Abendausgabe Nr. 326 42. Jahrgang 5 Pfennig Montag = Vorwärts== Ausgabe B Nr. 160 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 13. Juli 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmón. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2307 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Bruch des Kartells der Linken. Caillany Budget mit der Rechten angenommen. famte Rechte ist es zu einem Ministerium der Konzentrotion nach der Mitte geworden, das nach dem 11. Mai des vorigen Jahres das Ziel des Blocks National gewesen ist. Caillaux Senator. Erfahwahl für den im Departement Sarthe freigewordenen SenatsParis, 13. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bei einer gestrigen fit ift Finanminister Caillaur ohne Gegenfandidaten mit 641 Stimmen gewählt worden. Es wurden 96 zersplifferte Stimmen und 131 weiße Stimmzettel abgegeben. Paris, 13. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Fortsetzung der| Gestützt auf den rechten Flügel der bisherigen Mehrheit und die geBudgetberatung, die am Sonntag den ganzen Tag, ein schließlich die Nacht zum Montag in Anspruch genommen hatte, hat nunmehr zum definitiven Bruch zwischen dem Ministerium Painleve und einem großen Teil seiner bisherigen Mehrheit geführt. Obwohl das Kabinett bereits am Samstag in der Kammer zwei schwere parlamentarische Niederlagen erlitten hatte, wo die von der Regierung geforderte Streichung der von der Kammer in erster. zweiter und dritter Lesung beschlossenen Modifikation der Umsaß steuer, trotz des Widerspruchs der Regierung, mit 263 gegen 261 Stimmen abgelehnt und ein von ihr beantragter Kredit zur Einberufung und Ausbildung von Reservisten mit 293 gegen 275 Stimmen zurückgewiesen worden war, hat Caillaug im Bunde mit der reaktionären Mehrheit des Senats seinen Widerstand gegen die von der Linken gewünschte Modififation der Umsatzsteuer zugunsten des Kleinhandels und der Handwerker in vollem Umfange aufrecht erhalten. Nach wiederholten Beratungen ist es ihm gelungen, die Finanzkommission der Kammer durch Stellung der Vertrauensfrage auf seine Seite zu bringen. Dieser Umfall eines Teils der bisherigen Mehrheit hat den Präsidenten der Kommission, den Genoffen Bincent Auriol, veranlaßt, den Borfih der Finanztommiffion niederzulegen, ein Beschluß, den er trotz der Intervention Caillaug und des Trängens der Mitglieder der bürgerlichen Linten aufrecht er halten hat. Im Plerum der Kammer wurde, nachdem Painleve felbft die Vertrauensfrage gestellt hatte, der in der Nacht von den bürgerlichen Sozialisten und Radikalfozialen gestellte Antrag auf Wiederherstellung des ursprünglich von der Kammer votierten Tertes mit 325 gegen 245 Stimmen abgelehnt. Gegen die Regierung haben mit den Sozialisten etwa 100 Radi talsozialisten gestimmt, für die Regierung die gesamte Mitte und Rechte mit den republikanischen Sozialisten und der radikalen Linken. Dieses Botum bedeutet nicht nur den offenen Konflikt zwischen dem Ministerium Painleve und der Mehrheit, aus dem es hervorgegangen ist, sondern auch das Ende des Kartells an dessen Zersehung neben der Marottopolitif Painleves vor allem die ausgesprochen plutotratische Finanzpolitit Cail lang die Schuld trägt. Das Kabinett Painleve, das etwa 3weidrittel seiner bisherigen Mehrheit zum Gegner hat, und das sich in allen wichtigen Abstimmungen der letzten Wochen nur dank der Unterstützung durch die Rechte behaupten konnte, hat aufgehört, ein Ministerium der Linten zu sein. Vor gewaltigen Mietsteigerungen. Beschlüsse der Rechtsmehrheit im Steuerausschuß. Der Steuerausschuß des Reichstags hat am Sonnabend zur Frage der Hauszinssteuer Beschlüsse gefaßt, die von der weitestgehenden Bedeutung find. Ihre Folge wie eine so starke und fprunghafte Mietspreissteigerung sein, daß mit den verhängnisvollsten sozialen und wirtschaftlichen Wirkungen zu rechnen ist. Die Beschlüsse stimmen überein mit den Anträgen der Regierungsparteien, die noch weit über die Regierungsvorlage hinausgehen. Alle Versuche der Sozialdemokratie, den Ertrag der Mietssteuer zu begrenzen, sowohl in bezug auf ihre Höhe als auch ihre Berwendung Lediglich zu Zwecken der Neubautätigkeit, scheiterten an der geschlosse nen Front der Regierungsparteien, die sich selbst über die ernstesten Bedenten hinwegfejten. Wir behalten uns eine eingehende Wiedergabe und Besprechung der Beschlüsse vor, und verzeichnen jetzt nur die wichtigsten. 1. Bis zur Erreichung der vollen Friedensmiete werden mindestens 20 und höchstens 30 Prozent der Friedensmiete zur Dedung des allgemeinen Finanzbedarfs verwendet. Erhöht sich die Miete über die Friebensmiete hinaus, fo darf ein weiteres Fünftel der Miete für den allgemeinen Finanzbedarf ver2. Zur Förderung der Bautätigkeit werden in den amei Jahren vom 1. April 1926 bis zum 31. März 1928 jährlich mindestens 15 bis 20 Proz. der Friedensmiete verwendet. wendet werden. 3. Die Reichsregierung fegt lediglich mit Zuftammung des Reichsrates die Mindesthöhe der gefeßlichen Miete im Reiche einheitlich fest. Am 1. April 1926 müssen die Mieten mindestens 100 Proz. der Friedensmiete betragen." Da gleichzeitig den Ländern die Möglichkeit gegeben ist, den Anfeil des Hausbesikers am Mietertrag für Berzinsung, Berwaltung, Reparaturen usw. zu erhöhen, so dürfte auch hieraus eine Steigerung der Miete zu erwarten sein. Man kann deshalb annehmen, daß sich fünftig die Miete bereits vor dem 1. April 1926 etwa folgendermaßen gestalten wird: 65-70 Proz. für den Hausbesitzer, für den allgemeinen Finanzbedarf, für Neubauzwede 20-30 15-20 99 プラ Die Miete wird also bereits nach Infrafttreten des Gesetzes über den Finanzausgleich am 1. Oftober 1925 mindestens 100 Pro3., wahrscheinlich aber in vielen Einzelstaaten fogar bis 120 Pro3. betragen. Das aber ist lediglich ein vorübergehender Stand, da weitere Erhöhungen der Steuer für Finanzzwecke fowie für den Hausbefizer den Ländern gestattet sind. Bedenki man, daß diese Steigerung der Miete in eine 3ell allgemeiner Preissteigerungen hineinfällt und daß mit dem Inkrafttreten der Zölle und der Erhöhung der indirekten Steuern weitere Steigerungen kommen, jo tann man die Größe der Gefahr ermeffen. Kaum sechs Monate nach seiner Rehabilitierung durch das Amnestiegesetz ist Caillaur wieder Parlamentarier geworden. Eine. Ironie des Schicksals will es, daß sich seine Rückkehr ins Parlament in jener Körperschaft vollzieht, die ihn als Staatsgerichtshof vor sechs Jahren zu 10jähriger Verbannung und Entziehung der bürgerlichen Ehrenrechte wegen Einverständnisses mit dem Feind verurteilt hatte. Der Caillaur verkörpert, fommt aber vor allem darin zum Ausüberraschende Wandel der Zeiten, der sich in dem Namen druck, daß der erbitterte Kampf, der von der Rechtspreffe noch vor wenigen Wochen in Aussicht gestellt wurde, falls Caillaur es wagen sollte, wieder ein parlamentarisches Mandat zu be= gehren, ausgebПleben ist. Es wurde nicht einmal ein Gegenfandidat gegen ihn aufgestellt, vielmehr scheint sogar die Rechte zum Teil für ihn gestimmt zu haben, während die unbeschriebenen Stimmzettel gerade von denen herrühren dürften, die sich em tapfersten in den Beiten feines Unglüdes für ihn geschlagen haben, nämlich von den Sozialisten. Das liegt eben daran, daß die Finanz ministerschaft Caillaug von Anfang an eine angenehme Enttäuschung für die Kapitalisten und eine bittere Enttäuschung für die arbeitenden Massen gewesen ist. Damit wird aufs Neue bewiesen, wie unehrlich die Haßaus brüche der Reaktionäre aller Länder find: wenn derjenige, Interessen geschicht wahrnimmt, dann sind sie bereit, ihn aufs den sie gestern treuzigen wollten, morgen ihre materiellen Schild zu erheben. übrigens gestern um einen neuen schweren Zwischenfall vermehrt. Das an Schicfalsschlägen so überreiche Leben Caillaug hat sich Etwa zur gleichen Stunde, in der er zum Senator gewählt wurde, war seine Frau, die in seiner politischen Laufbahn einmal eine angluds, als fie nach der Stadt Le Mans fuhr, wo sich die fo verhängnisvolle Rolle gespielt hat, das Opfer eines Auto angluds, als fie nach der Stadt Le Mans fuhr, wo sich die Wohlhandlung vollzog. Ihr Zustand ist ernst, wenn auch nicht lebensgefährlich. die aus diesen Beschlüssen nicht nur für die Lage der Arbeiterklaffe und der Rentner, sondern auch für die allgemeine Wirtschaftsentwidlung entsteht. Frühzeitige Ruhrräumung. Abzug der Kolonialtruppen aus dem Rheinland. Condon, 13. Juli.