Abendausgabe Nr. 322 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 158 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin SW Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Freitag 10. Juli 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr. Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der Kampf der Bauarbeiter. Wer verteuert die Wohnungswirtschaft? * Handelsbilanz und Zollpolitik. Eindrucksvolle Zahlen. = Die Bauunternehmer haben bekanntlich die Forderungen der| Gewinnsucht. Ihr Kampf gegen die Bauhüttenbewegung ist der folche nackten Zahlen eine Situation so grell beleuten, daß Bauarbeiter abgelehnt mit der Begründung, daß diese Forderungen beste Beweis für die Unwahrhaftigkeit ihrer Behauptungen. nicht„ tragbar" wären und die Wohnungswirtschaft ungemein ver= teuerten. Wir haben wiederholt auf die Tatsache hingewiesen, daß die Bauhütte wie überhaupt die Sozialen Baubetriebe diese Forderungen längst durchgeführt haben und trotzdem in der Lage sind, so zu arbeiten, daß sich die privatkapitalistischen Baufirmen über die Unterbietung der Bauhütte beschweren. Wir führen zunächst ein Beispiel an: Es besteht in Berlin eine Töpfereigesellschaft, die dem Verbande Sozialer Baube triebe angeschloffen ist. Von der Berliner 3wangsinnung der Töpfer und Ofensezer und dem Verband der Arbeitgeber des Töpfer- und Ofenfeßergewerbes Deutschlands wurde im Vorjahre der Versuch gemacht, die Töpfereigesellschaft zu zwingen, die von der Innung festgelegten Preise zu fordern. Als die Töpfereigesellschaft sich dessen weigerte, erhielt sie am 14. April 1924 ein Schreiben, in dem es hieß: ,, Auf Grund des Beschlusses der ordentlichen Mitgliederversammlung vom 24. März, wonach Mitglieder, welche den Mindeſtsatz der feſtgeſetzten Unkostenzuschläge unterbieten, vor den Borstand geladen werden und eventuell mit einer Geldstrafe bis 1000 Mt. bestraft werden sollen, lade ich Sie zu einer Sigung der Borstände am Donnerstag, den 17. cr., nachmittags 3% Uhr, in Haverlands Festfäle, Neue Friedrichstraße 35, Eingang Roch straße ein." In der Versammlung wurde von dem Vertreter der Töpfereigesellschaft allen Ernstes verlangt, daß er auf die Löhne einen Zu schlag für Geschäftsuntosten und Gewinn in Höhe von 80 Pro3. zu erheben habe. Als sich die Töpfereigesellschaft weigert, dies zu tun, mit, der Begründung, daß sie in einzelnen Fällen mit 40 Broz. austomme, wurde sie aus der Zwangsinnung der Töpferund Ofensetzer ausgeschlossen. Das ist nur ein Beispiel unter vielen. Wir behalten uns vor, auf das forrupte System der Preisringe näher einzugehen und hineinzuleuchten in das System der Intereffengemeinschaften zwischen Bauunternehmern und Baustoffhändlern, die meiter nichts find, als die gemeinsame Ausplünderung der Bauauftraggeber, heute also im wesentlichen der Deffentlichte it. Statt an der Verbesserung ihrer rüdstän digen Betriebsformen zu arbeiten, ziehen es die Bauunternehmer vor, einander mühelose Gewinne zuzuschanzen und die„ Begehrlichkeit der Arbeiter verantwortlich zu machen für ihre eigene Regierungserklärung gegen Westarp. Eine offiziöse Verlautbarung. Die vom Auswärtigen Amt inspirierte Deutsche diplo matisch- politische Korrespondenz" erläßt gegen den Führer der deutschnationalen Reichstagsfraktion, Graf West arp, folgende Erklärung: Sobald eine Arbeitergruppe im Kampf steht, meldet sich unweigerlich die„ Rote Fahne", um Uneinigkeit unter die Kämpfenden zu säen. Selbstverständlich verfährt sie auch jetzt wieder so bei dem Kampf im Berliner Baugewerbe. Sie bringt einen etwas phantasievollen Bericht über die Generalversammlung des Baugewerksbundes, in dem behauptet wird, daß die Diskussion ein einziger Protest gegen die unverständliche Anordnung, die Belegschaft der Bauhütte arbeiten zu lassen," gewesen sei. Der Bericht muß allerdings im Widerspruch zu dieser Behauptung dann feststellen, daß mit 124 gegen 65 Stimmen, alfo mit zwei Dritteln Mehrheit beschlossen wurde, die Bauhütte nicht in den Streit einzubeziehen. Woraus insbesondere hervor geht, daß von einer Anordnung" feine Rede sein tann, sondern von einem Beschluß der Generalversammlung. Nun wird angeführt, daß die Bauhütte Aufträge„ kapitalistischer Firmen" ausführe und mit den kapitalistischen Baufirmen zumindest eng verbunden sei". Diese enge Berbindung besteht, wie jeder weiß, darin, daß die Bauhütte von den kapitalistischen Baufirmen auf das erbittert ste befämpft wird. Die kapitalistischen Aufträge", die die Bauhütte ausführt, sind insbesondere das Bundeshaus des Buchdruckerverbandes und, außer den Siedlungsbauten, noch die Arbeiten für die Konsumvereine und den ,, Vorwärts". Daß es den fapitalistischen Baufirmen sehr erwünscht wäre, wenn die unbequeme Ronkurrenz der Bauhütte stillgelegt würde, ist ohne weiteres begreiflich. Es ist diesen Baufirmen besonders unangenehm, daß die Bauhütte die sozialen Forderungen der Bauarbeiter, insbesondere soweit die Arbeitszeit und die Ferien in Frage fommen, stets durchgeführt hat. Es wäre diesen Baufirmen natürlich ein gefundenes Fressen. wenn die Bauhütte zur Strafe dafür von den Bauarbeitern ftiftgelegt würde. Im übrigen weiß jeder Bauarbeiter, daß die Gesellschafter der Bauhütte die Berliner Gewertschaften sind. Ein Streit bei der Bauhütte wäre also ein Streif gegen die eigenen Gewertschaftsorganisationen. Daß ein solcher Kampf gegen die Gewerkschaften durchaus auf der Linie der„ Roten Fahne" liegt, versteht sich. Die organisierten Bauarbeiter denken darüber anders. Die Welt der Zahlen ist oft recht nüchtern und eintönig.. Es ist nicht jedermanns Sache, sich von der Sprache der Statistiken und Tabellen führen zu lassen. Aber zuweilen können dem Beschauer ein Schrecken befällt. Eine solche Stimmung der Niedergeschlagenheit herrschte heute vormittag in der Enquete Kommission des Reichstags, als der Präsident des Statistischen Reichsamts Dr. Wagemann einige Aufstellungen zeigte, in denen sich das deutsche Wirtschaftsleben beffer widerspiegelt als in langen Reden und Auffäßen. Er zog feine Schlußfolgerungen aus seinen Mitteilungen, er nannte sich einen einfachen Staatsbürger, der nicht die Aufgabe habe, an dieser Stelle die Statistik mit der Bollpolitik in Verbindung zu bringen. Aber was er nicht sagte, das mußten notwendig die Hörer tun. Bergeblich verfuchte Dr. Warm bold die sich aus den Ausführungen Dr. Wagemanns ergebenen Konsequenzen in agrarischem Sinne umzubiegen. Unjer Genosse Dr. David zeigte mit eindringlicher Klarheit, welche Folgerungen in bezug auf die Zollvorlage gezogen werden müssen. Wir werden sehen, ob Regierung und Regierungsparteien nach dem heutigen Vormittag noch den. Mut aufbringen werden, entgegen allen mwissenschaftlichen Erkenniniffen, entgegen allen Tatsachen des Lebens dem deutschen Bolke eine Handelspolitik aufzuzwingen, die das Land ins Verderben führen muß. Wir lassen hier den Bericht über die Sitzung folgen. Der Präfident des Statistischen Reichsamts, Dr. Wagemann, führte aus, daß sich deutlich eine Barallelbewegung der Preise für die wichtigsten Rohstoffe mit der Handelsbilanz zeige. Wenn die Preise steigen, so haben wir eine passive Handelsbilanz. In den Zeiten, in denen es uns schlecht ging, war unsere Handelsbilanz immer attiv. Das war so in den schlimmsten Jahren des Krieges, das mar auch 1923 fo. In diesen Zeiten hat das Ausland kein Bertrauen zu Deutschland, das ausländische Kapital wird zurückgezogen, die deutsche Wirtschaft wird gezwungen, selbst Kapital zu bilden. Nach der Stabilisierung wurde die Handelsbilanz notgedrungen affio. Das war zunächst ein Symptom dafür, daß Deutschland in der Weltwirtschaft wieder Fuß faßte. An fich ist es fein bedenkliches Zeichen für eine Wirtschaft, wenn die Handelsbilanz passiv ist. Nur wenn die Passivität zu groß wird, ist das wiederum ein Zeichen dafür, daß das Bertrauen zu Deutschland schwindet. Dr. Wagemann warnte also davor, in der Passivität der Handelsbilanz an sich etwas Schlimmes zu sehen, wie es in der letzten Zeit vielfach geschah. Biel bedenklicher an der deutschen Handelsbilanz als ihre Bassivität ist ihre