Abendausgabe Nr. 308 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 151 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Sel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 5 Pfennig Donnerstag 2. Juli 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Bezlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der unschuldige Schiele. Was ein Minister des Innern nicht zu wissen braucht. Herr Stresemann fordert von den Deutschnationalen ein Vertrauensvotum. Er will sie zwingen, aus ihrer unflaren Haltung gegenüber der Verantwortlichkeit für die Außenpolitit herauszutreten. Die Nationalliberale Korrespondenz erklärt: „ Die Parteien, die hinter der Regierung Luther stehen, werden vor allem die Gelegenheit ergreifen müssen, um zu sagen, ob sie die bisherige Politit meiter vertreten wollen oder nicht. Die Volfsvertretung selbst muß alles Interesse daran haben, in so entscheidenden Fragen ihr Wort zu erheben und darf sich durch feine geschäftliche Ueberlastung daran hindern lassen, dies zu tun. Für den Fall, daß in der nächsten Zeit eine internationale Konferenz stattfindet, müssen die deutschen Vertreter wissen, ob fie von dem Vertrauen der Mehrheit des Reichstages getragen find oder nicht." Der Inhalt der Vertrauensfrage ist damit gegeben. Die Deutschnationalen werden Herrn Stresemann das geforderte Bertrauensvotum geben. Die ,, Kreuzzeitung verfichert: „ Ohne Zweifel erfordert das nationale Intereffe Deutschlands, daß gerade die Deutschnationalen bei der weiteren Entwicklung unseres Verhältnisses zum Feindbund( Bölkerbund, Sicherheitsfrage, Entwaffnung) ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben. Jegt eine Regierungstrije herbeizuführen, hieße Deutschland entweder aktionsunfähig machen, oder es den pazifistischen Unterwerfungspolitikern auszu= liefern." = Wenn die Deutschnationalen in der Regierung bleiben wollen, müssen sie durch die pofitive Abstimmung beim Vertrauensvotum für Stresemann die Verantwortung für die bisherige Politik übernehmen. Gegenüber der Opposition in den eigenen Reihen verweisen fie auf den Schiele Brief vom 25. Mai. Schiele ist unschuldig, Schiele hat nichts gewußt. Schiele hat nichts gewußt? Er hätte es wissen müssen! Schließlich muß ein Minister des Innern über die wichtigsten politischen Vorgänge in der Regierung informiert sein. Aber hat er wirklich nichts gewußt, war er wirklich am 25. Mai über das Memorandum nicht unterrichtet", hat er am 25. Mai feinen Inhalt nicht gefannt? Die chronologischen Feststellungen sprechen dagegen.. 1. Im März hat sich ein Ministerrat mit der Frage des Sicherheitspattes beschäftigt. Gegen die deutschnationalen Ableugnungsversuche erklärt die„ Nationalliberale Correfpondenz": Der Linksruck in Holland. Amsterdam, 2. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bis Mitternacht waren 1,5 millionen Stimmen gezählt, bei insgesamt 3 Millionen Wahlberechtigten. Danach hat die Sozialdemokratische Partei ihre Stimmenzahl erheblich steigern fönnen; man rechnet im ganzen Lande mit einem 15 bis 20proz. Anwachsen der fozialiffischen Stimmen und einem Gesamtgewinn von rund 100 000 Stimmen, fodaß die Sozialdemokraten 3 Mandate mehr bekommen werden, während die Kommuniffen eines ihrer zwei Mandate verlieren. Die Demokraten gewinnen nach den bisher vorliegenden Ergebnissen 1 Mandat. Chriftliche und Zentrum verlieren wenigstens 5 Mandate. Amsterdam, 2. Juli.( WTB.) Die Wahlen brachten eine ziemlich starke Verschiebung nach links. Die Parteien der Regierungskoalition ( römisch- katholische Staatspartei, antirevolutionäre und christlich historische Partei) erhielten 236 853 Stimmen, die Lints= parteien 321 321 und die verschiedenen fleinen Parteien 65 270. Da diese Zahlen aber in der Hauptsache das Ergebnis aus den großen Städten darstellen, kann das Bild durch die Wahlstimmen der kleinen Bezirke noch erheblich geändert werden. Neuer Lire- Sturz. Stabilisierung durch Rizinus? Genf, 2. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Genfer Börse notierte am Mittwoch 100 italienische Lire mit 17,60 Schweizer Franken. Die Lausanner„ Revue" meldet aus Florenz, daß die Faschisten dort„ Strafegpeditionen" gegen Bantiers und Makler vorbereiten, die sie für das Sinken der Lira verant. wortlich machen. Rom, 2. Juli.( WTB.) Die Cira hat heute neuerlich einen scharfen Rückgang erlitten. Der französische Franken gestern 128, stieg auf 130,5, das Pfund von 137 auf 143, der Dollar von 28,3 auf 29,37. Die italienischen Konsols begannen mit 84, fanten auf 82,9 und erholten sich wieder auf 83,3. Die Blätter erörtern die Frage, ob diese Aktion vom Auslande ausgehe, oder durch Balutatäufe im Inlande oder durch politische Gründe verurfacht oder durch alle drei Ursachen zusammen zu erklären sei. Sie verzeichnen die Meldung, daß im morgigen Ministerrat der Finanzminister de Stefani zurücktreten und Mussolini interimistisch die Finanzverwaltung übernehmen werde. Der neueste Lirasturz dürfte einfach die Folge des amerikanischen Druds sein, der verlangt, daß Italien anfange, feine Kriegsschulden zu zalien. Den Vertretern Italiens hat man in Washington deutlich gesagt, daß die bisher geübte Nichtbeantwortung der amerikanischen Forderung nicht weiter geduldet, sondern klar und einfach Geld verlangt wird. " „ Es ist immer besser, seinen Anhängern in voller Ehrlichfeitund Offenheit zu sagen, wie die Dinge liegen, als sie durch diplomatische Wendungen beruhigen zu wollen. Dazu gehört z. B. ein Versuch der Deutschnationalen Korrespondenz" ( Nr. 147), in der gesagt wird, das Kabinett habe zum erstenmal in seiner Gesamtheit zur Frage des Sicherheitspakts Stellung genommen. Wir müssen diese Behauptung aus genauer Kenntnis der Dinge als vollkommen falsch bezeichnen." 2. Am 15. März hat Herr Stresemann im Reichs rat ausführlich über den Sicherheitsvorschlag berichtet. Herr Schiele führte den Vorsiz im Reichsrat. 3. am 18. Ma i erklärte Herr Stresemann in offener Plenarsizung des Reichstags: Deutschland zu gehen bereit war, ergeben sich aus den Darlegungen Die Grundgedanken und die Grenzen, bis zu denen unserer Botschafter, die in einem Memorandum niedergelegt schuß mitgeteilt habe." worden sind und dessen wesentlichen Inhalt ich im Auswärtigen AusGeneral de Bonos Freispruch. Eine Niederlage des Faschismus. Rom, Ende Junt. Der Beschluß der Untersuchungskommiffion des Senats, megen der gegen den einstigen Generaldirektor der Polizei De Bono erhobenen Anklagen das Hauptverfahren nicht zu eröffnen, fommt niemand überraschend. War er doch durch Farinacci schon vor Wochen bekannt gegeben worden und hatte den Minister des Innern bestimmt, dem Urheber der Anzeige, Dr. Donati, die Reise ins Ausland anzuraten. Wem dieser Freispruch ein Sieg des Faschismus ist, dann möchten wir wohl wissen, wie eine Niederlage beschaffen wäre. De Bono ist durch das Urteil moralisch zer schmettert, geradezu platt gequetscht. Wir geben, als lehrreiche Dokumente zur Gefchichte des Regimes, die Anflagen wieder, wie sie die Untersuchungskommission selbst formuliert hat, und dann, unter Weglassung der umfangreichen daß von den 7 Kommissären 3, unter diesen der Präsident Urteilsbegründung, das Urteil selbst, wobei wir hinzufügen, 3uppelli, gegen den Beschluß gestimmt haben sollen. Vor dem Obersten Gerichtshof sind gegen Emilio De Bono, Mitglied des Senats, die nachstehenden Anklagen er hoben worden: 1. Giner unter dem Namen Tscheka bekannten verbrecherischen Bereinigung angehört zu haben, der zahlreiche Ver brechen gegen die persönliche Sicherheit und das Leben zur Last gelegt werden. enspersonen( donne faccendiere) im Palast Viminale und in 2. Es geduldet zu haben, daß übelbeleumdete Frau= den Bureaus der obersten Bolizeidirektion aus- und eingingen, um sich mit Geschäften zu befassen, an denen der General De Bono nicht unbeteiligt war. Troßdem schreibt Herr Schiele am 25. Mai, er tenne " auch heute noch nicht den Inhalt des Memorandums". 4. In derselben Plenarsizung. vom 18. Mai trug Herr Stresemann die Grundgedanken des Memorandums vor. Auch das sollte Herr Schiele nicht bemerkt haben? Aber Herr Schiele fannte am 25. Mai den Inhalt des Memorandums noch nicht. Herr Schiele ist Reichs innenminister Glaubt man den Inhalt seines Briefes vom 25. Mai nicht, so ist das Beleidigung. Glaubt man aber, daß er den Brief vom 25. Mai im vollen Bewußtsein subjektiver Wahrhaftigkeit geschrieben hat, so schließt auch diese Annahme eine Beleidigung in sich. Was ist das für ein Reichsminister, der nicht auffaßt, was in Kabinettsfihungen, im Reichsrat, im Reichstag geschieht! Was würde man von einem Abgeordneten sagen, der am 25. Mai fich gegen über dem Memorandum noch im Stadium unberührter Un schuld befunden hätte! Und was ist das für ein Reichsminister, dem rechtmäßigen Wege der öffentlichen Bersteigerung verkauft der sich nicht bemüht, Kenntnis von dem Inhalt eines Memorandums zu erlangen, das alle Welt fannte, das stür- wurde, zu dem zweck, dieses Material durch seinen Bertreter auf mische Auseinandersetzungen in seiner eigenen Partei hervor gerufen hat? in eigenartiger Geistesverfassung abgefaßt haben. Für so Herr Schiele muß den politischen Brief vom 25. Mai spezielle politische Briefe gibt es feine Vorlagen und keine Briefsteller, keine Vorgänger, die die eigenen Gedanken schon im vornherein nachempfunden haben. Das erklärt schon einiges, aber noch nicht alles. Herr Schiele wird einen Kommentar zu seinem Briefe schreiben müssen. Darauf erklärte freilich der italienische Chefdelegierte soweit reichten seine Instruktionen nicht, er müsse sich erst neue von Rom holen. Infolgedessen unterbrach man die Verhand= lungen bis Ende August aber die Entwertung der Lira ist darum nicht unterbrochen. Kriegerglorie, besonders wenn jie in Siegen über die eigenen wehrlosen Landsleute erworben. ist, bedeutet noch lange nicht Werte schaffende Währungsstärkung! Verfolgung des„ Corriere della Sera". Mailand, 2. Juli.