Nr. 303 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 156 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfeunig, monatlich 8,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Zeit" mit Gied Jung und Aleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: -Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die ein spaltige Nonpareille. agile 70 Bfennig. Reklamezeile 4, Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Bort 20 fennia ( zuläsa zwei fettgedruckte Worte). febes weitere Mort 10 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort 10 Pfennig, fedes weitere Wort 5 Biennig. Worte über 15 Bud). itaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Dienstag, den 30. Juni 1925 Die deutschnationale Parteikrise. Die Opposition gegen den ,, Landesverrat". allen Mitteln die Belange der Deutschnationalen Volkspartei vor weiterem Schaden zu bewahren. Der Vorwärts" und mit ihm die ganze Schar der großen und kleinen Judenblätter wittern Morgenluft und versuchen diese bedauerliche Tatsache für ihre parteipelitischen Zwecke auszunuzen. Wir erwarten von der Einsicht unserer Mitglieder, daß sie die insbesondere auch über unseren Borsigenden( Herr Laverrenz. Red. d.„ B.") verbreiteten Gerüchte als das würdigen werden, was sie in Wirklichkeit sind: parteipolitische Klopffechtereien. Am Sonnabend hat der deutsch nationale Partei| Vorgänge nähere Auskunft zu erteilen. Es kommt darauf an, mit Dorstand beschlossen. die Politik des Reichsaußenministers Dr. Stresemann meiterhin zu unterstützen, d. h. entsprechend dem Dawes- Plan Erfüllungspolitif zu treiben und mit Frankreich ein Sicherheitsbündnis unter Verzicht auf Elsaß Lothringen für alle Zeit zu schließen. Kaum 24 Stunden später hat ein Teil der deutschnationalen Opposi tion auf das Bekenntnis der offiziellen Parteileitung zur Erfüllungs und Sicherheitspolitik geantwortet. Die Gelegenheit wollte es, daß gerade am Sonntag in Bischofswerda der„ Alldeutsche Verband Ober- Elbgau" tagte. Seine Mitglieder sind mehr oder weniger führend in der Deutschnationalen Partei tätig, und gerade deshalb ist der Beschluß dieses Verbandes von einer gewissen Bedeutung. Er fennzeichnet die offizielle deutschnationale Poliitt, menn auch in vorsichtiger Form, als Landesverrat und fordert u. a.: 1. Restlose Ablehnung der Militärkontrollnote. 2. Berweigerung des Eintritts in den Völkerbund, der uns zum Tummelplay französischer Soldateska macht. 3. Einlösung des Versprechens der Reichsregierung, die Schuldlüge des§ 231 zu beseitigen und damit der gerechten Aenderung dieses Bertrages" freie Bahn zu schaffen. 4. Unverzüglichen Berzicht auf den vom Reichsaußenminister Dr. Stresemann selbstherrlich angebotenen, Ehre und Zukunft des deutscher Volkes vernichtenden Sicherheitspaft". " 5. Sofortige Räumung des unter Vertragsbruch befezten Ruhrgebiets und der Brückenköpfe, sowie der Kölner Zone. Die deutschnationale Opposition verlangt also im wesentlichen vor allem die Erfüllung früherer Versprechungen, wie fie von Hergt. Westarp und Schiele gemacht worden sind. www und was Was haben diese Politiker nicht alles versprochen haben fie gehalten? Nichts hat sich außenpolitisch geändert tro Schiele, Neuhaus und Schlieben. Es ist also verständlich, wenn die Opposition in der Deutschnationalen Partei von Tag zu Tag größeren Umfang annimmt. Sie erwartet immer noch Taten", während Schiele redet und praktisch den Kurs seiner Borgänger wandelt. Was soll das noch werden? Bescheiden geworden. Es Die„ Nationalpost" ist entschlafen. Geschäftsführer und Herausgeber haben gegenseitig Strafanträge gestellt. ftinft. Die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich mit der. Hinter lossenschaft. Der Landesverband Berlin der Deutschnationalen Bolkspartei ist wieder bescheiden geworden und gibt ein pier seitiges Nachrichtenblatt heraus, das zweimal im Monat erscheint. In diesem Blatte widmet er der " Nationclpost" folgenden Nachruf: Die Nationalpost" ist den Schwierigkeiten erlegen, die sich schon seit längerer Zeit in ihrem Betriebe gezeigt hatten. Auch der„ Berliner Volksfreund" hat sein Erscheinen ein: ſtellen müſſen. Ueber die näheren 3usammenhänge ist der erweiterte Vorstand des Landesverbandes in der Sizung am 17. Juni ins Bild gesetzt worden. Seine Mitglieder, die Borfizenden unserer Kreise und Ortsgruppen, merden gern bereit sein, über diese Vor dem Beginn der Ruhrräumung. Paris, 29. Juni.( EP.) Der Paris Soir" teilt mil, daß die Räumung der Ruhr feiner neuen diplomatischen Modalitäten mehr bedarf, sondern daß sie jetzt lediglich noch von den milifärischen Instruktionen des Kriegsministeriums abhänge. Die Zeitung glaubt zu wissen, daß die Räumung ichon in allernächster 3eit beginnen werde. Bochum, 29. Juni.( TU.) In der Bochumer Etappe werden jetzt täglich kleinere Trupps französischer Soldaten mit Bagage abtransportiert. Auch die französischen Militärgeistlichen schicken sich an, das Ruhrgebiet zu verlassen. Petain in Koblenz. Paris, 29. Juni.( WTB.) Wie Havas" berichtet, ist Marschail Betain auf seiner Inspektionsreise heute in Koblenz eingetroffen.. Die neue Luftfahrtnote. Erleichterungen oder Verschärfungen? Paris, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.). Die Information" meldet, daß Frankreich seine Zustimmung zu den dieser Tage von der Botschaftertonferenz beschlossenen und der deutschen Regie rung in einer Note zur Kenntnis gebrachten„ Erleichterungen auf dem Gebiete des deutschen Flugzeugbaues und Luftschifffahrtwesens davon abhängig gemacht hat, daß die deutsche Regierung den französischen Linien Baris- Prag- Konstantinopel die bis her nerweigerte Erlaubnis zur Ueberfliegung deutschen Gebietes erteilt. Eine dahingehende Uebereinkunft soll unmittelbar vor dem Abschluß stehen, so daß die französischen Flugzeuge, die bisher den " Demgegenüber gilt es erst recht zusammenzustehen und mit aller Kraft den Kampf gegen die übermütigen Roten und Rosaroten in Berlin aufzunehmen. Dies ist nur möglich, wenn wir so schnell wie möglich uns wieder ein Organschaffen, durch das wir unsere Gedanken wie bisher in jedes einzelne deutschnationale Herz tragen können. Wie bereits mitgeteilt, wird zu diesem Zweck am 20. Juni und am 15. Juli noch je eine Nummer dieser Mitteilungen" erscheinen. Wir erwarten, daß im Interesse der Partei die Mitteilungen seitens der Drisgruppen pünktlich und schnell an unsere Mitglieder weitergegeben werden, damit die Verbindung zwischen unseren Freunden und der Partei nicht abreißt. Vom 1. August ab bringen wir " zunächst zweimal im Monat ein neues Nachrichtenblatt, die Deutschnationalen Nachrichten" heraus, das unseren Mitgliedern wie bisher von der Post zugestellt wird. Voraussetzung hierfür ist, daß wir von allen unseren Freunden, die dazu wirtschaft lich in der Lage find, auch mit Geldmitteln unterstüt werden. So einfach und bescheiden die Deutschnationalen Nachrichten" zunächst aufgebaut werden ohne beträchtliche Mittel ist ein solches Blatt nicht einzuführen. Wir bitten daher dringend, daß uns unsere sämtlichen Mitglieder unter Benutzung der beiliegenden Zahlkarte einen angemessenen außerordentlichen Beitrag zukommen lassen. Die Berliner Deutschnationalen haben durch Eingang der „ Nationalpoff" eine Bataille verloren. Sorgen wir, daß unsere Nationalpoft eine Bataille verloren. Sache feinen bleibenden Schaden nimmt." Die stärkste Regierungspartei wird in Berlin durch ein zweimal im Monat erscheinendes Nachrichtenblatt journalistisch vertreten. 3weimal im Monat werden die Berliner Deutsch nationalen in 50 3eilen über die politischen Vorgänge inter essiert. In der Zeit des Telephons und des Funkverkehrs ist das sehr bescheiden. " Aber was ist mit der Deutsch nationalen Tagespost", die sich selbst als die offizielle Nach folgerin der National poſt" bezeichnet? Ist fie ein Privatunternehmen des Herrn Laverrenz? Will er mit ihr neue geschäftliche Lorbeeren pflücken? Auch die " Deutsch nationale Tagespost" rief dringend nach Geld. Wenn sich ein Deutschnationaler finden sollte, der 10 Mark für seine Parteipresse stiften will es könnte ja immerhin einen meißen Raben unter den Deutschnationalen geben so ist er in Verlegenheit, wohin er seinen fürstlichen Beitrag zahlen soll. Man fühlt sich an die Zeiten der Schnorr konkurrenz 2a perrenz fontra Loebell erinnert. Umweg Basel- Zürich machen mußten, fünftig wieder ihren Weg über Straßburg- Nürnberg nehmen können. Hierzu meldet WEB.: Wie wir erfahren, wird der Reichsverkehrsminister zur Erörterung der Note der Botschafterkonferenz, die neue Beschränkungen des deutschen Luftfahrzeugbaues fordert, den Beirat für das Luftfahrwesen in den nächsten Tagen einberufen. Die neuen Beschränkungen erhalten neben den Begriffsbestimmungen von 1922, die mit der Begründung, zivile und militä rische Luftfahrzeuge zu unterscheiden, in Wirklichkeit die deutsche Handelsluftschiffahrt beschränken, u. a. die Forderung, auch die 3 ahl der Luftfahrzeuge, Motoren und Ersatzteile feststellen zu können. Die Liberalen gegen den Faschismus. Rom, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Nationalrat der Liberalen Partei, der seit Sonntag in Rom tagte, beendete, am Montag seine Beratungen. In einer scharfen Entschließung wird das faschistische System verworfen. Die Resolution weist die faschistische Gesezgebung zurück, macht auf das schwindende Prestige Italiens im Auslande aufmerksam, fordert die Wieder herstellung der Presse- und Koalitionsfreiheit und verweist schließlich auf die fortgesetzten Verlegungen des Briefgeheimnisses. Auch die Faschisten ,, reinigen". tischer Miliz in Rom foll nach Blättermeldungen am 1. Juli Rom, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Legion fasi. aufgelöst und am 12. Juli wieder neu zusammengefest werden. Bis dahin soll jedes einzelne Mitglied auf seine poti. tische augliteit hin geprüft werden. Diese Meldung wird von der Breffe natürlich ohne Kommentar wiedergegeben. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postichefkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Teboilienkaffe Lindenstraße 3 Lehren einer„ Aussperrung". Die Vorgänge in der Holzindustrie. Das Ergebnis der Aussperrung in der Holzindustrie, worüber unsere Leser im gewerkschaftlichen Teil beitgeber der Holzindustrie, als vielmehr eine Niederlage nähere Daten finden, ist nicht so sehr eine Niederlage der Arder Politik, die seit Jahr und Tag von der Vereini gung der Deutschen Arbeitgeberverbände hartnäckig betrieben wird. Der Leitgedanke dieser Politik, soweit von Gedanken hier noch gesprochen werden darf, ist eine Art Dogma, wonach unsere Wirtschaft nur dann blühen und gedeihen könne, wenn die übergroße Mehrheit des deutschen Bolles, d. h. die Arbeiter, Angestellten und Beamten, bei niedrigen Löhnen und langer Arbeitszeit ein Elends= da sein führt. Dieser Widerspruch in sich selbst erklärt sich sehr einfach aus der Ueberheblichkeit, die die Führer der Arbeitgeberorganisationen beseelt. Für sie ist die Wirtschaft nicht die Gemeinschaft des ganzen Volkes, die sie mit öligen Redensarten zu propagieren belieben, sondern die dünne Schicht der Großaktienbesiger der Konzerne und ihrer nächsten Trabanten im Unternehmerlager. Es ist vollständig zwecklos, den Mitgliedern dieser dünnen Oberschicht klar machen zu wollen, daß die Wirtschaft eines Landes nicht als blühend angesehen werden kann, wenn 90 Proz. desselben Volkes im Elend leben, nur ein Viertel der Lebensgüter genießen fönnen, die die arbeitenden Schichten eines anderen Landes genießen. Es ist ebenso zwecklos, dieser dünnen Oberschicht erklären zu wollen, daß die Leistungsfähig feit einer Industrie nicht identisch ist mit langer Arbeitszeit, ja bei langer Arbeitszeit gar nicht möglich ist, sondern daß vielmehr die fortgesetzte Durchorganisierung und technische Vervollkommung der Betriebe, die Standardisierung und Typisierung der Produktion die Grundlagen der Leistungssteigerung sind. Selbstverständlich wissen die leitenden Köpfe im Reichsverband der Deutschen Industrie und in der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ganz genau, daß nur auf diesem Wege die Produktivität der deutschen Industrie gehoben werden kann. Aber die Herren von der Vereinigung und vom Reichsverband denken nicht als Wirtschafter, sie denken bestenfalls nur als Geschäftsleute. Wo sie Wirtschafter sein sollten, sind sie Politiker. So wie der Borsigende der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände Mitglied der Deutsch nationalen Bolkspartei ist, so ist auch die Wirtschafts- und Lohnund Produktionspolitik der Vereinigung eine durchaus parteipolitisch deutsch nationale. Es ist gar kein Zufall, sondern nur eine Selbstverständlichkeit, daß 3. B. kürzlich in einer Sonderbeilage des offiziellen Organs der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände als Ausdruck der offiziellen Ansicht der Vereinigung ein Zeitungsartikel abgedruckt war, der vorher in einer deutschnationalen Zeitung erschienen ist. Soweit es sich um Arbeiterpolitik handelt, braucht Die Wirtschaftspolitik der Deutschnationalen fennt man. nationalen zu gehen und sich die Arbeitsbedingungen der ostman nur nach Ostpreußen, dem Ursprungsland der Deutschpreußischen Landarbeiter näher anzusehen. Stundenlöhne von 20 Bf. sind an der Tagesordning, von der Arbeitszeit gar nicht zu reden. Durch diese Politik ist schließlich ein ungeheurer Arbeitermangel eingetreten, dem man so gut und so schlecht es gehen. mag, durch Importierung von polnischen Land arbeitern zu begegnen sucht. Das ist die nationale" Politik der sogenannten Deutschnationalen. Ihre Wirtschaftspolitik im Verkehr mit anderen Ländern ergänzt diefe Politik gegen die eigenen Volksgenossen in har= monischer Weise. Sie ist mit dem einen Wort Hochschutz= 3ölle gekennzeichnet. Man sehe sich unvoreingenommen, und aufmerksam die Rundschreiben, Kundgebungen und Eingaben der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände einmal an, die insbesondere seit etwa zwei Jahren die Politik der Vereinigung kundtun. Es ist mit einer industriellen Verbrämung und einer scheinwissenschaftlichen Tünche dieselbe rückständige Politik der o st= preußischen Krautjunter, die man heute noch auf den großen Gütern Hinterpommerns und Ostpreußens antreffen fann. Mit dieser in jeder Beziehung reaktionären Politik will man den wirtschaftlichen Notwendigkeiten beikommen, dem kein Land und kein Bolt ausweichen kann, das in dem Konfurrenzkampfe des Weltmarktes bestehen will. Und Deutschland muß hinaus auf den Weltmarkt und darf deshalb in diesem Konkurrenzfampfe nicht unterliegen. Wie aber soll es diesen Kampf bestehen, wenn seine Unternehmer sich unter die Führung deutschnationaler Reaktionäre ſchöpfenden Kampfe gegen den Aufstieg des arbeitenden begeben, deren Wirtschaftspolitit sich erschöpft in einem erdeutschen Volkes. Während das deutsche Unternehmertum derart unter der Führung deutschnationaler Ritter von der traurigen Gestalt einen Windmühlenkampf ausficht, arbeiten die Unternehmer Amerikas� Englands, Frankreichs fieberhaft an der Derbesse- rung der Arbeitsmethoden. In Deutschland aber führt man erbitterte Kämpfe um den Achtstundentag, um einige Pfennige Lohnerhöhung, und glaubt damit— oder vielleicht glaubt man es nicht einmal— die technische Ueberlegenheit einzu- holen, die unsere Konkurrenten im Auslande voraus haben. Typisch für dieses Vorgehen ist u. ct., daß der Verein Berliner Metallindustrieller, dessen Vorsitzender zugleich Vor- sitzender der Vereinigung Deutscher Arbeitgeber ist, vor einigen Tagen die Erklärung abgab, daß er sich einem vom Reichs- arbeitsministerium für verbindlich erklärten Schiedsspruch nicht unterwerfen werde, weil dieser Schiedsspruch den Angestellten der Berliner Metall- industrie, d. h. den Technikern, Ingenieuren, Werkmeistern und Bureauangestellten eine fllnfprozentige Erhöhung auf Ge- hälter zusprach, die etwa den dritten Teil eines amerikanischen Arbeiterlohnes betragen. Mit dieser Borniertheit, die den Köpfen der In- dustrie die Existenzmöglichkeit verweigert und dabei mit brutaler Rücksichtslosigkeit selbst gegen den Staat und das Gesetz vorgeht, mit dieser"selben Borniertheit hat man die Parole ausgegeben: Herunter mit den Löhnen. Die Holzarbeiter sollten das erste Objekt dieser großen Kampagne werden, die den Herren aus bekannten Gründen bei der Masse der mittleren und unteren Beamten und der Eisenbahner mühelos geglückt ist. Der ganze Apparat der Vereinigung und des Reichsverbandes wurde in Vewe- gung gesetzt, um diesen Kampf gegen die Holzarbeiter siegreich zu beenden. Die Herrschaften haben sich verrechnet. Sie haben zunächst vergessen, daß wir uns nicht mehr in den Zeiten der Inflation befinden. Sie haben übersehen, daß das, was gegenwärtig ihre Schwäche ausmacht, die� Stärke der Arbeiterschaft bedeutet. Die Deflationskrise, die selbst die größten Konzerne in ihrer Existenz bedroht, schwächt sie in ihrer Widerstandskraft gegenüber der Arbeiterschaft. Während der Inflation mochte es den Unternehmungen verhältnismäßig wenig ausmachen, ob sie ihre Lieferungen verzögern mußten, ihre Zahlungen zu einem späteren Termin vornahmen. Das konnte unter Umständen sogar noch ein barer Gewinn sein. Heute ist das anders. Wir fügen hinzu, daß es nicht nur heute, sondern in aller Zukunft anders sein wird. Gewiß wird es Zeiten der Krise und Zeiten der Hochkonjunktur geben. Aber es wird nicht wieder die Zeiten geben, wo man große Unternehmungen für einen Pappenstiel aufkaufen und die Ardeiter mit einem täglichen B r o t g e l d abspeisen kann. Die Unternehmer dürfen auch nicht vergessen, daß trotz der schweren Verluste während der Inflation, trotz aller kommu- nistischen Zersplitterung die Gewerkschaften heute m e h r a l s doppelt so stark sind als sie vor dem Kriege waren. Ueber die Bedeutung dieser Dinge haben sie jetzt nach der schweren Niederlage, die sie im Kampf gegen die Holzarbeiter erlitten haben. Anlaß und Zeit, nachzudenken. Die Unter- nehmer der Holzindustrie, das muß man ihnen immerhin lassen, haben schnell umgelernt. Als sie sahen, in welchen Abgrund die Vereinigung der deutschen Arbeitgeber- verbände und die leitenden Köpfe des Arbeitgeberoerbandes der deutschen Holzindustrie, die unter dem Kommando der Ver- einigung standen, die Holzindustrie zu führen im Begriff waren, haben sie die Aussperrungsmacher auf dem schnellsten Wege abgebaut. Sie haben sich dann mit dem Deutschen Holzarbeileroerband an den Beratungstisch gesetzt und auch schließlich verständigt. Wir wünschen den deutschen Unternehmern, daß sie aus diesen Tatsachen und aus diesem Beispiel etwas lernen. Graf Hugo von Lerchmfeld ist im SS. Lebensjahre in Kökering gestorben. Graf Lerchenfeld hat Bayern 38 Jahre lang in Berlin vertreten. paschitsch, der SOjiihnge südslawische Premierminister, geht zur Kur nach Vichy lFrantreich). Drei Minister oertreten ihn. Die Mandare der R a d i t s ch- Partei sind jetzt endlich anerkannt, nach- dem sie sich dem Regierungsdruck gefügt hat, ohne daß jedoch ihre Mühror aus dem Gefängnis entlassen worden wären. Der Stock. Skizze von Hans L'Arrouge. In einer kleinen Stadt bei strahlendem Sonnenschein spazierte ich in dem eleganten Billenviertel und bewundert« die Ueppigkeit des Grüns und die Fülle des Obstes. Dann schlenderte ich gemäch- lich zum Flußufer, wo eine schöne gewölbte Brücke den Weg gen Osten lenkte. Hier ließ ich mich auf einer Bank, die zum Verweilen einlud, nieder und blickte nun auf ein buntbewegtes Bild. Da wurde gebadet, gerudert, und jenseits des Flusses auf den breiten Wiesen wurde geturnt und Tennis gespielt. Während ich so— nichts wollend, nur schauend, vor mich hinträumte, humpelt« ein alte» Mütterchen daher, kam van Osten über die Brücke, in der einen Hand«in Körb- che», in der anderen einen alten, zerschlissenen Regenschirm Aus den stützte sie sich. Als sie in meiner Nähe war, seufzte sie tief aus:„Ach, der Stock, der Stock...* Gleich darauf saß sie neben mir, und indem sie mich hilflos wie ein Kind anblickte, wiederholte sie:.Ach, du liebe Zeit, der Stock...* »Welchen Stock meinen Sie?* fragte ich. »Ach du lieber Himmel, wenn man so alt ist...* »Wie alt sind Sie?*(Ich schätzte sie aus 70 Jahre.) .Zweiundachtzig", erwiderte sie mit einer gewissen Freude. .aber ohne Stock geht's doch nicht mehr." .Haben Sie Ihren Stock verloren?" .Na ja, ein Schirm is kein Stock." .Wo haben Sie ihn denn verloren?" .Hier, gerade hier, wo Sie sitzen." .Heute?* fragte ich ein wenig erschrocken, denn ich hatte keinen Stock gesehen. .Wann haben Sie hier gesessen?* .Am Freitag." e Ich fühlte mich wesentlich erleichtert, denn heute war Montag. Aber ich verstand nicht, wie sie den Stock noch nach drei Tagen hier vermuten konnte. Da kam die Aufklärung. .Ich bin ja an, Freitag gleich wieder hergelaufen.— Ach du liebe Zelt, der Stock war weg." .Sie sind also noch recht mobil trotz ihrer achtzig Jahre." .„.Z w e t undachtzig. Ja, man macht noch viel. Die Leute v.K?!?!?ern sich. Borigen Mittwoch bin ich erst aus Berlin zurück- gekommen" .Bis nach Berlin sind Sie gereist? Ganz allein?" „Nur mit meinem Stock. Ich war bei meinem Enkel. Ach, der „Der Enkel hat wohl dort eine Anstellung?* „Ja, im Hotel Exel am Anhalter Bahnhof, als Heizer." „Exel? Kenn' ich ja gar nicht.* „So ähnlich heißt es. „Sic meinen vielleicht Crcelsior?" ..Ja, ja," sagte sie erfreut,.Sie sind wohl auch aus Berlin?* „Allerdings." „Sind hier bloß zur Erholung?* „Hoffentlich." ,Retter' in Not. Tie können die Wahrheit nicht hören. Die„Kreuz-Zeitung" ist auf den absurden Gedanken ver- fallen, daß wir den Boden für eine Regierungskrisis reif machen wollten. Wir haben am Sonntag den politischen und moralischen Bankerott der Deutschnationalen und ihre innere Verwirrung etwas beleuchtet. Die Wahrheit tut den Deutsch- natwnaleni weh, und deshalb zetert die„Kreuz-Zeitung" über Hetze: „Gleichzeitig aber hat die Hetze ein politisches Ziel. Man suchl den Boden für eine R e g i e r u n g s k ri s i s reif zu machen und treibt deshalb einen gegen den anderen, sucht Z w i e- spalt in den Reihen der D e u t s ch n a t i o n a l e n zu säen und möchte die anderen Parteien, die mit ihnen in der Re- gierung sitzen, gegen sie auf- und von ihnen abbringen. Offenbar hält die Sozialdemokratie die außenpolitische Lage für reif genug, um den Versuch einer Sprengung der Reichsregis- rung zu machen. Aber auch darin wird sie wenig Glück haben. Ihre verlogenen Angriffe gegen die Deutschnationolen sind in ihrem wahren Charakter zu deutlich erkennbor, als daß sie nur bei einem politisch denkenden Menschen verfangen könnten. Gerade, wie die Dinge jetzt liegen, ist es dringend notwendig, daß der d e u t s ch na ti o nal e Einfluß in der Regierung ge- wahrt bleibt. Die Ziele, die die Rechte heute durchzusitzen hat, sind nur zu erreichen durchzähes Fest halten der Richtung des einmal eingeschlagenen Weges, und es ist gar kein Gedanke, daß sich dieTaktit derDeutschnationalen Dolkspartei in nächster Zukunft auch nur im ge- ring st en ändern werde. Deshalb sollte man endlich m i t der Kolportage von Krlsengerüchien aufhören* Kolportage von Krisengerüchten: dies Ge- schüft haben„Deutsche Zeitung* und„L o t a l- A n- z e i g e r" bbetrieben. S i e wollten die Reichsregierung sprengen, weil sie„die außenpolitische Lage für reif genug* hielten. ZwiespaltindenReihenderDeutschnatio- nalen säen: das besorgen die Deutschnationolen selber sehr gründlich: siehe Aufwertungsfrage, Affäre Laverrenz-Rentfch- „Rotionalpost", Beschluß mehrerer großer Landesverbände der Dcutschnationalen Partei gegen die Außenpolitik, für die deutschnotionole Minister mit verantwortlich sind, siehe Hergths Ausruf, daß kein dsutfchnationaler Abgeordneter sich mehr in eine Mitgliederversammlung getraut. Wenn das von Herrn Arnold Rechberg sanierte Organ schwört, daß die glorreiche Taktik der Deutfchnatio- nalen fortgesetzt werden soll— nur zu. Daß die Deutsch- nationalen„in nächster Zukunft" in der Regierung bleiben wollen, ist selbswerständlich. Sie können doch die Agrarzölle nicht preisgeben. Vis zum Termin der Ent- fcheidung darüber müssen die Deutschnationolen schon bleiben, was sie jetzt sind: verunglückte„Retter* in eigener schwerer Rot. Gegen die Wucherzölle. Protest des Bezirks Hambnrg-Nordwest. Euxhooen. 29. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der Parteitag des Bezirks Homburg-Nordwest nahm nach einem Referat des Genossen Hermann Müller folgende Entschließung an: „Der Bezirksparteitag der Sozialdemokratischen Partei Ham- burg-Nordwest erhebt als Vertretung der weitaus stärksten poli- tischen Partei in den großen Industrie- und Handelszentren an der Wasserkante sowie des weiten rein ländlichen Gebiets zwischen Elbe und Weser den allerfchärfsteu Protest gegen die volks- und wirl- schaslsschädigenden Wucherzölle. Di« von der Reichsregierung beabsichtigte Wiedereinführung von Agrarzöllen bringt keinen Schutz für die deutsche Landwirtschaft, weil kein« erdrückende Konkurrenz der früheren Riesenexportländer Ruß- land und Amerika zu verzeichnen ist. Die Agrarzölle sind vielmehr in Wirklichkeit reine Finanzzölle, um die Taschen des Reichs, ins- besondere aber die Taschen der Großagrarier auf Kosten der Armen zu füllen und um die außerdem durch das System der Einfuhr- scheine begünstigten Großagrarier zu bewegen, die große Zahl der kleinen und mittleren Landwirte zu betören, damit die geforderten Hochschutzzöllc für die Schwerindustrie zur Armahme gelangen. Der Bezirksparteitag bringt zum Ausdruck, daß die jehl schon herrschende Teuerung durch die Agrar- und Industrlezölle zur Unerlräglichkcil gesteigert wird und den breiten Massen der Verbraucher in Stadt und Land die schwersten Entbehrungey ausgezwungen werden, damit eine Handvoll Großargrarier imd Schwerindustrieller mühelos riesig« Gewinne einsteckt. Dieser Zustand ist um so empörender, als die Aermstsn der Armen am allerhärtesten von den Zöllen betroffen werden. Das vermehrte Elend der Millionen von Volksgenossen wird zur Anhäufung neuer Reichtümer in den Händen einiger Groß- kapüalisten in' Industrie und Landwirtschaft und führt obendrein zu neuen Gefahren für den Frieden der Welt. Aus allen diesen Gründen fordert der Bezirksparteitag vom Reichstag die Ablehnung der Hochschutzzölle und die Fortsetzung einer Handels- vertragspolitikdergegenseitigenVerständigung. Der Bezirksparteitag ruft die Parteigenossen in Stadt und Land aus, mit aller Energie den Kampf gegen die Wucherzölle sowie gegen die arbeiter- und volksfeindliche Politik des Rechtsblocks aufzu- nehmen." Die Entschließung wurde einstimmig angenommen. Ferner sprach der Regierungspräsident Genosse K r ü g e r-Lüneburg aus- sührlich über Sozialdemokratie, Landwirtschast und Agrarpolitik. Dr. ßranks Antrittsrede. Die Gemeinsamkeit des Reichs und Deutschösterreichs. Unmittelbar nach dem neuen amerikanischen Botschafter E ch u r m a n hat der neue österreichische Gesandte Dr. Frank gestern vormittag dem Reichspräsidenten fein Beglaubigungsschreiben überreicht. Gesandter Dr. Frank richtete dabei an den Reichsprösi- denten eine Ansprache, in der es u. a. hieß: „Mit staunender Bewunderung verfolgen wir in Oester- reich die ungeheuren und erfolgverheißenden Anstrengungen des deutschen Volkes, durch rastlose Arbeit wettzumachen, was ihm ein schlimmes Geschick an Schwerem aufgebürdet hat. Die ungebrochene Lebenskraft des deutschen Volkes, die sich hierin äußert, ist ein Trost in unserem eigenen Ungemach und Ansporn für die Ausgaben, welche die Gegenwart uns stellt. Die Deutschen Oesterreichs sind überzeugt, daß das lebendige Bewußtsein gemeinsam vollbrachter Leistungen und unverlierbares Erinnern an Jahrhunderte gemeinsam erlebter Schicksale den geistigen Inhalt des vegrifses Ratio« bildet. Diese Gemeinsamkeit muß trotz der im vorigen Jahrhundert erfolgten politischen Abtrennung des deutschen Bvlksstammes in Oesterreich nicht nur erholten werden, sie soll vielmehr aus allen Ge- bieten menschlichen Tuns reichste Früchte tragen und so stets von neuem zu beglückender lebendiger Wahrheit werden. In der Mit- arbeit zur Erreichung dieses Zieles erblicke ich meine vornehmste Aufgabe." Der Reichspräsident erwiderte u. a.: „Die herzlichen Worte, die Sie im Namen des Herrn Bundes- Präsidenten und des österreichischen Volkes an mich und an das deutsche Volk gerichtet haben, finden hier dankboren Widerhall. Mit brüderlicher Anteilnahme blicken wir auf den Freund und Nachbarn, der mit unerschütterlichem Lebensmut und zähem Arbeits- willen den Schwierigkeiten trotzt, die sich dem Wiederaufbau seiner Heimat entgegenstellen. Die hohen Eigenschaften des Geistes und des Herzens, die Oesterreichs Volk von jeher auszeichnen, berechtigen uns zu der festen Zuversicht, daß die guten Wünsche, die ich und das deutsche Volk für die Zukunft Oesterreichs hegen, in Erfüllung gehen. Das in dem Herzen jedes Deutschen beiderseits unserer politischen Grenzen ti.es verankerte G c m e i n s ch af t s g ef ühk bildet ein unzerreißbares Band und«in wertvolles Gut, das sich— das ist auch mein aufrichtiger Wunsch— auf allen Lebensgebieten in ge- meitssamer Arbeit auswirken möge.. Seien Sie versichert, dpß Sie bei dieser genieinsomen Arbeit rückhaltlos auf meine und der Reichs- regierung Förderung und Unterstützung rechnen können.* Sozialüemokratische flntröge. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag folgenden Antrag eingebracht: Die Reichregierung zu ersuchen, 1. den Entwurf eines Reichsmilchgesetzes dem Reichstag schleunigst vorzu- legen; 2. die Reichsverordnung über den Verkehr mit Milch vom 8. Juni 1924 nicht eher auszuheben, als ein Reichsmilchgesetz in Kraft getreten ist. �„Ach, mein Enkel— der is nu noch mein einzigster, aber der is gut. Den besuch' ich jedes Jahr mal. Erst war er in Kiel auf Schiff und dann vier Jahre im Krieg. Ach du Lebe Zeit, ober der is gut— der tut für mich, was er kann." „Ihr Mann lebt wohl nicht mehr?" „Der lebt schon lange nicht." „Was war denn der von Berus?* „Nachher war er bei der Post, vorher war er Wirter, ab« das ging schlecht." „Bei der Post? Na, da haben Sie gewiß etwas Pension?* „22 Mark monatlich und 13 Altersrente... dos is genug.* „Wohnen Sic ganz ollein?" „Im Frauenheim. Eben Hab' ich mir Essen geholt— aus der Notstandsküche." „So? Schmeckt Ihnen das Essen?" „Ach du liebe Zeit, ich bin nicht so. wie die unzufried'nen Menschen heut«...* „Und wie lebt sich'- denn da im Frauenheim?* „Ich nähe und stricke den ganzen Tag Strümps« für meinen Bruder in Leipzig." „Seh'n Sie mal an, arbeiten können Sie anch noch?* „So rumsitzen tu' ich nicht, denn mächt' ich gar nicht mehr leben."/ Minder hoben Sie doch gewiß auch?* „Sechse hatt' ich. Vier Söhne, zwei Töchter. Di« letzte war noch in Halle verheiratet... Der Mann war schlecht, und dann kam sie wieder nach Hause und stirbt. Arzt geholt, alles umsonst.* „Da haben Sie alle Ihre Kinder verloren?* „Ja. ja, du liebe Zeit. Vier Söhne im Krieg, und die andern sind auch gestorben. Bloß i ch lebe noch'n paar Jahre. Dos geht olles ganz natürlich zu...* Jetzt erhob sie sich und meinte:.Na, dann wünsch« ich Ihnen gute Erholung." „Danke sehr." „Ach du lieber Himmel, ein Schirm is kein Stock." Und damit humpelte sie weiter... Mir ging so durch den Sinn: ob dir wohl mit 82 Jahren auch nichts weiter fehlen wird als ein Stock?-- vom heilige» Wort. Zwei Sachsen sind in München und lauschen neu- und sensotions- gierig dem oberbayerischen Wortschwall. Begeistert einerseits, neidisch andererseits meint der eine:„Schade, daß mier so gargee bisse! Tialegd schbrächen..." Es gibt nicht wenig„Sachsen" heutzutage. Menschen, die gram- matisch und phonetisch einwandfrei sprechen, sind ebenso selten wie Menschen mit Sprachgefühl und Sprachgehör. Die Gründe liegen offen auf der Hand: sie entschuldige» wohl, aber sie entbinden nicht von der Pflicht zur bessernden Arbeit. Einsichtsvolle Pädagogen, Sprechchöre usw. nehmen sie bereits seit längerer Zeit mit viel Erfolg vor, und neuerdings wirkt für das Ziel der Gesundung ver- schandelter Sprache indirekt auch der Rundfunk mit. Wir erleben gegenwärtig eine Spezialisierung der Kunst, der Streit um die Richtung identifiziert sich sprachlich mit dem Streit um das Mittel. Selbst das Theater besitzt nicht mehr die Totalität von ehedem. Theater, Film und Radio sind Angelegenheiten für sich: mögen zwischen Theater und Film noch Brücken bestehen, so ist die Radiodarbietung etwas absolut Eigenes. Völlige Einseitigkeit muß hierbei durch Höchstleistung ausgeglichen worden. Triumph des Wortes! Millionen hören es, Millionen genießen es— Millionen kritisieren es. Lernt sprechen! Lernt hören! Das war die unausgesprochene Tendenz des hervorragenden Vortrags: .Das gesprochene Wort", den der Stuttgarter Theaterleiter E. W alfgang H o f s m a n n- H ä r n i s ch gestern im Rund- funk hielt. Es gibt Dichter, die am schönsten wirken, wenn man sie hört(Goethe) und andere Dichter sind am größten, wenn man sie lieft(Thomas Mann). Das wurde immer'wieder leichtverständlich und treffend beim Rhapsodischen, beim Epos, bei der Ballade, der Rede, dem lyrischen Gedicht herausgearbeitet. Hoffmann-Harnisch war für die gewählten Beispiele selbst ein guter Sprecher, Homer in Griechisch, Fontane, Hölderlin und Kasack gelangen ihm de- sonders gut. Erich Gottgetreu. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltet vom 19. bis 25. Juli eine Ferien-Studienreise nach Hamburg- Helgoland— Bremen und eine weitere vom 28. Juli bis 4. August nach der Schweiz(Zürich. Luzern, Vierwaldstätterfee, Interlaken, Bern, Berner Bergland, Bafel).— Anmeldungen zu diesen Ber- anstaltungen müssen umgehend beim Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW. 88, Lindenstr. 3, erfolgen. Dort wird auch ein ausführliches Ferienprogramm über sämtliche Veranstal» tungen in diesem Sommer kostenlos abgegeben. Ihealer ohne Einlriltsgeld. Niemand vorher ist bei dem Be- mühen, die Theaterpreise zu ermäßigen, so konseqent verfahren alt gewisse Leute in L e e d s, die zu den Einwohnern von Leeds näch- sten Winter sagen werden:„Hier gibt's ein Drama ohne irgendein Eintrittsgeld. Wollt ihr das? Wenn ja, werft etwas in den Hut wenn er herumgeht. Ein Ereignis in Park hat die Hoffnung ge- nährt, daß dieser gewagte Leedjer Versuch gelingen wird. Denn in Dork ist, wie das vom Berliner Messe-Amt herausgegeben, Wochenblatt„Berlin" mitteilt, tatsächlich die Möglichkeit«ine« „Frei-Theaters" zum erstenmal Wirklichkeit geworden. Diejenigen die das Porker Eoeryman-Theater leiteten, hielten es für notwendig ein- oder zweimal die Vorstellungen im Rathaus zu geben. Da da- Rachaus ein städtisches Gebäude ist, konnte kein Geld für den Zu- tritt erhoben werden: statt dessen wurden Sammellisten eingeführt Die Everymcm-Direktoren machten«ine interessante Entdeckung: di« Rathausvorstellungen waren rentabler als die. jenigen, bei denen stets Eintrittsgeld erhoben wurde. Volksbühne. Die Premiere des Lustspiel«„Die deutschen Klein. ltä dter« nach Kohcbuc neubearbeitet von Pbilivv Wcnzig. in der Voll«. bühne, Theater am Büloivplotz, am I.Juli,?>/, Uhr, ist in den Hauptrolle« besetzt mit den Damen: Hedwig Wangel. Lotte Autzt, Thea Mrodlczinzkt und TillKIockow und den Herren: PaulHenckel«, Berthold Reissig, Ger hart Ritter und HanS Heinrich o. TwardowSty. wieöer ein Umfall. Die Deutschnationalen und der Finanzausgleich. In den nächsten Tagen wird im Steuerausschuß des Reichstags der Entwurf zur Aenderung des Finanz- ausgleicht zwischen Reist), Ländern und Gemeinden zur Beratung kommen. Dieser Entwurf bringt als wichtigste Aenderung die Einräumung des unbegrenzten Zu- schlagsrechts zur Einkommen- und Körperschaftssteuer an Länder und Gemeiltdem Er will also die durch die Erz- bergersche Finanzreform geschaffene Steuerhoheit des Reiches teilweise preisgeben. Es schien bisher, als ob die R e ch t s p a r t e i e n d i e s e n Regierungsvorschlag billigen würden. Die Erz- bergersche Steuerreform war von jeher das Ziel ihrer heftig- sten Angriffe. Stets waren sie für größere steuerliche Selb- ständigkeit der Länder und Gemeinden eingetreten. Jetzt, wo es ernst wich, scheint sich plötzlich ein bedeutsamer Wandel dieser Anschauungen zu vollziehen. Viel bedeutsamer aber ist in dieser Hinsicht ein Artikel des deutschnaiionalen Abgeordneten Dr. Preyer in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", in dem die unbegrenzten Zuschläge runi heraus für u n m ö g l i ch erklärt werden. Diese Ansicht wird nit einer interessanten Begründung versehen, die allein. schon die nähere Betrachtung lohnt. Der Hauptvorwurf der Rechtsparteien gegen den bisherigen Finanzausgleich war, daß er Länder und Gemeinden nicht zur Sparsamkeit nötige. Zurück zur finanziellen Selbstverantwor- tung, war die Parole, und ein Mittel dazu sollten die un- begrenzten Zrschläge sein. Jetzt gibt Herr Preyer offen zu:„Erholten die Gemeinden das völlig freie Zuschlags:echt, so ist von Sparsamkeit über- Haupt k e i ne Rede mehr." Als weiterer Grund wird angegeben, das unbegrenzte Zuschläge zu wirtschaftlich uner- träglichen Ungeichmäßigkeiten in der Steuerbelastung führen müßten, ein Bedenken, daß die Deutschnationalen bisher auch glaubten in der Wind schlagen zu können. Das w i ch t i g st e aber ist für Hrrn Preyer das außenpolitische Mo- m e n t! Hier ist der unglückselige 29. August, der Tag der Annahme der Dawes-Gesetze, an dem sich die Deutschnatio- nalen zur Retung des Baterlandes in zwei gleiche Teile spalteten, an alem schuld. Was hierzu Herr Preyer schreibt, klingt so erf-illungsfreundlich, daß es unbedingt wörtlich wiedeigegeben werden muß: „Wird die Keichsratsvorlag« 19: 99 angenommen und dazu dos Recht der frjen Zuschläge gewährt, so kann leicht der Fall ein- treten, daß noch lnlgcn Zahren die Zahlungen au» dem vawes-plan nicht mehr möglch sind. Mit Recht werden dann unsere Feinde den V o r w u r ferheden, wir hätten den Schwerpunkt der Steuer- erhebung vom Rich in die Länder„verschoben", um auf diese Weise uns zahlungsunßhig zu machen. Dieser letzt« Grund ist so durch- schlagend, daß ge>en ihnkeineEinwendung aufkommen kann." Das ist geiau dasselbe, was für die E r z b e r g e r- sche Reform entscheidend war, die die Deutschnationalen unter Anführuig Helfferichs jahrelang wütend bekämpft haben. und das Geg'nteil dessen, was sie selbst vertraten. Schließlich wendet sich Herr Preyer auch gegen ein« Erweiteru,g der Rechte der Länder gegenüber den Gemeinden, weil er endlich richtig herausfindet, daß diese bissin parteiischeingestellt und nicht geeignet find, das Jntsr- effe des Ganzea»u wahren. Deshalb tritt er f ü r e i n e w« i t- g ebendes f sich tsre�ch t d es R etches ein ob- glsich er sich an Anfang seines Artikels als DeutfchnatWNaler zum Föderalisnus bekennt. Anscheinend sind für Deutsch- nationale Theoie und Praxis auch auf diesem Gebiet zweierlei. Aus diese> Gründen kommt Herr Preyer dann zu salgendem E r«o b n i s: 1. die Frage der Verteilungsschlüssel und der Zuschljge wird v« r t a g t bis zum Sommer 1926; 2. bis dahin me schärfere Aufgabenverteilung zwischen Reich.Ländern und Gemeinden durchgeführt: 3. in- zwischen bleibt es bei der 7Sproz«ntigen Ertrags- beteiligun der Länder und Gemeinden an der Ein- kömmenfteuer. Zum Schluß aber heißt es wörtlich: „Grundsätzlic kann-schon setzt festgestellt werden, daß von einem undeshränkten freien Zuschlagsrecht aych nicht die Red fein kann: ein solches wird unter keinen Umständen bewilht werden." - Die Deitschnationalen sind also gegen unbegrenzt! Zuschläge. Werden sie dann aber f ü r begrenzte Ztfchläge eintreten? Hierüber sst sich Herr Nreqer selbst nch nicht klar. Er glaubt offenbar noch die Fragen der Zuhläge und des Verteilungsschlüssels nebenein- .ander Wen zu innen. Taffächlich lautet das Problem aber nicht: Verteilungschlüssel und Zuschläge, sondern Derteilungs- schlüssel oder.uschläge. Zwischen beiden ist zu wählen. Wird den Länden und Gemeinden das Zuschlagsrecht einge- räumt, so fallen>ie Verteilungsschlüssel, auch wenn das Zu- schlagsrecht begrizt wird. Und darin liegt die Gesa H r. die den Ländern!nd Gemeinden aus der agitatorischen Haltung derDeutschnationalen erwächst. Wenn die Detschnationalen dem äußeren Anschein zuliebe statt des bisherig Systems wenigstens die begrenzten Zuschläge cinjhren wollen, so tritt damit kein Fort- schritt, fanden ein Rückschritt ein. Die Länder und Gemeindn gewinnen bei begrenzten Zuschlägen nichts an finarieller Beweglichkeit, sie verlieren aber den einen Voteil, den die Verteilungsschlüssel bisher boten. Nach demvystem der Verteilungsschlüssel waren bis- her die Ansprühe der Wohngemeinden sicher- gestellt. Bei Essührung des Zuschlagsrechts würden diese Ansprüche aefähdet. denn die Wohngemeinde gerät da- durch in Abhängsteit von der Betriebsgemeinde. Herr Preyer weiß woh auch keinen praktischen Weg, was eine Wohngemeinde mhen soll, wenn die Betriebsgemeinde zu niedrige oder gar sine Zuschläge festsetzt, oder wenn sie die Festsetzung zu lang hinausschiebt. Auch hier veeugnen die Deutschnationalen ihre als Oppositionspartei s eifrig vertretenen Forderungen. Solche Wandlungen gehcnaber gemeinhin nicht ohne schwere Ent- täuschung der eigsen Anhänger ab. Zu den betrogenen Aufwertungsgläubicrn werden sich bald die geschädigten Länder und Gmeinden als Opfer deutschnationaler Berwandlungskunft ,esellen. Ein üierflü'Pges Dementi. Der frühere Reickanzler. Herr Dr. Michaelis, sieht sich veranlaßt, gegen die Ajntasieprodutte des Angeklagten Dittmar im Moskauer Studcnnprozeß durch das Wolffjche Telegraphen- bureau ein langes Dnenti verbreiten zu lassen. Er versichert darin, daß seine Arbeijn der Studentenschaft niemals mit Politik v--mdetwas zu- tun-Habt habe.. Dem' kann man ganz gewiß Glauben schenken. D> Dementi erscheint uns aber iw übrigen gänzlich überflüssig. Jedes politssche Kind weiß, daß dieser Mos. kauer Prozeß eine abgekartete Sache ist, die lediglich dem Austausch des in Leipzig zum Tode verurteilten Russen S k o- blewski dienen soll. Die Redakteure der„Roten Fahne" wissen darüber genau so gut Bescheid, wie die Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands. Wir haben nichts dagegen, daß Skoblewski nach Rußland abgeschoben, wird. Aber wenn die russische Regierung dies Ziel erreichen will, so wird das bei der großen Freundschaft zwischen ihr und dem deutschen Auswärtigen Amt nicht sonderlich schwer fallen. Sie könnte getrost auf so alberne Methoden verzichten. Denn schließlich besteht die Mitwelt doch nicht nur aus den gläubigen Lesern der„Roten Fahne". Deutsch- französischer Elsentrust. Die Verhandlungen abgeschlossen? Eine Unternehmerkommission der am Eisenpakt beteiligten Industriellen verhandelte in Luxemburg am 23. und 24. Juni und erzielte befriedigende Ergebnisse. „Daily Telegraph" und„Daily Mail" melden aus Berlin— der erste„von autoritativer Stelle", daß die Verhandlungen zu einem endgültigen Abschluß ge- führt hätten. Es handele sich um die Bildung eines deutsch-französischen Trusts unter folgenden Bedingungen: 1. Frankreich erhält das Recht, aus Elsaß-Lothringen, dem Saargebiet und Luxemburg jährlich nach Deutschland 1,7 Millionen Tonnen Eisenerze auszuführen. 2. Die deutsche und die französische Schwerindustrie behalten die volle Kontrolle über de« heimischen Alarkl, jede in ihrem Land?, während zur Bearbeitung der auswärtigen Gebiete und Märkte ein gemeinsames Syndikat gebildet wird. Die von diesem Syndikat er- haltencn Aufträge sollen zwischen den deutschen und f r a n z ö- s i s che n Partnern nach einer festgesetzten Quote verteilt werden. 3. Außerdem wird ein besonderes Syndikat zur Produktions- konlrolle gebildet und langfristige Verträge für die Lieferung französischer Erze an die deutschen Hochöfen und von Ruhrkohle an französischen Eisenhütten werden abgeschlossen. Schließlich werden noch deutsche und französische Industrielle sich gemeinsam an französischen und deutschen Unternehmungen beteiligen. Diese Meldung des„Daily Telegraph" erhält eine gewisse Bestätigung durch die„Berliner Börsen-Zeitung". Dort wird versichert, daß die englischen Meldungen„den Tatsachen vor- auseilten" und versichert, daß die Meldung über die Bildung eines gemeinsamen Syndikats„in dieser Form" un- richtig sei. Das Ziel der Verhandlungen und die Verhandkungsbasis scheint demnach durch den„Daily Telegraph" richtig umrissen zu sein._ Ein chinesischer Protest in Serlin. Personalveränderung in der Abteilung In. Die chinesische Regierung hat durch ihre Ber- liner Gesandtschaft dem Auswärtigen Amt ein« Rote über». reicht, in der gegen die Verhaftung der 18 chinesischen Studenten Protest erhoben und eine Untersuchung dieser peiss- lichen Angelegenheit gefordert wird. Die Meldungen ver- schiedener Blätter über chinesische Forderungen nach Be- st r a f u n g der schuldigen Beamten und auf Zahlung einer Cntschädia.ung an..die„estzen Tag lang inhaftierten Studenten sind falsch. Indessen scheint, Deutschland infofern dem Protest stattgegeben zu haben, ots'�eftie n'g in der Ab- t-iknng I, vorgenommen wurde, die von der BS.-Korrespondenz wohl nicht zu Unrecht mit den Borgängen bei der Ehinesen-Ver- sammlung in Zusammenhang gebracht wird. Der bisherig« lang. jährige Bearbeiter der linksraditalen Bewegung, Polizeirat He n. ning, ist nämlich zum Leiter des Polizeiamts Tempelhof ernannt und durch den Polizeirat Mittasch ersetzt worden, der bisher die rechtsradikale Bewegung bearbeitete und dessen Posten künftig vom Regierungsassessor Dr. Schmidt, bisher Leiter de» Polizei- amts Wedding, übernommen wird. Protestaktion der Berliner Chinese» gegen einen verdächtigen General. Der chinesische General Hsü befindet sich feit einiger Zeit mit Gefolge in Berlin, um die politische und wirtschaftlich« Lage Deutschlands zu studieren. Seine Anwesenheit hat bei den in Ler- lin lebenden chinesischen Studenten lebhast« Besorg. nisse hervorgerufen. Man neigt zu der Auffassung, daß der General in Deutschland Waffen kaufen und Anleihen aufnehmen will, die schließlich gegen die chinesischen Ausstöndischen Derwen- dung finden' sollen. Am Sonnabend abend erschien, aus dieser Besorgnis heraus, auf der chinesischen Gesandtschaft in Berlin«ine große An- zahl chinesischer Studenten, die in emer dort abgehaltenen Ber» sammlung dem Gesandten ihre Bedenken gegen die Anwesenheit des Generals Hsü zum Ausdruck brachten und dessen sofortige Ab- reise forderten. Der Gesandte gab die Erklärung ob. daß der General sich ausschließlich zu Studienzwecken in Berlin auf- hält und gar nicht an den Ankauf von Waffen oder den Abschluß von Anleihen denkt. Der Ausforderung, diese Erklärung in einem mit seiner Unterschrift versehenen Schrissstück feierlichst zu wieder- holen, kam der Gesandte nach. Der„Ausschuß der chinesischen nationalen Freiheitsbewegung", der diese Aktion leitete, beabsichtigt, die von dem- Gesandten unterschriebene Erklärung im Wortlaut der deutschen Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Bon chinesischer Seit« wird auf das Bestimmtest« versichert. daß es sich um keine kommunistische Aktion gehandelt und nur Chinesen an ihr teilgenommen haben. Inzwischen ist General Hsü vom Reichspräsidenten in Audienz empfangen worden. Nach der Entscheidung der Sozialisten. Bezirksverbände gegen Kammerfraktion. Paris. 29. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Haltung der sozialistischen Fraktion in den Debatten über die Marokkofrage und die Caillauxschen Sanierungsmaßnahmen hat innerhalb der Partei sehr starke Unzufriedenheit auegelöst. I» einer ganzen Reihe von Departements ryird von- den zuständigen Parteiinstanzen scharfe Kritik geübt, weil die Fraktion an der Fiktion einer gemeinsamen Politik der Linken festzuhalten versucht, obwohl' der Kurs, den das Ministerium Painlevc eingeschlagen Hab«, sich von Tag zu Tag mehr von dem Programm des 11. Mai entferne. So hat am Sovntag der. Parteikongreß im Departement Rhone in Lyon sich einstimmig gegen die Fortführung der Unter- ftützungspolitik ausgesprochen. Der Kongreß des Departements Pouche du Rhöne in Marseille hat eine Resolution gesaßt, in der die Delegierten zum Parteitag beauftragt werden, für den s o- fortigen und bedingungslosen Abbruch der Unter- ftützungspolitik zu stimmen und jeden Beschluß abzulehnen, der der Fortsetzung der gegentvärtigcn Politik durch irgendwelche Kam- promisse die Tür offenhalte. Keine kurzfristige Anleihe. Paris, 29. