Nr. 33542. Jahrg. Ausgabe A r. 172 Bezugspreis: 238chentlich 70 Bfennig, monatlic 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, Sears and Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Suremburg 4.50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Beit" mit„ Gied lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: .Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille.. Beile 80 Pfennig. Reklamezile 5, Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( aufäffia zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wori 15 Bfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. faben zählen für zwei Borie Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. Atraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Donhoff 292-295 Berlag: Dönhof 2506-2507 Sonnabend, den 18. Juli 1925 Befreiung des Ruhrgebiets. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gefellschaft, Depofitentasse Lindenstraße 3 Die Hindenburg- Amnestic. Bon Kurt Rosenfeld. Die Räumung offiziell notifiziert. Auch Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort auswärtigen, Stresemann, angekündigte und dann nach werden geräumt. Jn Düsseldorf, 17. Jul.( WTB.) Nach der amtlichen Mit- alliierten Regierungen betundeten Absichten und des Wunsches, daß teilung des Oberbefehlshabers der alliierten Besatzungstruppen die gegenwärtigen Berhandlungen mit Deutschland über den SicherGeneral Guillaumatan den Regierungspräsidenten heitspakt und der Abrüstung zu einem günftigen Ergebnis führen. in Düsseldorf haben die franzöfifche und die belgische Re- Bezüglich des Pattes erwarfen wir Deutschlands Antwort. gierung beschlossen, die seit dem 11. Januar 1923 rechtsrheinisch Condon und in Paris wird eifrig an der Redaktion des endgültigen besetzten Gebiete zu räumen. Und zwar erstens am 20. Juli vor Sicherheitspaties gearbeitet. Belgien wird an jedem Beschluß engMitternacht werden geräumt sein: a) das gesamte belgische ftens beteiligt sein." Besetzungsgebiet, b) das franzöfifche Befehungsgebiet, soweit es in der Provinz Westfalen liegt, zweifens am 31. Juli vor Mitternacht wird geräumt sein der Rest des französischen Be fehungsgebietes. Nach dieser Räumung wird die Grenze des Gebietes, dessen Besetzung aufrecht erhalten bleibt, folgendermaßen festgesetzt: Bom Rhein ab die Nordostgrenze der Gemeinde Walsum bis zum Nordeften der Kolonie Wehofen, dann die Trennungsgrenze der Ges meinden Holten- Hamborn, vom Nordwesten von Mollenbrofhof bis zur Südspizze des Friedhofes von Holten, im Osten von Mattler busch, dann die Straße von Holten nach Neumühl einschließlich des Einscherkanais bis zur Eisenbahnbrücke von Oberhausen- Sterkrade, dann eine fingierte Linie, die diese Puntte mit dem äußersten Ostpunkte des Bahnhofes Oberhausen- Best verbindet, d. h. bis zur Ludendorffstraße einschließlich, dann die Ludendorfstraße, BilmSchacht- und Luisenstraße, Tarnenweg, Kierdstraße und Alleestraße, dann die Eisenbahn von Oberhausen nach Styrum, die Steinhaus straße bis zur Raffelsberger Brüde einschließlich, die Ruhr bis zur Eisenbahn von Styrum nach Kettwig, dann die Eisenbahn von Styrum nach Kettwig bis zur Höhe der Hollunder- und der Düffelderfer Straße( Weg nach Ratingen); der Weg von Saarn nach Ratingen, dann die Berbindungsgrenze des Kreises Düsseldorf- Land bis zur Grenze des Brüdentopfes Köln. In der Mitteilung wird weiter zum Ausdrud gebracht, es werde von der französischen und belgischen Regierung erwartet, daß bei der Ruhrräumung alles vermieden werde, was der Politit der Befriedung zuwiderlaufen könne, besonders daß keine Kundgebungen bei dem Abmarsch der Truppen oder gelegentlich ihres Anmarsches stattfinden. Paris, 17. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Nach Meldungen aus Brüssel soll der belgische Außenminister Bandervelde offiziell mitgeteilt haben, daß die zwischen den allierten Kabineffen geführten Verhandlungen nunmehr zu dem Beschluß geführt haben, die Städte Duisburg. Düsseldorf und Ruhrortzugleich mit dem Ruhrgebiet bis späteffens zum 15. Auguft zu räumen. Bochum, 17. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Gebietskommandant der Bochumer Zone, General Frand, hat an den Bochumer Oberbürgermeister folgendes Schreiben gerichtet:„ Ich habe die Ehre, zu Ihrer Kenntnis zu bringen, daß die französische Regierung die Räumung des seit dem 11. Januar 1923 auf dem rechten Rheinufer besetzten Gebietes bestimmt hat. Das Gebiet von Bochum wird am 20. Juli bis Mitternacht geräumt sein. Herr von Schubert, Etaatssekretär im Auswärtigen Amt, hat die französische Regierung missen lassen, daß er sich bemühen wird, im Moment der Räumung des Ruhrgebiets alles zu vermeiden, was der Verständigungs. politik zuwider wäre, zu der sich die beiden Regierungen befennen. Ich bitte Sie, im Geifte dieser Abmachung alle entsprechen den Maßnahmen zu treffen, damit feine Rundgebungen vorkommen, weder im Moment des Abzugs der Truppen noch gelegentlich der Abfahrt. Entsprechend dem Befehl des fommandierenden Generals wird die Kontrolle der Besagungsbehörden im Gebiete von Bochum am 20. Juli Mitternacht aufhören." RäumungsEine Rede Vanderveldes. Handelsprovisorium mit Deutschland. frage.- Sicherheitspakt. Brüffel, 17. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Außenminister B a ne dervelde legie der Kammer den Text des wirtschaftlichen Provi. foriums mit Deutschland vor. Er bemerkte, seit dem 7. Januar 1625 bestände zwischen Deutschland und Belgien eigentlich ein Bu stand der Feindseligkeit. Belgien unterwerfe meistens deutsche Importartifel einem Differenzialtarif, während Deutschland Belgiens Waren einem autonomen Tarif und strengem Einfuhrverbote unterwerfe. Dem müsse schnellstens ein Ende gemacht werden. Ferner müsse möglichst verhindert werden, daß Belgien durch eine Erhöhung deutscher autonomer Tarife getroffen werde. Das sei der 3med des Handelsabkommens vom 4. April gewesen, das genau wie das belgisch- französische Abkommen rein provisorisch sei, da beide Großmächte ihren Bolltarif gegenwärtig vollständig umarbeiteten. Im weiteren Berlaufe der Sigung Sprach Bandervelde über bie Ruhrräumung, indem er ausführte:" Wir stehen am Borabend der Ruhrräumung. Bezüglich des fogenannten Sanffions gebietes", das Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg einschließt, fann ich mich öffentlich nicht mehr äußern, da dies vom Beschluß der Alliierten abhängt. Ich kann nur sagen, daß diese Frage in wenigen Tagen gelöft fein werde, im Sinne der 1924 in London von ben Rechtsstreit mit Polen. Vor dem Haager Internationalen Gerichtshof. Zum drittemnal treten sich Vertreter der deutschen und der polnischen Nation vor den Schranken des Internationalen Völker bundsgerichtshofes gegenüber. Vor drei Jahren handelte es sich um eine Entschädigung dafür, daß die Reichsregierung während des polnisch- russischen Krieges einen mit Munition beladenen franzöfifchen Dampfer im Kaiser- Wilhelm- Kanal die Weiterfahrt verboten hatte; Bolen trat hier als Nebenfläger auf. Bor zwei Jahren wurden die Rechte deutscher Optanten internationalgerichtlich festgestellt; auf Berlangen des Bölkerbundsrates war ein Gutachten abzugeben über die Auslegung eines Bertragsartikels, der es zweifelhaft ließ, ob er Abfömmlinge von Deutschen mit einem polnischen Wohnfig an einem bestimmten Datum das Recht gab, in Polen zu bleiben und die polnische Staatsangehörigteit zu erwerben. Der Streit in dem am Freitag im Haag begonnenen Brozeß dreht sich nicht um einen materiellen Konflikt, sondern um die formale Frage, ob der Internationale Gerichtshof für eine Entscheidung zuständig ist. Die diesjährige ordentliche Tagung des Gerichtshofes begann mit ungewöhnlicher Feierlichkeit. Als der Präsident, der Schweizer Bölkerrrechtslehrer Huber, die Sigung eröffnete, war der nieder ländische Justizminister und das Haager diplomatische Korps, dar unter die Gesandten Deutschlands und Desterreichs, anwesend. Nach den Vorschriften der internationalen Gerichtsverfassung war je ein Bürger Deutschlands und Bolens unter die Ständigen Bölkerbundsrichter aufzunehmen. Für Deutschland nahm der Münchener Universitätsprosessor Kabel, für Polen der Rektor der Universität Kratau Roftworowski auf der Richterbank Plaz. Dann begannen der Bertreter des polnischen Staates, der Präsident des Barschauer Obersten Gerichtshofes Mrozowski und der von Polen als Anwalt gewonnene Holländer Limburg ihre Plädoyers. Der Prozeß dreht sich in der Hauptsache um das Eigentum an dem oberschlesischen Stidstoffwert in Chorzow. Es liegt in dem abgetretenen Teil von Oberschlesien. Bolen behauptet, das Wert sei deutsches Reichseigentum gewesen; gemäß Art. 256 des Verjailler Vertrages aber falle Staatseigentum in einem abge tretenen Gebiet dem Staat zu, der dieses Gebiet erwirbt; sein Wert wird Deutschland auf Reparationstonto als Reparationszahlung gutgeschrieben. Deutschland habe durch die Gründung der Attien gesellschaft Oberschlesische Stickstoffwerke am 28. Dezember 1919, also unmittelbar vor Infrafttreten des Versailler Vertrages, versucht, bas Etaatseigentum in Brivateigentum umzuwandeln; das sei als Scheingeschäft ungültig. Polen sei zur Beschlagnahme berechtigt. Wenn die Stiftoffwerte jedoch Staatseigentum sind, dann ist der Internationale Gerichtshof auf Grund des Oberschlesienabkommens und des Friedensvertrages zur Entscheidung über das Eigentumsrecht nicht zuständig; der Wert ist von der Reparationsfommission festzustellen. Die deutsche Behauptung demgegenüber geht dahin: Polen hat im Widerspruch mit Bestimmungen des Genfer Oberfchlesienablommens die Slidstoffwerte enteignet, trotzdem sie Privateigentum waren und als solches der Enteignung nicht unterworfen find; für eine Entscheidung aber hierüber ist der Bälterbunds. gerichtshof zuständig. Angesichts der Kürze des porangegangenen schriftlichen Verfahrens und der zahlreichen von den polnischen Vertretern vorgebrachten Gründe bat der deutsche Ber. treter, der Bonner Universitätsprofessor Erich Raufmann, um Ber tagung bis Sonnabend, die der Gerichtshof bewilligte. Indische Antwort an England. Endlich ist der schon vor langer Zeit vom Minister des Hindenburgs Amtsantritt von neuem in Aussicht gestellte monatelangen Vorbereitungen Amnestiegesehentwurf dem Reichsrat zugegangen. Nach den Reichsregierung mit den Vertretern der einzelnen Länder und Besprechungen der einerseits und mit den Vertretern der Parteien andererseits hätte man wirklich erwarten dürfen, daß der Entwurf höheres Berständnis für die Notwendigkeit einer umfassenden Amnestie beweisen würde. Die Reichsregierung verzichtet von vornherein darauf, allen in Deutschland zu hart Verurteilten eine Erleichterung ihres Schicksals zu bringen. Aengstlich weicht die Regierung vor den in den letzten Jahren immer stärker geltend ge= machten Rompetenzbedenten einzelner Länder zurüd. Während bei früheren Amnestieberatungen wenigstens die Reichs regierung die in der Verfassung aufgerichtete Justizhoheit des Reiches insofern vertrat, als sie die Zuständigfeit des Reiches für die Gewährung einer Amnestie gegenüber allen in Deutschland erlassenen Urteilen in Anspruch nahm, versucht die jetzige Reichsregierung gar nicht erst, eine umfaffende Amnestie zur Durchführung zu bringen. Sie überläßt Bayern fich selbst, ohne auch nur den Bersuch zu machen, den Opfern der bayerischen Ausnahmejustiz Hilfe zu bringen. Sie beschränkt sich von vornherein darauf, die Amnestie nur für solche Urteile zu gewähren, die von einem durch das Reich eingesetzten Gericht gefällt worden sind. Die Amnestie soll also nur die Urteile des Staats= gerichtshofes zum Schuge der Republik, des Reichsgerichts und der etwa vom Reich eingefetten Ausnahmegerichte beseitigen oder mildern. Danach kommt für die Amnestierung von vornherein nur ein fleiner Ausschnitt der deutschen Klassen- und Parteijustiz in Betracht. Durch diese Abgrenzung wird die Reichsamnestie auf politische Vergehen und Verbrechen beschränkt, da in der Regel nur politische Defitte von den durch das Reich eingefehten Gerichten abgeurteilt worden sind. Den wegen anderer Delitte und den von Gerichten der einzelnen Länder Berurteilten bringt also die jetzige Amnestievorlage gar nichts. Sie sollen offenbar auf Amnestie und Begnadigungen in den einzelnen deutschen Freistaaten vertröstet werden. Dabei darf es jedoch besonders nach den Erwerden. Dabei darf es jedoch -sein Bewenden nicht haben. Der fahrungen mit Bayern Reichstag wird den Umfang der Amnestie erweitern müssen. Auch in den engen Grenzen dieser Reichsamnestie foll nur ein fleiner Teil der politischen Straftaten von der Amnestie betroffen werden, und zwar in verschiedener Weife, je nachdem, ob es sich um bereits rechtsträftig entschiedene oder um noch schwebende Prozesse handelt. Straferlaß soll für die zur Zeit des Inkrafttretens des Amnestiegesetzes noch nicht verbüßten Strafen eintreten, die wegen Hochperrats und Geheimbündelei( nicht wegen Landesverrats!), wegen Verstoßes gegen einzelne Bestimmungen des Republikschutzgesetzes und wegen damit in Zufammenhang stehender Straftaten verhängt worden sind, soweit der noch nicht verbüßte Straf r eft höchstens Geld= ftrafe oder Haft oder einjährige Festungshaft oder einjähriges Gefängnis allein oder nebeneinander beträgt. Damit sind 3uchthausstrafen überhaupt und längere als einjährige Feftungshaft oder Gefängnisstrafe von der Amnestie ausgeschlossen. Dieser Ausschluß ist aber schon mit Rücksicht darauf unerträglich, daß fast nur gegen Lints radikale Zuchthausstrafen und längere als einjährige sonstige Freiheitsstrafen erkannt worden sind. Die Amnestie soll offenbar in erster Linie den Rechtsradikalen gelten. Eine Amnestie ist aber für uns nur dann annehmbar, wenn sie nach rechts und links einigermaßen gleichmäßig wirkt. Einstellung fchwebender Verfahren soll eintreten bei Borliegen der oben erwähnten Delifte, wenn die Tat vor dem 1. Oftober 1923 begangen worden ist. Ausgeschloffen von aller Amnestie sollen diejenigen sein, die Mord, Totschlag, schwere Körperverlegung, schweren Raub, Brandstiftung, vorfäßliche Eisenbahntransportgefährdung, Sprengstoffverbrechen oder Hochverrat im Rüdfall begangen oder ausschließlich aus Roheit, Eigennutz oder Also weitgehende Ausnahmen, die jede für sich auf ihre Berechtigung hier noch zu prüfen sein werden. Die Swaraj- Partei für Zusammenarbeit und Autonomie. Salfufta, 17. Juli.( WTB.) Der Generalrat der Swaraj Bartei hat eine Entschließung gefaßt, in der er Gewalt- onstigen nicht politischen Beweggründen" gehandelt haben. tätigteiten verurteilt und der Regierung die mit arbeit der Partei anbietet unter Bedingungen, die der verstorbene Parteiführer Das zuletzt in seiner Rede zu Faridpur am 2. Mai niedergelegt hatte, in der er die Anerkennung der indischen Autonomie für die nächste Butunft Die Entschließung verwahrt sich jedoch gegen forderte. 2ord Birtenbeads legte Nebe, da diese nicht nur feine Ant wort auf das Anerbieten Das' sei, sondern darauf angelegt fcheine. die 8ufammenarbeit zwischen Swaraj Partei und englischer Regierung zu erfweren, wenn nicht unmöglich zu machen. Die Entschließung erklärt weiter, daß der Generalrat feinen Grund jehe, von der bisherigen Parteipolitit abzuweichen. • Ganz selbstverständlich ist der erwähnte Vorschlag der Regierung, daß nach dem 1. Oftober 1923 begangene Handlungen nicht amnestiert werden sollen. Mit diesem Zeitpunkt ist eine ganz willkürliche 3äsur vorgenommen, für die man vergeblich eine fachliche Begründung fuchen wird. Geht man davon aus, daß die durch die Inflation und ihre Folgeerscheinungen hervorgerufenen Delikte durch die RechtSprechung zu hart getroffen wurden und deshalb durch eine Amnestie mildernder Beurteilung zugeführt werden sollen, so tann man nicht gerade den 1. Oftober 1923, einen mitten in die Inflation fallenden Zeitpunkt als entscheidend an- sehen. Man wird besonders berücksichtigen müssen, daß die stärkste Markentwertung erst im Oktober und November 1923 eintrat, und daß infolgedessen auch gerade in diese Monate, teilweise auch noch in die spätere Zeit, die größte Zahl der Teucrungsunruhen fällt, daß also gerade diejenigen Delikte von der Amnestie ausgenommen fein würden, die ihrer am ehesten bedürfen. Anscheinend dient der 1. Oktober 1923 nur dazu, um die zahlreichen Fälle der Vorbereitung des choch� verrats, wegen welcher gegen Mitglieder der Konununisri- fchen Partei Verfahren schweben, von der Amnestie aus- nehmen zu können. Diese Tendenz ist unverkennbar. Wir aber können die Hand nicht bieten, daß eine so einseitige Vorlage Gesetz wird. Denn die Wirkung der von der Re- gicrung vorgeschlagenen Amnestie wäre mit Sicherheit die Außerversolgsetzung der Führer des Kapp-Putsches, der Mit- glieder der Organisation Consul und ähnlicher Organisatio- nen, die ganze Amnestie also vor allem ein Geschenk an die Rechtsradikalen, in deren Reihen dann kaum noch Verfolgte zu finden sein werden, und auf der anderen Seite die Fortsetzung der Strafverfolgung gegen viele Links- radikale. Dieses Ergebnis ist um so unbefriedigender, als die ganze Härte der Strafverfolgung und Bestrafung ohne- die? nur die Linksradikalen getroffen hat, die aber im Jahre 1923 höchstens einen Putsch vorbereitet, während die Rechtsradikalen einen solchen im Jahre 1929 und in Bayern auch 1923 mit einem gewissen Exfolg durchgeführt haben. ls e d e Befristung ist außerdem unbelriedigend, weil sie zur Amnestie nicht alle bis zur Amnestie begangenen Hand- lungen betrifft, das Wesen einer wirklichen Amnestie aber darin besteht, eine allgemeine Befriedung wegen der in der Vergangenheit liegenden Handlungen herbeizuführen. Bedenkt man schließlich, daß gegenüber den Sepora- listen, wenn auch gezwungen durch die Entente, eine um- fassende Amnestie ergangen ist, so würde es geradezu im- erträglich sein, wenn die Linksradikalen weiter ihre Strafe bis zum letzten Tage verbüßen müßten. Gerade die Am- ncstierung vieler Separatisten, die sich lxitten kaufen lassen und dann a's angeblich politische Gefangene freigelassen wurden, nötigt geradezu, niemand schlechter zu behandeln als jenes Gesindel. Bei dieser Sachlage wird die Sozialdemokratische Partei alles aufbieten, damit schnell und umfassend die von uns seit Iahren geforderte und in allen Strafanstalten sehnsüchtig erwartete Amnestie beschlossen wird. Aus dem Hindenburg- Vorschlag einer„Amnestie" muß eine wirkliche Am- nestie gemacht werden. Mit den unverständlich gebliebe- nen Urteilen einer krassen Partei- und Klassenjustiz muh endlich und gründlich aufgeräumt werden. fiUc Jrauen mit der Linken! Ein denkwürdiger Abstimmungskampf im Reichstag. Es kommt nicht oft vor, daß die Frauen des Reichstags in gemeinsamer Linie marschieren, und es muß schon ein Frauenrecht sebr brutal mit Füßen getreten werden, bis die Frauen der bürgerlichen Parteien den Mut gewinnen, gegen ihre Fraktionskollegen öffentlich aufzutreten. Im Reichstag stand gestern wieder einmal die Per- l o n a l a b b a u v e r o r d n u n g auf der Tagesordnung. Die Hauptdebatte drehte sich um die oielumstrittene Frage des allgemeinen Abbaues der verheirateten Be- a m t i n. Die Sozialdemokraten hatten den Antrag ge- stellt, den Artikel 14 der Abbauverordnung zu streichen und damit die verfassungsmäßigen Rechie der Beamtinnen wieder herzustellen. Genossin Nemitz begründete in einer aus- gezeichneten Rede den Antrag. Inzwischen konnte man sehen, wie die bürgerlichen Frauen versuchten, noch im letzten Augenblick möglichst viele ihrer Fraktionskollegen für den sozialdemokratischen Antrag zu gewinnen. Und«s muß auch einige weiße Raben unter ihnen gegeben haben. Der Stockholmer Silöer. Don L. Loeske. Stunde um Stunde durch das flache, fruchtbare Schonen, die Kornkammer Schwedens. Weite Ebenen, Bauernhäuser, Villen. Fast olle rotbraun, mit weißen Cinsassunoen abgesetzt, wie überall in Schweden. Hier und da Buchenhorste. Dann schwindet die Buche, und die nordische Nadelholzzone setzt ein. Stunde um Stunde. Bis sich aus Seen, Mooren, endlosen Fichtenwäldern auf welligem bis hügeligem Gelände und aus grauem Granit die eigenartige Land- schaft des mittleren Schwedens entwickelt. Ueberall durchbrechen diese grauen Granitbuckel wie riesige Elcfantenrücken den Boden. bald einzeln, bald herdcnweise, Zeugen der Eiszeit, deren Gletscher dies«„Rundhöcker">Landschast herausgeschliffen haben. Noch ein Tunnel, der längste von allen. Dann plötzlich Großstadthäuser, eine Bucht des Mälarsees mit zahlreichen sonntagsbereiten Ruderbooten. Blicke auf die Altstadt, aus das Schloß, auf das neue Stadthaus— Stockholm! Ich werde nicht wiederholen, was unzählige Male über die wundervolle Lage Stockholms schon geschrieben worden ist, und was man in jedem Führer nachlesen kann. Wer aber das sehr geschäftige Leben und Treiben, die Architektur und die Lage, kurz, die Stimmung dieser Halbmillionenstadt wirtlich in sich aufnehmen will, der ver- laufe sich einmal gründlich in den Straßen und Anlagen, über Brücken und Kais. In der altstraßigen Altstadt neben und hinter dem Schloß, mit noch engeren Seitengäßchen und sehr alten Archi- tekturresien. lieber Brücken, unter denen der Norrström das Süß- wasier des Mälarsees mit der Salzsee verbindet. Mit dem Aufzug (Katarina Hissen) zu einem prächtigen Ausblick über das ganze, aus Alltags, und Prachtgebäuden, aus Wasser, Villen, Wald und Fels wundersam ineinander verwebte Panorama. Dann am User zurück (Skeppsbron) und in die Hauptstraßen des nördlichen Stadtteils (Drottnings- und Regeringsgatan). Oder zum Abschluß in den ..Goldenen Frieden"(„Den' gyllene Breden"). Ein sehr altes Kellergewölbe, ohne Tageslicht, mit Kerzen auf den Tischen und .