Abendausgabe fr. 312 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 153 Beangsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Sonnabend 4. Juli 1925 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berlager: Borwärts- Berlag Gmb. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Sernsprecher: Donhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Ein Vorstoß der Zollwucherer. Die Opposition soll abgewürgt werden. Die wahren Abfichten der bürgerlichen Mehrheit im handelspolitischen Ausschuß wurden heute vormittag durch einen Borstoß der Bayerischen Volt spartei enthüllt. Wir haben nie darüber Zweifel gehabt, daß es den bürgerlichen Herren nicht auf eine sa chliche Durchberatung der gesamten und sehr verwickelten Materie ankommt, sondern nur daruf, möglichst sasch, wie Genosse Breitscheid feststellte, die Ernte in die Scheunen zu bringen." Nachdem Genoffe Sollmann in ganz außerordentlich eindruds voller Weise auf die verhängnisvollen Folgen der Erhöhung der Zollfäße für unerläßliche Hilfsmitter beim Wohnungsbau hingewiesen hatte, erhob sich der Bayerische Volksparteiler Dr. Horlacher, der Typus des bayerischen Bauerndoftors, um Schluß der Debatte fiber das Kapitel Steine und Erden" zu beantragen und gleichzeitig den Antrag zu stellen, tu der Spezialdebatte die Redezeit bei den einzelnen Pofifionen auf fünf Minuten zu beschränken. Der Vorstoß Horlachers ließ die Opposition in große Erregung geraten. Allenthalben empfand man den Antrag als eine Pro potation. Es hagelte Zwischenrufe, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrigließen und die in Verbindung mit den Erklärungen des Genossen Breitscheid und des Kommunisten Rosenberg den bürgerlichen Abgeordneten doch den Ernst der Situation zu Gemüte geführt haben dürften. Breitscheid ließ feinen 3weifel darüber, daß sich die Sozialdemokraten eine solche Behandlung nicht gefallen lassen werden. Er bezeichnete es als eine taum verständliche Kühnheit, daß die bürgerlichen Parteien nun schon bei der ersten Gelegenheit den Versuch unternehmen, die Aussprache.abzuwürgen. Für das Zentrum erklärte der Abg. Lammers, daß sich seine Fraktion vorerst gegen den Antrag der Bayerischen Volkspartei aus spreche, aber doch dringend um eine mögliche Konzentration in der Aussprache bitte. Der Vorsitzende machte dann bekannt, daß Hor lacher seinen Antrag zurüdgezogen habe. Stresemann gegen Schiele. Borhaltungen und peinliche Fragen. Die Angelegenheit des Schiele- Briefes vom 25. Mai war zunächst eine Angelegenheit Schiele. Kopfschüttelnd nahm die Deffentlichkeit von diesem Briefe Kenntnis. Dana murde fie durch die offizielle Erklärung der Deutschnationalen von gestern eine Angelegenheit Deutschnationale gegen Stresemann, heute ist sie zu einem Streitfall zwischen den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei gemorden. Die Deutsche Boltspartei veröffentlicht folgende Erklärung: In ciner Veröffentlichung ist aus deutschnationalen Kreisen darauf hingewiesen worden, daß sich der Reichsaußenminister in seinen verschiedenen ausführlichen Darlegungen über den Sicherheitspalt, z. B. in seinen Reden in den Sigungen vom 15., 18. und 24. März, an denen der Reichsminister Schiele teilgenommen hat, über wichtige Punkte des Memorandums, z. B. die Frage Der Entmilitarisierung des Rheinlandes, den Schiedsvertrag mit Frankreich und die Möglichkeit der Kombination mit einer oder aller in dem Memorandum gegebenen Anregungen, nicht ausdrüc lich ausgesprochen hätte, fodaß Herr Minister Schiele teine Veranlassung gehabt hätte, Bedenten gegen das Memorandum zu erheben, zu denen ihn nur die genaue Kenntnis des Wortlautes des Memorandums hätte veranlassen fönnen. Demgegenüber darf darauf hingewiesen werden, daß in der durch WTB. gebrachten Veröffentlichung der Reden des Außenministers über den deutschen Sicherheitsvorschlag ausdrücklich betont wurde, daß Deutschland bereit sei, mit allen Ländern Schiedsverträge auf der Grundlage der bisher von ihm geschlossenen Verträge zu schließen, sodaß schon daraus anzu. nehmen ist, daß diese Frage auch in seinen übrigen Darlegungen, über die Stenogramme nicht bestehen, ebenso behandelt worden ist. Wenn der Außenminifter überhaupt die gegenüber dem großen Gedanken des gegenseitigen Sicherheitsabkommens minder wichtige Frage einer gegenseitigen Garantierung der Entmili. tarisierung in diesen Reden nicht erwähnt haben sollte ,. so ist Herrn Minister Schiele sicherlich bekannt, daß auch diese Frage in einer Besprechung zwischen zehn Mitgliedern der deutschnationalen Reichstagsfraktion, dem Außenminister und dem Reichskanzler erörtert worden ist, fodaß die führenden Mitglieder feiner eigenen Frattion jedenfalls auch hierüber unterrichtet waren. Benn im übrigen eine Darstellung, die dem Berliner Lotal. Anzeiger" aus deutschnationalen Kreisen zuging, zutreffend ist, monach die Anregung zu der Ministerbesprechung vom 24. März von bem Reichsminister Schiele felbft ausgegangen ist, so entsteht die Frage, warum Herr Minister Schiele oder einer seiner deutsch nationalen Kollegen nicht in dieser Besprechung um die Ber Lesung oder Aushändigung des Memorandums ersucht hat, ein Ersuchen, dem doch selbstverständlich entsprochen worden wäre. Tatsächlich ist aber von feinem der deutschnationalen Minister an das Auswärtige Amt jemals das Ersuchen gerichtet morden, den Wortlaut des Memorandums fennenzulernen. Im übrigen ist politisch bebenfungopoll, daß Herrn Reichsminister Edhicle nach diefer Beröffentlichung aus deutjonctionalen Kreisen die übrigen Bunite des Memorandians, alfo insbesondere auch die datin enthaltene Anerkennung des Statusquo für die Weilgrenje, fcine Beranlajjung zu Bedenken gegeben habe. Das war der erste Borstoß der Reattion. Die Eozialdemokratie wird sich jedoch dadurch nicht beirren lassen und immer wieder darauf drängen, daß mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Folgen das Für und wider abgemogen wird, daß nicht das Volf als Opfer der fleinlichen Rafigier der wirt schaftlich Starken eine unerträgliche soziale Belastung erfährt. Nachzutragen ist noch, daß auch bei der heutigen Debatte die bürger lichen Parteien schwiegen. Hier blieb es dem Abg. Dr. Schneider( D. Bp.), der nach wie por in unerträglicher Ueberheblichkeit in die Geschäfte des Vorsitzenden hineinzureden versucht, vorbehalten, dem Abg. Raschig gegenüber zu bemerken, da er gar keine Antwort bekommen werde. Für die Herren ist von ihrem Standpunkt aus eben alles flat. Aus der sachlichen Aussprache ist noch zu unterstreichen die Begründung des Genossen Sollmann für den Antrag, daß der Arbeitsminister wegen der Einwirkungen der Zollerhöhungen auf den Baumarkt gehört werden soll. Er betonte dabei, daß die Er höhung der Preise durch die neuen Zölle die Bautätigkeit weiter hemmen müsse. Die Genossin Sender begründete den sozialdemofratischen Antrag, den Reichsbantpräsidenten Schacht gutachtlich über die Rückwirtung der Zollerhöhungen auf die Währung zu hören. Der Ausschuß trat dann in die 2bstimmung der Anträge zu den einzelnen Positionen ein. Dabei wurden die Anträge der Opposition gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten von der geschloffenen Front der Bürgerlichen ab. gelehnt. Beginn der Zollenquete. Die auf Antrag der Sozialdemokraten eingesetzte Enquete tommission wird am Montag ihre Arbeit beginnen. Auf Beschluß des Handelspolitischen Ausschusses wurden zu gleichberechtig Prof. Rabethge. Zu Beisitzern wurden bestimmt die Herren ten Vorsitzenden berufen: Prof. Dr. August Müller und Barmbold, Sering, Aereboe und Sadawe. Die Kommiffion wird außerdem durch Vertreter der verschiedenen Fraktionen verstärkt. Diese parteioffiziöse Erklärung der Deutschen Bolfspartei zerschlägt den deutschnationalen Bersuch, die Berantwortung für die Politik des Sicherheitspattes von den deutschnationalen Ministern abzuwälzen. Sie stellt fest, daß Herr Minister Schiele- um im deutschnationalen Jargon zu reden bereit war, die schmachvollen Bedingungen des Bersailler Bertrags noch einmal zu unterzeichnen und Elfaß Lothringen noch einmal und auf ewig preiszugeben. Soweit ist die Briefangelegenheit ein Streitfall zwischen den beiden rechten Regierungsparteien. Sie ist zugleich ein persönlichen Streifall Schiele Stresemann. Der Brief Schieles und die Erklärung der Deutschnationalen dazu bezichtigen Stresemann der Eigenmächtig feit und hinterhältigkeit. Die Antwort Strese manns aber bezichtigt den Minister Schiele der Unwahrhaftigkeit. Oder soll man annehmen, daß die peinlichen Fragen und Borhaltungen dieser Antwort nur dazu dienen sollen, Herr Schiele als einen Minifter hinzustellen, dem nicht einmal feine eigenen Parteigenossen fagten, was los ist? Wenn der Reichsaußenminister und der Reichsinnen minister mit so scharf pointierten Erklärungen in der Deffentlichkeit sich auseinandersehen, wird man wohl sagen dürfen, daß die Einigkeit" im Kabinett sehr problematisch ist. Stresemann gegen Reventlow. Eine offiziöse Erklärung. Durch WTB. wird erklärt: China in Aufruhr. Bon Richard Huelsenbed. Der Berfaffer schildert die Eindrüde, die er mährend einer Reise durch China im Frühjahr d. I. erhalten hat. ( Red. d.