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Abendblätter vom Montag teilen mit, daß die wertbeständige Anleihe nicht, wie ursprünglich angenommen wurde, kurzfristiger Natur sein wird, sondern daß das Finanzministerium beabsichtigt,«ine auf Goldfranken unkündbare Rente auszugeben. Weiterberatnng des Budgets. Paris. 29. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Kammer fetzt« am Montagnachmittag die in vergangener Woche unterbrochen« Beratung des Budgets fort. Nachdem die Finanzkommission sich mit der vom Senat beschlossenen Streichung eines großen Teiles der von der Kammer in erster Lesung gefaßten Beschlüsse, soweit sie auf die Modifikation der geltenden Steuergesetze hinauslaufen. abgefunden hat, dürfte die Verabschiedung des Haushaltsgesetzes im Plenum auf keine unüberwindlichen Hindernisse mehr stoßen. Nur in einem Punkt bestehen noch ernstliche Differenzen zwischen der Regierung und der Mehrheit der Kammer. Die Finanzkommission hat die in erster Lesung beschlossene Modisitation der Umsatz» st e u e r, die die Unternehmungen des Lebensmittelhandels und der Lebensmittelindustrie, soweit sie nicht mehr als drei Angestellte be- schäftigen, von dieser Abgabe befreit und im Einnahmehaushalt durch eine Produktionssteuer auf gewisse industrielle Fabrikate er- setzen will, ungeachtet der Ablehnung durch den Senat und des Widerspruchs der Regierung wiederhergestellt. Da C a i l l a u x an- gekündigt hat, daß er dazu die Vertrauensfrage stellen wird, ist nach den Erfahrungen der vergangenen Woche damit zu rechnen, daß die Mehrheit auch in dieser Frage kapituliert- In parlamen- tarischen Kreisen rechnet man damit, daß das Parlament unmittel- bar nach der Verabschiedung des Budgets die Diskussion der zurück- gestellten fiskalischen Borlagen beginnen und in wenigen Tagen zu Ende führen wird, so daß die Session spätestens zum 14. Juli ge- schlössen werden kann. /lrbeitslosenöebatte im Unterhaus. Scharfe Kritik Macdonalds. London. 29. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag wurde im Unterhaus auf Antrag der Arbeiterpartei das Arbeitslosen- Problem besprochen. Macdonald eröffnet« die Debatte und führte aus, daß dos Heer der Arbeitslosen in den letzten Monaten beispiellos gewachsen sei. Di« Regierung habe die Be- schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten nicht mit der«rsorderlichen Energie betrieben, wie sie in der Arbeitslosenfrog« überhaupt äußerst saumselig sei. Anschließend begründet« er einen Antrag der Arbeiterpartei, der sachlich, aber in aller Schärf« Kritik an der Regierung übt und bestimmte Mahnahmen zur Abhilfe for- dert. Der Ministerpräsident B a l d w i n ergriff dann persönlich da» Wort zur Erwiderung. Er teilte mit, daß die Regierung be» stimmt« Pläne erwäge und n. a. auch überlege, ob eine Verminde- rung des Arbeitslosenheeres durch Subventionen an die brachliegen- den Betriebe zu ermöglichen sei. Unter anderem sei an die plan- mäßige Ueberweisung von Aufträgen, die Erteilung von Krediten und die Ermäßigung der Frachtsätze aus den Eisenbahnen gedacht. »st Nach einem WTL.-Bericht besprach Baldwin in seiner Antwortrede auch die außenpolitischen Fragen: Ueber den Einfluß der Außenpolitik auf die Industrielle Lage erklärte er, die britische Außenpolitik der letzten fünf Jahr« habe ohne Rücksicht darauf, welche Regierung an der Macht war, Chaos ,up:d Unruhe in, Europa durch Ordnung und Friede» zu ersetzen, versucht. Es sei sehr schwer gewesen und werde noch sehr schwer sein, aber ein wirklicher Fo,rt- s ch r i t t fei bereit» gemacht worden. England selbst habe kein« g«. ring« Roll« gespielt bei der Wiederherstellung Oesterreichs. Ungarns und Deutschlands. Entweder habe England selbst im Berein mit anderen Ländern oder durch den Völkerbund einen steten Einfluß ausgeübt, der unaufhörlich und unerschütterlich aus den Frieden hinzielte in dem Bewußtsein, daß Ariede« in Europa ein unbedingt wesentlicher Begleitumstand für jeden industriellen Fortschritt tn England sst.— Auf die Sicherheitspaktverhandlungen über- gehend, erklärte Baldwin, die Regierung unternehm« jetzt einen weiteren Versuch, um eins» Schritt vorwärts zu machen, der nach seiner Ansicht«in« groß« Wirkung auf die Festigung d« Lage w Westeuropa haben und zum Beginn der Heilung der alten Fehde und BivalllSt zwischen zwei großen Rationen beitragen werde. Wenn diese Bemühungen von Erfolg gekrönt seien, so sei er überzeugt, daß dann«in weitererMei lenstein auf dieser langen mühseligen Straß« passiert worden ist. Putschregierung und Parlament. PangaloS droht mit Auflösung. Athen. 29. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der Führer der griechischen Militärrevolte Hai am Sonnabend«in Kabinest gebildet, da» im wesentlichen aus Richtparlamentariern besteht. Die neue Regierung, deren Vereidigung durch den Präsidenten bereits erfolgt ist, beabsichtigt, sich am Montag der Nationalversammlung vorzustellen. Da Pangalos sich mit dem Plan trägt, das Parlament im Falle einer Obstruktion aufzulösen, werden parlamentarische Schwierigkeiten nicht erwartet. Das Tafelgeschirr des Kronprinzen. Allgemeine Aufmerksamkeit erregte bekanntlich in der Oeffent- lichkeit die Debatte über den Antrag der Berliner sozialdemotra- tischen Rathaussraktion, das seinerzeit für den Kronprinzen des Deutschen Reichs bestellt)! kostbare silbern« Tafelgeschirr jetzt nicht dem Exknmprinzen zu überreichen, sondern es in einem Museum zur Ausstellung zu bringen unfc. auf die Weise diesen wertvollen Kunstschotz der Oeffentlichkeit zu erhalten. Die Abstimmung im Berliner Rathaus ergab durch zwei verschie- den« Mehrheiten ein etwas merkwürdiges Resultat. Jetzt hat sich gestern im Berliner Rathaus die erneuerte Kommission der an der Schenkung der beteiligten preußischen Großstädte, die aus den Oberbürgermeistern und Stadtverordneten der betreffenden Städte zusammengesetzt ist, mit der ganzen Materie noch einmal beschäftigt. Man hat beschlossen, eine dreigliedrige Kommission zum Exkronprinzen nach Oels zu entsenden und ihm nahezulegen, er möge freiwillig auf die Annahme dieses früher unter ganz anderen Umständen beschlossenen Geschenks verzichten und einer Ueberweisung des Tafelgeschirrs an ein Museum von sich aus seine Zustimmung geben. Es wird sich bald zeigen, ob dieser Appell an das Anstandsgefühl des Schloßherrn von Oels Erfolg haben wird. Es gibt Skeptiker, die behaupten, der frühere Kronprinz lege vielzuviel Gewicht auf den für ihn angeblich so notwendigen Vermögenszuwachs, als daß solch eine Ver- mittlungsaktion Erfolg haben könnte. Die Oeffentlichkeit wird jedenfalls gespannt sein, zu erfahren, wie sich der frühere Kronprinz in diesem Fall verhalten wird. Im allgemeinen waren ja die Hohenzollern in Fragen des Taktes nicht immer gut beraten. Lielleicht macht der Herr von Oels hoch einmal eine Ausnahme. Gewerkschaftsbewegung Das Ergebnis des Holzarbeiterkampfes. Die Aussperrung in der Holzindustrie, die am 13. Juni vom Arbeitgeberverband der deutschen Holzindustrie dekretiert wurde, fann nunmehr als beendet betrachtet werden. Es ist möglich, daß es in einzelnen Bezirken, insbesondere in Thüringen noch einige Schwierigkeiten zu überwinden geben wird. Aber im großen und ganzen fann der Kampf als beendet betrachtet werden. An anderer Stelle wird das Ergebnis dieses Kampfes in seinen größeren Auswirkungen eingehender besprochen. Wir beschränken uns hier auf die Wiedergabe der Tatsachen und Ziffern und wollen nur ganz furz unterstreichen, daß das Ergebnis dieses Kampfes für den Deutschen Holzarbeiterverband ein Erfolg, und zwar ein großer Erfolg ist. Arbeiter, Angestellte, Beamte Berlins! Ein neuer Schlag gegen Eure Lebenshaltung droht! Zu dem Lohndrud, dem Steuerdrud foll nach dem Willen der bürgerlichen Parteien und der Regierung Luther- Schiele- Schlieben noch hinzutreten der Brotwucher! Weitere Not, vermehrter Hunger, noch größeres Elend wird durch die geplanten Zölle der besitzlosen deutschen Bevölkerung aufgezwungen! Sept Euch zur Wehr! Protestiert mit aller Entschiedenheit und besucht die Protestkundgebungen Die neue Zollvorlage, die gegenwärtig im Reichstag zur Beratung steht, soll nach dem Willen der Reichsregierung und der Rechtsparteien durchgepeitscht und noch vor dem Beginn der Parlamentsferien verabschiedet werden. Euer Fell soll zu Markte getragen werden, als Liebesgabe für Schwerindustrie und Großgrundbesih. Neue Lasten will man auf Euch abwälzen! Each sollen bei dem ungeheuren Lohndrud, unter dem Jhr ohnehin schon leidet, noch neue schwere Steuern in Form von Zöllen auf Brot und alle zum Leben unentbehrlichen Bedarfsartikel aufgebürdet werden. Die von der Regierung im Auftrage der Grozindustrie und des Großgrundbefizes vorbereiteten Hochschutzölle tommen einern allgemeinen Lohnabbau gleich, den Ihr selbst durch schwere Sohnlämpfe nicht ausgleichen fönni. Angestellte, Arbeiter und Beamte! Die erzielte Lohnerhöhung beträgt im Durchschnitt 18 Proz. auf die seitherigen Löhne. In einzelnen Bezirken ist die Lohnerhöhung geringer, in anderen erheblich größer. Es hat insbesondere eine größere Ausgleichung zwischen den Bertragslöhnen in den einzelnen Bezirken stattgefunden, wodurch die heute, Dienstag, den 30. Juni, abends 7%, Uhr, tiefer herunterbrüden, müßt Ihr Euch mit allen Euch zur Verzurückgebliebenen Bezirke stärker begünstigt worden sind. Auch da, wo die seitherigen Vertragslöhne überschritten morden sind, tritt die vereinbarte Lohnerhöhung in Geltung. Wenn 3. B. der seitherige Vertragslohn 78 Pf. betrug und ein Arbeiter auf Grund seiner höheren Leistung 85 Pf. die Stunde bekam, der Bertragslohn von 78 Pf. jedoch auf 94 Pf. erhöht wurde, so tritt diese Erhöhung von 16 Bf. auch auf den bisher höheren Lohn in Krajt, so daß der Arbeiter, der bisher 85 Pf. erhielt, fünftig 101 Pf. pro Stunde bekommt. Die Löhne gelten als Spigen durchschnittslöhne. Wie bisher tritt bei Afford entlohnung ein Zuschlag von 15 Broz. zu den vereinbarten Vertragslöhnen hinzu. Die Lohnerhöhung erfolgt in zwei 3eitabschnitten, und zwar die erfte in der Regel ab 13. Juni und die zweite ab Mitte August. Das Lohnabkommen gilt bis 15. Oftober. Berlin- Mitte: Moabit: Norden: Offen: in folgenden Zotalen: Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße 31 Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefffraße 23 Bharusfäle, Müllerstraße 142 Andreasfäle, Andreasstraße 21 Süden und Neukölln: Kliems Festfäle( Erbe), Hasenheide 13 Westen: Gegen diese neue Belastung, die Eure Lebensbedingungen noch fügung stehenden Kräften zur Wehr sehen, bevor es zu spät ist. Wir rufen Euch auf, die heute, Dienstag, den 30. Juni stattfindenden Versammlungen, in denen hr über die Euch drohenden Gefahren informiert werdet, einhellig und geSpichernfäle, Wilmersdorf, Spichernstraße 3 fchloffen zu besuchen. Redner: Reichstagsabgeordnete Crispien, Dr. Moses, Wels, Künstler, Stampfer, Wissell. Männer und Frauen! Gestaltet diese Kundgebungen durch Maffenbesuch zu wuchtigen Protestdemonstrationen gegen den geplanten Raub zug. Sozialdemokratische Partei:: Bezirksverband Berlin. zu bemerken ist noch besonders, daß die neuen Verträge ohne Die Zuhilfenahme von Unparteiischen in freier Vereinbarung zuftandefamen. Die seitherigen Löhne schwankten in den verschie denen Bezirken zwischen 69 und 100 Pf. Die neuen Löhne betragen zwischen 85 und 109 Pf. die Stunde. Diese Löhne sind, wie bereits angeführt, Spigendurchschnittslöhne; nicht inbegriffen sind Schle fien und Brandenburg, wo die Löhne bisher 57 bzw.68 Pf. betrugen und auf 78 bzm. 77 Pf. erhöht wurden und die Löhne der dritten Ortstiasse bezeichnen. Die Spißendurchschnittslöhne stufen sich wie bisher ab nach Ortsflaffen, Altersklassen und Berufsgruppen. Diesen großen Erfolg danken die Holzarbeiter in erster Linie ihrer ausgezeichneten Organisation und der begeisterten Disziplin ihrer Mitglieder. Aber auch dem Vorgehen der Unternehmer, das wir an anderer Stelle eingehender würdigen, ist es zum guten Teile zuzuschreiben, daß der Kampf, der eine unserer bestfundierten Gewerkschaften niederringen mollte, diesen Ausgang nahm. Verbandstag der Hutmacher. Köln, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag früh wurde in Köln der 14. Verbandstag des Deutschen Hutmacherverbandes eröffnet. Aus allen Teilen Deutschlands find Delegierte erschienen. Der Vormittag galt den Begrüßungsreden. In der Nachmittagsfizung sprach Staub über die historischen Aufgaben der Geweri fchaften. Er gab einen umfangreichen Rüdblid über die Entwidlung ber modernen Arbeiterorganisationen, die sich neben der politischen Arbeiterbewegung als Machtinstrument dem Unternehmertum gegen übergestellt habe. Besonders interessante Reminiszenzen, die die allmähliche Entwidlung des gemerfschaftlichen Unterstügungstaffen wesens schilderten, gaben dem Vortrag eine besondere Note. Ausführlich wurde auch das Verhältnis der Gewerkschaften zu den un gelernten Arbeitern, die bei den Hutarbeitern lange als 3irtus. objeft" angesehen wurden, behandelt. Der Buchbinderverband 1924. murde. Von den Bewegungen verliefen 162 ohne Arbeitseinstellun gen und 27 mit Arbeitseinstellungen. Von den Streifs waren 21 Angriff und sechs Abwehrstreifs. Völligen oder teilweisen Erfolg hatten durch diese Bewegungen insgesamt 450 416 Personen, und zwar 439 250 ohne Arbeitseinstellung und 11 166 Personen durch Streifs. Es fonnte im Durchschnitt für Männliche eine Aufbeffe rung von 12 M. pro Woche erzielt werden, für Weibliche eine solche von 7 M. Das ist ein Erfolg, der sich sehenlassen kann und der zur weiteren Werbung für die gewerkschaftliche Idee anspornen muß. Konflikt in der rheinischen Ziegelindustrie. Angestellte, Arbeiter und Beamte! Auf zum Protest! Erscheint in Massen! Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewetichaffsbundes Sabath. Reichelt Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortsfarte! Berlin Weyland 1 Orfsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes Weiland. Eins der schwierigsten Probleme in der inneren Politik Japans bildet gegenwärtig, wie auch früher schon, die Einmanderungsfrage infolge der Haltung Amerikas zu dieser Anglegenheit. Das japanische Bolt empfindet tiefe Entrüftung gegenüber den amerikanischen Maßnahmen, weil ein großer Teil der japanisden Bevölkerung dadurch in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gestürzt wird. Japan fann seine Bevölkerung nicht ernähren. Es führt jährlich 90 000 Tonnen Reis ein. Das Leben ist für die Massen tatsächlich infolge der zu schnell getonmenen Industrialisierung und Kapitalisierung ein jer hartes. Die Gewerkschaften unterstützen deshalb die Forderung der Regierung, den Auswanderern ein neues Gebiet zu erschlie Ben. Das soll natürlich nur auf dem Wege der Berhandlungen, niemals auf dem Wege der Gewalt geschehen. Köln, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem von den am Bezirkslohnvertrag beteiligten Ziegeleibefizern die Lohnforderungen Schlichtungsausschusses von beiden Parteien abgelehni worden war, der Gewerkschaften pon 1 M. Spizenlohn und ein Schiedsspruch des ist in allen Betrieben des Bezirks eine Ur abstimmung über den Streit vorgenommen worden. Mit großer Mehrheit wurde der Ausstand beschlossen. Die Unternehmer boten für Juni feine Lohn- zialgesetzgebung bemüht, ihr möglichstes zu tun. Aber natürlich erhöhung an, waren aber bereit, für den Monat Juli den Spizenlohn auf 75 Bf. pro Stunde festzusetzen. Dieses durchaus ungenügende Angebot wird auch vor den im Chriftlichen Gewerkschaftsverein organisierten Arbeitern mit dem Ausstand beantwortet merden. Aus Japans Arbeiterbewegung. Durch die Gewährung des allgemeinen, direttet und geheimen Wahlrechts an alle Männer über 20 Jahre hat di Regierung ein bedeutsames Zugeständnis gemacht; sie ist auch in Fragen der Sobleibt noch unendlich viel Arbeit zu tun. Bergessen Sie nicht, daß in unserem Lande die verschiedensten Kulturströmulgen zusammentreffen, daß alle Ideen in einem Brennpunkt sich bei uns treffen. Wir müssen unterscheiden und prüfen, was für usere besonderen Verhältnisse zu gebrauchen ist. Die chinesische Arbeiterbewegung wird von uns unterstützt. Sie ift arm und entwickelt sich erst. Aber ich zmeiff nicht an ihrem Erfolge. Die Hafenarbeiter von Schanghai wollte schon in diesem Jahre einen Bertreter zur Arbeiterkonferenz schten. Das Geld reichte aber nicht. Aber wir hoffen, daß im nächsten Jahre auch China auf der Internationalen Arbeitskonferenz vetreten sein wird. Der Korreondent des„ Soz. Pressedienstes" in Genf hatte fürzlich eine linterre ung, mit dem Genossen Bunje Suzufi, Sefretär des Japan jen Allgemeinen Arbeiterbundes. Suzuki machte ihm 11. a. nähere Mitteilungen über den Stand der japanischen G mertschaftsbewegung, die heute etwa 25 Pro3. aller japanischen Arbeiter umfaßt und insgesamt 450000 Mitglieder zählt. Neben dem Arbeiterbund besteht eine felbständige Organisation der Landarbeiter, Bächter und Kleinbauern mit einer Gesamtmitgliederzahl von 80 000 Köpfen. Im lezten Jahre führte diese Organisation mehr als 1000 erfolgreiche Streits und Lohn- nal Union of Distributive an Allied Workers( Natnalverband der fämpfe durch. Arbeiter im Kleinhandel und verwandten Gemeren, Manchester) mit zirka 500 Mitgliedern. Dem Geschäftsbericht des Verbandes der Buchbinder und Bapierverarbeiter Deutschlands entnehmen mir folgendes: Die Der tommunistische Prozentsag in den GemertMitgliederzahl nahm im Jahr 1924 gegenüber dem Jahr 1923 umhaften war äußerst gering. Mostau wurde bisher viel551 Mitglieder oder 0,01 Broz. ab. Die Abnahme entfällt auf die ersten Quartale des Jahres 1924. Der Durchschnittsmitglieder bestand beträgt 52 332, der Bestand am Schluß des 4. Quartals 1924 insgesamt 53 943. In günstiger Entwicklung befinden sich auch die finanziellen Verhältnisses des Verbandes. In der Bilanz find die Einnahmen für 1924 mit 796 771,67 m. verzeichnet. Dazu Pommt ein Vortrag für das Jahr 1924 in Höhe von 32 376,79 m. Die Ausgaben stellten sich auf 399 825,45 M., so daß 429 312,92 M. für das Jahr 1925 vorgetragen werden fonnten. Das Jahr 1924 war für den Verband ein ausgefproche nes Kampfjahr. Trotzdem für die große Mehrzahl der Berufsangehörigen, nämlich für rund 75 000 Personen, die Löhne und Arbeitsverhältnisse von acht Reichstarifen geregelt sind und ferner unter sechs Bezirkstarife weitere 5000 Berufsangehörige entfallen, fanden 189 Lohnbemegungen statt. Sie umfaßten 24 049 Betriebe mit rund 453 355 Personen, so daß die Belegschaft mehrerer Retriebe in einem Jahr mehrmals in Lohnbewegungen vermidelt Unser 1 Der Internationalen Bekleidungsarbeiterfördercion haben sich folgende Verbände angeschlossen: United Cloth- Hat and Capmaters of North Amerika"( Bereinigte Hut- und Müßenmcher von Nordamerika, New York), sowie die Abteilung Pelzarbder der„ Natio Achtung, Betriebsräte und Baudelegierte des foch-, Tief- und Betonbaugewerbes! Am Mittwoch findet im Gewerkschaftshaus, Großer Beal, nachmittags 5 Uhr, eine Baudelegiertenversammlung des Deutschen Baugewerfsbunbes mit äußerst wichtiger Tagesordnung statt. Bericht von ben lohnverhandlungen. Es ist Pflicht eines jeden Betriebsrats sowie Baubelegiten, pünktlich und bestimmt zu erscheinen. Ohne Ausweis und Mitgliedsby kein Zutritt. leicht durch 6000 Arbeiter vertreten, die wiederum den verschiedensten Organisationen angehörten. Sie verteilten sich auf die Spezialgemerkschaften der Seeleute, der Buchdrucker und Eisenbahner usw. Der größte Teil der Kommunisten in Japan refrutiert sich aus Intellektuellen, die zum Teil in Mostau auf Kosten der russischen Regierung studiert haben. Die fommunistische Agitation arbeitet mit riesigen Geldmitteln, ohne das Wort„ Kommunismus" im Munde zu führen. Ihr Bestreben ift, jede Lohnbewegung zur Rebellion ausarten zu Herren- Anzüge, Paletots lassen, also Unruhen zu stiften. Inzwischen sind sämtliche Kommu nisten aus den Gemerfichaften ausgefchloffen morden, weil sie durch ihre Wühlerei jede positive Arbeit unmöglich machten und so den gewerkschaftlichen Aufbau störten. Als Hauptfihe der bolichemistischen Agitation sind die Städte Tokio, Kobe, Djafa und Kioto zu betrachten. In Yokohama, das durch das letzte Erdbeben zerstört murde, hat der Wiederaufbau alle politische Arbeit lahmgelegt. nach Maß in vollendeter Paßform M85 33 L. Sonnenschein, Litostraße) Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gemertschaftsbewegung: F. Steiner; Feuilleton: Dr. Johi Schiłowsti; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; intlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Semärts- Buchdruderet und Verlagsanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen. Saison- Ausverkauf Bis zur beginnt am 1. Juli Hälfte herabgesetzt werden die Preise unserer Waren in den bekannt guten Qualitäten Beachten Sie unser Inserat am Mittwoch! HERMANN TIETZ Kr. 305 ♦ 42. Jahrgang 1. Seilage ües vorwärts dienstag, 30. Juni 1�25 Der berliner Schuletat 1 �25. Vor kurzem beschäftigte sich die„Rote Fahne' in einem besonderen Artikel mit dem Berliner Schuletat. Wir wessen, daß es den Kommunisten bei der Behandlung solcher Themen nicht darauf ankommt, sachlich Kritik zu üben, sondern lediglich darauf, agitatorisch zu wirken, d. h. den Sozialdemokraten eins auszuwischen. Solange der Magistrat eine Linksmehrheit hatte, brauchten sie nur zu sagen:„Seht, so handelt der sozialistische Magistrat!" Jegt haben wir eine bürgerliche Mehrheit im Magistrat dank der tätigen Mit- Wirkung der Kommunisten. Trotzdem sagt die„Rote Fahne":„Ver- gleicht man die Zahlen des �Berliner Schuletats, so offenbart sich der ganze Bankerott der sozialdemokratischen Koalitionspolitit!" Seit Jahren steht das Berliner Schulwesen im Zeichen der Schulnot. Die städtischen Mittel reichten kaum aus, um den drohen- den Zersall unserer Schulen aufzuhalten, geschweige denn dazu, kost- toielige Schulreformen durchzuführen. Wenn trotzdem an viele» Schulen neues erstanden ist, so durch den Opfersinn der Elternschaft, die sich überall zu„Schulnotgemeinschasten" zusammenschloß, unter Führung gerade der Sozialdemokratie. Auch der S ch u l e t a t- 1925 steht noch deutlich unter dem Zeichen der S ch u l n o t. Es muß aber anerkannt werden, daß er gegen 1924 eine Besserung zeigt, da er eine Ledarsssteigerung von 49 Proz. aufweist. Wenn die Kommunisten beklagen, daß die Aufwendungen für die einzelnen Schul- gatwngen innerhalb der Bezirke ungleich sind, so über- sehen sie dabei, daß diese Ungleichheit zum Teil einfach eine Folge ist des verschiedenen Bcsoldungsalters der Lehrkräfte, der höheren sachlichen Auswendungen für ältere Schulhäuser und der verschiedenen Schülerzahl. Die Bedarfssteigerung gegen das Borsahr ist in den einzelnen Bezirken demnach sehr verschieden, unabhängig von dem bürgerlichen oder proletarischen Charakter der Bezirke: sie beträgt zum Beispiel in: Spandau.. Köpenick.. Wedding.. Kreuzberg.. Reinickendorf. 62 Proz. 53, 46. 41. 35. Weißensee.. Tiergarten. Wilmersdorf. Schöneberg- Charlottenburg 34 Proz. 32.* 25. 19. 12 Wenn dabei bürgerliche Bezirke immer noch besser wegkommen als manche proletarischen, so liegt hier eine Schuld der B e r- gange nh eit vor, die nicht auf einmal ausgeglichen werden kann. Bei den Beratungen des Haushalts haben die Kommuni st en auch nicht den leisesten Versuch unternommen, darin irgendeine Aenderung herbeizusiihren. Wenn sie jetzt durch Zahlen beweisen wollen, wie falsch die Ver- tcilung auf die einzelnen Bezirke ist. so müßten sie auch hinzufügen, daß sie den Schulbedarf errechnen aus der Einwohnerzahl, der Magistrot aber— und wir halten sein Berfahren für berechtigter— den Schuletat ausstellt nach der Schülerzahl. Bon jeher hat die Sozialdemokratie die unbe- rechtigte Bevorzugung der höheren Schule be- kämpft: gerade durch sein energisches Eintreten für eine ver- nünftige Planwirtschaft auch an den höheren Schulen hat sich der sozialdemokratische Stadtschulrat Pauls«»— den die Kommunisten abgebaut haben!