Abendausgabe Nr. 32442. Jahrgang Ausgabe B Nr. 159 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 5 Pfennig Sonnabend 11. Juli 1925 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 gernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Die Gefahr der Kartellpolitik. Auseinandersetzung zwischen Schwerindustrie und Fertigindustrie im Zollausschuß. Die Fortsetzung der am Freitag begonnenen Generaldebatte über| stoffe für Industrie und Landwirtschaft freiläßt, nur dadurch Eisen und Eisenwaren im Zollausschuß wurde zu einer sehr ist die Möglichkeit einer Veredelungsindustrie gewährt, die uns in intereffanten Auseinandersetzung der verschiedenen Interessengruppen. Der Neugestaltung der weltwirtschaftlichen Zusammenhänge die In dem seither geschlossenen Bloc der Regierungsparteien taten fidh Lebensmöglichkeit garantiert. Die jetzt übliche Zollpolitik dient mur auf einmal die Gegensäge auf. Während Herr Dr. Reichardt dem Abschluß gegenüber der ausländischen Konkurrenz und sie führt als Vertreter der Schwerindustrie für den lüdenlosen Hoch- zu fartellartigen Bindungen, zu Preiskartellen und steigert schutzzoll der Eisen schaffenden Industrieprodukte eintrat, machten die die Rente auf Kosten der Berbraucher und der technischen Entwick Herren von Raumer und Lammers auf die großen Gefahren für die lung. Es ist tein Wunder, daß die Argumentation der Kommunisten verarbeitende Industrie eindringlich aufmerksam. In der und der tapitalistischen Interessenvertreter so sehr übereinstimmen. Aussprache versuchte v. Raumer allerdings der Sozialdemokratie Der Grund sei ein rein politischer: den Nachweis zu erbringen, daß Unobjektivität in der wirtschaftlichen Betrachtung zu unterschieben. die Ursache der schlechten wirtschaftlichen Lage auf den Abschluß des Dr. Reichardt versuchte den Nachweis, daß die zollgeschützten Dawes Abtommmens beruhe. Auf dem Wege könne die Länder einen stärkeren Export in Metallwaren nachweisen fönnen Sozialdemokratie nicht folgen. als z. B. das Freihandelsland England. Die Ziffern, die Herr Abg. Lammers( 3.) verbreitete sich in erster Linie über die Dr. Reichardt beibrachte, find allerdings, mie später von unserer Handelsvertragsverhandlungen und gibt glatt zu, daß in der jüngeren Seite betont murde, mit größter Vorsicht zu genießen. Sie erscheinen Bergangenheit eine große Zahl wirtschaftlicher Maßnahmen gerein fonftruttiv, wie auch die Vergleiche zwischen den Tarifen 1840 troffen wurden, die sich verhängnisvoll auswirften. Er tritt Hilferund 1871 zu 1918 und später nur eine sehr gewaltsame Konstruktion ding absolut bei in der Charakterisierung der Kartellpolitik und be als Bemeis für die. Notwendigkeit von Hochschutzzoll darstellen stätigt weiter den sozialdemokratischen Standpunkt, daß die wirtfönnen. Dem Kommunisten Rosenberg machte Reichardt das Kom- schaftlichen Schwierigkeiten nur durch internationale Abmachungen pliment der gründlichen Erörterung der inneren Zusammenhänge, beseitigt werden können. mie es alle anderen bürgerlichen Redner auch tun, wenn sie sich auch von den Schlußfolgerungen des Kommunisten abwenden. Als Motiv des freihändlerischen Standpunktes der deutschen Kommunisten gegenüber den russischen, deren Prinzip der abgeschlossene Handelsstaat sei, tönne nur der agitatorische Grund maßgebend sein, die Sozialdemokraten in ihrem Freihandelswillen noch zu übertrumpfen. Genosse Hilferding unterzog bei dieser Gelegenheit die deutschfranzösischen Handelsvertragsverhandlungen und die Bemühungen der deutschen und der französischen Schwer industrie, zu einem privaten Handelsvertrag zu kommen, einer gründ lichen Arttit. Auch wenn private Bereinbarungen gefroffen würden, feien e abhängig von der staatlichen Politit. und würden immer grundlegend beeinflußt von der Zollgefeßgebimg. Die Ueberlegenheit der eisenschaffenden Industrie zwingt die weniger fräftige verarbeitende Industrie dazu, fich an die erfte angulehnen. Borteile von dieser Berbindung hätten aber nur die großen md vielleicht noch die mittleren Betriebe, während die fleinen in absolute Botmäßigkeit gezwungen würden. Die Gefahr der mit dem Ab tommen verbundenen Rontingentierungspolitif engebe fich Daraus, daß fie den Abschluß von Handelsverträgen erschwere, das Monopol der eisenschaffenden Industrie stärfe und die Abwälzung der Zölle auf das Ausland ammöglich mache. Das hemme wieder die technische Entwicklung und erschwere die auf dem Weltmarkt notwendige Konkurrenzfühigkeit. Der Zollnachlaß gegenüber einem Land, z. B. Frankreich, um die Hälfte erzwinge Ggenmaßnahmen Englands und Ameritas, die sich selbstverständlich eine derartige Diffe. renzierung nicht gefallen lassen würden. Unter den Umständen ist es Deuffchland unmöglich, die Hauptforderung, nämlich die Meistbegünstigung durchzuführen. Außerdem aber auch wird durch die privaten Abmachungen das Intereffe der französischen Schwerindustrie an einen staatlichen Handelsvertrag zwischen den beiden Ländern wesentlich herabgemin Die sozialdemokratische Wirtschaftspolitik gehe darauf hinaus, einen 3011tarif zu schaffen, der die Roh bert. Das Urteil im Wohnstättenprozeß. Freispruch. Leichtfertig, aber nicht schuldig. Rach vierwöchiger Berhandlung wurden heute mittag sämtliche Angeflagten vom Schöffengericht Mitte von der Anflage des Betruges, der Untreue und der Anstiftung dazu auf Kosten Der Staatstaffe freigesprochen. Die angeklagten Beamten haben leichtfertig und vom Beamtenstandpunkt grob fahrlässig gehandelt, aber sie haben sich nicht strafbar gemacht. Ueber ihre Handlungs. meise wird der Disziplinarrichter, der den Verhandlungen. beigewohnt hat, zu entscheiden haben. Wer führt? Der Fall Weftarp- Stresemann. Die Polemik zwischen den Deutschnationalen und dem Auswärtigen Amt wird fortgefeßt. Heute nimmt die „ Deutsche Tageszeitung" Stellung gegen die Zurüd weisung der Westarpschen Darlegungen durch die„ Deutsche diplomatisch- politische Korrespondenz". Die Deutsche Tages zeitung" unterstreicht die Ausführungen West arps noch einmal. Sie schreibt: Uns ist es unverständlich, wie ein Politiker so instinktlos fein fann, daß er auf jede Weise auch heute noch die deutsche Politik dadurch zu binden sucht, daß er entgegen den tatsächlichen Verhältnissen jenem Memorandum unbedingt und gemaltsam den Cha rafter eines Schrittes der gesamten Reichsregierung zu geben fucht." „ Unter diesen Umständen muß es heute als ein Glücksfall betrachtet werden, daß das Memorandum, wie kürzlich in dem Rommuniqué der Reichsregierung ausdrücklich festgelegt worden ist, Dom Außenministerium und nicht auf Grund eines Rabinettsbeschlusses formuliert worden ist. Soweit Soweit der Außenminister nach internationalen Regeln die Reichsregierung binden kann, ist Deutschland gebunden, aber nicht mehr. Eine ausdrückliche vollinhaltliche Billigung des Memorandums durch das Gesamtkabinett oder andere Regierungsinstanzen liegt schon des halb nicht vor, weil diesen nicht der Wortlaut bekanntgegeben worden ist, der allein ein vollständiges Urteil ermöglichte." Es handelt sich um den Versuch, die Regierung von der eingeschlagenen außenpolitischen Linie abzuziehen und ihr die umehrliche Ausrede zu fuggerieren, mit der sie sich von ihren Borschlägen zurüdziehen foll. Der Verfuch wird trotz der Je mehr die Einfuhrverbote fallen, desto mehr müsse die vetarbeitende Industrie dafür eintreten, die Zölle abzubauen. Diese Entwicklung sei aber nur stufenweise zu durchlaufen. Der Wirtschaftsminister betont, daß die Einfuhrfontingente als Ueberbleibsel der Kriegszeit und als Folge der Einfuhrverbote fünftig als Ueber fallen müßten. Der demokratische Abg. Meyer- Berlin bemerkt, das wirt schaftliche Schwergewicht beginne sich von der Schwer. industrie auf die Fertigindustrie zu übertragen. Er betont, daß es notwendig wäre im Interesse dieser Entwicklung den Weg des automatischen Bollabbaues, so wie er in dem Tarif bei Automobilen vorgesehen sei, weiter zu verfolgen. Genosse Dißmann beschäftigt sich eingehend mit der Beweis: führung Dr. Reichardts. Er meist nach, daß die Behauptung, die Länder mit Schußzolltendenzen hätten die größte Steigerung der Exportziffern nachzuweisen, auf falschen Borausfegungen beruht. Dißmann betont, daß es unsinnig ist, die gegenwärtige Weltmirt schaftstrife durch einen deutschen nasionalen Zolltarif bekämpfen zu wollen. Gerade aus wirtschaftlichem Interesse müßten wir uns gegen die Bollabsichten menden, die der arbeitenden Bevölkerung die Lebenshaltung außerordentlich verteuerten und in ihrer letzten Wirfung den inneren Markt völlig zerstörten. Gegenüber den Klagen der Unternehmer, daß die Beschränkung der Arbeitszeit produktionshemmend gewirkt habe, weist Dittmann auf Grund statistischer Unter lagen nach, wie gerade die Einführung des Achtstundentages eine Steigerung des Produffionsergebniffes gebracht hat. Entgegen der Behauptung einiger Herren, daß auch die englische Arbeiterschaft sich von dem Brinzip des Freihandels abgewendet habe, fonnte unser Redner den Nachweis erbringen, daß die Organisationen fich mit aller Entschiedenheit trotz der besonderen die Organisationen sich mit aller Entschiedenheit trotz der besonderen englischen Lage gegen eine Aenderung des Systems wenden. Nach einigen furzen Bemerkungen der Herren v. Raumer und Rosen berg folgten Abstimmungen. Der Ausschuß vertagt sich darauf auf Montag vormittag. ersten offiziösen Abweisung fortgesetzt. Demgegenüber muß rasch, öffentlich, eindeutig festgestellt werden, wer die deutsche Außenpolitik führt: der Außenminister und der Reichskanzler, der verfassungsmäßig die Linie der Politik bestimmt, oder die deutschnationale Fraktion. Die Stellung des Zentrums. Die Germania" fordert Klarheit über folgende Fragen: Wer regiert in Deutschland, Stresemann oder Graf Westarp, und welchen Wert haben noch die äußerlich taftischen Versöhnungsversuche des Reichskanzlers Dr. Luther? Wenn demnächst die deutsche Antwortnote an Briand abgeht, ist fie ein Wort oder nur ein Geräusch? Und wenn fie noch zu Terhandlungen führen sollte, mit welcher Autorität wird Deutschland fprechen?" Es liegt nicht nur an der Regierung, es liegt vor allem auch bei der Zentrumsfraktion des Reichstags, daß diese Klarstellung bisher noch nicht in aller Deffentlichkeit erfolgt ist. Sie hat der Bermirrung, der Gerüchtbildung, der Erschütterung der Autorität der Regierung bisher zugesehen. Wann wird sie ihre Autorität in die Wagschale werfen? Es wird geräumt. Brüssel, 11. Juli.