt haben. Während der Verfolgung kam es zu einem Feuergefecht, bei dem der Banditenführ« B o n e f f getötet wurde. Bier andere Banditen flohen. Unter den von den Banditen liegen gelassenen Gegenständen fand man das Fern- glas, das dem König entrissen worden war, sowie die Ausweis- papi«« des«mordeten Naturforschers Jltfcheff. lthamberlaln verteköigt öea Pakt. Di« große Aussprache im euglischen Unterhaus. Die große Aussprache im Unterausschuß, üb« deren Degln» wir im Morgenblatt berichteten, wurde weitergeführt. Im weiteren Verlauf seiner Rede kritisierte Außenminister Chamberlain vom Standpunkt des britischen Reiches aus das Genfer Protokoll und wandte sich sodann gegen die Theorie der Isolierung Englands. Das Abfeitsstehen des britischen Reiches von europäischen Angelegenheiten habe niemals den In- teressen des Friedens gedient. So sei das direkte Ergebnis des Nicht- Zustandekommen» eines englisch-amerikanisch-sranzösifchen Paktes d« Abschluß jener Bündnisse zwischen Frankreich und den östilchen Staaten gewesen, über die die Liberalen und Arbeiterpartei!« so desorgt seien. Der Weltkrieg habe gelehrt, daß auch die Neutralen unter einem Krieg litten. Außerdem habe England sowohl die Bölkerbundssatzungen wie auch den Versailler Bertrag unterschrieben und beide Unterschriften seien mit Isolierung oder Gleichgültigkeit unvereinbar. Isolierung sei dah« nur ein Traum. Die britische Regierung habe sich infolgedessen für befand«« v«einbarungen rein desenflv« Art im Geiste der Bölkerbundssatzungen und unter Führung des Völker- bundes entschieden. Chamberlain unterstrich ausdrücklich,«as« während der Verhandlungen mit Frankreich Briand durch den Bot- schaft« Erewe hatte wissen lassen, nämlich daß sich die Garantien Englands auf die deutsch« westgrenze beschränke« müßten, und dag England keine neuen Derpflichtungen irgendwo anders zu übernehmen bereit sei, außer denen, die ihm als Unter- Zeichner der Bölkerbundssatzungen und der Friedensverträge obliegen. Chamberlain betonte, daß ihm bei dem Bestreben diese Grenze sicher zu stellen und zu verhindern, daß dort wieder Krieg entstehe, keia Gedanke ferner liege, als irgendwelche Zweifel an der Stabililät d« Lage alld«swo öder an d« Heiligkeit der vertrag. lichen verpslichtungen. Menschliche Voraussicht könne niemals in irgendeinem Augenblick einen Vertrag entwerfen, der den Interessen aller Zeiten diene. Wenn Grenzen verändert od« die territorialen Vereinbarungen Europas geändert werden sollten, so gäbe es nur zwei Methoden, durch die es seines Erachtens geschehen könne: Die erste bestehe unter den Bestimmungen des Artikels IS der Bölkerbundssatzung, die sich auf Grenzen bezieht, die mit der Zell unanwendbar werden können, die andere hänge mtt einer Frage zusammen, die, wie« glaub«, keine Akkualllät in der Ausfassung irgendein« im gegenwärtigen Augenblick in Betracht kommenden Regierung habe, nämlich der Vereinigung Oeslerreich» und Deutschlaads, die nur in Aussicht genommen m«dell könnte als das Ergebnis einer Aktion auf Grund des Artikels S0 des Versaill« Vertrages oder des ent- sprechenden Artikels von St. Gennain. Ab« d« Gedanke, daß man sichsechsIahre nach Unterzeichnung der Berträge und nach all den Mühen, die sie bereitet haben, daran machen soll«, die Grenzen Europas neu festzusetzen und die Regelung, die damals nicht ohne viele Mühe und Schwierig- leiten erreicht wurde, umzustoßen und zu versuchen»«ine neue zu schaffen, erschein« ihm als ein Gedanke, d« von keinem geistig normalen Menschen gehegt werden könne. und er sei sicher, daß, was auch immer ihre Absichten und ihr« Zwecke seien, die Leute, die augenblicklich diese Grenzfragen auf- werfen und die Gemüter der Nationen besorgt und unruhig machten, nicht den Interessen des Friedens und der Wohlfahrt Europas dienen.(Beifall auf der Regierungsseite.) D i e Welt braucht Stabilität: denn wenn die Lage nicht stabll sei, könne keine Sicherheit bestehen, und wenn keine Sicherheit bestehe, so würde der Friede ein leeres Wort bleiben und sich niemals ver- wirtlichen. Auf dies« Grundlage habe die britische Regierung nach sorgfältiger Erwägung der von Deutschland gemachten Vorschläge und nach dem Meinungsaustausch mit der französi- schen Reigerung den Bedingungen einer von der französischen Re- gierung nach Berlin gesandten Antwort unter korrekt« Wiedergabe d« britischen Ansicht nicht wenig« al» der französischen Ansicht zugestimmt. Nachdem er betont hatte, daß er sich nur auf eine vorläufige grundsätzliche Darlegung beschränken müsse und nicht auf Einzelheiten eingehen würde, erklärte Chamberlain: Er habe bereits dem Hause seine Ueberzeugung hinsichtlich der Ausrichtigkeit ausgedrückt, mit der die deutsche Regierung ihre Dorjchläge Saut den Reichstag um! Im Haushaltsausschuß des Reichstags wurde gestern üb« einen Antrag des Voltsparteilers Dr. C u r t i u s verhandelt. Erweite- rungsbauten für den Reichstag vorzunehmen und dafür vier Mll- lionen Mark zu bewilligen. Der Aussassung, daß ein Neubau ge- schaffen werden müsse, schloß sich auch Präsident Lobe an, während der Zentrumsabgeordnete Dr. Schreiber meinte, man dürfe keine falsche Pietät an dem Gebäüde üben, das früher an hoher Stelle ein.Kasten' genannt und dessen Kuppel als eine„Raubtierhaus- tuppel' bezeichnet wurde. Die Frage wird sich nicht lösen lassen, ohne daß Gutachten von Architekten eingeholt werden und ein Preisausschreiben veranstaltet wird. Neben dem Anbau wäre dabei auch ganz entschieden e i n U m b ä u in Betracht zu ziehen, bei dem sowohl örtliche wie hygienische Gesichtspunkte zu berücksichtigen wären. Die Ersetzung d« vergoldeten Glaskuppel durch eine würdigere Krönung des Gebäudes wäre«ine Wohltat und würde zur Ver- schönerung des Stadtbildes wesentlich beitragen. Ein Segen wäre es auch, wenn«s gelänge, die überladene Ornamentik der äußeren und besonders der inneren Architektur in geschmackvoller Weis« ab- zubauen. Heute ist d« Besucher des Reichstags auf Schritt und Tritt von allegorischen Figuren, Engeln, Adlern, Delphikien und Schlangen umlauert: aus jedem Winkel guckt eine Fratze. Um wie- viel würdig« und vornehmer repräsentiert sich das Innere des Landtags! Vom hygienischen Standpunkt au» ist es dringend notwendig. den im Reichstag beschäftigten Menschen mehr frische Luft zu- zuführen. Jeder, der einmal ein paar Stunden im Reichstag zu- gebrocht hat, weiß, wie ermüdend die dort h«rschend« Atmosphäre wirkt. Jeder arbeitswillige geistige Arbeiter klagt über die un- erklärllche Lähmung d« Denkorgane, die einen nach mehrstündigem Aufenthall im Reichstag befällt. Diese Atmosphäre macht den Reichstag zu einem Sumpf des parlamentarischen Kretinismus. Wahrscheinlich trägt sie viel dazu bei, daß so selten in freier Rede gesprochen wird und daß die meisten Abgeordneten es vorziehen. ein unter günstigeren Verhältnissen ausgearbeitetes Manuskript zum Vortrag zu bringen. Auch in dieser Beziehung