Nr. 317 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 163 Bezugspreis: öchentlich 70 Pfennig, monatlich 8.- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. Jung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise Die einipaltige Nonpareille#eile SO Bfennig. Rellamegee 5. Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zuläffig zwei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erite Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Bud) staben zählen für zwei Borie. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 8. Juli 1925 Nach dem Abbruch in Paris. Erklärungen der deutschen Delegation und des französischen Handelsministers. Paris, 7. Ju( WIB.) Die deutsche Wirtschafts- 1 delegation hat der französischen Preffe folgende Erklärung übermittelt: Die deutsche Delegation bedauert, daß die feit neun Monaten geführten Verhandlungen nicht so zeitig zum Abschluß gekommen Find, daß die Ratifizierung eines Abkommens durch die Parlamente der beiden Länder vor ihren Ferien ermöglicht werden konnte. Wie ein am 14. Juni durch das französische Handelsministerium veröffentlichten kommuniqué festgestellt hat, glaubt die deutsche Delegation, daß die von Frankreich für die hauptsächlichsten deutschen Exportartikel gemachten Konzessionen( Chemikalien, Maschinenartikel, kleineisenprodukte, optische Erzeugniffe, elektrische Artikel, Lederwaren, Keramik und Spielwaren) nicht ausreichend find, um das Gleichgewicht herzustellen, das eine Grundlage für das Handelsabkommen hätte ergeben fönnen. Andererseits hat die französische Wirtschaftsdelegation die von Deutschland gemachten Borschläge, namentlich was Wein, Woll- und Baumwollgewebe fowie Automobile anbetrifft, für ungenügend erklärt. Es ergibt fich also daraus, daß die zwischen den beiden Delegationen entstandenen Meinungsverschiedenheiten sich auf wirtschaftlichem Gebiete fundgetan haben. Keinen Augenblid dagegen haben in der Diskussion politische Fragen eine Rolle gespielt und in irgendeiner Weise die von der deutschen Regierung einge. nommene Haltung beeinflußt. Die in den letzten Tagen hierüber gemachten Bemerkungen entbehren also jeder Grundlage. Handelsminister Chaumet erklärte heute abend den franzöfifchen Preffevertretern über die Unterbrechung der deutsch- franzöfifchen Wirtschaftsverhandlungen: Wir haben das Menschen. mögliche versucht, um rajch zu einem praktischen Ergebnis zu tommen. Der gute wille der deutschen Unterhändler fann nicht bezweifelt werden, aber sie werden Frankreichs Chinapolitik. Antibritisches aus der Kammer. Paris, 7. Juli( Eigener Drahtbericht.) Die französische Kammer hat am Dienstag die Beratung der von der Regierung gehindert durch Forderungen gewisser Industrieller und Landwirte. Andererseits haben wir nicht die hauptsächlichften Industrien unseres Landes opfern fönnen. So haben es eben die verschiedenartigen Intereffen unmöglich gemacht, vor der Beendigung der Parlamentsfeffion, wie man es wünschte, zu einem Abschluß zu gelangen. Unter diesen Umständen haben die deutschen Delegierten es vorgezogen, die Verhandlungen zu unterbrechen. Nach gemeinsamer Uebereinkunft haben die beiden Wirtschaftsdelegationen beschlossen, ihre Arbeiten erst am 15. September wieder aufzunehmen, um während der Parlamentsferien jede Diskussion zu verhindern. Bevor sich die Delegierten trennen, werden sie noch die Prüfung einiger in der Schwebe gebliebene: Einzelfragen beenden. Weitergang des Provisoriums. Paris, 7. Juli.( WTB.) Nach der gestrigen Unterredung zwischen Staatssekretär Dr. Trendelenburg und Handelsminister Chaumet ist folgendes gemeinschaftliche Kommuniqué ver öffentlicht worden: Die Führer der deutschen und französischen Wirtschaftsdelegation hatten, wie vorgesehen, eine Besprechung, um die Frage zu prüfen, wie während der Vertagung der Verhandlungen die Verbindung aufrechterhalten werden soll. Es wurde beschlossen, daß sich die beiden Delegationsführer am 15. September zur Prüfung der Lage wieder zusammenfinden und daß die am 28. Februar getroffene Abmachung erneuert wird, nach der beiderseits die Verpflichtung übernommen wird, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland nicht durch ausschließlich oder beson ders gegen das andere Land gerichtete Maßnahmen zu stören und nötigenfalls Beschwerden wegen der Handhabung der Einund Ausfuhrverbote und Anträge auf Ein- und Ausfuhrbewilligun gen wohlwollend zu prüfen. Da es für notwendig gehalten wurde, schon jetzt einige Punkte festzulegen, die am 15. September von den beiden Delegationsführern geprüft werden sollen, wird Staatssekretär Dr. Trendelenburg noch einen bis zwei Tage in Paris bleiben. Die Selbstverwaltung Indiens hat noch Zeit. beantragten Rafifikation der beiden am 6. Februar 1922 in Washing- Indien Lord Birkenhead u. a. aus: zwischen ihm und dem Bizeton beſchloſſenen internationalen Abkommen über China begonnen. Das erste diefer beiden Abkommen, die von Frankreich, China, den Bereinigten Staaten, England, Italien, Belgien, den Niederlanden und Japan unterzeichnet sind, hat die territoriale 3ntegrität Chinas, das zweite eine Revision des chinesischen Zolltarifs zum Gegenstand. In der Begründung der Regierungsvorlage wies Briand u. a. darauf hin, daß zwischen den Mächten eine neue Konferenz zur Regelung der Probleme, die durch die jüngsten Ereigniffe in China aufgeworfen worden feien, in Aussicht genommen sei. Erst wenn die Integrität und die Freiheit der Entwicklung Chinas international anerkannt und sichergestellt sei, werde man von China erwarten dürfen, daß es sich den Fortschritten der europäischen Zivilisation nicht länger verschließt. Jedenfalls habe China Frankreich, das sich die Sympathien des chinesischen Bolkes zu erwerben und zu erhalten verstanden habe, nichts vorzuwerfen. In der Debatte warnte der sozialistische Abg. Moutet die Regierung davor, sich im Fernen Often in das Schlepptau der englischen Politik nehmen zu laffen. Der angeftrebte Abschluß des Bertrages dürfe Frankreich unter feinen Umständen dazu verführen, England in blinder Solidarität, die politisch gefährlich sei und vielfach den französischen Intereffen zuwiderlaufe, überallhin zu folgen. Vertagung der Caillaux- Reform? Sozialisten und Umsatzsteuer. Paris, 7. Juli.( Eig. Drahtbericht.) Die sozialistische Fraktion der Kammer hat am Dienstag beschlossen, unter alien Umständen an Der von der Kammer angenommenen, vom Senat aber wieder gestrichenen Befreiung der fleinen Handwerker, die außer ihren Familienmitgliedern nicht mehr als einen Gesellen beschäftigen, von der Umfassteuer est au halten. Die anderen Gruppen des Linkskartells sollen zu einer gemeinsamen Besprechung aufgefordert merden, ob es angebracht ist, die von der Regierung verlangte Verabschiedung der Caillaugschen Steuergesetze noch vor den Ferien vorzunehmen. In der Fraktion neigt man zu einer Bertagung der Beratungen bis zum Herbst. Ein endgültiger Be schluß darüber soll jedoch erst nach Fühlungnahme mit den anderen Kartelparteien gefaßt werden. London, 7. Juli.