Nr. 315 42. Jahrg. Ausgabe Nr. 162 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Bfennig, monatlich 8. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Sied. Iung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: -Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe monikade no eat and( 10 Pfennig +308 adialis ess Vorwärts Berliner Volksblatt 11 mon t Anzeigenvreise: Die einfpaltige Nonpareille. geile 80 Pfennig. Reklamezeile 5, Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( zuläffig zwei fettgedrukte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das crite Port 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Wor.c. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im idad Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachu. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 h Dienstag, den 7. Juli 1925 Sind Agrarzölle notwendig? Die Agrarenquete des Reichstags. Zur Prüfung der Frage, ob die von den Agrariern geforderten Getreidezölle notwendig sind und ob auch auf die übrigen Agrarprobufte Zölle gelegt werden sollen, hat der Zollausschuß des Reichstages bekanntlich eine besondere Rommission eingefeßt, die gestern unter dem Vorsitz von Dr. August Müller ihre Beratungen begann und sich zunächst mit der Frage der weltwirtschaftlichen Zusammenhänge befaßte. Als Sachverständiger fam der frühere Schutzöllner, heute aber ebenso lebhafter Vorkämpfer des Freihandels, Prof.Dr.Sering zum Wort. In einem außerordentlich sachlichen und flaren Referat legte er die Gründe dar, die das übervölkerte Industrieland Deutsch land dazu zwingen, heute auf Getreidezölle zu verzichten und im Interesse fomohl der Industrie und der Landwirtschaft eine frei= händlerische Politik zu treiben. Die früheren Agrarfrisen waren dadurch herbeigeführt, daß große Flächen unerschlossenen Landes zur Verfügung standen, auf denen Getreide billig produziert werden konnte und deren Broduktion die Weltmarkpreise unter denjenigen Stand drückten, der für das intensive wirtschaftende Europa erforderlich war. Nach dem Ausfalle der Ostländer, nach dem Rückschlage gegen die forcierte Getreideproduktion der Vereinigten Staaten sind aber auf lange Zeit hinaus fteigende Getreidepreise zu erwarten. Die Situation von früher ist seit dem Anfange des 19. Jahr hunderts vorüber, weil die Ansiedlungsbedingungen in den über feeischen Gebieten sich verschlechtert haben. Durch die Tatsache der Bevölkerungsvermehrung in den großen getreideproduzierenden Ländern, dem außereuropäischen Rußland und America, um 50 Millionen Köpfe ist dort ein Getreidemehrbedarf an 100 Millionen Doppelzentnern entstanden. Die Preise für Getreide stiegen auch feit 1896 und stiegen besonders scharf feit 1904, um tonstant bis zum Kriegsende zu steigen. Der große Rückschlag fam 1920, als die Ameritaner aufhörten, Kredite zu geben. Es entstand das Phänomen der Preisschere, d. h. der Steigerung der industriellen Erzeugniffe bis auf 200 Broz. der Borfriegspreise und des Stehenbleibens der Preise der Landwirtschaft. Die Anbauflächen der Welt sind von 1919 bis 1923 geringer geworden. Die Exportmengen maren ebenfalls geringer geworden, daher also auch die Einfuhrmengen nach Europa. Der größte Getreideerporteur, Rußland, ist ausgefallen. Trok dieser Vertnappung sind aber tatsächlich schlechte Agrarpreise vor. handen. Der Ausdruck dieser neuen Agrarfrise liegt begründet im Zusammenbruch der europäischen Kaufkraft. Die Agrarfrisis hat am schärfsten die Peripherieländer, andererseits aber daß durch den Krieg am schwersten belastete Band: Deutschland betroffen. Seit Mitte 1924 vollzog sich ein großer Wandel. Die Agrarpreife find gestiegen, bie Industriepreise zurückgegangen, oder doch stehen geblieben. In allen Freihandelsländern der Erde hat sich die Preisschere geschlossen. Zum ersten Male ſeit Beendigung des Krieges fonnten 1924 größere Quantitäten und bessere Qualitäten aufgenommen werden, weil durch das Dawes Abkommen für ein Jahr eine Atempause geschaffen worden ist. Es fragt sich, ob diese Schließung der Preisschere für die Dauer ist. Es wird aus dem Jahre 1924 ein dauernder Gewinn registriert werden dürfen, denn es wird nie gelingen, die Menschen wieder herunterzudrücken auf einen niedrigeren Lebensstand. Deshalb geht meine Brognose bahin, daß mit großer Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden kann, daß die Getreidepreise für die Zukunft wieder steigen, genau wie vor dem Kriege. Es fönnten Rückschläge eintreten. Daraus würde ich die Konsequenzen ziehen, daß man für Getreide 3ölle bereit halte. Im einzelnen legte Sering dar, daß in den nächsten Jahren bei extenfiver Wirtschaft innerhalb zehn Jahren 4,5 Millionen Heftar neuen Landes in Betrieb genommen werden müßten, um den durch die steigende Bevölkerung gebotenen Mehrbedarf an Ge Einen intensiven Getreidebau aber habe treide zu erzeugen. Die chinesische Krise. Amerikas und Japans Politik. Tokio, 5. Juli. Der neue amerikanische Gesandte in China, Murray, der am Sonnabend in Shanghai eingetroffen ist, hat erklärt, er sehe teine Möglichkeit für Amerita, von seiner traditionellen Politik der offenen Tür und der territorialen Integrität Chinas, die den Schutz von amerikanischem Leben und Eigentum gewährleiste, abzugehen. Demohl eine amtliche Mitteilung aus Washington über eine chinesische Konferenz noch nicht vorliegt, hält man in London die gegenwärtigen Erörterungen über die Minderung der erterritorialen Rechte für Ausländer in China in hohem Grade gefährlich. Die japanische Regierung ist nicht abgeneigt, der Abschaffung der erterritorialen Rechte in China zuzustimmen. Das japanische Aus. wärtige Amt hält die Besprechung dieser Angelegenheit während der Dauer der augenblicklich herrschenden Unruhen für unmög lich und betont, daß die Entschließungen der Washingtoner Kon ferenz die Einberufung einer besonderen Konferenz zur ErLedigung dieser Frage vorsehen, sobald die Lage es gestattet. London, 6. Juli.( 2.) In Shanghai sind noch keine Anzeichen für eine balbige Beilegung des Streits vorhanden. Die chinesische | das deutsche Volt nicht zu fürchten. Darin sei es anderen Ländern unbedingt voraus. Die letzte Krise rührte daher, daß die Preise der Kauffraft der verarmten deutschen Bevölkerung angepaßt werden mußten. Inzwischen wurde der Anbau eingeschränkt. Natürlich ist eine Prognose für die Zukunft unsicher, weil die politischen Probleme nicht ohne weiteres zu übersehen sind und weil der Ernteausfall manche Sawantungen bedingt. Für Vieh und Fleisch befürwortete Sering im Sinne einer Veredelung der landwirtschaftlichen Produktion zu einen Erziehungsz011, um die inländische Fleiſcherzeugung heben. Er lehnte jedoch einen dauernden Fleischzoll ab, weil insbesondere die argentinische Konkurrenz sich nicht auf die Dauer halten könne, sondern bereits durch die Krise im letzten Jahre und durch die Abschlachtungen von Jungvieh geschwächt fei. An das Referat von Sering schloß sich eine recht lebhafte Dis. fuffion an, in der der agrarische Sachverständige feine Ausführungen wiederholt ergänzen konnte. Prof. Warmbold als Sachver ständiger und Bertreter des Stickstoffſynditates glaubte darauf hinweisen zu müssen, daß auch die Amerikaner sich jetzt die FortSchritte der agrarischen Technit, insbesondere die Anwendung künftlicher Düngemittel zu eigen machten. Demgegenüber betonte Gen. Abg. Hilferding es sei so, daß auch die Anwendung der verbesserten Technik die AufPreise hervorruft, schon weil bei etwa sinkenden Preisen auch die rechterhaltung des jezigen Preises oder sogar eine Steigerung der Industrie nicht zu fintenden Preisen übergehen würde. Außerdem würde die Intensivierung eine Umstellung des Betriebes zur Folge haben, die in Amerita heute nur mit Kosten möglich sei. Den schließt sich der Sachverständige Rabethge an. Uebrigens war es interessant, wie Prof. Warmbold im Berlauf der meiteren Debatie erklärte, daß die amerikanische Landwirtschaft ihre Produktionsmittel auf Kredit beziehe und dadurch mit 22 Proz. 3wischenzinjen vorbelastet jel. Demgegenüber ist die Zinsbelastung der deutschen Bandwirtschaft, ins besondere wenn man die gemeinwirtschaftlichen Sonderkredite der öffentlichen oder genossenschaftlichen Banfanstalten berüdsichtigt, relatin gering. Als von dem deutschnationalen Abgeordneten v. Richthofen Einwendungen gegen die Preisaufstellungen Serings gemacht wurden, mandte sich der Demotrat Prof. Bonn mit großem Nachdruck dagegen und erklärte die Statistik Serings für einwandfret. Intereffant mar es auch, daß der Boltsparteiler Hankens, der als Land mirt in Schleswig- Holstein ansässig ist und die Bedürfnisse der Sichzucht aus eigenem Interesse fennt, sich gegen Futtermittel zölle mandte. Die Deutschynationalen schreden ja nicht davor zurüd, auch den bäuerlichen Viehzüchtern durch Futtermittelzölle die Produition zu verteuern. Wenn sich die deutsche Landwirtschaft zugute hält, daß fie durch einen hohen Zinsendienst und durch eine starke Berschuldung zweds Beschaffung von Betriebskapital besonders vorbelastet sei, so ist immerhin die Aeußerung des Geheimrats Weber vom Ernährungsministerium dafür bezeichnend, der feststellte, daß in Polen aile Bauern im Durchschnitt 60 Proz. ihres fommenden Ernteertrages vorweg verfauft haben, indem sie in diesem Ausmaße Schulden eingingen! Geheimrat Sering wies in feinem Schlußworte noch einmal darauf hin, daß es für die deutsche Volkswirtschaft ein gefährlicher Weg fei, Industriehochschutzzälle zu schaffen. Schon in seinem Referate hatte er gesagt, daß das System des Ausgleiches zwischen Industrie und Landwirtschaft nichts anderes bedeute als den Versuch, die hohen Reparations- und Zinslaften von einem Berufsstand auf den anderen zu überwälzen. Erfolg fann nur sein, daß man sich gegenseitig die Produktion ver eines übervölferten Industrielandes zerschlägt. teuert und daß man so schließlich den Erport, das einzige Ventil Der Der Verlauf der ersten Sigung der Enquete- Rommiffion ergab jedenfalls, daß die Arbeiterschaft durchaus recht hat, wenn sie den 3ollwucher ablehnt. Unter diesen Umständen wird man den weiteren Beranmgen, die heute, Dienstag vormittag, fortgeführt werden, mit einiger Spannung entgegensehen. Handelskammer hat zum zweitenmal 500 000 Dollar den Streifenden überwiesen. Die ausländischen Geschäftsleute bezeichnen diese Hand: lung der Handelskammer als einen Versuch, den Streit zu ver längern und die fremden Spinnereien stillzulegen, während die chinesischen in Betrieb bleiben. In Kanton wurde eine neue Provinzialregierung eingesetzt. Sunse, ein Sohn Gunyatsens, ist Kommissar für den Wiederaufbau. In Hongfong verschärfen sich die Gegensätze zwischen Eingeborenen und Fremden. Der Streit ergreift neue Arbeitergruppen. Nach Mitteilungen des Manchester Gurdian" scheint die Regierung mit anderen Staaten Fühlung wegen eines gemeinschaft lichen Borgehens genommen zu haben. Nach der gleichen Quelle sei die englische Regierung zur Teilnahme an einer internationalen Intervention in China bereit. England für Sicherheitskonferenz. London, 6. Juli.( WTB.) Wie Reuter erfährt, ist in gut unter richteten britischen Kreisen nichts bekannt, was die Gerüchte über eine nahe bevorstehende allgemeine Konferenz über die Frage des Sicherheitspattes bestätigt, jedoch wird eine solche Ronferenz in nicht auzuferner 3eit für not wendig gehalten Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftfchedionto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Wir fordern Klarheit! Bon Rudolf Breitscheid. Warum fordern wir eine allgemeine Aussprache im Reichstag, bevor die deutsche Antwort auf die Briandsche geht? Zunächst, weil der Außenminister selbst sie als Note in Sachen der Sicherheits- und Schiedsverträge hinausdringend notwendig bezeichnet hat, da er die Berhandlungen nur auf ein Vertrauensvotum des Parlaments gestützt weiterführen könne. Nicht nur im Auswärtigen Ausschuß hat er diesen Standpunkt vertreten, Herr Stresemann weiß in für ihn fritischen Momenten immer Wege zu finden, die zu den Parteien auch zu denen der Opposition führen, und auf denen er auch einen Einfluß auf die Bresse auszuüben vermag. auf die Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, die seiner Er hat diese Verbindungen in den letzten Wochen benutzt, um Politik von den Deutschnationalen bereitet werden, und er hat verkünden lassen, daß er im Plenum des Reichstags Klarheit geschaffen wissen moile. Jezt freilich ist er still geworden. Der Reichs= fanzler, der sich schon in der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses in ein charakteristisches Schweigen hüllte und auch dann nicht das Wort ergriff, als ihm der Außenminister geradezu zum Zeugen gegen die Behauptungen des Grafen We starp über die Entstehungsgeschichte des deutschen Februar- Memorandums aufrief, hat die Sache in die Hand genommen und bestimmt wieder einmal, so wie er es versteht, nationalen, denen aus bestimmten Gründen eine öffentlighe die Richtlinien der Politik. Er hat sich mit den DeutschAussprache im Augenblid unbequem wäre, geeinigt, und Herr Strejemann verzichtet auf die angekündigte offene Feldschlacht. Er zog den Dolch wohl drei Fuß aus der Scheide, besah die Spiz' und steckt ihn wieder ein." Die Debatte soll erst por fich gehen, wenn die Antwort im Besiz der französischen Regierung ist. Damit mögen sich Herr Stresemann und seine Partei zufrieden geben, dabei mag sich auch das Zentrum, das seit der Präsidentenwahl aufs neue den Marsch nach rechts angefreten hat, beruhigen. Die Sozialdemokratie aber fann jich zu einem solchen Berzicht auf die Rechte der Volksvertre= tung nicht bereit finden. Die Manöver des Kanglers und der Rechtsparteien haben die Situation nicht erhellt, sondern noch mehr verdunkelt, und mir erleben zu allem lieberfluß, wie Tag für Tag in der Presse Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Mitgliedern des Kabinetts vor sich gehen. Behauptung steht gegen Behaup tung, und das Parlament hat das Recht zu erfahren, was wahr und was falsch ist. Es setzt sich über seine Pflicht gegenüber dem Bolf hinweg, wenn es nicht die Gelegenheit benutzt, hier Klarheit zu schaffen. id nist Der deutschnationale Innenminister Schiele streitet mit Herrn Stresemann darüber, ob der Inhalt des Memorandums den Mitgliedern des Kabinetts bekanntgegeben worden sei. Herr Schiele fagt nein, Herr Stresemann fagtja. Nun ist freilich die Schielesche Darstellung in sich widerspruchsvoll und entbehrt sogar nicht der Komik. Ein Minister, der von einem wichtigen, die gesamte Regierung verpflichtenden Schritt eines einzelnen Ressorts durch die Presse in Renntnis gesetzt wird, hat nach unserer beschränkten Laienmeinung nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht, nähere Erfundigungen einzuziehen. Fühlt er sich über- oder gar hintergangen, so hat er die Konsequenzen zu ziehen, schweigt er, fo fann er sich der Mitverantwortung für die eingeleitete Politit nicht entziehen, und ebensowenig fann es die Partei, als deren Bertrauensmann er in der Regierung sitt. Dazu fommt in diesem Falle noch, daß sich der Innenminister selber dementiert. Am 25. Mai will er, wie sein jetzt bekannt gewordener Brief an den Abgeordneten Brüninghaus besagt, den Inhalt des Memorandums noch nicht gefannt haben. Aber im März hat er nach einer anderen von ihm selbst ausgehenden Versicherung gegen diesen lustigend sein, einem Streit, in dem derart merkwürdige FestInhalt bereits sehr ernste Bedenken erhoben. Es mag bestellungen getroffen werden, zu folgen, aber wir figen nicht in schlafen zu legen, sondern hier stehen die Intereffen des deut einer Kinovorstellung, die wir verlassen fönnen, um uns schen Volkes auf dem Spiel, das wissen will, was in dieser Regierung vor sich geht, und wer in ihr der Reiter und wer das Roß ist. Nicht aus Neugierde, sondern weil es darüber im flaren fein muß, ob die Parteien, aus denen fich das Kabinett zusammensett, auch tatsächlich entschlossen sind, die Verautmortung für die Politik zu tragen. Es ist fein Geheimnis mehr, daß fich Graf eft arp im Auswärtigen Ausschuß sehr scharf gegen die von Herrn Stresemann vorgezeichnete Linie ausgesprochen hat. Auch nicht, daß er andeutete, die Regierung sei im Grunde an ihr Februarangebot nicht gebunden, da dieses Angebot ja nicht auf einem Rabinettsbeschluß beruhe: Frage: Werden die Deutschnationalen sich gebunden fühlen, wenn jetzt eine Note hinausgeht, die sich im Rahmen jenes Angebotes hält und wenn am Ende Berhandlungen zustandekommen, bei denen das Angebot als unverrüdbare Bafis gilt? 4 Daß die Deutsche Boltspartei Richtlinien für eine solche Verhandlung ausgegeben ha!, ist ohne praktische Bedeutung. Selbst wenn man annehmet: darf, daß dies die Richtlinien ihres zurzeit den Posten des Außenministers bekleidenden Vor- fitzenden sind. Die Deutschnationalen haben bereits an diesen Richtlinien Kritik geübt, und wir wissen nicht, welche Stellung sie in Wirklichkeit zurzeit einnehmen oder gar einnehmen werden, wenn man einmal aus dem Stadium der Vorecörte- rungen herausgekommen sein wird. Wir wissen nur, daß sie jetzt keine Debatte im Reichstag wünschen, weil sie sich nicht festlegen wollen, besonders nicht, solange sie keine Gewißheit über dasSchicksaldesZolltarifs haben. Sie werden den Sicherheitspakt, der die Grenzen des Versailler Vertrages noch einmal festlegt, nur unterschreiben, wenn sie ihre Zölle erhalten. Selbst wenn sie sie erhalten haben, ist es noch keines- wegs sicher, ob sie Herrn Stresemann zu Willen sein werden. Erst die Zahlung, über die Leistung wird man nachher sprechen. Kann unter diesen Umständen die Notwendigkeit einer parlamentarischen Debatte überhaupt noch irgendjemandem zweifelhaft sein? Herr Fehrenbach sucht die Ablehnung des Zentrums mit der Bemerkung zu rechtfertigen, daß eine Diskussion vor Absendung der Note unter Umständen außen- politische Schwierigkeiten mit sich bringen könnte. Eine Ver- legenheitsausrede. Denn wenn eine Ausspräche Gefahren in sich birgt, so sind sie nicht geringer nach der Ueberreichung des deutschen Schriftstücks als vorher. Niemand verlangt ja auch, daß die Note etwa in ihrem Wortlaut im Reichstag besprochen und von ihm gebilligt werden müsse. Waswirforoern, i st nur KlarheitüberdieAbsichtenderRe gierung, KlarheitüberdenWillenderParteien, die angeblich oder in Wirklichkeit hinter ihr st e h e n. Solange die nicht vorhanden ist, wird man auch bei den internationalen Verhandlungen immer auf neue Schmie- rigkeiten stoßen, denn das Mißtrauen der Gegenkontrahenten gegenüber dem Wert der Erklärungen und der Unterschrift des Herrn Stresemann wird schwer zu überwinden sein. Die Räu- mung der nördlichen Rheinlandzone, die Vorbereitung einer Abrüstung unserer ehemaligen Kriegsgegner, die Schaffung einer vernünftigen Derständigungsbasis für die Nationen Europas— olles dos und noch mehr wird hinausgeschoben, weil das Kabinett Luther um seiner Existenz willen eine Positik im Dunkeln treibt. Luthers Galgenfrist. Sleltestenrat erst Mittwoch 1 Uhr. In der stürmischen Geschäftsordnungsdebatte am Sonn- abend war mitgeteilt worden, daß der Reichskanzler Dr. L u th e r bereit fei, am Dienstag im Aeltcstenrat über die Gründe seines Schweigens zu sprechen. Mittlerweile ist die Sitzung des A e l t e st e n r a t s auf Wunsch des Reichskanzlers um vierundzwanzig Stunden ve r s ch o b e n worden, sie soll erst Mittwoch um 1 Uhr stattfinden. Mittwoch tritt aber auch schon um 1l) Uhr vormittags der Auswärtige Ausschuß zusammen. Ursprünglich war er auf diesen Tag einberufen worden, um, wie die Sozialdemo- traten, angeregt hatten, das Handelsprovisorium mit Groß- Britannien und andere Wirtschaftsabkommen für die Beratung im Plenum reif zu machen. Damals aber, als der Auswärtige Ausschuß zum letztenmal auseinanderging, galt es als ausge- iMOurcht. daß die P a k t po l i t i k in öffentlicher Reichstags- debatte erörtert werden solle. Da inzwischen die bekannte Wendung eingetreten ist, sieht sich der Auswärtige Ausschuß einer sogenannten„neuen Lage" gegenüber, die zur Be- sprechung geradezu herausfordert. Diesozialdemokra- tische R e i ch s t a g sf ra kti o n hat daher auch am Montag an den Borsitzenden des Auswärti- gen Ausschusse? ein Schreiben gerichtet, in dem sie, unbeschadet der Erörterung im Aeltestenrat auf die Notwendigkeit einer Aussprache im Auswärtigen Ausschuß hin- weist. Der Kampf um öen Finanzausgleich. Reichsrat gegen Regierung.— Die Stellung der Sozial- demokratie. Im Steuerausschuß des Reichstags ist es in den letzten Tagen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Finanz mini st ern der Länder und der Reichsregie- rung gekommen. Es handelt sich dabei nicht nur um die Frage, ob die Länder und Gemeinden die ihnen seit Iahren von den bürgerlichen Parteien versprochene steuerliche Selbständigkeit erhalten sollen, sondern auch um die Höhe ihrerLlnteile an den Reichssteuern. Bsrschärst wurde dieser sachliche Gegensatz durch das Verhalten der Regierungsparteien und der Reichsregierung, die einen völligen Umschwung ihrer Haltung ohne Kenntnis der Länder vornahmen. Der Gesetzentwurf der Regierung über den F i- n a n z a u s g l e'i ch sah vor, daß Länder und Gemeinden vom 1. April 1926 ab ein unbeschränktes Zuschlags- r e ch t zur Einkommen- und Körperschaftssteuer erhalten. Bis dahin sollten die Länder nach dem Porschlage der Reichs- r e g i e r u n g an der Einkommen- und Körperschastssteuer mit 7S, an der Umsatzsteuer mit 20 Proz. beteiligt sein, während der R e i ch s r a t eine Beteiligung von 90, bzw. 20 Proz. ver- langte. Beim Beginn der allgemeinen Aussprache über den Finanzausgleich mußten die Länder zu ihrem Erstaunen wahrnehmen, daß ihre treuesten Bundesgenossen sie im Stiche lieben, und daß allein die Bayerische Volkspartei für die steuerliche Selbständigkeit der Länder eintrat, während alle anderen Parteien, an der Spitze die Deutschnationalen, sie auf das schärfste bekämpften. Sie versüßten das zwar mit der Be- merkung, daß man später über die Frage des Zuschlagsrechts noch verhandeln könne, ließen aber keinen Zweifel daran, daß von einer Verwirklichung der früheren vollen Selbständigkeit nicht mehr die Rede sein könne. Hatte das bereits, was begreiflich ist, zu einer scharfen Rede des preußischen Fi nanzmini st ers geführt, so wurde die Verstimmung noch vergrößert, weil die Regie- rungsparteien statt der Regierungsvorlage einen von der Rcichsregierung ausgearbeiteten neuen Entwurf den Verhandlungen zugrunde legten, der dem Reichsrat und den Oppositionsparteien völlig unbekannt war. In diesem Entwurf ist vorgesehen, 1. daß die Beteiligung der Länder an den Reichssteuern nach dem Vorschlage der Reichsregie- rung erfolgen, 2. daß die Frage des Z u s ch l a g s r e ch t s bis 1 927 vertagt wird und 3. daß zuvor olle Unter- lagen vorliegen müssen, die eine genaue Nachprü- sung des Finanzgebarens von Ländern und Ge- meinden ermöglicht. Diese letzte Forderung, die tief in die Rechte der Länder und in die Selbstverwaltung der Gemeinden eingreift, stieß auf den erbitterten Wider st and der Länder. Und wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Rechtsparteien in der doch gar nicht soweit zurückliegenden Zeit ihrer Opposition den heftigsten Kampf gegen solche„Uebergriffe" und„An- maßungen" des Reichs geführt haben, so wird man nicht ab- streiten können, daß der plötzliche Gesinnungs- Wechsel und die Form seiner Durchführung auf Widerstand stoßen müßte. Das scharfe Auftreten der Länder hat die Regierungs- Parteien. und die Reichsregisrung zu einem kleinen Ent- gegentömmen veranlaßt. In der gestrigen Sitzung des Steuerausschusses ist beschlossen worden, daß der Allteil der Länder an der Umsatzsteuer bis zum 31. März 1926 3 S und später 30 Proz. beträgt. Soweit also haben die Länder gesiegt und das Unannehmbar der Reichsregierung zu- Nichte gemacht. Der Konflikt selbst ist damit noch nicht beendet. Im Namen des Reichsrats hat der preußische Finanzminister im Steuerausschuß erklärt, man wolle vorläufig den Versuch einer Verständigung machen und behalten sich deshalb die Stellung für die zweite Lesung vor. Die Sozialdemokratie hat sich im Steuerausschuß bei der Austragung dieses Konfliktes zunächst neutral ver, halten. Auch sie ist durch das Vorgehen der Regierungs- Parteien vor vollendete Tarsachen gestellt worden.� Ihre Stellungnahme zur Höhe der Beteiligung an den Reichssteuern aber hängt von der Gestaltung der Hauszinssteuer, der Er- Mäßigung der Umsatzsteuer und der Höhe der Lasten ab, die Länder und Gemeinden durch die Reichsgesetzgebung auferlegt werden. Au f keinem Fall gedenkt die Sozial- demokratie dazu beizutragen, daß durch eine Kürzung der Sreuerüberweisungen an die Länder und Gemeinden die Hauszins st euer erhöhtoderdiesozialenundkulturellenAus- gabenderLänderundGemeindenbeeinträch- tigt werden. So wenig sie partikularistische Neigungen der Länder zu fördern gewillt ist, so wenig wird sie auch die reaktionäre Absicht fördern,. die sich in dem Vorgehen der Reichsregierung und der Regierungsparteien deutlich er- kennen läßt. 4- In der fortgesetzten Debatte über den Finanzausgleich am Montag gab der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Zlschosf namens der Länder eine Erklärung ab, die sich gegen den Antrag der Regierungsparteien wendet. Keine Annahme werde es den Ländern und Gemeinden unmöglich machen, ihre Haushaltspläne ms Gleichgewicht zu bringen, wenn sie nicht die R-aifteuern in einem lue die Wirtjchast unerträglichen Maße anspannen sollen.