Ar. 136. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich Z.zo Marl, monatlich I.tv Mr., wöchentlich 2S Psg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags-Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neue Wslp'ioPfg. Poft-Abonnement: Z.ZoMl. proQuartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn i Ml., für das übrige Ausland sMl.pr.Monat. Eingetr. Ui der Post--Zeitungs- Preislift» für ISSS unter Nr. Ui». 12. Jahrg. Jnfertions-Sebühr beträgt für die sstnfgespaltene Petttzeile oder deren Rauin to Pfg., für Vereins- und Versainmlungs- Anzeige» 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr Nachmittags Iii d?r Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen MS 7 Uhr AbendS, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. jferiisprrcher: Amt l, Ur. lS08. relegramm- Adresse: „Kozialdeinokrat Lcrii»!' Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. MedaKtlon: 8V. 19. Aeuth-Straße 2. Expedition: 8V. 19, AZentK-Straße 3. A!io»NMt«ts-El«llldWg. Mit dem 1. Juni eröffnen wir ein neues Abonne- mcnt auf den„Vorwärts" niit der illustrirten Sonntags-Bcilage „Die Neue Welt". Für Berlin nehmen sämmtliche ZeitmigsspedUeure, sowie unsere Expedition- Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark I« Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne- ments zum Preise von 1,1« M. für den Monat Inn! entgegen.(Eingetragen in die Post-Zeitungsliste für 1895 unter Nummer 7123.) In unserem Feuilleton wird der Abdruck der ge- schichtlichen Erzählung: „Keriurer Märztage� von Michel Tentsch, fortgesetzt. Neu hinzutretenden Abouucuten liefern wir den Allfang des Romans aus Wunsch nach. Redaktion nild Expedition des„Vorwärts". NoUisrecht und In vi steine cht. Ein Wort zum nenen bürgerlichen Gesetzbuch. Jnristenrecht und Klassenrecht lvird das neue bürgerliche Gesetzbuch sein. Juristen sind es, die es schufen, die es überarbeiten, Juristen werden es im Reichs-Justizanite, in den Justizministerien der Einzelstaaten, im Bundesrathe und in der Reichstagskommission prüfen. Und doch handelt es sich hier um ein Gesetzbuch, welches eine unübersehbare Menge von Erscheinuiigen des sozialen Lebens, die mannigfachsten Vertrags- und Schuldverhältnisse, das Sachen-, Familien- und Erbrecht regeln soll. Daß hierzu das juristische Wissen und Köuuen nicht ausreicht, weiß seder Richter, der bei Pro- zesseu sich oft in die Nothwendigkeit versetzt sieht, Sachverständige zu berufen. Noch viel weniger als bei der Urtheilsfindung im einzelnen Rcchtsfalle genügt aber das Wissen des Juristen bei der Feststellung eines Gesetzbuches, dessen einzelne Bestimmungen auf die mannigfachsten Rechts- fälle Anwendung finven können. Niemand will den Juristen das Recht nehmen, in Paragraphenform das zu gießen, was berufene Personen als künftiges Recht fest- setzen. Falsch ist es aber, wenn die Juristen nicht blos Form, sondern auch Inhalt des neuen Rechts fast allein bcstinimeu sollen. Niemand kann sich dann wundern, wenn das geschriebene Recht itu Widerspruche zur Rcchtsauffassung des Volkes steht, wenn der Laie die Urtheilssprüche seiner Richter nicht begreift und das Ver- trauen in die Rechtsprechung sinkt. Fernlleton. lNnchdruck verbol-u.I Kerlwer Marztage. Eine geschichtliche Erzählimg von Michel Deutsch. „Ter Herr Graf sind gewiß hier wegen Ihrem Herrn Bruder?" begann Ephraim Fisch vorsichtig forschend.„Was für'n Uiialück, Hab' ich damals gesagt, und was sür'n Unrecht! sjehil Jahre Festung!" wandte er sich erklärend au die übrige Gejellschaft—„und für was? Weil'n junger Mensch kein Klotz ist, der ans sich'rumhacken läßt, sondern sein Vaterland liebt und es frei sehen möchte!" „Bravo, Ephraim, bravo!* rief Herr von Tumidaiski, sichtlich erfreut durch Ephraiin's Worte.„Wenn hier die Ehern alle denken so von armes Polen, dann ivollen wir 'mal anstoßen auf geliebten Vaterland, was seufzt in Traner und Kummer. Hej! Gastwirlh!" schrie er laut in den Flur hinaus und stimmte darauf niit knarrendcnl Baß das bekannte polnische Nationallied an:„Noch ist Polen nicht verloren.. Plötzlich wurde die Thür aufgerissen und niit ganz entsetztem Gesichte erschien Herr Künimlein auf der Schwelle. „Leiser, Herr Graf, um des Himmels willen!" flehte er, während die verschlagenen grauen Aenglein in dem feisten Gesichte ängstlich hin- und herblinkerten.„Keinen Augenblick Ruhe Hab' ich in den acht Tagen, daß Sie bei mir wohnen. Tag und Nacht beobachtet man meine „Ente"— und Sie singen hier bei nachtschlafender Zeit Lieder, und was für Lieder!" Kasimir von Tumidaiski ließ seinen Blick eine Weile voll Geringschätzung auf Herrn Kümmlein ruhen. „Esel!" sagte er dann kurz und drehte sich mit der Ties muß besonders dann der Fall sein, wenn, wie im Deutschen Reiche, die Juristen ans den Unversitäten un- genügend ausgebildet werden und vom praktischen Leben nichts erfahren. Das Recht der alten Römer ist beim Studium die Hauptsache, die Nationalökonomie die letzte Neben- fache. Und wie entfernt sind erst die Verfasser des nenen bürgerlichen Gesetzbuches von den Finthen des modernen Lebens. Alte Professoren und Richter, die schon vor einem Mcnschenalter, unter anderen sozialen Verhältnissen mit ihrer Anffassnng des Lebens und der Gesellschaft fertig waren, sollen für künftige Generationen Gesetze inachen! „Die intimste Kenntniß der gesellschaftlichen Zustände", sagt Professor Lotmar*),„ist die selbstverständliche Voraussetzung ihrer rechtlichen Regelung. Diese Kenntniß wohnt den Juristen, welchen man die Regelung zu übertragen pflegt, nicht in geringerem, aber auch nicht in größerem Umfang bei, als jedem ihrer Volksgenossen. Die gesellschaftlichen Zustände haben einen so hohen Grad von'Mannigfaltigkeit und Komplizirtheit erreicht, daß selbst denen, die sich berufsmäßig mit ihrer Erkenntniß abgeben, selten mehr als einen Ausschnitt des ungeheuren Gebietes intellektuell zu bewältigen und sich vertraut zn machen, gc- lingen mag. Wessen Leben aber sich erschöpft in täglich sich wiederholendem Ringen um die Lebensmittel, oder wer als Forscher oder Nachbildner der Natur, oder als Wieder- erwecker der Vergangenheit und ihrer Leistungen in Religion, Kunst, Sprache, Recht und Literatur seine Tage verbringt, — wer also gar nicht planmäßig ans die Erkenntniß seiner Zeitgenossenschaft ausgeht, wie sie in allen ihren Schichten wird und vergeht, duldet und kämpjt, arbeitet und genießt: der kann von den gesellschaftlichen Zuständen der Gegenwart nur den winzigen Bruchtheil in sein Bewußtsein anfnehmen, den glückliche oder unglückliche Zufälle nackt oder im Kleide der Kunst und Dichtung ihm vor Augen bringen. Es fehlt natürlich auch hier nicht an Abstufung: aber die reichste ärztliche, juristische, priesterliche, pädagogische, armen- pflegerische, fabrikinspektorliche Praxis, wie arm erscheint sie, wenn man sich die schier unermeßliche Mannigfaltigkeit derSchicksale nnd Gestalten zu vergegenwärtigen sucht, unter und in denen die Millionen vegetiren und leben, die das Land bewohnen, das von dem projcktirten Gesetzbuche beherrscht werden soll. Wenn dem so ist, so können gewiß nicht die I u r i st e n beanspruchen, vor anderen gehört zn werden, wenn der Inhalt eines bürger- lichcn Gesetzbuches herbeigeschafft und ausgelesen werden soll, denn sein Inhalt soll thatsächlichen Zuständen an- gepaßt sein, die jenen sachlich nicht mehr vertraut sein können als denen, die in diesen Zuständen leben." Die Urheber des nenen bürgerlichen Rechtes haben dies aber nicht beachtet, sie haben der Form den Inhalt geopfert, *) In dem vortrefflichen Aufsätze über den„Dicnstvertrag des zweiten Entwurfes eines bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich" im eben erschienenen Halbbande des Archivs für soziale Gesetzgebung und Statistik. größten Seelenruhe zu der übrigen Gesellschaft um, die in ein schallendes Gelächter ausbrach. Herr Kümmlein stand da wie ein Pudel, der Prügel bekommeil hat und nicht weiß, ob er beißen oder mit deni Schweife wedeln sott. „Ha, ha, ha!" lachte der dicke Schornsteinsegermcister, der sich mit dem Entenwirth gern ein wenig neckte, jedoch in der Regel dabei den kürzeren zog.„Nu haste endlich Dein' Mecster jefnndcn." „Js Dir janz recht, olle Nachtnnke," sagte Fritze Grams—„bist woll hcit Morjen mit Plüddcmann in de Fastenpredigt jewesen?" „Ich finde, daß Herr Kümmlein ganz im Recht ist", erhob Dr. Wollstein seine Stimme,„wir können bei allem Muth unserer Ucbcrzeugnng doch nicht vorsichtig genug sein in diesen erregten Zeiten..." „Allerdings, meine Herren, zumal für heut Abend jede Zusammenkunft polizeilich verboten ist," versetzte Herr Kümmlein, durch den erwarteten Beistand erinuthigt.„Ich werde von Ihnen Gcnugthnung verlangen, Herr Graf, von wegen des„Esels"... Die Herren sind meine Zeugen... ich werde eine schwere Strafe für Sie beantragen..." „Strafe?" versetzte der Pole lakonisch—„gut, sollst Du haben Strafe, alter Spitzbube! Hier... und hier... und hier... halt! Ist genug Strafe für„Esel" und für „Spitzbube" und nn hol' Chanipagner für das Geld, feinste Marke, verstehst Du?" Er hatte eine Anzahl von Geldscheinen in die Hand des Entenwirthcs gelegt. Ihre Wirkung ans Herrn Kümm- lein war eine wahrhaft zauberische: das breite Gesicht des edlen Mannes glänzte vor freudiger Uebcrraschung, und mit einen« tiefen Bückling vor„Sc. Durchlaucht", wie er den einfachen Landedelmann nunmehr titulirte, verschwand er aus dem Zimmer. „Die Macht des Geldes!" sagte Florian Schnick leise die Ab- Juristen und wieder Juristen Feststellung des neuen sie haben Juristen, fassnng, Revision und endgiltige bürgerlichen Gesetzbuches übertragen. Aber nicht blos formale Logik, nicht blos Lebenssremdheit ist damit zur Signatur des neuen Gesetzbuchs für das Deutsche Reich ge- ivordcn. Die Juristen sind zugleich auch Mitglieder einer Klasse. Was Wunder, daß unser neues Zivil-Gesetzbuch ein groß' Stück Juristcnrecht und alles andere als Volks- recht iverden mußte. Man wird dagegen einwenden, daß nach Fertigstellung des ersten Entwurfs des bürgerlichen Gesetzbuches, dessen Charakter als ein Gesetzbuch im Interesse der besitzenden Klassen von hervorragenden Juristen verschiedenster Richtung, wie Anton Menger, Gicrke, v. Liszt und Theodor Löwenfeld, so scharf ailgegriffen wurde, eine Revisionskommission zur zweiten Lesuilg des Entwurfes eingesetzt wurde, die ihrer Mehrheit nach zivar wieder aus Juristen besteht, zu der aber auch eillige Nichtjuristen zugezogen wurden. Wie lvcnig das nichtjnristische Element in dieser Kommission sich Geltung ver- schaffen konnte, ersieht man daraus, daß sämmtliche ständige Mitglieder, sowie die Zkommissare der Reichsjustizverwaltung und die Schriftführer Berussjuristen sind, und daß außer- dem von den 13 nicht ständigen Mitgliedern der Kommission fünf Bcrnssjuristen sind. Die übrigen sind ein bürger- licher Nationalökouom, der auf dem Gebiete der Agrar- Politik als Fachmann gilt, ein Oberforstmeister, drei Groß- grnildbesitzer, ein Berg- und Hüttendirektor, ein Brauerei- und ein Bankdirektor. So besteht die Komnussion bloL aus Bernssjuristen und Vertretern des Großbesitzes! Es ist somit dafür gesorgt, daß nicht etwa das Juristen» recht irgendwie die Interessen der Großbourgeoisie verletze, daß'leben dein Juristenrecht das Klassenrecht zum Ausdrucke kommt. Als vor nlinmehr über vier Jahren die Kommission eingesetzt wurde, hat der„Vorwärts" es aufs entschiedenste gerügt, daß kein einziger Vertreter der Interessen des städlischen uild ländlichen Proletariats, kein einziger Vertreter der Mittelklassen zu den Arbeiten der Kommission hinzugezogcil wurde. Unsere Forderung blieb unberücksichtigt und so ist das bürgerliche Gesetzbuch zu einem der Bourgeoisie ans den Leib geschriebenen Gesetzbnche geworden. Tics auerkeiint auch der neueste Kritiker des Ent- wnrfcs, der Berner Professor Lotmar. Er schreibt:*)„Die Elltwurfsverfasser selber, so sehr sie nach Unparteilichkeit ge- strebt und die Wohlfahrt des Ganzen im Auge gehabt haben mögen, können gar nicht mit der völlig gleichen Empfänglichkeit und Sympathie für alle die Interessen ausgestaltet sein, in die sie mit ihrer Gesetzgebung ein- greifen. Sie niiissen selber— kraft in ihnen liegender Mächte— als Kinder ihrer Zeit, nach ihrer persönlichen Geschichte, als Glieder eines Geschlechts, eines Stalldcs oder einer Klasse bestimnit haben, was Recht werden und bleiben s oll." Seine Kritik des Dienstvertrags im neuen bürgerlichen n. a. O. S. 7. zu Hans Härtung.„Ich bleib' doch dabei' das Geld ist an allem schuld, es verdirbt die Menschen, macht sie zn Schurken. Hätten wir das Geld nicht, es stünd' tauscildmal besser nm die Menschen." „Wenn die Menschen bei der gegenwärtigen Gesellschafts- ordnnng das Geld hent abschafften: morgen erfänden sie es ganz bestimmt wieder", entgegnete der Buchdrucker.„Der Kern der Sache liegt tiefer, lieber Florian." „Dieser Spitzbube von Wirth," meinte Bruno Volk- mnth,„bliebe in jeden« Fall ein Schurke, ob wir das Geld abschaffen oder nicht." Herr Kümmlein brachte eigenhändig eitlen Korb voll Champagnerflaschen herbeigeschleppt, und alsbald knallten die Pfropfen lustig in dem kleinen Zimmer. Herr Kasimir gab die Geschichte seines jüngeren Bruders Witold zum besten, der im Jahre 1846 wegen Betheiligung an der Ver- schwörnng Mieroslawski's verhaftet und als Hochverräther zu langjähriger Gesängnißhaft vcrurtheilt worden war. „Und ich bili gekommen, ihm zu befreien ans die Ge- fängniß", meinte der tapfere Pole begeistert—„in Glitten oder in Bösen, und ich geh«ich weg aus verfluchtes Berlin, bis Hab ich gedrückt lieben Witold an mein Herz." Tie gefangenen Polen, die draußen im Zellengefäugniß von Moabit saßen und die Vollstreckung der über sie ver- hängten Strafen erwarteten, erfreuten sich bei den Berliner Demokraten aufrichtiger Sympathien. Die Stammgäste der „Ente" sahen mit Bewunderung ans den kühnen Sarmaten, der sein Leben einzusetzen bereit ivar für seinen armen Bruder—„sein alles ans Erden", wie er sagte—„denn ich Hab kein' Vater nich und kein' Bintter, kein' Frau und kein Kind, blos meinen, lieben kleinen Witold". „Er wird vielleicht eher frei, wie Sie denken, Herr Graf," flüsterte Ephraim Fisch mit einem vielsagenden Angenblinzeln—„es gehen Dinge vor hier bei uns— Dinge sag' ich Ihnen..." Gesehbuche, auf die wir mehrfach zurückkommen werden, schließt er mit den folgenden, bei einem Lehrer des römischen Rechtes doppelt werthvollen Bemerkungen: „Daß die Wünsche jener„dienenden" Massen, wie sie ihrer wirthschaftlichen Lage nothwendig entspringen, jetzt, wo man sich anschickt, ans den alten Grundpfeilern eine erneuerte Privatrechts-Ordnung auszurichten, ausgiebig an der Hand des Augenscheins, des Selbsterlebten und Selbsterduldeteu zur Geltung gebracht werden, das ist eine ge- rechte und erfüllbare Forderung. Nimmermehr können sie mit Sicherheit daraus rechnen, daß in einer Kommission, die wie d i e b i s h e r i g e n zusammengesetzt ist, ihre Interessen diejenige Würdigung und Berücksichtigung finden, d i e s i e v o n i h r e s g l e i ch e n erwarten dürfen. Bleiben sie von der Grundlegung eines Werkes völlig ausgeschlossen, das ihr Geschick beeinflussen soll und in ihrem Sinne ausgebildet, ihnen wohlthätig sein könnte� dann niüssen sie seine Anlage wie seinen Ausbau mit Miß trauen betrachten. Die Aufmerksanlkeit ans die Bor- gäuge der Gesetzgebung ist in der Gegenwart so sehr verbreitet und das Bewußtsein des Klassenunterschieds der- maßen entwickelt, daß schon die Hintanhaltung von Kreisen, die durch die Natur der Sache zur Mitarbeit berufen sind, das Vertrauen auf die Gerechtigkeit der Gesetz- gebung beeinträchtigen muß." Lotmar ist überzeugt, daß dem Gesetzentwürfe, der gewissermaßen hinter dem Rücken großer und wichtiger Theile des Volkes geschaffen ist, die Volksthümlichkeit fehlen muß.— Die Sitnation in Wien ist gespannter denn je. Nach der Bürgermcisterkrisis kam die Gemeiuderathskrisis, die Wahl des Bürgermeisters ver lief resultatlos, der Gemeinderath wurde zum ersten Male seitdem Wieil die Selbstverwaltung der Gemeinde be- sitzt, aufgelöst. Auf dieses Ziel hatten die Liberalen seit ihrer letzten Wahlniederlage hingearbeitet. Sie haben damit nicht blos ihre Prinzipien verrathen, sondern auch ihren Gegnern ein mächtiges Agitationsmittel in die Hand gedrückt. Bei den Neuwahlen des Gemeinde rathes dürften die Antisemiten eine starke Majorität, vielleicht sogar eine Ziveidrittelmajorität erringen, die Besetzung des Bürgermeisterpostcns von Wien durch einen antisemitischen tührer steht dann außer Frage. Bis dahin bleibt die tadt in der Verwaltung eines von der Regierung ein gesetzten Bezirkshanptmannes, der im Range einem prenßi- schen Landrathe entspricht. Der gestrige Tag brachte Wien nicht blos die Gemeinde raths-Auflösung, sondern auch eine große Wahlrechts- Demonstration der Wiener Arbeiter. Seit langer Zeil war ihnen wieder zum ersten Male die sehr geräumige Volkshalle des Rathhanses zu einer Volks- Versammlung überlassen worden, in der der Stand der Wahlrechtsfrage besprochen werden sollte. Viele Taufende strömten zmn Rathhause, aber blos gegen 10000 Hörer fanden im Saale Platz, viele Tausende, mehr als im Saale waren, mußten in den Arkaden und ans dem großen vom Parka mente, dem Rathhause, Bnrgtheatcr und der Universität eingesäumten Platze warten. Diese demoustrirten durch Rufe«Hoch die Wahlreform! Nieder die Koalition! Nieder Windischgrütz!" für ihre Forderungen. Nach Schluß der Versammlung zogen die Tausende vor das Parlament und das Ministerpräsidium und ließen dort vieltausendfache Hochs auf die Wuhlreform ertönen und gaben ihrem Unwillen gegen das Ministerium und die Mehrheitsparteien kräftigen Ausdruck. Die De- moustration endete erst um Mitternacht. Die Polizei war zwar bemüht, aber unfähig, die große Volks kundgebung zu verhindern. Verhaftungen wurden nicht vorgeuomnien, alles ging in vollster Ordnung vor sich. Selbst die Gegner müssen zugestehen, daß dies die großartigste politische Demonstration war, welche Wien ge sehen hat. Die Regierung weiß aber hieraus blos eine „Wir schütteln hier in Berlin de Birnen ooch, wenn se reif sind," meinte Fritze Grams, der an deni unter- nehniendeu Wesen des Herrn Kasimir Gefallen gefunden hatte.„Und wenn wer hier'n biskeu Luft kriejen sollten, denn sind de Polen in Moabit de ersten, die wer loofen lassen." „Bravo, meine Chern, bravissimo!" rief Herr von Tumidaiski entzückt—„wenn wird mein Brüderchen frei, soll ganzes Roßstraße in Champagner schwininien." „Das Volk von Berlin wird sich wie e i n Mann er- heben," rief Dr. Wollstein, dessen Muth der Champagner wesentlich erhöbt hatte.„Wir werden handeln, Herr Graf, handeln, sag' ich Ihnen..." „Und damit wir mit dem Handeln einen Anfang machen," wandte sich Hans Härtung an den Dr. Wollstein, „so schlag ich Ihnen vor, üaß wir den Gedanken des Herrn Grams nochumls aufnehmen und jetzt hier fögleich eine Adresse, eine Proklamation oder dergleichen aufsetzen, welche die Wünsche des Volkes zum Ausdruck bringt und morgen in taufenden von Exemplaren unter's Volk vcrtheilt wird." „Bravo! Eine Proklamation! Bravo!" tönte es von allen Seiten. „Und was wollen Sie in diesem Schriftstück sagen?" fragte Dr. Wollstein mißtrauisch. „Da Sie in Ihren Adressen schon alles übrige ver- langt haben, so würde ich in der meinigen nur noch Brot für das hungernde Volk verlangen!" „Hnrrah! Brot! Jawohl!" riefen die Stammgäste vergnügt, während sie ihre Chanipagnerkelche zum Munde führten. «Da kanuste'n scheenen Schnitt machen, Fritze," sagte der Schornsteinfegermeister zu Grams,„wenn Du das zu liefern kriegst." „Brot is det eenzig richtige, det kann all und jeder brauchen," bemerkte ein anderer der behäbigen Herren, ein Goldschmied von Profession. „Butter kenn' wer uns Jott sei dank alleene koofen," meinte der Gewürzhändler von der Ecke. „Und Champagner ha'm wer schon," rief der Schorn- steinfegcr—„prost, Herr Jras!" „Ihr Gesundheit, meine Chern," antwortete Herr Kasimir mid stieß nnt den ehrenwerthen Bürgersleuten an. „Vergessen Sie nur nicht Amnestie für Brüderchen Witold!" So tönte es in der krenzfidelen Runde durcheinander, als plötzlich Herr Kümmlein kreidebleich in das Zimmer stürzte.(Fortsetzung folgt.) Antwort, nicht das Versprechen einer ernsthasten Wahl- reform, sondern die Drohung mit der Einschränkung des Versammlungsrechtes. Die Hoffnung der Regierung, durch ihre zögernde Politik die Arbeiter zu ermüden, sie in ihrem Eifer für das Wahlrecht schlafffzn machen, ist gescheitert. Eifriger als je wachen unsere Genossen über die niederträchtige, unehrliche Politik ihrer Gegner, sie sind des endlichen Sieges so gewiß wie ihre Gegner verzweifelt über die Aussichtslosigkeit ihrer Politik. Sie wissen, daß mit dem Bekanntwerden der Wahlrcform-Vorschläge der Regierung und der Parlaments- niajorität die Erregung noch gewaltig steigen wird. Wie„Narodni Listy", das Hauptorgan der Jung- czcchcn, melden, ist die Wahlreform-Vorlage, sowohl die eigentliche Novelle wie die Erläuterungen und das statistische Material, ini Druck bereits fcrttggestcllt, gelangt jedoch ans mannigfachen Gründen erst in einigen Tagen zur Publikation. Durch dieselbe wird die Zahl der Abgeordneten von 353 auf 400 erhöht. Die neue fünfte Kurie wird somit 47 Mandatare zählen, wovon 13 aus die Snb-Cnrie der organisirtcn Arbeiter, 34 aus die kleinen Steuerträger entfallen, nachdem in einer der letzten Sitzungen des Sub-Komitees der prinzipielle Beschluß gefaßt worden ist, die Zahl der Abge ordneteti dürfe die Summe von 400 nicht überschreiten. Durch die Novelle soll— nach approximativen Ab schätznngen— die Zahl der Wähler um rund zwei Millionen vermehrt werden. Uns nieldet eine Privaldepcsche, daß Mittwoch nach Pfingsten die Wahlrefonnvorlage veröffentlicht werden dürfte. Daß diese Wahlreform der reine Hohn ans eine gr rechte Wahlreform ist, weiß jeder und darum fürchten die Väter der Vorlage die Folgen ihrer skandalösen Politik. Mit der Kritik dieses famosen Wahlreform-Projektcs wollen wir zurückhalten, bis die Vorlage in offizieller Form vorliegt. Wir sind überzeugt, daß unsere österreichischen Genossen weniger über die Politik ihrer Gegner unzufrieden zu sein brauchen wie diese selbst. Eine Krisis steht in Oesterreich bevor. In parlamentarischen Kreisen verlautet, Ministerpräsident Fürst Windisch grätz werde nach Schluß der Parlamentssession seine De Mission einreichen. Ferner verlautet, in erster Linie werde als sein Nachfolger der Statthalter von Böhmen, Graf Thun genannt, es ivird aber auch von einer eventuellen Wiederbcrufung des Grafeil Taasfe gesprochen. Von anderer Seite wird die Auslösung des Parlaments als bevorstehend bezeichnet. Oesterreich steht vor großen Ereignissen. Klar über ihre Anfgabeu ist sich aber blos die österreichische Sozial- demokratie.— Volikischo TtcbovZickit. Berlin, 31. Mai. Zur Wahl in Költt. Nationalliberale Blätter cnt- rüsten sich darüber, daß wir in unserer ersten Notiz über die vollzogene Stichwahl gesagt haben, unser Stimmen- znwachs rühre zum theil vonMatioualliberalen hcr. Das war allerdings ein Jrrthum eines Korrespondenten. Tie Natlonalliberalen stimmten meistens für das Zentrum— die übrigen enthielten sich— für die Sozialdemokratie stimnite kein einziger. Unser ansschließlich ans Arbeiter- und kleinbürgerlichen Kreisen stammender Znivachs würde noch größer gewesen sein, wenn wir in der Stadt Köln Versammlungslokale gehabt hätten.