Nr. 325 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 167 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Bfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburs 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Sied. Iung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin* Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonparzike. eile 80 Pfennig. Reklamezeite 5. Reichsmart. ,, Alcine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( zuläffig zwei, fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Bud;. ftaben zählen für zwei Worra. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Donboff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 12. Juli 1925 Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankfoute: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Das Saarabkommen unterzeichnet. Deutschnationale Staatskunst. Günstiges Teilergebnis der deutsch- französischen Verhandlungen. Wie die Männer, so die Politik. Herr Martin Schiele, Reichsminister des Innern, Autor des Briefes, vom 25. Mai an Herrn Brüninghaus, Paris, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Besprechungen, die| Saargebietes und Lothringens gefordert wurde. Aus diesen Schwie- als Vorsitzender der deutschnationalen Reichstagsfraktion in den letzten Tagen zwischen Staatssekretär Trendelenburg rigkeiten hat sich ein Ausweg dadurch eröffnet, daß und Minister Chaumet und zwischen den beiderseitigen Dele= gationen der deutsch- französischen Wirtschaftsverhandlungen stattfanden, haben erfreulicherweise zu einem Teilergebnis privatwirtschaftliche Verhandlungen zwischen den Eisenerzeugern im Saargebiet und in Frankreich hierüber unverzüglich eingeleitet werden sollen. Die beiden Regie rungen haben sich vorbehalten, den Austausch der Ratifikationsurkunden von dieser Einigung und ihrer gemeinsamen Zustimmung abhängig zu machen. Um diesen vorübergehenden privatwirtschaftlichen Ausgleich zu erleichtern, ist ferner das Abkommen an die Vorausjegung geknüpft worden, daß während seiner Dauer eine Erhöhung der deutschen Eisenzölle, soweit eine solche nicht für einzelne Pofitionen in der jetzt dem Reichstag vorliegenden Zollnovelle schon vorgesehen ist, nicht stattfinden. Es handelt sich dabei lediglich um die formelle Bestätigung eines Zustandes, der auch ohne diese Abmachungen bestehen würde. Die französische Delegation hatte außerdem die Befürchtung geäußert, Deutschland könne während der Dauer des Abkommens den Eisenausgleich zwischen der Saar und Lothringen dadurch gefährden, daß es zwischenstaaten besondere Vergünstigungen einräumt. Bestimmte Zusagen in dieser Hinsicht fönnten ihren Blayz jedoch nur in einem allgemeinen deutsch- franzöfischen Wirtschaftsabkommen haben. Die deutsche Regierung hat sich deshalb auf die Erklärung beschränkt, sie habe augenblicklich nicht die Absicht, Veränderungen eintreten zu lassen. In dem ganz unwahrscheinlichen Falle, daß infolge nicht vorauszusehender Umstände Veränderungen doch eintreten sollten und Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich alsdann nicht zum Ziele führen würden, würde entweder die Eisenabmachung außer Kraft gesetzt werden oder Frankreich tönnte von seinem besonderen Kündigungsrecht Gebrauch machen. Ueberdies ist das ganze Abkommen unter ein allgemeines beiderseitiges Kündigungsrecht mit einmonatiger Frist gegeführt. Bekanntlich wurde in den letzten Monaten in den allgemeinen Verhandlungen besonders über die Regelung gewisser dringlicher Wirtschaftsfragen des Saargebietes verhandelt. Diese Beratungen sind nach schwierigen Verhandlungen der letzten Tage und Nächte am Sonnabend morgen zum Abschluß gelangt. Der Text dieses Abkommens ist im Auftrage der beiden Delegationen von Geheimrat von Friedberg und Ministerialdirektor Ser runs abgefaßt und am Sonnabend mittag von Botschafter von Hoesch und Staatssekretär Trendelenburg den Ministern Briand und Chaumet in deutscher und französischer Sprache überreicht worden. Da die Hauptverhandlungen unterbrochen worden find, mußte das Sonderabfommen über das Saargebiet, das bisher als ein Zusakabkommen zum deutsch- französischen Handelsvertrag gedacht war, in einen etwas engeren Rahmen gestellt werden. Das gilt insbesondere für die Dauer des Abkommens, die in Erwartung der weiteren Verhandlungen nur auf vier Monate bemessen ist. Im übrigen besteht der wesentliche Inhalt darin, daß für die Ausfuhr gewisser Erzeugnisse des Saargebiets ins deutsche Zollgebiet und für die Einfuhr gewisser deutscher Rohstoffe und Fertigfabrikate ins Saargebiet 3ollfreiheit oder Bergünstigungen gewährt werden. Die Gründe hierfür liegen in den ganz besonders gearteten allgemeinen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Saargebietes, das, wie bekannt, nach dem Vertrag von Versailles einen vorübergehend der Berwaltung einer Völkerbundstommiffion unter stellten und zugleich dem französischen 3ollsystem einstellt. geordneten Teil des deutschen Reichsgebietes bildet. Die Erfenntnis, daß die Wirtschaft des Saargebietes schwerste Gefahr laufen mürde, wenn ihr nicht wenigstens bis zu einem gewissen Maße der deutsche Markt sowohl als Absatz- wie als Bezugsgebiet gewährt bleibt, hat die Einräumung dieser Bergünstigung nötig gemacht. Für die Einfuhr gewisser deutscher Maschinen, die für die Inganghaltung der Produktion des Saargebietes unentbehrlich sind, ist ein beson deres Berfahren vorgesehen. Einen der wesentlichen Bunfte des Abkommens bildet natürlich die zolfreie Hereinnahme von Saareisen nach dem deutschen Zollgebiet. Bekanntlich hatte diese Hereinnahme einen Teil der zwischen den beteiligten Eiſenindustrien am 16. Juni in Luremburg getroffenen Abmachungen gebildet. Diese privatwirtschaftliche Regelung, die übrigens noch in allen Einzelheiten zu einer Einigung geführt hat, war von vornherein an das Inkrafttreten des vorläufigen deutschfranzösischen Wirtschaftsabkommens geknüpft worden. Infolge der Bertagung der deutsch- französischen Verhandlungen kann das Luremburgische Abkommen vorläufig gleichfalls nicht in Kraft treten. Hierdurch haben sich für die Frage des Saargebietes Schwierigkeiten ergeben, da franzöſiſcherſeits für die vier Monate, während derer das Abkommen über das Saargebiet Geltung haben soll, ein gewisser Ausgleich zwischen den Eiſenindustrien des Staatssekretär Trendelenburg ist am Sonnabend mit der deutschen Delegation nach Berlin gereift. Das Abkommen wird unverzüglich dem Reichsrat und dem Reichstag vor gelegt werden, so daß es ebenso wie in Frankreich auch in Deutschland noch vor den Parlamentsferien genehmigt werden kann. Außer dem Saarabtommen und dessen Schlußprotokoll ist ferner zwischen Staatssekretär Trendelenburg und Minister Chaumet das bereits in Aussicht genommene Protokoll unterzeichnet, nach dem sich die beiden Delegationsführer am 15. September zu neuen Besprechungen in Paris zusammenfinden und die beiden Regierungen sich verpflichten, in der Zwischenzeit von Maßnahmen abzusehen, die ausschließlich oder besonders gegen den anderen Teil gerichtet sind. Annahme durch das französische Parlament. Paris, 11. Juli.( WTB.) Der Senat hat in seiner heutigen bas Abendsizung heute vormittag abgeschlossene SaarAbtommen ebenso wie die Kammer, einstimmig gut geheißen. Im Verlaufe der Debatte sprach General Hirsch auer den Wunsch aus, daß das hauptsächlich im Interesse des Saargebietes abgefchloffene Abkommen die Interessen der elsaßHandelsminister fothringischen Industrie nicht verlegen werde. Chaumet erklärte, daß diefes Abkommen abgeſchloſſen ſei mit der größten Sorgfalt, daß die Intereſſen der elsaßz- lothringischen Industrie nicht geschädigt würden. 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus und 350 Marf Geldstrafe, Lamp 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus und 250 Mark Geldstrafe, A ßmann 1 Jahr Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe, Joerriffon 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 150 Mart Geldstrafe, Bytzed 2 Jahre Gefängnis und 200 Mart Geldstrafe, Harder 1 Jahr 6 Monate Buchthaus und 150 Mart Geldstrafe, Frau Lamp 5 Monate Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe, Grete Schulz 1 Jahr Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe. Außer den Geldstrafen werden auf die Unterfuchungshaft angerechnet: Lamp 1 Jahr Zuchthaus, Bozenhardt 9 Monate, Hoerriffon 1 Jahr, Bytzed 1 Jahr 1 Monat, Harder 10 Monate, Frau Lamp 1 Monat, Grete Schulz 8 Monate. Bei Azmann gilt die Strafe als verbüßt. Grete Schulz wird auf freien Fuß gelassen. Taza nach wie vor bedroht. Paris, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Auf dem marokkanischen Kriegsschauplatz scheint die Lage in den letzten Tagen feinerlei wesentliche Veränderung erfahren zu haben. Die in den letzten Tagen angekündigten franzöfifchen Gegenoffensiven haben den erwarteten Erfolg nicht gebracht, und der amtliche Bericht vom Sonnabend gibt zu, daß die Lage in dem Abschnitt von Taza nach wie vor außerordentlich ernst sei. Hier ist es vor allem die befestigte Stellung von Bab El Taza, deren Befih den Weg nach Taza hält, die von Abd el krim Tag und Nacht angegriffen wird, und die von den Franzosen, die seit Ende Juni nicht mehr Die harten, brutalen Urteile des Staatsgerichtshofes, abgelöst und ergänzt werden konnten, nur noch mit Mühe gehalten wird. Dabei fcheint es sich in dieser Gegend lediglich die in einem so aufdringlichen Kontrast zu der um ein Ablenkungsmanöver zu handeln, das dazu bestimmt ist, den meist bei politischen Prozessen üblichen Milde stehen, machen es von Abd el Krim aus den neugewonnenen Stellungen zwischen Ain unabweislich, daß endlich vom Reichstag eine Amnestie Aischa und Kelaa- Des- Sieß vorbereiteten Hauptftoß gegen Taza zu erlassen wird. Alle die Dinge find lediglich Begleiterscheinununterstützen. Auch im Westen der französischen Front hat die Kampfen der Inflation gewesen. Es würde ganz gewiß nur dem Frieden dienen, wenn endlich unter diese Prozesse ein Strich tätigkeit in den letzten Tagen an Stärke zugenommen. gezogen würde. Zuchthaus für Bozenhardt. Harte Urteile in Leipzig. Leipzig, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Im Bozenhardt. Prozeß wurde am Sonnabendabend 8 Uhr das Ürteil gefällt. Tie Angeklagten werden wegen Bergehen nach§§ 6 und 7 ies Sprengstoffgefeges und§§ 7 und 8 des Republik Ichutzgesetzes verurteilt, und zwar erhalten: Bozenhardt Revifion im Prozeß Rehnig. In dem Verfahren gegen Rehnig wegen Erichießung des Reichsbannermitgliedes Schulz ist, wie amtlich gemeldet wird, gegen das freisprechende Urteil von der Staatsanwalt Revision eingelegt worden. Militärrevolte in Ecuador. Reuter berichtet aus Guayaquil: Die Regierung ist von aufständischen Truppen unter dem Kommando des Generals Francesco Gomez gestürzt worden, der alle Regierungsgebäude besezen ließ. politischer Vertrauensmann der Deutschnationalen in der Regierung neben den Herren Kanig, Neuhaus und Schlieben, hat eine neue schriftstellerische Leistung zu verzeichnen. Er hat für die Festnummer, die der Zeitungsverlag zur Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Königsberg herausgibt, eine Betrachtung über das Thema: Von der Verantwortung der Deutschen Presse" geschrieben. Seine Kollegialität mit dem Reichsaußenminister Dr. Stre= semann bringt es mit sich, daß diese Betrachtung unmittelbar über einer Abhandlung des Reichsaußenministers über Presse und Außenpolitit" steht. Schiele und Stresemann, Verantwortung der Presse und Presse und Außenpolitik, das ist in der Tat der politische Fragenkomplex, der neben den großen Wirtschaftsfragen die Deffentlichkeit beschäftigt, und die Regierung vielleicht noch stärker als die Deffentlichkeit. Herr Schiele schreibt über die Verantwortung der deutschen Presse: ,, Nationale Pflicht der deutschen Presse ist es darum, alle Tatsachen zu erst. unter dem Gesichtspuntt des gemein ja men Wohles unseres ganzen deutschen Volkes zu betrachten und dann erst den Parteistandpunkt zur Geltung zu bringen. Parteien, Interessen und Meinungen müssen sein, aber ihr G- e gen einanderstreben fann immer sachlich largelegt und dann auch meist durch das Auffinden übergeordneter, dem Ganzen dienender Gesichtspunkte ausgeglichen werden. Darum hängt viel von der Preffe ab, ob mir imms durch Stärtung des Willens zur Einigkeit und durch verständnisvolle Webermindung aller unser Volt durchziehenden Gegenfäße aus der Not der Gegenwart zu gefunderen Verhältnissen herausarbeiten können." Die letzten politischen Ereignisse haben Herrn Schiele gewiß zu diesen Gedanken angeregt. Gemeinwohl über Parteistandpunkt: ein schöner Grundsatz für einen Minister, deffen Partei die Brotzölle gegen die Interessen des Volkes und der Wirtschaft erzwingen will. Sachliche Klarlegung des Gegeneinanderstrebens der Parteien und Meinungen: das wäre in den Fragen der Außenpolitik notv, und Herr Minister Schiele fönnte einiges dafür tun, wenn er im Kabinett dafür eintreten wollte, daß die außenpolitische Debatte im Plenum des Reichstags bald stattfindet. Und schließlich: Stärkung des Willens zur Einigkeit durch die Presse: wir können uns wohl denken, daß die Regierung feit ihrem Amtsantritt lebhaftes Bedürfnis nach einer Stärkung des Willens zur Einigkeit durch die deutschnationale Presse empfunden hat. Aber daß gerade Herr Schiele sich zum Interpreten dieses Wunsches macht, das ist denn doch schließlich etwas zu- deutschnational. Denn wer sagen wollte, daß deutschnational sein bedeute, für Einigkeit in der Regierung, für homogene Führung der Geschäfte, für Autorität in der Regierung zu sorgen, der müßte darauf gefaßt sein, daß man ihm als lebenden Gegenbeweis Herrn Schiele entgegenhält. Herr Martin Schiele ist seit einem halben Jahre Reichsminister des Innern. Seine Partei hat ihn an den einflußreichsten und verantwortungsvollsten Bosten neben den Reichskanzler gestellt. Die Deutschnationalen wollten bekanntlich in die Regierung, weil sie allein das Regieren verstehen. Sie wollten in die Regierung, um den ewigen Krisen ein Ende zu machen. Sie haben laut ihre großen und starken Männer gepriesen. Man darf annehmen, daß sie in Herrn Schiele, dem Vorsitzenden ihrer Reichstagsfraktion, den fie an so hervorgehobene Stelle delegiert haben, einen ihrer besten gesehen haben. Man darf es um so mehr, als sie nachher bei der Präsidentenwahl in einiger Verlegenheit waren. Herr Schiele begegnete also hochgespannten Erwartungen. Wir fürchten, er hat fie einigermaßen enttäuscht. Es wird niemand behaupten wollen, daß die Regierung LutherStresemann- Schiele eine Regierung ohne Krisen sei, und wenn sie noch so zusammenhält, so liegt das Verdienst sicher nicht bei Herrn Schiele, dem Autor des Briefes vom 25. Mai. Als autoritativer Faktor in der Regierung wirkt Herr Schiele auch nicht gerade. Und das Format? Darüber ist noch einiges zu sagen. Am 9. Februar erließ das Auswärtige Amt in Uebereinstimmung mit dem Reichskanzler das Memorandum über die Politik des Sicherheitspaktes. Der Inhalt wurde sehr rasch durch die englische Bresse bekannt. Das Kabinett wurde in mehreren Sigungen noch im März über den Inhalt unterrichtet. Ein Teil der Deutschnationalen unternahm im März einen heftigen Vorstoß gegen die Sicherheitspolitit des Auswärtigen Amtes. Sie forderte, daß der Minister des Aeußeren vor den Staatsgerichtshof gestellt werde. Die deutschnationale Reichstags= fraktion beschäftigte sich mit dem Memorandum. Sie faßte einen Beschluß, und sandte eine Abordnung zur Regierung. Nach eingehender Besprechung mit der Regie rung veröffentlichte sie eine Erklärung, daß sie nach eingehender Orientierung durch die Regierung brieflich Be denken vorgebracht habe. Am. 25. Mai schrieb Herr Schiele in einem später veröffentlichten Brief, er tenne den Inhalt des Memorandums nicht. Der Reichsminister des Innern, der nicht nur in seiner amtlichen Eigenschaft informiert sein mußte, sondern auch in feiner Eigenschaft als führender deutschnationaler Politiker, wußte am 25. Mai noch nicht, worum es sich handelte. Wenn ihn auch die im Kabinett gegebenen Informationen nicht interessiert haben sollten, so hätte er sich doch megistens für die Ursache der Auseinandersetzungen in der deutschnationalen Bartei und der deutschnationalen Bresse interessieren können. Schließlich mußte doch ein Grund dafür vorhanden sein, daß einer seiner Parteifreunde Herrn Stresemann vor den Staatsgerichtshof gestellt wissen wollte, und dieser Grund hätte der Nachprüfung bedurft. Es ist doch keine Kleinigkeit, der Kollege eines Mannes zu bleiben, der vielvor den Staatsgerichtshof gehört! Aber Herr Schiele schrieb am 25. Mai, er sei nicht informiert. Von Format fann nach solchem Selbstzeugnis nicht mehr gesprochen werden. Es fehlt in solchem Maße, daß darunter nicht nur die Autorität des Reichsinnenministers, sondern auch die Autorität der gesamten Regierung leiden muß. Es ist doch keine Kleinigkeit, wenn der Reichsinnen minister die Verantwortung für den wichtigsten Schritt seiner Regierung ablehnt, weil ihm in drei Monaten keiner etwas davon gesagt habe. Der Fall Schiele fönnte immerhin eine persönliche Angelegenheit fein. Es ist feiner verpflichtet, ein großer Mann zu sein, den andere dafür halten oder dafür erklärt haben. Aber ebensowenig ist die Deffentlichkeit verpflichtet, nach diesen Proben deutschnationaler Staatsmannskunft die anderen Führer der Deutschnationalen neben Herrn Schiele noch für große Männer zu halten. Die deutschnationale Bartei und ihre Presse hat vielmehr dafür gesorgt, daß man den Fall Schiele als typisch für deutschnationale Staatsfunft anfehen muß. Herr Schiele ist heftig angegriffen worden. Man hat feinem Briefe Tatsachen entgegengestellt, die mit dem Inhalt des Briefes nicht vereinbar waren. Man hat ihm Fragen gestellt. Aber die Partei des Herrn Schiele schwieg. Die deutschnationale Presse schwieg ebenfalls. Es hat ihm feiner sekundiert. Man könnte daraus den Schluß ziehen, daß die deutschnationale Bartei mit ihren Organen fich für Herrn Martin Schiele, Reichsminister des Innern, ehemals Borsitzender der deutschnationalen Reichstagsfraktion, ebensowenig interessiert, wie sich Herr Schiele nach seinem eigenen Geständnis für den Inhalt des Memorandums vom 9. Februar interessiert hat. Man kann aber auch schließen, daß die Methode des Augenzuhaltens, des Sichdrückens von der Berantwortung, des Abstreitens der Verantwortlichkeit von den Deutschnationalen einmütig gebilligt wird als echt deutsch nationale Staatskunst. * = Wenn Herr Schiele ein Schulbeispiel für deutschnationale Staatsfunft geliefert hat, so geben die Herren Freytagh Loringhoven Muster für andere Seiten der deutschnationalen Methode. Herr Freytagh Loringhoven war der Führer der heftigen Attacke gegen die Außenpolitik der Regierung, die während des Präsidentschaftswahlkampfes geführt wurde mit dem Schlachtruf: Stresemann vor den Staatsgerichtshof. Wie damals versichert wurde, hatte er eine Mehrheit der deutschnationalen Reichstagsfraktion für sich. Die Kampfesmethoden dieses Flügels der stärksten Regierungspartei gegen die Regierung waren besonders vornehm. Man erinnert sich, daß damals die oppositionelle Presse durch einen anonymen Brief über die Einzelheiten des Borstoßes in der deutschnationalen Reichstagsfraktion genau unterrichtet wurde. Graf West arp betreibt eine dritte Methode deutsch nationaler Politik. Er will der Regierung die Grundlage der Außenpolitik unter den Füßen wegdisputieren. Er be Von guten und schlechten Dichtern Bon Jwan Heilbut. Eigentlich wenn wir die Wahrheit sagen sollen haben uns die Dichter gehörig angeführt. Was? Morgens, wenn wir erwachten, junge Jugend, im Frühling, mit Gliedern voll schlummernden Tanzes dann gingen uns ihre Nonellen und Berse im Kopf herum. Wir fuhren im Postwagen durch einen Wald und lehnten den Kopf an eine wunderbar weiche Schulter. Aber in Wirklichkeit ist uns das bis heute noch nicht geschehen, nicht in der Kutsche und auch nicht im Eisenbahnwagen. Denn wenn die äußere Situation auch stimmte das Gefühl davon war immer ganz anders, als wir damals träumten und die Dichter uns glauben machten. Es mischte sich immer ein Gran von Schmerz in unsere Liebe, ein Gran von Bewußtsein in unsere Träume. Das meckte uns auf, ehe wir eingeschlafen waren, wir legten uns mit ironischen Lippen in Rosen. Und darum weil unsere Wirklichkeit ganz anders, ganz anders als jene Träume war- sind denn die guten Dichter getommen und haben das alles dargestellt und besungen, wie es in Wirklichkeit ist und sich in Wahrheit verhält. Nun lesen Leute mit glatten Gefichtern, am Sonntag, im Garten der Billa, nach dem Café, die Verse, die Bücher der guten Dichter. Und diese Leute und diese Dichter sind untrennbar eins. Sie brauchen sich wie Mühle und Wind. Wenn die Dichter nicht wären, müßten die Leute hungern. Und wenn die Leute nicht wären, müßten die Dichter darben. Denn die Köchin in der Küche und der Diener im Stall fahren am liebsten noch in einer Kutsche im Walde. Daß sie ein Automobil begehren, ist ihr tragischer Irrtum: In ihren besten Träumen fahren sie in der Kutsche im Walde. Und die Wahrheit ist so: Daß die guten Dichter gar nicht die guten Dichter sind; sie sind überhaupt keine Dichter sondern find Mitglieder eines Berufes, den der Weltlauf zu seiner gehörigen Zeit geboren hat. Ihr Beruf hat noch keinen Namen. Aber die schlechten Dichter das waren die echten. Die hatten viel Hoffnung und wenig Erfüllung. Und das macht den Dichter, mit Vorbehalt: daß seine Hoffnungen hohe einsame Ziele umkreisen, die in den Jahrtausenden wenigen nur zur Erfüllung werden. Und sie lügen nicht einmal, wie alle fagen. Sie fahren wirklich im Bagen im Walde. Und wenn sie im Walde sind, hören sie all das, was sie später erzählen. Das ist ihre Wirklichkeit. Wir tönnten sie kontrollieren, wenn wir die Träume, die wir als Knaben hatten, noch einmal zu träumen vermöchten. Mein Gott! Was können sie denn dagegen tun, daß sie überall, in Stadt und Straßen, in Automobilen, Motoren und Rädern, die Augen Gottes miederfinden! Ueberall sieht sie das an! Welche Begeisterung treibt da das Herz! Sie fingen auf offener Straße, ja, es ist wahr, fie tragen die Müze verkehrt, das fümmert sie nicht. | hauptet in der Presse, daß die Regierung die Basis des| Memorandums vom 9. Februar verlassen habe Memorandums vom 9. Februar verlassen habe im Gegenjazz zu den Erklärungen der Regierung. Er arbeitet seinerfeits fleißig an dem, was Herr Schiele in seiner Abhandlung über die Verantwortung der Presse Stärkung des Willens zur Einigkeit" nennt. tei einen Brief geschrieben, in dem Sie sich mit der Geschäfts. führung der Nationalpost" befassen. Sie erwecken in diesem Briefe bewußt den Eindrud, als ob unter meiner Geschäftsführung Maßnahmen ergriffen worden wären, die der Kritik ehrenwerter Kaufleute nicht standhalten können und lassen sich dabei im zweiten Abfaz Ihres Schreibens zu Aeußerun gen hinreißen, die durchaus beleidigenden Charakters sind. Ich teile Ihnen hierdurch mit, daß ich Sie aus dem Inhalt dieses Briefes wegen Beleidigung verflagen werde. Zu den beiden sachlichen Anwürfen Ihres Schreibens bes merte ich folgendes: Seit Bestehen der Tagesausgabe Nationalpost" hat diese Firma nicht, wie Sie behaupten, hunderte von Wechseln in Umlauf gesezt", sondern vom 1. November 1924 bis 20. Juni 1925 88 Afzepte an Bahlungsstatt außer Haus gegeben, das sind durch Herr Schiele und Herr Westarp und Herr von FreytaghLoringhoven repräsentieren drei Methoden deutschnationaler Staatsfunft. Der eine will nicht sehen, um nicht verantmorten zu müssen, der andere unterstellt objektiv unrichtige Tatsachen, um die Berantwortung abzuwälzen, und der dritte führt agitatorische Angriffe, damit die Verantwortung seiner Partei nicht sichtbar wird. Im Ziele sind sie eins: es handelt sich darum, die Außenpolitik der Regierung zu sabotieren so wie die Konservativen während des Krieges die Friedens.ittlich 11 Stück im Monat, und bis Ende März jedes Papier versuche fabotiert haben. Nach der Ablehnung des deutschen Friedensangebotes vom Dezember 1916 jubelten sie. Die Ablehnung mar für sie geradezu ein Glüdsfall. Am 21. März jubelte Herr von Freytagh- Loringhoven: „ Es ist ein Glück für uns, daß die Aktionen des Herrn Strese mann gescheitert sind." Und gestern jubelte die Deutsche Tageszeitung", die Herrn Bestarp sefundierte, es sei ein Glüdsfall, daß mur Herr Stresemann an das Memorandum gebunden sei, und nicht die Regierung. Herr Stresemann aber hält seine Aktion nicht für ge= scheitert, und nicht nur sich, sondern die Regierung an das Memorandum gebunden. Wir haben nie eine Regierung, die so einig war, die soviel Autorität besigt, und so frei von aller Krisendrohung ift- und das alles dank der deutschnationalen Staatsfunft. Die Seier de Die Feier des Verfassungstages. Ein Erla Schieles. Der Reichsminister des Innern Schiele hat an fämtliche Landesregierungen einen Erlaß über die Feier des Verfaffungstages gerichtet. Danach hat die Reichsregierung beschlossen, den Verfassungstag auch in diesem Jahre in derselben Weise wie im vergangenen Jahre zu begehen. An die Landesregierungen wird die Bitte gerichtet, in ihren Bereichen für eine entsprechende Feier des Verfassungstages Sorge zu tragen. Der Reichsinnenminister gibt dann folgende Anregungen: Es erscheint erwünscht, daß nicht nur in den Landeshauptstädten, sondern möglichst in allen Städten und Ort. fchaften von den Behörden gemeinsam amtliche Feiern veranstaltet werden. Hierzu dürften zweckmäßig Bertreter der Bevölkerung, insbesondere Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die Handels- und Handwerkskammern, die Innungen, Beamten- und Angestelltenverbände einzuladen sein. Für die Reichsbehörden ist die Anweisung ergangen, daß die Dienst gebäude vorschriftsmäßig zu flaggen haben. Zur Teilnahme an den staatlichen Feiern und Gottesdiensten soll den Beamten, Angestellten und Arbeitern des Reiches auf Antrag, fomeit die Dienstverhältnisse es irgend gestatten, Dienst befrei ung gewährt werden. Die Länder werden gebeten, für die Landesbeamten entsprechende Anordnungen zu erlassen. Die Pleite der Nationalpost". Rentsch verteidigt sich. Bir veröffentlichten ein Schreiben der Firma Dedio an die Deutschnationale Partei. Darin wurde der Nationalpoft indirekt unlautere Konkurrenz vorgeworfen. Jetzt ersucht uns der frühere Geschäftsführer der Nationalpost" Herr Rentsch um Abbrud eines Antwortschreibens an die Firma Dedio. Wir geben diesem Ersuchen loyalerweise statt. Herr Rentsch schreibt an die Firma Dedio: Laut Beröffentlichung des Bormärts" vom 8. Juli 1925 haben Sie unterm 25. Juni an die Deutschnationale Boltspar. Aber sie darum Schwärmer nennen und schlechte Boeten, das, wäre nicht anders, als wenn ein Blinder den Sehenden schimpfte Spintisierer und Schwadroneur Und über den Blinden müßte ich lächeln, obgleich er ein Blinder ist. Gartenlehren. Von Ernst Schermer. fauber. So bente ich, als ich das Schrebergartenfeld, das draußen Heute will ich mir Zeit laffen, denn der Garten ist ziemlich Draußenjein auszufosten. So mancherlei Pflichten in dem Häuser vor der Stadt liegt, betrete. Oft fehlt ja die richtige Muße, das meer lassen teine Ruhe. Heute aber mag die Zeit laufen, wie sie will, ich bin nur für meinen Garten da. Und das Allerbeste, die gröbsten Arbeiten sind erledigt. Ich darf mich draußen ausruhen. Da liegt das Stückchen Erde, das ich bebauen kann. Dreihundert Quadratmeter find es nur, aber für mich genügt es. 3wei Kirsch. bäume stehen darauf. Wenn alles gut geht, werde ich von jedem ein Duzend Kirschen ernten. Etwas mehr dürfte der Fliederbaum bringen. Mein Nachbar hat noch mehr Glück gehabt. Er schlug zwei Pfähle für das Stafet ein. Holunder! Und nun sind es Bäume geworden. Dieses Jahr wird er zum erstenmal ernten. Ich wandere die schmalen Stege entlang. Regen, Regen! Wir brauchen ihn, sonst gibt es feine großen Bohnen. Und mit den Erbfen wird es auch nichts Bernünftiges. Ja, ja, feitdem ich Gärtner geworden bin, habe ich Intereffe für die Meteorologie. Was tüm mert ein Großstädter sich um das Wetter! Er verlangt, daß es Sonntags schön ist, damit er einen Ausflug machen fann, und wochentags trocken, damit er nicht naß wird. Alles andere ist ihm... Wurst. Eine tiefere Beziehung zwischen der Wetterfunde und der Nahrungsmittel fommen ja auch bei trockenem Wetter in die Stadt, Voltsernährung gehen den Steinbaumenschen vollständig ab. Die so denkt er gleichgültig. Er ahnt gar nicht, was mir meine Radies chen dieses Jahr schon für Sorge gefoftet haben, erstens fünfzehn Bfennige für Saat, zweitens die Arbeit der Bestellung einschließlich Unkrautjätens. Die genaue Berechnung dieses Postens ist ganz unmöglich und würde mehr Arbeit kosten als ein Quartalabschluß. Dann die Bekämpfung der Erdflöhe! Darauf stellten sich Rübennematoden ein. Die anschließende Trockenheit ließ alles schnell in Saat schießen, so daß ich feine einzige Radies auf den Tisch brachte. Es besteht nächste Jahr ernten werde. Das sind Sorgen! aber wenigstens noch die Aussicht, daß ich die Einfaat für das Wie die Gartenmelde sich hier und da schon wieder breit macht. leberhaupt das Unfraut! Es macht mir jedes Jahr wieder Kopfzerbrechen. Laß ich es stehen, dann wächst das Gemüse nicht. Bringe ich es beiseite, dann haben die Vögel feine Nahrung und fressen mein Gemüfe. Schaden hab ich auf jeden Fall. Und nicht einmal verfichern fann man sich dagegen! Die Kürbisse kommen gut weiter. Ich bin ordentlich gespannt, fast mie bei einem Abenteuerroman, wie es in diesem Jahre mit den Dingern abläuft. Ich habe viel Glück damit. Sie feßen bei mir immer an. Aber, aber... Im erster Jahre war die Witterung daran fchuld, daß alle verfaulten, im zweiten blieben sie flein, weil sie zu wenig Dung erhalten hatten, im dritten gab ich mehr und erzielte ordnungsmäßig eingelöst. Zu Ihrem Vorwurf der verspäteten Kontursanmeldung stelle ich hiermit fest, daß meine Absicht, den Konkurs früher anzumelden, mit zum Anlaß genommen wurde, mich als Geschäftsführer abzuberufen. So hat in einer Sizung vom 22. Mai d. J. das Vorstands. mitglied des Landesverbandes Berlin der Deutschnationalen Volkspartei Justizrat Dr. Willy Hahn, der langjährige Rechtsberater der„ Nationalpost G. m. b. 5.", auf das entschiedenste betont, dazz meine Abberufung als Geschäftsführer darum u.n bedingt nötig sei, weil nur ich als Geschäftsführer den Konkurs anmelden könne, der unbedingt vermieden werden müsse, und weil ich ernstlich damit umginge, ihn sofort anzumelden. Erwähnen möchte ich noch, daß ich während der ganzen Dauer unserer Geschäftsverbindung nicht ein einzigesmal mit Ihnen in per fönliche Verbindung getreten bin, so daß die von Ihnen am Schlusse Ihres Briefes behauptete Vertröftung nicht von mir gemacht worden sein fann. Nachdem nunmehr der vom Gericht verlangte Vorschuß für die Ronfurseröffnung von mir gezahlt ist, wird das Kontursverfahren reichliche Gelegenheit bieten, nicht nur Ihre, sondern auch alle übrigen Anschuldigungen gegen die Geschäftsführung als zweckvolle Vers leumdungen zu erweisen. Hochachtungsvoll gez. Fl. R., Gründer, Haupteigentümer und Geschäftsführer der Nationalpost G. m. b. 5." Man kann in der Tat auf den Verlauf des Konkursverfahrens sowie der schwebenden Prozesse anläßlich dieser deutschnationalen Pleite gespannt sein. Nach dem Schreiben des Herrn Rentsch muz man schließen, daß nach dem März Wechsel nicht mehr eingelöst wurden und daß trotzdem die Berliner Leitung der Deutschnationalen Partei den Konturs nicht anmeldete. Es scheint, daß die Herren nicht nur eine„ Bataille verloren" haben! Räumung der drei Städte. ,, Als selbstverständlich betrachtet". Borgestern und gestern wurde aus Paris mehrfach gemeldet, es sei von den alliterten Regierungen in Aussicht genommen, die Räumung der Rheinstädte als diplomatisches Verhandlungsobjekt, insbesondere gegenüber der Erledigung der Entwaffnungsnote, zu behandeln. Die Diplomatisch. politische Rorrespondenz" geht hierauf nicht, sondern allein auf juristische Fragen ein. Sie schließt ihre Auffassung der amtlichen Stellen widerspiegelnde Darlegung mit dem Saze: Obgleich von hier aus nicht untersucht werden fann, welche permutlich formaliuristischen Bedenten zu ber misverständlichen und mißperstandenen Aeußerung des belgischen Außenministers Vandervelde geführt haben, wird es angesichts des flaren Sachverhalts der durch den Son doner Schriftmechsel geschaffenen Rechtsgrundlage hier als felbstverständlich betrachtet, daß feinerlei Absicht besteht. Die ermaige Bereinigung solcher inner alliterten For= malien auf die frist gerechte Erfüllung der Räumungsverpflichtung für die Sanktionsstädte Einfluß nehmen zu lassen. Es ist zu wünschen, daß eine baldige amtliche Aeußerung ber alliierfen Regierungen Deutschland die politische Gewißheit gibt, die eine Klarstellung der rechtlichen Verhältnisse allein nicht bringen kann. so große Brachtfürbisse, daß sie ein anderer liebgemann und fie mitnahm. Wie es wohl in diesem Jahre wird? Jeder Garten ist ein Versuchsfeld. Ich brauche z. B. nicht erst meit zu laufen, um den amerikanischen Stachelbeermehltau zu studieren oder um die interessante Entwicklung des Kohlweißlings und sein Berhältnis zu feiner Schlupfwespe zu beobachten, die ihm nad dem Leben trachtet. Ebenso fällt es nicht schwer, die gefährliche Kohlhernie heranzuziehen. Man braucht nur ein paar Jahre den Kohl an derselben Stelle zu pflanzen. Auch die schädliche Eulraupe fehlt nicht. So lernt man spielend die Beziehung zwischen Tieren und Pflanzen, Kultur und leberkultur fennen. Eigentlich sollte jeder Politiker mindestens einen Schrebergarten Volkswirtschaftslehre tun zu fönnen. Er würde dann einsehen, daß von dreihundert Quadratmeter bebauen, um tiefere Einblicke in die wir feine Einfuhrzölle gebrauchen, da er in seinem Garten nicht soviel erzeugen fann wie zum Leben notwendig ist. Da die meisten Menschen aber gar feinen Garten befizen, müssen sie alles kaufen, und billiger wird es durch diese Zölle gemiß nicht. Man tann viel aus seinem Garten lernen. Aus der Ruhe wird aber wieder nichts. Das Unkraut ruft! Ungünstige Aussichten für die Prominenten. In dem unter dem Rubrum Bassermann und Genossen contra Bühnenverein" geführten Prozeß der Proininenten megen Aufhebung der Gagenfon vention wurde vom Landgericht Berlin nicht das erwartete Urteil gefällt, sondern nur ein Beweisbeschluß verkündet. Das Gericht stellte fidh auf folgenden Standpunkt: Benn der für die Behandlung der Brominentenverträge gebildete Ausschuß beim Bühnenverein wirklic eine Klaffifizierung der prominenten Künstler vornimmt, so wäre verstoße. Nimmt dagegen der Ausschuß nur eine Brüfung der frei ein dahingehender Vertrag ungültig, weil er gegen die guten Sitten mit den Direktoren abgeschlossenen Verträge mit den Brominenten Gagenkonvention vorgesehenen Höchstsäge bekanntlich 300 Mark pro nur nach der Richtung hin vor, daß er darauf achtet, ob die in der Abend für das ständige Engagement und 450 Mart pro Abend bei Gastspielverträgen nicht überschritten wird, so wäre gegen die Gül tigkeit der Gagenfonvention feine Einwendung zu machen. Durch sekretärs Julius Hirsch vom Bühnenverein sowie des Generalsekretäre Bernehmung der Direttoren Dr. Zickel und Beese und des Generaí. Otto von der Bühnengenossenschaft soll dafür der nähere Beweis erhoben werden. Der Termin für diese Beweiserhebung findet nach den Gerichtsferien am 28. September statt. Da nur die Kommissions mitglieder des Bühnenvereins die Art der Arbeit der Bühnenvereins. fommission bezeugen können, sind die Aussichten der Prominenten die Abhaltung einer Reichsgefundsheitswoche nach englischem und amerika Die Reichsgesundheitswoche. Bom Berband Deutscher Krankenlassen ist nischem Borbilde angeregt morden. Am Donnerstag hat mun im Reichs ministerium des Innern in Anwesenheit von Vertretern aller Spigenverbände in ganz Deutschland, die sich mit Gefundheitsfragen befassen( Krankenkassen, Gewerkschaften, Warenhäuser, Filmgesellschaften usw.) eine Entscheidung dahin stattgefunden, daß im März nächsten Jahres eine solche Gesundheitswoche stattfinden soll. Archäologe Giacomo Boni, dessen Erkrankung wir bereits furz meldeten, in Giacomo Boni gefforben. Wir erfahren durch Funkspruch, daß der Rom gestorben, ift. Verurteilung öer Staatsanwälte. Der Höfle-Ausschutz eimnüttg.