� �.er Antrag enthalte außerdem Bestimmungen, die die Finanzhoheit und Selbst- Verwaltung einschränken und nach der Meinung der Oänder rnch. durchführbar sind. In der ersten Lesung würden die Lander aus weitere grundsätzliche Ausführungen verzichten.._, Der Antrag der Regierungsparteien will, daß vom 1. Oktober 1925 ab die Länder 75 Proz. der Einkommen- und Korpelschasts- steucr und 30 Proz. der Umsatzsteuer erhalten. Abg. Dr. Zische:. Köln(Dem.) beantragt, das gegenwärtige Beteiligungsvcrholmis 90 Proz. bei der Einkommensteuer und 20 Proz. Umsatzsteuer— bis zum ZI. März 1926 ausrcchtzüerhalten. � Reichsfinanzminister v. Schlieben erklärt, daß an der Beteil!» gung des Reichs in höhe von 25 Proz. bei der Elnkommonsteuer nicht gerüttelt werden dürfe. E» fei aber zu erwägen,- ab rncht durch die Erhöhung bei der Beteiligung an der Umsatzsteuer e,n Aus- gleich geschaffen werden könne. Auch Staatssekretär Dr. Popitz be> zeichnet den demokratischen Antrag als unannehmbar. � iie Regierungsparkcien mit Ausnahme der Bayerischen Bolkspartei und der Wiktschastspartei beantragen, daß der Anteil der Länder an der Umsatzsteuer in der Zeil vom 1. Oktober 1925 bis 31. Marz 1926 au? 35 Proz., von da ab auf 30 Proz. festgesetzt werde. Die Bayerisch;} Voltsparlei beantragt, die Beteiligung an der Einkommensteuer auf 90 Proz. festzusetzen.,,_,. Die Sozialdemokraten und Demokraten verlangten Aussetzung der Abstimmung, damit die Verhandlungen Zwischen dem Reich und den Ländern sortgesetzt werden könnten. Der Antrag wurde o bgelehnt. Angenommen wurde der Antrag der Regierung?. Parteien, wonach die Länder und Gemeinden an der Einkommen- fleuer tnil 75 Proz„ an der Ilmsatzsteuer mit 35 proz. und vom 1. April 1926 ab mit 30 Proz. beteiligt sind. Eine längere Debatte entspann sich über den 8 ä des Antrages der Regierungsparteien, der die Länder berechtigt, den Genieindcn die Anteile an der Einkommensteurr zukürzen. angenommen. _____ unter gewissen Voraussetzungen Gegen die Stimmen der Linken wurde der Antrag Die Gböuktionsärzte berichtigen sich. Absichtliche oder akzidentelle Selbsttötung? Im hÄfle-Ausschuß wurden gestern wieder pie drei obduzierenden Aerzte. Dr. Straßmann. �Dr. Störmer und Dr. kv per vernommen, die selbst in Aussicht gestellt hatten, die Schlußsätze ihres Gutachtens, wonach a b fi chtl i ch e selb st- t ö t u n g vorliege, zu korrigieren. Sie taten dies recht zögernd und widerwillig. Besonders Dr. Straß mann erklärte, die Absicht der Selbsttötung sei das Wahrscheinlicher«, obwohl auch er u n ab- sichtlich« Selbsttötung als möglich zugab. Dr. Störmer meinte, die Selbsttötunq sei in einem Zustande seelischer Depression«rsolgr. die ein« freie Willensbestimmung ausschloß. Dr. Kipper änderte sein Gutachten dahin, daß er jetzt eine chronische Dcrgijtung an- nehme, und nicht mehr eine akute. Darüber gab es eine länger« wissenschaftliche Debatte, namentlich mit den Sachverständigen: Mein Nachbar hat ein Grammophon. Don Iwan heilbut. Mein Zimmernachbar hat ein Grammophon. Am Sonntag, von morgens Halbzehn bis abends um sieben läßt er es spielen. Er entschädigt sich dann gewissermaßen für die strenge Arbeitswoche. Denn am Montag und Donnerstag muh er kegeln, am Dienstag boxt er. ain Mittwoch und Sonnabend fingt er im Bund: und am Frettag ist Kartenabend..Die Reihe geht um,' sagen die Leute von kiesen Kartenabenden. Wenn also die Reihe an meinem Nachbar ist, tagt sein Verein in der Stube, die rechts an die meinige grenzt. Und während sie sich bemogeln mit ihren Damen, Buben und Königen, bei Becherklang und Geschrei— läuft die arme Platte ruhlos immer im Kreise herum. Uebrigens— er hat nur diese eine, ober sie macht auf beiden Seiten Musik. Und zwar ist diesseits der chohenfriedc- bergcr«instudiert, jenseits aber das Intcrmerro sinfonico au» Cavtileria rusticana.— Indessen wiederholen sich diese Kartenabende nur in Abständen von Monaten. Alle in Berracht kommenden Frei- rage sind auf meinem Kalender schwarz umrandet, damit das Konzert mich vorbereicet— das heißt: nicht zu Hause— findet. Aber am Sonntag sitze ich gern zu Hause. Run mache mir das aber Einer vor; neben diesem Schreihals von Trichter! Eine Menschenkehlc wird doch wenigstens heiser— solch ein Schallrohr nie! Neulich, an einem Sonnabendnachmittag wußte ich's einzu- richten, daß mein Nachbar mich in seine Stube lud. Wir sprachen r-on den Fortschritten der Technik, von Straßenbahnbremsen, Rotor- schissen... und da kam ich denn sachte auf das Grammophon zu plaudern, diese prächtige Erfindung des Menschengeistcs!—„Ein 'chöner Apparat", sagte ich, nahm die Platte von der Walze, besah mir den Hohcnfriedebergcr Marsch in der musikalischen Stenographie: dann drehte ich die Platte um und da— nun. und da siel sie mir aus den Händen.—„0," sagte ich und zog sogleich meine Geldtasche hervor,„sie ist wohl entzwei.'— Aber leider war sie nicht in lausend Teile zerschlagen, sondern hatte nur einen Sprung abge- kriegt. Ich biß mir ärgerlich die Lippen. Er hielt die Platte in Händen und untersuchte. Ich sagte:„Nehmen Sie', und streckte ihm einige Scheine hin,„und ich rate Ihnen: Kaufen Sie einen Radio» Hörer statt einer neuen Platte.'— ,.Jwo.' meinte er,„damit läßt sich noch Musik« machen, behalten Sie nur Ihr Pflaster auf das Malheur! Aufgepaßt!'— Er tat die Platte auf die Filzscheibe, lchraubte eine neue Nadel ein— Hurra, da ging's los. der Hohen- incdberger: und jedesmal, wenn die Nadel über den Sprung ilreifte. krachte es, knack. Ich berechnete schan nach den Zeitobständen: Zetzt kommt er, der Knack... knack... und in meinem Gehirne knackte es mit. Mein Nachbar oeravschicdetc sich, um in den Sängerbund zu gehen: denn es war Sonnabend. Ich blieb zu Hause. Morgen ist Sonntag. Bei der Lampe rechnete ich au», wieviel Male der„Knack' am Sonntag von morgens halb zehn bis bis abends um sieben sich wiederholen würde. Mit diesem„ungefähren Ueberschlag'— so nennen die Kaufleute solch ein« Kalkulation, kam ich nicht zu Ende. Aber es stand fest, daß mein Gehirn selber am Sonntagabend eben- falls einen„Knack' haben würde. Da beschloß ich. am nächsten Tage einen Ausflug ins Freie zu unternehmen und legte mich zeitig schlafen. Aber der Morgen war regnerisch, die Sonne wollte nicht kommen... sie wußte wohl nicht, daß Sonntag war. Endlich, als die Stund« schlug— die ersten Takte knackten bereits— nahm ich den Hut, ging durch den Regen und trat erst gegen Mittag in eine Wirtschaft ein. Ich ging sogleich ans Büfett und fragte, ob gute Musik zu hören wäre— etwa Orchestrion? Oder vielleicht ein Grammophon?—„Nein, leider nichts dergleichen,' anwortcte die freundliche Wirtin. Und zu ihrer Ueber- raschung war die Folge ihrer Antwort, daß ich mich an einem der kleinen Tische niederließ. Dort habe ich zum ersten Male in meinem Leben mich zu betrinken oersucht.— Wie unanständig— sagen Sic? Bitte, schenken Sie ihrem Zimmernachbar ein« doppelseitig« schab- hoste Platte— nur eine einzige, dos ist der springend« Punkt bei dieser gesprungenen Platte!— aber im übrigen tadellos in Funktion. Vielleicht werden Sie dann zögern, den ersten Stein gegen mich zu knipsen?-- Am kleinen Tisch in der stillen Wirt- schast sehen wir uns wieder. Menfthenliebe in üer Praxis. Chronisch kranke und sieche Menschen, die monatelang oder jahrelang, recht oft bis zu ihrem Hinscheiden in Hospitälern, Siechen- anstaltcn und Altersheimen untergebracht sind, stellen gewöhnlich an das Leben nur noch geringe Ansprüche. Sie haben vereinzelte Wünsche, wenige kleine Freuden. Ganz zweifellos legen aber die meisten alten Leutchen einen gewissen Wert auf«ine schmackhafte, ausreichende und bekömmliche Beköstigung, auf ein Essen, das abwechslungsreich und„mit Liebe gekocht' ist. Die Mahlzeiten spielen im Alltagsleben der Hospitaliten eine große Rolle: dies weiß jeder, der das Anstaltswesen kennt. Allzu hoch beziffert sich auch wahrlich nicht der Geldauiwand, der erforderlich ist. um den Insassen der Hospitäler eine genügende Beköstigung zu gewähren. Die Stadt Berlin gibt im Jahresdurch- schnitt 90 Ps. täglich für die Verpflegung der einzelnen Hospitaliten aus. Dieser Kostensatz genügt, um ein Essen zu oerteilen, mit dem die alten Leutchen meist durchaus zufrieden sind. Freilich gibt es andere Verwaltungen, die tüchtig mit dem Daumen auf den Beutel drücken, wenn die Kastenregelung der Verpflegung von Anstaltsinsassen zur Debatte steht. Da bekommt man nicht selten recht merkwürdige„wohlmeinende' Aussprüche zu hören. So erging es auch mir neulich, als ich Gelegenheit hatte, einen großen, fern von Berlin gelegenen fremden Anstaltsbetrieb zu be- sichtigen. Der Oberinspektor führte. Ein alter Feldwebel, wie er im Buche steht. Fest davon überzeugt, seine Anstalt sei die beste und schönste und wirtschaftlich vollkommenste aus der Welt. Ja, die Berliner, meinte er, hätten immer die Spendierhosen an. Berlin pcrderbe die Preise und mache die Menschen anjpruchsooll und übermütig. Ein täglicher Kostensatz von 90 Pf. für die Perliner Hospitaliten— der wirtlich gerade angemessen ist— schien ihm schwindelhaft hoch zu sein.„Ich komme mit einem Satze von 54 Pf. aus', sagte er triumphierend. Dann aber fuhr er mit der Hand über sein« Denkerstirn und sprach als patentierter Wirtichasts- Politiker und echter Menschenfreund die geradezu klassischen Worte: „Wozu geben Sie denn den Leuten in den Hosvitälern soviel zu essen? Sie werden ja doch nicht wieder gesund! Nun, der ehrenwerte Herr Oberinspektor sei dem„Berein zur Bekämpfung der Magenerweiterung' als Vorsitzender bestens empfohlen. Dr. med. Alfred K o r a ch. Ein intereffonler Streit zwischen Presse und Radio. Die Pariser Zeitung„L'Europe Nouvelle' berichtete kürzlich von einem inter- esianten Streit, der sich gegenwärtig in Genf abspielt. Ein ainerika- nischer Geschäftsmann versucht vom Dölkerbundssekretariat gegen Leistung einer hohen jährlichen Zahlung die Erlaubnis zu erhalten, von der nächsten Sitzungsperiode des Bundes ab eine Anzahl Mikru- phvnc auf dem Bcratungstisch auszustellen. Dadurch würde der Völkerbund Gelegenheit zu einer großzügigen Propaganda erhalten, die ihm nichts kostet, sondern noch einen Gewinn verschafft. Er könnte leicht die Reden seiner Mitglieder ollen Empfangsstationen der Nachbarländer übermitteln. Der amerikanische Geschäftsmann ist indessen noch nicht so schnell zu seinem Ziele gekommen, da der Verband der in Genf eingeführten Journalisten rechtzeitig von der Sache hörte. Dos Rundfunkunternehmen will nicht nur die De- batten, fondern auch zusammenfassende Berichte und Erläuterungen der Radiowelt übermitteln. Dadurch fühlten sich die Journalisten in ihrem Beruf geschädigt und legten sofort scharfen Protest ein. Sie hoben hervor, daß diese Art Nachrichtenübermittlung leicht für besondere politische Interessen benutzt werden könnte, etwa auf die Art. daß die Berichte im Sinne der Nation der Äonzessionsinhaber beeinflußt würden. Da die Angelegenheit noch nicht entschieden ist, ist man allgemein gespannt, wie der Streit ausläuft. Allerdings werden die Journalisten auf die Dauer einen schweren Stand hoben gegenüber den Bestrebungen. Reden durch Radio zu übermitteln. Prinzipiell kann die Entscheidung auch für die übrige Welt, wo gelegentlich schon ähnliche Dijferenzen auftauchen, von ausschlag- gebender Bedeutung sein._ verewhelilichiing der Wimderthealerarbeit w INiiteldevtschlaod. Die Spielorte dt» mit dem Mitteldeutschen LandeStdeater in Halle verschmolzenen Städtebundtbeater« WettzenieU werden in der kommenden Spielzeit vom LandeSIheater versorgt. Die Direktion des Mitteldeutichen LandcStheaterS führen auch künftig Ernst R es ch t e un- Hermann Lang«. Elnrichwng einer Schauspielschule. Der Kultusminister bat, dem Amte liche» Pi eutzischen Pressedienst zujolge, der.Sinrichtung einer Schautpielschuld bei der Staatlichen Hochschule für Berlin zugestimmt und den Inten, danten Leopold Jeh ner mit der Leitung dieser neuen Abteilung beauftragt. Goldvortommen In der lltralvc. Wie die ukrainischen Blätter melden. sollen in einigen Kreisen der nördlichen Ukraine Moldvorkümmen sestgeitellt sein. Prof. Tulkowski, Mitglied der russischen Akademie der Wissenschasten, ist der Meinung, dag man eS bier mit Goldvorkoniinen zu tun bat, deren Ausbeute lobnend sein wirh. und aus seine Anregung wird sich bereits in allernächster Zeit ein- wissenschaftliche Kommission zur genaueren U»lcr!uchui!- der/ in Frage kommenden Ortjchasten dorthin begebe». Eine wirkliche Aufwertung. � Die Ruhrtönige haben ihre 700 Millionen bekommen, während die Anleihegläubiger des Reichs das Nachsehen hatten. Jetzt zerbricht man sich im A u f w e r t u n g s a u s s ch u ß des Reichstages die Köpfe, wieviel man den alten Anleihebesitzern an Brosamen geben will. Die Regierung erklärt, neben der für die bedürftigen Rcichsgläubiger vorgesehenen Dorzugsrente nur 12ö Millionen jährlich für diesen Zweck zur Verfügung stellen zu können. Der Erhebung einer Sonderfteuer von den Jnflationsgewinnlern i'iderfetzen sich die Regierung und ihre Parteien mit ollen Finessen. So werden denn die ehrlichen Zeichner von Kriegsanleihe, die dem Staate ihr Vermögen anvertrauten und dabei verarmten, ihre große Enttäuschung erleben. Eine angenehme Ueberraschung dagegen wird den großen Börsenjobbern des In- und Auslandes, die mit ihren gerissenen Spekulationen die Wäh- rung vernichteten und den Staat an den Rand de« Zusammen- Bruchs führten, bereitet. Diese Spekulanten, denen die Zeit, in der die Massen der Verzweiflung nah« waren, als eine Hochkonjunktur galt, werden eine Auswertung erleben, wiest« sie nie erträumt haben. In den Jahren 1922 und 1923, als die Mark tiefer und tiefer sank, wurde die Reichsanleih« zum Gegenstand des unbeschränkten Äärsenspiels. Man kaufte 1000 Mark für I Mark, für 50 P f.. f ü r S P f., f ü r'Uo, f ü r Vu» und schließlich für °'l«« Pf. und für noch niedriger« Preise. Von den rund 70 Milliarden Reichsanleihe, die heute noch in den Händen des Publikum» sind, waren damals etwa 50 ZNilliarden im Umlauf. Nur ?0 Milliarden befinden sich noch in den Händen der u r s p r ü n g- lichen Besitzer. Nichts liegt näher, als die ganzen Bestände, die damals durch die Hände der Spekulanten liefen, von jeder 'Aufwertung auszuschließen und für ungültig zu erklären. Umso größer dann die Freiheit und Beweglichkeit des Reichs in der Sorge für den e h r l i ch e n A l t b c s i tz. Regierung und Regierungsparteien gehen einen anderen Weg. Sie lehnen das gestern im Auswertungsausschuh unter Hinweis auf obige Zahlen vom Gen. Keil gestellte Verlangen, die Spekulation auezuschließen, ab und sind entschlossen, demjenigen, der für 1000 Mark Anleihe�/»»« Gold pseünige ge- zahlt hat, genau je 50 Mark Zlblösui, gsanleihe auszuhändigen, wie dem, der 1000 G o li> ma r k g e- zahlt hat! Nur soll der Spekulant zunächst nicht an der Aus- lasung teilnehmen. Natürlich wird das Heer der Spekulanten sich essbald rühren und Einlösung ihre» Scheins verlangen. Auf Kasten der ehrlichen Gläubiger! Alle Beschwörungen unserer Genosien, diesen himmelschreienden Akt zu unterlassen, blieben ungehört. Die Regierung, die die Sparkasseneinlagen aus der Inflationszeit streichen, isdes Darlehen aus dieser Zeit mit lächerlichen Sägen auf- werten will, läßt den Börsenspekulanten, die sich auf Kosten der deutschen Währung bereichert haben, ihre volle Fürsorge angedeihen. Sie allein werden eine wirkliche„Aufwertung" erfahren!._ Sachliche Aussprache über üie Seehanülung Im Barmat-Ausschuß de» Landtages fand gestern in einer längeren Sitzung eine sachllche Aussprache über die Seehandlung .statt. Diese gründliche Auseinandersetzung, an der nicht nur Mit- f, lieber des Ausschusses, sondern auch der frühere Staatsbank- Präsident von D o m b o i s, sein Nachfolger Schröder und die übrigen Herren der Seehandlung teilnahmen, gewann dadurch an Interesse, daß Reichsbankpräsident Dr. Schacht als sachverständiger Zeuge wiederholt zu Worte kam. Nach dem Tannenzaps-Dreck der letzten Sitzungen war diese grundsätzliche Aussprache geradezu wohl- uend. Schacht hob die Mängel. der Kreditpolitik der Staatsbank im vorigen Jahre hervor, wobei die Herren vom Staatsbankdirektorium liefe Mängel teils zugaben,. tells.bestritten, und im. übrigen die .Maßnahmen erörterten,, die. inzwischen zur Abhilfe getroffen wurden. ma Einzelberatung im Aollausschuß. Der in der Vormittagsfitzung leise geahnte Kanflikt war sofort bei Beginn der nachmittäglichen Zusammenkunft da. Die Regie- mngsparteien versuchten wieder, die R e d e z e i t zu beschränken. Sie verlangten in einem Antrag«in« geschlossenere Zusammen- iossung der einzelnen Positionen und außerdem, daß für die Unter» gruppen jeder Fraktion nur eine Stunde Redezeil zur Verfügung stehen sollte. Der Genosse Breitscheid wandte sich entschieden gegen diese Einengung. Er betonte, daß es bei dieser wichtigen Frage nicht von geringerer Bedeutuna sei, al» zum Beispiel bei den«teuer- vorlagen und bei der Auswertung, daß eine gründliche Aussprache ermöglicht werde. Schließlich wurde auf sozialdemokratischen Antrag mit Unterstützung der Kommunisten, der Demokraten und des Zentrums die Abstimmung über den Guillotine- Antrag vertagt. Eine große Debatte entspann sich dann über die Position Glas. Dabei wie» der Genosse vuchwih. auf ein vorzügliches Material gestützt, nach, daß die Rückständigkeit der deutschen Glasindustrie nicht durch einen höheren Zollschutz beseitigt werden kann. Schneider lD. Bp.) verlangte dagegen einen aus- reichenden Zollschiitz für die oerarbeitenden Industrien. Di« Beweisführung des Genossen Buchwitz für die schlesische Glas- Industrie wurde durch den Genossen Dr. Rosenfeld durch eine Dar- legung der Berhältnisse in Thüringen wirkungsvoll ergänzt. Zu derselben Frage äußerte sich noch der Genosse Frölich- Thüringen. Er wies auf die glänzende Entwicklung einiger Glas- iabriken hin und stellte dazu in Gegensatz die furchtbare Lage, in der sich die weiteröerarbeitendc Heimindustrie mit ihrer Arbeiterschaft befindet. Aber auch diese Argumente bleiben frucht- bleiben fruchtlos, die Mehrheit stimmte die sozialdemokratischen An- träge nieder. Dann begann der Ausschuh mit der Beratung der Gruppe Terttllnduslrie. und zwar mit der Unterabteilung Seide. Die Generaldebatte über die ganze Materie wird im Anschluß erfolgen. Genosse krätzig, einer der besten Kenner der wirtschaftlichen Bedingungen des Textilge- werbes, wies in seinen Ausführungen nach, daß in der out organi- fienen Seidenindustrie da» Bestreben vorherrsche, die Ware nach dem Auslande billiger zu verkaufen, als sie den inländischen Mark, bediene. Räch seinen Berechnungen wird sich die Zollerhöhung bei einem Konsumartikel wie seidene Dam e n st r ü m p s e so aus- wirken, daß ein Paar dieses Artikels um �0 Pf bis 1 M. verteuert wird Dabei besände sich die Seidenindustne absolut nicht e. die solche Mahnahmen, wie sie der Zollschutz darin einer Notlage, stelle, bedinge. Di« Kunstseidenproduktisn sei in Deutschland dominierend. Die günstige Entwicklung dieses Zweiges beweise die Handelsstotistik, die gegenüber den Zahlen von 1913 bei der Tinsuhr einen Rückgang von 52 Praz., bei der Aussuhr dagegen eine Steige- rung um 57,6 Proz. ergebe. Die glänzende Lage dieser Industrie werde aber auch dadurch bewiesen, daß die G l a n z st o f s w e r? c in ihrer letzten Rechnungslegung einen Fabrikatiansgewinn von 10 890 000 M. nochwiesen. Sehr treffende Worte fand die Genossin Schissqcv». eine ehe- malige Textilarbeiierin aus dem Aachener Bezirk. Die Zollsatze sur Seide, die zum Teil ggeenüber den Vorkriegszöllen verdreizehniacht werden sollen, sind wirtschaftlich unmöglich zu tragen. Im Borzahre beabsichtigte die Schweiz, ihre Zollsätze zu verdoppeln. Damals behauptete die Industrie, daß damit jede Ausfuhr unmöglich gemacht würde. Wie soll die deutsche verarbeitende Industrie Zollsätze. zu tragen vermögen, wie sie die Regierungsvorlage Vorsicht? Nach weiteren Ausführungen des Genosien Krätzig wurde die Debatte geschlossen. Die Anträge der Sozialdemokraten wurden abgelehnt. Die Regierunysmehrbeit bewilligt« die vorgeschla- aenen Sätze. Fortsetzung der Beratung Dienstag vormittag 11 Uhr. Der Sicherheitspakt im(dberhause. Außenpolitische Debatte in London. London, 6. Juli.(WTB.) Im Oberhaus wurde heute die ange- kündigte Debatte über die auswärtigen Angelegenheiten von A s q u i t h eröffnet. Dieser stellte zu Beginn seiner Rede die Frage, welcher Fortschritt gemacht worden sei, oder erwogen werde, was die Räumung Kölns und des Kölner Gebietes durch die britischen Truppen anbelange, ferner, welches das Ergebnis der alliierten Erwägungen der angeblichen Verzüge Deutschlands in Er- süllung des Versailler Bertrages sei und welche Rechtfertigung für«ine weitere Verzögerung der Räumung der genannten Zone bestehe. Asquith kam dann auf die S i ch e r h e i t s f r a g e zu sprechen und erklärte: Die bestehende Unsicherheit und der Mangel angemessener Vorkehrungen zum Zweck ihrer Beseitigung ist nicht nur gefährlich für Frankreich, sondern für alle europäischen Nationen. Alle bisherigen Versuche, eine Regelung zu finden, sind gescheitert: sie zu finden bleibt jedoch die erste Aufgabe der europäischen Staats- kunft. Es ist von großer Wichtigkeit, daß Deutschland Mitglied des Völkerbundes wirtz. Der neue Sicherhcitspaktentwnrf ist mit Befriedigung zu begrüßen. Ein solcher Pakt, der im übrigen unbedingt unzwei- deutig sein muß, würde die Autorität des Bölkerbundes nicht schwächen, sondern stärken. Ein Vorzug ist es, daß die I n i t i a- tive von Deutschland ausgegangen ist, und daß sein Vor- schlag einen bedeutenden Fortschritt darstellt, wobei nur zu bedauern ist, daß die Bezugnahme auf die Revision von Ver» trägen unklar gehalten ist. Asquith, der darauf die Frage der Re- vision der Friedensverträge an Hand der bestehenden Bestimmungen näher erläuterte und daraus die Frage stellte, ob der Schiedsgerichts- vertrag, der unter dem Pakt geschlossen werden solle, sich auf Fragen erstrecken solle, die sich im Zusammenhange mit dem Versailler Der- trage ergaben könnten, gab zum Schluß seiner Hoffnung Ausdruck, daß der geplante Sicherheitspakt die erste Etappe eines entscheiden- den Beitrages zur dauernden Befriedung der Welt werde. Lord H a l s d a n, der nach Asquith sprach, erklärte, daß er den Geist de« vorgeschlagenen Paktee dillige, ersuchte jedoch um Jnforma- tionen bezüglich der Einzelheiten. Lord Grey führte aus: Die Bedeutung des deutschen Dar- schlages zur Regelung der Sichcrheitsfrage kann nichthochgenug angeschlagen werden. Der deutsche Vorschlag weist einen neuen Weg für die Zukunft Europas. Seit Beendigung des Weltkrieges hat die Autorität der europäi- schen Zivilisation, wie die» die Ereignisse in Aegypten, Marokko, China und anderswo zeigen, beispiellos vermindert, und die Frage des Augenblicks ist, wie sie wieder hergestellt werden kann. Europa kann aber sein früheres Prestige nur wieder herstellen, wenn et bezüglich de» künstigen Friedens ein Beispiel gibt. Die deutschen Lorschläge für einen Sicherheitspatt eröffnen nun einen neuen Weg und einen besseren als den der alten Sonderbündnisse. Wenn sie Erfolg haben, so werden sie dem früheren Zustand, wonach Deutsch- land und Frankreich jedes für sich versuchten, Sicherheit auf Kosten des anderen zu erreichen, ein Ende machen und beiden Ländern eine Sicherheit bringen, an der sie ein gleiches Interesse und gleichen Anteil Haben. Die' Verpflichtungen, die Großbritannien übernehmen mußte, wären die Hochhaltzmg des Prinzips der-Schiedsgerichts- Sprkcit und de� Grundsatzes: daß Großbriiaimicn zu der angegrisfenen Motion steht..