Abendausgabe Nr. 328 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 161 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Dienstag 14. Juli 1925 Berleg und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhe Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Räumungsvorbereitungen in Essen. Frankreich und die Sicherheit. Abzug der Marokkaner. Die Stadt Oberhausen geräumt. Köln, 14. Juli.( Mtb.) Während von einer Reihe von Städten| nationalen vermehren. Es scheint, daß die Deutschnationalen des Industriegebietes auf Grund von Mitteilungen der Besatzung mit der Verschleppung neuen Ronflittsstoff Nachrichten vorliegen, daß die Räumung in diesen Tagen erfolgt fein fchaffen wollen. Die Gerüchte, daß sie auf den Sturz soll, verlautet darüber in Essen bisher noch nichts. Man sieht in des Reichsaußenministers hinarbeiten und bereits den großen Quartieren noch das reiche Heeresmaterial, und die Bahi einen ihnen genehmen, Nachfolger in Reserve haben, be der Truppen scheint ebensowenig verringert zu sein. Wie die haupten sich hartnädig. Die Unflarheit über das Maß von Rölnische Boltszeitung" jedoch auf Grund eigener Er- Verantwortung, das die Deutschnationalen übernehmen fundigungen feststellt, findet gegenwärtig zwischen der Besatzung und wollen, schafft nicht nur einen dauernden krisenähnlichen zuden deutschen Behörden eine Fühlungnahme über die Rückgabe stand der Spannung, fie gefährdet auch die handelspolitischen der Quartiere auch in Essen statt. Essen ist als Mittel Interessen Deutschlands. punft des Ruhrgebietes der Siz zahlreicher französischer Behörden, deren Abbau schwieriger erscheint. Man darf aber hoffen, daß die Räumung der Etadt Effen in etappenweisem Anschluß ant den Abzug der Franzeses aus den östlich und nördlich gelegenen Städten folgt. Oberhausen. 14. Juli.( Mtb.) Die Stadt Oberhausen tann als geräumt bezeichnet werden. Nur auf dem Bahnhof liegt noch ein fleines Kommando der französischen Truppen. Abzug der Marokkaner. Paris, 14. Juli.( WTB.) Wie dem Matin aus Wiesbaden berichtet wird, hat die marottanische Division, die in der Pfalz und zwar in Landau und Umgegend steht, gestern ihre Standorte verlassen, um sich nach Maroflo zu begeben. Ein weiteres marottanisches Regiment und ein Regiment algerischer Schützen stehen ebenfalls zur Abreise aus dem befehten Gebiet bereit. Der zum Oberbefehlshaber der maroffanischen Truppen ernannte General Noulin hat gestern abend Wiesbaden verlassen, um sich über Paris nach Marokko zu begeben. Ein neuer Konflikt? Der deutsch- englische Handelsvertrag. Zur Vorbereitung der parlamentarischen Ratifizierung liegt dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages der deutsch- englische Handels- und Schiffahrtsvertrag vor. Er wurde am 2. Dezember vorigen Jahres von den Bevollmäch tigten der beiden Regierungen unterzeichnet. Die lange, seitdem verflossene Frist und das tragische Hin und Her über feine Borlage an den Reichstag zeigt, daß auch in dieser verhältnismäßig bescheidenen Angelegenheit bei den Regie rungsparteien nichts in Ordnung und alles in Unord nung ist. Dieser Handelsvertrag, den ihre eigene Regierung abschloß, ist ihnen in der Tat so peinlich, daß sie mit allen gefchäftsordnungsmäßigen Mitteln seine Beratung hinter die Erledigung der Bollvorlage zu schieben versuchen. Da nach ihrer Erledigung das Haus nicht mehr verhandlungsfähig sein wird, würde eine folche Verschiebung die Bertagung bis in den Herbst, ja bis in den Spätherbst hinein bedeuten. 3wingende außenpolitische Gründe aber machen es unzulässig, die parlamentarische Bestätigung dieses Handelsvertrages zu verzögern, zu den völlig oder bedenklich ins Stocken geratenen Verhandlungen mit Bolen und Frankreich den Bruch bereits vollzogener Abmachungen hinzuzufügen und damit die handelspolitische Situation Deutschlands noch weiter zu verelenden. Der englische Handelsvertrag war der erste, der in den Ball von Mindestbegünstigung, der Deutschland bis zum 10. Januar d. J. umschloß, eine Bresche schlug. Er bildete die Einleitung zu den vertraglichen Verhandlungen mit den anderen Staaten und trug so gegenüber Italien und Spanien zum Abschluß von Handelsverträgen bei und leitete die Verhand lungen mit den anderen Staaten ein. Hatte der englische Handelsvertrag also die Bedeutung eines ersten handelspolitischen Erfolges gegenüber den Versailler Vertragsmächten, so fällt der Einwand dahin, daß in der heutigen Situation, ein halbes Jahre später, möglicherweise mehr herausgeholt werden fönnte. Eine Berzögerung der parlamentarischen Ratifizierung dieses englischen Handelsvertrags würde das bisher Erreichte ernsthaft gefährden. Die für die Beseitigung der deutschen Sonderbehandlung erforderlichen Geseze sind vom eng lischen Unterhaus bereits angenommen, bedürfen aber noch der Zustimmung des Oberhauses, die solange zurückgestellt wird, bis die Ratifizierung durch den deutschen Reichstag vorliegt. Ueber die materiellen Schädigungen einer Verschiebung der Ratifizierung durch Deutschland hinaus, bedeutet jede weitere Bertagung auch eine Verlegung der moralischen Verpflichtungen, die Deutschland England gegenüber durch seine Unterschrift eingegangen ist. Sollten die Regierungsparteien wirklich den Versuch machen, ihre eigene Unterschrift nicht zu honorieren, fo fezen fie sich der Gefahr aus, daß die Linksparteien an ihnen anläßlich des Handelsvertrages mit England die gleiche politische Erziehungsarbeit wiederholen müssen, die an Deutschnationalen bei Gelegenheit des deutsch spanischen Handelsvertrags vollzogen wurde. Der Reichsaußenminister legt auf die Ratifizierung des deutsch- englischen Handelsvertrags vor der Ber abschiedung der Rollvorlage großen Wert. Die Verschleppung auf den Spätheroft, die von den Rechtsparteien beabsichtigt ist, würde die Spannung zwischen ihm und den DeutschAuswärtiger Ausschuß. In ( Bon unserem Pariser Mitarbeiter. Paris, 13. Juli... Die jüngsten Vorgänge innerhalb der deutschen Regierungsparteien haben in den hiesigen maßgebenden Kreisen eine starke Beunruhigung hervorgerufen. Man hatte nie angenommen, daß auch die äußerste deutsche Rechte der Politik des Kabinetts Luther- Stresemann zustimmen würde, die in den deutschen Sicherheitsvorschlägen vom Februar, ihren prattischen Ausdrud fand. Aber man hatte der von deutscher offizieller Seite, u. a. auch vom deutschen Botschafter in Paris, immer wieder gemachten Angabe, daß die Deutschnationale Partei den Vorschlägen Stresemanns zugestimmt habe und gerade dieser Umstand den Vorschlägen ihre besondere Bedeutung verleihe, Glauben geschenkt. den sozialistischen Kreisen, wo man ursprünglich gegen die Anknüpfung von Verhandlungen dieser Art mit einer unter deutschnationalem Einfluß stehenden Regierung starte Abneigung empfunden hatte, fonnten die Bedenken schließlich nur durch den Hinweis überwunden werden, daß man selbst den guten Willen der Rechten nicht von vornherein in 3weifel stellen dürfe und man flug daran tue, im Kampf zur Befestigung des Friedens und zur Herstellung freundnachbarzu- licher Berhältnisse zwischen Frankreich und Deutschland jede Hilfe, von welcher Seite sie auch tomme, anzunehmen. Sicher ist trotzdem, daß gegenwärtig jenes starte Bertrauen, das man vor einigen Wochen noch am Quai d'Orsay zu den deutschen Vorschlägen hatte, durch die deutschnationale Kampagne gegen Stresemann eine gewisse Erschütterung erfahren hat. Der Auswärtige. Ausschuß des Reichstages überwies heute den deutsch- britischen Handelsvertrag nach längerer Distuffion und ohne erhebliche Aussprache auch den Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten dem handelspolitischen Ausschuß. Die große politische Debatte über die abzufendende 3wischennote der deutschen Regierung an Briand foll am Freitag oder am nächsten Dienstag stattfinden. Zuvor wird der Auswärtige Ausschuß noch zu einer anderen Sigung fammentreten, um seinen laufenden Beratungsstoff zu erledigen. Englischer Druck auf Rußland. Chamberlains Warnungen. London, 14. Juli.( WIB.) zu der geffrigen Unterredung Chamberlains mit Rakowski schreibt der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph, der russische Geschäftsträger habe sich fichtlich erleichtert gezeigt, daß seine Besorgnisse wegen der möglich feit eines baldigen Abbruches der diplomatischen Beziehungen unbegründet seien, aber die Bemerkungen des Staatssekretärs des Aeußern hätten Ratowski teinerlei Jülufionen über den Ernst gelassen, mit dem britischerfeits die englandfeindliche Propaganda von Sowjetvertrefern und Sowjetagenten in Afien betrachtet werde. Ein Richter gemaßregelt. Aber nicht wegen Freispruch eines völkischen Mörders! Man schreibt uns: Ein bei dem Amtsgericht Berlin- Mitte angestellter Richter, der Vormundschaftssachen bearbeitet, wies einen Antrag auf Unterbringung eines Kindes zur Fürsorge erziehung zurück, der unter anderm darauf geſtüßt war, daß ihm verheiratet zu sein. Der Richter führte aus, daß ein derartiges Zusammenleben nicht unter allen Umständen ein solches zu ſein brauche, daß es das sittliche Wohl des Kindes gefährde, zumal Fälle benkbar seien, in denen der Eheschließung nicht zu beseitigende Hindernisse entgegenstehen. Da sonstige erschwerende Umstände nicht geltend gemacht seicn, reiche die Tatsache dieses Zusammen lebens nicht aus, eine derart einschneidende Maßregel anzuordnen. Gegen den Beschluß wurde vom Jugendamt nicht Beschwerde ein gelegt, so daß er rechtsfräftig wurde. die Mutter des Kindes mit einem Mann zusammenlebt, ohne mit Bald darauf wurde dem Richter eines Morgens, als er sich zu feinem Dienst einfand, in seinem Bureau mitgeteilt, daß ihm durch einstweilige Anordnung des Amtsgerichtspräsidenten die weitere