�'llnerinnen in oltschwedischer Tracht. Hier kann man Einheimische ülih- Fremde auf gut schwedisch tafeln sehen und mehr vorgesetzt be- kommen, als man zu schaffen imstande ist. In den Räumen darüber kann man sich die Zimmer zeigen lassen, wo der schwedische Volks- dichter Bellman hauste und seine Trink- und Liebesliedcr dichtete. Ihm zu Ehren wird noch immer im Juli alljährlich ein Volksfest gefeiert. Es scheint, daß wir in Deutschland keinen Dichter von solcher Volkstümlichkeit besitzen. Ai'ch der Fremde gewinnt den Eindruck, daß diese Stadt mit ihrem großstädtischen Verkehr, ihren rasendem Autos und Motor- rädern(Pferde sieht man noch weniger als in Berlin, selbst die Landleute automobilen ihre Produkte zur Stadt) und ihren glän- zenden Neubauten einer neuen Blüte entgegengeht. Da sind die beiden Königstürmc. der eine noch nicht völlig vollendet, die ersten Stock- holmer Wolkenkratzer, die über einer Straßenüberwölbung macht- voll aufsogen. Da ist vor allem aber dos erst vor zwei Iahren voll- endete neue Stadtbauo(Stadshuset), dos sich die Stockholmer 17 Mil- [innen Kronen haben kosten lassen, mit seinem trotzigen, vierkantigen Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit einer Stimme Mehrheit— 130 gegen 179— angenommen. Dafür stimmten alle Frauen des Reichstags! Als aber dann Frau T e u s ch vom Zentrum und Frau M e n d e von der Volkspartei die von ihnen eingebrachten Ent- schließungen begründeten, begann im Saale ein skandalöser Lärm. Ostentativ verließen zahlreiche Abgeordnete der Re- gierungsparteien den Saal. Von guter Erziehung und Ritterlichkeit, von der man sonst in diesen Kreisen soviel Aufhebens macht, war wenig zu merken. Den guten Ar- gumenten der Rednerinnen war damit freilich kein Leid geschehen. Aber die W ä h l e r in n e n der bürgerlichen Par- teren auf den Tribünen waren sehr verwundert und empört über die Art, wie die weiblichen Abgeordneten von ihren bürgerlichen Kollegen behandelt wurden. Sie wären weniger verwundert gewesen, wenn sie politisch genug unterrichtet gewesen wären, um zu misten, daß alle Frauen- rechte gegen bürgerlichen Widerstand von der Sozialdemokratie erobert worden sind. Der preis für öen lVoffenftillstanö. Zollzugeständnisse au die Agrarier? Die„Deutsche Tageszeitung" veröffentlicht an hervorgehobener Stelle eine Meldung über die Kompromiß- Verhandlungen der Zollparteien. Es heißt dort: .In der Presse wird der Sturmlauf gegen die M i n d« st z ö l l e der Regierungsvorlage fortgesetzt: wobei man auch weiterhin die Taktik verfolgt, planmäßig mit Gerüchten über Kompromiß- Verhandlungen zu arbeiten, die auf irgendein Abhandeln von den Min de st zollen auf Getreide hinausliefen. Diese Gerüchte sind, wie nochmals festgestellt fei, durchweg frei er- f u n d c n. Naturgemäß entzieht sich der genauere InHall von Be- sprechungen, wie sie letzthin in dieser Frage stattgesimden haben und auch weiterhin stattfinden dürfen, der öffentlichen Behandlung. So- viel kann aber gesagt werden, daß es sich nicht um einen Ab- bau, sondern nur um eine Verbesserung der Regie- rungsvorlagc i n der Richtung der bekannten Wün- ich« derLandwirtschaft handeln kann und handelt: namentlich um einen besseren Schutz der bäuerlichen Intressen. Nur in diesem Sinne kann also auch der leicht mißverständliche Be- griff eines„Kompromisses" in der Frage der landwirtschaftlichen Zölle verstanden werden." Was die„Deutsche Tageszeitung" unter Ver- besterung der Regierungsvorlage in der Richtung der Wünsche der Landwirtschaft versteht, weiß man: die Agrarzölle sind dem Landbund nicht lückenlos und nicht hoch genug. Wenn das Zollkompromiß der Regierungsparteien sich auf dieser Linie bewegt, so entsteht die Frage: wo ist die Gegenleistung? Wollen die Regierungsparteien. Deutsche Volksxartei und Zentrum, den Waffen still- st a n d, den die Deutschnationalen Herrn Stresemann in der Frage der Außenpolitik bewilligt haben, mit ver» stärktem Brotwucher bezahlen? Uebereinftimmung über Sie Antwortnote. Amtlich wird mllgeteilt: Bei der gestern nachmillag in der Reichs- kanzlei abgehaltenen Besprechung der Reichsregierung mit den Staats- und Ministerpräsidenten der Länder wurde auf Grund der Aussprache, die sich an die Darlegungen des Reichskanzlers und des Reichsministers des Auswärtigen anschloß, eine allgemeine Zustimmung zu dem Inhalt der deutschen Antwortnote zur Sicherheitsfrage festgestellt. Die Ursachen öes Aufammenbruchs. Ludendorss verweigert die Auskunft. Der Untersuchungsausschuß über die Ursachen des Zusammen- bruchs überreichte am Freitag unter einer längeren Erklärung im Reichstag die vor einiger Zeit angekündigten drei Bände der Akten des 4. Untersuchungsausschusses, der sich in erster Linie mit den militärischen Gründen des Zusammenbruchs zu befassen hatte. Turm und dem vergoldeten Säulenaussatz: ein Gebäude, das bereits berühmt geworden ist. Es liegt weithin sichtbar an einer Landecke des Mälars. Zwischen ihm und dem Wasser ein Blumengarten. blitzsauber, wie alles in Schweden. Und hier stehen unter freiem Himmel eine Anzahl berühmter schwedischer Künstler und Dichter aus Marmor. Die Gewandung fehlt. Man denkt an ähnliche Versuche, die anderwärts mit Großen des Geistes(Balzac, Beethoven) vorgenommen worden sind. Aber hier ist man noch«inen Schritt weiter gegangen, den letzten, der noch möglich war. Denn der Mar- mor hat nicht einmal mehr zu Feigenblättern gereicht. Was hätte der hier gänzlich enthüllte Strindberg wohl zu Lebzeiten zu einer solchen Verewigung gesagt? Eine Doktorfrage. Tatsach« tst. daß diese Statuen auch in dem gesunden, wenig prüden Schweden eine .Kontroverse ausgelöst haben. Es jjibt dort Leute, die der Meinung sind, daß Künstler und Dichter mit ihrem Kopfe produzieren, und daß man sich auf die charakteristische Herausarbeitung dieses Körper- teils hätte beschränken sollen.— An einer Uferstraße gegenüber dem Schloß, am Blasiiholm Hamnen, liegt ständig eine lange Reih« schmuckweißer, ausfahrt- bereiter Dampfer. Um einen Einblick in die Schärenwelt zu be- kommen, fuhr ich. für eine Krone, nach der Insel Baxholm. Die Fahrt dauert anderthalb Stunden. Bei Sonnenschein tst sie ein Erlebnis. Wenn Stockholm verschwunden ist, wird man eine Weile an eine Havelseefahrt bei Potsdam erinnert. Aber die ernsten Fichten und der graue Fels verändern bald das Bild. Und dann weitet sich der See, um immer häufiger in granitnmrandete Inseln zu versteinern, in jene Inseln, die noch etwas weiter draußen zu Hunderten die Fluten sprenkeln. Und während Schiffe und Boote aller Gattungen das Wasser und Möoen die Lust beleben, ver- schiebt sich unaufhörlich ein Panorama, das das Auge bannt.— Stockholm liegt nah« dem 69. Breitengrade— aber es ist noch weit vom hier zum Polarkreise. Bis zu diesem, wo das Reich der Mitternachtssonne beginnt, hat man noch 39 Stunden mit dem Norderpreß zurückzulegen. Aber der Norden macht sich auch in Stockholm schon geltend. Die warmen Jahreszeiten sind kürzer, Frühling und Sommer verschmelzen miteinander. Ich fuhr aus märkischem Sommer in den schwedischen Frühling hinein. Denn hier blühten, Anfang Juni, die Obstbäume, zugleich mll Flieder und Kastanien, und die Gärten und Anlagen Stockholms und seine weit hinaus villengeschmückte und flaggenfrohe Umgebung prangte in allen Farben. Dazu die sommerhellen Nächte und die langen Tage, die kaum ein Ende nahmen und dann bald wieder von vorn an- fingen.... Es war am Vorabend des Mittsommerfestes, das in ganz Schweden als Volksfeiertag festlich begangen wird, als ich heim fuhr. An den Stationen hier und da hohe Masten, oben in Kreuz- form und mit Girlanden geschmückt— da« Wahrzeichen dieser Feier. Und als ich heimkam, war die Jahreszeit der schwedischen Feier. Und als i chheimkam, war die Jahreszeit der schaiedifchen um ein paar Wochen voraus. Die Linden blühten, und ein Traum lag hinter mir. Olv ergiebige, Sall-Phosphatlager wurde In Südafrika entdeckt. Es bat eine Ausdebnung von rund sieben OuadratmeUen und wird auf einen Äcsamlinhall an Kali-PhoZphat von ca. sieben Millionen Tonnen geschützt. Abgeordneter Philipp betonte, daß da««ndgilttige, abschließend« Gutachten irgendwelche kriminelle Straftaten der in Frage kommen- den milttärischen Führer verneine, daß jedoch über die moralische und historische Schuld der militärischen Führung keine Einigung zu erzielen war, da ein Minderheit, die Abgeordneten Eichhorn, Dittmann, Dr. Moses und Dr. Quesiel, die Heerführer Hindenburg und Ludendorff durch die Gutachten der Sachverständigen schwer belastet erklären. Großes Aufsehen erregte die Mitteilung des Abg. Philipp, daß General Ludendorfs es abgelehnt habe, auf den offi- ziellen Antrag des Ausschusses zu desien Gutachten Stellung zu nehmen, so daß der einstige Ehes der Opera- tionsabteilung im letzten Kriegsjahr, General Wetzell, den Luden- dorss 1918 kurz vor dem Zusammenbruch als Sündenbock aus der Operationsabteilung davongejagt hatte, sein fachmännisches Urteil abgeben mußte. Das Endurtell dieser Enquete ist ein Freispruch geworden— wegen der Stimmenmehrheit der bürgerlichen Mitglieder des parla- mentarischen Ausschusses— weiß Gott aber nicht wegen»mangeln- der Beweise". Was Hans Delbrück darin über Ludendorff schreibt. wird auch den deutschnationalen Lesern zu denken geben. Auch der militärisch« Kronzeuge des Ausschusses, General v. Kühl, belastet in dem Werk Hindenburg und Ludendorss aufs schwerste, wenn er es heute auch bestreitet. Wer ist General v. Kühl? Er war der Stabschef des Generals v. Kluck, des Flügelführers des deutschen Westbeeres bei seinem Bormarsch im Jahre 1914 und ist mit verantwortlich dafür, daß die erste Arme«(nach dem Zeugnis des offiziellen deutschen Generalstabswerkes) in der„großen Grenzschlacht im Westen" durch die ungünstige Staffelung der Reserven einen kriegsentscheidenden Erfolg nicht mehr anbahnen konnte, er ist mitverantwortlich, daß die 1. Armee an Paris vorbeischoß, ohne sich in das von der Obersten Heeresleitung befohlene„Stasseloerhältnis" zur deutschen Heeresfront zu setzen und dadurch die Idee der Marne- schlacht in Köpfen Gallienis und Iofsres entzündete im Augenblick der eigentlichen Entscheidung im großen Krieg. Er ist der Leit- artitler der deutschnationalen„Berliner Börsenzeitung", der im Hindcnburg-Wahlkampf es für nötig hielt, seinem einstigen Dienst- vorgesetzten die Feldherrngenialität pflichtschuldigst zu bestätigen—- kurz, der Mann ist belastet im Urteil des schaffenden Volkes, wie kaum ein anderer Bertreter der kaiserlichen Armee. Auch dieses dreibändige Werk über den Zusammenbruch wird die Schuld der deutschen milttärischen Führung nicht auslöschen können, die durch ihr Drängen zur Mobilmachung ein gut Teil bei- getragen hat zur Erplosion des großen Krieges— und dann durch das Beharren auf die Offensive 1918, die zwei Millionen Menschen mehr zur Strecke brachte, als nötig war, um die Unniöglichkeit eines deutschen Sieges gegen die Uebermacht der Entente zu dokumentieren. ßememorö und Geheimjuftiz. Hochverräterische Anschläge.— t7 Morde geplant. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat im Reichstag folgende Kleine Anfrage eingebracht: Nach Zeltungsmeldungen hat das Schwurgericht in Schwerin am 14. Juli 1923 vier Mitglieder völkischer Verbände, die Arbeiter Netsen und Kalla, den Landwirt Lieska und den Oberleutnoitt a. D. Schöler wegen Mordes bzw. Anstiftung zum Morde zum Tode und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Die Verhandlung hat unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgefunden. Selbst den nächsten Angehörigen des Ermordeten ist ihre Bitte um Zulassung abgeschlagen worden. Den an der Verhandlung beteiligten Personen hat das Gericht die Verpflichtung zur Verschwiegenheit auferlegt. Sicherem Vernehmen nach sind in der Haupwerhandlung höchst gefährlich« hochverräierische Unternehmungen gegen die Beifassung der deutschen Republik aufgedeckt worden. Es verlautet auch, daß die Angeklagten und ihre Hintermänner die Ermordung von 17 per- sonen geplant haben. Erkennt der Herr Reichskanzler an, daß die Oeffenttichkeit ein Anrecht darauf hat, über die Feststellungen des Schwurgerichts Schwerin unterrichtet zu werden, und ist er bereit, dem Reichstage den dem Urteil zugrunde liegenden Tatbestand bekannt- zugeben? Die freien Serufe und das SetriebsvermSgen. Im Münchener Künstlerhaus fand am 13. Juli eine Protest- Versammlung der freien Berufe statt. Starker Besuch, Reden von Vertretern aller freien geistigen Berufe machten die Versammlung eindrucksvoll. Im Vordergrund des Protestes stand die Bestimmung des Bewertungsgesetzes, welche die zur Ausübung eines freien Berufs dienenden Einrichtungen und Gegenstände zum„Betriebsvermögen" erklärt. Die Abstempelung geistiger, wissenschaftlicher und künstlerischer Tätigkeit als„Betrieb", die man als letzte logische Folgerung kapita- listifcher Wirtschaft und Kultur verständlich finden kann, geht selbst den sonst ganz kapitalistisch eingestellten Parteien zu weit. Die Regierung ober hält zäh an ihrem Entwurf fest und die Ent- scheidung ist für die Entwicklung unseres öffentlichen Leben» von grundsätzlicher Wichtigkeit. Die Negierungsau fassung bedeutet, daß zur Wahrung allgemeiner öffentlicher Interessen nur die Beamten berufen sind. Die Bibliothek des Be- mitten soll„Sonstiges", die des freien Schriftstellers. Betrieb". vermögen sein, d. b. der Staat kennt eine berufliche Betätigung des nicht beamteten Bürgers ausschließlich unter dem Gesichtspunkt. daß sie auf„Erwerb", also auf die größere oder geringere Fähigkeit zum Steuerzahlen gerichtet ist. Da nun der Staat dunti seine Finanzpolitik die Angehörigen der freien Berufe arg in Mitleiden- schaft gezogen hat, während er den Beamten gegenüber seine Per- psuchtungen voll onertennt, io ist eine ziemlich gereizte Stiniinunq da und es�wird nicht ohne Interesse sein zu beobachten, wie weit i» dieser Frage die Regierungsparteien den Tendezen der Re» gierung Widersrand leisten werden. Das Grundsätzliche in der Frage ist jedenfalls viel bedeutungsvoller als das Finau.iclle: die lehr seltenen Großoerdiener unter den freien Berufen spielen für den Reichxhaiisholt absolut keine Rolle und die Konzession der Regierung, das„Betriebsvermögen" der freien Berufe bis zu einem bestimmten Betrag frei zu lassen, ändert auch nicht? an der grund- sätzli hen Bedeutung d-r Frage, in der die freien Beruro auch die Sympathien der Sozialdemokratie aus ihrer Seite wissen. Da» Gasthausschild. In Brunberg in Tirol— so wird in „Rerlams Universum" erzählt— war ein alter malerischer Gasthof, der hatte eine Tür und vier Fenster. Heber der Tür befand sich das Gasthausfchild, eine Tafel mit der Aufschrist:„Zu den Heiligen Drei Königen. Und zwischen den vier Fenstern hing nun auf jedem Pfeiler einer der drei Könige, säuberlich mtt Oelfarbe auf eine Holz- tasel gemalt und ausgeschnitten. Da wurde in einer Nacht der heilige Kaspar gestohlen. Dem Wirt war es zu teuer, sich ein peues Bild malen zu lassen, und so begnügte er suh damst, das Gasthaus- schild zu ändern. Jetzt steht auf der Tafel über der Tür zu lesen: Kranhofers Gasthaus zu den zwei hettigsn drei Königen." vie erste deulsche radisdramalische llrimstübrung..©put-, ein, Gespenster- lonate in S SStzeu von Rott Gunold cdem Autor ürt ersten deutschen Funk. dramaS.Bcllmzona') ist von der Schlesijchen FunlfMnde in Breslau«worden worden. v.e ErschNchung der Sahara als Preisansgabe. Die Pariser �eaäöwi« <3«s soience coloniales setzt einen Preis von 12 000 ZtzraneS tör ein« Arbeit aus, die eine allgemeine, aus weile Sicht angelegte WirtschallSpolilit in der Sahara zum Gegenstand hoben soll. Die Bearbeilungeu lollen bis zum t. Oktober lS?g eingereicht werden. Stürmische Sitzung im Reichstag. Personalabbau unb Beamtenrechte.— Ein Sieg der Frauen und der Linken.— Völkische Skandalhelden als Provokateure. Die gestrige Reichstagssttzung endete mit ungeheurem Tumult. Die Herren von rechts haben wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt. Nachdem schon der deutschnationale Graf Eulenburg durch freche Beleidigungen des Reichs- tags eine heißerregte Stimmung hervorgerufen hatte, er- griff der völkische Junker Jürgen v. R a m i n das Wort zu einer der unverschämtesten Provokations- reden, die je im Reichstag gehalten worden sind. Der Sache der alten Offizierskorps konnte kein schlechterer Dienst er- wiesen werden als durch diese Rede, die von dünkelhaftestem Kastenhochmut gebläht war und sich in schmutzigen Beschimpfungen der Republik entlud. Als dann der Redner dazu überging, eine Räubergeschichte zu erzählen, wie dreißig Offiziere„unter seinen Augen" von wort- brüchigen Revolutionären ermordet worden seien, gab es kein Halten mehr. Zahlreiche Sozialdemokraten, unter ihnen der sonst so ruhige Genosse S o l l m a n n, drängten gegen die Tribüne, um den Redner in immer wiederholten Zurufen der Lügenhaftigkeit zu zeihen Man hörte noch, wie der Junker den Genossen Sollmann unter idiotischen Schimpfereien zu einem Duell aufforderte. In anderer Stimmung wäre das Haus angesichts einer solchen Trottelhaftigkeit in Geläcbter ausgebrochen. Jetzt aber überwog der Zorn. Der Mann, der durch fein Treiben die Parlamentstribüne beschmutzt hatte, drang mit seiner Kommandostimme nicht mehr durch. Vizepräsident Bell unterbrach die Sitzung, die dann der Vertagung verfiel. Mit der Räubergeschichte des Junkers v. Ramin hat es folgende Bewandtnis: Bei dem Abzug der K a p p i st e n aus Berlin kam ein versprengter Trupp von ihnen in Schöneberg ins Gedränge. Mehrere Kappisten sollen damals von der empörten Volksmenge getötet worden sein. Eine amtliche Untersuchung dieses Vorfalls hat unseres Wissens niemals stattgefunden. Von einem Versprechen, das den Kappisten gegeben worden sein soll, kann keine Rede sein. Niemand konnte in dem Drüber und Drunter, das jene Verbrecher selbst hervorgerufen hatten, Versprechen solcher Art geben und für ihre Einhaltung Sorge tragen. Es ist der Gipfel der Frechheit, wenn sich diese Leute jetzt darüber beklagen, daß einige von ihnen in einem Bürgerkrieg, den sie selberentzündeten, zu Schaden gekommen sind. Verlangen die Herrschaften etwa eine Garantie dafür, daß ihnen, wenn sie noch einmal putschen, nichtszuleide getan werden wird? Diese Garantie wird ihnen nicht gegeben werden! Das sei ihnen heute schon gesagt, damit sie nicht wieder von„gebrochenen Versprechen" reden! » Der Reichstag hörte zunächst den mündlichen Bericht des Untersuchungsausschusses über die Ergebnisse der Untersuchung be> treffend die Ursachen des deutschen militärische« Zusammenbruches im Jahre lSlS. Das Haus beschlieht, von dem Bericht des Unter- suchungsausschusses lediglich Kenntnis zu nehmen. Ohne Debatte stimmt das Haus in allen drei Lesungen dem Gesetzentwurf über die Konsulargerichtsbarkeit in Aegypten und dem über die Aufhebung der Verordnung zur S i ch e r st e l l u n g d.e s Warenumlaufs zu. Es folgt die dritte Beratung des sozialdemokratischen Gesetz- entwurfes, betreffend Abänderung des Gesetzes über die Kinüerarbeit in gewerblichen Setcieben. Die Novelle will in der Ausschuhfassung vor allem verbieten, Kinder unter 3 Jahren bei Filmaufnahmen zu be- schäftigen, sofern es sich nicht um wissenschaftlich« Zwecke handelt. Frau Abg. Schräder(Eoz.) begründet einen Antrag, der sich gegen die gesetzliche Regelung wendet, daß Kinder unter 3 Iahren zu wissenschaftlichen Zwecken gefilmt werden können, und ein voll» kommenes Verbot des Filmens dieser Kinder wünscht. Ueber diesen Antrag soll namentlich abgestimmt werden. Die Abstimmung wird auf eine spätere Zeit ausgesetzt. Annahme findet ein K o m p r o m i h a n t r a g, der die untere Verwaltungsbehörde ermächtigt, bei Kindern über 3 Jahren in Ausnahmefällen die Genehmigung zum Filmen zu erteilen. wenn umfassende Schutzvorkehrungen für das Kind getroffen sind. Vor Erteilung der Erlaubnis soll auch dos Jugend- ä m t gehört werden und evtl. die Schulaufsichtsbehörde. Abg. Schwarzer-Oberbayern(B. 33p.) begründet einen Antrag, der für Kinder unter 3 Iahren bei umfassenden Sicherheitsvor- kchrungen das Filmen zulassen will, wenn es sich um Interessen der Kunst und Wissenschaft handelt. Die endgültigen Abstimmungen werden ausgesetzt. Dann beginm das Haus die Beratung über den Aenderungs- entwurf zur Perfonolabbau-Verorönttug. Abg. Dr. Frick(Volk.) bekennt sich zu dem alten Berufs- beaintentum. Abg. Schuldt-Steglitz(Dem.) wehrt die scharfen Angriffe des völkischen Redners auf das Beamtentum ab. Die ganze deutsche Beamtenschaft verabscheue es, mit solchen Verächtern der Staatsform auf«ine Stufe gestellt zu werden.