„ Borwärts".) Wenn man den Jangtse hinauffährt, fieht man auf den Höhen, die den Fluß links und rechts begleiten, Kanonen stehen und neben den Kanonen Soldaten in Katiuniform und mit Schildmüßen, die auf die etwas schiefen Mongolenschädel nur miderwillig passen. Wenn man durch Nanting oder Ranton fährt, sieht man in den Straßen fast mehr Soldaten als Zivilisten. Das ganze Land ist militarisiert, und in der allgemeinen Spannung weiß niemand, an welcher Ecke der Kampf wieder losgehen wird, Die Mandschurei wird von Tschangtfolin beherrscht. Er ist ganz offensichtlich ein gefügiges Werkzeug der Japaner, die ihn von Dalny und Port Arthur aus mit Kriegsmaterial unterstützen. Kürzlich hat ein deutsches Schiff, der Stadtrat Fischer", ein Dampfer der Hamburger Reederei Schroeder, Hoelfen u. Fischer, Munition für Tschangtsolin nach Dalny gebracht; und zwar deutsche Reparationsmunition, die von Livorno aus mit Hilfe italienischer Großindustrieller verschoben wurde. Das ist eine dunkle Affäre. Ich sah den Dampfer, einen richtigen schwimmenden Sarg, in Niederländisch Indien, in Sabang, das er als Nothafen angelaufen hatte. Es ist ein trauriges Schauspiel, wenn man sieht, wie sich die Kapitalisten der Länder in die Hände arbeiten, wenn irgendwo Mord und Totschlag ist. Seitdem Dr. Sunyatsen geftorben ist, macht die Demofratie, deren Führer er war, in China rasende Fortschritte. Bei der Beurteilung dieses Prozesses fommt einem zum Bewußtsein, daß das politische Problem des Ostens und speziell Chinas zum großen Teil ein fulturelles Problem ist. erfolgreich wehren will, muß es moderne technische Methoden Wenn China fich gegen die weißen Mächte und Japan annehmen, die feine uralte, auf den Konfuzianismus gegrünbete Kultur zu einer vollkommen veränderten Einstellung, menn nicht zur Auflösung bringen werden. Es muß fich genau so amerifanisieren, wie es Japan im letzten Viertel jahrhundert getan hat. Nun fann der Chinese aber nicht so leicht ein Rompromiß schließen wie der Japaner, der eigentlich ein geborener ernsterer, gediegenerer Mensch, dem nichts an äußeren ErKompromißler ist. Der Chinese ist ein viel verinnerlichter, folgen liegt, wenn man ihn in Ruhe läßt. Diese Ruhe wird man ihm aber nie laffen, denn der ja panische Imperialismus ist mit absoluter Not wendigkeit auf die Erschließung Chinas und seiner Rohstoffe angewiefen. Der direkte Feind Chinas ist Japan. Die Rolle Englands ist komplizierter. Wenn England heute seine Konzeffionen in China verlöre, würde seine ganze Stellung im Osten aufs schwerste erschüttert sein. Sein Ber luft wäre zunächst ein Prestigeverlust( da der Schwerpunkt der öfonomischen Macht Englands im Often, in Indien, zu suchen ist), aber aus diesem Prestigeverluft fönnten fich die ungeheuerlichsten materiellen Katastrophen ergeben. Demokratie in China ist zugleich extremer Natio nalismus. Sympathie mit den Formen westlicher Kultur gibt dem Chinesen das Gefühl der Stärke und der Widerftandsfähigkeit gegen seine Bedränger. Deshalb wird Sunnatsen heute als der größte Führer seines Landes, als der chinesische Bismard" gefeiert. Die Gegensätze zwischen Wupeifu und Feng( dem christlichen General) und selbst Tschangtfolin find unwefentlich gegenüber der Frage, ob China in absehbarer Zeit fähig fein wird, seine technischen Methoden so zu stärken, daß es den Mächten ein Baroli bieten kann. Der Abgeordnete Graf Reventlow tommt in Nr. 305 der Bis dahin ist allerdings noch ein weiter Weg. Deutschen Zeitung" vom Freitag den 3. Juli auf die Frage der Ruhrräumung zurück und vertritt ebenso wie in seinem die es infolge des Mangels an Zeitungen und der BildungsDazu gehört vor allen Dingen eine öffentliche Meimmg, früheren am Sonntag den 2. Juni in der Deutschen Zeitung" verlosigkeit der breiten masse nicht gibt. Maffe öffentlichten Aufsatz die These, daß Frankreich nicht ver pflichtet wäre, bis zum 16. August die Ruhr zu räumen, da in dem Notenwechsel zwischen der deutschen und der französischen Regierung im vergangenen Sommer während der Londoner Konferenz für den Spätesttermin, den 16. August d. Js. lediglich versprochen worden wäre, zur Räumung des Ruhrgebiets zu schreiten. Falsche Uebersehungen änderten daran nichts. 44 Die Behauptung, daß der Brief des französischen und belgischen Ministerpräsidenten an den Reichskanzler Marg vom 16. Auguft 1924 falsch übersetzt worden sei, muß auf das entschiedenste zuDer Ausdrud, ils procederont a rüdgewiesen werden. l'evacuation militaire du territoire de la Ruhr dans le delai maximum d'un an à partir de ce jour, ist vollkommen zutreffend dahin übersetzt worden, daß die französische und belgische Regierung innerhalb einer Höchftfrist von einem Jahre, vom 16. August 1921 ab gerechnet, die militärische Räumung des Ruhrgebiets vornehmen merden. Die These des Grafen Reventlow findet weber in dem Wortlaut der auf der Londoner Konferenz gewechselten Briefe noch in den Tatsachen eine Stüge und wird zudem durch die Auslegung, die französischerfeits diesen Briefen gegeben wird, miderlegt. Eine Rennzeichnung dieses Borgehens des Grafen Reventlom, das fich lediglich aus dem Bestreben erklärt, der deutschen Regierung um jeden Breis Schwierigkeiten zu bereiten, erübrigt sich. 27 Die offiziöfe Erklärung vergißt hinzuzufügen, daß die Deutsche Seitung" nidjt nur vom Grafen Reventlom, sondern auch von her porragenden Mitgliedern der deutschnationalen Regierungspartei als Sprachrohr benutzt wird. Red, d.„ B" Die Studenten, die protestierend den Bund" in Schanghai hinunterziehen, haben in Berlin und Paris ftudiert und find nur ein verschwindend fleiner Teil diefes an Masse gewaltigen Volkes. Man darf sie als Revolutionäre nicht allzu tragisch nehmen. Es ist zum Beispiel interessant, zu wissen, daß es in der zivilisatorischen Epoche des flassischen China schon einmal eine Art Ruo- Min- Tang", eine revolutionäre Bartei gegeben hat. Der Marr der damaligen Zeit hieß Mohti. Wenn man bedenkt, welcher Abstand zwischen der Realität des chinesischen Lebens und der Theorie von Lenin besteht, erscheint es taum glaubhaft, daß die augenblicklichen Konflikte mit einer Bolschemisierung endigen werden. Herr Rarachan glaubt vielleicht die Fäden der chinesischen Erhebung in der Hand zu haben, aber er verwechselt den Bauer Rußlands mit dem Bauer Chinas. Dieser ist politisch niemals bedrückt gewesen und lebt heute noch, wenn es gerade feine Hungersnot gibt, glücklich und zufrieden dahin. Er ist fogar der ausgesprochen antipolitische Mensch der ganzen Erde. Es gibt nichts Neutraleres, Desinteressierteres als den chinesischen Bauer. Alles andere ist Romantit. Hier fehlt jede Grundlage für das Begreifen marristischer, also westlicher, alfo europäischer Ideen. Was schert es den Chinesen des Nordens oder des tiefen Inneren, menn in Bonfong ein englisches Kanonenboot anfert? Das Erwachen Chinas wird noch einige Zelf Sauern.| Joff beretts jetzt in bas Finanzausgleichsgefek eine Beftimmung ein Hier gibt es ja faum moderne Proletarier in unserem Sinne. gefügt werden, wonach Die Rolle der Amerikaner ist genau die gleiche abmartende wie sie von Washington Europa gegenüber geübt wird. Man wartet auf seinen Moment. Daneben wird eine intensive Kulturpropaganda getrieben, wobei die Ueberlegenheit des amerikanischen Films eine nicht zu verachtende Rolle spielt. Es ist lächerlich, zu behaupten, daß die Deutschen in China sehr geliebt und geachtet werden. Der gebildete Chinese tendiert, ebenso wie der gebildete Japaner zum Angloamerikanismus. Seitdem die Deutschen durch den Krieg ihre Erterritorialität verloren haben, hat man feinerlei Grund mehr, sich über fie zu ärgern. Da der Chinese ein anständiger Mensch ist, entsinnt er sich mit Widerwillen, wie die Deutschen in Schanghai und Hongkong von den Engländern fujoniert wurden. Zusammenfassend kann man sagen, daß sich China in einem schnell fortschreitenden Um- und Auflösungsprozeß befindet, daß es unwahrscheinlich ist, daß dieser Prozeß bei dem Charakter des chinesischen Bauern und der technisch weit über ragenden Macht Japans und Englands mit Bolschemismus enden wird, daß man aber täglich Ueberraschungen erleben fann, die fich nicht voraussagen lassen. Sie haben keine Eile. Außenpolitische Debatte nach der deutschen Antwort. Nach der geftrigen Geschäftsordnungsdebatte im Reichstag, hat fich der Reichstagspräsident Löbe noch gestern abend mit dem Reichstanzler in Verbindung gesetzt. Dr. Luther hat seine Bereit willigkeit ausgesprochen, unmittelbar nach der Absendung der deutschen Antwort auf die Note Briands, und zwar vom 15. Juli ab, eine Regierungserklärung abzugeben. Aus diefer Antwort des Reichstanzlers geht hervor, daß die deutsche Antwort auf die Note des französischen Außenministers etwa zwischen dem 12. und 15. Juli nach Paris abgehen wird. Am Mittwoch wird der Reichskanzler an der Sigung des Meltestenausschusses teilnehmen, um über den genauen Termin der außenpolitischen Debatte eine Berständigung zu erzielen. Räumung von Gelsenkirchen. Zum 15. Juli. Effen, 4. Jufl.