( EP.) Der verantwortliche Direktor des ,, Corriere della Sera" Alberio Albertini, ein Bruder des Senators Albertini, ist vom Präfeften von Mailand in aller Form verwarnt worden wegen der in der letzten Zeit veröffentlichten scharfen Kritiken des faschistischen Regimes, die zur Beschlagnahme der betreffenden Nummer geführt hatten. In der Begründung wird angeführt, diese Artikel müßten das Ansehen der Regierung in Mißkredit bringen, und enthielten in verscheierter Form Anspielungen auf die Krone. Sie seien besonders schwerwiegend infolge der großen Berbreitung des„ Corriere della Sera" im Auslande. Nach dem Bressegesez fann ein verantwortlicher Redakteur nach zweimaliger Berwarnung in einem Jahr mit Entziehung der staatlichen Anerkennung bestraft werden, so daß die 3eitung ihr Erscheinen einstellen muß. Eine nochmalige Verwarnung des Corriere della Sera" könnte dies zur Folge haben. Das neue Luftfahrtdiktat. Was Profeffor Junkers davon meint. Der weltberühmte deutsche Flugzeugkonstrukteur, Professor Junkers in Dessau, übermittelt der Telegraphen- Union" seine Stellungnahme zu der Luftfahrtnote der Botschafterkonferenz. Er sagt dazu: Diese Note ist ein neues trauriges Dokument, wie weit die Belt noch entfernt ist von dem Wege, der allein zu dem allgemein ersehnten Wiederaufbau führen kann, da durch 3wang und Gewalt etwas erreicht werden soll, was, wie die Geschichte und insbesondere die Folgen des letzten verheerenden Krieges selbst lehren, mit solchen Mitteln nicht erreicht werden fann. Warten wir ab und lassen die Tatsachen arbeiten, bis sich die Ansicht derjenigen durchsetzt, die erkennen, daß solche Bestimungen zu ihrem eigenen Schaden ausschlagen. Dieser Schaden wird schließlich die Erkenntnis bringen. Hoffentlich bringt er sie bald! Der Führer des Burdenaufflandes hingerichtet. Scheich Said, der Führer der aufständischen Kurden, ist in Anwesenheit einer ungeheuren Boltsmenge gehen! t worden. 3. Die Regulierung des Hazardspieles seinen Interessen untergeordnet zu haben. veräußerung von Kriegsmaterialien empfangen zu haben. 4. Die Summe von 480 000 Lire als Gewinnanteil für die 5. Es verhindert zu haben, daß weiteres Kriegsmaterial auf Grund eines privaten Bertrages aufzukaufen. 6. Sich durch den Verkauf von Waffen und Muni tion des Kriegsministeriums an die litauische Regierung bereichert 7. Durch eine Mittelsperson die Hoteis von Baliombrosa angekauft zu haben, um dort ein großes Spielfasino zu errichten. 8. Durch die von ihm gegründete und geleitete Cooperative unter Offizieren zur Disposition Geschäfte gemacht zu haben, die mit seiner Stellung unvereinbar waren. 9. Den Ueberfall gegen den Abg. Amendola organisiert und geleitet und dessen Ausführer der gesehlichen Ahndung entzogen zu haben. tung entzogen und sich an der gesezwidrigen Beschlagnahine 10. Die Angreifer des Abg. Forni der VerhafDon Dokumenten beteiligt zu haben, die der Rechtsanwalt Carlo Cattaneo in Turin von Berufswegen in Verwahrung hatte. 11. Von der Entsendung einer Schaar faschistischer Milizleute noch Ferrara, die den Auftrag hatten, die dortigen Diffidenten zu bestrafen, gewußt zu haben, ohne die Unternehmung zu verhindern. 12. Die Anzeigen der angedrohten und vollendeten Ver= brechen gegen den Abg. Benni und den Erzpriester von Argenta unbeachtet gelassen zu haben. zu sein, weil er die Vorbereitung des Verbrechens gekannt hat, 13. Einer der für die Ermordung Matteottis Berantwortlichen ohne es zu verhindern. 14. Den an demselben Verbrechen Schuldigen beigeftanden zu haben, indem er ihre Flucht zu erleichtern und die für die Juffiz wichtigen Spuren der Tat zu verstecken und zu vernichten suchte. 15. Bersucht zu haben, den hauptsächlichen Ang reifer des Abg. Misuri der Justaz vorzuenthalten. 16. Amerigo Dumini einen Paß unter dem falschen Namen Gino Bianchi und unter falfchem Datum geliefert zu haben. Das Urteil lautet: In Gemäßheit der Baragraphen 37 der Verfassung, 17, 18 und 56 des Gerichtsreglements des Senats beschließt die permanente Boruntersuchungsfommission des obersten Gerichtshofes, das Hauptverfahren gegen den Senator Emilio De Bono nicht zu eröffnen: 1. Weil die unter Nr. 1, 3, 5, 6 und 7 zur Last gelegten Um stände nicht vorliegen. 2. Weil er an den unter 11 und 13 angezeigten Handlungen 3. Weil die unter 2, 4, 8 und 12 angezeigten Handlungen nicht strafbar sind. 4. Weil in der unter Nr. 10 angezeigten Handlung die zuständige Gerichtsbehörde die Einstellung des Hauptverfahrens verfügt hat. 5. Weil die unter Nr. 9, 14, 15 und 16 angezeigten Handlungen nicht hinreichend bewiesen sind." Es folgen die Verfügung der Wiederzustellung der Prozeßaften, die zur Einsicht angefordert worden waren, an die Justizbehörde, die Normen der Bekanntmachung des Urteils und die Unterschriften. So sieht also das Urteil aus, das einem der höchsten Würdenträger des Faschismus seine Würde als Bürger und Beamten wiedergeben soll! Mon hat ihm nicht genügend beweisen können, daß er den Ueberfall auf den Abgeordneten und früheren Minister Amendola organi sierk» i>aß er die Mörder Matteottis der Justiz zu entziehen und die Beweise des Verbrechens zu vernichten gesucht hat; auch die Beschützung der Angreifer Misuris und die Aus- stellung des falschen Passes hat man nichtgenügendbe- weisen können. Dabei war der Mann, dem man diese Dinge zur Last legt, in leitender Regierungsstelle, hatte also alle Mittel, jedes Belastungsmaterial gegen sich sofort zu ver- wischen. Wer gegen ihn zeugen konnte, waren seine Ange- stellten oder feine Mitschuldigen. De Bona besaß also eine Tarnkappe, um sich der Anklage unsichtbar zu machen. Und trotzdem hat man der Einstellung des Haupwerfahrens nicht die Form eines moralischen Freispruchs geben können. Der Generaldirektor der italienischen Polizei steht heute wie gestern unter dem Verdacht, den Mördern Matteottis bei dem Versuch, sich der Justiz zu entziehen, Beistand geleistet zu haben. Daß der Dumini ausgestellte Paß falsch war, auf Befehl der Generaldirektion der Polizei ausgestellt wurde, daß sein Datum gefälscht war, gibt die Urteilsbegrüdung o s f e u z u. Daß der Angreifer des Abgeordneten Misuri, der diesen auf dem Korso in Rom, bei seiner Rückkehr aus der Kammer überfiel und schwer verwundete, von einem Polizei- komniissar einem Offizier der Miliz übergeben wurde— der Angreifer selbst war Offizier der Miliz— und durch eine rein fmnnale Festungshaft dem Untersuchungsgefängnis in gesetz- widriger Weise entzogen wurde, ist auch deutlich gesagt. Als der Abg. Benni, von der katholischen Volkspartei, der sich bedroht wußte sich an den Generaldirektor der Polizei um den ihm zustehenden Schutz wendete, antwortete ihm De Bona, er nwge ruhig sein,„diesmal würde nichts daraas", eine Rede- wendmig, die die Urteilsbegründung bezeichnet als„nicht ganz jener Würde angemessen, die den Kundgebungen öffentlicher Aemtsr nicht fehlen sollte". Daß De Bona den Koffer Duminis zuelst. durchsah, ohne Zeugen, und also die Möglichkeit hatte. ihn: Dokumenle oder andere Beweisstücke zu entnehmen, gilt der Kommission als fest stehend und wird de- kl n g t, wie die unklare Begrenzung des Kompetenzbereichs zwischen Polizeidirektion und Milizdirektion, wie die man- gobtde Vorbildung De Bonos für fein Amt. Die Entfernung des Polizisten, der Matteotti bewachen sollte, kurz vor dem Attentat, wird als ein Mißverständnis der lokalen Polizei- behöröe gedeutet. Wenn De Bono von dem Mord« wußte, ehe die Familie das Verschwinden gemeldet hatte, so wird das auf ein Telephongespräch mit Acerbo zurückgeführt, während die Polizeibehörde die falsche Erklärung gegeben hotte, die Witwe des Ermordeten hätte sich an die Generaldirektton der Polizei gewendet. Ohne weiter in all dem Unrat zu wühlen, ist es wichtig, sich klar zu machen, daß der Mann, der angeklagt war und vor dem Gewissen der ganzen Welt auch heute nicht freige- sprochen ist, alle Mittel hatte, sich rein zu waschen. Die Finzi, Acerbo und all diese braven Leute haben für ihn gezeugt, auf«»tsprechenden Gegendienst hoffend; seine Beamten haben nicht gegen ihn zeugen können. Er hatte Monate Zeit, um alle Dokumente zu dressieren. Trotz» dem schließt der Freispruch, auch wenn er einstimmig ausge- sprachen wäre, statt mit geringer Mehrheit, faktisch, wenn auch nicht rechtlich den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ein. Gar mancher würde eine Zuchthausstrafe nicht gegen solchen Freispruch eintauschen.