Abendausgabe Nr. 30242. Jahrgang Ausgabe B Nr. 148 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Udreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Montag 29. Juni 1925 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gm. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Donhaff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Amerikas Zuspruch. Ansprachen beim Amtsantritt des neuen Botschafters. Der Reichspräsident hat heute vormittag 11,30 Uhr den| die besten Wünsche des Präsidenten und der Regierung der Verneu ernannten Botschafter der Vereinigten Staaten von einigten Staaten von Amerika für das Wohl und das Gedeihen Amerifa, Herrn Schurman, zur Entgegennahme seines Deutschlands zu übermitteln." Beglaubigungsschreibens und des Abberufungsschreibens des bisherigen außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters der Vereinigten Staaten, Herrn Hougton, empfangen. Botschafter Schurman hielt hierbei folgende Ansprache an den Reichspräsidenten: „ Euere Erzellenz, Botschafter Houghton ist auf einen anderen Posten versetzt worden und außerstande, sein Abberufungsschreiben persönlich zu überreichen. Der Präsident der Der Reichs präsident erwiderte u. a.: Für die freundlichen Worte, die Sie soeben an mich gerichtet haben, spreche ich Ihnen meinen aufrichtigsten Dank aus. Ich habe daraus mit großer Genugtuung entnommen, daß Ihre Hohe Regierung den Wunsch hegt, auch fernerhin die zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika bestehende wechselseitige Freundschaft in weitestgehendem Maße Mussolinis drei letzte Perlen. ( Von unserem römischen Berichterstatter.) Rom, den 29. Juni 1925. In den Kammerſigungen vom 18. bis 20. Juni hat Mus folini feiner Diftatorenkrone die letzten drei Perlen angefügt: jetzt ist der Schmuck vollendet. Man hat das Gesetz gegen die Beamten angenommen, dann das über die im Verord= nungswege, also unter Umgehung des Parlaments zu erlafsenden Verfügungen mit Gefehestraft und schließlich- in 40 Minuten einer Nachtsizung- das Preßgefeg. Sobald diese Gesetze auch vom Senat angenommen sein werden, tann somit die Regierung alle Beamten entlassen, ohne sie auch nur zu hören und ohne Appell instanz, einschließlich der Richter und der ven Amerika hat mich daher beauftragt, das zu tun. Gleichzeitig zu pflegen Seien Sie versichert, Herr Botschafter, daß ich und die Universitätsprofessoren! Um diesem Schicksal zu habe ich die Ehre, mein Beglaubigungsschreiben zu übergeben. Es ist der Wunsch meiner Regierung, in dem vollsten Maße gegenseitige Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern zu pflegen Persönlich von herzlichen Empfindungen beseelt, die im gemeinsamen Leben und beim gemeinsamen Studium ihren Anfang nahmen und durch fortgesetzt gesellschaftliche Beziehungen genährt worden sind, wird es mir eine besondere Genugtuung sein, die Instruktionen meiner Regierung auszuführen. Ich bitte angeTegentlichst, daß die deutsche Regierung mir Vertrauen und Zusammenarbeit gewähren möchte, wie sie meinem Amtsvgrgänger in so reichem Maße und mit foglücklichem Erfolg gewährt worden sind. Alsdann werden wir zufammen das Wiedererstehen der alten Beziehungen herzlicher Freundschaft zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke fördern, die in der Vergangenheit in so hervorragender Weise zum Frieden und zum Wohle der Menschheit beigetragen haben. Wiewohl sich die Welt heute im Friedenszustande befindet, genießt sie nicht die Früchte des Friedens. Reichsregierung, eingedent der zahlreichen Freundschaftsbeweise, die Deutschland in den letzten schweren Jahren von Ihrem Lande empfangen hat, von den nänzlichen Bestrebungen geleitet sind, wie Ihre Regierung, wir werden tun, was in unseren Kräften steht, um Ihnen die Er füllung der mit Ihrem verantwortungsreichen Amt verbundenen Aufgaben zu erleichtern. Neben den ausgedehnten wirtschaftlichen Beziehungen, die Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika wechselseitig verbinden, sind unsere beiden Länder von jeher durch starke geistige Bande verbunden. Ich zweifle nicht, daß Sie, als ehemaliger Stu tent dreier deutscher Universitäten, als Gelehrter von Weltruf und als langjähriger Präsident der berühmten Cornell- Universität, die uns schon einmal in Ihrem Herrn Amtsvorgänger Andrew D. Whithe einen hervorragenden Vertreter Ihres Landes gegeben hat, gerade für die amerikanisch- deutschen kulturellen und geistigen Beziehungen voles Verständnis befizen werden. Eurer Exzellenz Hinweis auf das unbefriedete Europa und Ihre sympathische Bürdigung der neuen Schritte, die die Reichsregie. rung unternommen hat, um eine gegenseitige und aufrichtige Ber ftändigung herbeizuführen, bemeifen, daß Sie, Herr Botschafter, warmherziges Verständnis für die politischen Nöte und die ehrlichen, auf einen wirtlichen Frieden gerichteten Abfichten des deutschen Boltes befizen. . Die Gespenster der Furcht und des Mißtrauens gehen unter den Nationen um and stehen ihrem besten Streben nach wirtschaftlicher, sozialer und moralischer Wiederherstellung entgegen. Wenngleich es die Politit Amerikas ist, an der Lösung europäischer Fragen nicht teilzunehmen und wenngleich es mir daher nicht anstehen würde, hinsichtlich des Wertes der politischen Aktion, die je gt ermogen wird, eine Für die guten Wünsche des Herrn Präsidenten und der Re Meinung zu befunden, so sei es mir doch verstattet, es als ein glückliches Omen für den Frieden und die Gesundheit der Welt zu begierung der Bereinigten Staaten von Amerika, die Sie mir gütigit grüßen, daß Deutschland eine neue Anwendung der vielen übermittelt haben, spreche ich Ihnen meinen angelegentlichsten Dank Grundsätze der Verständigung und des gegenseitigen Vertrauens Dorgeschlagen hat. Im Namen des Deutschen Reichs heiße ich Sie, Herr Botschafter, herzlich willkommen." Mit tiefer Bewunderung für das, was Deutschland in der Vergangenheit für die Zivilisation beigetragen hat, und mit feſtem Glauben an die Fähigkeit des deutschen Voltes, seine derzeitigen Schwierigkeiten zu überwinden, habe ich die Ehre, Eurer Exzellenz Erfahwahlen in Frankreich. Der Erzreaktionär Daudet unterlegen.- Die Linke verliert ein Kammermandat. Paris, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Nach dem Tod des royalistischen Senators de ia Haye bewarb sich der Royalistenführer Léon Daudet, Herausgeber des Wihblattes Achion Francaise", um dieses Miandat des Departements Maine- et- Loire. Damit er nicht durchdringe, stimmten die Linksparteien in der Stichwahl des Wahlkollegiums für den gemäßigten Republkaner Manceau, der mil 497 Stimmen gegen 356 für Daudef gewählt wurde. Die Royalisten haben damit einen ihrer sichersten Wahlkreise verloren. Bei der in Calvados vorgenommenen Erfahwahl für einen verflorbenen linksrepublikanischen Senator wurde Graf Harcourt, der zur Republikanischen Bereinigung, also zur Fraktion Poincaré, gehört, im ersten Wahlgang gewählt. Im Departement Obere Alpen wurde in der Nachwahl für den zum Senator gewählten sozialistischen Republikaner Cornaud, der Kandidat der republikanischen Union mit 10 689 Stimmen gegen 9914 des Linksblocks gewählt. Die Beamten durch die Inflation beunruhigt. Paris, 29. Juni.( WTB.) Ministerpräsident Painlevé hat eine Abordnung von Beamten empfangen, die ihm die Beunruhigung der Beamtenkreise über gewisse in den letzten Rammerſigungen gemachte Regierungserflärungen sowie wegen des Frankensturzes zum Ausdruck brachte und drei Forderungen unterbreitete: Sofortige Auszahlung der durch das Parlament be= willigten und noch nicht ausgezahlten Teuerungszulage, Ausarbei tung und Einführung einer beweglichen Gehaltsskala, Mitarbeit der Beamten im Wirtschaftsrat. Schwere Kämpfe in Marokko. Paris, 29. Juni.( WTB.) Privatmeldungen aus Marokko lassen erkennen, daß Abd el Krim auf dem östlichen Teil der Front einen starten Druck ausübt. Selbst das" Journal des Debats" muß zugeben, daß es sich seit Beginn der Feindseligkeiten, also seit der ersten Maihälfte, um die schwerst en örtlichen Kämpfe handelt. Der Einbruch der Rifleute habe gegen Süden wesentlichen Ter raingewinn gebracht jedoch scheine das französische Kommando Herr der Lage geblieben zu sein. Obwohl es sich nicht darum handele, um jeden Preis die Stellung zu halten, erfordere die Aufgabe, die jetzt gestellt sei, ein ma dh fames Kommando. Die augen blickliche Krise fönne vielleicht noch einige Tage andauern, jedoch Lönne man nach den vorliegenden Berichten behaupten, daß ein Bormarsch der Rifleute gegen Fez zurzeit unwahrscheinlich sei. aus. Bei dem Empfang waren Reichsaußenminister Dr. Stresemann sowie Staatssekretär von Schubert zu gegen. Die Fortsetzung der Eisenverhandlungen. Klagen der Schwerindustrie. Paris, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Das jüngst in Luremburg zwischen der deutschen und der französischen Schwer industrie getroffene privatwirtschaftliche Abkommen ist in neuen Verhandlungen durch eine seinerzeit eingesetzte Unter tommission ergänzi und ausgebaut worden. Es soll fich dabei insbesondere um die technische Durchführung der getroffenen Vereinbarungen handeln. Nach der„ Journee Industrielle" soll zwar die von Deutschland der französischen Industrie mitgeteilte 3iffer für den zugestandenen Einfuhrkontingent von 1750 000 Tonnen zutreffen, dagegen die Beteiligung der Saar und Lugemburgs an diesem Kontingent nicht ganz den bisher veröffentlichten 3iffern entsprechen. Das gleiche Blatt veröffentlicht ein Telegramm aus Saarbrüden, in dem es heißt, daß die Saarindustrie lebhafte Klage über die Verschleppung der deutsch- französischen Verhandlungen über die Regelung der ausländischen Wirtschaftsfragen führt. Die Situation werde von Tag zu Tag im Saargebiet fritischer und noch dadurch verschärft, daß die Geschäftsstockung, unter der die gesamte Wirt schaft leidet, bisher jede Erhöhung der Löhne und Gehälter perhindert habe, die dringend einer Anpassung an die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten bedürfen. Angriffe auf Vandervelde. Wegen seines Vorwärts"-Interviews. Brüffel, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Erklärungen Banderveldes für den Vorwärts" bereiten der gegnerischen Bresse viel Kummer.