— die Feindschaft der Philologe» zugezogen. Auch »bei der Beratung dieses Etats haben unsere Genossen die gleiche Be- Handlung der höheren und Volksschulen auf ollen Gebieten, wo es möglich war. durchgesetzt, z. B. in den Zuwendungen für Schüler- Wanderungen, Wcrkstälten, Unfallversicherung sämtlicher Schüler u. ä. Wenn trotzdem Berlin für den Volksschüler nur 154 M., für den höheren Schüler dagegen 423 M. zahlt, so erklärt sich ein wesentlicher Teil dieser Mehrausgabe aus der höheren Besoldung der Lehrkräfte an den höheren Schulen und aus der geringeren Durchschnitts- frequcriz, Tatsachen, auf die wir hier nicht näher eingehen können. Die Kommunisten weisen demgegenüber auf Halle hin, dos es verstanden habe,„die Zahlen dem Wesen der Schulgattung entsprechend(?) einigermaßen in Einklang zu bringen". Halle wendet nämlich für den Volksschüler 119 M. aus, für den höheren Schüler 278 M.! Vergleicht man die Zahlen von Berlin und Holle, so ergibt sich folgender„Riesenunterschied": Es kommt in Berlin auf jede für einen Volksschüler aufgewendete Mark eine Auswendung von 2,74 M. für einen höheren Schüler, aber in Halle auf jede für einen Volts- fchüler aiifgewendetc Mark eine Aufwendung von 2,53 M. für einen höheren Schüler, d. h. es ergibt sich ein so geringer Vorteil, daß er kaum nennenswert ist. Demgegenüber interessiert es die Kommu- nisten gar nicht, daß Berlin 44 M. mehr für den Kopf des Volks- fchülers ausgibt als Halle! Unser Streben geht nicht dahin, die höheren Schulen zu be- seitigen, sondern dahin, denhöherenSchulendenKlassen- charakter zu nehmen. Da unser Ziel, ihren Besuch u n e n t- g e l t l i ch zu machen, noch nicht zu erreichen war, beantragten wir seinerzeit die nun längst durchgeführte Schulgeld st affelung. Erst dadurch ist es Möglich geworden, daß Arbeiterkinder in größerer Zahl die höheren Schulen besuchen können. Die Anzahl der Frei- stellen an allen höheren Schulen liegt zwischen 25 und 35 Proz., davon entfallen fast 29 Proz. auf Kinder, deren Ellern ein Ein- kommen bis zu 1599 M. jährlich haben, also auf wirkliche Proletarier- kinder! Wir wissen natürlich, daß es trotzdem vielen begabten Arbeiterkindern heute noch nicht möglich ist, die höheren Schulen zu besuchen: denn die Frage des Schulgeldes ist nur eine Teilfrage. Ein Teil der Schulausgaben entfällt auf Bau, Beleuchtung, Heizung, Wasser, Reinigung, Müllabfuhr. Nach der„Roten Fahne" wären es 75 Proz. Diese Ausgaben betragen in Wirklichkeit im Schuletat 19,3 bis 13B Proz. für die Volksschulen. Rechnet man dazu die einmaligen Ausgaben für bauliche Unterhallung, so erhöht sich der Prozentsatz auf 11,8 bis 16,17 Proz. Die Reinigung der Schulen ist wieder auf dem Friedensstand angekommen und nicht 59 Proz. schlechter, wie die KPD. behauptet. Der Etat bewilligt ferner für Schulspeisung 1 299 999 M., für unentgeltliche Lernmittel 282 183 M.. für Arbeits- und Handfertigkeitsunterricht 154 897 M.. dazu im ganzen noch einmalig 1 999 999 M. für sämtliche Schulen. Auch wir sind der Meinung, daß es besser wäre, noch mehr zu tun. Gerade diese Zahlen zeigen, daß auch der Schul- etat 1925 nochimZeichenderNot steht. Doch nicht agitatorische Verdrehungen können uns aus dieser Not bringen, sondern Mit- arbeit und Mitverantwortung. Bisher haben wir da- von bei der KPD. noch nicht viel gemerkt. Lisbeth Riedger, Stadtverorkmete. das öerliner Großkraftwerk beschlossen. Der städtische Haushaltsoiisschuß hat gestern in zwei Sitzungen die Magistratsvorlage über den Bau eines Groß- kraftwerkes in Rummelsburg mit einer Leistungsfähigkell von 225 999 Kilowatt bei zirka 69 Millionen Mark Baukosten beraten und schließlich einstimmig seine Zustimmung erteilt. Als Sachoer- ständige waren vorher ein Direktor der Elektrowcrke(gewisser- maßen als Konkurrent), ein Direktor der Hamburger Elektrizitäts- werke und das Aufsichtsrotsmitglied der Berliner Elektrizitätswerke, Ernosie Dr. M a j e r c z i k vernonunen. 'Nach den Ausführungen dieser Sachverständigen, selbst nach den Aeußerungen des Direktors der Elektrowerte, mußte der letzte Zweifel über die Notwendigkeit des Neubaues, so weit er noch in dem Kopf« des Herrn v. E y n e r n und des Dr. C a s p a r i von der Deutschen Volkspartei vorhanden gewesen sein sollte, geschwunden fein. In der Tat ergab sich Uebereinstimmung darüber, daß die Berliner Elektrizitätsversorgung aufs äußerste gefährdet ist, wenn nicht mit Hochdruck sofort an den Neubau eines leistungsfähigen Wertes herangegangen wird. Dabei kann gar nicht davon die Rede sein, daß auch nach Durchführung dieses Neubaues, der anderthalb Jahre in Anspruch nehmen wird, auf den Bezug von Fernstrom verzichtet werden kann. Es blieb den offiziellen Führern der Volts- Partei, die bisher einen verzweifelten Kampf gegen dieses Magistratsobjekt inszeniert haben, gar nichts anderes übrig, als mit viel Geräusch einen in der Sache blamablen Rückzug anzutreten. Allerdings ist die Finanzierung dieses neuen Werkes, die sich über zwei Jahre erstrecken wird, ohne den Abschluß einer neuen Anleihe nicht durchzuführen. Die Stadtverordneten ver jamm- l u n g wird sich mit dieser Seite der«sache nach■ n Ferien neu beschäftigen müssen. Der Haushaltsaiisschuß hat zun hst nur einen Beschluß auf prinzipielle Zustimmung gefaßt und für, die Deckung eine neue Magistratsoorlage verlangt. Nach diesem Ergebnis der Beratungen wird die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag im Plemim den Neubau beschließen. * Der Haushaltsausschuß Halle vorher die endgültigen Ziffern des Etatsabfchlusfes feftgetegi. Man hat sich darauf geeinigt, die Gewerbesteuer von 599 auf 425 Prozent zu senken, da man allgemein hie Berliner Steuer-. last, wenn sie auch hinter der anderer Großstädte zurückbleibt, als zu hoch empfindet. Das infolgedessen entsiehende Defizit soll dadurch gedeckt werden, daß einige Ausgaben gestrichen sind, anDrc einmalige Ausgaben auf den Anleihetat übernommen werden und so- wohl bei den Steuern, wie auch bei den Werkseinnahmen die Etats- ausätze erhöht sind. Diese Erhöhung bedeutet selbstverständlich keine Erhöhung der Steuern und Tarife. Nur die Hundesteuer soll bekanntlich im Höchstsatz von 39 auf 49 Mk. gebracht werden. Diesem Kompromiß, dem' sich im Haushall alle Fraktionen mit Ausnahme der Wirtschaftspartei und der Kommunisten anschlössen. wird wahrscheinlich die Stadtverordnetenversammlung bei der heutigen Etatsberatung ihre Zustimmung erteilen. Damit wird dann eine ungewöhnlich langwierige und ausgiebige Beratung des städtischen Haushalts voraussichtlich im Plenum eil?. ebenso ung' wöhnlich friedliches Ende finden. Schutz den Müttern! Znstiwt für Zrauenkunde im Deutschen Krankenkassenhaus. Die Krankenkassen haben— in Erfüllung der von ihnen über- nommcnen und stets von ihnen betonten Pflicht, sich nicht au: Krankenheilung zu beschränken, sondern zur Krankheitsverhütung durch vorbeugende Maßnahmen beizutragen--- ein neues Werl von weillragender Bedeutung geschaffen. Der Hauptvorstand der Deutschen Krankenkassen hat in Charlottenburg das CecilieNhaus(Berliner Str. 137), das früher im Besitz des Roten Kreuzes war und dann durch ihn erworben wurde, zum Deutschen Krankenkassenhaus umgestaltet und darin jetzt auch ei» Deutsches Institut für Frauenkunde eingerichtet. Dieses Institut, dem eine Frauenklinik und eine Entbin- dungsanstalt angegliedert sind, wurde am Sonnabend mit einer schlichten Feier eröffnet. Unter den Gästen, die sich in dem Bortragssaal des Hauses ver- sammelten, waren neben führenden Persönlichkeiten des Kranken- kassenwesens, vor allem des Hauptverbandes Deutscher Krankenkassen und des Verbandes der Krankenkassen Groß-Berlins, auch Ver- treter von Behörden des Reiches, des Staates, der Stadt Berlin und des Bezirkes Charlottenburg, Vertreter vom Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt, vom Roten Kreuz und von anderen Wohlfahrt?- organisationen. �Stadtrat A h r e n s- Berlin, der Vorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Krankenkassen, wies in seiner Begrüßung? anspräche aus die Rachwirkungen des Krieges hin, auf die Schwächung der Volksgefundheit und die Notwendigkeit wirksamerer Gesundheitsfürsorge. Die Sodt Berlin ist jetzt dabei, wieder etwas zur Mehrung ihrer Krankenhäuser zu tun, aber auch die Krankenkassen wollen sich hieran beteiligen. Zu den eigenen Anstallen der Krankenkassen ist das ehemalige Cecilicn- haus gekommen. Der Redner äußerte seine Verwunderung darüber, daß die Berliner Aerztekörrcspondenz(das Organ der in einem Gr gensatz zu den Krankenkassen stehenden Aerzte) einen Rtangel an Krankenbellen, der ein Eingreifen der Krankenkassen erfordert. seltsamerweise nicht inehr zu sehen vermag. Das im Deutschen Krankenkassenhaus geschaffene Deutsche Institut für Frauenkundc wird den Unioersitätsprofessor Dr. W. L i e p m a n n zum Leiter haben. In seiner Rede über die Aufgaben des Instituts hob Direktor Prof. Dr. Liepmann hervor, daß die Gesundheit der Mütter zu den Grundlagen des Staates gehört, weil die Mütter ihm den Nachwuchs bringen. Frauen künde. die dem Arzt mehr als ein» nur handwerksmäßige Behandlung der Frauenleiden ermöglicht, sst eins der wichtigsten G e- biete des Gesundheitswesens. Die deutschen Kranken kassen mit 23 Millionen Versicherten(einschließlich Familienoersichc rung) haben für die frauenkundliche Forschung ein Beobachtungs- und Erfahrungsmaterial von außerordentlichem Umfang und löniien hieraus für den Kampf gegen die Frauenleiden unll besonders gegen die Kindbett st erblichkeit wirk f a m st e Waffen schmieden. Der Redner erwähnte, daß in großen Krankenanstalten, weil sie keine Spezialisten für Frauen- leiden haben, Frauenleiden nicht selten verkannt werden. Im Deutschen Krankenkassenhaus hat man dem Institut für Frauen- künde, von dem die Ausbildung der Aerzte eine kräf tige Förderung zu erwarten hat, eine Frauenkliink und eine Entbindungsanstalt beigegeben, so daß hier Theorie und Praxis einander unterstützen. Direktor Liepmann schloß mit dem Wunsch, daß dieses neue soziale Werk der Krankenkassen zum Segen der Versicherten gedeihe» möge. Universitätsprosseor Dr. K u c- zynski, der Leiter der biologifch-pathologischcn Abteilung des Instituts und der Klinik, sprach über„Moderne Pathologie". Dann machten die Teilnehmer der Eröfsnungsseier einen Rund gang durch das Institut, das mit allen erforderlichen Hilfsmitteln ausgerüstet ist. Die Anstalt hat 199 Betten. Schwerkranke und eben Entbundene werden in kleinen Zimmern mit Einzelbctten unter gebracht, aber auch von den größeren Räumen wird keiner mit mit mehr als fünf Pfleglingen belegt. Die Ausstattung der Räum-- Die Baumwollpflücker. 8s Roman von V. Trauen. Copn ight 1925 bj B. Trarni, Colombus, Tamanlipu, Meli». Uns wär es ja gleichgültig, wie Abraham seine Hühner behandelte, um solche Resultate zu erzielen. Als Sam Wo« eines Tages erklärte, bei ihm zst Hause wisse man auch aus einer Krume Erde oder aus einer Henne herauszuholen, was nur überhaupt ein Gott sonst noch herausquetschen könne, aber das hätten sie daheim doch noch nicht geschafft, da fuhr ihm der Nigger gleich übers Maul:„Ihr seid eben Esel, Ihr versteht die rationelle Geflügelzucht ebenso wenig wie hier herum die ganzen Former, die noch größere Esel sind, als Ihr seid. Aber wir in Louisiana, wir verstehen, Hühner zu behandeln. Ich habe es von meiner Großmutter gelernt. Es hat viel Prügel gesetzt, ehe ich es begriffen habe; aber jetzt kommt auch kein noch so tüchtiger Farmer gegen mich mehr auf, wenn ich in der Nähe eine Geflügelzucht betreibe und einmal zeige, wie man Hühner rentabel macht." 7. Wir aßen die Eier nur. Aber die Eier rächten sich: sie fraßen. Sie fraßen an unserm Lohn so gierig, daß niemand sein gestecktes Ziel erreichen konnte, fei es ein neues Hemd, eine neue Hose oder eine Fahrkarte nach einer Stadt mit besserer Arbeitsgelegenheit. Auch Sam Woe, dessen Londsleuten sehr zu Unrecht noch- gesagt wird, daß sie sich lieber den Finger abbeißen als Geld für etwas Ueberflüssiges auszugeben, hatte ein ganz nettes Sümmchen für Eier bei Abraham stehen. Ich glaube aber doch, daß er bei jedem Ei, das er aß, immer bedauerte, daß er nicht der Lieferant sei. So vergingen zwei weitere Wochen. Verglichen mit der erst«» Woche lebten wir jetzt in Saus und Braus. Das taten die Eier und das tat eine Nacht mit fünfstündigem Wolken- bruch, der uns so gut mit Wasser versorgte, daß wir fürstlich schwelgen konnten. Freilich bedeutete dieser Regen einen halben Tag Verlust an Arbeitslohn. Das Feld war am Morgen so lehmig und schlammig, daß uzh- t)ie Füße kaum herausziehen konnten. Erst gegen Mittag, als die Sonne die übliche Kruste gebrannt hatte, konnten wir wieder an die Arbeit geben. Am dritten Lohntag sehen wir ein, daß wer mit dem Geld, das wir verdienten, nicht auskommen konnten. Wenn die Ernte vorüber sein wird, werden wir knapp zwei Wochen Lohn in der Hand haben. Ehe wir bis zur nächsten Stadt kommen und dort irgendeme Arbeitsgelegenheit finden würden, hätten wir genau so viel oder richtiger, so wenig übrig, als wenn mir nicht sechs Wochen, jede Woche zu sieben Tagen, in tropischer Sonnenglut von Sonnenaufgang bis beinahe Sonnenuntergang bei, trotz der Eier, allerbefcheiden- ster Nahrung hart gearbeitet hätten. Denn außer für Essen und etwas Tabak gaben wir nichts aus. Es war auch keine Gelegenheit dazu. Der nächste Saloon, wo es Bier und Schnaps gab und wo man spielen konnte, war über drei Stunden entfernt. „Daran sind die verfluchten Eier schuld, daß wir für Nichts geschuftet haben sollen!" sagte Antonio am Abendfeuer, als wir unsere Lage überdachten. „Aber wir hätten sie doch nicht kaufen brauchen", warf ich ein,„Abraham hat sie uns doch nicht aufgedrängt. Er hätte sie doch sammeln und Sonntags zum Laden bringen können." „Da hätte er aber mehr Arbeit davon gehabt", sagte Gonzalo. In dem Augenblick kam Abraham gerade von seinem abendlichen Maiseinkauf zurück. Er warf den Sack auf die Erde und sagte:„Wovon ist denn die Rede? Vielleicht etwa gar von den Eiern? Ich habe sie doch ebrlich an euch abgeliefert, und frisch gelegt war jedes einzelne auch, da kann ich doch auch wohl ehrlich mein Geld verlangen, nicht wahr, Fellers? Tbnt sw?" „Von Nicht bezahlen hat niemand gesprochen, wenn Sie nicht wissen, wovon und worüber geredet worden ist, dann halten Sie lieber Ihre Gosche", sagte ich. „Nein", sagte Antonio,„die Rede ist davon, daß. wenn wir nicht den Luxus mit den Eiern einstellen, wir hier die vielen Wochen umsonst gearbeitet haben." „Luxus nennt ihr das?" rief Abraham entrüstet aus, „ja wollt ihr denn als Skelette rumiau'en, wenn die Ernte vorüber ist? Meinetwegen, ich kann meine Eier auch anders- wo verkaufen. Also, jetzt kassiere ich. Antonio, Sie haben—" Das interessierte mich nun gar nicht, wieviel jeder hatte und was jeder zu bezahlen haben mochte. Ich bezahlte meine Rechnung bei Abraham und ging dann nach meiner Be- hausung schlafen. Al? ich unterwegs war, hörte ich wie Charly und Abraham in Wortwechsel gerieten. Der große Nigger behauptete, Abraham habe ihm drei Eier zuviel angerechnet. Abraham bestritt es und drängte auf richtige Bezahlung Nach einer Weile Hin- und Herredens, wobei wieder sehr viel von Backpfeifen gesprochen wurde, mußte Charly zugeben, daß er sich geirrt habe und daß Abraham im Recht sei. In diesen Dingen, die das Geschäft unmittelbar betrafen, also Lieferimg und Bezahlung, war Abraham unbedmgt ehrlich. Des Abends vor dem Einschlafen nahm ich mir vor, diese Woche einmal ohne Eier auszukommen. Am Morgen, als ich zum Feuer ging, hörte ich Antonio schon rufen:„Wo sind denn heute morgen die Eier, du roden- schwarzer Pank? Ich will fünf haben." Abraham zählte seine Eier, die er in den Körben gc- sammelt l)Otte, mit einem Ernst und einer Sorgfalt, als ob er sie wirklich zum ersten Male in der Hand habe und nicht schon gestern abend genau gewußt hätte, wieviel Eier die Hühner über Nacht legen würden. Er tat, als habe er de» Geschäftsauftrag Antonios nicht gehört „Ja, Mensch, Nigger, hast du denn nicht gehört, fünf Eier will ich haben oder soll ich sie mir vielleicht selber nehmen?" wütete jetzt Antonio. „Was denn", sagte Abraham ganz unschuldig,„ich will euch doch nicht meine Eier aufdrängen und euch den sauer verdienten Wochenlohn aus der Tasche rauben. Spart das Geld lieber! Ihr könnt auch ganz gut ohne Eier auskommen. Ihr seid ja die ersten Tage auch ohne Eier fertig geworden." Das war ein ganz neuer Ton, den wir von Abraham bisher nie vernommen hatten. Wir empörten uns gegen eine solche Bevornmndang unserer Lebensweise wie ein Mami. „Was fällt denn dir schwarzem Karnickel ein, mir vor zuschreiben, was ich essen und was ich nicht essen soll, ob ich mein Geld spare oder ob ich es da in die Zisterne werfe, he!" mischte sich Gonzalo jetzt ein.„Sofort gibst du mir sechs Eier oder ich schlage dir deinen Wollschädel in Scherben." „Gut", sagte Abraham resigniert,„da ihr es nicht anders haben wollt und mir sogar mit Schlägen droht, ich will euch die Eier wie bisher liefern." „Ja. was hast du dir denn gedacht?" sagte Sam Wo- ganz ruhig und schulmeisterlich,„erst verführst du uns, Eier zu essen und wenn wir dalan gewöhnt sind, willst du sie uns verweigern. Gib mir dlei Eier." J"'(Fortsetzung folgt.) zeichnet sich durch Gediegenheit und Geschmad aus. Erwähnt sei, daß hier auch der Rundfunk in den Dienst der Kranten. pflege gestellt ist. An jedem Bett ist ein eigener Kopfhörer angebracht, so daß jeder Pflegling nach Belieben an den Rundfuntdarbietungen teilnehmen oder sich davon ausschließen fann. Zum ersten Male ist hier ein Krankenhaus mit einer Rundfunkanlage ausgestattet worden. Das Institut hat auch eine Vorrichtung für Filmaufnahmen bei Operationen und Ent bindungen. Diese Filme werden wichtige und wertvolle Lehrmittel bei der Ausbildung der Aerzte sein. Das umgestürzte Telephon... .. verhindert einen Einbruch. Männer sollen im allgemeinen nicht abergläubisch sein. So etwas lähmt die Tatkraft! Kaufmann N. hat dies bei seinem letzten Einbruch erfahren müssen! Weil ihm das Telephon umstürzte, ließ er von seiner„ Arbeit" ab, ist aber trotzdem wegen versuchten Einbruch diebstahls im Rückfall zu zwei Jahren 3uchthaus verurteilt worden. Hiergegen hatte N. Berufung eingelegt, die gestern vor der Berufungskammer in Moabit einen gewissen Erfolg hatte. Der Angeklagte gehört zu jenen Menschen, für die es kaum noch einen Rückweg gibt. Einmal gestempelt, nimmt ihnen niemand mehr das Kainszeichen ab, ihr erstes Urteil ist ihr Urteil überhaupt. N. hatte eine dreijährige Gefängnisstrafe zu verbüßen, war aber auf einen Antrag von ihm selbst vorzeitig entlassen worden. In solchem Fall muß der Rest der Strafe unbedingt verbüßt werden. Sanitätsrat Leppmann bezeichnete dies als einen sozialen Fehler. Man soll es entweder gar nicht tun oder aber bei guter Führung Straffreiheit gewähren. Wer einmal das Gefängnisleben kosten mußte, wird in den seltensten Fällen von allein dorthin zurückkehren. In der Furcht vor der zwangsweisen Gestellung werden fast alle Bestraften wieder rückfällig. Auch dem Angeklagten erging es so. Wiederholt machte er den Versuch, der Aufforderung zur Restverbüßung Folge zu leisten. Beim Anblick der Gefängnismauern fehlte der Mut, die armselige Freiheit es ging ihm herzlich schlecht 30g ihn immer wieder zurück. In bitterer Not will M. nun zu dem neuen Einbruch in der Waizstraße geschritten sein. Im vierten Stod wurde eine Wohnung mit alter Geübtheit aufgefantelt", aber schon im Flur passiert das mit dem Telephon. Der Angeklagte wirft es aus Bersehen um und will sich nun sofort gesagt haben:„ Das ist ein schlechtes 3eichen, hier fehrst du lieber um!! Der Auffassung des Vorsitzenden, der Einbrecher sei durch zufällig vorübergehende Personen gestört und verscheucht worden, widersprach N. auf das heftigste. Der Berteidiger bat das Gericht, dem Angeklagten zu glauben und einen freiwilligen Rücktritt vom Versuch einer strafbaren Handlung anzunehmen, der nach dem Gesez unbestraft bleibt. Sollte das Gericht jedoch zu einer anderen Annahme kommen, möge man N., der in Furcht und Not zu dieser neuen Handlung gekommen fel, vor dem Zuchthaus bewahren. Bon dem umgestürzten Telephon wollte das Gericht nichts missen, ließ aber im übrigen Milde walten und wandelte die zweijährige Zuchthausstrafe in eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr um. Mögen sich für den Angeklagten nach der Berbüßung auch milde Richter" finden, die seinen Aberglauben durch Bertrauen wieder in einen Glauben an sich selbst umwandeln! Eine teure Reisebekanntschaft. Eine teure Reisebranntschaft machte ein Mann aus der Brovinz, der in der vergangenen Woche zur Abwickelung von Geschäften nach Berlin fam. Im D- 3ug fam er ins Gespräch mit einer gut getleideten Dame, die ihm erzählte, daß fie in ein Ostseebad fahre und Berlin nur flüchtig berühren wolle. Sie gefiel ihm fo gut, daß er sie einlud, fich gemeinsam mit ihm doch die Reichshauptstadt einmal etwas näher anzusehen. Die Dame äußerte zu nächst Bedenken, ließ sich dann aber doch zureden, und stieg mit ihm aus. Man besuchte gemeinsam einige Wirts- und Kaffeehäuser. Nach längerem Widerstreben gab die Dame ihre ursprüngliche Absicht, abends noch weiter zu fahren, auch auf und blieb auch über Nacht in Berlin. Am nächsten Tage entschloß man sich, auch die Umgegend von Berlin sich einmal näher anzusehen. Damit wurde man natürlich an dem einen Tage aber nicht fertig. So benutte man denn auch noch einen zweiten dazu. Dabei wurde es wieder so spät, daß die Dame auch die dritte Nacht noch in Berlin blieb. Am nächsten Mor gen aber war fie aus dem Hotel verschwunden, und jetzt entdeckte ihr Begleiter, als er erwachte, zu seinem Leibwesen, daß fie seine Brieftasche mit über 2000 Mart, feine goldene hr mit Rette und seinen Brillantring mitgenommen hatte. Den Trauring hatte sie ihm gelassen. Der Bestohlene, dem die Kriminalpolizei ihr Album vorlegte, erfannte nach einem Bilde in der Diebin eine 27 Jahre alte Emilie Geßner, die diese Spezialität nicht bloß in Berlin, sondern in allen größeren Städten Deutschlands betreibt. Mitteilungen über ihr Auftauchen an Kriminalkommissar Dr. Rie mann, Dienststelle B. I. 16 im Berliner Polizeipräsidium. Proteftverfammlung in Spandau. Am Mittwoch, den 1. Juli, abends 8 Uhr, findet im Restaurant Markthalle, Bichelsdorfer Straße in Spandau, eine Brotestversammlung statt, in der Genosse Wissell, M. d. N., über den Brotwucher sprechen wird. Anglerfrenden. Eine für Angler interessante Entscheidung traf die Potsdamer Straffammer. Der Bächter der Brandenburgischen Domtapitelgüter hatte seinen Hilfsförstern auch den Fischereischuh über die zu den Domgütern gehörigen Gewässer übertragen. Eines Tages trafen dort die Hilfsförster einen Steindrucker aus Brandenburg mit Angelstod und Rucksack. Der Steindrucker fam von Gewässern her, auf denen er angelberechtigt war. Die Förster stellten ihn und versuchten den Angelstod zu beschlagnahmen. Dem widerlegte sich der Angler und machte die Forst beamten darauf aufmerksam, daß sie nicht das Recht haben, auch Fischereischutz auszuüben. Wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vor dem Brandenburger Schöffengericht an. geklagt, wurde der Angeklagte von dem Gericht freigesprochen. Gegen das Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Sie stellte sich auf den Standpunkt, daß Hilfsförster auch Hilfs= beamte der Staatsanwaltschaft seien. Die Potsdamer Straftammer stellte sich aber auf den Standpunkt, daß Hilfsförster nicht berechtigt sind, den Fischereischuß auszuüben. Der Angeklagte wurde daraufhin auf Staatsfosten freigesprochen. Ein Beamter als Räuber. Ein aus Ostpreußen gebürtiger, inzwischen entlassener Magistratsbeamter Bruno B. hatte sich in einem erweiter ten Berfahren wegen versuchten Raubes zu verantworten. Obwohl er zurzeit wegen eines anderen Raubes und wegen schwerer Amtsunterschlagung eine faft zweijährige Gefängnisstrafe verbüßte, leugnete er die in Frage stehende Tat hartnäckig und versuchte immer wieder den Gerichtshof von seiner inzwischen eingetretenen. Besse rung zu überzeugen. Aber die als Zeugin gehörte Kontoristin Erna Sch. gab unter Eid an, daß der Angeklagte ihr gefolgt sei, als sie die Kommerzbank mit einer Attentasche verließ, in der 1200 M. Bargeld enthalten waren. Auch wollte sie in dem Angeflagten mit Bestimmtheit diesen Mann wiedererkennen, der ihr dann in einem Hausflur am Werderschen Markt diese Tasche mit Gewalt entreißen wollte. Auf ihre Hilferufe hin haben Haus bewohner den Täter der Polizei übergeben. Das Gericht erkannte unter Einbeziehung der genannten Vorstrafe gegen B. auf zwei Jahre drei Monate Gefängnis und dreijährigen Berlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Unfall eines Berkehrspostens. Auf der Kreuzung Unter den Linden Neue Wilhelmstraße wurde gestern bormittag der Bolizei wachtmeister Sremier von der Berkehrsabteilung, der hier als Berkehrsposten stand, durch eine Kraftbrosate ange fabren und zu Boden geschleudert. Man brachte ihn nach der nächsten Rettungstache, wo der Arzt ich were Verlegungen am rechten nie feststellte und seine Ueberführung nach dem Staatsfrankenhaus veranlaßte. Eine braune Besuchshandtasche mit 150 m. verloren wurde Montag abend gegen 6 Uhr auf dem Belle- Alliance- Plaz. Der ehrliche Finder wird gebeten, die Tasche beim Portier, Lin benstr. 