Abendausgabe Nr. 340 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 167 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Sel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 5 Pfennig Dienstag Vorwärts= Berliner Dolksblatt 21. Juli 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwäris- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der innere Zollkrieg gegen das Volk. = Neue Belastung durch das Zollkompromis. Heute nachmittag soll das Zollkompromiß zwischen den Regierungsparteien abgeschlossen werden. Als Grund lage für das Kompromiß wird angegeben: 1. Wegfall der Getreidemindestzölle. Zum Erfaz dafür werden die Regierungsparteien untereinander eine Verein barung abschließen, daß teine Handelsverträge abgeschlossen werden sollen, bei denen der Satz der Getreidezölle niedriger liegt als 3,50 m. und 3 M. 2. Statt der Getreidemindestzölle sollen Mindestzölle auf Bieh und Fleisch eingeführt werden. Ein bestimmtes Kontingent von Gefrierfleisch soll zur Einfuhr freigegeben werden. Aber in diesem legten Punkt ist noch feine Einigung erzielt. Es ist noch strittig, ob ein solches Rontingent überhaupt freigegeben werden soll, und ob es an die Gemeinden oder an die Konsumvereine verteilt werden soll. Dieser Inhalt des Zollkompromisses zeigt, daß für seinen Abschluß nicht sachliche Gesichtspunkte wirtschaftspolitischer oder sozialer Natur maßgebend sind, sondern nur der Wille der Zollparteien, vor den bedrohten Boltsmassen einigermaßen das Geficht zu wahren. Es soll ihnen in einem Punkte eine angebliche Verbesserung der Regierungsvorlage vorgetäuscht werden, gleichzeitig aber soll ihnen auf anderem Gebiete neue Belastung auferlegt werden. Ein solches Zolltompromiß würde einen vollen Erfolg der agrarischen Interessenten darstellen. Die Bereinbarung der Regierungsparteien untereinander be= deutet nichts anderes als die Einführung von Ge heim mindestzöllen, als den Versuch eines schlecht verhüllten Betruges nach innen wie nach außen. Wenn das Zentrum dies Bollfompromiß eingehen würde, so würde es damit eine entschiedene polis tische Schwenfung ins agrarische Lager an die Seite der Reaktion besiegeln. Eine solche Schwenkung müßte ernste Folgen für die innerpolitische Entwidlung in Deutschland haben. Der Zollkampf der Interessenten gegen die Interessen des werftätigen Bolles wird ohnehin bereits mit einer Brutalität geführt, die faum zu überbieten ist. Das Verbot der Nürnberger Gewerkschaftstundgebung gegen den Zollwucher zeigt, daß die Massen des werktätigen Boltes einer brutalen und reaktionären Interessentendiktatur unterworfen werden sollen. Dieser Kampf der Zollintereffenten ist unvereinbar mit den Grundgedanken der demotra tischen Verfassung. Rampf gegen den Zollwucher ist deshalb Rampf für die Demofratie. Hungern und Maul halten. Verbotene Gewerkschaftskundgebung gegen die Zollvorlage. Nürnberg, 21. Jull.( mtb.) Die Nürnberger Gewertfchaften beabsichtigen, eine offizielle kundgebung gegen die Zollpläne der Reichsregierung zu veranstalten. Da in Bayern immer noch der Ausnahmezustand herrscht, mußte für diefe Kundgebung, die auf einem freien Plah stattfinden soll, die Genehmigung eingeholt werden. Polizeidirektor Gareis hat aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit diese und gebung verbofen, und zwar mit der Begründung, daß die Agitation gegen die Zollvorlage eine eminent" politifoe Angelegenheit ist und politische kundgebungen von der Straße ferngehalten werden müssen, besonders wenn fie fich, wie hier, demonstrativ gegen die Regierung richten. Der Minister spricht. Generaldebatte über die Agrarzölle. demokratischen Vorschläge. - Die sozial Das große Ereignis im 3ollpolitischen Ausschuß heute vormittag war: der Herr Mini ftersprach. Im allgemeinen wußte Graf Kanig nichts neues zu sagen. Er leitete feine Erklärung ein mit den Worten, er habe dem Ergeb= nis der Berhandlungen nur mit geringen Erwartungen entgegen gesehen. Wie er aus dem Bericht der Kommission eine Anerkennung der ökonomischen Grundlagen für die Regierungsvorlage heraus lefen tann, ist nicht ganz erfindlich, noch weniger aber die Behaup tung, die Mehrheit des Agrarausschusses habe sich für echte Getreidezölle ausgesprochen. Die Ergebnisse Untersuchungen, wie sie die Agrarfommission aufgestellt habe, feien sehr vorsichtig zu genießen. Die Wissenschaft mache sehr oft Konstruktionen ins Blaue, ohne sich um die praktischen Notwendigkeiten der Gegenwart zu fümmern. Einen Zwischenfall gab es, als der Minister sich gegen den Borwurf wehrte, ben der Genoffe Schmidt im Blenum des Reichstags bei Beratung des Rentenbantgesetzes erhoben hatte, Verbot einer Zollfundgebung in Bayern. schaft leidet im Augenblic weniger unter dem Druck der Preisverhältnisse auf dem Weltmarkte, als unter den besonderen BedinDas beweist, daß man einen gungen der deutschen Gegenwart. anderen Weg einschlagen müsse, als den, den die Regierung zu gehen beabsichtigt. Warum macht man nicht den ernsthaften Borschlag. einer großzügigen Produktionsorganisation? Von agrarischer Seite wird selbst zugegeben, daß 3ölle auf landwirtschaftliche Produkte nicht notwendig wären, wenn nicht die Industriezölle beständen. Es wird dann entschuldigend beigefügt, daß die Industrie Schutzölle brauche. Dabei wissen wir, daß die Industriellen selbst und ihre Bertreter in den bürgerlichen Parteien das Bedürfnis nach Industrie schutzöllen abgelehnt haben und nur die Notwendigkeit nach Ber: handlungszöllen betonten, um die entsprechende Wechselwirkung bei Ein- und Ausfuhr zu beeinflussen. Freitag abend 5%, Uhr, im Lustgarten Kundgebung gegen den Lebensmittelwucher! Sie frage gerade auf Grund der Darlegungen des Herrn Dr. Schneider in der Enquetekommission, ob, nachdem die Regierung durch den Grafen Kaniz eine entsprechende Erklärung abgegeben habe, auch die Regierungsparteien noch hinter den Zollvorschlägen der Regierung ftänden, oder ob inzwischen das kompromiß, von dem soviel gemunfelt werde, bereits fertiggestellt sei. Es wäre richtiger gewesen, daß man, bevor die Verhandlungen über gebundene oder Bereitschaftszölle im Ausschuß begonnen hätten, die Regierungsparteien ihr Kompromiß zum Abschluß gebracht hätten, wenn man auf der anderen Seite Wert darauf lege, wie es im parlamentarischen System selbstverständlich sei, mit der Opposition gemeinsam nach einer gesunden Grundlage der Wirtschaftspolitik zu fuchen. Notwendig fei, daß die Regierung erfläre, wie fie fich eigentlich die Auswirkung des Zolltarifs vorstelle und insbesondere, wie sie glaube, die Abwälzung der unter allen Umständen entstehenden höheren Lasten zu verhindern. Es sei un möglich, auf Grund des zwangsläufig einfegenden Abwälzungsprozesses das zu erreichen, was beabsichtigt sei, nämlich die Bildung neuen Rapitals. Es wird ganz naturnotwendig eine Erhöhung der Löhne eintreten oder aber eine Senkung der Konjumkraft, die ihrer ſeits wieder, wie die Bergangenheit beweise, sich in einem Breisbrud auswirken müsse. Bir unterbreiteten Borschläge, in denen als erste Voraussetzung verlangt wird eine Senkung der Zolltarifpofitionen, die die Land. wirtschaft erheblich belasten und dadurch produktionsverteuernd wirken. Ferner eine Beseitigung der Gefeße, die die Landwirtschaft an der Ausfuhr ihrer Produkte hindern, außerdent eine Uenderung des Steuersystems, das nicht wie gegenwärtig eine Prämie auf die Extensität darstellen, sondern die intensive Wirt schaft belohnen muß. Eine Verbilligung der künstlichen Düngemittel und zum Schluß eine Reform der Bodenverteilung, wie es das Reformprogramm der Sozialdemokratie vorsieht. Auf dieser Grundlage feien wir bereit, mit allen Parteien gemeinsam die Lösung zu suchen, die uns wirtschaftlich wieder zu Atem tommen läßt, ohne daß mir die sozial gefährdeten Schichten erneut in unerträglicher Weise belasten.. Nach der Genoffin Sender redete der Kommunist Hörnle, der sich im wesentlichen auf das von unserer Seite vorgebrachte Material stügte. Nach dem Kommunisten äußerte sich Genosse Moses noch über die Rückwirkungen der durch die Zollvorlage zu erwartenden Preiserhöhungen auf Lebensmittel auf die Bolksgesundheit. Der Ausschuß vertagte fich auf Mittwoch vormitta Angestellte und Beamte Berlins. Die werttätige Berliner Bevölkerung protestiert Freitag, den 24. Juli d. 3., abends 5% Uhr, im Cuffgarten gegen den Brotwucher, der durch die neue Zollvorlage„ behördlich konzeffioniert" werden soll. Angestellte und Beamte Berlins! An dieser Demonftration müßt 3hr Euch alle restlos beteiligen! In letzter Stunde muß auch Euer Warnungsruf der Kompromigregierung und der berüchtigten„ Aufwertungsfoalifein Amt sei ein Vollzugsorgan des Reichslandbundes und fümmere sich nicht um die Verhältnisse der Landarbeiter und der kleinen Bauern. Er betonte, er habe niemals Angriffe gegen fein Amt wegen Bernachlässigung der Landarbeiterintereffen ernst genommen, und er fei überzeugt, die Gegenseite habe die Betion des Reichstages entgegengellen! hauptungen auch gar nicht so ernst gemeint. Er mußte dafür sehr erregte Smilgenrufe der Sozialdemokraten einHeden, und es wird bei späterer Gelegenheit notwendig werden, diese nerhörten Unterstellungen in entsprechender Weise zu fennzeichnen. Genoffin Sender zerpflückte im einzelnen die Regierungsgründe und mics nach, wie innerhalb des Ragers der Regierungsparteien die größten Gegenfäge offenbar sind und wie ferner gerade der Bandwirtschaft durch die Einführung des lüdenlosen Bolltarifs nicht bie erwartete Erleichterung gebracht werben tönne. Die Landwirt Angestellte und Beamte Berlins, auf zum Protest! Gegen die Piraten der Wirtschaft! Gegen die Würger des Bolts! 2llgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. Flatau. Reichelt. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund, Orisausschuß Berlin. Rörber. Beibmann Der Zusammenbruch. Der Bericht des Untersuchungsausschusses. Von Hermann Schüzinger. In spaltenlangen Aufsätzen müht sich die Presse der Rechten ab, den Bericht des Reichstags- Untersuchungsausschusses über„ Die Ursachen des militärischen 3usammenbruchs" für ihre Zwecke auszuschlachten und den Berichterstatter dieses Kollegiums, den deutschnationalen Abgeordneten Dr. Philipp als Kronzeugen für die politische und militärische Unschuld der dritten Obersten Heeresleitung am Zusammenbruch zu zitieren. Wenn man jedoch mit fritischem Blick an den demnächst in Broschürenform erscheinenden Bericht Dr. Philipps und an das dreibändige Wert des Ausschusses herantritt und sich nur einigermaßen in den Werdegang und die Beweiskraft dieser Dokumente vertieft, dann vermag man die deutschnationale Ge schichtsklitterung förmlich mit Händen zu greifen. Dieser Freispruch des alten Regimes von der Schuld am Busammenbruch wird trotz aller diden Bände und Broschüren nur bei der unverbesserlichen Gefolgschaft der Deutschnationalen, bei den Kriegervereinen und Jungfrauenbünden und bei der kleinen, aber einflußreichen Clique, die in der Kadettenanstalt nichts gelernt und im Kriege nichts hinzutapiert hat, Glauben finden. Der Feldsoldat aller Grade und der Kenner der Fachliteratur über den Weltfrieg, der weiß Bescheid! Zunächst etwas über den Werdegang der Untersuchung. Der erste und der zweite Untersuchungsausschuß hatten es für nötig gehalten, den Gutachten der beiden militärischen Sachverständigen General v. Kuhl und Oberst Schwertfeger zwei Laiengutachten, und zwar das des ersten Borsitzenden des Ausschusses Simon Kazenstein und des Abgeordneten der bayerischen Volkspartei Dr. Deermann gegenüberzustellen. Mit vollem Recht! Die Stra= tegie ist teine Geheimwissenschaft darüber haben schon Friedrich der Große und Moltte gelacht, fie ist die Lehre von der Bewegung und vom Einsah größerer Truppenförper nach den Grundsägen des gesunden Menschenverstandes und der Berechnung der Kampffräfte bei Freund und Feind. Bei ihrer engen Berflechtung mit politischen und psychologischen momenten war das operative Laiengutachten von Frontsoldaten und Truppenoffizieren von ausschlaggebender Bedeutung! Das Zeugnis Dr. Deermanns, das an seiner Stelle jeder andere Frontsoldat ebenso abgegeben hätte, trifft völlig ins Zentrum des Problems vom Zusammenbruch: ,, Bei Ludendorff hat es an wirklichem Berständnis für die Seele des Volkes und seines eigenen Heeres gefehlt!" Diese beiden Laiengutachten auszuscheiden", sie tot zu machen und durch die Ausschußmehrheit sowie die militärischen Sachverständigen in Grund und Boden zu stampfen, betrachtete Herr Philipp als das Hauptziel der nun völlig in deutschnationalem Fahrwasser segelnden Enquete. Um den Militärs munmehr restlos das ganze Unterfuchungsergebnis auszuliefern, beschloß dieser militärfromme Ausschuß, zu taktischen und strategischen Problemen gar keine Stellung zu nehmen" und durch die reine Aneinanderreihung der militärischen Gutachten unter geschickter Regie zugunsten der letzten Heeresleitung dem„ Publikum" die Meinung der Herren Angeklagten zu juggerieren. Denn das alte Militärsystem, der preußische Generalstab mit seinem Dünkel und seiner Ueberhebung über den Feind, mit seiner Starrheit und Ungeistigkeit, mit seinem„ Bluff" und mit seinem Willenskrampf" jaß doch wohl auf der Anklagebank? Der einzige Nichtmilitär, der als eine Art Fachmann ,, mit mildernden Umständen" von dem Philippschen Ausschuß in Rauf genommen wurde, mar der berühmte Kriegswissenfchaftler Professor Dr. Hans Delbrüd. lleber ihm rangierten Oberst Schwertfeger, General v. Ruhl- und der einstige Chef der Operationsabteilung im legten Kriegsjahr, der damalige Oberst Wege II. Alle drei plädieren sie im Schlußurteil auf die Freisprechung ihres in dem Feldherrnpaar Hindenburg und Ludendorff verkörperten militärischen Systems und doch werden sie im Verlauf ihrer Gutachten zu unbemußten Zeugen für deren schwere Schuld! " Schwertfeger, Ruhl und We tell sind im wahren Sinne des Wortes Partei. General v. Kuhl, der einstige Stabschef der 1. Armee und der Heeresgruppe Bayerischer Kronprinz", ist zweifellos eine militärische Autorität hohen Ranges und von dem Streben nach Wahrheit beseelt; er ist jedoch wie jeder Kenner der Weltkriegsliteratur weiß bereits selbst schwer belastet durch die von der Fachkritit ein mütig verurteilte, fehlerhafte Führung der 1. Armee beim Anmarsch zur Grenzschlacht im Westen" sowohl wie zur Marneschlacht, die sich operativ geradezu verhängnisvoll und feldzugentscheidend auswirkte. General v. Ruhl hatte jedoch den Mut, die Hand auf die Wunden der deutschen Kriegführung im letzten Kriegsjahr zu legen und damit indirekt die Borwürfe Dr. Deermanns, die im großen und ganzen das Urteil der modernen Weltkriegskritik widerspiegeln, zu unterstreichen, wenn er sie auch im Schlußresümee abichwächt - aus kameradschaftlicher Solidarität: Es war zur Entscheidung im Westen nicht die gesamte deutsche Heeresmacht bei Amiens versammelt worden, und zwar politischer Aspiratio nen im Osten wegen. Es war feineswegs genügend Material, Munition, Pferde und Betriebsstoffe zur Verfügung, um einen großen operativen Durchbruch mit genügender Aussicht auf Erfolg anpacken und durchhalten zu fömmen. Es mar cuf die angebotene Unterstügung der Desterreicher aus recht fadenscheinigen Gründen verzichtet morden. Es war ver fäumt worden, genügend rüdmärtige Stellungen zur Auf nähme zurückgeworfener Heereskörper anzulegen. Es war die körperliche und seelische Leistungsfähigkeit der Tnippe bei weitem überschätzt und vor allen, die Infanterie„ausge- punwt" worden. Es war der Kapitalfehler begangen worden. die Tankwaffe für Angriff und Verteidigung falsch ein- zuschätzen. Damit ist die Ausweitung des großen Durchbruchs- verfuchs im März 1918 schwer behindert und die Zermürbung der wankenden deutschen Front durch die Tankgeschwader der Entente wesentlich erleichtert worden. Was General v. Kühl andeutet und mehr oder minder unterstreicht, wird von dem beklagten Vertreter der OHL. (Ludendorfs hat sich ja bekanntlich vor einer Rechtfertigung gedrückt), dem Chef der Operationsabteilung, Oberst W e tz e l l, entschieden bestritten. Die Schuld liegt überall nicht bei der OHL., sondern in dem elenden Pech der großen Strategen, „in der Natur der Dinge". Ueberall sind die Franzosen, die Amerikaner, die faulen Verbündeten, die Heimat schuld— nur nicht die deutsche Heerführung—, die unvergleichliche Hini>enburg-Ludendorffsche Strategie! Selbst der Kardinal- fehler der deutschen Führung im letzten Jahr, das Versäumnis, die Front rechtzeitig„vom Feind abzusetzen", als der Sieg unmöglich war, wird beschönigt mit irgendwelchen Redens- arten, die geradezu platt und erbärmlich klmM-n. Der hohe Ausschuß aber konstatiert lediglich ein« Divergenz in den taktischen und strategischen Auffassungen der beiden Generale, die sich gewiß nicht weh tun wollen, bringt alles sein säuberlich zu Papier— und schweigt! Ja