Nr. 323 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 166 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich B. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gieb. Iung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich ameimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokzat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Brennig. Reklamezeile 5, Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( auläffig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worie über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennig. 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Das wird ihr jetzt fogar von einem hervorragenden Bertreter der Industrie und demjenigen Mitglied der Deutschen Boltspartei beftätigt, das sich noch im Reichstagsplenum grundfäßlich für die Regierungsvorlage eingesetzt hat. Die Regierung will die Zollvorlage unter allen Um| machen tönnte, indem er vorschlug, daß zu der Differenz von ständen innerhalb der nächsten vierzehn Tage durch deutschem Normal- und Weltmarktpreis ein Zuschlag bei der Einfuhr aus folchen Staaten erhoben werden sollte, mit denen Deutschland darüber sind sich die Parteien, auf die sie sich flüßt, selbst nicht bem Ertrag der Zölle Mittel für soziale Ausgaben abzuzweigen, teine Handelsverträge hat. Er verwarf den Gedanken, etwa aus flar. In der Agrarenquetekommission tam das gestern besonders als nicht zweckmäßig. drastisch zum Ausdrud, als Dr. Schneider- Dresden, Mitglied der Deutschen Vollspartei und Vorstandsmitglied des Verbandes sächsischer Industrieller, ein von den Regierungsforderungen voll fommen abweichendes Programm der Agrarzolle ent wideite und dabei mit aller Entschiedenheit darauf hinwies, daß die porgesehenen starren Zölle auf Getreide aus wirtschaft lichen, wie aus politischen Gründen vollkommen uner= munscht sind. Die Ausführungen verdienen daher allgemeines Interesse, obwohl Dr. Schneider mit großem Nachdrud hervorhob, daß er den Vorschlag nur für sich persönlich mache, also nicht im Namen seiner Partet spreche und daß sie auch nur dann von Bichtig. feit werden, wenn die Notwendigkeit eines Kompromiffes gegeben fei. Diefe Notwendigfcit liegt aber wohl schon jetzt vor, weil von Freunden der Rechtsregierung und von den hinter ihr stehenden Wirtschaftsgruppen gegen die Mindestagrarzölle die schwersten Bedenken schon ausgesprochen sind. Dr. Schneider führte aus: Die Bedenken, die von Sachverständigen im Ausschuß gegen gleitende oder Bereitschaftszölle überhaupt geäußert wurden, richteten sich nur dagegen, daß die Zölle auf Grund eines Durchschnittspreises für mehrere Monate festgelegt werden sollten, daß also der gleitende Zoll teine stetige Linie der Preisbewegung auf dem In landsmarkt bringe. Der ffarre Joll für Getreide ftellt sich aus wirtschaftlichen und aus politischen Gründen als besonders unzweckmäßig dar. Getreide ist eines der Hauptobjekte der amerikanischen Spelu11tion geworden. Wenn wir im letzten Jahre dabei Preisschwanfungen um 100 Proz. des niedrigsten Preises und mehr gehabt haben, so fordert es zur Prüfung heraus, ob ein starrer 30u überhaupt in der erwünschten Weise wirken fann. Treibt die amerikanische Spekulation den Getreidepreis hoch, so haben wir dann den hohen Zoll auf den hohen Preisen, er ist aber dann gar nicht mehr notwendig. Politisch ist er jedoch außerordentlich schwerwiegend, und lassen Sie nur noch eine Krise mit großer Arbeitslosigkeit tommen, jo fann eine Situation entstehen, wo der Zoll nicht mehr haltbar ist und beseitigt wird. Bringt die Spekulation aber die Preise so zum Sinten, wie im Februar 1920, so hilft auch ein, Zoll von 5 M. der deutschen Landwirtschaft nicht. In allen Fällen ist er ein unerwünschtes Mittel und den gegenwärtigen Verhältnissen nicht sehr angepakt. Der gleitende Zoll ist in diesem Buntte sicher besser. Nun haben mir mit dem gleitenden Zoll in der Inflation bereits unsere Erfahrungen gemacht. Täglich wurde für das Goldzollaufgeld eine Multiplikator festgesetzt, der für alle Zollstellen galt. Man tönnte das beim Getreide vereinfachen, indem man einen Anreiz schafft, Getreide nur an bestimmten Zollstellen einzuführen. Der Zoll würde für die nächsten 24 Stunden festgesetzt werden, die Spekulation fönnte fich auf ihn nicht einstellen, da sie keine Zeit dazu hat. Man müßte einen den Produktionskosten der deutschen Landwirtschaft entsprechen den Normalpreis feitschen, der vielleicht für ein Jahr Gellung hat. Die Differenz zwischen diesem Normalpreis und dem Welt marktpreis ist dann als Zoll zu erheben. Die Festsetzung des Normalpreises fönnte dadurch von politischen Strömungen unabhängig gemacht werden, daß man eine unabhängige Kommission mit ihr beauftragt, die bei ihrer Arbeit bestimmte Richtlinien innezuhalten und sich nach bestimmten Judicis( preußische Grundsteuer, Kohlenpreis, Großhandelspreise nichtlandwirtschaftlicher Waren) zu richten hätte. Dr. Schneider machte dann noch weitere Borschläge, die fein System auch zu einem Mittel der Handelspolitit Klärung! Zum Fall Westarp Stresemann. Im übrigen war die gestrige Nachmittagsdebatte der Getreide enquetetommiffion ausgefüllt von Sachverständigenvernehmungen über die technischen 3ollfragen und einem für die Deffentlichkeit nicht besonders interessanten Frage- und Antwortspiel über Einzelhetten. Vermerkt sei jedoch, daß die Vertreter des Mühlen gewerbes und des Getreide handels zusammen mit den Großagrariern sich auffallend scharf gegen den Gedanken der gleitenden Zölle wandten. Es ist auch schließlich kein Bunder, daß die Händlerfreise ,, die heute von der Getreidejpefulation leben, nichts für den Gedanken übrig haben, daß der deutsche Getreidepreis irgendwie it a bilisiert werden solle. Mit großer Wärme sette sich hingegen Ministerialrat Becker für die Gleitzölle ein. Auch feine Ausführungen waren eine vernichtende sachliche Kritik an der gänzlich haltlosen Vorlage der Reichsregierung, ohne daß er das direkt aussprach. Widerstand auch in Zentrum und Wirtschaftspartei. Die Deutsche Boltspartei madelt also bereits. Das ist das mindeste, was man aus den Ausführungen Dr. Schneiders entnehmen kann, besonders wenn man noch daneben den Beschluß des Reichsverbandes der Industrie hält, der die in der Regierungsvorlage vorgesehenen Mindestzölle ablehnt. Aber nicht nur die Volksparteiler sind sich nicht klar. Das Drgan des gewertschaft lichen Zentrumsflügels,„ Der Deutsch e", weist darauf hin, daß felbst innerhalb der Deutschnationalen Partei die Nichlagrarier Bedenken gegen die Agrarzölle laut werden lassen und daß auch die Wirtschaftspartei sich in ablehnendem Sinne geäußert hat. äußert hat. Der Deutsche" ruft zu verantwortungsvoller Soll. politik auf und fordert von den Regierungsparteien, daß sie sich bei ihren Gesetzesvorlagen große Mäßigung auferlegen. Im einzelnen macht das Organ Stegerwalds ebenfalls starte Borbehalte gegenüber der jetzigen Fassung der Zollvorlage, weist auf ihre fozialen Gefahren hin und bezeichnet es als fraglich, ob die Agrarzölle, insbesondere die Mindestzölle für Getreide und der Kartoffelzoll, tragbar sind! Es wird sich sehr bald zeigen, ob die agrarzollfeindlichen Mit glieder der Regierungsparteien den Mut zur Wahrheit haben, die sie jetzt erkannt haben. Immerhin ist die ganze Art der öffent. lichen Auseinandersegung ein Symptom der schweren Gegensäge, die ießt zum Austrag brängen und bei denen der Regierung alles andere als wohl ist. Note die Anregungen des deutschen aide memoire, tan beren Rritif es sich hier nicht handelt", durch die franzäsische Note in ihr Gegenteil verfehrt find. Beim Druck ist das Wort nicht" in Durch diesen fleinen Rückzieher wird natürlich die Kritit, mindest en abgeschwächt. Die sozialdemokratische Reightagsfrattion hat bem Relativjak fortgelassen." folgende Jnterpellation eingebracht: Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Bostscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3 Die Anleiheaufwertung. Nach den Beschlüssen des Aufwertungsausschusses. Bon Wilhelm Reil. Die langwierigen Beratungen des Aufwertungsausschusses sind beendet. Auch zu dem zweiten Aufwertungsgefeß, das den Namen trägt„ Gefeß über die Abfösung der öffentlichen Anleihen", liegen die Anträge des Ausschusses jetzt vor. Es ist für die Oeffentlichkeit von Interesse, vor Beginn der Plenarberatungen über den sachlichen Inhalt der Beschlüsse unterrichtet zu werden. Borweg sei gesagt, daß die Aufwertung der öffentlichen Anleihen noch wesentlich dürftiger ausfällt, als die der privatrechtlichen Schuldforderung. Mit dem Hinweis darauf, daß die Kosten der Anleiheaufwertung aus öffentlichen Mitteln zu bestreiten seien und daß die Steuereinnahmen des Reichs, der Länder und der Gemeinden faum ausreichen zur Erfüllung der laufenden Verpflichtungen, läßt sich die Unzulänglichkeit der Ausschußbeschlüsse nicht begründen. Es stehen Einnahmequellen zur Verfügung, aus denen die Mittel für eine viel befriedigendere Lösung des Problems der Anleiheaufwertung gewonnen werden können. Nach dem sozialdemokratischen Borschlag, sofort eine durchgreifende Besteuerung der Inflationsgewinne und der in der Not 8eit erhalten gebliebenen großen Vermögen in die Wege zu leiten, wäre die Umwandlung der reell erworbenen Anleihen zu 20 Proz. ihres Nennwertes und die Tilgung und normale Berzinsung der aus der Umwandlung hervorgehenden neuen Schuld möglich. Die Mehrheitsparteien scheuen aber die Erfassung der Kreise, die tro Krieg und Inflation reich geblieben, reich oder reicher geworden sind, wie das heiße Eisen. Der wiederholt zur Entscheidung gestellte sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt und die Deffentlichkeit mit einer Resolution einzulullen versucht, die die Möglichkeit der Erhebung von Sondersteuern auf Inflationsgewinne in einer ungewissen 3utunft vortäuscht. So geht denn die Ausschußmehrheit mit ihren Beschlüssen davon aus, daß die Auswertung der Anleihen lediglich aus den laufenden Steuereinnahmen zu bestreiten ist. Wie ist die Regelung gedacht? Die gesamte Marfanleiheschuld des Reichs, ausgenommen. die Zwangsanleihe von 1922, die unverzinslichen Schahanweisungen, die Reichskassenscheine und die Darlehenstaffenscheine, wird in Anleihe ablösungschuld umgetauscht. Diese Anleiheablösungsschuld fann vom Gläubiger nicht ge= fündigt, auch kann bis zum Erlöschen der Reparationsverpflichtungen eine Berzinjung nicht gefordert werden. Der Umtausch erfolgt auf der Grundlage, daß je 1500 M. Nennbetrag der Sparprämienanleihe und je 1000 m. Nennbetrag der übrigen Anleihen in 25 Reichsmart Anleiheablöfungsschuld umgewandelt werden. Für sogenannte K- Schäze gilt ein besonderer Umrechnungsmaßstab. Berücksichtigt wird beim Umtausch ein Anleihebesih von mindestens 500 m., bei der Sparprämienanleihe von 750 M. Der fleinere Besiz soll durch Barabfindung getilgt werden. Für je 500 M. Reichsanleihe und je 750 M. Sparprämienanleihe wird Ablösungsanleihe im Betrag von 12,50 M. ausgegeben. Daß eine fo fleine Stüdelung einer Anleihe ihre schweren Bedenken hat, daß besonders mit ihr die Inflationsgefahr der Vermendung der Anleiheftüde als Zahlungsmittel verbunden ist, wurde von allen Seiten zugegeben. Die Regierungsmehrheit fand aber feinen anderen Weg, weil sie den Neubesig vom Umtausch nicht ausschließen und auch teinen besonderen Typ für die den Neubefizern auszuhändigende Ablösungsanleihe schaffen wollte. Zwischen Alt- und Neubesi mird in folgender Weise unterschieden; Altbefizanleihen sind Markanleihen, die vor dem 1. Juli 1920 er „ Jn Nr. 316 der„ Kreuzzeitung" vom 9. Juli 1925 schreibt der die im Westarpschen Artikel trozdem enthalten ist, nicht worben hat und die ihm von dem Erwerbe bis zur AnBorfigende der deutschnationalen Reichstagsfraktion Graf v. West arp, daß es sich bei dem deutschen Memorandum vom 9. Februar 1925 nicht um Vorschläge oder bindende Angebote der deutschen Regierung, sondern um eine unverbindliche Anregung des deutschen Außenminiffers gehandelt hat". Wir fragen die Reichsregierung: 1. 3ft sie dieser Behauptung entgegen bereit zu erklären, daß fie die in dem Memorandum vom 9. Februar 1925 enthaltenen Vorschläge und Angebote noch als bindend erachtet? 2. Wie gedenft die Reichsregierung eine erfolgreiche Außenpolitit zu führen, wenn der Vorsitzende der größten Regierungspartei Behauptungen aufftelit, die, wenn fie wahr wären, die Politik der Reichsregierung als doppelzüngig und unehrlich ergeben würde?" Westarps Druckfehler. Der Kreuz- Zeitung" fchreibt Graf Bestarp: Im allgemeinen verzichte ich darauf, mich gegen den Drudfehlerteufel zur Behr zu jezzen. Benn er aber die politischen Tendenzen meiner Ausführungen ändert, ist Abwehr nötig. 3n meinem geftrigen Auffage über„ Das deutsche Memorandum und die französische Note" erbringe ich den Nachweis, daß die franzöfifche im Räumung der Rheinstädte. Aller meldung ununterbrochen gehört haben. übrige Anleihebesig ist neu besig. Man schätzt den gesamten Anleihebestand des Reichs zurzeit auf 70 Milliarden, movon 20 Milliarden auf den Altbesiz, 50 Milliarden auf den Neubesig entfallen. Da dieser Neubesik in den Inflationsjahren nur aus Spekulationsmotiven gehandelt worden ist und sein Kurs bis auf 1000 Golbpfennig pro 100 m. fant, forderten die Sozialdemokraten die völlige Ausschließung des Neubesiges von der Umwandlung. Damit würde das Deutsche Reich von einer Schuldenlaft, die die nach nach der neuen Regierungsvorlage In den Unterhaltungen Briands mit Vandervelde in Baris über die schwebenden Fragen ist laut einer Meldung der Information" gesprochen, aber feine Ent fcheidung getroffen worden, da es sich um eine inter alliierte Angelegenheit handle. Gegenüber Ver fuchen, die Vertagung dieser Entscheidung dahin zu deuten, als ob die Räumung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort ein diplomatisches Verhandlungs- 2% Milliarden Mart betragen sollte, befreit geblieben. objett sein könne, ist daran festzuhalten, daß die Londoner Aus zarter Rücksichtsnahme auf die Spekulation fonnten sid; Abmachungen eine Verzögerung der Räumung nicht die Kompromißparteien zu diesem Schritt nicht entschließen. zulassen, und jeder Versuch einer politischen Auswertung Sie sahen sich durch die scharfe Kritif unserer Bertreter nur eine Handlung gegen die Abmachung vom 16. August 1924 veranlaßt, den ursprünglich auf 5 Broz.( 1000: 50 m.) bedarstellen würde. Es haben damals die belgische und messenen Umwandlungssatz auf 2% Pro3.( 1000: 25 M.) französische Regierung die Erklärung abgegeben, herabzusehen. Daraus ergibt sich, daß die in die Hände der daß sie sich zu ihrem Zeile nicht widersehen werden, Meubefizer übergehende Ablösungsanleihe 114 milliarde daß die im Frühjahr besegten rechtsrheinischen Ge- betragen wird. Wenn auch diese neue Reichsschuld zunächst biete gleichzeitig mit dem Ruhrgebiet geräumt werden". weder zu verzinsen noch zu tilgen ist, so werden ihre Befizer, meist sehr mächtige Herren, ihre Ansprüche zu gegebener Zeit geltend zu machen wissen. Den A l t b e s i tz e r n sollte nach dem Regierungs- entwurf eine jährliche Rente und ein Auslosungs- recht zustehen. Die Mehrheit hat die Rente gestrichen. Die Ansprüche der Altbesitzer werden also nur durch die Aus- losung erfüllt. Aus den 20 Milliarden Altbesitz ergibt sich bei der Umwandlung zu 2� Proz. eine Ablösungsschuld von 500 Millionen. Diese Schuld soll im Wege der Auslosung binnen 30Jahren getilgt werden. Bei der Auslosung soll der Gläubiger das Fünffache des Renn- betrags seiner Ablösungsanleihe bekommen. Ein Beispiel: Besaß er 1000 M. alte Reichsanleihe, so be- kommt er dafür beim Umtausch 25 M. Ablösungsanleihe. Bei der Auslosung wird ihm das Fünffache dieses Betrags aus- gezahlt— 125 M. oder 12� Proz. de.s ursprünglichen Renn- betrags. Hierzu kommt ein Zins von 4X Proz. des auszuzahlenden Betrags, der von Jahr zu Jahr angesammelt wird, bis der Gläubiger bei der Auslosung zum Zug kommt. Die Zinsen werden also akkumuliert und mit dem Kapital ausgezählt. Für dieses Auslosungsoerfahren sind jährlich 125 Millionen aufzuwenden, um nach 30 Iahren damit fertig zu sein. In den Vorschriften über den zu bildenden Tilgungsfonds ist'dieser Grundsatz niedergelegt. Für die bedürftigen Altbesitzer verbleibt es bei der V o r zu g s r e n t e, die der Entwurf schon vorsah. Rur ist die Grenze der Bedürftigkeit auf 800 M. Einkommen erweitert, wobei die Bezüge der Kriegsbeschädigten, der Sozialrentner und der Unterhaltsberechtigten außer Ansatz bleiben. Die Vorzugsrentc beträgt 80 Proz. des Nennbetrags der Ablösungsanleihe, das sind 2 Proz. des ursprllng- lichen Anleihebetrags. Sie erhöht sich um ein Viertel bis zum Höchstbeirag von 1000 M., wenn der Gläubiger auf sein Auslosungsrecht verzichtet, und u m d i e Hälfte bis auf den Höchstbetrag von 1200 M.. wenn er außerdem mehr als 60 Jahr alt ist. Bei der Gewährung von Fürsorgeunterstützung soll ein Iahresbezug bis zur Höhe von 270 M., der aus aufgewerteten Anleihen oder privaten Schuldforderungen stammt, außer Ansatz bleiben. Für die Vorzugsrente ist ein Jahresaufwand von 60 Millionen vor- gesehen. Für Anstalten der freien Wohlfahrtspflege, die im Besitz von Anleihe sind, ist eine sogenannte„Wohlfahrtsrente" bis zum Höchstbetrag von 5 Millionen vorgesehen, die aus den Zöllen auf Nahrungsmittel bestritten werden soll. Aus Schamhaftigkeit haben die Regierungsparteien auf die Aufzählung der einzelnen Nahrungsmittel, wie z. B. Schweine und Schweinespeck, die in den Beschlüssen erster Lesung aus- drücklich genannt waren, in der zweiten Lesung verzichtet. schließlich wurde noch eine jährliche Sondergabe von 5 Mil- lionen für die kirchlichen Gesellschaften bewilligt. Ein Anleihesonderfonds, dem die Hälfte der Dividenden- einnähme des Reichs aus den Stammaktien der Reichsbahn» gesellfchaft und die ersparten Beträge, die sich ergeben, wenn sich der gesamte Altbesitz auf weniger als 20 Milliarden be- laufen sollte, zufließen, soll zur rascheren Abfindung der Sparkassen und der sozialen Verfiche- rungsträger verwendet werden. Die Anleihen der L ä n d e r und Gemeinden werden grundsätzlich ebenso behandelt wie die des Reichs. Den Ländern steht es frei, die Aufwertung höher zu bemessen. Die Aufwertung der Gemeindeanleihen kann bis auf das Doppelte der für das Reich geltenden Sätze erhöht werden, wenn dies dem Anleiheschuldner nach seiner finanziellen Leistungsfähigkeit und unter Berücksichtigung seiner öffent- lichen Slufgaben zugemutet werden kann". Äntragsberechtigt ist der Anleiheschuidner und ein in dem Gesetz vorgesehener Treuhänder. Die Entscheidung über den Antrag trifft eine von der Landesbehörde eingesetzte Stelle. Bedürftige Anleihealtbesitzer, die über nicht mehr als 1000 M. Anleihe insgesamt verfügen, werden, wenn sie auf ihren Ilmtauschanspruch verzichten, mit je 15 M. für 100 M. des Nennbetrags der ursprünglichen Anleihe Geächtete volksschriststeller. Der neueste Streich des Buchhändler-Börfenvereins. Als die Inflation kam, hungerten die Schriftsteller, �während ihre Verleger und die Buchhändler an dem Steigen der Sachwerte (ich bereicherten. Die Schriftsteller konnton zusehen, wie m den Läden die Bücher, die sie geschnoben haben, immer höhere und höhere Presse erlangten, ohne daß sie, die Sachwertschasser, ober nicht Sachwertbesitzer, in der Regel daraus einen Vorteil hatten. Sie waren nämlich entweder abgefunden, oder bekamen feste,— das heißt sich enttvmende— Morkbeträg«. Prozentverträge hatten wenige. Und nun etwas sehr Bezeichnendes: Es war di« Möglich- keit, die Schriftsteller vor dem Untergänge in der Jnflationsslut zu be. wahren. Man schlug ein« Reichskulturabgabe vor, nach der zu den vielen Preisauffchlägen für die Händler, auch ein ganz geringer und einziger für die Werteschaffer, die Schriftsteller, gemacht werden irllte. Mit Spott und Hohn wurde dieses Ansinnen zurückgewiesen. Technische Bedenken wurden vorgeschützt, die solche Kulturabgabe als zu schwierig zu verwalten hinstellten. Das Volt der Dichter und Denker«rklärte sich gegen die Kulturabgabe. Nachdem nun die Sündflut der Entwertung sich einigermaßen verlausen hat, haben es einige deutsche Schriftsteller wieder dazu gebracht, nicht mehr die monatliche Miel« schuldig bleiben zu müssen. Wer macht ihnen das möglich? Eine in'den letzten Iahren ent- standene sehr lobenswerte Einrichtung,— die deutschen Vu ch g e- m c i n s ch a f t e n. Diese haben ein festes Publikum, dem sie für billiges Abonnement gute Bücher liefern. Die Schriftsteller dieser Buch- gemeinschasten, die sozusagen die Rolle der Konsumvereine spielen, werden ungefähr angemessen bezahlt, erhalten das Honorar schon »»ährend der Arbeit und können auf ei» festes Publikum rechnen. Der.zwifchenhändlerssche Buchhandel wird hierbei übergangen, di« Bücher werden direkt von der Bertriebsgesellfchaft bezogen. Was tat die Buchhändler- und Verlegerwelt? Sie beschloß, den Herren ihres Bereines, also den Sortimentern, zu verbieten, Bücher von Schriftstellern zu führen, die in der Vuchgemeinfchaft ein Werk ver- offentlicht haben. Mit anderen Worten: Der Schrifssteller, der