Str. 301 42. Jahrg Ausgabe A r. 155 Bezugspreis: 98öchentlich 70 Bfennig. monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Buremburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Beit" mit„ Gied lung und Kleingarten fomie bez Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenftiume erfoeint wochentäglich ameimal Gonntags und Montags einmal, Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin* Sonntagsansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfvaltige Ronpareille. seile 70 Bfennig. Reklamezeile 4.- Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 20 Pfennig ( zuläffia zwei fettgedruckte Worie), fedes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengefude das erste Wort 10 Pfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftcaße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Douboff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 28. Juni 1925 Beginn der Ruhrräumung. Abmarsch der ersten Besetzungstruppen. Düffeldorf, 27. Juni.( 2.) Wie die Tel- Union an zu-| fländiger Stelle erfährt, hat die Räumung des besetzten Ruhrgebietes bereits begonnen. An der nördlichen Besetzungsgrenze sind fieinere Truppenabteilungen aus ihren Quartieren abgerückt. Der französische Marschall Petain war soeben in Düsseldorf. Seine Anwesenheit soll vollständige Klarheit über die Methode der Räumung gebracht haben. Die Zurückziehung der Truppen erfolgt etappenweise. Zunächst soll die Bochumer, dann die Effener, danach die Mülheimer und zuletzt die Duisburg- Ruhrorter und Düsseldorfer Jone geräumt werden. Paris, 27. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Eine anscheinend offiziöse Mitteilung des Temps" bestätigt, daß 3 u gleich mit dem Ruhrgebiet, die feit dem Frühjahr 1921 befehten Städte Düssel. dorf und Duisburg- Ruhrort geräumt werden und daß die Zurückziehung der Truppen, für die alle Vorbereitungsmaßnahmen getroffen feien, spätestens am 16. August beendet sein wird. Deserteurjagd im Saargebiet. Bölkerbundsstaat mit französischer Besahung. Saarbrüden, 27. Jumi.( Eigener Drahtbericht.) Am Freitag hat fich im Saargebiet ein besonders fraiser Fall ereignet, der die linhaltbarkeit der Anwesenheit französischer Militärs im Bölfer. bundslande erweist. Am Freitagmorgen erschienen vor einem Sause in Güdingen ein Dugend franzöfifcher Ben darmen, um den Sohn eines daselbst seit 20 Jahren ansässigen Lothringers zu verhaften, der nach einer 13 monatiger Dienstzeit in der franzöfifchen Garnison in Saarbrücken vom Weihnachtsurlaub nicht mehr zum Militär zurückgekehrt war, son dern seinen Beruf in Güdingen wieder aufgenommen, haite. Als der Bater von außen das Haus verschloß, versuchten die französischen Caillaux' Finanzvorlage Geseh. Auch vom Senat genehmigt. Paris, 27. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Finanzkommission des Senats hat die von der Kammer bereits verabschiedete Finanzvorlage mit 9 gegen 5 Stimmen bei 11 Stimmenthaltun gen angenommen. Im Plenum gab im Namen der sozialistischen Gruppe Senator Reboul eine Erklärung ab, die die Politik der Anleihen und der fortgesetzten Inflation aufs schärffte ver urteilt und das von der Kammer abgelehnte Projekt der Kapi talabgabe als die einzig mögliche, definitive und dauernde Gesundung der Finanzen bezeichnete. Diese Erklärung hat sich auch die Gruppe der republikanischen Sozialisten ausdrücklich zu eigen gemacht. Ihr Wortführer, Senator Soulie, führte dazu u. a. aus, daß die Debatte über die Finanzreform mit der Abstimmung über das vorliegende Projekt nicht abgeschlossen sei. Die republikanischen Sozialisten verlangten von der Regierung, daß fie sich bei den von ihr weiterhin in Aussicht genommenen Sanierungsmaßnahmen von den sozialistischen Borschlägen leiten lasse. In der Schlußabstimmung wurde, die Finanzvorlage mit 273 gegen 11 Stimmen angenommen. Die Haltung der Sozialisten. Paris, 27. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die bereits dieser Tage dahin gekennzeichnete Situation, daß das Ministerium Painlevé seine Politit mehr und mehr auf die Rechte zu stüßen gezwungen ist, hat in der Abstimmung der Kammer am Freitag ihre volle Bestätigung gefunden. Das Paradoxale an der Situation wurde besonders grell beleuchtet durch die Tatsache, daß als einziger olitiker, der Herrn Caillaur Sanierungsprogramm wirklich ous innerer Ueberzeugung heraus vertrat und mit großer Entschiedenheit gegen die Linke verteidigen zu müssen glaubte, Herr Bokanowski als Wortführer des Nationalen Blocks ausgetreten ift. Die sozialistische Fraktion hat sich mit Ausnahme von eira einem halben Dußend Mitglieder, die mit den Kommunisten gegen die Vorlage gestimmt haben, der Abstimmung enthalten. Léon Blum hat diese Haltung damit begründet, daß die Fraktion als unausbleibliche Folge der Maßnahmen Caillaur eine neue Berschärfung der Inflation mit ihren für die breite Masse verhängnisvollen Rückwirkungen fürchtet, daß sie aber andererseits mit Rücksicht auf die fritische Lage der Staatsfinanzen nicht habe dagegen stimmen und dadurch die Schwierigkeiten des Ministeriums vergrößern wollen. Léon Blum ging darüber zum fichtlichen Mißvergnügen eines Teils feiner eigenen Fraktionsgenossen noch hinaus, indem er ver= ficherte, daß die Sozialisten trotz ihrer prinzipiellen Gegnerschaft gegen die Vorlage für das Ministerium gestimmt haben würden, menn dieses ernstlich in Gefahr gewesen wäre. Tatsächlich hat denn auch die Haltung der Fraktion in Barteitreisen stark befremdet. Der Frontmechfel der Fraktion zu Beginn der Woche in der Maroffo- Debatte fonnte allenfalls nach mit den mehr formalen als materiellen Bugeständnissen gerechtfertigt werden, die Bain Levé in feinen Erklärungen dem sozialistischen Standpuntt gegen Gendarmen ihm den Schlüssel mit Gewalt zu entreißen. Das gelang nicht. Der Boltsauflauf ließ es außerdem ratsam erscheinen, nicht weiter in der Vergewaltigung eines Saarländers zu gehen. Die Gendarmen umzingelten deshalb das Haus, um den Sohn beim Herauskommen zu verhaften. Der Vorsitzende unserer Partei, Genoffe Schneider, und das Mitglied unserer Landesratsfraktion, Genoffe Brettar, begaben sich sofort zur Regierung, um sie zum Borgehen zu veranlassen. Die Regierung erklärte indessen, daß auf Grund einer Verfügung vom 7. Juli 1920 die französische Garnison das Recht habe, Deserteure, soweit fie zur Saargebiet Garnison gehörten, im Saargebiet selbst und auch im Hause zu verhaften. Das Saargebiet gelte nur für die inner französischen Garnison als Ausland.(?) Gegen 4 Uhr nachmittags erhielten die Gendarmen den Befehl, gewaltsam in das Haus einzudringen und den Lothringer zu verhaften, der sich jedoch der Verhaftung durch die Flucht entzogen haben soll. Auf jeden Fall beweist dieser Vorgang aufs neue, daß die Anwesenheit franzöfifchen beweist dieser Borgang aufs neue, daß die Anwesenheit franzöfifchen Militärs im Saargebiet von Tag zu Tag unhaltbarer und vor allem geeignet ist, den Kredit des Bölkerbundes aufs stärkste zu untergraben. Die deutsche Luftfahrt. Neue Beschlüsse der Entente. WIB. meldet: zu den Beschränkungen des deutschen Luftfahrzeugbaues nimmt die Botschafterkonferenz in einer joeben eingegangenen Note Stellung. Die vorläufige Ueberprüfung läßt erfennen, daß einige geringfügige technische Erleichterungen zugestanden werden, denen jedoch neue weitgehende organisatorische Bindungen gegenüberstehen. Die Reichsregierung wird sich in den nächsten Tagen eingehend mit dieser Frage befassen. über gemacht hat. Am Freitag dagegen hat es sich darum gehandelt, ein Gesez, das die ganze Caft der unerläßlichen Maßnahmen zur Gefundung der zerrütteten Finanzen auf die Schultern der breiten Massen abzuwälzen sucht, mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen. Zu irgendwelcher Rücksichtnahme auf das Ministerium Painlevé bestand um so weniger Anlaß, als dessen Haltung schon seit Wochen nicht den geringsten Zweifel mehr darüber gelassen hatte, daß es im gegebenen Fall nicht einen Augenblid zögern würde, mit unter stützung der Rechten gegen die Linke zu regieren und dessen Politif sich von Woche zu Woche weiter von dem gemeinsamen Programm der Demokratie entfernt hat, das in den Maiwahlen von 1924 und 1925 fich als der Ausdruck des politischen Wollens der großen Mehrheit des französischen Volkes erwiesen hat. linken Flügel der Radikalsozialisten die Entscheidung außerordentGewiß war am Freitag für die Sozialisten ebenso wie für den fich schwierig, da sie, falls es durch ihre Ablehnung zum Rüd tritt des Kabinetts gefommen wäre, die volle Verantwortung für die ganz unvermeidliche Krise des französischen Kredits hätten übernehmen müssen. Der schwere Fehler der Linten war es, daß fie treg voller Kenntnis der zum 1. Juli zu erwartenden finanziellen Schwierigkeiten der Entwicklung der Dinge mit einer un= begreiflichen Bassivität gegenübergestanden ist und sich infolgedessen von dem reaktionär- plutokratischen Projekt Caillaug völlig hat überrumpeln lassen. Besserung des Frankkurses. Paris, 27. Juni.( 11.) Der Dollar ist nach der geftrigen Kammersißung und Abstimmung von 22,10 auf 21,9 zurüd: gegangen. Verfolgung General Percins. Die Furcht vor der Wahrheit. Paris, 27. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Gegen den zur Dis pofition gestellten General Bercin, einen der mutigſten Wortführer des Pazifismus und der Völkerverständigung, haben elsaß- lothringische Senatoren ein Verfahren vor dem Ehrenrat der Ehrenlegion anhängig gemacht. Die Veranlassung dazu hat ein von dem General Percin im Anschluß an den Besuch Doumergues und Painlevés in Elsaß- Lothringen veröffentlichter Artikel in dem Blatt ,, Le Midi socialiste"( Der sozialistische Süden) gegeben, in dem der General ausgeführt hatte, Boincaré sei von dem Chrgeiz beherrscht gewesen, seinen Namen mit der gewaltsamen Wiedergewinnung Elsaß- Lothringens zu verknüpfen. Im Grunde habe man in Elsaß- Lothringen teine große Neigung gehabt, wieder französisch zu werden. Bainlevé und Doumergue hätten mit ihrer dahingehenden Behauptung nicht nur einen groben Irrtum, sondern auch eine ungefchidtidh feit begangen. sondern auch eine ungefchidlichkeit begangen. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postscheckouto: Berlin 37536- Wantfonts: Direktion der Diskonto- Gefellschaft, Depofitentasse Lindenstraße 3 Bankerott der Retter. Die Krise der Denschnationalen. Untreue schlägt den eigenen Herrn! Es vergeht kein Tag, an dem sich nicht ein Strafgericht an den Deutsch nationalen vollzieht. Was sie gestern erleben mußten, ist noch feiner Partei widerfahren. Im. Aufwertungsausschuß des Reichstags wurde die schwerste Anklage wider fie erhoben, die gegen einen Gesetzgeber geschleudert werden kann. Sie wurden beschuldigt, aus persönlicher Intereffiertheit feierliche Versprechungen gebrochen zu haben. Ein ehemals hochgeschätzter Fraktionskollege von ihnen, der an sicherster Stelle ihrer Reichsliste gewählt wurde, und erst vor schieden ist, schleuderte ihnen unter Namensnennung den Vorfurzem aus der deutschnationalen Reichstagsfraktion qusgewurf ins Gesicht, daß sie Gefeße für die eigene Tasche machten. In dieser Anklage in dramatisch bewegter Sigung gipfelf die Entrüstung der in der Aufwertungsfrage von den Deutschnationalen betrogenen Inflationsopfer. Sie haben den deutschnationalen Versprechungen geglaubt. Sie haben auf die absolute Lauterfeit und Redlichkeit des deutschnationalen Baltens vertraut. Mancher von ihnen, der politisch dachte, Bersprechungen gemacht haben und die realen Schwierigkeiten mag dabei von vornherein Abstriche von den deutschnationalen der Aufwertungsfrage in Rechnung gestellt haben aber zu groß ist der Abstand zwischen den Versprechungen der Deutschnationalen und dem, was sie als Regierungspartei den Inflationsopfern geben wollen. So groß, daß niemand mehr an die Ehrlichkeit der deutschnationalen Versprechungen, an die Lauterfeit ihres Willens zu glauben vermag. Wozu der Betrug? Das ist die Frage, die sich den Enttäuschten aufdrängte. Sie fuchten die Motive des Betruges. Sie begnügten sich nicht mit der Antwort, daß es den Deutsc nationalen um die Macht, um nichts als die Macht ging. Sie forschten weiter. Ihren Führern zeigten sich Vorgänge und und Verknüpfungen, die sie mit Entrüstung erfüllten. Herr Dr. Be st gelangte zur Ueberzeugung, daß persönliche Intereffiertheit die Deutschnationalen treibe. Herr Dr. Stei niger, Mitglied der deutschnationalen Reichstagsfraktion teilt die Ueberzeugung mit ihm. Dr. Best hat den Deutschnationalen die Anflage ins Gesicht geworfen, zum Vorwurf des Betrugs den Vorwurf der parlamentarischen Korruption. Diese Anklage ist der Erfolg ihrer Politik als Regierungspartei. Schulbeispiel dafür, wie die reine Demagogie in der Politik Die Deutschnationalen als Regierungspartei sind ein sich rächt. Sie sind als Oppositionspartei unbefümmert nach dem Grundsaze verfahren: der Zweck heiligt die Mittel. Sie haben nie daran gedacht, daß, wenn man große Ziele erreichen will, der Zweck im Mittel bereits vorgebildet sein muß. Wer um Wahrheit zu erreichen, sich der Lüge bedient, wird niemals muß scheitern. zur Wahrheit gelangen, wer mit Unrecht Recht schaffen will, Dungen und Versprechungen, als sie Oppositionspartei waren Welche Kluft zwischen den deutschnationalen Verkünund nach der Macht strebten, und dem, was sie tun, nachdem fie Regierungspartei geworden sind! Wahrhaftig, sie haben Kummer erfahren! Politik des Sicherheitspattes und deutsch- spanischer Handelsvertrag, Bertagung der Verfassungsfragen und Nachgeben, in der Flaggenfrage, Niederlage in der Frage der Erhebung des 18. Januar zum Nationalfeiertag, Bedrohung der Mindestgetreidezölle, das moralische Strafgericht über ihren Aufwertungsbetrug, und zu allem die schwärende imde der inneren Uneinigkeit und Unzufriedenheit man weiß nicht, wo mit der Liste ihrer Niederlage und Enttäuschungen beginnen. Der Uebergang von der Opposition zur Regierung birgt für jede Partei schwere Problematik in sich. Der Zusammenstoß der idealen Forderung mit den harten Tatsachen der Wirklichfeit zwingt jede Partei an diesem Punkte zu Kompromissen, die hinter der idealen Forderung zurückbleiben. Zwischen der idealen Forderung und der realpolitischen Berwirklichung wird immer eine Divergenz bestehen, die ewige Divergenz zwischen menschlichem Streben und menschlichem Erfolg. Die Kunst des Staatsmanns besteht darin, dies Kompromiß zu finden, ohne die ideale Forderung ihrer Würde und Berech tigung zu entfleiden, und ohne die große Linie, die auf sie zuführt, zu verlassen. Aber die Deutschnationalen sind in diesem Sinne feine Staatsmänner! Es ist nicht die normale Krise der Oppositionspartei, die zur Regierung gelangt ist, die sie schüttelt. Thr Tun ist nicht fachpolitisches Kompromiß, das troß alles zurüdbleibens hinter den Hoffnungen auf der Linie der idealen Forderung liegt, es ist Rapitulation vor der idealen Forderung Außenpolitik aber sie haben sich praktisch zum Brinzip der von ihnen befämpften Außenpolitit gewendet. Selbst eine folche Kapitulation, erzwungen durch die überwältigende Bucht der Tatsachen, braucht eine Partei nicht der Würde zu beDas Senatsurfeil gegen de Bono, den mindestens der Begünsti- ihrer Gegner. Sie versprachen eine prinzipielle Wendung der gung der Matteotti- Mörde start verdächtigen Polizeigeneral, ist nun peröffentlicht worden. Es stimmt mit der von uns mitgeteilten Inhaltsangabe überein und verdient die jubelnde Zustimmung der Faschistenpresse, die es denn auch findet. rauben. Sie kann tragisch sein, aber sie braucht nicht komisch zu sein, und vor allem nicht unmoralisch. Das aber ist es mit den Deutschnationalen. Die Oefsent- lichkeit empfindet die Divergenz zwischen ihren Rodomontaden als Oppositionspartei und ihren Taten als Regierunßpartei nicht tragisch, sondern komisch. Die Deutschnationalen sind zur Partei ohne Würde geworden. Sie sind es deshalb, weil in dem blendend klaren Licht ihrer Taten nach dem Nebel ihrer Phrasen die Oeffentlichkeit erkennt, daß sie die Partei ohn ideale Forderung sind. Sie haben lediglich ideale Ziele vorgetäuscht, um mit ihnen in die Regierung zu gelangen. Sie wollen nicht in die Regierung, um diese Ziele zu verwirklichen, sondern um dort brutalem Großegvismus zu fröhnen. * Je länger die Deutschnationalen in der Regierung sind, um so mehr sieht die Oeffentlichkeit, daß die wahre deutsch- nationale Politik— nicht die der Wahlagitation— interefsen- bestimmt ist. Sie erkennt Züge von brutalem Egoismus, der sich über das Gemeinwohl bedenkenlos hinwegsetzt. An der Stelle der Deklamationen für die Freiheit des Vaterlandes erscheint die Sorge um das wohlgsfüllte eigene Portemonnaie. Es heißt nicht mehr: Schluß mit der Erfüllungspolitik— aber her mit dem Schutzzoll. Der Schrei nach Schwarzweißrot ist verstummt— denn jetzt gilt es hohe Getreidepreise zu er» reichen. Wer redet noch von Gerechtigkeit für die Opfer der Inflation? Aufwertung heißt, den Großagrariern den Raub der Inflationszeit kürzen, aber jetzt handelt es sich darum, ihnen durch die Ausnutzung der Regierungsmacht zu dieser Beute noch Geschenke obendrein zu geben. In der Aufwer- tungsfrage hat sich der Schrei!�r Betrogenen dagegen gewandt, daß Gesetzgeber Gesetze für die eigenen Taschen machen und hat die Anklage der parlamentarischen Korruption er- hoben. Aber wieviele sind unter den deutschnotionalen Gesetz- gebern. die vom Schutzzoll einen Zuwachs ihres persönlichen Vermögens erwarten, wieviele unter ihnen spekulieren auf dos Anziehen der Getreidepreise, auf das Steigen der Boden- preise? Wieviele sind, deren ideale Forderung sich in dem Schrei nach dem Steigen der Grundrente erschöpft. » Sie werfen ein Stück nach dem andern über Bord von den Verkündungen, mit denen sie groß geworden sind. Fort mir der Monarchie, fort mit Schwarz-Weiß-Rot, fort mit der Außenpolitik der Vertragszerreißung! Sie lasten sich Stück für Stück den zerlumpten Mantel ihrer Agitationsphrasen ab- reißen. Sie nehmen es in Kauf, daß ihr politischer Zusam- inenbruch in den eigenen Reihen Verwirrung, Richtungs» kämpfe, persönliche Auseinandersetzungen hervorruft. Tut nichts, wenn nur die Klingende Beute gesichert wird. Ihre Partei fängt an, einem brodelnden chexenkestel zu gleichen, der übelduftende Blasen wirft. Der Fall der„Ratio- nalpost", die Zeitungsaffäre um Laverenz, die Geld- geschichten aus den Tagen der Präsidentenwahl. Die Intrigen Freytagl>-Loringhoven gegen Hergt-Westarp-Schiele. Die Entschließung eines Teils der deutschnotionalen Landesvcr- bände gegen den Außenminister, die sich in Wahrhest gegen den eigenen Minister Schiele richtet, der seine Zustimmung zu der .PoliM des SiäzerheitspakteS gegeben hat. Ihre Führer erscheinen als Ritter von der traurigen Ge- statt. Da ist cherr ch e r g t, der totgeschlagen sein möchte— wer gedenkt nicht seiner Ieremiade von Görlitz? Da ist Herr Westarp, flüchtend vor den betrogenen Inflationsopfern, der im Reichstag wie ein Löwe dagegen kämpft, daß fein eigener demagogischer Antrag zum veutsch-spaNischen Han- delsvertrag beraten werde. Da sind die HSrren R i ch t h o f e n, Rademacher, Oberfohren. Da ist Herr Laoer- renz von der bankrotten..Rationalpost". da ist der Herr E v e r l i n g. der plötzlich entdeckt hat. wie gut es fei, daß Schwarz-Rot-Gold das Banner der Republik ist. Diese Partei wollte Deutschland„retten". Je mehr sie auf ihre Art an der„Rettung" arbeitet, um so mehr treten Das verrückte Zreibad. Eine Hundstagsgeschichte von Ernst hoferichto. Nepomuk faltete seine Badehose sein säuberlich, wie«in Stellungsgesuch zusammen, fuhr noch einmal die eingebügelt« Kante seiner Hose nach und schwang sich dann aus die Plattform der Straßenbahn. An der Endstotion stieg er aus. Do wuchs von den umliegenden Wiesen her schon Gras zwischen den Schienen. Dann ging er durch wogendes Korn, dachte dabei, ein warmes Hausbrot zu verzehr«« und fang den Pilgerchor aus Tannhmster. Und bald tarn er an die himmlisch schöne Stelle, wo zwischen Busch und Feld— Wasser floß. Kein Mensch weit und breit. Er johlte und schrie. Das war es, was er schon immer wollte: Mitten in Mutter Grün unterzutauchen. Er entkleidet« sich. Heul« hatte er zum ersten Mal« den Zwei» hundertmarkanzug an seinem Leib«. Jacke, Hose und Weste hing er wie Christbaumschmuck in da» Geäst einer Hollunderstaude, aus dem es alsbald nach Loden und eingenähter Leinwand roch. Und schon prangte an ihm die Bodohose wie ein Kunstau». stellungsplockot. Repomuk patscht« wi« ein Sack voll sunger Katzen in den Bach. Er grolle vor innerer Lust und äußerem Wohlbehagen. Aus der Zeitungspapiereinlage seines Strohhutes macht« er kleine Dampffchiffe und schwamm ihnen nach. Aus einer Mund- Harmonika spielte er, mitten im Bach stehend, das Gebet einer Jung- ftXHI... Da kamen aber alsbald die Schnaken, Stechmucken und Bremsen über ihn. Dann fühlte er sogleich beißende und juckende Hügel wachsen. Und er tauchte unter. Immer-öfter und länger. Bald fand er da» so lustig, daß ihm aus dieser Not ein Vergnügen entstand. Er brachte es damit bald auf eine Tauchausdauer von Minuten. Und abermals steckte er den Kopf ins Wasser.— Draußen am Bache entlang ging ein Mann, der in einem Marr« ladenglas Grillen fing. Er sah Nepomuks Bekleidung in dem kötrauch wie reif« Früchte hängen. Instinktiv suchte er. im Was�r entlang blickend, nach einein Menschen... Nichts Lebendiges trat sein Auge. Sofort hatte er die Möglichkeit eines Verbrechens erkannt... Und schon holte»er Nepomuks Anzug wie Spalierobst aus dem Gezweigs heraus, nudelte es zu einem Pack zusammen— und trug es in die Stadt hinew zur nächsten Polizeiwache. Das Hemd allein— es hing zu hoch am obersten Ast— ließ er als wehende Fahne zurück. Ntpomuk hatte es diesmal bis 200 ausgehalten und sich mit der Hand unter Master die Nase zusammengedrückt und mitgezählt. Angesichts dieser Leistung faßte er sofort den festen Entschluß zum Variete zu gehen, um dort einen Zirkus unter Wasser aufzu- machen. Aus Freude über diesen Einfall spielte er aus der Mundhar» monika einige Ballslieder. . Wenn ich ein Löglein wör'..!"..Bald gras' ich am Neckar.* Schon stand der Mond wie eine halbe Portion Rühreier am Himmel. ihre wahre Züge hervor. Ihr Wesen ist: sich dafür bezahlen lassen, daß die von ihr bekämpften und beschimpften Parteien Deutschland nicht untergehen lassen. Die Divergenz zwischen ihren Leistungen für Deutschland und Deutschlands Gegen- leistungen ist noch größer, als die Divergenz zwischen ihren Versprechungen und ihren Taten. Die„Retter" treiben in den Bankrott. Vorher aber wollen sie aus der Masie für sich retten, was zu retten ist— auf Kosten der anderen. Den be- trügerischen Bankrott im Privatleben bedroht das Strafgesetz, den betrügerischen Bankrott in der Politik aber— die Abrechnung der nächsten Wahl. Sicherheitspakt und deutschnatwnale. Opposition in der Teutschnationalen Partei. Die Besprechung des Rsichskabinetts mit den Ministerpräsidenten der Länder über die schwebenden außenpolittschen Fragen ist gestern abend zu Ende geführt worden. Es hat sich — wie ein amtliches Eommunigue mitteilt— grundsätzlich Uebereinstimmung in der Beurteilung der Lage und den der zu treffenden nächsten Aufgaben ergeben. Innerhalb der Deutschnotionalen Partei hat sich gegen die Politik des Sicherheitspaktes abermals hef- lige Opposition erhoben. Ihr Ziel ist, diese Politik abzubrechen und den Reichsaußenminister zum Rücktritt zu zwingen. Zu diesem Zwecke veröffentlichte der„Lokal-Anzeiger" am Freitag abend jene von der Reichsregierung mit großer Schärfe zurückgwiefsne Auslegung des Standpunktes der Regierung, die ihr unterstellte, daß sie den Sicherhettspakt als gescheitert betrachtet. Die Entschließung der Landesver- bandsvorsitzenden der Deutschnationalen Partei, die in Bremen zusammengekommen waren, gegen Stresemann lag in derselben Linie. Nach gestern Abend versuchte die„Deutsche Tageszeitung" eine Auslegung des Communiques der Regie- rung im Sinne des„Lokal-Anzeigers", die Stresemann in den Augen des Auslandes isolieren sollte. Gestern Abend hat im Reichstag cm« Vorstandssitzung der Deutfchnationolen stattgefunden. Als Ergebnis der Sitzung wird mitgeteilt: „Der Vorstand und die Landesverbandsvorsitzenden der Deusichnattonalen Volkspattei traten am Sonnabend zu einer gut besuchten Versammlung zusammen: Gras Westarp hielt ein aus- führliches Referat über die auswärtige Politik. Abg. H e r g t sprach über die Aufwer tungsfrage und Freiherr v. Richthofen- Bres- lau über die Zollvorlage. In der Versammlung kam die volle Ein- mlltigkcit aller Teilnehmer in diesen Fragen zum Ausdruck. Wie das Nachrichtenbureau des VdZ. weiter aus deutschnatio- nalen Kreisen erfährt, besteht bei den Deutschnationalen keinerlei Absicht, aus der Regierung auszutreten oder, wie einige Blätter fälschlich gemeldet haben, den Rücktritt des Reich�saußenministers Dr. Stresemann zu fordern." Der ministerielle Flügel der Deutschnotionalen stützt Stresemann gegen die Rücktrittsforderung der deutschnationa» len Opposition. Die Oppositton verwirft die Politik des Sicherheitspaktes, die deutschnationalen Minister haben ihre Zustimmung dazu gegeben, daß die Erörterungen über den Sichcrheitspakt mit Frankreich fortgesetzt werden. Die Oppo- sition hat schon jetzt genug von der Regierung, der ministerielle Flügel will noch di« Paktvorlag« unter Dach und Fach bringen. Tie Entschließung der Teutschnationalen. Die Entschließung des Patteivorstandes der Deutschnationalen lautet: Die Deutschnationale Volkspattei hält es angesichts der ge- wältigen, gegenwärtig vorliegenden außenpolitischen und innen- politischen Aufgaben mehr denn je für ihr« Pflicht. ihrvn Einfluß in der Regierung zu wahren und nachhaltig dafür einzusetzen, daß die schwebenden großen Fragen der Politik ihre Lösung. in einer Weise finden, die den Lebensinteresien und der Würde des Deutschen Reiches entspricht. Schon deshalb sind�alle Gerüchte, nach denen sie ihren Austritt aus der Regierung beabsichtige und vorbereite, völlig unbegründet. Gleich einein Meergott stieg Nepomuk au» der fröhliche? Flut. lind schüttelte das Wasser aus seiner Harmonika. Und jetzt in die Kleider...! Sie lagen schon längst in der Fundschublade der Polizeiwache des 34. Bezirks. Er traute feinen Augen kaunv.. fühlte sogleich, ob ein Wind ging, der sie mit fortgenommen haben könnte. Nichts. Die Luft war ruhig wie ein Poftsetretär bei starkem Schosterandrang. Und Nacht imd Dunkel ringsumher. Nepmnut konnte zunächst gar kein« Gedanken mehr fassen. Einstweilen holte er das einsam« und ihm allein treugeblieben« Hemd herab. Seine Finger vrbrietten wie bei Trillerübungen aus der„Schule der Geläufigkeit". Mit wischenden Händen strich er den Grasboden ab. Ms ein beschwörender Schatzgräber umlief er in Kreisen imd Ellipsen die gewandlos« Stätte----. Was tun, sprach Nepomuk— und schaute noch immer entgciftett m das Geäst« der Hollunderstaude. In wehendem Hemd und mit Mund. Harmonika in der Hand, so stand er. wie der Mensch der Eiszeit, unterm blühenden Himmelsdach. Er kam kein« Hofe mehr, es kam kerne Jacke mehr, es kam auch kew Einfall mehr... Da dreht« er jäh um— und frisch belebt, wie ein neuauf- gezogener Berliner Blechschutzmann, rannt« er durch Wiese und Feld— dem roten Signallicht der Trambahnhaltestelle zu. Alles leer. Er lief auf den Straßenbahnschienen dem Innern der Stadt zu. auf seinem Instrument die Washmgton-Post spielend. Die Helle auf der Straße nahm zu. Immer mehr elektrisch« Dogenlampen hingen über seinem Kopf. Da zog ein Familienausflug mit Kinderwagen, Luftballon und Botanisierbüchsen neben ihm her. Als sie ihn in Hemd und Badehose mundharmonikaspielend vor- beirennen sahen— heulten sie im Chor. Mütter hoben ihre Kinder aus den Wagen heraus, um ihnen einen Wauwau zu zeigen, der Zimmerherr waff ihm feinen Spazierstock zwischen di« Füße, und ein Trambahnschaffncr bemerkte, daß ganz genau so der indische Dichter Rabindranath Togo« ausgesehen Hab«, als er in seinem Wagen bei ihm auf der Plattform stand. Und Nepomuk rannte unentwegt weiter und nnmer noch rasender. Schutzleute liefen mit GinnmiknLUel hinter ihm her, ein Anlagenaufscher schlug die Fensterscheibe eines Feuerlöschapparates ein und alarmiette drei Löschzüg«, Sanitätswachen warfen zu Lassos geschlungene Seile nach ihm, hielten ihm Zwangsjacken ent- gegen— und an den Straßenecken wurden aus Fässern. Leiterwagen. Kirtderbettstellen und umgestürzten Telephonzellen Barrikaden«r- richtet. Nepomuk bekam übernatürliche Kräfte und überwand alles. Drei Bataillone Infanterie rückten ihm vom Marsfeld her entgegen. Aon den Tünnen der Stadt läuteten di« Glocken Sturm. Die Kaufleute vernagelten ihre Auslagenfenster mit Brettern, Dienstmädchen standen an der Sparkasse in kiloineterlangen Reihen zur Abhebung ihrer Guthabon an. Wegen allgemeiner Unsicherheit. Und inzwischen war Nepomuk in seiner Wohnung angelangt. Da der Hausschlüssel sich in der Tasche der Hose befand, die jetzt in der FundsachenschlMade jenes Polizeibezittes lag, kletterte er am Blitzableiter empor. Das Fenster in seinem Zimmer durchstieß er mit solcher Wucht, daß der Kreuzstock im Knopfloch seines Hemdes hängen Der Zall festlag. Energisches Vorgehen des Ministers Dr. Becker. Hannover. 27. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In Sachen L e s s i n g s hat der preußische Minister für Wisienschaft, Kunst und Volksbildung nun endgültig Stellung genommen und in einem energischen Schreiben an Rettor und Senat der Technische» Hochschule entschieden, daß in der Angelegenheit der Aufsätze über Hindenburg im„Prager Tagblatt" keine Veranlassung vor- liege, ein Disziplinarverfahren gegen Lesiing zu eröffnen, wie es von jener Seite gewünscht werde. Die Angriffe in einem der Attikel Lessings müßten zwar nach Form und Inhalt gemiß- billigt werden, aber Prof. Lessing habe die Pflichten seiner Lehr- amtstätigkett in keiner Weise verletzt. Der Minister sagt in seinem Schreiben an Rektor und Senat u. a. wörtlich: „Ich muß bedauern, daß von fetten des Lehrkörpers von vornherein nicht energischer auf iin« Beruhigung der Studentenschaft in dieser Angelegenhett und auf Wahrung von Schutz der Lehr- sreiheit, dieses wichtigsten Grundrechtes der deutschen Hochschule, hin- gewirkt ist. So hätte die Bildung des Kampfausschusses nach ß 14 der Verordnung des Staatsminiftertums vom 18. Sep- tember sofort beanstandet werden müssen. Insbeson- der« muß ich meine Mißbilligung über das Verhalten des Pro- sessors Cranz und über den Aufsatz des Privatdozen» t e n Müller in der„Niederdeutschen Zeitung" aussprechen, deren Borgehen die Erregung der Studierenden gesteigert und damit eine ruhige und sachgemäße Behandlung stören mußte. Ich bestimme serner folgendes: 1. Der von den Studierenden zur Behandlung der Angelegen- heil Lesiing eingesehle Ausschuß(kompsausschuß) ist mit sofortiger Wirkung aufzulösen. 2. Ich bin damit einverstanden, daß von einem disziplinarischen Vorgehen gegen die Mitglieder des Kampfausschusies als solche ab- gesehen wird, weil ich annehme, daß die Bildung des Ausschusses in guten Glauben erfolgt ist. 3ch erwarte jedoch, daß gegen den Studierenden Pöhlmann sofott das Disziplinarverfahren eingeleitet wird. Pöhlmann hat ein Flugblatt vom IS. Juni„Wie' steht es um den Fall Lesiing" trotz der ihm von mir persönlich gemachten Aus- klärung über die Rechtslage verfaßt und durch Verbrettung dieses Flugblattes Ruhe und Ordnung an der Hochschule gestört. Das Flug- blatt eröttert die Behandlung der Angelegenhett Lesiing durch das vorgesetzte Ministerium in ungebührlicher Form und ist auch seinem sonstigen Inhall nach geeignet, die Hochschuldisziplin und damit das Ansehen der Hochschule schwer zu schädigen. Ferner soll Pöhlmann in einer in der Hochschule an die Studierenden gehaltenen Ansprache geäußert haben, er habe gewünscht, daß Prof. Lesiing in der Hoch- schule Prügel bekommen hätte. 3. Ich erwarte, daß jede weitere Störung der Vorlesungstätig- feit des Professors Dr. Lesiing unterbleibt. Sollte die Gewähr hier- für und für die Aufrechlerhalkung von Ruhe und Ordnung bom Rekkor nicht übernommen werden können, so würde ich mich gezwungen sehen, die Hochschule bis auf weiteres zu schließen." Die Frage, ab es dem Rektor gelingen wird, in der Hochschule für Ruhe und Ordnung zu sorgen, wird schon am Montag ent- schieden werden können, weil an diesem Tag« Prof. Lesiing zu lesen beabsichtigt. UmftänüÜche Richter. Wenn es sich um Miuisterbeleidiguug handelt... Bochum, 27. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Im Mal 1923 wurde nach Beendigung der kommunistischen Unruhen in einem Kornfelde bei Grumme die Leiche eines jungen Mannes gefunden, die ein völkisches.Abzeichen(Hakenkreuz) trug. Es entstand das Gerücht, daß dieser Mann, ein Angehöriger einer nationalistischen Organisation, bei den Kämpfen im Stadtparkoiertel von Kom- munisten niedergeknallt worden ist. Der Kopf der Leiche war durch einen Gehirnschuß und durch Schläge mit einem dumpfen Gegen- stand bi» zur Undeutlichkeit verstümmelt. Der beim hiesigen Amts- gericht beschäftigte Iustizobersekretär Voß äußett« sich in einem Friseurgeschäft, es handele sich um einen politischen Mord, den Mini st er Sev«ring mit seinen Genos- blieb. Die Zimmerwittin bekreuzte sich und verkündete ihm durch die verriegelte Türe eine neue Mietpreissteigerung. Sofott riß Nepomuk feine Schreibtischschublade auf und schrieb in Rundschrift aus ein« unfrankiert« Posttartc eine Proklamation, die er am Fenster- brett neben dem Wetterhäuschen befestigte.„Zur Auftlärungl" In den gegenüberliegenden Häusern wurden zwei Regimenter Pioniere untergebracht. Vom Fenster einer Hebamme aus schlugen sie eine Hängebrücke zu Nepomuks Zimmer hinüber. Schon dämmerte der Morgen, Bäckerlehrlinge liesen mit warmem Kasieebrot durch die Straßen. Zeitungsfrauen verkauften Extrablätter. Auf den Hügeln, die um die Stadt lagen, wurden Geschütze auf- gefahren. Vom Rathausturm aus sollt« mtt einer roten Fahne dos Zeichen zur Beschießung von Nepomuks Behausung gegeben werden. Der stand jetzt auf dein Fensterbrett und gab in den Lärm hinein ein Zeichen, daß er sprechen und aufklären wollte. Alle aber riefen: „Hört nicht auf ihn, er will uns täuschen, er redet irr«, er will uns hintergehen!" Unterdessen war die Brücke noch bis an Nepomuks Fenster ge- schlagen worden. Als der letzte Balken gelegt war, rannte vom Ende der Straße her ein grüner Gendarm von einem Außenbezirk. Unter seinem Ann trug er zusannnengerollt ein Bündel Kleider. Er erstattete dem Platzkommandanten Meldung von seinem Vor- haben, die gestern an einem Freibadeplatz vorgefundene Hose, Jacke und Weste an die durch«inen in der Brusttasche vorgefundenen Pfandhaus, zettel ersichtliche Adresse zurückzubringen. Hierauf zer» platzte der Platztommandant, der grün« Gendarm lief über die eben geschlagene Hängebrücke direkt in Nepomuks möbliertes Zimmer und übergab ihm, militärisch grüßend, Hose, Rock und West«. Nepomuk kleidete sich sofott an und stellte sich aufklärend ans Fenster. Die hunderttousendköpsige Menge bereitete ihm brausende Ovationen. Eine amerikanisch? Milliardärstochter heiratete ihn vom Platz weg. Ein stiller Beobachter schrieb darüber dies Feuilleton. Die kommende Funkwoche. Alles zu hören, was der Berliner Sender bietet, ist weder möglich noch notwendig. Das Wichtigsie soll man sich dennoch nicht entgehen lassen. Dazu gehött zunächst einmal am Montag nachmittag ein Dortrag des Stuttgarter Theater- leiters Dr. Wolfgang H o f s m a n n- H a r n i sch über„D a s g e- s p r o ch e n e Wort", gutgewählte Beispiete von Homer bisc Kasack illustrieren. Eigenes wird Hermann Kasack am Donnerstag abend selSer lesen, und andere Lyrik bedeutender sunger Dichter spricht bei dieser Veranstaltung Gerda Müller vom Staatstheatcr. Am Sonnabend soll„Die Landpartie" von Adolf G l a ß- b r e n n e r aufgeführt werden: gute Sprecher Berliner Dialekts vor- ausgesetzt, kann die Begegnung mtt dem allen Humoristen und Gesellschaftskritiker sehr lustig werden.„Abteilung Oper" meldet für Mittwoch„F ra Diaoolo" von Auber; Szell dirigiert. veusichlaad zur iaterecklovalev Union sfi: Cl'kone nickt zugelasien. Die.ftranksurtcr Zeitung* meldet au» Wien: Noch ZPieldungen au« Bukarest bat die dort tagende internationale Chcniikerkonferen, beschlossen. Deutichland zur wternatianalen Union iür Chemie nickt«imilalstn, solange es nicht in den Völkerbund ewzetretea ist. Dr. Seft klagt an. Dramatische Attsemattdersetzuttg im Aufwertungsausschuß. Zu Beginn der Sonnabend-Sitzung des Aufwertungsausschusses kam der Vorsitzende Philipp(Dnat.) auf die Be- merkungen zurück, die Abg. Keil in der Plenarsitzung vom Freitag unter Bezugnahme auf die Erklärung Dr. B e ft s über das per- fönliche Interesse einzelner deutschnationaler Abgeordneten an der Auswertungsfrage gemacht hatte. Abg. Keil wiederholte hierauf den genauen Wortlaut seiner Bemerkungen, die dahin gingen, daß infolge des Schweigens der Deutschnationalen zu der Erklärung B e st s. er sei bereit Namen zu nennen, die ganze An- gelegenheit noch unaufgeklärt sei. Jetzt warf sich hergt(Dntl.) in die Brust, sprach davon, alle Mitglieder des Ausschusses seien in ihrer Ehre angegriffen und nun müsse gesagt werden, was gemeint sei. Die Abgeordneten wunderlich wünscht, daß es sich schon in dem letzten halben Jahr betätigt hätte, als aus seiner Partei heraus unzählige erstunkene und erlogene Beschuldigungen über namhafte Per- sönlichkeiten, die der Linken angehören, ver- breitet wordenseien. Die Aufklärung, die Hergt jetzt wünsche, hätte er längst haben können. Er hätte nur Herrn Best aufzufordern brauchen, die Namen zu nennen. Dazu wäre um so mehr Anlaß geboten gewesen, als Herr Best im Ausschuß selbst einmal erklärt habe, er werde demnächst in die persönlichen I n t e r es s e n hineinleuchten, die für manche Abgeordnete bei der Stellungnahme zur Aufwertungsfrage maßgebend seien. Hierauf nahm Abg. Dr. Lest das Wort, um auszuführen: Er habe auf Grund von Mitteilungen, die ihm zugegangen seien und von Wahrnehmungen, die er gemacht habe, die lleberzeugung, daß bei einzelnen Abgeordneten persönliche Znkeressen die Skellungnahme zu bestimmten puukteu der Aufwertungsfrage beeinslusseu. Deshalb habe er auch mit der völkischen Fraktion die Novelle zur Reichsoerfassung eingebracht, wonach Abgeordnete, die ihr Mandat zur Vertretung persönlicher Interessen mißbrauchen, vor den Stoatsgerichtshof gestellt werden können, der ihnen das Mandat absprechen könne. Nachdem er jetzt dazu ver- anlaßt sei, werde er Namen nennen. Bon der Schwester des Abg. v. Richkhofeu-Lreslau(Cufl.) sei ihm ein Brief zugegangen, worin diese Frau es sehr bedaure, daß ihr Bruder berufen sei, über die Aufwertung mitzuentscheiden, op- gleich er persönlich stark daran interessiert sei. Die näheren Angaben des Briefes gehen dahin, daß Herr v. Richthofen in der Inflationszeit ein Familiengut zu S'A Millionen gekaust und seine Schwester und seine Mutter abzufinden versucht habe mit 75 Zentner Roggen. Diesen Brief habe er an den Abg. Steiniger weitergegeben. Herr v. NichtHofen habe i h m dann einen Brief geschrieben, der auf die in dem Brief der Schwester mitgeteilten Tatsachen nicht eingegangen sei, sondern nur Nebendinge, wie z. B., daß der Mann der Schwester aus dem Heere entfernt worden sei, berührt habe Diese Antwort des Herrn o. R i ch t h o f e n, so sagt Herr Best, habe seinen Verdacht bestärkt, der sich aber auch auf andere Abgeordnet« bezieh«. Der Abg. Dr. Rademacher habe in der Deutschnationaleu Fraktion mitgeteilt, daß er Direktor eines Bergwerkunternehmens sei, das in der Inflationszeit große Geländemassen gekauft habe, aus denen noch Restkaufgelder stünden. Aus die Zurufe der deutschnntionalen Abgeordneten, diese offene Erklärung Rademacher» .sei doch»nständtg und. außerdem sei Herr Best selbjl al.s Bläu-, biger interessiert, antwortet Best: Ich stelle die Be- tröge neu nicht mit den Betrügern gleich. Ferner teilt Best mit, der deutschnationale Abg. Etei» niger habe ihm berichtet, daß der Abg. Dr. Oberfohren ihm gesagt habe, seine Frau sei mit etwa 500 000 Mark an der Aufwertung interessiert. Weiter lägen ihm Briefe aus Köln vor, in denen vom Zentrumsabgeordneten Schellet behauptet wird, daß sein Schmie- g e r v a t e r stark als Schuldner an der Aufwertung interessiert sei. Best schließt: Es fei nicht seine Absicht gewesen, einzelne Abgeordnete an den Pranger zu stellen, aber die allgemein« Ueber- z e u g u n g, die er aus den mannigfachen Mitteilungen gewonnen habe, hätte er zur Begründung des oben erwähnten Antrags auf Aenderung der Berfassung dem Reichstag vortragen wollen. Da„zufällig" alle drei deutschnationale Abgeordnete, gegen die Dr. Best seine Anklage erhob, in der Sitzung anwesend waren, lobgleich 2 davon dem Ausschuß nicht angehören), wurde ihnen das Wort zur Eewiderung erteilt. Zunächst Herrn v. Richthofeu-Lreslau. Er führte aus, das Gut, das er um 3M Millionen gekauft, Hab« einen Borkriegssteuerwert von 000 000 Mark. Der im Jahre 1920 gezahlte Kaufpreis betrage 230000Goldmart. Heute habe es einen Steuerwert von 0 8 0 0 0 0 M a r k. In der schlimmsten In- flationszeit habe er seiner Mutter und seiner Schwester eine ständigeRente in Roggen angeboten, was, wie sich aus den weiteren Ausführungen ergibt, zu Differenzen zwischen Mutter und Sohn geführt hat. Er habe, so erklärt v. Richt- hosen mit tränenerftickter Stimme, das Gut. das 200 Jahre im Besitz der Familie sei und das sein Vater der Familie zu erhalten gc- wünscht habe, tatsächlich erhalten, nachdem es monatelang aus- geboten gewesen sei. Seine Mutter und seine unverheiratete. Schwester bekämen von ihm was sie brauchten. Aber„solche Leute" wie seinen Schwager, der 43 Jahre alt und pensionierter Major sei, unterstütze er nicht. Er habe während der Inflation�. zeit seine Hypotheken nach der Hälfte des Goldkap'tals verzinst, r Dr. Rademacher(Dntl.) hält Herrn Best zunächst eine Vor- lesung über den Verleumdungsparagraphen des Strafgesetzbuches und versichert dann, daß er als Vorsitzender einer Aktien- gesellschaft keinerlei persönliches Interesse an der Aufwertung habe. Seine Gesellschaft besitze keine Grundstücke, die mit Restkauf- geldern belastet seien.Er habe allerdings in der Deutschnationalen Fraktion darauf hingewiesen, daß weite Kreise des Berg- b a u s mit Schulden belastet seien und eine Vollauswertung der Restkaufgelder nicht tragen könnten. Daran sei auch seine Gesell- schaft i n t e r e s su e r t. Er persönlich habe fast sein ganzes Ver- mögen verloren. Als dritter Beschuldigter nimmt, hochgradig erregt, Dr. Ober- fahren das Wort, um zu versichern, daß er auf die Aufwertungs- frage nie einen Einfluß ausgeübt habe. Er sei aber Borsitzender des Auswertungsausschusses seiner Fraktion ge- wesen, ohne auf den Widerspruch Bcst's zu stoßen: habe als solcher auch die Beschlüsse der Fraktion dem Reichskanzler mitgeteilt. Hierzu habe er, da Hergt verhindert war, nicht S t e i n i ge r und Best, sondern RademaiHcr mitgenommen. Nach der Rückkunft fei er von Steiniger und Best grob b e s ch i m p s t worden und beide hätten ihm gedroht, daß sie es ihm befolgen würden. Best handele jetzt aus dem Gefühl der Rache. Oberfohren bezeichnet die Behauptungen über ihn als vollkommen unwahr. Die Ver- mögensverwaltung seiner Frau unterstehe ihm perfönlich nicht, drei Viertel der Schuld seiner Frau beziehe sich auf Erbouseinandersetzungen, die„bis in die Puppen" aufgewertet seien. Seine Frau sei als Gläubigerin in höherem Grade interessiert wie als Schuldnerin, sein Schwiegervater sei verarmt. Von einem gemeinen Betrüger und Schpnirdler seien die Behauptungen über ihn in die Welt gesetzt worden. Das sei der Ge- währsmann des Herrn Best. Best habe sich der fahrlässigen Ver- leumdung schuldig gemacht. Abg. Scheller(Z.) bedauert die Tonart, in der Dr. Best neuer- dings den Kampf führe. Der Hypothekenjchutzoerband scheine sich aus Schnüffeleien zu verlegen. Auch über ihn seien auf dem Um- weg über Breslau Gerüchte oerbreitet, daß er interessiert sei. Cr habe mit seiner Frau sein ganzes Vermögen verloren. Seine Mutter und Schwester bezögen Kleinrentnerunterstützung. Sein Schwiegervater sei allerdings Grundstücksbesitzer und habe Hypotheken zurückbezahlt, aber nur auf Verlangen des Gläubigers. Er selbst habe sich für eine Rückwirkung zu Lasten seiner Familie eingesetzt. Abg. Dr. Lest weist es entschieden zurück, daß er an Schnüsfe- leien beteiligt sei. Alle ihm gemachten Angaben stammten von Per- sonen, die ihm vorher unbekannt gewesen seien. Er habe nirgends Informationen eingezogen. Aber die Dinge seien mit den abgegebenen Erklärungen nicht erledigt, sondern müßten bis ins kleinste gerichtlich auf ge klärt wertzen. Interessant sei die Erklärung v. Richthofens, daß sein 5000 Morgen guten Rübenboden umfassendes Gut einen Sleuerwert von 080 000 Mark habe, und daß er es um 250 000 Goldmark gekauft habe. Ob Richthofen eine treibende Kraft bei Einbringung des Antrags a�f Be- schränkung der Aufwertung von Restkaufgeldern gewesen sei. wisse er nicht, viele Fraktionsmitglieder behaupten es. Rademacher habe zugegeben, daß auch das von ihm geleitete Bergwerk an der Aufwertung interessiert fei. Oberfohren möge sich mit seinem Kollegen Dr. Steiniger auseinandersetzen, von dem die Mitteilungen über ihn stammen. Oberfohren habe über die Besprechung, die er mit dem Reichskanzler über die Aufwertungsfrage gehabt habe, beachtet, dort sei ein fester Aufwertungssatz ohne elastische Klausel nach oben vereinbart worden. Das habe nichtderStellungnahmederFraktion ent- sprachen, die auch Erhöhung nach oben wollte, und deshalb fei erund Stei nigeraufshöch st e empörtgewesen. Die persönlichen Verhältnisse Obersohrens seien ihm im übrigen nicht näher bekannt, aber hoffentlich würden alle die gemachten Angaben ge r rch tlich untersucht werben. In den Augen des Redners sei ein Schuldner, der den Gläubiger mit wenigen Prozenten abfinden wolle, ein Betrüger. Nach weiteren erregten Bemerkungen Rademachers und Oberfohrens schließt die Auseinandersetzung, zu der Abg. Keil noch bemerkt, daß er im Plenum lediglich von öffentlich be- kannten Vorgängen gesprochen un� Aufklärung ge- wünscht habe, deren dringend« Notwendigkcü sich aus dieser Aus- einandersetzung ergeben habe Das letzte Wort in diesen Dingen sei noch nicht gesprochen. Der Ausschuß führte hierauf die erste Beratung des Gesetzes über die Anleiheablösung zu Ende. Die Anträge der Kompromißparteien wurden angenommen. Am Dienstag soll die zweite Lesung beginnen. s en' a u f d e m Gewissen habe. Severing habe diesen Mann ermorden lassen. Daß so etwas vorkomme, verdanke man der ver- fluchten Judenregierung. Der preußische Innenminister strengte Klag« an gegen den als Antisemit bekannten Voß. Die erste Verhandlung fand im vorigen Jahre statt. Sie wurde damals vertagt, weil der Beklagte den Einwand erhob, daß der Strafantrag nicht ordnungsgemäß gestellt sei. Der neue Termin fand am Sonnabend vor dem Schöf- feugc.icht statt. Es lag eine schriftliche Erklärung des Ministers vor, daß die Stellung des Strafantroges im Auftrage des Mini- sters durch dessen Stellvertreter. Staatssekretär Freund, erfolgt sei. Der Angeklagte bezweifelle bei der Verhandlung am Sonnabend die ordnungsgemäße Stellung des Strafantrages und beantragte Vorlegung der Akten des Ministeriums. Der Angeklagte bediente sich dabei verschiedentlich der Bezeich- nung.der Iuden-Freund". Aus Eingreifen der Staats- anwalts ersuchte der Vorsitzende den Angeklagten, nicht mehr von dem. Iuhen-Freund zu sprechen. Der Staatsanwalt, ersuchte, den Antrag abzulehnen, da durch die Erklärung des Ministers die recht- zeitige und ordnungsmäßige Stellung des Strafantrages dargetan fei. Nach längerer Beratung beschloß das Gericht, den Minister Severing über die Stellung des Strafantrages als Zeugen zu hören und die fraglichen Akten des Ministeriums einzufordern. Auch soll Staatssekretär Freund darüber vernommen werden, ob der Minister vor der Absenkung des telegraphisch ge- stellten Strafantrages die beleidigenden Aeußerungen des Ange- klagten erfahren habe. Der Prozeß wurde also abermals v e r tagt. Es schien dem Gericht nicht bekannt zu sein, daß Staatssekretär Freund nicht mehr als Zeuge erscheinen kann, da er längst gestorben ist. Im übrigen sei bemerkt, daß mit großer Wahrscheinlichkeit die Ermordung des jungen Mannes, für die von dem Angeklagten Minister Severing verantwortlich gestellt wird, von völkischer Seile erfolgt ist, da der Ermordete als Spitzel galt. Mer übereifrig bei völkischem Kasperletheater. Erfurt. 27. Juni.(MTB.) Der Führer der hiesigen oaterländi- schen Bereine, Kapitän z. S. a. D. Madlung, Halle einen p o l i- zeilichen Strafbefehl über 50 Mark erhallen, well er am 4. Februar 1925 in Uniform einen Vorbeimarsch der Vereine abgenommen Halle, ohne zum Tragen der Uniform die er- forderliche Genehmigung nachgesucht zu haben. Im Einspruchtermin machte Madlung gellend, daß bei einer früheren Kundgebung diese Genehmigung allgemein erteiü worden sei. Das Tragen der Uniform ist nach einer Berordnung vom 31. August 1921 ohne Genehmigung verboten. Madlung wurde vom Amtsgericht Erfurt freigesprochen, mit der Begründung, daß es sich um ein durch Artikel 129 der Verfassung geschütztes wohlerworbenes Recht handele, das nicht nur die Lerufssoldaten, sondern auch die Ossiziere der allen Armee und Marine besitzen. Dies könne vom Reichspräsidanlen nicht ausgehoben werden, der dies Recht als Grundrecht der Verfassung achten müsse. Dr. Schacht gegen flgrarzölle. Mehr produzieren, nicht höhere Preise. Darmstadt. 27. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Auf Einladung des Landtagspräsidenten Genossen Adelung hielt gestern abend der Aeichsbonkpräsident Dr. Schacht vor den Abgeordneten des Hessi- schen Landtages und Vertretern der Wirtschaft einen Vortrag über die deutsche Währung. Er gab einen Rückblick über die Stabilisierung der Währung, kennzeichnete die seinerzellige Be- deutttTO d« RelMllWsrt.llnd schildert« die augenblickliche Finanz- Politik der-Reichsbant, insbesondere in bezug aus die Kredit- gewährung. Die Auswirkungen des Dawes-Abkommens auf die Teichsbank seien erträgllch. Auch der Landwirtschast könne nur durch langfristige Kredit« geholfen werden. Dr. Schacht bekannte sich als Gegner der Agrarzölle. Di« Produktion der Landwirtschaft müsse gesteigert werden, damit der Import an Nahrungsmitteln hzrabgedrückt werden könne. Die Landwirtschaft müsse mehr produzieren, nicht höher« Preise nehmen. Die Kredit- frage sei für die Landwirtschaft wichtiger als die Zollfrage. Die Phrase vom Erziehungszoll. Berziehung statt Erziehung. Das krampfhafte Bestreben der Industrie, unter allen Umständen Hochschutzzölle zu erlangen, wird von den Industriellen oft genug mit der Behauptung begründet, daß die deutsche Industrie eines„E r z i e h u n g s z o l l s" bedürfe. Tatsächlich haben im Laufe der Zeiten die Zölle ihre Funk- tionen grundlegend geändert: Aus dem Erziehungszoll wurde eine künstlicheBevorzugungderkartellierten Industrien auf Kosten des übrigen Volkes, und heute können bei der gesamten Struktur der deutschen Wirtschast die meisten der von der Regierung vorgeschlagenen Industriezölle überhaupt nur die Wirkung haben, daß sie eine Kartell- r e n t e schaffen, die Warenpreise zum Vorteil des Groß- kapitals weit über das notwendige Maß hinaus steigern. Im„Berliner Tageblatt" geht nun der bekannte Wirtschasts- kritiker Felix P i n n e r auf die Frage ein, ob es sich bei den jetzigen Zöllen überhaupt um Erziehungszölle handeln kann. Er schreibt u. a.: Der Erziehungszoll— und nur diesen stellte Friedrich List in den Mlltelpunkt seine- Zollsystems— soll die Ausgabe haben, neue, in einem Lande noch nicht ausgebildete Indu- strien. solange der schon länger und besser ausgebildeten Kon- kurrenz des Auslandes gegenüber zu schützen, bis diese jungen Im dustrien durch eine genügende Ausbildung für den freien Well- bewerb mit den ursprünglich stärkeren Auslandsindustrien erzogen sind. Die deutschen Industrien, die jetzt Hochschutzzölle fordern, sind aber keineswegs junge, unausgebildete und infolgedessen des zeitweiligen Schutzes bedürftige Gewerbe. Man kann im Gegenteil die Behauptung ausstellen, bah es meist verzogene Gewerbe sind, durch die lange Schutzzollwirtschaft und durch die lange In- flationswirtschaft verzogene Gewerbe. Was sie jetzt verlangen, ist lein Erziehnngszoll. sondern ein Verziehungszoll. Durch ihre falsche Organisation während der Inflationszeit, durch ihre Versäumnisse. in produktionstechmscher Hinsicht und durch ihr Uebermaß an sälscher Organisiererei, an unproktioer Substanz- lind Berwallungsanhäusung haben sie sich in ein Mißverhältnis zwischen Aufwand und Leistung hineingesteuert. da viele Gebiete der deutschen Industrie und Landwirtschaft(natürlich auch des Handele) heute vielleicht noch viel schwerer vorbelastet als dos deutsche Steuersystem. In diese falsche Richtung sind sie ge- langt, weil die Inflation sie jahrelang vor dem ausländischen Weit- bewerb, ja überhaupt vor jeder ökonomischen und technischen Be- rührung mit dem Auslande„schützte". Dieser Schutz und bis zu einem gewissen Grade auch der längst für sie überflüssig ge- wordene Erziehungszoll der Vorkriegszell haben ihren Nutzniehern mll der wirtschaftlichen Macht auch den genügenden politischen Einfluß um den Abbau des Erziehungszolls zu verhindern, jr.chdem er längst ökonomisch überflüssig ge- worden war. Was der deutschen Wirtschast heute not tut, ist sicher- lich kein Verzichungszoll, sondern der reinigende Luftzug der W e l t k o n k u r r e n z. Dieser Beweisführung ist durchaus zuzustimmen. Die Hochschutzzölle der Industrie sind ebenso entschieden ab- zulehnen, wie die künstliche Verteuerung der Lebensmittel durch Agrarzölle. Die Sozialdemokratie wich in ihrem Kampf gegen solche Zölle, die der ganzen Wirtschaft und nicht nur den Verbrauchern zum Nachteil gereichen, mit aller Eut- schiedenheit fortführen._ Deutschnationale parteiangelegenheiten. Herr Laverrenz begnügt sich... Abg. Laoerrenz hat es bisher vorgezogen, auf unsere zwölf Fragen nicht einzugehen. Er„begnügte" sich da- mit, alle Schuld auf den ehemaligen Geschäftsführer der „Nationalpost", Herrn F. E. R e n t f ch, zu schieben, ohne sein« Vehauptungen zu substantiieren. Abg. Laverrenz bleibt im Gegensatz zu Herrn F. E. Rentsch auch weiter sehr genüg- sam. Er„begnügt" sich damit, auf die peinliches Aus- sührugen des Herrn Rentsch folgendes Schreiben an uns zu richten: „Bezüglich des in Sachen„Nationalpost" in Nr. 299 des„Vor- wärts" vom 27. d. M. veröffentlichten Schreibens de« Herrn F. E. Rentsch stelle ich folgendes fest: Die von mir gegen den Genannten erstattet« Straf» anzeige wird Gelegenheit geben, die Unrichtigkeiten aufzuklären, die in dem erwähnten Schreiben enthallen sind, und die zum Ver- ständnis der Sachlage notwendigen Vorgänge, die in der Zuschrift nicht wiedergegeben worden sind, der Oeffenlltchkeit bekannt zu machen. Das gerichtliche Verfahren wird weiter Klarheit darüber schaffen, in welcher unverantwortlichen Weise die Geschäfts- sührung durch Herrn Rentsch gehandhabt Görden ist. Ich.be- gnüge mich vor Abschluß der Gerichtsverhandlung lediglich zu dem settens des Herrn Rentsch gegen mich gestellten Strafantrages zu bemerken, daß die Darstellung der beiden mir unterstellten Hand- lungen, wie ich durch Zeugen beweisen kann, nicht der Wahrhell entspricht. Sollte die Staatsanwaltschaft das Ver- fahren gegen mich eröffnen, so werde ich den Reichstag ersuchen, der Aufhebung meiner Immunität als Ab- geordneter zuzustimmen, da ich den größten Wert darauf lege, daß Reinheit und Sauberkeit im öffentlichen Leben unter allen Um- ständen gewahrt bleiben." Warten wir ab, was die in Aussicht gestellten gerichtlichen Verfahren zutage fördernl Sie schämen sich ihrer Abstammung. Aus der„Deutschen Presse", dem Fachorgan des Reichs- Verbandes der deutschen Presse, erfährt man, daß die Deutsch- nationalen durch ihre Parteikorrespondenz einen Vorstoß gegen die jetzige Leitung des mit der Abfassung der Radiotelegramme für die Ueberseeländer und die Dampfer auf hoher See betrauten „Transozean-Gesellschaft" unternommen haben, offenbar um die Chefredakteurstelle mit einem ihrer Leute zu besetzen. Der jetzige Chefredakteur, Dr. Schwedler, ist ihnen zu neutral. Der schwerste Vorwurf, der in der deutschnationalen Parteikorrespondenz gegen die jetzige Lellung erhoben'wurde, ist. daß die engllschen Funkentelegramme des„Transocean" das Wort„deutschnational" mit„cc)vservz.tive" wiedergaben. Das ist durchaus vernünftig, ob- wohl u. E. eine treffendere Ueberfetzung im Worte„nalionalist" liegen würde. Es ist Im höchsten Grade komisch, daß die sogenannten Deutsch- nationalen es nicht wahr haben wollen, daß sie von den früheren Konservativen in direkter Linie stammen und daß sie gegen diese Bezeichnung protestieren. Es wäre schon eher zu verstehen, wenn sich die englischen Konservativen durch diese Bezeichnung der Westarp-Partei beleidigt fühlten und einen Protestschrllt in der Wllhelmstraße gegen die �Transoceau-Gejelljchaft" unternähmen! Gewerkschaftsbewegung Arbeiterschaft unerträgliche Lebensbedingungen aufzwingen will, Reaktionäre Verkalkung der Unternehmer. Der Rampf in der Holzindustrie farm als erfolg. reich beendet betrachtet werden. Die Berhandlungen, die sich vier Tage lang hinzogen, und bezirksweise geführt wurden, sind für fämtliche Bezirke bis auf zwei, die jedoch für das Gesamtergebnis nicht ins Gewicht fallen, nunmehr beendet. Borbehaltlich der Zustimmung der Bezirksorganisationen fann die Aussperrung als erledigt betrachtet werden. Die Zustimmung der Bezirksorganisationen dürfte im Laufe des Montags erfolgen. Wir behalten uns vor, auf diesen Kampf noch ausführlicher zurüdzufommen. Es tann jetzt schon gesagt werden, daß diese Aussperrung typisch ist für die Geistesverfassung des deutschen Unternehmertums. Die Unternehmer Deutschlands haben sich während der Inflationszeit an Sachwerten überfressen. Die Mittelschichten und die Arbeiterschaft wurden ausgepomert, so daß die Unternehmungen nach der Stabilifierung der Währung mit unrationell arbeitenden Betrieben über. lastet waren und ihre Waren, die durch hohe Gestehungskosten überteuert find, weder im Inlande noch im Auslande an den Mann zu bringen vermögen. Die deutschen Unternehmer fuchen der notwendigen Sanierungs. frise dadurch auszuweichen, daß fie die Arbeitszeit verlängern und die Löhne niedrig halten. Das sind jedoch keine Heilmittel, fondern sie müssen notwendig die Krise noch verschärfen. Wir wollen dafür nur ein typisches Beispiel anführen. In unserem gestrigen Morgenblatt zitierten wir einen Aufsatz des amerikanischen Arbeitsministers, der für hohe Löhne eintritt. Es wurde da angeführt, daß in Chifago in der Ziegelindustrie Maschinen gebraucht werden, die es ermöglichen, daß ein einziger Mann in einer Stunde 49 000 Ziegel herstellt. In diesem Betrieb bekommen die Arbeiter einen Stundenlohn von 79 Cent, was etwa 3,20 mt. nach unserer Bährung ausmacht. Nun vergleiche man damit die Rückständigkeit der deutschen Unternehmer. Bir berichteten in unserer Morgenausgabe vom Freitag über den nunmehr beendeten Lohnkampf in der Ziegelindustrie von Zehdenid. Die Unternehmer haben dort einen Schiedsspruch abgelehnt, die Arbeiter dann ausgesperrt, um die überteuerten Ziegelpreise noch weiter treiben zu fönnen. Gleich nach der Aussperrung murden die Ziegelpreise um weitere 5 mt. pro Tausend erhöht, während man den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 40 Pf. pro Tausend verweigerte. Tun find die Betriebseinrichtungen dort so rückständige, daß ein tüchtiger Arbeiter die ganze Woche bei angestrengter Arbeit 30 000 Biegel herzustellen vermag. Er erhält für diese schwere Arbeit bei sechzigstündiger Arbeitszeit einen Lohn von höchstens 50 Mr. die Boche, ungefähr ein Biertel deffen, mas ein amerikanischer Kollege in dem oben angeführten Betrieb erhält. Selbstmord. Dieser Bolitif, die Deutschland ruiniert und der haben die freien Gewerkschaften und die Sozialdemokratie den fchärften Kampf angesagt. Diesen Kampf führt die deutsche Arbeiterschaft mit Entschlossenheit und mit dem festen Willen, ihn fiegreich zu beenden. Das Ergebnis ist, daß in dem angeführten amerikanischen Be trieb der Arbeiter eine tausendfach größere Leistung zu vollbringen vermag, als in den geradezu mittelalterlich rückständigen Betrieben in Zehdenid. Dieses Beispiel ist gewiß sehr fraß. Die Dinge liegen nicht überall so schlimm. Es zeigt jedoch mit schreiender Deutlichkeit, wo die Schulb der mangelnden Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie zu suchen ist. Vor einem Kampf im Baugewerbe. ausnutzen und vor allem die Arbeitszeit verlängern wollten. Es Gesundheitsschuh, nicht ab, sondern aufgebaut merben. Ueber das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag foll megen der Berschleppungstaftit der Reichsregierung der Volks entscheid herbeigeführt werden. Der Bundesvorstand foll sich bei den Regierungen für ein Berbot der Beschäftigung an Maschinen jugendlicher Arbeiterinnen unter 18 Jahren einsetzen. Ebenso wurde der ADGB. beauftragt, beim Internationalen Gemertschaftsbund in Amsterdam den Zusammenschluß aller Gewerkschaften der Welt zu einer Gewerkschaftsinternationale zu beantragen.