wozu baben wir denn die weit und breit im In- und Ausland festgelegten Urteile des Nachfolgers Ludendorffs im Osten des Generals Hoffmann, seines Nachfolgers im Westen, des Generals G r ö n e r, des Generalstabsmajors Endres wundervolles Werk ,T)ie Tragödie Deutschlands" und andere, die samt und sonders die Katastrophe des Sommers 1918 aufzeigen mit einer schonungslosen Kritik, als die Frucht einer wahnwitzigen und geistlosen, geradezu verheerenden Strategie? Wozu haben wir denn die Fachurteile des Aus- landes? Sind etwa die militärischen„Gutachten" eines Foch, eines Buat, eines Maurice, eines Thompson, eines Wrigth, eines Eonverset, eines Pierrefeu weniger wert, weil die andere Seite letzten Endes die Trümpfe in der Hand hatte und zu siegen verstand? Darüber geht der Philippsche Ausschuß hinweg, wie wenn Ludendorff von einem Hottentottenhäuptling und einem Zulukaffernheer militärisch geschlagen worden wäre und nicht von einer Armee mit den ältesten militärischen Führer- traditionen der Welt. Kein Mensch wirst den Männern der letzten Heeres- leitung Untreue und„Pflichtwidrigkeiten" vor, den Männern, die zu Halbgöttern aufgestiegen wären, wenn ihr frevechaftes Spiel mit dem Schicksal der Nation geglückt wäre aus dem Schlachtfeld zwischen Amiens und Reims— aber sträfliche Fahrlässigkeit, Leichtsinn in der Anlage und nervöses Ber- sagen beim Umschwung der großen Schlacht! So bedeutet die Herausgabe des Werkes jenes Unter- suchungsausschusses in dieser heißen Juliwoche, in der wir alten Soldaten alljährlich an die Mobilmachung und an den Aufmarsch denken wie an einen düsteren Traum, eine un- erhörte Verhöhnung aller derjenigen, die diesen Krieg er- lebt haben, nicht als ein strategisches Rechenexempel, als eine „Patentlösung" des Generalstobs, sondern als das schwerste Erlc.bnis unsere? Daseins, das ausging von jener Hundstags- wache, in der wir unsere Tornister und Packtascfym zu den Bahnhöfen schleppten, und endete m jener Novembenooche. in der die Trauer und die Verzweiflung herausschlug aus den zermürbten Bataillonen, die nicht mehr an einen Sieg glauben konnten, weil ihnen vier Jahre voll Lüge und Todesnot die Seele zerbrach Dieses Werk bedeutet in seiner jetzigen Ge- stalt eine Verhöhnung der wirklichen Frontsoldaten, die das Ende kommen sahen mit heißem Kopf und mit brennen- den Augen, ganz gleich, ob sie die Achselstücke, die Epaulettes dek Stabsoffiziere oder die„Knarre" getragen haben! Heber diesen Ausschuß, seine Mehrheitsbeschlüsse und Bände hinweg wird die Geschichte ihr Urteil sprechen. ver Vorhang. Von Laurenz Genner. Abend aus der uniti in T r i e st. Mitten aus dem Platz spiell«ine Musikkapelle, umdrängt von Hunderten Menschen, lebhaste Weisen. An den kleinen Tischen, die auf dem Platz vor den Kaffee- Häusern aufgestellt sind, sitzen in langen, dichten Reihen Triestiner und Fremde und nehmen gelati(Gefrorenes) und schwarzen Kaffee und rauchen und flirten und lauschen der Musik und sehen bisweilen auf das Meer hinaus, daß sich da draußen aus- breitet in schwarzer, geh�imnisvoll-nächtlicher Schönheit. Schöne Mädchen, angetan mit reizend einfachen, seidenen Kleidern, gehen in lichten Gruppen über den Platz und wiegen die schlanken Leiber graziös im Takt der Musik. Offiziere schreiten säbelklirrend einher und sehen stolz drein und befehlend, wie es sich für königlich-ttalicnische Offiziere geziemt. Die elegant« Welt von Trieft trägt sich hier wie auf dem Korso zur Schau. Di« Buchstaben einer Lichtreklame springen glitzernd auf dem Giebel eines Hause» auf und verschwinden wieder, um anderen Platz zu machen. Licht ist ringsum. Alle Häuser scheinen festlich beleuchtet zu sein. Stilvoll erhebt sich in diesem Lichterglanz die Pracht des Municipio, d�s Rathauses. Licht und Lust, Glanz, Pracht und Behaglichkeit. Dennoch trennt diese Welt der Freude nur ein schöner, dünner Vorhang von der anderen Well, der Welt des Elends. Der Vgrhang ist da» Rathaus. Wir gehen durch eines seiner Tore und kommen mit zwei Schrillen vom Platze des Lichtes und Glanzes in eine enge, finster« Gaiie voll Schmutz und Gestank. Mädchen tänzeln am Anfang der Gasse, Mädchen locken geschminkt und geputzt, mit aufgelöstem Haar und halb entblößter Brust, an den dunklen Toren der dunklen Hofe. Hübsche, schlanke, graziöse Mädchen, wie die anderen auf dem Platz. Rur daß die anderen ihre schlank« Schönhell im Lichte zeigen, dieweil diese sie m finsteren, schmutzigen Ecken und Kammern preisgeben und dem sicheren Elend verfallen sind. Halbnackte Kinder durchtollen die Gassen und balgen sich in den dunklen Höfen. Reben den Mädchen. Das Geschäft der Liebe, da, sich vor ihren Augen ouftut, ist ihnen schon eine selbstverständliche Sache. Aus düsteren Weinstuben dringen rauhe Lieder: Matrosen und Soldaten genießen ihre freien Stunden. Auf den niederen Schwellen der Häuser sitzen alle Frauen mit zerzausten, grauen Haaren, ledersarbenen Gesichtern und welken Brüsten. Reben säugenden Müllem. steigen die Gassen und Gäßchen die Allstadt hinan. Die allen Häuser scheinen jetzt und setzt einzustürzen. In diesen Häusern ballt stch das Elend in engen Räumen zusammen, in die nie ein Licht-, etn Sonnenstrahl dringt. Erwachsene und viele, viele Kwder find in Räumung üer Sanktionsgediet e. Beschluß der alliierten Regierungen. London. 21. 3tt(L(1DIB.)„Times" berichtet, daß die Regierungen Großbritannien». Frankreichs, Belgiens und Italiens übereingekommen seien, die Städte Düsseldorf. Duisburg und Ruhr- ork im Anschluß an die Räumung der Ruhrgebieles zu räumen. Düsseldorf, 21 lluli.(Eigener Drahlberichl.) Die b e l g l- sche Besahungszone auf dem rechten Rheinufer ist seil der> Aach« von Montag zum vienslag 12 Uhr von belgischen Truppen restlos geräumt. In Düsseldorf, wo franzäflsche Besatzung liegt, wurde am Montag ebenfalls mit der Räumung begonnen. Schwarzweißrote Rüpelszenen. N ach der Räumung werde« die Hakentreuzler mutig! Herne, 21 Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Abend des Räumungstages kam es in H e r n« zu einem Zwischenfall, hervor- gemfen durch demonstrierende Mitglieder nationalistischer Organisationen, die Merwolf-, Stahlhelm- uad Hakenkreuz- abzelchen trugen, und mit wehender schwarzweißroter Fahne durch die Bahnhofstraße zogen. Die hierdurch erregte Arbeiterschaft forderte in Znmfea die Besrilignug der schwarzweihrolen Fahne. Schließlich kam es zu einem Handgemenge zwischen den beiden Parteien, in derem Berlauf die Monorchistenfahi e zerrissen wurde. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her. Auch in Bochum kam es zu ähnlichen Austritten. Dort rückte am Montag nach 2 Uhr von AUena kommend, die Schupo ein. Der Empfang det Schupo wurde von mit Knüppeln bewaffne- ten Hurra-Patrioten zu Kundgebungen benutzt. An- gestchts der durch die nationalistischen Kundgebungen hervorgerufenen außergewöhnlichen Spannung appelliert die gesamte Linkspresse des Ruhrgebietes an die Energie der Stadtverwollungen, da sonst Zwischenfälle unvermeidlich seien. Polizeidirektor Stühmeier übernimmt wieder die Gesamtleitung der Polizei in Bochum. Damit werden sämtliche provisorisch eingerichteten Bezirke- polizeiämter ausgehoben. Bochum, 21 Juli.(MTB) Gestern abend um g� Uhr kam es hier zu einem Auflauf vor dem Bahnhofshotel in unmittelbarer Näh« des Hauptbahnhofs. Der Hotelbesitzer hatte entgegen der Anordnung der Stadtverwaltung, daß Bochum erst ab 12 Uhr befvtzungssrei sei und die Bevölkerung die Ruhe zu wahren hob«, schau um S Uhr die schwarzweißrote Fahne herausgehängt. Bor dem Lokal sammelte sich eine große B o l k s- menge, zumeist aus jungen Leuten bestehend, und es kam zu schweren Zusammenstößen. Da» Ueberfallkommando der Polizei schritt ein und zerstreute dl« Menge mit der blanken Waffe. Der Wirt wurde ersucht, die Fahne ein- zuziehen, um weiteres Unheil zu vermeiden. Ein �verschollener� aufgefunden. Hotteurotts Schicksal. Wolffs Bureau weiß zu melden, daß„in seiner Billa in Königs- dorn der Verleger der aus dem Ebert-Rothardt- Prozeß bekannten„Mitteldeutschen Presse", Hans Hotten- r o t t- Staßfurt verhaftet worden ist. Hollenrvll halle noch eine längere Gefängnisstrafe zu oerbüßen, galt aber seit etwa zwei Jahren al» verscholl« u". Dies« Meldung ist ebenso vorsichtig wie unvollständig. Der völkische Hetzopostel hat das Mundwerk gegen den Reichs- Präsidenten Ebert so voll genommen, daß er dafür wegen Be- schimpfung de» Reichsoberhaupts zuzweiJahrenGefängnis verurteill wurde. Als er die verbüßen sollte, war er plötzlich ver- s ch w u u d e«. aber nicht etwa„verschollen". Dielmehr wurde im Prozeß gegen Röthardt daraus aufmerksam gemacht, daß dieser .Verschollene" unter dem Namen„Hagen" luftig an dem Winkel- blättchen weiter mllorbeite, dessen Verleger er nach wie vor ist und bei dem der angeklagt« Jüngling Rothardt nur als Strohmann diente. Es wurde auch ganz offen darauf hingewiesen, daß Hotten- roll sich in Bayern aushalt«. Wenn auch die Prozeßleitung eine nähere Erörterung dieser Dinge unterband, so war doch seit dem ihnen zusammengepfercht.