- Großbritannien. darf sich nicht abseits halten, eine Politik, der Isolation ist- unmöglich..Selbstverständlich müssen die Dominions in jedem Punkte zu Rate gezogen werden, und es darf kein Druck auf sie angewandt werden, Verpflichtungen zu über. nehmen, die sie nicht eingehen wollen. Andererseits muh die Re- gierung alles und, um den Dominions die Bedeutung des gegenwärtigen Standes der europäischen Angelegenheiten und der Jmer- essiertheit Englands an diesen klarzumachen, und die Dominions wissen hoffentlich, daß es für die britische Regierung wesentlich sei. sich an den europäischen Angelegenheiten zu interessieren, wenn sie auch vielleicht selbst keine endgültigen Verpflichtungen übernehmen wollen. Grey gab zum Schlüsse seiner Hofsnung Ausdruck, daß die Verhandlungen zur Herbeiführung eines Sicherheitspaktes Erfolg haben werden. Lord B a l f o u r, der darauf das Wort nahm, erklärte zunächst, da die Ausführungen seiner Vorredner eine Verteidigung der Politik der Regierung darstellten, bleibe ihm sehr wenig zu sagen übrig und erinnerte dann in Beantwortung der Frage Asquiths bezüglich der Räumung deutschen Gebietes an die Umstände, unter denen die im Januar fällige Räumung oec- schoben wurde, sowie an die Ereignisse, die zu der französisch- britischen Abrüstungsnote führten. Er sagte, bisher sei von der deutschen Regierung keine Antwort eingegangen, und dies sei der augenblickliche Stand der Lage. Balsour fuhr dann fort, er teile nicht ganz die Besorgnisse Greys, daß die Schwierigkeiten Englands aus die Abnahme des Prestiges der europäischen Zivlli- sation zurückzuführen seien. Er stimme aber der Ansicht voll- kommen zu, daß der Weltkrieg die allgemeine Umwälzung hervor- gerufen habe, an der man jetzt kside. Lord Balsour erklärte weiter: Wir wünschen nichts, was die Frage Deutschlands ungünstig beeinflussen könnte, nichts, wogegen der deutsche Nationalstolz oder die deutsche Politik sich wenden müßte, und ich hoffe daher zuversichtlich, daß die Vorschläge, welche wir, nachdem Deutschland die Initiative ergriffen hat, gemocht hoben. schließlich von der deutschen Politik angenommen werden. Wenn dem so ist, wenn wir das Glück haben werden, daß auf dieser breiten Basis ein allgemeines lleberei»kommen getroffen wird, so kann nicht der geringste Zweifel aufkommen, daß einer der wesentlichsten Beiträge zur Zivilisation und zum Frieden geschasfen werden wird. Wenn infolge unzeitgemäßen Zögern?, oder Zweifeln oder aus irgendeinem anderen Grunde irgendeine der in Frage kommenden Parteien, die an diesem Sicherhcitspatt teil- nehmen sollen, jetzt zurücktreten würde, so stimme ich mit Lord Grey darin überein, daß ein schlimmerer Schlag gegen das Glück, die Wohlfahrt der Menschen nicht gesührt werden könnt«, eine größere Erschütterung der ganzen Welt, die für die Genesung ron dem Unglück der Lergangenheit kämpft, nicht ausdenkbar ist. Ich kann nicht glauben, daß irgendwelche Staatsmänner diese gewaltige Berant- Wartung auf sich nehmen wollen. Es scheint, daß wir Land in SiiH haben, sicherlich wird das Schiff der Zivilisation nicht durch verbrecherische Torheit van jenen zum Scheitern gebracht werden, die für seine Führung in Wirklichkeit verantwortlich sind. Ich weiß, daß wenn ich diese Hoff- uung zum Ausdruck bringe,— und es gibt mir große Befriedigung so zu denken—, die britische Regierung die wärmste Sympathie aller jener haben wird, die in diesem Hause gesprochen haben, und ich glaub«, daß sie nicht allein die Parteien, für die sie sprachen, sondern daß sie die besten politischen Gedanken unseres Landes vertreten und wünschen, daß die Bemühungen der Regierung, die für ein« Sache, die nicht die Angelegenheit einer einzelnen Partei noch eines einzel- neil'Landes, sondern der Zioilisaikön an sich ist, von dem größten Er- folge gekrönt werde. -In der Fortsetzung der Debatte erklärte Lordkonzier Cave in Beantwortung einer Frage Lord Redesdales, ab in dem Sicherheit»- pakt vorgesehen sei. wie die Bedingungen de» Paktes durchgeführt werden sollen:„Ich bitte den Fragesteller, warten zu wollen, bis das Dokument dem Parlament vorgelegt wird. Wie das Hohe Hau» weih, ist der Vertrag noch nicht formuliert, aber er ist bereits oder wird in wenigen Togen Gegenstand von Derhandlungen sein." Der Kampf in Marokko. Prestige- oder UerständigungSpolittk. Paris, 6, Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die kritische Zu- s p i tz u n g der militärischen Lag« in Marokko stellt die französische Regierung vor folgenschwer« Entscheidungen. Nachdem man wachen- lang der öffentlichen Meinung die Wahrheit vorenthalten und Sieg über Sieg gemeldet hat, wo in Wirklichkeit Abd el Krim eine von Woche zu Woche sichtbarer in Erscheinung tretende militärische Ueberiegenheit-zu erringen vermocht hat, wird am Montag zum ersten Male amtlich zugegeben, daß die Entwicklung auf dem marokkanischen Kriegsschauplatz eine verhängnisvoll« Wendung ge- nommcn hat, die vorgeschobenen französischenLinien aus einem großen Teil der'Front durchbrochen sind und der Massenabfoll der bisher treugebliebenen Stämme nicht nur die einzige Bahnlinie, die das nördliche Marokko mit Algier verbindet, ernstlich"bedroht bzw. den Besitz der beiden wichtigen Städte Fes und Tozo stark gefährdet. Ein außerordentlicher französischer Mini st errat trat daher am Montag abend zusammen, um über die Lage in Marokko zu beraten. Wie die« Dinge liegen, gibt es für Frankreich nur zwei Ausweg« aus der Krise: entweder einen roschen Friedensschluß mit Abd el Krim oder die Fortsetzung der militärischen Operationen im wesentlich breiteren Um- fange als bisher.' d. h. die Entsendung neuer beträchtlicher Ver- stärkungen an Materiol und Menschen zur Einleitung einer großen Offensive gegen Abd el Krim. Indessen wird von den militärischen Sachverständigen selbst zugegeben, daß Frankreich dadurch in einen Kolonialkrieg von langer Dauer verwickelt werden kann. Die wiederholten Erklärungen, die Painlevö und Briand In beiden Kammern des französischen Parlaments abgegeben haben, lassen keinen Zweifel darüber, daß die zuständigen Regierungsstellen bis- her der Auffassung gewesen sind, daß ein.Friedensschluß mit Abd el Krim erst dann möglich sei, wenn durch einen entscheidenden Sieg das m i l i t ä r i s ch e P r e st i g e Frankreichs und damit seine Autorität in den nordosrikanischen Kolonien wiederhergestellt ist. Die Entwicklung der letzten Wochen dürste ober auch die französische Regierung davon überzeugt haben, daß die von den Nationalisten mit Unterstützung der gesamten Rechtspresse verlangte Offensive zu einem für Frankreich sehr ko st spieligen Abenteuer werden kann, das allzu leicht zahlreich« Menschenleben. Material und Geld verschlingen wird. Die Regierung scheint sich insolgedesien für den Versuch entschlossen zu haben, auf dem von den französischen Linksparteien geforderten Verhandlungswege zu einem F r i e d e n s s ch l u ß mit Abd kl Krim zu gelangen. lieber die B e d i n g u n g e n, die F r a n k r e i ch und Z p a n i e n gemeinsam vorzuschlagen, beqbsichtigen. werden am Montag Mit. icilungen verbreitet, wonach die beiden Mächte, bereit seien, die Autorität des, Riss anzuerkennen und dessen wirt- schaftliche E n t w i ckl u n g s s rei h e i t sicherzustellen. Darüber hinaus soll Frankreich bereit sein, die strittige Zone nördlich des Ouergha. deren Besetzung durch die französischen Truppen im Früh- jähr 1924 den Angrijs Abd el Krim» ausgelöst hat, den Stämmen de» Riss zu überlassen, als Bedingung dafür aber die An- erkennung der Souveränität des Sultans durch Abd el Krim oerlangen. In dieser Forderung dürfte da» Haupt- Hindernis für«inen Friedensschluß zu suchen sein. Die Souveränität de» Sultans von Marokko ist ein reines Luftgebild«. Die Anerkennung seiner Souveränität würde in Wirklichkeit die Anerkennung der s r a n z ö s i s ch- s p a n i s ch e n Ober- Hoheit über da« Ris bedeuten. Sie wird von Abd el Krim, der seit drei Iahren gegen Spanien und Frankreich nicht für die Auto- nomie, sondern für die Unabhängigkeit ds Riss kämpft, aufs ent- schlcdenste abgelehnt, und es ist kaum anzunehmen, daß ihn seine militärischen Erfolge über zwei europäische Großmächte geneigter zu zu einem Berzicht gemacht haben. Wenn also Frankreich wirklich den Frieden will, so wird es seinen Widerstand gegen die Un- abhängigkeit des Riss, dessen Stämme seit 2000 Jahren niemals ein« Fremdherrschaft geduldet haben, aufgeben müssen. Die völkerbunüsvereine in Warschau. lvarschau, 6. Juli. Die neunte Tagung deS Weliberbande« begann am Sonnabend mit Kommissionssitzungen. Im Vorder- gründe standen die Entwürfe eines allgemeinen Minder- heitenschntzvertrages. Bei dem offiziellen Empfang der Delegierten sprach der polnische Arbeitsminister S o k a I von dem polnisch-jlldischen Ausgleich, obne jedoch auf Einzel- Heiken einzugehen. NaS Pressemeldungen soll eS sich vor allem um daS Zugeständnis der Handelserloubnis an Sonntagen handeln. Gelsenkirchen wirü geräumt. GelsenNrchen. 6. Juli.(Eigener Drahtbericbt.) Die Besatzung der Gelsenkirchen-Bochumer Zone hat den Befehl erhalten, sich marschbereit zu halten. Im Laufe dieser Wocke wird zunätbst die Artillerie abrücken. Tie technischen Truppen werden als letzte die zu räumende Zone vcrlasien. In Verbindung mit der Räumung baben in den letzten Tagen zahlreiche Osfizierc und Mannschaften Urlaub erhalten. Die Devölkerung hat die Mitteilung von der Räumung in würdiger ernster Haltung empfangen. Die Ober- bürgermeister der zu räumenden Städte haben die Bevölkerung dringend gebeten, bei dem Abzug der vesatzungstrupppn Ruhe zu bewahren und alle Handlungen zu unterlassen, die geeignet sind. Reibungen mit der Besatzung hervorzurufen. Oesterreichs Gesondlenwechfel. Der Oesterreichisch- Deutsche Voltsbund vecairstoltete gestern eine herzliche Äbschiedskundgebung für den Gesandten Riedl, der sich eine Begrüßung des neuen Gesandten Dr. Felix Frank anschloß. Gewerkschaftsbewegung Kohlenproduktion und Bergarbeiterinternationale. Der vor kurzem sum hauptamtlichen Gekretär der Bergarbeiter. internationale berufene englische Bergarbeiterführer Frant Sodges, der sich in England wegen feiner Gachkenntnis eines außerordentlichen Ansehens erfreut, hat unserem Londoner Rorrespon denten folgende interessante Ausführungen über die gegenwärtige Situation auf dem Gebiet des Rohlenbergbaues und der Aufgaben der Bergarbeiterinternationale gemacht. Die fritische Situation des britischen Kohlenbergbaus, die in den Stillegungen im Bergbau, in der außerordentlichen Arbeitslosigkeit zum Ausdrud fommt, fann nur unter Einbeziehung der internationalen Situation des Kohlenbergbaus verstanden werden. der Internationale noch die großen moralischen und erzieherischen| bandes, auf die mir aus begreiflichen Gründen nicht näher einAufgaben, die sich die Internationale der Bergarbeiter gestellt hat, gehen fönnen, nicht zum mindesten beigetragen. die große pazifistische Sendung, auf die fie durch den ersten, dem Krieg folgenden Kongreß feierlich verpflichtet ist, so fann nicht geleugnet werden, daß dieser internationale Zusammenschluß der Berg arbeiter einen mächtigen Baustein am Friedensgebäude der Welt darstellt. Bochum, 6. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Erekutivausschuß der Bergarbeiter Internationale tritt am Dienstag in London zu sammen, um zu der Weltkohlenkrise und der Arbeitskrise im englischen Bergban Stellung zu nehmen. Im Mittelpunkt der Erörterungen werden die von dem nationalen britischen Bergarbeiter verband propagierten einheitlichen Richtlinien zur inter nationalen Kontrolle ber Kohlenproduktion Unter Exportrückgang hat nicht nur England( 20 Millionen Tonnen und des Absages sowie zur Festlegung einheitlicher Lohn- und weniger), sondern auch Amerika zu leiden und insbesondere Deutsch- Arbeitsbedingungen stehen. Bon bentscher Seite werden useland. Deutschland wird, trotzdem es infolge seiner Lieferungen mann, Limberg und Dr. Berger an den Verhandlungen an Reparationsfohle eine ständig fließende Export teilnehmen.n quelle hat, in diesem Jahre zum Beispiel falls die Ziffern der ersten Monate auf das ganze Jahr übertragen werden können einen Exportausfall von nicht weniger als 14 Millionen Tonnen zu verzeichnen haben. Die Nachfrage nach Kohlen aus den alten Exportzentren ist heute eben in der ganzen Welt geringer als vor dem Kriege. Die Australien, Afrifa seit 1914 ihre eigene heimatliche Kohlenerzeugung Ursachen sind zunächst, daß Länder wie Ostindien, Japan, China, bedeutend gesteigert haben. In jenen Gebieten produzieren nunmehr auch die Industrien, die früher zum Teil von uns Kohle bezogen haben, die Kohle im eigenen Lande. Dazu fommt noch, daß in Europa selbst eine noch viel zu wenig beachtete Um= formung der Kraftunterlage mejentlicher Industrien statt gefunden hat. An Stelle der Kohle ist in Ländern wie Standina vien, Italien, Schweiz, Desterreich vielfach Elektrizität( durch Wafferkraft, nicht Kohle erzeugt) und Delfeuerung getreten. Dazu tritt noch, daß die für die Kohlenproduktion so wichtigen, ja entscheidenden metallurgischen Industrien beinahe überall infolge des Rückganges des Bedarfes einen Produktionstüdgang aufmeijen. Angesichts dieser Lage, die sich auch in den nächsten zehn Jahren nicht wesentlich ändern dürfte, ist es deshalb vom Standpunkt der Bergarbeiterschaft Deutschlands, Englands und Ameritas aus gesehen, ein aufgelegter Wahnsinn( sheer madnes), menn ein einzelnes oder diese einzelnen fohlenegportierenden Länder einzeln versuchen würden, auf der Basis billigerer Arbeit und längerer Arbeitsstunden einen größeren Anteil an dem verkleinerten Gesamterport zu erobern. Die logische Folge wäre, daß schließlich alle diese Länder die Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter herabdrücken würden und damit diesen Bersuch nach einer gewissen Zeit einfach ad absurdum führen würden. Die Frage, die sich aus diesem Tatbestand ergibt, ist die, welche Möglichkeiten, menn auch nicht einer Abhilfe, so doch einer verhältnismäßigen Verbesserung der Situation des Kohlenerports diefer pauptfächlich in Betracht kommenden Länder möglich ist. Ich sehe die einzige Möglichkeit in folgender Lösung. Die Anteile dieser Länder an dem Kohlenerport der Welt in den dem Krieg vorangehenden Jahren sind befannt, ebenso die verhältnismäßige Berringerung des Exports. Die verhängnisvollsten Folgen der Entwicklung fönnen rur dadurch vermieden werden, daß sich die hauptsächlich in Betracht kommenden Länder in den zurzeit bestehenden Exportmöglichkeiten im Verhältnis der Vorfriegszeit aufteilen, vor= ausgesetzt, daß die Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter dieser Länder einander angeglichen werden und zwar auf der Basis der Arbeitsbedingungen der beit gestellten Arbeiter [ chicht. Im Rahmen eines solchen Blanes hätten nur diejenigen Borteile, die unter günstigeren geologischen Voraussetzungen Kohle fördern oder deren Bergbau technisch besser organisiert ist. llebrigens fann der letztere Vorteil immer nur ein zeitweiser sein, jedenfalls braucht er es nur zu sein, weil die Ergebnisse der Wissenschaft der Produktion im wesentlichen ja international verwertbar sind und ein solcher Vorsprung also nicht dauernd zu sein braucht. Immer unter der Voraussetzung, daß die wesentlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergarbeiterschaft gleich sind. Ist das der Fall und fritt dieser Angleichungsprozeß der Technik des Kohlenbergbaus ein, mas praktisch der Fall sein dürfte, so bleibt als einziger Unterschied die natürliche Grundlage, die Qualität der Kohle und die Ent fernung der Kohle rom Käufer, als der Standort der Kohlenfelder. Die Durchführbarfeit einer solchen Aufteilung, wie sie hier frizziert worden ist, fteht außer Zweifel. Barum follie der Koblen handel nicht imftande sein, durchzuführen, was der Eisenhandel auf internationaler Basis bereits zuwege gebracht hat? Um die gegen feitige Zerstörung und Bernichtung ihrer Industrie zu verhindern, hätten also die Arbeiter ihrerseits allen Anlaß, in einer internationalen Zusammenarbeit mit den Unternehmern selbst für eine solche Verteilung zu tämpfen. Allein fönnte die Arbeiterschaft einen solchen Blan heute nicht durchführen, wenn sie hierbei die Opposition der Unternehmer zu brechen hätte, da dies aber mindestens ebenso im Interesse der Unternehmer, wie der Arbeiter liegt, so ist eine solche internationale Zusammenarbeit durchaus im Bereiche der Möglichkeit. = Die Aufgaben der Bergarbeiter Internationale liegen auf der Hand. Sie ist zunächst daran gegangen, von den Gewerkschaften der einzelnen Länder genaue Daten über die Arbeits- und Lohnbedingungen in allen fohlenproduzierenden Län dern der Erde zu sammeln. Sie muß sodann alle ihre Energie darauf fonzentrieren, die Lebens- und Arbeitsbedingungen aller Kohlenbergarbeifer auf der Basis der beffgestellten Kohlenarbeiter einander anzugleichen. Hierzu ist unter anderem notwendig, daß darauf hingearbeitet wird, daß die Tarifverträge der Bergarbeiter der verschiedenen Länder gleichzeitig ablaufen, damit Kämpfe zur Verbesserung der Sage der Bergarbeiter international im selben Moment geführt wer Den fönnen. Welchen entscheidenden Schritt dies für den internatio nalen Kampf der Bergarbeiterschaft bedeuten würde, braucht wohl nicht erst besonders betont zu werden. Neben dieser internationalen Arbeit, die sich erst im ersten Stadium befindet, ist das Sekretariat in diesem Augenblid mit einer Reihe von wichtigen organisatorischen Arbeiten beschäftigt. Um die Bergarbeiter- Internationale zu vervollständigen, müssen die Berg arbeiter Südafrikas, Australiens und Neuseelands auf der einen Seite, die Gewerkschaften der Bergarbeiter Japans, Chinas und Indiens andererseits ihren Weg zu unserer Internationale finden. Es ist selbstverständlich, daß auch die Russen in unserer Mitte nicht weniger willkommen wären, sobald dafür Garantie geboten ist, daß sie, wie die übrigen Bergarbeiter der Welt, ohne irgendwelche politische Abhängigkeit von einer außenstehenden Organisation, in die Bergarbeiter- Internationale eintreten können. Nimmt man zu dieser wirtschaftlichen und organisatorischen Arbeit EMMO Kampf im Schriftgießereigewerbe. Die Arbeit ist im ganzen Reiche niedergelegt. Die Niederlage der Unternehmer um Holzgewerbe läßt offenbar die„ revolutionären" Stragen in der Roten Bahne" nicht schlafen. Sie möchten von vornherein die Bauarbeiter auf eine Taftit festlegen, die die Solidarität der Unternehmer auf jeden Fall sichert. Was feine Konventionalstrafe bei den Holzindustriellen vermochte, soll bei den Unternehmern im Berliner Baugewerbe von vornherein dadurch gesichert werden, daß die Arbeit auch dort niedergelegt wird, wo die Forderungen der Arbeiter bewilligt werden. Wie die Bauarbeiter ihre Tattit festlegen wollen und werden, ist ihre Sache. Jedenfalls werden sie es sich ganz gründlich verbitten, sich von den durchgefallenen Bauarbeitern oder gar von der„ Roten Fahne" vorschreiben zu lassen, wie sie ihren Kampf zu führen haben. Die Bauarbeiter fämpfen nicht um des Kampjes willen und um diesen zu„ beleben", sondern um ihre Forderungen durch= 3ufezen. Wenn es geht ohne Kampf; wenn es nicht geht, mit Kampf, und zwar wird der Kampf so geführt werden, daß er die Arbeiterschaft möglichst schont und die Unternehmer möglichst empfindlich trifft. Wieder eine Niederlage der KPD. Die Wahl eines Delegierten am 4. Juli zum 12. GewerkschaftsDie Arbeiterschaft im Schriftgießereigemerbe hat, gezwungen fommen, welches bis zum 26. Juni lief, gekündigt und 20 Proz.hönen Erfolg, der um so höher zu werten ist, als der Standurch die immer mehr sich verfeuernde Lebenshaltung, ihr Lohnab- fongreß in der Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller brachte unseren Genossen einen Erhöhung gefordert. In der Verhandlung am 17. Juni murde die didat der KPD. Borsigender der Verwaltungsstelle Berlin ist. Lohnerhöhung von den Unternehmern rundweg abgelehnt. Sie von 1843 abgegebenen Stimmen erhielten Wilhelm Often( SPD.) begründeten ihre Ablehnung damit, daß das Gewerbe feine Erhöhung 1029 Stimmen und Mar Müller( KPD.) 784 Stimmen. Ber mehr ertragen fönne, auch mache ihnen das Ausland große Kontur splittert waren 30 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 37% renz. Sie tönnten feinen Pfennig mehr zulegen, nur menn eine drifte Seite( gemeint ist das Reichsarbeitsministerium) eine Zulage diktieren" würde, würden sie mehr zahlen, dann müsse aber auch die Behörde die Berantwortung für den Zusammen bruch des deutschen Schriftgießeigewerbes" tragen. " Da mun die Verhandlungen gescheitert waren, haben die Ver treter der Arbeiterschaft die Entscheidung ihren Auftraggebern zuridgegeben. Merkwürdigerweise haben nun die Unternehmer das Reichsarbeitsministerium zur Schlichtung des Lohnkonflikts angerufen. Am 23. Juni tagte nun die Schlichtungskammer. Es wurde nach langem Berhandeln zugunsten der Unternehmer entschieden und folgenden Schiedsspruch gefällt: " Das bis zum 26. Juni 1925 geltende Lohnabkommen wird bis zum 21. August 1925 verlängert." Angeblich soll die wirtschaftliche und politische Lage noch unübersichtlich sein, und es ginge nicht an, jezt schon" Lohn erhöhungen vorzunehmen, vielleicht habe sich bis zum 21. Auguſt die Situation geändert, daß man dann klar sehen könne. Die Ertiärungsfrist lief bis 30. Juni 12 1hr mittags: Die Arbeiterschaft mar von vornherein entschlossen, einem solchen Schiedsspruch ihre Zustimmung nicht zu geben. Im ganzen Reiche nahm man dazu Stellung und lehnte den Spruch rundmeg ab. Es wurde darauf am 27. Juni gekündigt, so daß ab 5. Juli das gesamte deutsche Schriftgießereigewerbe in der Lohnbewegung steht und am Montag im ganzen Reich die Arbeit nieder gelegt wurde. Das Schriftgießereigewerbe ist auch im letzten Jahre vor Erschütterungen bewahrt geblieben und hat den Unternehmern sehr gute Gewinne gebracht. Der Arbeiterschaft aber, welche durch ungefunde Verhältnisse im Berufe ihre Lebensweise ganz anders einstellen muß, verweigert man auch nur 1 Pfennig Zulage. Diese Politik der Unternehmer ist die Arbeiterschaft nicht mehr ge: willt meiter mitzumachen. Früher standen die Schriftgießer mit an erster Stelle in der Entlohnung. Heute sind sie meit hintenan. Sie nehmen den Kampf auf, um eine menschenmürdige Eristenz zu er. zielen, die ihnen ein so gewinnbringendes Gewerbe wie die Schriftgießerei sichern muß. Revolutionäre Streifftrategen. Zum Konflikt im Baugewerbe. Der sogenannte Berband der ausgefchloffenen Bauarbeiter ist gegenwärtig bei der KPD. untendurch. Es genügt jedoch, daß dieses Organisationchen sich bemüht, die Aktion der Gewerkschaften zu durchfrenzen, um ihm die Spalten der Roten Fahne" meit zu öffnen. Nachdem durch die Aktion des Baugewerksbundes und des Zentralverbandes der Zimmerer der Kampf im Berliner Baugewerbe unmittelbar vor dem Ausbruch steht, beginnt auch der BdaB. aufzuwachen. Natürlich hat er eine lange Resolution abgefaßt. Die„ revolutionäre" Tätigkeit dieser Spalter offenbart fich vor allem in der Abfassung von Resolutionen. Der Vorstand des Baugewertsbundes hat in unserer gestrigen Abendsausgabe bereits die gröbiten Schwindeleien berichtigt. Es ist notwendig, darüber hinaus die anmaßende Dummheit dieser lleberrevolutionäre festzunageln. In jener Resolution heißt es u. a.: Der Kampf ist an einem Tage gemeinsam aufzunehmen, um jede Zersplitterung zu vermeiden, einschließlich der Bauhütte. Lezlere muß als Arbeitgeberin besonders mit gutem Beispiel vorangehen, und bei allen in Frage fommenden Instanzen durch ihre Solidarität befunden, daß die Forderungen der Bauarbeiter für das Wirtschaftsleben tragbar sind. Der Streit ist öffentlich zu beleben. Um mas geht der Kampf? Vor allen Dingen um die sozialen Forderungen. Um den Urlaub, um die 46½stündige Arbeitswoche, um Fahrgeldentschädigung ufm. Alle diese Forderungen hat die Bauhütte bewilligi und praktisch durchgeführt und damit also den Beweis geliefert, daß die Forderungen der Bauarbeiter für das Wirtschatfsleben tragbar sind". Welche Solidarität soll sie also noch befunden? Die Soli= darität mit den Unternehmern? Denn nach der blödsinnigen Taktik, die die überall ausgeschloffenen Bauarbeiter sich anmaßen, den organisierten Bauarbeitern zu diftieren, soll die Bauhütte mit den Unternehmern in eine Kampffront gedrängt merden. Es soll nicht unterschieden werden zwischen einem Unternehmen der Gewerkschaften und einem fapitalistischen Unternehmen, zwischen einem Unternehmen, das die wesentlichen Forderungen der Bauarbeiter be milligt und durchgeführt hat und den Unternehmen, die diese Forderungen zu bewilligen sich weigern. Es ist zu hoffen, daß bei dem nötigen taftischen Geschick der Kampf im Baugewerbe einen ähnlichen Verlauf nehmen wird mie der Kampf im Holzgewerbe. Es wird noch allen in Erinnerung sein, wie die„ Rote Fahne nach einer Berbreiterung der Kampf front" schrie, um den Unternehmern, die sich mit ihrer Tattif in die Neffein gesetzt hatten, zu Hilfe zu fommen. Dabei hat freilich nicht zum mindeſten die fluge Tattit des Holzarbeiterver " Da Berlin vom Verbandstag das Recht bekommen hatte, einen Delegierten allein zu wählen, ist somit Often gewählt. Die Wabl des zweiten Delegierten, ebenfalls ein Genosse, ist bereits erfolgt, während die Wahl des dritten Delegierten, den Offenbach a. M. zu wählen hat, noch aussteht. Die Niederlage ist so ausschließlich eine Niederlage der KPD., deren Politik von den Mitgliedern abgelehnt wurde. Aussperrung im sächsischen Baugewerbe. Dresden, 6. Juli.( TU.) Die Arbeitgeber des sächsischen Bau gemerbes haben mit Wirkung vom 8. Juli die Aussperrung beschlossen. Die Tariffommission des Arbeitgeberverbandes begründet diesen Schritt wie folgt: Die Arbeitnehmer des sächsischen Baugewerbes haben zur Durchsetzung ihrer maßlosen, mit den allgemeinen tariflichen Verhältnissen unvereinbaren Forderungen an vielen Stellen den Streif eröffnet. Die noch in Arbeit stehenden Bauarbeiter unterstützen diesen Streit durch Abgabe höherer Sondersteuern an die Gewerkschaftsfaffe. Sie sind also mittelbar an dem Kampf beteiligt. In berechtigter Abwehr und zum Schuße der bestreiften Firmen sehen sich die Arbeitgeber des fächsischen Baugewerbes ge zwungen, diesem Kampf zu begegnen. Sie haben deshalb einmütig beschlossen, die zum Teil noch in Arbeit stehenden Arbeitnehmer mit Wirkung vom 8. Juli auszusperren. Wenn die Arbeiter einen ausreichenden Lohn fordern, dann ist das für die Unternehmer eine ,, maßlose Forderung". Wenn die Unternehmer aber mit dem Lohne eines Arbeiters auskommen sollten, würden sie ein maßloses Geschrei erheben. Streit auf den Blei- und Zinkgruben der unteren Lahn. Bintragruben an der unteren Lahn und am Rhein, die größtenteils Bochum, 6. Juli( Eigener Drahtbericht). Auf den Blei- und dem Stolberger Konzern angehören, ist ein Lohn- und Arbeitszeitlampf ausgebrochen. Die Belegschaften der Bleis und Zinkerzgruben Holzappel, Gewerkschaft Merkur in Ems und Grube Rosenberg in Braubach stehen in Kampf. Die Verwaltungen machen die größten Anstrengungen, unt Streifbreder anzuberben. Der Bergarbeiter verband bittet, vor Zuzug von Arbeitern in das Kampfgebiet entschieden zu warnen. Verhandlungsstillstand im englischen Bergbau. London, 6. Juli( Eigener Drahtbericht). Die Möglichkeiten, durch eine ntervention der Regierung die Verhand lungen zwischen den englischen Grubenbejizern und den Bergleuten wieder in Gang zu bringen, werden von der hiesigen Preise aus. giebig diskutiert. Bevor jedoch die Regierung mit einem Vermittlungsvorschlag an die beiden Parteien herantritt, foll voraussichtlich am fommenden Mittwoch die Angelegenheit im Kabinett zur Sprache gebracht werden. Gegenwärtig ist nach der Ablehnung der Unternehmervorschläge durch die Delegiertenversammlung ein Stillstand eingetreten. Am Montag erklärte die Regierung, feinesfalls vorzeitig eingreifen zu wollen, um den Parteien eine selbständige Regelung über die strittigen Punkte zu ermöglichen. Achtung! Mitglieder des Deutschen Baugewerksbundes! Dienstag, 7. Juli, abends 17 Uhr, finden in folgenden Bezirken Mitglieder. versammlungen ftatt: Reutölln I bei Wolff, Airchhofstraße; Rcutöln II Rindlbrauerei, Großer Gaal; Oranienburger Borstadt Colibrisäle, Gartenstr. 6. Mittwoch, 8. Juli, abbs. 6%, Uhr: Bezirk Osten I, Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. Eagesordnung in allen Bersammlungen: Bericht von den Tarif- und Lohnverhandlungen und Urabstimmungen. Es ist Pflicht eines jeben Kollegen, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Der Vereinsvorstand. 4. Bezirk, Deutscher Metallarbeiterverband. Heute nachmittag 5 Uhr Bersammlung fämtlicher SPD.- Genoffen im Lofal von Lojat, Beymeftraße 8. Tagesordnung: Gewerkschaftskongres in Breslau. Deutsche Werke, Haselhorst, Berliner Chauffer. Mittwoch 4 Uhr BeSteuer triebsversammlung im Rasino. Tagesordnung: Soll- und Dorlagen. Referent Rart Litte. Achtung, Bauarbeiter! Alle Kollegen des Baugewerkshundes, die in chieliichten arbeiten, mithin nicht die Möglichkeit haben, heute in den Bezirksversammlungen an der Urabstimmung teilzunehmen, werden darauf hingewiesen, daß fie dieie am Mittwoch, den 8. Juli, vormittags, in der Reit von 8-2 Uhr im Gewerkschaftshaus, Gaal 3, nachholen fönnen. Der Vereinsvorstand. Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter. An die Generalversamm Tungsbelegierten, Bertrauensĭeute und Betriebsräte unferes Berbandes! Frei tag nachmittag 5½ Uhr im Gaal 4 des Gemertschaftshauses, Engelufer 24-25, außerordentliche kombinierte Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Die Bor. gänge in der Rahlstelle und die Urwahl der Delegierten zum Hamburger Ber bandstag. 2. Diskussion. Alle Funktionäre unserer Organisation, die General. versammlungsdelegierten, Bertrauensleute und Betriebsräte erben auf, aefordert, an diefer außerordentlichen Generalversammlung teilzunehmen. Am Die Ortsverwaltung. Gaaleingang findet Rontrolle statt. Berantwortlich für Bolitik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales und Sonstiges: Fris Rarstäbt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin S. 68. Lindenstrake 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". Probiert Bolle Schokolade SCHOKOLADENWERK DER MEIEREI C- BOLLE A.G. Nr. 31542. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 7. Juli 1925 Ferienwanderung durch Thüringen 2 ww 44 Y Sommertage lassen die Sehnsucht wachsen, hinauszumandern aus der Enge der Großstadt in die Weite der Landschaft. Reisen ist nicht mehr das alleinige Vorrecht weniger Besitzender. Die Ar beiterschaft schreitet langsam aber zäh vorwärts in ihrem Ringen um Teilnahme an den wahren Kulturgütern. Arbeiter wandern in den Ferientagen durch das Land. Eigene Herbergen gewähren ihnen gastliche Unterkunft. Einfach ist ihr Leben auf der Fahrt, mie im Autog. Aber reich an innerem Erleben fehren sie heim von ihren Wanderungen, auf denen sie sich die Schönheiten der Heimat erorberten. Jns Thüringer Land. Ins deutsche Mittelgebirge, ins Thüringer Land, führt uns die Eisenbahn. Am frühen Morgen läuft der Eilzug aus der verräucherten Halle des Anhalter Bahnhofes, furz nach 3 Uhr hält er im fagenumwobenen Eisenach. Hier ist alles Vergangenheit: Die Wartburg und der Hörfelberg, Frau Venus und Tannhäuser, Sebastian Bach und Luther, Fritz Reuter und Richard Wagner. Und über allem ein Hauch neuzeitlichen Lebens, der den bestimmenden Einfluß von Geschichte und Sage mur noch fühlbarer macht. Zum hohen Wartburgturm grüßt Thüringer Band wie einst, Rhön und Hoher Meißner ragen in der Ferne, dazwischen dumfelgrüner Tannenwald, hier und da Dächer von bescheidenen Dörfern, die im Sonnenglanz leuchten. Und über dieser herrlichen Landschaft ziehen die Wolfen, heute wie in der Vergangenheit. Eisenach ist eine Fremdenstadt, sie ist das Ziel zahlloser Befucher. In den Jugendherbergen findet der Arbeitermanderer billige Unterkunft. Er muß jedoch Mitglied des Verbandes der Jugendherbergen sein( über 18 Jahre 3 Mart jährlicher Beitrag) oder einen Bleibenausweis haben, der für Jugendliche bis zu 18 Jahren, sowie für Schüler und Studenten 50 Pfennig fostet. Nähere Auskunft über diese Angelegenheit erteilen die Hauptwanderausfumitstelle in der Poststr. 16 und die einzelnen Jugendämter. Nach einer Nacht im schönen Eisenach durchwandern wir am nächsten Morgen das Marien- und Annatal, deffen schönster Teil die ewig tropfende Drachenschlucht ist. Diese 180 Meter lange Schlucht wird von einem munteren Bach durchflossen, der mit Rundhölzern überdeckt wurde, so daß man mun die Schlucht fast trodenen Fußes durchschreiten fann. Pflanzen, die die uhtigkeit lieben, wie Flechten und Algen, Moose aller Arten und nicht zuletzt Farnkraut überwuchern die steil ragenden tröpfelnden Wände dieser Schlucht, die die einzige echte Klamm Mitteldeutschlands fein soll. Durch schönen Wald führt ein Weg zur hohen Sonne, an deffen Ausgang ein Rückblick einen überraschenden Ausblid auf die Wartburg bietet. In einer schmalen Schlucht von Bäumen ragt sie in der Ferne auf wie ein Kleinod. Herrliche Fernsichten schenkt dem Wanderer die Weinstraße, die auf den Höhen um Eisenach herumführt. Wandert er dann auf dem Rennsteig über den Gerberstein in füdöstlicher Richtung, so schreitet er auf der uralten HeerStraße, die den Thüringer Wald von Hörschel a. d. Werra bis Blankenstein a. d. Saale durchschneidet. Immer neue und wunder fame Ausblicke eröffnet diese Rennsteigwanderung, die wir diesem Tage in Brotterode beenden. Dieses idyllisch gelegene Dorf, dessen Jugendherberge uns eine Ruhstatt für die Nacht gewährt, wurde im Juli 1895 ein Raub der Flammen. Aus der Asche ist es dann neu erstanden. Nördlich von Brotterode lockt der Insels14] Die Baumwollpflücker. Roman von B. Traven. an Copyright 1925 by B. Traven, Columbus, Tamaulipas, Mexico. An jeder Seite des Hauses war eine Tür, um Licht und Bind hineinzulassen. Beim Verlassen des Hauses hatten meine damaligen Arbeitskollegen die Türen geschlossen, wie üblich mit einem drehbaren Stückchen Holz. Damals war immer Leben im Hause und vor dem Hause, Streit um das Feuer, Zant wegen einer Prise Salz, die jemand genommen hatte, ohne den Besitzer zu fragen, lange und fruchtlose Disfuffionen darüber, wer das Holz heute zu holen habe. An Diese lebhaften Bilder zurückdenkend, erschien jetzt das Haus geisterhaft einsam und still. Jedesmal, wenn ich Waffer holte, quälte es mich, doch mal einen Blick hineinzuwerfen, ob jemand etwas zurückgelassen habe. Aber dann wieder gefiel mir diese gespensterhafte Stille, die über dem Hause lagerte. Sie fügte fich zu der Einsamkeit der Umgebung nicht weniger als zu der Einsamkeit und Abgeschiedenheit, in der ich augenblicklich lebte. So unterdrückte ich jedesmal, wenn ich an das Haus fam, den Wunsch, eine Tür aufzumachen und hineinzulugen. Ich wußte genau, die Hütte war leer, vollkommen leer; niemand hatte etwas, sei es auch nur der Feßen eines alten Hemdes, zurückgelassen, denn bei uns hatte alles seinen Wert. Die Ungewißheit, die mysteriöse Stimmung, die um das Haus lagerte, mollte ich mir nicht zerstören. So, mie es mirfte, mochte ich träumen, daß vielleicht der Geist eines der alten aztetischen Briefter, der wegen der Tausende von Menschen, die er auf dem Altar feines Gottes geschlachtet und ihnen das Herz aus dem lebendigen Leibe gerissen hatte, um es seinem unerfättlichen Gotte vor die goldenen Füße zu merfen, nun feine Ruhe finden konnte und deshalb aus dem Busch in das gefeite Haus eines Christen gefüchtet sei, um menigstens ein paar Wochen von seinem raftlofen Herumirren auszuruhen. 12. Eines Tages, als ich wieder Wasser holte, sah ich eine fchwarzblaue Spinne mit glänzend grünem Kopf, die an der Wand des Hauses nach Beute jagte. Sie lief blitzschnell ein paar Zoll weit, faß dann still, lauerte eine Weile und lief Dann wieder ein ganz furzes Stredchen, um wieder zu lauern. So überholte sie einen Meter eines Brettes im Zickzackurs, berg, südlich das wildromantische Trusental mit seinem künstlich ongelegten Wasserfall. Der folgende Tag sieht uns wieder auf dem Rennsteig. Vorüber an blühenden Berghängen und schattigen die hohe Leite und den Bielstein nach dem Doppeldorf TambachTälern streben wir zum Heuberghaus und dann wandern wir über sammelt die Wasser der Gebirgsbäche und versorgt die Ortschaften Dietharz. Hier statten wir der Talsperre einen Besuch ab. Sie mit dem fühlen Naß. Wir beschließen diesen Wandertag in der Jugendherberge von Tambach. Wer aber gut zu Fuß ist, mag weiter wandern zum Heim der Naturfreunde, dem Finsterbacher Pirschhaus oder bis zur Jugendherberge des füdlich gelegenen Oberschönau. Im Herzen Thüringens. Am dritten Tage nun burchwandern wir von Oberschönau aus ben Kanzlergrund, der in nordöstlicher Richtung wieder auf den Rennsteig stößt, dem wir dann folgen. Durch herrlichen Hochwald gelangen wir vorbei an den Groß- Beerbergen zur Schmüde, die füdlich von dem burmgeschmüdten Schneekopf, dem höchsten Berge Thüringens, liegt. Hier offenbart sich dem Wanderer eine Landschaft, die an die Alpen gemahnt. Auf Matten, die zwischen den Bergwaldungen eingestreut sind, weiden Herden. Und so weit das Auge blidt, hebt sich Berg an Berg empor. Nun steigen wir hinab, Die Elgersburg bei Ilmenau. wandern über Schmiedefeld nach Beffar und erreichen von hier aus nach kurzem Aufstieg Stutenhaus, das Heim der Naturfreunde, das uns bei rechtzeitiger Voranmeldung auch für mehrere Tage beherbergen fann. bergen kann. So gewinnen wir die Möglichkeit, im Herzen des Thüringer Waldes Ausflüge zu machen, die immer neue Eigenheiten dieser Landschaft offenbaren. Da sind die Industrieorte Suhl, 3ellafein Fleckchen auslassend, dabei oft, nicht immer, einen ganz feinen Faden zurücklaffend, um Insekten, die an dem Brette hinaufflettern würden, nicht gerade festzuhalten und zu verstricken, sondern deren Lauf nur zu verlangsamen, daß, wenn die Spinne inzwischen das Nachbarbrett abgesucht hatte und hier wieder zurückkam, ihre Beute mit einem mächtigen Satz anspringen fonnte. Diese Spinne nimmt ihre Beute nur im Sprunge, wobei sie das Insett von hinten anfpringt und sofort im Nacken pact, so daß dieses Insekt von seinen Waffen, sei es nun ein Stachel oder Zangen oder Scheren, gar feinen Gebrauch machen kann. Das einzige Tier, das sich gegen diese Springspinne erfolgreich wehren könnte und dann den Spieß umkehren würde, ist der Skorpion. Aber diese beiden großen Jäger in den Tropen begegnen sich nie, meil jeder von ihnen eine andere Jagdzeit hat. Diese Spinne am Tage, in der glühenden Sonne, der Storpion in der Dunkelheit. Diese Spinne nun, die zu beobachten ich Tage und Wochen in den häufigen Perioden von Arbeitslosigkeit verwandt hatte, war es, die sofort wieder meine Aufmerksamkeit fesselte. Ich wollte ihr Gesichtsfeld prüfen und lernen, wie sie sich verhält, wenn sie selbst angegriffen und verfolgt wird. Ich stellte meine Konservenbüchse mit Wasser auf den Boden und vergaß, daß ich mir doch meinen Reis fochen wollte. Ich bewegte meine Hand in ziemlicher Entfernung über der Spinne hin und her und sofort reagierte sie darauf. Sie murde unruhig; ihre Zickzackläufe wurden unregelmäßig und fie suchte diesem großen Etmas, das ein Bogel sein mochte, zu entwischen. Aber die glatte Wand bot keinen Schlupfwinkel. Sie wartete eine Weile, duckte fich ganz langsam und behutsam und machte plöglich, ganz unerwartet, einen Sprung in halber Armeslänge auf eines der benachbarten Bretter, aber natürlich an senkrechter Wand. Und so sicher war der Sprung, als märe er auf ebener Erde vollführt. Dieses Brett nun hatte eine Leiste, die gespalten war und sich auch ein wenig verzogen hatte, so daß sie einen Unterschlupf bieten konnte. Jedoch ich ließ der Spinne feine Zeit, sich den besten Blaz auszusuchen. Ich nahm einen dünnen Zweig auf, der gerade zu meinen Füßen lag und berührte damit die Spinne leicht, fie so zwingend, einen anderen Weg zu wählen. Sie lief nun in rafender Schnelligkeit davon, aber wohin sie auch fliehen mochte. immer fand sie den angreifenden Zweig, entweder ihren Kopf berührend oder ihren Rüden. So lief sie freuz und quer, immer verfolgt von dem Zweig, ihr feine Gelegenheit laffend, zu einem Sprunge anzujezen. Plößlich St. Blasi und Mehlis und das mit der Eisenbahn zu erreichende Goethe- Stäbchen Ilmenau, das heute ein Hauptort der Glasmacherfunst ist und ein Technikum befißt, dessen Schüler so gern Studenten und endlich hat dieses freundliche Städtchen seinen Ruf als Kurort alten Schlages fein wollen und fich daher kleinstädtisch wichtig geben. Vor allem die geschäftige Fremdenindustrie sorgt dafür, daß diefes ständig erweitert. Ilmenau lebt noch heute im Gedenken an Goethe. Andenten lebendig bleibt. Von Jimenau führen herrliche Wege durch das Schortefal zum Gabelbach und Kidelhahn, dem eigentlichen Goethe- Berg, oder auch nach Elgersburg, deffen hochgelegenes Schlos eines der ältesten in Thüringen ist. Durch das Schwarzatal. Wir nehmen Abschied vom Stufenhaus. Jetzt wollen wir das Schwarzatal erobern. Wir wandern entweder über Schmiedefeld, Allzunah und Neustadt nach Groß- Breitenbach, wo wir Raft machen, um am nächsten Tage die Krone Thüringens, den Trippflein, mit dem Blick vom Borkenhäuschen auf Schwarzburg zu erreichen, oder aber wir wandern nach Unter- Neubrunn und dringen von hier aus über das Schwalbenhaupt, Masserberg und Goldestal in das obere Schwarzatal. Nun folgen wir dem Laufe der sprudelnden Schwarza über Blumenau, Mellenbach und Blechhammer nach Schwarzburg. Hier ist wieder eine Jugendherbenge, die uns nach langer Fahrt freundlich Unterkunft gewährt. Dem Wanderer, der den Trippstein in der Morgenstunde ersteigt, erschließt sich ein einzigartiges Landschaftsbild. Die Sonne tämpft mit dem Nebel, der in immer neuen Schwaden aus dem Schwarzatale wallt, ferzengrade emporsteigt, verschwindet und wiederkehrt. Und endlich liegt Schwarzburg mit seinem alten Schloffe im Sonnenglanze, ein Anblick, dessen Schönheit unvergessen bleibt. Bom Trippstein steigen wir hinab ins Schwarzatal. Am Schweizerhäuschen verlassen wir die wohlgepflegte Chaussee, überschreiten die steinerne Brüde und wandern auf blumigem Pfade zwischen hohen Bergen, die immer neue und fesselnde Ansichten schenken, nach Blantenburg. Wer jetzt noch über Zeit verfügt, möge über Unterwirrbach und Bentwi nach der Ruine Greifenstein wandern, die auf einem Muschelfalf felfen steht. Von hier blicken wir zurück auf den Schneetopf, auf den Kickelhahn im Westen, im Osten ragt die Altenburg bei Pößned auf. Und dann wandern wir weiter nach Saalfeld, das durch seine Feengrotten weltberühmt wurde. Weit draußen vor der Stadt liegen sie in einem alten Bergwerke, dessen Inneres elektrisch erhellt wird und das dann die wechselvollsten Farbenspiegelungen zeigt. So hat dieses alte, feit langer Zeit vergessene Bergwerk dem Namen des fleinen Städtchens an der Saale einen ganz besonderen Klang gegeben. * Auf dieser Fahrt wurde eine der schönsten Gegenden des deut fayen Mittelgebirges durchstreift. Für den Arbeiter spielen die Kosten eine wichtige Rolle. Man farm fie für eine achttägige Wanderung auf 70 bis 75 Mark schätzen. Bei Wanderungen in größerer Schar läßt sich der Preis durch Inanspruchnahme mannigfacher Bergünstigungen ermäßigen. Falls solche Wanderung mit einer größeren Zahl Jugendlicher ausgeführt wird, werden die Jugendämter der Berliner Bezirke dem Leiter mit Rat und Tat zur Seite stehen. | aber, als ich sie gerade im Rücken berührte, machte sie blitzschnell fehrt und in rasender Wut und mit unvergleichlicher Tapferkeit griff sie den sie belästigenden Zweig an, der gegenüber ihren bescheidenen Ausmaßen für sie gigantische Formen und übernatürliche Kräfte haben mußte. Und immer, menn ich den Zweig zurüdzog, so daß sie glauben mußte, sie habe den Feind abgeschlagen oder wenigstens eingeschüchtert, lief sie auf die schüßende Leiste zu. Schließlich besiegte sie mich doch und fand dort Unterschlupf, aber nicht genügend, um sich ganz zu verbergen, denn sie konnte fich nur zur Hälfte darin verkriechen. Nun schlug ich mit der flachen Hand an die Wand. Die Spinne fam fofort wieder hervor, lief eilends weiter nach oben, wo sie eine günstigere Höhle fand, in der sie sofort verschwand, ohne daß man noch viel von ihr sehen konnte. Um sie nun auch dort wieder hinauszujagen und zu sehen, was sie zu guter Lezt tun würde, schlug ich mit voller Gemalt mit der flachen Hand so fest gegen die Wand, daß das ganze Haus, das ja auf Pfählen ruhte, erzitterte. Die Spinne fam nicht hervor. Ich wartete einige Setunden. Und als ich gerade zum zweiten Male kräftig gegen die Wand schlagen will, fällt innerhalb des Hauses etwas um. Was fonnte das sein? Ich kannte das Innere des Hauses. Es war nichts, absolut gar nichts darin, was mit so einem merkwürdigen Geräusch umfallen konnte. Eine Stange, ein Stück Holz, das einzige, was es vielleicht hätte sein fönnen, mar es nicht, nach dem Geräusch zu urteilen. Es war schon eher wie ein mit Mais gefüllter Sack. Aber wenn ich mir das Geräusch genauer vergegenwärtigte, so mar etwas sonderbar Hartes dabei. Es fonnte also fein Sad mit Mais jein. Es wäre nun doch so einfach gewesen, sofort die paar Sprossen der Leiter hinaufzuflettern, die Tür aufzustoßen und hineinzusehen. Aber irgendein unerflärbores Empfinden hielt mich davon ab. Es mar mie Furcht, als könnte ich drinnen etwas unfagbar Grauenhaftes sehen. Ich nahm das Wasser auf und ging zu meinem Unterstand. Ich redete mir ein, daß es nicht Furcht vor dem Anblick von etwas ganz Gräßlichem sei, was mich veranlaßte, das Haus nicht zu betreten, sondern ich sagte mir: du haft ja in dem Hause durchaus nichts zu suchen, du haft überhaupt gar fein Recht, es zu betreten, und vor allen Dingen, es geht dich gar nichts an, was da drin ist. So entschuldigte ich mein Ge baren. ( Fortsetzung folgt.) 1 Der Morüprozeß Mgerjlem. K. eimburg, S. IuN.(Eigener Drahtbericht.) Angerstein be- wahrte am ersten Verhandlungstag in seinen Antworten die größte Ruhe. Hin und wieder wischt er sich die Augen und wo er über die Tötung seiner Frau erzählen muß. gerät er in eine sichtbare Erregung. Eine ziemlich lange Zeit nimmt die Auseinandersetzung über seine Urkundenfälschung ein. Er gibt nur zu, 400l> TO. für sich gebraucht zu haben und behauptet, alle anderen Fälschungen im Interesse der Firma selbst begongen zu haben, da er Schweige- gclder Leuten geben mußte, die seinerzeit an Fälschungen, die die Firma begangen hatte, teilgenommen haben. Seine Erzählung über den Hergang der Tötung seiner Frau erscheint psychologisch vollkommen begründet, ebenso die Schilderung der Qualen seiner Frau, ihrer Todesahnungen und Todeswünsche, ihre, Selbstmord- versuche, und auch seines Selbstmordversuches nach der Tötung seiner Frau und seiner Schwiegermutter. Damit schließt die Vor- mittagssitzung ab. Wenn Angerstein nur diese beiden Taten aus- geführt hätte, so wäre der Fall kein psychologisches Rätsel. Erst die Nachmittagssitzung brachte die Schilderung des schwerwiegenden Teiles seiner Verbrechen. In grausiger Reihenfolge wickelte sich der blutige Film ab. wie Angerstein seine Frau halb auf ihren be- sonderen Wunsch hin, halb aus eigener Initiative heraus erstach, nachdem er mit ihr zusammen zu Gott gebetet hatte: wie dann mit kaleidoskopischer Geschwindigkeit, nur durch kurz« Atempausen unterbrochen, das Niederschlagen aller anderer Personen folgte. In dem Zustande, in dem er sich befand, konnte er kaum da» klare Be- wußtsein für sein Tun besitzen. Da, Grauenhasteste war vielleicht, daß er immer wieder zu seinen noch stöhnenden Opfern zurückkehrte. Was war das aber für ein Zustand, in dem er sich nach unruhig und unter Nervenftörungen vollbrachter Tat schlaflos und unter be- ständigen Erregungen verbrachter Nacht befunden hatte? Man glaubt ihm vielleicht, daß er die Frau aus Mitleid— sie war von Tuberkeln infiziert—, quälte sich unsäglich und trug sich mit Todes- wünschen, hatte außerdem einen Selbstmordversuch bereit» unter. nommen—, die Schwiegermutter au» Wut gegen sie und das Dienst- Mädchen aus Befürchtung der Angst getötet hat. Man kann ihm nicht folgen, wenn er zugeben will, die anderen als Zeugen seiner blutigen Tat erschlagen zu haben. Man muß ihm aber glauben, daß er sich damals nicht klar« Rechenschaft geben tonnte, au, welchem Grunde er immer wieder sein Mordinstrument In Bewegung setzte. Jetzt sucht er nach Gründen und findet phantastische. Nur einmal verstieg sich Angerstein zum Weinen— die Augen rieb er sich oft, als er von der angebrannten Schleimsuppe sprach, die seine Frau von der Schwiegermutter vorgesetzt erhielt und die immer wieder zu ungeheuerlichen Erregungszuständen bei ihm sich auslösten. Angersteins moralische, psychische und hyperphysische Persönlichkest ist heute nur andeutungsweise zum Ausdruck gekommen. Die Zeugen werden das gewonnene Bild vervollkommnen. Auch wird er noch genug Gelegenheit hoben zu reden. Er tut es gern und mtt großer Ausführlichkeit. Die Gründlichkeit des Vorsitzenden, der den An- geklagten in keiner Weise an der Verteidigung behindert, bürgt dafür. * verhaaülungsbericht. Die Vernehmung de» Angeklagten wird fortgeletzt. Vors.: Wa» hat sich bei Ihnen, am Samstag vor der Tat ereignet? Angekl.: Ich habe die Beamten und Angestellten gelöhnt, schloß dann das Bureau und ging zum Arzt, weil ich mich nicht wohl fühlte. E» herrscht« damals gerade Typhusepedemie. Abends kam ich nach Hause zurück und ging schlafen, nachdem ich zwei Aspirin- tabletten und zwei Boonekamp genommen hatte. Der Vorsitzende hält Angerstein daraufhin vor, daß er an diesem Tage doch eine Unterredung mit Mix gehabt habe, der ihm Vorholtungen wegen unrichtiger Buchungen gemacht habe, aber Angerstein be- hauptcte, daß das nicht zutreffe. In der Nacht, so erzählt er weiter, seien plötzlich in der Nähe des Hauses 6 Schüsie losgeknallt. Seine Frau sei gleich sehr erregt gewesen. Weiter habe sich aber nicht» ereignet. Eine Durchsuchung seines Hauses habe auch nichts ergeben. Er schildert dann weiter den Verlauf de» Sonntag», wobei er be- tont, daß er wegen starker Kopfschmerzen nicht einmal die eingegangene Post geöffnet habe. Staateanwalt H o f m a n n: Haben Sie nicht am Sonntag nachmittag einem Maurermeister erzählt, die Schüsse stammten von Einbrechern und Sie hätten überhaupt irgendwelche Feinde? Anger st ein: Nein, ich habe nur ein kurzecs Gespräch mit ihm gehabt.(Mit leiser Stimme.) Ich möchte noch eines erwähnen. Am Freitag vorher fand ich mein« Frau im Schlafzimmer, wie sie etwas zusammenband. Sie sagte. es wäre ihr Totenhemd und«In Brief mtt ihrem letzten Wunsch. Sie legte dann da» Paket in ihre Wäsche. Darauf wurde dieser Brief der Frau Angerstcin oerlesen. Er trägt die Ueberschrift: .tchle Worte an meinen geliebten INann" und spricht davon, was für ein entsetzliche« Los es für sie sei, von ihrem geliebten Mann und ihrer Mutter so jäh dahingehen zu müsien, wo sie jetzt erst gerade habe anfangen wollen, da» Leben zu genießen. Weiter bittet sie in dein Brief ihren Mann, ihre Mutter und die Schwester nicht zu verlassen und für den Fall, daß er sich wieder verheirate, sich eine Frau zu suchen, mit der er glück- lich würde. Dann sind weitere Bestimmungen über ihr Begräbnis darin enthalten. Der Brief schließt mit den Worten:.Gibt es denn wirklich für mich keine Hilf« mehr. Ich habe ja da» Sterben schon läng st durchgekostet. Ich wollte Dir einen langen Brief schreiben, aber die Kräfte reichen nicht au». Behalte lieb Deine bis in den Tod getreue Käthe." Vors.: Wo haben Sie den Brief gefunden? Angekl.: In der Wäsche meiner Frau. Ich steckte ihn dann zu mir und legte ihn dann in den Schreibtisch. Vors.: Wa» hat sich nun in der Nacht vom Sonntag zum Montag ereignet? Angekl.: Ich ging früh schlafen, weil ich wieder heftige Kopf- schmerzen hatte. Um lS Uhr nacht» wurde ich aufgeschreckt. Da sah ich meine Frau ausrecht im Bett sitzen, weil sie wieder starte Herzanfälle hatte. Zum Arzt ließ sie mich nicht gehen, weil sie sehr erregt war. Ich ging dann ins Eßzimmer und fand in der Wäsche ineiner Frau den Brief, der mich sehr ausregte. Außerdem hatte meine Frau auch noch einen Brief aus Wetzlar erhalten, der mich stark ausgeregt hatte. Vors.: Von diesem Brief aus Wetzlar haben Sie uns noch gar nichts gesagt? Angekl.: Doch ich habe damals meinem Bruder davon erzählt. In diesem Brief wurde von mir behauptet, daß ich ein s y p h i l i» k r a n k e r Mensch sei. Vors.: Wer hat denn diesen Brief geschrieben? Angekl.: Das weih ich nicht. Ich Hab« auch nur an der Tür gehört, wie meine Frau diesen Brief meiner Schwiegermutter vorlas. Vors.: Und was war nun? Und wie ging es weiter? Angekl.(mit dem Taschentuch über die Arugen wischend): Ich war nun sehr erregt, weil meine Frau mir auch erzählte, daß sie nie wieder gesund werben würde. Zch hatte auch Angst, daß ich lyphu» bekam und noch vor meiner Zrau sterben würde. Vors.: Für Sie besteht die Gefahr, daß Sie sich in Widersprüche verwickeln. Sie haben in einem Brief an Ihren Bruder damals gesagt, daß Sie sich, von einem leichten Unwohl. sein abgesehen, ganz wohl fühlten. Angekl.: Ich Hobe dann meine Frau nicht mehr leiden sehen können, und da habe ich für mich den Entschluß gefaßt, mit meiner Frau zu sterben. Mein« Frau hat immer gebeten, daß Gott un» in ein und derselben Stunde sterben lasten möge. Ich griff Hann zum Revolver, der im Herrenzimmer. im Schreibtisch lag.(Die Waffe, ein kleiner Trommelreooloer, wurde dem Gericht vorgelegt.) Diesen Revolver, so erklärt« der Angeklagte, habe ich dann fast eine Stunde lang in der Tasche gehabt. Ich wollte damit meine Frau und mich erschießen. Aber als ich losdrücken Die Schilderungen des Angeklagten. wollte, endeckte sie, was ich in der Hand hatte und nahm mir die Waffe fort. Ich lief in das Herrenzimmer zurück und holte einen Hirschfänger. Inzwischen hatte meine Frau sich wieder hingelegt. Als ich dann mit dem Hirschfänger zurückkam, lag meine Frau quer im Bett. Vors.: Hat sie sich dann nicht zur Wehr gesetzt, haben Sie nicht miteinander gerungen? Angekl.: Nein, da habe ich dann aus ihre rechte Seite mit dem Hirschfänger einge stachen. Vors.: War Ihre Frau denn gleich tot? Angekl.: Sie hat dann noch die Augen aufgeschlagen, aber gesagt hat sie nichts mehr. Nur vorher, als ich sie erschießen wollte, hat sie gesagt:.Sein eigenes Weib! Vater vergieb ihm!" Als ich sie dann erstochen hatte, sah ist erst, was ich angerichtet hatte. Der Hirschfänger und das dazu- gehörige Futteral wurden dann dem Angeklagten vorgelegt. Es handelt sich dabei um eine Waffe von der Größe eines Infanterie- seitengewehrs. Dorf.: Was machten Sie dann, als Ihre Frau tot war? A n g e r st e i n: Ich ging in mein Arbeitszimmer, wo ich noch zwei Revolver hatte und wollte mich erschießen. Aber sie haben nicht beide funktioniert. Vors.: Der Trommelrevolver wurde aber später ungeladen gesunden, und was geschah dann? Angekl.: Angerstein: Dann lief ich in den Keller. Da sah ich plötzlich die Axt liegen und da kam mir der Gedanke, mir die fand abzuschlagen. In diesem Augenblick hörte ich aber meine chwiegermutter schreien. Ich rannte nach oben und da packte mich gegen sie ein furchtbarer Zorn, weil sie zu meiner Frau nie gut ge- wesen war. Ich schlug mit dem Beil auf sie los. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung fragte der Vor f.: Haben Sie Ihre Frau nur mit dem Hirschfänger erstochen, oder auch geschlagen? Anger st ein: Nach dem Tode der Schwiegermutter war es mir so, als wollte sich meine Frau noch einmal aufrichten, und da habe ich mit dem Beil auf sie einge- schlagen, und zwar mit der Scheide. Staatsanwalt: Wo stand die Schwiegermutter, als sie hinaufkamen?. Angekl.: Mitten im Zimmer, sie schrie laut auf. Dann wurde in dem Verhör Anaer st eins fortgefahren und ihm zunächst seine frühere Aussage vorgehalten. Seine Darstellung lautete damals wesentlich anders. So behauptete er, daß feine Frau mit ihm ge- rungen habe um ihm die Waffe abzunehmen und daß sie ge- meinsam gebetet hätten. Weiterhin habe seine Frau, als er auf sie einschlug, laut geschrien:„Du kommst ja in die Hölle!" Viermal habe er zugestochen, dann sei sie ruhig gewesen. Er sei dann aus die Knie gefallen und habe gebetet, aber keine Erhörung gesunden. Da habe ihn der Gedanke befallen. daß nun alle sterben wüsten. Vom Wahnsinn getneben sei er dann in den K« l l e r gelaufen, habe dort das Beil geholt und habe damit dann im Schlafzimmer seine Schwiegermutter niedergeschlagen. Des längeren wird dann er- örtert, daß Angerstein bei verschiedenen protokollarischen Ver- nehmungen sich jedesmal anders geäußert hat. Ueber das Ver- hältnis zwischen ihm und seiner Schwieger- ni u t t e r äußert sich der Angettagte dahin, daß diese seine Frau nicht gut versorgt habe, so hätte sie den Haferschleim, den Frau Angerstein erhielt, wiederholt anbrennen lassen. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß da» doch kein Grund sei, einen Men- schen totzuschlagen, erklärt der Angettagte, daß die Schwiegermutter auch sonst nicht gut zu seiner Frau gewesen sei. Nach einem Auf- tritt mit ihr sei seine Frau einmal in ihrer Erregung au» dem Hause gelaufen und er habe daraufhin in seiner Ausregung den Revolver eingesteckt und habe seiner Schwiegermutter gedroht, wenn seine Frau sich nicht wiederfände, würde er sie niederschießen. Bei einem anderen Austritt, gab er zu. habe er sein« S ch tv i e g e r- mutter mit der Hundepeitsche ins Gesicht geschlagen und zwar wiederum, weil sie da» Essen für seine Frau halte anbrennen lasten. Vors.: Sie haben den Revolver einge- steckt, weil Sie Ihr« Schwiegernrutter erschießen wollten? Angekl.: Jawohl. Vors.: Dann werde ich Ihnen ein richterliches Protokoll vorhatten.(Verliest das Protokoll, in dem der Angeklagte damals behauptet hatte, daß er sich mit dem Revolver selbst erschießen wollte, falls feine Frau nicht wiedergefunden würde.)— Dann wurde als nächster Punkt der Anklage die Tötung des Haus- Mädchens Minna Stall erörtert. Angerstein erklärt hierzu, daß das Mädchen an der Türe gestanden habe, als er die Schwieger- mutter erschlug. Ich griff nach ihrem Kleid, hob dos Beil und wollte zuschlagen. Aber sie riß sich loß und rannte fort aus den Speicher. Ich lies hinter ihr her und an der Spcichertür schlug ich dann auf ihren Kopf ein. In der linken Hand hielt ich dabei ein Lämpchen. Vors.: Weshalb haben Sie die Minna erschlagen? Angekl.: Ich hatte keinen Grund. Vors.: Früher sagten Sie. Sie hätten st« erschlagen, weil sie die Suppe immer hatte anbrennen lasten. Oberstaatsanwalt: Wie spät war e», al» Sie das Mädchen ermordeten? Angekl.: Das war gleich nach der Mutter, so zwischen drei und vier Uhr. Dann schilderte er den weiteren Verlauf der Dinge. Er sei schließlich auf dem Holztasten eingeschlafen. Am Morgen sei er ausgewacht und in s«in Bureau gegangen. Zuerst habe er einen gewissen Schnauz, der au» der Heizung die Asche zu entfernen hatte, an der Hostür mit dem Bemerken abgefertigt, daß die Frauen stch noch nicht gewaschen hätten. Dann kam an der vorderen Tür der Bureaugehilfe Kiel, den er nach Semmeln schickte. Dann sei der Gartenarbeiter Geis gekommen, dem er habe Kaste« geben wollen. Zu dem Zweck sei er mit Gels nach oben gegangen, habe dort im Schlafzimmer die Leichen und auch in der Küche da» Beil gesehen und da sei ihm erst alles wieder zum Bewußtsein gekommen, was in der Nacht geschehen sei. In seiner Erregung griff er zum Veil und schlug Geis nieder. Vors.: Hatten Sie denn alles vorgesehen? Anger st ein: Ja, ich hatte ja gar kein Bewußtsein mehr. Vors.: Und was geschah weiter? Angekl.: Als ich mit Geis noch beschäftigt war, kam Ditthardt(Bureaugehilfe). Vors.: Wa» meinen Sie damit, daß Sie mit Geis beschäftigt waren? Anger st ein: Ich hatte auf ihn eingeschlaqen. Vorl.: Wo haben Sie nun Ditthardt erschlagen? Anger st ein: Im Herrenzimmer, er wich vor mir zurück und da schlug ich von hinten auf ihn ein. Vors.: Als Sie Ditthardt erschlagen hatten, da hat Geis noch gestöhnt? Anger- stein: Ja, Ich habe dann nochmals auf Geis niedergeschlagen. Vors.: Dann auch noch einmal auf Ditthardt? Angekl.: Das ist möglich. Dann kam Kiel dazu, der die Leichen sah und fort- rannte. Er lief durch das Eßzimmer, ich rannte durch eine andere Tür nach und schlug ihn auch nieder. Vors.: Was ge- schah dann? Angekl.: Dann habe ich das Beil abgewaschen. Vors.: Haben Sie denn das jedesmal gemacht? Anger st ein: Aach jeder Periode. Vors.: Also Sie unterschieden Perioden. Die erste war die Ehefrau, Schwiegermutter und das Dienstmädchen, die zweit« war Geis, Ditthardt und Kiel? Angekl.: Iawcchl. Da sah ich plötzlich mein««chwägerm Ella Barth hineinkommen. Die rief nach Minna. Ich hatte mich gerade, nachdem ich da» Beil abge- waschen hatte, hingesetzt, war aber ohne jede Ueberlegung und hielt noch das Beil in der Hand. Meine Schwägerin, die von einem Ausfluge zurückkam, und Rucksock und eine Decke über den Arm trug, fand Minna, Sachen im Badezimmer und das schien ihr ver- dächtig vorzukommen. Da schlug ich sie nieder. Vors.: Warum haben Sie denn die Leiche mit einer Decke zugedeckt? A n- g« r st« i n:(leise) Ich konnte sie nicht sehen. Alle Leichen konnte ich sehen, aber dos Kind nicht. Ich weiß nur noch, daß sie «in ganz entsetztes Gesicht gemacht hat. als sie die Jtämme des Dienstmädchens fand. Sie sagte: Was ist denn hier vorgegangen? Da habe ich zugeschlagen. Tann schellte da» Telephon, und zwar rief die Güterabfertigung an. Was ich da erwidert habe, weiß ich nicht mehr. Dann habe ich einen gewissen Geil angerufen und nach einer Drahtlieferung gefragt. Vors.: Warum haben Sie danach gefragt?. Angekl.: Weil mir gerade der Gedanke ge- kommen war. Vors.: Haben Sie stch vielleicht nicht gesagt, um es so darzustellen, als ob die Gärtner, die den Draht brauchten, m diesem Augenblick noch lebten? Weiter führte Angerstein dann noch, bevor die letzte Tat, die Ermordung des Gärtnergehisten Dorr folgte, ein Gespräch mit einem Maurermeister Theiß, das Anger- stein so genau schilderte, daß sich der Vorsitzende veranlaßt hielt, ihn daraus aufmerksam zu machen, daß er sich an diese ganzen Einzelheiten sehr gut erinnern könne, nicht aber an die Emzelheiten der Ermordungen selbst. Dann aß der Mörder noch einen Apfel, nach dem er sich aber übergeben muht« und be- gegnete schließlich, als er stch aus der Speisekammer ein Brötchen holen wollte, aus der Treppe dem Gärtnergehilsen Darr. Ob dieser die Leichen gesehen habe, will Angerstein nicht wissen. Auf jeden Fall habe ihn wieder die Erregung ge- packt, er habe auch gerade das Beil stehen sehen und so sei er aus Darr losgegangen. Dieser flüchtete vor ihm in das Zimmer der Ella Barth und dort schlug ihn dann Angerstein, wie alle übrigen, nieder. Vors.: Wie haben Sie ihn geschlagen? Angtt. Anger- stein: Don der Seite. Er wich oor mir zurück. Vors.: Warum haben Sie den Dorr nicht weggeschickt. Sie wußten doch, daß die Leichen da lagen? Anger st ein: Ja, worum, warum? De? Vorsitzende hielt dem Angettagte» auch hier wieder vor, daß er bei seinen früheren Vernehmungen angegeben habe, er hätte den Darr zu sich in die Wohnung hinaufgevufen. Vors.: Früher sagten Sie, Sie waren ärgerlich auf Darr, weil er immer Ihrer Frau etwas mitbringen wollte, es aber nicht getan hatte. Angekl.: Ich Habs damals absichtlich die Unwahrheit gesagt, weil ich«in ungünstiges Urteil haben wollt«. Vors.: Heute wollen Sie das nicht mehr? Angekl.: Doch, aber ich muß die Wahrheit sagen. Es wird dann festgestellt, daß es mtt der Ermordung des Darr schließlich Räch- mittag geworden war. Darm erhielt der Angeklagte den Besuch eines Eisenbahners namens DLmerich, den er in seinem Arbeitszimmer empfing und mit dem er sich über die Rück- zahlung eines Darlehns mtterhiett. Es wurden dann ein« ganze Reche von Momenten erörtert, die ein eigentümliches Licht auf die Darstellung Angersteins über fein« Gemütsverfassung nach der Tat werfen und vor allem dafür Zeugnis ablegen, mit welcher Ruhe und Ueberlegung er vorgegangen ist. So empfing er am Montag nachmittag nach dem achtfachen Morde den Besuch eines Installateurs Ebert, mit dem er sich über die Anlage von Lampen unterhielt. Er fertigt« den Bäckerjungen ab, der Brot brachte, er nahm die Post ent- gegen und schrieb schließlich einen Brief an seinen Bruder, den er, wie er heute bekundet, bereit» am Abend vorder begonnen hatte. In diesem Brief« an seinen Bruder Max AngerfUrn in Essen schreibt der Angeklagt«:„Käthe hat sich nunmehr fest«nt- schloffen, Freitag nach dort zu fahren. Ihr Leiden hat sich noch nicht gebessert. Spieß(der Hausarzt) hat ihr am Sonnabend wieder eine Goldcinfpritzung gemacht. Wenn sie davon nur goldig wird. Deine Kinder werden sich freuen, wenn Tante Käthe ange- schneit kommt. Vielleicht kann ich mich auch einmal freimachen. Es wird sich schon jemand finden, der hier schläft, denn man kann die Damen doch nicht allein lassen." Es folgen dann Angaben über wirtschaftliche Angelegenheiten, besonder» über die Geflügelzucht des Angeklagten. Vors.: Wann hoben Sie diesen Brief geschrieben? Angekl.: Den habe ich am Montag zu End« geschrieben. Vors.: Also, al» Ihr« Damen sämtlich schon tot waren. Sie datierten den Brief vom t. Dezember ZÜ24, behaupten aber, Sie hätten ihn schon am Eonnobend angefangen. Dabei sprechen Sie aber davon, daß Sie am Sonabend beim Arzt gewesen wären. Im weiteren Verlaus de, Tages machte Angerstein Besuch« in der Stadt und erledigte eine Reih« von Angelegenheiten. Anderen Bekannten er- zählte er, wie froh er sei. da?, seine Frau wieder zugeuommen habe. daß sie sich aber über die Schießerei neulich nachts stank ausgeregi habe, ferner, daß die Schüsse oermuttich von Embrechern hergerührt hätten. Dann besorgte er auch noch ein Stickerei- und Handarbeirs- buch. Weiter bezahlte er noch beim Bäcker die gelieferte Backware und kaufte sick, noch Brötchen, weil er Hunger hatte. Zu Hause an- gelangt, habe ihn dann wieder die Erregung gepackt, er habe plötzlich den Entschluß gefaßt, alles zu verbrennen. Im Speicher und in den Zimmern de» Obergefchlosses babe er dann Benzin ausgegossen. Als er das Benzin aus dem Keller holte, erstach er seinen großen Schäferhund, der dort sein Lager hatte. Dann legte er Feuer an, indem er die Küchenlampe in da» ausgegossene Benzin warf. Durch die große Flamm« im Schlafzimmer, so er- klärte der Angeklagte, bin ich wieder in große Erregung geraten, wurde vom Entsetzen gepackt und bin dann weggelaufen. Dann habe ich mir an der Gartentür in meiner Ausregung die Schallte beigebracht. An Hand de» an der Anklagebank angebrachten Lage- planes ließ sich dann der Vorsitzende von Angerstein erklären, wie er mit den Wundm au» dem Hause bi» nahe an das Nochbargrund- stück gerannt fei. wo man ihn dann gesunden hat. Auf die Frage des Vorsitzenden, weshalb er dann min den zu Hilf« eilenden Leuten erzählt habe, eine Räuberbande habe sein Haus überfallen, erklärte er, das wäre ein« Wahnvorstellung von ihm gewesen. Dann habe er noch den Wunsch geäußert, zu einem Bekannten, dem Pfarrer Heidefuh, geschafft zu weiden, weil er diesem gestehen wollt«. Tarsöchlich hat er aber dem Pfarrer nur angegeben, daß er«is der Kasse der Firma«m der Zypen 3000 Mark unterschlagen habe. Don dem Morde hat er jedoch nicht» gesagt, im Gegenteil noch gefragt, wie es wohl feiner»armen Käthe" gehen möge. Dann gelangte noch das Protokoll zur Erörterung, das in der Nacht nach dem Mordtage von den Gerichtsbehörden mit Anger- stein, als dm einzigen Zeugen des vermeintlichen Raubüberfalles, crufgenommm wurde. Bei dieser Vernehmung hatte er angegeben, daß er bei der Heimkehr in seinem Hausflur von S bis 6 Perlonen mit den Worten:»Da ist das Aas" überfallen und durch Stiche schwer verletzt worden sei, daß es ihm jedoch gelungm wäre, noch die Flucht zu ergreifen. Angerstein wurde damals vereidigt und aus dieser Tatsache ist jetzt die Meineidsanttag« gegen ihn in Ver- bindung mit den übrigen Anklaaeounttm mtfiandm. Auf Wunsch eines Sachverständigen äußerte sich dann noch der Aageklagte über seine Erregungszustände. Er erttärle, daß er schon als Kind heftig« Zornaus- b r ü ch e gehabt habe. Er habe dann immer verlangt, daß er dafür bestraft werde, aber nach Erledigung der Straf« hätte man wieder mit ihm gut sein müssen. Die Mutter habe sich auch danach gerichtet. während der Dater ihn nicht bestrafte, ihn aber dafür link» liegen gelasfm hätte. Deshalb habe er auch mehr an der Mutter, wie am Bater gehangen. Wenn er in Zorn geraten fei, dann habe er sich überhaupt nicht mehr halten konnm. 1S1K habe er einmal, als fein Bruder Streitlgkeitm mit anderen Bekannten gehabt hatte, voller Wut mit der Faust dreingehauen und fünf oder sechs Mann zusammengsschlagm. Wöhrend feiner Tätigkeit im Landmesser- bureau habe er einmal oor Wut einen Kollegen aus dem Fmfter werfm wollen und schließlich habe er auch in der letzten Zeit, als er in Gießen m der Klinik gelegen hatte, einen derarligm Zornes- ausbruch gehabt, al» ihn der Untersuchungsrichter zu Unrecht beschuldigt Hobe, daß er mit seiner jungen S ch w ä- g« r I n und mtt dem Dien st Mädchen im Verkehr ge- standen habe. Er habe dann oor Wut mit den Füßen um stch gestoßen und verlangt, daß der Untersuchungsrichter fein Zimmer verlasse. Die Verteidigung beantragte, die betreffende kvanien- schwefter, die bei diesem Vorfall zugegen war, al» Zeugin hierüber zu vernehmen. Weiter wurde seitens der Verteidigung darauf hin» gewissen, bah die Großmutter im Wochenbett« irrsinng geworden und gestorben sei. Um 5 Uhr nachmittags wurde dann die Verhandlung auf den heutigen Dienstag früh 8 Uhr vertagt. I Als er sie los fein wollte. Das Revolverattentat einer Berzweifelten. Begen eines Revolverottentates hatte sich eine Verkäuferin Lina G. zu verantworten. Rasende Eifersucht und Verzweiflung über den Verrat des Geliebten haben ihr den Revolver in die Hand gedrückt. Die Schüsse galten dem bulgarischen Stubenten der Medizin, Stojahn Christoph. Kurz nachdem die kleine Berfäuferin aus einem Provinzort nach Berlin gefommen war, hatte sie den intereffanten Ausländer kennengelernt, der hier studierte. 7 Uhr, Bahlabend in ben bekannten Sokalen. Die Forderungen der sozialdemokratischen Juristen.bt. 7 Uhr, Dranienftr. 180, Riens Ballfaton Bortrag bes Gen. Al sener, über: ,, Kommunalpolitit". 45. Abt. 7 Uhr, Gruppenabende: a) Minnig, Laufigerstr. 44, b) Sebestreit. Reichenbergerstr. 125, c) Wienziers, Reichenbergerstr. 104, d) Liebig, Wiener Straße 58. Die Referenten werden durch die Gruppenführer benannt. Eingeteilte Referenten bitte zu ihren Gruppen au gehen. 46. Abt. 7% Uhr, Restaurant Baig, Schlesischestr. 28, Bortrag des Gen. Felir Fechenbach, über: Wie man ins Buchthaus tommen und was man bort fehen tann". Gäfte haben Zutritt. 47. Abt. 7% Uhr, bei Pflugs Rachf. Lehmann, Mustauerstr. 1, Stellungnahme zum Barteitag. 48. Abt. 6 Uhr Lokal Klüfing, Wassertorftr. 68, Bortrag des Genossen Schmeikardt über Kommunalpolitit". Genosse Nietisch über Aufgaben des Parteitages". 52. Abt. Unsere Abteilungsversammlung fällt in diesem Monat aus. 53. Abt. 7 Uhr Rahlabend in den bekannten Lokalen. 55. Abt. Funktionärsizung 72 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. 57. Abt. 1. u. 2. Gruppe gemeinsamer Rahlabend bei Thunad, Wielandstr. 4, Vortrag des Genoffen Dr. Jaffe über den Söfle- Prozeß". 58. Abt. 7% Uhr Sigungsfaal, Rantestr. 4, Vortrag der Genoffin Sanna, M. d. 2. über Bölkerbund oder Staatenbund". 68. Abt. Salenfee. 8 Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42, Vortrag bes Gen. Gustav fuß über Kommunalpolitit und Sozialdemokratie". Bilmersdorf. 69. Abt. 8 Uhr bei Andreas, Pfalzburger Str. 55. Bortrag des Gen. Regierungsrat Gärtig über Roll- und Steuermucher".. 70. Abt. Rahlabend bei Kroihs, Holsteinische Str. 60. 72. Abt. Der Rahlabend fällt in diefem Monat aus. Schöneberg. 77. Abt. 2. Bezirk bei Jürgens, Barbaroffaftr. 52. 3. Bezirk bei Zeugner, Grunewaldstr. 36, Vortrag des Genossen Eduard Bernstein über bie Broschüre des Genoffen Rieschte Weg der deutschen Arbeiterschaft zum Staat". 4. Bezirk bei Will, Martin- Luther- Str. 69. 78. Abt. Rahlabende: 1. Bez. bei Wandtke, Bahnstr., Referent Gen. Böhlte. 2. Bez. bei Rüllmer, Sauptstr., Referent Gen. Wilberg. 3. Bez. bei König, Feurigftr., Referent: Gen. Raspar. 4. Bez. bei Rofenthal, Ebersstraße, Referent: Genoffe Obst. 81. Abt. Friedenau. Bezirks- und Rahlabende 8 Uhr. 1-3. Bez. bei Alabe, Sandjernstr. 60-61. 4-6. Bez. bei Baginsti, Taunusstr. 7, Ede Stuben. rauchstraße, Bolitische Aussprache. 82. Abt. Steglik. 8 Uhr Rahlabend in den bekannten Lotalen. Die gestrige Sigung der Vereinigung sozialdemokratischer Juristen, die unter anderem auch von zahlreichen Genossen aus dem Reiche, besonders aus Bayern, besucht war, beschäftigte sich in ihrem ersten Teil mit dem Ergebnis der Umfrage über die Simultan aus, daß die Sozialdemokratische Partei für die freie Betätigung der ulassung der Rechtsanwälte, Genosse Ruben führte einzelnen Berufe eintrete, und daher alle gefeßlichen Beschränkungen der Freiheit der Anwaltschaft verwerfe. Die Beschränkung der Anwaltschaft in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten gegenüber der Freiheit Eine Verlobung gab sie seinetwegen auf. Zuerst wollte sie der Anwälte im Strafprozeß habe keine prinzipielle Begründung, Charlottenburg. 51. Abt. 7½ Uhr bei Schellbach, Königin- Elifabeth- Str. 6, fich nicht fest an ihn binden, aber er habe, so erzählte fie, so lange auf sondern sei aus partikularistischen Tendenzen entstanden. Die Sozialfie eingesprochen, daß sie ihm Gehör fchentte. Alles wollte er mit ihr bemokratische Partei, die eine Reichsjustiz erstrebt, verwerfe diese teilen, Leid und Freud. Sie sollte seine Heldin sein. Er Tendenzen und verlange die Freizügigkeit der Anwaltschaft. Sie habe sie immer als Dame behandelt, deshalb sprach sich das Bärchen, befämpfe gleichzeitig ihre gesellschaftliche Abhängigkeit in fleineren trotz der vorausgegangenen intimen Beziehungen bis zum Schluß Orten und ländlichen Bezirken, durch die dem Proletariat, insbesonmit Sie an. Er war mir gegenüber so schilderte die Ange- dere der Landarbeiterschaft, der ihr zustehende Rechtsschutz erschwert flagte die Entwicklung des Verhältnisses, immer so zuvorkommend, werde. Nachdem Genoffe Landsberg für einen Teil der Reichs. daß ich mich schließlich in ihn verliebte. Er ging mit mir zur Oper tagsfraktion für die Ablehnung des Antrages Everling auf Buund gab mir gute Bücher zu lesen. Ich wurde daher sein Berlaffung der Amtsgerichtsanwälte beim Landgericht, Genosse Rosenhältnis und opferte ihm meine Unschuld. Nach einem halben die Bersammlung mit Mehrheit die Annahme des Antrages. feld für die Annahme des Antrages gesprochen hatten, beschloß Jahre wurde ich gewahr, daß er in Bulgarien verheiratet Im zweiten Teil der Tagesordnung ergriff Genoffe Alfred Obor fei. Zuerst sagte er, ich sollte es nicht glauben; doch gab er aber zu, daß er eine ganz„ Alte" des Geldes wegen auf Drängen seines Forderungen der Strafiustizreform. Er stellte fest, niter das Wort zu einem Referat über die dringendsten Taters habe heiraten müssen. Er sei aber schon drei Jahre weg, und wenn er nach vier Jahren nicht nach Bulgarien zurückgekehrt sei, zwischen der Strafrechtspflege und dem Rechtsgefühl des Volkes daß die Erbitterung gegen die Strafjustiz aus dem Widerspruch dann gelte die Ehe in Bulgarien als geschieden und wir fönnten uns heiraten. Ich habe ihm cuch immer wieder Glauben geschenkt. Dann herrühre. Ziel der Reform fönne nur sein: das Rechtsgefühl des Boltes ist mit der Strafrechtspflege in Uebereinstimmung zu bringen. aber erfuhr ich, daß er sich auch mit anderen Frauen abgäbe, Nun hatte ich ihn aber so lieben gelernt, daß ich mir in den Kopf setzte, ich könnte ohne ihn nicht leben. Ich kaufte mir einen Revolver und mollte ihm einen Schred einjagen, er nahm mir den Revolver weg, zweimal geschah dasselbe. Ich war wie verrückt. Im Januar merfte ich, daß ich von einer heftigen Krankheit befallen war, die ich nur von ihm haben fonnte. Er brachte mich auch zu seinem Arzt, bei dem er in Behandlung war. Durch die Krankheit mußte ich meine Stellung aufgeben. Zwei Tage vorher, als das Attentat erfolgte, lernte ich zufällig eine Frau fennen, die mir sagte: Ich stebe schon seit neun Monaten zu Stojahn in intimen Beziehungn." Wir beide traten ihm gegenüber, aber er leugnete, die Frau zu fennen. Jetzt fonnte ich ihm nichts mehr glauben. Nun merkte ich auch, daß er mich wegen der Krankheit los fein wollte. Da geriet ich in Berzweiflung, schrieb Abschiedsbriefe an meine Eltern und Freundinnen und suchte ihn am 27. Februar auf. Er ging gerade in das Haus hinein und ich folgte ihm. In der Handtasche hatte ich einen geladenen Revolver; es war der vierte den ich mir gekauft hatte. Ich sagte ihm:" Du mußt sehen, wie ich sterbe." Er packte mich am Arm, und stieß mich mit den Worten: Gehen Sie, mas mollen Sie von mir." Da wurde ich furchtbar erregt, ich hatte plöglich den Revolver in der Hand und habe dreimal geschoffen. Als der Knall losging, war ich erschroden und lief in einen anderen Hausflur. Ich wollte mich hier erschießen, leider funktionierte die Waffe nicht. Indem kam ein junger Mann, der mich festhielt und ich wurde dann von den anderen Leuten der Polizei über geben. Von den drei Kugeln hatte nur eine den Bulgaren leicht in der Hüfte verlegt und er ist nach 14 Tagen aus dem Krankenhaus als geheilt entlassen worden. Der ftud. med. Stojahn Christoph, ein 26jähriger, mußte im wesentlichen die Schilderung der Angeflagten bestätigen. Das Gericht billigte der Angeklagten mildernde Umstände zu und perurteilte sie zu 6 Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist. Brandstifter. Ein 30jähriger Hilfsangestellter der Post, Paul Trappiel, mar fürzlich durch Eheschließung Eigentümer eines fleinen in Brig gelegenen Hauses mit einem anliegenden Schuppen geworden. Da er gut persichert war und sich ein neues Gebäude billig auf bauen wollte, taufte er 10 Liter Benzin, mit dem er das Innere des Schuppens tränkte und diesen dann anzündete. Damit ge= fährdete er zugleich das Menschenleben mehrerer Familien, die als Mieter in dem kleinen Hause wohnten, und welche ihre Wohnung nur unter größter Lebensgefahr rechtzeitig verlaffen fonnten. Der Täter zeigte vor dem Schwurgericht bes Bandgerichts II nicht die mindeste Reue und leugnete die Tat hartnädig. Das Benzin will er für seine Lötlampe gekauft haben. Das Gericht hielt ihn für überführt und erkannte unter Erlaß fofortigen Haftbefehls auf mei Jahre und sechs Monate Buchthaus und fünf Jahre Ehrperluft wegen vorfäßlicher Brandstiftung und Brandversicherungsbetruges. Gine Arbeiterfamilie S. fonnte teine Wohnung zugewiesen erhalten und fand nur in einer nördlichen Laubenfolonie ein dürftiges Unterfommen. Der Mann zog mit den Kindern megen familiärer Uneinigteit aus, und, als die Frau dort allein mohnte, ging einmal die ganze Laube in Flammen auf. Der Inhaber der Laube, der seinen Schaden nicht erfekt betam, hatte nun ein Strafverfahren wegen Brandftiftung gegen die Frau angestrengt, das gestern vor Gericht ver handelt wurde. Es stellte sich dabei heraus, daß nicht Fahrläffigfeit der Bewohnerin, sondern Mängel der Wohnverhält nisse das Feuer verursacht hatten. Die Angeklagte wurde daher freigesprochen. Die Verkehrszählung auf der Stadt- und Ringbahn. Die am Sonntag erfolgte 3 ählung des Ausflugs. verkehrs auf der Stadt, Ring- und Borortbahn ist planmäßig verlaufen. Obwohl das Wetter wider Erwarten am Vormittag nicht günstig gewesen ist, wird die Reichsbahndirektion Berlin dennoch das Ergebnis der Zählung praktisch auswerten fönnen. In Anbetracht deffen, daß von 50 Sonntagen im Jahr durchschnittlich nur 10 bis 12 wirklich schönes Wetter haben, läßt das Ergebnis der Zählung am geftrigen Sonntag Schlüsse zu auf die Benutzung der verschiedenen Streden, die Benutzung der Zeitkarten usw. Das genaue Ergebnis wird erst nach etwa 10 Tagen mitgeteilt werden tönnen. Wie wir erfahren, beabsichtigt die Reichsbahndirektion später nochmals eine Sonntagszahlung an einem Tage mit wirklich schönem Better vorzunehmen. Dies könnte jedoch frühestens nach Ferienschluß geschehen. Haben wir Wohnungsmangel? Man schreibt uns: Alle Welt sucht Wohnungen. Wer sie zu finden versteht, fann auch in der heutigen Zeit ohne große Mühe in den Besitz einer schönen Wohnung gelangen. In der Graunstr. 33 ist Mitte Januar d. I. eine Dreizimmerrohnung im zweiten Stod des Borderhauses frei geworden. Sie wurde vom Hausbesizer ordnungsgemäß dem Wohnungsamt Berlin- Mitte gemeldet. Ein Beamter fam, stellte feft, beschlagnahmte die Wohnung für das Amt und klebte sicherheitshalber ein schönes Amtssiegel auf die Korridortür. Dabei ist es seitdem geblieben. Der Hausbesizer erhält keine Miete, er fann sich um das Innere ber Räume nicht im geringsten fümmern, weil er ja nicht das Siegel ver. lehen darf; die Wohnung ist, anscheinend durch ein Versehen des Wohnungsamtes, feit fünf Monaten ihrer Bestimmung entzogen. Als fürzlich in der Wohnung eine Wasserrohrreparatur ausgeführt werden mußte, hielt ein Beamter des Wohnungsamtes jo lange in der Wohnung Bache, bis der Handwerfer mit seiner Arbeit fertig war. Dann kam das Siegel wieder an die Tür und es blieb alles beim alten. Man fann sich nicht recht vorstellen, daß es in Berlin nicht Leute geben sollte, die eine Dreizimmerwohnung sehr nötig brauchen können. Vielleicht findet auch das Wohnungsamt, Mitte noch einen Bewerber. Der Berliner( Schwarzmeŋersche) Kinderchor, Chormeister Bernhard Klaut, unternimmt eine viereinhalbwödige Sängerfahrt in die befesten Rheinlande, um an den Jahrtausendfeiern der rheinischen Städte mitzuwirken. 450 Senaben und Mädchen aus dem Norden Berlins nehmen daran tell, Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 6. 68, Sinbenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an bas Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten. 6. Rreis Kreuzberg. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr, Gigung bes Rreisbil. bungsausschusses bei Schweitarbt, Röpeniderstr. 166. Alle Billetts müssen heute abend verrechnet oder zurüdgegeben werden. 8. Kreis Wilmersdorf. Die Dampfertarten find bei der Genoffin Bahr, Sanauer Str. 30( Giedlung), bis Mittwoch, den 8. Juli, vormittags 10 Uhr, au haben, Die Kreisvorstandssigung am 7. Suli findet bei Andreas, Pfalzburger, Ede Güngelstraße, ftatt. 14. Rreis Rentolin. Die Abteilungstaffierer werden ersucht, heute Dienstag abends von 5 bis 7 Uhr wichtiges Material vom Parteibureau abzuholen. Die Abteilungsleiterinnen werden gebeten, die Rarten zur Dampferfahrt bestimmt am Dienstag, den 7. im Parteibureau, Nedarftr. 3, von 6-7 Uhr abzurechnen. Heute, Dienstag, den 7. Juli: 6. Abteilung. Abends 8 Uhr Ronferenz jämtlicher Partei- und Gewerkschafts funttionäre bei Dobrohlam, Swinemünderftr. 11. 8. Abteilung. 7 Uhr, Dreifert, Steinmegftr. 36a, Bezirksführerfizung. 74. Abteilung Rehlendorf. Seute abend 8 Uhr wichtige Funktionärsigung im Barteilotal 124. bt. Mahlsdorf. 8 Uhr Funktionärsihung bei Breidan, Söhnower Straße. 137. Abt. Reinidenborf- Weft. Abends 7% Uhr Funtionärsigung im Boltshaus, 140. bt. Borfigwalbe. Abends 8 Uhr im Lokal Boitshed, Ernststr. 1, VorScharnweberstr. 