ist der Landtag besser gestellt als der Reichstag, zumal er über einen Garten verfügt, in dem die Abge- ordneten frische Luft schöpfen können, während der Reichstags- abgeordnete, d« M Ausschüssen beschäftigt ist, von 10 Uhr vormittags bis S Uhr abend», wenn Fraktionssttzungen stattfinden, noch länger an einen Steinkasten gebannt ist, dessen„Erfrischungsraum", das gräßlich geschmückte Restaurant, sich an warmen Sommertagen in einen Glutofen oerwandelt. Also baut u m, damit Berlin ein schöneres Reichstagshaus bekommt und der Reichstag bei frischerem Sinn bessere Gesetze machtl F. St. Nationalistische Sommertheater. Im Harzer Bergtheater sollen im Iull und August die Lienhard-Festspielee stattfinden. Man mag von der politischen Ein- stellung des Dichters Lienhard au« Achtung vor seinem Werke ab- sehen, obwohl nicht zweifelhaft ist. in welcher Linie sein öffentliches Wirten liegt. Was aber die Lienhard-gestspiel« erwirken sollen, Hot einer der Hauptbeteiligten. Dr. Ernst Wachler, ausgeplaudert. Er schreibt, daß die Festspiel« den vaterländischen Namen wieder zu Ehren bringen sollen. Das Wort.vaterländisch' bedeutet in seinen» Mund« etwas anderes, als was Fichte von einer vaterländischen Regieruno sagt:„Jjoll der Liebe zu dem geringsten Dolksgenossen.' Wachler ichreibt von dem Licnhardschen Drama..Heinrich von Oft«- dingen' den bedeutsamen Satz:.Dieses Drama ist ein unoergleich» licher Ausdruck der Seele des Deutschtums, den S«tngerstreit auf der Wartburg und die Kaisermacht des Mittelallers in prächtigen Bildern spiegelnd: beide ein Schatzhaller dessen, was wir v«loren Habens' Ferner gibt Dr. Wachler ein Beispiel mehr für die Tat- fache, daß sich gegenwärtig d« Akzent vom Volk zur Gesellschaft verschiebt, denn sonst würde er Volt und Gesellsibaft nicht gleich. setzen und schreiben:„Das deutsch« Boll ist geladen, um sich zu sammeln, nicht ein Publikum, das sich zerstreuen will, dos in Klassen. Partelen, Bekenntnisse zerfällt.' Vom Volte selbst kann ein solches großzugiges Unternehmen nicht inszeniert werden, wohl aber von der Gesellschaft, der imm« noch die Möglichkeit gegeben ist, eine finanzielle Basis zu schaffen, wenn es sich um nationalistische Feste handelt. Wie wird das.Volk' aussehen, das»ach dem Harzer Bergtheat« wallfahrten wird oder vielmehr sich fahren läßt, denn dieses.Volk' hat doch seine Autos. Nur Iungdos und Stahlhelm. leute werden mit Untertanenverstand und im Staube zu diesen Festspielen wallen. Den gleichen nationalistischen Einschlag wird die Hermanns. f e i e r auf der Grotenburg bei Detmold haben, die für den August zur Erinnerung an die Deukmalseinweihung vor 50 Jahren geplant ist. Das lippssche Landesvräsidium hatte schon vor mehreren Monaten«inen Ausruf erlassen, d« die Garantie für eine erhebende. wirkliche Volksfeier bot. Aufrufe d« Deutschen Turnerschast, des Deutschen Sängerbundes und der„nattonalen Verbände" folgten und gaben von vornherein den geplanten festlichen Wochen ihr Ge- präge. Die Deutsche Turnerschast wird einen Stasettenlaus durch ganz Deutschland antreten, der am Hermanns-Denkmal enden soll. Daß die Veranstaltung de» Deutschen Säno«bundes ein„nationales' Treubekenntnis wird, geht schon aus der Art der Lieder hervor, die am Denkmal gesungen werden sollen. Unter diesen Umständen wird der livvesche Arbeit«r-Säng«-Bund auf die Teilnahme an der Feier verzichten. Die geplante erhebend« Bolksfei« wird zu ein« parte!» politischen Tagung ausarten. An Festspielen für die Freilichtbühne unterhalb des Denkmals sind der.Sommernachtstraum',„Wilhelm Teil" und„Die Hermannsschlacht' vorgesehen. Der„Sommernachtstraum' wird ia nicht mit politischem Machw«t zu durchsetzen sein, aber die Gefahr liegt nahe, daß die.Hermannsschlacht' mit schwarzweißroter B«- leuchtung gegeben wird. Schon jetzt ist der Hünenring für ver- schiedene Abende von nationalen V«bänden gepachtet. Ohne Frage ist die„Hermanneschlacht' von Kleist das stärlste dramatisch« Werk. das die historische Hermannsschlacht zur Grundlag« hat. Ab« Kleist wollte kein historisches Drama schreiben, sondern suchte nur eine Basis, auf der sich fein großer Franzosenhaß dramatisch formulieren ließ. Das Drama entstand unmittelbar unter dem Eindruck der napoleonischen Fremdherrschaft, und die Aktschlüsse sind so gestellt, daß Worte voll leidenschaftlichem Pathos ins Publikum geschleudert werden und zum Aufstand mahnen. Künstl«isch läßt sich die Wahl des Kleistschen Dramas zweifellos rechtfertigen. Aber wie viele Hörer werden Bühne und Zuschauerraum mit einem politischen Auditorium verwechseln und subicktioes Gegenwartsleben in das Stück hineindeuten! Sozial« Brückenbau führt zur Einigkeit... Unter dem Schw«te Hermanns, dessen Inschrift zur Einigkeit mahnt, reihen die nationalen Verbände die Brücken ab..» H. S. »Dte Gölkia auf d« Balz.' Der Name ist sicher das schönste an diesem angeblichen Lustspiel von Han» B a ch w i tz, das unter der sommerlichen Herrschaft im L e ss i n g t he a t e r sein« Uraufführung erlebte. Eine Schauspielerin wirft auf einer Reise bestrickende Netze über einen— Bahnhofswirt.(Aktuell, weil Reisezeit.) Nach Brahm und auch nach Barnowsky ist ja auf dieser Bühne schon viel Unsinn geredet worden: aber diesmal ächzten wirklich die Bretter, weil es sich um Plattheften und derart eindeutig plumpe Zoten handelte, oaß selbst eine Sommerdirektion dafür keine ausreichende Em- schuldigung sein kann. Die Darsteller waren nicht in d« Lage, dem graulich unbeholfenen Gebilde Leben zu verleihen. Für Else W a s a war die Beteiligung an dem Unsinn immerhin eine Zumutung. I<. Das Auswarlige Amt und die Pariser Ansstcllnng. Die Tagung des Deutschen W�rkbundes in Bremen erhielt eine eigenartige Wendung dadurch, daß d« anwesende Vertreter des Auswärtigen Amtes das Wort ergriff, um sich gegen den Borwurf zu verteidigen, fein Eingreifen habe eine Beteiligung Deutschlands an der Internationalen Kunstgewerbe- Ausstellung in Paris verhindert und dadurch deutsche wirt- schaftliche und künstlerische Interessen schwer gefährdet. Seine Aus- führungcn richteten sich gegen Mitglieder jener Gruppe des Werk- bundes, die un Vorjahr einer Teilnahm« Deutschlands an diejem wichtigen internationalen Wettkampfe die Wege zu ebnen versuchte. Der Deutsche Werkbund beantwortete die in schärfst« Form vor- gebrachten Angriffe damit, daß er den Führer jener Gruppe, Prof. Bruno Paul, in das Präsidium wählte. Es ist eine Bewegung im Deutschen Wcrkbunde und in verwandten wirt|chaftlichen Verbänden im Gange, um zu bewirken, daß in Zukunft die Entscheidung über Veranstaltung oder Ablehnung auswärtiger Ausstellungen und ahn- liche Fragen von einschneidender wirtschaftlicher Bedeutung nicht mehr allein von der Stellungnahme der amtlichen Instanzen, son- dern auch von der Beurteilung durch die Fachkreise abhängig gemacht wird. Ein neu« kusio» d« NaNovolgalctte. Der bisherige wiffenschastliHi HUISarbeiter D r. Ludwig Thormaelen ist zum kuito» bei bei Notionalgalerie ernannt worden. Thormaele», geboren zu Hanau t6LS war Schäl« Wöliflin«, voege» und Clemens. Seit ISU ist er an d-i Rationalgalerie tälig und war bei der Einrichtung des Kronprinzenpalail und der Natlonalgaleric, lowie bei der Veranstaltung zahlreicher aus- wiriig« Ausstellungen beteiligt. Autorenrecht in Sowjetroßlanb. Ter Rat der Volkskonunissare hat dal Dekret über das Autorenrecht angenommen. Das Recht erstreckt icch axt 2S Jahr«, da» Erbrecht auj höchsten» tö Jahre. machte und hinsichtlich der Aufrichtigkeit, mit der sie auch beabsichtige, thre Verhandlungen fortzusehen, und er wolle bei dieser Gelegenheit hinzufügen, daß er nicht nur ihrer Aufrichtigkeit, sondern auch dem Mute und der Staatsfunft der Männer, die die fühne Initiative ergriffen, Anerkennung zolle.