„Sie sind schlecht« Mütter, die Italien«. rinnen," sagte mir ein italienischer Arbeiter,„denn sie kriegen viel« Kinder." Daß sie mit den vielen Kindern in lichtlosen, engen Löchern „wohnen" müssen, ist freilich nicht ihre Schuld. Der fremd« Spießer geht schnell durch die dunklen Gassen. Man muß sie gesehen haben. Aber man trachtet, rasch wieder hinaus- zukommen. Schmutziges Volk! Betttervolk! Ach ja! Man muß es ja nicht näher kennen, das schmutzige Bettlervolk, das voll unnachohinlicher, echt italienischer Liebenswürdigkeit, ja voll Hilfs- und Opferbereitschaft auch in diesem Dieriel de» Grauen» ist, das nur«in dünner Borhang von der Stätte auf- dringlicher Pracht und hellen Vergnügens trennt. Wie anderswo auch. Nur daß vielleicht der Borhang nicht überall gar so dünn ist, nur daß vielleicht die Gegensätze nicht überall gar so erschreckend und unerträglich sind. Des großen Malers Totenfeier. Schwarze Wände, goldene Kerzen. Blumen, bunt und lebens- frisch. Hunderte und aber Hunderte prominente Bertreter von Kunst und Wissenschaft, von Stadt und Staat, und Freunde, zahl- los« Freunde waren heute vormittag in der Sezession am Kur- sürstendamm zu Lovis Corinths Trauerfeier ver- sammelt. Eine edel geformte Totenmaske, die der Maler Michaelson schuf, liegt am Ende des braunen Sarges. Gegen Uli Uhr kommen die Angehörigen Corinths. zuerst die Gattin, die ihn so treu ge- pflegt Feierlicher Gesenq leitet ein, und dann ergreift für den Vorstand der Sezession F r e-i h e r r v. König das Wort. Wie schön, daß er von Corinth sagen konnte, wer wie er die große Schön- hell dieser Erde erschaut hat, der lebt in steter Erregung, und sein Schaffen ist unerschöpflich. Schwere» Leiden überwand sein Wille. und aus dem Leiden erwuchs ihm letzte Entfaltung. Die Krankheit ward ihm ein läuternde» Feuer, das oll« Schlacken verbrannte und seine Sehnsucht vergesstigte. So wurden seine letzten Bilder seine schönsten und wuchsen über Zeit und Raum hinaus. Ihrem Schöpfer gilt nicht unser Abschied, denn er wird ewig leben. Doch von dem Menschen Corinth, dem treuen Freund und Führer, müssen wir jetzt scheiden. Wir alle liebten ihn, und seiner Fahne, die das Zeichen trug des heißen Glaubens an da» eigene Werk, und an die Wahrheit eigener Erkenntnis, sind wir gern gefolgt. An des Führer» Sarg geloben wir, ihr weiter treu zu dienen. Für die Akademie der Künste oerlas dann Prof Franck eine Rede des am Erscheinen verhinderten greisen Max Lieber- mann, der in ihr fragte: Wer wird uns des Malers Güte und seine Kampfbereitschaft ersetzen? Schließlich sprach Geheimrat I u st i von der Nationalgalerie von Corinth» wundervoller Bescheidenheit, die ihn als wahrhaft großen Menschen so deullich auszeichnete. Dann sang Pros. G r ü n f e l d s herrlich welches Eello ein Klagelied, ein Totenlled und doch ein Lied des Lebens. Das Bleibende geht durch den Tod jum Leben. Lovis Corinth bleibt. Während diese Zeilen geschrieben werden, rollt ein Totenwogen dem Wllmersdorfer Krematorium zu. Eines großen Künstler» letzter Weg führt w dos Nichts und in die Ewigkeit»"«»»tck,. Magdeburger Prozeß überall bekannt, daß Hottenrott sich in das Dorado der Feinde der Republik, nach Bayern, zurückgezogen habe, wo ErHardt, der Meineidige, noch immer herumspukt. Daß das völkische Hetzgewerbe unter Umständen ganz einträg- lich sein muß, bestätigt die Wolff-Meldung, wonach der„Ber- schollene" sogar eine eigene Villa bewohnte, ohne daß er bisher hätte aufgefunden werden können! Sozialiftenkonferenz in örüssel. Beratungen über den Ticherheitspakt. Brüssel. 21. Juli.(MTB.) Vertreter der deutscheu So- zialdemokratie und der belgischen Arbellerpartei traten gestern in Brüssel zu einer Prüfung verschiedener Fragen zusammen, die im Laufe der gegenwärtigen Verhandlungen zwischen England, Deutschland, Belgien und Frankreich über den S i ch e r h e i t s- p a k t aufgeworjen worden find. Nach einer Meldung der Belgi- schen Telegraphenagentur beschäftigt« sich die Konferenz hauptsäch- lich mit den Bedingungen, unter welchen zwischen Deutschland einerseits und Polen und der Tschechoslowakei anderersell? abzuschließende Schiedsgerichtsverträge garantiert werden würden: ferner mit den Bedingungen, unter welchen Deutschland Mit- glied des Völkerbundes werden würde, und schließlich mi: den Bedingungen, unter denen einer der Staaten, die die verschiedenen vorgesehenen Berträge unterzeichnet hätten, als Angreiser betrachtet werden solle. Auf Grund dieser ersten Prüfung kam man zu der Ansicht, daß die gegenwärtig bestehenden Schwierigkeiten zwischen den Mächten vermieden worden wären, wenn alle interessierten Staaten auf dem im September in Genf ausgearbeiteten Prowkollentwurf verharrt hätten. Man war der Meinung, daß es noch möglich fei, diese Schwierigkeiten durch den Völkerbundspakt zu lösen oder sogar lpielend zu beseitigen unter der einzigen Bedingung, daß Deutsch- land in den Bölterbund mit denselben Rechten und Pflichten eintrete, wie sie die übrigen Nationen haben. Uebereinstimpiung herrschte ferner darüber, daß die in der öffentlichen Meinung Deutschlands und Rußlands aufgetauchten Befürchtungen über die Art und Weise der Anwendung de» Artikels 16 des Dölkerbunds- paktes für den Fall, daß Rußland in einen Krieg verwickelt würde, zum großen Teil ihre Berechtigung verlieren würden, wenn Rußland Mitglied des Bölkerbundes werden würde. Die Konferenz beschloß, ihre Arbeiten in einer zweiten Sitzung fortzusetzen, zu welcher Vertreter der polnischen und t s ch e ch o» slowakischen sozialdemokratischen Partei eingeladen werden sollen. Diese Sitzung soll noch vor dem nächsten internationalen Kongreß abgehalten werden._ polnistbe Agrarreform. Und nationalistische Nebenabsichten. Warschau. 21. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der polnische Sejm hat am Montag das polnische Agrargesetz endgültig angenommen. Es bestimmt, daß in jedem Jahr ein Landaufteilungsplan aufzustellen ist, der 200 000 Hektar Gutsländereien zur Parzellierung umfaßt. Die Opfer dieser Gesetzesbestimmungen dürften hauptsächlich unter den nationalen Minderheiten zu suchen sein. Gegen die deutschen Minderheiten enthäll da» Gesetz z. B. die Bc- stimmung, daß all« von den Teilungsmächten unter Sonderbestim- mungen erworbene Landstücke ohne Schonung irgend eines Rest- besitzes bis auf das letzte aufgeteilt werden können. Im übrigen ergab sich aus der Debatte, daß die Parzellierungsplän« dazu dienen sollen, zunächst einmal in den Grenzgebieten polnisch zu kolonisieren. Die englische Union für demokratische Kontrolle begrüßt den Verzicht Deutschlands auf Aenderung seiner Westgrenz« und wendet sich gegen Teilsicherungsverträge, die nur zur Bildung neuer Mächte- gruppen führen. Sie bedauert, daß durch die Sicherheitsverhand- lungen die Abrüstung nicht unmittelbar gefördert wird. Die polnische Anleihe in den Vereinigten Staaten ist ein Miß- erfolg. Nur 40 Proz. de« aufgelegten Betrages sind gezeichnet worden. Di« Zurückhaltung des amerikanischen Kapitalmarktes ist auf dos Mißtrauen in die wirtschaftlich« Zukunft Polens zurück- zuführen. Abbau der Gesängnisse— in England. Seit dem Jahre 1314 sind in England und Wales mehr als 20 Gefängnisse, d. h. der dritte Teil der Gesamtzahl der Strafanstalten Englands, geschlossen worden. Es verbleiben damit nur noch ungefähr vierzig Gefängnisse, die der Strafvollstreckung dienen, und auch diese sind längst nicht mehr voll besetzt. In diesem bemerkenswerten Rückgang der Zahl der Straf- anstalten und Strafgefangenen spiegelt sich die starke Abnahme der Zahl der zu Gefängnis verurteilten Personen, die in England seit 1913 zu oerzeichnen ist: sie beträgt seit dem genannten Jahre volle 66 Prozent. Jnsolgedessen ist England heute in der glücklichen Lage, seine Gefängnisse abbauen zu können. Dieser Abbau ist gleichzeitig eine hübsche Einnahmeauellc. Man ist nämlich dazu übergegangen. die geschlossenen Gefängnisse im Wege öffentlicher Versteigerung zu verkaufen. Erst kürzlich wieder fand eine solche Dersteiaerung statt. Sie betraf nicht nur das Gefängnisgebäude als solches, sondern auch die gesamte Einrichtung einschließlich der Gefängniskapelle nebst Kanzel aus Eichenholz. Altar, Orgel, Bibel und Gesangbüchern.