114. Sunglozialisten Tempelhof Marienborf. Abends 7% Uhr im Jugendheim, Lyzeum, Germaniaftr. 4/6. Bortrag des Genossen Feiig Fechenbach über: Das tommunistische Manifest". Sämtliche Gruppen werden gebeten, die Beranstaltung zahlreich zu besuchen. Jungfozialisten.Arbeitsausschuß. 6 Uhr abends Lindenstr. 3, Juristische Sprech stunde. Gruppe Gülben, ebenda. Genoffin Marie Sodann spricht über Materialistische Geschichtsauffassung". ftandsfigung. • Morgen, Mittwoch, den 8. Juli: Mitgliederversammlungen und Zahlabende: 1. bt. 71 Uhr Schulaula Auguftstr. 68: Bortrag bes Gen. Buschid. 2. bt. 7 Uhr bei Ohngemad), Rommandantenfit. 88: Bortrag des Gen. Dr. Striemer. Erscheinen ist Pflicht. Abt. 7 Uhr, 5. Oberrealfdule, Aleine Frankfurter Straße, faffenmedizin und Klaffenfuftig aus dem Söfle- Untersuchungsausfchuß". Referent Genoffe Dr, Went. 5. Abt. Die Abteilungsverfammlung fant aus. Nur bie Partei- und Ge. mertschaftsfunktionäre haben Sigung bet Sebler, Georgenkirchstr. 36, abends 8 Uhr. 6. Abt. Abends 8 Uhr, Bahlabend in folgenden Lokalen: Bezirte 486, 487, 503 bei Büttner, Schwebterstr. 23, Bea. 491-495 bei Albrecht, Beteranenstr. 4, Bez. 496-500, 505-508 bei Dobrohlaw, Swinemünderstr. 11, Bez. 501, 502 bei Deblig, Schwebterstr. 227, Bea. 504 bei Barbeleben, Rheinsbergerstr. 46. 7. bt. 7% Uhr Rahlabend bei Rube, Streliger Str. 55, Döll, Bergstr. 71, Dahms, Schlegelfrr. 9, Beirau, Pflugftr. 1, Diede, Boyenstr. 19. 8. Abt. Der Rahlabend fällt aus, bafire Mitgliederversammlung, auf der Beiträge entgegengenommen werben. a. Abt. 7 Uhr, Sahl. u. Diskussionsabend bei Sufenbad, Berlebergerstr. 64, Mitgliederversammlung findet im Juli nicht ftatt. Arbeiterbant". 10. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt umständehalber aus. 11. bt. 7 Uhr, Bortrag des Gen. Schönherr über: 12. bt. 7% Uhr, bei Schmidt, Wiclefstr. 17. 14. bt. Bahlabend in folgenden Lotalen: Start, Butbuferstr. 14, Gillwalb, Butbuferfir. 24, Bogen, Graunftr. Ede Gleimftr. 15. Abt. 7 Uhr, 8ahlabend bei Goldbach, Binetaplas 7, und bei Kunze, Acterstr. 49, 16. bt. 7½ Uhr, bei Krüger, Suffitenstr. 34, Bortrag ber Genoffin Wachen. heim. 17. Abt. 8ahlabenbe bei Dose, Nordhafenftr. 6, Gerth, Tegelerstr. 50, Muller, Triftstr. 59, Utnehmer, Trifftstr. 49. 19. Abt. Rahlabend in ben bekannten Lokalen. 20. Abt. 714 Uhr, Bahlabend in den bekannten Lokalen. 21. Abt. 7 Uhr, Bahlabend in den bekannten Lokalen.. 22. st. Rahlabend 8 Uhr in den bekannten Lokalen. 23. Abt. Bahlabend bei Taube, Tiege und Lewandowski, abends 7½ Uhr. 27. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung in Schönhauser Festsälen, Schön. hauser Allee 129. 28. Abt. Bahlabend in ben Bezirkslokalen. 29. Abt. 7 Uhr, Altersheim, Danzigerstr. 62, Thema: Die Zollvorlage", Ref. Gen. Künstler, M. b. R. 30. Abt. 7% Uhr, Lebigenheim, Pappelallee 15, Bortrag bes Gen. Rabenstein. 31. Abt. Lokal Gerber, Bornholmerstr. 72, Ede Malmöerstr. ,, Die 8ollvorlage". Ref. Genoffin Gener. 32. Abt. 7 1hr, Zahlabende, Gruppe Aluge, bei Balentin, Krautstr. 36a, Gr. Meister, Vereinshaus, Markusftr. 39, Gr. Teuert, Arompardt, Grüner Weg 49, Gr. Wartmann, Wiehle, Rönigsbergerstr. 5/6. 33. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung Nagler- Schulaula, Thema:„ Gozialnolitit". Referent Genoffe Rudolf Jonas. Stellungnahme zum Barteitaa. 34. Abt. 7 Uhr Bahlabend bei Hese, Memelerstr. 63, Müde, Warschauerstr. 17, Rofin, Gubenerstr. 19. 35. Abt. Rahlabend in folgenden Lokalen: 1. Toepper, Rigaerftr. 85, 2. Schule, Eamariterftr. 20, 3. Bombe, Voigtstr. 25, 4. Borkowski, Schreinerftr. 32. 37. Abt. 7 Uhr, Rahlabend in folgenden Lotalen: 1. Bez. 8epte, Ebertnstr. 7, 2. und 3. Bez. Gerasch, Ebertnstr. 10; 4. und 6. Bez. Röhler, Maternstr. 14. 38. Abt. Rahlabend in ben bekannten Lokalen. Bei Munwik, Burnimftr. Referat bes Gen. D. Bitchner. 39. bt. 7% Uhr, Jugendheim, Linbenstr. 3, Vortrag bes Gen. Edarbt, über: Rolfragen". 6% Uhr, Funktionärsigung. 40. Abt. 7% Uhr bei Schmidt, Teltowerstr. 18, Bortrag bes Gen. Stuben, Landgerichtsrat, über: Wohnungspolitik und Sozialdemokratie". 41. Abt. 7 Uhr, Sahlabend in folgenden Lokalen: Simon, Belle- Alliance. ftraße 80, Schuster, Chamissoplas 4, Luge, Bergmannstr. 93, Menbe, Gneisenauftr. 6. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 7. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30 Uhr nachm.: Humoristisches Funkallerlei( Georg Bamberger). 5-6.30 Uhr abends: Konzert. Dirigent: Dr. W. Buschkötter. 7 Uhr abends: Oberstleutnant a. D. von Lucanus: Die Rätsel des Vogelzuges". 7.30 Uhr abends: Major a. D. Geyer: Wie lernt man fliegen?" 8 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). Abteilung Literatur. Dr. Freyhan: Das moderne Drama", 6. Vortrag. Wege zum Gestaltdrama( Fritz von Unruh), und Schlußbetrachtung". 8.30 Uhr abends: Sechs Kammermusikabende des Roth- Quartetts in chronologischer Reihenfolge.( Roth, Stromfeld, Spitz, Lutz). Zweiter Abend. Mozart: 1. Streichquartett, G- Dur, Nr. VII. Allegro vivace assai Menuetto, Allegretto Andante cantabile Molto allegro. 2. Mozart: Sonate für Violine und Klavier, B- Dur, Allegro ( am Flügel: Theophil Demetriesou). 3. Beethoven: Duett mit zwei obligaten Augengläsern, Sonatensatz für Viola und Cello. 4. Beethoven: Streichquartett, G- Dur, op. 18, Nr. 2, Allegro Adagio cantabile Allegro Scherzo Presto. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten TagesAllegro molto quasi nachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Professor Dr. Grotjahn:" Der Geburtenrückgang und seine Bekämpfung". Andante Rondo 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr Rahlabend. 1., 2., 7. Bezirt bei Röppte, Bergftraße 7. 3.- 6. Bezirt bei Niendorf, Chauffeeftr. 19. 8.- 10. Bezirk bei Findeisen, Friedenstr. 6. Vortrag über Religion und Sozialdemokratie". Rentölln. 89. Abt. Abteilungsversammlung Rottbuser Klause". Vortrag Wahl der Delegierten. 90. Abt. 7 Uhr Aula ber Anaben- Mittelschule Donauftr. 120, Bortrag des Genoffen Rubeil über ,, Die Aufgaben des nächsten Parteitages". 91. Abt. Karlsgarten( Gr. Saal), Karlsgartenstr. 6-10. Vortrag des Gen. Gutschmidt über Wohnungspolitit". Dafelbft eine Stunde vorher Bor ftandssigung. Alle Vorstandsmitglieder müffen anwesend sein. 92. Abt. 7% Uhr Rahlabende. Bezirk 14, 29 u. 30 bei Ganter. Harzer Str. 88. Begirt 27, 28, 32, 33 bei Ewalb, Elbeftr. 82, Vortrag des Genoffen Miethre über„ Bodenreform". Bezirk 31, 44, 45, 55 bei Wolf, Raiser- Friedrich Straße 173, Bortrag des Genossen Göring über Aufwertung". Bezirk 46, 47 und 59 bei Dehne, Richardftr. 108. Bezirk 72 und 73 bei Schneider, Rofenstr. 7. In allen Zahlabenden auch Stellungnahme au den Wahlen Bezirksvorstande, Reichsparteitag und Internat. Ronarek in Marseille. Deshalb erscheinen aller Mitglieder Pflicht. zum 93. Abt. 7 Uhr bei Wolf, Rirchhofftr. 41, Die Aufgaben des Barteitages zu Seibelberg". Referent: Dr. Adolf Braun. 95. Abt. 7% Uhr bei Grieger, Leffingste. 9, Bortrag des Genoffen Löwenstein über die politische Lage. Sympatisierende einladen. 96. Abt. 7% Uhr bei Wolf, Rirchhofftr. 40, Bortrag der Genoffin Fabian. 97. Abt. 79., 89.- 92. Bezirk bei Rugti, Leineftr. 1, Vortrag des Genoffen Regge. Bezirk 104-106 bei Krüger, Emferstr. 856 borirua ces Genonen Großmann über Rollvorlage und Sozialdemokratie". 98. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung bei Teich. Wichtige Tagesordnung. Bezirksführer Iaben ein. 104. Abt. Rieberschöneweibe. Mitgliederversammlung. Klara Bohm- Schuch, M. d. R. Bortrag der Genoffin 105. Abt. Adlershof. Im Feuerwehrdienstgebäude, Gelhomftr. 4. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Stahl über Gosialifierungsfragen". 2. Bartei. angelegenheiten. 3. Berschiebenes. 108. Abt. Röpenid. 7% Uhr im Kleinen Gaal bes Stadttheaters, Friebrichftr. 6, Bortrag des Genoffen Stelling über Barteitag und Internationaler Rongreß". Lichtenberg. 114. Abt. 7 Uhr bei Lauter, Rroffener Str. 14, Bortrag des Gen. Buttkamer. 115. Abt. 7% Uhr bei Borsti, Gürtelste. 10, Ede Doffeftr. Bortrag des Gen. Abolf Soffmann über Religion und Sozialdemokratie". 117. Abt. Gemeinsamer Rahlabend in der Schule, Südftr. 60. Bericht von ber Rreisvertreterversammlung. 118. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung bei Tempel, Gubrunstraße. 119. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung im Cäcilien- Enceum, Rathausstr. 122. Abt. Biesdorf. 7% Uhr bei Borath, Marzahner Str. 31, Bortrag des Gen. Jubrian über Rollpolitit" 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr Rahlabenb bei Anders, Bahnhofstr. 125. Abt. Weißenfee. 7% Uhr bei Gallas, Lehrterftr. 122, Borttag bes Gen. Dr. Rorach über Der Rampf gegen Schutzölle und neue Berbrauchs fteuern". 131. Abt. Riederschönhausen. 8 Uhr Wilhelmshof, Raifer Milheim Straße. Die drohenbe Rollvorlage." Referent: Genoffin Runert, M. d. 2. 133. bt. Buchhola. 8 Uhr bei Roffad, Sauptstr. 71, Borttaa bes Genoffen E. Rachert, M. d. 2. über Roll und Steuerfragen". 137. bt. Reinickendorf- West. 8 Uhr Rahlabend: 1., 2., 3.. 5. Bezirk Eich bornftr. 94 bei Matter. 4., 6., 7. 11. 8. Bezirk im Boltshaus, ScharnweberStraße 114. Die Bezirksführer milffen einladen. 138. Abt. Sermsdorf- Frohnau. Abends 8 Uhr Rahlabend bei Böttcher, Serms. dorf, Waldseeftr. Tagesordnung: Arbeiter- Jugendbewegung". 139. Abt. Tegel. 8 Uhr Restaurant Kreftensen, Schlieperftr. 69, Funktionär. versammlung. 140. Abt. Borfigwalde. Der Rahlabend fällt aus. 141. Abt. Rosenthal. 7% Uhr bei Mielide, Lindenallee 40. Erscheinen Bflicht. 143. Abt. Waibmannsluft. Rahlabend bei Dreikia, Baidmannftr. 4. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 85. Abt. Tempelhof. Dienstag. 7. Juli, nadm. 5 Uhr, im Krematorium Baumfaulenweg Cinäfcherung des Genoffen Vukke jun. Rahlreiche Beteiligung erbeten. ftraße 3. Jugendveranstaltungen. Bollstanzkursus. Ueben heute pon 7½ Uhr ab im Jugendheim LindenBüchertreis- Mitglieber. Das dritte Buch„ Die Geschichte einer armen Johanna" von Baul Rech ist erschienen, Die Arbeitsgemeinschaft des Genoffen Abraham fällt wegen der SamburgUebungsabende bis auf weiteres aus. Schriftliche Mitteilung folgt. Abteilungsmitgliederversammlungen heute 7½ Uhr: Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplak. Webbing- Norb: Schule Müllerstr. 48. Weften: Baugewertschule, Kurfürstenstr. 141. Wilmersdorf: Jugendheim Hildegardite. 4. Mariendorf: Alte Schule, Dorfftr. 7. Steglig I: Jugendheim Albrechtftr. 47. Neukölln IV: Rum Bärwintel", Steinbockstraße. Neukölln V: Jugendheim Schierteftr. 44. Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Reinidendorf Dst: Seebab", Residenzstraße. Rosenthal: Schule Schillerstraße. Buchholz: Lokal von Roffad, Sauptstr. 71. Brenz Lauer Borstadt: Schule Danziger Str. 23. Senefelber- Biertel: Jugendheim Eberswalder Str. 10, 8immer 12. Schönhauser Borstadt I: Schule Ibsen. straße 17, Bortrag:" Barum milfsen wir nach Hamburg fahren?" Göne berg II: Jugendheim Frankenstr. 10, Vortrag: Die Jugendbewegung". Wannsee: Schule Charlottenstraße, Bortvag: Erste Bilfe bei Unglüdsfällen". Achtung, Hamburgfahrer! Am Mittwoch, den 8. b. M., 7½ Uhr abends, findet im Jugendheim Charlottenburg, Rofinenstr. 4, die erste Brobe für die Feier in Hamburg statt. Erscheint alle zu diefer Probe. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefäftsftelie: Berlin G. 14. Gebaftianfte. 37/38. Sof 2 St. Kameradschaft Ober-, Niederschöneweibe unb Johannisthal: Am Mittwoch, den 8. Juli, abends 48 Uhr, Antreten in Mörners Blumengarten, Oberschöneweibe, zum Gaalschuß. Ortsverein Petershagen. Fredersdorf: Mittwoch abend 8 Uhr Kamerabschaftsversammlung im Lokal von Grakmann, Petershagen. Rameradschaft Lichtenberg nebst Untergruppen: Achtung, Spielleute! Die Uebungen finden am Mittwoch, ben 8. Juli, in Karlshorst, Walbfiedlung, fbatt, und zwar wie bisher 7 Uhr. Donnerstag, den 9. Juli, abends 74 Uhr, Antreten der gesamten Rameradschaft am Bahnhof Stralau- Rummelsburg, Eingang Sonntagstraße. Fahnen find mitzubringen. Rameradschaft Kreuzberg: Donnerstag, den 9. Juli, abends 7 Uhr, Antreten aller Kameraden in Bannerkleidung vor dem Ringbahnhof KaiferFriedrich- Straße in Neukölln. Kameradschaft Webbing: Donnerstag, den 9. Juli, abends 7 Uhr, Treffen der Jugendkameraden in der Turnhalle Lütticher Straße 4. Gemeinschaft proletarischer Freibenter, Bezirk Groß- Berlin. Bichtige Mit gliederversammlung am Dienstag, den 7. Juli, abends 28 Uhr, im Gymna fium Hallesche Str. 24-26( Anhalter Bahnhof). Erscheinen ist Pflicht. Mitgliedsbuch legitimiert. Berliner Esperanto- Bereinigung. Ronverfationsabend in Esperanto, obere Räume des Cafe Josin, Botsdamer Plas, 8 Uhr. Gäfte fehr willkommen. Frete Arbeiter- Stenographen Bereinigung Groß- Berlin. In unferer Notis am Sonntag, den 28. Juni, ist ein Irrtum unterlaufen. Es muß heißen: Fortbildungs- und Uebungsabenbe bestehen u. a. im Bezit Often jeden Freitag von 8 bis 10 Uhr abends in der Gemeindeschule Memeler Str. 24. Außer, wenn die Schule während der Ferienzeit gefchloffen ist. Näheres beim Schulwart. Freie Sochschule. Mittwoch, den 8. Juli, 8 Uhr, Sophien- Schule, Beinmeisterstr. 16-17, Bortrag von Dr. med. jur. phil. bent, Sammer: Wie bringt man zweckmäßig unversorgte Kinder unter". Gäste haben Rutritt. Im Auftrag bes Republikanischen Stubentenbunbes an der Handelshoch. Ichule Berlin spricht am Mittwoch, den 8. Juli, abends 8 Uhr, in der Sochschule file Bolitif, Schinkelplak, Lehrfaal 2, Chefredakteur Georg Bernhard ilber bas Thema Der europäische Rollverein". Für Inhaber von Studenten und Gaft tarten Eintritt frci. Ausscheidungskämpfe Abt. Schwimmer. Am Somtag nachmittag zogen von der Versuchs- und Lehrbrauerei die Arbeiterschwimmer unter Borantritt der Musikkapelle her Freien Turner Neukölln zum Wassersportplay Plößensee". Bunftlich 3 1hr nachmittags nahmen im roten Trikot mit roten Badekappen 36 Berliner Schwimmerinnen zum Einleitungskunst reigen auf dem Laufsteg Aufstellung. Der Frauenreigen jest nach Gesang ein, In erafter Weise werden Figuren und Ornamente gebildet und unter lebhafteftem Beifall der zahlreich erschienenen Zuschauer konnten die Schwimmerinnen in tadellos gerichteten Reihen das Wasser nerlassen. Waren schon ant Sonnabend gute Leistungen und scharfe Kämpfe in den einzeinen Konkurrenzen zu verzeichnen, so ergaben die Schwimmen am Sonntag den Höhepunkt des Festes. Kopf an Ropf lagen in vielen Wettkämpfen die Schwim met. Der Wille, dem Besten gleich zu fommen, gab bei fast allen Teilnehmern den Ausschlag. Von den Olympiaschwimmen müssen besonders erwöhnt werden: das Freistilschwimmen 100 Meter, das Götfe Neukölln in 1:09 gewonn, Loß- Nürnberg, Gen Leipzig und Dietsche- Neukölln liefen in dieser Reihenfolge mit nur Hand schlag als Nachfolgende ein. Auch das 400- Meter- Schwimmen sah Gotte Neukölln als ersten Im Brustschwimmen 100 Meter erreichte Lehmann Borwarts 3:13. Jm Seitenschwimmen hartes Kingen. Faulde Breslau gewinni in guter Zeit 1:17, dicht auf gefolgt von Schulz- Brandenburg 1:19 und Keller- Nürnberg 1: 19,4. 3m 100- Meter- Brustschwimmen für Männer gab es ebenfalls einen harten Kampf zwischen Jastulsfi- Neukölln, Scholz- Breslau und Saletermic- Spremberg. Im Kunstspringen zeigte sich Fritsche Dortmund( erster) und Villasch- Jena( zweiter) als die besseren. Be dauerlicherweise mußte Fritsche im Turmspringen 10 Meter durch einen verunglückten Sprung ausscheiden, so daß Lehmann dieses Springen gewinnen fonnte. Von den Frauen kann Genoffin Beier als mut- und talentvolle Springerin bezeichnet werden, die bei ernstem Training noch bessere Leistungen erreichen fönnte. Auch die männliche und weibliche Jugend und Kinder zeigten gute Leistungen und gaben den Beweis eines gefunden Nachwuchses der Arbeiterschwimmbewegung. Resultate: Männliche Jugendstafette, 100 Meter: 1. Borwärts- Berlin I 6: 11,2; 2. Bormärts- Berlin II 6: 36,4. Diympia- Männerfemimmen. Arcistil, 100 Meter: 1. Götfe- Reukölln 1: 09.1; 2. B. Loß- Nürnberg 1: 113: 3. K. GenLeipzig 1: 11,4; 4. Dietschfe- Neukölln 1: 12.1. Mäbchenbrustschwimmen, 100 Meter: 1. Nitfonde- Nerföln 1: 51,2; 2. Steinte- Norden 1: 52,3! 3. RapitsleMeukölln 1: 55,4. Olympia- Frauenrüdenschwimmen, 100 Meter: 1. QuitfchollsBreslau 1: 36,3; 2. Schöneberg- Borwärts- Berlin 1: 37,3; 3. Erika Sübfo- Darmftadt 1: 41,4. Männliches Jugendschwimmen, beliebig, 100 Meter, 14-16 Jahre: 1. Krompe- Neukölln 1: 20,3; 2. Milfreit- Neutölin 1: 20,4; 3. Behrmann- Leipzig 1: 25.1. Olympic- Männerbrustschwimmer, 200 Meter: 1. Lehmann- Borwärts Berlin 3:13; 2. Schulz- Neukölln 3: 16,4; 3. Rannenberg- Faltensee 3: 22,1; 4. BergRöln 3:28. Olympia- Runftspringen für Männer( Entscheidung): 1. FritscheDortmund 44 Punkte: 2. Pilafch 39% Bunkte; 3. Bapfe- Berlin 37 Bunkte; 4. Nachtigall- Borwärts- Berlin 32% Bunkte. Weibliches Jugendrückenfbwimmen, 100 Meter, 14-16 Jahre: 1. Wagner- Neukölln 1: 46,2; 2. RichterCharlottenburg 1:59; 16-18 Jahre: 1. Wandelt- Bormärts- Berlin 1: 49,1; 2. Ruhn- Charlottenburg 1: 49,2. Knabenlagenftafette, 4x50 meter: 1. NorbenBerlin 3: 02,2; 2. Neukölln I 3: 04,2. Mädchenbruststafette, 4 × 50 Meter: 1. Reufölin 1 3: 48,2: 2. Norden- Berlin 3:56. Olympia- Männerschwimmen, 400 Meter. Freistil: 1. Götte- Reukölln 6: 02,1; 2. Raluk- Breslau 6: 22.2: 3. DahicSeuföln 6: 22.4; 4. Dictidite- Reuföin 6: 34,1. Olympia- Frauenbrustschwimmen, 100 chez: 1. Quitfchalle- Breslau 1: 37,1; 2. Boer- Neutölin 1:28; 3. Jden- Bor märts- Berlin 1: 42.2; 4. Mentrup- Osnabrück 1:44. Männliches Jugendbzuft fhwimmen, 100 etez. 14-16 Jahre: 1. Beder- Neuföfn 1: 33.4; 2. StrauchBorwärts- Berlin 1:36; 3. Grunwald- Welle- Berlin 1: 43,3; 16--18 Jabre: 1. BölfeWeißenice 3: 24,4; 2. Langbeder- Vorwärts- Berlin 3: 25,1; Frant und Romma tomski( Borwärts- Berlin) im toten Rennen; 3. Lange- Lichtenberg 3: 28,4. Diympia- Turmspringen für Frauen: 1. Beier- Leipzig 26,2 Punkte. OlympiaTurmspringen für Männer: 1. Lehmann- Leipzig 84,2 Punkte: 2. NachtigallBormärts- Berlin 33,3 Bunkte. Olympin Männerbrushwimmen, 100 Meter: 1. Jadulsfi- Neukölln 1: 28.4; 2. Scholz- Breslau 1:29; 3. Schleiermid- Spremberg 1: 30,2. Olympia- Männerseiteshwimmen, 100 Meter: 1. Faulde- Breslau 1: 17,2; 2. E. Schulz- Brandenburg 1:19; 3. Seller- Nürnberg 1: 19.2. Männliche Jugend. frejette, 4x100 Meter, beliebig: 1. Bormärts I 5: 17,1; 2. Reutöln I 5: 29,2; 3. Bormärts II 5: 44,3. Endspiel um die Olympiaausscheidung: Nürnberg gegen Berlin 5: 4. Reichs- Ausscheidungskämpfe der Leichtathleten. Am 20. und 21. Juni fanden die Ausscheidungskämpfe zur Olympiade in Dresden statt. Bom 1. Kreis maren 30 Sportler und Sportlerinnen vertreten, die einige recht beachtensmerte Erfolge erzielten. Beim 100- Meter- Lauf siegte der Sportler Freese- Bremen in 11,3 Set., beim 200- Meter- Lauf in 23,8 Sef. Brüdner- Bayern Tief 200 Meter in 24,1 Sef., 400 Meter in 53,9 Set. Der 800- meterLauf wurde von Lehe- Hannover in 2 min. 5,1 Set. gewonnen; die 1500- Meter- Strecke fonnte Wagner- Leipzig für sich entscheiden. Krause- Berlin belegte die 3. Stelle. In der langen Strede belegte Bendin- Germendorf bei 3000 Meter den 2., bei 10 000 Meter den 3. Platz. Beim 5000- Meter- Lauf gab es einen scharfen Kampf zmijchen Wagner- Leipzig und Holzgreeve- Hannover, den ersterer zum Schluß für sich entscheiden fonnte. Bei dem 10x100- meter- Lauf Stegte die Bundesstafette mit 1 min. 55,4 Sef., an zweiter Stelle lag der 1. Kreis mit 1 min. 58 Sef. Die olympische Staffel wurde auch von der Bundesstafette in 3 min. 53.2 Sef. gewonnen. Den Hürdenlauf gewann Taunert- Dresden in 17,3 Set., Ehrich- Sdjöneberg fiel mit 18 Sef. durch. Bei den Sportlerinnen schnitt der 1. Kreis besser ab. Die Olympische Stafette gewann der 1. Kreis mit den Sportlerinnen Rau-, Bleul, Rauschte- Gr. Berlin und Ralfreuther Brandenburg. Die 4X100- meter- Staffel liefen HipperMagdeburg, Rau- Groß- Berlin. Hochholzer- Nürnberg und DittmarHannover in 52,5 Set. Beim Weitsprung erhielten Rau- und BleulGroß- Berlin den 2. Play. Im 100- Meter- Lauf belegte Rau- GroßBerlin den 3. Plazz, dieselbe läuft auch in der Ländermannschaft 4X100 Meter für Sportlerinnen mit. Das Resultat der vorstehenden Betifämpfe zeigt, daß die Sportler des 1. Kreises noch fleißig üben müssen, wenn sie eine führende Rolle im deutschen Sport einnehmen mollen. Zu beachten ist freifich, daß ein fleiner Teil der Sportler aus den bekannten Gründen sich abseits stellte. Unter diesen Gefichtspunkten fann man mit den erzielten Erfolgen zufrieden sein. Die Bestleistungen der in Dresden ausgetragenen Ausschei= dungsfämpfe in Leichtathletik für die Frankfurter Olympiade waren die folgenden: 200- Meter- Lauf: 23,8: 400- Meter- Lauf: 53,9; 800- Meter- Banf 2: 05,1; 1500Meter- Lauf 4: 18,3; 3000- Meter- Lauf: 9: 31.8; 10- Rilometer- Lauf: 33: 59,4; 25- RiTometer- Lauf: 1:34:09; 10- Rilometer- Lauf: 49: 05,9; 400- Meter- Hürdenlauf: 1: 02,1; Weitsprung mit Anlauf: 6,17 Meter; Dreisprung: 13,08 Meter: Rugelstoßen: 11,38 Meter; Schleuderball: 52,51 Meter: Sammerwerfen: 33,01 Meter: Diskus merfen: 38,69 Meter; 100- Meter- Lauf: 11,3; 110- Meter- Hürden: 17,5; 5000- MeterLauf: 15: 52,6; Hochsprung mit Anlauf: 1,68 Meter: Rugelwerfen: 18,75 Meter; Speerwerfen: 44,32 Meter: Dinmpische Stafette: 3:53; 4X100- Meter- Stafette: 46,2; 3 × 1000- Meter- Stafette: 8: 43,7; 10x100- Meter- Stafette: 1: 53,3; Stabhoch. fprung: 3,30 Meter. Für die Olympia- Teilnehmer. In der Nacht vom 23. zum 24. Juli fahren 3 mei Gonderzüge von Berlin nach Frankfurt a. M. Der erste Rug fährt 10 Uhr 35 Minuten ab Botsdamer Bahnhof über Magdeburg und Goslar. Der zweite Rug 12 Uhr 10 Minuten ab Anh'alter Bahnhof itber Halle und Erfurt. Hauptfahrt Yeiter für beide Züge Robert DehIfdläger, Berlin N. 65, Hochstäbter Strake 10. Alle Anfragen, Fahrt nach Frankfurt betreffend, sind an diesen zu richten. Rugleiter für den Rug vom Anhalter Bahnhof 12.10 Uhr ift Rari Rien baum. Rutaleiter für den Rug vom Botsdamer Bahnhof 10.35 Uhr ist Oehlschläger. Den Rug 10 Uhr 35 Minuten vom Potsdamer Bahnhof benusen folgende Bereine refp. Orte: Finnland, Rathenom, Wittenberge, Regin, Brandenburg, Blaue, Rennhausen, Schöneberg, Steglig, Charlottenburg, Rowames, Botsdam, Halberstadt, Bienenbura( Braunschweig) und Goslar. Den Zug 12 Uhr 10 minuten vom Anhelter Bahnhof benugen alle anderen Vereine und Orte, einschließlich Königsberg. Stettin, Danzig. Ludenwalde, Jüterbog, Wittenberg und Bitterfeld. Saltepunkte und Abfahrtzeiten der Züge: Zug vom Botsbamer Bahnhof: Potsdam 11.07, Brandenburg 11.47( Magdeburg, Maschinenmechfel, 1.22), Dichersleben 2.20, Salberstadt 2.48, Bienenburg 3.46, Goslar 4.10, Ankunft in Frankfurt mittags 12.15; Rug vom Anhalter Bahnhof: Groß- Lichter felbe 12.24, Ludenmalbe 1.15, 3ilterbog 1.40. Bittenberg 2.24. Bitterfeld 3.13, Ankunft in Frankfurt mittags 12.10. Algemeine Beftimmungen des Berkehrsausschusses it Frankfurt mit der Eisenbahndirektion. Einzelfahrtarten für Sin und Rüdfahrt gibt es nicht. Es fommt nur eine Fahrkarte aum Breise von 24 m. in Frage. Das Fahrgeld ist bis allerfpätestens Donners tag, ben 16. Juli, an Dehlichläger unter genauer Angabe der Adresse des Rartenempfängers einzuzahlen. Berücksichtigungen nach diesem Termin finden nicht mehr ftatt. Die Rarien werden auf Wunsch dem Einsender des Fahr. geldes augesandt aber eine Stunde vor Abgang des Ruges gegen Borzeigung bes Abschnittes der Boftanmeifung durch den Fahrtleiter( Rienbaum oder Dehl fchläger) übergeben. Die Rüdfahrt von Frankfurt ist am 28. Juli, abends 8.50 nach Botsdamer Bahnhof. Eintreffen dort 9.39. Nach Anhalter Bahnhof ab Frankfurt 9 Uhr, Eintreffen 9.04. Die R'abfahrer geben persönlich thre Räder auf( Preis 4 M.) und bringen sie persönlich an den Badwagen; ebenso abholen. Rildfahrtarten haben not Abgang der Sonderzüge von Frank furt feine Gültigkeit. Ab 29. Juli aber für jede Strede Frantfurt- Berlin auf bie Dauer non 4 Wochen nom Tage der Lösung an. Ausschmüdungen sind verhote. Ebenso Areideaufschriften. Binten aus den Fenstern mit Fahnen und Fähnchen oder ähnlichen Gegenständen sind megen möglicher Rörperverlegungen der Mit und Borüberfahrenden aufs ftrengfic verboten. Gtoße Fahnen find Nachklänge zum Reichsarbeitersporttag Sportgenossen! Heraus aus der Reserve. Die großen Werbeneranstaltungen für den Arbeitersport sind nach unseren bisherigen Informationen überall im Reiche mirfungs voll und mit gutem Erfolge durchgeführt worden. Der RAST hat sich also aufs neue als ein gutes Mittel erwiesen, einmal im Jahre eine gemeinsame Propaganda in allen Sportarten und an allen Orten stattfinden zu lassen. Nur in Groß- Berlin hat der RAST, statt neue Anhänger zu gewinnen, wiederum wie in den Vorjahren große Misstimmung zurüdgelassen. Die Ursache liegt in der offenbar gar nicht zu unterbindenden fommunistischen Propaganda und in dem Berbot der republikanischen Fahnen. Der " Vorwärts" hatte im Berichte über den RAST nur einige furze Beschwerden vorgebracht, um die Schwierigkeiten innerhalb des Arbeitersports nicht noch zu erhöhen. Von den Besuchern im Stadion wie aus Sportfreisen sind uns jedoch zahlreiche Promachen, da sonst der Schaden für den Arbeitersport noch größer ist. teste zugegangen, die eine erneute Stellungnahme notwendig Der Rote Frontfämpferbund, die kommunistischen Jugend- und Der Rote Frontfämpferbund, die kommunistischen Jugend- und Kindergruppen belästigten durch ihre Sammlungen und ihre Propaganda große Teile des Publikums. Auf dem Aufmarschplah in der Nähe der große Eiche wurden gleichzeitig mehrere fommunistische Bersammlungen abgehalten. Genossen mit SPD.