— In welchem Ver- hältniß zum Zentrum wir trotz der widrigsten Verhältnisse in Köln vorwärts gekommen sind, ergiebt sich aus folgender Anfstcllnng unseres Kölnischen Bruderorgaus, der„Rheinischen "citnng": Bei der Stichwahl im Jahre erhielt >reiß 14 514, unser Kandidat Lücke 7541, also Greiß 0973 Stimmen mehr als Lücke. Bei der Stichivahl im Jahre 188» erhielt: Greiß 12 494(weniger 2020 als 1893), Lütgens u 7915(mehr 374 als 1893), also Greiß 4579 Stimmen mehr als Lütgeuau. Das Mehr für Greiß hat also gegen 1893 um 2394 Stimmen abgenonunen.— Amtliche Resultate der beiden letzte» Reichstags- Nachwahlen: Wahlresultat der am 27. d. Mts. im Wahlkreise Köln Stadt staltgehabten Reichsiags-Stichwahl: Abgegeben wurden 20 410 Stimmen, davon erhielt Adolf Greiß, Landgerichtsrath in Köln(Zentrum) 12 495, Dr. Franz Lütgenau, Redakteur in Dortmund(Sozialdemokrat) 7915 Stimmen. Gewählt ist somit Greiß. Wahlresultat der am 27. d. M. im Wahlkreise A s ch a s f e n- bürg- Miltenberg stattgehabten Reichstags-Nachwahl. Abgegeben wurden 16 609 Stimmen. Hiervon erhielt Liborius Gerstenberger, katholischer Pfarrer in Laufach(Zentrum) 10 442 Stimmen, Ernst Schulz, Magistratsralh in Aschaffenbnrg (nationall.) 1120 Stimmen, Bürgermeister Eduard Deckelmann in Obernburg(Volkspartei) 3451 Stimmen, Holzhändler Neinhold Opificius in Bockenheim(Sozialist) 1592 Stimmen. G e r st e n- derger ist somit gewählt.— Ter Vnildesrath ertheilte in der am 30. d. M. abgehaltenen Plenarsitzung noch dem Entwurf einer Abänderung der Aus- tührungs- Instruktion zum Viehseuchen- Gesetz die Zustimmung. Der Entwurf eines Gesetzes über den Beistand bei Einziehung von Abgaben und Vollstreckung von Verinögensstrafen und die Gesetzentwürfe über die privatrechtlichen Verhältnisse der Binnen- schifffahrt und der Flößerei wurden in der vom Reichstag be- schlossene» Fassung angenommen. Den zuständigen Ausschüssen wurden überwiesen: Die Vorlagen, betreffend die Verleihung von Korporatiousrechten an die Kaoko- Land- und Mincngcsellschast, und betreffend die Ausdehnung der Unfallversicherung aus die Besatzung der Hochseefischerei-Dampfer, ferner die Reichstags- Beschlüffe zu dein Gesetzentwurf über die Bestrafung des Sklaven- raubes und Sklaveuhnndels, und zu einer Petition wegen Rück- crstattung von Zoll für eingeführte Jronbricks, sowie ei» Antrag wegen Besetzung einer Rathsstelle bei dem Reichsgericht. Die von dem Reichstag in bezug auf die Aenderung der Militär- !zensionsgesetze gefaßten Resolutionen wurden dem Reichskanzler überwiesen.— Das System Kölker nutzt die Landrathe rasch ab. Innerhalb weniger Wochen wurden drei fchlesische Landräthe pensionirt.— Zur Strafverfolgung Lieibknccht's wegen des verweigerten Kaiserhochs wird der„Frankfurter Zeitung" von ihrem Berliner Korrespondenten das folgende mit- getheilt: Die vielbesprochene Aktion der Regierung beim Beginn der letzten Reichstagssession gegen den Abg. Liebknecht, wegen seines Sitzenbleibens beim Hoch auf den Kaiser den Staats- anivalt in Bewegung zu setzen, ist aufgegeben worden. Herr Liebknecht, der nach dem Schluß der Session nicht mehr die Immunität als Abgeordneter genießt, hat bis jetzt keine Anklage erhalten und wird keine Anklage erhalten. Es war schon im Laufe der Session bekannt geworden, daß dll. Regierung zu der Einsicht gelangt ist, daß dieses von einigen ihrer Mitglieder veranlaßte Verfahren, das zu einem Konstikl mit dem Reichstage führen mußte, ein Mißgriff gewesen ist, und daß es klüger sei. darauf zu verzichte». Die inzwischen vom Reichslage beschlossene Aenderung seiner Geschäftsordnung giebt für diesen Verzicht einen Vorwand ab. Das Vorgehen gegen Liebknecht beruht übrigens nicht auf einem Beschluß des Staats- Ministeriums: es hatte keine Berathnng darüber stattgefunden, sondern nur ei» kurzer schriftlicher Meinungsaustausch zwischen den dabei in bctracht kommenden Ministern. Eine» wesentlichen Unterschied zwischen einem„kurzen schriftlichen Meinungsaustausch" und einem„Beschluß" vermögen wir in diesem Fall nicht zu entdecken. Jedenfalls hat der Staatsanwalt, als er die Strafverfolgung Liebknecht's beantragte, nicht gegen den Willen und nicht ohne Zustimmung der Re« giermig gehandelt. Und das ist's, woraus es ankommmt.— Paragraph 130. Als die Umsturzvorlage erschien, schrieben wir, der ganze Umsturzspektakel sei Schwindel und eine politische Komödie zur Maskirnng lichtscheuer Zwecke, wie weiland der Atlentatsschwindel von 1878. Wir führten des weiteren ans, daß alleS, was angeblich mit der Unistnrz- vorläge erstrebt werde, schon auf grund des herrschenden gemeinen Strafgesetzbuches möglich sei. Und wir cxeinpli- fizirten damals auf Anslegungen(Interpretationen) der |§ 130:c., deren Opfer viele unserer Genossen und wir selber seit Jahrzehnten geworden. Jetzt giebt die offiziöse Presse uns recht, indem sie an jene Aiislegnngen erinnert. Sie weiß, daß sich durch Auslegung bestehender Gesetze nach alter Erfahrung für die„Umstnrzbekänipfung" ebenso- viel erreichen läßt, wie durch die Prägung neuer. � Man muß nur wollen. Und da der Reichstag den trefsiichcn Plan der patcntirten Umstnrzbckämpfer zu Nichte geuiacht hat, im großen etwas zu schaffen, fangen sie es jetzt im kleinen mit den einzelnen bestehenden Paragraphen an. Eifrig durch- stöbern sie die Gerichts-, namentlich die Reichsgerichts-Erkcnnt- nisse, ob sie nicht eine Handhabe zur Verschärfung der Urtheile gegen timstiirzlerische Uebelthaten bieten. So hat jetzt die inimerdar offiziöse„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ein Erkenntniß des Reichsgerichts vom 7. Januar aussindig gemacht, das dem Z_ 130, der ja gleichfalls durch das verunglückte Umstnrzgesctz verschärst werden sollte, einen recht bedrohlicheil Sinn giebt. � Ter gegenwärtig giltige§ 130 bestimmt, daß mit Geldstrafe bis zu 000"M. oder mit Eefängniß bis zu zivci Jahren besiraft wird, wer in einer den ö f f e n t l i ch e u Frieden gefährdet: den Weise verschiedene Klassen d cr Bevölkerung zu Gewaltthätigkcitcn gegen einander öffentlich anreizt. Das Reichsgericht soll nun am 7. Januar sich dahin ausgesprochen haben, „daß regelmäßig die Anreizung verschiedener BevLIkcrungsklasse» zu Gewaltthätigkeiten stets auch ein« Gefährdung des öffentlichen Friedens in sich schließt, und daß eine Anreizung zu Eeivallthätigkeiten schon dann vorliegt, wenn sie eine zu G e iv a l t t h ä t i g» leiten geneigte Stimmung hervorruft oder v e r st ä r k t, die, unbestimmt wann und auf welchen Anlaß hin, früher oder später de» öffentlichen Frieden unter den Bc- völkernngsklnssen erschüttern kann." So das Reichsgericht, d. h. die oberste Rechs- iustanz dcs Reichs. Hat in den schlimmsten Stelle» de» Umsturzvorlage schlimmeres gestanden? Und iver kann, wenn Richter uitd Staatsanwälte es wollen, ans grund dieser Interpretation nicht verurtheilt werden? Bürgert sich diese Anffassnng in unserer Rechtspflege ein, daitn kann ein jedes Gericht, wenn sein subjektives Empfinden es dazu antreibt, ivcgen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten eine jede Rede oder jeden Artikel verurtheilen, der nur dazu angethan ist, Mißstimmutig mit bestehenden Zuständen zu erzeugen. Die Umsturzvorlage ist gefallen. Der Umsturz der Justiz wird aber fortgesetzt, und tz 130 wird voraussichtlich jetzt wieder eine ähnlich hervorragende Rolle spielen, wie weiland unter dem Sozialistengesetz, als dessen Waffen stumpf zu werden begannen. Wollen wir geordnete Rcchtszustäude haben, so ninß dieser Z 130 nebst den anderen politischen Paragraphen aus dein Strafgesetzbuch ausgemerzt werden.— Ter Tucllfex Freiherr von Stumm soll nun doch vom Staatsanwalt verfolgt werden. Wie ein hiesiges Blatt behauptet, ist das Strafverfahren gegen ihn wegen Heraus- sorderung zum Zweikampf mit tödtlichen Waffen eingeleitet worden. Der Fortgang des Verfahrens hängt von dem Gesundheitszustand des Herrn von Stumm ab, der seit längerer Zeit eines erheblichen Leidens wegen im Bade iveilt, so daß bis dahin eine persönliche Vernehniung sehr erschwert ist. Auf Sozialdeniokraten pflegt man so zarte Rücksichten nicht zu nehmen, wenn sie mit dem Strafgesetze in Konflikt gerathen sind. Da heißt es: Auf die Anklagebank, ob ge- sund oder krank! Und Erledigung der gerichtlichen Prozedur: Ins Gefängniß, ob gesund oder krank oder halblodt. Konimst Du nicht mehr lebendig heraus, so wird sich ans dem Gefängnißkirchhos auch für Dich ein Winkel finden. Freilich, ein Freiherr— ja, das ist eben ein Freiherr. Und noch dazu ein Freiherr von Stumm; der hat ivirtlich um den Staat verdient, daß man mit ihm glimpf- lich verfährt.— Bürgerliches Gesetzbuch. Die zweite Lesung des Entwurf; eines bürgerliche» Gesetzbuches samnit dem Einführungsgesetz soll bis Weihnachren fertig gestellt sei»; der Entwurf wird dem Reichs- tag im Januar oder Februar n. I. zugehen.— D„S Gesetz wegen Abänderung des Gesetze? über den Reichs-Jnvalidenfonds wird jetzt im„Reichs-Auzeiger" publizirt.— Aus dem Versnchsfelde der Sozialistenverfolgung aus dem K ö n i g r e i ch S a ch s e n ist wieder eine neue Form der Sozialistcnvertilguug zu melden. Die Amts- hauptmanuschast Drcsden-A. erließ soeben folgende Ber- ordnung: Im Einverständniß mit dem Bezirksausschuß ordnet die unter- zeichnete königl. Amtshauptmannschaft bezüglich der sogenannten Diteltanten-Aufführnngen zur Einschärfung, beziehentlich Er- gänznng der hierüber bereits ergangenen Vorschriften folgendes an: Im hiesige» Bezirke dürfen Dileltanten-Aufführungen jeglicher Art, also insbesondere nicht nur Theaterstücke, sondern auch musikalische und sonstige Belehrung oder Unterbaltnng bezweckend« Aufführungen von Vereinen oder einzelnen Privatpersonen öffentlich oder gegen Entgelt nur dann dargeboten werden, wenn hierzu Genehmigung der Amtshauptmaunschaft ertheill worden ist. J„ dein hierauf bezüglichen Gesuch ist genau Ort und Zeit der Darbietung, sowie auch anzugeben, ob und welches Eintrittsgeld erhoben und zu welchem Zweck« solche? vecwendel werden soll. Ueberdies ist dem Gesnche, soweit»ich« ausdrücklich Ausnahmen gestattet werdenTitel, Verfasser und metx der darzubietenden Theaterstücke, Gesänge, Vorträge, Dekla- Tationcn u. s. iv. beizufügen. In der Regel kann nur auf solche Gesuche Entschließung ge- faßt werden, welche längstens vier volle Tage vor Beginn der beabsichtigleu Darbietung an die Amtshauptmannschafl gelangen. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende, am 1. Juni 1895 tu lraft tretende Bestimmungen, für deren Einhaltung nicht nur die Vereinsvorstände, Veranstalter, Leiter, Unternehmer u. f. w., sondern auch die Inhaber der benutzten Räninlichkeiten ver- antwortlich sind, werden mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder Hast bis zu 14 Tagen bestrast. Nächstens wird man wohl auch wissenschaftliche Vorträge auf arnnd dieses Erlasses unmöglich zu niachen suchen. Die sächsische Regierung wird wohl erst einsehen, daß ihre Ver- folgungspolitik aussichtslos ist, wenn alle Wahlkreise in den Händen der Sozialisten sind. Das kann sie bald er- leben, wenn sie weiter eifrig an der Arbeit bleibt.— Die interparlamentarische Konferenz zu gunsten der i n t e r nationalen Schiedsgerichte und der allgemeinen Abrüstung tritt nächsten August in Brüssel zusammen. Die sozialdemokratische Partei Deutschlands hat bekanntlich in ihrem Programm die Forderung internationaler Schieds- gcrichte und der Abschaffung der stehenden Heere. Sie ist also au und für sich auch eine„Friedensgesellschast"— und zwar tausendmal mehr Mitglieder umfassend, als alle Friedens- gesellschaften der Erde zusammengenommen. Aber sie ist noch etwas mehr— noch viel mehr als Friedensgesellschaft— sie ist eine Organisation zur Verstopfung der Q u e l l e n will, aus denen der Kriegszustand und die Kriegsgefahr entspringen. Sie fordert nicht blos den Frieden. Sie bereitet ihn vor— sie bahnt ihm den Weg, sie schafft ihm die sozialen und politischen Lebens- d e d i it g n>t g e n.— Ein Riescnskandal, der dem Panama-Skandal kaum nach- stehen dürfte, beschäftigt jetzt Frankreich: die sogenannte S ü d b a h n- A f s a i r e. Unser Vallus-Korrespondent hat schon vor Monaten Mittheilungen darüber gemacht, und nach langem • Vertuschen und langem Hinausschieben der Untersuchung ist die Blase nun geplatzt. Wir ersahren aus Pariser Telegrammen das folgende: Dem„Figaro" zufolge wären die in der Südbahnaffaire kompromittirenden Parlamentarier Jules Roche, Rouvier, Ives Guyot, Thevenet, Frangois Deloncle, Magnier und ein anderer Senator. Alle hätten sie dem von Baron Reinach gebildeten Syndikat für die Emission von Titres der Kompagnie angehört. Es verlautet, daß Ministerium werde erklären, daß alle mehr als 3 Jahre zurück- liegenden Vorgänge verjährt seien. Ueber die Südbahn-Angelegenheit meldet der„Figaro" des weiteren, Jules Roche habe sechs Jahre, auch als Minister, jährlich 6000 Franks von den Südbahnen bezogen. Gebucht sei die Summe als Advokatenhonorar, während Roche gar nicht Advokat sei. Der Experte Flory habe in den Büchern der Süd- bahnen ungerechtfertigte Ausgaben von 1 100 000 Franks gefunden; es seien dies von dem Baron Reinach an Mitglieder des Paria- ments und des Generalraths des Departemenls Var bezahlte Bestechuugsgelder. Man habe sich bemüht, die Sache zu ver- tuschen, doch sei die äußerste Linke aus Erbitterung darüber, daß man Pellelau und andere in dem Erpressungsprozeß Ferrier kompromittiren wollte, entschlossen, die Zlngelegeuheit vielleicht schon morgen in der Deputirtenkammer zur Sprache zu bringen. Pelletan und Rouanet sollen zahlreiche Beweisdokumente be° sitzen. Unsere Genossen werden dafür sorgen, daß die Schuldigen nicht blos entlarvt, sondern auch verdientermaßen bestrast werden. Charakteristisch ist, daß sich unter ihnen die wllthendsten Sozialiften- frefser in Frankreich befinde». Es ist dort wie hier, wo die eifrigsten Sozialistenfresser sich Hintennach in der Regel als Lumpe» und Verbrecher entpuppen. Der oben genannte Ives Guyot war vor drei Jahren Mi- nister, und hat schon damals durch Schließung der Pariser Ar- beiterbörse und sonstigeMaßregelungen der Arbeiterorganisationen seinen Namen mit Schande bedeckt.— Der„Arbeiter" Albert, Mitglied der provisorischen Ne- gierung Frankreichs vom 24. Februar 1848, ist vorgestern— am 28. Mai— in Mello bei Ereil, nicht weit von Paris, im Alter von 80 Jahren und 1 Monat gestorben. Geboren ani 27. April 1815 in Bury(Departement der Oise) wurde Alexander Martin Albert früh zu einem Handwerker gethan. Er kam mit 15 Jahren nach Paris, wo er in die geheimen Gesellschaften eintrat und 1832 an dem Juui-Anfstand. 1839 an dem Kampf der Rue Trans- nonaine unter Blanqui und Barbi theilnahm. Der Oeffentlichkeit unbekannt, wurde er 1843, nach dem Sieg des Volkes in det Februar- Revolution, von den geheimen Gesellschaften als Mitglied der provisorischen Regieruug vorgeschlagen und, da die Arbeitersreundlichkeit und das Kokettiren mit dem Sozialismus damals Mode war, von Lamartine auch gern als Kollege angenommen. Obgleich Albert damals wohlbestallter Meister(Mechaniker) war. zeichnete er doch„Arbeiter", was auf die Regierung einen sozialistischen Schimmer warf. Albert war nicht die Puppe, für die er vielfach ausgegeben ward; er sah bald, daß die Arbeiter betrogen werden sollten. Aus der Regierung verdrängt, kam er mehr und mehr in die Opposition und wurde in den Prozeß wegen des Auf- standsversuchs vom 15. Mai 1848 verwickelt. Tie zehn Jahre Gefängniß, zu denen der Gerichtshof ihn vernrtheilte, hatte er bis aus den letzten Tag abzusitzen. Eine hervor- ragende oder sonst augensällige Rolle hat Albert seitdem nicht mehr gespielt. Er stand aber allezeit auf seilen der Arbeiier- klaffe, wenn er auch den modernen Sozialismus nicht klar begriff. Ein verschiedene Uligenauigkeiten enthaltender Zeitungsartikel Jules Simon's veranlaßte Albert noch wenige Tage vor seinem Tod— am 20. Mai— im„Figaro" einige Notizen über sein Leben zu veröffentlichen. Er starb arm. Eine Geschichtsperiode wird mit ihm begraben— die Romantik der modernen Arbeiter- bewegung. Wie ein Telegramm aus Paris uns mittheilt, hat die französische Kammer auf Antrag unseres Genossen Rouanet eine» Kredit von 5000 Franks zur Errichtung eines Denkmals auf dem Grabe Albert's beschloffen.— Dos Erkeuntuist gegen Calvignac bedarf, um rechtskräftig zu werden, so lange der Angeklagte Mitglied der französische» Kammer ist, der Genehmigung der Kammer. Ein bezüg- licher Antrag ist der französischen Kammer zugegangen, und sie hat bereits eine Kommission zur Prüfung desselben niedergesetzt. Wie es scheint, ist die Kommission gegen die Genehmigung, und die große Mehrheit des Plenums soll gleicher Ansicht sein. So wäre es möglich. daß der Anschlag der Reaktion doch noch vereitelt würde.— Ter Sozialismus in Italien kann mit dem Wahl- erfolge zilfrieden sein; trotz des Zensus und der anderweitigen Beschränkungen des Wahlrechtes wie der Fälschungen der Listen und des Druckes der Behörden und der Unter- nehmer wurden über LClOOO sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Selbst ein sozialisten-fresserisches Blatt, wie die „Münchener Neuesten Nachrichten" muß den großen Wahl- erfolg zugestehen. Sie schreiben: Schon aber ist die enorme Zunahme der sozialistischen Stimmen gegen früher zu konstatiren. Im mindesten der Halste aller Wahlkreise dürften solche abgegeben worden sein. In 133 Kreisen zählt man bereits gegen 53000 Stimmen. De Feiice hat deren in mindestens 50 Wahlkreisen erhalten, in einzelneu bis zu 1200 Stimmen, in 24 Kreisen insgesammt 6500. Larbalo erhielt gar 10 300 in 21 von 29 Kreisen, in denen er ausgestellt war. Er ist im fünften Mailänder Wahlkreise und in Cesena mit 1333 bezw. 1342 Stimmen gewählt worden. De Felice hat im zweiten Wahlkreise Catania den Sieg über den Ministeriellen Beneventaiu davongetragen und ist im vierten römischen Wahlkreise, wo sein Gegner kein anderer als der Ministerpräsident war, nur um 213 Stimmen hinter diesem zurückgeblieben. Wenn das neue Wahlgesetz nicht den sechsten Theil der Stimmen aller Wahlberechtigten zur Entscheidung für genügend er- klärte, so würde Crispi in Rom im ersten Wahlgange nicht gewählt worden sein und er müßte sich einer Stichwahl unterziehen, wenn nicht gleichzeitig sein Gegner gesetz- lich dte Wählbarkeit eingebüßt hätte. Der Sozialist Andrea Costa hat in Jmola und Budrio über den General Mirri, Gouverneur von Palermo, gesiegt und hat eine dritte Erwählung in Macerata davongetragen. Es sind diesmal die S o z i a l i st e n gewesen, welche jede Koalition mit anderen Par- t e i e n abgelehnt haben, tun sich ganz auf ihre eigenen 5t rüste zu verlassen. Radikale und Republi- kaner hätten gern mit ihnen gemeinsame Sache gemacht und sie haben bei der Trennung verloren. Die Sozialisten können durch ihre Erfolge nur aufgefordert werden, auch künftig die Bastard-Koalitionen zu verschmähen. Ihr S e l b st b e w u ß t s e i n und K a m p s m u t h wird nicht wenig wachsen. D as System der Ausnahme- Gesetze und der g e tv a l t s a m e n Unterdrückung politischer Parteien tonnte nicht überzeugender aä absuräum geführt tv erden, als es am Sonntag in Italien geschehen i st. Die Auslösung der sozialistischen Vereine, die Knebelung der Presse, die Beschränkung des Vereins- und Versammlungsrechts, die Sozialistenprozesse, die Einkerkerungen und Deportirungen haben den Erfolg gehabt, daß unter dem eisernen Regimenie Crispi's die Zahl der Sozialisten in der Kammer verdreifacht worden ist. Es wird sieb wohl oder übel fragen müssen, ob die Sache der„Ordnung" hierdurch gewonnen hat.— Crispi's Gauuercieu werden sobald noch nicht von der Tagesordnung der Oeffentlichkeit abgesetzt werden. Der„Secolo" veröffentlicht ein langes Schreiben Cavallotti's, welches ausjühr- lich die Anklagen gegen Crispi wiederholt und namentlich den Ordensverkaus au Cornelius Herz behandelt. Cavallotti. erklärt schließlich, er werde die Beweise dafür der Kammer vor- lege» und eventuell die Gerichte anrufen.— Giolitti, der auch bei den letzten italienischen Wahlen wieder zum Deputirten gewählt ist und der die Dokumente der Crispi'jcheu Gaunereien an die Oeffentlichkeit gebracht hatte, wird durch Crispi erbittert verfolgt. Die„Jtalie" will wissen, daß der Generalgouverneur heute dem Justizminister eine Ab- schrift des in der Angelegenheit Giolitli's gefaßten Beschlusses des Kassationshofes übermittelt hat. Dem„Diritto" zufolge würde der Justizminister bei der Kammer die Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung Giolitti's nachsuchen. A«S Dfchcddah— in Arabien— wird gemeldet, daß mehrere ausländische Konsuln und Konsnlatsbeamte— englische, russische und sranzösische— von Eingeborenen mißhandelt worden sind. Die vorliegenden Berichte sind sehr lückenhaft und lasten sich auf ihre Richtigkeit noch nicht prüfen. Jedenfalls treiben es die ausländischen Konsuln in der Türkei so toll, daß man sich über derartige Ausbrüche kaum wundern kann. Jeden- falls aber haben auch die Feinde der Türkei jetzt wieder ein ge- sundenes Fressen.— Aus Japan wird berichtet, daß es bereits gegen die Gründung der„Republik Formosa" Front gemacht hat. Es will sich seinen Erfolg nicht durch einen Schachzug China's im Bunde mit der europäischen Diplomatie streitig machen lassen. Nach in Hongkong eingetroffenen Privatnachrichten haben die Feind- s'e l i g k e i t e n in F o r m o s a begonnen. Die Japaner bom- bardiren Kelung.— Die Herliner Arbeiterwnett- Heweguttg vor Gericht. Die Leiterinnen der Berliner Frauenbewegung standen heute wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz vor der ersten Straf- kammer des Landgerichts I. Die Anklage richtete sich gegen folgende Personen: 1. Gürtlersehefrau Agnes Fahrenwald, 2. Fräulein Ottilie Baader, 3. Schmiedeehesrau Minna Jung, 4. Möbelpolierehefrau Malwine Froh m a n n, 5. Kammmacherehefrau Marie K l o tz s ch und 6. Apothekerehesrnu Emma Ihrer. Dieselben sind beschuldigt, dadurch gegen das Vereinsgesetz verstoßen zu haben, daß sie als Frauens- Personen und zugleich als Leiter einem politischen Verein angehört haben. Den Vorsitz führte Landgerichts-Direktor R i e ck, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Dr. B o r ch e r t; die Verlheidigung führte Rechtsanwalt Dr. Herzfeld.-- In einer öffentlichen Versammlung von Arbeilerinnen, welche im Oktober 1890 im Böhmischen Brau- hause stattfand, hielt die Frau Apotheker Ihrer einen Vortrag, in welchem sie aussührte, daß die Frauen anstreben müßten, mit den Männern Gleichberechtigung in politischer Beziehung zu er- halten. Die FrauenZmüßten sichfzusammenthun und sich als voll- giltige Sozialdemokratinnen erklären. Schon bei der letzten Reichstags- ivahl habe mancher Abgeordnetesein Mandatden Frauenzu verdanken gehabt und wenn die Frauen erst das Wahlrecht errungen hätten, würden ihre Erfolge bedeutend werden. Die Angeklagte, Fräulein Baader, hatte sich dann den Ausführungen der Vorrednerin an- geschlossen. Die Frauen litten am meisten unter dem Druck des Kapitals, sie würden von den Männern als Waare betrachtet; was bei den Frauen unsittlich sei, werde bei den Männern als sittlich angesehen.