( Oberhaus. WTB.) In seiner Erklärung über die Politik der Regierung in Indien führte der Staatssekretär für fönig seien feine entscheidenden Vereinbarungen getroffen worden, ebensowenig habe auch das Kabinett eine Entscheidung getroffen. Bevor daran gedacht werden könne, sich über die Montagu- Chelmsford- Verfassung schlüssig zu werden, müßten gewisse, nicht zu um gehende vorbereitende Schritte getan werden. Der stellvertretende die Beratungen auf dem laufenden gehalten worden, obgleich weder Bizekönig Lord Lytton und die Regierung von Indien seien über Lord Lytton noch seine Regierung durch die Beratungen irgendwie in ihrer Verantwortlichkeit berührt würden. Bevor man irgendeine Entscheidung treffe, müsse man die Regierung von Indien darum Man müsse auch die Ansicht der Gesetzgebenden Versammlung ein ersuchen, die Angelegenheiten zu prüfen und Ratschläge zu erteilen. holen. Die britische Regierung dente nicht im Traume daran, Entscheidungen ohne die Mitwirkung jener sehr wichtigen gesehgebenden Körperschaft, die erst vor kurzer Zeit ins Leben gerufen worden sei, weiter, das Reformerperiment von 1919 sei äußerst fühn gewesen. bekanntzugeben oder auch nur zu fällen. Lord Birkenhead erklärte Man habe es unternommen in der Atmosphäre des Nachkriegsidealismus. Lord Birkenhead wies darauf hin, daß in der Einleitung der Akte von 1919 die Grundsäge niedergelegt worden seien, nach denen zu gegebener Zeit der Versuch mit dieser oder jener sich von den in dieser Einleitung enthaltenen Verpflichtungen nicht Form einer Verfassung gemacht werden könne. Die Regierung werde durch die Tattik ungeduldiger Leute abbringen lassen. Drohungen oder Gewalt seinen ungeeignete Mittel, um die Angelegenheit zu beschleunigen. Es scheine ihm nicht ausgeschlossen, daß auch sehr vor fichtige Staatsmänner eine frühere Einberufung der königlichen Kommission zur Revision der Reformen empfehlen könnten, obwohl die von der am besten organisierten Bartei Indiens befolgte Tattit zum Gegendruck herausfordere. Der nationalistische Geist, der in den letzten Jahren Großbritannien am meisten Schwierigkeiten gemacht habe, erstrebe ein nationalistisches Indien. Eine der größten Sorgen für England bestehe in den Streitigkeiten zwischen Mohammedaner und Hindus, die zum wilden Kampf führen würden, wenn sich England aus Indien zurück 3 öge. Sollte Großbritannien fich feiner Berantwortung in Indien entziehen, jo würde das für Indien selbst verhängnisvoll sein. Minderheitenschutz im Völkerbund. Der Minderheitenausschuß des Warichauer Völkerbundfongreffes beichloß, dafür zu wirken, daß der Völkerbund alle von den Minderheiten vorgebrachten klagen und Beschwerden und ihre Erledigung regelmäßig beröffentlichen solle. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftscheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Landbund und Wissenschaft. Das Schutzollprogramm ohne Begründung. Der Reichslandbund sah sich offenbar unter dem Eindruck des starken Widerstandes der Wissenschaft, der Arbeitnehmer und meiter Kreise des Handels und der Industrie veranlaßt, sein Schutzollprogramm durch) prominente Landbundführer vor Pressevertretern neu zu begründen. Gelungen ist ihm das nicht. Durchweg sind nur die alten Argumente vorgebracht worden. Der Reichslandbund verwahrte sich durch den Mund seines Präsidenten Sepp ganz entschieden gegen den Vorwurf, daß die Landwirtschaft aus berufsegoistischen Intereffen oder gar aus besonderer Vorliebe für die Großagrarier die Schutzölle fordert. Diese Abwehr ist ein ausfichtsloses Unterfangen. Denn die Vorliebe aller Kreise für agrarische Schutzölle nimmt ab in demselben Berhältnis, wie die Kenntnis der Zusammenhänge der Gesamtwirtschaft zunimmt. Es ist doch fein Zufall und keine Berbohrtheit, wenn gerade die Vertreter der Wissenschaft heute zusammen mit denen der Arbeiterschaft gegen Schußzölle sind. Der Arbeiterschaft kann man vorhalten, daß sie Konsumentenpolitik treibe ein Borwurf, dem man nach dem fatastrophalen Fiasto der Produzentenpolitik der Unternehmer in und nach der Inflation nur als Lob deuten fann. Die Wissenschaft jedoch ist vollkommen unbefangen; will man ihr Befangenheit aber andichten, so fönnte es höchsten im Sinne der Schutzzoll freundlichkeit sein. Denn die meisten der Wissenschaftler, die sich heute mutig zum Freihandel bekennen, waren unter anderen Verhältnissen ebenso mutige Berfechter des Schußzollgedankens. Sie mußten u mlernen; es ist manchem gewiß nicht leicht gefallen; und sie haben es doch freudig getan, weil sie eben tein Privatintereffe an der Schußzzollpolitik haben, das sie in ,, volkswirtschaftliche" Scheingründe umdichten müßten. Interessant war es, daß in der erwähnten Besprechung auch Dr. Georg Wilhelm Schiele aus Naumburg auftrat, um mit angeblich staatspolitischen Notwendigkeiten die Schutzölle zu begründen. Er trat als Verbraucher auf - denn er ist Arzt. Seine Behauptung, daß die Agrarzölle zu Verhandlungszwecken notwendig seien, ist schon deshalb irreführend, weil ja gerade die Mindest zölle auf Getreide, von denen der Reichslandbund nicht abgeht, zum Abschluß von Handelsverträgen überhaupt nicht in Betracht tomme. Der Landbund ließ übrigens durch seinen Präjidenten Graf Kalkreuth erklären, daß er das System der Mindestzölle auf Fleisch, Vich und Gemüse ausgedehnt wissen wolle. Also Mindestzölle auf der ganzen Linie - und diese Zölle, mit denen man feine auswärtige Han delspolitik betreiben kann, werden feltsamerweise mit handelspolitischen Argumenten begründet! Schiele behauptete ferner, wir brauchten einen Agrarzoll aus Gründen der Wäh rungspolitit. Derfelbe Schiele hat in den Naumburger Briefen, Heft 3, geschrieben: schnelles Anziehen der Getreide preise erleben. Wenn dieses Es fann sein, daß wir in den nächsten Wochen wieder ein über 200 Mark pro Tonne geht, so ist es klar, daß die Ursachen nicht auf der Warenseite, sondern auf der Geldseite liegen. Wir haben dann eine neue Inflation, welche die Wirklichkeit verschleiert. seine weitere Verteuerung durch Zölle um 50 bis 75 Mark Heute ist der Getreidepreis weit über 200 Mart und foll feine Inflation sein? Ueberhaupt war Herr Schiele im Sommer 1924 ein eifriger Anhänger niedriger Preise. Schrieb er doch damals: In einem verarmenden Volke gibt es feine Schuß 3ölle, sondern den 3wang zu einer intensiver werdenden Landwirtschaft bei niederen Agrarpreisen durch niedrigere Breisniveau feiner Produktionsbafis zu erhöhen, weder das von Industriepreise. Deutschland kann es sich nicht leisten, das Industrie noch das von der Landwirtschaft, sondern muß danach streben, das Preisniveau so niedrig wie möglich zu nehmen, damit es gegen jeden Wettbewerb start sei. Verjuch, in blinder Nachahmung Bismarckscher Politik Schutzölle Der einzuführen, würde in einer äußersten. Radikalisierung und Feindschaft zwischen Stadt und Land in Wahlfämpfen und vielleicht nicht nur in Wahlkämpfen enden. Bismard felber, wenn er aus dem Grabe erstehen könnte, würde uns warnen und uns zurufen: Andere Zeiten, andere Mittel. Man sieht, es gibt auch unter den Freunden der Großagrarier Leute, die zulernen. Aber diese Leute haben in der Regel Bech, indem sie nur Falsches hinzulernen. Erst ging es dem Herrn Dr. Ritter so, der seine wirtschaftspolitische Farbe im Bureau der Preußischen Hauptlandwirtschaftskam ' mer vollkommen änderte. Und jetzt muß auch