zu demjenigen Verlage geht, der ihn menschenwürdig bezahlt, wird von den übrigen Verlegern in Acht und Bann getan. Es handelt sich hier nicht um eine intern« Frage des Buch. Handels und des Büchermarktes, es handelt sich um ein« Kulturfrags allerersten Ranges. Muß der Schriftsteller, der nicht oerhungern will, ausgeschlossen werden mit allen seinen Werken vom Verkauf in den Sortimenten? Ich frage den Buchhändlerbörsen- verein, der diesen glorreichen Beschluß gefaßt hat:„Habt Ihr noch den Mut, Euere Arbeit auch nur im geringsten als ein Kultur» werk zu bezeichnen, wenn Ihr dem Autor das Lebenslicht ausblast, der fein Buch einer Buchgemeinschaft gibt, die ihn, wenigstens so- lange er dies Buch schreibt, zu ernähren vermag?" Der Buch- händlcrbörsenvercin kann gegen die Büchngemeinschost nichts machen, also hält er sich an die Schriftsteller, die dort publizieren, die die Schwächeren sind. Ein« vornehme Denk- und Hondlungs- weife! Es gibt auch bei freier Konkurrenz anständige Kampfmittel. Man kann z. B. die Sache besser zu machen suchen, als der Gegner. Dieser Gedanke sst den Buchhändlern scheinbar noch nicht gekommen. in bar abgefunden. Nicht bedürftige Anleihebesitzer mit einem Einkommen bis 1500 M., die weniger als 500 M. An- leihe haben, können mit 8 Proz. abgefunden werden. Hier- für wird ein Betrag von 150 Millionen zur Verfügung ge- stellt, der, soweit er für diesen Zweck nicht gebraucht werden sollte, zur Abfindung der Ansprüche der Kirchen, der Spar- kassen, der Versicherungsträger usw. verwendet werden soll. Trotzdem unter dem Druck der sozialdemokratischen Kritik eine Reihe von Verbesserungen des Regierungsentwurfs er- reicht worden find, wird die gefundene Lösung bei den hoffenden Reichsgläubigern große Enttäuschung her- vorrufen. Ihre Unzulänglichkeit wird nur dürftig verschleiert durch die große Kompliziertheit des ganzen Systems. Einfach und befriedigend wäre die Lösung gewesen, die von der Sozialdemokratie vorgeschlagen war. Sie yiurde vereitelt durch den Schutz, den die Regierungsparteien den Jnflations» gewinnlern angedeihen lassen. Scheiöemann verläßt Kassel. Genosse Scheidemann, der sein Amt als Ober- bürgermeister von Kassel schon seit Jahr und Tag wegen Krankheit aufgeben wollte, aber auf dringendes Ersuchen der Parteigenossen sein Vorhaben immer wieder aufgeschoben hatte, wird nunmehr im Einverständnis mit seinen Kasseler Freunden sein Amt verlassen. Aller Voraussicht nach wird zu seinem Nachfolger der Regierungsvizepräsident Stadler in Kassel gewählt werden. Stadler gehört der demokratischen Partei an. Gegen öle Follvorlage. Gewerkschastskundgebungen in Bayer». Nürnberg, 10. Juli(Eigener Drahtbericht.) Der Landes- ausfchuß Bayern des ADGB. nahm gemeinsam mit den Vertretern der Landesausschüsse des AfA-Bundes und d e s A D B. zur Zollvorlage Stellung. In einer«instimmig an- genommenen Entschließung wird Protest gegen die Ansichten der Regierung eingelegt. Die Jndustriezölle würden nur Absatz- stockungen, Betriebseinschränkungen und Stillegungen herbeiführen, in deren Gefolgschaft Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend mar- schieren. Ein« ungeheure Steigerung der Preis« für all« Lebens- mittel und sonstigen Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens feien die natürliche Folge der Agrarzölle, die jede Familie jährlich mit 150 Mark belasten. Für die 9 Millionen Rentner müsse die neue Belastung geradezu katastrophal wirken, da jede Steigerung der Kosten der Lebenshaltung sie der Gefahr des Verhungern» näher bringe. Die Bayerisch« Regierung wird oufgesordert, ihren Einfluß bei der Reichsregicrung geltend zu machen, um die ungeheure Gefahr zu bannen, die dem Volke aus der Zollvorlage droht. Die preußische Stäüteorönung vertagt. Sabotage der Rechtsparteien. Im 21. Ausschuß des Preußischen Landtages stand am Freitag die Städteordnung zur Beratung. Da» Zentrum hatte den im früheren Landtage zustande gekommenen Entwurf der Städteordnung wieder aufgenommen und eingebracht, worüber bei den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei große Entrüstung herrschte. Die Deutschnationalen und die Deutsche Bolkspartei unter Führung der Herren von Mirbach und von E y n« r n beantragten, gor nicht erst in die Vechandlungen einzutreten, mit der Begründung,«ine Beratung der Städteordnung sei unmöglich, solange nicht die große Derwaltungsreform vorliegt. Abgeordneter Herold weist das Ansinnen, den Entwurf der Stadteordnung fallen zu lassen, ent- schieden zurück. Er empfiehlt den deutschnationalen Vertretern ab- zutreten, wenn sie keine Lust hätten, an der Beratung teilzunehmen. Sie möchten dann andere arbeitswilligere Vertreter senden. Sollten aber die Deutschnationalen geschlossen di« Mitarbeit ablehnen, würde die Städte, und Landgemeindeordnung ahne sie oder gegen s i e fertiggestellt werden. Das müsse mit aller Deutlichkeit gesagt werden. Im übrigen sei es sehr verwunderlich und tief bedauerlich, daß die Deutsche Bolkspartei, mit der man noch vor acht Sie stehen auf dem Standpunkte, daß der Konkurrenzkampf«n vorteilhaftesten mit dem Totschlag« des Gegners endet. Die Schrift. steller konnten von den Honoraren der bisherigen Verleger nicht leben, so arbeiten sie,— um sich vor dem, Hunger zu schützen,— für die rationelleren und sozialeren Buchgemeinschaften. Ich gebe den Verlegern und Buchhändlern die Frag« einmal zur Beantwor» timg auf, welchen wirtschaftlichen Wert ihr« doch nur wirt- schaftlich« Tätwkeit hat, wenn diese ihre Arbeit zum Rum dessen führt, von dessen geistiger Substanz sie leben. Aber die Verleger und Buchhändler haben die Sache anders herum angesehen. Sie sagten sich: Welchen Wert hat der Schriftsteller, wentz wir nicht mehr durch Ausbeutung seiner Geschästsimkunde verdienen? Und so kam es zu jenem Beschluß gegen di« Schriftsteller, die sich kluger- weise auf das Eiland der Buchgemeinschost gerettet hatten, zu jenem Beschluß des— im übrigen mich rein deusschnationolen— Buch. Händlerbörsenvereins, der ein ewiger Schandfleck auf dem kulturellen Antlitz unseres Vaterlandes ist._ Nie sag ich's meinem Volke! Unsere lieben Agrarier wollen bekanntlich den Zoll aus reiner Vaterlandsliebe. Daß er ihnen allein etwa 1,2 Milliarden Mark Einnahmen auf Kosten der breiten Massen bringt, ist nur«in Schön- heitsfehler, den unsere braven Junker zwar aus lauter Opferfreude auch in Kauf nehmen, den sie selbst aber gar nicht wollen. Daher kann man auch für Schutzzölle die widerspruchsvollsten Gründe hören. So heißt es, daß die Zölle einmal den Getreidepreis erhöhen und einen Produktionsanreiz bieten, ein andermal, daß sie die Preise nur stabilisieren, wieder ein anderes Mol, daß sie sogar die Preise senken. Run ist alles schon einmal dagewesen. Im Jahre 1841 ging England vom gleitenden zum festen Getreidezoll über und schuf so den ausgesprochenen Schutzzoll, dessen verheerende Wirkungen später der mächtigen Freihandelsbewegnng zum Siege verhalfen. Das englische Kabinett hatte gerade die Vorlage beschlossen und wollte eben auseinandergehen, da rief der Premierminister feine Kollegen zurück:„Einen Augenblick, meine Herren! Wir haben nun den Getreidezoll beschlossen, müssen ihn aber auch begründen. Wir können dem Volke sagen, daß der Zoll die Preise steigern, sie stabilisieren oder sie zum Sinken bringen wird. Was wir dem Balte sagen, ist gleich. Nur dürfen wir nicht alle etwas anderes sagen.. Diese hübsche Anekdote wurde von Prof. Bonn den agrarischen Sachverständigen in der Zollonquete des Reichstages vorgehalten, als sie, wieder einmal in die Enge getrieben, einen wahren Eiertanz bei ihrer Zollbegründung aufführten. Aber von einem deutschen Agrarier, auch wenn er sich Ernährungsmimster nennt, kann man nicht soviel politische Schläue verlangen, wie von einem englischen Premierminister Bei uns wird nicht nur gemogelt, sondern sogar dumm gemogelt. Dafür sind wir ja auch das Land der Dichter und Denker, und nur am deutschen Wesen kann die Welt genesen— mit oder ohne Agrarzoll. ewslor-gesahr beim Covbonft pcnlamenlsgtbäiide..Taily Exvreh' bringt die Nachricht, datz da» ParlamentSgebäude einer umgehenden Rcno- nierung unterzogen werden müsse, um die Emslurzgesahr einzelner Teile zu verhindern. Tagen über eventuellen Eintritt in die Regierung oerhandelte, heute diesen durchaus ablehnenden Standpunkt einnehme. Genosse B r e c o u r unterstrich die Ausführungen des Zentrum- führers, worauf die Deutschnationalcn ihren Bertagungsantrag zu» nächst zurückstellten. Die dann einsetzende Debatte bewegte sich dann trotzdem in erster Linie in dem Sinn«, ob verhandelt werden sollt« oder nicht. In der Nachmittagssitzung wurde erneut«in Ver- tagunasantrag eingebracht, worauf es wieder zu lebhasten. scharfen Auseinandersetzungen kam. Abgeordneter Herold wurde bei seinen Ausführungen von den Rechtsparteien mit erregten Zwischen- rufen und mit Lachen bedacht, worauf Herold wörtlich sagte:„Meine Herren, lachen kann jedes Kind. Wenn man keine sachlichen Gründe mehr hat, geht man zum Lachen über. Bei der Hallung der Vertrete? der Deutschen Volkspartei. Sabolagepolilik zu treibe« unter allen Umständen, muß man e» wirtlich bedauern, solange mil dieser Partei ernsthaft Verhandlungen gepflogen zu haben, um diese Partei wieder in die Regierung auszunehmen. Nachdem die Regierung sich bereit erklärt hat, sich im allgemeinen auf den Boden der Vorlage zu stellen und mitzuarbeiten, sucht man nach anderen Gründen, um di« Be- ratung zu verhindern. Dadurch haben Sie den Beweis erbracht, daß Sie nur Sabotage treiben wollen, weil Ei« mit der Re- gierung nicht einverstanden sind." Unsere Vertreter traten entschieden für die sofortige Beratung und beschleunigte Verabschiedung der Vorlage ein unter Berückstch- tigung der Richtlinien des deutschen Städtetages. Abgeordneter Herold warf dann zum Schluß der Volkspartei oerletzten Ehr- geiz vor, weil der alte Entwurf allein von der Zentrumspartei wieder aufgenommen wurde. Der Vertagungsantrag wurde dann angenommen.„ Damit ist es den Rechtsparteien gelungen, die Fertigstellung der neuen Gemeindeverfassung wiederum um einig« Monat« zu per- zögern. Nach draußen tun sie aber so. als ob sie an der Fertigstellung dieser Entwürfe ein besonderes Interesse hätten. Es handelt sich für sie darum. Zeit zu gewinnen, um sich ihre Machtposition in den Gutsbezirken unter ollen Umständen zu erhalten. Gin Wirtstbaftsprogramm für Preußen. Sozialdemokratische Forderungen. Der Hauptausschuß des Landtages beschäftigte sich am Donnerstag bei der Beratung des Haushalls der Gewerbe- und Handelsverwallung 1925 mit den Wirtschaftsfragen. Im Rohmen einer eingehenden wirtschafts- und sozialpolitischen Kritik begründeten die Genossen Osterroth und Sie ring die Anträge der sozial- demokratischen Fraktion. Die Fraktion fordert sorgfältigste Prüfung der deut- fchen wirtschaftlichen Kampfmaßnahmen gegen Polen. damit nicht Deutsche diesseits und jenseits der Grenze mehr jje» schädigt werden als der polnische Wirtschaftsgegner: ferner keine Bewilligung von Zugeständnissen, die die Existenz des deutschen Bergbaus und der deutschen Bergarbeiter schadigen. Der für die kontingentierte Einfuhr von 1,7 Millionen Tonnen Roheisen um 50 Proz. ermäßigte E i s e n z o l l soll nicht der Schwerindustrie, sondern der weiterverarbeitenden Eisenindustrie und den Verbrauchern zugute kommen. Die deutschen Erz- reviere an Sieg, Dill und Lahn dürfen nicht durch das inter- nationale Eisenabkommen weiter gefährdet oder gar zum Erliegen gebracht werden. Die bedrohten Revier« sollen Notstandstarif« in der Borkriegs-Relation zugebilligt erhalten. Zur Belebung des Arbeitsmarktes fordert die Fraktion Herab- setzung der Diskontsätze. Bekämpfung des Kreditwuchers, ausreichende und billige Kreditgewährung an mittlere und kleinere Industrieunternehmungen, sowie an kleingewerbliche Kreis«: ferner r� ichsgesetzliche Regelung des Kartellwefens. Für den besonderen Schutz der Arbeiter werden Sicher. heiismahnahmen gegen Erwerbslosigkeit bei un- vermeidlichen Stillegungen und oerfchofte Bestimmungen im gewerblichen Arbeiterschutz gefordert, die angesichts der sich häufenden Explosionen in der chemischen Industrie besonders notwendig sind. Zur Besserstellung der Gewerbeaufsichtsbeamten rascher Abschluß der schon seit drei Iahren in Aussicht gestellten Prüfungsvorschriften für die au» Arbeiter- und Angestelltenkreisen hervorgegangenen Hilfsbeamten und weiblichen Beamten der Gewerbeaufsicht, sowie Vermehrung der Aussichtsbeamten, damit eine wirklich wirksame Kontrolle ausgeübt werden kann. Schließlich fordert die Fraktion, daß noch in diesem Jahr«in Entwurf zur Abänderung des Berufsschulgesetzes vorgelegt wird, der die gesamt« nicht mehr volksschulpslichtige männliche und weibliche Jugend unter 18 Iahren der Berufsschul- Pflicht unterstellt und di« Verpflichtung enthäll, den Unterricht in der Regel während der Arbeitszeit stattfinden zu lassen. Die deutsche Schillerstistung in Weimar, die in der Inflation?- zeit ihr ehemaliges Millionenoermögen mit einem jährlichen Zins- «inkommen mit annähernd 100 000 Mark eingebüßt hatte und dadurch in ihrer Existenz schwer'gefährdet war, hat im vorigen Jahre dank dem Eingreifen des Reiches wieder«inen erfreulichen Aus- schwung genommen. Im November 1924 bewilligte ihr der ver- storbenc Reichspräsident Friedrich Ebart eine jährliche Beihilfe von< 10 000 Mark aus dem Dispositionsfonds, und ebenso haben u. a. der Reichsinnenminister, der Reichsarbeitsminister, der preußisch« Mi- nister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und da« thüringische Ministerium für Inneres und Wirtschast die Stiftung gefördert. Auch das Deutsche Nationaltheater in Weimar hat ihr wie in früheren Iahren einen Anteil aus dem Ertrage seiner Schiller- ausfichrungen überwiesen. Dadurch kann die Deutsche Schillerstiftung wieder bis zu einem gewissen Grade ihrer Aufgabe gerecht werden. notleidende deutsche Dichter und Schrifssteller zu unterstützen. Di« Gesamtsumme der 1924 aus der Zentralkafse gewährten Zuwen- düngen betrug rund 16000 Mark. Die größte Prüfung der Welt. Ein« Prüfung, zu der sich nicht weniger als 22000 Kandidaten gemeldet haben, wird gegenwärtig in 33 englischen Stödten, sowie gleichzeitig in Köln, Berlin, St. Omar, Kairo, Britisch-Indien und Palästina abgehalten. Di« Prüfung ist dazu bestimmt, die Fähigkeiten der in den letzten Iahren ausgedienten englischen Berufssoldaten festzustellen, die in den Staatsdienst übertreten wollen. Di« Leute sind 35 bis 40 Jahre alt und arbeiten bereits provisorisch in verschiedenen Verwaltungsstellen, die sich zum Teil m England selbst, zum Teil im Auslande und in den britischen Kolonien befinden. Daher die Ausdehnung der Prü- ftmg innerhalb so weiter Grenzen. Das Ergebnis wird frühestens im Spätherbst bekanntgegeben werden. Rostsichere Skahlmasten. Bei den ungeheuren Dimensionen der Stahlmasten, die neuerdings zu Funkzwecken aufgestellt werden, ist die Roststcherheit des Stahls von außerordentlicher Bedeutting, da ein Ersatz dieser Anlagen die Wirtschaftlichkeit des Funkbetriebes in Frage stellen würde. Die bisherigen Derzinkungsmethoden sind unverhälmismäßig kostspielig und sichern die Rostfreiheit des Stahles nicht auf die Dauer. Nun hat man in den Vereinigten Staaten Versuche mit Stahlblechen angestellt, die teilweise mit Kupfer bis zu 25 Proz. legiert waren. Es zeichte sich, daß reine Stahlbleche nach 10 Monaten zu verfallen begannen und nach 16 Monaten zer- stört waren, während Bleche mit 25 Proz. Kupfergehalt noch nach 64 Monaten in ihrer Struktur unverändert waren und lediglich eine praktisch unerhebliche Gewichtsoerminderung erlitten hatten. Die Cabourporfei faa'f Häuser. Die englisL» Arbeiterpartei bat in Port Talbot!ür die ichoue Summe von 30 000£ einen ganzen Häuserblock ge- tauit. ES befindet sich darin auch ein Theater, das von nun an zum grohen Teil der Abhaltung von Bersatmnlungen und sonstigen Veranstaltungen dienen wird. Vembrandt-Ansslellung In Men. Die Diener Albertina eröffnete eine Ausstellung von Rembrandt» Radierungen, jener Rembrandt-Sammlung. die durch da» Zusammenlegen ihre« eigenen VefttzeS mit dem der.srüheren Hosbibliotbet'o vervollständigt worden ist. das, fie neben diejenigen von Amsterdam, London. Paris und Berlin tritt. ES sind eine ganze Anzahl von unbekannten Zuständen unter den etwa 750 Blättern. Nachtfitzung t Die zweite Lesung de« Der Reichstag trat gestern in die zweite Beratung der Aufwertungsgesetz« ein. Ws erster Redner ergriff Gen. Keil das Wort, um den Deutschnationalen noch einmal ihren ungeheuerlichen Betrug an den Sparern und Gläubigern vor Augen zu halten. Die Rede, über die wir an anderer Stelle ausführlich berichten, rief im Haufe einen um so nachhaltigeren Eindruck hervor, als Gen. Keil feine Ausführungen mit«inem dokumentarischen Tat- sochenmaterial belegte, da» für die Deutschnationalen vernichtend ist. Nach dieser Red« war die an und für sich schwach« Position de» deutschnationalen Sprecher», Abg. H e r g t, von vornherein verloren. Mit schallender Heiterkeit und dem Zuruf:„Hier steh« ich, ich kann auch anders" empfangen, oersuchte sich der deutschnationale Führer in einer Pose, die zwischen Unverfrorenheit und Aufschneiderei schwankte und deren einziges Ergebnis sich immer wiederholende Heiterkeitsausbrüch« waren. Da» unverhohlen« Demagogentum diese» Führer» der Deutsch- nationalen, den seine Phrasentaktik schon einmal au» dem Sattel gehoben hat, veranlaßt« selbst den Zentrumsredner zu der ernsten Mahnung, er solle die Geduld der Partei, die heut« mit ihm zusammen die Regierung stütze, nicht auf«ine zu große Probe stellen. Er fand damit die Zustimmung seiner Partei.- Im übrigen ist die Haltung der einzelnen Parteien au» den Aus- schußberotungen bekannt. Und so vermochten die Abgg. Dr. S ch e t. t« r Uhr bekam der Kommunist Dr. K o r s ch das Wort. Der Saal leert« sich rasch. Am schwächsten mit vier oder fünf Mann ist dt« k o m m u n i st i s ch« Partei vertreten. Dem Redner gelingt zunächst ein Schlager, indem er unter großer Hetterlett durch Verlesung deutsch nationaler Flugblätter nachweist, daß die Deutschnationalen den jetzigen Retchekanzler und damaligen Finanzimnister Dr. Luther mit genau denselben Ausdrücken trak- tiert hatten, gegen die sich gerade zuvor der Lustizininister Herr Frenken zu entrüstetem Protest erhoben hatte. Dann verlieren sich jedoch seine Aueführungen in» Uferlos«. Sie enden unter Gelächter nach 11 Uhr abends. S o l l m a n n(Soz.) wendet sich in einer persönlichen Demer- kung gegen Hergt. der den sozialdemokratischen Reichsministern vom Jahre 1983 einen Vorwurf daraus gemacht hatte, daß sie nicht schon damals die Aufwertung in die Hand genommen hätten. Er erinnert daran, daß in der damaligen vsrzweifellen Lage, als der Dollar auf Hunderte von Milliarden Papiermark stand, als Hergt die Sperr« der Unterstützungen für da» besetzt« Gebiet verlangt«, und sich Bayern in Rebellion gegen das Reich erhob, ein Aufwertung»- Programm nichts al» Scharlatanerie hätte sein können. Dann ver- teidigt sich der deutschnalionale Rademacher gegen den Vorwurf de» kommunistischen Redner», er habe sich von persönlichen Interesten leiten lassen. Wohl hätte er seinerzett ein Haus gekauft, jetzt aber würden unter seiner Mitwirkung die darauf liegenden Hypotheken so aufgewertet, daß sie die damalige Kaufsunime weit überschritten. Um Ilf-L Uhr vertagt sich das Haus. Die Rechte bleibt mit chrem Derlangcn, noch in eine Debatte über das Gesetz betr. das Recht zum Trogen der alten Untforinen einzutreten, in der Minderheit. Rächst« Sitzung heut« 1 Uhr. Fortsetzung der zweiten Lesung de« Aufwertungegesctzes.