Abendausgabe Nr. 298 42. Jahrgang Pfennig = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 146 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin NO 3001 150 Berliner Volksblatt 26. Juni 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Ubz Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin$. 68, Cindenstraße 3 Serusprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Zolldebatte im Ausschuß. Noch keine Klärung in Frankreich. Ini patario shed Die taftischen Strömungen in der sozialistischen Partei. ( Bon unserem Pariser Rorrespondenten.) Paris, 25. Juni.( Durch Telephon.) Kanik verteidigt die Forderungen der Agrarier.- Beginn der Generaldebatte. Der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages be fann nicht entbehrt werden. Mas nüzen aber der Landwirtschaft gam heute morgen die Beratung der Kleinen Zolltarifoor hohe Preise, wenn sie nicht bezahlt werden können. Das weiß die lage in einiger Unordnung. Die Schuld daran lag bei den Bar Regierung so gut wie fie. Man würde, weiß der Himmel, bequemer teien, die plötzlich während der wichtigsten Beratungen die Neuleben ohne Zollvorlagen, aber wir können es doch nicht anders schlüsselung der Ausschüsse beschlossen hatten. machen als das Ausland. 8 Als Herr Dr. Schneider von der Deutschen Volkspartei 10% lihr als stellvertretender Vorsitzender die Sizung eröffnete, machten die Sozialdemokraten sofort darauf aufmerksam, daß der Ausschuß ja noch gar nicht entsprechend den neuen Beschlüssen der Mehrheit ordnungsgemäß tonstituiert sei. Darüber gab es nun eine ausgedehnte Erörterung. Unterdessen tagte der Aeltesten ausschuß, um die gestern zerschlagenen Töpfe nach Möglichkeit wieder ganzzumachen. Nach einer halben Stunde erschien Genosse Hermann Müller und verkündete den Beschluß des Aeltestenrats, daß einstweilen weiter perfahren werden follte, als ob überhaupt nichts geschehen wäre. Nun begann der Ausschuß seine Tätigkeit mit der Wahl eines neuen Vorsitzenden. Gewählt wurde der Abg. Dr. Ber Der Abg. Dr. Litius vom Zentrum. Ernährungsminister Graf Kanig verbreitete sich sodann über die produktionsfördernde Wirkung der Agrarzölle. Allerdings nach der Statistit feien die Erträge unter den niedrigen Caprivi- 3öllen stärker gewachsen als unter hohen Bülow- Zöllen. Aber diese Statistit sei sehr anfechtbar. Die Landwirtschaft stede noch immer in der Preisschere. Die Frachtpreise seien sehr hoch. Dazu kämen die hohen Steuern. Die Weltmarktpreise genügen ihr nicht. Sie haben sinkende Tendenz und stehen jetzt schon erheblich unter den deutschen Inlandspreisen. Die Aussichten auf die Ernte find Gott sei Dant in Deutschland sehr günstig. Sie sind aber im übrigen Europa, in Amerika und in Rußland gleichfalls günstig. Man muß mit Preisstürzen auf dem Belimartt rechnen. Die Reichsregierung hat sich erst nach langem Hin und Her zu den Mindestzóllen entschlossen, und nur aus rein fachlichen Gründen. Bei den Handelsvertragsverhandlungen geht es sonst so, daß zulegt auf Kosten der Landwirtschaft Konzessionen gemacht werden. Darum hat die Regierung schweren Herzens ihren Beschluß gefaßt, denn es macht ihr sicher feinen Spaß, im Reichstag Mindestzölle für Brotgetreide zu propagieren.( Lebhafte Zustimmung und Heiterfeit.) Wenn man gegen Mindestzölle ist, muß man für hohe autonome Säße sein. 3 Mart find fein ausreichendes Rüstzeug. Die Wissenschaftler haben recht, als sie im Reichswirtschafts. rat gegen Mindestzölle waren. Damals waren die Beinnarttpreise eben noch höher. Ich bin aus dem Ausschuß wieder herausgegangen, wie ich hineingegangen bin.( 3uruf links: Nicht zugelernt! Große Heiterfeit.) Rußland wird in nächster Zeit nicht exportieren, Kanado, Amerika, Argentinien desto mehr. Was die Vieh- und Fleischzölle betrifft, so brauchen wir auf diesem Gebiet überhaupt feinen Import. Die Fortschritte der Technik ermöglichen die Dedung des Bedarfs aus eigenen Kräften. Was wir der Landwirtschaft heute aus Kurzsichtigkeit verweigern, werden wir in einer vie! fatastrophaleren Lage wiedergeben müssen. Ein maßvoller Schußzzoll Strafantrag im Rathenauprozeß. 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus für Brandt.- Freispruch nb für Küchenmeister. anu tog rod B. S. Leipzig, 26. Juni. Heute begann das Plädoyer des Bertreters der Anflage, Staats anwaltschaftsrat Dr. Rüdert. Bon entscheidender Bedeutung, so führte der Anklagevertreter aus, ist die Frage wann Brandt Kenntnis von dem Mordplan erhalten hat. Bei der unzuverlässigen Zeugenaussage Tilleffens ist eine bestimmte Feststellung darüber, daß dieser Mordplan schon auf der Marine- Offiziers Tagung Pfingsten 1922 in Berlin erörtert sei, nicht möglich. Es ist möglich, daß Brandt von dem Plan schon wußte, als er den Kraft wagen in Freiberg besorgte. Bestimmt aber hat er von dem Attentatsplan am 21. Juni Renntnis gehabt. Es muß ihm zum Vorwurf gemacht werden, daß er nicht mit der nötigen Energie vorgegangen ist, um die Tat zu verhindern, und daß er ferner feine Anzeige erstattet hat. Selbst wenn er auf Tillessen vertraute, fo hätte er doch die Sache im Auge behalten müssen. Auf der anderen Seite muß ihm zuerkannt werden, daß er den ernstlichen Willen gehabt hat, die Tat zu verhindern, was man ihm auch schon nach seiner ganzen Persönlichkeit glauben fann. Brandt hat sich stets als Gegner des politischen Mordes bekannt. Tatsache ist weiter, daß der Plan einer Befreiung von Gefangenen im befesten Gebiet durchaus tein Hirngespinst, sondern eine ernstgemeinte Sache war. Unter Zusammenfassung aller Gründe tam der Anklagevertreter zu dem Schluß, daß Brandt fich der Beihilfe zum Rathenau- Mord schuldig gemacht habe und demgemäß zu bestrafen sei. Was den Angeflagten Rüchenmeister betrifft, so spreche gegen ihn, daß er einen wertvollen Kraftwagen einem Unbekannten hingegeben habe, allerdings sei zu berücksichtigen, daß er das nicht ohne Ueberlegung und letzten Endes nur aus seiner Hilfsbereitschaft für die Kameraden getan habe. Bon feiner Flucht nach dem Dental tönne feine Rede sein. Die schwerste Belastung für Küchenmeister bedeutete ein Brief aus Tirol, vor allem der erste an seinen Bater mit dem Bassus:„ Ich habe es mir gedacht." Aber die Auslegung diefer Briefe durch Küchenmeifter fei durchaus glaubhaft, man fönne ihm glauben, daß er, wie dies auch aus den späteren Briefen hervorgehe, von einer Teilnahme an der Tat nichts gewußt habe. Bu berücksichtigen sei ferner, daß er diesen Brief in einer je elischen Depression geschrieben habe. Bei dieser Würdigung des Beweis: ergebnisses tönne nicht festgestellt werden, daß Küchenmeister gewußt habe, wozu er seinen Kraftwagen ausgeliehen habe und man fann ihm glauben, daß er von den Plänen Kerns und Fischers nichts gemußt habe. D 3 Dieser Rede des Ministers schließt sich eine längere Geschäfts: ordnungsdebatte an. Rosenberg( Komm.) fordert Auskünfte über den Stand der deutsch- französischen Wirtschaftsverhandlungen. Schneider( D. Bp.) unterstügt diesen Borschlag. Hilferding wünscht Auskünfte auch über Polen, Rußland, Italien, Belgien. Alle Aus funft fordernden Anträge werden angenommen. Der Reichswirt fchaftsminister Dr. Neuhaus fordert Bertraulichteit für die Auskünfte, die zu geben er sich bereit erklärt. aussichtlich mehrere Tage dauern. Wir wollen uns nicht den Hierauf erklärt Wissell( Soz.): Die Generaldebatte wird vor. mich jetzt schon genötigt, folgendes festzustellen: als erster hat für Borwurf absichtlicher Verschleppung machen lassen, darum sehe ich die Regierung der Ernährungsminister Graf Ra niß gesprochen. Ich schließe daraus, daß die Agrarzölle zuerst beraten werden sollen. Wir wünschen aber zuerst die Beratung der Industriezölle. Ueber die Agrarzölle fehlt uns noch der ausführliche Bericht des Reichswirtschaftsrats. Biele Punkte sind noch nicht geflärt. Ueber sie ist eine Enquete notwendig. Während wir die Industriezölle beraten, fann zugleich das Material zur Beurteilung der Agrarzölle ergänzt werden. So tommen wir am besten weiter. Graefe( Böll.) und Rosenberg( Komm.) erklären sich mit Biffell einverstanden. Ernährungsminister Graf Kanit spricht in erregtem Ton sein Bedauern über den Antrag Wissell aus. Es bestehe fein Grund, die Industriezölle vorwegzunehmen. Die Regierung bittet, die Zollvorlage von vorn zu beraten, also mit den Agrarzöllen zu beginnen. Auf das Gutachten des Reichswirtschaftsrats tönnte man lange marten. Die Regierung lege aber Wert auf Erledigung vor den Sommerferien. Auf den Einwand Hilferdings, die Zollvorlage sei zu spät eingebracht, erwidert der Minister in noch aufgeregterem Tone: Bir müssen mit den Agrarzöllen anfangen, hat doch schon der„ Vorwärts" angefündigt, daß die AgrarBölle befonders ausführlich beraten