Zusammenfehung. Schon vor dem Kriege war die Paffivität am stärksten bei den überseeischen Ländern, von denen wir die Rohstoffe bezogen. Europa war unser bester Kunde, mit Ausnahme von Rußland, das in seiner Struktur den Ueberseeländern ähnelte, was unjere Handelsbilanz aktiv. Jezt hat sich das auch in Europa geändert. Die deutsche Ausfuhr ist besonders nach den Wesiländern start zurückgegangen. Das ist geradezu eine Kriegserflärung des Aus wärtigen Amts an den Führer der größten Regierungspartei". Diese Kriegserklärung ist allerdings durch die unaufhier lag das Verhältnis umgefehrt zu faft allen europäischen Ländern; hörlichen Herausforderungen Westarps notwendig geworden. Der Konflikt zwischen Stresemann und den Deutschnationalen hat sich damit in einem Maße verschärft, daß mit den verschiedensten Möglichkeiten gerechnet werden muß. Räumungsdebatte in Köln. Ein sozialdemokratischer Antrag. der Kölner Zone. Von der sozialdemokratischen Fraftion war ein Antrag eingebracht worden, der darauf hinwies, daß die Kölner Bone seit dem 10. Januar widerrechtlich besezt sei. 3war habe Köln inzwischen den Besuch des Reichskanzlers und eine große außenpolitische Rede erlebt, aber die Bürgerschaft Kölns habe bisher nicht erfahren können, was die Reichsregierung getan habe, um die baldige Räumung herbeizuführen. Um Klarheit zu bekommen, beantrage daher die Fraktion:" Die Versammlung wolle beschließen, eine Abordnung unter Führung des Herrn Oberbürgermeisters zu dem Herrn Reichspräsidenten, dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Reichsaußenminister zu entfenden, um zu erfahren, was die Reichsregierung für die Räumung Kölns getan habe, wo die Hinderniffe gegen die Befreiung liegen, was fernerhin für die Räumung Kölns geschehen wird und ob und für wann endlich dieses 3iel erreichbar erscheint." In einem in mehreren Abendzeitungen von gestern veröffent lichten Artikel charakterisiert der deutsch nationale Abge= ordnete Graf Westar p das deutsche Februar- Memorandum als eine unverbindliche Anregung des deutschen Außenministers". Er stüßt diese Kennzeichnung auf formelle Vorgänge bei der Abfassung und Ueberreichung dieses Schriftstückes Köln, 10. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In der Kölner und auf die Tatsache, daß man im Ausland anfangs von Stadtpeordnetenversammlung fam es am Doonerstag suggestions" und erst später von propositions" gesprochen habe. zu einer recht bemerkenswerten Debatte über die Räumung Wir glauben nicht, daß Graf Bestarp beabsichtigt, den hier vertretenen Standpunkt, der in einem vermutlich schon länger geschriebenen Artikel wiedergegeben wird, weiterhin aufrecht. zuerhalten. Eine Maßnahme, über die in allen Staaten ausführlich diskutiert worden ist, und zu der der deutschen Regierung Aeußerungen der Gegenseite als das Ergebnis zwischenstaatlicher Beratungen vorliegen, würde schon dadurch zu amtlichem Charakter als einer Kundgebung der Reichsregierung gelangt sein. Außerdem haben sich aber alle nur überhaupt möglichen Regierungsinstanzen ( Ministerrat, Auswärtiger Ausschuß, Reichsrat und Plenum des Reichstags) mit dieser Maßnahme befaßt, und sie ist, gleichgültig mit welchen Formalitäten die Einleitung eines Schrittes ver knüpft war, der im deutschen Interesse ein Höchstmaß von Tatt und Vorsicht erforderte, dadurch auch formell zu einer Aftion der deutschen Reichsregierung geworden und als solche zu be: werten, wobei im übrigen über Einzelheiten des deutschen Der Antrag wurde von dem Vorsitzenden der sozialdemokratischen Memorandums dasselbe gilt, mas Chamberlain in seiner Rede Fraktion, den Genossen Trimborn, begründet. Trimborn beüber den Charakter der alliierten Note zum Ausdruck gebracht tonte zunächst ganz ausdrücklich, daß Deutschland ein im Friedens hat, als er ausführte, daß sie weder ein Vertrag noch ein vertrag vorgesehenes Recht auf Räumung der Kölner Zone habe. Bertragsentwurf sei, sondern die vorläufige Darlegung von Scharf kritisierte der Redner die unverantwortlichen miliGrundfäßen enthalte, welche die Alliierten glaubten, auf sich nehmen tärischen Spielereien der nationalistischen Berzu können, wobei er hinzufügte, daß bei weiteren Verhandlungen bände, die mit ihrem Vorgehen der Entente die gewünschte Benoch sehr verwickelte Fragen gelöst werden müßten. Es ist deshalb gründung für die Nichträumung lieferten. Die Parteien, die sich durchaus unverständlich, wie heute in bezug auf den Charakter immer für besonders national hielten, feien seit einigen Monaten des deutschen Memorandums irgendwie ein anderer Standpuntt in der Räumungsfrage merkwürdig ruhig geworden. Die Reichs. Die Ausführungen des Grafen Westarp, regierung schweige und auch der neue Reichspräsident, den die innenpolitisch der von ihm vertretenen Sache seiner Partei schwer- man bei seinem Amtsantritt als„ Retter“ und„ Befreier der Rheinlich etwas nühen tönnen, find aber geeignet, die außenpolitische lande" bejubelt hatte, habe bisher teine Aeußerung in der Räumungs Klärung, die er mit feinem Artikel anstrebt, ernstlich zu beein- frage getan. Darum sei auch im Hinblick auf die immer stärker zuträchtigen. tage tretenden Gegensäge in der augenblicklichen Regierung eine unzweideutige Erklärung und Aufklärung vonnöten. vertreten werden kann. Der Wortlaut der deutschen Antwort dürfte geeignet sein, ihn über die Irrigteit des in bezug auf den Charakter des ersten deutschen Memorandums von ihm vertretenen Standpunktes auf zuklären, jobald, wie das im Auswärtigen Ausschuß zugesagt morden ist, diesem Gelegenheit gegeben wird, zu der geplanten Note Etellung 3 nehmen. Die Aussprache war den Rechts parteien offensichtlich unangenehm. Die Deutschnotionalen äußerten fich zu diesem Antrag überhaupt nicht. Nur die Kommunisten stimmten mit den Sozialdemokraten, so daß die Freunde des Antrages in der Minderheit blieben, Was aber am bedenklichsten an unferer Handelsbilanz ist, das ift die Zurückdrängung der Ausfuhr hochwertiger Arbeitserzeugniffe und die vermehrte Einfuhr verarbeiteter Erzeugnisse aus dem Auslande, vor allem find mehr landwirtschaftliche Fertigerzeugnisse eingeführt worden als landwirtschaftliche Rohstoffe. Das ist ein Zeichen für die Ertensivierung der Landwirtschaft, der Deutschland unterworfen wurde. Start zugenommen hat auch die Einfuhr einer Reihe von industriellen Erzeugnissen besonders von Tertilmaren. Vor dem Kriege führten wir für 400 bis 500 Millionen Mark landwirtschaftliche dertigerzeugnisse ein, jezt sind es 900 Millionen; dagegen führten wir vor dem Kriege für 800 Millionen Mark Futtermittel ein, jetzt nur noch für 100 Millionen. Die dadurch entstandene Lücke ist zu erklären durch die Sentung des inneren Konsums mit der Verschlechterung der Landwirtschaft. Es ist eine Berschiebung im Berbrauch eingetreten, die durch eine Senkung der Lebenshaltung verursacht wurde. Die Einfuhr von Obst und Südfrüchten, die von manchen Seiten als eine Steigerung der Konsum. fähigkeit bezeichnet wird, ist nicht größer als vor dem Kriege. Dr. Wagemann wollte feine Schlußfolgerungen aus diesen Zahlen ziehen, da er hier nur als Statistiker spreche. Nach einigen Fragen, ob der Rüdgang der Einfuhr von Futtermitteln nicht darauf zurückzuführen fel, daß mehr inländisches Ge treide verfüttert worden ist, wurde festgestellt, daß 3ölle teine Möglichkeit bieten, die Handelsbilanz dauernd zu korrigieren. Dr. Warmbold versuchte den niederschlagenden Eindruck, den die Ausführungen Dr. Wagemanns auf die Zuhörer machte, dadurch zu zerstreuen, daß er sagte, die Steigerung der Intensität der Landwirtschaft befonders in bezug auf veredelte Erzeugnisse finde ihre Grenze einmal an den ungleichartigen Berhältnissen in Ost- und in Westdeutschland, dann aber auch an der Rauffähigkeit der Bevölkerung. Er be fürchtet, wenn wir zu viel tierische Erzeugniffe und Molkereiprodukte herstellen würden, wäre für diese Waren fein Abjay. Exportieren tönnten wir sie nur zu Preisen, die unter den Inlandspreisen lägen, wir müßten alfo Dumping treiben. Außerdem entstehe die Gefahr, daß die Getreideproduktion im Often lahmgelegt, daß der