( Beifall) Chamberlain fuhr fort, diese Initiative fel der britischen Regierung als eine hoffnungsvollere Aussicht erschienen, als alles, was fich feit der Unterzeichnung des Versailler Bertrages ereignet habe. Sodann wiederholte er, daß die Verpflichtungen Englands auf bie Weſtgrenze beschränkt werden müßten, daß aber diese Verpflich tungen nicht ein einseitiges Bündnis sein dürften, sondern ein gegenseitiger Baft, unter den Mächten, deren frühere gleichzeitig mit dem Infrafttreten irgendwelcher gegenseitigen Bereinbarungen dieser Art Deutschland in den Bölkerbund eintreten und den ihm gebührenden Blag einnehmen, sowie den ihm zutommenden Einfluß im Rate der Welt ausüben müßte. Zum Schluß versprach Chamberlain, dem Parlamente volle Gelegenheit zu geben, vor der Ratifizierung irgend eines neuen Ber: trages durch die Regierung seine Meinung auszusprechen. Er bat um eine unparteiische und wohlwollende Erwägung dieser Vorschläge und fragte: Wer unter Ihnen hat mit Befriedigung die Gefchichte der legten 20 Jahre und wer unter Ihnen ohne Besorgnis bie Aussichten der Zukunft betrachten fönnen? Europa jei heute, sechs Jahre nach der Unterzeichnung des Friedens, immer noch in zwei Lager geteilt, die von Feindseligkeit und Mißtrauen erfüllt seien, einem Mißtrauen, das mit der Zeit nicht geringer, sondern größer werde, und das Gespenst des Ausbruchs eines fünftigen Krieges nehme nicht ab, sondern wachse. Chamberlain sagte, er wiederhole das, meil es ein grundlegender. Fattor der Lage sei. Furcht beherrsche die Gemüter der Welt und die Haltung eines jeden Candes. Unter den Siegern nicht weniger als unter den Besiegten bestehe die Psychose des Besiegten. Jede der Nachkriegsregierungen in England habe versucht, einen Weg aus diefer Schwierigkeit zu finden. Jetzt biete fich eine neue Gelegenheit, vielleicht die lehte Gelegenheit, Sie fei aus einer deutschen Initiative entstanden und habe die freund lichste und verföhnlichste Aufnahme bei Frankreich gefunden. Chamberlain begrüßte die Nachrichten über den Entschluß Frankreichs, das Ruhrgebiet zu dem festgesezten Termin zu räumen. ( Beifall.) Er schloß mit einem warmen Appell an das gesamte Barlament, an dem eingeleiteten Werke mitzuwirken. Macdonald fahloh fich Chamberlain in der Be glückwünschung Deutsch lands zu seinem sehr mutigen Schritte an, den es mit der Entsendung der Note an Frankreich getan habe. Auch er wandte fich scharf gegen den Gedanken der Isolierung. Er protestierte gegen jedes System separater Batte, bas Chamberlain vor zuschlagen scheine, da dies England automatisch in den Krieg ziehen würde. Chamberlain habe die Tatsache betont, daß Großbritannien nur an der Westgrenze garantiere. Es gebe jedoch feine berartige Beschräntung. Diese Garantie für die Westgrenze sei eine Garantie, die Großbritannien an einem europäischen Kriege teilnehmen laffen würde. Er glaube nicht, daß die Westgrenze je die Ursache eines neuen europäischen Strieges fein werde. Angenommen jedoch, Rußland befomme Streit mit Polen und Frankreich ersuche, im Hinblick auf sein Defensivbündnis mit Polen Deutschland um ein Durchzugsrecht für seine Truppen nach Bolen. Wenn dann Rußland Deutschland warne, daß es die Erteilung der Durchzugserlaubnis als eine feindjelige Handlung auffassen würde, fo würde Deutschland gezwungen fein, entweder sich Frankreich zu widersehen oder den Drohungen Rußlands gegenüberzutreten. Dies würde bedeuten, daß, weil ein Garantievertrag an der Westgrenze bestehe und meil Rußland im Kriege mit Polen sei, England in den europäischen Krieg eintreten müßte. Großbritannien würde nach der Bölterbundsayung oder nach dem Genfer Protokoll unter feiner Berpflichtung gestanden haben, bevor alle Arten von vorgesehenen Verfahren erschöpft worden seien. Macdonald erklärte weiter, er stimme nicht mit Chamberlains Schlüffen über die Abrüstung überein und glaube nicht, daß irgend eine Nation je durch wirtschaftlichen Drud gezwungen werden würde, ihre Rüstungen zu vermindern, außer wenn eine Konferenz mit anderen Nationen einberufen und eine Vereinbarung erzielt werde. Chamberlain ermutige Gruppen pon Defensivbündnissen. Hier machte den Chamberlain 3wischenruf: Gruppen von gegenseitigen Garantiebündnissen". Macdonald sagte: Ich fann alle diese Unterscheidungen nicht jehen. Es ist wie die alte unterscheidung zwischen Offensiv und Defensiv. Chamberlain erwiderte: Es ist ein Unterschied zwischen Bündnissen gewisser Mächte gegen eine andere Macht oder Mächtegruppe und einer gegenseitigen Garantie zur friedlichen Rege lung von Streitigkeiten zwischen einer Gruppe von Mächten, die an einem besonderen Gebiet interessiert find." Macdonald fuhr fort: Chamberlain hätte ein Abrüftungsabkommen zu einem wesentlichen Teil des Planes machen müffen, ebenso wie es zu einer wesentlichen Bedingung gemacht worden sei, daß Deutschland dem Bölkerbund beitreten müsse. Die Methode von Bündnissen sei nuglos, wenn der Frieden das Ziel sei. Reine Nation, die schwer arbeitende fluge Untertanen und große wirtschaft. liche Macht habe, fönne jemals lange niedergehalten werden. Er wolle eine britische Politit, teine selbst süchtige Politit, sondern eine Weltpolitit, bie von England in Freundschaft mit der gesamten Welt verfolgt werde. In Beantwortung der Debatte fagte Chamberlain, er wisse nicht, ob irgendein Batt auf Großbritannien, Frankreich, Belgien und Deutschland beschränkt sein würde. Großbritannien habe zwar seine Berpflichtung und Garantie begrenzt, aber Großbritannien und, wie er sicher glaube, auch Frankreich, Belgien und Deutschland werden Italiens Teilnahme an dem westlichen Garantiepaft willkommen heißen. Chamberlain fagte ferner, England würde sich den anderen großen Mächten für jegliche Konferenz zur weiteren Einschränkung der Seerüftungen oder zur Verminderung der Landrüstungen an= schließen. Er glaube, daß, wenn die Mächte mit größeren Heeren erst einmal Gewißheit wegen ihrer Sicherheit hätten, es nicht unwahrscheinlich sein werde, daß sie die Initiative ergreifen und eine folche Abrüstungstonferenz einberufen