( WTB.) Der Reuterkorrespondent in Köln hört von maßgebender Seite, daß die Räumung des Ruhrgebietes mehrere Wochen vor dem angefündigten Termin beendet sein wird. ( Bon Die Schlacht der Lira. Muffolinis erledigter Finanzminister. unferem römischen Rorrefpondenten.) Rom, Mitte Juli. Der eben zurückgetretene Finanzminister De Stefani galt lange als eine Säule des faschistischen Regimes. In der Tat ist er der einzige Minister, der seit dem Marsch auf Ronm in seiner Stelle geblieben ist. Sogar Mussolini hat nach dem Berbrechen an Matteotti sein Portefeuille als Minister des Innern niederlegen müssen und Federzoni hat die den anderen Oktoberministern ist feiner mehr übrig. Im Kolonien mit dem Portefeuille des Inners vertauscht. Bon ganzen hat Mussolini 15 Minister gewechselt und einen durch den Tod verloren, welche Wechsel sich alle abseits von jeder parlamentarischen Willensäußerung vollzogen, haben. Zum Unterschied von der Mehrzahl seiner Kollegen war De Stefani eine Persönlichkeit. Er hatte ein Programm, dessen Rückgrat freilich mehr aus Theorie als aus praktischer Erfahrung bestand und er galt als persönlich rechtschaffen, obwohl er in seiner nächsten Umgebung Leute duldete, die anrüchtig waren und sind. Ein Titan, wie ihn die faschistische Preise nannte, solange er bei ihr noch lieb Kind war, war fraft. Man muß ihm nachrühmen, daß er sich einer„, fidelen er nicht, aber ein Mann mit festem Billen und großer ArbeitsFinanz" energich widersetzt hat: gegenüber den imperialistischen Wahnvorstellungen vertrat er eine fleinbürgerliche Sparfamfeit. Trotz aller gegenteiliger Pressionen der Industrie, umlaufs nicht geduldet. Seine letzte Verfügung betraf die die auf Inflation drängt, hat er eine Erhöhung des NatenBesteuerung der parlamentarischen Diäten, die sich Kammer und Senat nicht gefallen laffen wollen. Zum Verhängnis wurde ihm seine Interventionspolitik in Börsensachen, die zu Ende Februar eine große Börjenpanit heraufbeschwor und auf dem Devisenmarkt jene Instabilität zeitigte, die am Gemesterschluß zu einem fatastrophenhaften Sturz der Lira führen sollte, an dem nicht zuletzt der 50- Millionen- Dollarkredit bei der Morganbank schuld war. Dollarkredit mehr erwartet als er geben konnte, nämlich eine bei der Morganbank schuld war. Man hatte von diesem bedeutende Kurssteigerung der Lira, und in dieser Erwartung Baluta bis zum Semesterschluß aufgehoben, mit der erhatten die Importfirmen ihre Eindeckung mit auswärtiger wähnten unheilvollen Folgen. Lira" selbst befehligen, war De Stefani überflüssig, wie der Als dann Mussolini erklärte, er werde die Schlacht der Minister der Bolkswirtschaft, der faschistische Kleritale Nava überflüssig war, seitdem Mussolini die Schlacht des Korns" weil sein Wirken als Minister ganz im Verborgenen blühte. befehligt. Nur daß Navas Rücktritt fast unbemerkt bleibt, Vor dem Verlassen des Ministeriums hat De Stefani noch bekanntgegeben, daß das Gebahrungsjahr 1924/25 mit einem Ueberschuß von 209 Millionen abschließt und um 1564 Millionen den Voranschlag übertrifft. Seit dem Gebahrungsjahr 1910/11 tammte 3talien feinen Ueberschuß mehr; dann tam der libysche Krieg. De Stefani hat die von seinen Vorgängern angebahnte Sanierung der Staatsfinanz weitergeführt, nach denselben Methoden wie diese, durch eine schier erdrückende Steuerlast, aber auch durch einen energischen Widerstand gegen neue Ausgaben. Die öffentliche Schuld im Inland ist von 95 auf 91 Milliarden gesunken; der Notenumlauf hält sich mit Schwankungen unterhalb von 20 Milliarden. Trotzdem ist die italienische Baluta seit den Tagen der faschistischen Besitzergreifung beständig gesunken; der Dollar, der damals 19 Lire Er berichtet weiter: Die Behörden in Hattingen, Witten, Bochum, fostete, tostet heute 28,50, das Pfund damals 91,85, heute Gelsenkirchen und Redlinghausen sind verständigt worden, daß alle 134,50. Die unleugbaren Fortschritte der italienischen Staatsin diefen fünf Städten requirierten Gebäude Ende der finanzen haben also im Ausland nicht das Vertrauen ausgelöst, Woche freigegeben würden. In Kaiserslautern sind die das man erwarten konnte. Daß an der Spannung der Stadtbehörden aufgefordert worden, hundert Quartiere für fran Wechselkurse auch die vermehrte Korneinfuhr schuld trägt, ist zöfifche Offiziere aus dem Ruhrgebiet zur Verfügung zu stellen. bekannt. Mussolini ist überzeugt, daß das Vertrauen sich einEine franzöfifch- marottanische Division, die nach stellen wird, nachdem er selbst persönlich die„ Schlacht" beMaroffo beordert ist, und eine andere franzöfifche Division aus fchligt; die Faschisten faffen den Schlachtbegriff" weniger bilddem Ruhrgebiete sind auf dem Wege nach Frant- lich, wie ein lleberfall auf die Turiner Börse bei dem Abschlußz reich. Die Wirkung der erwähnten Entscheidung wird feln, daß des Kurszettels beweist. die französischen Kolonialtruppen aus dem Rheinlande jo gut wie verschwinden. Die Kreistagswahlen im Memelgebiet. Erfolg der Sozialdemokraten.- Sieg der Autonomisten. Memel, 13. Juli.( Mtb.) Bei den Kreistagswahlen in me met erhalten die Großlitauer von den 20 Sigen voraussichtlich nur zwei, 18 Gizem entfallen 12 auf die Landwirte und die Bürgerlichen, die memelländische Einheitsfront 18. Bon diesen während die Sozialdemokraten, die bisher im Kreistag nicht vertreten haben, die übrigen 6 Size erhalten. Im Kreise Pogegen ist von 20 Kreistagsabgeordneten einer Großlitauer, während die übrigen Site von der memelländi ichen Einheits front eingenommen werden. Aus dem Kreise Hendekrug wird folgendes Ergebnis gemeldet. Bereinigte bürgerliche Barteien 5 Size, Landwirte 9, Sozialde mofraten 4, Großlitauer 1 und fleine Barteien 2. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 50 Proz In Allenstein wurde am Sonntag die Grundsteinlegung des As stimmungsdentmals vollzogen. Kommandant der englischen Luftflotte, ist in Begleitung Asmorres Eine englische Flugbasis in Gibraltar. Bizeadmiral Steele, der in Gibraltar eingetroffen. Der Besuch Steeles wird mit der Er richtung einer englischen Flugbafis in Gibraltar in Zusammenhang gebracht. Wie Schakale über eine Leiche fallen jetzt die meisten Faschistenblätter über De Stefani her. Wohl hat er einige hochfaschistische" Rettungen in der Schwerindustrie vollzogen -oder vollziehen lassen und hat auch die Erbschaftssteuer unter Ehegatten und in gerader Linie abgeschaft, mit einem Einnahmeausfall von 250 Millionen, aber deffemungeachtet galt er der faschistischen Presse nicht as parteifromm. Man wirft ihm vor, nie Staatsmittel in irgendeiner Form für die ach so ihn gerade die Blätter mit besonders fluktuierender Krippe am hungrige faschistische Presse geliefert zu haben. Darum haben meisten angegriffen und jubeln jetzt über seinen Rücktritt, den nicht einmal ein Dantesbrief verfüßt, wie ihn doch Finzi und Cesare Rossi seinerzeit erhielten. Was die Nachfolger betrifft, so ist Volpi ein Mann von unzweifelhafter Kapazität, langjähriges Mitglied des Auffichtsrates der Banca Commerciale", Großindustrieller mit weiten Handelsbeziehungen im Balkan und der Levante, einer der Vertreter der italienischen Regierung in Duchy bei den italienisch- türkischen Friedensverhandlungen, dann Gouverneur von Tripolitanien, von Giolitti in den Grafenstand erhoben, von Facta in den Senat berufen. Seine Mitgliedskarte der Minister der Volkswirtschaft Belluzzo stand bis jetzt dem faschistischen Partei ist neu und nicht abgegriffen. Der neue politischen Leben fern, ist ordentlicher Professor am Mailander Polytechnikum und ist in Fachtreifen als elettrotechnischer und hydraulischer Ingenieur sehr angesehen Wie wird sich min der Giolittianer Volpi, wie wird sich sein politisch noch nicht klassifizierter Kollege den Strömungen geenüber verhalten, die im wirtschaftlichen Leben des Landes um den Einfluß ringen? Die Frage ist besonders wichtig für den Finanzminister, der weniger als Bellulluzzo dem Einfluß Mussolinis unterworfen sein dürfte, wet sein Rayon mehr spezielle Kompetenz erheischt. Wir haben die Großindustrie, die auf Vermehrung der Zirkulation drängt, und die dafür Sorge trägt, daß die bloße Andeutung der Rückkehr zur Goldwährung eine Börsenpanit auslöst. Der heutige Tiefstand der Lire bringt natürlich die Ausfuht in Schwung und erzeugt starte Verminderung der Arbeitslosigkeit und jeinen scheinbaren Wohlstand, der dann zur Erhöhung der Zirkulation führt, wenn es gilt, mit dem entwerteten Gelde neues Rohmaterial aus den Ländern mit Goldwährung einzukaufen. Schon heute ist der italienische Notenumlauf nur zu 5 Broz. mit Gold gedeckt. Daneben drängt die Landwirtschaft auf die Wiedereinführung der Getreidezölle in der Höhe von 5 Goldlire pro Meterzentner, was beinahe 30 Bentesimi pro Kilo bedeuten würde. Gewiß, die heutige Krise ist ihrem Wesen nach technisch, nicht politisch. Aber bei der Schlacht" um die Lira und um das Korn stehen widerstreitende Interessen von Klassen und Schichten auf dem Spiele. Die großen Maffen, nicht die Börsenspekulanten, würden die Opfer der Infla tion sein. Der Kornzoll würde weniger gesteigerte Produktion der Landwirtschaft als verminderte Kauffraft der Massen bedeuten. Früher beriet man bei solchen Dingen das Für und Wider im Parlament. Heute gibt es in der italieni schen Regierung nur noch eine Art von Arbeitsteilung: die einzelnen Minister haben die Verantwortung für Mißerfolge und treten zurück; der Minister= präsident hat das Monopol aller Erfolge und bleibt, alles überdauernd. Parteitag der Langeweile. Beginn des 10. Parteitages der KPD. Es geht alles so hübsch brav zu auf diesem Barteitag der Be rufsrevolutionäre, daß man ihn ebenso gut für eine Zusammen funft gesitteter Ordnungsleute halten fönnte. Wer hat überhaupt etwas davon erfahren, daß die deutschen Kommunisten ihren 10. Parteitag in Berlin abhalten? Verschwunden find lich hängen Sowjetfahnen von der Galerie des Landtagssaales herab und Lenins Bild leuchtet als Transparent. Aber diese Symbole grüßen gutgekleidete, nicht einmal mehr wilde, Spießbürger, unter mengt von Intellektuellen und modisch gewandeten Jungfrauen. Nur eines hat sich geändert, das erotische Element wird diesmal aus dem fernen Osten gestellt. * Dieser ferne Often ist jetzt ber Stern und die Hoffnung jedes wahren Kommunisten. Sowjetrußland, das versteht sich von felbst. Aber feine Rede, feine Begrüßungsansprache, worin nicht China und Marotto immer aufs neue wiederkehren. Westeuropa ift ein aufgegebener Bosten der Weltrevolution". Aber follte nicht in China, in diesem Lande von 400 Millionen Menschen, ein neuer Punft zu finden sein, an dem der Kapitalismus aus den Angeln zu heben ist? Der Bolschemismus spielt mit Ländern und Völkern, wie der Schachspieler mit seinen Figuren. Er verfährt nach dem Rezept von Ruth Fischer:" Bei unserer ganzen Bolitif muß in erster Linie beobachtet werden, daß wir uns nicht an die Massen binden, sondern daß wir die Maffen an uns binden. Somjetrußland geht nicht zu den chinesischen Kulis, um ihnen zu helfen; die Not und das Elend der gelben Proletarier ist ihm gut genug dazu, um in dem Intrigenspiel gegen die Westmächte eingesetzt zu werden. Alles ist auf diesem Parteitag so schön geregelt. Auf die Minute ist in der Disposition für den Tagesverlauf des Barteitages" angegeben, wie lange die Referate, wie lange die Disfuffionsreden, wie lange die Mittagspausen zu dauern haben. Die Namen der Mitglieder des Präsidiums hat Thälmann schon mitgebracht, die Delegierten brauchen nur zuzustimmen. Der Photograph ist zur Stelle. Die 4. Schüßendivision in Sowjet| rußland, die auf den Namen" Deutsches Proletariat" getauft ist, hat, zu beobachten, wie die Herren eine Interessengemeinschaft zu mar das bestellte Telegramm gesandt.