Nr. 321 42. Jahrg. Ausgabe A r. 165 Bezugspreis: öchentlich 70 Pfennig, monatlid 8,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Neichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. Tuna und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaliige Nonpareille. seile S0 Pfennig. Reklamezeile 5. Reichsmart. ,, Kleine Anzeiger das fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( aufäffia awei fettgebrudte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wori 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worie. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SB 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 10. Juli 1925 Die soziale Wirkung der Getreidezölle. nach der Einführung des Bolles wesentlich stieg. Die Getreidepreise sind damals sogar noch über den Weltmarktpreis plus 3011 hinausgestiegen. Ferner wurden damals Biehzölle und schwere Handelsbeschränkungen für Fleisch eingeführt, die die Zufuhr unterbanden. Daraufhin gingen die Fleischpreise noch stärker als die Getreidepreise in die Höhe. Vor dem Kriege wurde allgemein über die ungeheure Fleischteuerung getlagt, ja, es find selbst hie und da Fleisch fra walle vorgekommen. Heute find wir unter ähnlichen Bedingungen wie damals, nämlich auch in einer Periode steigender Weltmtarftpreise, bei denen das Inland den Zoll tragen muß. Sering wies dann an Hand der Lohnbewegung bei den Zeiß- Werken nach, daß die Löhne dort, wo nur Qualitätsarbeiter beschäftigt waren, zwar nominell erhöht, in ihrer Kauffraft jedoch unverändert geblieben sind. In weniger guten Be trieben war die Wirkung ungünstiger. Verteuerung der Lebensmittelpreise. Feststellungen im Enquete- Ausschuß des Reichstags. Die Entquetekommission des handelspolitischen Ausschusses des Reichstages beschäftigte sich gestern nachmittag mit der sozialen Wirkung der Agrarzölle. Die Sachverständigenvernehmung war außerordentlich dürftig. Der Ausschuß hatte einen Vertreter des Reichsgesundheitsamtes gebeten, an der Tagung teilzunehmen, aber der zuständige Referent war verhindert. Der anwesende Bertreter des Reichsernährungsministeriums fühlte sich nicht zuständig. Die Vertreterin des Statistischen Reichsamts mies darauf hin, daß es außerordentlich schwierig sei, eine statistische Berechnung der Wirkungen der Zölle zu machen, zumal auch die mittelbaren Wirkungen der Zölle größer sind als die unmittelbaren, die man vielleicht schägungsweise erfaffen könne. Man misse ja nicht, inwieweit der Zoll vom Auslande getragen würde, man wisse nicht, inwieweit es möglich fei, daß die Arbeiterschaft die erhöhten Lebensmittelpreise durch Lohnerhöhungen ausgleichen, und. menn dies miederum geschehe, lasse sich nicht feststellen, wie ein erhöhtes Preisniveau der Industriewaren dann wieder auf die Produktionskosten der Landwirtschaft zurückwirft. Kurzum, die amtlichen Stellen erklärten sich außerstande, auch nur den Bersuch einer Statistik beizubringen, wie sich die Zölle in den sozialen Berhältnissen auswirkten. Die Regierung, die ja nur den Kapitalintereffen dient, ignoriert Die Regierung, die ja nur den Kapitalinteressen dient, ignoriert die Lage der Arbeitermassen völlig. Als nun die Frage aufgeworfen wurde, ob die Berechnungen der Gewerkschaften zutreffen, wonach die Belastung einer 5töpfigen Familie durch Zölle mit 150 mt. jährlich zu veranschlagen sei, meinte der deutschnationale Herr non Richthofen, daß sei ja nur eine rechnerische Preis erhöhung, auf die Dauer würde es jedenfalls teine Breissteige rung geben. Wir fürchten, daß, die„ rechnerische Preiserhöhung" nicht mit schlechterem Gelde gezahlt werden kann als eine tatsächliche. Um den wiederholten Versuchen der Agrarier, einer präzisen Antwort auszuweichen, eine Ende zu machen, stellte Genosse Hilferding fest, daß seit 1904, also nach der Ueberwindung der letzten Weltagrarfrise, die Getreidepreise, gestiegen sind, und daß die Lage der Landwirtschaft seit 1906 in jedem Falle eine lohnende Rente gebracht habe. Der hohe Zoll habe niemals ein Sinten der Preise zur Folge gehabt. Ich stelle die Frage: Ist es richtig, daß wir seit 1910 bis 1914 ein Sinten des realen Lohnes gehabt haben, weil infolge der zunehmenden Verteuerung des Fleisches und der Mieten ein ständiger Druck auf den Löhnen lag, der durch Lohnerhöhungn nicht wettgemacht werden konnte? Weiter fragte Hilferding, was die Einführung der Zölle in diesem Augenblick bedeutet. Nach den Lebenshaltungskosten des Statistischen Reichsamtes ergeben sich 150 Mark für die 5köpfige Familie. Wir wollen wissen, ob das richtig ist. Gegenüber den agrarischen Ausführungen, die Weltmarktpreis feien durch die künstliche Förderung der deutschen Landwirt schaft niedriger gehalten worden als sie sonst gewesen wären, wies Professor Bonn darauf hin, daß man dann ja nur England genügt habe, welches die niedrigen Getreidepreise des Welt marktes hatte. Der Sachverständige Professor Sering ging nun auf die sozialen Birkungen ausführlicher ein.„ Wer die Dinge seit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts aufmerksam verfolgt hat, kann über die Wirfung von Zöllen auf unentbehrliche Lebensmittel feinen Zweifel haben. Eine sehr starke Verteuerung der Lebensmittel fonnte unmittelbar nachgewiesen werden, zunächst für das Brot, das 1906 „ Ich fann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, für dauernde Getreidezölle einzutreten." Sering vertrat dann weiter den Gedanken der Bereitschaftszölle auf Getreide, der er die unsozialen Wirkungen absprach, und die Erziehungszölle für Bieh, verlangte aber ausdrücklich Einfuhrfreiheit für Gefrierfleisch und Brotgetreide somie Futtermittel: Bewachsende Generation treffen. Defonomierat Raiser erflärte mit fonders scharf lehnte er Milch zölle ab, weil diese die heranaller wünschenswerten Offenheit, daß die Getreidezölle den 3med haben, die Preise für Nahrungsmittel zu erhöhen. Brofeffor Lange- Riel erklärte Daueraölle auf Getreide ebenfalls für unnötig, da die Produktionskosten durch die Welt martipreise gebedt werden. Er trat für Bereitschafts3ölle ein, lehnte jedoch eine besondere Begünstigung der Biehwirtschaft ab. Nachdem der Kommunist: Hoernle noch den aussichtslosen Bersuch: gemacht hatte, ein kommunistisches Agrarprogramm zu begründen, schloß die Sachverständigenvernehmung zu diesem Punkte. Krach im Zollausschuß. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Voftscheckkonto: Berlin 37536Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstraße 3 Gefahren für die Wirtschaft. Abrechnung der Gewerkschaften mit den Unternehmern. Als Antwort auf die vertrauliche Eingabe der Ber einigung der Deutschen Arbeitgeberver bände an die Reichsregierung haben die Spizen organisationen der Deutschen Gewerkschaf ten an die Reichsregierung eine Eingabe gerichtet, die mit den tendenziös übertriebenen und teils direkt unwahren Behauptungen der Unternehmer ins Gericht geht. Zurückgewiesen wird insbesondere zunächst die Behaupändert von„ internationaler Einstellung abhängig" machten. tung der Unternehmer, daß sich die Gewerkschaften unverTroß der von den Gewerkschaften durchaus gewürdigten beArbeiterschaft ebenso zur Berücksichtigung der internationalen senderen Erschwerung der deutschen Wirtschaft, ist die deutsche Arbeitsbedingungen genötigt, wie dies bei der Unternehmerschaft hinsichtlich der internationalen Produktions- und Machtverhältnisse geschieht. Die Tiefhaltung oder gar weitere Senfung des Lebensstandards der Arbeiterschaft Deutschlands zieht automatisch die Verschlechterung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft in den Wettbewerbsländern nach sich. So versuchen die Unternehmer in England, Frankreich, Belgien usw. mit dem Hinweis auf Deutschland die Arbeitsbedingungen in ihren Ländern zu verschlechtern. Die Belastung der deutschen Produktion durch Löhne, rung fann nur im Vergleich mit den übrigen Ländern Dauer der Arbeitszeit und Sozialversiche= geprüft werden. Die Behauptung der Deutschrift der Unternehmer, wonach von der längeren Arbeitszeit der derzeitige Lebensstandard des deutschen Volkes abhängig sei, tischen Erfahrung und mit den Urteilen zahlreicher Wissenwirb eingehend zurüdgewiesen als unvereinbar mit der praffchaftler und Gewerbeaufsichtsbeamten. nach das Lohnniveau der deutschen Arbeiterschaft gegenAuch die Behauptung der Eingabe der Unternehmer, wowärtig bereits weit über dem Lohnniveau der Vorkriegszeit, den Friedensreallöhnen liege, wird, gestützt auf die Erhebungen der Gewerkschaften, zurückgewiesen. Ebenso liegt es mit den Soziallasten. Will man jedoch die Konkurrenzentfähigkeit der deutschen Industrie im Verhältns zu den Löhnen untersuchen, dann muß man zum Vergleich die Löhne heranziehen, die in der Industrie des Auslandes gezahlt werden. Die Denkschrift der Gewerkschaften führt darüber sehr instruftive Zahlen aus der Statistik von Prof. Dr. Paul Herrnin Prozenten der Löhne von 1914. berg an über die durchschnittlichen Stundenlöhne Ende 1924 Kurz vor dem Ende der Donnerstagpormittagfizung provozier. ten die Hochschutzöllner einen neuen Krach. Sie beantragten: weder eine Sigung während der Tagung des Blenums oder eine Nachtsigung, um die Beratung der Gruppe Chemie durchzupeitschen. Der Genosse Müller- Franken bemerkte gegenüber diesem neuen Strangulierungsversuch, daß die sozialdemofratischen Vertreter wegen einer Fraktionssizung nicht in der Lage fraten müßten Gelegenheit haben, in ihrer Fraktion zu dem fertig feien, am Abend an den Beratungen teilzunehmen. Die Sozialdemogestellten Aufwertungsgesetz Stellung zu nehmen, andernfalls seien fie gezwungen, im Plenum die Abjegung der für Freitag vorgefehenen Beratung des Aufwertungsgejeges zu beantragen. Es entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, in der der Deutschnationale Rippel, ein Herr, der angeblich Handwerkerinteressen vertritt, fed behauptete, er und seine Freunde durchschauten das Spiel fabotieren. der Sozialdemokraten, das darauf hinauswolle, die Zollberatung zu Der Genosse Breifscheid wies die Unterstellungen des deutsch nationalen Abgeordneten mit Entrüftung zurück. Wenn ein frevent liches Spiel getrieben würde, dann feien die Zollblockparteien die Spieler, die das Schicksal des deutschen Volkes zum Gegenstand ihrer Spielmut machten. Die Sozialdemokraten zweifelten absolut nicht fest, daß die Herrschaften ihre Intelligenz dazu benützten, den sehr an- der Intelligenz der bürgerlichen Schutzöllner, fie ftellten aber materiellen Interessen ihrer Klasse zu nutzen. Schließlich einigte man fich darauf, daß die Sizung am Freitagfrüh um 9 Uhr beginnt. Durch die Energie der sozialdemokratischen Bertrefer war es wieder einmal gelungen, den Anschlag der Zollwucherer abzuschlagen. Die europäischen Vorrechte in China. Danach waren am Ende 1924 die Nominallöhne gestiegen in Deutschland auf 122 Broz., in Italien auf 150 Prozent, in der Schweiz ebenfalls auf 200 Broz., in Prozent, in Frankreich auf 152 Proz., in England auf 200 Schweden auf 249 Proz., in Holland auf 295 Proz. und in den Bereinigten Staaten von Amerika auf 232 Broz. Diese Aufstellung beweist schlagend, daß die Behauptung der Unternehmer, als seien die Löhne in Deutschland unverhältnismäßig gestiegen, nicht haltbar ist. Weder die Löhne noch die Sozialbelastung übersteigen im Gegensatz zum Ausland die relative Höhe der Borkriegszeit. faz nur 70 Proz. des Vorkriegsstandes betragen, da weder die der Unternehmer, daß Produktion und GüterumNicht mit den Tatsachen vereinbar ist auch die Behauptung Zahl der Beschäftigten noch die Arbeitsintensivität vermindert wurde. Aus der Tatsache der ständigen Verminderung der Zahl der Arbeitslosen läßt sich auf die steigende Produktivität und den steigenden Beschäftigungs= heute ihre Betriebsführung ohne einschränkende Hemmungen grad der deutschen Wirtschaft schließen. Die Industrie fann organisieren. Wenn also die Zahl der Erwerbslosen gesunken so beweist dies, daß genügende und, produktive Arbeitsmöglichkeit vorliegt. Die Räumung des Ruhrgebiets. Maroffo darzulegen, und zwar dahingehend, daß die englische Regierung weder in Tanger noch sonstwo irgend Bisher reibungsloser Verlauf. einen Schritt zu unternehmen gedenkt, der dahin geRecklinghausen, 9. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Inventar- deuiet werden könnte, als ob England nicht strengste neutralität, übergabe und Schadenfeststellungsverhandlungen zwischen den Be übe. Die englische Regierung lehnt es ab, ein englisches Gefatzungsbehörden und den städtischen Besatzungsämtern in Red- schwader an einer Blockade oder ner sonstigen Polizeiattion linghausen, Gelsenkirchen, Bochum und Hattingen in den maroffanischen Gewässern teilnehmen zu laffen. find in vollem Gange. Sie vollziehen sich durchweg reibungslos. Nach Mitteilung der Besatzungsbehörde werden sämtliche Orte, deren Besatzung in der nächsten Zeit zurückgezogen wird, bis zum 16. August als besetztes Gebiet gelten. Sämtliche von den Be= fagungsbehörden erlassenen Verordnungen bleiben bis zu diesem Termin in den geräumten Städten in Wirkung. Die zunächst zu räumenden Orte, die zum Bereich der Recklinghausener und Buchumer Division gehören, werden vorläufig der Essener Division unterstellt. In sämtlichen zu räumenden Orten bleiben, wie bisher in Herne und Banne, wo die Truppen bereits seit längerer Zeit abgerückt sind, Abwidlungstommandos und Gruppen Don Spezialtruppen( Genies) zurüd. Bevölkerung und Befagung verhalten sich durchaus torreft. England gegenüber Marokko neutral. London, 9. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Das Rabiñett ericilte am Mittwoch dem Außenminister Chamberlain den Auftrag, in einer Rote an die französische und spanische Regierung den grund. fäglichen Standpuntt der englischen Regierung zu dem Ronjlitt in Auch England für ihre Aufgabe? London, 9. Juli.( E. P.) Im Unterhause erklärte der parla mentarische Sekretär für den Außenhandel, Samuel, daß England im Jahre 1922 in Washington erklärt hat, daß es bereit sei, auf feine Erterritorialitätsrechte in China zu verzichten, fobald die Verwaltung Chinas dies zulassen werde. Die englische Regierung müsse aber feststellen, daß China jetzt bei weitem nicht so gut verwaltet werde, wie Japan im Jahre 1866, als England dort auf feine Erterritorialitätsrechte verzichtete. Washington, 9. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bon den offiziellen Stellen wurde am Donnerstag mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten von Amerita Chinas Forderung nach Beseitigung der Sonderrechte für Fremde unterstügen werden. Allerdings würde sich die amerikanische Regierung energisch dem Berlangen nach einer chinesischen Sollhoheit mibersegen gegenüber dem Vorkriegsstande angewachsen, doch auch im Wohl find die Steuer- und Abgabelasten Auslande. Die Einnahmen der Reichsbahnen sind sowohl im Bersonen wie im Güterverkehr gestiegen, desgleichen der Gold- und Devisenbestand der Notenbanken, der Abrechnungsverkehr der Reichsbank, der Postscheckverkehr und die Wirtschaftskredite. Selbverständlich mußten die amerikawurden, die passive Seite unserer Handelsbilanz belasten. nischen Kredite, die in Einfuhrmaren angelegt Doch sind die Einfuhrwerte in den legten Monaten ständig zurückgegangen. Zudem sind an den Zahlen unserer Handelsbilanz gerade von den Unternehmern starte und bisher unwidersprochene 3weifel ausgesprochen worden. allerdings die Borausseßung, um unserem Erport freie Bahn Der Abschluß von handelsnerträgen ist zu schaffen. Leider hat sich dies sei besonders im Hinblic auf die jetzige Behandlung der 3olltarifnovelle bemerkt die deutsche Industrie nicht mit dem Eifer für die Wiederaufnahme verhandlungen eingesetzt, den sie im Kampf gegen ihre Don Handelsvertrags. eigenen Arbeiter entfaltet. Gefahren drohen umferer Birtschaft, und zwar von cht CT Sette fyx, die die Ewgabe der vrbeikoeLsrverbSnde nicht berührt. Die Unternehmer verlanaen Opfer von der Arbeiterschaft, gleiten aber stMschweigend über die naheliegende Frage hinweg, welche Opfer sie selbst zn bringen gewillt sind. Das Unternehmertum hat sich auf Kosten der übrigen Bevölkerung bereichert, ohne diese Machterweiterung zur wirtschaftlichen Gesundung Deutschlands auszunutzen. Man hat im Gegenteil den Ausoerkauf Deutschlands, den Schleuderexport auf Kosten der Lebenshaltung des deut- ichen Volkes betkieben. Die Sucht,„Sachwerte" zu sammeln, hat zur systemlosen Konzentration in Konzernen und Dachgesellschaften geführt. Das Schlagwort von der horizontalen und der vertikalen Konzentra. t i o n war nur die Maske für eine wahllose Anhäufung aller irgendwie erreichbaren Sachwert«. Statt ständiger Durchorganisierung und Weiterentwicklung fand«ine rein mechanische Verbreiterung der Einrichtungen statt. Hier liegt die tiefere Ursache für die Klagen miserer Industrie über die biMgeren Produktionsbedingungen des Auslandes. Die Fehler der Wirtschaft. Die Eingabe der Gewerkschaften schließt: Die deutsche Wirtschaft wird notgedrungen in der allernächsten Zeit«in« Periode innerer Bereiniguug durchmachen nuisien. Der Zusammenbruch großer Konzern« ist oas erste Anzeichen dieser Entwiettung. die auch in einzelnen De- nemlversmnmfamgsberichten bereits ihren Ausdruck in der Forderung aus Wstoßung von nicht organisch mit dem Hauptunternehmen ver- wachsenen Bettieben findet. Einig« wenige Betriebe sind es. die durch Rationalisierung ihrer Erzeugung der dringenden wirtschaftspolitischen Notwendigkeit Rechnung tragen, während die Mehrzahl der Unternehmer diese Em« ficht vermisten läßt und sich nicht zu neuer Initiative aufraffen kann. sondern an den altgewohnten Methoden sesthAt. Daher sind auch im allgemeinen die Kredit«, die noch der Stabilisierung zur An- kurbelung der Wirtschost gewährt worden sind, nicht zu der not» wendigen Intensivierung der Bütererzeugung verwandt worden. Aus allen diesen Ursachen heraus ist die von den Unternehmern versprochene Preissenkung nicht durchgeführt worden, obwohl seicher die Kohlenpreise niedriggehalten mck» die Preise für Elektrizität, Gas und Wasser gesen-kt worden sind und die Umsatzsteuer ermäßigt wurde. Di« natürlich« Folge de» hohen Preis- ftandes bei geringen Löhnen wirkt sich in starker Beschrän- kung der Kaufkraft der breiten Masse des Volkes aus. Trotzdem fordern die Arbeitgeber weitere Senkung der Löhn«. Die Notwendigkeit der Hebung des i-nneren Marktes wird nun auch von der Industrie anerkannt. Trotzdem verlangt sie äußerste Beschränkung des Konsums. Dabei wird übersehen, daß gerade durch gesteigerten Jnlandsabsatz di« Industrie zu Leistungen befähigt wird, di« ihr« Möglichkeit des Ausland- e x p or t e s vergrößern. Allerdmgs erfordern der Inland- wie der Auslandmarkt immer gebieterischer eine Beschränkung auf Mindeftgewinnquoten. Großer Umsatz bei geringem Nutzen haben im Auslande, speziell in Amerika, zu einer erheblichen Preissenkung und damit zur Hebung der Kaufkraft geführt. In Deutschland hält man noch an dem Grundsatz«.Großer Nutzen, wenn auch geringer Umsatz" fest. Durch Sartellpolitik sucht man auch dem am teuersten herstellenden Unternehmer noch einen Gewinn zu verschaffen. Hier liegen schwer« Fehler, die beseitigt werden müssen, hier hoben die ökonomischen Verbesserungen der Wirtschaft«mzu- ietzen, statt des Versuches, durch Lohudruck di« Produktion zu ver- billigen und durch Schutzzölle die Konkurrenz des Auslandes zu de- kämpfen. Zum Schluß fei noch aus di« gswallige Gefahr hingewiesen. der die einseitig gegen die Arbeiterschaft gerichteten Forderungen der Unternehmer die Gesamtheit des deutschen Volkes auszusetzen drohen. Die Unternehmer können nicht glauben, daß die Arbettnehmerschast. daß die Gewerkschaften sich der einseitigen Interesseapolitik der In- tnftrie beugen werden, und sie glmwen es auch nicht, wie ihr« Bereitwilligkeit, wirtschaftliche Kämpfe auf sich zu nehmen, zeigt. Di« Gewerkschaften dxr stnL nicht Bereif, Bas chnen aiwertraute Wohl der Arbeiterschaft, di« in den Kriegs- und Noch. kriegsjahren alle erdenklichen Opfer auf sich genommen hat, preis- zugeben, sondern sie werden mit aller ihnen zu Gebote stehenden Kraft dieses Wohl schirmen und schützen und das Los der Arbeiterschaft zu verbessern suchen, weil sie gewiß sind, ihrem Volk damit den größten Dienst zu erweisen. Die Verantwor- tung für die aus diesen Kämpfen, gleich wie sie enden werden, erwachsende Erschütterung des Volks- und Wirrschaftslebens aber tragen d i e Kreise, die, wie während der ganzen Nachkriegszeit, so auch jetzt nicht bereit sind, sich ehrlich an den notwendigen Opfern der deutschen Nation zu beteiligen. Auf dieses drohende Unheil die Regierungen des Reiches und der Länder hinzuweisen und einer Klarstellung der für das Schicksal des deutschen Volkes so unendlich wichtigen Tatsachen zu dienen, ist der Zweck dieser von den Gewerkschaften aller Richtungen verfaßten Schrift. Ireispruch im Prozeß Rehaig. Notwehr!— Keine Ueberschreitung der Notwehr! Zm Prozeß gegen den Mcking-Alana R e h n i g. der am Tage vor der prästdealeuwahl den Reichsbauvermavo Schulz am hellev lichlea Tag auf offener Straße niederschoß, Ist gestern das Urteil gefällt worden. Cs lautet auf Freispruch. * Das Urteil ist eine Provokation des gesunden Rechts- einpfindens und muß umso provozierender wirken, als selbst der Staatsanwalt, der sich im Verlauf des Prozesses wahrhaftig nicht übermäßig engagiert hat, auf Ueberschreitung der Notwehr plädierte und 1 Jahr Gefängnis wegen Körper- Verletzung mit Todeserfolg beantragte. Zwischen diesem An- trag und dem Freispruch gähnt eine Kluft, die sich nicht überbrücken läßt. Uebersieht man das Urteil in seinen Einzelheiten, so hat man das Empfinden, daß bei der Beratung nicht mit der nötigen Sorgfalt die einzelnen Aussagen gegeneinander abge- wogen wurden und daß man von vornherein ent- schloffen war, von dem Grundsatz«„in Zweifelsfällen für den Angeklagtes," in weitestem Maße Gebrauch zu machen. In dem Urteil heißt es: Der Angeklagte Rehnig wird auf Kosten der Staatskasse ftei- gesprochen. Vorweg müsse das Gericht besonder» betonen, daß der Angeklagte sich bei der Tat und nach dem Ergebnis der VerHand- lung nicht als ein Mann erwiesen hat. der dle Sympathien des Ge- richts genieße. Es ist ein starke» Stück, wenn ein junger Mann am hellen Tage sowie Tag für Tag mit dem Revolver und dem Gummi- knüppel bewaffnet in einer friedlichen Siadl herumläusl. Ein solcher Mensch bildet eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit, und es würde Sache der Behörden sein, dem Angeklagten den Waffenschein zu entziehen. Das Gericht darf sich aber nicht von seinen Gefühlen leiten lassen, sondern von dem Gesehesparagraphen. Der Ange- klagte befand sich auf der Flucht gegenüber einer großen Menschen- menge, als er den tödlichen Schuß abgab. In solcher Situation war der Gebrauch einer Schußwaffe keine Ueberschreitung der Notwehr. denn er war mit Stöcken beworfen worden und e» sind mindesten» auch Schläge gegen ihn geführt worden. Die Absicht der Reich»- bannerleut«, ihn festzunehmen, war keine rechtmäßig«. E» kam ihnen bei der versolgnag auch daraus an. den Angeklagten zu schlagen. Sobald solch« Tendenzen in die Verhandlung hineingetragen wer. den. ist sie eine rechtswidrig«. Als der Angeklagte di« Pistole zog. war er bedroht. Die Reichsbannerleute hatten kein Recht, selbst wenn sie sich beschimpft gefühlt haben sollten, gegen ihn mlt Stöcken vorzugehen. Er befand sich in Notwehr, und mit der Verteidigung ist das Gericht der Ansicht, daß ein Gummiknüppel zur Ver. teidigung nicht avsgereickst hätte. Daher waren die Gren- zen der Notwehr nicht überschritten, obwohl au sich der Angeklagte eine Gefahr für die Bevölte- rung bildet«, muht« er freigesprochen werden. weil ihm die Gesetzesbestimmungen zur Seit« st« h e n. Es ist geradezu unge?euerNch, wie in dem llrfeil die gs, i'chwungenen Stöcke in den Mittelpunkt gestellt werden, um für den Angeklagten einen Grund zu berechtigter Notwehr zu kostruieren. Aus dem Perhandlungsverlauf ist keines» wegs klar hervorgegangen, daß gegen den Ange- klagten überhaupt tätlich vorgegangen wurde. Die Berechtigung der Notwehr muß deshalb stark in Zweifel gezogen, die Frage nach einer Ueberschreitung der Notwehr unbedingt bejaht werden. Was sollte werden, wenn jedermann, gegen den ein Stock erhoben wird, daraus das Recht herleiten wollte, mit dem Schießprügel.loszuknallen? Was würde einem Arbeiter geschehen, der sich im Ver- lauf einer Auseinandersetzung so benehmen würde wie der Wikinger? Wir möchten den Richter sehen, der einen Frei- spruch wagte! Ein Blick auf die tausend Tragä- dien des Alltags, in den täglichen Gerichtssaal der Zeitungen genügt, um zu erkennen, um wieviel strenger das Urteil ausfällt, wenn es sich um Akte gleicher Art handelt, in deren Hintergrund nicht der Krakehl Schwarz-Weiß-Rot gegen Reichsbanner steht. Ganz zu schweigen von dem Eifer der Strafrichter, wenn Republikaner vor den Schranken des G»- richts stehen!