(Beifall links.) Unter der Abbau- Verordnung habe man erlebt, doh besonders die Beamten au» Dienst und Amt vertrieben wurden, dl« sich ossea zur Republik bekannten. Das sei ein gefährliches Sorgehen für den Staat. Der Redner fordert die Negierung auf. in Zukunft in dieser Beziehung eine Haltung einzunehmen, die den Staats fördere, nicht gefährde. Unter der Abbauverordnung habe man kinderreiche Familien nicht geschont und sogar die aus dem besetzten Gebiet verdrängten Beamten entlassen.(Hört, links.) Als größter Rechtsbruch m der Ge- schichte des Beamtentums bezeichnet er, daß in der Vorlage ein Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Beamten insofern gemocht werde, als für weibliche Beamte Ausnahmebestim- mungen bestehen bleiben sollen. Das sei eine Verletzung der Der- fcssung.(Beifall links.) Damit schließt die Generaldebatte. In der Einzel- aussprache erklärt Abg. Frau Nemitz(Soz.): Seit Jahrzehnten führt die Sozialdemokratische Partei den Kampf für die Gesunderhaltung der Familie. Mit der Aufrechterhaltung de» Art. 14 zeigen Sie aber, daß Sie dafür nur schöne Worte übrig haben. Die Regierung beruft sich auf die an- geblich im allgemeinen ungünstigen dienstlichen Erfahrungen mit verheirateten weiblichen Beamte nund Lehrern. Man muh doch aber dabei gerecht fein. Während des Krieges haben die Frauen so schwer arbeiten müssen, daß sie noch heute unter den Nachwirkungen zu leiden haben. Man sagt, daß Frauen häufig wegen Unpäßlichkeit ihren Dienst nicht verrichten können. Wenn Sie aber die Verhältnisse bei den Männern prüfen, so werden Sie finden, daß auch viele Männer wegen Unpäßlichkeit nicht arbeiten können, nur sind sie nicht so offen wie die Frauen. Ein weiteres Argument weist auf die große Erwerbslosigkeit hin. die durch die Doppelexistenzen nicht noch vermehrt werden dürfen. Es wird auch darauf hingewiesen, daß verheiratet« Beamtinnen doch die Aussicht auf eine gesicherte Familie hätten. Täglich gehen uns aber Zuschriften zu, die beweisen, wieviel Unrecht man diesen ab- gebauten Beamtinnen tut. Sie werden um ihre wohlerworbenen Rechte gebracht, man nimmt keine Notiz davon, was das Beamten- gcsetz ihnen gibt. Es ist charakteristisch für die männlichen Vertreter der bürger- lichen Parteien, die hier aufgetreten sind, daß ihre Einstellung zur politischen Gleichberechtigung der Frau sich seit der Vor- kriegszeit noch nicht geändert hat. Wir Frauen aller Par- teien haben den Antrag auf Streichung des Artikels 14 gestellt, nicht weil es sich um Geschlechtsgenofsinnen handelt, sondern weil wir nicht länger ein Unrecht dulden wollen. Aus dem Verhalten der männlichen Vertreter der bürgerlichen Parteien kann man aber schließen, daß sie den Artikel 128 der Verfassung beseitigen wollen, der die Fran als gleichberechtigt anerkennt. Sie haben nicht den Mut, das offen zu tun, sie wollen es auf U m- wegen erreichen, und wenn der Artikel 14 bestehen bleibt, dann haben sie das erreicht. Der Artikel soll zwar am 31. März 1929 außer Kraft treten, aber bis dahin wird kein einziger weiblicher Beamter mehr im Dienste sein. Die Rednerin begründet einen Antrag der Sozialdemokratie, wonach ein neuer Artikel 3» eingeschaltet werden soll. Wünscht ein verheirateter weiblicher Be- amter freiwillig aus dem Dienst auszuscheiden, so ist ihm nach Wahl entweder eine Abfindung zu gewähren oder ihm das im Zeit- punkt des Ausscheidens erdiente Ruhegehalt für den Fall der späteren Dienstunfähigkeit oder der Vollendung des KS. Lebensjahres zu- zusichern. Das Ruhsgehalt kann bereits vom Zeitpunkt des Aus- scheidens gewährt werden, solange die wirtschaftliche Versorgung nicht gesichert erscheint. Verheiratete weiblich« Beamte, die auf Grund des Artikels 14 der Abbauverordnung entlassen wurden, sind sinngemäß zu behandeln. Jetzt müssen sich die Parteien dar- über entscheiden, ob sie das Unrecht des Artikes 14 aufrechterhalten oder auch den weiblichen Beamten Gerechtigkeit widerfahren lassen wollen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Schmidt-Stettin(Dnat.) betont demgegenüber, daß auch er grundsätzlich gegen die Entrechtung der weiblichen Beamten fei, und daß entsprechend den Wünschen der Kompromißparteien den weiblichen Beamten das Wartegeld gesichert fei. Frau Abg. Arcndsee(Komm.) findet die Art, in der die weib- lichen Beamten in der Vorlage mit Ausnahmerechten bedacht werden, bezeichnend für die ganze Bewertung der Frau durch die bürger- lichen Parteien. Frau Slbg. Dr. Luders(Dem.) meint, es sei zwecklos, fetzt über die Schuld am Personalabbau zu sprechen. Zur Zeit des Inkraft- tretens der Personalabbauverordnung seien die Verhältnisse stärker gewesen als der Reichstag. Don Schuld könne man erst reden, wenn in einer wirtschaftlich besseren Zeit die Rechte der männlichen Beamten wiederhergestellt werden und die der weib- lichen nicht, wie dies in der Vorlage geschehen solle. Damit schließt die Aussprache. In der Abstimmung wird ein sozialdemokratischer Antrag, die Vorlage und ihre Derbesserungen auch den Beamten der Länder und Gemeinden zugute kommen zu lassen, mit 181 gegen 162 Stimmen abgelehnt. Ein anderer sozialdemokratischer Antrag, der die Abfindungssummen für Beamte, die nach Inkrafttreten der Novelle austreten, besonders, und zwar etwas höher festsetzen will, wird im Hammelsprung mit 192 gegen 147 Stimmen angenommen.(Bei- fall links.)— Mit großer Mehrheit wird ein Antrag der K o m- promißparteien angenommen, der verlangt, daß unter den Wartestandsbeamten vorzugsweise verdrängte Auslands-, Kolonial-, Grenzdeutsche und ehemalige Beamte des Reichslandes Elfaß-Lothringen berücksichtigt werden sollen. Ueber einen sozialdemokratischen und demokratischen Antrag aus Streichung der Ausnahmebestimmungen gegen verheiratete weibliche Beamte findet namentliche Abstimmung statt. Sie ergibt mit lS0 gegen 179 Stimmen die Annahme des Antrages. Das Zentrum stimmte geteilt. Ein Abgeordneter hat sich der Stimme enthalten. Das Haus wendet sich dann den rückständigen Abstimmungen zu dem Abänderungsentwurf der Sozialdemo. k r a t e n für die Sinderarbeit in gewerblichen Betrieben zu. Ein Antrag der Abg. Frau Schröder(Soz.). der im Gesetze ver- bieten will, daß Kinder unter drei Jahren zu Filmaufnahmen ver- wendet werden, wird in namentlicher Mstimmung mit 191 gegen 171 Stimmen abgelehnt. Es bleibt bei der Vorlag«, die für Zwecke der Wissenschaft und Kunst eine Verwendung von Kindern unter 3 Iahren im Film zulassen will, wenn umfassende Sicherheit?- Vorkehrungen getroffen sind.— Das Haus stimmt der Vorlage auch in der Schlußabstimmung zu. Die zweite Lesung der Personalabbauverordnung wird fortgesetzt. lieber einen demokratischen Antrag betr. die Hinter- bliebenenrente muß nochmals Hammelsprung erfolgen. Der Antrag wird mit 179 gegen 159 Stimmen abgelehnt. Abg. Steintopf(Soz.) weist Angriffe yegen seine Partei zurück. Einen anderen Ausweg als das Ermächtigungsgesetz habe es da- mals nicht gegeben. Die Aufhebung des§ 14 sei eine un- um st öhliche Tatsache. Er wolle die Partei sehen, die tn der dritten Lesung diese Bestimmung wieder umstoße. Ministerialrat v. hagenow erklärt, daß die Regierung vor einer neuen Lage stehe. Weitergehende Beschlüsse könnten jetzt nicht ge- faßt werden. Die Anträge der Frau Teusch(Z.) über die Abfindung der weiblichen Beamten werden gegen die Linksparteien, sämtfiche weib- liche Abgeordnete und eine Minderheit des Zentrums mit Marx und Wirth abgelehnt. Die Vorlage wird in zweiter Lesung ange- nommen. Die dritte Lesung wird auf Wunsch der Regierung und ver- schiedener Parteien ausgesetzt. völkifthe Stanüalhelüeu. Darauf wird die vor einigen Tagen abgebrochene Beratung über den Geschentwurf über die Ausübung des Recht« zum Tragen einer Militäruniform fortgesetzt. Abg. Graf zu Eulenburg(Dnat.): Es blieb dem Redner der sozialdemokratischen Fraktion vorbehalten, die Beratung dazu au»- zunutzen, um das Hohenzollernhaus, den Herrn Reichspräsidenten. die alte Zlrmee und das gesamte Ossizlerskorps in einer selbst für das Niveau dieses Hauses(stürmische Unterbrechungen lints) ungewöhnlichen Weise zu beschimpfen. Wir haben daher für eine Gesinnung, wie sie in den Auslassungen des sozialdemokratischen Redners zum' Ausdruck kam, nur eine Empfindung: Grenzenlose Verachtung!(Großer Lärm links, Beifall rechts.) Abg. v. Ramin(Volk.): Das Kaisertum ist den Sozialdemo. kroten ein Symbol der Unfreiheit. In dem Freiheitsgeist von Weimar bei Schiller ist von einem Pazifismus keine Rede. Ihre Republik ist uns das Symbol einer hündischen Unterwürfigkeit gegenüber den früheren Fein- den.(Tosender Protest aus der Linken) Haben Sie, nicht die Revolution gemocht, angeblich um das Proletariat zu befreien? Das Ende ihrer Revolution ist der D a w c s- P a t t und dahinter standen nicht die Großagrarier, sondern die Großbankiers haben die Sache in London oerhandelt und das Geschäft finanzlert. Ver- hältnismäßig sind mehr Offiziere gefallen als Mannschaften. Es ist pesagt worden, durch die Ermordung Erzbergers und Rathenaus sei das Ossizierkorps entehrt worden. Die Leute, die diese Verbrechen begangen hoben, gehören nicht zu denen, die auf Grund dieser Bestimmungen das Recht zum Tragen der Uni- form haben. Ich verurteile gewiß solche Verbrechen, aber sie haben immer noch einen Herrn Adler unter sich(E n t r ü st u n g s- stürm der Sozialdemokraten, die vor der Rednertribüne zusammenströmen und heftig aus den Redner einreden). Ihr« Stellung zum politischen Mord ist nicht immer so gewesen, in Berlin sind 30 Offiziere seinerzeit umgebracht worden, nachdem ihnen vorher gesagt worden ist. es würde ihnen nichts geschehen. (Die Soz. drängen unter heftigen Rufen immer näher an die Rednertribüne heran und rufen: Wo ist das geschehen?— Ruf von rechts: In Schöneberg!— Rufe der Soz. Lügner. Lügner!) Ich habe dabei gestanden!(Reue Ruf« von links: Lügoer, Lügner!) Durch den Lärm hört man unbestimmt die folgenden Worte des Redners nicht vollständig. Ohne parlamentarischen Schuh morgen» früh mit der Waffe in der Hand! Hier erhebt sich ein unbeschreiblicher Lärm aus den Scharen der Abgeordneten, die dicht vor der Rednertribüne sich zusammen- geballt haben. Der Vizepräsident Dr. Bell bittet, mehrere Male, wiederholt vergeblich die Abgeordneten zurückzutreten und ihre Plätze einzunehmen. Die gedrängte Menge bleibt aber vor der Rednertribüne stehen, unter heftigen Gestikulationen lassen sie durch fortgesetzte laute und erregte Zwischenrufe den Redner nicht weitersprechen. Vizepräsident Dr. Bell outerbricht die Sitzung ans fünf Minuten. Um 7 Uhr 2K Minuten eröffnet Vizepräsident Dr. Bell die neue S itz u n g. Abg. Müller- Jranken(Soz.) zur Geschäftsordnung: Die best« LSfimg des Zwischenfalles wäre Feststellung der Ausführungen des Redners nach dem Stenogramm und dann Befragung der Re- gierung, ob ihr von dem Vorgang etwas bekannt ist. Vizepräsident Dr. Bell: Das wird einige Zeit erfordern; ich werde mir das Stenogramm kommen lassen. Inzwischen schlag« ich vor, daß Abg. v. Ramin seine Ausführungen beendet.(Stürmischer Widerspruch links und Zuruse: Rein! Rein!) Abg. Rönneburg(Dem.) beantragt, Abbruch der Sitzung, damit das Haus die Verhapdlungen in würdiger Form forffetzen könne. Abg. Henning(Völk.) protestiert dagegen. Abg. Schultz-Vromberg(Dnat.) schließt sich ihm an. Bei der Abstimmung stellt Vizepräsident Dr. Bell fest, daß die Mehrheit für Vertagung ist.(Stürmischer Wider- spruch rechts, andauernder ungeheurer Lärm.) Das Haus o e r t a g t sich nach längerer, zum Teil äußerst erregter Geschäftsordnungsdebatte, und unter Ablehnung eines An- träges v. G r a e f e(Völk.) auf Abhaltung einer Sitzung am Sonn- abend, aus Dienstag 2Z4 Uhr: Zweit« und dritte Beratung des Reichsversorgungsgesetzes, Gesetz betr. Ausübung des Rechts zum Tragen einer Militärunijorm, Ergänzungen zu den Reichshaus. Haltsplänen für 1924 und 1925. Schluß gegen 8 Uhr. * Die in dem großen Lärm zum Teil verloren gegangenen Worte des Abg. v. Ramin richteten sich gegen den Abg. Soll- mann(Soz.), der dem Redner wiederholt zugerufen hatte.Sie lügen!" und lauteten:.Wenn Sie, Jammerlappen, mir ohne parla- mentarischen Schutz morgens früh mit der Waffe gegenüberstehen würden, dann würden Sie das Maul halten." . Einkommensteuer. Die Besteuerung uach dem Verbrauch. Der Steuerausschuß des Reichstags führte am Frei- tag die Beratung der' Einto mmiAsteü«? zu Ende, mll Aus- nahm« des Tarifs und der Lahnsteuer, die am Sonnabend erledigt weichen sollen. Im allgemeinen bleibt es bei den Beschlüssen der ersten Lesung. Ein demokratischer Antrag will, daß die Eni- schädigungen aus S 87 des Betriebsrätegefeges steuerfrei sind. Die Abgg. Schneider(Dem.) und Dr. Hertz(Soz.) befürworteten den Antrag, weil diese Entschädigungen, wenn sie auch Arbeftseinkommen seien, einen Ausgleich für eine unbillige Härte bei der Entlassung und der folgenden Arbeitslosigkeit darstellen. Noch anfänglichem Wider- spruch der Reichsreaierung, die befürchtete, daß damft Eingriffe in das System der Einkommenbesteuerung hervorgerufen würden. wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. Eine längere Debatte riefen die Bestimungen über die Be- steuerung nach dem Verbrauch hervor. Von den Rechtsparteien und den Demokraten lagen Anträge auf Abfchwächung vor. Von den Kommunisten und Sozialdemokraten wurde die Rückkehr zu der ur- sprünglichen Regierungsvorlage verlangt, nach der bei einem Miß- verhäftnis zwischen Einkommen und Verbrauch der tatsächliche Aus- wand, der 8999 M. übersteigt, zugrunde gelegt wird. Von der Re- gierung wurden die Abschwächungsanttäqe der Rechten als undurch- führbar bezeichnet. Auch der Abg. veusch(Ztr.) wandte sich scharf gegen die Aushöhlung dieser Vorschriften. Nach Zurückziehung de» demokratischen Antrages wurden alle übrigen Anträge abgelehnt. Es bleibt also bei den Beschlüssen erster Lesung. fibö el Krims Offensive in vollem Gange. Auster ordentlich ernste Lage. Paris. 17. Juli.(Eigener Drahlberichl.) Räch privat- Meldungen der Blälker ist die Offen sine Abb el Srlms gegen Sea und Taza in vollem Gange. Die Berichte melden von schweren kämpfen in der Gegend nördlich der beiden Städte. Die Blätter bezeichnen die Lage alsaußerordentllchernst und die Gefahr als im höchsten Grade beunruhigend. Aus dem amtlichen Heeresbericht vom Donnerstag gehl n. a. hervor, datz das französische hanplqnartier gezwungen worden ist, eine neue Front gegen den mittleren Atta», d. h. im Süden der gegenwärtigen Sampszone und im Rücken der französischen Streitkräfte zu errichten. Danach scheinen die Bemühungen Abd el Selms, die nicht unterworfenen Geblrgsstämme des mittleren Atlas für seine Sache zu gewinne«, nicht ohne Erfolg geblieben zu sein. Das verspätete Zsriedeusangebot. pari», 17. Juli.