— Selbst die Deutschuatioualen gegen die Staatsanwaltschaft und gegen den„erwiesenen" Selbstmord! Nach stündiger nichtöffentlicher Sitzung ist der Höfle- Ausschuß gestern abend zu einem Ergebnis seiner mehr- wöchigen Arbeiten gelangt. Zu Beginn der Sitzung lagen zwei Resolutionsentwürfe vor, der eine von Dr. Kriege (D. Bp.) und Gen., der im wesentlichen den Standpunkt der Rechtsparteien vertrat, der andere von H e i l m a n n(Soz.) und Gen., der von den übrigen Linksparteien im allgemeinen unterstützt wurde. Mit Mehrheit wurde beschlossen, den cheilmannschen Entwurf als Beschlußgrundlage zu nehmen. Nach langwierigen Beratungen, in deren Verlauf ein Bruch wiederholt unvermeidlich erschien, gelang es schließlich, eine einmütige Entschließung zu erreichen. Nur die Kommunisten lehnten. den Beschluß als zu milde ab. Die Feststellungen des Ausschusses lauten: I. Der Haftbefehl gegen Dr. Höste ist von der Staatsanwalt- fchaft beantragt worden, ohne daß in dem Antrag die vorfchrifts- mäßigen Angaben über die den Flucht- und kollufionsverdacht be- gründenden Tatsachen enthalten waren. Die Durchführung der Untersuchungshast erscheint in mehrfacher Hinficht u n v e r- hältnismäßig hart, hierbei sind insbesondere je ein Fall verspäteter und nicht erfolgler Benachrichtigung der Frau Dr. Höste und die Beschränkung der Sprecherlaubnis hervorzuheben. Die Arrest- versahren, insbesondere das der Gerichtskafie. und das Mein- cidsverfahren haben ohne Rot die Qual der Unter- fuchungshast verschärst. Das Verhalten der Vertreter der Staatsanwallschafl in Sachen Höste läßt in einigen Fällen ruhiges Urteil und Takt vermissen. II. Ein Erlaß mit der Grundtendenz des Erlasses vom 23. August 1924 war notwendig, weil in einer Reihe von Fällen für gerichtliche Zwecke sehr bedenkliche Gutachten beamteter Medizi- nolpersonen abgegeben waren, die eine geordnete Rechtspflege erheb- lich gefährden mußten. Der Erlaß hat jedoch bei seiner Anwendung in der Praxis zu Mißverständnissen und Schäden ge- führt, so daß eine Klarstellung der einschlägigen Stellen angezeigt erscheint. Hl. Während der Inhaftierung des Dr. höfle find mehrfache Verstöße gegen die DVO. festzustellen. Insbesondere hat es ge- fehlt an der notwendigen Kontrolle Dr.�Thieles— soweit nicht seine rein ärztliche Tätigkeit in Frage kommt— durch die Aüssichtsstellen an einer genügenden Beaufsichtigung des übrigen Personal», an einer genügenden Ueberwachung der Apotheke, namentlich der stark wirken- den Medikamente, an einer genügenden Kontroll« der Be- folguna ärztlicher Anordnungen durch Dr. Thiele, an einer genügen- den iWobachtung der Kranken hinsichtlich ihres Zustandes und ihrer Verpflegung. IV. Die ärztliche Untersuchung und Behandlung Höfles durch Ulcdizinalrat Dr. Thiele war in hohem Grade oberslächlich. Die Abgabe narkotischer Mittel erfolgte im Untersuchnngslazarett unter Leitung Dr. Thieles l e i ch i f e r t i g. Der Ernst des Gesundheit»- zustandes Dr. Höfles ist bis zum Schluß nicht voll erkannt und nicht richtig gewürdigt worden. Im Gutachten Kraus- Stoermer ist. zu beanstanden, daß durch eine Nachlässigkeit ein f o l g e n s. ch w er er Schreibfehler unkorrigiert blieb. Di« gut- ochtliche Aeußerung Dr. Thiele» vom 16. April 1925 war falsch und'srreführend: sie trägt wohl die Hauptschuld daran, daß die Untersuchungshaft über den Zeitpunkt hinaus ousgedehnt wurde. zu dem sie mit Rücksicht auf den gesundheillichen Versall Dr. Höfles hätte unterbrochen oder ausgehoben werden müssen. Bei dem vor- läufigen toxikologischen Gutachten Dr. Kippers ist zu tadeln, daß er sich durch Staatsanwaltschaftsrat Dr. Duden bestimmen ließ, es aus dem Kopf ohne schriftliche Unterlagen in die Schreibmaschine zu diktieren. Das endgültige Gutachten Strohmanns sen., Kipper- Stoermer vom 29. April 192S ist, soweit es den Tod Höfles auf S e l b st m o r d zurückführt, von Straß mann und Stoermer — nach Aufklärung über die inzwischen erfolgten Feststellungen des Ausschusses— wesentlich eingeschränkt, von Dr. Kipper m der Hauptsache zurückgenommen worden. V. Der Tod Dr. Höfles ist letzten Endes durch Einwirkung narkotischer Gifte herbeigeführt worden. Auf welche Weise diese Gifte in den Körper Höfles hineingelangt find, ist bei der Miß- Wirtschaft mit narkotischen Mitteln im Lazarett unter der Leitung Dr. Thieles nicht aufzuklären: insbesondere ist auch ein Selbstmord Höfles bei freier willensbesiimmung nicht erwiesen. Jedenfalls haben zu dem Tode Dr. Höfles beigetragen: seln bereits beim Eintritt in die hast bestehendes Leiden, die Verschlimmerung dieses Leidens während und infolge der Haft durch ungenügende ärztliche und pflegerische Behandlung und Ueberwachung in der hast. sowie die seelische Einwirkung von Versäumnissen und Härten seitens einzelner amtlicher Personen. Es wäre gewiß möglich gewesen, mit Mehrheitsbeschlutz eine schärfere Fassung gegen die Stimmen der Rechtsparteien zur Annahme zu bringen. Aber auch dann hätten die Kam- munisten zweifellos erklärt, diese Fassung genüge ihnen nicht, und sie hätten dagegen gestimmt. S o ist der Eindruck dieses Beschlusses nach außen ein viel stärkerer, und die Tat- fache, daß selbst die deutschnationalen Vertreter für die obigen Feststellungen stimmen mußten, stellt ein« fchweremoralischeNiederlagefür die deutsch- nationale Parteipresse dar. Wie haben die Rechtsblätter nach Höfles Tod und ins- besondere nach der Veröffentlichung des Obdüktionsgutachtens jubiliert:„Der Selbstmord Höfles ist erwiesen, Höste hat durch seinen freiwilligen Tod ein Schuldbekenntnis abgelegt! Und jetzt? Jetzt müssen selbst die dcutfchnationalen Abgeord- neten zugeben: Ein Selbstmord Höfles ist nicht erwiesen! W i r dürfen darüber hinaus als unsere aus dem Verlauf der parlamentarischen Untersuchung gewonnene Ueberzeugung er- klären: Ein Selbstmord Höfles ist sogar ausgeschlossen. Und das ist zweifellos auch die Ueberzeugung der großen Mehrheit des Ausschusses gewesen. Aber die Feststellungen des Ausschusses bedeuten auch einen schweren Schlag für die Staatsanwalt- fchaft, für dieselbe Staatsanwaltschaft, vor die sich bis in die allerletzten Tage die gesamte deutschnationale Presse schützend gestellt hatte. Jetzt müssen sogar deutschnationalc Ab- geordnete vor aller Oeffentlichkeit zugeben, daß jene Staats- anwälte Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen bei der Verhaftung Höfles begangen haben und daß ihr Verhalten mehrfach„ruhigesUrteilundTakt" hat vermissen lassen.„Ohne N o i" ist die Qual der Untersuchungshaft durch Arrest befehle und Meineidsverfahren verschärft worden. Auch das müssen Deutschnationale eingestehen! Mögen auch die Namen der Verantwortlichen, bis auf den des Dr. Thiele, für den sich schließlich keine Hand mehr zu rühren wagte, aus dem Beschluß des Ausschusses heraus- gehlieben sein— die Herren Linde, Peltzer und Genossen sind durch diese Feststellungen moralisch gerichtet--- und damit auch der gesamte p o l i t i s ch e F e l d z u g, der sich an die„großzügigen" Aktionen der Staatsanwaltschaft zu Be- ginn dieses Jahres knüpfte. Nun gilt es, sowohl für die Behörden wie für die gesamte öffentliche Meinung, die Konsequenzen aus diesem scharfen Urteil des Untersuchungsausschusses zu ziehen, dann wird der tragische Tod Höfles nicht umsonst gewesen sein. wer übernimmt Sie Verantwortung! Zu den bisherige» Zostberatungen. Mit fieberhafter Eile arbeiten der zollpolitischc Ausschuß des Reichstages und die von ihm eingesetzte Enquetekommission zur Frage der Agrarzölle, um die Zollvorlage der Reichsregierung beschleunigt verab- schieden zu können. Die Reichsregierung besteht darauf, daß eine Entscheidung noch so rasch erfolgt, daß die Agrarzölle bereits mit dem 1. August dieses Jahres in Kraf treten können. Wem es bisher noch nicht klar war, der mußte aus den knappen Berichten über die Ausschußberatungen ent- nehmen, worum es in Wirklichkeit geht. Von v e r a n t- wortungsb«wüßter Vertretung ihrer Wähler- Massen im Parlament konnte bei den bürgerlichen Parteien im Zollausschuß nicht die Rede sein. Abge- sehen von einigen, für das Schicksal der Gesamtvorlage nicht einmal entscheidenden kleinen Debatten bot der Zollausschuß ein geradezu trostloses Bild. Den klaren und scharfen. Beweisgründen, die die sozialdemokratischen Abgeordnetem gegen die volkswirtschaftlich und sozial schädlichen Tendenzen der Vorlage geltend machten, setzten die Vertreter der Rechts- Mehrheit meist nicht einmal eine Antwort entgegen. Von einer Ak t i v i t ä t der Regierung, wie sie sonst bei solchen folgenschweren Beratungen immerhin üblich ist, konnte überhaupt keine Rede sein. Obstinates Schweigen der Interessenten und Rechtsdlockleute, dessen Zweck einzig und allein war, die Debatte abzukürzen!— Dazu kamen Verstöße, die Redezeit zu beschränken. Alles in allem war man redlich bemüht, eine sachliche Debatte zu vermeiden, anstatt— was dem Ernst und der Tragweite der Frage ent- sprechen, sie zu fördern! Selbst in der Agrarenquete, in der der Wille zur Sach- lichkeit schon durch die anwesenden Vertreter der Wissenschaft stärker zur Wirkung kam, ereignete sich etwas, was der Arbeiterschaft zum Denken Anlaß geben sollte. Viel Zeit hatte man für Nebensragen. Für die Hauptfrage, wie sich die Nahrungsmittelzöllc auf die Lebenshaltung der Arbeiterschaft auswirken könnten, hatte man kaum ein paar Stunden Zeit. Die Behörden versagten vollkommen: sie waren außerstande, auch nur das geringste statistische Material zur Beurteilung dieses Problems beizutragen. Die Landbundvertreter reden von Hypothesen, die die Wissen- 'chaft seit langem ablehnt. Es gab Leute, die behaupteten. für die Dauer wirkten die Zölle auf einen Preisabbau hin! Als ob es der deutschen Landwirtschaft nicht gerade darauf ankäme, durch Schutzzölle Ueberweltmarktpreise zu erhalten, als ob die Geschichte der Schutzzölle in den Jahren 1904—1913 nichts gelehrt hätte! Immerhin brachte die bisherige Aussprache einige A n- h a l t s p u n k t e dafür, was die Arbeiterschaft von den Bürgerblockparteien und ihrer Regierung zu er- warten hat. Die Regierung und ihre Parteien fragen nach den sozialen Auswirkungen der Zölle nicht. Ob die Brotverteuerung kommt, ob Kartellwucher die Lebens- Haltungskosten verteuert— alles das ist Nebensache. Hauptsache ist der Schutz der hohen deutschen Waren- preise gegen ausländische Konkurrenz. V Dabei sind sich einige Vertreter der Rechtsblockparteien durchaus dessen bewußt, was die Sozialdemokratie immer er- klärt hat: daß nämlich Brot- und Rohstoffwucher der Ruin der deutschen Arbeits- und Konkurrenzfähig- k s i t sind. Sie haben das auch in der einen oder andern Form ausgesprochen. Sie hätten es nicht so ausgesprochen, wenn sie nicht bei Berufskollegen und Parteifreunden eine starke An- Hängerschaft ihrer Auffassung hätten. Wenn der Zentrums- abgeordnete L a m m e r s den Abbau der Rohstoffzölle als notwendig, der Dolksparteiler Dr. Schneider die starren Gotreidezölle als unerwünscht und zwecklos hinstellte, fo hatte sie damit weite Kreise ihrer eigenen Partei- und Wirtschafts- freunde hinter sich. Es wäre der größte Betrug an den großen V e r- brauchermafsen. wenn diese Leute nicht zu der einmal erkannten Wahrheit stehen. Es gibt kein Vertrauen in Politik und Parlament mehr, wenn jeder Abgeordnete bewußt gegen seine Ueberzeugung stimmt. Geht die Zollvorhoge in dieser Form durch, so haben die Rechtsparteien den Erfolg, VieLügezumpolitifchenPrinzip erhoben zu haben, einen Erfolg, der sie vor ihren Wählern vernichtet. So ergeben die bisherigen Zolldebatten, daß die organi- sierte sozialdemokratische Arbeiterschaft auf ihre Sache, auf den Kampf gegen wucherische Schutzzölle v e r- trauen kann. Das betretene Schweigen der Rechtsblockleute und ihrer Regierung ist nur der Ausdruck tödlicher Verlegenheit. Man will über die Gegensätze im eigenen Lager hittwegtäuschen- Das kann man, solange man theoretisch diskutiert. Man kann es nicht,, wenn die Dinge ihren Lauf nehmen, wenn nach der Annahme der jetzigen Zollvorlage die verheerenden, von der Wissenschaft, von den Gewerkschaften uich von der Sozialdemokratie vorausgesagten Folgen ein- treten. Das aber find Teuerung, Not, Arbeitslosig- keit!. V � Darum können wir, die wir gegen den Schutzzollrvahnsinn mit aller Kraft ankämpfen, dem Ausgang des Kampfes mit aller Ruhe entgegensehen. Die Verantwortung für das, was in den nächsten Wochen beschlossen werden wird, fällt auf die bürgerlichen Rechtsblockparteien zurück. Wir haben Beweise dafür, daß es manchem ihrer Vortreter vor dieser Verantwortung graut. Darum erst recht: Kamps dem Brot- und Kartell- wucher!_ Der üeutsch-polnische Aollkampf. Antwort der deutsche» Delegation. Berlin. 11. Juli.(MTB.) Die polnische Delegation hatte, wie am 9. d. M. mitgeteilt wurde, in ihrer Antwort an die letzten deutschen Dorschläge zum vorläufigen deutsch-polnischen Wirt- schaftsabkommen ihre schon früher gestellten Forderungen. ivelche deutscherseits als unannehmbar bezeichnet worden waren, in vollem Umfange aufrechterhalten. In seinem gestern über- reichten Antwortschreiben hat der Vorsitzende der d e u t- !chen Delegation abermals daraus hingewiesen, daß man auf deutscher Seite wiederholt den von der Gegenseite geäußerten Wün. schen entgegengekommen sei, das letzte Angebot aber das Aeußerste darstelle, was vom Standpunkt der Interessen der deutschen Wirtschaft zugestanden werden könne. Auch der Vorschlag der polnischen Delegation, ein Abkommen ohne zoll- t a r i f a r is ch e M e i st b e g ü n st i g u n g zu schließen, welches nur die Anpassung des beiderseitigen Warenaustauschs seinem Werte nach bezwecken solK sei praktisch undurchsiihrbor und würde letzten Endes darauf hinauslaufen, daß die als Kamps- Maßnahme ausschließlich gegen Deutschland gerichteten polnischen Einfuhrverbote vom 29. Juni aufrecht- erhalten und mit dem seit einem Jahrzehnt gegenüber allen Län. dern bestehenden deutschen Kohleneinfuhrverbot gleichgestellt wür- den. Ein Abkommen in dieser Form könnt« auch schon deshalb nicht in Frage kommen, weil für Devsschland die z o l l ta r i f a r i s ch e Meistbegünstigung«ine unumgängliche Voraussetzung für jede auch nur provisorische Regelung des Wirtschafts- Verkehrs bildet. Bei dieser Sachlage schein« in der Tat, solange die polnische Delegation ihren Standpunkt nicht ändert, eine Eint- gung nicht möglich. Gleichzeitig hat aber der Vorsitzende der deutschen Delegation erklärt, daß die deutsche Regierung das von ihr gemachte Angebot aufrechterhalte und jederzeit bereit ist, aus dieser Grundloge die Verhandlungen wieder a u f z ü- nehmen. Sie würhe auch jedeandereAnregungderpol- nischcn Delegation, die eine Möglichkeit für die Anbahnung einer Verständigung bieten könnte, einer sorgfältigen und ernsthasten Prüfung unterziehen, um die von der deutschen Regierung l« b- Haft beklagte Unterbrechung des Wirtschaftsverkehrs zwischen beiden Ländern so rasch als möglich zu beseitigen. Erhöhung üer Invalidenrenten! Im Sozialpolitischen Ausschuß de? Reichstages wurde am Sonnabend ein sozialdemokratischer Antrag beraten, der eine Erhöhung der Invalidenrente forderte. Und zwar eine monatliche Erhöhung des Grundbetrages von 16 auf 26 Mark und des Kindergeldes von 3 M. auf 7,50 M. Außerdem des Steigcrungsbetrages für Beiträge nach dem 31. Dezember 1923 von 19 auf 29 Proz. des Beitrages und für die Beiträg«, die vor der Inflationszeit geleistet sind, in Klasse 1 von 1 Pfennig aus 6 Pfennig .. II. 2..12 .. III. 4.. 16. .. IV. 7.. 29. .. V. 19..24. Die Steigerungssätze für die alten Beiträge werden dadurch doppell so hoch wie früher.- Genosse K a r st e n begründete den Antrag mit dem Hinweis auf die größer werdende Teuerung und den außerordentlich geringen Bezügen, die heute den Rentnern gewährt werden. Und da in der Angestelltenversicherung die Leistungen erhöht sind, müßten mich den Invaliden die Renten erhöht werden. Die K o st e n soll da- Reich tragen, da die Rentner durch die Inflation geschädigt sind.' Der Vertreter der Regierung widersetzte sich der«eiteren Inanspruchnahme von Reichrmitteln. Dadurch würde der Charakter der Versicherung beseitigt. Die Regierung könne die Erhöhung der Kinderzuschlägc und eine Erhöhung der Steigerungsbeträgc für Bei- träge nach dem 31. Dezember 1923 annehmen, vielleicht auch eine Ilcine Erhöhung des Grundbetrages. Die Kosten müßten aber durch Beitragserhöh.ung ausgebracht werden.> Frau T e u s ch(Z.) erkennt die Notwendigkeit der Renten- erhöhung an. Sie beantragte die Einsetzung eines Unteraus- s ch u s s c s, der prüfen soll, wieweit Rentenerhöhungen aus Bei- tragserhöhung gewährt werden können. Die Frage der Erhöhung des Reichsousschusses müsse bei der Beratung der dritten Lesung des Etats des Arbeitsministeriums geprüft werden. Auch die übrigen Vertreter der bürgerlichen Parteien stimmten der Notwendigkeit einer Rentenerhöhung zu, sie wollen aber nicht so weit gehen, wie der sozialdemokratische Antrag verlangt. Noch weiterer Aussprache wurde beschlossen, einen Unterausschuß einzusetzen, der am Montag Bericht erstatten soll. Geisler avanciert. Ehrenvorsitzender der Teutschnationalen? Der Nationalverband Deutscher Berussverbände veröffentlicht folgende auffällige Notiz: Der Rcichstagsabgeordnete G e i s l e r hat mit der Leitung des Nationalverbandes Deutscher Berussverbände den Reichstogs- abgeordiieten Wolf(Stettin) beauftragt, damit er, Geisler, sickf nach erfolgtem Aufbau des Nationalverbandes Deutscher Berufs- verbände für die Durchführung anderer großer Auf- gaben vorbereiten kann. Vor Jahr und Tag sah sich Herr Geisler unter sensationellen Umständen genötigt, aus der Deutschen Volkspartei auezu- scheiden. Gewisse Eigenschaften, die im persönlichen Verkehr im all- gemeinen nicht geschätzt zu werden pflegen, spielten dabei eine Rolle. Herr Geisler zeigte sich damals noch gegen dementsprechende Vor- würfe sehr empfindlich und es setzte einen Riesenkvach, der in einer Zeit, die von dem Aufwertungsschwindel der Deutschnationalen noch nicht, ahnt«, Aussehen zu erregen vermochte. Grund genug für die Deutschnationalen. Herrn Geisler mit offenen Armen zu empfangen. So wurde er deutschnationaler Reichstagsabgeord- n e t« r. Nebenbei gejiel er sich als Präses der Aaterländi- fchen Verbände. Er machte«rschröcklich in vaterländischen Tönen und sah seine Hauptausgabc in der Verleumdung des Reichsbanners. Zur Rede gestellt, knisf er. Aber nicht nur das scheint den Vater- ländischen auf die Nerven gefallen zu sein, denn eines Tages mußte er sich auch aus dem Präsidium der Vaterländischen zurückziehen. Herr Geislcr hatte vorgebaut. In dem von ihm begründeten„N a- tionaloerband Deutscher Berufsverbände"(denn ohne das Wörtchen„national" gchts bei einem Mann wie Geisler nicht) fand er ein neues Feld für die„Durchführung anderer großer Aufgaben". Run klappt's auch da nicht mehr. In der richtigen Er- kenntnis des Wertes seiner Persönlichkeit hat ihm auch dieser Der- band die„Durchführung anderer großer Ausgaben" nahe gelegt. Man dürfte in der Annohme nicht fehl gehen, daß die Herren hergt und Westarp, die ja eine seine Nase für besondere Verdienste haben, Herrn Geisler zum Ehrenvorsitzenden der Deusschnationaler. Partei auscrsehcn haben. Dicht neben T i r*» i tz und Laverren- Gewerkschaftsbewegung Jm Kampf. Die Offensive der Unternehmer gegen die Löhne ist mit einer Gegen offensive der Gemerf schaften beantwortet worden. Noch im letzten Jahresbericht der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ist triumphierend die Schwächung der freien Gewerkschaf ten verkündet worden. Offenbar getäuscht durch die Großsprechereien der Kommunisten, glaubten die Unternehmer allen Ernstes, daß die Zerstörung der Gewerkschaften soweit fortgeschritten sei, um eine allgemeine Offensive zu gestatten. Und so fonnte man beobachten, daß bei Lohnverhandlungen die Unternehmer hartdaß sie Direktion geht damit um, diese umfangreichen Arbeiten der soziali fierten Baugesellschaft Bauhütte" in Berlin zu übertragen. Dieser Borgang hat den schärfsten Proteft der gesamten Ar beitgeberschaft hervorgerufen, da es als eine nicht zu verant mortende Parteinahme zugunsten der streifenden Arbeiter wirken muß. Die Deffentlichkeit fann beanspruchen, daß die von den städtischen Behörden kontrollierten Werke in dem Kampf um die Arbeitsbedingungen des Baugewerbes unbedingt neutral bleiben." Unter Neutralität" verstehen die Unternehmer eine Parteinahme zu ihren Gunsten. Dazu ist zunächst zu bemerken, daß es den Unternehmern selbstverständlich frei steht, genau so wie die Bauhütte die Forderungen der Bauarbeiter zu bewilligen. Im übrigen ist es das Kampf in der Leipziger Metallindustrie ist nach furzer Zeit erfolgreich beendet worden. Ein großer Kampf ist gegenwärtig in der Pforzheimer Schmud warenindustrie im Gange. gemeinen in den Gemeindebetrieben der Stadt Berlin, ist noch Die Krise in den städtischen Werfen, wie im allnicht behoben. In den Gaswerfen ist den Arbeitern schließlich in letzter Stunde eine ganz unzulängliche Lohnzulage gewährt worden. Für die Arbeiter der Kämmereibetriebe, der Elektrizitäts- und Wasserwerke hat man sich bisher nicht einmal zu dieser geringfügigen Konzession aufzuschwingen vermocht. Es ist höchste Zeit, daß mit diesem System gebrochen wird. * hädiger als je jedes Entgegenkommen ablehnen und Heute Urwahl im DMV. von 10 bis 2 spornehmen. Sie müſſen aufräumen mit der von der kleinsten Konflikten mit Aussperrungen schnell bei der Hand sind. Sie haben aber inzwischen feststellen müssen, daß ihre Blütenträume bei weitem nicht alle reifen. Statt einer Schwachung der Gewerkschaften ist schon im zweiten HalbJedes Mitglied, dem sein eigenes Wohl und das seiner Organisation am Herzen liegt, jahr 1924 eine Festigung eingetreten, die sich im ersten wählt Liste A: Brand. Halbjahr 1925 noch viel stärker fortgesetzt hat. Die Kampffraft der Gewertschaften ist gestiegen und damit die Möglichkeit, den Angriff der Unternehmer abzuschlagen und selbst zum Angriff überzugehen. So finden wir gegenwärtig nach dem Abschluß des Kampfes im Holzgewerbe, Der mit einer glatten Niederlage der Unternehmer endigte, daß sich allenthalben in ganz Deutschland fch were Rämpfe in einer Reihe von Industrien entmidelten. des An erster Stelle stehen die Kämpfe in der Bauindustrie. In Berlin allein stehen nahezu 25 000 Arbeiter im Streit. Der Beschluß der Bauarbeiter, die Arbeit auf der Bauhütte, die die sozialen Forderungen stets durchgeführt hat, nicht niederzulegen, hat das mißfallen der Bauunternehmer und natürlich auch der Kommuni stenhervorgerufen. Der Verband der Baugeschäfte teilt Dazu mit: Schon Sonnabend, am zweiten Streiftage, beabsichtigte die Direktion der Berliner Städtischen Elektrizitätsmerte, den Baufirmen, welche die Werte in Charlottenburg und Moabit umbauen und die wegen des Streifes der Bauarbeiter die Bauarbeiten nicht fördern fönnen, die Aufträge zu entziehen. Die gute Recht der Elektrizitätswerke, die Arbeiten zu vergeben, wie es für sie am günstigsten ist. Die Elektrizitätsmerke verhindern zu wollen, Arbeiten an die Bauhütte zu vergeben, wäre in Wirklichkeit eine Parteinahme zugunsten der Bauunternehmer. Wenn morgen andere Bauunternehmer die Forderungen der Bauarbeiter bewilligen und diese darauf die Arbeit bei den Firmen, die bewilligt haben, wieder aufnehmen, dann könnten die Bauunternehmer mit demselben Recht verlangen, daß an die Firmen, wo gearbeitet wird, keine Arbeiten vergeben werden dürfen. Das fäme schließlich dann darauf hinaus, daß städtische Werke nur an folche Unternehmer Arbeiten vergeben dürfen, die unter Tarif zahlen und die Forderungen der Gewerkschaften a b= lehnen. Wir sind der Meinung, daß die städtischen Werke nicht dazu da sind, um gewinnsüchtigen Privatunternehmern auf Kosten der Deffentlichkeit und auf Kosten der Arbeiter Millionengewinne in den Rachen zu werfen. * Auch im Tertilgewerbe und in der Metall industrie spielen sich gegenwärtig heftige Kämpfe ab. Der Eine große Reinigung müssen heute die Berli ner Mitglieder des Metallarbeiterverban KPD. organisierten Uneinigkeit und Zerstörung der Gewerkschaft. Eine Hand voll fanatisierter Kommunisten nach den Mitteilungen der KPD. höchstens 260- fommandiert von der Zentrale der KPD., schlägt den Mitgliedern des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Berlin eine Liste von Kandidaten vor, die bereit sind, alle, auch die unsinnigsten Parolen von Moskau durchzuführen. Diesen Leuten muß ein- für allemal bedeutet werden, daß Schluß gemacht werden muß mit dem Kampf der Arbeiter gegen die Arbeiter, daß es die höchste Zeit ist, die ge wertschaftliche Einheitsfront wieder herzuftellen, um den Kampf im Deutschen MetallarbeiterverVBMI. Die Abstimmung im Deutschen Metallarbeiterverband ist eine Reifeprüfung. Sie wird zeigen, wie weit die Mitgliedschaft des DMV. bereit und reif ist, den organifierten Kampf gegen die Unternehmer zu führen. SPD.- Metallarbeiter! Genossen, welche am Sonntag nicht durch Wahlarbeit schon verhindert sind, haben die Pflicht, am Sonntag um 10 Uhr im Cotal von 3fchiefing, Aderstraße 1, sich zur Wahlarbeit zur Berfügung zu stellen. Der Fraktionsvorstand. ( Gewerkschaftliches jiehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich für Bolitit: Bietor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet Berlagsanstalt Vaul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 3 Beilagen ,,, Bücherbelt" und Unterhaltung und Biffen". und Saison Ausverkauf Wäschestoffe für Leib- u. Bettwäsche Madapolam 80 cm breit. Mtr, Hemdentuch 80 cm breit..Mtr. Linon 0.55 0.65 80 cm breit..Mtr. 0.75 Bettsatin gestreift 132.200 1.30 Bettdamast 130 cm N Mtr. 80 cm 80 cm 2.80 1.65 Eleg. Taghemden Mt. statt 7.00 bis 10.50 für 5.75 Elegante Nachthemden und Hemdhosen statt 12.00 bis 16.30 für 9.50 Eleg. Wäsche- Garnitur 2 tell., m. Hohls., Stlok.od. 8tellig, Spitze, statt 18.- bis 24,-für 13.50 statt 45.00 bis 60.00 für 32.00 srael Smel BERLINC* KÖNIGSTR. SPANDAUERSTRASSE di Kleiderstoffe Wollkrepp elfenbeinf. mit farbigen Strichstreifen, elegant. Qualität f. leichte Sommerkleider 1.65 statt 3.30 für. Wollbatist elfenbein und neue Sommerfarben. Mtr. 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Balkondeck Doppelgewebe, gold oder blau 125 125 cm statt 5.50 für 3.95 125x150 cm statt 6.75 für Taschentücher 4.95 Damentücher weiß Makobatist mit Hohlsaum und eingesticktem Buchstaben in Medaillon, für 1.15 **** Größe 36 cm, 3 Stück statt 1.50... Herrentücher weiß Linon mit Hohlsaum u. fa eingewebt. Kanten 3 Stück statt 1.50 für 0.95 Kindertücher weiß Linon mit farbigen 0.35 Kanten Möbelköper, 1 Sitz and Lehnkissen 3.25 zusammen... Servier- oder Hauskleid einfarb. Zephir 4.45 od.gestreift Damen- Filzhut weiß, aus ger 4.50 wai, au 4.50 nähten Streifen Reinseid. Schal in schönen, modern. mustern... 5.90 DruckRegenschirm Form, Verarbeitung 14.75 2 teilig mit Breeches Loden- Mantel verschiedene Farben 32.00 Bozener Form imprägniert.. 18.00 Herrenwäsche Farbiges Oberhemd Nachthemd gestreift. rift, Perkal mit mit farb. Besatz 4.50 Kragen u.Klapp- 3.85 Schlafanzug Weißes Oberhemd mit Pikee- Falten- Einsatz aus gestreiftem Zephir mit Besätzen und Aufschlägen... 6.75 und festen Manschetten. gewaschen und 5.50 5.50 aus weißem Rip Sportkragen geplättet. Gardinen Scheibengardine Etamine, m. breit. Elnsätzen u.Volant, Stck 0.75 Halbseide, m.Futteral Gardinen- Mull gestreift für Damen 5.90 und Herrenhut Haarfilz, in modern. Farben... 