_..., Sturm im Reichstag. Um die alten Ofstziersuniformen! Die gestrige Reichstagssitzung endete mit Sturm. Roch Erledigung einer stattlichen Tagesordnung gegen �8 Uhr abends beantragte Genosse D i t t m a n n Vertagung. Loya- lität gebot diesen Antrag anzunehmen, nachdem die sozial- demokratische Fraktion für den Abend eine Fraktions- f i tz u n g anberaumt hatte. Es fand sich jedoch«ine Mehrheit, die sich entschloß, noch in die erste Lesung des Gesetzes über das Recht zum Tragen der alten Uniformen einzutreten. Nachdem sich Genosse K u h n t als erster Redner scharf kritisch zu der Vorlage geäußert und Reichswehrminifter Geßler ihm erwidert hatte, wiederholte Genosse D i t t m a n n den Vertagungsantrag. Dagegen erhob fich auf der Rechten stürmischer Widerspruch. Vergeblich wurde erklärt, es fei notwendig, auf die sozialdemokratischen Angriffe gegen die Offiziere der allen Armee am selben Tage zu antworten. Für den Vertagungsantrag stimmten sodann die Linke und das Zentrum: das ist die zweifellofe Mehr- h e i t. Vizepräsident Bell stellte demgemäß die Annahme des Antrages fest und sprach die Vertagung aus. Darob gewaltiges Toben rechts. Herr Bell ließ dadurch so einschüchtern, daß er ganz geschäftsordnungs- widrig die schon abgeschlossene Abstimmung wieder aufnehmen und einen Hammelsprung vornehmen wollte. Die Linke weigerte sich jedoch, zu diesem Zweck den Saal zu verlassen und rief dem amtierenden Vizepräsidenten immer wieder zu, daß die Vertagung ja schon vollzogen sei. Diesen unzweifel» hast richtigen Standpunkt setzte sie auch durch. Aber auf An- ttag des völkischen v. G r a e f e beschloß die Mehrheit, die erste Lesung'des Anfechtungsgesetzes heute fortzusetzen, wo- durch die rechtzeitige Erledigung des Aufwertungsgesetzes schwer gefährdet wird. Ein Geniestreich der Mehrheit, den allen Offiziersuniformen vor den Rechten der geschädigten Sparer und Gläubiger Vorrang zu verleihen! Die sozialdemokratische Fraktion hat gezeigt, daß sie sich. Vergewaltigungen nicht gefallen lassen will. Im Geschäftsordaungsausschuß des Reichstags wurde u. a. der von dem Abg. Dr. Best(Hosp. b. d. Dölk.) gestellte Antrag auf Aufhebung der Immunität der Aba. Dr. Rademacher und Dr. Obersohren(Dnat.) wegen Beleidigung behandelt. Von dem Berichterstatter Abg. Hompe(Wirtschaftl. Vereinig.) wurde von vornherein erklärt, daß der Antrag völlig indiskutabel fei. da er der Reichsversassuna widerspreche, nach der Aeußerungen. die ein Abgeordneter im Parlament gemacht hat. überhaupt unverfolgbor sind. Der Ausschuß schloß sich der Ansicht des Berichterstatters«in- mutig an. �oachimoglu. Namen drücken oft durchaus nicht das Wesen ihr« Träg«« ans. Man kann Hase heißen und ein Held sein, sich Schlange nennen und der Klugheit entbehren, ttotz des Namens Kahl einen üppigen Haarwuchs aufweisen. Aber es gibt, auch Namen, die zu ihrem In- haber paffen wie ein gutsitzender Anzug(stehe Mittelmann) und wir kennen anders, die ihrem Träger sogar seine politische Richtung weisen. Ist nicht für einen Mann wie Wunderlich in der Deutschen Volkspartei der gegebene Platz? Im Hösle-Ausschuß ist dieser Tage auf deutschnationalem An- trag ein Herr Ivachimoglu als Sachverständiger vernommen worden. Hat diesem Manne nicht das Schicksal den Zwang in die Wiege gelegt, deutschnational zu werden? Man bettochte nur die emzelnen Bestandteile seines Namens. Da ist zuerst der kernige märkische Vorname Joachim, der zugleich an die merkwürdige Auf. iassung von Königstrene erinnert, die den preußischen Junkern eigen ist. Denn Joachim hieß jener Kurfürst, dem einer ihrer Dichter da» schöne Lied gewidmet hat, das ein Borläufer des.Heil dir im Sieger- kränz" ist:„Jachimke, Jochimke, hüte di, sangen wi di. so hangen wie di.". Und nun Moglu! Sieht man nicht sofott die Deutschnationalen vor sich, wie sie bei der Abstimmung über den Dawes-Plan die weiße Ja-Katte in der linken Hand bergen und mit der rechten die rote Nein-Katte schwingen? Und wie sie insgeheim den Franzosen den Verzicht aus Elsaß-Lothriagen anbieten, während sie öffentlich die Verantwortung dafür leugnen? Fürwahr, Ioachimoglu ist durch seinen Namen zum Führer der Deutschnationalcn vorbestimmt. Durch das Ausscheiden des Herrn Best, der für kxe deutschnattonole hoch- srablerische Praxis zu ehrlich war. ist der Platz an der Spitze der deutschnationalcn Rcichsliste frei geworden. Niemand könnte ihn würdiger ausfüllen als Herr Ioachimoglu. Kreuzworträtsel. I. 7-» Uhr. Denn es ist ein Kreuz, diese Motte zu enträtseln. Aber bitte. lieher Leser, nimm dtt Zeit, rate, rate, rat«, unsereins hat auch seinen freien'Abend geopfert..... II. uuuuuööööiiii— bmrege—'gegec uääääh— tack tack tack tack tack tack(Bitte, Setzer, in diesen, Stil die ganze Spalt« herunter. damit der Leser einen Ueberblick hat, weißt du. Soll es der Leser besser haben als der Hörer? Er soll e» nicht! III.».IS Uhr. Zwoter Akt: tack tack tack— also jetzt von rückwätts. Meine Damen und.. Fressen... Fangen... wilde Tier«... Hagen- be�... Restauration August Thiede und Söhne... Hagen- deck. fififisiftsch. IV. Gestern rief man durch den Rundfunk zu: Ich lasse dich nicht! Nein, mag auch die Liebe weinen, du ahnst es nicht, der Radio hat uns so gepiesackt. Bielleicht ist an dem entsetzlichen dadagleichen Empfang nur der Apparat schuld, an dem der Referent zu hören gezwungen war. Er. der Referent, hat auf den Apparat freund- lichst eingeredet, er hat ihn gestreichelt, geliebkost, es hat alles nichts geholfen. Es wird immer schlimmer. Und der Antiker tolkuliett in einer Stunde reif für Dalldorf zu sein. V. 8.55 Uhr. Hurroh, Iuchee, Kantate, Iubilate! Der Empfang wird deutlich. Ein Herr hält einen Dottrag. Seehund« bellen auf seehündische Art. Löwen brüllen.(Was sollen Löwen im Radioapparat schon anderes t, n?) Musik von der Hagenbeck-Kapell« im Tierpark Hamburg. Stellingen Nochmol Musik. Es kommt ja schon gor nicht mehr dar- auf an. Diesmal machen die Malobaren den Krach. Sie singen, sie tanzen, sie reden Radio. Geogrophiekundige wissen, daß das eine vordenndischc Angelegenheit ist: jedenfalls, klingt es schauerlich Einer sagte, das ist das ZumdurchbruchkomMön der kindlichen Naivi- tat, einer meinte, das ist die heulend« Rückkoppelung. Vl. 9.30 Uhr. Außer Karl Hagenbeck sprachen noch Hans Bodenstedt, Jürgen, Iohannsen, Dr. Heinitz, Dompteur Fritz Schilling und Inspektor Molkmann über alle möglichen Hagenbecfereien. Aber ich bin er- löst! Ich gehe zu Bett! Vll. 10.00 Uhr. Erich Gottgetreu. Die Schauspielschule der Ltaatskhealer. Neben den privaten Schauspielschulen tritt vom 1. Oktober ob die der Staatstheater an der Musikhochschule. Leopold Jeßner, der Intendant der Staatstheater, wird ihre Leitung übernehmen: sein Vertreter und gleichzeitig Vettrauensmann der Genossenschast deutscher Bühnen- ongehöriger wird Karl E b e r t sein. Jeder Kursus, der in kleinen Klassen von höchstens sechs Schülern abgehalten wird, dauett zwei Jahre. Ueber die Ausnahme in die Schule soll eine Prüfung entschei- den: besonders Begabten kann im Falle von Zahlungsunfähigkeit das Schulgeld erlassen werden. Zugelassen werden nur Schüler und Schülerinnen im Alter von mindestens siebzehn Iahren. In der richtigen Erkenntnis, daß neben der Mimik die Sprache das wesent- lichste Ausdrucksmittel der Schauspieler ist, soll besonders sorgfältig die Sprechtechnik geschult werden, der das ganze erste Jahr gewidmet wird. Sprachstil und Gehörbildung wird Fräulein Pros. Pfeffer von der Hochschule für Musik lehren. Im zweiten Jahre erst beginnt dann die schauspielerische Ausbildung des Körpers und des Rollen- studiums. Auch Mitgliedern der staatlichen Bühnen soll an dftser Schauspielschule Gelegenheit gegeben werden, ihre Sprechtechnit zu vervollkommnen. Ehrung des polnische« Vauerndichter� Im Herbst d. 2. wird in Polen eine großartige Huldigungsfeier zu Ehren des Nobelpreis- trägers Wladislaus Reymont veranstaltet werden. Dem Dichter des polnische?, Dorfes, der in seinem auch ins Deutsche über- setzten Roman.Die Bauern" ein Epos des ländlichen Lebens und Treibens geschaffen hat, soll ein Erntefest gewidmet werden, das in einem Dorf neben Krakau am 15. und 15. September stattfinden wird. Em Festzug von Vertretern sämtlicher Bauern Polens in alten volkstümlichen Trachten wird den Dichter begrüßen und ihm die traditionellen Erntekränze darbringen. Im Organisation«- komitee, dem u. a. auch der Sejmpräsident Rataj angehört, hat der Fuhrer der Bauernpartei, Witos, den Vorsitz übernommen, der da- durch den Dank für Reymonts kürzlich erfolgten Beitritt zu dieser Partei ausdrucken will.� An den Festlichkeiten werden außer Dele- gierten verschiedener künstlerischer und literarischer Berbände auch Vertreter der polnischen Regierung teilnehmen. Religion und Zorsschritt. Man ist im allgemeinen geneigt zu glauben, baß Religion und Fortschritt meist cnlgegengefttzt« Le- griff« smd. zumal dann, wenn es sich um Fortschritt- rein äußerlicher Art handelt, die nur«ine Folge des sich unablässig beschleunigenden Lebenstsmpos sind. Für England erweist sich diese Annahme jetzt aber als falsch. Auf dem Internationalen Reklamekongreß in London, dem ersten dieser Att,-der neben Reklamefachleuten auch Vertreter aller Berusszweige vereinigt, steht unter anderen Themen wrch folgendes zur Diskussion: Welch«» find die zweck- maßigsten Propagandamaßnahmen für religöse Gemeinschaften?" Dos Ergebnis dürste interessant sein. Vielleicht saßt man den Beschluß, vor und nach dem Gottesdienst Tanz zu veranstalten, vielleicht auch zeitweise das Orgelspiel durch Jazz-Musik zu ersetzen. Jedenfalls kommt bereits aus Com- b r i d g e die Meldung, daß«in« Anzahl der Theologiestudenten der dortigen� Universität, die teils der Fakultät von der.Heiligen Drei- einigkeit". teils tum,.Jesus-Kollsa" angehören, sich zu einer Jazz. Band zusatiuiiengetan haben. Es heiht, dah die anpassungsfähigen zukünftigen Geistlichen beabsichtigen, mährcni, der Sotronerfericn in einem großen Londoner Hotel zu konzottieren. Man darf annehmen, daß es ihnen an Publikum nicht fehlen wttd, denn selbst wenn sie nicht so gut musizieren, wie di« Negerkapelle. so habe« sie doch den Reiz der Neuheit für sich. vr. Aröß«everaldireklor der SkaalsbibNslhek. ES verlautet, daß Dr. Krüh. Ministerialdirektor im preußischen Ministerium für Visienschoit, Kunst und Volksbildung, zum Nachfolger de« GebeimratS F. Wilkaus, dessen Rücktritt zu« 1. Oktober wir bereits meldeten, autersehen ist. Astronom Sastav Müller gestorben. Der ehemalige Direktor des astro» bhhfikalischen Lbiervatorium» zu Potsdam. Geh. RegierungSrat Pros Dr.Suftav Müller, der bereits am t. April 1921 in den Ruhestand trat, ist jetzt in Potsdam im 7S. LebenSjabre verstorben. Er war feit 1877 am Potsdamer Institut tätig, feil 1917 als dessen Leiter. Von leinen Schrsiien ht besonders fein.Lehrbuch der Photometrie" bekannt, außerdem eine Reihe von Abbandlungen über die Lichtmeffung an Sonne, Planeten, Kamele« und Fixsternen. viaallew darf nicht nach Rußland. Di« Kam Mission für AuSIandhilf« in Moskau hat sich gegen dle Einreise nach Eomiei-Rußland de» Direktors de» berühmten russischen vallett» S. P. Dwgilew geäußert. * Die Plädoyers Em Opfer öer Justiz! der Parteien lm Abgeordneten »öfle-Ausschutz.— Schwere Anklagen der »eilmanu nnd Riedel. Di« Plädoyers der Parteienoertreter im j)öfle-Ausschuh wurden gestern mit einer nahezu dreistündigen Anklage- rede des sozialdemokratischen Redners. Genossen H e i l m a n n, eröffnet, die von Anfang bis zu Ende alle Zuhörer in ihren Bann zwang. Er begann seine Ausführungen mit dem aufrichtigen Dank der sozialdemokratischen Mitglieder an den deutsch- nationalen Vorsitzenden des Ausschusses Abgeordneten Dr. E e e l m a n n für dessen mustergültig« objektive Leitung der langwierigen Verhandlungen. Die Arbeiten des Ausschtlsses seien in- sofern erschwert worden, als man nachweisbar bei zahlreichen Zeu- gcnoernehmungen auf Unrichtigkeiten gestoßen sei. deren Aufklärung oft mühevoll gewesen sei. Sodann führte der Redner etwa aus: Die Umstände, unter denen die Verhaftung chöfles erfolgte, sprechen nicht zuungunsten Höfles, der ein ganz offenes Spiel von vornherein gespielt hatte, sondern zu Ungunsten der Staatsanwaltschaft, die teils kindisch, teils illoyal gehandelt hat. Denn Höste wurde nach Moabit zur Verhaftung gelockt, ob- wohl seine Verteidiger sich wiederholt' angeboten hatten, ihn frei- willig zur Stelle zu bringen. War aber die Verhaftung überhaupt notwendig? Diese Frage ist nach allen Richtungen hin zu v e r- n e i n e n; bei einem Manne, der freiwillig auf die I m m u- nität verzichtet hatte, lag das Gegenteil von Fluchtverdacht vor. Ueberhaupt wäre eine Flucht, das Sinnloseste, was Höste hätte tun können. Ebenso lag das direkte Gegenteil von Verdunkelungsverdacht vor. Staatsanwälte und Untersüchnngsrichter waren nicht in der Lage, vor dem Ausschuf, diesen doppelten Verdacht zu begründen, ja sie konnten ihn nicht einmal, wie es gesetzliche Vorschrift ist, akten- kundig machen, womit sie einen Verstoß gegen den Rosenfeld- fchen Erlaß vom 18. November 1918 begangen haben. Und wie war es mit dem„dringenden Tatverdacht-? Der Höfle-Ausschuh hat be- wüßt die strafrechtliche Seite des Falles Höste beiseite gelasseiz. Und doch muhte sie wiederholt gestreift werden. Der Haftbefehl lautete auf Untreue und passive Bestechung. Nach dem Straf- gesetzbuch setzt Untreue absichtliche Schädigung voraus. Erst am gestrigen Tage hat der Syndikus der Reichspost, Rechts- anwolt Kohlen, vor dem Barmat-Ausfchuß erklärt, daß die Reichspost bis jetzt noch nicht in der Lage sei, festzustellen. ob und inwieweit eine Schädigung de» Fiskus durch die hösle kredite an den Barmat-Sonzern eingetreten sei. Und da sollte Höste schon im Oktober 1924 bei der Gewährung der Kredite das Reich bewußt geschädigt haben? Auf ebenso schwachen Füßen beruht de? andere„dringende Tatverdacht- der passiven Bestechung. Denn, als Höste die Kredite an den Barmat- Konzern gewährtes zahlte er zugleich feine sämtlichen früheren Schul- den an Barmat zurück. Eine Bestechung, bei der man Geld nicht einnimmt, sondern zurückzahlt, ist noch nie dagewesen. Sollte die Verhaftung am Ende nichts anderes gewesen sein, als eine Hilfsaktion, die die Staatsanwälte benötigten, als der erste Grund ihres Vor- gehens gegen den B o r m a t- K o n z« r n, nämlich die Annahme des an der Staatsbank begangenen K re d i t b et r u g e s zusammenbrach? Nach der Verhaftung setzte gegen Höste die Zermürbungslaktlk ein. Bezeichnend war die Ablehnung einer Sprech- erlaubnis für zwei Abgeordnet« der Zentrumsiraktion: obwohl der Untersuchungsrichter Nothmann wußte, wie schwer Höste seelisch unter der Annahme litt, daß ihn seine Partei im Stich lasse, wollte er den beiden Abgeordneten, die ihn vom Gegenteil über, zeugen wollten, die Sprecherlaubnis nur gewähren, wenn Höste auf einen der alle 10 Tage seiner Frau zustehenden Besuch« freiwillig verzichtete! Es kamen Arreste über Arreste. Pfändungen über Pfändungen. Es letzte ein förmlicher Wettlauf zwischen Reich»- p o st und Justizverwaltung um die geringen Vermögens- wert« Höfles ein. Dabei blieb die Reichspost, wie bei dem jüngsten Stafettenlaus in Berlin, der Sieger.(Heiterkeit.) Denn sie hatte den Vorsprung des aufgezwungenen Offenbarungseides. Auch die Steuerbehörde gesellte sich als Dritter im Bunde, weil sie deduzierte, daß bei einem Bestochenen verschwiegene Einnahmen vorhanden sein müßten! Diese Arreste gegen Untersuchungsgefangene find eine außergewöhnliche Maßnahme, die neuerdings nur in der Barmat-Affäre ergriffen wurde. Sie wurde mit der rein Willkür- lichen Annahme einer fünfjährigen Gefängnisstrafe begründet, was dazu beitrug. Höfles seelische Depression erheblich zu steigern. Am unerhörtesten ist jedoch das Verhallen des Staotsanwaltschastsrats P e l tz e r in jenem vleineidsverfahren gewesen, das er zunächst als Zeuge vor dem Ausschuß bewußt ver- schwiegen hatte und dessen Aufdeckung man nur einem Zufall ver- dankt. Es handelle sich in Wirklichkeit um«inen Geldbetrag von etwa 60 M.. den Höfle vergessen hatte, aber Herr Peltzer konstruierte willkürlich eine Beteiligung in Höhe von 2000 M. an dem Verlag Sudau. Der Fall hätte sich mit Leichtigkeit durch«ine bloße Rück- spräche Peltzers mit Höfle aufklaren lassen können, aber Herr Pgltzer. wie er selbst zugegeben hat, wollte diese Rücksprache nicht, sondern er wollte das Mcineidsversahren. Sodann setzte ein wahrer Tanz um die haslfähigkeit. und um den Gehelmerlaß vom 23. August 1924 zwischen Untersuchungsrichter und Aerzten ein. Alle stimme« über- ein, daß ohne den Erlaß Höste bereits am 15. März als hastunfästig hätte erklärt werden müssen. Aber wegen des Erlasse» scheute jeder die Verantwortung und schob sie dem anderen zu. Genosse Heilmann wandte sich auf das schärfste gegen die nach« weisbaren zahllosen Unwahrheiten der Thieleschen Aussagen. Er beleuchtete kurz die Zustände im Lazarett und erklärte, das Weiter« auf diesem Gebiete seinem medizinischen Kollegen Dr. Weyl überlassen zu wollen. Indessen wandte er sich auf das fchärffte gegen die Selbstmordtheorie. die durch nichts bewiesen sei. Genosse H e i l m a n n schloß mit einem scharfen Vorstoß gegen dieStaatsanwälte: Sie sind die eigentliche« Treiber gewesen. die das wild dem Tode in die Arme gelrieben haben. Die revubli» konische Rcichsverfassung von Weimar hat die F r e i h e i t u n d d i e Gesundheit des Menschen zu den heiligsten Rechtsgütern aller Deutschen erhoben. Der Geist von Weimar hat aber nichts gemein mit der Methode der Tortur und der Znquifltioa. wie sie gegen Dr. Höste von Ansang bis zum Ende von den Staats» anwättSn angewandt wurde. Mit solchen Staatsanwälten hat der republikanische Skaat nichts zu tun! Nach diesem fast dreistündigen Plädoyer, das durch Aufbau und Form den tiefsten Eindruck hinterließ, wurde in eine Mittags» pause eingetreten. Noch Wiedereröffnung der Sitzung hielt der deutschnationale Arzt Abg. Ouaet-Faslem eine Rede, in der er sich fast ausschließlich mit den medizinischen Fragen befaßte. Auch er verurteilte die Zustände im Lazarett, gab auch in vielen Punkten den Arzt Dr. Thiele preis, versuchte aber trotzdem mildernde Um» stände für ihn geltend zu machen. Vor allem gipfelten sein« Aus» fübrungen in dem Versuch, gestützt auf das Gutachten Joachimoglus und die Aussagen Lindes, die S e l b st m o r d t h e o r i e ausrecht» zuerhalten, wobei er die frei« Willensbestimmung allerdings ausschloß. Nach ihm ergriff als Vertreter der Demokraten der Abgeordnete Riedel das Wort, der in außerordentlich lebhafter und eindrucksvoller Weife die I u st i z z u st ä n d e geißelte, die das Verfahren gegen Höfle offenbart habe. Er schloß sich im wesentlichen den Aus» führungen des Genossen Heilmann an, ging aber zum Teil noch weiter, als er in der Anprangerung der staatsanwältlichcn Methoden. Höfle sei ein Opfer der von der deutschnationalen Presse zu Beginn dieses Jahres gezüchteten Varmal-psychose gewesen, der gewiss« Behörden unterlegen wären, wenn sie sie nicht sogar gefördert hätten. Mit Bauer und Höfle wollte die deutschnotionole Presse zwei Minister der Republik und damit da» ganze Reoime im Hinblick auf die Präsidentenwahl diskred!» tieren. Zu diesem Zweck hätte man auch versucht, den früheren Reichspräsidenten E b e r t in die Barmat-Hetze hineinzuzieheu. Eharakteristisch fei der Ausspruch Höfles unmittelbar vor Ostern, der dem.Redner aus sicherer Quelle mitgeteilt wurde: .vielleicht komme ich jetzt noch nicht'raus, sondern erst nach dem 2S. April, denn dann wird wohl weiue hast ihren eigent- lichen Zweck erfüllt haben.- 'Riodel wandte sich sodann besonders scharf g«g«n die Gelbst» mordoersion, die nicht erst von den Obduzenten lanciert wurde, fondern bereits am ZNorgon nach dem Tod« Höstes, am 21. April in allen deutschnationalen Blättern zu lesen war. die damit für die letzten Tage vor der Präsidentenwahl politische Geschäfte in ganz veusschland machten, indem sie den angeblichen Selbstmord Höfles als ein Schuldbekenntnis hinstellten. Als nächster Redner erörterte Genosse Dr. Weyl eingehend die medizinischen Gesichtspunkt«, unterzog nochmals den Geheim» erlaß einer vernichtenden Kritik und geißelte das v ö l l i g e V e r» sagen des Dr. Thiele. Die Reinwaschungsvcvfuche des Abg. Quaet» Faslem seien aussichtslos, dazu reiche die Seife der ganzen Welt nicht aus. Als letzter Redner schloß sich der volksparteiliche Arzt Dr. Böhm. wenn auch mit wesentlichen Vorbehalten, seinem dsutschnationalen Kollegen Quaet-Faslem an. Auch er kritisierte sehr scharf das Der» sagen Dr. Thieles. Er nahm mit einigen Einschränkungen den Ge» heimerlaß in Schutz, der der Gewissensfreiheit der Aerzte genügend Spielraum lasse. Cr kritssiert« das Gutachten L« w i n s. da» zwar eine oratoriische Glanzleistung gewesen sei, dessen Schlußfolge» rungen aber detettivartig seien. Daß das Gutachten Joachimoglus nüchterner sei, sei kein Tadel. Ein« S« l b st v e r» g i f t u n g habe zweifellos vorgelegen, ob Selbstmord könne man weder bejahen noch verneinen, aber e» sei wohl anzunehmen, daß freie Willensbestimmung dabei nicht vorlog. Daraufhin wurde die Weiterberatung aus heute 10 Uhr vertagt. Das Durchpeitschungsprogramm» Steuern und Zollvorlage— alles in fünf Tagen. Die Regierungsparteien wissen zwar noch nicht recht, was sie wollen— sie wissen nur, daß sie es im Eilzugs- lempo wollen. Sie haben ein Programm für die Durch- peitschung ihrer Pläne aufgestellt, das an Kühnheit nichts zu wünschen übrig läßt. Das Nachrichtenbureau des VdZ. berichtet darüber: „Ueber die Besprechungen des Reichskanzlers Dr. Luther mit den Vertretern der Regierungsparteien erfahren wir, daß daran festgehallen wird, bis zum IS. Juli die A u f- wertungsvorlagen in zweiler und dritter Lesung zu er- ledigen. Da der Steuerausschuß erklärt hat, daß er seine Arbeiten nicht vor dem 21. Juli beenden kann, würden-nach dem 15. Juli einige Tage für andere Materien zur Dersügung stehen. Es könnte auch die außenpolitische Debatte in dieser Zeit erfolgen, falls bis dahin die Rote abgegangen ist, was allerdings zweifelhaft erscheint. Wahrscheinlich ist, daß die Sleusrvorlagen und die Zollvorlagen in der Zeit vom 21. bis 25. Zuli auf die Tagesordnung der plenor- sitzung kommen werde«. Die TNehrheilsparleien glauben, daß es möglich sein wird. In diesen Tagen Sleuervorlage und Zollvorlage zu erledigen. In den letzten Tagen des Juli soll dann die dritte Lesung des Etats erfolgen, und zwar in Verbindung mit der geplanten außenpolitischen Debatte. Ob es tatsächlich gelingen wird, dieses Arbeitsprogramm zu den vorgesehenen F r i st e n zu erledigen, steht dahin. Die Sozialdemokraten und Demokraten haben bereits erklärt, daß sie auf einer eingehenden Erörterung der wichtigen Gesetzes- vorlagen bestehen müssen. Es ist daher leicht möglich, daß die Fristen überschritten werden und die Tagung des Reichstags noch bis in den August hineingeht, falls es überhaupt möglich ist, so lang« ein beschlußfähiges Haus zusammenzuhalten.- Die Regierungsparteien hoffen also, in fünf Tagen im Plenum Steuervorlagen und Zolloorlage erledige» zu können. Da geschäftsordnungmäßige Fristen eingehalten werden müssen, so mühte die Plenarberatung zur Farce herabgewürdigt werden, um in fünf Tagen diese entscheidenden Vorlagen durchzupeitschen. Am Gelingen zweifeln die Regie- rilngsparteien selber— aber sie zeigen trotzdem den bösen Willen. Sie lassen erkennen, daß ihnen an wahrhaft fach- licher Vertretung nichts gelegen ist. Aber zunächst sind sie sich noch nicht darüber einig, was sie nun in fünf Tagen durchpeitschen wollen. Klarheit! Widersprüche zwischen Teutschnationalen und Regierung. Die Regierungsparteien scheuen die öffentliche Aussprache über die Außenpolitik der Regierung im Plenum des Reichs- tags. In der Presse dagegen interpretieren sie die Politik der Regierung nach ihrem Belieben. Graf Westarp bemüht sich in der„Kreuzzeitung-, das Memorandum vom 9. Februar als Prioatvorfchlag Stresemanns hinzustellen und zu erklären, daß es als Grundlage für die Regierung nicht mehr in Betracht komme: „Der deutsche Außenminister aber hafte von sich aus und ohne einen Beschluß des Kabinetts die Botschafter mit mündlichen Aaußerungen beauftragt, über deren Inhalt zur Unterstützung des Gedächtnisses eme formlose Niederschrift ohne Anrede und Unterschrist übergeben wurde Diese Form des Dorgehens, ebenso wie die Tatsach«, daß da« Kabineft al» solche» damit nicht besaht gewesen ist. zeigen deutlich, daß es sich dabei nicht um Bor. schlage oder bindende Angebote der deutschen Regierung, sondern um«in« unverbindliche Anregung des deutschen Außenministers gehandelt hat. b e- stimmte Fragen zu prüfen und zu erörtern. Run hat Herr Stresemann im Auswärtigen Ausschuß erklärt, er stehe nach wie vor zu dem Memo- r a n d u m, und das Kabinett sei sich vollständig einig. Herr Graf West a r p bemüht sich also, der Regierung, in der seine Partei als stärkste Regierungspartei vertreten ist. die von ihr anerkannte Grundlage ihrer Politik unter den Füßen hinweg- zudisputieren. Das sieht nicht nach Einigkest aus, noch viel weniger aber nach Klarheit darüber, ob die hinter der Regierung stehenden Parteien restlos ihre Außenpolitik billigen. Reform üer Umsatzsteuer. Herabsetzung auf l1/« Proz. ab 1. Ottober 1925. Der Steuerousschuß des Reichstags erledigte in seiner Donnerstagsttzung die zur Umsatzsteuer gestellten Anträge. Ein demokralischer Amrag, die handelsverlreier von der Umsatzsteuer zu befreien, wurde nach Widerspruch des Staatssekretärs P o p i g gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. Ebenso wird abgelehnt der demokratische Antrag auf Steuerfreiheft für oll« Leistungen au» freier Berussiäligkelt. Auf Antrag der«ozialdemokraten wird be- schlössen, daß Vrioollftehrk-. Künstler und Schriftsteller, sosern die steuerpflichtigen Umsätze«m Kalender Vierteljahr den Betrag von 1 50 0 Reichsmark nicht ubersteigen, von der Umsatzsteuer be- freit sind. Diese Bestimmung soll mit Wirkung vom 1. Januar 1 9 25 in Kraft treten. Eine eingehende Aussprache entspinnt sich über die Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten auf Beseitigung der Doppelbesteuerung der eingetragenen Gcnossenichaften. Abg. Peine(Soz.) weist u. a. daraus hin, daß die großen Jndustriekonzerne die Umsatz- steuer ersparen können, während die Genossenschasten siz mehrfach entrichten müssen. Die Anträge werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Ebenso wenig Gnade findet der sozialdemokratische Antrag auf Befreiung der Lebensmittel von der Umsahsteuer. Er wird gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. Zur höhe der Umsahsleuer liegen zwei Anträge vor, em demokratischer, die Umsatz- steucr ab t. Oktober aus 1 Proz. festzusetzen,«in Antrag der Re- aierungsparteien. sie auf 1,25 Proz. festzusetzen. Der Antrag der Regierungsparteien wird angenommen. Der demokratische Antrag auf Aufhebung der Luxussteuer wurde gegen die Stimmen der Linken abgelehnt und ein Antrag der RegierungsparWe« angenommen, der die Regierung ermächtlgl, mit Zustimmung eine» Reichs lagsausschusse» die Luxussteuer ab- zuändern und den Steuersah zu ermäßigen. Ein Autrag der Wirtschaftspartei verlangt, daß Länder und Gememden keine Beherbergungssieuern mehr erheben dürfen. Abg. Dr. herh(Soz.) wendet sich gegen diesen Antrag, da er die Ge- meinden in ihrer Selbständigkeit beeinträchtige. Auch ohne diesen Zwang seien die Beherberouiigssteuern fast uberall abgebaut oder eingeschränkt worden. Die Aufhebung der Beherbergungssteuer habe Überdies nicht überall eine Senkung, sondern teilweise sogar ein« Steigerung der Zimmerpreise zur Folg« gehabt. Der Vertreter des preußischen Innenministerium, schließt sich diesen Ausführungen an. bestritt serner dem Reiche da» Recht zur Aufhebung dieser Steuer, da sie auf die Landesgesetzgebung(h lZ des Kommunal- abgabengesetzes) zurückgehe. Trotzdem wird der Antrag angenommen. Das totgesagte Genfer Protokoll. Erneute Bekräftigung durch den Warschauer Kongreh. Warschau. 9. Juli.(MTB.) DieWarschauerTagungdes Welt- Verbandes der Völkerbundslipen hat gestern ihre Beratungen beendet. Di« Vormittaqesitzung der Dolloersammlung wurde ausgefüllt mft den Beratungen über den vom politischen Ausschuß angenommenen Antrag zum G« n f« r P r o t o k o l l. Di« Resolution hat folgenden Wortlaut:„ ,,... „Die Dollversammlung des Weftverbandes der Volkerbundsligen ist der Meinung, daß das Genfer Protokoll, da» jedem Staat« zur Unterzeichnung offen steht, das befried,- gendste, von der Dölkerbundsversammluna angenommen« System darstellt, um vollkommen die Ziel« de» Völkerbund»- pakte» und insbesondere einer allgemeinen Dermtnd«- rungderRüstungenzu verwirklichen. Sie spricht den Wunsch aus, dah die 6. Versammlung des Völkerbundes sich bes mder, damit beschäftig«, dieses Gefüge von Schiedsgerichi, Sicherheit und Abrüstung anzuwenden.„... Die izollverfominlung erklärt, daß sie mit lebhaftem Anteil und Hoffnung die laufenden Verhandlungen über ein Abkommen dieser Art verfolgt, als den ersten Schritt zur Verwirklichung der Grund- sätze des Protokolls und als ein Vorzeichen für den lünstigen Ein- tritt Deutschlands in den Völkerbund. Dieser Antrag soll der 6. Voll- Versammlung des Völkerbundes vorgelegt werden.