oder den Bölker bund einladen würden, dies zu tun. In Erwiderung auf eine Bemerkung Lloyd Georges über die Kölner Frage erklärt Chamberlain, er hoffe, daß Köln binnen einigen Monaten geräumt werde. Er wisse, daß es bei gutem Willen auf beiden Seiten geräumt werden fönne. Wenn ein Zweifel darüber bestehe, ob die Entwaffnungs bestimmungen erfüllt seien, von dem Augenblick an, wo die Militärtontrolle in Deutschland zurückgezogen ist( was der Fall sein wird, wenn die Bestimmungen erfüllt sind, die England die Räumung Röins ermöglichen), bann bestimme der Bertrag, daß die Abrüstung Deutschlands unter die Aufsicht des Völkerbundes gestellt werden folle; es sei dann Sache des Bölferbundes zu entscheiden, ob die Bedingungen erfüllt find oder nicht. Sowjetruffische Kriegsschiffe, zehn an der Bahl, liegen in Ropenhagen vor Anter. Drei dänische Militärflugzeuge trafen bald nach ihnen ein, um an der Südspige Lange Lands porläufig Aufenthalt zu nehmen. Gegen die schwarz- weiß- rote Hungerblockade! Gestern sind im Reichstag bei der ersten Lesung der Zollvorlage| hohen Zoll bringt die Gefahr mit sich, daß der Zollfaz an den Wert die Präludien der Schlacht der Voltsvertreter gegen die des Produktes herantommt, ja diesen übersteigt. Dadurch ist die Sollprojette der Junterregierung entbrannt. Die sozialdemokratische Einfuhr überflüssiger Startoffelmengen des Auslandes, die unferen Parteiorganisation in Wilmersdorf hatte aus diesem Anlaß eine Kartoffelpreis gegebenenfalls erheblich herunterdrücken fönnen, zur start besuchte Bersammlung in den„ Biftoriagarten" in der Unmöglichkeit gemacht. Aber nicht nur Getreide und Kartoffeln werden bezollt werden, wenn die Rechte ihre Pläne durchsezt, sondern Wilhelmsaue einberufen, in der die Reichstagsabgeordnete Genoffin überhaupt alles, was der Werftätige zum Leben braucht. Es foll Frau Klara Bohm Schuch über die Lebensmittel ein lückenloser Solltarif werden, ben die monarchistischen Hungerteuerung und die Ausbeutung des arbeitenden attentäter beabsichtigen. Alles soll in die Taschen der Voltes sprach. Nachdem sich die stattliche Bersammlung zu Reaktion fließen. Diese Patrioten haben es ja immer glänzend Ehren des ermordeten Märtyrers der Republik, Walter Rathenau, verstanden, das Volk bis aufs Aeußerste auszufaugen. Jetzt wollen erhoben hatte, ergriff Genoffin Bohm- Schuch das Wort, um ein sie ihre geradezu empörende Ernährungspolitif bis zum unerträglebendiges Bild der fatastrophalen Folgen des schamlosen Aus- lichen Gipfel durchsetzen. hungerungssystems der Reaktion aufzuzeichnen. Schon immer, so führte die Rednerin aus, hatten die Deutsch nationalen das Bestreben, ihre Aushungerungszölle durch Intrigen und Hintertreppenverhandlungen durchzufezen. Ihren jämmerlichen Umfall bei der Dames- Abstimmung ließen sich die arischen Shylocks durch Aussaugungskonzessionen am Bolte erkaufen. Das deutsche Bolf erhält jezt die schmerzliche Quittung dafür, sich seine Megger als Interessenhüter in den Reichstag bestellt zu haben. Mit der Aufwertung" hat man das Volk belogen und betrogen.( Stürmische Beifallsfundgebungen.) Die hohen Zölle sollen angeblich die geeignete Basis für den Abschluß von Handelsverträgen fein. Das Gegenteil ist richtig. Betrachten wir einmal die Auswirkungen der von der Rechtsregierung geplanten Bölle. Beim Roggen ist pro Doppelzentner für das erste Jahr ein Mindeſtfaz von 3 M., für die späteren Jahre von 5 M. vorgesehen. Das bedeutet, daß das Kilo Roggen um 3 Groschen teurer werden wird. Die Getreidezölle treffen am allerempfindlichsten die Minderbemittelfen, well gerabe bie ärmsten und finderreichsten Familien den stärksten Brotverbrauch haben. schwer um ihre nackte Existenz ringenden Familien unerschwinglich. Alle anderen Lebensmittel sind für diese Ein ungeheuerliches Unrecht ist es, welches das unersättliche Agrariertum an den Aermften des Boltes begehen will.( Stürmischer Beifall und Erregung.) Als eine Farce muß es bezeichnet werden, wenn das Getreidezollgefeß eine stärkere Bezahlung des weißen Mehls vorfieht. Die Kartoffelzölle sehen eine Erhöhung des Doppelzentners Kartoffeln um 4 M. vor. Die Belegung gerade dieses für die breiten Maffen des Boltes so notwendigen Lebensmittels mit einem sehr Bananenschalen und Kirschkerne. Das Fleisch der Bananen ist wohlschmeckend und nahrhaft und daher bei jung und alt beliebt. Die Bananenschalen sind ungenießbar; doch schuf sie die Natur vielleicht in weiser Borsicht, damit man das weiche flebrige Fruchtfleisch beim Verspeisen halten fann, ohne sich die Finger zu beschmuzen. Ist es perzehrt, so sind die Schalen völlig wertlos und man vermeidet eine unnötige Belastung, wenn man sich auf der Stelle ihrer entledigt. Da man Bananen gern unterwegs verspeist, so wirft man die Schalen zweckmäßig auf den Bürgersteig. Sollte man bie Früchte aber auch mit in die Wohnung nehmen, so lassen sich die Schalen mit Leichtigkeit aus dem Fenster oder vom Ballon auf die Straße befördern. Dort bilden fie eine Art Aufmerksamkeitsprüfung für die Bassanten. Im allgemeinen werden nur alte Leute, Elige und fleine Kinder sie nicht bestehen, sofern die Früchte noch in schönem Gelb leuchteten. Waren fie aber schon überreif und ihre Schalen braunschwarz, so wird die Anzahl berer, bie darüber ausgleiten, beträchtlich größer sein. Doch sicherlich werden alle aufrichtige Dankbarkeit für die Spender der Schalen empfinden, die so menschenfreundlich ihre Mitbürger zur Aufmerksamkeit auf der Straße erziehen. Sollte trotzdem diejer oder jener andere Gefühle gegen fie begen, so ift er nur auf die jetzt beginnende. Kirschenzeit hingewiesen. Wie will er ungefährdet die Kerne und faulen Früchte umgehen, die die Straße schmücken, wenn er nicht vorher am größeren Objekt, an den Bananenschalen, seine Geschicklichkeit übte! Protefte der Hebammen. Der Deutsche Hebammenbund, der dem Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter angeschlossen ist, hatte gestern seine Mitglieder zu einer Bersammlung nach der Ludauer Straße ein berufen. Auf dem Programm stand ein Vortrag des Rechtsanwalts Dr. Bahn über die Gefahren des§ 219 für die Hebammen( Beihilfe zur Abtreibung). Rechtsanwalt Dr. Bahn behandelte diesen Baragraphen in Zusammenhang mit dem§ 218 und führte an Hand eines fehr reichhaltigen Materials, Berurteilungen, Berhaftungen usm., die Gefährlichkeit gerade dieser Paragraphen für die Hebammen vor Augen. Fast teine Woche vergeht, wo nicht Hebammen verhaftet oder verurteilt werden. Er wies darauf hin, daß die Hebammen feine Vorsichtsmaßregeln außer Acht lassen sollen, die sie bavor schüßen, unter dem Berdacht der Beihilfe zur Abtreibung Eingriffe getan zu haben. Schutzlos stehen die Hebammen diesen Paragraphen gegenüber. Die Abtreibungen haben seit 1870, ganz besonders aber nach dem Kriege, unendlich zugenommen. In der Hauptsache bedingt durch die sozialen Berhältnisse, die Wohnungsnot usw. Wenn vor dem Krieg