( TU) Der Stadt Gelsenkirchen ist von der Befahungsbehörde offiziell mitgeteilt worden, daß die Stadt Gelfenfirchen von den Besatzungstruppen bis zum 15. Juli geräumt. wird Die gleiche Benachrichtigung ist den Gemeinden im Bannkreise Gelsenkirchen zugegangen, in denen noch franzöfifche Truppen liegen. Recklinghausen wird wahrscheinlich bis zum 14. Juli von der Bejagung geräumt werden. Die Stadtverwaltung hat von der Besatzungsverwaltung ein Schreiben erhalten, in dem räumt wird. Die gleiche Benachrichtigung ist den Gemeinden im einzelnen Wohnungen in den nächsten Tagen erfolgen werde. Die Uebergabe der Wohnungen an die Stadtverwaltung soll in der Zeif vom 9. bis einschließlich 14. Juli vor sich gehen. Bayern unter Kuratel. Der Umfall der Rechtsparteien beim Finanzausgleich. Die Geschwindigkeit des Umlernens der Rechtsparteien erregt allmählich faum noch Erstaunen. Bei der Beratung des Finanz ausgleichs haben sie angebetet, was sie bisher verbrannt haben. Die dreimal verfluchte Erzbergersche Steuerreform mit der Her stellung der absoluten Steuerhoheit des Reiches findet jetzt nirgends so glühende Anhänger als bei den Deutschnationalen. Den Gipfel dieser Entwicklung stellt aber die in Aussicht genommene gefegliche Verpflichtung der Länder und Gemeinden zu einer Finanzstatistit nach den Wünschen der Reichsregierung dar. Im Zu jammenhang mit den Problemen der Einführung des Zuschlagsrechts Feriengefahren. Hygienisches für die Wanderzeit. Bon Hans Rössint. Wenn die Biesen mit Blumen befät sind und die Linden in Blüte stehen, dann treten in Schwärmen Insekten aller Art auf den Blan. Bienen und Wespen. Stechmüden und Fliegen werden dem Wanderer nicht nur recht läftig, sondern oft sogar gefährlich. Ist auch der Stich einer Fliege, selbst einer Biene an sich nur eine harmlose Verlegung, so fann doch eine schlimme Entzündung daraus entstehen, wenn das Infeft vorher auf einem Kadaver gefeffen hat. Als Vorbeugungsmittel gegen folche Insektenstiche ist die Tinitur aus der Bertrammurzel sehr gut. Sie wird start mit Wasser ver. dünnt, und Gesicht und Hände werden damit eingerieben. Hin reichend lange, etwa 12 Stunden, ist. man dadurch vor allen Beläftigungen durch Infeften sicher. Bienenstiche allerdings mirò man badurch nicht immer verhindern können. Viele Personen find gegen Stiche der Bienen besonders empfindlich. Meist treten infolge eines Bienenstiches brennende Schmerzen, Juden, Anschwellungen und Entzündungen auf. Man entfernt zunächst den Stachel, indem man ihn an dem herausragenden Ende faßt und herauszieht. Dann wird die Wunde ausgefogen und mit einigen Tropfen Salmiat ein Zur Linderung der Schmerzen fann man außerdem gerieben. etmas feuchte Erde auf die Haut packen. Auch Einreiben der Stelle mit füßer, völlig frischer Milch bewirkt bald ein Nachlassen der Schmerzen. 3ft unglücklicherweise ein Infekt in den Mund geraten, so fann ein Stich bedentliche Folgen haben. Kindern und Erwachsenen passiert dies hin und wieder beim Essen von Früchten. Man feuchtet in diesem Falle einen Teelöffel voll Kochsalz mit Wasser an und verschluckt diefe Mischung. Das Mittel ist zwar wenig angenehm, aber auf alle Fälle laffen die Schmerzen und die Schwellung sofort nach. Die Gefahr, mit einer giftigen Schlange Bekanntschaft zu machen, verringert fich in unseren Gegenden von Jahr zu Jahr. Zu fürchten ist von allen Schlangenbissen nur der Biß der Kreuzotter. Dieses Reptil ist leicht an bem dunklen Streifen erkenntlich, der im Zid zad über die ganze Länge des Rüdens läuft. Besonders auf der Hut vor diesen Lieren muß man auf sonnigen Heide und Wiesenflächen und in Walddichtungen fein. Sie halten sich unter Gestrüpp oder Steinen gern verborgen. Bewegt sich eine Kreuzotter fort, so tann man sie leicht mit einem Stockschlag töten. Ist fie dagegen zusammengerollt, so sehe man sich vor, da sie dann ihren Kopf außer ordentlich weit vorzubeugen vermag. Erstes Erfordernis bei einem Schlangenbiß ist die Abschmürung des durch den Biß verlegten Körperteils. Das fann mittels eines Hosenträgers, eines Riemens oder auch eines Taschentuches geschehen. Man fperrt dadurch den Blutkreislauf für das betreffende Glied ab und verhindert so, daß fich das Gift im ganzen Körper verbreitet. Darauf muß die Wunde cusgesaugt werden. Für diese Samaritertätigkeit fann aber nur jemand in Frage kommen, dessen Lippen und Mund feinerlei Verregungen aufweisen. Prattisch ist es auch, die Wunde( nach Ab Schnürung des Gliedes) durch Drüden mit ben Fingern ausbluten a) Länder und Gemeinden verpflichtet werden follen, unter besonderer Versicherung der Richtigkeit allmonatlich Uebersichten über die Eingänge an Reichssteuern, Landessteuern, Gemeindesteuern und anderen öffentlichen Abgaben einzureichen; b) Länder und Gemeinden verpflichtet sein sollen, den Reichsfinanzbehörden alle erwünschten Auskünfte über Eins nahmen und Ausgaben insbesondere auch durch Beantwor= tung von Fragebogen zu geben, ihnen Einsicht in die Haushaltspläne und Jahresrechnungen zu geben und ihnen Haushaltspläne und Jahresrechnungen laufend einzureichen. fo notwendig es ft, im eigenen Haufe alles zu tun, was immer mir tönnen nicht vergessen, daß diese Frage auch eine internationale Seite hat. Es gibt nur einen einzigen Weg. die Lebenshaltung der britischen Arbeiterschaft zu verteidigen, und der besteht darin, die Lebenshaltung der außerenglischen Arbeiter an die britischen anzugleichen. Die eine Möglichkeit führt über die Amsterdamer Gewertschaftsinternationale und besteht darin, daß aus Amsterdam eine wahrhafte Rampforganisa. tion gemacht wird, ein Generalstab, der den deutschen, franzö fischen und russischen Arbeitern, insbesondere den Bergarbeitern dieser Länder, zu Löhnen verhilft, die den englischen angepast find. Eine andere Möglichkeit besteht darin, über ganz Europa hin, in allen großen Industriestaaten eine Agitation für die Ratifi, Diese Bestimmungen bedingen eine unumschränkte Auszierung der Washingtoner Ronvention über den funftspflicht. Sie würden für die Gemeinde eine vollständige Achtstundentag zu organisieren. Unterstellung der gemeindlichen Finanzgebarung unter das Reich bedeuten und das Verhältnis der Gemeinden zu den Ländern ganz und garumstürzen. Darüber könnte man sachlich aber durch aus mit fich reden lassen. Was macht aber die bayerische Regierung bei diesem geradezu revolutionären Borgehen der Rechtsparteien? wird sie nicht geradezu unter Kuratel gestellt? Kann das bayerische Staatsbewußtsein" es ertragen, vor den Breußen" in Berlin Rechenschaft über Einnahme und Ausgabe ablegen zu müssen? Man stelle sich nur einmal vor, daß etwa die Regierung des Dr. Joseph Wirth es gewagt hätte, mit solchen Gedankengängen auch mur zu spielen! Die ganze Rechtspresse würde vor Entrüstung ge schäumt haben. Jetzt sind die Rechtsparteien am Ruder, jetzt übers fchlagen sie sich geradezu in zentralistisch- unitaristischen Ertragung zwischen den fohlenexportierenden Ländern über eine Beendi vaganzen. Jugendschutz. Beratung im Reichstag. In der heutigen Reichstagssigung, die schon 12,20 Uhr begann, berichtete die Abg. Frau Schröder( Soz.) über die Ausschußperhandlungen über das Gesez zum Schuge der Jugend bei Lustbarkeiten. Nach diesem Gesez sollen für bestimmte öffent liche oder nichtöffentliche Luftbarkeiten, Schaustellungen und Darbietungen aller Art der Besuch oder die Beschäftigung von Minderjährigen unter 18 Jahren verboten oder eingeschränkt werden, wenn eine Schäidgung ihrer sittlichen, geistigen oder gesundheitlichen Enteine Schäidgung ihrer sittlichen, geistigen oder gesundheitlichen Ent midlung zu befürchten ist. In gleicher Weise tann die Beschäftigung von Minderjährigen bei Lichtspielaufnahmen verboten oder einge schränkt werden. Genossin Schröder mies darauf hin, daß insbesondere in der Filmindustrie ein verstärfter Rinderschuß notwendig sei. Schon die Erwachsenen, die bei den Filmaufnahmen beschäftigt find, schildern häufig genug, mie nervenzerrüttend ihre Tätigkeit sei. Diese Wirkung muß auf Kinder noch viel schlimmer entweder bei schlechter Luft in geschlossenen Räumen oder im Staub sein, besonders wenn man berücksichtigt, daß die Filmaufnahmen bei Sonnenbrand und scharfem Licht vorgenommen werden. Berlin habe zwar schon selbständig polizeiliche Maßnahmen dagegen ergriffen, aber eine reichsgefehliche Regelung dieser Materie sei nicht länger aufzuschieben, da die Berliner Filmindustrie sich auch außer halb Berlins, so besonders in Neubabelsberg angefiedelt habe, wohin der polizeiliche Schuh nicht reicht. Auch in der zweiten großen Filmzentrale in München haben die Kinder feinerlei polizeilichen Schuh bei Filmaufnahmen. Internationale Wirtschaftsregelung. Eine Anregung Brailsfords. Die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale sprach fich, wie mir gestern meldeten, für die Herstellung eines einheit lichen europäischen Wirtschaftsverbandes aus. Die sozialistische Internationale berät in diesen Tagen in London über die großen politischen Fragen des europäischen Kontinents. So werden auch für die deutsche Sozialdemokratie Anregungen wichtig, die( laut einer Mitteilung unseres Londoner Mitarbeiters) der Herausgeber des Nem Leader, Brailsford, in dem heute erscheinenden Heft seiner Wochenschrift gibt. Gegenüber der negativen Politit Baldwins und der selbst. mörderischen Politik der niedrigen Löhne wird der kommende ( außerordentliche) Gewerkschaftstongreß ein eigenes pofitives und tonftruttives Programm aufzustellen haben. Bir dürfen aber dabei zu laffen und fie mit heißem Wasser auszuspülen. Ist tein Verbandstoff zur Stelle, so verbindet man sie mit einem Taschentuch, das mit Matte oder Wollstoff bedeckt wird. Der Verband muß öfters gewechselt werden. Ist der Gebiffene eine erwachsene Berfon, fo kann er auch das alte, bewährte Mittel des Gegengiftes in An wendung bringen, indem er sich mit Wein oder Branntwein einen jedem einzelnen Falle so rasch als möglich einen Arzt zu rufen. tüchtigen Rausch antrinft. Unbedingt notwendig aber ist es, in Neben gefährlichen Insekten und Reptilien tann auch die Sonne die Ursache einer Reihe von Beschwerden und Gefahren sein. Die Beit, da die Frauen nichts so fürchteten als die Verunzierung ihrer Haut durch Sommersprossen, ist heute freilich vorüber. Immer hin barf die Vorliebe für eine