( WTB.) Die Agence Belge meldet: Die zurzeit im Ruhrgebiet befindlichen Truppen werden zwischen dem 15. und 25. Juli in ihre belgischen Garnisonen zurüdtehren. Stimmen der Wirtschaft". Nur keine Aufwertung. Köln, 11. Juli.( WTB.) Die Industrie- und Handelsfammer Röln richtete eine Eingabe an den Reichskanzler, in der fie unter Hinweis auf die immer größer werdenden Zahlungsfie unter Hinweis auf die immer größer werdenden Zahlungs schwierigkeiten, Betriebseinschränkungen und Stillegungen bittet, daß der Reichskanzler mit der ihm eigenen Tatkraft eingreife, um diese Lasten und Hemmungen zu beseitigen oder doch nach Möglichkeit zu erleichtern. Gleichzeitig wird in der Eingabe der Wunsch nach möglichst schleuniger Verabschiedung der dem Reichstag vorliegenden Steuergesetze und nach größter Sparsamkeit auf der Ausgabenfeite bei Reich, Ländern und Gemeinden ausgesprochen, vor einer Ueberspannung der sozialen Caffen gemarnt und erklärt, vor einer Ueberspannung der fozialen Casten gemarnt und erklärt, in der Aufwertungsfrage fielle die jeßige Vorlage das äußerste dar, was noch van der Wirtschaft geleistet werden könne. Teil- oder Gesamtsicherung? Das europäische Sicherheitsproblem. Internationale Stellung zum Sicherheitsproblem. Sie forderte ein Politik des Völkerbundes und des Genfer Proto folles; sie erklärte sich mit Teilverträgen nur einverstanden, wenn sie dem Bölkerbund unterstellt und Maßnahmen gegen einseitige Anwendung geschaffen werden. In Warschau mies die 9. Berbandstagung der Völkerbundsgesellschaften mieder auf das Genfer Protokoll und Deutschlands Aufnahme in den Bund als bestes Mittel der Friedenssicherung hin. In Paris und London erwarten die Ententeregierungen die Ant mort auf den Vorschlag ihrer Teillösung. In Berlin berät die Reichsregierung über eine 3 wischen antwort mit bestimmten Vorschlägen. Sie wird in wenigen Tagen im Auswärtigen Ausschuß vor ihrer Absendung besprochen werden. Von der Richtung, die diese Antwort einschlagen mird, hängt es ab, ob Europa weiterhin den Weg der Teillösung oder unmittelbar zu einer Gesamtlösung geht. In London nahm vor einigen Tagen die Sozialistische Die auswärtige Politik des Reiches steht vor einer doppelten Aufgabe. Einerseits ist der Verfuch zu machen, von Frankreichs Bestreben loszukommen, als Garant deutscher Schiedsverträge eine Art Patronat über Deutschland auszuüben. Anderseits ist, möglichst durch eine Konferenz, der Fortgang der Sicherheitsbestrebungen zu sichern, deren Scheitern Europa in eine neue Periode von Spanmungen und Unficherheit stürzen würde. Die Handlungsfreiheit der deutschen Regierung ist dabei größer als im allgemeinen angenommen wird. Sie hat sich auf die Vorschläge des Februar Memoranlichkeiten der Sicherung hat sie auch die europäische Gesamtdums festgelegt, aber unter den damals angedeuteten Möglösung ins Auge gefaßt; nur ist dieser Weg der Verhandlungen durch die englisch- französischen Besprechungen und die Antwort vom 16. Jumi in den Hintergrund getreten. Die Reichsregierung ist außenpolitisch frei, das Schwergewicht ihrer Antmort mehr auf eine Gesamt- als auf eine Teillösung einzuftellen. Während zur Zeit der letzten Völkerbundstagung und noch die nächsten Wochen danach alle Welt über die zweckmäßigkeit und das Nahebevorstehen der europäischen Lösung fich einig war, ist durch das Abschwenken Englands und die Passivität Deutschlands die ententistische Battlösung in den Vordergrund getreten. So sehr auch die kontinental- europäischen Sozialdemokraten grundfäglich fich für jene einsetzten und einsetzen, eine Teillösung haben sie noch immer besser als gar feinen Fortschritt empfunden. Aber die Gefahr einer zwischen der Garantie für die französische Dstgrenze und die Nightgarantie der polnischen Westgrenze unterscheidenden Teil sicherungspolitif ist durch Frankreichs Antwort so dentlich geworden, daß bei der Opposition eines Teiles der deutschen Regierungsparteien und der allgemeinen Unlust, sich nochmals der Birfung des politischen lebergewichtes von Frankreich und England auszusehen, eine gemisse Gefahr entstanden ist, daß die Verhandlungen sich mehr hinschleppen als tatkräftig vorwärtsschreiten. In dieser Lage märe es falsch, meiterhin anzunehmen, daß bei ist. Die Möglichkeit, aus Europa ein einheitliches Rechts die Stunde der gefamteuropäisch en Lösung vorgebiet zu machen, in dem der Friede durch Wölferrecht gesichert ist, ist unter der Oberfläche der Baltverhandlungen vorhanden geblieben. Wir stellten bereits einmal feft, daß Europa durch das Fernbleiben Deutschlands nom Bölkerbunde und nom Genfer Protokoll in zwei voneinander getrennte Sicherheitsgebiete zerfällt. Eben diese Tatsache gab dem tschechoslowafifchen Außenminister Benesch vor einigen Monaten Anlaß, von zwei Bündnissystemen im Osten und Besten Europas zu sprechen. Sie legt aber eher den Vorschlag nahe, daß Deutschland die Brücke über den Abgrund der Unsicherheit durch Beitritt zum Bölferbunde und zum Genfer Protokoll hilden sollte. Eine solche, bereits in dem Schlußsag des Februar- Memorandums angedeutete Wendung, begegnet dem Einwand, doß das Genfer Protokoll tot" sei. In Wirklichkeit ist das so wenig der Fall, wie der Völkerbund vor einigen Jahren tot" mar. Frankreich hält, wenn es auch auf das englische Sicherheitsangebot einging, an der Genfer Lösung fest. Briand ist darauf stolz, einer ihrer verantwortlichen Autoren" zu sein und hält es für eine öffentliche Ehre, das Protokolldokument ohne Vorbehalt im Namen der französischen Regierung unterzeichnet zu haben". Mit einer gegenüber Alliierten recht ungewöhnlichen Schärfe hat er in der Märztagung des Bölterbunds die Einwände und Vorwände Chamberlains zerpflückt. Nach seiner gestrigen Unterredung mit Briand erflärte Vandervelde, daß Frankreich ebenso wie Belgien seiner Unterschrift unter dem Protokoll treu bleibt und die Pattverhandlungen nur als einen Schritt zu der allgemeinen Schiedsgerichtslösung ansieht. " So steht es der Reichsregierung wieder einmal offen, von threr bisherigen Bölferbunds- und Prototolnegation abzuweichen und die Gesamtlösung ins Auge zu faffen, bie fie feit dem Aufhören der Verhandlungen über die deutsche Böllerbundsaufnahme gänzlich vernachläffigt. Greift sie aber auf die gesamteuropäischen Sicherungsmöglichkeiten zurüd, so bedeutet das teine" Option" zwischen England und Frankreich. Es handelt sich keinesfalls darum, eine Lösung gegen oder auch nur ohne England zu suchen. Die fontinental- europäische Sicherung hat feine Spike gegen das Infelreich. Der Blon einer Allianz mit Franfreich wäre so irreal, daß er feiner Erwähnung bedarf. Es handelt sich vielmehr darum, mit Frankreich gegenseitige Sicherheitsverpflichtungen einzugehen, Die in der Gegenwart eine Entspannung und für alle Zukunft ein Verfahren friedlicher Auseinandersehungen vorsehen. Die mur in dem englisch- französische Entente wird davon Sinne berührt, daß England Frankreichs Westgrenze um so leichter garantieren tann, je mehr der europäische Kontinent gegen die Wiederkehr friegerischer Auseinandersetzungen überhaupt gesichert ist. Beit über die bisher in Aussicht genommenen einzelnen, mit der Tschechoslowakei und mit Bolen abzuschließenden Schiedsverträge( ohne Zwang zur Schlichtung politischer Streitigkeiten) hinaus würde der Anschluß an den Böllerbund und das Genfer Protokoll mit einem Strich ein Sicherungssystem schaffen, das Deutschland mit allen feinen Nachbarn automatisch verbindet und dabei zugleich feinen Unterschied zwischen Ost- und West grenze macht. Zugleich würde die für die schließlich europäische Sicherung schlechthin unentbehrliche Abrüstung gefördert, wenn Deutsch land als zukünftiges Mitglied des Bölkerbundsrates seine Unterschrift unter das Protokoll setzt. Die Wendung zum Völkerbund und zum Genfer Protokoll hin bedeutet für Deutschland das sicherste Mittel gegen das französische Streben nach Patronage über Deutschland. Nicht das auf lange Jahre hinaus militärisch übermächtige und Bolen und der Tschechoslowakei verbündete Frankreich, sondern der Bölkerbundsrat würde der Garant der zwischen Deutsch land und seinen Nachbarn bestehenden Schiedsverpflichtungen sein. An die Stelle des übermächtigen Nachbarn träte also die Böllergemeinschaft selbst, in der Deutschland und England Siz und Stimme haben und haben werden. Die Bendung zum Genfer Protokoll hätte aber über die Abwehr französischer Machttendenzen hinaus noch eine weitere friedenspolitische Wirkung. Je mehr sich Deutschland auf die von der Sozialistischen Internationale geforderte internationale Lösung einstellt, je stärker es die gefamteuropäischen Interessen zu fördern bestrebt ist, um so cher wird es erreichen, daß seine besonderen nationalen Inter effen ihre Befriedigung finden. Je mehr Deutschland sich von der ententistischen Sicherheitspolitik, in der es auf absehbare Zeit hin mur die Nebenrolle des geduldeten jüngeren Teilhabers spielen kann, ab- und einer alle europäischen Völker umfassen den Sicherheitspolitik zuwendet, um fo eher fann es er warten und um so stärker fann es sich dafür einsehen, daß die berechtigten Forderungen, die es als Nation zu stellen hat, ihre Erfüllung finden. „ Die lieben Jidden in Paulen". Ludendorffs Wahrheitsliebe. ,, Niemals ist ein derartiger Vorschlag von mir ausgesprochen worden, vielmehr sind die Tatsachen wiedergegeben an der Hand meiner Tagebuchaufzeichnungen folgende: 1. Am 26. September 1914 meldete ich mich in Beuthen bei General Ludendorff als der der 9. Armee zugeteilte Feldrab. biner. Auf die Frage des Generals, wie ich mir meine Tätigfeit vorstelle, entwickelte ich ihm meinen Arbeitsplan, der aus schließlich die Seelsorge an den jüdischen Soldaten der Armee zum Gegenstand hatte. Als ich fertig war, meinte der General: " Ich habe noch einen besonderen Auftrag. Wir tommen jeht nach Polen, wo zahlreiche Juden wohnen. Suchen Sie mit diesen Fühlung zu nehmen, fie über die Freundlichkeit unserer Gesinnung aufzuklären und den Militärbehörden darin behilflich zu sein, das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung durch Rücksichtnahme auf deren religiöse Empfindungen zu gewinnen." 