3, abzugeben. Der Männerchor Friedenau- Steglit, M. d. DASB., Chormeister D. Schu. macher, veranstaltet am Dienstag, ben 30. Juni, abends 7, Uhr, auf dem Fichte- Berg( Terrassen), Steglit, ein Blatonzert. Bum Bortrag tommen Männer, Frauen und Gemischte Chore. Mütterturse. In der Charlottenburger Säuglings- und Kinderklinit, Christstraße 9, findet wieder im Juli für junge und werdende Mütter ein Kurfus für die Pflege des Säuglings in gefunden und franken Tagen statt. Der Kursus dauert 4 Wochen. Beginn Dienstag, den 14. Juli, 12-1 Uhr. Boranmeldungen bei der Oberin der Anftalt.( Telephon Wilhelm 4428). Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 30. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Schwere Erdbeben in Kalifornien. In Südkalifornien haben hintereinander fünf heftige Erd. beben stattgefunden, wobei etwa 100 Menschen den Tod fanden. Besonders große Verwüstungen wurden auf der Insel Santa Barbara angerichtet. Der Drahtverkehr dorthin arbeitet nicht. Auch die Stadt Los Angelos wurde heimgesucht, hat aber scheinbar feinen größeren Schaden erlitten. Ein zwanzigjähriger Mörder. Ein zweiunddreißigjähriger Ar. drei unmündigen Kindern, wurde Sonnabend abend von beiter aus dem Stadtteil Mombach in Mainz, Vater von einem mit ihm in Feindschaft lebenden zwanzigjährigen Zimmermann erstochen. Der Täter wurde verhaftet. " Schiffszufammenfloß bei Neufchoffland. Im dichten Nebel rammte der Dampfer Tuscania" den Fischereischoner„ Reg auf der Höhe von Halifag. Die„ Rer" ging mit ihrer 15 Manu starken Besatzung unter. Jugendveranstaltungen. Abteilungsleiter, rechnet die Sonnenwendkarten ab, holt die Karten Aum Jugendfest am 12. Juli. Lose ber Jugendherbergslotterie find noch im Jugendfekretariat, LindenTr., erhältlich. ftraße 3, 2. Sof, Beginn des Bolkstanz- Kursus für Burschen und Mäbel heute, abends 7 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. Heute, Dienstag, den 30. Juni, abends 7% Uhr: Webbing- Nord: Schule Müllerstr. 48, Vortrag: ,, Das beutsche Boltslied." Besten: Baugewerksschule Rurfürstenstr. 141, Aussprache: ,, Rapita. ismus und Sozialismus." Bilmersdorf: Jugendheim Hildegardstr. 4, Bortrag: Erlebnisse unter dem Sozialistengefek. Steglik I: Jugendheim Albrechtstr. 47, Bortrag: Unsere Hamburgfahrt. Reukölln V: Jugend heim Schierkeftr. 44, Vortrag: Lebensreform." Röpenid: Jugendheim Grünauer Straße 5, Bortrag: ,, Der Reichsjugendtag in Samburg." Reinidendorf- Oft: Geebad", Residenzftr. 46, Aussprache: SAJ. und Reichs. banner." Brenzlauer Vorstadt: Jugendheim Danziger Str. 23, Bortrag: ,, Walter Rathenau und die Republik." Bankow: Enzeum Görschstraße, 7 Uhr, Unterhaltungsabend. Schönhauser Borstadt I und II: Jbfenftr. 17, Jugend und Sozialismus." Referent: Fechenbach. Südwesten: Morgen, Mittwoch, abends 7 Uhr, Spielen auf dem Tempelhofer Feld an der Bappel. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebastianftr. 87/38. Sof 2 Tr. Rameradschaft Brenzlauer Berg. 1., 2., 3. 5. Rug Mittwoch, den 1. Juli, abends 8 Uhr, Turnhalle Heinersdorfer Straße, Turnen. Rameradschaft Friedrichshain. Brandenburg- Fahrer können die Fahri ausweise zum Breife von 3,60 m. bis spätestens Mittwoch, den 1. Juli, beim Rameradschaftsführer Jedide, Bettenkoferftr. 15, und beim Rameraben Lömen berg, Blumenftr. 61, abholen. Ort und Reit der Abfahrt wird noch bekannte gegeben. Ramerabschaft Kreuzberg. Die Karten Aur Brandenburg- Feier find zum Preise von 3,60 m. einschl. Feitbeitrag bei den Blodführern zu haben. Abrechnung muk bis spätetens Mittwoch, den 1. Juli, erfolgen. Kameradschaft Charlottenburg. Rarten zur Bannerweihe amt 5. Juli in Brandenburg find bei den Zugführern zum Preise von 3,60 m. int. Feft beitrag zu haben. Anmeldungen müffen bis spätestens Mittwoch, den 1. Juli, abends erfolgen. Kamerabschaft Steglig. Anmeldungen der Kameraden, welche die Fahrt nach Brandenburg mitmachen wollen, müssen bis Mittwoch, ben 1. Juli, abends bei Ramerad Hamburg, Schloßstraße, abgegeben werden, Lichterfelbe und Lankwik bei ihren Gruppenführern. Ramerabschaft Tempel. bof. Mittwoch, den 1. Juli, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Ge. noffenschaftswirtshaus, Tempelhof, Dorfftr. 51. Bortrag des Rameraden Ernfl Sildebrandt über: Reichsbanner und Bolizei." Rameradschaft Lichtenberg nebft Untergruppen. Mittwoch, den 1. Juli, abends 7% Uhr, Ueben der Spielleute der gesamten Ramerabschaft bei Albrecht, Neue Bahnhof, Ede Borhagener Straße. Untergruppe Karlshorst. Abends 8 Uhr Versammlung im Lokal zur Rennbahn. Bollzähliges Erscheinen Pflicht. Donnerstag, den 2. Juli, abends 7% Uhr, Antreten bei Krüger. Rarlshorst marschiert 7% Uhr Richtung Lichtenberg. Kamerabschaft Beißensee. Brandenburg- Fahrer fönnen Fahrgeld in Höhe von 3,60 m. einschl. Festbeitrag bis spätestens Mittwoch, den 1. Juli, abends nach 6 Uhr, bei Ramerad Schula, Berliner Allee 75, abgeben. Donnerstag, den 2. Juli, Monatsvollversammlung Grilner Baum. Kameradschaft Webbing. Donnerstag, den 2. Juli, abends 7 Uhr, Treffen der Jugenbbameraben in der Turnhalle Lütticher Str. 4. Ramerab. fchaft Reukölln- Brig. Am Dienstag, ben 00, Juni, Antreten um 7 Uhr dafelbft. Am Mittwoch, den 1. Juli, für alle Spiel Jdealpaffage, Weichselster. 8. Die Brandenburg- Fahrer, welche mit ber Bahn fahren, müssen bis Mittwoch abend beim Rameraden Schröder, Stein menstr. 2, die Fahrkarten gegen Entrichtung des Fahrpreises von 3,60 m, abgeholt haben. Kameradschaft Rehlendorf. Mittwoch, den 1. Juli, abends 8 Uhr Vollverfammlung bei Schnorre. Gauvorstand. Bei der Anmeldung aur Brandenburg- Fahrt haben die Teilnehmer anzugeben, ob fie den Sonder. Aug Sonnabend abeubs gegen 6% Uhr oder Sonntag früh gegen 7 Uhr be. nuken wollen. bet Attem 4.30 Uhr abends: Humoristisches Funkallerlei( Georg Bamberger). 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner leute und folde, die es werden wollen, Rusammenkunft um 7% Uhr in der Funkkapelle. Leitung: Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. Dr. Paul Borinski: Die Milch in ihrer gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedeutung". 8. Vortrag: Die Milch als Nahrungsmittel, II. Teil". 7.30 Uhr abends: Dr. Kurt Magnus: Die Steuern im Juli". 8 Uhr abends: Dr. Felix Günther: Einleitender Vortrag zu dem Sendespiel Fra Diavolo" am 1. Juli.( Mit musikalischen Beispielen). 8.30 Uhr abends: Zweiter Nordischer Abend. Dir.: 1. E. Hartmann: Ouvertüre Nordische Dr. W. Buschkötter. Gegenwartskultur und religiöfer Sozialismus. Der zweite unter diesem Thema veranstaltete Abend der Neuköllner religiösen Sozialisten findet am Tölln, Emfer Str. 187, abends 8 Uhr, statt. Schriftsteller Genosse Erich Pöppel hält das einleitende Neferat: Die Beziehungen zwischen Sozialismus, Rom munismus und Anarchismus." Freie Aussprache. Berein Sozialistischer Aerzte, Donnerstag, den 2. Juli, öffentliche Ber fammlung in der Aula des Dorotheen städtischen Realgymnafiums, Dorotheen ftraße 12. 1. Schußzölle und Volksgesundheit." Referentin: Reichstagsabg. Frau Dr. med." Stegmann- Dresden. 2. Discussion. corfahrt. 2. a) A. Bana: Ariolin, Copa Melartin: Mane Dienstag, ben 30. Suni, in der Aula ber Albrecht- Dilver- Oberrealschule, NeuCleopatra, b) Sinding: Sylvelin, c) Erki moiselle Roccoco( Karin Lindholm, Sopran). 8. Armas Järnefelt: Körsholm, sinfonische Dichtung. 4. G. Schjelderup: Sommernacht auf dem Fjord. 5. Kurt Atterberg: Sinfonia piccola, Conforza Andante Scherzo, Finale- Rondo( Berliner Funkorchester). Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theaterund Filmdienst. 10.30 Uhr abends: G. Thamm: Zurechtfinden auf Wanderkarten",( Es empfiehlt sich, zu diesem Vortrag ein beliebiges Meẞtischblatt 1:25 000 oder ein Blatt der bekannten Umgebungskarte von Berlin 1:50 000 des Reichamtes für Landesaufnahme, allenfalls irgendeine andere Wanderkarte sowie ein Blatt Papier und Bleistift zur Hand zu haben). " Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Teilnehmer und Sinterbliebenen, Ortsgruppe Süben. Mittwoch, den 1. Juli, abends 8 Uhr, Mitgliederverfammlung in Glissings Festfälen, Baffertoritr. 68. Vortrag des Kameraden Schwarz: Die Steuer- und Rollschuhvorlage der Reichsregierung und die Versorgung der Kriegsopfer." Ortsverein Steglik( Geschäftsstelle Elifenstraße 6). Donnerstag, ben 2. Juli, abends 8 Uhr, im Albrechtshof" Mitgliederversammlung. Gaufekretär B. Poetsch spricht über die neue Renten versorgung der Kriegsopfer. Neuaufnahmen am Gaaleingang. Gr. Saifon- Ausverkaufvom 1. bis 15. Jull 1925. Enorme Preis- Ermäßigungen in allen Abteilungen unseres Hauses Herren- Sakko Anzüge farbige M. 39.- herabgesetat 2950 Sakko Anzug mit aufgesetzten Taschen 3600 M. 45.herabgesetzt 7 Herren- Sakko Anzüge blaue M. 49.- herabgesetzt 3950 Herren Sakko u. Weste marengo M. 50.- herabgesetzt 4150 Röcke und Westen schwarz und marengo M. 56.- 45⁰⁰ herabgesetzt Herren Sommer Mäntel Schlüpfer M. 42.50, 3500 herabgesetzt Ulster M. 55.-, herabgesetzt 4400 Herren- Sport- Paletots mit aufgesetzten Taschen 3950 herabgesetzt M. 48.Herren Palefots dunkel Marengo M. 60.herabgesetzt Gestreifte 5350 Herren- Beinkleider sehr herabgesetzte Preise an Beichte Sommer- Kleidung Tennisbosen Flanell und Cheviot, von.. M. 1890 Herren- Sport- Anzüge von Wasch- Sakkos M. 655 875 655 an an an Custer Sakkos schwarz, blau a. farbig, von M. Schilflein. Joppen M. VOR von von von.. M. M M. 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Am Sonntag war das Stadion im Grunewald wieder der Schauplatz jener großen Massenveranstaltung, die unter dem Namen Reichs- Arbeitersporttag ein Weckruf an die gesamte Arbeiterschaft sein soll, sich von dem bürgerlichen, mehr oder weniger nationalistisch eingestellten Sport freizumachen und in die große Armee des Arbeitersports einzutreten. Der RAST. wurde auf Beschluß des Arbeitersportkongresses in Jena als jährliche Werbeveranstaltung für die ganze deutsche Republik eingeführt, er unterscheidet sich jedoch von anderen Reichsveranstaltungen dadurch, daß er örtlich abgehalten wird, um an die Massen der Bevölkerung heranzukommen. Der RAST. soll die Kulturarbeit des Arbeitersports zeigen! Als der bürgerliche Sport in seiner Turn- und Werbewoche im Stadion war, da ertönte der Hymnus auf die sportliche Höchstleistung des einzelnen Houben, die sportliche Kanone", ging im Triumph durch das Stadion, und endlose Rufe galten nur dem Houben. Der Arbeitersport will die Masse gesund machen, es gilt dem ganzen Bolte, wenn wir zu spielen scheinen. In diesem Zeichen stand auch der RAST. am Sonntag. Der Anmarsch. Am Vormittag sah es noch trübe aus, als wollte das Wetter dem RAST. das gleiche Schicksal bereiten, wie der so groß ange= legten, aber leider verregneten Sonnenwendfeier des ArbeiterKulturfartells. Trotzdem strömten schon um die Mittagszeit Taufende zum Stadion. Einige Organisationen hatten bereits vormittags große Demonstrationszüge durch die Stadt nach dem Stadion veranstaltet. Immer neue Züge tamen mit ihren Fahnen herbei, Musik und Gesang ertönte ununterbrochen. Um 1 Uhr war der mittlere Teil des Stadions gefüllt, die Sonne fam hervor, und als das Zeichen zum Einmarsch gegeben wurde, konnte man ein ziemlich ,, volles Haus" zur Freude aller feststellen. Einmarsch und Vorführungen. Den Einmarsch eröffneten die Kraftfahrer und Radfahrer des Arbeiter Radfahrerbundes Solidarität" auf buntgeschmückten Rädern durch eine Rundfahrt, auch das Hochrad war wieder vertreten und der Einradfahrer erhielt seinen besonderen Beifall. Dann folgten die Wanderer, Turner, Sportler, Fußballer, Schwimmer, ein buntes, farbenprächtiges Bild bietend, nackte braungebrannte Körper, grüne, weiße, rote, gelbe usw. Sportkleidung, als Unterton der grüne Rasen, und über allem die freundlich lachende Sonne. Erhebend wirkte der allgemeine Gesang des Liedes: Brüder, zur Sonne, zur Freiheit! Nun kam eine der schönsten Darbietungen, die neue Gymnastik", d. h. Freiübungen, die jeder ohne Borübung gleich mitmachen fann. Der ganzen Stadionbesucher bemächtigte sich eine aus dem Herzen kommende Fröhlichkeit. Dieses Schwingen der Beine und Arme, Hüpfen und Springen glich einem fribbelnden Ameisenhaufen, wo der einzelne gar nicht mehr heraushaft mitgelacht hat über diese Hops- und Schwungübungen zu zufinden war, weil scheinbar alles durcheinander ging. Wer herzHause, wird erstaunt sein, wie anstrengend dieses schein bare Spielen ist. Das empfehlen wir auch den Wanderern, damit sie nicht zu sehr durchgeiftigt ausschauen, und den Radfahrern, benen bei ihrem etwas einseitigen Sport diese Uebungen sehr wohl getan hätten. Diese beiden Sparten hätten auch mitüben müssen, getan hätten. Diese beiden Sparten hätten auch mitüben müssen, wie dies anerkennenswertermeise die Schwimmer und sogar die Fußballer getan haben. Dann famen die Schwerathleten, Ringer Jiu- Jitsu- Kämpfer mit ihren Darbietungen an die Reihe, von denen lebhaftes Interesse fanden, jedoch war dieser Teil wohl etwas zu ganz besonders die letzteren, unter denen sich auch Frauen befanden, ausgedehnt. Eine humoristische Einlage gab es noch, als die JiuJitfuer einige als Hakenkreuzler kostümierte Jünglinge mit viel Humor abtransportierten. Die Leichtathletik war diesmal in etwas geringerem Maße vertreten, brachte aber interessanten Sport, den Vorrang hatten die Stafetten, unter anderem auch eine 20x300 Meter- Stafette, die den 10 × 100- meter- Stafette unerwartet die Freien Schwimmer NeuAbschluß des Festes bildete. Bei den Männern gewannen die fölln vor den Turnern. Bei den Jugendlichen siegte in der gleichen Stafette Groß- Berlin, ebenso bei den Turnerinnen. Auch sonst gab es noch einige Ueberraschungen. Ein großzügiges imposantes Bild bot das lebende Schachspiel, von fostümierten Gruppen und mit lebenden Pferden dargestellt, mit dem Titel: Rampf der Arbeit gegen das Kapital". 3mei Klaffen sind hier gegenübergestellt: das fämpfende Proletariat und die Bourgeoisie, die beide im Verlaufe des Kampfes Verluste erleiden, aber schließlich wird doch der König Kapital mattgesezt. Die Türme" des Proletariats waren der Internationale Gewerkschaftsbund und die Arbeiterpresse, auch der Vorwärts" war in Riefenlettern vertreten man dente! Einleitung und Ausklang dieser Schachpartie wurde von einem Sprech chor gegeben. " Zum Fußballspiel waren die Münchener erschienen und fämpften gegen eine Berliner Städtemannschaft. Die Gäfte blieben mit 2: 1 die Sieger, Halbzeit 1: 0 für München. Das mustergültig vorgeführte Spiel fesselte wie immer die Zuschauer besonders. Stefan Esders ( vormals Weltmann) Kaiser- Wilhelm- Str. 55 BERLIN Ecke Spandauer Str. 35 Saison- Ausverkauf in allen Abteilungen zu sehr vorteilhaften Preisen guten Beginn: Mittwoch, den 1. Juli- 15. Juli Herren- Anzüge Chiots von M. 32.- an| Damen- Kleider aus Wollmusselinstoffen 27.- aa Herr.- Sport- Anzüge a. vorzügl. Phant 38.u. Lodenstoff. v. M. aus Phantasie- u. aus gut., haltbaren ... an Jünglings- Anzüge haltbaren Phan: 32.- an sie- Cheviots v. M. Jgl.- Sport- Anzüge Lodenstoffen von M. 18.- an Kinder- Anzüge stoffen von M. 15.- an Kinder- Anzüge Waschstoffen 6.25 an Herren- Ulster as vorzüglichen Sport- 35.- an von M, 18.- a aus von. stoffen.. Stoffen ..von M. M. & n Gummi- Mäntel Herren Hosen aus haltbaren gestreifton 5.50 an Dam.- Sport- Kostüme Fodenstoff.v.M. 25.- an PhantasieDamen- Kostüme as reinwollen.Kamm- 39.-. Cheviots ... von M. an garn.... von M. Dam.- Kostüme sings 75.- an reinw. einf. u. gestreift. Damen- Mäntel von M. 5.50a an Damen- Kleider aus Musselin- u. Voll- 9.75 an voilestoffen.. von M. us stoffen. von M. von M. von M. von M. von M. von M. ... von M. an Damen- Kleider aus Gabardinestoffen 12.50m Damen- Kleider aus Wollkreppstoffen 25. Damen- Kleider Crêpe Marocain 22.- an Damen- Kleider au Waschseide 18.75 an Backfisch- Kleider aus Musselin- Stoffen 5.- an Backfisch- Kleider aus woll. Cheviot- 7.50 an Mädchen- Kleider aus Musselin von M. 3.50an. Damen- Blusen aus Zephirstoffen von M. 3.50.. 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Leider kommen diese Veranstaltungen nicht poll zur Geltung, da die Besucher vor allem doch die Vorführungen sehen mollen. Die Festleitung hat sich große Mühe gegeben, den RAST. ohne Störungen durchzuführen. Sogar die fommunistische Agitation war auf ein Mindestmaß beschränkt. Immerhin störte es, daß der Rote Frontkämpferbund trotzdem er doch nur Gast wie alle anderen mar während des Spiels der Musit mit Trommeln und Pfeifen seine Sitzpläge aufsuchte. Der Rote Jungsturm war von der Leitung bei dem Einmarsch aus dem Zuge herausgestellt worden, hatte sich dann aber bei den Wanderern doch eingeschlichen. Auch die kommu nistischen Sammlungen und Zeitungsverkäufer usw. tauchten immer wieder auf, so oft auch Verbote erfolgten. Schöneberg 1½ Meter zurück, 3. Heldt- USC. Resultate. Männer. 100- Meter- Lauf: 1. Wienide- AGC. 11,5 Get., 2. Böhme. Turner, Fußballer, Wassersportler: 1. Bohnsdorf 2 Win. 8,8 Get., 2. Fichie 9 10x100- Meter- Stafette, Lauf A, 7 Meter zurück, 3. Fichte 16 weitere 1½ Meter zurüd. Lauf B 1. Freie Schwimmer Neukölln 2 Min. 7,5 Set., 2. Fichte 12 2 meter zurüd, 3. Schwimm. union Spandau weitere 25 Meter zurück. 20X300- Meter- Stafette: 1. AGC I 13 Min. 27,8 Get., 2. Cüdost 13 Min. 43,7 Get., 3. Lichtenberg 13 Min. 51,7 Get. Mannschaftsweitsprung: 1. Schöneberg 17,56 Meter, 2. Köpenic 17,22 Meter, 3. AGC. und Sparta 16,64 Meter. Jugend. 3000- Meter- Bauf: 1. Schill- Sparta 9 Min. 59,4 Set., 2. Serfurth Moabit 10 Min. 17,6 Get., 3. Priem- Fichte 7. 10X100- Meter- Stafette, Lauf A: 1. Schöneberg 2 Min. 5 Get., 2. Moabit. Lauf B: 1. Fichte 7 Groß- Berlin 2 Min. 5,3 Get., 2. Güd. Oft, 3. Fichte 2. 10x100- Meter- Stafette, Turner: 1. Fichte 12 min. 8,3 Set., 2. Fichte 7 50 Meter zurück, 3. Fichte 13 weitere 50 Meter zurüd. Hochsprung: 1. Dümmler- Sparta, John- Köpenid, Bader- Oberspree, Knöpfler. Fichte 8 je 1,58 Meter. Frauen: 10x100- Meter- Stafette, Lauf A Sportlerin nen: 1. Lichtenberg 2 Min. 34,6 Get., 2. Güboft 1% Meter zurüd, 3. Moabit 50 Meter zurüd. Lauf B: F. 2. Groß- Berlin 2 Min. 19,7 Get., 2. Fichte Güd 60 Meter zurüd, 3. Fichte 3 weitere 2 Meter zurild. Turnerinnen: 1. Schöneberg 2 Min. 32,4 Get., 2. Fichte 12 10 Meter zurüid, 3. Fichie 13 weitere 10 Meter zurüd. Distuswerfen: 1. 8atn- AGC. 22,29 Meter, 2. Richter- Moabit 18,76 Meter, 3. Bold- Fichte- Güb 18,19 Meter. Resultate der Wasserball- Ferienspiele. Männer AI. B F. Sch. NeuköllnJugend Borwärts II- Borwärts- Lichtenberg 3: 0. Jugend F. Sch. NeuköllnVorwärts- Bin. 4: 2. Jugend Neptun- Weißenfee- F. Sch. Neukölln 2: 2. Arbeitersport und Republik. Der Arbeitersport findet, obgleich er auf sozialistischem Boden steht, scheinbar nicht die Kraft, fich mit der gesamten sozia. listischen Arbeiterschaft auch offen für die Repu blit zu erflären. Selbst die sozialdemokratischen Genossen innerhalb des Arbeitersports finden vielfach nicht den Mut, die Farben der Republik offen zu zeigen weil sie die Gegenbemonstra. tionen der Kommunisten fürchten. Zum Reichsarbeitersporttag hat der Geschäftsführende Ausschuß des Kartellverbandes, wie er uns in einem Schreiben mitteilt, das Fernhalten der Sowjetfahnen und der Farben der Republik ausdrücklich auf Antrag von SPD.Genossen beschlossen, und es sollte dadurch vor allem die tommu COS Schuh- Pflege für die Reise unentbehrlich! Gebrüder Kroner, Berlin 0.17. Theater, Lichtspiele usw. Berliner Prater Berliner Theater Rose- Theater 7.45 Uhr: 84 D.blaueHeinrich Anneliese v. Dessau Gartenbühne: Hdt. 734 U.: Rund u die Berolina ச LEBER 2 Kastanienallee 7-9 Täglich: Gr.Varieté- Vorstellg. Anfang 4%, Uhr. Unsag liche Schmerzen ersparen Eintritt 50 Pf. Staats- Theater Opernhaus Theater Admiralspalast Lessing- Theater Trianon- Th. Täglich 82 Uhr: Chocolate Kiddies Tägl. 8 Uhr: Die Göttin Amerikas größte auf der Balz farbige Künstler! Sonnt. 2Vorsteligen 312 und 8/2 Die NachmittagsVorstellung zu halben Preisen Central Theater Lustspiel von Hans Bachwitz DER Tägl. 8 Uhr: Die blaue Stunde Lustspiel von Felix Josky TODESS PRINGER 7%: Die Frau ohne v. Himmel gefallen! Unfall wieder auf 8: Hilfe, ein Kind ist trittnach seinem Schatten Opernhaus Metropol Theat. Der Feuersprung am Königsplatz 82 Uhr: Tausend 8 U.: Evangelimann süße Beinchen Schauspielhaus 72: Rhein. Rebellen Schiller Theater 12 U. Glückspilz Volksbühne 7 Uhr: Fiesko Sie sich bei GallenundLeberleiden durch den GeDeutsch. Künstlertheat. Nur noch bis 30. Juni Tägl. 8 Uhr Th. d. Westens Steinpl.931 8U: USCHI v Jean Gilbert Uschi Elleot, Fr. Schulz s Gertrude Berliner Wegen d.großen brauch einer Monsieur Trulala Andrangs and Dr. med. Henschel& Co. Maustrinkkur Bestandteile: Sal. term. Karlsbad fact. 2,0, KisMusik von Hugo Hirsch Operettenhaus am Schiffbauerdamm Heute 8 Uhr: k. bitte d Vorverkauf zu benutzen. 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Man kann nicht dem bürgerlichen Sport und den Hafenkreuzlern ihre monarchistischen Tendenzen zum Borwurf machen, wenn man selbst nicht den Mut hat, offen für die Republik zu plädieren. Jede Rücksicht auf die Kommunisten ist hinfällig, da diese feine Rücksicht auf die SPD.- Genossen nehmen. Das hat der Reichsarbeitersporttag deutlich gezeigt. Meier: Stroth- Mannheim 3:29 Min.( Süddeutscher Meister); Männer- Seite fchwimmen, 100 meter: 1. Keller- Rürnberg 1: 20,2 Min.( Süddeutscher Meister); Rüdenschwimmen für Männer, 100 Meter: 1. Schulz Nürnberg 1: 19,4 Min. ( Gilddeutscher Meister); Freistil für Männer, 1500 Meter: 1. MusmannSchweinfurt 29: 14,4 Min.( Süddeutscher Meister); Springen: 1. SteufferNürnberg mit 47% Bunkten, fulturelle Borführungen gezeigt. Tischbanner der Bereine find mitzubringen. Die Spartenleitung. Freie Ranu- Bereinigung ,, Schweiffterne". Anschrift: Rurt Schünemann, Neukölln, Raiser- Friedrich- Str. 166. Nächste Mitgliederversammlung am Donnerstag, 2. Juli, im Vereinstotal Buffe, Neukölln, Teupiger Str. 105/106, Ede Schudomastraße. Beginn pünktlich 8 Uhr. Erscheinen aller Mitglieder ist erforderlich. Arbeiter- Turn- und Sportverein Pankom. Die Männerabteilung turnt und Freitag 8-10 Uhr Raiser- Friedrich- Str. 56, Rnabenabteilung Dienstag und Freitag 6-8 Uhr Raiser- Friedrich- Str. 58, Franenabteilung Montag und Donnerstag 6-8 Uhr Lnzeum, Görschstraße, Sport- und Fußballabteilung und Donnerstag 8-10 Uhr Lnzeum, Görschstraße, Mädchenabteilung Montag tagt Freitag von 8 Uhr im Bereinslokal von Borstel, Pantow, Mühlen-, Ede Marimilianstraße Reichsausscheidungsfämpfe im Schwimmen zur 1. Arbeiter- Freitag von 8-10 Uhr Raiser- Friedrich- Str. 58, Jugendabteilung Dienstag Olympia! Achtung! Alle Fußball- Bereine, die ein Interesse daran haben, ihre Spielanzeigen und Resultate in Borwärts" veröffentlicht zu sehen, werden gebeten, diesbezügliche Nachrichten an Florian Manz, Berlin- Stralau, Bahr. feldtstraße 1, zu senden. Resultate: Sonntags: Alez 1958, Montags vorm.: Beröffentlichungen im Vorwärts" gehen nur über Merkur 1588 und 1848. Touristen- Berein ,, Die Raturfreunde"( Rentrale Bien), Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, den 1. Juli, 7% Uhr, Funktionärsigung der Ortsgruppe im obige Adresse. " Sophieningeum, Beinmeisterftr. 