tüchtig verbrannte Haut nicht so weit gehen, daß man sich mutwillig der Gefahr des Sonnenbrandes ausfetzt. Die dadurch hervorgerufene Hautabschalung mag zwar ein schen empfinden den durch intensive Sonnenbestrahlung hervor Gemaltmittel zur Bräummg der Haut sein, aber die meisten Men gerufenen Hautbrand doch als unangenehm. Er ist schmerzhaft. Golbereme und ähnliche Mittel. Um sichersten wirft die Chinin' Gegen die Entzündung der Haut gebraucht man Baseline, Glyzerin, Cinzerinjalbe. Ein häufiges llebel in der Sommerfrische sind Magenschmerzen. Durch förperliche Bewegung, Wandern, Rudern, Schwimmen usw. in der fauerstoffreichen Luft wird die Eßluft sehr gesteigert, und es fann leicht einmal zu einer Ueberladung des Magens tommen. Am häufigsten ist dies der Fall bei Kindern, und diese leiden weit stärker darunter als Erwachsene, bei denen meist ein Fasttag genügt, um den Magen wieder in Ordmmg zu bringen. Man bringt ein Rind, das sich den Magen verdorben hat und infolgebeffen leicht fiebert, zu Bett und macht ihm nasse Umschläge um den Leib. Die Umschläge sind innerhalb 24 Stunden zweis oder dreimal zu er neuern. Als Heilmittel gibt man Rhabarbersirup oder Wermuttee. Tritt Magenkrampf auf, so macht man sehr warme Umschläge auf den Magen, entweder feucht oder trocken( von Kartoffeln oder Kleie). In vielen Fällen hilft bereits ein Schlud warmen Tees. Gefahren drohen in der Reisezeit also von recht verschiedenen Stellen. Unheilvolle Tiere, Sonnenstrahlen und die Eßlust des Menschen können manchen Mißklang in das Idyll der Sommer frische bringen. Auch hier gilt der afte Erfahrungsfag, daß Bor ficht zu allen Dingen gut ist. Alte Meister in der Akademie der Künste. Am Sonnabend, den 11. Juli, beginnt in der Akademie der Rünfte eine Ausstelling von Werten alter Meister, zu deren Eröffnung der Präsident der Akademie, Mag Liebermann, folgende Notiz verfendet: stützung der Akademie der Künste in deren Räumen veranstaltete Die von dem Kaiser- Friedrich- Museum- Berein mit UnterAusstellung alter Meister aus Berliner Besiz ist die erste Veranstaltung dieser Art, die seit dem Kriege in Berlin stattfindet. Außer den Mitgliedern des Vereins find auch die Berliner Privatsammler zur Mitwirtung mit aufgefordert worden. Demgemäß hat denn auch zur Mitwirkung mit aufgefordert worden. Demgemäß hat denn auch die Uebersicht über die verschiedenen Schulen und Kunstströmungen Wir möchten aber eine Anregung machen, die über diese hier angedeuteten Schritte noch hinaus geht. Es hat Weltkonferenzen über Rüstungsfragen geben, warum beruft man feine Weltmirt fchaftsfonferenz mit der Aufgabe der Eröterung der Kons furrenz infolge der Verschiedenheit der Lebenshaltung der Arbeiterschaft der verschiedenen Länder ein?... Diese Konferenz müßte fich sofort an die Frage der Arbeitszeit machen. Sie müßte die noch viel schwierigere Frage eines internationalen Lohnstandards untersuchen. Sie müßte einige der schmic. rigsten Probleme, nicht nur in großen Linien, sondern im Detail durcharbeiten, z. B. ob nicht die Kohlenkommission der Kriegszeit wieder ins Leben zurückgerufen werden müßte und eine Verständigung der Konkurrenz und eine gegenseitige Abgrenzung ihrer Märkte vorgenommen werden könnte. Gie tönnte überdies das Wert der Genfer Konferenz wieder aufnehmen und ihre Anregung einer Ber ständigung der Banten zweds Stabilisierung des allgemeinen Preisniveaus durchführen. Wer zu dieser Konferenz die Einladungen verschicken soll, die britische Regierung oder der Völkerbund, das ist eine Frage weiten Ranges. Die Frage besteht für uns darin, auf welche Art und Weise die Arbeiterscha ft Englands und der anderen Länder am besten eingesetzt werden könnte, um die verschiedenen Regierungen zur Unterstützung einer solchen internationalen Lösung zu veranlassen. Mit einer Konkurrenz auf Leben und Tod ruinieren sich die Exportländer in einer Zeit, in der die Märkte zusammen. schrumpfen, nur gegenseitig ebensosehr, wie sie durch Rüstungen Abhilfe besteht in einem gemeinsamen Borgehen. ihre gegenseitige Vernichtung vorbereiten. Die einzige radikale Die Lage in China. Washington gibt London nach. Paris, 4 Juli.( WTB.) Eine offizielle Mitteilung der Regierung der Bereinigten Staaten bejagt: Man beschäftigt sich mif feinem Vorschlag, eine internationale Konferenz einzuberufen, um die Frage der Erterritorialität in China zu beraten. China zwischen England und Frankreich. Der englische Botschafter Lord Crewe hatte gestern nachmittag eine Unterredung mit Briand über die Ereignisse in China. Die Unterredung war die Folge der chinesischen Note über die Aufhebung aller Exterritorialitätsrechte. Es tam auch die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über China zur Sprache. Briand gab dem englischen Botschafter die 3asicherung, daß das Parlament diese Vorlage noch vor den Ferien ratifizieren werde. Die Konferenz über China tann folange nicht zusammentreten, als die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens nicht durch alle machte erfolgt ist. Die örtliche Lage. Jn Shanghai arbeiten die englischen Truppen seif Freitag eifrig an dem Ausbau einer Berteidigungsstellung. Schüßengräben werden an der Grenze des Europäerviertels ausgehoben. Die Streifenden verhalten sich indes völlig ruhig. In anting tam es zu Streifrevolten. Jn Hongkong dehnt sich der Streit weiter aus. Diesmal eine größere Ausdehnung und Vielseitigkeit gewonnen, was schon an der Zahl der ausgestellten Werte bemerkbar wird. Es sind nicht nur die Perioden vertreten, die den früheren Ausstellungen hauptsächlich das Gepräge verliehen haben, sondern auch bisher weniger beachtete Beiten und Richtungen, wie der sogenannte niederländische Manierismus des späten 16. Jahrhunderts, die italienische Spätrenaissance, das Barod und das Rofoto. Auch die französische, englische und holländische Malerei des 18. Jahrhunderts ist in größerem Umfange als früher vertreten. Wir hoffen auf diese Weise nicht nur dem Sammler neue Anregungen zu vermitteln, sondern auch dem Kunsthistoriker unbekann tes, wertvolles Forschungsmaterial zugänglich zu machen. Troß dieses weitergezogenen Rahmens sind auch die großen flassischen Namen in einzelnen bisher nicht gezeigten Bildern ver treten, so Rembrandt, Rubens, van Dyd, Hals, Greco, Goya, Tinmenigen Jahren entdeckte und bisher nicht ausgestellte Heilige a toretto und Tiepolo. Besondere Beachtung verdient eine erst vor milie von Dürer. In besonderer Reichhaltigkeit mird die holländische der Sittenbild- und Landschaftsmaler, unter den letzteren wird Jacob Malerei des 17. Jahrhunderts vertreten sein, namentlich die Werfe Ruisdael mit einer imposanten, alle Seiten feines Schaffens repräfentierenden Kollektion einen Mittelpunkt bilden." Bühne schreibt uns: Der größte Teil der Gläubiger der GoetheKonkurs der Goethe- Bühne G. m. b. H. Die Leitung der GoetheBühne G. m. b. 5. hatte im Januar 1925 ein Moratorium bis zum Herbst bewilligt, nachdem Herr Direktor Otto Peterson von der LeiLeitung zunächst übernommen, es hat sich aber herausgestellt, daß es tung zurückgetreten war. Herr Robert Pirt hatte die künstlerische unmöglich war, selbst bei anerkannten Leistungen und gutgehendem Geschäft die Schuldenlast der Goethe- Bühne G. m. b. 5. in irgend Geschäftsführung den konkurs der G. m. b. H. beantragen. Die einer nennenswerten Weise zu verringern. Infolgedessen mußte die Eigentümerin hat bereits die Räumung des Theatergrundstücks durch Sommerdirektion nehmen mit Zustimmung der Vermieterin ihren die zahlungsunfähige B. m. b. 5. bewirkt. Die Aufführung der Fortgang. Die Goethe- Bühne wird durch eine neue Betriebsgefell. schaft in unveränderter Form weitergeführt werden. Alle Engage ments. und Aufführungsverträge für die nächste Spielzeit bleiben bestehen. Die Zusammenarbeit mit den maßgebenden Besucherorganisationen ist gewährleistet. Die künstlerische Existenz der Goethe. Bühne wird also durch den Zusammenbruch der alten G. m. b. 5. in feiner Weise berührt. freundete Dame malen und sprach davon zu Freund und Kollegen Er weiß Bescheid. Hans Thoma wollte einmal eine be. Wilhelm Trübner. Der schüttelte den Kopf:„ Tun Sie das nicht! Porträtmalen zerstört die Freundschaft." Rofe Theater: Die vertagte Nacht." Tribune: Die Liebenden." Erstaufführungen der Woche. Monf. Staatstheater: Kreuzfeuer." Dienst. illertheater: Annemarie." anläglich der 600. Bieberfehr des Jahres, an dem der Name Amfterdam 600- Jahrfeler Amfterdams. Amsterdam veranstaltet den Sommer über zum ersten Male in der Geschichte auftauchte, eine große Ausstellung der Berte hervorragender holländischer Maler. " Moskauer Echo. Einmütige Ablehnung der ruffischen Justizkomödie. T Der Zweck des Moskauer Prozesses mit seinem von pornherein feststehenden Todesurteil gegen die drei deutschen Studenten liegt so auf der Hand, daß kein Mensch in Deutschland darüber im unklaren ist. Die ganze deutsche Presse urteilt über das Verfahren der Moskauer Tschekisten nollfommen einmütig. Wenn die Herren des Politbureau" gedacht haben, einen besonders schlauen Schach zug mit diesem Prozeß zu tun, dann können sie sich an dem Widerhall der deutschen Deffentlichkeit davon überzeugen, daß widerhall der deutschen Deffentlichkeit davon überzeugen, daß diese Schlauheit ein für sie gefährlicher Irrtum gewesen ist. Mit Recht wird von verschiedenen bürgerlichen Blättern, die fich in letzter Zeit ziemlich mohlwollend gegenüber der Sowjetregierung verhalten haben, darauf hingewiesen, daß Sowjets rußland sich durch den