( Dieser Antrag rennt offene Türen ein. Die Gewerkschaften aller Länder, Beitritt aufgefordert worden, insbesondere die russischen Gewerk. die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen, sind vom JGB. zum schaften. Aber gerade dieje sind bisher der Einladung nicht gefolgt, sondern haben alles versucht, um den JGB. und die ihm angetarifvertrag. Die Erneuerung dieses Vertrages zerschlug sich Im Baugewerbe bestand bis zum Frühjahr 1924 ein Reichs jedoch, weil die Unternehmer die damals für sie günstige Situation wurde dann u. a. für Berlin ein vorläufiger Bezirkstarif abgeschlossenen Organisationen unter der Maske der Einheitsfront zu schiaffen, coris sum Abschius cines een statifs hehen zerstören. Es ist bedauerlich, daß die Generalversammlung der sollte. Dieser vorläufige Bertrag brachte für die Arbeiineinier eme Berliner Metallarbeiter diese Tatsachen nicht fennt.) Der legte AnReihe wesentlicher Verschlechterungen. So u. a. die Bertrag wendet sich dann gegen die ungerechte Steuerverteilung längerung der wöchentlichen Arbeitszeit Don 46% auf und die Bucherzölle, die den Arbeiterhaushalt ungeheuer 48 Stunden, dazu unter besonderen Voraussetzungen die Leistung belasten. einer zuschlagfreien neunten Arbeitsstunde. Der Urlaub tam in Fortfall; ebenso wurden die Lehrlingslöhne nicht geregeit. Die damaligen schlechten Arbeitsverhältnisse zwangen die Arbeit Reichstarifverhandlungen der Zentralen scheiterten an der Starrnehmer zur Annahme dieses Vergleichsvorschlages. Die angebahnten föpfigkeit der Unternehmer, die die Verlängerung der Arbeitszeit forderten, Urlaubsgewährung ablehnten und die Lehrlingslöhne nach eigenem Ermessen regeln wollten. Wenn jetzt versucht wird, außer mit den niedrigen Löhnen und der langen Arbeitszeit die Rückständigkeit der deutschen Wirtschaft durch Schutzölle zu konservieren, so ist das nichts anderes, als Nachdem auch in diesem Jahre die Reichstarifverhandlungen gescheitert sind, forderten die Berliner Bauarbeiter den Abschluß eines Bezirkstarifvertrages. Die Arbeitnehmer legen den größten Beibehaltung der 46% Stundenwoche, die trotz des vorWert auf die Anerkennung ihres Urlaubsanspruches, die Läufigen Tarifs im Berliner Baugewerbe nach wie vor besteht, sowie Gewährung von Fahr- und Laufzeitentschädigung. Weiter wird die Regelung der Lehrlingslöhne verlangt, um die im Interesse des Baugewerbes liegende Förderung des Nach wuchses zu sichern. In wiederholten Verhandlungen lehnten die Unternehmer den Urlaub und die Regelung der Lehrlingslöhne ab, ebenso wenig wollten sie sich zu einer ohnerhöhung verstehen. Obgleich der geforderte Lohn auf fast allen Baustellen bereits faufen Ausrede, die Wirtschaft" tönne derartige Belastungen nicht außertariflich gezahlt wird, operieren die Unternehmer mit der tragen. Am Dienstag fommender Woche sollen die TarifverhandLungen weiter fortgeführt werden; am Donnerstag foll ein freies Schiedsgericht über die Lohnhöhe sprechen. Angesichts der Halsstarrigkeit der Unternehmer muß mit einem schweren Konflikt gerechnet werden. Die Arbeiterschaft ist entschloffen, mit den Resten der Inflationszeit im Vertragswesen aufzuräumen. Sollten sich die Unternehmer gegenüber den berechtigten Forderungen wie bisher unnachgiebig zeigen, so scheint ein Streit im Berliner Baugewerbe unvermeidlich. Die Metallarbeiter zum Gewerkschaftskongreß. Am Freitag tagte die Generalversammlung der Berliner Metallarbeiter, um zu den Anträgen zum Gewertschaftskongres in Breslau Stellung zu nehmen. Es lagen der Bersammlung 17 Anträge zur Abstimmung vor, von denen 12 angenommen wurden. Die angenommenen Anträge besagen im wesentlichen furz folgendes: den zu fördern. Ein Gesez auszuarbeiten und dem Reichstag einDie Vorbereitungen zur Schaffung von Industrieverbänzureichen, wonach den Arbeitern und Arbeiterinnen ein bezahlter Erholungsurlaub von mindestens 14 Tagen und den Arbeitnehmern über 55 Jahre eine Bension gewährt wird. Ebenso müssen die sozialpolitischen Einrichtungen, mie Unfall- und Bei der Besprechung der Anträge zeigten die Kommunisten eine große Aktivität ihres Mundwerks. Sie schickten bei fast allen Anträgen zwei Garnituren Redner vor. Sie fanden aber mit ihren Tiraden bei der Versammlung wenig Anflang, auch als Niederfirchner bei der Begründung des abgelehnten Antrages zur Entfendung einer Delegation nach Rußland betonte, man würde dort keine Potemkinschen Dörfer vorfinden. Die Wahlen der Delegierten zum Gewerkschaftstongreß int Breslau werden am Sonntag, den 12. Juli vorgenommen. zur Entscheidung stehen eine Amsterdamer Mehrheits- und eine fommunistische Minderheitsliste. Verbandstag der Lederarbeiter. Sonnabend vormittag wurde beschlossen, das neue Statut am Hamburg, 27. Juni.( Eigener Drahtbericht.) In der Sitzung am 1. August 1925 in Kraft treten zu lassen. Es wurde dann Stellung genommen zum Internationalen Lederarbeiter= Kongreß im September in Paris. Vorsitzender Mahler führte dazu aus, daß das Zusammenarbeiten mit der internationalen Bereinigung bisher immer ein gutes gewesen sei. Ein Antrag aus der Mitte des Verbandstages, die Einsetzung einer politischen paritätischen Studientommission zu beantragen, die die Verhältnisse der da man bezweifelte, daß eine solche Kommission in Rußland volle russischen Lederarbeiter erforschen sollte, wurde abgelehnt, Bewegungsfreiheit haben würde. Als Delegierte zum Internationalen Kongreß wurden gewählt: Giled, Fußner und Rinto Die Wahl des Verbandspor= standes ergab die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder des Vorstandes: 1. Vorsitzender Mahler, 2. Borsigender Lo B. Kassierer Bod, Redakteur Giled, als Sekretäre Knappe und Fußne:. Beschlossen wurde noch, möglichst bis zum nächsten Verbandstag eine Geschichte des Verbandes herauszugeben. Dann wurde der Verbandstag geschlossen. Aussperrung im Baugewerbe. Mannheim, 27. Juni.( Mtb.) Der Bezirks- Arbeitgeberverband für das Bangemerbe hat für heute, Sonnabend abend, die Aus Sperrung der Bauarbeiter in Nieder- Baden einschl. Ludwigs hafen beschlossen. Die Aussperrung betrifft sämtliche Maurer, Zimmerer, Bauhilfsarbeiter usw. Gewerkschaftliches siehe auch 4. Beilage. Verantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: Arthur Sateznus; Gewertschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. Jehn Shilowski: Lotales und Sonstiges: Frik Raritäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 4 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". Vorteilhafte Saison- Angebote No Stubenhandtuch weiß halblein. Jacquard 48x100 cm.... 0.90 Tischtuch Jacquard 130 cm Hausmacher180x 3.25 180 cm Ein Posten: 130x 3.85 Mitteldecken bedruckt, wasch-, licht- u. luftecht, 98x98 cm..**** 1.75 Israel BERLINO KONIG STR. SPANDAUERSTRASSE Gardinen Halbvorhang aus Etamine mit gewebtem Fries Halbvorhang mit hand1.75 6.50 Etamine mit ge- 4.00 4.00 gearbeitetem Fries Garnitur Etamine aus webtem Fries.... kariert, 150 em breit..... Mtr. O.95 Madrasstoffe auf dunklem Grund, 125 cm breit....... Mer. 2.50 Restbestände von Gardinen und Möbelstoffen zu sehr billigen Preisen Kleiderstoffe Baumwoll. Musselin bedruckt, gute Qualität.. 0.75 Frotté in hübschen melierten 1.25 Farben, 100 cm breit Mtr. Schweizer Ware und Aus- 1.75 Opal rüstung, 112-115 em... 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Strohgeflechten 1.90 3.50 4.75 Modelle in Kleidern, Mäntein, Complets sowie Hüten im Preise bedeutend ermäßigt Hinderkleidung Babykleider aus Waschstoffen, verschiedene Macharten, Länge 45-35 cm 1.90 Mädchenkleider as bedruckten Waschstoffen bis 80cm 2.90 Mädchenmäntel aus vorzügl. Stoffen, bis 100cm 4.25 Länge 60 Länge 85 beste Verarbeitung, Länge 60-100 cm Serie 1.. 9.50 Serie II.. 14.50. Jungmädchenkleider farbige Voileoder Waschstoffe, Größe 38, 40, 42 Serie I... Serie.... 4.50 55. 60 cm 3.65 65 u. 70 cm u. Japankörbe aus Rohrgeflecht mit LederSerie 1.7.75 Serie II... Ecken, Riemen und Griff 53,58.63 cm 68 u. 72 cm 9.50 Reisetaschen Maulbügelform, aus Schilfleinen, hohe Form II.. Serie 1... 9.00 Serie 10.75 40 u. 45 cm 50 u. 55 cm Damen- Hutschachteln verleimte Fournierholzplatten mit Rindleder- Trageriemen Serie 1... 50 ca. 45 u. 50 cm(.25 Schulwaren Damen- Halbschuhe( Einzelpaare) schwarz R'Chevreau, zum Schnüren 4.90 Damen- Halbschuhe( Einzelpaare) Boxcalf oder Chevreau, schwarz oder braun, Rahmenarbeit, mit zum Schnüren 10.90 Spange 11.90 Boxcalf, Rahmenarbeit Herren- Halbschuhe( Einzelpaare) schwarz 11.90 braun 12.90 Herren- Stiefel Boxcalf, Rahmenarbeit ( Einzelpaare) schwarz. 12.90 braun 13.50 Schürzen Jumperschürze bunt Kreton.. 1.10 Servierschürze aus Linon.... Wiener Form Hausschürze aus Gingham.. Jumperschürze .1.35 1.50 aus buntem 1.60 Satin.. Spielanzug for Knaben und Mädchen aus Zephir, Länge 45, 50, 55 cm Teededken 1.50 indanthren feinfarbig Damast mit Hohlsaum 176cm Serie 1.. 4.90 Serie.. 7.90 165.901406.85108.95 II.. Saison- Ausverkauf vom 1. bis 21. Juli Nr. 301 ♦»2. Fahrgang 1. Seilage öes Vorwärts Sonntag, 28. Funk 1025 Die Erziehung zum öffentlichen&ben. Wir all«, die wir nicht imstande sind, andere für uns tätig sein zu lassen, um uns dadurch eine goldene Jugend und ein sorgloses Alter zu verschaffen, wir alle müssen uns täglich' und stündlich" dazu erziehen, in der Oeffentlichkeit unseren Mann zu stellen und uns nicht von ihr und ihrem tausendfältigen Gewirre erdrücken zu lassen. Erziehung zur Straße. Der erste Schritt, den wir dabei unternehmen müssen, ist die Erziehung zur Straße, die Selbsterziehung, und, soweit es im Bereich unserer Pflichten und Krästb liegt, die Erziehung anderer. Wir haben dabei die eine Erleichterung, den einen Vorzug, daß die Straße der beste Anschauungsunterricht ist, der sich überhaupt denken läßt. Nur muß man eben, wie bei jedem Unterricht, die Augen offen halten und ehrlichen Willen haben, zu dem es in erster Linie gehört, sich nicht täuschen zu lasten und den Glanz für das Licht, die Er- fcheinung für das Wesen zu nehmen. Geht man mit diesen grund- legenden Erkenntnissen an die Sachen heran, dann entdeckt man aus der Straße das menschliche Leben in seiner fast unergründlichen Vielseitigkeit, dann wird dies Leben Erziehung zur Gestaltung eigenen Lebens, dann schulen wir uns, um vor uns selbst Menschen von Wert zu werden und im öffentlichen Leben einen Plaß der Arbeit und gedeihlicher Entwicklung einzunehmen. Zweierlei Er- kenntnisse sind es, die wir in unserem täglichen Verkehr mit der Straße vertiefen müssen, wenn es uns gelungen ist, sie zu gewinnen: wir müssen die Achtung vor der Arbeit und jeglichem Arbeitenden in uns tragen, und wir müssen andererseits die sittliche Kraft in uns immer mehr reifen sehen, die uns an der Erneuerung einer besseren, edleren, allen Anrecht gewährenden Gesellschaftsordnung teilnehmen und mitwirken läßt. Und noch ein Drittes konunt.zu dieser Selbsterziehung hinzu: nichts nötigt so stark wie die Straße zu körperlicher und geistiger Disziplin, Gefahren an allen Ecken und Enden zwingen uns zu Vorsichl, verlangen von uns Bereitschaft in jeder Sekunde— aber dies Großstadtstraßenleben mit seiner lieber- fülle an Menschen und Wagen, die durcheinander treiben, unsichtbares Verhängnis inmitten ihres Wogens, ist es etwas anderes als das Leben selbst, dessen stärkstes Gleichnis es darstellt? Wer im öfsent- lichen Leben etwas sein und gelten will, der läßt gern erst die Erziehung zur Straße über sich ergehen. Er fühlt dort und fühlt es ganz besonders, daß er ein Glied in öffentlicher Kette, daß er dem Genüge zu leisten hat, daß er auch hier das beste Beispiel geben kann. Menschen der Arbeit sind niemals Bummler, sie lassen sich vom gewaltigen Getriebe erfassen, sie erleichtern es, sie helfen, be- lehren, wo sie können, sie tragen nach Kräften dazu bei, daß die Straße allmählich die Zahl ihrer täglichen Opfer verringert. So wirken sie auch mit erhöhtem Eifer auf dem Gebiete des Geistigen, wissen sich für die Ehrung der Arbeit einzusetzen, wissen überall für den Gemeinschaftsgedanken, für das Eintreten eines Menschen für alle und alle für einen zu werben. Erziehung zur Gemeinschaft. Wer nicht selbst Disziplin im Leibe hat und wem wir sie nicht in brüderlicher Hilfeleistung beibringen können, der muß aus dem Wege des Ungeistigen, den wir Zwang nennen, zu Selbsterhaltung genötigt werden. Das leichtfertige Spiel mit dem Leben, die Außer. achtlajsung jeglicher vorsichl im Verkehrsgewühl ist ein besonderes Kennnzeichen unserer Zeit: Krieg und Inflation wirken nach, wer Eine Szene, die Jeder schon verschuldet bat. zu viel Gefahren entrann, wird leichtfertig und übermütig, und wer nur Sorgen hat, dem liegt nicht allzu viel am eigenen und— leider auch— am. fremden Leben. In allen Großstädten setzt mit Recht die Zwangserziehung zur Straße ein, sie scheint wohl zunächst, namentlich in der Regelung des Fußgängerverkehrs, Eingriff in die Freiheit der Straße, aber wer sich nicht selbst meistern kann, der muß eben im öffentlichen Interesse erzogen werden. Es ist kein Ideal, wir stellen uns die Erziehung zur Gemeinschaft anders vor. Nicht lebhaft genug kann heute darüber geklagt werden, daß Menschen dort, wo sie sich zu irgend einem Zwecke zusammenfinden, nichl aus. einander Rücksicht nehmen, daß jeder sich so benimmt, als sei er allein im Hause. Gewirr und Disziplinlosigkeit der Straße greifen über auf Gemeinschaftsstätten, von hier, von der äußeren Rücksichis- losigkeit, bis zur Zügellofigkeit geistiger Regungen ist nur ein Schritt Wäre die Straße vorher Erzieherin gewesen, so wäre es leichter. dem Zusammenkommen von Menschen" die Freude zu lassen, die sie dabei suchen. Wohin man kommt, nirgends nimmt einer auf den anderen Rücksicht. Was er empfindet, das ist entscheidend, der Nach bar hat keine eigenen Empfindungen oder hat keine zu haben. Wir gehen in ein Kino. Da sehen wir Leute, die in harter Arbeit stehen und nur selten sich hier Zerstreuung gönnen können. Aber es ge- lingt: die Täuschung ist so völlig, daß ein Lächeln über die harten Züge geht, daß man sich weit weg von der schlimmen Wirklichkeil wähnt und eine Stunde Vergessen haben könnte— würden sich nicht Leute laut und ohne jede Scheu lustig über das Gebotene machen. würden sie nicht kalt und herzlos zerstören, was einem anderen um getrübte Freude bereitet.— Das gleiche, wenn irgendwo ein Musikstück gespielt wird, es genügt, daß ein unglückseliges Mcnschenpaar sich, ohne andere zu beachten, unterhält, und viele Leute haben zum Verlust der Freude am Dargebotenen noch Aerger und Unwillen über die Lieblosigkeit von Mitmenschen zu tragen. Man darf es als sicher gelten lassen, daß Leute, die sich so benehmen, nicht Menschen der Arbeit sind. Ja, man ist überrascht, welche Rücksichtnahme aus den anderen dort herrscht, wo Arbeiter unter sich sind. Ist doch die Werkftätte, die Fabrik, das Magazin oder wie immer der Arbeits- räum heißt, ein Erzieher zur Selbstbeherrschung und zur Teilnahme am Mitmenschen. Erziehung in öffentlicher Versammlung. Wer sich von der Straße hat erziehen losten, wem die Werkstättc Vermittlerin zur Erkenntnis war, daß Leben im besten Sinn« Gc meinschaft bedeutet, der zeigt sich in der öffentlichen Versammlung, die oft für einen arbeitenden Menschen die einzige Gelegenheit ist. Erziehung und Erfahrung vor vielen zu bekunden, als der zur Oeffentlichkeit und für die Oeffentlichkeit erzogene Mensch. Wir nehmen oft zum höchsten Erstaunen wahr, wie einfache, ungeschulte Menschen das Leben beherrschen und welche Fülle von Wissen und wegeweisendem Willen sich in ihnen offenbart. Das find die Men schen, die es verstanden haben, immer zu lernen, immer an sich selbst zu arbeiten— nicht ganz aus sich selbst, vielinehr immer aus den: Leben und seinen unscheinbarsten Regungen schöpfend. Diese lasten das eigene Ich zurücktreten, sie keimen den anderen, den sie gelten lassen, und Gemeinschaft bedeutet ihnen das Höchste. Es find die Menschen, die es in der Arbeiterbewegung weit gebracht haben, die ihr Stolz sind und die vom ganzen Volke geachtet werden, wenn sie aus eigenem Bescheidenheit auf Arbeitsposte,� für das Volk ge tragen werden, es sind die Meister in der Selbsterziehung zur Oeffentlichkeit. -i- Es ist noch nichts Frucht geworden, was nicht aus einem kleinen Saatkorn hervorging. Wer heute nicht beim Kleinsten beginnt, der kann es auch nicht zum Mittelmaß bringen— denn Sinn des Lebens von heute liegt in der Stellung des Menschen zum Mitmenschen, in seiner Einstellung zur Gemeinschaft. Wir dürfen das keine Stunde außer acht lasten— und wenn scheinbar der Mensch, umgeben von ewiger Hast der Wellstadt, nie zur Ruhe kommt, so gelangt er wenigstens zum Selbstbesinnen, und es geht ihm keine Minute verloren, wenn er bemüht ist, alles zur Erziehung des Menschen in ihm selbst zu verwerten und damit erst ein sozialer, ein vollwertiger Mensch zu werden. Ungetreue Beamte. Der Polizeiunterwochtmcister Fritz I ä n i ck e, der bei der Dlenststelle für Leibesübungen ini Oberkommando der Schutzpolizei tätig war, hatte sich mehrere Jahre in einer Vertrauensstellung gm bewährt. Ganz plötzlich änderte sich dies, er unterschlug ein für einen Major bestimmtes Monatsgeholt, ihm anvertraute Gelder für zwei Fahrkarten nach Ostpreußen und auch Betrüge, die mit der Post versandt werden sollten, zusammen etwa 350 Mk. Wegen der zuletzt benannten Unterschlagung lieh� er sich von einem ihm be- kannten Postaushelfer, Kurt Reuter, die fehlenden Postabschnitie fälschen, um die Sache zu verdecken. Aber natürlich folgte das Unheil der bösen Tat. Beide Beamte sind entlassen und das Schöffen- gericht Mitte verurteilte Ja nicke zu neun Monaten G e- f ä n g n i s, drei Jahre Verlust der Amtsfähigkeit und Reuter zu sechs Wochen Gefängnis. Die Baumwollpflücker. 7] Roman von B. Tranen. Copyright 1925 dy B. Tri von, Cohnnbus, Timtulipu, Mexico. Als wir zum Hause kamen, waren Sam und Antonio schon mit den Gütern angelangt. „Eine elende nichtswürdige Schlepperei", sagte Antonio. „Ach, das war nicht so schlimm!" begütigte Sam. „Ruhig, du gelber Heiden söhn, du natürlichjnit deiner Laslträgeroergangenheit, was verstehst du von Schleppen?" rief Antonio, während er sich auf die Kiste hinsetzte, die auch noch unter ihm zusammenbrach und seine Laune durchaus nicht besserte. „Hören Sie, Antonio, warum haben Sie denn nicht Mr. Shine um ein Mula oder einen Esel gebeten?" fragte ich. „Aber das habe ich ja getan. Er hat es abgelehnt. Er sagte zu mir und Sam: Wie kann ich euch denn ein Mula geben? Ich kenne euch ja gar nicht, ihr habt ein paar Tage bei mir gearbeitet, Sachen habt ihr keine. Papiere habt ihr auch keine und wenn ihr weiche hättet, kann ich mir für eure Papiere, die vielleicht noch nicht einmal euch gehören, kein anderes Mule kaufen, wenn ihr es im nächsten Ort ver- schachert und euch dann hier nicht mehr sehen laßt." „Don seinem Standpunkt aus hat er recht." erwiderte ich, „aber von unserm Standpunkt aus gesehen, ist es eine große Niedertracht. Aber was können wir machen?" „Und gerade jetzt, wo wir schön im Zuge waren, das Lieblingsthema aller Arbeiter der Erde anzuschlagen und uns den ungerechten Zustand in der Welt, der die Menschen in Ausbeuter und Ausgebeutete, in Drohnen und Enterbte teilt, nnt mehr Lungenkraft als Weisheit klar zu machen, kam Abraham an mit sechs Hennen und einem Hahn, die er an den Füßen zusammengebunden hatte und ihre Köpfe nach unten hängen lassend, an einem Bindfaden� über der Schulter trug. Er warf das Bündel auf die Erde, wo die Vögel sich vergeblich mühten, aufzustehen oder von den Fesseln loszu- kommen. »So, Fellers", grinste er,„setzt könnt ihr Eier von mir haben. Ich lasse euch das Stück für sieben Centavos, billig, weil ihr ja meine Arbeitskollegen seid. In der Stadt kosten hie Eier siebenundeinhalb. sogar acht." i Wir starrten bald das Bündel Hühner, bald den grinsenden Abraham an. An«in solches Geschäft hotte keiner von uns gedacht und es lag doch so nahe, war so einfach, ver- langte absolut keine besondere Intelligenz: jeder von uns hätte das ebenso gut machen können. Sam Wae empfand keinen Neid, keine Eifersucht, nur Bewunderung für den unter- nehmungslustigen Geflügelzüchter: jedoch er schämte sich, daß er sich von einem Nigger beim Ausdenken einer ehrlichen Nebeneinnahine hatte schlagen lassen. Vor unfern Augen, nicht einmal über Nacht, sondern über drei Nachmittagsstunden war aus einem Enterbten und Aus- gebeuteten ein Produzent, ein Unternehmer geworden. Er hatte sich von seinem Lohn die Hühner gekaust, wir Lebens- mittel. Er hatte keine Lebensmittel mitbringen lassen und wir hatten uns schon vorbereitet, wie wir ihm das Stehlen, auf das er unter diesen Umständen angewiesen war, unmöglich machen wollten. Aber er hatte uns übertrumpft. Er lieferte Eier und tauschte dafür an Reis und Bohnen ein, was er brauchte. Träte nun der Fall ein, daß wir seine Produkte boykottierten, so konnte er ja den Hahn schlachten, vielleicht noch ein Huhn, bis er wieder Lohn bekam. Ain nächsten Morgen hatte Abraham vier Eier. Dos Geschäft konnte beginnen. Eier betrachteten wir noch als größeren Luxus denn Speck oder Fleisch. Aber jetzt, wo die Eier so verlockend nahe zur Hand waren, viel schneller zubereitet werden konnten als irgendeine andere Speise und uns dadurch eine Möglichkeit gegeben war, zum Frühstück etwas anderes und Kräftigeres in den Magen zu bekommen als den dünnen Kaffee und ein schmales Stückchen verbranntes Brot, wollten und konnten wir auf Eier nicht mehr verzichten. Wir'sahen plötzlich ein, daß wir ohne Eier noch vor Beendigung der Ernte an Unter- ernährung zugrunde gehen würden und wenn wir je wirklich die Erntc überlebten, so würden wir doch so entkräftet sein, daß uns niemand in Arbeit nehmen würde. Die Sklaven wurden immer, so erzählte Abraham, der es von seinem Großvater wußte, in gutem Ernährungszustände gehalten, wie Pferde: um den Ernährungszustand der freien Arbeiter kümmert« sich kein Mensch. Wenn sie zu schlecht ernährt waren, weil der Lohn für eine bessere Ernährung nicht reichte, flogen sie raus. Solche merkwürdigen Ansichten, die natürlich keine wissen- schaftliche Grundlage hatten und auch ganz und gar unrichtig waren, brachte» Abraham vor, nur um seinen Eiern einen regen und dauernden Absatz zu sichern. Uns leuchtete eine solche Betrachtung menschlicher Verhältnisse um so mehr ein, als es ja gerade Abraham gewesen war, der uns gestern mitten in jener regen Auseinandersetzung unterbrochen hatte, die uns ohne Zweifel, wenn auch nicht auf dem Wege über Eier, zu genau derselben Schlußbetrachtung der Welt geführt hätte. Außerdem stundete uns Abraham gutmütig den Betrag für gelieferte Eier bis zum nächsten Lohntage. Er tat es nur aus Gutmütigkeit und weil er nicht wollte, daß wir, seine lieben Arbeitskameraden, im späteren Leben, also nach der Ernte, wegen Unterernährung Schiffbruch erleiden sollten. Nach drei Tagen konnten wir nicht mehr verstehen, wie wir es überhaupt jemals fertig gebracht haben, ohne Eier auszukommen. Es gab Eier zum Frühstück, es wurden Eier zum Mittagessen mitgenommen und abends gab es erst recht Eier, wir backten Eier sogar ins Brot, nur um die nötige Arbeitskraft für unser ferneres Leben zu erhalten. Abraham verstand die Geflügelzucht, das muß man ihm lassen. Er fütterte feine Hühner reichlich mit Mais. Jeden zweiten Abend mit Dunkelwerden machte er sich auf den Weg mit einem Sack, um bei den Farmern Mais einzukaufen. Manchmal ging er schon um drei Uljr vom Felde heim, um seine Hühner gut zu versorgen. Vom Mais einkaufen kam er aber immer erst zurück, wenn wir schon längst schliefen. Die sechs Hühner und der eine Hahn, als ob sie unseren Bedarf schon im voraus kannten, taten das Menschenmögliche, nein, Hühnennögliche, um uns vor der drohenden Unter- ernährung zu schützen. Und für den reichlich gelieferten Mais, lieferten sie als gerechte Gegenleistung wehr als sonst ein" Henne zu liefern sich verpflichtet fühlt. Am ersten Morgen hatten die Hühner, wie schon berichtet, vier Eier gelegt, am zweiten Morgen sieben und als wir bezweifelten, daß dies möglich sei, führte uns Abraham am darauffolgenden Morgen zu den drei alten Schilfkörben, die er für den Zweck ausgehängt hatte und gestaltete uns, feldst nachzuzählen. Wir.zählten an diesem dritten Morgen siebzehn Eier, die von den Hühnern über Nacht gelegt worden waren. Da wir die Eier persönlich bei Sonnenaufgang gesehen und persönlich gezählt hotten, zweifelten wir von dem Tage an nicht mehr an der Zahl der von Abrahams Hühnern gelegten Eier, obgleich er uns eines Morgens, freudestrahlend, als hätte er in der Lotterie gewonnen, mitteilen konnte, daß die Hühner achtundzwanzig Eier über Nacht gelegt hatten. ......(Fortsetzung folgt..! Das Verbrechen an der Zehnjährigen. Von Hans Hyan. Endlich Friedrich- Ebert- Straße. R. zu der fraglichen Zeit ganz wo anders gewesen war. Das Schöffengericht tam auf Grund dieser Beweisaufnahme zu einer FreiNoch nicht 4 Millionen Berliner Einwohner. Ergebnisse der Volkszählung. Die seit Monaten(!) dauernden Verhandlungen zwischen Ber- prechung des Angeklagten. liner Magiftrat, Berliner Polizeipräsidium und dem preußischen Staatsministerium über die Umbenennung der beiden Berliner Straßen: Sommerstraße und Budapester Straße in FriedrichEbert Straße sind nunmehr zu einem Abschluß gekommen. Das preußische Staatsministerium hat sich mit dieser Umbe. nennung einverstanden erklärt. Da bekanntlich wegen der Umbenennung der Budapester Straße Komplitationen eingetreten waren, hatte der Berliner Magistrat den Vorschlag gemacht, einen Teil der Straße Kurfürstendamm in Budapester Straße umzu benennen. Ueber diesen Vorschlag hat das Staatsministerium noch nicht endgültig entschieden. Welche Straße in Zukunft den Namen der ungarischen Hauptstadt tragen soll, unterliegt zurzeit noch der Prüfung. Zur Psychologie der Kinderaussagen. Mit dem an Senta Edart begangenen Verbrechen steht die Kriminalpolizei vor einer schwerzulösenden Aufgabe. Begangen wurde die Tötung am 8. Juni, gefunden ist das Kind erst am 14. Juni. Das zuständige Polizeirevier, ebenso wie die Bermißtenzentrale hatten sich umsonst bemüht. Am13. Juni abends waren der Vater der Kleinen und ein Bekannter, namens Müller, bis dicht an den Tatort in das am Bahndamm, zwischen Blankenburg und Karow belegene Kornfeld vorgedrungen; doch erst in der Frühe des 14. Juni fanden Kommissar Berneburg und seine Beamten mit Hilfe eines Polizeihundes das getötete Mädchen im dichten Korn. Fünf sonnenheiße Tage waren seit der Tat vergangen. Die Hize und die Schmeißfliegen hatten den armen, fleinen Körper bereits so zerstört, daß die Obduktion nicht mehr imstande war, die eigentliche Todesursache genau festzustellen. Ein Lustmord, scheint nicht vorzuliegen. Eher ein Sittlichkeitsverbrechen mit tödlichem Ausgang. Im Kornfeld wurden drei niedergtretene Stellen Der Wert der Kinderaussagen wurde wieder einmal in einer festgestellt. Auf der ersten war nichts zu finden. Auf der zweiten Berhandlung vor dem Schöffengericht Schöneberg in Frage gestellt. stand das Körbchen, darunter die Kaffeeflasche, daneben die Haar- Der Handwerksmeister R. hatte sich wegen Erregung öffentlichen schleife und-Spange und auf geknickten Halmen hing das Höschen ihn mehr als ein Dugend Schulmädchen auf. In der Nähe der Mergerniffes zu verantworten. Es traten als Belastungszeugen gegen des Kindes. Dieses Kleidungsstück war nicht zerrissen, sondern offen- Schule, die die Zeuginnen besuchten, hatte sich ein Mann auffällig bar in Ruhe abgeknöpft und beim Ausziehen umgedreht. Als benommen, fonnte aber nicht rechtzeitig festgenommen werden. zwingende Folgerung ergibt sich, daß sie dem lebenden oder toten Kurze Zeit darauf hatte der jetzige Angeklagte zufällig in dem Hause, Rinde, nicht im Rampf, sondern mit Ueberlegung ausgezogen wurde. in dem eines der Kinder, die Beugin des Aergerniffes gewesen war, Diese, wie andere Momente sprechen dafür, daß es dem Täter mög eine Arbeit abzuliefern. Das Mädchen glaubte in ihm den Unbold lich war, das Kind ins Korn hineinzuloden. Nun wird die kleine wiederzuerkennen. Auch die anderen Mädchen riefen bei der GegenSenta als ein sehr artiges, folgjames Kind geschildert, das niemals überstellung fofort: Ja, das ist er.