tr. 33142. Jahrg. Ausgabe A Nr. 170 Bezugspreis: öchentlich 70 Pfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Sied. Tung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochenfäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Gozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. pelle 80 Pfennig. Reklamezeile Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen bas fettgedruďte Wort 25 Biennia ( suläffig zwei fettgedruckte Morte). febes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das crite Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worie. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müflen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftoaße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachu. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 16. Juli 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 37536- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Das Aufwertungsgesetz beschlossen! Vergeblicher Appell an den Retter" Hindenburg. Erregte Szenen, bei denen es etwas laut zugeht, sind in Barlamenten häufig. Große Spannungen sind selten. Eine solche große Spannung erlebte gestern in später Stunde der Reichstag, als der Abgeordnete Best und die völkische Fraktion das Verlangen aussprachen, die Berkündung des Aufwertungsgefeges, das foeben die dritte Lesung passiert hatte, auszusehen und als die Sozialdemokraten durch Genossen Keil ihre Zustimmung zu diesem Verlangen erklärten. Die Spannung stieg aufs höchste, als der Reichstags präsident das Ergebnis der Abstimmung verkündete. Es hatten 169 Abgeordnete für die Aussehung gestimmt, 249 gegen fie. Damit war das Drittel des Reichstags, das verfassungsmäßig die Ausseßung der Berfündung eines Gefeßes um zwei Monate verlangen fann, erreicht. Sowohl ein Drittel der anwesenden Abgeordneten, als auch zugleich ein Drittel aller Mitglieder des Hauses hatten sich damit dem Verlangen angeschlossen. Damit war in völlig zweifelsfreier Weise die Entfcheidunganden Reichspräsidenten v. Hindenburg übergegangen. In ihren Artikeln 72 und 73 bestimmt die Verfassung, die in diesem Fall zum erstenmal in Anwendung gebracht wurden, folgendes: Die Verkündung eines Reichsgesetzes ist um zwei Monate auszusehen, wenn es ein Drittel des Reichstags verlangt. Gesetze, die der Reichstag und der Reichsrat für dringlich ertlären, fann der Reichspräsident ungeachtet dieses Verlangens verkünden. Ein vom Reichstag beschlossenes Gesetz ist vor seiner fündung zum Bolfsentscheid zu bringen, wenn der Reichspräsident binnen eines Monats es bestimmt. Ein Gesetz, dessen Verkündung auf Antrag von mindestens einem Drittel des Reichstags ausgesetzt ist, ist dem Volfsentscheid zu unterbreiten, wenn ein 3wanzigstel der Stimmberechtigten es beantragt. Die Anregung, diese Artikel der Verfassung in Gang zu bringen, war, wie schon gesagt, von den Völkischen, also den heißblütigsten Vorkämpfern der Wahl Hinden burgs zum Reichspräsidenten, ausgegangen. Die Sozialdemokraten und die Kommunisten glaubten, sich ihr nicht verschließen zu dürfen. Und das um so weniger, als der Reichspräsident v. Hindenburg selbst beim Empfang der Sparerund Gläubigerorganisationen am 24. Juni Hoffnungen erweikt hatte, von denen sich nun zeigen sollte, ob sie standhalten würden. Damals führte der gegenwärtige Herr Reichspräsident aus: „ Ich danke Ihnen, meine Herren, für die sehr interessanten Ausführungen. Im großen und ganzen stehe ich diesen Fragen ja fern, aber besonders habe ich mich stets intereffiert für die Lage der armen, alten Rentner. Ich glaube auch, daß die frühere Reichsregierung ihren Worten nicht untreu gewesen ist wenn auch ich nicht die Verantwortung gehabt habe. Ich habe ja auch Bedenken, daß ein Mann, der 10 000 m. Vermögen gehabt hat, mur mit 15 Broz. aufgewertet werden soll, ebenso wie ein Millionär. Denn dieser kann davon eristieren, während der andere es nicht kann. Ich habe selbst mein Vermögen verloren und kann daher die Notlage dieser Leute verstehen. Wenn ich meine Pension nicht gehabt hätte und sie war ja ausreichend, hätte ich auch hungern müssen. Ich bitte Sie daher, mir Ihre Wünsche noch einmal furz schriftlich einzureichen. Das letzte Wort in dieser Frage ist noch nicht gesprochen. Ich werde erst das fertige Gesez abwarten, bevor ich meine Ent fchließung fasse. Denn Sie wissen ja, ich muß als alter Soldat mir die Freiheit meines Handelns wahren." Wie aber geht nun die Geschichte weiter? Der Reichstag hat in seiner Mehrheit das Aufwertungsgefeß für dringlich erklärt. Das Gleiche hatte der Reichsrat schon vorsorglich getan, noch ehe über das völkische Verlangen abgestimmt worden war. Es sind also die Vorausfegungen erfüllt, unter denen der Reichspräsident sich über das Verlangen nach Aufschub hinwegsehen und das Gesetz verkünden kann nicht muß! Was wird der Reichspräsident tun? Diejenigen, die ihre Hoffnungen auf ihn gesetzt hatten, werden sehr rasch enttäuscht sein. Wir verraten fein Geheimnis, wenn wir erflären, daß das Reichsgefeßblatt" mit dem Aufwertungsgeseh schon unter der Presse ift, und daß die Verkündung durch den Reichs= präsidenten schon so gut wie eine vollzogene Tatsache ist. Damit endet der Entstehungsprozeß des Aufwertungsgefeßes, wie er begann, als ein großes Rapitel politischen Anschauungsunterrichts. Der Kampf um die Aufwertung hinterläßt auf der Rechten Ruinen, bei ihren betrogenen Anhängern ein Trümmerfeld zerschlagener Illusionen. Millionen, die aus Millionen, die aus einem Rausch erwacht sind, beginnen sich in der harten Wick lichkeit langsam zurechtzufinden. Sie werden erkennen, daß Deutschland eine demokratische Republik ist und nichts anderes mehr fein kann, und daß es auch für sie gilt, in dieser Republik den Kampf gegen den Geist des Großfapita ismus zu führen, der bei der Verabschiedung des Aufwertungsgesetzes einen Pyrrhussieg erftritten hat. * Wir geben hier die Erklärung wieder, mit der Genosse Reil bei der Gesamtabstimmung die Haltung der sozial demokratischen Reichstagsfraktion begründete. Den Bericht über die weiteren bewegten Verhandlungen finden unsere Leser in der Beilaae dieses Blattes. Abg. Keil( Soz.): Schlußabstimmung über das ganze Gesez. Ich beantrage, Wenn der§ 88 angenommen sein wird, stehen wir vor der tiefe Abstimmung als namentliche Abstimmung vorzu nehmen, und habe im Namen meiner Fraktion zur Schlußabstimmung die folgende Erklärung abzugeben: Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hat bei ihrer entwerteten Papiermartansprüche in dem Maße aufzuwerten, in dem Stellungnahme zu der Auswertungsfrage das 3iel verfolgt, die es ohne Gefährdung der neuen Währung und ohne Erschütterung des Wirtschaftslebens möglich ist. Sie hat dabei den Gedanken in den Bordergrund gestellt, daß am wirtsamsten dort geholfen werden muß, wo die Not am größten ist.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Für die Sicherung der Lebensmöglichkeit der infolge Krieg und Inflation verarmten Volksschichten haben jene Kreise Opfer zu bringen, die trotz Kriegsniederlage und Maffenverarmung reich geworden oder reich geblieben sind.( Sehr richtig! bei den S03.Lachen und Zurufe rechts.) Bei der Vertretung dieser Auffassung ist die sozialdemokratische Fraktion auf den Widerstand der Regierungsparteien gestoßen.( Sehr richtig! bei den Goz.- Lachen und Zurufe rechts.) Unter dem Vorwand der Wahrung wirtschaftlicher Allgemeininteressen find den Schuldnern große Borteile auf Kosten ihrer Gläubiger gewährt worden.( Sehr richtig! bei den Soz.) Der schematische Höchstsatz von 25 Proz. für die Auswertung von Vermögensanlagen bleibt meit hinter der allgemeinen LeistungsDazu erlaubten wir uns schon damals zu bemerken: fähigkeit der Wirtschaft- zurück und drückt das Siegel der Gefeßlich feit unter ungerechtfertigte Bereicherungen zahlungsfähiger SchuldNach diesen Ausführungen muß man annehmen, daß der Reichsner. Die ganze Ausgestaltung der Aufwertungsvorschriften im einpräsident in der Aufwertungsfrage eine große Attion gegen die zelnen ist diftiert von der Sorge für das Wohlergehen des schuldRechtsregierung plant und gegen das Auswertungsfom- nerischen Sachwertbesizes. Die Interessen des verarmten promiß an das Bolt appellieren will. Gläubigers haben die gebührende Berücksichtigung nicht erfahren.( Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Die Begünstigung des Hypothekenschuldners hat zugleich die Folge, daß die Besizer von Pfandbriefen, Berficherungsansprüchen und Sparguthaben mit dürffigen Bruchteilen ihrer Ansprüche abgefunden werden.( Erneute Zustimmung bei den S03.) Der systematische Schutz, den die Regierung und die Regierungsparteien den Nuznießern der Kriegs- und Inflationsfatastrophe gewähren, fand seinen traffeffen Ausdruck in der Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge auf Erhebung einer Sondersteuer von den erhaltengebliebenen, gewachte nen und neugebildeten Bermögen.( Sehr gut! bei den S03.) Die Folge hiervon ist, daß die Auswertung der öffentlichen Anleihen eine Gestaltung bekommen hat, die von den Anleihezeichnern als Sohn empfunden wird.( Sehr wahr! bei den Soz.) Das berechtigte So und nicht anders wurde denn auch die Ansprache Herrn v. Hindenburgs von den Massen der Sparer und Hypothetengläubiger verstanden. Diese Massen hatten ja zweifel los in ihrer überwältigenden Mehrheit Herrn v. Hindenburg als„ den Retter" zum Reichspräsidenten gewählt. Ihre Hoffnung, daß ihnen im Reichspräsidenten nun wirklich der Retter" erstehen werde, wurde durch dessen Ansprache am 24. Juni mächtig beflügelt. Durch sie wurden Herr Best und die Bölkischen offenbar erst dazu ermutigt, durch Inanspruch nahme des Artifels 72 der Verfassung an dem Reichspräjidenten als den Retter" zu appellieren. Die Sozialdemokratie sah feinen Grund, sich diesem Erperiment zu widersetzen. Berlangen der verarmten Anleihebesizer nach Wiederaufnahme des 3insendienstes bleibt unerfüllt. Dafür wird ein geringwertiges neues Cospapier ausgegeben, das nicht felten erst zur Auslosung gelangen wird, wenn der hungernde Gläubiger längst gestorben ist.( Sehr richtig! bei den Soz.) Auch die Sparkassen und die Träger der Reichsver. sicherung können erst in einer ungewissen Zukunft auf die Rückzahlung kleiner Teile ihrer des Reich zur Verfügung gestellten Vermögen rechnen. Der fleine und fleinste Anleihebesitz wird mit Prozentfäßen abgefunden, die das soziale Empfinden verlegen. Eine freigebige Aufwertung erfährt allein das Spekulantentum. Es hat die Hochflut der Inflation dazu ausgenügt, mit Bruchteilen von Goldpfennigen große Anleihebestände zu erwerben. Jetzt werden diese Anleihen auf ein Vielfaches des Erwerbspreises aufgewertet. ( Hört! Hört! bei den Goz.) Die Forderung der Sozialdemokratie nach völliger Ausschließung der Spekulanten von der Aufwertung ist von der Regierung und den Regierungsparteien abgelehnt worden.( Hört! Hört! bei den Goz.) Die Auswertungsgesetze sind nicht das Ergebnis eines fachlichen Meinungsaustausch es zwischen Regierungsmehrheit und Opposition.( Oho! rechts.) Sie beruhen vielmehr auf Sonderabmachungen der Regierungsparteien, von denen die Opposition ausgefchloffen war.( Lebhafte Rufe linfs: Sört; hört! Buruje rechts.) Alle Verbesserungsanträge der sozialdemokratischen Fraktion wurden wie im Ausschuß, so auch im Plenum ohne fachliche Würdigung niedergestimmt.( Sehr wahr! linis. Unruhe und Zurufe rechts.) Die Gefehe stehen in schroffffem Widerspruch zu den Berfprechungen, die den Wählern gegeben worden sind. Die Gesetze sind von demselben Geist erfüllt, den die 3011. und Steuerpolitik der Rechtsregierung atmet. Diese Politik dient dem Schuße des Großkapitals( Sehr wohr! bei den Soz.), sie belastet die proletarischen Volksmassen und sie enteignet weite Kreise des ehemaligen Mittelstandes zugunsten einer fleinen Schicht von Inflationsgewinnlern.( Lebhafte Zustim mung bei den S03. Widerspruch rechts.) Die sozialdemokratische Fraffion lehnt jede Verantwortung für eine solche Politit ab, indem sie gegen die Aufwerfungs( Starfer Beifall bei den Sozialdemokraten.) gesetze stimmt. Die Regierungsmehrheit wird die Gesetze annehmen.( Rufe der Gläubiger und Sparer nur noch auf den Reichspräfidenrechts: Jawohl!) Ist das geschehen, dann können sich die Hoffnungen ten Hindenburg richten. Artikel 73 Absatz 1 der Reichsverfaffung lautet: Ein vom Reichstag beschlossenes Gesetz ist vor seiner Berfündung zum Boltsentscheid zu bringen, wenn der Reichspräsident binnen eines Monats es bestimmt. Die Berfaffung der Deutschen Republit gibt also dem Reichs präsidenten Hindenburg die Möglichkeit, das Volk selbst über die Aufwertungsgesetze entscheiden zu lassen. Die Böllische Freiheitspartei will durch den vorhin vom Herrn Präsidenten bekanntgegebenen Antrag den Reichspräsidenten in feierlicher Form auf die von der Verfassung ihm zuerkannten Rechte aufmerksam machen. Dieser Antrag verlangt in Anwendung des Artikels 72 der Reichsverfaffung, daß die Berkündung der Aufwertungsgesetze um 2 Monate ausgesetzt wird. Die sozialdemokratische Fraktion wird diefem Antrag 3 uftimmen. Falls ein Drittel des Reichstags dem Antrag zustimmt, darf die Berkündung nicht vor dem Ablauf von zwei Monaten erfolgen. Die Rechtslage ändert fich, wenn die Mehrheit des Reichtsags die Gesetze für dringlich erklärt. Ein solcher Antrag liegt vor. Wird dieser Antrag angenommen, so ist der Reichs präsident nicht gemäß Artikel 70 der Reichsverfassung verpflichtet, das Gesetz binnen Monatsfrist zu verkünden, sondern er ist gemäß Artikel 72 in seiner Entschließung völlig frei. Er kann er verkünden. Er kann auch die Berkündung aussehen, um den Antrag von mindestens einem Zwanzigsfel der Stimmberechtigten auf Vornahme einer Volksabstimmung ab. zuwarten. Er tann aber auch selbst auf Grund des Artikels 73 der Reichsverfassung bestimmen, daß das Gejch zur Bolks. ab ft immung gebracht wird. Dies kann er auch dann, wenn der Antrag auf Aussehung der Berkündung nicht von einem Drittel des Reichstags unterstützt werden sollte. Bei dem großen Bertrauen, das die Völkische Freiheitspartei dem Reichspräsidenten Hindenburg wie bei seiner Wahl, so auch jetzt noch entgegenbringt, wird man annehmen dürfen, daß sie ihren Antrag nicht gestellt haben würde, wenn sie des Erfolges nicht sicher wäre. Mit größter Spannung fieht alfo das deutsche Volk und sehen vor allem die Gläubiger und Sparer der Ent. icheidung des Reichspräsidenten entgegen.( Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.) Antwo Sonnabend Antwort an Briand. Einigung im Reichskabinett. lleber den gestrigen Kabinettsrat wurde folgender offi. zieller Bericht ausgegeben: Das Reichskabinett ist vormittag 11 Uhr zu der angekündigten Beratung der Antwort auf die französische Note vom 16. Juni betr. den Abschluß eines Sicherheitspattes zusammengetreten. In der Sitzung, die bis gegen 2 Uhr nachmittags andauerte, hat sich das Reichsfabinett auf einen Entwurf der Antwort geeinigt. Die Schlußredaktion wird erfolgen, sobald die Fühlungnahme mit dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstages und den Minister. präsidenten der Länder stattgefunden hat. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages wird den Auswärtigen Ausschuß auf Freitag, den 17. Juli, vormittags, einberufen; die Ministerpräsidenten der Länder find auf Freitag nachmittag 5 Uhr nach Berlin geladen worden. Die Absendung der Note ist für Sonnabend in Aussicht genommen. Die Veröffentlichung des Wortlautes wird gleichzeitig in Berlin und Paris am Dienstag erfolgen. Man darf einigermaßen darauf gespannt sein, auf welcher Grundlage eine Einigung im Kabinett erzielt werden fonnte. Hat der Außenminister Stresemann seinem Kollegen Schiele Zugeständnisse nur in der Form oder auch in der Sache machen müssen? Wenn die deutsche Antwort weitere Verhandlungen ermöglichen soll und das war ja bisher die Absicht des Auswärtigen Amtes-, dann wird fie allerdings so gehalten sein müssen, daß die Deutschnationalen fie nicht billigen fönnen. Denn der letzte deutschnationale Standpunkt, so wie ihn Graf We starp in der Preffe formulierie, ging doch dahin, daß es sich bisher nur um unverbind liche Borverhandlungen gehandelt hätte, die durch die Note Briands hinfällig geworden wären und denen man feine fonkreten Folgen geben sollte. Wenn dieses Dokument, wie anzunehmen ist, den Zweck verfolgt, die bisherigen Berhandlungen fortzusetzen, dann muß es selbstverständlich von dem Inhalt des deutschen Ange= botes, d. h. vom Memorandum des 9. Februar ausgehen: mit anderen Worten, dann muß es die grundsätzliche Bereit willigkeit zum Ausdruck bringen, sowohl die Bersailler Grenzen im Westen zu garantieren( Berzicht auf Elsaß Lothringen), wie auch dem Bölferbund beizutreten. Ist aber diese prinzipielle Bereitwilligkeit durch einen ein mütigen Beschluß des Kabinetts noch einmal unterstrichen, dann gibt es für die Deutschnationalen tein 3urüd mehr, dann wird die Deutsche Zeitung" nicht mehr allein gegen Stresemann, sondern auch gegen Schiele Anklageerhebung wegen Hochverrats fordern müssen! Agrarenquete und Reichspolitik. Die neue Niederlage des Ernährungsministers. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Agrarenquete, die auf Veranlassung des Reichstages durch sechs Sachverständige veranstaltet wurde, stellen eine glatte Niederlage des Reichsernährungsministe. riums dar. Die Gesamtheit des Ausschusses hat nämlich erklärt, daß das Mißverhältnis zwischen den Preisen der Agrarprodukte und den Produktionskosten der Landwirt. chaft nicht mehr besteht. Ein Teil der Sachverständi gen hat sich daher auch gegen Getreidezölle ausge prochen; wenn die Mehrheit des Ausschusses troßdem, obwohl sie die These von der Notlage der Landwirtschaft ablehnte, Schußzölle für notwendig hielt, so geschah das teils aus dem Hang an überkommenen Wirtschaftsprinzipien, teils mit Rücksicht auf Umstände, die mit der 3ollfrage selbst nichts zu tun haben. Denn wenn die Umsah steuer die Landwirtschaft schwer belastet, dann muß fie eben abge schafft werden. Die agrarischen Vertreter im Barlament mehren sich jedoch dagegen. Und wenn auf ber anderen Seite die Industriezölle einen Ausgleich bei der Landwirtschaft erforderlich machen sollen, so kann das nur des Curt Grottewih. Zum 20. Todestag. Am 16. Juli 1905, also gerade vor zwanzig Jahren, zogen die grünen Finger wuchernder Wasserpflanzen unseren Freund Curt Grottewig in die Tiefe der Müggelheimer Krampe. Der weiße" märkische See, in dessen Naturgeheimnis er uns geleitete, führte ihn in das ewige Geheimnis des Todes. Mit tiefer Wehmut gedente ich seines begeisterungsvollen Hymnus auf die weißen Seen der Mart: Manchen See sah ich auf meinen Wanderungen den azurblauen Gardasee und den düsteren Ammersee, die lieblichen Teiche Frankreichs und den vornehmen Bierwaldstättersee. Aber ich kann nicht sagen, daß ich euch weniger liebte, ihr flachen, weißen Geen der Mart, mit eurer unendlichen Sehnsucht und eurem stillen Heimweh, mit euren melancholischen Kiefernwaldufern, deren dunkle Schatten euch einschließen und abschließen von allem Lärm der Welt." Er hatte ihn in Müggelheim gefunden den See, der ihn von der lärmenden, tapitalistischen Welt abschloß. Was hat er diese veräußerlichte fapitalistische Zivilisation gehaßt, die unseren Körper mit tausend überflüssigen Dingen behängt, um mit ihnen unsere Seele völlig zu erdrücken. Den Ruf zum Boeten und Propheten hielt er nicht für vereinbar mit einem literarischen Handwerkerberuf. Er wurde Gärtner und Landwirt, um nicht in journalistischer Tage löhnerei untergehen zu müssen. Er wurde Gärtner, um der Natur ewig nahe zu sein. Grottewig hatte den Revolutionär im Blute. Er wurde zum radikalsten Lebensreformer. Das Naturevangelium, das zu ihm übergewaltig sprach, war für ihn nicht ein bloßes ästhetisches Beimert, mit dem man sich in literarischen Cafés vergnügt, sondern ein heiliges Gebot zur Bertiefung des Lebens überhaupt. Wir fahen ihn Blige schleudern gegen Götter wie Darwin und die Narrenpeitsche schwingen gegen die Tagesgögen der Literatur. Was hatte uns dieser Gedankenrevolutionär noch alles zu sagen? Seine veröffentlichten, aber leider noch nicht völlig ausgewerteten, ideenreichen Auffäße laffen das ahnen. Aber er war im höchsten Maße auch Tatmensch. Als förperlicher Arbeiter und schöpfe rischer Boet hätte er uns die neue flaffenlose Kultur der Arbeit aufbauen helfen, die endlich die Zivilisation der fapitalistischen Welt überwinden soll. Was hatte Grottewig der Arbeiterjugend die Jugendbewegung war gerade erst bei seinem Tode zum Leben ermacht zu offenbaren, was hatte dieser Natur- und Kulturprophet noch den Jungsozialisten zu verkünden! P. K. Das erste Hörspiel für den Rundfunk murde im Jahre 1924 im Auftrage der Britischen Broadcasting Company Don Richard Hughes geschrieben und durch Nigel Playfair von der Lodoner Station am 15. Januar vergangenen Jahres gesandt. Der Autor des Stückes ist ein englischer Dramatiter, dessen Werke das besondere Intereffe Bernard Shaws ermedt haben. Dieses Stück, das nur auf der Sendebühne darstellbar ist, weil es in einem Bergwerf in völliger Finsternis spielt, trägt den Titel" Danger"( Gefahr"). Es liegt num auch in deutscher Ueberfegung vor. halb geschehen, weil die Agrarier ihrerseits den Wechsel auf Industriezölle quergeschrieben haben und infolgedessen erst einmal ihre Zusage erfüllen, um sich unter allen Umständen den Anspruch auf diesen famosen Ausgleich sicherzustellen. Mit Logit hat also die Stellungnahme der jenigen Gelehrten, die Agrarzölle fordern, obwohl ihre Motwendigkeit erst mit Zustimmung der Agrarier fünstlich geschaffen wird, nicht übermäßig piel zu tun. Trogdem sind die Ergebnisse der Erhebung für die Arbeiterschaft von großem Wert. Erst vor einigen Tagen hat der Deutschnationale und Landbundführer Schlange Schöningen die Behauptung aufgestellt, daß die Landwirtschaft Zölle brauche, um ihre Kredite zurückzahlen zu fönnen. Jetzt stellt sich heraus, daß nur 5 Proz. der kurz fristigen Schulden der Landwirtschaft in der nächsten Ernte fällig werden. Wenn nun die Ernte in diesem Jahr nur einigermaßen das hält, was die Aussichten versprechen, so sind diese 5 Proz. glatt aus dem Ueberschuß der Ernteerträge über die bisherigen Normalerträge zu bezahlen. Diese Feststellung ist von größter Wichtigkeit, denn sie bringt eines der schwersten Argumente der Agrarier für den Schutzoll zu Fall. Bezeichnend ist, daß die Enquete feinesfalls Mindestzölle gefordert hat. Die Forderungen des Er. nährungsministeriums, die auf die Wiedereinführung von Mindest zöllen auf Getreide hinauslaufen, erledigen fich Mindestzöllen dadurch von selbst. Es steht jetzt mit aller wünschenswerten Eindeutigkeit fest, daß wissenschaftliche Gründe nicht einmal mehr von den schutzzollfreundlichen Agrarfachver ständigen für die Mindestzölle geltend gemacht werden. Die Mindestzölle, die die Nahrung der Aerm sten, das Brot, belasten, sind es aber, die in allererster Linie bekämpft werden müssen. Die Agrarfachverständigen haben hierzu in dem Bericht, den wir an anderer Stelle wieder geben, die Feststellung gemacht, daß die Rückwirkung der Zölle auf die soziale Lage Lebensmittelteuerung mit allen ihren Folgen unvermeidlich sei! Das ist ja an sich eine Selbstverständlichkeit, wird aber von einzelnen Agrariern immer wieder bestritten. Würde der Zolltampf mit wissenschaftlichen Gründen ausgefämpft werden, er wäre längst erledigt. Es ist aber ein politischer Machtf ampf, in dem die Arbeitnehmer aller Berufe alle Kraft aufbieten müssen, um das drohende Unheil abzumehren. Den Schutzöllnern ist durch die unparteiische Erhebung der Getreideenquetefommission der letzte Wind aus den Segeln genommen; es fommt nun darauf an, ihre hinter hältige, nur den Großagrariern und fleinen Gruppen der Industrie dienende Politik als das zu entlarven, was jie wirtlich ist: als einen durch volkswirtschaftliche Gründe nicht mehr zu rechtfertigenden Raubzug auf die Minderbemittelten. Kommunistischer Parteitag. Ruth Fischers Abrechnung. Bis zum gestrigen Mittag schleppte sich die Diskussion über das Referat Geschte über die Organisation der Parteiarbeit träge hin. Dehrere Redner gestanden, daß mit der Zellenarbeit nicht viel er reicht worden sei. Ein Delegierter aus Offenbach meinte, ohne die Straßenorganisation fomme man nicht aus, wir haben ja dazu faum Leute genug". Ein Redner aus Solingen ertlärte, für die Sellenorganisation beständen in den für die Kommunisten günstig. fien Gebieten die größten Schmierigteiten. Die Mehrzahl der Ge. nossen fönnten nach Arbeitsschluß nicht mehr in den