„ Banderveldes unangebrachte Erklärungen",„ Unerträgliche Erklärungen Banderveldes"." Bandervelde enthüllt in der deutschen sozialistischen Presse seine geheimen Gedanken", Bander peldes Politik ist die der Sozialisten aller Länder"," Bandervelde will Deutschland nicht weh tun" das sind so einige der schreienden Ueberschriften. Bingtième Siècle" appelliert an die nichtsozialistischen Minister, fich der internationalistischen Ideologie Vanderveldes zu widersehen. National Belge" wirft Bandervelde vor, trotz der Wahl Hindenburgs und der Fortschritte des deutschen Nationalismus ebenso arglos zu sein wie vor dem Krieg. Libre Belgique" bestreitet, daß die große Mehrheit des belgischen Volkes die Ansicht Banderveldes teile und sucht die Christlichdemokraten gegen die Sozialisten aufzuhezzen. Soir", Staandard" und andere Blätter geben die Berliner Havasdepesche, die Vanderveldes Aeußerungen übermittelt, ohne Kommentar wieder. Der„ Beuple" begnügt sich, die Er fiärungen Banderveldes in vollem Wortlaut wiederzugeben. " verfallen, genügt, sich durch Kundgebungen innerhalb oder oußerhalb des Dienstes" in Widerspruch zu den allgemeinen politischen Richtlinien der Regierung" zu setzen. Weiter wird die Regierung auf Grund des Gesetzes über die auf dem Verordnungswege zu erlassenden Verfügungen so ziemlich alles cuf diesem Wege erledigen können, mit fast einziger Ausnahme der Budgetbewilligung. Was das Preßgefet betrifft, so stellt sich jetzt heraus, was wir schon gesagt haben, daß nämlich ein Teil der Sondergefeße zur Knebelung des Landes überflüssig ist, weil ja die Regierung inbezug auf die Abänderung der Polizeibefugnisse, des Strafgesetzes und der Strafverfahrens bereits alle Bellmacht in Händen hat, so daß sie die Sondergeseze gar nicht mehr braucht. Freilich hatte am 28. Mai der Justizminister Rocco ausdrücklich erklärt, daß die für das Strafgefeß geforderten Vollmachten die Preffevergehen nicht berührten, weil über diese der Kammer ein besonderer Gesetzentmurf vorläge. Als aber die Kammer in vierzig Minuten das Preßgefeh annehmen mußte, tat Mussolini zu wissen, Daß 15 Paragraphen des Entwurfs schon in den Bereich der außerordentlichen Bolmechten fielen. Der Kominiffionsbericht des Gesetzes war zwar noch nicht fertig, so daß die ganze vorhergehende Kommiffionberatung unnötig war, da sie ja þer Kammer gar nicht vorgelegt wurde. Um 6 Uhr nachmittags fannten die faschistischen Abgeordneten noch nicht den genauen Wortlaut des Gesetzes, das fie um 11 Uhr abends schon angenommen hatten. Selbstverständlich blieb die gesamte Oppositioit. Der Nicht- Aventinianer der Nachtsizung fern, um ihr nicht den Firnis der Legalität zu verleihen. Bei dieser Gelegenheit ist übrigens zum erstenmal das neue Kammerreglement angewendet worden, das erlaubt, Entwürfe zur Diskussion zu stellen, die nicht auf der Tagesordnung stehen. In den vierzig Minuten hat die faschistische Kammer 1. die Regierung autorisiert, fich der Vollmacht in Sachen der Strafreform zu bedienen, um Normen gegen die durch die Bresse begangenen Mißbräuche und Verbrechen zu erlassen; 2. Die acht Baragraphen des neuen Preßgefezes angenommen. § 1 enthält die Bestimmungen über den verantwort lichen Redakteur, der tatsächlich eine leitende Stellung in dem Blatt haben muß, weder Senator noch Abgeordneter, sein fann, bei der zu gründenden Journalistenkammer eingetragen sein muß und bei zweimaliger Berurteilung wegen Brezvergehens abgelehnt. werden kann; zuständig für die Ablehnung ist der Oberstaatsanwalt des Appellationsgerichts, Berufungsinstanzen gegen seine Ablehnung sind der Justizminister und der Staatsrat.. § 2 jetzt fest, daß fein Blatt veröffentlicht werden fann, wenn nicht der Oberstaatsanwalt den verantwortliches Redakteur anerkannt hat. §. 3 bestimmt, daß, gleichzeitig mit dem Antrag am Anerkennung des verantwortlichen Redakteurs, Drucker und Verleger des Blattes eine Erklärung vorlegen müssen, die Namen und Wohnort aller Besizer des Blattes enthält. Handelt es sich um eine Attien gesellschaft, find die Mitglieder des Verwaltungsrats anzugeben. Diese Anzeige ist alljährlich zu wiederholen. § 4.„ Die Besitzer einer Zeitung sind zivilrechtlich verantwortlich, in solidum mit dem Verleger für die Erlegung von Bußen, Schadenersatz und Prozeßkosten, die sich aus Berurteilung für Pressevergehen ergeben." § 5. Die Maschinen, Buchstaben und anderen typographi schen Gerätschaften der Druckerei, in der die Zeitung oder Zeitschrift gedruckt wird, stellen eine Bürgschaft im Sinne der Strafprozeßordnung dar, für die Bezahlung der als Buße, Schadenersag oder Prozeßkosten im Anschluß an eine Berurteilung wegen Prozeßvergehens geschuldeten Summe, unbeschadet etwaiger Borzugsrechte, die sich aus dem Arbeitsvertrag zwischen Verleger und Journalist ergeben. An Stelle dieser Bürgschaft fönnen die Besitzer der Zei tung oder Zeitschrift eine Kaution stellen, die von Fall zu Fall und bei Beginn jedes Jahres von dem Gerichtspräsidenten des Bezirks, in dem die Zeitung oder Zeitschrift veröffentlicht wird, unter Berücksichtigung der Natur, Bedeutung und Berbreitung der Beröffentlichung festgesetzt wird." § 6. Soweit nicht schwerere Strafen verwirkt sind, wird mit 3uchthaus von 6 Monaten bis zu 3 Jahren und mit Buße von 2000 bis 10 000 Cire bestraft, wer im Bewußtsein ihrer Falschheit falsche oder künstlich abgeänderte Nachrichten veröffentlicht, die den nationalen kredit im Ju- oder Aus landfchädigen können oder in der Bevölkerung Unruhe erregen oder Anlaß zur Störung der öffentlichen Ordnung geben oder der diplomatischen Aktion der Regierung und den Beziehungen mit dem Ausland abträglich sein können." § 7. In den Städten mit Appellationsgericht ist eine Journa listenfammer gegründet. Diese wird Listen der berufstätigen Mitglieder aufstellen, die auf den Kanzleien der Appellationsgerichte nieberzulegen sind. Die Ausübung des journalistischen Berufs ift| nur denen gestattet, die in diese Listen eingetragen sind. Die Normen für diese Eintragung werden durch besondere Ausführungsbestimmungen festgesetzt werden." § 8 hebt alle entgegenstehenden gefeßlichen Bestimmungen auf. Wie man sieht, ist der durch die Julidekrete geschaffene Zustand insofern verschlechtert, als die Einziehung des Vermögens der Besizer, Verleger und Drucker vorgesehen ist. Man muß schon Mussolini Recht geben, wenn er sagt,„ Das Schöne ist gekommen und ich glaube, es tommt noch Schöne res". Man denke, wie schön es wird, wenn man den " Corriere della Sera" zur Hinterlegung von sagen wir fünf Millionen Lire nötigen kann. Worauf das ganze hinaus will, geht aus den Worten hervor, die Farinacci am 21. d. M. vor dem faschistischen Parteitag über das Ensemble der" faschistischen" Gesetze gesagt hat: es wird alle Mittel schaffen, um wirksam die politische Delinquenz zu bekämpfen und wird den faschistischen Jllegalismus legaIifieren, nämlich die Unterdrückung durch eine Partei jener Verbrechen, die nicht in den Strafgesehbüchern aufgezählt sind". Der Faschismus wird also in Zukunft ein Recht zum Strafvollzug genießen gegenüber Handlungen, die in den Strafbüchern nicht augezählt sind. Wir hatten die Sache so ver standen, daß es sich gerade darum handelte, diese Aufzählung in den Strafgesetzbüchern zu vervollständigen. Aber nein: es soll eine Sonderzonefaschistisch er Justiz geben, in der die Faschisten, vom Strafrecht unbehelligt, aburteilen und ihr Urteil vollstrecken. Merkwürdigerweise haben wir den Eindruck, als gäbe es diese 3one schon jetzt und als habe fie eine recht ansehnliche Ausdehnung. Jahre, vielleicht Jahrzehnte...! Die KPD. revidiert sich. Zu dem kommunistischen Parteitag, der in einigen Wochen in Berlin stattfinden soll, veröffentlicht Ruth Fischer in der Roten Fahne" einen programmatischen Aufsatz, in dem sich folgende Säze finden: Bis zum Ende muß die ganze Partei begreifen, daß nicht derjenige ein Kommunist ist, der sich der Bewegung angeschlossen hat in der Hoffnung auf einen nahen und raschen Sieg der Arbeiterklasse. Nur diejenigen werden wirklich zu Revolutionären geschmiedet, die es verstehen, wenn es notwendig ist, den Aufbau einer bolichemistischen Partei auch Jahre, selbst Jahrzehnte hindurch, auch in den Zeiten des Niederganges der Revolution, auch unter den schwierigsten und kompliziertesten Verhältnissen zu voll ziehen. Die deutschen Kommunisten, die durch so viel Feuer hindurchgegangen sind, die so viele Kämpfe erlebt haben, müssen gerade die Bedeutung dieser Grundfragen voll und ganz verstehen. Zum Schluß wird versichert, die Stabilisierung der Bourgeoisie stehe auf schwachen Füßen, es wird auf die Flammen zeichen in China und Nordafrika hingewiesen und aufgefordert, die Atempause zwischen zwei Wellen der Revolution auszumützen". Aber noch einmal heißt es eindringlich:„ Nie mand von uns weiß, wie lange