- das flufwertungskompromiß gefährüet! Ein neuer Nif; in den Regierungsparteien. Im Reichstag wurde gestern abend bekannt, daß die Abgeordneten Bazille und Steiniger von der Deutschnationalen VolkSpartei beabsichtigten, gegen das Aufwertungskompromitz der Regierungsparteien zu st i m m e n und daß auf sie von der deutschnationalen sssraktionSleitung der stärkste Druck ausgeübt worden ist, um sie zu bewegen, thr Vorhaben aufzugeben und sich wenigstens der Stimme zu enthalten. Dem Verhalten des württembergi- schen Staatspräsidenten Bazille wird dabei um so größere Bedeutung beigemessen, da es auch auf die Abstimmung verschiedener südwestdeutscher Abgeordneter anderer Fraktionen Rückwirkungen ausüben wird. Ebenso sind innerhalb der WirtschaftSpartei starke Bedenken entstanden. die sie davon abhalten, auf den Boden der Vorlage zu treten. Damit erscheint die A n n a h m e des AufwertungSkompromisseS noch keineswegs als ge-s icher t. der Arbeitsplan ües Reichstags. Zollberatung nicht vor dem SO. Juli. Der Aeltestenrat de» Reichstag» Hot gester« de« schlössen, die Einzelberatung über die Aufwertuny«srag«n in zweit« und dritter Lesung bi» zum Dienstag zu beendigen, so daß sich am Mittwoch der Reichsrat damit beschäftigen kann. Auf die Tage»- ordnung der Mittwochsitzung des Reichstag» wird das Gesetz über die Renteybankkreditanstalt gesetzt werden, daran reihen sich am Donnerstag das Kriegsbeschädigtengesetz, die An g«stell- tenversicherung, da» Personalabbaugesetz und da« Gesetz über da» Tragen der Militäruniform. Vo m 20. Juli ab sollen die Steuergesetze beraten werden. Die Ansehung der Zolloorlage hängt noch von dem Abschluß der Ausschußberatungen ab. Verurteilung öer Justiz. Kampf um die Beschlußfassung im Höfle-Ausschuß. Am zweiten Tag der Plaidoyers im Höfle-Ausschuß sprach zunächst als Vertreter der rechtsgerichteten Wirtschaftspartei der Abg. Müller-Aranken mit überraschender Schärfe gegen da» System, dem Hofle zum Opfer gefallen sei. Er grifs insbesondere die Staats- onwattschast rücksichtslos an wegen ihres Verhaltens bei der Ver- Haftung und beim Meineidsverfahren. Nach ihm ergriff der Abg. Landgerichtsrat Schmidt-Lichtenberg (A.) das Wort und ging vor allem auf die juristische Sette des Falles ein. wobei er ebenfalls die Herren Linde, Pelger und Noth- mann überflüssiger und schikanöser Härten be- schuldigte. Der Kommunist Eberlela macht« da» Softem der Justtz ver- antworttich für Höfles Tod. meinte aber, es sei dabei nicht» Außer- gewöhnliches pasiiert, denn solch« Praktiken seien bei der preußischen Klassenjustiz gang und gäbe. Eine großzügige Entlastungsoffensiv« für die Justizbehörden unternahm der Deutschnationale Dallmer, der zwar Herrn Pcltzer in Schutz nahm, dafür die Schuld auf den Justiz- ininister am Zehnhoff zu schieben versuchl«, der sich eben den besten Staatsanwall hätte heraussuchen sollen.(Zuruf b. d. Soz.: Dann hätten Sie schön geschimpft!) Der Volksparteiler Dr. Kriege versucht« im großen und ganzen die Justiz zu decken, auch er tadelte aber das Meineidsverfahren, die Höhe des Arrestes und die Nichtbenachrichtigung Frau Höfles von der Verhaftung ihres Mannes. Genosse Sullner stellte fest, daß die Arbeiten des Ausschusies sehr fruchtbar gewesen seien, sie hätten vieles aufgedeckt, was sonst nicht bekannt geworden wäre. Er antwortete dem Abg. Eberlein, daß gerade die„Rate Fahne" seinerzett gegen die angeb- liche Vorzugsbehandlung Höfles im Gefängnis gehetzt hätte. Wie hotte die deutschnationale Presse getobt, wenn der Justizminister entsprechend dem Borschlage de» Herrn Dallmer sich einen Staatsanwall„ausgesucht" hätte! Nach einer sehr heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Deutschnationalen Dallmer aus der«inen, dem Demokraten Riedel, bzw. der Genossen Heilmann und Kuttner auf der anderen Seite, hervorgerufen durch dreist« Andeutungen de» Erst- genannten, ergriff der Zentrumsobgeordnete Dr. wester als Bericht- erstatter des Ausschusies das Wort, um die Ergebnisse der Unter- suchung und der Plaidoyers zusammenzufassen. Er hatte etwa 40 Fragen bzw. Nebenfragen über das Vorgehen der Staatsanwalt- ichaft, über die Behandlung Höfles im Gefängnis, über die ärzlliche Fürsorg«, die medizinischen Gutachten, die Todesursache usw. aus- gestellt und beantwortete mtt kurzen Erläuterungen jede dieser Fragen in einer Form, die zweifellos den Anschauungen der über- wiegenden Mehrheit de» Ausschusses entsprach. Diese Antworten waren besonder« für die Staatsanwälte sowie für Dr. Thiel« vernichtend. Ebenso enthietten sie eine Der- urteilung verschiedener Unterlasiungen des Untersuchungerichter» Nothmann, der Pfleger, des Dr. Störmer usw. Al» er nun sein« scharf pointierten Ausführungen beendet hatte, entstand infolge eines überraschenden Bor stoße» der Volksparteiler Bülitz und Kriege ein« sehr ausgedehnt« Geschäftsord- nungsdebatt«, weil dies« erklärten, sie würden die meisten dieser Antworten nicht unterschreiben können und brauchten Zeit zur Formulierung von Geaenantworten. Man batte zunächst den bestimmten Eindruck, als ob die Rechte«in Verschleppungs» manöver versuchen wollte, damtt die Beschlüsse de« Ausschusies nicht mehr für die am Montag beginnende Debatte de» Justizetats im Hauptausschuß Verwertung finden. Schließlich einigte man sich auf einen V e r m i t tl u n g» v o r s ch la g des Vorsitzenden dahin- gehend, daß der Ausschuß nur. über drei Resolutionen abzustimmen hätte, in die die einzelnen vom Berichterstatter ausgearbetteten Ant- warten zusammengefaßt sein würden. An sich kann man sich mit diesem Derfabren einverstanden er- klären unter der Boraussetzung, daß in dies« Resolutionen dem Sinne nach auch alles hereingebracht wird, was der Berichterstatter Dr. Wester al, Sprachrohr der großen Mehrhett des Ausschusies zum Ausdruck gebracht hatte. Es wäre jedoch im höchsten Naßc zu bedauern und zu bemängeln, wenn sich die Vertreter der Linksparteien dazu herbeiließen, der Gegenseite besondere Kon- Zessionen bei der Formulierung dieser Beschlüsse machen, um ein« Einstimmigkeit zu erzielen. Die Meinungsverschiedenheiten, die in den beiden letzten Tagen bei den Plädoyer» in fast allen Punkten zwischen der Rechten und der Linken zum Dorschein gekommen sind, lassen kaum mehr Raum für einstimmige Beschlüsse. Wenn die Vertreter der Rechtsparteien sich nicht dazu entschließen können, da, S y st e m der Justiz, dem Höfle zum Opfer gesollen ist, eindeutig zu verurteilen, wenn sie weiter an der verleumderischen Theorie des Selbstmorde» festhalten, dann ist eben eine Einigung, so wünschenswert und nützlich sie auch wäre, nicht möglich: dann muß eben abgestimmt werden, am besten, indem man auf die sehr klaren Entwürfe des Bsrichterstatter» zurückgreift: und dann wird sich bei der Abstimmung zeigen, auf welcher Seite die Parteien stehen, die die aufgedeckten unheilvollen Mißstände unserer Rechts- pflege abzuschaffen gewillt sind. Herlin uns Moskau. Die ReichSregierung zum Moskauer Asehlurteil. Durch Wolff-Bureau wird gemeldet: Nachdem die Berichterstattung der deutschen Botschaft Moskau nunmehr den amtlichen Stellen vorliegt und Rechtsaowott Dr. Freund von ihnen gehört worden Ist, ergibt sich über den Moskauer Studentenprozeß folgende» Bild. Die Hauptbeschwerdepunkte, zu denen der Derlauf und das Cr- gebnis de» Prozesses Veranlassung gaben, liegen vor ollem darin: 1. Bis zur Erhebung der Anklage sind all« Bemühungen der Deutschen Botschaft in Moskau,«ine persönliche Besprechung mit den Zlngeklagten herbeizusühren. an dem Widerstand der Unter- suchungsbehörde gescheitert. 2. Zwischen der Zustellung der Anklageschrift(19. Juni abends) und dem Termin der Hauptverhandlung(24. Juni abends) hat ein« Frist von nur 4 Tagen gelegen,«ine Tatsache, dl« den Verdacht einer Sabotierung der Herbeischasfung von Be- weismaterial nahelegt. 3. Der Umstand, daß die Bemühungen der Botschaft um Zu- lassung eines deutschen Anwalts al» Derteidiger abgeschnitten worden sind. 4. Di« offensichtliche U n g la u b w ü r d i g k ei t der beiden Kronzeugen Baumann und von Dilmar und des sogenannten Sachverständigen Neumann. Mögen auch manche der erwähnten prozessualen Beeinträchti- gungen im sowjetrussischen Strafprozeßrecht«inen Rückhatt finden. so bleibt doch der Eindruck bestehen, daß man auf feiten des Gericht» es an dem für da, Gerechtigkeitsgefühl notwendigen Be- sit eben hat fehlen lassen, den Angeklagten die Beibringung von Gm- laftungsmaterial zu ermöglichen. Es mag zugegeben werden, daß das Gericht da» von der Botschaft herbeigeschaffene Entlastungs- Material insofern berücksichtigt hat, al» bei der Begründung de» Ur- teils vom ehemaligen Reichskanzler Michaelis, vom Studentenwerk und deren angeblichen Beziehungen zur Organisation Eonsul nicht die Red« gewesen ist und auch die Beziehungen zum Polizei- Präsidium Berlin nur insoweit berührt werden, als das Gericht für erwiesen erachtete, daß Kindermann ihm sein« Dienst« angeboten und von ihm«in« Unterstützung zur Fortführung seiner Studien er- fahren habe, sodaß also in diesen allen Punkten da» Gericht den Verdächtigungen der Anklage nicht gefolgt ist. Damtt fehll dem Urteil aber die kausale Geschlosienhett der Anklageschrift, die bekanntlich davon ausging, daß das Studentenwerk, dem die Angeklagten an- gehören, ein Teil der Organisation Eonsul sei. Damit entfallen logischerweise auch alle an diese Voraussetzungen geknüpften Schluß- folgerungen. Es kommt hinzu, daß die Angaben der Kronzeugen. nach denen das Gericht die terroristischen Absichten der Angeklagten für erwiesen erachtet, wegen ihrer völligen» Unglaubwürdigkeit nach keiner Richtung hin als Stützen des Urteil» dienen können. Wenn dcr Borsitzend« des Obersten Gerichts nach einer Meldung der„Roten Fahne" angibt, daß gewisse« Entlaftungsmaterial. da» der Sowjet- regierung zugeleitet worden ist, nach Derhandlungsschluß dem Se- richt vorgelegt worden sei, so liegt die» in erster Linie an der bereits gerügten Kürze der Frist zwischen Zustellung der Anklage- schrift und dem Verhandlungstermin. Selbst bei Würdigung der in Moskau herrschenden psychologischen Atmosphäre, sowie des vom Derhandlungsleiter in der„Prawda" zugegebenen Klassenkampf- charakters der sowjetrussischen Justiz, und wenn auch die Angeklagten sich gewisser Vergehen schuldig gemacht haben und das ihnen zur Last Gelegte nicht völlig zu«ittkrästen oermochten, ist das Urteil doch als ausgesprochene» Fehlurteil zu betrachten. Die Deutsche Regierung wird daher unter Hinweis auf die ernste Belastungsprobe, die die denlsch-russtschen Beziehungen durch das vorgehen der Sowjetbehörden erleide», die ver- Handlungen, die bereit» schriftlich und mündlich in Berlin und Moskau mit der Sowjelregieruog im Gange sind. In dem Sinn« weiter betreiben, daß die Vollstreckung de» Fehlurketl» unter- bleibt. i Eine Sranüreöe Zrnnses. Bündnis deS Bären mtt dem Drache«. Moskau. 10. Juli(TU.) In einer Ansprache an die «oldaten der Roten Armee im Sommerübungslager lagt- der Volkskommissar für Krieg, grunse, die Rote Armee müsie sich auf einen Krieg mit Groß« britannien vorbereiten. Die letzten Ereignisse ließen keinen Zweifel übrig, daß Großbritannien die Feind- seligkeiten zu eröffnen beabsichtige. Rußland sei durch seinen vertrag an China gebunden, und könne nicht untätig zu« sehens wie England mit Japan über die Aufteilung China« der- bandele. Ein Bünbni« de« russischen Bären mit dem chinesischen Drachen könne der ganzen Welt trotze«. Sotzenharüt kein Spitzel. Zuchthausstrafe beantragt! Leipzig, 10. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im Botzeuhardt- Prozeß vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik gab am Freitag der Dcrteioiger des Hauptangeklagten, Rechtsanrpatt Dr. G o l d st e i n. die Erklärung ab. daß Botzenhardt nicht mehr als Spitzel in Frage käme, da Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l d sich erst am 9. Mai in einem Brief angeboten hätte, Botzenhardt zu verteidigen. Gleichzeitig seien ihm in den letzten Wochen von dem kommunistischen Landtagsabgeordneten L i e b e r a I ch- Leipzig mehrere Liebesgabenpaket« zugegangen. Danach könnte Botzenhardt nicht mehr länger als Spitzel betrachtet werden. In den Abendstunden stellte der Staatsanwalt folgend« Strojanträge: Gegen Botzenhardt S Jahre Zuchthau» und 500 M. Geldstrafe, gegen Lamp 5 Jahr« Zuchthau«. gegen B y tz e ck und Barder je 3 Jahre Zuchthaus und für die Uebrigen Strafen von 2 Jahren bis 6 Monaten Gefängnis. tza, üie verruchte SPD.! Tie hat sich an die Agrarier verkauft! Der„Roten Fahne" ist es gelungen,«in Komplott aufzudecken. Di« gekauften SPD.-Führer stehen mit den Brotwucherorn im Bunde. Sie haben mit den bürgerlichen Parteien ein Kam- p r o m i ß abgeschlossen, sie haben dem Hochschutzzoll ihren Segen gegeben, sie helfen den Zollraub in die Scheune bringen. E» ist also höchst«, allerhöchst«, allerallerhöchst« Zeit, daß sich auch der letzte SPD.-Arbeiter von den gekauften SPD.-Führen, abwendet und zu der bolschewisierten, durch Ruth Fischer zuverlässig von allen rechten und linken Abweichungen bewahrten KPD. seine Zuflucht nimmt. Daß die gekauften SPD.-Führer für ihren Verrat vom Reich»- landbund mit Rittergütern beschenkt worden sind, verschweigt die „Rote Fahne" vorläufig noch, das hebt st« sich al» Sensation für die nächste Nummer auf. Aber im Ernst gesprochen: sollte e» nicht zur vielberufenen neuen Taktik gehören, etwa» weniger blödsinnig als bisher zu lügen? Ist es revolutionär, das Zentralorgan der bolschewisierten Partei auf«in« Stufe zu bringen, daß neben ihm selbst noch die völkischen Papiere als reine Jntelligenzquellen er- scheinen? Ist der starkgläubige Trottel, dem keine Lüg« zu dumm ist, dos Urbild de» bolschewisierten Proletariers? Oder fühlt sich heutzutage nicht selbst«in Kommunist beleidigt, wenn man ihm erst v«r- sichern zu müssen glaubt, an dem. wa» in der„Roten Fahne" stehe. sei natürlich kein Wort wahr? Gewerkschaftsbewegung Gefahr im Verzug! Bei den Gas- und Wasserwerken. Bom Verband der Gemeinde und Staatsarbeiter wird uns mitgeteilt: Die gestern vom Schlichter einberufene Sigung zur Beilegung der Lohnstreitigkeiten in den Städtischen Gas- und Wasserwerken ist ergebnislos verlaufen. Die Direffionen der Gas- und Wafferwerfe beharrten auf ihrem ablehnenden Standpunkt. Aus dem Berhalten der Direktionen ergibt sich, daß sie die unbedingte Absicht haben, den& onflift auf die Spike zu freiben. Die Arbeitnehmerschaft hat bei den Verhandlungen das weitgehendste Entgegenkommen bewiesen und war zu einer Einigung auf annehmbarer Grundlage bereit. Demgegenüber hat das Berhalten des Schlichters bei den Arbeitnehmern großes Befremden hervorgerufen. Der Hinweis der Arbeitnehmer auf die bedeutend höhere Entlohnung der gleichen kategorie, der in der Privatindustrie beschäftigten Kohlenarbeiter wurde mit der Bemerkung des Schlichters abgefan, daß in Berlin noch weit niedrigere Löhne als bei den Gaswerken gezahlt werden. Da der Schlichter zwei früher zugunsten der Arbeitnehmer ergangene Schiedssprüche, die die Direktionen ablehnten, nicht für verbindlich erklärte, wäre die Anwendung staatlicher Zwangsmittel eine für die Arbeitnehmerschaft unerträgliche Ungerechtigkeit. Die Betriebsobleute nehmen zu dem aus der Berhandlung sich ergebenden Zustand Stellung. * Wir fügen hinzu, daß nach unserer Kenntnis der Dinge mit einer Stillegung der Gas- und Wasserwerte zu rechnen ist. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter ist niangels jedes Entgegenkommens nicht mehr in der Lage, den notwendigen Einfluß auszuüben, um das schlimmste abzuwenden. Bielleicht ist es noch Zeit, wenn diese Zeilen erscheinen.... Es ist jedenfalls eine Minute vor 12. Unbegreiflich ist die Haitung der Direktionen der Gas- und Wasserwerke. Die finanzielle Lage der Werte ist eine glänzende. Geld ist da! Es kann auch keine Rede davon sein, daß die Löhne über dem Niveau der Privatindustrie liegen( was nichts beweisen würde). Sie liegen weit darunter. Warum also die Unnachgiebigteit, vor deren Folgen wir wiederholt gewarnt haben? Fehlt denn den Leuten in der Direktion das Gefühl der ungeheuren Berant wortung, die auf ihnen lastet! Kein Geld für schlechtbezahlte Beamte. ..Dauernde Fürsorge", dauernd leere Worte. Der Reichstanzler empfing im Beisein des Reichsministers der Finanzen und des Reichsministers des Innern am Freitag nachmittag die Vertreter des Deutschen Beamtenbundes, des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, des Gesamtverbandes deutscher Beamtengewerkschaften und des Gewerkschaftsringes. Die Vertreter der Beamtenorganisationen legten eingehend die wirtschafliche Notlage der Beamten, insbesondere der unteren Gruppen unter Berücksichtigung der Entwicklung der letzten Monate dar und gaben ihrer Sorge über die dadurch geschaffenen Berhältnisse Ausbrud. Sie baten daher, mit möglichster Beschleunigung noch vor mögline Berabschiedung des Reichshaushalts eine Erhöhung der Be amtenbezüge vorzunehmen. Nach einer eingehenden Aussprache über die Lage der Beamten, die allgemeine Wirtschaftslage, die Ge staltung der Finanzen des Reichs, der Länder und der Gemeinden sowie über die Lage der Reichsbahn, erklärte der Kanzler, daß die Reichsregierung zurzeit leider nicht die Möglichkeit habe, eine Erhöhung der Beamtenbezüge in Aussicht zu stellen, daß aber das Besoldungsproblem der Gegenstand dauernder Fürsorge der Reichsregierung bleiben werde. ich den Bolizeipräsidenten davon benachrichtigen, damit der Shuz der Arbeitswilligen durchgeführt wird." Auch diese Drohung wird ihren Eindrud auf die Arbeitnehmer nicht verfehlen, allerdings in einem anderen Sinne, als Herr Gewerberat Körner das glaubt. Wir müssen allerdings bekennen, daß wir uns die Aufgaben eines Schlichters anders vorgestellt hatten. Es dürfte wohl an der Zeit sein, daß die zuständigen Stellen Herrn Gewerberat Körner veranlassen, feine innere Ueberzeugung auf die für seinen Posten notwendige Unparteilichkeit zu prüfen. Nachdem die Drohung des Borsigenden des Schlichtungsauss schusses mit der Polizei fruchtíos blieb, wandten sich die Unternehmer an die Gerichte und erreichten folgende unglaubliche einstweilige Berfügung: Beschluß In Sachen 1. der Terra- Film- Aktiengesellschaft, pertreten durch ihren Borstand Erich Maromsty und Professor Dr. Mar Glaß zu Berlin SW, Kochstr. 73; 2. der Terra- Glashausgesellschaft mit beschränkter Haftung, vertreten durch ihre Geschäftsführer Heinrich Hammerschmidt und Professor Dr. Mar Glaß, zu Berlin, Friedrichstr. 224, Antragstellerinnen, Brozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr. Helmut Friedemann zu Berlin, Köthener Str. 1-4, gegen die durch ihre bisherige Tätigkeit bewiefen haben, daß fie umbeeinflußt von außenstehenden Personen oder Körperschaften wirt. liche Gemerffchaftsarbeit zum Besten der organisierten Kollegenschaft leisten können. Wählt deshalb nur Lifte A: Brand, Ziska, Urich, Schmalz, Lübbe, Fiedler. KPD., über die wir schon einiges berichtet haben, ist von Kasper In der Konferenz der Betriebszellenobleute der versprochen vorden, daß die KPD. bei der Wahl der Delegierten zum Gewerkschaftstongreß im Metallarbeiterverband die Kraft der Partei und all ihre Hilfsmittel in Bewegung gesetzt werden. Wir müssen schon sagen, nach der Kampagne, die bisher die ,, Rote Fahne" geführt hat und dem Flugblatte, das gestern verbreitet wurde, ist es mit der Kraft", und den Hilfsmitteln der KPD. nicht sehr weit her. Es sind die alten abgedroschenen Phrasen, die alten Lügen, die heute feinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken, die man jetzt den Mitgliedern des Deutschen Metallarbeiterverbandes vorsetzt, in der Hoffnung, daß diese noch darauf hineinfallen werden. Wenn man die angeführten„ Tatsachen", die das Flugblatt den Lesern vorsetzt, durchgeht, dann stolpert man gleich bei der ersten über eine handgreifliche Lüge. Es wird da nämlich gefagt, daß die deutschen Arbeiter die niedrigsten Löhne und die längste Arbeitszeit hätten und wirtschaftlich und politisch die am meisten die Deutsche Filmgewertschaft, Zentralverband der Film- und Kino- ausgebeuteten Lohnfflaven Europas feien. angehörigen Deutschlands, zu Berlin, Charlottenstr. 6, Antragsgegnerin, wird im Wege der einstweiligen Verfügung wegen Dringlichkeit ohne mündliche Verhandlung gemäß§§ 940, 937 3PO. angeordnet: Der Antragsgegnerin wird bei Vermeidung von Geld und Haftstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt, vor dem Grundstück Marienfelde, Straße 94, oder in einem Umfreis von 2500 Metern von diesem Grundstück Streitposten aufzustellen und zu versuchen, hier durch oder durch andere Mittel Arbeitswillige von der Arbeit in dem Atelier der Antragstellerin zu 2. Marienfelde ab zuhalten. Die Kosten des Verfahrens werden der Antragsgegnerin auferlegt. Berlin, den 9. Juli 1925. Landgericht II in Berlin, Ziviltammer 14. gez.: Weiß, Dr. Siebert, Harmening. Ausgefertigt: Berlin, den 9. Juli 1925 L. S. gez.: Kuhlmann, Kanzleisekretär, als Gerichtsschreiber des Landgerichts II. Beglaubigt zwecks Zustellung, gez.: Dr. Friedemann, Rechtsanwalt. Diese ohne jede Begründung, ohne jeden Grund, ohne jede mündliche Verhandlung ergangene einstweilige Verfügung des Land gerichts II, um ein in jeder Beziehung legales Recht zu unterbinden, ist ein Just izskandal, der einzig dasteht. Arbeitswillige darauf aufmerksam machen, daß in einem Betrieb gestreift wird, ist ein Recht, das fein Gericht aufheben fann. Gegen die einstweilige Verfügung ist selbstverständlich sofort Einspruch Wo die Unternehmer hinaus wollen, dafür noch folgende TatDie Gesamtbelegschaft der Firma May Film- Weißenfee ist gestern fristlos entlassen worden, weil sie sich weigerte, für den bestreiften Betrieb Streifbrecherarbeit zu leisten. Die Sperre ist verhängt. erhoben worden. fache: * 3 Soweit die Tatsachen, die uns von der Filmgewerkschaft mitgeteilt werden. Wenn sie zutreffen, sind sie in jeder Beziehung so ungeheuerlich, daß schon aus grundsätzlichen Erwägungen heraus ein Eingreifen der gewerkschaftlichen Spißenorganisationen erforderlich ist. Bei dem antisozialen Geist, der einen sehr großen Teil der Richter beherrscht, fann man sich auf alles gefaßt machen, wenn ein derartiger Streich gegen die Grundelemente des Koalitionsrechts hingenommen wird. Im übrigen geben wir hiermit der Belegschaft öffentlich einen Rat: Kein Gericht kann sie hindern, selbst zu tun, was der Gewertschaft durch diese einstweilige Verfügung untersagt ist. Die Erfolge der KPD.