— Am Schlüsse dieser Versammlung wurde eine Resolution dahin gefaßt, daß mit allen gesetz- l i ch e n Mitteln für die Erreichung einer Gleich- berechtigung der Frauen mit den Männern gekämpft werden solle. Es wurde auch die„Berliner Frauen- Agitations-Kommission" gewählt, welcher außer zweien der An- geklagten auch die inzwischen verstorbene Genossin Wabnitz angehörte. Tie Thätigleit, welche nun von den Angeklagten als Mitgliedern der Kommission in dem beschlossenen Sinne entwickelt worden ist, wird als gesetzwidrig angesehen, da der ß 8 des Vereinsgesetzes verbietet, Frauen, Schüler und Lehrlinge in einen Verein aufzunehnien. Die Angeklagten be- stritten sämmtlich ihre Schuld. Tie im Jahre 1890 gewählte Kontmission sei noch in demselben Jahre wieder auf- gelöst worden. Tann seien die Angeklagten in öffentlichen Ver- sammlungen wiedergewählt worden. Es sei eine irrige Annahme der Staatsamvallschaft, daß die sogenannte„Kommission" gemeinsam agitirt habe; jedes Mitglied habe nur die Aufgabe gehabt, selbständig im Sinne der Resolution in seinem Kreise zu wirken. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß die Anzeigen im„V o r w ä r t s", welche die einberufenen Versammlungen betrasen, mit:„Die Frauen-Agitations-Kommission" unterzeichnet waren. Die Angeklagte Frau Fahrenwald erwiderte, daß dies nöthig gewesen sei, um die Aufmerksamkeit der Arbeiterinnen zu erregen, weil die Namen der betreffenden Eiuberuserinnen nicht genügend bekannt seien. Während der Ver- nehmnug der Angeklagteu Frau Fahrenwald kam es zwischen dem Vorsitzenden und dem Vertheidiger zu wiederbolten Aus- einandersetzungen. Der Vorsitzende forderte den Vertheidiger wiederholt auf, sich innerhalb der prozessualischen Grenzen zu hallen und als der Vertheidiger nach Ablehnung seines Antrages, einen Vorgang zu protokolliren fortfuhr, einen neuen Antrag zu stellen, wurde er durch Gerichtsbeschluß in eine Geldstrafe von 100 M. g e n o in m e n. Es wurde eine Ungebühr darin gefunden, daß der Vertheidiger trotz mehrfacher Er- Mahnung des Vorsitzenden die Vernehmung der Angeklagten Fahrenwald eigenmächtig unterbrochen habe. Im Laufe den weiteren Vernehmung der Frau Fahrenwald bekundete diese, daß sie drei öffentliche Versammlungen einberufen habe. In zweien derselben habe der Zlbg. Molkenbuhr Vorträge über die Gesinde- Ordnung gehalten, in der dritten der Abg. Liebknecht über das Wahlrecht der Frauen. Die Angeklagte Baader gab zu, daß sie eine Versammlung einberufen habe, in welcher der Abg. Bebel einen Vortrag zu gunsten der Frauenbewegung gehalten habe. Ein Theil der übrigen angeklagten Frauen war in diese» Versammlungen anwesend. Bei der Angeklagten Frau Ihrer ist ein Einladungsbries beschlagnahmt worden, welcher im Auftrage der Frauen-Agitationskominisston unterschrieben ist. Frau Ihrer behauptete wie die übrigen Angeklagten, daß dadurch keineswegs ein gemeinsames Wirken der durch die öffentliche Versammlung gewählten 5kommission zu erblicken sei; jedes einzelne Mitglied habe das Recht gehabt, unter der Firma Frauen-Agitations- kominission für sich selbständig zu wirken. Bei dem Geständnisse der Angeklagten wurde jede Beweisaufnahme überflüssig. Der Slaatsamvalt erkannte an, daß die Angeklagten„in lobens- werther Weise im Laufe der Verhandlung der Wahrheit die Ehre gegeben hätten." Die Schuld der Angeklagten sei außer Frage. Jedes einzelne Mitglied habe denselben Zweck verfolgt", um den Begriff einer vereinten Thäligkeit zu konstruiren, sei es keineswegs nolhwendig, eine bestimmte Organisation zu schaffen. Man könne das Verhalten der Angeklagten um so mild er beurtheilen, da sie nicht die Schiebenden, sondern die G e- s ch o b e n e n waren(!). Er beantrage gegen die Angeklagte Fahrenwald 50, gegen Frau Ihrer 40 und gegen die übrigen An- geklagten je 30 M. Geldstrafe. Ferner beantrage er die Schließung des Vereins, der schon dadurch ungesetzlich sei, weil er aus weiblichen Mitgliedern besiehe. Der Vertheidiger bestritt, daß die Thätigkeit der Angeklagten als eine Vereins thätigkeit anzusehen sei. In der im Jahre 1890 gefaßten Resolution gehe der Wortlaut dahin:„mit allen gesetzlichen Mitteln" den gedachten Zweck zu verfolgen. Die Gründung eines aus weiblichen Mitgliedern bestehenden polj- tischen Vereins sei nun aber nicht gesetzlich, ustd dies hätten die Aitgeklagten recht gut gewußt. Deshalb hätten dieselben gerade nicht vereint, sondern jede für sich gewirkt. Für eine Verbindung der Angeklagten, für ein einheitliches Wirken derselben unter einer Organisation sei nichts erwiesen. Nicht das geringste fei erbracht für das Bestehen einer solchen Organisalion. Er bitte deshalb um Freisprechung sämmtlicher Angeklagten. Wenn der Gerichtshof nun doch einen Verein als bestehend annehmen sollte, so müsse aus rechtlichen Gründen von einer gerichtlichen Schließung Abstand genommen werden, weil wegen Nichtbefolgung der einschlägigen Bestimmungen die Aus« Hebung der polizeilichen vorläufigen Schließung längst eingetreten sei und das Gericht nur die Befugniß habe, eine bestehende polizeiliche Schließung zu bestätigen und endgiltig auszu- sprechen. Schließlich nahm der Vertheidiger für die Angeklagten noch die Verjährung in Anspruch. Die Angeschuldigten Frau Fahrenwald, Frl. Baader und Frau Ihrer hielten längere Ver- iheidiguugsreden, um zu beweisen, daß sie durchaus nichts Un- gesetzliches gelhau. Der Gerichtshof kam zu einer Verurtheilung. Die Frauen-Agitationskommission müsse als eine Vereinigung von Personen angesehen werden, welche ein gemeinsames Ziel verfolgte. Der Gerichtshof hätte auch ein gemeinsames Zu- sammeuivirken der Augeklagten als erwiesen erachtet. Die Frauen Fahrenwald und Ihrer seien Leiterinnen des Vereins, gewesen und deshalb härter anzusehen als die übrigen Angeklagten; die elfteren seien zu 20 bezw. 30, die übrigen zu je 15 M. Geld- strafe v e r u r t h e i I t, auch sei auf Schließung des Ver» eins„sFr au e u- Agitation skommission" erkannt tv o r d e n. Paiftcinorftvidtfcu; Gleich dreierlei Sorten von Stimmzettel« find in Z e n t r u m s k r e i s e n Kölns bei der Stichwahl an stelle der vereinbarten einen Sorte ausgegeben worden. Als ein ähnlicher Verstoß gegen die Vertragstreue bei der Hauptwahl festgestellt wurde, entschuldigte ihn die Zentrumspresse, und wir waren so höflich, ihre Versicherungen passiren zu lassen. Nachdem bei der Stich- ivahl dasselbe Vergehen in noch gröberer Weift verübt worden ist, müssen wir annehmen, daß es sich um einesystematischeBerletzung der Vertragstreue handelte, die zu dem Zwecke unternommen wurde, die Wähler in Beziehung auf ihre Abstimmung zu kontrolliren, und sie durch das Bewußtsein, daß dies geschehe, davon abzu- halten, für unsere Partei zu stimmen. Wir beneiden die Zentrumspreste nicht um die Aufgabe, das schmutzige Vor- kommniß beschönigen zu müssen, zumal durch die Kölnische Ver- tragsbrüchigkeit noch deutlich zu tage getreten ist, daß in der Zentrumtspartei jetzt hinsichtlich der Leitung eine Direklions- losigkeit und hinsichtlich der Gesolgschast ein Mangel an Disziplin und eine Jmmoralilät herrscht, die das Zentrum mit der Zeit bei allen Parteien um den Kredit bringen muß. An die Parteigenossen der Provinz Hessen und Walderk'S richtet die A g i t a t i o n s k o m in i s s i o n für diese Distrikte folgenden Aufruf: Wiederum stehen wir in einem Wahl- kämpf. Der Wahlkreis Waldeck-Pyrmont ist der dritte in diesem Jahre, der von uns bearbeitet werden muß. Es gilt auch in diesem Kreise, der bisher am meisten auch bei der letzten Haupt» wähl vernachlässigt wurde, die Ideen des Sozialismus unter die Bevölkerung zu bringen. Leider besteht in diesem Kreise noch keine Organisation, was jedoch nicht wunder nimmt, wenn man die Verhältnisse der Arbeiter und Kleinhandwerker in diesem Kreise in betracht zieht; es tritt deshalb an die Partei- genossen aller Kreise der Provinz die Pflicht heran, der Agitationskommission hilfreich zur Seite zu stehen, denn nur durch gemeinsames Arbeiten wird es möglich sein, die hessischen Kreise zu erobern. Somit bauen wir aus die Opferwilligkeit der Kasseler Genossen, sowie der Genossen anderer Wahlkreise, daß sie auch in diesem Wahlkampse für Aufbringung der nöthigen Wahlmittel Sorge tragen, damit die Koiiimission im stände ist, so zu arbeiten, wie es nothwendig ist, wenn man in einem Wahl- kämpfe steht." Sanimellisten sind u. a. von der Expedition des „Volksblatt für Hessen" in Kassel zu beziehen. Die Parteigenossen und Parteizeituugen in Sachsen werden vom Redakteur der B u r g st ä d t e r„Volksstimme", A. D i e h l, der wegen einer Kritik der Handhabung des Ver» sammlungsgesetzes durch die sächsischen Verwaltungsbehörden der Beleidigung einer Amtshanplmannschaft angeklagt ist, gebeten, ihm möglichst reichhaltiges Material über Versamm- l u n gs v e r b o t e:c. in Form von behördlichen Entscheidungen, Zeitungsausschnitteit oder brieflichen Miltheiluitgen zuzusenden. Er bedarf solchen Materials zu seiner Vertheid igung. Da die auptverhandlung bereits am 7. Juni vor sich geht, ist schleunige usendung des erbetenen Materials nöthig. Der Konflikt in der Leipziger Ortskrankenkasse ist, wie es scheint, erledigt. Der Arzt, der auf Beschluß des Vorstandes als zweiter Vertrauensarzt angestellt werden sollte und wegen dessen Berufung drei Unternehmer-Vertreter im Vorstand ihre Aemter niedergelegt hatten, zog seine Bewerbung zurück, was die Mehrheit der Arbeitervertreter im Vorstand jenen drei Unter- nehmern mittheilen ließ, zweifellos um sie zum Verbleiben im Amte zu bestintmen. Wetter wurden von dem zu zwei Dritteln aus Arbeitern bestehenden Vorstande jene drei Unternehmer wieder in die Aemter gewählt, die sie vorher hatten, und endlich beschloß der Vorstand, von der Anstellung eines zweiten Vertrauensarztes vor- läufig abzusehe». Infolge dessen legte der bisherige zweite Vorsitzende der Ortskasse, der Arbeitervertreter Buhl dies Amt nieder. An seiner Stelle wurde der Arbeitervertreter Conrad gewählt. Die Mehrheit der Ardeitervertreter hat nichts weniger als ron,cque»l gehandelt. Aber ihr Verfahren erklärt sich. Nach- dem der in Aussicht genommene Arzt, den die Unternehmer nicht haben wollten, weil er Sozialdemokrat ist. seine Bewerbung zurückgezogen hatte, war für die Mehrheit der Arbeitervertreter «rn Mittel geschaffen, um dem bei dem Charakter des Leipziger Unternehmerthums kaum zu bezweifelnden Anstritt vielleicht nieler Unternehmer aus der Ortskasse, der Errichtung neuer Betriebs- und Jnnungskassen und damit einer Schädigung der Jtasse vorzubeugen, die schwer wieder gut gemacht werden könnte. Ju Chemnitz hatte ein Antisemiten-Blatt geschrieben: ..Reimt es sich vielleicht mit der programmmäßigen Bekämpfung des Großkapitals zusammen, wenn Singer im Plenum des Reichstages gegen eine höhere Besteuerung der Börse tobt und wenn in der Börsenreform-Komnüssion der Vertreter der Sozial- demokratie die Ausführungen des Regierungsverlreters. der die freie Bewegung der Börse möglichst wenig beschränkt sehen möchte, so entzückend findet, daß er die Drucklegung dieser Rede im Wortlaute behufs weitester Verbreitung beantragt?" Gegen- über diesen Behauptungen stellt der sozialdemokratische Chemnitzer «Beobachter" folgendes fest: Die erste Behauptung, Singer hätte gegen die Steuer getobt, ist eine grobe Fälschung der Thatsachen, wie aus den Reden dieses Genossen jeder, der zu lesen vermag, ersehen kann. Zu der zweiten Behauptung schreibt uns Singer: «Die Geschickte von der Börsenreform- Kommission ist purer Schwindel. Erstlich hat eine Börsenreform- Kommission bis jetzt gar nicht existirt; denn dieses Gesetz ist noch gar nicht beim Reichstage eingegangen, kann daher auch keiner Komniisfion überiviesen sein. Sollte die Börsen st e u e r> Kommission gemeint sein, so ist die Behauptung:„ich hätte die Drucklegung der Rede eines Regierungsvertreters zum Zweck weitester Verbreitung be- antragt, weil derselbe gemeint hat. die Börse sei möglichst wenig zu beschränken",— eine ganz unverschämte Lüge.— Ueber die Petitionsgeschichte ist der Parteileitung nichts bekannt." Personalien aus der Partei. Der Parteigenosse Theodor v. W ä ch t e r in Stuttgart erklärt in dein von ihm heraus« gegebenen„Sonntagsblatt", daß er sich nach aufreibender mehr- jähriger Betheiligung an der Agitation, wozu noch die redaktionelle Thätigkeit und stete pekuniäre Sorgen kamen, ge- zwnngen sieht, zur Heilung seiner gänzlich zerrütteten Nerven für längere Zeit auf alles öffentliche Auftreten zu verzichten. Der Bodenbesitzrcformer Michael Flürschein hat ihm auf seinem am Luganer See gelegenen Wohnsitz Muße zur gründlichen Er- holung gegeben. Möge ihm diese vollständig gelingen! Parteipresse. Für den 3. oldenburgischen Iieichs- tags-Wahlkreis. und insbesondere für Delmenhorst, soll aw Beschluß einer Parteiversammlung von Monat August d. I. ab «in wöchentlich zweimal erscheinendes Blatt herausgegeben werden. Ausgeschlossen wurden auf der Kreiskonserenz in Vilbel wegen unehrenhafter Handlungen Carl Schäfer, gebürtig aus Lorbach bei Büdingen, zur Zeit in Frankfurt a. M., und H. W. Brüning in Büdingen. Ans Amerika. Als Zeichen für den Fortschritt des Sozialismus in der Union thetlt die Neiv-Uorker„Volks-Ztg." zwei Zitate aus englisch- amerikanischen Arbeiterblättcrn mit. Das eine, aus dem„Western Laborer", lautet:„Eine Unze richtiges Stimmen ist ein Pfund Boykotten werlh. Stimmt gegen das kapitalistische System!" Das andere, aus der „Coming Nation", lautet:„Bis die Gewerkschaften ihren Mit- gliedern den Sozialismus lehren, werden die Kapitalisten fort- fahre», ein Picnic zu haben." Polizeilich, Gerichtliches iC. — Der Redakteur Block in Dortmund, der in der „Rheinisch. Westfälischen Arbeiter- Zeitung" die Verwaltung der Zeche Weftsalia beleidigt haben sollte, ist von der Staatsanwalt- schast benachrichtigt worden, daß das deshalb gegen ihn an- hängig gewesene Verfahren eingestellt worden ist. — Am 31. Mai wurde in Frankfurt a. M. Genosse W.Schmidt, der im vorigen Vierteljahre verantwortlicher Redakteur der„Volksstimme" war, auf dem Amtsgericht über nicht weniger als vier Anzeigen vernommen. Die„Volksstimme" soll nämlich begangen haben: 1. im Neujahrsartikcl eine Auf- reizung zu Gewaltlhäligkeiten(§ 130 des Straf-Gesetzbuchs). 2. in einem Artikel der Nr. 24 mit der Spitzmarke„Der Kaiser" eine Majestätsbeleidigung, 3. durch eine Kor- respondenz aus Schwanheim in Nr. 38 über eine Schul- züchrigung eine Lehrerinbeleidigung, und 4. durch den Leitartikel „Wintersnoth" in Nr. 44 die Nnitsbcleidigung eines Orts- Vorstehers. Letzterem Artikel lag eine der„Saale-Zeitung" und deni„Hannoversche» Kourier" entnommene(später als unwahr erwiesene) Mittheilung zu gründe, daß in Reußen bei Halle einer Frau mit 2 Kindern in einer äußerst kalten Wintersnacht von dem Ortsvorsteher ein Obdach versagt worden war, infolge deffen die Frau mit den Kindern den Tod durch Erfrieren fand. Soziale Lievevstrhk: lieber daS geplante Apothekengesetz schreibt die„Berl. Korresp.": Die Tagesprefse beschäftigt sich in letzter Zeit viel mit dem angeblichen Entwurf zu einem Apothekengesetz, der kürzlich an die Ocffentlichkeit gelangt ist. Unter anderen geben die„Hamb. Nachrichten"(Morgenausgabe vom 8. Mai) ihrem Befremden darüber Ausdruck, daß die Iiegierung nicht auch die Begründung veröffentlicht habe. wie dies mit Vorlagen anderer Art geschehen sei. Deingegenüber ist darauf aufmerksam zu machen, daß es sich zunächst noch gar nicht un> eine» durchgearbeiteten Entwurf handelt, sondern um sogenannte Grundzüge. die den Regierungen der größeren Bundesstaaten zur Begutachtung und mit der Absicht miigeiheilt sind, später ans gruno der ein- gehenden Aeußcrungen an die Ausstellung eines endgilligen Ent- wurfs heranzutreten. Für die Oeffentlichkeit waren diese Grund- züge nicht bestimmt, ihre Veröffentlichung ist ohne Wissen der Regierung erfolgt. Der Gesetzentwurf wird zweifellos, sobald er fertiggestellt ist, seinerzeit mit Gründen bekannt gegeben werden. Denn es kann der Regierung nur erwünscht sein. daß die Angelegenheit, deren Regelung große Schwierigkeile» bietet, nach allen Seiten hin eingehend und gründlich erörtert wird, und daß auch die betheiligten Kreise dabei zum Worte kommen. Alters- und Anpalideupersicherung. Vor einigen Monaten ist von der„K. Z." Klage darüber geiührt worden, daß der Vorsitz bei den Schiedsgerichten für die Alters- und Jnvaliditnts- Versicherung durchgängig in den Händen von Mitgliedern der Regierungen ruhe und daß durch die hierdurch erwachsenden hohen Zieisekosten die Versicherungsanstalten ganz erheblich belastet würden. Diesem Zustande soll nun, wie offiziös geschrieben wird, abgeholfen werden. Es ist bestimmt worden, daß in Zukunft der Vorsitz in der Regel von einem im Kreise ansässigen Staatsbeamten übernommen werde. Da die Amtsrichter sich fast überall im Interesse der Sache zur un- entgeltlichen Uebernahme des Nebenamtes bereit erklärt haben, so wird der Vorsitz fast allgemein diesen übertragen werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Neuerung für die Arbeiter nützlich ist. Vermuthlich hat dem Unternehmerthum die von ihm unabhängigere Stellung der höheren Regierungsbeamten nicht gepaßt. Unserer Ansicht nach sind gerade solche Männer dem Einflüsse des Fabrikantenthums nicht in dem Maße ausgesetzt, als unter Umständen die im Bezirke des Schiedsgerichts wohnenden Staatsbeamten. deren gesellschaftliche Beziebungen mit den Unternehmern ihre Objektivität zwar kaum beeinflußen, aber doch in dem einen oder anderen Falle auch nicht ganz unberührt lassen. Das Vürgerthum in den Kominulieu. Zu diesem Tbema liefert auch die Burgstädter„Volksstimme" einen inter« essanten Beitrag. Sie berichtet: Die Firma A. K ö b k e in Göppersdorf, bei der erst im vorigen Jahre die Arbeiter wegen Herabsetzung der Löhne streiken mußten, will hier eine große Slrumpfwaaren- und Spitzenfnbrik errichten(„eine neue Industrie einführen", nennt man es beschönigend), natürlich lediglich, um für ihr Kapital eine gute Anlage zu finden. Um ihr diese Ab- sickt zu erleichtern, bat der Stadtrath, wie im Amtsblatte mit- getheilt wird, beschlossen, dem Fabrikbesitzer Köbke für diesen Fall auf 3 Jahre die städtischen Stenern zu erlassen. Wir wollen uns jede Kritik dieses merkwürdigen Beschlusses er- sparen, da er gar nicht ausgeführt werden kann. Die tzß 25, 31 der revidirten Städte- Ordnung stehen der Ausführung eines solchen Beschlusses direkt entgegen, er muß deshalb von der Aussichtsbehörde ohne weiteres anullirt werden. Welch' grober Unfug mit den„s ch w a r z e n L i sie n" getrieben wird, tritt wieder einmal an folgendem Vorkommniß klar zu tage. Der Verein der Arbeitgeber von Harburg und Umgegend versandte folgendes Zirkular:„?.?. Die Meldung der Firma Palmkern- Oelfabriken- Aktiengesellschaft, vormals Heins u. Asbeck,„daß die im umstehenden Verzeichnisse auf- geführten Arbeiter am 29. April kontraktbrüchig geworden sind," bringen wir hierdurck zur Kenntniß der Vereinsmitglieder. Harburg. 30. April 1895. Der Vorstand. Rickert, Vorsitzender." Wie unsere hannöversche Parteipresse berichtet, sind die Arbeiter schon deshalb nicht kontraktbrüchig geworden, weil das gegenseitige Verhältniß ein derartiges war, daß beide Theile zu jeder Zeit vom Arbeitsvertrage zurücktreten konnten. Eine hübsche Glosse zur Arbeitersreundlichkeit des Unier- nehmerthunis und zur Altersversicherung des Deutschen Reiches liegt in der folgenden Notiz des„ O f f e n b. A b e n d b l.": In der Oehlcr'schen Fabrik suchte man Schlosser. Eine größere Anzahl derer, die sich meldeten, wurden kurzer Hand mit der Bemerkung abgewiesen, sie seien„zu alt". Tarunter waren mehrere, die im Anfang der vierziger Jahre stehen. Mit recht meinte einer der zu alt befundenen:„Na, Ihr macht ein Alters- und Jnvalidengesetz, wonach man erst mit 70 Jahren alt genug ist, um Reute zu erhalten, und hier ist man schon mit 40 Jahre» zu alt, um Arbeit zu bekommen." Auch ein Volksvertreter! Der der sogenannten Frei- sinnigen Vereinigung angehörige Reichstagsabgeordnete für Lübeck, Dr. Görtz, gab in einer Wöhlervcrsammlung Bericht über die Thätigkeit des�Reichstags, wobei er bei der Tabaksteuer-Vorlage nach dem Bericht unseres dortigen Parteiorgans erklärte: Anfangs habe er wirklich geglaubt, daß die Zigarre e i n L u x u s- a r t i k e l sei, doch sei er jetzt von dieser Ansicht bekehrt. Wenn der Herr schon in dieser einfachen Sache so schlecht über die Bedürfnisse des Volkes unterrichtet war, wird er's bei schwerer zu kapireuden Dingen noch viel weniger sein. Was hat er dann aber im Zieichstage zu suchen? Tie Leipziger Juniingöbriider sind sehr unzufrieden mit dem im vorigen Monat in Halle abgehaltenen allgemeinen deutschen Handwerkcrtage. In der letzten Sitzung des Junungs- ausschusses brachte das der Vorsitzende bei der Berichterstattung drastisch zum Ausdruck. Es sei ihm, führte der Redner etwa aus, lange nicht eine so unangenehme Aufgabe zu theil geworden. Wenn das Handwerk in solcher Tonart, wie es in Halle ge- schehen sei, seine Forderungen kundgebe, dann werde nian den Unterschied zwischen einer sozialdemokratischen Vcrsamm- lung und einem Handwerkerlage nicht mehr herausfinden können. Der Ton habe sich bedeutend vergröbert und durch manche der gebrauchten Ausdrücke müsse man sich geradezu„an- geekelt" fühlen. Der Bürgermeister von Halle sei infolge dessen schon»ach der ersten halben Stunde wieder fortgegangen. Die Vertreter des Jnnungsausschusses hätten de» Eindruck empfangen, daß sie das letzte Mal auf einem Handwerkertag gewesen seien. Jedenfalls sei in Halle wenig Ersprießliches für die Sache der tandwerker herausgekommen. Die Zentrumsinänncr, die in alle hauptsächlich aufgetreten seien, könne man nicht als die be- rufenen Vertreter des Handwerks betrachten. Ter gesundheitsschädigende Einfluß der Nähmaschinen- arbeit ist kürzlich, wie die Stuttgarter„Gleichheit" berichtet, von dem französischen Fabrikinspeitor Laporte betont worden. Er sagte u. a.: Es ist selten, daß eine Arbeiterin an der Näh- Maschine, selbst wenn sie kräftig und von guter Konstitution ist, lange ihrer Beschäftigung nachgehen kann, ohne brustkrank zu werden." Die Inhaberin einer Nälfftube erklärte dem Fabrik- inspeklor auf Befragen:„Nach Ablauf von 10 Jahren ist eine Maschinennäherin reif für das Hospital." In dem Bericht eines Arztes, der dem Gesundheitsraihe des Departements Seine an- gehört, und den Laporte zitirt, heißt es:„Schon eine zwei- jährige Thätigkeit an der Nähmaschine genügt, um auch den stärksten Organismus eines Mädchens zu zerstören. Vcr- änderungen der Lage der Gebärmutter und Menstruations- störungen mit all ihren Begleiterscheinungen treten ein. und noch einige Jahre weiterer Thätigkeit genügen, um die Organe des Unterleibes so zu beeinflussen, daß eine Maschinennäherin nicht mehr im stände ist, ein Kind vollständig auszutragen, sondern ineist Früh- und Fehlgeburten macht." Ten Unter- nehmern ist der gesundheitsschädliche Einfluß des Maschinen- nähens auf den weiblichen Organismus wohl bekannt. Trotz alledem treiben sie ihn auf die Spitze durch Hungerlöhne, die die Arbeiterinnen zwingen, unbegrenzt lange Zeil die Maschine zu treten. Auch die Maschinennäherinnen wissen sehr wohl, wie unheilvoll ihre Beschäftigung Gesundheit und Lebenskraft beeinflußt. Trotz alledem zwingt sie die bitterste Roth, von früh bis spät an der' Maschine zu schuften und zu schanzen. Es ist die kapitalistische GeseUschafts„ordnung", die so zur wüstesten Ver- geudung menschlicher Arbeitskraft führt. Zur Hebung des Ilrbeiteriuuen-VerdiensteS hat das Repräsentantenhaus des Staates N e w- U o r k mit starker Mehrheit die Einsetzung einer Komniission beschlossen, die zum Zwecke der behufs Untersuchung der Arbeiterinncnlöhne öffentliche Versammlungen veranstalten soll und beaustragt ist, geeignete gesetzliche Maßregeln vorzuschlagen, um die ungünstigen Erwerbs- Verhältnisse der Arbeiterinnen zu verbessern. Uni Jrrthümer vorzubeugen, sei ausdrücklich stetont, daß der Staat New-Iork nicht etwa im„Lande der Cozialreform", im Denlschen Reiche, sondern drüben überm großen Wasser, im wilden Amerika liegt. GeurerlrHcktaNliilies. Leipziger Maurerstreik. Nach der letzten Nachricht haben bis jetzt auf insgesammt 125 Bauten 1500 Maurer die Arbeil eingestellt. Etwa 250 erhielten den geforderten Stundenlohn von 45'Pf. bewilligt. Tie übrige» Meisler wollen nur 43 Pf. geben, während viele von ihnen den Kunden bis vorige» Herbst für den Polier 55 Pf. und für den Gehilsen 53 Pf. pro Stunde be- rechneten. Tie Wolff'sche Nachricht, daß am Reichsgerichts- Neubau gestreikt würde, war falsch. Dagegen ist nachzutragen, daß auch bei den Vorarbeiten sür die Kasernenbauten in Möckern gestreikt wird. Ans Nicderschlema im sächsischen Erzgebirge meldet der Chemnitzer„Beobachter", daß in der T ö l l'schen Maschinenfabrik Schlosser, Schmiede und Dreher ausgesperrt wurden, iveshalb der Zuzug nach dieser Fabrik zu vcrineiden ist. Au die Textilarbeiter Sachsens und Thüringens! Das Agitationskomitee der Textilarbeiter und Arbeile- rinnen von Sachsen und den angrenzenden Fürstenthümern hat folgenden Fragebogen anfertigen lassen: 1. Name, Wohnung und Wohnort des Arbeitgebers? 