schlechtere Boden 7. und 8. Klaffe aus der Kultur ausgeschaltet werde. Dr. David geht von den bedentlichen Tatsachen aus, die heute in Zahlen vorgeführt worden sind. Die fortschreitende Extensität der Landwirtschaft zeige sich in dem Rüdgang der Einfuhr von Futtermitteln. Unser Ziel müffe die Jafenfivierung der Landwirtschaft sein. das fei aber das Gegenteil pon dem, was jetzt gefehen jolle. Was wir aus dem Soden wehr herausholen können, das ist ge- fundenes Geld. Diese Summen können in die Milliarden gehen. Wir brauche» keine Furcht davor zu haben, daß die Inten- sivierung zu weit getrieben werden könnte. Die In- tensioierung der Landwirtschast kann nach zwei Richtungen, einmal bei Getreide, wo sie aber vor einer gewissen Grenze halt macht, zweitens durch den U ebergang zu einel! Kultur, die aus einem größeren Arbeitssassungsoermögen beruht. Rur durch die Förderung dieser Kultur, die unsere Arbeitskräfte beschäftigt und das Möglichste aus dem Boden herausholt, können wir uns der extensiven Wirtschaft wieder entziehen. Wir müssen also zur Veredlungserzeuguag in der Laudwirtschafl übergehen. Die Sorge davor, daß die Beoölteung die Qualitätserzeugnisse nicht kaufen könne, dürfe uns nicht davon abhalten, in dieser Richtung zu arbeiten. Das beste Mittel dagegen ist, da» Einkommen der breiten Masse zu heben, es ist zugleich das beste Mittel, um den Markt für die veredelten Erzeugnisse zu schassen. Dieser Zustand ist noch lange nicht da. Gewiß hat der Osten ungünstigere natür- liche Bedingungen als der Westen, aber sie sind doch nicht so, daß sie sich allzu sehr von denen des Westens unterscheiden. Da» zeigt sich doch besonders bei den Ergebnissen der bäuerlichen Siede- lungen im Westen. Hier ist eine starke Zunahme der Bieh- Produktion usw. erzielt worden. Wenn wir in dieser Weise fort- fahren, so könnten wir im Osten noch mehrere hundert Millionen Mark mehr als bisher herausholen, wir würden die Möglichkeit schaffen, daß sich auch die Bevölkerung im Osten vermehren kann. Der Rückgang in der Einfuhr von Futter- Mitteln ist nur zum Teil dadurch zu erklären, daß mehr Getreide verfüttert wurde. Eine weitere Ursache ist der Rückgang unseres Viehstapels, der sowohl nach der Stückzahl wie nach dem Durch- schnittsgewicht sich noch unter dem Vorkriegsstand befindet. Die Frage ist: wie können wir diesen Rückgang bekämpfen? Dadurch, daß wir mehr Kraftfuttermittel einführen, um die Viehproduktton zu vermehren. Das würde nicht erziett werden, wenn wir die Futter- mittel mit Zöllen belegen. Die Folgerungen aus den heute vor- getragenen Zahlen sind also die, daß wir die Produktion aus eigenem Soden steigern müssen, nicht so sehr der Quantität nach, sondern viel- mehr in bezug aus die Qualität. Die Steigerung des Futtermittel- Imports bewirkt aber zugleich auch eine Intensivierung des Getreide- baus wie des ganzen Ackerbaus. Es ist zugleich eine Düngemittel- einfuhr, denn gerade die notwendigsten Bestandteile für den Ackerbau können durch Vermehrung der Viehproduktion zugänglich gemacht werden. Einen praktischen Beweis dafür bildet Dänemark, wo man die Körnerprodukte zollfrei einließ. Dort ist der Getreidebau nicht zurückgegangen, er ist stärker als damals, zugleich wurde eine Menge Düngemittel für den gesamten Ackerbau übrig. Dabei hat Dänemark schlechtere natürliche Bedingungen asfi weite Kreise unseres Landes. Prof. Sering betont in Ergänzung der Ausführungen Davids, daß der lückenlose Zolltarif der Gesamtwirtschaft nicht im mindesten nühl, daß er dagegen in erster Linie der Landwlrlschast schadet. Die künstliche Hochschraubung der Preise verursacht eine Senkung der Kaufkraft. Das würde aber nicht dazu führen, um eine bessere Handelsbilanz zu schaffen. Mit der Intensivierung der Land- Wirtschaft würde«ine außerordentlich« Nachfrage nach Industrie- Produkten verbunden sein, und das würde eine Auslösung der Kaufkraft für veredelte Agrarprodukte bedeuten. Wir könnten also auf diese Weise auf dem Inlandsmarkt die industriellen Erzeugnisse wieder stärken und so den Ausgangspunkt wie den W i e d e r a u f- bau unserer Volkswirtschaft gewinnen. Wir brauchen keine Sorge dauernd zu haben, daß wir zuviel aus dem Boden herausholen: im Gegenteil müßte es unsere Hoffnung sein, so viel wie nur irgend möglich unsere Produktion zu steigern. Eiseazoll. Das internationale Eisenkartell. Der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages erledigte am Freitag die chemischen Produkte und begann mit dem großen Kapitel „Eisen und Eisenwaren". Jeöen Morgen. Jeden Morgen, wenn die Stadt erwacht Und Millionen ins Malwerk schleudert, Gehe auch ich in der endlosen Reihe Und stürze hin in die Arbeit. Wir fahren über und unter der Erde Hin zu den Bureaus und großen Fabriken, Die schweren Autos büffeln über die Straßen, Die Stadtbahnzüge sind überfüllt. In diesem großen, mächtigen Atemholen Der Arbeit am frühen Morgen Gehen wir hin, Männer und Frauen, Mädchen, Jünglinge und halbe Kinder. Gärten gibt es und Hügel mit Wiesenschaumkraut, Bibliotheken, Honigwaben des Wissens, Meere, smaragden und blau. Tanzplan der Stürme, Schiffe fahren vom Norden zum strahlenden Süden... Wir, eingeschmiedet im Werk, wissen es kaum. Manchmal stößt durch das offene Fenster ein Wind, Der um die Brüste funkelnder Berge spielte Und Glanz und Dust schöner Blumen mitbringt. Manchmal halten wir inne im Schassen, Laut hämmert das Herz, und hinter den eisernen Türen, Den großen Maschinen, sehen wir Licht. Aussteigt eine neue psalmende Sonne. Max Barthel. Neuorünang See �ntiken-Sammlung. Die Sammlung der anttken Bildwerke im Berliner Alten und Reuen Museum hat in der letzten Zeit eine durchgreifende Neuordnung erfahren. In früherer Zeit war es hier das Be- streben, alle in den Berliner Museen vorhandenen Stücke als Bau- steine für die griechisch« Kunstgeschichte zu bewerten. Aber mtt den Jahren wuchs die Einsicht, daß ein Kunstmuseum anderen Ab- sichten dient als ein« archäologische Sammlung von Abgüssen, daß Kopien und Original« möglichst zu trennen sind und daß schlechte Kopien— und die meisten sind schlecht— ins Magazin gehören. So wurde immer wieder gesichtet und das minder Wertvolle bis auf einige unentbehrliche Lückenbüßer ausgesondert. Das Ergebnis dieser Sichtung ist die nun abgeschlossene Neuaufstellung, über die Prof. Bruno Schröder im neuen Heft der Berichte aus den preußi- schen Kunstsammlungen referiert. Mit den Werten der römischen Zell hat Watzinger die Reu- aufstellung im Ostsaal« des Alten Museums begonnen. Schröder hat dann die Mass« der griechischen Bildwerke aus die Säle ver- teilt. Die herrliche Rotunde Schinkels erhielt im unteren Um- gang die großen, detoratw wirksam«, Stücke und oben, in den Di« Debatte wurde mit vertraulichen Erklärungen der Regierung über den Stand der deutsch-sranzösischen Handels» vertragsoerhandlungen eröffnet, soweit dabei die Eisen- Industrie in Frage kommt. In bezug auf die Verhandlungen zwischen der Eisen schaffenden und Eisen verarbeitenden Industrie, worüber Genosse Hilserding eine Auskunft oerlangte, schwieg sich die Regierung aus mit der Begründung, daß diese Verhandlungen noch zu sehr im Fluß seien. Darüber entspann sich eine längere Debatte, in der auch das Zentrum die Forderung der Linken nock näheren Angaben unterstützte, während die Volkspartei durch den Abg. o. R a u m e r unter anderem erklären ließ, daß diese Ver- einbaruugen privatrechtticher Natur seien und deshalb nicht der Zu- ständigkeit des Reichstages unterständen. Die Regierungsvertreter hatten zwischendurch eine Besprechung mit dem Reichs- kanzler wegen dieser Frage; als sie zurückkamen, redeten sie erneut um die ganze Sache herum und erklärten«n Ende sogar, daß die Verhandlungen zwischen Essen schaffender und Eisen ver- arbeitender Industrie mit der Zollvorlage nicht das geringste zu tun hätten. Daraufhin richtete Abg. Lämmer»(Z.) die Frage an Abg. v. Räumer, ab er nicht über die Sache berichten könne, namentlich in bezug darauf, wieweit durch die Vereinbarungen der Eisenbezug für die verarbeitende Industrie sichergestellt würde. Dem entsprach