> Der Mann, der die Anzeige erhoben hak, Dr. D o n a I i, ist in Frankreich, um die faschistischen Justiz zu ent- gehen. De Bona soll, wie es heißt, Gouverneur in Somali werden. Auf dem jüngsten faschistischen Kongreß hat inan Amnestie für die Faschisten gefordert,„die nur die eine Schuld haben, gegen Leute gehandelt zu haben, die das Vaterland entehren". Und Farinacci hat dem Fordernden geantwortet: „Man darf nicht vergessen, daß wir zu diesem Kongreß und zu dieser Ernmütigkeit gekommen sind, dank unserem Tun, aber auch dank denen, die wenn sie fehlten, dies aus zu großem Glauben und zu großer Liebe für unsere Sache getan haben... Heute, im faschistischen Italien, muß man aus der niederträchtigen Spekulation heraus, die die faschistischen Ge- fangenen mit denselben Maßen messen will, wie die anderen". Man hat die Frechheit, eine Amnestie für den 25. Jahrestag der Tronbesteigung zu fordern. Und das heute, wo man die öffentliche Meinung des Auslandes nicht auf allzu schwere Velastungsproben stellen sollte, wegen der Regelung der Kriegsschulden. Gewiß, eine zweite Ehrenrettung ä In De Bono dürfte das Regime kaum noch tragen. Aber es deshalb mit einer Amnestie zu wagen, bedeutet eine Antastung des guten Namens Italien. Gerade in diesen Tagen wird man gewahr, daß ein moderner Staat einem gewissen Mindestmaß von sittlichen Forderungen entsprechen muß, wenn er nicht mit dem Vertrauen der eigenen Bürger das des Auslandes einbüßen und damit die Grundlage seiner materiellen Existenz gefährden will. Deutsthnationale Parteiangelegenheiten. Laverrenz und die„Deutschnatiouale Tagespost". Da Herr Laverrenz sich über unbequeme Fragen in der Oeffentlichkeit ausschweigt und auf die Fragen des Staatsanwalts wartet, hat Herr Christian Max Rosen- th al,' zweiter Vorsitzender der deutschnationaten Parteiorga- nisation im Kreise Vl Berlin ihm offenbar die Arbeit ab- nehmen wollen. Herr Laverrenz wird von dieser Arbeits- tellung keine Freude haben; denn Herr R o f e n t h a l schreibt in der„Deutschnationalen Tagespost": „In Nr. 303 desselben Blattes wird der �vorwärts" etwas dreister und will Herrn Laverrenz anhängen, er habe geschäftlich mit der»Deuijchnationalen Tagespost" etwas zu tun. Der.Vor- wärts" weiß aber ganz genau, wennesandemjowäre, daß Herr Laverrenz sich dann einer strosbaren Handlung schuldig machen würde. Bis heute haben wir uns der Neugründung der.Deutschnatio- nale« Tagespost" gegenüber neutral verhalten, aber dadurch, daß uns Lesern der.Nationalpost" täglich eine Unmenge Zeitungen zu- gesandt wurden, die nicht auf unserem parteipolitischen Boden stehen, warne ich vor einer gewissen Zeitung und rate daher heute unter allen Umständen, die.D e u t s ch n a t i o- nale Tagespost" zu bestellen, damit ihr genügend Abonnenten zufalleu und sie lebensfähig gestattet wird." Herr Laverrenz hat also„geschäftlich" mit der „Deutschnationalen Tagespost" nichts zu tun, aus juristischen Gründe»:. Man darf aber aus der Rofenthal-Reklame schließen, daß sie sein Organ ist. Dos ist um so inkeresscmter, als der deutschnationale Parteivorstand eben erst offiziell von der„Deutschnationalen Tagespost" abgerückt ist. Es fragt sich nun, wer mit der „gewissen Zeitung" gemeint ist, vor der Herr R o s e n t h a l warnt. Ist es die„Deutsche Zeitung", die nach der Pleite der„Rationalpost" den Abonnenten zugestellt wurde? Ist es das osfiziell« deutschnationale„Nachrichtenblatt"? Kein Tag ohne Schwinüel. Ein Märchen über die Allgemeine Ortskrankenkasse. Die.neue Taktit" der Kommunisten besteht darin, auf sozial- demokratische Arbeiter, die gegen den Brotwucher protestieren, mit Gummiknüppeln loszugehen und jeden Tag einen neuen Schwindel gegen die Sozialdemokratie auszuhecken. Heute berichtet die„Rote Fahne" unter der Ueberschrift:.Die verluderte SPD.", die sozialdemokratische Führerclique beabsichtige, „den berüchtigten Gustav Bauer" zum Direktor der All- gemeinen Ortskrankentasse mit 16 000 M. Gehalt zu machen, damit er.mit dem Gelde der Berliner Arbeiterschaft nach Herzenslust wirtschaften" könne. Zu diesem Zwecke solle Direktor Albert Cohn in den Ruhestand versetzt werden. Die sozialdemotra- tischen Arbeiter werden sodann— dies übliche, schon auf Vorrat gesetzte Schlußformel— aufgefordert,.aus diesem neuen Skandal die unoermeidttche Konsequenz zu ziehen und der SPD. schleunigst den Rücken zu kehren." Direktor Albert Cohn, der nach der.Roten Fahne" als Hin- dernis für die geheimen Pläne der verruchten SPD. beseitigt und in den Ruhestand versetzt werden soll, befindet sich bereits seit dem 1. April im Ruhe st and e. Der Posten, den die sozialdemokratische Führerclique angeblich dem Genossen Gustav Bauer zuschanzen will, ist seit dem 1. April bereits besetzt, und zwar durch den Direktor Julius Cohn. Der stellvertretende Direktor aber heißt Karl Bauer. Die.Rote Fahne", dieses hervorragende.Arbeiterblatt", ist über diese für Arbeiter immerhin wichtigen Angelegenheiten so wenig unterrichtet, daß sie zwischen Albert und Julius, Karl und Gustav nicht zu unterscheiden weiß. Sie hat im Zusammenhang mit der Allgemeinen Ortskrankcnkasse den Namen Bauer gehört— und das genügt ihr vollkommen zu einer neuen Hetz«. Was ist nun die Moral von der Geschichte? Müssen die Arbeiter der Sozialdemokratie den Rücken kehren? Oder tun nicht pie Leser der.Roten Fahne" besser, sich von einem Blatt abzuwenden, das sie tägllch beleidigt, indem es ihnen zumutet, die plrnnften Lügen zu glauben? Neue verhanölungen mit Spanien. Man will Abänderung des Vertrages. Nach der Ratifikation des deutsch-spanischen Handelsvertrages am 21. Juni ist entsprechend den bei Beratung des Vertrages im Reichstag abgegebenen Erklärungen an die spanische Regierung das Ersuchen um sofortige neue Verhandlungen zur Ab- änderung der im Reichstag beanstandeten Be- st immungen gerichtet worden. Die spanische Regierung hat sich, wie nunmehr amtlich mitgeteilt wird, zu solchen Verhandlungen bereit erklärt. Heute mittag ist nunmehr eine deutsche D e l e g c- t i o n zur Aufnahme dieser Verhandlungen o b g e r e i st. Sie setzt sich zusammen aus Vertretern der beteiligten Ministerien unter Führung des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Grasen Lerchenfeld. Einige Vertreter des Weinbaues und des Weinhandels schließen sich der Delegation als Sachverständig« an. Ein Unfall öes Eenahrungsmmisters. Kanrtz bettlägerig und an den Zollberatunge« verhindert. Reichsminister Graf Könitz hat sich beim Reiten eine schmerzhaste Beschädigung des linken Hüftgelenks zugezogen, die ihn ans Bett fesselt. Die behandelnden Aerzt« hoffen jedoch, ihn notdürftig soweit wiederherzustellen, daß er in der nächste n Woche an den Zollberatungen des Reichstags wieder teilnehmen kann, worauf der Minister den größten Wert legt. Die Untersuchung üer postkreüite. Ter Reichstagsuntersnchungsausschnss tagt biS Weihnachten. In der heutigen Sitzimg des Untersuchungsausschusses des Reichstages richtete der Vorsitzende Abg. Sa eng er(Soz.) einen eindringlichen Appell an dl« Ausschußmitglleder, dessen Berechtigung nicht bestritten werden kann. Cr stellte fest, daß die Sitzungen des Ausschusses in der letzten Zeit schlecht bejucht worden seien, eine Reihe von Abgeordneten hätte gefehlt, außerdem sei ein fortwährender Wechsel unter den Mitgliedern vorgenommen worden. Heute seien von 21 Mitgliedern des Ausschusses im ganzen 12 ein- getragen. Dieser Zustand bedeute eine Herabsetzung der Aufgaben des Untersuchungsausschusses und eine Berkennung der von seinen Mitgliedern zu erfüllenden Pflichten. Der Sache nach habe der Untersuchungsaussckmb die Pflichten«ine» ordentlichen Gerichtes wahrzunehmen. Es sei unmöglich, w den Sitzungen selbst zu fehlen und dann an C�Iusse der Beratungen über die Ehre von Menschen ein Urteil zu fällen. Er richte an die Ob- männer der Fraktion das Ersuchen, die Bitte noch besserem Besuch der Sitzungen zu übermitteln. Zu diesen Ausführungen, die sämtliche Fraktionen treffen sollten, kann festgestellt werden, daß die sozialdemokratische Fraktion in der Regel vollzählig vertreten war; wenn gestern und heute das eine oder andere sozialdemokratische Mitglied des Ausschusses fehlte, so erNärt sich das daraus, daß sie zu gleicher Zeit die Sitzungen des Auswärttgen, des Steuerausschusses oder des Sozialpolitischen Ausschusses wahrzunehmen hatten. Man muß aber weiter feststellen, daß die kommunistische Fraktion in diesen Tagen überhaupt nicht vertreten war, ossenbar Der Stem von /issuan. Aranfführung in der ßroll-Oper. In der Sommerhitze werden die Abende lang. Das wußten wir schon vor der gestrigen Uraufführung. Daß aber Unterhallung am Abend vier geschingene Stunden dauert mit dem Anspruch, kurzweilig zu sein, das war noch nicht da. Auch die Akte, die Szenen, die Lita- neien, die Tänze werden lang, länger, endlos lang; drücken wir uns. um mit Arno, dem guten Stern des Abends zu reden, präzise aus: Die Sache ist verteufell langwellig. Sie selber nennt sich Operette. Zur Operette fehtt dem Stück(Okonkowskis und Roberts) das Tempo, die innere Lustigkeit, das Unkomplizierte, der Schmiß, die Frechheit, das Tänzerische. Jeden Augenblick wird irgendeine Erinnerung an alte Opern wach, etwa an„Mignon", an„Tiefland", an die„Jüdin". Dunkelheiten fauch solche der Vergangenheit) sind gut, Veywechse- lnngen find gut, Ueberkreuzliebereien find gut. Aber alles in jedem Äkt dvppett und dreifach unterstrichen, das ist nicht gut. Um ohne Siegfried Arno wieder präzis zu werden:„Wer bis an das Ende verharrt, der wird gesegnet." Eine kurze Inhaltsangabe findet der Besucher im Programinbuch auf drei Sellen klar und umständlich her- gejagt. 