2. Art des Betriebes(Berui und event. Spezialität)? 3. Wird mit Kraftmaschine gearbeitet? a) Welcher Art ist die Triebkraft? b) Wieviel Pferdekräfte? 4. Wieviel Arbeiter werden beschäftigt?») Verheirathet? b) Ledig? 5. Wieviel Arbeiterinnen werden beschäftigt? a) Verheirathet? b) Ledig? 6. Wieviel jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren? 7. Wieviel jugendliche Arbeiterinnen unter 16 Jahren? 8. Wie lange lvährt die regelmäßige Arbeits- zeit. Pausen abgerechnet? a.) Bei Tag? b) Bei Nacht? 9. Wird auch Sonn- und Feiertags gearbeitet und wie lange? 10. Welcher Lohn wird gezahlt? s) In Stunden bei Tag? In Stunden bei Nacht? b) In Wochenlohn bei Tag? In Wochen- lohn bei Nackt? c) In Akkord bei Tag? In Akkord bei Nacht? ä) Welchen Durchschnittsverdienst erreichen a) die männlichen Arbeiter? b) die weiblichen Arbeiter? 11. Sind Arbeiterinnen auf Maschinen beschäftigt und wieviel? Welchen Lohn erhalten dieselben gegenüber den männlichen Arbeitern? 12. War Arbeitsmangel vorhanden und wie lange? 13. Sind die Arbeiter organisirt? a) Wieviel männliche? b) Wieviel weibliche? c) Wie heißt die Organisation? d) Giebt es noch andere Or- ganisalionen unserer Industrie am Orte? 14. Wie findet die Lohn- zahlung statt undan welckemTage? 15.Besteht eineFabrikordnung? a) Welche Strafen setzt sie fest und wofür? b) Wie ist die Kündigung? c) Wie ist die Behandlung? d) Ist bekannt, wie die Strafgelder verwendet werden? 16. Wie ist der Zustand der Älrbeitsräume? a) Ist genügend Licht vorhanden? b) Sind Nothausgänge angebracht? 17. Wie ist der Zustand der Aborte? 13. Ist es erlaubt, daß die verheiratheten Frauen vormittags 11 Uhr oder später, jedoch vor 12 Uhr nach Hause gehen können, um das Mittagessen zu bereiten? Wir ersuchen die Kollegen und Kolleginnen in Fabrik- und Hausbetrieb, recht fleißigen Gebrauch hiervon zu machen. Bestellungen auf die benölhigten Exemplare wolle man umgehend an den Vorsitzenden Albin Reichelt in Burgstädt, Marienstr. 285. gelangen lassen. Die Hirsch- D»ucker'schen Gewerkverrine halten zu Pfingsten in D a n z i g einen Verbandstag ab. Neben Oraani- sationssragen und der Fraueufrage soll besonders über das Thema verhandelt werden: Wie können die Gewerkvereine die Lohn- und Arbeitsverhältnisse praktisch verbessern? Nun, zunächst mindestens dadurch, daß die Hirsch- Duncker'sche» Gewerkvereinler nicht mehr als Streikbrecher anderen Arbeiter» beim Kampfe um bessere Arbeitsbedingungen in den Rücken fallen. I» Eichtvald-Wistritz in Oesterreich hat das Personal der Porzellan- und Majolika-Fabrik von Gustav Müller die zehnstündige Arbeitszeit freiwillig zugesprochen erhalten. Tie SteinbruchSbesttzer in Feuerbach bei Stuttgart haben dem Verlangen ihrer Arbeiter, den zehnstündigen Arbeitstag statt dem seitherigen clfstündigen einzuführen, stattgegeben. Tie schweizerischen Arbeiteriuueuvereine halten nächsten Sonntag und Montag im„Schwanen" in Zürich ihre Delegirten- Versammlung ab. Die Traklandenliste lautet: 1. Wahl des Tagesbureaus. 2. Sektiousappell. 3. Verlesen des Protokolls der letzten Delegirtenversammlung. 4. Verlesen des Rechnnngs- und Jahresberichtes des Zentralvorstandes. 5. Wahl einer Rechnungs- und Prüfungskonimission. 6. Ver- lesen der Jahresberichte der Sektionen. 7. Behandlung der ge- stellte» Antröge und Beschlußfassung Überdieseiben. 8. Wahl des Vorortes für das nächste Jahr. 9. Verschiedenes. Anträge. Arbeiterinnenverein Basel: 1. Kantonales weib- liches Fabrikinspektrat. 2. Kantonale Arbeiterinnenheims. 3. Schutz der weiblichen Arbeiter in einem eidgen. Gewerbegesetz. 4. Revision des eidgen. Fabrikgesetzes im Sinn« der Einführung des zehnstündigen Normal- Arbeitstages und schützende Bestim- mungen für Arbeiterinnen. 5. Größere Fürsorge für die haus- wirthschastliche Ausbildung. Arbeilerinnenverein Zürich. Zur Aufklärung und besseren Organisation der weibliche» Arbeiter solle vom Zentralvorstand aus eine Broschüre herausgegeben werden. Fachverei» der Schneiderinnen und Weißnäherinnen. Fachvereine, sowie alle übrigen weiblichen Organisationen haben die ernste Aufgabe, der Schmutzkonkurrenz, welche in verfertigten Kleidern und Leibwäsche dem Volke, hauptsächlich dem Arbeiter- stände, angepriesen wird, möglichst Halt zu gebieten. AnS VervierS meldet die„Kölnische Zeitung": Die Arbeiter der Kammgarnspinnerei von Serwir, Byrom u. Co. sind ans- st ä n d i g. Sie wollen die Abschaffung der ihnen überflüssig erscheinenden Stelle eines dritten Spinnmeisters, eine Lohn- erhöhung der in der Fabrik beschäftigten Fadner und sür die sogenannten Rentreurs gleiche Lohnsätze, wie sie die Spinner haben. Bisher verdienten die Fadner der Firma im Durchschnitt täglich 3,75, die Rentreurs 5 und die Spinner 7.50 Franks. Gegen die Löhne an sich haben die Ausständigen nur einzuivenden, daß sie schwerer arbeilen müßten als in anderen Fabriken. Die Spinner erklären sich bereit, auf ihre Löhne soweit zu verzichten, daß den Unternehmern aus den zu gunsten der übrigen Arbeiter verlangten Neuerungen keine Mehrauslagen erwüchsen. Aus Amsterdam wird gemeldet: Der Ausstand der Bau» Handwerker ist beendet, nachdem die Forderungen der Arbeiter theilweise bewilligt worden sind. Die Barbier- und Friseurgehilfen haben beschlossen, jeden Sonntag zu strecken, im Zuge die Stadt zu durchziehen und ihre Stollege» aufzufordern, mit zu gehen. Der Ausstand der Möbel- f ch r e i n e r hat mit der Niederlage der Arbeiter geendet, wie- wohl die Unterstützung nicht gefehlt hat. Der Streik dauerte neun Wochen. Die Steinhauer stehen noch aus. Der T o r f a r b e i t e r st r e i k hat sich jetzt auf die Provinz Dreute ausgedehnt, während er in Friesland beendet ist. Detrestfieu. Wolff's Telegraphen-Burea». Elberfeld, 31. Mai. Auf der hiesigen Berlinerstraße explodirte heute Nachmittag l'/s Uhr eine von einem Privat- fuhrwerk geführte Ladung Pulver. An allen umliegenden Häusern wurde durch die Explosion beträchtlicher Schaden angerichtet. Ter Führer des Wagens und ein Assessor der Staatsanwaltschaft, welcher zufällig vorbeikam, sind schwer verwundet worden, acht Personen erlitten leichtere Verletzungen. Ter Führer des Wagens, der bei der Explosion schwer ver- letzt wurde, ist späteren Nachrichten zufolge, gestorben. Harburg, 31. Mai. Bei einem heftigen Gewitter schlug heute Nack, mittag kurz vor 6 Uhr der Blitz in einen Petroleum- Tank, welcher der Gesellschaft„Bremer Trading Company Limticd" gehört. 5 Tanks stehen zur Zeit in Flammen; an die Löschung derselben ist vorläufig nicht zu denken. Tie Polizei hat Sicherheitsmaßrcgeln ergriffen. Leipzig, 31. Mai. Der Verband der Vauarbeitgeber für Leipzig und Umgegend beschloß, dem„Leipziger Tageblatt" zu- folge, in einer heutigen Versammlung, de» Mindeststundenlobn von 38 Pf. aus 40 Ps. zu erhöhen und als höchsten Lohn 45 Pf. zu gewähren. Man drückte die Hoffnung aus, daß auf dieser Grund- läge eine Einigung erzielt werde. Paris, 31. Mai. Im Senate beantwortete der Minister des Auswärtigen in längerer Rede die Jnlerpnllation wegen Thcilnahme der französischen Schiffe an der Eröffnung des Nordostsee-Kanals. Öhue in eine Debatte der ausführlichen Jnterpellations- Beantwortung einzutreten, vertagte sich der Senat auf den 10. Juni. Verantwortlicher R datleur: I. Dierl(Emil Roland) in Beriin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. S"W., Beuihftraße 2. Hierzu zwei Beilagc«. 1. Beilage zum„Vomärts" Berliner Volksblatt. Kr. ISS. Aus einer ImthMischr» Irren- Anstalt. Erster Tag der Verhandlung. (Fortsetzung.) Der Andrang des Publikums nach dem Schwurgerichtssaale. tn dein die Verhandlung stattfindet, ist ganz enorm. Zahlreiche Berichterstatter aus den verschiedensten Theilen Deutschlands find eingetroffen. Dieselben sind voin Präsidenten, Landgerichtsrath Dahuien, in liebenswürdigster Weise auf den Geschworenenbänken placirt worden. Im Austrage des Landesdireklors der Rhein- Provinz. Dr. Klein, wohnt Landesrath Brandts(Düsseldorf) der Verhandlung bei. Den Gerichtshof bilden: Landgerichtsrath Dohmen(Präsident), Landgerichtsrath Küster, Landgerichtsrath Dr. Braun, Landrichter Hölzer und Gerichtsassessor Dr. Schülgen (Beisitzende). Die königliche Staatsanwaltschaft vertritt Staats- anwalt Pult. Als Vertreter der Nebenkläger, der Leiter des Alexianerklosters sungirt Rechtsanwalt Oster(Aachen). Die Ver- theidigung sichren: Rechisanmalt Dr. Nicmeyer(Essen) und Rechtsanwalt Lenzmann(Hagen i. W.). Als Protokollführer fnugirt Gerichlssekretär Bayer. Der Aufruf der zahlreichen Zeugen und Sachverständigen, unter denen sich Kaplan Mr. Forbes, der Leiter des Alexianerklosters, sowie mehrere Zeugen aus Schottland befinden, nimmt geraume Zeit in Anspruch. Als Dolmetscher ist Oberlehrer Dr. Hagelücker(Aachen) zur stelle. Forbes ist ein großer, bartloser, schlanker Herr von etwa vierzig Jahren. Sein interessantes Aeußere läßt auf einen ruhigen und gutmüthigen Charakter schließen. Ter Angeklagte Mellage, ans den sich bekanntlich das Haupt- interesse konzentrirt, in ein großer schlanker, sehr energisch aus- sehender Herr mit knrzgeschnittenem Vollbart. Sein Haupthaar ist, obwohl er erst das 37. Lebensjahr zurückgelegt hat, bereits stark gelichtet. Nach Feststellung der Personalien der Angeklagten und Verlesung des sehr umfangreichen Eröffnungsbeschlusses werden zunächst die inkriminirten Artikel aus dem„Iserlohner Kreisanzeiger" verlesen. Es sollen alsdann die inkriminirten Stellen der Broschüre: „3g Monate bei gesundem Geiste als irrsinnig eingekerkert" ver- lesen werden. Aertheidiger Rechtsanwalt Lenzmann stellt den Antrag, den ganzen Inhalt der Broschüre zu verlesen, da einzelne Stellen derselben kein klares Bild geben dürften und die Ver- theidigung genöthigt sein werde, auf den gesammten Inhalt der Broschüre einzugehen.— Staatsanwalt: Ich bemerke, daß der gesanmite Inhalt der Broschüre inkriminirt ist, es sind nur einzelne Stellen als besonders arg beleidigend bezeichnet, ich habe daher gegen den Antrag des Herrn Vertheidigers nichts ein- zuwenden.— Der Gerichtshof beschließt, die ganze, 30 Druck- feiten»mfaffende Broschüre zu verlesen.— Vorher wird auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Niemeyer beschlossen, auch noch einen Zeugen aus Iserlohn, namens Höfer, als Dolmetscher hinzuzuziehen, da dieser mehrere Jahre in Schottland gelebt hat, Mr. Forbes aber das Englische mit stark schottischem Accent spricht.— Gerichtssekretär Bayer verliest demnach die Broschüre. Ans derselben geht u. a. hervor, daß die Anstaltsleiter dem Mellage und Genossen, als diese die Befreiung des Forbes zu bewirken suchten, versicherten: Letzterer sei sehr dem Trünke er- geben.— Große Heiterkeit erregt die Verlesung der Unterredung von Mellage und Genossen mit dem Subrektor des Alexianer- klosters, Bruder Heinrich. Dieser empfing den Angeklagten Mellage, den Hotelier Ohse und den Polizeikommissar Lohe mit folgende» Worten:„So, das ist ja recht hübsch, daß Sie uns besuchen. Wollen wir nicht zuerst ei» Flaschen Wein trinken? — Kommissar: Nein, dazu haben wir nicht Zeit, wir müssen bald wieder weg.— Bruder Heinrich: Wir hnn über en ganz got Tröppche.— Kommissar: Das' glaube ich wohl, aber für diesmal muß ich darauf verzichten; wir haben schon so häufig freundschaftlich zusammen verkehrt, heute habe ich etwas Dienst- liches hier zu verrichten. Große Berliner Kunstausstellung it. Wie man allmälig, zumal bei Landschaftsstudien von dcni Abscheu gegen die Neuerer und Revolutionäre in der Kunst abkam, so ist ein weiteres Fortschreiten trotz aller Ungunst, die das Schaffe» der Künstler bedrückt, auch in der gegenwärtigen Aus- stellung auf einem anderen Kuustgebiet zu verzeichnen. Wer sich früherer Berlinischer Ausstellungen erinnert, der weiß, wie auf allen Wänden die Schablonen- und Anekdötchen- nmlerei sich breit machte, so daß man mitunter meinte, nichls weiter vor sich zu haben, als kolorirle Illustrationen zu Familienblättern. Diese Püppchenkunst, süß und geziert und elecki, wie sie war, ist zwar noch nicht ausgestorben, ganz be- onders nicht in Berlin, wo der Parvenü und Käufer seine ganz besondere Freude daran haben mag. Aber stark zurückgedrängt ist sie doch. Auch daran hat der Kampsruf: Rückkehr zur Natur von der Bcrbildung und Künstelei seinen kräftigen Antheil. Auch da ist die eindringliche Arbeit jeuer schaffende» Männer, die das Leben aufsuchten, wo es ernst, hart, selbst düster ist, die um die Alltagsnoth der Menschen sich kümmerten, und so die Knustform und das Stoffgebiet er- weiterten, nicht umsonst gethan. Man wagt es nicht mehr, so viel verlogene Idyllen, und schäkernde Geschichtchen von über« fröhlichen Dienstmädchen und Soldaten, voin rußigen und dabei doch seligen Schmiedegesellcn, von glücklicher Zufriedenheit des Alters und derlei mehr zu malen. Ein ganz hervorragend charakteristisches Beispiel für den Wandel der Anschauungen findet sich in der Sammelansstellung der Münchencr Sezession. Sonst, wenn man vom resignirten Alter erzählte, da dachte man zunächst in richtiger Schöngeisterei an das klassische Paar Philemon und Baucis. Da war alles schönfärberisch über- kleidet. Wenn man sich nun hiergegen des Grafen Kl a l ck r e u t h Darstellung des Alters bei den Münchener» ansieht, welcher Ein- druck monnmentaler Wahrheit wird da gewonnen. Die beiden alten Frauen, die vor sich hiubrüten, wie körperlich treten sie in Erscheinung und welch ernsthaftes Zengniß legen sie davon ab, was das Alter sei! Selbst jenes vielbeachtete Gegenstück bei den Franzosen, Frap p a's„Convcnienzheiralh" Hai einen bitter- satirischen Beigeschmack. Wie da der Protz, der sich sein Bräutchen gekaust hat, genn'ithlich schläft und schnarcht, man liest ihm den Stumpfsinn vom Gesichte ab, und neben ihm die junge Frau, die erregt, nervös beim Lampenschcin in einem Buche blättert. Jugend, Leib und Seele hat sie geopfert. Frappa ist unter den Künstlern vorn Marsfeld zu finden. Di« Gesellschaft der Champs Elysees hat sich in einem besonderen Saal(40) zusammengethan. Sie begreift jene Pariser Künstler- sckaft in sich, die strenger an die akademische Ueberlieferung sich nnschließt, weniger Gesahr läuft, in die Irre zu gehen, dafür aber sellener sich von klassizistischen Schulbegriffen, von der Kon- vention, und sei sie selbst aus den besten Mustern der Antike entstanden, frei macht. Eine Sonderstellung in dieser Künstler- schaar nimmt der genialische Porträtmaler B o l d r n i ein. Wie dieser durchaus nioderne und espritreiche Brausekopf in die Ge- sellschaft der Akademiker gerathen ist, das>st eigentlich ein Räthsel. Ein Porträtmaler von überschäumender Lebenskraft. der gerne einmal über die Stränge schlägt. Wie flott und Sonnallend, den 1. Juni 1893. Bruder Heinrich: Nun dann, loße mir uns ivenigstens ersch ä Priesche nehme.(Der Subrektor holte dann aus seinem Hahit eine Schnupftabaksdose hervor von dem ungefähren Kaliber, wie man sie bei uns zu Hause mit den Goldbuchstaben:„Schnupfe wer will!" sehen kann.) Diese zirkulirle und alsdann ging's zur Sache: Nu Herr Kommissär, womit kann ich Uech diene? Kommissar: Bruder Heinrich, führen Sie uns den Alexander Forbes vor, wir möchten den Herrn gern kennen lernen. Bruder Heinrich: O, Häer, nee dat inöcht Ehr net duhn, ne, ne, de Häer Forbes es su krank une so schwach; o, Jott ne, det jet nit, wat wullt Ehr denn mit dem Häer Forbes, dat is jo ne Kaplan us Schottland. Kommissar: Das schadet nichts, wir wünschen ihn zu sehen, dieser Herr(auf mich deutend) hat ein großes Interesse daran. Brüder Heinrich: Is dat dann ne Verwandte von de Häer Forbes? Kommissar: Das weiß ich nicht, fragen Sie ihn selbst. Bruder Heinrich(zu mir gewandt): Häer, süed Ehr ver- wandt mit'm Häer Forbes? Mellage: Nein, ich bin dem Herrn wildfremd. Bruder Heinrich: Jo, dann könnt Ehr dat och net jut ver- lange, besonders wo de Häer so krank is(zum Kommissar ge- wandt) ick glöf, dat es ne Kriminalmann us'ner großen Stadt! Kommissar: Wer oder was der Herr ist, darauf kommt es einstweilen nicht an, holen Sie uns nur Herrn Forbes herbei. Mellage: Sagen Sie, Bruder Heinrich, kann Herr Forbes noch die Messe lesen und Andacht abhalten? Bruder Heinrich: Jo Häer, dat jet noch so eebe met em! Mellage: Ist der Herr denn noch immer irrsinnig? Bruder Heinrich: O, geweß dat, dä es sehr bös un tob- süchtig un schlät öm sich; dat macht äwwcr sin ikrankheit. Mellage: Nun bringen Sie ihn einmal her, wir wollen ihn schon bändigen, ivenn er wild werden sollte. Bruder Heinrich: No, wennt dann nit anders is, dann in Gottes Namen, äwwcr en paar Minütchen mößt Ihr Uech ge- dolde, dä Häer es jedenfalls am Beten. Ein ehemaliger Wärter im Alexianerklosler„Mariaberg" schrieb an Mellage etwa folgendes: „Was den Arzt betrifft, so habe ich allen Grund an- zunehmen, daß er sich gar nicht um Herrn Forbes gekümmert hat, denn die meisten Kranken habe» zu meiner Zeit keinen Arzt gesehen, wenigstens habe ich während der ganzen Zeit in dem Saale, wo ich stationirt war, keinen der beiden Hausärzte ge- sehen. Wohl kamen die Aerzte abwechselnd an den meisten Tagen dorthin, aber in einem der für die Kranken bestimmten Ausenthaltssäle habe ich keinen gesehen. Vorn im Hause war ein Extrazimmer, das sogenannte Doktorzimmer; dorthin setzte sich der Arzt, und dann wurde der eine oder der andere Kranke zu ihm geführt, doch die weitaus größte Mehr- zahl der Kranken bekam ihn das ganze Jahr nicht zu sehen. Sogar Kranke, die ihn zu sprechen wünschte», wurden nicht immer vorgelassen. Um nun von den oben erwähnten Mißhandlungen zn sprechen, die theils von Brüdern, thcils von den diesen unter- geordneten Wärtern verübt wurden, was nicht immer ohne blutige Folgen abging, so gehören dazu das Schlagen mit dem Schlüsselbunde, das Stoßen oder Werfen der Kranken auf den Boden, das Treten und Stoßen>nit den Füßen, das Schleppen oder Schleifen über den Boden, das Schlagen in's Gesicht nrit den Händen u. s. w. Doch das ist in meinen Angen noch alles nichts gegen eine andere Züchtigung, die dort gehandhabt und die nach den Schilderungen eines Bruders und verschiedener Kranker folgendermaßen angewandt wird: Die Kranken, welche diese Strafe erleiden, werden zuvor in eine Extrazelle ge- bracht, in welcher ein hoher Wasserbehälter sich befindet. Dann werden ihnen die Kleider ausgezogen, und jetzt werden die Kranken, mit einer sog. Schwimmhose angelhan, sozusagen nackt auf den Boden gelegt und an Händen und Füßen gefesselt. So geknebelt, werden sie dann rücklings in den Wasserbehälter gebracht, in welchem sich ganz kaltes Wasser befindet. Dann er- geistvoll ist das technisch meisterliche Bild einer Dame aufgefaßt, und wie kouragirt gehl der Maler ins Zeug bei dem Familien- bild mit den leicht angesäuselten älteren Lierrn. Es giebt landläufige Meinungen und Vorurtheile, die sich in der Leute Mund wie geheiligte Usberlieferungen erhalten. Zu ihnen gehört ein Wort, das von jeher jedem Philister ge- schmeichelt hat: das Wort nämlich vom deutschen soliden Kunst- fleiß und von den flackrigen Begabungen bei dem Erbfeind. Nichts wäre thörichter, alS dieser Ausspruch, wenn man ihn an den Ergebnissen der gegenwärtigen Jahrcsausstelluug mißt. An Sonderbcgabungen, a» trotzigen 5böpfcn und leider auch an flackrig- fahrigen genialischen Naturen sind wir— zumal unsere Süddeutschen sind es— den Parisern inr all- gemeinen wohl überlegen. An skunstfleiß gerade, an Ausdauer und Solidität übertreffen sie uns. Im Durch- schnitt weiß der Franzose mit dem Pfund, das ihm beschieden war, besser hauszuhalten. Welche fchnlgcmäße Sorgfall die Franzosen gerade auf das schivere Studium des nackten Körpers verwenden, das sieht man gn de»„Akten", die bei den Pariser Akademikern ausgestellt sind. Bouguerrou ist der Altmeister der Pariser Akademiker. Von ihm die Aktstudie eines knienden junge» Weibes zu schaue». Noch Heller schimmernde, weiße Fleischtöne liebt Wen cker, wie seine Aklstudie einer Diana beweist. Die glatt- korrekte Manier in diesen Aktstudien ist nicht nach jedermanns Geschmack. Unter dem Einfluß mo- derner Kunstanschaunngen nnd der Lust an freier, natür- licher Beleuchtung hat man sich bemüht, den nackten Meuschenleib zu studiren, wenn ihn Sonnenlichtreflexe oder andere Leuchtwirkungen umspielen. Aber man hat diese Kunstübung immer streng ernst genommen und sie nie vernachlässigt. Wo die Künstler von sozialer Mitempfindung geleitet werden, da flüchten sie heutzutage gerne zur biblischen Legende. In ihr dürfen sie manchem Gefühl Ausdruck geben, vor dem sie sonst selber, wie vor einer Rebellion erschrecken würden. In ferne, durch Andacht und Glauben geweihte Symbolik getaucht, wird er unschädlich. Das gilt von Dang er' s Christus, der über Leichen schreitet, die im Krieg gefallen, wie von Fritels Heiland, der seine Arme um den mageren Leib des dürftlgen Paria klammert. Die Grundidee bei Danger ist die gleiche, wie in Stucks berühmtem Gemälde vom Krieg, das die Münchener Pinakothek, die es besitzt, leider nicht nach Berlin schicken nwchte. Aber wuchtiger, energischer ist die düstere Gewalt, in der Stuck den mänuermordende» Krieg und seinen unbeweglich- finsteren Genius symbolisirt, als die elegisch. klagende Sliminung bei dem Franzosen Danger. Ein lustiges, resolut gemaltes Genrestück in der derben Manier der alten Niederländer hat Roybet zur Schau gestellt. In seiner Bescheidenheit tritt es künstlerisch weit runder und einheitlicher auf, als Roybel's Kolossal-Historie. die im sogenannten Ehrensaal hängt nnd ein blutiges Gemetzel im Dom zu Nesle unter Karl dem Kühnen darstellt. Ein Geschichlsbild, das trotz trefflicher Details kühl läßt, wie etwa auch Le Q u e s n e' s Kolossalgemälde„Der Wildbach". Bei aller verwirrenden Bewegung wrrd man nicht mitgerissen; es fehlt den 5kompositioiien an wildem, stürmischem Aihem. Leider ist an riesenhaften Historien, aus denen, wie aus Röber's„Letztem Staatsralh des Großen Kurfürsten"(im Saal _ Jahrg. saßt ein Bruder den unglücklichen Kranken, der sich absolut nicht helfen kann, an dem an den Füßen befindlichen Riemen und hebt die Füße in die Höhe, damit der Kopf gut unter Wasser bleibt. So liegt das arme Opfer in der Erstickungsnoth, bis daS Wasser über seinem Munde zischt und Blasen wirft,— ein Zeichen, daß er am Ertrinken ist. Nunmehr werden die Füße nach unten ge» drückt, damit der Kopf jenseits aus dem Wasser kommt. Der Kranke kann jetzt ein wenig Lust schnappen, und dann geht's von neuem an. Ein Kranker hat mir gesagt, cL hätte so mit ihm wohl eine halbe Stunde gedauert. Zuweilen wird auch das Wasser noch einmal erneuert, wenn es durch das lange Liegen etwas von der Kälte verloren hat. Die Kranken zittern wie Espen- laub, wenn sie den Behälter verlassen, und das Zittern dauert noch eine geraume Zeit nachher. Mancher Liranke, der viel Wasser verschluckt hat, kommt auch noch un's Erbrechen; einer hat mir versichert, er habe wohl einsn halben Eimer ausgebrochen. Mich hat in meinem Leben nichts so empört, als eine solche, nie gehörte Strafe. Welcher Mensch könnte so wohl ein Thier quälen? Daß Kranke, an Händen und Füßen gefesselt, zur Kapelle geführt wurden, war keine Seltenheit, aber daß sie alles unter sich gehen ließen, davon ist mir nichts bekannt geworden." Die Verlesung der Broschüre wird gegen I Uhr mittags ab« gebrochen und eine längere Pause gemacht.