„Der Abbau der Gefängnisse," erklärte kürzlich ein hoher Beamter de» Ministeriums des Innern dem Berichterstatter eines Londoner Blatts,„ist einfach eine Folge der Tatsache, daß jetzt weniger Leute zu Gefängnis verurteilt werden. Der Strafvollzug hat heut« die Tendenz, die entgleisten Männer und Frauen, wenn es irgend mög- ist, zu bessern und wieder aus den rechten Weg zu bringen. Gefängnis st rasen sind für diesen Zweck kein geeignetes Mittel und sollten daher nur im äußersten Notfall verhängt werden." Man würde sich indessen eines Fehl- schlusses schuldig machen, wenn man aus dem Rückgang der Zahl der englischen Gefängnisse etwa darauf schließen wollte, daß die Zahl der Verbrechen im gleichen Berkältnis abgenommen bat. Kamen doch im Jahre 1923 mehr als 110 000 Verbrechen zur Kenntnis der Polizei. Es ist dies die höchste Zahl, die seit 67 Jahren— früher gab es in England keine Lerbrecherstattstit— registriert wurde. Jetzt aber ist die Kurve wieder im Abnehmen begriffen: ohne Frage eine Folge der enolischen Strofreform, die den Berurteilten seyr häufig Bewährungsfrist einräumt. Schildbürger. Ein italienisches Blatt berichtet folgende Be- gebenheit: In der Zollverwaltung wurde ein Wächter schlafend an- getroffen. Dieser Dorsall gab Anlaß zu folgender Strafverfügunq: „Dem eingescklafenen Wächter werden 7,50 Lire Strafe auferlegt. Der andere Wächter, der nicht eingeschlafen war, erhält 10 Lire Geldstrafe, weil er zuließ, �rß sein Kolleg« schlief."— Die Moral von der Geschichte: Wenn ein Zollwächter schläft, so tut der ander« gut, auch zu schlafen! � Sngnnll« der hedwln-V-'-gel-hlll« llndet eine?rtravorsl«?unq der „Deullchen Klein st ädtrr* am Sonntaa. den 28. natfirn. 3 Ubr. in der BalkSbübne am S ü I o« p l a tz statt. Der Gesamtertrag lalle Kiwstlrr spielen unentqeltllch) flieht der Hedwig-Nanael Hille für aesallene Mädcben J" der Paule findet eine Berloluna statt. Jede dhitrlttskavte ist»«gleich ein So». Hauptgewinn Ist ein Harmonium karten h 3, 2 und 1 Mark Bei fifrau Hedwig Mangel. Steglitzer Sttahe 35 kLiltzow 15S7» oder bei Wertkeim, und an der Theaterloste läalich von 10-2 Uhr, Sonntag» non 2 Uhr ab. AU»arternder lechnl'che hochschvkr. Me llkkeste BraffQ« HochsSuk««es« Die Aufnahme der deutschen Note. Günftiger Eindruck in London. Die arme Straße! Es ist Sonnabend abend in der Straßenbahn, die, vom Branden: London, 21. Juli.( TU.) Wie der diplomatische Korrespondent burger Tor fommend, in die ehemalige Budapester Straße einbiegt. des„ Daily Telegraph" berichtet, ist man in alliierten Kreisen der Mir gegenüber sigt eine Dame der weiaus besseren Kreise Ansicht, daß die deutsche Anwornote wegen ihres verfchnlichen in den vierziger Jahren, gemalt und gemehlt und in großer Toilette. Tones und des Fehlens einer eingehenden Beweisführung in nicht Friedrich- Ebert- Straße! ruft der Schaffner mit weithin schallender allzu langer Zeit zu einem freien Gedankenaustausch am Konferenz Stimme, in der ein leise triumphierender Klang mitschwingt. Die tisch führen werde. Der Bedarf des Deutschen Reiches an baldigen Gepuderte fährt hoch, fie traut anscheinend ihren Ohren nicht. ,, Wie, amerikanischen und britischen Krediten für indu- was, wie war der Name?" Friedrich- Ebert- Straße" wiederholt strielle und kommerzielle Zwede und die gleichzeitige Anwesenheit der der Schaffner turz und fachlich. Aber seit wann denn das?" Na, Gouverneure der Bank von England und der Federal Reserve seit heute, bemerkt der Mann des Dienstes beim Abgang durch die Bank in Berlin hätten augenscheinlich dazu beigetragen, gemiffe mitte. Die Beffere" aber ist noch feineswegs beruhigt, man sieht deutsche Einwände gegen den Sicherheitspatt zu überwinden. Der förmlich ihre Nerven vibrieren; sie muß die Unterhaltung unbedingt Tert der deutschen Note scheine in zwölfter Stunde Aende mti ihrer Nachbarin fortsetzen. Die arme Straße", haucht sie mit rungen unterworfen worden zu sein, für die deutsche Partei- fanft flagender Stimme( die Blicke einiger Umfigender gebieten Voreinflüsse und Ratschläge nicht allein verantwortlich gewesen wären. ficht) ,,, mar denn das nötig, nun ist sie in furzer Zeit zum dritten Obwohl in der Note nicht ausdrücklich von einer Konferenz ge male umgetauft worden. Zuletzt Budapester Straße und davor, sprochen werde, sei doch eine entsprechende Andeutung gemacht davor... ja, ich weiß nicht mehr, aber davor hieß sie auch schon worden. Deutschland erkläre, daß es sich in mehreren Bunften, mal anders. Die arme Straße. Mit festlichem Geläute fährt einschließlich dem der Schiedsgerichtsbarkeit, für fünftige mündliche die Straßenbahn die arme Straße hinunter, schwermütig gleitet der Besprechungen Borbehalte machen müsse. Auf diese Weise seien Blick der zart Beseiteten die stattlichen Häuser, die strahlenden Gasteinige der Argumente unterlassen oder verkürzt worden. Deutschstätten und eleganten Läden entlang. Ihre hochherrschaftlichen land scheine weiter nicht eine völlige Aufhebung des Artikels 16 des Mienen spiegeln Entrüstung, aud auf das Adiagio von vorhin folgt Bölkerbundspattes fordern zu wollen, sondern lediglich seine Ab- jetzt ein Allegro:„ Mein Gott, aber mußte denn das sein! hier, änderung zu begrüßen, was auch schon von anderen Mächten, ein- wo alle die schönen Geschäfte sind! Hätte man nicht irgend eine schließlich Großbritannien, vorgeschlagen sei. Die Vermutung, daß Straße im Osten für den Namen nehmen können! Und wie schrecklich Deutschland die Frage einer allgemeinen Herabseßung der Rüstungen für die Leute, die hier wohnen! Ach die arme, arme Straße!" mit dem Sicherheitsproblem und seinem Eintritt in den Bölkerbund Der Schaffner rief meine Haltestelle aus, und sogleich umbranverbinden werde, scheine damit wohlbegründet zu sein. bete mich der Trubel eleganter, genußsüchtiger Menschen, der heute wie alle Tage die Straße durchflutete.„ Arme und doch reiche Straße", dachte ich, über deren Pflaster die seelenlose, räuberische Gegenwart hohlen Bergnügungen nachrennt, und auf deren Namens schild die Zukunft mit starker Hand ihre Zeichen geschrieben hat!" Die Note auch in Rom überreicht. Rom. 21, Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der deutsche Bot. schafter überreichte dem hiesigen Auswärtigen Amt am Montag nachmittag die deutsche Note in Abschrift. Abd el Krim oder Hindenburg? Ein Angriff der Deutschen Tageszeitung". In dem sonst so hindenburgbegeisterten Organ der Agrarier, der Deutschen Tageszeitung", finden sich heute merkwürdige Säge: Abd el Krim ist zu einem ehrlichen" Friedensschlusse bereit, stellt aber die Bedingung, daß ihm dann Waffen geliefert werden. Der Riffabyle beweist damit, daß er den wahren Sinn des Friedens unter den Völkern richtig erfannt hat.... Ein Abb el Krim versteht Frieden zu schließen, die Männer von 1918 vetftanden es nicht. Nicht bei den Siegern, nicht bei den Besiegten. Das ist nicht weniger als ein agrarischer Frontal. angriff gegen den jeßigen Reichs präsidenten Hindenburg. Denn auch den Lesern der„ Deutschen Tageszeitung" wird nicht unbekannt sein, daß Hindenburg im September 1918 als Oberfte Seeresleitung das Waffenstillstandsangebot innerhalb 48 Stunden forderte, daß Hindenburg den Unterhändler Erzberger telegraphisch dahin instruierte, daß die furchtbaren Waffen still. tands( Entwaffnungs-) Bedingungen zu unterschreiben len, auch wenn eine Milderung nicht zu erreichen wäre. Abd el Krim macht das viel besser, als Hindenburg- sagt bie Deutsche Tageszeitung". Man sollte ihn demnach als Kandidaten des Reichsblods für die nächste Präsidentenwahl anmerben! Schutz der schwangeren Frau. Ein Erlaß des preußischen Handelsministers. Bor mehreren Monaten hat der Deutsche Textil. arbeiterverband durch seine Dentschrift über die Lage der Arbeiterinnen in der Industrie die Aufmerksamkeit der Deffentlich feit auf die zahlreichen Mißstände hingewiesen, unter denen ins besondere die arbeitende Frau in den Betrieben zu leiden hat. Nun