Betrieben gehalten werden, um nach längere Referate zu hören. Wieder andere Delegierte beschwerten sich darüber, daß man über ein Organisations. statut diskutiere, das von der Kommission noch gar nicht fertiggestellt fei. Dann fam Geschte zum Schlußwort. Da der Vorwärts" sich erlaubt hatte, die Interesselosigkeit der Delegierten bei seinen Ausführungen zu schildern, so nahm er jegt fräftige Rache. Wenn die Revolution ausbreche, so rief er, werde die Partei sich wieder des ,, Vorwärts" Gebäudes und der Vorwärts". Redaktion erinnern. Nachdem er mit diesem Schwur den ge M Der Dänenprinz im Hünengrab. Helsingör hat selbstverständ. lich einen Touristenverein; denn Helsingör ist ein berühmter Ort nach Shakespeare. Dort lebte der Dänenprinz Hamlet, dort spukte der Geist seines meuchlings ermordeten Bapas nach Shakespeare. Der Touristenverein hat damals natürlich noch nicht gelebt; sollte Herr Shakespeare also gemogelt haben, was indessen bei der be fannten Wahrheitsliebe der Boeten nicht anzunehmen ist, so ist der Touristenverein daran völlig unschuldig. Jedenfalls ist er begründet worden, weil fich 1. bei Helsingör ein Steinhaufen und 2. ein Bach befand. Was konnten der Steinhaufen aber anders sein als das Grab des Dönenprinzen? Wo fonnte sich Ophelia sonst ertränkt haben, wenn nicht in diesem Bach? Sollte man den Mitmenschen diese Reliquien vorenthalten? Man sollte es nicht. Man gründete einen Touristenverein, der den staunenden Zeitgenossen verkündete: Kommt und seht! Nur bei uns gibt es das echte Hamlet- Grab, den unverfälschten Ophelia- Bach! Und da die Klugen bekanntlich nicht alle werden, so ließen sie die Aufforderung nicht ungehört verflingen, sondern famen. Selsingör machte wahrscheinlich ein ganz gutes Geschäft dabei. Aber Sielsingör ist nicht undankbar. Der arme Dänenpring foll auch etwas davon haben ein würdiges Grab wenigftens; an Stelle des Steinhaufens soll eine Art Hünengrab treten, das ist nicht nur würdig, sondern auch billig. Denn vermutlich fann man den Steinhausen restlos dazu verwerten und braucht nur noch ein paar größere Granitplatten anzuschaffen. Sollte der Fremden. perfehr nach dieser Verschönerung in dem erhofften Maße zunehmen, so wird man in absehbarer Zeit wahrscheinlich den Ophelia- Bach für Vergnügungsdampfer fahrbar machen. Bielleicht könnte man auch in das geräumige Grab ein Kino einbauen, in dem sich Shakespeares Sanilet" im Film stimmungsvoll vorführen ließe? Mensch oder Affe? Der berühmte Taungsschädel, von dem fein Entdecker, Professor Raymond Darton in Johannesburg, behauptet, daß er das sogenannte„ fehlende Glied" in der Entwidlungsreihe darstellt, die von den höheren Affen zum Menschen führt, ift gegenwärtig der Gegenstand einer lebhaften wissenschaft lichen Kontroverse. Falls die Angaben von Profeffor Darton zu treffen sollten, so tönnte man die moderne Abstammungslehre, bie den Ursprung des Menschen durch Vermittlung eben jenes fehlenden Gliedes vom Affen herleitet, als endgültig erwiesen betrachten. Sir Arthur Keith, Englands größter Anthropologe glaubt allerdings nicht daran, daß der Taungsschädel einst auf den Schultern eines prähistorischen Menschen gesessen habe, und bezeichnet ihn als entwidelten Affenschädel. Professor Darton wendet sich aber entschieden gegen die Annahme von Sir Arthur Keith, daß der Ursprung der Menschheit in Indien zu suchen sei und betont, daß nach seiner festen Ueberzeugung die ersten Menschen in Afrika gelebt haben müssen. Ueberbrückung des Kanals. Nachdem jahrzehntelang das Pro. jett einer Tunnelverbindung zwischen Frankreich und England ge puft hat, veröffentlicht nunmehr der schweizerische Ingenieur Jäger den Plan einer Ueberbrückung des Kanals durch einen riesigen Damm. Die ehemals gegen das Tunnelprojekt von beiden Seiten geltend gemachten militärtechnischen Einwendungen find ja mit der Eroberung der Luft als Kriegsaufmarschgebiet gegenstandsics ge worden und wenn die franzöfifche Compagnie du Chemin de fer du Nord, sowie die englische South Eastern Railman Co., die an | | | hörigen Applaus geerntet hatte, nahmen die Delegierten die ihnen porgelegte Resolution einstimmig an. Das Organisationsstatut foll noch folgen. Am Nachmittag tam das Glanzstück des Parteitages. Ruth Fischer rechnete ab: mit den linfen Sozialdemokraten, mit dem sozialdemokratischen Parteivorstand, mit den Kapitalisten, mit den Imperialisten, mit den Rechten, mit den „ Ultralinten" und dann wieder mit den Sozialdemokraten. Zuerst gab sie die übliche Analyse". Der Dames- Plan habe Deutschland zu einer Kolonie gemacht. Der Garantiepaft garantiere nichts anderes als neue Kriegsgefahren. Die Räumung der Ruhr, immerhin ein Ergebnis der Londoner Abmachungen, definierte sie also:„ Wenn man durch den Sicherheitspalt die Möglichkeit der Befegung ganz Deutschlands erhält, dann räumt man auch leicht das Ruhrgebiet." Die Stabilisierung, jo behauptete sie meiter, tomme langfam ins Schwanken. Unter diesen Umständen brauche die deutsche Bourgeoisie im Innern Ruhe und Ordnung, d. h. die Niederknüppelung der Arbeiter und dabei helfe ihr die Sozialdemokratie. Der Kampf gegen die Monarchie sei eine der vornehmsten Aufgaben der Kommunistischen Partei. Leider fommt diese Erfenntnis ein wenig reichlich zu spät, nachdem nämlich die Kommunisten erst die Deutschnationalen im Preußischen Landtag unterstüßt und Hindenburg zum Siege verholfen hatte. Auf die Analyse" folgte die Abrechnung mit den Feinden im eigenen Lager, mit den Scholem, Ernst Meyer, Kab. Dr. Korsch, Dr. Rosenberg. Ber von ihnen zur Rechten, mer zu den Ultralinten" gehört, war freilich nicht recht auseinanderzuhalten. Vor der endgültigen Abrechnung nahm Ruth Fischer erst eine fleine Leichenschändung vor, indem sie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg vorwarf, sie hätten schwere Irrtümer" hinterlassen, von denen sich die Kommunisten erst freimachen müßten. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hatten fich von der Sozialdemokratie getrennt, aber welche Ueberheblichkeit von einer Ruth Fischer, sich zum Richter über die beiden aufzuwerfen! Die Uliralinten" tamen freilich noch schlechter weg. Berner Scholem, fo meinte die Fischer, gehöre neben Kurt Rosenfeld, der Typus Scholem" molle nur Versammlungen abhalten und Mitglieder werben. Das aber fei jozialdemokratisch". Hier treten die„ Ultralinken" schüchtern auf, aber wenn fie mit ifren Kollegen, den Boris, Rolf usw., zusammen sind, dann schmieden fie Romplotte gegen die Partei. " „ Wir werden Euch genau so erbarmungslos maßregeln, wie 3hr die Brandler gemaßregelt habt," schrie fie ihnen zu. Und dann zeigte sie, in Abteilungen gegliedert. die Grundfehler" auf, die sowohl in Sachsen wie in Preußen gemacht worden seien. Daraus zog sie die Schlußfolgerung: die Rommunistische Partei sei auf den bewaffneten Rampf und den Bürgerfrieg eingestellt, das sei ein unverleglicher Programmpunkt. Die wichtigste Aufgabe der Kommunistischen Partei sei es, jetzt den Rampf gegen die Ultralinten" rüdsichtslos durchzuführen. Wenn man nicht jede Minute ausnüße, werde es fich später bitter rächen. Zum Schlusse der Appell an die schwielige Faust.(!) Man müsse die Stimme der Arbeiter zur Geltung bringen, fie müsse bis zur Zentrale dringen. Offenbar hält Ruth Fischer sich selbst für das Gefäß, das die Stimme der Arbeiter" auffangen soll. Wie lange, und auch Ruth Fischer wird zu denen gehören, die von ihren heutigen Mitfämpfern abgefägt werden!. Die große Mehrzahl der Delegierten spendete stürmischen Beifall". Der Lypus Golem aber verhielt sich bis auf einen Zwischenruf still, heute soll er nach einem Referat Thälmanns über die Gewerkschaftsfrage etwas länger zur Diskussion sprechen dürfen. Die Räumungsfrage im Unterhaus. London, 15. Juli.( WTB.) Wedgwood Benn fragte, mann beabsichtigt sei, die Belegung Düsseldorfs, Ruhrorts und Duisburgs durch die alliierten Truppen zu beenden. Chamberlain erwiderte, die drei Städte feien augenblicklich von franzöfifchen und belgischen Truppen besetzt und er habe keine Information, mann beabsichtigt sei, sie zu räumen. dem Projekt sehr start interessiert sein würden, ihren Einfluß auf bieten, wäre es gar nicht unmöglich, daß der Plan sich über das Stadium einer phantastischen Utopie hinaus entwidelte. Der Damm würde auf der von Jäger ins Auge gefaßten Traffe 42 Kilometer lang und über Meerestiefen von 35-50 Meter zu legen sein. Er foll von den beiderseitigen Küsten aus 8 Kilometer ins Meer hinaus geführt werden, würde dort durch zwei für die größten Seeschiffe paffierbare Durchlässe unterbrochen werden und sich dann in zwei parallele Dämme teilen, zwischen denen dadurch sozusagen ein Binnenschiffahrtsweg" von 300 Meter Breite entstünde. Jeder Damm soll vier Eisenbahngeleise und eine 10 Meter breite Automobilstraße tragen. Zur Herstellung der Dammbauten würden nötig sein: 40 Millionen Kubikmeter Stein, 15 Millionen Kubil meter Beton, Brückenmaterial und nicht zu vergessen! reichlich anderthalb Milliarden Goldmart. Die Hölle der Buddhisten. In den Sälen und Gärten des Batifans in Rom findet zurzeit eine Missionsausstellung statt, zu der alle fatholischen Missionare irgendein charakteristisches Stüd aus dem Bande, in dem sie wirken, beigesteuert haben. So fandten beispiels. weise die Franziskaner aus China, wo sie ihre Missionstätigkeit aus üben, Photographien der Hauptpagode von Ring- Ticheu. Der Pa gode stellt die buddhistische Hölle dar und veranschaulicht die Grafen, Die zehn Totengerichte über die Verstorbenen verhängen, die sich im Leben der zwölf Todfünden schuldig gemacht haben, in zwölf ver. Ichiedenen Szenen. Da sind zunächst die Habgierigen und Bucherer, die lebendig im Eis verfenft werden, während die Mandarine, die fich als ungerechte Unterbrüder erwiefen haben, mit Reulen erschlagen werden. Dann find da Opiumraucher, die bei lebendigem Leibe von Dämonen verschlungen werden. Beamte, die bestechlich waren, werden ausgepeitscht. Eltern, die ihre Kinder vernachläffigten, find verurteilt, die Berlassenen und Hungernden zu ernähren. Wüstlingen und Ehebrechern wird der Kopf vom Rumpfe getrennt. Ungetreue Bonzen werden von der Höhe eines Turmes in ein Meer pon Schlamm und Morast geworfen. Lästerer, die viel geflucht haben, werben von Sägen zerfdmitten, Brandstifter und Mörder mit Mühl. fteinen erschlagen. Unholde, bie Gräber geschändet haben, werden in fochendem Det gefotten, Falschmünzer auf einen Haufen Glas. Scherben gebunden. Diejenigen aber, die gegen das Gebot der find lichen Bietät verstoßen haben, werden zur Strafe in Schlangen verwandelt. Leonhard Udells Komödie Die Dohle" wird zu Beginn der kommenden Spielzeit am Dortmunder Stadttheater uraufgeführt werden. Das Stüd ist als Buch im Bollsbühnenverlag erschienen. Ein deutscher Gelehrter in Frankreich. Der Leipziger Privatdozent für romanische Philologie, Dr. Wilhelm Friedmann, wurde von der französi fchen Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit eingeladen, im Rahmen ihrer Ferienkurse einen Bortragszyklus über die internationale geistige Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Kunst und Literatur abzuhalten. Außer dem deutschen Gelehrten wurden au schwedische, italienische, englische und chinesische Universitätslehrer zu Bor lesungen aufgefordert. Eine Studentenftadt bei Chartow. Das Bildungskommissariat der Ukraine hat befchloffen, als Vorort der Stadt Charlow ein nur für Studenten bestimmtes Quartier erbauen zu laffen, in dem 2500 Studentenwohnungen vorhanden sein sollen. Zentrum und Zollvorlage. Gruppe Stegerwald und linker Flügel gegen Agrarzoll. Der Sozialdemokratische Preffedienft" meldet: Die Reichstagsfraktion des 3 entrums befaßte fich am Mittwochabend mit der 3ollvorlage. 3hre Beratungen galten vor allem dem Versuch, die innerhalb der Fraktion bestehenden Schwierigkeiten zur Berabschiedung der Borlage zu überwinden. Während die Reichsregierung auf Mindestzölle besteht, lehnt die Gruppe Stegerwald und der linte Flügel des 3enfrums entsprechend einer einmütigen" Forderung der chriftlichen Gewerkschaften diese 3ölle bisher ab. Damit ist die Berabschiedung der Zollvorlage in Frage gestellt. Die Beratungen des Zentrums wurden abends um 6 Uhr unterbrochen. Es ist fraglich, ob in Anbetracht der gegensätzlichen Anschauungen innerhalb der Fraktion überhaupt eine Einigung möglich ist, die von der Regierung als erträglich angenommen werden fann. Marseille und Heidelberg. Die Delegierten der Reichstagsfraktion zu den Parteitagen Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat als Delegierte zum Internationalen Kongreß in Marseille folgende Genossen gewählt: Becker- Herborn, Bender, Breitscheid, Dißmann, Dittmann, Henke, Herz, Keil, Frau Reize, Frau Tony Sender, Scheidemann, Sollmann. Bum Parteitag in Heidelberg entfendet sie als Delegierte die Genossen Frau Ansorge, Aufhäuser, Frölich, Graß mann, Breitscheid, Heimann, Herz. Hoch, Limberg, Karsten, Kirschmann, Krüger, Frau Bartels, Hüttmann, Lübbring, Meier- Baden, Saenger, Frau Schilling, Robert Schmidt, Frau Schuch, Severing, Seidel, Seppel, Simon- Schwaben, Stüdlen und Frau Burm. Die Steuervorlagen. Verhandlungen im städtischen Werkskonflikt. Heute abend endgültige Entscheidung. Im Tarifftreit der Gas- und Wafferwertsarbeiter fanden in der| bekannt war, lehnten sie nach furzer Beratung jedwede ErDirektion der städtischen Gaswerte am Mittwoch neue Ber- weiterung ihres abgelehnten Angebots ab. Damit ist der lezte handlungen unter Mitroicfung von Vertretern des Haupt- Einigungsverjuch gegenstandslos. vorstandes des Berbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter statt. Als legtes Angebot machte die Direktion folgenden Borschlag: Die tariflichen Stundenlöhne werden ab 1. Auguft für männliche Arbeiter um 4 Pf. für weibliche um 3 Pf. pro Stunde erhöht. Das Abtommen gilt bis zum 30. November 1925. Bei einer Steigerung des Lebenshaltungsinder von 6 Punkten und mehr fann während der Bertragszeit in neue Verhandlungen eingetreten werden. Dies Ergebnis lag Mittwoch abend einer& onferenz der Obleute der Werte zur Entscheidung vor. Die Obleute erklärten das Ergebnis für unzureichend und beauftragten die Celfung der Organisation, das Arbeitsministerium um neue vermittlung anzurufen. Auf Veranlassung des Arbeitsministeriums tam es noch in den Abendstunden zu neuen Verhandlungen mit den Direktionen der Werte. Der Vertreter der Organisationen der Arbeiter machte den letzten Bermittlungsvorschlag, den Stundenlohn um fünf Pfennig zu erhöhen( für die männlichen Arbeiter) und die Geltungsdauer des Abkommens auf den 1. Oktober zu beschränken. Die Direktionen beffanden jedoch auf ihrem letzten, von der Obleutekonferenz abgelehnten Angebot, nur vier Pfennige Cohnerhöhung( bzw. 3 Pf.) mit Bindung bis zum 1. De 3ember zuzugestehen. Damit war der letzte Vergleichsvorschlag der Organisations. vertreter gescheitert, da das Angebot der Werksdirektionen fomohl bezüglich; der Lohnerhöhung als auch der Geltungsdauer für die Arbeiter un annehmbar war. Obwohl dies den Direktionen notwendigerweise gewahrt werden muß." Der Steuerausschuß beginnt die zweite Lesung. Der Steuerausschuß des Reichstags begann am Mittwoch die zweite Lesung der Steuervorlagen mit der Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion betreffen,| ratung des Einkommensteuergesetzes. Im allgemeinen wurden die Beschlüsse der ersten Lesung aufrechterhalten. Eine längere Debatte verursachte ein Antrag der Deutschen Volkspartei, für Gewerbetreibende die Besteuerung nach einem dreijährigen Durchschnitt vor zusehen. Dieser Antrag wird vom Abg. Dr. Fischer( Dem.) unter stügt. Staatssekretär Popit aber erflärt ihn für unannehmbar, da die Steuerpflichtigen bewußt in zwei verschiedene Klaffen einteile. Bei der Annahme des Antrages müsse damit gerechnet werden, daß die Lohnsteuer aus politischen und so. zialen Erwägungen schmer gefährdet werde. Bon sozial. demokratischen und kommunistischen Abgeordneten wurde diese Auffassung unterstützt, da dann für Lohnsteuerpflichtige die Steuer nach einem Durchschnitt von einer Woche, bei den Gewerbetreibenden aber nach einem Durchschnitt von drei Jahren bemessen werde. Der Antrag wurde abgelehnt. er Ein Justizskandal. Wir hatten am 4. Juli anläßlich der Moskauer Justiztomödie geschrieben, daß die verhängnisvolle Schwäche der Reichsregierung bei maßgebenden fommunistischen Politikern in Moskau die Ueberzeugung hervorgerufen zu haben scheine, in Moskau die Ueberzeugung hervorgerufen zu haben scheine, daß die unverschämtesten Erpressermethoden Deutschland gegendaß die unverschämtesten Erpressermethoden Deutschland gegen über am angebrachtesten seien. Diese Feststellung erfährt eine neue Bestätigung durch die Art und Weise, wie das offizielle Organ der Moskauer Regierung den Protest der Reichsregie. rung gegen das Moskauer Fehlurteil behandelt. Trotz der außerordentlichen Zurückhaltung der Reichsregierung, die sichtlich bestrebt war, in ihrer offiziösen Meldung alle Schärfen. zu vermeiden, antwortet die Moskauer Regierung durch ihre Auftreten der zarischen Minister unter Nikolaus 1. erinnert, Nachrichtenagentur in einem Tone, der an das anmaßende der bekanntlich Preußen- Deutschland als einen russischen Bafallenstaat betrachtete. Dabei wagt es noch die Moskauer fallenstaat betrachtete. Dabei magt es noch die Moskauer Telegraphenagentur, der deutschen Preffe und der Reichsregie rung Vorschriften zu machen, welchen Ton sie Mostau gegenüber anschlagen solle. Das Objekt, um das nunmehr der Kampf entbrennt, beträgt einen Pfennig. Bei einer Belegschaft von etwa 5500 Mann eine Mehrausgabe von ungefähr 11 500 m. monatlich. Dieser Streit pfennig bedeutet gegenüber der gewaltigen Schädigung, die durch den nunmehr direft heraufbeschworenen Streit eintreten muß, lebig lich eine Bagatelle. Rönnen die Direktionen der Gas- und Wasserwerke es por der Berliner Bevölkerung verantworten, dieser Bagatelle halber, es auf einen harten Kampf antommen zu lassen, um die Gas- und Wafferzufuhr abzusperren? Das wäre geradezu ungeheuerlich! Gehen die Direktionen nicht noch in legter Stunde von ihrem Standpunkt ab und stimmen dem Bergleichsvorschlag des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter zu, dann haben wir morgen früh den Streit der Gas- und Wassermerfarbeiter. Die Entscheidung fällt heute abend! Noch hoffen mir, daß die heutigen Tagesstunden nicht ungenügt bleiben, um dem Streifbeschluß vorzubeugen. Die Vertreter der Arbeiter haben alle Ber handlungsmöglichkeiten erschöpft. Nicht ihre Schuld ist es, wenn sich für die Arbeiter fein anderer Weg mehr zeigen sollte als der Streif. Die enffcheidende Funktionärversammlung findet heute abend 7 Uhr im Verbandshaus, Johannisstraße, statt. * In der bürgerlichen Presse werden in der Streitsache die tollften Gerüchte verbreitet. So wird u a. von einer Rüdversicherung der Arbeiter durch die sogenannte Streif. fanttion" des Verbandsvorstandes gesprochen. Alle diese Berichte find Mutmaßungen. Die Frage der Santtion des Streifs richtet sich allein nach den statutarischen Bestimmungen. Wahlfieg der Labour Party. Purcell gewählt. Condon, 15. Juli.( WTB.) Bei der Ersagwahl von Ferest of Dean wurde der Randidat der Arbeiterpartei Burcell mit 11 629 Stimmen gewählt. Der fonservative Randidat erhielt 8607, der libe rale 3774 Stimmen. Das Ergebnis der Wahl wurde von der 9. beiterpartei im Unterhaus mit Beifallsrufen aufgenommen. Angerstein und die„ Kreuzzeitung". Oder: Was im neuen Deutschland möglich ist! Die Kreuzzeitung" hält bekanntlich an leberlieferungen gemeinsten Invektiven zu überhäufen und ihm grundsäßlich feft, zu denen in erster Reihe die gehört, jeden Gegner mit den die niedrigste Gesinnung zu unterstellen, auf der anderen Seite aber den ärgften Unrat in den eigenen Reihen mit dem Mantel christ. licher nächstenliebe zu bedecken. Die Deffentlichkeit hat sich an die Borliebe der Kreuzzeitung" für die Einfuhr von Fätalien in das Gebiet der Politik gewöhnt, wie sich unsere Soldaten im Schüßengraben schließlich mit dem Ungeziefer abgefunden haben. Aber bisweilen fühlt man sich doch versucht, den Rod der alten abame auszuflopfen ohne allzu großes Bebauern über die Hiebe, die dabei für ihren Rücken abfallen. Für Steuerpflichtige, deren Einkommen 15 000 m. und deren Bermögen 50 000 m. nicht übersteigt, soll bei Versicherungsprämien und Spareinlagen, zu denen sich der Steuerpflichtige in den Jahren 1923 bis 1926 verpflichtet hat, der abzugsfähige Betrag erhöht mer den und zwar auf 960 M., wenn der Steuerpflichtige mehr als 50, auf 1200 m. menn er mehr als 55, auf 1440 m. wenn er mehr als 60 Jahre alt ist. Ein fozialdemokratischer Antrag, diese Bergünstigung mur bei Bermögen bis zu 20000 m. zu gewähren, Diefer ganze Standal wäre unmöglich gewesen, wenn die wurde abgelehnt. Ebenso ein bemofratischer Antrag, die Ab. Reichsregierung bei ihrem Eintreten für die verurteilten deut züge für Beiträge für Lebens, Angestellten, Invaliden- und Kranfenfchen Studenten mehr Rüdgrat gezeigt hätte. Sie muß sich bersicherung von 480 auf 720 M. zu erhöhen deshalb von Mostou nicht mur Borschriften über den guten Ton gefallen lassen, es wird ihr auch unverblümt erklärt, daß die Moskauer Todesurteile zu Recht bestünden und daß ihre Bollstreckung nur auf dem Wege der Gnadengefuche" aus gesetzt werden fönnte. Diese Antwort ist in allen Buntten eine Herausforderung der öffentlichen Meinung Deutschlands, die sich ein mütig gegen das Moskauer Fehlerlaffene Haftbefehl den deutschnationalen Barteiheiligen Rahr urteil gewandt hat. Die Forderung, dieses Urteil aufzuheben, bedeutet teine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Sowjetrußlands", sondern sie ist vielmehr die notwendige Reaktion auf ein Verfahren, deffen Hintergründe allzu durchsichtig sind, als daß man sie noch näher zu tennzeichnen brauchte. Wenn die Reichsregierung vor diesem Berfahren fapituliert, fo wird sie sich nicht zu wundern brauchen, daß fie bei der nächsten Gelegenheit von den Moskauer Gewalthabern in noch viel wegwerfenderer Weise behandelt werden wird, als das bisher der Fall war. Drei Sozialdemokraten fälschlich wegen Meineides verurteilt! In Sondershausen wurde vor einigen Monaten der fozialdemokratische Beigeordnete Genoffe Stegmann verurteilt, weil er in einer Berjammlung angeblich mit folgenden Worten zum Diebstahl aufgefordert haben soll: Wenn Ihr nicht Geld habt, um das Holz zu bezahlen, dann geht in den Wald und holt's Euch!"(!) In der Berhandlung hatten drei Parteigenossen ousgefagt, daß eine solche Aeußerung nicht gefallen fei. Alle drei wurden sofort festgenommen und wegen angeblichen Mein eides in Untersuchungshaft gesperrt. Nach viermonatiger Haftdauer wurden sie wegen fahrlässigen Falscheides zu pier Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil wurde von den Angeklagten und vom Staatsanwalt, dem die Strafe zu niedrig erschien, Berufung eingelegt, mit der sich die Straffammer in Sondershausen dieser Tage zu beschäftigen hatte. Jetzt erlebte der Staatsanwalt eine glatte Niederlage, da die Anklage völlig zufammenbrach. Der Staatsanwalt beantragte trotzdem sechs Monate Gefängnis, während sich das Gericht dem Antrag des Berteidigers Genossen Dr. Rosenfeld anschloß und sämtliche Angetlagten frei sprach. Dadurch ist der reaktionäre Verfuch, durch einen Meineids prozeß unsere Bewegung in Sondershausen zu schädigen, gescheitert. Moskauer Unverschämtheiten. Was die Reichsregierung fich bieten läßt. Die Reichsregierung hatte am 10. b. M. durch das Wolfffche Telegraphenburau eine Meldung verbreiten lassen, in der sie zu den Todesurteilen im Mostauer Studentenprozeß Stellung nahm und sie als eine ernste Belastungs probe für die deutsch- russischen Beziehungen erflärte. Gegen biese offiziöse Note der Reichsregierung, die als solche für jeden erkennbar war, verbreitet mun die Russische Telegraphenagentur eine lange Erklärung, die in Form einer Bolemit gegen die Wolfffche Telegraphenagentur in überheblichem Tone die Reichsregierung wie einen Schuljungen abfanzelt. Es heißt am Schluß diefer Erklärung: " Tschechische Regierungskrise. Die Folge des Vatikankonflikts. Prag, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Eisenbahn minister Stribnn hat am Mittwoch dem Ministerpräsidenten feine De mission überreicht. Gleichzeitig wird von der Partei der tschechischen Nationalsozialisten( Demokraten) mitgeteilt, daß auch der zweite Minister der Partei, Bostminister Dr. Franke, der zurzeit auf einer Studienreise in Frankreich weilt, zurüdtreten wird, während Außenminister Dr. Benefch, der ebenfalls der Nationalsozialistischen Partei angehört, vorläufig im Amte bleiben soll. Die Sigungen von Rammer und Senat wurden infolge dieser Regierungstrife am Mittwoch vorzeitig gefchloffen. Das Parlament dürfte erst wieder im September zufammentreten. Am 2. Dezember 1924 erschien in ber Rreuzzeitung eine Notiz mit der Spigmarfe was im neuen Deutschland möglich ist. Darin murde nicht etwa dies ist ja in Deutschland möglich geworden berichtet, daß der meineidige Lump Ehrhardt nicht verhaftet werden fann und daß der gegen ihn nicht davon abgehalten hat, den Verbrecher zu empfangen. Nein, die lleberschrift deckte die Nachricht, daß in dem Städtchen Haiger eine Räuberbande acht Angehörige und Angestellte des Direttors Angerstein erschlagen habe. Sehr bald tauchte bekanntlich der Berdacht auf, daß Angerstein selbst der Urheber der entseglichen Bluttat fei. Der Schriftleitung der Kreuzzeitung" war inzwischen offenbar aus der Gegend des Tatortes, in der die Reaktion und das Mudertum üppig gedeihen, mitgeteilt worden, daß Angerstein ein treuer Anhänger der Deutsch nationalen Bolts partei ist. Es fam für sie darauf an, den Parteigenossen zu schützen. In ihrer Abendausgabe vom 3. Dezember schrieb sie daher: Angerstein... war außerordentlich beliebt und galt als ein bescheidener Mann und( entfeßliches Deutsch!) der auch in jeder Weise seinen Mitmenschen gefällig war. Die Angelegenheit bedarf dringend der weiteren Aufflärung.... Bis dahin muß die Annahme, der Direttor hat(!) im Wahnsinn die furchtbare Tat selbst begangen, bezweifelt werden." Die Leser murden also weiter in dem Glauben erhalten, daß die Weimarer Berfassung für das Verbrechen von Haiger verantwortlich sei. e . Die Hauptverhandlung in Limburg hat an der Täterschaft Angersteins und der Schuldlosigkeit der Weimarer Koalitionsparteien feinen Zweifel bestehen lassen; sie hat ergeben, daß Angerstein in Herrn Mumm eine Idealgestalt erblickt hat und Mitglied des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverban. Des war. Die Kreuzzeitung" unterrichtete ihre Leser über den Prozeß durch den gleichen BS.