Moskauer Prozeß selber den schlechtesten Dienst geleistet habe. Bom Standpunkt einer realistischen Auslandspolitik erscheint es in der Tat völlig unverständlich, daß in einer Zeit hochwichtiger politischer Entscheidungen versucht worden ist, ein so plumpes Erpressungs manöver gegen Deutschland zu unternehmen, das nur geeignet ist, entgegensete Resultate zu zeitigen, als die Regisseure im Kreml es sich vorgestellt haben. id Die einzige Erklärung für die riesengroße Dummheit, die die maßgebenden Leiter der russischen Politik begangen haben, dürfte wohl darin zu suchen sein, daß bei der Inszenierung der Moskauer Justizkomödie in den regierenden Kreisen offenfichtlich jene Richtung die Oberhand gewann, die dem Agita tionsbedürfnis der Kommunistischen Partei entgegenzufommen sucht und die anderseits der Meinung ist, daß man Deutschland alles bieten dürfe. Die verhängnisvolle Schwäche, die die Reichsregierung unter dem Einfluß der für eine öftliche Drientierung schwärmenden Stellen im Auswärtigen Amte Der Moskauer Regierung gegenüber an den Tag gelegt hat, ebenso wie die nationalbolschemistischen Strömungen, die in rerschiedenen rechtsgerichteten deutschen Kreisen vorhanden find, scheinen in der Tat bei maßgebenden fommunistischen olitikern die Ueberzeugung hervorgerufen zu haben, daß die unverschämtesten Erpressermethoden Deutschland gegenüber am angebrachtesten seien. Potsdamer Anmaßungen. Magistratsbeschluß gegen Schwarz- Rot- Gold. Die sozialdemokratische Stadtverordneten frattion in Potsdam hat durch den Stadtverordnetenvorsteher an den Magistrat fünf Fragen gerichtet, in denen es sich hauptsächlich um die Nichtbeflaggung städtischer Schulen, die Nichtverwendung von Schwarz- Rot- Gold handelt, während Schwarz- Weiß- Rot als Flaggenschmuck an städtischen Gebäuden prangte. Die letzte der Fragen erbat vom Magistrat Ausfunft, ob er eine Wiederholung solcher Vorfälle verhindern und dafür mtlichen Feiertag Fahnen in den vom Reichspräsidenten von forgen molle, daß zumindest die städtischen Schulgebäude am nächsten Hindenburg beschworenen schwarzrotgoldenen Farben des Deutschen Hindenburg beschworenen schwarzrotgoldenen Farben des Deutschen Reiches flaggen fönnen. Obwohl die Interpellanten sich mit einer schriftlichen Antwort zufrieden gegeben hätten, lehnte der Oberbürgermeister aus grundsäglichen Erwägungen eine schriftliche Beantwortung ab, um in öffentlicher Sizung mit dem Potsdamer Magistratsstandpunkt demonstrieren zu fönnen. Statt seiner gab gestern Bürgermeister Dr. De hms die magistratlichen Erflärungen ab und unterschied dabei nach der rein rechtlichen Seite und den sachlichen Gründen, die den Magistrat zu seiner Handlungsweise bestimmt haben. Rein rechtlich hat der Artikel 2 der Reichsverfassung Recht geschaffen, soweit das Reichsgesetz auf die Reichsfahne Bezug nimmt, überdies für die Reichsbehörden. Daß darüber hinaus die Behörden der Länder oder Selbstverwaltungsförper auch ihrerseits bei allen festlichen Anlässen die Fahnen des Reiches zu ziehen hätten, ist im Artikel 2 nicht verordnet und konnte nicht verordnet werden. Auch der Staat Preußen hat nicht gefeßlich angeordnet, daß das Hissen der Reichsfarben anbefohlen ist. Wohl hat der preußische Minister des Innern bei mehrfachen Gelegenheiten angeordnet, daß nicht nur die Landesbehörden, sondern auch die Behörden der Selbstverwaltungs. törper die Fahnen des Reiches zu ziehen hätten. Er hat es nicht die Fahnen des Landes und die Gemeindefahne nur neben der bei diesem Befehl bewenden lassen, sondern weiter angeordnet, daß Reichsfahne gezogen werden sollen. Das ist mindestens vorsichtig gesprochen in höchstem Maße zweifelhaft, ob dem preußischen Minister des Innern das Recht zu einer solchen Anordnung zusteht. Der Magistrat in Potsdam ist der Auffassung, daß ihm die Zuständig feit zu dieser Anordnung fehlt. Eingehend auf die fünf Fragen bemerkte dann der Bürgermeister, nachdem er lang und breit seinen schwarzweißroten Gefühlen Ausdrud gegeben hatte: Bei der grundfäglichen Einstellung des Magistrats und bei seiner Meinung, daß die Flaggenfrage in absehbarer Zeit in anderer Beise gelöst wird als bisher, müssen wir Wert darauf legen, daß gerade die Jugend nicht vorzeitig in den Flaggenstreit hineingeriffen mird, und das würde geschehen, wenn wir entgegen unserer bisherigen Gewohnheit die Schwarzrotgoldene Fahne hiffen würden. Wir Charlottenschule nicht flaggte, liegt daran, daß sie eine schwarzrot goldene Fahne befigt, die sich in einem derartigen Zustande befindet, baß es nicht der Würde des Reiches entsprechen würde. Genosse Krüger widersprach der Richtigkeit dieser Behaup tungen nach Augenscheinnahme. Es ist möglich, fuhr der Bürgermeister fort, daß aus der Dienstwohnung eines Beamten der Stadt eine schwarzweißrote Fahne herausgehängt wurde. Es ist mehr wie fraglich, welches Recht vorangeht. Das Recht des Eigentümers des Gebäudes oder das Recht des Wohnungsinhabers. Zum Schluß bemerkte der Bürgermeister auf die Frage, ob der Magistrat bereit sei, die gerügten Vorfälle zu verhindern, und zumindest die städtischen Schulgebäude am nächsten amtlichen Feiertage mit den Fahnen flaggen zu lassen, die der Reichspräsident von Hindenburg als Fahnen des Reiches beschworen hat: Der Magistrat ist nicht bereif, jeinen bisherigen Standpunft zu ändern. Die Tribüne hatte wieder holt bei den Ausführungen ihr Mißfallen über diese Bürgermeisterrebe zum Ausdrud gebracht, so daß der Vorsteher mit der Räumung der Tribüne drohte. fleisches), Dr. Konrab Cohn, Berlin, über: Die foziale Bedeutung der Zahnpflege in den deutschen Schulen" und Professor Dr. Greve, von der Universität Erlangen, über: Mundhygiene vom Standpunfte der Biologie". Sie rücken ab! Gestern abend fand in Briz eine öffentliche Wähler. persammlung der SPD. statt. Nach dem Referat teilte der Borsitzende den Beschluß des Bezirksvorstandes mit, tommunistischen Rednern in Zukunft das Wort in unseren Bersammlungen nicht mehr Bersammlung bereits vor dem Dienstag gedruckt worden, an dem zu erteilen. Indessen waren die Einladungen und Blafate für diese die Kommunisten ihre Heldentaten in der Hasenheide vollbracht hatten. Da nun freie Aussprache" bereits gedruckt angekündigt war, wollte der Vorsitzende die Partei nicht dem Vorwurf aussehen, fie verspreche eine freie Diskussion, um sie nachträglich zu unterbinden. Da die Empörung unserer Genossen gerade im Neuköllner Bezirf über das rohe Berhalten der Roten Frontfämpfer" gegen die Reichsbannerleute am Dienstag abend besonders lebhaft ist, waren die Meinungen geteilt. In der Geschäftsordnungsdebatte, die über die Frage entstand, erklärte der Führer der Brizer Kommu nisten Kraus paul ganz fleinlaut:„ Wir in Brig haben euch doch noch niemals Anlaß zu solchen Beschwerden gegeben, bei uns in Briz ist doch so etwas wie am Dienstag in Neukölln noch nie passiert. Warum wollt ihr uns das Wgrt verweigern?" Der Vorfitzende konnte nun widerspruchslos feststellen, daß die Brizer Kommunisten von dem Verhalten ihrer Neuköllner Ge= nosfen abrüdten. Unter dem Eindruck dieser Feststellung bewilligte die Versammlung ausnahmsweise einem Kommunisten Diskussionsrecht. Der Vorgang beweist jedenfalls, daß die Kommunisten durch den Beschluß unseres Bezirksvorstandes an der empfindlichsten Stelle getroffen werden. Vielleicht gelingt es uns noch, fie auf diese Art zu anständigen Menschen zu erziehen. StrandschloßDas verseuchte Seebad Tegel. Protefffundgebung des Arbeitersportkartells. Am Mittwoch Albend fand im Restaurant garten" in Tegel eine große Protesttundgebung des 20. Bezirks des Arbeitersportfartells, unter des Devise statt. In der Rundgebung wurde bittere Klage über die standa „ Seebad Legel oder Groß Berliner Müllgrube?", öfe Berunreinigung des Tegler Gees durch das systema. tische Abladen des Groß- Berliner Unrates geführt. Diese unerträglichen Mißstände, die seit einiger Zeit weiteste Kreise der Tegeler Bevölkerung in größte Unruhe verjezten, haben schon zu heftigen Debatten und Distusfionen, sowohl in der Lokalpresie als in Ber fammlungen geführt. Die maßgebenden Instanzen. follen auf die stellung dieses Uebels verlangten, überhaupt nicht reagiert haben. dringenden Borstellungen der Sportkartelle, die schleunigste AbEs scheint mun höchste Zeit, daß diesem verhängnisvollen Irrtum, der für Rußland wie für Deutschland in gleicher Weise schädlich ist, ein für allemal ein Ende gemacht wird. Die verantwortlichen Politiker im Kreml verstehen auch realpolitisch zu denken, das haben zahlreiche Episoden tönnen ja auch nicht gezwungen werden, fie zu beschaffen. Daß die Der schwimmende Unrat, der das Baden fast zur völligen Un in den letzten Jahren erwiesen. Man muß bloß verstehen, ihnen gegenüber die nötige Festigkeit und Würde zu wahren und jene Sprache mit ihnen zu sprechen, die die fommunistischen Gemaltpolitifer verstehen. An dieser Fähigkeit scheint es der deutschen diplomatischen Vertretung in Mostau in erheblichem Maße gefehlt zu haben. Es ist deshalb notmendig, daß mindestens jetzt, in Verbindung mit dem Mosfauer Prozeß, der eine Herausforderung des gesamten deutschen Boltes bedeutet, von der Reichsregierung jene Konsequenz und Festigkeit an den Tag gelegt wird, denen allein eine erfolgreiche Politik getrieben merden kann. mit Schritte der Reichsregierung in Moskau. Durch WIB. wird mitgeteilt: Auf Grund des Urteils des Oberffen Gerichtshofs in Mostau in dem Prozeß gegen die drei Studenten hat die deutsche Regierung sofort durch die Botschaft in