“ nur drei oder vier der Anlaß zum Tadel in moralischer Hinsicht gegeben hat. Auch soll sie fleinen Zeuginnen waren unsicher und gaben eine ganz andere Bescheu und garnicht zutraulich zu fremden Personen gewesen sein. Riegner mehrere Entlastungszeugen an, darunter den Gesellen des Ichreibung jenes Mannes. Auf der anderen Seite führte R.-A. Dr. Rechnet man hinzu, das, allen kleinen Berliner Mädchen anerzogene Angeklagten, aus deren Befundungen unzweifelhaft hervorging, daß Mißtrauen gegen fremde, sich an sie herandrängende Männer, so tommt man unwillkürlich zu dem Schluß, daß taum ein, dem Rinde gänzlich unbekannter Mensch hier in Frage tommt. Bon dieser Erwägung ausgehend, hat die Kriminalpolizei um fangreiche Recherchen im Bekanntenkreis der Familie Edart ange stellt. und hat in der Umgebung der Ecart'schen Wohnung nachge forscht, bisher ohne Resultat. Man wird sich aber damit nicht be gnügen dürfen, sondern wird auch die psychologischen Kombinationen weiter ausspannen müssen. Der Glaube, daß Kinder in solchem Alter ein feguelles Triebleben noch nicht oder nur ganz selten befizen, ist irrig. Es ist dies, Ausnahmen abgerechnet, mindestens im Unterbewußtsein, stets vorhanden. Und diese erotischen Empfindungen drängen zur Oberfläsche, sobald verbrecherischer Wille die Lift und Geschicklichkeit aufbringt, die dem Kinde ange borene und anerzogene Scheu und Schamhaftigkeit zu überwinden. Dafür ist allerdings meistens eine längere Bekanntschaft des Berbrechers mit seinem Opfer Borausseßung. Erleichtert wird solchen Unzüchtlern ihr böses Wert dadurch, daß sie felber durchweg minderwertige, d. h. infantile Menschen sind. Um es flarer zu sagen: ihr hang und Trieb zu Kindern, also unentwickelten Menschen hängt damit zusammen, daß sie selber in, ihrer seelischen Entwicklung, vornehmlich in ihrem erotischen Fühlen verfümmert oder auf einer findhaften Stufe stehenge. blieben sind. Das läßt, so merkwürdig es zuerst scheinen mag, das Kind schnell Butrauen faffen zu solchen Infantilen. Es ist da eine Art innerer Gleichheit vorhanden, die das Kind instinktiv empfindet, die sein Mißtrauen einschläfert und die es allzuleicht dem Verführer zur Beute fallen läßt. Bon solchen Voraussetzungen ausgehend, wird man auch da Beziehungen neueren oder älteren Datums vermuten dürfen, zwischen dem Kinde und seinem Schädiger, wo es sich um ein junges, teufches und feineswegs zu unerlaubten Dingen neigendes Wesen handelt. Solche Beziehungen fönnen nun aber viel weniger durch Kriminalbeamte erfragt, als durch junge und ältere Bekannte des Kindes festgestellt werden. Und hier tommen wir zu den Befundungen der 3eugen. Was sich da alles zur Ausfage drangt, ist schwer zu beschreiben. Eine Schwiegermutter, deren Tochter vom Ehemann angeblich, oder in Wirtlichkeit, schlecht behandelt wurde, will den Schwiegersohn vernichten, indem sie ihn fchlankweg als Täter denunziert. Bräute bezichtigen den ungetreuen Liebhaber. Einige Hellseher melden sich, die den Mörder ohne Mühe bezeichnen. Ein Schreibsachverständiger, der aus den gefundenen Notizen den Unhold nach Größe, Gefichtsbildung, Haar und Augenfarbe psychologisch" idenfizieren will. Die ausgefekten 3000 Mark Belohnung treiben die Leute in Scharen zur Kriminalpolizei. Einige davon möchten für ihre Angaben die ganze oder wenigsten einen Teil der Summe gleich mitnehmen. Ein Mädchen meldet sich, etwa vierzehnjährig, das will die fleine Senta zuerst Diesseits vom Bahndamm, nahe bei Blankenburg gesehen haben. Dort hätten sie miteinander in der Banke gepanfcht", hätten fich gegenseitig nach ihren Namen gefragt; und später hätte die Bier zehnjährige die fleine Senta wieder in der Nähe des Bahndammes geehen, in Gesellschaft eines verdächtigen Mannes... In dieser Aus sage ist die Phantasterei, die aus Erzählungen, Zeitungsberichten und vielleicht dem wirklichen Zusammentreffen mit irgend einem anderen Mädchen eine Fabelgeschichte fombiniert, unverkennbar. Bedeutsamer scheint die Aussage jenes Mädchen, die angibt, mit der kleinen Senta von Station Gesundbrunnen bis nach Karom gefahren zu sein und gehört zu haben, daß sich die Kleine mit einem Herrn unterhielt. Aber auch diese Zeugin verjagt bei näheren Befragen, fie hat offenbar zu wenig acht auf die Mitfahrenden gegeben So steht die Behörde vor tausend Rätseln. Und doch wäre es so unendlich wichtig, Klarheit zu schaffen. Denn nicht die Bestrafung eines solchen Uebeltäters ist das wichtigste, sondern seine Er. greifung. Darin allein liegt der abschreckende Moment für ähnliche Missetäter. Abgesehen davon, daß auch der Mörder der fleinen Senta, wenn man seiner nicht habhaft wird, dadurch leicht zu ähn lichen Schändlichkeiten ermutigt werden kann. Es ist also eine Gewiffens- und Ehrenpflicht der Bevölkerung, jede, aber auch jede scheinbar noch so geringe Beobachtung, die die Tat selbst oder das Wesen und Tun der kleinen Senta betrifft, der Polizei zu melden. Und ebensowenig wie sich jemand durch das Streben nach der ausgesetzten Belohnung verleiten lassen darf, unwahres oder Irre führendes auszusagen, ebensowenig darf er sich durch die törichte Furcht, mit der Polizei in Berührung zu fommen oder später als Zeuge herangezogen zu werden, abhalten lassen, eine Befundung zu machen, die ihm vielleicht geringfügig erscheint, die aber in der Folge doch zur Auffindung des Täters beitragen tann. 2 ritzi Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 28. Juni. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Mozart: Ave, verum corpus 2. Bibelrezitation( Bibelsprecher Johannes Schulzke). ( Kirchenchor der Taborgemeinde, Dirigent: Martin Philipps). 3. Ansprache des Frl Zarnack vom Ev. Verband für die weibliche Jugend Deutschlands. 4. a) R. Kurth: Gott will's machen, b) C. Malan: Harre des Herrn( Kirchenchor). 3 Ubr nachm.: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Dr. Böhmer: Der Futterbau, I. Teil". 3.30 Uhr nachm.: Märchenstunde. Ida Orloff spricht über: Der Schultag". 1. Gottfried Keller: Der Schultag des Grünen Heinrich. 2. Alice Fliegel: Aus dem Buche, Lustiges von der Schulbank": Die verhängnisvolle Apfelsinentorte". 8. Alice Fliegel: Aus dem Buche Die höhere Töchterschule":" Hannchen". 4. Johannes Trojan: Aus dem Buche, Das Buch für Kinder":„ Der Weg zur Schule". 4.20 Uhr nachm.:„ Kulinarische Künste". Werbe- Sonderkonzert der Sarotti A.-G. mit der Berliner Funkkapelle. 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Dr. Frey: Gewerbehygiene im Deutschen Reich". 7.25 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Kunstwissenschaft. Dr. Berthold Daun:„ Große Meister der Kunst". 6. Vortrag. Thoma". 7.50 Uhr abends: Geh. Regierungsrat Prof. Dr. A. Miethe: Das Himmelsfernrohr und seine Meister". 5. Vortrag. Die Astrophysik". 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Abt: Waldandacht, b) Abt: Das treue deutsche Herz, c) Kremser: Juchheißa mein Dirndl( Das Hörnerquartett des Berliner Funkorchesters). 2. a) Charpentier: Arie aus Luise", b) Puccini: Arie aus Gianni Schicchi", c) Loewe: Canzonetta( Charlotte Berny, Sopran). 3. a) Heuser: Italienische Serenade, b) Albéniz: „ Granada", spanische Serenade, c) Sinding: Norwegische Serenade( aus op. 33), d) Chansarel: Les amants frivoles", französische Serenade( Dr. Richard H. Stein, Klavier). 4. a) Fr. Schubert: Der Lindenbaum, b) V. Woyna: Da droben auf dem Berge, Volksweise. e) V. Woyna: Und der Hans schleicht umher, d) V. Woyna: Dort, wo der Rhein mit seinen großen Wellen( Walter Eckard vom Deutschen Opernhaus, Charlottenburg, Baß). 5. a) Abt: Ständchen, b) Abt: Verlassen, c) Mendelssohn: Der Jäger Abschied( Das Hörnerquartett). 6. a) Giordano: Caro mio ben( mit ( Charlotte Berny). 7. a) Debussy: En bateau", französische obligater Violine), b) Tosti: Donna vorie mourir, c) Tosti: Ninon Barkarole, b) Nicodé: Deutsche Barkarole( aus op. 13), e) Tschaikowsky: Russische Barkarole( aus op. 37), d) Rossini- Liszt: La Gita in Gondola, italienische Barkarole( Dr. Richard H. Stein). 8. a) Mendelssohn: Abschied vom Walde, b) Die Lore am Tore, Volksweise, e) Fr. Silcher: Drauß ist alles so prächtig, d) R. Radecke: Aus der Jugendzeit( Walter Eckard), Am Flügel: Dr R. E. Lapini. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterund Filmdienst. Montag, den 29. Juni. Das erste überschlägliche Ergebnis der Volkszählung in Berlin liegt nunmehr vor. Es wurden ermittelt in 1 210 932 Haushaltungen insgesamt 1796532 männliche, 2106206 weibliche, zufammen 3902 738 ortsanwesende Personen. Für 16362 Haus. haltungen, von denen ein Teil allerdings fich zurzeit auf Reifen befindet und daher der ortsanwesenden Bevölkerung nicht zuzurechnen fein dürfte, liegen Angaben noch nicht vor. Immerhin wird sich die ortsanwesende Bevölkerung vermutlich noch um mehrere Zehntausend erhöhen, so daß fie rund 3 950 000( 1820 000 männliche, 2 130 000 weibliche) ausmachen wird. Die Bevölkerung Berlins hat somit die 4 Millionen, die sie nach sollte, noch nicht erreicht. Das Bählungsergebnis bleibt vielmehr der Fortschreibung bereits Ende Oftober 1922 überschritten haben hinter der Fortschreibung für den 15. 6. 25= 4139 211 lleberraschendes. Es ist zunächst darauf hinzuweisen, daß sich bei um 189900 oder 4 bis 5 Proz. zurüd. Dieser der abso den in früheren, weniger bewegten Zeitläuften regelmäßig alle luten Zahl nach große Unterschied hat bei näherer Betrachtung nichts Differenzen( von 1890 bis 1895 3. B. 5 Proz.) ergeben haben. Dies5 Jahre wiederkehrenden Zählungen prozentual jogar noch höhere Differenz durchaus verständlich erscheinen lassen. Die letzte Volksmal aber lagen noch ganz besondere Umstände vor, die eine große zählung vom 8. Oftober 1919 fonnte, weil die Bevölkerung in der Zeit nach dem Kriege noch nicht recht zur Ruhe gefommen war, als eine zuverlässige Unterlage für die Fortschreibung nicht angesehen werden. Seit der letzten großen Friedens- Boltszählung vom 1. Deember 1910 find aber nicht weniger als 14½ Jahre, das ist faft das Dreifache der üblichen Zwischenzeit, verflossen. Unterdeffen haben die Bestimmungen über das Meldewesen, die in der Zeit der Zwangswirtschaft äußerst streng gehandhabt wurden, häufig gewechselt. Besonders nach Aufhebung der Lebensmittelzwangswirtschaft dürften, wie in der. Borkriegeszeit, viele Abzugsmeldungen fortziehender Bersonen unterblieben sein. Außerdem dürfte die niedrige Bevölkerungszahl auch ganz wesentlich in der Berlegung der 3ählung von dem sonst üblichen Dezembertermin auf den 16. Juni, finden, begründet sein. eine Zeit, in der sich viele Leute schon auf Urlaubsreisen beDie Weihnachtsgans. Eine Weihnachtsgans, die er gar nicht bekommen hat, wäre beinahe dem Strafanstaltsoberwachtmeister G. teuer zu stehen getommen, denn er war vom Schöffengericht Mitte wegen Bestechung zu drei Monaten Gefängnis und zur Unfähigkeit der Be fleidung öffentlicher Aemter verurteilt worden. G. hatte im Gefängnis in der Lehrter Straße unter seinen Gefangenen einen„ Oberförster" Eberhardt, der sich geschicht den Umstand zunuze machte, Daß G. ein vertriebener Elsaß- Lothringer war, und viel für seine Landsleute übrig hatte. Ebenso wie der vielfach vorbestrafte Schwindler die Rolle eines Oberförsters spielte, wußte er sich auch geschickt in die eines Flüchtigen und Landsmannes hineinzuspielen. Er erzählte dem angeblichen Landsmann, daß er in großer Not sei, da er im Intereffe feiner Frau und seiner unmündigen Kinder wirtschaftliche Verfügungen zu treffen habe, in Wirklichkeit lebte er mit feiner Frau in Scheidung und hatte gar feine Kinder. Der Appell an das warme Herz seines Aufsehers war aber nicht ohne Erfolg. Eines Tages meldete sich die angebliche Ehefrau des Gefangenen. Es war aber seine Geliebte. G. ließ sich überreden, eine Reihe von Briefen hinauszubefördern und Pakete an den Gefangenen ins Gefängnis hineinzubringen. Mehrere Monate ging diefer Berkehr hin und her," bis eine anonyme Anzeige erstattet wurde. G. mußte auch auf Bor holt zugeben, daß der Oberförster" ihm von seinem heimatlichen Gut eine Weihnachtsgans versprochen hatte. Auf diesen Sachverhalt hin hatte das Schöffengericht ihn verurteilt. In der Berufungsverhandlung, die gestern vor der Straftammer des Landgerichts I stattfand, hatte der Berteidiger eine Anzahl von Zeugen geladen, aus deren Angaben sich ergab, daß das Gespräch über die Weihnachtsgans erst nach Erweisung der Gefälligkeiten erfolgt fei, daß G. nach dieser Versprechung feinen Finger mehr gerührt habe. Die Straffammer fonnte daher eine Beziehung der Dienfimibrigkeit mit dem Versprechen nicht nachweisen und erkannte unter Aufhebung des ersten Urteils auf Freisprechung. Garmisch- Berlin in elf Tagen. Nach elftägigem Lauf traf gestern abend 7,15 Uhr der bekannte Langstreckenläufer Mazeppa im Ulap ein. Bei diesem Lauf, der von Garmisch- Parten= firchen über Stuttgart, Würzburg, Bamberg, Erfurt, Leipzig, Halle, Magdeburg nach Berlin( insgesamt 1000 Kilometer) führte, Mazeppa jeinen eigenen Reford, der unter denselben Bedingungen legte Mazeppa pro Tag 90-100 Kilometer zurüd. Damit hat eine Tagesleistung von 75 Kilometer auswies, geschlagen. Der Läufer Motull brachte es bisher nur auf 60 Kilometer am Tage. Bon einem Geschäftsauto totgefahren. Der 6jährige Sohn Werner, der im Hause Magazinstraße 2 in Charlottenburg wohnenden Eheleute Stendt wurde auf der Kreuzung der Schloß und Magazinstraße durch ein Geschäftsauto der Firma Furid und Guhfe überfahren und auf der Stelle getötet. Nachdem ein Arzt den Tod festgestellt hatte, wurde die Leiche dem Schauhauſe übergeben. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. Außer dem üblichen Tagesprogramm: kleidung", von Dorothee Goebeler). 5-6.30 Uhr abends: Dr. 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(„ Unsere ReiseWolfgang Hoffmann- Harnisch über Das gesprochene Wort" mit Beispielen. 1. Die Rhapsodie( Melodrama): Volkers Gesang aus Hebbels Nibelungen. 2. Das Epos: a) Homer: Odyssee VI, 110-250, in der Ursprache und deutsch, c) Heinrich v. Kleist: Aus dem letzten preußischen Kriege. 3. Die Ballade: a) Fontane: Auf der Treppe von Sanssouci, b) Franz Karl Endres: Totentanz. Catillina, in der Ursprache und deutsch, b) Eine Rede Bismarcks. 4. Die Rede: a) Cicero: 4. Kapitel aus der II. Rede gegen sehnsucht, in mittel- und neuhochdeutsch, b) Hölderlin: Das 5. Das lyrische Gedicht: a) Walter v. d. Vogelweide: FrühlingsAhnenbild, c) Hermann Kasack: Buddha. 7 Uhr abends: Tausend Worte Französisch. 7.30 Uhr abends: Dr. Häußler: Die Bedeutung der Schülerwanderungen". 7.50 Uhr abends: HansBredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Staatswissenschaft. Prof. Dr. Ernst Wagemann:„ Konjunkturlehre und Krisentheorie". 6. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Fröhliches. 1. a) Gounod: Walzer der Julia aus Romeo und Julia", b) Gounod: Schmuckwalzer aus Margarete", c) Lortzing: Die Eifersucht ist eine Plage, aus Zar und Zimmermann", d) Strauß: Spiel' ich die Unschuld vom Lande, aus Die Fledermaus"( Hedwig Jungkurth, Sopran). 2. Ch. Andersen, Musik von Ol. Schmalstich: a) Die Springprobe, b) Zwei Jungfern( Martha Ferber, Rezitation). 8. a) Lortzing: Man wird ja nur einmal geboren, Arie von Georg aus Waffenschmied", b) Lortzing: War einst ein junger Springinsfeld, Arie aus Waffenschmied", c) Millöcker: Er soll dein Herr sein, aus Rehbock gegen Schupo. Gestern in früher Morgenstunde wurde der Operette, Gasparone"( Waldemar Henke, Tenor). 4. a) Selma durch ein Postauto auf der Chauffee Wannse- Potsdam ein Reh= Tanzlegendchen( Martha Ferber). 5. a) Darf eine niedere Magd Das Tier lief nach Potsdam hinein und hatte an der Branden Lagerlöf: Der Pfarrer von Broby aus Gösta Berling", b) Keller: bod überrascht, der in wilder Jagd vor dem Auto Reißaus nahm. es wagen, aus Zar und Zimmermann", b) Smetana: Duett aus Die verkaufte Braut"( Hedwig Jungkurth und Waldemar Henke). burger Straße einen 3úsammenstoß mit einem Schupo. mann. Anschließend: Dritte BeAm Flügel: Clemens Schmalstich. Der Beamte erhielt durch das Jehörn des Tieres so kanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetter schwere Verlegungen, daß er sich einer Impfung gegen dienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr Wundvergiftung unterziehen mußte. Das Tier verschwand in der abends: Schachfunk( E. Nebermann.) Richtung zum Neuen Garten und ist dann nicht mehr gesehen worden. 17 assar ary " die gehaltvolle 3.8 Zigarette Es riecht in der Belle- Alliance- Straße. Wer in der Belle211iance Straße vor dem Kaufhaus Jandorf auf die Straßenbahnen oder Autobusse wartet, die vom Halleschen Tor in der Richtung zur Gneisenaustraße fahren, ist, obgleich in der Nähe eine Blumenfrau ihren Standplaß hat, Gerüchen ausgefeßt, die alles andere als wohlriechend sind. Sie tommen aus dem Gulli, Der sich unweit der Straßenbahnhaltestelle befindet und machten sich anfänglich nur an heißen Tagen bemerkbar. Jegt verpesten sie aber zu jeder Beit die Straße in unerträglicher Weise. Es ist nötig, daß hier umgehend Abhilfe geschaffen wird. jetzt auch dick, rund ohne Mundstück erfreut sich aller Gunst! Berliner Turn- und Sportwoche. Das Programm der letzten Tage vor Abschluß der Woche zeigt noch eine reiche Folge von Spiel und Sport in allen Stadtgegenden. Am Freitag hatte u. a. das Bezirksamt Steglig auf dem Sportplatz in der Ringstraße die Schulen zu einem Dreikampf verArbeiter, Angestellte, Beamte Berlins! Ein neuer Schlag gegen Gure Lebenshaltung droht! Zu dem ohndrud, dem Steuerdruck soll nach dem Willen der bürgerlichen Parteien und der Regierung Luther- Schiele- Schlieben noch hinzutreten der Brotwucher! Weitere Not, vermehrter Hunger, noch größeres Elend wird durch die geplanten Zölle der besitzlosen deutschen Bevölkerung aufgezwungen! Sezt Euch zur Wehr! Protestiert mit aller Entschiedenheit und besucht die Protestkundgebungen in folgenden Lokalen: Die neue Zollvorlage, die gegenwärtig im Reichstag zur Beratung steht, soll nach dem Willen der Reichsregierung und der Rechtsparteien durchgepeitscht und noch vor dem Beginn der Parlamentsferien berabschiedet werden. Euer Fell soll zu Markte getragen werden, als Liebesgabe für Schwerindustrie und Großgrundbesik. Neue Lasten will man auf Euch abwälzen! Euch sollen bei dem ungeheuren Lohndrud, unter dem Jhr ohnehin schon leidet, noch neue schwere Steuern in Form von Zöllen auf Brot und alle zum Leben unentbehrlichen Bedarfsartikel aufgebürdet werden. Die von der Regierung im Auftrage der Großindustrie und des Großgrundbefiges vorbereiteten Hochschutzölle fommen einem allgemeinen Lohnabbau gleich, den Ihr selbst durch schwere Lohnfämpfe nicht ausgleichen fönnt. Angestellte, Arbeiter und Beamte! Gegen diese neue Belastung, die Eure Lebensbedingungen noch fügung stehenden Kräften fammelt. Es galt im Laufen, Springen und Werfen die höchste Punktzahl zu erreichen. Den Wanderpreis holte sich die 9. Schule als erster Sieger mit 437 Bunften, der die 5. Schule mit 432 Buntten, die 3. Schule mit 401 Punkten und die 16. Schule mit 397 Punkten folgte. Im Schöneberger Stadtpark gab es Freiluftvorführungen des Reichsverbandes für Jiut- Jitsu. Der Besuch war überall sehr groß. Auch auf dem Wilhelm- Bolle= Sportplay in Nordend( Blankenfelder Chaussee) versammelte fich gestern die Schuljugend aller Banfower Gemeindeschulen, um fich im Dreikampf zu messen. Der neue Sportplatz, der am vorigen Sonntag eingeweiht wurde, ist eine Stiftung von privater Seite, die inmitten von Kleingärten liegt. Der Plaz stellt eine wahre Schmuckanlage dar. Sehr erfreulich ist es, was bei vielen Gelegenheiten sehr vermißt wurde, daß neben dem Berliner Stadtwappen eine große schwarzrotgoldene Flagge im Winde weht. Auch das Bezirksamt Wedding hatte für den gestrigen Sonnabend ein Sportfest größeren Stils geplant. Hauptsächlich weltliche Schulen nahmen in großer Zahl an diesem Fest teil. Um am Dienstag, den 30. Juni cr., abends 7, Uhr, tiefer herunterdrüden, müßt Ihr Euch mit allen Euch zur Ver3 Uhr nachmittags sammelten sich auf den Schulhöfen die Teilnehmer und im Marsch und Werbelauf ging es durch die Straßen des Bezirks Wedding zum nahegelegenen Schillerpart. Ein schwarzrotgoldenes Banner grüßte die Ankommenden schon von weitem. Der friedliche Kampf begann dann mit einem 100- Meter- Endlauf für Knaben. Hieran reihten sich Schlagballspiele, Staffelläufe, Handund Faustballspiele. Beinahe noch mehr Zuschauer, hauptsächlich Abe- Schüßen, umvölferten die Arena. Gegen 7 Uhr fanden die Spiele ihr Ende, und mit Gesang zog die stattliche Jugendschar heim. Für den ersten Sieger ist vom Bezirksamt Wedding zum erstenmal ein Wanderpreis und für den zweiten Sieger vom Oberbürgermeister eine Blakette gestiftet worden. Die Verfündung der Resultate und die Verteilung der Preise und Diplome kann erst am Montag erfolgen. Das Gartenfest, das gestern nach mittag gegen 4 Uhr in der Abtei in Treptow mit musikaPlischen Darbietungen begann, hatte( wenigstens in den Nachmittags stunden) nur geringen Besuch aufzuweisen. Jedenfalls war es für die Schwimmerinnen und die Teilnehmer an den Wasserscherzen fein Vergnügen in dem von Del und Schmutz bedeckten Wasser zu Die jonglieren. Ueberhaupt ein recht unglücklich gewählter Ort für eine darartige Veranstaltung. Sonst sorgten Jiu- Jitsu- Vorführungen, Sportfechten und der Berliner Lehrer- Gesangverein für die nötige Unterhaltung. Die Preisverteilung für die Sieger der Ber liner Industrie- Staffel erfolgte gleichfalls im Laufe des Abends. Ein Institut für Frauenkunde. Der Hauptverband der Deutschen Kranten tassen hat ein neues soziales Wert geschaffen. Er hat in Charlottenburg in den früheren Cecilienhaus, das er dem Roten Kreuz abgekauft hat, ein Institut für Frauenleiden eingerichtet. Das neue Institut, das eine wertvolle Hilfe im Kampfe gegen die Frauenleiden und für die Ausbildung von Frauenärzten bieten wird, wurde am Sonnabend eröffnet. Wir tommen auf dieses Werk der Krankenkassen noch zurüd. Mac Millans Radio. Der amerikanische Nordpolforscher Mac Millan hat, nach einer Meldung aus New York, entgegen den Anordnungen des Marinedepartements, einen in der amerikanischen Marine nicht gebräuchlichen Radioapparat mitgenommen. Das Marinedeparte ment entsandte, nachdem ein Nachrichtenaustausch mit ihm nicht möglich war, das Küstenschiff Butnam" mit der Weisung Wilburns an Mac Millan, daß das Marinedepartement Mac Millan feine Unterſtügung mehr erteile für den Fall, daß er nicht sofort den Dorgeschriebenen Radioapparat übernehme. " Berlin- Mitte: Moabit: Norden: Offen: zur Wehr sehen, bebor es zu spät ist. Wir rufen Euch auf, die am Dienstag, den 30. Juni stattfindenden Bersammlungen, in denen Jhr über die Euch drohenden Gefahren informiert werdet, einhellig und ge Mufiferfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31 Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 23 Pharusfäle, Müllerstraße 142 Andreasfäle, Andreasstraße 21 Kliems Festfäle( Erbe), Hasenheide 13 Spichernfäle, Wilmersdorf, Spichernstraße 3 fchloffen zu besuchen. Redner: Reichstagsabgeordnete Süden und Neukölln: Westen: Crispien, Dr. Moses, Wels, Künffler, Stampfer, Wissell. Männer und Frauen! Gestaltet diese Kundgebungen durch Maffenbefuch zu wuchtigen Proteftdemonstrationen gegen den geplanten Raubzug. Sozialdemokratische Partei:: Bezirksverband Berlin. Erhöhung der Hundesteuer. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage eingereicht, wonach die Hundesteuersäge erhöht werden, und zwar vom 1. Juli 1925 ab für den ersten Hund von 30 auf 40 m., für den zweiten Hund von 60 auf 80 M., für den dritten Hund von 90 auf 120 M., für den vierten und jeden weiteren Hund von 120 auf 160 m. 1925/26. Internationale Vollstänge und Volkslieder. Steppe und Buzta Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Bier Große Festtonzerte Im Drient Aus der neuen Welt Der deutsche Tanz. Mitwirkende: Das Ballett und erste Solisten der Staatsoper. Künstlerische Leitung: Mar Terpis, Ballettmeister der Staatsoper. Prof. Schünemann, Dir. der Hoch schule für Mufit. Abonnementspreis für alle vier Veranstaltungen 4 M. Alle wichtigen Bestimmungen enthalten die Zeichnungslisten. Listen liegen aus: Bei den Mitgliedern der Kreis- und Abteilungs- Bildungsauffe, Bigarrengeschäft Horsch, Engelufer, Tabakvertrieb GFG., Inselstr. 6. Ver. band der Graph. Hilfsarbeiter, Alte Jakobftr. 5, 2. Schmidt, N. 39, Tegeler Str. 31, Joh. Moranz. Danziger Str. 46, Buchhandlung Vorwärts, Linden traße 2, und im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof Gerstenberg, elfenbein getönt, 1,60 m. pro Stud, bunkel getönt 1,80 m. pro Stüd an obigen Stellen zu haben. Radierungen von Sela Haffe, Defterle und Krommer. Befichtigung und Kauf von 9-5 Uhr im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. of II. 2 Tr. r., 8immer 8/9. bert Reliefs nach dem Entwurf bon A.Wertheim Leipziger Str. Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Gardinen Halbstores 280 385 gewebter Tüll, 3 teilig Garnituren gewebter Tüll, 3 teilig 535 850 875 Spannstoff gewebt, 130 cm breit, Mtr. 160 2 M Tüll- Bettdecke gewebt, mit Volants, für 1 Bett und Angestellte, Arbeiter und Beamte! Auf zum Protest! Erscheint in Massen' Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Sabath. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortsfartell Berlin Reichelt Weyland Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes Weiland. Wetterbericht für Berlin und Umgegend. Troden und vielfach heiter bei wenig geänderter Temperatur und schwachen nördlichen Winden. Für Deutschland. Größtenteils troden und zeitweise heiter. Im Südwesten stärfere Bewöllung und etwas Regen. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets au bas Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, an richten. Achtung Kreisleiferinnen! Frauenwelt- Beranstaltung". Dampferfahrt am 16. Juli. Die Teilnehme führung macht eine Besprechung mit den Kreisleiterinnen am Mittwoch, ben farten für bie Kreise find bis zum 2. Juli spätestens abzuholen. Die Durch 2. Juli, abends 7 Uhr, Gelretariat, Simmer 10 erforderlich. Bollzähliges Cr scheinen wird erwartet. 6, Kreis. Kreuzberg: Die Rarten zu unferem am tommenden Sonntag in der Bockbrauerei, Fibicinstraße, stattfindenden Sommerfest find bei allen Kreis funktionären zum Preise von 40 Pfg. zu haben. Neben dem Uff- Trio wird ein ganz vorzügliches Musfit. und Sportprogramm gezeigt. 6. Kreis, Kreuzberg. Dienstag, ben 30. Juni, abends 7.30 Uhr: Sigung des Kreisbildungsverbandes bei Kliem, Safenbeide 13. Jede Abteilung mus unbedingt vertreten fein. Extra- Preise Montag und Dienstag Damenkleidung Sport- Kasak voile, mit Bandschleife, lange Aermel.. 525 Spitzen- 590 Jabot- Bluse smit Einsatz garniert, lange Aermel Kunstseid. Kasak 1475 ( Waschkunstseide), kariert Sport- Rock gestreifter viele Farben Decken Schlafdecken 315 390 Baumwolle... Frotté 425 Plissee- Rock aus reinwoll. Cheviot, elfenbein Jumper- Rock pliss., Vollvoile- und elfenbein Chev., m. Batist- Untertaille 1050 1175 Schlafdecken wollgemischt, grau meliert.. 965 Steppdecken doppel- 1675 seitiger Satin, Halbwollfüllung Stuhlkissen- Garnitur Sitz- und Rückenkissen, Garnitur 350 Kunstseidene Frotte- Kleider 175 Stickerei Kleider 1750 Wasch- Klender Stickerei- Kleider 17 75 1935 Handkoffer Hartplatten, mit 8 VulkanfiberSchutzecken, Metallschiene und Zugschlössern Länge 85 75 40 45 3M 325 50 cm 350 Reise- Necessaires aus dunkelbraunem eisharnarbigen Voll- Rindleder, 15M 1850 mit Toilette- Binrichtung. पा Reise- Necessaires Longgrain- Leder, Tollette- Einricht. 825 975 12 M Reisetaschen aus Voll- Rindleder, mit Autspannbügel 45 Lg. 40 50 55 cm 16 M 18 M 21M 24 M Kinder- Rucksäcke 9x37 46 × 42 cm aus dunkelbraunem Stoff mit 95 Pf. 125 Lederriemen und Schutzkappe Rucksäcke lagdstoff, mit Rindleder- Riemen, Schutzkappe und Außentasche 50x45 390 Größe Größe 42 × 38 2.90 46 × 42 350 Größe Rucksäcke Rucksäcke aus dunkelgrünem Stoff, mit Lederriemen, Schutzkappe und Außentasche, Größe 45x42 cm 240 Größe 49x45, 56 x 48 cm Jagdstoff, m. breiten geschwellten Außentasche mit Ledereinfassung Rindleder- Riemen, Schubkappe u. 450 490 Kupeekoffer Hartplatten, m. 8 VulkanfiberSchutzecken, Metallschlene und Zugschlössern Länge 55 70 60 65 375 475 575 75 cm 675 775 Kupeekoffer Vulkanfiber, sehr leicht und dauerhatt, mit Metallschiene, 8 Schutzecken, Zugschlössern und Ledergriff Länge 55 60 65 70 75 cm Handtuch und Seife 0 95 Pf. 950 1050 1175 1275 1450 mit Zelluloid- Dose im Gummistoff- Etuis 7. Rrets, Charlottenburg. Montag, den 29. Juni, abends pünktlich 7½ Uhr, Rathaus, Zimmer I. Fraktionsfißung mit den Bürgerdeputierten. Bichtige Tagesordnung. Anmeldungen zum Selferkursus der Kinderfreunde bis fpä testens 15. Juli bei der Genoffin Warmuth, Charlottenburg, Am Bahnhof Bestend 2; und Genossen Döbler, Charl., Wilmersdorfer Str. 13. 7., 9., 10.- 12. Areis: Die Genossen und Genofsinnen aller weftlichen Kreise besuchen Dienstag, den 30. Juni, die Protestkundgebungen in den Spichernsälen in Wilmersdorf. 12. Kreis. Montag, 29. Juni, 7,30 Uhr: Fraktionssigung. Sämmtliche Stadt- und Bezirksverordnete sowie Bürgerdeputierte müssen unbedingt er. Scheinen. 