e. 30542. Jahrg. Ausgabe A nr. 157 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags Eilage Bolt und Reit" mit„ Gied Jung und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Bisfen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile 30 Blennig. Reflamezeile 5, Reichsmart. Aleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zuläffig amei fettgedruckte Borte), jedes regitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche baserfie Wort 15 Pfennig, iebes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 13 Buch. flaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnentex Beile 40 Pfennig. Anzeigen für bie nädte Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in Sauptgefäjäft, Berlin GB 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nam. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 1. Juli 1925 Auftakt zum Zollkampf. Sozialdemokratische Protestversammlungen gegen den Brotwucher. Die Sozialdemokratische Partei hatte für gestern abend sechs Massenprotestversammlungen gegen den Brotwucher einberufen. In den überfüllten Versammlungen protestierten ozialdemokratische Arbeiter gegen die Zollpläne der Großagrarier und der Industrieherren, die das Volk mit neuer Berschlechterung seiner Lebenshaltung bedrohen. Diese Bersammlungen waren ein Auftakt. Wenn die Zollmehrheit Nes Reichstags den Versuch machen will, die Zollvorlage bis Jum 18. Juli durchzupeitschen, so werden die parlamenta rischen Kämpfe ein gewaltiges Echo in den Volksmaffen finden. Wir stehen erst am Beginn des Zollkampfes. waltung, öffentliche Lasten und 2½ Proz. jährlicher Zinsen ür die auf 25 Broz. aufgewerteten Hypotheken und das ebenso aufgewertete Raufgeld zugestanden werden. Diese Ausgaben erfordern lediglich 63% Pro3. der Frieden smiete, während zur zeit 76 Broz. erhoben werden. Da die Hypothekengläubiger durch verfassungswidrige Verordnungen und Gesetze an der vollen Nutz nießung ihrer Rechte an dem offensichtlich und überall noch vorhandenen Besiz gehindert werden, verlangen sie das Mitbe. ftimmungsrecht bei der Mietzinsbildung, um eine ungerechtfertigte Bereicherung des Eigentümers zu verhindern. Die beabsichtigte Einführung von Schuhzöllen auf lebens. Während sosialdemokratische Arbeiter gegen die Anschläge notwendige ausländische Lebensmittel und Rohstoffe hat erfahrungsder Brotwucherer demonstrierten, während die sozialdemo- gemäß feine andere Folge, als die Preise der inländischen Fratischen Redner das ganze werftätige Bolt aufforderten, wie Erzeugniffe in die Höhe zu treiben, ohne daß dadurch ein Mann gegen die 3ollpläne zusammenzustehen, versuchten eine Bermehrung der inländischen Erzeugung eintritt. Unfere Wirt. die Kommunisten unter Führung der Abgeordneten Ruth schaft hat nur dort Anspruch auf Schutz vor überlegenem WettFischer und Höllein die Protestversammlungen gegen bewerb des Auslandes, wo die Einfuhr entbehrlicher Güter zu den Brotwucher zu stören und zu sprengen. Das ist die einer Berschuldung an das Ausland führen würde. Jeder darüber neue Tattit der Einheitsfront, die sie befolgen hinausgehende Schuhzzoll befreit die deutsche Wirtschaft von not. mollen! Als einft im Sportpalast die Massen der sozialdemo- wendigen 2aftrengungen zu gesteigerter Leiffung und unterfratischen Arbeiter gegen die Pläne der Reaktion demon ftüßt die politik der fonfumfeindlichen kartelle ferierten, fielen die Kommunisten mit Gummifnüppeln, mit und Synditate. Die Einführung der vorgeschlagenen Schutzeffer und Schlagring über sie her. Gestern, als es sich zölle würde eine neue erhebliche Belastung der Gesamtwirtschaft barum handelte, den Zollplänen der Agrarier den geschloffenen herbeiführen und für diese um so weniger fragbar sein, als nach Brotest des gesamten werftätigen Boltes entgegenzusehen, den Bersicherungen der Reichsregierung eine Erhöhung der Aufunternahmen fie einen gleichen, wenn auch schwächlichen Berwertung über 25 Broz. von der Wirtschaft nicht übernommen werfuch. Wer die Geschlossenheit des Kampfes gegen den Brot den kann. mucher zu stören versucht, der macht sich troß aller tönenden Phrasen zum Bundesgenossen der Brotmucherer! Schußzölle und höhere Mieten können von den Geschädigten fprüche wiederhergestellt wird. Eine weitere Ueberspannung der Belastung der Geschädigten lehnen wir nachdrücklichst ab. Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Boftfcheckkonto: Berlin 37536- Bauffonts: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Die neue Unfallgesetzgebung. Der Reichstag hat den veränderten Entwurf angenommen. Bon August Karsten. Die Neuregelung der Unfallversicherung war schon seit über einem Jahre vom Reichsarbeitsminister angekündigt. Erst Ende März legte die Reichsregierung dem Reichstage den Entwurf über die Aenderungen dieses Gesetzes vor. Im Reichstage ift in zwanzig Ausschußßigungen der Entwurf der Reichsregierung gründlich umgestaltet worden. Die Wünsche der Versicherten und Berlegten sind leider nicht in dem erforderlichen Maße befriedigt worden. Die Gesetzgebung fann nicht als abgeschlossen gelten. Das Verlangen der Arbeitervertreter, den Kreis der Versicherung zu erweitern, lehnte der Reichstag ab. Die Regierung erflärte, daß diefe Frage in einem selbftändigen Geseh geregelt werden soll. Eine Erweiterung des versicherungspflichtigen Beschäftigungstreifes ist dadurch vorgenommen worden, daß der Weg zu und von der Arbeitsstätte in die Versicherung einbezogen wurde. Als versicherungspflichtige Beschäftigung gilt jegt auch die mit dem Betriebe zusammenhängende Bewahrung, Beförderung, Instandhaltung und Erneuerung des Arbeitsgeräts, auch menn es in der Wohnung des Bersicherten geschieht. Die Bemeffungsgrundlage der Renten ist verändert worden. Die Renten werden bekanntlich neben dem Grade der Erwerbsunfähigkeit nach der Höhe des im legten Jahre verdienten Arbeitslohnes berechnet Jetzt werden die Jahresarbeitsverdienste in folgender Weise geregelt: Bei den vor dem 1. Juli 1914 Berlegten werden die alten Jahresarbeitsverdienste der Rentenberechnung zugrunde gelegt mit der Maßgabe, daß eine Bervielfältigung eintritt um 1891 1895 R 1896 1897 1898 1899 " 1900 1905 1904 -1906 M Aber der Kampf der werftätigen Bevölkerung gegen die nur in dem Maße getragen werden, als ihre ausgeschaltete Biri 1.65, wenn sich der Unfall ereignet hat in den Jahren 1885 bis 1890 Sahuzzollpläne der Großagrarier und Industrieherren wird gefchloffen sein! Die Sozialdemokratische Partei, Die im Reichstag entschieden den Kampf gegen die Schutzzoll: pline aufgenommen hat, wird in den kommenden Kämpfen die Massen der werftätigen Bevölkerung führen trok aller fommunistischen Störungsversuche, die jedem denkenden Arbeiter die Schamröte ins Gesicht treiben müssen. ( Berichte fiehe 3. Seite.) Folgen der Zollvorlage. Stark steigende Lebenshaltungskosten. Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungstosten( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstigen Bedarf) beträgt nach den Feststellungen des Statistifehen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Juni 138,5 gegen 135,5 im Bormonat. Sie hat sich also um 2,1 Proz. erhöht. Nach der alten Methode würde die Inderziffer für den Monat Juni 128,2 betragen, also ebenfalls um 2,1 Pro3. höher sein als im Mai ( 125,6). Die Steigerung ist auf das Anziehen der Ernähtungsausgaben, besonders der Preise für Rindfleisch. Gemüse, Milch und Eier zurückzuführen. * Die Steigerung im Monat Juni ist der größte Sprung, den der Teuerungsinder im Jahre 1925 überhaupt gemacht hat. Er ist auf die bekannte Teuerungswelle zurückzuführen, von der be sonders die Lebenshaltung der breiten Maffen betroffen worden ist. Dabei haben die drohenden 3ölle eine wichtige Rolle ge spielt. Vor allem muß festgestellt werden, daß angesichts der Zollepperimente an eine Herabsehung des Preisniveaus gar nicht zu denten ist. Es ergibt sich also die unbedingte Notwendigkeit, die Nominallöhne den Preisen anzupassen, um den Ausgleich im finkenden Reallohn herzustellen. Im übrigen gibt der Zeuerungsinder auch für den Monat Juni die wirklich eingetretene Teuerung nicht wieder. Sie beträgt für verschiedene Waren, und awar gerade solche, die für die nadte Lebenshaltung in Frage femmen, weit mehr als der Inder anzeigt. Sparer gegen Schutzoll.. Wir müssen von der Reichsregierung und den Boltsvertretern verlangen, daß sie mehr als bis bedacht sind. her auf das allgemeine Staats wohl Die Zollvorlage im Ausschuß. Durchpeitschungsabsichten. In der Dienstagssigung des handelspolitischen Ausschusses sprach fich der Kommunist Hörnle gegen die Agrarzölle aus, deren Aus wirtung für die arbeitenden Massen geradezu katastrophal sein müßte. Abg. Horlocher von der bayerischen Volkspartei versuchte nochmals mit den altbekannten und schon tausendmal widerlegten Argumenten, die Notwendigkeit ber Agrarzölle zu begründen. Der Boltsparteiler Schneider beschäftigte sich insbesondere mit der letzten Rede des Genossen Hilferding. Da sich viele vollkommen abge schlossene Wirtschaftsgebiete gegenüberständen, könne man weder von einem Weltmartt noch von einem Weltmarktspreise sprechen. Die Enimidiung zum füdenlosen Suzzoll sei garnicht aufzuhalten, da sonst der nichtgeschützte Staat dem anderen zum Opfer falle. Deshalb müsse Deutschland die Hochschutz 3ölle der anderen mit eigenen Zöllen beantworten. Abg. v. Richthofen( Dnat.) fordert für die Landwirtschaft noch höhere Zölle. Wenn sie nicht bewilligt würden, könne die Landwirtschaft nicht über die jezige Krise hinwegkommen. Die Preise würden nicht steigen, fondern infolge einer gesteigerten Intensität direkt sinken. Der Weg, den Bauern durch eine Ermäßigung der Umsatzsteuern zu helfen, sei ungangbar. daß zwei Redner, die als Vertreter der Industrie zu betrachten feien, Genosse Wissell wies zunächst auf die merkwürdige Tatsache hin, sich von der Rednerlifte hätten streichen lassen, Daraus könne man den Schluß ziehen, daß die Regierungsparteien ohne große De. batte die 3ollvorlage durch peitschen wollen. Es falle der Sozialdemokratie gar nicht ein, die deutsche Wirtschaft der ausländischen Konkurrenz zu überliefern. Es sei die Pflicht der Regierung ... und gegen Mietenerhöhung. durch Verhandlungen mit dem Auslande die Schutzölle gegenDie Arbeitsgemeinschaft der Aufwertungsorganisationen faßte selfig abzubauen, in der Sitzung vom 24. Juni folgende Entschließung: wozu aber die jeßige Zollvorlage tein guter Auftaft sei. Die SoDie vom Reiche geduldete oder gar geförderte weitere zialdemokratie bestreite feineswegs die Kreditnot der Landwirtschaft, euerung der Lebenshaltung trifft die durch Inflation und Ger aber es handele sich nicht um eine Notlage der Landwirtschaft allein, feggebung geschädigten Kriegsopfer, Sparer und Rent. fondern der gesamten Wirtschaft überhaupt. Die Behauptung, daß ner am schwersten. Mangels ausreichender Erwerbsfähigkeit sind durch die Zölle die Preise nicht gesteigert würden, erledige sich schon se außerstande, ihr sie bereits jetzt dem Elend auslieferndes Ein- dadurch, daß die Zölle gerade deswegen eingeführt werden sollen, tommen den täglich steigenden Anforderungen anzupassen. Die um der Landwirtschaft aus den Taschen der deutschen Steuerzahler hellere Erhöhung der Mieten und der Preise für notwendigste höhere Einnahmen zu verschaffen. Nach den Erfahrungen der leßten Lebensmittel und Rohstoffe durch Schutzölle ist für sie wirtschaftlich Jahre müsse sehr ernsthaft bezweifelt werden, daß diefe Mehrerträg völlig untagbar. Diese Teuerung muß sich auf Länder und Ge- niffe wirklich zur Erhöhung der Produktion benützt werden. Biel heinden in der Form erhöhter Fürsorgeleistungen auswirken. beffer wäre der Weg über die Abschaffung der Umsatzsteuer, die GeEine Erhöhung des Mietzinses läßt sich auch gar nicht recht währung von Krediten und die berufstechnische Ausbildung der fertigen. Unter Gleichstellung der Kaufgeldanlage des Eigentümers| Landwirtschaft. Im übrigen fonnte Genosse Bissell an der Hand it den Hypothekenschulden des Grundstücs darf dem Bermieter von Zahlen nachweisen, daß die Behauptung, die Landwirtschaft sei Zurzeit nur eine Erhebung von Mietzins für Reparatures, Berjet noch mit 12 Milliarden Mart belastet, geradezu unsinnig set. 1.60, 1.45, 1.85, 1.25, 1.15, 1.10, 1.00, 1907 1909 1910 1914 Bei den in der Zeit nach dem 30. Juni 1914 bis zum 1. Juli 1924 Berlegten wird als Jahresarbeitsverdienst der Berdienst zugrunde gelegt, den gleichartige Arbeiter heute verdienen. Diese Berdienste werden bei jeder Berufsgenossenschaft nach Gruppen festgestellt. An der Feststellung wirken Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen mit. Für die nach dem 30. Juni 1924 Berlegten wird ihr wirklicher Jahresarbeitsverdienst der Rentenberechnung zugrunde gelegt. Bei Saisonarbeitern wird der wirkliche Jahresarbeitsverdienst, und nicht, wie bisher, der ortsübliche Tagelohn der Rentenberechnung zugrunde gelegt. Ebenfalls wird den Notstandsarbeitern nicht der Ortslohn zugrunde gelegt, sondern der Lohn des letzten Jahres vor Eintritt der Arbeitslosigkeit. In allen Fällen muß aber mindestens das 300fache des ortsüblichen Tagelohnes als Jahresarbeitsverdienst erreicht werden. Landwirtschaftlichen Arbeitern wird als Jahresarbeitsverdienst nicht mehr der ortsübliche Durch schnittslohn gewährt, sondern ein Durchschnittslohn, der von einer paritätisch zusammengesezten Kommission festgestellt wird und der sich nach dem Tariflohn unter voller Anrechnung der Deputat- und sonstigen Bezüge richten muß. Die weitergehenden sozialdemokratischen Anträge, ebenso abgelehnt wie der Antrag, allen vor dem 1. Juli 1924 den in der Landwirtschaft Verletzten Renten nach dem wirklich verdienten Jahresarbeitsverdienst zu berechnen, wurden Berlegten Renten zu geben, die sich nach den heutigen Löhnen richten. Die Berechnung der Renten erfolgt fünftig in folgender Weise: Als Bollfrente gelten 66% Proz. des Jahresarbeitsverdienstes. Zu den Renten erhalten die Schwerverlegten( zu 50 und mehr Prozent Berlegte) für jedes Kind unter 15 Jahren eine 10 prozentige 3ulage. Als Kinder gelten auch Stieftinder und Enfel, an Kindes Statt und für ehelich er. flärte sowie uneheliche Kinder. Die Kinderzulage tann auch für Kinder bis zum 18. Lebensjahre gewährt werden, solange fie in Berufsausbildung stehen. Für durch förperliche oder geistige Gebrechen erwerbsunfähige Kinder wird die Kinderzulage ohne Altersgrenze gezahlt. Der Antrag der Sozialdemokraten, die Kinderzulagen allgemein bis zum 18. Lebensjahre zu gewähren, wurde abgelehnt. An Stelle der Hilfiosenrente tritt jetzt die Pflege. Berlegten, die dauernd fremder Wartung und Pflege bedürfen, muß die Berufsgenossenschaft die erforder liche Wartung gewähren oder eine Pflegezulage zahlen. Diese beträgt monatlich 20 bis 75 m. Höhere Forderungen der Sozialdemstaten wurden abgelehnt. Die Bestimmung, daß Jahreserheitsverdienste, die üb 1800 M. nur zu einem Teil bei der Rentenberechnung be- rechnet werden, ist fallen gelassen. Der gesamte Aer» d i e n st bis 8400 M. wird bei der Rentenberechnung jetzt mit berücksichtigt. Hinterbliebene, Witwen und Waisen er- halten wie bisher eine Rente von je 20 Proz. des vollen Iahresarbeitsverdienstes, insgesamt aber nicht mehr als 80 Proz. desselben. Erwerbsunfähige Witwen erhalten 40 Proz. des Iahresarbeitsverdienstes. Angehörige der auf» steigenden Linie, die vom Verletzten ganz oder überwiegend erhallen wurden, erhalten, soweit Witwen und Waisen den chöchstbetrag nicht in Anspruch nehmen können, ebenfalls Hinterbliebenenrente. Auch hier lehnte man die weiter» gehenden Anträge der Sozialdemokraten ab. Die Forderung der Sozialdemokraten, den Witwen, deren Männer nicht an den Unfallfolgen gestorben sind, aber wenigstens 50 Proz. erwerbsbefchränkt waren, ebenfalls Witwenrente zu zahlen, wuroe abgelehnt. Schließlich erkannte man doch die Rotwen» digkeit an, diesen Witwen ein einmaliges Witwen» g e l d in Höhe von 40 Proz. des Iahresarbeitsverdienstes zu gewähren. Einem sozialdemokratischen Antrage entsprechend wurde gegen die Stimmen der Rechten beschlossen, daß Renten infolge der jetzigen Neuregelung nicht ge- kürzt werden dürfen. Alle Aendcrungen in bezug auf Be» rechnung des Lahresarbeitsverdienstes und Berechnung der Renten treffen nicht nur auf die Neuunfallrentner, sondern auch auf die