der Namensvetter des Reichsinnenministers daran glauben. Aber der Reichslandbund derf sich nicht wundern, wenn man diese Eideshelfer nicht ernst nimmt. Die Brotzölle sollen das steht einwandfrei fest lediglich den wirtfchaftlichen und politischen Interessen einer fleinen Gruppe der Landwirtschaft dienen. Sie können es nur auf Kosten der übrigen ZZoltsmass en. Darum gilt den Agrarzöllen ebenso wie den Hochschutzzöllen auf Industrie- waren der stärkste Kampf der Arbeiterschaft. Die üeutsthe Antwort. Bor den Erklärungen des Reichskanzlers. Reichskanzler Dr Luther wird heute im Auswärtigen Ausschuß und im Aeltestenrat Erklärungen über die d e u t- sche Antwortnote und ihre parlamentarische Behand» lung abgegen. Es läßt sich voraussehen, daß diese Er- klärungen nicht sehr inhaltsreich sein werden. Wenn die sozialdemokratische Reichstagssraktion nach einer öffentlichen Erörterung des Sicherheitsproblems drängt, so geschieht das nicht, wie ihr die Rechtspresse nachsagt, aus Lust an„Krisenmacherei", sondern aus leidenschaftlichem sachlichen Interesse. Sie hat nur allzuviel Grund, befürchten zu müssen, daß die zwischen der Rechten und der Mitte schwankende Reichsregierung auch hier wieder eine Politik der versäumten Gelegenheiten treiben wird. Heute zerfällt Europa in zwei voneinander geschiedene Sicherheitsgebiete. Im Westen halten Spanien, Frank« reich und Belgien, im Osten die baltischen Staaten, Polen, die Tschechoslowakei und andere Staaten als Völkerbundsmitglieder am Genfer Pro- tokoll fest; Deutschland fehlt in diesem kontinental- europäischen Sicherheitsgebiet. Europa würde ein einheit- liches Sicherheits- und Rechtsgebiet werden, wenn Deutschland dem Genfer Protokoll sich anschlösse, was ihm ebenso frei- steht wie die Annahme des Obligatoriums des Internationalen Gerichtshofes und der Beitritt zum Völkerbunde. Eine solche europäische Sicherheitspolitit bedeutet zwar eine gewisse Lösung der deutschen Abhängigkeit von eng- lischen politischen Auffassungen, aber keine Wendung gegen England. England könnte seine Garantien nach wie vor auf die französische Westgrenze beschränken: es könnte diese Garantie sogar leichter geben, wenn der gesamteuropäische Kontinent durch den.Anschluß Deutschlands an das Genfer Protokoll und an den Völkerbund gesichert ist. Diese europäische Sicherheitspolitik gibt Deutschland die Möglichkeit, das von Frankreich beanspruchte Recht abzuwehren, selbständig als Garant über ein« Schieds- Vertragsverletzung zu entscheiden, und überträgt diese Ent- scheidung an den V ö l k e r b u n d r a t, in dem England Sitz und Stimme hat und Deutschland Sitz und Stimme er- halten wird. Sie bedeutete zugleich mit allen Nachborn Ab- schluß von Schiedsverträgen, die erheblich weitergehen als die bisherigen, die keinen Zwang zur Schlichtung politischer Streitigkeiten vorsehen. Im Spiel einer wirtlichen„nationalen Realpolitik" wären Völkerbund und Genfer Protokoll die beiden starken Trümpfe, die Deutschland heute auf den Tisch zu werfen hätte. Werden sie ausgespielt werden? Die Abhängigkeit der Reichsregierung von den Deutschnationalen rechtfertigt in dieser Beziehung den stärksten Pessimismus. Und vom Reichskanzler wird man heute im Auswärtigen Ausschuß schwerlich viel darüber erfahren. Die Lustfahrtnote. Borbereitung der Antwort. Die Reichsregierung hat zur Antwort auf die Luftfahrt- note der Entente noch nicht endgültig Stellung genommen. Bis zur Absendung der Antwortnote dürften noch Ist bis 14 Tage verstreichen. Am Mittwoch wird sich de? Auswärtige Ausschuß, dann der Verkehrsausschuß des Reichstags und am Ist Juli der Beirat für Luftfahrtwesen mit der Ententenote befassen. Die Rcichsregierung will eine möglichst eingehende Beratung der für die deutsche Verkehrsluftfahrt lebenswichtigen Fragen, damit hinter der Antwort das ganze deutsch« Volk stehe. Das Kabinett faßt die Botschafternote nicht als Diktat auf und wird, im Gegensatz zu dar Forderung der ölaubeure«. Bon Konrad Seiffert. Wie ein verträumte» Gedicht von Möricke liegt der Blautopf an den Felsen der Alp. Wie.die tausend Stimmen im Grund" klingt ein einfacher, ganz einfacher und erhabener Choral von der Klosterkirche herüber, zittert an den Felswänden hoch, verzittert. Die«flaumenleichte Zeil der dunklen Frühe' steht wunschlos in den herabhängenden Zweigen der Bäum«, die sich in dem geister- Haft blauen Wasser spiegeln. Scheu bleiben die Enten am Ufer, als sdrchteten sie, die schöne Lau könne sie verjagen. Traumscrn und doch wirklichkeitsnah singt das Wasser am Wehr sein monotones Lied, bei dessen Rhythmus dos Denken sich schlafen legt und eine leise Hand beruhigend über olle Sehnsüchte und Wünsche streicht. Aber in der Klosterkirche loht der Flügelaltar, den Georg Syrlin schuf, slommend auf. Aus Kreuzblumen und Spitzbogen und aus all den hoch sich reckenden Linien bricht der brünstig« Schrei »ach der Gottheit. Die geschnitzten Kaltsteinsäulen tragen ihn hoch »nd die letzten ragendsten Spitzen des taumelnden Altars. Und da» Chorgestühl ist sein Echo. Verhalten gibt es den Choral zurück. Hier sah Syrlin. nachdcni ihn die Mönche geblendet hatten, weil er sich vermaß zu behaupten, er könne etwas noch Schöneres als feinen Flügelaltar im Kloster zu Blaubeuren schaffen, und weil die Blaubeurener Benedittinermönch« neben dem Altar ihres Kloster» etwas Vollendete» nicht dulden wollten. So wavd Künstterstolz bestraft. Dos zergrämte Gesicht de» Isai, des Stammvater» Christi, soll Syrlin in den lichtlosen Tagen seiner Gefangenschaft im Kloster in da» Chorgestühl geschnitzt haben. Aber vielleicht ist das nur ein« Sage au» dem sagenrcichen Schwabenland. Durch die spitzbogigen Fenster des Kreuzgong«» fallen die bunten Lichter des Tages. Die Sonne zittert über den feuchten Fußbaden, streicht verstohlen über die dicken Wände, spielt durch dos Laub der Kastanien hindurch mit dem Wasser de, uralten Brunnens, an dem Mädchen mit Bubenköpfen und kurzen Kleidchen sitzen. Bis herauf zu den Felsen dringt da» Rauschen de» Wassers aus dem Blautopf. Bis hier heraus dringt sein« Kühle, während die Hitze des Sommermittogs über die Felsen flimmert. In großen Bogen slleßt die Blau durch grüne Wiesen um die Stadt heruni und um den Ruck, hart vorbei am Rusenschloh, das auch heule noch drohend zum niedrigen Ruck herübersieht. Und die Blau warnt:„Rimm dich in acht, Ruck, daß dich der Rus nit er, druck'!' Wie graue« Blei glänzt der Metzgerfels. Schillernde Libellen schwirren drüber hin. deutschnationaken Presse auf glatte Ablehnung der Rote, neue Verhandlungen anknüpfen. Da die neue Rote, die noch über die Forderungen des Londoner Ultimatiums hinausgeht, im Verfailler Bertrag keine Rechts�- grunolage besitzt, glaubt die Regierung völlig freie Hand zu haben._ Um den öeutfihpolnisthen Wirtschaftsfrieöen Der Standpunkt Polens. Bon polnischer Seite geht uns folgende Darstellung des deutsch- polnischen Wirtschaftstreits zu: Zu Anfang der Verhandlungen, in den ersten Tagen des März, erklärte die polnische Delegation, sie sei bereit, die Meistbegünstigungsklousel al» Ausgangspunkt der Diskussion anzunehmen, betonte aber gleichzeitig, daß das Prinzip des freien Warenverkehrs, somit auch der