diese Frist ist" Tritt fein Rückschlag ein, dann ist mit folchen Erklärungen die putschistische Periode der KPD. abgeschlossen. Die Auffassung ist verlassen, daß der Tag der Revolution da fei, und daß es nur gelte, ihn durch entschlossenes Handeln auszunügen. Allerdings fehlt noch der Mut, diese neue Auffassung euch auf die Vergangenheit anzuwenden, wodurch die Zwangs vorstellung von der Verräterrolle, die die Sozialdemokratie gespielt haben soll, unweigerlich zusammenbrechen müßte. Marristisch ist diese Zwangsvorstellung freilich nicht, denn wäre der Tag" dagewesen, dann hätte auch der Berrat der SPD." den Sieg der Revolution nicht verhindern können. Es wird also schon so sein, daß die Sozialdemokraten die objektiven Bedingungen der Entwicklung richtiger gesehen haben, als die Kommunisten es taten, die sich haltlosen Illusionen hingaben und dadurch viele praktische Arbeiterinteressen vernachläffigten, viel Arbeiterblut muglos opferten. " P Wenn es mun auch nach der neugewonnenen Einsicht der Kommunisten bis zum vollen Sieg des Sozialismus noch Jahre, ja Jahrzehnte dauern kann, dann rechtfertigt sich die ruhig überlegende praktische Arbeiterpolitik der Sozialdemofratie gegenüber der bisherigen fommunistischen Kritik auch für die 3utunft ganz von selbst. Zu früh gebellt. Die Deutsche Zeitung" als Krisentreiber. Die Deutsche Zeitung" fetzt ihre Angriffe gegen den Reichsaußenminister fort. Sie will ihn lieber heute als morgen fortgehen sehen und behauptet, in seiner eigenen Fraktion sei die Mißstimmung gegen ihn ständig im Wachsen. Die„ Deutsche Zeitung" betreibt ein wenig Krisenmacherei, damit die Deffentlichkeit nicht meine, bei den Deutschnationalen herrsche eitel Brüderlichkeit und Eintracht. Aber in der Wahl des Zeitpunktes hat sie sich dabei etwas vergriffen. Der Vorstand der deutschnationalen Reichstagsfraktion hat einstimmig beschlossen: Stresemann muß bleiben. Bu allem lleberfluß hat Herr Stresemann sich seinen eigenen Barteivorstand auf Dienstag bestellt, und der wird dasselbe beschließen. Wir zweifeln gar nicht daran, daß die Deutschnationalen lieber außerhalb der Regierung wären als in der Regierung. Da sie nun einmal brin sind, muß es sich wenigstens rentieren. Es fönnte ihnen doch vielleicht noch das Geschenk einer Zufallsmehrheit für die Agrarmindestzölle werden. Bis fie darüber völlige Klarheit haben, werben sie fich beherrichen. Sollte es ihnen schief gehen, so werden fie schon offiziell die biffigen Hunde in ihrer Presse gegen Stresemann loslassen. Die Deutsche Zeitung" hat zu früh gebellt. Haus- und Grundbesitzertag. Die Wirtschaftspartei droht mit Ablehnung der Aufwertungsvorlage. entzückt, weil ihnen diese noch nicht weit genug geht. So faßte die Bereinigung rheinisch er Bauernvereine zut 3ollvorlage eine Entschließung, in der festgestellt wird, daß die Zollvorlage der Reichsregierung in der rheinischen Landwirt schaft tiefste Enttäuschung und Besorgnis ausgelöft habe. Die Zollvorlage, so heißt es in dieser Entschließung wörtlich, ist als eine Industrievorlage anzusprechen, da der Industrieschutz eine offensichtliche Bevorzugung erfährt, während der Schuh der Landwirtschaft demgegenüber völlig zurücktritt. Die Zurücksegung der Landwirtschaft wird vor allem darin erblickt, daß der Industrie weitere bedeutende Zollerhöhungen bis zu vielen hundert Prozent der Borkriegszölle zugestanden werden, während der Landwirtschaft, ein auch nur annähernd gleicher Schutz versagt blieb, da nicht einmal der Borkriegszollschutz zugestanden wurde. Ferner erfahre die landwirtschaftliche Produktion eine abermalige Belastung und Berteuerung durch die für landwirtschaftliche Produktionsmittel vor gesehenen erheblichen Industriezölle. Während die Preise für die Industrieerzeugnisse im Inland um einen vollen Zolljah erhöht wurden, seien diese Möglichkeiten einer Einflußnahme auf den Preis bei der Landwirtschaft nicht vorhanden. Schließlich vermisse bie rheinische Landwirtschaft, die seit Jahren den Druck der ausländischen Konkurrenz aufs schärffte empfindet, eine gerechte Berückfichtigung ihrer Produktionszweige. Der vorliegende Entwurf müsse daher als durchaus unvollständig bezeichnet werden. Gefor= dert wird u. a.: Gleichwertige Behandlung von Industrie und Landwirtschaft, Einbeziehung wichtiger bisher nicht vorgesehener landwirtschaftlicher Erzeugnisse in die Zollvorlage, Schaffung einer genügenden Garantie dafür, daß bei den Handelsvertragsverhand. lungen die landwirtschaftlichen Bollfäße nicht als Rompensa. tionsobjekte behandelt werden, ausreichende mindest. fäße auch für Vieh, Obst, Gemüse, Wein usw., Wegfall aller belastenden Beschränkungen sowie Bewegungsfreiheit, Freigabe der Ausfuhr für landwirtschaftliche Produkte, Beseitigung der Umsatzsteuerfreiheit bei Einfuhr von ausländischen Produkten, Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft und aus. reichende Existenzsicherung gegen ausländische Konkurrenz. Diese Stellungnahme der rheinischen Bauervereine verfennt, daß den Großagrariern, die die Getreidemindest= der Bauernwirtschaften liegt. Daher hat die Großlandwirtschaft sich immer zum Vertreter des sog. lückenlosen Bollschutzes" gemacht, der zunächst eben den industriellen Hochschutzzoll vorfieht, damit man unter Hinweis auf ihn aus Gründen der Solidarität" den Getreidzoll begründen kann. Der Schwerindustrie, die ihrerseits die Getreidezölle als Gegenleistung für die agrarische Zustimmung zum Industrieschutzoll bewilligt, ist viel zu fehr an Handelsver. trägen interessiert, als daß sie das System der Mindestzölle allgemein unterstützen würde. Daher haben die Bauern, selbst wenn man ihre Forderungen als berechtigt anerkennen durchzusetzen. Die Resolution ist also politisch vollkommen wollte, feine Aussicht, sie mit der agrarisch- schwerindustriellen 3 wedlos. Sie ist aber auch in der fachlichen Beweisführung falsch. Denn die Bauernschaft ist wegen ihrer Viehhaltung z. B. auf die freie Einfuhr von Futtermiteln angewiesen. Dresden, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend und Sonntag tagte hier der Verbandstag der Haus- und Grund- zölle verlangen, gar nichts an einer Förderung befizer, ein ausschließlich in nationalistischem Fahrwasser wandeln der Berein. Er hatte sich u. a. den tompromittierten deutschnationalen Abg. Dr. Oberfohren als Redner über die Steuerreform" verschrieben. Im wesentlichen wandte sich Oberfohren gegen die noch bestehenden Reste der Erzbergerschen Steuerreform. Ihm folgte in seinen Ausführungen der Reichstagsabg. Dr. öriffen. Er stellte feft, der Hausbesiz sei bereit, die Auf hebung der Wohnungszwangswirtschaft vorausgesetzt einer 25pro. centigen Aufwertung zuzustimmen aber ohne feste Garantien sei das unmöglich. Für den Fall, daß diese Garantien nicht geschaffen würden, behalte fich die Wirtschaftspartei die bleh in dritter Lesung vor. Dann widmete er der Behauptung, daß der der gegenwärtigen Aufwertungsvorlage Haus- und Grundbesitz nicht genügend Steuern Steuern zahle, einige schöne Worte, ohne aber den Kern des Vorwurfs auch nur im geringsten zu widerlegen. Tatsächlich soll der Haus- und Grund befiz nach den Erklärungen des Herrn Jöriffen jährlich 3390 Millionen Mart aufbringen. Das sollen dreiviertel des Gesamtbedarfs des Reiches nach Ueberweisung an die Länder sein. Das Berhältnis mag richtig angegeben sein, aber auch Herr Jörissen dürfte nicht glauben, daß die Haus- und Grundbefizer wirklich die von ihm angegebene Steuersumme aufbringen. nung Christliche Bauernvereine für Schutzoll. Eine abwegige Stellungnahme. Köln, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Bährend die rheinische Bentrumsarbeiterschaft gemeinsam mit der Sozialdemokratie gegen die drohende Belastung der Lebenshaltung durch die neue Zollvorlage anfämpft und sogar in diesem Bestreben auch ab und zu von der Zentrumspresse unterstützt wird, sind die rheinischen Zenvon der Zentrumspresse unterstützt wird, sind die rheinischen Sen trumsagrarier von der dem Reichstag vorliegenden Zollvorlage nicht Erfreulicherweise steht die Stellungnahme der rheinisch... Bauervereine vereinzelt da. So hat sich der Reichsverband landwirtschaftlicher Kleinbetriebe zusammen mit den Tage ausgesprochen in der richten Erkenntnis, daß die Hoch Landarbeiterorganisationen gegen die Schutzollvor. schutzölle der Landwirtschaft nur schaden. Der neue deutschösterreichische Gesandte in Berlin, Dr. Frant, ist heute vormittag 9.05 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof einge. troffen. Zu seinem Empfang waren die Beamten der Gesandtschaft und Vertreter des Auswärtigen Amtes erschienen. Ein Flugzeugtransport für Rumänien, der durch Ungarn ghe. aufficht angehalten, weil Flugzeugdurchfuhr durch Ungarn überwurde auf Verlangen der ungarischen Regierung von der Ententehaupt verboten ist. anderen Stellen, auch von Arbeiterbildungsausschüssen, noch recht Schule für die Stellung der Jugend zum Theater besprochen. Parlament der Theaterbesucher.ungenügend für eine Verbindung zwischen Waffen und Bühne Zwehl- Frankfurt wendet sich gegen jede Schulmeiſterei bei den ( Sechster Boltsbühnentag.) Jena, Juni 1925. Mehr als 200 Delegierte aus über 100 Orten in allen Teilen des Reiches sind erschienen. Die imposante Versammlung wird durch den Vorsigenden des Verbandes, Staatssekretär a. D. Baate, eröffnet. Mit ftarten Worten umreißt er die Bewegung und weist vor allen Dingen darauf hin, wie mehr und mehr auch staatliche Funktionen der Theaterpflege auf fie übergegangen feien. Dann begrüßt