werden sollen. " Wissell protestiert gegen die Unterstellung des Ministers, die sozialdemokratische Fraktion werde von anderen, als rein fachlichen Motiven geleitet. Die Erregung des Ministers sei aber wohl zu verstehen. Sei es doch noch feiner Regierung wie dieser passiert, daß die Biffenschaft ertlärt habe, ihre Borlage jei bloß Matu. latur. Nach weiterer Geschäftsordnungsdebatte beschließt man auf Vorschlag des bayerischen Volksparteilers Horlacher, in die Generalbebatte einzutreten und alle Anträge bis zu deren Abschluß zurückzustellen. Hierauf beginnt die Generalbebatte gegen 1 Uhr mittag mit einer Rede des Genossen Georg Schmidt ( Köpenid). zwei Wochen befindet, ist durch die Abstimmung nach der Die politische Krise, in der sich Frankreich seit Maroffodebatte in der Dienstagfizung feineswegs zum Abschluß gebracht worden. Wenn zwei Drittel der sozialistischen Fraktion für die Bertrauenstagesordnung gestimmt haben, während ein Drittel fich enthielt, so heißt das nicht, daß das Verhältnis der sozialistischen Partei zum Rabinett Painlevé nun wieder normal ist. Es bedeutet viel mehr, wie es die Tagesordnung auch besagt, daß die sozialistische Fraktion Vertrauen hat zu dem Willen der gegenwärtigen Regierung, feinen Eroberungsplänen in Maroffo nachzugehen, das Rifgebiet nicht in die französische Zone einzuverleiben zu wollen, mit Spanien feine gemeinsame militärische Operationen vorzubereiten und mit Abd el Krim so rasch wie möglich zu Verhandlungen zu untersteht, und der Bevölkerung des Rif zu einem freundtommen, um zwischen der Zone, die Frankreichs Protektorat nachbarlichen Verhältnis zu gelangen. Was die Regierung der sozialistischen Fraktionsleitung pertraulich als Beweis für ihren Friedenswillen am Tage vor der großen Debatte in der Rammer portrug, hätte Fraftion legte den größten Wert darauf, daß der Ministergenügen fönnen, um die Sozialisten zu beruhigen. Aber die präsident, so weit er sich nicht durch diplomatische Rücksichten absolut gebunden fühlte, dem Lande in öffentlicher Painlevé das getan hatte, besonders in seiner zweiten InterSigung über die Absichten Frankreichs Aufklärung gab. Als pention, fonnte die Fraktion dem Rate Leon Blums folgen befriedigenden Erflärungen abgegeben, so wäre es im Zuund das Vertrauen aussprechen. Hätte die Regierung feine fammenhang mit der Moroffofrage zur Trennung gekommen. Immerhin war die Fraktion von dem Willen beseelt, den Nationalisten den erhofften Dienst nicht zu leisten. Außerbem aber hatten auch die Rabitalen den Wunsch, eine Krife nicht auf dem Gebiete der auswärtigen Politit ausbrechen zu laffen. Die unzweideutige Stellungnahme der Regierung, die befriedigende Antwort, die sie auf die fozialistischen Fragen gab, haben schließlich eine gemeinsame Tagesordnung der zum Linksfartell gehörenden Parteien ermöglicht. Aber somohl daß der eigentliche Kampf, bei dem es nicht nur um den Be die Regierung wie die Kartellparteien sind sich darüber einig, stand des Kabinetts Painlevé, sondern um die an sich viel vorsteht.d wichtigere Aufrechterhaltung des Linkskartells geht, erst beUeber den Sinn der in der letzten Zeit von den Sozialisten vorgebrachten Kritiken ist auch im Ausland viel geschrieben und geredet worden, das mit der Wirklichkeit nicht übereinftimmt. Das mag daran liegen, daß die Fraktion und der Barteivorstand bisher noch zu feinem abschließenden Urteil, zu feiner endgültigen Stellungnahme gekommen sind. Bie falsch gewisse Dinge beurteilt werden, geht z. B. daraus her. vor, daß der Verfasser der Resolution, die im allgemeinen als Bruch nicht nur mit dem Kabinett Painlevé, sondern auch mit dem Linkskartell gedeutet wird, Compère Morel, für die Beteiligung der Partei an der Regierung ist und wohl so durch die Herbeiführung einer Ministertrise den Augenblick dieser Beteiligung, für die er sich auf dem Kongreß in Grenoble ausgesprochen hatte, zu beschleunigen suchte. Andererseits ist Leon Blum, der der Ansicht ist, daß die Finanzpolitit Caillaug die Fortführung der Unterftügung, wie fie bisher von der sozialistischen Partei ausgeübt wurde, dem Kabinett Painlevé gegenüber nicht möglich ist, trotzdem gegen den Sturz der Regierung. Renaudel dagegen, der offen als Hauptverteidiger des Kabinetts an gesprochen wird, hält den Sturz des Kabinetts fast für unvermeidlich, nachdem sich Caillour auf gewisse Finanzmaßnahmen festgelegt hat; er glaubt aber nicht, daß die Partei deshalb wieder in die Opposition zurückkehren fann, ohne das Land der Gefahr einer großen politifchen Konfusion auszusehen, und endlich gibt es Mitglieder der Fraktion, wie Barenne und Boncour, die der Regierung überstanden, die es aber heute für möglich und wünschenswert Bainlevé bei ihrem Regierungsantritt sehr mißtrauisch gegen Küchenmeiffer fei daher eine Beihilfe nicht nachgewiesen und der Anklagevertreter beantrage deshalb für ihn die Freisprechung. Brandt sei gemäß§§ 44 und 49 StGB. zu bestrafen. Er habe Beihilfe zum Mord geleistet, er habe sich an einer schweren Tat mit schweren Folgen beteiligt. Er müsse es sich zurechnen, daß bie unheilvollen Folgen der Tat Kerns und Fischers mit auf sein passives Verhalten und sein Unterlassen zurückzuführen feien. Strafmilder n d sei ihm zugute zu halten, daß er erst spät von dem Mordplan erfahren und daß er versucht habe, die Tat abzu wenden, daß er jedenfalls nicht ganz untätig geblieben sei. Ferner fei bei ihm zu berüdsichtigen, daß er sich als Gegner des politischen Mordes bekannt und daß er tatsächlich ein Attentat auf Rathenau bei dessen Rückkehr aus Genua verhindert habe. Unter Abwägung aller dieser Gründe beantragte der Anklagevertreter gegen Brandt wegen Beihilfe zum Mord eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren 6 Monaten, bat aber von einer Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte Abstand zu nehmen, da die Tötung Rathenaus auf politische Motive zurückzuführen sei, es infolgedessen sich um einen politischen Mord handele. befizes eine Geldstrafe von 500 m., die aber, ebenso wie ein Jahr Weiter beantragte er gegen Brandt wegen unerlaubten Waffenein Monat der beantragten Zuchthausstrafe durch die erlittene Unterhalten, Bainlevé am Ruder zu lassen und im gegenwärtigen fuchungshaft als verbüßt zu betrachten seien. Berteidiger. Nach einer kurzen Bause begannen dann die Plädoyers der Der geglückte Militärputsch. Seine Ursachen und Vorwände. London, 26. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Militär. puts in Griechenland ist geglüdt. Bangalos hat die Regierungsbildung übernommen und den beiden Führern der revolutionären Bewegung einen Siz in dem neuen Kabinett an geboten. Die Tatsache, daß dieser fünfte Putsch in der Republit Griechenland feinen Ursprung in Saloniti hat, läßt darauf schließen, daß die Bolitif des Rabinetts Michalotopolus gegenüber schließen, daß die Politif des Kabinetts Michalotopolus gegenüber der Türkel und Südslawiens eine der Ursachen des Putsches ist. Augenblic, in dem die große Rückzahlung eines Teils der turzfristigen Anleihe bevorsteht, jede Ministerkrise vermeiden wollen. Aber so mannigfach die Ansichten in taktischer Hinsicht auch innerhalb der sozialistischen Partei sein mögen. in einem Punkte ist man sich einig: daß die sozialistische Partei an der Aufrechterhaltung des Lintstartells ein großes Interesse hat. erstatters. Sie werden durch einen heute früh im Gewert Soweit die Darlegung unseres Pariser Sonderbericht schaftsblatt„ Beuple" erschienenen Aufsatz von Leon Blum unterstrichen, der die Zustimmung der sozialistischen Fraktion schaftsblatt„ Peuple" erschienenen Aufsatz von Leon Blum zu einer gemeinsamen Vertrauensresolution des Linksblods für Painlevé damit begründet, daß der Ministerpräsident und der Außenminister in ihren Erflärungen in der Nachtfizung Innenminister Beniczy wurde mitgeteilt, daß er wegen Belistischen Partei gestellten Forderungen Budapest, 26. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Dem ehemaligen der Kammer vom Dienstag zum Mittwoch die von der sozia Berzicht auf leidigung des Reichsverwefers und Berlegung des Amts jegliche Eroberung ajieten, mit schneller Friedensschluß geheimnisses weiter in der Untersuchungshaft verbleibe.