Altunfallrentner zu. Das neue Gesetz bedeutet gegenüber dem bisherigen Zustande und zum teil auch gegenüber den Vorkriegsverhält- nisten eine Verbesserung. Diese Verbesserung reicht aber bei weitem nicht aus, um den berechtigten Forderungen der Unfallverletzten Rechnung zu tragen. Es ist ja auch be- zeichnend, daß die Regierungsparteien in der ersten Beratung im Ausschuh eine Reihe von Bestimmungen mit beschlossen, die eine sehr viel bessere Rentenrcgelung vorsahen. Erst durch den scharfen Widerstand der Arbeitgeber und der De- rufsgenossenschaften sahen sich die Regierungs» Parteien gezwungen, von ihren ursprünglichen Forderungen zum Teil sehr erhebliche Abstriche zu machen. Gegen ihre bessere Usberzeugung beugten sie sich dem Diktat der Arbeit» geber. Bezeichnend ist, daß im Plenum der Redner der Re» gierungsparteien erklärte, daß die jetzige schwere Zeit keine Möglichkeit biete, groß, zügige Sozialreform durchzuführen. Damit ist zu erkennen gegeben, daß die Regierungsparteien selbst dieses Gesetz nicht als eme endgültige Regelung be» trachten. Die Arbeiterschaft muß mit den Unfallrentnern zu- lammenwirken, damit eine ausreichende endgültige Unfall- gcsctzgebung zustande kommt. Deutschnationale unü Aufwertung. Dr. Best verklagt die„Kreuz-Zeitung". Dr. Best veröffentlicht eine Erklärung, daß er feine Anklagen aegen die Abgeordneten o. Richthofen. Dr. R.ademacher, Ober. fahren und Schuetter aufrcchterhalle. Er fei im Be- ftge von Bewcismaterial. Cr kommt zu der Erklärung: „Den absurden Vorwurf vorsätzlicher oder fahrlässiaer V e r» l e u m d u n g wies ich gebührend zurück, und die Anficht eines Belciligten, dost ein entehrender Vorgang im Reichstage nach nicht voraekommen fei, bestätig« ich für den Fall, datz der gegen Die vier Abgeordneten bestehende Verdacht sich be. slätige. In einzelnen Blättern der Regierungsparteien werden die Vorgänge, im Avfwertungzausfchug entstellt wiedergegeben und in der Nr. Z9S der«Kreuz-Zeitun g' vom 27. Juni wird uuter der Ueberschrift„Dr. Best moralisch erledigt" der Sach- verhalt in einer Weise dargestellt, die in tendenziöser Absicht die Wahrheit durchweg auf den Kopf stellt. Ich werde deshalb gegen die„krk«z.Zeitung" strafrechtlich vorgehen und ich habe beim Reichstag bcantraat. die Genebmigung zu strafrechklicher Verfolgung der Abgeordneten Dr. Obcrsohren und Dr. Rademacher zu erteilen. Die Gerichtsverhandlung soll auf Grund eidlicher Aussagen feststellen, inwieweit die erhobenen Beschuldigungen be- Homöopathie? Bon Dr. med. Alfred K o r a ch. Der Streit um die chomöopachie ist in der Aerztewelt plötzlich wieder höchst zeitgemäß geworden. Kein Geringerer als der Chirurg und Berliner Ordinarius August Bier hat— vielen ganz un- erwartet— eine Lanze für die Homöopathie gebrochen. Vor kurzem erschienen nämlich in der„Münchencr Medizinischen Wochenschrift" aus feiner Feder umfangreiche Ausführungen über das Wesen homöopathischer Heilmethoden. Auf Grund eigener Veobachwngen und außerordentlich umfassender und sorgfältiger Studien der homöopathischen Literatur kam Bier zu der Meinung, bestimmte Erfolge homöpathischer Behandlungsarten könn- ten nicht geleugnet werden. Die ganze Sachlage gebe den Aerzten ernste Veranlassung dazu, emsiger al» bisher diesen Dingen nachzugehen. Diese Mahnung verfehlte nicht ihre Wirkung, zumal da August Bier seit jeher ol» glücklicher Pfadfinder aus medizi- nischem Gebiete allgemein bekannt ist. Die„Biersche Stau- u n g" hat zweifellos zahllose Personen vor Operationen bewahrt: vielen Menschen, die infolge von Verletzungen von Blutvergiftung betroffen waren oder an Nasen- und Livpenfurunkeln litten, erwies sie stch als lebcnsrettender Eingriff.— Früher behandelte man bei Gelenk- und Knochentuberkulole die Kranken mit Hilfe des Messers. Bier war es. der ganz laut die Forderung der„k o n- fervativen" Behandlung aufstellte: heutzutage heilt man nach feniem Borgang die meisten tuberkulösen Knochen- und Gelenk- erkrankungen mit natürlichen und künstlichen Sonnenbestrahlungen. man bringt die Kranken hinaus in die frische Lust, läßt sie Gym- nastik treiben oder läßt Röntgenstrahlen auf ihren Körper einwirken. Blutige Eingriffe finden nur noch selten statt: die riesenhaften Gips- verbände sind fast sämtlich verschwunden. August Bier war auf den Plan getreten! So konnte es nicht besonders überraschen, daß die Berliner A e r z t e aufhorchten, als der„Verein für innere Medizin und Kinderheilkunde" für den 29. Juni d. I. nach dem großen Saal des Langenbeck-Virchow-Hauses zu«ine« Versammlung einlud. in der dos Verhandlungsthema„Homöopathie und Bio- ch« m i e" lautete, mit den Professoren Eduard Müller aus Mar- bürg und H e u b n e r aus Göttingen als Referenten. Freilich auf eine so ungeheure Beteiligung der Aerzte» schest, wie sie sich zeigte, hatte man wohl doch nicht gerechnet. Es mögen fast fünfzehnhundert Aerzte und dazu noch fünfhundert Medizinstudierende gewesen sein, die in dem vollkommen überfüllten Saale anwesend waren: viele, viele fanden keinen Einlaß mehr. Ausfallen mußte es, daß der veranstaltende Derein beide Redner von auswärts hergebeten hatte. Wahrscheinlich dürfte die Zahl der Berliner Aerzte, die ein Referat zu übernehmen willens waren, nicht allzu groß gewesen sein. Freilich bedarf auch ein Referent zur Bewältigung diese» Themas umfangreicher Spezialkenntnisse auf den Gebieten der Arzneimittestehre, der Medizingeschichte und der ein» ' bläqigen Literatur, die nicht in wemgen Wochen ercrnben werden ■»ner gründet, und ob die Ankläger oder die Beschuldigten moralisch erledigt sind." Auch die beschuldigten vier Abgeordnete« sollen beabsichtigen. gegen Dr. Best klagbar vorzugehen. Neue Verschlechterungen im /lufwertungsausschuß angenommen. Im Aufwert ungsausschuß des Reichstags wurde am Dienstag beschlossen, die stenographisch aufgenommene Ausein- andersegung zwischen Dr. B e st und seinen früheren Fraktion». kollegen v. Richthofen, Rademacher und Oberfohren vom 28. September durch Druck zu vervielfältigen und allen Abgeordneten zugänglich zu machen. Auf Antrag Dr. Best werden die unkorrigierten Stenogramme für die Drucklegung verwendet. Der Ausschuh trat dann in die zweite Lesung des A u f- wertungsgesetzes ein, behielt sich aber auf Antrag Keil«in« weitere Lesung einzelner Teile des in völlig neuer Fassung vor» gelegten Entwurfes vor. Die Regierungsparteien verlegten sich im allgemeinen wieder aufs Schweigen und A b st i m m e n. Die Opposition stimmte in den meisten Einzelfrogen den Verbesserung?- antragen Dr. Bests zu, die aber der Ablehnung durch die Mehrheit verfielen. Die sozialdemokratischen Ver- t r e t e r beantragten wieder einen Aufwertungsnormalsatz von 40 Proz.. für den sich auch der verstorbene Abgeordnete Dühringer, Staatssekretär Mügel und die Reichsregierung selbst, nämlich bei der Aufwertung der Wohnungsbaubeiträge, erklärt haben. Der Antrag wurde mit 14 gegen die 12 Stimmen der Sozialdemokraten, Demo- traten, Kommunisten und des Abg. Best abgelehnt. Mit aller Schärfe kämpfte die ganze Linke noch einmal gegen die U n g e- heuerlichteit der«inseitigen Härtetlausel zu- gunsten des Schuldners. Aber auch hier wurden alle An- träge abgelehnt, auch der sozialdemokratische, der einer von den Regierungsparteien neubeschlossenen Bestimmung, daß von dem 2Sprozentigen Höchstsatz nun weitere 1» Proz, also bis auf IS Proz. abgewertet werden kann, die Bestimmung gegenüberstellen wollte, daß auch um 19 Proz. nach oben, also bis auf 35 Proz. a u f gewertet werden kann. Es bleibt dabei, daß jedem ungünstig gestellten Schuldner noch ein Nachlaß von dem Höchstsatz gewährt wird, daß der schwer bereicherte Schulder aber keinen Pfennig zu zahlen hat. Bei den der individuellen Aufwertung unterliegenden Forderungen beschloß die Mehrheit noch einige erhebliche Verschlechterungen._ �ufwertungsbeöürstig! Fürsten, nicht kleine Rentner und Sparer! Detmold. 39. Juni(Eigener Drahtbericht). In der Dienstag- sitzung de§ Lippischen Landtages Verla« der Präsident Genosse Meier eine Eingabe eine« Detmolder Rechtsanwalt«, der, bevollmächtigt vom ehemaligen Fürsten Leopold zur Lippe, für seinen Mandanten die Nichtigkeitserklärung aller Verträge und Verhandlungsergebnisse verlangt, die während der Re» Volution in der Frage der Uebereignnng des Domanium» von der Hofkammer auf da« lippische Volk erzielt wurden. Bei den Ver» Handlungen im November 1918 wurden mehrer« Domänen und Oberförstereien wieder in den Besitz de« lippischen Bolle« zurück» geführt, während dem ehemaligen Fürsten außer dem Residenz» schloß in Detmold noch eine große Domäne, eine Oberförsteret und ein Jagdschloß belassen wurden. Der Fürst hatte da» mal« allen Abmachungen zugestimmt und sie unterschrieben._ Das Schieösgericht über Sauer. Verwerfung des Ausschlusses. Gestern tagte im Reichstag unter dem Borsitz des Genossen Prof. Sinzheim«.? das in Sachen des Gen. Gustav Bauer eingesetzt Schiedsgericht. Es sällte einstimmig folgendes Urteil: „Der durch Beschluß des erweiterten Bezirksvorstandes der Sczialdemokratischen Partei Groß-Berlins ausgesprochen« Ausschluß des Genossen Gustav Bauer aus der Partei wird al» ungerecht» fertigt aufgehoben. Das Schiedsgericht hat e i n st i m m i g fest- gestellt, daß keine der Voraussetzungen des§ 28 des Organisations- statuts für einen Ausschluß vorliegt." Die Professoren Müller und H e u b n e r gaben.Berichte". Sie versuchten aus der Fülle der homöopathischen und biochemischen Literatur die Spreu vom Hafer zu scheiden. Sie stellten viele Irr- tümsr fest und kamen zu einer Ablehnung der Homöopathie und Biochemie als Heilmethoden. Als abschließend wird man aber ihre hauptsächlich aus Grund literarischer Studien vorgetragenen Meinungen nicht ansehen können. Mag auch vieles homöopathische und biochemische Beiwerk Unfug sein, so vars man das folgende nicht übersehen: Es gibt zwar viel« notorische Schwindler, die sich als Homöopathen und Biochemiker bezeichnen und zahlreichen Menschen Geld abnehmen. Keineswegs ist es aber bisher bewiesen, daß die homöopathischen und bio- chemischen Heilmethoden samt und sonder» irrig und abwegig sind. Homöopathische Arzneien werden in den staatlich konzessionierten Apotheken vertrieben. Von den homöopathischen Aerzten sind zwar nicht alle medizinische Kapazitäten: aber ganz zweifellos gibt es unter ihnen ernste und auch erfolgreiche Jünger der Hellkund«. Manche Aerzte, die durchaus nicht.eingeschworene Homöopathen sind, verschreiben gelegentlich dieses oder jenes homöopathische Mit- tcl, von dessen Wirksamkeit sie sich überzeugt haben! Die große Mehrzahl aller Aerzte weiß aber sicherlich von Homöopathie berzlich wenig Die Professoren der Arzneimittellehre pflegen auch beinahe alle in ihren Vorlesungen die Homöopathie sast völlig beiseite zu lassen. Gewöhnlich widmen sie ihr nur ein« einzige Kollegstunde im Semester. Da» muß gesagt, kann nicht ver- schwiegen werden, man mag zur Homöopathie stehen, wie man will. Die heute obwaltenden Prinzipien der Homöopathie kann man kurz bezeichnen als die Lehre von der Hellwirtung kleinster Mengen und der Bekämpfung schädlicher, krankheiterregender Stoffe durch bestimmte, artähnliche Gegenstoffe. Die moderne.Reiz- therapie" und die Serumbehandlung hoben ober eine gewisse Aehn- lichkeit mit homöopathischen und biochemischen Grundsätzen. Es geht nicht an, die Homöopathie in Bausch und Bogen abzulehnen: nein. ernst« Forschung allein wird die so notwendige Klärung bringen müssen. Soll man eine Kommission einsetzen? Davor sei gewarnt. Man denke nur zurück an die Veröffentlichungen der Aerztekommission zur Begutachtung des Friedmannschen Tuberkulose- mittels. Aus dem Für und Wider der Ansichten der verschiedenen Professoren ließ sich damals ein« Schlußfolgerung nicht ziehen. .Viele Köche verderben den Brei!" Emsige, wahrscheinlich jahrelange Forscherarbelt ein- zelner Gelehrter— vielleicht von Preisaufgaben angeregt!— wird allein Licht bringen können in die Finsternis, die immer noch in den Tunneln herrscht, welche Homöopathie und Biochemie mit den Gefilden der zünftigen wissenschaftlichen Medizin verbinden. ver Pariser Modekönig Insolvenk. Der unbestrittene König der Pariser Schneider, P o i r e t, ist, wie der Pariser Korrespondent des .„Konfektionär" drahtet, in persönliche Zahlungsschwierigkeiten ge- raten und nicht in der Lage, seine im Augenblick sälligen Perpflich- tungen zu erfüllen. Am Montag fand«ine Gläubigeroersammlung statt, in der eine freundschastljche Regelung der Schmierigkeiten des im Poriser Wirtschaftsleben«in« Rolle spielenden Modekönigs an- gestrebt wurde. Aussprache im Reichstag. Die Vorstandösitzung der Deutsche« BoltSpartei. Der Parteivorstand der Deutschen Lolkspartet trat gestern unter Hinzuziehung des engeren Vorstandes der Reichstags- fraktion zu einer Sitzung zusammen und nahm zu der gesamten politischen Lage, insbesondere der Außenpolitik Stellung. Die Er- örterung ergab völlige Uebereinstimmung in der Be- urteilung der bisherigen Aktionen der Regierung und über die künftig zu ergreifenden Schritte. Einmütig wurde der Anregung des Parteioorsitzenden zugestimmt, zur Klärung der politischen Lag« eine baldige Aussprache im Plenum des Reichstags herbeizuführen. vom Stuüentenprozeß in Moskau. Gine Erklärung des Preußischen Ministers des Inner». Nach Pressemeldungen soll der Vertreter der Anklage iw Moskauer Studentenprozeß erklärt haben,.das Dementi bezüglich der Beschäftigung Kindermanns als Polizeiagent komm« nicht direkt vom Ministerium des Innern und sei daher werllos." Hierzu teilt, wie der Amtliche Preußische Pressedienst melt>et, der preußische Minister des Innern in Ergänzung der amllick�n und selbstverständlich vollgültigen Erklärung des Berllner Poli'e,. Präsidenten mit: .Di« Angeklagten Kinder wann, Malsch und von D i t t. mar haben weder mit der Wteilung la des Berliner Polizeiprästdiu noch auch mit dem Ministerium des Innern jemals in irgendwelchen unmittelbaren oder mittelbaren Beziehungen gestanden. Gegen- teilige Behauptungen entbehren jeder Grunh. läge." Eidesstattliche Versicherung Prof. Hoetzschs. Gegenüber der im Prozeß vor dem Obersten Gericht in Moskau aufgestellten Behauptung über enge Beziehungen des.Studemcn. wertes Berlin" mit den Bestrebungen der jogenanntcn Organisam,n Consul hat Professor Hoetzsch zur Verwertung durch die deutjltie Botschaft in Moskau nachfolgende eidesstatlliche Erllärung zur Ver, fügung gestellt: Die Behauptung in dem zurzeit in Moskau zur Berhandlu>,g stehenden Prozeß gegen deutsche Studenten, wonach das Studentelr. werk Berlin durch sein« engen Beziehungen zur Organisation Eon» sul die beschuldigten Studenten zur Durchführung terroristischer Akt« nach Rußland entsandt haben soll, findet in den Tendenzen und dem Arbeitsgebiet des Studentenwerks keinen Anhalt. Meiner Kenntnis nach ist das Studentenwert Berlin lediglich eine soziale Fürsorgeeinrichtung, die sich Studentenschaften der neun Berliner Hochschulen zur Linderung der wirtschaftlichen Not der studentischen Jugend geschaffen haben. Seine Tendenzen decken sich mit den bekannten Aufgaben der Zentralen Wirtschastsorganisatiof-. der deutschen Studentenschaft in Dresden„Wirtschaftshils» der deutschen Studentenschaft", deren Glied das Berliner Studentenwerk ist. Irgendwelche Zusammenhänge mit der Tätigkeit oder mit den Bestrebungen der sogenannten Organisation„Consul" sind mir nie- mals zu Ohren gekommen: sie stehen auch mit der von jeder Partei oder politischen Bestrebung unabhängigen Struktur dieser Orgoni- sation durchaus im Widerspruch. Russisch-ofsiziöscr Prozestbericht. Moskau, 39. Juni.(Russ. Telegr.-Agentur.) Zehnte Sitzung Der Staatsanwalt verliest die llntersuchungsousfage Kindermann c. vom 6. und 7. Februar sowie seine Briefe gn Dzerichinski unt, Salin in, in denen er seine terroristischen Absichten und seine Schuld völlig eingesteht. Als die Verlesung der Protokolle an- gekündigt wird, meldet sich Wolscht krank und erhält auf sein Ersuchen einen Krankenurläub bi» zum Abend. Äindermann er» klärt, bei der Protokollabfassung keinem physischen, aber einem psychischen Druck auegesehk gemcsea.