Stadtdirettor Dr. Elsner für die Stadt Jena bie Berjammlung. Für das Preußische Kultusministerium Kultusministerium fpricht Dr. Seelig. Er betont, baß es dem Staate durch das Empor wachsen der fulturellen Befucherorganisationen möglich geworden fei, eine Kulturpolitit auf dem Gebiete des Theaters zu treiben, wie nie zuvor. Wenn ftaatliche Mittel für die Bollsbühnen bereit gestellt würden, fo sei das eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Reineswegs würden die Volfsbühnen dadurch Roftgänger des Staates, eher fönnte man fagen, daß der Staat heute ein Rostgänger der Wolfsbühnen ist. Für die thüringische Regierung fowie für die thüringischen Volkshochschulen wünscht Dr. Buchwalb der Tagung guten Bertauf. Als Vertreter der Universität Jena spricht ihr Rettor Prof. Gerland Worte warmer Anerkennung über die Boltsbühnenbewegung. Präsident Ridelt überbringt bie Grüße der Bühnengenossenschaft, Präsident Dr. Wolf spricht für den Deutschen Bühnenverein. Der Borsitzende der Jenaer Boltsbühne, Tiedemann, heißt die Erschienenen als Sprecher seiner Organi fation willkommen. Der Geschäftsbericht wird den Delegierten schriftlich vorgelegt und von dem Geschäftsführer des Berbanbes, Dr. Neft riepte, engängt und erläutert. Dem Verband schlossen sich im Berichtsjahr 1924/25 77 neue Organisationen an, so daß die Zahl der zugehörigen Vereine auf 198 stieg. Der Verband drang neuerdings auch in Bayern und Mecklenburg por. Einzelne Organisationen fonnten mit Hilfe eigener Bühnen oder durch die Beteiligung an städtischen Theaterbetriebsgesellschaften Wertvolles leisten, die große Mehrzahl nahm ihre Vorstellungen von anderen Bühnen, meist sehr zum Bors teil ber Leistungen diefer Theater. Daneben standen Theaterfahrten, zahlreiche Sonderdarbietungen aus anderen fünstlerischen Gebieten um. 48 Bereine geben eigene Zeitschriften unentgeltlich an ihre Mitglieder ab, 30 weitere ein vom Verband geliefertes Drgan. Der Verband fand bei der Reichsregierung und bei manchen Landesregierungen, vor allen Dingen im Preußischen Kultusminifterium, zum Teil sehr wertvolle Förderung. Durch die Schaffung mehrerer eigener Wanderbühnen, die mit außerordentlich gutem Ergebnis arbeiteten, durch die Bermittelung von Künstlern für Konzerte ufm., durch einen eigenen Berlag und andere Einrichtungen fonnte er fein Tätigkeitsgebiet erheblich ausweiten. Anschließend an den Geschäftsbericht gibt der Verbandstaffierer Geilgens den Kaffenbericht des Berbandes, der ein recht günstiges Bild aufweist. An diese Berichte schließt sich eine längere Aussprache an, in der die Arbeit der Verbandsleitung vielfach mit lobenden Worten gewürdigt wird. Getlagt wird darüber, daß in einzelnen Orten, in denen Bolfsbühnengemeinden noch nicht ins Leben traten, pon Die Bersammlung wendet sich dann der Beratung von Sagungs- entschieden ab. In Heßler. Berlin fommt ein Vertreter der änderungen zu. Der zweite Berhandlungstag bringt nach Abschluß der Beratung über gewisse Sagungsänderungen zwei Vorträge über das Thema Jugend und Boltsbühne". Bunächst spricht Wilhelm Spohr, der Leiter der Berliner Jugendvoltsbühne, über die Pflicht der Boltsbühnen, der schul pflichtigen Jugend und der Jugend der Fortbildungsschulen fünftle rische Darbietungen zu vermitteln. Er verweist auf den vielen Kitsch und Schund, der die Jugend bedroht und dem es entgegenzuwirken gilt. Er führt aus der Praxis der Berliner Volksbühnenvorstellungen ergreifende Beweise für die tiefe Wirkung vieler Aufführungen für die Jugend an. Natürlich vergißt er auch nicht, auf die Wichtigkeit einer rechtzeitigen Gewinnung der Jugend im Intereffe der späteren Boltsbühnenarbeit an den Erwachsenen hinzuweisen. Der zweite Referent, Dr. Adam Kudhoff Aachen, beschäftigt sich mit der Frage des attiven Bühnenspiels der Jugend. Künstlerische Bedeutung hat für ihn das Laienspiel nur in den Anfängen der Runft, in der Zeit ihrer engsten Berbindung mit der Religion. Heute sei das Laienspiel ästhetisch abzulehnen. Dem Streben der Jugend, Gemein schaften mit bestimmten neuen Inhalten zu schaffen und diese im Spiel zum Ausdruck zu bringen, steht Rudhoff mit Sympathie, aber auch mit einiger Stepfis gegenüber. Für die Melteren hält er es fürs beste, sich hier nicht hineinzumischen. Den Boltsbühnen rät er, das Laienspiel der Jugend nicht positiv zu unterstützen, aber Menschen mit lebendigem Gefühl für diese Dinge zu suchen, die als Berater bereitstehen. # In einer lebendigen Aussprache betont zunächst Rickelt, der als Bertreter der Bühnengenossenschaft anwesend ist, wie sehr seine Organisation sich berufen fühlte, Hüterin der Theaterkunft zu sein, und daß sie auch dem Laienspiel Verständnis entgegenbringe, so sehr und daß fie auch dem Laienspiel Berständnis entgegenbringe, so sehr fie es als füinfilerische Erscheinung ablehne. Im Hinblick auf die Ausführungen Spohrs befürwortet er lebhaft, daß der Staat den Boltsbühnen Mittel zur Verfügung stelle, damit sie mehr noch als bisher der Jugend Borstellungen bieten tönnten. In Frih Schulz Berlin nimmt ein Bertreter der proletarischen Jugendbewegung das Wort, um festzustellen, daß von ihr das Laienspiel nicht überschätzt und nicht als Erfaz des Berufstheaters betrachtet werde. Diese Jugend sehe in der Boltsbühne die Verwirklichung ihrer Theaterwünsche. Er schildert, wie in den Jugendabteilungen der Berliner Jugendvoltsbühne Werte wirklich zum Gemeinschaftserlebnis geworden wären. Jaffé Suhl zeigt an Hand er schütternder Bilder, wie notwendig es fei, besonders in den Industrie gebieten der Jugend das gute Theater zu erfchließen. Was die aktive Betätigung der Jugend im Spiel angeht, so hält er hier das Buppentheater als die beste Gelegenheit. Dr. Herzfeld- Frankfurt am Main jetzt sich für ein lebendiges Zusammenfühlen mit der Jugend Mößinger- Stuttgart warnt vor auch bei ihren Spielen ein. Jugendvorstellungen. Die Laienspielpflege in den Schulen lehnt er Gewerkschaften zu Wort, der auf die fortschreitende Mechanisierung der Arbeit hinweist und zeigt, wie verständlich und wertvoll zugleid) das Streben der Jugend sei, hier nun im eigenen Laienfpiel wie im Erlebnis von Borstellungen der Berufsbühne eine Ergänzung zu finden.-lling- Chemnitz schließt sich Kuckhoff in der Feststellung an, daß das heutige Theater zu formalästhetisch sei. Gegen das Laienspiel hat aber auch er Bedenken. Um so wichtiger scheint ihm der Sprechchor, mit dem bereits wertvolle Erfahrungen gemacht wurden. Sehr gut charakterisiert Lange Halle den Laienspieler, Schulung fehle, ohne die eine fünstlerische Wirkung nicht erzielt der gewiß ganz erfüllt sei von seiner Aufgabe, dem aber die technische werden könne. Nachdem andere Redner noch örtliche Beobach # tungen und Erfahrungen mitgeteilt und Dr. Tad Stettin vor allen Dingen dafür eingetreten ist, daß die Boltsbühnen die Jugendlichen auch zur Mitarbeit in ihren Ausschüssen heranziehen, ihnen selbst die Möglichkeit zur Mitbestimmung des für sie in Betracht kommenden Spielplanes geben möchten, erhalten die Referenten das Schlußwort. loff- Magdeburg noch sehr treffende Ausführungen über die Auf Außerhalb der eigentlichen Tagesordnung macht Frau Ger. gaben, die die Boltsbühne den Frauen gegenüber zu erfüllen habe. Der gefährliche Maltaften. In Düsseldorf gibt es eine Künstler. vereinigung Malkasten". Die junge Generation fann fie nicht leiden, sie ist zu unmodern, das Jahrtausendfestspiel, das die Mal faftner jeßt aufgeführt haben, soll auch nicht gerade von heute fein aber das tut alles nichts zur Sache. Zu der Sache nämlich, daß bei der zweiten Wiederholung das Deutschlandlied" gespielt und von den Anwesenden mitgefungen wurde. Das ist nun eine Sache der Ueberzeugung, des Gefühls, in diefem besonderen Fall auch des Geschmacks; zu verstehen ist das Berhalten des Publikums gerade im besetzten Düsseldorf auf alle Fälle. Aber der französische Ortskommandant von Düsseldorf verstand nicht, und er wußte fich nicht anders zu helfen, als durch ein Berbot eine weitere Auf führung zu verhindern. Wer die Psyche des Militärs fennt, fann das zwar auch verstehen, beurteilen aber nur als unglaublich, dumm, turzsichtig, militaristisch. Denn was ist die Wirkung? Neuer Aerger, neue Berbitterung, neue Revanchegebanten, neue Schwarzweißrederitis! Eben fommt nun die Meldung, daß das Berbot rüdgängig gemacht wurde. Hat etwa ein Militär gelernt, daß man Frieden nicht erntet, wenn man Kriegsstimmung fät? Hat ein Soldat das gelernt? Dann: Heil dem Mallasten, Heil dem Symptom tommenden Sieges der Bernunft! Theaterabbau in Dortmund. Die Stadt Dortmund, die bisher ein großes und ein fleines Theater unterhielt, wird den Betrieb des fleinen Hauses mit Ablauf dieser Spielzeit wegen Unrentabilität einstellen. Drahtseilbahn auf den Montblanc. Bon Chamonig wird eine elektrisch betriebene Drahtseilbahn nach der Aiguille du Midi, 3843 Meter über dem war schon im legten Winter eröffnet. Bis zum nächsten Winter wird die Drahtseilbahn bis zur Gletscherftation 2668 Meter hoch im Betrieb jein. Die Hängewagen tönnen 18 Personen aufnehmen. einer Ueberschäßung des Wertes des Laienspiels, das leicht zur Selbst- Weere, gebaut. Der erste Abschnitt bis zu einer Höbe von 1790 Meter überhebung führe. Wilberg Magdeburg untersucht als Bädagoge, welche Werke für ein Schülerpublifum in Frage kommen könnten. Bon Krogel- Hannover wird die Bedeutung der Bezirksparteitag in Thüringen. Für Amnestie.