5.90 Kupee- Koffer lackierte Hartplatte mit Deckelschiene, Vulk.- Fiberecken. 2Zugschlössern 65,70,75 cm 7.90 Daunendecke einfarb. Satin auf beiden Seiten od aus bunt. Salin mit einf. Rücks 200 157200 79.00 ca. 120 c cm breit Halbstore Etamine, Mr. 1.15 Ripspikee 0.25 Möbelstoffe Baumw.Dekorat. Stoff gewebt, in viel. Farben 2.75 ca. 130 cm breit. Mtr. Baumwoll. Rips aparte röm. Streifen, ta 130 cm breit. Mtr. 3.90 Gobel n- Stoff • Verd Muster 5.40 ca. 1 cm. Mtr. mit durchgehendem 6.90 Moq ette frisé Madras- Garnitur mod. Form m. Holz- 18.50 mod. m. perlen und Fransen Bettdecke gewebt cinmod. Muster, ca. 1.0 cm. Mtr. 8.90 Reste für Kissenplatten! Gobelin oder Kunstseide ca. 50-60 cm bettig 3.50bettig 7.50 za Hälfte des regul. Preises Seifendose Toilette- Artikel Zahnbürsten Celluloid..... 0.25 4reihig, haltbare 0.30 Celluloid- Spiegel verschiedene Forbene 0.50 Qualität... Blumenseife Kappus Ofenbach.. 6 Stück 0.85 150 Str. 32542. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts DaHeim im Holz. Wer in diesem Sommer in Dresden Gelegenheit hat, die Jahres-, schau deutscher Arbeit“, die sich diesmal mit Wohn- und SiedlungsTragen beschäftigt, zu besuchen, dem wird nicht allein auffallen, wie intensiv die Bestrebungen sind, zweckmäßige Typen für Siedlungs. häuser zu finden, sondern auch wie vielseitig sich moderner Baumille auswirkt. Nie zuvor ist der Wunsch, ein eigenes Heim zu befizen, so laut geworden, wie jest nach den wirtschaftlichen und seelischen Erschütterungen eines ungeheuren Krieges. Millionen sehnen sich nach eigenem Häuschen mit einem Garten, um möglichst weitab von Lärm vad Haft und Schmutz der Großstadt ein einfaches und gefundes Leben zu führen. Das Holzhaus. Eingehend wurde vor kurzem an dieser Steile bereits über das Holzhaus gesprochen. Sicher wird es das Haus der Zukunft fein, aber vielleicht doch einer Zukunft, die in sehr weiter Ferne liegt. Borläufig werden in größerer Zahl noch Siedlungs- d. h. alfo Flachhäuser gebaut werden, wobei es sich für den Einwohner weniger um eine prinzipielle als um eine finanzielle Frage handeln mag. Wohl dem, dem es möglich ist, Klein- Hausbefizer zu werden! im ihn mirbt jezt eine mächtig aufstrebende Industrie: die Holzhausbauerei. Bei allen ihren Vorzügen ist es bei uns in Deutschland ziemlich fraglich, ob sie die traditionelle Steinbauweise verdrängen wird, aber daß fie ihre Ausbreitung mindert, liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit. An und für sich find Holzhäuser gar keine Neuigkeit. Wir denken an„ Onfel Toms Hütte", mir erinnern uns vieler Indianergeschichten, die mir in unserer Jugend gierig verschlangen, mir fennen sie aus Standinavien und Rußland, wo weit ungünstigere klimatische Verhältnisse herrschen ais bei uns. In Deutschland, das vor Jahrhunderten das Bauen in Holz in ausgedehnten Maße fannte, war die Not des Krieges Beranlassung, fic alter Tugend zu erinnern. Der Mangel an Kohle und ihre sparsame Berwendung ließ eine Fülle von Ersazbauweisen entstehen, wobei dann auch wieder auf das Holz. als Baustoff zurüdgegriffen wurde. Holz ist bei uns dant einer umfassenden und gefunden Forstpflege in Menge vorhanden. Das ideale Holzhaus ist durchaus in der Lage, behagliche Wohnlichkeit und rein fünstlerische Borzüge in zweckvoller Ausführung zu vereinigen. Durch seine dem Material angepaẞte schlichte Formgebung vermeidet es alle Brokereien und Ülebertreibungen, die vor dem Kriege unsere gesamte Kultur, und damit auch die Architektur fo ungünstig beeinflußt babe. Wirtschaftliche Vorzüge. Ein gewaltiger Borteil ist, daß das Holzhaus industriell herzustellen ist. Diese Art der Herstellung gestattet höchst wirtschaftliche Ausnutung des Materials unter äußerster Anspannung der Ma schinen als raid este Arbeitstraft, und somit ist im Prinzip auch eine geringere Preisstellung möglich als bei örtlicher Einzel- Herftellung. Der Aufbau an Ort und Stelle erfordert nur eine ganz geringe Anzahl von Arbetskräften und fann in außergewöhnlich furzer Zeit in rund 2 Monaten vorgenommen werden. Das Holzhaus ist fefort nach der Aufstellung bezugsfertig, da ein langes Austrocnen mie bei Massiv- und Halbmassivbauten nicht notwendig ist. Ein weiterer Vorzug ist, daß die Wände besonders ausgebildet 201 Die Baumwollpflücker. Roman von B. Traven. Copyright 1925 by B. Traven, Columbus, Tamaulipas, Mexico. Das verstehe ich nicht," sagte ich nun.„ Mr. Shine hat Das verstehe ich nicht," sagte ich nun. Mr. Shine hat am Fenster oder in der Tür gestanden, ich weiß nicht wo und hat euch, drei bestimmt gesehen." Da lachte Antonio leicht auf fagte: Mr. Shine hat recht und ich habe auch recht. Aber der Dritte, der bei uns mar, war nicht Gonzalo, sondern einer dort aus der Gegend, einer von den Eingeborenen, der die Hühner von Abraham faufen wollte, weil er dachte, er könne fie billig haben. Abraham war aber schon zwei Tage fort und hatte die Hühner bereits verfauft, ich glaube an Mr. Shine." In dem Hause, wo Sie Gonzalo zuletzt gesehen haben," jagte ich nun langjam ,,, habe ich ihn auch gefunden, ermordet und beraubt. Das heißt, es ist ihm nicht alles geraubt worden, fünf Befos und etwas darüber hat ihm der Mörder gelaffen." Ich möchte ernst bleiben bei der tragischen Geschichte," jagte Antonio leicht vor sich hin grinsend, aber da muß ich boch lachen. Das übrige Geld von Gonzalo habe ich." ,, Na also!" rief ich, davon rede ich ja die ganze Zeit." Davon reden Sie allerdings, Gale," erwiderte Antonio. ,, Aber das Geld habe ich ihm doch abgewonnen. Sam weiß das gut, der war ja auch dabei. Sam hat ja selbst fünf Pesos dabei verloren. Er hat sich ja mit in die Wette hinein gedrängt." Das wurde jetzt eine merkwürdige Geschichte. ,, Sam, ich und der Indianer, wir sind zusammen vom Hause fortgegangen. Gonzalo wollte zurückbleiben und sich gut ausschlafen. Ich bin mit Sam bis Celana gefahren. Sam ist dann weiter gefahren bis hierher nach Draca und ich bin hierher teils gelaufen, teils habe ich ein paar Streden mit den Zügen blind gemacht." Bas Antonio jagte, flang mahr. Außerdem hatte er Sam als Zeugen. Und das Antonio diese weite Strecke von daß Celana zurückgereift sein sollte, um Gonzala zu ermorden, war ganz und gar unwahrscheinlich. Sein Geld hatte er ihm ja abgewonnen, ehrlich, Sam war Zeuge. Irgendeinen Wertgegenstand besaß Gonzalo nicht. Bir kannten jeder den ganzen Tascheninhalt des anderen; und auf dem Leibe konnte auch niemand etwas verbergen, wir liefen ja immer dreiviertel nackt herum. Da war nichts Verdächtiges übrig, Antonio war unschuldig. werden. Man baut zweddienliche Bandschränke und Fächer ein, die unter weitestgehender Raumausnügung bis zur Decke hinauf reichen können und ferner deshalb eine Verbilligung darstellen, weil die Schrankrüdwände und häufig auch die durch die Hauswand ge gebenen Schrankfeiten überflüssig werden. Die Anschaffung von schräuft. Deshalb dürfen auch Treppen und Türen schmaler sein beweglichem Mobiliar wird durch rechtzeitigen Einbau möglichst beals sonst nötig und gebräuchlich. Auch die gesundheitlichen Borteile sind nicht zu unterschätzen. Holz ist ein schlechter Wärmeleiter und seine Isolierfähigkeit ist achtmal so groß als die des Steines. Wissenschaftliche Wärmeprüfungen und Untersuchun gen an den Holzwänden durch das Versuchs- und Materialprüfungsamt an der Technischen Hochschule in Dresden haben ergeben, daß eine nur 8-10 3entimeter starte, aus 2 Brettlagen bestehende Holztafel mit einer inneren Isolierung aus 2 Papp- und 1 Torflage mesentlich wärmehaltender ist als eine 38 3entimeter starte beiderfeits verpuzte Ziegelmauer. Infolgedessen gewähren sachgemäß aus geführte Holzbauten im Sommer einen angenehmen und fühlen Aufenthalt und find im Winter leicht heizbar und wärmehaltend. Ausbildung, Ancidnung und Verbindung der einzelnen Bauteile ist Ein schwimmendes Holzhaus derartig, daß weder Zugluft, noch Feuchtigkeit Eingang finden fonnen. Hinsichtlich der Lebensdauer stehen die Holzhäujer den Maffivbaufen in feiner Weise nach, da sich das Holz als Baustoff feit Jahrhunderten, ja sogar seit Jahrtausenden stets unter der Vorausfezung bewährt hat, daß das Haus aus genügend getrocknetem und gutgepflegtem Holz hergestellt und daß es auch später gut gepflegt wird. Umzug gefällig? Die moderne Konstruktion sucht durch besonders intensive Pflege des Holzes zu erreichen, daß die unangenehmen Eigenschaften des Quellens, Schwindens und Reißens möglichst vermieden werden. Reine Nagelung wird deshalb nach Möglichkeit unterlassen und dafür die uralte Methode von Nut und Feder angewandt. Man fugt in einander, man verbolzt, aber man zerstochert nicht. Der Aufbau des Hauses erfolgt durch Holzfachwert von ungefähr 50-80 Millimeter Stärke. Die Sodelmauern find massiv, fönnen aber wegen des ge,, Na, lieber Antonio," sagte ich ,,, da bitte ich Sie herzlich um Berzeihung, weil ich geglaubt habe, Sie fönnten am Morde oder Tode des Gonzalo schuldig sein.". Macht nichts, Gale," antwortete er gemütlich ,,, nehme ich Ihnen nicht übel; aber ich hätte doch gedacht, sie würden nicht gleich das Böseste von mir denken. Ich habe doch nie jemand irgendeine Ursache hierfür gegeben." Aber sehen Sie, die Umstände waren so merkwürdig auf Sie Das ist wahr. Das haben Sie nicht," sagte ich darauf. gerichtet. Sie und Sam waren die letzten mit Gonzalo im Hause. Gonzalo hat, wenn er, wie Sie sagen, nicht mit Ihnen gegangen ist, das Haus nicht mehr verlassen. Er ist darin ermordet worden. Mr. Shine sagte mir, daß, seit Sie fortgegangen feien, niemand sonst dort herum war. Es gibt ja nichts zu stehlen da und ein Weg, der jemand zufällig dahin bringen fönnte, führt auch nicht vorbei. Ich bin noch mal oben gewesen, weil ich dort auf Bescheid von einem Deltamp warten mußte. Rein aus Neugierde geriet ich in das Haus und fand Gonzalo tot. Er hatte mehrere Wunden von Messerstichen, die gefährlichste war ein Lungenstich in der linken Brust, an dem Stich ist er offenbar verblutet." Als ich das von den Wunden so langsam erzählte, ging in Antonio eine erschütternde Beränderung vor sich. Er wurde leichenblaß, starrte mich mit entsetzten Augen an, bewegte die Lippen und schluckte und schluckte, fonnte aber fein Wort hervorbringen. Mit der linken Hand arbeitete er an seinem Gevorbringen. Mit der linken Hand arbeitete er an seinem Gesicht und an seinem Halse, als ob er sich das Fleisch herunterreißen wollte, mährend er mit der rechten Hand wie im Traum nach meiner Schulter und nach meiner Brust tastete als ob er sich vergewissern müsse, daß da jemand size oder ob das nur eine Wahnvorstellung jei. Ich mußte nicht, was ich aus all dem machen sollte. Ich fonnte mir jetzt überhaupt nichts mehr erklären. In Antonio zeigte fich plötzlich das ganze Schuldbewußtsein eines Menschen, dem seine Tat mit allen ihren Folgen flar zu werden beginnt. Und eben noch hatte er gelacht, als ich ihn des Mordes an Gonzalo verdächtigte. Wie sollte ich mir ein solches Berhalten zurecht legen, um darüber nicht selbst meine Gedanken zu verschlingern und mir vielleicht gar noch einzu träumen, daß ich selbst Gonzalo erschlagen habe! 16. Sonntag, 12. Juli 1925 ringeren Konstruktionsgewichtes schwächer angenommen werden. Das gegen Feuchtigkeit selbstverständlich zu isolierende Holzfachwert ist bei gewissen Methoden noch durch Horizontal- und Bertikalstreben versteift und außerdem verleimt, so daß es sich aus einzelnen fertigen Wandsystemen aufbaut, die mit Falzen ineinandergreifen. Die eigentliche Wand besteht durchweg aus zwei Lagen Schalting, meist aus gehobelten und gespundeten schmalen Brettern. Fast alle Firmen, die sich mit der Herstellung von Holzhäusern beschäftigen. entwickeln gerade hierbei noch eine spezielle Bauweise. Auf der Innenseite der äußeren Bretterverschalung ist eine ungefähr 1 Milli. meter starte Jfolierpapplage angebracht. Man ist aber auch weiter hin zu der Anficht gekommen, daß die durch die verschiedene Erwär mung der beiden Schalen hervorgerufene Bewegung der einge schlossenen Lust start abfühlend wirft, und man wird infolgedessen, falls es sich nicht um ein ausgesprochenes Sommerhaus oder eine Notwohnung handelt, den Hohlraum mit schlecht wärmeleitenden Materialien ausfüllen oder die Isolierung durch 20 Millimeter starte Torfoleumplatten auf die doppelte Wirkung bringen. Das Holz wird je nach Zweck und Wunsch lasiert und mit Karbolineum getränkt, wobei im Laufe der Jahre ein schöner silbergrauer Naturton fich ergibt. Einzelne Teile fann man wirkungsvoll farbig absehen, im Innern wird das Holz im Naturton stehen bleiben. Und weit schneller noch als ein Holzhaus sich aufbauen läßt, fann man es auch wieder fein säuberlich zusammenlegen, auf einen Wagen pafen, fortfahren und irgendwoanders wieder aufstellen mie man es schön, wie man es notwendig findet. Postkarte genügt dann antwortet der Architeft: Umzug gefällig? Komme fofort!" Holzhaustypen. Der eine liebt dieses, der andere das Laufe der Zeit schon zahlreiche Typen schöner und zweckmäßiger was Wunder, daß sich im Holzhäuser in den verschiedensten Preislagen herausgebildet haben. Nur menige fönnen hier genannt werden. Das deutsche Siedlungs. haus an fich ist gewiß fein philosophisches Problem. Es muß auf heimatlichem Boden gewachsen sein und sich den Gewohnheiten und Lebensbedingungen des Siedlers anpaffen, statt ihn zu neuem zu zwingen. Es ist dabei selbstverständlich, daß das Haus in Form und Ansehen hineinpassen muß in das Landschaftsbild. Der Kernpunkt der Lösung aber liegt in der leichten Nutzbarkeit und äußersten Wirtschaftlichkeit des Hauses. Das Haus tritt als Einzelobjekt in der Gesamtsiedlung vollständig zurück und wirkt fünstlerisch in erster Linie durch einwandfreie Gruppenbildung im Berein mit den anderen. * Nur sehr wenige gütergesegnete Einzelpersonen sind heute in der Lage, sich ein Holzhaus bauen zu lassen. Aber die zahlreichen Siedlungsgenossenschaften, die nach mie nor rüftig am Werte sind, dem Menschen zuteil werden zu lassen, was des Menschen ist, sollten die durch die Holzbauweise gebotenen Vorzüge nicht übersehen. Doch Don aller Methodit unberührt bleibt das oberste proletarische Ziel: freies Bolt auf freiem Grund und Boden! Vermehrte Mieterückstände. Unter dem Drud der Bebensmittelteuerung haben die Miete rudstände wieder zugenommen. Selbst sehr vernünftige und ordentliche Leute, die genau wissen, wie wichtig die das Obdad; gewährleistende Mietezahlung ist und welcher Gefahr sie sich durch Nichtzahlung aussehen, erklären ganz offen: ,, wir tönnen beim besten Willen nicht zahlen oder nur in Raten." Man sieht hieran klar, wohin die eigenfüchtigen Treibereien der Rechtsparteien, zu denen ja auch die organisierten Hausbesiger gehören, schon jetzt führen. Die Hausbefizer, welche die Preistreibereipolitik mitmachen, schneiden fich ins eigene Fleisch. Sie erhalten die Miete nicht so, wie sie fie brauchen, um ihren eigenen Zahlungsverpflichtungen nachfomen zu können. Jede weitere Erhöhung der Mieten während dieser Wirtschaftskrise würde den Mietenausfall nur noch vermehren. Mit dem Druc gerichtlicher Zahlungsbefehle ist nicht viel anzufangen, weil es in den meisten fleinen Haushaltungen nichts zu pfänden gibi. Der Hauswirt muß dann noch die Gerichtstoften hinterherwerfen. Die Räumungsflagen aber find an ganz bestimmte Bedingungen ge bunden. Hauptsache ist, daß der Mieter nie eine Schuld aufsammeln läßt, die den Betrag von zwei Monatsmieten erreicht. Er darf freilich aus der Zurückhaltung der Miete fein System machen, muß stichhaltige Gründe für Stundungsgesuche haben, da für den Haus wirt eine Verpflichtung zur Annahme von Teilzahlungen nicht besteht. Die Nacht war blitzschnell über uns hereingebrochen in der kurzen Zeitspanne, wo der Kampf in Antonio begann. Denn es war im hellen Tageslicht gewesen, daß ich sein Ge sicht offen und unbefangen zulegt gesehen hatte. Und nun deckte die Nacht das in seinem Gesicht zu, was für mich der nadie, der natürliche, der wahre, der unverschleierte Mensch Antonio war. Das, was für mich ein unvergeßliches Ereignis hatte werden sollen, die Züge und Gesten eines Menschen zu studieren, den die finstersten Mächte überfallen haben, ihn schütteln und rütteln und jedes Härchen und jede Pore an seinem Körper in Aufruhr versetzen, wurde mir nun dura) die grellen Lampen zerstört, die in das Gesicht Antonios Schatten und Linien hineinlogen, die in Wahrheit nicht darinnen waren. Wahrheit allein war sein heißes Atmen und Wahrheit waren seine tastenden und frallenden Finger. Alles andere wurde Rampenlicht. Auf der Nebenbank saß ein indianischer Arbeiter; zerlumpt wie Zehntausende unserer Klasse, weil der Lohn kaum für das Essen reicht, häufig nichts übrig bleibt für eine Dreißig- Centavos- Pritsche in einem der vielen Schlafhäuser, wo fich morgens fünfzig oder achtzig oder hundert Schlaf= genossen aller Raffen der Erde, behaftet mit vielleicht ebensoviel oder mehr Krankheiten, die von den Aerzten gefannt und auch nicht gekannt oder nicht einmal erahm find, alle in demfelben einen Wascheimer waschen, alle an demselben Handtuch abtrocknen, Männer, Frauen und Kinder, im Alter von zwei Wochen bis zu hundertundfünf Jahren. Ehemalige Herzöge, Lords, Generale, Professoren, Philosophen, Erfinder, Entdecker, Geistlicher, Ingenieure, Bantdirettoren, Banfräuber, Bantmörder, Dirnen und was sonst noch die Welt an Berufen hervorbringt und wieder vernichtet. Der Arbeiter, ein Indianer, war auf der Bank einge= schlafen. Seine Glieder entspannten und der ermüdete und abgearbeitete Körper fant zu einem Häuflein Lumpen mehr und mehr zusammen. Da schlich sich ein indianischer Polizist heran. E: um ist schuld. Hättest du nicht Gonzalo ermordet, hätte er dich ermordet. Vielleicht. Nein sicher. Es ist der Kreis im Busch. Man lernt es so schnell im Busch. Das Beispiel ist zu häufig und die ganze Zivilisation der Menschen ist ja nichts anderes als die natürliche Folge seiner bewunderswerten und wir hatten Ende Auguſt, Die Lampen im Park flammten auf. Es war halb sieben Nachahmungsfähigkeit. ( Fortsetzung folgt.) Der Scheinwerfer. Ein in der Nacht doppelt stiller Weg zieht sich vom Fehrbelliner Plaz zum Ringbahnhof Hohenzollerndamm, zu beiden Seiten ist viel Gestrüpp, und von fern hört man Hunde dumpf und mit bissigem Gefläff aufheulen. Aus der Kuppel des Krematoriums am Wege leuchtet zuweilen ein heller Schein. In kurzen, faft mathematisch pünktlichen Ab ständen überzieht der Lichtkegel eines Scheinwerfers das dunkelgraue Straßengelände mit fahlem Schimmer. Das ist der Scheinwerfer des Messeamts auf dem Funkturm am Raiserdamm. Es ist fein angenehmes Licht für den, der gedankenumsponnen seines Weges geht. Wie ein fatales Grinsen streicht der zitterige Lichtfringel durch das Gebüsch, in dem der Abendwind seltsame Saiten anflingen läßt. ist gleichsam das fiebergespannte Abtasten nach einem Feinde. Irgenwie fühlt sich der einsame Mensch, den dies nervöse Zwielicht seltsam umspült, belauert. Belauert von einem Gegner, der nicht Widerpart von Fleisch und Blut, sondern das Geheimnisvolle scheuß lich tötender Stimmungen ist. Bergeblich sucht er sich in das Dunkel der Straße zu retten. Es nügt nichts. Schon tastet der matte, gelblich glühende Schimmer in seinem Rücken. Rendezvous zwischen Gittern. und daß die Hauszinssteuer für die Bauvorhaben| nahm Waleter fest. Dieser schlug wild um sich, wollte von nichts Minderbemittelter auch auf den Grund und Boden, wissen, und auch die beiden anderen, mit denen er auf dem Alexanderben sie durch Erbbaurecht erlangen, gezahlt wird. play so lebhaft gesprochen hatte, gar nicht kennen. Die Aufregung Wenn die Behörden, Kommunen usw. wirklich ein Interesse daran unter den Fahrgästen benutzte der dritte, zu verschwinden. Während haben, den Minderbemittelten zu helfen, so fann es nur auf diesem Schupobeamte die Ertappten festhielten, suchten die Kriminalbeamten Wege geschehen; denn Bar mittel stehen den kinderreichen nach dem Flüchtigen, fanden ihn aber nicht wieder. Der Bestohlene Familien nicht zur Verfügung. Es sei hier auf die Ver- meldete sich bald und erhielt seine Uhr zurück. Grüße, Waleter und fügung des Wohlfahrtsministeriums vom 22. September 1924 hin- der noch nicht bekannte dritte Mann sind ohne Zweifel die Diebe, die gewiesen, aus der hervorgeht, daß den finderreichen Familien bei in den letzten Tagen auf den Linien 69, 77 und 177 wiederholt große Ausführung ihrer Bauvorhaben die öffentliche Hilfe in erster Linie Beute gemacht haben. Fahrgäste, die auf diesen Linien bestohlen und in möglichst weitgehendem Maße zuteil werden soll, ja daß fie worden sind, werden ersucht, sich bei Kriminalkommissar Dr. Rie fogar bevorzugt werden sollen. Die Gemeinnüßige Baumann im 3immer 84 des Polizeipräsidiums zu melden. und Siedlungsgenossenschaft„ Die tinderreiche Familie"( Berlin N. 4., Chauffeeſtr. 1)" hat mit mehreren BeR. zirtsämtern Verhandlungen geführt, und diese haben sich be reit erklärt, der Genossenschaft das Siedlungsgelände in Erb pacht zu überlassen; jedoch bedarf diese Vereinbarung der Zustimmung der Grundstücksdeputation beim Magistrat. Da die Genossenschaft feine Brunfbauten herzustellen beabsichtigt, sondern unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Notwendigkeit die weitestgehende Ausnuzung des Bodens im Auge hat und ihre Siedlung im Reihenhaus erstehen läßt, wäre es angebracht, daß der Magiftrat im Intereffe der finderreichen Familien den Anträgen der Be girtsämter zustimmt. Er sollte in diesem Falle von seiner sonstigen Abneigung gegen die Erbpacht absehen und den finderKindern ruht fie. Der Geburtenrüd gang hat seine Hauptursache in den schlechten Wohnungsverhältnissen, in denen die kinderreichen Familien leben. Bielleicht fann diese seltsamen Schauer mur ein steckbrieflich Ber folgter verstehen. So stellt man sich die zersetzende Pein des Steckreichen Familien helfen; denn es gilt der Zukunft und auf den briefes vor... Die Geister wieder vor Gericht. Experiment Geheimrat Molls mit dem Vorsitzenden. Die vorige Sigung im Beleidigungsprozeß des Mediums Frau Bollhard gegen Geheimrat Moll hat bis in die Geisterstunde gedauert. Sie wurde schließlich gegen 41 Uhr nachts auf dem geftrigen Sonnabend vertagt. Die Geister, die sie riefen, sie werden sie nun nicht mehr los! Das Ende dieses Prozesses schetat tatsächlich in ber Hand jener fleinen Kobolde zu liegen, die die großen Geifter je gerne aussenden, um die Menschen zu ärgern! Pünktlich um 10 Uhr erschienen dann auch wieder am Sonn. abend Freunde und Feinde des Spiritismus! Der Schauplatz des Rampfes war der gleiche Schwurgerichtssaal des Landgerichts I, der sonst an ernſtere Szenen gewöhnt ist. Es ist unumgänglich, all das Für und Wider zu berichten, das aus fachverständigem Munde fließt und wirklich fein genaues Bild ergeben fann, wer eigentlich Recht hat. Nur zwei flare Tatsachen schälen sich allmählich aus dem Turnier fluger und flügster Reden heraus: Bewußt getäuscht hat das Medium wohl nicht, es glaubt fest an seine Bestimmung, den irdischen Verkehr mit der überirdischen Gedankenwelt vermitteln zu können! Aber auch Geheimrat Moll glaubt fest an seine Bestimmung, als Forscher auf dem Gebiet des Spiritismus auftlärend dem entgegen. treten zu müssen, was der realen Welt nichts nußen tann. Der Gedanke einer formellen Beleidigung des Mediums als Mensch mag ihm wohl wirklich fern gelegen haben. 3wei interessante Szenen aus der gestrigen Sitzung. Dem Vorsitzenden, Amtsgerichtsrat Bornemann, werden die Augen verbunden. Geheimrat Moll nimmt ein Stückchen Buchsbaum und ergreift die Hand des Borfizenden. Dieser merkt dann nicht, daß seine Hand vorübergehend losgelaffen wird und Dr. Moll das Stückchen Buchsbaum genommen hat. Weiter wird dem Amtsgerichtsrat ein Taftzirtel an zwei Stellen auf die Hand gesetzt. Nachdem dieser wieder von einer Stelle entfernt ift, befindet sich der Vorfizende noch immer in dem Glauben, einen Drud an beiden Stellen zu empfinden. Hiermit wollte Geheim. rat Moll beweisen, daß es jedem anderen auch so ergangen wäre und so die unnatürlichsten Dinge ihre einfache Lösung fänden. Julius Bellachini, ein Namensvetter des berühmten Zauber tünstlers, fommt ebenfalls als Sachverständiger zu Wort. Auch er ist der Meinung, daß das Medium manches fest glaube, weil es ihr die Lehre des Spiritismus jo beigebracht hätte. Außerdem darf man den Einfluß posthypnotischer Suggestion nicht außer acht laffen. Ihm selbst, der viele Menschen hypnotisiert hat, ist es stets auf gefallen, welche abnormen Fähigkeiten ein Hypnotifierter entwideln fönne. So tann man seiner Ansicht nach von einer absichtlichen Täuschung des Mediums Bollhard wohl faum sprechen. Es wäre aufs innigste zu wünschen, wenn Freund und Feind ihre Absicht ernst nehmen würden, die Sachverständigen in Zukunft etwas fürzer zu befragen. Den fleinen Kobolden der großen Geifter aber muß man den Eintritt in den Gerichtssaal verweigern, sonst bringen sie die armen Menschen noch um ihre Gerichtsferien! Das Urteil lautete gegen Geheimrat Mo11 auf rei fprechung, wobei die Wahrung seiner Intereffen als Wiffen fchaftler als berechtigt anerkannt wurde. Die Wohnungsnot der kinderreichen Familien. Unter der Wohnungsnot leiden am bittersten die finderreichen minderbemittelten Familien. Daß ihnen geholfen wird, ist eine der dringendsten Aufgaben. Hierzu schreibt man uns: Der Landtag hatte durch eine Entschließung das Wohlfahrts. ministerium ersucht, in Anbetracht des furchtbaren Wohnungselends der minderbemittelten finderreichen Familien die Richtlinien der Hauszinssteuer zugunsten solcher Familien zu ändern. Durch die Verfügung des Wohlfahrtsministeriums vom 29. Juni d. I. find nun die Richtlinien dahin geändert worden, daß den minderbemittelten finderreichen Familien 90 Prozent des Hauswertes einschließlich Grund und Boden oder 100 Prozent der reinen Bau foften aus der Hauszinssteuer gewährt werden. Die Verfügung sagt: ,, minderbemittelte, finderreiche Familien". Wie kann aber den minderbemittelten, tinderreichen Familien geholfen werden, um sie in den Genuß der Hauszinssteuer zu bringen? Die Hauptsache ist jetzt, daß der Magistrat das zur Verfügung stehende Land den minderbemittelten, tinderreichen Familien in Erbpacht gibt Jagd hinter Taschendieben. Bethaftung mit Hindernissen auf der Straßenbahn. Die Zunft der Taschendiebe hat zwei ihrer angesehensten Mitglieder verloren. Wie die Polizei mitteilt, handelt es sich diesmal um einheimische Blüten, einen Herbert Grüße und einen Konrad aleter, die sich jedoch rühmen können, ihre ausländischen Vors bilder erreicht zu haben. Gestern sahen zwei Beamte der Taschen diebstahlstreife diese beiden auf dem Alexanderplatz in eifriger Unterhaltung mit einem beitten Manne. Alle drei bestiegen dann das Innere eines Triebwagens der Linie 69. Um fie beobachten zu können, nahmen die beiden Beamten auf der vorderen Plattform des Anhängers Plaz. An der Kaiserallee wechselten die drei nach einem Wagen der Linie 177 hinüber, die Beamten ebenfalls. Rach wenigen Haltestellen sprang Grüße während voller Fahrt plöblich ab. Ein Beamter sette ihm nach, faßte ihn und holte ihm eine schwere goldene Uhr aus der Tasche, die er, wie sich gleich darauf ergab, von den beiden anderen gedeckt, soeben einem bekannten Arzt gestohlen hatte. Der andere Beamte sprang während der Fahrt vom Anhänger ab und auf den Triebwagen hinauf und Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 12. Juli. 9 Uhr Harmonium). vorm.: Morgenfeier. 1. Choral( Paul Schmidt, 2. a) P. Gurland: In ihm( geistliches Lied), b) Becker: O liberate me!( Frau Schmidt- Hohenberg, Sopran). 3. Massenet: Elegie für Violine, Solo( Frau Haupt- Heckenbach). 4. Ansprache des Herrn Foertsch:„ Der Apostel Paulus". 5. Becker: Andante religioso für Cellosolo( Bruno Kohlmetz). 6. Paul Schmidt: Vater unser( Frau Schmidt- Hohenberg, Frau HauptHeckenbach, Herr Kohlmetz, Herr Schmidt). 3 Uhr nachm.: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abt. Landwirtschaft. Gartenbaudirektor Lndwig Lesser: Die Gutsgärtnerei". 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht: Reiseschilderungen". 1. Vortrag. Von Belgrad durch Jugo. slawien in das bulgarische Aufstandsgebiet". 7.30 Uhr abends: Lustiges aus dem Theaterleben( Schauspieler Fritz Lion). 8 Uhr abends: Dr. jur. et rer. pol. Gustav Wember: Die Haftpflicht auf Reisen". 8.30 Uhr abends: Ungarischer Abend. Dirigent: Dr. W. Buschkötter. 1. Fr. Liszt: Hungaria( Orchester). 2. a) J. HubayHändel: Larghetto, b) J. Hubay: Scéne de la Csarda( KonzertLaszlo"( Orchester). meister Ferry Roth, Violine). 3. F. Erkel: Ouvertüre Hunyadi 4. F. Koeßler: Sinfonische Variationen ( Orchester). Berliner Funkorchester. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Sonntag, den 12. Juli. 11.30-12.50 Uhr mittags: Konzert. Mitwirkende: Künstlerkapelle Jenö Fesca mit Genehmigung der Homophon- Co., Berlin. 1. Violine: Jenö Fesca; 2. Violine: Otto Teubner; Cello: Fritz Buchwitz; am Flügel: Heyne. 1. Joh. Strauß: Ouvertüre aus der Operette Zigeunerbaron". 2. Richard Strauß: RosenkavalierWalzer, 3. Puccini: La Bohême, große Fantasie. 4. Philipucci: Adoration. 5. Vincent Rose: May time, Foxtrot. 6. E. Kalman: Grüß mir mein Wien, aus, Gräfin Mariza". 12 Uhr mittags: Esperantoeinlage. Montag, den 13. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Jugend wandern geht", von Dorothee Goebeler). 5-6.30 Uhr 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(, Wenn unsere abends: Konzert. 7 Uhr abends: Dr. med. F. v. Gutfeld: Wesen und Zweck von Erholungsheimen". 7.30 Uhr abends: Professor Dr. Ludwig J. Brühl:„ Nordsee- Garnelen, eine billige Volksdelikatesse 7.55 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Geschichte. Geh. Regierungsrat Dr. Richard Schmitt:„ Der Siebenjährige Krieg". 2. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Ganz unglaubliche Geschichten von Rübezahl und Münchhausen und anderen tollen Gesellen, vorgetragen von Wilhelm Dieterle. und Ludwig Preiß, Klavier). Anschließend: Bekanntgabe der 9.30 Uhr abends: Marcello: Sonate G- Dur( Hermann Spitz, Viola, neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk ( E. Nebermann). Manchmal findet man in den düsteren Korridoren der Moabiler Urteilsfäle verwehte Spuren heiterer Menschlichkeit. Und ist sehr erstaunt und doch innerlich so erwärmt darüber. Gewiß ist Moabit fein sympathisches Pflaster für die, die sich nach der Sonne sehnen. Es ist talt und paragraphenschwer und der starre Formalismus erstidt bas, was in diesen schweren Steingewölben noch an Bulsen fchlägt. Aber das Leben läßt sich nicht drosseln und es schwingt seine baroden Linien selbst zwischen Gefängnisgittern. benn Gestern ging ich durch einen schmalen, trübverhangenen Gang am hinteren Ende des Kriminalgebäudes. Innen behandelte man Betrugsaffären kleineren Formats, jene scheinbar geringfügigen, aber bezeichnenden Fälle, die die ersten Anzeichen der Krise find und den Beginn des Artschlages an die freigelegten Wurzein bedeuten. Auf einer Bant saß ein junger Bursche. Sehr abgerissen und uns rafiert, doch aus einem leicht verwilderten Gesicht leuchteten zwei helle muntere Augen. Sein Fall mochte noch nicht anstehen, und so vergnügte er sich Auf der Bank nebenan saß ein fleines Berliner mädel, eine Berkäuferin sagen wir, die in Versuchung geriet und Stahl. Eine Kleinigkeit vielleicht, ein paar Meter Stoff, ein Band, eine Bluse. Aber doch stahl. Rotett, lebenshungrig und schon ein bißchen verdorben. Aber sie freut sich noch, fie freut sich unbändig über alles, ihren Prozeß, sich selbst, ben jungen Mann, der neben ihr fit, ach, sie ist troß ihrer Berlin- N- Gerissenheit noch ein rechtes Gewiß, fie lacht auch über ihn, der dort auf der anderen Bant fikt, dem, genau wie ihr, das Damoflesschwert der ersten ernſteren Strafe über dem Haupt schwebt. Der bange zwar, wie sie, eintrat in diese Pforte, die Entscheidung fällt zwischen Nacht und Tag, aber der doch jezt lacht und fich freut, und dem die ganze Welt im Augenblick so sonnenschön ist und so farbengesättigt, trotz der düsterblinden Scheiben des Moabiter Korridors, trotz des Staatsanwalts, der von Amts wegen Opfer sucht, und eines mürrischen Aufsichtsbeamten. Ich glaube, nach einer Biertelstunde sind sie schon ineinander verliebt. Die Tür öffnet sich:„ Der Angeflagte Aufmaßfi!" Nun weiß fie schon seinem Namen, die Aermste, und ist vielleicht auf ewigdoch wieder von ihm getrennt. Kind. Begnadigung wider Willen. Der Raubmörder Otto Leest, der wegen Ermordung des Briefmarkenhändlers Hamburger aus der Lothringer Straße vom Schwurgericht des Landgerichts I zum Tode perurteilt wor den war, ist zu lebenslänglichem Zuchthaus begna bigt worden. Leest hatte nach seiner Berurteilung zum Tode auf eine Revision verzichtet und verlangt, daß das Urteil an ihm so fchnell wie möglich vollstreckt werde. Er lehnte jedes Gnadengesuch ab. Trotzdem hatte Rechtsanwalt Dr. Johanny gegen den Willen des Berurteilten das Gnadengesuch eingereicht, welches jetzt ben Erfolg hatte, daß durch den Gnadenaft des Justizministers die Bollstredung der Todesstrafe durch eine Umwandlung in lebenslängliches Buchthaus aufgehoben worden ist. Als dem begnadigten Leeft hiervon Kenntnis gegeben wurde, verlangte er fofort Tinte und Papier und richtete eine Eingabe an die Behörde, in der er erflärte: ch nehme die Begnadigung nicht an und will unter allen Umständen getöpft werden, ich habe über mich felbst zu bestimmen und nicht mein Verteidiger." Dieser Einspruch ist aber wirkungslos, da es sich um einen staatsrechtlichen Hoheitsalt handelt, der unumstößlich ist. Reichsverfassungsfeier im Staatlichen Schauspielhaus. Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veranstaltet neben den großen Boltsfesten am Sonnabend und Sonntag, den 8. und 9. August, am Dienstag, den 11. August, dem offiziellen Berfassungstag, abends 7% Uhr im Staatlichen Schauspielhaus eine fünstlerische Reichsverfassungsfeier, die der gleichen Feier, die im vorigen Jahr der verstorbene Reichepräsi bent gab, entspricht. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: General intendant Dr. Jeßner, der Präsident der Deutschen Bühnengenos senschaft Ridelt, Prof. Ferdinand Gregori, Dr. Felig Gün. ther, Cornelius Bronsgeeft, das Philharmonische Dr. chester und der Arbeiterfängerbund. Kartenbestellungen find an das Gaubureau des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, Berlin S 14, Sebastianstraße 37/38, zu richten. Schlacht in der Dragonerstraße. In der Dragonerstraße 15 befindet sich ein Lokal zweifelhafter Sorte. Es ist die Atmosphäre des Verbrechens: Zuhälter, Buchthäusler und ihre Freunde, die sich hier ein Stelldichein geben. Eine Streife des Spielerdezernats, fünf Mann ins gesamt, beschloß gestern abend, das Rest mit vereinten Kräften auszuheben. Das war allerdings viel leichter gesagt, als ausgeführt. Die unliebsam in ihren dunklen Geschäften gestörten Gäste setzten fich mit der Inneneinrichtung des Lofals zur Wehr; eine regelrechte Schlacht entstand, die auf der Straße bald zahlreiche Neugierige angefocht hatte, die je nach Gefimmung und Tem Um der großen Nachfrage zu genügen Fortsetzung des Saison- Ausverkaufs Beginn 1.Juli Badelaken : 60X200, weißer Kräuselstoff mit Streifen 7.95 1 Posten einzelner Stickereikissen 80X80 2.95 1 Posten Kissen- Inlette guter dichter Köperstout 2.50 Fertige Bettwäsche Hemdentuch mittelstadig 3.90 Kissen 1.65 Oberbett Oberbett in diversen Streifen 10.50 Kissen 2.95 Dimiti Bettlaken stadiger 2.35 i 3.75 Wäschestoff ohne Naht aus gutem Linon, mit Klöppel- 9.50 Ansatz und Hohlsaum Ueberlaken Ueberlaken Elsasser Linon, mit Hand- 18.50 stickerei und Handbohlsaum Fertige Betten Federn Oberbett Unterbett Kissen Graurot mit grauen 14.25 11.25 4.25 38.00 31.50 13.50 Echt türkischrot mit Halbdaunen Wäschestoffe Hemdentuch mittelstark fädig, 80 cm breit 63 PL Linon feinfädig, 80 cm breit. Linon feinfädig, 130 em breit.. Haustuch, für Bettlaken Daunendecken Nur soweit Vorrat Steppdecken Metallbettstellen Mengenabgabe Fehlern Satin Oberseite, mit geringen 12.45 Satin doppelseitig, in diversen Polsterbettstelle 11.50 vorbehalten Metallbettstelle m.Spi16,50 10.50 Neul Elegante Decke, in 31.50 Bogenbettstelle m.ZugFarben ralboden .90 PL 1.65 Damast! vielen Farben 1.95 Schlafdecken federmatratze, 80X185 schwarz und weiß. 16.75 3.45 Bankbettstelle m.Drellbezug. 12.60 70X140, weiß lackiert, 39.50 la weiße Daunen, Ich verarbelle keine imprägn. Daunen, Daunensatin bunt, in schönen Mustern..77.50 la Daunensatin in diversen Farben... 85.00 Ein Posten Damenwäsche, Taghemden, Nachthemden, Hemdhosen ,,, eleg. handgestickte Garnituren" im Preise bedeutend herabgesetzt ähnliche Grau mit Kante. Streifenkante b'wollene Decke braun, mit 4.75 Kinder Holzbettstelle Jacquarddecke in diversen 6.95 mit plast. Verzierung Mustern. Ein Posten einzelner Matratzen. Matratzenteile und Keilkissen 60 Prozent herabgesetzt Ruhebett. mit bordo Bezug, gut gepolstert 39.00 Fabrik Nur Prinzenstn 446. Lassen Sie sich durch antiche Betfedern- Lustig Angebote täuschen Größtes Spezialhaus Deutschlands für Bettfedern, Betten u.Schlafzimmerbedarf Gustav Prinzenstr. Aufpassen! Man irrt sich- Lustig nur undvierzig TURM- EONE Prinzenstry LUSTIG Sebastianste LUSTIG Kampf dem Zollwucher perament pro und kontra Stellung nahmen. Obwohl die Säuberungs. patrouille sich von den Spannern unbemerkt an die Stätte der Tat heranpirschte, mußten die Ehrenmänner schon Lunte gerochen haben. Denn als man mit einem Ueberraschungsschachzug die Tür zu den cerbotenen Genüssen aufreißen wollte, sprang eine Horde von fünf bis sechs Mann dagegen und hielt mit dem Mut der Berzweiflung zu. Ein unbeschreiblicher Lärm entstand. Nun warf sich ein Beamter mit ganzer Körpermucht gegen die Türfüllung, die im Nu zersplitterte. Als der erfolgreiche Stürmer voll Neugier feinen Kopf durch die Bresche stedte, schlug man wutentbrannt mit Bier gläsern und Aschenbechern auf den unerwünschten Gast. Die Beamten ließen sich nicht abschrecken. Unterdes säuberte ein Ueberfalltommando die von einer dichten Menschenmasse belagerte Straße. Das Publikum machte nämlich ernsthaft Miene, den Polizisten in den Rücken zu fallen. Innen hatte man unterdes 25 Personen fiftiert, 8 sind entkommen, darunter der Clou des hoffnungsvollen Unternehmens, ein fürzlich aus Sonnenburg ausgebrochener Zuchthäusler. Per Lastwagenschub gings dann zum Alexanderplatz. Ein Briefwechsel. Funkstunde, Politik und Republik. Abschrift/ S. Berlin, den 25. Juni 1925. An die Direktion der Funkstunde A.-G. M. 9, Potsdamer Straße 4. Ats Spitzenvertretung von faft 50 000 Arbeitnehmern des AEG. Konzerns, von denen sicherlich die Hälfte Teilnehmer des Rundfunks find, richten wir nachstehende Zeilen an die Direktion der Funtstunde mit der Bitte um Veröffentlichung: Am 24. Juni war der Todes tag von Walther Rathenau, zu dessen Gedenken sich tausende von Menschen am Grabe zusammen gefunden hatten, um der Ge dentrede des Freiherrn von Richthofen zu lauschen. Berichterstatter der größten Zeitungen waren anwesend, um diese Begebenheit der Deffentlichkeit näher zu bringen. Die Funtstunde hielt es nicht für nötig, diese gewaltige Rundgebung auch nur mit einem Worte zu erwähnen. Gewiß ist es nicht möglich, ein Programm" jedem Geschmad entspred, end zujarienzustellen, hier aber handelt es sich um feine Geschmacksache, sondern, daß ganz ohne Zweifel Dinge für wichtig genug befunden werden, durch den Rundfunk der Deffentlichkeit zugeführt zu werden, die winzig erscheinen gegenüber der gewaltigen Gedenffeier für einen toten Rathenau. Die verantwortliche Stelle des Rundfunk wird es verstehen, daß gerade die 50 000 Arbeitnehmer des AEG.- Konzerns sich mehr als peinlich von dem eigenartigen Berhalten berührt fühlen, welches die Funkstunde hier gezeigt hat. Wir begnügen uns für heute mit der Tatsache, diese unsere Berwunderung zur Kenntnis gebracht zu haben. Abschrift! Funtstunde Aktiengesellschaft. " Gesamtbetriebsrat AEG. Geschäftsführender Ausschuß. J. A. gez.: Wolff. Berlin, den 26. Juni 1925. An den Gesamtbetriebsrat der AEG. 3. Hd. des Geschäftsf. Ausschuß. Berlin NW. 40, Friedrich- Karl- Ufer 2-4. Wir bestätigen Ihre gesch. Zuschrift vom 25. v. Mts. und haben con dem Inhalt in allen Teilen Kenntnis genommen. Wenn in unserem Brogramm vom 24. d. Mts. nicht eine besondere Einstellung Dienstag, den 14. Juli, nachm. von 5 Uhr ab: Allgemeine Flugblattverbreitung.( Extra- Ausgabe des ,, Vorwärts“.) Alle Parteimitglieder müssen sich unbedingt beteiligen. auf den Todestag von Walther Rathenau zum Ausdrud gelangt ist,| Funfhörern, wenn auch in knapper Form zu sagen. Wir gestatten so hat dieses lediglich seinen Grund darin, daß wir in jeder Beziehung uns die Frage an Sie zu richten, ob Sie wirklich glauben, daß die testrebt sind, den überparteilichen Standpunkt des Rundfunks zu Registrierung der einfachen Tatsache, der Totenfeier am Grabe von wahren. Dieses Bestreben findet seine Rechtfertigung darin, daß Rathenau und Teilnahme von 20 000 Menschen, anders empwir hinsichtlich des Kreises unserer Hörer auf die mannigfaltigsten findende Kreise" in Harnisch gebracht hätte? Zum Schluß jedoch Einstellungen Rücksicht zu nehmen gehalten find. Ein jedes Ab- möchten wir uns erlauben zu bezweifeln, daß die Tendenz der Funt weichen von diesem Standpunkt würde uns unzweifelhaft neuen stunde dahin geht, wie Sie schreiben, politische Interessen vom RundAngriffen anders empfindender Kreise aussehen oder es würde zum funt fernzuhalten. Wir dürfen Sie im Zusammenhang damit ermindestens der Versuch gemacht werden, auch Darbietungen durch den innern an die Veröffentlichung der Deutschnationalen Volkspartei Rundfunk verbreiten zu lassen, die den Interessen jener anders ge- bei der letzten Wahl; hier ist wohl ausgesprochene Parteipolitit in finnten Kreise dienen. Wir möchten hervorheben, daß unsere eigene trasfester Form erwiesen, wir dürfen Sie weiter erinnern an die Borträge der Regierungsbeamten, die besonders in letzter Zeit, in welcher es darauf anfommt, möglichst schnell das beseßte Gebiet Don fremden Truppen zu befreien, in einer Zeit, in welcher der Reichs außenminister sich bemüht, den Sicherheitspatt mit Frankreich zustandezubringen, in einer solchen Zeit haben die geschätzten Herrn Vortragenden den Geschmack, dauernd von den durch Frankreich und England geraubten" Landesteilen zu sprechen. Derartige Programme" ftüßen wirklich nicht Ihre Behauptung über die politische Neutralität der Funtstunde. Nach Ihrem geschäßten Schreiben vom 26. vorigen Monats befürchten mir, daß ein weiterer Briefwechsel in dieser Angelegenheit unfruchtbar sein wird und wollen wir deshalb den Gedankenaustausch hierüber schließen, um zu gegebener Gelegen heit und Stunde das gezeitigte Material zu einem alle. Teile be-. friedigenden Resultat zu führen. Mit vorzüglicher Hochachtung Gesamtbetriebsrat AEG Geschäftsführender Ausschuß, gez.: Wolff. Heute, Sonntag, den 12. Juli, nachmittags 3 Uhr: Jugendfest der Sozialistischen Arbeiter- Jugend Groß- Berlin im Schillerpart am Wedding. Jugendfeier/ Gemeinsame Spiele/ kundgebung für Jugendschutz/ Fackelzug Teilnehmerkarte 30 Pf. Rinder frei. Einstellung bei der Zusammenstellung der Programme völlig auszuschalten hat und daß wir lediglich von dem Bestreben geleitet sind, politische Interessen vom Rundfunt fernzuhalten, da wir das Ziel und die Aufgabe des Rundfunks in der Völker- und Parteien- Berbindung erbliden, der Rundfunt aber nicht dazu dienen soll, neue Gegenfäße zu schaffen. Wir hoffen, daß Sie bei nochmaliger ein gehender Würdigung der vorstehenden Darlegungen unseren Stand punkt als gerechtfertigt erachten werden und zeichnen Abschrift! mit vorzüglicher Hochachtung Funtstunde Aktiengesell., gez.: Wagner. Berlin, den 3. Juli 1925. An die Direktion der Funkstunde A.-G. Potsdamer Straße 4. Wir empfingen Ihr geschätztes Schreiben vom 26. vorigen Monats und haben das Empfinden, als ob Sie unserem Brief vom 25. vorigen Monats einen Inhalt unterlegen, den er nicht hat. Wir haben nicht umsonst das Wort Programm apostrophiert, weil wir bei dem innenministers gar nicht erwartet haben, daß Sie so vermessen fein politischen Glaubenbekenntnis des augenblicklich amtierenden Reichsfönnten, die Würdigung eines Walther Rathenau an seinem Todes. tag programmatisch anzufündigen. Wir wollten lediglich darauf hinweisen, daß ein Bericht Ihrerseits über eine Veranstaltung so großen Stiles zur Erinnerung an einem immerhin über dem Durchschnitt stehenden Zeitgenossen", nicht einmal in den Pressenachrichten erwähnt wird. Bir erlauben uns darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn irgendwo ein bestehender Sportreford um eine tausendstel Sefunde verbessert wird, wenn irgendwo einem Boger von einem anderen berühmten Kollegen die Knochen zusammengeschlagen werden, wenn ein Sittlichkeitsverbrechen begangen wird, wenn ein Zusammenstoß zwischen Autobus und Straßenbahn stattfindet, furzum, wenn Ereignisse in die Erscheinung treten, die durch die Teilnahme großer Menschenmassen sich aus dem Alltagsgetriebe hervorheben, so sind die Pressenachrichten allabendlich pünktlich bei der Hand, um es den A.Wertheim Leipziger Str. Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Glas Chippendale Kompotteller 14 cm..... Schalen. • Butterdosen Kuchenteller 30 cm Käseglocken • 25 Pf. . 25 Pf bis 65 . 125 O 185 .> B 125 Kelchgarnitur Aida, optisch, glatt • Likörgläser Portweingläser Rotweingläser 50PL groß Weißweingläser Bowlengläser • • Kaffee- und Teegeschirr China- Blau- Dekor Kaffeekannen 2M bis 425 Teekannen 3M 375 425 Zuckerdosen.. 145 175 Milchtöpfe 70 Pi. bis 145 Zuckerschalen.. 45 Pt. Kuchenteller..... 225 Teller 17 cms 55 19 cm 75 Pl. Butterglocken.... 225 Kannenuntersätze 115 Tee- od- Kaffeetassen IM • 40 Pf. • 45 PL. · .55 Pt. 55 Pf. Mokkatassen... 80 Pf. .60 Pf. Gelb, gerippt Bierbecher glatt... 9 Pf. Bowlengläser geschlitten, mit Henkel 95 Pf. Milchsatten Lit. Lit. 1 Lit. weiß.. 16, 22, 25Pf. Butterkühler ... 115 Kristall- Römer farbig, reich geschliffen 275 495 " Die Neue Sonntags- Bororfzüge auf der Görlitzer Strede. zwischen Berlin, Görlitzer Bahnhof, und Beeskow verkehrenden Sonntagszüge: Görliger Bahnhof ab 7.25 vorm., Königswusterhausen an 8.11 vorm. und Königswusterhausen ab 9.36 abends, Görlizer Bahnhof an 10.22 abends sind von jetzt ab für den Borortverkehr zwischen Görlizer Bahnhof und Königswusterhausen freigegeben. Sie halten daher auf allen Zwischenstationen dieser Strecke zum Ein- und Aussteigen an. Die Borstände der Friseur- Innungen Groß- Berlins haben in ihrer gemeinschaftlichen Sizung am 9. Juli 1925 den Beschluß gefaßt, eine mäßige Erhöhung der Bedienungspreise mit fo fortiger Wirkung eintreten zu lassen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich seit der letzten Preiserhöhung vom 1. Dezember 1923 jo Auch die notwendige Erhöhung der Gehilfenlöhne bedingt diese wesentlich verändert, daß eine geringe Erhöhung erforderlich ist. Preiserhöhung. Dem Berliner Aquarium sind vom New Yorker Aquarium neun Pfeilschwanzfrebse zuin Geschent gemacht worden, die die Reise gut überstanden haben und jetzt mit einigen Rochen und einem Hai zu sammen das Becken Nr. 4 auf der Seewasserseite bevölkern. Diese sonderbaren Geschöpfe, die umgelehrten wandelnden Bratpfannen gleichen, sind durch einen langen Schwanzfiiel ausgezeichnet, mit dem fie sich geschickt umfehren, wenn sie einmal auf den Rücken gefallen sind. Die sehr großen Weibchen wiegen etwa 5 Pfund, die viel flei. neren Männchen gegen 2 Pfund. Bereits in sehr frühen Zeiten waren diese Formen auf der Erde vertreten, und man nimmt an, daß sie mit den Spinnen und Tausendfüßern näher verwandt sind als mit den heute lebenden Krebsen. Auch ihre Berbreitung ist eigentümlich; fie lommen an der nordamerikanischen Küste des Atlantischen Ozeans Großer Verkauf zu besonders billigen Preisen Porzellan Weine Kaffeetassen 15p. mit Untertassen.... Mokkatassen dekoriert 15 Pr. 19 cm Dessertteller dekoriert 25 Pt. mit Unterlass. Tassen dekorera: 28 32 38 Mokkaservice 5 Telle dekorier? Obstservice 7 tellig.... 175 225 Bouillontassen.... 155 Dejeuner 5 Telle, dekoriert 250 Kaffeekannen 165 bis 3M Teekannen 135 165 215 Milchtopfe 30 bis 70 Pt. Zuckerdosen 90 PL 115 Kuchenteller..... 125 Dessertteller 35 b. 50 PL Kannenuntersetzer 45 Marmeladedosen 90 PL Butterdosen... 120 135 Brotkörbe....... 165 Tassen ..70 Pl. Kaffeeservice 485 9 Teile dekoriert Küchengarnituren 1450 22 Telle Einkochgläser enge Form 1/4 1/2 3/4 1 Liter 34 36 38 40 Pf. 1/2 8/4 breite Form 1/ 1 12 2 Liter 40 44 46 48 55 Pf. Blauband u. Goldrand Kaffeekannen 175 215 Teekannan los 170 215 Milchtöpfe 75 pt. bis 125 Zuckerdosen 75 Pt. 90 Pt. Tassen....... 35 Pt. Fruchtschalen.... 195 Marmeladedosen 65 PI. Brotkorb...... ..... 145 Kuchenteller 65 P. 115 Teller 25 Pt. 35 Pf Butterdosen.... 95 Pt. Weiß Porzellan . Speiseteller flach.. 30 Pt. Speiseteller et..35 Pr. Dessertteller...22 PL Kompotteller... 12 PL. Terrinen.. 325 Kartoffelnäpfe... 175 Saucieren.. Platten oval.. 70 Pt. 140 Salatieren rund 45 b.80Pt. Kaffeekannen 75Pt. 95Pt. Teekannen..95 PL. 125 • 135 Mokkatassen... 45 Pf. Einkochapparat kompl. 850 10 Gummiringe 30, 50P Milchtöpfe..15 PL 25 PL Steingut Speise- Teller glatt, tief und flach 15 Pf. Speise- Teller gerippt, tief u. flach 18 Pt. Speise- Teller bunt, tief und flach 22Pt. Tafelgeschirr 23 Teile 975 10 25 13 75 Weiße Terrinen Weiße Kartoffelschüsseln.... 115 195 Butterkühler........... 160 Weiße Schüsseln Sat 6 Stück... los Bunte Schüsseln Say 6 Stück... 195 Waschschüsseln elfenbein von 85 PI. an Bunte Waschschüsseln.. von 120 an Toilette- Eimer mit Golddekor... 6M Balkonkästen Lg.45 cm 225 Lg. 50 cm 250 Wasch- Garnitur farbig, 5 Telle von 425 Ein Posten an Feinsteingut mit kleinen Fehlern außerordentlich preiswert Saison- Ausverkauf.... Außergewöhnlich herabgesetzte Preise für Konfektion, Wäsche, Strümpfe, Schuhwaren etc. Viele Gelegenheitsposten and aud) im malaiischen Gebiet vor. Die Tiere nähren sich von allerlei Gewürm, das im Sande lebt und das sie mit Hilfe der Geruchsinne auffinden. Die auf der Oberseite des Panzers liegenden winzigen Augen dienen wohl nur zum Unterscheiden von hell und Dunfel. Der übliche Verkehrsunfall. Während der Fahrt löste sich gestern infolge Achsenbruches das linke Borderrad eines vollbesezten Autobusses in der Schloßstraße zu Steglig. Der Wagen neigte sich bedenklich zur Seite, fippte jedoch glücklicher Weise nicht um. Bon den Fahrgästen, die tüchtig durcheinander gerüttelt worden waren, trugen 5 Personen leichtere Verlegungen davon; sie konnten mit dem nächstfolgenden Wagen die Fahrt fortsetzen. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Bier Große Fest? onzerte 1925/26. 3nternationale Vollstänge und Volfslieder. Steppe und Pußta Sm Orient Aus der neuen Belt Der deutsche Tanz. Mitwirkende: Das Ballett und erste Solisten der Staatsoper. Künstlerische Zeitung: May Terpis, Ballettmeister der Staatsoper. Prof. Schünemann, Dir. der Hoc schule für Musik. Abonnementspreis für alle vier Beranstaltungen 4 M. Alle wichtigen Bestimmungen enthalten die Zeichnungslisten. Listen liegen aus: Bei den Mitgliedern der Kreis und Abteilungs- Bildungsausschüsse, Zigarrengeschäft Horsch. Engeluser, Tabafvertrieb GFG., Inselstr. 6, Verband der Graph. Hijsarbeiter, Alte Jakobitr. 5, W. Schmidt, N. 39, Tegeler Er. 31, Job. Moranz, Danziger Str. 46, Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 2, und im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3. 2. Hof 2 r. r., Zimmer 8/9. Ebert Reliefs nach dem Entwurf des Künstlers Gerstenberg, elfenbein getönt, 1,60 M. bro Stüd, dunkel getönt 1,80 R. pro Stüd, zu haben im Bezirksbildungsausschus, Lindenstr. 3, 2. Hof II. Ferner Radierungen von Krommer, Defterle und Sela affe. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonntag, den 12. Juli: Werbebezirk Diten: Vormittags 11 Uhr Choritben im Jugendheim Tilfter Straße 4. Werbebezirk Reinidendorf: Vormittags 7 Uhr Spielen auf der Fließwiese. Werbebezirk Tiergarten: Bormittags 10 Uhr im Sotal non Berger, Levezom, Ede Jagomstraße, Werbebezirksmitgliederversammlung mit michtiger Tagesordnung. Erscheinen ist Pflicht. Der Bezirksvorstand trifft sich um 2 Uhr im Schillerpark an verabredeter Stelle. Achtung, Jugendchor! Die Mitglieder des Chors treffen fich nach. mittags 4 Uhr im Schillerpart( Nordwiese). Zur Zeilnahme am Jugendfest im Schillerpart treffen fich die Werbebezirke am Sonntag wie folgt: Tiergarten: 1% Uhr Strom-, Ede Turmstraße( Kleiner Tiergarten). Wedding: 1 Uhr Bürgerwiese im Schillerpart. Brenzlauer Berg 1: 1½ Uhr Senefelderplag. Brenzlauer Berg II: 2 Uhr Schönhauser Allee, Ede Bornholmer Straße. Often: 1 Uhr Baltenplak. Kreuzberg: 1½ Uhr Morigplan. Westen: 2 Uhr Nordfüdbahn, Bahnhof Geestraße, Nordausgang. Teltawkanal: 2 Uhr Stadtbahnhof Wedding. Rentölln: 1 Uhr Sermannplag, 2½ Uhr Untergrundbahn Geestraße, Nordausgang. Oberspree: 23 Uhr Bahnhof Wedding. Oftbahn: 14 Uhr Frankfurter Mee ( Bahnhof). Reinickendorf: 11 Uhr Raiferplak in Sermsdorf. Bankow: 1 Uhr Jugendheim Breite Str. 32a. Steglig II: 1 Uhr Rathaus Steglis, Umzug durch Schloßstraße, Raiferallee bis Bahnhof Wilmersdorf- Friedenau, dort Abfahrt 1.44 Uhr. Sämtliche Fahnen und Muffinstrumente find mitzubringen. Nachzugler Tommen direkt zum Schillerpark. Morgen, Montag, den 13. Juli, abends 7% Uhr: Südost( Görliger Biertel): Jugendheim Mariannenufer ja, Bortrag: ,, Gegen Altohol und Nikotin". Sermsdorf: Jugendheim Roonstraße, Vortrag: ,, Rörperkultur". Rorbring: Borwärtsspedition Greifenhagener Str. 22, AusSprache: Aeltere und junge in der Jugendbewegung". Beften: Baugewerksaule, Rurfürstenstr. 141, Dienstag, den 14. Juli, Aussprache:„ GA3. und Reichsbanner". Chor und Mufifer. Montag 7 Uhr Brobe im Jugendheim Lindenstr. 3. Nachstehende Abrechnungen müssen heute unbedingt vorgenommen werden: Frühlingsfeier: Nordring, Weften; Mai- Jugendtag: Brenzlauer Borstadt, Senefelder Viertel, Wilmersdorf; Sonnenwendfeier: Falfensee, Mariendorf, Neukölln II und III, Schmargendorf, Schönhauser Borstadt I.- Karten zum Jugendfest müssen Sonntag im Schillerpart cbgerechnet werden. Bezirksbogen für die Monate April- Juni sofort abliefern. Samburg, Melbeliften müffen bis spätestens 15. d. M. dem Gekretariat eingereicht fein. An alle Gruppen! Die vorläufigen Anmeldungen für die Fahnenweihe am 26. Juli in Steglis erbitten wir an Walter Biedermann, Friedenau, Stubenrauchstr. 22, Gartenhaus hochparterre. Unsere werten Leser und Freunde werden gebeten, in allen Gaststätten, Kaffeehäusern, Zeitungsverkaufsstellen usw., sowohl in Groß- Berlin als auch im übrigen Reich und im Ausland ausdrücklich den ,, VORWÄRTS" zu verlangen. Die Ferienzelt bietet Gelegenheit, überall für die Parteipresse zu werben und das Auslegen des Zentral. organs der SPD. in allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Sollte der ,, Vorwärts" an Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen oder anderen Verkaufsstellen nicht erhältlich sein, so wären wir für entsprechende Mitteilung dankbar. „ Vorwärts"-Verlag Berlin, Lindenstraße 3 Pernsprecher: Dönhoff 2506-2507. 99 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsftelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 87/38, Sof 2 St. Rameradschaft Webbing: Jeden Montag abend 7½ Uhr Turnabend Gothenburger Str. 2. Kamerabschaft Brenzlauer Berg: 4., 6., 7., 8. Rug: Montag abend 8 Uhr Turnhalle Greifenhagener Str. 59, Turnen. Rameradschaft Kreuzberg, Blod 10, cinfchl. Jugendliche: Am Montag, den 13. Juli, abends 8 Uhr, Berfammlung bei Ramerad Händler, Dieffenbachftraße 54. Kameradschaft Bankom mit Untergruppen: Am Montag, den 13., abends 8 Uhr, Antreten Turnhalle Bollanfftraße. Spielleute Jugendheim. Kameradschaft Reinickendorf: Montag abend 6 Uhr Turnen der Rameraden aller Untergruppen auf dem Städtischen Sportplak, Reinidendorf- West, Scharnmeberstraße. Kamerabschaft Tiergarten, Rug 2: Dienstag 7½ Uhr bei Hübnter, Wilsnader Str. 34, Rugversammlung. Kameradschaft Charlottenburg: Der Turnabend am Dienstag fällt megen der Sommerferien aus. Dafür jeden Saison- Ausverkauf+ Erneute Preisherabsetzung! Leichte Sommerkleidung Waschjoppen, glatt und in Sportform; glatt anfangend, mit 4.40 Stoffanzüge, Gr. 1-4, aus haltbarem Buckskin in Sportform, durchweg 5.20 div. einzelne Jacketts i. klein. 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BERLIN W 35 Donnerstag auf dem Spielplas Goethestraße und jeden Sonnabend Sportplek Westend. Erscheinen fämtlicher Kameraden Pflicht. Jeden Dienstag und Freitag Antreten der Spielleute Pferdemarkt an der Olympiabahn pünktlich 18 Uhr. Kamerabschaft Neukölln»-Brig: Die Beranstaltung am Sonntag nachmittag ist verschoben. Montag, den 16. Juli, Monatsversammlung: 1. Sug bei Böhle, Wildenbruch, Ede Weserstraße; 2. Bug am Dienstag, den 14. Juli, Weichselstr. 8. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinder. bliebenen, Ortsgruppe Norden 14: Am Montag, ben 13. Juli, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung in Büttners eftfälen, Gahmedter Str. 23. Bortrag über ,, Organisation Fürsorge Bersorgung". Referent Gauleiter Ramerad Mende. Erscheinen ist Pflicht. Freie Hochschule. Mittwoch, den 15. Suli, 8 Uhr, Sophien- Schule, Weinmeifterftr. 16-17. Dr. med. jur. phil. dent. Hammer: ,, Rassenhas und Menschen. liebe". Gäste haben Zutritt. Arbeitersport. Broßes Arbeiter Fußballspiel: Astania- Röpenid I- Rüftig- Borwärts I aut Sonntag, den 12. Juli, auf dem Städtischen Sportplas in Neukölln, RaiserFriedrich, Ede Innstraße. Anfang 5% Uhr; vorher untere Mannschaften. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Sonnabend, den 11. Juli. 1. Abgott(. Tarras), 2. Dptimat( D. Schmid!), 1. Rennent. 3. Kili( H. Brown). Tot.: 50:10. BI.: 14, 11, 11:16. Ferner liefen: Firn, Chiemgauerin, Hedenstrauch, Dojan, Oder, Glashäger, Enkel, Settee, Peremide, Depression. 2. Rennen. 1. Frobfinn( Albers), 2. Banter( Barga), 3. Antenor ( D. Schmidt). Zot.: 452: 10. PL: 45, 14, 12:10. Ferner liesen: Parsival, Gourmet, Lindwurm, Beryli, Rossini. 3. Sennett. 1. Beriboia( D. Schmidt), 2. Adana( Huguenin), 3. Farmerin(. Schmidt). Tot.: 21:10. BL: 15, 39, 105: 10. Ferner liefen: Chanterella, Froher Mut, Rose Marie, Corag, Rosa, Die Königin. 4. Rennen 1. Bellac( Brezner). 2. Williger( Olejnif), 3. Heldrastein( Sahnes). Tot.: 27:10. BI.: 15, 36, 19: 10. Ferner liefen: Bardes Bruder, Falfum, Manlins, Träumer. 5. Rennen. 1. Jleg( Barga), 2. Gaurijantar( Bregner), 3. Höhen rauch( Kaiser). Tot.: 31:10. Pl.; 12, 16, 43: 10. Ferner liefen: Rheinfage, Alarid, Türmerin, Habanera, Louisdor, Pallas Athene I, Falter, Parodosta, Lava. 7. enne n. 6. Rennen. 1. Odaliste( Barga), 2. Pericphone( D. Schmidt), 3. Rote ( Hnguenin). Tot.: 64: 10. PL: 17, 11: 10. Ferner liefen: Lebenskünstler, Bonte. 1. Brimas( M. Dreißig), 2. Hattenheim( Barga), 3. Myron( D. Schmidt). Toto: 221: 10. BL.: 57, 100, 35:10. Ferner liefen: Dioscur, Gio, Olifant, Dndina, hataghl, Fippa, Schneeberg, Basalt, Sanguiniter, Rüstung, Ristil, Riuma, Sternberg. Briefkasten der Redaktion. B. S. 100. Sie haben ein Erinnerungsbild gewonnen, das aber, weil bis zum 20. Juni nicht abgeholt, verfallen ist. Wetter für Berlin und Umgegend. Borwiegend wollig, zeitweise etwas aufheiternd, nachlassende Regenschauer, mittags etwas warmer. Für Deutschland. Ostdeutschland: Noch wollig mit vereinzelten nachlassenden Regenschauern, sonst überall wolfig, zeilweise etwas aufheiternd, ziemlich fühl, mittags etwas wärmer. Zahlen BEWEISEN DEN ERFOLG BEIM VERKAUF AUF TEILZAHLUNG Seit ✓ Jahrzehnten verkauften wir. neuerdings in ça. Etagen mit fläche von ça. Angestellten auf einer Boden Quadratmetern an über 220 9000 210000 2,300000 Stick Waren alle Art Und wenn einmal das Geld nicht reicht, kauft man bei Feder federleicht Kunden etwa.ca feder LOUIS WINCKELMANN BRUNNENSTR. 1 FRANKFURTER ALLEE 350 KOTTBUSER DAMM 103 CHARLB. SCHARRENSTR. 5. Vertretung der bestens bewährten zuverlässigsten Marken: Adler- Fafnir- Opel- Protos sjecap Minerva Fernsprecher: Nollendorf 56, 57, 58, 59 Telegramm- Adresse: AUTORAATZ Isotta Fraschini JA in den neuesten und modernsten Ausführungen, von 4- 6- 8 Zylinder- Vierradbremse etc. Karosserien jeglicher Art für erlesensten Geschmack aus renommiertesten Werken Th. Raatz Automobil A.-G., Berlin W 35, Potsdamer Str. 112 Nr.Z2S»42.�ahrgakg 2» Seilage öes vorwärts Sonntag, 12. �uli 1925 Seginn öer /lustvertungsabstimmungen. Sichere Mehrheit der Regierungsparteien. Der Reichstag setzte gestern die Aufwertungsdebatte bei Sj 2 des Gesetzes, der die Errechnung des Gotdmarkbetrages regelt, fort. Abg. Dr. Best(Volk.) setzt sich für seinen Antrag ein, der die Ermittlung»«a Goldmarkbetrages nach der inneren Kaufkraft der Mark an dem Tage der E n t st e h u n g des Anspruches vor- nehmen will. Abg. Smlpe Soz.): Der Abgeordnete Hergt hat gestern behauptet, daß die end- gültige Fassung des Gesetzes auch positive Asnderungen zugunsten der Gläubiger gebracht habe. Er hat dabei sicher gemeint, datz die Grundlagen für die Berechnung der neuen Aufwertungsfäge gegen- über den Bestimmungen der Dritten Steuernotverordnung wesentlich geändert seien. Früher sollte der Dollar berechnet auf Berlin als Grundlage für die Auswertungsberechnungen dienen, während man jetzt eine.! sogenannten Mittelpunkt konstruiert, der sich aus den Berechnungen der Dollarnotierungen und dem Großhandlsinder ergibt. Es ist aber nur SandindieAugenderGläubtger gestreut, wenn man sie glauben machen will, datz auf dieser Grund- löge irgend etwas zu ihren Gunsten herauskommen könnte und Redner macht an einem Beispiel klar, datz die Berechnungsgrundsätze der Regierung vom Standpunkt des Gläubigers aus a n h a l t b a r sind, wogegen freilich der Schuldner in seinem Sinne am so mehr damit zufrieden sein kann. Aus diesen Gründen unter- st ü tz t die sozialdemokratische Fraktion den Antrag B e st. Wir verlangen, datz bei dem Umrechnungsverfohren die innere Kaufkraft der Mark beachtet wird, daß man nicht Berechnungsgrundsätze zur Grundlag« nimmt, an deren Betrachtung damals kein Mensch gedacht hat. Die Berechnungsmöglichkeiten hat die Regierung bereits gefunden, indem sie in der ersten Verordnung zur Durchführung des Artikels 1 der Dritten Steuernotoerordming selbst rückwirkend Berechnungen für den Wert des Dollars anstellen mutzte. Es dürfte keine allzu grotze Schwierigkeit enthalten, den Lebenshaltungstnder bis auf das?ahr 1918 zurückzuführen. Nur so ist es möglich, dem Gläubiger einigermaßen den Gegenwert dessen, was er früher in gutem Gelde gezahlt hat, zurückzuerstatten und die Grundlagen für einen gerechten Aufwcrtimgsmodus im Sinne der Gläubiger zu schaffen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Zum ß 4, der die höhe des Aofwerlungsfahes für Hypotheken auf 25 Proz. festsetzt, erklärt Abg. keil(Soz.>: Der 8 4 ist einer der grundlegenden Paragraphen des Gesetzes, er handelt von der Höhe des Aufwertungssages. Der Aüsschutz! antrag will einen Höchstsatz von 25 Proz. festsetzen, unter den zwat auf Grund der Härteklausel heruntergegangen werden kann, der aber, abgesehen von den Fällen des 8 19 in keinem Falle überschritten werden darf. Das Wort Ungerechtigkeit, das wir gestern gehört haben, trifft in hohem Grade auf 8 4 zu. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist ein Höchstsatz von 25 Proz. für die Aufwertung der Hypoiheken und ähnlicher Forderungen der Gipfel der Ungercchtig- keit. Wenn wir jetzt beantragen, statt dessen 49 Proz. fest- zusetzen, nicht als Höchstsatz, sondern als einen Satz, von dem nach oben wie nach unten abgewichen werden kann, so haben wir dabei sorgsam erwogen, was wirtschaftlich heute im allgemeinen trag- bar ist. Wir können uns dabei auf Autoritäten berufen, auf den Abgeordneten Dr. W u n d er l i ch und den verstorbenen Herrn Düringer, der zwar grundsätzlich die rein individuelle Lösung wünschte, sich aber schlietzlich als Ausweg mit dem Nonnalsatz von 49 Proz. einverstanden erklärt hat. Ebenso können wir uns auf den Staatssekretär Dr. M ü g e l berufen, der denselben Vorschlag von 49 Proz. gemacht hat. Der Satz von 49 Proz. hat aber auch schon in einem anderen(falle Gesetzeskraft erlangt, wo es sich im allgc- meinen um viel weniger leistungsfähige Schuldner handelt, nämlich In den(fällen bei der Eintragung einer Grundschuld für öffentliche vaudarleheu an Kleinsiedler. Selbst Mitgliedern der Rechten ist es, allerdings zu spät, zum Bewuhssein gekommen, daß es unmöglich fei, diese Baudarlehen der Kleinsiedler mit 49 Vroz. aufzuwerten, während man beim Aufwertungsgesetz den Höchstsatz von 25 Proz. festsetzte. Es würde den Interessen der Kleinstedler entsprechen, den Satz von 49 Proz. der Dritten Steuernotoerordming auf 25 Proz. herabzusetzen. Wir beschreiten aber mit Rücksicht auf die Gesamtzahl der Gläubiger den umgekehrten Weg und schlagen vor, den Satz bei der allgemeinen Aufwertung mit 49 Droz. zu berechnen. Die Be- hauptung, daß damit die individuelle Methode angewandt werde, die doch mit unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden sei, ist falsch. Ts wird möglich fein, binnen kurzem eine sichere Praxis zu gewinnen, auf Grund deren die übergroße Mehrzahl der Fälle glatt nach diesem Normalsatz geregelt werden kann. Die übrig- bleibenden Fälle bedürfen der besonderen Prüfung. Die These, daß der Satz von 49 Proz. Im allgemeinen wirtschaftlich tragbar ist. kann nicht bestritten werden. Dem Schuldner werden ja immer noch dabei 69 Proz. feiner Schuld einfach geschenkt. Der andere, der nach 8 19 die persönliche(forderung clner Reslkausschuld unter Umständen bi» zu 75 Proz. uus- geweicket bekommt, muß sie ja auch tragen. Viele Bürger verstehen überhaupt nicht die Berechtigung des Unter- fchiedes zwischen der allgemeinen Darlehnsforderuna und der Rest- kaufforderung. Die Behauptung, daß der städtische Grund- besitz nicht bis zu 49 Proz. aufwerten könne, trifft im allge- meinen auch nicht zu. Es wird gesagt, daß die Miethäuser de» städtischen Grundbesitzes heute nur noch 39 bis 59 Proz. des Friedenswertes Hütten. In Berlin werden im ollgemeinen schon sehr viel höhere Preise erzielt, und soweit der städtische Grundbesitz noch hinter den Friedenspreisen zurücksteht, so werden sich diese Preise in"ein Maße, in dem stch die Mietsätze den Frieden-sätzen annäbern, auch die Friedenspreise erreichen. Ebenso ist die Auf- Wertung bis zu Proz. beim ländlichen Grundbesitz möglich. Wie die Preise aber gerade hier gestiegen sind, zeigt der Redner an Hand einer Ausstellung, wonach in Oldenburg die Güter letzt zu weit höheren Preisen verkauit werden, als sie im Frieden gekostet hatten. Das spricht doch dafür, daß eine Auf- wertung von 49 Proz. sehr wohl tragbar ist. Was über den städti- schen Äiundbcfitz gesogt wurde, das gilt in erhöhtem Grade für die Industrie, wo vorwiegend die Industrieobligationen»n Frage kommen. Meiner Ueberzeugung nach handelt es sich hier nicht nur um eine Frag« von wirtschaftlicher, moralischer und sozialer Bedeu- tung, sondern vor allem um eine Frage von eminent polinicher Be- deutung. Die Lösung des Aofwcrtrmgsproblems. die der Ausschuh bean- lragl, wird vom ersten Tage au angefochten werden. Will man eine wirkliche Dauerlöfung, dann muß man sich vorher überlegen, was man beschließt. Hier stehen sich vollkommen �Ber- armte auf der einen und stark Bereicherte auf der anderen Seite gegenüber. Wo der Fall umgekehrt liegt, wo der Gläubiger nicht nur Verluste hatte, sondern auch Gewinne größeren Uniianges er- zielte, und dem ein Schuldner gegenüberstsht, der selbst neben dein Gewinn, der durch Entwertung seiner Schulden enlstanden ist, Aer- luste erlitten hat, da mag der H ä r t e p a r a g r a p h eingreifen und seinen persönlichen Verhältnissen Rechnung getragen werden. Aber in der Regel steht doch der bereicherte Schuldner dem ver- armten Gläubiger gegenüber- und für diesen Fall soll unser Satz von 49 Proz. gellen. Hier handelt es sich im eminentesten Sinne um eine Frage der Gerechtigkeit, ich bitte daher um Annahme unseres Antrages.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Seiffert(Volk.) steht auch auf dem Standpunkt, daß der Satz von 29 Proz. Aufwertung lediglich aus der Lust gegiissen worden ist. Darin liege ein Verfassungsbruch, da die Ver- sassung das Eigentum schützen wolle. Eine solche Verkürzung des Eigentums könne also nicht mit einfacher Mehrheit vom Reichstag beschlossen werden: seine Partei verlange für einen solchen Beschluß die Zweidrittelmehrheit. Man nehme hier den armen Leuten 89 Proz. ihres Eigentums fort zugunsten der Reichen und entfremde sie den nationalen Kreisen, da sie'meinen, daß diese Kreise aus dem Geldsack sitzen.(Stürmischer Widerspruch rechts.) Abg. höllein(Komm.) behauptet, daß von diesem§ 4 das Schicksal der werktätigen Bevölkerung abhäng«. Die Expropriatwn der kleinen Sparer und kleinen Rentner werde hier zur Tatsach« werden. Dann nimmt das Haus die noch rückständigen L b st i m m u n- gen vor.— Der mehr formale 8 1 der Vorlage wird mit allen gegen die kommunistischen und völkischen Stimmen angenommen. Auf Antrag des Abg. Kell(Soz.) wird hierauf eine n a- m entliche Abstimmung vorgenommen über einen Antrag Dr. Best, der an Stelle'der im§2 der Vorlag« festgelegten Art der Ermittlung des Goldmartbetragcs nach einem Mittelkurs vom Dollarkurs und Großhandelsindex am Tage des Erwerbes setzen will die Ermittlung' des Goldmarkbetrages nach der inneren Kaufkraft der Mark am Tag« der Entstehung des Anspruches. Die namenMche Abstimmung ergibt mtt 225 gegen 131 Stimmen bei 3 Slimmenlhaltungen die Ablehnnag de» Antrages Dr. B e st. so daß e» also bei der Fassung der Sompromißparlelen bleibt. Auch über die sozialdemokratischen und völkischen An- träge auf E r h ö h u n g des im 8 4 der Vorlage festgelegte» Auf» wertunoosatzes für Hypotheken von 25 auf 49 Proz. wird die Abstimmung namentlich vorgenommen. Abg. höllela(Komm.) erklärt, daß fein« Partei für diese An- träge jetzt, m der zweiten Lesung, stimmen werde, aber unier der Voraussetzung, daß die Antragsteller bei dem entsprechenden Gesetzes- teil für die kommunistischen Anträge stimmen würden, daß die Mietpreise auf 15 Jahre unoei ändert bleiben.(Gelächter rechts.) Sollte diese Zustimmung nicht erfolgen, würden sich die Kommunisten für die 3. Lesung ihre Stellungnahm« zu den sozialdemokratischen Anträgen vorbehalten. Die namentliche Abslimwvng ergibt die Ablehnung der Anträge des Abg. Dr. Lest and der Sozialdemokraten mit 21*. gegen 149 Stimmen bei 3 Enkhallungea. Es bleibt also bei dem Auswertuagssahe von 25 Proz. für hnpokhekeu. 8 8 der Vorlage enthält die sogenannte.härleklausel", die Mög- lichkeit für den Schuldner, eine Herabsetzung der Auswertung um 19 Proz. zu beantraaen. wenn die».mit Rücksicht auf seine wirt- schaflliche Lage zur Abwendung einer groben Unbilligkeit unabweis- bar erscheint*. Abg. Seil Soz.): Der Ausschuß hatte ursprünglich beschlossen, eine einseitige Härteklausel zugunsten des Schuldners mit voller Unbeschränktheit einzufügen, so daß auf Antrag des Schuldners die Herabsetzung des Aufwertungsbeirags bis auf Rull möglich gewesen wäre. In der zweiten Lesung wurde dies« einseitige Begrenzung aus 19 Proz. fest- gesetzt. In di'esein Beschluß kommt zum Ausdruck, vaß es sich bei der Härieklausel um eine Ungeheuerlichkeit ersten Ran- g e s handelt, die aber durch den Beschluß zweiter Lesung nicht ein- mal gebessert wird. Bleibt es bei diesem Beschluß, so wird das draußen in den Kreisen der Gläubiger, vielleicht aber auch in unbe- teiligten Kreisen viel böses Blut machen. Diese Regelung muh das normal« Rechtsempfinden auf» tief st e ver- letzen. Wie will man es verantworten bei einer Regelung, die von vornherein dem Gläubiger 75 Proz. seines Anspruchs aber- kennt, hinzuzufügen, daß, wenn die Perhältnisse besonders geartet sind, auch noch ein Herabgehen unter diese 25 Proz., nie ober ein Hinaufgehen über diese 25 Proz. zulässig sei? Ein« umgekehrte Regelung würde aber verstanden werden. Wir haben deshalb«inen doppellen Abänderung santrag gestellt, der eine unbegrenzte Härteklausel zugunsten beider Teile vorschlägt. Es kann Fälle geben, in denen eine unbeschränkte Härteklausel zu- gunsten des Schuldners so weit Anwendung findet, daß der Glau- biger überhaupt nichts bekommt. Eine solche Regelung wäre noch den Ausschußanlrägen unmöglich, da weiter als auf 15 Proz. nicht heruntergegangen werden darf. Viel schlimmer ist aber, daß für den Gläubiger keine Möglichkeit besteht, mehr als den Höchstsatz zu bekommen. Falls unser Antrag, der eine unbegrenzte Härtetlauiel nach beiden Seiten vorsieht, nicht angenommen werden sollte, stellen wir den Eventualantrag, daß dann wenigstens dem Glau- biger diese begrenzte Härteklausel im Rahmen der 19 Proz. zusteht. Wenn da» nicht beschlossen wird, wird die Regelung Oel ins Feuer der Aufwertungsbewegung hineingießen. Bei dieser Gelegenheit eine Bemerkung, die ssch auf die Wand- luna innerhalb einzelner Parteien bezieht. Im Hauptau»schuß des Wurttembergischen Landtags hatte ich im Dezember vorigen Jahres eine Resolution aufgestellt über die Aufwertungsfrage, die etwa der Haltung msmer Partei In den letzten Wochen entsprach und von einer individuellen Lösung im Sinne des Bestschen Entwurfs absah. Die Regierungsparteien erklärten, es müsse eine völlig individuelle Lösung gefunden werden, und es wurde außer meinem Antrag noch ein Gegenantrag angenommen, der weiterging als mein Antrag in diesem Punkte. Für diesen Antrag siimmien sämMche Miiglleder der Deutsch- nationalen Partei und des Zentrums.(Hört! hört!) Hier aber entbrennt ein heftiger Kamps über einen Bruchteil dessen. was in dem dortigen Gegenantrag gefordert war. Würde heut« eine Volksabstimmung in Form einer Wahl über all« diese Fragen statt- finden, so würde sicherlich eine andere Zusammensetzung des Reichs- tags zustande kommen, die den Rechten der Gläubiger in anderem Maße gerecht würde. Die Abstimmung, die hier vor sich geht, ist von größter politischer Tragweite, daher bitte ich nochmals um Annahm« unseres Haupt- antrogs, wenigstens aber des Eventualantrags. Wir treffen hier eine Regelung für eine Ouote der alten Schuld, die frühestens im Jahre 1932 fällig wird. Wenn sich in den Jahren 1929 bis 1931 eine gestärkte wirtschaftliche Lciswngssähigkeit ergibt und immer noch die alten verarmten Gläubiger aus der Zeit der Inflation da- stehen, dann wird sich das verletzte Rechtsempfinden, die verletzte Moral auch in diesen fernen Iahren immer wieder auswirken. Will man das verhüten, dann soll man den Gläubigern wenigsten» diese relativ kleinen, aber doch höchst bedeutsamen Zugeständnisse macheu. (Lebhaftes Bravo! bei den Soz.) Auch Abg. Dr. Lest(Völk.) begründet Abänderungsanträge zur Härteklausel, die sich in gleicher Richtung wie die jozialdemokratijchcn Anträge bewegen. Abg. Dr. P o ck i u s(Ztr.) setzt sich demgegenüber für die Kompromißvorlage ein. Abg. Dr. Sorsch(Komm.) begründet einen kommunistischen An- trag, der ähnlich wie der sozialdemokratische eine Aenderung der Härteklausel wünscht. Für die Völkische Freiheitspartei lehnt Abg. Seifert die Form der Härteklausel der Vorlage ab. 3« der Abstimmung werden unter Ablehuoog aller Se- genantröge die Bestimmungen der Dortuge angenommen. lieber den vorliegenden und im Bericht bereits erwähnten Aenderungshauptantrag keil(Soz.) zur Härteklausel wird namentliche Abstimmung vorgenommen: sie ergibt die Ablehnung des hauptanlrages mit 21S gegen 141 Stimmen. Der Eventualantrag keil(Soz.) wird ebenfalls in namentlicher Abstimmung mit 218 gegen 176 Stimmen abgelehnt. In einer weiteren namentlichen Abstimmung wird die härle- klausel in der Fassung der Vorlage der hinter der Regierung stehenden Parteien mit 295 gegen 14S Stimmen angenommen. 8 9 der Vorlage bestimmt, daß die durch Hypothek gesicherten persönlichen Forderungen nach Maßgabe der für das dingliche Recht geltenden Vorschriften(also auch mit 25 Proz.) aufgewertet werden sollen. 8 19 läßt eine Abweichung nach oben und unten von diesem Normalsatz zu für Forderungen aus einem Gesellschaftsvertrag, Gutsüberlassungsvertrag, Erbauseinandersetzungen und aus Be- Ziehungen zwischen unterhnltsberechtigten oder-verpflichteten Per- sonen. Ferner sind Abweichungen vom Rormalsatz bei Forderungen au» witderkehrendeu Leistungen und Kaufgeld- f orderungen zugelassen, die nach dem 31. Dezember 1998 be- gründet worden sind. Ansprüche auf Kausgeldforderungen und Gutsüberlassungsanträgen aus der Zeit vor dem 1. Januar 1912 dürfen nichts über 75 Proz., solche aus der Zeit vor dem 1. Januar 1922 nicht über 199 Proz. aufgewertet werden. Abg. Dr. Pest(Völk.) will fti einem Antrage den 8 19 streichen and dt« dort erwähnten Einzelpositionen in einer allgemein gc- haltenen Gesetzesiassung unterbringen, um die Möglichkeit zu geben. auch andere Positionen hier zu erfassen. Abg. Quessel(Soz.) begründet einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, wonach der Absatz 3 in 8 19 gestrichen werden soll. Dieser Paragraph ver- dient besondere Beachtung deswegen, weil hier zum erstenmal die schematische Aufwertung durchbrochen wird. Bei den Restkaufgeldcrn und durch Sicherungshypotheken gesicherten An- sprüchen soll nach allgemeinen Vorschriften ausgewertet werden. Wir sind damit einverstanden, daß die in dem Paragraphen genannten Gruppen der schematischcn Aufwertung entzogen und der individuellen - Aufwertung zugeführt werden. Nicht einverstanden ober sind wir damit, daß durch die neuen Bestimmungen die durch die Dritte Steuernotverordnung geschaffene Spruchxraxis verschlechtert wird. Der Absatz 3 dieses Paragraphen soll die Richter zwingen, Unrecht an die Stelle des Rechts zu fetzen. 75 und 199 Proz. Auswertung hören sich nach viel an, aber in den hier vorliegenden Fällen bedeuten sie recht wenig, besonders bei den Resttausgeldern, die in den In- slationsjahren 1929 und 1921 begründet worden sind, damals also, als man Grundstücke zu Papiermark verkaufte, deren Goldwert gering war. Es sind damals große Mengen von Häusern durch Ausländer gekaust worden, die die Gunst der Zeit erkannt hatten, mit wenig Geld große Grundstückskomplere zu erwerben. Wenn wir also die Restkaufgelder nach den Meßzahlen auswerten, die in der Vorlage vorgesehen sind, so kommen wir zu unmöglichen Er- gcbnissen. Wir beantragen also die Streichung dieses Ab- s a tz e s, weil er eine unerträgliche Ungerechtigkeit darstellt. Ein neuer Antrag ist jetzt von den Regierungsparteien eingebracht worden, der aber an der Ungeheuerlichkeit des dritten Absatzes im 8 19 vorübergeht. Ich sehe unter den Unterschriften auch die Namen zweier Zentrumsvertretcr. Ich richte noch.einmal an die Herren vom Zentrum den dringenden Appell, wenigstens diese Verschlechterungen nicht mitzumachen und mit uns für die Streichung des Absatzes zu stimmen. Der Redner ersucht zum Schluß die Regierung um Auskunft darüber, wie sie sich zu dem Ersuchen der Mecklenburger Gläubiger verhalte, die Grundschulden den Hypothekenschulden gleichzustellen.(Beifall bei den Soz.) Die Abgg. Seifert(Volk.) und Dr. Best(Völk.) schließen sich dem Antrage der Sozialdemokraten an. Abg Dr. Leber(Soz.) empfiehlt hie Streichung mit dem Hin- weis auf besondere Verhältnisse in Mecklenburg. Staatssekretär Joel erwidert, daß diese Verhältnisse gar nicht anders behandelt würden, als die in den anderen Landesteilen. 8 15 betrifft die Rückwirkung und bestimmt hauptsächlich, daß eine Aufwertung stattfindet, auch wenn der Gläubiger sich seine Rechte nicht vorbehalten hat, sofern der Gläubiaer ein« Leistung in der Zeit vom 13. Juni 1922 bis 14. Februar 1924 angenommen. Abg. Iörissen(Wirtich. Vg.) beantragt, diese Rückwirkung nicht «intreten zu lassen, wenn der S ch u l d ne r nachweislich durch die Kündigung des Gläubigers gezwungen wurde, Dermögensgegen- stände weit unter dem wirtlichen Wert zu veräußern, um die Hypo- thekcnschuld zurückzahlen zü können. Abg. Saupe(Soz.) begründet außerdem einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, das Dawm der R ü ck w i rk u n g auf d e n 1. Juli 1921 zu ver- legen anstatt des in der Vorlage vorgesehenen Datums vom 15. Juni 1922. Wenn man stch an die schwarzen Tage an der Börse im Dezember 1922 erinnert, so wird man wissen, daß die eigentliche Inflation schon damals eingesetzt halte. Wir müssen also die Frist so setzen, daß auch diejenigen erfaßt werden, die damals die Aus- Wirkungen der Inflation nicht übersehen konnten. E» hat in jenen Monaten kaum jemand daran gedacht, Vorbehalte zu machen. Auch aus wirtschaftlichen Gründen ist es notwendig, das Datum zurückzu- ' verlegen. Die Mehrbelastung, die dadurch entstehen würde, ist nicht so, daß sie nicht von der deutschen Wirtschast getragen werden könnte. Für den Fall der Ablehnung unseres Antrage» haben wir einen Eventualantrag gestellt, wonach eine Auf- wertung bis zur Höchstgrenze von 29 Proz. einschließlich des Gold- morkwertes der geleisteien Zahlung festgefetzt werden kann, während der Gläubiger die Leistung vor dem 15. Juni 1922 vorbc- haltlos angenommen und die Leistung nicht mehr als 19 Proz. de« Goldmarkbetrnges der Forderung betragen hat. Wir wollen damit wenigstens eine Reihe der schlimmsten Hörten abwehren.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Best und die Demokraftea unterstützen den sozialdemo- kratlschen Hauptantrag. Die Abstimmungen über die noch nicht erledigten zur Materie vorliegenden Anträge und die§§ 9 bis 15 werden auf Montag nach- mittag vertagt. Um 7� Uhr vertagt stch das Haus ans Montag 1 Uhr: Fort- setzung der Beratung der Aufwertungsgesetze. Gegen den Vorschlag des Vizepräsidenten Graes, auch die dritte Lesung des Aufwertunasgesetzes auf die Tagesordnung am Montag zu fetzen, wird vom Abg. Dittmann(Soz.) Widerspruch erhoben. Die dritte Lesung wird daher erst am Dienstag statt- finden. Die internationalen Gelö- unö Kapitalmärkte. Weltwirtschaftliche Umschau. Geldflüssigkeit m dem«inen, Geldknappheit itn anderen Lande: in dieser Tatsache kommt die Zerrissenheit der Welt Wirtschaft, die Einschränkung des internationalen Kapitvloerkehrs zum Ausbruch. Das eine Land ist verarmt, an das Ausland ver- schuldet, und kämpft oft mit Valutasorgen: seine Kapital oersorHung ist viel schlechter als die eines glücklicheren Landes mit gefestigter Valuta, guter Wirtschaftskonjunktur und Forderungen an das Aus land. In dem Folgenden berichten wir über die jüngst eingetretenen Veränderungen in bezug auf die Geld- und Kapitalver- s o r g u n g der einzelnen Länder. Von ihnen hängt es ob, ob die Wirtschaft der betreffenden Länder mit Betriebskapital besser oder schlechter versorgt wird als bisher. Qb Geld zu Neu anlagen vorhanden ist? Ob Anleihen an dos A-usland ge währt werden können, bzw. ob das kreditbedürftige Land Anleihen erhalten kann? Sie bestimmen den Zinsfuß sowohl der Noten danken wie im Privatkreditoerkehr und damit dm Preis des Kre »st». Endlich wird auch die Börse durch die Kapttalversorgung beeinflußt; von ihr hängt die Erhöhung oder die Senkung der Kurswerte der Aktien, Obligationen oder Staatspapier« ab. In Ländern mit schwankender Valuta wird die 5kopitaloersorgirng vielfach durch diese Schwankungen beeinflußt. Bei steigender Richtung der Valuta bringen die ausländischen Spekulanten, in Erwar- »ung weiterer Steigerungen, ihr Kapital in das Land, wie dies ge- genwärtig«m Falle Dänemarks, Norwegens und Finn- lands eintrat, oder aber�es fetzt bei sinkender Valuta die Kapi- tat flu cht der inländischen Kapitalisten ein, wie dies kürzlich in Frankreich, Belgien und Italien der Fall war. Auf diese Weise wind die Kapitalversorgung des betreffenden Landes gebessert oder verschlechtert. Geldflüssigkeit. In die Gruppe der Länder, wo Geldslüssigkeit herrscht, gehören vor ollem die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Frühjahr war hier eine relative Verknappung auf dem Geld- und Kreditmärkte eingetretm, was auf die Geldpolitik der in den Vereinigtm Staaten außerordentlich mächtigen Notenbank zurückzu- führen war. Auf diese Weise wollte man das ollgemeine Preis- Niveau senken und die Ueberwucherung der Börsenspekulation ein- schränken. Der Druck auf den Geldmarkt hörte aber bald auf, und seitdem herrscht wieder eine ausgesprochene Flüssigkeit auf dem Geld- und Kapitalmärkte. Für die inländische Wirtschaft brachte diese Flüssigkeit niedrige Zinssätze und erhebliche Kurssteige- rungen an der Börse. Für das Ausland bedeutet« sie das Wiedereinsetzen und die Steigerung der aus- ländischen Kredite, wenn auch die Gewährung von Aus- landsanleihen von der politischen Lage, bzw. von der Vefestigimg des Vertrauens abhängig ist. Für jeden Fall gewährte Amerika in der letzten Zeit erhebliche Kredite an europäische Staaten— an Belgien(50 Millionen Dollar), an Norwegen, Italien usw. Auch soll die Tsci)«choslowok«i zur Errichtung einer Notenbank eine Sv-Millionen-Dollar-Anleihe erhalten. Desgleichen fließen auch Privatkredite nach Europa, und zwar weniger in die Jndu- ftrie, deren Konkurrenz Amerika befürchtet, als in die Landwirt- ' fchaft und für Sssmtlich« Anleihen. Auch Deutschland erhält nach längerer Unterbrechung wieder Anleihen aus den Vereinigten Staaten. G e l d f l ü s s i g k e i t herrscht unter den europäischen Ländern noch in Holland mit außerordmtlich niedrigen Kreditzinssätzm, ferner in der Schweiz, wo dies in Verbindung mit einer Aktien- Hausse an der Börse, vermehrtm Neuanlagm innerhalb des Landes und gesunkenen Kreditzinsen erst seit einiger Zeit in Erscheinung tritt.(Allerdings nicht in dem Maß«, wie in Holland.) Unter den nordischen Staaten hat sich die Kapitalversorgung Norwegens und Firmlands infolge verbesserter Handelsbilanz und ausländischer An- leihen, die Dänemarks infolge der Valutaspekulationen von Aus- lande rn gebessert. satz ermäßigt In Norwegen konnte dsshalb der Dankdiskont- werden. Geldknappheit. Viel zahlreicher dagegen sind die Staaten, wo Geldknapp» h e i t herrscht. Unter dies« ist vor einiger Zeit England, der Bankier der Welt getreten. Die außerordentlich schlechte Wirtschaft- lich« Konjunktur, ungünstige Zahlungsbilanz und die sehr verlangsamt« Kapitalsakkumulation sind für die Verschlechterung der englischen Kapitaloersorgung verantwortlich.(Allerdings ist dies nur r e l a- t i o zu verstehen, im Verhältnis zu der bisherigen Kraftentsaltung Englands auf diesem Gebiete. An sich stellt England auch heute noch eine große Geldmacht dar.) Verteuerung des Kredits, dauerndes Sinken der Aktienwerte,'Verminderung der ausländischen Anlagen, der ein gesteigertes Kreditbedürsnis der inländischen Industrie ent- gegensteht, kennzeichnen die neue Situation. Durch den sehr geringen Erfolg einiger zur Zeichnung aufgelegter ausländischer Anleihen wurde diese Lage in scharf« Beleuchtung gerückt. Starke Kapital- knappheit herrscht auch in Frankreich, wo sie bereits zu Störun- gen der Wirtschaft geführt hat. Das von der Kammer angenommen« Sanierungsprogramm sieht die Erhöhung des Notenumlaufs um weitere 6 Milliarden vor, d. h. ein« neue Inflation. Ob diese Milliar- den zur Erleichterung der Geldknappheit beitragen werden, hängt von der Preisgestaltung, bzw. davon ab, ob infolge dieser Inflation sich die Preise nicht in einem größeren Maße steigern werden, als es den neuen Banknotenmengen ensspricht. In B e l g i e n hat die infolge des Frentsturzes eingesetzt« Kapitalslucht den Kapitalmarkt eingeengt. Vor Beginn de« Franksturzes waren die belgischen Aktienwerte im Sinken begriffen, was Äs ein Symptom der bis dahin vorhandenen Stabilisierungskrise anzusehen ist. In Italien, wo die Lire ebenso zurückging wie der französisch« und belgische Frank, trat der ungewöhnlich« Fall«in, daß die Aktienkurse trotz der Senkung der Währung und mit ihr gesunken sind. Dies war der Rückschlag der Sffenttenspekulation des vorigen Jahres, als die Aktien über ihren inneren Wert in die Höhe getrieben wurden. Die Kapitalversorgung Italiens ist trotz einiger ameri kanischer Anleihen infolge der Kapitalflucht und des großen Devisen bedarfs zur Deckung der Kosten für die vermehrte Getreideinsuhr sehr verschlechtert. Der Bankdiskontsatz wurde dreimal hinter einander erhöht, um ausländisches Kapital ins Land zu locken, bzw. die Kapitalflucht einzuschränken. Die verschlechterte Versorgung des russischen Kapitalmarktes hän�t mit seiner außenpolitsschen Lag« zusammen. Rußland braucht für sein Auslandsgeschäft er- hebliche ausländische Kredite, vor allem Warenkredite, die ihm in der letzten Zeit, mit Ausnahme von Italien, spärlicher als bisher gewährt wurden. Verschlechtert hat sich die Loge des Kapitalmarktes in der Tschechoslowakei, die bisher verhältnismäßig günstig war. Die beginnend« Wirsschaftskris« hat die Lage des Geld- und Kapitalmarktes nachteilig beeinflußt. Dagegen haben sich in folgen den drei Ländern, die mit einer ungeheurenKapitaltnapp- heil zu kämpfen hoben: m Oesterreich, Ungar» und Jugoslawien, die DerhStnisse einigermaßen gebessert, was u. o auch in der erheblichen Steigerung der Aktienkurse in Oesterreich und Ungarn zum Ausdruck kommt. In Oesterreich und Ungarn sollen die Reste der Völkerbundsanleihe zu Investitionszwecken freigegeben werden. An sich sind die der Wirtschaft zufließenden Summen ge- ringfügig, auch werden sie ihr erst später zugeleitet, dennoch trugen ie zu einer gewissen Befestigung des Vertrauens bei. In Iugo lawien wurde die Besserung herbeigeführt durch die energssche Her abfetzung des Kreditzinses, die durch einen Druck der Notenbank bei den Privatbanken erzwungen wurde. Di« Banken haben weiter die von der Notenbank zu 6 Prvz. erhaltenen Kredite ihrerseits mit 18 bis 24 Prvz. weitergelsitet. Diesem Zustande, der die Kreditnehmer von der Kreditaufnahme abschreckt«, wurde jetzt ein Ende bereitet. Es wäre an der Zeit, daß diese Methode auch in Oesterreich und Ungarn Anwendung fände. U. H. Konkurse und wirtschastsgesunöung. Reinlgungstrise und Diskontpolitik der Reichsbauk. Seit die Währung stabilisiert ist, hat man sich wieder an hohe Konkurszahlen gewöhnt. Vorher war es ja taffächlich so, daß auch beim besten Willen niemand hätte in Konkurs gehen können. Das beweist nichts deutlicher als die Kurve der Konkurseröffnungen wäh- rend derZeitderHochinflation 1922/23. Während im Jahre 1S21 die Zahl der eröffneten Konkurse immer noch rund 3000 jähr- lich betrug, sank sie 1922 auf rund 1000 und 1923 auf 253. Im November 1923 gar, während der letzten und schärfsten Spring- flut des Notendrucks, sank sie auf ganze acht, was einer Zahl von noch nicht 100 für das ganze Jahr entsprochen hätte. Das Jahr 1924 brachte dann ein plötzliches und mächtiges Anschwellen der Konkursziffer n; sich steigernd von Monat zu Monat erreichte es im Juli, nicht zuletzt unter dem Druck der Kreditdrosselung der Reichsbant seit dem 7. April zur Abwehr der drohenden Neuinflation, die H ö ch st z i f f e r von 1125 Kon- kursen. Bis zum Jahresende sank die Ziffer wieder erheblich ab, um für das ganz« Jahr 1924 mit 6033 neu eröffneten Kontursen ab- zuschließen. Gemessen an 1923 das 24fache und an 1922 das kfache. Heber die wegen Mangels an Masse 1924 abgelehnten Kon- kursanträge, die in der Vorkriegszeit immerhin ein Viertel der Ge- samtkonkurse ausmachten und die angesichts der Uebersetzung von Industrie und Handel mit vielfach spekulativen und parasitären Neu- geündungen heute zu kennen äußerst wichtig wäre, sind im Gegen- satz zur Vorkriegsübung Zahlen leider nicht veröffentlicht. Das Jahr 1925 läßt sich, nachdem die Junistatistik bekannt- gegeben ist, für das 1. Halbjahr heute übersehen. Danach ergeben sich für das 1. Halbjahr 1925 4324 neu eröffnete Konkurse, was bei der verhältnismäßigen Stetigkeit der Monatsziffern von Januar bis Juni(Tiefst 687, Höchst 807) einer Jahres konkursziffer von etwa 8600 entspräche. Gegenüber 1924 mit 6033 also eine Steigerung von 2600 oder 43 Proz. Nach einer Statistik der Diskontogesellschaft befinden sich unter den 4324 Konkursen des 1. Halbjahres 1925 mehr als 50 Proz. Firmen, die fest 1919 gegründet worden sind, also mehr oder weniger als ausgesprochene I n f l a t i o n-- grün düngen angesehen werden dürfen;«ine Ziffer, die er- kennen läßt, daß die Reinigung des Wirtschaftslebens von parasi- tären Firmen und Unternehmungen immerhin gewisse Fortschritte macht. Da man annehmen kann, daß die Zahl der wegen Mangels an Masse abgelehnten Eröffnungsanträge und der stillen Liquida- tionen von existenzunsähigen Unternehmungen relativ hoch ist, dürfte die Zahl der seit der Währungsstabilisierung und der Verschärfung der Geschästsaufsichtsbedingungen eingegangenen Firmen eine sehr beträchtliche sei. Dennoch darf man den Blick davor nicht verschließen, daß die Zahl der Konturse heute immer noch viel niedriger ist, als sie angesichts der seit der Vorkriegszeit erfolgten Verdoppelung bis Verdreifachung der Einzelfirmen und Gesell- s ch a s t« n sein müßte. Wenn man nämlich einmal fessstelle» würde, wie viel Konkurse im Vergleich zur Friedenszeit in dem Jahrzehnt 1915— 1924 hätten erfolgen können, und wie viel tatsächlich er- folgt sind, so ergäbe sich eine erstaunlich hohe Differenz. Den Friedens- durchschnitt von 1912/13 mit 9500 tatsächlich eröffneten Konkursen auf die 10 Jahre übertragen, ergäbe unter normalen Bedingungen 95 000 Konkurse, wobei wir die wegen Mangels an Masse abge- lehnten Konkurse(etwa 25 Proz.) außer Betracht lassen wollen. Tatsächlich sind 1915—1924 eröffnet worden 21 500 Konkurse. Das ergäbe ein Minus von 73 500 Konkursen. Natürlich meinen wir keineswegs, daß diese 72 500 Konkurse auch eintreten müssen. Wenn es auch wahr ist, daß in den bestenfalls gleichgebliebenen Ge- fchäftsumfang sich im Laufe der Jahre zwei- bis"dreimal sowie! Firmen als in der Vorkriegszeit teilten, so darf man doch nicht über- sehen, daß unter den Neugrundungen, besonders der Inflationszeit, eine große Zahl Umgründungen waren und daß später eine Unzahl von Geschäftsgründungen sang- und klanglos einfach verschwunden ist. Die allenthalben stark wirkende Konzentration hat noch ein übriges zum unauffälligen Verschwinden beigetragen. Aber eine solche Rechnung wäre doch kennzeichnend und richtunggebend für das ungefähre Ausmaß, in welchem die Reinigungskrise wirksam werden müßte. Sollte das Jahr 1925 tatsächlich eine Ziffer von 8500 Konkursen bringen, so muß man wissen, daß diese Ziffer nicht hoch, sondern sehr niedrig ist, und daß die doppelte bis dreifache Zahl für die Zeit der Ncinigungskrise wahrscheinlich viel angemessener sein würde. Daß aber die heutigen Konkursziffern noch unter dem Friedensdurchschnitt liegen, zwingt zu ernsten Ueberlegun- gen. Wenn die Konkursziffer des Jahres 1924 noch nicht 60 Proz., die von 1925 noch nicht 90 Pro», derjenigen der Vorkriegsjahre be- trägt, so bedeutet das, daß die Unzahl neuentstandener und trotz der Wirtschaftskrise fortbestehender Firmen entweder tatsächlich ihr Äus- kommen findet, was nicht anzunehmen ist, oder auf Kosten der auf Dauer existenzfähigen Unternehmungen heute noch m i t g e- schleppt wird, was wahrscheinlich ist. Das ließe darauf schließen, daß ein großer Teil des Volkseinkommens, aus dem ja im wesent- lichen sowohl die Rentabilität der Industrie als ihr Bedarf an Be- triebskapital gespeist wird, zur Erhaltung von zahlreichen auf Dauer lebens unfähigen Gesellschaften und Einzelfirnten verbraucht und der Gewinn auf Dauer lebensfähigen