- Abzeichen fonnten sich vor den„ Belehrungsversuchen" der Frontfämpfer ufw. gar nicht retten, und" einige Reichsbannerkameraden wurden an der Eiche umzingelt und in große politische Debatten gezogen. Die Ordner, auch solche der KPD., waren dagegen fast machtlos und wurden Ierifons der„ Roten Fahne". In seinem eigenen Interesse muß der mit Schlägen bedroht, unter Benutzung des bekannten SchimpfArbeitersport diesem öffentlichen Skandal ein Ende machen. Bon den uns eingegangenen Beschwerden mögen nachstehend einige zum Abdrud fommen. Ein Freund des Arbeitersports gibt seine Eindrücke in folgendem wieder: Wer als ein in sportlichen Fragen Nursportler" zum ersten Male in den Berliner Arbeitersport hineingeschneit tommt, wird gar vieles auffällig finden, was dem Berliner Alltägliches ist. Es liegt jedoch erhellen sicher am besten die Lage: RAST im Deutschen nicht in meiner Absicht, Tendenzberichte zu schreiben, Streiflichter Stadion. Wieviel Personen? Ein Borsichtiger, Kenner: 25 000. Die an der Kaffe: 30 000. Die„ Rote Fahne": 35 000. In einer Gigung des Geschäftsführenden Ausschusses beschloß man: Bartei- sowie Fahnen einer Nation( auch Schwarz- Rot: Gold) sind nicht zugelassen. Ein Beschluß, der nur einseitig befolgt wurde, man sah trotzdem nämlich zu Dugenden Hammer und Sichel". Den Beschluß der Jiu- Jitsu- Vorführungen machte ein Angriff von vier Hafenfreuzlern" mit drohend geschwungenen Stöcken und viel Geschrei auf zwei Jiu- Jitsu- Männer; natürlich siegten die letzteren. Beifällig wurde die Darbietung aufgenommen. Bestimmt effektvoll war das lebende Riesenschachspiel, darstellend den Kampf der Arbeit gegen das Kapital. Als neuartig ist zu vermerken, daß die Figuren nicht von Einzelpersonen in Kostüm, sondern von Gruppen( 4 bis 6 Personen) gebildet wurden. Ob es unbedingt nötig war, das auf der Seite der Arbeit der Turm der Gewerkschaften und die Arbeitersportler dem Ansturm des Kapitals weichen und das Feld verlassen mußten, wage ich zu bezweifeln. Glücklich gewählt war die Idee nicht. Die Rote Fahne" findet diese kommunistischen Ideen dagegen interessant. Es war unterjagt, irgendwelche Maßnahme politischen Charafters zu treffen. Und doch wurde ich im Stadion um eine Spende für die Rote Hilfe" angehalten, wurde mir eine fommunistische Zeitung angeboten, trug man einem Trupp, größtenteils Rinder, eine Fahne mit dem Zeichen KID. voran. Was fehlte, maren lediglich Bundes schulmarten und Olympiadefarten. Allerdings, das sei gesagt, Leitung und Ordner gaben sich erdenkliche Mühe, politische Propaganda auszuschalten. Richt bei ihnen liegt die Schuld. Außer den Schildern mit sportlichen Forderungen( Spielplätze, Fahrpreisermäßigung) sah ich zwar Schilder mit der Aufschrift Amnestic" und ähnliche, tein Schild, tein 3ettel, fein Wort erinnerte jedoch an die Arbeiter olympi ade! Als die Schachspieler unter der Mittelloge durch abzogen und ein Turm des Kapitals( Buchthaus) fich dem Ausgang näherte, riefen der größte Teil der in der Mittelloge befindlichen Mitglieder der Sprechchöre( 50 bis 60) sowie einige Zuschauer in der Nähe demon strativ: Amnestie". Wenn das auch mit dem Rast direkt nichts zu tun hat, niemand wird etwas dagegen einwenden. Das aber die Rote Fahne" unter dem Titel Arbeitersportfest eine machtvolle Amnestie demonstration" auf der ersten Seite schreibt: Wohl über 35 000(?) Anwesende stimmten spontan in den Ruf: Heraus mit den politischen Gefangenen" ein.. bedeutet die limfehrung eines Arbeitersportfestes in eine politische Demonstration Ein altes Mitglied des Arbeiterturn- und Sporibundes schreibt uns: Als langjähriges Mitglied des ATB. und somit auch Mitglied des Sportfartells Groß- Berlins muß ich meine Vermunderung aussprechen und erlaube mir hiermit die bescheidene Anfrage an den Sportgenossen Delschläger: Seit wann gehört der Rote Jungiturm und der Frontfämpferbund dem Sportfartell an?" Wenn nicht: Das hatten diese beim Aufmarsch der Sportler in der Rampfbahn zu suchen?" Einer, der unsere Kommunisten tennt, eingerollt im Badwagen mitzuführen. Auf die Lauffchilder der Bahnwagen fönnen Blakate mit sportlichen oder humoristischen Auffchriften, Größe 30 × 60 Sentimeter, angeflebt werden. Wie die ,, Rote Fahne" berichtet. In der gestrigen Montagsnummer ist die Rote Fahne" voller Freude, daß der Geschäftsführende Ausschuß des Kartellverbandes beim Reichs- Arbeitersporttag die Fahne der Republit ausgeschaltet hat. Natürlich verschweigt sie in ihrer Wahrheitsliebe, daß auch Sowjetfahnen und kommunistische Agitation verboten waren. Ebenjo bringt sie nicht die Ausführungen des Vorwärts" im Zusammenhang, sondern nur einige Stichworte, zum Teil selbst erfunden. Auf diese Weise beweist sie wieder einmal die Berräterrolle" des „ Borwärts" und spricht den frommen Wunsch aus, daß über kurz oder lang tein Arbeitersportler mehr den„ Bormärts" lesen wird. Dieser Wunsch fommt sicher von Herzen! In gleicher Nummer wird zu demselben durchsichtigen 3med behauptet, der„ Borwärts" habe große Reflame für die bürgerliche Turn- und Sportwoche gemacht Richtig ist daran nur, daß wir diese von der Stadt Berlin veranstaltete Propaganda für den Sport in verhältnismäßiger Kürze erwähnt haben, trojdem es sich zum Teil um große Veranstaltungen handelte. Der bürgerliche Sport fann nach unserer Meinung durch Tot ich meigen nicht erfolgreich bekämpft werden, sondern nur durch immer bessere Ausgestaltung des Arbeitersports. Es ist sogar gut, menn die Arbeiterschaft gelegentlich bei größeren Beranstaltungen an das Bestehen eines„ bürgerlichen Sports erinnert wird. Vielleicht kommt sie dann um so früher zu der Einsicht, daß der den Arbeitersport schädigenden kommunistischen Propaganda so schnell mie möglich ein Ende gemacht werden muß. Arbeitersportfeft in Dankom. In den Gesamträumen des Barfetablissements Rum Bantgrafen", Bankow, Schloßftraße, fand am Sonnabend ein großes Sportfeit des Arbeiter- Turn- und Sportvereins Banton ftatt. In der Sauptfache fanden die gutausgeführten turnerischen Rilufte der Arbeiteriportier reichen Beifall. Die Männer und Damen- sowie Jugendmannschaften zeigten qute Technik als Beweis eines regelmäßigen Trainings. In den Gartenanlagen ließ eine eigene Rapelle des Verrins Inftige Weisen erflingen, die zur Feststimmung wie auch einige Vorträge zum Gelingen des Garienfestes erheblich beitrugen. Der Befuch wäre mejent. lich stärker gewesen, wenn in den Abendstunden nicht drohendes Gewölf, das allerdings nicht sun Riedergang fam, beraufgezogen wäre...... konnte den Ausführungen des Genossen Delschläger im Borwärts" vom 27. Juni wohl nicht recht glauben. Zu diesen gehörte auch ich. Mein Peffimismus wurde aber durch das Gesehene im Stadion doch noch übertroffen. Man hörte weiter nichts als das An preisen fommanistischer Zeitschriften, Abzeichen und Sammlungen für die Rote Hilfe, Teltow, China und anderes mehr. Man hatte doch gehofft, daß die Ordner ihren Dienst ein bißchen forrefier versehen würden, aber wie es nun einmal hier gedreht wird, ist es nicht anders zu erwarten. Das Programm an und für fich ließ viel zu münschen übrig. Kurz gejagt, langweilig im höchsten Grade bis auf die Schwimmer und die gymnastischen Malsenfreiübungen. Das Abschleppen der verkleideten Hafentreugler fonnte ein ernstdentender Mensch doch nur als Kasperletheater an sehen. Es hatte fast den Anschein, als ob es mit der Turnjache cher rückwärts als vorwärts gehe. Wozu haben wir unsere Bundes: schule und die schönen rhythmischen lebungen und Länze nach Mufit. Diefe Vorführungen würden dem Sport wohl hundertmal mehr Anhänger einbringen und Anklang bei der Masse finden als die Kanonenzschterei im Laufen. Als Nichtkenner des Schachspiels will ich mich nicht darüber äußern. Den Sportgenossen im Sportfartell möchte ich die Mahnung zurufen, lefent ein, che es zu spät wird und die 3ersplitterung so Blaz greift wie in der politischen und Gewerkschaftsbewegung und die Arbeitersportbewegung ihren Krebsgang antritt. Laßt beide, Reichsbanner wie Frontkämpferbund zu, aber unter der Bedingung, sich jeglicher Bropaganda innerhaih der Veranstaltung zu enthalten; denn bei einem Sportfest dari feine andere Propaganda als die für die Arbeitersportsache dient getrieben werden. Wird diese Verpflichtung nicht übernommen oder gehalten, so sind dieselben von der Veranstaltung auszuschließen. So werden wir wieder das werden als mas mir vor dem Kriege galten: Die Vorschule zum Zusammenschluß zur Organisation"! Es merden wieder die Genossen, die von dem jezigen Treiben angewidert uns den Rücken gefehrt haben, den Weg zu uns zurückfinden und die Arbeitersportbewegung wird einen Aufschwung nehmen, der uns durch diese Quertreibereien versagt bleiben wird und muß. Ein anderer attiver Arbeitersportler schreibt uns: Es ist wohl an der Zeit, ein ernstes Wort an alle jene Kreise zu richten, die glauben, auch in der Sportbewegung ihre Parteijuppe fochen zu fönnen. Gleichzeitig soll aber auch an alle Bejinmungsfreunde das dringende Ersuchen gerichtet werden, diefem Treiben nun endlich ein Ende zu bereiten. Kann und darf es doch nicht angehen, daß jene Kreise sich nicht mehr nach einstimmig gefaßten Beschlüffen richten( fiehe RAST am auch den Mut haben, zu erklären: Wird dieses Spiel weiter fort28. Juni im Stadion Grunewald), müssen die Genossen nun endlich gefeßt, so müßt ihr auch die Folgen tragen, und nachher nicht fchreiben, daß die schöne Einheit non der SPD. zerschlagen wird. Wir gehen weiter und sagen, wenn der Antrag, feine Parteifahnen zu tragen, angenommen ist, so ist dieser für alle Organisationen bindend. Wird dem nicht nachgekommen, so ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit, Fahnen mitzuführen in den Farben der Republik, wie es die Gegenseite ma cht, indem sie Fahnen der Somjetunion im Zuge mitführt. Aus all diesen Gründen ergibt sich nun die selbstverständliche Pflicht aller unserer Gesinnungsfreunde, endlich aus der Reserve zu gehen Geite beliebt wird. Man erkläre doch offen von der Gegenseite. und zu zeigen, daß wir nicht alles so gehen lassen, wie es von jener mir machen doch, was wir wollen und richten uns nach feinem Beschluß! So ist man wenigstens ehrlich und erspart allen Zeit und die Pflege der Leibesübungen das Proletariat gesund und fräftig Aerger. Wir haben uns zusammengeschlossen zu dem 3med, durch zu erhalten, und nicht, um aus der Sportbewegung einen politischen Diskutierklub werden zu lassen. Wer fortgesetzt nur mit dem Feuer spielt, darf sich nicht wundern, menn es dann einmal so weit kommt, daß dieser Brand nicht mehr zu meistern ist. Wenn immer nur Unfrieden und Zant in unsere Reihen getragen werden, möge später sich feiner beschweren, daß ein Teil, angewidert von diesen Methoden, sich abwendet und unter Gleichgesinnten seine Körperübungen meiter Erfolg wird sich sehr bald bemerkbar machen. betreibt. Fefter Zusammenschluß aller Gesinnungsfreunde und der Diese Barnungsrufe möchten mir den maßgebenden Stellen innerhalb des Arbeitersports dringend zur Beachtung empfehlen. Ob freilich eine Besserung unter der jezigen Einheitsfront" mit den Kommunisten möglich ist, erscheint uns fraglich. Die fommunistischen Sportgenossen werden durch die Rote Fahne" und ihre Organisation weit mehr zum Kampf gegen die SPD. als gegen die bürgerlichen Parteien herangebildet. Wenn sie wochentags die SPD.- Berräter", wie bei Kliems, verprügeln, jo fann man nicht erwarten, daß sie sich Sonntags beim Sportfest mie gesittete Menschen benehmen. Auch die jozialdemokratischen Arbeitersportler werden ebenso wie Partei und Gewerkschaften noch einsehen müssen, daß eine Einheitsfront" nicht möglich ist, wenn nicht der ganze Arbeitersport in Groß Berlin in Mißtredit tommen soll. Eine Besserung wird erst dann eintreten, wenn weitere Kreise innerhalb des Arbeitersports zu dieser Einsicht gekommen sind und danach handeln. P Freie Schwimmer Charlottenburg 04, e. B. Achtung! Bierteljahresner. fammlung am Dienstag, den 7. Juli, abends 7 Uhr, bei Schellbach. Rönigin Elifabeth- Str. 6. Tagesordnung: 1. Berichte. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Erscheinen ist Pflicht. Badeabende: Abteiluna Charlottenburg: Montags und Donnerstags von 6-8 Uhr im Bolts. bad Jungfernheide. Dauerfarten find noch zu haben. Abt. Weften: Der Badeabend in der Badeanstalt Dennewigstraße ist von Montag auf Freitag von 8 bis 9 Uhr verlegt. Ranu und Segelabteilung: Jeden Freitag im Bootshaus Arbeitsdienst. Seim bleibt während der Schulferien ab 7. Juli gefchloffen. Dafür jeden Touristenverein„ Die Naturfreunde"( Rentrale Wien). Abt. Rentölln. Das hof Steutöln. Weitere Nachrichten durch die Breffe. Fahrtenbekanntgabe auf Donnerstag bei autem Wetter Abendspaziergang. Treffpunkt 7 Uhr am Bahn den Abendipaziergängen. 1 Lichtenberger Schwimmverein Neptun 1894", e. B. Dienstag, den 7. Juli, abends 8 Uhr, Beriammlung der Jugendabteilung in der Rummelsburger Bade anftalt. Genoffe Selchow wird über das Thema Arbeiterfport" referieren. Am Sonntag, den 12. Juli, findet unfer diesjähriges Sommerschwimmfeft in der Badeanstalt Bödel. Ranlsdorf. Mahlsdorfer Straße, ftatt. Bordem wird ein Festzug veranstaltet. Abmarid 2 Uhr vom Bahnhof Ronlsdorf. Arbeiter Radfahrer- Bund Bundes „ Golibarität“, Ortsgruppe Berlin. genoffen, die an der Dimmpiade in Frankfurt teilnehmen, werden erfudit, 24 M. Fahrgeld, 2,50 M. Quartierqelb und 4 M. für Räbertransport fefort bei dem Raffierer Löffler, Waffertorstr. 10-11, bis fuätestens Donnerstan abend einzuzahlen. Am Dienstag. 7. Ruli, abends 18 hr. Sigung aller an der Ausendweihe interessierten Genoffen bei Wolter, Rungestr. 17. Die Photoeraphien vom Kreis- Kindersportieft( 25 Aufnahmen) find aut ge Jungen. Die Vereine wollen ihre Bestellungen an Genoffen M. Müler, Neu Tölln. Steinmetzftr. 53, richten. Breis des Bildes 50 Br. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Am 11. und 12. Juli Jugendtreffen des Bereins. Die Abteilungen treffen fidh am Sonntrag früh in Alein- Röris, Station Terpik- Klein- Köris( Neuföllner Jugendherberge). Werbefeft in Sperenberg( 4. Bezirt. Oftgruppe). Programm: 10 Uhr vor, mittaas allgemeines Baden im Salafee; 1½ Uhr nachmittags Umana. Dann Bettkämpfe für Männer, Kranten. Jugend und Rinder. Sendernorführungen: Sprünge vom Federfprungbrett, Tausichen ufw. Geschäftliche Mitteilungen. Berbefferte zuaverbindungen nach Bad Ems. Su den bereits Taufenben D- Rügen Berlin- Gießen- Roblenz und umacfehrt trat ein zweites D- Bugpaar, bas ebenfalls direkte Tages- und Nachtverbindungen zwifchen der Reichshaupt ftadt und Bad Ems hat. Berlin- Botsdamer Bahnhof ab 8.05 vormt., Bad Ems ar 7.43 nachm., Roblenz an 8.10 nadim., Roblenz ab 10.08 vorm., Bad Ems ah 10.36 vorm., Berlin- Potsdamer Bahnhof an 10.28 nachm, Briefkasten der Redaktion. 6. st. 50. Es besteht kein Tarifvertrag, auch nicht in Berlin. Nr. 315 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Deutschlands Wirtschaftsaussichten. Zu viel Produktionsmittel, zu wenig Kaufkraft. Die Reichstreditgesellschaft, deren Attien sich in den Händen des Reiches befinden, veröffentlicht soeben eine vergleichende Darstellung über die Entwickelung der Wirtschafts. lage Deutschlands im ersten Halbjahr 1925. Der Bericht, der in ganz ausgezeichneter Weise alle wichtigen Angaben über die deutsche Wirtschaft zusammenfaßt, endet in folgender Beurteilung der Aussichten der deutschen Wirtschaft: Wir fragen uns immer wieder: mußte es wirklich so weit tommen? Sind nicht fundamentale Irrtümer und Fehler die letzte Ursache für die katastrophale Zuspigung der Situation in der deutschen Wirtschaft? Als ich am 5. April in einem Artikel:" Müssen wir durch eine zweite Reinigungsfrise?" auf die gefährliche Entwicklung unserer Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des Geld- und Kreditverfehrs bei rückläufiger Ronjunktur hinwies, da wurden diese Ausführungen insbesondere in der englischen Finanzpreffe start beachtet. Damals habe ich auch ausführlich von der falschen und gefährlichen Verwendung der ausländischen Kredite gesprochen. Die Auslandsfredite sind eben falsch angewendet worden. Sie dienten im großen Maße zur Durchhaltung von Substanz, und zwar von Substanz, die keine Rente brachte. Die Krise wäre sicherlich viel früher ge: tommen, wenn man allgemein diese Entwicklung früher erkannt hätte. Aber wir predigen auch in diesem Falle tauben Ohren. Aber in der Industrie rächt sich das fortgesette Mißver= hältnis zwischen Substanz und Betriebskapital jezt schwer. Man mußte eben abbauen, als die Kredite flossen. Jezt, wo sie abgedeckt werden sollen, ist der Abbau wegen der weit vorgeschrittenen Absazkrise bereits viel schwieriger. Und dennoch muß die Umstellung erfolgen. Jezt lautet das Problem genau so, wie vor einem Jahre und wie bei Annahme des Dawes- Planes: mie machen wir unsere Wirtschaft flüssig und rentabel? Um dies zu erreichen, müssen wir zunächst die Vorräte mobilifieren. Hierbei spielen die riesenhaften Kohlenvorräte auf den Halden eine ausschlaggebende Rolle. Sie müssen finanziert werden. Das wird das private Kapital in Deutschland kaum fertig bringen. Hierfür ist Staatshilfe notwendig. Aber reicht die Atempause, die uns das Dawes- Gutachten noch läßt, jetzt noch für eine solche umfassende und rigorose Umstellung aus? Das ist eine bange Frage. Wir haben schon zuviel versäumt. Diese geradezu von margistischer Erleuchtung geWenn die wirtschaftliche Entwicklung des ersten Halbjahres 1925 einen Schluß auf die weitere Entwicklung zuläßt, so ist es der, daß die Produktion immer mehr über die derzeitige Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes hinauswächft. Der unaufhaltsame Kapitalentzug, den die Reparationsleistungen verursachen, wird viele Jahre hindurch eine Bergrößerung der deutschen Kaufkraft hint anhalten oder doch erschweren. Die leistungsfähigen Be triebe müssen daher alles daran segen, sich einen solchen Anteil an dem beschränkten Gesamt absage zu sichern, daß ihre Rentabilität auf die Dauer sichergestellt ist. Das führt zu einer Berschärfung des Wettbewerbes und in einigen Industriezweigen, die in Kartellen zusammengeschlossen sind, zu einer Stillegung der mit höheren Kosten arbeitenden Betriebe zu gunsten der mit geringeren Kosten arbeitenden. Im Gefolge des Kampfes um den Absatz muß die Rationalisierung Fortschritte machen, insbesondere das Arbeitstempo beschleunigt werden, die Anlagen der leistungsfähigeren Betriebe werden beffer ausgenutzt, die Verarbeitungskosten herabgedrückt werden. Es ist ferner damit zu rechnen, daß der Absaz sich, wie bereits seit einiger Zeit in Amerita, in der Form kurzfristiger Verkaufsabschlüsse vollziehen wird. Langfristige Annahmeverpflichtungen werden oft gegen das Interesse der Abnehmer verstoßen. So wertvoll für die Industrie die Sicherheit fünftiger Befchäftigung ist, so verhängnisvoll find Abnahmeverpflichtungen, die nicht eingehalten werden fönnen. Die Schwierigkeiten, die aus solchen unerfüllten Verpflichtungen entstehen, beunruhigen den Markt mehr, als es die Berringerung der Einzelaufträge vermag. Andererseits fann die moderne Industrie auf einen kontinuierlichen Arbeitsgang nicht verzichten. Je mehr sie bestrebt ist, ihren Betrieb technisch zu verbessern und das Arbeitstempo zu beschleunigen, um so notwendiger wird die Kontinuierlichkeit des Arbeitsprozesses. Bei schwankendem Abfah bedarf sie daher einer genügenden Resche, aber auch nicht sehr schmeichelhafte Kompliment,„ daß wir serve von Betriebsfapital und Betriebstredit Es ist deshalb wohl zu verstehen, daß die Werte die Ueberschüsse, die der Betrieb erbringt, vorläufig dem Betrieb erhalten wollen, um jene Reserve anzulegen. Diese Politit erschwert aber die Beschaffung von Anlagemitteln, die die Rationalisierungsarbeiten zuweilen erfordern. Die Formen der Kapitalaufnahme müssen dieser Tatsache Rechnung tragen. Unvermeidlich verbunden mit der Produktionsvergrößerung der leistungsfähigen Betriebe ist eine Ausmerzung der üntüchtigen. Eine solche Auslese gehört zu den Notwendigkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung und muß, wie in allen Ländern, auch in Deutschland dazu führen, Menschen und Güter aus Betriebszweigen, in denen sie auf die Dauer nicht mehr gewinnbringend arbeiten fönnen, in solche hinüberzuleiten, in denen ihre Berwendung Nuzen bringt. Durch dauernde Kontrolle der Rentabilität lassen sich überHüssige Schäden bei dieser Umstellung vermeiden. Den deutschen Banken wird die Aufgabe zufallen, die Rentabilitätston trollen zu unterstützen. Die enge Zusammenarbeit, die sie mit den Betrieben verbinden muß, wird sie dazu auch befähigen. Die fachgemäße Prüfung durch die Banken wird daher, wie in der Workriegszeit, eine wichtige Garantie für eine zweckmäßige Verwendung des Kapitals sein. Entwicklung Deutschlands, die Tatsachen, die zurzeit erkennbar sind, Es war notwendig, bei der Betrachtung der wirtschaftlichen hervorzuheben. Notwendig ist es aber auch zu betonen, daß die Gesundung Fortschritte gemacht hat. Eine allmähliche Konsolidierung und eine Teilnahme am wirtschaftlichen Fortschritt erscheint möglich. Diese Entwicklung fann gestört werden, wenn Deutschlands Gläubiger der Schuldenabtragung hindernisse in den Weg stellen, indem fie der Ausdehnung der deutschen Ausfuhr Schwierigkeiten bereiten. Sie würde gefördert, wenn es gelänge, die bedeutende Kapitalfraft mancher Länder zur weiteren Erschließung der Welt, zur Steigerung ihrer Gesamtaufnahmefähigkeit zu verwenden. In jedem Fall verlangt die Umstellung in der Gegenwart Opfer. Dem Außenstehenden werden diese möglicherweise stärker in die Augen springen als der Fortschritt der Wirtschaft, dem sie dienen." " Dienstag, 7. Juli 1925 Rali und Stickstoff sind beides Düngemittel, die den Ertrag des Bodens wesentlich steigern. Daß sie so start verwendet werden, liegt daran, daß die Preise dieser Produkte im Gegensatze zu vielen anderen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln nur auf oder gar unter dem Borfriegsstande liegen. Ihre Berwendung ist also außerordentlich lohnend. Ferner hat man durch reichliche Kreditgewährung und langfristige Zahlungsziele den landwirtschaftlichen Ver= brauchern den Bezug dieser wertvollen Düngemittel erleichtert. Einen zwingenden Schluß fäßt aber die gewaltige Steigerung des Verbrauches an fünstlichen Düngemitteln ohne weiteres zu: von einer Ertensivierung der deutschen Landwirtschaft fann feinesfalls die Rede sein. Denn der vermehrte Aufwand von Dünger kann nur in einer Steigerung der Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft, in einer Steigerung der Erneteergebnisse, furz in einer intensiveren Kultur des Bodens fich auswirken. So wird die Propaganda der Agrarier, die Landwirtschaft müsse bei den gegenwärtigen Getreidepreisen ihren Anbau einschränken oder zu minderwertiger Kultur übergehen, durch die Tatsachen Lüge gestraft. Damit ist wieder eines der wichtigsten Argumente der Schutzöllner hinfällig geworden. Die Verteuerung des Fleisches durch Zoil. Der Fachausschuß für Fleischversorgung e. V., Organ der an der Schlachtvieh, Fleisch- und Fetteinfuhr beteiligten Zentralverbände, Hamburg- Berlin, hat eine ausführliche Zusammenstellung der Vieh- und Fleischzölle herausgegeben. Sie ergeben folgendes Bild: Borkriegs Regierungs- Regierungsvorschläge vorschläge vertragszölle bis 31. 7. 26 ab 1. 8. 26 in Reichsmart je Doppelzentner 8, Rindvich. Schafe Schweine 18, 18, 8, 18, 18, 9, 18, 18, Fleisch, frisch od. haltb.gemacht 27, Fleisch, gefroren 35, 45, 35, 20, 45, Schweinespeck 36, 24, 36, Büchsenfleisch 60, 20, 75, Diese Zölle stellen ohne Zweifel eine starke Beeinträchtigung der tragene Kritit an der Politik der deutschen Unternehmer scheint Bevölkerung dar. Die Belastung müßte fich wie folgt auswirken: Herrn Walter Funt aber noch nicht genügt zu haben, um den Unternehmern den Standpunkt klarzumachen. Am 5. Juli fährt er darin fort und macht den Unternehmern das zwar nicht margistiunsere Wirtschaft seit Jahren, und insbesondere unter dem unheilvollen Einfluß der Dawes- Täuschung in so leichtfertiger und unsinniger Weise führen, daß man sie mit Recht als„ Polnische Wirtschaft" charakterisieren fann." Aber den Bemühungen des Herrn Walter Funkt fehlt auch die staatssozialistische Pointe nicht, die nun einmal zum Marrismus gehört. Mit tiefem Bedauern stellt er fest, daß heute nur der Dornenweg der Krise übrig bleibt, denn: „ Leider gibt unser rein partei- egoistisch eingestellter Partei bureaukratismus nicht die Möglichkeit zu einer grundlegenden Umstellung auf gesetzlichem Wege durch Verfolgung eines entsprechenden Wirtschaftsprogramms. Also werden wir nur durch eine hartnädige Krise zur Gesundung kommen tönnen." " Durch Berfolgung eines entsprechenden Wirtschaftspro. gramms auf gefeßlichem Wege eine grundlegende Umgestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse",.... diese Forderung, den deutschen Unternehmern zur Lösung der herrschenden Wirtschaftskrise von der Börsenzeitung" nahegelegt, muß man noch einmal genießen. Ob auch der deutschnatiofröhlichen Boultrieg mit Polen eröffnet hat, lieber dem Funkschen nale Wirtschaftsminister Dr. Neuhaus, der eben seinen frisch Margismus, als seiner„ polnischen Wirtschaft" diente? Und ob die armen deutschen Unternehmer sich nun wohl auskennen werden, was Dichtung, was Wahrheit in der deutschen Wirtschaft ist? penſt der€ Das Gespenst der Extensivierung. Starke Steigerung des Kali- und Stickstoffabsages. Bei der Begründung der agrarischen Zollwünsche ist immer sehr viel davon die Rede, daß die Landwirtschaft notleide und infolgedessen gezwungen sei, zu extensivem Anbau überzugehen. Die Absatzziffern der der deutschen Düngemittelindustrien ere afprechen fehr eindringlich gegen diese Behauptungen. Denn wir haben zum Beispiel in diesem Jahre geradezu Rekordergebnisse im Kaliabfag, wobei zu bemerken ist, daß nicht etwa nur die Kaliausfuhr fo wesentlich gestiegen ist; auch der Inlandabsatz ist start angewachsen. Das Ralisynditat teilt dazu mit: Dichtung und Wahrheit über die Kohlenkrise. Die Bergwertszeitung" ist das Blatt der Rheinisch- Westfälifchen Montanindustrie. Die Berliner Börsenzeitung" dient den Interessen und der Belehrung der Unternehmer. Beide werden von Den Unternehmern gelesen reblich finanziert. Beide schreiben über Ursachen und Heilung der gegenwärtigen Industrie- und Bergbaufrise, fommen aber merkwürdigerweise zu entgegengesetzten Resultaten und bringen fo ihre interessierten Leser in die peinlichste Berlegenheit. Wir wollen unseren Lesern den possierlichen Streit der Meinungen nicht vorenthalten. Juni 1925 betrug 814 473 Doppelzentner Reinkali „ Der Absatz des Deutschen Kalisynditats G. m. b. H. im Monat gegen 276 541 Doppelzentner im Juni 1924. Der Gesamtabsatz der ersten sechs Monate des Jahres 1925 beträgt 7.334 962 Doppelzentner Reintali gegen 3 275 070 Doppelzentner in den ersten sechs Monaten des Jahres 1924." Der Gesamtabsatz im ersten Halbjahr d. J. ist also zweieinhalbmal fo groß wie im Vorjahr. Der Absatz im Juni rund dreimal fo groß als im Juni v. J. Der bisherige Absatz dieses Jahres bleibt, obwohl erst 6 Monate verstrichen sind, nur noch um etwa 1 100 000 Doppelzentner hinter demjenigen des gesamten pergangenen Jahres zurüd, wobei darauf hinzuweisen ist, daß man schon jetzt für den Juli einen Absatz von 900 000 Tonnen erwartet. Auf den Inlandsverbrauch an Kali entfallen im ersten Halbjahr 3 700 000 bis 3 800 000 Doppelzentner. Damit ist der Vorfriegsverbrauch der deutschen Bandwirtschaft