- Bericht; den alle anderen Berliner Zeitungen enthielten. Aber die Feststellung, daß Angerstein in Der Grund des plöglichen Rücktritts der nationalsozialistischen einem deutsch nationalen Verband organisiert war, fucht Minister ist in dem Konflikt der tschechoslowakischen Regierung man in dem Blatte des Grafen Weftarp vergebens. Die um die mit dem Batifan zu suchen. Die Regierungstoalition fuchte Gemütsruhe ihrer Leser besorgte Schriftleitung hat diesen verschwie eine parlamentarische Behandlung der demonstrativen gen, daß in Limburg einer ihrer Parteigenossen um sein Leben Abreise des Nuntius Marmaggi, die im ganzen Lande das größte kämpfte. Der Rotstift irgendeines Fernandos hatte über oder durch Aufsehen erregte, zunächst zu verhindern. Als jedoch der die Mitgliedschaft Angersteins im ,, Deutschnationalen 3wischenfall von den deutschen Sozialisten im Senat zur Sprache gehandlungsgehilfenverband" einen Strich gemacht. bracht und in beiden Häusern des Parlaments eine dringliche Interpellation zur Erörterung dieser Angelegenheit von ihnen eingereicht worden war, taten auch die tschechischen Nationalfozialisten ein gleiches. Daraufhin entspann sich innerhalb der " Das Wolffsche Telegraphenbureau hat, wie jedes Presseorgan, Roalitionsparteien ein scharfer Kampf um die Frage, durchaus das Recht, das Urteil des Obersten Gerichtshofes, soweit ob diese Interpellationen zur parlamentarischen Aussprache zugees ihm als Fehlurteil erscheint, einer Kritit zu unterziehen. Darauf laffen werden sollten. Am Dienstag und Mittwoch tagte die oberste tommt es jedoch nicht an. Die Strafprozeßordnung, die auf dem Roalitionsinstanz, ein zwanziggliedriger Ausschuß. Hier beharrten Gebiete des Sowjetstaates gilt, fennt einen Beg, durch den die Boll- die Nationalsozialisten auf ihrer Forderung nach Zulaffung streckung des Urteils ausgesetzt werden fann. Diesen Weg haben die ihrer Interpellation und verlangten eine Beantwortung Angeklagten eingeschlagen, als sie die Gnadengefuche ein durch die gesamte Regierung. Ein amtlicher Bericht erklärt reichten. Außer diesem Bege gibt es teine anderen zwar, daß die vom Außenminister vorgeschlagenen Richtlinien Möglichkeiten. Die Regierung der Sowjetunion fann und wird für die weitere Behandlung dieser Angelegenheit vom Ausschuß ge Einwirkungsversuche, von welcher Seite fie auch fommen mögen, nehmigt worden seien; die Nationalsozialisten haben aber nicht zulassen, wenn solche Versuche das Ziel verfolgen, fich in innere dennoch mit Rücksicht auf die illoyale Haltung der übrigen RoalitionsAngelegenheiten der Sowjetunion einzumischen. Solche Verfuche, parteien ihre Minister aus der Regierung abberufen und erklären, einen Drud auszuüben, sind vielmehr geeignet, der Sache zu schaden. daß sie sich an weiteren Beratungen der Regierung sto a Je schneller dies die Verfasser der Erklärungen des Wolfffchen Tele- lition nicht mehr beteiligen merden. Infolgedessen graphenbureaus und mit ihnen die deutsche Bresse begreifen werden, mußte auch die Berabschiedung der Wahlreformvorlage, die noch in um so schneller wird auch der Ton gefunden werden, der bei der Mittwochsihung des Parlaments erledigt werden sollte, auf die der Lösung von Fragen, welche die verschiedenen Formen der Be. Herbsttagung verschoben werden. 1 Sollte sich die Kreuzzeitung" nachträglich noch dazu verstehen, ihren Lesern einzugestehen, daß die furchtbaren Verbrechen, die ihr den Stoßfeufzer Wasim neuen Deutschland möglich ist" entlockt haben, von einem Anhänger der Deutschnationalen Bolks. partei begangen worden sind, so fügt sie vielleicht der Vollständigkeit halber hinzu, daß der Lübecker Luftmörder Tiedemann, der fürzlich in der Nacht vor seiner Hinrichtung Selbstmord begangen hat, gleichfalls deutsch national und Stahlheimer war und feiner treu deutschnationalen Gesinnung wegen den Hausmeisterposten bei dem deutschnationalen Führer Schmidt Roembild erhalten hatte. Ja, ja: as im neuen Deutschland möglich ist 1" Kufister aus der Haft entlaffen. Unter Abänderung ihres Be J. fluffes vom 4. Juli d. 3. bat die erste Straflammer des Land gerichte I auf weitere Beschwerde den Haftbefehl gegen Rutister aufgeboben, weil nach einem Gutachten ber zweiten medizinischen Klinik der Charité bei Stutisler infolge febr starter Blutbrudsteigerungen Lebensgefahr besteht. Bon der Stellung einer Kaution bat die Straftammer wegen ber schlechten Finanzlage Kutisters abgesehen. Gewerkschaftsbewegung der Zeitungen. ( Gewerkschaftliches siehe auch 1. Beilage.) Der Zeitungshändler. Bu feiner Zeit find im gestaltenreichen Berliner Straßenbild die Zeitungshändler so start in Erscheinung getreten wie jetzt und in der jüngsten Vergangenheit. Die sich überſtürzenden politischen und wirtschaftlichen Ereignisse machten mehr denn je bei den öffentlich Interessierten ein spontan zu befriedigendes Orientierungsbedürfnis geltend. Der Abonnent glaubte nicht warten zu können, bis ihm fein Leiborgan durch die Botenfrau in sein Heim überbracht wurde und stillte seinen Sensationshunger, angeregt durch die mit Riesen lettern überschriebenen und ausgepriesenen Artikel, im Straßenkauf Hier sehen die Fähigkeiten und Findigkeiten des routinierten Zeitungshändlers ein. Den Pulsschlag des rasenden, öffentlichen Lebens abtastend, wird er zum Sprachrohr des Zeitgeistes. Mit lauten Rufen, zarten Hinweisen, mit tragischem Pathos, je nach der Wichtigkeit, Traurigkeit oder Heiterkeit des betreffenden Ereignisses preist er seine Zeitung an. Die Verkehrszentren, Hoch-, Untergrund-, Stadtbahnzugänge, Omnibus- und Straßenbahnhaltestellen sind die besonders bevorzugten Stätten seiner propagandistischen Wirksamfeit. Aber auch die von Tausenden bevölterten Großbetriebe der Industrie und des Handels werden vom Zeitungshändler gern belagert und stellen ein fauflustiges Publikum. Mit rednerischen und dekorativen Künsten versucht er seine Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. Berförpert er nicht ein starkes Maß geistiger Beweglichkeit, dann ist er für seinen schweren Beruf völlig ungeeignet und wird von den Verlagen nicht mehr beliefert. Es ist für den Zeitungshändler fein leichtes, mit den politischen Sympathien und Antipathien der Straßenpassanten fertig zu werden, die er je nachdem, welche Zeitung er feilbietet, mehr oder weniger laut, 11 voll ausgefüllt. Wir wünschen ihm und damit unserer Bewegung noch manches fruchtbare Jahr. Allgemeiner Streit der Zimmerer. In der Versammlung der Zahlstelle Berlin des Zentralverbandes der Zimmerer gestern abend, berichtete Repschläger über den Stand der Lohnbewegung. Der Kampf, der jetzt im ganzen Reich geführt werde, sei der schwerste aller bisher ge= führten kämpfe. Ueber die ,, Bauhütten" solle in dieser Stunde nicht geredet werden. Da die Abstimmungen in den Bezirken eine überwältigende Mehrheit für den allgemeinen Streit ergeben haben, empfehle auch die Schlichtungskommission und die Bahlstelle den allgemeinen Streit. Dieser müsse einmütig durchgeführt werden. klärung des allgemeinen Streits geführt wurde, äußerte der Während die Diskussion fast ausschließlich im Sinne der Erfrühere langjährige Zahlstellenvorsigende Witt lebhafte Bedenken dagegen. Folgender Antrag der Zahlstellenleitung wurde bei einigen Stimmenthaltungen angenommen: „ Die am 15. Juli im Dresdener Kasino tagende Zahlstellenpersammlung beschließt den allgemeinen Streif ab 16. Juli 1925. Alle im Hoch, Beton- und Tiefbau beschäftigten Zimmerer werden daher aufgefordert, die Arbeit einzustellen und sich zweds Kontrolle in den zuständigen Bezirken zu stellen." Riesendemonstration der Pforzheimer Streikenden. Pforzheim, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die An rohung des Arbeitgeberverbandes, sämtliche Arbeiter als entlassen zu betrachten, falls die Arbeit nicht am Mittwoch wieder aufgenommen würde, ist vollständig berpufft. Am Mittwoch bormittag fand eine Riesendemonstration der Gewert schaften statt, an der sich etwa 20 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligten, die zu einer wuchtigen Rundgebung für bie wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiterschaft wurde und der manchmal sogar mit schlagenden" Beweisen zu fühlen bekommt. ein Demonstrationszug durch die Industrieviertel der Stadt folgte, Dabei wird dem Zeitungshändler, der den Unbilden der WitteAlles vollzog sich in rung, den Gefahren der Straße wie allen den hier nur angedeuteten dessen Vorbeimarsch eine Stunde dauerte. Unliebsamfeiten ausgesetzt ist, für seine schwere Arbeit nur gemustergültiger Ruhe und Ordnung. In der Pforzheimer Schmud ringer Lohn zuteil. Der Deutsche Verkehrsbund ist warenindustrie liegen etwa 1000 Betriebe bollbemüht, auch diesen Beruf in das große Bereich arbeitsvertraglicher ständig still. Der Riefenkampf droht zu einer schweren Geund tarifrechtlicher Regelung einzuverleiben, wie dies bei den fahr für die Wirtschaft des Induſtriebezirks Pforzheim zu werden, Beitungsfrauen bereits geschehen ist. Eine gut besuchte 3 eitungs- falls feine Beilegung nicht bald möglich wird. Der Schlichtungshändlerversammlung war ein erfreulicher Auftakt dieser ausschuß hat die Parteien für Freitag zu Verhandlungen Organisationsarbeit auf einem neuen großen Werbegebiet. Damit geladen. ist auch dem Zeitungshändler Gelegenheit gegeben, mitgestaltend in sein Arbeitsverhältnis einzugreifen. Möge er von diesem Recht weitgehendsten Gebrauch machen durch regelmäßigen Besuch aller diesbezüglichen Veranstaltungen des Deutschen Verkehrs bundes, der durch ständige Tarifabschlüsse und Verhandlungen in engster Fühlung mit allen, auch den größten Zeitungsverlegern steht. Ein Sechzigjähriger. Am 17. Juli vollendete der Genosse Albert theß sein 60. Lebensjahr. Gleichzeitig feiert er sein 25jähriges Jubi läum als Angestellter des Deutschen Berkehrs bundes, Bezirksverwaltung Berlin. Nach schwerster Jugend - mit einem Jahr wurde er Vollwaise und von einer pommerschen Dorfgemeinde„ erzogen" fam er 22jährig nach Berlin und organisierte sich im Hausdienerverein, nachdem er vorher in Pommern bereits dem Hirsch- Dunderschen Gewerkverein angehört hatte. Seit 1890 ist er auch parteipolitisch organisiert. Seit dem ersten Tag hat er in der Berliner Partei und Gewerkschaftsbewegung jeden Platz, auf den ihn seine Mitkämpfer stellten, Die Metallarbeiter in Frankfurt a. M. An der Delegierten Urwahl zum Breslauer Gewerkschaftsfongreß in der Frankfurter Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiterverbandes haben sich 2126 Mitglieder beteiligt. Davon stimmten, 1719 für die Siste A, Mulanety- Scheld( Amsterdamer Richtung) und 382 für die fommunistische Liste B. Un gültig waren 25 Stimmen. Ist auch jede einzelne Stimme, die noch für die„ Eroberer" der Gewerkschaften abgegeben wird, zuviel, so ist doch der Rückgang der Kommunisten unvermeidlich. Es würde sich noch deutlicher zeigen, wenn unsere Genossen sich vollzählig an den Wahlen beteiligten. Keine Arbeitszeitverlängerung im Ruhrbergbau. Wie die IFC. von unterrichteter Seite aus Essen erfahren hat, beabsichtigen die rheinisch- westfälischen Zechen feineswegs die Kündigung des bestehenden Tarifabkommens, um eine Verlängerung der Arbeitszeit durchzusetzen. " Es wird uns versichert, daß der Bergbau, gerade im Hinblick auf seine schwierige Lage, alles vermeidet, was zur Beunruhigung der Arbeitnehmer beitragen fönnte. Eine Verlän gerung der Arbeitszeit wäre nach Ansicht des Bergbaues nicht dazu angetan, das Absazproblem zu lösen. Viel wichtiger sei eine weitere Herabsetzung der Eisenbahnfrachten für Kohle, Kofs und Nebenprodukte. Ueber die Frage der Arbetterentlassungen äußerte sich unser Gewährsmann dahin, daß fich in Bergbautreisen angesichts der feindseligen Haltung Polens immer stärker die Tendenz bemerkbar mache, zunächst die pol nischen Arbeiter und Angestellten abzubauen." Hierzu sei bemerkt, daß das Abkommen vor dem 31. August, zum 30. September, überhaupt nicht gekündigt werden fann, weiter aber, daß bei einer beabsichtigten Verlängerung der Arbeitszeit die Bergarbeiter schließlich immer noch ein Wort mitzureden hätten. Entsteht kein Streit um die Arbeitszeit, dann um so besser. Streik in der Tapetenindustrie! In der Tapeten fabrit G. 2. Peine in Hildesheim ist die Arbeiterschaft in den Ausstand getreten, weil die Firma sich weigert, den Reichstarifvertrag für die deutsche Tapeten- und Bunt glaspapierfabrikation anzuerkennen und die in diesem Vertrag festgefegten Löhne, Ueberstundenzuschläge usw. zu bezahlen. Es ist deshalb der Zuzug von Tapetendruckern, Farbmischern und anderen Facharbeitern, sowie von Hilfsarbeitern und Arbeiterinnen nach Hildesheim strengstens fernzuhalten! Verband der Fabritarbeiter Deutschlands, Sig Hannover. Arbeitszeitkampf in Polnisch- Oberschlesien. Die Zentralfommission der polnischen Fachverbände fordert in einem Appell die oberschlesischen Arbeiter auf, daß sie einen rüdachtstündigen Arbeitstages im oberschlesischen Hüttensichtslosen Kampf für die Wiedereinführung des wefen beginnen solle. Die Kratauer Vereinbarung über die Verlängerung des actstündigen Arbeitstages in den oberichlesischen Hütten auf zwölf Stunden läuft am Bolens, vor allem aber müßten sich die obersoleiiichen 21. Juli ab. Deshalb müsse sich die arbeitende Klasse ganz Arbeiter die Frage beantworten, ob sie weiter zwölf Stunden arbeiten wollen oder nicht. Der allgemeine Kongreß der Fachhätten die gegenwärtige Lage besprochen und seien zu dent Entverbände in Polen und die Zentralfommission der Fachverbände schluß gekommen, daß nach dem 21. Juli ein rücksichtsloser Kampf um den achtstündigen Arbeitstag geführt werden müsse. Paschawirtschaft. London, 15. Juli.( EP.) Nach einer Meldung aus Konstanti nopel sind die Telegraphenangestellten in Adana, Erzerum und Samsun in den Ausstand getreten. Die Regierung führt den Streit auf fommunistische Agitation zurück und hat infolgedessen Befehl gegeben, alle Streifenden zu ber haften und zur Aburteilung nach Angora abzuführen. Verband ber Gemeinde- und Staatsarbeiter, Ortsverwaltung Berlin. hain, Am Friedrichshain 16-23. Großes Sommerfest Sonntag in den Gesamträumen der Brauerei FriedrichsMitwirkende: Berliner Konzertorchester, Berliner Sängerchor, M. d. A. G. B., erstklassige Spezialitäten für jung und alt. Jm großen Festsaal: Feftball. Eintritt inkl. Tanz und Steuer 0,50 M. Für Kinder unter 14 Jahren Eintritt frei. Kasseneröffnung 2 Uhr, Eröffnung der Raffeeküche 3 Uhr, Beginn des Konzerts 4 Uhr, Beginn des Festballes 6 Uhr. Eintrittskarten find an der Raffe erhältlich. Die Ortsverwaltung. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". 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Noch immer sind Seuchen und Epidemien unser« tückischsten und gefährlichsten Feinde. Auch die Formeln der SpezialWissenschaft, Doktrinen, die sich jährlich neu nuancieren, jährlich alte Widerstände überwinden, um vor neuen Rätseln zu stehen, bleiben gegenüber der elementaren Wucht der unheimlich fruchtbaren Bazillen, die von irgend woher kommen und ihre tötenden Fesseln schlagen. nur Stückwerk, die der mächtige Sturm allmächtiger Zerstörungs- mächte morgen umknicken kann. Historie üer Seuchen. Von jeher war die Seuche die Geißel der Menschheit, und immer kam sie im Gefolge eincz anderen Gesellen, dem Mord, Brand und Zerstörung in blutigen Runen aus der Stirne geschrieben stand, dem Krieg. Im Troß jenes entsetzlichen ZOjährigen Religionskrieges, in dem der Fanatismus entfesselter Kirchendogmatiker Millionen Men- seilen schlachtete und das deursche Land zur grauenvollen Wüste machte, kamen die finsteren Gesellen: Hunger und Seuchen. Cholera und Pest, in der primitiven sanitären Situation auf weit geringere Widerstände stoßend w'e heute, wo die eifrige Medizin unablässig Stein aus Slern zum Schutzwall aufträgt, wüteten furchtbar und deziniierten ganze Länderstrich«. Wer erinnert sich nicht mit Entsetzen jener Zeit, da die.schwarze Pest" erbarmungslos Menschen sonder Zahl zu Boden mähte und gerissene, intrigenocrtraute Spekulanten — ganz wie in den Inflationswirren bei uns— die verzweifelten und erbitterten Volksmassen als Blitzableiter auf die Juden lenkten und Zrhntausende dieser„Hepp-Hepps" aus den Scheiterhausen ver- brannten? Erwähnt sei auch jene unselige� Psychose der ßreuzzüqe, die Hundertlausende blühender Menschen aus dem Gewissen hat. Wieviel Heere, die kreuzgeschmückt zum Heiligen Lande zogen, wohl an Seuchen zugrunde gegangen sein mögen? Don manchen meldet uns die Geschichte, und wieviel verschweigt sie wohl? Seucheobekämpfung heute. Dhne Zweiiel hat die unablässig experimentierende Wissenschaft, die Altes, Errungenes bewahrte und Neues, Hypothetisches, Prü- fungcn umerzog, die Kraft dieses Naturunheils sehr stark schwachen, ober nicht brechen können. Auch in neuerer Zeit haben wir epidemische kalaslröphen größten Ausmaßes erlebt. Erinnert sei nur an die Seuchen der entsetzlichen russischen Hunger- und Berhunge- rungsjahrc. Bor mehr als 30 Iahren wütete in Hamburg, der stolze», reichen Seefahrcrstadt, die C h o l e r a in für unsere mittel- europäischen Verhältnisse glücklicherweise unerhört heftigem Maße. Tausende und aber Tausende starben, und es war kein Haus, aus dem sie nicht fast täglich die eiligst aus rohem Holz zusammengeschla- genen Ersatzsärgc trugen. Erkrankungen epidemischer Art in ge- ringerem Unifange sind auch heute nicht nur nicht ausgestorben. soirdern fast alltäglich. Erinnert sei z. B. an den Karlsruher pockensall. der, allerdings entgegen wilden Sensationsgerüchten, völlig auf seinen Herd beschränkt blieb, sowie die Sollnger und Aoklamer Typhusepidemien. Was sind es nun hauptsächlich für Krankheiten, deren Gefahr für uns heute noch akut ist? Wie sind ihre Merkmale und wie können wir uns gegen sie schützen? Unterleibstyphus. Es ist die Krankheit, die bei uns verhältnismäßig noch am häufigsten und im Massenumfang auftritt. Der Typhusbazillus, der diese schwere Erkrankung erweckt, erregt eine Allgeineininfeklion des Blutes und führt zur Erkrankung der Lymphgefäße, insbesondere im Derdauunaskanal. Der Unterleibstyphus äußert sich in schweren prechdurchfällen. die mit hohem Fieber verbunden sind und aufs gefährlichste schwächen. Ueberaus leicht ist die Gefahr der Znsckllon. Ausscheidungen der Erkrankten, vor allem auf Aborten usw., sind fast immer infektiös. Mancherlei sind die Gelegenheiten, die eine Ansteckung herbeiführen. Schon persönlicher Kontakt mit einem an Typhus Erkrankten birgt in hohem Matze Ansteckungsgefahr in sich. Man spricht von»Familien- und Hausepidemien". Weiterhin muß man Typhuserkrankungen sehr oft mit Wasserinseklion motivieren, ferner kommt eine Infektion durch bazillenoerseuchte Milch(in unge- kochtem Zustand getrunken, Solingen!) in Frage. Auch sonstig« Nahrungsmittelinfcttion sowie verunreinigte Wäsche sind in Betracht zu ziehen. Die staatliche Bekämpfung des Typhus ist nicht reichs- gesetzlich geordnet, sondern vielmehr der landesrcchtliäien Regelung überlassen. Nichtsdestoweniger ermöglichen die Zt; 55 ff. des Reichs- seuchengesetzes eine staatliche Ueberwachung der Trink- und Bewirk- schaftungswasser. Interessant ist, an Hand von Statistiken die Kurve der Typhuserkrankungen bzw. ihrer tödlichen Ergebnisse in den Jahren 1900— 1920 zu verfolgen. Die letzten vier Jahre fehlen in dem uns vorliegenden statistischen Material! Im Jahre 1900 starben im Gebiet des(vorkrieglichen) Deutschen Reiches an Flecktyphus: 6081 Personen, 1901: 5911. 1902: 3937. 1910: 2344. 1914: 5570. 1915: 6864(Höchstzahl!), im Jahre 1918: 4986 und 1920: 2739 Per- sonen. In dieser Statistik fehlt Mecklenburg, das aber mit seiner geringen Einwohnerzahl wenig ins Gewicht fällt. Eine Statistik über die Zahl der monatlichen Erkrankungen in Preußen in der be- handelten Zeitspanne erweist die interessante Tatsache, daß die ersten Herbstmonate in der Regel die höchstzahl der Typhusfälle aufzuweisen halten und wohl auch noch haben. Auf je 10 000 Lebende kamen in Preußen an Typhus Gestorbene: im Jahre 1888..... 2,31 ,. 1900..... 1,38 •,, 1914..... 0,90 . 1915..... 1,11 . 1919..... 0,74 Paratyphus. Der Paratyphus ist eine Abart des Unterleibstyphus, dem er zwar im Symptomatischen sehr ähnelt, von dem er aber doch durch aus zu trennen ist. In der Presse ist der Paratyphus vor kurzem� anläßlich der Erkrankungen in der Polizeisportschule' in Spandau behandelt worden.(Siehe den betr.„Vorwärts"- Artikel.) Wie beim Unterleibstyphus sind auch beim Paratyphus Bazillenträger vorhanden. Die Krankheit tritt sehr oft durch den Genuß schlechten oder rohen Fleisches, insbesondere Hacksleischcs, mr Die charakteristischen Merkmale des Paratyphus sind schwere Vergiftung und Brechdurchfälle. Die Ruhr. Die Ruhr ist eine infektiöse Erkrankung von außerordentlich starker Ansteckungsauswirkung, die sich durch eine Entzündung der Darmschleimhout und durch sie bewirkte blutige Entleerungen dar- stellt. Als Infektionsoermittler spielen Nahrungsmittel eine sehr erhebliche Rolle. Hauptübeltäter bei der Verschleppung der Ruhr- keime sind die Fliegen. Namentlich im Kriege nahm die Ruhr. in der Heimat wie vor allen Dingen an den Franken, eine ver- heerend« Ausdehnung an. Grund: die Infektion durch verunreinigte Trinkwasser und Nahrungsmittel. Im August 1917 ist das Höchstmaß der Erkrankungen erreicht. In diesem Monat starben 20 000 Men- schen an der Ruhr. Die Kurve geht dann wieder abwärts. In: August 1922 z. B. verstorben an Ruhr 600 bis 650 Personen(Höchst- zahl!). Was kann man gegen die Ruhr tun? Sauberkeit und noch mals Sauberkeit! Standesamtlich wurden Ruhrstcrbefälle im Jahre 1917 gemeldet: 1914..... 566 Personen 1917..... 17—581. 1920..... 