107 gedruckte Zellen. So oerrate ich nur, daß es sehr lange dauert, bis man entdeckt oder erfährt: a) der Lord ist in höchster Geldverlegenheit und pumpt; b) des Pächters Pflegetochter ist ein ägyptisches Mädchen; c) der Prinz von Aegypten liebt sie, beschenkt sie, peitscht sie, betete fie an, wird sie heiraten; ä) selbiger Prinz soll diplomatisch an des Lords legitime Tochter verkuppelt werden; e) Assiadä ist das natürliche Kind des Lords; k) sie wird zur Kunst- lerin durch die Reklame Hannibals, des Impresarios, gemacht; g) der Prinz gibt das Geld zu ihrer Robe ganz geheim; ll) er verrät dies Geheimnis und kränkt die Pseudokünstlerin; dafür verrät i) Hannibal(ausgerechnet Arno) die dunkle Vaterschaft des Lords. Und so fort das ganze Alphabet durch. Präzis gesagt: langweilig, oder doch nicht operettenhaft. Eher ein Film mit Gartenlauben- allüren, Stelzengefühlen, krampfhaften Versuchen zu originaler Witzigkeit. Die sentimentalen Szenen wiederholen fich sehr oft, die spaßigen schon weniger. Zu diesen gehört die etwas plumpe, aber noch groteske Entkleidungs- und Verkleidungsszene zweier Männer. Lei Arno haben sich alle Lacher zu bedanken, die für komische Ver- renkungen. präzise galizische Redewendungen eines Weltmannes, die für Kautschukbeine und spielerischen Uebermut etwas übrig haben. Wenn er noch einmal zur Welt kommt, wird er sicher ein Tillergirl. Di? sehr temperamentvolle Hanna G o r i n a kommt nicht aus den dramatischen Vorstadtgebärden heraus, wofür die Rolle verantwort- lich ist; aus dem gleichen Grunde bleibt Mimi V e s e l y blaß. Paul 5) a r d e n, Erich Deutfch-Haupt(kaum eine echte Operetten- liebhagerfigur). Hans Wallner und Erich Bartels taten ihr möglichstes, um einen Erfolg der langatmigen Angelegenheit zu erzwingen. Wer eigentlich hat die Operette für Kroll angenommen? Die Musik Richard Goldbergers ist geladen, ist voll von Feinheiten, ist glänzend, nur durchweg zu dick instrumentiert, sie ist im ganzen weich und fällig in Partitur gezaubert. Die Einfälle sind niemals original, sondern Klischees von Originalen, öfter noch tlischee von Klischees. Die Sentimentalität herrscht vor, das Süße, Weiblick>e, sehnsüchtig Schmachtende. In den Tänzen ist nicht genug Tempo, Leidenschaft» spezifische Note. Man kennt diese Melodien schon und weiß, wann das erste Kreszendo, der erste Trommelwirbel einsetzen soll, wie der Ton auf den Text reagiert, wie etwa die Refrains allgemeingültig gestaltet werden. Nichts haftet zwei Stun- den, manches(wie ein sanfter Walzer, ein herzhafter Step) so beut- llch» daß ein Dakaponicht wie bestellt scheint. Präzis zu reden: eine anständige, nicht nachhalttge Musik. Guttmann versuchte kaum, vom Pult aus der Musik mehr Sinnlichkeit anzudichten, als ihr von Haus aus zusteht._ K. S. hunSstag-Theater. In der D o l k s b ü h n e wird Sommertheater gespielt. K o tz e b u e wird aus der Unsterblichkeit, in die er hineinwandern mußte, ob- gleich er lieber bei uns drunten geblieben wäre, zurückberufen.„2> i e deutschen Kleinstädter" sollen heute lehren, was die Philister von einst mal liebten, was die fortgeschrittenen Leute von heut von sich abschütteln sollen. Diese Lustspielscharteke sst 100 Jahre alt, aber noch gar nicht von der Sommerhitze sehr mitgenommen. Herr Nest, der Hundstagsdirektor in der Bottsbühne, hiell es trotz. dem für notwendig, die Blumen und Blätter der Vergangenheit von einem Neudichter, dem im Programm genannten Herrn Philipp Wenzig, frisch begießen zu lassen. Man flüstert dem Kritiker zu, daß Wenzig ein maskierter Zeitgenosse sei, der sonst ganz erheblich für das Theater und für die Voltsbühne dramatisiert. Da nur geflüstert wird, darf das Geheimnis nicht weiter als bis hierher gelüftet werden. Der falsche Wenzig hat Kotzebue gekürzt und gekittet und aus seinem eigenen geschwitzten Gehim hinzugefügt: Schlechtes und Gutes. Daß die Krähwinkler feine kaiserliche Hoheit den Abgedankten und klangvoll wieder nach Oels zurückgeholten Kronprinzen durch Wenzigs Gnaden wieder erleben würden, haben die guten Leut nicht geträumt. Aber auch der Kritikus findet diesen Possenannex nicht hübsch und nur gekünstett. Lustiger ist schon das Tanzcouplet, bei dem sich die Liebenden im Krähwinkler Mondschein abschmatzen. Man soll diese Posse schauspielerisch gut ausmachen und nicht literarisch, kabarettistisch vertändeln. In der Volksbühne blieb vieles von der Vorbereitungsarbeit auf dem Schreibtisch und dem Tintenfaß liegen. Immerhin war Hedwig Mangel die unterhaltsamste Großmama von Krähwinkel. Frau Mangel piept vor Vornehmheit und Güte, obgleich sie doch über die melodischste Stimme verfügt. Diese Frau, Schwester oller Penn- und Betschwestern, sprüht von Humoren, sie wiegt sich in Molligteit, sie zwinkert mit den Augen voller Verschlagenheit und sorgt doch mit Ueberschwänglichkett sür die Aermsten. Dann kommen brave Schauspieler, die sich selbst besser amüsieren als die Beifallsklatscher im Parkett. Immerhin imponieren Gerhard Ritter und Thea Grodtczinsky. _ M. H. Verschleierter Sklavenhandel in Kamerun, vor einiger Zeit wies ein Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes darauf hin, daß in der ehemaligen deutschen Kolonie sich der Brauch, dem- zufolge die Männer sich ihre Frauen zu kaufen pflegen, zu einem regelrechten verschleierten Sklavenhandel ausgewachsen hat, der noch immer im Zunehmen begriffen ist. Di- Preise, die für solche„Ehe- frauen", die dem Mann: natürlich in erster Linie Arbeitstiere sind, gezahlt werden, bewegen sich zwischen 2000 bis 5000 Francs; sicher ein Zeichen, daß die glücklichen Gottinnen sich nicht gerade auf di«, faule Haut legen dürfen. Interessant ist die Mitteilung, daß die zuständigen Behörden, um diesem menschenunwürdigen Handel Ein- halt zu tun» sich bemühen» wenigstens'— die Höhe der sogenannten „Mitgift" herabzusetzen. Einführung von Familiennamen in der Türkei. In türkischen Zeitungen macht man eifrig Propaganda für Einführung von Familien-Vornamen mit der Begründung» daß die Gewohnheit, den Namen der Kinder den Namen des Baters zuzufügen, im Laufe der Generationen immer komplizierter geworden sei und bei Behörden und Gerichtsverhandlungen häufig zu den unangenehmsten Bcr- wechslungen und Konflikten führe. So wurden in einem besondere», Fall zehn Emin Ali Beys für den Delikt eines Namen»««»» herangezogen und in den türkischen Schulen werden die Skodcnt«» häufig numeriert, um Irrtümer nach Möglichkeit zu vermeiden. Es sei geradezu absurd, sür eine Bevölkerung von zwölf Millionen nur einige hundert Namen zu verwenden. Man darf annehmen, daß die Regierung sich später mit diesem Problem wird be- schäftigen müssen, das in der türkischen Press« so eifrig erörtert wird. Maschinen als Geldzähler. Noch vor 10 Iahren wurden viel- leicht 98 Proz. aller Geldmünzen mit der Hand gezähtt und ver- packt— naturgemäß ein langsames, mühsames und oft ungenaues Verfahren. Das wurde allmöhttch anders mit der Einführung der zentrifugal arbeitenden Geldzahlmoschine, mit der gleichzeitig fünf oder mehr verschiedene Münzsorten gezähtt und sortiert werden können. Derartige Apparate kommen auch bei m» immer mehr in Aufnahme, zumal nach der Ueberwindung der Inflatton auch im deutschen Geldverkehr allmählich die Münze wieder eine immer größere Rolle spielt. Di« neuesten Maschinen dieser Art haben be- retts einen hoben Grad der Vollkommenheit erreicht. Beispielsweise wird darin jede Geldsorte in eine starte Papierhülse von anderer Farbe eingerollt, so daß die verschiedenen Werte deutlich ausein- andergehalten werden können und Irrtümer bei der Auszahlung ulw. unmöglich sind. Die automatischen Geldzähler arbeiten mtt hoher Geschwindigkeit: in der Minute werden bis zu 15 Geldrollen gepackt. und in einen Geldsack können 2000 Münzen pro Minute mit der größten Genauigkeit hineingezähtt werden. Die modernen Ma- schinen dieser Art werden eletttisch bettieben und namentlich in den Vereinigten Staaten bereits viel benutzt, und zwar nicht nur von Banken, sondern auch bei den großen Bertehrsinstituten. in Waren- Häuser«. Restaurants, Lergnügungslokalen usw.. ja sogar von den Kirchenbehörden zum Zählen der Spenden. Die neuesten Konstruk- tionen der Münzzählmaschinen lassen fick> auf jede Geldart und jedes gewünschte Zählverfohren einstellen: so können z. B. selbsttätig Unterbrechungen eingeschaltet werden» nachdem 20, Ä. 30, 40 oder 50 Münzen gezähtt worden sind. Oder der Apparat zähll und ordnet ununterbrochen bis zu einer vorher bestimmten Summ«. Zeit ist hier in zweifachem Sinne Geld. � i.