>' zu, daß die erwähirten Briefe, welch««in volles Eingeständnis ent- der Briefe an Dzerschineki und Kalinin gesteht Kindermann nach Vorlegung der Dokumente, daß die meisten davon sowie die Briet- an Dzerschinski und Kalinin von ihm stammten und bestätigt die Echtheit sämllicher Unterschriften. Er behauptet, daß ihn zwei oer- schtedene Personen hypnotisiert hätten, doch gibt«r nachher zu, daß die erwähnten Briese, welech ein volles Eingeständnis en'- halten, freiwillig von ihm geschrieben seien. Der Vorsitzende stellte fest, daß die Aussagen Kindermanns materiell völlig mit denjenigen D i t t m a r s übereinstimmten und l Entdeckung der Schätze der Fürsten Zussupow. Kürzlich erhü ll die politische Verwaltung die Nachricht, daß der Haueoerwaller ein � den Fürsten Iussupow gehörenden Palais an der Charitonjewschen Gasse in Moskau einen künstlich versteckten Gang gefunden habe.>Es wurden Polizeibeamte hingesandt, die den Zugang zum Gange au'. brachen und eine Stahltür vorfanden. Zlls auch die�?lindernis beseitigt war, gelangte man zu einer Gehelmkammer, die mit ollen Lumpen und Unrat gefüllt war.. Bei näherer Untersuchung erwies es sich, daß prachtvoll« Kostbarkeiten von den Lumpen verhüllt waren. Perlen, Drillanten, Saphire und Smaragde, Diadem«. Helten und sonstiger wertvoller Frauenschmuck, Orden. Gegenstände au» Platin und eine ungeheure Menge silbernen Tafelgeschirrs wurdc ans Licht � gefördert. Viele der gefundenen Kostbarkeiten haben hohen künstlerischen und historischen Wert. Dazu gehört vor allem. eine silberne Schüssel, die 1769 von Meister Laubich angefertigt worden ist: auch drei riesige silberne Schwäne, ein Trinkgeschirr in by- zantinischem Stil und Silbergestallen aus dem l7. und 18. Jahr- hundert sind von Interesse. Der ganz« Schatz ist dem Finanzkom- missariat übergeben worden, doch sollen alle Stück«, die Museums- wert haben, dem Bildungsresiort übermittelt werden. Der Wer des Schatzes wird auf 5 Millionen Rudel geschätzt. Persien schützt seine Teppiche. Persiens Teppichen, die durch ihre unerreichte Farbenpracht in der ganzen Welt seit jeher ein« bevorzugte Stellung einnehmen, drohte bis vor kurzem eine schwer« Gefahr, die thren Grund darin Halle, daß statt der alten Nltturarbstr in jüngerer Zeit mehr und mehr künstliche Anilinfarben zum Färben der oerarbeiteten Wolle oerwendet wurden. Diese Farben sind nun zwar auch sehr schön und haben überdies den Vorteil, sich vorhal" nismäßig billig zu stelle»: ihre Widerstandsfähigkeit gegen. Wiiic> rungscinslüsse ist aber gering und beschränkt die mit ihnen be- handelten Gegenstände auf eme kurze Lebensdauer Die persi'che Regierung Hai sich daher zu einer energischen Maßregel veranlaßt gesehen und kurzerhand die Einfuhr von Anilinfarben verboten, um die bodenständige Teppichindustrie vor dem Niedergänge« zu schützen. Wären die allperfischon Teppiche mit künstlichen Farben gefärbt worden, so wäre von diesen herrlichen Stücken längst nichts mehr übrig. vofksbStm». Leo R e u ß vom Staatstheatcr wurde für die Spielzeit 1325/26 an die Volksbühne, Theater am Bülowplatz, ver. Pflichtet. Die Aasdelli-ng der„Tkoocmbergrnppe- in den RZiimcn der Berliner Sezession am Kurimsiendamm S3S wird anläßlich der neu hinzugekommenen itrveilen belgischer Maler und holländischer ilrchitellen bis zum 5. Juli verlängert. Die Arbeilsgemeinschail Im Verein Berliner Künstler lädt olle Freund, ihrer Ausstellung-Berliner Kunst 1325» aus Donnerstag, den 2. Juli, ob 7 Ubr abend«, zur Abendgeielligkeit mit anichlies-ende« Feter von Kl op stock« Geburtstag In die Säle der Ausstellung im Saalbau des Deutscheil Opernhaus-Restaurants zu Charlottcnburg ein Karten zu 3 und 2 M. m der Sismarck-Buchhandlung, Bitmarckstr, 81, und au der Ausstellungskass«. Die Sanstdennlatlon der Stadt Berlin erwarb aut der Ausüellung .Berliner Kunst tgZS»inl Saalbau de» Deutschen Opernhou'es die Gemälde Han» B a l us ch, t.Von der Schicht-, Ha n« Bremer. .Alt-Cöpenick- und einen silbernen Lecher oou AlwinBbllel. t>aß es das Gericht für erwiesen HSV. dah Äindermmm seinen Kameraden verraten wollte, um sich selbst zu befreien. Auf die Frage des Lorsigenden an Äindermann, ob ihm bekannt sei, daß hypnotisierte nach dem hypnotischen Zustand niemals wüßten, was mit ihnen geschehen sei. erwiderte Kindermann: Das ist mir völlig bekannt. Der Vorsitzende stellt fest, daß der Angeklagte trotz- dem behauptet, über die Vorgänge während seines angeblichen hyp- notischen Zustandes orientiert zu sein. Untersuchungsrichter R o s« n f e l d sagt, als Zeuge vernommen, aus, Kindermann habe alle vom Untersuchungsrichter gestellten Frage» stets freiwillig beantwortet: er sei niemals psy. chischem Druck ausgesetzt gewesen. Als Kindermann ein Geständnis abgelegt habe, habe er den Untersuchungsrichter lächelnd g e- fragt, ob er bisher seine Rolle gut gespielt habe. Er habe erklärt, er wolle jetzt ein Gnadengesuch bei Dzerschinski einreichen, was er hierauf auch eigenhändig getan Hab«, wobei er nochmals ein eingehendes Geständnis abgelegt Hab«. Hierauf erfolgte die zweite Vernehmung des llulersuchungsgefanaenen. Zeugen Laumann. der unter anderem aussagte, von Wolscht gehört zu haben, es bereite ihm Qualen, im Gefängnis zu sitzen, in dem Augenblick, wo der R e ch t» b l o ck in Deutschland zur Macht komme. Da er schon so manchen Kommunisten„sortge- blasen habe", so würde er jetzt mit noch größerer Lust gegen die Kommunisten kämpfen. Wolscht erklärte, nur aus dem Grunde im Gefängnis Baumonn gegenüber zugegeben zu haben. daß er mehrere Gifte zu terroristischen Zwecken mitgenommen habe, weil er als Terrorist erscheinen wollte, um mit seinen rechtsgerichteten Mitgefangenen ein gute« Einoer- nehmen zu schaffen. Hierauf wurden die corpor» delicti vorgelegt, nämlich ein Re- voloer, mehrere Schachteln Patronen, eine Handapotheke, welche u. a. eine Tube mit Zyankali und ein« größere Menge S u b l i- m a t und Morphium enthält, ferner«in in der Westentasche Wolschts aufgefundenes Pyramidonfläschchen ebenfalls mit Zyankali. Ein chemisches Gutachten wird verlesen. Daumann sagt aus, Wolscht habe ihm gegenüber erklärt, das Zyankali würde für einige hundert Kommunisten ausreichen, aber die Hauptsache sei gewesen, an die Hauptführer heranzukommen. Er er- klärte ebenfalls lächelnd, es würde dem Untersuchungsrichter, welcher ihm das Pyramidon wegnahm, gut bekommen, wenn er davon koste. Dieser Baumann ist offenbar in die Zelle der Verhafteten ge- steckt worden, um sie zu antikommunistischen Aeußerungen zu pro- vozieren und diese dann als Zeug« zu bekunden: alte Ochrana- und neue Tscheka-Methode. Wenn übrigens selbst der PTA.-Bericht Kindermanns Hypnose- und Druckbeschuldigungen nicht ganz ver- schweigen kann— wie mag man da in der Lubjanka gearbeitet haben!__ Das neue Luftfahrtüiktat. Wir haben schon w unserer gestrigen Abendausgabe im An- schluß an den Wortlaut der neuen Regeln, die die Botschafter- konferenz für den deutschen Flugzeugbau aufstellt, in gedrängter Kürze die Ansicht der Sachkundigen über diese neuen Vorschriften zusammengefaßt und lassen nun weiter« Ausführungen aus dieser Quelle folgen: Ueber die versailler Bestimmungen hinan», die Deutschland jeden Flugzeugbau bis End«!ö22 verboten und für denselben Zeit- räum das Ueberfliegen deutschen Gebietes durch Ententeflnzzeuge von deutscher Genehmigung unabhängig machten, ist Deutschland di'"ch das Londoner Ultimatum auserlegt worden, daß die Brnschafterkonlerenz in Zukunft— und zwar all« zwei Jahre— die Unterscheidungsmerkmale zwischen den verbotenen mili- tärischen und erlaubten zivilen Flugzeugen feststellt. Die Botschafter- konserenz hat den ersten zweijährigen Termin verstreichen lassen, obwohl die deutsche Regierung im März 1924 ihre Wünsche für diese Neuregelung mitgeteilt hatte: diese deutsche Note blieb unbeantwortet. Die jetzige Botschafternot« bringt zwei technische Erleichterungen. wovon die erste die Heräufsetzung der Flugzeuggeschwindigkett in zweitausend Meter Höhe von 179 auf 1«0 Kilometer ist, um SL Proz. Diese Erweiterung ist von kaum wahrnehmbarer Wichtigkeit und ermöglicht einem Flugzeug lediglich, sechzig Kilometer weiter zu fliegen als bisher. Die Erhöhung der Geshwin- dl gleit für zweitausend Meter Höhe hat aber wenig� technischen Wert, wenn man nicht die Gipfelhöhe steigert— diese ist aber bei viertausend Metern geblieben. Die Neuregelung bedeutet lediglich, daß die Londungsgeschwindigkeit etwas gesteigert wird: im Interesse der Schterheit aber darf gerade die Landungsgeschwindigkeft der Zivililugzeuge nicht gesteigert werden! Die zweite Erleichterung ist die Erhöhung der Ladung — einschließlich der Personen— von S00ausSWKilog ramm. was zusammen mit der fast gleichbleibenden Geschwindigkeit nur eine gewisse Schwerfälligkeit herbeiführt. Das Verbot aller Einsitzer mit mehr als ß9 Will. Mark Konzernkapital 8 Proz. Dividende auszuschütten. Das find über 50 Mill. Mark. Er konnte da«, ohne an seinen weit über 290 Mill. Beteiligungen und Effekten etwas abschreiben zu müssen: sie waren niedrig genug eingesetzt, um von den Kursverlusten an der Börse noch berührt zu werden. Er tonnte das, obwohl aus die Fabrikationsanlagen(über 329 Mill. Mark) noch 12 bis IS Proz. abgeschrieben und den fast 2S Proz. ordentlichen Reserven noch Sonderreserven hinzugesügt wurden.. Der Aktionär, der in der Generalversammlung der Badischen Anilin- und Sodafabrit statt der verheißenen 8 Proz. die Friedensdividende von 15 Proz. verlangt hatte, hat Recht. Sie Hütte ohne weiteres gezahlt werden können: denn der entsprechende Rein- gewinn war in allen Konzentwerken reichlich da, und die Ablchrei- düngen und Sonderreservierungen sind wirtlich nur zum Verstecken von' Gewinnen erfolgt. Auch Geheimrot Bosch, der Aufsichtsrats- Vorsitzende der BASF, gab dem Aktionär zurück, daß zum Klogen kein Grund sei: denn wenn man selbst die in der Jnflatwn verlöre- nen Z i n s e n dem tatsächlich von den Aktionären eingezahlten Gold- kapital hinzurechne, seien die heutigen 8 Proz. mehr und bester als eine Friedensdividende von IS Proz. Man darf dem Herrn Ge- beimrat Bosch das aufs Wort glauben. Da es aber wahr ist, daß der Anilinkonzern auch auf sein heutiges Kapital IS Proz. hätte ausschütten können, die heutigen 8 Proz. Dividende aber so viel wie 15 Proz. auf die tatsächliche Goldeinzahlung sind, wäre also für 1924 im Verhältnis zum Goldwert der Einzahlungen ein Reingewinn von 30 Proz. zu verzeichnen. Ts ist natürlich schwer, wenn dl« übrig« Industrie vielfach ohne Dividende bleibt,«ine Dividende von IS Proz. auszu- schütten. Da» ist doppelt schwer, wenn man, wie der Anilinkonzern, Schutzzollwünsche hat Da ist«ine Dividend« von 8 Proz.. die ja immerhin noch um 1 Proz. hinter dem Reichsbankdiskont zurückbleibt, für die Zollwünsch« keine zu schwere Belastung vor der Oeffentlichkeit. Aber wenn man bedenkt, daß die Aktionäre des Anilintonzern« auf ihre Goldeinzahlungen IS Proz. erhalten und der Anilinkonzern auf da« eingezahlte Goldtapital 39 Proz. Reingewinn macht, dann sind die geplanten Zölle auf Chemikalien ein stark» Stück. Die neue Zollvorlage sieht nämlich so au», daß im Gegensatz zum Zolltarif von 1992 und zu den damaligen Handelsverträgen. in denen Zölle auf Ehemikalien fast unbekannt waren, es In der Zukunft kaum noch ein Chemieprodukt geben soll, da» zollfrei Ins Land käme. Auf allen Chemieprodukten, die nur irgendwl« ins Geld gehen, lastet, fall» die Zolloorlage Gesetz wird,«in Zoll von 4 bis 19 Proz. des Wertes(nach den Angaben der Zolloorlage). Die chemische Industrie Deutschlands, deren Hauptnutznießer der Anilin- konzern ist. wird mit anderen Worten einen lückenlosen Zolltarif erhasten, desten einziger Zweck es ist(dieser Zweck wird in der Be- grüadung der Zolloorlage offen bekannt.«» nützte auch nichts, ihn zu leugnen), die Inlandspreis« um den Zollschutz zu erhöhen und durch Kamvfprets« dem vollbeherrschten Inlandsmarkt Aus- landsntörkt« hinzu zu erobern. Und nun bedenke man die Bedeutung ein» lückenlosen Chemlezolltarls» für dt« Znlandsindustrieu. Es gibt schlechthin kein einzige- Gewerbe, keinen einzigen»on- sumentenbaushalt. denen die Produktion«- und Lebenshaltungs- kosten dadurch nicht verteuert würden. Alle Säuren. Salze, Far- ben, Zündmittel, Medikamente. Düngemittel, alle Aeg-, Riech-, Reinigung»-, Erfrischung»- Scheide», Desinsektton»., Zerstörung». und Bindemittel, soweit nur die chemische Industrie damit zu tun hat, werden um 4 bi» 19 Proz. ihre» Wertes verteuert. Und das, um eine Industrie zu»schützen�, deren größter Konzern IS Proz. Dividende verteilen könnte auf ein aus Jnflationsverlusten der Mit- büroer gratis verdoppeltes Kapital und 30 Proz. Reingewinn machte auf'die von den Aktionären tatsächlich geleisteten Einzahlungen! Die einzige Industrie, über deren Prosperität im ganzen genommen gar kein Zweifel bestehen kann, die, wie die Einfuhrzahlen für da» �ahr 1925 beweisen, vom Ausland nicht das geringste aus dem Inlandsmarkt zu sürchten hat. die die Lag« aller Jnlandsgewerbe und der Konsumentenmasien erleichtern könnte, die. mit anderen Worten eine der wenigen ganz wertvollen Reserven der deutschen Wirtsckioki vir Wiederherstellung der Konkurrenzfähigkeit im In- land und Ausland dorftelli. d' es. Industrie soll zur Verteuerung von Vroduktion und Konsum in Deuischland beitrogen, wahrend von der Senkung der Produktionskosten und der Stärkung der Kon- sumentenkaufkrast für die wirtschastliche Zukunft Deutschlands olles abhängt. Es gibt schlechterdings kein Beispiel, das bewclstraftiger wäre für die Art. wie die Schutzzollhysterie der Unternehmer in der gesamten Dolk-wirtschaft die wenigen vorhandenen Grundlagen noch zerstören Hilst, auf d.'nen ein erfolgreicher Wiederausbau zu erhoffen wäre. Dabei ist der Anilinkonzern. den man nach seiner überragenden Stellung ruhig ol».die deutsche chemisch« Industrie' ansprechen darf, technisch, kaufmännisch und finanziell da» solidefle nud wlderstandssähigste Industrieunlernehmen veutschlaads. Die„Jnteresiengemeinschaft' seiner Werke'st nur noch ein Name. Sie sind e i n W e r k. Die gemeinsame Stelgerung de, Wirkung«. �rades her chem? �technischen Konzernarbc" ft fctn Programm mehr, sie ist Wirklichkeit. Es gibt kein Patent und keine Erfahrung, die nicht unter den Werten ausgetauscht wurde. �!e Trennung der Laboratorien und Versuchsanstalten ist bei Ihnen kein Zeichen der betrieblichen oder kaufmänn.schen Unabhängigkeit: sie dient der Ge- winnung und Psleg« von Spezialitäten im Interesse des Ge- somtunternehmen«. Dem Ausland gegenüber tritt der Konzern überhaupt nur noch als Firma auf. Ob die Dadifche Anilin- und Sodafabrik in Norwegen über Wasserfälle und Stickstoffwerke oder >n den Vereinigten Staaten Über den Lizenzverkauf für die Her- stellung des neuen Methylalkohols durch Amerikaner verhandelt, Überall handelt sie im Auftrag und auf gemeinsame Rech. nung des Konzerns. Dasselbe gilt für die kaufmannische Organisation, für Rohstofsbeschaffung und Warenvertrieb Im In- land und Ausland. Ob die zentralisierten Lerkaufsgefellfchasten im Ausland politisch nach Ländern oder im Inland horizontal auf die Einheitsprodukte des Konzerns spezialisiert sind, überall er- folgen Eintauf und Berkauf auf gemeinsame Rechnung und Ge- fahr. Die finanzielle Einheit des Konzerns ist vollkommen. Es gibt kein« neu aufzunehmend« Produktion, kein Ausbau alter oder neuer ! Werke, kein« Jnteresiennahm« zur eigenen Rohstoffversorgung, die nicht im Konzern. rat' beschlossen und nicht gemeinsam von den Kon- zernwerken finanziert würde. Wie das Kapital, so werden auch die Gewinne zugeteilt, obwohl in den Ausgangsziffern der Roh- gewinne noch große Unterschiede herrschen. Der Schemattsmus, mit dem oerfahren wird, wirkt geradezu grotesk: (Mill. Mark) Rohgewinn Unkosten Abschreibungen Reingewinn Bad. Anilin.. 3S.0S S,S9 IS.Sl l4,SS Höchster Farbw. 34.S9 S.1S 19.38 14.71 Slberf.Farbenf. 