Mostau Schriffe unternehmen lassen, um die nicht. vollstreckung des Urteils sicherzustellen. Daneben ist zu erwarten, daß die Angeklagten von dem ihnen zustehenden Recht eines Gnadengefuches an das Zentraleretufivfomitee der Union der 5. S. R. Gebrauch machen werden. Mit diesen anmaßenden Ausführungen hat der Potsdamer Magiftrat feiner antirepublikanischen Einstellung mieder alle Ehre ge. macht. Wie lange wird die preußische Regierung der offenen Wider feßlichkeit der Potsdamer Herrschaften wohl noch ruhig zusehen? Geister vor Gericht. Das Medium gegen den Gelehrten. Außerdem wird die deutsche Regierung von der Sowjetregierung befriedigende Erklärungen darüber verlan gen, daß die im Prozeß aufgestellten Behauptungen über mittelbare oder unmittelbare Mitwirkung des Legationsrats Sil- spiritistische Beleidigungsprozeß des Mediums Frau Bor dem Schöffengericht Berlin- Schöneberg begann heute der ger an dem den Angeklagten zur Laft gelegten Bergehen unberech- Rudloff gegen Geheimrat moll. In der Anflageschrift mim figt find. Im übrigen muß sich die Reichsregierung ihre weiteren Shriffe vorbehalten, bis der von der deutschen Botschaft in Moskau eingeforderte abschließende Bericht über den Prozeß vorliegt. Rücktritt Brockdorff- Ranhaus? Pariser Gerüchte. Paris, 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Eine von den Blättern veröffentlichte Meldung aus Moskau will von der bevorstehenden Abberufung des deutschen Botschafters Don Broddorff Rangau wissen. Sie wird im Zusammenhang gebracht mit dem Fiasto, das Litwinom in Berlin erlitten habe. Man zieht daraus den Schluß, daß die deutsche Regierung fich endlich dafür entfchieden habe, die deutsche Außenpolitik durch Abschluß des Garantie pattes in Anlehnung an die Westmächte zu orientieren. Französischer Handelsvertragsoptimismus. Gefahr der Selbsttäuschung. Paris, 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Im Auswärtigen Amt äußert man sich sehr zuversichtlich über den Stand der deutsch. französischen Handelsvertragsverhandlungen. Es wird versichert, daß die letzte Unterredung zwischen den beiden Delegationschefs eine Berständigung über zahlreiche Meinungsverschiedenheiten ermöglicht habe und daß nur noch eine geringe Zahl von Tarifpofitionen umstritten set. Die deutsche Antwort auf die letzten franzöfifchen Vorschläge wird für heute( Sonnabend) erwartet. Es besteht jedoch Grund zu der Annahme, daß der Optimismus der französischen Stellen zum mindesten starf verfrüht ist. Es scheint vielmehr nicht ausgeschlossen, daß, die Verhandlungen in den nächsten Tagen endgültig auf den Herbst vertagt werden. Der marokkanische Kolonialkrieg. Sehr erufte Lage." Paris, 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Nach einem Heeres. bericht aus Fez verstärit sich der Drud der Riftruppen auf den östlichen Teil der französischen Front. Abd el Krims Tattit geht wohl dahin, sich der Eisenbahn Fez- Taze- Oujda zu bemächtigen und damit den Franzosen die Verbindung nach Algier abzuschneiden. Dabei rechnet er auf die Hilfe der abgefallenen Stämme des mittleren Atlas, vor allem der südlich der Bahnlinie anjässigen Stämme der Tsouls und der Branes. Der amtliche Heeresbericht meldet: Die Lage auf dem rechten Flügel der französischen Front ist sehr ernst. Der feindliche Drud verstärkt sich vertritt Geheimrat melte es von Phänomenen, Materialisationen, Auflösung von Atömchen und Wiederzusammenfügen zu frischen Rosen, Bugbaum, man hörte von spiritistischen Wehen, Seufzern, Ausrufen, mich hat etwas gepieft" usm. In temperamentvoller Weise Moll an der Hand von praktischen Beispielen feine leberzeugung, daß bei den Sigungen nicht alle Fehlerquellen beseitigt worden feien. Möglichkeiten für plumpe Taschenspielertrids und Manipulationen waren vorhanden. Geheimrat Moll gibt an, daß er sich seit etwa vierzig Jahren mit dem Offultismus beschäftige. Berschiedene Phänomene ließen ihn anfangs aufmerken, doch fie hielten dann der ernsteren Kritik nicht stand. Er erkläre niemals Ausschluß jeder Fehlerquelle. Er sei wegen dieser Unvoreinge es sei etwas unmöglich, aber er müsse die Beweise sehen unter Darwin, der auf eine Behauptung von jemand wenn ich Bohnen nommenheit von Bundt angegriffen worden, aber er stüße sich auf pflanze und dabei Violine spiele, machsen sie schneller" antwortete: " Das mollen mir untersuchen." Berufsmedien, die sich bezahlen laffen, feien ihm viel sympatischer als die Damen der Gesellschaft, die fich feiner Kritit unterwerfen wollen. Es sei der erste Fall, daß die Jurisprudenz die wissenschaftliche Kritit vor Gericht ziehe. Begrüßungsabend für amerikanische Zahnärzte. Das American Stomatological Educational Committee for Europe" traf gestern vormittag in Berlin ein und wurde am Abend im Bahnärztehaus unter starter Beteiligung der deutschen Bahnärzteschaft feierlich empfangen. Reichs- und Staatsbehörden, die Kommune und die Parlamente hatten Vertreter entsandt. Der geschäftsführende Generalsekretär des Landesverbandes Perlin, Dr. Brig Salomon, hielt in warmen Worten die Begrüßungs ansprache. Er führte u. a. aus: Nicht nur das allgemeine Wirt schaftsleben, nicht nur die Volksgesundheit, nicht nur der geistige und fulturelle Lebensstand der deutschen führenden Schichten ist durch den Krieg start beeinträchtigt worden. Auch die Wijfenfdjaft, einst in Deutschland in hoher Blüte, hat den dornenvollen Weg eines allmählichen Niederganges gehen müssen. Nur mit größter Mühe, möglich gewesen, die Reste unseres Besisstandes zu sammeln und unter Aufbietung aller Kräfte, ist es uns in den letzten zwei Jahren einen Stillstand der unverkennbaren Abwärtsbewegung herbeizuführen. Dank der Arbeit der Universitäten und der Standesorgani fationen hat es die deutsche Zahnärztefchaft dahingebracht, daß die Wissenschaft sich wieder zu heben beginnt und sich der Förderung der offiziellen Stellen zu erfreuen hat. Die Erkenntnis von der BeDeutung der wissenschaftlichen Zahnpflege ist auch bei den amlíichen Trägern der Volksgesundheitsplege in Wachsen begriffen und macht auch bei allen Fürsorgeträgern und beim Publikum erhebliche Fortschritte. Darauf nahm Brofeſſor Alfred J. A agis aus New- York das Wort. Er dankte für den herzlichen Empfang, die interessanten Führungen durch Berliner wissenschaftliche Inftitute und hielt im An chluß baran in deutscher Sprache einen Vortrag über:„ Die stomatologijdjen Fortschritte in Amerifa und Deutschland." Dann folgten noch drei weitere Borträge, die mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen wurden. Und zwar sprach Professor Dr. Römer von der Universität Leipzig, über:" Neue Forschungen über die jogenannte Alveolarpyorrhoe"( die schwerste Ertranfung des ZahnGesundheit aller Sport- und Körperpflege treibenden Tegeler aufs möglichkeit mache, bedece ganze Uferstrecken und gefährde die Ernstlichste. Der Wasseraufsicht wurde zum Borwurf gemacht, daß ladungsfähne vornähme. Ein unglaublicher Standal jei es, fie nicht mit der notwendigen Energie die Kontrolle der Entdaß eine Bevölkerung von zirka 25 000 Menschen sich mit 4 fleinen öffentlichen Badeanstalten begnügen müsse, um ihren Reinlichkeitsbedürfnissen nachzukommen. Dringend gefordert wurde eine Tagund Nachtfotrolle beim Ein- und Ausladen der Kähne, um dem gemeingefährlichen Treiben einiger sprupelloser Unverantwort licher ein Ende zu bereiten. Ein Scheckschwindler verhaftet. Bergnügungsreifen mit mertlosen Sched's machte ein Kaufmann Wilhelm Baruch, der im Mai d. 3. aus einer Heilanstalt ent laffen worden war. Baruch betrieb zunächst Kreditschwindeleien, indem er sich für einen Berwandten des Inhabers der befannten Theaterausstattungsfirma ausgab. Dann benutte er ein Schedbuch, das er bei Einrichtung eines einen Kontos von der Südamerikanischen Bank in Berlin erhalten hatte. Sein Konto mar längst erloschen, aber er stelite trotzdem einen Sched nach dem anderen aus. Im Anfang vorigen Monats tauchte er unter dem Ramen Rechtsanwalt Dr. Bruno Tischelmann aus Hannover in Wannsee auf, mietete mehrere Zimmer und erzählte dem Wirt, daß er mit seiner Familie feine Sommerferien am Wannsee verleben wolle. Meil er ein eigenes Auto hatte, so fiel es ihm nicht schmer, Kredit und auch kleinere und größere Darlehen zu bekommen, in Tages erklärte der Herr Rechtsanwalt, daß er abreisen müſſe, be= Eines einem Falle sogar 5000 M. Die Familie aber blieb aus. zahlte alle seine Schulden mit Scheds auf eine Berliner Filiale der Südamerikanischen Bant, bestieg fein Auto und fuhr davon. Der Birt und die Kredit- und Geldgeber hatten das Nachsehen. auf Anzeige die Kriminalpolizei einschritt, war Baruch- Tischelmann Rechtsanwalt Horowitz" auf, der auf ein Haar dem Rechtsanwalt aus Berlin verschwunden. Da tauchte in Warnemünde ein Tischelmann glich und es dort ebenso trieb, wie dieser in Wannsee. 21s man ihn fassen wollte, war er auch aus Warnemünde wieder abgereist. Auch hier hatte er alles mit seinen mertlosen Schecks bezahlt. Nun fuhr der Schwindler mit seinem Auto nach dem Süden. Ueber Köln und Aachen wandte er sich nach Heidelberg, und dort wurde er jetzt entlarvt und festgenommen. Es ergab sich, daß er auch das Auto mit einem wertlosen Sched gekauft hatte. A1s Ein großes Feuer tam in der letzten Nacht in der Jahnstr. 