dann auch dieser Führer der Essen oerarbeitenden Industrie, wobei er sich jedoch ebenfalls Vertraulichkeit ausbedang. Ramner ließ keinen Zweifel darüber, daß ein scharfer Interessen- gegen faß zwischen beiden Industrien besteht, daß jedoch die Ver- braucher über den Charakter der Vereinbarungen beruhigt sein könn- ten, da die Eisen oerarbeitende Industrie auf den Export und damit auf möglichst niedrige Preise angewiesen sei. Er betonte wetterhtn, daß die Ausführung des Abkommens durch die Eisen schaffende Industrie ab g e w a r t e t werden müsse und daß er gern bereit sei, die Regierung durch Annahme einer Entschiießung zu veranlassen, schnellstens die sndgiltige Zollvorlage einzubringen. Abgesehen davon sieht auch er das Ziel in einem europäischen Eisenkartell. Ergänzend dazu teilte die Regierung mit, daß auch der Eisen- Handel an den Verhandlungen beteiligt sei. In der Generaldebatte selber sprach zunächst Genosse Dtßmann. Er betonte die Bedeutung der ganzen deutschen Eisenindustrie, indem er darauf hinwies, daß darin zweieinhalb Millionen Menschen beschäftigt seien. und der Export dabei eine große Rolle spiele. Umso strenger müßten die Eisenzölle durchgesehen werden, weil sie eine allgemeine Ver- teuerung hervorrufen. Das fei um so notwendiger, als die Eisen vrarbeitende Industrie in hervorragendem Maße von der Eisen schaffenden Industrie abhänge, die anscheinend vor den Rohstoffprodu. zenten die Segel gestrichen hätten. Darüber hinaus führten die Zölle nur dazu, den Export zu erschweren, und starke Konflikte mit dem gesamten Auslande herbeizuführen. Die Eisenindustrie leide gewiß ebenso unter der Wirtschaftskrise wie die übrigen Industrien, aber das fei eine internaiionale Erscheinung und durch Zölle in keiner Weise zu beheben, wohl aber noch zu verschlechtern. Die Betriebe müßten durchorganisiert, die Waren normisiert werden, damit die Preise sinken, und die Kaufkraft der Verbraucher steigt. Die Sozial- demokratie lehne daher aus allen diesen Gründen die Eisenzölle ab im Interesse der Wirtschaft und der Verbraucher. Das Ende eines Rummels. Die Porzellanwanufaktur im.Hauptausschuft. Wer entsinnt sich nicht der großen Auseinandersetzungen, die im Vorjahre bei der Beratung des Haushaltsplanes der Staatlichen Porzellanmanufaktur gepflogen wurden und des großen Geschreis, das von der Rechtspresse über angebliche ungeheuerliche Mißstände in der Porzellanmarmfaktur gemacht wurde. Damals wurde ein besonderer Untersuchungsausschuß emgesetzt, der die „schweren" Verfehlungen des Direktoriums der Porzellcmmanufaktur, verschiedener Minister usw. untersuchen sollte. Um so bezeichnender ist es, daß bei der jetzigen Beratung im Hauptausschuß von allen Fraktionen, insbesondere auch von den Fraktionen der Rechten, dringend gewünscht wurde, man möge doch die ganzen Angelegen- Helten— die im vorigen Jahre so ungeheuer wichtig dargestellt wurden— nun endlich ruhen lassen! Man einigte sich schließlich dahin, daß im Plenum des Ladtages die Entschließung de? Unter- suchungsausschusses ohne Debatte zur Kenntnis ge- nommen werden soll. wiedergeöffneten Nischen, die früher durch die Teppich« Raffaels verdeckt waren, kleinere Arbeiten, meistens idyllischen Charakters. In den neuen Räumen der Vasen-Sammlung im Reuen Museum wurde eine größere Anzahl von Bildwerken aufgestellt, so daß sie sowohl dekorativ wirken und das Einerlei der Vasenschränke an- genehm unterbrechen, als auch allgemein zugänglich geblieben sind, ohne die Wirkung der originalen Bildwerke zu schädigen. Ein Saal ist dort zu einer Bildnisgalerie umgestaltet worden, in der sich mehrere der größten Griechen finden, darunter ein neuentdeckter Aristoteles als Mann von jüngeren Iahren. Und an den rämi- schen Köpfen läßt sich da die Entwicklung der römischen Porträtkunst bequem ablesen. Die kleineren Arbeiten und Bruchstücke wurden im Vorraum des Antiquariums im Oberstock des Allen Museums aufgestellt, wo sie zu der Klein-Plastik der Terrakotten überleiten. Die Werke aus der Zeit der römischen Republik wurden von der Kaiserzeit getrennt und in den griechischen Saal übernommen, wohin sie mit ihrem Realismus als Erzeugnisse einer zu Ende gehenden Epoche gehören. Der römische Saal beginnt nun nKt dem Klassizismus der Zeit des Augustus. in seinen weiteren Ab- teilungen stehen Werke mit immer stärkerer Tendenz nach male- rischer Wirkung abwechselnd mit archäisierenden und reaktionär klassizistischen Arbeiten, und mit dem Bildnis des Kaisers Arcadius schließt die antike Entwicklung ab. zugleich mit einem Ausblick auf die byzantinische Kunst. Auch der Zustand der Bildwerte wurde gründlich geändert. Schon unter der Museumsdirektion Kekules von Stradvnitz waren viele der störenden Ergänzungen aus der Periode von Rauch und Tieck entfernt worden." Dies wurde fortgesetzt, namentlich wurden viele Bildnisköpfe von ihren barocken Büsten genommen und dadurch die Einordnung in den zeitlichen Zusammenhang ohne Fälschung der originalen Wirkung erst möglich. Andere Köpsx wurden auf Grund der Halsmuskulatur in die richtige Stellung gebracht und dadurch erst wieder ihres ursprünglichen Ausdruckes teilhaftig. Auch die lange als Bürgen der Echtheit hochgeschätzten Sinterschichten wurden beseitigt— nicht, wie es früher geschehen, mit Säuren, sondern unter Beobachtung aller Vorsicht mit mecha- nischen Mitteln, und schließlich wurden Rasen und Ohren, wo ihr Fehlen die ästhetische Wirkung zu sehr stört« und wo sich der ur- sprüngliche Zustand mtt einiger Gewißheit feststellen ließ, in Gips ergänzt. Damit ist nun die ganze Sammlung nach einheitlichen Grund- säßen aufgestellt und die Entwicklung der antiken Bildhauerei vom ersten bi» zum letzten Saal zu verfolgen. Es war das Bestreben, die schöne Schinkelsche Architektur möglichst wenig in ihrer Wirkung zu beeinträchtigen und so eine Sammlung zu schäfien. die nicht durch Ueberfülle oder betonte lehrhaste Ablichten ermüdet, sondern im Einklang mit ihrem Rahmen durch Güte, originale Arbett, unaus. dringliche zeitliche Abfolge und ruhig wirkende Anordnung zum Genuß der Antike einlädt. ver sechste deotfche RIchlerkag findet Dom 12. Wi 15. September in Aügsdnrg statt Sprechen werden Oberreich�anlvalt Dr. Eiermeper oder den Sntn-nri eine? neuen deutschen StralgrietzbucheS, LandgerichtZdireitor Dr. Wunderst ch-LeiPzia. M. d. Zt.. über die Stellung de? deutschen Richter?, Ob-rlandesgerichtSrat Pros. Dr. Silberschmidt-Münche» üb« den letzten Eni- Wurf zam ArdeitZgerichtsgesetz. Der englisth-ruPsthe Gegensatz. Tie iunerpolitische Wirkung. Von unserem Londoner Korrespondenten wird uns ge- schrieben: Die Atmosphäre äußerster Spannung, die nach einer Zeit des Waffenstillstandes zwischen England und Moskau herrscht und in den Reden Lord Birkenheads und Tschitscherins Ausdruck fand, hat zu Gerüchten geführt, daß das britische Kabinett in seiner jüngsten Sitzung beschlossen habe, eine Rote an die Sowjet» regierung zu senden, in der gegen die Propaganda im Fernen Osten in schärfster Weise protestiert wird. In politisch gut unterrichteten Kreisen oerlautet, daß dies Gerücht den Tatsachen nicht entjpricht, zumindest vorauseilt. Es ist zwar richtig, daß anläßlich der jüngsten Beratungen im Kabinett die bolschewistische Propaganda im Osten im Vordergrund« stand und daß im Kabinett darüber Einigkeit herrscht, die ch i n e s i» schen Unruhen hätten ohne das Hineinspielen der b o l s ch e- wistischen Propaganda niemals den gegenwärtigen Um- fang und Charakter annehmen können. Besteht über diese Tatsachen zwar Einigkeit, so sind die Meinungen im Sabiaett jedoch über die Zweckmäßigkeit eines Eingreifens gegen Moskau geteilt: während ein Teil des Kabinetts, das übrigens schon die ganze Zeit an innerer Uneinigkeit viel zu leiden hat, nicht nur die Absenkung einer solchen Rote, sondern darüber hinaus die sofortige Aushebung der diplomatischen Rechte für russische Diplo- maten, also indirekt einen Abbruch der diplomati- schen Beziehungen mit Rußland überhaupt befürwortet, ist der ander« Teil des Kabinetts— zu dem auch der Staatssekretär des Aeußern Chamberlain