14. Kreis, Renkölln: Achtung, Ordner! Dienstag, 6% Uhr, Hasenheide bei Aliems. Kreisvertreterversammlung am Montag, den 29. Juni, 7,30 Uhr, in den Baffage- Festfälen, Bergstraße. 18. Kreis, Weißensee: Die SAS., Kinderfreunde und Jungsozialisten, veranstalten heute, abends 7 Uhrr, im Jugendheim, Noeldeftr. 157, einen Ausspracheabend mit dem Thema:" Jung und Alt im Sozialismus". Alle Parteigenossen und Eltern sind eingeladen. 19. Kreis, Pantom: Montag, den 29. Juni, pünktlich 7% Uhr: FraktionsBreiteigung mit den Bürgerdeputierten. Rathaus, Bantom, Simmer 17. ftraße, Jugendheim: Montag, abends 7 Uhr, Kreisfrauenabend. Alle Ab. teilungen des Areises müssen vertreten sein. Genoffinnen, erscheint zahlreich. 20. Kreis, Reinickendorf: Dienstag, den 30. Juni, 7 Uhr: Restaurant Schüßenhaus, Reinidendorf- Ost, Residensstr. 1/2: Kreisvertreterversammlung. Stellungnahme zum Bezirks- und Parteitag. Heute, Sonntag, den 28. Juni: 28. Abt.: Die Bezirksführer holen Sonntag oder Montag wichtige EinIndungszeitel vom Genossen Geidler ab. 35. Abt. Die Bezirksführer holen die Handzettel heute abend 6 Uhr bei Peter, Schreinerstr. 36, ab. 38. Abt.: Bezirksführer! Empfangnahme der Handzettel zur Proteft. versammlung heute abend bei Bartusch, Friedenstr. 88. 73. Abt. Schmargendorf: Zur Flugblattverbreitung treffen fich die Ge noffen heute, Sonntag, vorm. 10 Uhr und Montag, abends 7 Uhr, Lokal Bahr, Breitestraße. 77. Abt. Schöneberg: Nicht verkaufte Einlaßkarten zum Sommerfest müssen bis Sonntag mittag an den Genossen Bahr zurüdgegeben werden. 95. Abt. Neuköln: Sonntag, vorm. 9 Uhr, bei Sürtler, Prinz Handjern. Straße 34, Handzettel zur Verbreitung abholen. 103. Abt. Oberschöneweide: Die Genoffen beteiligen fich heute am Ausflug noch Pferdebucht. Treffpunkt 3 Uhr, Evangelische Kirche. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Weißensee. Die Helferßigung findet um 3 Uhr im Jugendheim statt. Abends um 7 Uhr ist gemeinsam mit der Arbeiterjugend und den Jungfozialisten eine Aussprache über: Jung und Alt im Sozialismus". Alle Eltern, Helfer und Freunde find dazu eingelaben. Morgen, Montag, den 29. Juni: 10. bt.: 7 Uhr Funktionärtonferenz bei Trimper, Flensburger Str. 3. 25. Abt.: 8 Uhr bei Gott, Rniprode. Ede Bardelebenstr., wichtige Gigung bes Ausschusses füte Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuß, Rinderfreunde aller freiwilligen Helfer und Helferinnen im Jugend- und Wohlfahrtsamt, sowie aller Straßenführerinnen. 26. Abt.: Sandzettelverbreitung vom Genossen Benseritt, Megerstraße Ede Brenzlauer Anee aus, nadhut. 6 Uhr. 29. Abt.: 7 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 189: Sigung der Funktionäre. 33. Abt. Achtung, fämtliche Bezirksführer müssen bis spätestens 7 Uhr die Sandzettel zu der öffentlichen Bersammlung bei Lojat, Benmestr. 8, abholen. 41. Abt.: 7 Uhr treffen fich die Genossen sämtlicher Gruppen bei Schult, Mariendorfer Str. 5, zur Handzettelverbreitung. 70. bt. Wilmersdorf: Bon 7 Uhr Abrechnen bei Baul, Holsteinische Str. 4. Revisoren: Mittmoch von 7-8 Uhr. Zehlendorf. Ausflug nachmittags 3 Uhr. Abfahrt 3 Uhr Rehlendorf- Mitte nach Neubabelsberg. Jungsozialisten. Gruppe Süboft: Montag, 8 Uhr: Susammenkunft im Jugendheim, Reichenberger Str. 66. Bortrag des Gen. Dr. Faltenfeld: ,, Unfer Recht". Spielgemeinschaft der Jungsozialisten: 7% Uhr: Juristische Sprechstunde. Lindenstr. 3. Ucbungsabend der Tanzgruppe. Frauenveranstaltungen am Montag, den 29. Juni: 9. Kreis, Wilmersdorf: Pünktlich 8 Uhr bei Rroiß, Solsteinischestr. 60: Bortrag der Genoffin Todenhagen: Die Kulturidee des Sozialismus". 5. Abt.: 7% Uhr, Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: Frauenabend. 8. Abt.: 7 Uhr, bei Rückert, Steinmegstr. 36a: Löns- Abend. Ref.: Geoffe Bartels. 38. bt.: 7% Uhr, bei Bartusch, Friedenstr. 88: Literarischer Abend. 85. Abt., Tempelhof: 8 Uhr: Funktionärinnenfißung in der Binde", Berber. Ede Friedrich- Rarl- Straße. 91. Abt.: Frauenabend mit Sichtbildervortrag. Referent: Stadtrat Rarl Schneider. Lotal: ,, Karlsgarten", fleiner Gaal, Karlsgartenstr. 6/12. Gäste find willkommen. 101. Abt. Treptow: 7% Uhr bei Dettinger, Riefholaftr. 33/34: Bortrag der Genoffin Sanna über: Die Bollvorlage". 136. Abt. Reinidendorf- Oft: 7% Uhr im Geebad, Residensstr. 49: Vortrag bes Genossen Schreiber. Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 30. Juni: 84. Abt. 2antwig: 8 Uhr bei Lehmann, Raiser Wilhelmstr. 29: Vortrag der Genoffin Todenhagen: Die Aufgaben der Frau in der Partei". 94. Abt. Reutöllu: 7% Uhr bei Günther, Schillerpromenade 11: Bortrag ber Genoffin Ellert: Kirchenpolitik und Sozialbemokratie". nexpe Al- 610 Jugendveranstaltungen. 2ofe von der Jugendherbergslotterie find noch im Jugendfekretariat aut haben. Beginn des Bollstanz- und Gymnaflit- Kursus Dienstag, den 30. Juni, abends 7 Uhr, im Jugendheim, Lindenstr. 3. Heute, Sonntag, den 28. Juni: Werbebezirk Prenzlauer Berg: Abends pünktlich 8 1hr im Jugendheim Danziger Straße 62( Altersheim), Lustiger Abend. Referent: Genoffe Sosemann. Gäste find freundlichst eingeladen. Abteilung Weißenfee: Abends 7 Uhr im Jugendheim Roeldeftr. 157. Aus sprache über das Thema: Jung und Alt im Gozialismus". Referent: Genosse Rudolf Abraham. Alle Eltern und Freunde find eingeladen. Morgen, Montag, den 29. Juni, abends 7% Uhr: Gesangs- und Mufifabend 7% Uhr im Jugendheim, Lindenftr. 3. Südost( Görlizer Biertel): Schule Waldemarstr. 77, Bortrag: Das Bolkslied". Bankow: Jugendheim Breite Gfr. 32, FunktionärversammYung. Sermsdorf: Jugendheim Roonftraße, Aussprache über Wandern". Baumschulen weg: Ernststr. 16, Löns- Abend. Vorträge, Vereine und Versammlungen. 95 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Gebastianfte. 37/38, Sof 2 Tt. Kamerabschaften Prenzlauer Berg, Reinidendorf, Bantom: Ach tung, Spielleute! Montag, den 29. Juni, abends 7% Uhr, Sugendheim, Bankow, Breite Str. 32, Antreten zunt Ueben. Instrumente find mitzubringen. Kamerabschaft Wedding: Montag, den 29. Juni, abends 7½ Uhr, bei Müller, Uferstr. 12, Bufammenkunft sämtlicher Trommler. Ebenfalls abends 7% Uhr Turnabend Gothenburger Str. 2. Rameradschaft Brenzlauer Berg: 4., 6., 7., 8. Rug: Montag, den 29. Juni, abends 8 Uhr, Turnhalle Greifenhagener Str. 59, Turnen. Kamerabschaft Bantem mit Untergruppen: Montag, den 29. Juni, abends 8 Uhr, alle Rameraden, außer den Spielleuten, Turn- und Sportabend, Turnhalle Wollantstraße. Kamerabschaft Reinickendorf: Montag, den 29. Juni, abends 6 Uhr, Turnen der Kameraden aller Untergruppen auf dem Städtischen Sportplak Reinickendorf- West, Scharnweberstraße. Ramerabschaft Wedding: Dienstag, den 30. Juni, abends 7. Uhr, bei Müller, Uferstr. 12, Rusammenkunft fömilicher Querpfeifer.. Ramerabschaft Köpenid und Untergruppen: Dienstag, den 30. Juni, abends 7 Uhr, im Kleinen Gaal des Stadttheaters in Röpenid wichtige Quartals. versammlung aller Untergruppen. Zur Beratung stehen u. a. die Berfassungsfeier und Bannerweihe der 16. Rameradschaft. Rarten find zur Kontrolle mitzubringen. Die Gruppenführer haben die Quartierliften fertigzustellen. Fahrgeld für Brandenburg einschl. Festbeitrag 3,70 M. ist mitzubringen. Rameradschaft Schöneberg- Friedenau: Teilnehmerbarten für Brandenburg find eingetroffen und müssen sofort beim Rameradschaftsführer Rathmann, Belaiger Str. 27, und beim Rameraden Simon, Eisenacher Str. 50a, in Empfang genommen werden. Kamerabschaft Tiergarten: Dienstag, den 30. Juni, abends Uhr, Treffpunkt der Rameradschaft im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße. Bannerkleidung. Dafelbst kann Anmeldung und Bezahlung zur Brandenburgfahrt angenommen werden. Kamerabschaft Wedding: Dienstag, den 30. Juni, abends 6 Uhr, Pharus- Säle, Millerstr. 142. Kameradschaft Prenzlauer Berg: Dienstag, den 30. Juni, abends 6% Uhr, Treffpunkt der Kameraden Danziger, Ede Hagenauer Straße. Erscheinen aller Bflicht. Kamerabschaft Friedrichshain: Dienstag, den 30. Juni, abends 7 Uhr, Treffen der gesamten Rameradschaft in den Andreas- Feftfälen, Andreas ftraße 21. Rameradschaft Charlottenburg: Dienstag, den 30. Juni, fällt der Turnabend aus, dafür treffen sich die Kameraben um 7 Uhr in den Spichernfälen, Spichernstr. 5, zum Saalfchuk. Ramerabschaft Wilmersdorf: Dienstag, den 30. Juni, abends 7 Uhr, Antreten auf dem Hohenzollernplak zur Teilnahme an der öffentlichen Proteftkundgebung gegen den Rollwucher. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Die Spielleute( Trommler und Pfeifer) treten bis auf weiteres zum gemeinsamen Ueben Dienstag und Donnerstag abend 7 Uhr vollzählig bei Kroiß an. Niemand darf fehlen. Mittwoch, den 1. Juli, abends 8 Uhr, große Werbeversammlung, verbunden mit Rameradschaftsabend im Bittoriagarten, Wilhelmsque. Referent Serr Redakteur Schwann über ,, Das Duell Stresemann- Briand". Vorführung aktueller Filme. Fahnen find 7 Uhr zur Stelle. Der Borstand tagt ab 7 Uhr im Gaft zimmer. Bug- und Gruppenführer Taben ein. Erscheinen Pflicht. Republi Baner als Gäste. willkommen. Gemeinschaft proletarischer Freidenker. Gauversammlung Berlin- Branden burg Sonntag, den 28. Juni, vormittags 10 Uhr, Askanisches Gymnafium, GB., Hallesche Str. 26( am Anhalter Bahnhof). Freie Arbeiter- Stenographen- Bereinigung Groß- Berlin. Unter diefem Namen einigten sich im Mai d. J. der Arbeiter- Stenographen- Berein" und die Freie Stenographische Bereinigung". Swed und Ziel des Vereins ift die Bflege, Uebung und Berbreitung der Stenographie in den Arbeiterkreisen durch Kurse aller Art. Das Verbandsorgan Der Schriftgenosse" wind jedem Mitgliede kostenlos zugestellt. In der ersten Septemberwoche finden Anfängerkurse im System Stolze- Schren und in der Reichsturafchrift ftatt. Die Bekanntmachung erfolgt in der Arbeiterpresse. Fortschritts- und Ulebungsabende bestchen in folgenden Bezirken: Neukölln: Montags, Garule Boddinstraße: Often: Montags, Jugendheim Große Frankfurter Str. 16 und Schule Memeler Str. 34; itenberg: Mittwochs, Jugendbeint Bartaue 10; Südosten: Mittwochs, Schule Reichenberger Str. 67; Mariendorf: Donnerstags, Scule Dorfstraße: Oberfönemeibe: Montags, Gymnafumt Seppelinstraße. me Rurfe Beginnen mm 148 Whe abends. Schriftliche Anfragen beantwortet der Borgende B. Riedel, Bankow, Serthaftr. 3. Reichskund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Stadi. part. Bezirksversammlung mit Damen am Dienstag, ben 30. Juni, 8 Uhr, im Schloßbräu Schöneberg, Sauptstr. 122. Referent Adolf Hoffmann, M. d. R. Thema: Auf was mir stola find". Gäste willkommen, Arbeitersport. Achtung, Sportler und Besucher des RAST. Die Kartelleitung teilt mit, daß der Reichsarbeitersportlag im Stadion am heutigen Sonntag bereits um 2 Uhr beginnt. Arbeiter- Sportkartel, 9. Bezirk. Dienstag, den 30. Juni, abends 8 Uhr, im Turnerheim Württembergische Straße, Delegierten und Technikerssung sämtlicher angeschlossenen Organisationen, zweds Besprechung eines Berbe abends. Sonntag alle Sportgenossen zum Stadion, Geschäftliche Mitteilungen. Die altbekannte Firma Max Mosezyk. gegründet 1894, Berlin C., Bandsberger Str. 50, erfte Etage, veranstaltet vom 1. bis 22. Juli ihren diesjährigen großen Saison- Ausverkauf in Damenmänteln und Roftimen, der durch feine billigen Preise günstigste Raufgelegenheit bietet. Alles Näheres erfehen Sie aus dem heutigen Inferat.. Breisermäßigungen bis 50 Vroz. bietet der diesjährige Saison- Ausverkauf der Firma Teppich- Bursch, nur Spandauer Str. 32. Die Beranstaltung bietet eine nie wiederkehrende Gelegenheit von Qualitäts- Teppichen und empfiehlt es fich, das heutige Inserat mit größtem Jntereffe zu lesen. Der Zahnpraris M. Müller in Berlin, Ritterstr. 17, an der Brinzenftraße, gebührt der Vorzug, daß Umarbeitungen schlecht paffender Gebiffe fo mie Reparaturen auch während der Nacht im eigenen Laboratorium daselbst vorgenommen werden. Siehe Inserat in der heutigen Ausgabe. Die in weitesten Kreisen bekannte Firma Loefer n. Wolff blidt aut 1. Juli d. 3. auf ihr 60jähriges Bestehen zurüd. Neben den befannteren Zigarren. und Rigarillosforten, von welchen einige bereits feit 30 Jahren und länger hergestellt werden, find vor kurzem verschiedene Reuschöpfungen dieser Firma in den Berkehr gebracht, die der Raucher, der auf wirklichen Genus Bert legt, unbedingt probiert haben muß. ( 2) Seht, das ist der Kern der Sache, der das Hühneraug' zerstört. Schon im Zeitraum dreier Tage hat sich ,, Lebewohl" bewährt. Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten empfohlene Hühneraugen- Lebewohl für die Zehen und Lebewohl- Ballenscheiben für die Fußsohle. Blechdose( 8. Pflaster)' 75 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien, 201 Beginn Mittwoch, 1. Juli, morgens 9 Uhr C& A BRENNINKMEYER Königstraße 33 Chausseestr.113 Am Bhf. Alexanderplatz Beim Stettiner Bahnhof AISON AUSVERKAUF PREISE Das wird unser gewaltigster Schlag und unser wirkungsvollster. Da gibt's keine Rücksicht auf Ge. stehungskosten, sondern nur den Willen zur radikalen Räumung des Lagers, koste es, was es wolle. Deshalb haben wir unsere Preise auf eine beinahe phantastisch anmutende Billigkeit gebracht. Mittwoch, den 1. Juli, morgens 9 Uhr, geht's los! Sorgen Sie, daß Sie rechtzeitig dabei sind. Denn der Ansturm wird wieder ganz ungeheuer sein. R Nr. 301 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Der Finanzetat im Reichstag. Soziale Gerechtigkeit, Stenermoral und Branntweinmonopol. Abg. Eggerstedt( Soz.): Der Reichstag genehmigte gestern ohne Debatte den Gefeß-| gehen. Der eine Beg führt zur Drosselung der Erzeugung. Da entwurf über den Schutz des zur Anfertigung von Schuldurfunden gegen mehren sich die Herren Landwirte, auch mit einigen berech des Reiches und der Länder verwendeten Papiers gegen unbefugte tigten Gründen. Sie brauchen die Schlempe als Viehfutter, auch Nachahmung in allen Lesungen und wendete sich dann der Beratung die mageren Böden in Ostpreußen können mit ihr ertragsfähiger ge des Haushalts des Reichsfinanzministeriums zu macht werden. Auch aus den Abwässern der Papierfabriken wird erst Buder gewonnen und dann daraus Branntwein erzeugt. Auch hier ist eine Drosselung nicht möglich. Der zweite Weg führt zur hebung des Absages. Der Berbrauch an Branntwein ist sehr zurückgegangen. Vor dem Kriege wurden 1 650 000 Hektoliter Weingeist als Trinkbranntwein verbraucht, jezt sind es nur 470 000. An sich ist dieser Rückgang des Verbrauchs von Trinkbranntwein tein Unglüd, im Gegenteil, jeder freut sich darüber. Aber leider ist der wirkliche Verbrauch an Trinkbranntwein viel größer, denn es wird noch sehr viel Sprit gefchmuggelt und geschoben. Ich erinnere dabei zunächst an das Kapitel des Sprit- Weber. Der vergällte Spiritus wird zu ermäßigten Preisen abgegeben, die Schieber laffen ihn auf chemischem Wege reinigen und verkaufen ihn Monopolverwaltung sind die vielen kleinen Brennereien in Süddann als Trinkbranntwein. Eine zweite Quelle der Umgehung der und Westdeutschland, bei denen eine Kontrolle schwer durchführbar ist. Es wird dort nicht mur Obst, sondern auch Zucker und Melasse gebrannt. Es ist bemerkenswert, daß die Nachfrage nach Zucker zu gebrannt. Es ist bemerkenswert, daß die Nachfrage nach Buder zu folchen Zwecken eine Zeitlang so lebhaft war, daß eine Bertnappung an Buder zu befürchten stand. In Mitteldeutschland haben fogar Buderfabriken innerhalb ihrer Betriebe Geheimbrenne reien eingerichtet. Den Beamten ist es leider nicht möglich, alle Berfehlungen festzustellen, da deren Zahl zu groß ist. Leider wird den Beamten häufig auch durch die Bevölkerung in unbegreiflicher Weise Widerstand geleistet. Wir müssen von dieser Stelle aus da für sorgen, daß ihnen in jeder Beziehung der Rüden gebedt wird. Bebentlicher ist der Rückgang des Branntweinverbrauchs zu technischen und gewerblichen 3weden. Bor dem Kriege betrug er 1 200 000, jetzt nur 800 000 hektoliter. Eine Steigerung fann erzielt werden, wenn der Spiritus für motorische 8mede besser mußbar gemacht wird. Bor einigen Jahren wurde eine Mischung hergestellt, die sich nicht bewährt haben soll. Jetzt find neue Bersuche angestellt worden, und die Wissenschaft versichert, daß das jezige Produkt einwandfrei sei. Es ist sicher ein gesundes Prinzip, daß das Finanzministerium Es ist sicher ein gesundes Prinzip, daß das Finanzministerium gehört werden muß, wenn Ausgaben erfolgen sollen. Wir würden uns auch damit abfinden, wenn dieses Prinzip in sozialer und ge= rechter Weise angewendet wird. Leider ist das aber nicht der Fall. ( Sehr richtig! bei den Soz.) Sowohl bei der Ausbringung der Mittel wie bei den Ausgaben ist von einer sozialen Gerech. tigteit nicht die Rede. Ich erinnere an die Rämpfe um die Lohnsteuer, an die Haltung der Regierung in der Auswertungsfrage, wo meistens ebenfalls tleine Beute in Betracht tommen. Wenn man mit der gleichen Energie wie bei den Minderbemittelten die befizenden Schichten und auch die Nutznießer der Geldentwertung herangezogen hätte, so wäre manche Erbitterung aus der Welt geschafft worden. Wenn es sich um die Ausgaben für soziale Zwede handelt, so sett dem das Ministerium einen zähen Widerstand entgegen, den man bei folchen Ausgaben nicht findet, die für die Indu ſtriellen bestimmt find.( Sehr wahr! bei den Goz.) Der Reichsfinanz. minister hat im Ausschuß von einer Not- und Schidfalsgemeinschaft gesprochen, es wird allerdings bald nicht mehr viel übrig bleiben, als eine Notgemeinschaft für die Minderbemittelten. ( Sehr richtig! bei den Soz.) Ich dente da besonders an die Be amtenfragen. Bei seinem Amtsantritt hat Herr v. Schlieben gejagt, er werde für den Ausgleich bei der Besoldung für die unteren Schichten forgen.( Zuruf bei den Soz.: Schöne Worte!) Die Worte haben bei den unteren Beamten große Hoffnungen erwedt, die aber nicht erfüllt worden sind. Der Minister hat auch von den Unregelmäßigkeiten gesprochen, die bei den Beamten vorgefommen feien und er hat die Entgleifungen mit der vorhandenen Notlage entschuldigt. Warum fommt er von hier aus nicht zu der Erkenntnis, daß die Beamten gegen diese Notlage sicher gestellt werden müssen. Hat er sich nicht die Frage vorgelegt, ob er für die Entgleifungen mitschuldig ist.( Sehr richtig! bei den S03.) Der Reichs, finanzminister hat aber durch die Begründung ber 3011frage noch dazu beigetragen, daß die Lebensmittel weiter in die Höhe getrieben werden, daß die Notlage noch vergrößert wird.( Sehr richtig! bei den G03.) Der Reichsfinanzminister hat im Ausschuß auf den wertvollen Dienst hingewiesen, ben die mit der Zollüberwachung und der Steuer. buchführung betrauten Beamten verrichten. Die Folge war, daß bei ber Steuererwaltung 84 Millionen Mart und bei der Zollverwal tung nach vorsichtiger Schähung über 50 Millionen Mart nach erhoben werden tonnten, die sonst verloren gegangen wären.( Hört! hört! bei den Soz.) Man fann leider nicht fagen, daß diese Beamten entsprechend ihrer Stellung und ihrem Nugen für den Staat bei ber Besoldung entsprechend gewertet werden. Andererfeits tommt man zu eigenartigen Rückschlüssen auf die Steuermoral der hier in Frage tommenden Kreife. Die Lohn- und Gehaltsempfänger, denen die Steuer fofort und in voller Höhe abgezogen wird, tommen hier nicht in Frage, der Finanzminister wird schon wissen, um welche Kreise es fich handelt. Im Ausschuß hat der Finanzminister die Steuermoral als eine ftaatsbürgerliche Pflicht bezeichnet, und es mirft ein eigenartiges Licht auf die Kreise, die damit gemeint find, wenn solche Ausführungen noch gemacht werden müssen. Die Gefeßgebung der lehten Jahre war allerdings nicht dazu angetan, um die Steuermoral zu heben. Es find ja offene Aufforderungen erlassen worden, die Steuerzahlung zu fabofieren; der Reichsfinanzminister ist dem viel zu wenig entgegengetreten. Ich will dabei nur einen besonders charatteristischen Fall erwähnen. Als Hugo Stinnes starb, hat seine Familie nicht einen Pfennig Erbjchaftssteuer gezahlt. Wie muß das auf die gewaltige Maffe des Boltes wirken, die nicht vom Krieg und von der Inflation protestiert hat, wenn es nicht möglich sein soll, dieses Bermögen heranzuziehen.( Sehr richtig! bei den S08.) Der Redner wendet sich der Erörterung der Zustände beim Branntweinmonopol zu, gegen das in der legten Zeit heftige Angriffe gerichtet worden find. Es handelt sich dabei gar nicht um ein eigentliches Monopol, denn Erzeugung und Bertauf liegen hier nicht in einer Hand. Die Erzeugung wird von Privatpersonen besorgt, die nur zur Ablieferung verpflichtet sind, wir haben hier höchstens ein 3 wischenhandelsmonopol vor uns. Der Bericht über das vergangene Jahr ist recht ungünstig. Eine Zeitlang bestand noch das Loch im Westen, die Schwarzbrennereien umgehen das Monopol, es find außerdem große Bestände vorhanden. Was dem Stinnes- Konzern passiert ist, davon wurde auch die Monopolverwaltung betroffen, sie ist auf ihren Sachwerten fizen geblieben. Wir müssen dabei aber auch das Mißverhältnis zwischen Erzeugung und Verbrauch berücksichtigen. Es wurden 1 580 000 Heftoliter Beingeift erzeugt, aber nur 1200 000 abgelegt. Dabei sind nur 70 Broz. des Brennrechts ausgenutzt worden. Wäre es vollständig ausgenutzt worden, dann hätte die Erzeugung über 3 Millionen betragen. Die Berwaltung hat auf ihren Lägern einen Bestand von 1 700 000 Settolitern.( Hort! hört! bei den Soz.) Hier ist ein riesiges Rapital finnlos investiert. Was ist nun zu tun, um Abhilfe zu schaffen? Wir können dabei zwei Wege Durch den Verbrauch von Spiritus zu Betriebszweden können wir die Bestände wesentlich herunterdrüden. Das Finanzminifterium follte in dieser Richtung auch auf die in Betracht tommenden Behörden einwirten, besonders bei der Post, bei der Eisenbahn und bei der Marine. Ein mal ist Spiritus billiger als Benzin und Benzol. Außerdem fezen mir dadurch unsere Einfuhr herab. Auch durch den Erport läßt sich eine Steigerung des Umsages erzielen. Es hat sich aber heraus. gestellt, daß die deutschen Preise mit dem Weltmarktpreise nicht on turrenzfähig sind. Es ist notwendig, daß eine Ueberprüfung des Uebernahmepreises vorgenommen wird. Dieser Ueber nahmepreis ist ein besonders buntles Rapitel. Er wird von einem einem Bertreter der Kornbrennereien, einem Vertreter der Welaffe, Beirat festgesetzt, der aus fünf landwirtschaftlichen Brennern besteht, einem der Obstbrennereien und zwei Vertretern der verbrauchenden Industrie. Auch aus dem Reichstag und aus dem Reichswirtschafts. rat find Interessenten Mitglieder des Beirats. Die Interessenten sezen also selbst den Uebernahmepreis feft.( Hört! hört! bei den S03.) Es ist ein einzigartiger Fall, daß in einem Reichsinstitut die Intereffenten bestimmen dürfen, wieviel sie verdienen wollen. Es wäre eine Aufgabe der patentierten Reiniger des öffentlichen Lebens, wenn fie für eine Abänderun dieser Zustände sorgten.( Buruf von den Soz.: Das werden mir nie erleben!) Zusammenfassend richte ich an das Finanzministerium die Aufforderung, endlich auch in sozialer Beziehung mehr zu leisten. Gerade dieses Ministerium wäre in der Lage, manche Berbitterung zu lösen und viel Not zu lindern.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Oberfohren( Dnat.) erklärt namens seiner Frattion, daß sie die Etatgebarung und vorsichtige Finanzpolitit des gegen wärtigen Finanzministers vollkommen billige und dem Minister ihr Bertrauen ausspreche. Abg. Dr. Cremer( D. Bp.) betont, daß seine Bartet schon früher für die Berreichlichung der Steuern eingetreten fei. Durch Reichssteuern werde eine neue Klammer um die einzelnen Reichsteile gelegt, und es sei daher zu begrüßen, daß der Finanzminister auch Sympathie für diesen Gebanten habe. Abg. Dr. Schreiber( 3.) wünscht Aufklärung der noch vorhandenen organisatorischen Untlarheiten beim Reichs finanzministerium, die namentlich noch über die angegliederten Abteilungen bes ehemaligen Aufbauminifteriums und Schazministeriums beständen. Abg. Da sich ziemlich wenig Abgeordnete im Saale befinden, beantragt Abg. Stoeder( Romm.) die Bertagung des Hauses. Höllein( Komm.) bezweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses. Das Bureau ist sich über die Beschlußfähigkeit nicht einig, und es findet hierüber eine namentliche Abstimmung statt, Sie ergibt, daß von den 493 Reichstagsabgeordneten sich nur 207 im Saale befinden. Das Haus ist also nicht beschlußfähig. Präsident Cobe schließt daher um 3% Uhr die Sizung. Nächste Sigung: Donnerstag, 2. Juli, 2% Uhr: Fortseßung der Debatte über den Etat des Finanzministeriums. Sonntag, 28. Juni 1925 Kleine Vorlagen im Landtag. Dentschnationale Provokation. Im Landtag wurde gestern nach Erledigung von Eingaben eine große Anzahl von Gegenständen über Beamtenfragen der Aus. schußberatung überwiesen. Bei der Fortsetzung der Debatte über den Forsthaushalt gab es barauf einen deutschnationalen Standal Abg. Greßler( Dem.) kommt auf die Flaggenfrage zurüd. Im Barlament müffe man sich verbitten, daß die Symbole der deutschen Republit mit Berachtung behandelt würden. Der deutschnationale Herr von Trestow fei staatlicher Oberförster; wie stehe es mit dem Bertrauen, das er bei seinen amtlichen Borgesehten genieße, nachdem er, unter dem Schutz der Immunität, sich solche Ausfälle gegen Berfaffung und Reichsfarben habe zuSchulden fommen lassen? In persönlicher Bemerkung hält Abg. von Treskow darauf seinen fürzlich zur Flaggenfrage gemachten Zwischenruf aufrecht; er habe als Abgeordneter gesprochen.( Große Unruhe und andauernder Lärm bei den Demokraten, Sozialdemo traten und Kommunisten. Rufe: Kerl! Lümmel! Gegen die Rufer werden Ordnungsrufe verhängt.) Nachdem noch die Einzelaussprache zum Forsthaushalt erledigt mar, trat bas Haus ein in die Beratung des Ausschußberichtes über Ausschuß schlägt vor, die in Frage tommenden Berordnungen zur Abbau der staatlichen Verwaltungsgebühren. Der Kenntnis zu nehmen und für eine Reihe von Verwaltungen Tarifherabjegungen und Milderungen zu empfehlen. Ein Bertreter des Finanzministeriums erflärt die Bereitschaft der Regierung, diefen Wünschen entgegenzukommen; fchwere Bedenken beständen jedoch gegen die beantragte Gebührenfreiheit einer Reihe von Amtshandlungen in der Wohnungszwangsbewirtschaf tung. Die Abstimmungen hierüber sollen am Mittwoch stattfinden. Zum Schluß wird der Antrag aller Fraktionen, der für die nächsten Bahlen zu ben Aerztekammern die Berhältniswahl einführen foll, einstimmig verabschiedet und die zweite Beratung bes Entwurfes über ausländischen Kommunaltredit, zu dem sich der Ausschuß für Außerfraffegung des Gesetzes ausgesprochen hatte, unter Annahme dieses Antrages erledigt. Dienstag 12 Uhr: Anträge und fleine Vorlagen. Schluß 2 Uhr 35 Minuten. Erhöhung der Zuckersteuer. Die Regierungsvorlage über Tabaks und Biersteuer wird zurückgezogen. Popis auf Anfrage des Abg. Schneider( Dem.) die Erflärung ab. Im Steuerausschuß des Reichstages gab Staatssetretär höhung der Bier- und Tabalsteuer zurückzuziehen, nachdem die Sicher baß die Reichsregierung beschlossen habe, ihre Borlage über Erheit gegeben ist, daß der Initiativantrag der Regierungsparteien vom Plenum an den Ausschuß überwiesen werde. Der Kampf gegen die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer geht jedoch weiter, denn die zurückziehung der Regierungsvorlage ist zwar das Eingeständnis einer Niederlage der Regierung, der Initiativantrag der bürgerlichen Parteien will aber ebenfalls eine wenn auch geringere Erhöhung ber Belastung von Bier und Tabat. daß die Regierung im Jahre 1924 die Zudersteuer in ungesehlicher Bei der Beratung der Zuderfteuer fritisierte Genoffe Dr. Heck, Höhe erhoben habe. Sie habe daburch den Berbrauchern eine Mehrlast von 70 bis 75 millionen Mart auferlegt. An und für sich trete die Sozialdemokratie für die Beseitigung der Buderſteuer ein. Bei den jezigen Mehrheitsverhältnissen aber sei ein solcher Antrag aussichtslos. Sie betämpfe jedoch die von der Regierung geforderte friegszeit auf 14 Mart für 100 Stilo festzusehen. Erhöhung der Steuer und beantrage, den Steuerfaz wie in der Bor. Staatssekretär Dr. Popih verteidigt die Haltung des Finanzministeriums. Eine Herabsetzung der Zuderſteuer jei unmöglich. Die Zuckersteuer sei an die Entente verpfändet, von ihr werde auch die Erhöhung verlangt. Im Auslande würden noch höhere Steuerfäße erhoben. Abg. Schneider( Dem.) erflärt sich für den ſozialdemokratischen Antrag, für den Fall seiner Ablehnung beantrage er in Uebereinstimmung mit dem Beschluß des Reichswirtschaftsrats einen Steuerfag von 16 M. Die Kommunisten beantragen völlige Streichung. Alle drei Anträge werden gegen die Stimmen der Linken und der Völkischen abgelehnt. Die Vorlage der Regierung wird ange. nommen. Damit wird die Zuckersteuer tünftig auf 21 m. für je 100 Rilo feſtgefeßt, was bei dem gegenwärtigen Buderpreis eine Belastung von 26 Proz. bedeutet. Diese Sondersteuer für tinderreiche Familien fand auch die Zustimmung der 8entrums vertreter, die sonst dauernd vorgeben, bei der Steuerreform gerade die tinderreichen Familien schüßen zu wollen. Togal gegen Schmerzen der Nerven, Rheuma, Gicht, 3schias, Herenschuß, Kopfschmerzen. 