( Wenn diese Schüzendivision das fieren verjuchten. Die Absicht gelang ihnen aber sehr schlecht. Es deutsche Proletariat" sehen könnte, das sich da im Breußischen Land- ist anzunehmen, daß sie bei den Abstimmungen völlig bemastiert schienen, bei deffen Rede die Türen geschloffen werden, damit tein den vom Reichsrat gestrichenen Bouljaz auf dünngewalztes tag, versamelt hat!) Auch der Turtestaner ist pünktlich er- werden wird. Das Bestreben der Schwerindustrie geht dahin, Berräter die Polizei alarmieren fann. Nicht einmal die spärlich er Eisenblech wieder einzuführen. Die Vertreter der verarbei schienenen Pressevertreter läßt man um diese Zeit hinaus. Der fom- tenden Industrien wehren sich mit aller Entschiedenheit munistische Türwart erklärt stramm:„ Das ist gegen meine Inftrut- gegen eine Bolibelastung, die von verhängnisvoller Wirkung tion. Befehl ist heilig!" für ihre Betriebe sein muß. Das war die einzige Sensation, wenn man so sagen darf. Sonst perlief der geftrige Begrüßungstag höchft langweilig. Um 11 Uhr follte die Sache beginnen. Noch eine halbe Stunde danach waren nur wenig Zuhörer zur Stelle, mit fast einstündiger Berspätung Parteivorsitzenden Thälmann, Hindenburgs Transportarbeiter: wurde der Parteitag eröffnet. Diese öde und langiliefige Rede des Diese öligen lebertragungen der gestenreichen Ansprachen tommunistischer Vertreter aus Frankreich und England! Dieses schwung Parteitag der Langeweile! lese Heruntersingen der Internationale! Parteitag des Kampfes? Am Schluffe des ersten Tages hörte man eine Rede des Vertreters der Mostauer Erefutive. Er sprach ein hartes Deutsch, das auf der Tribüne nur schlecht verstanden wurde und das wohl auch nur ein fleiner Teil der Delegierten im Saale begriffen haben wird. Diese Rede war wohl auch mehr an die Adresse des deutschen Auswärtigen Amtes gerichtet. Sie schilberte die Entwicklung des Weltimperialismus, die Deutschland nach Moskaus Meinung zwinge, fich an die Geite Gowjetrußlands zu stellen. Der Broduktionsapparat der Weltwirtschaft werde nur zu drei Bierteln ausgenügt, was jetzt in Nordafrika, in Ostasien vor sich gehe, das fei der Kampf um die Abfazmärkte. Nicht durch den Garantie pakt, sondern nur in Gesellschaft Sowjetrußlands habe Deutschland Aussicht, fich wieder Geltung in der Welt zu verschaffen. Nach diesem weltpolitischen Erturs ging ein Hagelwetter auf die deutschen„ Ultralinten" nieder, auf die Scholem, Rosenberg, Rag. Das feien Kleinbürger, Kinder, fie nähren fich von den Brosamen, die vom Tische der Bourgeoisie" fallen". Kleinlaut rufen die so Abgebürsteten dazwischen: Wer hat denn das gejagt? Der Zwischenruf geht im Redeschwall des Mannes aus Turfeftan unter. Moskau spricht, da haben die Kleinen zu schweigen. * Ruth Fischer ist schon wochenlang in den Bezirken umberge Sie werden auch später nicht reben. Die vundlich gewordene fahren und hat dafür gesorgt, daß nur mostautreue Delegierte nach Berlin geschickt wurden, die die neue Taftit" verstehen und auf Kommando einschwenken. Aber auch die Kab, Rosenberg, cholem werden einschwenfen; was foll aus diefen Röpfchen werden, wenn Moskaus Sonne sie nicht mehr erleuchtet? Doch soll nicht verschwiegen werden, daß auch die Zentrale ihr Teil bekam. Mit sorgenerfüllter Stimme las der Vertreter der Erefutive aus den Berichten der Bezirke Berlin, Ruhrgebiet und Düsseldorf vor, wie start die Kommunistische Bartei zurüdgegangen sei. Das müffe wieder gutgemacht werden, darum auf zum Kampfe, aber nicht gegen das Kapital, gegen die der man die Arbeiter entreißen müsse. Wir fürchten, daß auch die politische Reaktion, fondern gegen die Sozialdemokratie, neue Taftit" teine befferen Erfolge bringen wird. Das tommunistische Sündchen kann wohl noch bellen, beißen fann es nicht mehr. Metallindustrie. Gegensätze zwischen Schwer und Fertigindustrie im Bollausschuß. Der Zollausschuß begann heute morgen die Spezialdebatte über den Komplex Metallindustrie. In einer Unterfommission hatten die Sozialdemokraten eine Einteilung gefordert, die beffen beschloß der Unterausschuß gegen die Stimme des Genoffen wirklich nach den zusammenfassenden Artikeln gruppiert mar. Statt Dißmann eine Einteilung, die bei beftem Willen nicht organisch genannt werden fann. Herr Dr. Reichardt, der Anwalt der Schwerindustrie, erklärte, zu einer so eingehenden Beratung der ganzen Materie ist teine Zeit, das machen wir beim nächsten Zolltarif! In der Debatte selbst, die in ruhigster und fachlichster Form unter lebhaftester Beteiligung der Regierungsparteien, aber faft völligem Echweigen der Regierung geführt wurde, tat sich der Intereffengegenjag zwischen Schwerindustrie und Fertigindustrie erneut auf. Es war sehr interessant, gefielen wir Genoffe Dißmann wendete sich sehr entschieden gegen die von der Schwerindustrie mit allem Nachdrud geforderten Schutz30llmaßnahmen. Er fragt die Regierung, inwieweit Klagen der Schwerindustriellen bei ihren Vorschlägen als Unterlage gedient haben. Im einzelnen mics er nach, daß weder die Arbeitswirtschaftlichen Lage sein können und daß die Gesamtfituation weltzeit, noch die Löhne die Beranlassung zu der schlechten wirtschaftlich gesehen. feinen Zollschuß rechtfertige. Bas bei den in Frage kommenden Bofitionen durchgeführt werden soll, führt zu den schwersten Rieschlägen in der verarbeitenden Industrie und damit zu einer unerträglichen Belastung der ungeheuer großen Massen von Arbeitern und Angestellten, die in diesem Induftriezweig tätig sind. Er müsse sich von seinem Standpunkt aus mit den ernsten Warnungen, die aus den Kreisen der Fertigindustriellen gekommen sind, identifizieren und seinerseits darauf aufmertsam machen, daß eine ganze Reihe Betriebe, z. B. Krupp, ver= anlaßt durch die zu erwartenden Erschwerungen, Betriebsverlegungen in großem Stile nach dem Ausland vornehmen. Dr. Reichardt plädierte erneut für die Einführung eines Bollschußes für dünngewalzte Bleche. Er verlangt allerdings die ausdrückliche Kennzeichnung dieser Zollposition als Kompenfationsobjekt. schwere Belastung der verarbeitenden Industrie darstelle. Jedenfalls D. Raumer ftellte fest, daß die Forderung Reichardts eine schwere Belastung der verarbeitenden Industrie darstelle. Jedenfalls verlangt er, daß, wenn dieser Zoll als Kampfzoll gekennzeichnet sei, nicht über die Säße der ursprünglichen Regierungsvor lage hinausgegangen werde. Der Zentrumsmann Lammers, ebenfalls ein Bertreter der Bertigindustrie, geht mit Raumer einig. Der volksparteiliche: Abg. Dr. Schneider wendet sich gegenjeden Boll auf diese Artikel. legung ganz pofitiver Ergebniffe an die Regierung einige Gen. Dißmann stellt in diesem Zusammenhang unter DarErmäßigung der 3ölle für Stabeifen und Rohbleche. Weiter, ob Fragen. Insbesondere, ob ihr bekannt sei der Antrag des Vereines Deutscher Maschinenbauanstalten und anderer Berbände auf Ermäßigung der Zölle für Stabeisen und Rohbleche. Weiter, ob Rohstahlverbandes, die auf der Frachtbasis Oberhausen auffie unterichtet sei über die standalöse Preispolitik des Schlesien bedient werden. Durch dieses Rechenkunststück entſtehe eine gebaut sei, obwohl z. B. Breslau in Schlesien und Gleiwiz in OberVerteuerung des Stabeifens von 135 auf 170 m., ob weiter die Regierung wisse, daß diese Preispolitik der Industriellen durch Reichs ämter eine Unterstügung erfahre, daß z. B. Lieferungen für den Often im Westen ausgegeben werden, und ob insbesondere darüber Untersuchungen angestellt feien, welche Rückwirkungen die deutsche Bollpolitik 3. V. auf die Preisgestaltung in der tschecho= lomatischen Schwerindustrie habe. Fragen nur ganz unzulängliche Antworten, so daß Dißmann später Ein Regierungsvertreter gab auf diese tonkreten gezwungen war, seine Fragen in noch dringlicherer Form zu wiederholen. Genoffe Breitscheid stellte auf Grund der verschiedenen mitgeteilten Ziffern fest, daß der Bollschuß bei einer ganzen Menge der in Frage gekommenen Artikel seither gar nicht ausgenügt wurde. Er fragt, warum unter den Umständen überhaupt ein Schutzzoli forciert werden soll. Eine Erklärung der Regierung im Zusammenhang mit den Blechzöllen, daß es sich um Kompenfations- oder Kampf3ölle handele, fönne die fozialdemokratischen