- Gegen Agrarzölle. Jena, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Begirts parteitag der Sozialdemokratischen Partei Groß- Thüringens nahm am Sonntag folgende Entschließung an: Der Bezirksparteitag Thüringens gibt seiner Entrüftung dar über Ausdruck, daß die versprochenen Amnestie gefeße dem Reichstag immer noch nicht zugegangen sind und fordert von der thüringischen Regierung, daß fie ihre Vertreter im Reichsrat anweist, der Frage eingehende Beachtung zu schenken, besonders aber auf eine schleunige Schaffung einer umfassenden Amnestie zu drängen. Soweit den Ländern bei der kommenden Amnestie besondere Maßnahmen vorbehalten werden, verlangt der Parteitag, daß die Thüringer Regierung besonders die Vergehen aus wirtschaft. licher Not bei Streits usw. berücksichtigt und die politischen Bergehen nicht einseitig beurteilt werden. Weiter nahm der Bezirksparteitag folgenden Antrag an: Der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wolle beschließen: Der Reichswehretat iſt abzulehnen, außerdem nahm der Bezirksparteitag nach einem Referat des Genoffen Hilfer. ding Stellung zu den 3ollfragen und erhob einmütig Protest gegen die Einführung der das Elend der breiten Massen noch mehr perelendenden Agrarzölle gegen die die wirtschaftliche Entwid lung zum Freihandel hemmenden sowie die internationale Verstandigung der Arbeit erschwerenden Industriezölle. Der Parteitag erwartet, daß die Reichstagsfraktion mit allen parlamentarischen Mitteln den Kampf führt und ruft die Massen auf, diesen Kampf mit allen geeigneten Mitteln zu unterstützen. Der Kindermann- Skandal. Warum schweigt die Reichsregierung? Seit nahezu dreiviertel Jahren werden in Mostau zwei junge harmlose Deutsche nebst einem zweifelhaften Deutschbalten feftgehalten unter Beschuldigungen, die, jedenfalls was die beiden Deutschen anbetrifft, auf den ersten Blid als geradezu irrfinnig erscheinen müssen. In der ersten Zeit wußte man nicht recht, was die Sowjetleute damit bezmeden. Als jedoch der Leipziger Tjeta prozeß einsetzte und die führende Rolle, die Stoblewsti unter dem Schutze der russischen Botschaft und der Handelsvertretung bei den Attentats- und Putschplänen gespiel hatte, da wurde es sofort allen flar: die Moskauer Tscheka hatte sich im voraus Austausch objekte sichern wollen und zu diesem Zwecke die beiden Deutschen verhaftet. Jetzt wird gegen sie ein Prozeß geführt, der nichts anderes ist als eine tragische Bosse. Die Anklageschrift ist ein mäßiger Leitartikel der„ Roten Fahne" und eine Aneinanderreihung oller Kamellen. Sie gipfelt in der Behauptung, daß die Angeklagten Mitglieder der DC. waren, die im Auftrage teils der deutschen Regierung stehen, teils ihrer Organisation Spionage treiben und Zttentate ausführen wollten. Dabei ist der angebliche Erhardtmann Rindermann ein Jude mit fommunistischen Eympathien! Allein tiese Tatsache würde genügen, um die ganze Berrüdtheit der Tfchefaanflage, zu beweifen. Mit beispiellofem 3ynismus versucht aber die Mostauer Regierung diesen Prozeß auf Grund einer solchen Anklageschrift" durchzuführen. Sie kann diese Schamfigteit nur wagen, weil die Reichsregierung zu fetge ist, 1m dazwischen zu fahren. Sie hat ihre Landsleute seit ihrer BerHaftung schmählich im Stich gelassen und noch jezt begnügt sie sich damit, diejenigen Behauptungen der Anklage zu dementieren, die sich auf die angebliche Beteiligung deutscher Regierungsstellen an Den Spionage und Attentatsplänen" der Angeklagten beziehen. Warum verhält sich die Reichsregierung diesem Standal gegenüber so passiv? 11 Aus demselben Grunde, aus dem sie vor Jahresfrift aus purer Liebedienerei gegenüber Sowjetrußland dem Verlangen nach Absehung des Regierungsdirektors Weiß Don der Abteilung Ia Rechnung trug, obwohl die russische Botschaft allen Anlaß gehabt hätte, hinsichtlich des Treibens in ihrer Handelsver. tretung still zu sein. hätte Aus demselben Grunde, aus dem sie nicht die geringsten praktischen Schlußfolgerungen aus den Feststellungen des Leipziger Tschelaprozesses gezogen hat; eine sich selbst achtende Regierung auf Grund der Enthüllungen über die Rolle bes Gtoblemsti, der von seinem Schlafzimmer in der russischen Botschaft aus Mord- und Putschpläne dirigierte, die fofortige Ab. berufung des Botschafters gefordert. Aber das Auswärtige Amt hat nicht nur nichts dergleichen getan, sondern sogar versucht, die deutsche Deffentlichkeit zu beruhigen. Dieser Grund ist sogar ein Grundsatz: Die östliche Richtung" im Auswärtigen Amt will um jeden Preis eine deutsch russische Berstimmung vermeiden, auch um den Preis deutscher Interessen und deutscher Menschenleben: das galt in der Sache Weiß, das galt in der Affäre Stoblewsti, das gilt in dem Handel Kindermann- ja das gilt sogar in der Frage des Sicherheitspatts und des Eintritts in den Völkerbund! " London gegen Moskau. Ausweisung der Sowjetmission? London, 29. Juni.( BTB.) Der Staatssekretär für Indien, Lord Birkenhead, sagte in einer Rede in Loughborough, als er über die furchtbare Seuche des Bolschewismus" Sprach, vor einigen Tagen habe Chamberlain im Unterhaus die wichtige Erklärung abgegeben, daß die Unruhen in China durch Agenten eines anderen Landes genährt würden. Eine solche Aeußerung aus dem Munde des Staatssekretärs fönne nicht außer Acht gelassen werden. Zweifellos werde eine Zeit tommen, wo sich die Engländer zu fragen hätten, ob sie wirklich hilflos einem Lande gegenüberstünden, das eine diplomatische Vertretung in Lon don besize, und das dessen ungeachtet nach dem Geständnis seiner eigenen Führer in der ganzen Welt durch eine unermüdliche geheime Tätigkeit das Ziel der Zerstörung des britischen Reiches verfolge. Diese Aeußerung Birkenheads ist besonders bemerkens. wert, da hier zum erstenmal ein Rabinettsmitglied ähnliche Gedankengänge ausspricht, wie sie feit einigen Tagen von der „ Times" und dem" Daily Telegraph" hinsichtlich der Londoner diplomatischen Bertretung Sowjetrußlands vorgebracht werden. Im„ Observer" schreibt Garvin in einem Auffah über die Unruhen in China, die Extremisten in Mostau seien der Ueber zeugung, daß Großbritannien und das britische Reich die Haupt hindernisse für eine Weltrevolution seien, und daher würde von Mostay aus alles geschehen, was möglich sei, um die britische Stellung in Afien zu untergraben. Klügere Männer in Moskau, wie 3. B. Kraffin, wüßten genau, daß eine derartige Außenpolitik verfehlt sei, aber es herrsche eben der Geist Sinowjews, und er werde vielleicht in nicht zu ferner Zeit eine sehr unerfreuliche Entscheidung herbeiführen. Chinesisches Konferenzersuchen an Amerika. Condon, 29. April.( Eigener Drahtbericht.) Der chinesische Besandte in Washington hat dem Staatsdepartement eine Note über reicht, in welcher die amerikanische Regierung ersucht wird, eine Konferenz in Washington zu vermitteln, welche die Differenzen zwischen China und den Mächten regeln foll i Spreefahrt... diese Weise eine Unterstützung zu erhalten hofften, wurden um ihr Letztes gebracht. Als die erste Nummer der Zeitschrift erschienen Die besteigst mit einem Freunde bei herrlichstem Sonnenwetter. war, wandte sich der Angeklagte an führende Persönlichkeiten der ein schlankes Paddelboot. Zu beiden Ufern Wiesen- und Waldes. ein schlankes Paddelboot. Zu beiden Ufern Wiesen- und Waldes. Demokratischen Partei und erreichte auch, daß ihm Darlehen grün, bie weite glitzernde Wasserfäche, auf der die Sonne ihre gegeben wurden. Als Seelig aber Geld in den Händen hatte, wunderlichen Silberfringel malt, belebt von Booten, so weit das schaffte sich ein Lurusgefpanu: an und lebte auf großem Fuße, so fümmerte er sich um das Zeitungsunternehmen nicht mehr. Er Auge reicht. Es ist etwas Wunderbares um dieses Ringen mit dem Stüd qued silbriger Natur, das sich, ein immer flutender, immer daß die Zeitungsgründung bald zusammenbrach. Der Schaden wird auf etwa 11 000 m. beziffert. Da der Angeklagte auch Wechsel lebendiger Reifen, vom Osten nach Westen ins Meer schlängelt. und Quittungen unter falschem Namen ausgefüllt hatte, so wurde Jene Segel, die sich wie weiße, seltsam starre Raubvögel leicht er nicht nur wegen Betruges, sondern auch wegen schwerer Urüber Badbord legen, muten an wie ein Menschenleben. Drückende fundenfälschung verurteilt. Die Strafe lautete auf 1 Jahr Ge. Enge und doch unermeßliche Weite zugleich. Ewiger Rampf, ge Enge und doch unermeßliche Weite zugleich. Ewiger Kampf, gefängnis und 4 Wochen Haft. Letztere war durch die Unterbüdt im wechselnden Streit mit dem Widersacher, aber zugleich auch fuchungshaft verbüßt. eine Hoffnung im geträufelten Gleichmaß des ewigen Lebens. Wie ein von innerer Luft geschüttelter Fisch durchschneidet das Boot die Wellen, immer lavierend, im Streit mit den Wellen, die die Schrauben der Motordampfer gischtig- weiß aufmühlen... Gleich fleinen, buntsprentligen Miniaturen sind die zahlreichen Gasthäuser in den grünen Rahmen des Frühsommers eingefügt. Dort sizen wie in der altrömischen Arena die würdigen Inhaber vor reservierten Blägen, um in unverfälschtem Dialekt ihr sachkundiges Urteil über die Qualitäten der einzelnen Wasserstarter zu fällen. Die mühen sich, dekolletiert wie nur irgend möglich, manche nur mit einer schlichten Badehose umgürtet, aber trotzdem in der Uebergüte der Sonne schweißdurchtränkt die Anstrengung macht jedoch keine Qual. Die da an Land fühlen sich wohl sicherer und sie fönnen ihre Gliedmaßen weit unbeherrschter operieren lassen, wie wir auf dem schwankenden, eng umgrenzten Brett. Gegen Nachmittag beleben die Gelegenheitsamateure mit ihren gemieteten Ballonfähnen" die Szenerie. Nicht gerade sehr