(!) unter Gewährung der Unabhängigkeit des Rifs- vollauf Es werden thm gleichzeitig alle Begünstigungen entzogen. erfüllt hätten. Horthys Rache. Ändefl«n geht aus einem weiteren eigenen Drahtbericht aus Paris vom heutigen Vormittag hervor, daß die Gefahr einer Regierungs- oder gar einer Kartellkrise, wie oben er- wähnt, noch keineswegs überwunden ist, und zwar wegen der Finanzpläne Caillaux'. Die„S a n i e r u n g s m a ß- nahmen" des Finanzministers nehmen, so heißt es in dieser Drahtmeldung, von Tag zu Tag«ine merkwürdigere Gestalt an. Wie die Pariser Morgenblätter mitteilen, ist die am Donnerstag angekündigte Ausgabe wertbeständiger Bons auf Dollar oder Goldbasis lediglich dazu bestimmt, den stärke- ren Rückfluß an Nationalverteidigungsbons zu absorbieren, d. h. die Mttel zur Beschaffung um die zur Einlösung präsen- tierten Bons zu erhalten: darüber hinaus aber beabsichtigt Caillaux, um den Rückfluß der am 1. Juli zu Verfall jje- langenden etwa 2 Milliarden Schatzwechsel sicherzustellen, eine neue Erhöhung des Notenumlaufs um 4 bis 5 Milliarden. Seine Projekte sollen heute vom Ministerrat endgültig sanktioniert und heute nachmittag im Bureau der Kammer deponiert werden. Die Regierung wird dann durch Stellung der Vertrauensfrage ihre sofortige Berab- s ch i e d u n g erzwingen derart, daß die Finanzkommission sie noch heute nachmittag vorberat« und das Plenum sie in einer Nachtsitzung votieren soll. Die verlangte Durchpeit- s ch u n g dieser Vorlagen, die voraussichtlich eine o e r h ä n g- nisvolle Wirkung auf die Währung haben wer- den, wird damit begründet, daß die Börse, die in den letzten Tagen infolge der zirkulierenden Gerüchte eine ungewöhnliche Nervosität an den Tag gelegt hatte, vor vollendete Tatsachen gestellt werden müßte. Der wahre Grund scheint der zu sein. daß Caillaux hofft, durch lleberrumpelung die zu er- wartende Opposition der Linken gegen sein« Projekte zu brechen. Die Rif-Blockade. pari». 26. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Da» Abkomme» über die Blockade der marokkanischen Küste ist von der f r a» z ö- liiAtn und spanischen Regierung unterzeichnet worden und heute in Kraft treten. Im übrigen scheinen bei den französisch- spanischen Marotkoverhandlungen große Meinungsverschiedenheiten zwischen den Militörsachverständigen zu bestehen, da die Beratungen ziemlich langsam vorwärts schreiten. Man erwartet, daß General Primo de Rioera in den nächsten Tagen in Anbetracht dieser Schwierigkeiten von Tetuan noch Madrid zurückkehren wird. Der Prozeß gegen Oberleutnant Jorüan. Die Sachverständigen über die Schnldfrage. Minden. 26. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitag morgen erfolgten die Gutachten der Sachverständigen in Sachen des Beltheimer Fährunglücks. Als erster Sachverständiger wurde zunächst Ober st Stobbe vom Reichswehrministerium ver- nommen, der in ungefähr einstündigen Ausführungen die ganz« Sachlage noch einmal durchgeht. Nach setner Anficht trägt Ober- leutnont Jordan die Berantwortung für die Ueber- fahrt. Trotzdem ist er der Ueberzeugung, daß Jordan kein« Schuld trifft. Er habe die Gefahren de» Fährübergang» in einer seinem Dienstalter entsprechenden Weise erkannt. Der zweit« Sachverständige, Oberst von Sommerfeld- Kassel, ist der Ansicht, daß den Oberleutnant Jordan t e> n e S ch u l d trifft. Er schiebt die Schuld den„obersten Behörden" und der man- gelhasten Konstruktion der fliegenden Brücke zu. Di« obersten Be- Hörden hätten die veraltete Fähre längst aus den Bestimmungen streichen müssen. Er hätte die Belastung in gleicher Weise wie Oberleutnant Jordan vorgenommen. Heute jedoch würde er nicht mehr mit 100 Leuten übersetzen, vielleicht sogar überhaupt nicht. Wenn irgend eine Schuld dem Oberleutnant Jordan treffen könnte, so bestände diese darin, daß Jordan nicht genügend Bedienungs- Mannschaften zur Stelle gehabt hätte. Aber das habe daran ge- legen, daß ein Teil seiner Truppen als Sprengtommando nach Holtrop geschickt worden wäre. Wenn sonst noch ein Umstand in Frage käme, so sei es die zu schnelle Uebersahrt. Sodann wird Regierungsbaurat Kleinschmidt- Minden vernommen. Protest gegen üen Srotwucher. Kundgebungen tu Hamburg. Hamburg, 26. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die H a m- burger Sozialdemokralle hatte gemeinschaftlich mit den freien Gewerkschaften die Hamburger Arbeiterschaft zun, Donnerstag abend zu Prot« st Versammlungen gegen die Zollpolitik der Rechtsregierung gerufen. In den größten Sälen der Stadt stauten sich die Massen. Die Lersammlungen waren ein leidenschaftlicher Protest gegen die neue Belastung der breiten Massen durch die Schutzzölle. Sie bekundeten weiter eindeutig und eindrucksvoll, daß zur Führung des Kampfes gegen die Schutzzölle und für die Interessen der breiten Massen nur die deutsche Sozial- demokratie berufen ist. Die Kommunisten, die in allen Ver- sammlungen für ihre Parole Stimmung zu machen versuchten, fielen ab. In allen Versammlungen wurde eine Entschließung einstlmmtg angenommen, in der die beabsichtigten Zölle als ein Attentat auf Voltsernährung und Doltsgesund- h e i t bezeichnet werden. Verwirrung in allen �usschüsten. Geschäftsordnungsdebattcn. Die Geschäftsordnungsdebatte am Schluß der Donnerstagsstzung fand heute vormittag in fast allen Ausschüssen ihre praktische Fortsetzung. In allen Ausschüssen wurde heute früh entsprechend der Ge- schäftsordnung von der Opposition Einspruch erhoben gegen die Sitzung und verlangt, daß erst die Entscheidung des Aeltestenausschusse» abgewartet werden müsse. Der Verkehrsausschuß stellte aus Grund eine» Protestes der So- zialdemokraten sofort ferne Arbeit«in. Die Auseinandersetzungen erreichten ihre dramatische Steigerung im Steuerousschuß, dessen Zusammensetzung den Anlaß zu dem— gelinde ausgedrückt— merkwürdigen Spiel der bürgerlichen Parteien gegeben hat. Der Demokrat Atscher(Köln) erhob Ein- prnch gegen die von dem deutschnationalen Vorsitzenden Ober- ohrea angestrebt« Erledigung der Tagesordnung. Er bezog sich auf die am Vortage im Plenum abgegebenen Erklärungen aus seiner Partei und die für olle Fraktionen notwendige Stellungnahm« zu der vom Aeltestenausschuß zu erwartenden Neuregelung der ganzen Frage. Leck er-Hessen(D.Np.) wandte sich gegen den Vorschlag, die Sitzung zu vertagen. Cr erhob den Vorwurf gegen die Oppositions- Parteien, daß sie aus beleidigtem Ehrgesühl und nicht näher zu bezeich- nenden materiellen Gründen eine Verschleppung der Aus- schußarbeit anstrebten. Mit einem gerade bei diesem volks- porteitichen Vertreter belustigend wirtenden Aufwand von sittlicher Entrüstung sprach er von unsachlicher Arbeit und unschönen Ob- struttionsgelüsten der Opposition. Genosse Hertz unterstrich die Gründe des demokratischen Redners, und wandte sich entschieden gegen die Vorhaltungen des oolkspartei- lichen Vertreters, dem er erklärte, daß er die Vorwürfe unsachlicher Arbeit auch auf sich und sein« Fraktion beziehe. Wie windig es um die„Sachlichkeit" der bürgerlichen Ausschußleute bestellt sei, beweise doch der noch nicht vergessene Antrag des deutschvolksvartellichen Abgeordneten Brüninghaus, der, um das den Regierungs. parüeien unbequem« Mehrheitsverhältnis im Steuerausschuß zu kor- rigieren, verlangt hatte, die Zabl der Mitglieder von 28 aus 32 zu erhöhen. Dieser Antrag beweise deutlich, daß es den Regierungs. Parteien nicht darauf ankomme, durch die Sachlichkeit ihrer Gründe zu wirken, sondern durch die Zahl ihrer Sitze ihren M a ch t wi l l e n gegenüber der Opvositlon zu oktroyieren. Die Regie- rungsparteien wollen einfach die Qualität durch die Quantität er- setzen. Hertz betonte, daß, wenn in die Geschäftsordnungsdebatte der Ausschüsse eine sonst ungewohnte Schärfe hineingetragen worden sei, der Vorwurf auf die Urheber dieser Debatte zurücksallen müsse. Die Opposition müsse jede Verantwortung sowohl dafür als auch für die Verschleppung der sachlichen Beratung ablehnen. Die Erhöhung öer Vier- unü Tabaksteuer. Ein Initiativantrag der RegiernngSparteien. Die Ablehnung der Regierungsvorlage über die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer hat zu schweren Auseinander- setzungen innerhalb der Regierungsparteien ge- führt. Wie nicht anders zu erwarten war, haben sie mit einein Kompromiß geendet, das der Regierung die offene Niederlage erspart, aber auch die Regierungsparteien zu Zugeständnissen an die Regierung gezwungen hat, die st« bisher auf das schrofste ab» gelehnt haben. Das bezieht sich sowohl auf die Bayerisch« Volkspartei als auch auf die Deutsche voltspartei. Die erste hatte jede Erhöhung der Biersteuer als unannehmbar bezeichnet» was bei der Bedeutung, die das Bier im politischen Leben Bayern» spielt, parteipolitisch wohl verständlich ist. Die Deutsche Volkspartei hatte wiederum die Tabaksteuer als unan- nehmbar bekämpft, zum Teil aus sachlichen Gründen, zum Teil aber auch deswegen, weil die Tabakinteresjenten gerade in dieser Partei eine nicht unerhebliche finanzielle Bedeutung haben. Das Kompromiß liegt jetzt dem Reichstag vor, in Gestalt eines In i t i a t i v g e s e tz e s, das die Unterschriften der fünf Regierungs- Parteien trägt. Es unterscheidet sich von der