2. Am 5. Oftober wurde mir vom Nachrichtenoffizier des MOR. ein fertiges, in hebräischer und jiddischer Sprache ge drucktes Flugblatt übergeben, mit der Weisung, es ins Deutsche zu überfezen. Bis dahin hatte ich von einem Aufruf weder etwas gehört noch gesprochen. 3. Am 8. Oftober wurde ich zu General Ludendorff befohlen. Er erkundigte sich nach der Stimmung unter der jüdischen Bevölkerung und fragte mich, ob ich mir etwas von dem geplanten Aufruf verspreche. Im übrigen wünschte er einige Beränderungen an dessen Wortlaut und forderte mich auf, in entsprechendem Sinne eine Umredigierung vorzunehmen. Nachdem diese ihm vorgelegt und von ihm genehmigt war, wurde ich mit der Rückübersehung ins Hebräische und Jiddische und der Besorgung des Neudruds beauftragt, was ich selbstverständlich tat. Das ist mein Anteil an der Entstehung des Aufrufs. Rabbiner Dr. A. Levy, Berlin. Diese Angaben entnehmen wir der Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten". Bessen Gedächtnis in diesem Fall das beffere ift, fann nicht gut zweifelhaft fein. Die Gegenüberstellung genügt, um Ludendorff in seiner ganzen Größe zu tenn zeichnen. Wirkung in die Ferne. Der Sauber der Uniform" wirft braußen anders als auf manchen drinnen. Eine Photographie, die den Egtronprinzen bei einer Potsdamer Denkmalsenthüllung vor strammstehenden Reichswehrsoldaten zeigt, hat hierzulande gewiß das Herz manches Oberlehrers höher schlagen lassen. Jetzt aber findet man dieses Bild auf der Titelseite der Londoner„ Evening News", eines in Millionen von Eremplaren verbreiteten Blattes, und darunter die Bemerkung, damit würde die Erinnerung an die furchtbarsten Beiten des preußischen Militarismus wieder hervorgerufen. Die propagandistische Wirkung solcher bildlicher Darstellungen ist ungeheuer. Sie gibt dem Ausland die Vorstellung, daß in Bische Militarismus als eine Weltbedrohung fortbestehe Deutschland eigentlich alles beim alten geblieben sei und der preudas Tragen von Uniformen der alten Armee allgemein Die Sache wird noch viel schöner werden, wenn das Recht auf gefeßlich geregelt statt einfach beseitigt wird. Alle diese photoLudendorff will seinen Aufruf an die lieben Jibben in Paulen" nicht wahr haben. Der große Antisemit ist peinlich davon berührt, daß man ihm Judenfreundlichkeit im Weltkriege nach fagen will. So dementiert er nach Leibeskräften. Den Aufruf fann er nicht gut ableugnen. Aber er ist an ihm ganz unschul- graphierten Eitelkeitsparaden sind unschäzbares Propagandamaterial dig. Der Jud ist auch hier schuld. Der böse Rabbiner hat ihn in den Händen der Gegner Deutschlands. Kindstöpfe haben daran veranlaßt. Im übrigen, mit Judenfreundlichkeit hatte er nichts zu ihr feines Vergnügen, das deutsche Bolt hat den Schaden davon. tun. Börtlich schreibt Ludendorff an einen feiner Gefimungsfreunde in Breslau: Bei dem Einmarsch in Bolen im Oftober 1914 erließ der Obertommandierende der 9. Armee auf Vorschlag des im Stabe befindlichen Feldrabbiners einen Aufruf an den jüdischen Volks. teil Bolens. Der Wortlaut ist mir nicht in Erinnerung. Ariege tommt man in die Lage, den Tenfel mit Beelzebub auszutreiben. Im Der Aufruf war ein rein militärisch- polttischer Att und nichts weiter, geboten durch die Lage der Stunde. Einen Liebesdienst der jüdischen Bevölkerung habe ich nie an genommen, ebensowenig wohl ein deutschblütiger Soldat, denn Die Wohnungen der Juden in Polen gelten als besonders verlauft und waren meist schon durch die jüdischen Familien überall belegt." Aber der General hat Bech. Seine Spekulation auf die Ge dächtnisschwache anderer Leute hat fehlgeschlagen. Es meldet fich der Rabbiner Dr. Levy, der zur fraglichen Zeit Feldrabbiner bei der 9. Armee war, und erklärt: Das Schwein. Bon I. Berez Sie schmiegte ihren schmalen Lelb mit läffiger Grazie in die samtenen Riffen des Sofas. Durch die schweren foftbaren Vorhänge brang ein blaffer Stretf Sonne. Fiel in die großen traurigen dunkelblauen Augen, auf die fchmalen wehmütigen Lippen ihres hübschen Gesichts.... Wie hatte sie es schwer.... Bieviel Schmerz... Wieviel Enttäuschung! Ihr Herz fehnte sich nach Liebe.. ihre Seele schmachtete auf der Suche nach einem Ideal.... Aber er- schenkt ihr Bril lanten, tauft ihr ein Palais.. Und spricht nur von Gelb.... oder von Abschlüssen. So lebt fie, unverstanden, fremd ihrem Mann, fremd thren Freunden. Und ihr armes Herz vergeht vor Gram und Einsamkeit, gepreßt wie von einer ungeheuren Last. Berweht wie ein leichter Flaum in diese starre talte Welt des Goldes und der Brillanten, sehnt es sich meit in ferne Höhen... · weit weg* Ste richtet sich ein menig auf, ihre zarten Finger brüden mechanisch die elettrische Klingel am Ropfende. „ Eine Taffe Kaffee!" befiehlt fie. Das Mädchen zieht sich schweigend zurück und kehrt bald wieber, eine chinesische Tasse auf filbernem Tablett in den Händen. Der starte Duft des Raffees mischt sich mit dem berauschenden Geruch blühender Hyazinthen, die im Salon in vergoldeten Schalen stehen. Blöblich ertönt ein leifer lang von zerbrechendem Borzellan. Das Mädchen war mit ihrem Absatz an der Borte des Perserteppichs, der durchs ganze Zimmer ging, hängen geblieben und war gefallen. Die junge Frau sprang wütend auf, und ihre feinen leidenden Lippen zischten: „ Schwein!"( Aus dem Russischen von Hans L. Brinn.) Hundert Jahre Photographie. Die franzöfifche Akademie ist im Begriff, die Hundertjahrfeier der Erfindung der Photographie zu begehen, ohne doch recht zu wiffen, für wen sie den Jubelhymnus anstimmen soll. An erster Stelle unter den Prätendenten steht unzweifelhaft der Seiltänzer, Theaterbetorateur, Schaubudenbefizer und Erfinder der Dunkelfammer Daguerre, nach dem man bekanntlich die ältesten Photo: graphien Daguerrotypen" nennt. Daguerre hat Jahre hindurch mit leidenschaftlichem Eifer daran gearbeitet, eine Methode zu finden, um das in der Dunkeltammer gewonnene Bild zu firieren. Er wandte unentmutigt seine gesamten Ersparnisse an diese Versuche, Stinnes- Kredite und Reichspost. Ein Dementi" des Reichspoftminifteriums. Zu unserem Artikel Die Gefahr der Stinnes Rredite fendet uns das Reichspostministerium folgende Be richtigung": In der Abendausgabe bes Borwärts" vom 27. Juni ( tr. 300) ist in dem Artifel Die Gefahr der Stinnes- Kredite die Behauptung ausgesprochen worden, daß furzfristige Einlagen der Deutschen Reichspost in der Form der Lombardierung Stinnes scher Kreditunterlagen dem Kreditkonsortium der Privatbanken als Rüddeckung für geleistete Bareinschüsse zur Verfügung gestellt werden follen. Diese Behauptung ist unzutreffend; die Deutsche Reichspoft hat dem Stinnes- Ronzern feinerlei Kredit in irgendwelcher Form gewährt, noch besteht die Absicht, dies fünftig zu tun. Ob die Breußische Staatsbant derartige Kredite gewährt hat, ist hier nicht bekannt; auf die Finanzgeschäfte des preußischen Staats hat die Deutsche Reichspoft jedenfalls teinerlei Einfluß. die für damalige Zeiten derart abwegig anmuteten, daß seine Frau ernstlich mit seinen Freunden darüber beriet, ob man ihn nicht in ein Irrenhaus bringen müsse. Es erscheint trotzdem sehr fraglich, ob Daguerre- bei all feinem Eifer doch ohne jede wissenschaftliche und fachliche Borbildung ans Ziel gelangt wäre. Nun beschäftigte sich um dieselbe Zeit in Chalons der junge Professor Niépce mit demselben Problem. Niepce entstammte einer alten Erfinderfamilie und hatte schon früher wertvolle Erfindungen in der lithographischen Technit gemacht, als es ihm ganz zufällig gelang, ein Bild, das durch verschiedene Chemifalien durchsichtig gemacht worden war, durch Einwirkung der Sonnenstrahlen auf der Platte festzuhalten. Auch hatte er schon, wie Daguerre, das Prinzip der Dunkeltammer, d. h. der Camera obstura gefunden und die erwähnte Entdeckung brachte ihn sofort auf den Gedanken, die beiden Vorgänge zu tombinieren. Aber er brauchte noch sechs Jahre, ehe er die richtige chemische Zusammen er einem fleinen Kreise von Freunden und Bekannten die erste stellung für die photographische Blatte gefunden hatte. 