gehören soll— der Meinung, daß ein solcher Schritt nur geeignet wäre, die antibritische Propa- g a n d o, die Moskau in den Kolonien, in Aegypten und Indien entfallet, über das bisherige Maß hinaus zu verschärfen. da dann alle zurzeit bestehenden Rücksichten auf die offiziellen diplomatischen Beziehungen fortfallen würden. Die russisch-englische Spaimung hat für England eine be- sondere Bedeutung: während bis vor kurzem die britische öffciu- liche Meinung das Problem Moskau hauptsächlich unter inner- politischen Gesichtspunkten gesehen hat, beginnt man sich nunmehr klar zu werden, daß für England die Moskauer Propa- g a n d a viel weniger eine innerpolitische Gefahr als ein kolonialpolitisches Problem darstellt. Eng- l a n d selbst ist aller menschlichen Voraussicht nach vom Komwu- niemus nicht gefährdet, hingegen wird es immer deu:- licher, daß im Zersetzungsprozeß des britischen Empire der Bolschewismus ein wichtiges Ferment darstellt. In- dem Moskau überall dort, wo politische Schwierigkeiten orf- treten, wo sich eine Spannung zwischen den erwachenden Nitio- nalitäten und London ergibt, mit verstärkter Propa- g a n d a einsetzt, übersteigert es den Prozeß und gefährdet die Möglichkeiten friedlicher Lösungen. Es ist nicht schwer vorauszusagen, daß dies, einmal erkannt, der antikom- munistischen Propaganda einen viel stärkeren Anstoß und eine viel stärkere Krall oerleihen wird, als alle Versuche der Komintern in England selbst zu agitieren und Unheil anzustisten! Russische Besorguisse. toudon. ff>. Juli.„Daily Expreß" zufolge ist man in russischen Regierungstreisen über die drohende Störung der diplomatischen Be- ziehungen zu Großbritannien beunruhigt und Rakowski fei an- gewiesen worden, den Versuch zu einer engeren Gestallung sowohl der diplomatischen als auch der Handelsbeziehungen zu machen. Berichtigung. In dem gestrigen Bericht über die Rede des Genossen K i r s ch m a n n sind zwei Irrtümer unterlausen. Es muß heißen: Aus dem besetzen Gctnete waren ausgewiesen 160 000 Personen, davon allein 140 000 Eisenbahncr ein- schließlich ihrer Familienangehörigen. Außerdem: für die Wohnungsbauten sind nicht 30 Millionen Mark zur Ver- fügung gestellt, sondern einschließlich der neubewilligten 8�5 Million Mark 13 Millionen. Die 30 Millionen waren errechnet von den Landesversicherungsanstalten als notwendige Summe zur Durchführung beantragter Kuren. Studium ohne Reifeprüfung. Bekanntlich hat da» preußische Kultusministerium vor zwei Iahren Bestimmungen ergehen lassen, nach denen es besonders befähigten Personen mit hervorragender wissenschaftticher Begabung und guter Allgemeinbildung möglich ist. ohne Reifezeugnis zum Universitätsstudium und zu den betreffenden Prüfungen zugelassen zu werden. Wie wir erfahren, werden diese Vorschriften, die sich anscheinend bewährt haben, demnächst auf die landwirtschaftlichen, tierärztlichen und forstlichen Hochschulen ausgedehnt werden. Eine solche Maßnahme wird im Interesse derer, die aus einem äußeren Grunde nicht da» Reifezeugnis erwerben konnten, lebhaft zu begrüßen sein. Die Anträge sind an die„Prii- sungsstelle für die Zulassung zum Studium ohne Reifezeugnis", Berlin, Unter den Linden 4, zu richten. Die Laokoon-Sruppe im Vatikan nur eine Rachbildung? Ganz Paris bewundert zurzeit die Ausstellung altgriechischer Kunstwerke. die Graf Wladimir de Gruneisen, der ehemalige Direktor des russischen archäologischen Instituts in Rom, in der Galerie Bing ausgestellt hat. Was besonders die Aufmerksamkeit der Kenner aus sich lenkt, sst ein Laokocm-Kopf aus pentilischem Marmor, ein Werk des Bildhauers Agejander aus Rhades, das au» dem zweiten Jahr- huntert vor Christi stammt. Viele» spricht dafür, daß dieser Kopf ursprünglich der Originalgruppe angehörte, die da» Geschick des Laokoon und seiner beiden Söhne darstellt und heute einen der herrlichsten Schätze des Vatikanischen Museums in Rom bildet. Schon früher lenkte sich die Aufmerksamkeit auf die Gruppe, wegen der Aehnlichkeit in Auffassung und Behandlung mit den später aus- gefundenen Skulpturen von Pergamon, und well man in Laokoon besonders die Nachbildung einer Figur und eines Kopfe» des perga- menischen Altarfrieses zu erblicken glaubte. Wenn der in Paris aufgestellte Kopf wirklich der ursprünglichen Gruppe angehörte, so würde damit der Beweis erbracht fein, daß es sich bei der Vatikanischen Laokoon-Gruppe nur um eine, allerdings wunderschöne Kopie handelt, die unter Kaiser Hadrian entstanden sein dürfte. Lyachstakistik. Man kennt die grausam« Selbsthilfe, die in den entlegenen Gegenden des amerikanischen„Wilden Westen" von jeher insbesondere gegen Schwarze geübt wurde und man weiß auch, daß diese Justizmethodcn hier und da noch in den letzten Iahren an- gewandt worden ist. Welche Opfer diese grausame Justiz gefordert hat, tonn man aus einer neuerding» veröffentlichten Lynchstatistik schließen. Obwohl sie erst mit dem Jahre 188S— also zu verhältnismäßig spätem Zeitpunkt einsetzt, zählt sie für dies Jahr noch 4203 Fälle von Lynchjustiz. Fast genau ein Viertel davon waren Weiße, der Rest Reger. Seitdem Hai sich die Zahl naturgemäß ver- ringert, aber es überrascht doch, zu hören, daß der Durchschnitt an Lynchfällen in den letzten 40 Iahren immer noch 105 beträgt. 1926 soll ein.Iz-ncWe-s year* werden, ein Jahr ohne Lynchfälle, und man hat bereit» mit einer starken Propaganda dafür begonnen. v« deutsch« Slevozrapheolumd(Babelsberger hält vom 25. bi« 23. Juli in München seinen lZ. Bundestag ab, der durch leine Stellung- nadme zur EinheitSkurzschrtft, nachdem sich einelBmideSoertreter. Versammlung der GobelSberger Schule bereit? sür die SinbeitSkurziibr'st ausgesprochen hat, besondere Bedeutung erhallen wird. Dem Ehrenautschu« der Tagung gehören u. a. der Runsttrpräfident Dr. Held und der Sülms. minist« Dr. Matt an. Marokko-Kreöite bewilligt. pari«. 10. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Sammer hat in ciaer Nachtsitzung die Kredit« für Marokko mit 411 gegen die 29 Stimme» der Sommunisten angenommen. Die sozia. listisch« Fraktion sowie etwa 30 Abgeordnete der bürger- lichen Linken haben sich der Stimme enthalten. Für die Sozialsten sprachen im Laufe der Debatte die Abgg. Renaudel und Lion Blum. Renaudel führt« aus, daß die Nervosität der öffentlichen Meinung ihren Grund vor allem in der Furcht vor einer weiteren Ausdehnung der Operationen und vor internationalen Verwicklungen Hab«. Die späte Neubesetzung des militärischen Oberbefehls in Marokko und die Abfallbewegung der bisher treugebliebenen Stämme zeige, daß die Operationen in Marokko bisher nicht so geführt worden sind, wie es offenbar notwendig gewesen wäre. Die Regierung hätte von Anfang an Abd el Krim ins Unrecht setzen müssen, indem sie durch Bekanntgabe ihrer Friedensbedingungen hätte zeigen können, daß er es sei, der die Verantwortung für das unnütze Blutvergießen trage. Auf die Anspielung des Redners auf die Räumung von Taza erwiderte Paiulevs, daß die Stadt einstweilen nur von den Frauen geräumt worden sei: aber selbst, wenn wider alle Voraussicht Taza vom Gegner besetzt werden würde, sei auch dies kein Grund, den Kopf zu oer- lieren, da Abd el Krim sehr rasch gezwungen werden würde, es wieder zu räumen. Frankreich habe keinerlei Erobe- rungsabsichten. Es wehr« sich jedoch gegen den in sein Gebiet getragenen Angriff. Frankreich habe das Bestreben, mit Abd el Krim zu einem Uebereinkommcn zu gelangen, das es allen Bewohnern Marokkos ermögliche, in Frieden zu leben. Nach Schluß der Generaldebatte begründete Leon Blum die von der sozialistischen Fraktion belchlosiene Stimmenthal- t u n g. Die Fraktion könne und wolle nicht gegen die Kredite stimmen. Auf der einen Seite habe sie zwar die Politik der Parlamentär i.schen Unterstützung und die Haltung, die sie bisher der Regierung gegenüber eingenommen habe, auf- gegeben, aber sie wolle deshalb keineswegs systema- tische Oppposition treiben. Aus der anderen Seite habe die Fraktion trotz der Vorbehalte, zu der sie die Marokkopolitik der Regierung zwinge, und trotz der Enttäuschung, die ihr besonders die