(Eigener Drahtbericht.) ScharfeKritik an der Marotkopolitit der französischen Regierung übt am Freitag abend der»Paris Soir", der erklärt, daß der von Frankreich nach langem Zögern unternommene Schritt, mft Abd el Krim zu Verhandlungen zu gelangen, um zwei Monat« zu spät gekommen sei. Mitte Mai sei dieser wahrscheinlich noch zu einem Friedensschluß aus der ihm angebotenen Grundlage bereft gewesen, heute seien dafür kaum mehr Aussichten vorhanden. Die Geschichte der französischen Marottopolttik sei die Geschichte der verpaßten Gelegenheiten und der widerspruchsvollsten Entschlüsse. Man scheine an den zuständigen Stellen nicht zu wissen, was man wolle, sondern über. Haupt keinen Willen zu haben. Gleich zu Beginn der Schwierig. keften hätte die Regierung zwischen Krieg und Frieden entscheiden müssen. Ihre erste Maßnahme hätte die Abberufung des Marschalls Lyautey sein müssen. Obwohl das heute von allen Stellen zugegeben werde, habe man noch immer nicht den Mut dazu gefunden. Auch die Geschichte der Ernennung des Gene- rals Naulin zum Oberkommandierenden in Marokko werde immer geheimnisvoller. Dieser habe 14 Tag« nach der Ernennung den übertragenen Posten noch nicht angetreten und nach der Entsendung des Marschalls PStain auf den Kriegsschauplatz müsse mau sich fragen, was General Nauiin dort überhaupt solle. Di« Regierung habe die Pflicht, dem Lande endlich zu sagen, was in Marokko vor sich gehe. Gewerkschaftsbewegung Die Machtprobe der Bauunternehmer. Der Verband der Baugeschäfte von Groß- Berlin, d. h. die Unternehinerorganisation des Berliner Baugewerbes, läßt durch die bürgerliche Bresse folgende Mitteilung verbreiten: In der Hauptversammlung des Verbandes der Baugeschäfte murde noch einmal festgestellt, daß die Gewerkschaften durch die Aufstellung von Forderungen, welche die Bauwirtschaft nun und nimmer tragen kann, diesen Kampf geradezu provoziert haben und daß nur sie allein die Berantwortung für die Stillegung der Bautätigkeit tragen. Die Hauptversammlung erneuerte ihren Be schluß im Intereſſe der kaum begonnenen Biederbelebung des Baumarktes, die Forderungen der Gewerkschaften unter allen 11mständen zurückzuweisen, und beauftragt den Bor stand, alle zu diesem Zwecke geeigneten Schritte mit größter Entschiedenheit zur Durchführung zu bringen. Dabei wurde vorausgesetzt, daß die Auftraggeber des Baugewerbes, behörd liche wie private, diesen Abwehrkampf in jeder Be ziehung unterstügen und dazu beitragen werden, daß die den Baugeschäften durch die Arbeiterschaft aufgezwungene Machtprobe an dem entschlossenen Widerstand der Arbeitgeber. organisationen des Baugewerbes zusammenbricht. Wir stellen zunächst fest, daß es sich für die Bauunternehmer, mie sie selbst sagen, um eine Machtprobe handelt. Sie versuchen gar nicht nachzuweisen, inwiefern die Bauwirtschaft die Forderungen der Gewerkschaften nun und nimmer tragen fann". Wir haben unfererseits nachgewiesen, daß es die Bauunternehmer sind, die die Allgemeinheit und die Bauarbeiter ausbeuten. Wir sind bereit, in dieser Beziehung der Deffentlichkeit noch mehr Beweise zu unterbreiten, die aufzeigen werden, in welch raffinierter Weise die Bauunternehmer die Preise in die Höhe zu treiben verstehen. Benn es in der Kundgebung der Bauunternehmer dann weiter heißt, daß die Auftraggeber des Baugewerbes, behördliche wie private, die Machtprobe der Unternehmer in jeder Beziehung unterstügen müßten, so ist das ein Anfinnen, dessen Unverfrorenheit wir nicht näher zu fennzeichnen brauchen. Angenommen, die Berficherte hätte in der Borkriegszeit bei der Städtischen Spartaffe etwa 500 Goldmart Ersparnisse eingezahlt und sie bei ihr stehen lassen; sie sei nun gefeßlich erstattungspflichtig und würde dem Unterstützungsamt Charlottenburg zur Tilgung der Schuld von 223 Mart ihr gesamtes Sparfaffenguthaben samt Zinsen zur Verfügung stellen. Man würde ihr bedeuten, daß diese Zahlungsmethode unzulässig sei und ihr die zwangsweise Beitreibung der Schuldsumme erneut androhen. Abgesehen davon, gestatten wir uns, dem Unterstüßungsamt des Bezirksamts Charlottenburg die gefeßliche Möglichkeit zu be= streiten, die Versicherte für die Leistung ihrer Krantenlasse haftbar zu machen. Der Personalbestand der Reichsbehörden und betriebe. Die Reichsregierung hat dem Reichstag eine Uebersicht über den Bersonalbestand bei den Reichsministerten, der Reichspost und der Reichsbrüderei vorgelegt. Danach wurden am 1. April 1925 in den Reichsministerien 95 789 Beamte, 21 163 Angestellte und 94 653 Ar beiter beschäftigt. Bei der Reichspost einschließlich der Reichsbeiter gezählt. In den Reichsministerium ist gegenüber dem 1. Ofbruckerei wurden 252 585 Beamte, 3234 Angestellte und 38 447 Ar gestellte und 604 Arbeiter eingetreten. Bei der Reichspost einschließ tober 1924 eine Versonalverminderung um 106 Beamte, 2959 Anlich der Reichsdruckerei zeigte sich eine Bermehrung des Personals um 2428 Beamte und eine Personalverminderung um 535 Angestellte bzw. 11 938 Arbeiter. Die Zahl der weiblichen Beamten und Angestellten beträgt bei den Hoheitsverwaltungen 6973, darunter 108 Berheiratete, und 52 882 bei der Reichspoft einschließlich der Reichsdruckerei, darunter 112 Verheiratete. Unter den Reichsministerien ist das Reichsfinanzministerium mit seinen zahlreichen Landesfinanzämtern der größte Arbeitgeber. Lohnbewegung in den Elektrizitätswerken. Im Anschluß an das Lohnabkommen für die Gas- und Waffer werte haben am Freitag erneute Verhandlungen mit der Direktion der Städtischen Elektrizitätswerte stattgefunden. Die Direktion erklärte fich bereit, die gleichen Lohnerhöhungen wie für die beiden anderen Städtischen Werke auch für ihre Betriebe anzuerkennen Auf dieser. Grundlage tam es zum Abschluß eines Lohnabkommens, das bis zum 3. Oktober 1925 Geltung hat. Was die Unternehmer wollen, ist die Aus hungerung der Streifenden, die Niederknüppelung der Gemert- Bom Zentralverband der Maschinisten und Heizer wird uns schaften. Dazu sollen ihnen die Bauauftraggeber helfen. Es soll geschrieben: Nachdem ani 3. Juli die tarifliche Schiedsinstanz in der Lohnfrage einen Spruch fällte, der eine Zulage ab 30. Juli feinem Bauunternehmer ein Auftrag erteilt werden, der die Forde von 2 Bf. borjah, sollte heute die zweite Schiedsinstanz sich erneut rungen der Bauarbeiter bewilligt. Auf diese Weise hoffen die Scharf- mit den Löhnen befassen. Durch Verhandlungen der Parteien fam macher im Verband der Baugeschäfte, die Bauunternehmer zum jedoch vorher eine Einigung zustande. Ab 2. Auguſt tritt eine Durchhalten zu zwingen. Auf diese Weise hofft man ins weitere Erhöhung bon 3 Bf. für alle Gruppen ein. Die besondere, zu verhindern, daß der Bauhütte Bauaufträge zuteil übrigen Zuschläge wurden dementsprechend ebenfalls erhöht. Das Abkommen hat Gültigkeit bis 3. Oftober d. Js. merden. Daß die Stoßtrupps der sogenannten ausgeschlossenen Bauarbeiter die Arbeiten auf dem Bundeshaus des Verbandes der Buchdrucker, die Reparaturarbeiten für den Lebens und Geträntemittelarbeiterverband, die Siedlungsarbeiten für den Deutschen Berkehrsbund und die Arbeiten im Borwärts"-Haus, die alle von der Bauhütte mit Zustimmung der Bauarbeiterorganisationen ausgeführt werden, gewaltsam verhindert haben, ist vom Standpunkt der Unternehmer gewiß fehr schön. Es erschwert den Bauarbeitern die Führung Des Kampfes. Noch wichtiger für die Bauunternehmer ist jedoch, zu verhindern, daß die Bauhütte eventuell größere Aufträge der Behörden ausführt, die sie ausführen könnte, weil sie die Forderungen der Gewertfchaften bewilligt hat. Deshalb das große Geschrei der Unternehmer. Bir nehmen an, daß die Intelligenz der Ausgeschlossenen aus reichen mird, um zu begreifen, worauf die Unternehmer hinzielen. PL Ein Teno"-Streich. Durch den Bauarbeiterstreit wurden die Betonierungsarbeiten beim Elektrizitätswert am Südufer unterbrochen. Diese Arbeiten murden als Rotstandsarbeiten bezeichnet, jedoch vom Baugewerfs bund als solche nicht anerkannt und deshalb ihre Beiterführung während der Dauer des Streifs verweigert. Gestern wurde nun die Technische Nothilfe eingesetzt. Nach zwei Stunden hatte sie die Spundwände durchbrochen. Die vorher völlig trodene Baugrube füllte sich jetzt mit Wasser. Da nunmehr Not standsarbeit vorliegt, geschaffen durch die Nothilfe", erflärte der Baugewerfsbund, getreu seiner Berpflichtung zur Ausführung wirklicher Notstandsarbeiten, sich bereit, die Spundwände wieder herzustellen, nachdem die„ Leno" das Feld ihrer mit fo durchschlagendem Erfolg erprobten Tätigkeit geräumt hat. Daß die„ Teno" die Arbeit von Baufachleuten nicht leisten kann, wäre fein Vorwurf für sie, wenn sie die Finger davon gelassen hätte. Der Streit bedeutete für die Baustelle teine Gefährdung, erst die gefährliche„ Nothilfe" brachte sie in Gefahr. | Die Lohnbewegung im Möbelhandel erledigt. folge des niedrigen Angebots gescheitert waren, fanden am 16. Juli Nachdem die ersten Verhandlungen mit den Arbeitgebern in erneut Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschus statt. Dort wurde eine Einigung erzielt in der Form, daß der Spizenlohn ab 5. Juli 39 m. pro Woche und vom 16. Auguſt bis 81. Oktober 40 m. pro Woche beträgt. Beilegung des Streiks bei der Firma Gleiser. Nach erneuten Verhandlungen zwischen dem Deutschen Verkehrsbund und dem Arbeitgeberverband der Firma sind die bei der Firma bestehenden Differenzen zugunsten der Arbeiter beigelegt worden. Die Arbeit wurde am Freitag in vollem Umfange wieder aufgenommen. Darf ein Betriebsrat Akten vernichten? Damit hat eine Angelegenheit ihre Erledigung gefunden, die fein Ruhmesblatt für den flagenden Staatsanwalt ist. Seiner Hartnädigteit ist es zuzuschreiben, daß das Gericht sich nochmals mit einer Rechtsfrage beschäftigen mußte, über deren Ausgang kein Zweifel obwaltete. Aber was tut man nicht, um den Stahlhelm= leuten in der Reichsbant, die für ihre Parteizwecke das Material der Reichsbank bemuzen, gefällig zu sein. Die Krise im Ruhrbergbau. Bochum, 17. Juli.( Eigener Drahtbericht). Die Krise im Bergbau wächst sich zu einem Unglüd für das ganze Ruhrrevier aus, zu einer Katastrophe, wie sie die deutsche Arbeiterschaft in der Induftrie noch nicht erlebt hat. Die Zahl der Feierschichten im Ruhrbergbau hat in den letzten Tagen eine starte Vermehrung erfahren. Neue Feieriichten eingelegt wurden auf„ Prinzregent",„ Karl Friedrich",„ Julius Philipp"," Friderica" und Friedlicher Nachbar". In der zweiten Hälfte des Juli ist auf jedem Schacht von Deutsch- Lug mit je einer geierschicht zu rechnen. Die Baroper Schächte dieser Gesellschaft werden im Auguſt ſtill" " gelegt. Ab Montag wird die Koterei auf Zeche Tremonia" eingestellt. Allein bei der Deutsch- Bug liegen jetzt 380 Rohlenöfen falt. Es fommen weiter zum Stillstand die Zechen Bindahlsbant",„ Kaiser Friedrich",„ Glüdauf Tiefbau und die Zechen Hamburg" und Franzista". Damit wird wiederum ein ganzes Heer von Arbeitern brotlos. " " ˊ Fortdaner des Pforzheimer Streits. Pforzheim, 17. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die am Freitag nachmittag auf Beranlassung des badischen Gewerbeaufsichtsamtes zur Beilegung des Riefentampfes in der Pforzheimer Schmuckwarenindustrie durch den Vorfizenden des Schlichtungsausschusses eingeleitete Aussprache zwischen den Parteien hat zu feiner Einigung geführt. Es murde aber vereinbart, daß am nächsten Diens= fag eine Verhandlungskommission unter dem Borsiz des Schlichhungsausschußvorsitzenden zusammentritt, die den Barteien einen Einigungsvorschlag machen joll. Falls dieser abgelehnt werden sollte, muß dann der gefehliche Schlichtungsausschuß einen Schiedsspruch fällen. Unter der unbeteiligten Bevölkerung, insbesondere in der Geschäftswelt des Bezirks Pforzheim, steigert sich die Mist immung gegen die Schmud waren Induftriellen wegen deren Haltung immer mehr. Der Kampf geht froß aller möglichen Einwirkungsversuche der Unternehmer auf die Arbeiterschaft in unverminderter Stärke weiter. Das Bündnis der englischen Gewerkschaften. London, 17. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Ausschuß von Bertretern der Gewerkschaften der Bergarbeiter, Transportarbeiter, Eisenbahner, Maschinenbauer sowie verschiedener kleinerer Verbände feßte am Freitag nachmittag die Berhandlungen zur Schaffung Gewerkschaften den Abschluß eines Bündnisses zu empfehlen. Man eines Bündnisses fort. Der Ausschuß beschloß, den einzelnen hofft in den beteiligten Kreisen, daß die Entscheidung der Gewerffchaftserefutive noch vor Ende des Monats fällt, so daß im Falle des Ausbruchs des Kampfes im Bergbau das Gewerkschaftsbündnis in Kraft treten fann. Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes, Coof, erklärte am Freitag, daß die Bergarbeiter auch die zweite Einladung, por dem Schiedsgerichtshof der Regierung zu erscheinen, angesichts der unveränderten Haltung der Unternehmer abgelehnt haben. Der Achtstundentag in Amerika. New Bort, 14. Juli.( WTB.) Die Standard Dit Company, New Jersey, kündigt an, daß sie in ihren mittellontinentalen Delfeldern ben chtſtundentag einführen wolle. Gleichzeitig follen die Löhne nach einer neuen Stala berechnet werden, wodurch den Arbeitern ein teilweiser Er fag für den entstehenden Lohnausfall gesichert werden soll. Seit den ersten Bohrungen im Jahre 1859 bis jetzt wurde zwölf Stunden täglich gearbeitet. Eine Frage von grundfäßlicher Bedeutung über die Befugniffe des Betriebsrats zur Vernichtung von Atten, hatte in der Bezwei verantwortliche Betriebsratsmitglieder der Reichsbant, die rufungsinstanz das Landgericht I zu entscheiden. Angeflagt paren früheren Reichsbanfangestellten Großmann und Wietus. Beiden Angeklagten wird von dem nachfolgenden deutschmäßige Sigung am Montag, den 20. Juli, fällt aus, da ein Teil Achtung, freigewerkschaftl. Betriebsräteausschuß! Die regel Dölkisah orientierten Betriebsrat zum Vorwurf gemacht, Aften, der Mitglieder in Urlaub ist. Zur nächsten Sigung wird schriftlich die an den Betriebsrat gerichtet waren, bei ihrem Ausscheiden vereingeladen. D. Hildesheim. nichtet zu haben. In Wirklichkeit hat man den Eindrud, als handele Auftrage der Belegschaft, den Rüdtritt Havensteins gees sich um einen Racheatt gegen Großmann, der seinerzeit, im fordert hatte. Deutsche Filmgewerkschaft. Ordentliche Generalversammlung Sonnabend, den 18. Juli, 7 Uhr, im Großen Gaal des Alten Asfanier", Anhaltstr. 11. Die außerordentlich wichtige Tagesordnung verpflichtet jeden Kollegen, an dieser Versammlung teilzunehmen. Mitgliedsbuch legitimiert! Die Ortsverwaltung. J. A.: Siegmund. W. Lorenz, Tempelhof. Montag, den 20. Juli, 4% Uhr, im Lokal Saat, Friedrich Wilhelm- Str. 85, wichtige Fraktionsfigung. Erscheinen aller SPD.. Der Fraktionsvorstand. In der Borinstanz wurden die Angeflagten freigesprochen, die Staatsanwaltschaft hatte aber Berufung eingelegt. Der Borgänger Großmanns befundete, daß er sich auch verpflichtet gefühlt Anhänger erforderlig. habe, im Geschäftsgang erledigte Borgänge zu vernichten. Die Beugen der Reichsbant, Reßler und Dr. Brenzel, sahen in der Vernichtung der Aften eine bewußte Erschwerung ihrer Funttionen als Betriebsräte und veranlaßten die Klage. Die Frage des Borsigenden, ob der Zeuge beſtimmte, unerledigt gebliebene Fälle anführen kann, mußte von ihm verneint werden. Die Gutachten der beiden Sachverständigen brachten fein einheitliches Bild. Dr. Brand bestritt dem Betriebsrat die BeAufgewertete Krankenhauskosten. fugnis, an ihm adreffierte, auch vertrauliche Anfragen vernichten zu Die Versicherte soll zahlen, weil die Krankenkasse nicht zahlt. glaubt. Sollte aber schon eine Bernichtung von vertraulichen Alten fönnen, selbst wenn der Betriebsrat sich moralisch dazu verpflichtet Eine bei der Krantenfasse der Berliner Fleischerinnung verporgenommen werden, so darf der Betriebsrat das nicht ohne Zu ficherte Angestellte hatte das Bech, am 13. Oftober 1923 ins ftimmung der Betriebsversammlung tum. Der Vorsitzende fragt den Krantenhaus zu fommen, also zu einer Zeit, in der die Papier Sachverständigen, ob diese Verpflichtung im Geseh vorgeschrieben mart noch als gefeßliches Zahlungsmittel galt. Das Unter ist. Die Antwort fiel verneinend aus. Auf die weitere Frage, ob stügungsamt des Bezirksamts Charlottenburg, der Sachverständige auf seinem Standpunkte beharren würde, wenn dem das betreffende Krankenhaus untersteht, fah teine gefeßliche wir mit dem BRG. fchon 30 Jahre arbeiten würden, antwortete der Möglichkeit für sich gegeben, von der Krankenkasse der Fleischer Sachverständige: Darüber habe er noch feine feste Meinung, auch innung Goldmarfleistungen zu fordern. Um nun aber ist es Sache des Gesetzgebers, ergänzende Bestimmungen zu dem dennoch die Differenz zwischen der Papier- und der Goldmark Betriebsrätegesetz zu erlassen. Klarer umschrieben und von startem rechnung zurückerstattet zu erhalten, wendet sich das Char Eindruck war das Gutachten Dr. Flatoms, der die Betriebsräte Ipftenburger Unterstügungsamt an die versicherte An- im gewiffen Sinne mit Abgeordneten verglich. Er verneinte gestellte mit der Aufforderung, die 223 Mart betragenden das Recht, Aften über nicht erledigte Angelegenheiten ver. Rosten in Monatsraten von je 5 Mart zu tilgen. Die legte Mah- nichten zu fönnen. Eine Parallele mit den unter Dienstaufsicht bei nung vom 2. Juli 1925 schließt mit der Erklärung, daß weitere anderen Behörden befindlichen Aften fann hier nicht in Betracht Mahnungen nicht mehr erfolgen und im Falle der Zahlungsverwei- tommen. Der Betriebsrat hat nach pflichtgemäßem Erneffen zu gerung ohne weiteres die zwangsweise Beitrei entscheiden, was erledigt ist und was auch für seine Nachfolger bung der gesamten Schuldsumme vorgenommen werde, woraus bleibenden Wert hat. Auch hat der Betriebsrat in feiner damaligen ganz erhebliche Mehrkosten entstehen würden. Sigung mit zwei Drittel Mehrheit die Bernichtung der Aften befchloffen. Drei Mitglieder, die dagegen stimmten, weil sie eine Schädigung in ihrer späteren Amtsführung fürchteten, die ihrer Tätigkeit als Betriebsratsmitglieder nachteilig erschien, haben dann die gerichtliche Entscheidung beantragt. Die Bersicherte hat ihre Krankenkassenbeiträge geleistet, mogegen die Krantentasse die Verpflichtung hatte, im Ertran tungsfalle die erforderliche Unterstützung zu leisten. Hat die Krantenhausverwaltung ihre Verpflegungsfäße nicht rechtzeitig aus reichend festgesezt und nun nicht die gesetzliche Möglichkeit, die ihr entstandene Differenz von der Krantentasse zu fordern, so hat sie deshalb doch nicht das Recht, die Versicherte zur Zahlung dieser Differenz heranzuziehen! Oder doch? Diese für alle Bersicherten prinzipiell wichtige Frage bedarf unseres Erachtens der Klarstellung. Ist die Versicherte anstatt der Krantenfasse erstattungspflichtig oder nicht? B LL In seinem Plädoyer trat der Staatsanwalt einen merfbaren Rüdzug an. Da aber alle Eingänge an den Betriebsrat gerichtet waren, mußten sie auch den Nachfolgern jederzeit zur Hand fein. Gegen den§ 133 des StGB. ist zweifellos verstoßen worden, er beantragte eine Geldstrafe von 200 Mart. Die Angeklagten wurden jedoch freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens wurden der Staatstaffe auferlegt. Aus der Partei. Aufschwung der mexikanischen Arbeiterbewegung. In Verbindung mit dem vorjährigen Besuch des merikanischen Präsidenten Calles in Deutschland hat sich das Interesse in stärkerem Maße als bisher den Verhältnissen in Merito zugewendet. In diesem Zusammenhang mag es interessant sein, einige Daten die in den letzten Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen über die me gitanische Arbeiterbewegung zu erfahren, hat. Im Jahre 1922 gab es in egito 1 250 000 organisierte Arbeiter. Die feither gemachten Fortschritte lassen sich an dem Beispiel der Stadt Merito ermessen, wo im Jahre 1922 achtzehn Gewerkschaften mit rund 20 000 Mitgliedern bestanden, gegenwärtig aber 92 Gewerfschaften mit mehr als 100 000 Mitgliedern. In der Stadt Merifo find 92 Broz der Arbeiter organisiert. Bor einigen Jahren wurde von den Gewerkschaften die politische Arbeiterpartei ( Partido Laborista) ins Leben gerufen, die auch heute noch vollfommen von den Gewerkschaften abhängig ist. Im allgemeinen ist also die merikanische Arbeiterbewegung fehr jungen Datums und hat sich bisher in völliger Selbständigkeit entwidelt, fo daß ihre Beziehungen zu der übrigen Arbeiterbewegung und besonders zur sozialistischen Theorie noch recht lose sind. Gegenwärtig sind in den Provinzen Merito und Coahuila Bahlen für den Bosten des Gouverneurs ausgeschrieben. Die Kandidaten der Arbeiterpartei, die große Aussicht auf Erfolg haben, sind in Merito Carlos Riva Palaccios, in Coahuila Perez Trevino. Bisher haben nur zwei megitanische Provinzen, Hidalgo und Aguas Calientes, sozialistische Gouverneure. Bor furzem haben die ersten der von der merikanischen Arbeiterregierung er nannten„ Arbeitsattachés" die Reise in ihre Bestimmungsorte Paris und Mostau angetreten. Bei ihrer Abreise waren fie der Gegenstand herzlicher Abschiedsfundgebungen. = Berantwortlich für Bolitit: Victor Echiff: Wirtschaft: Arthur Caternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Editowski: Lotales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Sonstiges: Frik Karstädt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin S. 68, Lindenstrake 3. Sierzu 2 Beilagen, Unterhaltung und Wissen" und Jugend- Borwärts". Probiert Bolle Schokolade Nr. 335 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntägliche Wanderziele. Rund um Erkner. = = Das weite Waldgebiet östlich von Erfner mit seinen zahl reichen stillen Seen wählen wir zum Ziel unserer heutigen Wanderung. Von einer der Stadtbahnstationen fahren wir mit dem Borortzug bis Erfner. Wir wenden uns nach rechts und kommen über das Lerbindungsgewässer des Flakensees( links) mit dem Dämerizfee( rechts) in den Ori Ertner. Der Friedrichstraße folgen wir bis zur Kirche, einem neuen Bau von 1897. Durch Ertner führte einst Die alte Heerstraße von Berlin nach Frankfurt. Von der Kirche wenden wir uns durch die Hübnerstraße nach links, überschreiten die Eisenbahn und kommen zur neuen Lödnißbrücke. Senseits führt alsbuld von der Brücke der Leistikow und August Trinius- Weg rechts ab. Wir folgen diesem Weg, der am Rande der Löckmzniederung zum Wupaßsee führt. Bald darauf fommen wir an den Heidereutersee, der inmitten tiefer Waldeinsamkeit liegt. Der Pfad bringt uns zur Chauffee zurück, auf der wir rechts nach Fangschleuse tommen. Fangschleuse ist ein Ortsteil der weitausgedehnten Gemeinde Werffee, zu der auch noch die Ortsteile Gottesbrück, Bergluch und Grünheide gehören. Bon der Brücke über den Kanal aus dem Werlsee wandern wir füdöstlich und alsbald links ab durch die Werlseestraße zum Südufer dieses Sees. Inmitten des Gees liegt die große Insel Lindwall, auf der vorgeschicht liche Spuren aus der Wendenzeit gefunden wurden. Die Werleeftraße führt durch die Kolonie Bergluch. Bei der Wegkreuzung im Wald wenden wir uns links auf den Weg nach Grünheide, das zwischen dem Werlsee im Westen und dem Beegsee im Osten liegt. Bon dem Friedhof südlich des Verbindungsfließes zwischen beiden Geen haben wir einen prächtigen Rundblick über den Ort und den Werisee. Auf dem Friedhof stehen zwischen den gewöhnlichen märfischen Kiefern einige Weymouthsfiefern, amerikanische Gäste im heimischen Walde. Von Grünheide wandern wir gen Süd. Auf der Großen Wallbrücke überschreiten wir die Löcknig und behalten weiterhin die gleiche Richtung bei. Bald haben wir den Bahnhof Fangschleuse erreicht. Nach etwa einer halben Sturde tommen wir an die alte Heerstraße von Berlin, die unsere Chauffee treuzt. Hier wenden wir uns links ab und find bald am Störigsee. Am Nordufer des Sees liegt das Forsthaus Störig, sonst ist weit und breit feine menschliche Siedlung anzutreffen. Die flare Flut, umrahmt von hochstämmigem Kiefernwald, lockt die Wanderer und Ausflügler zum erfrischenden Bade. Vom Südostufer des Störiksees wandern wir auf dem Königs- Gestell gen Südwest zur Niederung des Spreetals. Hier wenden wir uns rechts und kommen nun möglichst nahe der Niederung über Freienbrint, Jägerbude, Hohenbinde nach Alte Hausstelle. Auf dem gegenüberliegenden Ufer der Niederung sehen wir Steinfurth, Burig und Neu- Zittau. Bei Alte Hausstelle menden wir uns nach Norden. Der Weg führt in der Nähe der Spreeniederung weiter, zuletzt am Karuzsec vorüber nach Erfner, dem Ausgangspunft unserer Wanderung, zurüd.