Unternehmungen g e- schmälert wird. Daraus würde mit einem Schlage eine der ent- scheidenden Ursachen deutlich, aus denen sich trotz zweifellos wachsen- dem Volkskonsum, wie die steigenden Aufträge und Umsätze der Fertigindustrien beweisen, die auffallende Unrentabilität in vielen Industrien und die trotz steigender Depositen in allen Bankinstituten und Sparkassen auffallende Knappheit an Be- triebskapitol erklären würde. Wenn nämlich auch die Knapp- heit an U m st c l l u n g s kapital für die mit Anlagen übersetzten Industrien infolge der Geringfügigkeit der Kapitolneubildung' er- klärlich wäre, so gäbe es absolut keine Erklärung für den Mangel an Betriebs kapital, wenn sie nicht in dem Mitschleppen und künstlichen am Leben erhalten ausscheidungsreifer Firmen zu suchen wäre. Damit entsteht die sehr ernste Frage, ob in Deutschland alles g e s ch> e h t. um den Reinigungsprozeß so zu fördern, wie es notwendig ist. Es ist klar, daß IndustrieundHandeloon sich aus so gut wie n i ch t s wn können, weil jeder Unternehmer hinauf bis in die montane Schwerindustrie Verluste aus seinem Kunden- kreise befürchten muh. Die privaten Kreditbanken tun nichts und brauchen nichts zu tun, weil ihnen bei ihrem Zins- und Provisions- Monopol sehr wohl ist. Es bleibt also nichts anderes übrig, als daß bei der den Kapital- und Geldmarkt kontrollierenden und regulieren- den Stelle, das ist die R e i ch s b a n k, Unzulänglichkeiten der Kreditpolitik vorliegen müssen, die der erforderlichen Reinigung zum Mindesten nicht förderlich sind. Und diese Unzulänglichkeit, darauf ist schon von zahlreichen Seiten hingewiesen worden, kann nur in dem zu niedrigen Diskontsatz liegen, nachdem die wirklich nachdrücklich geführte Politik der Kreditrestriktionen bisher so gut wie gar keinen k r e d i t politischen Erfolg gezeitigt hat. Die Oeffentlichkeit, insbesondere die beteiligten Kreise der Industrie und des Handels haben also ollen Grund, der Angemessenheit der heutigen Diskontpolitik der Reichsbank die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden, vas Msmchmegeflch gegen öle koastmweeetae. Der Steuenrusschuß des Reichstages hatte sich bei Beratung de? Gesetzes zur Aendenmg der Vertehrssteuern auch mit der Um- f a tz st e u e r beschäftigt und mit einem Antrage, der von ulsseren Genossen zur Befreiung der Genossenschaften von der Doppelbesteuerung durch die Umsatzsteuer gestellt war, zu beschästigen. Der Antrag wurde trotz eingehender Begründung von allen bürgerlichen Parteien in geschlcssencr Front abgelehnt. Diese Ablehnung hat eine größere Bedeutung, als es auf den ersten Blick erscheinen möchte. Di« Regierungsvertreter hatten von vornherein darauf verzichtet, zu dem Antrag« Stellung zu nehmen, weil für sie fessstand, daß nur die beiden Linksparteien die Befreiung von diesem Steuerechte wünschten. Es sst nicht anzu- nehmen, daß nach dieser Entscheidung irgendwelche Aussicht be- steht, im Plenum des Reichstages einen anderen Beschluß zu erzielen. Was bedeutet nun der Beschluß des Steuerousschusses? Er be- deutet, daß die organisierten Verbraucher einmal beim Eingang der Ware im Zentrallager des Konsumvereins mit der Umsatzsteuer belastet werden und daß für alle Waren noch einmal Umsatz st euer zu zahlen sst bei der llebernahme derselben in der Verteilungs stelle. Unser Genosse Peine führt« dem Ausschuß vor Augen, daß in dem Augenblick, wo die Geschäftsleitimg des Konsumvereins die Ware im Auftroge und für das Geld der Mitglieder tauft, sie in den Besitz der Gesamtheit der Mitglieder über. geht. Die Verteilung in der Berteilungsstell« aber als ein Um- satz im geschäftlichen Sinne vernünftigerweise nicht in Betracht ge- zogen werden kann. Was nützt es mm den organisierten Verbrauchern, sich zum ge- meinfamen Einkauf zusammenzuschließen, wenn der dadurch erzielte wirtschaftliche Dorteil durch Doppelbesteuerung wieder ausgeglichen wird. Hinzu kommt noch, daß aus Grund der korrekten Buchführung ein Konsumverein b i» zum letzten Heller seines Umsatzes steuerpflichtig gemacht wird, während manche ohne oder mit mangelhafter Buchführung arbeitenden Kleinhandels- betriebe wohl die Umsatzsteuer vom Verbraucher im Presse der Ware einziehen, ober mangels ausreichender Kontrolle diese nicht an den Steuerfiskus abführen. So kommt es denn, daß nur wenig mehr als 60 Proz. der den Verbrauchern abgenommenen Steuerfumme in die Steuerkasse, und annähernd 40 Proz. hinterzogener Um- satzsteuern in die Taschen der Inhaber unkontrollierbarer Be- triebe fließen. Wie die Abstimmung zeigt, hasten alle bürgerlichen Parteien diesen skandalösen Zustand als zu Recht bestehend und beweisen damit, daß ihnen zur Niederhaltung der wirsschafttichen Bestrebungen der minderbemittelten Bevölkerung jedes Mittel recht sst. Di« Großindustrie hat es verstanden, durch ihre Kon- zernbildung und der Parallelschchtmrg weiterverarbeitender Be- triebe vier und mehr Phasen aus der Besteuerung herauszunehmen. Davon hat ober nicht die Verbraucherschast, sondern nur das U n- ternehmen einen Nutzen; die Verbraucherschaft muß den vollen Preis zahlen ganz gleich, ob ein Gegenstand bis zu seiner Fertigstellung durch Betrieb« wandert, die je für sich selbständig sind, oder ob er in einem Konzern nacheinander in dessen Betrieben fertiggestellt wird. Auch diese drei bis vier und mehr Phasen gehen der Steuerkass« verloren, ohne dem Verbraucher zu- gute zu kommen. Und, wie wir oben gesehen haben, nimmt man dem üJerbraucher da, wo er sein« wirsschafttichen Angelegenheiten in die eigenen Hände genommen hat, die Steuer zwei- mal ab. Man wird in den Archiven der Stouergesctzgebung aller Länder Europas vergeblich nach einem ähniichen Besspiel eines Steuerskandals suchen müssen. All« bürgerlichen Parteien— die aus Veranlassung und Geheiß der Industrie und des Handels ensschieden haben— werden es ab- lehnen, den Vorwurf, sie führten einen rücksichtslosen Klassenkampf gegen die Arbeiter, auf sich sitzen zu lassen. Was ist es mm aber, was hier vor sich geht? Es ist nicht der ge- röuschvolle, weithin sichtbare Kampf der Besitzenden gegen die Be- sitzlosen, sondern em stilles, geräuschloses Erdrosseln der wirsschaft- lichen Betätigung der Selbsthisse übenden Proletarierschichten. Neben dein Bestreben, durch Zö l l e die Lebenshaltung dieser Schichten herabzudrücken, geht einher die skandalöse Belastung durch Doppel be st euerung ihrer wirtschastlichen Un- ternehmungen. Vielleicht sehen all« diejenigen Arbeiter, V«> amten und Angestellten, die den bürgerlichen Parteien ihre Stimme gaben, allmählich ein, welches Unheil sie für sich und ihre Klassen» genossen angerichtet haben. Wir werden nicht eanöden, dafür zu sorgen, daß dies erneut« Attentat in allen Kressen der mtnderbemitlel» ten Bevölkerung bekannt wird und daß allen denen die Angen ge- öffnet werden, die in ihrem Unverstand ihre wirtschaftlichen Gegner politisch unterstützt haben._ vom öerliner /irbeitsmarkt. Auf dem Berliner Arbeitsmarkt zeigt sich gegenüber der Vorwoche ein Rückgang der Beschäftigungsmög- lichkeiten in den Hauptindustrien. Die durch den Ablauf von Tarifabschlüsfen hervorgerufene teilweise Unsicherheit des Arbeits- Marktes tritt besonders im Baugewerbe in Erscheinung. Die gute Aufnahmefähigkeit einiger Berufsgruppen wie der Landwirtschaft und teilweise der Nahrungs- und Genußmittelgewerbe vermochte nicht den Rückgang auszugleichen. Es waren 38 576 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein- getragen, gegen 39 883 der Lorwoche. Darunter befanden sich 27 410(27 923) männliche und 11 166<11 960) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 9435(8857) männliche und 2779(2655) rgeib- liche, insgesamt 12214(11512) Personen, davon bei Rosstands- arbeiten 2519(2530). Die Zahl der zu gemeinnützigen Pflichtarbeiten überwiesenen betrug 34 gegen 2 der Vvrwoche. Ein Beispiel kommunaler ZndustriefSrderung. In Offenbach am Main stimmte die Stadtverordnetenversammlung einstimmig einem Vertrag zwischen der Stadt und der bekannten Firma Opel zu, wonach die Lutomobilfirma 57 000 Quadratmeter Baugelände in der Gemarkung Bürgen zur Errichtung einer Fahrradfabrik in Erbbaurecht auf 75 Jahre erwirbt. ES wird zunächst mir einer Belegschaft von 1500 Arbeitern gerechnet. ErweiternngSmöglich- leiten find vorgesehen.— Hier gibt wiederum eine forsschrinlich gesinnte Stadtvertretung ein Beispiel, wie sie die wirtschaftliche Entwicklung im Interesse ihrer arbeitenden Bevölkerung fördern kann. Sie schafft dadurch nicht nur Arbeitsgelegenheit, sondern erhöht auch die Steuerkraft der Gemeinde. «e�ev Schmerzen der Nerven, Rheuma, Gicht, Ischias, Hkxenschuß, Kopfschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. Nlinisch erprobt! Hei vorragend bewährt!— Fragen Sie Ihren Arzt.— 2n allen Apotheken erhältlich. /Zda. aeet. sallc� ad lOOAm ylom. j Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Gette Hauptblatt.) Der Konflikt in den städtischen Werken. Urabstimmung in den Gaswerken. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter teilt uns mit: Ganz aus fich heraus sind heute morgen viele Betriebe in passive Resistenz oder in den Ausstand getreten, als Folge des Verhaltens der Direktion nach dem Spruch des Schlichters, der jede Lohnerhöhung abgelehnt hatte. Den Gewerkschaften und Obicuten ist es nach vielen Mühen gelungen, die Leute wieder in die Betriebe zu bringen, da die Direktion sich verpflichtete, in Berhandlungen mit den Organisationen, Obleuten und der Tarifkommission zu treten. Die Verhandlungen haben heute vormittag 11 Uhr stattgefunden unter dem Beisein der Direktion und Mitglieder des Auffichtsrats. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war 2 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde. Die Vereinbarungen gelten bis zum 2. September. Auf Grund dieser Tatsache soll jetzt eine Urabstimmung am Montag in den Betrieben vorgenommen werden, die bis Dienstagmittag beendet sein muß. Am Dienstag findet eine Funktionärversammlung statt, die zur Abstimmung Stellung nimmt. Die ObIcute, Tariffommission und Organisation empfehlen die Ablehnung der Vorschläge. Der Streik im Großhandel dauert fort. Viele Unternehmer haben bereits bewilligt. Im Gewerkschaftshaus tagte gestern nachmittag eine Versamm lung aller Streifenden des Berliner Großhandels, in der Sektionsleiter Bolter über die Streiflage Bericht erstattete. Die Unternehmer, die wohl an einen Ausbruch des Streifs nicht einstlich geglaubt hatten, versuchen, wie wir schon gestern mitteilten, mit allen möglichen Mitteln ihre Arbeiter zum Arbeiten zu bewegen. Nachdem sie erst versuchten, ihr Ziel durch Verfprechen von Lohnzulagen, Borschüssen und dergleichen zu erreichen, und damit keinen Erfolg gehabt haben, fahren sie jetzt größeres Geschüß auf. Sie drohen ihren Arbeitern mit Entlassungen und haben, als ihre Drohnugen ohne Erfolg geblieben, diese auch zum Teil bereits ausgesprochen. Die Arbeiter lassen sich aber durch diese Echredschüsse nicht einschüchtern und verharren weiter in ihrem berechtigten Kampf. Die Unternehmer versuchen weiter, durch Annoncen in den bürgerlichen Blättern Arbeitslose zur Arbeit zu bekommen. Diese haben aber den Unternehmern sehr deutlich zu verstehen ge= geben, daß sie nicht gewillt sind, für solche menschenunwürdigen Löhne, wie sie der Großhandel zahlt, zu arbeiten. Der beste Beweis, daß die Behauptung der Unternehmer, sie fönnten die geforderten Löhne nicht zahlen, nicht zutreffen, ist doch wohl die Tatsache, daß viele Betriebe die geforderten Löhne und darüber zahlen und somit nicht bestreift werden. Die Unternehmer lehnen eben jede Lohnerhöhung aus" Prinzip" ab. Die Streifenden sind fest entschlossen, ihren Streit um ausfömmliche Löhne bis zum vollen Erfolg weiterzuführen. Die Arbeitnehmer, die in den Betrieben weiterarbeiten, in denen die Forderungen erfüllt sind, haben von der Organisation gestempelte Arbeitsberechtigungsfarten erhalten. Alle Streifenden sind im Befige von grünen Streiffarten. Dies gilt auch für die Kutscher und Chauffeure. Wer sich nicht im Besige einer der beiden Ausweise befindet, ist als Streitbrecher anzusehen. voch m Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands. Am Donnerstag, den 9. und am Freitag den 10. Juli, fanden drei Mitgliederversammlungen der Ortsgruppe Berlin des Deutschen Eisenbahnerverbandes statt zur Entgegennahme des Berichts vom Kölner Verbandstag. Die Berichterstattung durch die Delegierten wurde mit großem Interesse verfolgt. Anerkannt wurde die ungeheure Arbeit, die sämtliche Verbandsinstanzen und Funktionäre geleistet haben, während der Inflation sowohl wie bei der Einführung der Goldlöhne. Scharf herausgehoben wurden die durch die Reichsbahnhauptnerwaltung unternommenen Maßnahmen und Repressalien betr. Arbeitszeit und Arbeitsmethoden auf Grund der soge: nannten wissenschaftlichen Betriebsführung. Kein Betrieb ist unNollendorf 1120, 1121, 1122 Potsdamer Str. 127 Treppenläufer und Teppichstoffe in Kokos, Haar, Velour, Linoleum und Triolin. Sorgfältige Ausführung. M. Lammfromm& Vogel FAST 127 geeigneter für biefe ameritanischen Methoben als gerabe bie Reichsbahn mit ihren vielfach veralteten Betriebseinrich tungen, ganz abgesehen von den überorganisierten Methoden des Verwaltungsapparats. Scharf fritisiert wurde der Personalabbau( fortwährende Entlassungen) und die Dienst dauervorschriften. Um diese wird so lange gefämpft werden, bis entweder erträgliche und menschenwürdige Arbeitsverhältnisse eingetreten find oder bis sie im geeigneten Zeitpunkt überhaupt im Ortus verschwinden. verband aufgenommen. Mit großer Genugtuung wurde der Bericht über den Zusam menschluß der Reichsgewerkschaft mit dem Deutschen Eisenbahner Die Lohnpolitik und Lohnbewegung behandelten Wint. ler, Beilschmidt und Schulz. Keine Zufriedenheit herrscht über den Beschluß der vertragschließenden Organisationen, weil die Kündigung der Lohnbestimmungen nicht erfolgte. Die Auffassung, daß die Lohnentwicklung in der Privatindustrie, insbesondere in der Metallindustrie, nicht den erwarteten Aufschwung genommen hat, darf kein Hinderungsgrund sein für eine möglichst schnelle Aufbesserung der erbärmlichen Eisenbahnerlöhne. Die Lebenshaltung verschlechtert sich tagtäglich. Gefordert wird, daß, wenn andere Gewerkschaften eine Verschleppungs. politik treiben, entgegen ihrem großen Tamtam in den Betrieben, diese endlich einmal gezwungen werden sollten, Farbe zu betennen. Darüber berichten wir im gegebenen ezitpunkt ausführlich. Den Eisenbahnern sei aber jetzt schon gesagt, daß der Allge meine Eisenbahnerverband wie ein Fischweib tobi infolge seiner er tappten zwiespältigen Stellungnahme. Berlin und Umgegend tann nicht verglichen werden mit anderen Städten des Reichs. Dertlich besonders gelagerte Verhältnisse bedingen, so unangenehm diese Tatsache auch sein mag, besondere Lebens- und Lohnbe= dürfnisse. Die Mitgliedschaft ist gewillt, nunmehr alles baran zu setzen, die Organisation zu starten und bessere Gehalts- und Lohnverhältnisse zu schaffen, Schulter an Schulter mit den Beamtenkollegen im Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands. Großkampf in der Pforzheimer Schmuckwarenindustrie. Karlsruhe, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Seit Sonnabend stehen 20 000 Arbeiter der Pforzheimer Schmuck warenindustrie im Kampf um die Erhöhung ihrer Löhne. Der Schlichtungsausschuß hatte die Mindestlohne von 60 auf 72 Pfennig pro Stunde und die Affordbafis auf 83 Pf. erhöht. Der Schlichtungsausschuß sagte in der Begründung seines Schiedsspruches, daß die überall auf tretenden Lohnforderungen der Arbeiterschaft nicht auf die gemerk schaftlichen Spizenorganisation zurückzuführen seien, daß der Grund dafür vielmehr in der fast überall bestehenden schlimmen age der Arbeiterschaft, insbesondere der verheirateten Arbeiter und ihrer Familen, zu suchen sei. Die zahlreichen Streits seien nicht als ,, ein leichtsinniges Vorgehen" der Arbeiterschaft zu beurteilen, fie feien vielmehr ein Aufbäumen der Massen gegen ihre unerträg liche wirtschaftliche Lage. Es müsse zur Verbesserung der Lage der Arbeitnehmer jetzt etwas Energisches geschehen", wenn dabei Härten für die Unternehmer auch unvermeidlich seien. Die Begründung weist auch auf die infolge der geplanten Zollerhöhung bereits jetzt eingetretene Erhöhung der Preise für Le bensmittel hin und betont die Notwendigkeit dieser und der noch zu erwartenden Verteuerung der Lebenshaltung schon jett, bei der für viele Monate berechneten Lohnerhöhungen Rechnung zu tragen. Der Landesschlichter für Baden hat sich dieser Begründung des Schlichtungsausschusses nicht anschließen können, und die beantragte Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches a b= gelehnt. Auf Grund dieser Maßnahme des Schlichters haben die Arbeitgeber die für Freitag vormittag angefündigte Aus. sperrung ihrer Arbeiterschaft zurüdgenommen. Arbeiter aber haben die Arbeit niedergelegt, da sie nicht gewillt sind, zu den alten Lohnfäßen weiter zu arbeiten. Es ist damit zu rechnen, daß zu den bereits im Kampf stehenden 20 000 Arbeitern noch 10.000 weitere hinzukommen, und das ganze weite Pforzheimer Industriegebiet zu einem geschlossenen Kampfgebiet wird. Drohender Kampf im Memelgebiet. Die über ble burch das Berhalten des Arbettgeberverbandes gefchaffene Lage zu beraten. Mit einem Ausbruch des Stampfes it aller Bor aussicht nach zu rechnen. Aussperrung in der Thüringer Lederindustrie. Die Thüringer Lederindustrie liegt bereits jelt 14 Tagen still, fache dieses Kampfes ist in der Ablehnung einer Lohnerhöhung da die Industriellen die Lederarbeiter ausgesperrt haben. Die Ur72 Pf. für Hilfsarbeiter und 78 bzw. 80 Pf. Stundenlohn für Ge durch die Unternehmer zu suchen. Die Arbeiter forderten 70 bis lernte. Da die Ausgesperrten fest zu ihren Forderungen stehen, die Unternehmer aber nicht noch länger ihre Betriebe stilliegen lassen möchten, sind sie dabei, überall Streitbrecher zu suchen. Leider sind ihre Bemühungen nicht ganz erfolglos gewesen. Die ausgesperrten Lederarbeiter Thüringens bitten daher die organisierte Arbeiterschaft, jeden Zuzug nach Thüringen fernzuhalten, um jeden Zuzug nach Thüringen fernzuhalten, um sperrten zu verhelfen. den Unternehmern nicht zu einem billigen Erfolg für die Ausgefperrten zu verhelfen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Dienstag abend 6 Uhr im Gewerkschaftshaus( großer Saal): Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Stand der Tarif and 2ohnbewegung; 2. Geschäftliche Mitteilungen. Die Kollegen Be zirksobleute werden ersucht, soweit sie in der Streilleitung ihres Bezirks nicht vertreten sind, ihrem Streilleiter davon Kenntnis zu geben, damit dieser an der Generalversammlung teilnimmt. Der Bereinsvorstand. Achtung, Zimmerer! Alle Funktionäre des Verbandes werden ersucht am Montag nachmittag um 6 Uhr im Gewerkschaftshaus, Saal V, zu erscheinen. Am Dienstag finden in allen Bezirken Versammlungen statt. tagt am Mittwoch, den 15. Juli, abends 6%, Uhr, Dresdener Str. 96 Alle Kameraden müssen erscheinen. Die Zahlstellenbersammlung Zentralverband der, Zimmerer. bei Aube. Der Streif in den Schriftgießereien dauert unvermindert fort. Die Unternehmer haben nun nachträglich die Berbindlich. feits ertlärung beim Reichsarbeitsministerium beantragt, was natürlich während eines Streits barer Unsinn ist. Im übrigen tönnen wir den Unternehmern zu ihrer Beruhigung mitteilen, daß infolge der erhöhten Streitunterfügung die Streifenden mit Ruhe abwarten, daß die Unternehmer zur Einsicht tommen. bis 27. Juni 1925 die Wahlen der Delegierten zum internationalen Jm Deutschen Tabatarbeiterverband haben in der Zeit vom 20. Tabalarbeiterkongreß in Brüffel und zum Gewerkschaftskongres in Breslau stattgefunden. Das Ergebnis der Wahlen im II. Wahlbezirk( Gaue Nordhausen, Gießen und Berlin) ist folgendes: Internationaler Tabatarbeitertongreß: Herm. Schmidt, Nordhausen, 4471 Stimmen, Friedrich Dill, Frankfurt a. d. D., 48 Stimmen, Alfred Kiel, Gießen, 1500 Stimmen, Gustav Armbrust ( KPD.) Berlin, 2087 Stimmen. Gewertiaftstongreß: Herm. Schmidt, Nordhausen, 4851 Stimmen, Friedrich Dill, Frankfurt a. d.D., 51 Stimmen, Alfred Kiel, Gießen, 1166 Stimmen, Gustav Armbrust, Berlin, 2083 Stimmen. Somit ist zu beiden Rongreffen Genosse Schmidt gewählt. Verband der Maler und Ladierer. Dienstag abend 7% Uhr im Gewerkschaftshaus, Gaal 3, Sektionsversammlung für die Ladierer aller Branchen. Die Sektionsleitung. Achtung, SPD.- Schuhmacher! Dienstag nachmittag 4% Uhr bei Blowert, Weberstr. 24, Bersammlung. Tagesordnung: Die Borgänge in der Bekten Mitgliederversammlung. Rahlreiches Erscheinen erwartet Der Werbeausschus. s uhr im Bantower Gesellschaftshaus, Berliner Str. 102, BetriebsverſamanDeutscher Tabalarbeiterverband, Rahlstelle Berlin, Montag nachmittag Jung der Firma Garbaty. Tagesordnung: Die Sohn- und Arbeitsverhältnife bei der Firma Garbaty. Batterie- und Element- Industrie. Montag nadmittag 5 Uhr im Saal 1. des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25, Bollversammlung für die in der Batterie und Element- Industrie beschäftigten Arbeiterinnen und Arbetter. Kollegen Betriebsräte Baudeputierte ber A.- 6. für Friedrichstr. 1, sehr wichtige Versammlung. Erscheinen dringend notwendig. J. A.: Dratwa, Obm. d. Deleg. Ausschuß. Für die im Streit befindlichen Arbeiter und Arbeiterinnen der Schrift gießereien find folgende Tage feftgelegt: Streiffommission: Gigung ieben herrnstraße: Gruppenversammlung leden Dienstag vormittag 10 Uhr: Warschauer Str. 59, Telephon Aler. 679; Norden bei Bontle, Schul- und Christianiastraßen- Ede; We ften bei Adolf Ridert, B., Steinmeßitr. 36a. Sauptversammlung und Auszahlung der Unterstützung jeden Freitag. Das Lokal und die Zeit wird jedesmal in der vorherigen Hauptversammlung be fanntgegeben. Freitag, den 17. Juli, 2 Uhr nachmittags, Rentral- refifale, Alte Jakobftr. 31. Jeder Rollege und Kollegin muß die Gruppenverfammlungen besuchen. Es wird Kontrolle geführt. Memel, 11. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In der Memel-| Tagesordnung: Bericht von den Lohnverhandlungen. Montag nachmittag 5 Uhr im Zentrallokal Sina, Wilms, Ede Tempelüben bei Rabe, Fichteſtraße: Often im Kleinen Gewerkschaftshaus( Arndt), industrie droht ein Lohnkampf auszubrechen. Dem Beispiel Deutsch- angen, earnest and bent, Schleiche Seimar, Reute lands folgend, hat das Statistische Amt des Memelgebietes am 1. Juni die Berechnungsziffern der deutschen Kalorien- Normalrund 150 gegenüber dem Monat April des Borjahres ergeben hat. Rationsmethode höher gesezt, so daß sich eine Verschiebung um Die Memeler Industrielöhne haben in demselben Zeitraum jedoch teine Steigerung erfahren. Im Gegenteil, die Arbeitgeber haben eine Herabsehung der Löhne zu erreichen versucht und im Transportgewerbe durch Tarifumstellung auch teilweise Erfolg gehabt. Außerdem liebäugeln sie stark mit der Durchbrechung des chtstundentages, der aber gegenwärtig trog der außerordentlich schlechten Konjunktur in fast allen Wirtschaftskreisen noch gehalten wird. Der Gewerkschaftsbund des Memelgebietes hat nun dem Arbeitgeberverband einen Antrag auf Lohnausgleich zwischen der alten und neuen Inderziffer, der 30 Proz. beträgt, eingereicht. Der Antrag ist ab schlägig beschieden worden. Heute abend treten die Vertrauensleute der Gewerkschaften zusammen, um GESCHENKT Kinder- Schnürstiefel prim. schwarz Chevreau, bequeme breite Form, mit guter biegsamer Ledersohle, extra billik 145 18-21 90 Kinder- Schnürstiefel prima weiss Leinen, in naturgemässer breiter Form, mit Ledersohle, 21-22 2.45, 18-20 Kinder- Turnschuhe braun Segeltuch, mit angegossener Gummisohle. 29-35 3.45, Kinder 22-29 290 Sandalen prima braun Rindleder, mit durchgenähter starker Ledersohle, solange Voriat.... 27-31 390 Kinder- Spangenschuhe 390 pa. weiss Leinen, in moderner bequemer Form, mit Ledersohle und Absatz, 30-34 4.45, 25-29 Kinder- Spangenschuhe Ia braun, echt Boxcalf, zum Knöpfen u. zum Binden, in schöner bequ.Form, 390 30-32 5,90, 27-29 4,90, 22-28 Kinder- Knöchelspangen mit 4 Spangen, in beige und braun, echt Chevreau, sowie auch Lackleder, ganz besonders billig, 25-26 6.90, 23-24 5.90, 20-22 Kinder- Schnürstiefel 90 pa. echt Chevr. in breiter bequemer Absatz 25-26, 5.90..... 23-24 90 Damen Strümpfe prima Flor, auch Makko, in vielen Farben und nur ersten Qualitäten, z. 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Montag, ben 18., abends 7 Uhr, bet Lötschert, Neue Friedrichstraße, Cigung des engeren Kreisvorstandes. Die 2. Abteilung ift hierzu eingeladen. 3. Kreis Bebbing, Dienstag, den 14., Frauenausflug nach Seiligenfee. Treffpunkt 9 Uhr morgens Endstation der Linie 128. 6. Kreis Kreuzberg. Morgen, Montag, abends 8 Uhr, Kreisbelegiertenper fammlung bei Nabe, Fichteftr. 29. Tagesordnung: Die Stellungnahme sum Parteitag. Referent Genoffe Kurt Seinig. Die Abteilungsobleute ber Elternbeirate treffen fich 14 Stunde früher. 7. Kreis Charlottenburg. Morgen, Montag 18 Uhr engere Rreisvorstands fihung an bekannter Stelle. 13. Rreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, gichtenrabe. Morgen, Mon tap. 8 Uhr Gigung des Bildungsansschuffes im Rimmer 10 des Bolizeibiengebäudes, Marienborf, Rathausstraße. Morgen, Montag, 7 Uhr Fraktionsligung im Steuer- Dienstgebäude, Marienborf, Rathausstraße, Rimmer 10. Dienstag, ben 14., pünktlich 7 Uhr, Areisvertretertonfe zenz in der Barade des Enaeums am Bahnhof Mariendorf. 14. Kreis Reutön. Morgen, Montag, abend 7 Uhr in ben Baffage- Fef fälen, Bergitz. 151-152, Areisvertreterversammlung. Thema: Die Aufgaben des Barteitages". Referent Genoffe Stelling, M. d. R. 16. Streis Ropenid. Morgen, Montag, abend 7% Uhr Kreisvorstandssitzung beim Genpfien Rabel, Freiheit 5. 17. Reis Bidenberg. Am Sonntag, den 12. Sult, nadmitbags 4 Uhr, im Bergnügungsport Schonert, Inh. Craft Rehnelt nom Großen Cierhants, Großes Boltsfeft. Mitwirkende: Goz. Männerchor Friedrichshain", Ar beiter- Sportvereine: Turner, Athleten, Radfahrer, Bettinez Ult- Erio. Ron sert. Spezialitäten, Rinderbeluftigungen. Im Felifoal Tang. Eintritts preis 30 Bf Rinder 25 Bf.( Stodiatorne und Raruffellfahrt gratis). 20. Streis Reinidendorf. Die Genoffinnen und Genoffen werden aufgefordert, fich an bem im Schillerpart stattfindenden Sugenbfest zu beteiligen. Die Jugend bes Rreifes nimmt teil an dem Demonstrationszug von Herms borf nach dem Stillerpart. Der Anschluß ist wie folgt: 11 Uhr vormittags Sermsdorf, Kaiferplag. 12 Uhr Tegel, Sauptstraße, 41 Uhr Reinidendorf West, Boltshaus, Scharnweberitzake, 42 Uhr Bahnhof Rosenthal, 2 hr Schützenhaus Reinidendorf- Oft. Ankunft Schillerpart 43 Uhr. $ 2. unb 93. Abt. Reukölln. Die Genoffinnen und Genossen werden ersucht, bis fpätestens 20. Juli ihre Kinder nach Alter und Geschlecht bei der Ge. noffin Bartel, Reiger Str. 1-2, anaumelben. Der am 2. Auguft anläßlift bes Gommerfestes des Rreifes au veranstaltende Umzug foll durch bie Stellung von Kindergruppen eine besondere Verschönerung erfahren. Sabl reide Beteiligung bringend erforderlich. Heute, Sonntag, den 12. Juli: 30. bt. Der Ausflug der Genoffinnen findet erft Ende Juli statt. 85. bt. Tempelhof. Radmittags 4 Uhr Bannerweibe des Bolfschors Tempel hof- Mariendorf. Gesellschaftshaus, Mariendorf, Chauffeeftr. 305. Die Mitglieber merden erfucht, sich an diefer Feier ntit ihren Angehörigen zu beteiligen. 21. st. Rents. Seule in Rariegarten großes Sommerfelt. Rongert, Spesia Iitäten, Berlofung, Breistegein. refirede: Genosse Biffe. Die Genoffinnen und Genoffen der umliegenden Abteilungen werden gebeten, fich zahlreich au beteiligen. 14. Abt. Morgen, Montag, den 13. Juli: 8 Uhr wichtige Funktionärversammlung bei Gilfmalb, Butbufer Straße 24. Sämtliche Genoffinnen und Genossen find verpflichtet, an der am Dienstag 6% Uhr stattfindenden Flugblattverbreitung teilzunehmen. 21. Abt. 7 Uhr Funktionärversammlung bei Aroll, Utrechter Str. 21 Stellungnahme zu den Bezirks- und Stadtverordnetenwahlen. Die Bibliothek ist jeben Dienstag von 7-8 Uhr beim Genoffen Kroll geöffnet. 22. Abt. 7 Uhr Sigung fämtlicher Funktionäre mit Bezirks- und Stadtver ordneten. Erscheinen aller notwendig. Lokal Rathchan, Brüffeler Straße. 24. Abt. 7 Uhr Funktionärsihung bei Seibler, Binsstr., Ede Jablonskifte. 30. Abt. 7 Uhr bei Soffmann, Enchener Straße, Rufammenkunft aller beim Jugendamt ehrenamtlich tätigen Selfer und Selferinnen und aller Ge noffinnen und Genossen, die Wohlfahrtstommiffionsmitglieder find. 77. Abt. Schöneberg. Borstandsfkung beim Genoffen Klamitter, Apostel Baulus- Str. 7 IV. Laffalle- Marken abrechnen! Neutin. 95. Abt. Bezirksführer oder beren Stellvertreter önnen Flugblätter heute von 5-7 Uhr bei Sürtler, Bring- Sandjern- Str. 34, abholen weds Berbreitung. 96. Abt. Die Bezirksführer holen heute non 4-26 Uhr Die Flugblätter von ber Spedition Siegfriedstraße ab. 128./130. bt. Bentow. Die Mitglieder der neugewählten Rettungstommiffion werden zu einer Besprechung heute 8 Uhr im Jugendheim eingeladen. Arbeiterwohlfahrt- Reinidendorf- Dft. 8 Uhr große Ronferenz im Berwaltungs gebäude, Zimmer 53. Jede Abteilung muß vertreten fein. Frauenveranstaltungen morgen, Montag, den 13. Jull: 45. Abt. 18 Uhr Reichenberger Str. 76, Frauenabend. Referent Genoffe Miethte über 218 des Strafgefekbuches". 48. 5. 25 3 Uhr nachmittags gemütliches Betsammenfein in Ereptow, Restaurant Raiserbad( Freilaffee). 3. Uebermorgen, Dienstag, den 14. Juli: t. Flugblattverbreitung ab 5 Uhr im Lofal Ariger, Engelufer 23. Flugblattverbreitung 7% Uhr bei Rüdert( Abt. 8a), Steinmet 8. Abt. ftraße 36a; bei Meier( Abt. 8b), Lükowitr. 7, Bärenfprung. 9. Abt. 5 Uhr abends Flugblattverbreitung bei Sübner, Bilsuader Str. 34. Alle Genoffinnen und Genoffen müssen erscheinen. 11. Abt. Nachmittag 4 Uhr bei Berger, Levegowitz. 21, Ausgabe der Fing blätter an die Bezirksführer. 17. Abt. Ab 5 Uhr nachmittags Flugblätterausgabe bei Dofe. Jeber Bezirk muß vertreten fein. 24. Abt. 95 6 Uhr abends Flugblattverbreitung von ben Gruppenlokalen aus. 25. 95t. 7 Uhr bei Gott, Kniprodeftr. 6, Flugblattverbreitung. Kein Genoffe darf fehlen. aus. 26. Abt. Flugblattverbreitung nachmittags 5 Uhr vom Genoffen Beinlich aus. 27. Abt. 6 Uhr Flugblattverbreitung von ben bekannten Stellen Gruppenführer find um 5% Uhr bei Mehlberg wegen Einteilung der Jugend. 40. Abt. Flugblattverbreitung von Reufner aus. Alle Genoffen haben fid) baran zu beteiligen. Ber Dienstag verhindert, tomme Mittwoch. 45. Bot. Die Genossen treffen sich aur Borwärtsverteilung bei Bertsch, Biener Straße 39. Die Einteilung der Gruppen und Bezirksführer bleibt unberührt. Charlottenburg 55. 64. 6% Uhr Flugblattverbreitung:& Scuppe bef Eggert, Walftr. 90; 2. Gruppe bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21; 10. Gruppe bei Bohue, Schloßftr. 45. 56. Abt. 8 Uhr Funktionärverfammlung bei Lierfch, Raniftr. 62. 74. Abt. Rehlendorf. 8 Uhr im Barteilotal Mitgliederversammlung. In Anbetracht unferes bevorstehenden 25. Jubiläumsfestes müssen alle Mitglieder anwesend fein. 79. Abt. Schöneberg. Ab 5 Uhr find die Flugblätter bei Groß, Sedanstr. 17, abzuholen. Beairfsführer laden ein. Abends 9 Uhr bei Rettlig, Sedan ftraße 60, engere Borstandssigung. Bezirksführer und Mitglieder des Festausfchuffes milffen anwesend sein. 81. Abt. Friedenau. Treffpunkt aller Mitglieder von 26 Uhr ab bei Klabe, Sandjernftr. 60-61 101. Treptow. Flugblattverbreitung 6 Uhr von den bekannten Stellen aus. Die Bezirksführer müffen unbedingt einladen. 119. Abt. Lidhtenberg. 6 Uhr Flugblattverbreitung bei Mene, Möllendorf, Ede Rittergutstraße. 136. Abt. Reinidenborf- Oft. Die Funktionäre werden gebeten, das Flugblatt. material heute abenb beim Genoffen Wahle in Empfang zu nehmen. Rinberfreunde Zempelhof. Ausflug nach Wannice. Treffpunkt 8 Uhr Dorfftraße und Berliner, Ede Friedrich- Wilhelm- Straße. Abfahrt 8 Uhr Bahnhof Tempelhof. Jonzen und alles Ungeziefer vernichter mut Brut restlos Ungezieferkerse ATLAS auch wissenschaftlich anerkannt! Zu haben in Drogerien Auslieferungslager für Wiederverkäufer Karl Frick m.b.H. Berlin$ 42 Tel.: Dönh. 5013 Brandenburgstr. 