1825 zeigte Photographie, die das Licht der Welt erblickt hat. Doch fonnte er corerst nur leblose Dinge photographieren, da seine Platten noch eine Belichtungsdauer von 12 bis 16 Stunden beanspruchten. Su dieser Seit fuchte und fand Daguerre Berbindung mit Niepce, von dessen Versuchen er gehört hatte und die beiden Erfinder arbeiteten von jetzt an gemeinsam an der Bervollkommnung ihrer Methoden und erreichten es auch bald, in der Zeit von wenigen Minuten an Momentaufnahmen war noch nicht zu denken lebende Objekte auf die Platte zu bannen. Als in Paris in der Panoramapassage die erste Photographie es war das Bild eines Bettlers öffentlich ausgestellt wurde, bedeutete dieses Ereignis öffentlich ausgestellt wurde, bedeutete dieses Ereignis eine wahre Sensation und versammelte eine derartige Menschen menge vor dem Schaufenster, daß der Verkehr dadurch gesperrt wurde Akademie vom 19. August 1839, in der der berühmte Naturforscher und das Bild entfernt werden mußte. Die Sigung der französischen Dorführte, war eine Weltfenfation. Arago der Versammlung, den ersten photographischen Apparat Niepce erlebte den riesigen Erfolg seiner Arbeiten nicht mehr. Er war schon 1833 gestorben und Daguerre erntete den Ruhm der Erfindung. Seinen Namen wird wahrscheinlich auch die französische Akademie in den Mittelpunkt der bevorstehenden Zentenarveranstaltungen stellen. Die Reichspoft dementiert etwas, was wir nicht behauptet haben. Sie bestreitet nicht, daß sie bei der Seehandlung Konten unterhält, und sie vermag erst recht nicht zu bestreiten, mas jeder Mensch außerhalb des Postministeriums weiß, daß die Preußische Staatsbank einen Stügungskredit von 20 Millionen für Stinnes ausgeworfen hat, um die Hilfsaktion der Banten zu unterstützen. Mehr haben wir nicht gesagt. Rein sachlich besteht also zwischen dem Stinnes- Konzern und der Reichspost teine andere Berbindung, als diejenige zwischen dem Barmat- Konzern und der Reichspost war. Auch damals wurden die Postgelder über Banf institute geleitet. Wir warten nur vergeblich auf die moralische Entrüftung der Rechtsparteien über diese Verwendung von Staatsgeldern zu Privatzwecken, die jetzt offenbar der Postverwaltung felbft peinlich wird. 200 Neuordnung der Umsatzsteuer. Das stärkste Kennzeichen für die unsoziale Tendenz der Steuers vorlagen der Reichsregierung ist die Tatsache, daß sie feinerlei Menderung oder Milderung der Umfagsteuer vorsahen. Es ist das Berdienst der Linken, daß diese Absicht durchkreuzt wurde. 3hr unablässiges Drängen auf Herabsehung der Umjahsteuer hat die Regierungsparteien gezwungen, entgegen ihren ursprünglichen Abfichten noch in der ersten Lesung im Steuerausschuß und vor der Erledigung der Borlagen über Bier- und Tabatsteuer das Problem der Umsatzsteuer in Angriff zu nehmen. Die Umsatzsteuer ist am 1. Oftober 1924 auf 2 Pro3. ermäßigt worden, und beträgt seit 1. Januar 1925 1% Broz. Ihre Ermäßigung auf diesen Saz hat zwar die Einnahme an Umsatzsteuer geschmälert, aber nicht in dem Maße, wie die Ermäßigung des Steuerfazes ers marten ließ. Ob die Ermäßigung der Umsatzsteuer um zweimal Pro3. preisverbilligend gewirkt hat, läßt sich schwer fest stellen. Sichtbar ist diese Ermäßigung nicht geworden. Der Antrag der Regierungsparteien, die Umsatzsteuer zum 1. Ottober 1925 nur um ¼ Broz. zu ermäßigen, läßt deshalb befürchten, daß diese geringfügige Ermäßigung noch weniger als die bisherigen Sentungen Einfluß auf die Preisgestaltung haben werde. Ein demokratischer Antrag, die Umfabiteuer um ½ Proz. zu ermäßigen, fand jedoch keine Mehrheit. davon Abstand genommen, ihrerseits eine Ermäßigung des Sages der Unter diesen Umständen hat die sozialdemokratische Fraktion Umsatzsteuer vorzuschlagen. Das Interesse der großen Maffe der Bes leidet, verlangt, daß der Berzicht des Reiches auf einen Teil der völkerung, die schwer unter der drückenden Laft der Umsatzsteuer Umfagsteuer nicht den Unternehmern, sondern den Berbrauchern zugute fommt. Es wurde deshalb der Antrag gestellt, die Umsatzfteuer auf Lebensmittel überhaupt aufzuheben. Hier liegt neben der Möglichkeit auch die Wahrscheinlichkeit vor, daß das auf die Preisgestaltung wirfen wird. Für diese Forderung haben fich bisher auch die Agrarier fehr start eingesetzt. Ebenso haben die christlichen Gemertschaften sie bisher gefordert. Gerade gegenwärtig aber ist diese Forderung besonders berechtigt. Der 3011 auf Lebensmittel droht eine gewaltige Breissteigerung hervor zurufen. Der Abbau der Umsatzsteuer bei Lebensmitteln wäre also ein startes Gegengewicht. Der Reichswirtschaftsrat hat festgestellt, daß zum Beispiel Fleisch mit 12% Prozent umsagsteuer belastet ist. Aehnlich ist es bei allen anderen Lebensmitteln. Trotzdem ift die Umsatzsteuerfreiheit für Lebensmittel gegen die Stimmen der Linten abgelehnt worden. Es droht sogar die Gefahr, daß die umfassteuer auf einige lebensnotwendige Bedürfnisse neu eingeführt wird. Die fapitalistischen Gruppen in den bürgerlichen Parteien haben die Absicht noch nicht aufgegeben, den Bezug von Wasser, as und Elektrizität mit der Umsatzsteuer neu zu belegen. Eine gewaltige unterirdische Arbeit hat eingesetzt, um das 3 entrum für die Zustimmung zu einem solchen, das Lebensinteresse von vielen Millionen Menschen bedrohenden Blan zu gewinnen. Für eine Rechtsregierung ist eben selbst der Berbrauch von Wasser ein geeigneteres Steuerobjekt als große Bermögen oder Erbschaften. Seit langem wenden sich die Handelsvertreter und die freien Berufe gegen die ungerechtfertigte Belastung mit der Umfagsteuer. Den Handelsvertretern aber erging es wie den Sparern. Ihre früheren Bundesgenossen, die Deutsch nationalen, sind jetzt ihre schärfsten Gegner. Bei ihnen müssen sie den Dant abstatten, daß sie nach wie vor die Umsatzsteuer zahlen müssen. Etwas besser ist es den Gelehrten, Künstlern und Schriftstellern ergangen. Ein sozialdemokratischer Antrag sichert ihnen Dom 1. Januar 1925 ab die Steuerfreiheit von der Umjazsteuer, wenn ihr vierteljährlicher Umsatz nicht mehr als 1500 mt. beträgt. Die tommende Funfwoche ist arm an Sensationen". Allenfalls ragt in dem Hundstagsprogramm der Montag noch besonders hervor: Wilhelm Dieterle erzählt ganz unglaubliche Geschichten von Rübezahl und Münchhaufen und anderen tollen Gesellen". Mit Bach, Mozart und Beethoven wird am Dienstag der Zyklus„ Das deutsche Lied fortgesetzt, und am Mittwoch und Freitag spielt wieder das Roth- Quartett. Am Freitag ist auch ein Vortrag von Oberregierungsrat Dr. Breger über die Arbeit des Bölkerbundes auf dem Gebiete der Gesundheitspflege zu hören. schmolzen mit dem Städtebundtheater Weißenfels) wird am 15. SepDie neue Spielzeit des Mitteldeutschen Landestheaters( vers tember eröffnet. Die Direktion hat wiederum Kräfte von ersten Theatern verpflichtet. Der Spielplan bringt u. a. folgende Werke: Torquato Taffo"," Donna Diana" von Moreto, Miß Sara Sampson von Leffing, Medea" von Grillparzer, Elga" von HauptRolibri" von Rehfisch. Daneben sollen fünstlerische Morgenfeiern mann, Rausch von Strindberg, Therese Raquin" von 3ola, Bie mans macht, ist's richtig" von Eulenberg und Erziehung durch rates macht dem Theater jett Aufführungen auch auf der ungünstigdurchgeführt werden. Die Vervollkommnung des technischen Appa ften Bühne im entlegenſten Orte möglich. " Der amerikanische Affenprozeß. Bei der Eröffnung des Affenprozesses waren sämtliche führenden Prozeßteilnehmer anwesend. Hunderte von Reportern bestürmten den Anklagevertreter, den befannten Politiker Bryan mit Fragen, als er den Gerichtssaal betrat. Bryan erwiderte: Es tann mir nicht zweifelhaft sein, wohin die Entscheidung des Gerichts und des Volkes bei der Frage„ Gorilla oder Gott" fällt." Die Anti- Evolutionisten errichteten in Dayenson ein großes Hauptquartier. Gegenüber dem Gerichtshof hat die christliche Frauenfefte ein ganzes Haus bezogen, aus dem dauernd nach Art der Oberammergauer Vorstellung. Ganz Amerika verfolgt Choräle ertönen. Die Kinos zeigen das Leben Christi im Film mit Spannung den Prozeß, der ganze Seiten der Zeitungen einnimmt. Generalmufifdireffor Offo Klemperer wird im nächsten Winter eine Reihe bon Konzerten mit dem Berliner Philharmonischen Orchester leiten. Vor Weihnachten finden zwei diefer Symphonie- Konzerte statt, in derem erſten als Hauptwert die 9. Symphonie von Mahler, in derem zweiten die 9. Symphonie von Beethoven gespielt werden wird. Das Projekt eines Arbeitspalaffes". Ein Student des Polytechnikums in Riem namens Gorbar hat den Plan zur Erbauung eines großen Gebäudekomplexes entworfen, ber unter dem Namen Arbeitspalafi" als Klub und Bersammlungshaus für Arbeiter dienen soll. Der Architekt will in seinem Bauwert die einzelnen Entwidlungsstadien des Kapitalismus und dessen Ueberwindung durch das Proletariat zum Ausbrud bringen. Die Gründung einer städfischen Galerie in Stuffgart. Eine Gemälde. galerie, die die Entwidlung der Stuttgarter Akademie und ihrer fünstlerischett Säfte in erster Linie veranschaulichen soll, ist jezt in Stuttgart geschaffen worden. Den Grundítod der Sammlung bilden etwa 70 Gemälde der beiden tüchtigen schwäbischen Maler Reiniger und Pleuer, die von dem Das Architekturmuseum an der Technischen Hochschule veranstaltet zurzeit, gemäß seinem Programm, auch ältere Kunst berückfichtigen zu wollen, eine Ausstellung von Architekturzeichnungen von Ludwig Persius, die durch Aquarelle von Karl Georg Braeb illustriert werden. Da mit der Persönlichkeit von Perfius meist nur wenige Baumerte in Verbindung gebracht werden, so tät dieses am engsten mit Schinkel verbundenen Berliner Architekten hat die Museumsleitung es sich zur Aufgabe gestellt, die Individuali genauer zu umreißen, zu welchem Zwecke auch das Material aus 12. Juli bis 30. August wochentags täglich, ausgenommen Sonn- Marchese della Valle di Casanova der Stadt gestiftet wurden. Brivatbesiz herangezogen worden ist. Die Ausstellung ist vom abends, von 11-2 Uhr zugänglich. Die Erschließung Nordauftraliens. Die wirtschaftliche Erschließung der Erstaufführungen der Woche. Monf. Goetbebühne: Mohren brei Kommissare ernennt, um die tropischen Gegenben über dem 20. Breiten Nordgebiete von Australien wird durch ein Gesez in die Wege geleitet, das wäsche. Dienst. Oper am Rönigsplatz:„ Bolenblut." grad zu verwalten und wirtschaftlich zu erschließen. von links nach