in den oberen Kreisen die Wohnungsnot usw. Wenn vor dem Krieg in den oberen Kreisen das von Frankreich übernommene Zweifindersystem schon üblich war, so hat auch heute das Proletariat über dieses System hinaus längst den Kinderfegen eingeschränkt oder ganz einstellen müssen. Ein Paragraph aber, der nicht perhindern kann, was er bestraft, Ein Paragraph aber, der nicht perhindern tann, was er bestraft, hat seine Daseinsberechtigung verloren. Mit aller Macht muß dafür gefämpft werden, daß diese verschwinden, die so ungeheures Elend getämpft werden, daß diese verschwinden, die so ungeheures Clend auf Tausende von Familien, Frauen, Hebammen und Aerzte heraufbeschmören. Unglücksfall eines Sprungkünstlers. Gestern abend verunglückte im Ulap am Lehrter Bahnhof bei seinem ersten Debut der obesspringer Cliff Aeros, ber pon cinem 30 Meter hohen Mast den Feuersprung mit einem vierfachen Saltemortale ausführen wollte. Das Unglück geschah dadurch, daß die etwa 20 meter lange Bahn start mit Tau belegt war und so dem Springer feinen Widerstand bot. Cliff Aeros hat eine starke Hüftverlegung davongetragen und liegt augenblicklich bewußtlos im Krankenhaus. Künstlerfest im Lunapark. Daß Berlin zu wenig Geschmad, nicht genügend Zeit, Geist und Lust befigt, um wirklich feste feiern zu können, hat der letzte Winter bewiesen. Und nun feiert man Sommerfeste, die ebenso ohne Kultur sind, deren Luftigkeit auf den Beobachter wieder krampfhaft Künstlerfest geladen wird, dann erwartet es von vornherein und verzerrt wirft. Wenn das Publikum obendrein zu einem etwas ganz Besonderes. In dieser Beziehung dürften viele Besucher des Lunaparts enttäuscht gewesen sein, als sie sich zum Künstlerfest der Deutschen Bühnengenossenschaft einfanden. der Deutschen Bühnengenossenschaft einfanden. Das schöne Better hatte Tausende hinausgelockt, oder war es bloß die Das harmlose Aussicht, ein Automobil gewinnen zu fönnen?! Brogramm fand mehr oder weniger Beifall, je nach der Anspruchs losigkeit der Gäste: Holländer dirigierte mit Schmiß seinen Traumwalzer und wurde lebhaft applaudiert; ben Einzug der Clowns fah man mit gemischten Gefühlen; am meisten amüsierte die Filmaufnahme unter Mitwirkung des Publifums, bie natürlich nicht edyt war, Kammerfänger Egenieff sang mit dem Orchester des Lunaparts, und das Staatsballett tanzte, darunter die Grube, Terpis und Harald Kreuzberg, von bunten Scheinwerfern über alles im Freien. Zum Schluß wurden noch lebende goffen Stulpturen gestellt. Der Chor der Brominenten" bildete den cin= zigen Konner des Publifums mit den Prominenten, die spärlich Bas babsichtigt man alles zu verzollen? Den Reis, der immer mehr zu einem wichtigen Bolfsernährungsmittel geworden ist, die Hülsenfrüchte, das Schmalz, das Obst, dessen unsere unterernährten Arbeiterfinder so bitter dringend benötigen, das Gefrierfleisch, mit dem sich der schwer arbeitende Proletarier für seine zermürbende Arbeit notdürftig stärkt. Ein unerhörtes Verbrechen will die jeder Strupel bare Reaktion inszenieren. Ihr ist jedes Mittel, auch das der Verelendung des Boltes, recht, um ben Staat wieder in die Hände zu bekommen. Die deutsche Ernährung muß vom Ausland unabhängig gemacht werden, sagen die Schwarzweißroten. Welch lächerlicher Schwindel, mit dem man seinen verbrecherischen Egoismus be. mäntein will! Es gilt, das Bolt aus seiner Lethargie aufzurütteln. Kampf den Aushungerungsattentätern mit allen parlamentarischen Mitteln, entschiedenster Kampf auf der ganzen Linie, das ist unsere Barole.( Wiederholte stürmische Beifallskundgebungen.) Nach einer furzen Diskussion, in der n. a. auch eine Kommunistin sprach, wurde nach einem Schlußwort der Genossin BohmSchuch folgende, spontan aus der Mitte der Bersammlung gestellte Entschließung angenommen: Die am 24. Juni im Bittoriagarten" Wilmersdorf von der Sozialdemokratie einberufene öffentliche Versammlung protestiert gegen die schamlose Ausbeutung des arbeitenden Wolfes, die sich schon feht in der ungeheuren Berfeuerung der Lebensmittel auswirkt. Die Bersammlung erwartet vom Reichstag, insbesondere von der Sozialdemokratie, daß sie die jetzt eingebrachte Zollvorlage mit allen parlamentarischen Mitteln zu Fall bringt, um eine völlige Verelendung des schaffenden Volkes zu verhindern." vertreten maren, obwohl die erlesensten Namen angefündigt waren. Nach einem Galafeuerwert" versant der fühle Lunapark mit seinen prächtigen Terraffen in Dunkelheit und Stille. Mit dem Zeppelin zum Nordpol? Der Erbauer des nach Amerita abgelieferten Zeppelins, Dr. Edener, verfolgt seit längerer Zeit den Plan, mit einem 3eppelinluftschiff nach dem Nordpol zu fliegen. Die Abficht hat jetzt greifbare Gestalt angenommen. Heute mittag begannen im Reichsverfehrsministerium Besprechungen mit Dr. Edener. Wie verlautet, soll er bereits mit Amundsen in Verbindung stehen, um mit diesem gemeinsam eine Erpebition auszurüften. Amundsen ist diesem Bẞlan nicht abgeneigt, um so mehr, als die von deutschen Firmen gelieferten Flugzeuge und Meßgeräte, bie er bei seiner legten Expedition benutzte, ihn in polistem Maße befriedigten. Berliner Turn- und Sportwoche. Der 4. Tag brachte auf Beranlassung der Turngemeinde Bereinigung Berliner Lehrer die Berliner Knabengemeinde[ chulen auf dem Tiergartensportplag zu einem großen Sporte ft. 60 Berliner Gemeindeschulen hatten je 10 ihrer besten Turner zu der Beranstaltung gesandt. Die Spiele gingen in schneller Folge bor fich. Es galt im Laufen, Springen und Werfen das Beste herzugeben, um den Wanderpreis der Stadt Berlin zu erringen. Aus diesen volkstümlichen Wettkämpfen ging die 31. Gemeinbeschule Charlottenburg als erster Sieger und die 17. Gemeindeschule Charlottenburg als zweiter Steger hervor. dritte Preis, eine vom Oberbürgermeister geftiftete Platette, bie der beften Läufermannschaft zufallen sollte, ging an die 17. Gemeindeschule Charlottenburg. Der Einweihung der ersten schwimmenden Jugendherberge. An der Tiergartenschleuse wurde gestern im Beisein des Oberbürgermeisters Boß und Vertretern der Staats- und Stadtbehörden die erste schwimmende Jugendherberge eingeweiht. Die schwimmende Herberge follte auf Reparationstoften an Frankreich abgeliefert werden, genügte aber nicht den Ansprüchen des französchen Abnahmekontrolleurs. Das Schiff wurde umgebaut und der Jugend nutzbar gemacht. Der Zweck diefes Riefenfahnes ist, Jugendwandernden aus allen Teilen des Reiches Nachtquartier zu gewähren und einen längeren, fast to stenlosen Aufenthalt zu bieten. Der Kahri ist 50 Meter lang und hat eine Breite von 5 Metern. Er bietet hundert Personen Schlafgelegenheit. Die Innenausstattung entspricht allen modernen Anforderungen. Wasserfeitungen, Borratsräume, Aufenthaltsräume fowie die Wohnräume für den ständigen Schiffswart find hell und luftig. Das Dea bietet auch bei schlechtem Wetter einen guten Aufenthaltsort. Stadtfchulrat Reimann hielt die Taufrede und taufte die Jugendherberge auf den Namen des Oberbürgermeisters. Aus Feuersgefahr gerettet. Heute früh 3 Uhr brach in der Werkstatt des Tischlers Otto Heder in Treptow, Elfen str. 89, Feuer aus. Infolge der starten Rauchentmidlung war der crfte Stod nicht mehr zu erreichen. Dort befanden sich fünf Kinder der Familie Kremin im Alter von 2 bis 7 Jahren in Lebensgefahr. 