Bearbeifung der Vormundschaftssachen entzogen und er an eine wangsvollstreckungsabteilung verseht sei. Auf seine Bitte um mit teilung der Gründe fagte ihm der Amtsgerichtspräsident, daß ein Richter sich überlastet fühle und diese Aenderung der Geschäftsver. teilung Abhilfe bringen könne. Als der Vormundschaftsrichter fich über die Blöglichkeit der mitten im Geschäftsjahr erfolgten Bersetzung beklagte, gestand der Präsident, daß mitbestimmend gewesen sei die ihm bekanntgewordene Entscheidung in jener Für forgeerziehungsfache. Der Präsident habe durch einstweilige Anordnung die fofortige Abgabe der Vormundschaftsabteilung und den Tausch der Dezernate bestimmt und die Bestätigung dieser Aenderung der Geschäftsverteilung bei dem Präsidium des Landgerichts beantragt. Der Richter war früher bei dem Amtsgericht Berlin- Mitte Schöffenrichter. Vor ihm als Schöffenrichter wurde gegen rechtsraditale Angeflagte eine Anzahl Strafsachen mit start politischem Hintergrund verhandelt, in denen das Schöffengericht auf erhebliche Strafen ertannte. Auf Betreiben der Staatsanwaltschaft wurde damals dieser Richter, dem bisher seine Eignung als Schöffenrichter bezeugt war, durch Beschluß des Präfidiums von seiner Schöffenabteilung an die Hinterlegungsstelle verjeht. Zu der jetzigen Bersetzung an die Zwangsvollstreckungsabteilung ist zu bemerfen, daß die Geschäftsverteilung bei den Amtsgerichten durd; Beschluß des Präsidiums des übergeordneten Landgerichts ( befiehend aus dem Präsidenten, sämtlichen Direktoren und dem dienstältesten Richter) erfolgt und zwar für das ganze Ge. fchaftsjahr im voraus derart, daß Aenderungen im Laufe des Geschäftsjahres nur in besonderen Ausnahmefällen und auch wieder nur durch das Präsidium angeordnet werden fönnen. In den linksgerichteten Kreisen verwechselt man dabei feineswegs die Kritif, die ja auch von der deutschen Linken an der französischen Antwortnote vom 16. Juni geübt wird, mit dem allen strategischen Schachzügen des deutschen Kanzlers zum Troh immer stärker aufflammenden Kampf Deutschnationalen Partei gegen die Grundtendenz ..r Stresemannschen Außenpolitit. So wenig man hier erwartet hatte, daß etwa Deutschland die französische Antwort in allen ihren Zeilen, ohne weitere Aufklärungen zu verlangen, als legtes Wort gutheißen würde, so sehr wurde man in Frankreich gerade in den linksstehenden Kreisen von der Schärfe des Gegensages überrascht, der sich plötzlich zwischen der offiziellen deutschen Regierungspolitik und den Absichten der Deutschnationalen Partei herausstellte. Solange ihre Stellungen verdeckt hielten, nahm man hier immer noch an, die führenden Parlamentarier der Deutschnationalen Partei daß es sich bei dem Kampf gegen Stresemann und gegen seine Sicherheitspolitik vor allem um die Aktion eines in der Minderheit sich befindlichen rechten Flügels der Deutschnationalen Bartei handle. Seitdem jedoch Graf We starp seine Ansichten flarer zu formulieren begann und die französische Antwort als ein unumstößliches Zeichen des französischen Bernichtungswillens gegenüber Deutschland" brandmarkte, hat man in den offiziellen und parlamentarischen Kreisen von Baris erkannt, daß der Konflikt viel ernsthafterer Natur ist, als es die ersten Anzeichen vermuten ließen. " Die Folge davon ist, daß den französischen Na tionalisten wieder einmal das Heghandwert erleichtert wird und sie sich mit Behagen über das ewige Hereinfallen der französischen Linken" und über den Zusammenbruch ihrer Illusion durch Konzessionen und Nachgiebigkeit gegenüber Deutschland" lustig zu machen suchen. Auch gewisse Elemente der radikal- sozialistischen Partei, die, wie FranklinBouillon, der Vorsitzende der Kommission für die auswär tigen Angelegenheiten, nationalistisch angehaucht sind, benugen die Gelegenheit, um hinter den Kulissen gegen Briands Vertrauenspolitik" zu schüren. Der Außenminiſter felbft hat sich bisher durch die Ereignisse in Berlin nicht von feiner Ueberzeugung abbringen laffen, die volle Verſtändigung zwischen Frankreich und Deutschland herbeizuführen. Diese Verständigung," erklärte er jüngst im Laufe eines Gespräches ,,, liegt so sehr im Interesse der beiden Länder, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß sie- scheitern sollte: denn gerade weil die deutsche Regierung eine sehr anerkennenswerte Initiative ergriffen hat, wäre es für die gesamteuropäische Situation um so gefährlicher, wenn man etwa in Berlin, aus innerpolitischen Gründen, die gemachten Borschläge nicht aufrechterhalten würde. Aber ich glaube nicht, daß die deutsche Regierung auch nur eine Gefunde einen Berzicht ihrer Vorschläge ins Auge fassen fönnte." Briand ist entschlossen, die deutsche Antwort auf seine Note vom 16. Juni ebenso objektiv und vom Willen zur Verftändigung befeelt, zu prüfen, wie die deutschen Borschläge vom Februar. Stärker als je scheint er von der Notwendig feit überzeugt, daß Deutschlands Eintritt in den Völkerbund notwendig ist. Auf unzweideutige Anfragen hat er erklärt, daß es feineswegs seinen Absichten entspreche, Deutschland Berpflichtungen aufzuerlegen oder für Frankreich Rechte zu beanspruchen, die im Gegenfak zu irgendwelchen Bestimmungen des Völkerbundpaktes ständen. Diese Regelung war zu Zeiten der Schaffung des Gerichts- Wird Briands Hoffnung, den Sicherheitspaft im verfassungsgesetzes getroffen worden, um die Möglichkeit einer Ka- Herbst dem französischen Parlament zur Ratifitation vorlegen binettsjustiz zu behindern. Heute wird sie zu einem Mittel, um zu fönnen, in Erfüllung gehen? Die Parteien der Linten republikanische Richter, die gegen rechtsradikale Angeklagte ohne wünschen es, während die Bertreter des Bloc National, unter Ansehen der Be jon vorgehen, oder eine vernünftige Entschei Berufung auf die Feldzüge des Grafen Westarp und feiner dung in Fürforacfragen fällen, zu maßregeln! Ein Beversdorf Bartei, das sichere Scheitern der Berhandlungen glauben antann mciler antieren und den Sidhtern. Die Den er des Reichs fündigen zu dürfen. Eines ist der deutschnationalen Kambannermannes Schulz freisprachen, wird auch kein Haar gekrümmt!| pagne zweifellos schon gelungen: die außerordentlich starte moralische Entspannung, die durch die deutschen Regierungsvorschläge vom Februar in fast allen Kreisen Frankreichs hervorgerufen worden ist, wird wieder von einer Welle des Mißtrauens, des Zweifels, überspült. Inflationsgewinne auf Staatskosten. Ein neuer Stinnes- Skandal. W Trotz mehrfacher Anfragen ist es nicht gelungen, nähere Einzelheiten über den Verkauf eines Hafengeländes zu erlangen, das der Stinnes Konzern in der Inflation vom Reich erworben und jetzt an den Hamburger Staat veräußert hat. Vom Staate Hamburg selbst wurde das Geschäft in folgender Form bestätigt: Nach längeren Verhandlungen hat der Hamburger Staat die Aktien der Gesellschaft für Erwerb und Verwertung von Industrieund Hafengelände zu Neuhof erworben. Die Aktien der hier genannten Gesellschaft waren im ausschließlichen Besitz der StinnesDelhandelsgesellschaft- A.- G. Damit hat der Staat 500 000 Qua dratmeter baureifes Gelände erhalten. Wie eine Hamburger Korrespondenz weiter mittelt, beträgt der Kaufpreis 4,6 millionen Mart. Angeblich ist der Erwerbspreis des Stinnes- Konzerns nicht höher als 400 000 M. gewesen. Demnach hat der Stinnes- Konzern an dem famosen Geschäft mit Hilfe der Reichs- und Staatsorgane sowie unter Ausnutzung der Inflation volle 4,2 millionen Mart auf Kosten der Allgemeinheit verdient! Die Stüßungsaktion der Großbanken für den StinnesKonzern, an der bekanntlich die Preußische Staats bant beteiligt ist, erhält dadurch ein neues Geficht. Sie ist da sie die ,, langsame Abwicklung" der Verpflichtungen der Stinnes- Gruppe garantieren soll nichts anderes als eine Attion zur Sicherung der Inflationsgewinne dieses Trustes, und zwar mit Reichs- und Staatsbantfrebiten! Das ist um so skandalöser, als bekanntlich die Rechtsparteien jede steuerliche Heranziehung der Inflationsgewinne zur Schaffung von Mitteln für die Aufwertung verweigert haben, daß fie ferner die Vermögenssteuer, die wenigstens teilweise auch die Inflationsgewinne faffen könnte, abbauen! Rentner und Arbeiter bezahlen also mit Aufwertungsverzicht und höherer Steuerbelastung das Geschäft, das hier mit Hilfe von Staatsorganen und öffentlichen Banten auf ihrem Rücken gemacht wird. Es ist Zeit, daß sich einmal der Reichstag der Sache annimmt. Eine standalösere Berquickung von Staat und Privat geschäften der Interessenten zum Nachteil der Allgemeinheit ist wirklich nicht mehr gut denkbar! Die revolutionären Landwirte. Es scheint so als wenn die scharfen Auseinandersetzungen über die Zollfrage nicht ohne Einfluß auf das Gemüt unserer Landwirte bleiben. Das laffen zwei Entschließungen erkennen, die fürzlich von dem Kreislandwirtschaftsverband Hohenstein in Ostpreußen und dem Kreislandwirtschaftsverband Osterode in Ostpreußen angenommen wurden. In der ersten Entschließung heißt es u. a.: „ Wir verlangen deshalb Zölle so wie sie in der Dentschrift des Reichslandbundes nicht nur gefordert, sondern als unbedingt notwendig bewiesen worden sind. Mit Gewalt werden wir uns unser Recht zu verschaffen wissen. Die zweite Entschließung flingt in den folgenden Sahaus: Bevor die Landwirtschaft zugrunde geht, ist es ihr nicht zu verbenden, wenn sie, zum Aeußersten ge trieben, zur Selbsthilfe greift." Das find ganz niebliche Töne. Ein Kommunist fönnte taum andere hervorbringen. Haben die genannten Kreisvereine garnicht überlegt, welchen Bärendienst sie mit ihren Entschließungen den Landwirten geleistet haben? Nun ertennt man Katastrophen im Weltenraum. Die amerikanischen Sternwarten berichten über die Beobachtung eines