rechts. Eine neue Epistel Tinowjews. Schon wieder mall Zwei engbedruckte Seiten der„Roten Fahne"' füllt Sinowjews neuer Brief an feine Getreuen in der KPD. Bis man ihn zu Ende verdaut hat, wird der n ä ch st e wahrscheinlich schon angekündigt werden. Die Weisheiten der Moskauer Exekutive wollen selber keine Ewigkeitswerte dar- stellen. Sie wechseln wie Wind und Wetter. Der Kurs der Moskauer Aktien steigt und fällt mit den Devisenkursen an den Börsen der europäischen Hauptstädte. Jedes Jahr be- schert uns mindestens dreimal eine„neue" Taktik. Die Taktik, die jetzt Sinvwjew empfiehlt, ist von der KPD. nach heftigen inneren Auseinandersetzungen nach der Hindenburg- Wahl beschlossen. Sinowjew gibt hier heute seinen feierlichen Segen. Daß man die Moskauer Exekutive ernst nehmen könnte, werden die Herrschaften danach selber nicht verlangen. Sie torkeln hin und her, sie fallen von einem Extrem ins andere. Heute ist die neueste Einsicht die, daß die Revolution vorläufig erledigt ist. Ein paar Hintertürchen wer- den offen gelassen, aber in der Hauptsache heißt es: Schluß mit dem Revolutionsschwindel! Ran an die Massen, ran an die Sozialdemokraten! Das ist der größte Schmerz! Die Lebensfähigkeit der deutschen Sozialdemokratie. Spaltenlang zerbricht sich Si- nowjew darüber den Kopf, wieso es kommen kann, daß diese verdammten Sozialdemokraten immer noch am Leben sind. Er hat tausend Gründe dafür, Schlechtigkeit der Mitwelt und die eigenen Fehler. Er stellt als wichtigste Borbedingung für eine wichtige Erkenntnis der augenblicklichen Situation folgende vier Tatfachen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen: „1. Es ist durch Tatsachen bewiesen, daß eine unmittelbare revolutionäre Cage in Deutschland nicht vorhanden ist, daß uns leine lange Periode der Vorbereitung bevorsteht. 2. Es ist durch Tatsachen bewiesen, daß In Deutschland eine ernste monarchistische Gefahr besteht, daß ein Teil der sozialdemo- kratischen Arbeiter, wenn wir eine richtige Taktik einschlagen,«in Stück Weges Schulter an Schulter mit uns marschieren werden. 3. Es ist durch Tatsachen bewiesen, daß trotz des Verrats der sozialdemokratischen Führer, trotz Barmat usw. die Mehrheit der deutschen Arbeiter noch immer mit der sozialdemokratischen Partei zusammengeht, bei den Wahlen für sie stimmt usw. 4. Es ist durch Tatsachen bewiesen, daß unsere Partei(KPD.) unter dem Einfluß einer Rech« von Umständen ernste Jehler. be- sonders in der Gewerkschaftssrag«, gemacht hat. Die Gewerkschaft»- frage aber ist die wichtigste Frage, sie ist die Frage, die im Mittel- punkt der Beziehungen zwischen der Partei und den sozialdemo- kratischen und parteilosen Arbeitern steht. Ein Fehler In dieser Frage führt unvermeidlich zu einer falschen Art der ganzen Organi- sation unter den Massen." Im Oktober 1923 war es Sinowjew, der das Feuer schürte, der alle Mahnungen der gemäßigteren Elemente in der KI. in den Wiist» schlug. Er erzeugte den Fieber- zu st and eines verrückten Putschismus, der zu den Hamburger Opfern führte. Heute schreibt Sinowjew dar- über erheblich anders. „Die KPD. hat die rechten Abweichungen besiegt. Aber man muß offen sagen: der Organismus der Partei ist noch von einer anderen Krankheit— den ultra-linken Abweichungen— stark heimgesucht worden.- Die kommunistische Partei Deutschland» hat sich eine Zeitlang in einem ullra-lioke« Jieberzustand befunden. Es ist die Aufgabe des 10. Parteitages, die Partei endgültig von diesem Jieberzusland zu befreien, ihr die endgültige Gesundung zu bringen. Die Partei mutz die besten revolutionären Traditionen des Spartakismus wie ihren Augapfel hüten, aber gleichzeitig die Fehler Rosa Luxemburgs kritisieren. In unserem Brief an den Frankfurter Parteitag haben wir ganz offen von den ungeheuerlichen Verfälschungen de» Kommunismus gesprochen. die sich schon damals die Genossen Rosenberg. Schalem u. a. zu- schulden kommen ließen. Leider haben sich unsere Befürchtungen in dieser Beziehung voll- kommen bewahrheitet. Jede proletarische Partei hat bis- her die Mißachtung der Theorie teuer bezahlen müssen. Die KPD. hatte jedoch eine Zeitlang fast ihre gesamte Presse Leuten In die Hände gegeben, die mit Bolschewismus nichts zu tun hatten(Sorsch, Rots usw.). Die Partei kann und muß all« ihre Mitglieder aus- nutzen, aber auf keinen Fall an Stellen, wo Leute solchen Schlages den Versuch machen, die Partei zu belehren» sondern Stellen, wo sie selbst ernsthaft etwas lernen können!" Also Werner S ch o l e m und Artur Rosenberg sind Trottel und werden abgesägt. Rur Ruth Fischer bleibt. Da im gleichen Atemzug der Drandlerismus noch einmal feierlich verflucht wird, kann man gespannt sein, auf wen sich die nach Sinowjew? Anweisung neu zu wählende Zentrale stützen wird. Rur eins ist jetzt schon sicher. derFieberzustand bei der KPD. wird nicht aufhören. Ein Thermo- meter haben die Katz und Remmele, Ruth Fischer und Walter Stoecker immer nötig! Der Arzt ist der einzige, der über die Fragen der kommunistischen Entwicklung sachverständig urteilen könnt«. Leider kann man von Fieberkranken nicht erwarten, daß sie aufhören, normale Mtmenschen mit ihren Phantasien zu belästigen. Die KPD. wird noch manches Buch mit Thesen über„die Lebensfähigkeit der deutschen Sozialdemokratie" filllen! Denn die Sozialdemokratie wird sich vom kommunisti- schen Fieber nicht anstecken lassen. Eine polar-Ente. Die„B. 3- am Mittag" oerbreitet unter großer Aufmachung folgende Nachricht: Finanziell ist der Bau des Nordpol-Zeppelins schon so gut wie gesichert. An der Finanzierung werden sich wohl vor allem die deutschen Arbeiter beteiligen. Die sozialistischen, die christlichen und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften planen, einen Beitrag von 30 Pf. etwa von jedem ihrer eingetragenen Mitglieder zu erheben, die Endsumme davon wird eine sehr stattliche Ziffer ergeben. Es ist beinahe überflüssig, zu sagen, daß an der ganzen Ge- schichte kein wahres Wort ist. Die Unternehmer Deutschlands sorgen schon dafür, daß die Gewerkschaften ihre finanziellen Mittel aus- schließlich zu Wirtschastskämpfen, statt zu Kulluraufgaben rein idealer Natur verwenden müssen. Die Aeuherungen Tschitscherin» über den Garant!«Pakt und den Völkerbund, die vor einigen Tagen im»Petit Parisien" erschienen, sind nach Mitteilungen auö sowjetrussiichen Kreisen, die der»Ostexpreß" wiedergibt. alS ein von Frankreich autgegangener Versuch aufzufassen, festzustellen, ob im Hinblick auf Deutschland Rußland an den europäischen Sicherheitsverhandlungen sich be- teilige« werd«. Der bedrohte Grunewald. In den Jahren 1911 bis 1913 hat sich die Oeffentlichkekt auf das lebhafteste mit den Grundwasserver hältnifsen im Grunewald beschäftigt. Damals sanken die Spiegel der Seen im Grunewald stark ab und es schien, als ob sich besonders der Schlachtensee für immer in einen häßlichen Morast oerwandeln würde. Ueber die Ursachen dieser Erscheinungen und die Mittel zur Abhilfe wurden damals die verschiedensten Ansichten ausgestellt und verfochten. Auch wurden Besürchtungen laut, es könnte durch den Betrieb der Wasserwerke der ganze Grunewald verwüstet werden. Um den S ch l a ch t e n s e e zu erhalten, wurden dann auf Ler- anlassuna des preußischen Landwirtschostsministers die Charlotten- burger Wasserwerke Ä.-G. im Jahre 1913 verpflichtet, von ihrem Wasserwerk Beelitzhof her soviel Havelwasser in den Schlachtensse überzupumpen, daß fein Spiegel die Höhe von+ 31,60 Meter erreichte und dauernd beibehielt. Es zeigte sich, daß hierzu eine Wassermenge von etwa 2 Millionen Kubikmeter jährlich erforderlich ist. Da da» Zuführungsrohr unter dem Wasserspiegel des Sees mündet, so merkt der Spaziergänger nichts davon, wie große Mengen Havelwasser ständig in den Schlachtensee einströmen. Nur ein kleiner Teil des in den See geleiteten Wassers geht durch die Verdunstung in die Luft: weitaus das meiste Wasser dringt in den Untergrund ein und fließt langsam, aber stetig im Grundwasser weiter, bis ee schließlich die Brunnen des Wasserwerks erreicht. Auch in die Morgen. Sonntag, den 12.)uli, nachmittags 3 Ahr: Jugeaöfest üer Sozialistischen �rbeiter-Jugenü GroS-öerlin im Schillerpark am Wedding. Z»geu> seier/ Gemeinsame Spiele/ Sandgebang für Zugendschich/ Fackelzug Teilnehmerkarte Z0 Pf. Kinder frei. Krumme Lank« hat man in den Jahren 1913 bis 191S etwas Haoelwasser übevgepumpt. Seitdem hält si« sich von selbst ungefähr aus der Höhe von dl dl-j- 31,60 Meter. Im Jahre 1914 sind auf Veranlassung des„Schutzverbandes für die Grunewaldseen" eine größere Anzahl von Rohren zur Beob- achtung des Gnindwasserstandes im Grunewaldsee niedergebracht worden. Die Landesanstalt für Gewässerkunde im preußischen Mini- sterium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat hier eins Reihe von Jahren hindurch die Wasserstände regelinäßig messen lassen, und die Hauptergebnisse dieser Untersuchungen jetzt veröffentlicht. Es geht daraus unter anderem hervor, daß der Grundwasserspiegel im Grunewald«, abgesehen von den wenig ausgedehnten Niederung-- flächen, durchweg schon früher so tief unter der Geländeoberfläche lag, daß er für die Wurzeln der Bäume nicht erreichbar war. Es macht daher im größten Teile des Waldes für den Vaumwuchs nichls aus, wenn der Grundwasserspiegel durch den Wasserwerksbetrieb weiter abgesenkt wird. Das Absterben der alten Kiefern, das sich im Grunewald soviel bemerkbar gemacht hat, ist auf andere Ursachen zurückzuführen.