- Metallarbeiter. Schwächung der Gewerkschaften. wird uns geschrieben: Bom Betriebsrat eines Großunternehmens der Metallindustrie zu Nun hat der Reichstag das Wort. Bekanntlich liegt von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ein Antrag vor, die Zu fchläge zu den Grundgehältern der Gruppe I bis VII von 12% auf Wer die Erfolge" der fommunistischen Gewerkschaftsbetätigung 20 Proz. zu erhöhen und, wenn das nicht geschehen sollte, den erfahren will, braucht nur in die Betriebe, besonders in die Großgleichen Gruppen sofort eine einmalige Wirtschaftsbetriebe zu gehen. Die Kommunisten verlangen in spaltenlangen beihilfe von 100 M. zu bewilligen. In den Verhandlungen Resolutionen die Schaffung von Einheitsverbänden. In Wirklichkeit des Sparausschusses, die anfangs nächster Woche stattfinden, werden sieht es so aus, daß der Miedergang der Gewerkschaftsbewegung fast die bürgerlichen Parteien und der Reichsfinanzminister den sozial ausschließlich auf die Spaltungsarbeit Moskaus zu demokratischen Forderungen gegenüber Farbe bekennen rückzuführen ist. müssen. Der Reichsfinanzminister hat ausdrücklich angekündigt, daß er den Verhandlungen beiwohnen wolle. Werden nun die bürgerlichen Parteien und vor allem die Rechtsparteien, die im Wahlkampf den Beamten die kühnsten Versprechungen gemacht und diese Versprechungen nach den Wahlen sogar noch in Anträgen niedergelegt haben, vor den Beamten die gleiche schamloje Komödie mie in der Aufwertungsfrage spielen? Wir warten ab. Angriff der Filmunternehmer. Unterstützt durch das Landgericht II. Gleich den großen Industrieverbänden der Unternehmer wollen auch die Arbeitgeber im Film gewerbe nicht zurückstehen. Wie bereits in einer furzen Notiz gemeldet, sind 22 Arbeitnehmer der Terra Glashaus Filmgesellschaft, Marienfelde, Straße 94, wegen Lohnforderungen in den Ausstand getreten. = Man müßte eigentlich annehmen, daß die Arbeitsniederlegung von 22 Arbeitnehmern ziemlich bedeutungslos ist, doch scheint dem nicht so zu sein. Selbst der Schlichtungsausschuß wurde bemüht, und die dort anwesenden Juristen glaubten die Bertreter der Filmgewerfschaft recht von oben herab behandeln zu können, mußten dann aber jelber zugeben, daß die Anrufung erfolgt sei, weil sie Angst hätten, die Lohnbewegung fönne auf die ganze Industrie übergreifen. Auch der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses, Herr Gewerberat Körner, sieht es als seine Aufgabe an, am Schluß einer von ihm durchgeführten Vermittlungsaktion mit der Polizei zu drohen, und zwar in felgenden Worten: " Nachdem meine Vermittlung nicht zum Ziele geführt hat, werde Vor einigen Jahren fonnten die Berliner Metallarbeiter dem scharfmacherischen Arbeitgeberverbande durch ihre starte und festgefügte Organisation ein Paroli bieten. In den Betrieben, in denen die Kommunisten am meisten schreien, die fängsten Refolutionen und die radikalften Anträge einbringen, sieht es gewöhnlich am traurigsten aus. Wo kommunistische Funitio näre und Betriebsräte vorübergehend herrschten, santen die mitgliederzahlen der Gewerkschaften rapide. Die Betriebsversammlungen wiesen bald eine gähnende Beere auf, weil die Klegen, angeetelt von dem Phrasengedresch und Geschimpfe der Kommunisten, die Versammlungen ein fach nicht mehr besuchten. Das Gerede der Moskauer vom Gewerkschaftsaufbau ist eben. falls nichts weiter wie eine leere Phrase. Gerade sie waren es, die durch Schaffung von Sonderorganisationen dem Gedanken der Industrieverbände Abbruch taten. Wenn sie von der Notwendigkeit starfer Arbeiterorganisationen sprechen oder fchreiben, fo zerren sie mit Bestimmtheit im gleichen Augenblick die Organisationen und deren Führer in den Rot. Nun haben wir auf Grund des amtlichen Materials der russischen Sowjetbehörden rmal nachgewiesen, daß die Arbeiterschaft Sowjetrußlands, genau wie zur Zeit des Zarismus, die schlecht bezahlteste Europas ist und heute erst 75 Proz. der Nominallöhne der Vorkriegszeit hat. Bas es mit der wirtschaftlichen und politischen Freiheit" in Rußland auf sich hat, wo nicht einmal eine einzige Beinung erscheinen darf, die einen anderen Stadpunkt als den der Bolschewisten vertritt, ist längst bekannt. Aehnlich dumm sind die schwindelhaften„ Tatsachen", die das Flugblatt weiter anführt. Auf sie einzugehen, hieße die Urteilsfähigkeit der organisterten Metallarbeiter ebenso niedrig einschätzen, wie es offenbar die KPD. felbft tut. Gerade weil die organisierten Metallarbeiter die bolschewistischen Terror- und Unterdrückungsmethoden ablehnen und eintreten für die„ reformistische" Aufbauarbeit der Gewerkschaften, deshalb werden sie am Sonntag der KPD. eine vernichtende Niederlage bereiten und mit erbrüdender Mehrheit die Liste A wählen. Zum Streit im Großhandel. Gestern abend tagte im Dresdener Kasino eine Bollversammlung aller im Berliner Großhandel Beschäftigten. Wolter vom Berkehrsbund schilderte noch einmal eingehend die Vorgeschichte des Streiks, dessen Ausbruch nur die Unternehmer durch ihre Hartnädigkeit verschuldet haben. In die bürgerlichen Zeitungen („ Morgenpost"," Lokal- Anzeiger") sind Artikel lanciert worden, in denen gesagt wird, die Arbeitnehmer hätten nicht alle Verhandlungsmöglichkeiten erschöpft, der Streit sei somit ein wilder". Gegen diese verleumderische und verlogene Darstellung muß entschieden Stellung genommen werden. Es sei noch einmal ausdrücklich festgestellt, daß die Unternehmer alle vom Schlichter gefällten Schiedssprüche rundweg abgelehnt hatten. Bei den Berbindlichkeitsverhandlungen am Mittwoch, den 8. Juli, zeigten die feinerlei Entgegenkommen. Unternehmer, außer denen des Leder und Delhandels, die beiden genannten Gruppen, Leder und Schuhe, sowie Dele und Es wurde sodann nur für Fette, die Verbindlichkeitserklärung ausgesprochen. Bei allen anderen Gruppen scheiterten die Verhandlungen an der Starrtöpfigkeit der Unternehmer. Die am selben Abend tagende Versammlung, die über diesen Starrsinn der Unternehmer äußerst empört war, beschloß darauf für Donnerstag früh den Streit für den gesamten Großhandel mit Ausnahme der beiden Gruppen, in denen ein verbindlicher Schiedsspruch vorlag. Jede andere Darstellung in der Presse ist falsch und beabsichtigt, die Arbeitnehmer des Großhandels gegenüber der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Der Schlichter hat nun auch für die anderen Gruppen die noch ausstehende Berbindlichkeitserklärung abgelehnt. Für die Gruppen Legtil, Chemitalien, Glas und Keramit und Eisenwaren begründet er die Ablehnung mit dem Ausbruch des Streifs, für die anderen Gruppen Kurz-, Galante rie und Spielwaren und Fourage läge fein öffentliches, wirtschaftliches Interesse vor. Die Unternehmer versuchen mit allen hinterhältigen Mitteln die Kampfmaßnahmen der Organisation zu durchkreuzen. Sie bieten ihren Arbeitern Lohnzulagen, Borschüsse, Grati fitationen u. dgl. mehr an, um sie vom Streif abzuialten. Die Bersammelten ließen in der Diskussion flar erteunen, daß fie auf diese Leimruten nicht friechen werden, sondern den Kampf bis zum endgültigen Siege führen werden. Gewerkschaftshauses eine Versammlung aller im Streif StehenAm Sonnabend, nachmittag 2 Uhr, findet im großen Saal des den statt. SPD.- Metallarbeiter! Genoffen, welche am Sonntag nicht durch Wahlarbeit schon verhindert sind, haben die Pflicht, am Sonntag um 10 Uhr im Cofal von 3schiefing, Aderstraße 1, fich zur Wahlarbeit zur BerDer Fraktionsvorstand. fügung zu stellen. Die Aussperrungswut. Weimar, 10. Juli.( Eigener Drahtbericht). Der Verband sächsischthüringischer Webereien teilt mit, daß er, falls die in Gera streifenden Stuhlmeister am Sonnabend die Arbeit nicht wieder aufnehmen, zur Aussperrung der Belegschaften aller Webereien schreiten würde. Sollte die Drohung der Unternehmer wahr werden, so würden etwa 20 000 Webereiarbeiter ausgesperrt werden, Ausdehnung der belgischen Streifbewegung. Brüssel, 10. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Metallarbeiter der Provinz von Lüttich haben beschlossen, am 16. Juli die Arbeit Seht euch einmal die Tätigkeit fommumistischer Betriebsräte an! niederzulegen. Gegenwärtig befinden sich bereits 45 000 MetallAlus eigener Initative fönnen sie in den meisten Fällen überarbeiter im Streit. Der Generalstreit der Buchdrucker scheint haupt nichts leisten. Und wenn sie die Parole, die sie von für die Zeitungsdruckereien gegenwärtig nicht mehr zu drohen, doch ihrer Zentrale oder ihrer Gewerkschaftsfraktion bekommen, durch unausweichlich in den anderen Druckereien. führen sollen, versagen fie fast stets. Gar mancher Unternehmer hat schon seine volle Zufriedenheit über die Tätigkeit" fommuni. stischer Betriebsräte geäußert. In den Versammlungen das Maul des Bezirks 10 am Montag, den 13. Juli, geſchloſſen. aufreißen und vor dem Unternehmer zusammenfniden wie ein Taschenmesser. Metallarbeiter, folche Funktionäre werden nie aufbauende Gewerkschaftstätigkeit leiften fönnen. Am Sonntag müssen Kollegen als Delegierte zum 12. Gewerkschaftstongreß gewählt werden, Deutscher Wertmeisterverband. Wegen des am 11., 12. und 13. Juli ftattfindenden Brandenburgischen Werkmeistertages bleibt die Geschäftsstelle Berantwortlich für Politik: Bietor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Probiert Bolle Schokolade SCHOKOLADENWERK DER MEIEREI C BOLLE A.G. 1040 Öf. ZS3 ♦ 4t. �ahrgasg !♦ Seilage öes vorwärts SoaaabenS, 71. Jnü 1425 Sit tletne GS rtn erstacht« bringt einen Strauß rofo blühender Tentaurea(Gattung Kornblume) w da» Zimmer und stellt ihn m die vas«. Auf die Bemertung:.Twe hübsche Blume wirb die Antwort:»Ad« unverkäuflich.� Olumen finS Lmms. Wenn du ans deinem G-rrten oder mit chilfe deines Geldes ein paar Blumen verschenken kannst, so wirst du bei jedermann, ob oll ooer jung, arm oder reich, dankbarer Freude begegnen..Bier Rosen einen Groschen'— sollte man nicht meinen, daß iede Berlinerin mit den leuchtenden Kindern des prangenden Sommers geschmückt wäre, daß in'eder Wohnung ein Busch sich vorfände? Zugegeben, daß für große Massen der Bevölkerung da» Haushalten mit dein Zehn- psennigslück eine bitter« Notwendigkeit ist, aber, so wird man fragen können, gibt es tn einer Millionenstadt wie Berlin doch nicht Hunderttausende, die für ebenfalls Ueberflüssiges Geld ausgeben, und liieist mehr als die Pfennige, die ein paar Blumen kosten? Im Winter, wo mit ziemlichen Kosten herangezogene Blumen, durch Glas geschützt und durch Heizung zum frühzeitigen Blühen gebracht, allein in unserer kargen Natur sprießen, kann naturgemäß der Blumenpreis kein so billiger sein, daß der Minderbemittelte sie zu erstehen in der Lage ist. Aber jetzt im Sommer sollte der Blumen- absatz ein größerer sein. Durch die Ausdehnung der Laubenkolonien und durch die Einbeziehung auch besser bemittelter Kreise in die Schar d«r Kolonisten ist zweifellos auf der einen Celle die Liebe zur Blume geweckt, gesteigert, aus der anderen Seile die Zahl der Säuser von Blumen vermindert worden, denn der Garten llesert für den .eigenen Bedarf'(manchmal sogar noch darüber hinaus). Aber all« diese Momente berücksichtigend, wird man doch dem Berlin« eine zu große Blumenfreudigkell nicht zugestehen können, die naiv« Lust des sich Schmückens, und sei es auch nur auf wenig« Stunden, ist anderen Völkern mehr zu eigen. Ja, es scheint, als ob ein Rück- gang in der Lust stattgefunden hat. Die Blume im Knopfloch ist „aus der Mode' gekommen und die Weltdame verschmäht es nicht, sich einen Tuff künstllcher Blumen auf Kleid und Mantel und Muff aufnähen zu lassen— eine Geschmacklosigkeit sondergleichen! v!e Ursachen üer Unverkäuflichkeit. Die Blumen find her Mode nnlerworfen. Wie es heute kurz« und enge, morgen lange und welle Kleider gibt, so find heut« rot« und weiße Blumen und morgen gelbe und blaue begehrt. Ein alte- Gärtnerwort sagt:„Wie mans macht, ist es falsch.' Wenn einer weiße Leokojen seilbietet, will die Schar der Abnehmer aus- gerechnet rote und blaue usw. Das sind Eigentümlichketten, in deren Grund einzudringen kam» möglich ist. Laase Zahre hindurch hieß es, gelb« Blumen find nicht beliebt: heute ist«an von diesem Vorurteil abgekommen. Es war da, Verdienst de» Kunstgelehrten Lichtwark, daß« gegen diese Latenvorurteil« Sturm lles. daß er nicht nur das scheu ckliche.Makartbuketf fortfegt«, sonder» de» Leuten auch die Erkenntnis ins Bewußtsein hämmert«, daß jede Blume in iher Art ein Kunstwerk bedeute. Ab« lassen wir dies« Farbenfragen und wenden wir uns einem anderen Modegrund« zu: der B«fein«ung tn d« Erscheinung der Blumen. Wissenschaft und Praxis arbeiten stetig an der B«edlung d« Produkte d« Natur. Größe der Blumen, Länge des Stieles, stärkerer Duft, leuchtendere Farbe, größere Haltbarkell, früheres Blühen, kein einziges Moment in der Skala der Erscheinungsformen ist von dieser Arbeit unberührt geblieben. Selbst die bescheidensten prodokle. wie Veilchen and verglßmeinnichl, haben den Prozeß d« Hochzüchtung durchmachen müssen. Nun ist es gewiß Sache des Produzenten, sich diesen An- fordcrungen, die die Abnehmer stellen, anzupassen: ab« auch hier sollte es heißen, das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Nicht jede Neuerung, Verbesserung ist lebensfähig gewesen; manch« Um- stellung hat sich als ein Fehlschlog«wiesen und die ausgewandten Kosten und Mühen waren vergeblich. Bor allem ist es ob« doch eine Widersinnigkeit, das Alte ohne triftigen Grund für abgesetzt zu erklären. So erleben wir jetzt auf dem Gebiete d« Rosen eine »Testont'-Rlüdigkeil(beim Publikum od« beim Handel?). Man will stall der herrlichen, seidenglänzenden, prächtig-rosafarbenen Ma- dame-Caroline-Teftout-Rosen and«e Sorten, die seitdem entstanden sind. Als aber die ersten goldig-schimmernden Rosen einer neuen Klasse, der Perneliana-Rosen, austauchten, hieß e», da» wäre nur etwas für Kenn« und d« Absatz war schwierig. Lei den Dahlien und Chrysanlhemen hat man wohl die größten Modeschwankung eu tn»«zeichnen. Die Kaktus-Dahlien mit den spitzen Blütenblättern stellten eine Zeitlang alle« in den Schatten, ab« auch da gab es Wechsel in der Mode; bald war die eine, bald die andere Farbe bevorzugt. Daß neue Sorten, die z. B. besser«, straffere Haltung der Blumen auf den Stengeln und größere Blumen zeigen, andere Sorten verdrängen, ist begreiflich, aber die Mode Holl über diese Notwendigkeiten hinaus wahllos ihre Lieblinge hervor. Auf dem Gebiet der Dahlien ist noch ein anderes charakteristisches Moment zu verzeichnen: die im Juli schon erscheinenden Blumen sind nur in seltenen Fällen abzusetzen.»Mao kansl noch keine Dahlien'— eine Ansicht, die dem wahren Blumenfreund doch nur ein Lächeln entlocken kann. Dahlien.gehen' dann, wenn die Herbstfröste den ganzen Flor in einer Nacht zerstören können— ist das nicht ein rechtes Abbild unserer kapitalistischen Kultur? Bei den Chrysanthemen war vor einigen Jahren �Lionnet' großer Liebling: die Farbe» ein« Mischung von Gelb, Sapser, Rot, war durchaus nicht Überwältigend schön. Man hat seitdem mehr in sattem Rot schimmernde.Sports' gezüchtet, dt« dt« Urforte»«drängen. UeberproSutttov. Komme» wir nochmals auf den vom Pobvkum zu zahlenden Detailpreis:»4 Rosen 10 Pf.', zurück, so beleuchtet dies« Preis doch wahrlich blitzartig die Situation. Nicht d« Preis an sich— denn w« wäre nicht für billige Preise?—, sondern d« Umstand, daß trotz dieses Preises viele lausende Rosen«»»«käuflich sind, ist das Eharattensiiichc. Hat eine Fabrik zuviel Ware hergestellt, so speichert sie sie auf und sucht mit Muße den geeigneten Zeitpunkt. sie, eventuell mit geringem Nutzen, abzustoßen. Die Blumen ver- tragen ein solches Aufspeichern, selbst m Kühlräunien, nur kurze Zeit. Haufenweise werden sie, nachdem sie oberflächlich abgebrochen und auf den Boden geworfen sind, als Kehricht fortgefegt— auch das ein Zeichen unserer kapitalistischen Aera! Gibl es eine Abhilfe? Schwerlich, solange nicht die Kaufkraft und Kauflust des Publikums sich stärker entfalten, lind daß diese von den allgemeinen Wirtschaft- lichen V«hällnissen abhängig sst, liegt auf d« Hand. Wohl könnte durch Benutzung von Blumen zum Schmuck der Schaufenster ein Anreiz für da» flanierende Publikum gegeben werden, auch seiner- seits den Kindern der Flora nicht nur ein platonisches Interesse ent- gegenzubringen. Wie prächtig sich ein Blumenstrauß inmitten der zarten Gewebe moderner Frauenkleidung ausnimmt, zeigen die wenigen Versuch«, die blumenfreudige Geschäftsinhaber schon cmge- stellt haben. Ab« die Mehrzahl wird die neuen Kosten im Hin- bück auf sonstige Lasten ablehnen. Und so ist es auch w den Restaurant». Wie oft trifft man in besseren Lokalen die steii?'? künstlichen Blumen, reichlich bestaubt, als Tafesschmuck. * Arm« Blumen— noch oft genug werdet ihr den Weg zum Komposthaufen antreten müssen, ohne den schönen Beruf erfüllt zu haben, die Brust eine» Zungen Mädchens und die Tafel im eigenen Heim zu schmücken! Und wieder Stralauer Fischzuiz. Zum SSL Mal«. Wobei die vielen Jahr«, in denen das Fest nicht gefeiert wurde, mitgezählt sind. Man will diesmal die Sache großartiger als im vorigen Jahre gestalten. Bon einem richtigen D olksfest, etwa wie in der Tuschkasten-Koloni« Faltenberg bei Grünau, wird man aber wohl nichts zu sehen bekommen. Die V«- anstoltimgen kamen m den letzten Jahrzehnten über einen Fischzug der Stralauer Gastwirte, denen man natürlich die Extra- einnahm« während der zwei Festwochen im August gern gönnen Die Vaumwollpflücker. 181 Roman von V. Trauen. Oopyiieht 1929 by B. Tntwn, Colombai, Tam-nlip«. Hexlea, In diesen Gedankengängen bewegte sich nnser Tisch- gespräch, weil wir der besseren Verdauung wegen während des Essens nichts Gedankenschweres in unserem Hirn herum- wälzen wollten und weil man beim Essen nur vom Esseo sprechen soll. Ich führe dieses Gespräch hier auch nur an. um zu zeigen, daß wir keine ungebildeten Leute oder was viel schlimmer ist. etwa gar revolutionäre Arbeiter waren. Denn das kann man so sehr leicht werden, wenn man sich gehen läßt und nachgibt, besonders wenn man augenblicklich keine andere Zutunfts- Möglichkeit vor Augen sieht als eine fünfzehn- bis siebzehn- stündige Arbeitszeit für anderhalb Pesos. Für diese Mahlzeit zahlten wir jeder fünfzig Centavos, alles einbegriffen. Es war der übliche Preis in einer chine- fischen Speisewirtschaft. Jeder Weiße und jeder Mexikaner, der es versucht— und es wird immer wieder versucht— für dasselbe Gelli die gleiche Mahlzeit mit allem genannten Zubehör zu geben, geht zu- gründe. Das Allerwenigste, was� ein Nicht-Chinese fordern muß, sind achtzig Centavos. Wie der GJinese das fertig bekommt und dabei noch verdient und zu Wohlstand gelangt, ist eins der vielen Geheimnisse» die um den Chinesen ge- häuft sind. �„ Antonio goß sich noch ein Glas Wasser em, spülte sich gründlich Mund und spuckte dos Wasser auf den Fußboden. Sauberen Mund und saubere Zähne zu haben ist dem Mexikaner wichtiger als ein trockener Fußboden. Die nimmermüde tropische Sonne trocknete ja den Fußboden, ehe sich der nächste Gast an unseren Tisch setzt. 15. Nun segelten wir zuerst einmal zu der Bäckerei. Ich ging in den Laden und fragte den Verkäufer nach dem Prinzipal. „Sind Sie Bäcker?' fragte der Inhaber. »jawohl, Brot- und Kuchenbäcker,' sagte ich. i„Wo haben Sie denn zuletzt gearbeitet?' V"„3n Monterrey.' „Gut, dann können Sie heute abend anfangen. Freie Kost, Wohnung und Wäsche und ein und einen halben Peso jür den Tag.' �!* „Halt!' sagte er plötzlich,„sind Sie sicher auf Torten. «mf Torten mit Gußornamenten?' „Ich habe in meiner letzten Stellima in Monterrey nur Torten mit Eußornamenten gebacken.' .Jas ist fein! Da will ich aber doch erst mal mit meinem Meister sprechen, was der dazu sagt. Ein sehr tüchtiger Meister, won dem können Sie viel lernen.' Er ging mit mir in die Kammer, wo der Meister sich gerade die Stiefel anzog, um auszugehen. „Hier ist ein Bäcker von Monterrey, der Arbeit focht. Hören Sie mal, ob Sie ihn brauchen können.' Der Inhaber ging wieder in fem Zimmer und ließ«ns beide allein. Der Meister, ein kleiner dicker Bursche mit Sommer- sprossen, zog sich ruhig erst die Stiefel an, dann setzte er sich auf den Bettrand und zündete sich eine Zigarre an. Nachdem er ein paar Züge getan hatte, detracbtete er mich mißtrauisch von oben bis unten und sagte endlich: „Sie sind Bäcker?' „Nein, ich habe kein« blasse Ahnung vom Backen.' „So!?' sagte er darauf, immer noch mißtrauisch „Berstehen Sie was von Torten?' „Gegessen habe ich schon welch«,' sagte ich„aber wie sie gemacht werden, davon habe ich keinen Begriff. Ich wollte das gerade lernen.' „Hier haben Sie eine Zigarre. Sie können anfangen, heute abend um zehn Uhr. Aber pünktlich! Wollen Sie was essen?' „Nein, dank«! Nicht jetzt.' „Gut, ich werde mit dem Alten sprechen. Ich will Ihnen mm Ihr Bett zeigen.' Sein Mißtrauen war geschwunden und er war sehr freundlich. „Ich werde einen tüchtigen Bäcker und Konditor aus Ihnen machen, wenn Sie gut aufpassen und willig sind.' .Jafür würde ich Ihnen sehr dankbar sein, Sennor. Bäcker und Konditor wollte ich schon immer werden.' „Wenn Sie nun wollen, können Sie schlafen gehen oder sich die Stadt ansehen. Ganz, wie Sie wollen.' «Gut!' sagte ich,„bann will ich in die Stadt gehen.' „Also um zehn Uhr, nicht wahr?'