neuen, bisher unbekannten Sternes. Von Zeit zu Zeit werden derartige Sterne von irgendwelchen Astronomen gesichtet, bleiben eine Zeitlang am Himmel, zum Teil als Sterne zweiter und dritter Ordnung, mit ungeheurem Licht und verschwinden dann wieder entweder völlig oder bleiben als fleine Lichtpünktchen zurüd, nach dem sie Tage oder Wochen am Himmel als Sterne hervorragendfter Ordnung geleuchtet haben. Das hervorragendfte Beispiel dafür ist der berühmte neue Stern, ben der dänische Astronom Tycho de Brall am 11. November 1572 auf seinem Observatorium gesichtet hat. Dieser Stern war zuerst so ungeheuer hell, daß er sogar bei Sonnenschein am Tage noch fichtbar war. Aber die Herrlichkeit dauerte nicht lange, denn schon nach siebzehn Monaten war er verschwunden, nachdem er allmählich immer mehr abgeblaßt war. Aehnliche Mitteilungen haben wir aus dem Altertum, wo schon der berühmte Hyparch im Jahre 123 n. Chr. im Sternbild des Storpion plößlich einen neuen Stern entdeckte, und die jüngste Erscheinung dieser Art ist der berühmte Stern Norva Bersei, der am 21. Februar 1901 von dem schottischen Astronom Anderson entdeckt wurde. Auch dieser Stern ist jetzt nur noch sehr schwach. Der neue Stern, der soeben von den großen Sternwarten Amertias nach Zeitungsmeldungen gesichtet wurde, reiht sich diesen Erscheinungen an. erst recht, daß der ganze Zollkampf dieser Reise nichts anderes als eine ausgefprechene Machtfrage ist, und die schönen Worte von der Zurückstellung des eigenen Ichs hinter die Interessen der Allgemeinheit nur leere Redensarten sind, die in dem Augen blick jede Bedeutung verlieren, wo man sich selbst danach richten soll. Im übrigen eine Frage: Würden die Landwirte eine Entschließung der Landarbeiter oder des Deutschen Landarbeiter- Berbandes, in der von Gewaltanwendung die Rede ist, auch so hinnehmen, wie die Entschließung der beiden Kreisvereine des Land wirtschaftsverbandes Ostpreußen hingenommen werden sollen? KPD.- Schwund. Begleitmusik zum Parteitag. Bitterfeld, 13. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Betriebsratsvorsitzende des 3shorne wiger Wertes Gustav Boigt, ratsvorsitzende des 3schornewiter Werkes Gustav Voigt, feinen Austritt aus der KPD. erklärt. Er begründet das mit folgen der lange Jahre der kommunistischen Partei angehörte, hat jezt dem Schreiben: Mit dem heutigen Tage veröffentliche ich meinen Austritt aus der Kommunistischen Partei. Nach jahrelanger, inten fiver Tätigteit für dieselbe, wobei ich Existenz, Fami lie und Freiheit aufs Spiel gelebt habe, hielt es diese Partei nicht für notwendig, in einer Anklage gegen mich wegen Breffevergehens einen Rechtsschutz zu stellen. Der Vorstand der Ortsgruppe Bschornewiß, die Gesamtfraktion der Gemeinde vertretung und der Rote Frontkämpferbund hatten die Bezirksleitung Halle energisch ermahnt, den Rechtsschutz zu stellen. Ein glattes Nein. Durch einen günstigen Umstand wurde die erste Verhandlung vertagt, ich wandte mich persönlich an den Unterbezirksleiter Hugo müller mit dem Ersuchen, einen Rechtsschutz für mich zu er mirten; ergebnislos. Wäre es Herr Scholem oder die temperamentvolle Frau Ruth Fischer gewesen, dann hätte man sicher drei Rechtsanwälte dirigiert. Ihr Funktionäre, die ihr die Parolen ausführen müßt, um als gute Genoffen zu gelten, bezahlt den Rechtsichuz boch selbst! Ihr seid ja auch eine großen Kanonen, trotzdem ihr die gefährliche Kleinarbeit leiſten müßt. An euch handelt man nach dem Motto:" Erst laßt ihr die Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr sie der Bein." Ein jeder Funktionär dieser Partei, welcher meine Tätigkeit für die Partei beurteilen fann, möge aus diesen Zeilen eine Lehre ziehen. So spielt die KPD., deren große Kanonen" sich, wenn Gefahr droht, forgiam im Hintergrund halten, mit ihren einfachen Barteigenoffen. Kommen diese auf Grund ihrer tommunistischen Barteiarbeit mit den Strafgesehen in Konflikt, dann überläßt man sie ihrem Schicksal. Eine solche Partei hat das Recht verwirft, fich Arbeiterpartei zu nennen. Es bleibt also festzustellen, daß wieder einmal einer der treuesten KPD.- Anhänger an seiner eigenen Partei verzweifelt ist. Wenn der Verzicht, sich von Scholem, in Gemeinschaft mit Ruth Fischer befehlen zu laffen, im bisherigen Maße die KPD. weiter greift, dürfte auf die Dauer nur noch ein Häuflein minderjähriger Jünglinge übrigbleiben. Zölle auf Werkzeug. Die Bedrohung der Handwerksintereffen. Im Handelspolitischen Ausschuß, tn dem gestern ein verbiffener, wenn auch stiller Kampf wütete, ist heute wieder Ruhe und Frieden eingefehrt. Die Schwerindustrie und die Fertigindu strie haben sich wiedergefunden. Die Pofitionen, um die heute gefämpft wird, interessieren sie nicht in dem Maße, wie das bei den gestern verhandelten der Fall war. Heute besprach man die Pofitionen, die landwirtschaftliches Wertzeug, Wertzeug für das Handwerk und Maschinenteile für die Textilindustrie betreffen. Unsere Genossen, die bei der Be sprechung auf die Gefahren für die genannten Berufe eindringlichst hinwiesen, blieben troßdem allein. Die Handwerksvertreter und die Bertreter der Landwirtschaft blieben mit der Industrie und den Großagrariern absolut solidarisiert. Sie hoffen, daß von dem reich gedeckten Zolltisch für die ganz Großen doch etwas für sie abfallen wird. Genoffe Dißmann machte darauf aufmerksam, daß die Kleineisenindustrie für große Bezirke in Deutschland die eigentliche wirtschaftliche Basis darstelle. Das Bergische Land, die Gegend um Schmalkalden und ein Teil Oberschlesiens werden von der Kleineiseninduſtrie ernährt. mar. Abgestandene Possendramatik. Im vorigen Sommer lernte ich in einem medlenburgischen Dorf einen wunderlichen alten Flickschuster kennen, der nach übereinstimmendem Urteil seiner Frau und entfernteren Familienmitgliedern vertrottelt Als er zufällig von meiner theaterkritischen Tätigkeit hörte, übergab er mir in gläubiger Zuversicht das mühsam gefrigelte Manuskript eines selbstverfaßten Lustspiels, mit der Bitte, es an einem Berliner Theater unterzubringen. Bei meinen Beziehungen zum Theater würde es sicher nicht schwer halten. Das Stüd war albern. Ich gab es ihm zurück und sagte:„ Mein Lieber, so wie Sie hat man vor dreißig bis vierzig Jahren geschrieben. So was nimmt heute fein Theaterdirektor mehr an. Aber wenn Sie die Sache zum Stiftungsfest der freiwilligen Feuerwehr oder so aufführen lassen, werben Sie bestimmt großen Erfolg haben. Ich habe dem armen, alten Mann Unrecht getan. Es gibt doch noch Direktoren, die an überlebtem Zeug Gefallen finden. Das Schwantlustspiel Mohrenwäsche" von Loni Impefoven und Karl Mattern, zu beffen Begutachtung gestern die Goethe- Bühne" eingeladen hatte, ist noch alberner als das Stück des Dorfschufters. Die„ Mohrenwäsche" ist ein unglaublich ödes Machwert nach dem Muster abgestandenster Boltsstücke, beffen Hauptfiguren, früher Schlosser und jetzt fagenhaft reiche Schieber, fich so idiotisch benehmen, daß sie von einem Amateurdetektiv gründlich über den Löffel barbiert werden. Sonderbarerweise erregt der langweile Schmarren dank seiner flobigen Romit bei einem Teil des Publikums johlenden Beifall. Die Darsteller passen sich dem VorWelches ist nun die Ursache zum Erscheinen solcher Sterne, und ſtadttheaterniveau der Posse durchaus an. Ihre Hauptstärke besteht welches ist die Ursache zu ihrem Absterben? In dem ungeheuren in Klamottenfomit. Aus dem Mittelmaß ragt Urfel Stein heraus, Weltenraum ist durchaus nicht dafür gesorgt, daß jeder Stern seine die der Sommerdirettor Berthold aus seinem verfloffenen Stegeigene Bahn zieht, sondern es ist möglich, daß zwei Sterne fich auf lizer Schloßparttheater in die Goethe- Bühne" verpflanzt hat. Sie ihrer Bahn begegnen. Wenn diese Sterne nun bereits dunkle Körper beligt erstens eine bemerkenswerte mimische Unfähigkeit und zweisind, d. h. wenn sie bereits völlig erfaltet sind, und nicht mehr leuchtens einen Sprachfehler, mit dem es ihr gelingt, 75 Broz. ihrer Rolle ten, dann fönnen wir ihre Bahn nicht beobachten, zumal es sich dem Verständnis zu entziehen, was bei der Langweiligteit des Tertes meist um Weltenkörper handelt, die viele tausend Lichtjahre von zum Vorteil der Posse ausschlägt. Dgr. uns entfernt find. Sowie aber zwei derartige dunkle Körper aufeinanderstoßen, dann kommt einer von den beiden oder beide durch den ungeheuren Anprall durch Verbrennen zum Leuchten. Sind es run sehr große Weltenmaffen, dann werden sie als helle, leuchtende Sterne so lange erscheinen, als die Masse glüht. Ist aber der Berbrennungsprozeß vorbei, dann beginnen fie allmählich wieder zu verblassen und entschwinden meist ganz. Der neue Stern, der jegt gesichtet wurde, soll nämlich in einen Meteorenschweif gekommen sein. Auch diese Erklärung für das Auftauchen neuer Sterne ist möglich, denn wenn dieser dunkle Körper in einen Schwarm von Meteoriten gerät, so wird er durch den ungeheuren Aufprall unzähliger fleiner Weltförper gleichsam zum Leuchten kommen. Man dürfte fich also die Entstehung dieses neu beobachteten Sternes auf Diese Weise erklären, daß die Meteore auf den Stern aufgeprallt find und dadurch den bisher dunklen und ohne Eigenlicht durch den Weltenraum wandernden Himmelstörper zum Leuchten gebracht haben. Es handelt sich dabei um aanz ungeheure fosmische Katastrophen, die wir uns auch nicht entfernt vorstellen fönnen und wogegen die Erplosionen auf der Sonne, die für uns bereits eine unporstellbare Gewalt haben, ein Säufeln zarter Lüfte darstellen. Der englische Blutübertragungsdienst". Bor etwa fünf Jahren organisierte die Chamberwellsektion des englischen Roten Kreuzes eine Art Freiwilligenforps von Leuten, die sich bereit erklärten, jederzeit in einem