( Weglänge etwa 25 Kilometer.) Löwenberg- Kremmen. Mit den Fernzügen der Nordbahn fahren wir vom Stettiner Bahnhof bis Lowenberg. Um Fahrgeld zu sparen, fönnen mir bis Dranienburg den Vorortzug benußen und dort in den Fernzug umsteigen. Vom Reichsbahnhof Löwenberg führt uns die Chauffez in halbstündiger Wanderung gen Weft in das Dorf Löwenberg. Im Zeitalter der Wiederbesiedelung durch die Deutschen, etwa zu Beginn des 13. Jahrhunderts, wird Löwenberg als festes Städtchen erwähnt. Es bildete den Mittelpunkt eines be fonderen Ländchens, das etwa 4 Quadratmeilen umfaßte und 1815 unter die Kreise Ruppin, Osthavelland und Templin aufgeteilt wurde. Löwenberg fam mit dem westlichen Teil des Ländchens zum Kreis Ruppin. Das Städtchen war zum Dorf geworden, bereits in ciner Urkunde von 1624 wird es als solches erwähnt. Reste von Ball und Graben erhielten sich jedoch noch bis 1886. Die Kirche, deren erste Anlage dem 13. Jahrhundert entstammt, hat Umfassungsmauern aus nahezu vierkantig behauenen Feldsteinen. Sie ist ein muchtiger Bau mit etwa 15 Meter breitem vorgelagerten Turmhaus( Abbildung). Die Turmfenster lassen noch frühgotische Formen erkennen. 1808 brannte die Kirche vollständig aus, sie wurde 1832 erneuert. In Löwenberg befindet sich ein Schloß, das aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt, jetzt jedoch vernachläffigt ist. Von Zowenberg fonimen wir in furzer Wanderung nach Linde. Hier ver21 Sinnenspiel. 11950 Aus einem Tagebuch. Mitgeteilt von Kurt Eisner. Ich:„ Das hat mit der Liebe gar nichts zu tun!" Mara: Unser after Streit! Nein wahrhaftig, du täuscheft mich nicht. Du liebst mich nicht mehr, wenigstens nicht so wie einft." Dann fuhr Klara halb scherzend, halb ernsthaft fort:„ Siehst du, nun tokettiere ich schon eine halbe Stunde mit dir. Ich habe meine niedlichsten Schuhe angezogen und Strümpfe von poetischster Färbung und zartestem Gewebe " ,, Mir oder den anderen zu Ehren," wars ich nedend ein, um die Dämmerstunde banger Empfindsamkeit zu beendigen. „ Dir zuliebe," erwiederte Klara fast feierlich. Ich weiß ja, daß du ein Fußschwärmer bist, und habe mit diesen Füßchen, für die du dich einst begeistern tonntest, seit einer halben Stunde den wildesten Lufttanz ausgeführt. Du hast nichts bemerft?" Klaras Stimine hatte jenen Ton flagender Schelmerei angenommen, der auch mir stets das Früher" lebendig machte, und nun fam es doch über mich. Ich fniete nieder und füßte fie auf den Fuß. Was für Mühe du dir gibst!" meinte Mara. Aufrichtig, Lieb!" lassen wir die Chaussee und wandern südwestlich zum Derf hinaus im Süden bis zum Kremmer Luch erstreckt. Nach etwa dreiviertel in die Forst Rüthnid, ein ausgedehntes Waldgebiet, das sich nach Süden führenden Weg zum Forsthaus Birkholzgrund. Nun Stunden kommen wir an eine Wegkreuzung; hier folgen wir dem geht es wieder füdwestlich nach Beet, das am Rande des Waldes liegt. Der Name dieses Dorfes ist wahrscheinlich wendischen Ursprungs und von bez Beeg zuerst 1409 erwähnt, wo der Markgraf Jobst auf seinem Holunder abzuleiten. In Urkunden wird Feldzug gegen die Pommern hier ein Lager aufschlug und den Rat seinen Mühlen dorthin zu senden. Von Beez wandern wir südöstlich von Berlin aufforderte, ihm schleunigst, Speisebier und Brot aus auf der Ruppiner Chaussee nach Sommerfeld. Hier haben wir den Südrand der Ruppiner Hochfläche, auf der wir bisher wanderten, erreicht. Südlich davon zieht sich das Eberswalder Urstromtal hin, Das hier vom Kremmer Luch eingenommen wird. Im Osten wird die Ruppiner Hochfläche durch die Rinne des Haveltals von der Hochfläche der Uckermark und im Westen durch das Dossetal von der Hochfläche der Prignitz getrennt, während sie im Norden in die mecklenburgische Hochfläche übergeht. Wir folgen der Chaussee weiter, die als Kremuner Damm das Luch durchquert. Bald, nachdem mir Sommerfeld verlassen haben, fommen wir an die Lange Horst, ein schmaler, aber langgestreckter von Wald bestandener Dünenzug, der sich westlich durch das Luch bis zum Kremmer See hinzieht. Alte Dorfkirche in Löwenberg. Auf der Langen Horst sind Spuren vom vorgeschichtlichen Menschen gefunden worden, die etwa 6 Jahrtausende alt sind, kleine Geräte aus Feuerstein, funstgerecht und sorgfältig bearbeitet und geformt. Etwa in der Mitte des Kremmer Damms, bei Kilometerstein 35,6, ſteht ein Erinnerungsfreuz an den am 24. Oftober 1412 hier im Kampf der Brandenburger gegen die Pommern und die mit ihnen verbündeten Quizows gefallenen Grafen von Hohenlohe. Der Kremmer Damm ist hier der einzige Weg, um von Kremmen, " Du spielst stets das Früher aus, und gerade dadurch trübst du unser Verhältnis. Die Liebe hört nicht auf, aber sie muß fich ändern, wenn sie nicht albern werden soll. Jedes Alter hat feine eigene Form und sein eigenes Recht, zu empfinden und zu genießen. Man darf nicht die Formen der früheren Zeit beibehalten wollen. Was beim Kinde reizend ist, kann beim Manne widerwärtig sein. Das Kind, das mit Wolluft ißt, erregt unser Entzücken. Wenn der Erwachsene sich so leidenschaftlich diesem Genuß hingibt, ist er gemein. Es ist lustig, wenn Knaben sich prügeln. Zwischen Männern ist es eine Roheit. Der Jüngling und der junge Mann darf sich die süßen Albernheiten der Verliebt heit gestatten, beim reifen Manne ist es unwürdig, beim Greise gar efelhaft Die zierlich- temperamentvolle Unsinnigkeit des Badfisches würde das Weib zur Närrin machen, und die Leidenschaft der Jungfrau wird bei der Matrone abscheulich, widernatürlich...! „ Aber ich bin noch keine Matrone!" „ Gewiß nicht," dozierte ich weiter, doch auch nicht mehr in jener Jugend, da man zum erstenmal ins Land der Liebe wandert, in jeder Sekunde neue Welten schauend und auf jedem Punkte Hütten bauend wie für die Ewigkeit. Wir können unsere Unschuld nicht wiedergewinnen, und uns ziemt die ernste, pflichtdurchwirfte,| freundschaftliche Liebe der reifen Ehe. Für die Frau, die ja noch, unter den bestimmten Bedingungen ihrer geschichtlichen Entwidlung, weit mehr in ihren Gefühlen lebt als der Mann, der seine Seele der tätigen Belt weiht, mag der Uebergang schwerer sein, als für uns. Sie meint über die Veränderlichkeit der Liebe, tennt nur Leidenschaft oder Stumpfheit, nichts Drittes und Biertes, und will es nicht einsehen, daß jede Zeit ihre eigene Art Liebe hat, daß die Liebe nicht aufhört, weil sie sich notwendigerweise anders Da streifie ich leise und rasch den Strumpf von ihrem Fuß gestaltet, weil nicht jede Liebe sich für jedes Auter schickt. Auch und füßte sie auf die feine, schimmernde Haut. dir, Klara, fällt diese Einsicht schwer. Sonjt würdest du nicht von der Unmöglichkeit und Wiberfinnigkeit träumen, das Früher zu halten." Das Rosemort bannte ihren Zweifel. Lieb! fie höris nur felten noa) von mir. Und in ihrer Stimme flang es wie bebende Hingebung, als fic flüfterte: „ Wirklich?" Bir schwiegen beide. Dann aber, von der Gewohnheit der Unzärtlichkeit gepact, obwohl ich diesmai fühlte, was ich tat, hüllte ich den Fuß wieder ein, sprang auf und sagte, in der zerstörenden Unmahrhaftigkeit bes Spottes: " Welche Kinderei für einen alten Mann!" Klara schral zusammen, und fast bitter sagte sie: Nun denkst du wohl, hast du dir die Lampe verdient!" In mir aber war die weiche Stimmung noch nicht ganz verschwunden. Ich strich leise über ihr blondes Haar und schmeichelte fie wieder in meinen Bann. Mich gelüftete es plötzlich, zu Dozieren. Und ich predigte: " ,, Du magst recht haben... Ich bin sehr dumm... Berzeih! Ich fann mich in der Tat nicht an die Notwendigkeit so leicht ge möhnen... aber ich sehe es ein... Und nun hast du dir deine Lampe und Zeitung wirklich verdient." Klara sprach das haftig, erhob sich und zündete das Licht an. Unmittelbar darauf tamen die Anderen", unsere Gäste. Die Gelegenheit, Klarheit zwifchen uns zu schaffen, war zu Ende. Ich habe die Lebensgewohnheit, fast ausschließlich mit jungen Leuten Berkehr zu pflegen. Ich bleibe so selber jung, tauche immer wieder in die Stimmungen und Strebungen der heranwachsenden Generation, bleibe in der Bannmeile der akademischen Sonnabend, 18. Juli 1925 am Nordrande des Glien, der das Urstromtal im Süden begrenzt, nach dem Ruppiner Land zu gelangen. Wir überschreiten den Ruppiner Kanal, der den Rhin mit der Havel verbindet, und sind bald darauf in Kremmen. Bon der ehemaligen Stadtbefestigung ist nichts erhalten geblieben; Mauern und Gräben wurden schon im 17. Jahrhundert geebnet und an deren Stelle Häuser gebaut. Die beiden vorhanden gewejenen Tore wurden abgebrochen. Ein Gang stiller Behaglichkeit märkischer Kleinstädte atmen, bringt uns gum durch die Stadt, deren Straßen und Marktplatz den ruhigen Geist hof zurückkehren( Weglänge etwa 25 Kilometer.) Bahnhof, von wo aus wir mit dem Borortzug zum Stettiner BahnChinesisches Café. An einem Tisch sizen einige Inder mit den wichtigen Mienen schloffenheit. Der eine trägt einen bastseidenen Anzug, die anderen eines Tagore. Sie reden wenig und machen den Eindruck der Vereinfache, hellgraue Sakkos. Sie essen irgendeine asiatische Spezialität, die es nur in diesem Café gibt, fie effen mit merkwürdigen Stäbchen und machen dazu ein so ernstes Gesicht, als ob sie eine religiöse Handlung vollzögen. Ein deutscher Kellner bedient sie, der sicher fein Wort chinesisch, indisch oder japanisch kann, aber er trägt eine schmal umränderte Brille und wirkt gelehrtenhaft. Der Raum sieht absolut europäisch aus, grün gestrichen und über den Türen gezackte Goldleisten. Keine Spur von ostasiatischem Stil. Der Innendeforateur hat einmal etwas von Expressionismus gehört und von einem Caligarifilm. Die Inder wirken fremd zu dieser Dekoration. Nur an der Wand, dem Ausgang gegenüber, hängen Blätter mit chinesischen Schriftzeichen, und der Borkeeper ist entschiedener Chinese mit scharfer, intelleftueller Hornbrille. Viele Tische werden mit Berlinern und anderen Deutschen bevölfert. Sie benehmen sich hier leiser und anständiger als sonst, sie stilisieren sich auf gefittete Menschen von geschliffener Kultur. Sie tun so, als ob die Asiaten für sie überhaupt nicht existierten, nur hin und wieder sehen sie sie neugierig an. In der Ecke sigen zwei Chinesen mit einem Berliner Ehepaar zusammen, man unterhält sich über irgendeinen belanglosen Gegenstand, die Chinesen entfalten dabei eine einwickelnde Liebenswürdigkeit. Am Nebentisch herrscht große Heiterfeit. Vier Siamesen, angehende Professoren oder Direktoren einer Charité in Bangfof, erzählen. Wize, aber die Herren lachen zurüdhaltender als die Europäer, ihre Luftigkeit ist leiser, gedämpfter. Auch das fleine Mädchen, das mit ihrem chinesischen Liebhaber in der Nähe der Siamesen logiert, hat jede Aufdringlichkeit verloren. Sie liest ruhig in einer Zeitung, während ihr Begleiter eingehend die Speisenfarte studiert, fie bemüht sich, in bescheidene Grazie zu machen. Ein japanisches Ehepaar tritt ein. Er trägt einen dunkelblauen Safto, sie ist durchaus unelegant gefleidet, hat sich also schnell an Berlin gewöhnt, aber sie bewahrt eine Haltung, die ihren anonymen Anzug vergessen läßt, Vornehmheit, die nur einer alten Kultur entspringt, angeborene Eleganz, die auch hier bezwingt, fern von Japan, in einem flemen Café Charlottenburgs. Eine Berufung im Offultistenprozeß? Der Offultistenprozeß, der mit der Freisprechung des Geheimen Sanitätsrates Dr. Moll wegen Beleidigung des Ketten- und Buchsbaum- Mediums, Frau Rudloff, endete, wird möglicherweise nochmals eine Neuauflage in der Berufung erfahren. Nach der Justizreform gibt es allerdings im Privatflageverfahren bei Freisprechungen und Verurteilungen zu Geldstrafe teine Berufung. Doch steht unter allen Umständen der Weg der Revision offen, die an das Kammergericht geht. Eine Ausnahme hinsichtlich der Berufungsmöglichkeit machen die Beleidigungen durch die Bresse, bei denen die Berufung auch bei Freisprechung und bei Geldstrafe zulässig ist. Es besteht die Möglichkeit, auch im Falle Moll eine Berufung durchzusetzen, da die Beleidigungen durch eine Broschüre erfolgt sind, und sie also als ein Vergehen, begangen durch die Presse, anzusehen sind. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Bornemann, ist auch der Ansicht, daß er eine etwaige Berufung des Nebenflägers gegen die Freisprechung an die Strajkammer weiterzuleiten habe. Sollte die Straffammer sich auf einen anderen Standpunkt stellen, so müßte das Kammergericht entscheiden, ob die Berufung zulässig ist. Die vereinten Straffenate des Kammergerichts haben Wissenschaft, und während ich hier mehr Hörer bin, suche ich meine Freunde politisch zu lehren. Studenten von allgemeinen Interessen und fittlichem Idealismus sind heute selten; trotzdem glückte es mir bisher stets, einen fleinen Kreis Gleichgesinnter um mich zu scharen. Heute tamen sie nun, wie gewöhnlich am späten Abend, zu einer zwanglosen Abschiedsplauderei bei Bier, Tee und Zigarren. Wir waren bald im lebhaften Gespräch. Kiara verwaltete die wirtschaftlichen Angelegenheiten. Wir sind eigentlich stets recht unhöflich gegen die einzige Frau in unserem Kreise; sie fikt meist still bei uns, hört zu und beschäftigt sich mit einer feinen Stickerei. Sie strebt ernstlich, der Unterhaltung zu folgen, aber ich weiß, daß ihr unsere Themata fernliegen und daß sie sich in das Interesse gewaltsam und erfolglos zwingt. Da ist es uns allen lieb, wenn das Kind" unter uns ist, der jüngste der Gesellschaft, ein hübscher, frischer Bursche, der wohl des Kontrastes wegen unter uns Ernsthaften wohl gelitten ist. Das Rind" setzt sich dann zu meiner Frau, und sie plaudern in einer Ede vergnüglich von harmlosen Dingen. Heute war das Kind" vorhanden; und es hatte einen besonders anregenden Gesprächsstoff mitgebracht; seine Fußwanderung durch Italien, die er im Frühjahr unternommen. Infolge meiner Krankheit war unser Zirkel seit dem Fabruar nicht zufammen gekommen, und der Verkehr hatte sich auf Erkundigungen einzelner nach meinem Befinden beschränkt. Das„ Kind" brachte also das Neueste, und durch Naturbegeisterung läßt sich Klara leicht fortreißen. Sie wanderte ja unabläffig durch die schönsten Gegenden der Erde in Gedanken und mein Festgeschent ist regelmäßig eine Mappe mit landschaftlichen Aquarelldrucken, Radierungen oder Photographien. Auch eine Mappe Italien" befindet sich unter ihren Schäzen. Die holte sie heute hervor, und das Kind" bildete den Cicerone, indem sie beide gemeinsam die Blätter anschauten. Sie hatten sich vor unseren prosaischen" Gesprächen in das stille Nebenzimmer geflüchtet, faßen nebeneinander auf dem Sofa, vor sich ein Tischchen mit der Mappe. Ich freute mich, daß Klara diesmal ausgiebig versorgt war, wir fonnten um so freier unseren Interessen frönen. So, in dieser förderlichen Trennung der Parteien entschwanden ein paar Stunden. Klara erschien nur gelegentlich bei uns und zur Erfüllung hausfraulicher Pflichten, dann verschwand sie wieder. Durch die geöffnete Tür bemerkte ich, daß auch die drinnen recht angenehm schwazzten, Klara sogar ungewöhnlich lebhaft. Sie konnte eben einmal nach Herzenslust reisen... Als unsere Gäste nach Mitternacht uns verlassen hatten, fagte Klara, während sie ein wenig Ordnung schaffte: „ Ein netter Mensch, euer Kind, der liebenswürdigste und poetischste von euch allen." ( Fortsetzung folgt.) vor kurzem einen Kollegialbeschluh gefaßt, der die Berufung bei Freisprechung und Geldstrafen auch dann zulasse, wenn ein Neben- befchluß, z. B. auf Publikation erfolgt ist. Andere Oberlandes- gerichte haben sich aber auf einen anderen Standpunkt gestellt. Nochmals öle hohen �letychpreise. Es ist begreiflich, daß die am Fleisch- und Viehhandel Inter- essierten Erwerbsgruppen mit den in Nr. 333 gemachten Aus- siihrungen nicht einverstanden sind. Wir freuen uns, aus einer Zu- fchrift des Jntereffenverbandes der Ladenfleischer Groß-Berlins feststellen zu können, daß er mit uns für die Forderung de» Gesrierfleischverbrauches eintritt, um damit die Nach» frage nach Frischfleisch herabzudrücken und so Preissteigerungen des Fleisches entgegenzutreten. Wenn diese Zuschrift weiter darauf hin- weist, daß keine Nachfrage nach Gefrierfleisch vorhanden sei, so ist demgegenüber darauf hinzuweisen, daß noch vor einigen Monaten die Nachfrage nach Gefrierfleisch tatsächlich sehr stark war und daß der Rückgang des Gefrierfleischverbrauchs eine Folge der überaus regen Agitation der an hohen Vieh- und Fleischpreisen interessierten Erwerbsgruppcn ist, die es fertiggebracht haben, weiten Volkskreisen das Gefrierfleisch zu verekeln. Dabei rechneten sie da- mit, daß der Nährwert dieses wichtigen Nahrungsmittels den Ver- brauchern unbekannt sei. Weiter wird in der Zuschrift erwähnt, daß die Preise sür lebendes Vieh stärker gestiegen seien, als die Preise für Fleisch und Wurst. Das ist richtig. Wir haben wieder- holt darauf hingewiesen, daß durch die überflüsiigen Zwischenstufen dieses Mißverhältnis zwischen Vieh- und Fleischpreisen zu erklären ist. Wir möchten aber hinzufügen, daß die Ladenschlächter sicherlich keine Engel sind. Wenn sie davon Abstand nehmen, jetzt in demselben Verhältnis, in dem die Viehpreise gestiegen sind, die Fleisch- und Wurstpreise heraufzusetzen, so deshalb, weil sie ein Interesse daran haben, den Verbrauch nicht noch weiter zu verringern. Die Laden- schlächter müssen sich also mit prozentual geringeren Verdiensten be- anügen, um ihre absoluten Verdienste, wie es beim Rückgang des Fleischverbrauches der Fall wäre, nicht zu gefährden. Auf die Be- hauptung, daß es unmöglich sei, die Zwischenhändler auszuschalten, kommen wir vielleicht später einmal zurück. Wenn In diesem Zu- sammenhang darauf hingewiesen wird, daß die zunehmende Arbeits- teilung die Notwendigkeit des Engrosschlächers rechtfertige und das Beispiel der Kleinstadt herangezogen wird, in der der Kunde genötigt wird, mit dem Kotelett auch das dazugehörige Rückenfett, Kopf, Beinteile und Lunge usw. mitzulaufen, so liegen die Dinge in der Großstadt, in der es leicht Verwertungsmöglichkeiten für jeden Teil des Viehes gibt, doch anders. Sehr begrüßenswert ist es, daß auch das Fleischergewerbe die Mögllchkeit wünscht, den gesamten Fleischbedarf aus der einheimischen Schlachtvieh- erzeugung zu decken.