— Ich traf, wie verabredet, Antonio im Park auf der Bank. „Na?' begrüßte er mich. »Ich fange heute abend aa,' c_....1 i „Das ist gut,' sagte er, vielleicht gehe ich später mit Ihnen runter nach Columbien.' Ich setzte mich zu ihm. Weil ich nicht recht wußte, was ich mit ihm reden sollte und um ein Gesprächsthema zu haben, dachte ich, jetzt ist der gegebene Zeitpunkt, nach Gonzalo zu fragen. Es war mir eigentlich nicht so sehr darum zu tun, nur zu schwätzen, als vielmehr zu beobachten, wie er sich benehmen würde, wie sich ein Mensch beträgt, der einen Raubmord auf dem Gewissen hat und den man damit überrascht, daß man ihm sagt, man wisse es. Tin« Gefahr war freilich damit vertnüpst. War Antonio in Wahrheit ein echter Mörder, dann würde er bei erster Ge- legenheit mich auf die Seite schassen als Mitwisser. Aber darauf wollte ich es ankommen lassen. Diese Gefahr kitzelte mich erst recht, auf den Busch zu klopfen. Ich war ja vor- bereitet und konnte mich meiner Haut wehren. Mit ihm allein durch den Busch, vielleicht gar nach Columbien zn trampen, würde ich dann schon wohlweislich vermeiden. „Wissen Sie, Antonio,' sagte ich plötzlich aus heiler Haut heraus,„daß Sie von der Polizei gesucht werden?' „Ich?" erwiderte er ganz erstaunt. „Ja, Sie!" „Weswegen denn? Ich weiß nicht, daß ich etwas ver- brachen habe.' Es klang sehr aufrichtig: zu aufrichtig, um echt zu fein. „Wegen Mord! Wegen Raubmord!' setzte ich hinzu. „Sie sind wohl verrückt, Gale. Ich wegen Raubmord? Do sirtd Sie aber böse im Irrtum. Vielleicht«tue Namens- ähnlichkeit.' „Wissen Sie, daß Gonzalo tot ist?' „Was?" Er schrie es beinahe. „Ja," sagte ich ruhig, ihn im Auge behaltend. „Gonzalo ist tot. Ermordet und beraubt.' ,Ier arme Kerl! Er war ein guter Bursche,' sagte Antonio bedauerd. „Ja,' bestätigte ich,„er war ein braver Kerl! Und es ist schade um ihn. Wo haben Sie ihn denn zuletzt gesehen, Antonio?' „In dem Hause, wo wir alle wohnten." „Mr. Shin« erzählte mir, daß ihr drei, Sie, Gonzalo und Sam zusammen am Montag morgen fortgegangen seid.' „Wenn Mr. Shine das sagt, dann irrt er Gonzalo sst zurückgeblieben. Wir zwei nur, Sam und ich sind zur Station gegangen.'(Fortsetzung folgt.) will, wiht hinaus wub maren, abgefehen sou bem ret behebenen Feftzug, mit dem die Feier eingeleitet wirb, nur noch ein großer Rummel, bei den man fein Gelb loswerben fonnte. 8u einem wirklichen Boltsfest ist das heute größtenteils bebaatte teine Stralau garnicht mehr geeignet. Mondscheinfahrt. Bon gewissen Bräuchen tann der Berliner, so sehr er auch fonst sich zu modernisieren bestrebt ist, nicht lassen. Sie liegen ihm im Blute und in der Taufe mit Spreewasser. Neben dem mächtig cufblühenden Wassersport find Dampfer- und Motorbootfahrten noch immer das bekannte Bergnügen eigener Art. Bis weit in die Mart hinein haben sich die Touren der zahlreich vermehrten Groß- Berliner Reedereien vorgeschoben. Man tennt zwar auch hier im allgemeinen noch nicht die alten billigen Friedenspreise, sodaß es für fopfreiche Familien des Arbeiterstandes und des„ Standes ohne Mittel" oft starkes Ueberlegen gilt, ob man sich eine solche Fahrt nach entfern teren schönen Gegenden leisten darf, aber trotzdem befördern die Reedereien namentlich am Sonnabend und Sonntag Zehntausende von Berlin nach dem märkischen Osten und Westen. Was der Mensch braucht, muß er haben. Wer sich ganz von vergnüglicher Erholung abschließt, ist nur ein halber Mensch. Gerade die wirtschaftliche Schwere der Zeit erfordert eine gelegentliche Entspannung. Noch mehr als im Frieden hat sich die Vorliebe für die sogenannten Mondscheinfahrten entwickelt. Nicht nur die Jugend hat den leicht. lebigen Mut, sich auf diese Weise eine ganze Nacht um die Ohren zu schlagen. Ganze Vereine und Gesellschaften machen auf gemieteten Dampfern oder auf Motorbooten den nächtlichen Sput mit. Man trifft in den festlich geschmückten und erleuchteten Booten nach herr. licher Fahrt im sommerlicher Abendfühle erst zu später Stunde am Bestimmungsorte ein. Der gute Mond tut freilich auch auf anuliendes Zureden den Nachtschwärmern meist nicht den Gefallen, ihnen den Weg zu leuchten und die Umrisse der Ufer gespenstisch aus dem Dunkel hervortreten zu lassen. Müde oder trogig verbirgt er sich Hinter Wollengeschiebe, und das ist den Lieblingen Amors gewöhnlich ganz recht so. Alles stürzt nach dem Ausbooten in den Tanzsaal und mit trockener Kehle an die Schänke. Die„ italieni, sche" Nacht besteht nur darin, daß die elektrische Girlande am Ufer des Gartenlokals mit mehrfarbigem bunten Seidenpapier übertlebt ist. Feucht steigt die Nachtluft aus Fluß und See. Am Wasser zu ſizen, ohne sich einen Schnupfen zu holen, ist es selbst in der Julinacht zu fühl. Und wenn sich etliche Duzend Liebespaare im nahen Walde verfrümein, danfen sie stillschweigend dem lieben Mond für sein diskretes Wegsehen. Drinnen im Saale wird mit Bollust " gescherbelt", bis der Tag schon graut und schrill die Bootsglocke zur Rückfahrt mahnt. Ganz Zähe, die sich vom Schwoof nicht so leicht trennen können, bleiben noch und fahren mit den ersten Frühzügen heim. Im Boote wird es bald still und stiller. Einer nach dem anderen macht tanzmüde sein Nicerchen. Hell strahlt schon die Morgensonne. Die Weltstadt erwacht aus furzem Schlafe. Wie ein schwimmender Sarg, in dem abgeflungene Freude verpackt ist, landet das Boot inmitten des Roloffes Berlin, schüttet übernächtigte Gestalten aus. War das Vergnügen eigentlich den Verlust der Nachtruhe wert? Gs gibt sicher schönere Gelegenheiten zur Erfrischung von Herz und Gemüt in der Natur. Schweres Verkehrsunglück bei Großbeeren. Ein Tofer, zwei Schwerverletzte. In der Nacht zum Freitag gegen 1 Uhr fuhren drei Einwohner Don Marienfelde nach Großbeeren. 3mei von ihnen auf einem Motorrad, der dritte auf einem gewöhnlichen Fahrrad, dieser hielt sich aber am Motorrad fest. Beim Judenbusch, zwischen Hei nersdorf und Großbeeren, tam der Kartoffelhändler Hoenicke mit feinem Fuhrwert den dreien entgegengefahren, die in sehr schneller Fahrt in das Fuhrwert hineinrasten. Dem Führer des Motorrades, Willi Teste, drang die Wagendeichsel in die Brust und riß ihm die Eingeweide heraus. Sein Mitfahrer Alfred Ebert hat schwere Kopf, Arm und Schulter Derlegungen erlitten und der Radfahrer Maß hatte bis zum gestrigen Abend noch nicht wieder die Besinnung erlangt. Er hat anscheinend eine schwere Gehirnerschütterung davongetragen. Der Kartoffelhändler mußte ein Pferd wegen sehr Der schwerverlette Ebert machte schwerer Verletzungen töten. fich troß seiner Verlegungen nach Großbeeren auf. Unterwegs traf er einen Großbeerener Einwohner, der ihn nach Hause brachte und einen Arzt holte, der erst gegen zwei Uhr an der Unglüdsstelle sein fonnte. Der Kartoffelhändler hatte sich, trozdem er der einzige unverlegte war, anscheinend um nichts weiter gefümmert. Der Motorradfahrer Teste ist seinen Verlegungen in einem Lichterfelde Krankenhause am Freitag morgen erlegen. Teure Zengengebühren. ,, Konsequent muß man bleiben, wenn man unwahre Angaben bei der Steuer macht." Das hatte der Schlächtermeister Fritz N. nicht berücksichtigt, als er Zeugengebühren erhoben hatte. Er war als Zeuge geladen worden und hatte sich ber die zu geringen Gebühren, die ihm ausgezahlt werden sollten, beschwert, wobei er betonte, daß er ein monatliches Einkommen Don 15 000 Mart hätte. Die Gerichtskasse zahlte zwar die entsprechenden Gebühren, ließ aber eine Prüfung seiner Steuererklärung vornehmen und es ergab fich, daß er ein weit geringeres Einkommen versteuert hatte. Zwar hätte er sich nun des Betruges schuldig gemacht, wenn er nicht tätsächlich ein höheres Einkommen gehabt hätte. Der Schlächtermeister hatte nämlich einen Jahresumsay von 137 000 Mart und nur 67 000 Mart versteuert. Wegen der Steuerhinterziehung war er jegt vor dem Schöffengericht mitte angeflagt. Mit ihm seine Mutter, auf deren Namen das Geschäft ging und die die Steueranmeldungen unter schrieben hatte. Der Staatsanwalt beantragte gegen N. 12 000 Mr. Geldstrafe, gegen die Mutter 3000 Mart. Der Verteidiger bat, die belagte Mutter milder zu beurteilen, da sie die Steuererflärungen im Vertrauen auf ihren Sohn unterschrieben hatte. Das Schöffengericht verurteilte N. zu 7 500 Mart Geldstrafe, die Mutter zu 1000 Mart. Für die Verurteilten hat nun die Sache noch den unangenehmen Beigeschmack, daß sie die hinter genen Steuern nezahlen müßen b bağ Butunft von der Steuerbehörde harf auf die Finger ge sehen wird. Die Dollarnoten des russischen Grafen. Unter Anklage des Münzverbrechens. Grenadierstraße 23 und 1. Bom Ausländerviertel Auf der Anklagebant müssen sier Ausländer Plaz nehmen. Das Schöffengericht Berlin- Mitte verhandelt gegen fie megen [ hweren Diebstahls, zwei von ihnen haben Schmiere" ge der Raufmann Graf 8 abrillo war Offizier im ehemaligen russischen Heere. ftanden. Der Friseur Schneigeiger und Die Umwälzungen in seiner Heimat behagten ihm nicht, er verließ Weißwoll wollen aber nur harmlose Bassanten gewesen sein, Rußland und fam nach hier. Jetzt steht er unter der schweren An- während der Schneider Swieto wig und der Elektrotechniker flage des Münzverbrechens vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte. Goldstein den Einbruch umumwunden zugeben. In der langen Zeit der Untersuchungshaft ist Zabrillo( chwer er. Es steht einwandfret feft, daß gewisse Ausländer durchaus teine tranft, als hilfloser, gebrochener Mann liegt er auf einer Trag- angenehme Erscheinungen des Fremdenverkehrs find, unsere bahre vor seinen Richtern. Drei weitere Ausländer, ebenfalls Kriminalität bedarf bestimmt teiner Verstärkung von außen her. Russen, ein noch jugendlicher Waterland, ein gewisser von Herling Andrerseits darf man aber auch nicht vergessen, daß viele Fremde und die Artistin Karanowa sind gleichfalls wegen desselben Ver aus ihrem Lande verstoßen oder sonst gezwungen worden sind, ausbrechens angeklagt. Das Schicksal dieser Russen ist nicht ohne Tragit. zuwandern! Hier in Berlin bekommen sie dann den AusweisungsAls Menschen fann man ihnen das Mitleid nicht versagen, mit Aus- befehl, haben teine Mittel, fortzureisen und treiben sich nun nahme 3abrillos haben sie das Verbrechen nicht gesucht, die falschen wohnungs- und stellungslos in den Straßen der Großstadt umher. Dollarnoten sind Versucher in ihrer bitteren Not gewesen, dem sie Was liegt näher als daß sie dem Verbrechen in die Arme fallen? nicht widerstehen konnten. Waterland ist eben erst 18 Jahre So Goldstein und Swietowiz, beide haben schon längst den„ Ausalt geworden, seine Eltern waren einst Inhaber ausgedehnter Beweis" erhalten. Der letztere hat sogar für ein Kind und eine frante fizungen und Unternehmen in Rußland. In der schlechten Zeit, die Frau zu sorgen. Sie verbinden sich schließlich zum gemeinsamen für sie alle nach der Flucht nach Deutschland hereinbrach, ist er mur Diebstahl. Frei und offen, in allen Einzelheiten, geben beide Anallzu willfährig den Lockungen der falschen Dollars gefolgt, die ihm geflagten heute die Tat zu, das Beste, was sie tun fonnten! Aber sein Landsmann zum Vertrieb übergab. Der Angeklagte von den Schneigeiger und den Weißwoll fennen sie nicht. Noch nie erling ist stets von den Tücken des Schicksals verfolgt worden. haben sie mit ihnen gesprochen, sich wohl zufällig gesehen, sie In der Jugend ewig tränkelnd, hat der arme Bucklige mit beiden stammen ja aus derselben Gegend, wohnen ja auch in dem AusHänden nach dem trügerischen Glanz augenblicklichen Reichtums ge- länderviertel", in der Grenadier- und Dragonerstraße. Schneigeiger griffen, den ihm das falsche Geld verschaffen sollte. Heute weint und Weißwoll find auch zufällig an demselben Tage, zu der selben Zeit, in der gleichen Straße, nur gegenüber auf der feine Mutter über das Unglück, das über sie hereingebrochen ist. Auch die Artistin Karanowa tam in den Befig einer falschen anderen Seite spazieren gegangen, aber das war harmlos. 20- Dollar- Note, war aber zuerst in dem Glauben, echtes Geld vor Mit dem Einbruch haben sie jedenfalls nichts zu tun! Beißwoll fich zu haben. Als man sie darauf aufmerksam machte, beging sie wohnt in der Grenadierstraße 31, der Diebstahl war im Hause 23, den Fehler, die Note trotzdem umzusetzen. Graf 3abrillo hat sie alle fchräg gegenüber! Ein Mädchen jener Gegend, ihr Beruf" führt sie mit sich gezogen und wenn er heute in der Verhandlung jede Schuld auf die Straße, war auch an jenem Lage, an dem die Tat geschah, abstreitet, überhaupt nichts von falschem Gelde wissen will, dann hat dort und will genau beobachtet haben, daß alle vier miteinander er sich selbst am schlechtesten damit gedient. Die Verteidigung bittet gesprochen hätten, zwar nur kurze Zeit und was sie sich erzählt das Gericht, sämtlichen Angeklagten die Not der Zeit, die Flucht aus haben, weiß fie auch nicht. Aber der Wächter hätte es auch gefehen, dem Vaterlande zugute zu halten. Sie wären nicht die Ausländer, ebenfalls noch eine andere Kollegin"! Stehen sich die vier nun einander bei, oder. machten fie gemeinsame Arbeit?! 3uzudie mit der Absicht, nur vom Verbrechen zu leben, hier zu uns gefommen find. Die wahren Schuldigen seien doch schließlich die trauen wäre es ihnen schon, beweisen tann man es ihnen Hersteller des falschen Geldes, ihrer sei man nicht habhaft geworden. nicht. Einem Antrag des Staatsanwalts, weitere Zeugen zu laden, Die fich heute verantworten müssen, wären doch alle in bitterer Not wird von der Verteidigung widersprochen! Sie könnten ja nur aus einem Berbrechen zum Opfer gefallen, das sie nicht selbst begonnen, sagen, daß die Angeklagten miteinander gesprochen haben, aber nicht daß sie vielmehr in verführerischer Vollendung zu Mitschuldigen worüber! Das Gericht schließt sich den Ausführungen der Ver gemacht habe. In dankenswerter Weise habe sich unsere soziale teidigung an, lehnt den Antrag des Staatsanwalts ab und zieht sich zur Beratung zurüd. Während dessen unterhalten sich die Fürsorge des jugendlichen Waterland angenommen und will im Berein mit den Eltern auch weiter auf ihn achten. In diesem Falle Interessenten von der Grenadierstraße 23 und 31 recht leb Schloß sich das Gericht denn auch den Ausführungen der Verteidi haft miteinander. Nun ist ihre Bekanntschaft ja offiziell, jetzt... gung an, Waterland erhielt eine Strafe von 1 Jahr und haben sie sich fennen gelernt unter den Augen des Staatsanwalts. 3 Monaten Gefängnis, 9 monate wurden durch die Das Gericht nimmt den schweren Berdacht der Mittäterschaft untersuchungshaft als verbüßt erachtet und für den nicht von den beiden Angeklagten, von der Tat aber werden Rest Bewährungsfrist bewilligt. Bei der Karanowa Schneigeiger und Weißwoll freigesprochen. Die nahm das Gericht nur Münzvergehen an und erkannte auf beiden Täter kommen auch ziemlich glimpflich davon. Goldstein 3 Monate Gefängnis, die ebenfalls als verbüßt gelten. Auch allerdings, der schon ein gewiffes Ronto hat, muß auf 1 Jahr ins 3uchthaus, Swieto wig für dieselbe Zeit ins Gefängnis. von Herling erhielt mildernde Umstände zugebilligt und wurde Das Geheimnis aber zwischen Grenadierstraße 23 und 31 blieb zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten Gefäng ungelüftet. nis verurteilt, 4% Monat find durch die Untersuchungshaft erledigt. abrillo hatte auf keine Gnade zu rechnen, in ihm sah das Gericht den eigentlichen Verführer, er muß auf 2 Jahre und 6 Monate ins Zuchthaus, nur wird auch ihm die Untersuchungshaft mit 8 Monaten angerechnet. Das Opfer eines Erpressers. Der im Südosten wohnende Frauenarzt Dr. Naumann hat in seine Wohnung gestern Selbstmord verübt. Wie wir am 27. b. M. berichteten, wurde damals ein Magistratsbeamter aus Braunschweig wegen einer exprefferischen Forderung auf Stüd erstattung gezahlten Honorars gegen den nunmehr Verstorbenen zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Arzt sollte deshalb in einer Zwangslage fein, weil er für dieses Honorar einen geseglich nichi erlaubten Eingriff vorgenommen habe. Es mag dahingestellt bleiben, ob der Verstorbene gegen geschriebenes Recht gefehlt hat moralische Schuld des Erpressers erscheint riesengroß. es lebt unendlich viel Recht außerhalb der Geseze und die Ein rettungsloser Fall. Wifing- Schüßen Rehnig und beginnt: Als erster 3euge Die Deutsche Zeitung berichtete über den Prozeß des wurde der Kaufmann Sonnenfeldt( 1) pernommen. Tatsächlich! Dies Ausrufungszeichen ist geistiges Eigentum der Redaktion des völtischen Blattes. Es ist ein politisches Bekenntnis, ein Fanal reinraffiger Ueberzeugung, auch wenn oder weil es, wie hier, unglaublich lächerlich wirkt. Daß der Zeuge Sonnenfeldt heißt, ist für die Ritter der Dtsch. 3tg." ein Grund zu maßlofestem Erstaunen. Sonnenfeldt! Ist das nicht Beweis für alles? Sagen wir: die jüdische Frechheit, die Unschuld des engelsguten Rehnig? Dies Ausrufungszeichen ist eine ganze Charakteristit. Ein Grenzfall menschlicher Dummheit; und während muß man sich anderenteils voll Verachtung von diesen politischen man einesteils fich bemüßigt fühlt, nach dem Psychiater zu rufen, Clownerien abwenden. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 11. Jull. " Außer dem üblichen Tagesprogramm: Märchen von der Zappelsuppe" und„ Lutschmarjell"( erzählt von 3.35 Uhr nachm.: Onkel Doktor als Märchenerzähler: Das Dr. med. E. Mosler). 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7-7.35 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Spiel und Sport: Hans Borowik:„ Der Sport in Amerika". 7.25 Uhr abends: Abteilung Sprachunterricht. Dir. Julius Glück: Esperanto". 7.50 Uhr abends: Theodor Kappstein: „ Eine Reise durch Spanien". 1. Vortrag." Von Genua nach Barcelona und beim heiligen Gral". 8.30 Uhr abends: Der deutsche Rhein.( Zu der Jahrtausendfcier der Rheinlande). schließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. AnGestohlene Münzen. Ein großer Münzenbiebstahl, der in Rönigsee in Thüringen verübt wurde, beschäftigt auch die Berliner Kriminalpolizei. Einbrecher, die dort die Apothete heimsuchten, erbeuteten eine Sammlung, die sehr viele und wertvolle Stücke enthielt: einen sächsischen Erbtaler mit dem Spruch: Wer fät die Gerechtigkeit, erntet die Liebe", Bremer Schüßentaler, Schwarzburger Taler von 1852, Schaumburger Taler mit den Fürstenbildnissen, württembergische filberne Hochzeitstaler, Weimarer Hochzeitstaler mit dem Taler von 1813 mit der Aufschrift:„ Der König rief, und alle, alle Bildnis des Großherzogs Wilhelm, 1. und 2. Hochzeit, preußische Friedrichs, 30 Stüd Sonderhausener Sterbetaler, eine filberne Gefamen", ein filbernes Fünfmartstüd mit dem Bildnis Kaiser dächtnismedaille zum Boltsentscheid Koburgs, mehrere Taler mit der letzten Kaiserprägung, einen fleinen grünen und einen roten seidenen Beutel mit Zehnmarkstücken, vier altrömische Münzen und viele andere mehr, ferner einen Herrenring mit Kaprubin im Etui, der die Jahreszahl 1892 und die Inschrift„ Tue echt und scheue niemand" trägt usw. Die Münzen waren zum größten Teil in fleine den sich vermutlich bei dem Versuch, die Münzen zu verkaufen, mit Papierbeutel mit der Aufschrift„ Adler Apotheke Königsee, Besizer Rudolf Junghans" verpadt. Die Diebe wer Bisitenkarten auf den Namen des Bestohlenen, die sie mitgestohlen haben, ausweisen. Mitteilungen über das Auftauchen an Kriminalfommissar Quoß im Zimmer 96 des Polizeipräfidunns. Die Verfassungsfeier des Reichsbanners. Reich 3 banners Schwarz Rot Gold am 8. und 9. August. Der größte Tag Berlins ist die Verfassungsfeier bes Sunderttausende überzeugter Republikaner firömen von auswärts lich aufzunehmen, ist die Pflicht der Berliner Republikaner. Stellt berbei, um Bekenntnis abzulegen für die Weimarer Ver fassung und die Farben Schwarz- Rot- Gold. Alle Besucher gastQuartiere aur Verfügung! Anmeldungen an den Gaus borstand des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" Berlin- Branden burg, Berlin S 14, Sebastianstr. 37/38. 50 Jahre Humboldt- Gymnasium. Das seit etwa zwei Jahren mit dem Friedrichs- Gymnasium vereinigte Humboldt- Gymnasium blidt im Herbst b. I auf sein 50jähriges Bestehen zurüd. Aus diesem Anlaß wird eine Feier vorbereitet. Der seit 1886 bestehende Verein ehemaliger Schüler des Humboldt- Gymnasiums, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Erinnerungen an die gemeinsam verlebte Schulzeit wachzuhalten und die Beziehungen zu der alten Bildungsstätte zu pflegen, mill durch eine Veranstaltung am Sonnabend, den 3. Oktober, im Künstlerhaus und am Sonnabend, den 10. Oftober, im Rheingold allen alten Humboldtianern Gelegenheit zur Erneuerung ihrer Beziehungen geben. Um rechtzeitig allen Humboldtianern Einladungen hierfür zugehen zu lassen, wird um möglichst baldige Einsendung der Anschriften an Herrn cand. med. W. Kressin, N. 39, Liesenstr. 