-___ Ein neues denssche« Ilakurschutzgeblek. Do?.Grübet», der wesMch von Aichach in Bayern gelegene Wald, ig der Verordnung und dem Schutz der Aaturdenkmälcr unterslcllt worden. Im Bereich de»„Grübet- bebnden sich über ggov trichtrriörmige Gruben, au» denen in vorchristlicher Zell Eise» gewonnen ivorden ist. aus dem Grunde, weil es sich um die eigentliche politische Aufgabe handelte, die der Ausschuß zu erledigen hatte, nämlich die Aufflärung der Postkredite und dabei war wohl ein persönlich- politisches Standalchen, das sich gegen die Sozialdemokratie ausmünzen ließ, nicht zu erwarten. Für die weiteren Arbeiten des Untersuchungsausschusses wurde folgender Plan festgesetzt: Am Donnerstag der nächsten Woche sollen noch einige Zeugen vernommen werden. Ob und wann Julius Barmat noch einmal vor dem Ausschuß erscheinen wird, steht noch nicht fest. Der Ausschuß will ihn nicht in seiner Wohnung durch den Vorsitzenden und die beiden Berichterstatter vernehmen laffen, nachdem die ersten Vernehmungen vor dem Gesamtausschuß stattgefunden haben. Die Berichterstatter werden danach die gericht lichen Atten einsehen. Da nach der Vertagung des Reichstages der Ausschuß erst wieder im Herbst eine längere Reihe von Sizungen abhalten. Seinen Bericht an das Plenum wird der Ausschuß voraussichtlich erst um die Weihnachtszeit fertig gestellt haben. Der heute als Zeuge vernommene Ministerialrat Mün 3 mann vom Reichspostministerium weiß über den Kredit an Lange- Heger mann nichts Wesentliches zu berichten. Ueber den Verkehr der Post mit der Deutschen Girozentrale teilte er mit: Der Girozentrale wurden die Postgelder überwiesen, die sie als Kredite in der Hauptsache an Kommunen und Spartassen weitergab. Bon einer Kreditgewährung an Barmat war der Post amt lich nichts befannt. Sie hat sich lediglich eine Aufstellung über die ausgeliehenen Gelder geben lassen und darin war auch Barmat erwähnt. Der Stadtschaft der Provinz Brandenburg find drei Millionen überwiesen worden, die sie an Barmat weitergab. Dafür sind gute Sicherheiten vorhanden, so daß ein Verlust aus diesem Geschäft nicht entstehen wird. lleber die dem Barmat fonzern gegebenen Post kredite befundete der Beuge: Im Of tober 1924 habe er zufällig davon gehört, daß die Kredite nicht mehr von der Girozentrale gegeben worden seien. Er habe davon seinem Borgesetzten Kenntnis gegeben und in einer längeren Beratung mit dem Boftminister Höfle wurde beschlossen, dem Amerimakonzern noch weitere 2½ Millionen zu den bereits gewährten 10 Millionen zu geben, unter denselben Sicherungen, wie fie die Girozentrale hatte. Aus technischen Gründen wurden die drei Banken des Amerimafonzerns als Schuldner genannt. Der als Sachverständige herangezogene Direttor Schlösser habe rungen gut seien. Damit war die Angelegenheit für die Boft erledigt. Weitere Versuche des Amerimafonzerns um Erhaltung der Kredite wurden abgewiesen, trotzdem Ministerialrat Kauß, der in zwischen dort eingetreten war, erklärte, die Post würde nichts verIteren. Nach einer Bause wird der Zentrumsabgeordnete Dr. der Bentrumsabgeordnete Dr. Schreiber, dessen Name gestern vom Abg. Lange- Hegermann genannt wurde, als Zeuge vernommen. Er sagt, daß sich die Familie Burtscher, Inhaberin der Papierfabrit Roettewig in Sachsen, an ihn mit der Bitte um Hilfe gewandt habe. Er fannte die Familie seit sechs bis acht Jahren, sie habe auf dem Gebiete der Arbeiterwohl fahrt viel getan, und da diese Familie zu den wenigen Bertretern des Zentrums in Sachsen gehörte, habe er es für ein rein mensch liches Berk gehalten, ihr zu helfen. Er habe mit einigen der in Betracht kommenden Mitglieder der Zentrumsfraktion darüber ge sprochen, insbesondere mit dem Abgeordneten Schlösser, die aber dazu nicht in der Lage waren. Als einziger sei dann noch der Abg. Lange- Hegermann in Betracht gekommen, von dem er wußte, daß er über eine große geschäftliche Berfiertheit verfüge. Es sei damals allgemein befannt gewesen, daß die Poft Kredite gewähre, deshalb habe es nahe gelegen, daß er auch mit init dem Minister Höfle darüber sprach. Ueber die weitere Ab midlung der Angelegenheit sei er nicht im einzelnen unterrichtet, ins besondere wisse er nichts davon, daß die Gelder, aus denen der Kredit gegeben werden sollte, für das befeßte Gebiet bestimmt waren. Herr Klinghammer unter Anklage. Berleumdungen der ,, Deutschen Tageszeitung" widerlegt Die Deutsche Tageszeitung" bringt die Nachricht von der Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Kriminal tommissar Klinghammer unter der Ueberschrift:„ Grze finsfi maßregelt Barmat- Gegner". Demgegenüber erklärt das Bolizeipräsidium, daß, gerade um jeden Anschein einer Kabinettstrise zu vermeiden und um Herrn Klinghammer ein mit allen Rechtsgarantien versehenes öffentliches Verfahren zu sichern, das Disziplinar verfahren eröffnet worden ist. Dieses Verfahren bezieht sich übrigens nur zum Teil auf das Auftreten Klinghammers vor dem parlamen tarischen Untersuchungsausschuß, es war vielmehr schon seit längerer Zeit wegen Klinghammers dienstlichem Verhalten beabsichtigt. Näheres über die letzteren Gründe des Disziplinarverfahrens ist im Augenblid noch nicht zu erfahren. Die Deutsche Zeitung" hatte behauptet, daß Polizeipräsident Grzesinsti schon nach eineinhalbmonatlicher Dienstzeit in 11r. Iaub gegangen und erst am Tage nach der chinesischen Protestver fammlung in der Dorotheenstraße zurückgekehrt fei. In Wahrheit befand sich der Polizeipräsident damals im Auftrage des Innenministeriums auf einer Dienstreise zur polizeitechnischen Ausstellung in Karlsruhe und hatte darauf die Jahrtausendaus stellung in Köln besucht, war aber, ohne an den Feierlichkeiten tell zunehmen, zwei Tage früher als vorgefehen nach Berlin auf feinen Boften zurückgekehrt. Kommunistische Dreistigkeit. In Frankreich haben die Rommunisten ein Bentralaftionsfomitee gegen den Marottofrieg" gebildet, das nichts anderes ist, als einer der üblichen Einheitsfrontschwindel, die wir in den vergangenen Jahren zur Genüge fennen gelernt haben. Diefes ,, Aktionskomitee", daß sich die Bekämpfung der Sozialistischen Partei zur Hauptaufgabe gemacht hat, hat einen sogenannten" Rongreß" für den 4. und 5. Juli einberufen. Es hat nun die Stirn gehabt, die deutsche Sozialdemokratie telegraphisch aufzufordern, Delegierte dorthin zu entfenden. Die Drahtzieher dachten sich:" Bielleicht wissen die nicht Bescheid und fallen brauf rein." Es sei hiermit zur Kenntnis gegeben, daß wir nicht darauf hereinfallen. Neue französische Zugeständnisse? Paris, 2. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die französische Wirt fchaftsdelegation hat den ganzen Mittwoch an einer Note gearbeitet, tie am Donnerstag morgen der deutschen Delegation überreicht werden soll. Die Note soll auf 20 Schreibmaschinenseiten Buntt für Bunft auf die neuen deutschen Forderungen antworten und eine Reihe neuer Ronzessionen enthalten, die diesmal un. widerruflich seien. Da die deutsche Delegation voraussichtlich mehrere Tage zur Prüfung dieses neuen Dokuments brauchen wird, erwartet man im französischen Handelsministerium ihre Antwort frühestens gegen Ende der Woche. Die Verhandlungen der Schwerindustrie. Paris, 2. Juft.( Eigener Drahtbericht.) Wie Journee Indu strielle" aus Brüffel mitteilt, sollen die Berhandlungen zwischen der deutschen und der franzöfifchen Schwerindustrie am Frei tag in Düsseldorf fortgesetzt werden. Die größte Schwierigkeit bilbe augenblicklich die Forderung der deutschen Schwerindustrie, daß alle Bestellungen und Lieferungen durch Vermittlung einer von den Deutschen geschaffenen Kontrollstelle erfolge, was praktisch bie Aufgabe aller direkten Beziehungen zwischen Verbrauchern und Herftellern bedeuten würde, Die Stadt der Kinder. Im Nordosten Berlins liegt Buch. Ein freundlicher Ort mit einem prächtigen alten Part, in dem ein verfallenes Luftschlößchen feine roten Biegel in einem stillen Gewässer spiegelt, das bescheiden zwischen Bäumen und Wiesen ruht. Zu beiden Seiten dieses märkischen Kleinods dehnen sich wohlgepflegte Anlagen, grüngeschmückte Straßen, an denen helle Häuser stehen, Häuser mit Loggien und Ballons und großen Fenstern. Allenthalben leuchten aus ihnen rote Geranien. Ein Teil dieser so herrlich erscheinenden Gartenstadt ist Kindern gewidmet. Die hier alles finden, was nötig ist, um sie gesund, start und tüchtig zu machen. Aber die Kinder, die in diesen hellen Häusern wohnen, sind nicht die frohe Hoffnung der menschlichen Gemeinschaft. Sie sind leidende Opfer sozialer Mißstände und menschlicher Unvernunft. Auf dem 168 Morgen großen Gelände der Kinderheilstätte stehen 32 Häuser, in denen 800 bis 900 leidende Kinder eine Heimstatt gefunden haben. Säuglinge, die ihr Dasein noch nicht begriffen, Kinder mit rachitisch gekrümmten Armen und Beinen, denen jede Bewegung Mühe macht. Andere, isoliert, syphilisbehaftet, idiotisch. Eine entfebliche Anklage: denn die Sünden der Bäter werden heimgesucht an den Kindern... Und wieder andere Kinder mit lieben. freundlichen Gesichtern, die seit Jahren in ihren weißen Betten liegen, beschwert von Gewichten, die ihre schwachen dünnen Beine oder auch das Rückgrat streden sollen, Opfer verpesteter Großstadtwohnungen, ven der Tuberkulose befallen. Diese Kinder liegen fast acht Monate des Jahres im Freien in großen Liegehallen. Licht und Luft sollen helfen, sie gesund zu machen. Und endlich, neben anderen Kindern folche, die so gesund und blühend aussehen, daß niemand ihre Krantheit glauben möchte, und von denen viele diefes Heim nur noch verlassen werden, um in fühler Erde auszuruhen von den Qualen ihres furzen Lebens. Auch diese Kinder sind Opfer der Tuberkulose, die ihr Inneres zernagt und verzehrt. Auf Gesundheit und Frohsinn aber hoffen die meisten von ihnen. Diese Lebensbejahung