33.99 8.22 19.19 14.SS Bei den verschiedensten Produktionszweigen, verschiedensten Kosten werden Rohgewinn. Tenerolkosten und Abschreibungen einfach so manipuliert, daß fast auf den Pfennig der gleiche Reinge» winn herauskommt. Ein tolles Zahlenspiel, wenn man an die Pflicht zur Wahrheit der Bilanz und Gewinnrechnung denkt, aber der schlagferttgste Beweis für die Selbstverständlichkeit, mit der der Anilinkonzern sich al» ein Unternehmen betrachtet. Jedenfalls: der große Wirkungsgrad und Gewinn wird durch den geringsten Kostenaufwand gesucht und gefunden. Ohne Schutz- zoll hat der Anilinkonzern seine heute wieder beherrschend« Stellung erobert, und er gedeiht vortrefflich dabei. Das ist sein und seiner Leiter unbestrittenes Berdienst, das niemand zu schmälern braucht. Was für ihn gilt, gilt für die chemische Industrie Deutschlands im ganzen. Aber gerade weil dem so ist, sind die Ehemiezölle ein Ver- brechen an der Bolkswirtschaft. Das einzige Erlebnis wird die Steigerung der inländischen Monopolrente der chemischen Industrie sein. Diese Rente wird gezahlt von allen übrigen Industrien, der Landwirischnst und den Verbrauchern. Wie alle Monopol- und Kartellrenten wird sie zur Vertnöcherung und Rückständigkeit auch der chemischen Industrie führen. Die IleberUgenheit, die sich aus dem Fehlen de» Zollschutze» ergab, wird durch die G« w ü h- rung des Zollschutzes gefährdet. Tin künstlich durch Schutzzölle forcierter Export an Chemieprodukten würde nur auf Kosten der Konkurrenzfähigkeit der übrigen Industrien erfolgen, die gegen- über dem Ausland noch stärker ins Hintertreffen kommen müssen al» bisher. Um die Monopolrent« einer an sich schon ton- kurrenzfähigen und hochrentablen Industrie zu erhöhen, werden die Aussichten anderer Industrien geopfert, überhaupt wieder rentabel und konkurrenzfähig zu werden. K�-t, Wirkungen der Zollvorlage im �uslaaü. Der Deutsch« Freihaudelsbund, Frankfurt a-St, schreibt uns: .Wir erhalten soeben aus Brüssel anonym ein Flugblatt zugesandt, da» symptomatisch dafür ist, in welcher Weise im Au»« lande gegen Deutschland und sein« Handelspolitik gehetzt wird. Der Text de» forgsältig und auf vorzüglichem Papier gedruckten Flugblattes, der in französisch, englisch, italienisch, spanisch und deutsch abgefaßt ist. lautet wie folgt: Warnung.vor deutsche« Waren! E» ist nationale Pflicht ein» jeden Land»..Deutsche Waren' zu oerweigern und zurückzuweisen, solange Deutschland da» glelch« tut. indem es fremde Waren mit Einsuhranboten und Zöllen, die nicht nur prohlbttio, sondern unebrenhast sind, belegt. Deutschland will, wie aus seinen Handelsberichten und seiner Handelspresse hervorgeht, nur exportieren, mit anderen Worten: Deutschland will die ganze Welt mit billigen Waren, deren Ouali- tätseigenschaften sehr zweifelhast sind, überfluten, und sich gegen jeden Import verschließen. Deutschland versucht, selbstsüchtige Handelsverträge abzuschließen, es verspricht die Aufhebung der Einfuhrverbote, erhöht jedoch gleichzeitig die Einfuhrzölle um durchschnittlich 390 bi» 499 Proz. gegen 1914, um hierdurch sein Versprechen wieder zu brechen. Seine neuen Hochschutzzölle bedeuten neue Einfuhrverbot«. Angeblich geschieht die Einfuhrerschwerung weiter au» .währungstechnischen Gründen', was gleichbedeutend ist, der deutschen Währung zu mißtrauen. Vorsicht vor Kredite nl—verweigert dentlch« Waren!— Man unterstützt nicht den deutschen Export, solange der eigene leidet! Dazu ist zu bemerken, daß die belgische Stell«, welch« dies» Flugblatt verbreitet, stch offenbar nicht klar ist, daß fie mit den vorgebrachten Lügen gegen den Dawes-Plan. und damit zum Schaden des eigenen Landes gegen die Möglichkett deutscher Reparationszahlungen operiert. Es ist von ollen Such- verständigen, auch densenlgen der Reparottonsgläubigerländer an- erkannt worden, daß Voraussetzung für ein Gelingen d» Dawes- Plan« und einer befriedigenden Lösung der Reparattonsfrag«. die größtmöglichste Steigerung des deutschen Exporte» ist, da nur so eine Regelung des schwierigsten Problem«: der Transferfrage, möglich ist. Bereitet man der Einfuhr au« Deutsch- land Schwierigkeiten, so wird man niemals in den Besitz von Repa- rationszahlungen gelangen können. Auch die Verdächtigungen gegen die Stobilitöt der deutschen Währung, die natürlich völlig unbegründet sind, geschehen nur zum Schaden der Reparattonsgläubiger. Abgesehen davon aber, zwingt da» Flugblatt, doch zu überlegen, ob nicht die deutsche Handelspolitik und Insbesondere der Zolltaxifentwurf, wie er zurzeit den gesetzgebenden Körper- schaften zur Beratung vorliegt, zu solchen Mißdeutungen, wie sie da»x belgische Flugblatt verbreitet, ungewollten Anlaß bietet.'_ Der Staalslapstalisnms in der Schweiz. Die öffentliche Unter- nehmung mit privatwirtschaftlicher Organisation spielt nicht mir in der neuen wirtschaftlichen Politik Rußland», sondern auch in vielen kapitalistischen Ländern eine immer größere Rolle. Auch in der Schweiz sind teil» durch Uebernahme bereits bestehender privater Unternehmungen durch öffentliche Körperschaften, teil» durch die Um- organisation osfcntlicher Unternehmungen in Aktiengesellschaftssorm, teil» durch Reugründungen Aktiengesellschaften entstanden, hinter denen aber nicht das Prioatkapital. sondern Staatseigentum steckt. Besonders die Elektrizitätsunternehmungen der Kon- tone haben diese Form angenommen. Nach Walter Gerber« Meinung, die er in der.Schweizerischen Zeitschrist für Volkswirt. s-ttaft und Sozialpolitik' entwickelt, werden in der Schweiz allge- meine Bedürfnisse, wie die elektrische Energie durch dl« öffentlichen Elcttritttätsgcsellschafien besser und billiger betrieben, als e* die privaten Betriebe vorher getan hatten, und sie haben trotz- dem in Erfüllung ihrer fiskalischen Interessen erhebliche Ueberschüsse abgeworfen. Organisatorisch« Vorteile kann die Privatgesellschaft gegenüber der öffentlichen Akttengesellschaft nicht mehr aufweisen. und die häusige Behauptung der technischen Rückständigteit der öffent- lichen Betriebe steht mit der schweizerischen Praxis in Widerspruch. Manche Bedenken gegenüber der Möglichkeit einer produktiven sozio- listlschen Wirischast werden durch die Erfahrungen, die mit den öffentlichen Unternehmungen mit privatwirtschaftlicher Organisation gemacht wurden, zerstreut. Zolltarif unü Einzelhanüel. Im deutschen Einzelhandel bestehen gegen die Einführung der Zölle die schwersten Bedenken. Wir haben darüber den Bor- sitzenden der Einzelhandelsgemeinschaft Groß- Berlin befragt, die die Spitzenorganisation der Einzelhandels- verbände Groß-Berlins darstellt. Er führte unserem Mitarbeiter gegenüber folgendes aus: .Selbst wenn man die Agrarzölle als berechtigt anerkennen wollte, so steht ihr Nutzen schon deshalb in Frage, weil die Zölle keineswegs ein« Garantie dafür bieten, daß nun auch mehr Getreide gebaut wird. Die Schutzzölle sind nur ein Schutz für die Industrie und Landwirtschaft zuungunsten de» Volks- ganzen. Die Regierung läßt sich ausschließlich von den Interessen der Industrie und Landwirtschaft testen. Schon jetzt haben die hohen Unkosten, die aus der Wirffchas! lasten, nicht zuletzt auch die Steuern, den Absah des Handels stark eingeschränkt Es fehlt den breiten Volksmassen eben an der uotwendigeu Sauskrast. Wenn es so weiter geht wie bisher, wenn der Umsatz weiter sinkt, so ist noch im Oktober oder November d. I. das größte Elend für die gesamt« Wirtschaft zu erwarten. Es ist nner- hört, wenn man unter diesen Umständen überhaupt daran denkt, in der heuttgen Zeit durch L e b e n s m i t t e l z ö l l e, Industrie- zöll« und Verbrauchsabgaben die Lebenshaltung weiter zu verteuern und das Absatzfeld des Handels noch weiter einzuengen. Di« Umsatzsteuer z. B. ist schou jetzt für die Gewerbetreibenden ein« drückende La st deswegen, weil die Preis« durch die starke Konkurrenz, nicht durch die Kosten de» Einkaufs, bestimmt werden. Unter diesen Umständen ist ein« Abwälzung der Steuern, wie sie der Gesetzgeber vorsah, meist überhaupt nicht möglich. Roch meinem Gefühl gibt es nur«ine Möglichkeit, um von den hohen, den Absatz drosselnden Preisen, die die Industrie zu Unrecht verlangt, herunterzukommen: die Grenzen«ms. so weit wie nur denkbar! Die Gefahr der Arbettslosigkett ist dabei geringer, als man sie oft hinstellt. Nach metner festen Ueberzeugung kann die In- dustrie ihre Preise mindesten« um ein Drittel billiger stellen als heute. Wir hören auch immer, daß die Waren im Auslande billiger sind al» bei uns. Wenn das nicht aufhört, so bedeutet das den Ruin der Wirtschaft, veno die kauskrasl der Bevölkerung ist zu Eude. Viele Geschäftshäuser decken sich für den Winter gar nicht oder nur mit dem Notwendigsten ein. Ich kann auch nicht einkaufen, wenn ich nicht weiß, daß ich die Ware auch absetzen kann. Kaust aber der Einzelhandel nicht, so muh die Fabrikation zum Stillstand kommen. Dann hoben wir dt« Arbeitslosigkeit, die man mit preis verteuernden Zöllsn vermeiden wollte, trotzdem. Zuerst wird darüber der Einzelhandel zusammenbrechen. Schon jetzt leidet er entsetzllch unter der höh« der Spesen und unter der enormen Entwertung der teuer eingekauften Waren- lag er, ebenso wie unter den drückenden Steuerlasten. Die scharfe Konkurrenz tut ein übrig», um dem Einzelhandel dos Dasein zu erschweren. Nur wenige kapttalkrästige Häuser können die Gelegenheit zu billigem Einkauf bei zahlungsschwachen Firmen voll ausnutzen und ihre Preis« so niedrig stellen, daß sie hinter den normalen Verkaufspreisen wesentlich zurückbleiben. Das bedeutet dann für die übrigen Handelsgeschäste, die dazu nicht in der Lage sind und unter denen stch viele solide Firmen befinden, verschärfte Konkurrenz und oftmals den Ruin. Abgeholfen werden kann dem nur durch billigere Preise und durch Senkung der Unkosten and der Steuern. Eitze Verteue- rung de» Wareneinkauf» durch den Z o l l s ch u tz für di« Industrie, eine Schmälermtg der Kaufkraft der konsumierenden Le- völkeruttg durch Lebensmittelzölle würde» also die Krise be- schlenatgen, anstatt fie zu beseitigen.' Dänemarks Valutabesserung. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Seil April 1925 ist ein andauernd» Steigen der dänischen und norwegischen Krone festzustellen. Insbesondere bessert sich die d ä. nische Krone, unverkennbar unter spekulativer Einwirkung, i n großen Sprüngen. Während für die Mark im April 1,28 Knuten gezahtt wurden, gilt sie heute nur noch 1L4 bls 1.2S Kronen. Der Dollar ist von 3 Kronen aus S.1S Kronen ge- fallen. Da die dänisch« Krone vor dem Kriege 3,73 stand, bedeutel dies« Senkung, daß der Goldwert der Krone nunmehr 7 2» S Oer« beträgt. Das ist weit mehr als sie nach dem Staunt naschen Valutaplan betragen sollte. Der Grund für das Steigen der Valuten gerade der beiden standinavischen Länder, die starke wirtschaftliche Beziehungen zu England haben, hängt unzweifelhaft mit der Einführung der Goldwahrung in London zusammen. Es ist festgestellt worden, daß im April und Mai rund 39 Millionen Kronen eng- lisch» und amerikanisch» Spekulationskapital in dänischen Banken turzftistig angelegt wurde. Die internationale Spekulation scheint nicht unberechtigt anzunehmen, daß nach der Einführung des Gold- ttandards in England auch Dänemark und Norwegen bald zur Gold- beckung zurückkehren werden. Für Dänemark spielt bei der Besserung der Valuta zweifellos die Mindereinfuhr infolge des Arbeitskonflikte» eine Rolle. Weiter hält die Kopenhagencr Nationalbank ihre Krediteinschrönkungspolitik und ihren hohen Dis- kont von 7 Proz. ausrecht, während die norwegische Staatsbank vor einigen Tagen den Diskont auf 6 Proz. herabgesetzt hat, da die plötzliche Besserung der Krone schon zu Schwierigkeiten in der Wirtschaft geführt hat. In Dänemark ist die Kronenaufwertung weiter von großenameritanischenKreditenfür dänische Firmen begünstigt worden. So hat die größte dänische Schissswerst Burmeister u. Wain einen Kredit von 2 Millionen Dollar erhalten. - Zunahme de» deutschen Export» im Mai. Die deutsche Einsuhr im Mai 1925 belauft sich auf 1984 Millionen gegenüber einer Aus- fuhr von rund 732 Millionen. In der Zeit von Januar bis Mai 1925 betrug die Einfuhr rund L7SS Millionen Mark und die Ausfuhr rund 3444 Millionen Mark.— DiereineWareneinfuhr zeigt im Mai gegenüber dem Bormonat eine Abnahme von runo 13 Millionen Mark, di« Warenausfuhr ist dagegen um rund 58 Millionen Mark gestiegen. Di« Passivität der Handels- bilanz beläuft sich im Mai auf 233 Millionen Mark gegen 337 Millio- nen Mark im Vormonat. verflachend« Dritte. DietschechischePresse befaßt stch mit den wirtschaftlichen Folgen d» deutsch-polnlschen Zollkonslikt» und spricht die Vermutung aus, daß die tschechisch« Industrie Profit daraus ziehen werde. Das Prager Tagblatt erfährt von führenden Vertretern der heimischen Industrie folgendes: Die polnische Verordnung richtet sich in erster Linie gegen Deutschland und es sollen durch diese Maßnahmen handelspolitische Zugeständnisse erkämost werden. Polen greift damit zu einer Waffe, die in den letzten Jahren Immer häufiger gehandhabt wird, und die Folge davon ist. daß die natürlich» Entwicklung der internotionolen Wirtschaftsbeziehungen schwer« Einbußen erlitten hat. Oberschlesiens Not. Die Interpellationen im Landtag. Der Landtag trat gestern zunächst ein in die zweite Be- I arderen Teil des preußischen Staatsgebietes gegeben; im ganzen ratung des Urantrages Ladendorff( Wp.) auf Annahme eines Ent- aus Staats- und Gemeindemitteln etwa 12% Millionen Mart. wurfes, der das Gesez über den Verkehr mit Grund 1925 würden diese Leistungen noch wesentlich überschritten werden. stücken aufhebt, und über den Antrag derselben Fraktion betr. die Auch das Reich habe vier Millionen für Wohnungszwecke überBefreiung von Abgaben beim Rücklauf von Grundstücken, die in wiesen, damit aber allerdings seine Berpflichtungen noch den Jahren 1922-24 veräußert wurden. Die Vorlage wird in nicht erfüllt, da es sich in der Hauptsache um direkte Kriegszweiter Lesung nach den Ausschußbeschlüssen angenommen, folgen handelt. Bei dem starken Flüchtlingszustrom werde allerwonach den Wünschen der früheren Eigentümer Rechnung getragen dings die Wohnungsnot von heute auf morgen nicht beseitigt werden wird, die ihre Häuser während der Inflationszeit aus Not verkauft fönnen. Den übrigen östlichen Grenzgebieten sei die gleiche Fürund Nachteile erlitten haben. Die Mehrheit des Ausschusses war der forge zuteil geworden. Arsicht, daß das seinerzeit wegen der Befahr einer allzu großen Ueberfremdung des deutschen Grundbesitzes durch Auslandskäufe erlassene Gesez heute nicht mehr nötig sei. Das Haus geht dann über zur dritten Beratung des Entwurfes betr. den ausländischen Kommunalkredit. Nach dem Ausschußantrag soll das Staatsministerium ermächtigt werden, dieses Gesetz außer Kraft zu setzen. Das Gesez, das die Aufnahme ausländischen Kommunalkredits grundsätzlich an die Genehmigung der Aufsichtsbehörde knüpft, wird unverändert in der Ausschuß fassung: angenommen. Das Haus wendet sich dann der gemeinsamen Beratung einer großen Anzahl von Anfragen und Anträgen zu, die sich mit der Notlage in Oberschlesien und in der Grenzmark beschäftigen und insbesondere Maßnahmen zur Milderung der Bohnungsnot in Oberschlesien, Fürsorge für die oberschlesischen Flüchtlingsbeamten, Unterstützung für den notleidenden gewerblichen und faufmännischen Mittelstand und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in den oberschlesischen Industriegebieten verlangen. Ferner soll der finanziellen Not overschlesischer Gemeinden und der Wohnungsnot in der Grenzmart Posen- Westpreußen gesteuert werden. Abg. Franz- Oberschlesien( Spz.): Das Martyrium, unter dem die oberschlesische Bevölkerung seit Jahren zu leiden hat, tritt besonders erschütternd in dem Wohnungs elend und der Wohnungsnot zutage. Nachdem die Oberschlesier in der Zeit der Besetzung unsägliche Mißhandlungen und Bergewalti gungen durchzumachen gehabt hatten, setzte nach der Teilung eine wahre Völkerwanderung ein, wobei sich der polnische Chauvi nismus in ärgfter Weise bemerkbar machte. Das furchtbare Elend der Flüchtlinge ist hier schon 1922 geschildert worden; die grauenvollen Zustände, die damals in dem preußisch gebliebenen Teil einriffen, haben sich seitdem nur sehr wenig gebeffert, weil man mit unzulänglichen Mitteln arbeitete. Nach amtlicher Berechnung sind 90 000 Flüchtlinge vorhanden; der Wohnungsmangel ist geradezu erschreckend. Die Wohnungsnot ist aber nicht etwa auf die Flüchtlinge beschränft; sie ist allgemein vorhanden und ist zumal in den größeren Städten fürchterlich. Jeder Schuppen, jeder Stall wird zur Unterbringung benutzt, und seit Jahren müssen Taufende von Unglücklichen in folchen Behaufungen" zubringen. Tuberkulose und andere Bolksfeuchen greifen immer mehr um sich; von der Entsetzlichkeit der sittlichen Zustände, die sich aus diesem Wohnungselend entwickeln, ganz