__ verunglückte Spekulationen. Man schreibt uns: Der Groß papasegen zieht auch nicht mehr. Ei, wie hatte die Direktion des L u n a p a r k s sich das so schön gedacht. Inmitten Rutschdahn, Karussell und Markschveievbuden der Feldmarschall-Reichspräsident bunt und pyrotechnisch aufgemacht. Da sollte die Träne der Jungfrau elegisch über die Backen rollen und Herr Kulick« mit dem schwarzweißrotem Schnupftuch die Bei- fallsfalven inszenieren. Ein unbezahlter Klaqueur, denn selbst der Patriot arbeitet manchmal umsonst. Sie hatten sich leibet«in wenig verspekuliert. Man sah weder die schlagenden und zerschlagenen Studentenverbindm-gkw mit der zerkratzten Mensuroifage, noch die kleinbürgerlich-unpolitischen Hinterwäldler mit dem fatalen»Es-ist- erreicht-Bart. Sekbst die Rentnerin mit der patriotischen Ueber- ernährung ist nicht gekommen. Si« scheint umgelernt zu haben und hat wohl von dem deutschnationalen Aufwerturiasbetrug mehr als genug. In einem Höllenlärm kam er aus den Rateten hervor, der pyrotechnische Hinderburg: vor ihm der Lohengrin mit einem benga- lisch beleuchteten Schwan. Dos Resultat dieser geschaftsspekulativen Zeremonie, die sich im Dauerkrachen von Raketen abwickelte, war mehr als beschämend. Bon Beifall war wirklich nichts zu fpüren und mit eisiigem Schweigen lehnt« das Publikum ab. Di« schwarz- weißrote Branche ist augenblicklich wohl nicht sehr populär. Man sollt« es mal mit einer anderen Marke versuchen. Seife für.Trendeutfche"! Der neue Reichspräsident Hindenburg ist auf dem Wege, populär zu werden. Eine Seifenfabrik hat sich bereits seines Namens be- mächtigt, um eine»H i n d e n b u r g- S e i f e" in den Handel zu bringen. In einem Werbefchreiben an die Seifenhändler, das zum Bezug der Seife auffordert, liest man:„Wir beehren uns hiermit. Ihnen mitzuteilen, daß wir von Sr. Exzellenz Herrn Generalfeld. Marschall v. Hindenburg die Genehmigung zur Alleinfabrikation der Hindenburg-Seife erhalten haben." Das Schreiben ist mit dem Datum des 25. Juni 1925 abgesandt worden, aber für die Seifen- firma ist Hindenburg merkwürdigerweise noch nicht Reichspräsident. sondern immer noch nur Generalseldmarschall. Die Firma hat sich „mit treudeutschem Gruß' unterzeichnet, da begreift man'», daß si« den Generalfeldmarschall des Kaiserreichs lieber betont als den Präsidenten der deutschen Republik. Sie rühmt an ihrer „Hindenburg-Seife" nicht nur die Güte der Ware, sondern auch die „künstlerische Ausführung", die sie„epochemachend" nennt. Ber- gessen hat sie, auf einen Vorzug hinzuweisen, den die„treudeutschen' Kreise besonders zu schätzen wissen werden. Die„Hindenburg-Seife" soll sich gut dazu eignen, diejenigen weißzuwaschen, die da» deutsche Volk durch den Krieg ins Unglück ge- stürzt haben. Die hoben es nöttgl Taschendiebe an der Arbeit. Während Scharen von Berlinern die Stadt verlassen, hat sie augenscheinlich wieder reichlich Zuzug von internationalen Taschendieben gesunden. Diese machen besonders wieder die Derkehrsmittel unsicher. Auf der Straßenbahn scheinen sie es namentlich auf die Linien abgesehen zu haben, die den Alexander- platz berühren. Auf der Linie 69 büßte gestern ein alter Herr von T. seine dreikapselige Remontoiruhr ein. Die eiserne Kriegskett« beliehen ihm die Diebe. Dagegen nahmen sie einen großen goldenen Siegelring, der am Karabiner hing, ebenfalls mit. In den Jaspis des Ringes ist das Familienwappen als Siegel eingeschnitten. Es ist auch möglich, daß der Ring beim Abreißen der Uhr herunter. gefallen und verloren gegangen war. Die gestohlene Uhr ist A. v. T. gezeichnet.— Auf der Untergrundbahn wurde dem Lehrling einer Berliner Firma ein Briefumschlag mit Wechseln im Gesamt- betrag von 3 350 Mk. gestohlen. Bier Wechsel lauten aus je 250 Mk. und sind akzeptiert von Schwarz u. Sohn in Steglitz, einer über 1 400 Mk., ist ausgestellt von Denkwitz und akzeptiert van der Firma Teco-Stettin. Der sechste lautet über 950 Mk. und ist ausgestellt von Th. Albers-Hamdurg und akzeptiert von der Hansealischen Motorrad-Baugesellschaft. Auf dem Briefumschlag, in dem die Diebe wohl eher Geldscheine als Wechsel vermutet hatten, ist die Ab- senderin die„Wefa" in der Gneisenaustraße 74/79 angegeben.— Auf dem A u t o b u» wurde ein Herr um 4 5 00 M k. bestohlen. Er hatte das G�ld von dem Postscheckamt in der Dorotheenstraße abgehoben und in einem gelben Briefumschlag in seine rechte Mantettasche gesteckt. Dann fuhr er von der Ecke Friedrichstraße— Unter den Linden aus mit dem Autobus 1 nach dem Westen, wo er eine Zahlung zu leisten hatte. An der Corneliusbrücke merkte er, daß der Umschlag mit dem Gelde au» seiner Tasche verschwunden war. Jetzt erinnerte er sich, daß neben ihm auf dem Omnibus ein größerer und ein kleinerer Mann und eine„Dame" von ety>a 25 bis 28 Jahren gestanden und ganz unnötig gedrängt haben. Diese drei, die den Eindruck von Ausländern machten, hatten ihn bereits auf dem Postscheckamt im Vorübergehen gestreift, ohne daß er sich dabei etwas gedacht hatte. Es sind ohne Zweifel die Dieic. Mit- teilungen zur Ausklärung dieser Diebstähle an die Dienststelle H. 1. 16 Kriminalkommissar Dr. Riemann im Zimmer 84 des Pol!.?--!- Präsidiums. Monatlich H Mark. JJcofeft der Kriegsbeschädigten gegen die RentenpoUti-. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegs- tellneymer und Hinterbliebenen hatte für gestern abend eine große Verfamlung nach der Schultheiß-Patzenhofer-Brauerei in der Hafen- Heide einberufen. Der riesig« Saal war stark überfüllt. Genosse Roßmann M. d. R. sprach über das Thema:„Der Reichstag und die dritte Novell« zum Reichsversorgungsgesetz". Die mangcl- hcffte Versorgung der Kriegsopfer überragt in finanzieller Aus- Wirkung zurzeit immer noch alle sozialen Aufgaben des Reiches. Bei Beendigung der Krieges zählte man in Deutschland 1557 000 ocr- sargungsberechtigte Kriegsteilnehmer und rund 600 000 Waisen. In- folge einer raffinierten Rentenpolitik hat sich die Zahl der Kriegs- beschädigten auf 721 000 und die der Witwen durch Wieder- Verheiratung von 200 000 aus 336 000 ermäßigt. Hinzu treten Halb- weisen(963 000), Vollwaisen(65 320), Elternteile usw. Don der Kriegsoersorgung werden somit gegenwärtig insgesamt etwa noch 2 335 000 Personen erfaßt. Die Versorgung für die Kriegs- beschädigten und Kriegshinterbliebenen ist jedoch wie an Hand eines umfangreichen Tatsachenmaterials vom Redner festgestellt wurde, durchaus u n zulänglich. Ein Kriegsbeschädigter erhielt vom Beginn des Krieges bis zu dessen Ende bei einer Erwevbsbeschränkung von 30 Proz. monatlich mindestens 28,50 M. Jetzt bezieht dieser Kriegsbeschädigte in Ortsklasse A, wenn«r ledig und gelernter Arbeiter ist, m o n a t l i ch 9 M. und werm er verheiratet ist, monat- < i ch 13 M. So wurden viele Beispiel« und Vergleiche minimaler Unterstützungsfummen, die im Vergleich zur Kaufkraft und im Ver- hältnis zu den früheren Bezügen, das ungünstigste Bild zeigen gegeben. Den stärksten Antragseiser für Ausbesserung der Renton hat die Dsutschnotionale Fraktion, wie auch die Fraktion der Deutschen Voltspartei gezeigt. Diese Parteien denken nicht im entferntesten daran, ihre Antröge auch zu verwirklichen. Das hat ihr« Behandlung in ollen Fällen unzweideutig gezeigt. Für die peinliche Lage der beiden großen Regierungsparteien bekommt man erst Verständnis, wenn man die Novell« zum Reichsverforgungsgefetz eingehender würdigt. Ihr Inhalt bleibt, weit hinter den Anträgen der Regierungsparteien zurück. Der Redner ging dann in längeren Ausführungen auf die dritte Novelle ein und dad schlagende Beweise der unzulänglichen Renten, SchwerbeschädigtenWlagen und Zusatzrenten. Aus den Ausführungen ging hervor, daß die Regie- rung eine völlig unzulängliche Milderung einer bisherigen schweren Benachteiligung der Masse der Beschädigten auf Kosten der Schwer- und Sckyverstbeschädigten herbeiführen will. Die geschilderten Ten- denzen der Novelle führen dazu, daß die Schwerbeschädigten unddieHinterbllebenenbeidergcplanten Renten- «rhöhung fast völlig leer ausgehen. Große Protest» rufe wurden laut, als der Redner auf die geradezu unerhörten Zu» lagen für die Offiziere, Verstümmelungszulagen nni> Witwengelder für die Ossijfierswitwen einging. Di« Novelle wird bei den Kriegsbeschädigten lebhaft« Empörung hervorrufen. Denn sie laßt«in« große Reihe berechtigter Forderungen völlig unbeachtet. Die sozial demokratische Reichstag ssrakticm wird den Endrvurs einer scharfen kritischen Prüfung unterziehen und den Regierungsparteien eine Entscheidung darüber nicht ersparen wie sie den Dank des Vaterlandes den Opfern des Krieges gegenüber auffosfsn. Minuten- langer lauter Beifall dankte für die guten Ausführungen des Redners, so daß in Anbetracht de« überzeugenden Vortroges auf eine D!s- tussion verzichtet wurde. Sin« Entschließungder Versammlung im Sinne des Redners gelangt« an den Reichstag zur Abfendung. Ausstellung„Farbe und Raum". Am 18. Juli wird in der Städtischen Studienanstalt. Fürbringer Straße 83, eine vom Verband der Malereigeschäfte von Berlin und den Vororten E. V. veranstaltete Ausstellung er- öffnet. In etwa 65 ausgemalten und bewohnbar eingerichteten Räumen, die in die Schulsäle eingebaut wurden, wird die s o r b i g e Ausstellung von Wohn- und Geschäftsräumen jeder Art gezeigt. Die Ausstellung verspricht besonders anregend zu werden, da es nicht galt, die Farben dem Vorurteil der Besteller entsprechend zu wählen oder vorhandenem Mobiliar anzupassen, sondern, unbehindert durch solche Bindungen, zu zeigen, was ein künstlerisch bestimmtes Handwerk mit heutigen Farben zu bieten vermag. Der seit einigen Jahren allgemein gewordene Wunsch nach Farben in der täglichen Umgebung hat wohl hier und da zu Ueber- treibungen und Verirrungen geführt, der gesunde Untergrund der Bewegung wird aber nicht mehr bestritten. Die Wiederbelebung der Farbe hat demgemäß raschere Fortschritte gemlbcht, als zunächst er- wartet wurde, doch sind die besten unter den neueren Leistungen weiteren Kreisen zu wenig bekannt. Die Ausstellung»Farbe und Raum" will zur ollgemeinen Verbreitung des Wissens um farbige Wirkungen beitragen._ Thüringen wird srcmdenfreundlich. Während vor nicht allzu langer Zeit verschiedene Gemeindevorsteher, namentlich der kleineren thüringischen Orte, öffentlich erklärten, daß ihnen an den Fremden durchaus nichts gelegen sei, wird jetzt wieder vielfach versucht, durch Verbesserung der Anlagen den Gästen den Aufenthalt angenehm zu gestatten. So hat die Genossenschaft Deutscher Volks- e r h o l u n g s h e i m e e. G. m. b. H., Berlin C. 2, Poststr. 