- Jn der Aussprache erklärte der Führer der deutschen Delegation, Abg. Gras Bernstorss, die deutsche Abordnung sei für die Annahme de» Antrages, da er sich für die Entwassnung ausspreche. Deutsch. land sei eiitwassnet und begrüße eine derarttge Regelung, die das Mißverhältnis beseitige dah�neben dem entwaffneten Deutsch- land unverhältnismäßig gerüstete Staaten bestehen. Hierin sei auch die Ursach« zu suchen, daß A r t. 16 des Völkerbundsstotuts vom deutschen Stoichpunkte aus sschweranzu nehmen ist. In Deutsch. land beständen zwei Ansichten über die Möglichkeit, diese Schwierig- keit zu oeseitigen. Die eine sei, daß eine entsprechende für Deutsch- land annehmbare Interpretation de« Art. 16 noch vor dem Eintritte 1 Deutschlands in den Völkerbund durchgeführt werde, er selber neig- 1 aber der zweiten Aufsassung zu. die glaube, daß eine solche I n t« p» p r e t a t i o n am besten erfolgen könne, wenn Deutschland schon Mitglied des Völkerbundes sei. In der Nachmittagssitzung wurde eine Reihe von weniger wich- tigen Anträgen beraten und angenommen. Di« Frage der Ausarbei- tung eines wirksamen Klagerechtes der Minderheiten wurde auf die nächste Tagung, die voraussichtlich im O t t o b« r d. I. in L o u s a n n e stattfindet, vertagt. Dann wurde die 9. Tagung de« Weltbundes der Dölkerbundsligen geschlossen. Die Marokko-Kreüite. Beratung in der französischen Kammer. Paris. 9. Juli.(Eigener Drohtbericht.) Die Kammer hat am Rachmittag mit der Beratung der von der Regierung angeforderten und von der Finanzkommission gutge- heißenen neuen Kreditoorlage für Marokko in Höhe von 1SZ Millionen begonnen. Dieser Betrag enthält lediglich di« durch die militärischen Operationen über die im ordentlichen Haushalt bereits ausgeworfenen Kredite hinaus erforderlichen Mittel für die Dauer von vier Monaten, d. h. vom 1. Mai bis 31. August. Die sozialistische Fraktion hat am Mittwoch und Donnerstag über die Haltung beraten, die sie gegenüber den von der Regierung verlangten neuen Krediten für Marokko einnehmen soll. Einzeln« Abgeordnete des rechten Flügels, darunter Paul Bon- cour. Barennes und Marques, traten für die Bewilligung der Kre» dite«in. die von der großen Mehrheit der Fraktion auf, entschiedenst« bekämpft wurden. Eine Einigung tonnte nicht erzielt werde». Es ist deshalb wahrscheinlich, daß sich die Partei entsprechend einem Antrage Leon Blums wiederum her Stimm« enthalten wird. Ermordung eine» brilische« viplomale«. Räch einer Reuter» Meldung aus Konstantinopel wurde der erste Sekretär der britischen Botschaft Fordes Adam erschossen aufgefunden. Gewerkschaftsbewegung Was sagt die Reichsregierung? Wo bleibt die Rafifizierung des Achtstundentags? Die Reichsregierung hat sich bisher noch nicht bewogen gefühlt, im Anschluß an die bedeutungsvolle Erklärung des belgischen Außen ministers zur Frage der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens der Deffentlichkeit und vor allem der Arbeiterschaft mitzuteilen, was von deutscher Seite zur Sicherstellung der Ratifizierung des internationalen Achtstundentagabkommens geschehen soll. Inzwischen iſt zu dem Borstoß des belgischen Außenministers ein ebenfalls bedeut samer Schritt des französischen Arbeitsministers hinzugekommen, na dem Frankreich nur die eine Bedingung stellt, daß Deutschland auch ratifiziere. Wir verraten fein Geheimnis, wenn wir sagen, daß die freien Gewerkschaften mit Ungeduld auf ein Echo der Reichsregierung warten. In Genf hat die Regierung noch fürzlich ertlären lassen, daß sie mit Eifer und Fleiß einen Gesezentwurf zur Ratifizierung vorbereitet. Bis jetzt hat die Deffentlichkeit tein sicht bares Zeichen dieses Eifers beobachten können. Wenn der Reichsregierung an der Ratifizierung wirklich etwas liegen würde, dann müßte sie sich gerade jetzt beeilen, ihren Willen zur Ratifizierung flar und eindeutig befanntzugeben, damit Frankreich und auch die übrigen Hauptindustrieländer wissen, woran fie find. Aber die Regierung hat offenbar teine Eile. Wozu die KPD. die Arbeiter mißbraucht. Eine reinliche Scheidung fut not. unter Dach gebracht werden würde. Die Landwirte würden dann eben Reichswehrsoldaten dazu beiziehen, denen sie pro Tag 3 bis 4 M. Entschädigung zahlen. Wir wissen natürlich nicht, ob und wie weit dieser Syndikus gefluntert hat. Wir halten es jedenfalls für unsere Pflicht, das Reichswehrministerium auf die Ankündigung des Unternehmervertreters aufmerksam zu machen, um so mehr, als man gegenwärtig in Bürttemberg auf allerlei gefaßt sein muß. Immer hin: Reichswehrsoldaten als Lohnbrüder- da hat wohl auch das Reichswehrministerium noch mitzureden. Die Reichsregierung gegen die Angestellten. Ein Monopol für Militäranwärter. Im Laufe der letzten anderthalb Jahre sind Zehntausende Don Angestellten entlassen worden. In Induſtrie und Handel, speziell aber dem Einzelhandel, ferner in den Versicherungsunternehmungen, Banken und nicht zuletzt bei den Behörden find die Angestellten in Massen abgebaut worden, ohne daß es gelang, fie wieder in anderen Stellungen unterzubringen. Eine große Anzahl ist heute noch arbeitslos. Besonders traurig ist das Los der älteren Angestellten. Die Angestellten sind in Jedes Mitglied des DMV. das sich der Fuchtel der KPD. nicht beugen, die Politik seiner Organisation selbst bestimmen will, wählt am Sonntag die Liste A. Die eigentliche Gewerkschaftsarbeit der KPD. läuft nicht darauf hinaus, an der praktischen Berwirklichung der Ziele der Organisation mitzuarbeiten, sondern Sturm zu lau fen gegen die von den Mitgliedern gewählten Bertrauenstrije personen, die deren Interessen gegenüber den Unternehmern zu vertreten haben. Natürlich nur soweit diese Bertreter sich meigern, den Befehlen von Mostau nachzukommen. Daß durch eine solche systematische Zerstörungsarbeit die Organisationen geschwächt und die Interessen der Mitglieder vernachlässigt werden, ist die geringste Sorge der KPD. Sie hat andere Sorgen im Kopf, wie z. B. ein Fragebogen an alle 3ellenobleute vom 23, Juni d. J. dartut. Man wird in den fehr zahlreichen Fragen vergebens auch nur eine einzige suchen, die fich auf die eigentliche Gewerkschaftsarbeit bezieht. Was die RBD. die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften überhaupt. Unter interessiert, ist nichts als der übliche Klama u gegen den ADGB., den Fragen fallen besonders aber noch folgende auf: 1. Wird sich euer Betrieb geschlossen am 2. August am„ Marsch nach Potsdam" beteiligen? 2. Ist euer Betrieb direkt oder indirekt auf die Herstellung von Kriegsmaterial eingestellt? ( Angabe in welcher Art? 3. B. chemische Industrie, Giftgafe, Gasmasten; Munitionsindustrie; Flugzeugbau; Transport.) Das ist die Gewerkschaftsaktion", die man von den Betriebszellen verlangt! Um solche Dinge durchzuführen, deren 3wed sehr dunkel oder nur zu klar ist, werden die Metallarbeiter gegen ihre Organisation und gegen ihre Organisationsinstanzen jetzt mobil gemacht. Mit solchen Dingen haben sich die Leute zu befassen, die die KPD. als. Liste B den Metallarbeitern präsentiert. Wie in der Zellenobleutekonferenz der KPD. am 23. Juni im Reichstafino, Neue Königstraße, ausgeführt wurde, foll am 2. Auguft ein großer Marsch nach Potsdam stattfinden. Hierzu will man ungeheure Menschenmassen auf die Beine bringen". Die Zellen sollen jezt schon die erforderliche Massenstimmung erzeugen". Die Vorarbeiten dazu seien die Hauptaufgaben der Zellen für die nächsten Wochen. Es hieße die Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes beleidigen, wollte man angesichts dieser Tatsachen annehmen, daß fie am Sonntag nicht geschlossen wie ein Mann für die Liste A der aufbauenden Gewerkschaftsarbeit eintreten. Die Aussperrung der badischen Bauarbeiter. Ein Mißerfolg der Unternehmer. Karlsruhe, 9. Juli. Die Aus( Eigener Drahtbericht.) Sperrung bedeutet einen offenen Mißerfolg für die Unternohmer. Schon bei der Abstimmung im Arbeitgeberverband für Mittel- und Oberbaden über die Aussperrung war es bedeutsam, daß im Tiefbaugewerbe 126 Stimmen gegen die Aussperrung und nur 6 dafür waren. Es haben denn auch gerade die größten Tiefbaufirmen nicht ausgesperrt: weder die Firma Siemens- Bau union an der Schwarzenbachtalsperre, nach Dnderhoff u. Widmann in Böhrenbach, ebensowenig eine Reihe anderer Firmen, die für das Badenwert Arbeiten ausführen. Ausgesperrt haben die Orte Bruchsal, Baden- Baden, Neckargemünd und Radolfzell. Einen glatten Tarifbruch beging der Landesverband der Gipser- und Stuckateurmeister in Baden und der Pfalz und der Verband badisch- pfälzischer Zimmermeister, indem fie fich der Aussperrung am 1. Juli anschlossen. Gegenwärtig verhandeln diese Verbände jedoch mit den Gewerkschaften. In den Streit traten insgesamt 6624 Bauarbeiter ein, in der dritten Woche waren erster Linie die Leidtragenden in der Wirtschaftsgewesen. Die Reichsregierung hat dem Reichstag einen Gesezent murf vorgelegt, nach dem die Militärqnwärter oder, wie spruch auf die ihnen im Wehrmachtversorgungsgesetz zuerkannten man sie jetzt nennt, Versorgungsanwärter, nicht nur AnBeamtenstellungen beim Reich, den Ländern und den Gemeinden haben, sondern es soll jetzt auch jede Angestellten stelle bei Reichs-, Länder- und Gemeindeverwaltungen sowie bei den öffentlichen Körperschaften durch Militäranmärter befeki werden. Aber nicht nur darauf erstreckt sich die Forderung waltungen, auch den in Gesellschaftsform übergegangenen, der Regierung; auch bei den Betrieben der vorgenannten Bersollen alle Angestelltenstellen mit Versorgungsanwärtern besetzt werden. Das führt nicht zu der vom Städtetag angestrebten kaufmännischen Verwaltung in den Betrieben. Wie uns vom Zentralverband der Angestellten geschrieben wird, hat er hiergegen Einspruch erhoben. Gegen die Konkurrenz der Versorgungsanwärter mit den Angestellten ist natürlich nichts einzuwenden; aber ein Monopol der Versorgungsanwärter auf alle offenen Stellen bedeutet eine Herausforderung der geſamten Angestelltenschaft und muß zur Verknöcherung und Ver sumpfung der öffentlichen Verwaltungen führen. Die Reichsregierung beabsichtigt nichts mehr und nichts weniger, als eine große Gruppe der deutschen Bevölkerung, die Angestellten, von der Beschäftigung bei Behörden und öffentlichen Körperschaften a uszu fchließen. Dagegen muß entschieden Front gemacht werden, im Interesse der Angestellten sowohl als auch der Deffentlichkeit. Der Lohnkonflikt in den Gas- und Wafferwerken. Verbandstag der Maler. = Dresden, 9. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag wurde die 19. Generalversammlung des Verbandes der Maler an der Stelle eröffnet, wo der Verband vor 40 Jahren gegründet worden ist. Zu der Tagung find 60 Delegierte und 17 stimmberechtigte Bezirksleiter und Verbandsvertreter erschienen. Von den Gästen sind zu erwähnen: Zausner, der die Grüße der amerikanischen Kollegenschaft überbrachte und arjen Kopenhagen, der im Auftrag der übrigen Bertreter des Auslandes deren Glückwünsche aussprach. Vom ADGB. ist Genosse Schulze- Berlin anwesend. Als Vorsitzende wurden Streine- Hamburg und JetschmannDresden gewählt. Den Bericht des Vorstandes gaben Streine und Heirich. Aus ihm geht hervor, daß der Verband sich wieder in aufeinführung der Arbeitslosen- und Sterbeunterstützung soll demnächst steigender Linie befindet. Nach der im Dezember erfolgten Biederauch die Krankenunterstützung in Wirksamkeit treten. Die Mitgliederzahl hat sich seit Dezember vorigen Jahres um 6000 auf 44 000 erhöht. Das Verbandsvermögen beträgt 65 000 m. Es folgten dann die Berichte über das Verbandsorgan, der Pressefommission, des Verbandsausschusses und der Mandatsprüfungstommission. In der Aussprache wurde im allgemeinen die Politik des Vorstandes gebilligt. Nur die„ Opposition" gab sich redliche Mühe, im Sinne der Moskauer Befehle den Verbandstag zu beeinflussen. Genosse Schulze vom ADGB. und auch die übrigen Diskussions= redner wandten sich sehr lebhaft gegen die Kommunisten, deren Arbeit weder mit Sozialismus noch mit Klassenkampf irgend etwas zu tun habe. Wie in den einzelnen Verwaltungsstellen, so sind auch auf dem Verbandstage die kommunistischen Stimmen sehr erheblich in die Minorität gedrängt worden. So fonnte schon am 2. Berhandlungstage die Niederlage der Kommunisten vorausgeseher merden. Am Mittwoch wurde die Debatte über den Geschäftsbericht mit der Annahme mehrerer Anträge beendet, in denen die Maßnahmen des Borstandes zur Erhaltung der Schlagkraft der Organisation und die von ihm nach zentralen Grundsäßen betriebene Tarif- und Lohnpolitik gebilligt werden. Es wird gefordert, daß der Erhaltung der 48- Stunden- Woche, dem Ausbau der Bestimmun gen über die Ferienfrage und dem Lehrlingsschuß und der ausschließlichen Benutzung der Arbeitsnachweise bei der samen Aftion aller Gewerkschaften und Verbraucherorganisationen Vermittlung von Arbeitskräften erhöhte Beachtung geschenkt wird. Bom ADGB. sind die Einleitung und Durchführung einer gemeingegen die rücksichtslosen 3011. und Steuerpläne der Reichsregierung gefordert. Auf die politischen Parteien soll ein Druck dahin ausgeübt werden, daß alle geeigneten Mittel angewendet werden, um zu verhindern, daß die wichtigsten volkswirtschaftlichen und fozialen Interessen dem Eigennutz agrarischer und schwerindustrieller Großkapitalisten geopfert werden. SPD.- Metallarbeiter! Aus jedem Betrieb müssen heute in der Zeit von 4-8 Uhr nachm. im Cofal von 3schiefing, Aderstr. 1, Kollegen erscheinen, um sehr wichtiges Material für die Wahl abzuholen. Berbands- und Parteiausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Akkordsteinträger der Freien Vereinigung! Heute, Freitag, ist auf allen Baustellen im Geltungsbereich Groß- Berlins die Arbeit rest und bedingungslos einzustellen. 3u gleicher Zeit findet abends 7 Uhr eine Vollversammlung bei Schulz, Elisabethstr. 30, statt, wo die näheren Richtlinien befannt gegeben werden. Der Vorstand. Hafenarbeiterstreik in Königsberg. Königsberg, 9. Juli.( WTB.) Wie durch den Arbeitgeberverband mitgeteilt wird, haben die Hafenarbeiter nach Ablehnung ihrer Forderung auf Erhöhung des derzeitigen Tagelohnes von 6,50 M. um 50 Broz.(?) am Mittwoch abend die Arbeit nieder gelegt. Die Lithographen, Steindruder und verw. Berufe von Berfin haben in der Generalversammlung am 8. Juli im Gewerkschafts. haus als Delegierte zum Verbandstag in Köln fieben Mitglieder der SPD. und drei der KPD. gewählt und zwar: Franz Fiebig, Die Belegschaften appellieren an die Oeffentlichkeit. Gestern abend fand eine sehr zahlreich besuchte Bersammlung der Berliner Gas- und Wasserwerksarbeiter statt, in welcher Geßner über die Lohnverhandlungen berichtete. Er führte aus, daß in den Werken heute Löhne gezahlt werden, die sich zwischen 28 und 36 M. pro Woche bewegen, wobei noch alle Abzüge in An- Mar Gragen, Emil Hensefe, Walter Heydel, Wilhelm Landa, Wilhelm rechnung zu bringen sind. Weil die Lebenshaltungskosten nach dem Liegener, Friz Naujots, Kurt Paul, Gustav ufrow, Paul Boß. Inder um etwa 25 Broz., gestiegen seien, habe die Organisation Forderungen auf Erhöhung des Stundenlohnes um 20 Pf. stellen müssen. Die Direktionen ließen sich nicht zu der geringsten Lohn erhöhung herbei, obwohl in der Privatindustrie feit langem weit höhere Löhne gezahlt werden. Der bekannte Schiedsspruch mußte. da er eine Veremigung des jeßigen Lohnes vorsah, von der Organi fation abgelehnt werden. Wohl sei seit der Bildung der AktienTantiemen und für Neubauten vorhanden gewesen, nicht aber für gesellschaften Geld für eine große Zahl hoher Beamtengehälter, für eine geringe Erhöhung der Arbeiterlöhne. Das müsse bei den Arbeitern eine berechtigte Empörung hervorrufen. Jezt müßten sich alle einmütig um die Organisation scharen. Nach kurzer, lebhafter Aussprache, in der auch die Geschäftsführung der Werke kritisiert wurde, fand die nachstehende Resolution einstimmige Annahme: Bafferwerfsarbeiter sehen in dem gefällten Schiedsspruch, der jede Die am 9. Juli in Bökers Festsälen versammelten Gas- und Lohnerhöhung ablehnt, sowie in dem Antrag der Direktion auf Bers bindlichkeitserklärung eine Berhöhnung ihrer berechtigten Interessen. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe Stud- und Gipsban. Sonntag, pünktlich 10 Uhr vormittags, im Dresdener Rafino, Dresdener Str. 96, Mitaliederversammlung. Tagesordnung: Der Reichstarif im Studbaugewerbe und das Ergebnis der Berhandlung vor dem Reichsarbeitsministerium. Referent Rollege Odenthal, Hamburg. Diskussion. Gewerkschaftliches. Die Kollegen haben vollzählig zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch fein Zutritt. Tegen aur Renntnis, daß alle im Studgewerbe beschäftigten Kollegen am Den RolStreit im Hochbaugewerbe beiteiligt find. Die Rollegen haben sich mit dent Berbandsbuch in den Bezirksstreitlokalen von mittag ab zu melden und fich der Streiftommission zur Verfügung zu stellen. Die Gruppenleitung. Gewerkschaftskollegen des 15. Verwaltungsbezirks! Der Boltschor Südosten veranstaltet am Sonntag ein Waldfest in der Wuhlheide. Da sich der Berein bei allen Veranstaltungen der Arbeiterschaft aur Verfügung stellt, werden die Gewerkschaftskollegen gebeten, bavan teilzunehmen. Gewerkschaftsunterkommission des 15. Berwaltungsbezirts. Berantwortlich für Bolitik: Bictor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Fris Raritädt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 3 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". es noch 3800, dazu einige Hundert, die von der Aussperrung betrof Die Bersammelten find fich ihrer schweren Verantwortung gegenüber Die echten holländischen fen werden. Zu neuen Bedingungen arbeiten 1560 Bauarbeiter. Unter diesen Umständen sehen die Arbeiter dem Ausgang des Rampfes mit groß er Zuversicht entgegen. Reichswehrsoldaten als Lohndrücker? der Allgemeinheit voll bewußt und haben auch wiederholt bewiesen, daß sie ihre Machtposition im Wirtschaftsleben niemals ausnuten, um Sondervorteile für. sich durchzusetzen. Sie fönnen aber auch nicht weiter zusehen, daß sie bei förperlich überaus schwerer Arbeit dauernd unter dem Lohnniveau der Groß- Berliner Arbeiterschaft stehen. Deshalb wendet sich die Vollversamm dringenden Aufforderung, alles zu tun, um den um ihre Eristenz lung in letzter Stunde an die Bevölkerung Groß- Berlins mit der ringenden Gas- und Wasserwerksarbeitern beizustehen. Die Ber fammelten beauftragen die Organisation, Branchenleitung und Tariffommission, alle Berhandlungen, die zu einer Verständiung führen können, wahrzunehmen. Sollte eine annehmbare Berständigung nicht möglich sein, so sollen alle gewertschaftlichen Mittel zur Vertretung der Forderungen in Anwendung gebracht werden." Bom Deutschen Landarbeiterverband wird uns geschrieben: Am 24. Juni fanden vor dem Schlichter beim württembergischen Arbeitsministerium Verhandlungen der Arbeiterverbände und des landwirtschaftlichen Hauptverbandes( Unternehmer) wegen Berbindlichteitsertlärung eines gefällten Schiedsspruches des Schlichtungsausschusses Stuttgart in der Gesamtlohnstreitigkeit in der württembergischen Landwirtschaft statt. Obwohl der Deutsche Landarbeiterverband die ablehnende Haltung des landwirtschaftlichen Hauptverbandes fritifierte und in Gemeinschaft mit dem Schlichter darauf aufmerksam machte, daß die Ablehnung des Schiedsspruches eine noch weitere Abwanderung der Arbeitskräfte vom Lande zeitigen werde, war der landwirtschaftliche Hauptverband nicht zur freiwilligen Annahme des Schiedsspruches zu bewegen. Der anwesende Syndikus des Verbandes erklärte ganz großfpurig, daß Bei 3. Salomon, Lederfabrik, Treptow, befindet sich die r auch bei einem weiteren Abgang von Arbeitern die Getreideernte beiterschaft im Streit. Zuzug ist fernzuhalten. ENVER BEY # Heute nachmittag 2 Uhr finden Berhandlungen über die von ben Unternehmern beantragte Verbindlichkeitserklärung des Schieds. spruches statt. GOLD 518 POLAK Gip PUDDINGE p Kaufst Fudding du zum Mittagmahl Auf Mandelchen fall deine Wahl! ENVER BEY TULA 618 W.H.WITTIG * Kr. 321 4 42. Fahrgaug 1. Heilage des vorwärts Irettag, 10. �oli 1025 � Kv*' ,f'iU■■Uflyj Tte Semite Srennk. her StfpfjdR gkiZht. her Ungfütflidje, der die schattenlose Straße durchpustet oder im vollbesetzten Stadtbahn- abteil brütet, blickt neiderfüllt dem Mann« nach, der mit einer blinken- den Eisstange auf der Schulter in einer Gastwirtschaft verschwindet. Er würde froh wieder in die Sonn« zurückflüchton, käme er m die Der- legenheit, an dem Entstshungsorte dieses Kristalles, bei mirms 7 bis 8° zu arbeiten, oder dauernd Temperaturunterschieden von zirka 35» ausgesetzt zu sein. Doch er genießt nur die angenehmen Wirkungen des Eisblockes auf die Temperatur der Getränke. Wie wäre auch heute lchn« künstliches Eis der Betrieb-in Fleischereien, Gastwirtschaften, der gesamten Lebensmittelbranche, Kranken- Häusern, Brauereien denkbar. Der Eisverbrauch der Stadt Berlin ist sehr beträchtlich. Er erreicht 35 000 Zentner pro'Tag. Gedeckt wird der Verbrauch ausschließlich durch die Kunsteisfabrtken, die den Konsum in den letzten 10 Iahren an sich gerissen haben. Noch bis 1010 beherrschte das Natureis den Berliner Markt. Die Spree und der Mmrmelsburger See bildeten das Arsenal dieser Eis- gewinnung. Die zunehmende Verseuchung des Spreewassers durch Abwässer(kürzlich mußten sogar die Flußbadeanstolten geschlossen werden) zwangen jedoch schließlich, gänzlich zur Kunslcisproduktum überzugehen. Die Geburt ües Gises. Wie die täglich gebrauchten Eismengen entstehen, lehrt uns ein Nundgang bei der größten Berliner Eisfabrik, den Norddeutschen Eiswerkeu, die Tagesmengen bis zu 6000 Zentnern herstellen. Folgt man der Führung und betritt als erstes das gewaltige Kesselhaus, so erlebt man die Uoberraschung, daß das Eis letzten Eudes den kohlen seine Geburl verdankt, die Kälte also aus Wärme gewonnen wird, wenn man die Dampfmaschine als Ausgangspunkt der Pro» duktion ansieht. Der Vorgang der Eisgewinnung ist also«in Physika- lischer. Allgemein bekannt ist, daß bei Verdampfen eines Stoffes der Umgebung Wärme entzogen wird. Das Paradoxe der Ge- winnung von Kälte aus Wärme wird bei dieser lleberlegung bereits verständlich. Um durch möglichst wenig Energieaufnxmd viel Kälte zu erzeugen, wählt man einen Stöfs, der einen möglichst niedrigen Siedepunkt hat, zum Beispiel Kohlensäur«, die bereits bei minus 72° verdampft, oder wie bei den oben erwähnten Eiswerken Amaniaf, dessen Siedepunkt auf minus 33° liegt. Einfach gesehen ist der physikalische Vorgang also folgender: Durch verdampfen von Amouiak wird der Umgebung wärme entzogen, and dadurch Wasser zum Gefrieren gebracht. In der Fabrikation spielt sich der Vorgang erheblich komplizierter ab. Das Amoniak, das m Kompressoren zum Verdampfen gebracht wird, läuft durch Röhren, die schon Srcherlich durch umhüllende Eiskrusten gekennzeichnet sind und bringt Wasser, das durch Zusatz von.Chlormagnesium zur Sole geworden und •*Jsolier Schicht 1 Der Eisapparat für den Haushalt dadurch vor Eisbildung geschützt ist, Wasser werden die Eissormen rnrnus 7 bfe 8°. 3n dieses mit Brunnen, oder destilliertem Wasser getaucht. Wir sehen auf der einen Zeichnung diese Eis- formen m einem Rahmen, der 32 Formen vereinigt. Ist das in ihnen enthaltene Wasser zu der.Eisstange' umgewandelt, so wird der ganze Rahmen aus der Chlormagnesiumsol« herausgezogen und in angewärmtes Wasser getaucht, damit die Eisstangen sich von den Metallformen lösen. Durch einfache maschinelle Vorrichtung wirb der Rahmen gekippt, die Eisstangen rutschen einem Transportband« zu, das sie der Verlabeoorrichtung zuführt. Die Formen werden wieder gefüllt und der Vorgang wiederholt sich. Bon diesen Rahmen liegen 75 hintereinander. Die Arbeit des Auskippens ist also fast ein« ununterbrochene. Die Tagesleistung eines Generators ist 2400 Eisstangen gleich 1200 Zentner. Damit ist der maschinelle Borgang noch nicht beendet. Das zu Dampf gewordene Amoniak wird durch ein« umfangreiche Berieselungsanlage abgekühlt und wieder flüssig gemachi, was außer der Abkühlung durch hohen atmosphärischen Druck, der den Siedepunkt heraufsetzt, erreicht Die Eisformen In der Sohle wird. Dieser Kreislaus ist ein derart vollkommener, daß höchsten» kleine ilndichtigkeiten in der Röhrenanlaye ein Zusetzen von neuem Amoniak«rfvrderiich machen. Einem ähnlichen Kreisläufe ist der überflüssige Dampf der Maschine»mterworsm, auch er wird in Be- riesAmrgskondenfatoren abgekühlt und wieder flüssig. Das hierdurch gewonnene destillierte Wasser wird zur Fabrikation von Eis für Krankenhäuser usw. verwendet. Sie gewonnenen Ssstangen gelangen entweder gleich zum Versand oder werben im Keller ge- lagert, so daß auch ein unvorhergesehener größerer Bedarf gedeckt werden kann. Diese Eiskeller werden wie Kühlhäuser mit Luft- strömen, die wiederum durch Amoniakverdampfung eine Minus- temperatur haben, gekühlt, so daß die lagernden Eisstangen nicht« von ihrem Gewichte einbüßen. Eine Konkurrenz durch Natureisge- winnung haben die Berliner Eiswerte nicht mehr zu befürchten. Zwar hat eine Einfuhr von norwegischem Eis die heimische Pro- duktion etwas beeinträchtigt, aber der überaus milde Winter dieses Jahres läßt diese Frage nicht mehr aktuell erscheinen. Di« Arbeit in einer Eisfabrik stellt an den Arbeiter, namentlich wenn er im Eiskeller arbeitend großen Temperaturunterschieden ausgesetzt ist, in gesundheitlicher Beziehung die denkbar größten Anforderungen. Er- schwerend fällt bei diesem Berufe ins Gewicht, daß der größte Teil der Arbeiter im Winter brotlos ist, da die Kunsteisgewinmmg m den tasten Monaten naturgemäß stark zurückgeht. r y X1 Die Vaumwollpflücker. 17] Romaa von B. Traven. Oopjright 1925 by B. Traven, Oalumbn», TemeuUp««. Mexico, „Was tut denn der hier? Hat der hier auch Arbeit ge» funden?' „Aber nein! Er hat uns doch damals schon immer er- zählt von seiner Speisewirtschast, die er aufmachen woMe.� „Und hat er eine aufgemacht?' „Natürlich! Das können Sie sich doch denken. Was sich so ein Chino einmal vornimmt, das tut er auch. Er hat das Geschäft mit einem Landsmann« in Kompanie." „Ja, lieber Antonio, mir haben halt nicht die gefchäft- liche Ader, die zu solchen Dingen notwendig ist. Ich glaube sicher, wenn ich ein solches Geschäft gründete, würden sofort alle Leute ohne Magen geboren, nur damit ich ja nicht etwa auf einen grünen Zweig komme." „Das kann schon möglich sein," lachte Antonio.