vorteil. haft. Das Steuern vor allem ist nicht ihre stärkste Seite. Meist figt eine liebeerrötende Jungfrau am Steuer. Sie singt Sehnsuchts. lieder an den Mond oder schlägt lyrisch die Klampfe; dabei rammt fie dich mit tödlicher Sicherheit, wenn du nicht höllisch auf dem Baden" bist. Hinten, nicht weit vom Eingang des Teltower Kanals hat man einen fleinen Badestrand mit Burgenfand und Familien hütten improvifiert. Ganz fern im Westen taucht hinter den Schloten der Oberschöne weider Industrie der fieberhaft rote Sonnenball unter und plöglich ist die Atmosphäre irgendwie von Traurigkeit erfüllt. Die plätschernden Bellen ersterben in schwärzeren iTnten- fie werben ungesellig drängen zur Heimkehr. Jschele und Mannele. Das Ende einer Berliner Verbrecherbande. Ein Einbruch Unter den Linden führte zur Aufklärung des Treibens einer fiebentöpfigen Bande, die jetzt bis auf zwei Mann hinter Schloß- und Riegel gebracht wurde. In das Silberwaren geschäft der Bitwe Bosen, Unter den Linden, waren ein Karl Mit fid und ein Wiese von dem nebenan liegenden Blumenladen burch die Wand eingedrungen. Sie hatten ganze Säde voll Silberzeug gepact, sich aber bei der mühsamen Arbeit so verspätet, daß sie den größten Teil im Stich lassen mußten. Aufgepaßt hatte draußen ein gewisser Fichte, der ganze Zeit über mit harmloser Miene auf einer Bant saß, weil er ein frankes Bein hat. Die beiden Einbrecher und der Aufpasser wurden ermittelt und fest, sie zu einer Bande gehörten, die plan- und gewerbsmäßig den genommen, und nun ergaben die weiteren Nachforschungen, daß Einbruch in Konfektions- und Trifotagengeschäfte betrieb, fich aber nie mit Kleinigkeiten abgab. Die anderen Mitglieder waren ein gewisser Willy Malchin, ein Peters, ein Mann aus Lodz, der nur unter dem Namen Mannele oder der Einbrecherkönig Don Lodz bekannt ist und endlich ein ebenfalls noch unbekannter oder mit dem Spignamen 3fchele, der die Hehlergeschäfte be. forgte. Malchin besorgte immer ein Fuhrwerf. Um die Beute vorläufig verstecken zu fönnen, hatte sich die Bande in der Grenadierstraße eigens eine Remise gemietet. Hier hatte sie eines Nachts einen großen Posten Trifotagenwaren aus einem Einbruch in der Stralauer Straße untergebracht. Mitsid und Peters standen bis 10 Uhr vormittags bei der wertvollen Beute Wache. Dann gingen fie ermüdet nach Hause schlafen. Als sie nach einigen Stunden wiederfamen, war ein großer Teil der Waren verschwunden. Der ging die Freundschaft in die Brüche. Die beiden Barteien arbeiteFehler Ischele hatte sich heimlich versorgt. Ueber diesen Streich Mitsid und Peters in der Tauentienstraße ein großes Geschäft" ten jetzt eine Zeitlang getrennt für eigene Rechnung. Als aber in Aussicht hatten, das sie allein nicht bewältigen konnten, vereinig ten sie sich wieder mit der anderen Kolonne. Ein Teil des Silberzeuges aus dem Laden Unter den Linden war früher bereits in der Behausung des Mitsid gefunden worden. Anderes entbedte man jezt noch in dem Stall eines Betriebes, aus dem Malchin das Fuhr mert zu besorgen pflegte. Die Mitglieder der Bande wurden jetzt bis auf die beiden Lodzer feffgenommen. Diese beiden sind aus Berlin spurlos verschwunden. Außer den 12 großen Einbrüchen, die sie einräumen, haben die Verhafteten wahrscheinlich noch viel mehr auf dem Kerbholz. Mitteilungen zur weiteren Aufklärung nimmt die Dienststelle B. I. 3, Kriminalfommissar Trettin, im Zimmer 103 des Polizeipräsidiums entgegen. Fahrkarten für Sommersonderzüge. Ueber den Bertauf der Fahrkarten zu den Sommersonderzügen Grund amtlicher Unterlagen mitgeteilt, daß die Sonderzüge nach wird von der Reichszentrale für Deutsche Verfehrswerbung auf München bis auf den 7. Juli, für den noch Fahrkarten abge= geben werden tönnen, ausverkauft sind. Ebenso find die Fahr farten für den Sonderzug nach Basel am 3. Juli und nach Stuttgart am 4. Juli vergriffen. Für die übrigen Züge nach Stuttgart und Basel im Juli find noch Karten verfügbar. Die Sonderzüge nach Ostpreußen und von Charlotten burg nach der Oft fee sind ausverkauft. Für die Sonderzüge Dom Stettiner Bahnhof nach der Ostsee find nur noch Karten zu den Zügen am 8. Juli und 15. August nach Swine. burg abschlägig befchieden sind, wollen bei der Fahrkartenausgabe münde verfügbar. Reisende, die vom Bahnhof CharlottenStettiner Bahnhof nachfragen. Zu den Sonderzügen nach dem harz fönnen noch Fahrkarten abgegeben werden, dagegen nicht zu dem Sonderzuge nach Köln am 4. Juli. Den Reisenden nach dem Rheinlande wird empfohlen, die Sonderzüge zu benutzen, die aus Anlaß der Jahrtausendfeier zu den gleichen Bedingungen wie farten werden ausgegeben nach Essen, Mülheim, Duisburg, Düsseldie Feriensonderzüge am 10., 17. und 24. Juli verkehren. Fahr noch Fahrkarten für die Sonderzüge am 3. Juli und 15. August Nach dem Riefengebirge fönnen abgegeben werden. Nach Thüringen sind für die Sonderzüge nach Rudolstadt am 3. Juli und nach Eisenach am 11. Juli noch Rarten verfügbar. dorf, Köln und Aachen. Auch ein Zeitungsgründer. Die Berliner Amerika- Anleihe. Bom Nachrichtenamt des Magistrats wird mitgeteilt: Die Stadt Berlin hat durch Vermittlung der Deutschen Bant in Berlin und der Firma Lazard Speyer- Ellisen in Frankfurt a. M. mit einem amerikanischen Konsortium unter Führung der Firma Speyer u. Co. in New York, bem außerdem noch angehören: Blair u. Co., Inc. Equitable Trust Company in New York, Chase Securitis Corporation, sämtlich in New Yort eine 6% prozentige 25jährige amortisable Auslandsanleihe im Befrage von 15 Millionen Dollar abgefchloffen. Berstärkte Tilgung durch Auslosung der Gesamtkündigung zu pari ist ab 1. April 1930 zugelassen. Der Erlös der Anleihe dient der Erweiterung des Untergrundbahnsystems und zum Ausbau und zur Verbesserung der elet trischen Licht- und Kraftwerte. Wo bleibt die Baupolizei? Das große Schadenfeuer in der Lindenmarkthalle läßt die Frage entstehen, wo die Baupolizei bleibt. Bei der Bewältigung dieses stieß die Feuerwehr auf erhebliche Schwierigkeiten, da die Ber Brandes, der in mehr als einer Hinsicht besonders gefährlich war, tarsten baupolizeilichen Vorschriften fehlten. Die Baupolizei hätte bindungswände im Kellergewölbe der Halle entgegen den elemendurch erafte Kontrolie diesen Uebelstand feststellen und für seine Abhilfe Sorge tragen müssen. Noch einige andere Fälle als Be weis dafür, daß die Baupolizei, wenigstens den Großbetrieben gegenüber, eine Langmut an den Tag legt, gegen die nicht ent fchieben genug Brotest erhoben werden fann. Der große Brand in den Sarotti- Werfen fonnte seinerzeit nur darum eine so große Ausdehnung nehmen, well die baupolizeilichen Vorschriften in gröblichster Weise außer acht gelassen waren. Als vor etwa 6 Wochen bei der AEG., Aderstraße, ein schweres Großfeuer ausbrach, konnten die Löschzüge der Feuerwehr sich nur unter größter Mühe den Weg für ihre Rettungsarbeiten freimachen, da die Höfe mit Kisten, Wagen und Geräten fast barrikadenmäßig verstopft waren. Bei dem Brand in einem Industriegebäude in der Köpentder Straße konnte die Feuerwehr nicht an die Brandstelle herankommen, da die Enge der Höfe das Passieren der Wagen unmöglich machte. Während man aber der Industrie gegenüber mit einer Loyalität, die an Fahrlässigkeit grenzt, beide Augen zudrückt, erhebt sich ein furchtbares Wehgeschrei, wenn ein Lauben folonist und Siedler die verbrecherische Anwandlung bekommt, sein Laubenhäuschen 3 Zentimeter breiter als Vorschrift anzulegen. Hier geht man mit einer Sorgfalt vor, die den Großunternehmen gegenüber sicherlich eher am Blaze wäre. Die Fälle mehren sich, daß Laubenbefizer, irgendeiner Formalitätsbagatelle wegen, ihr Häuschen auf Anordnung der Baurolizei niederreißen mußten. Hier herrscht eine barbarische Strenge, während der Industrie gegenüber die sonst so berüchtigte baupolizeiliche Aktivität völlig versagt. So wird ein jüngster, sehr bezeichnender Fall aus Briz berichtet: Ein fleiner Siedler hatte an Stelle seiner alten Laube eine etwas größere gebaut, ohne dies rechtzeitig der Baupolizei zu melden. Man drohte mit Niederreißung der Laube und nur nach undentlichen Mühen gelang es dem Bedrohten, das Unheil von Monaten ihrer Vollendung. Sie dürfen, geringfügiger Formalitäten feiner Laube abzuwenden. Sechs Doppelhäuser in Briz harren seit wegen, nicht vollendet werden. Auch ein Mittel, um die Wohnungs not zu beheben! Ferien- Studienreisen im In- und Ausland. Im Monat Juli find vom Reichsausschuß für sozialistische Bildungs. arbeit die folgenden Ferien- Studienreifen vorgesehen: 26. Juli bis 4. August 1925 nach der Schweiz( Zürich, Luzern, BierBom 19. bis 25. Juli 1925 Hamburg- Helgoland- Bremen, vom erienturse finden statt: Bom 27. Juli bis 1 August 1925 in waldstätter See, Interlaken, Bern, Berner Bergland, Basel). Freiburg im Breisgau( im Badischen Schwarzwald), Josef Luitpold Stern über: Arbeiterbildung und Arbeiterbewegung. Dieser Kursus ist besonders für die in der praktischen Bildungsarbeit stehenden Genossen von großer Bedeutung. Vom 2. bis 8. Auguft 1925 im Landesjugendheim Cismar a. d. Ostsee( Holstein), Staatsfanzler q. D. Dr. Renner über: Staat und Sozialismus. An meldungen zu diesen Veranstaltungen müssen umgehend erfolgen beim Bildungsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin S. 68, Lindenstr. 