„Da dieses jedoch unmöglich ist", so heißt es in der Zuschrift weiter,„steht es den landwirtschaftlichen Zollforderungen, die im Falle einer VerwirNichung die Schlachtvieh- preise noch mehr als bisher verteuern müßten, schnrfablehnend gegenüber. Die Spitzenorganisation des Fleischergewerbes, der „Deutsche Fleischer-Verband", hat auf seiner kürzlich in Gotha ab- gehaltenen Tagung die Regierungsvorlage zur kleinen Zolltarif- novell« einstimmig abgelehnt und Cinfuhrfreiheit für Kraftfuttermittel gefordert, woraus hervorgeht, daß die im Jnteresie der Konsumenten liegende Billighaltung und Der- billigung der Fleischnahrung auch vom Fleischergewerbe erstrebt wird.' Und nun noch eins: Wenn es den Ladenschkächtern mit den in diesem Schlußpasius geäußerten Absichten ernst ist, dann müssen sie auch auf die Abgeordneten, auf die sie ihrer parteipolitischen Ein- stellung nach Einfluß haben, in diesem Sinne einwirken, damit der „Zolltarif' von der Bildfläche verschwinde. �ngelchen und Sonntag. Radiumfälscher. Keine empfehlenswerte Firma!— Denn— Engelchen und Sonntag müssen jetzt vor dem Schöffengericht in Moabit eine Bilanz ziehen, die für sie nicht gerade„gewinnbringend' ausläuft. Dabei hört man auch so allerhand Interessantes von der S ch ieb er- zunft aus der Inflationszeit! Decknamen, Zwischen- Händler, Geldmänner und Amerikaner! Da» Ganze dreht sich um eine radiumakttve Masse, für die schwindelnde Zahlen genannt wur- den, und um ein Gutachten einer Reichsprüfungsstell«, die den Radiumgehalt in Milligrammteilchen beglaubigte. Engel pflegen großzügig zu sein, wenn sie die Menschen beglücken wollen! In solchen Fällen kommt es ihnen auf einige Nullen mehr oder weniger in großstelligen Zahle» gar nicht an! Engelchen haben natürlich noch eine größere Verpflichtung, sonst wären es eben keine Engelchen! Also wird flugs ein Rasiermesser genommen und in dem reichsamt- lichen Gutachten eine kleine Verschiebung der Dezimalen vorge- nommen. Herr Sonntag, erschreckt über diese Handlung seines Kompagnons, stößt in der ersten„Ausregung' die Tinte um und— welch Sonntagskind— die Tinte flieht„ausgerechnet' über die R a s u r st e l l e n! Nun soll Sonntag dem Engelchen nicht mehr böse gewesen sein und reichte das Gutachten einem Amerikaner, dem Käufer des Radiums,«in! Bei einem äußerst wertvollen Elemente wie dem Radium kommt es nun begreiflicherweise sehr auf ein Zentigramm an! Der Käufer wäre also schwer betrogen, der Ruf der deutschen Prüfungsstclle ebenfalls geschädigt worden. Aber— der Amerikaner war vorsichtig, fordert ein neues Gutachten ein und die Geschädigten waren in diesem Falle:„Sonntag und Engelchen". Nun kam eine andere Abrechnung, wie sie kaum vor- her„kalkuliert" war, die mit dem Staatsanwalt. Ergebnis: Die Firma Engelche» und Sonntag kann auf ihr Unkostenkonto je drei und sechs Monate Gefängnis verbuchen. Warum Gefängnis? In der Person des SSjährigen Ingenieurs Peter Eh. stand gestern ein Mann vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte, den eine krankhafte Sucht, zu betrügen, schon viele Jahre seines Lebens ins Gefänanis gebracht hatte. Nach anfänglich geordnetem und arbeitsamem Leben geriet er durch die ihm innewohnende Un- stätigkeit auf Abwege, von denen er sich bis heute noch nicht wieder hatte emporraffen können. Gestern wurde ihm nun wieder eine ganze Reihe von Betrügereien zur Last gelegt, welche sämtlich nach demselben Systein angelegt waren. Entweder ließ er sich von Firmen oder Privatpersonen Waren schicken, die er nicht bezahlte, oder er verkaufte selbst etwas, was er gar nicht besaß, gegen Voreinsendung des Betrages. Um einen Fall nur zu nennen: Er pries eine sehr wertvolle Briefmarkensammlung mit seltensten Marken an, sür welche ihm u. a. sogar zwei Engländer recht beträchtliche Anzahlungen schickten. Er tonnte ohne Betrug nicht leben. In einem Hotel in der Markgrafenstrahe, wo er bei früherem Aufenthalt durch sein ae- wandtes und bescheidenes Auftreten den besten Eindruck hinterlassen hatte, blieb er bei seinem letzten Besuch die Zeche schuldig, trotzdem er damals Geld hatte. Die vielen Schwindeleien waren ihm nur da- durch möglich, daß er unter den hochtönendsten Namen aufttat und sein Tätigkeitsgebiet über ganz Deutschland ausdehnte. Das ärztliche Gutachten lautete auf krankhafte Veranlagung und infolgedessen sehr starke Minderwertigkeit, so daß das Gericht ihm mildernde Uni- stände zubilligte. Er erhielt ein Jahr Gesängnis und drei Jahr« Ehrverlust. Eine andere Frage ist die. ab für diese Manie dos Gesängnis der rechte Ort ist, um ihn und die menschliche Gemeinschaft vor seinen krankhasten Trieben zu schützen. 'Auch eine„Geschäftsreise". Unter Hinterlassung großer Schulden haben sich die 28 und?7 Iabre alten aus Lemberg gebürtigen Kaufleute Gebrüder Wilhelm und Philipp S ch n a p e k, die in der Skalitzer- straße 128 ein offenes Ladengeschäft mit Konfektionswaren be- trieben, aus Berlin entfernt. Alleiniger Inhaber dieses Geschäftes war Wilhelm Schnopek, sein Bruder war bei ihm angestellt. Ende voriger Woche liefen nun bei der Kriminalpolizei von Großhand- lungen Anzeigen ein. daß sie sich von Schnapek geschädigt suhlten. Beamte trafen in dem Laden nur die Mutter der beiden Brüder. Sie erNärte, daß diese sie ohne Geld hätten säßen lassen. Die ! noch vochandenen Waren und Stoffe hatte bereit» da» F nanzamt wegen Steuerhinterziehung gepfändet. Der Mutter wurde aus- gegeben und sie versprach auch, ihren Söhnen zu sagen, daß sie sich bei ihrer Rückkehr sofort bei der Kriminalpolizei melden sollten. Es ließ aber niemand etwas von sich hören. Die Beamten ermittelten Wilhelm Schnapeks Braut, und diese erzählte, daß ihr Bräutigam am 3. oder 4. Juli vom Anhalter Bahnhof aus eine „Geschäftsreise" nach Thüringen angetreten habe. Testern je- doch erhielten sie die Mitteilung, daß beide Brüder nach Paris gereist seien. Sie stellten auch fest, daß sie ein zweites Geschäft, das sie in der Nähe des Hauptgeschäftes betrieben, anfangs d. M. ver- kauft haben. Ebenso hat Wilhelm Schnapek sein Auto kurz vor der Abreise zu Geld gemacht. Die Geschästsbücher waren, be- sonders im laufenden Jahre, sehr unordentlich geführt worden. An mehreren Stellen waren auch ganze Seiten heraus- gerissen worden. Unter den Papieren fand man einen großen Posten unbezahlter Rechnungen. Schnapek zahlte bei seinen Ein- käufen sti des Kaufpreises an und gab für den Rest Akzepte. Nach den bisherigen Feststellungen sind 10 Großhandlungen um rund 100 000 Mark geschädigt worden. Der Wert der noch vorhandenen aber vom Finanzamt gepfändeten Waren konnte noch nicht genau ermittell werden. Geschädigte, die noch keine Anzeige gemacht haben, werden ersucht, sich bei der Inspektion C 6 im Zimmer 4 des Polizei- dienstgebäudes in der Georgenkirchstraßs 30/31 zu melden. üer Haltestelle. Der Tod unter dem Auw. Das Vorbeirasen der Autos an den Haltestellen der Straßenbahnen und Autoomnibusse, das schon so oft zu schweren Unglücksfällen geführt hat, war auch schuld an dem Tode des Kauf- mann» R. I e l l i n e ck au» der Konstanzer Straße, der am 9. De- zember vorigen Jahres überfahren wurde und am nächsten Tage im Krankenhause verstarb. Die Verhandlung wegen fahrlässiger Tötung, die gestern vor dem Schöffengericht Charlottenburg gegen den Droschkenchauffeur Petrack geführt wurde, oat» Anlaß zu einem Vergleich zwischen den amerikanischen Verkehrsordnungen und den Berliner Verkehrsordnungen. Landgerichtsdirektor Buttenberg stellte fest, daß nach Zcitungsmeldungen in Amerika die Autos gezwungen sind, bei den Haltestellen ebenfalls Halt zu machen, während die Berliner Berkehrsordnung nur die sehr aus- legungsfähige Bestimmung des Langjamfahrens enthalte. Das bedauernswerte Opfer der Autoraserei war an jenem Tage vom rechten Weg zu der Haltestelle am Olivaer Platz hinüber- gegangen, um auf einen dort haltenden Omnibus zu steigen. Als Iellincck sich in der Mitte der Straße befand, kam in derselben Richtung des Autoomnibusses der Angeklagte mit seiner Auto- droschke angefahren. Wie die Zeugenaussagen ergaben, wollte Pe- track ziemlich nahe am Omnibus vorbeifahren. Dabei wurde Ielli- neck von dem Kühler erfaßt und geriet so unter den Wagen. Er erlitt schwere innerliche Verlegungen. Obwohl der Angeklagte be- stritt, übermäßig schnell gefahren zu sein, bekundeten Augenzeugen des Vorfalles, daß er mit einer großen Geschwindigkeit angerast ge- kommen sei. Nach den Bekundungen mußte der Angeklagte auch sehen, daß ein Mann über den Damm kam. Der Omnibus hielt noch, und es stiegen viele Leute aus und ein, so daß eine ziemliche Ansammlung vorhanden war. Für die Fahrgeschwindigkest sprach der Umstand, daß der Körper des Ueberfahrenen unter dem Auto noch S bis 8 Meter geschleift wurde, ehe der Wagen vor dem Auto- omnibus zum Halten gebracht werden konnte. Ein Zeuge sagt« aus, daß die Fahrgäste auf dem Hinterdeck des Omnibusses entsetzt waren, al» das Auto mit unverminderter Geschwindigkeit an dem Omnibus vorbeifahren wollte. Wenn der Angeklagte weiter nach rechts zu den Straßenbahnschienen hin ausgebogen wäre, hätte er das Unglück vermeiden können. Staatsanwaltschaftsrat Vater hielt den An- geklagten der doppelten Fohrlässigkeit schuldig: einmal, weil er übermäßig schnell gefahren war, und dann, weil er u n- vorsichtig ausgebogen war. Diese Raserei an den Halte- stellen hätte wieder einmal ein blühendes Menschenleben vernichtet, und es müßte eine empfindliche Strafe eintreten, so daß er ein Jahr Gefängnis beantragte. Der Verteidiger schob die Schuld auf die unzulängliche Verkehrsordnung, im übrigen aber wäre nicht erwiesen, ob der Angeklagte die Schuld trage, oder ob nicht viel mehr die Schuld an dem Unfall dem bedauernswerten Opfer selbst zufalle, da es unvorsichtig fei, von der Straßenseite her in einer so belebten Verkehrsgegend, wie es der Kurfürstendamm ist, auf einen Omnibus aussteigen zu wollen. Das Gericht kam zu der Auffassung, daß der Angeklagte M« für seinen Beruf erforderliche Aufmerksamkeit außer acht gelassen hatte. Wenn auch die Fahr- geschwindigteit in den Berliner Straßen bis zu 35 Kilometer betragen darf, so sei da» doch nur da der Fall, wo die Straße frei sei, und nicht dort, wo ein Hindernis bestehe. Ein besonderes Hindernis sei aber eine Haltestelle, denn dort dräng« sich da» Publikum, um ein- und auszusteigen. Jedem Chauffeur sei bekannt, daß das Publikum im letzten Augenblick zur Haltestelle eile, um mitzukommen, und daß auch viele Leute sich der Straße zu- wenden. Der Kraftwagenführer müsse sein Fahrzeug so abbremsen, daß es einem Schrittfahren nahe komme. Außerdem aber hätte der Angeklagte weiter ausbiegen können, da die Straße frei war. Trotz- dem hatte das Gericht den Angeklagten aber milde behandelt und 4 Monate Gesängnis als Sühne für ausreichend erachtet. Die vom Verteidiger beantragte Bewährungssrist machte das Ge- licht abhängig von einer Nachprüfung der Persönlichkeit des An- geklagten._ Harste und Raum. Unter dem Kennwort„Farbe undRaum' fand gestern eine Vorbesichtigung der Ausstellung bemalter Wohnräume statt. Der Verband der Malereigeschäfte von Ber- lin und Umgebung veranstaltet sie in dem Schulgebäude Für- bringerstraße 33. N ü ch t e r n e S ch u l r ä u m e sind zu Schmuck- kästen geworden. In etwa 70 Wohnräumen von einfachen Siedlerwohnungen bis zur Millionärswohnung wird die Ein- gliederung der Farbe in den Raum gezeigt. Das ist zum großen Teil in vorbildlicher Weise gelungen. Eine eingehende Würdigung kann erst später erfolgen. Nur das sei aus der Fülle der Eindrücke hervorgehoben: In den einfach in schönen Farben gehaltenen Räumen des dritten Stockes, deren Ausmalung sich stets durchschnittlich billiger stellt als ein Tapezieren, haben die Aus- Das Rundfunkprogramm, Sonnabend, den 18. Juli. Äußer dem üblichen Tagosprogramin: 6— 8.30 Uhr abends: Naohmütajfskonzert der Berliner Fnnk- kapelle. Leitun)?: Konzertmeister Fcrdy Kaufkman. 7 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnle(Bildnngskurse). Abteilung Spraohunterrieht. Direktor Julius Glüok:„Keperanto". 7.J5 Uhr abends: Theodor Kappstein:„Eine Beise durch Spanien". 2. Vonrag.„An der Ostküsto". 8.30 Uhr abends: 1. Heitere Rezitationen(Julius Brandt). 2. a) Kaiman: Zigeunerlied aus der Operette„Gräfin Mariza"(mit obligater Violine), b) Graniohstfidten: Wenn die Musik spielt, c) Lincke-Kicefield: In meinem Häuschen so nett und klein(Alexander Fleßburg. Tenor; am Hügel: Oskar Wappen- schmitt). 3. Albert Schmidt: Fantaeie über deutsche Volkslieder (Ocarinasolo mit obligater Viola und Klavierbegleitung)(Albert Schmidt, Ocarina; Konzertmeister Hans Mahlke, Viola; Rudolf Schmidt. Klavier). 4. Heitere Rezitationen(Julius Brandt) 5. Albert Schmidt: Zwei Kompositionen für ein amerikanisches Glockenspiel: a) Mazurka in H-Dur, b) Hoohzeitsrhoinländer (Albert Schmidt). 6. a) Franz Doclls: Liebe, du sollst die Königin sein, b) Brann-Bransen: Jetzt ist die Zeit, wo von dem Glück man träumt, c) Rieh. Strauch: Meine Heimat am Rhein(Alezander Fleßburg; am Flügel; Oskar Wappenschmitt). 7. a) Albert Schmidt; Ocarinawalzer, b) Abschiodslieder(Albert Schmidt, Ocarina; Rudolf Schmidt. Klavier) Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tageanachrichton. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst 10.30— 12 U'hr abends Tanzmusik. steller ihr Bestes gegeben. Interessant ist die Gegenüberstellung eines bombastisch aufgetakelten Zimmers aus der Zeit 18S0 bis 1900 und des neuzeitlich einfach ausgestatteten Zimmers. Jener Raum führt allgemein die Bezeichnung Folterkammer. Und wieviel Folter- kammern gibt es noch in Berlin! Ein Beweis für die Notwendig- keit dieser Ausstellung. Bemerkenswert ist auch die Gestaltung der Schulkorridore und eines Schulzimmers. Letzteres, die eine Seite: nüchterner Kasernenstil, die andere: freundliche, angenehme Forbengliederung. Und als Symbol auf jener Seite des Pults ein Rohrstock, auf dieser eine Vase mit Blumen. Es wäre zu wünschen, das dieses letztere Symbol der Leitstern des Erfolges dieser Ausstellung werde, daß Farbe und Frohsinn endlich den grauen Kasernengcist ablösen.__ Die«kpiöemiengefahr. Gegen die tibertviebenen Gerüchte. In A n k l a m im Kreise Stettin ist es zu einer recht schweren Typhusepidemie gekommen, die aber lokal begrenzt blieb. In So- l i n g e n ist ebenfalls ein Seuchenherd. Aus Ottersleben bei Magdeburg wird der Ausbruch einer Typhusepidemie gemeldet. Drei Orte, die in keinem geographischen Zusammenhang zueinander stehen- Es ist deshalb grundverkehrt, wenn unverantwortliche Nachrid)ten. sei es aus Dummheit, sei es aus bösartiger Tendenz verbreitet wer- den, das Schreckgespenst einer Seuchenepidemie an die Wand malen, die ganz Deutschland umfaßt. Solche lokalen Epidemien, wie die aufgetretenen, finden in der hohen Temperatur dieser Tage den denk- bar günstigsten Boden. Die Infektion von Wasser, Milch oder Ueber- traaung fördert ihr massenhaftes Auftreten. Auch in Baden entstanden wegen vereinzelter Pockenfälle die wildesten Gerüchte, die von einer aktuellen Pockengesohr in ganz Deutschland fabelten. Diese unsinnigen ttebertreibungen tatsächlich bestehender Gefahren kann als einzige Folge natürlich nur eine schwere Beunruhigung in der Bevölkerung auslösen. Die Lage stellt sich folgendermaßen dar: In Kehl a. Rh. haben sich drei Pockenfälle ereignet, die aber zum Glück isoliert wurden: mit weiteren Erkrankungen ist nicht mehr zu rechnen. Ein Fall von Pockenerkrankung ist in D u r l a ch- A u e zu verzeichnen und ein tötlicher Pockenfall in Mannheim, wo eine Frau der Krankheit' erlegen ist. D a s i st a l l e s. Die Erkrankungen kamen am Donnerstag im Haushaltlingsausschuß des Badischen Landtages zur Sprache. Da alle Vorsichtsmaß- nahmen getroffen sind, liegt vorerst kein Grund zu der Befürchtung vor, daß die Krankheit epidemisch austritt. Chinesische Studenten beim Polizeipräfideuten. Der Polizeipräsident Grzesinsti empfing gestern vormittag Ver- treter des Ausschusses der chinesischen nationalen Freiheitsbewegung in Deutschland, die wegen der seinerzeit erfolgten Verhaftung von chinesischen Studenten in Berlin eine Unterredung nachgesucht hatten. Die Vertreter des Ausschusses wiesen dabei aus die große E r- regung hin, die sich ihrer Landsleute in Deutschland angesichts jener Vorgänge bemächtigt habe, und baten um Vorsorge dafür, daß künftig derartige Zwischenfälle oermieden würden. Der Polizei- Präsident erklärte seinerseits, daß er schon damals das Vorgehen gegen die ausländischen Studenten bedauert habe, daß aber wahr- scheinlich diese Maßnahme erfolgt sei, weil es sich um eine Kund- gebung in Verbindung mit Berliner Kommuni st e n gehandelt habe. Die chinesischen Vertreter gaben hierzu die Versiche- rung ab. daß ihre nationale Freiheitsbewegung mit den Zielen der Kommunistischen Partei Deutschland» nichts zutunhabe und daß ihnen im übrigen jeder Deutsche, ganz gleich welcher Richtung, willkommen sei. wenn er sich als F r e u n d i h r e r Sache erweiss. Selbstverständlich würden die Mitglieder der chinesischen Kolonie in Deutschland sich an die deutschen Gesetzes- bestimmungen halten. Der Polizeipräsident bemerkt« noch, daß Deutschland den Wunsch Hab«, die hier lebenden Ausländer genau so gut zu behandeln, wie deutsch««taatsangehörige im Ausland aufgenommen würden. Er sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß durch diesen Zwischenfall die deutsch-chinestschen Beziehungen keine Trübung erfahren mögen. Auf jeden Fall sei es jedoch gut, wenn bei der Aufklärungsarbeit der chinesischen nationalen Frei- heitsbewegung in Deutschland mit der notwendigen Vorsicht verfahren würde. Waldbrand bei Grnnav. Zwischen Grünau und Eichwalde kam am Freitag im Dauerwald Feuer aus, das einen gefährlichen Umfang onzunehme» drohte. ES brannte an mehreren Stellen im Jagen SV. An einer Stelle standen etwa 200 Quadratmeter und an einer anderen etwa 100 Quadratmeter in bellen Flammen. In der nächsten Räbe waren noch kleinere Brandherde vorbanden. Zum Glück herridite Windstille. Den alarmierten Feuerwehren gelang es, die Brände schnell einzudämmen, so daß sie au» Mangel an Nahrung nach und nach verlöschten. Gleichzeitig brannten zwei Wohnlauben in der Altonaer Straße 33 in Kaulsdors und in der Wollankstraße 31-36 in Pankow.— Außerdem wurden noch einige Wald- und Wiesen- brände au« der Jungfernheide und dein Grunewald gemeldet. Der Tod unker den Rädern. Ein schwerer Unfall, der ein junges Menschenleben kostete, ereignete sich gestern abend gegen 8 Uhr in der Wiener Straße am Görlitzer Bahnhof. Ein junges Mädchen im Alter von zirka 20 bis 22 Jahren geriet beim Abspringen von einem Anhänger eines Wagens der Linie 9 so unglücklich zu Fall, daß sie unter den schnell fahrenden Wagen kam. Die Rader gingen über ihren Leib. Als die Passanten entsetzt hinzusprangen, um die Derun- glückte zu bergen, wurde sie furchtbar zugerichtet unter dem Bahn- wagen herausgezogen. Der Unterleib war direkt vom Oberkörper abgetrennt worden. Eine große Menschenmenge hatte sich an- gesammelt, als die Feuerwehr anrückte, um den bis zur Unkenntlich- keit verstümmelten Leichnam in das Schauhaus zu bringen. Irgend- welche Personalien wurden bei der Toten nicht vorgefunden. Eine neue, eindringliche Mahnung, endlich doch einmal beim Benutzen der Verkehrsmittel die unbedingt notwendigen Sicherheits- Vorschriften zu beachten und das leidige Abspringen in voller Fahrt zu unterlassen. Sind 2 Minuten Zeitersparnis wirklich so kostbar, daß sie ein Menschenleben auswiegen können? Der törichte Aberglaube, daß. wenn man den Ehering verliert, auch die Che auseinander geht, hätte gestern bald ein Todesopfer ge- fordert. Die Frau eines Bankbeamten Z. aus der K a n t st r a h e in C h a r l o t t e n b u r g. die bei ihrer Schwiegermutter wohnt, vermißte seit einigen Tagen ihre» Trauring und konnte ihn trog allen» Euchens nicht wiederfinden. Sie glaubte tatsächlich fest daran, daß jetzt auch ihre Ehe auseinandergehen müsse und daß sie das nicht überleben könne. Gestern morgen, als ihr Mann nach dem Geschäft gegangen war. trank sie eine kleine Flasche Lysol aus und wurde, vor Schmerzen sich windend, von ihrer Schwiegermutter aufgefunden. D.