übertroffen, be fonders wenn man die inzwischen erfolgten Gebietsabtretungen berüdsichtigt. Die Bergwertszeitung" flagt über die schwierige Lage der Industrie und des Rohlenbergbaus. Sündenböcke sind aber nicht die Unternehmer mit ihrer Sachwertmanier der Inflationszeit und die Kauftraftzerstörung der Maffen, die die Kehrseite war, auch nicht die gänzlich verfehlte Wirtschafts- und Betriebspolitit seit der Währungsstabilisierung, sondern der verlorene Krieg. Schluß: die Masse des Volkes konnte an der bitteren Wahrheit nicht vorbei, daß sie die Folgen der Niederlage in ihrer ganzen Schwere auf ihre Schultern nehmen muß." Es habe daher keinen Sinn, den Unternehmer anzuflagen; der tue was er fönne, um gegen das Schicksal anzufämpfen. In der gleichen Nummer der Bergwerfszeitung" gibt der Generaldirektor des Lothringentonzerns den Kommentar dazu:„ Der Kernpunkt des ganzen Problems ist die Arbeiterfrage, das die Arbeiter, ehe es zu spät ist, sich auf eine Genau so liegen die Verhältnisse auf dem Gebiete des Stid. längere Arbeitszeit einlassen. Aber die Arbeitszeitfrage stoffsverbrauchs der deutschen Landwirtschaft. Jedes Jahr hat es der„ Bergwertszeitung" diesmal weniger angetan. Sie werden steigende Mengen davon in den deutschen Boden gebracht. polemisiert gegen die Forderung der Bergarbeiterzeitung" Was das für die deutsche Landwirtschaft bedeutet, kann man daran an den Staat, gegen das Bechenlegen vorzugehen und den Unter- ermessen, daß die Erfahrungsregel auf jeden Zentner aufgewandten nehmern nicht zu gestatten, lediglich nach privatkapitalistischen und Sticstoff einen Mehrertrag an Getreide von 20 Zentner feststellt. finanztechnischen Gesichtspunkten bas Nationaleigentum an Arbeits- Dieses Verhältnis wird sich noch auf Jahre hinaus aufrechterhalten fraft und Bodenschätzen zu verderben. Sie attestiert den Gewert laffen, da der deutsche Boden mit Stickstoff längst nicht übersättigt schaften daraufhin, weil das alles sei, was diese zur Besserung ist. Man kann annehmen, daß im Durchschnitt der letzten drei Inder wirtschaftlichen Lage beizutragen hätten, das Prädikat„ Doll- flationsjahre rund 270 000 Tonnen Stichstoff von der deutschen Landendete Hilflosigkeit". wirtschaft verbraucht wurden, während auf dem jetzigen Reichsgebiet vor dem Kriege nur zirka 180 000 Tonnen aufgewandt wurden. Im letzten Jahre, das der Landwirtschaft zeitweilig kritische Zustände gebracht hat-man rechnet das Düngjahr vom 1. Juni bis Ende Mai, der Anfang des Düngjahres fällt also gerade in die Zeit, wo die Getreidepreise am tiefften standen ist der Stickstoffverbrauch der deutschen Landwirtschaft noch um etma 20 Bros, auf 335 000 Tonnen angewachten. Wir brauchen uns nicht zu bemühen und den Unter nehmern etwa nach dem Vorbild ihres hochgeschätzten General direktors Otto Gehres vom Lothringenfonzern zurückzugeben, dessen ganze Weisheit in der Forderung der Arbeitszeitverlängerung besteht. Die Berliner Börjenzeitung" hat uns dantens merterweise die Arbeit erspart. Um 14. Juni schrieb Walter Fun! den Unternehmern folgendes ins Stammbuch Tatsächliche Belastung nach Bert und Zollfaz nach heutigem Wert nach heutigem Bert 1913 • 7,7 Broz. • 1,8 2,7 0 13,9 Rindbieh Schafe Schweine Fleisch, frisch Fleisch, gefroren Büchsenfleisch Spec. 22,7 und 8olliaz ab und Rollfaz bis 31 Juli 1926 1. August 1926 21,6 Proz. 21,6 Proz. 21,4 21,4 18,3 18,3 24,9 32,0 # 22,6 50,9 " 18,5 69,6 " " vir 14,1 250 21,2 Da diese Artikel fast sämtlich auf der Umsatzsteuerliste I a stehen, wird vorstehende Zollbelastung noch dadurch erhöht, daß mit der Wiedereinführung von Zöllen automatisch der Fortfall dieses Umsatzsteuerprivilegs verbunden wäre. Hierfür muß bei Gefrierfleisch mindestens 1½ Proz., bei Speck und Büchsenfleisch etwa 2 Proz. in Ansatz gebracht werden. Die Pläne der Regierung bedeuten eine starke Berteuerung. Sie fällt umfomehr ins Gewicht, da es die ärmere Bevölkerung in Deutschland ist. Bekanntlich ist der Fleich konsum gegenüber dem Frieden sehr stark gefallen. Augenblicklich, in der Zeit der neuen Fleischpreishausse, läßt sich ein weiterer Rückgang des Verbrauchs feststellen. Bisher waren Büchsenfleisch und Gefrierfleisch ohne Zweifel ein Preisdruckmittel. Ihre Einfuhr genügte, um einen Druck werden. Diese Preissteigerung muß automatisch einen weiteren auf die Fleischpreise auszuüben. Es ist aber vorauszusehen, daß, wenn dieses Druckmittel wegfällt, die Preise ganz erheblich anziehen Rüdgang im Fleischtonfum der Bevölkerung auslösen. Auf jeden Fall liegen die Dinge so, daß ein dauerndes Sinken des Fleischverbrauches auch der deutschen Biehwirtschaft den Boden unter den Füßen wegzieht, denn sie kann ihren Viehbestand nur entsprechend den Anforderungen des Marktes steigern. Bricht der Martt infolge Unterfonsums zusammen, so bedeutet das auch den Zusammenbruch der deutschen Biehwirtschaft. Amerikas Abhängigkeit vom Weltmarkt. Ueber die angebliche industrielle Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten haben neuere Untersuchungen, auf die die Zeitschrift Current Hystory" hinweist, ein überraschendes Licht geworfen; demnach ist Amerika keineswegs selbstgenügsam, sondern im Gegenteil ſtark abhängig von der Produktion anderer Länder. Ein charakteristisches Beispiel hierfür bietet die Stahlindustrie, welche die Amerikaner jo häufig als unabhängig" bezeichnen, vor allem aber die Weißblechproduktion; im Jahre 1923 importierten die Vereinigten Staaten 70 000 Tonnen Blech, das bedeutet eine Zunahme um 49 Proz gegenüber der Vorkriegszeit. Ueber die Abhängigkeit der Landwirtschaft von der Düngemittel- Einfuhr könnte man Bände schreiben. Ebenso muß für die Fabrikation von Einmachtöpfen, Glaswaren, Opal- und Bernsteinwaren für Drogisten der ausländische Import start herangezogen werden, und die KautschukIndustrie mit ihrer Unmenge von Einzelbranchen ist völlig auf auswärtige Bezugsquellen angewiesen. Krankenkassen und Volksgesundheit. Vom 29. deutschen Krankenkassentag. München, 5. Juli.( Eigener Bericht.) Bom 5. bis 7. Juli tagt in München das deutsche Krantenfaffenparlament. Nicht weniger als 1600 Delegierte konnte der Borfizende Ahrens am Sonntag vormittag in der schwarzrotgoldgeschmückten Tonhalle willkommen heißen, als er die Tagung eröffnete. Die Begrüßungsworte des Ministerialdirektors Griefer enthielten den interessanten Hinweis, daß in der Industrie jeder zweite Arbeiter einmal im Jahre frant wird, in der Landwirtschaft jeder dritte Arbeiter, und zusammen mit der noch viel häufigeren Familienerkrankung darf man sagen, daß Krankheit in der Arbeiterfamilie wirkt wie Krieg in einem Staat. Den Folgen dieses Krieges entgegen wirten die Krankenkassen, im Jahre 1924 hatten sie über 10 Millionen Krankheitsfälle, die verbunden waren mit Arbeitsunfähigkeit und mindestens 200 Millionen Krankheitstage, für die Krankengeld bezahlt worden ist. Das bedeutet für die Krankentasse eine Gesamtleistung von riefenhaftem Ausmaß, die in schwieriger, unermüdlicher, faurer Kleinarbeit bewältigt wurde von den Beamten der Kassen, denen der Reichsarbeitsminister seine volle Anerkennung aussprechen ließ. Den Auftakt der Referate bildete der Vortrag des Innsbrucker Professors Dr. Günther über„ Wirtschaft und Sozialversicherung". In wissenschaftlichen Ausführungen untersuchte Professor Günther, ein Schüler Brentanos, den Begriff der Soziallast", die nach Berechnungen des Reichsarbeitsministeriums heute 1½ bis 2 Milfchaftlichkeit mit der Wirtschaftsideologie der Unternehmer. Dagegen liarden pro Jahr beträgt, und zeigte dabei leider manche BerwandtStickstoffschaftlichkeit fam feine tiefe soziale Gesinnung darin zum Ausdrud, daß er flärte, die erfte und wichtigste. Forderung der deutschen Gefamimirk schaft sei die Erhaltung der Straft des deutschen Arbeiters und ins besondere die Erhaltung seiner Arbeitsfreudigteit. In der Diskussion zu diesem Referat erklärte MorgensternBerlin, daß eine gewisse Ueberbelastung der Industrie durch die fozialen Ausgaben nur in der Zeit, die sich an die Inflation schloß, gegeben war. Seit einem halben Jahr fann nicht mehr davon gesprochen werden, daß durch die Soziallast die Verkaufsmöglichkeit der deutschen Produkte auf dem Weltmarkt eingeschränkt sei. Der durchgeführte Abbau in den Beiträgen hat jeht die Grenze des für die Kaffen Erträglichen erreicht, ein weiterer Abbau ist nur möglich auf Kosten der Gesunderhaltung der Arbeitnehmerschaft. Ein gesunder Arbeiterstamm ist aber die erste Bedingung für eine gesunde Wirtschaft. Mit bemerkenswerter Schärfe unterstrich der Leiter der sozialpolitischen Abteilung des ADGB., Spliedt, die Auffassung, daß die Sozialversicherung geradezu der Unterbau für eine leistungsfähige deutsche Wirtschaft ist. Der intelligente und treue Arbeiterstamm, den Deutschland besitzt, ist das einzig wertvolle Rapital der deutschen Wirtschaft, und deshalb muß er geschützt und gepflegt merden mit allen Mitteln. Es gäbe deshalb nichts Verhängnisvolleres, als wenn die deutschen Wirtschaftsführer die deutsche Regierung dazu zwingen würden, die Sozialversicherung zurückzudrängen. Ein Abbau oder auch nur eine Stagnation der deutschen Sozialpolitik, das Ziel der Unternehmerfreise unter Führung Borsigs, fann nur durch gesteigerte Löhne wettgemacht werden. Entweder sichert man den Arbeiter in öffentlich- rechtlichen Körperschaften oder man gibt ihm einen Lohn, der es ihm ermöglicht, sich selbst zu versorgen! Die vom Hauptvorstand vorgelegte und einstimmig angenommene Entschließung hat folgenden Wortlaut: Die deutsche Sozialversicherung hat ihren hohen Wert für die Wiederherstellung der durch Gesundheitsschädigung aller Art beeinträchtigten Arbeitskraft der erwerbstätigen Boltsschichten erwiesen. Sie ist damit zu einem unveräußerlichen Bestandteil des Lohnsystems geworden. Die Leistungen der deutschen Sozialverficherung bleiben jedoch infolge der Verarmung des deutschen Boltes immer noch wesentlich hinter den gewiß nicht übermäßigen Leistungen der Vorfriegszeit zurüd, obwohl die Verschlechterung der Boltsgesundheit eine wesentliche Steigerung der sozialen Für forge erforderte. Solange daher nicht der Beweis erbracht wird, daß die gegenwärtigen Leistungen der Sozialversicherung in sozialwirtungsvollerer und wirtschaftlich zweckmäßigerer Form auf eine andere Art gewährt werden können, muß die Behauptung, daß die Sozialversicherung eine nicht zu rechtfertigende Belastung der deutschen Volkswirtschaft bedeutet, entschieden zurüdgewiesen werden. So sehr anzuerkennen ist, daß das wirtschaftliche Grundgefeg, mit dem geringsten Aufwand von Mitteln den höchsten Effekt zu erzielen, auch für die Sozialversicherung gilt, so entschieden muß betont werden, daß insbesondere die Träger der Krankenversicherung dieses Erfordernis in mindestens dem gleichen Ausmaß durchführen, wie irgendeine andere Organisation. Jede Verminderung der Leistungen der Sozialversicherung ist daher unsozial, aber auch als unwirtschaftlich zurüdzuweisen. Sie könnte lediglich bewirken, daß die Versicherten einen Ausgleich durch Lohnerhöhungen fordern oder, soweit diese nicht erreichbar wären, andere öffentliche Mittel zur Linderung der aus Erwerbsbeschränkung oder Erwerbsunfähigkeit entstehenden Notlage aufgewendet werden müßten. Es tann auch nicht anerfannt werden, daß die deutsche Wirtschaft durch die Leistungen der Sozialversicherung stärker belastet ist als die Wirtschaft anderer Länder durch die von ihr, wenn auch teilweise in anderer Form, aufzubringenden Soziallasten. Der 29. Krantenfassentag fordert daher nicht nur die Erhaltung, sondern eine dem Stande der Wirtschaft und der Volksgesundheit entsprechende Ausgestal tung der Sozialversicherung. Im Zusammenhang mit den Abbaubestrebungen wurde in der letzten Zeit besonders stark der Umbau der Sozialversicherung auf berufsständischer Grundlage gefordert. Es war deshalb ein Gebot der Selbstverständlichkeit, daß sich der Krantentassentag auch mit dieser Frase befaßte. Er hörte hierzu ein Referat des Direttors Eisenhuth Köln und nahm dann mit allen gegen 4 Stimmen eine Entschließung an, in der es u. a. heißt: Leiterwagen u. alle ander.Transportgeräte liefert Die Krantenversicherung auf berufsständischer Grundlage bes deutet die Gefahr der völligen Bernichtung der Leistungsfähigkeit der Krankenversicherung und bedroht damit aufs schwerste die Boltsgesundheit. Ein berufsständischer Umbau ist mit dem Solis daritätsprinzip unvereinbar und ist mit der Gefahr verbunden, daß der soziale Gedanke in den politischen Kämpfen untergeht. Nur eine auf regionaler Grundlage erweiterte Krankenkassens großgemeinschaft fann eine wirklich soziale Vor- und Fürsorge leisten. Am Schluß der Sonnabendberatungen nahm Dr. Bollig⭑ verbände, Stellung zu den Beziehungen der Krantenverficheung zu teit Frankfurt, einer der Führer der öffentlich- rechtlichen Fürsorge anderen Versicherungsträgern. Da rund 3 bis 6 Millionen deutscher Boltsgenossen von der öffentlichen Fürsorge( wobei die freie Wohlfahrtspflege aus privaten Mitteln nicht eingeschlossen ist) erfaßt und mit bis 1 milliarde Mart unterstützt werden, wäre nach Unsicht des Referenten die Bildung einer Urbeitsgemeinschaft mit den Kranfenfaffen notwendig, um in gemeinsamer Tätigkeit die Leistungen zu steigern. In der einstimmig gutgeheißenen Entschließung heißt es: Durch Aufgaben parallel zu der Fürsorgetätigkeit der Sozialversicherungs. die Fürsorgeverordnung vom 13. Februar 1924 laufen viele foziale träger. In dem Maße, wie diese wieder in den Stand gesetzt werden, vorbeugende Hilfe zu leisten, wird die Gemeinschaftsarbeit von Gemeinden und Sozialversicherung zu einer zwingenden Notwendigkeit. fie müssen auch zur verantwortlichen Mitarbeit und mitverwaltung Die Krankenkassen dürfen jedoch nicht nur zu geldlichen Leistungen, herangezogen werden. In welchem Umfang die Krankenkassen von den Wohlfahrtsämtern herangezogen werden fönnen und wieweit sie eigene Einrichtungen schaffen können, hängt von ihrer örtlich sehr verschiedenen Leistungsfähigkeit ab; auch die eventuelle organisatorische Verbindung der beiderseitigen Einrichtungen hängt von der örtlich verschiedenen Entwicklung ab. Grundfäßlich werden die Gemeinden als Träger der besonderen Krankheitsverhütung im ein. zelnen anzusprechen sein. Sil Das prachtvollste Schneeweiß zeigt jede Wäsche, die mit Sil behandelt, ist. SIL Henkel's beliebtes Bleich- und Waschmittel als Zusatz zur Seifenlauge gebraucht, ersetzt die umständliche Rasenbleiche - OHNE CHLORKnorr Hahn- Makkaroni Hahn- Spaghetti aus bestem Hartgrieß hergestellt. Die Fabrikation geschieht nach modernstem Verfahren und unter Wahrung hygienischer Grundsätze, deshalb der ausländischen Ware vorzuziehen. Hoher Eiweißgehalt, deshalb nahrhaft u.wohlschmeckend. 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Ich fannte mal einen Herrn, Der friegte fern Ein Heimweh nach stillem Winkelglüd. Innerpolitische Gefahr? Bagatelle! Man holte ihn tränender Seele zurüd. Nun sitzt uns der Held wieder auf der Belle. Ich fannte mal einen Herrn, Der mit Helm und Stern Bei jedem Revancheflimbim erschien, Mit Etappentoftüm und Heldengeschwätze. Doch leider hatten wir nichts für Ihn Als powere Renten und Tafelauffäße! Ich kenne da einen Herrn, Der mieder gern Nach der unangenehmen Wahrheit fragt. Berflucht! Wir hatten doch unterdessen Dem Herrn so oft die Wahrheit gesagt! Nun haben wir sie leider selber vergessen! Die Erde bebt. Bon Mag Barthel sib Die Lichter des Carlingtonhotels feuchteten in bie nahe Nacht. Die Sonne war in purpurnen und scharlachroten Bränden im Meer perfunten. Palmen miegten fich im Abenbind. Bezte Segler tamen zurüd und trieften vom Licht. An dem weißen Strand saßen noch Sommergäste, sahen in das Farbenspiel des Wassers, in die en ber grellen und fanften Silberfarben und lauschten der fernen Nigger mufit, den aufreizenden Melodien aus Urwaldbruft und tierischer Kraft. Die Sommergäste waren reiche Leute aus der Union und verbrachten hier in Santo Paolo licht- und lusterfüllte Wochen. Aber ihre Sommerhäuser und der Strand waren nicht nur zur Luft da, zur Börsenstunde faßen die großen Macher der Getreides, Del- und Kupferpreise in ihren Arbeitszimmern, hörten die drahtlosen Meldungen ab und ftanden mit den Hauptpläßen des Landes in funtentelegraphischer Berbindung. Mit dem letzten Abendzug fam auch Morton Walter, ein befannter Macher für Petroleum aus Chicago, in die kleine Stadt. Walker besaß hier dicht am Strand, am Ende der großen Palmen allee ein Sommerhaus. Aber er tam nicht allein. Dicht auf seinen Fersen faß William Wright, der Spigel von der Eastern Dil- Compagnie. Als sich die Reporter am Bahnhof auf Mister Walker stürzten, auch Santo Paolo hielt auf eine gute Bresse, mehrte dieser lächelnb ab und verwies fie mit großartiger Handbewegung an Brigth. Geht zu ihm, Jungens," sagte der große Waffer, Er weiß über meine Pläne besser Bescheid als ich." Die Reporter stürzten sich auf Brigth, Walfer aber beftieg lächelnd das wartende Auto und fuhr, um seine Spur zu verwischen, nach Carlington. Als Wrigth endlich die Reporter abgeschüttelt hatte, saufte er mit seinem Wagen nach dem Strand hinunter. Mister ist nicht zu Hause, Mister ist sehr beschäftigt, Mister kommt erst mit dem Morgenzug," sagte der Sekretär Joe Green, der von Carlington längst schon unterrichtet war, und setzte dabei eine so eiskalte Miene auf, daß auch Wrigth eine Maste vor sein sowieso schon undurchdringliches Geficht legte, schon gut, old boy," fagte und dem Diener zehn Dollar in die Hand brüdte. Dann lehnte er sich verdroffen in seinen Wagen zurüd, hatte keinen Blid für das verdunkelte, leise donnernde Meer übrig und fuhr nach dem Carlington- Hotel. Er kam gerade zur rechten Zeit, um im Raudyfalon den Schluß der Rede des Bischofs Horse anzuhören. Horse war ein gesunder und beleibter Mann in den besten Jahern, er unterschied sich durchaus nicht von einem glücklichen Geschäftsmann. Nur seine Augen leuchteten fanatisch und verrieten in der verfetteten Bruft ein löwenhaftes Herz. Vor dem Bischof saß auch der große Walker, und der Spizel freute sich, daß er ihn in der Falle hatte. Während der Bischof seine Rede beschloß, berechnete Brigth die fetten Spefen, die er haben sollte, wenn der Anschlag auf die Bohrtürme vereitelt würde. In Santa Roja waren plötzlich die Delquellen verfiegt, die Eastern Dil- Compagnie wollte sie schon aufgeben, als der gut überwachte Walter ins Petroleumgebiet reifte. Santa Rofa lag nur eine Stunde Bahnfahrt von Santo Paolo entfernt. Meine Herren," schloß der Bischof seine Rede, und ich sage dennoch: es find unfere Brüder. Dreihundert Zimmer hat Carling. ton, aber vergeßt nicht, daß dort drüben im Gefängnis dreihundert Männer in dumpfen Zellen leben. Wer wirft den ersten Stein auf fie?" Jch," sagte Walter und redte sich auf, ich werfe den ersten Etein. Ich will genau so theoretisch über das Gefängnis reden wie unser hochperehrter Bischof. Dreihundert in Carlington und dreihundert in Ironhome, Bischof, allright, die Zahl stimmt, aber sonst nichts. Wir bauen auf, die anderen dreihundert reißen nieder. Wir stüzen die Gesellschaft, die anderen erschüttern ihre Grundlage. Bir find Bürger der Staaten, die anderen Diebe, Straßenräuber, Mädchenschänder, Tramps. Sind schon am rechten Platz, die dreihundert hier und dort, Bischof." Die Herren im Rauchsalon lachten. Brigth, der Oberfpitel, rieb sich die Hände. Ja, das war der große Walfer. Er weiß, „ Halt, wohin?" Kronprinz Diogenes. KÖNIGL R SCHLOSS Beilage des Vorwärts Ich suche die Wahrheit."- Die ist hier niemals zu Hause gewesen!" hunderttausend Dollar stehen auf dem Spiel, aber er spricht mit dem verrückten Bischof über Gott und Teufel und denkt doch nur an die neuen Quellen und daran, wie Brigth von der Eastern Dil überlistet werden kann. Der Bischof Horse hatte den ganzen Tag im Gefängnis verbracht. Das Elend der Gefangenen hatte ihn so erschüttert, daß er am Abend, als er die fühle Pracht im Carlington und die Nerogesichter der sicheren Bürger und Gelbleute sah, nicht schweigen fonnte. Wilde Wut überfam sein Herz. Walker fannte er von Chicago. Walter war im Kirchenrat der Sette. An ihn wandte er fich also und brachte das Gespräch auf die Gefangenen. Darauf bekam er diese Antwort. Sein tapferes Herz ergab sich nicht. „ Ich weiß nicht," sagte der Bifchof und ließ die Tieraugen funteln, ich weiß nicht, Mister Waller, wer am meisten die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft erschüttert, die dreihundert im Carlington oder im Ironhome..." Wir machen aus der Welt eine große Maschine des Geldverdienens, eine Profitfarre mit frachenden Eisentiefern und malmenden Baden, und wer sich Carlington nicht beugt, der wird ausgestoßen, eingesperrt, wenn er Dieb oder Straßenräuber für unsere Schuld geworden ist." Bischof," antwortete Mister Hall, ein bekannter Weizenmakler mit milder Stimme, dergessen Sie, bitte, nicht, Carlington ist keine Kirche. Predigen fönnen Sie am Sonntag in der Kathedrale. Ich komme auch, Bischof. Heute lösen wir die soziale Frage nicht mehr." Der Bischof Horse antwortete nicht. Er faß da, zerfallen und plöglich übermüdet. So war die Erde, ja. Und darum war er für den Himmel, für den großen Ausgleich, die große Klarheit des Lichtes und der Gerechtigkeit. Dann dachte er an den Gefangenen Schilling, den er heute besucht hatte, und der wegen Mordes angeflagt. Warum war er wegen Mordes angeflagt? hatte er einen Menschen getötet? Nein, Schilling führte den Streif der Delarbeiter. Ein Polizist fiel durch eine Spigelbombe. Darauf hin Ein Polizist fiel durch eine Spigelbombe. Darauf hin wurde gegen Schilling die Anflage wegen Mordes erhoben. ( Schluß folgt) Amerikanische Wegweiser. Die Amerikaner verbinden eine großzügige Gabe der Organisation mit einer originellen Ursprüng lichkeit, und diese Mischung drückt sich besonders anschaulich in den zahllosen Wegweisern aus, die in dem weiten Land überall auf gestellt sind. David Worrall, der die Vereinigten Staaten im Kraft magen nach allen Richtungen durchkreuzte, hat diesen Wegweisern besondere Aufmerksamkeit gewidmet und plaudert recht luftig darüber:„ Jeder Staat hat in dieser Beziehung seine eigenen Ideen, aber die meisten Wegweiser und Tafeln, die man am Rande der Chauffeen findet, sind sehr wirksam abgefaßt und bleiben im Ge dächtnis haften. Auf einem abschüssigen Wege in Kolorado zeigt ein Pfeil direkt in einen Abgrund, in dem Duzende von Kraftwagen zerschmettert liegen, so tief unten, daß sie wie Spielzeug aussehen. Unter dem Pfeil steht zu lesen: Halte an oder folge diefen!" Ein häufiges Zeichen an den Wegweisern bei Eisenbahnkreuzungen ist ein Totenschädel mit zwei gefreuzten Knochen darunter, was nicht gerade einladend wirft. Beniger schauerlich sind die Warnungen an den Straßenecen fleinerer Städte: Fahr langsam und sieh die Stadt! Fahr schnell und sieh unser Gefängnis!"" Sei kein rafender Narr!" wird an einem anderen Wegweiser dem Kraftfahrer zugerufen, und jedenfalls ist dieser Rat weniger schrecklich als die Frage, die manchmal auf den Warnungstafeln zu lesen steht: Würdest du gern deine eigenen Kinder töten?" Obwohl es taum eine Stadt oder ein Dorf in den Vereinigten Staaten gibt, die nicht in ihrem Bereich eine Verminderung der Geschwindigkeit auf höchstens 25 Kilometer in der Stunde verlangen, so wird doch nur ganz selten dem Kraftfahrer gesagt, mann er wieder schneller fahren darf. Manche tun es, und diese Höflichen fügen gewöhnlich noch die freundlichen Worte hinzu:" Dank schön, tomm wieder!" Man kann durch fast jeden Staat in Nordamerika ohne Karten reisen und doch an jedem Meilenstein feststellen, wie weit man noch von der nächsten Stadt oder Ortschaft entfernt ist, da die Streckenangaben auf den Hauptwegen im ganzen Lande überaus genau sind. Was tosten fremdländische Tiere? Wir haben gegenwärtig eine außerordentliche Hausse in fremdländischen Tieren zu verzeichnen. Das ist vornehmlich darauf zurückzuführen, daß die Tierbestände aller europäischen Zoologischen Gärten während des Krieges und in der Nachkriegszeit erheblich vermindert wurden und daß namentlich in Deutschland der Bestand der meisten Tiergärten zum großen Teile eingegangen ist. Diese Tiergärten gehen jezt mit Eifer daran, sich Ersatz zu verschaffen, so daß eine starte Nachfrage nach fremden Tieren herrscht. Wie überall, so gilt auch auf dem Tiermarkt das Gesetz: Je stärker die Nachfrage, desto höher die Preise. Ein ein höderiges Kamel 3. B. toftet gegenwärtig 1000, ein zweihöderiges 2000 Goldmart. Nicht daß der zweite Höcker soviel mehr wert märe; die zweihöckerigen Kamele find in der Gefangenschaft viel schwerer durchzubringen, so daß das Risiko der Händler hier ein viel größeres ist. Eine einigermaßen ansehnliche Giraffe foftet etwa 20 000 m. Ein Elefantenweibchen fostet 120 000 m. Da indes die meisten Tiergärten auch heute noch mit großen Geldschwierigkeiten zu fämpfen haben, werden die Tierbestände zum großen Teil auf dem Tauschwege ergänzt. Die einzelnen Tiergärten haben untereinander ein ausgedehntes Tauschsystem eingerichtet, indem Tiere, die in dem einen Garten in mehrfacher Zahl vorhanden sind, abgegeben und gegen Tiere der anderen Gärten eingetauscht werden. Aerztliches Zeremoniell im dreizehnten Jahrhundert. Die alten Jahrbücher der Medizin handeln nicht nur von Krankheiten und ihrer Heilung, sie sind auch bemüht, Regeln für die Lebensart aufzustellen, deren sich der Arzt bei Ausübung feines Berufes zu be fleißigen hat. Von dieser Anstandslehre für Aerzte enthält eine „ Wenn Handschrift aus dem 13. Jahrhundert ergögliche Broben. Ihr an das Krantenbett berufen merdet," heißt es dort, so seid liebenswürdig gegenüber dem Boten, der Euch holt, und sucht Euch bei ihm darüber zu orientieren, ob der Kranke, zu dem Ihr be rufen werdet, feit fürzerer oder längerer Zeit schon leidet und wie er zu dieser Kranfheit gekommen ist. Seid Ihr dann bei dem Batienten, so gebt Eurem Gesicht einen ruhigen und vertrauenermedenden Ausdrud und vermeidet in Sprache und Bewegung alles, mas als Habgier oder Hochmut ausgelegt werden könnte. Entbietet denen, die Euch grüßen, mit demütiger Stimme den Gegengruß und setzt Euch erst, wenn diese Blaz genommen haben. Dann bleibt einen Augenblick finnend sizen, um Atem zu schöpfen, und sucht in Eueren Worten den Dialekt des Landes, in dem Ihr seid, auszudrücken. Dann erft wendet Euch dem Kranken zu und fragt nach seinem Befinden." SAISON AUSVERKAUF Beginn 1. 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