5041 « Wir haben gesehen, daß 90 Proz. der ansteckenden Dolkslranl- heiten auf hygienischen und sanitären Mängeln basieren. Was ist die Forderung, die nicht dringend genug an die maßgeblichen Stellen gerichtet werden muß? Sorgt für menschenwürdige Zu- stände! Führt das Proletariat heraus aus den engen ungesunden Höfen und stickigen Stuben der Mietkasernen, führt es heraus aus den Krankheitsherden der Hinterhäuser! Schafft Abhilfe der Katastrophalen Wohnungsmisere! Es ist ein Skandal, der zum Himmel schreit, daß sechs-, siebentöpfige Familien in e i n e m Zimmer hausen müssen. Gleichzeitig als Wohn,- Schlafzimmer und Küche markiert. Hier sind die Brutstätten aller Krankheiten. Schafst Sonne, Licht und Sauberkeit! Dann werdet ihr die Verderber in zähem Kampfe niederringen können. Nur durch- greifende Reformen können hier helfen. Sonst werden alle Medi ziner der Welt trotz»heißen Bemühens" nur elende Quacksalber bleiben. verboten ist... Verboten ist... Der Leser wird mit so viel Verordnungen und Verboten geärgert, geplagt und gereizt, daß ihn jedes neue Verbot sicherlich nicht freundlicher stimmen wird. Aber es handelt sich ja hier nicht um ein neues Verbot. Er soll daran erinnert werden, daß ein hoher Rat am 25. Januar 1917, wo man schließlich nicht nur Kohlrübensorgen hatte, folgendes bekanntgab:»Verboten ist nameni lich das Hinwerfen von Ob st abfüllen aus die Straße, das Fallenlassen von Wasser auf die Straße bei dem Begießen von Blumen auf dem Balkon und auf den Fenstern, sowie bei den' Reinigen der Balkons." Nichts ist davon bekannt, daß dieses Verbat nicht heute aufgehoben wurde, wohl aber lehrt uns jeder Spazier- gang, daß das Hinwerfen und das hier so herrlich zum Ausdruck ge brachte»Fallenlassen" von Obstkernen und Wassertropfen in polizei widriger Menge nicht nachgelassen hat. Liebe Einwohner der Stadt Berlin, so geht das nicht mehr weiter. Schon in der frühesten Jugendzeit wird uns gelehrt:„was du nicht willst, daß man dir tu. das füg auch keinem andern zu." Aber jeder, der diese Zeilen liest, gc hört natürlich zu den Ausnahmen. Er spuckt keine Kirschstcine. Er findet kein sonderliches Vergnügen daran, seinen Weg mit Apfel Die Vaumwollpflücker. Roman von B. Traven. Oopviight 1925 hj B. Traven, Columbu«, Tamaulipo, Mexico. (Schluß.) Wir deponierten jeder unsere zwanzig Pesos, die Sam vor sich auf einen Stein legte und dann legte er selbst seine fünf Pesos Wetteinsatz hinzu. Sam schritt fünfundzwanzig Schritte ab und wir legten jeder ein langes Stück Holz an die Marken, die keiner der Kämpfer überschreiten durfte, wenn er nicht sofort fünf Pesos an den anderen verlieren wollte. Dann warfen wir die Speere aufeinander los. Zum Rückwerfen benutzte jeder den Speer des anderen. Bei dem flackernden, ab und zu qualmenden Feuer konnte ich Gon.zalo nur in Umrissen sehen und den Speer, wenn er auf einen zugeflogen kam. konnte man beinahe gar nicht sehen, denn rund herum war ja stockdunkle Nacht. Gleich beim zweiteiz Gang bekam ich einen Stich in die rechte Schulter. Sie können hier die Wunde noch sehen, Gale. Dabei zog er sein Hemd von der Schulter und ich sah den Stich, noch unoernarbt. Nach und nach kamen wir in Bewegung oder eigentlich in Aufregung. Ich bekam nach einigen weiteren Gängen noch einen Stich, der mir durch die Hose ins Bein ging. Aber ich kannte ganz gut aushalten. Wie lange wir warfen, weiß ich nicht. Aber weil keiner nachgeben wollte, wurde das Tempo immer rascher. Es kam so mittlerweile ein gutes Stück Wildheit in die Sache und jemand, der uns jetzt beobachtete hätte, würde niemals ge? glaubt haben, daß es nur ein Spiel fei. Vielleicht warfen wir eine Viertelstunde, vielleicht eine halbe. Ich weiß es nicht. Ich wußte auch nicht, ob ich Eon- zalo überhaupt schon einmal ernsthaft getroffen hatte oder nicht. Aber ich fing dann doch an, müde zu werden. Der Speer wurde mir bald so schwer als ob er zwanzig Kilo wiege und das Werfen wurde langsamer bei mir. Ich konnte mich bald kaum noch bücken, um den Speer aufzuheben und einmal wäre ich beim Niederbücken beinahe zusammengesunken. Aber ich hatte doch das Gefühl, ich darf nicht niedersinken, sonst kann ich bestimmt nicht mehr ausstehen. Gonzalo konnte ich nicht mehr sehen. Ich konnte über- Haupt nichts mehr sehen. Ich warf den Speer immer nur in der Richtung, in der ich ihn bisher geworfen hatte und wo Gon.zalo stehen mußte. Es wurde mir ganz gleichgültig, ob ich ihn traf oder nicht. Ich wollte nur nicht zuerst aufhören. llnd weil von drüben immer wieder der Speer kam, warf jch ihn eben immer wieder zurück. Plötzlich, als das Feuer einmal hell aufflammte, sah ii daß Gonzalo sich umdrehte, um den Speer zu suchen, der offenbar weit an ihm vorbei geflogen war. Er ging ein paar Schritte zurück, fand den Speer, hob ihn auf und als er sich mir zuwandte, um ihn zu werfen, sank er auf einmal so heftig in die Knie, als habe ihn jemand mit großer Wucht nieder- geschlagen. i Ich warf meinen Speer, den ich in der Hand hatte, nicht, weil ich froh war, ihn zu stellen und mich darauf zu stützen, sonst wäre ich umgefallen. Wenn Gon alo jetzt aufgestanden wäre und geworfen hätte, ich hätte meinen Arm nicht mehr heben können, um zu erwidern. Aber Gonzalo blieb in die Knie gesunken. Sam lief hin zu ihm und rief dann:„Jetzt habe ich meine fünf Pesos verlolen. Antonio, Sie haben gewonnen. Gonzalo gibt auf." Ich schleppte mich zu einer Kiste am Feuer, hatte aber nicht mehr die Kraft, mich drauf zu setzen. Ich sank neben der Kiste auf den Boden. Sam führte Gonzalo schleifend zum Feuer und gab ihm Wasser, das er gierig hinuntergoß. Ich sah jetzt, daß seine nackte Brust blutig war. Aber ich hatte für nichts mehr Interesse. Mir fiel der Kopf schläfrig auf die Brust und als ich gleichgültig die Augen ausschlug, bemerkte ich, daß mein Hemd und meine Brust ebenso voll Blut waren, wie die Gonzalos. Aber ich legte keinen Wert darauf. Es war mir alles egal. Sam brachte mir die vierzig Pesos und schob sie mir in die Hosentasche. Ich hatte das Empfinden, als ob das alles irgendwo in ganz weiter Ferne geschähe. Wie durch einen Schleier sah ich, daß Sam dem Gonzalo die fünf Pesos eben- falls in die Tasche steckte. So hockten wir wohl eine halbe oder eine ganze Stunde. Das Feuer wurde kleiner und kleiner. Da sagte Sam:„Jetzt lege ich mich schlafen." Und ich wiederholte dies« Worte, als wären sie meine eigenen gewesen:„Ja, jetzt lege ich mich schlafen." Ich sah, wie sich auch Gonzalo erhob und ebenso schwan- kend und sich festkrallend wie ich die Leiter zum Hause rauf- kletterte. Und als ich mich dort hingeworfen hatte und eben ein- dämmerte, hörte ich, wie Gonzalo sagte:„Wenn ihr morgen zeitig geht und ich bin noch nicht auf, braucht ihr mich nicht wecken. Ich will lange durchschlafen, ich bin furchtbar müde. Ich fahre ja doch nicht mit euch, ich habe ja kein Fahrgeld." Lange vor Sonnenaufgang stieß mich Sam an. Es war Zeit. Um acht Uhr abends mußten wir auf der Station sein, sonst verloren wir zwei Tage. Es war noch stockfinster. Ich konnte nichts in der Hütte sehen. Sah auch Gonzalo nicht, der noch fest in seiner Ecke schlief. Wir weckten ihn nicht, sondern ließen ihn ruhig weiter- schlafen. � Wir packten rasch unsere Bündel zusammen und als ge- rade der Tag zu grauen anfing, gingen wir. Ein paar Schritte weiter trafen wir den Indianer, der die Hühner kaufen wollte.— Ja, sehen Sie, Gale, das ist die Geschichte, die wahre Geschichte." „Ihr hättet Gonzalo an diesem Morgen auch gar nicht wach gekriegt," sagte ich. „Warum denn nicht?" fragte Antonio, die Wahrheit schon halb ahnend. „Weil er bereits tot war!"— „Aber das ist die Wahrheit, Gale. Wir können noch gleich jetzt zu Sam gehen, der weiß es auch." „Ist nicht nötig Antonio. Lassen Sie nur sein. Ich glaube es. Es ist die Wahrheit!" 19. Die Musik im Park hatte angefangen zu spielen. Die Ouvertüre zu Cavalleria rusticana. Da kam das wehmütige Motiv des Intermezzos. Klagend und weinend schwebten die Töne über den Plaza. Sie schlangen sich trauernd um die königlichen Palmen. Ich schloß die Augen, um die starren elektrischen Lampen nicht sehen zu müssen.. Aber ich sah Gonzalo auf dem Boden liegen. Vertrocknet. Ausgelöscht aus den Lebenden und Hoffenden. Seine Hand mit einem Knäuel roher schwarz verfärbter Baumwolle auf die Brust gepreßt. Die Baumwolle!— Antonio hatte mich offenbar eine Zeitlang schon angc- �sehen, ohne daß ich es bemerkte. „Warum weinen Sie denn, Gale?" sagte er da. „Halten Sie's Maul!" rief ich wütend.„Ich glpube Sie sehen Gespenster. Bilden Sie sich doch keine Dummheiten ein." Er schwieg. „Ach, diese verfluchte Begräbnismusik!" sagte ich ärger- lich.„Sollen lieber spielen„Der Graf von Luxemburg". Es ist ja alles fo lustig! Das ganze Leben ist so lustig! Begräbnismusik fiir die Toten! Für die Lebenden schnietternde Fanfaren! Kommen Sie, Antonio! Es ist Zeit. Wir müssen uns eilen zur Bäckerei. Seien Sie pünktlich! hat der Meister gesagt." sinen- Und Vananenschalen gelb zu pflastern. So werde jeder wenigstens zum Lehrer, zum Mahner und zum Prediger der anderen und verkünde: Es ist Sünde wider den heiligen Geist der Nächsten- liebe, Kirschkerne auf den Bürgersteig zu spucken, und es ist nicht an- ständig, derartige Manipulationen vom Dach eines Omnibusses oder vom eigenen Balkon aus vorzunehmen. Daß man vom Balkon aus auch nicht gerade sintslutähnliche Zustände beim Begießen der Blumen hervorrufen soll, besagt ja cuch schon das eingangs zitierte Verbot, das jeder, den es interessiert, im§ 142 der Berliner Straßenpolizei- ver�rdnung nachlesen kann. Und man wird zugeben, daß es sich hier um ein Verbot handelt, das an sich nicht natürlich wäre, wenn nicht so viele es gedankenlos oder aus übel angebrachter Bequemlichkeit überträten._ ,Slonka von Tfthaikoff.' Ein weibliches„Genie"! Vor der Ferienkammer des Schöffengerichts in Moabit hat sich eine Hochstaplerin zu verantworten, die manchen ihrer münn- lichen„Kollegen" in den Schatten stellt. Fortgesetzte Betrügereien. die allerdings große Anforderungen an die Leichtgläubigkeit der nun einmal nicht»alle werdenden" Opfer stellt, werden E h a r- l o t t e Walter, der Tochter eines anständigen Lederarbeiters, zur Lost gelegt. Wie ein Roman jener berüchtigten Zehnpfennighefte muten die Schwindeleien dieser Angeklagten an. In P a l e r m o oder in Rußland hätte ihre Wiege gestanden. Die Angeklagte liebt Abwechslung in ihren Aufschneidereien, sie weiß. ihre eirunden" lieben das Romantische. So nennt sie sich weiter Baronin Slonka von Tschaikosf, Witwe eine» russischen Baron» gleichen Namens, der in Hamburg durch Selbstmord geendet haben soll. Vorübergehend müsse die Baronin arbeiten und sei deshalb Angestellte der- russischen Handelsdelegation. Nun ist das Netz geschlossen, die dummen Fliegen werden schon kommen. Und sie kommen, die kluge Spinne hat eine reiche Auswahl! Der erste, der sich allzu willig sangen ließ, bezahlt« sein« Leichtgläubigkeit mit einer goldenen Uhr mit Kette, einem wertvollen Lud- w i g s r i n g, einer silbernen Zigarettendose und vielen baren Geldbeträgen, insgesamt ein Schaden von 2 0 6» Mark. Die Betrügereien wurden immer umfangreicher, die Walter erfand die unglaublichsten Dinge. In Holland war.Frau Baronin" kurze Zeit als Schauspielerin tätig, bei einem Konsul hat sie dort viel Geld als Depot gelassen, und in einem großen Hotel stehe ein wertvoller Koffer mit kostbarem Schmuck, zarte» Angebinden des Herrn Konsuls. Was die raffinierte Schwindlerin aber auch ersann, stets fand sie Gutgläubige, die der.interessanten Frau" mit vollen Händen Geld borgten. Aber auch in Berlin ist die„Gnädigste" selbstverständlich nicht ohne„Apartements".— in Wohnungen pflegen sich solche Baroninnen nicht wohl zu fühlen. In der Kant- straße oerwaltet ein Baron von Forell eme Fünfzimmerwohnung für sie. In ihrem bewegten Leben lernt die Walter ein Ehepaar kennen, dem sie zunächst die alten Lügen auftischt. Eines Tages kommt sie plötzlich in die Wohnung ihrer neuen Bekannten und bittet um Aufnahme, da sie krank und.zufällig ohne Logis sei. Als Dank für die erfolgte Gastfreundschaft liefert die Angeklagte prompt weitere Fortsetzungen ihres Romans. Jetzt kommt Wien an die Reihe, wo sich noch umfangreiche Besitzungen ihres verstorbenen Mannes befänden, die durch ihre gräfliche Schwieger- mutier verwaltet würden. Das Ehepaar bezahlt für die„Neu- erscheinungen" in Summa 7 00 Mark. Wieder einmal braucht „Slonka von Tschaikosf" dringend Geld, um zu verhindern, daß die Gebeine ihres verstorbenen Kindes auf dem Tegeler Friedhof exhumiert würden!— Jedes weitere Wort über derartig freche Schwindeleien würde sich in der Tat erübrigen, wenn man nur wüßte, worüber man den Kopf schütteln muß! Ueber die Betrügerin oder über die Betrogenen! Man wundert sich, wenn einfache Leute vom Lande in der Nähe der Großstadtbahnhöfe immer wieder auf die Bauernfänger hereinfallen! Die Geschädigten der Walter alias Baronin Slonka von Tschaikosf gehören durchweg den gebildeten Ständen der Großstadt an....!! Charlotte Wolter wird vom Gericht zu 1 Jahr und 9 Monaten Gefängnis ver. urteilt, zwei Monate werden auf die Untersuchungshaft angerechnet! Autobus und Feuerwehr. Der Zusammenstoß eine» Autoomnibus der Linie 10 mit der Feuerwehr, der sich am 13. Mai nachts zwischen 1 und 2 Uhr in der Königstraße bei der Kreuzung der Poststraße ereignete und bei dem der Autobus umstürzte, hatte gestern sein g e r i ch t- liches Nachspiel in Form einer Anklage gegen den Führer des Autoomnibusses, Rauten bera, der sich vor dem Schöffen- Gericht Mitte unter Vorsitz von Amtsgerichtsrat K e t t n e r wegen Körperverletzung zu verantworten hatte. Die Feuerwehr kam von der Poststraße, während der Autobus aus der Richtung der Kur- fürftenbrücke die Königstroße hinunterfuhr. Der Angeklagte bestritt jede Schuld. Er behauptete, daß es ein alter Wagen gewesen sei und daß der Motor auf dem Pflaster ein so st a r k e s G e r ö u s ch gemacht habe, daß er die Signale der Feuerwehr aus der Poftstraße nicht habe hören können und die Feuerwehr erst gesehen habe, als sie in der Höhe der Königstraße war. Im letzten Augenblick habe er links ausweichen wollen, fei dann aber gepackt worden. Die vernommenen Feuerwehrleute schieben dagegen dem Angeklagten alle Schuld zu. Nach ihren Angaben habe die Feuerwehr, wie üblich, dauernd Signale gegeben, die unbedingt gehört werden mußten. Auch eine Reihe von Augenzeugen ist der Meinung, daß die Schuld in erster Linie bei dem Angeklagten zu suchen sei. Er hat die Halte- stelle an der Kurfürstenbrücke überfahren und fuhr in so schnellem -Lempo, daß er den Wagen nicht mehr zum Halten bringen konnte: daher sei sein Bestreben gewesen, noch schnell an der Feuerwehr vor. bei zu kommen, weshalb er links ausbog. Der Autoomnibus war zwar ein älterer Wagen, soll aber kurz vorher repariert worden und in gutem Zustande gewesen sein. Es wird auch bestritten, daß ein so starkes Geräusch war, daß die Signale der Feuerwehr nicht ge- hört werden konnten, da sich an jener Stelle Asphaltpflaster befindet und die Straßen um jene Zeit ruhig waren. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten Rautenberg wegen fahrlässiger Körper- Verletzung zu 3 Monaten Gefängnis. Das Gericht hatte dem Angeklagten nicht widerlegen können, daß er die Signale der Feuer- wehr nicht gehört habe. Dies wird gewissermaßen unterstützt durch Zeugen, die im Innern des Wagens gesessen haben und die Klingel- zeichen ebenfalls nicht gehört hatten. Auch das Verhalten des An- geklagten an der Straßenkreuzung, indem er links abbog, ist nicht unsachgemäß gewesen. Dagegen war die Fahrlässigkeit in '.bin« m Verhalten bis zur P o st st r a ß e vorhanden. Wenn er bei dem dritten Gang des Motors nichts hören konnte, wie er an- gab, mußte er sich besonders vorsichtig der Straßenkreuzung nähern und die Geschwindigkeit so einrichten, daß er den Wagen sofort zum Stshsn bringen konnte, weil die Wagen von rechts die Vorfahrt hatten. Er hatte sich aber nicht darauf eingerichtet, sondern ist darauf losgefahren, weil es seine letzte Fahrt war und er nach Hause kommen wollte. Das ist seine Fahrlässigkeit. Das Ver- schulde» ist nicht allzu groß gewesen, aber immerhin war der Schaden erheblich. Durch das Urteil müßten die Chauffeure Berlins endlich zur Besinnung kommen, daß die Straßen auch für Leute da sind, die nicht Auto fahren. Da? Gericht bewilligte dem Verurteilten Bewährungsfrist. Ter Leichenfund im Grunewald aufgeklärt. Der Tote, der im Grunewald gefunden wurde, ist von feiner Mutter, ferner Schwester und seiner Braut an den Kleidungsstücken und den Sachen, die man bei ihm fand, als ein 22 Jahre alter Kaufmann Erich W'eSner aus der Mommsenstraße zu Cbar« lottenbnrg erkannt worden. WieSner trug sich schon länger mit Selbstmordgedanken, weil er an einem unheilbaren Hals« leiden krankte. Am 30. Juni machte er mit seiner Braut noch einen Ausgang. Wahrscheinlich hat»r sich bereits am nächsten Tage im Grunewald erschossen. der �Kronprinz voa kurülstan''. Aus dem Leben eines internationalen Schwindlers. Seit Juni d. I. verkehrte in den Berliner Kreisen ein gern ge- sehener Gast, ein Ausländer von etwa 30 Iahren, der sich für einen Sohn des„Emirs von Kurdistan" ausgibt und es sich auch gern gefallen läßt, daß man ihn in Berlin„Kronprinz von Kur- diftan" nennt und als solchen behandelt und feiert. Der Mann trägt eine schöne türkische Uniform mit knallrotem Kragen und Acrmel- aufschlügen, in der er, ziemlich groß und sehnig von Gestalt, recht stattlich aussieht. Sein Haupt schmückt der rote Fez, die Achseln ganz breite golden« Achselslücke, die Brust ein großer türkischer Orden am Bande und zahlreiche andere Orden, die aufgesteckt sind. Tadellose lange rotbraune Schaftstiefel mit goldenen Sporen umschließen die schlanken Beine. Der„Kronprinz von Kurdistan" wohnte zunächst in einem vor- nehmen Hotel und zuletzt in einem Privatlogis in der Mittelstrah«. Er oerkehrt« viel In den Vorhallen der ersten Hotels. Er reiste ober nicht rein zum Vergnügen. In Berlin oersuchte er vielmehr, eine Filmexpedition nach seinem Heimatlande zustande zu bringen. Zu diesem Zwecke wandte er sich an mehrere Gesellschaften. Ein« solche Expedition nach dem interessanten Lande und unter der Pro sowie alle im Wohnungswesen tätigen Genossen! Freitag, den 17. Juli 1925, abends 7'/, Uhr. im.Gewerkschaftshaua". Engelufer 24 Wichtige Versammlung Tagesordnung: 1. Zölle, Steuern ond wohnnngswucher. Referent: Minister o. v. Genosse Lipinsti. 2. Anträge znm Bezirkstag und Parteitag.— 3. Verschiedene«. Bezlrksmieleransschuß der Spv. tekrion des„Kronprinzen" mußte eigentlich reizen. Aber es scheint doch, daß das Unternehmen nicht in Gang kommen will. Bestimmt weiß man nur, daß der„Kronprinz" zunächst einmal versuchte, auf die Expeditton einen Vorschuß von 10000 Mark zu be- kommen. Wie die Sache augenblicklich steht, weiß man nicht recht, die Verhandlungen scheinen stch alle zerschlagen zu haben. Vorläufig haben nun die Abteilungen I A und IV des Polizeipräsidium» Veranlassung gefunden, sich den.Kronprinzen" näher anzusehen und ihn deshalb in Gewahrsam zu nehmen. Es besteht nämlich der be- gründete Verdacht, daß er niemand anders ist als ein Schwind» l e r. mit dem sich früher schon die amerikanischen und englischen Behörden beschäftigt haben. Im Jahre 1921 trat in Washington ein vornehmer Kurde unter dem Namen.Major Domo" als Be- vollmächtigter einer Prinzessin Fatimah auf, die er begleitete. Das Paar erregte erhebliches Aufsehen und verkehrte in der vornehmsten Gesellschaft. Di« Prinzessin fiel besonder» durch einen riesigen Brillanten auf. den sie als Schmuck an einem Nasenring trug. Sie wurde für eine echte Prinzessin gehalten und mit ihrem Bevoll» mächtigten auch im Weiße» Hause vom Präsidenten Harding empfangen. Das Paar war geradezu eine Sen- fation. Bei der Abreise aber haperte es mit"der Bezahlung der Schulden. Die große Verehrung hindert« die praktischen und nüchternen Amerikaner nicht, auf Zahlung �u bestehen, und weil bares Geld nicht oder wenigstens nicht genügend vorhanden war, so mußle Faiimah ihren Riesenbrillanten opfern und zum Pfände lassen. Im März 1923 tauchte.Major Domo" als Prinz von Kur. diftan In London auf, stieg im Savoy-Hotel ab und mietete eine Zimmerflucht für 200 Mark den Tag. Geld sollte sein Sekretär mit- bringen, der in einigen Tatzen nachkommen werde. Der kam aber nicht, und so konnte der Prmz nicht bezahlen. Er sah sich genötigt, auszuziehen, siedelte nach dem Hyde-Park-Hotel über und berief sich hier auf den türkischen Botschafter, jedoch ohne Erfolg. Es gelang ihm nur, von einem Privatmann 1000Markzuborgen. So befaßte sich denn Scertland Pard mit ihm, und das Ergebnis waren 6 Monate schweren Kerkers. Die englische Polizei stellte den Mann als einen damals 23 Jahre alten Aegypter Said M o h a m e d K a k e l o fest und ermittelte, daß er während feines Londoner Aufenthalts tagsüber in East End bei Schneidern Hosen gebügelt hatte. Abends aber hatte er sich in feiner �pomphaften Uniform in der Gesellschaft und aus den Dielen der Hotels gebührend bestaunen und fetern lassen. Dieser Zwischenfall und der unrühmlich« Abgang aus Washington hinderten ihn aber, nachdem die Engländer ihn deportiert hatten, nicht, in New York den außerordentlichen Gesandten von Kurdistan zu spielen und wieder in den vornehmsten Kreisen zu verkehren und abermals reichlich Schulden zu machen. Als außerordentlicher Ge- sondier ging er dann sogar auch nach Washington zurück und traf Anstalten,.seinen Freund, den Staatssekretär Hughes" persönlich zu besuchen. Dieser hörte aber rechtzeitig von den Borbereitungen und erkundigte sich näher nach dem Manne. Da erinnerte man stch denn seines früheren„Gastspiels" und statt zum Staatssekretär wanderte der außerordentliche Gesandte aus«In paar Monat«"nach S i n g- S i n g. Don dort entlassen, wandt« sich der„Kronprinz von Kurdistan" im März 1924»ach Liverpool, wo er großartig empfangen wurde. Es dauerte aber nicht lange, da wußte man von London her, mit wem man es zu tun hatte und schob den Mann als lästigen Ausländer ab. Jetzt prüft man in Berlin, ob der.Krön- prinz von Kurdistan" jener Schwindler ist. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer. Die Zahl der deutschen Rundfunkteilnehmer, die am 1. Juni 33i6i7 betrug, ist immer noch im Steigen begriffen, so daß man für den Herbst mit einer Teilnehmerzahl von einer Million rechnen kann. Die bei weitem meisten Teilnehmer zählt der Sendebereich Berlin mit»48 724 Hörern, dann folgt Ham« bürg mit etwa 113 000, Leipzig mit etwas über lÖOOOO, München mit rund 90000, Frankfurt a. M. mit V48t0, Breslau mit 47 000, Münster mit 27 000. Stuttgart mit 2681k und K ön i g s b erg mit nicht ganz 1k 000 Teilnehmern. Die tägliche Zunahm« betrug im Mai 600 Neuonmeldungen. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 16. Juli. Außer dem üblichen Tagesproprcm®: S— 6.30 Uhr abends: Nachmitta(f8�onzer* der Borlioer Punk- kapella. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Dr. med. B. Hirscbfeld:.Hygiene dei Halses, der Na�e und der Ohren". 3. Vortrag..Das' Ohr und seine Hygiene". 7.30 Uhr abends: Reg.-Rat Dr. Friedrich Zacher:„Speioner- und Haus- haltssohtdlinga und ihre Bekämpfung". 6 Uhr ahands; Hnns- Bredow-Sohuje(Bildungskurse). Abteilung Technik. Dipl.-Ing. J. Arend:.Wie gewinnt man Eisen". 8.30 Uhr abends: Volkstümliches Konaart Dirigent: Georg Sz4U. 1. L. Spohr: Kontert Nr. 8(in Form einer Gesangsszene)(Maurits van den Berg, Violine). 2. Bizet: Blumenarie ans der Oper„Carmen"(Maroei Nog. Tenor). 8. Bizet: Arie der Micaela aus der Oper„Carmen"(Asta r. Oppeln- Bronikowski, Sopran). 4. Bizot: Duett Micaela und Jos4 aus der Oper„Carmen"(Asfa v. Oppeln-Broiiikowsk: und Marrel-KoS). 6..Mozart: Seronade D-Dur(Orchester). Berliner Funkorchester Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnaohricbten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Füm- dienst. 