zu schweigen. Der Berliner Oberbürgermeister Böß hat festgestellt, daß 75 Proz. der Kinder dort unterernährt find. In den Schlössern hat man Flüchtlinge aufzunehmen sich geweigert; ob das menschlich, ob es christlich war, lasse ich dahingestellt, jedenfalls war es fo unjozial wie möglich. Die Schulen müssen als Flüchtlingsafnle dienen, der Schulunterricht fällt meg. 3Bugleich bat das Unternehmertum den oberschlesischen Bergarbeitern die unentgeltliche ärztliche Versorgung entzogen! An Bersprechungen für die notleidenden Oberschlesier haben es Reich und Staat nicht fehlen laffen, aber das Reich hat seine Ehrenschuld einfach dadurch eingelöst, daß es seine moralische Berpflichtung auf Breußen abwälzte. Was den ost afrikanischen Asfaris recht ist, muß den Oberschleiern billig sein. Das Reich kann von der Milliarde Ueberschuß aus 1924 sehr leicht für Oberschlesien eine größere Summe hergeben. Staats- und Reichsregierung müssen endlich ihre Pflicht tun. Das selbständige Reichskommissariat für Oberschlesien, ist leider aufgelöst worden. Die Entschädigung der Flüchtlinge erfolgt viel zu langsam und unzureichend; 5 Millionen für den Wohnungsbau sind viel zu wenig; auch können die Arbeiter die teuren Mieten nicht bezahlen. Es muß eine großzügige Motstandsaktion eingeleitet werden. Der oberschlesische Provinziallandtag hat auch in diesem Sinne resolviert. Der un glücklichen Finanzlage der Städte im zweisprachigen Grenzgebiet ift im Finanzausgleich leider nicht Rechnung getragen worden; sie ſtehen jezt weit ungünstiger da als vor dem Kriege. Die polnische Regierung ist den drüben in gleicher Lage befindlichen Städten viel wirksamer entgegengekommen. In der Bewertung der Schulen darf man Oberschlesien nicht rein deutschen Gebieten gleichstellen; mit der Lehrerentlassung muß dort mit äußerster Vorsicht vorges gangen werden. Ich schließe mit der Hoffnung, daß Reich und Staat sich der Not in Oberschlesien eifriger annehmen als bisher. ( Beifall bei den Soz.) Wohlfahrtsminister Hirtiefer erflärt, den Versprechungen der Regierung feien auch die Taten gefolgt. Im Jahre 1924 murden nach Oberschlesien Staatsmittel in höherem Betrage als nach irgendeinem Der Staatssekretär des Minifteriums des Innern erklärt in Beantwortung weiterer Interpellationen, in Schneidemühl sei eine besondere Arbeitsvermittlung eingerichtet und die Auflösung der Flüchtlingslager im Gange. Schwieriger lägen die Dinge hinsichtlich der Unterbringung der 2500 Optantenfamilien. In Schneidemühl sei für sie ebenfalls eine Vermittlungsstelle eingerichtet. Die schlechte Finanzlage der oberschlesischen Städte werde durch das Gesetz vom 28. März d. I. erheblich verbessert; auch sei eine Erhöhung der Hauszinssteuer zum gleichen Zwede vorgesehen. Schwierig sei auch die Unterbringung der Lehrkräfte infolge der Abbauverhältnisse, insbesondere seien die Aussichten für katholische Lehrpersonen wenig günstig. Die Erledigung der Bersonen- und Sachschäden sei zum großen Teil bereits veranlaßt. Nach einer weiteren Debatte, an der sich die Abgg. Graf Garnier ( Dnat.), Kreter( 3.), Arlt- Kreuzburg( D. Bp.), Jendrosch( Komm.) und Dr. Grzinek( Dem.) beteiligten, wird die Debatte abgebrochen. Zur Geschäftsordnung fordert Abg. Pied( Komm.), auf die Tagesordnung der morgigen Sigung einen fommunistischen Antrag zu fezen, wonach es der Preußischen Staatsbant unter agt werden soll, kredite für die Stinnes. Unter nehmen zu gewähren. Der Antrag verfällt der Ablehnung. Nächste Sigung Mittwoch, 12 Uhr: Fortseßung der Beratung über die Notlage in Oberschlesien und der Grenzmart. Kleinere Vorlagen. Schluß 5,45 Uhr. Die Postkredite. Vernehmung der Ministerialbeamten im ReichstagsUntersuchungsausschus. Der Untersuchungsausschuß des Reichstages in Sachen Barmat trat gestern wieder zusammen. Zunächst wurde die Frage der Postkredite besprochen. Staatssekretär Schäßel aus Bayern erklärt, Höfle sei seinerzeit an ihn mit der Bitte herangetreten, für die bejezten Gebiete, zu denen ja auch die Pfalz gehöre, einen Zweimillionenkredit flüssig zu machen. Das sei auch geschehen, wobei die Preußische Seehandlung als Garant auftrat. Abg. Lange- hegermann wurde mit der Durchführung der Kreditaktion beauftragt. Es habe sich nach einiger Zeit herausgestellt, daß die Pfalz von dem Kredit nichts betommen habe. Wem das Geld zugeflossen sei, habe er nicht festgestellt. Aber es habe sich bei ihm später der Verdacht geregt, es stehe mit Lange- Hegermann nicht richtig. Es habe sich dann herausgestellt, daß das Geschäft, um das es sich bei Lange- Hegermann gehandelt habe, so verworren war, daß nicht einmal die Deutsche Bank Aufklärung erhalten fonnte. Er halte es für möglich, daß die Darstellungen Lange- Hegermanns den Tatsachen entsprechen. Auch andere Abgeordnete aus Bayern hätten sich mit Kreditgesuchen an ihn gewandt, die dann durch die Staatsbant erledigt wurden, ohne daß den Abgeordneten persönlich Kredit zur Verfügung gestellt wurde. Gelegentlich einer Unterhaltung mit Höfle im Oftober 1924 hatte der Zeuge den Eindrud, daß Höfle subjet. tio bewußt feine ftrafbare Handlung begangen hat, aber unglaublich leichtfertig handelte. Als ihm im Januar 1925 ein Referent Schäzles den Strafgesetzbuchparagraphen über Bestechung nannte, war Höfle einfach erstaunt, daß es sich um strafa bare Geschäfte bei ihm gehandelt haben sollte. " fonen. Der Zenge fagte zu Barmat: Ele haben ben Mnister dazu gebracht, daß er etwas unrichtig gemacht hat, Sie bekommen feinen Groschen!" Hierauf fagte Barmat fühl: Dann muß ich eben Geschäftsaufsicht beantragen. Das brachte uns, jo erflärt der Zeuge, in furchtbare Erregung. Die 500 000 Mart wurden durch einen Wechsel erledigt. Im ganzen handelte es sich um zwölf Millionen, für die feine volle Deckung da war. Die Abteilung wurde beauftragt, sofort zuzugreifen und alles zur Eicherung unserer Ansprüche zu tun. Der Zeuge bestätigt, daß die von Barmat angebotenen Sicherheiten verschwanden, wen dafür die Schuld trifft, ist, wie der Vorsitzende feststellt, nicht geklärt worden. Nach Rücksprache mit Staatssekretär Bredow und anderen Rollegen wurde der Beschluß gefaßt, nichts weiter zu unternehmen, nachdem der Minister erklärt hatte, daß er fünftig ganz ordnungsgemäß verfahren werde. Der Vorsitzende macht auf das Außergewöhnliche aufmerksam, daß ein Staatssekretär dem Minister in Gegenwart dritter Bersonen scharfe Vorwürfe mache, die berechtigt waren, und fragt, wie bie Beamten über Dr. Höfle dachten. Beuge: Wir fannten ihn als gutmütig und leichtgläubig; aber noch heute habe ich keinen Anlaß zu der Annahme, daß Dr. Höfle etra unehrenhafte Motive gehabt habe. In einem Gespräch hat Dr. Höfle anläßlich der Gerüchte über seine Villa geflagt, er habe viel Schulden. Der Zeuge wiederholt, er und feine Kollegen hätten sich dahin geeinigt, nichts mehr zu unternehmen, auch sich nicht an den Reichstanzler zu wenden, moran schon gedacht war. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt der Beuge, er habe nie gehört, daß Dr. Höfle Rücktrittsabsichten äußerte. Im Gegenteil, sein Amt sei ihm sehr lieb gewesen. Abg. Dauch( D. Bp.): Hat der Architekt, der das Haus für Dr. Höfle baute, Aufträge von der Post erhalten? Der Zeuge bejaht dies; jedoch sei das allein Sache der Berliner Der Architekt leifte Gutes. Eine direkte Oberpostdirektion. Empfehlung des Architekten durch Dr. Höfle sei nicht erfolgt. Von Empfehlungsschreiben Höfles für Barmat, insesondere für die Merturbant in Bremen, hat der Zeuge gehört; diese Empfehlungen feien aber rein privater Natur gewesen. Die Frage des Abg. v. Dewitz( Dnat.), ob das von dem Minister eingerichtete Spezial- oder Privatbureau dem Staatssekretär nicht unterstanden habe und nicht von ihm beaufsichtigt werden konnte, bejaht der Beuge. Der Beuge hat Dr. Höfle ersucht, Strafanträge zu stellen, der Minister hat das aber aus politischen Gründen abgelehnt. Abg. Dr. Pfleger( Bayr. Bp.): Wenn die Reichspoft feinen ober feinen übermäßigen Berluft bei den Krediten von 14% Millionen erleiden sollte, so ist das jedenfalls nicht das Berdienst Dr. Höfles, sondern der Arrangeure, die die Sache ins Blets gebracht haben? Zeuge: Jawohl! Die ganze Forderung beträgt heute nicht ganz 13 Millionen, nachdem schon einiges abgedeckt ist. Es geschieht, was geschehen tann. Auf weitere Fragen Dr. Pflegers bemerkt der Beuge, Höfle sei sicher der Ueberzeugung gewesen, daß die Werte des Barmat- Konzerns gut waren, er habe nie das Gefühl gehabt, daß hier etwas verloren sei und es sich dabei um ein großes Risito handele. Hierauf werden die Berhandlungen auf. Mittwoch vormittag 10 Uhr vertogt. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin S. 14. Sebaftianfter. 87/88. Sof 2.£ t. Kamerabschaft Ober- u. Rieberschöneweide, Johannisthal. Rameraden, die an der Bannerweihe in Brandenburg teilnehmen wollen, treffen fich Sonnabend, den 4. Juli, 26 Uhr, Bahnhof Niederschönemeide. Fahrpreis inclufive 3,60 M. Rarten bei Ramerad Steingraeber, Wilhelminenhofstraße 35, Meldung bis Donnerstag frith. Rameraden, die per Rad nach Brandenburg fahren wollen, treffen fich am Sonnabend, den 4. Juli, abends& Uhr, Edule Niederschöneweide, Berliner Straße. Lichtenberg nebft Untergruppen. Jeden Mittwoch abends 7% Uhr Ueben der Spielleute der gesamten Rameradschaft bei Albrecht, Neue Bahnhof, Ede Borhagener Steeße. Donnerstag, den 2. Juli, abends 7 Uhr, Antreten bei Krüger. Rarlshort marschiert 7½ Uhr Richtung Lichtenberg. Rameradichaft BrenzDette file 3., 5. Aug. Jeben Mittwoch abends 8 Uhr Turnhalle Heinersdorfer Straße Turnen. Kameradschaft Weißensee. Jeden Donners tag nach dem 1. Monatsversammlung Grüner Baum. Ortsverein Treptow. Die Spielleute( Trommler und Pfeifer) fämtlicher Kameradschaften des 15. Bezirks üben jeben tag und Donnerstag von 7% Uhr bis 10 Uhr abends bei Räthel, Niederschöneweide, Brüdenſtr. 15. Erscheinen Pflicht. Neuanmeldungen werden, dortfelbst noch entgegengenommen. Rameradschaft Schöneberg- Friedenau, Donnerstag, den 2. Juli, abends 28 Uhr, findet unser Turn- und Sportabend auf dem Spielplak Rubens-, verlängerte Begasstraße ftatt. Sämtliche Spielleute find zur Stelle. Die Kameraden, die nach BlankenLacert. Ramerabschaft Neukölln. Der Bildungsausschuß beim Gauvorstand macht auf die Vorführungen des großen Expeditionsfilms Quer durch die Wilfte Sahara" aufmerksam, der vom 3. bis 6. Juli in den Exzelfior- und Stern- Lichtspielen und vom 7. bis 9. Juli in den Kudud und Safenheide Lichtspielen gezeigt wird. Ministerialrat Kaufmann von der bayerischen Poftabteilung erklärt, daß für die Abteilung ein Verlust durch den 3weifelde fahren, melden sich dort zweds näherer Information bei dem Romeraden millionenkredit nicht entstanden sei. Staatssekretär Sauter vom Reichspoftministerium fann in Sachen des Zweimillionenkredites teine Auskunft geben, macht aber eingehende Aussagen über die Barmat und dem Amerima. tonzern gegebenen Kredite. Das Wort Amerima hörte er zum erstenmal, als ihm der Vollzug der von Minister Höfle getroffenen Berfügung mitgeteilt wurde. Die Sekretärin des Ministers Höfle habe ausdrücklich den Auftrag gehabt, die Mitteilungen über bie betreffenden Darlehnsgeschäfte aus den Ein gängen des Ministeriums herauszunehmen und ihm per fönlich zu übergeben. Als dem Zeugen doch die Sache bekannt wurde, machte er dem Minister Borwürfe, daß er die Beamten ausgeschaltet habe. Der Zeuge teilt weiter mit, daß eines Tages Henry Barmat im Ministerium erschien, um Geld zu be tommen. Minister Höfle sagte zu Sauter: „ Helfen Sie mir, daß die Sache in Ordnung kommt!" Der Zeuge sagte:„ Das ist meine Pflicht." Minister Höfle, so sagt der Zeuge, schnappte förmlich nach Luft und war fertig. Henry Barmat mollte fofort 500000 Dart, im ganzen brauchte er 1½ MilBuddhistisches Haus Berlin- Frohnan. Montag, den 6. Sult, abends 8 Uhr, Rufammentunft. Bortrag über Buddhismus und Fragebeantwortung. Hör willige find willkommen. M. 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Jedes Verantwortlichkeitsgefühles bar, ftellten fie For: derungen, von deren unerfüllbarkeit sie selber überzeugt find. Es ist ihnen nur darum zu tun, cin Agitationsmittel gegen diejenigen zu erhalten, die ein solches Treiben nicht initmachen. Das fie in der Schlußabstimmung über den ganzen Haushaltsplan ihm ihre Zustimmung versagten, verstand sich von selber. Er wurde von den anderen Fraktionen mit großer Mehrheit angenom men. Zu Beginn der Sitzung lieferten die rechtsstehenden Parmalige Ausschußberatung an. teien den Beweis, daß ihr Geschrei über den Waffermange! der von den privaten Charlottenburger Wasserwerten belieferten Bororte nicht ernst gemeint ist. Gegen einen Dring liteitsantrag der sozialdemokratischen Frattion, der die Uebernahme auch dieser Wasserlieferung auf die Stadt fordert, fam Widerspruch von rechts, so daß eine sofortige Eröric rung unmöglich wurde. Auch in der Frage des Verkaufs eines Teiles von dem jetzt der Stadt gehörenden Rittergut Briz be tätigten die rechtsstehenden Parteien sich als Quertreiber. Genosse Wildegans wies darauf hin, welche Bedeutung dieser Verkauf für die Wohnungsmehrung hätte. Der rechten Seite gelang es, die Entscheidung bis zur nächsten Sizung zu verschleppen. * Auch die gestrige außerordentliche, vom Vorsteher Gen. Haß gegen 27 Uhr eröffnete Sigung der Stadtverordneten war der Fortsetzung der zweiten Beratung des Stadthaushalts für 1925 02 gewidmet. Der Haushaltsausschuß ist inzwischen mit seinen Be ratungen zum endgültigen Abschluß gelangt. Bor Eintritt in die Beratung war ein Dringlichkeitsantrag unserer Genossen, betr. die Charlottenburger Wassermerte, zur Verlesung gelangt; es wird darin gefordert, daß die Stadt die Versorgung von Schöneberg und Steglitz, deren Verträge seit längerer Zeit abgelaufen sind, selbst übernimmt und die Berträge mit Grunewald und Friedenau zum 1. Juli kündigt. Von der Rechten wurde gegen die sofortige Beratung Wider spruch erhoben. Ueber den Haushalt der städtischen Güter berichtete Dörr ( Komm.). Die Kommunisten beantragen die Auflösung der Güter3. m. b. 5. und die Uebernahme in städtische Regie. Der Antrag mird später mit zur Abstimmung fommen. Gen. Dr. Lohmann gab kurz den definitiven Beschluß des Haushaltsausschusses bekannt, wonach der Haushalt mit 550 321 630 Wt. balanziert, der Steuerbedarf auf 105 224 340 m. ermäßigt, zur Deckung die Grundsteuer mit 100 Proz. Zuschlag zur Grundvermögenssteuer, die Gewerbesteuer mit 425( statt 500) Proz. des Steuergrund betrages nach dem Ertrage und 1000 Broz. des Steuergrundbetrages nach der Lohnfumme erhoben werden soll. Die Zweigstellensteuer mird auf 20 Proz., die Schankgewerbesteuer auf 10 Broz. der Gewerbesteuer nach dem Ertrage festgefeßt. In der Aussprache hierüber griff Dr. Alexander( Komm.) die von den Sozialdemokraten bezüglich der Steuerbemessung befolgte Tattit an. Die GewerbeSteuer hätte ganz beseitigt werden müssen. Gen. Reimann: Uns hat bei unserer Stellungnahme zum Steuerkompromiß die Auffassung geleitet, daß die Gewerbesteuer eine indirekte Steuer ist, die zu ermäßigen schon einen Fortschritt bedeutet, da ihre völlige Beseitigung zurzeit zu den Unmöglichkeiten gehört. Die Logik der Kommunisten verstehen wir nicht. Um die Aufbringung der Mittel für ihren Erfaz zerbricht sich Herr Dr. Alexander nicht weiter den Kopf; das überlassen die Kommunisten anderen. Wir tragen gegen über der Bevölkerung eine Verantwortung, wir müssen versuchen, Ausgaben und Einnahmen in Eintlang zu bringen und die ersteren so zu verteilen, wie sie am wenigsten drückend empfunden werden. Das glauben wir auch getan zu haben, wenn auch das Kompromiß unseren idealen Wünschen durchaus nicht entSpricht. Nachdem Dörr( Komm.) sich mit einer Wiederholung der Argumente feines Fraktionsgenoffen abgemüht hatte, zog& nüppel" Kunze wieder einmal mit gewohnter demagogischer Dialektik gegen die Finanzpolitik des Magistrats und des Ausschusses zu Felde, um schließlich die Ablehnung des Haushalts zu erflären. Damit war die gesamte Beratung der Einzelheiten des Stadthaushalts beendet. Es folgte eine endlose Reihe von Abstimmungen über Positionserhöhungen, Anträgen und Entschließungen, die vom Ausschuß oder aus der Mitte der Versammlung vorgeschlagen waren. Die AusSchußanträge fanden fast durchweg eine große Mehrheit; abge. lehnt wurde u. a. der