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Von Simon Rabenstein. planmäßig gewollte Organisationsarbeit zu ersetzen suchen. Nur, Das Wesen der Technik, die unser Arbeitsleben beherrscht, besteht in der Mechanisierung der Bewegung, der Ersetzung der organischen Borgänge durch vereinfachte und wirksamere, vom menschlichen Willen geleitete mechanische und chemische Kräfte. So hat auch im Willen geleitete mechanische und chemische Kräfte. So hat auch im menschlichen Gesellschaftsleben der Verfall der Naturalwirt schaft und die Auflösung der alten Familie die Entstehung großer sozialer Mechanismen der Fürsorge und Versicherung notwendig gemacht, die das mehr zufällige organische Werden von ehedem durch daß die Eigenart des Gegenstandes, des lebendigen Menschen, möglichste Milderung und Auspolsterung der harten Ecken der„ Organisation", möglichste Annäherung an die dem Gemüte vertrautere Eigenart der naturwüchigen alten Bildungen erfordert. Auf der orderen Seite ermöglicht die Zusammenfassung von Mitteln und Kräften auf vielen Gebieten, so in Gesundheitspflege und Erziehung, Leistungen, die dem zersplitterten Wachsen der früheren Gesellschaft ganz unmöglich waren. Die Fürsorge ist heute eine Wissenschaft mit breitem Duellenzufluß, eine Technik mit weitgehendstem Wirkungsgebiet geworden. Sind doch allein an der Versorgung der Kriegsopfer in Deutschland 3 bis 4 Millionen Menschen, an der Sozialversicherung, der Alters- und Kinderfürsorge usw. aber weitaus die meisten Volksgenossen als Gegenstand beteiligt. Ein Zeugnis dessen ist das Handbuch, das nunmehr in fieben Lieferungen abgeschlossen vorliegt und ein Bild des weitverzweigten, fich den verschiedensten Gebieten der Berwaltung und Rechtsbildung, wie der leiblichen und seelischen Menschenpflege verwachsenen Arbeitsfeldes bietet.*) Eine Fülle von Fragen wird von einem reichen Mitarbeiterstab, zumeist eingehend und sachgemäß, behandelt. Die Tatsachen sind, soweit als möglich, nach dem neuesten Stand der Gesetzgebung und Statistik dargestellt, so daß das Wert, das hoffent lich von Zeit zu Zeit Nachträge oder Neuauflagen erleben wird, cine im wesentlichen zuverlässige Darstellung des Tatsächlichen bietet. Auffallend und ein erfreuliches Zeichen der neueren Entwicklung ist die große Zahl weiblicher Mitarbeiter, deren Beiträge an Gehalt und Gründlichkeit den übrigen durchaus ebenbürtig sind; ist doch die Arbeit der sozialen Fürsorge dem weiblichen Wesen befenders entsprechend, und die starke Zunahme weiblicher Mitarbeit auch beruflicher Art auf diesem Gebiet mur naturgemäß und der Erfüllung der hier gestellten Aufgaben dienlich. Die Mitarbeiterschaft ist durchaus bürgerlich. Von der großen Zahl sozialistisch gesinnter Fachleute ist niemand herangeRogen worden. Diese Einstellung tritt durch das ganze Werk offenfichtlich zutage. Es ist nicht nur ganz auf die bestehende Gesellschaftsordnung zugeschnitten, sondern auch in diesem Rahmen noch konser nativ gerichtet. Ueberall, z. B. wo die Bestrebungen der modernen Arbeiterbewegung behandelt werden, finden wir einerseits Handwörterbuch der Wohlfahrtspflege, her cusgegeben von Ministerialrat Dr. Ostar Karstedt und anderen. Berlin, Carl Heymann, 1924. 478 S. Preis 19 m. Für Lotteriespieler! Am Freitag, den 3. Juli, abends 6 Uhr, läuft Frift ab für die Erneuerung der Lofe zur 4. Klaffe der 25/251. Preußisch- Süddeutschen Klaffenlotterie. Wer sein Sinrecht auf das Los 4. Klaffe und damit auch das Anrecht auf Beteiligung an der Haupt- und Schlußziehung nicht verlieren will, versäume nicht, sein 20s spätestens In der am Freitag, den 10. Juli, beginnenden Sichung 4. Raffe tommen 18 000 Gewinne zur Ausspielung und in ber sich anschließenden Schlußklaffe 11 000 Gewinne und 2 Prämien im Gesamtbetrage von rund 30 millionen Reichsmart. Rauflose find jezt noch in einer Anzahl Einnahmen vorrätig. bis dahin abzufordern. das Bemühen, die nicht mur zahlenmäßig viel geringeren, sondern auch durch die Gunst von Kirche, Staat und einem Teil des Unternehmertums über ihre innere Bedeutung aufgepufften christlich- nationalen Organisationen gegenüber den sozialistischen, die ihr ganzes gewaltiges Wachstum im Kampfe mit jenen durchgesetzt haben, in den Vordergrund zu schieben. Wir finden auch eine, übrigens sachlich gehaltene, jedoch nicht immer dem Gegenstand gerecht werdende Kritik, z. B. der Bildungsarbeit unserer Bewegung, während die Bestrebungen der anderen Seite zustimmend, oder doch ohne Bedenken dargestellt werden. So hören wir kein Wort der Kritik an der Organisation der Angestelltenversicherung, die dem bürgerlichen Standes bewußtsein viel mehr Rechnung trägt, als den berechtigten Forde rungen der Versicherten. Keine Kritik an der Wohlfahrts. pflege der Unternehmer, die sich selbst in der hochentwicktelten Form der Siemens- Werke durch ihre Verquidung mit der unfittlichen Zellenzüchterei, als mehr den Interessen des Werks als der Arbeiterschaft dienend, kennzeichnet, aber in den Verhältnissen rielle Schädigung( so bei den Pensionskaffen und Werkwohnungen) der Schwerindustrie häufig als völlige Entrechtung und selbst matezahlreicher Arbeiter wirkt. Auch die Einrichtungen ganz oder halb öffentlicher Art laufen ohne Kennzeichnung durch. Keine Kritik an der Praxis der Arbeitshäufer mit ihrem Duntelarrest als Strafmittel. Reine Kritit an der so vielfach mucerischen Richtung der firchlich gerichteten Bewahranstalten, die ein Renner wie Aga hd großenteils als rüd. fichtslose Kinderausbeuter gekennzeichnet hat, die durch die Greuel Don Mariaberg, Blohmesche Wildnis und Mieltschin für alle Zeiten gekennzeichnet sind. " 1 Bei den Altersheimen ist nur von den Anstalten für die verarmten Kleinrentner die Rede, für die im ausdrücklichen Gegensatz zu den gewöhnlichen Hospitälern als notwendig bezeichnet wird, daß die Räume freundlich und behaglich gestaltet und den Insassen einigermaßen Freiheit und Selbständigkeit gelassen werden." Es wäre unbillig, wenn man auf die Empfindungen der alten Leute, die früher aus eigener Kraft sich durchbrachten.... und deshalb andere Ansprüche an die Lebenshaltung zu stellen berechtigt waren, nicht soweit wie möglich Rücksicht nehmen würde." Man steht: für alte Arbeiter und Dienstboten, die sich ein Leben lang für andere haben schinden müssen, ist das nicht nötig. Sie find's anders gewöhnt, wie der Aal das Hautabziehen. Der Klassencharakter der ganzen Auffassung fennzeichnet sich deutlich in diesen Dingen. Mit Recht ſteht im Vordergrund der Betrachtung die gesundheit. tränkelten Bolkstums. Die Auffäße über Alkoholismus, Gefundheits. liche und fittliche Erneuerung eines bis tief in den Kern angewesen und ähnliches bieten reichen und unanfechtbaren Stoff. Die Wohnungsfrage hätte eingehendere Behandlung verdient. Mit Fug stellt der Herausgeber im Vorwort die Bedeutung der Familie, die Notwendigkeit, sie wieder leistungsfähig zu machen, in den Vordergrund.„ Jeder Blick in die Praris zeigt, daß es die Frau, die Mutter, die Leiterin der Familie gewesen ist, die im wesentlichen die Kosten der verhängnisvollen Entwicklung der letzten zehn Jahre getragen hat." Dabei erkennt er selbst an, daß nach der vollzogenen radikalen Umschichtung eine Rückkehr zu den( über Gebühr) gelobten vergangenen Zuständen ohne Einschränkung nicht mehr möglich ist. Es ergibt sich aus dieser Einstellung mit Recht die besondere Berücksichtigung der geschlechtlichen Fragen, die tatsächlich für die Gesundheit des Gesellschaftslebens von entscheidender Bedeutung sind. Ich finde es durchaus berechtigt, wenn Faßbender in seinem Artikel über Unsittlichkeit die Die Ausdehnung der Filmzensur auch auf die Bühne und eine einfach durchgreifende Vorschrift gegen unzüchtige Literatur fordert. Dagegen fann ich ihm nicht folgen, wenn er im Anschluß an die Kirchenlehre jeden unter Ausschluß des Fortpflanzungszwecks erfolgenden Verkehr als unfittlich hinstellt, d. h. das tägliche Leben des größten Teils auch der katholischen Bevölkerung als fittlich verwerflich bezeichnet. Die Behauptung, daß Geschlechtsverkehr nur im Dienste der Fortpflanzung zulässig fei, ist doch rein willkürlich. Ausdehnung des Zweckgedankens auch auf den Naturtrieb, die Einficht immer weiterer Kreise, daß auch die Vermehrung unter die Gesetze der Vernunft zu stellen, die Erzeugung ungesunder Wesen oder von Kindern, für die der Nahrungsspielraum fehlt, zu vermeiden ist eine Einsicht, die in den höheren Kreisen längst gegolten hat und erst bei ihrem Eindringen in die Tiefen des Volkes wachsende Entrüftung der Morallehrer wedt- sehe ich vielmehr als einen großen sozialen Fortschritt an. Und in diesem Fall strenge Enthaltsamkeit fordern, heißt eine ernste und willensstarke Minderheit in aufreibende und quälende Kämpfe stürzen, die Mehrheit aber zu der Heuchelei verurteilen, die schon ohnehin unser Geschlechtsleben bis zum Ekel verseucht. Immerhin bedürfen alle diese Fragen ernster Erwägung im Busammenhang der Entwicklungsaufgaben der Gesellschaft, nicht nach dem persönlichen, wenn auch ästhetisch verbrämten, aber sozial verantwortungslosen Beheben. Das Wert will die Wohlfahrtspflege im Zusammenhang mit der gesamten sozialen Politit behandeln: Durchdringung aller Handlungen des Staates mit dem Gedanken der sozialen Fürsorge." Im einzelnen mögen die Meinungen auseinandergehen dieser Kernpunkt bleibt bestehen! Die Wider. sprüche unserer Staatspolitik zu dieser Erkenntnis betont der Herausgeber im Vormort scharf und treffend. Unsere in der Wohlfahrtsarbeit jeder Art stehenden Genoffinnen und Genossen werden sich des Buches mit Nutzen bedienen. Sie sind gefestigt genug, um dadurch in ihren Grundauffassungen nicht wankend zu werden, und finden in Stoff und manchen Gedanken reiche Hilfe und Anregung. Wohl aber sollte die Herausgabe eines ähnlichen Wertes sozialistischer Tendenz und unter Berüdfichtigung der besonderen Aufgaben unserer Bewegung Gegenstand ernstlicher Erwägung sein. An geigneten Kräften fehlt es uns nicht. Die richtige Behandlung der Verdauungsbeschwerden besteht in der Ueberwindung der Ursache des Leidens- des Säureüberschusses I durch den die empfindliche innere Magenwand angegriffen und schmerzlose, normale Verdauung behindert wird. Es gibt zu diesem Zwed nichts besseres, als die Anwendung von einem halben Teelöffel voll Biserirte Magnesia, durch welche die Säure werden, die Entzündung der Gewebe gemildert und der Magen instand gesezt wird, in schmerzloser, normaler Weise zu funktionieren. Brobieren Sie es einmal! Beobachten Sie, wie der Schmerz verfindet- als ob er weggezaubert wäre! Kaufen Sie noch heute Biserirte Magnesia von Ihrem Apotheker. Biserirte Maguesia wird zu M. 2 per Flasche verkauft. Biserirte Magnesia hat folgende Zusammenſegung: Wismutsubkarbonat 4,5, 25% Magnesium perhydrol 15,0, 2faches tohlenfaures Ratron 15,0. Wenn Sie Biserirte Magnesia bei Ihrem Apotheker nicht haben können, schreiben Ste an das Generaldepot C. F Asche& Co., Hamburg 19, Pinnebergerweg 22/24. 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Bezilglich der Wahlberechtigung fowie Wählbarkeit der Versicherten und der Arbeitgeber verweisen wir auf die Be ftimmungen im§ 71 der Gagung. Herm. Anste, Klein- Ströbik, Boft Cottbus, Waldhaus. Inferieren bringt ERFOLG UND WENN EINMAL DAS GELD NICHT REICHT KAUFT MAN BEI eder Lederleicht Brunnenstraße. 1 Frankfurter Allee 350 Kottbuser Damm 103 Charlottbg., Scharrenstr.5 Kredit an Alle HerrenEinzelDamenAnzüge Möbel Kostüme Paletots Ulster Gummimäntel Sportkleidung Einzelne Hosen Große Auswahl! und Polsterwaren komplette Wohnungs- Einrichtungen Teppiche Gardinen/ Decken Kleider Mäntel Complets Kasacks Röcke Sportwesten Anzahlung nach Uebereinkunit! Pfarrer Heumanns Heilmittel stets auch vorrätig im Alleindepot: Zions- Apotheke Homöopath- Zentral- Officin Berlin N. 31, Anklamer Straße 39/40, an der Ecke Brunnenstr., 5 Min. v. Rosenthal, Tor. Tel. Amt Humboldt 1022. Adler- Apotheke ( Paul und W. Sadée), Berlin- Friedenau, Rheinstr. 16. Tel.: Rheingau 2029, Friedrich WilhelmApotheke. 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Tatsächlich Die Sprozentigen Pfandbriefe der Hypothekenbanken haben an dem fann davon dann gesprochen werden, wenn man den Mangel an berüchtigten jawarzen Mittwoch( 10. Juni); überhaupt keine Kapital für die Ursache hält, weshalb die Senkung der Jahres 1925 bisher sehr gleichmäßig und gut gehalten. Das ist umso Kurseinbuße erlitten und sich während des ganzen Produktionsfosten in Industrie und Landwirtschaft, d. h. die bemerkenswerter, als das Jahr 1925 zahlreiche 10prozentige PfandSteigerung der Produktivität der Produktionsbetriebe langsamer briefausgaben gebracht hat, deren Kurs zwar höher liegt( 95 bis vor sich geht, als es die Wiederherstellung der Konkurrenz 98 Proz.), deren Realverzinsung nach dem Kursstand aber nicht um fähigkeit im Inland und Ausland erfordert. In der Beschaffung 2 Proz., sondern nur um 1,2 Pro3.( 10,4 gegen 9,2 Proz.) höher von Kapital, das zur Steigerung der Produktivität der Betriebe liegt als die der Sprozentigen Emissionen. und zur Wiederherstellung der Konkurrenzfähigkeit wirklich vers wendet wird, liegt dann tatsächlich auch die Lösung der SanierungsSo erhalten alle Tatsachen, die zur Beobachtung und Beurteilung des Verlaufs der Kapitalkrisis geeignet sind, eine ganz besondere Bedeutung. Zu diesen besonders wichtigen Daten gehören auch die Berigte und Bilanzen der hypothekenbanken. In ihnen spiegelt sich am reinsten, so spröde ihre Zahlen auch erscheinen, Bildung und Berteilung derjenigen Kapitalien wider, die dem Kapitalmarkt auf Dauer zur Verfügung gestellt werden. Handelt es sich dabei auch nur um jenen Ausschnitt des Kapitalmarlis, wo die Hypothetarische Beleihung von Grundstücken Bertei lungsmittel und die Ausgabe von Pfandbriefen und Obligationen an Sparer Beschäftigungsquelle des Kapitals ist, so ist doch gerade diese Art Kapitalſammlung und Kapitalverteilung bei der vorherrschenden Dividendenlosigkeit der Industriegejell ſchaften für den inländischen Kapitalmarkt heute die wichtigste. So verlangen Geschäftsbericht und Bilanz der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken auch aus allgemein wirtschaftlichen Gründen sorgfältige Prüfung und Beachtung. In der folgenden Tabelle stellen wir die Gesamtergebnisse der sieben Bilanzen der Gemeinschaftsgruppe für den 1. Januar 1924 und den 31. Dezember 1924 zusammen. Bermögen( Mil. M.) 1. Jan. 1924 Grundstücke Sassenbestände Wertpapiere Schuldner Sypotheten. Sommunaldarlehen. Fällige Zinsen. Berbindlichkeiten: Aftienkapital. 31. Dez. 1924 3,52 3,52 0,06 0,46 3,12 3,69 20,80 24,91 39,81 47,75 31,65 42,18 0,77 Gesamt 99,75 1,00 123,52 •> 42,00 42,00 4,20 4,20 0,24 0,98 4,92 20,26 22,20 0,65 5,75 42,09 0,85 1,27 123,52 . Refervent Aufwertungsrüdstellung Gläubiger. 5% Goldpfandbriefe 8% Goldpfandbriefe 5% Goldobligationen. 31.60 fällige Binjen leberschuß. Gesamt 99,75 Bie fich aus der Steigerung der Bilanzjummen ergibt, ist der Gesamtumfang der Geschäfte bei der Gemeinschaftsgruppe um 22,8 Proz. gestiegen. während das eigene Kapital und die Reserven unverändert geblieben sind. Sind aber die Ausleihungen( hypotheken und Kommunaldarlehen) mit 24,4 Proz., die Pfandbrief- und Obligationenausgabe gar mit 34,9 Proz. an der Geschäftsausdehnung beteiligt, so sind es die übrigen Geschäfte, die wir unter Schuldnern zusammengefaßt haben und die noch die unbeträchlichen Bantguthaben( 0,78 Mill.) enthalten, nur mit 19,7 Proz. Das ist ein erfreulicher Tatbestand. Ihre Ausdehnung in hypothekenbankfremde Geschäfte Sonntag, 28. Juni 1925 8- und 10prozentige Pfandbriefe ausgegeben worden, während in der gleichen Zeit von allen hypothefen und ähnlichen Banten nur 220 Dill. emittiert worden sind. Die Ausdehnung Der städtischen Hypothekenbanken in das landwirtschaftliche Hypotheken und Pfandbriefgeschäft müßte also, fomeit es fid) um Abdeckung bereits verbrauchter Kredite handelt, mit Notwendigkeit zur 3erstörung der soliden Grundlagen führen, die fich die Hypothefenbanken mit großer Mühe und achtenswertem Erfolg bis heute geschaffen haben und die eine gute Bajis zum Wideraufbau des Kapitalmarkts überhaupt sind. Der internationale Außenhandel. Weltwirtschaftliche Umschau. K- 1. Ganz Bon der Zunahme oder Abnahme des Außenhandels in der letzten Periode ergeben sich feine untrüglichen Rückschlüsse auf die Wirtschaftsfonjunktur der betreffenden Länder. Dazu find die Berhältnisse in den einzelnen Ländern zu verschieden gelagert. Allerdings muß man bei der Kursentwicklung der Goldpfand- So fann man z. B. heute bei der im allgemeinen sehr verlangsamten briefe sehr sorgfältig unterscheiden zwischen denjenigen Pfandbriefen, Konjunktur in den Bereinigten Staaten die erhebliche Zudie von eigentlichen Hypothetenbanken und denjenigen nahme des Außenhandels, vor allem der Ausfuhr beobachten; Pfandbriefen, die von den sogenannten Landschaften ausge die Ausfuhrüberschüsse sind im St eigen begriffen. Diese Tendenz geben werden. Die landschaftlichen Goldpfandbriefe haben im Gegensatz zu denen der Hypothekenbanken nämlich sehr starke Kurs ist recht bezeichnend; der Rückgang auf den inneren Markt stellt die einbußen erlitten. Während die 8prozentigen Pfandbriefe der Land- Ausfuhrinteressen in den Vordergrund und die Fabrikbefizer, die sich schaften bis 74 Broz.( Medt. Ritterschaft) und die 10prozentigen bis zurzeit der Hochkonjunktur verhältnismäßig wenig um die Ausfuhr 84 Proz.( ostpreuß. Landschaft) heruntergingen, hielten sich die Tiefkümmerten, strengen, sich jetzt an, durch Preisunterbietung furse der Hypothefenbanfpfandbriefe auf 84 bzw. 94 Proz. Daraus und Kreditgewährung die Exporte zu steigern. ergibt sich aber, daß die Gemeinschaftsgruppe nicht nur zurüd anders in Ländern, wie England und Frankreich, wo sich der haltung gegenüber ihr fremden Bankgeschäften geübt, sondern auch frisenhafte Zustand der Produktion vor allem in der Abnahme auf ihrem eigentlichen Gebiet zu ihrem Teil eine der Ausfuhr fundgibt. Die zunehmende Bassivität der englischen Handelsbilanz gibt in England zu ernsten Sorgen Anlaß. Der Einfuhrüberschuß war in April um 7 Millionen Pfund Sterling größer als im März und 25,5 größer als im April des VorEinfuhrüberschuß 140 Millionen Pfund Sterling, um beinahe jahres. In den vier ersten Monaten des Jahres betrug der Einfuhrüberschuß 140 Millionen Pfund Sterling, um beinahe 60 Millionen mehr als im Vorjahr, eine Zunahme von 743 Broz.. Die Einfuhr erhöhte sich um 19,2 Proz., dagegen die Ausfuhr um nur 5,2 Proz. Die Hoffnung, daß der größeren Rohstoffeinfuhr bald eine entsprechende Steigerung der Fertigwarenausfuhr folgen wird, geht nicht in Erfüllung. Dazu kommt noch die Steigerung der Rohstoff und Lebensmittelpreise und der gegenüber das Stillstehen oder der Rückgang der Preise für Fertigpro dukte durch diese Preisentwicklung wird der englische Außenhandel start in Mitleidenschaft gezogen. Für Frankreich zeigen die bisher veröffentlichten Ziffern über den Außenhandel noch kein ungünstiges Bild. Im März war noch, wie auch in den früheren Monaten, ein erheblicher Ausfuhr überschuß bei gleichzeitigem Steigen der Ein- und Ausfuhr vorhanden. Die Ziffern über den Außenhandel mit Textilfabrikaten waren jedoch bereits im ersten Quartal nicht günstig, es zeigte sich sowohl was die Mengen, wie was den Geldwert betrifft, eine erhebliche Passivität. Angesichts der weiteren Verschlechterung der Textilkonjunktur und der jüngst eingetretenen Absatzschwierigkeiten der Eisen- und Stahlindustrie fann man wohl annehmen, daß sich im zweiten Quartal die französische Handelsbilanz wesentlich verschlechtert und sich aus einer aktiven in eine paffive verwandelt hat. vorfidhlige und erfolgreiche Emiffionspolitik getrieben und damit weiter zur inneren Gesundheit des Kapitalmarits beigetragen hat. Daß die Gemeinschaftsgruppe erzielt hat, der gegenüber sonstigen Bankgewinnen verhältnismäßig auf das Gesamtkapital von 42 Will. einen Reingewinn von 1,27 mil. niedrig ist( mögliche Dividende 3 Proz. gegen 8 bis 10 Broz. bei den Kreditbanken) spricht dafür, daß das 3ins- und Provifionsmonopol der privaten Kreditbanken sich auch bei den Sypothekenbanken nachteilig auswirkt. Tatsächlich werden im Geschäftsbericht der Gemeinschaftsgruppe auch lebhafte Klagen gegen die hohen Provisionen geführt, die sie den Banken für den Bertrieb der Goldpfandbriefe zugestehen mußten. So befriedigend die Schlüsse sind, die sich aus den Bilanzziffern der Gemeinschaftsgruppe ziehen lassen, so wenig befriedigend find Die Ausführungen des Geschäftsberichts selbst und das, was zwischen feinen Zeilen steht. Es ist natürlich begreiflich, daß die Banken der Gemeinschaftsgruppe einen sehr großen Hunger nach Ge= schäften entmideln. Es ist auch sehr zu begrüßen, daß die Leitung der Gemeinschaftsgruppe, wie ihre fürzliche Forderung nach Steuer freiheit ausländischer Emissionserträge beweist, mit größtem Nachdrud um die Beschaffung von langfristigen Amerikakrediten zum Häuserbau und zur Intensivierung der landwirt= schaftlichen Produktion bemüht ist. Aber sie befindet sich mit ihrem Geschäftseifer auf gefährlicher Bahn, Sind in England und Frankreich vornehmlich die Eisen- und Textilkrise( in England auch die Kohlenfrise) für die Verschlechterung der Handelsbilanz verantwortlich, so erfolgten in anderen Ländern infolge der Getreide- und Lebensmittelpreise ungünstige Verschiebungen der Handelsbilanzen. Italien meist eine ungewöhnwenn sie den damit beauftragten Instituten die Verteilung der Rentenbank und der übrigen furzfristigen Landwirtschaftskredite neidet und nicht schnell genug dazu herangezogen werden kann, die heute eingefrorenen Kredite in langfristigen Hypotheken zu fundieren. In diefer Umwandlung festgefrorener Betriebstredite in langfristigen Realtredit liegt nämlich feineswegs, wie aligemein geglaubt wird, ein echter Beitrag zur Lösung der bevorstehenden Kapitalkrisis. Die kurzfristigen Kredite der Landwirtschaft find nämlich deshalb eingefroren, weil sie als Betriebsfrebite ver= braut wurden, ohne aus dem Ernteertrag zurüdlich große und zunehmende Bassivität seiner Handelsbilanz( im ersten gezahlt werden zu fönen. Die Hypothekengelder, die die Landwirtschaft zur Rückzahlung der eingefrorenen Kredite erhalten soll, dienen also zur Abtragung von Schulden, deren Gegenwert bereits verbraucht ist. nicht aber zur Ertragssteigerung in der Zukunft, die der vollwirtschaftliche Zweck von Hypothefen frebiten sein muß. Die Landwirtschaft( auch große Teile der Judustrie) hat eben feit der Stabilisierung, genau so wie der Staat während der Inflation, von schwebenden Schulden und 3nflationskrediten gelebt; und wenn diese fundiert werden, so bleiben eben wieder nur Schulden übrig, ohne daß die Schulden I a ft als solche erleichtert oder das Risiko für die neuen Kreditgeber ge mildert wäre. Neues Kapital zur Steigerung der Produktivität kommit nicht dabei in die Landwirtschaft hinein. aus dem letzten Inflationsjahr, dessen Fortsetzung für die innere Gesundheit des Kapitalmarkts eine erhebliche Bedrohung bedeutet hätte, hat die Gemeinschaftsgruppe also nicht nur nicht fortgeführt, sondern abgebaut. Dafür hat sie das eigentliche Hypothekenbantgeschäft erfolgreich, wenn auch nicht übermäßig, erweitert. Die Hypothekenbanten haben also nicht einen Grund, fich Dabei fommt es weniger auf den Umfang des neu befriedigten um die Begebung landwirtschaftlicher Hypotheken, die zur RüdHypotheken- und Darlehnbedarfs, als auf die Art dieser Bezahlung schwebender Schulden dienen, zu reißen. Im Gegenteil, friedigung an. Der 5prozentige Goldpfandbrief wurde mit Recht wenn fie thre Goldpfandbriefe, deren Deckungshypotheten fajt aus. nicht mehr ausgegeben. Einmal fonnte dem Hypotheten schließlich auf städtische Grundstücke lauten, vor dem Kurssturz nehmer damit nicht gedien sein, denn auf den hohen Nennwert der landschaftlichen Pfandbriefe bewahren wollen, werden sie zweck fam dus den Pfandbriefen umsoweniger Geld für Hypothekenzwecke mäßigerweise die Finger davon lassen. Die start weichende Tendenz herein, je tiefer der 5prozentige Goldpfandbrief wegen der zu ge der landwirtschaftlichen Pfandbriefe ist nämlich nur die Folge davon, ringen Verzinsung sinzen mußte. Aber auch dem Pfandbrief daß die Landschaften den Pfandbriefmartt, um die Zahlungsfäufer war mit einer Kapitalanlage nicht gedient, deren Kurswert verlegenheiten der Landwirte tünstlich zu mildern, mit Pfandaufammenfchmolz und deren Zinsbetrag nur für den nächst en briefen überschmemmt haben. Soweit Zahlen bekannt find Ermerber höher wurde. Statt des 5prozentigen wurde der( die Landschaften find unbegreiflicherweise vom Prospektzmang be Sprozentige Pfandbrieftyp benußt, und wie die Kursentwicklung der freit!) find nach Angaben der Bergwertszeitung" allein feit Goldpfandbriefe zeigt, sowohl für den Hypothekennehmer( der regel bem 16. Februar d. 3. von den Landschaften 485 mil. Quartal um 2% Milliarden Lire) auf, weil sich der Bedarf nach Getreideeinfuhr viel höher gestellt hat, als früher angenommen war und die fehlenden Mengen zu hohen Preisen eingeführt werden müssen.( Die Verschlechterung der Lire hängt u. a. mit der Getreideeinfuhr zusammen.) Auch wird sich die in den vergangenen Jahren aktive Handelsbilanz Rußlands in diesem Jahr infolge der umfangreichen Getreidefäufe in eine passive umwandeln. Allerdings strebt Rußland die Steigerung seiner Ausfuhr von Holz und Del an, um dadurch wichtige Gegenposten für seine Handelsbilanz zu schaffen. Die sehr günstige Gestaltung der Handelsbilanz Dänemarfs dürfte durch die sinkenden Preise für Butter in den letzten Monaten ungünstig beeinflußt sein. Entfällt doch ein Drittel der dänischen Ausfuhr auf Milch und Milchprodukte. In Schweden hat sich die Ausfuhr erheblich erhöht, was mit dem faijonmäßigen Beginn der Holz- und Papiermassenausfuhr zufammenhängt; in Norwegen war die Ausfuhr dank dem gesteigerten Export der wichtigsten Industrieerzeugnisse bereits im ersten Quartal besonders günstig. Die Handelsbilanz der Tschecho flowakei bleibt weiter attiv, nur war die Zunahme der Ausfuhr im ersten Quartal dem Steigen des Erports von Fertigwaren, Baumwolle und Eisenwaren, im zweiten der Zuckerausfuhr zuzuschreiben. Diesen fleinen Ländern mit günstiger Entmidlung ihrer Handels bilanzen Holland fann füglich in diese Gruppe gerechnet werden stehen andere mit zunehmenden Einfuhrüberschüssen bzw. FÜR REISE UND WANDERN & bequemes, elegantes und dauer haftes Schuhwerk, Salamander- Schuhe verbinden diese Eigenschaften mit Preiswürdigkeit. MARKE SALAMANDER abnehmender Ausfuhr gegenüber. In der Schweiz und in Ungarn Länder, wo sich der Außenhandel im Jahre 1924 sehr günstig entwickelte erfolgten Rückschläge im laufenden Jahr, vor allem in den letzten Monaten. Die Schweiz hat bei zunehmender und verteuerter Einfuhr einen Rückgang ihrer Ausfuhr von Seidenstoffen und Uhren zu verzeichnen. In Ungarn meist die Einfuhr im ersten Quartal 1925 eine Zunahme um 34,9 Proz. auf gegenüber dem ersten Viertel des Borjahres, während die Ausfuhr nur um 18,2 Proz. anstieg. Das Defizit der polnischen Handelsbilanz wuchs im laufenden Jahr von Monat zu. Monat, was die Regierung zur raschen Hinauffezung der Zölle zur Drosselung Der Einfuhr veranlaßte. Die japanische Handelsbilanz war auch im laufenden Jahr und auch noch im Monat Mai sehr stark paffio ( im April um 91 Millionen Yen). Es wird aber die Belebung der bisher stockenden Seidenausfuhr und damit die Verbesserung der Handelsbilanz erwartet. Das von uns entworfene Bild des Außenhandels ist bunt, um einen Gesamteindrud zu vermitteln. Deshalb soll daran innert merden, daß die Gesamtentwidelung des Außenhandels heute noch fehr ungünstig ist, er hat den Vortriegsumfang noch bei weitem nicht erreicht. Dieser Zustand führt zum Gedanken: kann sich der Außenhandel nicht gut entwickeln, so sollen wir wenigftens den inländischen Markt unserer Wirtschaft sichern. .Dazu sollen uns nach dem Willen der deutschen Regierung aber Hochschußzölle die Handhabe bieten. Es ist hier nicht nötig zu betonen, wie abwegig dieser Gedanke ist. Auf diesem Weg können mir die Wiederherstellung der Weltwirtschaft nie erreichen. A. H. Unterstützung bezogen 8440( 10263) männliche und 2477( 2386) weib. liche, insgesamt 10 917( 12 649) Personen. Die Zahl der zu gemein nüßigen Pflichtarbeiten lleberwiesenen betrug 21 gegen 18 der Bor woche. Bei Notstandsarbeiten wurden 2673 Personen beschäftigt. fo ftart leiden, daß nur mit Berfuften verkauft werden könnte, zumal fich auch das Ausland bemühe, den deutschen Betroleummartt sich zu erobern. Von mehreren Aktionären wurde der Gesellschaft vorgeworfen, daß sie reine Substanzpolitit treibe, die nur auf Bertrust ung hinauslaufe. Diese Thesaurierungspolitik, die teine Renten verteile, werde dazu führen, daß das Ausland sich Zur Stinnes- Krife. Wie verlautet, hat Edmund Stinnes weigere, uns weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Als der seine Interessenverbindung mit der Automobil- Verkehrs Generaldirektor Mollendorf den Schutzoll als einziges Mittel und Uebungsstraße Aft.- Ges.