läßt sie ihr Schicksal tapfer ertragen. Aber es gibt auch Wissende unter ihnen. Eine Sechzehnjährige, die mit dem Scharfsinn der erwachenden Jugend hört und beobachtet, schreibt, als sie Wahrnehmungen von bem nahen Ende einer ihrer Leidensgenossinnen gemacht zu haben glaubt, der sie betreuenden Krankenschwester einen lieben Brief, in dem sie sie bestürmt, dafür zu sorgen, daß jene auf dem großen Friedhof in Buch begraben werde, damit wir alle zusammen ruhen". In diesen schönen Heimen wird aufopfernde Arbeit geleistet. Wenn diese Kinder aber nach der unendlichen Sorgfalt, die man auf fie hier verwandte, zurückkehren in die Großstadt, beginnt für sie das alte Leiden von neuem. Gefördert wird ihr Leiden noch durch die Unwissenheit vieler Eltern und Erzieher, die die Ratschläge der Aerzte nicht beachten wollen. Die mangelnde Erziehung, die diesen Eltern felbst zuteil murde, rächt sich an den Kindern. Krankheiten hellen ist gut, fie verhüten beffer. Selle, lichte Wohnungen, gutbezahlte Arbeit ließen vieles Leiden nicht entstehen. Aber diese Wahrheit ist schon seit Jahrhunderten erkannt, doch immer wieder wird sie von furz fichtigen Menschen um des eigenen Profites willen bekämpft. Die Kinderheilstätte in Buch, die wie feine andere geeignet ift, frante Kinder zu beherbergen, ist der Gefahr ausgesetzt, diesem edlen 3wed entzogen zu werden. Es ist beabsichtigt, diese Kinderstadt in eine solche für Jrre umzuwandeln, während man für die Beherbergung der Kinder einfache Baraden zu schaffen gedenkt. Das wäre eine unverständliche Maßnahme. Man lasse den Kindern diese schönen Wohnungen, in denen sie, umgeben von Sauberkeit, Luft und Sonne, wenigstens etwas entschädigt werden für die Leiden, die fie unschuldig ertragen müssen. Der Königsberger Gemäldediebstahl. In Berlin aufgeklärt. Der große Gemäldediebstahl, der in der Schloßgalerie zum 17. vormittags unter erschwerenden Umständen verübt wurde, zu Königsberg i. Br., in der Zeit vom 16. Juni mittags bis ist jetzt von der Berliner Kriminalpolizei aufgeklärt worden. 6 Bilder sind wiedergefunden, zwei fehlen noch. Tat, will vielmehr zurückgeblieben sein und nur aus der Ferne die Schüsse gehört haben, ohne zu wissen, worum es sich handle. Die von dem Angeklagten angegebenen Entlastungszeugen fonnten jedoch nicht ermittelt werden, so daß das Gericht es hier wohl mit dem berühmten großen Unbekannten" zu tun hat. Bau der AEG- Schnellbahn beschlossen. Infolge der langwierigen Berhandlungen über den Abschluß des städtischen Haushaltsplanes und den Bau eines Großkraftwerkes in Rummelsburg war die Behandlung des AEG- Schnellbahnfrage in der Stadtverordnetenversammlung etwas in den Hintergrund getreten. Jeht hat heute vormittag der städtische Haushaltsausschuß befchloffen, grundsäßlich dem Bau der Bahnhof Hermannplah zuzuftimmen. Dieser Beschluß AEG- Bahn vom Bahnhof Gesundbrunnen bis zum soll der Stadtverwaltung die Möglichkeit geben, die Verhandlungen über die Aufnahme einer Anleihe und die Sicherstellung der Finanzierung zu führen. Mit dem Bau foll nicht eher begonnen werden als bis die Finanzierung zu übersehen ist. Da aber nach den Berechnungen aller Sachverständigen die AEG- Schnellbahn das zu investierende Kapital in genügender Höhe verzinjen wird, so kann in den nächsten Wochen die finanzielle Grundlage für diese wichtige durchaus damit gerechnet werden, daß es der Berwaltung gelingt, Berkehrsanlage zu schaffen. Borher hatte der Haushaltsausschuß die Beratung des Antrages Merten über Gleichstellung der brei jozialdemokra tischen Stadträte mit den übrigen Stadträten im Gehalt durchgeführt und ihn angenommen. Trotzdem diese Stadträte Sozialdemokraten find, feine Referendare waren, den Dr. juris nicht gemacht und auf Schmisse verzichtet haben, wird das Furchtbare heute Gehalt bekommen wie die anderen Stadträte. Schlechte Zeiten für abend Wirklichkeit werden, diese Sozialdemokraten werden dasselbe den Herrn Kammergerichtsrat Dr. Caspari. Zum Kampf gegen Schund und Schmuh. Vereinbarung mit dem Bahnhofs- und Straßenbuchhandel. Noch vor Verabschiedung des jetzt dem Reichsrat vorliegenden Entwurfes eines Gesetzes zur Bekämpfung der Schund- und Schmutz nehmlich auf Bahnhöfen, in Zeitungstiosten und im literatur sollen einstweilige Maßnahmen gegen die vor. Straßenhandel vertriebenen Schund- und Schmutzschriften, im besonderen gegen gewisse periodische Druckschriften, getroffen werden. Eine rechtliche Handhabe gegenüber den Bahnhofsbuchhandlungen und den Zeitungsfiosten bieten, fo schreibt der Amtliche Preußische Breffedienst, meist die Verträge mit der Deutschen Reichsbahn, mit der Hoch- und Untergrundbahn und mit den Stadtverwaltungen. Vor kurzem sind bei einer Besprechung im Reichsverkehrsministerium zwischen Reichsbahn, Berliner Magistrat, Hoch. bahngesellschaft und Berein deutscher Bahnhofsbuchhändler zunächst für Berlin vorläufig bis zum Inkrafttreten des Gesetzes bestimmte Grundsäge vereinbart worden: rechtsträftige Berurteilung aus§ 184 oder§ 184 a des Periodische Druckschriften, gegen die nach dem 1. Juli 1925 eine StGB., fei es auch nur im objektiven Strafverfahren(§ 42 StGB.) cusgesprochen ist, werden vom Berkauf auf Bahnhöfen und in Beitungstiosfen bei erstmaliger Berurteilung für drei Monate, im Wiederholungsfalle für sechs Monate ausgeschlossen. Die in Berlin bestehende deutsche Zentralpolizeistelle zur Bekämpfung unzüchtiger Bilder, Schriften und Inserate, bei der aus dem ganzen Reich derartige Berurteilungen gemeldet werden, meldet diese schaften, damit der Berkaufsausschluß angeordnet werden kann. weiter an die beteiligten Behörden, Berwaltungen und GesellMeldung wird auch erstattet an die Ministerien des Innern für Breußen und für das Reich, und von hier aus werden alle Ortspolizeibehörden zur Fahndung auf die unbrauchbar zu machenden Druckschriften veranlaßt. Ein Runderlaß des Preußischen Ministers des Innern weist auf diese Bereinbarungen hin und erinnert daran, daß auch die Gewerbeordnung schon ermöglicht, gegen Auswüchse vorzugehen. Falkenberger Nepp. ladet wieder einmal zu ihrem Jahresfest ein, Grund genug, fich Die Gartenstadtsiedlung Faltenberg bei Grünau Darauf zu freuen, denn diese Feste zeigen wirklich etwas von der soviel versprochen und wenig gehaltenen Gemeinschaft. Es wird alten aus Königsberg gebührtigen Kunsthändler Walter Bohl Sachse find schon ganz nervös. Der schmucke Festplatz läßt bereits Der Berdacht fiel, wie wir schon mitteilten, auf den 33 Jahre tüchtig draußen gearbeitet. Der Organisationsvater Tauz und Maler gemuth, der in der legten Seit in Berlin in der Kleiststraße die erste Berliner Abstinentenschente" Deutschland trocken" und die wohnte. Hier hatte eine Dame, die verreiste, ihm eine Menge wert Original Hamburger Hafentneipe Bum blauen Affen" und all die voller Runstgegenstände in Obhut gegeben. Als sie zurücklehrte, mar anderen Entweder Ober wie Autowurststube zum befenftigten Wohlgemuth mit einem Teil dieser Sachen verschwunden. Die Pferd oder: Kirschen und Buttermilch" im Rohbau sehen. Der größte Charlottenburger Kriminalpolizei ermittelte mun, daß Wohlgemuth Teil der Kolonie arbeitet mit, das fägt, hämmert, pinselt, tüncht, gleich nach dem Königsberger Diebstahl zurückgekehrt war und in fostümiert sich, baut, deklamiert nach Feierabend, daß man selbst beschlagnahmte fie, und fie fand barin 6 der gestohlenen Anzünden eines Holastoßes, Faceltanz der Jugend, Sprechchor der Der Sophie- Charlottenstraße einen Koffer untergestellt hatte. Diesen das Lampenfieber triegt. Auch Kasperle übt sich ein für die Kinder. Bilder. Wohlgemuth felbst aber ließ sich auch in der Sophie Boltsbühne, gemeinsamer Gefang find vorgesehen. Es fann, wenn Charlottenstraße nicht mehr sehen. In einem Schreiben an die das Wetter nicht wieder„ Gofener Sonnenwende spielt, am tommenKriminalpolizei in Königsberg beschwerte fich Wohlgemut darüber, den Sonntag ein richtiges Boltsfest werden. Die auswärtigen Festdaß die Beitungen ihn als den Gemäldebieb bezeichnet hätten. Er teilnehmer follen sich schon um 1 Uhr am Bahnhof einfinden, damit behauptet, die Bilder von einem Dr. Pfeiffer für 8000 m. gefie würdig und in Maffen empfangen werden tönnen. fauft zu haben. Der müsse der Dieb sein. Wer dieser Dr. Pfeiffer ist, fagt er nicht weiter. Wahrscheinlich besteht er nur in seiner Phantasie. Aber selbst wenn er die Gemälde von Dr. Pfeiffer, der dann der Dieb wäre, getauft hätte, so hat er als Königsberger und Kunsthändler, der in feiner Baterstadt genau Bescheid weiß, ohne 3weifel gewußt, daß sie zum Bestande der Schloßgalerie gehörten über die Grenze enifommen sein. Die beiden Gemälde jedoch, und dort gestohlen sein mußten. Wohlgemuth mag unterdessen wohl bie noch fehlen, befinden sich vermutlich noch in Berlin. Das eine ist ein Banzergeschwader von Willy Stower. Das zweite ist Ferd. Georg Waldmüllers Sonntag Nachmittag", ein Delgemälde auf Holz. Die gegenwärtigen Befizer und alle anderen, die über ihren Berbleib etwas wissen, werden ersucht, sich bei Kriminal fommissar Trettin, Dienststelle B. I. 3, im Polizeipräsidium, zu melden. Der Schenkendorfer Förstermord vor Gericht. Bor dem Jugendgericht Neukölln begann heute morgen ein Strafprozeß wegen Mordes gegen den erst 17jährigen Formerlehrling Franz Saß, der in der Försterei zu Schenkendorf am 5. Juli v. 3. den 64jährigen Förster Grünhoff durch fünf Biftolenschüsse niedergestreckt hatte. Er hatte dann die Haustür von außen verschlossen, aber der Förster wurde noch lebend aufgefunden und tonnte eine genaue Personenbeschreibung geben. Die Bernehmung des jugendlichen Mörders erstreckte fich zu nächst eingehend auf seine persönlichen Verhältnisse. Saß hatte es versucht, als Lehrling das Schlachten zu lernen, später ging er jedoch zur Formerei über. Aber es wurde aus ihm nichts Rechtes, fo war er oft arbeitslos, fuhr mit anderen hinaus in die Königsheide, stahl dort Holz und schoß aus langer Weile mit einer Pistole nach Bögeln. Nach seiner eigenen Angabe war er ein sehr guter Schüße. Hierbei muß er einmal von dem Ermordeten überrascht worden sein und wahrscheinlich hat er zur Strafe eine tüchtige Tracht Brügel bezogen. Offenbar wollte er sich hierfür rächen. Am Morbtage ging er eine halbe Stunde zu früh nach der Firma Eigner in Neukölln, bei der er Arbeit gefunden hatte, er ft a hl dort zwei Pistolen und will dann mit einem Bekannten, Hermann Schifomsti, zusammen nach Königsmusterhausen gefahren sein. Gaß behauptet mun, daß Schitowski draußen andere Bekannte getroffen habe, die alle zu jammen bei dem Förster einbrechen wollten. Er bestreitet die / Gefängnis für Reisende ohne Paß. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, sind neuerdings wieder zahlreiche Reisende aus dem unbesepten Gebiet, darunter auch solche aus Berlin, die ihre Berwandten im Rheinland besuchen wollten, von den Fran ofen mit hohen Geldstrafen, in zwei Fällen sogar mit muß erneut daran erinnert werden, daß jeder Reifende über zwanzig bzw. fieben Tagen Gefängnis bestraft worden. Es 16 Jahre, ob männlich oder weiblich, einen für diesen Zwed geschaffenen Personalausweis oder einen deut chen Reisepaß befigen muß. Beide Papiere müssen bei ben Polizeibehörden( in Berlin beim Bolizeiamt) rechtzeitig beantragt merben, falls ben Reifenden teine Nachteile entstehen sollen. Sport. Sawall fiegt in Treptow. Selb ber Nacht das Rennen wurde erst nach 112 Uhr beendet-mat Gamall, der feine Gegner mit überlegener Manier falug und einen ernsthaften Widersacher nur in Lewano w fand, deffen prächtige fahrmomente oft ftarken Beifall auslöften. Sinart und geisur konnten nichts werden und mußten die ersten beiden Präge an Deutschland fallen laffen. Die genannten Dauerfahrer trafen Ach im tik beile- Gr. innerungsrennen, das zunädyt 6 Berfolgungsrennen bis 10 Rilometer& 2 Fahrer vorfah. Ergebnisse der einzelnen Läufe: 1.£ auf: Gawall holt nach Runden Bejour in 2 min. 26,1 Gel. ein. 2.£ auf: Sewanow fiegt nach 10 Kilometern( 80 Meter aufgeholt) gegen Binart in 8 Min. 45,1 Get. 8. 2 auf: ginart holt nach 10 Runden in 3 Min. 0,53 Gel. Lejour ein. 4. 2anf: Sawall geminnt nach 23% Runden gegen Lewanom in 6 min. 24 Get. 5.£ auf: Gdjon nad 11 Runden geht ewanow on Lejour in 3 min. 21,8 Get. Dorbei. 6. Bauf: Gies Sewalls gegen Binart nach 10 Rilometern( 70 Meter aufgeholt) in 9 Min. 6,01 Set. Ale& Fahrer trafen fich dann im 1. 2 auf, ber über 50& ITpmeter ging. Bald unternahm der an vierter Stelle liegende& inart einen Angriff auf Bejour, ber bie britte Bofition einnahm. Das Tempo wurde fchärfer. Resultat: beide gehen schwimmen" und Gawall und Lewanom berrundet. werden Don Go bleibt der Stand des Rennens bis zum Schluß nachdem noch wegent " Linart und Bejour verschwinden im Sintergrunde. Die Untenntnis ber Ausfichtslosigkeit Sinest bas Rennen nad 7 Sunben Berluft aufgegeben hatte. Balter und Emil teilen fich die Blumenfpenbe famwierigen Treptower Behn mag zur Rieberiage der Belgie mit beigetragen haben. Die 50 kilometer wurden in 48 in. 16,1 Get. ausge. hinter Sawall aurüd. Bei den Fliegern fiegte im Borgabefahren fahren. Zemanom lag 550, Sejour 2430 und Linart( aufgegeben) 9450 Meter Den Sartog unb im 30- unben- Prämienfahren D. Ties. 3m Armbinde. Rennen der Schüler der Rennfahrerschule Steptom mukte der bisherige Inhaber der Armbinde, Streubühr, biefe Reichelt optreben, bec son heute an bis zure noter Serausforderung mun die bonit decumbens tägige Rente im Berie von 10 M. einfeden barf! ant Gewerkschaftsbewegung Arbeitsaufnahme in der Holzindustrie. Der Kampf erfolgreich abgeschlossen. Wie uns mitgeteilt wird, fann nach den vorliegenden Meldungen der Lohnkampf in der Holzindustrie als abgeschlossen betrachtet werden. Auch in Thüringen und Schleswig- Hol stein, deren Unternehmervertreter bei den Berhandlungen in Berlin die Borschläge der Zentralvorstände abgelehnt hatten, ist das Ab. kommen von den Unternehmern angenommen worden. Die Arbeitsaufnahme vollzieht sich überall reibungslos. Damit ist diese auf Anordnung der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ins Werk gesezte Aussperrung überraschend fchnell und mit einem durchschlagenden Erfolg für die Holzarbeiter abgeschlossen., Die Lohnbewegung im Baugewerbe. Heute Vergleichsverhandlungen, Sonntag Urabstimmung. In einer start besuchten Versammlung im Gewerkschaftshaus nahmen die Baudelegierten und Betriebsräte des Hoch-, Lief- und Betonbaugewerbes den Bericht Drügemüllers von den Lohn- und Tarifverhandlungen entgegen. und Palästina erhoben hat, und fordert ein unbeschränktes Roalitions und Bersammlungsrecht. Er stellte mit Bedauern fest, daß der Völkerbund auch auf das entsprechende Ansuchen der J. T. F. nichts veranlaßt hat und anscheinend nicht in der Lage ist, die dem Völkerbund angehörenden Staaten zur Erfüllung der in den Friedensverträgen und im Völkerbundsstatut enthaltenen Bersprechungen hinsichtlich der Koalitionsfreiheit zu zwingen. Der Kongreß wendet sich daher an die Arbeiterorganisationen der in Betracht kommenden Länder mit der Aufforderung, das Eisenbahnpersonal mit allen zu Gebote stehenden Mitteln in seinem Kampfe um Bewegungsfreiheit zu unterstüßen und beantragt gleichzeitig beim Internationalen Arbeitsamt die Durchführung der bereits im Oftober 1923 beschlossenen Untersuchung über die Organisations. freiheit. Der Kongreß beschloß: 1. die angeschloffenen Verbände werden ersucht, in ihren Fachblättern über die Gestaltung des Koalitionsrechtes der Eisenbahner ihrer Länder zu berichten, 2. bei ihren Regierungen dahin zu wirken, ihrer Länder zu berichten, 2. bei ihren Regierungen dahin zu wirken, daß deren Bertreter beim Völkerbund beauftragt werden, diese Frage auf die Tagesordnung einer der nächsten Versammlungen zu bringen und für die Anerkennung der Koalitionsrechte einzutreten, 3. die J. T. F. hat den Internationalen Gewerkschaftsbund um entsprechende Anweisungen an dessen Arbeitervertreter zu ersuchen, 4. die Eisenbahner aller Länder werden aufgefordert, mit allen Mitteln die Gewerkschaftsrechte, d. h. das Koalitionsrecht, das Verfammlungsrecht, das Streifrecht sowie das Recht der Gewerkschaften auf Mitwirkung bei der Beschlußfassung über alle die Eisenbahn betreffenden Fragen, zu erhalten, zu verteidigen und weiter auszubauen. Ferner schloß sich der Kongreß, betreffend Borkommnisse in China, dem bereits von der Arbeitnehmergruppe der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf und dem Internationalen Gewerkschaftsbund eingelegten Protest an. Der Kongreß ist der Auffaffung, daß eine gemeinsame Aktion der ganzen internationalen Arbeiterbewegung unter der Leitung der internationalen GewerkDa es auch in diesem Jahre wegen der Halsstarrigteit der Unternehmer nicht gelungen ist, für das gesamte Baugewerbe einen Reichstarif abzuschließen, hat der Baugewerksbund mit den Berliner Bauunternehmern Verhandlungen eingeleitet, um den bestehenden vorläufigen Bezirkstarif durch einen endgültigen zu ersetzen. Es wurden vom Baugewerksbund Erhöhung der Löhne, Gemährung von Urlaub, Fahr- und Laufzeitentichäfchaften eine dringende Notwendigkeit iſt. digung, 46% stündige Arbeitswoche und Regelung der Lehrlingslöhne beantragt. Das Ergebnis der bisherigen Ber handlungen ist kurz, daß in einigen Bunkten mit den Unternehmern ein Einverständnis erzielt worden ist. Hinsichtlich der sozialen For derungen, wie Urlaub, Arbeitszeitregelung und Festsetzung der Lehrlingslöhne fonnte eine Verständigung aber bisher nicht erreicht merden. Ob es in diesen Punkten überhaupt zur Einigung kommen wird, erscheint nach dem bisherigen Berlauf der Berhandlungen und der Einstellung der Unternehmer sehr zweifelhaft. Von fachkundiger" Seite werden in die bürgerliche Preise Artikel lanziert, die die öffentliche Meinung gegen die überspannten Forderungen der Arbeiter ausspielen sollen. Die Bauarbeiter fennen diese Manöper nur zu gut und werden sich durch sie nicht davon abhalten lassen, auf ihren gerechten Forderungen zu bestehen. Heute tagt nun unter dem Vorfig eines Unparteiischen ein freies Schiedsgericht, das den Parteien über die Lohnerhöhung einen Bergleichsvorschlag machen wird. Im Anschluß daran werden die Verhandlungen über die strittigen Punkte des abzuschließenden Tarifvertrages fortgesezt werden. Ueber das endgültige Verhandlungsergebnis wird am Freitag abend in der Generalversammlung berichtet werden. Am Sonntag werden dann die Bauarbeiter durch eine Urabstimmung Stellung nehmen zu dem Ergebnis der Verhandlungen. In einer weiteren vom Rongreß angenommenen Resolution heißt es: Der Rongreß betrachtet es als die Pflicht der der Internationalen Transportarbeiterföderation angeschlossenen Organi fationen zu fämpfen für 1. Herabfezung der Arbeitszeit auf 8 Stunden täglich. 