-r sofort herbeigerufene Arzt ließ Frau Z. nach dem Krankenhaus überführen, wo man hofft, sie am Leben erhalten zu können. Tsiißbrauch de» Rundfunk». Herr Dr. Richard H. Stein empfindet den Vorwurf, daß«r in seinem Rundfunkvortrag vom ö. Juli abermals einen politischenMißhrauchdes Rundfunks versucht habe, als unberechtigt. Herr Dr. S t«> n wurde seinerzeit gemaßregell, well unter seiner verantwortlichen Leitung im Rund- funk in Form eines humoristischen Vortrag- eine Verächtlich. mach u ng des Reichstags versucht wurde. Am 5. Juli sprach Herr Dr. Stein in einem Musikvortrag im Rundfunk- „Meine Damen und Herren! Gott sei dank verstehe ich von der Politik nichts— aber in der M u s i k ist die Masse immer vom Uebel," Inhalt und T o n f a l l des Satzes waren absolut eindeutig. Der Versuch, abzuleugnen, daß der Satz politisch gemeint war und daß beabsichtigt war. in einen Musikvortrag dadurch ein polltssches Werturteil einzuschmuggeln, ist etwas kindlich. Wir nahmen an, die Leitung der Funk stunde sich äußern würde. Sie muß wissen, daß der kleinste Versuch, hintenherum Tendenz in die Rundfunkdarbietungen einfließen zu lassen, nicht geduldet werden darf. Unterhaltung unö Wissen Sonnabeaü ?S. Iuli1»2S Wege. Runzeln der alten, oerwitterten Erde, Lausen die Wege von Morgen nach Abend. Endlos find sie, und auf ihnen flattern Ruhlose Herzen wie Blätter im Wind. Abseits träumen die Häuser im Grünen, Lächeln Madonnen, und singen die Kinder— Abseits der Straßen wohnt fettes Behagen, Grunzen die Schweine— verträumt man das Glück. Endlose Wege, weltweites Heimweh, Ruhlos sind sie, durch dämmernde Wälder Heimliche Wiesen und fruchtschwere Felder, Eilen sie hastend,— zerfurcht und zerrissen Klettern sie hurtig auf einsame Höhen. Unten, tief unten wimmern Choräle, Winseln die Menschen: Gottvater hilfl Gib uns zu essen, zu trinken, zu lieben! Weltweit sind Wege, und auf ihnen lächelt, Lächett durch Tränen weltweites Heimweh. Adolf Lehnert. Ohne Kragen. Em wahres Gefchichlchen von Felix Fechenbach. Glühende Sonnenhitze lastet über dem großem Platz. Nirgends eine schattiges Fleckchen. Nur dort an der Ecke aus der Kasseehous- terrasse ist's angenehm kühl. Das Martisendach hält die glostend« Sonne ab. An den Tischen sitzen Literaten, Journalisten und solche, die sich dafür halten. Ihren Beruf dukumentieren sie durch lange Haar« und leere Geldbeutel. Diese Gäste trifft man zu allen Zeiten hier. Besonder» aber des Mittags, wenn sie sich mit einer Tasse Kasse« ein Diner vortäuschen. Zuweilen geht's ihnen besser, dann sind sie in der Mittagsstund« hier nicht anzutreffen. Aber heute sind sie da. Es ist eine schlechte Zeit. Auf der anderen Seite des Platzes ist ein Neubau. Zwei Ar» beiter kommen von dort und streben der Terrasse des Kaffeehauses zu. Sie streichen über ihr« Kleider, den Staub der Arbeit wegzu- mischen und versuchen sich äußerlich irgendwie.kaffeehausfähig zu machen. Dann treten sie aus die Terrasse und nehmen schüchtern und unsicher an einem der kleinen Tischchen Platz. Sie wollen eine Erfrischung bestellen. Aber dazu tommts gar nicht. So etwas war dem Kellner in seiner langjährigen Praxis noch nicht passiert. Arbeiter in ver- staubten Kleidern, ohne Kragen und Krawatte am hellichten Tag auf der Kaffeehausterrasse! Wie entgeistert starrt er die ungewohnten Gäste an.»Da muß ich doch.... Und Holl den Geschäftsführer. Da» ist ein schneidiger Herr, der weiß, was sich für ein Kaffee» haus schickt. Seinen gewohnten Gästen gegenüber hat er stet»«inen verbindlichen, fast devoten Ton. Aber jetzt schnarrt seine Sttmm«, wie die eines Leutnants vorkriegsflutlicher Konvenienz. „Ja, was denken Sie eigentlich? Ist das vielleicht ein« Kneipe, daß Sie sich ungeniert daher setzen? Schauen Sie. daß Sie wieder hinauskommen!" Die Arbeiter sagen kein Wort. Sie schauen sich gegensettig an. nicken mit dem Kops und schleichen sich davon, als wären sie auf ver» botener Tat ertappt. Di« Gäste an den übrigen Tischen finden sich nicht so ohne weiteres mit dem brutalen Eingreifen des schneidigen Geschäfts- führers ab. Es hagelt ausgeregte Rufe:.Unerhört!"—.Unverschämt!"—.Unglaublich!" Die Gäste springen von ihren Plätzen auf. Im Nu ist der Ge- schäftssührer umringt und heftigster Protest dringt von allen Seiten auf ihn ein. Er hält es für ratsam, sich zurückzuziehen. Aus dem Ring der Gäste lösen sich zwei junge Leute, rennen den Arbeitern nach, holen sie ein und bringen sie. unterm Arm ge- faßt, auf die Terrasse zurück. Sie bestellen beim Kellner die ver- langte Erfrischung. Der Schworzbefrackte eilt ins Kaffee und statt seiner kommt der Geschäftsführer zurück. Seine Blicke schweifen suchend über den sonnigen Platz. Aber kein rettender Schupobeamter ist zu sehen. Er mutz es also selbst nochmal oersuchen. Rasch hat er seinen gewöhnlichen, verbindlich- devoten Ton wieder gefunden: .Aber meine Herren, wie können Sie so etwas tun?"— Und mit einem Blick, der Verständnis auf der anderen Seite erwartet: .Sie werden doch einsehen, daß solche Gäste schließlich nicht in unser Lokal gehören. Wenn die beiden wenigstens Kragen und Krawatten anhätten! Aber so!" Aber nun ereignet sich etwas ganz Unerwartetes. Die Gäste auf der Terrasse reißen sich ihre Kragen und Krawatten herunter und stecken sie in die Rocktaschen. Einige schlagen das Hemd zurück, daß die Brust frei wird, andere krempeln die Bermel auf bis zum Ellbogen. Die Arbeiter bekamen nun. was bestellt war. Der Geschäftsführer zieht sich verbittert zurück. Er fühlt sich machtlos gegenüber dieser Solidaritätskundgebung der hungrigen Literaten und Journalisten mit den Arbeitern. Hinten am Büffet steht der Geschäftsführer noch lange und murmelt immer wieder:.Wenn sie wenigstens Kragen und Kravatte anhätten..."__ Mein Gntel wirb von einem /lffen kuriert. Bon Hedayet Ahmad Khan. Am Fuße des gewaltigen Himalajogebirges, dessen ewig weiße Gipfel fast bis zum Himmel hinausragen, wohnte einst in einem kleinen Dorfe mein Onkel Abdul Karim. Er war der reichste Mann in der ganzen Umgegend und besaß alle», was man sich wünschen konme. Aber trotz seines Reichtums war er nicht glücklich, denn ihn plagte eine Krankheit, die kein Arzt in der Gegend dort hellen konnte. Onkel Abdul Karims Freunde rieten ihm, nach der Hauptstadt Indiens Delhi, zu reisen, wo die berühmtesten Aerzte wohnten. dort würde er sicher Heilung finden. Damals gab es in Indien noch keine Eisenbahnen, und das Reifen über weite Strecken war eine gor beschwerliche Sache. In der Regenzett kannte man gar nicht daran denken. Diese dauert im Sommer etwa drei Monate, es regnet dann ununterbrochen Tag und glle Landwege sind während dieser Zeit vom Wasser uberschwemmt. Selbst Buddha Naharaya mußte, als er auszog, das .urwana zu predigen, in dieser schlechten Jahreszeit seine Reise ein- 1-'!Vm ,5" D®.n e,ncm Dorf in das nächste zu gelangen, muh man tieft-waffergfütjen durchwaten. Weite Strecken tonnte man also gar mcht zurücklegen. Die einzige Möglichkeit, weiterzukommen, bietet das Reisen aus Elefanten, was sich natürlich nur die wohlhabenden Leute leisten tonnen. <« Karim. der sich immer krank fühlte, tonnte die Reife Delhi nicht länger aufschieben, wenn er sich am Leben erhallen wollte Da er reich war, entschloß er sich, unter allen Um- *„nh£ Q4niutrt,*n- ließ einen feiner größten Elefanten anschirren und trat dann in Begleitung eines Freundes und zweier Diener die wcüe Reife nach Delhi an, nachdem er sich von seiner Familie herzlich verabschiedet hatte. Auf dem Elefanten legten sie täglich 30 bis 40 Meilen Wegs zurück. Nachdem sie schon einige Wochen gewandert waren, kamen sie zu dem Fluß Rohni, wo sie Rast machten. Inzwischen war die Regenzeit zu Ende, und die Sonne sandte wieder ihre glühenden Strahlen über das schöne Land. Untertags ist es dann in Indien so heiß, daß Menschen und Tiere unter der Gluthitze unerträglich leiden. Man reist deshalb meist des Nachts, namentlich in schönen hellen Mondscheinnächten, wenn Mond und Sterne prächtig um die Das ehrliche Geficht. Es schmachtet sehr in Jtot die Landwirtschaft. Drum nah'a«vir euch mit liefbetrübteu Mienen. Trotz Leid und Qual gilt uns'« letzte Kraft, Dem heitzgeliebteu Vaterland zu dienen. Entsetzlich schwere Opfer heischt die Pflicht. Kaum können wir die Last der Sorgen tragen: Glaubt nn» auf unser ehrliches Gesicht! Der dicke Bauch hak wirklich nichts zu sagen. Wette leuchten. Am Tage schützt man stch vor der sengenden Sonnen- glut und ruht im Schatten mächtiger Bäume aus. Eines Tages ruhten sie wieder einmal unter einem breiten Mangobaum. In der Nähe hatte ein Gaukler sein Zelt auf- geschlagen. Diese herumziehenden Leute verdienen ihr Geld auf mannigfache Art. Meist führen sie dressierte Assen und andere Tiere mit sich und geben dann in jedem Dorfe Borstellungen, an denen sich die Kinder dort sehr erfreuen. Der Gaukler, der in der Nähe Abdul Karims lagerte, hatte auch ein Assenpaar und eine Ziege, wie die meisten dieser Gaukler. Die Vorstellungen bestehen darin, daß Szenen aus der Hochzeits- seier, wie sie in Indien üblich ist, dargestellt werden. Das sieht natürlich sehr lustig aus. Es ist in Indien Sitte, daß der Bräutigam kurz vor der Hochzeit auf einem Pferde geschmückt umherzieht. Die Gaukler sühren mit ihren dressierten Tieren derartige Szenen vor. Die Ziege ist als Reitpferd gesattelt und ausgezäumt. Der Affe trägt eine griinseidene Hose, dazu einen roten Rock und einen gelben Turban. Er reitet aus der Ziege und begrüßt die Leute und Kinder mit einer Verbeugung, ein Taschentuch in der Hand. In einer anderen Szene spielt der Asse den jungen Ehemann. Cr geht mit einem Stock in der chand aufgerichtet herum, dann begegnet er seiner Frau, einer Bessin, die ein seines Brautkleid trägt und mit allerlei Schmuck ausgeputzt ist. Die Frau Aesfin wendet ihr Gesicht ab und spricht nicht. Hieraus fängt der Herr Asse an zu schmeicheln und zu küssen, und beide versöhnen sich wieder.(Dies soll einen Zank und die darauffolgende Bersöhnung zwischen Eheleuten vorstellen.) Der Gaukler war gerade im Begriff, sein Mittagessen zu be» reiten. Er machte sich unter einem kleinen Baume ein kleines Feuer an, stellte einen Topf darauf, in dem er Reis und junge grüne Erbsen kochte. Onkel Abdul Karim konnte alles mit ansehen. Plötzlich merkte der Gaukler, daß er kein Salz mehr hatte. Er schickte sich deshalb an, in das nächste Dorf zu gehen, um Salz zu holen. Er dachte, daß er ja bald wieder zurück sei, bevor das Essen kalt geworden. Rasch band er Ziege und Assen mit einer Kette an den Baum an und machte sich auf den Weg. Der Affe war ganz artig und rührte sich nicht. Kaum war aber der Gaukler hinter dem nahe- gelegenen Gebüsch verschwunden, da wurde der Asse unruhig und sing an, sich freizumachen. Mit großer Geschicklichkeit streifte er die Kette vom Hals, sprang zu dem Kochtopf und fraß alle» auf, bis auf eine Handvoll Erbsen. Dann ging er zu der Ziege und strich ihr alles über dos Maul und den langen Bart, so daß es aussah, als ob die Ziege ihren Kopf in den Topf gesteckt und olles aufgesressen hätte. Dann riß er der armen Ziege das Halsband ab und ließ sie frei herumlaufen. Er selbst ging wieder an seinen Platz zurück, legte sich die Kette schnell wieder um den Hals und tat so, als ob nichts geschehen wäre. Bald darauf kam der Gaukler zurück und sah mit Entsetzen den leeren Kochtopf, während die freche Ziege mit den letzten Spuren seines ersehnten Mittagsmahles an Maul und Bart frei herum- spazierte. Die Sache war für ihn ganz klar, eines besseren Bs- weises bedurfte er nicht. Er war sehr ausgebracht, nahm schnell eine Peitsche zur Hand und ließ sie auf den Rücken der Ziege nieder- sausen. Der Hunger fachte seine Wut noch mehr an. Seilage öes Vorwärts Das alles spielte sich in einem Augenblick ab. Onkel Abdul Karim, der den ganzen Vorgang beobachtet hatte, wollte dem Gaukler die Wahrheit sagen und ihn hindern, die unschuldige Ziege zu be- strafen, aber er bekam einen derartigen Lachkramps, daß er sich wie besessen auf der Erde herumwälzte. Bei diesen heftigen Bewegungen fühlte er mit einem Male Blut und Eiter aus seinem Munde strömen. Anscheinend hatte er lange Zeit ein Geschwür in der Brust mit her- umgeschleppt, das ihn so heftig quälte, und das die Aerzte bis dahin nicht feststellen konnten. Durch das übermäßige Lachen brach es auf, und der giftige Inhalt entleerte sich durch den Mund. Dieser seltsame Heryang wirkte wie eine gut gelungene Operation und brachte ihm überraschend schnell die langersehnte Heilung. Von dem Augenblick an fühlte er sich wieder wohl und brauchte nicht nach Delhi weiterzureisen. Sobald sich Abdul Karim wieder gefaßt hatte, ging er zu dem Gaukler und erzählte ihm, wie schlau der Affe alles ongestelll hatte. Aus Dankbarkeit schenkte er ihm süns Goldstücke. Außerdem taufte er dem armen Gaukler den Assen ab, dem er auf so wunderbare und einfache Weise seine Rettung zu verdanken hatte. Abdul Karim trat daraus glücklich die Heimreise an und kehrte gesund und wahlbehallen zu seiner Familie zurück, die über die eigen- artige Heilung nicht wenig erstaunt war. Der Asse wurde von da ab in dem Hause des Onkels gehegt und gepflegt und durfte täglich Reis und Erbsen essen, soviel er Lust hatte. Aber lange Zeit schien der Affe doch ein schlechtes Gewissen gehabt zu haben, denn wenn er eine Ziege sah, ging er immer in großem Bogen ihr au» dem Wege. Wanderer im kreise. Zwei Sätze aus einem kürzlich im„Berliner Tageblatt" er- fchienenen Feuilleton(H. Hemmer:„Hunger im Paradies"):„Der Verdurstend« geht in einer Spirale bis zu deren Mittelpunkt und gräbt stch da in die Erde: das ist alltägliche australische Erfahrung. Der Verhungernde beschreibt einen Kreis, aus dem er nicht wieder herauskommt: das ist neuseeländische Erfahrung." Daß der Ver- durstende stch schließlich in die Erde zu graben sucht, beruht auf instinktivem Suchen nach Grundwasser. Das Wandern im Kreise oder in der Spirale hat seinen Grund in der ungleichmäßigen Aus» bildung beider Körperhälften. Durchschnittlich ist die linke Gehirn- Hälfte stärker als die rechte entwickelt, was vermutlich mit der Linkslage des Herzens zusammenhängt. Da die Hauvtnerven» stränge sich überkreuzen, so sind dagegen Gliedmaßen und Rumpf der rechten Hälfte der linken überlegen, woraus die normale Rechtshändigkeit des Menschen zurückgeht. So lange der Wanderer sein Ziel kennt oder sich wenigstens nach Sonne, Sterne oder anderen Anzeichen richten kann, wird die Ungleichmäßigkeit beider Körper- und Gehirnhälften durch Ueberlegung und Gebrauch der Sinne kompensiert. Das hört auf, sobald der Wanderer die Rich- hing völlig verloren hat, auch wenn ihn finstere Nacht oder dichter Nebel umföngt. Er ist nicht mehr imstande, eine bestimmte Rich- hing einzuhalten, die ungleiche Entwicklung beider Körperhälften tritt automatisch in Wirkung: er wandert im Kreisel Auch Plötz- licher Schreck kann die gleiche Wirkung ausüben. Man beobachtet dies besonders häufig an Tieren. Ein vom Jäger aufgestörter Fuchs, dem der Schreck die Ueberlegung raubt, läuft im Kreise. Aber diese Erscheinung hat merkwürdigweise auch eine wichtige biologische, arterhaltende Bedeutuno. Junge Tiere, die sich vor- zeitig aus dem Neste verlaufen haben, beginnen ratlos im Kreise zu wandern und finden das Nest wieder oder werden von den Eltern dadurch wiedergefunden. Und durch irgendeinen Umstand, z. B. durch den Einbruch eines Raubtteres, zersprengte Herden von Tieren, die in Gesellschaften leben, finden sich schließlich auf dem gleichen Wege wieder zusammen. Die aufrechte Haltung hat übrigens dem Menschen doch ein« groß« lleberlegenheit verschafft. Er kann auch mit seitwärts gewandtem Kopf geradeaus gehen. Das Tier kann das nicht. Der Freiburger Physiologe E. v. Skramlit hat sehr bemerkenswerte Versuche in dieser Richtung angestellt. Wenn man Hunden durch ein« Zwangsoorrichtung den Kopf nach der Seite dreht und ihn in dieser Lage befestigt, so bleiben sie meistens entweder teilnahm»- los stehen oder sie geraten geradezu in Wutausbrüche. Jüngere, lebhaftere Tiere gingen, wenn ihnen die Augen verbunden wurden, im Kreise in der Richtung des eingespannten Kopfes. Sie taten es aber auch dann, als die Binde entfernt wurde. Sie wäre« auch sehenden Auges stch anders zu bewegen nicht imstande. Man kann den Versuch am selben Tiere oft wiederholen, da der Hund einige Male im Kreise läuft und schließlich umfällt, worauf er na- türlich befreit wird. Der ursprünglich waffenlose Mensch, der rechts und links nach Feinden auszuspähen hatte, hat wohl sehr frühzeitig die für seine Selbsterhaltung wichtige Fähigkeit erworben, auch mit seitwärts gewandtem Kopfe geradeaus gehen zu können. L. L- Mergläubische Verbrecher. Es gibt wohl keine Menschenklasse, die abergläubischer Ist als die Verbrecher. Da sie in ewigen Gefahren und Abenteuern schwe- den, so müssen sie besonders darauf bedacht sein, das Glück an sich zu fesseln, und so nehmen sie ihre Zuflucht zu den uralten Mitteln, deren sich die geängstigte Menschhest immer bedient hat, um die Fügungen des Schicksals nach ihrem Willen zu lenken. In naivster Form wird da, besonders in Italien, die Religion zu Hilfe gerufen. In St. Peter zu Rom kann man, besonders wenn die Dämme- rung die Niesenräume mit ihrem Dunkel füllt, häusig unheimliche und malerische Gestalten sehen, die eifrig beten, um sich die nötige „geistliche Stärkung" für die schwarzen Pläne zu holen, die sie in der Nacht ausführen wollen. Auch in Notre Dame in Paris be- grgnet man solchen fragwürdigen Erscheinungen, und in den romani- schen Ländern ist es überhaupt nichts Seltenes, daß der Uebeltäter sich vor der Ausführung seiner Untat die Verzeihung oder die Duldung durch die Religion zu sichern sucht. Bei uns dürfen aber wohl nur selten Berbrecher in den Kirchen zu finden sein. Ein überaus abergläubisches Volk sind die Apachen von Paris. So gilt es für besonders glückbringend, wenn man den Buckel eines Buck- ligen berührt. Eine Pariser Vertirecherbande führte als ihrm Talis- man immer den Kopf einer toten Ratte mit sich, und al» diese Reliquie verloren wurde, da bekamen die Verbrecher die größte Angst, daß sie nun Pech haben würden. Die Verbrechelsekten des Orients kennen die settsamsien Bräuche. So wird z. B. von den Thugs vor jedem Verbrechen, das sie ausfübren, Ziegenmilch als Opfer für die Gottheit auf den Boden vergossen. Der Indier be- trachtet es als glückbringend, wenn er vor der Ausführung einer Uebellat nießt. Aus der englischen Derbrecherwelt erzählt ein Fach- mann, daß„schwere Jungen" häufig einen Einbruch aufgeben, wenn das Haus einer Kirche gegenüber oder ihr benachbart liegt. Da- gegen gilt es als ein glückverheißendes Zeichen, wenn man in einen Laden oder in ein Haus einbricht, das in der Nähe eines Polizei. bureaus liegt. Ueberhaupt siedeln sich merkwürdigerweise Verbrecher häufig in der Nähe der Polizeistationen an, weil sie da» für glück- dringend halten. Ein abergläubischer Zug der Verbrecher ist es auch, daß sie Straßenbettlern stets Almosen geben und überhaupt wohl- tätig sind. Manche Taschendiebe tragen Kohlen- oder Kalkstückchen bei sich, weil sie glauben, daß sie dann Fortuna an sich gefesselt haben. Ein erfahrener Hoteldieb wird sich niemals dazu bewegen lassen, in ein Zimmer einzudringen, das die Zahl 13 hat. In Eng- land, dem Lande der strengsten Sonntagsheiligung, feiert auch der Verbrecher am Tage des Herrn, well die Ausführung seiner Tat am Sonntag nach seinem Aberglauben unter ungünstigen Vorzeichen steht. 03500 Saison Ausverkauf 05080 Waschstoffe Oberhemden. Meter Perkal für Blusen and gute Qualität, für Blusen and 0.78 Kleider Kreppweiß, ca. 60 cm breit... Meter 0.88 Voll- Voileinen 1.10 Krepp aparte Muster 1.15 Voile bedruckt, doppelt- 1.25 ... Frisé weiß, ca. 100 cm breit Meter 1.25 Frotté gestreift, vorzügl. 1.45 Foulardine schönen Qualität. Meter in Kleidermustern.. 