Beibehaltung des Marschall» Lyauthey verursacht Hab«, V e r- trauen in den Friedenswillen der Regierung, zu- mal da der Ministerpräsident als Grundlage für den künftigen Frie- den die Unabhängigkeit des Rifs und der um Abd el Krim ge> scharten Stämme ausdrücklich anerkannt Hab«. Es stehe fest, daß Frankreich in der Abwehr eines Angriffs st eh«. Deshalb könne sich die Fraktion, wenn st« auch nicht für die Kredite stimmen könne, nicht entschließen, sie abzulehnen. Ihre Haltung sei ausschließlich von Prinzipien und der Tradition bestimmt. Die Regiervng befinde sich jedoch im Irrtum, wenn sie glaube, daß die französische kolonialpolltik die Zustimmung aller Parteien habe. Die Sozialisten seien von jeher gegen die Soloni- iierung gewesen, in der sie eine moderne Form des Imperialismus sehen. Jeder Franzose wünsche zwar die Ausdehnung der franzö- fischen Kultur, aber die militärische Besetzung eines Landes sei nicht das richtige Mittel hierzu. Genau wie die soziaNstifche Fraktion sich vor einem Jahr bei den Ruhrkrediten der Stimme enthalten habe, müsse sie auch diesmal die politische Verantwortung für ein« Maßnahme ablehnen, mit der sie nichts zu tun haben will. Trotz Mieterschutz�! wo» ein Hauswirt unter den Augen der Polizei fertig brachte. In Lankwitz hat«in Hauswirt, der Eigentümer des Grund- stücks Bruchwitzstr. 2, sich gegen«inen Mieter eine Selb st- hilf« erlaubt, die in unserer Zeit des sogenannten.Mieterschutzes" beträchtliche» Aufsehen erregen muß. Er hatte eine durch Ausbau de« Dachgeschosse» gewonnene klein« Wohnung an ein« Familie vermietet, aber nach einigen Monaten erklärte die Baupolizei, daß wegen Feuergefährlich. keit die weitere Benutzungber Wohnung nicht geduldet werden könne. Als die Versuche de» Mieter«, durch Der- mittlung des Wohnungsamtes eine andere Wohnung zu erhalten, sich«in Vierteljahr hingezogen hatten, beschloß der Wirt, der Sache ein Ende zu machen. Er setzte eine Räumung». frist, gewährte hinterher noch Ausschub, verlangte aber schließ- lich, daß binnen einer Stunde die Stube ausge- räumt, die Möbel in einer kleinen Kammer untergebracht und der Stubenschlüssel abgeliefert würde. Der Mieter und seine Frau wollten nun da, 14� Jahr alte Kind bei Bekannten unterbringen, doch mißlang da», so daß sie fürchten mußten, mit dem Kind in der Nacht obdachlos zu fein. Als sie abends um 9 Uhr mit dem Kind zunickkehrten, fanden sie in der Bodentür das Schlüsselloch durch einen Holzteil verschlossen. Der Mieter kletterte über da» Dach durch ein Fenster in die Stube und öffnete von innen die Tür, worauf das Ehepaar sich mit dem Kind ins Bett legten. Nachts um 1» Uhr wurden die Ahnungslosen unsanft aufgescheucht. Der Wirt begehrt« Einlaß, mitgebrachte Po- lizei gab seinem Wunsch den nötig«, Nachdruck und dem Ehepaar blieb nur übrig, auszustehen und zu öftnen. Gegenüber den Hinweisen de» Wirte» auf sein vermeintliche» Recht, hielt wohl der Schu.-polizeibeamte sich für machtlos und das Ende war, daß die beiden Eheleute chren Widerstand aufgaben und zur Nachtzeit als Obdachlose mit dem Kind auf die Straße gingen. Auf ihre Frage, wo sie nun Unterkunst finden sollten, jagte ihnen der Pohz-ibemnte:.Wenn sie nichts weiter haben, kommen Sie mit zur Wache". Die Ehe- leute nahmen diesen Borschlag an und brachten dann die Nacht in der Wacht st übe auf zwei Feldbetten zu, inmitten der Poligeideometen, die dort ein- und ausgingen und auf dm anderen Feldbetten nächtigten. Am nächsten Tage setzten sie ihre Bemühungen fort, eine andere Wohnung zu erhalten. Nachdem sie in der darausfolgenden Nacht bei einer ihnen bekannten Familie ein Notquartier gefunden hatten, pe'�ng es dem eingreifenden Wohlfahrtsamt Steglitz, die Auwcisr einer Wohnung im Bezirk Kreuzberg zu erwirk«. Für dm Umzug stellte das Wohlfahrtsamt ein Lastauto, aber fetzt wollte der Wirt wegen einer Mietschuld die Möbel nicht herausgeben. Erst als durch eine Fürsorgeangestellte da: Geld bezahlt worden war, konnte der Umzug bewerkstelligt werden. Das Vorgehen des Lonkwitzer Hauswirtes ist ein lehrreicher Beitrag zu dem Kapitel.Mieterschutz". Und da schreien Hauswirt«, daß sie gegenüber Mietern.wehrlos" seien. Rätselhaft ist, daß gegenüber solchem Vorgehen eines Hauswirtes «in S ch u tz p o Ii z e i b e a m t e r keine Machtbefugnisse zu haben glaubt. Nächtlicher �fabrikbrand in der Reichenberger Straße. In der letzten Nacht stand in der Retchenberger 1-°! unmittelbar neben der Feuerwach« 8,«in Fabrik» 9 e° 0"de aus dem Hofe in großer Ausdehnung in Flammen, und in der Kalb erger Strohe 5 brannte ein Seitenflügel mit angrenzen- dem Oucrgebäude in großer Ausdehnung. Als die Wehr eintraf, brannten im Quergebäude im 2., 3. und 4. Stock die Tischlerei von Gründet v. Lang«, die Jalousiefabrik von Keller u. Sellner«md die Moröprozeß R. Limburg a. d. Lohn, 10. Juli. Der gestrige Tag bedeutete ein Fiasko für die Verteidigung �wohl wie für den psychologischen Sachverständigen. Angerstein hatte die Bloßstellung der" hessen-nassauifchen Bergwert- und Jndustriegesellschaft angekündigt, in deren Interesse er Vertragsfälschungen begangen haben wollte und die ihn hinterher zum Opfer von Erpressern gemacht haben sollten. Alles hat sich als Lug und Trug erwiesen. Angerstein hat einfach alle Gelder, die er Er- pressern gezahlt haben will, ebenso wie die Grundstücke, die er für andere angekauft zu haben vorgab, für sich nutzbar gemacht. Für sein Phantasieleben ist es aber charakteristisch: Ein frecher Räuber. Erpresser— man ist versucht, an einen eigentümliche», seelischen Kompler zu denken, der das Gebiet der Verfolgungswahn- Vorstellung hart streift. Jedenfalls hat Angerstein heut« eine wich- tige Schlacht verloren. Am Schluß der Sitzung war er schon ganz kleinlaut. Verwirrt schien auch seine Verteidigung. Man muhte sich fragen: Was ist geschehen? Reichten 4009 unterschlagene Mark nicht zur Motivierung eines achtfachen Mordes aus, so tun dies etwa 14 000 Mark? Ein vielleicht noch größeres Rätsel als der Angeklagte sind vorläufig vielleicht diejenigen, die berufen sind, das Problem Angerstein zu lösen. Es hat manchesmal den Eindruck, als feien die psychiatrischen Sachverständigen mit einer so se st gefügten Meinung in den Gerichtssaal gekommen, daß sie höchstens noch interessiert sind, Material zur Begründung dieses bereits fertig mitgebrachten Gutachtens zu finden. Als gestern im Laufe von zwei Stunden Angersteins Bruder, der Ingenieur Max Angerstein mehr über sich und das Unglück sprach, das über ihn und die Familie durch die Tat seines Bruders hereingebrochen ist, als über den Angeklagten selbst, von dem er eigentlich nichts Ge- scheites weiß, kam der Gegensatz der.Schulen" zum Ausdruck. In bezug auf die Fragen, die der Psychoanalytiker Professor der Psycho- logie Dr. Herbertz dem Zeugen unter Ausschluß der Oessenllichteik glaubte stellen zu müssen, erklärte der Professor der Psychiatrie Dr. Regle, daß sie weder an den Fragen des psychologischen Sach- verständigen, noch an dem Ausschluß der Oeffentlichkeit Interesse hätten. Ueberhaupt, meinte er, bestehe ein grundsätzlicher Gegensatz zwischen der klinischen Schule der Psychiatrie.'zu der er und sein Kollege Professor Dr. Fehrmärter gehören, und der anderen, die Professor Dr. Herbertz vertrete. Später verbesserte er sich: man könne ja überhaupt nicht von einem Gegensatz der Schulen sprechen, da Professor Dr. Herbertz ja nicht Arzt sei. Das war das Vorspiel zu heute. Da sollen die anderen Verwandten des Angeklagten ver- nommen werden. Die können mehr auesagen. Doch um Antwort zu erhalten, muß man fragen wollen und zu fragen verstehen. Die einen wollen kluge Fragen stellen, die anderen verstehen nicht diese Kunst, die gelernt werden will. So bleibt Angersteins Verbrechen ein Rätsel. Er wird es gleich Haarmann mit ins Grab nehmen. Verhandlungsbericht. Limburg a. d. Lahn. 10. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Zum heutigen 3. B e r h a n d l u n g s t a g des Angerstein-Prozesses war des Chef des preußischen Landespolizeiamts, Regierungsdirektor Dr. Weiß aus Berlin, erschienen. Di? Fortsetzung der Beweisouf- nahine brachte zunächst die Vernehmung einer ganzen Gruppe von Zeugen, die über das Vorleben und den Leumund des Angeklagten sowie über das Familienleben in' Hause Angersteins Angaben machten. Bürgermeister F i ck aus Haiger bekundete, daß in dem Städtchen über Angerstein allerlei seltsame Gerüchte im Umlauf gewesen seien, wonach Frau Anger st ein allmählich ver- Schuhfabrik von Flemming u. Co In großer Gefahr schwebten die Schlosserei im Erdgeschoß und die Holzvorräte auf dem Boden. Ausgekommen war der Brand im 2. Stock an einem Trockenofen. Die Flammen hatten reiche Nahrung gefunden und die Holzdecken erfaßt, durch die Exhaustoren fütivten. Die Betrieb« hatten gesterst abend gegen 5 Uhr geschlossen. Von zwei Wachhunden wurde einer tot aufgefunden, der andere lebte noch. Die Gefahr wurde erst be- merkt, als die Flammen schon hell au» mehreren Fenstern empor- loderten. Die Feuerwehr griff über zwei mechanische Leitern und mehrere Steckleitern an. Die Treppen waren unpassierbar. E» gelang, den Boden und das Erdgeschoß vor dem Feuer zu bewahren, doch ist ein starker Wasserschoden zu verzeichnen. Sämtliche Betriebe liegen still. Der Schäden ist groß. Eine Brandwache ist noch auf der Brandstelle tätig. In der Kolberger Straße 3 sind die beiden Dachstühle zum Teil ausgebrannt. Unnötige Prozesse! Veantragie Skrafe: Z Soldmorrk. Die neueren Bestimmungen über Abbau und Ersparnisse im Gerichtswesen geben den Staatsanwaltschaften da» Recht, unwesent- liche Verhandlungen zu vermeiden. Wo der angerichtete Schoden unerheblich ist, kann dos Verfahren niedergeschlagen werden. Leider scheint von diesen Befugnissen wenig Gebrauch gemacht zu werden, denn sonst müßte ein Prozeß, wie der gcstriege vor dem Schössen- gericht Bcrlin-Mitte zu vermeiden gewesen sein. Lediglich durch die angeklagten Personen, zwei Oberhäupter der Stadt Berlin, erweckt die Angelegenheit ein gewisses Allgemeininteress«. Obcrbürger- Meister Böß und Stadtrat Wege sollen sich gegen die 8 1, 1-, 2s. 27 und den Artikel 3 der Postbestimmungen vom 20. Dezember 1899 oergangen habest. Di« Post selbst ist als Neben- klüger zugelassen. Es handelt sich um die Sammelpoststelle des Magistrats, von hier werden sämtlich« Briefe aller Bezirksämter in einem Umschlag an ihren jeweiligen Bestimmungsort gesandt. Oberbürgenneisterr Böß. der kommissarisch vernommen worden ist, leitet die Berechtigung hierzu von dem Standpunkte aus, daß all« Bezirksämter nur Hilfsorgane seien, die ihm unterstehen. Die Gegenpartei ist anderer Meinung, für sie stellen die Bezirksämter selbständige Körperschaften dar. die also auch ihre Post ollein ver- senden müssen. Der Staatsanwalt schließt sich dieser letzteren Auf« fassung an und beantragt gegen Oberbürgermeister Böß und den Stadtrat Wege eine Geldstrafe von je drei Goldmark. Da« Gericht aber beschließt noch längerer Beratung, die Sache zu vertagen und zur nächsten Verhandlung mehrere Sach- v e r st ä n d i g e der beklagten Behörde, unter anderen auch den Bezirksbürgermeister von Berlin-M'tte, laden zu lassen. Also für die Stoatoonwaltschaft scheint die Tat mit d r ei G o l d- mark gesühnt, das Gericht beraumt eine neu« Verhandlung an, läßt so und so viele Sachverständige laden und bemüht noch einmal Richter und Schöffen um diese hochwichtige kommunale Angelegen- heit.—_ Die Betriebssicherheit bei Schering A.-G. Anläßlich der schweren Explosion in einer Abteilung der Schering A.-G. am Tegeler Weg in Charlottenburg, die bekanntlich zwei Menschen da- Leben kostete, waren uns aus Arbeiterkreisen zahlreiche Zuschriften zugegangen, die ganz erheb- liche Mißstände im sanitären und feuertechnischen Betrieb der Werke aufdeckten. So war behauptet worden, daß die Betriebs- feuerwehr völlig versagt hätte, da ihr technisches Material sich in einem geradezu kläglichen Zustande befunden habe. In dem Riesenheus soll nur eine Tragbahre gewesen sein. Dos s a n i, täre Personal des Betriebes war nur für Tagschicht be- rechnet, so daß bei einem eventuellen nächtlichen Unfall mit sofortiger Hilfeleistung, die in manchen Fällen alle» bedeutet, nicht zu rechnen war. Wir hatten diese schweren Vorwürfe in die Form einer Frage aekleidet und eine gründlich« Untersuchung der Affäre ver- langt. Bis jetzt haben wir weder von der Betriebsleitung noch von der interessierten Behörde etwas gehört. Wir erneuern unsere Anfrage und erwarten dringend baldige Auskunft. Mgerjlein. giftet worden sei, ferner, daß der Angeklagte in einer frühereu Brandoersicherungssache einen Meineid geleistet habe. Es haben sich aber doch nicht die geringsten Anzeichen dafür ergeben, daß irgend etwas Wahres an den Gerüchten fei. Die Angaben weiterer Zeugen entwarfen im allgemeinen ein gutes Bild von dem Familienleben im Hause Angerstein. Der Angeklagte sei ein l i e b e n s w ü r d i- ger zuvorkommender Mann gewesen, der mit seiner allerdings sehr kranken Frau immer gut gelebt habe und von ihr auch sehr geschätzt worden sei. Allerdings sei die Frau immer sehr auf- geregt gewesen und habe Angst vor Ausbruch von Feuer oder Ein- brechern gehabt. Beide Eheleute waren sehr fromm. Dann wurde der Bruder der Frau Angerslein. der Elektrotechniker Gottlieb Barth, vernommen, der das Ehe- leben zwischen seiner Schwester und seinem Schwager als ein sehr gutes bezeichnete. Seine Schwester habe sich immer sehr lobend über ihren Mann ausgesprochen. Unstimmigkeiten habe es nur immer hinsichtlich der Mutter gegeben, die wegen der Schwach- lichkeit der Frau Angerstein den Haushalt führte, die sich aber ihre Aufgabe nicht richtig einzuteilen verstand und öster das Essen an- brennen ließ, worüber sich dann Frau Angerstein immer sehr aus- regte. Mit den Grundstücksankäufen und mit der Einrichtung eines landwirtschastlichen Betriebes sei Frau Angerstein nicht einverstanden gewesen. Acht Tage var dein Mord, so gab der Zeuge an, habe seine Mutter noch erzahlt, daß Angerstein fürchte, seine Stellung zu ver- lieren, weil sich in der Aktienmehrheit der Firma eine Aenderung vollzogen habe. Der Dorsitzende brachte dann den Brief zu». Er- örterung, der kurz vor der Tat bei Frau Angerstein eintraf und sie sehr aufgeregt haben soll. Der Zeuge erklärte hierzu, daß dieser Brief nicht von den Wetzlarer Verwandten stammen könne, allerdings hätten sie in Wetzlar viele Freunde, so daß die Möglichkeit bestehe, daß von dieser Seile irgend welche Hege getrieben worden sei. Es kam dann noch zur Sprache, daß der Zeuge Kommunist ist, womit seine Mutter aber nicht einverstanden war. Anger st ein sölbst hat sich jedoch, wie der Zeuge erklärt, nicht politisch betätigt. Der ehemalige Lehrer des Angeklagien, Oberlehrer Schneider. schilderte Angerstein als einen mittelguten Schüler, als einen sehr stillen und ruhigen Menschen mit träumerischer Vcran- lagung, der sich aber als sehr zuverlässig erwiesen habe und niemals hätle bestrast werden brauchen. Der Vater des ermordeten Dienst- mädchens, der Polizeiwachtmcister a. D. Stall, gab an, daß seine Tochter sich sehr lobenswert über die Familie Angerstein aus- gesprochen habe. Die beiden Eheleute hätten nach ihrer Ausfassung wie die Kinder gelebt. Jeden Wunsch, den der Mann seiner tzrau von den Augen abgelesen Hobe, habe er ihr erfüllt und sie auf den Händen getragen. Mcthodistenprediger U x o l d, der jetzt in Heidel- berg wohnt, bekundete, daß Frau Anger st ein der Metho- distengcmeinde angehört hatte, der Angeklagte dagegen nicht. Der Angeklagte habe seine Frau gut behandelt und ihr alle Wünsche erfüllt. Sie selbst sei eine liebenswürdige, hilfsbereite Frau gewesen, die aber zur Melancholie neigte. Besonders habe sie immer hervorgehoben, daß ihr Mann so treu für ihre Mutter und Schwester sorge. Allerdings bat die Uebersiedlung nach Haiger in dem Zeugen den Eindruck erweckt, als ob dort der Betrieb dem Angeklagten über den Kops wuchs. Vors.: Hat der Angeklagte freigebige Stiftungen für religiöse Zwecke gemacht?