15 in der Hasenheide aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch und konnte erst nach stundenlanger Tätigkeit von den Zügen 5, 8 und 11 gelöscht werden. Als der 11. Zug als erster an der Brandstelle ankam, standen dort schon im vierten Stod des Quergebäudes und rechten Seitenflügels auf dem legten Hofe Räume der Metalldrudmarenfabrik von Robert Schulz mit samt den Dachftühlen beider Gebäude in ganzer Ausdehnung in Flammen. Bes merkt wurde der Brand erst spät vor Mitternacht, als die Flammen schon hell aus den großen Fabriffenstern emporioderten und dicker Qualm die Höfe füllte. Die Feuerwehr griff sofort über eine mechanische Leiter und über die Treppen mit fünf Schlauchleitungen von Motorsprigen an. Es gelang die Flammen auf das vierte Stodwerk und die beiden Dachstühle zu beschränken. Die unteren Fabrikräume fonnten geschützt werden. Auch die angrenzenden Wohnungen im rechten Seitenflügel auf dem ersten Hof blieben unversehrt. Heute früh um 5 Uhr fonnte die Wehr wieder abrücken. Der Schaden ist erheblich, aber durch Versicherung gedeckt. Die Reichsbahndireffion teilt mit, daß die am Sonntag, den 28. Inni 1925 ausgefallene Bertehrszahlung nunmehr am Sonntag, den 5. Juli stattfindet. Der Ulap hat seinem Programm eine neue Sensation eingefügt, und die Familie Binder als Turmseilläufer verpflichtet. Allabendlich werden sic ihre sensationellen Kunststüde in der Luft zeigen. Die Gemeinde Briefelang veranstaltet vom 1.- 3. Auguft die 5. Wieders holung ihrer Stir me 3. An diesem Fest haben alljährlich zahlreiche Berliner teilgenommen, die den Ort als Eingangspforte für Wanderungen durch den Brieselang, den schönsten Laubwald in der Nähe Berlins, zu benußen pflegen. Nene Erdstöße in Kalifornien. San Francisco, 4. Juli.( WTB) Heute früh murden in Kalifornien erneute Erdbeben verspürt. Ein besonders heftiger Erdstoß wird aus Santa Barbara gemeldet. Groß- Berliner Parteinachrichten. 30. Abt. Morgen( Sonntag): Ausflug nach Buch, Waldschenke"( Raffeekochen) Treffpunkt 29 Uhr Bichert Ede Greifenhagener Straße. Bei Regenmetter 8 Tage später. Gewerkschaftsbewegung Der„ unparteiische" Gothein. Beispielloser Zahlenschwindel. Mit welcher Unverfrorenheit die Unternehmer und die Politiker und Schriftsteller, die sich in deren Dienste stellen, vorgehen, um die Hungerlöhne der deutschen Arbeiter verantwortlich zu machen für die Inflationsfünden und die Dentfaulheit des deutschen Unternehmer tums, dafür liefert die Nr. 13 nom 1. Juli des Arbeitgeber", dem offiziellen Organ der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberner. bände, ein flaffisches Beispiel Es wird da unter der Ueberschrift Birtschaftliche Lage und Lohnerhöhungen vom Reichsminister a. D. Dr. ing. Goth ein ein Leitartikel veröffentlicht, der folgendermaßen beginnt: Achtstundentag und Lohntarif erkämpft. In den Halberstädter Wurstfabriken. In allen Halberstädter Burstfabriten ist jetzt der sogenannte Heine Tarifvertrag eingeführt bzw. mit dem Zentralverband der Fleischer abgeschlossen. Es ist auch ein neues Lohnabkommen mit allen Firmen zustande gekommen. Die Herren Wurstfabrikanten, aber auch der Arbeitgeberverband haben eingesehen, daß die Firma Heine u. Co. am tiügsten gehandelt hat, indem sie es garnicht zu einem neuen Konflift tommen ließ und entgegen dem Willen bes Arbeitgeberverbandes mit dem Fleischerverband einen neuen Manteltarifvertrag und auch ein neues Lohnablommen abschloß. Der Achtftundentag ist jest wieder für alle Betriebe tariflich festgelegt falls nicht genügend Gelber für die Auszahlung dieser Löhne zur Berfügung stehen sollten, so sollten die Löhne der besser bezahlten Arbeiter um dementsprechenden Betrag gefürzt werden. Das bes deutet, daß die nationalen Mindestlöhne 33% Broz. über dem Stand des Jahres 1914 nicht mehr garantiert werden. Landon, 4. Juli.( Tul.) Die Lage im englischen, Kohlenbergbau fpigt fich immer mehr zu. Die Delegiertenkonferenz der Grubenarbeiter hat gestern die Vorschläge der Grubenbefizer für ein neues Lohnabkommen einstimmig abgelehnt und beschlossen, auf einem Mindestlohnjat zu bestehen, der nicht geringer sein soll, als die permehrten Lebenskosten erfordern. Das würde, statt der von den Grubenbefizern vorgeschlagenen Herabsetzung, eine nahezu viersigprozentige Erhöhung der Mindestlöhne bedeuten. Ein allgemeiner ungarischer Seherstreik in Sicht. Budapest, 4. Juli.( TU.) In politischen Kreisen verlautet, daß die Gewerkschaft der Buchdrucker für den Fall, daß die Regierung das Verbot des Az Ujjag nicht in den nächsten Tagen aufheben reit angeordnet habe, der sich nicht nur auf die ungarische Hauptsollte, etwa Mitte nächster Woche einen allgemeinen SegerFür Einheitsorganisation gegen Zollwucher. Am 2. Juli tagte in Haverlands Festfälen eine stark besuchte Funktionärversammlung des Bezirts Berlin der Allgemeinen " Seit jenem unseligen Spruch, durch den der Schlichter die Reichsbahn zwang, die Löhne der Eisenbahner um einige Bereinigung mit dem Deutschen Berkehrsbund, jo Deutschen Boft gemertschaft, die sich mit der Frage der Brozente zu erhöhen, obgleich fie 152 Proj. der Borkriegslöhne mie gegen die Einführung von Schutzöllen und erhöhte Berstadt, sondern auch auf die Provinz erstrecken werde. ausmachten, während der Lebenshaltungsinder nur auf 131 gebrauchssteuern befaßte. Folgende Entschließungen wurden einstimmig ftiegen war, hat wieder eine außerordentliche Lohnbewegung eingefeßt." angenommen: Die am 2. Juli in Haverlands Festsälen" versammelten Herr Gothein ist nachgerade berüchtigt als Sachwalter und Sach Funktionäre des Bezirks Berlin erblicken in der vom Gewerkschaftsverständiger der rüdständigsten Unternehmerinteressen. Was er sich vorstande angestrebten Bereinigung der Abteilung Post, Telejeboch hier geleistet hat, überschreitet selbst das Maß dessen, was graphen- und Fernsprechpersonal des Deutschen Verkehrsbundes eine voreingenommene Interessenvertretung wagen darf. mit der Allgemeinen Deutschen Poſtgewertschaft eine gewerf Also die Löhne der Eisenbahnarbeiter betrugen nach Herrn Gothaftliche Rotwendigkeit, die legten Endes zu einer Einhein vor dem unfeligen Spruch 152 Broz. der Borfriegslöhne. heitsorganisation des Postpersonals führen wird, im Wege der eine Nehmen wir nun die offiziellen Angaben der Reichsbahngesellschaft zielbewußte Interessenvertretung gegeben ist. Die zwischen beiden Organisationen erfolgte vorläufige Bereinbarung wird guigezur Hand. Danach betrug der höchftlohn eines and mer. heißen." fers im Jahre 1914 in Berlin 84 Pf. die Stunde. Bor dem 15. März 1925, alfo vor der letzten Lohnerhöhung, betrug in Berlin der Höchstlohn, d. h. der Lohn eines 24jährigen Handwerkers, 58 Pf. bie Stunde, mozu noch eine Ortslohnzulage von 20 Brog fommt. Insgesamt betrug also der höchstlohn eines Handwerfers 70 f. die Stunde. Der Nominallohn eines Handmerters in Berlin betrug also nur 83,4 Prozdes Lohnes Der Bortriegszeit Der Stredenarbeiter hatte in Berlin im Jahre 1914 einen Lohn von 44 Pf. die Stunde. Vor dem 15. März 1925 betrug der Lohn des Stredenarbeiters in Berlin 32 Pf., mozu noch 20 Broz Ortslohnzulage tamen, insgesamt also 38,4 Pf. Der Nominal Iohn des ungelernten Stredenarbeiters betrug also nur 88,6 Prozent des Borfriegslohnes, Daraus macht inun der Reichsminister a. D. Dr. ing. Gothein, Der als Unparteiischer bei Schiedsgerichten fungiert, einen Lohn von 152 Broz. des Borkriegslohnes! Selbst wenn man zu den von uns angeführten. Löhnen noch hinzurechnet die Frauen- und Kinderzu Lage, die ein Verheirateter bekommt, wodurch der Vergleich schon willkürlich gestaltet wird, selbst dann fann gar feine Rede davon fein, daß die Löhne der Eisenbahner auch nur annähernd sich in der Höhe bewegen, die Herr Gothein im Arbeitgeber" angibt. Wir gehen auf den Zahlenschwindel, mit dem Herr Gothein in seinem Artikel jongliert, nicht weiter ein. Es genügt, wenn wir fejtnageln, mit welcher Unverschämtheit die Unternehmer und ihre Anwälte die Deffentlichkeit zu betrügen bemüht find. Die Bauarbeiter lehnen ab. Urabstimmung am Dienstag In der Generalversammlung der Bauarbeiter, die am Freitag abend in den Residenzfeftfälen tagte, berichtete Drügemüller über das Ergebnis der Tarifverhandlungen, das mir bereits in nferer geftrigen Abendausgabe mitgeteilt haben. Er mies darauf hin, daß die von den Unternehmern bei den Berhandlungen vorgebrachten Argumente sehr dürftig waren. Die ganzen Berhandlungen ermedten den Eindrud, daß die Internehmer an ben Abschluß eines Bezirtstarifes, der die sozialen For berungen der Bauarbeiter erfüllt, gar fein Interesse hatten. Troßdem die Arbeitervertreter nachmiesen, daß durch die Forderungen der Arbeitnehmer die Finanzierung der Bauten nicht gefährdet merde, famen die Unternehmervertreter mit der allen Unternehmern jezt geläufigen Weisheit, die Wirtschaft" tönne weitere Belastungen nicht ertragen. Ueber den Lohn der Facharbeiter mollten sie ja schließlich noch mit fich reben lassen, den Hilfsarbeitern aber fönnten sie feine Zugeständnisse machen. Es würden ihnen jetzt schon von anderen Arbeitgeberverbänden Borwürfe ge macht, weil die Löhne im Baugewerbe schon überseßt" find und den Arbeitern in den anderen Industrien Anreiz zu Lohn bemegungen gäben. Jedenfalls ließen die angeführten Schein gründe flar erfennen, daß die Unternehmervertreter eine tarifliche Regelung der fozialen Forderungen umgehen wollten, während fie einer Lohnerhöhung gegenüber nicht ganz abgeneigt waren. Die ausgedehnte Diskussion ergab die einmütige Auffassung, baß der vom Unparteiischen gemachte Bergleichsvorschlag nicht annehmbar sei, weil der Abstand zwischen Fach und Hilfsarbeitern ein zu großer ist und die vorgeschlagenen Löhne überhaupt zu niedrig find.