3 mei Schupobeamte des Reviers 789 fletterten vom Hof aus über das Dach und holten die Kinder durch das Fenster aus der Wohnung. Die Feuerwehr konnte den Brand sehr rasch löschen. Der Brandschaden ist gering. „ Der blaue Heinrich", der allabendlich die Besucher des Rose= Theaters erfreut, ist ein Graf, der außer feinem Dünfel eine gewaltige Schuldenlast und eine sehr schöne, wohlerzogene Tochter hat. Diese versteht der Herr Papa, zum Leibwefen der mitbeteiligten Schwiegersöhne, wirklich gut zu verheiraten. Schließlich landet Olympia, bie bewußte Tochter, im dritten Att bei ihrem dritten Mann, einem Tierbändiger, der selbstgewählt und nach ihrem Gefchmad ist. Der gräfliche Herr Bapa hat endgültig die Rolle des Weltanschauungen und Erziehungsmethoden haben die Schwank Tyrannen ausgefpielt. Das Aufeinanderplatzen der verschiedenen verfasser Otto Schwark und Georg Lengbach vornehmlich auf Situationsfomit zugeschnitten. Das nahm das Rose- Theater aus giebig wahr. So entfesselte namentlich Mar Tobien als Auguſt Schulze beim Publikum Bachstürme, die erst in den Pausen langlam verebbten. Ebenso taten alle anderen Darsteller das Ihre, um die Zuschauer herzlich lachen zu machen, was ihnen durch freudigen die Zuschauer herzlich lachen zu machen, was ihnen durch freudigen Beifall gelohnt wurde. Uuläßlich der Uebergabe des Brandenburger Afers an den Berein gewerblicher Motorschiffbefizer Groß- Berlins findet am Montag, 29. Juni, eine volkstümliche Einweihungsfahrt des Motorschiff- Geschwaders( 75 moderne Schiffe) unter Zeilnahme der zuständigen Behörden und Presse ab Brandenburger Ufer( Sannewigbrüde) nach Grünau/ Mart statt. Abfahrt 2, Uhr. Der Einheitspreis für Hin und Rüdfabit, Konzert, Ball, Feuerwert usw. ist auf 50 Bf. festgelegt worden, so daß den breitesten Berliner Boltstreifen Gelegenheit geboten wird, einen gennßreichen Nachmittag un bend an den herrlichen See- und Waldgestaden Grünaus zu perleben. Gewerkschaftsbewegung Die Aussperrung in der Holzindustrie. Die Beschlüffe der Gauleiterkonferenz. Die Gauleiterkonferenz des Deutschen Holzarbeiterverbandes, die heute vormittag in Berlin gefagt hat, billigte einmütig die getroffenen Maßnahmen des Hauptvorstandes. Entsprechend den Vorschlägen des Hauptvorstandes wurde befchloffen, die Berhandlungen nicht zentral, sondern bezittsweise zu führen. Diese Berhandlungen beginnen heute nachmittag und dürften sich vorausfichtlich bis morgen abend hinziehen. Die Verhandlungen zwischen den beiden Zentralen, die gestern im Anschluß an die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium flatffanden, hatten ausschließlich die Festlegung der Berhandlungsmodalitäten zum Gegenstand. Da es sich um Bezirksverträge handelt, ist die Diskussion selbstverständlich fomplizierter, als wenn es fich um einen Zentraltarif handeln würde. * Die Meldungen aus dem Reiche über den Berlauf der Ausfperrung lauten übereinstimmend äußerst günstig. Kirgends hat die Aussperrung eine weitere Ausdehnung erfahren, wie es vom Arbeitgeberverband angekündigt worden war. Dagegen treten in allen Bezirken die Arbeitgeber vereinzelt an die Arbeiter heran, um sie zur Wiederaufnahme der Arbeit aufzufordern. Die Zahl der Ausgesperrten hat sich deshalb im Laufe der letzten Tage außerordentlich vermindert. Soweit die Unternehmer die Ausfperrung noch aufrechterhalten, geschieht dies, wie sie ausdrüdlich den Vertretern des Deutschen Holzarbeiterverbandes gegenüber ertiären, nur im Hinblick auf die vorstehenden Verhandlungen. Auch diese Unternehmer wollen die Aussperrung aufheben, sowie die Verhandfungen im Gang sind oder zu irgendeinem greifbaren Ergebnis geführt haben. Ueber das Ergebnis der bezirksweise geführten Verhandlungen dürfte sich vor morgen abend ein Ueberblick nicht ermöglichen lassen. Es fel im übrigen hier nochmals ausdrädlich festgestellt, daß es jich bci dicjem Kampfe und den zurzeit geführten Berhandlungen ausfchließlich um die Festsehung der Löhne handelt. Die Mantellarije, die u. a. die Arbellszeit tegeln, laufen bis 1926. Der dumme Auguft. Die im Birtus bei aufregenden Kunststücken der dumme Auguft bozwischenfährt, so hält es auch die KD. offenbar für ihre eigentliche Aufgabe, in den Kämpfen der Arbeiterschaft den dummen August zu martieren. Zu dem mit so großem tattischen Geschic und handgreiflichen Erfolg geführten Kampf der Holzarbeiter, der jegt auf Ersuchen der Unternehmer( was man den Lefern der Roten Fahne" mitzuteilen nicht für notwendig hält) zu Berhandlungen geführt hat, weiß das bolshewistische Blatt felgende profunde Weisheiten zu sagen: Es ist gerade während der Verhandlungen die größte Aktivität zu entfeiten, um durch Druck aus den Betrieben die Unternehmer zum Nachgeben zu zwingen. Bis jetzt hat es leiser der Hauptvorstand des Holzarbeiter- Berbandes an einer breiten Mobilisierung der Holzarbeiterschaft und der gesamten Arbeiterschaft fehlen lassen. Die Meldung deutet an. daß er auch die Verhandlungen ohne aftive Teilnahme der tampfenden Holzarbeiter führt. Die Kämpfenben müssen darum fordern, daß aus ihrer Mitte Kollegen aus den Betrieben mit zu den zentralen Verhandlungen zugezogen werden. Es handelt sich um eine Aussperrung, die nach berühmtem tommunistijchen Rezept ein Kampf auf breitester Grundlage", eine Generalaus perrung der Holzarbeiter Deutschlands werden jellie. Dieses Unternehmen ist aber zusammengebrochen. Nun for dert das botjchewistijahe Blatt, die Ausgesperrten sollen durch Druck aus den Betrieben" die größte 2ttivität" entfalten. Der dumme 2luguft vergißt nur anzugeben, wie die Ausgesperrten in den Betrieben eine„ Drud" ausüben sollen. Daß die Generaíaussperrung fläglich scheiterte, liegt wahrscheinlich am Hauptvorstand des Deutschen Holzarbeiter- Berbandes, der es ,, an einer breiten Mobilisierung der Holzarbeiterschaft und der ge samten Arbeiterschaft hat fehlen lassen". Also die Scharfmacher im Arbeitgeberverband wollen einen Rampf auf„ breitefter Grundlage". Er scheitert, und die Unternehmer müssen flein beigeben." Berrat!" schreit der dumme August, ..die gesamte Arbeiterschaft muß mobilisiert werden. Wo bleibt der Generalftreit aller Arbeiter Deutschlands, um den geschlagenen Holzindustriellen aus der Patsche zu helfen?!" Und überhaupt dieje Bonzen! Man hat zwar eine Gauleiter fonferenz einberufen, die allein erst die entscheidenden Beschlüsse fassen soll, das genügt aber nicht. Revolutionäre" Leute müssen heran, aus der Mitte der Holzarbeiter. Der Bolze zum Beispiel. Der ist aber faltgestellt und darf nicht reden. Offenbar darf er aber noch schreiben. Zur allgemeinen Erheiterung. Als Antwort auf das Geflunker der KPD. zum 3ollkampf, geben mir einer Aeußerung aus gewerkschaftlichen Kreisen Raum, die übrigens weder vom Bundesvorstand des ADGB. herrührt, noch von ihm veranlaßt wurde. Der Hinweis, daß der ADGB. zur Füh rung des Kampfes einen Fonds angesammelt hat, veranlaßt den dummen August zu folgender Bemerkung: Müssen die Beschlüsse der ADGB.