Londoner Hospital ihr Blut zu vergießen zugunsten eines transfusionsbedürftigen Kranken. Dieses Korps ist nun 250 Bersonen start, und die Veranstalter hoffen, die Zahl zu verdoppeln. In diesem Jahre find 180 der Freiwilligen zu Operationen berufen worden. Unter ihnen befinden sich Frauen und Männer von 18 bis 65 Jahren. In der Regel bringt das„ Blutopfer" seine beträchtlichen Beschwerden mit fich. Besonders viele Freiwillige stellen die Rovers", die ältern Brüder der Pfadfinder". Der Dienst ist so organisiert, daß bei dringendem Anruf von einem Londoner Kranfenhaus ein Freiwilliger fofort per Droschte anfahren kann. Die Organisation bezahlt die Ausgaben der Freiwilligen, aber nichts darüber. Es wird versichert, daß im allgemeinen Frauen bessere Batienten sind als Männer, sie sollen vor Beginn der Abzapfung weniger furchtsam sein. Neuerdings wird die Bluttransfusion zur Anregung der Bitalität bei schweren Operationen viel verwendet, Die Interessen diefer Landftriche werden aber glatt dem Profithunger der Großinduftrie geopfert. Man verteuert das Rohprodukt, ohne daß dazu ein zwingender Grund vorliegt und gibt dafür das trügerische Aequivalent eines Schutzzolles, der gar nicht benötigt wird. Dafür erreicht man aber eine Berteuerung der landwirtschaftlichen Produktion und des handwerklichen Produkts, die letzten Endes auf die Verbraucher abgeNotwendigkeit des Schußes gegenüber Defterreich ist bei Betrachten wälzt wird. Die in der Begründung der Regierung angegebene der tatsächlichen Verhältnisse absolut unzulänglich. Sie entbehrt nebenbei nicht eines interessanten politischen Beigeschmacks. Genoffe Biefter behandelte die Bollerhöhungen auf Nebenprodukte des Tischler und Schlossergewerbes. Bei diesen Artikeln handelt es sich um reine Ausfuhrgegenstände. Es ist uns unerfindlich geblieben, was hier ein Einfuhrzoll für eine Wirkung haben soll, wenn nicht abfichtlich eine Belastung des inländischen Konjums herbeigeführt wird. Wesentlicher sei, das dürfte zu den ersten Aufgaben des Wirtschaftsministeriums gehören, dieser fleinen Industrie billige zu machen. Rohstoffe zur Verfügung zu stellen, um sie dadurch innerlich gesund Genosse Krüger- Merseburg machte bei einer Besprechung der Pofitionen Drahtwaren auf die unmögliche Zusammenfassung fam. Die Regierung versprach darauf eine Besserung im neuen der verschiedenartigsten Artikel innerhalb einer Nummer aufmerf Tarif. Es war nicht sehr verwunderlich, daß bei der parteipolitischen Bindung, die die Sandwerter mit der politischen Reaktion eingegangen sind, ihr Vertreter, der Handwerkersynditus Wienbed auch im Ausschuß die materielle Berbundenheit mit der Großindustrie öffentlich demonstrierte. Die Handwerker werden sich merken müssen, daß ihr Abgeordneter im Reichstag dafür eintrat, daß ihr Handwertszeug und ihre notwendigen Bedarfsgegenstände verteuert werden, daß dadurch die Absahmöglichkeiten ihres Produktes außer ordentlich erschwert werden. Mit großem Nachbruc wies in diesem würdige Haltung der landwirtschaftlichen Bertreter hin, die ohne Zusammenhang auch der demokratische Abg. Lemmer auf die mert einen Mud sich die Bollerhöhung auf ihre Hilfsmittel gefallen lassen. Welche Tendenzen bei Schaffung der Vorlage maßgebend waren, stellte Genosse Beine an einem Beispiel treffend fest. Die Gewerkschaften und Genossenschaften hatten durch das Außenministerium den Antrag gestellt, durch Vertreter bei den Handelsvertragsverhandlungen die Stellungnahme der Arbeiterschaft dar tun lassen zu können. Der Wirtschaftsminister hat ohne irgendeine Begründung die Zulassung von Vertretern der Genossenschaften und Gewerkschaften abgelehnt. Bei der Abstimmung funktionierte der Ablehnungsautomat der bürgerlichen Parteien wieder ausgezeichnet. Alle Anträge auf Bollfreiheit oder Ermäßigung, die von der Oppofition gestellt waren, wurden glatt unter den Tisch gestimmt. In der Fortsegung der Debatte über eine ganze Reihe weniger wichtiger Bofitionen blieben die Redner der Opposition wie bei den vorhergegangenen Unterhaltungen allein. Nach der kurzen Unterbrechung der Methode, daß auch die Regierungsparteien sich an der Aussprache beteiligten, sind sie neuerdings wieder in den früheren Zustand der absoluten Bassivität zurückverfallen. Von den fozialdemokratischen BerKrüger- Merseburg. tretern beteiligten sich an der Aussprache die Genossen Dißmann und Verfassung für Südwestafrika. Gleichberechtigung der Deutschen mit den Südafrikanern. Kapstadt, 14. Juli.( WTB.) Das füdafrikanische Parlament hat die Gefeßesvorlage angenommen, die Südwestafrifa eine Verfassung verleiht. General Herzog erklärte, daß das Drittel der gefeßgebenden Bersammlung Südwestafrifas, welches ernannt werde, zu gleichen Teilen aus Deutschen und Südafrikanern bestehen soll, um ein ungehöriges llebergewicht einer der beiden Parteien zu verhindern. Die gegenwärtige Vorlage sei nur ein Notbehelf und er hoffe, daß es zwischen der Union und Südwestafrika zu einer engeren Verbindung fommen werde. General Smuts erflärte, er begrüße die Vorlage warm und zolle nicht nur der deutschen Bevölkerung, sondern auch der deutschen Regierung warme Aner fennung. Er bedauere nur, daß feine Vorsorge dafür getroffen sei, die Südwestafrikaner im südafrikanischen Parlament zu Wort fommen zu lassen. Zum Oberbürgermeister von Braunschweig wurde der Oberbürgermeister Dr. Trautmann, Frankfurt a. b. D., mit den 20 bürgerlichen Stimmen des Stadtparlaments gewählt. Der Sozialdemokrat Dr. Jasper, für den auch die Kom munisten stimmten, unterlag mit 15 Stimmen. neben den Fällen von Blutarmut oder von großen Blutverlusten bei Unglücksfällen. Mehr Opfermut als von den Blutfreiwilligen wird von den Personen verlangt, die auf der kleinen Lifte derjenigen stehen, die jederzeit bereit sind, ein Stüd von ihrer Haut zur Verfügung zu ftellen. Dies Opfer bringt mitunter beträchtliche Berlegung und Krankenhausaufenthalt nach einer Operation unter Narkosemit sich. Neben den Berschenkern gibt es auch Blutverläufer. Sie beziehen für jede Operation fünf Pfund, b. h. etwa 100 m. Hundert Jahre Blindenfchrift. Das Pariser Blindeninstitut feierte diefer Tage die Erinnerung an Braille, der vor hundert Jahren die Blindenschrift erfand, wie sie heute im internationalen Gebrauch ist. Man tann Braille allerdings nicht den eigentlichen Erfinder der nach ihm benannten Schrift nennen, die vielmehr von dem sehenden Franzosen Charles Barbier in ihrem Grundwesen, der zwölfpunktigen Grundform schon vor ihm erdacht und von Braille nur erweitert und auf lediglich sechs Bunkte vereinfacht - Louis Braille, der Sohn eines Böttchers in Couvray worden war. wurde im Jahre 1809 geboren und hatte als dreijähriges Kind infolge eines Unfalls das Augenlicht verloren. Mit lebhafter Intelligenz begabt, folgte er nichts destoweniger dem Unterricht in der Boltsschule und trat 1819 in die dreißig Jahre vorher gegründete Blindenschule in Paris ein. Er widmete sich hier in erster Linie der Musik und brachte es auf dem Klavier, dem Cello und der Orgel zu bemerkenswerter Fertigteit. Er waltete denn auch längere Beit feines Amtes als Organist in verschiedenen Bariser Kirchen. Das ganze Denten und Sinnen galt aber der Verwirklichung seines langgehegten Traumes, eine praktisch verwertbare Methode zu finden, die es jedem Blinden gestatten sollte, Bücher und Noten zu lefen, ohne die Hilfe von Sehenden in Anspruch zu nehmen. Auf der Grundform des Barbierschen Systems arbeitete er dann auch seine Methode aus, die darauf beruhte, das Alphabet, die Satzzeichen und Biffern, durch erhöhte Bunkte und Linien von verschiedener Bahl und Anordnung herzustellen. Im Jahre 1925 trat er mit feinem fertigen System hervor, das bald in allen Blindenanstalten eingeführt wurde. Druckfehlerberichtigung. In dem Artitel Warnung vor Rou tiniers" unserer heutigen Morgennummer hat sich ein unangenehmer Druckfehler, beinahe Dreckfehler, eingeschlichen: Die Kapell meisterposten wurden nicht versaut", sondern Datant" genannt. Frühjahrsausftellang der Akademie der Künste bat der Kultusminister aus Staatliche Anfäufe für die Nationalgalerie. Auf der diesjährigen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Werke folgender Künstler angekauft und der Nationalgalerie überwiesen: Theo Champion. Düsseldorf-Am Rhein", Franz Domfcheit Anbetung", Karl Hofer Näherin", Franz Hoffmann- Fallersleben Haus in der Sonne", Anton Kerschbaumer " Tiergartenschleuse", Bruno Kraustopf Blumenftilleben", Mar Liebermann Selbitbildnis", Heinrich Nauen- Düsseldorf Park Dilborn", Friz Slimsch Aglaja", E. R. Weiß Bildnis René Gintenis". H Eine Fachschule für Hundezucht. Auf Betreiben des Deutschen Schäfer. schule für Kynologen" ins Leben gerufen worden, in der alle Fragen der hind- Berbandes ist in Berlin in der Tierärztlichen Hochschule eine adh bundezucht wiffenschaftlich behandelt werden sollen. Man will hier eine Bildungsstätte schaffen, die jedem ernsten Hundezüchter offen steht und rein wissenschaftliche Zwede verfolgt. Aushöhlung der Sozialversicherung. Verschlechterung des Angestelltenversicherungsgesetzes. Bayerisches Viertel. Der Platz wirft wundervoll geschlossen. Die Häuser liegen Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages hat seine Be ruhig und schwer da. Ihre dunkle Silhouette steht vor dem flaren ratungen über die Aenderung des Angestelltenversicherungsgesetzes Nachthimmel. Das Abenddunkel verhüllt manche übertriebene Beram Montag in zweiter Lesung beendet. Der in erster Lesung gefaßte zierung, manchen kapriziösen Erker, der die Großflächigkeit ſtört. Beschluß, die Versicherungspflichtgrenze auf 8400 m. zu erhöhen, wurde in zweiter Lesung von den Regierungsparteien und berselbe