(Schluß folgt.) Toltslest Verhandlnuge» mit dem Oekonomen der Schloß« b r a u e r e i in Schöneberg haben dazu geführt, daß der Arbeiter- schaft die vorhandenen Räuine zn Versammlungen zur Verfügung gestellt werden. Es steht also dem Besuch der Schloßbrauerei nichts mehr im Wege. Die Lokalkommission von Schöneberg. Taö bunte Schauspiel einer Kaiserparade ist dem Berliner Philiüerium und seinein unvermeidlichen Anhang, dem Janhagel, am Donnerstag Vormittag bescheert worden. Es ver- steht sich, daß die Orgaue deS Philistcriums in langen Spalten über alle Evolutionen und Drillersolge nicht minder wie über die Toiletten der dem Schauspiel beiwohnenden Prinzessinnen schwellende Berichte bringen, in denen die Forsche des herrlichen Kriegsheeres mit Entzücken beschrieben wird. Die Sache hat aber auch in patriotischen Blättern einen bittere» Beigeschmack. Es passiren i» der Regel allerhand Unannehmlichkeiten, die dem guten Bürger zuweilen die ganze Freude. an dem schönen Fest versalzen. Natürlich wird darüber nicht im Festbericht selber geschrieben; das könnte das reine patriotische Empstnden verderben. Aber so nebenher bringt man doch einige Augenblicksbilder. Wie es vorgestern gelegent- lich der Parade zugegangen ist, das ergiebt sich«. a. aus einer Mittheilung, welche das Organ der Agrarier, die„Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht. Dort heißt es z. B.: An der Ecke, wo in die Bellealliancestraße die Kreuzberg- straße einmündet, Halle man Donnerstag Mittag den Verkehr ganz nnd gar gesperrt und verwies die Passanten auf den Um- iveg durch die Großbeerenstraße, selbst dann noch, als der Kaiser bereits lange vorher zum Schloß zurückgeritten war. Aber noch mehr: als das Publikum ungeduldig die vorderen Reihen hier etwas vorschob, befahl der dort dienstlhuende Wachtmeister dem aus dem Damm hallenden berittenen Schutzmann auf den Bürger» st e i g zu reiten und mit dem Pferde die dort befind- liehen Leute zurückzudrängen. Als weiter dann durch die hinter- wärts Stehenden die Vorder» so vorgestoßen wurden, daß eine Art Durchbruch zn dem weiterhin ganz leeren Bürgersteige der Velle-Alliancestraße erfolgte, zogen der Wachtmeister soivie die Schutzleute zu Fuß Nr. S3 und 3929 die Säbel und trieben das durchgängig ganz anständige Publikum mit k r ä f t i g st g c- schlage ne» Säbelhieben, wenn auch flacher Klinge» wieder zurück. War das nöthig oder war es klug? Gerade in einer Zeit, wie die gegenwärtige es ist, muß die Polizei vor allem es vermeiden, Mißverständnisse und M i ß st i m m u n g e n der Düsseldorfer), Werner Schuch's„Schlacht bei Möckern" nnd ähnlichem mehr, kein Hauch bewegter Seele sprichr, in der gegenwärtigen Ausstellung gerade kein Mangel. Desgleichen nicht an konventionell- idealisirende» biblischen Gcnmlden, wie denen von Brandis und Plockhorst-Berlin und von Feldmann in Düsseldorf. Anders steht es um die biblischen Gemälde von Gebhardt- Düsseldorf(Heilung von Gichtbrüchigen) und des Spaniers S i m o n e t Kolossalgemälde„?Iovit Supor Illarn" oder um des Niederländers Devriendt„Anbetung"(im Ehrcnsaal). Man kann für seine Person längst die biblischen Anschauungen überwunden haben und man wird dennoch vom tauch echter Feierlichkeit berührt werden, wenn bei Simonet der eiland hoch über dem weißen Jerusalem wehklagt, man wird von der Gemüthstiefe bei Gebhardt ergriffen, wenn er seine Christusszene mitten unter mittelalterlich deutsches Landvolk ver- setzt nnd Wahrheit der Empfindung bricht auch durch die alter» thümelnde Manier Devriendl's durch. Welchen beherrschenden Welteinfluß die Pariser Kunst in den letzten Jahrzehnten geübt hat, wird bei den Amerikanern(Haupt- gruppe Saal 21) ganz besonders deutlich. Diese Künstler haben sich von der Heimath fast völlig losgelöst. Einzelne von ihnen. wie Stewart, der elegante, sind Pariser geworden vom Wirbel bis zur Zehe. Andere haben sich eine Spezialität zähe gewahrt nnd dabei nrit aller kecken Energie, die sie von daheim mitgebracht halten, sich die große, sichere Technik ihrer Pariser Btirbewerber angeeignet. Als die Amerikaner zum ersten Male nach Berlin kamen, da mochte es den Berliner Weißbier- Heroen nicht in den dicken Philisterkopf gehen, daß Söhne eines so wilden Landes, wie Amerika, an den feinsten Kunst- und Kulturereignissen wcrkthätige» Antheil nehmen. Das war ein Kopsschütleln damals. Das dreifach bornirle Borurtheil wollte. durchaus nicht begreifen, daß die amerikanischen Künstler schon darum einen beträchtlichen Vorsprung hatten, weil sie nicht erst einen Wust angelernter und abgestorbener Begriffe über Bord zu werfe» hatten, weil sie mit hellen Augen ins Leben der Gegen- wart schauen durften. Mit unverbrauchten Kräften schritten sie an die Arbeit und so ringe» nicht wenige von den Amerikanern mit den besten der Franzosen um den Preis. ES ist eine Legende der deutschen und speziell der Berlinischen Bourgeoisie, daß sie in ganz bevorzugtem Maße vor allen übrigen Menschlichen der Naturinnigleit, der Naturschwärmerei fähig wäre. Nun taucht ein nichtsnutziger Amerikaner aus, mit dem Namen H a r r i s o n(der Name ist wenigstens noch germanisch). Und dieser Harrison malt Landschaften, umglänzt von trunkener Sonnenfreude, wie das große Gemälde Arkadien, und Studien von so innigem Naturrciz, wie kaum ein zweiter auf der ganzen Ausstellung. Kräftige Stimmung erreicht Sprague- Pearce mit einem großen Bild„Mädchen nnd Schafheerde". Wie frei, wie lebendig und � sicher schreitet das junge Mädchen einher. Virtuoses Raffinement bewährt S o r g e n t in seinem Frauenporträt in Roth und an virtuosen Feinheiten reich sind Stewarl's Bilder aus den Salons, in denen eine Halbblasirte daS Leben nimmt, wie ein Ltomödienspiel. Selbst ihren frommen Weibeakten. wie„der Taufe" aus des Künstlers großem Bilde wohnen sie bei, wie etwa Logeudesucher neugierig aus eine spannende Theaterszeuc warten. zu wecken. Niemals früher habeich bei Paraden auf den Straßen so viele nmvillige und ergrimmte Bemerkungen über das Verhalten der Polizei gehört, als heute. Wir denken das genügt. Es märe natürlich zuviel verlangt, menn mau nunmehr von dem durchgängig ganz anständigen Publikum erwarten wollte, daß es überhaupt von den Paraden fernbliebe. Wofür ist nian Patriot, wenn man nicht einige Hiebe mit der flachen Klings i» de» Kauf nehmen wollte? Auf einen Theil des Paradcpnbliknms wird durch eine Reporternachricht ein bedenkliches Licht geworfen, wonach ein Kleinhändler am Donnerstag Nachmittag auf dem Tempelhofer Felde nicht weniger als für 40 M. leere Flaschen aufgesammelt haben soll. Da muß der Schnaps ja eine nette Rolle gespielt habe». Im betriebe der Maschinenbau- Aktiengesellschaft vorm. Tchwartikopf wird die Arbeitskraft des Menschen zur Zeil wieder in unerhörter Weise ausgenutzt. Es ist nichts seltenes, daß die Arbeiter tvochenlang von morgens 0 Uhr bis abends 10 oder n Uhr zur höhere» Ehre des Profits darauf los schuften müssen; gleichgiltig ob sie unter der furchtbaren Quälerei zu gründe gehen oder nicht. Die Arbeitsverhältnisse in diesem Bc- triebe sind also seit Jahresfrist, wo wir eine ähnliche Schilderung wie heute von der Musteranstalt entwerfen mußten, nicht geändert worden, und der Direktor Kosalowski mag recht haben, wenn er auf der Generalversammlung der Aktionäre von einem Theil der Proletarier sagt, daß sie gern Ueberstnnden machen,»in noch etwas mehr zu verdienen »nd daß es nur die unzufriedenen Elemente find, die sich gegen 'die fast bis auf das Maximum des menschenmöglichen erhöhte Ausbeutung sträuben. Man weiß, daß der Schwartzkopfj'sche Betrieb so ziemlich der einzige in Berlin ist, in dem noch die Hirsch- Dnncrer'schen Harmonie- Apostel jedes Bestreben der pflichtbewußten Ardeiter unmöglich machen können. Es ist traurig, aber es wird sich vor der Hand kaum etwas daran ändern lassen, daß der einsichtige Theil der dort beschäftigten Arbeiter unter der verderbliche» Arbeitswuth der Hirsch-Duucker- sche» leiden muß und zum Schweigen verurtheilt ist. Und >nit der Einsicht von oben scheint es nicht allzuweit her zu sein; mag der Direktor es auch als eine Thierquälerei ohne Gleichen schelten, wenn jemand seine Pferde 15—17 Stunden ins Joch spannen wollte; die Arbeiter konnten von einem der- artigen Mitgefühl bislang wenig verspüren. Wozu auch? Man kann bei alledem des Ruhmes würdig bleiben. Der eine zeigt sich in dieser nnd der andere in jener Weise als fromuier Christ und staatserhaltender Kämpe für Ordnung, Religion und Sitte. Der Direktor Kosalowski, der die von uns geschilderte Ausbeutung der unter seinem Regime beschäftigten Arbeiter bisher ruhig gelitten hat, ist nichlsdesto- weniger als Mann von frommer Denkungsart auf den Plan ge- trete». Sind es doch baare 15 000 Mark, die dieser Herr für die durch die Sonntagsschändung auch der Arbeiterschaft bekannt gewordene Gnadenkirche gespendet hat und schmückt doch den Donator als Anerkennung ein nagelneuer Piepmatz auf der Mannesbrust. I» solchem Glänze'staatserhaltender Frömmig- keit muß allerdings die geschilderte Ausbeutung Hunderter Proletarier zum wesenlosen Scheine verblassen. Die Volksvorstellung im Natioual-Theater, welche von Julius Türk zum Sonntag veranstaltet ist, wird dadurch ein be- sonderes Interesse erhalten, daß Frau Christine H e b b e l, die Witlwe des vor 32 Jahren verstorbeuen Dichters von„Maria Magdalena" ihre Anwesenheil zugesagt hat. Bei dieser Gelegen- heit sei darauf hingewiesen, daß sowohl die am Sonntag, wie auch die am Montag stattsindcnde Aufführung eine öffentliche ist. zu der nicht nur die Mitglieder der Freien Bolksbühne, sondern jedermann Zutritt hat. Ein sittsam Heim. Als eine Spekulation auf die potenzirte Harmlosigkeit präsentirt sich eine Reklame, die von einem Giebel air der Mühlendammbrllcke herab auf die Vorübergehenden ein- wirkt. Das figurenreiche Bild— es sind eine Anzahl von Charakterköpfen»m so eine Art Gigcrlkönigin gruppirt— bezweckt die Empsehluug eines im Norden der Stadt belegenei» Balletablissements dritten Raliges. Das Lokal war bisher dem großen Publikum llnbekanut, in der Ankündigung wird nun darauf hingewiesen, daß sich dort der Sammel- »unkt für alle„Millionen-, Gold- und Reise-Onkel" befindet. Das ist zwar etwas viel behauptet, aber es geht noch an; geradezu komisch wirkt die Anpreisung jedoch, wenn man liest: „Streng decent!" Wirklich ein guter Witz: wo sich die Halb- weit und ihr Anhang niit den Rouäs Rendezvous giebt, ver- körpert sich die Tugend in klassischer Gestalt. Schabe, daß der phautasievolle Wirth, der natürlich Arbeitervcrsammlunge» nicht in seinen geweihten Räumen duldet, nicht noch schreibt: Eltern und Erziehern sammt ihren Pflegebefohlenen kann der Besuch meines Lokals dringend empfohlen werden. Die Setzmaschincufrage oder vielmehr die Einführung mechanischen Satzes in Deutschland dürfte noch in diesem Jahre einen starken Impuls dadurch erfahren, daß— wie der„Allg. Anzeiger für Druckereien" in Erfahrung gebracht hat— der Verleger des„neuen Adreßbuches für Berlin" sich entschlossen hat, zur raschen Herstellung des umfangreichen Werkes— wozu nach bisheriger Erfahrung 120 Setzer vier Wochen lang erforder- lich waren— eine Anzahl Maschinen zu Hilfe zn nehmen. Er hat nämlich nicht weniger als— vierzehn Maschinen für Ron- pareille Fraktur in Auftrag gegeben, deren Ablieferung in be- stimmter Frist zur Bedingung gemacht ist. Da bis zur Zeit ihrer Inbetriebsetzung genügendes Personal soweit eingearbeitet sein dürfte, um gleich Leistungen von 7000—8000 Buchstaben pro Stunde zu erzielen, so ergiebt das für zehnstündige Arbeitszeit nicht weniger als eine Million Buchstaben Gesammlleistung pro Arbeitstag, zu deren Fertigstellung die Dienste von vierzehn Maschinensetzern erforderlich sind. DaS gesammte Adreßbuch dürste rund 35 Millionen Buchstaben enthalten. Die deutsche» Buchdrucker werden sicher mit Spannung diesem ersten praktischen Versuche im große» entgegensehen, da bei dessen Gelingen eine weitere Ausbreitung außer Zweifel ist.— Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die im Januar d. I. hier ausgestellt gewesene „Linotype" ebenfalls von dem Verleger des„Berliner Lokal- Anzeiger" angekauft worden ist, wie auch der„Typograph" von Royers. Von der deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur geht uns mit dein Ersuchen um Veröffentlichung die folgende Notiz zu:„Während der ersten vier Monate ihres Bestehens bat die von der deutschen Gesellschaft für Ethische Kultur in der Nenen Schönhauserstr. 13 eröffnete Lesehalle einen ungeahnten Erfolg erzielt. Der Gesammtbesuch innerhalb dieser Zeil be- ziffert sich auf nicht weniger als 21 339 Personen. Die Ve- Nutzung der Präsenzbibliothek betrug 11295 Bände. Angesichts des großen Zudranges sieht sich die Verwaltung gcnöthigr, im Interesse der Erwachsenen bis auf weiteres Schüler und Kinder von dem Besuche der Lesehalle auszuschließen." Ju dem Aerzte- Konflikt am Krankenhause F r i e d r i ch s h a i n ist nach dem„Lokal-Anzeiger" die endgcktige Entscheidung gefallen. Es bleibt, wie das Blatt meldet, bei der Kündigung aller zehn an dem Konflikt betheilißten Assistenzärzte. da diese die von ihnen geforderten Einzelerklärungen nicht ab- geben wollten. Bezüglich der beide» Pockeukrauken aus der Pappel- Allee ist ein unwesentlicher Jrrthum insofern untergelausen, als es sich nicht um Mutter und Tochter, sondern um Tante und Nichte handelt. Beide leiden, wie unzweiselhast seststeht. an den echten schwarze» Pocke». Bei der Tante scheint die Gefahr vyr- über zu sein, die Pocken sind in der Abheilung begriffen. Nicht so gut sieht es mit ihrer kleinen Nichte aus. Dieser gehen die Pusteln in Eiterung über und es besteht daher große Gefahr für das junge Leben. Die beiden Kranken besiudeu sich in der Baracke 7a der Koch'schen Abtheilung der Charitee, die für Pockenkranke besonders eingerichtet ist; sie liegen dort allein. Die ärztliche Behandlung leitet Professor Dr. Brieger. Für die Aerzte sind die beiden'Fälle von großem Jntereffe, denn es kommt sehr oft vor, daß ein Arzt alt und grau wird, ohne auch nur eine» einzigen Fall von echten Pocken zu sehen. Interessant sind die Fälle auch insofern, als sie von Anfang an dem Grade der Heftigkeit nach ganz verschieden waren nnd daher lehrreiche Vergleiche im Heilungsprozeffe ermöglichen. Tie Tante war und ist nur leicht erkrankt, bei dem Kinde dagegen trat die Krankheit gleich sehr bösartig auf. Eine Rixdorfer Postkarte ivar an den„königlichen Förster Straßburg i» Canne, an der Canner Chaussee" adressirt, brauchte also»ur V4 Meile weit befördert zu werden. Aber sie ging nach Cannes in Frankreich, wo sich die Postbeamten die größte Mühe gegeben zu haben scheinen, den Adressaten zu ermitteln, wie die zahlreichen Vermerke in französischer Sprache ergaben. Nach etwa drei Wochen kam die Karte glücklich nach Rixdorf zurück und war einen Tog später in Canne beim Förster Straßburg au der Canner Chaussee. Als ciueö der bestell kartographische» Hilfsttiittel bei Ausflüge» in die Umgebung Berlins hat sich der Taschen- Atlas von Berlin und Umgebung. Verlag von Körner u. D i e t r i ch in Leipzig, zahlreiche Freunde erivorben. Im handlichen Format giebt das kleine Büchlein auf 16 Karten- blättern von sauberster Aussührung ein klares, übersichtliches Bild nicht allein der Verkehrswege, sondern auch der geographi- scheu Beschaffenheit im allgenicinen. Die Karten sind in mannig- fachein Farbendrock, der jede nähere Bezeichnung der Boden- Verhältnisse überflüssig macht, ausgeführt und erweisen sich bis in die kleinsten Details zuverlässig. Eine Einleitung im Umfang von 32 Seilen weist kurz auf die laudwirthschastlichen Reize der Umgegend Berlins hin und enthält außerdem ei» Verzeichniß der Vorort-Fahrpreise. Ausflüglern kann dieser Atlas auf das beste empfohlen werden. Die Ttiiiamitbuddeler, von der wir gestern berichtet haben, wird vom Polizeipräfidinm dementirt. In einer vom Polizei- Präsidenten, i. V. Friedheim, unterzeichneten Zuschrift an uns heißt es:„In Nr. 125 des„Vorwärts" vom 31. Mai 1895, erste Beilage, Seite 1, Spalte 3 ist unter der Spitzmarke„Die Schatz- gräbereien nach Dynamit" behauptet, es sei am vorigen Sonn- abend Nachmittag in der Nähe der Ruhestätte der Märzgefallenen im Friedrichshain im Beisein niehrerer Beamter der politischen Abtheilung nach„Dynamit gebuddelt" worden. Diese Behauptung ist unwahr. Weder am vorigen Sonnabend noch an einem andern Tage ist im Beisein von Polizeibeamten im Friedrichs- Hain nach Dynamit gesucht worden." Wenn die Polizeibehörde es nicht einmal für nötbig hält, nach dem Friedrichshniner Dynamit zn suchen, dann dürste an der schaurigen Anarchistenmähr wohl kaum irgend etwas anders als eine frivole Denunziation und Sensationsmacherei der Preß- kosaken des Herrn Stumm sein. Tie Lieblichkeit der sozialen Zustände im Staate der Sozialresorm wird drastisch in einer von der„Kreuz- Zeitung" gebrachten Lokalnotiz beleuchtet. Es heißt da:„Heute(Freitag) feiert das Seidenwirkcr Schill'sche Ehepaar in Bernau seine diamantene Hochzeit. Die geistig noch frischen, aber körperlich sehr schwächlichen alten Leute setzen ihren Stolz darin, einen Theil ihres Unterhalts noch durch Spule» zu verdienen. Greller kann die in der staaltichen Altersversicherung zum Ausdruck gebrachte Sozialreform kaum illustrirt werden, als in der Miltheilung über diese hochbctagten Leute, die trotz der Staatsrente noch„ihren Stolz" darin setzen müssen, ihren Lebens- unterhalt zum theil durch Spulen zu verdienen. Großes Aufsehen erregt im Nordwesten der Stadt der Selbstmord des 58jährigen llientiers und Hauscigenthümers L. Derselbe war vor mehr als Jahresfrist zum Testamentsvollstrecker in einer ihm verwandten Familie bestimmt worden, doch soll bei der Vertheilung der Erbschaft nicht vorschriftsmäßig verfahren worden sein. Durch eine Verwandte des Erblassers wurde nun eine gerichtliche Regelung der Erbschaft beantragt, und die Behörde halte einen Bericht von dem Testaments- Vollstrecker eingefordert. Der Beantwortung dieses aml- lichen Schreibens hat sich L. dadurch entzogen, daß er sich am Dienstag durch Vergiftung das Leben nahm. Ob L. in der Thal nicht gewissenhaft gehandelt, oder ob der Gedanke vor einer ge- richtlichen Vernehuiung den übrigens kränklichen Mann in den Tod getrieben, ist bis jetzt nicht festgestellt. Wieder hat ei» Tchlächterwagcu einen Knaben durch Ueberfahren schwer verletzt. Ter fünfjährige Sohn Bruno der Kochswiltwe Stiper spielte am Donnerstag Vormittag vor dem Hause Brunnensir. 35, wo seine Mutter wohnt, ans der Straße, als ein Schlächterwagen in der bekannten rücksichtslosen Weise heranjagte, das Kind überfuhr nnd es an Brust und Kopf schwer verletzte. Der verunglückle Knabe trug u. a. einen Schlüsselbein- bruch davon und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Auf die Arbeiterfreundlichkeit der Unsallstations-Vor- steher wirft eine Mitlheilung ein bedenkliches Licht, die der „Lokal-Anzeiger" bringt. Sie lautet:„Die durch den Vorbeimarsch des zweiten Garde- Ulanen- Regiments ver- hinderte Durchfahrt eines Kranken- Transportwageus hatten wir vorgestern zum Gegenstand einer Besprechung gemacht. Aus einer Mittheilnng der Direktion der Unfallstanon, welche unsere Darstellung des Vorganges in allen Punkten bestätigt, erfahren wir, daß der Kutscher und der Begleiter des Wagens entlassen worden sind, weil einer von ihnen diese Aufsehe» erregende Angelegenheit zu unserer Kenntnis gebracht hat. Wir bedaner» das Vorgehen der Direktion der Unfallstationen um so lebhafter, als es sich um die Aufdeckung eines Mißstandes handelt, dessen Beseitigung gerade im Interesse der Humanitären Bestrebungen des von ihr geleiteten Instituts liegt." Eine» schaurige» Fund machte ein Arbeiter ans dem an der Hermannstraße zu Rixdorf belegenen katholischen Michaelis- Kirchhof. Derselbe fand die schon stark in Verwesung über- gegangene Leiche eines etwa drei Wochen alten Kindes, welches in ein Stück Pappe, eine weiße Schürze und eine»— Teppich eingewickelt war. Die Leiche wurde von der Rixdorfer Polizei beschlagnahmt nnd zur Erinittelnng der Todesursache die gerichls- ärztliche Obduktion angeordnet. Ucbcr eine» Unfall im Postgebäude in der Spandancr- straße haben wir gleich anderen Blättern eine Mitlheilung ge- bracht, welche vom Geheimen Ober-Postrath Griesbach dementirt wird. Eine Znschrist, die wir von dem genannten Herrn er- halten, besagt folgendes: Die in Nr. 123 des„Aorwäres" vom 29. Mai unter der Spitzmarke„Erbauliches von der Post" e»l< haltene Mittheilnng, daß die Wölbung deS Durchgangs durch das Geldhallentzebäude ans dem Postgrundstück Spandanerstraße zum theil eingeitürzt sei nnd einen Unterbeamten erbedlich ver- letzt habe, und daß der Vorsteher des Briefpostamts, Postdirektvr Niederstadt, sein an die Unglücksstelle anstoßendes Empfangs- zimmer im ersten Stock geräumt habe, ist völlig unwahr. Thar- fache ist dagegen, daß vor mehreren Wochen ein in dem be. zeichneten Durchgänge angebracht gewesener Netzriegel herunter- gefallen und infolge dessen ein daselbst beschäftigter Maurer ver- letzt worden ist. Das Arbeitszimmer des Postdirektors Nieder- stadt, welches übrigens nicht in der Nähe des fraglichen Durch- gangs liegt, steht zur Zeit nur deshalb leer, weil der Fußboden erneuert wird. Der Maurer Wilke aus der Gypsstraße, der von dem Ziqaretteiifabrikanten Berg mit einem Revolver angeschossen wurde, ist ans der Klinik wieder entlassen worden. Seine beiden Wunden, die am Kopse, die von einem Schlage herrührt, nnd die Schußwunde in der rechten Seite, sind in de» Heilung begriffen, sodaß ein weiterer Anfeiilhalt im Kranken- Hause nicht mehr erforderlich war. Viö zur Unkenntlichkeit entstellt ist die Leiche eines etwa 25 Jahre allen Mädchens, das am Donnerstag Nachmittag nm 33/4 Uhr im Landwehrkanal am Gartenufer aufgefunden und von einem Straßenreiniger gelandet wurde. Die Feststellung der Persönlichkeit ist daher sehr schwierig. Vielleicht handelt es sich um eine Polin oder Italienerin. Denn die Leiche wa» mit einem rothen Leibchen, wie die Frauen dieser Landstriche es tragen, bekleidet. Das Mädchen ist klein, hat dunkles Haar und trug ein Taschentuch mit dem Monogramm G. A. Der Nanbmord-Anfall gegen die Schneidersfrau Pfeiffer aus der Borsigstraße nimmt die Thätigkeit der Kriminalpolizei besonders nach der Richtung in Anspruch, zu ermitteln, ob und bei wem der Raubmörder die erbeuteten Sachen verkauft hat. Durch die Vermittelung des Hehlers würde es vielleicht möglich sein, dem Verbrecher auf die Spur zu kommen und über seine Persönlichkeit Aufschluß zu erhalten. An der goldenen Damen- Reinonloirnhr, die gestohlen wurde, ist der Hintere Deckel gerippt und enthält in der Milte eingravirte blumenartige Verzierungen. Auf den Zeigern befinden sich kleine Similisteine. Unter den unechten Schmucksachen befindet sich ein sogenanntes Schlangenarmband mil einem Schloß, das einen Rheinkiesel trägt; eine Nickelkette mit zwei Bommeln, von denen die eine einen blauen und die andere einen rölhtichen Stein enthält, eine längliche mit einem Rheiiikiesel versehene Brache, ein großer mit fünf Similisteinen versehener Dameiiknopf, der aus Gold zu sein scheint, eine Talmi- kette, ein weißer Fingerhut, der innen blau ist, und zwei Glas- kreuze, von denen eines ein rother Stein schmückt. Der Pferdeeisenbahuschaffner Wilhelm Braden, der vor einigen Tagen in Nieder-Schönhausen beim Verhängen des Perron- gilters vom Wagen siel und überfahren wurde, ist in der Stacht zum Freitag den schweren Verletzungen erlegen. Der Amputation der zerschmetterte» Glieder hatte sich der Verunglückte anfangs widersetzt. Als er später einwilligte, war die rechte Zeit ver- säumt. Es trat der Brand hinzu, der in Verbindung mit einer Gehirnerschütterung zum Tode führte. Braden hinterläßt eine Frau mit drei Kindern. Vom Elend der Großstadt. Krank und hilflos wurde am Donnerstag Nachmittag vor dem Hause Chanffeestraße 4 der 30 jährige Gürtler Adolf Landeck aufgefunden, der ohne Wohnung zu sein scheint und erst vor kurzem aus einerHeilanstaltentlassenworden war. Ei» Schutzmann des 7. Polizeireviers nahm sich seiner an und brachte ihn wieder in ein Krankenhaus. Ei» gefährlicher Kinderfreund ist am Donnerstag Nach- mittag im Schanklokal Frankfurter Allee 99 verhaftet worden. Dort erschien ein feingekleideter Herr, der an der Hand einen barjüßigen Knaben führte. Beide nahmen in einer dunklen Ecke des Lokals Platz. Die Wirthin, der das Benehmen des Mannes gleich aufaesallen war, bemerkte, wie dieser sich mit dem Kinde in einer Weise zu schaffen machte, die auf gefährliche Absichten schließen ließ. Es wurde in der Stille ein Schutzmann herbei- geholt, der den Mann in die nächste Revierwache abführte. Hier gab er an, ein Beamter zu sein. Polizeibericht. Am 30. d. M. morgens wurde im Thier« garten, in der Stühe des Floraplatzes, die Leiche eines neu« geborenen Kindes aufgefunden.