Ausschußantrag bei der Verteilung der Mittel für Straßenausbesserung, in erster Stelle der Kaiserdamm und die Bismardstraße in Charlottenburg zu berücksichtigen.Der Antrag unserer Genossen wegen Einsetzung einer ersten Rate von 100 000 M. für den Fußgängerfunnel am Müggelgemünd fand eine Mehrheit, da mit der Linken auch das Zentrum ftimmte. Der oben angeführte Antrag der Kommunisten betreffend die Güter, fiel gegen die Stimmen der Antragsteller. Abgelehnt wurde auch der Ausschußantrag, den Posten von 20 000 m. zur Förderung von Handel und Gewerbe" auf 100 000 m. zu erhöhen. Das Kapi tel„ Steuern" wurde nach Ablehnung fommunistischer Anträge auf" Aufhebung der Hauszins und Umsatzsteuer in der Ausschuß faffung angenommen, und schließlich der Gesamthaushalt für 1925 mit großer Mehrheit genehmigt. Mit dem Berkaauf eines Teiles des Ritterguts Brig( etwa 30 Heftar) an die" Berliner Gesellschaft zur Förderung des Ein familienhauses, Gemeinnüßige G. m. b. 5." in Berlin, hat sich der Ausschuß unter der Bedingung einverstanden erflärt, daß 1. der Kaufpreis von 2 auf 2,20 m. je Quadratmeter erhöht, 2. von der Käuferin für Erfüllung der Verpflichtungen Bürgschaft in voller öhe feitens solventer Institute beigebracht und 3. Gewährleistung für Beschaffenheit von Grund und Boden ausgeschlossen wird. Gen. Wildegans führte aus, daß die Sozialdemokratie stets einer großzügigen Wohnungsreform den Weg bereiten zu helfen entschlossen gewesen ist, daß sie in der Vorlage einen solchen Wegbereiter erblickt und sie nach den Ausschußvorschlägen gutheißen wird. Auch bei dieser Gelegenheit hätten die Rechtsparteien zuerst Schwierigkeiten gemacht und schließlich nur widerwillig zugestimmt; sie ließen den richtigen Ernst des Entschlusses, die Wohnungsnot wirksam zu befämpfen, noch immer vermissen. Fedler( Dnat.) bestritt das, hielt aber 2,50 M. für den Mindestpreis und regte nochmalige Ausschußberatung an. Auch Penschow( D. Vp.) brachie neuerdings Bedenten vor. Weber( Dem.) warnte vor Berschleppungsmanövern; es fei die höchste Zeit, daß endlich einmal auch für Minderbemittelte Wohnungen gebaut würden. Die nochmalige Ausschußberatung wurde abgelehnt. Der zweiten Beratung jezten die Deutschnationalen genügenden Widerstand entgegen. Die zweite Beratung wird am Donnerstag stattfinden. Die auf die Stellenpläne und die Stellenveränderungen für 1925 bezüglichen Eingaben wurden nach den Anträgen des Haushaltsausschusses erledigt.- Zur Abände rung der Besoldungsordnung hatte man im Ausschuß auch über Gehaltserhöhungen für einige Stadtrate gesprochen, ohne daß es zu einem Befchluß gekommen wäre. Im Blenum erhob sich gestern ein Disput darüber, ob ein bezüglicher Antrag Merten( Dem.), Lange( 3.) zur Abstimmung gestellt werden oder zuvor noch den Ausschuß beschäftigen müsse. Die Angelegenheit ging an den Haushaltsausschuß, der sich damit in seiner nächsten Sizung befassen soll; auch die Vorlage selbst wurde im Zusammenhang mit dieser Sache dem Ausschuß zurückgegeben. Ueber das neue Ortsgefeß über die Müllbeseitigung in Berlin und die Festsetzung der Müllgebühr nach der Leistung ( statt nach dem Gebäudesteuernuzungswert) referierte Wieten( 3.). Ohne Erörterung trat die Versammlung den Ausschußvorschlägen bei. Zuletzt erstattete Fabian( Dnat.) den Bericht des Haushaltsausschusses über die Frage des weiteren Ausbaues der Elektrizitätswerke. Mittwoch, 1. Juli 1925 Biele Menschen sollen noch in den eingestürzten Hotels begraben sein; man nimmt an, daß sich darunter noch viele Tote befinden. Die Lichtanlagen der Stadt find völlig zerstört. Lebensmittel wurden durch das Rote Kreuz in der Stadt verteilt. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts. au richten ber fozialdemokratischen Bentralarbeitsausschuß Elternbeiräte Berlins! Donnerstag, den 2. Juli, abends 7% Uhr, im Ronferenzzimmer der Vor wäris- Rebattion, Lindenstr. 3, Gigung. Jeder Kreis muß vertreten fein. 1. Arcis Mitte. Rommunale Rommissionen! Sonntag, den 5. Juli, vot mittags 9 Uhr, Besichtigung des städtischen Schulgartens Blankenfeldt. Die in den Wohlfahrts- und Jugendkommissionen tätigen Parteimitglieder sind hierzu befonders eingeladen. Fahrverbindung mit der Straßenbahn nach Nordend 48 und 51. 3. Kreis Bedding. Bildungsausschuß! Um fofortige Abrechnung der Rarten zum Sommerfest wird gebeten. 11. Kreis Schöneberg. Kinderfreunde! Donnerstag, den 2. Jufi, 8 Uhr, Sigung der Selfer und der freiwilligen Selfer für die Ferienkofonie in der Laube der Genoffin Krone, Aprifofenweg, verlängerte Begasstraße. 19. Kreis Pantow. Mittwoch, den 1. Juli, 7% Uhr, Gigung der Bildungs tommission in Pantom, Breilestraße. Heute, Mittwoch, den 1. Juli: Sungjozialisten, Spielgemeinschaft! 7½ Uhr bei Auhner, Landsberger Alee 37, Uebungsabend der Musikgruppe. Gruppe Charlottenburg. 8 Uhr im Seim, Rofinenftr. 4 I. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 1. Juli:. 28. bt. 7 2hr bei Bartels, Wörther Str. 19, Frauenabend. Tagesord mung: Abteilungsangelegenheiten. Morgen, Donnerstag, den 2. Juli: 22. 9061. 7 Uhr Abrechnung der Bezirksführer und Sausfaffieber beim Ge noffen Schmidt. 30. Abt. 7 Uhr Funktionärfonferenz bei Carl, Wichertstr. 69. 33. Abt. 7 Uhr Funktionärßigung bei Lojad, Benmestr. 8. Sämtliche Ber airtsführer, Borstandsmitglieder und Betriebsvertrauensleute müffen et fcheinen. 89. Abt. Neuölln. 7% Uhe Borstands und Funktionärißung bei Schula. Sobrechtstr. 64. Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 2. Juli: 6. Kreis Kreuzberg. 7% Uhr bei Wolf, Gräfeftraße, Funktionärinnensisnug. Wahl einer Kreisleiterin. Jede Abteilung muß vertreten fein. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Solt die Rarten gum Jugendfeft 12. Juli im Schillerpart, rechnet die Sonnwendkarten ab. Achtung, Abteilungstaffierer! Heute von 5-7 Uhr Abrechnung der Beitragsmarlen, Ausgabe des Juli, Jugend voran und der Arbeiter- Jugend". Loose der Jugendherbergs- Lotterie sind noch im Jugendsekretariat, Linden fraße 3, 2. Sof, 2 Tr., erhältlich. Sein Beschluß geht dahin, der Bersammlung zu empfehlen, den Bau eines Großfraftwertes von etwa 200 000 Kilowatt 34 Abteilungsmitgliederversammlungen: heute, Mittwoch, 7% Uhr: billigen und den Magistrat zu ermächtigen, das weitere zu veranlaffen, insbesondere die notwendigen Berhandlungen wegen BeScheffung der Mittel, soweit erforderlich, durch Aufnahme von Anleihen zu führen, um der Versammlung baldmöglichst eine Deckungsvorlage zu machen. Auch hier erhob die Bersammlung ohne jede Aussprache den Ausschußantrag mit großer Mehrheit zum Beschluß und vertagte dann die weiteren Beratungen um 9 Uhr auf Donnerstag 6 Uhr. Das Erdbeben in Kalifornien. Wedding: Schule Ruheplak, Ede Antonftrake. Friedrichshain: Jugend Heim Große Frankfurter Str. 16. Often, Prenzlauer Borfiabt: Jugendheim Eberinft. 12. Luisenstadt: Schule Stallschreiberstr. 54. Sübott, Reichen berger Biertel: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Tempelhof: GermaniaWannsee: Schule Charlottenstraße. fraße 4/6. Eriner: Jugendheim Boltsküche. Falkenberg: Jugendheim Am Faltenberg 117. Friedrichs hagen: Jugendheim Scharnweberstr. 105. Riederschöneweibe: Schule Berliner Str. 31. Friedrichsfelde: Schule Berliner Straße. Raulsdorf: Jugendheim Adolfstr. 21, Lichtenberg- Mitte: Jugendheim Doffeftr. 22. Bidten berg- Norb: Jugendheim Barbaue 10. Baltenplay: Jugendheim Rigaer Str. 103. Bortrag: Unsere Sugendtage." Südwesten: Spielen auf dem Tempelhofer Feld an der Pappel, 7 Uhr. Arbeitersport. 1 Freie Schwimmer Reukölln. Der Bundesausscheidungswettkämpfe megen bleibt das Gommerbad am Sonnabend, den 4. Juli, und Sonntag, den 5. Juli, für fämtliche Bereinsmitglieder ecfperrt. Sport. New York, 30. Juni.( TU.) Der Präsident der Ber einigten Staaten, der die Nachricht von dem Erdbeben auf einer Reise erhielt, gab fofort dem Heer, der Marine und dem Roten Kreuz Befehl, den vom Erdbeben Betroffenen jede Hilfe zuteil werden zu laffen. Die Universität Chicago hält den Ausbruch eines dritten Erdbebens im unteren Kalifornien für die näch Bezirkskartell Friedrichshain. Montag, den 6. Juli, 7% Uhr, bei Med sten Tage für nicht unmöglich. Nach den heute früh eingetroffenenter, Borhagener Str. 114, wichtige Kartelligung. Jeder Verein resp. jede Meldungen find bisher 13 Tote und 100 Berwundete geborgen. Abteilung mug vertreten fein! Die Zahl der Toten dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit nach noch erhöhen. Die Katastrophe ist riesengroß. Die ganze innere Stadt Santa Barbara wurde zerstört; die zwei Meilen lange Hauptstraße besteht nicht mehr. Die zehnstöckigen Wolfenfrager brachen zusam men; außerdem fielen der Katastrophe vier Lurushotels, das Gebäude der Edison- Gesellschaft und fünf Kirchen zum Opfer. Das Gefängnis wurde derart beschädigt, daß die Sträflinge ins Freie liefen. Hilfszüge fommen von allen Seiten an; auch waren verschiedene Hilfsflugzeuge und Torpedoboots. zerstörer mit Marinemannschaften herbeigeeilt. Unmittelbar auf den ersten Erdstoß folgte ein zweiter. Ein fanonenartiges Krachen erschütterte die Luft. Staubwolten verfinsterten die Atmosphäre, die Menschen verloren das Gleichgewicht und wurden unfähig zu gehen. Aus allen Häusern stürzten nur mit Nachthemden befleidete Menschen, Hilfeschreie ausrufend. Große Wasser massen wurden durch Dammbrüche frei und suchten haupt fächlich den Ostteil der Stadt heim. Die Menschen eilten nach dem Erdbeben auf die umliegenden Felder und Wiesen, um dort zu tampieren. Militär und Polizei umstellten die Stadt, die völlig geräumt wurde. Der Belagerungszustand wurde sofort erklärt. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 1. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: き Heute abend 8 Uhr in Treptow. Das beutige benbrennen ber Treptower Bahn nimmt erhöhtes Interesse in Anspruch, denn mit Linart, Lejour, Lewanow und Sawall tommt ein Feld an den Ablauf, wie es zurzeit nicht besser gedacht werden kann. Die Einteilung der fieben Läufe zum Friz- Zeile Erinnerungs rennen ist folgende: 6 Läufe à 10 km als Verfolgungsrennen: 1. Lauf: Rejour Sawall, 2. Lauf: Rewanow- Linart, 3. Lauf: Rejour- Linart, 4 Lauf: Reivanow Sawall, 5. Lauf: Lejour Lewanow, 6. Lauf: Linart Sawall, 7. 2 auf über 50 km mit Lejour, Lewanow, Linart und Sawall. Aber nicht nur in den Dauerrennen wird es ein heißes Ringen geben, sondern auch in den Fliegerrennen stehen besonders scharfe Stämpfe in Aussicht. Eine besondere Programmbereicherung bildet der Kampf des jungen Nach wuchses der Treptower Rennfahrerschule um die begehrenswerte Armbinde. in einem Vor- und Endlauf um die Armbinde fämpfen. Sechs Rütt- Schüler haben den jeßigen Inhaber herausgefordert und werden Geschäftliche Mitteilungen. 5-6.30 Uhr abends: Erstes Kinderfest der Funkstunde. 7 Uhr abends: Reisbahnoberrat Dr. Knuth: Sommer- Reiseverkehr". Bordertreffen des diesjährigen Saisonausverkaufs. Der Beginn der Beran 7.25 Uhr abends: Dr. Ing. Paul Zucker: Architektur unserer Zeit. 2. Vortrag. Das Haus". 8 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Oper. Leitung: Cornelis Bronsgeest. XXV. und letzte Veraustaltung vor den Ferien. Fra Diavolo", Oper in drei Teilen von D. F. E. Auber. Für den Rundfunk bearbeitet von Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Georg Széll. Fra Diavolo, unter dem Namen des Marquis von San Marco: Hans Heinz Bollmann; Lord seine Gemahlin: Jessika Köttrick; Lorenzo, Offizier bei den Kookburn, ein reisender Engländer: Gerh. Pechner; Pamella, römischen Dragonern: Eugen Transky; Matteo, Gastwirt: Dirk Magré; Zerline, seine Tochter: Anni Frindt; Beppo, Bandit: Leonh. Kistemann; Giacomo, Bandit: Franz Sauer; ein Müller, ein Soldat, römische Dragoner, Landleute, Gäste, Dienerschaft. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Ort der Handlung: ein Dorf in der Umgegend von Terracina. Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 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Um Montag wurde in Hamburg der 8. ordentliche Verbandstag der graphischen Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands durch den ersten Vorsitzenden Bucher- Berlin eröffnet. Als Gäste waren u. a. eine Anzahl Vertreter verwandter Berufe des In- und Auslandes erschienen. Anwesend waren vom ADBB Sabath, vom Zentralvorstand des Deutschen Buchdruckerverbandes Seig, ferner einige Hamburger Ortsgruppenleiter fowie der Bertreter des Buchbinderverbandes und Maschinenmeistervereins. Aus Desterreich nahm W1zcet vom Reichsverein der österreichischen Buchdruckereis und Zeitungsarbeiter und Grünwald vom öfterreichischen Sennefelder Bund an der Tagung teil. Iacet trat in feiner Begrüßungsrede warmherzig für den Anschluß Dester reis an Deutschland ein und erklärte, daß die österreichische Kollegenschaft nichts sehnlicher wünsche, als mit den deutschen Kollegen in einer Organisation vereint zu sein. Grünwald- Wien, der dann ebenfalls zur Begrüßung sprach, setzte sich für die Schaffung einer Industrie Organisation ein, wie sie in Desterreich bereits seit Jahrzehnten durchgeführt fei. Dann erstattete Bucher- Berlin den Geschäftsberimt. Er beschäftigte sich längere Zeit mit der Lohn- und Verdienstpolitit des Verbandes und verwies darauf, daß es dant der anertennenswerten Unterstützung der Buchdruckerkollegen gelungen fet, für das Hilfspersonal des Buchdruckgewerbes einen Reichstarif abzuschließen, . der es ermöglichte, über die schlimmste Zeit der Inflation hinweg, zukommen. Im Steinbrud gewerbe sei man leider noch nicht so weit, doch würden die Bemühungen fortgefeht. Aehnlich stehe es mit den Schrifgießerei hilfsarbeitern, die sich gegenwärtig gerade mit ihren Arbeitgebern in einem scharfen Ron flift befinden, der hoffentlich zu einem günstigen Abschluß gebracht werden fann. In diesem Zusammenhang banfte der Redner den österreichischen Bruderorganisationen für ihre tatkräftige Diffe, die sie der Organisation während der schlimmen Inflationszeit geleistet haben. Der Mitgliederbestand ist von seinem Höchststand von 55 000 Personen während der Inflationszeit auf 38 000 nach der Der jetzige Stand tann als Stabilisierung zurüdgegangen. befriedigend angefehen werden. Der Referent jezte sich mit der Frage der Schaffung von Industrieverbänden auseinander. Er vertrat den Standpuntt, daß ein Industrieverband nach rein theoretischen Grundsätzen abzulehnen sei. Die Löfung dieser Frage müsse der natürlichen Entwicklung vorbehalten bleiben. Lodahl gab anschließend den Kassenbericht. Er fonnte Die erfreuliche Mitteilung machen, daß der Verband einen Teil feines Bermögens durch den Bau eines eigenen Verbands hauses retten fonnte. Weitere Berichte wurden dann von Gch mid t- München über die Tätigkeit des Verbandsbeirates und von Schulz als Redakteur des Fachorgans„ Die Soli. darität" erstattet, In der Debatte wurde sehr eingehend über die Frage der Industrieverbandes und über den Berliner Buchdruckerstreit 1923 prochen. Sämtliche Redner erfannten die vom Verbandsvorstand entichließung angenommen, die den Verbandsvorstand leistete Tätigkeit an. Nach der Debatte wurde einstimmig eine beauftragt, jede vorhandene Möglichkeit auszumuzen, um dem Industrieverband näherzulommen. Dem Verbandsvorstand murde ferner für feine Tätigkeit in den Berichtsjahren 1920-25 einstimmig das volle Bertrauen ausgesprochen. Verbandstag der Hutarbeiter. Köln, 30. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am zweiten Berhandlungstag gibt der Verbandsvorsitzende Broesite den Bericht des Borstandes. Die Zahl der in der Hutbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ist in der Berichtszeit start gesun. ten. Das hat natürlich auch die Mitgliederbewegung ungünstig beeinflußt. Ende 1924 zählte der Verband 18 500 Mitglieder gegen 29 000 im Jahre 1923. An dem Mitgliederverlust ist hauptsächlich das weibliche Element start beteiligt, aber auch männliche Mitglie der, besonders im bayerischen Allgäu und in Berlin, haben der Organisation den Rüden gefehrt. In der Lohnfrage hat der Berband in der Berichtszeit eine Reihe von guten Erfolgen erzielt. Im Jahre 1925 ist die Mitgliederzahl infolgedeffen auch wieder er. heblich gestiegen. Bei der Abstimmung über die Verschmel zung des Berbandes mit dem Textil- oder Bekleidungsarbeiterverband haben sich die Mitglieder in einer Urabstimmung gegen eine jolche Berschmelzung ausgesprochen. Die Aussprache über die Berichte nahm die ganze Dienstags fizung in Anspruch. Besonders bemerkenswerte Ausführungen machte der Bertreter des ADGB., Genosse Jäckel vom Tertilarbeiterverband, der die Haltung des Bundesvorstandes in der Frage des Achtstundentages rechtfertigt und der nachdrücklich betont, daß die Treibereien der Kommunisten die Position der Unternehmer sehr gestärkt haben. Jädel verlangt für die kommenden Gewert schaftsfämpfe eiserne Disziplin. Man könne heute Klassenfämpfe nicht so führen, wie das vor 30 Jahren noch üblich gewesen sei. Die Logik der Dinge dränge kleinere Gewerkschaften zum Industriever. band. Tierfelder vom Bekleidungsarbeiterverband unter strich die letzten Ausführungen. Die Debatte schloß mit der ein stimmigen Annahme einer Entschließung, in der die Schaffung und Förderung von Industrieverbänden gefordert wird. Dem Vorstand wird Entlastung erteilt. Internationaler Fabrikpflegekongreß. der erste Internationale Fabritpflegefongreß. Das In Blissingen( Holland) tagte in der vergangenen Woche Internationale Arbeitsamt in Genf war durch zwei seiner Schweizer Mitglieder vertreten; die übrige Teilnehmerschaft bestand im wesentlichen aus Fabrikwohlfahrtsbeamtinnen aus den verschiedenen Ländern, einigen Arbeitgebern und Gewerkschaftlern. In den Verhandgesamten Fabrikwohlfahrtsarbeit zum Ausdruck, die in Amerita lungen des Kongresses tam eine bemerkenswerte Entwicklung der und England am weiteften vorgeschritten ist. Alle an der sozialen Arbeit in den Industriebetrieben Beteiligten faffen dort die Gorge für das persönliche Wohl des Arbeiters nicht mehr patriarchalisch als Wohltätigkeit des Unternehmers auf, hinter der mehr oder weniger der Druck der Geseze steht, sondern sie haben erfannt, daß die pflegliche Behandlung der Arbeiterschaft, des„ menschlichen Faltors in der Industrie", eine der Grundlagen der gesamten Produktionspolitik bilden muß. Unter Produktivität wird in diesem Zusammenhange nicht eine möglichst große Rentabilität der einzelnen Unternehmung verstanden, sondern eine gedeihliche Entwicklung der Industrie im Rahmen der gesamten Boifswirtschaft, in die ja der Arbeiter gleichermaßen als Ronjument wie als Produzent verfiochten ist. Damit ist die industrielle Wohlfahrtspflege aus der humanitären, gefühlsmäßigen, in die wirtschaftspolitische Be trachtungsweise gerückt worden. Es ist klar, daß diese Anschauung von Amerita ausgehen mußte, wo die sorgsame Behandlung des einzelnen Arbeiters angesichts der Arbeiterfnappheit zwingende Notwendigkeit wurde; man erkannte bald, daß die an Taylor anknüpfenden modernen Arbeitsmethoden ihren Zweck perfehlen, menn fie zwar eine Steigerung der Arbeitsleistung bedeuten, aber die Kräfte des Arbeiters bis zm lezten ausbeuten. Daher haben die neuesten betriebswissenschaftlichen Methoden ebenso wie die neuesten sozialen Einrichtungen in den Fabriken den Zwed, eine Berbindung zu schaffen zwischen der höchstmöglichen Arbeitsleistung und dem bestmöglichen förperlichen und feelischen Zustand des Arbeiters innerhalb und außerhalb feiner Arbeit. Dazu gehört z. B. eine Vorbildung des Arbeiters, die nicht auf eine einseitige Berufsſpezialiſierung hinarbeitet, fondern, wie dies schon jetzt in einzelnen Lehrlingswerkstätten geschieht, durch Jorgjame Schulung aller Fähigkeiten dem Arbeiter ein näheres Verhältnis zu seiner Arbeit und ein befriedigendes Bewußtsein seines Rönnens gibt. Benn auch diese Auffaffung einen großen Fortschritt gegenüber der rücksichtslosen Unterwerfung des Arbeiters unter die fapitaliftischen Betriebsmethoden bedeutet, jo erheben sich doch zwei schwerwiegende Fragen, die von deutscher, besonders von gemert haftlicher Seite( Dabringhaus- Eſſen) gestellt wurden: die Frage, wie die monotone, täglich gleichförmige Arbeit, die ja doch ieht den größten Teil der industriellen Arbeit bildet, beseelt, für den Arbeiter zu einer befriedigenden Beschäftigung gemacht werden soll, und das Lohnproblem. Auf die erste Frage läßt sich zwar heute noch keine Antwort geben, doch scheint die Technit sich ernsthaft damit zu beschäftigen. eit spielt, wurde von allen Seiten anerkannt. Die Fabritpflege Welch ungeheure Rolle das Lohn problem und die Arbeits. auch in dem modernen, erweiterten Sinne wird ihre größte Bedeu tung für den Produktionsprozeß gewinnen, wenn sie nicht mehr mit Löhnen rechnen muß, die unter dem Existenzminimum liegen. Der Vertreter Indiens, der die Lohn- und Arbeitszeitver hältnisse dort als besonders drückend darstellte, brachte eine Refolution ein, nach der die Wohlfahrtsbewegung auf die Annahme der Washingtoner Ronvention überall da hinwirten folite, wo sie noch nicht in Kraft ist. Wenn auch diese Resolution nicht in den Aufgabenfreis des Fabrikpflegetongreffes gehörte und daher zurückgezogen wurde, so ist doch von ihr ein Einfluß auf die öffent liche Meinung in dem Sinne zu erhoffen, daß unsere Unternehmer fich nach und nach davon überzeugen müssen, daß die Politik der Lohnreduktion das ungeeignetste Mittel zur Besserung der wirtschaftlichen Lage ist, besonders in Deutschland, wo eine Fülle weltwirtschaftlicher Schwierigkeiten damit verbunden sind. Man ist bei uns mit der richtigen Bewertung des Menschen im Produktionsprozeß noch sehr im Rückstand, wird aber bald dem Beispiel Englands und Amerikas folgen müssen. Diese und andere grundsätz liche Fragen, die hier nur angedeutet werden konnten, gaben dem Kongreß eine weit über seine engeren Aufgaben hinausgehende wirtschaftspolitische Bedeutung. Die Arbeiterbewegung wird die Fabritpflegebemegung aufmertjam verfolgen müssen, um durch engeres Zusammenarbeiten zwischen Technifern, Fabritpflegern und Betriebsräten eine wirklich soziale Gestaltung der modernen Betriebsmethoden zu erzielen. M. K. Der Ausban der Angestelltenversicherung. Dem Reichstag ist jetzt der Gesetzentwurf über den Ausbau der Angestelltenversicherung zugegangen. Der Entwurf bringt in Berfolg der seinerzeit im Reichstag angenmmenen Entfchließung in der Hauptsache einen neuen Leistungs- und Beitragstarif. Er erhöht den Grundbetrag von 360 auf 480 M., den Kinderzuschuß von 36 auf 90 M. und den HunMittwoch, 1. Juli 1925 dertsatz für die Steigerungsbeträge aus dem seit 1. Januar geleisteten Beitrage von 10 auf 15 M. Als Ausgleich wird eine Erhöhung der Beiträge vorgeschlagen. Es werden für die Zukunft 6 Gehaltsklassen geschaffen. In der Klasse A( bis 50 M.) soll der Monatsbeitrag 2 M., in der Klasse B( bis 100 m.) 4 M., in der Klasse C ( bis 200 m.) 8 M., in der Klasse D( bis 300 M.) 12 M., in der Klasse E( bis 400 m.) 16 M. und in der Klasse F( bei einem Gehalt von mehr als 400 m.) 20 m. betragen. Außerdem werden zmei neue Klassen Gund H für freiwillige Weiterversiche= trägt. rung geschaffen, in denen der Monatsbeitrag 25 bzw. 30 m. beEinfähränkung der Betriebskosten. Bei den englischen Eisenbahnen. bei ihrer legten Besprechung mit den Eisenbahnergewerkschaften London, 29. Juni. Die Erklärungen der Eisenbahngesellschaften über die Notwendigkeit einer Ermäßigung der Betriebsausgaben werden auf der Jahrestagung des Eisenbahnerverbandes am 6. Juli besprochen werden. Gleichzeitig wird sich die Vereinigung der otomotivführer und-heizer mit den Bestrebungen der Eisenbahngesellschaften befassen. Kampferöffnung im englischen Bergbau. 8ecenbesiger haben jegt, wie der Internationale Bergarbeiter Amfterdam, 80. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die britischen berband mitteilt, offiziell erklärt, daß sie den bestehenden Lohnund Arbeitszeitfontraft Ende Juli tündigen werden. Am Freitag wird die Konferenz der Delegierten der britischen, Bergarbeiter verbände zusammentreten, um ein Attionsprogramm zur Erawingung der Lohn- und Arbeitszeitforderungen zu beschließen. Der Kampf um den Siebenstundentag im Bergbau steht im Vordergrund der Bewegung. Die Forderungen der franzöfifchen Bergarbeiter. Paris, 80. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Ein seit Montag in Carmaux tagender Kongreß der französischen Bergarbeiter hat eine Entschließung gefaßt, in der die Verstaatlichung iber Bergwerte und die leberwachung der Einhaltung des Acht st un dentages durch die Regierung gefordert wird. Eine weitere Entschließung befaßt sich mit der Regelung der Bensionen. Der Anspruch auf Auszahlung einer Pension in Höhe von 50 Proz. des Durchschnittslohnes son nach 25jähriger Dienstzeit, aber frühestens im 50. Lebensjahr beginnen. Bei vorher eintretender Arbeitsunfähigkeit soll das Recht auf eine proportionell geftaffelte Pension nach 10 Dienstjahren Abo Berhandlungen im belgischen Bergbau. Brüssel, 80. Juni.( E. B.) Eine Versammlung der Grubenbefizer und arbeiter wird heute zusammentreten, um zu versuchen, den bis zum 1. Juli drobenden Streit zu berhüten. Die Arbeitgeber werden vorschlagen, die Löhne nur um 2 Prozent zu reduzieren, während sie ursprünglich eine Herabfegung von 10 und dann von 5 Prozent durchsehen wollten. Aussperrung der badischen Bauarbeiter. Lörrach, 80. Juni.( TU.) Die Arbeitgeberorganisationen bes 6 abischen Baugewerbes haben beschlossen, vom 1. Juli ab in ganz Baden sämtliche Bauarbeiter auszufperren. Diese Aussperrung erfiredt fich auf Maurer, Handlanger, Tischler und 8immerleute. In einer Konferenz von Delegierten der Deutschen Metallarbeiter- Berbände wurde der von den Arbeitgebern abgelehnte Lohn- Schiedsspruch für die nordwestliche Gruppe der Schwereifenindustrie angenommen, und beschlossen, die Verbindlichkeitserklärung des Spruches zu beantragen. Deutscher Holzarbeiterverband, Schwachstromindustrie. Bersammlung aller Solzarbeiter, welche für die Schwachstromindustrie arbeiten, am Donnerstag, 2. Juli, 28 Uhr, Rosenthaler Sof, Rosenthaler Straße. Bollzähliges Erfcheinen erwartet die Branchenleitung der Fabrik- und Modelltischler. Baugewerkebund. Fachgruppe Glaser. Donnerstag abend 7 Uhr im Gepertichaftshaus öffentliche Bersammlung aller in Glasschleifereien und Glas handlungen beschäftigten Silfsarbeiter, Rutscher, Fahrstuhl und Kraftwagenführer. Tagesordnung: ,, Wie verbessern wir unsere wirtschaftliche Lage?" 8u dieser Bersammlung müssen alle Obengenannten, ganz gleich ob organisiert Die Fachgruppenleitung. ober nicht, erscheinen. tag, den 2. Juli, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Gaal 1. Wichtige Achtung, Tapezierer! Allgemeine Tapeziererversammlung am Donners Tagesordung. Bortrag. Erscheinen aller Kolleginnen und Kollegen notwendig. Die Branchenleitung. Achtung, SPD. Bant, Geldschrank und Möbelschloffer! Freitag, den 3. Juli, abends 7 Uhr, findet im Lobal Weinholz, Gipsstr. 3, eine wichtige Besprechung statt. Alle SPD.- Kollegen müffen baran teilnehmen. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiale Groß- Berlin, Gasbranche. Donnerstag, den 2. Juli, abends 6 Uhr, findet im Verbandshaus Johannisftraße 14/15( Saal), eine Funktionärtonferenz fämtder ficher Funktionäre Gas. und Wafferbranche statt. Tagesordnung: Stellungnahme zum Lohnfchiedsspruch. Verschiedenes. Mufitaufträge 50 übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin 027, Andreasstr. 21( Königstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. 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Lederfahrmäntel, schwarz, zweireihige weite Form 118.Ledergamaschen, Lederfahrhandschuhe, Ledermützen von 8.50 an 10.50 89 56.38.von 7.50 an Chauffeurpelze, Tuchbezug mit Schafpelzfutter, Aermelpelzfutter, Lammfellkrag., auch für Mitfahrer und Portiers geeignet 135.Knaben- und Burschenanzüge Waschanzüge Gr. 1-5, Zwirn, Schilfleinen und andere Stoffe Waschanzüge Gr. 0-10, ein großer Posten einzelner Sachen aus gestreiftem Perkal und Zephir in Blusen und anderen Formen, je nach Größe, Größe 0-3. 4.40 3.20 5.90 • Stoffanzüge Gr. 1-6 aus haltbarem Buckskin, Sportform, durchweg • Stoffanztige Gr. 1-7 in Blusen-, Schlüpfer- und anderer Form aus farbigen und blauen Stoffen jeglicher Art 15.-, 12,-, 8.90 Original Kieler Anzug, Gr. 0-12 in vielen Qualitäten, anfangend Gr. 0-3 mit 12Manchester- Anzüge, Sportform, Gr. 7-12 16.50, 0-6 12.Sportanzüge, Gr. 7-12 mit Breeches aus Donegal, Gabardine und modern gemusterten Cheviotstoffen in vielen schönen Dessins, je nach Qual 30., 27., 24., 18., 14-, 11.50 Pyjacks, Gr. 0-8, gefüttert aus blauem, haltbarem Stoff in vielen Qualitäten, Preis je nach Größe und Qualität 0-3 . von 10.- an Ulster und Raglans, Gr. 0-12 in vielen Qualitäten, schöne moderne Muster, Preis nach Qualität, Größe 0-5. . von 12.- an Sport-, Geh-, Jagd- u. 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Jahrhundert gegen 5000, eine etwa fünfjährige im Bistum Würzburg 900 Opfer verschlang, vom achtjährigen Kinde bis zur hochbetagten Greisin. Wir stehen heute vor jener Ver- irrung des Menschengeistes, die in drei Jahrhunderten von 1400 bis 1700 wie Krieg und Pest die deutschen Gau» entvölkert«, fast wie vor einem Rätsel. Seine letzten Wurzeln hat der Hexenglaub« In den religiösen Vorstellungen der Germanen. Wie all«. Naturvölker glaubten auch sie die Erde von unsichtbaren Wesen(Dämonen) belebt, welche gegen den Menschen Böses im Schild« führen. In christ- licher Zeit übertrugen sich derartige Vorstellungen auf die Gestalt des Teufels, dem die Phantasie des Volkes, aber auch die christ. liche Theologie ein ganzes Gefolge von Unholden andichtete. War der Teufelsglaube schon an sich etwas ganz und gar Volkstümliches, so erhielt er neue Nahrung durch den»Schwarzen Tod", jene furcht- bare Pest, die Mitte des 14. Jahrhunderts Europa entvölkerte und als ein Siegeszug des Teufels und seiner Trabanten erschien. Als endlich im 15. Lahrhundert die Ketzerverfolgungen immer mehr zu- nahmen, ergab sich ganz von selbst auch die Aufspürung der Hexen: ihr Bund mit dem Teufel hing ja eng mit der Ketzerei zusammen. Fortan galt der Glaube an Hexen als ein Teil der Kirchenlehre, und die berüchtigte päpstliche Bulle von 1484 bezeichnet den Anfang der Prozesse: sie spricht davon, daß in Oberdeutschland Personen sich mit dämonischen Wesen fleischlich vermischt hätten und durch zauberische Mittel mit Hilfe des Teufel» die Geburten der Weiber, die Jungen der Tiere, die Früchte der Erde, Weinberge, Obst und Getreide vernichtet und Männer, Frauen und Vieh mit grausamen Schmerzen und Plagen gepeinigt hätten. Zugleich erteilt die Bulle den Ketzermeistern und Professoren der Theologie Heinrich I n st i t o r, Jakob Sprenger und Johann G r e m p« r den Aus- trag, die Hexen auf alle mögliche Art auszurotten. So begann in Deutschland die grausige Arbeit der drei Fa- natiker, unter denen sich besonders der erster« auszeichnete. Um der Christenheit über das Treiben der Hexen eine genaue Be- lehrung zu geben und zugleich den anzuwendenden Prozeßgang zu regeln, verfaßte er 1487 jenes ebenso furchtbare wie interessante Buch, den»Hexenhammer"(dlalleue malekiearum. Ins Deutsche übersetzt von I. W. R. Schmidt). Nach diesem führt« man seitdem alle Hexenprozefle, und er wurde in der Tat ein ver- nichendes Instrument im Kampfe gegen die Tausend« und aber Tausende von Unglücklichen. Das Buch ist trotzalledem mit einer gewisien kindlichen NaivetSt geschrieben: muß man sich doch stet« vor Augen halten, daß jene Generation von Menschen von dem Wahne vollständig durchdrungen war und daß nicht Blutdurst, sondern innerste Ucberzeugung die Verfasser de».Hexenhammers" leitete. Luther und die Refor- matoren waren ja genau so im Teufelsglauben befangen; wir finden daher die Hexenprozesie— die Institor übrigens mit geschickter Be- rechnung an die weltliche Gerichtsbartelt verwies, da das geistliche Gericht dem reuigen Sünder Gnade gewähren mußte—, in protestantischen Landesteilen genau so wie in katholischen. Der.Hexenhammer" zerfällt in drei Teile: die erste» beiden handeln von der Hexerei im allgemeinen, von Ihren ver- schiedenen Arten und Wirkungen und von den Gegenmitteln: der letzte Teil regelt das Gerichtsverfahren. Zunächst wird ausführlich dargelegt, daß Hexerei als ein Werk des Teufels zugleich Abfall vom katholischen Glauben bedeute. E» werden verschiedene Sorten von Hexen unterschieden, denen allen aber gemeinsam ist, daß sie mit dem Teufel Unzucht treiben. Dann wird von dem Huldigunas- aft erzählt, den ihm die Hexen beim Hexensabat darbringen. Die Zeremonie wird von Institor eingehend geschildert mit der Ver- sicherung, daß die Beschreibung