„Geht mir gerade ebenso. Ich habe schon einen Zigarettenstand gehabt, schon einen Zuckerwarentisch, habe schon Eiswasser herumgeschleppt und wer weiß, was nicht sonst noch alles ver- sucht. Mir hat selten jemand etwas abgekauft. Ich habe immer elendiglich Pleite gemacht." „Ich glaube, die Ursache ist� eben," erwiderte ich,„wir können die Leute nicht genügend anschwindeln. Und schwindeln muß man können, wenn man Geschäfte machen will. Aber gründlich." „Wir könnten eigentlich mal hingehen zu Sam. Der wird sich auch freuen, Sie zu sehen. Ich esse ab und zu ganz gern mal draußen irgendwo. Zur Abwechselung, sehen Sie. Jeden Tag denselben langweiligen Fraß, das wird einem auch über. 14. Wir machten uns also auf den Weg in das Gelbe Viertel, wo die Chinesen alle wohnten, wo sie ihre Geschäfte und ihre Restaurants haben. Nur wenige hatten ihre Läden in anderen Stadtvierteln. Sie hockten am liebsten immer zu- sammen. Sam war wirklich hoch erstellt, mich zu sehen. Er drückte mir immer wieder die Hand, lachte und schwatzte drauf los, lud uns zum Niedersetzen ein und wir bestellten unser Essen. Die chinesischen Speisewirtschakten sind olle über einen Kamm geschoren. Einfache viereckige Hosttische, manchmal nur drei, an jedem Tisch drei oder vier Stühle. Wegen der Menge der Speisen, die man erhält, können bestenfalls drei sehr verträgliche Gäste gleichzeitig an einem Tisch sitzen. Auf die Sauberkeit des Geschirres und auf die Sauberkeit in der Zubereitung der Speisen kann man sich besser verlassen als in vielen teuren und eleganten Restaurants in Europa oder in den Staaten. Was in der Küche vor sich geht, kann man in den meisten Fällen von seinem Tische aus mit ansehen. Die Art und die Menge der Speisen ist in allen chine- sifchen Speisewirtschaften der Stadt die ganz genau gleiche. So schließen die Chinesen unter sich jede unreelle Kon- kurrenz aus. Sam � hatte fünf Tische. Auf jedem Tische stand eine braunrote,' tönerne, weitbauchige Wasserflasche, von der Art und Form, wie sie schon bei den Azteken im Gebrauch war. Dann eine Flasche mit Oel und eine mit Essig. Ferner eine Büchse mit Salz, eine mit Pfeffer, eine groß« Schale mit Zucker und ein Glas mit Ehille. Ehille ist eine dicke aufge- kochte Suppe von roten und grünen Pfefferschoten. Ein halber Teelöffel in die Suppe getan, genügt, um einen nor» malen Europäer zu veranlassen, die Suppe als total ver- pfeffert und durchaus ungenießbar zu erklären, weil sie ihm Zunge und Gaumen verbrennen würde. Sam bediente die Gäste, während sein Geschäftsteil- Haber mit Hilfe eines indianischen Mädchens die Küche be- sorgte. Zuerst bekamen wir einen Klumpen Eis in einem Glase, das wir mit Wasser füllten. Kein Wirt hier berechnet den Wert seines Geschäftes nach dem Vierverbrauch, man erhall Bier nur auf ausdrückliches Verlangen, und kein Wirt verdirbt einem den Genuß beim Essen durch sein ewiges Lamentieren, daß er am Essen nichts verdienen könne. Dann bekanzen wir ein großes Brötchen, es folgte die Suppe. Es ist immer Nudelsuppe. Antonio schüttet« sich einen Eßlöffel voll Ehille in die Suppe, ich zwei, zwei ge- häufte. Ich habe ja bereits erwähnt, daß ein halber Teelöffel die Suppe für einen normalen Europäer ungenießbar macht. Aber man wird auch bereits bemerkt haben, daß ich weder normal bin, noch daß ich mich zu den Europäern zähle. Die Europäer haben mir das abgewöhnt, nicht die Indianer in der Sierra de Madre. Während wir noch in der Suppe herumfischten, kamen ein Beessteak, geröstete Kartoffeln, ein Teller Reis, ein Teller mit butterweichen Bohnen und eine Schüssel mit Gulasch. Das gibt es hier nicht, daß man sich nach jedem Gang erst die Galle anärgern muß. weil der Kellner sich eine halbe Stunde lang erst überlegt, ob er einem nun den folgenden Gang eigentlich bringen soll oder nicht, Hier werden alle Gänge sofort gleichzeitig auf den Tisch gestellt. �;■_____________ Nun ging das Tauschen vor sich. Antonio tauschte seine Bohnen ein gegen Tomatensalat, den man sich selbst am Tische zubereitet und ich tauschte meinen Gulasch ein gegen eine Omelette. Antonio schüttete seinen Reis gleich in die Suppe; hätte er seine Bohnen behalten, würde er sie auch noch dazu ge- schüttet haben. Aber Bohnen schien es genug in der Bäckerei zu geben, dagegen wohl seltener Tomatensalat. Ich schüttete mir eine Lage schwarzen Pfeffer aus das Beessteak und eine Lage auf die gerösteten Kartoffeln. Dann würzte ich den Reis mit zwei Eßlöffel Ehille und die Bohnen mit vier Eßlöffel Zucker. Darauf kam für jeden ein Stück Torte. Antonio bestellte Eistee mit Zitrone, ich Oaf. (Fortsetzung folgt} vke rauch haben, daß gang bedeutende Temperatursentungen dabei eintreten, durchschnittlich etwa mn 25" Celsius. Man stellte daher verschiedene„Kältemischungen" her, um im Laboratorium schnelle Kühlungen zu erzielen. In der Küche aber fanden sie bisher keine Anwendung, da die technischen Vorrichtungen, wenn mit Sicherheit völliges Gefrieren des Wassers oder der vorbereiteten Creme gewährleistet weiden sollte, zu umständlich und damit zu kostspielig wurden. Run aber fft die Lösung des Problems auf ein« höchst einfache Weise gelungen. Dos Wesentlichste, um chr nahe zu kommen, war, daß man sich bescheiden lernt«. Man begnügt« sich damit, etwa ein halbes Liter Flüssigkeit in Eis gu verwandeln. Heber Jsoliergefäße, die bis zu einem gewissen Gvode die Einflüsse der Außentemperatur unschädlich machen, verfügt« man längst. Das Ei des Kolumbus aber fand man in einer doppelseitigen Flasche, die sich oben wie unten durch feste korken schließen läßt. Di« Unter- seite, die bestimmt ist, die zu frierende Flüssigkeit aufzunehmen, muß man sich vorstellen wie den übertrieben vertieften Doden einer Wein- slasche. Ist diese kegolsörmig« Höhlung gefüllt und verschlossen, so schüttet man in die andere Seite des Gefäßes Amonlumnitrat bis zur Höhe des Kegels, darauf etwas Wasser, dann bis beinahe zum Rande der Flasche Kristollsoda, auf das man wiederum Wasser gießt. Daraus wird auch diese Seite verkorkt und die Flasche nun in ein Isokiergefäß gestellt, m dem sie etwa ein« halb« Stund« bleibt. Nach Ablauf dieser Zeit kann man den Eiskegel entnehmen. Wenn auch diese Art der Eisbereitung nur ein Notbehelf ist, so kommt ihr doch eine gewisse Wichtigkeit zu; denn man muß be- denken, daß damit in Krankheitsfällen— wenn auch nur m ge- ringen Mengen— das oft so nötige Eis hergestellt werden kann, das sonst denen meist unerreichbar war, die abseits von größeren Städten wohnen. Das man mit diesem kleinen Apparat« auch Speiseeis bereiten kann, wird vielen eine angenehme Zugabe fem. Sittlichkeitsverbrechen eines Polizeibeamte«. Acht Iahre Zuchthaus. Ein gemeingefährlicher Unhold, der es unter Ausnutzung seiner Uniform auf die Vergewaltigung von jungen Mädchen abgesehen hatte, wurde vom Schöffengericht Mitt« in der Person des Polizei- Wachtmeisters Otto W i e s n e r auf lange Zeit unschädlich gemacht. Im Jahre 1924 bis 192S häuften sich die Anzeigen über die Der- gewaltigung von Frauenspersonen durch einen Polizeibeamten in Uniform, bis es endlich gelang, den jetzigen Angeklagten auf frischer Tat festzunehmen. Ein Kollege van ihm war es, der die Verhaftung des Wüstlings veranlaßte. Da damals gerade der heute noch nicht aufgeklärte Frauenmord am Arnswalder Platz verübt worden war, lenkte sich der Verdacht dieser Tat aus Wiesner. Er kannte jedoch sein Alibi nachweisen. Dagegen häufte sich die Zahl der Verfehlungen im Laufe der Untersuchung auf Wiesner in un- heimlichem Maße. Nicht weniger als 16 Fälle standen zur Ab- urteilung des Gerichts. Wiesner benutzte seine Eigenschaft als Polizeibeamter, um sich nach der Art des sogenannten Spanners zu betätigen. Er beobachtete L i e b e s p ä r ch e n, die in den Parkan- lagen auf Bänken säßen oder sich vor dem Haause verabschiedeten. Durch Drohungen suchte er sie einzuschüchtern und zu trennen. Er behauptete, daß gegen die jungen Mädchen von der Sittenpolizei ein Versahren eingeleitet sei, und daß er sie verhaften müsse. Auf dem Wege zur Polizeiwache vergewaltigte er dann seine Opfer: vielfach war er auch so dreist, einfach an Arbeiterinnen, die in der Morgenfrühe des Winters an der Straßenbahn standen, um zur Arbeit zu fahren, heranzutreten und sie für verhaftet zu erklären. Di« eingeschüchterten Opfer folgten willig dem angeblichen Sitten- beamten. In einer Reihe von Fällen gelang es Wiesner, seine verbrecherischen Pläne nicht auszuführen, da er verscheucht wurde. Er flüchtete dann schleunigst. Das Schöffengericht verurteilte Wiesner zu acht Iahren Zuchthaus und zehn Iahren Ehr- Verlust. v:e famose 5irma kreutner. Verwerfung der Berufung. Der Prozeß gegen den Inhaber de« Chauffeur- Ver- mittlungsbureaus K r e u t n e r wurde gestern zu End« ge- führt. Der Vormittag war von den Guiachten der Sachverständigen ausgefüllt. Das Ergebnis dieses Gutachtens war für Kreutner vernichtend. Besonders Dr. Goldberg, der Vertreter des Land- arbeitsamts stellte Verfehlungen Kreutners auf Grund eines Kreuz- verhörs fest. Der Angeklagte oersuchte widerum den Narren zu spielen, mußte aber den dringenden Fragen der Sachverständigen trotz aller Manöver Rede und Antwort stehen. Der Vertreter' des Landarbeitsamts wies die haltlose Behauptung Kreutners, das Land- arbeitsamt mache gegen ihn(Kreuwer) mobiel, weil es ein»Kon- iurrenzunternehmen" sei, gebührend zurück. In später Nachmittagsstunde erkonnte das Gericht auf Verwerfung der Berufung des Angeklagten auf dessen Kosten. Nunmehr ist den Behörden und Gewerkschaften endlich die Handhabe gegeben, gegen das gemeinschädlich«„Vermitt- lungsbureau" Krentners auf dem Wege der Klag« auf Kon- zessionsentziehung vorzugehen. Das Reichsbanner in Reukölln. Das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold veranstaltete gestern abend einen Propagandaumzug durch die Straßen Neuköllns. Tausende von Reichsbannerkameraden waren aufmarschiert, und in einem riesigen Zug ging e» unter Borantritt von Musikkapellen durch die Arbeiterviertel. Di« Kund- gebung, die als Propagandoveranstaltung für Republik und Schwarz- Rot-Gold gedacht war, fand bei der Bevölkerung Beifall und freudigen Anklang. Die Rußlandreise. Gestern abend nun haben die Kommunisten ihr neues Theater mit dem üblichen Geräusch in Szene gesetzt. Es klappie alles nach Wunsch. Delegationen, frisch serviert nach kam- munistischen Parolen, die sich zum Abschied nochmals geziemend vorstellten, waren aufmarschiert. Der Saalbau Friedrichshain, in dem die Kundgebung stattfand, war einigermaßen gefüllt, als gegen 'A8 Uhr die Propagandoveranstaltung der KPD. er- öffnet wurde. Hoffen wir, daß der Optimismus, den die„delegierten" Rußlandfahrer zur Schau trugen, auch im Osten und darüber hin- aus anhält. Was man immerhin bezweifeln kann. Dammbruch an der Weichsel. Laazig, 9. Juli.(2BI3.) Nach einer aus Dirschau ein- getroffenen Meldung ist beute früh um ö Uhr bei Schorn au gegenüber Schulitz in der Nähe von Bromberg der Weichsel- dämm gebrochen. Eine Strecke von 26 Kilometern bis Alt-Thorn ist überschwemmt. An der Unglücksstelle arbeiten Thorner Pioniere.' Es ist zu befürchten, daß bei Münsterwalde in der Nähe von Marienwerdsr der alte Damm, der" ebenfalls unterspült ist, durch- krochen wird. Em sowjelrussischer Rliliiärzug entgleist SluS Minsk wird ge- meldet, daß ani der Strecke Orscha-Minsk ein Militär- z u g e n t g l e i st ist. Eine große Anzahl Wagen wurde zer- trümmert. 20 Personen wurden getötet und zirka 6 0 verwundet. Die Sowjetbehörden vermuten einen Anschlag. Pestgefahr ia SüdostruhUrnd. Im Gouvernement Zarizun, jetzt in S t a l i n g r a d umbenannt, sind einige Pesterkran- tun gen festgestellt worden. Eine besondere Kommission zur Bekämpfung der Pestzcfahr ist gebildet worden. Wetter für Der!,» und Umgegend Wolkig bis heiter. Zeitweise stärker bewölk bei wenig veränderten Temperaturen.— Für Deutschland. Süd- deutschland langsame Besserung. Slldostdeutlchland Verschlechterung und RegenM». Etwas kühler. Sonst überall etwa» wolkiges Wetter. Limburg, den g. Juli 1925. fDrahtbericht.) Der Posizeiafsistent Wagner, der als nächster Zeuge ver- nammen wurde, hatte ebenfalls versucht, Angerstein zu einem Ge- stärtdnis zu bewegen und schildert«, wie Angerslein bei dem DerhSr mehrfach gestöhnt und auch geweint habe. Als ihm der Beamte sagte, der Bruder komm« nur, wenn er ihm ein Geständnis ab- legte und fragte: Wollen Sie das? äußerte er: Ja. Der Bruder selbst sei dann sehr bestürzt gewesen, als man ihm eröffnete, wer der Täter fei. Ms man ihn in das Zimmer Angerfteins hineinführt«, begrüßten sich die Brüder und da sagte Angerstein: Spuck vor mir aus. Sem Bruder antwortete: Nein, das tue ich nicht, aber sag' mal Junge, wie konntest Du das. Der Polizeibeamte ließ dann die Brüder allein. Im Lauf« der Zeugenvernehmung wurde unter allgemeiner Spannung der Bruder des Angeklagten, Obsringenieur Max Anger st ein aus Essen aufgerufen, der wegen des nahen Berwaudischaftsoevhöltnisses unvereidigt blieb, sich aber bereit er- klärte, fein« Aussage zu machen und zunächst eine eingehende Schil- derung der Familienverhältnisse Angersteins gab. Auch er bekundete, daß die Großmutter mütterlicherseits im Wochenbett irr- sinnig geworden sei, so daß man ihr das Kind mit Gewalt habe wegreißen müssen. Sein« Eltern hätten insgesamt zehn Kinder gehabt, und zwar zuerst fünf Töchter. Er selbst sei der Aelteste, Fritz Angerstein der zweite Sohn, gewesen und deshalb sei seine Geburt besonders begrüßt worden. Er sei ein sehr kräftiges Kind gewesen. Der erste Tuberkulose fall in. der Familie habe sich bei einer Schwester ereignet und dcnm sei auch Fritz Angerstein an einem Hals- und Nasenleiden erkrankt. Seine Schwägerin schilderte der Zeuge als eine sehr weich veranlagte Frau. Im April 1924 habe er zum erstenmal einen Brief von ihr er- holten, in dem sie schilderte, daß sie sehr elend sei und fürchtete, daß sie nicht mehr lange zu leben habe, denn sie sei sehr elend. Nur der Gedanke an ihren Mann und an ihren Gott halte sie von etwas Furchtbarem ob. Ueberhcnrpt hätten alle Briefe aus Haiger immer die Schilderung enthalten, daß der Bruder Kopfschmerzen habe und die Schwägerin leidend sei. Tatsächlich habe er sie im Frühjahr 1924, als er zu Besuch nach Haiger kam, zum Skelett abge« magert vorgefunden. Sein BriSer habe ihm gleich erzählt, was für Anfälle sie habe und daß sie einmal in ihrer Erregung fortge- laufen sei. so daß man sie erst suchen und habe zurückholen lassen. Das Fmnilienleben in Haiger fei ober durchaus harmonisch und glücklich gewesen. Im August 1924 machten die beiden Brüder eine Fußtour in den Westerwald. Als sie das erstemal in einem Ort übernachteten, ging Fritz Angerstein sofort an da» Tefephr«, um seine Frau anzurufen.„Das Wiedersehen zwischen den beiden Ehe- leuten, als wir nach Hause kamen." so erklärte der Zeug«,„war so herzlich, daß es echt gewesen sein muß." Bei der Erörterung des Planes, eine Scheune neben die Villa zu bauen, habe Fritz Anger- stein erklärt, er wolle sein Geld sicher anlegen und hätte erzählt, er habe auch noch ein schönes Guthaben bei seiner Firma. Den ganzen Monat November 1924 hätten dann die Verwandten au, Haiger kein Lebenszeichen von sich gegeben, bis am 1. Dezember abends das Telegramm eines Verwandten aus Dillenburg eintraf: „Bruder überfallen, sofort kommen." Ein zweites Telegramm seiner Schwester besagte, baß Fritz Anger- stein verunglückt sei. Am nächsten Tage fuhr der Zeuge sofort nach Haiger und las unterwegs in der Zeitung ein kurzes Telegramm von einem Raubüberfall in Haiger, um dann in Dillenburg zu er- fahren, was geschehen war. In Haiger selbst wurden ihm dann alle Einzelheiten des angeblichen Raubüberfalles geschildert, die Leichen gezeigt, die einen furchtboren Anblick darboten. Dazu sei die Nach- richt gekommen, daß Fritz Angerstein sehr schwerkrank im Kranken- haus liege. Am nächsten Tage fuhr der Bruder wieder nach Haiger, er wurde an das Bett seines Bruders geführt und erzählt: Der da lag, war ein fremder Mann, fahlgrau, mit Augen, die fast gebrochen schienen. Ich rief ihn an: Fritz, kennst du mich?, er antwortete schwach: Ja. Max. Dann fragte ich weiter: Wie fühlst du dich, hast du mir nichts zu sagen. Ich bekam keine Antwort. Erst als ich nochmals fragte, meinte er nur schwach: Was soll ich dir sagen. Ich ging dann wieder weg, wurde aber später nochmals zu ihm gerufen. Als ich an das Bett trat, kam ein gelber Schleim aus Mund und Nase. Er stöhnte auch dauernd, man möge die heißen Unterlagen wechseln, er halte es nicht aus. Du wolltest mir etwas sagen, fragte ich ihn. Ja, sagte er, aber Herr Wagner(der Polizei- assistent) muß hinausgehen. Ich will in dieser Stube nur ehrliche Menschen um mich sehen. Es war nichts zu machen. Er bestand darauf und Wagner entfernte sich dann, um später mit dem Staats- anmalt zurückzukehren. Inzwischen schrie mein Bruder Fritz: Ich bins gewesen, ich Habs getan, rühr mich nicht an. ich bin der Mörder. Ich habe sie alle acht owgebrachtl Dabei bog er den Kopf zurück und die Augen sahen starr. Ich faßte ihn an und da schrie er: Faß mich nicht an, er selbst griff aber so stark zu, daß ich noch tagelang die Fingerabdrucke an meinen Hön- den sah. Ja, schrie er, ich bin der Mörder. Ich komme in die Hölle. Bete: Du kannst ja nicht beten. Mit tränenerslickter Stimme erklärte der Zeuge: Wenn ich es nicht so genau schildere, ja ist es nicht etwa böser Wille, aber ich weih es nicht mehr so genau. Max Angerstein bekundete dann weiter, fortwährend von Schluchzen unterbrochen, wie sein Bruder ihm den Mord an seiner Frau erzählt habe. Der Angeklagte blieb bei dieser Darstellung tiefgesenkten Hauptes sitzen, so daß er kaum hinter der Anklagebank sichtbar war. Weiter schilderte der Zeug«: Mein Bruder sagte mir dann noch, al» ich ihn weiter fragte: Ich konnte sie nicht mehr leiden sehen. Während des Geständnisses schrie er immer wieder: Verlaß mich nicht, verlaß mich nicht. Mit tränenerstickter Stimme erklärt der Zeuge weiter, daß ihn der Gedanke, daß seine Frau und seine Kinder noch wenige Dss Rundfunkprogramm. Freitag, den 10. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Fran„Seife und Seifenfabrikation", von Chemiker Vostell. 8— 8.30 Uhr abends: Volkstümlicher Nachmittag. 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule (Bildnngskursel.� Abt. Gartenhan. Diplom-Gartenban-Inspoktor Paul Kache;„Die Kakteen und ihre Pflege". 7.25 Uhr abends: Architekt Dr.-Tng. Paul Zucker:„Architektur unserer Zeit". 3. Vortrag.„Die Stadt". 7.50 Uhr abends: Haus-Bredow-Schule (Hoohschulkurse). Abteilung Geographie. Dr. Konrad Kretschmer: „Das Erdbild im Wandel der Zeiten. 1. Vortrag.„Im Altertum". 8.30 Uhr abends: Lmprovisationsabend unter Mitwirkung von Eva Goldbach, Sopran. 1. 0. L. Schleich: Dramatische Szene: Jesus und Judas im Gefängnis(gesprochen von Julius Edgar Schmock mit melodramatischer Begleitung in freier Improvisation von Martin Philipps). 2. Freies Thema gegeben(Klavierimprovisation von M. Philipps). 3. Lyrisches Gedicht(zwei Strophen)(gesungen und begleitet von J. E. Schmock). 4. a) Leo Blech: Heimkohr vom Feste(H. Seidl), b) Leo Blech: Mairegen(Fallersleben), e) Max Reger: Waldeinsamkeit(Frank. Volkslied), d) Max Reger: Zum Schlafen(Schellenherg)(Eva Goldbach, Sopran, am Flügel: Otto Urack). 5. Choralthema gegeben(Klavienmprovisation von M. Philipps). 6. Gedicht, im Volkston gehalten(gesungen und begleitet von J. E. Schmock). 7. a) Franz Schubert: Wohin? (Wilh. Müller), b) Franz Schubert: Die Taubenpost(J. G. Seidl), o) Franz Schubert: Bescheidene Liebe(Dichter unbekannt), d) Rieh. Strauß; Zueignung(H. v. Gilm)(Eva Goldhach, Sopran, am Flügel: Otto ürack). 8. Volksliedthema gegeben(Klavier- Improvisation von M. Philipps). S. Lyrisches Gedicht(zwei Strophen)(gesungen und bogleitet von J. E. Schmock) Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theator- und Filmdienst 10.30 Uhr abends: Rechtsanwalt Dr. John Wolfsohn:„Der Rechtsschutz der Infiationsgeachädigten Außerhalb der Aaf- wertungsgesetzgebung", Mgerstein. Wochen vorher in dieser Wahnsinnsumgebung geweill hätten, nicht verlassen habe. Er habe deshalb nicht mehr alles so genau in der Erinnerung. Er könne sich auch kein richtiges Bild von seinem Bruder machen. Seit sechs Monaten zer- martere er sich den Kopf, wie das alles möglich war. Er habe in den langen Jahren seinen Bruder nur 3— 45mal glücklich gesehen, und wisse deshalb nicht, ob er leicht erregbar war. Dann wurde der Werkoerwalter der Finna von der Zypen, August Mix. vernommen, der sich zunächst über die Stellung Angerfteins bei der Rassauischen vergwe-ks- geselljchast äußerte, die dann 191? von van der Zypen übernommen wurde. Angerstein hatte die kaufmännische Leitung und die Kassen- führung, wählend Mix die technische Leitung hatte. Zahlungs- anweisungen gingen jedoch auch von Mix aus. Er habe Ängerstein vollkommen Vertrauen geschenkt, so erklärte der Zeuge, er wäre auch im Aussichtsrat geschätzt und zum Prokuristen er- nannt worden. Er war sehr fleißig, peinlich sauber in der Buch- führung, so daß niemand einen Verdacht gegen ihn hatte.- Bei Kassenrevisionen ist nie etwas vorgekommen. Bor f.: Blieb das nun so bis zuletzt? Zeuge: Jawohl, bis ich Ende November 1924 ins Journal guckte und da sah ich Eintragungen, die nicht stimmten. Es waren ZIG) Mark im Oktober zuviel gebucht. Ich suchte nach den Belegen und stellte fest, daß sie gefälscht waren. Ich habe Ängerstein auch noch am Sonnabend vor der Tot das mit- geteilt und habe Generaldirektor Generotzki angernfen, nach Haiger zu kommen, um Ängerstein zu verhören. Vors.: War das der gesamte Fehlbetrag in der Kasse? Zeuge: Nein, wir haben bei einer weiteren Prüfung Unterichlagungen im ersten halben Jahr über 8000 M. und im legten Jahr über 16 009 M. festgestellt. Generaldirektor Generotzki von der Firma van der Zypen bezeichnete Ängerstein, mit dem er im allgemeinen wenig zu tun hatte, als einen bescheidenen Menschen, ober verschlossenen Charakter. Am Sonnabend vor der Tat habe Mix dringend bei ihm angerufen und ihm erklän, daß mit den Kassenbelegen etwas nicht stimme. Er habe deshalb einige Tage später eine Revision verabredet. Als er dann von der Tat erfahren habe, habe er gleich den Verdacht gehabt, daß es sich ilicht um eine Räuberbande, sondern um einen einzigen Täter handelte. Ms man nach Haiger lani, fand man im Bureau auf dem Schreibtisch des Mix oder des Anger- stein eine Zahlungsanweisung, die fertig zur Unterschrist ausgefüllt ixar, und die den Verdacht erweckte, daß sie Mir gegenüber als Porwand gebraucht werben sollte, um ihn vielleicht in dem Augen- blick der Unterschrift ebenfalls niederzuschlagen. Vors.: Haben Sie etwa davon gehört, daß an die Finna(Erpresser forde r u n g« n gerichtet worden sind? Z e n g e: Nein,(«ehr erregt.) In der„Frankfurter Zeitung" steht, Ängerstein hä-te mir einmal ein Geständnis ablegen wollen, ich hätie es aber abgelehnt. Das ist eine uperhörte Verleumdung. Ich habe Angerstein stets als Menschen behandelt.'Als ich im März dieses Jahres ihm gegenübe» gestellt wurde, da hat er mir von Erpresserbanden«rzält. Aber, meine Herren, das kam ja alles erst, nachdem die Unterschlagungen und Fälschungen festgestellt waren. Ich habe von ihm verlangt, daß er mir doch einen einzigen Namen eines Erpressers nennen iollte. Er hat sich geweigert, auch nur einen einzigen zu nennen. Sie kennen doch unsere Bauern, bevor die sich einen Pfahl in ihr Grundstück setzen lafsen, da laufen sie erst zum Kadi. Bei unserer Seilbahn hau- delte es sich aber um große Betonklötze, die in die Erde gelassen werden. Aber auch nicht ein einziger Grundstücksbesitzer ist an uns herangetreten. Was die angeblichen Forderungen Angerfteins an die Firma betrifft, so belaufen die sich aus 300— 4 0 0 Mark, aber nicht auf Tausende. Vielleicht meinte er Papiermork. Dann ist hier noch behauptet worden, wir hätten Schmiergelder bezahlt. Es ist ganz unerhört, was wir hier angepöbelt worden sind. A n g e r st e i n: Ich bin im November 1924 bei ihnen in Wissen gewesen, da haben sie mich abgewiesen Zeuge: Jawohl, weil sie mit einer Sache kamen, die ich ablehnen mußte. Sie wollten naM- lich mit der Wasserleitung des Werkes ihr Grundstück bewässern. Angeklagter: Für die Borkommnisse in den Jahren 1913 bis 1919 war die Nassauische Bergwerksgesellschaft verantwortlich und Eenerotzti weiß davon nichts. Der Provinzialchemiker Dr. Böller aus Gießen hatte den Auftrag erhalten, die in der Zentralheizung des Angersteinschen Hauses noch befindlichen Asche- und Papierreste zu untersuchen. Sein Gutachten ging dahin, daß zweiiellos ein Buch und Briefpapier verbrannt war. den sei, und zwar wahrscheinlich das Kassenbuch«md das Journal. Vors.: Angeklagter, bleiben Sie dabei, daß Sie das Kassenbuch und das Journal nicht verbrannt haben? Angeklagter: Ich habe das nicht verbrannt. Dann wurde eine ganze Reihe von Architekten und Bauunternehmern vernommen, mit denen Angerstein wegen seiner zahlreichen Bauvorhaben verhandelt hatte, und zwar wollte er eine Scheune und einige Wohnhäuser bauen. Die Baukosten hätten sich auf ungefähr 50 000 M. belaufen. Er erzählte den Unternehmern, daß er das Geld von seinem Neffen aus Amerika zu billigem Zinsfuß bekommen habe, und daß er sich landwirtschaftlich ansiedeln wolle, für den Fall, daß er mal au» der Firma herausgehe. Einer dieser Zeugen, der Architekt G r ü h war der beste(freund Angersteins. Er bekundete, daß der Angeklagt« stets ruhig, niemals er- regt gewesen sei. Dagegen ist dieser Zeuge der Meinung, daß dos eheliche Derhältnis, namentlich in den früheren Iahren, nicht zu gut gewesen sei. Ängerstein habe sich allerdings immer den Anschein gegeben, als ob er es mit seiner Frau sehr gut meine. Er habe sie auch nach der Schweiz und nach dem Schwarzwald schicken wollen. Der Zeuge hatte ober das Gefühl, als ob sich Angerstein angesichts der Krankheit seiner Frau nur sehr stark zusammennehme. Ihm gegenüber äußerte er einmal, auf die Dauer könne er das nicht er- l ragen. Frau Ängerstein Hab« immer Angst gehabi, daß in dem Hause einmal etwas passieren würde. Es sei ihr dort nicht geheuer gewesen, so sagte sie. Vors.: Angeklagter, waren Sie eigentlich in einer Krankenkasse? A n g e k l.: Jawohl, in der Ortskrankenkasse und im Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derband. Ich habe aber die Arztkosten immer allein getragen und Hab« die Kassen nie in Anspruch genommen. Als nächster Zeug« wurde der Rechnung»- rat H e y m a n n aus Dillenburg vernommen, der der Konkursver- walter des Angersteinschen Bennögens ist,, über das im Februar dieses Jahres der Konkurs verhängt wurde. Er schätze das g e- samt« Mobiliar in seiner heutigen Verfassung auf zirka 12000 Mark, die Möbel hätten, als sie neu waren, vielleicht allein schon 10 000 M. Wert gehabt. Die Immobilien hätten sich auf 5000 M. belaufen. Die Schulden Angersteins seien ganz minimal gewesen. Bei diesen Worten stand A n g e r st e i n auf und richtete an den Konkursverwalter die Frage, ob er denn nicht die groß« Mappe mit den 18 Grubenfeldern bekommen hob«: worauf der Zeuge erklärte, daß er davon noch gar nichts gehört habe. Das Vorhandensein einer solchen Mappe sei ihm ganz neu. Aus die Frage des Vorsitzenden, was denn das für Grubenfewer seien und wo die lägen, erklärte der Angeklagte: „Zwischen Euphrat und Tigris," worauf er sich wieder hinsetzte. Zum Schluß wurde noch der Versicherungsagent Lösch ver» nvmmen. der Ängerstein gegen Feuer und Einbruch zu je 50 000 Goldmark versichert hatte. Vors.: Angerstein hatte doch nur eine Fünfziimnerwohnung. sind denn die Leute in Haiger alle so versichert? Zeuge: Nach der ganzen Sachlage und Lebens- führung Angerfteins war das die entivrechende Suinme. Außerdem war auch das Vieh und die londwirischaftlichen Gebäude und Vor- röte mit versichert. A n g e k l.:(einwerfend): Meine Aktien auch, die ich zu Hause hatte. Um drei Uhr nachmittags wurde dann die Verhandlung ans den heutigen Freitag früh S Uhr vertagt. ZZZZZ Aus den Bezirken. 