Regierungsvortage in vier wichtigen Punkten. Erstens soll die Biersteuer- erhöhung statt 100 nur SV Proz. betragen. Zweiten- wird die beabsichtigte Erhöhung der Besteuerung von Zigarren fallen gelassen. Drittens bleibt auch der Rauchtabak von der Er- höhung befreit und viertens wird die Erhöhung der Biersteuer erst am 1. Januar 1926 in Kraft treten. Bezüglich der stärleren Besteuerung von Zigaretten hat also die Deutsch« Volkspartei ihren Widerstand aufgeben müssen. Die Bayerische Voltspartei hat ebenfalls eine Biersteuer- erhöhung um S0 Proz. gutheißen müssen, was ihr in Bayern nicht gerade großen Zulauf verschaffen wird. Daß die W i r t s ch a f t s- Partei, deren Vertreter die Ablehnung der Regierungsvorlage im Steuerausschuh veranlaßt hatte, klein beigegeben hat, war bei der Größe dieser Partei und der Größe ihrer Prinzipienfestigkeit auch zu erwarten. Trotz alledem werden noch einige Schwierigkeiten zu überwinden sein, ehe die auch jetzt noch gefährlichen Pläne der stärkeren Belastung von Bier und Tabak verwirklicht worden sind. Bisher tonnten Vorlagen, die einmal abgelehnt waren, nicht wieder auf die Tagesordnung des Plenums des Reichstages gesetzt werden. Außerdem ist es ständige Uebung des Reichstag», daß über Aus- schuhverhandlungen dem Plenum Bericht zu erstatten ist. Erst bei dieser Gelegenheit könnte also bei Beachtung der Geschäftsordnung«in neuer Beschluß zur Bier- und Tabaksteuer gefaßt werden. So lange will aber die Regierung und wollen die Parteien nicht warten. Sie haben die Absicht, ihren Jnitiatiogesetz- cntwurf möglichst bald im Plenum de» Reichstags zu beraten und scheinen dabei auch nicht davor zurückschrecken zu wollen, die Geschäftsordnung nach ihrem Mehrheitsbedürf- nis auszulegen._ Die Weknfteuer. ' Regierungsparteien gegen Reichsregierung. Wie bei der Bier- und Tabaksteuer, so bestehen auch bei der W e i n st e u« r, die am Donnerstag im Steuerousschuß des Reichstags zur Beratung stand, Meinungsverschiedenheiten zwischen der Reichsregierung und ihren Parteien. Die Regierungs- Parteien traten für eine Herabsetzung der Weinsteuer auf 10 Proz. ein, da die gegenwärtige Lage des Weinbaues eine Ermäßigung der Steuerlast erfordert. Auch die Sozialdemokratie verlangte die Herabsetzung der Weinsteuer auf 10 Proz. Die Demokraten wollten darüber hinaus auch eine Ermäßigung der Schaumwein st euer von 30 auf 15 Proz. Die Reichsregierung bezeichnete die Anträge auf bau- ernd« Ermäßigung der Weinsteuer auf 10 Proz. als ganz un- annehmbar. Es könne höchstens in Frage kommen, daß aus den Erträgnissen der Weinsteuer für etwa zwei Jahr« Summen zur Milderung der Rotlage der Winzer zur Verfügung gestellt werden, etwa 25 Millionen pro Jahr. Diese Anregung verdichtete sich als- bald zu einem Antrag der Zentrumspartei. Die Sozialdemokratie bekämpfte ihn, da er unabsehbare Konsequenzen auch für andere Berufsgruppen nach sich ziehe, weil er«ine unberechtigte Ungleichheit unter den Bedürftigen schaffe und auch die Art der Derteilung großen Schwierigkeiten begegne. Trotzdem Staatssekretär Dr. Löpitz vor der Abstimmung noch einmal eindringlich betont hatte, daß die Herabsetzung der Wein- steuer aus 10 Proz. iür die Regierung untragbar sei, wurde unter Ablehnung oller anderen Anträge auf oolksparteilichen Antrag beschlossen, die welnstener für die Zeil bi» zum 30. Sep- tember 192? auf 10 Proz. zu ermäßigen. Später solle sie wieder 20 Proz. betragen. Also auch hier haben die Regierungs- Parteien die Reichsregierung im Stich gelassen. Stranötppen. Von Victor Roack. Sellin auf Rügen, im Juni. An einhundertundsünkzig Meter unter waldbeschattetem Hoch- ufer liegt sonniger Badestrand, dicht besiedelt mit Strandkörben. Die lustig bewimpelten Umwallungen berühren einander. So leb- hast war lang« keine Vorsaison: lebt man doch erst in der zweiten Hälfte des Juni. Hinauf, herab die breite weiße Treppe wehen im frischen Winde leichte, hellbunte Gewänder. Gespräch«, Gelächter, Geigen-, Flöten- und Wellenspiel rauschen und klingen. Da» Meer glänzt gen Osten wie rieselnd?» Silber, gen Westen, vor Stubben- kammer, ist'» tintig blau, und am Strand, über gedehnten Sand- bänken, hellgrün. Puntthaft klein, wie Schmetterlinge geschlossene Flügel, ziehen der Fischerboote rostbraune Segel und über ihnen weiße Wölkchen. Ein Küstendampfer schwimmt so dicht vorüber, daß man Maschinen brummen und stampfen hört. Nicht jeder sieht das Schöne, sintemalen dazu außer dem Seh- oryan noch etwas gehört, was mancher nicht hat, wie beispielsweise der„Selige" meiner Pensions-Tischdame, einer lustigen Wittib zwischen fünfzig und siebenzig: Der besaß dafür ungeheuerliche �rcßorgane. Er verzehrte zum Frühstück ein Pfund geschabtes Fleisch, Schinken oder so was, zum Mittag eine gut ausgewachsene Ente: trank dazu drei Flaschen Rotwetn oder achtzehn Glas Bier und erleichterte sich die schweren Stunden der Verdauung danach durch etllche Jmvorten. Al» ich nach seinem Einkommen fragte:„So etwa sechzig, bi» siebzigtausend Mark im Jahr— da, heißt vorm Kriege. Er starb ja vor Kriegsausbruch! wie der Arzt meinte: an der Schlemmer- krantheit. Mehr als zwei Zentner hat er zuletzt gewogen, so stark, seist und rot war er geworden." Fröhlich— ein harmloses Gemüt—verplauderte sie, wie er seine Geschäfte telephonisch, so au» dem Klubsessel heraus erledigte. Wie hätte fei» Bauch sonst Zeit gehabt, diese Riesenmahle zu ver- winde». Ich hör« da» Krankenwägelchen des Wiener Professor» auf san- digem Waldwege nahen, mühsam geschoben von seiner klugen Frau. Nicht entfernt sa alt, wie er aussieht, ist dieser Kriegsbeschädigte. Zerschossene Wirbelsäule. Körperlich gelähmt, aber geistig sprühend lebhast. Sein Weib: Kamerad durch dick und dünn. Höchstkulwr der Eh«. Scharf prosilierte Gesichter, deren Schönheit vom Auge ausstrahlt, vornehme Intellektuelle. Rügen Etappe auf der Fahrt noch Schwede». Man fragt nach der hübschen jungen Stenotypistin, die fron» matt, lechzend nach Himmel und Wasser, lüstern auch auf den Erfolg de» neuen Badeonzugs mit kokettem Röckchen und meergrüner Kappe, am Tage der Ankunft quietschend vor Vergnügen sich in die glitzernd schäumenden Wellen warf und ohnmächtig unterging. Dann lag sie nackt, wie tot, in Neugier und Furcht von hundert Augen. Ein Arzt spritzte Kampser ins Blut. Wohl«in« Stunde long mühten wir uns, knospenzarter Brust Lebensrhythmus zurückzugeben. Tierisch wilde Laute gurgelten jäh au» gewaltsam geöffnetem Munde, schreck- lich sich wiederholend. Dt» beiden klugen Gesichter lächelten gemeinsam: Sie lebt, ist heiter und guter Dinge, schüttelt ihre blonden Stirnlöckchen wie nur je und weiß von nichts, als daß sie zum Strand gegangen, um zu Baden. Wie sie in ihr Bett gelangt ist» was dazwischen sich ereignet hotte, war vergessen. „Wie gütig ist doch das Schicksal manch einem," seufzte der Kriegsverletzte bedeutungsvoll. Am Abend sah ich die Kleine auf der Reunion. Alle erfreute ihr Dasein. Der Düstere zog mit leerem Sack von bannen. Reunion. Gipfel des Vergnügens. Iozzbandkapelle. Ossi, der igeuner, geigt. Braunes Gesicht, schwarze Locken, schwärmender tick. Wie Wind mit Zweigen, spiest Rhythmus mit seinen geschmeidigen Gliedern. Di« Musiker werden betrunken von Wein und Schnaps und von der Anhimmelei. Ihr Spiel wird freier» ihr Benehmen dreister. Ihre Heiterkeit strahlt au», zieht golden« Sr«ise, wortnnen alle sich tummeln. Doch nein— nicht alle; da ist auch Publikum, dos nicht recht mitmachen kann, obschon«« möchte. Bescheidene Gäste in bescheide- ner Ecke: angejahrt« Ehepaare, Beamte und Kleingewerbler. Mittel- stand. Ergraut in eintönigem Beruf. Mauerblümchen, an denen das Glück vorübergeht. Typ derer, die den Anschluß verpaßten und eine letzte Möglichkeit krampfhaft erfassen, noch ein Stückchen Welt zu erleben. St« kennen nicht Harz, Thüringen, Riesengebirge— ein wenig von der Sächsischen Schweiz. Nicht» sonst, sonst nichts. Rügen ist Anfang und— viel-leicht— Ende. Wer denkt der Hunderttausend«, die nie anders al» von draußen durch abwehrend verhängt« Fenster auf reich gedeckte Tisch« sehen?