veröffentlicht der preußische Handelsminister einen Erlaß, in dem er die Gewerbeaufsichtsbeamten und insbeson dere die Gewerbepflegerinnen auf einige besonders wichtige Gefichtspunkte bezüglich des Schußes der schwangeren Arbeite. rin in menschlicher und bevölkerungspolitischer Hinsicht aufmert. fam macht. Es soll dafür gesorgt werden, daß die schwangere Arbeiterin vor Hiße, Dämpfen und üblen Gerüchen durch die Unterbringung in einen für sie geeigneten Arbeitsraum geschüßt wird. Da Arbeiten, die im Stehen oder Laufen verrichtet werden müssen, nicht selten zu erheblichen Schädigungen von Mutter und Rind führen, find die Schaffung von Siggelegenheiten als außer ordentlich bringend bezeichnet. Wenn die Arbeitgeber einem der artigen Hinweis der Gewerbeaufsichtsbeamten bezw. Pflegerinnen nicht ohne weiteres Folge leiften, ist im Falle einer unbegründeten Beigerung eine Anordnung auf Grund der einschlägigen Beftim mungen der Gewerbeordnung zu treffen. Den Leitern der großen Betriebe mit starter weiblicher Belegschaft, z. B. in der Textilindustrie, soll ferner nahegelegt werden, einen Fabrikarzt an zustellen, ärztliche Sprechstunden einzurichten, Speisen und Getränke, die dem besonderen Bedürfnis der schwangeren Frauen entsprechen, und Medikamente bereitzustellen, die nach ärztlichen Erfahrungen im Zustande der Schwangerschaft erforderlich find. Durch die Schaffung eines freundlich eingerichteten Raumes soll den schwangeren Frauen während der Baufen sowie bei Anfällen Gelegenheit zum bequemen Liegen und Ausruhen gegeben werden. Es ist zu wünschen, daß die Gewerbeaufsichtsbeamten mit der notwendigen Energie für die Durchführung der hier vor. geschlagenen Maßnahmen eintreten, um wenigstens auf diese Weise den schädlichen Einfluß der übermäßigen Arbeit auf den durch Unterernährung geschwächten Körper der schwangeren Arbeiterinnen zu mildern. Die französischen Generalratswahlen. Erfolg der Linksparteien. Paris, 21. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Ergebnisse der Generalratswahlen liegen bis auf einen ganz geringen Teil vor. Bon ihnen erhält das Linkskartell 560 Mandate statt bisher 485, alfo 75 Mandate mehr. Die Opposition hat es auf 686 Mandate gebracht, statt bisher 757. Sie verlor 71 Mandate. In den 686 Man daten der Oppofition find 130 Size der Radikalen" eingerechnet, die bisher zwar dem Bloc National zugezählt wurden, sich jetzt aber zum Teil der Linten anschließen werden. Immerhin ist ein ab. schließendes Urteil über den Ausgang der Wahlen erst möglich nach den Stichwahlen. Regierungsumbildung in Danzig. Die Sozialdemokratie für Beteiligung. Danzig, 21. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Barteiausschuß der Sozialdemokratie in Danzig hat sich für den Eintritt in die Regierung entschlossen. Er hat zu diesem Zweck ein Mindest programm aufgestellt, das von den bürgerlichen Parteien, soweit ihre Beteiligung an der Regierung in Frage kommt, angenommen werden Dürfte. Straßenbahnzusammenstoß in Brih. Acht Personen verletzt. Ein schwerer Zusammenstoß ereignete sich heute morgen gegen 6% Uhr in der Dorfstraße in Brig. Der Straßenbahnverkehr wird hier mur eingleifig betrieben. Als eine Elektrische der inie 52 das Notsignal überfuhr, fam dem Wagen aus der entgegengefeßten Richtung eine andere Elektrische entgegen, die der Führer der ersteren infolge der starken Straßenbiegung nicht rechtzeitig sehen konnte. Beide Wagen prallten aufein. ander und mußten stark beschädigt abgeschleppt werden. Fünf Fahrgäste trugen neben einem Nervenchot Verlegungen davon. Die Berlegten sind: Arbeiter Paul Moll, Boechstraße 15, ( Berlegungen am linfen Arm), Mechanifer Baul nahe, Rudower Straße 17 in Brig( Quetschungen am rechten Bein), Tischler Carl Schulz aus der Hannemannstraße 36 in Briz( Quetschwunden am Rüden), Arbeiterin Elfriede Schramm, Spaethstraße 3( Quetschungen am rechten Arm) und die Kontoriftin Anna Bollmann, Pintschallee 14 in Briz. Die Verletzten wurden nach dem Brizer Krankenhaus überführt, und von dort nach ihren Wohnungen gebracht. Der Schimmel im Grunewald. Er wollte auch einen Ausflug machen. Ein ungemütliches Ende fand am Sonntag nachmittag ein Auss flug in den Grunewald, der sich erst sehr gemütlich angelaffen hatte. Ein Händler lud einige Freunde und Bekannte mit ihren Kindern zu einer Spazierfahrt ein, die er mit seiner Familie nach dem Grune wald unternahm. Mit großem Eifer wurde alles, was für den Nachmittagstaffee und das Abendbrot erforderlich war, auf den Bagen verstaut. Dann nahmen alle Teilnehmer Plag, so gut es ging. Man faß zwar etwas eng, aber es mar doch sehr luftig, als der Schimmel losging. Das Ziel mar Schildhorn. Hler fpannte man aus und band den Schimmel mit dem Halfter hinten an den Wagen. Dann lagerte man sich im Grünen, um sich zunächst an Kaffee und Kuchen gütlich zu tun. Plöglich sah man, daß der Schimmel verschwunden war. Einige Leute hatten beobachtet, daß er den Weg nach dem Teufelsjee zu eingeschlagen hatte. Die ganzen Familien, Männer, Frauen und Kinder fezten ihm nach. Sie fanden wohl noch seine Spuren, ihn selbst aber nicht mehr. Endlich gingen auch die Spuren verloren und der Schimmel war und blieb verschwunden. Er ist auch bis heute nicht wieder gefunden. Wahrscheinlich treibt er sich noch irgendwo im Grune wald umher, wo es bei der Hize auch ihm wohl besser gefallen mag, als im Häusermeer der Stadt. Daß er einen Anfall von Lebens überdruß in den Teufelsfee gegangen sei, ist faum anzunehmen. Nichts ist so fein gesponnen. Er etwa 27 Jahre, elegante Erscheinung- sie 17 Jahre, höhere Tochter! Treffpunkt Sonnabend nachmittag am Freibadstrand. Nachdem sich beide in den fühlen Fluten erquickt hatten, besuchen fie in Steglig in der Schloßstraße ein Kino. Selbstverständlich Legenplag. Eng aneinandergeschmiegt figen beide in der Vorstellung. Sei es nun, daß der Film solchen Eindruck auf beide machte. Er ließ jedenfalls feine Attentasche im Theater zurüd. In ihr waren feine Badehose und ihr Badeanzug. Am anderen Morgen ver mißte des Töchterchens Mama den Badeanzug. Hochnotpeinliches Berhör! Geständnis! In Begleitung des Mädchens geht Mama zum Theater; dort wird die Aktentasche ausgeliefert. Der Logenschließer erzählt, daß das Fräulein in Begleitung eines Herrn war, ber die Attentasche zurückgelassen hätte. Neues Berhör der Tochter. Gie nennt den Namen des in derselben Straße wohnenden Kavaliers". Die Mutter will dem Herrn persönlich die Badehose überreichen; trifft aber in der Wohnung auch dessen junge Frau! Natürlich heftige Szenen der Ehegatten, und die Folge? Er besucht nur noch in Begleitung seiner jungen Frau das Freibad! Die höhere Tochter bekam von der Mama Stubenarrest.- Er und sie verwünschen beide den Theaterbesuch und ihre Bergeßlichkeit. Auch ein Finanzgenie". Der Handlungsgehilfe 5. war vor etwa einem halben Jahr aus dem Gefängnis gekommen, wo er eine Strafe wegen Unterschlagungen zu verbüßen hatte. Kurz darauf trat er auf eine Annonce bin als" Bantbeamter" in eine Bant in Leubsdorf ein, wo er auf Grund seiner Beugniffe" sogar die Stelle eines Effettentaffierers erhielt. Dieses Bertrauen benutte er dazu, die von den Kunden eingelieferten Wertpapiere in fein Depot zu nehmen und für sich zu verkaufen. Er erzielte dafür mehrere tausend Mart Reingewinn. Noch vor der Entdeckung fonnte er feine Stellung aufgeben, um sich nach einer anderen Tätigkeit" umzufehen. Er ging wieder nach Berlin und gab hier eine Annonce auf, morin ein feriöser Geschäftsmann" Geldgeber fuchte. 3wei ver trauens felige Gelbleute hielten mit dem„ Geschäftsmann“ eine Konferenz ab, wobei sie das Geld- 20 000 M.