12. Verwaltungsbezirk. 45 $ In der letzten Bezirksverordnetenverfammlung vor den Ferien herrschte Ferienstimmung. Wenn nicht einige wichtige Anträge unsere Frattion zu lebhaften Debatten Anlaß gegeben hätten und eine fogar den Zorn des Bürgermeisters erregt hätte, dann würde die Ferienstimmung wohl faum gestört worden fein. Aus den verschiedenen Vorlagen sollen nur die wichtigsten er= wähnt werden. Die Unzulänglichkeit der Charlotten burger Wassermerte wurde in zwei Anträgen von unseren Genossen und den Deutschnationalen fritisiert. Während unser Anfrag ganz allgemein eine Abstellung der Mängel verlangte, verlang ten die Deutschnationalen dies von den Charlottenburger Waffer werken. Nach erschöpfender Aussprache, in der sich sowohl bürgerliche Parteien als auch Bezierksamt plötzlich sehr kommunalisierungsfreundlich zeigten, wurde der deutschnationale Antrag in unserem Sinne abgeändert und angenommen. Ein sehr wichtiger Antrag unferer Genoffen, der die sofortige Schaffung von genügenden Unterkunftsräumen für egmittierte Familien verlangte, wurde einem Ausschuß überwiesen, weil die Bürgerlichen die Aussprache fürchteten. Es wäre da einmal zu Tage getreten, daß diese Parteien nur dann für wohnungslose Leute eintreten, wenn es sich nicht um amelige Proletarier handelt. Ebenso unbequem mar ihnen ein Antrag der Sozialdemokraten, die Pachtverfräge über die Ratskeller in Banfwig und Lichterfelde vorzulegen. Debattieren wollten die Bürgerlichen hierüber ebenfalls nicht, weil ihre Vertreter am Abschluß dieser standalösen Verträge Schuld find. Unser Antrag, im Zuge der Feldstraße schleunigst eine neue Brücke zu bauen, wurde einstimmig angenommen. Den Zorn des Bürgermeisters erregte ein Antrag, der SPD., die Wohnungen in dem von dem Bezirk erbauten neuen Miethause in der Südendstraße mit den Wohnungssuchenden zu besetzen, die an der Reihe find. Diese selbstverständliche Forderung, da das Haus aus Ablösungsgeldern des Wohnungsamtes gebaut wurde, wurde abgelehnt, weil der Bürgermeister es für die Beamten des Bezirks haben will. Wir wollen nichts gegen die Beamten fagen. So weit sie wohnungsberechtigt und an der Reihe sind, haben sie den gleichen Anspruch wie die anderen. Daß aber der Bürgermeister so wenig foziales Verständnis bewies, daß er meinte, er wolle jegt einmal ebenso für die Beamten sorgen, wie es die Reichs- und Staatsbehörden tun, wird in der Bürgerschaft lebhaften Widerspruch erregen. Die Bürgerlichen, mit Ausnahme des Zentrums und der Demokraten, stimmten den Wünschen des Bürgermeisters zu und lehnten unseren Antrag ab. Bei Besprechung des Bebauungsplanes für einen Teil von Stegliz, leistetete sich der Vertreter der Deutschnationalen eine ihn fennzeichnende Kritik an dem Miethaus, welches ein Dr. Gutfind in Lantwig erbaut hat. Man mag zu dieser Art Architektur stehen wie man will, es zeugt aber von geringem Berständnis für neuzeitliche Bestrebungen, wenn Redner von„ frankhafter Architektur und von Gebäuden, die nach Balästina oder in die Wüste Sahara gehören", sprach. Die Hoffnung, daß das Bezirksamt gegen eine neuzeitliche Architettur Front macht, wird sich hoffentlich bei dem bekannten Kunstverständnis des Hochbaurats nicht erfüllen. Anträge wegen Wegfall der Bermaltungsgebühren bei abschlägigen Antworten des Wohnungsamtes, zur Hilfe für die Junglehrer im Bezirk und die Schauspieler des Schloßparttheaters wurden angenommen. Dann ging man in die Ferien. Nach diesen beginnt der Wahlkampf in Groß- Berlin. Mögen unsere Genossen auf dem Plane fein, um mit Kraft und Eifer die Ziele der Sozialdemokratischen Partei zu vertreten. * der Am 7. Juli fand in Lichterfelde der Kreisver tretertag des 12. Kreises statt, an dem 70 Genossen und Genoffimen teilnalymen. Nach den geschäftlichen Mitteilungen gab Genosse Rohrbed den Geschäftsbericht, aus dem zu er wähnen ist, daß die Mitgliederziffer erfreulich im Steigen begriffen ist. Der Bericht des Genossen Klose als Fraktionsvorsitzender über die Tätigkeit der Bezirksverordnetenfraftion murde vertagt da in vier Wochen eine Tagung zur Aufstellung der Kandidaten stattfinden wird. Der gesamte Vorstand wurde nunmehr in einem Wahlgange durch Zuruf wieder gewählt. Dies ist ein erfreuliches Zeichen für die gute Zusammenarbeit zwischen Vorfand und Funktionären und für das Vertrauen, das der Kreisvors SaisonSTADT BEILAGE RK DES VORWARTS unterging. Der stellvertretende Vorsteher gab schließlich Anweisung, die Tribüne zu räumen, worauf unsere Frattion zum Protest den Saal verließ. Die Kommunisten blieben verblüfft zurück, fie fonnten sich nur noch zu der„ Drohung" aufraffen: Morgen steht in d Roten Fahne", ihr habt die Amnestie zu Fall gebracht. Ein städtisches Bad. Aus dem Bericht des Stadtbades Neukölln. Die Berwaltung des Stadtbades Neukölln veröffentlicht den Geschäftsbericht für das Rechnungsjahr 1924( 1. April 1924 bis 31. März 1925), dem wir folgendes entnehmen: stand genießt. Hierauf folgte ein Referat des Genoffen Künstler| Tempel, daß unsere Frattion dem Antrage zustimme und nur über Die tommenden Parteitage". Zum Bezirtsparteitag von der KP. in Rußland den gleichen Antrag gestellt ſehen möchte, bemerkte er, daß auch im Bezirk die Partei die Krife fiegreich über wunden hat und fich überall in ihren Stellungen befestigen tonnte. Die Gründung der Kommunalpolitischen Blätter und der Stadtbeilage" hat hierzu nicht unerheblich beigetragen. Besonders war es aber die Gründung des Gewertschaftsblattes Der Kämpfer", das bie Stellung der Partei festigen half. Die Hauptarbeit auf dem Bezirksparteitage bildet die Durchberatung des neuen Organisationsstatuts, welches die Partei völlig auf demokratischen Grundlagen aufbauen und den gewählten und der= antwortlichen Mitgliedern des Vorstandes den entsprechenden Einfluß einräumen soll. Zum Reichsparteitag betonte der Referent, daß die Partei sich nunmehr überall in der Offensive befände. Bezüglich der Zollvorlage meinte Künstler, daß für den Fall der Annahme unser Kampf dagegen nicht zu Ende märe. Der Sachsenkonflikt müßte noch vor dem Parteitage ausgeglichen werden. Die Ausführungen des Genossen Künstler fanden den lebhaften Beifall der Funktionäre. Eine Diskussion fand nicht statt. Zu Kandidaten für den Heidelberger Parteitag wurden die Genossen Stubich- Steglitz und Frach Lichterfelde gewählt. Mit einigen Mitteilungen und einem Appell, die Arbeiter jugend anläßlich ihres Hamburger Jugendtages zu unterstützen, schloß die Kreistagsligung. 13. Kreis Tempelhof. SOORAY In der Bezirksversammlung am 26. Juni wurde die Wahl des zweiten Bürgermeisters vorgenommen. Die bürgerlichen Parteien hatten Stadtbaurat Bräuning, unsere Fraktion den Genossen Stadtrat Thiele vorgeschlagen. Genoffe Huhn begründete unseren Anspruch auf diesen Posten in ausführ licher Weise, doch umsonst. Die Wahl brachte als Resultat die Wahl Stadtbaurats Bräuning. Er konnte die erforderliche AnnahmeErklärung nicht abgeben, da er sich auf einer„ Dienstreise in Schweden, Dänemark und Norwegen befindet, um in diesen Ländern nach einem Vorbild für das in Tempelhof zu errichtende Rathaus zu suchen. Die Vorbilder in der Nähe Berlins genügen den verwöhnten Tempelhofer Ansprüchen offenbar nicht. Vergegenwärtigt man sich die Besetzung der Versammlung, dann ergibt sich folgendes Resultat: Deutschnationale, Voltspartei, Zentrum und Wirtschaftspartei gaben ihre Stimme Herrn Bräuning. Für unseren Kandidaten stimmten nur unsere 10 anwesenden Genossen. Weiße Stimmzettel gaben ab der allein anwesende Demokrat( 2 fehlten) und die beiden Kommunisten. Die letzteren bewiesen damit, daß sie ihrer Parole treu bleiben: Lieber einen Bürgerlichen, aber unter feinen Umständen einen Sozialdemokraten. 17. Kreis- Lichtenberg. Die mit der Tagesordnung Abbau zweier Bezirksamtsmitglieder" tagende außerordentliche Bezirksversammlung brachte den Kommunisten eine Ueberraschung. Es wurde ein Schreiben des Oberpräsidenten verlesen, in dem er seine Zustimmung zum Abbau gibt. Im zweiten Teil dieses Schreibens stellt der Oberpräsident Bedingungen, die der eventuell zu wählende Nachfolger des abzubauenden Bürgermeisters erfüllen soll, wenn er bestätigt werden will. Der Abbau des Stadtrats Fischer( D. Vp.) wird ohne Debatte mit 39 gegen 6 Stimmen beschlossen. Dann wurde die Frage des Abbaus des Bürgermeisters Genossen Otto John erörtert. Genoffe Schubert führte u. a. aus, daß John nach Aussage des Justizrats Schechtel( D. Vp.) doch ein sehr befähigter Kommunalpolitiker sei, auf den Lichtenberg ftolz sein könne; das Zentrum, das angeblich nur sachlich urteilt, würde John gern behalten, wenn es dafür den Schulrat abbauen fönnte. Die Wirkung dieser Ausführungen zeigte sich am besten in der Verlegenheit der Gegner, vor allem bei der KPD., die drei Redner ins Feld schickte, die die üblichen Schimpfereien losließen. Die nun folgende Abstimmung zeigte, mas die Kommunisten unter„ Einheitsfront" verstehen. Deutschnationale, Deutsche Volkspartei, Demofraten, Wirtschaftspartei und Sentrum im trauten Verein mit den Kommunisten beschlossen mit 24 gegen 21 Stimmen den Abbau des Sozialdemokraten John Die Erregung auf der Tribüne machte sich in zahlreichen Zurufen an die Kommunisten Luft. Und als der Kommunist Gäbel, an scheinend gereizt durch diese unerwartete Behandlung durch die Tribünenbesucher, einen Amnestieantrag wieder mit maßlosen An griffen gegen die Sozialdemokratie begründete", steigerte sich die Erregung zu einem Tumult, in dem die Erklärung des Genossen " Während im Rechnungsjahr 1923, hervorgerufen durch die Geldentwertung, die Besucherzahl des Stadtbades Neukölln gegen die Vorjahre niedriger war, wurde im Rechnungsjahr 1924 die höchst e Jahresgesamtbesuchszahl seit der Inbetrieb= nahme des Stadtbades erreicht. Das Bad wurde im Jahre 1924 pon insgesamt 752703 Personen( 417 595 im Vorjahre) besucht. Der außerordentlich milde Winter war für den Besuch sehr günstig. Von der Gesamtbesuchszahl stellte das weibliche Geschlecht 311 212 Personen oder 41,35 Broz.( 162 887 oder 39 Proz. im Vorjahre), das männliche Geschlecht 441 491 Personen oder 58,65 Broz.( 254 708 oder 61 Proz. im Vorjahre). Erfreulich ist die Zunahme des Besuchs der Frauenabteilungen, denn während die Gesamtbesuchszahl des männ lichen Geschlechts bereits in früheren Jahren erreicht worden ist, sind die Frauen und Mädchen in einer Zahl zum Baden gekommen wie in feinem Jahre vorher. Es ist aus den elf Betriebsjahren des Stadtbades festzustellen, daß das weibliche Geschlecht zum Gesamtbesuch des Stadtbades nach und nach einen immer höheren Prozentsatz ftellt, so betrug 1915 die Besuchszahl der Frauen 32,05 Proz. der 36,52 Proz., 1924 41,35 Proz. Ge Gesamtbesuchszahl, 1921 öffnet war das Stadtbad im Berichtsjahre an 303 Tagen( 303); es wurde durchschnittlich täglich von 2484( 1378) Perfonen besucht. Die höchste Besuchsziffer wurde am 30. August 1924 mit 4903( 7. Juli 1923= 3701) Personen erreicht, während der 4. Dezember 1924 mit 1236( 11. August 1923 = 1043) Personen die geringste Besuchszahl aufwies. In den großen Ferien wurden wie im Vorjahre an bedürftige Schulkinder im ganzen 10 583( 15 715) Brausebäder unentgeltlich und außerdem an 260 Schüler und Schülerinnen Ferien- Schwimmbadkarten verab folgt. 75 Schulknaben und 75 Schulmädchen erhielten außerdem Schwimmunterricht; für Gemeindeschüler und schülerinnen wurden ferner 7000 Einzelfreifarten für Schwimmbäder ausgegeben. Schwimmunterricht wurde insgesamt 604 männlichen und 1096 meiblichen, im ganzen 1700 Personen erteilt. Den Neuköllner Schwimmund Sportvereinigungen wurde an 338 Abenden die Männer- bzw. Frauenschwimmhalle gegen ermäßigte Gebühren zur alleinigen Bemugung zur Verfügung gestellt. In den Heilbäderabteilun gen wurden insgesamt 74 305( 38 948) medizinische Bäder verab folgt. Von diesen Bädern entfallen auf Krantentaffenmitglieder 48 761( 20 964). a Die Berliner Stadtbant- Girozentrale der Stadt Berlin unter. hält Stahlkammern in folgenden Girofassen: Berlin W9, LintStraße 7/8, Berlin 59, Kottbuser Damm 93, Charlottenburg, Berliner Straße 70/73, Spandau, Potsdamer Straße 1, Wilmersdorf, Sigmaringer Straße 1, Schöneberg, Kaiser- Wilhelm- Platz 3, Schöne berg, Rudolf- Wilde- Play, Friedenau, Rheinstraße 1( Rathaus), Steglitz, Albrechtstraße la, Lichterfelde- Ost, Schillerstraße 32( Rathaus), Lichtenberg, Möllendorfstraße 6( Rathaus), Bankow, Neue Schönholzer Straße 35, Niederschönhausen, Blücherstraße 1( Rathaus), Reinickendorf- Ost I, Hauptstraße 46. In diesen Stahltam mern sind Schrankfächer in verschiedenen Größen, auch auf furze 3eit, bei geringer Gebühr zu vermieten. Außerdem können Wertftüde, wie Roffer, Pafete, Teppiche usw., gegen mäßige Gebühr zur Aufbewahrung übergeben werden. Diese Einrichtung dürfte vielen während der Reisezeit sehr willkommen sein. Nachlaßversteigerung. Das Bezirksamt Kreuzberg teilt mit, daß im Auftrage der Wohlfahrtsämter Mitte und Kreuzberg am Freitag, den 17. Juli 1925, vormittags 91 Uhr, in der Markus. straße 13, Quergeb. part., die Versteigerung von 20 größeren und kleineren Nachlässen stattfindet. Ausverkauf Sensationell billige Preise Bottina HG MGH Kinderstiefel braun, und weiß Gr. 20-22 schwarz Gr. 1.85 1.45 18-20 18-20 bess. Qual. 2.65 2.25 Gr. 20-22 Spangen- Kinderschuhe braun und schwarz in reiner Lederausführg..IaSohlen 3.90 Naturform.. Gr. 23-26 Damen Halbschuhe weiß Leinen, Spangen u. 2.95 Schnür. Prima Böden. Damen- Spangenund Schnürschuhe, gute 6.90 Ausführung, mod. Form Dam.- Spang- Schuh braun. echt R.- Chevreau, mod. Luxusausführung, echt L. XV Abs. 9.75 Herren- Halbschuhe braune, auf Rand, ge 8.90 doppelt..... 10.90 Herren- Halbschuhe Original Goodyear Welt, einfach u. doppelsohlig, 12.50 zum Teil braun. 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April ab die Miete der Schulstraße 14/15, Eingang Ruheplatstraße, Erdgeschoß( Fern wieder um 10 Pro3. erhöht hat, wird das Wort Mietwucher"[ precher: Moabit 3346, Hansa 2580/87 und Zentrale Bezirksamt nochmals aftuell. Jede weitere Steigerung der Mieten Bedding). muß nun aber unterbleiben. Ich behaupte und werde den Nachweis erbringen, daß der Eigentümer eines Grundstücks bei 72 resp. 76 Broz. der Friedensmiete jezt schon höhere Ueberschüsse als vor dem Als möge ein Während der ſtück aus Berlin 3. oder NW. dienen, das im Border- und Hinter Ferien- und Reisezeit hause von zirka 40 Mietern bewohnt ist und nur aus Ein, 3weiund Dreizimmerwohnung besteht. Also ein Objekt, das, wie jeder Fachmann zugeben wird, nicht zu den günstigsten gehört, weil hier vor dem Kriege die Instandhaltung der Wohnungen dem Eigentümer - bei dem häufigen Wechsel derselben außerordentliche Ausgaben verursachte. Diefes Grundstück hatte vor dem riege einen Bertaufs. mert Don 300000 m., war mit 240 000 m. hypothetarisch be lastet und brachte jährlich 20000 m. Miete. An 3insen waren jährlich 12 000 M. zu zahlen, was genau drei Fünftel oder 60 Broz. der gesamten Mieteinnahme ausmachte. Weitere 20 Broz. oder 4000 m. wurden jährlich für Instandhaltung des Hauses und der Wohnungen sowie aller übrigen Abgaben, wie Steuern, Gas, Wasser usm., verausgabt. Dem Eigentümer verblieben also im günstigsten Falle jährlich 4000 m., d. h. nur dann, wenn alle Räume das ganze Jahr hindurch vermietet waren und die vereinbarten Micten fämtlich gezahlt wurden. Das traf aber vor dem Kriege felten zu; deshalb mußte jeder Eigentümer mit einem Ausfall von mindestens 1000 m. für leerstehende Räume usw. von vornherein rechnen. In Birklichkeit verblieben also dem Eigentümer durchschnittlich 3000 m. jährlich, die er als sein Einkommen betrachten fonnte. Diefes Beispiel dürfte auf die Mehrzahl sämtlicher Berliner Miethäuser zutreffen. Dasselbe Grundstüd bringt nun bei 72 Broz ber Friedens miete. eine jährliche Mieteinnahme von 14 400 m. Hiervon sind zu zahlen: 1. Hauszinssteuer, jährlich. 4668 m. Grundvermögenssteuer an Staat und Gemeinde 1080 3. Wassergeld, zirka 4. Entwässerung 5. Straßenreinigung. 6. Müllabfuhr 7. Schornsteinfeger 8. Feuertasse. 9. Gas. 10. Haftpflichtversicherung 11. Hausreinigung. 350 200 " 120 192 156 66 55 28 360 " 6 kann der ,, Vorwärts" auf jede Dauer allerorts bezogen werden. Touristen und Wanderer fordern das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungen, Zeitungskiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den ,, Vorwärts" bei einer Aufenthaltszeit unter 14 Tagen per Kreuzband durch die Hauptexpedition nachsenden. Außer dem Abonnementsbetrage ist in diesem Falle das Porto zu zahlen, welches wochentags 6 Pf.. Sonntags 10 Pf. ( pro Woche 45 Pf.) beträgt. Bei längerem Aufenthalt ist der Vorwärts" durch Postüberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedition vornimmt. In letzterem Falle kommen zu dem Abonnementsbetrage die Zustellungsgebühren in Höhe von 72 Pf. pro Monat. Sobald die eine oder andere Art der Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des , Vorwärts". Berlin SW 68, Lindenstraße 3, zu benachrichtigen. Abonnenten, welche den Vorwärts" bereits durch die Post beziehen, können denselben jederzeit bei dem Postamt gegen eine Gebühr von 50 Pf umbestellen. Bei Postüberweisungen bitten wir zu beachten, daß die Angabe der neuen Adresse bei der Ausgabestelle oder bei der Hauptexpedition bezw. bei der Post möglichst eine Woche vorher erfolgt, um eine rechtzeitige Zustellung des Vorwärts" zu gewährleisten. 99 VORWARTS"-VERLAG Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernspr. Dönhoff 2506/2507 Arbeitersport. Leichtathletische Trainingsabende. Die Freie Turnerfchaft Groß- Bertin hat den Leichtathletik. [ port in erweitertem Umfange in ihr Programm aufgenommen und ruft die Sportfreudigen Jugendlichen, Jungmädchen und Männer zur Teilnahme auf. Bochentags und Sonntags finden regelmäßige Uebungen statt. Gleichzeitig merden auch alle Ballspielarten( Schlagball, Handball usw.) gepflegt. An meldungen an den Bereinssportmart Ernst Friedrich, N. 65, Reiniden dorfer Str. 90, oder an die Bezirkssportwarte in folgenden Turnhallen: Bank Die Ausgaben betragen also insgesamt Summa 7275 W. tags), Schönfließer Str. 7( Dienstags und Freitags), Graunstr. 12( Freitags), ftraße 19( Dienstags), Straßmannstr. 6( Freitags), Boedhstr. 17-20( Diens An 3insen hat der Eigentümer jegt teinen Pfennig Forster, Ede Reichenberger Straße( Dienstags) und Elkholz, Ede Ballas mehr zu zahlen ftatt 12 000 m. vor dem Kriege gleichpiel, sportlichen und turnerischen Beranstaltungen. ftraße( Donnerstags). Die Mitgliedschaft berechtigt zur Teilnahme an allen ob die hypothefen auf 15 oder 20 Broz. aufgewertet werden, da er ja den Betrag dieser Zinsen von der Hauszins. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität", Ortsgruppe Berlin. Touren fitz teuer einbehalten darf. Es verbliebe also dem derzeitigen Sonntag, den 12. Juli. 1. Abt.: Rangsdorf, 5 und 12 Uhr. Start BillowBefizer die Hälfte der gesamten Mieteinnahme zur take 55. 2. Abt.: Gröbener See. Start 5 Uhr Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: freien Verfügung. Selbst menn man annimmt, was aber in Schönerlinde 12 Uhr. Start Weberwiefe. 5. Abt.: Gtörikfee 5 Uhr, 12 Uhr 4. Abt.: Liepnitsee 5 Uhr, den seltensten Fällen zutreffen dürfte, daß derselbe noch weitere Rahnsdorfer Mühle. Start Landsberger Blak. 6. Abt.: 11.: Nachmittags 15 Broz. gleich 3000 m. für laufende Instandsegungen jährlich ver- Start Stopenhagener Str. 26. 7. Abt.: Lehnikfee 5 und 12 Uhr. Start Rolonie. 5 Uhr Werbellinfee. 12.: Früh 5 Uhr Gofener Berge; 1 Uhr Adlershof( Biege). ausgaben sollte, so verbliebe ihm immer noch ein Betrag von 4125 traße 146. 8. bt.: 11.: abends 6 Uhr, 12.: Frith 6 Uhr Linnewikfee. Start Mart als sicheres Jahreseinkommen. Sicher ist dieses Einkommen Arminiusplak. 9. bt.: 11.: 6 Uhr abends, 12: früh 5 Uhr Klein- Röris, 1 Uhr Gröbener See. Start 5 Uhr Laufizer Plag. infofern, als heute jedes Risiko fortfällt, meil es voraussichtlich in den borf früh 6 Uhr, nadmittags 1 Uhr am Start Comeniusplak. nachmittags Rübom( Lindenwirtin). Start Schulstr. 114. 10. bt.: Rangs. 11. bt.: nächsten Jahren leerstehende Wohnungen und damit verbundene 11.: 5 Uhr nachmittags Eberswalde. Start Sochstr. 13. 12. Wht.( Motorrad. Mietausfälle gar nicht mehr geben dürfte. Es tommt meiter hinzu, fee. Ortsgruppe Neuköln: Rachitour nach Blaue bei Brandenbura. Start fahrer): Grünheide. Start frith 7 Uhr Warsdauer Straße, Ede Frankfurter daß der weitaus größte Teil der Hausbesiger ihre für beibe Abteilungen nachmittags 5% Uhr Herzbergplak. 12.: Frith 7 Uhr Bohnungsunterhaltungspflicht auf die Mieter Babetour Croffinfee; beide Abteilungen Serkbergplak. Ortsgruppe Reiniden abgewälzt haben und deshalb nicht 76 Broz, sondern nur borf: 11.: Abends 5% Uhr Bössee. Start Resibensstr. 109. Drisgruppe Char. Ortsgruppe Bautow: 11.: 6 Uhr abends 3000 m. jährlich eine so große Summe, meil sie nur zur Instand- Böniee, besal. am 12.: 6 Uhr früh. Start floraftr. 24. Ortsgruppe Schöne. haltung äußerer Gebäudeteile jowie zur Ausbesserung der Defen, Bundesgenoffen! Am 12 Juli wird unfere Bundesmeisterschaft im Scalfport berg: Früh 7 Uhr Rangsdorf( Badetour). Start Stubenvaudyftr. 5. Astung Hochherde, Klosetts und Fußböden zu verwenden sind. Außerdem die Reigenmannschaft der Ortsgruppe Ludenwalde Reiggenvorführungen in fommen auch diese gewaltigen Ueberschüsse den zirka 20000 2us der Anstalt Strupeshof bei Großbeeren veranstalten, damit ben Röalingen etwas Tändern zugute, welche in der Inflationszeit die Berliner Häuser baben, bie Anstalt au besichtigen, treffen fich Sonntag frith 9½ Uhr im Balde Dom Sport vor Augen geführt wirb. Die Bundesgenossen, die Intereffe baran fo ziemlich geschenkt bekommen haben. Das Reich aber hat die nor ber Anftalt. Ganwanderfahrt des Gates 9. Am 9. August fahren die Pflicht, allen denen, die durch diese Berkäufe ihres Eigentums voll Bea 2, 3, 4 und 24 nach Golzen bei Baruth. Es beteiligen fich vom Bez. 1 ftändig verarmt find, zu helfen. Als Fundament jedes Staatswesens,( Berlin) die Abteilungen 1, 2, 3, 4, 5, 10 und 12( Motorradfahrer). Der Start das Bestand haben soll, galt schon immer die Gerechtigkeit und wo Sonntag früh 7 Uhr. Für Uebernachtung ist in Baruth bei Junter geforat. ber Abteilungen ist Sonnabend abend 6 Uhr, der 12. Abt.( Motorradfahrer) diese fehlt, tann der Bestand nur von furzer Dauer fein C. B. Zour nach Neuruppin für die Bea. 21, 22, 28, 25, 26 und 27; vom Bea. 1 72 Proz. der Friedensmiete erheben. Gerade deshalb find diese Bapenberge. Start Galvaniftr. 18. Lottenburg: 11.: Bäger Borbecfee. Start 6 Uhr abends. 12.: 6 Uhr früh Wie wirbt man für Berlin? Zur Erlangung von 3beensfizzen für ein Berbe plafat Berlin ist von Magistrat und Reichsbahndirettion Berlin gemeinsam ein Wettbewerb unter den in Berlin anfäffigen Rünstlern ausgeschrieben. Das Plakat soll durch Bild und Text auf die Besonderheiten und Borzüge der Stadt Berlin und ihrer Umgebung fomie auf ihre guten Berkehrsverbindungen hinmeisen und zum Besuch der Stadt und ihrer Umgebung anregen. Bild und Tert find nicht vorgeschrieben. Es ist Aufgabe des Ideenmettbewerbs, für die Antwort auf die Frage: Wie wirbt man für Berlin?" einen zugfräftigen Gebanten und eine packende Ausdrucksform zu finden. Die als farbige Stizzen in 30:42 3entimeter Hochformat Blattgröße anzufertigenden Borschläge müssen in Form und Farbe die beabsichtigte endgültige Plakatwirtung flar erkennen lassen. Die Blafate sollen in dreifarbigem Drud auf Bappe oder Papier hergestellt und auf Bahnhöfen, in städtischen Gebäuden und dergleichen ausgehängt werden. Die Entwürfe find bis zum 30. September 1925 an das Berfehrsbureau der Reichsbahndirettion Berlin 35, Schöneberger Ufer 1/4, poftfrei einzusenden oder dort im 3immer 104 gegen Quittung abzugeben. Bei den mit der Bost eingehenden Entwürfen bleibt der Boststempel mit dem Datum Dom 20. September 1925 maßgebend. Den mit Kennwort zu versehenden Stizzen ist ein verschlossener, außen mit dem Kennwort bezeichneter Umschlag beizugeben, der die genaue Anschrift des Verfassers enthält. Das Preisrighteramt haben übernommen: Die Profefforen Bruno Paul, Mag Schlichting, D. 5. W. Hadant, Geh. Oberbaurat Dr.- Ing. Hoffmann, Graphiter Georg Wagner, Stadtbaudirektor Elfart, Reichsbahnoberrat Roticher. Stellvertretender Preisrichter Prof. Giptens. Die Fang- und Findlingshunde. |( Berlin) bie biellungen 6, 7, 8 mm. Stari Sonnabend abend 6 15.o nach Schwedt a. D. D. für die Bes. 16, 17, 18, 19 unb 20; vom Bes. I Sonnabend abend 6 Uhr Sochstr. 18. Rege Beteiligung ist Pflicht. ( Berlin) die Abteilung 11 fomie alle Genoffen nach Belieben. Der Start ist Bez. 21: Alle Ortsgruppen des Bezirks müffen, wenn irgendmöglich, fich Sonnabend, beteiligen. Der Gammelftart, ist abends 10 br in Alt- Landsberg, Sotel den 11. Juli, au der Italienischen Stacht am Böhjee, All- Landsberg- Rabebrüd, Friedrichsluft. Lampions, Kocher und Badezeug mitbringen. Arbeiter Radfahrer- Bund ,, Solidarität", 2. Bezirk, Gan 9. Sonntag, den 12. Juli, für den 2. und 4 Unterbezirk im 2obal Ed. Magdeburg in Töphin, Bezirtsfest. Rorfofahrt 2 Uhr, Anfang des reichhaltigen Brogramms 4 Uhr, Runft und Reigenfahren, anschließend Tanz. Ortsgruppe Alt- Glienide: Sonntag, den 26. Juli, 25. Stiftungsfeft. Ortsgruppen, bie an diefem Sonn bag frei find, werden gebeten, an der Rorfofahrt teilzunehmen, 2 Uhr. Arbeiter- Rabfahrer- Berein Groß- Berlin. Sonntag, den 12. Juli, frilb 5 Uhr, nach Golm bei Botsdam. Nachmittags 1 Uhr Zehlendorf( Geride), Rarlftr. 12. Start Mariannenplas, Ede Waldemarstraße. Freie Schwimmer Rentaln. Am kommenden Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet auf dem Badeplag am Sieversufer, unter Mitwirkung des Musikkorps der Freien Turnerschaft Neukölln- Brih, ein großangelegtes Rinderfest fiatt. Die reichhaltigften Darbietungen: Fadelaug, Aufstieg eines Riefenluft ballons, Bonbonregen, werden das Fest verfchönen. Der Eintrittspreis für Rinder beträgt 25 Bf. eine Stodlaterne gratis-, Erwachsene 50 Pf. Eltern, Freunde und Bekannte find herzlichst eingeladen. Lichtenberg I, Fußballturnier! Seute, Freitag, findet auf dem Sportplot am Bahnhof Stralau- Rummelsburg das vierte Borrundenspiel im Lichten beng- I- Turnier ftatt. Es ftehen sich zwei Ortsripalen gegenüber, unb amar Lichtenberg III und Brandenburg 02. Eine Borausfage ift fehr schwer. Lichtenberg III gehörte während der Serie au den stärksten Mannschaften ihrer Gruppe und stand an britter Stelle hinter Stralau und Astania. Brandenburg 02 fonnte in der Serie teine großen Lorbeeren ernten. Durch Uebertritt Don Jugendlichen zur Männerabteilung hat die Mannschaft an Spielstärke fehr gewonnen. Sie dürfte deshalb für Lichtenberg III ein schwer zu schlagender Gegner fein. Jedenfalls wird es sich lohnen, den Blah aufzusuchen. Spiel. anfang 7 Uhr. Der Sieger diefes Spiels nimmt am Sonntag an den Awischenrundenspielen mit Lichtenberg I, Treptower Ballspiel- Club und Adler 08 teil. Klubweltstreit des Sport- Rlub ,, Zurich 02"( Mitgl. d. AAB.). Am Frei tag, den 10. Juli, abends 8 Uhr, finden in der Turnhalle Wrangelstr. 