Aushebung einer Reihe von Einfuhrverboten aus Polen als Ausgangspunkt angenommen werden sollte. Sie erklärte ferner, daß sie den Abschluß eines Veterinärabkommens als wesentlich« Bedingung des freien Waren. Verkehrs betrachte, weil nur so die Einfuhr von Fleisch und Vieh nach Deutschland garantiert werden könne. Die deutsch« Delegation hat den Grundsatz des freien Warenverkehrs nicht angenommen. Nach verschiedenen Konferenzen hat sie in einem Entwurf vom 20. Juni sich vorbehalten,, daß in den ersten sechs Monaten eines provisorischen Abkommens(das neun Monate dauern sollte) sämtliche bestehenden Einfuhrverbote in Kraft bleiben sollen. Was aber die restlichen drei Monate anbelangt, sollten in dieser Zeit Einfuhrverbot« für jene Waren bindend sein, die in einer besonderen an das deutsche Projekt nicht angeschlossenen Liste näher bezeichnet werden sollten. Was die Veterinärtonvention anbelangt, forderte sie ein ausführliches Memorandum über die Organisation des Veterinärschutzes in Polen. Als das Memorandum zugestellt worden war, erklärte sie, daß dieses den Regierungen einzelner Länder und des Reichs mitgeteilt werden müsse, und daß erst nach Erhalt der Antwort entschieden«erden könne, wann und in welchen Grenzen die sachliche Diskussion über eine Veterinär- konoention aufzunehmen sei. Es ergibt sich von selbst, daß unter solchen Bedingungen ein Handelsabkommen vor dem 15. Juni nicht abgeschlossen werden konnte. Als noch dem l5. Juni eine Reih« von Kohlenfirmen aus Polnisch-Oberschlesien sich an den Reichskohlenkommisiar mit der Bitte um Einfuhr gewisser Kohlenmengen nach Deutschland gewendet hatte, antwortete der Reichskohlenkommisiar schriftlich, daß mit Rück- ficht auf die schwebenden Verhandlungen eine Einfuhrbewilligung nicht erteilt werden könne. So wurde von der deutschen Regierung. zuerst ein Einfuhrverbot für polnische Waren angewendet. Für die polnische Industrie ist es belanglos, ob die Verordnung, auf die der Reichskohlenkommiffars sich stützt, älteren oder neueren Ursprungs ist. Das muß gesagt werden, weil die polnische Regierung in der beut- schen Presse beschuldigt wird, s i e Hobe zuerst in der zweiten Juni- Hälfte dos Einfuhrverbot für gewisse deutsche Waren nach Polen erlassen. Dieses Verbot war die Antwort auf das Einfuhrverbot für polnische Kohl« nach Deutschland. Die englischen Kohlenexpor- teure bekommen von den deutschen Behörden die Bewilligung zur Einfuhr englischer Kohle in unbegrenzten Mengen. In dem Vor- schlag nom 20. Juni erklärte sich die deutsche Delegation bereit, Polen ein Kohlenkontingent in der Höhe von 100 000 Tonnen monatlich zu gewähren. Daraus ergibt sich, daß in bezug auf die Freiheit de» Warenverkehrs die deutsche Delegation Polen die Meistbegünstigung nicht gewähren will, da sie einen offenboren Unterschied zwischen polnischer und englischer Kohl« gelten läßt. Indem Polen den Deutschen die Meistbegünstigung m Zolltarif- licher Hinsicht gewährt, gewährt es auch dem deutschen Export sämt- liche Erleichterungen, die von Polen anderen Staaten bereits gewährt worden sind und später gewährt werden sollten. In ihrem Bor- schlag über das provisorische Handelsabkommen erklärte die deutsch« Delegation, daß jede Partei da» Recht zur Kündigung haben solle, wenn eine der beiden Parteien ihr« Zölle erhöhe. Verliefen die Verhandlungen ergebnislos, so sollt« jede Partei das Recht haben, das Abkommen binnen Monatsfrist zu kündigen. Gleichzeitig aber wurde von deutfckier Seite betont, daß diese Klausel sich nicht auf Maa könnte Senken... Von Knulp. Am Potsdamer Platz, vor dem Cafe»Vaterland', unweit der Straßenbahnhaltestelle, ist an einem Baume mit Reißnägeln ein Zettel gehestet, auf dem, mit Maschinenschrift geschrieben, ungesähr das Folgende zu lesen ist:- .Junge», alleinstehendes Mädchen, berufstätig, oerior am 3. d. M. aus dem Wege von der R... stroße nach der P... straß« ein kleines, grünes Dameirportemonnaie mit 28 Mark InHast. Da diese Summe sür die Verliererin einen großen Wert darstellt, wird der ehrliche Finder gebeten, den Fund gegen Belohnung in der K... stroße Nr— de! L. abzugeben.' Dieser Zettel befindet sich schon einige Wochen an dem Baume und man muß daraus schließen, daß sein Appell an einen ehrlichen Finder ohne Erfolg gewesen ist. Es ist anzunehmen, daß da» Porte- monnaie von einem anderen armen Erdenbürger gefunden worden ist: der froh war, so unerwartet einiges Geld, ohne es durch schwer« Arbeit verdienen zu müssen, in seinen eigenen Beutel tun zu können und vielleicht �schon ein Paar Schuhe oder irgend einen anderen notwendigen Gebrauchsgegenstand dafür gekaust Hot. Do» ist— selbst an der eigenen Not gemessen— gewiß nicht richtig gehandelt, aber— es ist zu verstehen. Di« Not dieser Zeit macht selbst Engel zu Galgenvögeln. Ader: am Potsdamer Platz, besonders vor dem Eafe..Loterland", sind immer genügend.seine Leute', beiderlei Geschlecht», anzutreffen, deren Portemonnai«» und Briestaschen schwanger sind von der Füll« solider Hundertmarkscheine. Und von diesen„feinen Leuten' werden viele den an den Baum gehesteten Zettel gelesen haben, den Notschrei einer kleinen Kontoristin. Und man konnte denken, daß sich ein« oder einer von den sonst so feinen Domen und Heroen den Namen und die Adresse der Verliererin gemerkt und ihr— unversehens— einen Ersatz für die verloren« Summe zugeschickt hätte.>Das wäre für die Geldtasche des Ad- fenders ein Flohstich, für die der Empfängerin beinahe eine Lebens- oettung geworden. Daß fo etwas vor sich gegangen wäre, könnt« man denken. Aber wenn man das denkt, dann hat man— fürchte ich— falsch gedacht.' Gehelmuisie der Südseeinseln. Ein« wiffenschastliche Ex- pedition, die vor 14 Monaten auf der britischen Scgslbarke St. Georg von England abfuhr, ist jetzt nach einer Fahrt von 25 000 Kilometer in den letzten sechs Monaten bei Dalboa in Panama glücklich gelandet. Di« Reisenden hatten sich zur Ausgabe gestellt, einig« geheimnisvolle Südseeinseln zu erforschen, und über die Ergebnisse ihrer Fahrt wird noch strenges Stillschweigen bewahrt. Immerhin sind einige Nachrichten bereirs nach London gelangt und werden in den donioen Blättern mitgeteilt. Unter den Teilnehmern befanden sich zwei Frauen, die Leiterin der Infektenabteilung des Londoner Zoo Miß Eheefemann und eine andere Noturforfcherin Miß Longfield. Die Barke hat u. a. die Osterinfeln, die Coot-Infeln, Tahiti, die Marquesas. auf denen noch Menschenfresser Hausen, die Galapagos und die Azoren besucht und auf oll diesen Inseln die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Uederrest« alter Kulturen genau erforscht. Man fand im Stillen Ozean eine noch unbekannte die soeben in Deutschland diskutierte.Klein« Zolltarif« Novelle" beziehe. Diese Klausel zeigt den Mangel eines gleichen Rechts für beide Parteien. Wie Außenminister Akrzynski ofährend feines Aufenthalts in Berlin betonte, ist die polnische Delegation vom Wunsche beseelt. zu einem Einvernehmen zu kommen und ein Abkommen zu unterzeichnen, das gleichzeitig den Interessen beider Staaten ent- spricht. * Don anderer Seite erfahren wir, daß die Antwort Polens auf den deutschen Borschlag eines Handelsprovsioriums am Dienstag in Berlin