— Staatliche wiffenjchastspflege. Nach seiner Heimkehr von der Reise um die Welt hat Professor Fritz Haber, der berühmte Berliner Chemiker, für den Spar- ausschuß des Reichstages eine kleine Denkschrift geschrieben, um für die Beratungen über die Höhe der Ausgaben für wissenschaftliche Zwecke allen Bedenken entgegenzutreten, die eine Beschränkung dieser Ausgaben fordern, denn wir können nichts Nötigeres und Nützlicheres tun als derartige Aufwendungen verdoppeln, wie das alle Länder tun, die unter den heutigen Verhältnissen wirtschaftlich vorankommen wollen. Habers Arbeit, die er jetzt in den„Naturwissenichasten" ver» öifentlicht, betont die Notwendigkeit, un»„unsichtbare Posten" in der Bilanz unseres Wirtschaftsverkehrs mit dem Auslande zu ver- schaffen, solche nämlich, die mit der Abgabe deutscher Erfindungen und Fabrikationserfahrungen an das Ausland zusammenhängen. Wir haben eine Bevölkerung und ein Ausbildungssystem, die mehr geeignete Menschen für«rflnderlsche Leistung aus Naturwissenschaft- lich-technischem Gebiet« hervorbringen als irgendwo in der Fremde, weil wir vor den Franzosen das Ausbildungssystem voraus haben, vor den Engländern den engen Zusammenhang von Hochschulleben und industriellem Betriebe, vor den Amerikanern die Geduld und die Nachdenklichkeit, die sich in langfristige Aufgaben vertieft. Aber wir machen uns unseren großen Vorteil selber zuschanden, wenn wir zur Aufrechterhaltung unserer Leistungen nicht jene gewisse mittlere Schicht der Bevölkerung heranziehen, aus der vorzugsweise die oer- langten Begabungen hervorgehen, die heute verarmt ist und ihre Söhne nicht mehr auf, gründlichste ausbilde» lassen kann. 600 Stipendien müssen jährlich vergeben werden an Mensche», die nach beendetem Studium sich zu selbständigem Können weiter- bilden. Die zweite Stelle, wo die staatliche Unterstützung nötig ist, bildet die Erneuerung der wissenschaftlichen Ein- r i ch t u n g e n, die Derbesserung der Jnstrumentenbestände in den Instituten. Die Flicktättgteit der Kriegs, und Siachkriegszeit hat all« Bestände heruntergearbeitet. Wenigstens im mittleren Maße muß in Deutschland da» geschehen, was im reichsten Maße in den Per- einigten Staaten geschieht. Die Notgemeinschast der deutschen Wissenschast gibt dafür den Dorteil, daß sie die Uebersscht hat, an welcher Stelle in Deutschland, und oft nur an einer einzigen, solche Anschaffungen nötig sind. Musterhaft zeigt uns zurzeit Japan, w'e man es machen muß. Sein Erdbeben verschlingt an Kosten mehr al» die beiden Krieg« 1894 und 1004 zusammen. Trotzdem steht dos Land auf dem Standpunkte, auf dem Friedrich der Große nach dem Siebenjährigen Kriege stand: Kein Land ist zu arm, sich wenigstens an einer Stelle das zu schassen, was notwendig ist. Zum Beispiel lchelnt es den Japanern nicht zu kostspielig, für ein chemisches Forschungsinstitut zwei Destillationsapparate für reinstes Wasser zu beschaffen, von denen der eine aus reinem Gold« und der andere gar aus Platin ist. Die wenigen Millionen, um die es sich für solche Ausgaben insgesamt handett, werden eben gefunden. So wird sich auch bei uns sicher ein Weg finden, wieder Leistungen auf geistigem Gebiele zu schassen, die durch unsere heimische Industrie hindurch den Weg ins Ausland nehmen, uns dort Beteiligungen erwerben und unsichtbare Eintommenposten im internationalen Wirtschosts- verlehr._ van eine» deutschen Polarzeppelin»? Am Donnerstag fanden In Berlin DerhaMungen statt, die die Erforschung der Arktis unter Zuhilfenahme von Zeppelin-Luftschiffen zum Gegenstand hatten. Neben Dr. E ck e n e r waren auch Vertreter des Reichsoer- kehrsministeriums anwesend. Die Einbeziehung internatio- naler Wissenschaftler in die geplante Expedition wurde allgemein befürwortet und man nimmt an, daß A m u n d s e n bereits in den nächsten Tagen seine Bereitwilligkeit zur Teilnahme an ihr erklären wird. Die deutsche Regierung wird wahrscheinlich schon demnächst bei der Entente um die Genehmigung nachsuchen, einen h u n d e r I- tausend Kubikmeter großen Polarzeppelin in Friedrichshofen bauen zu dürfen. Die Kosten dieses Riesenschisfes werden auf 10— 12 Millionen Goldmark geschätzt. wo die Zigaretten bleiben. In den vereinigten Staaten Nord- amerikas kommt auf den Kopf der Bevölkerung«in Zigarettenver- brauch von 628 Stück im Jahr— ein Wellrekord. Unmittelbar hier- auf folgt Deutschland mit 599 Zigaretten pro Kopf, dann Belgien mit 543, Italien mit 284 und Frankreich mit 249, Schweden steht mit 184 Stück an letzter Stelle. Eine Tagung für Veakmalspflea« und Heimalschutz findet vom 20. bi« 25. Sevtember in Fretburg i. B. statt. Die Teilnahme steht jedem frei. Näher« AuSkunit erteilt die KeichästSftell« i» der Kanzlei de« städtischen tingustinermuieums in streiburg i. B. El» Zustitut für Laitrecht ist an der Universität Königsberg gegründet worden. Eine Zettfchrijt soll die ArbeiiSergeinifi« de« Jvstttut« de» Zhich» Unten vorlege». Der deutschenprozeß in Noskau. Ein zynischer Tscheka- Schwindel. Der Prozeß gegen Kindermann und Genossen hat, wie be. reits gemeldet, gestern in Moskau seinen Anfang genommen. Die Anklageschrift liest sich wie ein politischer Hintertreppenroman. Der langen Auslassungen kurzer Sinn ist der, daß niemand anders als die böse Sozialdemokratie, die in der Abteilung Ta des Berliner Polizeipräsidiunis ihre Feste aufgeschlagen hat, im Verein mit der O. C. Kindermann und Genossen nach Ruhland entsandte habe, damit sie dort politische Spionage treiben und terra- r i st i s ch e Akte begehen. Nach einer ebenso langatmigen wie scharfsinnigen historischen Exkursion, in deren Verlauf neben anderen verschiedenen hahnebüchenen Behauptungen auch diejenige aufgestellt wird, daß die Freikorps von der sozialdemokratischen Regierung ins Leben gerufen, und die Abteilung la nicht allein die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs inspiriert, son- dern auch die E. C. zu terroristischen Akten angehalten hätte, folgen die Biographien der drei Angeklagten. Es heißt da, daß alle drei Mitglieder verschiedener faschistischer Organisationen ge- wesen seien und daß sie nur zur Bespitzelung der KPD. und zwecks Einreise nach Sowjetrußland der Kommunistischen Partei in Deutsch- land beigetreten seien. Der Beschluß, die Angeklagten zu terroristischen Zwecken nach Rußland zu entsenden, soll von der Berliner O. C. in Erfüllung eines Münchener Auftrages gesaßt worden sein. Auf einer Reihe von Sitzungen soll dann festgelegt worden sein, daß die An- geklagten neben den terroristischen Akten folgende Aufträge zu er- füllen hätten: Den Kreml, die Wohnungen der lettendea Persönlichkeiten, die innere Organisation der Kommunistischen Znteraatlonale auszukund- schaften: ferner festzustellen, ob die Kommunistische Partei Deutsch- londs von Rußland finanziert würde, durch wen und auf welchem Wege die Beziehungen zwischen der Kommunistischen Jnter- -rationale und Berlin aufrechterhalten bleiben, ob es möglich sei, in Verbindung mit dem letzten Umstände die Handels- und die politische Vertretung in Berlin zu kompromittieren! schließ. lich die Methoden und die Oertlichkeiten in Crsahrung zu bringen, wo die illegalen Pässe und Dokumente fertiggestellt werden, sich über die Direktiven der Kommunistischen Internationale hinsichtlich der militärischen Organisation der SPD. zu informieren. Den Vorsitz führt der bekannte Bolschewik Jaroslawsti, Sie Anklage vertritt der Reichsanwalt K r y l e n t o. Di« Berteidi- gung liegt in den Händen des Verteidigers Ozep, der DIttmars Interessen vertritt. Die beiden anderen Angeklagten haben die be- stellte Verteidigung nicht akzeptiert. Da» Gericht hat beschlossen, den Kommunisten Reumann als Sachverständigen über die deutsche polltische Organisation zu laden. Der Angeklagte Kindermann erklärte bei seiner Vernehmung, daß er seine beiden ersten be- lastenden Aussagen unter Zwang gemacht habe. Die Verhandlung. Moskau, 25. Juni.(Meldung der Russischen Telegr.-Agentur.) Aus Anlaß des Prozesses gegen Kindermann, Wolscht. und D i tt m a r ist der Platz vor dem Justizgebäud« militärisch ab- gesperrt und der Zutritt zum Verhandlungsraum nur gegen Karten gestattet. Die Anklage lautet auf Hochoerrat. Kindermann, der sich wie Wolscht selbst verteidigen will, erklärt, die Anklage- chrift erschein« ihm von einem Irrsinnigen ver- aßt zu sein. Der in der Anklageschrist genannte Zeuge sei ein Provokateur der staatlichen politischen Ver- w a l t u n g. Die von allen drei Angeklagten als Entlastungszeugen angegebenen Rose und Fink sind heute eingetroffen und werden vereidigt. Unter Berufung auf die Strafprozeßordnung weist der Staatsanwalt darauf hin, daß die Zeugen untereinander nicht in Verbindung stehen dürfen. Daher verfugt die Staatsanwaltschaft die Unterbringung der Zeugen aus Deutschland im Gerichtsgebäud«, was aber die Bewegungsfreiheit der Zeugen in Moskau nicht behin» dern falle. Das Gericht findet die Forderung des Staateanwalts berechtigt. Hierauf findet ein« Rechtsbelehrung durch den Staats- anwalt über die Abgrenzung der Verteidigungsrechte derjenigen Angeklagten statt, die auf ihre Verteidiger verzichten. Kinder- mann verlangt als erster vernommen zu werden, worauf der Vorsitzende darauf hinweist, daß die Reihenfolge der Vernehmung Sache des Gerichts sei. Hierauf beginnt die Vernehmung Ditt- mar», die