16/17. Lichtenberger Schwimmverein, Reptun 1894. B. Mittwoch, den 1. Juli, Am 4. und 5. Juli finden auf dem Wassersportplab Blößensee die Ausscheidungsfämpfe zur 1. Internationalen, Arbeiter- Olympia am 23. bis 27. Juli in Frankfurt a. M. statt. Die Veranstaltung gewinnt dadurch an Bedeutung, daß aus allen Gauen Zu diesem Thema sind der Redaktion des„ Borwärts" eine große des Reiches die besten Vertreter sich gemeldet haben, denn die TeilAnzahl von Zuschriften zugegangen, die sich energisch gegen die Zunahme zur Olympia verlangt, daß nur die Besten der Besten den rüdlegung der republikanischen und Bevorzugung der Somjetfarben Arbeiter- Turn- und Sportbund vertreten können. Die Kämpfe wenden. Einer dieser Zuschriften geben wir im folgenden Raum, beginnen bereits am Sonnabend nachmittag und bringen die Entda sie im einzelnen die Beobachtungen, die zu schärfster Kritik ver- scheidungen im Männerrückenschwimmen 100 Meter, Frauenbrust anlaffen, wiedergibt: schwimmen 200 Meter, Männerschwimmen 1500 Meter, Ausscheidung im Kunstspringen für Männer und Frauen vom 1. und 3- MeterBrett, Männerbrustschwimmen 400 Meter, Frauen beliebig 100 Meter, Turmspringen für Männer und Frauen vom 10- MeterBrett( Ausscheidung) sowie die Vorspiele im Wasserballspiel um die Bundesmeisterschaft für Männer und Frauen. Am Sonntag werden die Kämpfe mit dem Freistilschwimmen 100 Meter für Männer, Frauenrückenschwimmen 100 Meter, Männerbrustschwimmen 200 Meter, Kunstspringen für Männer und Frauen( Ausscheidung), Mannerschwimmen 400 Meter beliebig, Frauenbrustschwimmen 100 Meter, Männerseiteschwimmen 100 Meter, Turmspringen für Männer und Frauen( Ausscheidung), Männerbrustschwimmen 100 Meter und die Schlußspiele im Wasserballspiel um die Bundesmeisterschaft für Frauen und Männer fortgesetzt. Nach den bereits vorliegenden Meldungen find in allen Konkurrenzen spannende und interessante Kämpfe zu erwarten. Die Veranstaltung beginnt ant beiden Tagen nachmittags 3 Uhr. Unterkunft und gute Sicht für etwa 20 000 Zuschauer. Eintrittspreise sind mit 0,30 M. festgelegt, damit allen Kreisen die Möglichkeit des Besuches dieser Veranstaltung gegeben ist. Die Wassersportsparte des 1. Kreises ersucht alle Bundesorganisationen um regſte Unterſtügung, damit dieses Fest für Parteinachrichten Berlin ein würdiger Auftakt zu Frankfurt a. M. werde. Darum alles auf nach dem Wassersportplay Blößensee! Als man am Sonnabend früh die Erklärung des Arbeitersportfartells Groß- Berlin, gez. Dehlschläger las, hoffte man, abgesehen von dem Nichtflaggen und Nichtmitführen von schwarzrotgoldenen Fahnen, daß dieses Mal im Stadion jede kommunistische Propaganda unterbleibt. Aber weit gefehlt, schon vor dem Eingang, geschweige im Stadion, mar der Rote Frontfämpferbund im vollen Dreß und mit dem Knüppel zahlreich erschienen, Zeitungen, z. B. Rote Fahne", Junge Garde", wurden genügend feilgeboten, Sammlungen für die JAH., für die Teltomer Opfer, auch Unterschriften wegen Gefährdung der Generalamnestie wurden gesammelt; selbstverständlich durften Parteifahnen, u. a. Roter Jungsturm, 18. Abteilung Weißenfee, Roter Frontkämpferbund, eine Fahne mit russischer Inschrift, nicht fehlen. Aber alles dieses ist ja bei unseren lieben Kommunisten, anscheinend auch für Herrn Dehlschläger, teine Barteipropaganda", was anderes wäre es, wenn man die Farben der Republik oder sozialdemokratische Banner gezeigt hätte. Man verließ die Kundgebung mit dem Eindruck, an einer fommunistischen Sporttagung teilgenommen zu haben." " Sportverein Dresden, Bundesfußballmeister! Stralau im Endspiel 7: 0 geschlagen( 3: 0). Am Sonnabend standen sich Dresden und Stralau im Endspiel um die Bundesfußballmeisterschaft in Dresden gegenüber. Vor ungefähr 12 000 Zuschauern begann das Spiel um 7 Uhr unter der sehr guten Leitung eines Nürnberger Schiedsrichters. Dresden hat Anstoß. Ein sehr guter Borstoß wird durch Abseits unterbunden. Der Abstoß mird abgefangen und sitzt Dresden schon wieder vor dem Tor der Stralauer, ohne jedoch etwas erzielen zu können. Ein brillanter Schuß des Mittelstürmers mird noch beffer vom Tormart gehalten. Stralaus Linksaußen läuft gut vor, die Flanke wird aber von der Mitte nicht verwertet. Wieder geht Dresden vor, der Ball wird jedoch ins aus gestoßen. Stralau greift an; der Mittelstürmer wird unfair gelegt. Der darauf folgende Strafstoß geht daneben. Auf und ab geht das Spiel. Bald ist Dresden, bald Stralau im Angriff. Ein guter Angriff des Dresdener Mittelstürmers wird vom Tormart Stralaus in blendender Weise gehalten und vom Publikum durch lauten Beifall belohnt. Durchbruch des Linksaußen von Dresden kann vom rechten Ber teidiger Stralaus nur knapp abgewehrt werden. Nach gutem Zu sammenspiel des Dresden- Sturmes schießt der Rechtsaußen den Ball zur Mitte. Hier wird derselbe vom 1. Verteidiger von Stralau in Empfang genommen und durch schönen Kopfball ins eigene Tor befördert. Dresden führt 1: 0. Es mar dieses das schönste Tor des Tages. Der Wiederanstoß Stralaus wird abgefangen. Schnell geht die Mitte durch, wird aber von der Verteidigung gehalten. Ein Alleingang des Stralauer Mittelstürmers wird durch Abseits unterbunden. Wieder greift Stralau an, fann aber durch die sehr sichere Hintermannschaft Dresdens nichts erreichen. Ein Dresdens Angriffe werden größtenteils durch Abseits unterbunden. Ein scharfer Schuß des Halblinken geht übers Tor. Ini rasenden Lauf geht der Linksaußen Stralaus vor. Der gut zur Mitte gegebene Bail wird darüber geschossen. Ein Strafstoß geht aus. Ein Strafstoß für Dresden wegen Hand wird hoch darüber getreten. Stralaus Rechtsaußen spielt sich gut vor, fann aber nichts erzielen. Immer wieder versucht Dresden das Resultat höher zu schrauben, während Stralau alles daran jezt, gleichzuziehen. Mit allen Finessen wird gearbeitet. Dresden versucht es mit guten Kombinationsvorstößen, Stralau dagegen durch Einzelleistungen. Dresden ist daher etwas überlegen, fann aber erst in der 40. Minute das zweite Tor erzielen. In der 43. Minute vollbringt der linke Verteidiger Stralaus wieder eine Glanzleistung, indem er eine gute Borlage des Dresdener Links: außen noch besser zum 3. Tor für Dresden einsenden kann. Der Torwart fann den Ball nur hinter der Linie erreichen. Gleich darauf ist Halbzeit. Nach Wiederanjang ist Stralau etwas im Vorteil. Alle Angriffe merden aber von der Dresdener Berteidigung zunichte gemacht. Dann hat Dresden wieder das Heft in der Hand. Eine Krabbelei vor dem Stralauer Tor führt zu feinem Erfolg. Der Gegenangriff Stralaus geht aus. Dresden erzielt in furzen 3wischenräumen 4 Eden, die aber alle nichts einbringen. Erst bei der siebenten erringt es das 4. Tor. Ein gut eingeleiteter Borstoß wird vom Mittelstürmer freistehend darüber getreten. Gtraiau läßt sich aber nicht entmutigen und greift weiter tüchtig an. In der 75. Minute erzielen sie ihre erste Ede, der die zweite und drifte folgen. Zu einem Erfolg reicht es aber nicht. Dresden kann aber noch dreimal einsenden. Nun zu den Mannschaften. Bei Dresden spielle alles wie aus einem Guß. Einen hervorheben, hieße den anderen zurückstellen. Bei Stralau fann man gerade das Gegenteil sagen. Hier waren es nur der Torwart und der Mittelläuser, die besonders hervorragten. Der linke Berteidiger war nur die ersten sieben Minuten auf der Höhe. Nachdem er das erste Tor für Dresden erzielte, wurde er vollkommen fopilos. Der Schiedsrichter war dem Spiel ein sehr guter und aufmerksamer Leiter. Bor dem Spiel zeigten die Jugendlichen von Helios und Sportflub 1885 3bidau ein sehr gutes Spiel. Beide Mannschaften fonnten ein Tor erringen. Süddeutsche Wassersportmeisterschaften. In Darmstadt wurden am Sonntag bei ungünstiger, falter Bitterung die füddeutschen Meisterschaften im Baffersport qusgetragen. Die Preisträger werden demnächst in Berlin mit den norddeutschen Meistern um die deutsche Meisterschaft fämpfen. Die Resultate in Darmstadt waren die folgenden: Freistil für Männer, 100 Meter; 1. Rarl Berner- Mannheim 1: 1 Min. ( Süddeutscher Meister), Bruftfchwimmen für Männer, 400 meter: 1. Runze Söchft 7: 45,4 Min.( Süddeutscher Meister); Brustschwimmen für Männer, 100 meter: 1. Sofmann- Mannheim 1; 31,8 Min.( Gilddeutscher Meister); Bruft fwimmen für Frauen, 100 Meter: Ollinger- Röbelheim 1: 48,6 Min.; Rüden fdymimmen für Frauen, 100 meter: 1. Sütsch- Darmstadt 1: 42,4 min.( Süddeutscher Meister): Freistil für Männer, 400 Meter: 1. Musmann- Schmein Furt 6; 58,8 Min.( Güddeutscher Meister): Brustschwimmen für Männer, 200 Ein internationaler Arbeitersportfongreß in Paris? Nach einer Mitteilung des Organs des belgischen Arbeitersportfongress in Paris in der Zeit vom 12. bis 14. September bundes gilt die Abhaltung eines internationalen Arbeitersportgemachten Erfahrungen in Richtlinien für die Zukunft umzusetzen. als wahrscheinlich. Er soll vor allem dazu dienen, die in Frankfurt Eine Ringfampfkonkurrenz. Der Sport!! xbbler 05"( Arb.- Athl.- Bund, 4. Areis), der am Freitag, den 3. Juli, abends 8 Uhr, in feinem neuen Rlublokal ,,, Reichen. berger Hof", Berlin GD., Reichenberger Str. 147, feinen ersten diesjährigen großen Ringlampfabend veranstaltet, wird 12 Baare auf die Matte ichiden. Bon ,, Adler 05" ftarten: Fliegengewicht: Schmidt, Bantam gemit: Engelmann, Federgewicht: Schoen, Stahr und R. Dirsch, Leichtgewicht: Beer, Thrun und R. Proplesch, leichtes Mittelgewicht: Berg und Augustomst, imeres Mittelge. michi: Dreicher. Als Gegner fub für diesen Rampf vorgesehen: Bom B. Böttcher und Klein, vom Klub Norden: Chlupte und Zeidler, vom Klub Alub Berolina, Neukölln: Man. Droas und Schießer, vom Rlub Röpenid: Deutsche Eiche: Mevis, vom Rlub Lichtenberg- Friedrichsfelde:. Binder, Sprentz, Richter. Nachdem es Adler 05" in der lehten Serie gelungen ist, in der B- Klasse den ersten Biak zu erkämpfen und somit die Mannschaft zu dem im Serbst beginnenden neuen Serienfampf in der Ligantanniajaft starten muß, wird bei diesem Rampf, zumal erprobte Rämpfer wie Man, Droas, B. Böttcher, Mevis, Aleix uim. starten, zu scharfen Rämpfen tommen, denn die genannten Ringer haben bereits in der Eerie 24/25 Broben ihres hervorragenden Rönnens abgelegt. Man ist gespannt, wie sich die neuen Ligaleute gegen die gute Gegnerschaft halten werden. Außerdem wer den an diesem Abend die beiden ftarten Jiu- Jitsu- Rämpfer Liebisch- Jatoszewsti einen Demonstrationstampf ber japanischen Gelbstverteidigung zeigen. Wer guter und reellen Sport fehen will, besuche am 3. Juli den Sportklub ,, Adler 05". Der Bundes- Fußballwart als Diktator! Man schreibt uns: Im vergangenen Jahr wurde auf einer Bundes- Fußballausschußfißung die Festsetzung der Ausscheidungs spiele um die Bundesmeisterschaft vorgenommen. Als Endspiel wurde Sonntag, der 28. Juni, bestimmt. Die Spiele um die Ausscheidung gingen alle vorschriftsmäßig zu Ende. Dresden gewann gegen Nürn berg, Stralau gegen Bremerhaven. Das Endspiel sollte an dem Ort stattfinden, der beim Spiel Dresden- Nürnberg fiegreich bleiben würde. Dresden gemann und Stralau sollte nun am Sonntag, den 28. Juni, nach Dresden. Da fommt plöglich ein Schreiben vont Bundes- Fußballmart, das bestimmt, das Spiel findet am Sonnabend, den 27., in Dresden statt. Reine Angabe von Gründen erfolgt. Rücksicht auf die Arbeitsverhältnisse der Berliner Mannnach Dresden zu fahren, wenn der Bund nicht stichhaltige Gründe schaft wird auch nicht genommen. Stralau erflärt einstimmig, nicht angeben fann. Ein diesbezügliches Gespräch des Kreisleiters mit Leipzig wird in einem Telegramm bestätigt. Der Budes- Fußballwart verlangt unbedingte Unterwerfung der Mannschaft, widrigenfalls die Bremerhavener Mannschaft gegen Dresden spielen wird. Wieder keine Angabe der Gründe, sondern einfaches Diftat. Glaubt der Bundes- Fußballmart durch derartige Maßnahmen für die Arbeiterfußballbewegung zu propagieren? Ich glaube, daß verschiedene unserer Anhänger mit Befremden auf das Berhalten des ersten Schreiben würde viel böses Blut beiseite gedrängt worden sein. Bundes- Fußballmarts sehen. Durch Befanntgabe der Gründe beim Sportlehrstunde für Frauen. Eine neue Lehrstunde für Sportlerinnen, Turnerinnen und Wassersportlerinnen findet am Sonnabend, den 11. Juli, 6 Uhr abends, auf dem Eicheplay in Köpenick statt. Die Lehrstunde in Oberschöneweide hat gezeigt, daß regftes Interesse vorhanden ist. Die Leitung hat der Sportgenosse Hurtig, Berlin SD. 33, Stalizer Str. 59a. An diesen find ausführliche Meldungen mit Alters, Namens- und Adressenangabe durch die Sportwarte sofort einzusenden. Sportwarte fofort einzusenden. Der offizielle Meldeschluß ist am Donnerstag, den 9. Juli. Die Sportwarte sorgen für Weiterver= breitung. Es sei nochmals besonders darauf hingewiesen, daß die Lehrstunde offen ist für alle Bezirte des 1. Kreises. Der Eicheplay in Röpenid ift zu erreichen mit dem Borortzug bis Hirschgarten, Weg zum Kabelwert Bogel, überjeßen. Straßenbahn 87, umsteigen Röpenid( 84) und Fahrt bis Bogel. Röpenick( 84) und Fahrt bis Bogel. Achtung, Bafferfportler( Schwimmer und Stuberer) bes 1. Areises! Der tämpfe findet am Sonnabend, den 4. Juli, nach Beendigung ber Empfangsabend für die auswärtigen Gäfte anläßlich der Reichsausscheidungs Betttämpfe in bet Bersuchs. und Behrbraueret, Berlin N., Geeftraße, ftatt. Beginn 8 Uhr. Wir erfuchen alle Kreisvereine, recht zahlrei 1 erscheinen. Die Rudersporte, sowie die Vereine Vorwäris- Berlin, weue- Berlin, Berliner Schwimm- Union. Fr. Schw. Neuföln, Freiheit- Berlin, Fr. Schm. Norden, Neptun- Lichtenberg, Tegel, SteglisLichterfelde, Spandan, Faltensee, Berliner Damenschwimmverein. Borwärts. Oberschöneweide, Röpenid, Adlershof und Weißenfee haben starte Delegationen an entfenden. Die Beranstaltung wird pünktlich um 11 Uhr geschlossen und ift nicht im Rommersfinne gebacht. As Darbietungen werden turnerische sowie Merkzettel für die Reise Bitte ausschneiden und für die Reise aufheben! Borstandssigung in der Badeanstalt. Freitag, den 3. Juli, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Vereinslokal von Daberkow, Lichtenberg, Gudrun, Cde Hagenstraße Fünfundzwanzigstes Jubiläums- Turn- und Spartfest der Freien Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelde am 29. und 30. Auguft. Die jedem Kreisverein gesandten Fragebogen find bis auf wenige von den Bereinsvorständen nicht Appell, uns in jeder Hinsicht freundlichst zu unterſtüken. Wir bitten, die beachtet worden. Wir richten an alle Genofien nochmals den dringenden Fragebogen nunmehr umgehend genau auszufüllen und hierbei noch folgende Fragen zu beantworten: 1. Wird Muſik mitgebracht; Art und Stärke des bogen sind auch bann an unseren Bereinsturnwart D. Mattha, Doffeftr. 1, Korps. 2. Für wieviel Teilnehmer wird Mittagessen gewünscht? Die Frageau senden, wenn eine Teilnahme nicht erfolgt. Allen Brudervereinen noch aur Kenntnis, daß der Festbertrag für Männer und Frauen 1 M. und für Jugendliche 0,50 m. beträgt. Sure derjenige gelangt in den Besik einer Festschrift und Plakette, der rechtzeitig gemeldet wird. Zum Musterriegenschauiurnen am Sonntag im Lichtenberger Stadion find die Uebungen von den Bereinen selbst auszuarbeiten und in einfacher Abschrift bis zum 15. Juli an Gen. D. Mattha einzusenden. Jebe Riege turnt 5 Uebungen. Die Riege besteht intl. Riegenführer aus 6 Teilnehmern. Fahnen sind zum Feft unbedingt mitzubringen. Ginsendungen für diese Rubrik find Berlis 68. 68. 2inbenftraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten. Achtung! Die Sigung mit allen Rreisleiterinnen findet Mittwoch, ben 1. Juli, abends 7 Uhr, im Sekretariat Lindenstr. 3, Zimmer 10, statt, nicht am 2. Juli. * 3. Friedrichshain. Arbeitermohlfahrt. Rinderschuh- und Ronumunale Rommiffion! Mittwoch, 72 Uhr, Sigung bei Rofin, Gubener Str. 19. Bürgerbeputierte und sonstige Delegierte find eingeladen. 6. Areis Kreuzberg. Die Genossen werden gebeten, umgehend den Abteilungsleitern Quartiere für, die auswärtigen Teilnehmer am Großdeutschen Tag in Berlin( 8. und 9. Auguft) anzugeben. 7. Kreis Charlottenburg. Mittwoch, den 1. Juli, abends pünktlich 8 Uhr, im Rathaus, Sigungszimmer 1, wichtige Sigung des fleinen Borstandes mit dem Fraktionsvorstand. 17. Kreis Lichtenberg. Die erite Sigung des neugemühlten Rreisvorstandes findet Mittwoch, den 1. Juli, abends 7% Uhr, in der Biblisther, Weichfelftr. 28, statt. 20. Areis Reinickendorf. Die Abteilungstaffierer werden gebeten, sofort mit dem Areistaffierer Genoffen Sonnenburg, Reinidendorf- Oft, Bilfe. straße 2, abzurechnen, möglichst heute abend in der Kreisvertreterverjammlung. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Mittwoch, den 1. Juli, pinktlich 7% Uhr, Jugendheim Lindenstr. 3, Helfertigung. Thema: Bert, Bedeutung und Möglichkeiten der Ferienwanderungen. Referent: Gen. Schröter. Jeder Bezirk muß vertreten sein. Heute, Dienstag, den 30. Juni: 28. Abt. Die Genoffen beteiligen fich an der öffentlichen Bersammlung in den Musikerfälen. 46. Abt. Die Mitglieder beteiligen fich an der öffentlichen Bersammlung bei Aliem. Die Ordner find eine Stunde vorher anwesend. Spielgemeinschaft der Sungsozialisten! Seute 7% Uhr im Diskussionszimmer des Jugendheims Lindenstr. 3 Teilprobe der Aufführungsgruppe. Morgen, Mittwoch, den 1. Juli: 21. bt. 8 Uhr Borstandssitung mit den Revisoren bei Kroll, Utreder Str. 21. Rassenrenision bereits um 7 Uhe 47. abt. 72 Sigung aller Parteifunktionäre bei Krause, Mariannen00 plak 22. Borstandshikung eine Stunde frühe beim Abteilungsleiter, Waldemarstr. 658. 58. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr Sigungsfaal Rankestr. 4, v. 4 Tr., Funktionärfikung. 82. Abt. Steglig. 8 Uhr Borstands- und Funktionärtigung bei Thiel. 83. Abt. Lichterfelbe. 8 Uhr Mitgliederversammlung in Sertels Festfälen, Zehlendorfer Str. 5. Vortrag des Genoffen Heinig über Steuern und Aufwertung. 104. Abt. Riederschönemeibe. 7½ Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38, Borftandsfigung mit den Bezirksführern und Revisoren. 106. Abt. Ripenid. 7 Uhr Funktionärsgung im Stadttheater, Friedrichftraße 6. 134. Abt. Buch. 9 Uhr Sokal Göpfert Sigung des Abteilungsvorstandes. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 1. Juli: 5. Kreis Friebrichhain. Funktionärinnen der Wohlfahrt, Rindericus tommiffion, politische Funktionärinnen und Kommunale Rommiffion! Uhr bei Rofin, Gubener Str. 19. Die Abteilungsleiterinnen merden erfucht, in diefer Ronferens die Rarten zur Dampferpartie abzurechnen. 7 Sport. Cinart, Léjour, Cemanom und Sawall am Mit.mochabend in Treptow Für das am fommenden Mittwoch, den 1. Juli, in Treptow statt findende Abenbrennen steht nunmehr die Belegung für die Dauer tennen endgültig fest. Außer den beiden Ersten des legten großen Berliner Stadionrennens Weltmeister Victor 2in art und Emil ewanow find der schnelle Belgier Gustave 2éjour und der populäre Walter Samall verpflichtet worden. Das Zusammentreffen diefer sier Größen beginnen im 8 Uhr. des Zements gibt dein Rennen eine besondere Bedeutung. Die Reunen nachmittags 4 Uhr, auf der Olympia Radrennbahn ausgefahren Jm Preis der Ertraflaffe, der am fommenden Sonntag, den 5. Juli, wird, starten zum ersten Male auf der Olympia- Radrennbahn der Holländer Snoet. Jean ofellen und der Franzose Catu dal. Die weiteren Teilnehmer find Balter a wall und Jean weig. Die Dauerrennen führen über 25 und 75 km. Drei Fliegerrennen verbollständigen das Programm. Geschäftliche Mitteilungen. Zehn billige Tage, beginnend am 1. Juli, zichtet die befannie Firme . Schulmeister, Dresdener Straße 4, ein für den Berkauf von Herren, Jüng lings- und Anabengarderobe. Da die Firma algemein als preiswerte Liefe rentin bekannt ist, wird diese weitere Ermäßigung es auch dem Minderbemit telten ermöglichen, feinen Bedarf zu beden. Die Firma S. Abam bietet vom 1. bis 4. Juli wieder Gelegenheit, ihre be tanut gute Ware zu wirklich außergewöhnlich billigen Preisen einzutaufer ( 30 Broz. und mehr Ermäßigung). Man beachte die Anzeige in der Morgen ausgabe am Mittwoch, den 1. Juli. Die bekannte Firma Stefan Esbers, Raiser- Wilhelm- Straße 55, de Span bauer Straße 35, veranstaltet vom 1. bis 15. Juli er. ihren Sommer- Saison Ausverkauf und bietet in allen Abteilungen eine äußerst günstige Raufgelegen. heit in Renfektion für Herren, Damen und Kinder sowie in Wäsche Schuhen usw. ant bedeutend herabgefeßien Preisen. Ein Besuch des Hauses wemit fein Raufzwang verbunden ist, dürfte sehr lohnend sein. Wefferbericht für Berlin und Imgegend. Ziemlich heiter und weiter Erwärmung Für Deutschland. Heberall Bewölfungsabnahme uni weitere Erwärmung. Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen! Auch davon, daß ihm durch Zerbrechen oder Auslaufen einer Mundwasserflasche, die Wäsche verdorben oder unerwünscht, parfümiert" worden ist, daß ihm durch ein Stück schmieriger Rasier- oder Toilettenseife wichtige Schriftstücke zerweicht sind, oder daß eine Dose Schuhcreme aufgegangen und ein schönes weißes Kleidungsstück total ruiniert hat. Wer sich diesen Gefahren nicht aussetzen will, verwende auf der Reise, ausschließlich die praktische und im Gebrauch saubere, unzerbrechliche Tuben- Packung. In Frage kommen hauptsächlich folgende Artikel des täglichen Bedarfs: 1. Zur Pflege des Mundes und der Zähne: Chlorodont- Zahnpaste", in der Tube M. 0.80. 2. Zum Rasieren und Waschen: Leosira", haarerweichende Rasier- und Waschseife, in der Tube M. 1 3. Zur Selbstpflege feiner Schuhe: Tuberan", wohlriechende Schuh- Edelcreme in 3 Farben, in der Tube M. 0.50. 4. 