10.30— 12 Uhr abends: Tanamusik. Der Wunöeröoktor. „Hypnotische Fernkuren." Ein umfangreicher Kurpfuscher- und Betrugsprozeß begann vor dem Schöffengericht Schöneberg. Die Anklage richtete sich gegen den Tischler Oswald Siemann, der sich den Doktortitel beigelegt hatte und seine Wunderkuren für alle möglichen Krankheiten in Ankündigungen anbot. Er nannte sich Homöopath und Arzt. Seine Ausbildung bestand nur in einem einmonatigen Privatkursus bei einem Homöopathen. Da er in seinen Ankündigungen durchblicken ließ, daß er über unfehlbare Mittel gegen gewisse Erkrankungen verfüge, hatte«r ganz besonderen Zuspruch aus Frauenkreisen, die Rat und Hilfe verlangten, wenn ihnen ein bestimmter Unfall passiert war. Seine Kuren nahm er auch brieflich vor. Er empfing aber auch seine Berliner Patientinnen in seinem Sprechzimmer in Reu- kölln, das nach Art eines Frauenarztes mit einem Unterfuchungs- stuhl und mit einer elektrischen Lustbrücke ausgestattet war. Das mit Sicherheit wirkende, seil 20 Jahren glänzend bewährte Mittel „Fralienwohl" bestand in Teepuloern und einer braunen Flüssigkeit. Der Zuspruch war so stark, daß im Jahre Taujende von Leuten die Hilfe des Homöopathen in Anspruch nahmen. Wie die im Ermittlungsverfahren vernommenen über 400 Zeugen angegeben hatten, vertrauten sie auf den Doktortitel und glaubten, daß sie es mit einem Arzt zu tun hatten. Der Angeklagte bestritt, seine Patientinnen untersucht zu haben und wollte die Krankheiten nur durch.Augendiagnose' sestgestellt haben. Bei den Fern- behandlungen will er mit. Hilfe der Hypnose gewirkt haben, da es sich um ausnahmslos«ingebildete Kranke gehandelt habe. Die Dertcidi- ger beantragten, Ge'heimrat Bier als Sachverständigen zu ver- nehmen, der bekanntlich ein Aufsehen erregendes Buch über die Homöopathie geschrieben habe. Die Bernehmung des Angeklagten ließ eine gewisse Tragik in seinem Lebensschicksal zutage treten. Siemann, letzt ein bald 50 Jahre alter Mann, war in seiner Jugend gestrauchelt und hatte«ine längere Strafe erhalten. Als er diese verbüßt hatte, kam er mit ernsten Besserungsabsichten ins Leben zurück. Er bemühte sich auch, ein ordentliches Leben zu suhren und erlangte durch Fleiß und Sparsamkeit eine gute Stellung, zunächst als Zeichner für ein Architekturbureau. So hat er die Entwürfe für den Innenausbau des Landgerichtsgebäudes zu Hirschberg in Schlesien und für eine Oberrealjchu'e gemacht. Er wurde dann Mitinhaber einer Möbelfabrik, die ober infolge des Krieges in Konkurs geriet. Daraus errang er sich wieder eine gute Stellung. verlor sie aber, als er für das Amt eines Schöffen berufen wurde und seine Vorstrase dabei herauskam. Eine Erfindung auf dem Gebiete der gebogenen Möbel verhieß ihm eine glückliche Zu- kunft, aber die Geldleute zogen stch immer wieder zurück, wenn ihnen leine Vergangenheit bekannt wurde. Das brachte ihn auf den Ge- danken, seinen Namen zu verschleiern, und er legte sich den Doktortitel bei. Auf diesem Wege heiratete er einmal auch als Doktor, damals noch„Dr. ing.", später ober verlegte er sich aus die Kurpfuscherei und kam dann nach längerer Pause von neuem mit dem Strafgesetz in Konflikt. Die Verhandlung wird dos Schossen- gericht längere Zelt in Anspruch nehmen. Als die Sorge» kamen... Da» recht schwere Vergehen der Amtsunterschlagung wird dem erst 27jShritzen Magistratsinspektor Harry K. zur Last gelegt. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte muß er sich deswegen verantworten. Das Schicksal hat dem Angeklagten bös« mittzespielt, seine anerkannte Tüchtigkeit und außerordentliche Fähigkeit habe ihn zu früh an«inen Posten gestellt, dessen Versuchungen K. in bitterer Not zum Opfer gefallen ist. K. ist der Sohn hochachtbarer Leute, die ihren begabten Jungen den Besuch eines Gymnasiums ermöglichten. In dem Beamtenoeruf, dem sich der Angeklagte wid- mete, leistete er Hervorragendes und wurde früh zum Magistrats- infpektor ernannt. Eine weitgehende Selbständigkeit in der Abtei- lung für sozial« schulärztliche Fürsorge wurde ihm zuin Verhängnis. Als über K., der sein« Mutter und die stellungslose Verlobte unter- stützte, schwer« Sorgen hereinbrachen, ließ er sich verleiten, Gelderzu unterschlatzen, die er an Aerzte oder Schwestern anzuweisen hatte. Erst auf eine Anzeige von dritter Seite hin werden die Veruntreuungen entdeckt und dem Gericht übergeben, K. wird vom Dienste suspendiert. Seine Braut begeht Selbst- m o r d, der Angeklagte ist der Verzweiflung nahe. Noch einmal rafft er sich auf und erkämpft sich mit zäher Energie ein» neue Stellung, er wird Geschästssührcr einer Werst. K.s crsle Tat ist ein Gesuch an den Magistrat, seine Versehlungen zu entschuldigen und da» feste Versprechen, in monatlichen Raten von S00 Mark die unterschlagenen Gelder zurückzuerstatten. Das Gesuch bleibt ohne jede Antwort! Das Gericht glaubt dem Angeklagten feinen guten Willen und läßt Milde walten, die Strase lautet auf acht Monate Gesängnis und Aberkennung der Fähigkeit,«in öffentliches Amt zu bekleiden, auf die Dauer von drei Iahren.— Hat sich aber an verantwortlicher Stelle im Magistrat kein Mann gesunden, der frei von bureaukratischen Bedenken sich sagen mußte, daß hier ein Menschenleben vor dem Gefängnis zu retten war? Ist Bestrafung auf jeden Fall die einzig mögliche Antwort auf eine ehrliche Reue gewesen.<>.. 7 Ohne ein Wort deS Dankes! An einem der letzten Sonntage herrsckie am Grunewalds«« wieder einmal lebhafter Badebetrieb. Plötzlich erschallten laute Hilferufe, allem Anschein nach aitS dem dichten Schilf hetauS, dc>S den Ausblick auf den See verdeckle. Der Student der Lehr- und FotschungSanstalt für Gartenbau in Dahlem Karl Schneider sprang sofort in« Wasser, bahnte sich, zunächst durch den Sülamm watend, mit aller Krait einen Weg durch da« dichte Schilf lind entschwand dann den Blicken der am Ufer stehenden Menge. Einige- junge Leute eilten ihm nach, und nach wenigen Minuten kehrten sie zurück mit einer Dame, die beim Schwimmen zwischen Schlingpflanzen geraten war. sich nicht wieder zu befreien vermockle und bereit« da« Bewußtsein verloren halte. ES gelang den ver- einten Bemühungen deS Lebensretters iind anderer hilfsbereiter Menschen, die.BesinnungSlose wieder in« Leben zurückzurufen. Sie bat sich dann— ohne ihren Namen zu nenne» und ohne ein Wort de» Dante«— entfernt. Wetter(fit Berlin und Umgegend. Warm und heiter, später Gcwilter- neigung.— Jflt Ventschland. Strichweise Gewitter, überall warm. Fahrplanverbefferung im Berliner Nahverkehr. Wie die Reichs zentrale für Deutsche Verkehrswerbung mitteilt, hält der Zug ab Werneuchen 6.42 vorm., an Berlin, Wriezener Bahnhof 7.40 vorm., vom 1. August ab in Magerviehhof um 7.25 vorm. zum Einund Aussteigen an. Der Fahrtartenverkauf erfolgt durch den Zugführer. Die Bahnsteigfperre ist besetzt. Noch ein ausländischer Probeautobus. In den nächsten Tagen foll ein amerikanischer Autobus dem Verkehr übergeben werden. Die Karofferie des Wagens ist auf einem amerikanischen Untergestell nach amerikanischem Muster in den Werkstätten der Aboag erbaut worden. Dieser neue Wagen ist etwas schmaler als der Londoner, bietet aber durch eine bessere Anordnung der Plätze mehr Raum für die Stehplähe. Das Verdeck ist überdacht. Unten befinden fich 16 Siz und 10 Stehpläge und oben 24 Sitzpläge. Das amerikanische Modell hat dem bereits in Berkehr stehenden Londoner Wagen immerhin einige bedeutende Vorteile voraus. Er wollte fich rächen! Am leßten Sonntag herrschte in der Sachsenstraße in Niederschönhausen große Aufregung. Ein Frl. M. gab auf den Bruder ihres Berlobten S. mehrere Schüsse ab, die diesen schwer verletzten. Der frühere Verlobte der M. war auf deren Veranlassung wegen Meineids zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt worden, die er gegenwärtig verbüßt. Sein Bruder wollte sich am Sonntag abend an Frl. M. rächen. In der Notwehr gab sie mehrere Schüsse ab, an dessen Folgen der Schwerverletzte gestern im Pankower Kreiskrankenhaus verstarb. 22 Personen an Fleischvergiftung geftorben. London, 15. Juli.( TU.) Einem Exchange- Telegramm aus Madrid zufolge sind in dem Dorfe Garvajales, in der Nähe der Stadt Zanora, auf dem rechten Ufer des Flusses Duro 22 Per jonen infolge von Fleischvergiftung gestorben. Zahlreiche andere liegen noch barnieder. Zwei ganze Familien sind umgekommen. Sämtliche Mitglieder von zwei anderen Familien liegen ernstlich frank darnieder. " Zuverlässige" Buchhalter. Wie aus Rattomiz gemeldet wird, ist bei einer Revision der Lohnliften auf der Deutschlandgrube der Revisor auf große Unregelmäßigteiten gestoßen. Wie verlautet, haben die Buchhalter in der Schichtmeisterei in die Lohn listen höhere Beträge eingeschrieben, als der tatsächliche Verdienst der Arbeiter betrug, und dann bei der Einbeutelung der Lohnbeträge die mehr eingeschriebenen Beträge einbehalten. Es soll ein Fehl betrag von 300 000 31otn festgestellt worden sein. Die sechs Buchhalter find sofort entlassen, und die Angelegenheit ist der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Auch auf den Blücherschächten, die derselben Gesellschaft gehören, sollen ähnliche Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein. Die Haffkrankheit, Wie der Amtliche Breußische Bressedienst einer Uebersicht des Ministeriums für Boltswohlfahrt entnimmt, ertranften in den Regierungsbezirken Königsberg und Marienwerder in der Woche vom 31. Mai bis 6. Juni 19 Personen an Hafftrantheit, zmei Personen starben. Als unsicher werden 13 Erfrankungen bezeichnet. Die Woche vom 7. bis 13. Juni vermerft sieben sichere und drei unsichere Erkrankungen ohne Todes fälle; vom 14. bis 20. Juni erkrankten 12 Personen, eine Person starb. Flugzeug und Rotorschiff auf hoher See. Das Rotorschiff Budau begegnete fürzlich bei seiner nächtlichen Rückfahrt von Stockholm nach Deutschland 10 Meilen vor Bornholm dem die regel mäßige Nachtpostlinie Berlin- Stockholm befliegenden Junkers- Flugzeug. Als das Flugzeug aus dem nächtlichen Dunkel die Umrisse des Rotorschiffes fichtete, umflog es in zwei Ehrenrunden das jüngste Wert deutscher Technik und wurde seinerseits von den an Bord befindlichen Passagieren mit Winken und Zurufen begrüßt. Telephonverbindung Berlin- Condon. Wie uns aus London gemeldet wird, ist eine holländische Firma damit beschäftigt, Pläne und technische Vorbereitungen für die Anlage eines Telephonlabels zwischen Deutschland und England auszuarbeiten. Inner halb Jahresfrist foll ein direkter Telephonverfehr zwischen Berlin und London hergestellt sein. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin 6. 68, Lindenstraße 3, Morgen, Freitag, den 17. Jufi: 3. Abt. 7% Uhr Gigung der Funktionäre und Funktionärinnen im Lokal Krüger, Engelufer 23. 20. Abt. 7% Uhr Funktionärsigung bei Fritsch. 75. Abt. Wannsee. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Reichsabler, KönigStraße. Thema: Die politische Lage. Ref.: Genosse Jubrian. 95. Abt. Neukölln. 7% Uhr Sigung aller Abteilungsfunktionäre bei Gürtler, Brinz- Handiern- Straße 34. Erscheinen bringend notwendig. 124a Mahlsdorf- Güb. Frauenabend 8 Uhr im Lotal Diek, Uhlandstraße 18. Jungsozialisten. Gruppe Norden: 7½ Uhr im Bebigenheim, Schönstedtstr. 1 Allerlei Buntes. ( Jugendheim), Arno- Holz- Abend". Interessierte Partei- und Jugendgenossen find herzlich willkommen. Gruppe Schöneberg: Heimabend 8 Uhr Rubenstraße( Bolkstanzraum). Arbeitsgemeinschaft: Das römisch- deutsche Raifertum. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 14. Abt. Am 11. Juli verstarb unfer after Genosse, der Restaurateur Mag Start, Butbufer Straße 14. Cinäscherung Freitag, den 17. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Arbeitersport. Der Burger Ballspielklub schlägt Stralan. Der Auftakt zu dieser Beranstaltung war vom Sportverein Stralau mit Jugend- und Schülerspielen bedacht, die auch den gebührenden Anklang fanden. Um 2 Uhr beginnt die 2. Jugendmannschaft das Programm gegen eine starte Mannschaft von Astania( I). Das Resultat lautet 5: 0 für Astania. Nun folgt Stralau 1. Jugend- BSB. 22. Bom Anstoß an ein flottes Spiel, bei dem Stralau überlegen ist. Doch die Berteidigung von BSB. ist nicht zu durchbrechen. Erst in der 22. Minute gelingt es, einen schmach abgewehrten Ball durchs erste Tor zu bringen. Das Spiel ist nun offen. Die rechte Seite von BSV. ist mehrmals gut durch, die Mitte aber nie rechtzeitig am Ball, so daß der Torwart immer noch rettend eingreifen tann. Nach der Bause wird das Spiel noch flotter; Stralau fann fein zweites Tor erzielen. Ein Spiel, recht geschaffen, um neue Anhänger für unseren Sport zu gewinnen. Das nun folgende Schülerspiel Stralau gegen BSV. sah die fleinen Stralauer wieder in Front, die ihr elftes ausgetragenes Spiel fiegreich gestalten fonnten. Fünfzehn Minuten nach 5 Uhr betritt der Burger Ballspielflub, lebhaft begrüßt, den Play. Stralau, das feine Mannschaft seit dem Dresdner Spiel nie richtig beisammen hat, tommt auch wieder mit Erjab. Bom Anstoß an tommt Burg gut vor, doch der linke Verteidiger( Ersag) leistet gute Kopfarbeit, wodurch er auch im ganzen Spiel auffällt. Krasse Gegensäge in der Spielweise fallen auf. Bei Stralau das falsche, halbhohe Spiel. Die Stürmer stellen sich nicht. Wenn es glückt, dann gibt es rasenden Flantenlauf und Einzelgänge, eine Taftit, die bei einer guten Deckung stets abprallen muß. Burg hat somit einen Borteil, der ihm auch in der 20. Minute den ersten Erfolg bringt. Lintsaußen paßt zum Halben, der scharf aufs Tor schießt. Der Torwart schlägt den Ball herunter, doch der Ball springt hinter dem Pfosten ins Tor. Stralau stellt um und gestaltet das Spiel jezt offen. Stralaus Mittelläufer, der beste Spieler auf dem Felde, bringt den Ball immer wieder nach porn. Der linte Flügel von Burg bringt den Ball gut vor, Mittel nimmt auf, der Verteidiger tann nicht zurüd spielen und der zweite Ball sizt im Neh. Mehrere Torgelegenheiten gehen vorüber und dann kam der Schluß eines guten Spieles, aus dem man nur Lehren ziehen kann. Der Schiedsrichter waltete seines Amtes zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten. Sportleiterkampf des Freien Reglerbundes. Am bergangenen Sonntag trafen sich auf den Bahnen von Bielich, Wiener Str. 10, die Sportleiter eines jeden Slubs aus dem Bezirk Often des Freien Reglerbundes zu einem Herausforderungskampfe über 800 Kugeln. Der Herausforderer war Regelbruber 2ach vom Klub Bordered. Trotzdem die Bahnen schwer zu nehmen waren und das Stugelmaterial zu wünschen übrig ließ, wurden dennoch gute Resultate erzielt. Die besten Leistungen und Preise erzielten: 1. E. Haafe( Alter Stamm) 2103 Holz; 2. Sagedorn( Boruffia) 2076 Holz; 8. Schmidt( Immer feste druff) 2061 Sola; 4. Blageng( Harmonie 21) 2057 Sola. Der starte Besuch aus Reglertreisen bewies, welches hobe Interesse man diesem Kampfe entgegenbrachte. Der Kampf selbst, ber in schneller Folge bor fich ging, endete mit dem Resultat, daß jeder Stegler nur eine für Groß- Berlin Stunde 10 Minuten zu den 300 Rugein benötigte. ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten Bezirksvorstand. Die nächste Sihung des erweiterten Borffandes findet aus nahmsweise Montag, den 20. Juli, abends 6 Uhr, im Konferenzjimmer der Borwärts"-Redaktion, Lindenstr. 3, statt. Beratung der Abänderungsanträge zum Statutenentwurf. Heute, Donnerstag, den 16. Juli: 70. Abt. Wilmersdorf. 8 Uhr fehr wichtige Funktionärversammlung bei Kroihs, Holsteinische Straße 60. Der Kreisvorstand ist hierzu eingeladen. 86. Abt. Mariendorf. Die Bezirksführer holen die Flugblätter bei Niendorf ab. 94. Abt. Reukölln. 8 Uhr Nogatstraße 11/12. Referat des Genoffen Buttkamer: Theorie und Brazis. Die Furcht vor Schmerzen nach dem Essen! Bielleicht noch schlimmer als die eigentlichen Schmerzen bei der Verdauung ist deren Erwartung, das Bewußtsein, daß nach dem Genuß bestimmter Gerichte( immer solcher, welche man besonders gern hat) unweigerlich Schmerzen folgen werden! Dieses Gefühl ist ebenso unnötig, wie die Schmerzen selbst, denn ein halber Teelöffel Biferirte Magnesia" nach dem Essen verhütet Verdauungsbeschwerden! Wenn die Schmerzen schon da sind, können Sie sie mit Hilfe von etwas Biserirte Magnesia" lindern, welche die Ursache der Störung beseitigt, indem sie die überschüssige Säure neutralisiert, die vor handen sein muß, wenn sie Schmerzen fühlen. Biferirte Magnesia" hat Magenleidenden seit Jahren Erleichterung verfchafft, und im Laufe der Zeit überzeugt man sich immer mehr, daß es ein gutes Mittel ist, um Verdauungsstörungen, Dyspepsie und Magenbeschwerden aller Art zu vertreiben! Holen Sie sich noch heut eine Flasche aus der Apotheke, nehmen Sie davon nach Vorschrift ein, und Sie werden empfinden, daß der Schmerz verschwindet! Biserirte Magnesia wird zu M. 2 die Flasche verkauft. Biferirte Magnesia hat folgende gufammenſegung: Wismutsubkarbonat 4,5, 25% Magnesium perhydrol 15,0, 2faches tohlenfaures Natron 15,0. Wenn Sie Biferirte Magnesta bei Ihrem Apotheker nicht haben können, schreiben Gie an das General depot C. F Asche& Co., Hamburg 19, Pinnebergerweg 22/24 Arbeiter- Rabfahrer- Bund Colibarität", Ortsgruppe Berlin. Touren für Sonntag, den 19. Juli. 1. Abt.: Kloster Chorin, früh 4 Uhr. 12 Uhr: Bichels werder, Freund. Start Bülowstr. 55. 2. Abt.: 5 Uhr Stienisfee. Start Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Damsmühle. Start 5 Uhr Laufiger Plaz. Bei fchlechtem Wetter nachmittags 1 Uhr am Start. 5. bt.: 5 Uhr Neue Mühle. 12 Uhr Eichwalde(?!). 6. Abt.: 5 Uhr Stienisfee. 12 Uhr Rabebrück, Start Ropenhagener Str. 26. 7. bt.: Streifzüge durch den Blumenthal, früh 4 Uhr. 1 Uhr Ahrensfelde. Start Rolonieftr. 148. 8. Abt.: 18.: 6 Uhr abds. nach Blaue a. b. 5. 19.: 6 und 1 Uhr Glienicker See. Start Arminiusplay. 9. Abt.: Nach Tegel. Stiftungsfeft der Ortsgruppe. Kleidung für Korso. Start Schulftr. 114. 1 Uhr. 10. Abt.: Schnikeliaab nach Sirschgarten, Rellers Waldburg. Start 7 Uhr Comeniusplak. 11. bt.: 18.: Langstreckenfahrt nach dem Spreewald. Start 5 Uhr nachmittags Hochftr. 13. 19.: Frith 5 Uhr Jodniksee. Für Bahnfahrer 8 Uhr 45 abends bis Lübbenau, Görliger Bahnhof. 12. bt.( Motorradfahrer): Rallienden. Start 7 Uhr Laufizer Blak. Ortsgruppe Renkölln: 2. Bezirk: Bezirksfest in Neukölln, Rarlsgarten. Start 1 Uhr. 1. Abt.: Herzbergplag. 2. Abt.: Bahnhof Hermannstraße. Beginn der Rorsofahrt 2 Uhr. Weißes Hemb, weiße Bluse, ohne Kopfbedeckung. Ortsgruppe Spandan: Tegel Rorfofahrt. Start 12 Uhr Neuendorfer Str. 74. Jeden Donnerstag 6,30 Spielabend. Ortsgruppe Schöneberg: Neukölln. Start 12 Uhr Stubenrauchstr. 5. Ortsgruppe Charlottenburg: Neukölln. Start 1 Uhr Galvaniſtr. 18. Ortsgruppe Bantow: Tegel. Start 11% Uhr Floraftraße 24. Ortsgruppe Tegel: 25. Stiftungsfeft in Bellevue. Start zum Rorso 2 Uhr nachm. Bahnhofplas. Ortsgruppe Reinidendorf: Tegel. Start 1 Uhr Residenaftr. 109. Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität. Am Sonntag, 19. Juli, findet das 20. Bezirksfest des II. Bezirks im Rarlsgarten, Neukölln, Karlsgartenstr. 6/10, statt. Die Ortsgruppen müssen bis 2 Uhr im Rarlsgarten antreten zue Rorfofahrt mit Mufit. Während des Festes: Kunst- und Reigenfahren, Auftreten der jüngsten Runstradfahrer, turnerische Borführungen des Turnvereins Neukölln- Brik, Jiu- Jitsu- Vorführungen usw. Eintrittspreis für Erwachsene 50 Pf., für Kinder 15 Pf., wofür eine Stod laterne gratis gegeben wird. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Mittwoch, den 15. Juli. beim( Barga). Tot.: 42:10. BI.: 30, 27:10. Ferner Ifefen: Optimat, 1. Rennen. 1. Rost( Haynes), 2. Deutsch. Mich.( Olejnit), 3. HattenLabrador, 2. Renne It. Enzian( Huguenin), 2. Opponent( Dlejnil), 3. Milo ( B. Efd). Tot.: 22:10. L. 16, 26, 222: 10. Ferner Itejen: Diktator, Reichstrone, Jlse II, Letter Ritt, Ledine, Märiza, Final, Nina, Heirat, Roblieb. 3. Rennen. 1. Nikotin( H. Blume), 2. Traumdeuter( W. Tarras), 3. Kilt( D. Schmidt). Toto: 180: 10. BL: 55, 18, 19:10. Ferner liefen: Farmer, Pilatus, Caporos, Bion Benu, Marienburg, Falfum, Brigant, Maid. 4. Rennen. 1. Batrizier( D. Müller), 1. Moloch( Esch), 3. Rotdorn ( B. Tarras). Tot.: 19:10. PL: 14, 36: 10. Ferner Itefen: Revolutionär, Belide. 5. Rennen. 1. Tibia( E. Haynes), 2. Barnaß( Esch), 3. Opferstein ( D. Müller). Lot.: 35: 10. BL.: 16, 20, 21: 10. Ferner liefen: Winnetou, Louisiana, Karl Ferdinand, Ulster, Goldjunge, Driola, Wetterstein II, Leto. 6. Rennen. 1. Tully( Dlefni), 2. Bersephone D. Schmidt),&. Stofa ( E. Haynes). Tot.: 61:10, Bl.: 15, 12, 15:10. Ferner liefen: Löwenberg II. Bujdos, Hungaria, Stallliebling, Schneewittchen. 7. Sennen: 1. Hochstabler( Huguenin), 2. Kiuma( C. Haynes), 3. Höhenrauch( H. Blume). Tot.: 57: 10. BI: 20, 33, 23:10. Ferner liefen: Dnnit, Fatima, Gaurisankar, Calderon, Favilla, Rih, Eisenritt, Ristil. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 87/38. Sof 2 St. Brigwallfahrer! Kameraden, die gewillt find, per Lastauts am Sonntag, den 19. Juli, nach Brikmalt zu fahren, melden fich bis spätestens Freitag abend 7 Uhr: file Tiergarten beim Kameraden Hugo Beckler, Stegliger Straße 64, Brenzlauer Berg bei Burg, Prenzlauer Allee 189, Rreuzberg bei Neubecker, Köpenider Straße 160, Schöne. berg bei Paul Rathmann, Belziger Straße 27. Fahrpreis für Sin- und Rückfahrt etwa 3,20 M.- Kameradschaft Tiergarten. Donnerstag abend 8 Uhr bet Sübner, Wilsnader Straße 34, fämtliche Rug- und Gruppenführer fowie Quartiermacher dringend zu einer Besprechung. Freitag abend 7 Uhr Bahnhof Tiergarten Ausmarsch. Radfahrer mit Rädern. Ramerabschaft Brenzlauer Berg, IL. 8ng. Freitag, den 17. Juli, 8 Uhr, bei Lüneburg, Elbinger Ede Werneuchener Straße, Bollversammlung. 4. Rug. Sonnabend, ben 18. Juli, Fahnenweihe im Kleinen Schultheiß, Kaftanienallee 23, Anfang 6 Uhr. Kameradschaft Rehlendorf. Freitag abend 7 Uhr Antreten bei Schnorre Aum Sport- und Spielabend. Teilnahme aller Attiven und Sportfreunde erwünscht. Ramerabschaft Charlottenburg. Am Sonntag, den 19. Juli, findet eine Dampferfahrt mit Mufit statt. Abfahrt pünktlich früh 7 Uhr von der Schloßbrücke. Einige Karten zum Preise von 2,50 M. find noch im VereinsTotal und bei den Zugführern zu haben. Abrechnung der Karten der Rugund Gruppenführer am Freitag abend im Vereinslokal. Rameradschaft Wilmersdorf. Sonntag, den 19. Juli, Pflichtfahrt nach Angermünde. Treffpuntt 8 Uhr vormittags Stettiner Bahnhof. Abfahrt 8,30 Uhr. Preis einfache Fahrt 4. Klaffe 2,35 M. Meldungen bis Freitag mittag beim Kameraden Faulfeit, Landhausstraße 4. Kameradschaft Wedding. Sonnabend, den 18. Juli, abends 5 Uhr, Radfahrer: Treffpunkt bei Müller, Uferstraße 12, zure Fahrt nach Teupik. Fahrgeld 2 M. Kamerabſchaft Treptow. Die Spiel. leute üben von jest an Montags und Donnerstags bei Räther, BrückenBaumschulenweg und Treptow fönnen fich noch dort melden. tag und Freitas abend, pünktlich 6 Uhr, Badeabend Freibad Oberschönewelde. Beteiligung fämtlicher Jugendkameraden erforderlich. ftraße 15. Rameraden der Ortsgruppen Adlershof, Alt- Glienice, Falkenberg, Jeden Diens Im Englischen Seminar spricht am Freitag, den 17. Juli, abends 6%, Uhr, der amerikanische Austauschprofeffor Edwin M. Borchard über„ Individual Rights and Constitutional Policy in the United States" Der Arbeiter- Radio- Klub e. B. eröffnet am Freitag, den 17. Juli, bie 7% Uhr. Drtsgruppe Wedding in Menzels Familienrestaurant, Bafewalter Str. 3, um Arbeiter- Radio- Klub, Gruppe Lichtenberg. Am Freitag, 7% Uhr, Weichsel. Gäste willkommen. ftraße 11: Einführung in die Technik der drahtlosen Telegraphie( Beginn). Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Donnerstag, 16. Juli, 8 Uhr, im Restaurant Jacob Effer, Köpenider Str. 70a, Generalversammlung. Geschäftliches, Aufnahme neuer Mitglieder, Geschäfts- und Rassenbericht, Anträge, Aus der Heimat. Berschiedenes. Landsleute, Damen und Herren, find Melchow). Ni atingos sun die matine ye 5% Stettiner Bahnhof. willkommen. Laboristal Ido- Uniono. Sundio, 19. 7. 1925 exkurso ad Uedersee( staciono Geschäftliche Mitteilungen. Rinderfest im Zunapart. Für das am Sonnabend, ben 18. b. M., Rattfindende Rinderfest im Lunapart gibt die Direktion jedem Rind awei reitarten für die beliebtesten Attraktionen des Vergnügungsparks. Als Preise für die unter sportfachlicher Leitung stehenden Wettspiele find neben Spielwaren und Süßigkeiten für die Aleinsten mertvolle und vor allem nügliche Gegenstände ausgefekt. Gange. Bon Berlin und Tegel fahren die Dampfer nach Neblik und Botsdam, von Blökensee( Bahnhof Beuffelstraße) Mittwochs nach Oranienbura. Ebenso Die Ferienfonderfahrten der Stern- und Kreisschiffahrt find im beften finden die Extrafahrten nach Teupih außer Sonntag und Montag und nach Grünheide täglich statt. Bei den Fahrten Montags und Freitags nach den Rüdersdorfer Kaltbergen ist eine Führung durch das Bergwert und nach dem Seinigsee mit eingefchloffen. Neu aufgenommen sind billige Fahrten nach NeuSelgoland täglich zweimal morgens 10 Uhr und nachmittags 3 Uhr. Awischen Spandau und Pfaueninsel ist Sonntags aweistündiger Berkehr. Briefkasten der Redaktion. Str. 456. 16 Mark Berlag Diek, Berlin GB 68, Lindenstr. 3. ... 100. Kommen Sie in unsere Juristische Sprechstunde. Jm Brieffasten läßt sich Ihre Frage nicht beantworten. E. 2. 98. Uns ist die Söhe Die Berufungsfrist beginnt mit der Aufstellung des Urteils und beträgt einen der Roften nicht bekannt. Wenden Sie sich an das Bezirksamt. 3. 8. 63. Monat. Der Gerichtsvollzieher wird wahrscheinlich das Urteil zustellen und augleich die Schulbsumme einziehen. Eberle. 1. Die Ründigung bann auch während der Urlaubszeit erfolgen. 2. Nur wenn die Vorschüsse mehr be tragen als der Arbeitslohn. 3. Rein. 4. Der Kläger muß den Termin selbst wahrnehmen oder sich vertreten lassen, andernfalls ergeht Bersäumnisurteil. 8. 145. Die Anmeldung können Sie vornehmen. Im übrigen empfiehlt es fich aber, die neue gefeßliche Regelung abzuwarten. 100. Der Abzug von 4 Broz.( jekt 2 Broz.) tommt nur bann in Frage, wenn der Arbeitslohn nicht für einen bestimmten Reitraum gezahlt wird, wie bies z. B. bei Affordarbeitern der Fall sein tann. 2. 