11 gebeten. Saison- Ausverkauf nach amerikanischem System! Bei Bezahlung innerhalb 6 Wochen nicht 60% Rabatt, sondern nur 30% Rabatt, aber tatsächlich herabgesetzt! zu erhalten. an Jeder, auch derjenige, dem das Geld nicht ausreicht, hat die Möglichkeit, sich bei uns gediegen und billig einzukleiden und die Ware( bal genügendem Ausweis) sofort mitzunehmen oder frei Haus geliefert Tausende und Abertausende von Kunden können bestätigen, caß das amerikanische System eine Wohltat ist. Bei Barzahlung noch billiger. Bei Bezahlung innerhalb 3-4 Monaten nur 10 pct. Rabatt. Gediegene Anzüge nach Maß zu den gleichen Bedingungen. 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Im ganzen fuhren wohl an 2000 Menschen, vor allem Frauen, hinaus in den Sommertag. Bei herrlichem Sonnenschein zogen die mit schwarzrotgoldenen und roten Flaggen geschmückten Fahrzeuge durch die Berliner Spree, wo sie auf allen Brücken und auch in den zahlreichen Fabriken die größte Aufmerksamkeit erregten. Allenthalben grüßten jubelnde zurufe, überall ein Winfen von Land zu Schiff, von Schiff zu Land. Ein wahrer Demonstrationszug auf dem Wasser. Kapellen spielten lustige Weisen und über dem Ganzen lag ein Hauch frohester Stimmung. Borbei ging es an den industriebeherrschten Ufern der Oberspree durch Köpenid hindurch zum Müggelsee und weiter vorüber an saftigen Wiesen und dunklen Wäldern, an fleinen Gärten und reichen Villen zum Dämmeritsee, an dessen Ausgang Ertner wintt. Wieder Fabriken und endlich grüßt der Flakensee, in den die liebliche Lödniz mündet. Kurz nach 12 Uhr landeten die Dampfer an der Woltersdorfer Schleuse, wo sich alsbald ein munteres, zwanglofes Treiben entwickelte. Die herrliche Wald- und Seelandschaft ließ für einige Stunden die Sorgen des Alltags vergessen. Fleißige Frauenhände hatten eine Tombola vorbereitet, deren Erträgnisse zum Segen der Arbeiterwohlfahrt dienen werden. In den Nachmittagsstunden schien es, als ob Petrus der Veranstaltung nicht günstig gesinnt sei, jedoch zeigte er sich gnädiger, als man nach den ersten Regentropfen annehmen durfte. In den späten Abendstunden fand der Tag der Frauen, ein Wochentag, der zum Festtag wurde. fein Ende; man hatte geplaudert und im Walde gespielt, man war fich näher getommen. Und das war ja schließlich der Zweck der ganzen glüdlich verlaufenen Fahrt. Folgenschwere Straßenbahnzusammenstöße. Zahlreiche Personen verletzt. Drei Straßenbahnzusammenstöße ereigneten fich gestern nach mittag. Nicht weniger als 17 Bersonen wurden dabeiverlegt, glücklicherweise nur eine schwer. Der erste Zusammenstoß Der erste Zusammenstoß ereignete sich um 6,35 Uhr abends an der Ecke der Kaiser- Allee und der Schaperstraße. Ein an der Notweiche haltender Straßenbahnwagen der Linie 177 wurde von einem Wagen der Linie 89 von hinten angefahren. Der Anprall war so heftig, daß beide Wagen start beschädigt und sämtliche Fenster ger. trümmert wurden. 12 Personen wurden verlegt. Es find dies: Minna Krultsch, Calvinstr. 18, Rippenbruch; Emil Frester, Eylauer Str. 10, Nervenschock; Heinrich Schumann, Knobelsdorfer Str. 150, rechte Schulterverlegung; Hanni Jelgenmann, Stefanstr. 23, Nervenschod; Karl Koziolit, Göbenstr. 18, Muskelquetschung; Josef Kuschel, Kaiser- Friedrich- Str. 17, leichte Kopfverlegung; Hans Gutzeit, Windscheidstr. 15, Hautabschürfungen am linken Bein; Arthur Marquardt, Alsenstr. 5, HautabSchürfungen am rechten Bein; Margarethe Scheide, Goethestr. 49, Nasenbluten; Paul Junt, Augsburger Str. 39, Kopf- und Rückenverlegungen; Wilhelm Toepfer, Pestalozzistr. 71a, Rüdenverlegungen; Auguste Schmidt, Steglth, Lichterfelder Str. 89a, leichte Kopfverlegungen. Die erstgenannte Berießte mußte nach dem Krankenhause in der Achenbachstraße gebracht werden, wo sie Aufnahme fand. Die übrigen konnten nach Anlegung von Notverbänden auf der Rettungsstation ihre Wohnungen aufsuchen. Ste veringt ner mate Octaber bet Bets- beaters in the mit bem allerteäßen Gomantbucheinander befannt. Im Wittelres Betumpfung getroffen. On Liftis much ber Musgegen bat punti steht ein junger Ehemann, der burch die unglaublichten 8u eta lebytes Erdbeben stattgefunden, das feinen Schaden anfälligkeiten nicht zu seiner Hochzeitsnacht tommt. Nach und nach richtete. Angelegenheit verstrickt. Und drei recht lurzweilige afte bufchen werden alle Familienmitglieder schuldig oder unschuldig in diese vorüber, bis ich das Knäuel endlich entwirrt. Gespielt wurde von den Darstellern Mag Tobien, Charlotte Tiburtius, Anna Abrens, Ellen Maria Treburg, Peter A. Horn, Martin Snapfel, Eva Benndorf und Wolfgang Müller recht flott. Von dem Inhalt nimmt der Besucher natürlich nichts mit nach Hause. Die Arbeit des Reffungsamtes der Stadt Berlin. Im Monat Mai 1925 wurden die städtischen Rettungsstellen in 9418 gallen in Anspruch genommen. Das Rettungsamt führte 8921 Arantentransporte aus. Fundsachen auf der Reichsbahn. Bor dem Schöffengericht Mitte ftand ein älterer Hilfsangestellter der Reichsbahn, Franz 2, der auf der Fundstelle des Potsdamer Bahnhofes beschäftigt war. Sierbei hatte der arme Sünder aus abgelieferten Handtaschen fleine Geldbeträge bis zu 10 mart entwendet. Das Gericht erkannte auf fes Monate Gefängnis und dreijährigen Verlust der Amtsfähigteit. Die Strafe soll bei guter Führung auf drei Jahre ausgelegt werden. Parteinachrichten Ginfenbungen für diese Sabri? Find Berlin SW. 6. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin fets a bas Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. redis, zu richten. Berum. Gruppenkonferens am Sonnabend, ben II. Jaff, abends 8 th, Restaurant Modisch, Bernau, Sagegsordnung: Neuwahl ber Gruppenleitung. Bortrag: Die politische Bage. Referent Genosse Gurich- Berfin. nigswusterhausen. Sonnabend, ben 11, Juuli, abends 8 Uhr, im Sieges frana", Stortomer Str. 1, wichtige Mitgliederversammlung und Rahl abend. Anschließend gemütliches Beifammensein. Erscheinen aller Mit alieber ift notwendig. Morgen, Sonntag, den 12. Juli: 22. mersbort. Bormities 10% the Sigung ber Motelfungsfunktionäre beim Genossen Chaym. 84. Abt. Bankwig. Waldfeft Machnower Schleuse. Abfahrt 9 Uhr Lichterfelbe. Oft( Straßenbahn). Nachzibgler werden an der Schleuse erwartet. Gäsbe find willkommen. 04. bt. Marienborf. Rachmittags 2 Uhr Demonstrationsumans burd Tempel. hof und Mariendorf. Sämtliche Parteigenoffen ab verpflichtet, dazan teilzunehmen. Treffpunkt Bahnhof Tempelhof. 90. Abt. Briz- Budow. Die geplante Beranstaltung fällt ans. 104. Abt. Nieberschöneweide. Die Mitglieder beteiligen fich nachmittags 1 thr am Waldfest des Boltschors ,, Güdoften" vom Bahnhof Niederschöneweide aus. Nachaügler nadmittags 22 Uhr am Raisersteg. Jungfosialisten. Gruppe Süden: Treffen frithmorgens 7 Uhr zur Fahrt nach Beelih am Charlottenburger Bahnhof, Eingang Stuttgarter lag. Ge meinsamer Abmarsch vom Bahnhof Beelig früh 9 Uhr. Wir diskutieren mit Genoffen Engelhardt über Arbeiterbildung und proletarische Kulturarbeit". Alle Gruppen find hierzu eingeladen.. Gruppe Reinickendorf: Die Genossen beteiligen fich an der Gesamtkundgebung der GAS. im Schillerpart. Näheres über Treffpunkt und geit ist aus der Mitteilung des Werbebegirts Reinidendorf der SAS. zu ersehen. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend bat gestern im Hause Blanufer 14, an der Ecke der verlängerten Boffener und Alte Jakobftraße ihre 179. Bertaufs ftelle eröffnet. Das Haus ist vom Magiftrat Berlin gebaut und erst kürzlich fertig geworden. Einige schöne Blumenarrangements im Vorgarten waren der Glüdwunsch der Vermieter an die Genossenschaft zur Geschäftseröffnung. Die Verkaufsstelle hilft einem dringenden Bedürfnis in der Gegend des Halleschen Tores ab; für guten Geschäftsgang werden die Bewohner dieses Stadtviertels sorgen. Im Geschäftsjahr 1924/25 hat die Genossenschaft sechs neue Warenabgabestellen eröffnen tönnen, ein Beweis dafür, daß die Inflation und ihre Nachwirtungen Cosialdemokratischer Männerchor Friedrichshain. Souming finat ber Cher auf für Berlins großte Stonsumentenorganisation überwunden find. Der Beirat für Auslandsfudien an der Universität Berlin wird im inter femefter 1925/26 wiederum einen öffentlichen Vortragshursus veranstalten, und zwar diesmal über das Thema Deutschland und die Donauländer. Boraussichtlich werden 10-12 Borträge gehalten werben; fie finben wie immer im Aulagebäude der Universität statt. Die Baumschule Späth in Kegin wird am Sonntag, den 12. Juli 1925. unter Führung des Herrn Direktor Maurer der Firma Späth von der Obst- und Gemüseabteilung der Deutschen Gartenbau- Gesellschaft, Invaliden ftraße 42, besichtigt. Die Teilnahme an der Fahrt steht jedermann fret. Abfahrt morgens 7.17 ab 2ehrter Bahnhof statt. Ausstellung des Selbsthilfebundes der Körperbehinderten bei Wertheim. Diese Vereinigung von Krüppeln, die fich die hohe Aufgabe gestellt hat, den Schidfalsgefährten durch Arbeitsbeschaffung zu helfen, zeigt jetzt die Erzeugniffe ihres Kunstgewerbes bei Wertheim am Leipziger Plat in der Volkskunftabteilung. Es ist viel wirkliche Wertarbeit geleistet, und als etwas ganz Eigenartiges fallen die Bilder in Holzeinlegearbeit auf. Wie die Stimmung durch solch sprödes Ausdrudsmittel erreicht ist, lann erst empfinden, wer vor diesen Werken steht. Aus Raummangel önnen toir nur furz auf die feinen Radierungen, das eigenartige Spielzeug und die duftigen Nadelarbeiten hinweisen. Wir empfehlen aber unseren Lesern, die Ausstellung zu besichtigen. Der Deutsche Studentenbund an der Universität Berlin wird in einer Rundgebung am Montag, den 18. Jult, abends 8 Uhr, im großen Hörsaal der Hochschule für Politit, Schintelplat 6, gegen die Todesurteile des Moskauer Tribunals gegen die brei deutschen Studenten protestieren. Als Redner find vorgesehen: Paftor Möhring- Breslau, der über die Sozialen Aufgaben des deutschen Studenten und Albrecht Graf Montgelas, der über die Politischen Aufgaben des deutschen Studenten sprechen wird. Die Kunstgemeinde Neukölln eröffnet im Herbst thre vierte Winterspielzett. Ein reichhaltiges Programm ist vorgesehen, u. a. Männerchöre, Drchestertonzerte, Lieder und Tanzabende und eine Aufführung der Mathauspaffion von Bach. Mitglieder zahlen für jede Veranstaltung einen Einheitspreis bon 50 Pfg. Anmeldungen werden in allen 8ahlstellen, n. a. bei Gärtner, Wissmannstr. 14, Lindner, Kaiser- Friedrich- Straße 36, Rathaus, Bimmer 254, Drtsstellen Briz, Budow und Rudow entgegengenommen. Nur zehn Minuten später erfolgte ganz in der Nähe, vor dem Hause Kaiser- Allee 222, ein neuer Zusammenstoß. Dort fuhren zwei Wagen der Linien 77 und 177 aufeinander. Auch hier wurden Die Jugendweihe Neuiölln findet am 27. September im großen Saal die beiden Wagen start beschädigt, Personen jedoch der Neuen Belt statt. Anmeldungen in den Borwärtsspeditionen Redarnicht verlegt. Es entstand jedoch eine ein stündige Verstraße 2 und Siegfriedstraße. Anmeldegebühr 50 Pig. tehrsstörung. Die Schuldfrage ist noch nicht geflärt. Jugendweibe für Karlshorst am 20. September in Dberschönewelbe. Anmeldungen beim Genossen Mier, Schenkestr. 3. Folgenschwerer war der dritte zusammenstoß, der sich um 7,50 Uhr nachmittags an der Ede der Borhagener und Warschauer Straße ereignete. Ein Wagen der Linie 176 fuhr auf den Anhänger der Straßenbahnlinie 113 auf. Durch den Anprall wurde die hintere Plattform des Anhängers vollständig eingedrückt und folgende Personen verlegt: Frau Charlotte Kreusch ner, Müncheberger Straße 12, deren Ehemann Paul Kreuschner, die Ehefrau Klara Holländer aus der Wilhelmstraße 65 zu Lichtenberg und deren dreijähriges Töchterchen El friede, der Mitfahrer Erich Sei del aus der Beumestraße 20 und der Kaufmann Baul Fischer aus der Holzmarktstraße 50. Wochenendfahrten nach Helgoland und Wangerooge. Bon Bremerhaven- Lloydhalle werden nach Helgoland oder Nordernei und zurüd bis 14 September und nach Wangerooge und zurüd bis 31. August an jedem Sonnabend dreitägige Wochenendfahrten mit ermäßigten Preisen ausgeführt. Zwischen Bremen und Bremerhaven- Lloydhalle besteht unmittelbarer Anschluß an die Fernzüge und die Dampfer. Die drei Tage gültige Wochen endkarte( Hinfahrt Sonnabends, Rückfahrt Montags) tostet Bremer haven- Lloydhalle bis Helgoland( einschließlich Landungsgebühren) 15 M., Wangerooge( einschließlich Inselbahn) 15 M., Norder nei 27. M. Näheres ist den Fahrplänen zu entnehmen, die in allen Reisebureaus unentgeltlich abgegeben werden. Der Nord deutsche Lloyd unterhält bis zum 31. August außerdem tägliche Berbindungen zwischen Bremerhaven und Wangerooge. Die Dampfer haben durchweg bequeme Schnellzuganschlüsse. SaisonAusverkauf Taifun auf den Philippinen. Philippineninsel wurde am Freitag von einem verbeerenden Zaifun London, 10. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Wefttiste der heimgesucht. Hunderte von Häusern wurden in Manila zerstört, mehr als zweitausend Personen find obdachlos geworden. Erleichterte Einreise in das Saargebiet. Die Regierungs. fommission des Saargebietes hat, wie die Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung erfährt, türzlich die Einreisebestimmungen nach dem Saargebiet wesentlich erleichtert. Zur Einreise in das Saargebiet bebarf es feiner besonderen Genehmigung mehr. Die Reisenden müffen lediglich im Besize eines Basses oder eines sonstigen von ihrer zuständigen Heimatbehörde ausgeftellten Personal ausweises sein. Sie müssen sich innerhalb drei Tagen nach Anfunft im Saargebiet bei der zuständigen Bolizeibehörde anmelden. Die Anmeldebescheinigung berechtigt zu einem Aufenthalt im Saargebiet bis zu zwei Wochen. Wer länger als zwei Wochen im Saargebiet verweilen will, hat eine besondere Aufenthaltserlaubnis, die jeweils bis zu drei Monaten erteilt wird, bei der Regierungskommission des Saargebietes, Abteilung des Innern ( Pazabteilung), unter Vorlage des Ausweises zu beantragen. Sizwelle und Heuschreden in Rußland. In den ersten Jufttagen herrschte in Mittelrußland eine große Hize. In Moskau frieg das Thermometer auf 44 Grad C. Schwere Gewitter und Bla regen brachten eine Abkühlung. In den nordkaukasischen Be zirken haben ungeheure Heuschredenschwärme Wiesen- und Aderland verwüstet. Da mit einer Wanderung der Heuschrecken dem bei Schonert, Alt- Stralau, ftattfindenben Sommerfest des Kretfes Lichtenberg. Anfang 4 Uhr. Erscheinen aller Sangesbrüber it Bflicht. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsteile: Berfin 6. 14, Sebaftianfte, 87/88, Sef 2 St. Ramerabschaft Tiergarten: Sonnabend abend 6½ Uhr Bahnhof Tiergarten zum Ausmarsch. Kamerabschaft Lichtenberg nebst Unter gruppen: Die Rameraden beteiligen fich vollzählig an dem am Sonntag, ben 12., nadymittags 3 Uhr, im Lofal Schonert, Stralan, stattfindenden Sommer eft der SPD. Ortsgruppe Treptow, Kamerabschaft Baumschulenweg: Sonn abens 7 Uhr Mitgliederversammlung, anschließend gemütliches Beifammenfein. Kameraben, erscheint mit Euren Angehörigen recht aahlreich. felberg Jugendveranstaltungen. DeButt: Sabet nach dem Mühlenbecker See was des Jugendam 19. Suli. Heute, Sonnabend, den 11. Juli: Berbebeatr Rentölu: Abends 8 Uhr im Jugendheim Canner Straße, Werbebestets- funktionärkonferenz. Morgen, Sonntag, den 12. Juli: Berbebeşirt Den: Bormittags 11 Uhr Chorilben im Jugendbeim liter Straße 4 Berbebezirk Reinidendorf: Bormittags 7 hr Spielen auf ber ließwiefe. Achtung, Jugenbejor! Die Mitglieder bes Chors treffex fich nach mittags% 4 Uhr im Schillerpark( Nordwiefe). Rue Teilnahme am Jugendfest im Schillerpart treffen fich die Werbebezirke am Sonntag wie folgt: Tiergarten: 14 Uhr Strom-, Ede Turmstraße( Kleiner Tiergart). Webbing: 1 Uhr Bürgerwiese im Schillerpart. Prenzlaner Berg I: 1% Uhr Genefelderplan. Prenzlauer II: 2 Uhr Schönhauser Allee, Ede Bornholmer Straße.- Offen: 1 Uhr Baltenplak. Rrenaberg: 1½ Uhr Morigplan. Beften: 2 Uhr Nordfüdbahn, Bahnhof Geestraße, Nordaus gang. Teltowtanal: 21 Uhr Stadtbahnhof Wedding. Neukölln: 1 Uhr Sermannplag, 2% Uhr Untergrundbahn Geestoake, Nordausgang. Ober Spree: 3 Uhr Bahnhof Wedding. Oftbahn: 14 Uhr Frankfurter Allee( Bahnhof).- Reinidendorf: 11 Uhe Raiferplag in Sermsdorf.. Bankow: 1 1hr Jugendheim Breite Str. 82a, Sämtliche Fahnen und Mafiaftrumente Bub mitbringen. Rodalier Tommen direkt zum Schillerpark. Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, den 10. Juli. 3. Coriolanus( S. Lautenbg.) oto: 45:10 BL: 28, 20, 28:10. Ferner Riefen: Traffus, Prinzessin Etawah, Barillia D, Belvedere, Harlekin, Rottie 1. Rennen. 1 Invasion Beiß, 2. Jmportation( Ch. Mills), Anvil, Kinoftern, Broschüre, Minz. 2. Rennen. 1. Ropete( R. Schuller), 2. Paladin( M. Ringius), 3. Karta( Steinagel). Toto: 129: 10. BL: 27, 14, 61:10. Ferner liefen: Donar, Ettelfried, Langmacher, Die Lezte, Conftans, Duadrat. 3. Rennen. 1. Starbella( Ch. Mills), 2. Heidemann( S THIS), 8. Native Forbes( M. Ringius). Toto: 11:10. BL: 10, 11, 11:10. gerner Hefen: Cuba, Cypreffe II, Clärchen M, Alpenfer 4. Rennen. 1. Herostrat( L. Weiß), 2. Laterne( Jauß fr.), 3. Frida Magowan( Großmann). Toto: 20:10. L: 16, 21, 21: 10. Ferner Hefen: Balwin, Sohlentönigin, Lokomotive, Luftschiffer, Natal, Erbpring. 5. Rennen. 1. Denkmünze( H. Schröder), 2. Cyrano( Hm. Schleufn) 8. Beinminze( D. Schmidt). Zoto: 78: 10. BL: 41, 22, 46:10. Ferner Alpentönig, Duantität, Freibeuter, Sylvia Stout, Charl Mathilde, EtatsHefen: Delos. Modern, Fiamette, Kadette, Alarich. Citade, Kartenspieler, höferin, Schneewolfe, Lindenwirtin. 6. Sennen. 1. Ddeffa( 3. Körting), 2. Barmald( Korzenid).&. Höhenfonne( H. Menzel). Toto: 33:10. BL. 18, 18, 25:10. Ferner lesen: Linsko, Armida I, Karneval, Ballast, Gladiator L 7. Rennen. 1. Abbie( G. Jauß), 2 Starlata( Ch. Mis), & Colonel Boswort( Großmann). Tot.: 39:10, BL: 11, 11, 10:10. Ferner Hefen: Sybil Friseo, Dui vive, Edith Worthy, Joll. abbell( B. Sedert), Lot.: 30:10, BL: 13, 18, 11:10. Ferner liefen: 8. Rennen. 1. Fels( J. Mills), 2. Jnterpellant( Ch. Mills),& Bring Feuerwehr, Berdun, Fiscus, Della, Heidepring I. 9. Rennen. 1. Flatterrose( Mills), 2. Buchbruder( Großmann), 3. ltgold( Elias). Toto: 55:10, BL: 18, 17, 17:10. Ferner Hefen: Batschart, Bainnca, Razbach, Cabiae Arworthy, Cobra, Jeffries jr. Ime riesign Andrang Vine Lourad ist bezeichnend für unsere rücksichtslose Preisherabsetzung Benutzen Sie möglichst die Vormittagsstunden zu Ihrem Einkauf! Damen- 2 Spangen- und Schnürschuhe, mod. Ausführungen 8.90 Braune Damen- Spangen- und Schnürschuhe, nur gute Ausführungen .. 10.90, 8.90 90 Herren- Schnürstiefel, la Rind690 7.90 box ...11.90, 10.90 Braune und schwarze Herren890 Halbschuhe, moderne Formen 890 11.50, 9,50 Restposten und Einzelpaare Schuhfabrik Braune Kinder- Spangenschuhe Gr. 25/26 4.20, 23/24 3.70, 20/22 Braune Sandalen, sehr starke Aus320 führung, Gr. 36/37 5.70, Gr. 31/35 290 4.70, Gr. 27/30 3.70, Gr. 25/26 spottbillig! 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Eine franthafte Geistesstörung, die die freie Willensaber sei bei ihm eine gewiffe Bornesmütigkeit vor. bestimmung nach§ 51 ausschließe, so schloß der Sachverständige, hat zur Seit der Begehung der Straftaten nicht vorgelegen, wohi aber wurde der Beginn der Tat eingeleitet durch einen lebhaften Affeftausbruch, der für die weiteren Handlungen als nicht mehr vorliegend erachtet werben tann. Angerstein erklärte hierzu, daß er ausdrücklich davon Abstand genommen habe, seinen blutbefleckten Anzug zu wechseln. Alles, was er behauptet habe, hätte sich später bemerten? als richtig herausgestellt. Borf.: Haben Sie sonst noch etwas zu Angefl: Wenn ich nun ein offenes Geständnis ablegen und nachwellen würde, daß ich gar keine Unterschlagungen begangen habe? Borf: Ich frage, ob Sie zu den Ausführungen der Sachverständigen etwas zu fagen haben? Anget L: Nein. Limburg, 10. Juft.