Bertreter nicht beein flussen, auf 3ollfreiheit besonders bei diesem Artikel mit Rücksicht auf die verheerenden Wirkungen zu verzichten. den Bofitionen Bellerhöhungen vorzunehmen, mo deutlich erkennbar werde, daß sich die Maßnahme gegen England richte. Eine solche Stellungnahme stärke drüben die Front der Hochschutzzöllner und erschwere unsere Stellung bei den Handelsvertragsver handlungen ganz außerordentlich. Genoffe Hilferding warnt bringend vor einer Methode, bet Herr v. Raumer erklärt, daß die Regierung auf die verschiedensten Anfragen geschmiegen habe und daß das besonders unter Bezugnahme auf die Blechzölle doch eine bedenkliche Hal tung erscheine. Durch diese Bemerkung wurde eine Erflärung des Mis nisters provoziert, die erkennen ließ, daß sich die Regierung anDer liebe Gott meiner Kindheit... en fa ben beide nicht, wenn sie uns irgendwo„ aufällig berum. phon mußt sich ab, und niemand fäßt es baber alle Tage ununters Bon Jakob Heimann. Lautsprecher ich es ist unverwüftlich. Um zehn Uhr morgens ist er bereits in Tätigkeit, erden! Auf Wiedersehen morgen früh um zehn!" Und um zehn und erst um halb zwölf Uhr nachts flingt es heraus:„ Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht! Bitte, vergessen Sie nicht, die Antenne zu Uhr morgens ist er bereits wieder in Tätigkeit, und erst um halb zwölf nachts usw. usw. ad infinitum. Das kleine Haus, in welchem ich geboren bin, und das Nachbar: haus sind heute beide anders als damals. Damals, als ich noch ein fleiner Junge war, hatte das Schopfmanns- Haus- To hieß es nach unferem Nachbarn, dem es gehörte einen großen Manufattur warenladen, zu welchem eine turze Steintreppe von der Straße hinaufführte. Auf diesen Stäffele", wie man in meiner Heimat eine fleine Treppe im Volksmunde nennt, habe ich oft spielend gefeffeln. Dann ging manchmal die Ladentür auf, Herr Schopfmann ſtand im braunen Schlafrock und mit einer unerhört langen Pfeife über mir und jagte mich fort. Manchmal war Herr Schopfmann besser gelaunt; dan sagte er mit seiner Knarrenden Stimme: Komm, Jotoble, ich geb' dir was zu spielen!" Und ich ging zu ihm hinein in den großen, stets halbdunklen Ladenraum, wo es immer fühl war und nach Stoffen roch. Dann gab mir Herr Schopfmann aller hand bunte Flicken und Reste, nahm mich zuweilen auf seinen Schoß und fragte mich über biblische Geschichte und Religion aus. Befürchtete sonders genau wollte er immer vom„ lieben Gott" etwas hören. Einmal fragte ich ihn, wie man denn zum lieben Gott tommt. Mit ernst schwarze Here durch die Zähne nachzischte:„ Esel!"... So endete zahlen hätten, so wäre es ja immerhin möglich, daß sie den Laut haftem Gesicht deutete er mit seinem langen Pfeifenrohr in die hinterste Ece seines Ladens. Dort schraubte fich dunkel und unheimlich eine finstere Holztreppe in die Höhe, irgendwohin: Diese Treppe dort geht hinauf zum lieben Gott." Ich glaubte ihm das mit all der Treue und Einfalt, mit welcher der Mensch nur in den Kinderjahren zu glauben vermag. Seit jener Zeit blickte ich immer mit heimlichem Grauen nach der Treppe zum lieben Gott, und Herr Schopfmann verwischte sich in meiner findlichen Phantasie unmertlich mit dem Aussehen des lieber Gottes, den ich mir auch im Schlafrock und mit langer Pfeife vorstellte. In meiner Erinnerung blieb auch der grollende Donner als die zornige Stimme des lieben Gottes haften, seitdem ich einmal während eines schweren Gewitters bei Herrn Schopfmann im Laden war. So war es manches Jahr geblieben, bis eines Tages viele schwarzgekleidete Menschen vor dem Nachbarhause standen, ein schwarzer Wagen vorfuhr, auf den man eine lange schwarze Kifte stellte. Meine Mutter wischte sich die Augen, und auch mein Vater hatte ein ernstes und trauriges Gesicht. Einmal hörte ich ihn mit jemand sprechen, wobei er sagte:" Er ist plöglich gestorben!" Herr Schopfmann war also tot. Trotzdem ich noch zu jung war, das alles zu verstehen, fühlte ich doch einen brennenden Schmerz in mir: wer wird mir jetzt noch Lappen und Flicken geben, mich auf den Schoß nehmen und mir etwas vom lieben Gott erzählen? tut es anscheinend, wenn er irgend einen Lautsprecher erschwingen tann. Man fann ja auch mit Kopfhörern Radio genießen; aber niemand Der Lautsprecher ist ja auch viel bequemer. Man stellt ihn auf den Tisch, schaltet ihn ein und kann nun dabei schwaben, essen, im 3immer umherlaufen; er stört nicht. Hilf, Himmel, er stört nicht! und die geizigsten Leute werden freigebig, spenden Markthallenpreise und Grammophonplattenübertragung( scheußlich wie das Wort), eng Musik, Mufit ihren Nachbaren über und unter ihrer Wohnung, zur lischen Unterricht und Borlesungen aller Art, und wieder Musif, Rechten und zur Linken. Ja, jetzt zur Sommerszeit öffnen fie fogar die Fenster, damit das ganze Haus der Genusse teilhaftig werde! Es ist doch rührend nett von ihnen, denen Gutes zu tun, die ihnen fluchen! Und es ist rührend nett von der Post, auch von den Laut sprecher- Besizern nur zwei Mart Gebühren im Monat zu verlangen; denn wenn sie zwanzig oder meinetwegen zweihundert Mart zu sprecher abschafften und sich mit Kopfhörern begnügten. Und das wäre doch schade! stehen sahen. Und es regnete zu Vorwürfe und von den brochen laufen. schwistern spize Bemerkungen. Also mußten wir uns heimlich treffen. stand eine morsche Holzbank unter der Außenseite der dunklen HolzDie faum 16jährige Nanny wußte Rat. Im Hofe des Nachbarhauses treppe, welche einmal zum lieben Gott geführt hatte. Bon keinem Fenster aus fonnte man hier gesehen werden. Kurz und gut: die Bank und der Plag waren wie besonders geschaffen für unsere Herzensgeheimnisse. Manchen Abend saßen wir da. Und wieder einmal in den Sommerferien hatten wir uns an einem schwülen Juliabend an dieser Bank getroffen. Auch unser junges Blut war schwül und heiß... Wir merkten nicht, daß ein furcht bares Gewitter rasch herauszog und fuhren erst erschreckt empor, als ein greller Blizstrahl über uns aufzuckte. Zur rechten Zeit war das Better gekommen. Als jetzt der Donner grollend und mit dumpfem Ton dazwischen fuhr, da ächzte und knarrte die alte Treppe über uns; troß meiner 17 Jahre fiel mir der liebe Gott" meiner Kinderjahre ein und daß er donnert, wenn er zornig ist.... Ich war im Augenblic ein kleiner Knabe, der liebe Gott schimpfte, ich fürchtete mich und jagte davon, ohne ein Wort und ohne Gruß. Bloß das eine hörte ich genau und weiß es heute noch, was mir die fleine meine erste Liebelei. Und wenn ich heute nach fünfzehn Jahren an diese alten Zeiten denke und die alten Stätten wiedersehe, dann meine ich, daß ich heute ärmer bin als damals. Heute sieht mein Herrgott anders aus und ist nicht immer lieb", wie mir scheinen will. Er ist ficherlich richtiger und„ idealer", wie man im Pathos sagt. Aber ob ihr's glaubt oder nicht: schöner war der liebe Gott", welcher einſt einen braunen Schlafrock trug, eine lange Pfeife rauchte und donnerte", wenn er anig war. Nur schade, daß ich nicht mehr weiß, wie ich zu ihm tommen kann; denn man hat längst die alte Holztreppe abgerissen, die einmal zu ihm geführt hat. Hilfe, Radio! Neben einem Grammophon zu wohnen, ist gewiß nicht ange nehm, und klavierspielende Nachbarn, deren Repertoire sich von Liszts zweiter ungarischer Rhapsodie bis zum neuesten Fortrott erftredt, fönnen trog aller möglichen sonstigen Vorzüge unsere persönlichen Feinde werden. Ach, es ist Unrecht, Sünde, den Mit menschen diese fleinen Fehler jo schwer nachzutragen, und alie Schuld rächt sich auf Erden. Wenigstens rächte sie sich in diesem Falle bei mir, und ich weiß, daß viele, die gleicherweise fündigten, nun auch gleicherweise büßen müssen. Für sie und mich schuf Gott in seinem Born den Lautsprecher. Ich brauche ihn nicht zu beschreiben, jeder Zehn Jahre später. Ich bin auf Ferien zu Hause bei den Eltern. fennt ihn; was schlimmer ist, jeder dritte befibt ihn. Sollten Bulu Ein kleines schwarzhaariges Mädchen aus dem Nachbarhause war laffern und Estimos darin eine Ausnahme machen, so ist es gewiß, mit meinen Schwestern zur Schule gegangen und mit ihnen groß daß diese Glücklichen die Auserwählten des Herrn sind. Wir andern aber find verflucht. geworden. Ich sah das jeßt erft, als ich selber reifer geworden war. Dabei sieht der schwarze Trichter so harmlos aus; höchstens, daß Die schwarze Nanny gefiel mir und ich ihr auch meinen Elterner an ein altmedijches Grammophon erinnert. Aber ein Grammo S- z. Theaterdisziplin. Nicht nur in Deutschland gibt es eine Theaternot, die man allerdings richtiger Bublifumsnot nennen sollte; denn Theater gibt es reichlich, dagegen fein Bublifum, das hineingeht. Bring", als das nicht sehr zahlreiche Publikum gegen die Qualität So geschah es jüngst in Budapest bei einer Aufführung von Körners der schauspielerischen Leistungen zu protestieren versuchte, daß der erfte Held an die Rampe trat und dringend empfahl, Ruhe zu halten, andernfalls die Schauspieler es dem Bublifum schon zeigen fie feien erheblich in der Weber würden, denn zahl! Eine Peter- Paul- Kohlhaas- Ausstellung Stizzen und Entwürfe für Märchenbücher für große und fleine Leute- veranstaltet bie, ertireube". fürſtenitr, in der Woche vom 13. bis 18. Juli. Beginn der Ausstellung Bücherstuben G. m. b. 5., Berlin 35, Botsdamer Str. 104, Eingang Kur Montag, 13. Juli, mittags 12 Uhr, von da ab täglich bet freiem Gintritt von 10 bis 7 uhr geöffnet. fanntlich nur solche Pläge bezeichnet, die eine Einwohnerzahl von 100 000 Aus der