2. 1. 1. Der Hauptkassierer tann haftbar gemacht werden, da ihm zweifellos ein Verschulden trifft. 2. Ob er auch ftrafrechtlich zur Berantwortung gezogen werden kann, ist dagegen sehr fraglich. 3. Gegen den Raffierer fönnen Sie Strafantrag stellen und Klage auf Rahlung erheben. Lohnpfändung ist erft möglich, nachdem er zur Rahlung verurteilt E. E. 65. 1. Beantragen Sie Erlaß eines Zahlungsworden ist. 4. Rein. befehls. 2. n. 3. Nein. Jedem das Seine! Dieser schöne Grundsatz kann mitunter am großen Familientisch nicht gut durchgeführt werden. Es ist daher sehr angenehm, wenn die Hausfrau von vornherein richtig einteilen kann. Mit Obst- Törtchen nach folgendem Oetker- Rezept können Sie dies leicht erreichen: 100 g Butter 100 g Zucker 500 g Mehl 2 Eier Zutaten: 1 Tasse Milch 1 Päckchen Dr. Oetker's Backpulver Backin" Saft u. Schale einer Zitrone Wie billig sich die Törtchen stellen, kann jede Hausfrau selbst sehr leicht berechnen. Zubereitung: Die Butter rührt man zur Sahne, fügt Zucker, Eigelb, das Abgeriebene und den Saft einer Zitrone, zuletzt das mit dem Backin gemischte und gesiebte Mehl und die Milch hinzu. Man verarbeitet alles zu einem festen Teig, rollt denselben dünn aus, sticht mit einem Weinglase dünne Scheiben aus, formt aus dem Rest des Teiges dünne Teigröllchen und legt diese als Rand auf die kleinen Tortenböden. Die Törtchen werden auf ein gefettetes Blech gesetzt und hellgelb gebacken. Die fertigen Törtchen belegt man mit gekochtem Obst, wie Stachelbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Zwetschen usw. Den Obstsaft verdickt man mit Dr. Oetker's Gustin und gibt ihn noch warm über die Früchte. Die Obst- Törtchen halten sich, in einer Blechdose aufbewahrt, längere Zeit frisch, man belegt sie jedoch erst am Tage des Gebrauchs mit Obst. In den Berliner Hausfrauen- Vereinen kommt nur Dr. Oetker's Backpulver„ Backin" zur Verwendung. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher kostenlos in den Geschäften oder, wenn vergriffen, umsonst und portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeld. 요 Probiert Bolle Schokolade SCHOKOLADENWERK DER MEIEREI C BOLLE A- G Gewerkschaftsbewegung ( Siehe auch 4. Sette Hauptblatt.) Der deutsche Verkehrsbund 1924. Das Jahr 1924 ftand im Zeichen des Wiederaufbaues. Es galt zunächst die unter den Keulenschlägen der Ruhrbesetzung und des Währungszusammenbruchs zu Boden gedrückte deutsche Birtschaft wieder aufzurichten. Eine zweite große Aufgabe, die uns das Jahr 1924 zuwies, war der Wiederaufbau der Ge= mertschaften. An der Lösung beider Aufgaben hat der Deutsche Verkehrsbund zu seinem Teile redlich mitgearbeitet. Das große und auch im Interesse aller Arbeitnehmer liegende Werk des Wiederaufbaues der deutschen Wirtschaft murde gefördert, unbefüminert um die Wutausbrüche und Hohnreden der kommunistischen Katastrophenund Weltrevolutionspropheten in der festen und zweifellos sehr richtigen lieberzeugung, daß der' soziale Gedante nur in einer hochentwickelten und prosperierenden Wirtschaft Fortschritte machen fann. Reich an Opfern und Kämpfen war das verflossene Jahr. Nach dem Willen der Unternehmer sollten die Lasten des Stabilisierungswertes ausschließlich auf die Schultern der Arbeiterschaft gelegt werden. Kürzung der Löhne und Gehälter, Verlängerung der Arbeitszeit, Beseitigung der sozialen Lasten", das waren die Zeichen, unter denen die nationalen" Scharfmacher fiegen wollten. Dazu gefellte sich der Druck einer großen Arbeitslosigkeit, der vom Ende des Inflationsjahres bis weit herein in das Jahr 1924 auf der Arbeiterschaft lag. In messen Seele nur das Strohfeuer überzeugungsloser Begeisterung brannte, der hielt diesem Druck nicht stand. Gar nicht zu reden von denjenigen, die vorher schon ein widerwilliges Lippenbekenntnis zur gewertschaft lichen Organisation abgelegt hatten. Sie alle wurden in der Stunde der Gefahr zu Deserteuren an der gemeinsamen Sache. beteiligt. Das Ergebnis dieser Wirtschaftstämpfe, die faft ausnahms| los erfolgreich beendet werden konnten, drückt sich neben Verbesserungen der mannigfachsten Art in einer Erhöhung des Lohnes um 2 975 141 Goldmark pro Woche für 471 339 Beteiligte aus. Ain 31. Dezember 1924 waren 610 vom Deutschen Verkehrsbund abge. schlossene Tarifverträge für 33 750 Betriebe mit 395 500 Bewaltungsfreifen verbreitete Ansicht, daß die jetzt 8000 bis 9000 Mann fchäftigten in Geltung. Diese Zahlen beweisen, daß die Schlagkraft Der Organisation ungebrochen erhalten blieb. Bon erfolgreichen Kämpfen um die Erhaltung des Achtstundentages im Tarifgebiet des Deutschen Berkehrsbundes sei nur der mehrwöchige Kampf im Hamburger Hafen erwähnt, der mit einem vollen Siege der Hafenarbeiter endete. Der Gesamteindrud, den man bei der Beurteilung der vom Deutschen Verkehrsbund im letzten Jahre genommenen Entwidlung gewinnt, ist der, daß auch diese Organisation Inflation und Stabilifterungstrije glänzend überwunden hat. Die Arbeiterfeinde, die schon von der Bernichtung der Gewerkschaften geträumt hatten, sehen sich enttäuscht. Ende des kommunistischen Landarbeiterverbandes. Der fommunistische Land- und Waldarbeiterverband ersuchte Dor einigen Monaten den Deutschen Landarbeiterverband um Bers handlungen zwecks Verschmelzung. Der Deutsche Landarbeiterverband konnte dieses Ersuchen nicht als den Ausdruck eines ehrlichen Einigungswillens einschätzen, sondern lediglich als einen Bersuch, der fommunistischen Sonderorganisation einen günstigen Abgang zu verschaffen. Er erwiderte daher, daß Verhandlungen erst dann zwed mäßig und angebracht erscheinen, nachdem festgestellt ist, um wie. piel Gruppen und Mitglieder es sich handelt, die sich dem Deutschen Landarbeiterverband anschließen wollen. Umgebung von Dortmund liegenden Bechen Admiral, Frete Vogel", unverhofft" und Schleswig". Durch diese Maßnahme werden 1000 bis 1100 Bergleute betroffen. Man hofft, einen geringen Teil von ihnen den nördlichen Randzechen überweisen zu können. Unter die besonders in kommunalen Verzählende Belegschaft des Eisenwerts Phönig" in hörde namentlich wegen ungünstiger Frachtlage den Werken Düsseldorf und Ruhrort gegenüber demnächst um 40 Proz. verringert werden soll, wird von der Verwaltung erklärt, daß aus zwingenden Sparsamkeitsgründen die Belegschaft im Laufe der Zeit auf die Vorkriegsstärke zurüdgeführt wird und infolgedessen in absehbarer Zeit einige kleinere Entlassungen vorgenommen würden. = Der Phönigkonzern will die ihm angeschlossenen Schacht anlagen in Horst Emscher zum 1. August ſtillegen. Durch diese Maßnahme werden insgesamt 4000 Arbeiter und Beamte ihrer bisherigen Einfünfte beraubt. Ein kleiner Teil der Belegschaft wird in Alteneffen Unterkunft finden. Ein anderer geringerer Teil der Arbeiter begibt sich zur Instandhaltung des Betriebes an seine alte Arbeitsstätte. Für Horst Emscher bedeutet diese Maßnahme den Ruin; denn diese Kommunalverwaltung ist einzig und allein von der Steuerfraft der Betriebe abhängig, und auf die Rauftraft ihrer Arbeiter und Angestellten angewiesen. Ferner stehen auf den Möller Rheinbaben- Schächten in Gladbeck und Luer Betriebseinschränkungen bevor. So soll die Zeche Scholven" stillgelegt werden. Die Lage im Saarbergbau. Saarbrüden, 15. Juli.( Mtb.) Die normalen Förderungsver Diese Einschätzung des tommunistischen Verbandes hat sich jetzt gemeldet, daß von einer Existenz des tommunistischen Es wird jetzt bei der französischen Generaldirektion der Saargruben als durchaus richtig erwiesen. Aus allen Teilen des Reiches wird hältnisse sind auf Anregung der Gewerkschaften auf sämtlichen Gruben des Saargebietes am Montag wieder hergestellt worden. Land- und Waldarbeiterverbandes feine Rede mehr fein fann. So gut wie alle Ortsgruppen haben sich aufliegen, so bald als möglich über die Erhöhung der Löhne mit den Organisationen zu verhandeln. Von dem Verhandlungsergebnis Deutsche Verkehrsbund im Jahre 1924 noch einen mitglieder gelöst. Soweit Angestellte vorhanden waren, hat inan fit wird es abhängen, ob der Wirtschaftsfrieden im Saarbergbau für die Derlust zu verzeichnen. Am Jahresende betrug die Zahl der Mit. leht in den fommunistischen Parteidienst eingespannt tommende Zeit erhalten bleibt. Auch auf der Privatgrube Fran= So hatte denn, mie fast alle anderen Gewerkschaften, auch der die Zeit des Krieges und der Inflation ausgeschaltet und als vergleichbares Jahr 1913, das legte Friedensjahr vor dem Kriege, in Barallele gestellt damals betrug die Mitgliederzahl 229 427 dann ist ein starker Fortschritt der Organisation unverkennbar. In den letzten Monaten ist die Mitgliederzahl dauernd im Zunehmen begriffen, so daß die volle Zahl 300 000 bald erreicht fein wird. Die Rajfenverhältnisse des Bundes haben sich, verglichen mit dem Zustande bei Einführung der stabilen Währung, in durchaus zufriedenstellender Weise entwickelt. Der Gesamteinnahme von 6693 859,16 m. stand eine Gesamtausgabe von 5 397 497,96 m. gegenüber. Das Barvermögen betrug am Jahres ende 1 489 676,67 M. Für Unterstügungen wurden im Jahre 1924 insgesamt 1610 222,68 m. verausgabt. Daß innerhalb Jahresfrist, nach den verheerenden Wirkungen der Inflation, die finanzielle Leistungsfähigkeit wieder auf diese Höhe gebracht werden konnte, zeugt nicht nur für den Opferfinn der dem Bunde treu gebliebenen Mitglieder, sondern in gleichem Maße auch für die Lebenskraft der Organisation. wie vor einigen Tagen im Kreiſe Insterburg in Ostpreußen Arbeits mangel gesprochen wird, sofort entlassen. Was von der ganzen Herrlichkeit noch übrig blieb, ist das Verbandsorgan Freie Landpost". Dieses wird tostenlos aufs Land geworfen, wo das Papier gebraucht werden kann. So haben die Kommunisten die Quittung bekommen über ihr frivoles Spaltungsspiel unter der ländlichen Arbeiterschaft. Auf eine Blamage mehr oder weniger mag es ihnen nicht ankommen. Doch die Zeche haben die Landarbeiter zu bezahlen. Niemals hätten die landwirtschaftlichen Arbeitgeber wieder so rücksichtslos auf treten tönnen, wenn nicht die kommunistische Sonderorganisation gewesen wäre, deren ganzes Streben nur auf die Zersplitterung des Deutschen Landarbeiterverbandes und damit auf die Besorgung der Geschäfte der Arbeitgeber eingestellt war. Die Landarbeiter müssen daraus lernen und begreifen, daß es jetzt darauf ankommt, den Deutschen Landarbeiterverband wieder stark und mächtig zu machen. Stillegungen über Stillegungen im Ruhrbergbau. Effen, 15. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Verwaltung der Zeche Adler Kupferdreh" macht der Belegschaft durch AnDie Bundes presse, die während der Inflation ihr Erschlag bekannt, daß fie infolge der weiteren Berschärfung der Abscheinen zeitweise einstellen mußte, wurde wieder in vollem Um- fagfrise gezwungen ist, ihren Betrieb stillzulegen und der Belegschaft fange herausgebracht. Neben dem Hauptorgan„ Deutscher Verkehrs- zum 31. Juli zu fündigen. Von den Kündigungen werden 600 bund" werden die Fachzeitungen:„ Die Schiffahrt"," Deutsche Privat Bergarbeiter und 60 Beamte betroffen. Die Zeche ist und Straßenbahner- Beitung", Bost und Telegraphie", Luft- und Eigentum der Aachener A.-G. für Bergbau. Der Gesellschaft gehören Kraftfahri" und die Hausangestellten- Zeitung" unentgeltlich an die die Zechen Johannes Deimelsberg in Steele, Zentrum 4-6 in die Zechen Johannes Deimelsberg in Steele, 3entrum 4-6 in Mitglieder geliefert. Kran sowie Prinz Wilhelm an. Diese Zechen werden vorläufig noch in Betrieb bleiben. Bollkommen stillgelegt wurden am Mittwoch die in der An den 4390 Lohnbewegungen, die der Deutsche Bertehrsbund im Jahre 1924 führte, waren insgesamt 579 437 Personen LJUERGENS ALEXANDER PLATZ das Gours ins Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Freitag, den 17. Juli, abends 7 Uhr, in den Gophien- Sälen", Sophienste. 17/18; Branchenversammlung der Rohrleger und Helfer. Tageserdnung: 1. Der Streit im Berliner Baugewerbe. 2. Aufstellung Don Lohnforderungen. 3. Berbands- und Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Rollegen notwendig. Die Bertrauensmännertonferenz findet um 26 Uhr im Galeriesaal statt. Am Freitag, den 17. Juli, nachm. 5 Uhr, im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: Außerordentlich. Branchenversammlung der Zigarettenmaschinenführer und Betriebshandwerker. Tagesordnung: Stellungnahme zur Lohnverhandlung. Die Bertrauensleute treffen sich um ½ Uhr in demselben Lokal. Sonnabend, den 18. Juli, abends 71, Uhr, im Lokal von Sachse, Lindower Straße 26 ( am Webbingplag): Branchenversammlung der Besselschmiede und der dazu gehörigen Berufe. Die Tagesordnung wird in der Bersammlung bekanntgegeben. Es ist Pflicht eines jeben Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Achtung! Berwaltungsmitglieder! Am Freitag, den 17. Juli, abends 7 Uhe: Sitzung der mittleren Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. Heizungsmonteure und Helfer! Begen Streit ist jeder Zuzug nach Frankfurt a. M. fernzuhalten! Die Bezirksleitung des Deuffchen Metallarbeiter- Berbandes Das Borlesungs- Universität Marburg verzeichnis der f. d. Winter- Semefter1925/ 26 ift geg. Boreinsend. v 0,50 Mt durch das Gefretariat ber Universität zu beziehen.[ 138/17 > Saison- Ausverkauf + Erneute Preisherabsetzung! von an Leichte Sommerkleidung Waschjoppen. glatt und in Sportform; glatt anfangend, mit 4.40 div. einzelne Jacketts i, klein. 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In einem anderen Fall erhielt der Arbeiter zum Lebensunterhalt für 10 Tage noch 75,85 Franten nach allen Abzügen. Es versteht sich von selbst, daß ein Arbeiter mit Familie bei den hohen Lebenshaltungskosten im Saargebiet bei einer solchen Entlohnung dem bittersten Mangel ausgesetzt ist. Der Konflikt im englischen Bergban. London, 15. Juli. Eigener Drahtbericht.) Die Krise im engli schen Bergbau hat mit dem Beschulß der Bergarbeiterkonferenz, den von der Regierung vorgeschlagenen Schiedsgerichtshof abzulehnen und mit den Unternehmern auf der Grundlage ihrer bisherigen Vorschläge nicht zu verhandeln, eine weitere ernste Verschärfung erfahren. Da andererseits die Unternehmer zweimal als unabänderlich und endgültig die Erklärung abgegeben haben, sie würden ihre Vorschläge nicht zurückziehen, scheint die Gefahr einer Aussperrung im gesamten britischen Bergbau für Ende Juli unmittelbar in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückt. Wie verlautet, versucht die Regierung, Unternehmer und Arbeiter noch auf einem anderen Wege zufammenzubringen, nachdem auch die Unternehmer, menn auch weniger scharf, den von der Regierung eingesetzten Schiedsgerichtshof abgelehnt hatten. In den Gewerkschaftstreifen wird als einziger Ausweg ein teilweiser Rückzug der Unternehmer für möglich gehalten, zumal auch die bürgerliche Deffentlichkeit, die Presse und die Abgeordneten den hartnädigen Standpunkt der Unternehmer scharf fritisierten und auf den Unternehmerverband einen gewissen Drud ausüben. Reist ins schöne Schlesien! in seine Hochgebirge, das romantische Vorgebirge, die berühmten Heilbäder und Luftkurorte, altertümlichen Städte, Burgen und Klöster, durch BRESLAU Gute, billige Verpflegung, billige Bedarfsmittel, berühmte Bauten( Rathaus, Dominsel, Universität, Jahrhunderthalle usw.. Museen, gute Theater. Näh. Verkehrsbüro, Breslau, am Hauptbahnhof 1, 1. Etg. 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Die dritte Lesung des Aufwertungsgesezes, die an erster Stelle der Tagesordnung steht, wird für einige Stunden zurückgestellt und zunächst in zweiter Lesung der Gefeßentwurf über die Errichtung der Deutschen Rentenbant Kreditanstalt verhandelt.. Abg. Bachmann( Dnat.) berichtet über die AusschußverhandDer Reichsminister für Landwirtschaft und Ernährung, Graf Kanih, seht sich für die Annahme des Entwurfes ein. Die Kreditanstalt foll vornehmlich Personalfrebite geben, die bis 1930 Iaufen sollen. Außerdem werde sie sich bemühen, insbesondere langfristige Auslandskredite für die deutsche Landwirtschaft hereinzubekommen. pod Abg. Schmidt( Soz.): Während man bei den Beratungen im Handelspolitischen Ausschuß und auch bei den Verhandlungen der Enquetekommission immer mieder hören mußte, die Landwirte erstidenin Krediten, wird in der Begründung des Gesetzes gesagt, der Landwirtschaft müßten unbedingt Kredite gewährt werden. Ein Mitglied dieses Hauses hat in einem Auffay auseinandergesetzt, daß bei der 3u fammensehung des Verwaltungsrats der RentenbankKreditanstalt dafür gesorgt werden muß, daß nicht eine bestimmte Agrarorganisation das Uebergewicht erhalte. Wir haben im Ausschuß in dieser Richtung gewirkt. Die Begründung der Borlage in diesem Punkte ist sehr oberflächlich, wie alles, was aus diesem Ministerium tommt. Das ist nicht nur die Meinung der Sozialdemokraten.( Sehr wahr! bei den Soz.) Man hat dem Reichs landbund große Machtbefugnisse eingeräumt, und es ist überhaupt so, daß das Landwirtschaftsministerium in die geistige Abhängigkeit des Reichslandbundes geraten ist. Dieses Ministerium ist schon nichts anderes mehr als der Bollzugs ausschuß des Reichslandbundes.( 3uruf links: Sein Kommis!) Das von mir erwähnte Mitglied dieses Hauses hat ver langt, daß die Rentenbank unter der Kontrolle des Staates und der öffentlichen Meinung stehen müsse. Auch hier haben wir dahin gewirft, daß eine Reihe von Berbefferungen erzielt werden konnten. Es ist uns auch gelungen, die wichtigsten Bestimmungen der Sagungen in das Gesez hineinzubringen. Diese Sagungen hat man lange verheimlicht, erst auf unser Drängen mußten fie veröffentlicht werden. Aber trotz der Vorteile, die wir erzielt haben, find wir doch gezwungen, diese Borlage abzulehnen. Bestimmend ist dabei für uns, daß die Arbeiter dabei nichts mitzureden haben. Im Ernährungsministerium fennt man wohl alle anderen Organifationen, aber nur nicht den Deutschen 2andarbeiterver. band. Wir lehnen es ab, daß uns gestattet sein soll, einen Wunsch 3effel einzureichen. Ich richte die besondere Mahnung an den Ernährungsminister, mit dem Reichsarbeitsminifterium Fühlung zu nehmen, damit er endlich erfahre, was unter Arbeiterverbänden zu verstehen ist. Mit aller Deutlichkeit will ich sagen, daß man in der Landwirtschaft darunter nur zwei Organisationen versteht. Wenn es in der Begründung des Gesetzes heißt, daß die Bant gegründet werden solle, um die landwirtschaftliche Produktion zu fördern, so will ich dazu sagen, daß dazu zu allererst die Arbeiter gehören. Aber der Artikel 165 der Reichsverfassung, der die Mitarbeit der Arbeiter an allen Einrichtungen vorschreibt, scheint für das Er nährungsministerium nicht mehr zu existieren. Wenn die landwirt schaftliche Produktion gesteigert werden soll, so muß die Mitwirkung der landwirtschaftlichen Arbeiter gesichert sein. Die Arbeiter müssen bei allen Institutionen mitzubestimmen haben, man darf nicht nur einige Konzessionsschulzen hinzunehmen. Aber auf der rechten Seite wird ja unter Wirtschaft und Volkswirtschaft nur die Wahrnehmung der Intereffen der Unternehmer verstanden und nament lich der Reichslandbund wirkt rücksichtslos nur für die eigene Tasche. Ist man denn blind der Tatsache gegenüber, daß sich vom Lande eine ungeheure Abwanderung vollzieht, trotzdem die Arbeitsgelegenheiten in der Industrie und im Bergwerf nur befchränkt sind. Man zieht ja jetzt aber schon wieder in zahlreichen Fällen ausländische Arbeiter herein, weil man die Mitwirkung der deutschen Arbeiter gar nicht will. Das steht mit dem Gesez in Verbindung, denn wir hören, daß auch die, landwirt. schaftliche Siedlung gefördert werden soll. Um so notwendiger ist es, daß die Arbeiter dabei mitzusprechen haben. Wir haben beantragt, daß der Bau kleiner Landarbeiter wohnungen durch die Gemeinden mit Mitteln des Reichs gefördert werden soll. Wenn die Rentendant auch nicht direkte Kredite geben fann, so fann sie doch dafür sorgen, daß in diesem Sinne gewirkt wird. Wie bei allen anderen öffentlichen Einrichtungen schaffen fie auch hier gefliffentlich die Arbeitervertreter aus, und wenn wir gegen die Borlage stimmen, froßdem fie auch manches Gute enthält, jo foll es ein Warnungszeichen sein, daß die Arbeiter nicht gewillt find, sich ihre Rechte nehmen zu laffen.( Lebh. Beifall b. d. Soz.) Namens der Kompromißparteien gibt Abg. Dietrich- Prenzlau ( Dnat.) eine Erklärung ab, in der der Borlage zugestimmt wird. Abg. Hörnle( Komm.) lehnt für seine Partei den Entwurf ab. Abg. Rönneburg( Dem.) übt scharfe Kritik an dem Entwurf, erklärt aber, seine Partei werde zustimmen, um der Landwirtschaft zu helfen. Abg. Schröder- Mecklenburg( Bölt.): Die Völkischen werden dem Gesetz ihre Zustimmung geben. In der Einzelaussprache sekte fich Frau Abg. Sender( Soz.) nochmals für die sozialdemokratischen Anträge ein. Damit ist die zweite Lesung des Gesezentwurfes für die Errichtung der Rentenbank- Kreditanstalt beendet, bis auf die aus gesetzten Abstimmungen. Das Haus wendet sich dann der 3. Lesung des Hypothekenaufwertungsgesehes zu. In der allgemeinen Aussprache gibt nach Aeußerungen des Abg. Henning( Bölk.) Abg. Keil( S03.) für die Sozialdemokratische Partei eine Erklärung ab, die wir an anderer Stelle veröffentlichen. Präsident Löbe teilt dann dem Hause mit, daß die Bölkische Arbeitsgemeinschaft einen Antrag eingebracht habe, der verlange, daß die Berkündung des Aufwertungsgesetzes um zwei Monate auf Grund des Artikels 72 der Reichsverfassung ausgesetzt werde. Abg. Philipp( Dnat.) erklärt seine 3 u ft immung zu einer Resolution der Sozialdemokraten, in der verlangt wird, daß die öffentlichen Baudarlehen nicht höher aufgewertet werden sollen als die Hypotheken. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Dr. Korsch( Komm.), teilt Präsident Löbe mit, daß die Kompromißparteien einen Eventualantrag für den Fall der Annahme des völ fischen Antrages eingebracht haben, in dem verlangt wird, daß das Gesetz für die Aufwertung von Hypotheken und anderen Ansprüchen für dringlich erklärt werde. Das Haus nimmt dann Abstimmungen vor und lehnt dabei u. a. einen Antrag Korsch( Komm.) auf Rückverweisung der Vorlage an den Aufwertungsausschuß gegen Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten und Völkische ab. Der auch in 3. Lesung wieder eingebrachte Untrag Keil( Soz.), den Aufwertungsfah für Hypothefen von 25 auf 40 zu erhöhen, wird in namentlicher Abstimmung mit 244 gegen 181 Stimmen, bei 4 Enthaltungen, abermals abgelehnt. Anträge der Oppofition von der kompakten Mehrheit der KomproDie Einzelabstimmung erbrachte unter Ablehnung aller mißparteien die Aufrechterhaltung der Kompromißvorlage. Vor der Schlußabstimmung über das Hypothekenaufwertungsgesetz wendet sich Abg. Keil( Soz.) scharf gegen den Abgeordneten Henning, der den letzten Augenblid der Beratung zu benutzen suchte, um der Sozialdemokratie vorzu werfen, sie handele in der Aufwertungsfrage gegen ihre Grundfäße. Was versteht Herr Henning von sozialdemokratischen Grundfäßen? Wir Sozialdemokraten haben zum Unterschied von den anderen Parteien den Gläubigern und Sparern keinerlei Ben fprechungen gemacht. Wir haben bei den Beratungen im Ausschuß und hier im Blenum nicht einen einzigen Antrag gestellt, der nicht mit unserer grundsätzlichen Anschauung und unserem wirtschaftlichen Gewissen vereinbar wäre. Wie im Ausschuß hat auch hier die Mehrheit jede fachliche Würdigung unserer Anträge abgelehnt. Wenn wir den Versuch unternehmen würden, die wichtigsten Fragen in der dritten Lesung noch einmal aufzurollen, so würde die Mehrheit dieselbe Stellung einnehmen. Um das feft. 3ustellen, werden wir zwei Stichproben vorneh= menund bei den§§ 4 und 8 namentliche Abstimmun= gen beantragen.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Richthofen( Dem.) erklärt noch einmal, daß seine Partei dem Gesetz nicht zustimmen fönne, da es in den Beratungen teine Verbesserung erfahren habe.( Beifall links.) Abg. Hergt( Dnat.) Wir halten es für unter unserer Würde liegend( Lärm links), auf die rein demagogische und agitatorische Haltung der Sozialdemokraten einzugehen. Die Mehrheit wird sich von selbst durchsetzen.