58 A. Plöttner- Theißen Chemische Fabrik Küchen roh emaillier Küche Loftchen 35 68 Mk. 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Cine Kreuzung zwischen einem norwegischen Fettherings hahn und einer guten Milchkuh ergab das intereffante Geschöpf, das wir dem ebenso geehrten wie erstaunten und teilweise entrüfteten Publikum hier vorführen. Zur Entrüstung besteht aber teine Ursache, denn das Wundertier ist nur ein Vorwand, Sie auf die folgenden wichtigen Tatfachen aufmerksam zu machen. Nur einige Millionen Menkhen wissen, welche Wohltat es ist, wenn man tutizolt. Es Jollten es aber alle wiffen, daß die Kutirol- Fußpflege nicht nur den Füßen, sondern dem ganzen Organismus einschließlich der Nerven zugutefommt. Sie wissen doch, wie abgespannt und matt Sie sich am ganzen Leibe fühlen und wie un luftig Sie zu geiftiger Arbeit sind, wenn die Füße brennen und schmerzen, wenn sie ermüdet und angekhwollen find. Wie matt und hleppend ift da die ganze Haltung, wie schlecht ist die Laune, wie fehnlich warten Sie da auf die nächte Kutirol- Reklame und wünschen, daß sie wieder fo befchaffen sein möge, daß fie einem die Stiefel auszieht, wie es fa diesmal hoffent lich der Fall ist. Welche Wohltat ift da Khon ein Luftfußbad, geschweige denn ein Nerven und Sehnen Stärkendes, warmes und trotzdem wunderbar erfrischendes Kukirol- Fußbad. Sind der Kutirol- Streupuder, der Wundwerden, Schweißgeruch und das läftige und toftspielige Durchschwitzen der feinen Sommerftrümpfe und Ladkhuhe verhütet, ist eine weitere Wohllat. Hühneraugen kann man mit Humor nur dann betrachten, wenn man sie nicht selbst gezüchtet, oder fie rechtzeitig durch das vielmillionenfach bewährte Kutirol- Hühneraugen Pflaster binnen wenigen Tagen Ipurlos und schmerzlos ausgerottet hat. Darum, verehrte Zeitgenoffen, ergeht an Sie erneut die Mahnung: Kutirolen Sie! Millionen fuficolen! Gle fühlen fich an Leib und Seele wohler, Sie können mit wahrhaft tutirolymphischer Ruhe in die modernften Ladschuhe Schlüpfen, an die andere nur mit zufammengebiffenen Zähnen denken, Sie gehen leichtfußig und befchwingt, wo andere mit knickenden Knien und gebeugtem Rücken humpeln. Am vorteilhafteften taufen Sie die Kutirol- Kurpackung für nur 2 Mark, die afle drei Kuffeol- Präparate enthält. Sie bekommen fie da 25 Pfennig billiger, als wenn Sie jedes einzeln kaufen, und erhalten außerdem noch einen KutirolSederhalter gratis. Wollen Sie aber zuerst einen Verfuch machen, fo verlangen Sie eine Probepackung Kukirol- Fußbad, die nur 30 Pfennig toftet. Alle Apotheken und Sachorogerien führen die guten Kukirol- Präparate. Derlangen Sie von uns Literatur über Fußpflege, die wir Ihnen kostenlos zusenden. Zettha, Berlin Stufirol- Jabrit Kurt Krisp, Groß- Gale bei Magdeburg A Leichtmotorräder Oranienburger Strasse 65 Verwaltungsgebäude: Reitbahnstraße. Fabrik: Kukirolstraße. Berlaufsbüro: Berlin W., Klelftstr. 23, L.- Feruipt.: Stephan 5471. Nr. 32542. Jahrgang Der lebendige Lassalle. Zwei Bände Laffalle- Nachlaß.") Bon Eduard Bernstein. 3. Beilage des Vorwärts Mit dem vor kurzem erschienenen fünften Band und dem nun vorliegenden sechsten Band hat die von Professor Gustav Mayer besorgie Ausgabe der nachgelassenen Briefe und Schriften Ferdinand Lassalles ihren Abschluß erreicht. Es iſt ein Sammelwert, für dessen Herstellung und Herausgabe der Geschichtsschreiber mie der Kämpfer der sozialistischen Bewegung unserer Zeit dem Herausgeber nur in gleicher Weise dankbar sein können. Auch werden die Leser dieser Bände sich schwerlich Betrachtungen darüber versagen, welches Unrecht an Lassalle dadurch begangen wurde, daß dieser Nachlaß seinen Zeitgenossen so lange vorenthalten blieb, zugleich werden sie aber auch es als eine Gunst des Schicksals betrachten, daß er nun wenigstens in die Hände eines so gewissen haften und fachkundigen Forschers wie Gustav Mayer gefallen St. Bon feiner der Persönlichkeiten, an die Sophie von shazfeldt seinerzeit sich wegen der Herausgabe gewendet hat und wenden konnte, wäre eine Arbeit zu erwarten gewesen, die sich mit dieser hätte messen können. Mayer hat es sich unter anderem feine Mühe verdrießen lassen, den in Briefen von anderen bestehenden Nachlaß lassen, den in Briefen von anderen bestehenden Nachlaß Lassalles, wo dies möglich war, durch die Briefe Lassalles an jene zu ergänzen, da lediglich dadurch ein abgerundetes Bild des Briefwechsels gewonnen werden kann. Das hat sich nun freilich nur in einer Minderheit der Fälle machen lassen. Nur ausnahmsweise hat Lassalle von Briefen, die er an andere schrieb, Abschrift oder den Entwurf zurückbehalten, und nur cine Minderheit der Empfänger seiner Briefe hat diese vollständig aufbewahrt. Zudem waren von den meisten der verstorbenen Korrespondenten Lassalles die Erben seiner Briefe nicht zu ermitteln. Das gilt namentlich von der Mehrzahl der Angehörigen der Arbeiterbewegung, mit denen Lassalle in den Jahren seiner Arbeiteragitation forrespondiert hat. So erklärt es sich, daß von den 253 Briefen aus den Jahren dieser Agitation, die der vorliegende fünfte Band des Nachlasses darbietet, nur 23, also noch nicht der zehnte Teil, von Lassalle selbst herrühren. Indes enthält auch dieser Band vieles, was zur Vervollständigung des geistigen Bildes von Lassalle gehört. Berschiedene der an Lassalle gerichteten Briefe find großenteils Antworten auf Ausführungen von ihm, bei anderen braucht es nicht der Bezugnahme auf Briefe von ihm, um erkennen zu lassen, daß sie Stüde einer Auseinandersetzung über bedeutungsvolle politische oder wissenschaftliche Fragen sind. Außer um Briefe von so namhaften Mitgliedern der Jozialistischen Bewegung wie Bernhard Becker, Johann Philipp Becker, Dr. Otto Dammer, Moses Heß, Gustav Lewy, J. B. von Schweizer, Julius Vahlteich und dessen Nachfolger als Sekretär des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, Eduard Willms, handelt es sich um Briefe von so interessanten, außerhalb der Bewegung stehenden Persönlichkeiten wie Hans von Bülow, der gefeierte Musiker, Lothar Bucher, Georg Herwegh, Ludwig Loewe, der Bewunderer Lassalles und spätere Großfabrikant, Wilhelm Rüstow, der Garibaldianer, und Franz Biegler, der unentwegte Demofrat. Machen uns die Briefe der erstge nannten mit Einzelheiten der Lassalleschen Bewegung bekannt, die als Vervollständigung und hier und dort auch Berichtigung ihrer überlieferten Geschichte von Wert sind, so geben einige Briefe der letzteren uns anregende Bilder aus Lassalles geistigem Verkehr mit bürgerlich- radikalen Persönlichkeiten von Bedeutung. Bon besonderem allgemein literarischen Interesse ist da der Brief Laffalles aus dem Frühjahr 1862 an Hans v. Bülow über den Deutungswert und die dichterischen Schönheiten von Richard Wagners Nibelungen- Trilogie, die Laffalle nur erst als Dichtung fennengelernt hat und von der er sich unfagbar hingerissen erklärt. Wagner ist ihm, schreibt er, eine der, absolut wenigen Naturen", die ihm trotz des umgebenden *) Gustav Mayer, Laffalles Briefwechsel aus den Jahren seiner Arbeiteragitation 1862-1864, Ferdinand Lassalles nachgelassene Briefe und Schriften, 5. Band. Gustav Mayer, Ferdinand Lassalle. Die Schrif= ten des Nachlaffes und der Briefwechsel mit Rod bertus. Ferdinand Lassalles nachgelassene Briefe und Schriften, 6. Band. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart- Berlin, Berlagsbuch handlung Julius Springer, Berlin. SFILES Verfalls die Gewißheit geben und bestätigen, daß an den Germanen etwas ist". Ein Ausspruch, dem Mayer in einer Fußnote die merkwürdige Anerkennung gegenüberstellt, die Richard Wagner zehn Tage nach Lassalles Tode, am 9. September 1864, in einem Brief an Eliza Wille diesem gezollt hat: Ich erblickte in ihm den Typus des bedeutenden Menschen unferer Zukunft, welche ich die germanisch- jüdische nennen muß". Sonntag, 12. Juli 1925 bertus ihn geradezu beschwört, die Propagierung der sozialen Frage", welcher verschwommene Ausdrud bei ihm oft wiederfehrt, nicht durch Verbindung mit dem politischen Kampf ihrer Anziehungskraft auf Gegner dieses zu berauben. Man begreift, daß, so zwischen Prophete rechts, Prophete links" gestellt, Lassalle das Weltkind in der Mitten blieb. " 1 Außer dem Briefwechsel mit Rodbertus, in dem uns Lassalle auf der Höhe seiner geistigen Entwicklung entgegentritt, enthält der sechste Band aber eine Reihe von Arbeiten aus seiner Feder, die uns ihn erneut in seinem geistigen Werden vor Augen führen, von Auffägen aus der Zeit seiner Vorbereitung zur Reifeprüfung für den Besuch der Universität über allerhand Rundgebungen, Stizzen und Dispositionen zu größeren Arbeiten hinweg, darunter der Plan seines Werkes über die Philosophie des Geistes, durch das er die Hegelsche Philosophie in streng folgerichtiger Durchführung zu ihren letzten Konsequenzen zu entwickeln gedachte, bis zu den Entwürfen zu Reden aus der Zeit seiner Arbeiteragitation. Bon dem vielen Interessanten, auf das der Leser da stößt, ist für den Sozialdemokraten das Interessanteste die Geschichte der sozialen Entwid I ung" überschriebene, sehr ausnach 1848/49 eingetretenen Reaktion Düsseldorfer Arbeitern gearbeitete Skizze der Vorträge, die Lassalle in der Zeit der in seinem Hause über die soziale Entwicklung in und feit der französischen Revolution von 1789 gehalten hat. Sie legi Zeugnis ab von einem sehr eindringenden Studium der Literatur der französischen Revolution und läßt es zum mindesten als subjektiv nicht übertrieben erscheinen, wenn Lassalle 1863 in seiner Verteidigungsrede„ Die indirekte Steuer und die Lage der arbeitenden Klassen" den Richtern erklärt, er kenne den inneren Zusammenhang der französischen Revolutions geschichte ,, bis in seine inwendigste Fiber". Es scheint mir daher viel dafür zu sprechen, diese überaus inhaltreiche Abhandlung dort, wo Lassalle sich mit bloßen Andeutungen für den mündlichen Vortrag begnügt, fachgemäß auszufüllen und dann gesondert herauszugeben. Sie würde sicher vielen willkommen sein, die sich die ganze Ausgabe nicht anschaffen fönnen. Unter anderem findet man in ihr sehr detailliertes Beweismaterial für Kautskys Aufstellungen in seiner 1889 verfaßten Broschüre„ Die Klaffentämpfe in der französischen Revolution". Für den Sozialisten, den das sozialökonomische Denten der Zeit interessiert, in der Lahjalle den Arbeitern die Forderung des Staatskredits größten Umfangs für Arbeiter- Produftingenossenschaften anempfahl, find ven nicht geringem Wert die Briefe, die Franz 3iegler Ende Februar 1863 zu diesem Gegenstand an Lassalle geschrieben hat. Sie entwickeln die Bedenken, die sich dem Praktiker der Verwaltung und erfahrenen Reformer mit Bezug auf diese Idee auf drängten. Man weiß und ersieht es in diesem Buch an verschiedenen Stellen aufs neue, welche hohe Meinung Ziegler von der Begabung, dem großen Wissen und dem sozialen Wollen Lassalles hatte und daß es ihm nicht an einem warmen Interesse für die Arbeiter als Klasse fehlte, er ihren Anspruch tannte. Und doch sehen wir ihn den Gedanken der Arbeiter auf Maßnahmen zur Besserung ihrer Lage durchaus an Produktivassoziationen mit einer Entschiedenheit ablehnen und die ungeeignetheit der Arbeiter als ununterschiedene Maſſe für die Besserung der Wirtschaftsverhältnisse durch diese Assoziationen mit einer Schärfe betonen, die der verbisfenste Bourgeois faum hätte überbieten können. Lassalle scheint ihm auch daraufhin vorgehalten zu haben, er fennzeichne sich auf diese Weise als„ Bourgeois vom Scheitel bis zur Sohle". Aber Ziegler ließ sich lieber diesen Vorwurf gefallen, als daß er in der Sache nachgegeben hätte. Und man begreift das, wenn man feine Einwände näher nachprüft. Soweit es sich um Soweit es sich um Fragen der Theorie handelt, zeigen fie ihn freilich herzlich ungeübt, fie in ihrer vollen Tragweite zu erfassen und durch zudenken. Er selbst drückt das einmal so aus, daß er schreibt: Ich beherrsche unglücklicherweise hier auf jedem Gebiete die Praris, so daß mir das Ganze wie Kügelchen vom Berge läuft." Je mehr er aber Lassalle mit Tatsachen aus der Praxis komme, um so heftiger fuße diefer auf einem Begriff". Das war aller dings Laffalles Stärke als Dialektiker, wir wissen jedoch, melche Gefahren mit der Ableitung aus dem Begriff verbunden In seiner Einführung zu dieser Arbeit bemerkt Gustav find. Ueber die Tatsachen aus der Praxis, die Ziegler vorMayer, man merke ihr an einigen Stellen an, daß sie nur führt, hilft es nicht hinweg. Da dieser die Briefe, die Lassalle wenige Jahre später entstanden ist, nachdem Lassalle mit letzterer ihm hinsichtlich ihrer geantwortet hat. ihm geschrieben, vernichtet hat, wissen wir nicht, ob und was Marr in persönlichen Berkehr getreten war und Säge enteinige von Zieglers Einwänden gar zu spießbürgerlich an- ließen erkennen, daß Lassalle sich die Marrsche Umstülpung letzterer ihm hinsichtlich ihrer geantwortet hat. Aber wenn hält, die wie Marrsche Aussprüche klingen. Andere Säße aber muten, so forderten andere zur ernsthaften Nachprüfung her- der Hegelschen Dialektif feineswegs angeeignet hatte" und spießbürgerlichen Vorurteilen durchaus frei und noch radikalere position der Hegelschen Identitätsphilosophie gekommen aus und erklären es, daß damals recht viele Leute, die von ihm damals ebensowenig wie später Zweifel an der GrundDemokraten als Ziegler waren, gleichfalls den Plan der vom Staat zu finanzierenden Produktivgenossenschaften schroffindes ist dies nicht der Ort, die Frage polemisch zu behandeln. waren". In dieser Unbedingtheit scheint mir das übertrieben, Wenn aber Mayer weiterhin einen Say Lassalles als Beweis in einseitige Abhängigkeit von den Einrichtungen" zu setzen", dafür zitiert ,,, mie völlig fern es ihm liegt, den Gedanken" und damit den Eindruck erweckt, daß letzteres Marrsche Philo sophie sei, so glaube ich das entschieden zurückweisen zu müssen. Ueberhaupt stellt Mayer Karl Marx, gegen den er offenbar bis zu direkter Parteifichkeit voreingenommen ist, des öfteren in falschem Lichte dar. Sonst verdienen seine Einführungen zu den Briefen und Abhandlungen Lassalles große Anerfennung. Sie erhöhen deren Wert als geschichtliche Urfunden sowohl unter dem Gesichtspunkt der Geschichte der Ideen als auch unter dem der allgemeinen sozialen und politischen Entwicklung. Dem Andenken Lassalles selbst aber fonnte fein größerer Dienst geleistet werden, als es durch diese Ausgabe geschieht. Sie verbirgt nicht seine Fehler, aber sie läßt die Borzüge seiner geistigen Persönlichkeit, die große Kraft seines begrifflichen Denkens, den Ernst seines Strebens im Dienſte der Wissenschaft und die Festigkeit seines sozialpolitischen Wollens in hellster Anschaulichkeit erkennen. Das Wort ,, Briefe und Abhandlungen" sagt nicht genau, was der Leser hier findet. Das Streben nach Berkünden und Begründen des für mahr Erfannten war bei Laffalle so start, daß auch seine Teilt dieser Nachlaß in bezug auf die darin erörterten poliBriefe nicht selten ganze wissenschaftliche Abhandlungen sind. tischen Vorgänge und persönlichen Angelegenheiten vielfach alte Geschichte mit, so ist er durch seinen reichen geistigen Inhalt und seinen lebensvollen Stil doch noch lange davor geschüßt, dem Beimort ,, peraltet" zu verfallen. ablehnten. Karl Robbertus einen nicht minder entschiedenen Bon einer anderen Seite her fand er, wie wir wissen, in Gegner. Welche Gründe diesen ökonomisch geschulten Denker dabei bewogen, hat er zum Teil in Briefen und Auffähen be fanntgegeben, die längst schon anderweits veröffentlicht sind. Mit seinen Briefen an Laffalle über ihn macht uns aber zum erstenmal der abschließende sechste Band dieser Sammlung bekannt. Er erbringt, mit Ausnahme einiger nicht mehr auf zufindender Briefe, den ganzen Briefwechsel Laffalles mit Robbertus, eine Gabe, die jeder Forscher auf dem Gebiet der politischen Dekonomie und der Geschichte des Sozialismus mit Freude begrüßen wird. Werden doch in ihm noch andere Fragen aus der Theorie und Geschichte dieser Wissenszweige erörtert als die von Lassalle aufgenommene Idee, über den Weg der Arbeiter- Produktivgenossenschaften zur Berwirklichung des Sozialismus zu gelangen. Und die Einwände von Rodbertus gegen diese werden hier eingehender durchgesprochen als in den schon befannt gewordenen Briefen und Niederschriften, die von ihr handeln. Im Unterschied von Ziegler bekämpft Rodbertus fie mit Argumenten der Theorie, wobei von fonftigen Streitfragen dieser Art auch die Frage der Grundesse hat. Ein anderer, humoristisch anmutender Unterschied rente herangezogen wird, die heute noch ein praktisches Inter: zwischen Ziegler und Robbertus ist der, daß, während Ziegler Lassalle warnt, die Zusammenfassung der mit ihm politisch übereinstimmenden Elemente nicht durch Hineinziehung des Poftulats der Produktivgenossenschaften zu gefährden, RodBerliner HERBST- FACHMESSEN VERANSTALTET VOM BERLINER MESSE- AMT IN DEN UND MASSGEBENDEN FACHVER BANDEN AUSSTELLUNGSHALLEN AM KAISERDAMM HAUS DER FUNKINDUSTRIE. 9.- 12. AUGUST III. MESSE DER SCHUH- UND LEDERWIRTSCHAFT HAUS DER FUNKINDUSTRIE NEUE AUTOHALLE 23.- 27. AUGUST II. FACHMESSE DER DEUTSCHEN BEKLEIDUNGSINDUSTRIE HAUS DER FUNKINDUSTRIE NEUE AUTOHALLE ALTE AUTOHALLE 4.- 13. SEPTEMBER II. GROSSE BEIDE AUTOHALLEN DEUTSCHE FUNKAUSSTELLUNG HAUS DER FUNKINDUSTRIE 13.- 17. SEPTEMBER REICHSGASTWIRTS25. SEPT.4. 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Seibentopf. Mustauer Str. 35 21. Reinide, Grünauer Str. 17 Stiben: 32. Winter, Ritterstraße, Ede Fürstenstr. 23. Gutthandt, Dresdener Str. 80 24. Blentle, Boppstr. 1 25. Söhlte. Bergmannftr. 69 26. Dhugemach, Kommandantenftr. 89 Südwesten: 27. Zopp, Alte Satobftr. 1 Weften: Schöneberg: 57. Rofenthal, Ebersstr. 66 Segefeld: 58. 8ur alten Linde, Bahnhofstraße Siemensffabf: 59. Zur Wartburg, Ronnendamm- Allee, Ede Reisstraße Spandau: 60. Rechenberg, Sutherstr..3 61. Bind, Pichelsdorfer Str. 5a Staaten: 62: Wolff, Am Bahnhof Steglig: 63. Borchmann, Rheinstr. 40 Tegel: 64. Lehnhardt, Berliner, Ede Beitstraße Telfow: 65. Kupsch, Hoher Steinweg 12 Tempelhof: 66. Bürgergarten, Am Bahnhof Tempelbof Weißensee: 67. Gallas, Lehderstr. 122 68. Rafino Wildau: Wilmersdorf: 69. Löffler, Wilhelmsane 8 Wittenau: 70. 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Lenski, Hindenburgdamm 55 Lichtenberg: 44. Siewert, Rant, Ede Schillerstraße 45. Geipte, Kronprinzen, Ccte Scharn weberstraße Mariendorf: 46. Kranich, Chauffeeftr. 28 Neufölln: 47. Rüdheim, Berg., Ede Lahnstraße 48. Jdeal Stafino, Weichselstr. 8 49. Rugti, Hermann, Ede Leinestraße Niederschöneweide: 50. Grahl, Brücken, Ecke Berliner Straße Oberschöneweide: 51. Jmberg, Wilhelminenhofstr. 84 Bantow: 52. Türkisches Zelt. Breite Str. 18 Begründet 1894 Engros- Lader Keln Ladan Außerdem meifen mir nochmals ausnicht bis Uhr, sondern nur von 10 bis 2 Uhr. Dienstag, 14. Juli, abends 6 Uhr, im Bartercefaal des Berbaubshauses, Cinienffe. 83/85: Vollversammlung fämtlicher Kollegen Schmiede aus den Innungsbetrieben Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum neuen Tarif. 2. Branchenangelegen. heiten und Berschiedenes. Pflicht aller Kollegen ist es, in der Berfammlung zu erscheinen. Dienstag, 14.Juli, nachm. 5 Uhr, im Sigungsfaal des Berbandshauses, Cinienste. 83/85: Außerordentliche Branchenversammlung der 3igareffen- Maschinenführer und Betriebshandwerker Tagesordnung: Bericht von der Lohnverhandlung. Am Dienstag, pünftlich 4½ hr. findet eine Bertrauensmänner- onferenz in denselben Räumen fiatt. Wir ersuchen bringend beide Rörperschaften, zu erscheinen. Mittwoch, 15, Juli, abends 6 2h, im von Mustaner Ste. 1 ( Ede zeughofstraße): Gemeinschaftliche Bersammlung Nelson Fahrräder direkt ab Fabrik zu Original- Fabrikpreisen Seit 1. Januar 1924 welf über 12000 Fahrräder u. Fahrradrahm, allein in Berlin verkauft Halbrennmaschinen 1 Jahr schriftl., Fabrikgarantie M. Helson- Tourenräder 55.für Damen und Herren 1 Jahr schriftl. Fabrik- 84.garantie. M. 88.Solide Tourenmaschinen 1 Jahr schriftl. Fabrik- 60.garantie. M. 78.Nelson- Luxusräder 3 Jahre schriftl.Fabrikgarantie Nelson- Rennmaschinen Beste Bezugsquelle für Wiederverkäufer! Auf Wunsch bequeme Teilzahlung! 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Juft 1925 Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Getvinne gefallen, und awar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in ben belden Abteilungen I und II In der Vormittagsziehung wurdenGewinne über 150 m gezogen 2 Gewinne zu 2000 2. 4 Gewinne zu 1000. 6 Gewinne zu 800 m. 14 Gewinne zu 500 m. 241621 250594 251810 200700 149962 223625 23915 170604 184236 74123 76917 123266 135788 48 Gewinne zu 400 2. 15942 47085 70432 83154 110709 111005 115372 142071 144210 171142 182663 190907 197475 199490 200452 207231 209451 227445, 233483 235457 246848 255880 270081 274027 200 Gewinne zu 300 m. 4227 7582 13098 20161 20410 21221 23162 24069 25623 28004 25136 28747 30243 31774 32627 32769 36177 38874 44338 45737 47140 48139 48465 52705 56951 63299 66330 67533 70376 71124 71158 77988 83520 88043 92068 99562 106205 108938 114983 117273 118190 120828 121239 137231 139171 189482 140675 145359 150068 150446 151080 151483 153265 153666 156664 157725 166526 172962 176158 177463 177464 180473 180989 183858 184155 185445 190498 190561 193181 194947 197353 202087 205545 206156 210631 213787 213974 217752 220420 221811 223219 225641 226729 227492 227751 230091 232056 232126 235877 240173 240669 241843 251060 251437 253340 255949 261865 262400 273905 274631 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 m gezogen 2 Gewinne zu 10000. 187120 8. Gewinne zu 800 n. 17839 29957 30895 228994 24 Gewinne zu 500 m. 10064 37421 89247 123639 147694 167726 169164 181782 208339 220396 228276 272672 62 Gewinne zu 400 22. 7621 9950 17377 27517 28568 73202 90640 93127 101510 125256 128126 133833 167833 187554 189778 189885 191175 192361 194345 194462 196571 208100 216389 217400 224721 238609 241567 245975 249738 254896 264541 178 Gewinne au 300 m. 9081 10665 10948 12077 12994 15541 16989 22046 26463 35672 37899 38968 40696 42088 47412 48137 49261 52487 53401 61626 62190 64625 66029 68762 71730 73474 74210 84039 87950 99730 105287 108675 109388 109916 111766 114250 117220 118261 124916 130782 139736 146338 147094 147634 152919 165099 154164 153488 161461 162599 170900 174213 179268 181147 182616 184188 186677 197724 201198 203423 203754 206853 207904 207940 209315 211480 212181 212612 213334 213476 214889 216241 217782 219081 224349 224992 241171 243401 248263 255013 255460 261658 264963 266773 268179 269976 271551 272156 272651 Massenmord burch Lieffol- Gas Verk. Auta.Private mögl. jebem Laten auch Speise zimmer Banz., Mott., Läufe, Flöhe usw. bill. ohne Apparar, ohne Bort., ohne Rifito, ohne Befchäd., Geld- ob. Beit perluft totsich. i. 8 Gtd. Eiche, Büfett, 1,60 m rabit. 3. befeit. Barne lang, m. wundervoll. bringend v.minderw Glasvitrine, innen Nachahm.u.il, Menge. Mahagoni, Kredenz, Biele Anert. 11. Refer MOBEL Reklameangebote, erstklassige Fabrikate. T " Auf Wunsch Teilzahlung ohne Preisaufschlag Kompl.Schlafzimmer M. 450.- 550.-600.-W. Speisezimmer 480.- 540.- 650.Herrenzimmer, 415.- 545.- 625.Küchen und Einzelmöbel äusserst preiswert Möbelhaus Gottlieb nur Rosenthaler Straße 54. Gegr. 1875 Ausschreibung. " Die Stadt Berlin schreibt einen Jdeenwettbewerb aus zur Zweizugtisch, prima Jn Droger erhältlich Gewinnung von Entwürfen sie den Ausbau des geplanten Rindlederstühle zusammen M.. 380 Speise zimmer Elche, Büfett, 2 m, m schwer. Aufsatz innen Mahagoni, Kredenz mit Glasvitrine, ZweizugDezimalwagen tisch, prima Rind- Tafelwag., Gewichte, lederstühle Billigste Preise. Großes Lager zusammen M. 540 Georg Wagner Zahlungserleichterung ein Ladengeschäft Köpenicker Str.71 Keine SchaufensterReklame, dafür wesenti.billigere Preise Von der Reise zurück. Meffe- und Ausstellungsgeländes Zur Teilnahme geladen werden die Baufünftler Deutsd lands einschließlich des Gear gebiets und die deutschen Baufünstler der Freien Stadt Danzig. An Preisen find ausgesetzt: ein 1. Breis von 12000 mt. 99 2. 90 3. 8 000 90 50 6000 4000 99 Für Antäuie steht eine Summe von 10000 Mt. zur Berfügung Das Preisgericht haben übernommen die Herren: 1. Oberbürgermeiiter Böß. Berlin, 2. Bürgermeister Auguftin. Bez. A. Charlottenburg, 3. Stadtrat Brithl. Berlin, 4 Ostar Heimann, Berlin, 5. Staatsfeiretär Ramm, Berlin, 6. Präsident Dr. Ruse. Berlin, 7. Geh. Baurat Ludmig Soffmann, Berlin, 8. Oberbaudirektor De Frig Schumacher, Hamburg, 9. Proteffer Beter Behrens, Berlin, 10. Brofeffor Bonat, Stuttgart, 11. Stabiban at Elfart, Berlin. 12. Dr. Sitd. Direitor bes Berlines effeamis Els Grianpreisrichter haben fich folgende Bertelt gut Bet Dr. S. LOEWYgung geftelt Havelberger Straße 11 Auf Teilzahlung HerrenKnaben Garderobe Gummi- Mäntel Hemen 1. u Geringe Wochen- oder Monatsrate Bettwäsche, Gardinen, Teppiche. Korbmöbel, Metallbetten Antel, Gr.Frankfurter Str.34 Strausberger Platz Gegründet 1901 Für 1-4: Stabirat Bugly. Berlin. Stadtverordneter Schwart. Berlin, 5: " 6: Architeit Heinrich Schweiger, Berlin, Oberbaurat Bruder, Berlin, 7--12; Stadthaurat a D. Berg, Breslau, Etadtbaurat Winterstein, Dez A, Charistienburg Die Entwürfe find in ber üblichen Formt bis fpeteñens Freitag, den 23. Ditóber 1925 beim Städtebauamt der Stadt Berlin, Berlin C 2, Glabthaus( Rimmer 343) abzugeben oder spätestens an diefem Tage bei der Post zur Versendung einzuliefern Unterlagen find gegen Einsendung von 10 ML die bei Ein reitung eines den Wettbewerbsbedingungen entsprechenden Entwurfs zurücvergütet werben. Dom Städtebauamt der Stadt Berlin. Berlin C2, Stabibats, Rimmer 843, durch die Poft au beziehen oder ab 15. b. Mts. in der Reit non 7.80 vormittags bis 3.30 Uhr nachmittags an der gleichen Stelle abzuholen. Berlin, den 8. Juli 1925. Der Magiftrat. Sonntag 12. Juli 1925 hove art Aus der FilmLehr- und Kulturfilm. Die Berteilung der von den Firmen Agfa, Goerz und AgnoseFilm dem Reichsministerium des Innern zur Her stellung von Lehr- und Kulturfilmen zur Verfügung gestellten Bositiv- und Negativ- Kontingente für Juli 1925 ist erfolgt. Für August 1925 stehen wiederum 25 000 Meter Bofitiofilm und 17.500 Meter Regatiofilm zum gleichen Zwed zur Verfügung. Die Berteilung des Positivfontingents geschieht nach folgenden Richtlinien: 1. Rontingentberechtigt sind deutsche Behörden, Firmen und Organisationen, die Lehr- und Kulturfilme für Schul- und Unterrichtszwecke erwerben und verwenden. 2. Kontingentfähig sind nur Filme, die durch Vorlage einer amtlichen Bescheinigung der Bildstelle beim Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin oder der Bayerischen Lichtbildftelle in München als Lehrfilme oder durch gebührenfreie Prüfung auf Grund von§ 5 der Gebührenordnung für die Prüfung von Bildstreifen vom 25. November 1921( Zentralblatt für das Deutsche Reich, S. 901) durch die Filmprüfstellen Berlin und München oder die Filmoberprüfstelle als Kulturfilme ausgewiefen find. Eine amtliche Bescheinigung der Bildstelle oder der Filmprüfstelle ist mit dem Antrag vorzulegen. 3. Auf Kontingentfilm hergestellte Kopien dürfen in erster Linie nur an inländische Lehr- und Kulturfilmverbraucher( Schulen, Schulfinogemeinden, gemeinnüßige Vereinigungen) miet- oder faufmeise abgegeben werden. 4. Der eine Beteiligung am Rontingent Nachsuchende hat sich der verteilenden Stelle gegenüber schriftlich zu verpflichten, für die auf Kontingentfilm hergestellten Kopien feinen Abnehmern einen Nachlaß von 25 Broz. auf den Tagespreis zu gewähren. Den Tagespreis bestimmt die verteilende Stelle im Einvernehmen mit Bertretern der Lehrfilmindustrie. 5. Für die Bewilligung ist die auf der amtlichen Zulassungsfarte festgestellte Meterlänge des Bildstreifens zuzüglich 5 Broz. Verschnitt maßgebend. Für die Berteilung des Negativkontingents find nachstehende Bestimmungen maßgebend: 1. Antragsberechtigt find deutsche Firmen, die gewerbsmäßig Lehr- und Kulturfilme herstellen. 2. In dem Antrag sind der Inhalt, die voraussichtliche Länge des beabsichtigten Bildstreifens und des zu erwartenden Berschnitts, jomie die voraussichtliche Herstellungsdauer anzugeben. Von Firmen, die als Hersteller von Lehr- und Kulturfilmen bisher nicht hervorgetreten sind, fann Vorlage des Drehbuchs verlangt werden. 3. Bon jedem Bildstreifen, für dessen Herstellung KontingentNegativ bewilligt worden ist, ist der verteilenden Stelle innerhalb einer von ihr zu bestimmenden Frist die amtliche Zulassungsfarte vorzulegen. 4. Die Verteilung erfolgt nach billigem Ermessen der verteilenden Stelle. Anträge auf Berücksichtigung sind spätestens bis 3. September 1925, getrennt nach Positiv und Negativ, an die Außenhandelsstelle Filme, Berlin SW48, Friedrichstr. 250, einzureichen. Fox- Grotesken. Nicht nur die pergeführten Filme, auch die Vorführung selbst ist im Theater am Rollendorfplah grotest. Film ist an Film geklebt und ohne Pause, ohne dem Bublifum das Atemholen zu erlauben, rollt sich alles ab. Man soll nicht zur Sammlung femmen, das ist gut berechnet. So jagt ein toller Einfall den anderen und in der Erinnerung haftet dann später nur die Tatsache, daß jehr viel und laut gelacht wurde. Alles ist knallig gemacht, typisch amerikanisch und typisch Fox. Ein Sechstagetanzturnier bringt die fligfte Berfpoitung der Refordfucht. Dodo, in feiner bitterernsten Maste sehr wirksam, erlebt das Absonderlichste beim Verkauf von heißen Würsten, das heißt in diesem Falle verwursteten Himden. Die Artgenossen rächen sich an Dodo, was die gewünschte Gelegenheit gibt zu zeigen, wie fabelhaft sich die Amerikaner auf die Tierdressur verstehen. Einen weiteren Beweis dafür bringen die berühmten For Löwen. Wie immer, wenn sie in Aftion treten, erweden sie auch diesmal wieder beim Publikum Grausen und Bewunderung. Eine Glanzleistung ist jedoch„ Der fliegende Efel". Er hat seinen Aufenthaltsort in Bagdad, der Stadt der Träume. Affen spielen die Hauptrollen. Man fleidete sie geschickt, förderte ihre Klugheit, medte ihren Ehrgeiz und ließ sie oft in voller Natürlichkeit wirken. Das mar stets der Fall, wenn sie sprangen und fletterten. Diese urwüchsigen Bewegungen durch die Zeitlupe in die einzelnen Phafen zerlegt, wirken unglaublich fomisch. Alle berühmten Dreffeure behaupten, daß sie nur durch die hingebende Liebe zum Tier und das Verstehen der Tierseele zu ihren großen Erfolgen gekommen sind. Hoffentlich hat diese Behauptung auch für die famos breffierten Affen ihre volle Gültigkeit. Bergrößertes Arbeitsprogramm der deutschen Filmindustrie. Plus Fachkreisen wird der Konjunktur- Korrespondenz" mitgeteilt: Die deutsche Filmindustrie steht seit einigen Monaten im Zeichen ihres vergrößerten Arbeitsprogramms. Das Geschäftsjahr 1924 hat gelehrt, daß der Inlandsmarkt nur zu einem Drittel mit der deutschen Produktion versorgt werden konnte und daß fast rund zwei Drittel von der amerikanischen Filmindustrie gestellt murden. Durch die neuen Kontingentmaßnahmen, die für jeden im Inland hergestellten deutschen Film die Einfuhr eines Pluslandsfilmes gestatten, ist für die deutsche Filmindustrie eine Fülle von Aufgaben erwachsen. Es wird daher in den Ateliers sämtlicher Filmgesellschaften mit außerordentlichem Eifer gedreht. Die Herstellung ist gegenüber dem Vorjahre eine Kleinigkeit billiger geworden, was einerseits in den stetig fortschreitenden technischen Berbesserungen, andererseits in einer nicht mehr so übertriebenen Bemessung der Star- Gagen begründet ist. Die Kulturabteilung der Ufa hat unter Leitung ihres langjährigen Mitarbeiters Herrn Dr. Ulrich K. T. Schulz und dem Ingenieur Eiewerffen für ihre biologische Abteilung in Südende ein Spezialatelier und Mitrolaboratorium geschaffen. Die Gebäude liegen inmitten eines waldartigen Partes mit malerisch gelegenen Wiesenflächen und Teichen. Eine große Schar von lebenden Tieren ist darin angesiedelt. Film- Welt „ Der träumende Mund" ist der Titel eines Films, den Dr. Baul Cainner nach einem selbstgeschriebenen Manuskript für die Ufa inszeniert. Elifabeth Bergner und Konrad Beidt werden in den Hauptrollen tätig sein. Ufa mit der Ausarbeitung des Manuskriptes" Die Brüder Karl Grune ist zurzeit zusammen mit Billy Haas für die Schellenberg" beschäftigt, dessen Vorwurf dem gleichnamigen Romane von Bernhard Kellermann entnommen ist. Die Regie ist Karl Grune übertragen worden. Nina Banna, eine junge russische Schauspielerin, ist für die Ufa als Darstellerin verpflichtet worden. SWO Der Film für alle Frauen! Die Sensation des Mozartsaales! Die Verstossenen Eine leidenschaftliche Anklage gegen erzwungene Ehen Die Verstossenen Das herzerschütternde Geschick einer Frau und Mutter, die ihr Glück verlor, um einer anderen willen Die Verstossenen Der warnende Mahnruf an alle, die, in törichter Eifersucht aufflammend, blindwütend Unheil stiften Die Verstossenen Das große Gesellschafts- und Sittenbild des 20. Jahrhunderts Beginn der Vorstellungen 7 Uhr 10 u. 9 Uhr 15 Beilage des Vorwärts Cil Dagover bei Reinhardt. Mar Reinhardt hat Lil Dagover aufgefordert, bei den diesjährigen Salzburger Festspielen mitzumirfen. Die Verhandlungen, die bereits vor einiger Zeit in Wien begonnen wurden, sind, wie wir hören, nun zum endgültigen Abin schluß gefommen. Frau Dagover wird die Rolle der Schönheit" Hugo Don Hofmannsthals Großem Belttheater" übernehmen. Die Ufa hat Frau Dagover für den Monat August freigegeben. führungstheater bestanden hat, wird im Herbst wieder in den BeDer Mozart- Saal, der einige Zeit als unabhängiges Urauf trieb der Ufa übergehen. Wie mir hören, beabsichtigt die Ufa, den Mozart- Saal auch für die Spigenfilme anderer Berleihgesellschaf ten offen zu halten. In dem neuen Terra- Film„ Der Mann, der sich verkauft", der zurzeit im Terra- Atelier von Hans Steinhoff gedreht wird, wirken folgende Darsteller mit: Binian Gibson, Nora Gregor, Helga Molander, Olaf Fjord, Kaiser- Tih, Kastner, Lamberts- Paulsen, Mierendorff, Garrison, Picha u. a. Die Phoebus- Film A.