Liste der Großstädte gestrichen, Als Großstädte werden beMenschen aufzuweisen haben. Während bei diesen Städten in der Regel eine stetige Bevölkerungszunahme zu verzeichnen ist, hat die legte Volts. zählung ben Beweis erbracht, daß eine solche Stadt unter Umständen isre Einwohnerzahl nicht einmal balten kann. So ist die Stadt Buer, die am 1. April 1925 noch 102 000 Bewohner zählte, nach der Bolkszählung Umstand ist die schöne Stadt zunächst einmal von der Liste der Großstädte bom 16. Juni 1925 auf 98 575 Einwohner zurüdgegangen. Durch diefen gestrichen worden. Ein Internationaler Archiletten- Wettbewerb. Das Kultusminifterium in Stairo schreibt einen internationalen Wettbewerb für die Wiedererrichtung der Amrou- Moschee in Kairo aus. Bettbewerbsschluß ist der 1 Januar 1927. Sir Brelle flehen 2500, 1000 und 500& sur Berfügung gesichts der starten Bewegung in der verarbeitenden Industrie mit den ursprünglichen Regierungszolljähen zufrieden geben würde. Sehr nachdrückliá beschäftigte sich dann der Genosse Künstler mit der Gruppe schmiedebaren Guß und Eisenbauteile. Auf Grund einer ganzen Reihe aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands von der Industrie selbst eingeholter Gutachten fonnte er nachweisen, mie biefe früher fast ausschließlich auf das Ausland eingestellte Industrie noch nicht wieder den Kontakt mit draußen herstellen fonnte, und wie nach der Ansicht der Unternehmer selbst durch die Durchführung des Regierungsprogramms die legten möglich teiten, die Verbindungen wieder herzustellen, zerstört werden. Er verlangt, daß die Regierung sich im Aushuß selbst noch eingehend äußere. Fortsegung der Beratung: Dienstag früh 9 Uhr. Bezirksparteitag Brandenburg. Am Sonnabend und Sonntag tagte im Landtagsgebäude der ordentliche Bezirtsparteitag für die Provinz Brandenburg. Bezirkssekretär Gen. Wilhem Krüger fonnte in seinem Geschäftsbericht feststellen, daß die Partei den Tiefstand überwunden hat und heute, wenn auch zwar langsam, so doch unaufhaltsam aufwärts schreitet. Bei der Wahl am 7. Dezember stieg die Stimmenzahl im Bezirk von 289 198 Stimmen auf 423 576, oder um etwa 46 Proz. Der gleiche Stand zeigte sich auch bei der ersten dafür, daß alle Demagogie der Gegner nicht vermochten, das Ber: trauen zur Sozialdemokratie zu erschüttern. Insgesamt wurden bei den bier Wahlen 8214 Wahlverfammlungen abgehalten und 13 253 000 Flugblätter und Flugschriften verteilt. In den fommunalen Bertreterschaften haben wir 2517 tätige Genoffinnen und Genossen. Die Parteipreffe 10 Beitungen zeigt einen günstigen Stand, ver insofern als besonders erfreulich zu buchen ist, weil zwei Beitungen, die sich lange in ziemlich schwierigen Verhältnissen befanden, über diesen Zustand glücklich hinweg find. Der Bezirt zählt 40 880 Mitglieder, darunter 9212 Frauen. Die Drisvereine fonnten um 38 vermehrt werden. Alles in allem zeigt der Stand der Organisation ein günstiges Bild und der Bezirksverband geht mit den besten Hoffnungen in die kommenden Kämpfe. Den Kassenbericht gibt Gen. Richard Schmidt. Obwohl die Wahlen an die Bezirkskaffe ungeheure Anforderungen stellten, wird eine furze Spanne der politischen Ruhe uns auch finanziell mieder auf die Höhe bringen. Ueber die Frauen agitation berichtete Genoffin Matschte, die besonders hervorhebt, daß mit den Kursen zur Schulung der Genofsinnen sehr gute Erfolge erzielt wurden. Die Rednerin bittet bei der Kandidatenaufstellung zu den kommunalen Körperschaften mehr als bisher die Genossinnen zu berücksichtigen. In der Diskussion wurde die Arbeit des Bezirksvorstandes allseitig anerkannt. Am zweiten Sigungstage hielt der Landtagsabgeordnete Gen. Heilmann ein äußerst instruttives Referat über die politische Lage. Der Redner beschäftigte sich mit den Fragen der Aufwertung, der Steuer- Zollvorlage und der Außenpolitit und tennzeichnete die verlogene Haltung der Rechtsparteien, die in den Wahlkämpfen ihren Wählern das unmöglichste versprachen, um es nicht zu halten. Wenn die weitaus stärffte Regierungspartei immer wieder erflärt, die von Stresemann betriebene Außenpolitit werbe von der Regierung gar nicht vertreten, sondern sei ein Manöver von ihm, so gibt das im Ausland zu allerhand Kombinationen Anlaß. Die Räumung des Ruhrgebietes und der drei rheinischen Städte wäre einem Rabinett Marg längst gelungen. Wir sollten endlich fragen, wann denn die Regierung Luther daran denkt, die Räumung dieser Städetezone herbeizuführen. Wenn unter einem Kabinett Scheidemann ein solches heute zu alledem schweigen, einen Sturm der Entrüstung im Lande entfacht. In der Frage des Sicherheitsangebots ist die Regierung der nationalen Ehre und Würde" viel meiter gegangen, als jede Regierung zuvor. So pazififtisch wie diese deutschnationale Reichsregierung mar vorher noch teine! Sollte die Zollvorlage nicht zustande tommen und die Deutschnationalen aus der Regierung gehen, merden mir bald pon ihnen hören, wie die Politit des Kabinetts Luther- Stresemann gewesen ist. Genosse Heilmann schloß mit der Aufforderung, im Lande für die notwendige Aufklärung zu sorgen. Schon die Herbst wahlen zu den Kreis- und Provinziallandtagen müssen zeigen, daß wir wieder die alte Schlagfraft befizen. Auf eine Diskussion über die mit großem Beifall aufgenommene Darlegung wurde verzichtet. Ein ftimmig angenommen wurde folgende Resolution gegen die 30llporlage: Der Provinzial- Barteitag ber SPD. für Brandenburg prote. stiert aufs entschiedenste gegen die 3ollvorlage der Reichs regierung. Die vorgeschlagenen Mindestzölle für Getreide, bie vorgesehenen 8ollfäße für faft alle Lebensmittel und Rohstoffe müssen die Lebenshaltung in Deutschland gewaltig verteuern und die durchschnittliche Arbeiterfamilie mit einer neuen Last von mindestens 150 m. jährlich belasten. Deshalb ftellt die Zollvorlage ein frivol unternommenes Atten tat auf die dürftige Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung dar. Diese Hochschußzollpolitik muß den deutschen Export aufs äußerste erschweren und dadurch umfangreiche Arbeitslosigkeit erzeugen; fie muß die Entwicklung der Industrie aufhalten und kann Den bestehenden Schwierigkeiten der mittleren und fleineren Land. wirtschaft, insbesondere der Kapitalnot, in feiner Weise abhelfen. Bei den gegenwärtigen Getreidepreisen erscheinen Getreidezölle einfach als unfinnig. Die Einfuhrfreiheit für Futter. mittel liegt im dringenden Intereffe gerade einer intensiven Landwirtschaft, und die planmäßige Herabdrückung der Rohstoffpreife ift allein imftande, Deutschlands Wiederanschluß an den Weltmarkt herbeizuführen. Der Provinzial- Barteitag fordert alle Barteigenossen auf, den Kampf gegen den 3ollwucher aufs eifrigste zu organisieren und eine gründliche Abrechnung mit den Feinden des arbeitenden Boltes bei den nächsten Wahlen vorzubereiten. Das neue Organisationsftatut wurde gegen 3 Stim. men befchloffen. Die eingereichten Vorschläge von Kandidaten zum Provinziallandtag wurden bestätigt. Als Delegierte zum Reichsparteitag in Heidelberg wurden gewählt: Helene Stabeli, Anna Rumſtich, Richard Schmidt, Heilmann, Wegner, Daus, Baezel, Steinbrecher, Henne, Buschid, Wendt, Siering, Sydow und Klein. Zum Bezirksvorstand wurden neu hinzugewählt die Genoffinnen Rabelig Brandenburg und Betschte Rottbus. W Revisoren sind die Genossen Lehmann- Frankfurt, John Ludenwalde und Bellin Brandenburg. Die Wahl der Genoffen Wilhelm Krüger und Matste zum Internationalen Kongreß in Marsaille wurde beftätigt. Einstimmig angenommen wurde folgender Antrag an den Reichsparteitag: Der Parteivorstand wird beauftragt: 1. in Verbindung mit dem Bureau des Barteivorstandes ein besonderes Sekretariat für Agrarpolitit einzurichten; 2. unverzüglich die Herausgabe einer Monats- oder Bierteljahreszeitschrift für Bodenrecht und Bodenwirtschaft in die Wege zu leiten und 3. eine für die Tagespresse bestimmte Agrarforrespondenz herauszugeben. Um 2 Uhr nachmittags wurde der Parteitag geschlossen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 43. Abt. Der Frauenabend fällt aus. Die Genoffinnen treffen fich morgen, Dienstag, früh in der Borhalle Görlizer Bahnhof. Ab fahrt 8 1hr 58 min. hach Krampenburg. 45. Abt. Die Frauen versammlung findet nicht heute, sondern erst Montag, 20. Juli, bei Soneteit, Reichenberger Str. 732, statt. 131. Abi. Niederschön haufen. Die Bezirtsführer holen sich die Flugblätter Uhlandstr. 44 Dom Genoffen Amberg ab Mordprozeß Angerstein.m Der Staatsanwalt. beantragt Todesstrafe. R. Cimburg a. d. C., 13. Juli. Die beiden Pausetage haben teine Abfühlung der Gemüter gebracht. Der Andrang des Publikums ist entschieden stärker, als dies in Hannover beim Haarmann- Prozeß der Fall war. Der Aufbau der Antlage ist einfach: der Untersuchungsrichter hat fie bereits am Mittwoch, den 3. Dezember dem leugnenden Angeklagten ins Ohr geflüftert, um ihn zum Geständnis zu bringen: UnterSchlagung, Berlust der Lebensstellung, aus Berzweiflung und Rachegefühl der Entschluß, alles und alle zu vernichten, Begießen der Leichen und des Mobiliars mit Benzin. Der Gang in die Stadt zum alleinigen Zwed, sich ein Alibi zu verfchaffen, Brandstiftung, Selbstverlegungen zur Bortäuschung des Raubüberfalls, hinterher schlechtes Theater. Alles genau überlegt, in allen Einzelheiten durchdacht. Von einem Affektzustande ist noch nicht die Rede. Das Es wird nicht umhin können, auf Dinge einzugehen, die Gegenstand Gericht wird dem Anfläger faum in allen Buntten folgen dürfen. Es wird nicht umhin können, auf Dinge einzugehen, die Gegenstand der Beweisführung gewesen sind und damals nach Angersteins Schilderung seine Taten glaubhaft erscheinen ließen. Im besonderen wird es ihm nicht ohne weiteres möglich sein, die Motivierung.der Tötungshandlung in gleichem Maße, wie dies die Anfläger getan haben, zu verflechten. Es wird sich auch die Frage vorlegen müssen, ob nicht etwa die ersten drei Tötungen nur den Tatbestand des Tot lags ergeben, dafür aber bei den übrigen fünf bereits Ueber legung vorgelegen hat. Um zum Todesurteil zu gelangen, würde allerdings schon die Annahme genügen, daß allein nur der Gärtnergehilfe Darr, der zuletzt nach so großer Bause Getötete, mit leberlegung. niedergeschlagen worden sein. Wie dem auch sei, das Gericht wird hierbei viel schwerere Arbeit haben als dieses im Prodeß Haarmann der Fall gewesen ist. Verhandlungsbericht. Limburg a. d. Cahn, 13. Juli.