- in einer Attentasche gleich mitbrachten. Durch fingierte telephonische Anrufe wußte der Geschäftsmann" für einen Moment die beiden Geldleute aus dem Konferenzzimmer" zu entfernen, und es gelang ihm, während dieser Zeit 5000 m. aus der Aftentasche zu entwenden; die Verhandlungen zerschlugen sich, da ja 5. seinen 3wed erreicht hatte, und die Gelbgeber entfernten sich ahnungslos. Da aber 5. gewohnt war, vornehm aufzutreten, dauerte es nicht lange, bis er fich nach einem neuen Berbienft" umsehen mußte. Diesmal gedachte er mit einem großen Schlage sein Leben für längere Zeit ficher zu stellen. Er fam als Dr. Matthiesen zu einem Bank. und Bechfelgeschäft und bot der Inhaberin einen von einem großen Berliner Kaufhaus ausgestellten Wechsel über 20 000 m. zum Lombardieren an. Da der Wechsel außerdem von anderen Großfirmen giriert war, hatte die Bant fein Bedenken, den Dr. Matthiesen, dessen Namen selbst in der Geschäftswelt einen guten Slang hat, 15 000 m. auszuzahlen. Für die ordnungsgemäße Ausvertreter Kunze gesorgt. Als der Wechsel von der Firma, die ihn stellung des Wechsels hatte ein neuer Bekannter, der frühere Börsenangeblich ausgestellt hatte, eingelöst werden sollte, kam der Schwindel heraus, und es wurde gegen den angeblichen Dr. Matthiesen Strafanzeige erstattet. Bald tam man auf die Spur von H., der ja auch wegen der anderen Straftaten gesucht wurde. Es gelang bald, thn festzunehmen. Das Gericht gab ihm Gelegenheit, sich für 3 Jahre im Gefängnis von den Mühen seiner Arbeit auszuruhen. Der Börsenvertreter" tam mit 5 Monaten Gefängnis davon. Der fliegende Staatsanwalt. Dr. Caspary zum Amtsgericht Charlottenburg versetzt. Als das Barmat Dezernat der Berliner Staatsanwaltfdjaft vor einiger Zeit aufgelöst wurde, fand auch die Tätigkeit des Affeffors Dr. Caspary bei der Staatsanwaltschaft ihr Ende. Dr. Caspary war besonders dadurch bekanntgemorden, daß er zu seinen Maßnahmen in Sachen Kutister und Barmat zum erstenmal auch das modernste Verkehrsmittel, das Flugzeug, in den Dienst der Ermittlungsbehörde stellte. So flog er u. a. nach Rassel, um dort den Direktor Dr. Hellwig von der Preußischen Staatsbank zu verhaften, ebenfalls mit Flugzeug traf er später in Dresden ein, auch er an den zahlreichen Reifen der Staatsanwaltschaft im Falle um Justizrat Dr. Werthauer festzunehmen, und im übrigen war Barmat wiederholt beteiligt. Nunmehr hat Assessor Dr. Caspary eine anderweitige Verwendung gefunden, und zwar ist er zu der Abteilung für Zivilsachen des Amtsgerichts Charlotten burg verfegt worden. Als älterer Assessor führt er dort die Bezeichnung Amtsrichter", wie er auch aus dem gleichen Grunde seinerzeit das Prädikat Staatsanwalt" führte. Wie uns von zuftandiger Seite hierzu verfichert wird, soll es sich hierbei durchaus um feine Strafperfezung handeln, vielmehr lediglich um eine Maßnahme, wie sie hinsichtlich der Berwendung der Assessoren im Gerichtsdienst üblich sei. Diese Versicherung fann natürlich nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß Dr. Caspary, ebenso wie sein Kollege Dr. Kußmann, zweifellos weiter im Dienste der Berliner Staatsanwaltschaft geblieben wären, wenn nicht ihr Vorgehen in Sachen der Finanzskandale zu der bekannten Kritik Anlaß gegeben hätte. Eröffnung einer neuen Badeanstalt. Gestern abend fand die Eröffnung der neuen Badeanstalt der Allgemeinen Ortstrantentaffe Schöneberg Friedenau, in ber Rheinstr. 9, statt. Trotzdem es sich eigentlich um einen Umbau handelte, kann man doch von einem Neubau sprechen, denn die Anlagen sind von Grund auf geändert worden. Die Badeanstalt ist von Baurat Altmann, dem Erbauer des Friedenauer Rathauses, errichtet worden. Trotz der großen Schwierigkeiten das Haus ist nicht Eigentum der Ortskrankenkasse ist hier tatsächlich auf fleinem Raume Hervorragendes geschaffen. Die Anstalt enthält zwanzig Bäder, Ruheräume und Ambulatorien, alles mit den neuesten Errungenschaften der Technik versehen. Hinzu kommt ein fehr geschmackvoller, deforativer Rahmen. Feuer auf dem Tegeler Schießplah. Wegen eines ausgedehnten Wald- und Wiesenbrandes wurde die Berliner Feuerwehr nach dem Tegeler Schießplay alarmiert. Es gelang schließlich, die Flammen einzutreisen und dann eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Bei den zahlreichen Bränden in jener Gegend liegt zweifellos Brandstiftung vor. Die Jungsozialisten von Groß- Berlin und der Provinz Brandenburg veranstalten am Sonntag, den 26. Juli, ein großes SommerWaldfest. Bei gutem Wetter wird das Fest am Teschendorfer Graben( in der Nähe von Seilers Gasthof Waldfrieden", elwa Stunde Weg von Oranienburg über Sachsenhausen) abgehalten, bei schlechtem Wetter im großen Gaal der Jugendherberge in Oranien burg. Außer Musifporträgen, Rezitationen, Liedern zur Laute mird Georg Büchners Lustspiel Leonce und Lena" aufgeführt. Die Teilnehmer treffen fich bis 9 Uhr vormittags am Bahnhof Dranienburg, Nachzügler um 2 lihr nachmittags. Bur Dedung der Untosten wird ein Festbetrag von 30 Bf. erhoben. Karten sind im Borverkauf in der Buchhandlung Diez, Lindenstr. 3, und im Sekretariat der Arbeiter Jugend Gr.- Berlin, Lindenstr. 3, 2. Hof links, oder am Sonntag auf dem Festplah erhältlich. Freunde der Bewegung aus Partei und Arbeiterjugend find herzlich eingeladen. Boltstinderfest am Prenzlauer Berg. Um den Kindern des außerhalb Berlins zu verleben, eine Abwechslung und Freude zu Bezirks Prenzlauer Berg, denen es nicht vergönnt ist, ihre Ferien bereiten, veranstaltet das Bezirksjugendamt am Sonabend, den an der Einsamen 1. August 1925, auf dem Spielplatz Bappel, Rudolf Mosse Straße, ein großes Boltsfinderfest. Es werden den Kindern Spiele, fünstlerische Darbietungen, Beluftigungen aller Art und Ueberraschungen geboten werden. Der Eintrittspreis beträgt 10 Pf. für Kinder und für Erwachsene im Vorverkauf 40 Pf.( Jugendamt, Danziger Straße 64, Bimmer Nr. 124), an der Kaffe 50 Pf. Die Festteilnehmer versammeln sich nachmittags 3% Uhr, nor dem Bezirksamtsgebäude, Danziger Straße 64, zum gemeinsamen Abmarsch mit Musik zum Festplatz. Der Warenvertrieb für republikanische Organisationen und Berbände teilt mit, daß zu den Verfassungsfeiern schwarzrotgoldene Fahnen in reichlichen Mengen in der Geschäftsstelle, Pfalzburger Straße 8, zu haben sind. Tödlicher Unfall auf einer Zeche. Auf der Zeche Vittoria" 3 und 4 in Raurel verunglückten nach einer Meldung aus Herne am Sonnabend zwei Arbeiter tödlich. Acht Personen erfrunken. Während einer nationalen Feier tippte nach einer Meldung aus Belgrad ein mit 50 Festteilnehmern bejeßtes Boot auf der Save um, wobei acht Personen ertranten. Die übrigen fonnten gerettet werden. Untergang eines türkischen Seglers. Aus Konstantinopel kommi die Meldung, daß ein türkischer Segler mit 16 Soldaten an Bord im Bosporus untergegangen ist. Die Soldaten find sämtlich ertrunten. Beulenpest im Wolgagebiet. Aus Moskau wird gemeldet, daß im Bolgagebiet bie Beulenpest ausgebrochen ist. In A ft ra ch a n wurden bereits zwölf Todesfälle feftgestellt Die Sowjetregierung hat eine besondere Aerztekommission dorthi entsandt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 6. Abt.: Die heute bekanntgegebene Mitgliederversammlung am Mittwoch fällt c 21. Abt.: Morgen, Mittwoch, 812 Uhr Funktionärversammlung bei Rroll.: rechter Str. 21. Jungfozialisten, Gruppe Süben: Bir treffen uns heute abend 18 Uhr am Bahu. hof Treptow( Bahnüberführung), nicht im Heim. Jugendveranstaltungen. Achtung, Hamburgfahrer!( Revue- Spieler.) Bir sind gebeten worden, am Gonntag, den 2. August, bei einer Partei- Beranstaltung der Neuköllner Genoffen die Revue zu spielen. Es ist aber notwendig, für diefe Beranstaltung und au für den Jugendtag noch zu proben Achtet auf die Pressenachrichten, wann die Probe ftattfindet. Alle Genoffen, die zu dieser Zeit schon in Urlaub find, müssen es fofort bei Berner Meister melden, damit Ersag geschaffen werden kann. Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma J. Baer, Herren- und Knabenmoben. Babstraße 26, fezt ihren Saisonausverkauf bis zum 4. Auguft fort. Es empfiehlt sich, diese günstige Ge= legenheit zur Anschaffung solider und billiger Garderobe gehörig auszunügen. Gewerkschaftsbewegung Der Kampf im Baugewerbe. Günftige Verhandlungen in der Provinz Brandenburg. Die Nachricht einer Berliner Abendzeitung, wonach zwischen den Parteien im Baugewerbe in Berlin Verhandlungen statt gefunden hätten, ist unzutreffend. Weder durch den Schlichter noch durch das Reichsarbeitsministerium oder sonstige unbeteiligte Stellen ist auch nur der Versuch einer Vermittlung gemacht worden. Für die Provinz Brandenburg liegen die Dinge aller dings wesentlich anders. Dort wurde am 9. Juli ein Schiedsspruch gefällt, dem sich am 13. Juli ein Schiedsspruch für die Laufig anschloß. Der Schiedsspruch für die Laufiz wurde von den Arbeitern angenommen, von den Unternehmern nur unter Vorbehalt angenommen. Gestern fanden nun Berhandlungen statt, die für die Laufig zu einer Einigung über die Löhne führten. Ueber die anderen ftrittigen Punkte soll am Freitag in Kottbus noch nerhandelt werden. Für die Provinz Brandenburg scheiterten die Verhandlungen zunächst, und ein darauf von den Unternehmern gestern