— In einem Hospital tödtete sich vormittags ein Krankenwärter in einem Badezimmer.— Auf einem Neubau in der Dunckerstraße stürzte«in Maurer» lehrling von einer etwa vier Meter hohen Giebelwand herab und brach den Arm.— Nachmittags gerieth ein Arbeiter in der Jnvalideiislraße unter die Räder eines Steinwagens und trug einen Bruch des Oberschenkels davon.— In der Schlesischen- straße fiel ein Arbeiter von einem Möbelwagen gerieth unter die Räder und wurde an beiden Füßen erheblich ver- letzt.— Im Landwehrkanal, in der Nähe der Stadtbahn, wurde die Leiche einer Frau angeschwemmt.— Abends siel in der Friedrichstraße ein Mann beim Abspringen vom Verdeck eines in Bewegung befindlichen Pferdebahnwagens herunter und erlitt anscheinend innere Verletzungen.— In der Brunnenstraße wurde ein fünfjähriger Knabe durch einen Schlächtenvagen Übersahren und am Kopse nnd an der Brust schwer verletzt.— Im Laufe des Tages fanden zwei klein� Brände statt. Wittmingsiibersicht vom 31. Mai 1805. Wetter-Prognose für Sonnabend, 1. Juni 1805. Zeitweise heileres, vielfach wolkiges, am Tage kühleres Weiler mit schwachen westlichen Winden, etwas Regen und Ge- witterneignng. Berliner Wetterbureau. Kunst uuii Wissenslhast. Einen zweiten Neptnnsmond hat, wie wir in der „Nat.-Ztg." lese», Prof. Schäberle mit dem Riesen- Fernrohre auf dem Mount Hamilton gesehen. Dieser äußerste Planet unseres Sonnensystems war von ihm bei ganz ungewöhnlich klarer Luft beobachtet worden, und dabei fand sich in seiner Nähe ein kleines Lichlpünktchen— so fein, daß es selbst für den Sechsunddreißigzöller an der Grenze der Sichtbarkeit lag. Das. Steinlein wurde zwei Stunden hindurch genau verfolgt, wobei sich seine Bewegung gegen den Neptun um nahezu zwei Grad anders erwies, als wenn es ein Fixstern gewesen wäre, so daß der Schluß von Prof. Schäberle. daß es ein Trabant des Neptun gewesen sein müsse, durchaus berechtigt erscheint. Freilich ist derselbe nachher bis jetzt nie wieder gesehen worden, und Prof. Schäberle hat daher seine Beobachtung nur ungern bekannt gegeben. Es ist dies aber wohl daraus zu erklären, daß dieses feine Lichlpünktchen selbst in dem Riesen- Fernrohre der Licksternwarte nur bei vollkommen klarer und ruhiger Luft zu sehen ist, wie sie nur äußerst selten vorkommt.— Gleichzeitig niit dieser hypothetischen Entdeckung vom äußersten Ende unseres Planetensystems wird eine Untersuchung Professor Ncwkomb's bekannt, aus'der das Vorhandensein bisher uubckaimler Körper in unmittelbarer Näh e der Sonne, noch eben außerhalb der Merkursbahn gefolgert wird. Professor Newkomb hat in den säkularen Aenderungen der Bahnen der vier Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars erheb- lichere Abiveichungen von den bisher geltenden Theorien ge- funden. Diese Abiveichungen laffen sich am einfachsten erklären durch die Annahme eines Ringes von Planetoiden von gerin ger Exzentrizität, ein wenig außerhalb der Merkurbahn gelegen nnd ciwas mehr gegen die Ekliptik geneigt. Die Gesamintmasse des Ringes würde zwei bis drei Hundertel der Vennsinaffe betr agen. je nach der Entfernung, in der er sich vom Merkur beendet. Professor Newkomb gedenkt sich noch eingehender mit dem Gegen- fruibe zu beschäftigen, um zu ermitteln, ob die nus dieser Hypoibcse gezogenen Folgerungen wesentlich genug sind, um ihre Hu- Wahrscheinlichkeit aufzuwiegen. JSland- Expedition. An der Expedition, welche die dänische Regierung in diesem Sommer hauptsächlich zum exakten Studium des Aussatzes(Lepra)— nach Island entsendet, werden außer dem bekannten Lepra-Forscher Tr. Ehlers- Kopenhagen noch der Geologe Thor oddsen aus Reykiawik und die beiden besten Jslandkenner Dr. Großmann- Liverpol und Dr. C a h n- he i m- Dresden theil nehmen. Die letzteren haben bereits seit Jahren die ersten photographischen Aufnahmen aus dem Innern heimgebracht und dieselben der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin und der Royal Geographica! Soziely zu London als Ge- schenk gegeben. Die Kommission, welcher vom dänischen Marine- Ministerium ein Boot zum Befahren der Binnenseen zur Ber- fiigung gestellt ist, wird wahrscheinlich von einem dänischen Kriegsschiffe im Norden der Jusel an Bord genommen werden um nach der kleinen, vom Polarkreis geschnittenen Linie Grimsey geführt zu werden. Gerirftks-Zctttmg. Die bekannte Privatklage des Rechtsauwalts Tr. HauS Vlum gegen unseren Kollegen, den früheren verantwortlichen Redakteur des„Vorwärts" Pßtzfch, kam gestern vor der nennten Strafkammer hiesigen Landgerichts I in der Berufungs- instanz zur Verhandlung. Es handelt sich bekanntlich um den in der Blum'schen Broschüre„Die Lügen der Sozial- demokratie" enthaltenen, angeblich durch den Boulanger- Prozeß bestätiglen Vorwurf gegen die deutsche Sozial- demokratie, daß diese von Boulanger Geld erhalten habe, um für den Fall des Ausbruchs eines Krieges den eigenen Truppe» in den Rücken zu fallen. Diese Blum'schen Enthüllungen wurden bei dein Wahlkampfe im Plauener Kreise, aus welchem unser Genosse Gerisch bekanntlich, als Sieger hervorging, verwerthet und gaben de» gerade im Wahlkreise anwesenden Abgeordneten Auer und Liebknecht Veranlassung, in einem Flugblatt unter dem Titel„Ein Bubenstück" die Blum'schen Behauptungen in entsprechend scharfen Worten zurückzuweisen. Der Jnhali dieses Flugblattes fand theilweise Aufnahme in einen Artikel des„Vorwärts" unter dem Titel„Schamlose Agitation" und dieser ist Gegenstand der Privalklage. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten zu l(K> M. Geldstrafe verurtheilt, während der Vertreter Dr. Blum's Gefängniß und die Zuerkenuung einer Buße von 1000 M. beantragt hatte.— Gegen das Er- kenntniß hatte Dr. Blum Berufung eingelegt. Sein Vertreter Dr. Sauer beantragte die Vertagung der Verhandlung bis zur Erledigung eines vom Reichsanwalt gegen verschiedene Sozialdemokraten eröffneten Verfahrens wegen Hochverrath! Die Blum'schen Beweise seien dem Reichsanwalt übergeben worden mit dem Ersuchen, den schwebenden Prozeß vertagen zu lassen bis das Vorverfahren beim Reichsgericht abgeschlossen sei. Der Reichsanwalt habe dies aber unter Rückgabe des„Beweis- Materials" abgelehnt und dies schließlich Herrn Dr. Blum selbst überlassen.— Nachdem der Gerichtshof den Vertagungs- antrag abgelehnt hatte, beantragte Rechtsanwalt Dr. Sauer wiederum, die Geldstrafe in eine Gefängnißstrafe zu verwandeln und dem Dr. Blum eine Buße in Höhe von 1000 M. zuzuerkennen. Der Vertreter verwies auch noch auf zwei Artikel der„Magdeburger Zeitung", in ivelchen Dr. Hans Blum den Nachweis geführt haben will, daß er seine Behauptungen über Beziehungen Boulangers zur Sozialdemo- kratie sich nicht aus den Fingern gesogen, sondern französischen Quellen entnommen habe.— Dem gegenüber erbot sich Rechts- anwalt Heine abermals zu dein evenluellen Beweise, daß Dr. Blum wider besseres Wissen Behauptungen ausgestellt und falsch zitirt habe, um diesen Behauptungen den Schein der Beglaubigung zu verleihen.>Das sei eine literarische Unehrlich- keit. Die in der„Magdeburger Zeitung" vom Kläger versuchte Beweisführung beruhe auf logischen Fehlern, Rechenfehlern, durch und durch falschen Zitaten und Unterschlagungen charakteristischer Stellen. Der Kläger habe in grenzenlos leicht- sinniger Weise mit der Ehre anderer gespielt und dafür sei kein Ausdruck der Abwehr scharf genug.— Der Gerichtshof erkannte nach kurzer Berathung auf Verwerfung der Berufung auf Kosten des Klägers. Der Schutzmann Müller aus Pirna wurde vom Land- gericht Dresden zu drei Monaten Gesängniß verurtheilt, weil er einen Arrestanten mißhandelt halte. Nur weil die Miß- Handlung unbedeutend war, wurde auf die Mindeststrase erkannt. VevmiMjkes. lieber die Ursachen der Explosion auf dem für türkische Rechnung gebauten Torpotobootjäger wird der„Voss. Ztg." aus Kiel folgendes geschrieben:„Es unterliegt heute keineni Zweifel mehr, daß eingetretener Wassermangel die Ursache der Explosion des erste» Kessels an der Steuerbordseite gewesen ist. Damit steht fest, daß nicht ein Konstruktious- oder Materialfehler das Un- glück verschuldet hat. Dem Manne, dem die Beaufsichtigung der Kessel anvertraut war. wird allgemein das Zengniß eines erprobten und zuverlässigen Mannes gegeben. Aber alle Ingenieure, die mit Probefahrten moderner Kriegsschiffe zu thun haben, wissen, wie leicht der Moment des Wasserversiegens eintreten kann. Es hängt dann alles von der Geistesgegenwart eines Mannes ab, eine furchtbare Krisis zu verhüten. Wenn es sich um die Kontrolle eines Kessels handelt, ist die Sache nicht so schwierig, aber wenn die Verhältnisse von vier Kesseln beobachtet werden müssen, ist eine große Sicherheit und Entschlußfähigkeit des Personals unbedingt nöthig." Diese Darstellung des Vorganges ist, wie uns ein Fachmann schreibt, durchaus unrichtig. Was die Gefahr des Wasser- versiegens anbelangt, so ist dieselbe bei einem auf Probefahrt befindlichen Kriegsschiffe nicht größer, als bei jedem in Betrieb befindlichen Dampfkessel. Jede Kesselanlage besitzt mindestens zwei Speisevorrichtungen, so daß, selbst wenn die eine versagt, immer noch die andere in Thätigkeit gesetzt werden kann. Jede dieser Speisevorrichtungen muß für sich allein im stände sein, mehr Wasser in den Kessel zu treiben, als im gleichen Zeitraum dem Kessel Wasser in Form von Dampf eut- nommen wird. Auch bei dem stärksten Dampfverbrauch bedarf es daher nicht außergewöhnlicher Geistesgegenwart des den Kessel bedienenden Mannes, um eine„furchtbare Krisis" zu ver- hüten, sondern nur der allergewöhnlichsten Aufmerksamkeit, die jedermann bei Ausübung seines Berufes anwenden muß. Es ist auch gleichgiltig, ob es sich um eine», oder um vier Kessel handelt, denn bekanntlich müssen zum Betriebe großer Maschinen nicht nur vier, sondern bis zu zwanzig und mehr Kessel n» Thätigkeit gesetzt werden, ohne daß mehr Unglücksfälle passtren und passiren dürfen, als bei dem Betriebe eines Kessels. Be- stand daher, wie angegeben wird, die Bedienungsmannschaft der Kessel wirklich aus erfahrenen Arbeitern, dann bleibt als Ursache der Explosion nur übrig' entweder schwerer Konstruktions- oder Materialfehler, oder die Inanspruchnahme der Maschinen und vor allem der Kessel über das zulässige Maß hinaus. Daß trotz eines ganzen Heeres von Meistern, Technikern und Ingenieuren die allergröbsten Konstruktionsfehler vorkommen können, hat das Unglück auf der„Brandenburg" jseinerzeit zur genüge bewiesen, und daß bei Probefahrten Kessel und Maschinen bis an die äußerste Grenze ihrer Leistungsfähigkeit und darüber hinaus i» Anspruch genommen werden, ist eine Thatsache, die nicht nur de» Fachkreisen, sonder» bereits dem größern Publikum bekannt ist. Die Thatsache, daß später auch mit dem geschultesten Personal fast nie oder nur sehr selten wieder die gleiche Fahrgeschwindig- keit wie bei Probefahrten erzielt wird, beweist zur genüge, daß bei den letzteren die verwerflichsten Mittel zur Anwendung ge- langen. Im Vertrauen darauf, daß bei der sogenannten„kalten Probe" durch Wasserdruck die Kessel nebst Ausrüstung einen vieli größeren als den normalen Druck ausgehalten haben, wird bei den Probefahrten die Dampfspannung nur zu oft über diese normale Grenze hinaufgetrieben. Die„kalte Probe" bietet aber, wie durch zahlreiche Er- fahrungen bewiesen ist, keine Garantie gegen Explosionen, da bei ihr alle Theile im Ruhestand und in gleichmäßiger Temperatur bleiben. Werden Kessel und Maschinen aber in Thätigkeit gesetzt, so können, und zumal bei Konstruktionsfehlern, durch die Wärme Dehnungen und Zerrungen entstehen, die einen Kessel bereits bei 12 Atmosphären zum Bersten bringen, während er bei der„kalten Probe" einem Druck von 13 Atmosphären Widerstand ge- leistet hat. � Wenn daher in dem Artikel der„V.-Z." zum Schluß die Hoffnung ausgesprochen wird, daß der gräßliche Unglücksfall auf dem Torpedobootjäger dazu führen werde, in Zukunft Probe- fahrten nur unter Anwendung geeigneter Vorsichtsmaßregeln auszuführen, so wird dies vorläufig nur ein frommer Wunsch bleiben. So lange denJnteressen des Kapitals alle anderen Interessen und Rücksichten untergeordnet werden, und so lange Arbeiter. aus Furcht ihr bischen Existenz zu verlieren, Dinge mit ausführen helfen müssen, von denen sie sehr wohl wissen, daß ihnen selbst der schwerste Schaden daraus entstehen kann, so lauge werden auch Unglücksfälle bei Probefahrten nichts Seltenes sein. Explosion auf einem 5iano»enboot. Aus New-Uork liegt vom 31. Mai folgende Depesche vor: Nach einem Telegramm aus Guayaquil fand auf dem Kanonenboot„Sucre" eine Explosion statt, durch welche der Kommandant und 14 Mann getödtet und 17 Mann verletzt wurden. Der Goldregen blüht! Es ist immer noch zu wenig be- kannt, daß die hübsche gelbe Blüthe des Goldregens im hohen Maße giftig ist, und daß die Eltern daher nicht eindringlich genug ihre Kinder vor dem Abpflücken derselben warnen können. Ueher einen traurigen Fall von Vergiftung durch Goldregen bringt die„Leipziger Volkszeitung" einen Bericht, aus dem hervorgeht, daß das dreijährige Töchterchen eines Hausmannes in Lindenau Blüthen dieser Pflanze ausgesogen hat, worauf sich nach vier bis fünf Stunden Anzeichen von Vergiftung bemerkbar machten. Das Kind verstarb am nächsten Mittag trotz herbei« geholter ärztlicher Hilfe. Für denJuhalt der Inserate über- nimint die Nedaktion den« Publikum gegenüber keinerlei Verauttvortung Theater. Sonnabend, den I.Juni. Gpernhan«. Geschlossen. Hchanppielhan». Geschlossen. Dentschrs Theater. Die Weber. berliner Theater. Das Bild der Signorelli. Lesstng-Theater. Unter vier Augen. Drei. Zlene» Theater. Tata-Toto. Schiller» Theater. Die Neuver- mählten. Ein Diener zweier Herren. Zlestdenz-Theater. Fernand's Ehe- kontrakt. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Obersteiger. Theater Unter den Kinde». Der Zigeunerbaron. Central-Theater. Figaro bei Hof. Aleranderplah» Tiirater. Ein Modell. Heinrich Heine. Uational- Theater. Napoleon und seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehescheidung. Deutsche« Dolk«- Theater. Der Verschwender. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. La, Puce(Der Floh). Schiller-Theater. (Wailner- Theater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Uenvrrmählten.— Ein Diener smeicr Herren. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ultimo. Abends 8 Uhr: Die zärtlichen Uer- mandten.— Ein Strafrapport. Montag, nachm. 3 Ubr: Die Uen- vermählte». Ei» Diener zweier Herren.— Abends 3 Uhr: Zopf und Schwert. National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Zum 4. Male: RaPl!«»>»li> sank Fmk» oder Eine kaiserlitlie EHesdieihiig. Großes Sensalious- Ausstattungsstück mit Melodramen n. Ballet in 5 Akten v. W. 6. Wills u. Graes Hans Thorne. Die neuen Dekorationen sind aus dem Atelier von Hensel, die neuen Kostüme von der Firma Paul Hildebraudl. Anfang 7>/e Uhr. Natiena>theater»Garten I Konzert u. Spezialitäten-Vorstellung. Kassenöffnung 5 Uhr. Anfang 0 Uhr. Morgen; Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 2. und Montag, den 3. Juni, nachmittags 2>/z Uhr: WllS-WiMiW. arrangirt von ckulius TUrk, Maria Magdalena. Bürgerliches Trauerspiel in 3 Akten von Hebbel. Eulree auf allen Plätzen 75 Pfg. Passage- Fanopticuin. Täglich: Gentral-Theater Alte Ja trobst raffe Ztr. 30. Novität! Zum 29. Male: Novität! Unter artistischer Leitung des Herrn Aiioli Bralil vom königl. Gärtnerplatz- Theater in München: ingara bei Hof. (Uorroro.) Operette in3Akteu(nach Beaumarchais' Memoiren) von Lodrmann-Kiogen. Musik von Alired Müller-Norden. Anfang: Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Ü r a n i a Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Lantles-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung Im wissonsohafl- llcben Theater. Näheres die Anschlagzettel. Victoria-Brauerei Liitzowstraffe 111-118, Garten resp. Saal. M allen 3 Pflngstfeiertagen: Sänger (Nleysel, Pietro, Britton, steidl, Krone, Röhl und Schräder.) Anfang 7 Uhr. Entrce SO Pf. Jeden Abend neues Programm« Am L. und 3. Feiertag nach der Soiree: Tanzkriittzchett. AM- Von Pfingsten an finden die Soireen der Htettiner Sänger wieder täglich(außer Sonnabends) in der Dilrtoria-Srauerei statt. und Rettung aus Peiieksgesalik Kaufmaim's Variete. Königstr., Kolonnaden. MßmgdttSmiiittWilel (bei ungünstigem Wetter im Theatersaal). Am 1., S. n. 3. Pfingsttag: Kiimoristisljer AW der EHeumaiin- Bliemchen's Leipziger Singer. Nenmaun, Villi. Wolff, 1 Horvätb, Gipner, Lemke, Feldow und Ledermann. Ans. V28 Uhr. Eintr. 50 Pf. Neu! Der Neu! Floh! (La Puce.) Posse von Wilh. Wolff. iv zum pirprn l-VlZ ffriLlieioli-V/illikIüiZislitisviikiZ Concki't-M 25/26 Chausseestraße 25/26. Artist. Direktor: R. Qu arg. An de» 3 Feiertagen: —»oi, i Am 1. und 2. Feiertag: >M?�Fruh-VchMilgei! iPiriö Wte-Nmnlttn Theater und Concert. Spezialitäten I. Ranges. Feenhafte Illumination. Ans. d. Concerts 5 Uhr! Cntree „„ Vorstell. 6. I 30 Pf. Bastau's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weibliche Eitelkeit. Zwei Bcreinszimmer stehen noch zur Verfügung. A. Goldbach, Prenzlauer Allee 207. FteivBiTlhalMSn. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) Täglich: Siiiiisrißisllje Soiree MAKfldkutscIiei) Ouartett- üiM w i). Couplet-Sänger Hoffmann, Wolfs, Führmann, Walde, Horst, Betz u. Frische. Ankang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags: Ansang 7 Uhr. Entree 50 Pf., ab 9 Uhr 30 Pf-' W. Noack's Sommer-Thea ierj Srunnenstr. 16. Täglich: Concert, Theater- n. Spezialitäten-Vorstellung. Die goldellt Insel. Ausstatlungs-Operetre v. Anton Anno. Jeden Sonntag. Montag, Dienstag und Donnerstag Im Saale: CrOSSer Ball. ¥oiksgai*ten (ehem. Weimann's Volksgarten) Gefnndbrunnen. Kadstr. 56. Direktion: Max Samst. An allen drei Pfingstfeiertagr»: Grosses Concert, Theater- n. Spezialitäten-Vorstellung. Um 7-/s Uhr: Lnmpazwaga b nndus oder: Da» tüderliche Kleeblatt. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf., reservirter Platz 50 Pf. Am 1. und 2. Pfingstfeiertag» morgens 5 Uhr: Grosses Brüh-Concert. Entree 25 Pf. Vorträge der Gesangvereine„Nord" und„Schildhorn" am Sonntag früh und des Gesangv.„Deutsche Linde" _ am Montag früh._ Sie geht los, die Badezeit! Yolks-Badeanstalt Rixdorf, Canner Chanssee. Der Unterzeichnete empfiehlt den ge- ehrten Einwohnern von Rixdorf und Umgegend seine renovirte Badeanstalt für Herren und Damen mit Schwimm« bassin. Man kann billig abonniren, auch werden Schwimmschüler ange- nommen. Schöner Aufenlhalt im schattigen Garten. Vier Kegelbahnen, Schießbude. Kraftmesser und Schaukel stehen zur Verfügung. Jeden Sonntag im Garten: Große Spezialitäten- und Theater-Vorstelluug von renommirten Künstlern. Im Saale: IV Groffer Kall."ME Auch können Familien Kaffee kochen. Mein Lokal steht den geehrten Innungen sowie den Vereinen unent- geltlich zur Verfügung. 25601. Hochachtungsvoll _ fl. Stolxenburg. allen Freunden u. Bekannten meine neu eröffnete Restauration nebst Vereinszinnner und Piano. B. Michaelis, Simeonstr. 13. Seiliers Kleiner Volksgackn, Gesundbrunnen, Badstr. 60 Sonntag, 2. Juni(I. Pfingstfeiertag) Groffeö Vokal- und Jnstrumental-Früh-Konzert ausgeführt von der Hauskapelle unter gütiger Mitwirkung der Gesang- vereine„Glück zu" und„Weddinger Harmonie"(M. des A.-S.-B.) unter Leitung ihres Dirigenten Herrn P r i m u l e t. Anfang 5 Uhr. Entree 25 Pf. Die Kaffeeküche ist dem geehrten Publikum von 5 Uhr an geöffnet. Programme sind in den mit Plakaten belegten Lokalen zu haben. 152/18 Divflnnl Ed- Wiersing's £ilXuüriRestau"nt, ßarlen und Ball-Salon. Knesebeckstr. 77. Hermannstr. 87. Alle drei Feiertage im Garten: Gr. Spezialitiiteil-VorßellilW. Im neu renovirten Saale von 4 Uhr ab: Grosser öffentlicher Ball. Zwei verdeckte Kegelbahnen. Kaffee- küche stets geöffnet. Meine Lokalitäten stehen de» Vereinen zu Versammlunge», Festlichkeiten und bei Leichenzügen zur Verfügung. Nehmt uuh ZMMs ooirp. Gleisenberg, Reinickendorf, Provintstraffe 45, Mi», vom Bahnhof Schönholz. 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Mitwirkende: Clara Drucker, Agnes Werner, Arthur Kranssneck, Alfred Schmidt-Heissler, Julius Wessels, Oskar Wagner. Billets a 75 Pf., für die Mitglieder der Freien Volksbühne ä 60 Pf., find zu haben in den Zahlstellen der Freien Volksbühne. 