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Die Hersteller von Web- und Wirkwaren werden ihr blaues Wunder erleben, wenn die erhöhten Zölle Gesetz werden sollten. Worüber klagt denn die Fertigindustrie fortgesezt? Darüber, daß der Umsatz ganz gewaltig zurüdgegangen ist, demzufolge die Betriebe nicht so viel Aufträge bekommen, um voll ausgenutzt werden zu können, und daß durch den großen Leerlauf der Betriebe die Un= tosten für das Produkt einen jede Konkurrenzfähigkeit vernichtenden Umfang annehmen. Soll das besser werden, so muß der Umfah größer werden, damit der Leerlauf aus den Betrieben verschwindet. Vor einigen Wochen erst trug auch der Reichswirtschaftsminister Dr. Neuhaus im Reichshaushaltsausschuß diese Auffassung vor. Aber Theorie und Praxis sind beim Reichswirtschaftsministerium verschiedene Dinge. Es ist doch diesem Ministerium nicht unbekannt, mie nötig gerade eine Verbilligung auf dem Textilwarenmarkt wäre, denn es sagt in der Begründung der höheren Wollgewebezölle: Die Preise für Wollstoffe und Tuche betragen mehr als das Doppelte der Borfriegspreise." Diese Erkenntnis veranlaßt die Regierung aber nicht, einem Preisabbau die Wege zu ebnen, sondern noch einen Preis aufbau vorzunehmen. Sie will die Zölle auf wollene Oberkleidungsgewebe, die fich bisher in einer Staffel von 135 bis 220 m. bewegten, auf eine Staffel von 260 bis 420 m. pro Doppelzentner erhöhen. Und da der Zoll von den inländischen Verbrauchern getragen werden muß, wird diese Steigerung des Preises den um= saß noch vermindern, die Konkurrenzunfähigkeit der Fabriken steigern. Es ist also eine schwere Täuschung, wenn sich die Garnverbraucher von dem Gerede einfangen lassen, höhere Zölle auf die Erzeugnisse feien geeignet, die durch höhere Garnzölle beeinträchtigte Konkurrenzfähigkeit auszugleichen. Daß die höheren Zölle auf Garn die Ursache sind für die höheren Zölle der garnverarbeitenden Industrie, das sagt die Regie rung in der Begründung selbst. Es heißt da in der Begründung zu Nr. 433 bis 435: " Bei der hohen Leistungsfähigkeit unserer Birkwarenindustrie sind nur solche Zollerhöhungen vorgeschlagen worden, die durch die Garnzollerhöhung unumgänglich notwendig wurden." Damit erklärt die Regierung selbst, daß ihre verhängnisvolle Garnzollpolitik die weiterverarbeitende Industrie in den Strudel neuer Schwierigkeiten hineinreißt. Die Seidenzölle und ihre Folgen. Wohin diese ganze Zollpolitit führt, dafür liefert ein sehr lehrreiches Beispiel die deutsche Seidenindustrie. Dieser Industrie sind in der Inflationszeit die Zölle auf Seidengewebe usw. ganz beträchtlich erhöht worden, weil man diese Waren als Lurus waren ansah. Immer nämlich, wenn ein Vorschlag auf neue Bollerhöhung fam, ließ es sich die Seidenindustrie sehr gerne gefallen, wenn man, um den höheren Zoll durchzusetzen, von Luruswaren sprach. Zu anderen Zeiten freilich hat sich die Seidenindustrie, und zwar ganz berechtigterweise, dagegen gewehrt, wenn man, z. B. bei dem inneren Zoll, der umfaß steuer, alle ihre Produkte kurzerhand als. Lurusware bezeichnete. Sie sind es nicht. Viele Taftgewebe und auch undichte sind heute Bekleidungsstoffe der Mädchen und Frauen aus allen Ständen. Aber der Zollfak für taftbindende Seidengewebe 3. B. ist auf die oben erwähnte Weise vom 300 m. auf 3200 m. hinaufgeklettert. Das sind reine Sperrzölle, die jeden Wettbewerb ausländischer Industrien auf dem deutschen Markt ausgeschlossen haben. Man sollte nun annehmen, daß, wenn die Schutzölle wirklich so förderlich sind, wie es ihre Befürworter behaupten, die deutsche Seidenindustrie heute, sowohl in ihrer qualitativen Leistung, als auch in bezug auf allgemeine Konkurrenzfähigkeit auf der Höhe sein müßte. Das ist aber feineswegs der Fall. Aus den Klagen, die vom Großhandel und von der Konfektion erhoben werden, geht etwa das Gegenteil hervor. Das Ausland wird billiger beliefert als das Inland. Ein Großkaufmann in Frankfurt a. M. berichtet im„ Konfektionär", daß die deutsche Seidenmarenfabrik den deutschen Abnehmer zu höheren Preifen bedient, wie ihren Abnehmer im Aus= land. Hier wird das bestätigt, was so oft als Folge der hohen Zölle verzeichnet werden muß. Der Verein Deutscher Seidenweberei en bestreitet das auch gar nicht. Er sagt vielmehr, das müsse er tun, um den ungenügenden Absah im Ausland zu vermehren. Und er gibt zu, daß die Ware vielfach zu m Selbstkostenpreis und darunter abgegeben werde. Man stelle fich vor, wohin das die deutschen Abnehmer der Textilprodukte führt, wenn ihre Lieferanten ihre durch hohe Zölle geschüßte Monopolgewalt alle jo anwenden, wie die Seidenindustrie. Denn alle werden sie natürlich verloren gegangenen Absatz im Ausland wiedergewinnen wollen. Dann werden die deutschen Textilwaren ins Ausland zum Selbstfostenpreis und darunter verschleudert, und der Verbraucher im Inland wird mit Hilfe der Zölle gezwungen, Unkoffen und Gewinnquote für jene ins Ausland verschleuderten Waren zu tragen. Dazu kommt, daß die hohen Zölle, die den Wettbewerb ausländischer Industrien aufheben, sehr leicht zu einer Hemmung der Leistungsfähigkeit führen. Das wird auch der deut schen Seidenindustrie zum Borwurf gemacht. In einer von der Deutschen Konfektion ausgearbeiteten Dentschrift wird gesagt: Fritzi teure Bekleidungswaren. Während früher auch im Inlande der Wettbewerb mit den ausländischen Seidenherstellern bestanden werden mußte, ist dieser nun seit einem Jahrzehnt so gut wie aus= geschlossen. Eine eigentliche Befruchtung unserer Industrie durch wechselseitige Beziehungen mit dem Ausland hat während dieser umfangreichen Zeitspanne gefehlt, und, es ist bedauerlich, daß es gesagt werden muß, zur Vernachlässi gung der deutschen Seidenindustrie geführt. Während früher der deutsche Seidenstoffabrikant in der ganzen Welt eine beherrschende Stellung eingenommen hat, muß er heute feststellen, daß er auf einen Grad herabgefunken ist, den man früher nicht als Maßstab seiner Leistungsfähigkeit an ihn anzulegen gewagt hätte.... Wir sehen mit größter Sorge der Entwicklung derjenigen unserer Firmen entgegen, die angesichts ihrer geräum= ten Stoffläger bei inländischen Stoffabrikanten Bestellungen machen mußten, und nunmehr, wenn die Stoffe für den Export verwendet werden sollen, die Feststellung machen müssen, daß sie im Auslande geradezu unverfäuflich find. Die dadurch entstehende Wirtschaftsderoute wird sich auch zwangsläufig gegen die Stoffindustrie selbst richten, so daß sie letzten Endes ein eigenes Opfer des von ihr so mit Nachdruck verlangten Prohibitivzolles werden muß." Die Textilzölle sind demnach ein Mittel, das zur Trägheit, ja gewissermaßen zur Bertaltung unserer Tertilmirt chaft führt. Das können wir aber jegt am allerwenigsten ge= lichen industriellen Wettbewerbs der Völker. Dieser Wettbewerb brauchen. Was wir brauchen, das ist der frische Luftzug des friedspannt die Triebfraft, die wir brauchen, um unsere Textilwirtschaft zu einem lebensfähigen und geschäßten Zweige der Weltwirtschaft zu machen. Deshalb weg mit dieser verderblichen Zollpolitif. Leib- und Bettwäsche soll verteuert werden. Bis weit in die Kreise des gewerblichen Mittelstandes und der Beamten hinein ist eine große Wäschenot vorhanden. Gut versorgt sind in der Regel außer den Reichen, die sich ja alles leisten fönnen, weite Kreise der großen und mittleren Landwirtschaft, die in der Inflationszeit mit den Lebensmitteln als begehrenswerten Sachwerten an Wäsche und anderen Tertilstoffen zusammenrafften, was sie nur erlangen fonnten. Die durch die unzureichenden Löhne geschmälerte Kaufkraft, die häufig noch eine zur Berzweiflung treibende Verschlechterung durch lange Erwerbslosigkeit erfuhr, ließ es bisher bei Hundertausenden von proletarischen Familien nicht zu, an einen Ersatz der in den Kriegs- und Nachkriegsjahren aufgebrauchten Wäsche zu denken. Ihre einzige Sorge ist, wie sie die kapitalistischen Kreife befriedigen kann, die durch hohe Schutzölle ihre verbraucherschädigenden Monopole noch mehr befestigen wollen. Denn auf nichts anderes läuft die Zollfäße für so wichtige Massengebrauchsartikel, wie z. B. Taschenganze Schuzzollpolitit für diese Maffengebrauchsartikel hinaus. Die tücher aus Leinengarn, und Leinengewebe überhaupt, werden exorbitant hinaufgeschraubt, ohne daß eine Notwendig feit dafür vorhanden ist. Wäscheftoffe aus Leinen und Baumwolle für den Massenverbrauch sollen außerordentlich verteuert werden. Die Zölle für Baumwollgewebe, Tarif Mr. 453 bis 455, werden durchweg um 100 Pro3. erhöht. Statt der Staffelung von 50 bis 170 m. pro Doppelzentner sollen wir eine solche von 100 bis 340 M. erhalten. Und womit wird das begründet? Mit der Erhöhung der Zölle auf Baumwollgarn. Lakonisch heißt es:„ Die vorgeschlagene Erhöhung für Baumwollgewebe entspricht den in Aussicht genommenen Garnzöllen. Also erst 100 Proz. Erhöhung der Garnzölle und dann weitere 100 Proz. Erhöhung der Gewebezölle! Aber nun erst die Darum fümmert sich die Rechtsregierung nicht. Erhöhung der Zölle auf Leinengarne und Leinengewebe. Hier ist man sogar weit träftiger ins Zeug gegangen. Die Leinengarnzölle werden aus der Staffelung von 6 bis 13 M. in eine solche von 15 bis 32,50 M. gebracht; also eine Erhöhung von 150 Proz. Die Zollsäge für Leinengewebe follen aber noch viel mehr gesteigert werden. Und zwar soll der Zoll auf Taschentücher, der sich bisher in einer vierstufigen Staffel zwischen 160 bis 290 m. bewegte, auf eine achtstufige Staffel gebracht werden, und er soll sich zwischen 180 und 960 m. pro Doppelzentner bewegen. Die Zollsäge der Leinengewebe in den Tarifnummern 492 und 493 begewegten sich bisher zwischen 40 und 120 Mt. Sie sollen in Zukunft zwischen 90 und 810 M. für den Doppelzentner betragen. Man fomme uns nicht und sage, es handle sich um die feinen Leinengewebe, die mehr von den wohlhabenden Kreisen gekauft würden. Wir kennen dieses zoll- und steuerpolitische Roßtäuscherstückchen zur Genüge. Der hohe Zoll auf diese Leinengewebe bringt eine ganz erhebliche Erhöhung der Preise für alle Wäscheffoffe. Wer hat denn beim Einkauf solcher Stoffe für Bett- und Leibwäsche den Zolltarif bei sich und kontrolliert Fadenzahl und Gewicht des Gewebes? Das macht höchstens der Großabnehmer, aber nicht die Frau des Arbeiters und die aus dem Mittelstand. Dem Betrug und der Uebervorteilung der ärmeren Bevölkerung wird so die Arbeit erleichtert. Dazu kommt aber noch ein weiteres. Unsere Wäscheindu= strie wird auf dem Auslandsmarkt nur bestehen können, wenn sie hochwertige Qualitätsware hinausbringt. Diese muß meist aus feinem Leinengemebe hergestellt werden. Wie soll diese Industrie auf dem Auslandsmarkt werben, wenn man ihr den Rohstoff in dieser Weise verteuert? Und daß der Zollfaz auf dem Inlandsmarkt immer im Preise wirksam sein wird, dafür wird die gu torgani fierte Flachs- und Leinenindustrie schon jorgen. Wie die Regierung dazu kommen konnte, gerade den Flachs- und Leinenbetrieben solche unerhörten Zölle zu bewilligen, das ist das Unverständlichste mit, was sich in dem Zolltarif zeigt. Diese Betriebe haben ihre Produktivkräfte so entwickelt, daß sie den Wettfampf aufnehmen können. Sie haben im Kriege, mit wenigen Ausnahmen, schweres Geld verdient, da die Rohstoffrage für sie nicht so schmierig war, wie in der Woll- und Baumwollindustrie. Und es ist einfach eine Täuschung, wenn in der Begründung der Flachszölle auf die nordfranzösischen und belgischen Spinnereien hingewiesen wird, die, nachdem sie wieder aufgebaut Massary Dienstag, 30. Juni 1925 sind, mit den besten Maschinen ausgerüstet seien und unserer Industrie nun das Leben schwer machen sollen. Nein! Die Dinge liegen so: Wohl in feiner anderen Fachgruppe ist eine so straffe, monopolartig wirkende Organisation vorhanden, wie in der Leinenindustrie. Diese Organisation erblickt bei der Neuregelung der Zölle eine günstige Gelegenheit, ihre monopolmacht durch Zölle, die geradezu wie Prohibitivzölle wirken, gewaltig zu verstärken. Einem anderen Zweck dienen diese Zölle nicht. Mit Schutz der Industrie, um sie vollDie Leinen= wertig zu machen, haben diese Zölle nichts zu tun. industrie ist vollwertig in ihrer Leistungsfähigkeit, und daher sind bie exorbitanten Zölle für die Wäschestoffe eine unerhörte Herausforderung des ganzen notleidenden Bolkes. Hermann Kräzig. Gegen die Textil- Hochschutzölle. Denkschrift des Reichsbundes des Textileinzelhandels. Eine Dentschrift des Reichs bundes des Tertileinzelhandels an den Reichstag, die sich mit der Zollvorlage befoßt, ist jetzt der Deffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Sie woendet sich in schärfster Form gegen die hochschutzöllnerischen Tendenzen der Zolltarifvorlag. Die Mehr belastung, die den deutschen Verbrauchern durch die von der Regierung vorgeschlagene, zum Teil maßlose Erhöhung der Textilzölle auferlegt werden soll, überschreitet, so wird dort ausgeführt, bei Zugrundelegung der Einfuhrziffern des Jahres 1924 50 Millionen Reichsmart. Die Zollvorlage ist nach Ansicht des Reichsbundes geeignet, die wirtschaftliche und soziale Lage weiter Kreise des Volkes ernstlich zu bedrohen: „ Die Zoll- und Handelspolitik der Reichsregierung in den legten Jahren hat eine empfindliche Berkleinerung des Inlandabjages herbeigeführt, die nicht nur sozial sehr einschneidend gewirkt hat, sondern auch die Grundlagen verfümmern ließ, auf der allein das Auslandsgeschäft entwickelt werden konnte. Sie steht in vollem Widerspruch zu der von der Regierung immer wieder betonten Notwendigkeit einer Senfung des Preisniveaus sowie im Gegensatz zu dem für die deutsche Wirtschaft bestehenden unausweichlichem 3wange, die von Deutschland nach den Beschlüssen der Londoner Konferenz übernommenen Lasten Steigerung der Ausfuhr aufzubringen. Nach unserer Auffassung ohne Gefährdung der deutschen Währung durch größtmöglichste hat diese Politit wesentlich dazu beigetragen, daß die Handelsbilanz des Deutschen Reiches sich immer mehr verschlechterte und besonders für das Jahr 1924 ein sehr beunruhigendes Ergebnis zeigt. Es besteht die große Gefahr, daß die Passivität der deutschen Handelsbilanz sich weiter erhöht, wenn der Regierungsentwurf zum Gesetz erhoben wird, denn die darin vorgesehenen Zollsteigerungen müssen zwangsläufig Repreffalien der anderen Länder hervorrufen und die Gestehungskosten der heimischen Aus fuhrartikel so steigern, daß sie im Einne einer Selbstblockade wirken." Der Reichsbund macht dann im einzelnen Borschläge über Zölle die nach seiner Ansicht für die Wirtschaft tragbar wären, und betont, daß diese Borschläge die äußerste tragbare Grenze darstellen. Er setzt voraus, daß die Zollsätze, die er vorschlägt, durch die Handelsvertragsverhandlungen eine bedeutende Ermäßigung erfahren. Er wünicht ferner, daß alle Drosselungen der Einfuhr von Tertilwaren, soweit sie noch bestehen, beseitigt werden und daß entsprechende. Kautelen hierfür geschaffen werden. Stinnes- Liquidation. Aus sicherer Quelle erfährt der Soz. Presse. dienst, daß Edmund Stinnes seine Interessenverbindung mit der Automobil- Berkehrs- und lebungsstraße A.-G. in Berlin( Alous) gelöst hat. Außerdem wird bekannt, daß die Stinnes'sche Reflamegesellschaft, wozu auch die Deutsche EisenbahnReklamegesellschaft und ihre Tochterfirma, die Allgemeine Werbegesellschaft, gehören, wahrscheinlich in andere Hände übergehen. Ueber den Verkauf des Stinnes'schen Hafengeländes( Elbe) an den preußischen Staat neröffentlicht ein Hamburger Großimpor teur im Berliner Tageblatt" sehr interessante Darlegungen. Es ist schon von vielen Seiten betont worden, daß der Preis für das Hafengelände von 5 Millionen Mark unwahrscheinlich hoch erscheint. Der Hamburger Importeur erinnert nun daran, daß Stinnes das Hafengelände vom preußischen Staat gekauft hat. Der Preis fei damals nicht befannt geworden. Er fordert deshalb die Betanntgabe der Kaufsumme. Das wäre nur zu wünschen, da man ganz allgemein in den letzten Tagen den Eindruck einer besonderen Bevorzugung der Stinnes'schen Interessen durch gewisse Stellen der Regierung hat. " Dejers Stellvertreter. Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft hat, einem Antrag des Generaldirektors Defer entsprechend, die Stellung eines ständigen Ver= treters des Generaldirektors geschaffen und den Reichsbahndirektionspräsidenten Dorp müller zum Direktor der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft und ständigen Stellvertreter des Generaldirektors ernannt. Diese Ernennung bedarf nach§ 19 der Sazung der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft der Bestätigung des Reichspräsidenten. Präsident Dorpmüller, der den Ruf eines hervorragen den Fachmanns und guten Wirtschaftskenners genießt, wurde auf Grund seiner umfassenden Erfahrungen zu den Beratungen über das Dames- Gutachten und das Reichsbahngesetz und statut zugezogen. An den Londoner Verhandlungen beteiligte er sich in weitestgehendem Maße. Kommerzienrat Dr. Emil Guggenheimer, der noch vor einigen Tagen auf dem Kölner Industrietag die steuerlichen Interessen der Schwerindustrie vertrat, ist am Montag in Berlin plöglich einem Herzleiden erlegen. Guggenheimer war von Haus aus Jurist, Richter und Staatsanwalt und trat dann, schon ein reiser Mann von 40 Jahren, über die Nürnberg Augsburger Ma schinenfabrik 2. G. in den Dienst der Industrie. Er ist die typische Persönlichkeit für die enge Berbindung zwischen Staat und Schwerindustrie, die sich um die Jahrhundertwende vollzog. Im Dienste der Industrie behandelte er besonders sozialpolitische Fragen und stand, besonders später im Zentralverband der Arbeitgeber, durch seine prononzierte Art immer im schärfst en Gegensaß zur Arbeiterschaft, besonders zu den Gewerkschaften. Im Zentralverband gehörte er mit zu den Inspiratoren eines sozialpolitischen Kurses, der durch Namen wie Dr. Tänzler die große gehaltvolle 3 Zigarette jetzt auch dick, rund ohne Mundstück einzig in ihrer Art! genügend gefennzeichnet wird. In Guggenheimer, der nur etwas mehr als 65 Jahre alt geworden ist, geht ohne Zweifel eine ganz hervorragende juristische Persönlichkeit mit großer wirtschaftlicher Begabung dahin. für Handel und Gewerbe, nach der auch in Zukunft grundsätzlich dem Tages bzw. Vormittagsunterricht festzuhalten ist. an Walter Esch ba ch referierte dann noch über die Jugend. Jugendlichen mit den Zusammenhängen in Wirtschaft und Gesellbildung in der Gewerkschaft, deren Zweck sei, den schaft nicht nur bekannt zu machen, sondern ihn auch innerlich mit dieser Erkenntnis zu durchdringen. Nur der wissende, erkennende Mensch sei in der Lage, bewußt für die Befreiung seiner Klasse zu fämpfen. Der Redner fordert schließlich die gewerkschaftliche Berufsbildung, da die Bildung in den Betrieben nicht ausreicht und hält daneben die Vermittlung einer Allgemeinbildung für erforderlich. Umorganisation der österreichischen genossenschaftlichen Großeinfaufsgesellschaft. Die Großeinkaufsgesellschaft für Konsumvereine in Deutsch- Desterreich( Göc) hat auf ihrer 17. Generalversammlung dieser Tage eine morganisation vorgenommen, die die Leistungsfähigkeit dieses Genossenschaftsunternehmen außerordentlich zu steigern geeignet ist. Bisher war es eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Nachdem der Geschchäftsumfang des Unternehmens derart angewachsen ist, daß diese Unternehmungsform nicht mehr ausreichte, hat man sie jetzt zu einer„ Genossennschaft der Genossenschaften", zu einem Wirtschaftsverband der KonDer Abend war mit einem Fest auf dem Burghof der Sparrenfumvereine umgegründet. Damit tritt die Göc in die steuerburg ausgefüllt. Am Sonntag fand eine machtvolle republikanische rechtlichen Vorteile, die Deutsch- Desterreich den Genossen- Rundgebung auf dem Schillerplatz statt, wobei, von großem Jubel schaften gewährt. Außerdem werden die fonsumgenossenschaft begrüßt, Genoffe 2öbe zur Jugend des 3dA. sprach. lichen Warenhausorganisationen in einer Dach= genossenschaft vereint. Die russischen Erdölfonzessionen. Die Sowjetregierung gewährte bisher vier Erdölkonzessionen an Ausländer. Ueber die Erfolge der Konzession der Società Miniera Italo- Belghe di Georgia in der Schiraksteppe und des norwegischen Konzerns Norof, ist uns Näheres nicht bekannt geworden. Die zwei anderen Kon= seffionen bekamen amerikanische Interessenten, die International Barnsdall Oil Corporation und die Sin clair Gruppe in Nordsachalin. Beide Konzessionen wurden cinbezogen, die der Sinclair- Gruppe nach dem Zustandekommen des russisch- japanischen Uebereinkommens, das teilweise durch den japarischen Wunsch nach den Erdölfeldern Sachalins hervorgerufen wurde. Die Geschichte des russischen Petroleums deutet nicht nur cuf die weltpolitische Rolle des Erdöls hin, sondern auch auf die großen Schwierigkeiten der neuen wirtschaftlichen Politik Rußlands. Reichsjugendtag des ZDA. Bielefeld, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am 27. und 28. Juni fand hier der zweite Reichsjugendtag des Zentral verbandes der Angestellten statt. Am Sonnabend tagte die Konferenz der Jugendleiter, an der 90 Delegierte aus über 80 Orten teilnahmen. Im Anschluß an die Begrüßungsreden wurde von Bischoff und Diederich, Berlin, der Geschäftsbericht erstattet. Aus ihm ergibt sich, daß auch die Arbeit in den Jugendgruppen des 3dA. sehr erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Seit 192. haben sich die Jugendgruppen starf entwickelt. Von 700 Orts: gruppen haben 164 Jugendgruppen. 42 Ortsgruppen haben ein eigenes Heim; 29 fönnen städtische Heime und 30 Drts gruppen müssen noch Gastwirtschaften benutzen. Das Verhältnis zur Sozialistischen Arbeiterjugend und zum Aus schuß der deutschen Jugendverbände war im allgemeinen durch Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung gefennzeichnet. = Einheitsverband der Eisenbahner. Erste Tagung. Köln, 28. Juni. der Eisenbahnbeamten traten am Sonnabend morgen zur ersten Der Deutsche Eisenbahnerverband und die Reichsgewerkschaft gemeinsamen Tagung zusammen. Hauptvorsigender Scheffel vom DEV. begrüßte die Tagung und übermittelte ihr die besten Wünsche der ausländischen Bruderorganisationen. Scheffel wies darauf hin, daß neben der jetzt glücklich zustande gekommenen Einheitsorganisation noch die Schaffung von Kartellverträgen vorgesehen sei, die besonders den Organisationen des Berfehrsgewerbes eine stärkere Aktionsfähigkeit verleihen werde. Weiter betonte er, daß der Zusammenschluß auch schon deshalb begrüßt werden müßte, weil die Technisierung des Eisen bahnbetriebs immer weiter fortschreite. Hier könne nur eine starke, machtvolle Organisation die Interessen der Arbeitnehmer wahren, die auch wirtschaftspolitisch etwas in die Wagschale zu werfen habe. Die erste Tagung der Einheitsorganisation der Deutschen Eisenhistorische Bedeutung. Das erstemal hätten sich Betriebsrätekonferenz der Textilindustrie bahner habe in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung Leipzig, 29. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am 28. Juni tagte im Boltshause eine Konferenz der freigewerkschaftlichen Betriebsund Aufsichtsräte der Textilindustrie, die vom Verbandsvorsitzenden Genossen Jäckel geleitet wurde. gewerkschaftlichen Betriebsräte in den Aufsichtsräten. Der Referent Genosse Apelt referierte über die bisherige Praris der frei schilderte, wie mit jedem Tage seit dem Frühjahr 1920 die Wider und sich bei diesen selbst infolge der wirtschaftlichen Notlage das stände der Unternehmer gegen die Betriebsräte wuchsen Interesse an den neuen Funktionen immer mehr verringerte. Die Betriebsräte hätten darauf zu achten, daß sich die Arbeiterschaft nicht durch unsinnige Ueberarbeit ins eigene Fleisch schneide. Durch die sorgfältige Führung von Betriebsstatistiken fönne man manchen Schwierigkeiten aus dem Wege gehen. Größte Aufmerksamkeit sei der Unfallverhütung zuzuwenden. Bei Streitig keiten müsse die Gewerbeaufsicht angerufen werden. Wo irgend möglich, müßten Pensionskassen ins Leben gerufen werden. empfehle sich nicht, die Schlichtungsinstanzen anzurufen, da sie in 90 Pro 3. aller Fälle dem Arbeitgeber recht geben. Bedauerlich sei, daß die Betriebsräte im Aufsichtsrat nur stille Zuhörer sind. Strittig sei, ob die Betriebsrats= mitglieder zur Generalversammlung herangezogen werden müssen, da das Gesetz hierüber nichts bestimme. Aber alle gesetzlichen Rechte seien ohne jeden Vorteil für die Arbeiterschaft, wenn diese nicht die Ausbildung erfahre, die sie in die Lage verseze, von diesen Rechten den richtigen Gebrauch zu machen. Daher müsse jedem Arbeiter empfohlen werden, alle für ihn erreichbaren Bildungsmittel auszunujen. Es Geheimrat Dr. Bachem, Direktor der Arbeiterbant, sprach über die Aufgaben und die Braris der Aufsichtsräte in den Tertilgesellschaften. Die unerfahrenheit der Betriebsräte im Auffichtsrat habe ihre Ursache insbesondere in dem Bestreben der Unternehmer, die Aufklärung der Betriebsräte zu hemmen. An ihrer ungünstigen Stellung sei die Arbeiterschaft nicht ganz un schuldig, da sie die Zeit der Weimarer Nationalversammlung ungenügt gelassen habe. Die Betriebsratsmitglieder haben das Recht, Bücher und Schriften der Gesellschaft einzusehen, die Bilanz zu prüfen und der Generalversammlung Bericht zu erstatten. Es folgte dann ein Referat des Genossen Schulz- Berlin, der sich mit dem freigestellten Betriebsrat als Organ des Deutschen Textilarbeiterverbandes im Kampf um die Wirtschafts= demokratie beschäftigte. Dieser Betriebsrat habe große Aufgaben zu erfüllen. Das sei ihm aber nur möglich, wenn er über das notwendige Wissen verfüge. Dazu gehöre insbesondere eine vollständige Kenntnis der Wirtschaft. Die deutsche Wirt schaft müsse so geführt werden, daß auch eine Berbindung mit ande schaftspolitik habe die Demokratisierung der Betriebe zu gehen. Die Herbeiführung der Wirtschaftsdemokratie werde nur nach heftigen Kämpfen möglich sein, in denen die Betriebsräte an erster Stelle stehen. Zur Regelung der Urlaubsfrage für Jugendliche wird ein Reichsgesetz und die Gewährung bzw. Bezahlung von 3 Wochen Urlaub für erwerbstätige Jugendliche unter 16 Jahren und 2 Wochen für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren gefordert. Gegen die Herabjegung der Fahrpreisermäßigung für Jugendliche durch die Reichsbahn wurde Protest eingelegt. In einem Referat über die Jugendarbeit des Verbandes führte Udo aus, daß der 3d2. größten Wert darauf lege, mit den Wünschen und dem Wollen der Jugendlichen in engster Fühlung zu bleiben. Durch intensive Aufklärungsarbeit sei die Grundlage der Erziehung zum Sozialismus zu schaffen. Berufliche und körperliche Ertüchtigung seien wichtige Gebiete der Jugendarbeit. Eine im Sinne dieser Ausführung gehaltene Entschließung der Reichs jugendleitung wird angenommen, außerdem ein Antrag der Jugend- ren Ländern möglich sei. Hand in Hand mit einer vernünftigen Wirt gruppe Groß- Berlin, der alle Jugendmitglieder des 3dA. auf fordert, sich des Alkohol- und Nikotingenusjes zu enthalten. S Am Nachmittag hielt Schröder Berlin einen Vortrag über das Lehrlingswesen, der jeinen Niederschlag in zwei einstimmig angenommenen Entschließungen fand. Sie verwerfen die geltenden gesetzlichen Vorschriften über das kaufmännische Lehrlingsmesen als unzureichend und fordern die beschleunigte Verabschiedung des Gesezes über die Berufsausbildung, das den in Artikel 122 der Reichsverfassung versprochenen Schutz der Jugend vor Ausbeutung, fittliche, geistige oder förperliche Verwahrlosung bringt. Weiter wird gefordert, daß Schule, Lehr- und Arbeitsstelle zu einer Einheit in der Berufsausbildung gemacht werden. Die Reichsjugendkonferenz begrüßt die Stellung des preußischen Ministers B 요 In verschiedenen Entschließungen wird der Verbandsvorstand aufgefordert, die Betriebsrätebewegung mit allen Mitteln zu fördern und von den Regierungen des Reiches und der Länder die Bereitstellung größerer Mittel zum Zwecke der Schulung der Arbeiterschaft zu fordern. Gegen die Hochschutzölle der Regierung Luther wird energisch Protest erhoben. Der Verbandsvorstand soll gemeinsam mit dem ADGB. seine Bemühungen zur Abwehr dieses neuen Raubzuges auf die Taschen des deutschen Volkes fortsetzen. Arbeiter und Beamte zum Kampf um ihre soziale Besserstellung vereinigt. Das Verhältnis müsse von einem starfen gegenseitigen Vertrauen getragen werden. Kameradschaftlichkeit müsse herrschen, ohne daß das Vorgeseztenverhältnis im Betrieb zu leiden brauche. Einheitlicher Wille tue not. Dann begrüßte der bisherige Vorsigende der Reichsgewertschaft, Menne, den Einigungsfongreß. Er bedauerte, daß der Acht= stundentag, der den Massen als reise Frucht in den Schoß fiel, infolge, der mangelnden gewerkschaftlichen Schulung der Arbeiterschaft bald wieder verloren ging und die Einigung der Beamten und Arbeiter erst heute erfolge. Das Schicksal der neuen Einheitsorganisation werde nicht mehr Amboß", sondern Hammer" set.