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Ein Sondergutachten des Prof. Bonn. ihre Produktion einen derartigen Anstoß erhält, daß verhältnis. mäßig bald ein Rückgang der Preise auf das Weltmarktniveau stattfindet und infolge erhöhten Absages bei gleichen Generalfosten er höhte Erträge erzielt werden. Ihrem ganzen Wesen nach würden diese 3ölle eine Intensivierung der Landwirtschaft zur Folge haben tönnen, ohne zu einer falschen Bewertung von Grund und Boden zu führen und ohne den Fortbestand unzwed. mäßiger Befizgrößen zu verewigen.. Getreidezölle find abzulehnen, Die Ergebnisse der Getreideenquetetommission des Reichstages| find, wie wir in unserem zusammenfassenden Bericht festgestellt haben, außerordentlich widerspruchsvoll. Auch die Mehrheit der schutzollfreundlichen Wissenschafter hat die Gründe, die die Landwirtschaft für ihre Schutzölle anführt, zum größten Teil widerlegt, ohne jedoch die Konsequenz zu ziehen, nun auch gegen Schutzölle aufzutreten. Die Professoren Sehring und Areboe allein haben für Zollfreiheit auf die wichtigsten Nahrungsmittel plädiert. Es ist nun dankenswert, daß der bekannte Professor der Nationalökonomie M. J. Bonn auf Grund seiner Beteiligung an den Bernehmungen der Kommission ein eigenes Gutachten zu der Frage da fie eine schwere Belastung des Maffentonjums der Zölle herausgearbeitet hat, das in wesentlichen Punkten eine bilden und damit eine Berteuerung der Produktions. wertvolle Bereicherung der bisherigen Debatten über die fosten zur Folge haben müssen. Sie tönnen nicht als Agrarfrage bedeutet. Professor Bonn beklagt sich einleitend darüber, vorübergehende Erscheinung gedacht werden, da es daß die Lage der Landwirtschaft in der Kommission nur flüchtig ihr 3wed ist, die schlechtesten Bodenklassen unter Beibehaltung der und lückenhaft beleuchtet wurde, eine wirklich rest lose Er heutigen Besitzgrößen dem landwirtschaftlichen Betrieb zu erhalten. forschung der Wahrheit war daher unmöglich". Er Die Erreichung dieses 3wedes sichert allen anderen Getreideböden erfenat an, daß das heutige Steuersystem der Landwirtschaft sehr nach Borzugsrenten und führt zu einer Kapitalisierung der teilig ist, bestreitet jedoch, daß seine Nachteile durch Abwälzung Rente, häufig auf rechnerisch falscher Grundlage. Die mit Hilfe von Zöllen aufgehoben werden. Sehr eingehend befaßt durch technische Momente vielleicht erzielbare Herabdrückung der fich Bonn mit der Verschuldung der Landwirtschaft, deren Produktionstoften wird daher durch Erhöhung der auf Ber. 3instast er nach dem Borkriegsgoldmert heute auf 400 mil infung des Bodenkapitals entfallenden Selbstfostenquote erhöht. lionen Goldmart beziffert. Das ist gegenüber der Vorkriegs- Ein Anstoß zur Veränderung der Besitzgrößen zwed's Anpaffung laft von 600 Millionen jährlich eine leichte Entlastung. Die an das verfügbare Betriebskapital wird verhindert. Zinssäke, die bei der gegenwärtigen Kapitalknappheit üblich sind, veranlassen die Landwirtschaft zu einer falschen Einschägung ihres Besizwertes, damit zu unproduktiver Ber. schuldung; durch Zölle wird das Uebel nur noch vergrößert. Sie würden unter den heutigen Verhältnissen das Kapital in die Landwirtschaft locken und den Zinsfuß überhaupt verteuern. Jede umfangreiche Intensivierung, die erhebliche Kapitalsummen beansprucht, fann gefährlich werden." Auch das Mittel der Kapitalbildung über Betrieb, also durch hohe Preise, lehnt Bonn ab. Er stellt fest, daß die heutige Preislage ausreichend ist. Einen stetigen Preis fann feine Zollpolitik herbeiführen. Anstatt die Preise zu erhöhen, sei es zweckmäßiger, die Produktionskosten zu ermäßigen. In jedem Falle müßten diejenigen, die mit Rücksicht auf die Forterhaltung der Kultur der ärmeren Böden für Getreidezölle eintreten, ein System ersinnen, die Sonder gewinne megzusteuern, die den besseren Böden durch Zölle zuwachsen. Einer günstigen Gestaltung der Handelsbilanz können Hochschutzölle nicht dienen. Auch als Mittel zum Abschluß von Handelsverträgen find Getreidezölle abzulehnen. Zusammenfassend lautet das Urteil Prof. Bonns: Zölle auf landwirtschaftliche Veredelungsprodukte, die deren Preis auf die Höhe des Weltmarktes bringen und unter Um ständen etwas darüber hinausgehen, find als Erziehungszölle tragbar, zumal fie auf den Konsum vielfach als Luruszölle wirten. Es besteht die Möglichkeit, daß bei freier Einfuhr der Futtermittel Das Institut für Konjunkturforschung. Das Institut für Ronjuntturforschung, über beffen beabsichtigte Gründung bereits berichtet wurde, ist am 16. Juli 1925 mit der Eröffnungssigung seines Kuratoriums formell ins Leben getreten. Das Institut, das die sachliche und finanzielle Unterstügung des Reiches, der Reichsbant und der Reichsbahn sowie der großen Verbände der Industrie, der Landwirtschaft, des Handels und der Banken, der Genossenschaften und der großen Arbeitnehmergewertschaften genießt, steht in organisatorischer Anlehnung an das Statistische Reichsamt unter der persönlichen Leitung seines Präfi denten, des Professors Dr. Wa gemann. Das Arbeitsgebiet des Instituts erstreckt sich sowohl auf die allgemeine Ronjuntturbeobachtung, d. h. die Sammlung und laufende Veröffentlichung des wichtigsten Zahlen- und Tatsachen materials der Wirtschaftsbewegung des In- und Auslandes, is auf die Konjunkturforschung im engeren Sinne, d. h. die Untersuchung der Gefeßmäßigteit des ökonomischen Kreislaufes und die Feststellung der fachlichen, zeitlichen und örtlichen Zusammenhänge der wirtschaftlichen Teilerscheinungen. Unterſtügt durch die Mitarbeit der maßgebenden wirtschaftlichen und prattischen Fachleute wird das Institut in Verbindung mit ähnlich eingestellten Forschungsinstituten des In- und Auslandes seine Arbeiten fofort aufnehmen, um noch im Laufe dieses Jahres die ersten Ergebnisse einer breiteren Deffentlichkeit zugänglich machen zu können. Der vorläufige Siz des Instituts für Konjunkturforschung ist Berlin W. 10, Lüzowufer 8. Die Konjunkturbeobachtung im Sinne einer Betrachtung der Tatsachen des Wirtschaftslebens in ihrer ständigen Veränderung und ihrer gegenseitigen Beeinflussung ist so alt wie die moderne tapita listische Wirtschaftsverfassung felbft. Als ein besonderer Zweig der Wirtschaftsforschung beschäftigt fie freilich die breitere Deffentlichkeit erst seit einigen Jahren. Die großen Umwälzungen der Kriegs- und Nachkriegswirtschaft haben in allen Ländern das Interesse verstärkt auf die Wellenbewegung des Wirtschaftslebens mit ihrem Wechsel Für die Wissenschaft der Bolkswirtschaftslehre ist die Konjunktur forschung seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Probleme. Die europäische Wissenschaft, mit an ihrer Spitze die deutsche Nationalschen Argumenten geführt. Demgegenüber hat neuerdings die Wissen schaft der Bereinigten Staaten eine eigenartige egafte for schungsmethode entwickelt. Durch eine Verbindung der theoretischen Beobachtung mit modernsten statistischen Methoden haben vor allem die hervorragenden Gelehrten des Harvard Institutes versucht, bie gefeßmäßigen Zusammenhänge des Konjunkturablaufes in strengem Sinne statistisch zu erfassen. Seit mehr als zwei Jahren verfolgt man dort im Zusammenhang damit eine Politit der Preis. tabilisierung, welche offenkundig vor allem im Jahre 1923, bem Jahre der internationalen Agrarfrife, der amerikanischen Wirtfchaft schwere Berluste erspart hat. An heißen Tagen ift es eine besondere Wohltat, den Kopf zu waschen. Schweiß und Schmus verstopfen die Hautporen, die Kopfhaut tann nicht ausdünsten und die Folge ist vermehrter Haarausfall. Eine Waschung mit demt altbewährten Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" beseitigt alle Schäden und erhöht das törperliche Wohlbefinden. Das vorher strähnige Haar bekommt wieder Glanz und volles, lockeres Aussehen. Beim Einkauf achte man auf die bekannte Schuhmarke„ Schwarzer Kopf". Alleiniger Hersteller: Hans Schwarzkopf, Berlin- Dahlem. Sonnabend, 18. Juli 1925 fie selbst vorschrieb. So endete der Borstoß der StinnesGruppe in die bisher unabhängige Berliner Handels- Gesellschaft auf das unrühmlichste. Der ganze Borgang ist außerordentlich bezeichnend dafür, mit welchen Mitteln das Finanztapital seine in der Inflation verlorene Borherrschaft über die Produttionsbetriebe zurückgewinnt. Es entbehrt dabei nicht eines eigenartigen Beigeschmacks, daß die Banten bei ihrem Borgehen sozusagen mit Staatshilfe arbeiten. Die Preußische Staatsbant, deren Einleger in der Hauptsache öffentliche Betriebe und Staatstassen sind, stellt bereitwilligst einen hohen Betrag dazu zur Verfügung, um die Stüßungsaktion durchzuführen, d. h. die Auseinandersetzung über die zum Berkauf stehenden Stinnes- Werte so lange hinzuhalten, bis die Großbanten sich darüber geeinigt haben auch eine Form des Staatssozialismus! 6 Die schon fest in Aussicht genommene Fusion der Baroper Balzwerte 2.-G. mit der Stinnes Eisen A. G. ist jetzt gescheitert, nachdem Stinnes unter anderem auch Attien des legteren Berfes abgestoßen hat. Die Großbanken bereichern fich. Wie wir hören, ist die ganze Stützungsaftion tatsächlich ein glänzendes und völlig risikolojes Geschäft der betei. ligten Großbanten. Vor der Deffentlichkeit von dem Glorienschein selbstloser Hilfsbereitschaft im Gesamtinteresse umflossen, ist ihnen die Stügungsaktion einer der fettesten Bissen, die ihnen die Industriekrise bringt. Das Rarnidel ist die Seehandlung, mit der Seehandlung der preußische Staat, mit dem Staat das Bolt. Die Großbanten zahlen der Seehandlung für den Rückkredit nur 9 Proz. Vom Stinnes- Konzern erhalten sie 11 Broz.: 9 Proz. Distont und 2 Broz Bereitstellungsprovision. Dauert die Stüßungsaktion lange genug und die Prolongierung Dabei betrachte ich es als selbstverständlich, daß die Hinder. der Kredite dürfte unvermeidlich sein so handelt es sich um Genisse, die der deutschen Landwirtschaft den Anschluß an das winne der Großbanken von vielen Hunderttausenden, Weltmarktpreisniveau erschweren, auf handelspolitischem wie auf eventuell von einigen Millionen. Es ist allerhöchste Zeit, steuerlichem Gebiet beseitigt werden müssen. Es wäre auch daß fich die Seehandlung und die preußischen Aufsichtsbehörden über zu erwägen, ob die Zolleingänge aus den landwirtschaftlichen Ber die Ausbeutung der Gesamtinteressen durch die edelungszöllen nicht für billige Düngerkredite zur Hebungstüßenden Großbanten äußert. Wenn die Großbanken den der Getreideproduktion verwendet werden sollten. Stinnes- Konzern stüßen wollen und können, sollen sie es auf ihre eigene Rechnung tun. Die Seehandlung und die von ihr verwalteten Staatsgelder sind jedenfalls nicht zur Bereicherung der Großbanten da. Sollte eine wirkliche Notlage der getreide. bauenden deutschen Landwirtschaft sich infolge weiteren Preisfalls herausstellen- eine Notlage, die qualitativ und quantitativ von der Notlage des ganzen deutschen Wirtschaftslebens verschieden wäre dann wären Getreidezölle höchstens unter der Voraussetzung erwägbar, daß sämtliche Zölle auf industrielle Rohstoffe und Halbfabrikate fallen und der Kartellierung auf diesem Gebiet vernünftige Schranken gesetzt werden. Ohne einen derartigen Abbau des induftriellen Schutzsystems würde die Einführung von Getreidezöllen nur eine gegenseitige Erhöhung des Breisniveaus zur Folge haben. Das deutsche Bolt ist nicht imstande, seine Kauftraft jährlich um 1 bis 2½ milliarden zu beDer englische Kohlenerport hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 1925 gegenüber dem Vorjahre um rund 5,3 Millionen Tonnen nachgelassen. Allein im Juni 1925 wurden nur 3,7 Millionen tiert. In diesen Zahlen kommt der kritische Stand der englischen Tonnen gegenüber 4,8 Millionen Tonnen Kohle im Vorjahre exporRohlenbilanz zum Ausdruck. schneiden, wie es die Reparationsverpflichtungen verlangen, also auf Parteinachrichten einem niedrigen Preisniveau zu existieren und gleichzeitig durch Erhöhung aller landwirtschaftlichen und industriellen Preise der Landwirtschaft und der Industrie die Neubildung verloren gegangener Kapitalien zu ermöglichen. Es liegt auf der Hand, daß eine genaue Renntnis der jeweiligen wirtschaftlichen Ronstellation im In- und Auslande den vom Kriege und feinen Nachwirtungen geschwächten europäischen Wirtschaften, an der Spize die deutsche Boltswirtschaft, von unschäzbarem Wert ein fann. Ist doch damit ein neues Mittel zur Rationalisierung des Produktions- und Berteilungsprozesses der Wirtschaft gewonnen. Gerade die Erfahrungen in den Bereinigten Staaten haben aber gezeigt, daß die Aufklärung der gefeßmäßigen Busammenhänge der Ronjunkturen eine überaus schwierige missenschaftliche Forschungsarbeit darstellt, die nur im Zusammenwirten der Wissenschaft mit den Organen der staatlichen Wirtschafts politik und den maßgebenden Stellen der Wirtschaft selbst erfolgreich burchgeführt werden kann. Das Institut für Konjunkturforschung genießt vor allen ähnlichen ausländischen Organisationen den Borteil, in unmittelbarer organisatorischer Verbindung mit der zentralen statistischen Reichsbehörde zu stehen und damit uber das umfassendste Zahlenmaterial zu verfügen, daß in Deutschland überhaupt vorhanden ist. Diese Verbindung gestattet es, den organisatorischen Apparat des Instituts in fleinstem Rahmen zu halten und die Durchführung der Arbeiten auf die Mithilfe fachkundiger Bersönlichkeiten im ganzen Reiche einzustellen. Das große Interesse, baß gerade die wirtschaftlichen Zentralverbände an diesen Aufgaben nehmen, fommt ebenso in ihrer finanziellen Unterſtügung mie in der Tatsache zum Ausdruck, daß fie eine Reihe führender Persönlichfeiten in das Kuratorium delegiert haben. Das Arbeitsprogramm für das erste Jahr ist so ausgewählt, wenn auch allein die methodischen Vorarbeiten eine geraume Zeit daß möglichst schnell praktische Ergebnisse vorgelegt werden fönnen, in Anspruch nehmen werden. Man wird sich gleichzeitig der Untersuchung der wichtigsten Marttfchwantungen der Jnlands wirtschaft wie der Zusammenhänge der Weltma rftpreis. bewegung zuwenden und unter anderem besondere Aufmerksam feit, mit Rücksicht auf die schwebenden Probleme der Handelsbilanz und des Transfer", den Beziehungen zwischen Konjunktur und Außenhandel schenken. Zu Beginn dieses Jahres ist vom Völkerbund und vom Internationalen Arbeitsamt ein gemeinsamer Ausschuß für Krisenforschung in Genf eingefekt worden, dem als deutscher Vertreter der Leiter des deutschen Instituts für Konjunkturforschung, Präsident Bage= mann, angehört. Damit ist die Konjunkturforschung zu einer internationalen Angelegenheit ersten Ranges geworden. Wenn es gelingen sollte, im Laufe der Zeit einen dauernden Meinungsund eine Bereinheitlichung der Untersuchungsmethoden in der Welt zu erreichen, so würde eine neue Form wirtschaftlichen Nachrichten dienstes für die Weltwirtschaft geschaffen werden, der dazu beitragen muß, den Nationen die unlösbare Solidarität ihrer gemeinsamen wirtschaftlichen Intereffen täglich vor Augen zu führen. Neues vom Stinnes- Konzern. Die Liquidation eines Teils des Stinnes- on zerns, die zur Entschuldung der übrigen Werte führen soll, ist in vollem Gange. Der Konzern hat jetzt sein Baket von Aftien der Berliner Handels- Gesellschaft, das Hugo Stinnes im Jahre 1922 von dem inzwischen selbst banterott gewordenen Ru mänen Cyprut erworben hatte, an die Berliner Handels- Gesellschaft zurüdvertaufen müffen. Wesentlichen Einfluß hatte die Stinnes Gruppe damit auf die Handels- Gesellschaft nicht gewonnen. Der Stinnes- Konzern war inzwischen in die Zwangslage geraten, feine Aktien an der Berliner Handels- Gesellschaft bei der Bank, auf die die Aktien lauteten, verpfänden zu müssen. Diese Bank brauchte nur noch zuzuwarten, bis die Schuld abgedeckt werden mußte, um die Aftien zu einem Preis taufen zu fönnen, den Stufendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 17. Atreis Sichtenberg. Morgen, Sonntag, Befuch des Botanischen Gartens in Dahlem. Beginn der Führung 10 be, Eingang Königin- BuifeStraße. Treffpunkt 49 Uhr Soh bahnhof Warschauer Straße. Bielflation Bobbielsky- lee. 94. Abt. Seute nacym. 5 Uhr in ben Gesamträumen der Rindt- Brauerei Bannerweihe, Boltsbeluftigungen, Tombola, Sans Cintritt 50 f. 104. Abt. Niederschöneweibe. Morgen, Sonntag, Ausflug nach Schmödwik, Seddinsee per Straßenbahn Treffpunkt morgens 7 Uhr Haltestelle Beliden Ede Berliner Straße. 123a Raulsbort- Süd. Die Mitglieberperfammlung im Juft fällt ans. Bernau. Sonnabend, ben 18. Juli, 8 Uhr, Restaurant von Modisch, Bernau, Raiferstraße, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Kommunalpolitit in Bernau. Alle Mitglieder müssen erscheinen. Der Borstand. Jungfozialisten. Spielgemienschaft: Morgen, Sonntag, nachmittags 2 Uhr, Treffen am Bahnhof Grilnau( Ausgang Faltenberger Seite) zur Generalprobe. Gruppe Mitte: Wanderung nach Ertner. Treffpunkt morgen, Sonntag, früh 74 Uhr Bahnhof Börse. 1 Jugendveranstaltungen. Heute, Sonnabend, den 18. Juli: bt. Stegli I: Nachtfahrt: Hölzernen Gee, 7 Uhr, Bhf. Güldende. sichtenberg- Mitte, Abt. Lichtenberg- Rord, Abt. Lichtenberg- Reu: Treffpunkt zur Kreisfahrt 49 Uhr abends Bhf. Lichtenberg- friedrichsfelde. Morgen, Sonntag, den 19. Juli: Treffen Neukölln II: fölln. Niederschönhausen: Sommerfest im Lübarfer Rindl. neffen vorvormittags 8 Uhr Ede Rofenthaler und Schönhauser Straße. Buchholz: Beteiligung am Sommerfest in Niederschönhausen. Spaziergang nach der Königsheide. Treffpunkt 7 Uhr Ringbahnhof Neumittags 9 Uhr am Friedensplak. mittas Uhr am Friedensplak. Kempelhof: Fahrt Gütergos. 47 Uhr Attilaplak. Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, den 17. Juli. 3. Intereffent( W. Lemzer). Tot.: 47:10. BL: 23, 23, 30:10. Ferner 1. Rennen. 1. Importation( Ch. Mills), 2. Wainsca( A. Schulz), liefen: Heidemann, Blaumeise, Dollyfa, Dolino, Frechheit, Lockung, Importeur, Klud. 2. Rennen. 1. Donar( H. Schleusner), 2. Erasmus( Großmann), 3. Duadrat( Ch. Mills). Tot.: 18:10. BI.: 10, 15, 12:10. Ferner liefen: Langmacher, Debe Marion, Eitelfried, Leffing, Erich S., Rosenrifter, Mamico. 3. Rennen. 1. Lottie Anvil( M. Ningins), 2. Delos( F. Schmidt), 3. Königsadler( G. Lautenbg.). Tot.: 41:10. BL: 21, 32:10. Ferner liefen: Dawson Watts, Broschüre, Lord Bolo. 4. Rennen. 1. Interpellant( Ch. Mius), 2. Wildkaze( H. Grube), 3. Native Forbes( Großmann). Tot.: 22:10. 1.: 14, 27, 13:10. Ferner tiefen: Stapellmeister, Allene. Silverius, Fels. 5. Rennen. 1. Diagonale( H. Höhne), 2. Beitgeist( Holz), 3. Klärchen ( M. Bauer). Lot.: 32: 10. I.: 21, 60, 38: 10. Ferner liefen: Batschart, Flora Bingen, Stapellauf, Arion S., Höhensonne, Fistus, Heideprinz, Barmaid, Federnelle, Harry W., Waffander. 6. Rennen. 1. Stechen. 1. Alice Root( Th. Mills), 2. Doritha ( Jauß jr.), 3. Nathan IV( H. Schleusner). Tot: 19:10. Pl.: 15, 31: 10. Ferner liefen: Stolonel Basworth, Brogres, 3. 2. Stechen: 1. Alice Noot( CH. mins), 2. Progreß( F. Schulz), Nathan( S. Schleusner). Tot.: 13:10. L: 12, 21:10. Ferner liefen: Doritha. 7. Rennen. 1. Michel Angelo( b. Mills), 2. Koranna( F. Schmidt), 3. Karneval( 3. Mills). Tot.: 32:10. L.: 12, 13, 21:10. Ferner liefen: Sybill, True For, Della, Fürst, Bechsadel( als 3. disqualifiziert, 80 Proz. Platz zurüd.) 8. Rennen. 1. Weinminge( D. Schmidt), 2. Barillia D.( F. Schulz), 3. Kronprinz I( W. Lemzer). Tot.: 89: 10. 1.: 19, 38, 22:10. Ferner lefen: Belvedere, Charl. Mathilde, Lybia Watts, Modern, Etatshöferin, Lindenwirtin, Gladiator I, Tudora, Dichtung, Livius, Benedikt, Siegleicht. Komet Freilauf ES GIBT KEINEN BESSEREN! Sparfemim Betrieb Keine teuren Reparaturen Arbeitersport. Arbeiter- Sportkartell Charlottenburg. Nächste Sigung Dienstag, den 21. Juli, pünktlich 8 Uhr, Sportplaz Westend am Sonnenbad. Am Sonntag, den 19. Juli, spielen auf dem Sportplan Christianiastraße ,, Bittoria"-Stettin gegen„ Teutonia"-Berlin. Beginn: 5 Uhr. Kartell- Verband Wedding, 3. Bezirk. Am Montag, den 20. Juli, 7½ Uhr, findet im Lebigenheim Schönstedtstraße eine Kartellfigung statt. Jeder Berein muß unbedingt einen Vertreter entfenden. Vorträge, Vereine und Derfammlungen. 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