— Zeuge: Jawohl, wahrend der Inflationszeit hat er einmal zum Bau von zwei Kapellen in Dillenburg eine Anleihe von 30 000 Mark gegeben und sie uns später ge schenkt. Kein Weichseldammbrnch in Westprensien. Dovzig, 10. Juli(TU.) Erkundigungen in Marienwerder haben ergeben, daß für die Weichfclniederung im Restteil West- Preußens keine Gefahr besteht Nach Auesagen des Deich- Hauptmanns von Marienwerder sind die Dämme noch so intakt, daß sie den Fluten des Hochwassers widerstehen können. An besonder- gefährdeten Stellen ist natürlich für die nötige Bewachung gesorgt. Es besteht aber die Zuversicht, daß die Dämme, nachdem sie der Hauptwelle widerstanden haben, auch für die nächsten Tage stand- halten können._ „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, und „Der Sinderfrcund" liegen der heutigen Postauslage bei. Groß-Serliner parteinachrichten. ?>l»!>ko»toUfte«.»rnpp« Zchünedcrg. Heute. Freitax, den>0. Juli. Heimabend vimlnii» 8 Uhr Ztubensslrah». Volkexnwam». Slejetar über die polltische unb wirlschaftliche Lax« der autzerdeutschen Länder. GewsiMhastsbeWegung � vie Lohnverhältnisse der Lonüaebeiter. woraus sich die Abwanderung vom Lande erklärt. Die Herren Landwirte stellen es so dar. als ob sie jetzt am Ende ihrer Existenz stehen. Kein Stand habe noch ihrer Meinung so stark mit den Wirlschastsnöten zu kämpfen wie sie. Die Hilfeleistung für sie müsse deshalb geradezu als eine zwingende Notwendigkeil angesehen werden Dos hört sich zweifelsohne sehr rührend an, und der Laie ist geneigt, es fast zu glauben. Eicht man sich die Dinge jedoch etwas genauer an, wird man bald eines Lcsscren belehrt werden. Dann wird man nämlich finden, daß nicht die Landwirte, sondern die Land- arbeiter als der Stand anzusehen sind, der heute die traurigsten Lebensbedingungen hat. Bon dieser Tatsache wird man überzeugt, wenn man sich die Lohnzablen ansieht, die in Nr. 12 de?..Landarbester", dem Organ des Deutschen Laudarbeiterverbandes. erwähnt werden. Hier- nach verdiente ein vollwertiger verheirateter Depu- tatarbeiter im Monat Mai einen Gesamt st nndenlohn von 31,27� Pf. in Schlesien, von 33,14 Pf. in Ostpreußen, von 34,83 Pf. in Brandenburg und von 38,96 Pf. in Schleswig-Holstein. Bei Betrachtung dieser Zahlen muß beachtet werden, daß an vielen Orten ein Dcputatarbeitcr nur dann als vollwertige Arbeitskraft eingeschätzt wird, wenn er dem Arbestgeber noch ein oder zwei jugendliche Hofgänger zur Verfügung stellt. Der De- putantenfrau gab man im Monat Mai einen G e s a m t st u n d e n- l o b n von 13 Pf. in Schlesien, von 13 Pf. in Ostpreußen, von 12 Pf. in Brandenburg und von 18 Pf. in Schleswig-Holstein. Der voll- wertigeFrciarbeiter.dasist ein Arbeiter, der in der Haupt- fache nur Barlohn bekommt, verdiente im Monat Mai einen Gesamtstundenlohn von 34 Pf. in Schlesien, von 32,44 Pf. in Brandenburg, von 34 Pf. in Schleswig-Holstein und von 33,44 Pf. in Ostpreußen. Da» sind geradezu empörende Zahlen. Ihre Wirkung wird noch gesteigert, wenn man sich vergegenwärtigt, wie anstrengend gerade der Beruf eines Landarbeiters ist. Ueber die Gründe, die jetzt die starke Äbn-anderung vom Lande auslosen, braucht man sich unter solchen Umständen nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. Sie liegen klar zutage. Dl« Landarbeiter halten es unvereinbar mit ihren Lebensinteressen. weiterhin unter solchen Derhältnissen zu oege- tieren. Das ist verständlich und kann ihnen nicht übelgenommen werden. Waren die landwirtschaftlichen Unternehmer die weitsichtigen Leute, für die sie gehasten sein wollen, müßten sie sich s ch n e l l st e n s umstellen. St« müßten begreifen, daß nichts klüger wäre und ben Interessen der Landwirtschaft mehr dienen würde, als sich jetzt mit den Landarbeiterverbänden an den Beratungstisch zu sehen und in ehrlicher und offener Aussprache mit ihnen zu erwägen, was getan werden muß, um der Not der Landarbeiter gerecht zu werden. Werden die landwirtschaftlichen Arbeitgeber zu einer solchen Erfenntnis fommen? Generalversammlung der Holzarbeiter. Am Donnerstag abend tagte im Gewerkschaftshaus die ordentliche Generalversammlung des Holzarbeiterverbandes. Freygang gab den Geschäftsbericht vom 1. Quartal, streifte aber auch die vor furzem beendete Aussperrung im Reiche. Er teilte mit, daß, obgleich die Zahl der Lohnbewegungen und Streits im 1. Quartal eine nicht geringe war, die meisten der Bewegungen zu einem vollen Erfolge geführt haben. Der Verband ist aus diesen fleinen Kämpfen wie auch aus den letzten großen nicht geschwächt sondern moralisch gestärkt hervorgegangen. Das beweist die 3 unahme von ungefähr 1000 Mitgliedern. Den größten Erfolg haben die Holzarbeiter aber bei dem letzten großen Kampf gehabt, der von den Unternehmern angesagt war, um die Organisation zu zerschlagen. Sie mußten aber erleben, daß die mit so geschwollenen Worten begonnene Aussperrung, durch die Einmütigkeit der Holzarbeiter und die Uneinigkeit in den Reihen der Unternehmer zu einem schönen Erfolg der Angegriffenen wurde. In der über den Geschäftsbericht sich entwickelnden Distuffion versuchten die Redner der„ Opposition" das Ergebnis des letzten Rampfes als ungenügend zu bezeichnen.. Wenn man nach ihren vielgepriesenen Methoden verfahren wäre, würde das Ergebnis ein ganz anderes gewesen sein.( Bloß fein gutes.). Im weiteren Verlauf der Tagesordnung, so bei der Wahl eines Angestellten und bei Erledigung von hauptsächlich kommunistischen Anträgen fam es zu stürmischen Auseinandersetzungen, die an das Auftreten der Weltrevolutionäre" in den Parlamenten erinnerten. Es wurde eben„ Opposition aus Prinzip" getrieben. " Neben anderen Anträgen wurde eine Resolution angenommen, in der die Generalversammlung auf das entschiedenste gegen den Raubzug auf die Taschen der Werftätigen protestiert, wie er durch die Schutzollvorlage und die Erhöhung der Verbrauchs steuern geplant ist. Nach Erledigung einiger anderer Anträge schloß die Versammlung, deren ordnungsgemäßen Verlauf die fommunistischen Delegierten mit viel Aufwand an Stimmen zu stören bemüht waren. Zum Leipzige: Metallarbeiterstreik. Leipzig, 9. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Schneller als die Streifenden selbst glaubten, hat der Teilstreit in Leipzig gewirkt. Die ADTG. Großzschocher schloß ihren Betrieb bereits am zweiten Streiftag vollständig. Die Firma Sad fam am Montag in die Streiftag vollständig. Die Firma Sad tam am Montag in die gleiche Lage. Trotzdem fam die Anfündigung der Gesamtaus sperrung nicht. Die Trauben hingen den Unternehmern zu hoch. Es ist deshalb die Vermutung nicht ganz unberechtigt, daß die am Dienstag durch den Schlichter eingeleiteten Verhandlungen von den Metallindustriellen selbst angeregt worden sind. Zu dem Ergebnis dieser Verhandlungen nahmen die Leipziger Metallarbeiter am Donnerstagabend in acht Versammlungen Stellung. Streik auf der Burbacher Hütte. Saarbrücken, 9. Juli.( Mib.) Die Streifbewegung auf der Burbacher Hütte hat weiter an Ausdehnung zugenommen. Tie Verwaltung versucht, aus den noch arbeitenden anderen Abteilungen die Leute nach den bestreiften Abteilungen abzutommandieren. Wer der Aufforderung nicht Folge leistet, wird ausgesperrt. Bisher hat der größte Prozentsatz der Arbeiter die Leistung der Arbeit abgelehnt. Nach Informationen sollen 2600 Arbeiter im Streit stehen. Die Gesamtbelegschaft beträgt über 5 000 Mann. Starke Polizeifommandos bewachen die Ausgänge. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frih Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Bis 21. Juli Fortsetzung unseres großen Saison- Ausverkaufs! HandFabrikreste tuch- Reste, Halb- und Reinlein., Ser. III 75, 11 60, 1 Riesen-Posten: Roh- Nessel, 80 cm breit Meter 45. 786948P 78, 63, Große Rest- Posten Küchen- Handtücher ges, u. geb. Stück 68, 58, bis zur Hälfte herabgesetzt! 1 Posten 48 pt. Damenstrümpfe mod. Farbenposten Pt. Posten 38 Pl. Unerreicht billig 95 Bettücher aus Nessel 116 x 200 cm. ovale Form. jedes Stück 295 Teepuppengestell 75 PL. Teepuppenkopf 175 mit Armen Kissen Alda, bunt 50 gestickt 250 78 Pf. Damenstrümpfe m. Doppelsohle und Hochferse 1 Posten 1.75 3 Serien 容 1 Rest- Kleider Mäntel aus Tuch und Covertcoat Serie III Sport- u. 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