301/3 Ausstellung Italien in Berlin. Station Zoologischer Garten. Geöffnet von 5 Uhr früh bis 12 Uhr nachts. PF* Mährend der Pstngstfeiertage:"Wis Täglich früh 5 Uhr: Grosses Monstre- FrUhconcerti ausgeführt vou sämmtlichen 22 Kapellen, bis 12 Uhr mittaas. Entree 30 Pf., Kinder unter 10 Jahren frei. Mittags 12— 2 Uhr: Grosse symphonische Matinee>Concerte unter perf. Leitung des NIaesiro Cavaliero Gialdo Gialdini. Nachmittags 4 Dhr: Promenaden-Concert, ausgeführt von der Kapelle der Potsdamer Garde-Husaren unter Leitung ihres Kapell- meisters, des Stabstrompeters Herrn Hamm, sowie der italienischen Hersaglieri-Hapelle. Dirigent: Maestro Giacomo Gatli. Nachmittags 6 Dhr: MF Das FrUhlingslest in Italien."Pü Beginn der Hassen-Concerte von 22 Kapellen, grossartige Monstre- Aufftthrungen, teatro americano mit dein urkomischen Bendix, Neapolitanische Perlenfischerei, großer Gondel-Korso, Tauchervorstellung, Kinetoskop, Auftreten der Miß Astaste, des„Sterns von Chicago" (ßrajid attraction) u, f. iv. Tagsüber: Besichtigung der italienischen Industrie-Ausstellung und H Massen-Fabrikation italienischer Kunstprodnkte, u. a. Vorführung der ital. Seidenspinnerei, Glasbläserei, florenlinischer Strohflechterei, > Mosaikfabrikation u. s. w. UWp' Gntre» 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren 30 Pf. F. Wilke's Restaurant„Zur Gleichheit" (Saal, Garten, Billard, verdeckte Kegelbahn und Schießstand) Andreasstraße SO, am Andreas platz, 6 Minuten vom Cchlesifchen Bahnhof, Pferdebahn und Omnibus-Verbindungen nach allen Richtungen. Um I. Pfingst-Feiertag, morgens 5 Uhn Musikalische Morgen- Unterhaltung unter gut. Mitwirkung des Gesangvereins„Liedesfreiheit I"(M. d. A.-S.-B.). RMF Die Kaffeeküche ist geöffnet."Mtzi Um ersten Pßingst» Feiertag, abends i PrivatzTheatergef ellschaft„Sprudel". Unterhaltungs-Abend. Zweiten Pfingst-Feiertag, nachmittags 4 Uhn Zentral- Verein deutscher Böttcher. Tanzkränzchen.— Kaffcekocheu und Preisschießen. - 1433b Dritter Pfingst- Feiertag, Geselliger Verein„Die lustigen Brüder". Tanzkränzchen, humoristische Vorträge und Preisschieben."Mg F. Wilke's Restanrant„Zur Gleichheit", Andreasstr. 26. Schweizer Garten Am Königsthor. Haltestelle der Pferdebahn.— Am Friedrichshain. Begiuil kt Hauptsalson an den Nfingstfeiertagen. Auftreten der neuen Spezialitäten Gebr. Grey, Tanzduettisten. FrAre« Derieur, Akrobaten-Exentrics. giia Aermanre, Bravoursängerin. Tmo Forlag», Chinesen-Erentrics. eschm. Kanoni, Gesangsduettisten. Mann u. Kobb, musik. Clowns. Milly«. Adda» Kugellauf- Equilibr. Gebr. Malta», Parterre- gymnastiker. Mar Zerner, Gesangskomiker. Münch, Wäge, Mntttze, sächs. Komiker-Trio. Dilder der Gesellsch. Kenand(8 Personen). Theater-Vorftellnng des 16 Pers. stark. Theatcr-Ens. Volksbel. u. Kall. Arn I. und 2. Feiertage ?rüh lioncert, Vorstellung u. Frfth-Tanz. Möbel, Spiegel u. Polsterwaaren. Reelle Waare in Nußbaum u. Mahagoni. Küchenmäbei. Frans Tutsauer, Um ZrrWmeru vorBeugeu! Die vielseitigen Reklamen der erst seit dem I. Mai d. I. bestehenden Größten Berliner Zuschneide-Akademie Alexanderplatz Direktion Maurer könne» durch die Art und Weise ihrer Abfassungen sehr leicht Verwechselungen mit der alten 1871 gegründeten Krriinrr Schnrider-Atzademir non Rudolf Maurer herbeiführe». Der Vorstand der Uereinignng ehemaliger Maurer'scher Schüler der letztgenannten Akademie giebl deshalb hiermit bekannt, daß die Direktion Maurer, Alexanderpiatz, in keinem Zusammenhange mit der Berliner Schneider-Akademie von Rudolf Maurer Bßriiu W., Friedrichstr. 65a steht und daß unsere Mitglieder sämmtlich in letztgenanntem Institut und zwar zu ihrer größten Zufriedenheit ausgebildet sind. Die Vereinigung ragt Dienstag abend» von 0—11 Uhr Sophien- Straße IS.(Zeichne», Theorie und Praxis des Schneidergewerbes.) Sonnabend, den 26. Juni, findet eine Bschtpsrtic nach dem Liebnitzsee statt. Alles nähere an den Vereinsabenden. Der Vorstand. Damen-«. Kinderhnte garnirt und ungarnirt, empfiehlt in größter Auswahl 2ö38I-' Gustav Sahor, W Inmlidknltr.i59 �»»hFSSS W j»evcn der Nlarkthalle. I/'iitic'li 7»l1„n2M. Vollst, schmerzl. Zahnziehen IM. Plomben 1,50 M.Rep tVullbll.A/diniegoi.Theilz. Zahnarzt Wolf, Loipzigerstr.ZZ. Spr.8-7Dhr. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder und Schwager, der Schankwirth Emil Kurig am Dienstag, den 23., abends S3/! Uhr, verschieden ist. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 1. Juni, nachmittags 5 Uhr. vom Krankenhaus Friedrichshain aus nach dem Zionskirchhof in Weißensee statt. Die trauernde Wittive Auguste Kurig nebst Kinder». Todes-Ailzeige. Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, daß am 29. d. M. der Sattler Dtto Dieke verstorben ist. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. 1432b Die Kollegen der Kröger'schen Merkstatt. Die Beerdigung findet am ersten Feiertag, vormittags 10 Uhr, vom Neuen Louisen-Kirchhof, Rixdorf, Hermann- straße aus statt. Das am 29. Mai erfolgte Ableben meines geliebten Mannes 1439b Friedrich Nitze zeigt mit tiefstem Schmerz an Die trauernde Mittme. Die Beerdigung findet am 2. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Emmaus-Kirchhofes aus statt. Treffpunkt: Gesangverein„Kreuz- berger Harmonie" bei Wirsing, Knese- beckstraße. I439v Ceiieral-Vtriamiiilinig der Vertreter der Orts- Krankenkasse für das VikriirailkrGkwtrllt zu Berlin Arbeitgeber u. Arbeitnehmer am Dienstag, den II. Juni, Abends pünktlich 3Vs Uhr, in Louis Keller's Festsälen, Koppenstr. 29. Tagesordnung: 1. Bericht der Revisions- Kommission. 2. Beschluß- fassung über die Ertheilung der Decharge. 3. Vorstandswahl. Zu wählen sind von den Herren Vertretern der Arbeitgeber 3, vou den Herren Vertretern der Arbeitnehmer 6 Vorstandsmitglieder für die Wahl- Periode 1895/96. Außerdem sind von den Vertretern der Arbeitnehmer noch 4 Ersatzwahlen für das Jahr 1895 vor- zunehmen. 92/5 Der Uorstantz. Petersen, Magistrats-Koinmiffar. Strulllil-Riiiiliiltlsblirg! Sonntag, den 2. Juni 1895 (1. Psingstfeiertag), nachmittag« 4 Uhr; Oeffentliche Versammlung für Männer und Frauen der„Freien Gemeinde für Uirdorf und Umgegend" in der Alten Taverne in Stralau. Vortrag des Genossen A. Hoffmann- Pankow über;„Unsere Pfingsten". SW Zn dieser Versammlung ladet alle Gesinnungsgenossen und Ge- nossinnen ein 122/5 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten hiermit zur Nachricht, daß ich den Srauerei- Ausschank Carl Kintz& Co. 1431b mit dem heutigen Tage übernommen habe und bitte, mich in meinem Unter- nehmen zu unterstützen. Achtungsvoll Eduard Seiffert, Orauieustr. 14, Heinriclisplatz. Köpenick. Den Mitgliedern des Sozialdemo- kratische» Arbeiterverein» zur Nach- richt, daß der Lese- und Diskutirabend nicht am Dienstag, den 4. Juni, sondern erst am 11. Juni, abends 8 Uhr, im Restaurant Ad. Schulz, Schönerlinder- straße, stattfindet. 52/6_ Der Vorstand. Reinickendorferstr. 64 part. 3inr Hüte mit Arbeiter- Kontrollmarke. Große Auswahl in Strohhüten und Mützen. Ph. Haase. Reinickendorfer- Strasse 64, part. Destillation mit Nebeuräumen u. gr. Vereinszimmer (ca. 60 Pers.), gutgehend, an Partei- genossen zu verk. Swiuemünderstr. 45. Eisspindr», sowie Milchgeschäfts-Utensilien. Jordan, Kleine Marknsstr. 28. MM kr in BiHiMeien, der Papier- und Ledergalanteriewaaren-Judustrie beschäst. Arbeiter und Arbeiterinnen. Am 2. Pfingst Feiertag: �_ � Ausflug nach Stolpe b. Wannsee. Abfahrt: Schlesischer Bahnhof 7.40. Alexanderplatz 7.46, Friedrich- Straße 7.53, Potsdamer(Wannsee-) Bahnhof 7.50 und 8.10. gl/2 Der Vorstand. Nächste Mitglieder-Versammlung Montag, den 10. Juni. S. Jubiläums- <5" 25 Ausgabe. Soeben erschien die fiinfnndzwanzigste Auflage von August Kedel: Tie Frau und der Sozialismus. Heft- Ausgabe. Komplet in Iv Heften ä 20 Pfennig. Zu beziehen durch alle Kolporteure. Arbeiter-Verkehrs-Almanach für Berlin und Umgegend, Sommer-Halbjahr 1895, mit einem Plan der Umgegend von Krrlin, den Fahrpläne» aller Uei Kehrs-Jnstitnte, den Adressen der Vorstände der| politischen und gewerkschaftliche» Organisationen, Kranken- Kassen und Vereine etc. etc.— Preis 20 Pfg.— ist erschienen. 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Dieses Gutachten hat in ähnlicher Forin dem Magistrat und dem Stadtverordneten-Kollegium vorgelegen, und diese beiden Behörden haben in Uebercinslimmung damit den Antrag auf Errichtung eines kommunalen Arbeitsnadiweises abgelehnt und gleichzeitig beschlossen, statt dessen den Zentral- verein� zu unterstützen. Es wurde ihm eine einmalige Beihilfe von 1ö 000 M. gewährt und die jährliche ctatsmähige Beihilfe von 3000 auf 5000 M. erhöht. Vorderhand ist nicht daran zu denken, daß ein zentraler Arbeitsnachweis in Berlin crganisirt wird, der den Wünschen und Bedürfnissen der Arbeiter mehr Rechnung trägt, als das in dem Bureau des Vereins geschieht. Dem völligen Ausbau der Gewerkschastsvercine bis zurOrganr sation einer Zentral-Arbeitsvermittelnng der Gewerkschaften steht unser Vereinsgesetz entgegen, und das Unternehmerinteresse, das in unseren städtischen Körperschaften treffliche Schutzmauern besitzt, wird sich noch lange dagegen zu sichern wissen, daß Berlin ein Institut»ach dem Muster der Pariser Arbeitsbörse erhält. Bon den vorhandenen Zentral-Arbeitsiiachweisen in ver schiedenen Städten des In- und Auslandes unterscheidet sich indeß die Organisation des Berliner Vereins keineswegs immer zu ihrem Vortheil, so daß sich noch manches an ihr bessern ließe. Sie hat mit vielen städtischen und privaten Arbeitsnachweise» das geniein, daß die Leitung in die Hände eines Ausschusses oder Vorstandes gelegt wird, in dem eine gleiche Zahl von Arbeitern und Unternehmer» durch die Gewerbegerichts- Wahlberechtigten, außerdem aber noch einige sogenannle Unparteiische, je nachdem durch den Verein oder denZ Magistrat gewählt werden. Für den Berliner Verein ist i» denl revidirten Statut als Leiter des Arbeitsnachweises ein Ausschuß von je zehn solcher„Arbeitnehmer" und„Arbeitgeber" und drei„Unparteiischen" vorgesehen. Die Unparteiischen stellt der Vorstand des Vereins. Ter Verein selbst, der von seinen Mitgliedern einen Jahresbeitrag von mindestens 4 M. fordert, ist aber mit verschwindenden Aus- n ahmen aus Leuten zusammengesetzt, die aus Unlcrnehmerkreisen hervorgegangen sind oder ihnen nahe stehen. Von vornherein ist deshalb die Annahme berechtigt, daß die sogenannten Un- p arteiischen eher den Unlernehmerinteressen als den Arbeiter- i nteressen zuneigen werden. Dabei ist es allerdings vollkommen glaubhast, daß die gegenwärtigen Unparteiischen sich bemühen. beiden Theilen gerecht zu werden. Eine Stelle des vom Vereinsvorsitzenden verfaßten Gut- achtens spricht aber nicht dasür, daß er sich bereits zu einem hi»reichenden Verständniß der Arbeilskämpse durchgerungen hat In Ausführung der an sich richtigen Ansicht, daß bei Arbeits- ausständen der Zentral-Arbeitsnnchweis eine unparteiische Hallung bewahren müffc, wird da nämlich gesagt: „Die Einstellung der Thätigkcit des Arbeitsnachweises für die im Ausstand befindliche Branche wäre keine unparteiische Maßregel, sondern würde sich gegen die Arbeitgeber richten. Der Arbeitsnachweis muß während des Ausstandes ruhig weiter funklioniren, und nach rvie vor Angebot und Nachfrage entgegennehmen; wenn sich die Ar beiler der betr. Branche während des Ansstandes voin Arbeitsnachweis fernhalte», hört von selb st die Ver- m i t t e l u n g s t h ä t i g k e i t auf." Das kann doch nur Eindruck machen auf Leute, die von den Zuständen auf dem Arbeitsniarkt keine Ahnung haben. Wann hätte es je an dem Angebote von gelernten und ungelernten Streikbrechern aus der hungernden Reservearmee der Arbeit gemangelt? Die Voraussetzung des Herrn Freund, unter der„von selbst die Vermittelungsthätigkeit aushören" soll, trifft eben unter unseren heutigen Verhältnissen nie zu. Thatsächlich würde bei der geplanten Praxis sein Bureau ein Stelldichein für Literarisches. Ter physische Rückgang der Bevölkerung in de« moderneu Kulturstaateu mit besonderer Rücksicht aus O e st e r r e i ch- U n g a r n. So lautet der Titel eines ausgezeichneten Vortrages, den der Budapester Universilätsdozent Dr. Julius D o n ä t h auf dem VlII. internationaleii demographischen und hygienischen Kongreß in Budapest gehalten, und der jetzt gedruckt in der„Wiener Klinik" vom Mai 1895 vorliegt. Ter Vortrag verdient die höchste Be- nchtung auch unserer Parteipreffe, weil der bürgerliche Ver- fasser nicht nur unanfechtbar nachweist, daß ein solcher physischer Rückgang der Bevölkerung vorhanden ist, sondern auch den Muth hat, als die Hauptursache dieses Rückganges die modernen Produktions- Verhältnisse zu bezeichnen und als zunächst- liegendes und zugleich unumgängliches Er- forderniß zur Bekämpfung dieses Rückganges die Verkürzung der Arbeitszeit durch staat- l i ch e Maßnahmen zu verlangen. Zunächst zitirt Tonüih die Aussprüche einiger früherer Be- obach ter, die die in Rede stehende Erscheinung schon signalisirt, wenn auch nicht unanfechtbar und nicht als allgemein gillig nachgewiesen, zum thcil aber bereits richtig gedeutet haben. So Liebig, Darwin, I. Singer, Ernst Haeckel, der besonders den modernen Mili- tarisinus,„das Krebsübel des Heuligen Europa", dafür ver- antwortlich macht*), Henry Maudsley, Erb, Reinhardt, der für die Zunahme der Gehirnerweichung(„proAi-essivs Taralyse") in erster Linie den gesteigerten Kampf ums Dasein und die zunehmenden Auswüchse und Schattenseiten des sozialen Lebens als Ursache anführt. Einen miumstößlichcii Beweis für die Thalsache des physischen Rückganges des Volkes in den Kulturstaaten geben aber erst die R e k r u t i r u n g s- e r g e b n i s s e, die gleichsam das Inventar der Volkskrast darstellen. Dr. D. bespricht nun au der Hand statistischer Tabellen, wie sich die Rekrulirungsergebnisse in Oesterreich- Ungarn, Teutschland, Frankreich, Italien, Belgien in den letzten Jahrzehnten fast stetig ver- schlechtert haben, und wie scheinbare Ausnahmen davon sich nur ')„Je kräftiger, gesünder, normaler der Jüngling ist, desto größer für ihn die Aussicht, durch Zündnadeln, gezogene Kanonen und andere dergleichen Kulturinstrumente gemordet zu werden. Alle kranken, schwächlichen oder mit Gebrechen behafteten Jüng- linge dagegen werden von der militärischen Selektion verschont, bleiben während des Krieges zu Hause, heirathen und pflanzen sich fort.... Nach dem Vererbungsgesetze muß aber nothwendig infolge deffen bei jeder folgenden Generation nicht allein eine weitere Verbreitung, sondern auch eine tiefere Ausbilduug des körperlichen und des davon untrennbarell geistigen Schwäche- zustandes eintreten."— So Haeckel. Man vergleiche damit die Meinung der Schwärmer für einen„frischen, fröhlichen Krieg". durch den das„skrophulöse Gesindel" vernichtet und so die Nation angeblich verbessert werden soll! Donath fügt dem noch die durch das Kasernenleben gesteigerte Verbreitung venerischer Krankheiten und verzögerte Heirathsmöglichkeit hinzu. alle Streikbrecher, Schwarzbeine oder ihresgleichen werden. Dieser Einsicht haben sich selbst nicht einmal andere aus bürger- lichen Kreisen hervorgegangene Arbeitsbureaus verschlossen. So bestiininr das Statut des seit 1839 bestehenden öffentlichen Arbeits- Nachweises des Kantons Basel-Stadt: § 7. Bei Arbeitseinstellungen kann die Anstalt ihre Thätig- keit für das betreffende Gewerbe oder den betreffenden Werkplatz sofort und bis zur definitiven Erledigung des Streiks unter- brechen. Eine solche Beschlußfassniig unterliegt der Genehmigling des Regierungsraths. Und in dem Statut des städtischen Arbeitsnachweises für die Stadt M ü ii ch e n heißt es: § 11. Bei Arbeitseinstellungen und Arbeiter- a u s s p e r r u n g e n hat die Koinniission, sobald sie zu ihrer Kenntniß gelangen, den Betheiligten eine kurz bemessene Frist vorzustecken, binnen welcher dieselben das Einigungs- amt des Gewerbegerichts anzurufen haben. Wenn letzteres nicht geschieht oder ein Schiedsspruch nicht zu stände kommt, oder wenn sich die Betheiligten dem Schiedsspruch nicht unter- werfen, hat die Kommission darüber Beschluß zu fassen, ob das Arbeitsamt für das betheiligte Geschäft oder den be- theiligten Geschäftszweig seine Thätigkeil einstellen soll oder nicht. Die praktische Durchführung dieser Besliliimiliigen mag sowohl in Basel wie in München den Arbeitern manches zu wünschen übrig lassen, aber darin, daß überhaupt die Schließung des Vermittelungs- bureaus bei gewissen Eventnalitäten vorgesehen ist, liegt das Zugeständniß, daß das Fortbestehen der Arbeitsvermittlung bei Arbeitskonflikten nicht durchweg einer unparteiischen Haltniig entspricht, sondern sich direkt gegen die streikenden oder ausgesperrten Arbeiter kehrt. So lange Herr Freund und seine Freunde sich nicht zu dieser Erkenntniß durchgearbeitet und daraus die praktischen Schlüsse gezogen haben, dürfen sie sich nicht wundern, daß die Berliner- Arbeiter ihrem Unternehmen mit Mißtrauen gegenüberstehen. Tie bekannte Unterschlaguugsaffiire des früheren städtischen Beamten Lehmann zu Ebcrswalde hat in diesem Städtchen Anlaß zu einer eigenartigen Beleidigungsklage gegeben. Der Gastwirth Dieball erschien, wie wir einem Eberswalder Lokalblatt entnehmen, am 13. März d. I. beim Bürgermeister Fels, um eines Strasmandats wegen Beschwerde zu führe». Tauet wurde er heftig, sodaß sich der Bürgermeister veranlaßt sah, ihn aus seinem Amtszimmer zu verweisen. Beim Verlassen des Bureaus soll Dieball dem Bürgermeister zugerusen haben: »Kümmern Sie sich lieber um die lüderliche Stadtverwaltung, damit den armen Steuerzahlern keine 50 000 Mark ge- stöhlen werden." Dieball, deswegen der Beleidigung und des Hausfriedensbruchs angeklagt, giebt zu, obengedachte Worte aus- gestoßen zu haben, eine Beleidigung habe ihm aber fern gelegen. Des Hausfriedensbruchs bekennt sich der Angeklagte nicht schuldig. Bürgermeister Fels bekundet, daß Dieball seiner Aus- iorderung, das Lokal zu verlassen, sofort uachgekominen sei. Vom Angeklagten seien aber noch vor der Thür verschiedene Redens- arten geführt. Deshalb habe er(Fels) den Stadtsekretär Neu- bert aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, daß Dieball aus dem Nathhause entfernt werde. Der Aintsanwalt beantragt wegen Hausfriedensbruchs Freisprechung und wegen der Beleidigung 40 M. Geldstrafe event. acht Tage Gefängniß. Der Veriheidiger, Rechtsanwalt Sandberg, bittet, den Angek agten auch wegen dcr Veleidigung freizusprechen, da von der Bürgerschaft der Fall Lehmann allgemein besprochen worden sei und der Angeklagte durch die Worte nicht habe beleidigen wollen. Das Urlheil lautet dem Antrage des Amtsanwalts gemäß, da in den Worten des Angeklagten eine Beleidigung des Bürgermeisters erblickt werden mußte. Ein Gerichtshof ans der Kegelbahn. Bei dem Herzog- lichen Landgericht in Braunschweig halte ein Eigenthümer Privat- durch eine Erhöhung ter Aushebungsziffer oder durch Herab- setzung der Tauglichkeitsausorderungen erklären. Eine Ausnahme von dieser Regel macht allein die Schweiz, wo die Dienst- tauglichen zwar von 1870—1880 wohl eine Abnahme (von 55,3 auf 42,9 pCt.) zeigen, von da ab jedoch bis 1892 wieder fast auf die ursprüngliche Höhe(bis 54,4 pCt.) zunahmen. In O e st e r r e i ch- U n g a r n steigt von 1807 bis 1888 der Prozentsatz der wegen Unlauglichkeit Zurückgestellten stetig und in ganz außerordentlicher Progression: in dem— über- wiegend landwirthschastlicheu— Ungarn von 21,50 auf 75,49, in dem— überwiegend industriellen— Oeslerreich von 40,33 auf 70,30 pCt. Für Preußen-Deutschland läßt sich, mangels genügender statistischer Nachweise nur sicherstellen, wie kolossal durch die Heeresvermehrungen die Ansprüche an die Tauglichkeit herabgesetzt sind. Herabsetzung der Sehschärfe bis zur Hälfte der normalen, ge- ringes Stottern, leichter Grad von Kropf, ruchanlage, Breitsüßigkeit, Mangel einer ehe, V e r k r ü p p e l u n g der Nagelglieder der � i n g e r, Schielen und P l a t t f ü ß i g k e i t schließen nicht mehr immer aus von der Einreihung in unser„herrliches Kriegsheer".') In Frankreich steigt von 1872—1383 die Zahl derUntaug- lichen von 20,3 auf 29,9 pCt.(1885 sogar 31,3 pCt.), die Zahl der Zurückgestellten oder zum Hilfsdienst Eingereihten von 10,2 auf 19,5 pCt., die Zahl der Zurückgestellten von 0,9 auf 13,3 pCt. In Italien wächst die Zahl der Zurückgestellten von 1871 bis 1891 stetig von 7,7 pCt. auf 23,2 pCt.(1883 sogar 20,3 pCt.). In Belgien wächst die Ziffer der Untauglichen von 31,78 pCt. im Jahre 1832 auf 39,31 pCt. im Jahre 1890. Ist sonach a» der Thatsache des physischen Niederganges der Bevölkerung in den modernen Kulturstaaten ein Zweifel nicht möglich, und wird dieser noch weiter bestätigt durch die Resultate der Untersuchungeu von Schulkindern, die Hertel in Dänemark, Axel Key in Schweden, Guillaume in Nei-fcbatel, Schindler und Aruould in Frankreich, Nesteroff in Moskau, ferner Hernialin Cohn, Eulenburg, Weil, Bezold, Galippe, Denison Pedley, Geißler und Uhlitzsch, Landsberger, ') Aehnlich scheint es auch in Oeflerreich-Ungarn zuzugehen. dafür spricht u. a. der Brief eines Militärarztes aus Talmatien, den Donath mittheilt, und der zugleich in klassischer Weise das körperliche Zurückgebliebeusein der dortigen arbeitenden Be- völkerung illustrirt:„Es k o m m e n da," schreibt derselbe, „Jünglinge mit 21—23 Jahren zur A s s e n t i r n n g, welche das Aussehen von 13— I5j ä h r i g e n Knaben ha den, sodaß man durch beeidete Personen deren Identität seftstellen muß, weil Zweifel sich aufdrängen, ob nicht ein Schwindel vorliegt. Ich habe Heuer(1895) in den beiden ersten Altersklassen 15 p C t. g e- nommen, von denen gewiß in den erste» Monaten der Dienstzeit einige noch zurückgestoßen werden. Ich muß abersovielnehmen, als eben möglich ist, auch chwächliche Leute, weil das Ministerium es o haben will, in der nur zum theil gerechlsertigteu Ansicht, daß viele beim Militär aufgefüttert werden." klage gegen einen Gastwirth erhoben. Er versuchte nachzuweisen, daß das Treiben auf der unmittelbar neben seinem Grundstück gelegenen Kegelbahn seines Gegners im hohen Grade ruhestörend sei, und hatte auf Schadenersatz Anspruch gemacht. Der Beklagte bestritt das„überlaute" Geräusch, derselben Meinung war auch der Sachverständige. Da einegenügendeKlärung derSachebeidenivider- streitenden Angaben nicht erzielt wurde, faßte der hohe Gerichtshof einen heroischen Entschluß. Eines schönen Tages, so berichtet die„D. G.