- Sigungen und des AfABundes besonders entschädigt werden?" Also seht Ihr's, Proleten! Der Ausschuß des ADGB. faßt einen Beschluß und läßt sich dafür 750 000. auszahlen. Es ist weiter gesagt worden, daß der ADGB. eine große Aufflärungsfampagne über die Wirkung der Schutzölle in die Wege geleitet hat. Worauf der dumme August erklärt: Amtsenthebung eines Betriebsrats. Der Inhaber der Möbelfabrik von Gebr. Gordon beantragte bet der Kammer 6 des Gewerbegerichts die Amtsenthebung des aus drei Mitgliedern bestehenden Betriebsrats, dem zum Vorwurf gemacht wird, daß er auf einem Arbeiter des Betriebes einen Drud zum Eintritt in den Holzarbeiterverband ausgeübt und dadurch das gute Einvernehmen zwischen der Arbeiterschaft gestört habe. In der Verhandlung wurde folgendes festgestellt: Tischler D., der im Betriebe angefangen hatte, wurde von einem Mitgliede des Betriebsrats gefragt, ob er gewerkschaftlich organisiert sei. D. fagte, er sei Mitglied des Wertmeisterverbandes. Der hierauf an ihn ges richteten Aufforderung, sein Mitgliedsbuch mitzubringen, versprach D. Folge zu leisten, tat es aber nicht und wurde in der folgenden Zeit wiederholt nach seinem Mitgliedsbuch gefragt. So vergingen vier Monate, ohne daß D. seine Organisationszugehörigkeit nachge wiesen hatte. Nun wurde auf Berlangen aus den Reihen der Arbeiter eine Betriebsversammlung veranstaltet, die der Vertrauensmann des Holzarbeiterverbandes, der nicht dem Betriebsrat angehört, leitete. Die Versammlung beschloß, daß O. bis zu einem be stimmten Tage feine Mitgliedschaft im Bertmeisterverband nach weisen solle, wenn er nicht dem Holzarbeiterverbande beitreten wolle. Als Nichtorganisierter würde er scharfe Maßnahmen zu erwarten haben. D. erklärte, ehe er dem Holzarbeiterverbande beitrete, würde er lieber Syndikalist werden und sich in der Union aufnehmen laffen. Dann ging er zum Meister, sagte, er wolle aufhören, wurde aber vom Arbeitgeber veranlaßt, zu bleiben. Aus dem Wertmeisterverbande, dem D. angehörte, ist er ausgetreten und gehört gegenwärtig( wie er unserem Berichterstatter auf Befragen mit teilte) teiner Gewertschaft an. Wirtschaft Ein Prospekt des Phönix. Die Schwerindustrie steht gegenwärtig wieder, wie b oft, im Vordergrund der öffentlichen Diskussion. Es wird über schlechten Geschäftsgang des Kohlenbergbaus und der Hüttenwerte geflagt. Führende Redakteure der bürgerlichen Blätter bereisen das Ruhrgebiet und stimmen mit ein in die Klagen der schweren Industrie. Daneben laufen die Verhandlungen der deutschen Montanindustrie mit der Schwesterindustrie der westlichen Ländes, Montanindustrie mit der Schwesterindustrie der westlichen Länder, die als erste Etappe zum Abschluß eines internationalen Einfuhr vertrages geführt haben, der im„ Borwärts" bereits erörtert wurde. Des ferneren fämpft die eisenschaffende Industrie für hohe Zölle. Auf welche Art sie dies zu erreichen gedenkt, dafür liefert die Verfammlung des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller in Saarbrücken am 16. Juni einen Beweis. In dieser Situation ist eine öffentliche Aeußerung einer der größten Gesellschaften der Schwereisenindustrie, des Phönig, Attiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb in Düsseldorf, DON Interesse. " Der Phönir" wurde 1852 gegründet, er zählt also zu den ältesten Hüttenwerfen. Beschäftigt wurden auf den Werken des Phönig" am 1. Januar d. J. 47 323 Arbeiter und 3614 Be= amte, gegen 40 260 Arbeiter und 1867 Beamte am 1. Juli 1914. Die Produktion der Phönigwerke an Roheisen und Rohstahl betrug: Rohstahl In der Betriebsversammlung waren die drei Betriebsratsmit 1913/14 glieder zwar anwesend, sie hatten aber auf das Zustandekommen 1921/22 des Beschlusses, der den Nachweis der Organisationszugehörigkeit 1922/23 verlangt, feinen Einfluß und verhielten sich in der Versammlung 1924/ 25*) völlig passiv. Das macht ihnen der Vertreter der Firma zum Vorwurf. Er sagt, sie hätten dem Beschluß widersprechen müssen, und weil sie es nicht taten, hätten sie ihre Pflichten verlegt! Es sei eine Beeinträchtigung der Koalitionsfreiheit, wenn von einem Arbeiter verlangt werde, er folle einer Organisation beitreten oder man arbeite nicht mit ihm zusammen. Die Betriebsratsmitglieder hätten in der Versammlung sagen müssen, ein solches Verlangen sei ungejeglich. Der Vorsitzende der Kammer, Magistratsrat Dr. Riese, verfündete, ohne ein Wort der Begründung zu sagen, daß das Gericht bie Amtsenthebung des Betriebsrats beschlossen habe. Anscheinend hat sich das Gericht dem Standpunkt des Unternehmersyndikus angeschlossen, der schon in dem passiven Verhalten des Betriebsrats in der Versammlung eine Pflichtverletzung fehen will! Außer der Aufforderung eines Betriebsratsmitgliedes an den in den Betrieb eingestellten D., er solle seine Organisations zugehörigkeit nachweisen, ist in bezug auf das Verhalten des Betriebsrats nichts weiter festgestellt als seine Anwesenheit in der Daß das eine zur Amtsenthebung ausgenannten Bersammlung. reichende Pflichtverletzung sein soll, fann wohl ein Unternehmerfyndifus glauben, aber von einem Arbeitsgericht sollte man eine solche Auffaffung nicht erwarten. So sehen sie aus! " In unserer Abendausgabe vom 11. Juni brachten wir auf Grund einer Veröffentlichung des Schumacherschen Bekleidungsarbeiter" die Mitteilung eines gewissen Erb, Mitglied der KPD., der, als ihm bei seinem Gesuch um Wiederaufnahme in den Ber band gesagt wurde, er müsse sich verpflichten, fünftig nur ehr tiche Gewerkschaftsarbeit zu verrichten und die fommuniftischen Parolen ignorieren, unter Handschlag erklärte: Er sei bereit, nur ehrliche Gewerkschaftsarbeit zu leisten, er habe sich in einem Irrtum befunden, die Welt habe sich gedreht, er trete bedingungslos ein, politische Rechte und politische Ehre spielen für ihn feine Rolle mehr, er arbeite nur noch wirtschaftlich. Diese Erklärung leugnete E. in der Roten Fahne" vom 13. Juni ab. Darauf meldeten fich zwei Beugen, gleichfalls Kommunisten, die die Veröffentlichung des Schumacherschen Organs be ftätigten. Die Rote Fahne" lehnte jedoch die Veröffentlichung ab. Auf Wunsch dieser Zeugen geben wir hiermit folgende Erklärung wieder: In der Nummer der" Roten Fahne" vom Sonnabend, den 13. Juni 1925, bringt Ferinand Erb eine Ertlärung, in der er bestreitet, die im Vorwärts" vom 11. Juni 1925 wiedergegebenen Aeußerungen getan zu haben. Die Unterzeichneten erklären, daß die Meldung im Organ des Bekleidungsarbeiterverbandes, Opposition, in der Nummer vom 6. Juni 1925 absolut richtig ist. Die Unterzeichneten waren von Anfang bis zu Ende der Betriebsperfammlung der Firma Steinhardt anwesend und befunden, daß Erb sich genau so, wie es im Organ des Bekleidungsarbeiterverbandes, Opposition, steht, geäußert hat. Sie sind bereit, por jeder Kommission, die Herr Erb einsehen kann, die Richtigkeit des Berichtes zu bezeugen. gez. Erwin 3iemann, Stegliz, Miquelſtr. 