2. Abschaffung der Weberarbeit auch gegen Bezahlung von Zuschlägen, ausgenommen bei Unfällen und wenn der Betrieb als außerordentlich erachtet wird. 3. Beseitigung des Unterschieds zwischen Arbeitsbereitschaft und tatsächlicher Leistung. 4. Ratifizierung und Durchführung der Bashingtoner Uebereinfunft, die als bindend zu betrachten ist, mit der Maßgabe, daß bereits vorhandene bessere Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden handene bessere Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden dürfen. Nach der Annahme dieser und der bereits gemeldeten Resolution wurde der Internationale Eisenbahnerfongreß mit der Abfingung der Internationale geschlossen. Lohnbewegung der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Heute finden vor dem Zentralschlichtungsausschuß der Gemeinde betriebe Berhandlungen über die Forderungen der Ortsverwaltung Berlin des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes statt, der eine Erhöhung der Löhne der Arbeiter in den Kämmereibetrieben um 15 Pf. die Stunde gefordert hatte, eine Forderung, die jedoch fowohl vom Magistrat als auch von der ersten Schlichtungsinstanz abgelehnt worden ist. Die Arbeiter der Stadt Berlin bestehen jedoch auf ihrer Forderung, worüber nunmehr der Zentralausschuß jedoch auf ihrer Forderung, worüber nunmehr der Zentralausschuß zu entscheiden hat. Es ist„ grundsäglicher" Brauch des Magistrats, alle Lohnforderungen abzulehnen und sich erst durch eine Entscheis dung des Zentralausschusses zum Nachgeben zwingen zu lassen. Es wäre aber wirklich an der Zeit, mit derartigen Grundsägen aufzuräumen. Die rege Diskussion brachie ganz eindeutig zum Ausdruck, daß es den Bauarbeitern nicht nur um die Erhöhung der Löhne geht, sondern vor allem um die Erfüllung ihrer sozialen For berungen. Sie sind daher seft entschlossen, den Kampf auf zunehmen, wenn ihre gerechten Forderungen nicht erfüllt werden. Von der Versammlungsleitung wurde noch darauf hingewiesen, daß am Sonntag den 12. Juli die Wahlen der Arbeitnehmervertreter zu dem Ausschuß der Ortskrantentasse des Maurergewerbes zu Berlin stattfinden. Neben der Liste 1 des Deutschen Baugewerfs. bundes ist auch von dem Verband der ausgeschloffenen Bauarbeiter eine„ Oppositionsliste" eingereicht worden, die in ganz verlogener Schiedsspruch für die Textilindustrie des bergischen Landes Weise bei den Mitgliedern des Baugewerksbundes den Schein von Elberfeld, 1. Juli( Mtb.) Der Schlichtungsausschuß für das " Unparteilichkeit" erwecken soll. Die Mitglieder des Baugewertsbergische Land fällte bezüglich des Arbeitszeitabtommens und der bundes werden fich durch solche plumpen Läuschungsmandver nicht Löhne für die Textilindustrie im rechtsrheinischen Bezirk einen beeinflussen lassen und geschloffen für die Liste 1 des Schiedsspruch, demzufolge das bisherige Arbeitszeit- und UeberBaugewertsbundes stimmen. arbeitszeitabfommen über den 30. Juni hinaus verlängert wird. Ebenfalls wird das bisherige Lohnabkommen über den 30. Juni hinaus mit der Maßgabe verlängert, daß die Lohnfäße der Zeitlöhner in den sämtlichen Branchentarifen, sowie der Lohnfah des reinen Zeitlöhners( männlich) im Alter von 20 Jahren und darüber um je einen Rentenpfennig erhöht werden. Ferner werden die sämtlichen Lohnfäße des Lohnabkommens unter Berücksichtigung der bereits vorweg genommenen Erhöhung um 4 Proz. erhöht, und schließlich werden die Familienzulagen verdreifacht. Internationaler Eisenbahnerkongreß. Am 1. Juli wurde in Bellinzona der internationale Eisenbahnerfongreß eröffnet. 21 Staaten mit 100 Bertretern nehmen teil. Für die Eisenbahner Asiens sprach Semaoen aus HolländischIndien. Nach seinen Angaben haben die chinesischen Eisenbahner 15 Stunden Dienst täglich bei 12 Dollar Monatslohn. Der Streit wird mit Waffengewalt unterdrüdt. Die Ge wertschaften sind noch sehr schwach. Sardelli Italien berichtete über die Auflösung des italienischen Eisenbahnerverbandes. Mussolini hat 60 000 Eisenbahner entlassen und dadurch brotlos gemacht. Der Rongreß forderte die Einführung des Achtstundentages für die Eisenbahner. Der Kongreß schloß sich dem Protest an, den das Gefretariat ber Internationalen Transportarbeiter- Föderation( 3. T. F.) gegen die Verfolgungen der Eisenbahner, insbesondere in Italien, Ungarn, Finnland, Griechenland, Jugoslawien Berschärfung des Kölner Ziegeleiarbeiterstreiks. Köln, 1. Juli( Eigener Drahtbericht). Der Ziegeleiarbeiterstrei! in Köln hat eine Verschärfung erfahren. In einer gemein samen Vertrauensmännerfigung der Gewerkschaften wurde ein stimmig beschlossen, den Streit auf sämtlige Ziegeleien im Kölner Bezirk auszudebnen. Alle Ziegeleien stehen stin, auch die der Stadt Köln. Vor dem Schlichter fanden inzwischen Verbandlungen statt, die allerdings ergebnislos verliefen. Demonstration gegen die Arbeitslosigkeit in Bolex Warschau, 1. Juli.( TU.) Gemäß einem Beschluß der sozial demokratischen Gewerkschaften sollen in allen größeren Städten Bolens zweistündige manifestationsstreits zum Beichen des Protestes gegen die wachsende Arbeitslosigkeit veranstaltet werden. Diese Manifestationsstreits haben in Kratou und Lemberg bereits stattgefunden. Wie verlautet, ist es während der Lemberger Demonstration zu Zusammenstößen mit der Polizei getommen. Die Arbeitslosigkeit in England. Condon, 1. Juli.( TU.) Die Zahl der Arbeitslosen zeigt in der Berwoche eine weitere Zunahme um 90 330. Verglichen mit derselben Woche des Vorjahres ergibt sich eine Zunahme um 285 918. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen beträgt 1 299 700. Wirtschaft Kein Geld für Löhne aber für Kapitalanlagen! Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Vorstand der Deutschen Arbeitgeberverbände hat fürzlich an den Finanzminiſter eine Eingabe gerichtet, in der es unter anderem heißt: Will das deutsche Volk seinen Lebensstandard erhalten und fich seiner Kultur entsprechend fortbilden, so fann dies nur ermöglicht werden, wenn die Ausfälle in unseren wirtschaftlichen Grundlagen wie in der Erzeugung und dem Absatz unserer Güter durch höchste Anspannung der Leistung, begleitet von sorgfältigster Kalkulation in allen öffentlichen und privaten HausDie deutsche haltungen bei größter Sparsamkeit gedeckt werden. Lohnturve entspricht in ihrem Ansteigen leider nicht der Wirtschaftskurve, die deutsche Lohnpolitit muß deshalb Bedacht darauf nehmen, den Anschluß an die Wirtschaftskurve nicht zu verlieren." 3u gleicher Zeit macht Herr Generaldirektor Piatschef die Deffentlichkeit mobil mit einem Appell an die Herren Finanz- und Arbeitsminister, die der Braunkohlenindustrie angelegten ,, Daumenschrauben" locker zu lassen. Gerade die Braun-. fohlenindustrie aber sollte mit Ermunterungen zur Sparsamkeit etwas zurüdhalten. Beispielsweise hat die Brauntohlen und Brikettindustrie A.-G., genannt„ Bubiag", vor 1918 etwa 10 000 morgen Rohlenfelder und Abbaurechte besessen, diesen Befizz jedoch bis zum heutigen Tage, also in wenigen Jahren dermaßen vergrößert, daß sie heute das Abbaurecht an etwa 200 000 Morgen im mondatsgebiet und etwa 300.000 Morgen im Mutungsgebiet besitzt und hat mit ungeheuren Kosten diesen Riesenbesitz abgebohrt. Sie ist selbst jetzt noch unentwegt dabei, diesen Besitz weiter zu vergrößern, obwohl sie also nach menschlichem Ermessen 500 Jahre mit Kohlenfeldern versorgt sein dürfte! Es mag sein, daß die Gesellschaften in der Inflation nicht wußten, wohin mit dem Gelde; auch drohte verschiedentlich ernsthaft der preußische Staat, dem Beispiel Sachsens zu folgen und das Abbaurecht im fursächsischen Mandatsgebiet zu verstaatlichen. lichen. Nachdem jedoch die Gesellschaften durch ihre riesige Gegenaktion, d. h. Kohlenfelderkäufe, der Deffentlichkeit den Berseis für eine staunenswerte Flüssigkeit" geliefert haben, ist ihre Ermunterung an Finanz- und Wirtschaftsminister, doch immerhin " Staats" beamte und nicht ihre Funktionäre, zur Sparsamkeit nicht ohne Humor. Wo blieb bei den Spekulationsgeschäften der Gesellschaften auf Jahrhunderte die Sorge um den„ Lebensstandard ihrer Arbeiter und Angestellten? Um die Kultur des deutschen Boltes aber wollen sie sich denn doch nicht mehr zu bemühen vergeben. Berantwortlich für Bolitik: Victor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Echitowski; Lokales und Sonstiges: Frik Rarstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Vaul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Metallbettstellen Kerbmöbel, Kinderwagen Diskret Teilzahlung bei sofort.Lieferung BALL Gr. Frankfurt. Str.47 gegenüb.Markusstr. Reparaturen anrufen Alex. 3186 Marten- Zigaretten kaufen Sie am billigsten Berlin, Kaiser- Wilhelm- Str. 32 Treppe Versand nach auswärts franko. Städtische Baugewert- Schule Berlin 28. 35, Kurfürstenstraße 141( Mag. 39) Semefterbeginn: Freitag, den 9. Ottober 1925 Hoch- und Tie bauabteilung Anmeldungen täglich 8 bis 4 Uhr im Bureau. SAISON AUSVERKAUF Einige vom 1. bis 20. Juli zu rücksichtslos herabgesetzten Preisen! Blusen aus Voile oder Zephir, zum Aussuchen. 95 PL Waschstoffe zum Aussuch. Pf. 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