gefaßter Beschluß ließ annehmen, daß eine Verschärfung des Kampfes unmittelbar bevorsteht. Inzwischen find jedoch heute wieder Besprechungen vorgenommen worden, die schließlich zu einer grundfäßlichen Einigung führten. Wenn die Verhandlungen für die Provinz Brandenburg und die Lausitz zurzeit noch nicht als endgültig abgefchloffen betrachtet werden können, so fann man doch voraussehen, daß sowohl über die Löhne wie über die Arbeitszeit usw. eine Einigung so gut wie sichergestellt ist. * Wie uns aus verschiedenen Betrieben mitgeteilt wird, werden gegenwärtig Sammellisten und Kampffondsmarten für den Bauarbeiterstreit in Umlauf gesetzt. Nach den von uns bei den Vertragsorganisationen des Baugewerbes eingeholten Erkundi gungen sind derartige Listen oder Marten nicht ausgegeben noch ist deren Ausgabe beabsichtigt. Es handelt sich also um einen Mißbrauch. Tarifvertrag und Urlaub. Nach Ablauf des Vertrages bleibt er in Kraft. Die Berliner Mühlenarbeiter stehen seit dem Frühjahr 1924 in einem Kampf mit den Unternehmern wegen des Abschlusses eines neuen Manteltarifvertrages. Der Arbeitgeberverband hat es bisher verstanden, die Verhandlungen immer wieder hinauszuzögern, so daß tatsächlich die Mühlenarbeiter hinsichtlich der allgemeinen Arbeitsbedingungen tariflos find. Die Unternehmer versuchten, aus diesem Zustand Vorteile für fich herauszuschlagen, indem sie den Arbeitern den Urlaubs. anspruch bestritten. Im Frühjahr dieses Jahres erschien in den einzelnen Betrieben ein Anschlag, der nach der Ansicht der Arbeitgeber einen neuen Tarifvertrag" darstellen sollte, in dem der Urlaub um etwa die Hälfte gefürzt war. Die Betriebsräte wie auch die Mühlenarbeiter verweigerten aber die Unterschrift unter diesen sogenannten Vertrag. der Berstaatlichung. Auch Lohnfragen und Joztale An gelegenheiten wurden erörtert. Anschließend fand eine große Demonstration durch Brüssel statt. Konflikt in den Spritmonopolbetrieben. Kürzlich hatte sich nun das Gewerbegericht in Berlin mit einem Alageantrag eines Mühlenarbeiters zu beschäftigen, der feinen Urlaub in der Höhe verlangte, wie ihn der im Frühjahr 1924 abgelaufene Tarifvertrag vorsah. Das Gewerbegericht fam zu einer Für die Spritarbeiter in den Branntweinmonopolbetrie für den Kläger günstigen Entscheidung. Es erklärte, daß ben ist in der vergangenen Woche ein Schiedsspruch gefällt Manteltarifverträge, selbst wenn sie abgelaufen find, immer noch worden, der die Löhne der ungelernten Arbeiter um 2,50 M. auf mindestens die Norm für die Einzelarbeitsverträge 39 M. erhöhte. Die Kutscher erhalten zu diesem Lohn einen der Arbeitnehmer darstellen. Wollten die Tarifparteien Aufschlag von 6 Proz., die Handwerker von 15 Proz. Wie der diese Wirkung ausschalten, so mußte in dem Tarifvertrage Berband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter" mitteilt, hat die eine dementsprechende Bestimmung aufgenommen werden. Mende Monopolverwaltung den Schiedsspruch abgelehnt. Die Gründe, rungen gegenüber dem alten Tarifvertrage dürfen im Einzelarbeits- die sie dafür angab, sind nicht stichhaltig, wenn man die glänzen vertrag nur aufgenommen werden, wenn sie für den Arbeiter den Verdienste und Rücklagen der staatlichen Monopol günstiger sind. Gemäß der Norm des Tarifvertrages stand nach verwaltung in Betracht zieht. Das ist natürlich auch den Spritbem Einzelarbeitsvertrag dem Kläger der alte Urlaub zu. arbeitern bekannt; der„ Borwärts" hat in mehreren Abhandlungen Der Arbeitgeber des klagenden Mühlenarbeiters wurde demnach eingehend darüber berichtet. Der Schlichter hat die Berbindlich. zur Gewährung der reſtlichen Urlaubszeit resp. zur Auszahlung teitserklärung des Schiedsspruches abgelehnt, da die des Lohnes verurteilt. Bedingungen dafür nicht gegeben seien. Damit ist der Konfiüikt der Spritarbeiter in ein akutes Stadium getreten. Dieses Urteil des Gewerbegerichts, das endgültig ist, hat weit über den Einzelfall hinaus prinzipielle Bedeutung. Der Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter" hat denn auch an den Arbeitgeberverband der Mühlenindustrie das Ersuchen gerichtet, allen Mühlenarbeitern den Urlaub in der alten Höhe zu gewähren. Es ist kaum anzunehmen, daß die Unternehmer nach dem Ausgang des Prozesses sich diesem Verlangen widersehen werden. Einige hundert Einzeltlagen wären lediglich die Folge davon. Internationaler Holzarbeiterkongreß. 3 Brüffel, 21. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag begann hier der internationale Holzarbeiterfongreß unter dem Vorsitz von Hauwaerd Belgien. Anwesend Tarnow Deutschland und find 60 Delegierte. Tarnow überbrachte die Grüße der deutschen Holzarbeiter und beglückwünschte die belgischen Metallarbeiter und Schriftfeher zu ihrem gegenwärtigen Rampf. Quartalsversammlung der Schuhmacher. In der Quartalsversammlung der Berliner Schuhmacher gab Böhler den Kassenbericht. Die Fluktuation ist sehr start. 1154 Aufnahmen stehen 1052 Ausschlüssen gegenüber. Im Geschäftsbericht von Hör, der eine objettive Darstellung der Berhältnisse in der Branche gab, ist besonders beachtlich das drohende Nichtzustande tommen des gekündigten Zusatzvertrages zum Reichstarif. Kommende Kämpfe werden ein Gradmesser für die Geschlossenheit der Kollegenschaft sein. Interessant ist seine Aeußerung: ein kleiner Erfolg ist wichtiger als ein großer, der in der Ferne liegt. In der Diskussion bedauerte Haßler die Parole der KPD.Gewerkschaftszentrale zum Austritt aus den Gewerkschaften. Die Bestätigung ist gegeben in dem Wiedereintreten ganzer Betriebe in die Organisation, auch in unseren Verband. Darob stürmische Unterbrechung und Aufmarsch einer Reihe kommunistischer Redner, die fich bemüßigt fühlten, längst bekannte Tatjachen durch Schimpfereien auf Andersdenkende wegzuleugnen. Es wäre angezeigt, daß unsere Genoffen endlich sich aufrafften, die Versammlungen besuchten und ihrer Ueberzeugung auch Ausdruck gäben. Es nüßt nichts, den Schreiern einfach das Feld zu überlassen. Internationaler Straßenbahnerkongreß. Brüffel, 21. Juli.( Eigener Drahtbericht.), Der Internationale Kongreß der Straßenbahner tagte dieser Tage in Brüssel unter dem Vorsiz von Fimmen. Auf dem Kongreß waren 150 000 Straßenbahner vertreten, von denen Deutschland allein 56 000 ftellte. Ein Teil der italienischen Delegierten fonnte nicht erscheinen, da, Mussolini die Einreise nach Belgien verweigerté! Die dreitägige Diskussion betraf besonders die Einrichtungen der Einmannwagen, gegen den sich alle Delegationen mit Ausnahme der Engländer wandten. In einer Entschließung wurde diese Einrichtung verworfen, weil sie den Verkehr eher hemmt als das Bersonal ermüdet, die Gesundheit gefährdet, fördert, und feine technischen die öffentliche Sicherheit vermindert des int Personals Fortschritte, sondern die Ausbeutung der Unter Unternehmer bezweckt. anderem beInteresse handelte der Kongreß die Konkurrenz der Privatgesellfchaften gegenüber den Stadt- und Staatsbahnen, sowie die Frage und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. AfA- Funktionäre der Metallindustrie! Bekanntlich hat der BBMJ. die Laut verbindlich erklärtem Echiedsspruch festgefekten Gehälter gekündigt. Die Angestelltenverbände find nunmehr zu einer Sigung zum 21. Juli vom Arbeit. geberverband eingeladen worden, in welcher derselbe die Vorschläge aum neuen Gehaltstarif unterbreiten wird. Am Mittwoch 7 Uhr findet in Haverlands Festsälen, Neue Friedrichstraße Ede Rochstraße, eine AfAFunktionärversammlung statt. Tagesordnung:„ Die Vorschläge des BBMJ. zum neuen Gehaltstarif". Bei der Wichtigkeit der au faffenden Beschlüsse erwarten wir bestimmt das Erscheinen aller AF- Funktionäre. AfA- Metalllartell. Günther. Lange. Rothe. Arthur Saternus; Verantwortlich für Bolitik: Victor Schiff: Wirtschaft: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frik Kazstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret Saison- Ausverkauf nach amerikanischem System! Bei Bezahlung innerhalb 6 Wochen nicht 60% Rabatt, sondern nur 30% Rabatt, aber tatsächlich herabgesetzt! Jeder, auch derjenige, dem das Geld nicht ausreicht, hat die Möglichkeit, sich bei uns gediegen und billig enzukieiden und die Ware( bei genügendem Ausweis) sofort mitzunehmen oder frei Haus geliefert zu erhalten. Tausende und Abertausende von Kunden können bestätigen, caß das amerikanische System eine Wohltat ist. 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