128 ( Nähe Manteuffelftraße), die Ausscheidungstämpfe um die Klubmeisterschaft im Ringen in den drei fchweren Klaffen: Leichtmittelgewicht, Schwermittelgewicht und Schwergewicht, ftatt. Da auch die Senioren" des Vereins fich an der Ronkurrenz beteiligen, wird man spannende Kämpfe fehen, denn Neste, Rochler, Kämer, Böttcher, Bouge, Senze, Riebel und Schmis find immer noch nicht zu verachiende Ringer, die allen Anhängern ber Schwerathletit noch in guter Erinnerung find. Die Rämpfe beginnen pünktlich abends 8 Uhr bei freiem Eintritt. Athletik- Sport- Club, e. B. Beichtathletik, Soden, Rubern. Männer, Frauen- und Jugendabteilung. Geschäftsstelle: Rurt Liebruds, Tilfiter Str. 46. Dienstags und Donnerstags ab 6 Uhr Training auf dem Fichteplak in Baumfaulenweg. Am Gonnabend, den 11. Juli, findet auf der Schillerwiefe in Reinidendorf im Schillerpart um 6 Uhr ein Sandballspiel FTGB.- ASC. fbatt. Urbeiter- Sportkartell Lichtenberg. Alle fäumigen Vereine, welche ihre Beiträge noch nicht bezahlt haben, werden ersucht, diefelben sofort an Georg Gethard, Lichtenberg, Rantftr. 3. einzusenden. Sportlerinnen- Behrstunde der 2.-B. Die Lehrstunde findet auf dem CicheBlak in Köpenid am Sonnabend, den 11. Juli, abends 6 Uhr, ftatt. Buge laffen werden alle Sportlerinnen und Waffersportlerinnen des 1. Rreifes, An fänger und Fortgeschrittene. Der Meldeschluß ist am Donnerstag, den 8. Juli, bei Alfred Surtig, Berlin G0. 33, Staliger Str. 59a. Die schriftlichen, vom Sportwart bestätigten Meldungen müssen enthalten: Name, Vorname, Alter und Wohnung. Der Eiche- Blak in Röpenid ist zu erreichen mit dem Borortzug bis Sirschgarten, Weg zum Rabelwerk Bogel, von dort überfegen( rufen), ober mit der Straßenbahn 87 bis Röpenid, dann umsteigen und mit ber 84 weiterfahren bis Rabelwert Bogel( übersehen). Die Fahrt mit dem Borort aug ist vorzuziehen. Etraßenbahnfahrt etwa 1½ Stunde. Deden mitbringen! Geschäftliche Mitteilungen. 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Nach Ablauf dieser Zeit werden die nicht abgeholten Fang- und Findlingshunde durch einen städtischen Beamten nach den Vorschriften des Bürgerlichen Ge- Katzen, Papageien und alle jezbuches öffentlich versteigert Diefe Bersteigerungen Haustiere werden behandelt. finden bis auf weiteres all möchentlich am Donnerstag, Adolf Hoffmann Episoden und vorm. 10 Uhr, im Tierhort, Berlin D., Shidler str. 4, ftalt. Tierärztliche Poliklinik Zwischenrufe Zur Versteigerung tommen danach jedesmal die bis zum Sonnabend Der vorhergehenden Woche eingelieferten Hunde. Nach forschungen nach dem Verbleib entlaufener oder sonst abhanden gefommener Hunde sind im Tierhort, Schicklerstr. 4( Fernipr. Amt Königstadt 4892) anzustellen, wo sich die Sammelstelle für alle Fang und Findlingshunde aus Groß- Berlin befindet. Bom Arbeitsnachweis Wedding. Die bisher räumlich von einander getrennten Dienststellen des Arbeitsnachweises im Bezirk Wedding werden in der Zeit vom 13. Juli 1925 bis 1. August 1925 nach dem neuen Dienstgebäude für den öffentlichen Arbeitsnachweis Bedding, Schulstraße 14/15 verlegt. Die Abteilung für weibl. Hauspersonal am 13. Juli 1925 von Brunnenstraße 59, I nach der Schulstraße 14/15, Eingang Mittelbau, 1. Ober geschoß( Fernfpr.: Moabit 3347, Hansa 2580/87 und Zentrale Be zirksamt Wedding); die Abteilung für ungelernte männliche Arbeiter und jugendliche Arbeiter am 1. Auguft 1925 von Antonstraße 36/41 Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr Auf Teilzahlung HerrenKnabenGarderobe Gummi- Mäntel f. Damen u Herren Geringe Wochen- oder Monatsraten Bettwäsche, Gardinen, Teppiche. Korbmöbel, Metallbetten. Antel, Gr.Frankfurter Str.34 Strausberger Platz Gegründet 1901. aus der Parlaments- und Ministerzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borräfig in allen BorwärtsAusgabestellen. Der gute KapitänKautabakst in den maisten Zigarrengeschäften erhältlich C. 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Ohne jede Kennt Im Reichstag beantragte gestern vor Eintritt in die Tagesordnung Abg. Stoeder( Komm.), daß ein kommunistischer Antrag auf Einstellung der Strafverfahrens gegen die kom munistischen Abg. Sedert und Pfeiffer als erster Punkt be raten werde. Das Haus widerspricht dem nicht, und der Berichtnis des Tabatgewerbes werben einseitig großtapitalistische erstatter des Geschäftsordnungsausschusses, Abg. Landsberg( S03.) teilt mit, daß beide Abgeordnete sich schon seit längerer Zeit in Haft befinden. Der Ausschuß habe den Standpunkt vertreten, daß in diesem Falle das Interesse des Reichstages an der Teilnahme der beiden verhafteten Mitglieder an seinen Sizungen größer sei als das Interesse des Staates an ihrer weiteren Inhaftierung und demgemäß mit 15 gegen 9 Stimmen beschloffen, dem kommunistischen Antrage auf Haffentlaffung der erwähnten Abgeordneten und Einstellung des Verfahrens flaftzugeben. Die einfache Abstimmung über diesen Ausschußbeschluß bleibt weifelhaft. Es erfolgt die Auszählung, die die Annahme des Ausschußantrages mit 176 gegen 143 Stimmen bei einer Stimmenhaltung ergibt. Das Haus tritt dann in die Beratung des Gesezentwurfes der hinter der Regierung stehenden Barteien über die Erhöhung der Bier und Tabatsteuer ein. Abg. Simon- Schwaben( Soz.): Im Steuerbufett des Reichsfinanzministeriums befindet sich auch die Borlage einer Erhöhung der Bier- und Tabatsteuer. Sie fieht nicht weniger als eine Berdoppelung der bisherigen Steuer vor und das in demselben Augenblic, in dem die Besitzsteuern abgebaut werden sollen, wo man andere Einnahmequellen unausgeschöpft läßt oder gar verschüttet. Der Steuerausschuß hat die Regierungsvorlage abgelehnt, die Regierung zog es vor, sich eine Niederlage zu holen, anstatt die unmögliche Vorlage wieder zurückzuziehen. Nun sehen wir aber einen eigenartigen Vorgang. Der Ausschuß hat noch gar feine Möglichkeit gehabt, im Plenum die Gründe der Ab lehnung darzulegen, auch die Vorlage der Regierung ist noch nicht zurückgezogen und nun wird das Haus durch ein neues Gesez in Geftalt eines Initiativantrags überrascht, den die Regierungsparteien unter gütiger Mitwirkung der Regierung im stillen Kämmerlein ausgebrütet haben.( hört, hört!). Das Kind tam zur Welt nicht ohne Geburtsschwierigkeiten, es tam zustande unter dem Druck des Reichsfinanzministers, der unter allen Umständen aus Bier und Tabat noch höhere Erträge herausholen will. Man mußte erst mit einer Regierungstrise drohen, bis sich eine Mehrheit für den Antrag fand. Dieser Antrag verlangt bescheidener Weise eine Erhöhung von mur 50 Proz. Auch beim Tabak ist man etwas bescheidener geworden und man hat Konzessionen nach allen Seiten gemacht. Unterzeichnet ist der Antrag von 5 Barteien, zu ihnen gehört auch die Bayerische Boltspartei( hört! hört!) und die Wirtschaftspartei, die ja auch den Bayerischen Bauernbund in sich schließt. Also auch diese Parteien treten für die Berteuerung von Bier und Tabat ein. Draußen im Lande hat man allerdings einen anderen Standpunkt vertreten. Dort wetterte man, was das Zeug hielt, gegen die Berliner Regierung, die dem armen Manne Bier und Tabat verteuern wolle. Dieses zwiespältige Verhalten bedeutet einen neuen ffandalösen Betrug an den Wählern. Man bringt es heute fertig, mit der gleichen Ueberzeugung für die Erhöhung der Biersteuer einzutreten, mit der man im Lande gegen fie gesprochen hat. Wenn die Herrschaften so fortfahren, dann werden sie bald den deutschnationalen Aufwertungsdemagogen eben bürtig sein. Wir werden nicht verfehlen, das volksfeindliche Treiben der Parteien, die die Befigsteuern ermäßigen, die breiten Maffen aber durch erhöhte Verbrauchssteuern unerträglich belasten, gebührend an den Pranger zu stellen. Der Redner schildert die voraussichtlichen Folgen einer Bier: steuererhöhung für Wirtschaft und Verbraucher. Es steht fest, daß eine höhere steuerliche Belastung einen Rückgang des Verbrauchs und damit der Produktion mit sich bringt. Das stellt nicht nur den erwarteten Mehreingang von Steuern in Frage, es muß auch vom Standpunkt der Wirtschaft schwere Bedenken auslösen. Auch die abgeänderte Steuer wird immer noch eine Mehrbelastung des Bieres um 8 bis 10 Pf. pro Liter bringen. Nun aber ist folgendes zu berücksichtigen: Die Weinste u er ist um die Sälfte ermäßigt worden, die Folge davon ist, daß die Steuern auf Wein und Bier in feinem Verhältnis mehr zueinander stehen, das Bier wird erheblich höher besteuert als der Wein. Ein geradezu ungeheuerlicher Standal aber ist das Verhältnis zwischen der Belastung von Bier, Tabat, Zucker und der von Branntwein.( Sehr richtig! bei den Soz.) Die Steuer auf Bier hat 1924 bis 1925 mehr als die Branntweinsteuer eingebracht. Es ist ein ungeheuerlicher Zustand, daß Bier, Tabak und Zucker so viel mehr aufbringen jollen als Branntwein. Die Erhöhung der Biersteuer wird aber auch der Anlaß zu einer Steigerung der Preise für andere Dinge sein. Besonders in Bayern steht der Milchpreis in einer gewissen Relation zum Bierpreis, in dem Augenblick, wo das Bier verteuert wird, werden die Landwirte auch die Milchpreise in die Höhe setzen. Eine weitere Folge der Verteuerung des Bieres wird die Zunahme des Schnapsverbrauchs sein. Der zweifellos zu erwartende Rüd gang der Produktion bedeutet aber auch die Brotlosmachung von Laufenden von Arbeitern und Angestellten, er wird den Ruin vieler Klein- und Mittelbetriebe bringen, die heute immerhin einen wesent lichen Faktor der Wirtschaft bilden. Mit den gegenwärtigen Steuerfäßen auf Bier und Tabak ist die Grenze des Erträglichen bereits Beer Heigswirtschaftstat hat eine ablehnende Stellung eingenommen, im Reichstag war eine starke Minderheit gegen die Steuer. In demselben Augenblick, wo die Vermögens und Erbschafts- und andere Besitzsteuern abgebaut, wo man von Inflationssteuern überhaupt nichts wissen will( Sehr richtig!), follen die Verbrauchssteuern erhöht, die breiten Massen weiter belastet erreicht. werden! Gegen eine solche Steuerpolitif machen wir mit allem Nachdruc Front, wir lehnen die von der Vorlage verlangte Steuer ab, weil sie wirtschaftlich einen schweren Fehler bedeutet, weil sie unsozial über alle maßen ist.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Neubauer( Komm.) findet es bezeichnend, daß die Antrag steller ihren Gesetzentwurf auf Erhöhung der Bier- und Tabaksteuern nicht einmal begründeten. Abg. Büll( Dem.) erinnert an die programmatischen Erflärungen des Reichskanzlers Luther bei seinem Regierungsantritt, daß die die Massen belastenden Steuern abgebaut werden sollten und an die kürzlich beschlossene Herabsetzung der Beinsteuer. Die Demokraten würden nicht dulden, daß die Regierung nach außen hin so tue, als ob sie die kleinen gegen die Großen schüße und dann derartig belastende Massensteuern einführe.( Beifall links.) Abg. Horlacher( Baŋr. Bp.) erklärt: Die Bayerische Volkspartei habe zwar die gesamte Borlage nicht ablehnen wollen, weil fie eine Reihe von Vergünstigungen für Bayern enthielt, hätte aber die darin enthaltenen Tarife abgelehnt. Die neue Vorlage der Regierungs. parteien bringe volle Steuerfreiheit für die fleiren Brauereien unter 1600 Hektoliter. Was noch zu verbessern sei, müßten die Ausschuß beratungen bringen. Interessen bevorzugt. Die Durchführung der vorgeschlagenen Zollund Steuerbelastung des Tabats bedeutet den Todesstoß für einen großen Teil der weniger tapitalträftigen Tabatfabrikanten, sie bedeutet die Wegnahme des letzten Stückchen Brots für Tausende von Arbeitern der Tabakinduſtrie. Die jetzt verlangte Erhöhung des Einfuhrzolles von 30 auf 80 Mart hat dieselbe Höhe, wie sie in den Jahren 1879 und 1909 vorgenommen wurde. Der Landwirtschaft wurde damit in feiner Weise geholfen, aber der Industrie und ganz besonders der Arbeiterschaft wurden schwere Wunden geschlagen, die sich in einer ungeheuren Arbeitslosigkeit zeigten, in Lohndrud und einer Berarmung der Arbeiterschaft, die seitdem niemals überwunden werden konnten. Die Nationalversammlung hatte die Besteuerung der Tabaffabritate immerhin nach sozialen Gesichtspunkten vorgenommen. Im Jahre 1923 ist die soziale Staffelung der Banderolensteuer wieder aufgehoben und eine gleichmäßige Belastung von 20 Proz. des Kleinverkaufspreises für Zigaretten und Rauchtabat, Feinschnitt von 40 Broz. festgesezt worden, ganz gleich, ob es sich um schlechte oder teuere Sorten handelt.( hört, hört!) Das hat zu einem Rückgang der Produktion in der Zigarrenherstellung und zu ständig steigender Arbeitslosigkeit geführt. Auch heute noch herrscht eine große Arbeitslosigkeit. Diese Art der Besteuerung führt zu einer vollständigen Zerstörung der Tabakindustrie. Jede neue Besteuerung verursacht einen starten Rüdgang des Konsums. Am schärfsten zeigt sich diese Wirkung bei den Arbeitern der Bigarrenherstellung, die 75 Broz. aller Tabafarbeiter ausmachen und wiederum am schärfsten in den Bezirken, wo die billigeren Bigarren hergestellt werden. Im Jahre 1908 waren in der Tabakindustrie 171 126 Bollarbeiter beschäftigt, im Jahre 1923 nur noch 103 405, das ist also ein Verlust von 67 721 Bollarbeitern.( Hört, hört!) Bedenkt man mun, daß 65 Proz. der Arbeiter der Zigarrenindustrie in fleinen Orten, zumeist in Dörfern, wohnen und arbeiten und daß in diesen Orten ein anderer Erwerb nicht vorhanden ist, so wird man begreifen, daß diese Orte völlig zugrunde ge richtet werden. Wie stark die Belastung der Tabatindustrie durch Steuern und Zölle ist, ergibt sich daraus, daß 1924/25 allein 600 Millionen aus der Tabaksteuer eingefommen find.( Hört, hört!) Anstatt nun an einer Erholung der Labatindustrie zu arbeiten, will man jetzt durch eine Erhöhung der Tabaksteuern eine Einnahmequelle des Staates zerstören, will man die ganze Industrie vernichten, die Arbeiterschaft, die Kleinfabrikanten, viele Tausende von Bigarrenladeninhabern um ihre Eristenz bringen. Wir lehnen diese Vorlage ab. Wird fie Gefeß, dann muß sich in Tausenden von Herzen der Angestellten und Arbeiter der Tabatindustrie und deren verwandten Berufen ein unauslöschlicher Haß festseßen, aber das wird dazu beitragen, daß es in Deutschland bald ein Ende damit hat, daß Parteien und Regierungen am Ruder sein können, die solches Verderben weiter Boltskreise heraufbeschwören.( Lebhafter Beifall b. d. Soz.). Abg. Fehr( Bp.) unterstreicht die Berbefferungen der Vorlage. Abg. Henning( Bölk.) lehnt die Vorlage ab, die das unsozialste vom njozial en fei Die Vorlage wird dann dem Steuerausschuß überwiesen. Der Regierungsentwurf wird vom Finanzministerium daraufhin zurückgezogen. Der Gesezentwurf über den Freundschafts-, Handelsund Konsularvertrag mit Amerifa wird dem Handelspolitischen Ausschuß überwiesen. Es stehen dann die dritte Beratung von zwei Berträgen mit Polen, einer über die Benutzung von Baulichkeiten in Kurze brad und einer über Erleichterungen im kleinen Grenzverkehr auf der Tagesordnung. nung abzusetzen. Abg. Frid( Bölt.) beantragt diese Berträge von der TagesordDas Haus stimmt dem für den erstgenannten Bertrag zu, nimmt aber, im Interesse der deutschen Grenzbevölkerung, das Abkommen über den kleinen Grenzverkehr in allen drei Lesungen an. heiten über die schwere Erwerbslofen- und Wohnungsnot. müßten endlich einmal Taten geschehen. Der Redner begründet einen sozialdemokratischen Antrag, der von der Regierung Mittel für die Länder und Gemeinden des besetzten Gebietes zur Behebung der Erwerbslosennot wünscht. Der Finanzminister solle hier einmal teine Reden halten, sondern zum Werke schreiten.( Beifall finfs.) Damit schließt die allgemeine Debatte. In der Einzelberatung wendet sich Abg. Dorsch Hessen( Dnat.) gegen die Zwangseinquar tierung im befehten Gebiet. Dann wird der Haushalt des Ministeriums für die besetzten Gebiete in 2. Lesung bewilligt. Das Haus wendet sich der Beratung des Etats des Reichstages zu. Berichterstatter Abg. Taubadel( Soz.) empfiehlt im Ausschuß bereits genehmigte Entschließungen zur Annahme, die u. a. verlangen: geeignete Arbeitsräume für Abgeordnete; Prüfung der Möglichkeit eines Nebengebäudes zum Reichstags= gebäude; Beschaffung von Freifahrten für die Abgeordneten für die Bostautolinien und die Dampferlinien auf dem Bodensee. Außerdem foll geprüft werden, ob für den Reichstag nicht ein Garten geschaffen In dem Etat ist neu eingefügt ein Titel in Höhe von 30 000 m., der zur Verfügung des Reichstags= präsidenten steht. Mit diesen Mitteln soll der Reichstagspräsident in die Lage versetzt werden, beim Personal des Reichstages Besoldungshärten auszugleichen und unvorhergesehene Ausgaben zu decken. Die Abgeordneten sollen ferner noch Freifahrfarten für die Klein- und Lokalbahnen und mehr als bisher Zuwerden fönne. schüsse zur Benutzung von Schlafwagen erhalten. Der Reichstag will sich auch ein Automobil faufen und hat sich zu diesem Zwecke 20 000 m. bewilligt. Ohne wesentliche Debatte wird der Etat des Reichstags in zweiter Lefung bewilligt. Abg. Diffmann( Soz.) beantragt die Zurücverweisung des Kapitels 17, das die Ent schädigungen der bei dem Wahlprüfungsgerichte vernommenen Zeugen und Sachverständigen, sowie der dem Wahlprüfungsgericht angehörigen Mitglieder des Reichsgerichts regelt, an den Haushaltsausschuß. Die Reichsgerichtsmitglieder, die dem Wahlprüfungsausschuß angehören, haben eine Erhöhung ihrer Bezüge beantragt. Inzwischen hat das Reichsfinanzministerium diese Bezüge meit höher bemessen. Es sei notwendig, darüber eine Klarstellung herbeizuführen. Bei dieser Gelegenheit müffe aber noch auf etwas anderes aufmerksam gemacht werden. Früher seien die Wahlprüfungen im Plenum vorgenommen worden, sie hätten oft tagelange Aussprachen verursacht. Jetzt werden die Prüfungen in einem fleinen Gremium erledigt. Auf Grund der in dem Wahlprüfungsgericht gesammelten Erfahrungen müsse man sagen, daß es notwendig sei, bei der Wahlreform auch eine Nach prüfung des Verfahrens des Wahlprüfungsgerichtes vorzunehmen. So wie sie jetzt vorgenommen werde, habe die Prüfung keinen 3wed. Die größeren Fraktionen seien zwar mit je 2, die mittleren mit einem Mitgliede vertreten, aber es sei nicht so, daß in jedem Falle je ein Mitglied der Fraktionen anwesend ist. Es werden oft Beschlüsse in einer Sigung gefaßt, die in einer anderen Sitzung wieder umgeändert werden. Es sei notwendig, daß der Reichstag sich mit dieser Frage befaßt. Ohne Debatte wird eine Novelle über den Verkehr mit Vieh und Fleisch dem voltswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. An den Haushaltsausschuß gehen die Mitteilungen des Rechnungshofes. Nach Erledigung einiger fleinerer Borlagen folgt die Beratung eines Gesetzentwurfes über die Ausübung des Rechtes zum Tragen einer Militäruniform, nachdem ein Bertagungsantrag um 128 Uhr abgelehnt worden war. Der Entwurf will dem Reich präsidenten das Recht geben, diese Frage zu regel Abg. Kuhnt( Soz.) fragt, wie der Reichstag in einer Zeit, die für die Beratung der wichtigsten Probleme nicht ausreicht, es verantworten könne, fich mit dem Tragen alter taiserlicher Uniformen zu beschäftigen. Es würde nicht gerade imponierend wirken, wenn sich 60 bis 80 Jahre alte Herren, die den Kopf nicht mehr ruhig halten können, mit dem Helmbusch zeigen.( Heiterkeit.) Auch verbrecherischen Elementen werden dadurch neue Möglichkeiten gegeben. Die große Mehrheit des deutschen Volkes wolle vom Tragen der alten kaiserNachdem noch ohne Debatte in allen drei Lesungen das Gesetz über den Beitritt Deutschlands zum Spihbergenvertrage angenommen. worden ist, wendet sich das Haus der Weiterberatung des Hauslichen Uniform nichts wissen. Aus der Vorlage spreche der Geiſt halts des Ministeriums für die besegten Gebiete zu. Abg. v. Ramin( Bölf.) erklärt es für eine Pflicht der Regierung, endlich einmal vor der Deffentlichkeit der ganzen Welt festzustellen, wie ritterlich" fich die große Nation" gegenüber der wehrlosen Bevölkerung der besetzten Gebiete benehme. Mit der Politik, die die Regierung heute treibe, würden die Rheinlande nie befreit werden. ( Beifall bei den Bölk.) von Potsdam. Die Sozialdemokraten würden sich gegen alle Vorrechte wenden und deshalb auch gegen den Unfug des Zurihautragen staiserlicher Uniformen.( Beifall links.) Reichswehrminister Geßler unterstreicht die rechtliche Schwierigfeit der Materie. Eine Lärmdebatte. Albg. Dittmann( Soz.) beantragf nunmehr, nachdem auch der Minister gesprochen hat, die weitere Debatte zu vertagen. Abg. Schulh- Bromberg( Dnat.): Nach den unerhörten Anlints, großer Lärm), ist es ein Gebot der Gerechtigkeit, daß wir fofort darauf antworten fönnen. Abg. Effer( 3.) teilt mit, daß er seinen Antrag zurückgezogen habe, bei der dritten Lesung des Etats für die Kriegslaften die angegriffen des sozialdemokratischen Redners( Stürm. Unterbrechungen nommenen Entschließungen mit zu erwähnen, weil diese Entschließungen an anderer Stelle erwähnt seien. Seine geftrigen Bemerfungen über diese Angelegenheit, die sich gegen den Bericht erstatter Abg. Borremann( Bp.) richteten, seien daher gegenstandslos. Abg. Frau Schiffgens( Soz.) fordert von der Regierung die Bereitstellung größerer Mittel zur Beseitigung der unerträglichen Wohnungsnot im beſetzten Gebiet. Wenn sich die Regierung nicht bald bazara, die von ihr selbst als dringend notwendig bezeichnete Beseitigung der Wohnungsnot endlich zu beginnen, so wird man sich die Frage vorlegen müssen, ob die Regierung überhaupt noch sich ihrer Berantwortung bewußt ist. Die große Not, in der sich weite Kreise der besetzten Gebiete befinden, wird noch vermehrt werden, wenn die Räumung der ersten Zone fortschreitet. Die Entschließung der sozialdemokratischen Frattion fordert die Bereitstellung der notwendigen Mittel. Die Sozialdemokraten legen Wert darauf, daß diese Mittel sofort zur Verfügung stehen und daß nicht erst lange Berhandlungen mit den Gemeinden geführt werden. Hier ist wiederholt mit Empörung die Behandlung geschildert worden, die das Volk am Rhein von der fremden Bejagung zu erdulden hat. Darüber muß aber Klarheit herrschen, daß die Not der rheinischen Bevölkerung noch größer werden muß, wenn sie in ihrem Glauben an die Regierung enttäuscht wird. Herr Ramin hat der Bevölkerung der besetzten Gebiete mit seinen Ausführungen einen schlechten Dienst erwiesen; fie fehnt es ab, fich in dieser Weise vertreten zu lassen. ( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Ellenbed( Dnat.) wünscht, daß die politischen Gefangenen im besetzten Gebiet bei einer bevorstehenden Räumung nicht Dergessen werden und verlangt von der Regierung ein stärferes Eintreten bei der Reichsbahn für die beim passipen Widerstand geschädigten Eisenbahner. Abg. Mollath( Wirtsch Bg.) meint, daß die Reichsregierung vor allem auch die unerhörte Steuerlaft mildern müsse, wenn sie der Be völkerung der besetzten Gebiete helfen wolle. Abg. Jacobshagen( Soz.) betont, daß man mit schönen Worten der Not der Erwerbslosen im besetzten Gebiete nicht steuern tönne. Der Rebner schildert Einzel. Abg. v. Graefe( Bölk.) schließt sich dieser Auffassung an und erhebt Einspruch gegen die Bertagung. Abg. Brüningfaus( D. Vp.): Das Haus hat vorhin dem Vorschlag des Präsidenten Löbe, dieses Gesez noch heute in erster Lefung zu erledigen, zugestimmt. Wir können verlangen, daß mir num auch gehört werden. Abg. Dittmann( Soz.): Wir erleben oft, daß die Vorschläge des Präsidenten, die er im Auftrage des Aeltestenrates macht, nicht immer gehalten werden können. Wir wollten ja dieses Gesez heute nicht mehr in Angriff nehmen. Das hat die Mehrheit abEs sollen heute noch die Fraktionen Sizungen halten.( Fortgesetter starter Lärm.) gelehnt.( Stürmischer Lärm.) Für den Antrag auf Bertagung stimmte die gesamte Linke und das Zentrum. Bizepräsident Dr. Bell erklärt dies für die Mehrheit. Dieje Entscheidung ruft den stürmischsten Widerspruch der Rechten hervor, die immerfort nach Gegenprobe ruft. Tpfender Lärm erfüllt das Haus. Die Linke will augenscheinlich die Vertagung erzwingen. Der Bizepräsident läßt die Gegenprobe vornehmen und erklärt die Abstimmung für zweifelhaft und will die Auszählung anordnen. Er kann sich jedoch unter dem Lärm fein Gehör mehr verschaffen und vertagt deshalb die Sigung auf drei Minuten. Nach der Wiedereröffnung schlägt Vizepräsident Dr. Bell vor, nunmehr die Sitzung abzubrechen.