( Aous) in Berlin gelöst. zur Aufrechterhaltung der deutschen Industrie empfahl, wurde ihm Die Avus" gehört zu den Unternehmungen, die bei der Trennung von Aktionärseite erwidert, daß es sich viel eher empfehle, die der Brüder Stinnes dem älteren Bruder Edmund verblieben find. Kohlen und Frachtenpreise herabzusehen, statt sich hinter Dr. Stinnes war Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gesellschaft. den Schutzzoll zu verstecken. Im übrigen sei die Lage einiger GeAußer den Automobil- und Versicherungsintereffen hat Edmund schäftszweige, an denen auch die Deutsche Erdölgesellschaft interessiert Stinnes bei der Auseinandersehung auch die Stinnesschen Refei, sehr gut. Die chemische Industrie habe über den Absatz und die flamegesellschaften übernommen, darunter namentlich Beschäftigung nicht zu klagen und daß das Benzolgeschäft gut gehe, die Deutsche Eisenbahnreklamegesellschaft und deren Tochterfirma, beweise die Erklärung des Benzolverbandes, nach der der Absaz die Allgemeine Werbegesellschaft m. b. 5., die beide im Nordstern und das Geschäft sich dauernd heben. Die günstige Lage der Gehaus in Berlin- Schöneberg ihren Giz haben. Ob diese Werbeunter sellschaft im abgelaufenen Jahre werde dadurch bewiesen, daß sie nehmungen von Dr. Stinnes gehalten werden, erscheint zweifelhaft, ihre Aktiven um etwa 17,4 millionen m. vermehrt habe. zumal da, abgesehen von anderen Gründen, die Zeitungs. Weiter wurde der Gesellschaft der Vorwurf gemacht, daß sie bis intereffen des Konzerns, vertörpert hauptsächlich in der Deutschen furz vor der Aufsichtsratsfizung die Deffentlichkeit im Glauben geAllgemeinen Zeitung, bei Hugo Stinnes verblieben find. Die laffen hab daß fie eine Dividendeausschüttung bringen werde. organische Bindung zwischen dem Zeitungsbetrieb und den Unter diesem Eindrud habe sie erhebliche Boften Borrats. Werbeunternehmungen ist also gelöst. Die Zeitungen bleiben im attien zu günstigem Kurse verkauft. Bon verschiedenen Aktionären engeren Montantonzern und diesem dienstbar. wurde der Antrag gestellt, an Stelle der Dividende Gratisattien zur aftien zur Verfügung. Berteilung zu bringen. Der Gesellschaft ständen ja hierfür Vorrats Dieser Antrag wurde abgelehnt; 2000 Stimmen hatten die Antragsteller, gegenüber 401 900 Stimmen der Verwaltung. Keine Dividende im Stöhr- Konzern. In unserer Kritit des Stöhr Ronzerns hatten wir berichtet, daß die Muttergeselleschaft eine Dividende von 6 Broz. zu verteilen beabsichtige. In der Generalversammlung hat die Gesellschaft beschlossen, die Dividendenverteilung ausfallen zu lassen und den Gewinn vorzutragen. waren Warum das Bauen so teuer ist. Neuerdings lamentieren die • Vom Berliner Arbeitsmarkt. Deutsche Erdöl 2.-G. In der Generalversammlung mußte sich Unternehmer wieder einmal über die hohen Bauarbeiterlöhne. Wo die Verwaltung des Unternehmens eine sehr scharfe Kritik ihrer in Wirklichkeit die Ursache der Verteuerung des Wohnungsbaues zu Der Berliner Arbeitsmarkt war in der letzten Woche einigen Geschäfts- und ihrer Finanzpolitik gefallen lassen. Begreiflicherweise suchen ist, zeigt folgende Zusammenstellung der Preissteige Schwankungen unterworfen. Namentlich führten die noch teildie Aktionäre unzufrieden, daß der Gewinn Don rungen im Baugewerbe seit 1914. Bauarbeiterlohn meise ungeklärten Verhältnisse in der Metallindustrie zu weiteren 2,109 Millionen Mart nicht zur Dividendenausschüttung 35 Broz., wobei die verkürzte Arbeitszeit berücksichtigt ist, PortStodungen in der Anforderung von Arbeitskräften, die sich auch verwandt wurde, sondern auf neue Rechnung vorgetragen wird. landzement 42,5 Proz., 3iegelsteine 70,5 Broz., in der Gruppe Lohnarbeit wechselnder Art bemerkbar machen. Da- Bur Rechtfertigung dieser Politik wies der Aufsichtsratvorsitzende, Stüdentalt 21,3 Proz., Bauholz aller Sorten 50 Proz., gegen fonnte einem großen Berliner Berfehsunternehmen der Geschäftsinhaber der Disconto- Gesellschaft Dr. Solmffen darauf Baueisen 25 Proz. Die wichtigsten Baustoffe sind nach dieser eine erhebliche Anzahl geeigneter Arbeitskräfte überwiesen werden. hin, daß die ungünstige Konjunktur in der Steinkohlen- und Zusammenstellung, die der J. u. 5." entnommen ist, wesentlich Insgesamt hat sich die Zahl der Arbeitsuchenden jedoch erhöht. Betroleumindustrie der Gesellschaft sehr schwere Verluste gebracht stärker im Preise gestiegen als die Bauarbeiterlöhne. BezeichnenderEs waren 36 318 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein habe. In der Steinkohlenindustrie häufen sich wegen mangelnden weise sind Ziegelsteine am meisten verteuert, obwohl gerade die getragen, gegen 34 768 der Vorwoche. Darunter befanden Abfazes die Haldenläger, und auf dem Petroleum und Benzinmartt Löhne der Ziegeleiarbeiter zu den niedrigsten gehören, die überhaupt fich 24 913( 24045) männliche und 11 405( 10 723) weibliche Personen. I sei ein Konturrenztampf ausgebrochen, unter dem die Preise gezahlt werden. reiswert wie immer Daunen- Oberbett rot, rot- rosa, 4975 traise, blau 600 Daunendecke Steppdecke Ia Daunensatin m. 91.- Satin Oberseite, 1450 Ia weißen Daunen in vielen Farben Schlafdecke Metall- Bettstelle Frottier- Handt. Kräuselstoff.. Badelaken Nur soweit Vorrati Mengenabgabe grau, 185 mit Zugfederboden, 1675 weiß 95PL weiß Kräuselstoff, 440 vorbehalten! mit Kante, 80X185, weil Beachten Sie unbedingt die ganz besondere Kaufgelegenheit 100X150 Fabrik des Saison- Ausverkaufs Bettfedern Lustig im Mittwoch- Inserat. Gustav Prinzenstr Aufpassen! Man irrt sich- Lustig nur undvierzig TURM- ECKE Prinzenste Sastage LUSTIC LUSTIC beispiellos billig - das Motto unseres SAISONAUSVERKAUFS MS Beginn: MITTWOCH 1. JULI 9½ Uhr 의 MAASSEN Leipzigerstr. 42( Ecke Markgrafenstr.) Oranienstr. 165( Am Oranienpl.) Geschäftszeit: 9-1% Uhr, 3-6% Uhr Nordstern J. F. 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Manchen Film, zu dessen Besichtigung man feine Zeit fand, möchte man gern später noch einmal sehen; manchen schönen Film( wie etwa Hoffmanns Erzählungen", „ Hanneles Himmelfahrt"," Luise Millerin") würde man nach Jahr und Tag mit Freuden wiedersehen. Warum gibt es eigentlich so wenig Neuvorführungen" im Filmwesen?*) Läßt die Maffe der stets neu auf den Markt ge worfenen Filme nur zu„ llraufführungen" 3eit?( Unter Urauf führungen" verstehe ich hier natürlich auch die erste Aufführung von ousländischen Filmen bei uns.) Hierzu kommt noch etwas: Der Film hat bereits seine Ge schichte. Denken wir zurück an die Zeit vor 15 bis 20 Jahren! Welcher ungeheure Wandel des Geschmacks und der Technit! Kaum erinnert man sich noch jener Einlagen, wo uns der neueste Operettenschlager oder eine luftige Szene mit Grammophonbegleitung vor geführt wurde; befand sich das Grammophon in genauem Einflang mit dem Film, so war die Sache gar nicht einmal übel. Sehr intereffant war auch immer der geographische Film, der die Fahrt durch irgendein schönes Fleckchen oder eine Landschaft unseres Erdballes zeigte.( Diese etwa 15 Minuten währenden Borführungen find leider ganz abgekommen.) Recht humoristisch muten uns in der Erinnerung auch die primitiven und heiteren Stüde an. Aber eine Frage: Wo sind alle diese Filme, die uns in der Rinodämmerung" entzückten, wo find ferner alle Filme der letzten 20 bis 25 Jahre geblieben? Hat niemand daran gedacht, sie für die Nachwelt zu ſammeln? Mit dieser Frage komme ich zu meinem Vorschlag, den ich hiermit der gesamten Deffentlichkeit, insbesondere aber der Filmwelt, unterbreite. Ich denke an die Schaffung eines besonderen Gebäudes in Form eines Museums oder einer Bibliothet, das ich furz und gut deutsch Filmhaus" nennen möchte. Es hätte erstens einmal die Aufgabe, zu sammeln, und zwar nicht nur die guten Filme, sondern cuch einige schlechte( zum abschreckenden Beispiel), sowie vor allen Dingen auch die älteren Filme, um an ihnen die Entwicklung des Films zeigen zu können. Dabei würde ich sofort die besondere Einrichtung einer wissenschaftlichen Abteilung empfehlen, die die sogenannten Kulturfilme, Lehrfilme, geographischen, völkerkundlichen und ähnlichen Filme zu sammeln hätte. So tönnte z. B. durch möglichst vellständige Sammlung aller Dölferfundlichen Filme( auch solcher, mie die des verstorbenen Forschungsreisenden Roch- Grünberg, die nur einem geladenen Publikum vorgeführt wurden) eine sehr wünfchenswerte Bereicherung und Ermeiterung unserer geschriebenen völkerkundlichen Literatur erfolgen. Ob man neben den Filmen auch eine Sammlung in bezug auf das Filmgewerbe( Apparate, Ausstattungen usw.) veranstalten will, halte ich für eine reine 3med. mäßigkeitsfrage. Natürlich soll das gesammelte Material auch verlebendigt werden. In einem Vorführungsraum des Filmhauses" müßten öfter interessante ältere Filme oder nicht mehr gespielte wissenschaft. liche Filme gezeigt werden. Der Silberkönig" der Nevada. ( Mozartsaal.) Der Gilbertönig", ein funstmäßig dreffierter prachtvoller Schimmel, und sein Reiter, der Comboy Jad Taylor find die Helden dieses im amerikanischen Wildwest spielenden Filmes. Die Liebesgeschichte, die den Vorwand zur Handlung abgibt, ist wie alle amerikanischen Liebesgeschichten rührend schön", und die Psychologie der Menschen arbeitet mit dem befannten Schema: gut- schlecht. Jack Taylor verteidigt die von zwei Städtern Bruder und Schwester ererbte große Farm, die Tausende von Rindern zählt, gegen den Leichtsinn des als tomische Figur gezeichneten neumodischen Erben und die Machinationen der Halsabschneider, die sie in ihre Hände bringen wollen, unter Einfaz seines Lebens und erringt natürlich die Erbin. Die Hauptsache sind die tollfühnen Ritte und die Kämpfe mit dem Begner, einem Indianerhalbblut, die in den maghalsigsten Situationen ausgefochten werden: auf der jäh abschüssigen Bergesspige, auf faft fenfrechten Abhängen, auf denen sich die Gegner über follern. Die fich überstürzenden Sensationen, die zum Teil auf Tricks beruhen, führen schließlich dazu, daß Jack, vom Dolch getroffen, vom Berg in den Fluß geschleudert wird, aber sein treuester Ramerad, der in allen Künsten gerechte und überdies mit fast menschlichen Eigenschaften gezeichnete Silberfönig", rächt ihn, indem er den Gegner mit feinen Sufen tötet und rettet ihn, indem er seinem Herrn in den Fluß nachspringt. Der alte Abenteurerroman ist hier in neues Milieu verpflanzt, die schneidige Brovour, in die sich Pferd und Mensch teilen, ist dieselbe geblieben. Mannigfache Szenen aus dem Leben der Cowboys, wie das Zureiten wilder Pferde, das Zu. fammentreiben großer Rinderherden alles vor dem Hintergrunde einer großer Landschaft, machen den Film auch für den schmackhaft, dem der Heroismus der Leistungen gewaltsam übersteigert vorkommt. Als Beigabe lief der bereits befannte Harald- Mond- Film Doktor Jad", in dem fich der im Ausdrud wenig wandlungsfähige Liebling des amerikanischen Bublifums in immer neuen Situationen als Doktor für alles und schließlich als Herenmeister zeigt, der ein ganzes Haus auf den Ropf stellt. D. *) Es war ein wahrer Genuß, als fürzlich Kohlhiefels Töchter, eines der besten deutschen Filmluftspiele, wieder auftauchte. Leopold Nick, der König der Chauffeure. ( Marmorhaus.) " Da Carlo Aldini ein Sportsmann ist, der über Gewandtheit, tionsfilm für ihn das gegebene Feld. Aldini hat Borbilder, große Kraft und einen schönen Körper verfügt, ist der sogenannte Sensa Borbilder sogar, an denen gemessen Nid, der König der Chauffeure", eine zerflatterte Angelegenheit ist. Nick ist, dem lieben Bublifum zum Gefallen, natürlich ein Prinz, woraus ohne weiteres feine Körperkräfte zu erklären find. Da er ein ruffischer Prinz ist, ergeht es ihm rührend schlecht, er muß als Chauffeur sein Geld verdienen. Das große Programm 1) Ouvertüre zur Oper„ Der Freischütz". C. M. v. Weber 2) Szene aus der Oper„ Der Freischütz", Arie u. Terzett Agathe.. Margarete Randow Aennchen. Anna Stein Max 3) Altred Ernesti( Gr. Volksoper, Berlin) Junker Hinrichs verbotene Liebe. 6 Akte nach der Novelle von Theodor Storm " Zur Chronik von Grieshuus" Regie: Arthur von Gerlach Musik: Gottfried Huppertz In der Hauptrolle: Lil Dagover Vorverkaut ohne Aufschlag täglich mittags 12-2 Uhr Ufa- Theater TURMSTRASSE ( Turmstrasse, Ecke Stromstrasse) Verkehrsverbindungen: Direkt vor dem Theater halten die Straßenbahnlinien: 3, 4, 11, 12, 13, 14, 19, 21, 44, 45, 56, 113. Autobusiinien: Nr. 11, 28. Stadtbahn: Bahnhof Bellevue SPIELPLAN Ufa- Palast am Zoo Kuriers.endamm Turmstraße Taueniz- enpalast Friedrichstraße Hollensoriplatz 图 S Kammer chispiele Alexan erplatz Weinbergsweg Fridericus Rex Dritter und vierter Teil Wocht, 47 0.9 Eonnt, 4, 7, 9 Finanzen des Großherzogs Wochent. 7 u. 9. Sonnt. 5, 7, 9 Junker Hinrichs verbotene Liebe Auf d. Bühne: Szene a. d. Oper ,, Der Freischütz" Wochent. 7 u. 9 Sonnt. 5, 7, 9 Das Cabinet d. Dr. Caligari A.d. Bühne: Im Mitternacht Expressionist. Ballett Wochent. 7 n. 9 Sonnt, 5, 7, 9 Edies Bio Alpine Majestäten Wochentags 7 u. 9 Sonntags 5, 7, 9 Die Liebe des gelben Mannes. Shakletons Todesfahrt zum Südpol. Woobent, 7 u. 9 Sonnt. 5, 7, 9 Wege zu Krait Zend Schönheit Wochentags 7, 9 Sonntags 5. 7, 9 Tragödie der Liebe III. und IV. Teil Wochent. 7 u. 9 Sonat. 5. 7, 9 Llebilage d Pienschen STUR Wochentags 7,9 Sonntags 5, 7, 9 Beilage des Vorwärts Aber er spart und mit dem ersparten Gelde fährt er einmal im Jahre ( was gewöhnliche Chauffeure troß größter Sparsamteif nicht fertig bringen) an die Riviera, um dort im früher gewohnten Glanz zu leben. Brogrammäßig lernt er die reiche Partie kennen, die er nach tonnie als Regiffeur über allerlei Mittel verfügen. Er durfte die Ueberwindung ziemlich vieler Fährnisse heimführt. Karl Wilhelm Riviera in aller Bracht und Herrlichkeit photographieren lassen und weds Berwirklichung seiner Ideen fonnte er fich auf so gute Darſteller wie die schöne Barker, Olga Engel, Enders, Garrison und Karl Ebert verlassen. Dennoch blieb alles Geschehen matt. Aldini gibt als Schauspieler nicht viel her und eingeflochtene Artistenkunststückchen zünden nur, wenn das Publikum dabei vor Spannung fiebert. Aber im ganzen Film ist tein Schwung, denn feine Tat tann man der Ursprünglichkeit des Temperaments eines fraftstrozenden Menschen zuschreiben, jedes Wagnis ist konstruiert und darum bleibt alles wirkungslos. Das geheimnisvolle Haus. Alhambra am Kurfürstendamm. -g. Der ehemalige ruffische Opernsänger Iwan Mosjutin wird vom Filmpublifum als Charafterdarsteller sehr geschäzt. Der vorzügliche Schauspieler sichert sich immer auf seinen Film einen bestimmenden Einfluß, wodurch er alle seine geschmackvollen Einfälle noll ausmerten tann. Diesmal schrieb er mit dem Regisseur Alexander Wolfoff gemeinsam das Manuftript. Das läßt Dosjutin, den vielgewandten, im 1. Teil, der„ Unschuldig verurteilt" heißt, recht schlimme Dinge erleben. Er wird nämlich fälschlich, da alle Berdachtsmomente gegen ihn sprechen, wegen Mordes verurteilt. Wir wissen, daß der Direktor seiner Fabrit der Mörder ist und ein Amateurphotograph um die graufige Tat weiß. Es bestehen sogar Momentaufnahmen vom Augenblick des Mordes, doch benutzt der Besizer der wertvollen Platten sein Wissen zu Erpressungen. Der Täter ist in seiner Hand. Das ist gewiß. Aber würde der Fabrikbefizer, der durch den Zeugen vom Zuchthaus verschont geblieben wäre, sich nicht auch erkenntlich erwiesen haben? Man tommt wirt. lich zu der Ueberzeugung, der Mann hätte der Wahrheit die Ehre geben sollen und die bescheidene Anstellung als Gärtner des Fabrifbefizers wäre ihm auch zu Teil geworden. Doch soll Mosjufin, der zum Schluß des ersten Teiles der Held einer abenteuerlichen Flucht ist, sich in vielen Masten zeigen, daher diese Verworrenheit. Hoffent lich versündigt sich im Berlaufe der Dinge der Manuscriptschreiber Mosjufin nicht allzu schwer am Darsteller Mosjuftin. Bislang ist diese Befürchtung stärker als die Spannung auf den zweiten Teil. Woltoffs Regie ist fultiviert und verliert bei gänzlich unnötig erscheinenden Sensationen eine gewisse wohltuende Zurückhaltung nicht. In die phtographische Arbeit teilen fich Mundriller, Torpofoff und Burgasoff. Sie liefern nicht nur saubere, sorgsam durchdachte Arbeit, sondern verwenden die Silhouetien der handelnden Personen als sensationell wirkende Neuheit. Zerstörte Illufionen. e. b. Der Film im Film" ist eine sehenswerte Arbeit, die in ben Richard Oswald Lichtfpieten zur Uraufführung fam. Wir sehen, was die Erfahrungen anbelangt, wie der eine auf den Schultern des anderen steht und wie viele grüblerische und eisige Arbeit nötig war, damit der Film wurde. Dann zeigt man die Wandlung des Filmes selbst. Einst war er start äußerlich, stellte nur Bewegung dar, heute ist er verinnerlicht, der wahre Filmschauspieler tommt mit den nappften Mitteln aus. Mancher Operateur arbeitet unter Lebensgefahr, manches ungeheuerliche Filmgeschehen entpuppt fich als stärkster Bluff. Es zerflattert eine Juusion nach der anderen und viele meinen, man hätte gerade dem Publikum die Illusionen lassen sollen. Ultig wirft es, wenn unter einem ungeheuren Lampenpart die Bergpredigt in der Luftschiffhalle in Staaten stattfindet und wenn das Bolt aus Jerusalem auszieht auf's Staatener Feld. Unendliche Mühe verwendet der Zeichner auf die Tridfilme. Der Film macht in der Tat das Unmöglichste möglich und der Filmregisseur fann jeden Gedanken und jede Idee in Bilder fassen. Gutlauntg plaudert man sogar allerlei Kuliffengeheimnisse aus. Man beobachtet sie bei der Arbeit, die tobenden und die ruhigen Regisseure, die großen Schauspieler und die fleinen Statiften, die alle etwas merden möchten und in ihrer Illusion oft schon etwas sind. Manche fehlerhafte Angewohnheit wird verraten, doch interessiert die das große Bublifum taum, da es doch immerhin dem Künstler als Menschen ziemlich fern steht. Alles in allem wird bewiesen, der Film ist teine Spielerei, er ist ernsteste Arbeit. Wie tief aber, tros aller Fortschritte, heute noch mancher Film steht, zeigt dann prompt der Amerikaner Ehemoral". e. b. Bismard", der Film der Deutschen. Zur Herstellung dieses Films der Deutschen wurde die Bismarc- Film G. m. b. 5. gegründet. Auch einen Schirmherrn" brauchte man. Die Schirmherr schaft übernahm der Reichspräsident, Generalfeldmarschall von Hindenburg. Dann fehlte noch ein„ Ehrenausschuß". Geheimräte, Reichs- und Staatsminister der wilhelminischen Alera, Rittergutsbesizer, Militärs aller Grade vom Major an aufwärts, Prinzen, Brofessoren, Kommerzienräte, Fabritbefizer, Freiherren und Grafen gehören ihm an. Und der Vorsitzende ist Fürst Otto von Bismard in höchsteigener Person. Also: der Film der Deutschen, ein historisches Dokument. „ Originaluniformen und Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenstände, Dokumente und viele andere Stüde" find bereits vorhanden. Gesucht merden nur noch die Darsteller folgender Persönlichkeiten: Fürst Bismard, Roon, Moltke, Wilhelm I, Friedrich Wilhelm IV., Friedrich III., Napoleon III., Ludwig II. und so weiter. Ueber den Inhalt des Films, der aus zwei Teilen bestehen wird, verlautet bereits einiges. Er beginnt mit der Schlacht bei Jena und endet höchst ahnungsvoll mit Bisionen". Es ist u. a. zu sehen: Bismards Studentenbude in Göttingen, Schlägermensur, Ausbruch ber Revolution, Straßen- und Barrikadentämpfe, die Truppen unter General von Brittmiß im Kampf, Einzug König Wilhelms und seiner Baladine in Berlin, Bismard reitet die Linden entlang, ungeheuer Jubel und stürmische Opationen, preußischer Erzerzierplag und Kasernenhof, Ausmarsch der Garderegimenter aus Berlin, Einzug der fiegreichen Truppen durch bas Brandenburger Tor. Nach der Flut der Militärfilme, die gerade jegt etwas abgeebbt ist, Militarismus in Hochkultur. Jedes Volk hat die Filme, die es verdient. Waren adiel WGadiel auf mein Inserat am Dienstag den 30. Juni Das im Königstr. Beginn 22-26 1 Treppe am 1. 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Schmiede! Achtung! Rose- Theater Montag, den 29. Juni, abds. 7 Uhr, 84 D.blaueHeinrich im Berbandshause, Linienfte. 83/85 ( Barterrefaal): Gartenbühne: Vollversammlung 734 U.: Rund um die Berolina Komödienhaus 7½ Uhr: jamil Sollegen Schmiede aus den Groß-, Mittel-, Karofferie-, Fuhrwerts- und Jnnungsbetrieben. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den 2ohnverhältnissen in unserer Branche 2. Branchenangelegenheiten. 3. Der letzte Kuß Beliebenes. Zoologisch. Garten Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt. Es wird um zahlreiches nnd pünktliches Erscheinen ersucht. Montag, den 29. Juni, abends 7 Uhr, im Sigungsfaale des Derbandshauses, Linienftr. 83/85: Aquarium Versammlung e Affen- Sonderschan Tierkunstausstellg. Tägl. ab 4 Uhr: Gr. Konzert aller im Jahrituhlbau und Montage beschäftigten Kollegen. Sagesordnung: 1. Wie regeln wir unsere Söhne. 2. Distuffion. 3. Berfchiebenes. fammlung zu erscheinen. Bflicht aller Rollegen ist es, in der Ber Achtung! Betriebsräte! Achtung! Trauerfpenden Sauptgruppe IV, Untergruppen 8-13! ( Siehe Ortsstatut.) jeber Art liefert preismert Dienstag, 30, Juni, abbs. 6%, Uhr, Paul Golletz, im Jugendheim des Berbandshauses, Liniensie. 63/85( Portal I, 2 Trepp.): Dormals Robert Mayer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. 103 03 Von 2 Mark an wöchentliche Telizahlung liefere bel kleiner Anzahlung eleg. Herren- Moden fertig und nach Maß nur Qualitätsware in großer Auswahl. Garantio f. tadellos. Sitz u. Verarbeitung. Maßschneiderei J. Kurzberg Oranienstraße 160, I. Chausseestraße 1, L Eingang Elsässer Straße RopfKleider Filz- u Ziet Läuſe manzen Schwaben Vollversammlung Tagesordnung: 1 Neuwahl ber Gruppenleitung. 2. Berschiedenes. Mitgliedsbuch und Betriebsräteansweis Tegitimieren. Sämtliche zur Gruppe gehörigen Betriebsräte des DMB. erscheinen müssen. Dienstag, 30. Juni, nachm. 5 Uhr, bei Caaser, Caufiger Str. 25: Versammlung aller Metalldrüderlehrlinge. Tagesordnung: 1. Bortrag über Brauchenangelegenheiten.2. Verschiedenes. Jeber Drüderlehrling hat unbedingt zu erfcheinen. Die Rollegen im Betrieb müssen biefes kontrollieren. Dienstag, 30. Juni, nachm. 5% Ahr, im Sigungsfaale des Berbandshaufes, Cinienftr. 83/85: Branchenversammlung der Balferie-, Element- u. 3infbecherindustrie. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Lohn- und Affordtarif. 2. Branchen angelegenheiten und Berschiedenes. Begen der Wichtigkeit der Tagesordnung muß diese Bersammlung vollzählig be fucht werden. Auto- Reparaturbetriebe! Seimchen Dienstag, den 30. Juni, abds. Z he, Ratten bel Boweleif, Joslyste. 7: befeltigt nur fofort unter Garantie Eckolda ,, A" B"„ C“„ D“„ E " Gr. Taubenschaufliegen zu haben in Apotheken und Drogerien. Aufstieg von 1000 Tauben um 5 Uhr nachm, Einlaß 2 Uhr Anfang 4 Uhr Generalvertreter Konferenz aller Funktionäre der Auto- Reparaturbetriebe. Mitgliedsbuch legitimiert! Paul Bremer, Berlin NO 35 Christburger Str. 3. Tel. Humboldt 1568. Mittwoch, den 1. Juli, nadm. 5 Uhr, in den Comenius- Sälen, Memeler Str. 67: Bei ungünstiger Witterung findet Metallbetten Versammlung die Vorstellung im Saale statt in Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv. aller in der Glühfirumpfinduffrie beKat.30A frei. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. fchäffigten Kolleginnen und Kollegen. Tagesordnung: 1. Bericht von den Berhandlungen über die Lohnerhöhung. 2. Berschiedenes. saisonausverkauf STOFFEN für Herren- und Damen- Bekleidung. Wieder ein Ereignis für Berlin: ca. 10 000 m Qualitätsware für wenig Geld, u. a. Kammgarnstoffe, Gabardinestoffe u. s. f. Berlins Bevölkerung weiß, daß sich weitester Weg lohnt, da wir seit Jahrzehnten den Qualitätsgedanken bis zur Höchstleistung vertreten. Beginn Mittwoch, den 1. Juli. M.Riethmüller seit 1902 Das Haus der Tuche MOLKENMARKT 15 ECKE POSTSTRASSE Die Wichtigkeit der Tagesordnung er fordert das Erscheinen aller Arbeiterinnen| der Betriebe, auch der Heimarbeiterinnen. Achtung! Jellenarbeiter! Achtung! Mittwoch, den 1. Juli, nachm. 5 Uhr, im Berbandshane, Cinienste. 83/85: Branchenversammlung der Feilenarbeiter. Die Branchenkommiffion muß eine halbe Stunde früher erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Arbeitslose und Krante! Wegen Quartalsschlusses bleibt die Ab. teilung zur Auszahlung der Erwerbs losenunterstilgung am Mittwoch, ben 1. Juli, nefchloffen. Die am 1. Juli fällige Unterstügung wirb bereits am Dienstag, den 30. Juni, ausgezahlt. Die über ben 1. Juli Unterftigung belehenden Mitglieder müffen ihre Mitgliedsbücher bis zum 30. Juni im Bureau abgeben. Die Defeverwaltung 42.00 20 Forderney Das Nordseebad Die Insel des Sports Die Stätte klassischer Musik Seeweg über Bremen- Bremerhaven- Helgoland. Direkte Schnellzugs- u. Dampferrerbindung Norddeich- Norderney Führer durch die Badeverwaltung Ein Hundertjähriger if mein Baler und nimmt noch gern seinen Reichel's Wacholder Extract ,, Marke Medico", der ihn weifer frisch und wohl auf erhält. W. Huschke, Schöneiche. 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Jahrbuch der Berufsverbände im Deutschen Reiche.*) Auch wer einen Begriff von der fortgeschrittenen Durchorganifierung unseres Wirtschaftslebens hat, wird erstaunt sein über die unendliche Fülle der Verknüpfungen, die heute jedes einzelne Gebiet durchzieht und das alte Lied von der freien Wirtschaft" längst zur Sage gemacht hat. 149 Seiten großen Formats geben die genauen Anschriften und die eingehendsten statistischen Darstellungen der Verbände der Unternehmer, Arbeiter, Angestellten, Beamten und freien Berufe Deutschlands und eine Uebersicht über die Arbeit nehmerverbände der Welt. Infolge der Schwierigkeiten der Inflationszeit konnte die für 1923 geplante Erhebung nicht stattfinden, so daß die genaueren Angaben nur für 1921 und 1922 gemacht sind. Doch sind im Text noch die Zahlen für 1923 und teilweise noch später gegeben. Als große Bergeudung non Mühe und Raum erscheint die Wiedergabe der finanziellen statistischen Zahlen in der entwerteten Währung, die uns heute gar nichts mehr fagt. Man hätte, soweit angängig, die Umrechnung in Goldmark pornehmen, im übrigen auf die Wiedergabe von Riesensummen ohne Bedeutung verzichten sollen. Im übrigen bietet das hier gebotene Ergebnis einer ungeheuren Arbeit eine Fülle von Belehrung, auch wenn man sich bewußt iſt, es dabei immer mit einem Stück großenteils schon zur Wirtschaftsgeschichte gewordenen Lebens zu tum zu haben, das der steten Ergänzung durch die laufenden Berichte der Beteiligten bedarf. Die dritte Erhebung, beren Ergebnis hier norliegt, berichtet über 1611 Reichs- und 371 Bezirksverbände der Unternehmer. Davon befassen sich 1437 mur mit wirtschaftlichen, 149 nur mit Angestellten- und Arbeiterfragen, 396 mit beiden. Das Gründungsjahr haben 1387 angegeben, von denen 272 bis 1900, 299 von 1901 bis 1910, 204 von 1911 bis 1915, 724 von 1916 bis 1920, 172 von 1921 bis 1923 gegründet sind. Die größte Zahl von Gründungen entfällt auf 1919( 217), die fleinste auf 1923( 15). Von 1611 Reichsverbänden hatten 929 ihren Siz in Groß- Berlin. Wie sehr hier die Spezialisierung vorgeschritten ist; zeige ein Beispiel. Es gibt je einen Verband der Hangschloß-, der Möbelschloß-, der Einsteck- und Einlaßmöbelschlösser, für Zuhaltungsmöbelschlösser, für obspielende, Möbelschlösser, für unzogene Wandfarant- und Kellerschlösser, für Grendelschlösser und Lütticher Kellerfchlöffer, für Tred- und Magazinschlösser, für Teefiftenschlösser, dazu noch welche für lose Schlüssel, Türbänder und andere. Daneben steht eine weitgehende Zusammenschluß bewegung. So gehören der Spikenorganisation der deutschen Film industrie 9 Reichs- und 3 Bezirksverbände an, die alle Zweige: Fümerzeugung, Kopierung, Berleihung und Aufführung umfassen. Alle sind zusammengeschlossen im 3entralausschuß der Unternehmererbände, der von der Landwirtschaft bis zum Hansabund alle Zweige des Wirtschaftslebens umfaßt, darunter eine Z Die organisierten Arbeiter in den verschiedenen Ländern 13 508.7 5 579. 5541.0 In 1000 4 357.3 953." Insgesamt 45 204,> Afrika 61.1 Asien 260 Austral 7266 Amerika 6004... Europa 38 152.2 1809.1 1461.1 1180.8 1178.7. Deutsch- Grof Ruß- Ver. Staal Italien Frank- Polen Tschecho- Osterland britann land v Amer slowakei reich reich *) Herausgegeben von der Reichsarbeitsverwaltung. Aus: gabe 1925. Berlin, Verlag des Reichsarbeitsblattes( Reimar Hobbing). 30. Sonderheft des R.-A.-BL., 190 S., davon 39 S. Erläute rungen und 15 Schaubilder. 10 M., für Bezieher des R.- A.- B1. 