( Drahtbericht.) Der heutige sechste Berhandlungstag des Angersteinprozesses begann mit dem Bläboner des Anflagevertreter, und zwar ergriff zunächst Oberstaatsanwalt Dr. Badmeister das Wort, um die Vorgänge im Hause Angerstein vor dem 1. Dezember 1924 zu schildern. Er betonte dabei, daß diese Borgänge von großer Wichtigkeit für die Beurteilung dieses Falles seien, weil sie den Auftatt zu dem Drama bildeten, weil in ihnen zum Teil der Schlüssel zu dem graufigen Geschehen gefunden werden könne. Zuerst beschäftigte er sich mit den Unterschlagungen Angersteins im Laufe des Jahres 1924. Um die Unterschlagungen zu verdecken, habe Angerstein falsche Buchungen vorgenommen und schließlich habe fich ihm das Dichterwort, wonach die böse Tat fortzeugend ewig gebären muß, bestätigt. Er habe also schließlich Belege gefälscht, um die falschen Buchungen zu decken. Die Darstellung des Angeklagten, daß er diese Geschäfte im Interesse der Firma vorgenommen habe, und daß er unter dem Druck von Erpressern gehandelt habe, bezeichnete der Anklagevertreter auf Grund der Beweisaufnahme als völlig unglaubwürdig. Die Unverfrorenheit Angersteins in diesem Auftakt zum Jugendtag. Alles in Allem, es war ein prächtiges Jugendfest, das sich gestern, veranstaltet von der sozialistischen Arbeiterjugend, im Schillerpart abspielte. Für viele war schon der Festplatz eine Ueberraschung. Denn da draußen ist aus den ehemaligen fandigen Rehbergen ein wundervoller Park mit Planschbecken, Spielwiesen und Terrassen geworden, der mit Recht der Stolz des Nordens ift Auf den beiden Spielwiesen wurde gefungen, getanzt, Ball gespielt und im Planschbeden gepanscht. Die fommunistische Jugend stattete ihren ungebetenen Besuch ab, wie es jetzt bei all den Jugendfesten geläufig zu werden scheint. Was sie sich agitatorisch davon verspricht, als regelmäßiger Störenfried zu tommen, ist untlar, denn sie tritt zumeist nicht wie ein Gaft auf. Die Wiesen boten ein farbenfrohes Bild mit ihrem satten Grün, den wehenden roten Fahnen und den jungen Menschenkindern. Immer bildeten fich neue Kreise von Alten, Jugendlichen und Kindern, die den vielen Dar. bietungen lauschten. Gesang, ein kleiner Sprechchor, Hans Sachs. Spiele, neue fleine Boltsspiele wechselten ab im bunten Reigen. Den Schluß dieser Darstellungen bildete eine politische Revue unter aller höchster Teilnahme des Hafentreuzteufels, der seine Sache ebenso mie der Ausrufer außerordentlich gut machte. Sie stellten sich vor. die uneinigen Arbeiter, die Kapitalisten, die Hafenfreuzjünglinge, bie Indifferenten, die Leser des„ Skandal- Anzeigers", die Alkoholgenießer, die deutschnationalen Jungfrauen, der unpolitische Gesang verein Halt die Schnauze" und so weiter, daß der Teufel vor Bergnügen über eine solche Schußtruppe sich wiehernd die Nase mit der Schwanzquaste puzte. Seine letzte Beschwörung brachte ihm aber statt des endgültigen Sieges die rote Jugend auf den Hals. Da half kein schwarzrotgoldenes und rotes Fähnchen, das er schnell wieder zur Hand hatte, er ward in burlester Weise erledigt. Der Schluß freilich war nicht offensichtlich und deutlich genug und verlor so an Wirkung. Um 8 Uhr begann die Schlußfundgebung auf der Wiese vor der Terrasse. Es wurden die Farderungen der arbeitenden Jugend auf Jugendschutz erhoben. Acht Stunden Arbeitstag einschließlich Fortbildungsschule, zwei bis drei Wochen Ferien und Berufsausbildung. Darauf formierten sich die Taufende von Jugend lichen und auch viele Aeltere zu einem Fadelzug, der sich durch die Straßen des Wedding nach dem Humboldthain bewegte und, der überall freudig begrüßt, einen unvergeßlich schönen Anblick bot. * Falle ginge auch daraus hervor, daß er behauptet habe, er habe dem Prokuristen Mig zu verzeihen, nicht umgekehrt. Ein Angeflagter habe das Recht zu lügen. Bon diesem Recht habe aber Angerstein ausgiebigsten Gebrauch gemacht. Mit seinem Austommen habe er, da er fein nennenswertes Vermögen besaß, sehr fnapp durchkommen tönnen. Er brauchte das unterschlagene Geld für seine foftspieligen Liebhabereien, wie Geflügelzucht, Landwirtfchaft, sowie für die sehr hohen Arztkosten für seine Frau. Staatsanwalt Dr. Hofmann, der seinerzeit selbst die ersten Ermittlungen geleitet hatte. Er et innerte daran, daß ein Entsebensschrei durch ganz Deutschland ging, als die Nachricht fam, daß das Haus des Profuristen Angerstein von einer 20köpfigen Räuberbande überfallen sei, und daß acht Hausbewohner ermordet worden wären. Man sei in Deutschland viel gewöhnt gewesen, man habe die Spartatiftenzeit erlebt, die Taten eines Haarmanns, zahlreiche politische Morde, aber ein solcher Ueberfall mit solchen Folgen scheine noch nie dagewesen zu sein. Als dann die Feststellung erfolgte, daß Angerstein selbst der Täter war, sei ein Gefühl der Erleichterung in die Bevölkerung eingetreten. Über man habe sich immer wieder fragen müssen, wie es möglich ge= nicht sicher genug sei. Das alles war begreiflich, es war die Meinächsten Verwandten, Mitarbeiter und Angestellte in so grauenerregender Weise habe ermorden fönnen. Ich selbst, so erklärte der Staatsanwalt, war entsegt über die Entdeckung, daß Angerstein der Täter war. Man tonnte nicht begreifen, daß erst ein langes Berfahren eingeleitet werden mußte, und am zweiten Tage wollte die Man sagte auch, daß ein Irrenhaus für einen solchen Menschen Bevölkerung von Haiger Angerstein im Krankenhause Innchen. nicht sicher genuo sei. Das alles war begreiflich, es war die mei nung des Boltes. Sie, meine Herren Geschworenen, follen ein gerechtes Urteil fällen, das dem Empfinden des Boltes Rechnung trägt. Aber auch ein Massenmörder, wie Angerstein, habe einen Anspruch darauf, gerecht behandelt zu werden. Es muß ihm nachgewiesen werden, daß er einen Mord begangen habe. Diesen Nachweis aber habe die Hauptverhandlung in vollem Umfange erbracht, so daß Sie ein gerechtes Urteil fällen, wenn Sie gegen Angerstein auf die Todesstrafe erkennen. Der Staatsanwalt ging dann auf die Frage ein, ob der Angeklagte die Bluttaten mit Ueberlegung ausgeführt habe, und er erörterte dabei noch einmal den ganzen Tatbestand, wobei er die verschiedenen Widersprüche zwischen der Darstellung des Angeklagten in der Hauptverhandlung und seine früheren Angaben sowie den Zeugenaussagen feftnagelte. Am Schluffe seines anderthalbstündigen Plädoyers stellte Staatsanwalt Dr. Hofmann folgenden Strafantrag: Ich beantrage, den Angeklagten Friz Heinrich Angerstein wegen Mordes achtmal zum Tode zu verurteilen, ferner in jedem Fall auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und auf Einziehung der Mordwaffen zu erkennen. Der Angeklagte ist als der Brandstifter und des Meineides völlig überführt, doch beantrage ich in diesen beiden Fällen gemäß§ 154 StPO. Einstellung des Berfahrens.( Wegen Mißverhältnisses zwischen diesen Bergehen und den übrigen Verbrechen.) Wäre ihnen die übliche Vorgabe von 25 Meter gewährt worden, hätten sie unbestritten als Erster das Ziel passiert. Im Bölter. ballspiel trafen sich Wedding, Wedding- Nord und Prenzlauer Berg. Das Spiel endete mit dem Siege von 4: 0 für Webbing. 