10/11, mit Förderung der Gemeinde Elgersburg das dortige große Hotel»Herzog Ernst", das einige Jahre völlig brach gelegen hat, soeben erworben und vergibt noch jetzt Pension ab 4,25 M. Auch Fremde werden zu mäßigen Preisen gastlich aufgenommen. Einschreibbriese nach de« Vereinigten Staaten von Amerika.� Die Postverwaltung der Vereinigten Staaten von Amerika klagt darüber, daß Einschreibbriefe, die Geld, Gold- oder Silbersachen, Edelsteine, Schmucksachen und andere kostbare Gegenstände enthalten, sehr oft in beschädigtemZuftand eingehen, so daß der Inhalt den Sen- düngen entfällt und lose in den Briesbeuteln vorgefunden wird. Si« führt den Mißstand, der den Verlust solcher Gegenstände zur Folge haben kann, daraus zurück, daß zur Verpackung der Edelsteine und Schmucksachen zu schwache Kästchen und«m übrigen zu schwaches Papier verwendet wird, und daß die Sendungen schlecht verschnürt und versiegelt werden. Auf die Notwendigkeit, solche Einschreibbriefe entsprechend der längeren Beförderungsdauer sorgfältig zu verpacken, und dafür starke Behältnisse zu verwenden, wird hiermit hm- gewiesen. Da»«vas-Autoreanea deutscher Film- und Lühnendarsieller. da» vom 6. auf den 12. Lull verlegt wurde, findet am Sonntag, nachmittag« 2 Uhr, unter ollen Umständen statt. ver sonnennSchsie Planet Merkur, dessen Auffindung so schwierig ist. daß Kopernitu» aus dem Sterbelager seinem Bedauern Ausdruck gab, das; er diesen Planeten nie bade zu Gesicht bclommen, wird jetzt allabendlich den Besuchern der Treptow- Sternwarte gezeigt. Auch der hell- strahlende Abendstern, die Venu», sowie der mit Ringen umgebene Saturn findet da» lebhastesl« Jnleresse der Beobachter. Herrliche Naturdoiumcnlc werden in den Ulmvorträgen vorgeführt: Am It.Jult(Sonnabend) 8 Uhr und am 12.(Sonntag) um 4.« und 8 Uhr.Lava", ein Kulturfilm, der un» in die sonnigen Gestade Italien» führt. Am 14.(Dien»tag) 8 Uhr „Einführender Vortrag in dl« Astronomie"(Licht- und Drehbilder). Am 15. lMiltwoch).Sbackleton« Südpolexpedition", die Tragik der Polarforscher. 18.(Sonnabend) 8 Ubr„Mit Dr. Tolw Roß um die Erde", ein Film, der un» die Sitten und Gebräuche fernster Völler vor Augen führt. Groß-öerliner Partemachrichten. 54.«t. Heut«,(Sonnabend, FuuktwuSrversammlu-g bei Fischer,«-»erstr. W. Gewerkschaftsbewegung Der Kampf der Bauarbeiter. Nahezu 25 000 Bauarbeiter im Streit. Gemäß der Beschlüssen der Generalversammlung des Baugewerksbundes ist die Arbeit auf allen Bauten in Berlin ein gestellt worden. Nur auf den Baustellen der Bauhütte wird entsprechend den getroffenen Vereinbarungen weiter gearbeitet. Ledig lich auf der Baustelle des Bundeshauses des Buchdruckerverbandes verharrt ein Teil der Belegschaft in passiver Resistenz. Insgesamt befinden sich nach den vorläufigen Zählungen 20-25 000 Bauarbeiter in Berlin im Streit. Der Zentralverband der 3immerer hatte zunächst nur den partiellen Streif beschlossen, d. h. daß überall da geftreitt merden soll, wo die Forderungen nicht bewilligt werden. Inzwischen hat jedoch die Generalversammlung des Baugewertsbundes einen weitergehenden Beschluß gefaßt, als ursprünglich vorgefehen mar. Die Zimmerer werden am Dienstag zur Situation Stellung nehmen. Im übrigen führen die Zimmerer den Rampf gemeinsam mit dem Baugemertsbund und haben auf allen Bauten mit Ausnahme der Bauten der Bauhütte die Arbeit niedergelegt. Brattisch befinden sich also auch die 3immerer im allgemeinen Streif. Der Konflikt in den Gas- und Wasserwerken. Berhandlungen nach passiver Resistenz. Wie wir vorausgesehen, haben die Arbeiter der Städtischen Gaswerke heute morgen die Arbeit eingestellt, ohne die Werte zu verlassen. Auf Grund einer Bereinbarung zwischen der Direktion und der Organisationsleitung haben sie aber die Arbeit wieder aufgenommen. Im Augenblid finden Verhandlungen statt zwischen der Organisation und der Direktion der Städtischen Gasund Wasserwerke, die aber noch nicht abgeschlossen sind. Ob es zu einer Beilegung des Konflikts kommen wird, ist noch nicht vorauszusehen. Zur Metallarbeiter- Wahl am Sonntag. Bollegialen Berhaftens, Unterschlagung ufm. Wir haben metter feft. gestellt, daß unter den wegen Unterschlagung ausgeschlossenen Mitgliedern sich eine ganze Anzahl von Mitgliedern der RP D. befindet. Wir waren bereit, auf Wunsch die Namen dieser wegen Unterschlagung von Arbeitergeldern ausgeschlossenen Rapedisten zu veröffentlichen. Begreiflicherweise ist dieser Wunsch nicht ausgesprochen worden. Nichtsdestoweniger wiederholt die Rote Fahne den Schwindel, daß die Zista- Urich durch ihre Ausschlußfampagne an dem Entstehen der kommunistischen Sonderorganisation schuld sei. Sie wiederholt auch den Schwindel, daß die Zista- Ulrich die Wiederaufnahme der„ revolutionären Metallarbeier" abgelehnt hätten. Wir haben schon nachgewiesen, daß allen Anträgen von Mitgliedern der Metallunion stattgegeben worden ist und daß der fürzlich gestellte Antrag einer Bersammlung in Tempelhof auf forporativen Hebertritt fagungsgemäß an den Hauptvorstand weitergeleitet wurde. arbeiter durch den BBMI. betrifft, so verhalten sich die Dinge einWas die Einstellungssperre von vier Wochen der FachMitglieder des D.M.V.! Morgen ist Wahl von 10-2 Uhr. Zu wählen ist die Liste A d. gewerkschaftlichen Wiederaufbauarbeit. fach so, daß der BBMJ. als Bergeltungsmaßnahme gegen den Streit bei Tenner beschlossen hat, vom Arbeitsnachweis teine Facharbeiter einzustellen, die weniger als vier Wochen außer Arbeit sind. Die Ortsverwaltung des DMV. hat dagegen Einspruch erhoben. Sie hat wiederholt in dieser Frage verhandelt und den BBMI. nicht im 3meifel gelassen über die Konsequenzen, die ein derartiges Berhalten nach sich ziehen fann. Auch in diesem wie in den anderen Punkten sind die Behauptungen der Roten Fahne" glatter Schwindel. Er wird sie gewiß nicht morgen vor der berdienten Niederlage retten. Gegen die Anteilnahme der Arbeiterschaft. Aschinger und der Betriebsrat. Wie uns von der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes mitgeteilt wird, bestanden bisher 3 meifel dar. über, ob die Mitglieder, die die 8 Uhr Marfenicht geflebt haben, berechtigt sind, an der Abstimmung am Sonntag teilzu nehmen. Um diese Zweifel zu beheben, ist der Hauptvorstand anläßlich der jüngsten Beiratsfigung vom Kollegen 3ista um eine authentische Auslegung ersucht worden. Diese geht nun dahin, Daß die 8- Uhr- Marte zwar eine Pflichtmarte sei, die Unterhaus Rheingold, das der als Konditor in der Zentrale in der lassung des Klebens jedoch nicht das Abstimmungsrecht bei der Urwahl beraube. Somit sind auch die Mitglieder des DMB. berechtigt, an der Abstimmung teilzunehmen, die die 8-11hr Marte noch nicht geflebt haben, sofern sie die übrigen statutarischen Bedingungen erfüllen. Verlegenheiten und Verlogenheiten. Unsere Veröffentlichung einiger Fragen, die die KPD. an ihre Betriebszellenobleute richtet, die die Herstellung von Kriegsmaterial, Giftgasen, Gasmasken und den„ Marsch nach Botsdam betreffen, hat die Rote Fahne" in einige Verlegenheit gebracht. Sie tann nicht gut leugnen, daß die KPD. die Gewerk fchaftsarbeit" als Vorbereitung zu militärischen benteuern benutzt und die Arbeiterschaft wieder in eine Niederlage hinein hezen möchte. In ihrer Berlegenheit fällt sie in ihre altgewohnte Ber fogenheit zurüd. Sie dichtet die imperialistische Politik Somjetrußlands der Sozialistischen Arbeiterinternationale an und stellt es so hin, als seien die von den reformistischen" Metallarbeitern und Bergarbeitern vor Jahr und Tag beschlossenen Maßnahmen gegen einen Krieg uns unbequem". Wenn sie schließlich phantafiert von einer Kriegshege" gegen Sowjetrußland, bie vom Borwarts" betrieben werde, so ist das ein so aufgelegter Blödsinn, den schließlich fein Leser der Roten Fahne" glauben wird. Wir stellen also fest, daß die Gewerkschaftsarbeit der PD. in der 3erstörung der Organisationen, in der Unfähigteit, selbst etwas zu leisten, und in der Vorbereitung von putschistischen 2benteuern besteht. Der ganze Schwindel. Das Bolschemiſtenblatt, das noch vor einer Woche den Mund recht voll nahm gegenüber den Bonzen des Metallarbeiterverban des, ist merklich fleinlant geworden, seitdem wir ihm auf die Finger geflopft haben. Im heutigen Morgenblatt wird jedoch in fondensierter Form der ganze Schwindel, den wir bereits miderlegt haben, nochmals aufgewärmt. 