( Beifall rechts; Gelächter links.) Abg. Seiffert( Bölt.) unterstützt den sozialdemokratischen Antrag. Abg. Korsch( Komm.) erklärt, daß die Kommunisten die gegenwärtige Vorlage ablehnen und darüber hinaus dem Antrag auf Aussetzung der Verkündung des Gesetzes zustimmen würden, um dem Reichspräsidenten von Hindenburg Gelegenheit zu geben, seine den Sparern gemachten Bersprechungen zu erfüllen. In der namentlich vorgenommenen Schlußabstimmung ffimmt das Haus mit 230 gegen 197 Stimmen bei einer Enthaltung der Kompromißfaffung des Gesetzes über die Aufwertung von Hypotheken und sonstigen Ansprüchen zu. Die Beratungen burden hierauf, nach 9 Uhr abends, auf 20 Minuten vertagt, um den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme zu dem völkischen Antrag auf Aussehung der Berfündung des Gesezes zu geben. Um 10 Uhr eröffnet Präsident Löbe die Sigung wieder und teilt, auf Wunsch, mit, daß das Hypothetenaufwertungsgesetz nur mit einfacher Mehrheit, nicht mit% Mehrheit angenommen ist. Abg. Dr. Best begründet seinen Antrag auf Aussehung der Berkündung des Hypothetenaufwertungsgesetzes um 2 Monate. Abg. Dr. Berndt( Wp.) wendet sich gegen die Auslegung des Abg. Keil, der dem Reichspräsidenten die Berantwortung für die Aufwertungsgesetze zuschieben wolle. Der Reichspräsident brauche zur Verfündung des Boltsentscheides die Gegenzeichnung eines Staatsminsters. Und den Staatsminister wolle er fsehen, der in diesem Falle gegenzeichne. Abg. Koch- Wefer( Dem.) erklärt, daß die Demokraten den Antrag auf Aussetzung der Verfündung des Aufwertungsgesetzes nicht unterstüßen würden. Abg. Dr. Korsch( Komm.) besteht auf der Aussßung der Gesetzesverkündung. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag auf Aussetzung der Gesetzverkündung mit 169 gegen 249 Stimmen angenommen. Präsident Lobe stellt fest, daß affo das erforderliche Drittel erreicht ist. Der Kompromiß- Eventualantrag, des Aufwertungsgesetzes als dringlich zu bezeichnen, wird dann in einfacher Abstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und kommuniffen bei Stimmenthaltung der Demokraten angenommen. Um 10% Uhr abends vertagte fich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr: 3. Beratung des Gefeßentwurfes über die Ablösung öffentlicher Anleihen. Präsident Löbe erklärt, daß die Tätigkeit des Reichstags damit erledigt sei. Das Weitere liege mum beim Reichsrat und beim Reichspräsidenten. Zustimmung des Reichsrats. Der Reichsrat beschäftigte fich gestern gleichfalls mit dem vom Reichstag angenommenen Hypotheken- Aufwertungsgesetz; er verzichtete auf die Erhebung eines Einspruchs und erklärte das Gesetz ebenso wie der Reichstag für dringlich. Mindestzölle find unnötig! Der Bericht des Agrarenquête- Ausschusses. Der Agrarenquete Ausschuß des Reichstags, und zwar der aus sechs Wissenschaftlern bestehende engere Ausschuß, hat am Dienstagabend, den 14. Juli, seine Untersuchungen abgeschlossen und über das Ergebnis an den handelspolitischen Ausschuß des Reichstags einen ausführlichen Bericht abgegeben. In der Einleitung zu diesem Bericht stellt der Ausschuß in sehr scharfen Ausdrücken fest, daß man ihm für seine Arbeiten stellt habe. Die verflossenen Monate hätten der Reichsregierung eine völlig ungenügende Zeitspanne zur Verfügung gehinreichend Zeit zur Vorbereitung und Durchführung einer gründlichen Untersuchung geboten. Nur der Umstand, daß ganz allgemein ein starkes Bedürfnis nach fachlichen Unterlagen für die Behand lung der Zollfrage vorhanden ist, habe die Mitglieder veranlaßt, fich trotz ihrer großen Bedenken an diesen Untersuchungen zu beteiligen. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß gerade aus den Mängeln dieser Untersuchungen die Notwendigkeit gefolgert wird, auch in Deutschland die Methode der wissenschaftlich- parlamenta rischen Untersuchung auszubauen und zu vervollkommnen. Ein großer Teil des Berichts ist tatsächlichen Feft stellungen über die Lage der Landwirtschaft gewidmet. Im ersten Abschnitt werden zunächst die weltwirtschaftlichen Bedingungen untersucht, von denen die Lage der deutschen Landwirtschaft beeinflußt wird, im zweiten Abschnitt die besonderen deutschen Verhältnisse. Zu der Entwicklung auf dem Weltmarkt wird festgestellt, daß durch die neue Preissteigerung auf der ganzen Welt das Mißverhältnis der Preise für Agrarprodukte gegenüber den Preisen der industriellen Erzeugnisse erheblich vermindert worden ist. In den Vereinigten Staaten ist die Preisschere start verengt, in einzelnen Ländern, wie in England und Dänemark, war sie nach den letzten statistischen Unterlagen geschlossen. Bei der Untersuchung über die besonderen wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland wird festgestellt, daß die Schwierigkeiten der Landwirtschaft zu einem ganz wesentlichen Teile darauf zurück zuführen sind, daß die deutschen Landwirte für ihr Getreide infolge der noch immer nicht aufgehobenen Ausfuhrverbote einen Preis erhielten, der hinter dem Weltmarktpreis erheblich zurückbleibt. Trozdem hat eine eingehende, unter Berücksichtigung von vier verschiedenen statistischen Methoden durchgeführte Untersuchung ergeben, daß auch in Deutschland die Preisverhältnisse für die Landwirtschaft günstiger geworden sind. Die Preisschere sei im allgemeinen gegenwärtig gefchloffen, wenigstens soweit es sich um die industriell erzeugten Produktionsmittel der Landwirtschaft handelt. Eine Ausnahme bildeten nur die Handwerksleistungen und die persönlichen Bedarfsgüter des Landwirtes. Zur Frage der Verschuldung ist eine große Anzahl von Sachverständigen gehört worden, vor allem Vertreter der zentralen Kreditinstitute, der Reichsbant, der Rentenbank, der Breußentasse und der Breußischen Hypothekenbant. Es hat sich bestätigt, daß die Kreditnot und die Höhe der Zinsen wohl das ernst este Problem für die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion ist. Gleichzeitig haben die Feststellungen dieser Sachverständigen jedoch bazu beigetragen, übertriebene Besorgnisse über die Mobilisierung der neuen Ernte und über die Zurückzahlungen von Wechselverbindlichkeiten zu zerstreuen. Es wurde festgestellt, daß der Betrag von Wechseln, der nach der Ernte zurückzuzahlen ist und für den neue Kreditmöglichkeiten zunächst nicht bereitstehen, nur etwa 5 Broz. der gesamten turzfristigen Kredite beträgt, die der Landwirtschaft in den letzten 1½ Jahren zugeflossen sind. Diese Feststellungen sind besonders interessant, nachdem der Landbündler Schlange Schöningen sich zu der Behauptung verstiegen hat, die Landwirtschaft brauche die vorgesehenen Zölle, um die Kredite zurückzahlen zu können. In sehr entschiedener Weise weist der Bericht auf die steuerliche Belastung der Landwirtschaft, vor allem aber auf die Konstruktionsfehler unseres Steuersystems hin. Die Umsatzsteuer für agrarische Erzeugnisse, insbesondere für Brotgetreide, wird als eine der schlechtesten Steuern bezeichnet, die es gibt, und ihre Aufhebung gefordert. Der Ausschuß faßt seine Feststellungen über die Lage der Landerträge der Landwirtschaft und ihre Intensität sich in einer wirtschaft dahin zusammen, daß in den Jahren seit 1919 die Rohstart aufsteigenden Richtung bewegt haben, ohne je doch Intensität und Roherträge von 1913 schon erreicht zu haben. Ein sehr wichtiger Punkt in diesem Bericht ist die soziale Auswirkung der Zölle. Bezüglich der Belastung der Konsumenten benutte man die Berechnung, die fürzlich durch die Gewerkschafts- und Parteipresse gegangen ist und nach der eine minderbemittelte 5 töpfige Fa milie durch die Lebensmittelzölle mit einer Mehrausgabe von 150 m. jährlich belastet wird. Gegen diese Berech nung wurde lediglich eingewandt, daß die Zölle fich vielleicht nicht poll aus mirten würden, eine Annahme, der jedoch Gering mit aller Entschiedenheit entgegentritt. Nach dieser ausführlichen Konstatierung der wichtigsten Tatsachen, die für die Beurteilung der Zollpolitik den Ausgangspunkt bilden, wendet sich der Bericht den Zollfragen selber zu. Es wird festgestellt, daß der Regierungsentwurf den Plan eines fast lü denlosen 3olltarifes enthält. Dieses System des lückenlosen 3ollschuhes wird von dem Ausschuß einmüfig abgelehnt, weil es der Wirtschaftslage Deutschlands nicht entspricht. Deutschland ist als übervölkerter Industriestaat darauf ange= des Weltmarktes zu steigern. Es wird daher im Interesse der wiesen, sein Preisniveau nicht unnötig über dasjenige Landwirtschaft der Abbau vieler Industriezölle gefordert. Wenn Industriezölle nicht bestünden, könnte die deutsche Landwirtschaft eines Bollschutzes entbehren. Solange ein Abbau der Industriezölle nicht erfolgt ist, hält es der Ausschuß jedoch für erforderlich, daß der Landwirtschaft ein Ausgleich zuteil wird. Dieser Ausgleich darf sich aber nicht in mechanischer Weise, nicht nach dem Prinzip des lückenlosen Zolltarifes vollziehen. Er muß sich mit einem aufbauenden Gedanten verbinden. Die Agrarzölle, soweit fie von dem Ausschuß gebilligt werden, find als Teil eines Intensivierungsprogrammes anzusehen, das gleichzeitig auf die Trägfähigfeit der Verbraucher Rücksicht nimmt. Der Ausschuß war sich aus diesen Gründen darüber einig, daß die Veredelungserzeugnisse eine Bevorzugung erfahren müssen. Zwei Mitglieder des Ausschusses, Sering und Aeroboe, entwickeln nun an diesem Grundgedanken den Vorschlag eines Bollsystems, das auf 3o11freiheit für sämtliche Futtermittel und Brotge= treide, ferner auf 3ollfreiheit für Gefrierfleisch, dagegen auf einem Bollschutz für die Veredelungsprodukte der Biehhaltung, in erster Linie Moltereiprodutte, Frühgemüse und Qualitätsfleisch, aufgebaut ist. Dieses System iſt als ein reiner Erziehungszoll gedacht. Man hofft, daß die Belastung der Verbraucher, die durch Zollfreiheit für Gefrierfleisch und Getreide schon auf ein Drittel der im Regierungsentwurf vorgesehenen Belastung herabgedrückt ist, nur eine ganz vorüber= gehende sein wird. Bei zollfreier Einfuhr von Kraftfuttermitteln würde es möglich sein, den Bedarf der Bevölkerung an tierischen Erzeugnissen nach einer ganz kurzen Zeit vollständig im Inlande zu decken, und die Preise würden nach vorübergehender Steigerung auch für die zollgeschützten Produkte dann wieder einen normalen Stand annehmen. Brotgetreidezölle hält diese Gruppe des Ausschuffes nicht für gerechtfertigt. Sie treffen den ärmsten Haushalt im Lande, während jeder Beweis dafür fehlt, daß der deutsche Getreidebau durch rfne Sb erlesen« Anslsirbskonknrreuz für gefährdet anzusehen ist. Während Getreidezölle auch dem untüchtigen Land- mirt erhöhte Einnahmen schaffen, kommen die Zölle auf Erzeugnisse der tierischen Veredelungswirtschost vornehmlich dem tüchtigen Land- wirt zugute. Die 4 anderen Mitglieder des Ausschusses(August Müller, Ra- bethge, Wormbold, Sagawe) haben sich diesem Gutachten nicht an- geschlossen. Sie glauben, auf eine» Schutz des Getreidebaus nicht verzichten zu können, weisen aber gleichzeitig darauf hin, daß es sich ja nur um eine Regelung für kurze Fristen handelt. Reben den eigentlichen Getrcidcschntzzöllen befürworten sie auch einen Zoll auf Mais und Futtergerste, sie schließen sich also in wesentlichen Punkten an die Vorlage der Regierung an. Mit Rücksicht auf die chandelsvertragsverhandlun- gen halten die Mitglieder des Ausschusses sämtlich V e r h a n d- l u n g s z ö l l e auch für Brotgetreide für erforderlich, um die agrari- schcn Exportländer zum Abbau ihrer Industriezölle zu veranlassen. Die Forderung nach Mindest zollen wird dagegen auch von den Befürwortern der Getreidezölle im Ausschutz nicht erhoben. Sie Textil-Zertigmöustrie bedroht. Späte Vorstellungen der Interessenten. Das skandalöse Verhalten der Regierungsparteien, die olle Gründe gegen die unerhört hohen Textilzölle vollkommen ignorieren und ohne ein Wort der Widerlegung alle Abänderungsanträge mederstimmen, hat die gewerblichen Verbraucher von Textilerzeugnissen im Interesse der Lebensfähigkeit ihrer Industrie' aus den Plan gerufen. So war vor einigen Tagen eine Deputation aus der Seidenkonfektion im Reichstag, um den Vertretern der Parteien den Nachweis zu führen, daß die enormen Zölle auf Seidenwaren zu einem Niedergang der ganzen Produktion iiir den Export und zu einer gewaltigen Verminderung der Erzeugung für den Innenmorkt führen müssen. Solche Deputationen sind den Regierungsparteien höchst unbequem. Der Vertreter des Zentrums, Herr Dr. L a m m e r s, hat deshalb den Vorsitzenden des Zollousschusses ersucht, dafür zu sorgen, daß die Abgeordneten von dieser Plage verschont werden. Die genannte Kommission sprach auch mit dem Vertreter der Wirtschaftspartei im Zollausschuß Herrn Drewes. Dieser Herr gab den Vertretern der Konfektionsindustrie in allen ihren Darlegungen recht und geslond, aber trotzdem s ü r den Zolltarif stimmen zu müssen, um die Re- gierung zu„schützen". Das müssen sich die Wähler des Herrn Drewes merken. Sie haben ihn doch gewählt, damit er ihre schwache wirt- schoftliche Existenz vor den Gefahren der großkapitalistischen Be- reicherungswirtschaft schützen sollte. Jetzt„schützt" er die Regierung, die die Bereicherungspolitik der Großkapitalisten fördert. Herr Drewes gehört auch zu den Leuten, die den Tarif nur befristet bewilligen wollen. Aber die befristete Bewilligung wird genügen, hochwertigeIndu st riezweigeuns er erWirt- schaft zum Ab st erben zu bringen! denn wenn die Befristung überhaupt beschlossen wird, so dürfte sie doch auf Jahre hinaus be- stehe!». Wie der hohe Zoll die Fabrikation der verarbeitenden In- dustrie verteuert und ihre Konkurrenzfähigkeit aufhebt, zeigen fol- gende Angaben aus der Konfektion seidener Blusen und Kleider: Verkousspiei. W. 13.90 25,60 27,50 74,— 88,— 37,50 ZollbelastllNg M. Proz. 2.40 3,50 4,30 11.72 7.20 8,30 18 20 16 21 .19 23 Artikel Leichte Crepe-de-chine-Slufe...... Langärmelige Crepe-de-chine-BIufe... Erepo-ds-cbivs-SUeid ohne Bermel... Osps-ds-cHins-Kleid mit Perlen bestickt. Oeps-Ksorgstto-lkleidm. leichtem Federbesatz Ein rein lunstfetdeneS«leid mit Federn. Das ist gegenüber dem Zoll in der Vorkriegszeit eine S t e I- g e r u ng u in das Z w e i e i n h a l b f o ch e. Die Seidenkonfektion Deutschlands soll ihrem ausländischen Konkurrenten also mit einer Belastung von 20Proz. im Konkurrenzkampf entgegentreten. Es ist ohne weiteres ersichtlich, daß eine solche Zollpolitik für die oerarbeitende Industrie geradezu vernichtend sein muß. Das gleiche gilt, teilweise sogar im erhöhten Maße, für die Konfektion wollenerDamen-undKinderkleider. Es ist aber nicht zu glauben, wie politisch naiv die Verarbeiterkreise sind. Als der obenerwähnten Deputation vorgehalten wurde, daß sie sich reichlich spät rührt, erklärte sie, man hätte es nicht für möglich gehalten, daß die Regierung und die hinter ihr stehenden Par- teien so verfahren würden, wie es jetzt geschieht. In den Voroer- Handlungen habe das Kabinett immer erklärt, der Reichstag werde schon einen gerechten Interessenausgleich herbeiführen. Mit Hilfe des Reichsfags werde die Regierung manchen Zweig der Vorlage, der zu lang hervorgeschossen sei, auf das zulässige Maß zurück- schneiden. Jetzt aber zeige sich, daß feste Vereinbarungen zwischen der Regierung und der hinter ihr stehenden Parteien ge- troffen sind, die Vorlage, so wie sie ist, anzunehmen. Die Leute waren einfach sprachlos, als ihnen gesagt wurde, daß der Abgeordnete Hoff von der Deutschen Volkspartei an«inen Industriellen in Plauen geschrieben hat, die Regierung verhandle mit den Regierungsparteien um die Vorloge en bloc anzunehmen. Jetzt erst erkannte die verarbeitende Industrie die ganze G«- fahr des Hochschutzzolles, denn soviel weiß sie auch, daß die große Gefahr besteht, bei den Handelsvertragsverhandlungen auf den hohen Zöllen sitzenzubleiben. Dann ist aber die deutsche Industrie erledigt. Das Ganze nennen die Parteien der Beutel- schneiderei aber:„Nationale Wirtschaftspolitik". Hermann Krätzig. » Die Erhebungen des Deutschen Textilarbeiterverbandes über den Geschäftsgong in der deutschen Textilindustrie ergaben, daß sich der Beschäftigungsgrad gegenüber dem Monat Mai kaum verändert hat. Diese Tatsache mag vielleicht mit der viel- erörterten Beobachtung zusammenhängen, daß augenblicklich in Händlerkreisen zum Teil aus spekulativen Erwägungen größere Nach- frage nach Ware herrscht, während der tatsächliche Absatz in der Bevölkerung, besonders infolge der steigenden Nahrungsmittel- preise, mehralsje stockt. Die Erhebungen des Textilarbeiterverbandes ergeben für den Monat Juni 10 720 Arbeitslose gegenüber 10167 Arbeitslose im Monat Mai. Prozentual hat sich demnach die Arbeits- l o f i g k- i t geringfügig von 3.2 auf 3,4 Proz. gesteigert. Da- gegen hat sich die Anzahl der Kurzarbeiter verringert, und zwar von'52 719 im Monat Mai auf 52 373. Amerikanische Droduktionsmekhoden in der Herrenkonfektion. Die englisch- amelikanische Herrenkonfektionsfirma P o liko ff, Ltd., London, wird, wie der.Konfektionär" erfährt, demnächst in Frankfurt a. M. ein Z w e i g h a u S gründen, in dem sie Herren» konfeknon nach amerikanischen Massenproduktion«. Methoden herstellen will. Die Polikoffsche Zweigfirma in Frankfurt a. M. soll im Anfang nur 200 Anzüge pro Woche her- stellen, man hofft jedoch, es im Laufe der Zeit bi« zu einer Produktion von-IO 000 Anzügen p c r W o S e bringen zu können. Da« Anfangskapital der Frankfurter Firma wird eine Million Mark betrage». Inwieweit das neu- Projekt geeignet sei» wird, der durch langjährige Praxis und QualitätSerzeugung erfolg- reich eingefübiien deutschen Herrenkonfektion eine Konkurrenz zu bedeuten, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. V!e preiskämpfe lm Textilgewecbe. Im Textilgewerbe spielen sich bekanntlich sehr heftige Preis kämpfe ob. Auf der einen Seite stehen die Einzelhändler, die mit den Konsumenten auf die Preise drücken, weil sie wissen, daß sie nur zu billigen Preisen Ware abzusetzen in der Lage sind, aus der anderen Seite die Fabrikanten, die nur schwer zur Preis scnkung zu bewegen sind. In diesem Zusammenhange ist die nach folgende Resolution, die der Verein Deutscher Wirke r e i e n auf seiner letzten Mitgliederversammlung in Nürnberg ge faßt hat, von besonderem Interesse: .Der Verein Deutscher Wirkereien verpflichtet seine Mit glieder. Verlangen der Kundschaft auf Gewährung vo Preisnachlaß auf Abschlüsse zu festen Preise unter allen Umständen abzulehnen. Gesunkene Marktpreise für Rohstoffe können ebensowenig einen Grund für ein solches Verlangen abgeben, wie umgekehrt eine Erhöhung der Gestehungskosten des Fabrikanten diesen nicht berechtigt, Sliis» schlüge zu verlange». Die rückgängige Tendenz der Wollpreise hat sich zudem im Fertigerzeugnis nicht entsprechend ausgewirkt, weil die übrigen Gestehungskosten(Löhne usw.) inzwischen wieder gestiegen sind. Schließlich haben sich die Fabrikanten für fest ab geschlossene Verträge als umsichtige Fabrikanten mit Roh sl offen fest eindecken müssen, so daß die Senkung der Wollpreise in den Gestehuiigskosten überhaupt nicht zur Geltung kommt. Der Verein Deutscher Wirkereien hält sich im Interesse der deutschen Wirtschaft für verpflichtet, als obersten Grundsatz des Wirtschaftslebens das Gebot unbedingter Vertragstreue hochzu halten. Rur auf einer solchen gefestigten Grundlage ist eine Ge sundung unserer gesamten Verhältnisse überhaupt möglich." Aus Kreisen des Einzelhandels erfahren wir hierzu folgendes Wirk- und Wollwaren benötigen eine Fabrikationsdauer von zirka einem halben Jahre. Sie werden von den Einzelhandels. gefchäften bei den Wirkereien in der Regel im Februar, März be. stellt und im August, September geliefert. Der größte Teil der Wirkereien deckt sich je nach dem Auftragseingang sofort mit den für die Fabrikation der Aufträge notwendigen Wollgarnen ein Der geringste Teil der Fabrikanten spekuliert, d. h. er wartet mit der Eindeckung der Wollgarne, wenn er glaubt, diese vorteilhoster vor nehmen zu können, als wenn er sich die Wollgarne sofort beschafft, eine geraume Zeit. Nun haben diese Firmen, die sich nach diesen Grundsätzen eindeckten, in diesem Jahre das Glück gehabt, daß bei der Wollauktion in London am 5. Mai ein sehr erheblicher Preis- stürz begann. Aber für dies« Fabrikanten besteht eine andere Ge- fahr, nämlich die, ob sie in der Lage sind, die L i e f e r f r i st e n, soweit solche in den Abschlüssen festgesetzt sind, auch einzuhalten. Und wenn sie das nicht können und bei den Einzelhändlern, ihren Abnehmern, um Gewährung längerer Fristen nachsuchen werden, so haben diese die Möglichkeit, auf die Preise zu drücken. Selbst von' denjenigen Wirkereien, die sich sofort bei den Abschlüssen mit dem notwendigen Wollgarn versehen hoben, hat jedoch ein Teil Zir- kulare an die Kundschaft verschickt, daß sie bereit sind, sich nicht an die Zlbschlußpreise zu holten, sondern zu den Tagespreisen, wenn diese niedriger als die Abschlußpreise sind, liefern werden. Unter den Firmen, die ein derartiges Zirkular versandt haben, ist z. B. die Fabrikansin der Jäger- und Ribana-Wäsche, die ein gewisses Monopol für ihre Fabrikate besitzt. Aus den erwähnten Beispielen geht hervor, daß in manchen Fällen Preisabschlüsse mit Rücksicht aus die allgemeine Marktlage durchaus möglich sind und den Fabri kanten zur Aufrechterhaltung ihres Absatzes sogar dienlich erschienen. Wir unsererseits möchten dazu betonen, daß die Vertragstreue selbstverständlich das oberste Prinzip jeder geschäftlichen Betätigung sein muß und daß es notwendig ist, überall zu festen Verträgen zu kommen, deren Innehalwng auch gewährleistet ist. Die Pro. duzenten machen nun ihren Abnehmern die Vertragstreue oftmals schwer, indem sie durch zu hohe Preise und offenbar ungerecht- fertigte Gewinnquoten die Ware künstlich verteuern. Daher kann es gar nicht schaden, wenn die Einzelhändler mit ollen Mitteln auf die Preise zu drücken versuchen und weim sie feste Verträge und doch möglichst billige Preise zu erreichen bestrebt sind. Wenn es gelingt, beide Prinzipien miteinander zu oereinigen, dann ist ein sehr großer Schritt vorwärts zur Gesundung unseres Wirt- schaftslebens getan. Der Bauauftrag der AEG. Eine lebhafte Kurssteigerung der .