zuerst in russischer und dann in deutscher Sprach« er- folgt. D i t t m a r erklärt, während der Hast erkannt zu haben, daß seine bisherigen nationalen Ideale ihn irregeführt hätten. Er habe geglaubt, für vaterländisch« Interessen zu kämpfen, habe jedoch erkannt, daß seine bisherigen Freund« nur materiellen Interessen gedient hätten. Dittmar erklärte in der Schilderung seines Lebens- laufes, daß er der Sohn eine» bältischen Grundbesigers sei, 1321 in Berlin studiert und seine Studien später in Heidelberg fortgesetzt habe. Die Verbindung mit Kindermann sei durch den Zeugen Rose hergestellt worden. Nach einer viertelstündigen Unterbrechung der Verhandlung erfolgt eine Besprechung der politischen Situa- tion in Deutschland und de» Wesens der völkischen Verbände, was zur Beurteilung der politischen Individualität der Angeklagten für notwendig gehalten wird. Nach Verlesung der Anklageschrist erklärten sich K i n d e r m a n n und Wolscht für unschuldig, Dittmar für schuldig. Protest gegen sowjetrussische Lügen. Der Polizeipräsident teilt mit: Die»Rote Fahne� hat heute den ersten Teil der Anklageschrist gegen die deutschen Studenten veröffentlicht, die sich zurzeit vor dem Obersten russischen Revolution»- tnbunal wegen Spionage zu verantworten haben. In dieser An- klageschrift wird in dem Abschnitt„Der Hauptangeklagte Spitzel der Abteilung la" und„Faschistische Atten- tat« und dl« Severing-Poltzei" behauptet, Kinder. mann, einer der Angeklagten, sei seinerzeit mit der Abteilung la de» Berliner Polizeipräsidiums in Verbindung getreten, habe bei ihr als bezahlter A n g e st e l l t e r verschiedene Aufträge er- ledigt und als ,.P r a t t i k a n t' des Polizeipräsidiums Zutritt zum Geheimmuseum der Abteilung la gehabt. Er habe ferner als Agent dieser Abteilung sie über das in der faschistischen Organi- sation entstandene Bestreben zur Durchfiihrung terroristischer Attentate gegen die Führer der Sowjetunion informiert und sich gleichzeitig bereit erklärt, an der Durchführung derartiger Pläne teilzunehmen. Alle diese Behauptungen sind völlig ans der Lust ge- griffen und entbehren jeder, auch der kleinsten tatsächlichen Unterlage. Die Abteilung la hat zu Kindermann, Wolscht und Dittmar weder mittelbar noch unmittelbar irgendwelche Beziehungen gehabt. Deutsche Gpfer ües Marokkokrieges. Tie Fremdenlegion! Genf. 25. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch trafen in Genf vier deutsche Deserteure aus der spanischen Fremdenlegion ein. Sie waren nach ihren übereinstimmenden Berichten Im August 1924 von dem spanischen Konsul in Hamburg für die Lokal- gendarmerie in Marokko angeworben, wurden jedoch dann in Ceuta gezwungen, sich unterschriftlich für«inen vierjährigen Kriegs dienst zu verpflichten. Sie berichten von schweren Ver- lusten der Spanier in den letzten Kämpfen. Von den 12 00 Deut- s ch e n in der spanischen Fremdenlegion seien über S00 tot, ver- mundet oder gefangen. verkehrsorünungsmathematik. Es ist da ein schwieriges Problem der Verkehrsordnungswissen- schaft zu klären. Etwas, was in das Gebiet der höheren Mathe- matik hinübergreift und vom Wege der gesunden Vernunft bei seinen verwickelten Folgerungen bedenklich, sehr bedenklich abbiegt. Sankt Bureaukratius konstruiert hier Geheimnisse, die zu lüften er großmütig einem liebenswürdigen Amtsgerichtsrat, einem Staatsanwalt und einem Gerichtsreporter überläßt. Ein Chauffeur steht vor Gericht und will beweisen, daß selbst ein Künstler die Linden nicht ohne ein Strafmandat passieren kann. 5 Mark hat man ihm wegen Verletzung der Verkehrsvor- schriften aufgebrummt. Es handelt sich um Folgendes: Leere Wagen dürfen die Linden nicht Heruntersahren. Der„An- geklagte* kam durch die Friedrichstraße, lud dort seine Menschen- ladung dicht vor den Linden ab, und wollte nun die Linden rechts herunter zum Halteplatz fahren. Aber gemach, das darf er nicht. Er darf nur die Linden überqueren, und muß dann in die nächste Seitenstraße einbiegen. Die Sache ist wahnsinnig schwierig, kein Mensch weiß etwas von dieser goldmark- schlingenden Straffalle, aber dem paragraphengestärkten Auge des Gesetzes muß Genüge geschehen. Der Oberwachtmeister bestätigt das Delikt augenrollend, indem er die Hacken zusammenschlägt. Der Amtsgerichtsrat weiß, daß er hier mit ausgeklügelten Paragraphen, einem Messer ohne Klinge gleich, operieren muh, arbeiten muß. Und achselzuckend ermäßigt er auf drei Mark. Aber noch ein Fall. Ein unglücklicher Kraftwagenführer fährt an der Neu- städtischen Kirch st raße herunter, um hinter der Friedrich- straß« an irgendeinen Punkt zu gelangen. Die Linden sind un- passierbar. Rechts kann er nicht einbiegen. Verbotstafeln überall, wohin da» Chauffeurauge blickt. Der Mann kommt nicht ans Ziel, auch beim allerbesten Willen nicht. Er ist rettungslos um- zingelt. Er muß Kilometerumwege machen, daß ihm die Haare, soll heißen Reifen und Benzin ausgehen. Umsonst. Er wird das verwunschene Land niemals erreichen. Die höhere Mathematik der Verkehrsunordnung will es so. Auf daß dos Lindenprestige gewahrt bleibt. Und der verschimmelte Bureaukra- tiu» beweisen kann, daß er noch immer lebt, und uns mit seinem unverständlichen Formelwust das Leben verekelt—, trotzdem wir ihn totschlugen, hundert- und tausendmal. Er scheint unsterblich, allen Pfeilen unverwundbar. Rur eines kann er nicht vertragen: Zugluft. Sorgen wir für einen mächtigen Orkan. ÖMeöer ein �rtistenunfall. Der Trrrmfeilläufer im lllap tödlich verunglückt. Nachdem erst am Mittwoch abend der Todesspringer Cliff Aeros im Vergnügungspark„Ulap* am Lehrter Bahnhof bei der Vor- führung seines artistischen Kunststückes abstürzte und gegenwärtig noch schwerverletzt im Sanatorium liegt, hat sich gestern abend wiederum ein Unglücksfall ereignet. Der jurmseilläuser Liepelt, der im S6. Lebensjahr steht und in Lichtenberg, Oder- ftrahe 26 wohnt, stürzte abends gegen 10 Uhr kurz vor Beendigung feines Seillcmfes aus etwa 20 Meter Höhe ab und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er kurze Zell darauf verstarb. Der Unfall hätte unmöglich«inen so tragischen Ausgang nehmen können, wenn das Fananetz gehalten hätte, das vorschriftsmäßig unter dem Drahtseil befestigt war. Der Seilläufer ovrch schlug aber das morsche Netz und zog sich beim Auffallen auf die Erde die tödlichen Verletzungen zu. Wem die Schuld an dem Versagen der Schutzvor- richtung zuzuschreiben ist, muß die Untersuchung ergeben. Der Zuschauer bemächtigte sich nach diesem zweiten Unfall im Ulap eine große Erregung._ Ein Volkspark in Neukölln. Am Ausgang der H a s e n h e i d e, auf dem Tempelhofer Felde, neben dem Garnisonfriedhof und Flugplatz, hat die Stadt Berlin«in Terrain von ZVHcttar vom Fiskus gepachtet, auf dem fest Jahren eifrig gebuddett wurde. Es galt, eine neue„Lunge" für den Bezirk Neukölln zu schaffen. Trotz aller finanzieller Schmie- rtgkeiten während der Inflation und nachher ist hier ein Stück Kulturarbelt geleistet worden, daß, wenn es in ein oder zwei Iahren restlos fertiggestellt sein wird, Tausend« von Erholungsbedürftigen erfreuen wird. Eine Freilichtbühne, die einige tausend Zu- schauer aufnehmen kann, ist bereits fertig und noch in diesem Sommer werden die ersten Aufführungen stattfinden. Der Spiel- platz in einer Größe von 30 000 Quadratmeter, der zwar noch nicht in seiner ganzen Ausdehnung mit Gras bestanden ist, wird unseren Sportlern und Kindern angenehme Stunden der Ab- wechslung und Körperstählung bieten. Aber auch im Winter wird der Part von Jubel und Freude widerhallen. Die Spielwiese be- kommt dann eine spiegelglatte Eisfläche, die größte Eisbahn Berlins, und auch die Rodelbahn mit ihren 300 Meter Länge und 20 Meter Steigung dürste Jung und Ali herauslocken. Vor einigen Tagen wurde unter zahlreicher Beteiligung der städtischen Körperschaften Berlins und Neuköllns, der Oberbürgermeister Bäh war persönlich erschienen, die Einweihung des Volksparkes vollzogen. Als Ver- treter des Bezirksamtes begrüßte Stadtrat Gen. R a d t k e die Stadt- Vertreter und Gäste und wies auf die großen Schwierigkeiten hin, die sich den Arbeiten entgegenstellten. Der Oberbürgermeister dankte dem Redner für seine vorbildliche Arbeit. Die Feier wurde um- rahmt von Konzert, ausgeführt vom Winnig-Orchester. Der Ber- liner Schwarzmeiersche Kinderchor brachte einige Lieder zu Gehör, die gut und sicher vorgetragen wurden. Freiübungen und Volks- tänze von Schülerinnen des 1. Neuköllner Lyzeums beschlossen die Feier. Spielplatz, Wohnungsbau und Kirche. Man schreibt uns: Auf dem großen freien Platz an der Kreuzung der Elsen-, Graetz-, Wildenbruch- und Plesser-Straße wurde nach der Revolution, hauptsächlich durch die Fürsorge unserer