-Ztg.", machte sich der ganze Gerichtshof, ein Land- gerichtsrath, zwei Beisitzer und der Schreiber auf den Weg zu dem Hause des Franke, so hieß der Kläger, und verfügten sich in dessen Wohnung. Vier Gerichtspraktikanten ließen sich zur selben Zeit bei dem beklagten Gastwirth häuslich nieder und cutrirten eine j'iegelpartie. Sie sangen Kneiplieder, schoben Kegel und entwickelten schließlich als der Inhalt des Fäßchens, das man aufgelegt hatte, auf die Neige ging, eine derartige Fidelität, daß dem Wirth, der keine Ahnung von dem„amtlichen" Charakter dieser Kneiperei hatte angst und bange wurde. Das Ergebniß dieses interessanten Lokaltermins wurde tags darauf in der Sitzung der Zivilkammer bekannt gegeben. Der gerichtsseitig verübte Skandal war nämlich derart gewesen, daß der Gerichtshof die Neberzeuguiig gewann, daß der Kläger im Rechte sei. Der Restaurateur wurde vcrurtheilt, bei einer Geldftrafe von 15 M. für jede» einzelnen Fall des Zuwider- Handelns, jeden durch die Benutzung der Kegelbahn hervorgerufeuen überflüssigen Lärm von 10 Uhr abends zu unterlassen und an den Kläger Schadenersatz zu leisten, dessen Höhe zu bestiiiimen das Gericht sich vorbehielt. Reichs-Vevstchernngsamt. Der Kutscher Wolf war am 10. August 1893 von seinem Arbeitgeber, dem Berliner Fuhr- Herrn Rosenbaum, dazu bestiinmt worden, einer lustigen Gesell- schasl als Vorreiter zu dienen, die in Gefährten Rosenbaum's eine„Landpartie" nach dem Grunewald machte. Kaum war Wolf, dem das störrische Pferd ziemlich viel zu schaffen gemacht hatte, von demselben herunter gestiegen, da sank er todt zu Boden. Tie Fuhrwerks-Berufsgenossenschast lehnte es ab, der Wittwe auf ihren Antrag eine Rente zu beivilligen. Sie vermochte kein außergewöhnliches Ereigniß bei dem Hergang des Unfalls zu erkennen und nahm außerdem an, Wolf sei jeden- falls schon vorher krank, vielleicht herzleidend gewesen. Das Schiedsgericht verurtheilte jedoch auf die eingelegte Be- rufung hin die Beklagte, indem es als gerichtskundig hervorhob, daß es am fraglichen Tage sehr heiß gewesen sei, und im übrigen der Behauptung der Klägerin, ihr Mann sei kern-� gesund gewesen, vollen Glauben beimaß. Das Reichs- Versicheruugsamt, als Rekursinstanz in Anspruch geiiommen,� veranstaltete eine weitgehende Beweiserhebung. Es vernahm- mehrere kkollegen und den ehemaligen Arbeitgeber des Ver- storbenen über dessen früheren Gesundheitszustand, wie über die Einzelheiten des Todesrittes, und forderte!das Gutachten eines Kreisphysikus ein, der sich„nach Lage der Akten" äußerte. Letzterer sprach die Ueberzeugung aus, daßWolfjedenfalls Herzleidendgewesen sei, daß er aber noch Jahre lang gelebt haben würde, wenn er nicht den anftrengendcn Ritt unternommen hätte, welcher als mitwirkende Todesursache angesehen werden müsse. Das Rekurs- gericht schloß sich dem au und bestätigte deshalb die Entscheidung des Schiedsgerichts, durch welche der Wittwe des so plötzlich aus dein Leben Geschiedenen die Hiulerbliebeimi-Rente zugebilligt worden war. VersmnmUmgeni I» der Geucralvcrsanllulnng der BildtiiigSschnle, welche am Montag Abend stallsaud, waren zunächst einige An« träge über die etivaige Gestaltung der Schule in der Zukunft zu erledigen, die sich lheils auf Verlegung bezw. Aufhebung der Lokalitäten bezogen. Königs hob dabei hervor, daß sich die! Zahl der Unterrichtstheilnehmer in letzter Zeit gesteigert habe, demnach jede Besorgniß unnütz sei. Soweit diese An- Hasse, Bowditsch Pagliani vorgenoinmeii, so kann ebensowenig ein Zweifel sein, daß, wenn auch eine Reihe anderer Schädlichkeiten mit-zu berücksichtigen sind. � doch der ausschlaggebende Faktor, welcher die Entartung der Bevölkerung bedingt, die sozialen Verhäl nisse sind. Wie Prof. Max Gruber es ausgesprochen, daß. um die Volksgesundheit zu heben, man dafür sorgen müsse,„daß die Leute genügende und gesunde Lebensmittel haben und in gesunden Wohnungen leben können..... Unser Volk i st auf Kartoffel» Nahrung, Schnaps und Feige nkafsee-Brühe angewiesen. Natürlich leidet dadurch sein Gesundheits- zustand, und die Weisheit sämmtlicher Doktoren, in einem Gesundheitsamte vereinigt, kann daran nichts bessern"; und wie Prof. Babes die Regelung der sozialen Frage als eine Grundbedingung der öffentlichen Gesundheit bezeichnet, so steht Douäth nicht an zu erklären, daß„der erste und wichtigste Schritt, welchen der Staat unter den gegen» w ä r t i g e n Produktionsverhältnissen zu machen hat, um d e m N i e d e r g a n g der V o l k s k r a f t nach Th u n lichkeit Einhalt zuthun, die Kürzung de r lllrbeitszeit ist", wenn möglich mittelst intcriiationaler Ab- machungen, wenn nicht, so ohne diese. Donath weist diesbezüglich auf das gute Beispiel hin, mit dem England voran- gegangen— Zehnstuiiden- Bill von 1350, neuerdings der Acht- siuudentag in den Arsenalen und Wersten und in den staatlichen Telegraphcnfabriken von Holloway und Mount Pleasant— und die guten Erfahrungen, die dort damit gemacht. Donath schließt:„Der Staat widmet die größte Aufmerksam- keit der Veredelung der Pferde und der wichtigen Hausthierrassen und bringt beträchtliche Opfer, um einer Verschlechterung der- selben zu begegnen. Sollte für den Menschen, dessen Organis- m»s die Wissenschaft als das Vollkommeiiste kennt, dessen Gestalt von den Künstlern als der schönste Vorwurf jür die Kunst erklärt wird, der für den Staat Selbstzweck sein sollte— sollte, sag' ich, für den Menschen die Fürsorge geringer sein, dessen geistiges und moralisches Wohl mit seinem physischen unzertrennlich verbunden ist?— Sollte der moderne Staat der mythologische Chrcmos sein, der seine Kinder verschlingt, das biblische Land, das seine Bewohner verzehrt?— Ungezählte Jahrtausende best Kampfes ums Dasein und der langsamen und mühevollen Knilur- eutwickelung haben uns den Menschen in seinem wunderbaren Wesen überliefert, wollen wir dieses herrliche Erbe nicht ge- mindert, sondern eher gemehrt den Nachkonimen überlcrffen!" So Donath als Vertreter und im Namen der Wissenschaft! Werden die Leiter der modernen„Kulturstaaten", werden die herrschenden Klassen, insbesondere auch in Deutschland, auf das hören, was die Wissenschaft mit ehernem Munde ihnen als Thatsachen verkündet, was sie als unumgänglich von ihnen fordert? Wir wagen es zu bezweifeln....Äpi-äs nous le deluge", nach uns die Eündfluth" lautet der Wahlspruch derer, die die höchste Intelligenz ihreS Landes repräsentiren— sollten! Mit der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wird auch die Gesund» h e i t dem Volke erst durch de» Sozialismus gebracht werden. A. F. tnige Vicht zmiickgczoge» wurden, ging die Versa»»»- >u»g über dieselben zur Tagesordnung über. Dagegen wurde ein Autrag: Tie Lehrer zu beauftragen, ein 'Schema über die Unterrichtszweige zu entwerfen, angenommen; «esgu der Antrag: in diesem Jabre in einem geeigneten Lokale mn S o m m e r f e st abzuhalten. Ins Komitee, welches den» Vor- !Kand zur Seite stehen soll, wurden zu diesem Zweck Lehrer Schulz. Hager und Frl< Barsch gewählt. Ein Antrag: am Abend einer Gencralversammlung keinen Unterricht stattfinden zu lassen, wird dadurch erledigt, dah es den betr. Lehrern bezw. Schülern überlassen bleibt, durch gegenseitiges Uebereinkomnicn dem Wunsch der Schüler zu entsprechen. Im allgemeinen wurde der Wunsch geäußert, zum Unterrichtsgcgenstand vorwiegend solche Thema zu wählen, ivelche deni Bilduugsbedürsuisz der Schüler eulsprcchen. Aiu 23. Jnni findet von sei.cn der Schule eine Vorstellung in der Urmiia statt, wozu Billcts in den Schulen und Zahlstellen zu haben find. Tie Bekanntmachung des Sommcrfestes erfolgt in nächster Zeit. Gclicralversamniluug vom 21. Mai der Zinkgießer nud Stiirzer Berlins nud Uuigegend. Ter Vorstand bc- richtete, daß im letzten Vereinsjahr 22 Mitgliederversammlungen, 4 Generalversammlungen, 22 Vorstandssitzungen, 1 ösientliche Versanimlung stattfände». Die Einnahme betrug im letzten Vierteljahr öS, 80 M. Der Kasseubestand 246,30 M. was eine Gesaininteinuahme von 302,10 Pf. ergicbt. Die Ausgaben in derselben Zeit betrugen 37,25 M., somit verbleibt ein Bestand von 264,85 M. Die Jahrcseinuahme betrug 224,30 M., die Ausgabe 91,50 M. Der Vergnügungssonds betrug 197,80 M., wovon im letzten Vierteljahr 35 At. an zwei in Roth gerathene Kollegen gezahlt wurden. Den» Kassirer wurde Dccharge er- lbeill. Slufgenommen wurden im letzten Jahr sechs Mitglieder, ausgeschlossen 13 Mitglieder. Diese Verhältnis}- mäßig große Zahl waren die Zinkgießer von P. Welt Nachsi., welche wegen der 94er Maifeier au-gesperri waren, aber nachher den Erwartungen nicht entsprochen harten. Nachdem sie dem Verein ca. 900 M. Unterstützung gekostet, welcher Betrag zum größten Theile von den Mirgliedern durch freiwillige Beiträge aufgebracht wurde, brachen sie ihr gegebenes Wort nud bettelten bei der Firma um Gnade. Nach und nach wurden fie wieder eingestclli, um noch mehr geknechtet zu werden als zuvor. Der neue Vorstand setzt sich ans solgenden Kollegen zusammen: 1. Vorsitzender: V olgman; 2 Vorsitzender: Lücke; 1. Kassirer: Kühn; 2. Kassirer: Findeisen; 1. Schriftführer: Schulte; 2. Schriftführer: G ü r t l e r. Als Revisoren: Elsner, S ch m i d k e und N i e k e. Tie Freie Vereinigung der Zivil-BerufSmnsiker hörte in ihrer letzten Versammlung einen Vortrag des Naturheilkundigen Kunitz über:„Welches Heilverfahren macht uns gesund?" Dem •mit Zustimmung aufgenommenen Vortrag schloß sich ein reges Fragestellen auf besondere Krankheitsfälle an. In betreff der Sterbcunterstützung sollen die freiwilligen Sammlungen durch einen Zuschuß aus der Vereinskasse aus 50 M. erhöht werden. Mitglieder, welche nach einein Sterbe;all nicht innerhalb vier Wochen ihre Rate von 25 Pf. entrichtet haben, gehen, nach eineni Ver- fammlungsbeschluß. jedes Anrechts a» der Sterbe-Nnterstützung verlustig. Die freiwillige Cterbe-Nntersiützimg dehnt sich auch auf die Frauen und auf erhaltungsbedürstige Mütter un- verheiratheter Mitglieder au?. Metallschleifev. In einer am Montag abgehaltenen, von noch nicht ganz zwei Dutzend Personen besuchten öffentlichen Versammlung wurde nach längerem Rede» der furchtbare Plan ausgebrütet, einen großen Feldzug gegen die Organisationen in der Branche, den Dculsche» und den Berliner Metallarbeiter- Verband, zu beginnen. Die Führer dieser neuen„Bewegung" sind Leute, die die Desorganisation nach einem System betreiben, das sie Anarchismus nennen. Dem„Berliner Verband" ist des- halb der Untergang geschworen, weil er angeblich keine Tis- kussionsstunden einrichten ivill. Die hiesigen Filialen den Vereinigung der Maler, Lackircr und Anstreicher hielten am 28. Mai im Lokal von Brüning, Rosenthalerstr. 12, eine kombiuirte Versammlung ab zwecks Stellungnahme zur Ausarbeitung eines Akkordtarises. Nach längerer, lebhafter Debatte, die sich bis Mitternacht aus- dehnte, wurde mit großer Majorität die Aufstellung eines Akkord- tarifes, fußend auf einem Minimallohnsatz von 30 M. bei neun- stündiger Arbeitszeit, beschlossen und hiermit eine sieben» gliedrige Kommission beauftragt. Die übrigen Punkte wurden der vorgerückten Zeit wegen von der Tagesordnung abgesetzt. Ter Deutsche Holzarbeiter-Verband(Zahlstelle Berlin, Bezirk Osten) hielt am Sonntag, den 26. Mai seine letzte Mit- gliedcrversanunlnug ab. Tagesordnung: Vortrag des Kollegen Schöpflin über„Arbeiter-Wohlfahrtseumchlunge»". Eine Diskussion fand nicht statt. Kollege Siebert empfahl seinen Antrag, in den Sommermonaten die Bezirksversammlunge» sür Juni und Juli aussallen zu lassen, dagegen forderte er zu reger Theilnahme an den Vertrauensniauner-Versammlungen auf und machte zu- gleich bekannt, daß die nächste Vertrnuensinänncr-Vcrsaiunilung am 13. Juni, abends SVs Uhr, bei Gold in der Franksurterstraße staltsindel und dieselbe pünkllich eröffnet wird. Tie Genossen von Pankolv machte» am letzten Sonntag eine Agilationstour nach den nördlicher gelegenen Ortschaften bis nach Klosterscldc. Unterwegs vertheilten sie sich in die ver- schiedenen Dörfer. Nach der Arbeil kamen die Theilnehmer in Nlühlenbeck, wo sich inzwischen eine Anzahl Nachzügler ein- gefnnden hatten, auf ein paar Stunden zur Erholung zusammen. — Hier theiltcn einige Genossen mit, daß sie bei der'Agitation von Gendarmen notirl worden sind. Cchöncberg. Zum erste» Male seit Jahresfrist fand am 30. Mai in der Schloß- Brauerei wieder eine Volksversammlung stall. In derselben glänzte die Polizei— sür Schöncberg ein Ereigniß!— durch ihre Abwesenheit. Die Versammlung war berufen, Stellung zu den Lckalinhaber» Schönebergs zu nehwen. In der Hauptsache handelte es steh um die Schloßbrancrei selber. Thcils um dem Bedürfnisse der Parteigenossen nach einem größere» Gartenlokale Rechnung zu tragen, theils uin den Verkehr der indiffe- renten Arbeiterschaft von den gesperrlen Lotalen nach Niöglichkcit abzulenken, hatte die Lokalkoni'mijsion sich veranlaßt gesehen, mit der Schloßbrauerci wegen Hergabe ihres Lokales zu Ver- sawmlungszweckcn sich wieder in Verbindung zu setzen. Die langwierigen Verhandlungen sind nunmebr zu einem befriedigenden Resultate gediehen. Allerdings hat sich die Situation in der Schloßbranerei insofern geändert, als der bisherige Saal aus dnrchsicbtigen Gründen in eine Gartenhalle verwandelt worden, für Versammlungszwccke daher unbenutzbar ist. Doch sind noch zwei kleinere Ncbenräume vorhanden, ivelche zur Abhaltung von Versammluiigen zur Verjügung ge- stellt worden sind. Die Stichprobe auf die geiiiachie Zusage bildete diese Volks- Versaminlung. Da somit die Vorbedingunge» für eine Sperre nicht mehr vorhanden sind, gelangte die Volksversammlung nach einer eingehenden Aussprache gegen sieben Stiinincn zur Annahme folgender Resolution: „Tie heutige Volksversammlung für Schöncberg beschließt: Da der Ockonolii der Schloßbrauerei im Gegensatz zu seiner bis- herigen zweifelhaften Haltmig in der Lokalfrage sich nunmehr bereit erklärt hat, seine Rännie zu politischen und gewertschaft- liehen Versammlungen herzugeben, steht der Besuch des gc- nannten Lokales den Parteigenossen auch zu anderen Gelegen- heiten frei. Da uns außerdem nur noch das Lokal des Genossen Keßner, Griliiewaldstr. llv. zur Versügiing steht, so sind alle zielbewußten Arbeiter verpflichtet, nur diese beiden Lokale zu be- snche». alle übrigen Saal- und Gartenlokale Schöucbcrgs aber strengstens zu meiden." Die Parteigenossen werden ersucht, diese» Beschluß wohl zu beachten, da die Schloßbrauerci noch nicht auf der neue» Lokal- liste vermerkt werden konnte. Lreirrligiöft«-»i-iud». Tomitag. de» 2. Juni, vormittags ioJ Uhr, Roten Ihaleriir. sz; Herr. P. Mieser, Sprecher der Leipziger freireligiösen c, Heinde. Jesivortrag.— Am Montag, de» Z. Juni, vormittags lüjj Uhr, ebendaselbst: Ieslrorlrag de? Herrn Walder Memafse. Ethische veselUchnst. Moniag, den 3. Juni(e. Pfingstfciertag) ahend? 8 Uhr, im Lokale des Herrn Bühler, Rosemhalerstrasie 88; Versammlung. Vortrag des Herrn Dr. Aötlel aus Brau»schwe!g über: ctelizion der ZU< tunst. Säfte habe» Zutritt.— Die Bidliolhek befindet sich bei Sar-ner, Molkenftr. 12(am Moitenmarkl), geöffnet Sonnabend» von s— 10 Uh'. Arbeiter-Silbnngsschnlr. Eonnaben», abends 7Z;-8X Uhr: Lektüre. 8Z:-Iv� Ubr: Nordschule, Müll-rstr. I7sa, TtSkultrubungen(Thema t Was Ist Kultur? Referent: Genosse Dzubas.) Süd-Ost-Schule, Waldemarstr. 14, Tistutirübungen(Thema: Ist die t'nzusriedenheit die Mutier des.r.ori. schrilts? Referent: Genosse Schäfer.) Unenigeltirch. Bei allen Unterrtchiu- fächern werden Damen und Herren jederzeit aufgenommen.„. Arbelirr-Siiny-rbnnd s-rlin» und zlnigege«!'. Vorfitzenver illv, Rcuuiann, Pasewailerfir. Z. Alle Aenderungen im VereinStalender find zu viditen a» Zriedrich Kortum, Maiitcustelftr.ss, v.- Tr. Konnabrnd. Abends 2— II Uhr: Uernnasstunde und Autnobme neuer Mitglieder, wesangvcre.n Eime r alba. Köuigsbergerstr. 5 bei Raslewsly.— Erü n e Siebe. Liirdor?, Hermavvsir. es. dde Herrsuichsnafie, bei Heiltaus.— Lnranta, Lands- bergcr Alle- IS« bei Koebei.— Sanges-Echo, Raunnnftr. 88. bei Zubeil. —« tü et zu, Vasewallerstr. 3 bei Reumann.— S e s n n d b r u n n c r Männerchor, Prinzen- Allee lo bei Bergmann— Männer-Sesang- verein Liederlranz in Brandenburg a.b. Havel, Mengerl's Boltsgarien, Bergsir c—Deutschs E i che II, Brandenburg a. d Havel, HauvtstraLe. Winl-l's Salon.— Frisch auf l, Friedrichsberg, Rümmelsdurgernv o» bei Adam.— Sängerlust, Lucteuwalde, B-elih-rstr. 8t be; Duo Schulze.— Männer-Eefaugverein Forlfchriit, Kvnigsb-rgerstraß- bei Lcichnitz— Hand in Hand II, Friedrichsberg, Friedrich Karistr. Ii bei Emil Hein eeke— Männer-Gefangverein I m m e r g r ü n, Tegel, �Span- in der Mark. � � ,,. »Innd der orsellige» Azbeiterveprin» KerltU» n»d zt»,gtgk»d Alle gufchriflcn, den Bund der geselltaen Ardeiiervereine betrefter.d sind zu richten an: P. Senk, Adalberlstr. 95. Sonnabend- Theater verein Lessing, Raupachstr.«, Restaurant Felsengrotte(jeden 2. und 4. Sonnabend)... «rsang-. Sur«- und gesellig» ziereine. Sonnabend. Turnve. ein Fichte(Mitgl. d. Tcutschen Arb.-Turnerb.) turnt heute: I. Manuer-Abih. Frikdenfir. 87.— 8. Männer-Abth. Boeelhstr. 21.— s. LehrlUigs-Abth, Etalitzerstr. 66—56.— Wcmischter Ellar S l ei ch h et t, Ab-ndS 9 Uhr, Emdener straße, Repanraleur Echtrmer.— Bülm-nv-rband Rormania. jeden Unten Sonnabend im Monat Srhung bei G. Leichnih, Köniasberasrfirafie Nr. 2Z.— Privat- Theater- Siesellschafl Schiller, Sitzung abends 9 Uhr bei Linie, Putlbuserstr. LI. Nach der«lyuug: Fidelitas.— Thcaicrvercin B a v a r i a, Acleriiraße 17 bei MaufraS. — PrivaNheater-Ecsellschaft Toni, Eonnabend Uhr bei Zuleger, Swine- münde'. straße II».— Thealerverein Luftige Brüder II, Sitzung liden Sonnabend. Abends 9 Uhr, bei«leichelt, Hasenhaid« Nv 43.47.— Tgeaierg-seUschasl Immer Lustig. Abends 9 Uhr, Sitzung llei Ruht, Ehorinersir. 58.—«ergnüguugSIIub Ostend, Sitzung Ab?»d� s Uhr im Rkfianrant Rudolf, Kianlsirafi--.- Geselliger Ardeilcr- Verein Proletaria, Sonnabend»ach dem 1. und 15. led.'n Monats, Abends» Uhr bei Sommer, Grünstrabe Li.— R.n>chel>io Blaue W o l l e II, Sitzung jeden Sonnabend 9 ubr im Restaurant F. Treu er. Sttalsundcrstr. i».— Berguügungsverein Alpenveilchen, jeden Eonu. abend b>o Uhr Sitzung bei Ruppm, Blumenstr.«o.— Tambourverein R u s Sonnabend, abends st Ubr, beim Rcftauraleur Scdlle, Zuselstr. 1.— Ar- bcitcr-Zithcrllub Frohsinn abends s Uhr im Restaurant Reich, Blumen- straße»2.— Vergnügungsverein Brnderlette, Sitzung abends 8 Uhr bei Paris, Eleditschslr.-8. Säst» willkommen.„ Dansk Korenint; Freja, Oramenstrasse 51, Modeallen nver Loraag Kl 9 Besogende ere vdkomne. Dansko Aviser(indes i Lokalet. ätutrriitt soiialdrinobratischrr£»r«hlnU i» pari». Nu««t. Sonore 81« Safe du Lion de Belfort. Jeden Sonnabend ösientliche«er- sammiuug: reiche Biblioihef, Zeitungen, französischer Unterricht. london. Ter einzige hiesige soziaidemolrarische Verein Londons, der alle von Karl Marx und Friedrich Gngel« 18«« mirdegrund-i« kommunistische A r b- i t er- Bi ldung S ver ei n befindet stch nach wie vor«9 Totlenham Street.Toltenham Court Rd., W. London. BviefkolNen der Nedttzktton. Wir bitten bei jeder Anfrage-ine Chiffre(Zwei Buchstaben oder eins Zahl) anzugeben, unier der die Antwort erlhetlt werden soll. In Rechts« n gelegen heilen wird ausschließ- l i ch am Montag, Dienstag, Donner st ag n u d Freitag von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft er- lh e i lt. P. W. Verlangen Sie von Ihrem Wirth Entfernung der iniethssrei berumhausenden Thierchcn innerhalb einer bestimmte» Frist. Evenlncll lassen Sie selbst mit Hilse eines Kammerjägers diese Mitbewohner exiniltiren und setzen die Kosten dem Wirth in Rechnung, bezw. ziehen die Kosten von der Miethe ab. Ärbeiter-Büdimgs-Schnle. Zehrplan für das Sommerhalbjahr 1895, Nord-Schule. Müllerstr. 179a. Montag...... Nationalökonomie. Dienstag Südost-Schule Waldemarstr. 14. VolkstHümliche Medizin. (Bau- u. Lebenserschei- nimgen d. gesunden und kranken Menschen). VolkstHümliche Medizin. Nationalökonomie(prak- (Die Krankheit, d. Prole- tische). tarier mit bes. Berück- sichtignng der Berufs- krankheiteil). Mittwoch...... Natur-Erkenntniß.(Eni- Geschichte(alte). wicklungs- Theorie des Weltalls, der Erde und ihrer ersten Organis- nie». Urzeugung.) Donnerstag.... Deutsch(Literatur). Natur« Erkenntniß.(Der Darwinismus.— Ver- änderlichkelt der Lebe- wesen. Künstliche Zucht- wähl.) Deutsch(Literatur). Diskutir-Uebungen. Freitag....... Geschichte(neueste). Sonnabend..... Diskutir-Uebungen. Die Schulränme sind abends von V28 Uhr an geöffnet(Sonntags 10—12 Uhr), um den Mitgliedern und Gästen Gelegenheit z» geben, in dem außerordentlich reichen Zeitungs-, Zeitschristen-:c. Material zu studiren. Der Unterricht beginnt um 1/i9|II)r und endet mn Vsll IIHi*. Tie Theilnahme am Unterricht steht jedem, auch Nichtmitgltedern an einem Abend im Semester unentgeltlich frei. Für sännntliche Lehrfächer werden zu jeder Zeit neue Theilnehmer (Damen und Herren) aufgenominen. In größeren Kolialitäten werden in bestimmten Zwischenräumen große Uersamminngen abgehallen, in welchen wissenschaftliche Ghemata'v in volkoverstandlicher Weise behandelt werden Der Mitgliedsbeitrag beträgt 25 Pf. monatlich. Das Unterrichisgeld beträgt monatlich für jedes Unterrichtsfach 25 Pf.; für den Sonnabends- Unterricht wird kein Entgelt erhoben. Die Zahlung der Beiträge und Auf» »ahme neuer Mitglieder erfolgt an endstehenden Zalilstrllrn, deren je ein» auch in jeder Schule errichtet ist. Die Zahlstellen sind folgende: S. It. Ledöttliig, Stallschreiberstr. 29. Achtung! Sonnabend, den 1„ Montag, den 3. und Dienstag, den 4. Juni: Crojies Pmilicll-Kränzlljtn. Bemerke gleichzeitig, daß die Kaffee- küche den gecbrten Familien täglich geöffnet ist. Schattiger Garten, an- genehmer Ausenthalt. Fr. ZuheÜy Liudenstraße 106, Empfehle den Parteigenossen mein Weiß-». Ämsch-Vier-LM mit geräumigem Vereinszimmor, besonders bei Beerdigungen zum'Aufenthalt für größere Gesellschaften. 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Schulze, Friedrichsfelderstr. 21. Otto Schreiber, Blumenstr. 51c. Otto Dnterberg, Koppenstr. 8—9. B. Onterlauff, Frankfurter Allee 117. Gustav Vogel, Koppenstr. 83. W. Wolf, Andreasstr. 60. P. Wotschke, Andreasstr. 3 und 63. C. H. Mamlok, Barnimstr. 42. Carl Blauzwirn, Grenadierstr. 43a. Oranienburger Vorstadt. Adolf Adelt, Reinickendorserstr. 64b. 'Louis Dechand, Ruheplatzstr. 24. Paul Franke, Eichendorffstr. 15. Fr. Jordan, Reinickendorserstr. 37a. Oskar Klose, Reinickendorserstr. 20. Paul Müller, Hochstr. 2a. Franz Noffke, Borsigstr. 28. Paul Pflug, Reinickendorserstr. 39. Wilh. Steinbach, Antonstr. 1, A. Tletz, Jnvalidenstr. 124. Rosenthaler Vorstadt. Reinhold Anders, Strelitzerstr. 45. Carl Basemann, Prinzen-Allee 57. SMf Die Liste der die Kontroll-Schutzmarke führenden Fabrikanten wird von jetzt ab nur mouatlich einmal an dieser Stelle veröffentlicht; wir bitten deshalb die rauchenden Genossen, sich dieses ausschneiden und auf- heben zu wollen."HMB zienmrldunge»*»<»« Labrikaute» sind persönlich bei bouis Dechand, Ruheplatzftraße 24, sowie beim Unterzeichneten zu machen. Reue Marken sind ebenfalls dort, sowie auch an den mit' bezeichneten Stellen der betr. Bezirke zu entnehmen. 239/13 Die KoutFoU-KommtSLiOll der Tabakarbeiter. I. 91.; Carl Butry, Stralsunderstr. 17, II. Hermann Bailoff, Pallisadeustr. Behrend, Prenzlauer Allee 220. Beyer, Landsberger Allee 131. H. Kraft, Landsbergerstr. 104. Bernhard Lewy, Marienburgerstr. 37. Gustav Mirass. Georgenkirchstr. 12. Jakob Reul, Höchstestr. 21, 2 Tr. Gustav Richter, Landsberger Allee 14. NW. Paul Böning, Bremerstr. 56—57, Job. Bösenberg, Beusselstr. 64. •Robert Kern, Stromstr. 45. Rudolf Runge, Rostockerstr. 13. Stralau-Rummelsburg. Jnl. Malitz, Dorfstr. 17. Theodor Ritter, Kanlstr. 6. J J. ülbrich, Schillerstr. 1. F riedrichsfelde-Lichtenbcrg. Wiesner, Prinzen-Allee 24. Anton Kopp, Friedrich-Carlsir. 4. Weissensee. Emil Apilsch, Langhansstr. 135. R. Liebschwager, Gustav Adolsstr. 16. G. Schröder, Königs-Chaussee 45b. Reinickendorf. Eurgus, Markstr. 5. F. Schollenberg, Scharrnweberstr. 107. Große Kerlwer Schneider-Akademie. Berlin C., Rothes Schloss nur No. I. Größte und besuchteste Fachschule; alleiniger Zlut, reicht nach der uniibrrtresfbareu und allgemein als beste anerliannten Methode Kuh». Wirkliche Garantie für gediegene theovetffche � und besonders praktische Ausbildung in der Herren-, Damen- und Wäscheschneiderei. Kostenfreier Stellennachweis. Prospelte gratis.— Gurpfehlensmerth Lehrbücher für Herren- und Damenschneiderei.— Man beachte genau unsere Firma und Hausnummer: nur No. I._ Die Direktion. Arbeiter DUdnngs schnle Montag, den 3. Juni(2. 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