genau nach den Geständnissen der Heren gegeben sei. An die Huldigung schließen sich allgemeine Orgien an, an denen jede Hexe mit ihrem Buhlteufel teilnimmt, und beim Morgengrauen fahren sie auf Böcken oder Besen, wie st« gekommen sind, wieder durch dt« Lust. Nach Aufnahm« in den Kreis der Hexen ist die-Betreffende fähig, Menschen und Tiere zu behexen, und zwar auf 18 Arten. Als ketzerisch wird die Meinung verworfen, daß die Hexenfahrten Erzeugnisse der Phantasie seien, und als Beweis werden dafür in erster Line die.Geständnisse" der unglücklichen Opfer angeführt. Di« Belohnung, die die Teufel den Hexen gewährt, ist der Liebesgenuß: doch stellt Institor aus den Geständnissen der Eingeäscherten fest, daß manche zur Begehung von Hexentaten nicht willig gewesen seien und daher vom Teufel Prügel bekommen hätten;»hatten sie doch sehr oft geschwollene, bläulich angelaufene Gesichter". Als Gegenmittel bezw. als Schutz vor Behexung empfiehlt das Buch das Zeichen des heiligen Kreuzes, geweihtes Wasser oder das Tragen von geweihten Gegenständen; auch solle man eine Hexe nicht berühren, und im Gerichtssaal solle .Zum Donnerwetter, Kellner, wo bleibt denn mein Zollfrikassee!!" sie den Richtern den Rücken zudrehen, um durch ihren dösen Blick niemand schaden zu können. Als Strafe kommt nur die Todes- straf« in Betracht. Die Einlettung eines Berfahren» wird schon dann verlangt, wenn nur das Gerücht geht, daß an einem Orte eine Frau der Hexerei verdächtig sei. Schon äußerliche Leidesgebrechen. Wunden oder Striemen am Körper, ein irnbesonnenes Wort, nächtlich« Abwesenheit von Hause, ansteckend« Krankheiten, Viehseuchen, Feuers- oder Wassersnot, ungewöhnlich« Schönhett konnte in den Verdacht der Hexerei bringen Das Verfahren selbst zielte lediglich daraus hin, ans dem Mund« der Hexe ein»Geständnis der reinen Wahrheit" zu erhalle». Diesem Zwecke dient« die.peinliche Frage" oder Folter. Man begann diese mit den Daumenstöcken, wobei der Daumen durch langsames Zuschrauben zerquetscht wurde. Half das nicht, so nahm man die Beinschrauben oder spanischen Sttefel, welche das Lein platt preßten und die Knochen zu Spltttern machten. Der nächst« Grad war der.Zug": die Hände wurden auf dem Rücken gebunden und an ihnen ein Seil befestigt: dann wurde da» Opfer an einer aufgerichteten Leiter mehrmals in die Höhe gezogen, bis die Glieder ausgerenkt waren, und wieder hinabgeschnellt. Schließlich nahm man brennenden Schwefel oder Pech zu Hilfe, da» man auf den nackten Körper träufelte, oder man hielt brennend« Lichter unter die Arme und Fußsohlen. Unter Umständen wurden die Folterungen mehr- mal» wiederholt. Jedenfalls gall Leugnen und standhaftes Erttagen stet» als besonderer Schuldbeweis, da nach der allgemeinen An» ficht der Teufel die Kraft gibt, die Tortur auszuhallen. Als«in untrügliches Zeichen zur Erkennung der Schuld wird dem Richter empfohlen, darauf zu achten, ob die Beklagte weint. Denn die Hexen können angeblich keine Tränen vergießen. In den uns erhallenen Protokollen über Hexenprozesse finden sich daher bei der Niederschrift über die von den Beschuldigten gemachten Aussagen häufig dementsprechende Zusätze. So heißt es im Protokoll eines Hexenprozesses, der vor dem Leipziger Schöffenstuhl 1658— 1660 geführt wurde, von der Betreffenden, nachdem ihr die Daumenstöcke angelegt worden waren:»Ob sie wohl getan, als wenn sie weinete, so hat sie doch keine Tränen vergossen." Ja der Ehemann der Gefolterten, die unter den Qualen verstarb, sagte aus,»es wäre ihm selbsten verdächtig vorkommen, daß sein Weib niemalen einige Tränen vergossen". Jahrhundette lang war der»Hexenhammer' die furchtbarste Geißel in deutschen Landen. Noch bis ins 18. Jahrhundert erhielt sich der unselige Wahn lebendig, der das Familienglück zahlloser Menschen zerstött hatte. Die letzte Hexenverbrennung fand 1775 im Stifte Kempten statt. Mannhafte Gegner des ganzen Unwesens hatten vereinzelt schon im 16. Jahrhundert, wenn auch vergeblich, ihre Stimme erhoben. Der 1635 verstorbene Jesuit Friedrich Spee, der als Beichtvater viele Hexen zum Scheiterhaufen begleitet hotte, kämpfte dann in einem anonym erscheinenden Werke besonders gegen die scheußliche Art des gerichtlichen Verfahrens: ihm schlössen sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit größerem Erfolge der Nieder- länder Balthasar Becker und bald darauf der Hallenser Professor Cristian Thomosius an. Ihre Namen sollen unvergessen seinl _______ Dr. K. W. Die Geburt Suööhas. (Don rntscrm japanischen Korrespondenten.) Während die Geburl Christi in vielen Bildern dargestellt ist, sind Darstellungen der Geburt Buddhas sehr selten, selbst in Japan, wo der Buddhismus jetzt die größte Verbreitung hat. In einem all- indischen Heiligenbuch wird die Geburt Buddhas folgendermaßen geschildert: Buddha war der Sohn eines indischen Königs. Königin Maya, Buddhas Mutter, wollte eine» Tages im entfernten Hofgatten spa- zieren gehen und mit der Erlaubnis des Königs wurde sie mit ihrer Mutter in einem Palankin von Dienern nach dem Gatten getragen. Unzählige Beamte und Wätter begleiteten den Zug und die Hof- mustk spielle. Im Gatten waren viele Blumen, Früchte und Bäume. Die schönsten Bäume, Blumen und Früchte der irdischen und himm- tischen Welt waren hier vereint. Im Gatten sah die Mutter einmal noch dem Himmel und wollte mit ihrer rechten Hand den Zweig eines Baumes herunterziehen. Der Zweig beugte sich nieder und als die Königin Maya ihn mit ihrer rechten Hand greifen wollte, wurde ein Knabe aus ihrer rechten Achselhöhle geboren. Alle Anwesenden falttten unwillkürlich die Hände, um zu ihm zu beten. Bei der Geburt warf der Knabe Strahlen, die den ganzen Gatten beleuch- ttten. Vom Himmel aber siel ein Blumenregen. Himmel und Erde erbebten vor Freude. Dann fing ein duftiger Regen an zu falle», der die ganze Welt mit Wohlgerüchen erfüllt« und hundert- zromzig Tage anhielt. Um den großen Mann zu heillgen, wurde absichtlich erzählt, daß er nicht auf gewöhnlich« Weise geboren sei. In einem Bild im kassettichen Museum zu Kioto ist auch die Szene dargestellt, wie der Knabe aus der rechten Achselhöhle der Königin Maya entspringt. Ja einem heiligen Buch des Buddhismus heißt es:»Der Knabe konnte gleich nach der Gebutt ohne Unterstützung laufen. Er lief sieben Schritte nach jeder der vier Himmelsrichtungen. Jedesmal. wenn er den Fuß aufhob, wuchsen große Lotusblumen o« der Stelle. Noch bevor der Knabe die Augen öffnete, sprach er: In der ganzen Welt stehe ich am höchsten." In einem bekannten indischen Blld ist dargestellt, wie das Kind, da» aus der rechten Achselhöhle der Königin Maya geboren ist, selbständig läuft. Jedenfalls kann man aus verschiedenen Quellen annehmen» daß der Buddha ein kräfttger Knabe war. Trotz der großen Anstrengungen seiner Jugendzeit lebte er bis zum 88. Lebensjahr. Mit den Motten »Himmel und Erde erbebten" hat man vielleicht zum Ausdruck bringen wollen, wie alle Begleiter der Königin infolge der plötzlichen Gebutt hin und her rannten, um die Nachricht zu verbreiten und für die sofottige Rückkehr der Königin Vorbereitungen zu treffen. Der.Blumenregen" könnte sich darauf beziehen, daß die Leute, die von der Geburt des Knaben Kunde erhielten, vor Freude Blumen streuten. Der hundertzwanzigtägige Dufftegen aber ist vielleicht daraus zu erklären, daß Buddha am 8. April nach dein Mond- kalender, d. h. am Ende des Hochsommers in Indien, geboren wurde, wo in jedem Jahre eine lange Regenzeit einzusetzen pflegt. tzast du schon gelebt! von Etnll Rath. Auf dem Flur schallten feste Schritte, die Tür wurde auf. gestoßen, die gestreifte Jacke eines Krankenwätters schob sich herein, rückwärts, hinterher eine Tragbahre, dahinter wieder eine gestreifte Jacke, dann das blütenweiße Ueberkleid einer Schwester. „Legen Sie ihn in das erste freie Bett dott hinten!" sagte sie mit wohltönender Stimme, deren Klang alle Kranken begierig auf- sogen. Die Decken wurden beiseite geworfen. Elende« Menschenwrack. durch verschrumpfte Haut zusammengehalten, ward behutsam aus das Bett gelegt, und als die Wätter sich entfernt hatten, war es totenstill. Mit geübter Hand schneb die Schwester auf die schwarze Tafel zu Häupten des Kranken:»Heinrich Köhler. 33 Jahre." Von Bett zu Bett wurden bedeutsam« Blicke ausgetauscht. 33 Jahre? Trieb das Leben schlechten Scherz mit ihnen? War das nicht ein Irrtum? Jener Kranke, dessen Nase aschfahl und spitz in die bleierne Luft hineinragte, mußte mindestens fünfzig Jahre alt sein. Wogar noch mehr. Und alle Augen schauten auf die Fieber- tafel, auf der die schlanke Schwesternhand einen steilen Sprung machte: 39,8. Zögernd kamen wieder Flüstergespräche in Gang, aber immer wieder irtten die Blicke zu jener Ecke hinüber, wo unverrückt die spitze Nase zur Decke wies. Dann ward es Nacht. Kein Licht wachte. Aus achtzehn wunden Brüsten rang sich röchelnd, pfeifend, schnou- send oerbrauchte Lust. Der Kranke in der Ecke keuchte schwer. Gab das Fieber nach? Stieg die Temperatur? Der abgezehtte Körper richtete sich auf, in der schwachen Dämme- rung tastete sein Blick umher und erkannte, wo er war. „Kamerad!" Er rief es mit derselben Stimme, mit der Der- «undete im Felde rufen. Erst zaghaft, gewiß, dann mit wachsender Angst und lauterem Ton. Der Nachbar ward wach, �überlegte. Wer rief da? Wieder die flehende Stimme:„Zu trinken!" Der andere brümmelte in den Bari, kramte im Finsteren nach einem Lichtstumpf und zündete ihn an. Da sah er, daß der Kranke sich halb aufgerichtet hatte und mit leeren Augen umherstierte. Cr schenkte Ihm aus der Wasserflasche ein Glas ein. Das Wasser war lau, aber der Kranke goß es gierig hinab, seine magere Hand hielt das Glas hin:„Mehr!" Als schlüge der Trunk Qual und Furcht mit einem Schlage nieder, ward des Kranken Blick freier, schaute dem anderen fragend Ins Gesicht:.Sag' einmal, hast du schon gelebt?"' Erstaunt reckte der Aeltere den Hals auf. Sonderbare Frage. »Gelebt? Ich lebe ja noch!" Der Schwindsüchttge sah an ihm vorbei:»Rein— so meine ich es nicht. Nicht das Leben, das mit der Gebutt beginnt und das endet, wenn das Herz nicht mehr will oder die Lunge oder sonst etwas." Er schob die Bettdecke beiseite, als fiel« sie ihm lästig, und da kam statt des rechten Schenkels nur ein kurzer Stumpf zum Vor- schein, und der Aeltere sah, daß dem anderen an der rechten Hand drei Finger fehlten. Er schien kein Antwott auf seine Frage von vorhin zu ermatten und fuhr halblaut sott: »Ich— habe nicht gelebt. Und ich hatte doch solchen Hunger nach dem Leben. Versteh mich recht, nicht solchen Hunger, bei dem einem der Magen knurrt, von dem man nachts erwacht. Gewiß, auch diesen Hab ich kennengelernt. Aber von dem spreche ich jetzt nicht. Ich war von metner Gebutt an tot Denn ich war da» elfte Kind. Kein Wunder, daß mein Vater mich noch scheeler ansah al» die anderen Geschwister. Es soll wohl Menschen geben, die«ine Jugend haben. Aber die find meist reich. Oder hoben gute Eltern." Der Atem wurde ihm etwas kurz, und der Nachbar vergaß seine Müdigkeit und nickte zustimmend. Bei dem flackernden Ker- zenlicht goß er noch einmal das Wasserglas voll. Dankbar griff der andere mit der Linken danach. „Als ich fünf Jahre alt war, mußte ich schon beim Zeitung« austragen helfen, aufpassen, daß niemand die Tasche stahl, als ich zur Schule ging, vorher noch Zeitungen austragen. Müde kam ich in die Schule, schlief dort, wurde oft gezüchtigt wegen Faulheit. Ich war nicht faul. Ich war müde, und zu Hause hatte ich keine Zeit zu schlafen. Mit vierzehn Jahren kam ich in die Lehre m einem Schmied. Ja, schau mich an: diese dünnen Hände schwangen einst den Hammer, daß es schier eine Freude war. Aber der Meister war gar zu streng. Jeden Feiertag mußte ich in die Kirche laufen, und Geld gab es keins. Das trug er alles aus eine Sparkasse.»Zu deinem Guten!" sagte er allzeit, wenn er den kargen Lohn sott- brachte." Der Kranke netzte die trockenen Lippen mit einem Schluck Wasser, stellte es nachdenklich hin: .Die Lehrzeit war aus— aber ich blieb bei dem Schmitt». Der Vater wollte, daß ich in der Nähe war, und da gab es keine Widerrede. Ich gab den ganzen Lohn bis auf den letzten Heller daheim ab. Denn der Schnaps war teuer, und Vater trank viel. Ich wollte, ich hätte auch getrunken— vielleicht hätte ich alles besser überstanden. Doch dann kam die Befreiung: der Krieg. Befteiung— auf wenige Tage. Leben voller Ekel, voller Elend. Berge von Toten, Verstümmelten— doch du weißt ja selber, nicht wahr?" Der Zu- Hörer nickte. „Und ich geriet in Gefangenschaft. Da oben war ich, in Si- birien. Gott, ich hatte es gerade nicht schlecht. Aber es war doch kein Leben, immer unter Zwang. Und ich wollt« doch frei fein. Ich entfloh. Aber ich verlor den Weg» tief kreuz und quer, bis Ich vor Erschöpfung umsank. Halb erftoren fand man mich, rnd im Lazarett wurde mir der Schenkel und später auch die drei Finger abgenommen. Dazu kam eine schwere Lungenentzündung. Vsszl blieb ja nicht mehr von mir übrig", setzte er mit sachftchem Blick auf seinen mageren Körper hinzu. Starr schaute er das ruhige Gesicht des Nachbarn an.»fjade ich nicht recht? Habe ich jemals gelebt? Ich bin tot geboren." Der ander« schüttelte abweisend den Kopf. »Was? Glaubst es nicht?" Die Stimme wurde schärfer, im Dunkel zeigten sich doch Fieberflecken aus den grauen Wangen. »Hast du denn gelebt? Für wen denn? Für die anderen, die jetzt in Automobilen fahren? Für die anderen, die jetzt von ihren fetten Pensionen leben? War das ein Leben, als ich endlich zurücktehtt�r Ucberall saßen schon die Satten, die nie hungrig waren, und die vettrösteten und lächelten, mal höhnisch, mal freundlich. Sie konnten lächeln, sie lebten ja. Aber hast du Tote gesehen, die lächeln? Sie grinsen höchstens. Und ich habe seitdem oft gegrinst, glaub mir." Unvermittelt ftagte er:»Od mich der Arzt wohl noch kurieren wird? Meinst du?" Eifrig nickte der andere:„Gewiß. Die meisten von uns werden gesund." Triumphierend rief der Schwindsüchtige mit erhobener Stimme: „Gesund? Du lügst, großattig, sag ich dir! Als man mich über den Hof trug, sagte einer, es kann ein Wätter, kann auch«in anderer Kranker gewesen sein: Der kommt nach der Totenstation!" Und so ist es. Ihr seid alle Tote. Ihr habt nicht gelebt! Lügt, so- viel ihr wollt. Keiner glaubt es euch!" Er schrie fast, die Kranken erwachten.„Ruhig!" mahnte einer. „Ruhig?" äffte der Schwindsüchtige nach,.ruhig?" Das ist es ja. Ruhig— immer ruhig. Nur nicht das Maul aufreißen, sonst könntet ihr es schlechter haben." Er glitt auf den Bettrand, traurig baumelte der Stumpf an der Kante herab, drohend hob er die verstümmelte Hand auf: »Ihr seid Tote! Ihr und ich. Ihr wäret schon immer tot. Ihr hattet keine Jugend: sie war tot. Ihr lebtet jahrelangen Krieg — und wäret tot. Was war euer Leben danach? Langsames Siech- tum, ewiger Tod. Gafft doch nicht so!" Einer drehte das elektrische Licht an, man rief nach dem Arzt der Ronde. „Wie ihr Angst habt vor dem Dunkel! Laßt euch doch elektrisch Licht in euer Grab legen, Feiglinge!" Blutstropfen pertten auf seine farblosen Lippen Der Arzt kam, wollte ihn sanft auf das Kissen zurückdrücken, aber wie ein Rasender schlug der Schwind- süchtige um sich: .Braucht mich jetzt noch nicht holen. Habe ich denn schon je- mals gelebt? Ich will leben. Mein Leben fängt ja erst an..." E:n Blutstrom unterbrach ihn, erschöpft sank er zurück. Die Nachtschwester trat unhörbar ein, und leise sagte ihr der Arzt ins Ohr:»Noch eine Stunde,, 655. SESCH 9 außer 4gewohnlich billige Tage Herren- Kleidung Je 1 Posten Damen- Kleidung Jetzt Mk. Je 1 Posten Sakko- Anzüge a.gemust. Cheviot, beste Verarb. 59, 69, 78, 88 Semmer- Ulster und Patetots 35, 66, 75, 84 Gab.- Mäntel u, Whipcord- Mäntel Schlüpf- a.Mantelf. 75, 85, 95 Cavercoat- Palet. 48, 58, 78, 88 Gummi- Mäntel... ... 18, 25 Winter- Ulster in allen Preislagen Wäsche u.-Artikel Tricoline- Hemden......... 13.50, 15 Schlafanzüge CZephir).......... 12.50 Schlafanzüge( Crepe).. 14 Selbstbinder. reine Seida, moderne Muster.. 4.76 Selbstbinder, moderne Muster und Streifen... Wellsocken in 5 Farben... 2.25, 4 .... 75 Mittwoch 1.Juli Donnerst Freitag 3. Sonnabd.. 1. Gross- Boxkampftag Heute, 8 Uhr Otto Flint als Richter im Bing. " 99 Exschwergewichtsmeister v. 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