3. Dort wird auch ein ausführliches Ferien programm über die gesamten Ferienveranstaltungen in diesem Sommer fostenlos abgegeben. Betriebseröffnung der Fleischgroßmarkthalle Landsberger Straße. In allernächster Zeit wird die neue Fleischmartthalle in der Landsberger Straße in Betrieb genommen werden. Bekanntlich war die Halle schon einmal provisorisch in Benutzung, hatte sich jedoch mit ihren 6000 Quadratmetern Fläche als viel zu flein erwiesen. So war eine Ergänzung notwendig, die jetzt fertiggestellt ist und einen Flächenumfang von 4100 Quadratmetern aufweist. Anschließend wird noch ein eigenes Kühl- und Gefrierhaus errichtet, das 5000 Quadratmeter Fläche faßt. Hier befinden sich auch umfassend angelegte Pöfelräume. Die Gesamtkosten für die Neuanlagen betragen insgesamt 6 Millionen Mart. Interessant ist noch, daß der Sonderneubau für Auslandsfleisch auch eine 3oliniederlage enthält. Weitere Bergrößerungen find geplant. Hierfür ist Gelände in nächster Nähe der Neubauten vorgesehen. Von Kommunisten überfallen. Am Sonnabend wurde in Berlin Messerstich über dem rechten Auge schwer verlegt. Die Urheber der sozialdemokratische Barteifunktionär Genosse Heidler von Kommunisten überfallen, gewürgt und durch einen dieses Attentats waren im Begriff, an einer geheimen tom. munistischen Versammlung teilzunehmen, als fie Heidler entdeckten und sich turz entschlossen, ihm seiner Gesinnung wegen einen„ Dentzettel" zu verabreichen. Die Täter sind festgestellt. Die Stadtverordnetenversammlung soll in dieser Woche drei Sigungen haben, am Dienstag um 6 Uhr, am Donnerstag Der Haushaltplan muß durchberaten und festgesetzt werden um 6 Uhr und nötigenfalls auch noch am Freitag um 5 Uhr. und auch andere feinen Aufschub gestattende Vorlagen müssen noch vor den Sommerferien erledigt ſein. Groß- Berliner Parteinachrichten. 17. Areis Sichtenberg. Die erste Sigung des neugewählten Kreisvorstandes finbet Mittwoch, den 1. Juli, abends 7 Uhr, in der Bibliothek Weichfel ftraße 28 ftatt. Sämtliche Mitglieber haben zu erscheinen. 37. Abt. Die Bezirksführer holen heute nadmittag 5 Uhr die Sandzettel vom Abteilungsleiter ab. 47. Abt. Beute abenb 6 Uhr Treffpunkt der Genossen bei Giedentopf, MusBauer Str. 85, zur Sandsettelverbreitung. handelte, hatte während des Wahlfeldzuges gewittert, daß auf dem Der Kaufmann Siegfried Seelig, der zuletzt mit Schuhcreme Gebiet des 3eitungswesens vielleicht auch ein Geschäft zu machen" sei. Er hatte zwar in jüngeren Jahren fich schon im Zeitungswesen betätigt, war dann aber aus dieser und Unterschlagung verurteilt worden war. Jezt wollte er sich Branche herausgekommen, nachdem er wiederholt wegen Betruges wieder einmal als Zeitungsmann betätigen und gründete flugs eine demokratische" Zeitschrift,„ Der Osten". Die ersten Mittel zur Gründung der Zeitschrift beschaffte sich„ Dr." Seelig, wie er sich Junglozialisten, Gruppe Reinickendorf. Achtung! Heute, Montas, 6 Uhr, nannte, durch Rautionsschwindeleien. Berschiedene Leute, die auf 85. bt. Tempelhof. Die am Sonntag angekündigte Funktionärinnenfißung findet erft out Montag, den 6. Juli, statt. 96. Abt. Reukölln. Seute 7% Uhr bei Brandt, Thüringer Str. 38, Funk tionärsigung. Sämtliche Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre sind ein. geladen. Rathaus Wittenau, wichtige Gihung bes Detsoussouffes file Jugendpflege. Anteilnahme aller Genoffen erwünft. Gewerkschaftsbewegung Thüringische Gestellungsbefehle. Infolge der außerordentlich schlechten Lohnverhältnisse herrscht in der Kaliindustrie Mitteldeutschlands und Hannovers großer Mangel an Arbeitskräften. Ganz besonders ist dieses im Rhöngebiet der Fall. Um den großen Arbeitermangel zu beheben, greifen jetzt die thüringischen Arbeitsnachweise und die Regierung von Thüringen zum Mittel der Zwangsrefrutierung. Der Proletarier", das Organ des Fabrikarbeiterverbandes schreibt in seiner Nummer 26 hierüber: Soweit wir unterrichtet sind, haben sich die Kali- Industriellen mit einem Antrag an die thüringische Regierung gewandt, um auss ländische Arbeiter anwerben zu können. Anscheinend sollen Kulis eingeführt werden. Der Antrag ist nicht so ohne weiteres angenommen, sondern wahrscheinlich auf Schwierigkeiten gestoßen. Jetzt will die thüringische Regierung den bestehenden Arbeitermangel in der Kali- Industrie selbst, und zwar gründlich, abhelfen und hat dazu folgende Verfügung erlassen: In der Vermittlung von Arbeitskräften an die Kali- Industrie haben die Arbeitsnachweise vollständig versagt. Das Landesamt für Arbeitsvermittlung muß deshalb dazu übergehen, ausländische Arbeiter zu vermitteln, um den Bedarf der Kaliindustrie an Arbeitskräften zu decken. Es geht jedoch nicht an, daß die Gelder der Erwerbslosenfürsorge weiter an Erwerbslose in Unterstügungen gezahlt werden, die sich weigern, in der KaliIndustrie in Arbeit zu treten. Es wird deshalb verfügt: Alle Erwerbslosen sind sofort durch die Kreisärzte zu untersuchen. Allen Erwerbslosen, die durch freisärztliche Unterfuchung für tauglich zur Arbeit in der Kali- Industrie befunden werden und sich weigern, sich der zugewiesenen Arbeitsstelle zur Verfügung zu stellen, ist die Erwerbslosen Unterstügung zu entziehen. Die Arbeitswilligen sind an den Arbeitsnachweis Va cha zu überweisen. gez. Dr. Sattler." Auf Grund dieser Verordnung werden von den Kreisarbeitsnachweisen Thüringens mun folgende Gestellungsbefehle verschick:: Zustellung. den 15. Juni 1925. Laut Verfügung des Thüringischen Ministeriums für Inneres und Wirtschaft vom 9. Juni 1925 haben Sie sich am.. im Kreisarbeitsnachwecis hier zweds Fest sezung Ihrer Arbeitsfähigkeit zur ärztlichen Untersuchung einzufinden. Zu dieser Untersuchung haben Sie pünktlich und mit reingewaschenem Körper zu erscheinen. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß die Weitergewährung Ihrer Unterstützung von der arztlichen Untersuchung abhängig ist.( 3ustellung mitbringen!) An Herrn. Der Kreisarbeitsnachweis. gez. Vorsitzender. Wir haben es herrlich weit gebracht, seitdem Hindenburg wieder an Ruder ist. Die Arbeiter werden gemustert, eingezogen und nach dem Werragebiet verfrachtet. Wenn die Familienangehörigen der in Frage kommenden Arbeiter verhungern und verderben, interessiert das anscheinend die thüringische Landesregierung sehr wenig oder ar nicht. Die Hauptsache ist, daß der Profit der Kali- Industrie nicht geschmälert wird. Ob die thüringische Regierung einmal darüber nachgedacht, wie es möglich ist, mit einem Schichtlohn von 4,25 bis 4,60 m. einen doppelten Haushalt zu führen, wagen wir zu bezweifeln. * sonal des Deutschen Bertehrsbundes und der Allgemeinen Deutschen Post gewerkschaft haben Verhandlungen stattgefunden, die die bisher noch zwischen den beiden genannten Berbänden bestehenden organisatorischen Schwierigkeiten be= seitigt haben. Die Verhandlungen sind bereits so weit gediehen, daß die Vorstände der beiden Organisationen ihre Mitglieder schon in furzer Zeit zu Hauptberatungen einberufen und ihnen den Zuin furzer Zeit zu Hauptberatungen einberufen und ihnen den 3u sammenschluß empfehlen werden. In der Zeit wirtschaftlichen Druces und der geplanten Ausplünderung der breiten Volksmassen durch Verbrauchssteuern und Schutzölle und der schärfsten politischen und sozialen Reaktion ist dieser Schritt zum Zusammenschluß der Kräfte doppelt zu begrüßen. Hoffentlich setzt sich in den Kreisen der heute noch im neutralen Lager stehenden Bostbeamten bald die Erkenntnis durch, daß nur durch den Zusammenschluß aller Beamten und Arbeiter dem Machtwillen des Großkapitals, das heute im Reiche diktiert, zu begegnen ist. Ein Musterbeispiel von Arbeiterfolidarität. Aus Bayreuth wird uns geschrieben: In den Glasperlenmacherorten des Fichtelgebirges find die Arbeiter in den Streit getreten. Kampf um einen Verzweiflungsaft der Glasperlenmacher, denn sie Es handelt sich bei diesem müssen unter den denkbar schlechtesten Verhältnissen ihr Dasein fristen. Die Ursache zum Streit sind die geringen Löhne, die bei gut qualifizierten Arbeitern nur 18 bis 19 m. in der Woche betragen. Das Hauptgebiet der Glasperlenindustrie ist Warmensteinach, ein Luftkurort im Fichtelgebirge. Dort besteht auch eine von den Arbeitern errichtete und von ihnen selbst betriebene Glasperlen Genossenschaftshütte, die, weil fie höhere Löhne als die anderen Glasperlenhütten zahlt, den Betrieb fortsett. Aber die Glasperlenmacher der Genossenschaftshütte wollen aus dem der Fichtelgebirgsarbeitern eigenen Solidarıtätsgefühl heraus nicht haben, daß es den streifenden Kollegen schlechter gehe als ihnen. Darum haben die Glasperlenmacher der Genossenschaftshütte zusammen mit der Betriebsleitung einmütig beschlossen, alle Perlenmacher aus den bestreiften Betrieben in der Genossenschaftshütte einzustellen und, um die Beschäftigung aller Arbeiter zu ermöglichen, beschränfte Arbeitszeit für alle Beschäftigten einzuführen. Bei durchgehender Arbeitszeit bei Tag und Nacht wird jeder Glasperlenmacher nur 12 bis 15 Stunden in der Woche am Glasofen beschäftigt. Es sei noch vermerkt, daß die Warmensteinacher Glasperlen macher nicht nur gewerkschaftlich und genossenschaftlich, sondern auch politisch eine Muster organisation haben. Warmensteinach besitzt auch eine sozialistische Gemeindeverwaltung. Oesterreichische Abschließungspolitik. Wien, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die österreichische Regierung bereitet einen Gesetzentwurf zum Schutze der inländischen Arbeiter und Angestellten vor. Vor allem soll zunächst die Anstellung von Ausländern, von denen es in Desterreich 50 000 bis 60 000 gibt, überprüft werden. Im Jahre 1924 find allein 10 000 Ausländer nach Desterreich gekommen. In den ersten Monaten des Jahres 1925 wurden 5000 Ausländer gezählt, von denen 2000 aus der Tschechoslowakei stammen. Die Unternehmer sollen durch das neue Gesetz gezwungen werden, in erster Linie Inländer anzustellen. Das Asylrecht soll gewahrt bleiben. * Internationaler Eisenbahnerkongreß. 