großzügige Stil in den Straßen, die zum Bayewieder umgeworfen. Die aus der Ermächtigungszeit stammende rischen Biatz führen, auch in der Stübbenstraße, wo Bollmacht des Reichsarbeitsministers zur jeweiligen vor einigen Tagen eine Unglückliche als Opfer einer franken Liebe Fejtsegung der Grenze wurde wiederhergestellt. Die Anträge der endete. In der Nachbarschaft übt sich jemand mit weniger Finger Sozialdemokraten und Demokraten, den aus der Arbeiterschaft her. fertigteit als gutem Willen auf einem teuren Klavier, von ferne Dorgegangenen Angestellten( Wertmeistern usw.) die Beitrags- rönt aus einem freischenden Crumrophor in gendein Schlager. Sonft wochen aus der Invalidenversicherung auf die Wartezeit in der An-herry.ht Stilie Benige Autos verferren ctends in diesen Strußen. gestelltenversicherung anzurechnen, wurden ebenso wie die Anträge auf Einführung eines obligatorischen Heilverfahrens nieder gestimmt. Um die Beiträge entspann sich ein heißes Ringen. Abg. Aufhäuser begründete einen sozialdemokratischen Antrag, der durch Einbeziehung der besser bezahlten Angestellten eine Ent Laftung der schlechtbezahlten herbeiführt. Er wies nach, daß nach den eigenen Berechnungen der Regierung feine Notwendigkeit vorliegt, alle Beitragsklassen mit höheren Beiträgen als bisher zu belaften. Sämtliche bürgerliche Parteien stellten sich jedoch auf den Boden der Regierungsvorlage und erhöhten alle Beiträge um ein Drittel, so daß der Monatsbeitrag fünftig betragen foll: Gehaltsstufe A 2 Reichsmark Gehaltsstufe D 12 Reichsmart B 4 E 16 F 20 C 8 Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten wurde auch beschlossen, Richtlinien herauszubringen, die bei Maß nahmen allgemein sozialhygienischer Art die staatliche Sozial versicherung mit ber privaten Wohlfahrtspflege bertuppeln soll. Von der Deutschen Boltspartei wurden Anträge gestellt, die eine Erweiterung der Ersazkaffen einzelner Betriebe bezweden. Sie bedeuten eine völlige Aushöhlung der Sozialversicherung, so daß selbst die bürgerlichen Parteien noch nicht zugestimmt haben. Doch soll der Kuhhandel bis zur Plenarberatung am Mittwoch fertig gemacht werden. Gegenüber der sozialdemokratischen Forderung, die für die zentralen Rörperschaften der Angestelltenversicherung an Stelle der heutigen doppelt in diretten Wahlen durch besondere Wahlmänner Urwahlen ſegen und die Wahlperioden zum Berwal tungsrat von 6 auf 4 Jahre verkürzen will, hüllten sich die bürger lichen Parteien in hartnädiges Schweigen, um schließlich ohne fach liche Debatte alle Anträge, die die Verfassung der A. betreffen, abzulehnen. Die Abgeordneten Thiel Lambach, Gerig von den Regierungsparteien, die sonst als Beamte des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes sehr raditale Töne von sich geben, machten alle Berschlechterungen der Ange. stelltenversicherung und die soziale Belastung der Ber ficherten mit. Eine neue Lohnklaffe für die Invalidenversicherung. Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages beschloß am Montag, den fünf Lohntlassen der Invalidenversicherung eine fe th ft e anzufügen. Die Einkommensgrenzen und Beiträge für die einzelnen Klassen wurden wie folgt festgesetzt: Klasse 1: Wochenlohn bis 6 Mart, Beitrag 25 Bf. 2: 8: 4: 5: 6: 12 " 18 24 30 über 30 50 70 100 120 140 Der Grundbetrag der Rente soll von 120 auf 156 Mart erhöht werden. Der Steigerungsbetrag für alle nach dem 31. Dezember 1923 gezahlten Beiträge erhöht sich auf 20 Broz. und das Kindergeld auf 90 Mart. Die Leistungserhöhungen treten am 1. August, die Beitragserhöhungen am 28. September in Kraft. Die Mehrausgaben betragen auf Grund der neuen Beitragserhöhung etwa 35 bis 40 millionen Mart pro Jahr. Die Erhöhung der Biersteuer beschlossen. Die Bayerische Volkspartei fällt um. Im Steuerausschuß des Reichstags wurde am Montag der Initiativantrag der Regierungsparteien über die Erhöhung der Bier- und Tabatsteuern verhandelt. Nach der Ablehnung der Re gierungsvorlage, die eine Erhöhung der Biersteuer um 100 Broz. und eine allgemeine Serauffegung der Tabatsteuer und des Tabatzolls Dorfah, haben die Regierumgsparteien einen neuen Antrag eingebracht, der eine etwas geringere Erhöhung vorsieht. In den Anlagen des Banerischen Blakes herrscht sinniges Fa Bänken und wissen sich nichts mehr zu sagen. Den wenigen Kinmilientreiben mit parfümiertem Einschlag. Ehepaare sigen auf den dern, die der Tag auf dem Play noch übrig gelaffen hat, wird definitiv zum gutwilligen Schlafengehen zugeredet. Hausmädchen führen ihre Sehnsüchte und die Hunde ihrer Herrschaften an der Leine spazieren. Gesellschaftsfähige Steuerzahler wohnen in dieser Gegend, die sich den Lurus mehrerer Hunde leisten fönnen, boch neben den Rechtsanwalts- und Aerztewohnungen gibt es auch viele Pensionate und diskrete möblierte Zimmer. Einige Herren mit der Allüre eines Filmhelden stehen angenehm Bose, ihr fühnes Auge mustert bas Terrain. Die Linden duften dazu unanständig aufreizend. Vor dem Schaufenster eines Lederwarengeschäftes schwelgt eine Dame entzückt in dem Anblick einer Handtasche. Ihr Begleiter tft plötzlich schwerhörig geworden. Die Dame riecht nach einem nicht ganz einwandfreien Barfüm. Ueberhaupt ist alles bei ihr zu sehr betont. Sie ist beinahe elegant gefleidet, doch die Spangenschuh passen nicht zu dem Kaschmirmantel und dem Wildlederhut, die Dame sieht zusammengeschenkt aus und entwickelt eine Eleganz, wie sie sich der fleine Mann vorstellt. Und allmählich haben die Menschen auf dem Platz gewechselt. Die Ehepaare haben eingesehen, daß sie sich nicht harmonisch dem Geruch der Linden einfügen können, sie sind in ihr weniger aufregendes trautes Heim übergefiedelt. Ueberall wandeln jetzt elegante Damen verschiedener Jahrgänge, deren Hände troß liebevoller Pflege etwas ungeschickt aussehen. Sie stehen auf dem Trottoir Kellner nur den Herren gegenüber große Liebenswürdigkeit und ober promenieren in den Anlagen und sitzen in den Cafés, wo der wilden Geschäftseifer entwickelt. Und alle von der schüchternen Anfängerin bis zur routinierten Großmutter schweigen und warten. Nur die Augen leben in dem Gesicht, das zu start geschminkt ist. Am Rande des Plates machen Autos und Straßenbahnen weltstädtische Stimmung. Die Häuserblocks liegen nun völlig erHin und wieder wird ein Geschäft perfeft, ein Baar verschwindet. Und lofchen da, sie bilden die düstere Folie für diese schweigenden Damen. die zurückbleiben, verfolgen ängstlich den Zeiger auf ihrer Armband uhr. Ansprüche und Preise sinten, die Augen werden noch müder und fäller. Gleichgültig, wer jetzt noch tommt, wenn nur jemand täme und wenn es ein Hausdiener ist. Die Damen stehen da, schweigen und warten. Beschleicht sie vielleicht der Gedanke an das Schicksal jener Armen in der Stübbenstraße? Frau Kapitän". Die Abenteuer einer Entlaufenen. Abenteuerliche Geschichten erzählte ein Mädchen aus einem Dorf in der Nähe von Dresden, das sich fürzlich bei der Zentral ftelle zur Bekämpfung des Mädchenhandels im Berliner Bolizei präsidium melbete. Wie die zwanzigjährige zunächst fagte, traf fie am vergangenen Sonntag beim Schüßenfest im Dorf auf der Festwiese einen ihr bekannten Arbeiter, der sich mit zwei Männern und einer Frau unterhielt. Die Frau gab ihr Bonbons, nach beren Genuß fie das Bewußtsein verlor. Als jie wieder zu sich fam, war es bereits Freitag, und sie befand sich auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin. Bas unterdeffen mit ihr geschehen war, wußte fie nicht. Als man ihr auf dem Ropf zujagte, daß fie Märchen erzähle, gab fie schließlich zu, daß fie geschwindelt hatte. Jezt fogte fie, fie sei mit den drei Männern und der Frau teils mit Auto, teils mit der Eisenbahn gefahren. Auf dem Bahnhof in Berlin habe fie ber unbekannten Frau 100 m. weggenommen und sei nun in Berlin umhergelaufen. In der Meinung, ihren Gepädschein verloren zu haben, habe sie die Betäubung erfunden, um auch ohne Schein wieder in den Besitz ihrer auf dem Anhalter Bahnhof in Verwahrung gegebenen Sachen zu kommen. Der Gepäckschein fand sich hielt sie ihren Karton wieder. Was nun wirklich geschehen ist, weiß aber bei einer Durchsuchung doch noch in ihrer Tasche, und so ermeldet und das Mädchen meint immer noch, daß die brei Mädchen man immer noch nicht. Die Bestohlene hat sich nicht ge händler feien. Der Bater, der auf Benachrichtigung gestern nach Berlin fam, um feine in Schubhaft genommene Tochter abzuholen, Er- Berlin berichtet, daß der Arbeiter aus dem Dorfe verschwunden sei. Die unbekannte Frau wurde, wie das Mädchen sagt, von den beiden Männern Kapitän" angeredet. Genoffe Simon- Schwaben legte dar, daß jede weitere Erhöhung der Steuer auf Bier und Tabak bedenklich sei angesichts der Tatsache, daß die Leistungsfähigkeit der breiten Massen bereits gegenNeben den wirtschaftlichen Schädigungen des Gewerbes feien aber wärtig zu einer starken Einschränkung des Konfums geführt habe. auch erhebliche Schädigungen der betroffenen Arbeiterschichten zu befürchten. Der sozialdemokratische Antrag, die Erhöhung der Biersteuer abzulehnen, wurde gegen die Stimmen der Sozial demokraten, Kommunisten und Demokraten abgelehnt. Der Antrag der Regierungsparteien wurde angenommen, der eine Erhöhung der Biersteuer um 45 Pro3. mit sich bringt. Ein weiterer Antrag der Sozialdemokraten, den 3011 für eingeführtes Bier auf der alten Höhe zu belassen, wurde ebenfalls abgelehnt. Eine ausgedehnte Debatte entspann fich über den sozialdemofratischen Antrag, den Arbeitern und Angestellten des Braugewerbes, die infolge eines Produktionsrüdganges durch die Steuererhöhung arbeitslos werden, Unterstützung aus Reichsmitteln zu gewähren. Während die Demokraten die Zustimmung zu dem sozial