3m auft ballspiel standen fich der Bezirk Friedrichshain und Wedding- Nord gegenüber. Das Spiel endete mit einem Siege der Gruppe Friedrichshain mit 60:47( 2: 0). Frauenmord im Westen Berlins. Selbststellung des Täters. Eine neue schmere Mordtat, die diesmal außerordentlich schnell durch Selbststellung des Täters ihre Aufklärung fand, rief die Mord tommission des Berliner Polizeipräsidiums am Sonntag früh auf den Blan. Im 4. Stoc des Gartenhauses Stübbenstraße 3, in ber Nähe des Bayerischen Plages, murde gestern früh um 5% Uhr das 31jährige Sittenmädchen Herta Dupuis, geb. Bajorat, in ihrem Bett liegend tot aufgefunden. Die Dupuis hatte von der aus zwei Stuben und Küche bestehenden Wohnung ein Zimmer abgemietet, das ihr, weil sie häufig die Miete schuldig blieb, von der Ermordete lag, nur mit Strümpfen befleidet, im Bett. Wohnungsinhaberin zum 15. d. M. gekündigt worden war. Die Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß sie erwürgt worden war. Am Halje zeigten sich Kragwunden und Bürgemale sowie Bißwunden. Daß der Tod durch Erwürgen eingetreten ist, wurde auch durch das Gutachten des Geheimen Medizinalrates Dr. Störmer, der hinzugezogen wurde, bestätigt. Die sofort angestellten Ermittlungen der Mordkommission ergaben folgendes Bild: In der Nacht zum Sonntag um 1% Uhr war die Dupuis, die in ihren Kreisen ben Spiznamen Lotte Busch" führt, von einem Schupomann auf dem Bayerischen Blaz gesehen worden. Diefelbe Betundung machten fünf andere Mädchen. Um dieselbe Zeit fam anscheinend aus der Grunewaldstraße ein Mann, der ziemlich stark angetrunken mar. Er ging um den Bayerischen Plaz ein- bis zweimal herum und ftieß verschiedene Mädchen mit dem Ellbogen an, aber alle Durch Nachwichen ihm aus, weil er ihnen zu sehr betrunken war. fragen in der ganzen Umgebung des Plages, besonders in vielen Lokalen, war es den Beamten bereits gelungen, den verdächtigen Mann, den mehrere Mädchen mit der Dupuis zusammen gesehen hatten, als einen 21 Jahre alten Hotelhausdiener Kurt Brandt aus der Bringregentenstraße 33/34 zu Wilmersdorf feftzustellen. Als bemerkenswertes Beweismittel hatte die Mordtommission unter dem rechten Auge der Toten bei der Untersuchung der Bißstellen ein fleines breiediges Stüdchen Bahnschmelz gefunden und einem Zahnarzt zur Untersuchung übergeben. Wäh rend die Ermittlungen nach allen Seiten fortgesezt wurden, meldete in der vergangenen Nacht um 1% Uhr auf der Wache des 22. Reviers in der Levezowstraße Kurt Brandt selbst und bekannte, daß er der gesuchte Mann sei und das Mädchen getötet habe. Bie er fagt, machte er am Sonnabend abend eine von seinen Berufsgenossen in einem Lokal in der Grunewaldstraße veranstalete Feier mit. Dabei betrant er sich schwer. Auf dem Heimwege, der ihn an, die ihn aber ablehnten. Endlich nahm ihn die Dupuis, die ebenfalls betrunken war, in ihre Wohnung mit. Sie forderte 30 m., begnügte sich aber schließlich mit 18 M., die er ihr gab. Was seitdem geschehen ist, will Brandt nicht mehr wissen. Er behauptet, daß ihm jede Erinnerung verloren gegangen sei. Erft furz nach 5 Uhr sei er neben dem Mädchen im Bette liegend erwacht. Er habe gefühlt, daß sie falt war und sei darüber heftig erschroden. Als er sie sich angesehen und nun die Bißstellen am Geficht und die Krak- und Würgemale am Halse gesehen habe, da habe er sich gesagt, daß er das Mädchen getötet haben müffe. Wie er aber dazu gekommen und wie das vor sich gegangen sei, das wisse er nicht. In größter Aufregung habe er sich leise angezogen, die Schlüffel genommen und die Wohnung verlassen. Die 18 M. habe er wieder mitgenommen, jonft nichts. Zu Hause habe er an seine Eltern und seine Braut Abschiedsbriefe geschrieben, denn allmählich sei ihm die Schwere seiner Lage zum Bewußtsein gekommen, und er habe die Absicht gehabt, sich das Leben zu nehmen. Den ganzen Tag sei er planlos umhergeirrt. In der Nacht habe er sich eine Zeitung getauft und darin schon die ganze Darstellung der Borgänge gefunden. Jezt Während die Spiele auf der großen Festwiese in harmonischer Weise vor sich gingen, traten auf der Spielwiese( Teraffenwiefe) die Sportmannschaften der einzelnen Bezirke zum friedlichen Wettkampfe, an. Auch hier hatten sich viele Voltsgenoffen einge funden, die an den ausgezeichneten Spielen Freude fanden. An allen Seiten des großen Blazes wehten die aufgestellten roten Fahnen luftig im Winde und hier und dort leuchteten die Farüber den Bayerischen Plaz führte, rempelte er mehrere Mädchen ben der Republit hervor. Den Wettkämpfen der Sportmannschaften gingen leichtathletische Uebungen voraus. Bald ertönte der erste Sammelpfiff und die Gruppe Wedding- Nord trat zum Handballspiel gegen Niederschöneweide an. Die Weddin ger waren entschieden die bessere Mannschaft. was sich auch in dem Resultat 7: 1 für Wedding ausdrückt. Die Mannschaft der Gruppe Niederschöneweide, die mit etwas Bech spielte, bolte sich wenigstens das Ehrentor. In flotter Folge, in der Hauptfache auf eine vor bildliche sportliche Organisation zurückzuführen, reihten sich hieran die weiteren Kämpfe. Der Staffellauf 10x80 Meter brachte die Gruppen Wedding, Wedding- Nord, Prezlauer Berg und Osten an den Start. Prenzlauer Berg ging mit Brustbreite vor Webbing durch das Ziel. Das Rennen wurde ohne Vorgabe gelaufen, sobaß die Beddinger, die auf der Außenseite liefen, sehr im Nachteil waren. Parteimitglieder! Vergei nicht die Flugblattverbreitung eben. Seht habe er sich entſchloſſen, ſich ſelbſt zu stellen. Es am Dienstag abend! wurde festgestellt, daß das Stüdchen Zahnschmelz tatsächlich von Brandt herrührt. Seine Darstellung, die nicht ganz unglaubwürdig tlingt, wird noch weiter nachgeprüft, Gewerkschaftsbewegung Niederlage der KPD. bei den Metallarbeitern. Die gestrige Urwahl zum Gemertschaftsfongreß im Deutschen Metallarbeiterverband in Berlin hat mit einer glatten Niederlage der KPD. geendet. Die Liste A Brand( Amsterdam) wurde mit 7866 gegen 6684 Stimmen, die auf die Liste B der KPD. entfielen, gewählt. Die Wahlbeteiligung war leider eine sehr schwache. Wie immer war die Opposition" Mann für Mann angetreten, während unter unseren Genossen sich eine bedauerliche Saumseligkeit bemerkbar machte. Trotzdem ging die Liste A mit einer glatten Mehrheit von 1200 Etimmen durch. Wenn man sich daran erinnert, daß Kasper in der Konferenz der Betriebszellenobleute versprochen hatte, daß die ganze Kraft der KPD. in den Dienst der kommunistischen Fraktion der Metallarbeiter gestellt werden würde, wenn man die mochenlange Agitation der RBD. berücksichtigt, dann ist die Niederlage der Kommunisten um so empfindlicher. Da sie die Niederlage nicht gut wegleugnen kann, verlegt sich die Rote Fahne" aufs Schimpfen. Die Ortsverwaltung des DMB. habe eine schamlose Schiebung" vorgenommen. In Wirklichkeit hat die Ortsverwaltung des DMB., einem Wunsche der Generalversammlung entsprechend, sämtliche Namen der Kandidaten der beiden Listen auf den Stimmzettel drucken lassen und nicht, wie früher, nur den Namen des Listen führers. Um die Prozedur zu vereinfachen und um bei dem Umfang des Stimmzettels eine Kontrolle Dritter darüber, wie die einzelnen Mitglieder stimmen, zu erschweren, wurde der Stimmzettel perforiert und ein Bermerk an der betreffenden Stelle gedruckt, wonach der Zettel hier zu trennen und einer der beiden abzugeben ist. Das ist die schamlose Schiebung". eine Aenderung gegenüber dem bisherigen Zustande nicht ein treten solle. Herrn Baeth war schließlich sogar die Luft vergangen, fich persönlich für die neuen Vorschläge einzusetzen. Zum Streit bei Knorr. Bom Ortsausschuß des ADGB. in Heilbronn wird uns geschrieben: Seit dem 29. Juni, steht die Gesambelegschaft( 700 Personen) der Nahrungsmittelfabriken der Firma C. H. Knorr in Heilbronn im Lohnstreik. Um der gutorganisierten Belegschaft ihren sicheren Erfolg streitig zu machen, wird von der Firma versucht, in ihren Tochterbetrieben in Berlin und Bayreuth Streifarbeit verrichten zu lassen. Zu diesem Zweck wurde der Obermüller des Heilbronner Betriebes nach Berlin beordert, um dort die bis jetzt nicht vollbeschäftigte Hafermühle zur höchsten Leistung zu steigern. Die Berliner Arbeiterschaft der Firma C. H. Knorr wird hiernach gezwungen Streitarbeit zu leisten. Wir erwarten von den Arbeitern der Tochterbetriebe der Firma C. H. Knorr in Berlin und Bayreuth, daß sie ihren fämpfenden Arbeitskollegen in Heilbronn nicht in den Rücken fallen. Jede geforderte Streitarbeit ist unter allen Umständen abzulehnen. Achtung Ofenseher! Am Freitag follte eine Verhandlung der Lohnkommission stattfinden. Zur Beratung standen im wesentlichen die Pos. 13 des Nachtrags betreffs Extraeden im Sockel, Poj. 30 des Tarifver: trags und des Nachtrags betreffs Eintragschichten und Bof: 57 Abs. 3 betreffs Abfliesen unter dem Ofen. Durch das unsinnige Verhalten der Arbeitgeber konnte die Eizung nicht stattfinden, trotzdem der Unparteiische und unsere Kollegen bereit waren, die Streitpunkte zu beraten. Alle Differenzen, die sich nunmehr aus diesen oder anderen Tarifpofitionen ergeben, sind sofort im Bureau, Engelufer 25, 3immer 58, zu melden, von dort wird dann das weitere veranlaßt. Weiter hat die Ortsverwaltung, so schreibt die„ Rote Fahne", die Reihenfolge der Kandidaten auf Liste B willkürlich geändert, indem Der Konflikt im englischen Bergbau. man den an vierter Stelle stehenden Kollegen Enderle an die zweite Stelle rückte, um so auf die Stimmungen einzelLondon, 12. Juli.( E. P.) Der Generalfongreß des Gewerf ner Rollegen zu wirken.. Womit die„ Rote Fahne" sagen schaftsbundes hat em Manifest an das Land veröffentlicht, in dem will, daß ihr Kandidat Enderle ungünstig auf die Stimmungen er für die Grubenarbeiter Stellung nimmt, die bekanntlich die Refeiner Kollegen" wirkt. Warum stellt die KPD. dann solche Kandi- duktionsvorschläge der Grubenbesizer abgelehnt haben. Das Manidaten auf? Im übrigen ist auch die Reihenfolge der Kandidaten der fest erklärt, daß der Gewerkschaftsbund bereit sei, die Grubenarbeiter mit allen Kräften zu unterstützen. Liste A geändert worden, ohne daß das die Stimmungen" beeinflußt hätte. Schöne Revolutionäre, die nach Stimmungen" und je nachdem wählen, ob Enderle an vierter oder an zweiter Stelle steht. " " Im übrigen faselt das Blatt von den Hunderten der besten Rommunisten", die ausgeschlossen worden seien. Früher waren es " Tausende". Wir haben schon festgestellt, daß seit fünf Jahren insgesamt 193 Mitglieder in Berlin ausgeschlossen wurden, und zwar wegen Streifbruch, unfollegialem Verhalten, Unterschlagung usw. Sind das etwa die besten Kommunisten"? Auch in Nürnberg. Nürnberg, 13. Juli.