( Drahtbericht.) Sehr intereffant geftaltete fich| törperliche Belastung mit Inbertulofe angenommen im Laufe der Zeugenvernehmung, die Bernehmung des Professors werden. Daß irgendwelche abnormen Zustände in feinem Leben Soctbert aus Gießen, der schon im Jahre 1922 Frau Angerstein vorhanden gewesen waren, jei nicht erwiesen, ebenso sei tein Beweis an einem nervösen Darmtartarrh behandelt hatte. Eine weitere für die Behauptung erbracht, daß er an Zornesausbrüchen leide; das Untersuchung, so erflärte er, führte zu der Annahme, daß die Frau Gegenteil scheint hier der Fall zu sein. Wenn Angerstein feine weitere sich an einem Geschlechtsleiben ihres Mannes ange. Bluttat mit Blutrausch und Dämmerzustand begründet, so sei zunächst stedt habe, und daß darauf auch die Fehlgeburten zurüdzuführen zu berücksichtigen, daß es sich bei dem Jähzorn um Kleinigkeiten feien. Als ich", so erklärte der Zeuge weiter, Angerstein das vor. handelte, die keinen Grund für einen Mord abgeben. Das Bor: hielt, bestritt er zunächst jeden außerehelichen Berkehr auf das Ent- liegen von Blutrausch oder Dämmerzustand jei schiedenste und behauptete dann plöglich, er hätte ich von ebenfalls zu verneinen, meil ja auch erwiesen fei, daß feiner Frau angestedt. Nach allem guten, was ich vorher Angerstein andere Personen an jenem Tage aus seinem Hause fort über das Cheleben der Angersteins erfahren hatte, erschien mir gefchickt habe, ohne sie niederzuschlagen, und zwar diejenigen, die ihm nicht gefährlich werden konnten, daß er ferner ganz überlegt, innerhalb der Seiten, in denen er diese Zustände gehabt haben will, ge und ich sagte mir, daß in dem Charakter dieses Mannes irgend handelt habe. Ich habe, so endete der Sachverständige, Angerstein etwas nicht stimme. Ich hatte den Eindrud, daß mir eine Komödie als einen guten, beschäftigten Mann tennengelernt, der sich durch vorgespielt wurde und in mir erwachte schließlich der Berdacht, ob eine flare Unterscheidungsgabe auszeichnete, und nichts aufwies, nicht das chronische Darmleiden der Frau auf Bergiftungser woraus man auf irgendeine geistige Umnachtung schließen tönnte. scheinungen zurückzuführen sei. Ich stellte meine Untersuchung dar. Ich gebe mein Gutachten dahin ab, daß ich bei ihm teine Be auf ein, fie verlief aber absolut negativ. Es ist möglich, daß das wußtlosigkeit während der Tat habe feststellen tönnen. Nervenleiden quafi auf Vergiftungen psychischer Natur zurückzuAls nächster Sachverständiger wurde Prof. Dr. Jahrmarder führen sei. Uebrigens sind alle meine Anordnungen im Hause Anger-( Marburg) vernommen, der sich zunächst über das Wesen seiner Gut stein auf das gewissenhaftefte ausgeführt worden. Auf weitere achtertätigkeit in einer längeren Erklärung äußerte und dabei seine Fragen der Verteidigung erflärte der Zeuge, daß er von dem pfychiatrischen Aufgaben scharf umriß. Nach seiner Auffassung babe schlechten Eheleben bei Angersteins fo überzeugt ge- er nur die Zustände der Bewußtlosigkeit zu begutachten, die auf mesen sei, daß er nach Befanntwerden ber furchtbaren Tat den frankhaften Störungen der Geistestätigkeit beruhten. Die Beob Staatsanwalt angerufen habe, er möge doch seine Untersuchungen achtung, so fuhr er fort, hat feinen Anhaltspuntt dafür auch auf Angerstein selbst ausdehnen, beffen Gheleben scheine doch ergeben, daß bei Angerstein eine franthafte Störung ber etwas anders gewesen zu sein, als es allgemein dargestellt würde. Geistestätigteit vorliegt. Es liegt nichts vor, was die An Damals, so betonte er, sei aber von der Täterschaft Angersteins noch nahme einer Geistestrankheit rechtfertigt. Daß er in gewisser Hinsicht nicht im geringsten die Rede gewesen. Als ihm nun später das Ber- schwachsinnig fei, merte man an Unterhaltungen mit ihm. Das Borbrechen selbst geschildert wurde, habe er sich gesagt, diese Lat tönne liegen von Baralyse sei unbedingt zu verneinen. Weiter erklärte nur ein Geistestranter, nicht aber ein normaler Mensch begangen Brofeffor Dr. Jahrmärcker, daß auch eine Gefühlslosigkeit bei Anger haben; und dieser Anficht sei er auch noch heute. Der Beuge be- ftein im Sinne einer tranthaften Störung nicht vorliege, ebenso tonte jedoch ausdrücklich, daß er in dieser Frage nicht tompetent, wenig Sadismus, der an sich überhaupt teine Geistesfrankheit daß er fein Psychiater sei. Auf Befragen des Borsigenden befei. Daß von einer pathologischen Grausamkeit bei Angerstein nicht stätigte der Sachverständige weiter, baß er den Angeklagten niemals gesprochen werden könne, gehe schon daraus hervor, daß der Angeanders als ruhig und beherrscht kennen gelernt habe. Professor flagte nach seiner eigenen Angabe früher nicht einmal Hühner oder Spieß( Frankfurt a. M.) bestätigte die bereits gestern erfolgten Kaninchen habe schlachten können. Geisteskrankheit sei also bei ihm Angaben des Profeffor Pfeiffer über die Tuberkuloseerscheinungen nicht festzustellen und das Ergebnis der Hauptverhandlung habe die bei beiden Eheleuten. Von irgendwelchen Störungen im Gesund Richtigkeit dieser Beobachtung der Sachverständigen bestätigt. Die heitszustand Angersteins, infolge von Goldeinsprigungen und Frage einer erblichen Belastung sei zu verneinen, Röntgenuntersuchungen, war dem Sachverständigen nichts bekannt. ebenso die des Berfolgungswahns, der auch feine Geistestranfheit Die Bernehmung einer ganzen Reihe von Aerzten über die Er- darstelle. Die Frage fei, wie fich die Tat abgespielt habe, wie sie trankung der Frau Angersteins in früheren Jahren ergab taum piychologisch zu beurteilen sei. 3wei Erklärungen seien vorhanden: Zum Schluß äußerte sich der Angeklagte noch auf Wenn man die Schilderung des Angeklagten, daß er im Affekt Wunsch der Verteidigung über das Schlafbedürfnis während gehandelt habe, glaube, so sei zu berücksichtigen, daß Affetthandwarmer. der Untersuchungshaft. Früher fonnte ich sehr wenig schlafen, so lungen feinesfalls die Verantwortlichkeit aus. erklärte er, jest fann ich den ganzen Tag schlafen. Ich gehe um fließen. Hinsichtlich der zweiten Möglichkeit müsse man die 6 Uhr abends im Gefängnis zu Bett und schlafe ruhig bis zum gesamte Ronstellation für den Angeklagten berücksichtigen, die Unter. Morgen. schlagungen, fein förperliches Leiden, sein nicht unerheblicher Ehrgeiz, die Krankheit seiner Frau, die schwer psychopatisch war und deren Nervenleiden nicht ohne Einfluß auf das Seelenleben des Angeklagten bleiben tonnte. Sein ganzes Berhalten nach der Tat entspreche einem überlegten Plan. etwas Neues. Nach der Mittagspause erstatteten dann die psychiatrischen Sachverständigen ihr Gutachten, und zwar zunächst Medizinalrat Dr. Tonbaum ( Limburg). Der Sachverständige ging zunächst auf das Borleben des Angeklagten ein und auf die tuberkulosen Erkrankungen in der Familie des Hüttenarbeiters Angerstein. Bis auf den Fall der Großmutter mütterlicherseits, der noch ungeklärt jei, lasse sich nichts von einer erblichen Belastung in geistiger Beziehung bei dem Angeflagten feststellen. Dagegen müsse unbedingt eine Die Frage, ob er fchon am Sonnabend vorher den Entschluß zur Tat gefaßt hat, müsse vom Gericht entschieden werden. Rach weiteren Darlegungen schloß der Sachverständige: Ich fann vom ärztlichen Standpuntt aus nicht sagen, daß der Angeklagte sich zu der Zeit, in der er die Taten begangen haben mill, in einem Zustande frant hafter Störung der Willensbestimmung befand. Der dritte SachDen Reigen der Sachverständigen schloß Profeffor Herberz von der Universität Bern, der es als feine Aufgabe bezeichnete, über bie Art der Willensbestimmung des Angeklagten Auskunft zu geben, fowie darüber, ob bei Begehung der Tat bewußte Einsicht und Fähigfeit des Täters vorhanden war, bewußt seinen Willen zu bestimmen. Die Pfychologie, fo führte er aus, wäre eine Hilfswissenschaft für eine Reihe anderer wissenschaftlicher Gebiete, insbesondere für die Psychiatrie. Notwendig fei es bei ber Beurteilung des Angeklagten, nicht an dem Oberflächenbewußtsein haften zu bleiben, sondern in das Unterbewußsein, in das Unbewußte, hinabzusteigen. Er schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß der Plan zu dieser verhängnisvollen Tat schon lange in den tiefsten Tiefen Angersteins geschlummert und langsam empor gedrungen fei, bis zu dem gegebenen Augenblid, in bem er mit großartiger Folgerichtigkeit ausgeführt worden fei. Bei der Frage, ob in diesem Falle§ 51 anzuwenden sei, müsse vor allen Dingen der Unterschied zwischen Ausführungsplan und Unterstüßungsplan berücksichtigt werden.- Die psychiatrischen Sachverständigen erklärten, daß die Ausführungen des Profeffor Herberz sie in ihrer Auffassung nicht beeinflussen fönnten, und es gab einige minutenlange Erklärungen und Gegenerklärungen mit furzen wissenschaftlichen Darlegungen. Hierauf wurde die Bemeisaufnahme geschlossen. Da die Verteidiger sid außerftande ertiärten, ohne Pause bereits am heutigen Sonnabend plädieren zu fönnen, vertagte bas Gericht nach furzer Beratung die Berhandlung auf Montag früh 9% Uhr. Wetter für Berfin und Umgegend. 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Graefe( Böll.) erhebt hiegegen Einspruch. Gegen die Stimmen der Völkischen wird dieser Einspruch zurüdgewiesen. Nachdem noch der Entwurf eines vorläufigen Handelsabkommens zwischen Deutschland und der belgisch lugem= burgischen Wirtschaftsunion an den Auswärtigen und Handelspolitischen Ausschuß überwiesen worden ist, tritt das Haus in die 2. Beratung des Gesetzes über die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen ein. Abg. Keil( Soz.): Bon beiden Gesetzen, die der Lösung der Aufwertungsfrage dienen sollen, steht nur das eine auf der Tagesordnung, das sich mit der Aufwertung der privtarechtlichen Ansprüche befaßt. Das zweite Gefeß, das die öffentlichrechtlichen Ansprüche regeln soll, wird noch besonders zu behandeln sein. Bei pem engen Zusammenhang der beiden Materien ist es nicht zu vermeiden, daß man in der Debatte auch jetzt schon auf das zweite Gesetz übergreift. In der Hauptsache beruht das Gesetz auf einem Kompromiß der Regierungsparteien untereinander. Im Laufe der Verhandlungen des Ausschusses hat es mehrfache Aenderungen erfahren, die zum Teil Berbesserungen, zum Teil Berschlechterungen bringen. Soweit Verbesserungen im Ausschuß erzielt wurden, darf ich ohne Ueberhebung sagen, daß das der Ar= beit meiner Partei in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Best zum großen Teil zu verdanken ist. Ohne unseren ständigen Kampf für die Interessen der verarmten Gläubiger wären auch diese bescheidenen Verbesserungen nicht erreicht worden. An den Verschlechterungen tragen die Regierungsparteien die Schuld, wir lehnen jede Berant mortung dafür ab. Vergleichen wir die Vorlage des Ausschusses mit den Erwartungen der Gläubiger, so ergibt sich ihre vollftändige Unzulänglichkeit und Ungerechtigkeit.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Sozialdemokratijche Partei hat nie einen Zweifel daran gelaffen, daß sich die gewaltige Verschiebung der Bermögensverhältnisse durch Krieg und Inflation niemals wieder restlos ungefchehen machen lassen kann. Aber sehr viel Elend, not und Summer läßt sich noch mildern. Das ist auf verschiedenen Wegen möglich. Einmal durch eine soziale Lösung. Von meiner Partei ist dieses Problem früh zeitig in die Debatte geworfen worden, wir haben Vorschläge dieser Richtung wiederholt zur Diskussion gestellt. Sie haben feinen Anflang gefunden, man ist den Weg der rechtlichen Lösung ge= gangen. Damit werden in vielen Fällen nur geringe Bruchteile, in anderen Fällen überhaupt nichts von den früheren Rechten der Gläubiger wieder hergestellt. Nicht einmal in den Fällen, wo das möglich gewesen wäre, ist etwas geschehen. Nicht wenige frühere mohlhabende Frauen und Männer, die für den Abend ihres Lebens gejpart hatten, müssen im Elend verharren. Wir haben die Schwierigteiten des Aufwertungsproblems nie geleugnet. Aber ich bin doch überzeugt, daß eine beffere und gerechtere Lösung möglich gewesen wäre ohne Gefahr für die Wirtschaft, die auch technisch leicht durchführbar gewesen wäre. Nur ein Teil der Gläubiger und Sparer hat unerfüllbare Forderungen gestellt. Ein anderer, nicht fleiner Teil der Gläubiger und Sparer waren sich der Grenzen des Möglichen wohl bewußt. Aber dieser Teil, der nach den Wahlversprechungen noch Hoffnungen hegte, ist jetzt enttäuscht worden. Ich glaube, daß der Vorwurf nicht berechtigt ist, den Herr Hergt in einer Zeitung gegen die Gläubiger erhoben hat, daß sie nicht denselben Frontechsel mit den Deutschnationalen vollzogen haben. Nicht alle deutschnationalen Wähler haben dieselbe Wandlungsfähigkeit wie ihre Führer. Eine andere wichtige Beobachtung ist noch zu machen von der man nicht weiß, wie weit sie den Rechtsparteien, besonders den Deutschnationalen selbst zum Bewußtsein gekommen ist. Die Gläubiger und Sparer befanden sich früher zum großen Teil in guten Vermögensverhältnissen, sie übten auf die Rechtsparteinen einen gewissen Einfluß aus, fie gehörten zur sogenannten guten Gesellschaft. Heute sind sie von ihren Freunden verlassen, es zeigt han ihnen, daß das Wort Heines richtig ist: Wenn du aber gar nichts hast, oh, so lasse dich begraben, denn ein Recht zu leben, Lump, haben nur, die etwas haben. Die Deutschnationale Barter sucht neuerdings in Flugblättern ihr schwererschüttertes Ansehen bei ihren Wählern dadurch wieder zu retten, daß sie behauptet, sie habe nichts versprochen, was sie nicht gehalten habe( Lachen links). Hier ist ein folches Flugblatt, unterzeichnet" Deutsch nationale Schrif tenvertriebsstelle, Berlin S., Dessauer Str." Darin wird aufgezählt, was alles erreicht worden ist und daß von einem gebrochenen Wahlversprechen der Deutschnationalen feine Rede sein könne. Der Redner zeigt ein anderes Flugblatt mit derselben Unterschrift. Es ist überschrieben:" Sparer, Rentner, Hypothekenciäubiger" und wurde vor der Wahl am 7. September von den Deutschnationalen verbreitet. Es heißt darin, daß niemals so großes Unrecht wie den Gläubigern geschehen sei, es sei an ihnen ein Raub verübt worden und zwar von den Sozialdemokraten, von Bolkspartei und Zen un( Lachen links). Zu den Räubern zählen also auch Zentrum und die Bolkspartei, die heutigen Koalitionsbrüder der Deutschnationalen.( Heiterkeit). Es wird diesen Parteien zum Vorwurf gemacht, daß sie an der 3. Steuernotverordnung schuld seinen, die bis heute aufrecht erhalten worden sei. Das Flug blatt tritt ein für Aufhebung der 3. Steuernotver= ordnung. Wir missen, welchen Widerstand gerade die Deutschnationalen dieser Aufhebung entgegengesetzt haben. Das Flugblatt tritt ein für die Wiederherstellung des Rechts der MARKE SALA Abrechnung vor dem Reichstagsplenum. mehr aber für die Jntereffen der Inflationsgewinnler. Fast auf jeder Seite der Vorlage tritt die Sorge dafür zu Tage, daß die Schuldner, die sich bereichert hatten, nicht geschädigt werden. Die Gläubiger, die ihr gutes Geld für die Anleihen gegeben haben, sollen jetzt mit Brosamen abgespeist werden, dagegen wissen Sie piel besser die Ansprüche der Spetulanten, die mit entmertetem Papier sich in den Besitz von Anleihen gejezt haben, anzuerkennen. Diese Spetulanten haben darauf gehofft, daß einmal eine deutschnationale Regierung fommen würde, die ihre Forderungen anerkennen würde. Sie sind nicht enttäuscht worden, diese Regierung ist da. Interessant ist es, daß jetzt diefelben Kreise, die draußen im Lande behaupten, sie mollten der Börse Fesseln anlegen, jezt vor der Börse zurückweichen, die neulich einen Tag lang gestreift hat, als wir den Neubesizern von Anleihen die Hälfte gestrichen hatten. Gläubiger und Sparer unter voller Berüdsichtigung| Die Partei der Schuldner, die sich bereichert haben, und die Partei des Bestschen Gesezentwurfs, allerdings wird hier hin der Gläubiger, die verarit sind. Für uns ist es gar keine Frage, zugefügt, soweit die wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten( hört, daß wir uns nur auf die Seite der letzteren stellen können. Während hört!) Weiter wird die Wiederaufnahme des Zinsendienstes ver- aber die Deutschnationalen nicht das geben, was sie versprochen sprochen und zum Schlusse heißt es:„ Die Deutschnationalen machen haben, wollen wir ihnen geben, mas mir nicht versprochen haben. fich also Eure gerechten Forderungen zu eigen."( Hört, hört!) Ich will dann an die Erklärungen erinnern, die zahlreiche deutschnationale Das Kompromiß, das die Regierungsparteien beschlossen haben, hat wenig Verständnis für die Intereffen der Gläubiger, um so Abgeordnete vor der Wahl öffentlich unterschrieben und worin fie fich zur Durchführung des Antrags Best verpflichtet haben.( Hört, hört!) In einer Erklärung an die Wähler des Wahlkreises West falen- Nord vom 2. Dezember 1924 heißt es, daß die deutschnationale Reichstagsfraktion Dr. Best, wenn er als deutschnationaler Abgeordneter im Reichstage sigen, in jeder Hinsicht unterstügen würden. Unterschrieben ist diese Erklärung' n. a. von Dr. Hugenberg und Graf Merveldt.( Lebhaftes Hört, hört!) In einer weiteren Erklärung vom Oftober 1924, die vom deutsch nationalen Parteivorstand unterzeichnet ist, wird gesagt, daß ein fefter Rechtsanspruch auf eine angemessene Berzinsung der öffentlichen Anleihe geschaffen werden soll. In einer Rede hat Herr Hergt gesagt, als früherer Finanzminister habe er für die Anleihen die lezten 10 m. herausholen lassen, er mache sich jetzt stark dafür, daß sie bis auf den letzten Pfennig wieder zurüderstattet werden.( Stürmische Heiterkeit.) Wenige Tage vor der Wahl im Dezember 1924 hat der Borsigende der deutschnationalen Fraktion Graf estarp an einen Bertreter der Aufwertungsbewegung Röhler ein Schreiben gerichtet, worin er beton, t daß er fich fast in jeder seiner Wahlreden im Sinne der Forderungen der Gläubiger ausgesprochen habe und er weise darauf hin, daß Herr Best an sichere Stelle gekommen sei, die Deutschnationalen würden in gemeinsamer Arbeit mit ihm Recht und Gerechtigkeit wiederherstelle.n( Stürmische Heiterfeit.) Herr Dr. Best hat ja dann recht eigenartige Erfahrungen gemacht. Die eigene Fraffion hat ihm den Stuhl vor die Tür gefeht, und wenn nicht die sozialdemokratischen Fraktion ihm die Möglichkeit verschafft hätte, im Ausschuß mitzuarbeiten, dann wäre derselbe Abgeordnete, mit dem die deutschnationalen Führer Wahlgeschäfte gemacht hatten, den sie in jeder Weise unterstützen wollten, von aller praktischen Mitarbeit ausgefchloffen gewesen.( hört! hört!) ( Hört! hört!) Herr Hergt hat in einer Bersammlung ausgeführt, daß selbst die Sozialdemokraten nicht für den Bestschen Entwurf gestimmt hätten. Dazu will ich bemerken, daß eine Abstimmung gegen unseren Wunsch nicht herbeigeführt woren ist. Aber hat Herr Hergt ein Recht dazu, sich gegen uns zu wenden? Nicht ein Sozialdemokrat hat sich uneingeschränkt auf den Boden des Bestschen Entwurfs gestellt, wohl aber die deutschnationalen Parteiführer vor der Wahl. Nicht die Haltung der Sozialdemokratie hat sich also geändert, sondern die Haltung der Deutschnationalen.( Sehr richtig! bei den Soz.) Nun verschanzen Sie sich hinter den Vorbehalt, daß Sie den Beſtschen Entwurf verwirklichen wollten, soweit die wirtschaftlichen Berhältnisse es gestatten. Die Frage ist: Gind die wirtschaft lichen Verhältnisse wirklich so, daß nicht mehr geschaffen werden fonnte als es im Ausschuß geschehen ist? Fragen Sie doch Herrn Steiniger, ob es unmöglich gewesen wäre, die Wünsche der Gläubiger mehr zu berücksichtigen. Wenn er mit dem Kompromiß einverstanden gewesen wäre, dann hätte er nicht fluchtartig den Ausschuß verlassen als es beschloffen wurde. Er hätte auch nicht jagen fönnen:„ Es muß noch im Reichstag Männer geben, die ihr Wort halten." Fragen Sie doch weiter Ihren Parteigenossen und früheren Fraktionskollegen Grafen Bojadowsky, dem Sie jetzt zu seinem 80. Geburtstag so reichlichen Lorbeer gespendet haben. Posadowsky hat sich in den letzten Wochen mehrfach mit der Aufwertungsfrage befaßt, und es ist bezeichnend, daß seine Auffäße darüber in einer Korrespondenz, die sonst von der deutschnationalen Bresse start benutzt wird, dort nicht abgedruckt wurden. Er bezeichnet es als politisch unmöglich, daß die Deutschnationalen für das Aufwertungsfompromis ftimmen könnten, da das im schärfften Gegensatz zu ihren Berfprechungen und Forderungen stehen würde.( hört! hört! bei den Goz.) In einem anderen Auffaz bezeichnet er die jetzige Aufwertungsgesetzgebung als ein dunkles Blatt, dessen politische und fittliche Folgen nicht ausbleiben fönnten und die sich jetzt schon im öffentlichen und geschäftlichen Leben zeigen. Ich ersuche die Regierung um Auskunft darüber, in welchen Händen der Neubesig ist und welche Bewertung er bei der Aufstellung der Goldbilanz gefunden hat. Ich frage die Regierung weiter, was sie zu fun gedenkt, um den Mißbrauch des Borstandes der Berliner Börse mit ihren Befugnissen zu unterbinden. Ein staatlich tonzeffioniertes Institut ist nicht dazu da, um mit solchen Mitteln eine Pression auf die Körperschaften auszuüben, die pflichtgemäß ihre geseggeberischen Arbeiten zu erledigen hat. Wir haben nunmehr einige Verbesserungsanträge eingebracht und erwarten deren Annahme. Wir verlangen dazu die Erfassung der Inflationsgewinne, ohne die unsere Aufgabe nicht völlig gelöst werden kann. Während die Regierung und die Rechtsparteien den Großgrundbefizern und den Großindustriellen durch Z3ölle größere Profite zuführen, erhalten die Gläubiger eine Verschlechterung ihrer Lage durch die Erhöhung der Lebensmittelpreise infolge der 3 ölle. Auch die Gläubiger, die ihre Hoffnungen auf Hindenburg gejetzt haben, der als alter Soldat sich die Freiheit seiner Handlung bewahren wollte, sollen ieht enttäuscht werden. Wenn der Reichstag dem Kompromiß zugestimmt hat, dann wird auch Hindenburg seine Unterschrift geben und damit wird das Bertrauen, das so manche auf den„ Retter" gefeht haben, Zerstört sein.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bir Sozialdemokraten werden aber trotzdem alles tun, um unseren seit Jahrzehnten geführten Kampf fortzusetzen für die verarmten Enterbten.( Stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) ( Schluß des Berichts im Hauptblatt.) Aus der Partei. Studium der Minoritätenfrage. Die von der Erefutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale eingesezte Kommission zum Studium der Frage der nationalen Minoritäten trat anläßlich der Bureausizung der SAJ. am 4. Juli in London zu ihrer tonftituierenden Sizung zusammen. Die Kommiffion besteht aus den Genossen De Broudere( Belgien), C. R. Burton( England), Bauer( Desterreich) und Abramo witsch( Rußland). Letzterer war bei der fonstituierenden Sizung durch Dan( Rußland) vertreten. Die Kommission wählte zu ihrem Vorsitzenden De Brouckere ( Belgien), zum provisorischen Schriftführer Burton( England). Sie erörterte ihren Arbeitsplan, bestimmte die Reihenfolge der zunächst in Angriff zu nehmenden Probleme und verteilte die Referate unter ihre Mitglieder. Es wurde beschlossen, daß die Kommission während des Internationalen Kongresses in Marseille ihre nächste Sigung abhalten wird. Arbeitersport. Arbeiter- Olympiade Frankfurt am Main. Für die Teilnehmer, die anschließend an der Olympiade größere Fernwanderungen( Alpen, Allgäu, Banerisches Hochland) unternehmen, gleichzeitig auf die Rückfahrt von Frankfurt am Main verzichten müssen, tonn für die Hinfahrt nach Frankfurt a. M. eine Fahrpreisermäßigung von 25 Bros. bei einer Mindestteilnehmerzahl von 30 Berionen in Frage kommen. Dasselbe gilt auch für die Rückfahrt von Oberstdorf, Immenstadt oder München nach Berlin in der Seit vom 6. bis 8. Auguft. Berfönliche Meldungen umgehend an Walter Richter. Barticleiter, Berlin D. 112, Schreinerstr. 38, n. 4 Tr. Nun behaupten die Deutschnationalen, die Sozialdemo fratie habe ihre Auffassung geändert, seitdem sie in Opposition fteht. Wie ist es damit? Wir standen schon in Opposition als die 3. Steuernotverordnung erschien. Wir haben die Verordnung nie gebilligt, aber wir hatten Verständnis für die Entschlüsse der Regierung in jener Situation, die anders war als die heutige.( Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Wir haben jedoch mit der zunehmenden Stabilisierung gefragt, wo die Grenzen für eine Aufwertung zu finden seien. In dem Maße, wie die Verhältnisse sich besserten, haben wir auch unsere Zugeständnisse erhöhen tönnen, Sie aber haben es umgekehrt gemacht. Sie haben Ihre Zugeständnisse verkleinert, je mehr sich die wirtschaftlichen Verhältnisse besserten. Wir haben uns entwickelt, das ist richtig, aber nach vorwärts, während Sie sich nach rückwärts entwickelt haben. Nun berufen Sie fich auf eine Rede, die der Abgeordnete Hilferding im Mai 1923 im Reichswirtschaftsrat gehalten hat. Nennen Sie mir einen Führer Ihrer Partei, der in der damaligen Zeit der Hochflut der Inflation die Möglichkeit einer Auswertung bejaht hätte? Erst viel später ist die Möglichkeit einer Aufwertung zur Sprache gekommen ampfrichter erscheinen. Berhinderte Stampfrichter teilen bis zum 20. Juli und zwar im Oktober durch den Abgeordneten Dühringer. Richt ein einziger aus Ihrem Kreise hat damals Herrn Dühringer unterfühl.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Mit welchem Recht Reinickendorf: GC. Tegel- Sertha 22 in Tegel; BFB. 2- TBC. 2 in Köpenid. fönnen Sie gegen Hilferding auftreten, wenn Ihre eigenen Parteigenossen damals mit ihm einmutig und bis auf den letzten Mann jede Aufwertung abgelehnt haben.( hört, hört! bei den Sozialdemofraten.) Es kommit überhaupt nicht darauf an, was im Jahre 1923 zur Zeit der Inflation gesagt worden ist, sondern darauf, was 1925 getan wird.( Sehr wahr! bei den Sozialdemofraten.) 3wei Parteien stehen sich in der Aufmertungsfrage gegenüber. Ausschreibung. Der Arbeiter- Sportverein Adlershof begeht am Sonnabend, den 8. Auguft, anläßlich feines Stiftungsfeites feinen diesjährigen Straßen. auf um 6% Uhr abends. Die Strede beträgt 2500 Meter und find 10 Läufer erforderlich. Um rege Beteiligung der Brudervereine wird gebeten. Meldefchik Montag, den 3. Auguft, an Erich Schmidt, Adlershof, Bismardftr. 31. Kampiri tervereinigung. Die Vereinsmehrtämpfe am 2. Auguft im Lichten. berger Stadion erfordern, daß alle Rampfrichter reftios antreten. Am 20. Juli, abends 8 Uhr, findet auf dem Fichteplak in Treptow eine Rampfrigterlikung statt. Sierzu müssen auch die von den gemeldeten Bereinen delegierten Erlog mit, ob sie am 2. August antreten. In der Sigung findet gleichzeitig die Ausgabe der neuen Rampfrichterausweise statt. Arbeiter- Fußballspiele. Sonnabend abend 7 Uhr: Borussia-- Sennigsdorf in Sonntag, den 12. Juli: 3mischenrunde im 2.- I- Turnier auf dem Blak in der Annaftitraße; ferner: Birkenwerder gegen Einigkeit in Birkenwerder: Abler 12 gegen Berolina in der Christianiastraße: Sparta 11 gegen Pankow 08 in Lich tenberg: Bilmersdorf gegen Belten in Wilmersdorf: Charlottenburg gegen Tasdorf in Charlottenburg: BfB. gegen Alt- Glienice in Aöpenid: BG8, 16 msc. 2 gegen Sertha 2 in Mariendorf: Briefelang geeen Belten 3 in Briefegegen Tasmania in Friedrichsfelde: Retichendorf gegen MSC. in Retschendorf: lang. Spielanfang der 1. Mannschaften 5 Uhr, vorher untere Mannschaften. Abler- Sportplah, Chriftianiastraße. Sonnabend, den 11. Juli, großes Fuk ballwettspiel zwischen Alemannia I und Adler 12 1. Spielanfang 6 Uhr abends. Da Gleichwertigkeit beider Mannschaften, ist interessanter Sport zu erwarten. SCHON DAUERHAFT PREISWERT MAND TRAGT BRAUNE SALAMANDER Wirtschaft Die günstige Lage der Landwirtschaft. Um die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft richtig beur. teilen zu können, gibt es feinen besseren und aufschlußretcheren Anhaltspunkt als den Preisvergleich zwischen landwirt. schaftlichen Produktionsmitteln und Produtten. Die Schwierigkeit bei solchen Preisgegenüberstellungen liegt jedoch darin, daß sie sich meistens nur auf mehr oder weniger willtürlich herausgegriffene Produktionsmittel und Probufte stügen fönnen. Eine der am häufigsten angewandten Gegenüberstellungen ist die von Getreide und Kunstdünger. So wichtig die beiden Waren auch sind, so ist das Bild, das eine solche Gegenüberstellung ermedt, naturgemäß immer ein einseitiges; einer erheblich gestiegenen Kauftraft des Getreides für Kunstdünger tann eine sehr verminderte Rauftraft eines anderen landwirtschaftlichen Produftes, zum Beispiel Bich, gegenüberstehen, und ebenso fönnen andere Produktionsmittel, zum Beispiel Maschinen, erheblich stärker im Preise gestiegen sein als gerade der Kunstbünger. Diese Unsicherheit in der Preisvergleichung war von den Landwirten weiblich ausgeschlachtet worden; in dem sicheren Gefühle, daß man ihre Behauptungen nicht widerlegen fönne, behaupteten sie, daß die bekannte Preisschere", also das Berhältnis der von der In dustrie gelieferten landwirtschaftlichen Produktionsmittel( Kunst. bünger, Geräte uji.) zu den vom Landwirt erzeugten Brobuften ( Getreide, Kartoffeln usw.), zu ihren Ungunsten geöffnet sei, d. h., daß die Produktionsmittel gegenüber der Borfriegszeit te urer jeien als die mit ihrer Hilfe gewonnenen Produkte. Diesen Be hauptungen wird jeht ein jähes Ende bereitet durch eine Berechnung die einer der Sachverständigen vor dem Reichswirtschaftsrat, Dr. Friz Baade, auf Grund von Angaben durchgeführt hat, die von Landwirtschaftlicher Seite stammen, von der Landwirtschaft alfo feinesfalls angefochten und bezweifelt werden fönnen. Aus einer Zusammenstellung der Ausgaben, die ein Landwirt im Durchschnitt für den Heftar im Jahre 1924 aufwendete( veröffentlicht in der Landbundzeitung der Provinz Sachsen), und den Preisveränderungen der einzelnen Bosten, die ihm das Statistische Reichsamt zur Ber. fügung stellte, tonnte Dr. Baade nach meifen, daß die induftriellen Produktionsmittel fich für den Landwirt im gewogenen Durchschnitt nur um rund 12 Proz. höher stellten als vor dem Kriege. Die Berechnung, bringen wir am Schlusse des Artikels. Demgegenüber haben sich nach einer vom Statistischen Reichs amt berechneten 3nderzahl die Agrarerzeugnisse zur gleichen Zeit( Mai 1925) um 30 Broz gehoben, so daß die Preisschere, wie eine leichte Rechnung ergibt, mit 16 Proz. zugunften der Landwirtschaft geöffnet ist. Run fällt an den vom Landbund mitgeteilten Zahlen eines auf: der hohe Stidstoffverbrauch. Würde man diesen für die gesamte landwirtschaftlich genußte Fläche im Deutschen Reich zugrunde legen, so täme man auf einen Gesamtbetrag, der viermal höher wäre als der tatsächliche Stickstoffverbrauch. Daraus folgt, daß die deutsche Landwirtschaft im Durchschnitt noch lange nicht den Intensitätsgrad erreicht hat, der nach dem Beispiel der Provinz Sachsen durchaus möglich wäre. Da nun die Landwirtschaft ständig behauptet, daß die Preisverhältnisse vor dem Kriege für sie durchaus günstige gewesen seien, so schließt Dr. Baade mit Recht, daß das Preisverhältnis jegt noch viel günstiger für sie läge; ergibt sich doch aus seiner Berechnung, baß es fich mit 16 Broz. zugunsten der Landwirtschaft verschoben habe Die gegenwärtige Preislage, meint Baade, biete sämtliche Voraussetzungen zur allge. meinen 3ntensitätssteigerung. Was einer solchen Steigerung gegenwärtig im Wege stehe, fet lediglich die ungenugende Ausbildung bei der überwiegenden Mehrheit der Landwirte. Richt die Preise müßten eine fünftliche Korreftur durch Zölle erfahren, nicht die Kauftraft der Landwirte auf Kosten der Verbraucher fünft lich gesteigert werden, sondern die Landwirte müßten durd; Ausbau des landwirtschaftlichen Unterrichtswesens und durch eingehende Betriebsberatung dahin gebracht merden, die Intensität auf dasjenige Maß zu heben, das durch den modernen Stand der Technik und die gegenwärtigen Preisverhältnisse ohne weiteres erreichbar fei. Die landwirtschaftlichen Produktionsfosten. Ausgaben pro Geftar im Jahr 1924 Gegenftan b Düngemittel Stidhoff Phosphor. Stali. Stalt. • Pharmazeut. Bräparate Beizmittel Schädlingsvertilgung Tierheilmittel . Inländische Straftfuttermittel( außer pflanzlichen) Inländische Fleisch- u. Fischabtane Räbrfalдe Brenn- und Setaftoffe. Anteil an der Gesamtausgabe, umgerechnet Mart auf 1913 Pros Inder Mai 1925 57.31 50,24 43,25 39,88 7,74 5,08 92,9 89,9 110,4 5,25 4,65 1,07 0,63 92,7 140,4 2,72 • 1,67 188,1 0,41 0,24 135,0 0,22 0,16 116,0 2,09 1,27 135,0 1,21 0,88 124,3 0,75 0,55 120,0 0,46 0,28 138,0 13,59 8,85 122,9 8,71 2,26 122,8 8,00 5,09 120,3 0,45 0,42 145,5 1.48 0,64 180,0 13,92 9,86 115,3 7,77 5,44 115,0 4,05 3,00 112,6 0,46 0,33 114,0 Flüffige Fette 1,64 1,09 125,0 Reparatur Material. 88,68 20,16 142,4 Maschinen und Geräteersagteile Schmiede- u. Schloffermaterialien Stellmacher- u.Tischlermaterialien 14,82 9,00 187,4 8,31 5,62 124,4 6,75 8,62 170,2 8,80 1,92 156.0 13,74 8,89 131,3 10,87 7,21 125,0 0,56 0,38 140,4 1,26 0,76 168,0 1.05 0,59 Steinkohle und Kols Braunlohle Torf Sola . Straft und Beuchtstoffe. Elektrizität Benzin. Fefte ette • Sattlermaterial Baustoffe. Bement. Stalt. Biegel • • Dadbedermaterial 158,6 186,17 100,00 111,73 Hamburg tauft von Sfinnes. Wie nunmehr die Staatliche Breffeftelle mitteilt, hat der Hamburger Staat nach längeren Ber handlungen die Attien der Gesellschaft für Erwerb und Berwertung von Industrie- und Hafengelände zu Neuhof erworben. Die Ge sellschaft befißt ein baureifes Gelände von etwa 500 000 Quadrat meter auf Wilhelmsburg. Gute Ernte aussichten. Ueber den Saatenstand im Deutschen Reiche Anfang Juli 1925 wird amtlich gemeldet: Das bereits im Mai herrschende warme und trodene Wetter hielt überall noch bis Mitte Juni an. Erst dann gingen bei ziemlich hielt überall noch bis Mitte Juni an. Erst dann gingen bei ziemlich Starter Abkühlung zunächst in Nord- und Mitteldeutschland, wenige Tage später auch im übrigen Deutschland die lange ersehnten Regen nieder, die aber in verschiedenen Gegenden des Reichs für den ausgedörrten Boden nicht ausreichten. Die Winterhalmfrüchte haben die Trodenperiode noch verhältnismäßig gut überstanden, obgleich auf leichten Böden namentlich bei Roggen etwas Notreife eingetreten ist. Die günstige Beurteilung des vormonatlichen Standes hat sich auch jetzt nicht wesentlich geändert. Im allgemeinen werden die voraussichtlichen Ernteerträge als befriedigend. teilweise noch besser bezeichnet. Das Sommergetreide wird durchweg weniger günstig beurteilt. Für die Entwicklung dieser Saaten waren die Niederschläge in der zweiten Junihälfte zu spät gefommen und nicht ausgiebig genug. Infolgedessen sind die Pflanzen im Wachstum zurüdgeblieben und teilweise, vor allem Gerste und Hafer, sehr stark mit Untraut durchsetzt. Auch die Hadfrüchte haben durch die Trockenheit etwas gelitten. Die inzwischen eingetretenen Regenfälle dürften den Schaden jedoch bald wieder ausheilen. Die bereits im Anfang der Blüte Stehenden Kartoffeln zeigen häufiger Lücken. Das Verpflanzen der Rüben war mangels Regen noch nicht beendet. Manche Rübenfelder mußten, weil sie vertrocknet waren, neu bestellt werden. Der erste Schnitt der Futterpflanzen und Wiesen ist größtenteils beendet. Die Heuerträge find bei Klee, Luzerne und ben feuchten Wiesen zumeist recht befriedigend und von guter Beschaffenheit, bei den trockenen Wiesen geringer. Der Nachwuchs läßt überall sehr zu wünschen übrig, da die abgemähten Flächen ausgebrannt find. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2= gut, 3= mittel, 4= gering, ergibt sich über den Stand der Saaten im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Winterweizen 2,4 ( im Bormonat 2,4), Sommerweizen 3,1( 2,7), Winterspelz 2,3( 2.4), Winterroggen 2,5( 2,4), Sommerroggen 2,9( 2,8), Wintergerſte 2.5 ( 2,5), Sommergerſte 2,9( 2,6), Hafer 3,2( 2,8), Kartoffeln 2,7( 2,7), Buderrüben 2,8( 2,7), Runfelrüben 2,9( 2,7), Atlee 2,7( 2,4), Luzerne 2,7( 2,4), Bewässerungswiesen 2.4( 2,2), andere Wiesen 2,9( 2,5). Die Indufftie- und Handelskammer Breslau gegen die Autozölle. Wie gemeldet wird, hat auch die Industrie- und Handelsfammer Breslau sich gegen die hohen Autozölle ausgesprochen. Sie ist zu dem Schluß gekommen, daß die in der Novelle vorgesehenen Säße viel zu hoch gegriffen sind. Da die deutsche Automobilindustrie zurzeit nicht in der Lage ist, auch nur im entferntesten die Nachfrage zu befriedigen, ist daher eine wesentliche Herabsetzung der Zou säge erforderlich. Sie habe den Deutschen Industrie- und Handelstag gebeten, bei der Reichsregierung nachdrücklich auf die Herabsegung der Autozölle hinzuwirken. Bayerische Gemeindebant( Girozentrale)". Die Verbands bersammlung des Landesverbandes Bayerischer Sparlassen hatte zum Mittelpunkt der Tagung die Affäre und um organisation der Bayerischen Girozentrale. Nachdem die Schuld. frage hinsichtlich der an den Lehrer von Siemens- Stonzern bewährten Kredite beiseite geschoben worden war, nahm man eine Neuabfassung des Statuts bor, deren Wesentlichstes in der Trennung der Verwaltung und der Bantabteilung besteht. Die Firma wird umgeändert in: Bayerische Ge meinbebant( Girozentrale) öffentliche Bantanstalt. Das Kapital ist auf 6 Mia MM. festgelegt. SAISON AUSVERKAUF Beginn 1. Jull Bis zur in fast allen Abteilungen Mengenabgabe vorbehalten Hälfte Waren in den bekannt guten Qualitäten herabgesetzt sind die Preise unserer und HalbHerren- Stiefel Schuhe in schwarzem Rind- Box, moderne schöne Form, auch in brannen Halbschuhen mit farb. Einsätzen. Gute Qualität... Jetzt Paar Ein Posten Damen- Spangenschuhe elegante Ausführung, in Lackleder und braun Boxcalf, mod. Form, unsortierte Grössen, Paar 50 50 Ein Posten ca. 2000 Vollvoile- Blusen u.- Jumper aussergewöhnlich billig SERIE I 390 Wert bis jetzt 9,75 SERIE II Wert bis jetzt 13,50 490 Ein Posten Herren- und BurschenHerren- Lostersakkes Gummimäntel mit Armfutter Herren- Socken prima Beidengriff, mit Doppelsohle n. 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Der alte„Thomm" aber, wenn er das hört«, schüttelte seinen zottigen Schädel, lachte schäkernd und klähte:„Äo sei, ko sei bei die andern, aber net bei mir." Und dann machte er mit seinen dürren langen Fingern eine krallige Bewegung und schloß sie fest Das sah aus, als halte er nun sein Haus, seinen Hof, seinen Wald, sein« Felder und Wiesen, iein Vieh und all seine Sach' bis zum letzten Ei im Hühnernest. zwiicyen diesen seinen Fingern und niemand könne es ihm entreißen. Und wenn einer, der auch seine Erfahrungen hatte, sich zu widersprechen traute, dann bekam der alte Thomm zwei knallrote BLtflein, dahinein schoß nämlich sein zorniges Blut. Und«inen Ueberschuß von Speichel bekam er auch, den hielt er beim Schimpfen dann schwer zwischen seinen brüchigen Zähnen zurück, er spritzt« überall durch, und dann sagten die boshaften Menschen, nun ver- spritze er sein Gift, denn sie kannten ihn natürlich all« und sein« häuslichen Derhältnisie bis ins letzte. Doch halt, nein, nicht bis ins letzte, und deshalb erzähl« ich ja auch dies GeschichUein. Der alle geizige Thomm hatte«ine Frau,«in kreuzbrav««, b«» scheidenes, kleines, runde», gutmütiges Weiblein. Biel, viel zu gut für den alten Habicht, das sagte jeder Mensch. Der machte er da« Leben so sauer, als er nur konnte und— er konnte es. Die beiden wohnten in einem großen Hause allein, Aind«r hatten sie nicht. Er torkelt« mit knochenmürben Beinen hinterm Pflug durch seine schweren Felder, und sie kochte daheim, sparsam, sehr sparsam» wie er's verlangt«, und versorgt« Stall und Hau». Jeden Sonntag durfte sie beim Metzger des Städtchen» ei» halbes Pfund Fleisch holen, davon bekam sie das klein«, er da» groß« Stück, wenn man bei einem halben Pfund überhaupt von Stück reden kann. An den übrigen Wochentagen gab es.Milchbrüh mit Slös", Schwart'n mit Birn",„Stöckige Milch mit Kartoffel", kurzum alles, was dem Alten wuchs und deshalb nichts kostete. Und er wurde satt davon, sie sogar rund und dick, dabei aß sie nicht den zehnten Teil so viel wie er, nun, sie hatte ja auch keine so schwere Arbeit wie er. Trinken tat sie mehr, aber nicht vielleicht Bier, nein— Söffe«, und nicht vielleicht den teuren unnützen Bohnenkaffee, sondern ge- sunden, süßen„Rangeskaffee", was ein Sud aus gedörrten, gemah» lenen Runkelrüben ist. Natürlich wuchs bei solch umsichtigem Haushalten des Allen Vermögen, und wenn er Sonntag» sein« Blechkassette mit dem„Vexier- schloß" Herholle und zu zählen und zu rechnen anfing, dann leckte seine absonderlich lange und rot« Zunge den vielen Speichel zurück. Dreißig Jahre ging so der beiden Leben hin ohne Erschütterung, da legte sich die Frau hin und stirbt. Ganz so„mir nix, dir nix", und brauchte keine zwei Tage dazu. Di« ersten Tage, nachdem sie eingegraben war, lief der all« Thomm in seinem Haus mit den großen leeren Stuben, den hallenden Haus- platzen herum, als hätte ihn einer mit dem Holzschlegel auf den Kopf geschlagen. Er besann sich nicht, nahm etwas, das ihr gehört hall«. trug es von einer Stube in die ander«, betrachtet« es, legte es wieder hin und seufzt« endlich in die Leere:„Lena." Und in dieser Einsamkeit wurde ihm aus einmal sein« Lena so lebendig, wie st« ihm nie lebendig war. so lange sie neben ihm lebte. Jahr um Jahr wanderte er zurück, bi» er beim ersten angekommen war. bi» er erkannt«, wa» er an ihr verlor, die so brav, so sparsam, so fleißig und— so vernünftig war. Und well er so allein war. ging er zu den Rachbarn, um die er sich vordem nie gekümmert, und jammert« ihnen sein Leid vor. Die erzählen ihm. wa« er schon wußte, nämlich, wie brav, tüchtig und sparsam sein«„Frau seliger" war. Und die Leute sagten unter sich, wenn er fort war: „Seht, seht, ka Mensch hat gedacht, daß der all Geizfilz sei Frau su gern Hot. Man kann hall nirgend» neingucken." Aber helfen taten sie dem Thomm nichts, sie hallen genug mll sich selbst zu tun, und so mußte er sich endlich, weil ihn der Hunger nach etwas Warmem plagte, selbst an» Sachen machen. Dabei lernt« er erkennen, daß Kochen«ine harte Arbeit, und schwitzt« dabei ordent- lich in seiner großen, oerräucherten lküch« mll dem weiten Schlot- mantel. Da klopft es an die Küchentür, und auf sein erstaunte» Herein kam ein« bäuerisch gekleidet« Frau mit einem hochbepackten„Becken- korb" aus dem Rücken herein und sagt« freundlich„Gut'n Maring". Er brummt« etwas und sah schräg zu ihr hin, während er mll der großen Feuergabel w der Glut herumstierte. Er kannte sie. sie handelt« mll Butter, Eiern und Viktualien, und die Leute nannten sie „Die Butterhex". Aber was wollt«, sucht« sie bei ihm? Do» fragte er sie. und da sagt« st«:.Schöna Guekerla") hob ich hell ainoll wieder." „Mos hast wieder." fragt der all« Thomm und richtet sich auf. „No. Euer Fra seliger Hammer doch ball' jeda Doch» an» obkofft, well Ihr sie su gern eßt." „Daß des allen Thomms Auge», die ihm wie«in Paar Glas- kugeln aus dem Gesicht quollen, nicht ganz herausfielen und am Küchenboden zerschellten, war ein Wunder, so erzählte die Bullerhex von Haus zu Haus. Wie der Leibhaftig(unner Herrgott haltna fern) sah er aus, wie er die Zähne fletschte, die Augen rollte,„Gift" spritzt« und die schwere Dfengabel schwang. Mi: gellenden Schreien torkelt« er auf die Butterhex zu: „Mos sogst, du Kanal!, mei Fra. mei Lena, wor so a Nufch. goschn? Hot Güekerla g'fress'n ohna miech— Hot sie mit mein schönn Geld bezohll. Ich derschlog dich und sie dezu— ihr Teufel». weibsdilder." Doch so weit ließ ihn die Bullerhex nimmer kommen st« war schon lang draußen und erzählte es nachher mll schneeweißem Gesicht den Leuten:„Weiß Gott, der het mich derschlong. wenn ich niet g'sprunga wör." Da lacht« denn bald da- ganz« Städtlein und jeder gab der Lena recht. Jetzt war'« gleich, sie war tot. ob sie sich etwa» gegönnt oder nicht, mitnehmen tonnt« sie si