5 Zunächst versucht man die Dinge so hinzustellen, als hätte die Ortsverwaltung Berlin des DMB. unberechtigterweise die Mitglieder, bie die 8- Uhr- Marte nicht geflebt haben, ihres Wahlrechts berauben mollen und sei durch den Hauptvorstand zur Ordmung gerufen worden. Tatsächlich verhalten fich die Dinge umgefehrt. Erst auf ftandes ergangen. Es ist aber durchaus charakteristisch für die KPD eine Interpellation von 3ista ist die Auslegung des Hauptvor. baß sie besonders auf diejenigen Mitglieder spekuliert, die aus irgend welchen Gründen ihre Beitragspflicht nicht voll erfüllt haben. Die Rote Fahne" hatte behauptet, daß die Ziska- Urich Tausende revolutionäre Kollegen" ausgeschlossen hätten und allo fchuld feien an der Gründung der fommunistischen Union. Wir haben auf Grund der Listen der ausgeschlossenen Mitglieder feftgestellt, daß seit fünf Jahren insgesamt noch feine 200 Mitglieder ausgeschlossen worden sind, und das darunter die erbrüdende Mehrzahl ausgeschlossen wurde wegen Streifbruchs, unDie Firma Aschinger beschäftigt rund 3000 Arbeitnehmer. In anderen Betrieben mit einer so großen Belegschaft wird dem Betriebsratsvorsitzenden Freizeit zur Erledigung seiner Amtsgeschäfte gewährt. Aber bei der Firma Aschinger ist davon teine Rede. Alle seine Obliegenheiten hat der Betriebsrat außerhalb der Arbeitszeit zu erledigen. Alles, was die Firma dem Betriebsrat gewährt, ist ein Bureauzimmer in den Geschäftsräumen im WeinSophienstraße täglich von morgens 6 bis nachmittags 3% Uhr beschäftigte Betriebsratsvorsitzende Mittwochs und Sonnabends don 6 Uhr nachmittags an zur Abhaltung von Sprechstunden benutzen darf. Den Schlüssel zu diesem Zimmer hat der Direktor in Berwahrung. Wenn dieser, was öfter vorkommt, in dem großen, vielräumigen Hause nicht aufzufinden ist, dann steht der Betriebsratsvorsitzende vor der verschlossenen Tür und tann sich samt denen, die ihn sprechen wollen, irgendwo anders eine Unterkunft suchen. In dem erwähnten Zimmer befindet sich auch eine Schreibmaschine, aber der Betriebsratsvorsitzende darf sie nicht benutzen. Seine schriftlichen Arbeiten muß er handschriftlich anfertigen, menn er nicht Gelegenheit findet, sie im Bureau seiner Gewerkschaft auf der Schreibmaschine herzustellen. Das benötigte Schreibmaterial wird von der Firma weder gestellt, noch werden dessen Kosten erstattet. Seit einem halben Jahr bemüht sich der Betriebsrat, durch Verhandlungen mit der Firma Freizeit gewährt zu erhalten. Er hat aber nichts erreicht. Dann beantragte er beim Gewerbegericht, es möge beschließen, daß der Betriebsratsvorsitzende von der Arbeit freigestellt werde. Das Gericht hat diesem Antrag nur teilweise entsprochen. Es beschloß: Der Vorsitzende des Betriebsrats der Firma Aschinger ist Mittwochs und Sonnabends von 10 Uhr vormittags an von der Arbeit freizustellen. Für diese Zeit ist ihm ein Betriebsratsbureau und eine Schreibmaschine zur Verfügung zu stellen. Ganz abgesehen davon, daß bei einem so ausgedehnten Betrieb und einem so zahlreichen Personal die völlige Freistellung des Vorfigenden des Betriebsrats unbedingt erforderlich ist finanziell fällt fie gar nicht ins Gewicht ist die schitanose Haltung der Firma fennzeichnend für den Geist, der vielfach die Unternehmer beherrscht. Sie flagen Stein und Bein über das mangelnde Intereffe der Arbeiterschaft an der Wirtschaftlichkeit des Betriebes, versäumen aber feine Gelegenheit, um den Arbeitern jedes Interesse zu verefeln. Und dieses reaktionäre Spießertum will in Wirtschaft und Politi? führen! Unternehmer offenfive im Textilgewerbe. Greiz( Bogtland), 11. Juli.( WTB.) Die 25 ftreifenden Stuhl. meister von 5 Geraer Firmen find auch heute noch nicht zur Arbeit zurüdgefehrt. Die Folge ist, daß heute mit Arbeitsschluß von der nächster Woche droht der Verband sächsisch- thüringischer Webereien Ortsgruppe Gera des Verbandes der sächsisch- thüringischen Webereien 4000 Weber und Weberinnen ausgesperrt werden. Für Milimoch ( Siz Greiz) die Gesamtaussperrung im ganzen Verbandsgebiet an, die fast 30 000 Arbeiter treffen wird.( Wegen 25 streitender Arbeiter!) Gespannte Situation im englischen Bergban. Condon, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Im Laufe des Freitags fanden bedeutsame Berhandlungen zur Entspannung der fritischen Lage im englischen Bergbau statt. Die vorhandenen Schwierig. teiten konnten einer Lösung jedoch nicht nähergebracht werden, da DHANADA. Beheim- Schwarzbachs Metallbettstellen Derliner Elektriker- Kaufmännische Privatschule Korbmabel, Kinderwagen Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Neukölln. Anmeldung. Ganghoferstr.1 Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 and Berliner Str. 82( Privatwohnung) Fernanrecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit D ( Inh. F. Eggert) Beginn neuer Jahres- und JahresLehrgänge Fernspr.: Neukölln 1063 Der gute KapitänKautabak ist in den meisten Zigerrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 bei sofort.Lieferung Berliner Töpferhütte G. m. b. H. angeschlossen dem Verband sozialer Baubetriebe Z Ich die Führer ber Bergarbetter weigern, in Berhandlungen mit dert Unternehmern einzutreten, solange diese ihre Borschläge nicht mäßigen. Am Vormittag fand eine Besprechung zwischen den Bergarbeiterführern und dem Regierungsunterhändler Minister Bridgeman statt, am Nachmittag berist der Generalrat der britischen Gewerfichajten in vierstündiger Gigung zusammen mit den Bergarbeitern die Lage. Es handelte sich um eine Verständigung über das Ausmaß der Unterstügung, die die Bergarbeiter von der gesamten Arbeiterbewegung für den Fall des Kampjes erwarten. Die Belegschaft der Armaturenfabrik Weichbrodt v. Friedrich, Neukölln, Kottbuser Damm 75, steht wegen Ablehnung einer Lohnforderung im Streit. Die Firma versucht, ihre Artikel in anderen Betrieben fertigstellen zu lassen. Es handelt sich um Gas-, Wasser- und Dampfarmaturen. Wir ersuchen alle Kollegen, streng darauf zu achten, daß nicht Arbeiten genannter Firma Vor allen Dingen innerhalb ihrer Betriebe angefertigt werden. tommen Metalldreher und Metallschleiferarbeiten in Frage, und ersuchen wir in Zweifelsfällen bei der Ortsverwaltung anzufragen. DMB., Ortsverwaltung Berlin. Zur Delegafion der Beamtenvertreter bei der Reichsregierung wird uns mitgeteilt, daß auch die Vertreter der Behördenangestellten daran teilgenommen haben. Theater der Woche. Bom 12. Juli bis 20. Juli 1925. Bollshithne: Die deutschen Kleinstädter. Opernhaus: Gefchloffen. Rroll- Oper: 12., 13., 16., 17. u. 20. Juli: Stern von Affuan; 14., 15., 18. u. 19. Juli: Bolenblut. Schauspielhaus: Kreuzfeuer. Schiller- Theater: Annemarie Gr. Bollsoper i. Theater bes Westens: Uschi. Renaissance Theater: Die Pfarrhaustomödie. Die Tribüne: bis 12. Juli: Die Liebenden; ab Montag, 13. Juli, gefchloffen. Deutsches Künstlertheater: Meiseken. Berliner Theater: Anneliese von Dessau. Trianon- Theater: Die Tugendprinzessin. Theater in der Kommandantenftr.: Romische v. 12.- 15. Juli: Durch den Rundfunk; ab 16.- 31. Juli geschlossen. Lustspielhaus: Geschlossen. Metropol- Theater: Tausend füße Beinchen. Operettenhaus am Schiffbaner damm: Der fleine Ruppler( Le chien qui rapporte). Theater am Surfürften. damm: Madanie Revue. Kleines Theater: Rosen. Wallner- Theater: Ge. schloffen. Goethe- Bühne: Mohrenwäsche. Rose- Theater: Die vertagte Komödienhaus: Der legte Ruß. Oper: Das hat die Welt noch nicht gesehen. Nacht. Gartenbühne: 13.- 14. Juli: Rund um die Berolina; 15.- 20. Juli: Der Goldat der Marie. Schlozpark Theater Steglig: Das Musikantenmädel. Theater im Admiralspaleft: Chocolate Riddies. Berantwortlich für Bolitik: Bictor Echiff; Wirtschaft: Arthur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen Zh. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin G. 68, Lindenstraße 3. Gewinn- Auszug 4. Klasse 25. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lofferie 10. Juli 1925 Nachdruck verboten 1. Stebungstag Ohne Gewähr Auf jede gesogene Nummer find swet gleich bebe Ge winne gefallen, und war je einer auf die 2pfe sleider Bummer in den beiden Abteilungen 1 wab 3 In der Vormittagsziehung wurdenGewinne über 150 m gezogen 2 Gewinne zu 50000. 89455 2 Gewinne zu 5000 m. 126352 4 Gewinne zu 3000 22. 78202 263521 4 Gewinne zu 2000 2. 246155 273308 8 Gewinne zu 1000 2. 39889 73895 198158 237380 8 Gewinne zu 800. 103141 149384 177044 249954 500 M. 3392 186974 4 Gewinne zu 56 Gewinne zu 400 m. 3303 19934 20375 44132 47040 48289 55818 65686 70739 94405 95176 111788 124036 131163 136071 140989 144170 156791 172478 207778 210974 219052 220316 229696 231897 251023 251947 267312 186 Gewinne zu 300 22. 1815 2173 3980 11289 14343 15397 27631 29494 31799 32867 33078 40372 42225 48315 50698 57901 80372 62577 63482 73949 78655 79030 83483 85776 85800 93094 93812 95674 96798 98293 103210 107892 117031 118044 118474 120557 122326 125469 126288 126425 129820 130413 134515 134688 135876 138887 146959 150990 155761 158695 158915 159689 160750 167736 171241 171624 173971 175656 178317 181372 181742 182207 187777 189365 195284 199175 199793 201501 201998 206767 210641 213126 218054 219281 221152 224033 225047 226980 227285 227632 235385 235781 239562 243844 243956 249142 249733 251287 255450 259937 260027 267093 270269 In der Nachmiffagsziehung wurden Gewinne fiber 150 M gezogen 2 Gewinne zu 100000 m. 115807 2 Gewinne zu 5000 m. 19636 2 Gewinne zu 3000 m. 228549 2 Gewinne zu 2000 2. 205846 2 Gewinne zu 800 2. 259836 8 Gewinne zu 500 m. 7747 97415 126317 271211 74 Gewinne zu 400 m. 5099 14688 23465 50202 59582 59930 60505 62637 68267 73488 74640 79493 80088 80291 84941 85726 87364 92602 112085 117551 139738 144825 146020 147155 149583 162438 172093 181707 200947 211518 228654 230367 237930 237980 248077 252502 266040 206 Gewinne zu 300 M. 6039 21353 23942 26342 28832 29095 31089 32390 34108 37530 38243 42322 45673 49632 57907 58097 58468 58564 61929 67277 71511 74103 76179 77889 79796 83340 83647 84180 86768 95376 97806 101958 102203 104930 105952 107212 107345 107498 110138 113182 117105 119839 121213 122666 123129 127030 130363 131548 132427 134848 136479 139183 139213 139336 141980 142160 144031 146997 147508 148688 148777 159433 159929 161165 161764 164190 164357 166335 169793 172691 180224 185454 186590 189399 191527 191751 193203 193688 197464 200648 201428 201649 207644 209301 212802 215890 220843 229919 237293 238155 238196 246141 249149 249566 249685 253218 254615 255121 257911 261845 272203 273449 274447 ähne 1.29 G.-M. auf Teilzahlung Erfinder gestattet b. kl. 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