Ge- nossen in der Gemeindevertretung, ein nicht eingezäunter össentlicher Spielplatz angelegt. Vor einiger Zeit wurden die Bänke und Sandspielkästen entfernt. Die Hälfte des ehemaligen Spielplatzes ist jetzt eingezSunt. Hier wird, um dem auch in Treptow starken Wohnungsbedürfnis«in wenig abzuhelfen, ein großer Genossen- fchaftsbau errichtet. Auf der anderen Hälfte soll eine e v a n- elische Kirche erbaut werden. Zu Lebzeiten der frommen uguste Viktoria und des kürzlich verstorbenen bigotten Freiherrn von Mirbach wurde Groß-Berlin vor dem Kriege mit Kirchenbauten überschwemmt. Kein Vierteljahr verging ohne eine mit höfischem Klimbim in Szene gesetzte Kirchenweihe. Mit den Kosten der wil- helminischen Kirchen- und Denkmalssucht hätten Hunderte von Wohnhäusern gebaut werden können. Heute haben wir kitschige, wertlose Denkmalspuppen, die seit Jahrzehnten da» Gespött der Welt bilden, und leerstehende Kirchen haufenweise. Wozu also wieder eine neue kostspielige Kirche? Da» Eingehen des bezeich- neten Spielplatzes, der übrigens nicht stark benutzt wurde, kann be- dauert werden, aber Wohnhäuser sind vorläufig weit notwendiger als Kirchen. Zwei Falschgeldpro, effe. Zwei Falschmünzerprozesse mit verschiedenem Ausgang« be- schäftigten hintereinander ein« Abteilung des Schöffengerichts Mitte. In dem erfteren Falle war der Techniker W. des Münzverdrechens angeklagt. Er war eines Tages auf der Reichsdant abgefaßt worden, als er dort«ine aus Millionen in Billionen abgeänderte Bantnot« einwechseln wollt«. In der ersten Aufregung hatte er auf der Polizei zugegeben, daß er zum Scherz, wie das viele Leute getan hätten, manchmal einen Schein umgeändert habe. Er bestritt aber in der Verhandlung, daß es sich in diesem Falle um einen derartigen von ihm selbst umgeänderten Schein gehandelt hätte. Im Gegenteil sei er gerade deshalb zur Reichsbank gagangen, weil er sich überzeugen wollte, ob die Note, die er erhalten hatte, wirklich echt fei. Las Gericht konnte nicht annehmen, daß ein Münzfälscher so blöd- sinnig sein werde, aueaerechnet zur Reichsbant zu gehen, wo doch in erster Reihe die Fälschung entdeckt werden müßte. Deshalb kam das Gericht zur Freisprechung. Dem Angeklagten kam dieses Urteil so überraschend, daß er voll Dank dem Vorsitzenden die Hand reichen wollte, sich dann mit einer tiefen Verbeugung und„A u s Wiedersehen verabschiedete.„Das wollen wir in Ihrem Interesse", so erklärte unter allgemeiner Heiterkeit der Vorsitzend«, Landgerichtsdirektor Gayl,„nicht wünschen".— In dem zweiten Falle wurde dem Gericht der Mechantter Willi L. vorgeführt, um sich ebenfalls wegen Münzverbvechens zu verantworten. Dieser An- geklagte bot ein ganz anderes Bild. Man hatte es mit einem viel- fach vorbestraften„schweren Jungen" zu tun, der aus dem Zucht- haus in Naugard kam, aber nicht direkt. Er gab an, daß er sich von dort„entfernt* habe, was der Vorsitzende in entwichen um- deutete. Dieser Angeklagt« hatte in verschiedenen Geschäften ver- sucht, falsche Dreimarkstück« unterzubringen und war dabei abgefaßt worden. Seine Verteidigung war ziemlich originell. E, behauptete, daß er sich aus hygienischen Gründen mit dem särtmitzigr/. Papiergeld nicht habe abgeben wollen und sich daher eine Münzensammlung zugelegt habe. Die Not habe ihn ober gezwungen, von seinen Schätzen etwas zu verkoufen. Er habe kein« Ahnung gehabt, daß er selbst mit falschem Geld hineingelegt worden war. Natürlich bewertete das Gericht dies« Erzählung des alten Zuchchäuslers in der Weis«, wie es sich gehört«, und gab ihm noch eine Zusa tz- strafe von einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus. Schwarzweißrote Logik. „Treu gediente kaiserliche* dürfen nicht bestraft werden. Bor dem Schöffengericht Berlin-Mitte hatte sich ein Kaufmann S. wegen Preistreiberei zu verantworten. In seiner Pension ging es hoch her. Nachtbetrieb mit Sekt, Weinen. Likören und entsprechenden Preisen. Das ist nichts Neues mehr in Berlin, auch daß ab und zu einer dabei erwischt wird. Doch die Verantwortung des Preistreibers ist, wenn auch nicht neu, doch kennzeichnend für die Psychologie schwarzweißroter Kreise. Die Rechtsprechung In politischen Fällen läßt bei diesen Kaisertreuen immer mehr die Meinung aufkommen, daß sie auch in anderen Strafsachen mit ihrer Gesinnung die Gerichte beein- f l u s s e n können. So spielte denn auch der Angeklagte eni- rüstet folgenden Trumpf aus:!,M i ch als treuen gedienten 24jährigen kaiserlichen Afrikaner, der seinem Kaiser st eis treu zur Seit« stand, fann der Gerichtshof doch nicht deshalb verurteilen. Ich habe als treuer Diener nicht so was nötiw* Man fragt sich bei solcher Anschauung, ob der Mann noch im Besitze seiner Geisteskräfte oder wahnsinnig ist. In letzterem Falle muß man freilich zugeben: Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode. Der Staatsanwalt beantragte 6 Wochen Gefängnis und 1000 M. Geldstrafe, das Gericht verurteilte ihn zu 6 0 0 M. G e l d st r a f e. Hierzu wäre noch zu bemerken, daß sich schwerlich jemand mit: „Ich al» roter Spartakist oder als überzeugter Republikaner" in derartigen Fällen vorstellen würde, in der Meinung, daß ihm das schwerlich wohlwollend ausgelegt würde. Wozu sich ein jeder selber sein Verslein machen kann, ist die Tatsache, daß dem alten„kaiser- lichen Schwarz-Weiß-Rot* so wundersame, gegen gerichtliche Strafen gefett machende Kräfte zugetraut werden. Berliner Turn- und Sportwoche. Gestern nachmittag fand auf dem Tiergartensportplatz ein großes W« r b e> p o r t f e st des Sportklubs Brandenburg statt. Das schöne Wetter hatte hier, wie auch zu anderen sportlichen Veranstaltungen, zahlreiche Zuschauer angelockt. Etwas ganz Eigenartiges, was der alte Berliner sonst nur auf dem„aus der Mode gekommenen Rum- mel* zu sehen bekommt, sind die Iiu-Jitsu-Vorsührungen und Boxkämpfe in öffentlichen Anlagen der Stadt. So gab der Iiu-Jitsu-Klub„Tiergarten* am Savignyplatz eine Freitustvorltellung und der Brandenburgssche Boxverband regelrechte Boxkämpfe im Schillerpark und Lustgarten. Gestern abend umsäumten viele Schau- lusttge den im Lustgarten errichteten Boxkampsring. Ihre Ge- duld wurde auf eine harte Probe gestellt, denn die um 6 Uhr an- gesagten Kämpf« nahmen erst gegen 8 Uhr ihren Anfang. Eine charakteristische Erscheinung bei solchen Massenmeetings, die berühm- ten Berliner„Toschenkrebser* kamen nicht auf ihre Kosten, denn uniformierte und Kriminalpolizei gaben schart Obacht. Verdächtige Gestalten wurden beizelten vom Platze verwiesen. Die Kämpfe und Spiele wurden überall von einem dankbaren Publikum beifällig aus- genommen. Auch an den üblichen Freudenausbrüchen, Dakapo usw. fehlte es nicht._ Schwerer Autounsall aus der Potsdamer Chaussee. Ein schwerer Autounfall ereignete sich gestern in den späten Nachtstunden in Zehlendorf, auf der Potsdamer Chaussee, vor dem Sanatorium „Waldhaus*. Ein Personenkraftwagen stürzte, als er eine Pferde- droschke überholen wollte, um. so daß zwei der Insassen hin- ausgeschleudert wurden. Während der Führer mit leichteren Ver- Ictzunaen davon kam, mußte �»er andere mit schweren Rippen- brüchen dem Krankenhaus zugeführt werden. Die Kommunisten sind anscheinend von der D e m o n st r a- tionspsychose ergriffen. Schon wieder einmal veranstalteten sie gestern abend eine Protestdemonstration auf dem Winterfeldtplatz m Schöneberg. Da» Thema lautete:„Gegen die bulgarische Henkersjustiz und die Blutjustiz des Staats- a« r i ch t e h o se». Das durch Presseaufrufe zusammengetrommelte Aufgebot von Kommunisten war nicht erheblich. Vor allem sah man Frontkämpfer und Jugendliche, die den Platz füllten. Nach An- sprachen, die wenig Neue» und sehr heftige Anklagen, z. T. auch an die verkehrte Adresse brachten, kehrten die Züge in ihre Bezirke zurück. gustav nagel lebt. Vor einiger Zeit hörte man, das; der weil über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannte Naturapostel gustav nagel das Zeitliche gesegnet habe. Glücklicherweise aber scheint es gustav nagel wie so vielen anderen Berühmtheiten gegangen zu sein. Man hat ihn fälschlich totgesagt. Wenigstens teilt die Bürgermeisterei Arendsee, in deren Bereich gustav nagel wohnte, mit, daß der Naturapostel allen gegenteiligen Nachrichten zum Trotz noch froh und gesund auf Erden weil«. Sollte der geschäftstüchtige gustav sich da etwa«inen kleinen Reklametrick geleistet haben? Kircheneinbruch«ms Jlikolsko«. In der. letzten Nacht drangen Diebe in die Kirche von Nikolskoe und entwendeten enen Altar- teppich. Das wertvolle Altargerät war in Sicherheit gebracht: die Diebe konnten nicht heran. Sie hatten versucht, in die Grust des Prinzen Karl einzudringen, stießen aber dort durch das schwere