1. Oktober 1924 ausgebildet worden sind. Als Sieger gingen das Königstädtische Gymnasium( 5 Min. 1 Set.), die Königstädtische Oberrealschule( 2 min. 2 Sek.) und die Leibniz- Ruderabt.( 5 Min 18 Sef.) hervor. Es folgte ein Juniorpierer um den Wanderpreis des Akademischen Turnerverbandes. Sieger: Königstädtisches Realgymnasium( 4 min. 33% Sef.), Friedrich- Wilhelm- Gymnasium ( 4 Min. 39% Set.). Die Rennstrecke betrug beidemal 1000 Meter, im anschließenden Vierer um den Kuhse Gedächtnis= preis( Renngigvierer) 1500 Meter; es siegten die Karlshorster Kant- Schule( 5 Min. 17 Sek.), das Königstädtische Gymnasium ( 5 Min. 21 Sef.) und Königstädtische Oberrealschule( 5 Min. 24% Gefunden). Bei einer Rennstrecke von 1200 Meter gewannen im nächstfolgenden Alt- Herren- Doppelzweier mit Steuermann A.-H.-B. Lore( 5 Min. 51% Sef.), A.-H.-W. Wilhelmsgym ❘nasium( 6 Min. 03% Sef.) und 2. H. B. Tempelhof ( 6 Min. 13% Sef.). Im Staatsvierer( Ehrenpreis der Staates) betrug die Rennstrecke wieder 1500 Meter. Graues Kloster ( 6 min. 36 Set.), Kaiser- Wilhelm- Realgymnasium( 6 Min. 38% Sekunden), Leibniz- Ruderabt.( 6 Min 40 Sef.) errangen den Sieg. Der Doppelzweier mit Steuermann( Rennstrecke 1000 Meter) um das Friedrich- Wagner- Schild wurde vom FriedrichWilhelm- Gymnasium gefahren und von Eins gewonnen( 5 Min. 2% Gef.). ballmanschaften Union 92 und Union SCC. Die letzteren waren Auf dem Tiergarten Sportplay trafen sich die FußAlle Anstrengungen der unzweifelhaft die bessere Mannschaft. Union 92, den Stand 3: 1 nach der Halbzeit auszugleichen, schlugen an der Verteidigung der SCC. fehl. Resultat: Union SCC. gegen Union 92 3: 1. = = Nicht weit davon, an der Tiergartenschleuse, trug der Kanuverband des märkischen Kreises feine Kanuregatta aus. Das Ziel war das Schleusenbecken und betrug die Rennstrecke 500 Meter. Die Regatta wurde in drei Rennen ausgefahren, aus den als Sieger der V. K. P. Berlin in der Zeit 10,8 Min. hervorging. Die Ufa: Filmgesellschaft hatte 1 Zweier- Rennboot gestiftet, das von dem B. K. P. gewonnen wurde. aus. Ueberraschungssieg im Deutschen Derby. Auf dem Horner Moor fand gestern bei prächtigstem Sonntags= wetter das Deutsche Derby statt, das eine ungeheure Menschenmenge hinausgelooft hatte. Der in der Turfchronik unerhörte Sieg des Außenseiters Roland löste die größte Ueberraschung Denn Weißdorn und Aditi hatten im voraus alle Chancen für den Sieg. Das Glück begünstigte jedoch den längst als glänzenden Reiter befannten Haynes, dessen unerwarteter Sieg am Totalisator mit zehnfachem Gelde etwa honoriert wurde. Niederlage Weißdorns bedeutete für die Wetter eine Riesenenttäuschung. Die Rennen zu Ruhleben am Sonntag, den 28. Juni. 1. Rennen. 1. Celata( J. Mills), 2. Mocuna( Klabunde), 3. CorioTanus( G. Lautenbg.). Toto: 22:10. BL: 12, 19, 15: 10. Ferner liefen: Parillia 2., Gladiator I, Benedict, M. P., Arion I, Terazzo. 2. Rennen. 1. Mrs. Bosworth( Broßmann), 2. Flamberg( Steinagel) 3. Erboring jr.( F.Shuz). Toto: 15:10. Pl.: 15, 42: 10. Ferner liefen: Ellen, Lachmuskel, Belwin. 3. Rennen. 1. True Bog( Sauß), 2. Margot I( Hm. Echleus.), 3. Diagonale( B. Federt). Toto: 46: 10. PL: 19, 19, 14: 10. Ferner liefen: Interessant, Heidemann, Wainsca, Dawson Batts, Importation, Federnelke, Cuba, Tafna, Clärchen M., Baron Klatawab. 4. Nennen. 1. pilanti( G. Pahl), 2. Apfelblüte( F. Brand), 3. Sturm ( Bauer). Toto: 63:10. BI: 45, 22, 69:10. Ferner liefen: Handseft, Chars lotte Math., Heiderole B., Armida I, M. B., Baron Watts jr., Daniel, Baron Tregantle, Dolina, Martha III, Fiscus, Flora Bing, Ballast. 5. Rennen. 1. Der Beste( Großmann), 2. Lebenstünstler( Jang jr.), 3. Berattion( Hm. Schleus.). Toto: 17:10. Blat: 13, 28, 22:10. Ferner liefen: Mentor I, Lokomotive, Paolo, Niederländer, Magowan j., Frida Ma gowan. ( J. Milis). Toto: 15:10. BL: 11, 12 10. Ferner liefen: Reverage, Maicel 6. Rennen. 1. Doritha( Bauß jr.), 2. Joll( Jauß sen.), 3. Progres 7. Rennen. 1. Broschüre( Sauß fr.), 2. Freibeuter( B. Schuller), 3. Delos Nushaga, Lo ttie Anvil, Alarich, Hellina, Denkmünze, Dolerit, Morgensonne. 8. Rennen. 1. Importeur( Januß jr.), 2. Unheil( Bel.), 3. Franzisko ( J. Mils). Toto: 91: 10. Blat: 38, 92, 32: 10. Ferner liefen: Billy I. nie, Paula Bingen, Crassus, Linsko, Mädel, Cleo Watts, Invasion, Baron Agworthy, Fenelon. Mit diesem Mittel wird weder die Krise beseitigt noch die Lebens. fähigkeit Defterreichs erhöht. Im übrigen gibt es sicher weit mehr Man muß sich angesichts dieser Tatsache fragen, ob die thü- Desterreicher im Ausland als Ausländer in Desterreich. Derartige ringische Regierung da nicht eine willkürliche und miß Maßnahmen müssen notwendig zu Vergeltungsmaß= bräuchliche Auslegung der unglückseligen Berordnung übernahmen führen, die Desterreich sehr schwer treffen würden. Nicht die Erwerbslosenfürsorge begeht. Nach jener Verordnung muß ein die blödsinnige Abschließungspolitik der Christlichsozialen, Arbeitsloser eine ihm angebotene Arbeit annehmen, soweit diese fondern nur eine entschlossene Anschluß politit tann Desterreich. Schmibt). Toto: 301: 10. BL: 36, 23, 26:10. Ferner Hefen: Baron ihm zugemutet werden kann. Ganz abgesehen davon, daß helfen. einem Facharbeiter, der für seinen Beruf eine gewisse Fingerfertigfeit befizen muß, unmöglich zugemutet werden kann, diese Fertigteit ganz oder teilweise einzubüßen, um für die Bergherren Profite herauszuschanzen, fann am allerwenigsten einem Familienvater zu gemutet werden, bei solchen Hungerlöhnen einen doppelten Haushalt zu führen. Auch wenn diese Arbeiter eine Beihilfe bewas praktisch eine Beihilfe an die Kalibergherren aus den Beiträgen der Versicherten bedeutet so reicht auch dann das Einkommen bei weitem nicht aus. Wir erwarten deshalb, daß das Reichsarbeitsministerium auch diesmal eingreift und die mißbräuchliche Anwendung der Berordnung über die Erwerbslosenfürsorge verhindert, bzw. rückgängig macht. tommen Aber darüber hinaus muß endlich der Gesetzentwurf über die Arbeitslosenversicherung dem Reichstag vorgelegt werden. Es geht nicht an, daß man auch weiterhin der Arbeiterschaft hohe Beiträge zwangsweise abnimmt, die sogenannte Erwerbslosenfürsorge jedoch dazu benutzt, um profit hungrige Unternehmer zu unterstüßen, die feine freien Arbeiter bekommen fönnen, weil sie Hungerlöhne zahlen. Neue Zusammenschlüsse von Beamtenorganisationen Allgemeine Deutsche Postgewerkschaft und Verkehrsbund. Nachdem erst vor wenigen Tagen der Zusammenschluß der frei gewerkschaftlich organisierten Eisenbahner zu einer Einheitsorgani fation erfolgt ist, jetzt auch begründete Hoffnung, die im frei gewerkschaftlichen Lager stehenden Angehörigen der Deutschen Reichspost in einer Organisation zu vereinen. Zwischen den Borständen der Abteilung Bost-, Telegraphen- und Fernsprechper 12 WINT DORTEN Der glänz. Jani- Spielplan( a) gestatt. Reichshallen- Theater 8 Uhr: Steffiner Sänger ,, Das Deutsche Meer" Ab 1. Juli Gastspiel der Dresdener Viktoria- Sänger Dönhoff- Brett'!: Saal und Garten Großes Programm Montag, 29. Juni: Benefiz Karl Braun Ernst Hess Nachf., Klingenthal Sa. Mr. 129. Gegr. 1872 Alle Musikinstrumente, Harmon., Sprechapparate! Fabrikation! Gr. Jub.- Katalog gratis Fabrikpr Reell. Schallplatten pr.St. 2.301 Th. d. Westens Steinpl.931 8U: USCHI Jean Gilbert Uschi Elleat, Fr. Scholz Gerirude Berliner Wegen d.großen Andrangs and. Abend k. bitte d. Vorverkauf zu benutzen. Th.i.Komm.- Str. Mênh.5030,5083 81, U. D.stürmische Latherfelg Sommerpreise Durch den Rundfunk! Theater a. Kottb. Ter Tägl 8 Uhr: ELICTheater im Admiralspalast Täelich& Uhr: Chocolate Kiddies Amerikas größte farbige Künstler! 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Auf der Rennbahn Grunewald fand am Sonnabend und Sonntag das von der Turnierabteilung des Reichsverbandes Sportfartell Berlin veranstaltete Reit, Spring- und Fahr= turnier statt, bestehend aus Eignungsprüfungen für Reitpferde ( leichte und schwere Pferde), Amazonenjagdspringen, Jagdspringen, Reitprüfung, 3weispänner( Eignungsprüfung für Gespanne) und Jagd mit Auslauf. Bei letterer, die mit großer Spannung verfolgt wurde, ging Frl. Walterstein auf Harry als Sieger hervor. Schülerregatta in Grünau. Auf dem Langen See bei Grünau veranstaltete am Sonnabend der Schülerruderverband Niederschöneweide E. B. eine Regatta der Schülerrudervereine an den höheren Lehranstalten Groß- Berlins. Das Better begünstigte die Veranstaltung, so daß der Besuch ein sehr guter war. Um 3.30 Uhr erfolgte unter Musikflängen die Bropagandaauffahrt vor den Regattatribünen. Die Rennen er. öffnete ein Anfänger Vierer in Halbauslegergigs quf festen Sigen, offen für Schülerruderer, die erst nach dem Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pf. Riefenauswahl in allen Preislagen herrliche Muster Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, kein Zaden. ( Ringfrei, baher fonkurrenzlos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. Fritz Raumer Neukölln, Neuterstraße 53 die billige Bezugsquelle für LaibBett- Wäsche Wäschestoffe jeder Art. 2. Geschäft: Anzengruber- Straße 27 Arthur Saternus; Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Friz Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Sinalco! die echte Bilzbrause zuckergesüßt. Nur nebensteh. 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