bemokratischen Antrag erflärten, versuchten es die übrigen bürgerlichen Parteien mit Ausflüchten, ohne die von den Genoffen SimonSchwaben und Dr. Herh vertretenen Gründe irgendwie erschüttern zu können. Der fozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt, indeffen ein demokratischer Antrag angenommen, der die Regierung auffordert, bis zur zweiten Lesung eine entsprechende Fassung vorzulegen, damit den arbeitslos Gewordenen eine Unterstügung zu teil mind. Die Sozialdemokratie hatte des weiteren ben Antrag gestellt, bie im Braugewerbe noch bestehenden Reste der Zwangswirtschaft, die die freie Konturrenz ausschalten und lebiglich den großen Brau ereien zugute tommen, aufzuheben. Auch dieser Antrag wurde ab gelehnt. Für ihn stimmten nur noch die Rommunisten und die Bertreter der Wirtschaftspartei, während der Vertreter der Banrischen Volkspartei, Abg. Merd, dagegen stimmte, trobem fein Barteifreund Dr. Horlacher furz vorher für das Gegenteil ge Der Ausschuß begann hierauf die Beratung der Tabatsteuer. Genoffe Meier- Baden lehnt die Erhöhung der Tobaksteuer ab. Ihm fchließt fich Abg. Büll( Dem.) an. rebet hatte. Die Rechte der Beamten. Amilich wird gemeldet: In einer Kleinen Anfrage im Landtag wurde ausgeführt, dem Studienrat Dr. Bitte sei vom Berliner Provinzialschulkollegium die Einsicht in mehrere Schriftstücke, die Urteile über seine dienst lichen Leistungen enthalten, mit der Begründung versagt worden, daß die Schriftstücke nicht zu seinen Personalaften gehörten. Es wurde auf die Ausführungsbestimmungen der Reichsregierung zum Art. 129 der Reichsverfassung hingewiesen, in denen be stimmt sei, daß Nebenatten, deren Einsicht den Beamten porenthalten werden soll, nicht geführt werden dürfen. Der Unterrichtsminister teilt nunmehr mit, daß die nötigen Anordnungen getroffen sind, um dem Studienrat Dr. Witte die Einsicht in die zu jeinen Personalakten gehörenden Schriftstücke zu ermöglichen Der großzdeutsche Tag in Berlin. Wie zu erwarten, hat der Aufruf des Reichsbanners SchwarzRot- Gold zum großdeutschen Tage am 8. und 9. Auguft in Berlin anläglich ber Berfaffungsfeiern einen starten Biderhall gefunden. Bisher liegen bereits Meldungen von 18 Sonderzügen aus dem Reich vor, wobei die Sonderzüge der 2000 Mitglieder des Republikanischen Schußbundes, die aus Deutschöfterreich erwartet werden, nicht mitgerechnet sind. Da das Ausmaß der Berfaffungs. feier in Berlin ein ungeheuerliches fein wird, finden am Sonntag, noch 20 lotale Feiern in Berlin statt. ben 9. Auguft außer der Hauptfeier auf der Treptower Spielwiese Wenn Wohnungen leer stehen. gewiesen. Die Ausfertigung des Urteils ist am 1. Juli erfolgt und bas Urteil ist dem Wohnungsamt Webbing in den erften Tagen bes Juli zugeftellt worden. Die Schuld an der Berzögerung und an der Nichtbenutzung der Wohnung trifft den Hauswirt, doch ist zu wünfchen, daß auch die Gerichte in solchen Sachen schneller arbeiten möchten." Mit schnellerer Arbeit der Gerichte wäre in der den Wohnungsämtern, sondern schließlich auch den Hauswirten. Tat allen Beteiligten gebient, nicht nur den Wohnungsuchenden und Berliner Magistrat gegen Schwarz- Rot- Gold? feier, sondern auch am 8. und 9. August, an den Tagen der in Nicht nur am 11. Auguft, dem Tage der offiziellen Verfassungsfeier, sondern auch am 8. und 9. Auguft, an den Tagen der in stattfindenden Verfassungsfeier des Reichsbanners Berlin im Rahmen einer großdeutschen Rundgebung völkerung Berlins die Häuser mit schwarzrotgoldenen Schwarz Rot Gold, wird die republikanisch gesinnte BeFahnenschmüden. Aus dem ganzen Reich werden viele Zehntausende Republikaner nach Berlin fommen, und auch 2000 unserer deutschösterreichischen Brüder werden hier eintreffen, um ihr Betenntnis zur großbeutschen Republik abzulegen. blit hatte die Berliner Gauleitung des Reichsbanners Schwarz- RotBon dem M a gift rat der Hauptstadt unserer deutschen RepuGold erwartet, daß auch er schon am 8. und 9. August die städtischen Dienstgebäude werde beflaggen wollen. Eine bahingehende Bitte, die der Bauvorstand an den Magistrat zu Händen des Oberbürgermeisters gerichtet hatte, ist vom Oberbürgermeister nicht dem Magiftrat vorgelegt, sondern dem Ausschuß zur Berwaltung der städtischen Dienstgebäude überwiesen worden. Anscheinend im Auftrage diefes Ausschusses hat dann der Stdtrat Wege dem Gauvorstand folgende Antwort gegeben: " Dem dortigen Ersuchen um Beflaggung der städtischen Gebäude in den Reichsfarben am 8. und 9. Auguft d. 3. anläßlich einer dortseits veranstalteten Verfassungsfeier fönnen wir zu unferem Bedauernd nicht entsprechen. J. A. gez.: Mege." Herr Wege, der zur Deutsch nationalen Partei gehört, wird diesen Bescheid nicht nur auftragsgemäß, fondern auch persönlich mit Bergnügen gegeben haben. Es ist eine bittere Ironie, daß der Magiftrat der Reichshauptstadt, deren Bevölkerung in ihrer Mehrheit republikanisch ist, auf die Bitte um Beflaggung o nalen Stadtrat ablehnend antwortet. Wir hoffen, daß städtischer Dienstgebäude aus Anlaß einer republilanish großdeutschen Kundgebung durch einen deutsch nati= hiermit das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Der Magistrat hat ein Recht, felber zu entscheiben und sich dagegen zu wehren, daß er durch einen Deutschnationalen vertreten und vor der Welt blamiert wird! Ein merkwürdiger Selbstmordversuch. Weil fie des Lebens überdrüffig war, serjuchte gestern abend bie 21 Jahre alte Berkäuferin Erna Br. auf fenfationelle Beise im Bergnügungspart Illa p ihrem Leben ein Ziel zu sehen. Kurz vor dem Auftreten der Seiltänzertruppe ging das Mädchen durch ben Absperrungsring und begann an der Leiter zum Turmfeil hinaufzuflettern. In etwa 15 Meter Höhe glückte es, das Mädchen einzuholen; es ergiff jedoch die Aufzugsleine und rutschte daran zur Erde hinab. Das Mädchen trug erhebliche Verlegungen an beiden Handflächen davon. Nachdem die Br. in der Sanitätswache verbunden war, gab sie an, daß sie zum Turmfeil emporflettern und sich von oben hinabstürzen wollte. Sie gedachte auf diese sensationelle Weise aus dem Leben zu scheiden, um zu erreichen, daß die Leute von ihrem Tode sprechen. Der Londoner Probeomnibus im Betrieb. In diesen Tagen tonnte man zum erstenmal den in London angetauften Autobus im Berkehr sehen. Der Autobus läuft vorläufig verfuchsweise auf der Strede Stettiner Bahnhof- Steglik( Linie 5). Der Wagen hat ein geschlossenes Berded und macht einen ziemlich plumpen Eindruck. Die einzigen Vorteile den modernen Wagen der boag gegenüber dürften allein nur in der besseren Federung und in der Befreiung vom Benzingeruch liegen. Selbstmord eines Reichswehrsoldaten. In der elterlichen Bohmung in der Potsdamer Str. 31 hat sich gestern nachmittag der dort auf Urlaub befindliche Schüße Hermann Radeloff mit seiner Dienstpiftole erschossen. Der Grund zu diefer unglückseligen Tat ist unbekannt. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Wohltätigkeitsfeft auf dem Tempelhofer Feld. Die Kolonie Deutsche Reichspoſt" veranstaltete am Sonntag nachmittag auf dem Tempelhofer Feld ein großes Wohltätigkeitsfest, das mit einem Kinderfest verbunden war. Es war ein großer, gut organisierter Rinderbeluftigungen bildeten ein Potpourri, in dessen bunten Rummel, auf dem sich Erwachsene und Kinder gleich trefflich amüsierten. Konzert, Gesangsvorträge, Berlofung, Tingeltangel und Jazzband war improvifiert. Alles in allem: Eine unterhaltsame Bildern die Stunden im Fluge vergingen. Eine richtige Diele mit Angelegenheit, die nur durch einen fleinen Regenguß in den AbendAngelegenheit, die nur durch einen fleinen Regenguß in den Abendstunden eine furze Unterbrechung erlitt. Reichsmechanikertag. Der Vorstand des Reichsverbandes Deutscher Mechaniker hatte die Bertreter der Breffe zu einer Besprechung im Rheingold gebeten, wo über die Vorarbeiten zu dem vom 17. bis 22. Juli in Berlin stattfindenden Reichsmechanitertag berichtet wurde. Die ersten Teilnehmer find bereits aus der Schweiz auf ihren Rädern eingetroffen. Der erste Borsitzende des Reichsverbandes, D. Berndhäuser, gab einen Ueberblick auf das Entstehen und Wirten desselben.. Die Beranstaltung soll auf den Berband aufmerksam machen, der der stärkste in dieser Branche ist, 1919 ge= gründet wurde und 14 000 Mitglieder hat. Der Reichsverband verfügt über zwei Zeitungen, ebenso über eine Nähmaschinenschule in Bielefeld und eine Motorschule in Chemniz. 150 Typhusfälle in Anklam. In Antiam Bommern) ist eine Typhusepedemie ausgebrochen. Die Zahl der Typhuserfrankungen ist bereits auf 150 geftiegen. Bisher ist nur ein Todesfall zu verzeichnen. Man nimmt an, daß die Seuche burch Milch eingeführt wurde, da die chemische Unterfuchung des Leitungswaffers auf Typhusbazillen negatto verlief. Bon Berlin aus find Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Großfener auf der Bahrenfelder Rennbahn. Hamburg, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die bei Altona gelegene Bahrenfelder Rennbahn wurde heute Nacht von einem fchweren Brandunghid heimgesucht, bei dem ein großer Rennstall, in dem etwa 40 Pferde untergebracht waren, abbrannte. Dem Feuer sind ein Stallmann und 15 Rennpferde zum Opfer gefallen. Die Ursache des Brandumglücks steht nicht genau feſt. Bom Bezirtsamt Wedding wird uns geschrieben: Wenn trog Wohnungsnot da und dort Wohnungen längere Zeit leerstehen, jo wirft das zweifellos außerordentlich erbitternd auf diejenigen, die auf eine Wohnung reflektieren, und auch auf andere, die bie Wohnungsnot tennen. Es dürfte vielfach unbefarmmt sein, bag in vielen Fällen die Schuld die Hausbefizer felber tragen. Das zeigt fich auch in dem vom Borwärts"( Nr. 315 vom 7. Juli) ver öffentlichten Fall, der fich auf eine Wohnung im Hause GraunStraße 33 bezieht. Aus irgendwelchem Anlaß war die Wohnung freigeworden und der Hauswirt glaubte, über diese Wohnung verfügen zu tönnen. Das war eine falsche Annahme, denn das Verfügungsrecht darüber hatte das Wohnungsamt Wedding. Das Wohnungsamt Bedding hat diese Wohnung bereits am 8. Januar in Anspruch genommen und in die Wohnung einen Bewerber eingewiesen. Das pafite aber dem Hauswirt nicht, der die Wohmung einen ihm genehmen Meter geben wollte. Er lehnte es ab, mit dem vom Wohnungsamt zugewiesenen Bewerber einen Mietvertrag zu schließen, weil die eingewiesene Familie aus sechs Köpfen bestand und die Mietezahlung nicht sicher schien, und nun mußten die Differenzen ausgetragen werden. Um die Wohnung in der Hand zu behalten, beschlagnahmte das Wichnungsamt die Wohnung. Das Mieteinigungsamt bejd; lek Ende März den Abschluß eines Zwangsmietvertrages mit dem vom Wohnungsamt bestimmten Wohnung. juchenben. Auch jest ließ der Hauswirt den ihm zugewiesenen Mieter nicht einziehen; er legte Beschwerde ein, die an das Landgericht ging. Das Landgericht hai in feiner Sigung vom 27. Mai 1925 die Beschwerde auf Koften des Beschwerdeführers zurüc- 120. b. Friebris felbe. Morgen 7½ Uhr bei Edmara, Capriviallee, wichtige Groß- Berliner Parteinachrichten. 