eingetroffen ist. Gefordert wird die Zulassung einer monatlichen Einfuhr von 350 000 Tonnen Kohlen und ein« Rege- lung der Dich- und F l e i s ch e i n f u h r. Polen würde damit an der Kohleneinfuhr festhalten, die von deutscher Seit« jks u n« annehmbar bezeichnet werden ist. Die �grarenquete. Deutschnationale und ReichsernährnngSministerivm Hand in Hand. In der gestrigen Nachmittagssttzung der Eng u s t e k o mm is- s i o n des handelspolitischen Ausschusses des Reichstags wurde die Erörterung der Frage der Intensivierung der Landwirischatt fort- gesetzt. Ein kleiner Vorgang beleuchtet die Situation: Der deutsch- nationale Abg. v. Richthofen legte dem Sachverständigen Prof. Aereboe eine große Anzahl von Fragen, gespickt mit Zahlen vor, daß dieser nicht mehr nachkommt und dazwischen rust:.Sie haben sich jetzt eine Menge von Zahlen zusammentragen lassen, wie soll ich in aller Eile auf diese Zahlen, die ich noch gar nicht kenne, eingehen?" Es stellt sich heraus, daß Herr v. Richthosen die Zahten vom Reichsernährunge- Ministerium hat. dos offenbar seine Aufgabe darin erblickt, nicht pnbeeinflußte wissen- schaftliche Feststellungen treffen zu lassen, sondern das Ergebnis der Enquetekommission möglichst zugunsten der Schutzzöllner zu beeinflussen. Schon vormittag hatte der Vertreter der Regierung den Ausschluß der Oessentlichtcit durchgesetzt, als er sich über die Wirkung von Agrarzöllen bei den Handelsvertragszöllen äußerte. Der Landwirt Schneider, der über ein« vierzigjährig« Erfahrung im eigenen Betriebe verfügt, und besonders die Verhältnisse in wüd» und Westdeutschland kennt, sprach sich ganz im Sinne Aereboes aus. Der Sachverständige Pros. Aereboe erklärt weiter, daß wir uns vor einer Ueberproduttion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen nicht zu fürchten hätten.'v Der Uebersluß an Nahrungsmitteln wäre das größte Glück. Das wesentliche aber ist, daß wir~t» i e Kaufkraft besonders der industruiell en Bevölkerung so stärken müssen. daß wir die Mehrproduktion unterbringen können; dann bestände auch die Möglichkeit, zum Export von hochwertigen Landwirtschafts- erzeugnisscn überzugehen. Ein Schulbeispiel sei die sogenannte M i l ch s ch w e m m e, die sich im vorigen Jahre in mehreren Groß- städten zeigte. Sie entstand nicht aus der Ueberproduktion, sondern aus der mangelnden Kauskraft. Berlin hatte im Frieden«inen Milchoeriirauch von 1 500 000 Litern, jetzt dagegen nur noch von 700 000 Litern. Das ist doch ein schlagender Beweis dafür, daß die Kaufkraft der industriellen Bevölkerung so gesunken ist. daß sie die Milch nicht mehr abnehmen kann. Abg. Georg Schmidt-Köpenick(Soz.) weist an Hand von 30 Iohresrechnungen bäuerlicher Kleinwirtschaften nach, daß diese ihre Gesamteinnahmen zu 20 Proz. aus der Boden bewirt- schaftung. zu»0 Proz. aus der Viehhaltung beziehen. Es handelt sich um 440 000 solcher Betriebe. Ist e, notwendig, so fragt«r, im Interesse dieser Betriebs eine Herabsetzung der Jndu- siriezölle zu jordern, haben sie einen Vorteil von Getreidezöllen? Aus diese, sowie auf eine weitere Frage des Abg. v. Graes«(Bölk.). wie sich der Sachverständige überhaupt zu den I n d u st r i e z ö l l e n stelle, antwortete Pros. Aereboe. er halte Rö h st o s s zLl l«: s ü r ungeheuer schädlich, insbesondere aber die Zölle auf Eisen. Später äußerte sich der Oekonomierat hoesch aus die Frage, ob es möglich sei, die Intensität der deutschen Landwirtschaft und die Rationalisierung der Betriebe so zu erhöhen, daß Deutschland beim Bezüge von Lebensmitteln vom Ausland unabhängig sei. Hoesch gab im wesentlichen die bekannten Argumente der Zollschutzsreunde wieder. Wenn nicht die Landwirtschast geschützt werde, dann breche dos deutsche Volk zusammen. Insel, die merkwürdige Felszeichnungen, uralte Tonscherben und andere Zeichen einer früheren Kultur auswies. Man glaubt, daß diese Insel einstmal» der Teil eines untergegangenen Kontinents war. Es sind aucki Spuren dafür gesunden worden, daß Seeräuber auf dieser Insel sich niedergelasien hotten. Eine andere Entdeckung der Expedition ist die eines geheimnisvollen Volkes, das auf einer Insel der Südsee wohnt und von Piraten aus der Zeit der Königin Elisabeth abstammen soll. Der.Assensall". Aus Cooteoille in Tennessee wird gemeldet: In dem Verfahren gegen den Lehrer John Scopes, der wegen Lehrens der Darwinschen Entwicklungstheorie in Anklagezustand versetzt wurde, hat der Anwalt des An- geklagten an das Bundesgericht das Ersuchen gestellt, den Behörden des Staates Tennesse« die weiter« Verfolgung der Angelegenheit zu imlersage». Das Ersuchen wurde abgelehrn mü der Begründung, daß kein Anlaß zu einem Eingreifen in das schwebende Verfahren vorliege. Die Derhcmdlung in diesem hier allgemein als.Assen. fall" bezeichneten Prozeß soll demnach am 7. Oktober stottsinden. Der Fall erregt in weiiesten Kreisen um so größeres Aufsehen, al» die Verfolgung in den Händen de» früheren Prösidentschastskondida- ten Bryan liegt, der als Gegner der Abstammungslehre bekannt ist. Die ersten Eiscubahnsignale. Bei der Jahrhunderseier der Eisen- bahn beschäftigt man sich auch mit der Erfindung der einzelnen Dinge, die zum Betrieb der Eisenbahn notwendig waren. Das noch heute bei der Eisenbahn übliche Signalsystem wurde durch einen Ttreckcnwächter erfunden, der— wie aus den ersten Eisenbahn- strecken ollgemein— den Zügen mit der Hand Signale gab. Diese ewigen Armbewegtmgen waren ihm zu langweilig, und so ver. fertigte er sich einen Apparat, der aus zwei gekreuzten Stäben bestand, die an einer Schnur herunter gezogen werden tonnten. Wenn er an der Schnur zog, kamen die gekreuzten Stäbe in ein« horizontal« Lage, und dadurch erhielt der Lokomotivführer das Zeichen, daß die Strecke frei sei. Dies« Idee wurde dann zu einem ganzen Signalsystem ausgebaut. Das Durchlochen der Bil- l e l t s wurde ebenfalls von einem Kontrolleur eingeführt, der sich dabei langweilte, die Namen der einzelnen Reisenden auf die als Billett verwendeten Papierstücke zu schreiben. Er nahm daher eine alt« Maschine, die zum Reparieren von Schuhen dient«, und machte mit ihr Löcher in das Papier. Später ließ er sich diesen Lochungs- apparat patentieren._ Luigl plraadello» neueste» vilhuenwerk. dl« Tragödie.Da« Leben, da« i ch Dir gab', wurde vom R e n a i s s a n c e- Tb e at er er- Worten. Die Erstaussührung iindet in der Inizenierung von Theodor T a g g e r in der ersten Hälfte in der kommenden Spielzeit statt. «lue chinesische wissenschaftliche«esellschost. Bon einer bisher kaum bekannten.Difsenlchastlichen(K-s-Achast' in China gibt-ine seht von ibr herausgegebene PublUation Kunde. Die Vereinigung ist 1914 von chinesischen Studenten in den Vereinigten Staaten gegründet worden, ist seitdem ständig gewaihsen und zäblt jetzt mehr ol« 700 Mitglieder. Die Regierung bat ihr Bauliöbkciten in Nanking sur Versügung gestellt, wo sie eine Bibliothek und «in Laboratorium sür biologische Stadien eingerichtet bat: jetzt betreibt sie die Schaffung eine« phpsitalischen Institut« in Schanghai. In jedem Sommer findet eine Zuiammentunst statt: e« besteben Ausschüsse sür die wiffensibast» liche Borbildung der Chinesen und sür die chinesische wiffenschastlichc