-G. hat ein Manuskript" Der Kampf gegen Berlin", von Kurt J. Braun, zur Verfilmung erworben. Ge legentlich der Anwesenheit von Bruce Johnson in Berlin hat die Phoebus- Film- A.- G. die neueste Produktion 1925/26 der First National im Berleih für Deutschland erworben. Die gesamte fommende Superproduktion des First National- Konzerns erscheint ausschließlich bei der Phoebus. Die First National ist in Deutschland als Fabrikationsfirma besonders durch The Kid"," My Boy"," Zirkus. find", Insel der verlorenen Schiffe" usw. befart geworden. Die ersten Filme erscheinen zum Herbst in den Phoebus- Theatern Kapitol und Marmorhaus. In dem neuen Phoebus- Film„ Die vertauschte Braut", Manuskript Richard Arvay und Norbert Garaŋ, wird Diomira Jacobini, eine Schwester von Maria Jacobini, eine der weiblichen Hauptrollen spielen. Die Regie liegt in den Händen von Karl Wilhelm. Für die neue Ellen- Richter- Produktion der Ufa wurden neu Rudolf Sieber, der langjährige Aufnahmeleiter der Man- FilmAttiengesellschaft, als Regieaffiftent und Mar Bäz als Aufnahme leiter wieder verpflichtet. Dr. Berger, der augenblicklich für die Ufa den Film„ Ein Walzertraum" dreht, hat sich mit seinem Aufnahmestab nach Wien begeben, um dort die Außenaufnahmen zu machen. An Darstellern reisten mit: Mady Christians, Mathilde Suffin, Willy Fritsch, Jacob Liedtke, Julius Falkenstein. Der Aufnahmebeginn für den " Faust Film" der Ufa, den F. W. Murnau dreht und dessen Manuffript von Hans Kyser stommt, ist auf den 1. September festgesetzt worden. Die Mitwirkung von Emil Jannings als Mephisto steht nunmehr endgültig fest. Für die Photographie ist Karl Hoffmann in Aussicht genommen. Lya de Putti hat soeben ihre Aufnahmen für den Ufa- Fi ,, Barieté", Regie: E. A. Dupont, beendet. Sie wird bereits Anfang nächster Woche wieder im Ufa- Atelier Tempelhof bei der Arbeit fein, und zwar in der Titelrolle des Films Manon Lescaut" unter der Regie von Dr. A. Robinson. Xenia Desai ist zurzeit in Aufnahmen für den neuen Uja- Film ,, Karriere" nach dem gleichnamigen Schauspiel von Richard Rettler beschäftigt. In meiteren tragenden Rollen dieses Filmes, dessen Regie Rochus Gliese führt, find Ginette Maddie, Rudolph Klein- Rogge und Wilhelm Dieterle tätig. Gennaro Righelli hat das Bersiunungsrecht des Romans Transatlantic" von Urvill erworben und die Manuskriptbearbeitung Leo Birinski übertragen. Die meibliche Hauptrolle spielt Maria Jacobini. Der Film erscheint in Deutschland unter dem Titel„ Der Bastard" im Verleih der Phoebus- Film A.-G. CA SPIELPLAN Ufa- Palast am Zoo Kurfürstendamm 图 S Turmstraße 图 Tauentzienpalast Friedrichstraße Wegen Renovierung geschlossen Steuermann Holk mit Asta Nielsen Paul Wegener Wochent, 7 u. 9/ Sonnt. 5, 7,9 Dr. Mabuse, d. Spieler, II. Teil: Inferno Auf der Bühne: Ballett Gerard: Schatten des Todes Wochent. 7 u. 9/ Sonnt. 5, 7, 9 Das Cabinet des Dr. Callgari A.d. Bühne: SigfredBusterda m, Lill Kaethie, D.dan.Tanzpaar Wochent, 7 u. 9/ Sonnt. b 7, 9 Die Unschuld von New- York Wochent. 7 u. 9 Sonnt. 5, 7, 9 Wege zu Kraft und Schönheit Kammerlichtspiele Wochent. 7 u. 9/ Sonnt. 5,7,9 图 Alexanderplatz Weinbergsweg Ofa- Theater Hollendorfplatz Die Finanzen d. Großherzogs Wochent, 7 a. 9/ Sonat. 5, 7, 9 Edles Blut Wie erziehe ich m. Frau Wochent. 7 u. 9/ Sonnt. 5, 7, 9 Wegen Renovierung geschlossen Bad Wildungen für niere u. Blase Zur Haus- Trinkkur: bei Nierenleiden, Harnsäure, Etzelsa Zucker Helenenquelle Badeschriffen sowie Angabe billigster Bezugs. quellen für das Mineralwasser durch die Kurverwaltung Landeshuter Leinen- und Gebildweberel F. V. Grünfeld Größtes Sonderhaus für Leinen und Wäsche Berlin W8, Leipziger Straße 20-22 Zweigniederlassung: Köln, Krebsgasse Fabrik: Landeshut- Schlesien Bade- Anzüge 250 aus Satin, versch. Formen. M. · Bade- Kappen aus bestem Gummi, Satin u. Selde. 100 Glatte und verzierte Formen M. Farb.Unterröcke 290 aus reinw. Alpaka od. 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Staats- Theater Schauspielhaus Lessing- Theater Sommergastsp. 1925 Heute 8 Uhr: Leitung: Hansi Arnstädt Leo Walther Stein. Täglich 8 Uhr: in Kreuzfeuer Demimonde Lustspiel von R. Presber und L. W. Stein Kleines Th. Schiller- Theat. Täglich 8 Uhr: Operettenspielzelt Angele 8 Uhr Komöd.v.Hartleben Annemarie DerArzt seiner Ehre Operette von Jean Groteske v. Mongré Gilbert u. Robert Gilbert mit DoraLeffler Nymgau - Spira- Baselt Heidemann- Die8 U. Trianon- Th. gelmann- Hiller- Die TugendKuthan Ledebour prinzessin Volksbühne Musik v. Kurt Zorlig Nachm 3 u. ab. 8 U. Hellmuth, Kettner, Die deutschen Kleinstater Sandt, Radetzky, Reiter, Serenye Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Berlins erfolgreichste Revue: Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! Berliner Prater Kastanien- Allee 7-9 Täglich: Gr.Varieté- Vorstellg. Kaffeeküche ab 3 Uhr geöffnet. Anfang 4%, Uhr Jeden Mittwoch: Eintritt 50 Pf. Gr. Kinderfest LUNA PARK Ab 3 Uhr Sonntagsbetrieb Feuerwerk 12 Tanzgirls 3 Bonellys KONZERT Philh. Blas- Orchester Neue Welt Arnold Scholz, Hasenheide 108/114 Sonntag, den 12. Juli Das große Programm 1) Faust- Ouvertüre. von Richard Wagner 2) Schatten des Todes" ( Dramatische Tanzszene) Ballett Gérard Das kranke Mädchen. Der Tod. Die Freundinnen.. Dita Georgiewa Hanns Gérard Kyra Gurskaja Rita Mitschiner Mady Charles Ruth Wille .Dr. Mabuse, der Spieler II. Teil: Inferno 6 Akte nach dem Roman der ,, Berliner Illustrirten Zeitung" von Norbert Jaques. Manuskript von Thea von Harbou. Regie: Fritz Lang. Hauptdarsteller: Rudolf Klein- Rogge Aud Egede Nissen, Gertrude Welcker, Alfred Abel, Bernhard Goetzke. Paul Richter, ForsterLarrinaga, Hans Adalbert v. Schlettow. Vorverkaur ohne Aufschlag täglich mittags 12-2 Uhr Ufa- Theater TURMSTRASSE ( Turmstrasse, Ecke Stromstrasse) Verkehrsverbindungen: Direkt vor dem Theater halten die Straßenbahnlinien: 3, 4, 11, 12, 13, 14, 19, 21, 44, 45, 56, 113. Autobuslinien: Nr. 11, 28. Stadtbahn: Bahnhof Bellevue Theater im Admiralspalast Täglich Uhr: Chocolate Kiddies Amerikas größte farbige Künstler! Sonnt. 2 Vorstellgen. 3 und 8 Uhr Die NachmittagsVorstellung zu halben Preisen! Metropol Theat. 8 Uhr: Tausend süße Beinchen Th. d. Westens Steinpl.931 8U: ULAP Der Vergnügungspark d. Berliner am Lehrter Bahnhof Nur noch zwei Tage: Cliff Aeros Der Todesspringer Der Feuersturz ans 28 m Höhe. Alte Attraktionen 48 Eintritt nur 50 Pf. Gr. Konzert USC RADIO u. Varieté- Vorstellung Nur erste Kräfte 35 Hünstler und Gr. Ball Einlaß 2 Uhr Anfang 4 Uhr Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellung im Saale statt Voranzelge. Donnerstag, 16. Juli: Gr. Riesenkunstfeuerwerk WINT DORTEN Randen) v. Jean Gilbert Uschi Ellest, Fr. Sdreiz Gertrude Berliner Th.i.Komm.- Str. Nur noch 4 Vorstellungen Durch den Rundfunk Vom 16-31.7. geschlossen Komödienhaus 7.45 Uhr: Der letzte Kuß Sommerpreise ANLAGE eine komplette 2 Kopfhörern höhrfertige. mit Mark 5.monatl. 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Weimer, der lanoe im Orient aeledt bat, schildert im ssolaenden einen der»abU reichen Stände, von denen die vielaeprllfl« Stadt am Bosporu» auch in den leiten Jahren wiederholt heimgesucht wurde. Die Redaktion. Irgendwo in Pera begann ein Horn zu schreien. Es war < Uhr nachmittag», an einem hellen, durchsichtige« Sommertag«, und ich ging, vom Typhus genesen, mit langsamen Schritten den Weg nach Findikly hinunter. Hinter dem breiten vielstöckigen Konak Faik-Paschas stieg eine leichte Rauchwolke in den Himmel, zitterte, löste sich und zerfloß in der Sonne. Am Ende der Straße erblickte ich eine brennende Wand. Die freiwillige Feuerwehr, eine Horde halbnackter Gesellen, die braune behaarte Brust hinter dem offenen Hemd, den grellroten Gürtel um die Lenden geschlungen, Hörner und Stäbe schwingend, eine kleine Handspriße auf den Schultern, die mit bunten Bildern bemalt war wie eine Jahrmarktskiste, stürzt« sich schreiend, mit wllden Gebärden an mir vorüber. Aus allen Gassen standen Hand- spritzen umher, viereckige Holzkästen mit einem Pumpenschwengel, wie man sie bei uns nur auf dem Lande findet. Ein bejammerns- werter Wasserstrahl entfuhr ihrem Munde: denn diese vielköpfige. menschenwimmelnde Stadt war arm an Wasser wie ein Bettler an Brot. Die zerrissenen Schläuche aber lagen verwaist auf dem Pflaster. Frauen, Kinder stürzten sich in die Häuser, und aus den geöffneten Fenstern regneten Betten, Polster, Teppiche aus die Straße hinunter. Alle waren nur von einem Gedanken beseelt, geknechtet: niemand schien sich um das Feuer zu bekümmern. Ich blieb im Garten einer kleinen Moschee, auf eine Stein- mauer gelehnt, stehen, wo die Blätter eines Feigenbaumes, dessen Frücht« erst halb gereift waren, mich gegen die glühende Sonne schützten. Bon hier aus konnte ich eine schmale Sackgasse hinunter- blicken, die von niedrigen Hütten eingefaßt, an der Seitenwand eines hölzernen Kanals endete. Dahinter flatterte das breite, feurige Segel in den Himmel, knatterte im Wind und schlug schwer auf die Dächer. In den hohen Wänden prasselte es wie das Grollen ferner Gewitter, das Feuer raste mit tausend sprühenden Hufen über die Dächer, die Firste begannen mit flammenden Mähnen und Schweifen im Winde zu reiten. Auf der Gasse vor mir fluttete eine sinnlose Menge auf und nieder, die Schultern mit eilig zusammengerafften Bündeln behängt. Jeder nackte ausgestreckte' Arm schien sich zu vervielfältigen, sich er- trinkend an den rettenden Halt einer Kiste, einer Bank, irgendwelcher Möbelstücke zu klommern, die in immer schnellerer Folge aus den Türen hinausdrängten. Die seltsamste Bölkerwanderung der Haus- gerät« begann. Es schien, als gäbe es nichts anderes auf der Welt »nehr als Schränke, Kommoden, Tische, Betten, Polster und Stühle. Nie wurde mir die Macht toter Gegenstände über die Herzen der Menschen stärker bewußt als zu dieser Stunde, die blinde Gier des Besitzens, die wie eine gewalttätige Gottheit ihr Leben long diese Seelen gefesselt hielt, um sie durch Not, Armut und Feuersbrünste grausam hinter sich her zu schleifen. Di« Frauen, von Schweiß und Atemnot gepeinigt, hatten ihre Gesichter entschleiert, und ihre flehen- den Augen bettelten um den Besitz wertloser Habe mit der Angst und Verzweiflung von Müttern, die um das Leben ihrer Kinder kämpfen. Die schwarzen Tücher ihrer Frauenmäntel öffneten sich, Strähnen dunkler Haare quollen hervor, das geblümt« Muster einer billigen europäischen Bluse, oder die hängende Brust einer zahnlosen Greisin, die barfuß umherlies. Jemand ging mit einem in Glas gerahmten Koranjpruche vorüber, der Rahmen stieß auf die Erde, so daß Bild und Scheibe herausbrachen, er ließ den Spruch liegen, nahm den Rahmen und die l««re Pappe und ging damit weiter. Nackte Füße schnitten sich an den Scherben blutig. Aus einem Nach- barhaufe begannen Männer Gebetteppiche vom Dachfirst herabzu- hängen und mit einer kleinen Gießkanne zu befeuchten. Junge Mädchen verteilten mit liebender Geste die Schätze des Hauses an ihre Brüder und Väter, die mit der Geduld eines Packesels die schwersten Lasten auf ihrem Rücken davontrugen. Ihre weißen Mädchenarme langten mit zitternder Gebärde nach den Fenstern hinauf: wie schön sie waren mit dem sanften Oval ihres Gesichtes, das die Glut der Stunde gerötet hotte! Aber die Verwirrung wuchs, je näher das Feuer sich im Rücken der Häuser heranschlich. Unaufhaltsam eilten die Menschen den ab- schüssigen Hohlweg entlang, begegneten sich, stießen einander und stauten sich in den Winkeln zusammen: schleppten ihre Bündel tal- ab. daß es staubend über die Steine schleifte, kletterten in entgegen- gesetzter Richtung mühsam die Straße hinauf, bis sie irgendwo auf ein brennendes Hau», einen verstopften Torweg trafen, um in atem- loser Hast den Weg von neuem zurückzukehren. Die Gasse vor mir wurde zu einer raucherfüllten Schlucht, in der die Bretter der gegen- überliegenden Wände mit flammenden Zungen gegeneinander los- fuhren. Aber noch immer brachen die Häuser ein« unkenntliche Masse von Gegenständen auf das Pflaster au», als würden sie von Krämpfen geschüttelt. Die Schutzleute ergriffen die Vorübergehen- den und forderten sie auf. die Habe der bedrohten Wohnungen zu retten: wer noch eben in sein eigenes Haus eilen wollte, wurde un- barmherzig in eine fremde Tür gestoßen, raste die Treppe hinauf, ergriff in wahnsinniger Hast«inen gleichgültigen Gegenstand, um. damit wieder auf die Straße zu stürzen. Lehnstühl«, Fliegenspinde. Phonographen, Truhen, Matratzen. Betten, Vogelbauer. Küchen- geräte wirbelten umher wie«in Orkan. Und das alle» staute sich, ein hoher Wall, vor den Mauern und in den Vorgärten, der ganze minderwertige Hausrat Europas, den der gewissenlose Unternehmer aus den fremdländischen Markt wirft, mct dem die Geldmänner Frankreichs. Englands und Deutschlands die Städte des Orient» wie mit einer Sintflut verwüsten. Jene hochwandig.n Betten aus un- echtem Buchsbaum mit den kümmerlichen Resten eines Renaissance- stils, wie sie der kleine Mann in Europa am Tage seiner Hochzeit auf Abschlag kauft Jene Waschtische mit aufgeleimten Marmor- platten, die mit vielkantigen Leisten verzierten Kommoden, gleich der Stuckatur eines Berliner Miethauses der neunziger Jahre, jene ungezählten Zwillinge dickbäuchiger Porzellanlampen mit oufgefranz- ten Glocken, die nie entzündet werden und innen angeschlagen sind. Da» ganze übervölkerte Warenlager Europas, da» in die Fremde gewandert war. um in den Gemächern türkischer Frauenhäuser ein sonnenlose» Dasein zu führen, ein Fremdling, in den Stuben griechi- scher und armenischer Bürger der. Zeuge ihrer Leiden und ihrer Armut, der Gegenstand ihrer Verehrung zu werden, den sie mit ihren Erinnerungen, ihrer Liebe, ihrem Ungeziefer erfüllten. Und noch immer schien dieser Strom kein Ende zu nehmen: ja. es war» als hätten die Menschen seine Führung verloren, als hätten die stummen, Naglosen Träger ihrer Leidenschaften, plötzlich der Illustrierte Wochenübersicht. So sieht sie ans. Zustitias Doppelwage: Die für die Rechken bleibt in gleicher Lage. Jedoch dle Woge für die Linken Sicht man gewaltig auf und niedersinken.— Wenn einer von der edlen Schwarzweißrok-Wehr Ans Schwarzrotgoldene oder Rote knallt, Der Handell ganz naturgemäß in Rolwchr.— O herrliche Gcrechtigkeitsanstalt! Polsdämlich hört man wieder hoheazollern, Die ganze Gotlesgnadenkompagnie, Wie wlldgewordne Puter kollern Im Geist der abgehängten Dynastie. Man quatscht vom Dolchstoß und gewaltgen Tagen, And zeigt sich wieder ziemlich ansgeränml. wenn man das fleht, kann man nur eines sagen: wir hoben damals irgendwas versäumt. Der groß und Neine Snob mit Fsimmerslmm«� Der rückte Sonntags auf die Avusbahn. Und war auch dort des Volkes wahrer Himmei. Es hat sich leider nicht» getan. kein kurbelant war richtig aus dem Posten. Doch, war auch die Begeisterung umsunsl: Der Snob braucht Sensationen, die wa» kosten. Und dann: wa» tut man nicht für deuische Sonst? Man sieht, wir haben Sorgen und so weiter Jär Denkmalswesen, Kunst und Staatskllmbim. Indessen hungern tausend Bauarbeiter. wozu der Lärm? Das ist nur halb so schlimm. Die kriegen bald den Hochschuhzoll; Da brauchen sie doch keine Lohnzulagei Der Bauch ist leer, die Räse hat man voll.— Da» wäre so da? Bild der letzten Tage. Stille entrissen, sich selber zu eigenwiMgen Herrschern der Stunde gemacht. Eine ausgebrochene Menagerie, drängten sse aus ihrem hölzernen Gefängnis, ohne zu wissen, wohin sie sich wenden sollten: sprangen, an Stricken gefesselt, Tische, Stühle und Sessel, aus den Fenstern hinaus, ohne Rücksicht auf die Köpfe der Vorübergehenden, und fielen wie die Katzen immer wieder auf ihre Beine. Ohn- mächtig entsank der Menge die Kraft, diesen wahllosen Haufen zu- sammenzuhalten, der, erst scheu in die Winkel geduckt, sich nun mit Gewalt die Straße hinunterschob, der sie beiseite zu stoßen und zu ersticken drohte. Ein Mann trug einem geschliffenen Spiegel, einen leuchtenden See, vor sich her. Mit ausgebreiteten Armen suchte er seine glitzernde Masse zu haschen: aber der Spiegel rannte gegen ein« Mauer, und das Licht zerfloß zwischen seinen Füßen. Eine Frau lief einer Lampe nach. Sie hatte diese Lampe aus ihrer Wohnung getrieben, einen blauen BehAter aus Glas, der noch halb gefüllt war, mit einem Himmel aus bunter und einer weißen Alabaster- säule, die sie krampfhaft umklammert hielt. Die Lampe tanzte vor ihr her, jeden Augenblick aber verlor die Fvau die Krost, ihr zu folgen, zwischen eine Menge von Menschen gekeilt, die sich aneinander wund schliffen. Auf einer Truhe ritt ein altes Weib, dos von der Höh« chres Sitzes ihren Kindern Befehl« erteilte. Gott weiß es,— sagte sie und begann unbekümmert um die Not des Feuers, sich eine Zigarette zu drehen. Ein Krämer trug auf einem Tablett vor- sichtig fein Nochtmahl oerüber, gebratenes Geflügel, fett« Bohnen. Oliven und Reis. Sein Magen ging hinter seinem Hunger her, es war ja der Monat Ramosan, und er hatte den Tag über gefastet: vielleicht sagte er sich:„Mein Haus, meine Habe verbrennt, mm, wie Gott will, wenigstens werde ich noch einmal satt sein." Ein paar Schritte hinter ihm aber schwankte eine junge Mutter, ein Kind von wenigen Monaten auf dem Arm, ein Nickelgestell mit Glasflaschen, aus denen die Stöpsel herausgefallen waren, unter den Ellenbogen ge- klemmt, und in den Fingern der linken Hand einen weißen Atlas- schuh tragend, einen schmalen zierlichen Hochzeitsschuh, der sie wie eine silberglänzende Gondel achtlos durch die wirre, bis zum Wahn- sinn aufgewühlt« Meng« hinter sich her zog: durch diese Brandung gepeitschter Massen, die dem Schwann ihrer Habseligkeiten wie einer losgelassenen Herde nachliefen, Türken, Armenier, Frauen, Kinder, Offiziere, Derwische, Juden, Italiener und Griechen, das Schweiß. tuch um die triefende Stirn gebunden, ein Strudel, der um sich selber zu treffen schien. Die Nacht sank: die Mauer, hinter der ich stand, war heiß geworden und die Lust so glühend, daß es mir schwer wurde, zu atmen, lieber der dämmernden Blässe des Bosporus aber stand in einem grünlichen Schimmer der volle Mond, das Sinnbild des abnehmenden Glückes. Der groß« hölzerne Konak Faik-Paschas royt« mit seinen vielen Türmen und Spitzen noch immer über der brodelnden Tiefe, von einer doppelten Abettdröte erhellt, die über Pera zu leuchten begann, Himmel und Erde verschwisternd. Aus einem Fenster des zweiten Stockwerks schrie eine Trompete, schrie unaufhörlich, als hätte sie alle Not und ollen Jammer der Menge in einem einzigen Schrei gesammelt. Aber die Flamme wand Türme und Erter, bestickte Tapeten, edelsteinbesetzte Schränke in einem goldenen Schopf zusammen: eine gewaltige Feuerhos« fuhr in den ♦ Himmel. Hoch über den Köpfen der Menge drehte der Wind in rasender Eile sein feuriges Karussell und schleifte seine brennenden Fahnen über die geduckten Dächer von Pera. Denn Pera, das war nicht nur das glänzende, verführerische und falsch«, das mar nicht nur die gleißende Straße der vielftöckigen Hotels, der Equipagen, der Kaufhäuser, der Kokotten, der tust- wandelnden Europäer. Hinter dem schützenden Mantel ihrer steinernen Kulisse oerborgen, begann das Pera der armen L«ite, das Pera der Witwen, der Handeltreibenden, der Amtsschreiber, der Äraßenverkäufer, der Keinen Beamten. Das Pera der Stille und der Genügsamkeit, das sich mit Gärten und freundlichen Hütten über die Hügel bis an den Bosporus hinunterzieht. Das Pera der Mcmdelbäume, der Zypressen, der Feigen- und Iudasbäume, die im Frühling die Ränge bedecken, ein irdisches Paradies. Nun aber umschloß auch die„Glut des höllischen Feuers, die Funken wirft, groß gleich Schlössern, gleich gelben Kamelen; die Schatten hat, weder schattig noch kühl, Schatten von schwarzem Rauch" wie der Koran stngt... Nun zitterten auch ihre grünen Aeste dein feurigen Atem entgegen, plötzlich wurde es Winter, die Blätter sanken ver- welkt zu Boden, bis ihre verkohlten Armstümpfen traurig zum Himmel ragten. Und die Karawane der gelben Kamele wanderte den Hügel hinunter, zog jettseits die Hänge des Tales von Kabaffch hinauf, unaufhalffam, sprühte bis in den Morgen hinein ihren heißen Geifer über die Giebel, schluckte die Zäune, die Fenster, die Balkon«, mehr als hundert Häiffer in einer Stunde vernichtend. Hundert schmale ziegelgedeckte Hütten mit knarrenden Holzdielen, die wie das Deck eines Schiffes schwankten, hundert hölzerne Käfige, hinter deren vergitterten Fenstern müßige Frauen auf staubigen Polstern während der langen Nachmittage den Abend erwarteten: hundert aus morschen Brettern zusammengeschlagene Schuppen, durch deren spinndüime Wände das ewige Schreien der Kinder, der Klatsch und die Verleumdung der Frauen, die eisige Kälte des Winters drangen. Die Baracken des Elends, des Hungers und der Erniedrigung, diesen ganzen gewaltigen Scheiterhaufen der Armut, der, von der Sonne zusammengesunken, darauf zu warten schien, daß ihn die zündende Flamme verzehrt. Ein Uhr nachts. Von Else Feldmann- Wien. Ein vornehmes Stadtcafé mit ein Uhr nachts Schluß. Noch vor wenigen Minuten war der prunkvolle Raum voll Säften. Auf der Estrade hatte eine Zigeunerkapelle gespielt und Baare hatten getanzt. Die Tische waren so voll besezt gewesen, daß die weißgefleideten Kellner sich hatten wie Tänzer durchwinden müssen, wenn sie mit den Likören, eisgefühlten Limonaden oder Schaumweinkübeln an die Tische herantreten wollten. Die letzten Gäste mußte man wecken, damit sie gingen. Ein ganz junger Mann und, ein junges Mädchen saßen in einer Ecke und schliefen. Man mußte sie anschreien, damit sie erwachten; sie waren so schwer alkoholisiert, daß sie nicht wußten, wo sie sich befanden. Endlich waren die Letzten fort. Die Kellner zogen hinter dem Wandschirm ihre dunklen StraßenMleider an, nahmen ihren Hut vom Haken und gingen heim. Die Garderobefrau und der Zahlkellner blieben bis zulegt. Der Zahlkellner faß an einem der kleinen Tische, ordnete in zwei Brieftaschen sein Geld. In der einen hatte er die Einnahmen, die er am folgenden Tage an der Kasse zu verrechnen hatte, in der anderen war sein Trinkgeld. Der Zahlkellner hatte einen roten, schlagfüchtigen Hals man sah durch den abstehenden, weiten Kragen die blaugeschwollene große Halsschlagader in beängstigender Weise zittern. Er war ein großer Biertrinker. Auch jezt stürzte er noch schnell ein halbgefülltes Glas hinunter. Sein fahler, schwerer Ropf mit den fleischigen Ohren hatte an den Schläfen bis in die Mitte der Wangen graublonde schmale Haarbüschel, die ihm ein seltsames Aussehen gaben; wie ein Leibfutscher von früher sah er aus. Seine Augen litten an der Kellnerkrankheit, án chronischer Entzündung; seine Füße waren Kellnerfüße, groß, mit entzündeten Sehnen, die ärgsten Plattfüße, die sich denken ließen. Der Oberkörper, fett, aufgeplustet wie ein Ballon, war eine ungeheure Last für die mager und dünn geratenen furzen Beine. Er war eine recht komische Figur. Aber das Gesicht zeigte tro allem Würde. Ohne dieses Gesicht mit der Haarbüschelumrahmung würde er faum mehr eine Stelle bekommen haben. Denn er gehörte nicht mehr zu den Jungen. Ueber fünfzig Jahre, was im Kellnergewerbe ein Alter heißen will! Die Garderobefrau war mit Auskehren fertig. Die Stühle blieben über Nacht auf den Tischen. Sie wischte noch tüchtig den Staub und besah gefundene stände: Bleistifte, Notizbuch, Taschentücher, einen Schal; schob sie etwas in ihre Tasche. Gegenendlich Der Zahlkellner stürzte vor: sehen lassen! Es ist nicht echt. Verkäufe Es war ein Anhänger. Unecht, da, sehen Sie, wie er sich biegt. Richtig, er bog sich. Schund, Meffing, damit puzen sie sich auf. Zum Aergern, daß niemand echte Wertsachen zurüdfaffen wollte, das hätte wenigstens Finderlohn bedeutet. Die Garderobefrau saß neben den hohen leeren Kleiderständern und sah trübselig vor sich hin. Ihr Kopf sant nach vorn. Bei all ihrer Aermlichkeit hatte sie das Aussehen einer netten alten Frau. Alles an ihr war ordentlich. Die Falten ihres Kattuntleides, ja jogar die Runzeln ihres Gesichts schienen geordnet, wie es sich gehörte. Ihr schwarzer, glänzender Scheitel sah wie mit Del gestrichen aus. Dieses Haar hatte vergeffen, grau zu werden; dünn und hingeklebt bedeckte es den alten Kopf und machte den unnatürlichsten Eindruck, weil zu so altem, vergrämtem Gesicht kein junges Haar mehr paßte. Sie saß und grübelte. Ihre Hände zitterten; sie hatte sie vor die Augen gelegt. Machen wir Schluß! jagte der Zahlkellner. Aber die Garderobenfrau rührte sich nicht. Sie starrte auf einen bestimmten Play. Plöglich brannten auf ihren Wangen inmitten der bleichen Haut zwei rote Flecke; die Augen sanken ein. Sie sah verfallen, wie geistesabwesend aus. Sie bewegte die bläulichen, trockenen Lippen, als wollte sie etwas sagen. Der Zahltellner fah fie an, erschraf; er war mit ihr allein mitten in der Nacht. Sein schwerer Körper war müde; wie sollte er ihr rasch Hilfe bringen! Ist Ihnen schlecht? fragte er. Ja, flüsterte sie, ich glaube, ich befomme meinen Herzanfall. Er brachte ihr ein Glas Wasser. Sie trant und erhalte sich. Es ist schon viel besser, sagte sie; dann begann sie sogleich zu sprechen; faßte mit trampfhaften Fingern die Schulter des Zahltellners. Haben Sie in der Loge zwei das Paar gesehen? Den älteren Herrn und die junge Dame? Im grünen Seidenfleid mit schwarzem Spizenhut, mit langen weißen Glacés? Die beiden, der Herr und die Dame haben Champagner getrunken. Die Dame war meine Tochter. Seit einem Jahr lebt fie nicht mehr bei mir. Leb wohl, Mutter, rief sie mir damals zu, ich will fein so schweres Leben wie du es hast. Jetzt ist sie zwanzig Jahre alt und wird von reichen älteren Herren gekauft; Männer, wie der heute Nacht. Ich habe sie für immer verloren. Sechzehn Jahre lang habe ich für fremde Leute schmutzige Wäsche gewaschen, um mein Kind zu erhalten. Ich habe sie nähen lernen lassen, damit fie eine ehrliche Arbeit versteht. Aber eines Tages stand ein reicher Herr vor der Tür und erwartete sie. Da verließ sie mich und ging mit ihm. Und jetzt führt sie dieses Leben. Die alte Garderobefrau weinte heftig und schlug mit dem Kopf auf die Tischplatte. Ja, jagte der Zahlfellner, mir ist es nicht besser ergangen. Bor zehn Jahren heiratete ich eine sechsundzwanzigjährige Frau, eine Blumenarbeiterin. Was ich ihr alles nach Hause brachte: die vielen Nordstern Reikzeuge( Richter- Präzision), Sicher heits- Goldfüllfederhalter. Bureaubedarfshans Lindner, Reukölln, KaiserFriedrich- Straße 36/37. Schöneberg, Bahnstraße 43. 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Für diese religiöse Begründung wird die indische Lehre von der Seelenwanderung herangezogen, nach der die Seele des sündigen Menschen jo lange immer wieder auf die Erde zu neuem Leben in einem anderen Körper zurückkehren muß, bis sie gereinigt und entsühnt ist. Die Unanrührbaren dürfen fich den Rechtgläubigen und ihren Behausungen nur auf eine gemisse Entfernung hin nähern, wenn sie sich nicht Strafen und Mißhandlungen aussehen wollen. Im Manchester Guardian" wird berichtet, daß in einem indischen Distrikt die Rechtgläubigen eines Dorfes die einzige Landstraße für die Unanrührbaren gesperrt haben. Ein Kind der Berachteten, das trotzdem diese Landstraße betrat, um zum Schulbesuch in das Dorf zu gelangen, wurde so grausam mißhandelt, dog es noch nach Wochen mit Bunden bedeckt war. Der große indische Freiheitsapostel Mahatma Gandhi ist auch hier ein Streiter für Gerechtigkeit und Güte. Die ihm nahestehende Organisation der Non- Co- Operatos" nimmt sich der Unanrührbaren mit Erfolg an. Gandhi glaubt dabei nicht nur den Forderungen der Menschenliebe zu genügen, sondern vertritt zugleich die auch für unsere Rassenfanatiker sehr beherzigenswerte leberzergung, daß die Freiheit und die Einheit eines Boltes nur entstehen fann, wenn törichte Rassen verurteile, die das Volk spalten, überwunden werden. Studentinnenmoden in USA. Die amerikanischen Werf studentinnen gehören zu den Frauen, denen man in aller Welt höchste Achtung zollt. Durch ihrer Hände Arbeit, oft als Hausangestellte, erwerben sie sich ihren Unterhalt, die Mittel für ihr Studium. Auch sonst gibt es zahllose ernsthaft strebende Frauen an den Universitäten der Vereinigten Staaten. Für viele andere indessen sind die Hochschulen nur die Stätten der ungebundenen Freiheit, des Flirts, der Modetorheiten, die dort ihre So hört man jetzt, daß die Sitte der seltsamsten Blüten treiben. eleganten Amerikanerin, den Strumpf unterhalb des Knies einzurollen, an den Universitäten eine Variante gefunden hat. Die hoffentlich wenigstens jungen Damen tragen nämlich so furze Röcke, daß die Kniescheibe sichtbar wird, auf die sie die Anfangsbuchstaben ihres Namens oder eines Klubs malen oder tätowieren laffen. Es geht doch nichts über akademische Bräuche. Schnitzelseifenpulver mit geschnitzelter Kernseife Das Vollkommenste für die Wäsche General- Vertreter für Gröss- Berlin Gottlob Meissner, Berlin 0112 Amt Alexander 2480 Fernruf Schreibmaschinen ALL höchsten Tagespreisen Hermann Wiese, Artilleriestraße 30. Unterricht Verschiedenes Mordsiem LF Bruowig Minia Busarbeiterinnen für Stapel unb beijeren Genre jucht fofort S. Balter Nachfolger Claus Eisenbarth, Damen hite- Fabritation, Beuthitraße 20.[ 44/17 Marineftiderinnen sucht Bessert- Retter bed, Friedrichstraße 43. Selbständige 1050b Freileitungs- Montcure Großbank sucht für Hausdruckerei gewandten jüngeren Sezer Drucker ( Schweizerdegen), der felbständiges Arbeiten gewöhnt. Angebote mit Gehaltsansprüchen unt.B. 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