( TU.) Bei den gestern in Nürnberg stattgefungenen Wahlen im Deutschen Metallarbeiterverband erlitten die Kommunisten eine schwere Niederlage. Die Liste der SPD. erhielt 3455 Stimiften, die Liste der KPD. 891 Stimmen, ungültig waren 181 Stimmen. Vor zwei Jahren hatten die Kommunisten bei dieser Wahl noch die Mehrheit. Es bleibt bei der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Die Deputation für Handel und Gewerbe hatte m ihrer letzten Sigung Stellung zu nehmen zu Vorschlägen des Polizeipräsidenten für die Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Es waren Bertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden ugegen, um sich zur Sache zu äußern. Als erster sprach Genosse Schröder vom Verbandsvorstand des Zentralverbandes der Angestellten, der sich sehr entschieden gegen die Versuche, die Sonntagsruhe weiter zu durchbrechen, wandte und empfahl, die Vorschläge des Polizeipräsidenten abzulehnen und es bei dem bisherigen Zustande zu belassen. Der Wortführer im Kampf gegen die Sonntagsruhe war der bekannte Herr Paeth von den Deutschnationalen. Er erlebte den verdienten Reinfall, als bei der Einzelberatung der neuen Borschläge des Polizeipräsidenten die Vertreter selbst der Arbeitgeberverbände erklärten, daß sie Anhänger der Sonntags ruhe seien und eine weitere Durchbrechung nicht wünschten. Besonders die Vertreter der Schlächter und Kolonialwarenhändler erklärten, daß ihnen das liebste ein vollständiges Verbot der Oeffnung der Geschäfte am Sonntag fein würde. Wenn es aber nicht zu erreichen sei, dann solle man die Ausnahmebestimmungen belassen, wie sie bisher wan. Es blieb Herrn Paeth und seinen Freunden nichts anderes übrig, als zuzusehen, wie Position für Position der neuen Vorschläge Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Schauspielhaus Th. d. Westens Sommergastsp. 1925 Leitung: Leo Walther Stein. Täglich 8 Uhr: Kreuzfeuer Lustspiel von R. Presber und L. W. Stein 3,4, 5, 6 usw. 3 Steinpl.931 8U: USCHI v, Jean Gilbert, Uschi Ellect, Fr. Schulz Gertrude Berliner Th.i.Komm.- Str. Nur noch 4 Vorstellungen Durch den Schiller- Theat. Rundfunk Operettenspielzeit 8. Uhr Vom 16-31.7. geschlossen Sommerpreise Annemarie Theat. am Kottb.Tor Operette von Jean Kottbuser Str. 6/7 Tägi. 8 Uhr: Gilbert u. Robert Gilbert mit Dora Leffler Nymgau Spira- Baselt Heidemann Diegelmann- Hiller Kuthan Ledebour Theater im ElifeSänger. Neues Progr. Unser Hans erdrönnt unter den Lachsalven des beAdmiralspalast geistert. Publikums, Täglich 2 Uhr: Chocolate Kiddies Amerikas größte Täglich ausver kaufte Häuser! Krausefarbige Künstler! Pianos Sonnt.2 Vorsteliger. 3 und 81/2 Uhr Die NachmittagsVorstellung zu halben Preisen! AbessinierPumpen, Röhren, Filter, Ersatztelle. Preisliste gratis Koblank& Co., Pumpenfabrik Berlin N 65 Reinicken dorfer Str. 93. Inferieren bringt ERFOLG: zur Reichshallen- Theater Gastspiel der berühmte Dresdn. Viktoria- Sänger Anfang 8 Uhr. 1. 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Die Grubenarbeitergewerkschaften werden die nötigen Borbereitungen treffen, damit auch nicht eine ausländische Tonne Kohle nach England fommen könne. Die Restens für ein bis zwei Monate reichen würden. Der Sekretär der gierung hat mitgeteilt, daß die Kohlenvorräte in den Fabriten hochbeiter etwas unmögliches verlangten und daß das Lohnabkommen Grubenbefizer Lee hat seinerzeit Journalisten erklärt, daß die ArDon 1924 unmöglich weiter zur Anwendung fommen fönne. Die meisten Grubenbefizer arbeiteten schon seit Monaten mit Berlust und eine solche Lage fönne nicht länger ohne Gefahr andauern. Es besteht die Möglichkeit, daß der Ausstand sich nicht nur auf die Grubenarbeiter beschränken wird, sondern daß auch andere Arbeiter sich anschließen werden. Die Regierung plane schon jetzt Maßnahmen, um Kundgebungen zu verhindern. Zu diesem Zweck beabfichtige sie, Bolizeiverstärkungen anzuwerben und, wenn nötig, auch Truppen zu mobilisieren. Achtung, Zimmerer- Verbandskameraden! Die Streiffontrolle findet heute, Montag, den 13. Juli, in den Bezirkslokalen statt. Alle weiteren Mitteilungen am Dienstag abend in den Bezirksverfammlungen. Zentralverband der Zimmerer. Sport. Die DRU. auf der Olympiabahn. Die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahrer- union veranstaltete am gestrigen Sonntag auf der Olympiabahn ihr zweites Rennen in dieser Saison. Die Rennen selbst brachten oft gute Kampfesmomente, jodaß die zahlreich vertretene Sportgemeinde den wenig angenehmen Weg zur Olympiabahn nicht umsonst gemacht hatte. Das 3wanzig- Kilometer Punktefahren, das 26 Fahrer an den Start brachte, wurde von E. Evert( Courier) in 31 min. 20 Set. gewonnen. Das Hauptfahren gewann Nickel( Endspurt), während das zweistündige Mannschaftsfahren mit 6 Wertungen den Sieg der Mannschaft Kloß Wanizet brachte. # = Die Wertungen brachten folgende Ergebnisse: 1. Bertung: Ehmer vor Reichel. 2. Wertung: Ehmer vor Augustin. 3. Bertung: Dorn vor Ehmer. 4. Wertung: Kloß vor Ehmer. 5. Wer tung: R13 bor Dorn. 6. Wertung( Doppelte Punktzahl): Sloß vor Ehmer( gestürzt). Gesamttlassement: 8wei StundenW globnie dat richtige The M Cens BORG ORIENTRAUSCH nunun Zigoutte Einn DICK U.RUND 38 • Mannschaftsjahren: 1.& loß Banized 22 Punkte. 72,2 km zurüdgelegt; 2. Dorn- Nidel( Endspurt) 18 Puntte; 3. Ehmer- Graffunder ( Move) 13 Punkte; 4. Stache- Augustin( Endspurt) 12 Punkte.- Weitere Resultate: 20 km unftfahren: 1. E. Evert( Courier), 31 Min., 20 Set., 22 Punkte; 2. Strelzad( Alberto) 20 Punkte; 3. Franke( Einzelf.) 10 Punkte; 4. Böschke( Endspurt); 5. von Dagielski( Einzelf.) 4 Punkte. Eröffnungsrennen: 1. Stache( Endipurt); 2. Heimann( Einzelf.); 3. Dagielsti( Einzelf.); 4. Streuzad( Alberto). Hauptfahren: 1. Nidel( Endspurt); 2. Dorn( Endspurt); 3. Mitulsfi( Alberto); 4. Chmer Vereinsmannschaftsjahren: 1. Endspurt in 5 Min. 51,04 Set. 2. Stern in 5 min. 57,04 Sef. 3. Norden in 6 Min. 3,2 Sel. 4. Moabit in 6 Min. 8,2 Set. Automibilrennen der Berliner Schauspieler. Es war weder ein sportliches noch ein gesellschaftliches Ereignis. Schon der schwache Besuch der Avus- Bahn zeigte, daß Berlin den Sportlichen Ehrgeiz seiner Stars nicht ernst nahm. Auch von den Prominenten war niemand zu sehen, die vielleicht das Grunewaldrennen vorzogen oder, was die Damen anbetrifft, bei dem launenhaften Wetter für ihre Toilette fürchteten. Möglich aber auch, daß fie der Autounfall Lya de Puttis vor dem Rennen warnte. Dieses selbst brachte nichts Aufregendes; die einzige Sensation blieb ein Wagen, der ein bißchen ins Schlendern geriet; einem anderen war fogar das Benzin ausgegangen! Kurt Prenzel, der HarryBiel- Erfagmann, erlitt einen„ Unglücksfall", fuhr aber troßdem weiter. Piel selbst enttäuschte die Damenwelt durch sein Fernbleiben; Boshafte sprachen laut von einem„ Reklameunfall". Dafür sah man Ria Jende, Loo Hardy, Herrn und Frau Boese, Leo Beufert, Harry Hardt, Theo Matejko und Lambert- Paulsen entweder am Steuer oder als Mitfahrer. Peutert, Ria Jende, Loo Hardy und das Ehepaar Boese durften siegen, ihren Lorbeerkranz empfangen und sich ein halbes Dutzend mal photographieren lassen. Kurz vor Schluß verunglückte Lamberg- Paulsen mit seinem Monteur ziemlich schwer. Der Wagen hatte sich auf der glatten Bahn infolge Schleuderns überschlagen. Die beiden Injaffen wurden mit erheblichen Verlegungen in das Krankenhaus Westend übergeführt. Als nächste Veranstaltung wird sich ein Wettlaufen hungernder Schauspieler empfehlen; die Teilnehmerzahl dürfte dann erheblich größer sein. Rennen zu Grunewald am Sonntag, den 12. Juli. 1. Rennen. 1. Gralsritter( A. Dlejnik), 2. Eigilbert, 3. Traum deuter. Toto: 70:10. PI.: 53, 16, 47:10. Ferner liefen: Saturn, Perikles, Gravitas, Blad Bridge, Countryside, Roulgate, Altefeld. 2. Rennen. 1. Indigo( 2. Barga), 2. Trausegg, 3. Ruzilo. 2oto: 15:10. BI.: 11, 11: 10. Ferner liefen: Hungaria, Gewurali. 3. Rennen. 1. Caprivi( E. Haynes) 2. Roskva, 3. General Höfer. Toto: 51:10. I.: 17, 18, 19:10. Ferner liefen: Bien venu, Eigilolf, Bandusia, Maravedis, Porta Westfalica, Kadewitt. 4. Rennen. 1. Beisidorn( L. Varga), 2. Roland, 3. Ganelon. Toto: 37:10. I. 18, 23, 18:10. Ferner liefen: Sisyphus, Hornbori, Pan Robert, Aditi, Marcellus, Großinquifitor, Melanie. 5. Rennen. 1. Rom( Brezner), 2. Amenophis, 3. Dlive. Toto: 146: 10. BL: 39, 32, 15:10. Ferner liefen: Fünf Uhr, Heiliger Narr, Griff, Mutatis mutandis, Joda, Mariza. 6. Rennen. 1. Laufjunge( H. Blume); 2. Memnon, 3. Rita. Totoc 24:10. BI.: 10, 10, 10: 10. Ferner liefen: Drma, Höllensee, Granne. 7. Rennen: 1. Goldenes Horn( E. Huguenin), 2. Toronyor, 3. Palamedes. Toto: 39:10. BL. 17, 25, 16:10. Ferner liefen: Prolog Fridolin, Liebesgedante, Palamon, Heid, Girant, Jojo. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Sinalco! die edute Bilzbrause zuckergesüßt. Nur nebensteh. Schutzmarke bürgt für echte, gute Ware Lieferanten: Generalvertrieb: Starick& Krüger, G. m. b. H., Landsberger Allee 6-7 F. Fünning, SO, Wiener Str. 57 a A. Bethge, N, Rügener Straße 26 A. Riemer, SO, Kottb. Ufer 39-40 C. Evers, SO, Reichenberg. Str. 56 F. Schettler, SO, Reichenberger Str. 33 G. Steiger, S, Schönleinstr. 23 E. Rauch, SW, Neuenburg. Str. 28 J. Bartsch, C, Steinstraße 28 P. Heinze, C, Fischerbrücke 15 H. Salm, SO, Naunynstraße 61 C. Petri, N, Gartenstraße 51 W. Schimke, N, Schönholz. Str. 15 E. Sichting, N, Lychener Str. 131 F. VoB Nachfig., N, Ackerstr. 19 W.Gürtler, Steglitz, Körnerstr.16 G. Hoffmann, Charl., Krummestr. 69 R. Kluger, 0, Tasdorfer Str. 52 A. Liebig, Charl., Grolmannstr. 60 H. Fanselow, Charlottenburg, Röntgenstraße 8 H. Tiek, Charlottenburg. 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