( Es wird jezt schon auf den Baustellen ohne Tarif abtommen mehr gezahlt.) Hauptsächlich aber fämie für die Bauarbeiter nur ein gleichzeitiger Abschluß eines Lohn und Tarifabkommens in Frage, was auch in einer ein ft immig angenommenen Entschließung zum Ausdrud tam. 9 Die Versammlung beschloß ferner, die Urabstimmung am Dienstag den 7. Juli im Anschluß an sofort einzuberufende Bezirksversammlungen vorzunehmen. Morgen? Drohender Bergarbeiterstreik in Nordamerika. Washington, 3. Juli.( EP.) Gegenwärtig droht ein Streit der Kohlenarbeiter, die eine Erhöhung der Förderlohnsäge fordern. Präsident Coolidge hat den Bräfidenten der Kohlenarbeitergewerkschaften, John Levis, nach Lambsott zu Beprechungen eingeladen. Achtung, Bauarbeiter! Die Generalversammlung hat befchloffen, die Urabstimmung nicht am Sonntag, den 5. Juli, sondern am Dienstag, ben 7. Suli, abends, im n ilus an die Bezirksversammlungen vorzunehmen. Die Be. sirksobleute müssen unverzüglich Bersammlungslokale feftinachen und die Ab. ftimmung vorbereiten. Die Abstimmung erfolgt burch Stimmzettel Das Ergebnis der Abstimmung mus bis Mittwoch mittag in Sänden des Bereinsvorstandes sein. Maßnahmen dürfen vor Feststellung des Abstimmungs. ergebnisses nicht vorgenommen werden. In jedem Fall ist mit dem Bereinsvorstand other Rüdsprache au nehmen. Am Mittwoch, den 8. Juli, abends 6 Uhr, nimmt die Generalversammlung zu dem Abstimmungs ergebnis Stellung Die Generalversammlung findet in den Musikerfälen Der Borstand. Die am 2. Juli in Haverlands Festfälen start besuchte Funts tionärversammlung der Allgemeinen Deutschen Postgemertschaft erhebt den scharfften Protest gegen die Einführung von Schutz3ollen und erhöhte Berbrauchssteuern. Die Bersammelten erblicken zöllen und erhöhte Berbrauchssteuern. Die Versammelten erblicken barin eine unerträgliche Belastung der breiten Bevölkerungsschichten zum Nugen der Großagrarier und der Großindustrie. Wir verfür bieten, diesen unerhörten Angriff auf unsere ohnehin dürftige( Börsenjaal) flatt pflichten uns, alle Maßnahmen zu unterstützen, die die Gewähr daBebenshaltung abzuschlagen. Schiedsspruch in der Rheinschiffahrt. scheiterten Lohnverhandlungen für die Rheinschiffahrt hatte Duisburg, 4. Juli( Eigener Drahtbericht.) Infolge der geber Reichsarbeitsminister auf Antrag der Arbeitnehmerverbände ein Schlichtungsverfahren über die Lohnforderung der Arbeitnehmer, welche eine 20prozentige Lohnerhöhung ab 1. Juli vorsah, eingeleitet. Bei den am Freitag, den 3. Juli, in Köln ftattgefundenen Schlich tungsverhandlungen wurde ein Schiedsspruch gefällt, nach welchem die Matrosenwochenlöhne auf 37,50 M. festgesetzt wurden. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 9. Jufi. Immer noch Stillegungen. in den Gelsenkirchen, 4. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bei der Hochofenanlage der zur Gelsenkirchener Bergwerfs- A.- G. genächsten Tagen von dem bereits am 15. Juni gefündigten 280 Mann hörigen Abteilung Schalte in Gelsenkirchen fommen 200 zur Entlassung. Ein großer Teil fann in anderen Betrieben untergebracht werden. Gleichzeitig wurde am 1. Juli weiteren Beamten gefündigt. Mit der Entlassung der Belegschaft ist die Stillegung eines Hochofens zum 4. Juli verbunden. Von den 9 zu biefer Anlage gehörenden Hochöfen find dann noch 4 einschließlich ber 2 bei der Hütte Bultan in Duisburg im Betrieb befindlichen Defen unter Fener. Sport. 3. Kampftag des Qualitätsrings Punching. In der Bod brauerei, Fidicinstraße, fand gestern der dritte Kampfabend des Qualitätsrings Punching statt. Als erstes Baar ftiegen Kurt Sasse Berlin und Hans Stamms. Dessau in den Ring. 6 Runden, 6 Unzen und weiche Bandagen. Stamms war technisch besser und konnte einen Buntisieg für sich buchen. Das mit beson derem Interesse erwartete Zusammentreffen zwischen Paul Noad und Arel Krist( Federgewichtsmeister von Schweden) endete mit einem haushohen Punktsieg Noads, der während des ganzen Kampfes im Angriff lag. Eine große Enttäuschung brachte der Kampf Rudi Wagener- Jad Tornsend Kanada 10 Runden, vier Unzen und harte Bandagen. Ein unschöner Kampf, der auf beiden Seiten teine Technit am meisten aber auf seiten des Negers zeigte. In der 7. Runde mußte Wagener zu Boden( Leberhaten) und wurde ausgezählt. Dauernd erflangen Rufe, den Kampf wegen des auf beiden Seiten unfair geführten Schlagens abzubrechen. Sieger Jack Tornjend. Das schönste Treffen des Abends, das für vieles entschädigte, brachte Erich Brandi Berlin und Willy Antonowitsch Bremen in den Kampfring. Beide entwickelten eine fabelhafte Technit, doch gelang es Antonowifch, einen Punktsteg für fich herauszuholen. # Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianste. 87/38, Sof 2 Tr. Kamerabschaft Köpenid. Achtung, Brandenburgfahrer! Treffpunkt Gonntag, früh 5 Uhr 28 Min. Bhf. Röpenid( nicht Spindlersfeld). treffen fich Sonntag frilh 6 Uhr Bbf. Grünau Ausdehnung des belgischen Metallarbeiterstreiks. Brüffel, 4. Jult.( Elagener Drahtbericht.) Der belgische Metallarbeiterftreit umfaßt zurzeit über 50 000 Arbeiter. Im Industriezentrum ftreifen 18 000, in Charleroi 11 000 und in Brüssel 10 000 Arbeiter. In Antwerpen wird noch gearbeitet. In Gent Untergruppe Bohnsdorf. Die Teilnehmer an Der Fahrt nach Brandenburg Arbeiter am 24. Juli, dem Termin, an dem die angekündigte Lohn wurde der Streit beschlossen. In Fontaine- l'Eveque werden die fürzung in Kraft treten soll, die Arbeit niederlegen. Aussperren ist die Parole. Aachen, 4. Juli.( WTB.) In der Nagelfabrik Leo Lammerk haben 139 Arbeiter die Kündigung eingereicht. Als Grund hierfür gaben sie an, daß der Arbeitgeber fich weigere, die acht Prozent auf den Grundlohn zu zahlen, die der örtliche Schlichtungsausschuß am 3. April den Arbeitnehmern als Zuschlag zugesprochen hatte. Lebenshaltungskosten seien seit dem 3. April noch weiter gestiegen. Der Arbeitgeberverband der Nagelindustrie soll, wie die Kölner Volkszeitung" meldet, mun beabsichtigen, die Arbeiter der anderen Nagelbetriebe auszusperren. Hierdurch würden am 16. Juli rund 5000 Arbeiter arbeitslos werden. Berhandlungen im englischen Kohlenbergbau. London, 4. Juli.( TU) Wie die Times" berichtet, enthält der Vorschlag der Arbeitgeber insofern eine Ueberraschung, als feine Berlängerung des Siebenstundentages gefordert wird. Die Exekutive der englischen Bergarbeitergewerkschaften erörterte gestern die Borschläge der Grubenbesizer für ein neues Abkommen. Auf der morgen stattfindenden Delegiertenkonferenz wird der Sekretär der englischen Bergarbeitervereinigung das auf Grund der Borschläge der Grubenbesitzer entworfene Programm entwideln. Wie„ Exchange" aus autoritativer Quelle erfährt, lauten die neuen Borschläge der Grubenbesizer dahin, daß die am niedrigsten bezahlten Leute einen gewiffen Lohn garantiert erhalten sollen, und, Nur auf die Avus zum Automobilrennen deutscher Film- u. Bühnendarsteller Jeden Sonntag Abend Grandioses Feuerwerk unter der Parole Trommelfeuer in der Malche! im ,, See- Pavillon" ( früher Kaiserpavillon) in Tegel Ausgeführt vom Veranstalter von„ Treptow in Flammen Ernst Hess Nachf., Klis300 Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg Z ähne 1.2M Theater der Woche. Bom 5. Juli bis 13. Juli 1925. Schan Opernhaus: 5, 2ekte Borstellung vor den Ferien: Meisterfinger. spielhaus: 5. Jugend. Kroll- Oper: Der Stern von Afsuan. Leffing- Theater: Die blaue Stunde. Schiller- Theater: Annemarie.- Große Boltsoper im Theater des Westens: Uschi. Menaiffance- Theater: Die Pfarrhauskomödie. Die Tribüne: Ab 6. Die Liebenden. Deutsches Künstler- Theater: Meiseten. Romödienhaus: Der legte Auß. Berliner Theater: Anneliese von Dessou. Trianon- Theater: Die Tugendprinzeffin. Theater in der Kommandanten straße: Durch den Rundfunk. Romische Oper: Das hat die Welt noch nicht aefchen. Lustspielhaus: Gefchloffen. Beinchen, Metropol- Theater: Tausend füße Operettenhaus am Schiffbauerbamm: Der fleine Ruppler( Le chien qui rapporte). Theater am Kurfürstendamm: Madame Revue. Kleines Theater: Angele. Der Arzt seiner Frau. Wallner- Theater: Geschlossen. Rose- Theater: 5. Der blaue Seinrich. Gartenbühne: Rund um die Berolina. Ab Montag: Die verbagte Nacht. Theater im Abmiralspalaft: Chocolate Kiddies. Nachmittagsvorstellung Rose- Theater: 5. Die verdagte Nacht. Geschäftliche Mitteilungen. Im Gee- Pavillon"( früher Raiser- Pavillon) in Tegel finden sommersüber regelmäßig Sonntags große Feuerwerte unter der Leitung des durch seine Bafferfeuerwerke Treptow in Flammen!" bestens bekannten Oberfeuerwerks meister Lindner Karlshorft statt. Verantwortlich für Bolitik: Bictor Schiff; Wirtschaft: Arthur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schllowsti; Lokales und Sonstiges: Frih Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Es starten: Fern Andra, Lya de Putti, Hanni Weiße, Ria Jende, Ruth Goetz, Grete Hollmann, Miss Iby Chong, Thea de Terra- Hariy Piel, Georg Alexander, Harry Lomberts- Paulsen. Curt Fuß, Curt Prenzel, Curt Courant. Leo Peukert, Paul Heidemann, Hugo Fischer- Köppe, Theo Mathejko, Charles Willy Kayser, E. Orska, Fritz Kaufmann, H. Sokal: Dr. Hermanns, Carl Boese, usw. 4 Rennen über insges. 300 km. In den Pausen gr. Betrieb, 2 Kapellen, Ueberraschg., Tombola, Hauptgew: 1 Auto. Preise d. Plätze: Waldpl. 50 Pf. Zwischenschleifenplatz 75 Pf., Tattersallpl. 1 M. Nordschleifenpl. 2 M., a. d. Südschleife 2 M., in der Südschleife 5 M., Tribünenplätze v. 4 M an Teilzahlung Metallbettstellen gestattet b. ki. Anzahl u. wöchentl. 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