Terminologie, sowie ein monatlich erscheinende« Organ. Schluß der �ufwertungskämpfe im Ausschuß Ei« sozialdemokratischer Teilerfolg. Am Dienstag hat der Aufwertungsausschuß des Reichs- tags die zweite Lesung» des Anleiheaufwertungsgesetzes beendet und damit, abgesehen von einer vorbehaltenen nochmaligen Durchsicht seiner Beschlüsse, seine Arbeiten zum Abschluß gebracht. In djeser letzten Sitzung erzielten unsere Genossen noch einen erheblichen Erfolg, der zwar ihren Forderungen nicht voll entsprach, aber bewies, daß sie auf dem rechten Wege waren. Der Vorstoß des Gen. Keil in der Montagssitzung gegen die Auf- mertung des von der Spekulation zu tausendstel Goldpfennigen er- wordenen N e u b e j i g e bewirkte, daß die Regicrungs- Parteien im letzten Moment noch mit dem Antrag kamen, die ganze Umwandlung der öffentlichen Anleihen nicht zu 5 P r 0 sondern nur zu 2% P r o z. vorzunehmen. Da durch ein kompliziertes Umrechnungsverfahren der Alt besitz gegen jeden Nachteil, der sich aus dieser Herabsetzung des Umwandlungs- fußes ergeben könnte, geschützt wird, hat der Antrag die Folge, daß lediglich der Neubesitz von ihm betroffen wird. Die 50 Milliarden Mars Neubesitz, die noch im Umlauf sind, werden also nicht in 2%. sondern in VA Milliarden Ablösungsanleihe umgewandelt. Verzinst und getilgt wird diese Anleihe in den nächsten Jahrzehnten nicht, aber sie gewährt der Phantasie einen gewissen Spielraum. Unsere Genossen Keil. Dr. Leber und Dr. Q u e s s e l legten daher in heftigem Redekampfe noch einmal dar, daß das einzig Vernünftige die völlige Streichung des Neubesiges sein würde. Soweit reichte der Mut der Regierungs- Parteien aber nicht, sie blieben auf halbem Wege stehen. Was den A l t b e s i tz betrifft, so bleibt es dabei, daß er zu 12,5 Proz. des alten Nennbetrages ausgelost und dabei der bis zum Auslosungs- tag angesammelte Zins von-1,5 Proz. ausbezahlt wird. Beschlosien wurde noch, daß nicht nur ein Besitz von 1000 M., sondern schon ein solcher von 500 M. an der Umwandlung teilnimmt. Diese Aenderung Hot in Verbindung mit dem neuen Umwandlungsmaßstab von 2,5 Proz. zur Folge, daß nun eine Ablösungsanleihe in Kleinftücken von 12,50 M. ausgegeben werden muß, eine üble technische Lösung, die, wie unsere Genossen zeigten, leicht vermeidbar gewesen wäre. Kleine Verbesserungen erfuhren auch die Vorschriften über die Vor- zugsrente noch. Schließlich setzten unsere Genossen mit 11 gegen 10 Stimmen noch den Antrag durch, daß'die Barabfindung der Besitzer von Anleihe im Gesamtbetrage von weniger als 1000 M. nicht von der Bedürftigkeit abhängig ge- macht wird. Die Beratung der Aufwertungsvorlagen im Plenum dürft« am Freitag beginnen. Ausbau der �ngeftelltenversicherung. Ein sozialdemokratischer Erfolg. Der soziale Ausschuß des Reichstages ist gestern in die Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über den Ausbau der Anaestelltenoer- sicherung eingetreten. Die Genossen«ushäuser und hoch begründeten einen sozialdemokratischen Antrag, wonach die bisherige Ermächtigung des Rsichsarbeitsministers, die Gehaltsgrenze für die Versicherungspslicht jeweils festzusetzen, beseitigt wird. Gleichzeitig wird die Gehaltsgrenze auf 8400 M. Jahresarbeits- verdienst f e st g e s e g t. Nach zweistündiger Debatte wurde der sozialdemokratische Antrag mit Unterstützung der Völki- schen, Kommunisten und Demokraten gegen die Regierungsparteien angenommen. Es wurde weiter eine Aenderung des Z 22 des ADG. beschlossen, durch die die freiwillige S e l b st v e r s i ch e r u n g, die bisher nur für die Uebergangszeit vorgesehen war. erheblich erleichtert und erweitert wird. Zum freiwilligen Eintritt in die Der- sicherung(Selbstoersicherungl sind künftig bis zum vollendeten Lebensjahr berechtigt: Sie in§ 1. Abs. 1 aufgeführten Angestellten, wenn ihr Johresorbeitsoerdienst die Grenz«! der Ver- licherungspslichtigen übersteigt, Z. selbständige Personen, die eine der in§ 1 genannten ähnlich« Tätigkeit ausüben. Kein Selbstmorö Höfles. Profeffor Lewin gegen die Legenden. Unter starkem Andrang von Zuhörern, namentlich aus ärzllichen Kreisen, fand gestern abend im hösle-Ausschuß des Landtags die mit Spannung erwartete Sitzung statt, in der die beiden vom Ausschuß benannten Sachverständigen Professor L e w i n und Professor Ioachimoglu ihre Schlußgutachten über die Ursachen des Todes Höfles abgeben sollten. Als erster hielt der greise, weltberühmte Toxikologe Professor Lewin einen fast zweistündigen Vortrag, in dem er von dem ur- sprünglichen Gesundheitszustand Höfles ausging. Er betonte, daß Höste ein schwer Herzkranker Mann gewesen sei, was zwar der ihn zunächst vertretungsweise behandelnde Gefängnisarzt Dr. Stroßmann jr. richtig erkannt, hingegen Dr. Thiele ver- k a n n t hätte. Diese schwere Herzkrankheit sei übrigens durch den anatomischen Obduktionsbefund bestätigt worden. Trotz dieser herz- krankheit seien von Dr. Thiele schwere Schlafmittel verordnet' worden. Darüber hinaus hätte infolge mangelhafter Kontrolle durch den Arzt und aus laienhafter Gutmütigkeit der Pfleger eine Ber- abreichung von Schlafmitteln stattgefunden, die weit über die ärzt- lichen Verordnungen hinausgegangen wäre, es hätte ein »unbezahltes Market endertum mit narkotislhen Mitteln" eingerissen. So sei durch die dauernde Zuführung legaler und illegaler Schlafmittelmengen Höste in einen Zustand geminderten Bewußtseins geraten, der sich in der letzten Woche vor seinem Tode infolge der Kumulativwirtung durch bestimmte, klas- sische Symptome geäußert hätte: taumelnden Gang, Sehstörungen, Alexie(Unfähigkeit zu lesen), A g r a p h i e (Unfähigkeit zu schreiben) und völlige Verstopfung der Harn- und Darmröhre. Diese Symptome hätten sich nicht jäh, also nicht von einem bestimmten Zeitpunkt an. sondern stetig wach. send entwickelt. Das wies Projessor Lewin an der Hand der Zeugenaussagen über jeden Tag der krittschen Wache nach. Än dieesr Stelle seiner Ausführungen wandte sich der Sachver- ständige sehr deutlich gegen die Zeugenaussage des Oberftaatsan- walts Linde, der noch am 18. vormittags mit Höste gesprochen haben will, während er am Tage zuvor auf andere Zeugen den Ein- druck machte, als wäre er.sozusagen tot" und als das Krankcnblatt verzeichne, daß er einen.zerstörten Eindruck" mache. Der Sachver- ständige erklärte, daß ihm diese Darstellung des Oberstaatsanwalts, die im Gegensatz stehe sowohl zu allen anderen Zeugenaussagen wie auch zu seiner'toxikologischen Ueberzeugung.eigentlich schleierhaft" sei. Er hätte tagelang oerfucht, eine Brücke zwischen diesen gegensätzlichen Ausfassungen zu bauen, müsse aber gestehen, daß ihm dies nicht gelungen sei. Die einzige Mög- lichkeit, nämlich eines plötzlich wechselnden Zustandes, eines vor- übergehenden Lichtblicks müsse er leider als unwahrscheinlich bezeichnen. Sodann polemisierte Professor Lewin zum Teil sehr scharf gegen die im Zuhörerraum anwesenden Mitunterzeichner des Obduktions- gutachtens Dr. Stürmer und Dr. Kipper, die, indem sie in ihrem Gutachten auf absichtlichen Selbstmord geschlcksien hätten, ihr« Kompetenz Überschriften hätten; es sei ihnen nicht gestattet gewesen, kategorisch zu sagen, es liege eine absichtliche