19. gez. Otto Bierwagen, Kochstr. 38. ,, Wir schöpfen Atem." Eine in jeder Hinsicht mustergültige, gewerkschaftliche Jugendschrift hat unter obigem Titel vor kurzem der Deutsche Textilarbeiter verband herausgegeben. Auf fnapp 60 Geiten ist eine Fülle befter gewerkschaftlicher Jugendliteratur aufgespeichert, geschmückt mit 3eichmungen der Meisterhand Käthe Kollwig Eine Inhaltsangabe würde trog ihrer Reichhaltigkeit nur eine schwache Vorstellung geben von der Schrift, die vor allem anregt und anleitet zum Lernen, Denten und Träumen, die hineinführt in die Triebfedern der tapitalistischen Produktion, hineinleuchtet in die Technik der Textilindustrie, einen Ausblick auf die Geschichte und Bedeutung der Arbeiterbewegung, ins" Die Anfündigung des ADGB., daß er die Arbeiterklasse besondere der Textilindustrie gestattet, ohne ins nur Lehrhafte zu über die schädlichen Wirkungen der Schußzölle aufklären will, ist verfallen, ohne das Recht der Jugend auf Schönheit, Sturm und geradezu grotest. Wie die Schutzölle auf die Lebensverhältnisse Drang zu vernachlässigen, und alles das zu verbinden mit dem Allwirfen, wissen die Arbeiter von der ersten Geburtstag der Arbeit. Unsere Gewerkschaften haben feit leberwindung stunde an." der fürchterlichen Inflation besonders in geistiger Beziehung manche Offenbar ist das Geschreibsel der„ Roten Fahne" für Neugeborene beachtenswerte Leistung aufzuzeigen, unter denen„ Wir schöpfen Atem" besonders bemerkt zu werden verdient. bestimmt. A. Beheim- Schwarzbachs Kaufmännische Privatschule ( Inh. F. Egger!) Neukölln. Anmeldung. Ganghoferstr.1 und Berliner Str. 32( Privatwohnung) Beginn neuer Jahres- und JahresLehrgänge. Fernspr.: Neukölln 1063 Das Spargeld der Arbeitnehmer in die Arbeitnehmerbanken. 9 bezw. 8 Proz. Sparkonten. Scheckkonten 5 Proz. Zinsen p. a Für Genossen und regelmäßige Sparer günstige Darlehnsbedingungen! Bitte Prospekte anfordern Schalterdienst außerhalb der Geschäftsstunden auch Montags und Freitags abends vox 5 bis 7 Uhr. 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Aber auch technisch ist er auf der Höhe, sein Produktionsbereich ist abgerundet. Wohl machte auch die Phönigverwaltung vor einigen Jahren den Versuch, über das Sachsenwert und die elektrotechnische Fabrik Max Schoof in Rheydt zum Mittelpuntt eines Elettromontantonzerns zu werden, wozu auch noch die Verbindungen des Hauptaftionärs Otto Wolff mit der AEG. traten, doch sind diese Versuche über das Anfangsstadium nicht hinausgetreten. Die Verbindung mit der Reiherstiegwerft in Hamburg, die in den letzten Tagen eine Rolle spielte, hat überdies den Beweis erbracht, daß die Großkonzerne nicht Kraft und Willens find, ihren Töchtern in der Fertigindustrie über Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Auch heute noch wäre es dem Phönig" ein leichtes gewesen, ein solches Unternehmen wie Reiherstieg zu stützen. " Der herausgegebene Prospett soll einen günstigen Boden zur Aufnahme von 150 Millionen Mark neuen Attien an der Börse norbereiten. Diese gewaltige Summe erhielt die Phönigverwaltung durch die Transaktion mit der Phönig Trust Maatschappij Die Kapitalumstellung erfolgte auf der Basis 2 zu 1 von 600 auf 300 Millionen Mart. Im Jahre 1923 nahm der" Phönig“ bei einer holländischen Finanzgruppe einen Guldenkredit von 10 Millionen Gulden auf. Dafür mußten 150 Millionen Aktien der obigen Trustgesellschaft als Sicherheit hinterlegt werden. Ende des verden Guldenkredit zurückflossenen Jahres fonnte der Phönig“ zahlen, wodurch die in demselben Maß umgestellten Aktien in Höhe Don 150 Millionen Mart frei wurden. Diese sollten in der Hauptsache für Angliederungs- und Beteiligungszwecke" verwandt werden. 52 Millionen Mark sollen für diesen Zweck bereits verwandt sein und man geht wohl nicht fehl, wenn man die Anteile des Stahlwerfs van der 3ypen Wissen und des Kohlenbergwerfs Emscher Lippe hierunter rechnet. Von Otto Wolff erwarb der Phönig" van der 3ypen und vom Norddeut fchen Lloyd die Hälfte der Kure von Emscher Lippe. Für legtere wurde s. 3t. ein Preis von 22 Millionen Mark genannt. Merk würdigerweise wird van der 3ypen in dem Prospekt überhaupt nicht diese Projekte aufgewendet wurden, wird nirgends erwähnt. und Emscher Lippe nur so nebenbei genannt. Welche Mittel für Auch sonst zeichnet sich der„ Phönir" Prospekt durch eine große Dürftigkeit aus. Ueberfieht man selbst das der Deffentlichkeit übermittelte Bild dieses großen Konzerns, so fommt man immerhin zu der Feststellung, daß der Krieg und die Folgezeit einen wesentlichen Zuwachs brachte. Neben den Beteiligungen in der Fertigindustrie sind hier vor allem die Nordsternzechen, die Gewerkschaft 3ollverein" und neuerdings van der Zypen- Wissen und Emscher Lippe zu nennen. Auch von der finanziellen Seite aus ist ein günstiges Vergleichsfeld festzustellen. Das Aktien. tapital betrug 1914 106 millionen Mark, dagegen heute 300 Millionen Mart. Seinerzeit waren noch 30 Millionen Mart Obligationen zu verzinsen, währenddessen diese heute nur 1 299 762 M. betragen. Die hypotheten find von 4,8 Millionen Papiermart auf 62 927 m. zusammengeschmolzen. Zu erwähnen bliebe noch, daß die holländische Gruppe immer noch start am Phönig" interessiert ist. Befinden sich doch fünf Holländer im Aufsichtsrat, davon Herr van Vlissingen im Borstand. Die Verwaltung des Phönig" ist nicht so peffimistisch wie die Berichte aus dem Ruhrgebiet. Sie mißt den Synditatsbildungen hohe Bedeutung bei und hat" demzufolge die Hoffmung, fünftighin wieder ausfömmliche Preise zu erhalten und dann wieder zufriedenstellende Resultate zu erzielen". Na also!-n. *) Die Produktion des laufenden Jahres ist im Prospekt nur bis zum 30. April 1925 mit 787 785 Tonnen Roheisen und 1125 184 Tonnen Rohstahl angegeben. Die obigen Zahlen würden also dem Jahresergebnis entsprechen. Berantwortlich für Politit: Dictor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales und Sonstiges: Frih Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Flecken Flecken fite beseitigf Auf Teilzahlung HerrenKnaben- Garderobe Gummi- Mäntel Herren f. Damen u. Geringe Wochen- oder Monatsraten Bettwäsche, Gardinen, Teppiche, Korbmöbel, Metallbetten. Antel, Gr.Frankfurter Str.34 Strausberger Platz Gegründet 1901 Spectrol Der gute KapitänKautabak ist in den meisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Rocker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Metallbetten Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. Kat, 30A frei. Eisenmöbelfabr, Suhl Thir