( Stürmischer Beifall.) Anschließend konstituiert sich die Generalversammlung des neuen Verbandes. Als Vorsitzende werden einstimmig gewählt: Scheffel, Menne und Hermann. Auch die Zusammensetzung der Wahlfommission und Rechnungskommission erfolgt einstimmig entsprechend den Vorschlägen. = Kaulfuß Berlin erläuterte die Einzelheiten der neuen Statuten, die gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen wurden.( Natürlich! Die angeblichen Berfechter der Einheitsfront müssen Opposition machen, sobald die Einheitsfront verwirklicht wird.) Die neue Organisation erhielt den Namen: „ Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands". Das Gesamtstatut der neuen Organisation wird schließlich gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Als Hauptvorsitzender wurde Scheffel wiedergewählt. Stellvertretender Vorsitzender ist Menne, der bisherige Vorsitzende der Reichsgewerkschaft, zweiter stellvertretender Vorsitzender Kaulfuß. Dem Borstand gehören ferner an: Dräger( Kassierer), Apisch, Breunig, Jahn, Jochade, Kunze, Prawig Steinberg und Thieme als Sekretäre und 13 unbejoldete Mitglieder, die auf die einzelnen Bezirke verteilt sind. ' Im Schlußwort dankte Scheffel allen, die sich um das Zustandefommen der neuen Organisation verdient gemacht haben. Er zeigte dann in großen Linien die Zukunftsaufgaben der neuen Organisation und betonte, daß jetzt die Delegierten die Werbearbeit für die neue Einheitsorganisation mit allen Kräften aufnehmen müssen. Nur wenn jedes einzelne Mitglied der Organisation seine Pflicht tue, werde die Organisation starf werden; nur durch Kampf werde die deutsche Eisenbahnerschaft zum Siege kommen. ( Stürmischer Beifall.) Stehend sangen die Delegierten die erste Strophe der Internationale Damit mar die bedeutungsvolle Tagung der Eisenbahner beendet. M. SCHULMEISTER Hochbahnstation Kottbuser Tor MSchulmeister 10 10 billige Tage in Herren-, Jünglingsund Knaben- Kleidung Beginn 1. Juli Probiert Bolle Schokolade Eine große Reklame für meine Firma soll der morgen beginnende große Leopold Cadiel Saison- Ausverkauf Königstr. 22-26 1 Treppe sein. Die Preise sind teilweise bis zu Nur hochwertige Waren ( nicht extra für diesen Zweck angefertigt) gelangen zum Verkauf. 75% Nur einige Beispiele aus der Fülle des Gebotenen Voile- Kleider 10.- 12. Seiden- Mäntel 39.15farbig, moderne Machart jetzt nur WaschseidenKleider, moderne Streifen und einfarbig Jetzt nur Woll- Kleider eleg., viele Frb., gute Qual jetzt nur Ottomane 11. a. Arten jetzt nur 39.- Reinw. 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Die Ufer sind voll von Fabriken mit rauchenden Schornsteinen. Die gedrungenen Silhouetten mätchiger Kröne stehen gegen den Himmel. Auf hohen Docks ruhen die schwerfälligen Leiber der Schiffe, und ein Heer von Arbeitern klopf:, renn: und schreit. Man hört den dröhnenden Baß der Schisfsdampfpfeifen, die Möven stoßen kuize, helle Schreie aus. Die phantastischen Buchstaben der chinesischen Inschristen bringen einem zum Bewußtsein, wo man sich befindet. Ueberoll web: die vielfarbige Flagge der chinesischen Republik. Einzelne Dschunken bewegen sich schwerfällig auf dem Strom. Auf dem hohen, himmelblau bemalten Hinterdeck arbeiten die Kulis mit einem gleich- mäßigen, seltsam quäkenden Gesang. Ein Sampau, ein chinesisches Boot, bringt uns an Land. Wir stehen auf dem Broadway von Schanghai. Die elektrischen Bahnen sind hier nicht anders als in New Dork. Die mächtigen Autobusse sausen mit beängstigender Fahrt durch die Straßen. Es ist seltsam zu sehen, wie die Chinesen in diesen modernen Gefährten sitzen. Sie machen ein gleichgültiges Gesicht, so, als ob diese modernsten Erfindungen der Technik für sie eine Selbstver- ständlichkeit wären. Dabei haben sie die uralte malerische Tracht ihrer Väter noch nicht abgelegt, und es ist gar nicht selten, daß man noch diesen oder jenen mit einem Zopf überrascht. Wir kommen an eine Brücke, die von fern an die Brücke über den Hudson erinnert. Hier herrscht ein Verkehr, wie an dem berühmten.Busie-t corncr ol the world" der fünften Avenue. Eine unübersehbare Schar von Rickschas drängt sich zwischen die modernen Verkehrsmittel. Hier gibt es indische Schutzleute, ungeheuere braune Kerle, die mit einem Stabe Wagen und Menschen dirigieren. Sie haben einen weißen Turban und ein vollkommen unerschütterliches Gemüt. Aufregung und Lärm sind hier unbekannte Dinge, jeder fügt sich dem Heben und Senken des schutzmönnischen Stabes mit selbst- verständlicher Nachgiebigkeit. Ganz selten einmal, wenn irgendein Rikschakuli sich mit seinem Kärrlein zu weit vorgetraut hat, wenn ein halb ernster, halb melancholischer Seitenblick nichts mehr hilft, schreitet der Inder langsamen Schrittes auf den Uebeltäter zu und zieht ihn crmahnend am Ohr. In der Nangking Rood steigert sich das Leben zu einer wimmeln- den orientalischen Buntheit. Neben den Rikschas lenken haargebobte Amerikanerinnen ihren Ford-Car. Sie schauen mit unendlicher Ueberlegenheit auf die niedere Menge herab. Manchmal sitzt im Fond das ausgemergelte, etwas müde Gesicht des monneymakenden Gatten. Sie fahren zur Masonic-Hall, wo die Ehemänner zur Hebung ihrer sittlichen Vollkommenheit Bibelvorlesungcn erhalten. Das ist Amerikanismus, die Weltanschauung des Eiswassers und der Christian Science. Mitten in der Stadt liegt ein Rennplatz, auf dem man am lichten Tag, wen Orient und Okzident zum wildesten Busineß ver- eint sind, die Gäule im Training galoppieren sehen kann. Irgendein leicht spleeniger Engländer, als ursprünglicher Besitzer dieses Ver- gnügen», hat testamentarisch die Erbschaft an ihre Ünverkäuflichkeit gebunden. Ringsherum wachsen nun die Wostenkratzer aus der Erde, die Reihen der Autos schlängeln sich bis ins unabsehbare, und ein Schritt weiter macht das längst ausrangierte Roß, das sonst zu nichts mehr nutz ist, seine hoch bcwetteten Sprünge. Das ist einer der Gegensätze, die für Schanghai charakteristisch sind. In der Nangking Road ist ein ewiges, festliches Fahnenwehen. Auf riesigen roten Tuchlappen flattern die chinesischen Inschristen, deren Buchstaben wie kolossale Tausendfüßler aussehen. Hinter den Ladentischen, auf die die bunten Waren des ganzen Ostens gehäuft sind, stehen die Chinesen, geborene Kaufleute, mit klugen, wartenden Gesichtern. In den„Footing Shops", den Restaurants, stochern sie plappernd mit ihren Stäbchen im heißen Reiß. In den Seiden-Stores rollen sie eilfertig den Cr6pe de Chine vor den unerbittlichen Augen der amerikanischen Ladys. In den Kram- und Kunstläden lassen sie vorsichtig prüfend die kleinen Bronzestatuetten der Dickbauchbuddhas durch ihre Hände gleiten. Und immer ist es, als hätten sie bei ollem was sie täten, ein Lächeln im Hintergrund. So, als wollten sie jagen:»Warte nur, balde kommen wir auch." Schanghai ist eine Mischung aus New Hork und alter chine- fischer Kultur. Also eine sehr merkwürdige Mischung. Ein Mixtum van fortgeschrittenster Technik und jahrtauscndalter Kindlichkeit. Ein Zentaur aus Auto, Schnellbahn und Pagode. Die Chinesinnen gehen in großen weiten Hosen. Darüber tragen sie ein einfaches weißes Jäckchen. Die zierlichen Füßchen stecken in buntgesäumten Pantoffeln.� So marschieren sie lächelnd über die modernen Großstadtboule- vards und bieten den Amerikanerinnen, bei denen äußerste Bermänn- lichung noch immer große Mode ist, ein Paroli. Neben der sausenden Fahrt der Motor Care, an den Strckßen- ecken hocken die Kulis und brauen die Speise ihrer Väter. Viel hat man uns erzählt von Vogelnestersuppe und faulem Eiersalot, aber dieser Original-Chinese-Goulosh schlägt jeden Rekord. Der Dust allein schlägt Armeen in die Flucht. Wer die Geheimnisse dieser Rattcnbeine und Hundefilets je lüftet, wird ewig schweigsam bleiben. Dabei lachen die guten Burschen übers ganze Gesicht und grunzen vor Wohlbehagen. Sie klopfen sich befriedigt auf den Bauch und stoßen aus vollem Halse aus— was hier übrigens ein Zeichen guter Erziehung ist. Ich war einmal bei einem Mandarinen in Nordchina zum Diner eingeladen. Da war das Aufstoßen nach jedem der zahllosen Gänge obligatorisch. Man hatte uns vorher auf diese Höslichkeits- Pflicht aufmerksam gemacht, und wir entledigten uns ihrer so gut wir konnten. Schanghai ist die internationalste Stadt der Welt. Früher waren die europäischen Viertel, das„settlement", von der eigentlichen Chincjenstadt streng getrennt. Die Chinese-Town�war mit einer Mauer umgeben, vor dem Eingongstor stand ein wchutzmann, und jeder Europäer, der den schützenden Bezirk des Settlements verlassen wollte, wurde vom Schutzinann gewarnt. Heute hat die strenge Scheidung aufgehört. Die Massen der Eingeborenen überfluten die Kolonien. Sie lind im Begriff, sich das Recht, das sie auf ihr eigenes Land haben, zu nehmen. � Aber das sind schwerwiegende Fragen, über die wir an anderer Stelle iprechen wollen. Der Krieg— dos soll hier nur gesogt sein— hat die Stellung der Europäer in China und besonders die Stellung der Engländer sehr schwierig gemacht. Die alten Sünden der Kalo- nisatoren beginnen sich zu rächen. Schanghai bei Nacht bietet ein überwältigendes Bild. Hier ist das Aeußerste an Lichtverschroendung erreicht. Hier kann man in Wahrheit va» einer„ville lunüere" sprechen. Berlin ist dagegen eine nuttlere Prooinzsladt, eine Art Magdeburg oder Halle. Alle großen Gebäude sind bis zur Spitze des obersten Daches mit Tausenden von Glühbirnen besetzt. Dazwischen drehen sich und sprühen die grünen und roten Kreise der Reklamen. Von der Höhe aus sieht man die grell erleuchteten Straßen wie zahllose phosphoreszierende Röhren durcheineinderlaufen. In den Dachgärten sitzen die Menschen, und der Lärm ihrer Stimmen mischt sich mit dem dumpfen Geräusch aus den Straßen zu einer fernen Brandung. Ladenschluß ist hier unbekannt. Bis spät in die Nacht kann man ungehindert die zahllosen Stores und Shops betreten und wird immer überaus höfliche Verkäufer finden. Dos Warenhaus Wing-Ou ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Es ist selbstverständlich, daß man darin alles kaufen kann, was einem nur einfallen mag. Man kann es als Kuli betreten und als smarter Amerikaner verlosten. Man kann in Festkleidung eintreten und als ausgebildeter Trauerkloß in der Trauerkleidung jeder Na- tion und jeden Zeitalters mit dem Ticket für den Friedhos in der Tasche daraus hervorgehen. Man kann hier einfach alles— natür- Westarp. Run hak er die schwierigen Zollvorlagen. Den Aufwertungspudding, garniert mit Titeln und Orden, Und noch dazu die Opposition im Magen: Und davon ist ihm jämmerlich schlecht geworden. Auch der Hindenburg-Rausch hat seinen Kater, Auch die schönste Seifenblase ist doch nur Schaum. Ein große» Schweigen ist um den Oandesvaler.— 0 schöner deutschnationaler Sommernachtstraum! lich für blanke chinesische Dollar— haben. Ohne Moneten ist auch hier— und hier vielleicht mehr noch als anderswo, die Welt eine sehr bescheidene Angelegenheit. In diesem Wunder-Worenhaus ist sogar eine Abteilung„Zoo- lagischer Garten". Darin gibts zwar keine Löwen, ober Affen, Hirsche und andere zahme Bestien, soviel das Herz begehrt. Dann ist da die„New World"— die neue Welt, ein Ver- gnügungsetablistemcnt mit zahlreichen„Attraktionen und Sensa- tionen". Man kann darin die Spielleidenschast der Chinesen beobachten. Sie würden Kopf und Kragen verspielen, wenn die vorsorgende Polizei den Einsatz nicht auf— eine Schachtel Zigaretten beschränkt hätte._ Der Sonntagsausflug. Von Hans Klabautermann. Am Sonnabend nachmittag 3.45 Uhr beschlossen wir, einen größeren Sonntagsausslug zu ünternchmen. Wir legien uns am Abend bereits um'�lO Uhr ins Bett, um schon in früher Morgen- stunde wohlausgeschlasen abwandern zu können. Es war das unsere einzige Vorbereitung. Diese Feststellung ist für das Verständ- nis des historischen Rückblicks wesentlich, den wir der hier nieder- gelegten Auseinandersetzung mit den Problemen der Zeit angehängt haben. Entgegen unserer sonstigen Sonntagsgcwohnheit, gegen 1 Uhr den Morgenkaffee zu uns zu nehmen, standen wir in aller Herrgotts- frühe aui, so daß wir uns bereits um 1l.3l1 Uhr morgens auf dem Wege zum Bahnhof befanden. Nobel, wie man Sonntags zu sein hat, stiegen wir in die?. Klosse«in. Die Grenze der Aufnahme- föhigkeit eines Eisenbahnabteils müßte nach theoretischen Erwägun- gen einmal erreicht werden. Aber auch hier siegte die praktische Er- sohrung über die Theorie. Was eben noch unmöglich schien, wurde auf der nächsten Station zu froher Wirklichkeit. Einer ging immer noch hinein. Wir Härten allmählich auf, Einzelwesen zu sein und bildeten nur mißsörmige Brocken eines Menschcnklumpcns. In Wannsee, wo wir den Dampfer nach Sakrow zu chartern gedachten, ergab sich zu unserem Erstaunen, daß dieser Gedanke nicht originell war. Ein Seemann hatte zwischen die Latten der Anlegebrücke eine hoffnungslos große Menge von Menschen gelockt, denen die Sehnsucht nach der Abgeschiedenheit verschwiegener Master- lustsahrten und stiller schisfwedelndcr Buchten unter den Hüten her- vorleuchtcte. In Anbetracht unserer in der Eisenbahn deformierten Eingeweide benutzten wir unter Aufwendung erheblicher Mehrkosten das Dampfboot, dos in den Wogen des Kleinen Wannsees kreuzl und, wie wir leider erst an Bord merkten, gar nicht nach Sakrow fährt. Hier hatte die Reederei für uns Abgeklärte gesorgt. Sic ließ immer zwei Dampfer fast gleichzeitig ab. Den einen füllte sie mit eiligen, heftig gestikulierenden Menschen bis zum Ueberlaufen: der andere fuhr einen Augenblick später ab, unzureichend bevölkert mit Intellektuellen und anderen Zuspätkommern. Die Glienicker Brücke erreichten wir ohne Seekrankheit oder sonstige Anregungen. Ein ernster Zwischenfall ereignete sich erst an der Glienicker Küste selbst. Bon hier aus führen bekanntlich zahlreiche Wege irgendwohin. Ueber diesen Punkt herrschte zwischen uns noch volle Einmütigkeit. Die Auseinandersetzung über den richtigen Weg verdichtete sich aber zu Feindseligkeiten. Wenn wir beide, meine Frau und ich, recht gehabt hätten, müßten zwei in entgegengesetzter Himmelsrichtung liegende Straßen nach Sakrow existieren. Donk dem prima Gezirpe der in der Gegend anaesiedel- ten Nachtigallen einigten wir uns bald auf einen dritten Weg, der uns von einem garantiert Einheimischen empfohlen und übrigens auch falsch war. Einträchtig pilgerten wir an den romantischen Er- findungen von Hohenzollernfürsten vorbei, an der Havel, an ver- witterten Lustschlössern und abgeblühten Roßkastanien. Plötzlich wurde aus markigen Männerbrüsten die Frage erneut aufgeworfen, wer den schönen Wald so hoch da droben ausgebaut habe. Ohne uns der Hoffnung hinzugeben, die laut Jammernden durch eindeutige Klärung der Frage beruhigen zu können, drehten wir kurz steuerbordwärts ab und erreichten dadurch eine restauranl- bestandene Bucht, die totsächlich so aussah, wie sich»Sakrow" an- hört. Später stellten wir dann einwandfrei fest, daß die Bucht nicht Sakrow, sondern Moorlake war. Um uns ein Ansehen zu verleihen, verlangte ich tönend die Spestekarte.»Das hat gar keinen Zweck," meinte der Kellner. »Ha!" erwiderte ich sprungbereit.„Indem et bloß Hoppelpoppel jibbt," sprach der Kellner.»Schön," sagte ich, schnell gesaßt,„dann bringen Sie uns zwei Hoppelpoppel," und spitzte mich auf was Besonderes. Die Hoppelpoppel entpuppten sich nachher als ganz ordi- näre Schweineschnitzel. Mein Verhalten erwies sich in Anbetracht der listig vorenthaltenen Speisekarte als taktischer Fehler. Eine schnell aufgestellte Bilanz ergab nämlich erhebliche Passiven. Einnahmen Tagesverdienst. 7,08 M. Debetsaldo.. 7,t7M. Eisenbahn... Dampfer...... 2 Hoppelpoppel.... 2 Avfelkuchen mit Sahne 2 Mokka...... 10 Proz. für Bedienuna. Ausgaben . 1,80 M. . 3.20. . 5,—. 1,60. 1,80, 0,85, 14,25 jw; 14,25 M. Wir beschlossen demnach, für die nächsten Ausflüge die Erfah- rungen aus der verantwortungsbewußten guten alten Zeit auszu- nutzen� Damals ging es nicht so leichtsinnig zu. Da wurden derlei weittragende Ereignisse gründlicher erwogen. Wochen vorher legte meine Mutter Reiseroute und Programm zurccht, machte einen Kostenanschlag und beriet mit gereisten Verwandten und mit welt- erfahrenen Menschen aus dem Bekanntenkreise und der Nachbarschaft die Proviantierungsfroge. Das Familienleben bekam dadurch einen festen Inhalt. Die oberflächlich- Jugend erfuhr den Ernst des Da- seinszwecks. Wir Kinder verfolgten sorgfältig die Wetternachrichten und Hoffnungen und Zweifel rüttelten an unseren Seelen. Acht Tage vor dem projektierten Ausflug wurde der Kuchen gebacken, ein Geschehnis, das wir mit ehrfürchtiger Scheu betrachteten, sofern es kein Pulverkuchen war. Der gelang immer. Wohingegen Hefe- kuchen ein wagehalsiges, unsicheres Unternehmen war, dessen Erfolg niemand vorhetfehen konnte. Wenn dann die Buletten, das ewig gleichbleibende Ergebnis der Beratungen über die Berproviantic- rung, auf der Pfanne schmurgelten, wußten wir, daß die Mutter den Entschluß nicht umgeworfen hotte. Der nächste Tag mußte die Landpartie bringen' Vorausgesetzt, daß es nicht regnete. Wenn dieser Fall entgegen allen vorsichtigen Berechnungen eintrat, be- herrschte uns Wehmut und Trauer. Die Mutter aber verzweifelte. Ihre Gedanken"waren von dem plötzlich eingetretenen Ueberjluß an Buletten und ihrer praktischen Verwertborkeit ausgefüllt. Um zwei Mark. Don Kurt Kaiser-Blüth. »Aber hören Sie, so ein Geschwafel um zwei Mark?!" »Was recht ist, muh recht bleiben, Herr Gerichtsrat, und wenn's um einen Groschen geht." Der Richter im Moabiter. Schöffengerichtssaal lächelt etwas ge- reizt und sauersüß. Der Amtsanwalt vertieft sich voll Ingrimm in die Akten. Das Lächeln scheint düstere Vorbedeutung. Ilnd die Aktenwut des Amtsanwalts ist Sturmfanfare. Um zwei deutsche Reichsmark, die man ihm per Strafmandat zudiktierte, will der Kaufmann Körnel Himmel und Hölle und den Obervizewachtmeister Wörnecke nebst feierlichem Eid in Bewegung setzen. Er protestierte, und der Fall kommt zur Verhandlung. Es ist ihm etwas passiert. Was Menschliches. Mit Alkohol fing's an, und mit dem Uebersastkommando hörte es auf. Der Malermeister Hensel ist ein ganz umgänglicher Mann, hat zwei Gesellen in Arbeit, vier Kinder und eine Frau. Aber der Körnel kann ihn nicht sehen. Und mit Alkohol im Leibe erst recht nicht. Man trifft sich, gärender Säfte voll, des Nachts beim Heim- schwanken im Hausflur. Nach kurzem, geistigem Ringen greift jeder zur Maulschelle. Wilder Lärm. Empörte Hausbewohner spucken aus allen Türeckcn hervor. Das Uebersallkommando wird �alarmiert, erscheint. Erscheint in einer solch rasenden Eile, als ob es zwei Massenmörder zu fassen gäbe. Und nun springt der un- glückselige Körnel, Sieger im ersten Match, gegen dos Schupo- nuto an. Krokeelt, daß die Straße erbebt. Beschimpft die Uniformierten, die ob eines solchen Gegners verdutzt sind. Dann besinnen sich die Ordnungshüter auf den Beleidigungs- Paragraphen. Körnel wird in einem Wirtshaus, in das er flüchtet, gestellt. Und dos ganze Vergllngen für nur zwei Mark!----- Körnel, nimm es mir nicht übel, abe.r du bist ein Rindvieh! „Sie konnten heilfroh sein, mit einer so ungewöhnlich milden Strase davonzukommen," sagt der Amtsanwalt. »Zwei Mark waren es," dies mit scharf akzentuierter Be- tonung. „Ich beantrage zwanzig Mark." Körnel blickt ganz verstört. „Dos kann unmöglich stimmen, ich weiß ja von gar nichts." Schon möglich, guter Körnel. Alkohol ist ein Lethetrank. Doch nur für dich. Nicht für die anderen. Fünfzehn Mark.— Er will sich nicht beruhigen. Ist, ganz wie bei der Ouvertüre, im Innersten empört. »Und wenn ich alle Instanzen durchlaufe!" � Solche Körnels sind eben unbelehrbar, SAISON Ausverkauf vom 1. bis 21. Juli 1925 Wer uns kennt, weiß daß wir alle Erwartungen übertreffen werdenSC DER ST Beginn Mittwoch, den 1. Juli 1925 DER SCHUHHOF Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher Filiale Berlin. Die Beerdigung unseres verftorbenen Mitgliedes Otto Scholz findet am Dienstag, den 30. Juni, nachm. 22 Uhr, auf dem Dorotheen städtischen Friedhof, Liefenstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Allgemeine Ortstrantentaffe für den Berwaltungsbezirk XI Berlin Schöneberg- Friedenau. Leiterwagen u. alle ander.Transportgeräte liefert billigst. Großer Vorrat. Georg Wagner Köpenicker Str. 71. Rein Ladengeschäft. Der 16. Nachtrag zur Sagung mit Aen. Keine SehaufensterReklame, dafürwesentderung des§ 48 ist genehmigt und tritt am 1. Juli 1925 in Kraft. Die Beiträge lich billigere Preise find von 6% auf 6 Broz. der Grundlöhne ermäßigt worden. Gleichzeitig gelten folgende Grundlohnstufen, soweit folche für Bersicherte in Betracht kommen: Stufe I Entgelt bis 1,50 M. Grunbl. 1,20. " " AP X " 4,50 H 2,50 3,50 " " " " 5,50 " 6,50 " 7,50 8,50 9,50 über 9,50 A Lehrlinge ohne Entgelt " 2, 3. " 10, 1,20 " Näheres Säulenanschläge in Schöneberg. Friebenau. Der Borstand: A Schuldt, Borf. Friz Senß, Schriftf. Wer den echten Kapitän-Kautabak auch nur einmal versucht hat, wird ihn nicht mehr entbehren wollen. Der Kapitän hat einen eigenartigen feinen Geschmack, ist nach dänischer Art aus reinem Kentucky hergestellt. Verkaufsstellen überall; werden auch nachgewiesen durch den Generalvertrieb C. Röcker, Berlin, Lichtenberger Str. 22.( Königst. 3861) Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Donnerstag, den 2. Juli, abds. 7Uhr, im Berbandshause, Linienftr. 83/85: Versammlunge der Maschinenformer Gr.- Berlins Tagesordnung: 1. Die 2ohn- und Arbeitsbedingungen der Maschinenformer in den Gießereien. 2. Berschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Rahlreiches und pünktliches Erscheinen mirb erwartet Achtung! Bautlempner! Achtung! Donnerstag, 2. Juli, abbs. 7 2hr, im Parterresaal des Berbandshauses, Linienfte. 83/85: Versammlung der Bauklempner Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Ablauf des Lohntarifs am 31. Juli b. 3. 2. Diskussion. Wegen der Wichtigkeit der TagesFast völlig kahl war mein Mann infolge Haarkrankheit. Durch Reichels Haarkraftwasser ,, Inkraft", M. 2.25 u. 3.50, u.Peru- TaninPomade, M.1,25, ist d. Haarwuchs wieder voll und dunkel. So lauten viele Anerkennungen. In Drog. u. Apoth., sonst bei Otto Reichel, Berlin 43, SO, Eisenbahnst.4. 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