Selbsttötuno vor. Das fei eine»or- riligc Schlußfolgerung gewesen, die zu einer— wenn auch unab- sichtlichen— Irreführung der össenltichen Meinung geführt hätte. Lewin polemisierte sowohl mit ärztlichen wie auch mit psycho- logischen Argumenten sehr eingehend gegen die Selbstmord- t h e o r i e, die er als einen Versuch mit untauglichen Mitteln be- zeichnete. Uebrigens habe Dr. Stürmer seine ursprüngliche kate- gorische Annahme der bewußten Selbsttötung vor dem Ausschuß am 6. Juli selbst korrigiert. Des weiteren tadelte er sehr scharf das toxikologische Gutachten Dr. Kippers, das infolge seiner Lücken„nicht den geringsten Wert" hätte. Im Falle Höste sind« man Fatalitäten über Fatalitäten: Bei manchen Zeugen versage die Erinnerung: eine Partie Harn sei unauffindbar; dos Harngefäß falle um: das chemische Gutachten übergehe wichtige Untersuchungen. Der Sachverständige machte bezüglich des Tablettenfundes im Bette Höfles die aufsehenerregende An- deutung, daß er an diesen Fund nicht recht glaube und daß der Umschlag von irgendjemandem hineingeschoben worden sein könnte, als man Höfle an dem Nachmittag des 18. in völlig bewußt- losem, sterbendem Zustande vorfand. Zusammenfassend kam Professor Lewin zu dem Schluß. daß Höfle heute noch am Leben wäre, wenn der Arzt als Depositär der Staatsgewalt sich um ihn ordnungsgemäß gekümmert hätte. Höfle sei nicht durch Selbstmord geendet, weder durch einen bewußten Selbstmord noch durch eine Selbst» tötung unter Ausschluß der freien Willensbestimmung. Auch hätte sein Herz- und Lunaenleiden nicht ausgereicht, um das tödlirhe Ende herbeizuführen, sondern er sei an den Einflüssen unüberwaiht verabreichter Narkotika zugrunde gegangen. die in langer Nachwirkung die Weiterarbeit des Herzens unterbunden hätten. Sodann erstattete Professor Ioachimoglu, der auf Antrag der Deutschnationalen vom Ausschuß als zweiter Gutachter hin- zugezogen worden ist, in etwa 20 Minuten sein Gutachten. Er kam im Gegensatz zu Professor Lewin zu dem Schluß, daß Höfle am 18. April größere Mengen Narkotika selbst eingenommen haben müsse, in welcher Absicht, lasse er dahingestellt. Er suchte im übrigen Dr. T h i e l e zu entlasten und alle Schuld auf die Pfleger zu schieben, die ihm unglaubwürdig erscheinen, während der„erfahrene Staatsanwalt" Linde— trotz seiner mit allen sonstigen Bekundungen in Widerspruch stehenden Aussage — sein Kronzeuge ist. Nach den zweieinhalbstündigen tief- gründigen Ausführungen Lewins machte das nur sehr oberflächliche Gutachten Joachimoglus fast gar keinen Eindruck. �US dem Aollausschuß. Ter zurechtgestauchte Syndikus! Ein Zwischenfall, an sich nicht bedeutend, aber für die ganz« Situation überaus charakteristisch: der junge deutschoolks- parteiliche Abg. hoff, seines Zeichens Syndikus eines Textil- konzerns, schlug eine schneidige Klinge für den Hochschutzzoll auf Textilien. Er möchte noch mehr als die Regierung bietet, angeblich weil die Wirtschaft es so fordert. Die sozialen Folgen, von denen die Opposition gesprochen Hot, sind seines Erachtens gar nicht so schlimm. Der Herr' verstieg sich derart,' daß Krätzig ihm später sagte, 'eine Rede habe geklungen, als ob die Konsumenten noch der Ein- führung der neuen Zölle noch bares Geld zur Ware mitbekämen. Der Redner der Volkspartei sprach zwanzig Minpten. Der Kommunist Rosenberg, der schon einmal recht spitzig werden kann, dankte Herrn Hoff dafür, daß er endlich aus der Reserve heraugetreten ist Und eine Ergänzung der Begründung lieferte, die von der Regierung gor zu spärlich gegeben worden ist. Effekt: Zwei Herren der Regierungsparteien, darunter selbstverständlich der unvermeidliche Abg. Schneider stürzten auf Hoff und redeten erregt auf ihn ein. Sie„st a u ch t c n" i h n z u r c ch t. Es war, wie man im ganzen Ausschuß deutlich bemerkte, eine re«ht stürmische Auseinandersetzung. Aber sie hatte Erfolg. Die hoffnungsvollen Anfänge einer bewegten Aussprache, d. h. einer Argumentation für und wider wurden im Keime zerstört. Die Regierungsparteien hielten es für klüger, fürderhin wieder zu schweigen. In der weiteren Debatte über die Artikel WolleundBaum- wolle und damit verwandte Artikel zerpflückten die sozial- demokratischen Redner Krätzig. Buchwitz. Kohke und Frau Dr. Steg- mann die Begründung der Regierung. Einen Eindruck mochte das auf die Regierungsparteien nicht. Die Anträge auf Zollfreiheit und später die Eventualanträge gegen die Erhöhung der Zölle über dos jetzt gültige Maß hinaus verfielen der Ablehnung. Fortsetzung der Debatte Mittwoch vormittag. Tagesordnung: Gruppe Chemie. Zinanzausgleich— Hauszinsfteuer. Heftige Zusammenstöße im Steuerausschuß. Im Steuerausfchuß des Reichstages wurde am Dienstag die Debatte über den Finanzausgleich bei 8 7 fortgesetzt. Dieser Paragraph sieht vor, daß am 1. April 1927 Lander und Gemeinden durch«in Reichsgeseg das Recht der Zuschlage erhalten. Vor Erlaß des Gesetzes sollen gewisse Unterlagen über dl« Veranlagung, die Bewertung von Vermögen, sowie die Einnahmen und die Ausgaben von Ländern und Gemeinden vorliegen. Dazu liegt ein sozial- demokratischer Antrag vor. der den endgültigen ginanzaus- gleich vom l. April1g27ab vorsieht, und zwar ohne verpflith. tung aus die Zuschlage. Der Antrag wird abgelehnt und§ 7 in der Vorlage der Regierungsparteien angenommen. Beim 8 8, der die Verpflichtung der Länder und Gemeinden festlegt, regelmäßig Nachweisungen über Einnahmen und Aus- gaben an die Finanzbehörden zu erstatten, beantragen die Sozial- » c„m"�uten die Einfügung der Worte„Zum Zwecke der her- slelluna von Einnahme-Ueb-rsichten". Damit soll �zum Ausdruck gebracht werden, daß diese Bestimmung von den Fmonzbehorden nicht dazu mißbraucht werden darf, eine neue Kontroll- i n it a n z über die Gemeinden aufzurichten. Der sozialdemokratische Antrag wird angenomme» und damit der 8*5- Der Ausschuß beginnt sodann den Teil der Borlage über den Finanzausgleich, der sich mit der hauszinssteuer beschäftigt. An Stelle der Regierungsvorlage liegen zwei Anträge der Re» gierungsparteien vor, die der Beratung zugrundegelegt werden. Genosse Silberschmidt kritisierte eingehend die beiden von den Regierungsparteien vorgelegten Anträge. Es fei ein sehr eigen- t ü m l i ch e s Verfahren, daß die Regierungsvorlage stillschweigend zurückgezogen und durch völlig veränderte Anträge der Regierungsparteien ersetzt werde. Der Opposition werde dadurch die Arbeit ...außerordentlich erschwert. Er beantrage deshalb die Beratung uüber die Hau s z i n ssie uer solang« auszusetzen, bis eine fchriktliche Begründung ber.Anträge der Regierungsparteien vorlieg«, die ja in Wirklichkeit eine Regierungsvorlage dar» stellen. Er begründete serner den folgenden Antrag: Die Reichsregierung zu ersuchen 1. dem Ausschuß sofort eine Aufstellung vorzulegen über die höhe der Miete in den einzelnen Ländern, über die höhe und den Ertrag der Mietzinssleuer in den einzelnen Ländern und über ihre Verwendung ») für den allgemeinen Finanzbedars, d) für die Förderung des Wohnungsbaues: 2. zur Beurteilung der Auswirkungen der beabsichtigten sprunghaften Erhöhung der Mieten ist eine verantwortliche Stellungnahme der Reichsregierung herbeizuführen zu folgenden Fragen: a) die Einwirkung der Mietspreissteigerung auf Löhne und Gehälter in der Brwatwirtschast. d) die Einwirkung erhöhter Löhne aus die Preisentwicklung. die Produktionskosten, die Absatzverhältniff« und die ollgemeine Handelspolitik,\ c) die Einwirkung der Mietspreissteigerung auf die Ge- hälter und Löhne der in össentlichen Diensten Beschäftigten. md Flugzeuge. Es sprechen dabei verschiedene psychologische Momente mit. Der Hirsch schaut kaum nach dem schnurrenden Ding dort oben in den Lüsten. Das Lustschiff läßt ihn gleichgültig. Er weiß, daß ihm aus der Lust kern« Gefahren drohen können, hat er dach Raub- oögel nicht zu fürchten. Das Reh ist schon etwas ängstlicher, da es in dem Geräusche des Luftschiffes irgendein großes Ungeheuer wittert, und da der Luchs, der sich in den Kronen der Bäume aus-hält, mancher Ricke schon an den Hals sprang und sie abwürgte, so fürchtet sich erklärlicherweis« dos Reh vor dem Luftschiffe, weil es in ihm einen Feind wittert. Beim Hasen kann man die eigenartigsten Beobachtrnigen machen, sobald er das Rattern des Motors hoch oben oernimmt. Er springt meterhoch, rersucht Bäume zu erklimmen, duckt sich dann wieder sekundenlang tief zur Erde, rast davon, um dann von neuem mit seinen Hochsprüngen zu beginnen. Dabei legt er di« Ohren fest an, und man hat das Gefi'ihl, als sllrchie er, daß ihn der Feintz aus den Lüsten cm den langen Löffeln ergreisen will. Senkt sich aber das Flugzeug noch tiefer herab, dann glaubt Meister Lampe wohl, daß all fein Wehren nichts nützt. Dann legt sich das ge» ängstigte Tier platt auf die Seit« und wartet auf fein Ende. Ein Jäger hat einstmals einen Hasen beobachtet, der ganz still liegen blieb, als ein Luftschiff aus freiem Felde landete. Er fand den Hosen ein ganzes Weilchen später. Dos Tier war anscheinend vor Schrecken so gelähmt, daß es unfähig war, davonzulaufen. Rebhühner flattern erst wild mit den Flügeln, fliegen unruhig hin und her imd verbergen sich schließlich im Gesträuch. Aber auch dort bleiben sie nicht etwa ruhig. Sie schlagen immer wieder mit den Flügeln, als könnten sie dadurch den Feind verscheuchen. Di« Wildenten zeigten mehr Mut. Sie beobachteten das krei- sende Lustschiss ganz genau, tauchten aber mehr, als nötig war, unter, blieben auch länger« Zeit unter Wasser, kamen wieder an di« Ober- fläche, schauten wieder hinauf und dachten gar nicht daran sortzu- fliegen, da sie'das Wasser beim Untertauchen schützte. Habicht«, Wonderfalken imd die anderen Räuber der Luft sind freche Gesellen uvid nähern sich dem Luftschiffe mitunter recht beträchtlich, machen dabei großes Geschrei und versolgen das Fohrzeug Kilometer weit. Noch mutiger sind die Störche. Einige von ihnen setzten sich sogar auf das Gestänge, flogen aber davon, als sie bemerkten, daß Menschen in dem fliegenden Ungetüm waren. Bon den Haustieren verhält sich am närrischsten das Huhn. Es läuft wie irrsinnig umher und sucht sich nach langem Hin und Her zu verbergen. Gans und Ente recken die Höffe und schnattern laut das Luftschiff an, können sich auch noch sttmdenlang später über das Ungetüm nicht beruhigen. Furcht höben sie anscheinend nicht, da sie kem schützendes Dach aussuchen. Fast unglaublich, aber durchaus wahr ist die Nachricht, daß ein gewaltiger Steinadler es gewagt hat, einen Eindecker anzufallen: und daß der Leuker Mühe hatte, sich gegen das wütende Tier zu wehren.__ wie entsteht ein Eisenbahnfahrplan l Bei Beginn der Reisezeit wird es jeden interessieren zu erfahren, wie es möglich ist, daß der große Verkehr der Sonderzüqe und Bäder- züge sich vollkommen reiblos abwickelt, aus welche Weise es gemacht wird, daß man rechtzeitig überall hin Anschlüsse erhält und wie dieses ganze ungeheure Netz der hin- und herfahrenden O-Züge, Eilzüge, Personenzüge und Güterzüge so gebaut wird, daß olles mit größter Pünktlichkefi und Sicherheit abläuft. Bei der Festsetzung des Eisenbahnfahrplanes ist es vor ollen Dingen erstaunlich, wie es möglich gemacht wird, daß bei so un- geheuer viel Transporten auf ein und derselben Strecke, die von den verschiedensten Seiten kommen, genaueste Bestimmungen darüber getroffen werden können, daß auf allen den ungeheuren Strecken im ganzen Reiche nicht einmal zwei Züge zu derselben Zeit an ein und derselben Stelle ankommen. Es ist dies natürlich nur durch ganz besondere Maßnahmen möglich, die bereits vor Beginn des Eisen- bahnverkehrs die Möglichkeit der Uebersicht über alle Nerkehrsstrccken gewähren. Zu diesem Zwecke wird ein besonderer Plan von jedem einzelnen Verkehrsbezirk entworfen, der in regelmäßige Rechtecke kleinsten Formats geteilt ist, und bei denen auf der einen Seite die Entfernungen und auf der anderen Seit« die Zeitangaben vermerkt sind. Wenn man dann zwischen den einzelnen Städten die Ver- bindungslinien zieht, die dem Gleise der Eisenbahn entsprechen, dann ersieht man aus dieser geometrischen Zeichnung sofort ganz deutlich, wo sich zu einer bestimmten Zeit der entsprechende Zug befindet, da die Querstriche die Zeitangaben enthalten und die parallelen Längsstriche die Ortsangaben. Aus den Verbindung?- strichen der Verkehrslinie ergibt sich nun ganz deutlich, ob sich zwei Züge irgendwo treffen, wie ein Zug den anderen überholen kann und in welcher Art die Anschlüsse zwischen den einzelnen Zügen hergestellt werden können. Für die Fertigstellung eines richtigen Fahrplanes ist es nämlich nicht nur erforderlich, daß die Eisen- bahnziige nicht zusammenstoßen, sondern es ist auch notwendfa. daß die viel langsamer fahrenden Personenzüge oder Güterzüge. die an irgendeiner Stelle doch von den viel schnelleren v-Zügen erreicht werden, so gelegt werden, daß ein Ueberholen der langsamer fahrenden Züge durch die schneller fahrenden möglich ist. Auch dieses ergibt sich aus dem Rechtecksplan mit größter Genauigkeit, und nicht nur für die regelmäßigen Eisenbahnzüge, sondern auch für Sonder- züge, die auf den Strecken eingelegt werden und bei Herstellung des Fahrplanes nicht berücksichtigt sind. Eine zweite Schwierigkeit der Fahrplonherstellung besteht darin, die Anschlüsse von einem Zuge zum anderen rechtzeitig zu ermöglichen, da nur dadurch ein schneller Verkehr gewährleistet ist. Da man aber aus dem Rechtecksplan sehr genau sieht, wo und wann ein Zug ankommt, so kann man auch mit Leichtigkeit die Anschlußzüge so legen, daß sie die Stationen zur selben Zeit schneiden, wie der andere Eisenbohnzug. Hans Thomas neuer Vetter. Ein Kunsthändler schrieb einmal an Thomn, er habe von ihm ein Bild, eine Gesellschaft im Garten, das ein Herr kaufen wolle: dieser wünsche aber durchaus zu willen, wen das Bild darstelle. Da schrieb ihm Thoma:„Dos Bild stellt meinen Better Hironymus Zimt mit seiner Familie dar.' Da bekam der Händler sein Geld und Thoma Vttte— einen neuen Vetter. Saison- Ausverkauf Jackett- Anzüge zu billigsten Preisen Diverse Anzüge in Nadelstr. und anderen mod. Mustern, haltbare Ware. .34.- 27.Homespun- Anzüge, wirkl. gute Qualität, in viel. Farbenstellungen gute Verarbeitung u. Zutaten, außergewöhnlich preiswert.. 39.48.- 42.ein großer Posten hell- u. mittelfarbiger Anzüge aus gestr. Wollcheviot u. Nadelstr. 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