29. Abt. Sehrte nadmittag 4 Uhr Flugblattverbreitung bei Burg. 47. Abt. Achtung, Frauen! Morgen, Mittwoch, Raffeekochen in Treptow bei Nitschte, Am Treptower Bart 25/20. Genoffen und Gäfte willkommen. Treffpunkt nachmittags 3 Uhr Hochbahnhof Schlesisches Tor. 48. Abt. Seute abend 6 Uhr Flugblätter abholen bei Reller, Fürstenstr. 1. 71. Abt. Bilmezsborf. Seute abenb 6 Uhr Flugblätter von Jonas abholen. Die Bezirksführer forgen für die Berbreitung, in ibcen Bezirken. 79. st. Cöneberg. Morgen, mittemod), gemeinsamer Spaziergang nach Lindenhof, Restaurant Achtenhagen. Raffeefochen. Treffpuntt 2 Uhr bei Groß, Gedanftr. 17.( Abenbs gemütliches Beifammenfein.) 91. bt. Rentöln. Die Bezirtsführer holen die Flugblätter vom Genoffen Gärtner, Wiffmannstr. 14, ab. Berbreitung von den bekannten BezirksTotalen aus. Rein Genoffe barf fehlen. Funktiondrigung. Gewerkschaftsbewegung Der Kampf im Baugewerbe. Die PD. im Bunde mit den Unternehmern. In unferer Sonntagsnummer haben wir bereits die Kundgebung der Bauunternehmer gegen die Bauhütte besprochen. Die Unternehmer bewerten die Tätigkeit der Bauhütte als eine" Parteinahme zugunsten der streitenden Bauarbeiter". Auch ein in Tempelhof erscheinendes„ unparteiisches" Lokalblättchen deutschnationaler Couleur entrüstet sich darüber, daß die Bauhütte den Streifenden in den Rücken fällt". Selbstverständlich darf die" Rote Fahne" in diesem hinterhäl tigen Rampf gegen die Bauarbeiter nicht fehlen. Zu diesem Zwed läßt sie mit Borliebe die Akkordarbeiter aufmarschieren, gegen die fie sonst nicht genug wettern kann. Ihr sind aber alle Mittel recht, wenn sie nur zur Zerstörung der Gewerkschaften und zur Störung des Kampfes der Arbeiter dienen können. Bisher hat sie wohlweislich die Zimmerer aus ihrer Polemik herausgelassen. Nun ruft sie auch diese zur Hilfe. Wir stellen des halb fest, daß die Zimmerer bisher einen allgemeinen Streit gar nicht beschlossen hatten, sondern einen sogenannten Be willi. gungsstreit. Im übrigen erfolgen unsere Mitteilungen, wie fich das für den Vorwärts" von selbst versteht, bei jedem Kampf stets nach Rücksprache mit der zuständigen Organisation. So wird auch gegenüber den Zimmerern verfahren, ganz gleichgültig, ob deren Zahlstellenleitung sich aus Mitgliedern der KBD. zusammensegt. Wir wünschten, die„ Rote Fahne" wäre wenigstens in diesem Falle unserem Beispiel gefolgt, statt den Zimmerern fortgesetzt Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Im übrigen wollen wir ein für allemal mit dem Blödsinn aufräumen, wonach bei der Bauhütte unbedingt gestreift werden müsse, und ein Streit nur dann Erfolg habe, wenn er allgemein sei, d. h. auch die Unternehmer treffe, die die Forderungen der Arbeiter bewilligen. Daß die Bauhütte ein Unternehmen der Gewerkschaften ist, und daß schon deshalb eine Arbeitsniederlegung einen Kampf gegen die Gewerkschaften bedeutet, haben wir bereits festgestellt, wie wir cuch festgestellt haben, daß die Bauhütte die sozialen Forderungen bewilligt und durchgeführt hat, bevor es zu dem gegenwärtigen Kampfe gekommen ist. Die Behauptung der Roten Fahne", daß nur SPD.- Leute auf der Bauhütte beschäftigt werden, ist eine mit Bewußtsein ausgesprochene Lüge. Was ist das aber für eine„ Taktik", die von vornherein alle Unternehmer in eine Einheitsfront zusammenpreßt? Wo hat es jemals eine Gewerkschaft gegeben, die keinen Unterschied macht zwischen den Unternehmern, die die Forderungen der Arbeiter a b lehnen, und denen, die sie bewilligen? Wenn von 100 Unternehmern 40 bewilligen, die vielleicht 8000 Arbeiter beschäftigen, während 60 Unternehmer mit vielleicht 3000 Arbeitern ablehnen, dann müssen die 8000 Arbeiter nach dem Rezept der„ Roten Fahne" streiken, nur damit die Krauter, die ablehnen, keine Konkurrenz zu fürchten haben, und um so leichter durchhalten können, weil die Etreifenden sich inzwischen verbluten. Daß die Bauhütte den Unternehmern verhaßt ist, kann niemand ernsthaft bestreiten. Daß die Verringerung der Zahl der Streifenden deren Widerstand erleichtert, liegt auf der Hand. Das ganze Beschrei gegen die Bauhütte zeugt also entweder von großer Kurzfichtigkeit, oder von der bösen Abficht, den Kampf der Bauarbeiter zu sabotieren. Diese Absicht, damit werden sich die Unternehmer schon abfinden müssen, wird ihr Ziel nicht erreichen. Aussperrung in Sachsen- Anhalt. Wie uns aus Magdeburg gemeldet wird, ist munmehr auch in Mitteldeutschland die Aussperrung der Bauarbeiter vollzogen worden. Der Aussperrungsbefehl ftüßt sich auf angebliche Teilstreits. In Wirklichkeit bestand nur im Bezirt Dessau ein Streit und zwar meil der Arbeitgeberverband, den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses abgelehnt hatte. Da ein Reichs- oder Bezirkstarifvertrag schon seit dem 1. April 1924 nicht mehr bestand, hatten beide Parteien Dolle Handlungsfreiheit. Nach Sachfen find somit die Bauarbeiter auch im Bezirk Sachsen- Anhalt ausgesperrt, nachdem die AusSperrung bereits in Baden und Württemberg bestand. * Die Toftit der Unternehmer ist also ganz tlar. Es ist dieselbe, die man auch in der Holzindustrie versucht hatte: eine General. aussperrung vorzunehmen, um die Arbeiterschaft zum Ver. bluten zu bringen und ihr dann die Bedingungen der Unternehmer aufzwingen zu tönnen. Der Unters schied ist nur der. daß die Unternehmer im Baugewerbe erheblich gefchicter vorgehen, als es die Unternehmer im Holagewerbe taten. Für die organisierten Bauarbeiter gilt es, genau zu prüfen, ob fie sich diese Tattit der Unternehmer der Berbreiterung der Kampffront aufzwingen lassen wollen. Diese Frage gilt insbesondere in Berlin, wo allerlei Querulanten am Werte sind, um die Beschlüsse der Orga nisationen gewaltsam zu durchbrechen und den Bauunter. nehmern in die Hände zu arbeiten. Das Ziel der Bauarbeiter ist nicht, monatelang zu streifen, sondern ihre Forderungen durchzusetzen. Aus der Stud- und Gipsbaufachgruppe. Einer gedrängt vollen Bersammlung am Sonntagvormittag im Dresdener Rafino" berichtete der Reichsfachgruppenobmann Genoffe Odenthal aus Hamburg über den Reichstarif im Studgewerbe. Bum 10. Juli waren Verhandlungen vor dem Reichsarbeitsministerium angefeßt, die jedoch vor ihrem Beginn durch den Syndikus Dr. Milenz vom Verband der Baugeschäfte im Auftrage der Unternehmerorganisation Deutscher Stuckgewerbebund mit einer Ertlärung abgelehnt wurden, in der zum Ausdrud tam, daß der Studgewerbebund seine Selbständigkeit aufgegeben habe und Verhandlungen über einen Reichstarif nur in Verbindung mit solchen für das ganze Baugewerbe geführt würden. Diese Abmachung der Unternehmer sei auf die Forderung der Gipser in Württemberg und Baden hin, neben den Löhnen auch andere tarifliche Fragen zu regeln, und insbesondere auf die angeblich unmotivierte Arbeitseinftellung der Berliner Stuffateure und Buger zurückzuführen. Die Diskussion richtete sich gegen jede für den Reichstarif geplante Verschlechterung. Es wurde jedem Ausgleichsversuch Odenthals zwischen Berlin und dem übrigen Reich stürmisch widersprochen. Auch wurde gefordert, daß den Berliner Kollegen im„ Grundstein" Raum gegeben wird, sich zum Reichstarif zu äußern. Zur Frage unferer Beteiligung am Streit im Baugewerbe murde flargestellt, daß die Unternehmer es waren, die bei den vorjährigen Tarifverhandlungen unserem Bestreben„ Los von den Maurern" nicht stattgaben, obgleich wir uns im Juni 1923 in derselben Situa tion befanden. Jezt dagegen haben bereits eine ganze Anzahl Stuckunternehmer sich bereit erklärt, die Löhne entsprechend zu ers höhen und aufgefordert, weiter zu arbeiten. Die Versammelten brachten zum Ausdruck, daß, wenn den Unternehmern daran gelegen ist, mit uns ein Lohnabkommen zu treffen, dem unsererseits nichts im Wege steht. Verbandstag der Maler. Die Generalversammlung des Verbandes der Maler in Dresden erreichte am Freitag ihr Ende. Bormittags wurde die Abände. rung der Statuten beraten. Ein Antrag, den Vorstand zu beauftragen, für eine Anne stie in allen Staaten, also auch in Sowjetrußland einzutreten, wurde angenommen. Dafür stimmten auch die Kommunisten, wenn auch nur mit sehr gemischten Gefühlen.. Der bisherige Vorstand: Streine, Vorsitzender, eitrich, Kassierer; Mart, Schriftführer, Ringel, Mehrens, Thomen und Schwab, Beisitzer, wurde ein stimmig wiedergewählt. Als Delegierte zum Gewerschaftsfongreß wurden Baz, Jakubett und als deren Stellvertreter Buch und Schiemann gewählt. Mit