-Aktien, die in den letzten Tagen zu verzeichnen war, wird an der Börse mit dem an die AEG. erteilten Bauauftrag für daS neue städtische Großkraftwerk in Rummels- bürg begründet. Die Höbe diese? Auftrags wird auf 60 Millionen Mark beziffert. In dieser Form ist die Nachricht falsch. Di« AEG. kommt, wie wir hören, nur als Lieferantin der drei Turbo» Dynamo-Agregate von je 75000 Kilowatt Leistungsfähigkeit und der elektrischen Ausrüstung(Kabellegung usw.) des Kraftwerk« in Betracht. Die K o st c n diese« Teiles der Bauausführung können auf etwa ein Drittel, höchstens aus zwanzig Millionen Mark, ge- schätzt werden. Daneben laufen aber noch die Aufträge für die KanalauSschachtung, für die Hochbauten, für die Keffelanlagen und für die Kohlenförderung. Diese Austräge stellen zahlenmäßig den viel größeren Teil der Ausgaben dar. Aus der Presse ist bereit« bekannt geworden, daß die Direktion der Elektrizität?» werke die Absicht hat. die Ausführung der H o ch b a u t e n der Sozialen Bauhütte zu übertragen, wogegen die Unter» nehmer einen großen Protestrummel bereits inszeniert haben. Schnellbahobau zur Milderung der Arbeitslofigkeik. Im Rathaus zu Köln hat am 11. Juli eine Besprechung der Oberbürgermeister, Landräte und des Direktors des Ruhrkohlensiedlungsverbandes über die RHeinisch-Westsälische Schnellbahn stattgefunden. Hierbei ist folgende Entschließung gefaßt worden:„Die Städte Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hamborn, Köln, Mülheim. Oberhausen, die berührten rheinischen und westfälischen Landkreise und der Ruhrsiedlnngsver- band bekunden ihren einmütigen und entschlossenen Willen, die Rheinisch-Westfälische Schnellbahn bald zur Durchführung zu bringen. Sie erblicken in der Schnell- bahn ein für die Fortentwicklung und die Wohlfahrt des Bezirkes dringend nötiges Unternehmen, das zu einer starken Belebung von Industrie, Handel und Gewerbe führen wird. Sie sind davon überzeugt, daß die Schnellbahn �u einem günstigen wirt- schaftlichen Unternehmen werden und die in ihr angelegten Kapi- toiien angemessen verzinsen wird. Die Schnellbahn wird ferner während der mehrjährigen Bauperiode den Arbeitsmarkt be- leben und Tausenden von Arbeitern und Ange- st eilten Arbeit und Verdien st bringen. Der Bau muß daher in die gegenwärtige Periode der Arbeitslosigkeit gelegt werden. Sie sind daher entschlossen, sich mit ollen Kräften für die boldige In- angriffnahme der Schnellbahn einzusetzen." Genossenschaftlicher Wiederaufbau. Von der zwar sehr lang- sonwn, ober doch spürbaren Aufwärtsentwicklung der deutschen Konsumverein« liefert ein Vergleich der Umsatzergebnissc von 45 größeren und mittleren Thüringer Konsumvereinen für das erste Vierteljahr 1924 und 1925 einen Beleg. Während nämlich die Mitglicderzahl infolge Säuberung der Listen von Konjunktur- Mitgliedern der Zwangswirtschastszeit von 195 140 auf 194 052 zurückging, stieg der Umsatz von 7 678 863 M. auf 9 957 410 M. Nur zwei Verein« wiesen einen geringen Minderumsotz auf, bei den übrigen betrug die Zunahme 2,8 Proz. bis 216,4 Proz. �versthwsnAungssucht" öer Gemeknöen« Die gemeindefeindliche Haltung der Rechtsparteien und' der Industrie ist bei den Beratungen über den Finanzausgleich im Steuerausschuß des Reichstags so stark in die Erscheinung getreten, daß die antikommunale Haltung diesen Kreise jetzt auch vom Deutschen Städtetag ganz offiziell gebrandmarkt wird. Die bei der Beratung dcp Steuerentwürfe teils angenommenen, teils in Aussicht ges stellten Anträge der Rechtsparteien verraten eine so rcak» t i o n ä r e Einstellung gegenüber jeder selbständigen Arbeit in den Gemeinden, daß der Widerstand gegen diese Tendenzen: selbst in bürgerlichen Kreisen wach wird. Dos allge- meine Schlagwort, mit dem die von der Schwerindustrie bc- herrschte Presse die öffentliche Meinung gegen die Gemeinden mobil zu machen sucht, ist die These von der angeblichen „Verschwendungssucht". Wenn irgendeine Groß- stadt für die Sicherung ihrer künftigen Wohnungspolitik Grundstücke ankauft, erhebt sich regelmäßig in der ganzen Börsen- und Jndustriepresse ein ungeheures Geschrei. Jeder Spielplatz, den eine Gemeinde im Interesse der heran- wachsenden Jugend anlegt, wird als„L u x u s" gebrand- markt. Dieselben Kreise, die jahrelang die Inflation als das einzig wahre Heil hinstellten, die Hugo Stinnes als die Krona der Schöpfung anpriesen, versuchen jetzt alle Hebel in Be- wegung zu setzen, um den Gemeinden eine selbständige Ent- Wicklung unmöglich zu machen. Das Verfahren, das dabei angewandt wird, ist ein äußerst einfaches. Man wiederholt die Behauptung von de? Verschwendungssucht der Gemeinden ununterbrochen, sorgt dafür, daß vollkommen aus dem Zusammenhang heraus- gerissene Einzelheiten in verzerrter Form durch die Spalten der Presse geschleist werden, und hat es auf diese Weise bei d-.r starken Einslußmöglichkeit der Industrie leicht, die nicht bewiesene These als unumstößliche Weisheit hinzustellen. Das Verhalten der Regierungsparteien im Reichstag zeigt, wie sehr' Deutschnationöle und Deutsche Volkspartei sich nur als Bediente„der Wirtschaft" fühlen und wie sie bereit sind, alles zu apportieren, was von ihnen verlangt wird. Jahrelang haben sie gegen die Erzbergersche Steuerreform geschrien, jahrelang haben sie die Weimarer Verfassung eines doktrinären Zentralismus bezichtigt, jetzt übertrumpfen sie Erzberger und Weimar. Jetzt überzentralisieren sie das � deutsche Steuersystem, jetzt greifen sie rücksichtslos in die Be- fugnisie der Länder ein und versuchen, von Reichs wegen eins laufende Verwaltungskontrolle über die Ge- meindewirtschaft zu etablieren. In bezeichnendem Widerspruch zu der Unverfrorenheit, mit der sich die industrielle Presse von Männern, die gänzlich außerhalb der kommunalen Verwaltung stehen, die über gar keine Kenntnisse aus diesem Gebiete verfügen, den b l ü- hendsten Unsinn über die Wirtschast in den Genwinden zusammenschreiben läßt, steht die Qualität dieser Angriffe. Es ist bezeichnend, daß in einer Stadt wie Berlin, deren Stadt- verordnewnverfommlung in ihren Reihen maßgevenbe Abge- ordnete des Reichstags und des Landtages aus allen Parteien zählt, keine einzige Rechtspartei auch nur die Möglichkeit ge- ehen hat, bei dem großen Milliardenetat dieser Riesen- gemeinde irgendwelche Abstriche zu machen. Selbst die Deutschnationalen haben sich nach einer sechs Wochen langen eingehenden Beratung gezwungen gesehen, auf die von ihnen tüher verlangte Einstellung von Mitteln für die Auswertung zu verzichten, weil nach ihrem eigenen Geständnis dieser Etat ich in den Ausgaben durchaus auf das Notwendig sie beschränkte. Trotzdem ist es zweifellos richtig, daß in Deutschland von der Wirtschaft zu hohe steuerliche Leistungen für Vermal- ttmgszwecke erhoben werden. Die jetzt am Ruder befindlichen Parteien haben aber noch nicht den leisesten Versuch gemacbt, dem hier vorliegenden und auf die Dauer sehr ernsthaften Problem wirklich auf den Leib zu rücken. Die Milderung des Steuerdrucks von der Ausgabenfeite her könnte nur dann er- olgen, wenn eine grundlegende Verwaltungs- r e f o r m im Reich und in den Ländern an Haupt und Gliedern erfolgte. Der Deutsche Städtetag hat durch seinen Vorschlag einer Reichs-Städteordnung und der darin vorge» 'ehenen zwangsweisen Einführung des Einkörper- Systems zum erstenmal auf«inen Punkt hingewiesen, durch den ungezählte Millionen erspart werden können. Man kann gespannt sein, wie die Rechtsparteien im Reichstage sich diesem Vorschlag, der eine organische und nicht Willkür- liche Ersparnis bedeuten würde, gegenüber� verhalten werden. Wenn der ernsthafte Wille vorhanden wäre, da zu sparen, wo gespart werden kann, dann müßten sich die Rechts- Parteien dazu aufschwingen, die in Weimar steckengebliebene Entwicklung zum E i n h e i t s st a a t als ihre Forderung zu erheben. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Beseitigung der lächerlichen und kostspieligen Kleinstbaterei eine ungeheure Entlastung des Steuerzahlers mit sich bringen würde. Dazu fehlt es aber den Rechtsparteien vollständig an Mut. Sie bringen es nur fertig, in stümperhafter Weise eine willkürliche Beschneidung der sozialen Aufgaben der Ge- meinden vorzunehmen, wodurch gar nichts erspart, sondern nur die Verelendung der Massen gefördert wird. Sparsamkeit in Deutschland nicht dadurch zu erzielen, daß an den kulturellen Leistungen der Gemeinden herumgedoktert wird. ändern allein dadurch, daß der Behördenausbau übersichtlich und einfach gestaltet, die Vielheit der parlamentarisch regierten Länder beseitigt und eine Organisation der deutschen Ver- waltung nach sachlichen und wirtschaftlichen Ge- ffchtsvunkten durchgeführt wird. Würden die Kreise„der Wirtschaft" ihre Kritik an der Ausgabenwirtschast der öffentlichen Körperschaften nicht mit dilettantischen Redensarten bestreiten, die jeder Kenner bei all den vielen Einzelfällen mit Leichtigkeit widerlegen kann, ändern würden sie den Versuch zu einer wirklich positiven und schöpferischen Kritik machen, dann könnte aus dem an sich berechtigten Streben nach Milderung des Steuer- drucks eine durchaus erfreuliche Entwicklung sich ergeben. Solche Tendenzen sind aber bei den maßgebenden Kreisen nicht zu spüren. Die Rechtsparteien haben, seitdem sie am Ruder ind, auch nicht einen einzigen positiv zu verwertenden Vorschlag cner solchen umfassenden Reform gemacht, trotzdem sie wissen könnten, daß sie dabei Unterstützung auch in anderen Par- teien finden würden. Schon aus diesem Grunde kann man ohne Uebertreibung behaupten, daß diesem ganzen demago- gischen Gezeter gegen angebliche Verschwendungssucht der Kommunen in erster Linie Abneigung gegen die sozialen und kulturellen» e i st u n g e n zugrunde liegt und daß diese Abneigung bei„der Wirtschaft" gesteigert wird durch die Furcht vor dem starken und in Zuki-nft sicher noch stärker werdenden Einfluß der organisierten Arbeiterschaft in der Verwaltung der Großstädte und der Industriegcmeinden, Vsvüerstag 16. Mi 1925 Unterhaltung unö �Vissen Seklage öes vorwärts Die Staötbahn öonnert... Aus fahlen Flächen wächst die große Stadt aus Stein. Schon türmen sich zyklopisch graue Quadern. Der Zug stürmt über Straßen, Brücken, Wasseradern lind wühlt sich in die Weltstadt ein. Wir fahren hin in sausendem Geborgensein. Hoch um Berlin flammt letzter Abendschein. Noch zittern leicht die lichtbeträuften Schienen, Signale wachsen blumenhaft und fern, Als stünde strahlend Stern an Stern Hoch über allen, die der Arbeit dienen, Als müsse Glanz um diese Stirne sein. Die Stadtbahn donnert in den Bahnhos ein. Wegwischt der Zug die taumelhaften Lichter: Mit letztem Nasestoß ist nun die Stadt erreicht. Im sanften Spiegel vieler Angesichter Am Bahnsteig schönes Licht verlockt und weicht. In vielen Augen zuckt ein großer Schein, Als blühten Blumen auf in grauem Stein... Des Abends Süßigkeit nach so viel Tätigsein* In den Fabriken, Hinterhöfen und Kontoren Spült trunken über Stadt und Mensch wie Wein. Die ersten Sterne werden neu geboren. O du hoch über ollem Jammer schöner Schein! Die Stadt lacht auf und kann nicht traurig sein. _ Max Barthel. Zaleuke Moröhorst, üer wanüernöe Zpklop. Von Alfred Brust. Cr schob die abgescheuerte Fiedel unter sein schmutziges Leder- wams und wischte mit der Hand über sein einziges Auge. Sie hotten ihm nichts gegeben im Dorf, sondern waren neugierig und lächelnd um ihn gestanden und hatten ohne Verständnis den alten Liedern seiner Geige zugehört, wie kleine Kinder den Orgelpfeifen lauschen und nicht oerstehen können, woher die Töne kommen. Er wußte es: die Fischer waren häusig herzlos. Aber den Städten fluchte er! Er wollte freie Luft atmen und lieber hungern, als in den stickigen Mauern der Stadt den schwülen Geruch zerfaßter Frauen erleiden. Zaleuke Mordhorst, der einäugige Riese, war weit mit seiner Geige gewandert! Er hatte im MiUelmeer gebadet und aus Malta Pampelmusen gegessen: und er kannte die wilden Nächte der Do. brutscha. Die russischen Steppen hatte sein Fuß durchquert, und an sein Ohr hatte lange das Sprachgewirr der kaukasischen Stämme aeklungen. So war er alt geworden, sehr alt. Auf Fünfundfünszig schätzte ihn zwar, wer ihn sah. Aber schon siebzig Jahre waren an seinem Haupte vorübergezogen, obschon kein graues Haar an Kops und Bart ihm glänzte. Keine Runzeln hatte ihm die Faust des Schicksals ins Gesicht zu werfen vermocht. Zaleuke Mordhorst war wenigstens kein Graukopf. Das stand fest. Denn am frühesten Morgen lief er in die Einsamkeit und schwärzte die dicken, weißen Strähnen ängstlich mit einer glänzen- den Paste. Sehr langsam und deutlich war dieses, sein wichtigstes Tun. Es fiel nicht unangenehm auf, daß ihm das linke Auge fehlte: im Gegenteil, es machte den Wettcrmann fesselnd. Wo mochte er es verloren haben? Nirgend hatte er es erzählt. Vielleicht war es auch das Opfer eines seiner zahllosen Liebesabenteuer geworden. Denn Zaleuke war ein Jäger, ein vagabundierender, ein rechter Wilddieb, wenn man das so nennen soll. Und die immer wieder ausgefrischte Farbe seines Haares war hierbei von entscheidender Bedeutung. Er mußte dem zarten Geschlecht gefallen. Denn es heißt: die knorrige Eiche erschauert, wenn die weiche Brust einer Taube ihr hartes Geäst nur leise berührt. Er wußte, wo die Liebe wächst, und lief durch ihre zitternden Nächte. Und diese Leidenschaft hatte ihn über das ganze Festland getrieben.— Ol! Er maß zwei Meter in der Länge, zu welcher sein Körepr die nötigen Verhältnisse aufwies. Sein Gesicht Westarps Dolchstoß Zum Luther jagt üer Strefemann: »Liuft hat man selbst gewühlt, Zing Tag für Tag vom Dolchstoß an, Tluf üaß üle Stimmen man gewann, Uaü hat doch falsch gespielt! Graf Westarp sprach üen großen Sann Und hat auf uns gezielt. 3ch weiß nicht, wie ich weiter kann! Jetzt nämlich Hab' ich armer Mann Den Dolchstoß auch gefühlt!" war nicht gedunsen, aber auch eben nicht mager und wurde von einem wilden Vollbart innig umschlossen. Dazu trug er ein langes Haupthaar, das unter dem Hutrande sich kräuselte. Ueber das seh- lcnde Auge hatte er eine der dicken, schwarzglänzenden Strähnen gestrichen. Wie ein Folkunger schaute er aus, und sein Blick blitzte mitten hinein in jedes weibliche Herz! Zaleuke Mordhorst, der wandernde Zyklopl Er hatte in der Jugend ein berühmter Künstler werden wollen, doch ein steifer Finger, einer geperlten Zahnschnur grimmigen Bisses denkwürdige Folge, ließ diesen Wunsch nicht reifen. So meisterte er sein In- stntment für weniger kunstgeübte Ohren und spiette sich mit seiner Kantilene in aller Frauen Sehnsuchtsbrust. Er kannte die Leiden. schasten aller Voiksstämme Europas und wußte aller Rassen Reiz hinlänglich zu schätzen. Alle Abstufungen der Hingabe wußte er mit stillem Wort zu sagen, und feinfühlig war er geworden bis in den leisesten Charakter der Küsse hinein. Aber jetzt— plötzlich!— traf ihn dieses entgötterte Schicksal! Weshalb nur war er durch diesen Landstrich gezogen, den er bisher so streng gemieden hatte? Weshalb nur war er noch dem baltischen Meer gekommen, wo er so wenig offene Herzen fand, wo die Menschen alle heftig für die Existenz des eigenen Daseins kämpfen mußten, daß sie für sein Spiel kein Ohr zeigten? Er konnte ja nicht viel: und die alten, ach so alten Stücke verstand niemand mehr. Und die Frauen waren wild und kühl zugleich: und keinen Pfennig mehr beherbergte sein Beutel. Ihn plagte der Hunger, doch er war ihn auch gewöhnt. Aber die Liebe schwand für ihn dahin. Keine Frau sank ihm an die Brust, und kein Mund war, der ihn beruhigt hätte! Schlimme, stille Menschen— im kargen Reiz ihrer schweren Land- schoft!! So kam der erste Tag, an dem Zaleuke sein weißes Haupt nicht mehr verbergen konnte.'Schmutziggrau hingen ihm Bart und isaar auf dem Körper herab. Er ging hinaus aus das Feld, stierte in seinen runden Kaiserspiegel und weinte aus seinem Auge dicke Tränen. Nun krachte für ihn die Welt in allen Fugen. Nun strömten seine Leiden heißeren Gefühls hervor. Und der reine Horizont stand ihm in Flammen! Zaleuke brachte keinen Groschen aus.... Es kam der zweite Tag. Und Zaleuke wusch sein Haar im sal- zigen Meer, bis es weiß war. Er kannte sich fast selbst nicht wieder. Die Lücke des fehlenden Auges gähnte schmerzlich ins Nichts und mußte jeden erschüttern und abstoßen, der ihn nur ansah. Aber auch kein Erbarmen gab ihm Geld. Ueber Brot und Fisch reichte die Teilnahme dieser Menschen nicht hinaus. Einsam wankte er durch Felder und Wald. Was nützten ihm die Sonnenuntergänge in lila und der Vögel Lied aus schwanken Zweigen! Er taumelte hin und weiter, und es war einen ganzen Monat hindurch Abend und Morgen geworden, und finster war es in Zaleukes Herzen. Und als es wieder einmal Morgen wurde, konnte er dieses Los nicht mehr ertragen. Traurig schritt er an einem Seeufer hin und suchte noch einer Stelle, die tief genug war. Da tönte liebliches Plätschern an sein Ohr. Verstohlen tugte er durch däs Gebüsch... Bestürzt ober zog er den Kopf zurück... Nein! Nein!!— Ein altes Weibchen! Weiß Gott!— Er schloß das Auge, und volle, warme Gestalten gingen an seiner Dunkelheit vor- über. Von einem Elsenreigen bei Vollmondschein im Waldgrunde träumte er... Aber was wollte er denn?— War er, Zaleuke Mordhorst, nicht ein Scheusal anzusehen? Wer gab ihm das Recht nach Leibern zu haschen, die der Jugend waren? Weshalb wider- strebte er dem geselligen Gern von Gleich und Gleich?!--- Ein Schrei!!— Die alte Dame fühlte sich entdeckt----- Zaleuke Mordhorst schritt durch das friedliche Dorf. Von ungefähr trat er in eine Kräuter- und Salbenhandlung und rief schon aus der Türschwellc gestrafft mit jugendfrischer Stimme:„Eine Paste, bitte! Eine Paste!!� Und dabei vollführte er nach Bart und Haupt eine eindeutige Bewegung.„Nicht diese, Herr! Eine andere, wenn ich bitten dari. Schwarz! Schwarz!! Soooo!— Drei Mark fünsundsiebzig? Bitte fünf! Ja— jünf solche!!" Und ließ silberne Münzen aus den Händen rollen.... Sinü die Reichen glücklich! von Stephen Ccocock.*) Laßt mich dieser Abhandlung die Bemerkung vorausschicken, daß ich sie, ohne angemessenes Material gesammett zu haben— rrezu ich leider nie Gelegenheit hatte— niederschreibe: Denn reiche Leute habe ich niemals kennen gelernt. Ost dachte ich, endlich ein- mal wirklich Reiche gefunden zu haben, aber es stellte sich dann heraus, daß ich mich wiederum getäuscht hatte. Sie waren absolut nicht reich, sie waren ganz arm. Sie waren in arger Bedrängnis, sie steckten in einer Geldklemme. Sie wußten nicht einmal, wo sie lOOOv Dollar hernehmen sollten. In all die Fälle, die ich studierte, schlich sich derselbe Irrtum ein. Ich hatte mir eingebildet, aus der Tatsache, daß Leute fünfzehn Dienstboten hielten, schließen zu können, daß sie reich wären. Ich hatte angenommen, daß eine Frau, die in einer eleganten Limousine zur Stadt fuhr, um sich einen Hut für 50 Dollar zu kaufen, in guten Verhältnissen lebe. Aber ganz!>«, gar nicht. Bei näherer Prüfung zeigte es sich, daß diese Leute absolut nicht reich sind. Sie sitzen in der Klemme. Sie sagen es selbst. Im Druck sein, das ist das Wort, dos sie gebrauchen. Wenn ich eine schimmernde Gruppe von acht Leuten in einer Opernloge sitzen sehe, weiß ich, daß alle im Druck sind. Die Tatsache, daß sie im eigenen Auto nach Hause fahren, hat damit nichts zu tun. Einer meiner Freunde, der 10 000 Dollar im Jahr hat. setzte mir neulich seufzend' auseinander, daß es für ihn ganz unmöglich fei. es mit den Reichen aufzunehmen. Mit diesem Einkommen könne er es absolut nicht schaffen. Eine mir bekannte Familie, die 20 000 Dollar im Jahr hat. erklärte mir dasselbe. Sic können mit den Reichen nicht Schritt halten. Sie versuchen es erst gar nicht. Ein Mann, den ich sehr hoch schätze, verdient als Anwalt 50 000 Dollar im Jahr. Er erzählte mir mit großem Freimut, daß er mit den Reichen nicht mitmachen könne. Er sagte, es sei besser, der brutalen Tatsache, arm zu sein, ins Auge zu sehen. Er könne mich nur zu einer einfachen Mahlzeit, die er häusliches Abendessen nennt, einladen und bitte mich, damit vorlieb zu nehmen. Drei Männer und zwei Frauen sind nötig, um es zu servieren. Soweit ich mich erinnern kann, bin ich nie Carnegie begegnet, aber wenn es der Fall gewesen wäre, hätte er mir sicher mitgeteilt, daß es für ihn ganz unmöglich '> Im Verlag Williams& Co., Charlottenburg. Königsweg 33, ist soeben der erste Band„Humor und H» m b u g" des bekannten kanadischen Humoristen Stephan Lcacock erschienen, dem wir die obcnstehende Satirc entnehmen. �____ sei, mit Rockefeller Schritt zu halten. Und ahne Zweifel Hot Rocke- feller die gleich« Ueberzeugung. Andererseits gibt es und mutz es irgendwo reiche Leute geben. Ich stoße überall auf ihre Spuren. Der Ausscher des Gebäudes, in dem ich beschäftigt bin. erzählt mir, daß er einen reichen Vetter in England habe, der an der Südwest- Eisenbahn ist und zehn Pfund die Woche bekommt. Er sagt, die Eisenbahngesellschaft wüßte nicht, was sie ohne ihn anfangen sollt«. Ebenso hat die Frau, die in meinem Hause wäscht, einen reichen Onkel. Er lebt in Winnipeg, im eigenen unverschuldeten Hause und hat zwei Töchter, die auf die höhere Töchterschule gehen. Aber dies sind lediglich Berichte vom Reichtum. Ich kann mich nicht für sie verbürgen. Wenn ich von reichen Leuten spreche und nachdenke, ob diese glücklich sind, kann ich selbstverständlich meine Schlußfolgerung nur von Leuten ziehen, die ich kenne und sehe. Mein Urteil ist, daß die Reichen grausame Versuchungen und bittere Tragödien erleiden, von denen die Armen nichts ahnen. Die. Armen sitzen behaglich zu Lzause, während der Sterling um zehn Punkte täglich fällt. Regen sie sich darüber aus? Nicht ein bißchen. Eine ungünstige Handelsbilanz überschwemmt die Nation wie eine Sturmflut. Wer hat das auszubaden? Die Reichen. Ich kenne einen Mann— er heißt Spugg— dessen privates Bankkonto vorigen Monat mit zwanzigtausend Dollar überzogen war. Er er- zählte mir das beim Abendessen im Klub, als Entschuldigung dafür. daß er verstimmt sei. Cr sagte, es wäre ihm ein ungemütliches Gefühl, und er fände es von seiner Bank unfair, ihn darauf auf. mertsam zu machen. Er werdee wohl seinem Bureau telephoniercn müssen, ein paar Papiere zu verkaufen, um das Konto auszu- gleichen. Arme Leute brauchen nie dergleichen zu tun. Mir sind zwar Fälle bekannt, wo vielleicht etwas Möbel oerkauft worden sind, aber man stelle sich vor, die guten Papiere aus dem eignen Schreib- tisch. Darin steckt eine Bitternis, von der der arme Mann nichts ahnen kann. Mit demselben Herrn Spugg habe ich mich oft über das Problem des Reichtums unterhalten. Er erzählt mir immer wieder, daß das Geld, das er zusammengebracht hat, eine bloße Last für ihn sei. Oft, wenn ichs mit ihm bei einem Essen von nenn Gängen sitze, spricht er davon, wieviel lieber es ihm wäre, eine einfache Portion Schmeinefleisch mit Rüben zu verzehren. Ich habe es ver- Hessen, manim er es eigentlich nicht tut. Ich habe oft gesehen, wie Spugg sein Glas mit Champagner oder sein Glos, nachdem er den Champagner ausgetrunken hat, verächtlich von sich schiebt. Cr denkt an eine Quelle auf seines Vaters Farm zurück, wo er sich, auf allen Vieren liegend, satt trank. Champagner, sagt er. kann niemals so' wie das schmecken. Ich habe ihm vorgeschlagen, sich im Klub flach auf den Bauch zu legen und eine Untertasse voll Sodawasser aus- zutrinken. Aber das will er nicht. Spugg betrachtet, wie ich bereits mitgeteilt habe, seinen Reich, tum als eine schwere Bürde. Ich habe ihn schon oft gefragt, warum er sie nicht von sich abwälzt, z. B. auf eine Universität. Denn trog allem, was Herr Carnegie und andere getan haben, gibt es noch tausende und aber tausende alter Professoren von fünfunddreißig und sogar vierzig Jahren, die Tag für Tag vor sich hinarbeiten und nichts dafür bekommen als ihr Gehalt und eine Versorgung, die mit bis zum fünfundachtzigsten Lebensjahre reicht. Aber Herr Spugg sagt, sie seien die Helden der Nation und ihren Lohn fänden sie in ihrer Arbeit. Aber man darf das Schicksal der Reichen nicht in allzu düsteren Farben malen. Es gibt auch bei ihnen Fälle reinen, unbeschwerten Glücks. Ich habe beobachtet, daß dies besonders bei Reichen der Fall ist, die dos Glück hoben, ruiniert zu sein. Es mag durch die Börse geschehen sein, oder durch Banken, oder auf ein Dutzend andeivr Arten und Weisen. Die geschäftliche Seite des Ruiniert- merdens ist nicht schwer. Wenn die Reichen erst einmal ruiniert sind, ist, soweit meine Beobachtung langt, olles in Ordnung. Sie können sich dann, was sie nur wollen, leisten. Diese Wahrnehmung wurde mir erst neulich wieder bestätigt. Ich ging mit einem Freunde spazieren, als ein Auto mit einem eleganten jungen Mann vorbei- kam, der sich vergnügt mit einer hübschen Dame unterhielt. Mein Freund nahm seinen Hut ab und schwenkte ihn so aufmunternd. als ob er Glück und Zuversicht hinüberwinken wollte.„Der arme Kerl, der Edward Onerjoi," sagte er. als das Auto nicht mehr zu sehen war.„Was ist denn mit ihm los?"„Hast du nicht davon gehört? Er ist vollkommen ruiniert— man hat ihm nichts ge- lassen— nicht einen Cent."„Ach Gott," sagte ich,„das ist ja schrecklich, da wird er wohl sein schönes Auto verkaufen müssen?" Mein Freund schüttelte den Kopf.„Ach nein", sagte er,„das will er wohl nicht. Seine Frau hätte das nicht gern." Mein Freund hat recht. Die Overjois hoben ihr Auto nicht verkaust, noch ihre herrliche Sondsteinvilla. Ich glaube, sie hängen zu sehr an ihr, um sie zu verkaufen. Ein paar Leute dachten, daß sie ihre Opernloge ausgeben würden. Aber anscheinend auch das nicht. Sie sind zu musikalisch, um es zu tun. Währenddessen ist es eine allgemein bekannte Tatsache, daß die Overjois absolut ruiniert sind. Sie besitzen tatsächlich nicht einen einzigen Cent mehr. Nach meiner Information könnte man sich Overjois für zehn Dollar kaufen. Aber ich sehe, daß er noch immer einen Sealpelz trägt, der wenigstens fünfhundert Dollar wert ist._______ j SAISON AUSVERKAUF Beginn 1. Jull schwarz Rindbox, 50 In fast allen Abtellungen Mengenabgabe vorbehalten Herren- Stiefel 14" Herren- Anzüge 270000 Einsatzhemden moderne Form, Verarbeitung.. Haarhut X Selbstbinder relne Selde Gartendecken durchgewebt, 110/150..... 590 175 3.50 ans mittelfarbigen Homespanstoffen, in guter Verarbeitung... Herren Mäntel 38ºº580 aus farbig gemusterten Stoffen, in langer Mantelform..... gebleicht, mit schönen Einsätzen, in den Grössen 4-8.... Herren- Netzjacken Herren- Socken naturfarb., 195 Grösse 4-7 95 PL verstärkte Farse a. 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Fettgedrucktes Wort 0,20 Goldmark( zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche das 1 Wort( fett) 0,10 Goldmark, jed.weitere 0,05 Goldmark. Worte mit mehr als 15 Buchstab.zähl doppelt. Eine Goldmark= 1 Dollar geteilt durch 4.20 Anzeigen, welche für die nächste Hammer bestimmt sind, müssen bis spätestens 4 Uhr nachmittags in der Haupt- Expedition des Verwärts, Lindenstraße 3. abgegeben werden. Dieselbe istwochentags von morgens 9 Uhr bis nachmittags 5Uhr ununterbrochen geöffnet. Verkäufe Reikzeuge( Richter- Präzision), Sicher. Weininger n. 6o. Spezialhaus flir Gardinen, Stores, Deden, Große Frankfurter Straße 104, erste Etage, Fahrräder Linienstraße 65! Herrenräder, Damenam Strausberger Blaß. Unser Saison- räder, Rennmaschinen zu Einführungsausverkauf hat am 13. Juli begonnen, preisen. Kleine Anzahlung, bequemite er bietet Ihnen nie wiederkehrende Teilzahlung. Schachmann, Linienftr. 65. Borteile. 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