Schloß auf Widerstand. Eine Schuhreparakur-Werkstätte für Erwerbslose ist im Be- zlrksamt Kreuzberg eingerichtet worden. Die Werkstätte ist dem Arbeitsamt angegliedert und übernimmt die Instandsetzung des Schuhwerks der Unterstützungsbezieher und ihrer Familienangehöri- gen zum Selbstkostenpreis. „Volk und Zeil*, unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der kinders reund* llegen der heutigen Postauflage bei. Groß-Serliner parteinachrichten. Achtung, kreiset Die für die Dienstag-Kundgebungen ango fertigten Handzettel sind fertig und morgen, Sonnabend, bis 4 Uhr im Sekretariat, Lindenstr. Z, abzuholen. Jeder Kreis muß an der Verteilung derselben mitwirken. Die Arbeitgeber auf dem Kriegspfad. jedoch unter der Voraussetzung, daß über Beitragsregelung, Kameni der neuen Organisation und die Unterstützungsfähe nochmals in Verhandlungen mit dem Deutschen Eisenbahnerverband eingetreten werEin Rundschreiben des Reichsverbandes der Deutschen Industrie.den soll. Die Reichsgewerkschaft wünscht für die neue Organisation Bom Kabinettschef der Direktion der Disconto- Gesellschaft wurde folgendes Rundschreiben am 12. Juni in Sachen Aussperrung im Holzgewerbe" den auswärtigen Bankvereinigungen streng vertraulich" zugesandt: Wir gestatten uns, Ihnen nachstehend mit der Bitte um Kenntnisnahme Abschrift eines Schreibens zu überreichen, welches der Reichsverband der deutschen Industrie an den 3entralverband des deutschen Bant und Bantiergewerbes gerichtet hat: Seit einiger Zeit befinden sich verschiedene Landesverbände des Holzgewerbes in der AusSperrung. Gemäß einem einheitlichen Beschluß der zuständigen Spizenorganisationen wird bis Sonnabend dieser Woche die AusSperrung auch in allen übrigen Betrieben des Holzgewerbes durchgeführt werden. Die Ursache für dieses Borgehen ist darin zu sehen, daß seitens der Arbeitnehmerorganisationen Lohnerhöhungen verlangt worden sind, die die Löhne auf ein Niveau bis zu 100 Proz. über der Friedenshöhe treiben und gegenüber den der zeit im Holzgewerbe gezahlten Löhnen Steigerungen von durchschnittlich 30 bis 40 Proz. bedeuten würden. Es versteht sich von selbst, daß ein vorzeitiges Zusammenbrechen der vom Holzgewerbe eingeleiteten Aktion auf dem Gebiete der Lohnpolitik leicht Konsequenzen haben wird, die sich auch in den übrigen Unternehmungen zum Nachteil des Arbeitsfriedens und unter Umständen in erheblichen weiteren Belastungen unserer Produktion auswirken werden. Es ist demzufolge ein gemein fames Interesse der deutschen Arbeitgeberschaft an der erfolgreichen Durchführung der Aus Sperrung im Holzgewerbe gegeben. Im Hinblick hierauf richten wir an Sie die Bitte, in den maßgebenden Kreisen des Zentralverbandes des deutschen Bant, und Bantiergewerbes darauf hinzuwirken, daß bei der weiteren Behandlung der den aussperrenden Firmen gewährten Kredite während der Zeit der Aussperrung diejenige Rücksicht genommen wird, die die erfolgreiche Durchführung der Aussperrung verlangt und die die finanziellen Verhältnisse der aussperrenden Betriebe als unbedenklich erscheinen laffen." Die Bedeutung dieses Rundschreibens ist nicht zu übersehen. Es wird damit zum ersten Male dokumentarisch festgestellt, daß die Spizenorganisation der Arbeitgeberorgani sation nicht nur durch allgemeine Richtlinien, sondern auch Beamte ev. ohne Anzahlung Herren- Garderobe Damen- Konfektion Bett- u.Leibwäsche Gardinen etc. auf Kredit in größter und reichster Auswahl zu spielend leichten Zahlungsbedingungen liefert das neueröffnete Kredithaus„ Felix* 66 Veteranenstr. 2, L. Etage Ecke Brunnenstraße, vis à vis Jandorf. Beamte ev. ohne Anzahlung praktisch bei Einzelfämpfen eingreift und die gesamte Rapitalma cht zugunsten der jeweiligen Unternehmergruppe zu organisieren sucht. gradini den Namen„ Einheitsgewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands". Am Freitag vormittag treten die beiden Organisationen im Tagungslokal des Deutschen Eisenbahnerverbandes zur ersten gemeinsamen Tagung, in der über die Gründung der neuen Organisation formell Beschluß gefaßt werden soll, zusammen. Unzweifelhaft wird diese Tagung, die zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Gewerfschaftsbewegung die Vereinigung einer reinen Beamtengewerkschaft mit einer Arbeiterorganisation zu einer großen Einheitsgewertschaft zum Gegenstand hat, von grundlegender Bedeutung für die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung sein. Man scheut selbst nicht vor handgreiflichen Schwin deleien zurück. So wird behauptet, daß die Lohnforderungen der Holzarbeiter bis 100 Broz. über Friedenshöhe und 30-40 Pro3. über den gegenwärtigen Löhnen liegen. den gegenwärtigen Löhnen liegen. Nun hat der Arbeitgeber verband der Holzindustrie selbst nur von 25-30 Proz. gesprochen. Was das Verhältnis zu den Friedenslöhnen betrifft, so be trug die durchschnittliche Forderung noch nicht 60 Broz., in feinem Fall über 70 Proz. mehr, als die Friedensnominallöhne waren. Stellt man die Teuerung mit 50 Broz. in Rechnung und berücksichtigt man, daß es sich zunächst um Forderungen als Ver. handungsgrundlage handelte, dann weiß jeder Einsichtige, daß das Ziel der Lohnforderung die annähernde Erreichung des Friedensreallohnes war. Aber die Tragweite des Rundschreibens liegt nicht in dieser traditionellen Verschleierung der Wahrheit, sondern in dem aktiven Eingreifen der Unternehmerorganisationen, um eine andere, in frivoler Weise zum Angriff übergehende Organisation von vornherein zu unterſtügen und damit die schlimmsten Scharfmachereien zu fördern. Die Spizenorganisation der Arbeitgeber, das liegt flar zutage, will teine Verständigung, sondern brutalen, rüdsichtslosen Kampf gegen die Arbeitnehmerschaft. Das sei hiermit ausdrücklich festgestellt. Ueber das Ergebnis dieses Kampfes mögen sich die Unternehmer bei ihrer Spikenorganisation bedanken. Einheitsgewerkschaft der Eisenbahner. old Köln, 26. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag frat in Köln die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter zu einer außerordentlichen Generalversammlung zufammen, um zu den Verhandlungen über die Verfchmelzung mit dem Deutschen Eisenbahnerverband Stellung zu nehmen. Der durch die Sahungskommission der beiden Organisafionen vorgelegte Sakungsentwurf für den Einheitsverband wurde nach eingehender Debatte en bloc angenommen, Korbmöbel! Sonderangebot! Z An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegenen Ausführungen kaufen Sie in gro er Auswahl und billig bei Wilhelm Schulze Monbijoup atz 12, Hof part. Nähe Hackescher Marat Zahlungserleichterung Telephon: Alexander 4112 ähne 1.2 Teilzahlung G.-M. auf gestattet b. kl. Anzahl u. wöchentl, Abzahlung von 1 G.-M. an. Echte Goldkronen v 8 G.-M. an. Ersatzkronen v. 3 G.-M. an. Zähne ohne Gaumenplatte v. 3 G.-M. an. Zahnz. mit Betäub. 1 G.-M., b. Bestellg von Gebissen gratis Rat und Munduntersuchung gratis. Jahre weitgehende Garantie. Ueber 20 000 Gebisse zur vollsten Zufriedenheit geliefert. Spezial in Hüft., Gesäß behandl. und Bein, wenn ärztl: festgestellt, fur für In 15 Tagen sind schwere Fälle beseitigt werden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung and Referenzen, ärztl. empfohlen. 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In der Edernförder Zeitung" Nr. 120 ist folgendes Inserat zu finden: Candarbeiter! Für Ostpreußen werden verheiratete Deputanten und Gespannführer gesucht. Näheres teilt der öffentliche Arbeitsnachweis in Eckernförde( Kreishaus, Zimmer 16) mit. Eckernförde, den 20. Mai 1925. Der Vorsitzende des öffentlichen Arbeitsnachweises: Ringer. Dieses Inserat bestätigt, was wir wiederholt beleuchteten. Die Abwanderung vom Lande nimmt die bedenklichsten Formen an. Soweit Ostpreußen in Frage kommt, wird der Eindruc noch verstärkt, wenn man sich vergegenwärtigt, daß dort noch vor ganz kurzer Zeit fein ostpreußischer, viel weniger ein auswärtiger Deputatarbeiter Stellung bekommen fonnte, wenn er nicht mindestens zwei jugendliche Hofgänger mitbrachte. Heute ist man zufrieden, wenn man überhaupt einen landwirtschaftlichen Arbeiter bekommt. Gehen die Agrarier jetzt nicht selbst ein, daß es ihre reaktionäre, auf furzfichtige Profitinteressen gestellte Politik ist, die diese Landarbeiter. not verursachte? Erst werden die Landarbeiter vertrieben, dann versucht man sie von weither wieder heranzuholen. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales Berlag: Bormäris- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 8. sid Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borrätig in allen VorwärtsAusgabestellen. Der gute KapitänKautabak ist in den meisten Zigarren C. 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