( Lärm und stürmischer Widerspruch rechts.) Der Vizepräsident läßt abstimmen, ob die eben abgebrochene Beratung wieder aufgenommen werden soll. Die Mehrheit aus der Linken und im Zentrum lehnt dies ab, was neuen tofenden Lärm der Rechten verursacht. Abg. v. Graefe( Bolt.) erklärt, daß nach diesen skandalösen Vorgängen( unter dem Lärm der Linken gehen die weiteren Worte verloren, es ist nur zu entnehmen, daß er die Fortsetzung der Beratung in der Sigung morgen beantragt). Die Mehrheit stimmt diesem Antrage zu. Unter andauern. bem stärksten Lärm schließt die Sigung um 8% Uhr. Freitag 2½ Uhr: Fortsehung der eben abgebrochenen Debatte; Aufwertungsgesetze. das Moskauer Fehlurteil. Von Dr. Heinrich Freund. Unter dieser Ueberschrift sendet uns Rechtsanwalt Dr. Heinrich Freund, der auf Wunsch der Reichs- regierung als inoffizieller Beobachter dem Moskauer Studentenprozeß beiwohnte, folgende Darstellung: Die Angeklagten Kindermann, Wolscht und v. D i t> mar sind als Kommunisten in Rußland eingereist und in dem Haus der Polit-Emigranten(kommunistisches Flüchtlingsheim) ab- gestiegen. Dort erregten sie sofort Mißtrauen. Kindermann» Mitgliedskarte zur Kommunistischen Partei war nach seinem Be. ständni» verfälscht. Er selbst hatte hineingeschrieben, daß er Mit- glied der Partei seit ISA sei, während die Beitrogsmarken und das Datum der Mitgliedskarte erkennen ließen, daß er die Mitgliedschaft erst im Sommer 1924. also kurz vor der Einreise erworben hat. Der Umstand, daß sie ihr« kommunistische Gesinnung in auffälliger Weise überall hervorkehrten, daß sie Zugang zu den führenden russi- schen Porteigrößen suchten und in ihrem Benehmen sehr stark ab- wichen von den sonstigen Gästen des Polit-Emigrantenhauses. mußte da» Mißtrauen verschärfen. Besonder» fiel auf. daß Wolscht in einem abgehörten Telephongespräch sich bei der Deutschen Botschaft meldete Echte Kommunisten pflegen da» nicht zu tun und so erfolgte die Verhaftung, die weitere Verdachts- momente �zutage förderte. Wolscht versuchte bei der Verhaftung die Visitenkarte de» Legationsrats Hilgers, die er auf der Reise bekommen hatte, um sich bei der deutschen Botschaft melden zu können, zu vernichten. In seinem Besitz wurde«in Fläschchen Zyankali gesunden. Kindermonns Angaben über seine Reisepläne erschienen überdies so phantastisch und vielseitig, daß man ihm nicht glaubte. Somit erscheint die Verhaftung und Einleitung der Vor- Untersuchung keineswegs als Willkürakt, sondern als berechtigt« Maßnahm«(?), was freilich im Ansang in der Oeffentlichkeit in Deutschland mangels Kenntnis der Einzelheiten nicht sofort er- kannt werden konnte. Di« Hauptoerhandlung erfolgt« unter den ungünstigste» Umständen für die Angeklagten. Di« deutschen Angeklagten hatten aus die Dienste der ihnen gestellten Offizialverteidiger ver- zichtet. Dieser Verzicht ist, wie«in Mitglied der deutschen Botschaft in der Unterredung mit den Angeklagten, die er nach der Verurtei- lung hatte, feststellen konnte, spontan und freiwillig gewesen. Dieser Verzicht war insofern verhängnisvoll, als er dem Staatsan- walt freies Spiel gab. Zudem wurde die Selbstverteidigung der deutschen Angeklagten denkbar unglücklich geführt. Kindermann hätte die Möglichkeit gehabt, die Anklage. die sich auf die Mitgliedschaft zur Organisation Consul in erster Reihe stützte, dadurch entkräften zu können, daß er sich auf seine jüdische Abstimmung berief. Kindermann hat aber von jeher sein Judentum verleugnet und dadurch Anlaß zu der Feststellung gegeben, daß er sich in die Organisation Consul unter Verschweigen seiner Abstammung eingeschlichen habe. Kindermann hat serner gegen sein Geständnis in der Voruntersuchung,, das nur durch Beein- f l u s s u n g e r t l ä r l ich ist, mit untauglichen Mitteln angekämpft. Statt den wahren Sachverhalt, der baldigste Freilassung in Aussicht stellte, offen zuzugeben, hat er die unhaltbar« Konstruktion einer Hypnotisierung vorgezogen und sich dadurch lächerlich gemacht. Wolscht hat gegenüber der einwandfreien Sachverständigenfest. stellung. daß das bei ihm gefundene Fläschchen Zyankali enthalten habe, dumm geleugnet und dadurch den gegen ihn bestehenden Der- dacht verschärft. Die Anklage stützt sich ferner auf das Z« u g n i s Laumanns, dessen Entkräftung den Angeklagten mangels eines Verteidigers und infolge fehlender ausreichender geistiger Fähigkeiten mißlang. Da die Angeklagten zahlreiche gegen sie sprechend« Umstände, die Bau- mann bekundet hat, zugeben mußten, insbesondere ihre völkischen Ueberzeugungsäußerungen während der Untersuchung». Haft Baumann gegenüber, hat da» Gericht auch die anderen An- gaben Bouinanns, daß sie als Abgesandte der Organisation Consul eingereist seien, als wahr angenommen. E» muß als weitere» Miß- geschick der deutschen Angeklagten bezeichnet werden, daß ihr Mit- angeklagter v. D i t m a r, den sie nur nach flüchtiger Bekanntschast nach Rußland mitgenommen hatten, sich restlos der Anklage angeschlossen und sich dem Staatsanwalt zur Ver- fügung gestellt hat. Ditmar» Aussagen waren derart be- lastend für die deutschen Angeklagten, daß das Gericht sie als wahr ansah, zumal v. Ditmar sich zugleich selbst nicht weniger belastete. Dle hauplverhandlung hat trotz aller dieser starten verdachtsmo- meale für die deutschen Zuhörer nicht dle Ueberzeugung begründen können, daß die AngeNogten tatsächlich schuldig gewesen find. Für Kenner des deutschen Studentenlebens war es angesichts der ent- lastenden Aussagen der Zeugen Finck und Rose und auf Grund der eidesstattlichen Erklärung de, Reichskanzlers Michaelis wie durch eigene Sachkunde klar, daß das Studentenwerk ebensowenig mit>ber Organisation Consul zu tun hatte, wie da» Studentenheim in der Friedrichstraße 1l>7, mit dem die Angeklagten in Verbindung standen. Damit aber ist der Anklage die Grundlage ent- zogen. Für das russische Publikum dagegen, dem die Derhältnisse fremd sind, konnte sich das Lild anders darstellen. Berücksichtigt man schließlich die herausfordernde, überheblich«, ungezogene Art, wie die deutschen Angeklagten sich dem Gericht gegenüber aufspielten, so oersteht man unter Mitberücksichtigung der Gesamteinstellung de» Gerichts, daß dieses sich nicht veranlaßt sah, mildernde Umstände gelten zu lassen.(!) Ist sonach auch das Moskauer Urteil als Fehlurteil zu bezeichnen, so wird man doch ein« zu weit gehend« Derallgemeine- rung des hier geschehenen objektiven Unrecht» vermeiden müssen. weil es sich immerhin im vorliegenden Falle um einen triminalisti- schn, Sonderfall handelt. Die Angeklagten sind in weitem Maße ein Opfer des Zusam- mentreffens unglücklicher Ereignisse und ihrer eigenen Unfähigkeit geworden, durch würdiges und kluges Verhalten in der Darunter- suchung und durch eine angemessene Führung der Verteidigung die gegen sie vorhandenen verdächtigen Momente zu zerstreuen. Die Darstellung des Herrn Dr. Freund ist in mancher Beziehung sehr lehrreich, da sie Einblick gewährt in die näheren Umstände, die zu der Verhaftung der drei deutschen Studenten geführt haben. Sie ergänzt das Bild, das bereits durch die bisherigen Veröffentlichungen in der deutschen Presse über die Person der verhafteten Studenten gezeichnet wurde und bestätigt, daß man es bei dem deutschbaltischen Grafen v. D i t- mar mit einem axevt provocateur der Sowjetregierung und bei Wolscht und Kindermann mit zwei unreifen renommiersüchtigen Jünglingen zu tun hat, wie sie zu Dutzenden In den Kreisen der Caföhaustommunisten anzutreffen sind. Hält man sich das Verhalten der Studenten nach ihrem Eintreffen in Rußland vor Augen, so kann man es ver- stehen, daß sie im Milieu der gegenseitigen Bespitzelung, die unter der glorreichen Herrschaft der kommunistischen ?'ch"ka in Rußland herrschl, Mißtrauen erweckten. In einem Kulturlande jedoch wäre es wohl kaum möglich gewesen, daß sie als Verbrecher verhaftet und unter Anklage gestellt wurden, weil bei einem die Visitenkarte eines deutschen Legationsrates und bei dem anderen ein Fläschchen Zyankali gefunden wurde. Wir glauben deshalb, daß Herr Dr, Freund der besonderen Mentalität der russischen Machthaber allzu sehr Rechnung trägt, wenn er die Verhaftung und Prozessierung der deutschen Studenten als„berechtige Maß- nähme" erklärt. Ebenso unverständlich erscheint uns die Schluß- folgemng Dr. Freunds, daß man es verstehen könne, daß das Moskauer Gericht sich nicht veranlaßt sah, mildernde Umstände gelten zu lassen. Denn der Kernpunkt der Dar- stellung Dr. Freunds besteht ja darin, daß die Hauptverhand- lung trotz starker Verdachtsmomente nicht den Beweis erbracht hat, daß die Angeklagten tatsächlich schul- d i g gewesen sind. Darauf jedoch kommt es vor allen Dingen an. Dies um so mehr, als das törichte und ungeschickte Verhalten der Angeklagten vor Gericht, ebenso wie die provokatorische Haltung v. Dilmars und des zu den Angeklagten in die Zelle gesetzten Spitzels Baumann die Lage Kindermanns und Wolschts im Prozeß auf das ungünstigste beeinflussen mußten. Liegen die Dinge aber so. so kann es trotz der ablehnenden Haltung gegen die Person der An- geklagten gegenüber dem Moskauer Prozeß nur den einen Standpunkt geben, daß man es nicht nur mit einem Fehl- urteil, sondern mit einem Justizmord zu tun hat, der zwar im Machtbereich der russissten Tschekajustiz nicht- neu wäre, dar aber vom Standpunkt des in allen Kulturländern geltenden Rechts auf das fchärffte zu oerurteilen ist. Wirtsthast Neue �merikakreütte. Auf dem amerikanischen Kapitalmarkt, der seit dem Krieg« zur Hauptkreditquelle Europas geworden ist, herrscht neuerdings eine sehr starke Emissionstätigkeit. Gegenwärtig befinden sich nach den Feststellungen de» Vizepräsidenten von Woodys Inoester, Service, Sinclair. Anleiheverhandlungen über tS87 Millionen Dollar, rund 6,4 Milliarden Marb in der Schwebe. Seit dem 1. Januar sind bereits endgültig begeben worden 1073 Mill. Dollar, rund 4L Milliarden Mark, davon 2,84 Milliarden nach Europa. Die Nach- frage des amerikanischen Publikums nach neuen Anleihen hat nicht nachgelassen, so daß die amerikanischen Banken erwarten, daß die Unterbringungsmöglichkeiten ausländischer Anleihen in Amerika weiterhin günstig bleiben werden. Dies« Aussichten sind für Deutschland besonder, erfreulich, nach- dem die Stockung des Zustrom» amerikanischer Kredit« seit März d. I. wie es scheint durch die zuversichtlichen Bericht« des Reparationsagenten Gilbert Parker und des amerikanischen Bot- schafters In Berlin endlich überwunden worden ist. Wie berichtet wird, hat auch da» Ausfuhrinteresse der Dereinigten Staaten an einem kaufkräftigen Deutschland die leitenden Regierungsstellen, die Banken und da» Publikum zur Unterbringung deutscher Anleihen ermuntern lassen, so wird die lange Liste von bereit» gewährten oder in Be- Handlung befindlichen deutschen Amerikakrediten erklärlich. Aussallend ist, daß die Staats- und Städteanleihen stark im Vordergrund stehen. Berlin mit lü, Köln mit lS. Bayern mit 25, das Saargebiet mit 4 Mill. Dollar, zusammen über 240 Mill. Mark. Außer Heidelberg, das IM Mill. Dollar auf. zubringen sucht, steht noch«in« Reihe anderer Städte in Anleihe- Verhandlungen, für deren Abschluß aber die Genehmigung durch die deutschen Aufsichtsbehörden noch ausstehen soll. Von den Verhandlungen der deutschen R e a l k r e d i t- institut« zur Unterbringung deutscher Pfandbriefe und ähnlicher Papiere in Amerika ist zwar noch keine endgültig zum Abschluß ge- kommen, sie dürfen aber, wenn die steuerlichen und rechtlichen Schwierigkeiten behoben>«in werden, erfolgreich sein. Die bekannt, stehen gegenwärtig die R a i f f e i s« n b a n k. die Gemein- ichaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken, die Deutsche Girozentrale im Vordergrund der Verhandlungen. Die Raifseisenbank hat ihr« Unterhandlungen vorläufig eingestellt, um sie mit denen der kommenden Rentenbankkreditanstalt zu kombinieren, die nach den A u» s ch u h b e s ch l ü s s« n der ersten Lesung«in Auslandskreditkontingent von 1800 Mill. Mark erhalten soll, nachdem die Vorlage der Reichsregierung 4 Mil- liarden vorgesehen hatte. Auch Anleiheoerhandlungen deutscher Industriewert« werden neuerdings wieder gemeldet, so über b Mill. Dollar für die Elektrizitätswerke Westfalen. 10 Mill. Dollar für Vhönix Bergbau. 714 Mill. Dollar für den Haniel-Konzern und 10 Mill. Dollar für einige Oberschlestsche Montanwerke. Nachdem dos Schicksal de» Stinnes-Konzern» fein« aufrüttelnde Wirkung auf die Betriebspolitik der Schwerindustrie, wie die neuerlich« stark« Umstellungstätigkeit beweist, nicht verfehlt Hot, ist zu erwarten, daß die neuen Kredite auch wirklich produktiven Umstellungszwecken, und nicht wie vielfach bisher, unrationelle Ausdehnung oder der Durchhaltung nicht rentabilisierbarer Substanz zugeführt werden. Wir haben schon bisher immer mit Nachdruck betont, daß e, nicht darauf ankommt, daß die deutsche Wirtschaft Auslandskredite erhält, sondern w o f ü r die Kreditempfänger die Kredite verwenden. Bei den städtischen und staatlichen Anleihen stehen, soweit bekannt, nur produktiv werbend« Zwecke in Frage. Auch bei den Industrie- anleihen wird man heute annehmen dürfen, daß die Auslandskredit« als eigentlich« Sanierung»-, nicht als Umschlags- und Betriebskredite Verwendung finden werben. Bei den Krediten der Realkreditanstalten muß man hoffen, daß die erwartet« reich« Ernte recht viel von den eingeftorenen Wechselkrediten der Landwirtschaft zur Ablösung brin- gen werden, damit die Hypothekendarlehen aus den Auslondskrediten in möglichst geringem Umfang zur Abtragung von Schulden ver- wendet werden, deren Gegenwert schon verbraucht ist. Fleljchwareniaüostrie und Schutzzoll. Lom Reichsverband« der deutschen Fleischwarenindustri«. E. V.. wird uns geschrieben: Der Beschäftigungsgrad der deutschen Fleischwaren. industrie war im Juni im allgemeinen befriedigend, da mit der be- ginnenden Reisezeit die Saison für Rohwurst, Schinken und Dosen- wäre einsetzt, weniger zufriedenstellend z. B. bei den Bertiner Fabri- ten, die vorwiegend Frischanirst herstellen. Der Umsatz beschränkte sich jedoch im wesentlichen auf den Inlandsmarkt. Der Absatz nach dem Ausland« ist nach wie vor, infolge der deutschen Bieh-, Gewürz- und Darmpreise. der durch Steuern und sonstig« vssentliche Lasten verteuerten Produktionskosten, sowie infolge der ausländischen Einfuhrzölle und einfuhrhemmenden veierinärpolizet- lichen Maßnahmen bedeutungslos. Die Prelle sür Roh. malerlall«» sind im Monat llunl teilweise wohl auch unter dem Einfluß der vou den Landwirlen erwarteten Zollbegunsiigurig weller gestiegen. Die Schweinepreise zogen von Ende Mai bis End« Juni auf den Großmärkten Deutschland» durchschnittlich um 10 Pro,, an. Desgleichen haben die für die Rohwurstsabritatlon sortierten M i t t e l d ä r m e ein« weitere stärker« Auswärtsbewegung erfahren und sind von End« Mai bis Ende Juni erneut um 15 Proz. gestiegen. Einzelne varmsorin, tosten heute da» Drei- und sogar das Vierfache des Dortriegspreise».— Mit dieser Steigerung der Roh- und Hilssmoteriallentosten konnten die Preise der Erzeuamss« der Fleischerwarenindustri« nicht Schritt halten. um überhaupt absatzfähig zu bleiben. Die Geldknappheit ist nach wie vor äußerst stark. Während«« den mittleren und kleinen Unternehmungen der Fleischwarenindustrie unmöglich ist, Auslandstredite hereinzuholen, und Bank- tontokorrentkredit« oder Hypochekarkredite nur in völlig imzureichen- dem Ausmaße und zu den schärfsten Bedingungen eingerämnt«verven, sind sie im Warenbezug und Absatz gezwungen, ihre Lieferanten kurzfristig zu bezahlen, andererseits aber ihren Abnehmern äußerst long« Zahlungsfristen einzuräumen. Die Zahlungs- «ingänge von der Kunoschaft erfolgen in zunehmend schleppender Weise, aus Kosten der verfügbaren Betriebsmittel der Firmen, so daß, wenn nicht sehr bald ein« durchgreifende Kredichils« einsetzt, weitere Betriebseinschränkungen und Stillegungen die Folge sein werden._ Zur Reform des Aktienrechts. Au« den Kreisen der.Bereinigung für Aktienrecht" wird uns mitgetellt. daß der Borstand und die Ausschüsse der Der- «inigung vor kurzem mit Sachverständigen verschiedener Richtungen eirr« Aussprache über das Problem der Stimmrechts» und Verwertungsaktien veranstallet hat. Di« Referate hatten die Herren Staatssekretär o. D. Pros. Dr. Hirsch und Hauptschrist- leiter Georg Bernhard übernommen. Beide Referenten waren einig in der entschiedenen Berurteilung der M i h st ände, die gegenwärtig in bezug aus die Stimmrechts, und Verwertung»- aktien bestehen, und in der Ueberzeugung, daß die damit verbundene Entrechtung der Stammaktionäre mittelbar eine schwer« Schädi-. gung der deutschen Volkswirtschaft bedeute. Nicht so einig waren die Referenten in der Beurteilung der Mitte l, mit denen die Uebelstände am erfolgreichsten zu bekämpfen seien. Der erste Referent oerlangte ein schleuniges Eingreifen der Gesetzgebung nach der Richtung, daß die neuen Stimmrechtsaktien zu verbieten und die bereits bestehenden, abgesehen von bestimmten Ausnahmen, zu beseitigen seien, auch fordert« er in gewissem Um- fange eine gesetzliche Einschränkung und die Einführung eines Publizitätszwange» für die Konsortialverträge der Groß- aktionäre, da solche Verträge vielfach die berechtigten Interessen der anderen Aktionäre und die Bewegungsfreiheit der Unternehmungen beeinträchtigten. Der zweite Referent erhofft««ine Besserung vor allem von einer energischen öffentlichen Kritik insbe- sondere in der Press«, er warnt« davor, an den Grundlagen des geltenden Aktienrechts, da» von den Gerichten vielfach mißverstanden worden sei, ohne Rot zu rütteln und erklärt« Aenderungen de» Ge- setze» nur insofern für angezeigt, wie von juristischer Seite der Nach- weis erbracht werde, daß mit dem geltenden Recht nicht auszukommen sei. An die Referate schloß sich eine lebhafte Aussprache, an welcher sich insbesondere Reichsminister a. D. Dernburg, Rechtsanwalt Dr. Alsberg, Unioersitätsprofessor Dr. James Goldjchmidt und Rechtsanwalt Dr. Iacusiel beteiligten. Die Vereinigung beabsichtigt, genauere D o r s ch l ä g e sür«ine schleunige gesetzgeberische Reform der Stimmrecht»- und Derwertungsaktien auszuarbeiten und der Oeffentlichkeit zu übergeben._ Internationale Umschichtungen der Seidenproduktion Das verdienstvolle Institut sür Weltwirtschaft und Seeocrlehr an der Universität Kiel hat«in« die Jahr« 1910 bis 1923 umfassende Statistik der Rohseideproduktion und de» Verbrauchs in den ver- schiedenen Zentren der Seidenoerarbeitung veröffentlicht, die wesent- lich« Verschiebungen innerhalb der Weltwirtschaft deutlich macht. Die Gesamtproduttion von Rohseide ist nicht unerheblich gesteigert worden. Sie stieg von 25 343 Tonnen im Durchschmit der Jahr« 1910/12 auf 30 585 Tonnen Im Durchschnitt der Jahre 1921/23. Die Produktion in Europa hat im Durchschntti der Jahre 1910/12 4671 Tonnen betragen: im Kriegsverlauf ging sie ganz wesentlich zurück, Hot aber jetzt die Vortricgshöhe etwa wieder erreicht. In Europa ist Italien da? Hauptproduktionegebiet (1923---94 Proz.), daneben spiell Frankreich nur eine ganz unter- geordnet« Rolle. In der Levante und in Zentralosten ist die Pro- duktion kontinuierlich geringer geworden: während für diese Ge- biete im Durchschnitt der Jahre 1910/11«ine Produktionsmenge von 2360 Tennen nachgewiesen ist. werden für 1922/23 nur noch' 750 Tonnen angegeben. Dagegen ist die Erzeugung in O st o s i« n fast um die Hälft« vermehrt worden. Wurden dort 1910/11 erst 17 137 Tonnen erzeugt(70 Proz. der Wefterzeugung), so 1921/23 bereits SS 503 Tonnen(mehr als 80 Proz. der Wellprodi-ktion). Innerhalb der ostasiatische» Produktionsgebiete hat Japan seinen Anteil von 52.6 Proz. im Jahr« 1910 auf 70.9 Proz. im Durch- schnitt der Jahre 1921/23 gesteigert. Entsprechend ist die chinesische Produktion geringer geworden(bzw.. da die Zahlen sür Oslasien die Ausfuhr, nicht die Produktion, bezeichnen, der chinesische Export von Rohseide). In der Produktton de» Rohstoffe» hat somit Ostasien sein Monopol verstärtt, wobei bezüglich der Mengen, die am Weltmarkt erscheinen, Japan noch stärker als bisher in den Vordergrund ge- treten ist. Sämtliche europäischen Verarbeitung»- zentren hoben ihren Rohseide»bedarf st ort ein- g- schränkt, während der stark schwankende Derbrauch in der , a p a n i s ch e n Industrie sich« r h ö h t hat und speziell die v e r- einigten Staaten etwa da» doppelte Quantum. wie zuletzt vor dem Kriege, verarbeiten. Di« deutschen Seiden- zentren Krefeld und Elberfeld hoben ihr« Bezüge von Rohseide auf ein international kaum nach in Betracht kommendes Quantum r« d u- ziert. An der Spitze stehen immer noch Mailand und Lyon. Jeder dieser Plätze verhraucht etwa doppelt soviel Rohwar« wie die gesamte Dereinlgte-Gtoaten-Industne. � � Die Einfuhr ausländischer Kohlen im 3anl Im Hinblick auf den deutsch-polnischen Wirtschaftskrieg interessieren die Mitteilungen über den gegenwärtigen Stand der deutschen Kohleneinfuhr. Nach vorläufigen Schätzungen wurden, wie wir dem Fachblatt„Industrie- Kurier" entnehmen, im Juni folgende Kohlenmeugen au» nachstehen- den Ursprungsländern eingeführt: England zirka 226 000 Tonnen (hierin find zirka 20 000 Tonnen Buntertohle enthalten). Saar» gebiet ztrka 80 000 Tonnen. Holland. Belgien und Luxem- bürg insgesamt zitka 20 000 Tonnen. Di« zollfreie Lieferung aus Polnisch- Oberschlesien betrug, wie bereits bekannt, noch 250 000 Tonnen. Die e n g l i s ch e Kohleneinfuhr hat im Juni gegen- über dem Vormonat um zirka 60 000 Tonnen abgenommen. Die gesamte Einfuhr an Steinkohien nach Deutschland belief sich im Berichtemanat auf zirka 560 000 Tonnen.— Die Einfuhr böhmischer Braunkohlen erreichte da» der Tschechoslowakei zustehende Kontingent von 160 000 Tonnen. Weilte Auswirkungen de» deutsch-polnische« Zollkriege». Das Geschäftsjahr 1925 hat in der F a ß i n d u st r i« bisher einen normalen Derlauf genommen. Die Versorgung mit Bierfässern für die diesjährige Saison, die hauptsächlich in der Zeit von Weihnachten bi» Pfingsten vor sich geht, dürste im wesentlichen abgeschlosian sein. vom Weinbau sind die Aufträge in zufriedenstellendem Umfange eingegangen, so daß man bis zum Spätherbst mit einer flotten Bs> schäftigung rechnen kann. Obwohl die Preise der von der Faß- industrie benötigten Holzlorten im Vergleich zum Vorjahre«ine leichte Ermäßigung erfahren haben, liegen die Faßpreise doch noch um«in Geringe» höher al» im Borjahre, da inzwischen stärkere Be- lestunoen au« Steuern usw. eingetreten sind. Der Zollkrieg mit Polen, da» für die Versorgung des deutschen Holzmarktes besonders wichtig ist, stellt ein neues Moment der Beunruhi- g u n g für die Faßindustrie dar. Das Exportgeschäft für Fässer liegt fast völlig danieder. Eröffnung eine, neuen»chachte, bei Thyssen. Wie gemeldet wird, bot die Gewerkschaft Tlqssen ,n Hamborn nunmehr Schacht 8 (Fettkohlenschacht) fertiggestellt und vor«inigen Tagen die Förde- rung ausgenommen. Man hofft, hierfür ein« Erhöhung der Syndi- katsbeteiligung zu erhalten Die» würde zur Erhöhung der Leistung führen, so daß ein Teil der arbeitslos gewordenen Bergleute dort untergebracht werden könnte. � Unterhaltung unö Missen» � vor unö hinter öen Kulisien. Die» war das Schluhbild aus dem vierten Mft Dom Heldenstück im Ilalionaltheater! Das Döse stürzt, die lugend ist intakt. Und ans den Wolken schweigt der Landesvater. Don vorne sieht die Sache rührend ans: Da steht der Dürgerblack in Eintrachtspose Und mimt bei etwas schwochbesehtem Hau» Die neue hindenburg-Apotheose. Don Ultrarechts bis fast zu Jehrenbach Ein Diebesglück von Heilgen Kompromistent Doch, wenn der Dorhang fällt, gibt» immer Srach Und da» natürlich hinter den Kulissen. Da» war der vierte Lkl der Reaktion. Der Dorhang siel. Man wartet aus den fünften. Indessen sich die Komödianten schon Im Hintergründe fürchterlich beschimpften. Es hatte nämlich sich Herr Strefemann Mal wieder seinen eigenen Texi gedichtet. Drum kam Herr Schiele nie an» Stichwort ran. Da hat auch Luther ganz aus» Spiel verzichte». hier sieht man unfern Rationalkonzern In wüster Zwietracht sich den Gehrock bügeln.— Dielleicht erleben wirs. dafz sich die Herrn Zm fünften Akt aus offener Szene prügeln! der Einbrecher. Don Hans hyaa. (Schluß.) lieber einen mit violettem Peluche bezogenen Puff hatten»er. liebte Hände, die vor Eile und Sehnsucht zitterten,«in duftige» Negliges geworfen. Daneben spitzenbesetzte Höschen, gestickt« Unter. rocke und ein seidenes Hemd an der Erde. Auf dem Rohr eines fener leichten Wiener Stühle aus gebogenem holz ringelten sich zwischen erdfarbenen Strümpfen zwei blau« Schlangen mit goldenen Krönlein— die seidenen Strumpfbänder, und über der Lehne hing eine lederbesetzte Reithose und spreizt« sich, wie vom Sturm dahin» geweht, ein Waffenrock von jenem leuchtenden Blau mit hellroten Ausschlägen und vergoldeten Knöpfen, wie sie die Suavenossizier« tragen. Der Rock hatte die Lapitänsabzetchen und ein silberblinkender larras lehnte neben den dazu gehörigen Reitstiefeln an der Spiegel. toilette und in der Mitte, gleichsam auf der Bühne des von einem starken Deilchenduft durchzogenen Gemache«, stand«in breites sran- zösisches Bett unter kornblumenblauem Sammetbaldachin. In diesem Bett aber schliefen, nur von einer dünnen seidenen Decke bedeckt, die junge Gattin des Rechnungsrats und ihr Geliebter. Sie lagen ein wenig entfernt von«inander, aber ihr weißer Arm berührte seinen hals, als wolle sie ihn selbst im Schlaf nicht losier. Ihr voller, schmiegsamer Leib, der noch nie einem Kind« von seinem Leben gegeben und den noch kein« Arbeit gebeugt hatte. blicht« wie ein Rosenbeet im Juni, und ihr Antlitz wandt« seine g«< schlössen en, von dem bläulichen Finger der Leidenschaft betupften Augen mit einem matten, aber unendlich glücklichen Lächeln dem Geliebten zu. Der Spitzbube sah nur ein Weib mit entblößtem Busen. Auf seiner Stirn und am hals traten die Adern hervor und seine Glieder dehnten sich wie zmn Sprunge... Und plötzlich löste sich seine Erregung in einem Strome van Heiterkeit—. er fing an, unbändig zu lochen. Die jung« Frau erwacht« und klammert« sich schreiend an chren Selisbten. Der Offizier schnellt« mit einem Fluch empor und wollte sich aus den Armen der jungen Frau reißen. .Laß mich los, Anne, laß los!" .Rein, ach bitte, nein, Emilei' schrie die junge Frau, ihn m't ihren Armen fest umschlmgenld. Der Offizier blieb sitzen. .Was wollen Sie hier?' schnauzte er den Einbrecher an..Wie können Sie sich unterstehen. Mensch, hier einzudringen?!' Der Dieb hatte sich kalttächelnd vor dem Säbel des Offizier» postiert. .Beunruhigen Sie sich nicht. Herr Kap'Wn!' höhnte er, dabei mit einem großen, blitzenden Einschlagmesier spielenb,.und bleiben Sie hübsch liegen, ich tue Ihnen ja nichts.' Der Offizier,«m kleiner, sehniger Kerl, blieb aus dem Bett«. aber in seinem Gesichte war nicht» von Furcht, wöhrsnid die junge Frau schluchzte und die seiden« Deck« bi» an den hals hinaufzog. - Der Einbrecher lehnte mit verschränkten Armen, lächelnd und schweigend an der Toilette. Der Offizier zerhiß seinen blonden Schnurrbart in ohnmächtiger Wut. Dann ward«r ruhiger. Er sah ein. daß er nur durch die größte Fügsamkeit gegen diesen freche«, bewaffneten Gauner die geliebt« Frau an seiner Seite vor unaus« ltzfchlichsr Schande retten könne. Sein jugendlich stolze» Gesicht. dem zwei klezn« Erhöhungen an der linken Wang« und am Kinn — anscheinend waren sie von Warzen, die er fortgedeizt hatte, zurückgeblieben— etwa, ungemein Kühne» und Entschlossenes gaben, nahm den Ausdruck de» Ekel» an und seine großen, ftahlfartxnen Augen blickten kalt und verächtlich zu dem Einbrecher hinüber. „Aber was wollen Sie eigentlich?!' sagte er..Das ist doch«ine schauderhaste Unverschämtheit!' Und sich an der eigenen Entrüstung wieder erregend:.Scher Dich zum Teufel. Kerl!! Mach, daß Du fortkommst, sag ich. Du Lump! hinaus! Augenblicklich!' Den Spitzbuben reizte da». Unwillkürlich kam ihm seine Militärzeit in» Gadächtnz»... Wa»? Der wollte ihn hier kujonieren? Ra, warte!.. „Maul gehatten! Süll gelegen!' wetterte er nun seinerseits. indem er sich bewußt war, daß ihn hier nicht so leicht jemand störsn würde. Dabei zog er den Säbel de» Ofsizier» au» der Scheide und kommrmdierte: „hingesetzt! Achtung!!' Der Ofsizier mar einfach.bass'. Und auch die funge Frau dachte natürlich gar nicht daran, sich diesem Befehl zu fügen. Da versuchte der Einbrecher, sie mit der Säbelspitze zu kitzeln. Die Dam« tat«inen Schrei und zog die Knie hinaus. Aber in demselben Moment schnellt« der Ofsizier. wie«in« Otter, in die höhe und sprang mit den? Ruf:.Meine Wasfe, Kerl! Mein« Waffe!' so wie er war mit einem Satze über die Betttahne hinweg auf den Einbrecher lo». ver warf den Säbel fort und wich dem Ansturm de» Ofsizier» geschickt aus. Sekundenlang standen sich die beiden, einer die B«» wegung des anderen gespannt beobachtend, gegenüber. „Machen Sie sich doch nicht lächerlich, Herr Kapitän.' sagt« der Einbrecher dann so recht gemütlich,.da, Messer aber immer stoß» bereit in der Faust,»sehen Sie mal, ersten» stech' ich zu. wenn Li« noch einen Schritt machen... wirtlich, so l«id e, mir tut. ich wäre gezwungen. Sie abzustechen wie ein Schwein!.. Und wo» wollen Sie denn überhaupt, h»"«apitün. Sie haben doch schließlich eben» sowenig hier zu suchen, als ich! Ich möchte wahrhastig mal sehen, wen der Herr Etatsra� lieber bei sich se'hen würde, Sie oder mich... Ich nehm« doch schließlich bloß-in bißchen Kl-ingeid aber Sie - na ja. wir wollen uns darum nicht zanken...aber nun seien Sie auch vernünftig, Herr Kapitän.«Nd stören Sie mich, bitte, nicht länger in meinen Obliegenheiten!'