4,50 m. Teppich Reihe amtlicher Körperschaften und zahlreiche Einzelmitglieder. Eine besondere Vereinigung bilden die Arbeitgeberverbände, die im Schaubild nach dem Stand vom April 1925 dargestellt sind. Leider gibt es teine zusammenfassenden Zahlen über die Gesamtzahl der Angeschlossenen, die freilich bei der großen Zahl der dop: pelten und vielfachen Mitgliedschaft nur begrenzten Wert gehabt hätte. Natürlich besagen so runde Zahlen wie 1 Million Mitglieder des Reichslandbundes, 700 000 der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine sehr wenig. Mehr schon, wenn z. B. die Haupt stelle der Arbeitgeberverbände Groß- Berlins 20 Drisvereine mit 2151 Mitgliedern angibt, bei denen 102 788 Angestellte und 266 510 Arbeiter in Arbeit standen. Steht in diesem Lager, bis ins einzelnite durchgearbeitet und zugleich in gewaltiger Zusammenfassung, die Herrenschicht. der Wirtschaft, so marschieren im Lager der Arbeitnehmer, die, mit winzigem Kapital and fast ohne eigene Betriebe, nur durch ihre Zusammenballung wirten, ganz andere Massen auf. Leider viel weniger einheitlich zu fammengeschlossen. Dem Feind der Arbeiterbewegung muß das Herz im Leibe lachen, wenn er die 3ersplitterung nach politifchen, religiöfen und sonstigen Rücksichten betrachtet, die hier einem einheitlichen Vorgehen im Wege steht, ja vielfach scharf entgegengesetzte Bewegungen einander entgegenstellt. Immerhin steht die freigewertschaftliche Richtung Sie umfaßte an Arbeitern, Angestellten, Beamten weitaus voran. von rund 13 309 000 Organisierten 8815 000, das find 661/4 Proz, fast genau zwei Drittel. Bei den Arbeitern ist die Zahl der Freigewertschaftlichen gar 7908 500 unter 9 388 200 84% Proz, gut fünf Sechſtel. Alles zusammengerechnet, steht Deutschland in der Arbeit Länder 45,2 Millionen organisierte Arbeitnehmer gezählt. Davon nehmerbewegung der Welt weit voran. Wurden doch für alle entfallen auf Deutschland, das etwa 3½ Proz. der Weltbevölkerung umfaßt, mit rund 13,5 Millionen fast genau 30 Broz. Großbritannien mit 5'580 000, Rußland( 5 541 000), bie Bereinigten Staaten ( 4 357 000), Italien( 3 953 000) und Frankreich( 1 809 000) folgen in weitem Abstand. Diese wenigen Angaben aus einer unendlichen affe von Zahlen geben eine Andeutung des reichen Inhalts des Bertes. Niemand, der die Wirtschaftsorganisation Deutschlands fennen, ja, der sich eine Vorstellung von der ungeheuren zusammenfaffenden und gliedernden Gewalt der modernen gesellschaftlichen Entwicklung machen will, tonn an diesem großen Sammelwer? vorübergehen. S. Kazenstein. Nicht schwarzweißrot, sondern gelb. Der Proletarier", das Organ des Fabrikarbeiterverbandes, bringt in seiner Nr. 25, vom 13. Juni d. J., folgende Mitteilung, die die arbeiterfeindliche Haltung des Jungdeutschen Ordens gzell beleuchtet: Im Falkensteiner Anzeiger" war vor einigen Tagen folgendes Inserat zu lesen: 12 bis 15 Erd- und Ziegelarbeiter gesucht. Stundenlohn 60 Pf. Brüder, die sich melden wollen, menden sich an den Großmeister. Jungdeutscher Orden, Bruderschaft Falkenstein. Am gleichen Tage hatte Herr Guts- und Ziegeleibefizer Bohland in Siebenhih fieben seiner besten Arbeiter in der Ziegelei das Arbeitsverhältnis gefündigt. Mit dieser Tatsache war allgemein bekannt, daß Herr Bohland es war, der seine Jungdo- Brüder im Falkensteiner Anzeiger" rief, und siehe da: sie alle, alle famen! Am 29. Mai früh maren sie in der Ziegelei eingetroffen. Die gekündigten freigemerfschaftlich organisierten Kollegen durften die Arbeit nicht mehr aufnehmen. An ihre Stelle traten die Brüder des Herrn Bohland vom Jungdeutschen Orden. Und die Ursache? Die Belegschaft dieses Betriebes hatte das Berbrechen" begangen, sich in ihrer Berufsorganisation, dem Verband der Fabrifarbeiter, zu organisieren. Ein Verlangen der Betriebsleihung, die tägliche Arbeitszeit auf neun Stunden auszudehnen, hatten die Kollegen bereits zurüdgemiesen. Es sei hierbei festgestellt, daß die tägliche Arbeitszeit für die Ziegelindustrie Sachsens acht Stunden beträgt. Herr Pohland sucht Ziegeleiarbeiter in der Zeitung zu einem Stundenlohn von 60 Pf., obwohl der Tariflohn höher und Herr Bahland Mitglied des Kreisverbandes der Ziegeleien zu 3midau ist. Also es liegt ein glatter Tarifbruch vor, und da finden sich Auch- Arbeiter, die fich Brüder vom Jungdeutschen Orden nennen und fallen ihren, für die Rechte der Arbeiterschaft eintretenden Kollegen in den Rücken. Man begreift daher sehr wohl, warum deutschnationale Arbeitgeber so freigebig die nationalen" Verbände unterstützen. Nicht Frankreich, sondern die organisierten deutschen Arbeiter wollen sie siegreich schlagen. Bolschewistische Methoden. Infolge verleumderischer, die Bewegung direkt schädigender Behauptungen ist der Roten Fahne" folgende Erklärung zugeschickt worden: Meine Stellungnahme in der Generalversammlung des Deutschen Verkehrsbundes am 3. Juni 1925 zur Bewegung der Verkehrsangestellten sollte nur rein sachlich den Verlauf der Bewegung würdigen. In keiner Weise hatte ich damals oder habe ich heute die Absicht, mich mit dem Artikel in der„ Roten Fahne" Nr. 123 vom 3. Juni cr. Der Betrug an den Straßenbahnern" zu identifizieren oder gar die perfide Schreibweise der Redaktion der Roten Fahne" zu decken. Ich erfläre unzweideutig, daß ich nur das wenig Sachliche im angezogenen Artikel billigen kann, dagegen die nachstehend aufgeführte unehrliche Schreib- und Ausdrucksweise der Roten Fahne", wie 1.„ Der Betrug an den Straßenbahnern", 2. die Bewegung bei der Hochbahn und Aboag sei durch die Schuld der Führer schmählich gescheitert, 3. die Führer " Sonntag, 28. Juni 1925 hätten den einheitlichen Kampf der Verkehrsarbeiter sabotiert, 4. die Führer des Verkehrsbundes seien schuld daran, wenn jetzt die Straßenbahner die Betrogenen bleiben, 5. Orimann hätte den drei Direktionen versichert, daß es zu feinem allgemeinen Verkehrsstreit fommen würde, 6. der Vorwärts" hätte wider Willen den Verrat ans Tageslicht gebracht, 7. dieser Berrat murde durch die Ausführungen Ortmanns im Schlichtungsausschuß bestätigt, 8. Ortmann hätte geglaubt, seine Aeußerung würde der Straßenbahndirektion nicht hinterbracht, 9. für so dumm halten wir Ortmann gar nicht, 10. die gemachten Aeußerungen beweisen nur die Liebedieneret vor der Direktion, 11. im Friedrichshain sei vom allgemeinen Streit gesprochen, doch von vornherein bestand die Absicht, auf jeden Fall einen allgemeinen Verkehrsstreit zu verhindern, 12. den ganzen legten Absaz des in Frage kommenden Artifeis unter allen Umständen aufs schärffte mißbillige, da diese Darstellung mit den wirklichen Verhältnissen in der Verkehrsarbeiterbewegung im schärfsten Gegensatz steht. gez. A. Deter. Ich schließe mich den Erklärungen des Genossen Deter an. gez. Julius Lübke, V. Bezirk, Gruppe B, 2. Abt. Wer erwartete, daß die Erklärung in der Roten Fahne" loyale Aufnahme finden würde, ist enttäuscht worden. Der Feitnagelung durch die eigenen Parteigenossen( Deter und Lübke find Mitglieder der KPD.) sucht die„ Rote Fahne" dadurch zu begegnen, daß fie erneut mit unwahren Behauptungen aufwartete, die übersandte Erklärung selbst unterschlug fie aber ihren Lesern. Welchen Bärendienst sie ihrem Genossen Deter dadurch erweist, daß sie von einer„ erpreßten Erklärung" spricht, scheint ihr gar nicht bewußt zu sein; denn wenn das die wahren revolutionären Klassenfämpfer sind, die sich eine Erklärung von ihren eigenen Kollegen abpressen lassen, wie müßten sie sich) benehmen, wenn sie dem Unternehmer gegenüberstehen! Auf Anfragen bei Deter und Lübke, ob die Behauptung, die vorstehende Erklärung wäre erpreßt worden, von ihnen ausgeht, bat legzterer bereits unter anderem wie folgt geantwortet: Ich erkläre auf das entschiedenste, daß ich weder der„ Roten Fahne" noch sonst irgend jemanden ermächtigt habe, eine derartige ErDas sind nun die Methoden, mit denen flärung abzugeben." man die„ Einheitsfront" herstellt. Achtung, Sattler, Tapezierer und Portefeuiller! Am 4. Juli findet die Urwahl zum Gewerkschafts= fongreß statt. Zu wählen ist ein Delegierter. Die Bertreter der Einheitsfront" hatten alle Mühe, die Revolution in den eigenen Reihen zu unterdrücken, wurde doch ihr Kandidat Müller in einer Fraktionsversammlung nur mit 15 gegen 13 Stimmen aufgestellt. Wie lieblich es aber in dieser Fraktionsnersammlung hergegangen sein muß, beweist die Tatsache, daß aus Wut über die Aufstellung Müllers ein Fraktionsgenosse sein Ber bandsbuch zerriß und andere Liebenswürdigkeiten ausgetcuscht murden unter der besonderen Assistenz des Fraktionsvor fizenden Schröder. Letzterer ist übrigens als Wahlleiter der Kommunisten sehr gut geeignet und außerordentlich angesehen bei den Kollegen, welche arbeitslos waren oder noch sind. Hat er es doch fertig gebracht, in einer Vorstandssigung, wo Beschwerden über ihn als Arbeitsvermittler beraten wurden, die Arbeitslosen als wilde Horde zu bezeichnen. Es paßt auch sehr gut zusammen, in den Bersammlungen mit dem Mund den Kampf mit der Baffe in der Hond" zu propagieren, sobald er sich aber in einer eigens vom Vorstand cinberufenen Arbeitslosenversammlung perantworten foll, fich feige zu drücken, und sich als frank entschuldigen läßt, ohne frank zu sein, wenn er zur Vorstandssitzung erscheinen fall. Die Kollegenschaft wird es ablehnen, aus den Händen solcher Elemente einen Kandidaten entgegenzunehmen und wird den Kollegen Wilhelm Osten, von der Generalversammlung einstimmig als Kandidat aufgestellt, die Stimme geben. Am Mittwoch, den 1. Juli, abends 7 Uhr, findet im Graphischen Vereinshaus, Alexandrinenstraße 44, eine Versammlung flatt, die sich mit der Wahl beschäftigen wird. Es ist daher notmendig, daß die Kollegen, die der SPD. angehören oder auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale stehen, rege Propaganda entfalten und für einen guten Besuch Sorge tragen. In dieser Versammlung wird auch das notwendige Material herausgegeben. Achtung, SPD.- Betriebsverirauensleute! Der„ Rämpfer" Nr. 13 ist fertiggestellt und fann im Bureau, 2indenstr. 3, 2. Sof, 2 r., in Empfang genommen werden. Besonders hic Bertreter der Klein- und Mittelbetriebe werden ersucht, rechtzeitig abzuholen. Parteiausweis ist mitzubringen. Bezirksverband Berlin der SPS., Betriebsfcfretariat. Achtung, Betriebsräte und Baudelegierte des Hoch-, Lief- und Betonbaugewerbes! Am Mittwoch findet im Gewerkschaftshaus, Großer Saal, nachmittags 5 Uhr, eine Baudelegiertenversammlung des Deutschen Baugewerisbundes Mujifaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andi casstr. 21( Königstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch. Nollendorf 1120, 1121, 1122 M. Lammfromm& Vogel Potsdamer Str. 127 Treppenläufer und Teppichstoffe in Kokos, Haar, Velour, Linoleum und Triolin. Sorgfältige Ausführung. Lisverkauf Preis: 1-11. Juli Ein Waggon Qualitäts- Teppiche ermäßigung hochflorige fehlerfreie Ware in herrlichen Persermustern 250x350 statt 280.jetzt To Velour- Vorleger Tournay- Velour- läufer Haargarn- Läufer Gr. 60x120 90 statt 23.Jetzt 90 × 180 statt 53.jetzt 29,50 200x300 statt 185.jetzt 98, 1,95 ganz schwere Qualit. m. 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Montag nachmittag 5 Uhr findet in den Zentral- Festfälen, Alte Jakobstr.. 30, eine Branchenversammlung für die VdB.- und Api- Betriebe statt. Tagesordnung: Bericht von den Tarif- und Lohnverhandlungen. Eintritt nur für unsere Mitglieder. Zahlreichen Befuch erwartet Die Branchenleitung. Achtung, Rimmerer! Berbandskameraben, hiermit zure Nachricht, bak ble xm Mittwoch, den 1. Juli, geplanten Bezirksversammlungen auf Grund der noch nicht abgefchloffenen Verhandlungen nunmehr auf Gonnabend, den 4., und Sonntag, den 5. Juli, verlegt sind. Alle Vertrauensleute und Funktionäre unferes Verbandes haben die Pflicht, das auf den Arbeitsstellen bekanntAugeben. Zentralverband der Zimmerer, Rahlstelle Berlin u. Umg Zbu. Bezirksversammlungen, Mittwoch, den 1. Juli: Neukölln: Bürgerfäle, Bergstr. 147, Beginn 8 Uhr. 1. Ludwig Thoma"( Bortrag, Rezitation). Referent: Kollege Josef Aman. 2. Bezirksangelegenheiten. Ablershof, Alt- Glienice, Grünau, Bohnsdorf, Faltenberg, Eichwalde- Schmödwig: Restaurant Hartkopf, Adlershof, Kronprinzenstraße 42( Ecke Selchower Straße). Beginn 8 Uhr. 1. Wirtschaftspolitische Tagesfragen, Referent: Roll. Dr. Friz Rucharski. 2. Bezirksangelegenheiten. Köpenid. Restaupant Autopeter", Berliner Str. 27, Beginn 8 Uhr. 1. Land und Leute in Schwaben. Referent; Koll. David Stetter. 2. Gesellige Unterhaltung ( Musit, Verlosung eines kompletten Radioapparates usw.). 3. Verschiedenes. Die dicke runde Donnerstag, ben 2. Juff. Charlottenburg: Ratsteller, Berliner Straße, Beginn 8 Uhr. 1. Praktische Psychologie im Arbeits- und Berufsleben. Referent: Hellmuth Bogen( Leiter er Eignungs- Prüfstelle beim Landesberufsamt Berlin). 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Steg lig, Lankwig, Südende, Lichterfelde, Rehlendorf, Schlachtensee: Albrechtshof, Steglig, Albrechtstraße 1 a, Beginn 8,0 Uhr. 1. Das soziale Bewußtsein und feine Wandlungen. Referent: Dr. Franz Lauftötter, M. d. R. 2. Bezirks angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Wilmersdorf, Salensee, Schmargendorf, Grunewald, Berlin W 15, 50: Augustahof, Wilmersdorf, Augustaste. 1, Beginn 8 Uhr. 1. Die Psychologie im Rampf ums Dasein, Referent: Redakteur Hans Krauß. 2. Bezirksangelegenheiten. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Biesdorf, Raulsdorf, Mahlsdorf, Rummelsburg, Stralau, Berlin D 112: Wegners Vereinshaus, Frankfurter Allee 236( Achtung! Neues Lokal). Beginn 8 Uhr. 1. Was bedeutet Radio für den Arbeitnehmer? Experimentalvortrag, Darbietungen des Berliner Genders.( Mit freundlicher Unterstützung durch den Arbeiter- Radio- Klub.) 2. Verschiedenes. WENESTI KIBARI 3 SCHERIF ohne Mundstück 1. Preis WENESTI Arcona- Räder Hundert I., II. und III. Preise die Lieblingsmaschinen der Rennfahrer und Tourenfahrer. Das Rad für jedermann! Elegant, leichtlaufend u. unbedingt zuverlässig, eine Qualitätsmaschine von höchster Vollendung! 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In Deutschland will mau gerne Frankreich schlagen; Doch schliehlich ist es besser, sich vertragen. So meint die Industrie, die unentwegt Mit eisernen Verträgen sich verträgt. Die Zeindverbrüderung ist stets ein Laster, (Doch damit ist nur das Prolet gemeint) hier geht es um den Absah und um Zaster, Da steht man wieder brüderlich vereint. I Es spuken in den Reichstagswaadelgängen Die kleinen Rentner unter Schlachtgesäugen. Man will den Herren Laverrenz und Bruhn Und hergt und Westarp scheinbar etwas tun. Aufwertungt ZNit gezückten Regenschirmen Und Fahnen meldet sich das Volk zum Wort, Sich die versprochnen Rechte zu erstürmen. Die Herrn verschwanden leider im Abord. D'Annunzio dichtet wieder unter Pinien. Italien siegt auf allen Mussolinien. hier sabbert wie bei uns der Patriol. Und Matteotti ist noch immer tot. Der König und d'Annunzio und il Duce Umarmen sich in herzlichem Geknutsche: Und der Prolet, der nicht zu fressen hat. Wird wenigstens von heldcnphrasen satt. In Winden steht, wie man erwartet hatte, Der Untergang der Reichswehr zur Debatte. Und hier erfuhr der deutsche Patriot: Man ging nicht zeitfreiwillig in den Tod.— Wer redet hier von Schuld? Die Führer haben Die Leute instruktionsgemäh verschifft. Die Disziplin ward niemals untergraben. Denn man ersoff laut Pioniervorschrist. Unb zur Vermeidung seelischen Bankrottes Braucht man doch wieder mal den Segen Gottes Und für de« kulturellen Ordnungsstaat— Denn Bayern hat's bereits— ein Konkordat. Die preußischen Rhinozerosse schnauben, vom Gort, der Eisen wachsen lieh, beseelt: Statt Schülerweisheit brauchen wir den Glauben! Ein Konkordat?— Die wissen, was uns fehltt Dunkelmann unö Sohn. Erzählung einer Mutter von A. T. Awertfchenko. (Schlich.) Kaum waren sie draußen, als ich mich an seinen Kasten machte. Gott im Himmel I Ich begreise nicht, warum man bei uns noch nicht mit Haussuchung war... Entschuldigen Sie: wosür bezahlt man eigentlich die Polizei? Kropotkin und Bebel und Mebel und Maltnin und Burenin'),— ein richtiges Pulvermagazin. Und vom Erfurter Programm— ganze drei Exemplare... Wie, ist dem Jungen nicht der Kopf geplatzt?... Wenn Sie wüßten, wie das bei mir im Ofen gebrannt hat. Man hätte einen Ochsen daraus braten können. Um 11 Uhr abends kamen Sascha und Motja nach Hause. Und am anderen Morgen hätten Sie das Zetern in unserem Hause hören sollen... — Wo sind meine Bücher? Wer hat sich an fremdem Eigentum vergriffen? Das ist Gewalt. Ich protestiere... Es ist wahr, die Funkelmanns sind schweigsam, aber wenn sie einmal das Schreien bekommen, dann hört die ganze Straße den Spektakel. — Was schreist du wie ein Verrückter?— meint Jalcha. _ Komm, spiele mit mir Revanche... — Ich brauche keine Revanche. Gebt mir Engels und Kautsky zurück. _ Motja. du bist wirtlich verrückt geworden. Ich lasie dich vor. spielen, es geht nur auf drei Rubel. Gewinnst du, so kaufe dir meinet. wegen zehn neue Bücher. — Ich gehe mit dir— sagt Motja— aber nur um der Bücher wegen. Sie gingen und kamen um halb zwölf zurück. — Run. Motja— frage ich— wie geht's? — Wei soll es gehen, wenn Vater wie ein Markör spielt... Er gibt mir vor und dann schießt er die letzte Kugel ins Loch. Und am Morgen sagt schon Motja: — Papa, willst Revanche? — Warum nicht? Sie gingen. Gott sei Dank! Der liebe Gott erhört alle jüdischen Gebete. Motja denkt überhaupt nicht mehr an seine Bücher, Früher kannte er überhaupt nicht» anderes als.Klassenunter- schied"..Mehrwert",.Kooperation"... *) Ein russisch« Schulbuch mit Rechenexempeta. Jetzt sind e» lauter schöne russische Worte. Die rote über Bord— Punkt— Allaguer... Was sür mich eine richtig« Herzensfreude war. Einmal kamen sie um zwölf Uhr sehr ausgelegt heim und gingen sogleich schlafen. Ihre Kittel waren mit Kreide beschmutzt. Ich nehme sie also, um sie zu putzten. Was, meinen Sie, steckt in der Tasche? Ein Kinozettel... Hä, hä... nach dem Erfurter Programm ist da» nicht übel. Der Herr im Himmel neigt sein Ohr zu jüdischen Ge» beten. So ging das in einem fort mit ihnen: heute Billard, morgen Billard, übermorgen wieder Billard... — Gott fei Dank. Sascha, sag ich. du hast den Jungen aus andere Gedanken gebracht. Soll er jetzt wieder etwas studieren. Du hast auch den Laden schon vernachlässigt... — Es ist noch zu früh, sagt Jascha. gestern noch wollte er eine Ansichtskarte mit Karl Marx kaufen... Zu früh ist zu früh... Da haben sie schon da» Ktm» satt, tn ihren Taschen stecken Zirkuszettel. Ich lasse noch«tn« Woche ver» streichen... Aber jetzt Ist es genug... — Motja, wie steht es mit deinen Prüfungen? Jascha, was soll aus deinem Laden werden? — Es ist noch nicht alles in Ordnung, sagt Jascha. — Meinst du. ein Mensch trennt sich so leicht von seinen Fragen? Also ich wart noch eine Woche. Was, meinen Sie, finde ich tn ihren Taschen? Barietezettel,.. Hatte gar nicht gewußt, daß dieser Sascha so psissig ist... — Laß genug sein, Jascha. Motja hat seine Bücher ganz ver> geffen. — Heute noch nicht, sagt Jascha. Heute haben wir einem Menschen ein Randewu versprochen. Heute einem Menschen, morgen einem anderen Menschen... Ich sehe, mein Sascha dreht etwas. Einmal kommen die elenden Tröpfe um zehn Uhr früh nach Haufe. — Ihr Charlatckns, wo seid ihr gewesen? — Wir schliefen bei einem Kameraden. Es war spät ge- worden... es regnete... und dann sind wir geblieben. Auch ein Regen, der nur auf einer Straße niedergeht... — Ich werd mich etwas niederlegen, sagt Jascha. Ich Hab Kopfschmerzen. Motja hat auch Kopfschmerzen. Soll er sich nieder- logen. Wissen Sie, ich Hab wie immer ihre Kleider genommen. Es war«in richtiges Entsetzen, was ich da in den Taschen fand: bei Motja eine Haarnadel aus Schildkröte, bei Jascha einen durch- brochenen Strümps. Ist das auch Regen?... Erst das Programm von Erfurt, dann das vom Kino, vom Zirkus, vom Variete und schließlich so etwas, daß es zum Ausspucken ist... — Jascha, was soll das bedeuten? — Hast du keinen Strumpf gesehen? — Wie bist du dazu gekommen? — Das ist«in Muster, von einem Handelsreisenden. — So? Warum ist er denn getragen? Und warum seid ihr besoften? Und woher hat Motja eine Haarnadel? — Auch ein Warenmuster... — So?... Warum machst du mir Faxen vor? Und warum ist Motja schläfrig? Und warum hat dein Scheckbuch nur noch den Einband? Wirst du davon leben?... Daß euch der Donner treffe, ihr Taugenichftel Und dann ging das so weiter: tags steckt Motja im Billard- zimmer und nachts schleppt ihn der Teufel ins Ease-Ehantant. Und Jascha ist tags am Billardtisch und nachts mit Motja... So eine dicke Freundschaft, als ob sie der Böse zusammengebunden hätte. Den Vater sieht man zuweilen noch, wenn er nach Geld in den Laden kommt, aber der Bengel ist überhaupt nicht mehr zu sehen. Unser jüdischer Gott erhört Gebete, aber zu sehr. Er tut mehr, als nötig ist. Motja ist so gründlich auf andere Gedanken gekommen, daß ich Tag und Nacht weine... Schon hat Motja den Vater im Spiel übertroffen und der alte Esel hat seine helle Freud« daran. Ia,��«» ist zum Weinen, wie sie sich zerstreuen. Mit den Prüfungen ist's vorbei, mit dem Geschäft ist'e aus. Alles schleppen sie davon und bringen nichts zurück, oder wenn sie etwas bringen, so ist es ein Stück zerqueftchter Ananas oder die Hälfte von einem seidenen Mieder... ♦ Verzeihen Sie, daß ich Sie so lange mit meiner Erzählung aus- halte. Hört uns niemand? Ich wollte Sie etwas fragen... Vielleicht haben Sie ein übriges Exemplar vom Erfurter Pro- gramm oder von Kropotkin? Sj« wissen,«in Ertrinkender greift noch dem Strohhalm... Wissen Sie. ich will das Motja unter das Kopfkissen legen. Vielleicht kommt er doch wieder auf bessere Gedanken, wenigstens er... Auf den alten Esel habe ich keine Hoffnung mehr. fll ebersetzt von Heinrich BlocL) Die Rosen blühen im Tale. Bon Jens Cornsen. Und wenn Martha mun fommt, brauchst dich nicht gleich mit ihr zu erzürnen", sagte der Alte ärgerlich und schielte zu Frau Marie hinüber. Ich bin mein Leben lang gut mit ihr ausgekommen." Das junge Weib fuhr unruhig auf. Und ich sag' dir, einer fann nur in der Wirtschaft zu sagen haben. Die oder ich." " 1 Sei vernünftig, fannst ihr ja' n bißchen zu Willen sein!" " Und ich laß mir nicht dreinreden, sag' ich." Es sollte hart fiingen und trug doch ein müdes Nachgeben im Ton. Der Wirt trommelte erregt mit den Knöcheln auf den Tisch. Ich will nichts hören, ich will feinen Lärm haben. Und Martha hat die Hypothet, wir sigen ohnehin genug drinn." st ja deine Schuld", sagte sie leise. Der andere hörte nicht, lief erregt auf und ab und sprach halblaut mit sich selbst. Und ich sag', das Geschäft geht zurück, da bleibt teiner mehr über Mitternacht. Was nügt mir' ne junge Frau, wenn sie die Gäste nicht hält. Und es ist grad' fdywer genug mit den Zinsen, und wenn Martha nun fündigt, Er blieb plöglich ror Marie stehen, wollte etwas Hartes fagen und befann sich.„ Du sollst dich mit ihr vertragen, hörst du!", sagte er leise, als bäte er sie darum. " Die junge Frau hatte plötzlich wieder Mitleid mit ihm und feiner Not. Wie lange will sie denn bleiben?" Sie wich seinem Blick aus und sah ängstlich auf seinen Mund. ,, Bier Wochen. Es ist für die Zinsen Marie." Die biß die Zähne zusammen und wandte sich ab. Ihre Augen glänzten, als ob fie heimlich weinte. Der Alte schlürfte verdrossen nach oben. Es war still in der Stube, nur das Licht knisterte. Der Wind strich winseind um die Fenster und schlug die strähnigen Weiden gegen die Scheiben. Draußen fläffte der Hoshund. Die junge Frau fuhr mit dem Handrücken über die Stirn, strich die Haare zur Seite und zog die Brauen zusammen, als müßte fie etwas verbergen in ihrem Blick. Die Tür ging, ein Fremder trat ein, warf den Rucksack ab und blickte suchend über die Lische. Sein Blick fiel auf die Wirtin, er redte sich, ging ihr zwei große Schritte entgegen, als wollte er fie überfroh begrüßen. ,, Du, Marie, Tag, Marie!" Seine Stimme war laut, voll verhaltenem Jubel.„ Grad die Erste, die ich wiedertreff', bist du, Marte. Die stand totenbleich, wollte ihm die Hände entgegenstrecken und ließ sie doch schlaff herabsinken. Bist du wiedergekommen, Hans Peters?" Sie sentte den Kopf, ihre Augen flogen über den Boden.. ,, Nun weiß ich, warum ich folche Furcht hatte all die Tage." „ Aber nun freu' dich doch, sag' mir guten Tag!" " 1 Er fah auf ihre Hände und trat erstaunt zurüd. Wie kommist du hierher, Marie?" Sie mich zurück, als fürchtete sie ihn. Ich gehör' hierher, ich bin die Wirtin, Hans Peters!" " Sie schwiegen beide eine tiefe Weile und mühten sich gegen Unbegreifliches. Dann schluchzte die junge Frau. Es ging nicht anders, Hans Peters, ich hab' zwei Jahre gewartet. Nun bin ich hier!" Verkäufe 27 Sie wunderte sich, daß es noch nicht länger war. In ihren Gedanken schien es eine unendliche Zeit, eine unsägliche Gewohnheit, die über sie gekommen war. Sie fühlte eine Müdigkeit nach dem Schreck, der sie zuerst erregt hatte, als müßte sie sich wehren gegen des anderen Heimkehr. " ,, Wie war das möglich, Marie?" Der junge Bursche lehnte ihr gegenüber, seine Augen leuchteten unruhig und seine Hände hingen geballt herab, als wartete er auf einen Kampf. Die junge Frau erschraf, freute sich über den anderen und fühlte doch, wie eine Scheu in ihr aufstieg, eine Angst vor seinem Brausen und Treiben. zuvorkommen. Man wird still in diesem Haus. Und ich bin zu„ Ich bin anders geworden, Hans", fagte fie, als wollte sie ihm frieden damit", fügte fie rafth hinzu." Ich hab' meine Ruhe und rechtschaffene Arbeit. Und ich hab' ein Heim, mehr will ich nicht." Hans Peters lachte auf, so scharf, daß das Weib zusammenfuhr. Da begann sie noch einmal, leiser, fast mütterlich zärtlich. Bring feinen Unfrieden, Hans Peters. Warum bliebst du nicht in der Wirklichkeit, warum gingst du von dannen?" Der junge Bursche warf den Kopf in den Nacken und biß die Zähne zusammen. Ich sagte dir doch, drei Jahre Die junge Frau wiegte den Kopf. Bist du denn heute anders als damals? Ich seh's dir an, du bist noch wilder und unruhiger. Und ich bin zufrieden geworden so zufrieden!" Da stöhnte der Fremde auf. Wie bist du anders, du, wie bist du anders geworden!" Er sprang plöglich auf, stellte sich dicht vor das Weib und padie ihren Arm, daß sie aufstöhnte. Das ist nicht wahr, du verstellst dich, du bist wie früher. Ich hab' drei Jahre auf dich gewartet, und ich will, daß du echt bist!" Was soll das Hans, was wäre zu ändern?" " " zu ändern? Ach, du warst so mutig damals, fo mutig!" Er schaute sich im Raum um. Komm mit mir, du, was soll dies, folg' mir nach draußen!". Es lag etwas Sieghaftes in seiner Stimme, er stand an ihrer Seite und sie fühlte törperlich, wie er um sie warb. Wohin, Hans. Peters? In welchen Kampf? Ach, wir sind ja zu arm für's tägliche Brot!" 93 Er trat einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf, als wollte er sie nicht verstehen. Dann ging er langsam an seinen Tisch. Ja, es ist alles anders geworden!" Er suchte nach einem Wort, wollte aufbrausen und bezwang sich doch. Hilflos starrte er sie an. Einen Augenblick fürchtete das Weib, daß sie ihn anftecen fönnte mit ihren stillen Worten, wie mit einer Krontheit, und fühlte doch ihren Schuh darin. Nur seine Augen blickten so trostlos zu ihr hinüber, daß sie fein Wort über die Lippen brachte. Sie stand langsam auf und ging zu ihm. Ein weiches Gefühl erfüllte fie, fast ein mütterliches Mitleid. " Wolltest du bleiben, hast du zu Nacht gegessen?" Die junge Frau tastets über sein gelbes Haar, das so mirr in die Stirn hing, und er neigte den Kopf unter ihrer Hand und ließ ihn langsam auf den Tisch sinten, als dürfe sie feine Augen nicht sehen. Bis er plötzlich ausfprang: Das wär' das Leyte, Marie?" Er ergriff noch einmal ihre Hände, daß sie sich aufwimmernd zu entminden suchte. Wieder packte sie die Angst vor seiner Wildheit, sie fühlte, daß sie ihm ungleich, daß sie müde geworden war in den letzten Jahren. Wie ein Schred vor seiner Art durchströmte es fie. „ Ich darf nicht anders, Hans, laß mich!" Da gab der Bursche fie frei, warf den Rucksack um und ging schwer zur Tür. Der alte Wirk fom verdrießlich die Treppe Herab. Ich meint da wär'n Gast gefommen?" Sie niďte schweigend und hilflos. Mußt' n bißchen scharmuzieren, Marie, wozu hab' ich denn ' n junge Frau?" Die fah plöglich verloren zur Tür, als hätte sie jemand rufen mögen, ſtöhnte leise und neigte doch den Kopf über ihre Arbeit, als ergäbe sie sich in ein Geschick. Das Ende von Wildwest. " Der amerikanische Wilde Westen", das Reich des seligen Bufallo Bill, aus dem so viele Abenteurergeschichten den spannendsten Stoff gewonnen haben, existiert nicht mehr. Die fortschreitende Zivilisation und das Alkoholverbot haben dieses romantische Gefilde der Ueberfälle und Totschläge, der Spielhöllen und Tollheiten, in nüchterne fleinbürgerliche Langweiligkeit verwandelt. Der blutdürftige Navajo", schreibt David Worrall aus Tuoson in Arizona, ,, wandert noch durch die Prärien des Südwestens, nach Beute suchend; aber seine Opfer sind nur die unglücklichen Reisenden, denen er seine billigen Andenken, bunte Tücher und Federschmuck, für teures Geld anschmiern will. Nicht mehr werfen die Bufallo Bills das Geld in Massen auf die Spieltische von North Platte und bestellen Whisky für die ganze Gesellschaft. Die Spielhöllen sind geschlossen, und sogar der Kaffee, der in den Restaurants gereicht wird, ist sehr schwach. In jenen vergangenen Zeiten tötete ein Mann 38 andere im Pistolenduell zu North Platte. Jetzt ist es ein hübscher schläfriger Ort, von dessen Vergangenheit nur noch eine Tafel tündet, auf der zu lesen ist: Combons ritten täglich in diese Stadt, schossen in den Straßen und zerstörten nach Herzenslust Dinge, die sie nachher bezahlen mußten. Langsam fahren! Größte Schnelligkeit 25 Kilometer in der Stunde!" Die Cowboys im wilden Westen tragen teine Pistolen mehr. Sie fahren in Fordwagen, statt auf Mustangs zu reiten. Die Mustangs sind längst nicht mehr Mustangs, sondern ganz gewöhnliche Pferde. Einiges von den malerischen und abenteuerlichen Erschei nungen des wilden Westens ist immerhin noch übrig geblieben. Die Präriehunde, die die Löcher aufscharrten, in denen früher der Mustang des Helden stolperte und von den verfolgenden Rothäuten eingeholt wurde, sind noch immer eine Gefahr für den Berkehr in der Prärie; aber jegt bleiben die Kraftwagen in den Löchern stecken. Auch Klapperschlangen gibt es noch, aber ihre zerschundenen Körper liegen auf den Automobilwegen, stumme Zeugen für den ungleichen Kampf mit den Gummireifen der Autos." Der belehrte Bonaparte. Es war zur Zeit des Konjulais, als man von der Frauenbewegung noch nichts mußte. Gleichwohl hatte sich um die Witme des während der Revolution hingerichteten Condorcet ein Kreis von Frauen gebildet, die gegen die ehrgeizigen Pläne des Konjuls Bonaparte energisch protestierten. Bonaparte war begreiflicherweise diese meibliche Opposition ein Dorn im Auge, und er benutzte deshalb die Gelegenheit, sich der Madame de Condorcet vorstellen zu lassen. Im Verlauf der Unterhaltung brachte er deutlich zum Ausdruck, daß er es unschicklich finde, wenn Frauen sich mit Bolitik beschäftigen. ,, Sie haben durchaus recht, General," antwortete Frau de Condorcet ,,, in einem Lande aber, in dem die Frauen mit den Männern das Recht teilen, sich den Kopf abschneiden zu lassen, fann man ihnen auch billigerweise nicht das Recht verweigern, fich darüber zu unterrichten, weshalb man sie auf das Schafott schickt!" Damenmäntel. Saisonausverkauf vom..Ronkurrenslos." Neue fournierte brei.| Bianos, prächtige Instrumente, be- Naturbicide. Wäsche wir fauber aufs| 1. bis 10. Juli au herabgefekten Prei- tiirige Ankleideschränke mit Spiegel- queme 8ahlweise. Gachter, Oranien schonendste gewaschen, geplättet, Da fen. Reifemäntel 4.-, Donegalmäntel Icheibe. Wäideabteilung. 150 breit, burgerstraße 42. mtenwäsche 15, Bezüge 30. S. Lehmann, Neue fournierte Bettstellen TelePianos, Qualitätsware aus eigener Röpenid, Adlershofer Straße 1. 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