einer furzen Rede des Genossen de Haas, des ältesten Verbandsmitgliedes, fanden die Beratungen ihren Abschluß. Lohnbewegung in der Batterie- und Elementenindustrie. suchte Vollversammlung der in der Batterie-, Element- und 3intAm Montag abend tagte im Gewertschaftshaus eine start bebecherindustrie Beschäftigten, um zu dem Ergebnis der Lohnverhandlungen Stellung zu nehmen. Klein vom Fabritarbeiterverband gab den Bericht von den Verhandlungen. Der Deutsche Metallarbeiterverband und der Fabrikarbeiterverband hatten im Auftrage ihrer Funktionäre eine 20prozentige Lohnerhöhung bei den Unternehmern beantragt. Bei den beiderseitigen Verhandlungen erklärten fich die Unternehmer bereit, die Löhne der Akkordarbeiter und-arbeiterinnen um 10 Pro 3. und die Löhne der Jugendlichen auch etwas erhöhen zu wollen. Den Lohnarbeitern könnten sie aber eine Lohnzulage nicht gewähren. In einer nochmaligen Verhandlung blieben die Unternehmer ebenfalls bei dem gleichen Angebote. Sie erklärten, da fie Aufträge für längere Zeit fest abgeschlossen hätten, tönnten sie teine weiteren Zugeständnisse mehr machen, da sonst die Kalkulation ins Schwanken fäme. als völlig ungenügend ab und befchloß, zunächst einzeln in den Be= Die Vollversammlung lehnte einstimmig dieses Angebot trieben Forderungen zu stellen. Während dieser Zeit werden sie in den Betrieben eine rege Propaganda entfalten, um auch den letzten Unorganisierten seinem Verbande zuzuführen. Sollte das betriebsweise Borgehen teinen Erfolg haben, so werden sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln ihre gerechten Forderungen durchzufezen verstehen. Niederlage der Moskauer in Thüringen. Erfurt, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bei den Wahlen im Deutschen Metallarbeiterverband zum Gewerkschaftsfongreß wurden in Thüringen die Kandidaten der Richtung Amsterdam gewählt. Ileber 75 Broz. von den abgegebenen Stimmen fielen auf die Amsterdamer Liste; 3 Delegierte wurden gewählt. Diese schwere Niederlage der Kommunisten ist um so empfindlicher, als Thüringen einst ihre Hochburg war. Selbst da haben sie noch nicht ein Viertel aller Stimmen aufgebracht. Riesenkampf in der Pforzheimer Schmuckwarenindustrie. Pforzheim, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Riefen fampf in der Pforzheimer Schmuckwarenindustrie dauert in unver nehmern haben bis heute mindestens 30 000 die Arbeit niedergelegt. minderter Stärke an. Von den in ihr beschäftigten 34 000 ArbeitDer Arbeitgeberverband ersucht in einer heute angeschlagenen Aufferderung, die Arbeit bis Mittwoch wieder aufzunehmen, andernfalls die Arbeitnehmer als entlassen zu betrachten seien. Dieser Bersuch tann von vornherein als mißlungen bezeichnet werden. Am Mittwoch morgen findet in Pforzheim eine große Demonstra tion als Antwort auf diesen Bluff des Arbeitgeberverbandes statt. Ein ,, treudeutscher Gewerkschaftskaffierer. Halle, 13. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Als ein Musterstud von Ehrlichkeit erwies fich dieier Tage der bisherige Haldens lebener Geschäftsführer des deutschnationalen Handlungsgehilfen verbandes. Die Mitglieder dieser Organisation in Haldensleben und Umgebung wurden fürzlich aufgefordert, ihre Beiträge direkt an den Verband abzuliefern. Borerst ahnte niemand, was sich ereignet hatte. Erst jetzt stellt sich heraus, daß dem treu deutschen Mann zu seinem feudal- nationalen Lebenswandel die legalen Einkünfte nicht genügten. Er nahm deshalb eine Grosser Saison- Ausverkauf Nicht Vom 15. Juli bis 4. August J.Baer, Berlin N20 Badstr. 26, Ecke Prinzen- Allee Spezial- Haus für Herren-, Jünglingswarten! u. Knaben- Kleidung Elegante Maßanfertigung Sport- u.Berufskleidung jed.Art Nicht erst der unbedingt notwendige Bedarf muß Sie veranlassen zu kaufen, sondern auch die Gelegenheit, Eilen Sie daher! Eine solche Gelegenheit, praktisch und billig einzukaufen, muß Sie veranlassen, in unserem SaisonAusverkauf Ihren Bedarf zu decken. Sie geboten wird, muß ausgenutzt werden. I sparen Geld, wenn Sie zu uns kommen, die Ihnen durch wirklich billige Preise " Zähne andere Stellung an, um schon nach wenigen Tagen die Kasse zu plündern. Gleichzeitig sind die Bestände der Verbandskasse ver schwunden. Der„ nationale" Spigbube ließ Frau und drei Kinder zurück und suchte mit seiner Liebhaberin das Weite. Ein revolutionärer" Metallarbeiter. Das Betriebsratsmitglied Knippel bei der Firma Priteg hat feine Kollegen um 800 M. betrogen. ft. war( oder ist es noch?) ein hervorragendes Mitglied der„ oppofitionellen Richtung" im DMV. Wir haben mit dieser Nachricht absichtlich bis nach der Wahl gewartet, weil wir nicht, wie die KPD., die Wahlkampagne mit persönlichen Angriffen führen, ist auch einer von den " Tausenden" revolutionären Kommunisten, die von den Ziska- Ulrich ausgeschlossen wurden. Streifabkommen englischer Gewerkschaften. London, 13. Juli( Eigener Drahtbericht). Der Generalsekretär der Bergarbeiter erflärte am Montag, daß zwischen seinem Verbande und den Gewerkschaften der Eisenbahner, Transportarbeiter, Maschinen und Werftarbeiter ein Abkommen unterzeichnet worden sei, das eine gegenseitige Unterstügung in Arbeitskonflikten vorfebe. Dieser Vereinbarung ist in Anbetracht des drohenden Bergarbeiterstreits besondere Bedeutung beizumeffen. Arbeitersport. Vorkämpfe zur Arbeiter- Olympiade. in Die Vorproben zur 1. Internationalen Arbeiter- Olympiade, die am 11. und 12. Juli im Stadion zu Frankfurt a. M. abge. halten wurden, verliefen bei herrlider Wetter in glänzender Weise. Mit der Veranstaltung, die einen Massenbesuch der Frankfurter Areichtathletik des G. Kreises des Arbeiter- Turn- und Sportbeiterschaft aufmies, waren Meisterschaftstämpfe bundes verbunden, wobei herreriagende Leistungen gezeigt wurden. Großes Interesse fanden besonders auch die schwimmsport. lichen Wettkämpfe in der zum Stadion gehörigen Schwimmsportbahn. In einem gut durchgeführten Fußballspiel zwischen den Kreismannschaften Baden und Hessen- Nassau blieb Baden mit 3: 2 Sieger. Sport. Die Schau- Borfämpfe in Ulap fanden gestern abend bei gutem Wetter und gutem Besuch ihren Fortgang. Durch die Seile stiegen als erstes Paar die Leichtgewichtler Czirson Berlin und Hentschel- Berlin. Czirson zeigte bald, daß er mit den Handschuhen gut umzugehen versteht. Die Kampfführung war ständig in seiner Hand, ebenso war die Beinarbeit gut. Sein Gegner Hentschel er wies sich als ein sehr unfertiger Mann, der selbst seine Vorteile, größere Reichweite, nicht ausnutzte. Da die Kämpfe nach amerifanischem Muster ausgetragen werden und nur der Niederschlag den Sieg bringt, mußte der 4- Runden- Kampf mit Unentschieden abgebrochen werden. Diedmann Berlin freuzte mit Ander= schiz Wien die Handschuhe, schon in der ersten Runde machte fich die Ueberlegenheit des Berliners bemerkbar. Durch gute Schläge und Hafen brachte er den Wiener bald ins Schwimmen und schickte ihn einmal bis 9 zu Boden. In der zweiten Runde folgten dann weitere Kinnhaken, die den gut arbeitenden Wiener schließlich doch bis 10 am Boden festhielten. Als Ringrichter fungierte Dr. Gutt mann = Aus der Partei. „ Die Gesellschaft. Den Hauptinhalt des soeben erschienenen Juliheftes unserer wissenschaftlichen Zeitschrift" Die Gesellschaft" bilden außenpolitische Fragen, die in einer Reihe von Aufsätzen behandelt werden. Das aftuellste Interesse beansprucht die Abhandlung von Dr. Hans Wehberg Die Feststellung des Angreifers im Garantievertrag", die wertvolles Material zur Erörterung des Sicherheitspattes liefert. Der Auffaz von Dr. Gerhard Lüttens 3ur Geschichte der deutschen Außenpolitik der Borkriegszeit" behandelt an Hand der jüngsten Beröffentlichungen die wilhelminische Außenpolitik vor Ausbruch des Weltkrieges. Dr. Alfred Bagts führt schließlich in seiner Abhandlung Betroleumpolitik" in die komplizierten, fapitalistischen Intereffengegensäge auf dem Gebiete der Erdölbeschaffung hinein, die von ungeheurem Einfluß auf die Gestaltung der internationalen Bolitit find. Von großer aktueller Bedeutung ist auch der Auffah Die viel zu wenig beachteten Borgänge auf dem Balkan hinein von Hermann Wendel„ Das südslawische Staatsproblem", der in leuchtet. Bon allgemein theoretischem Interesse ist der Artikel von Prof. Erit Nölting„ Der Sozialismus und die Kulturuntergangslehre", in dem der Verfasser sich mit Spengler und seinen Jüngern auseinandersetzt. Die Auffäge von Bruno Asch Randbemerkungen zur Reichssteuerreform" und von Emil Strauß„ Gleitende Getreidezölle in der Tschechoslowatei" liefern gutes Material zur Erörterung der jetzt im Vordergrunde stehenden Zoll- und Steuerfragen. Von außerordentlichem Interesse ist schließlich der Artikel ron W. Majerezit neuere Fortschritte im amerikanischen Großfraftwesen", der an Hand der amerikanischen Erfahrung neue Wege für die Entwicklung der deutschen Technik und Energiewirtschaft weist. Verantwortlich für Bolitik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. 1 und 2 Mark. Goldkronen von 8 Mark an. Persönliche fachmännische Behandlung. Wöchentliche Teilzahlung gestattet. Nahe Wilhelmplatz, B. Wolff, Charlottenburg, Berliner Straße 110. Haben Sie Wanzen? Go gebrauchen Gie Mothesin. Unfehlbares Spezial- Mittel aur radikalen Bernichtung der Banzen und deren Brut. Absolut ficher und schnellste Wirkung. Preis Flasche 1, 2,50 und 4,- M. Nur allein echt bei Arth. Mothes. Berlin R. 31, Gwinemünder Straße 41. Geg. Schwaben, Ruffen, Franzos. u. Flöhe ufw., Motten nebst Brut helf. nut meine als vorzügl. anert. Spezial- Mittel in Gch. à 1,-M. Fritz Raumer Neukölln, Reuterstraße 53 die billige Bezugsquelle für Leit- Wäsche Wäschestoffe jeder Art. 2. 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