„,,_ Der Zuave war kein unebener Mensch. Er besaß Sinn für Komik und wußte nicht, ob er sich mehr ärgern oder lachen sollte bei den Auseinandersetzungen de» Dttbe». „Also bitte!' meint« dieser mit einer höflichen Handbewegung nach dem Bett...„.., Jetzt lacht« der Kapitän wirklich« ftan9 allerdings«in ««nig gezwungen— und legt« sich, der Aufforderung Folge leistend. wieder hin. Auf den Arm gestützt, sah er dann den Einbrecher zu, der sich eben daran machte, die Spiegeltoilette und die Rachttischchen zu durchsuchen. Jedoch ohne Erfolg. „Ich find« nichts,' sagte tr, wieder an da» Bett tretend,»da» fst unangenehm!... Born im Sekretär waren einige dreihundert Mark, die ich in Verwahrung genommen habe. Aber das ist zu wenig Ich komme dabei sozusagen nicht aus meine Spesen.... Ich muh Sie also bitten, mein« herrschasten» mich für diesen Derlust zu entschädigen.... ach so,' sein Blick siel auf die Uniform,»Ei« ge» statten doch, Herr Kapitän?' Damit stürzte er sich auf dessen Kleider und begann st« zu durch- wühlen. »Sieh da! Fünfhundert Frank bar, und in einem solch ent» zückenden Portefeuille— o. das ist ja reizend! Und eine goldene Uhr, und die schwere Kette, wirklich, sehr schön! Das sind nochmals fünfhundert Frank unter Brüdern.... das Portefeuille, das be- wahr' ich mir auf, zum Andenken an Sie, Herr Kapitän!' Dabei klafchte der Einbrecher mit der Hand aus das feine Saffianleder und schien wirklich aufrichtig erfreut. Dem Offizier kam seine Lieb« etwas teuer, aber er blieb ge- lassen. Auch die junge Frau blickte, wie ein erschrecktes und doch neu- gieriges Mäuschen, von der Seite.... Wenigstens war sie jetzt sicher, daß dieser Mensch sie nicht verraten durste... »Run noch ein Andenken an die gnädige Frau!' meinte der Spitzbube fröhlich, die Taschen ihres Morgenrockes durchstöbernd. »M«. dies niedliche Portemonnaie mit sechs Frank dreißig?— Rein, meine Gnädige, dessen beraub' ich Sie nicht! Aber den hübschen Ring mit dem blauen Stein— ich sah ihn vorhin an Ihren Fingern — um den bttt' ich... Ich werde ihn niemals fortgeben, schon weil er mich(der Spitzbube dämpft« seine Stimme zum Flüstern und spitzt« lüstern die Lippen) stet» an den süßesten Anblick meine» Leben, «rinnern wird!' »Seien Sie nicht unverschämt!' brauste wieder der Offizier auf. Der Spitzbube hatte nicht mehr Zeit, grob zu werden. »Aber bitte, Herr Kapitän, kann nian rücksichtsvoller sein, als ich es gewesen bin? Was wollten Sie machen, wenn ich statt des Ringes diese reizende Hand und noch etwas mehr fordert«... nun, nicht wahr, Sie geben mir den Ring?' »Ich schenke Dir einen neuen, ganz gleichen,' meint« der Offizier leise zu seiner Geliebten und zog ihr den Ring von der Hand, die die junge Frau bei den Worten des Einbrechers ängstlich versteckt hatte. »hier haben Sie ihn! Run machen Sie aber auch, daß Sie fort» kommen!' sagt« der Offizier und warf seinem Gegenüber den Ring zu, den dieser geschickt auffing. »habe ich vielleicht noch etwas vergessen?' ineint« der Spitz- bub« dann schelmisch. »Rein, aber da ist die Tür!' rief der Kapitän und zeigte auf die nur angelehnte Tür. durch welche der Einbrecher, rückwärt»- gehend und, wie ein Tierbändiger seinen Lömen, immer den Ofsizier im Auge behallend, mit einer eleganten Verbeugung verschwand. Nocturno. Bon han» Wesemann. Dos Boot gleitet langsam über den See. Wie ein kleiner grü- ner Stern schaukelt an seiner Spitze der Lampion. Vom Ufer steigt der hohe Stroh! der Fontäne. Da» junge Mädchen sitzt am Steuer, sie hat die Hände um die Knie gelegt und lauscht dem jungen Mann, der das Ruder führt. „Welch poetischer Abend,' denkt sie,„ich bin so glücklich und Herr Meier ist solch netter Mann, wie schön wäre es. wenn er mir jetzt ein« Liebeserklärung machte.' „Finden Sie nicht auch, daß es etwa» zieht,' sogt Herr Meier. „Rein— absolut nicht', sagt sie und denkt dann weiter:„Wo- rum küßt er mich nicht— ich liebe ihn doch so sehr, und vielleicht könnten wir uns auch verloben— da» wäre himmlisch...' «Gnädiges Fräulein, es ist schon 1l Uhr vorbei— wir müssen umkehren," sagt Herr Meier. Und das Boot dreht zurück zu den Mensche« und zum Promenodenkonzert. Sie ist furchtbar traurig und enttäuscht, sie hatte sich alles so «ett gedacht.„Ich werde nie mehr einen Mann lieben können— ich bin todunglücklich, und h-rr Meier ist ein Ekel", denkt sie. Dann sind sie am Ufer und sie verläßt Herrn Meier mit kühlem Gruß.„Warum bloß', ist ihr letzter Gedanke. Herr Meier aber streicht sich verzweifell die Backen.„Warum blaß muß ich ausgerechnet heute abend so scheußlich unrasiert sein?' R-pln» Modell«. Als der große russische Maler Repm seine Studien zu dem historischen Bilde der»Saporoger' machte, in dem ihm die Gestolten der kleinrussischen Krieger so prächtig gelungen sind, da sah er emes Tages eine Gruppe Männer im Grase fliegen. die ihm wie gerufen kamen.»Während ich rasch einige Skizzen mach«', erzählte er darüber,»sehe ich. wie einer von ihnen, der Interessanteste, gerade einschlafen will und sich recht behaolick bin- linnmett'.»Ich gebe Dir 5 Rubel, wenn Du Dich zeichnen läßt, sage ich zu ihm. Der Kerl sieht mich groß an und antwortet be« dächt ig:„Da hast Du zwei Kopeken. Run laß mich aber ruhig schlafen!" Dann dreht er sich um und beginnt zu schnarchen. Iontane in Italien. Fontane, der Dichter der.Wanderungen', ist zweimal in Italien gewesen. Was er damals in fein Tagebuch ichrieb, ist noch nicht veröffentlicht. Aus dm Briefm aber, die er auf der zweiten Resse, im Spätsommer 1875, an seine Frau richtete, veröffentlicht einiges das letzte Heft der„Reuen Rundschau'. Er ist mit der Post über den Splügen gefahren, hat— 7 Fr. 64 Centimes extra Trinkgeld an den Postillon für den Platz auf dem Cabriolet— das großartige Schauspiel der Dia Mala gmossm und ist dann am Logo Maggiore ge- landet. Aber ferne Krittk hat er nicht zu Haus« gelassen, und so schreibt er denn:»Der See sieht gerade so aus, wie er gemalt zu merden oder selbst in Oeisarbendruck zu erscheinen pflegt. Jede Ueberrcsschmig, die so viel tut, fällt weg. Ueberhaupt kann man von Jtalim sagm, es fei„abgemalt', wie Lieder abgesungen werden. Ihre Popularität wächst dadurch, vielleicht auch ihr Ruhm, aber nicht ihr Reiz. Alles Schönst« muß rar bleiben, muß als begtückende Ausnahme empfunden werdm. Je gekannter, je trivialer; nicht immer notwendig, aber die Gefahr ist da. Was nun den Logo Maggiore angeht, so hängt alles davon ab. Der treue Anwohner des Müritz- oder Müggelsees wild in unbegrenzter und berechtigtes Entzückm geraten, wer aber vom Golf von Neapel kommt, oder das Bild des- selben in der Seele bewahrt, der wird dies oberitalienssch« Wasserbecken doch nur zweitm Ranges findm. Die Weitgespanntheit des Bo- gm», die Farbe des Wassers, der Reichtum der Usereinfassung. schasfm einen Unterschied, der sehr zuungunsten des„Langen Sees" ausfällt. So nennen die Graubündner dm Logo Maggiore. In seinem nördlichen Drittel wirkt er mehr oder minder kahl; erst wmn man die Mitte erreicht hat und etwa oon Pallanza aus rückwärts blickt, hat man«in sehr schönes Bild, weil nun alles Zufammmzu- schieben den Ufern einen reicheren Charakter zu geben beginnt, als sie in Wirtlichkeit haben. Auch selbst diese letzter« wirkt nicht stark. Man sieht«in ramponiertes Schloß, einen Kranz ziemlich schmutziger Uferhäuser und hinter diesen Häusern, dieselben dergartig überragend. die vielgenannten, vom Grasen Borromeo vor etwa 200 Jahren an- gelegten Terrassen. Ein Stück Sanssouci, nur mit dem Unterschied, daß der Jsola-Bella-Hügel nicht nach einer Seite, sondern nach allen vier Seiten hin terrcsssiert wurde. Ich kann aber nicht sagen, daß die Sache dadurch an Schönheit gewonnen hätte. Im Gegenteil, sie erhält etwas durchaus Spieleriges, das durch die zahlreich angebrachten Architekturen und Skulpturen: Obelisken, Säulen und Statuen sdarimter— über dem Eingangs- tor—«in Engel zu Pferde) nur noch gesteigert wird. Ich glaube nicht, daß ein genaueres inaugenscheinnehmen mein Urteil erheblich modifiziert haben würde. Denn man übersieht von Deck aus alles ganz deutlich. Mit Jsola Bella hört die Schönheit und das Interesse auf, man fährt nur weiter, um an der Südwestseite des Sees Arona zu erreichen. von wo die Eisenbahn die Reisenden nach Mailand fährt. Stunde. Eine der ersten Stationen ist Somma, in der Nähe hes Ticino, wo hannibal, nach Passierimg der Alpen, feinen ersten Sieg über die Römer erfocht: dann folgt Legnano, wo die Mailänder den Barbarossa schlugen. Ueberhaupt beqeqnet man hier— ähnlich wie auf der Strecke von Weimar bis Leipzig— alle 5 Minuten einem berühmten Schlachtseide.— Um 7 Uhr waren wir in Mailand. Nach einer unerläßlichen Säuberung und Einnahme eines Sou- pers: hainmelkotelette», in denen ein mir vorschwebendes Ideal endlich zur Wirklichkeit wurde, ging ich in die Stadt und sah noch den Dom. den Scalaplatz mit seinem gleichnamigen Theater, die große Marmorstatue Leonardo da Vincis und die neuetdings so se rühmt gewordene»Galeria Vittore Emanuele',— das Vorbild ju unserer.Passage', die daneben allerdings zu einem bloßen Gäßchen zusammenschrumpft. Ueberhaupt, welche Stadt! 0, Berlin, wie weit ab bsst du von einer wirtlichen hauptstandt des Deutschen Reiches! Du bist durch politische Verhältnisse über Nacht dazu ge- worden, ober nicht durch dich selbst. Wirst e». nach dieser Seite hm. auch noch lange nicht werden. Vielleicht fehlen die Mittel, ge- miß die Gesinnung.„Denn aus Gemehiem ist der Mensch gemacht'. sagt Schiller; er soll dabei speziell an den Berliner Spießbürger, der inzwischen zum..Bourgeois' sich abwärts entwickelt hat. gedacht haben. Ueberhaupt will es mir nicht glücken, es im Auslände zu irgendeiner patriotischen Erhebung zu bringen. Nicht nur, daß man Schritt um Schritt empfindet, wie sehr uns dies« alten und reichen Kittturlaitd« voraus sind. nein, man taxiert uns auch in diesem Sinne. Man will von uns nichts wisset,. Weder das»ewige Ge- s*ge', noch die 5 Milliarden haben unsere Situation gebessert. Es hieß zwar unmittelbar nach dem Kriege:»wir seien nun ein für allemal etabliert, der so lange vermißte Respekt sei da'. Aber ich merke nichts davon. Alles dreht sich nach wie vor um England und Frankreich: man versteht kein Deutsch oder will e» nicht verstehen: englische und sranzösssche Leitungen überall; englische und sranzo- fische Bücher im Schaufenster des Buchladens, aber kein einzige» deutsches Buch. Nicht einmal die„Wanderungen'. Im Grund« genommen ist es recht so, denn da», was wirkliche Superiorität schafft, selsst uns, trotz Schulen und Kasernen, nach wie vor. Freilich habe:' Athen und Sparta einst politisch rivalisiert, aber Spar« ist längst nur noch Name und Vegrifs, während die beglücktere Rivalin eine WirNMeit ist bis aus diesen Dag.'' Unser Saison- Ausverkauf Jeder neue Tag Große Posten! Kleiderstoffe Popeline m. kunstsciden. Streifen Mtr. 95 Pt. ca. cm.breit Gabardine 130 cm., so jetzt Mtr. 4.90 früher Mtr. 9,50 Sportflausch kariert, ca.130 cm br. Mtr. 2.45 Popeline Reinwolle, elfenbein, ca. 105 cm breit டுடுடுடு. Modell- Complets Kostüme, Mäntel,-Kleider bis ชน 50% ermäßigt! Mtr 3.90 Damen- Konfektion Damenwäsche Taghemd bewährtes Wäschetuch mit Hohlsaum Voll- Voile Kasaks 1.45 Blusen 3.90 95 P KreppHemdhose mit Stickerei- Einsatz.... 3.25 Taillenrock mit Stickerei- Garnierung 3.75 Binzelne Garnituren leicht angestaubtus 13.75 bis zu 50% ermäßigt. Hauswäsche Küchenhandtücher Reinleinen ges u. geb., 46X100 78Pf Stubenhandtücher Jacquard, 1.15 ca. 46x100 cm. Tischtücher Jacquard, ca. 110x130 cm Servietten ca. 55 × 55 cm. 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Müller, Osnabrücker Str. 27 Copenid: 36. Augustin, Rosen, Ecke Kirchstraße Eichwalde: 37. Lindner, Eahnhofstraße Ertner: 38. Sante, Berliner Str. 4 Friedrichshagen: 39. Matthes( fr. Tinius), Friedrichstr. 121 Hennigsdorf: 40. Drei Linden Hohenschönhausen: 41. Marquardt, Berliner Str. 85 Kaltberge: 42. Rettinger, Redenstr. 45 Lichterfelde: 43. Zenski, Hindenburgdamm 55 Lichtenberg: 44. Siewert, Kant, Ede Schillerstraße 18. Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, 45. Geipfe, Kronprinzen, Ede ScharnSaal 2 19. Brasser. Michaelfirchstr. 29a 20. Seidentopf. Muskauer Str. 35 21. Reinicke, Grünauer Str. 17 Süden: 22. Winter, Ritterstraße, Ede Fürstenstr. 23. Gutthandt, Dresdener Str. 80' 24. Blentle, Boppstr. 1 25. Höhlke, Bergmannstr. 69 26. Ohngemach, Kommandantenstr. 89 Südwesten: 27. Topp, Alte Jakobstr. 1 Westen: 28. Scheffler, Großgörschen., Ede Kulmite. Nordwesten: 29. Sturz, Suttenstr. 9 30. Bilz, Rostoder Str. 27 31. Krüger, Putligstr. 10 Mblershof: 32. Raul, Am Marttplag Baumschulenweg: 33. Borgmann. Baumschulenstraße, Ede Kiefholzstraße weberstraße Mariendorf: 46. Kranich, Chausseestr. 28 Reukölln: 47. Rückheim, Berg-, Ecke Lahnstraße 48. Ideal- Rajino, Weichselstr. 8 49. Rugti, Hermann, Ede Leinestraße Niederschöneweide: 50. Grahl, Brüden, Ede Berliner Straße Oberschönemeide: 51. Imberg, Wilhelminenhofstr. 34 Banfor: 52. Türkisches Zelt, Breite Str. 18 Reinickendorf- Oft: 53. Uurich, Mart, Ede Holländerstraße 54. Uhlig, Residenzstr. 156, Ede holzer Weg 55. Kojjazz, Provinzstr. 60 Reinidendorf- West: 56. Boltshaus, Scharnweberstr. 115 Schöneberg: 57. Rosenthal, Ebersstr. 66 Segefeld: 58. Zur alten Linde, Bahnhofstraße Siemensstadt: 59. Zur Bartburg, Nonnendamm- Allee, Ede Reisstraße Spandau: 60. Rechenberg, Lutherstr. 3 61. Wind, Pichelsdorfer Str. 5a Staaten: 62. Wolff, Am Bahnhof Steglig: 63. Borchmann, Rheinstr. 40 Tegel: 64. Lehnhardt, Berliner, Ede Beitstraße Teltow: 65. Kupsch, Hoher Steinweg 12 Tempelhof: 66. 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Rat und Auskunft in allen Schulfragen. 8. Kreis Spanbau. Sonnabend, den 11., abends 6 Uhr, Rreisvertreterverfammlung im Rasino des ehem. Grenadier- Regts., Schmidt, Anobels. dorfer Straße. Vortrag des Genossen Künstler: Barteitag und Internationaler Rongreß". " 3. Abt. Sonntag, den 12. Juli, Familienausflug. Treffpunkt früh 8% Uhr mit Frauen und Kindern am Kaiser- Franz- Grenadier- Blah. Abmarsch 9 Uhr nach Treptow. Dortfelbft Unterhaltungsspiele für jung und alt mit Ueberraschungen. Ab 2 Uhr Raffeetochen im Kleinen Eierhäuschen beim Genoffen Rubat. Treffpunkt für Nachaügler Eierhäuschen bzw. Spiel. wiese. Rüdmarsch 7 Uhr abends. 21. Abt. Allen Genossinnen und Genossen zur Kenntnisnahme, daß Sonn tag nachmittag 3 Uhr das Fest der Jugend im Schillerpark stattfindet. Rarten zum Preise von 30 Bf. bei Kroll, Utrechter Str. 21. 42. Abt. Sonntag, den 12., Familienausflug nach Bichelsmerder. Treffpunkt 8 Uhr Hochbahn Hallesches Tor. Nachzügler 11 Uhr Stößenseebrüde. Seute, Freitag, von 6-8 Uhr abends tönnen die Bücher vom Bücherkreisbeim Genoffen Reckenberg, Blücherstr. 23, abgeholt werden. 95, Abt. Neukölln. Sonntag, den 12. Juli, Familienausflug mit Gäften nach Rudow, Lindenpart, bei Wedler. Abfahrt spätestens 12 Uhr 45 min. Berg-, Ede Steinmesstraße. Rege Beteiligung erwünscht. Jungsozialisten. Gruppe Mitte: Heute, Schule Gipsftr. 23a, politische Aus. sprache. Samburgfahrer 5 M. Fahrgeldanzahlung mitbringen. Bereinigung sozialdemokratischer Studenten. Arbeitsgemeinschaft: Geschichte der Sozialdemokratie, Leiter Prof. Gustav Maner, heute, Freitag, den 10., 7 Uhr, im Sozialwissenschaftlichen Klub, Wilhelmstr. 48 III. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde- Mitte. Die Kinderfreunde beteiligen fich Sonntag, den 12., am Ausflug der 3. Abt. nach Treptow. Treffpunkt 8 Uhr im Heim Blumenstr. 77. Gäfte find herzlich willkommen. Morgen, Sonnabend, den 11. Juli: 25. bt. 8 Uhr abends bei Goft, Aniprodeftr. 6, Sigung aller Funktionäre und Kreisdelegierten. 139, Abt. Segel. 6 Uhr abends Sommerfest im Strandschloß. Die Genoffinnen und Genossen werden ersucht, sich daran zu beteiligen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 30. Abt. Die Beerdigung des verstorbenen Genoffen Arno RarI findet am Freitag, den 10. Juli, nachmittags 4 Uhr, auf dem Friedhof Gethsemane in Nordend statt. Jugendveranstaltungen. Achtung, Sylt- Fahrer! Seute, freitag, 28 Uhr, findet die Besprechung im Jugendheim Lindenstr. 3 ftatt. Achtung, Abteilungskassierer! Rechnet die Beitragsmarten ab, hoft die Arbeiter- Jugend" und Jugend voran" von 5-7 Uhr ab. Heute, Freitag, den 10. Juli, abends 7% Uhr: Moabit I: Schule Waldenferftr. 21, Vortrag: Jugend und Recht". Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplah, Bortrag: Warum bin ich in der SAJ.?" Wedding- Nord: Ledigenheim Schönstedtstr. 1, Mitgliederver fammlung. Norboft I: Jugendheim Neue Rönigftr. 21, Vortrag: ,, Der Mensch in der Urzett". Rordoft II: Jugendheim Danziger Str. 62, Vortrag: Jugend und Mode". Weißensee: Jugendheim Roeldeftr. 157, Bortrag: Unsere Gruppenzeitung". Often( Stralauer Bierbel): Jugendheim Gokleritr. 61, Bortrag: Thomas Münzer". Charlottenburg: Jugendheim Rosinenſtr. 5, Bortrag: Kinderfreundebewegung". Salensee: Schule Joachim- FriedrichStraße 35-36, Bortrag: ,, Arbeiterwohlfahrt". Schöneberg I: Jugendheim Rubens, Ede Sauptstraße, Mitgliederversammlung. Steglit I: Jugend heim Holsteinische Str. 3, Bortvag: SAJ. und gegnerische Jugendbünde". Neukölln 1: Jugendheim Bergstr. 29, Vortrag und Aussprache: Biele der SAJ. Neukölln II: Jugendheim Nogatftr. 53, Bortrag: Seguelle Fragen". Reukölln V: Jugendheim Schierkestr. 44, Sigung der Hamburgfahrer. Baumschulen weg: Jugendheim Ernststr. 16, Vortrag: Die Parteien im Reichstag". Reuter 111 Freitag, 10. Juli 1925 sik Bub Niederschönhausen: Schule Blankenburger Str. 69-70, Bortrag: Spandau: Altes Schüßenhaus, Neuendorfer Str. 38, Bortrag: und Mädel". Südost( Reichenberger Viertel): Jugendheim Reichenberger Straße 66, Rusammenkunft aller Hamburgfahrer. Werbebezirk Reukölln: 8 Uhr Fahrtausschußigung bei Lange, BiffmannStraße 10. Nachstehende. Abrechnungen müssen heute unbedingt vorgenommen werden: Frühlingsfeier: Buchholz, Nordring, Treptow, Westen; Mai Jugendtag: Prenzlauer Vorstadt, Senefelder- Biertel, Wilmersdorf: Sonnenwendfeier: Faltensee, Gesundbrunnen, Lantwik, Mariendorf, Neukölln II und III, Nordosten II, Schmargendorf, Schönhauser Bor. stadt I, Südost( Görliger Biertel). Karten zum Jugendfest müſſen Sonntag im Schillerpark abgerechnet werden, Samburg. Bezirksbogen für die Monate April- Junt fofort abliefern. Melbelisten müssen bis spätestens 15. b. M. dem Sekretariat eingereicht fein. 99 Verträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianftr. 37/38. Sof 2£ t. Ortsgruppe Teupis, Kreis Teltow: Gonnabend, den 11. Suli, abends 7½ Uhr, Abfahrt zur Versammlung nach Töpchin. Dort Treffen mit den Mittenwalder und Roffener Rameraden. Ortsgruppe Erkner: Sonnabend, ben 11. Juli, abends 8 Uhr, gemütliches Beisammenensein mit Damen und eingeführten Gästen anläßlich unferes einjährigen Bestehens beim Rameraben Sperling, Wilhelmstraße. Der Reichsbund jüdischer Frontsolbaten, Berlin- Norb, veranstaltet ant Donnerstag, den 16. Juli, im Saalbau Friedrichshain ein Sommerfeft zugunsten ermerbsloser und friegsbeschädigter Rameraden. Gartenkonzert, Breisschießen, Auftreten der Triumph- Gänger, großer Fadelzug der Rinder, Auftreten des Turnvereins Bar- Rodba feien aus dem reichhaltigen Programm erwähnt. Das Rheinland AACHEN Histor. Jahrtausend- Ausstellung Mai/ Juni/ Juli 1925 U.a.: Die deutsche Königskrönung( Insignien, Kaiserbilder u. Erinnerungen)/ Die Wallfahrt nach Aachen/ Die Aachener Friedenskongresse und das Badeleben in Aachen Ausgewählte Werke von Aachens Architektur u. Kunstgewerbe Erinnerungen a. d. Aachener Musik- und Theaterleben in Verbindung mit Festaufführungen anläßlich des 100 jährigen Jubiläums des Stadttheaters Gewerbeschau am aus Vergangenheit und Gegenwart 15. Juni 31. Juli Kunstausstellung moderner religiöser Malerei:„ Bibel und Bild" Juni Juli Festaufführungen im Stadttheater und Konzerthaus Kurveranstaltungen Auskünfte durch das Verkehrsbureau der Ausstellung ELBERFELD Die Jahrtausendfeler hat vom 20. bis 25. Mai stattgefunden. BONN Die Jahrtausendfeier hat vom 16.- 27. Mai stattgefunden Den Besuchern des Rheinlandes bietet die alte Universitäts- und Gartenstadt mit ihrer reizvollen Umgebung unweit des Siebengebirges ruhigen und angenehmen Aufenthalt. Nach Köln und dem Siebengebirge einhalbstündlicher elektrischer Schnellbahnverkehr. Auskunft: Städtisches Verkehrsamt Poststraße 27 Fernruf 3575. ESSEN die Großstadt im Herzen des Industriegebietes, die vorbildliche Wohnstadt. Neben einer Anzahl von Fachmessen und Fachausstellungen, wie RheinischWestfälische Lebens- und Genußmittel- Ausstellung, Rheinisch- Westfälische Tabakmesse, Chemie im Alltag, Bureauausstellung, finden in der Stadt Essen anläßlich der Jahrtausendfeier folgende große Ausstellungen statt: 23.- 30. Juni: Jahrtausendfeiern: Sommernachtstraum. Meistersinger. 1. Festkonzert: Wiener philharmonisches Orchester. II. Festkonzert: Beethoven I. u. IX. Sinfonie. Elberfeld wurde im Jahre 1610 zur Stadt erhoben. Sie besitzt bedeutsame Spezialindustrie der Weberei, Bleicherei und Färberei, der Fabrikation der Bänder, Kordein, Litzen und Spitzen, dazu neuerdings der Kunstseide und des Glanzstoffs, der chem. Industrie. der Farbstoffe, Bekleidung und Konfektion. Außerdem bedeutsamen Textilgroßhandel. Dem raschen Verkehr in der Stadt und nach den Nachbarorten dient das einzigartige Verkehrsmittel: die Schwebebahn. Auf dem Gebiete des Wohlfahrtswesens ist Elberfeld weltbekannt geworden, ebenso auf dem Gebiete des Theater- 11.- 13. Juli: XIII. Deutsch. Bachfest und Konzertwesens. Neuerdings bietet das Stadion mit seinen reichhaltigen Vorstellungen besonderes Interesse, sowie zur Zeit die Ausstellung der Bergischen Kunstgenossenschatt und des städt. Museums. Die schöne Umgebung Elberfelds in ihrer Durchdringung der Natur mit der Werktätigkeit der Bevölkerung wird auch dem Verwöhntesten gerecht. Der Besuch wird- daher allgemein empfohlen. Auskunft erteilt der Elberfelder Verkehrsverein, Schöne Gasse Kantaten Festgottesdienst InstruJahrtausend Feier der Rheinlande Ausstellungen und feftliche Veranstaltungen Aachen+ Gonn Dusseldorf Duisburg Elberfeld+ Esse Koblenz+ Roln Crier Auskunft in den berkehrsvereinen Verkehrsamtera und Belebúras KOBLENZ 8. August ruft Euch zur Jahrtausendfeier! Deutsche Brüder und Schwestern, besucht die Ausstellungen u. festlichen Veranstaltungen, den Rhein, seine Städte, Bäder, Berge, Burgen u. Dome 13. September Reichsausstellung „, Deutscher Wein" Weinbau, Weinhandel und verwandte Gewerbe 1. Auskunft: Rheinischer Verkehrsverband E.V. Sitz Bad Godesberg. Die Verkehrsämter der Städte und die Verkehrsvereine. mental- und Choi konzert Thomaner Der Wein und die deutsche Wissenschaft konzert( Leipzig) Kammerkonzert Johannispassion. 2. 18. Juli- 16. Aug.: Bauausstellung Der Wein und die deutsche Wirtschaft 13.- 25. Sept.: Ausstellung ,, Gesund. heit und Arbeit" Auskunft: Verkehrsverein( Handelshof am Hauptbahnhof) und Presseamt der Stadt Essen( Rathaus) 8. Der Wein und die deutsche Kultur Auskünfte: Musikfest der Stadt DÜSSELDORF DUISBURG vom 15. bis 20. Juli 1925 Leitung: Generalmusikdirektor Scheinflug. 1. Tag: 15. Juli, abends 7.30 Uhr: Voraufführung zum 1. Hauptkonzert. 2. Tag: 16. Juli, abends 7.30 Uhr: 1. Hauptkonzert Beethoven. a) Egmont- Overtüre, b) Violinkonzert( Ad. Busch), c) 9. Sinfonie 3. Tag: 17. Juli, abends 7.30 Uhr: Kammerkonzert: Grevesmühl- Quartett und die Bläser des städtisch. Orchesters. BrucknerQuintett, Herm. Wunsch funi Gesänge für Bariton( Uraufführung). Beethoven- Septett. 4. Tag: 18. Juli, abends 7.30 Uhr: 2. Hauptkonzert Das junge Rheinland". Rudi Stephan, Herm. Henrich, Paul Hindemith, Adolf Busch, Bruno Stürmer, Jos. Eidens. Jubiläumsausstellungen 1925 30. Mai bis 4. Oktober: Große Kunstausstellung: a) die letzten 100 Jahre rheinischer Malerei b) modernes deutsches Kunstschaffen c) modernes Düsseldorfer Kunstschaffen 30. Mai bis 15. Juli: Jagd- und Fischerei- Ausstellung unter dem Protektorat des Reichspräsidenten von Hindenburg. 5. Tag: 19. Juli, abends 7.30 Uhr: Vorauf- 23. August bis 13. September: führung zum III. Hauptkonzert. 6. Tag: 20 Juli, abends 7.30 Uhr: Achte Sinfonie von Mahler, Sinfonie der 1000". Mitwirkende: Prof. Ad. Busch. Kammersängerin Gertrude Förstel( Wien), Eva Bruhn ( Essen), Margarete Matzenauer( New York), Else Droll- Pfaff( Duisburg), Anton M. Topitz ( Leipzig). Heinr. Rehkemper( Münch.), Martin Abendroth( Berlin), Orchester 120 Künstler, Chor: 800 Damen und Herren, 150 Kinder. Karten bei der Kasse des Stadttheaters, auch Vorbestellung. Außerdem Heimati. Kunst ausstellungen bis Ende September 1925. Unterkunft vermitt. d Duisburg. Verkehrsverein KÖLN Im Juli 1925 Jahrtausendausstellung der Rheinlande Geöffnet bis 15. Angust Gastspiel der Wiener Staatsoper und des Wiener Staatsopernballetts im Opernhaus vom 1 bis 7. Juli. Gastspiel Direktor Kuhnert, Berlin im Kammerspielhaus vom 11. Juli bis 15. August. Jahrtausendfeler der Sportstadt Köln: Reichsjugendwettkämpfe und Vater ländische Festspiele am 4. und 5. Juli im Stadion. Rhein- Segelwoche vom 3. bis 9. Juli. Kreissporttag der Deutschen Jugend. kraft am 19. Juli im Stadion. Internationales Radrennen des B.D.R. ( Vorkämpfe zur Weltmeisterschaft) am 26. Juli im Stadion. Sonderausstellungen in der Kölner Messe: Rheinische Grüne Messe, Ausstellung des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen und des Messeamts Köln, vom 4. bis 12. Juli. Schuhmacher- Fachausstellung v. 4. bis 7. Juli. Handwerksausstellung der Kölner Handwerks kammer vom 19. Juli bis 23. August. Zahlreiche Kongresse. gegenüber dem Dom. Städt. Verkehrsamt, Goebenplatz 20 Auskunft erteilt das Städtische Verkehrsamt, Gießerei- Ausstellung. 22. bis 30. Aug.: Deutsche Wäscherei- Verbands- Ausstellung. 19. bis 27. September: Große Allgemeine Gartenbau- und Bindekunst- Ausstellung. 2. bis 4. Oktober: Obst- und Gemüse- Ausstellung. TRIER Jahrtausendfeier der Rheinlande An allen Sonntagen im Juli bis September: Aufführungen des Heimatspieles von Dr. Leo Weißmantel „ Der Kurfürst" Freilichtspiele in d. Kaiser thermen 10. bis 19. Juli: Gesangsfest der vereinigt. Gesangvereine der Stadt und des Bezirks. 2. August bis 13. September: Gewerbeschau auf dem Gelände zwischen Paulusplatz u. Deutschherrenstraße mit Schaufenster- Wettbewerb. WIESBADEN Bad Langenschwalbach Bad Ems Deutschlands größtes Heilbad Kochsalzthermen 65,7° C. Unvergleichliche Heilerfolge bei Rheumatismus, Gicht, Nervenkrankheiten Stoffwechselleiden und Erkrankung der Atmungs- und Verdauungsorgane Gute Unterkunft bei äußerst mäßigen Preisen Stahl- und Moorbad Hotelverzeichnisse mit Preisen und Auskünfte durch das Hotel Alleesaal Städtische Verkehrsbureau im Taunus Hotel Herzog v. Nassau NEUENAHR Hotel Metropole bekannt und bewährt seit A. D. 1172 Die einzigen warmen, alkalisch- muriatischen, kohlensauren Thermen Deutschlanas Als Heilbad Erholungsstätte und Empfoblen von den berühmtesten Aerzten durch die Jahrhunderte. Einzige alkalische Thermen Deutschlands gegen Magen-, Darm-, Leber-, Nierenleiden, Zuckerkrankheit, Gallensteine, Erkrankungen der Atmungsorgane, Gicht und Rheumatismus. Vielseit. Unterhaltung. 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