Nr. 34142. Jabrg. Ausgabe A r. 175 Bezugsvrets: Böchentlich 70 Bfennig monatfie B, Reichsmart voraus zahlbar Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig. Gaar- und Memelaebiet, Defterreich. Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal. Conntags und Montags einmal Telegramm- Adreffe: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvrense Die einfpaltige NonpareilleBelle 80 Pfennig. Reklamezeile 5,- Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgedrudte Bort 25 Brennis ( aulaffia zwei fettgedrudte Worte). jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche bas erfte Wort 15 Pfennig. jebes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben aählen für amei Borte Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Rummer müllen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr frith bis 5 Uhr nachm Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Tönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 22. Juli 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Pofticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devofitenkaffe Lindenstraße 3 Das Zollkompromiß abgeschlossen! Mindestzölle für Vich und Fleisch. Vieh und Fleisch.- Roggen Roggen 3 Mark, Weizen 3,50 Mart. Ein sozialdemokratischer Gegenantrag. Geffern abend gegen 9 Uhr wurden die Verhandlungen der Reichsregierung mit den Regierungsparteien über die Zollvorlage mit einem kompromiß abgeschloffen, das sich in der Linie des bereits gestern von uns mitgeteilten Borschlages bewegt. Die Getreidemindestzölle sollen im Gefeh nicht mehr enthalten sein, aber durch eine bindende Abrede erseht werden, wonach in Handelsvertragsverhandlungen ein Zollfah von 3,50 mt. für den Doppelzentner Weizen und 3 Mt. für den Doppelzentner Roggen nicht unterschritten werden darf. Praktisch bedeutet das vorerst die Infraftfehung der hohen autonomen 3ölle und es besteht keine Aussicht, daß in der nächsten Zeit ihre Ermäßigung auf den verabredeten Mindestzollsatz eintritt. in Stelle der Getreidemindestzölle follen Mindestzölle auf Bieh und Fleisch eingeführt werden. Diese Regelung ist für zwei Jahre gedacht. Die Mindestzölle auf Vieh und Fleisch werden in der Höhe der Borkriegsfähe festgelegt. Das Zentrum ist also unter dem Druck seiner Interessenten in die Agrarierfront eingefchwentt und hat den Schuh3ollplänen der Regierung grundsäßlich seine Zustimmung gegeben. Dies geschah gegen den ausgesprochenen Widerstand der in den chriftlichen Gewerkschaften organisierten Arbeitnehmer, die fich bekanntlich mit den übrigen Gewerkschaften gegen Hochschuh3ölle ausgesprochen haben! Das 3011tom promiß ist gestern zwischen den Regie rungsparteien zustande gekommen. Noch in den legten Stun den hatten die Interessenten eine lebhafte Kampagne für die Agrarzölle entfaltet, vor der das Zentrum zurückgewichen ist. Es ist ein offenes Geheimnis, daß das Kompromiß nur gegen den starken Widerstand der Arbeitnehmer im im eigenen Lager sowie des links gerichteten Zentrumsflügels formuliert wurde. Fraglich ist es, ob diese Minderheit im Plenum des Reichstages Ueberzeugungstreue üben, ob der fein ausgeflügelte Schlag gegen die Interessen des gesamten arbeitenden Volkes glücken wird. Jedenfalls steht jetzt das Signal auf Rampf gegen die Parteien des Rechtsblocs, der seine bedrohte Einigkeit mit wirt schaftlichen Zugeständnissen an die rechtsradikalen Agrarier auf Rosten des notleidenden Volkes aufrecht zu erhalten fucht. den in ihrem eigenen Lager feinen leichten Stand haben.| In feinem Falle haben sie mit ihrer Zustimmung zum Zollfompromiß ihren Kredit bei der industriellen Arbeiterschaft vermehrt. Die Zeit, die mit unserer Sache ist und nicht mit der der Brotwucherer, wird das bald ganz zeigen. Prinzip der Degression bei den Roheisenzöllen Gebrauch zu machen. Bei den Zöllen für Textilien, Leder- und Holz. mesentliche era bjegung aufweisen und das Prinzip der Des waren soll dieser Tarif gegenüber dem vorgelegten eine ganz greffion überall dort, wo es irgend anwendbar ist, vorsehen. Bei den Lebensmittelpofitionen wird die zurzeit bestehende Zollfreiheit zunächst um ein Jahr, bis zum 31. Juli 1926, verlängert. Das Spiel der bürgerlichen Rechtsparteien ist abgegefartet, aber noch nicht ausgespielt. In wuchtigen Demonftrationen wird die breite Masse der arbeitnehmenden BeSpätestens am 1. März 1926 wird der Reichstag einen mit den völkerung Deutschlands am Freitag den entschlossenen Willen Rechten eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses aus fundtun, sich gegen die Interessenpolitit des gestatteten Ausschusses von Wissenschaftlern, Brak Rechts blods, gegen Brotwucher und Arbeitslosigkeit titern und Parlamentariern zur eingehenden Prü. zur Wehr zu sehen. Kampf heißt heute die Parole. Kampffung der Lage der deutschen Landwirtschaft be. gegen eine Wirtschaftspolitik, die nur die Interessen des rufen. Dieser Ausschuß soll die weitere Entwidlung der Lage auf Großkapitals, nicht die der Arbeiterschaft fennt! dem Weltmarkt für Agrarprodukte und die Entwidlung der inneren deutschen Faftoren untersuchen, von denen die Lage der Landwir Produktionsförderung statt Brotwucher! schaft beeinflußt wird. Es soll seine besondere Aufgabe sein, Fest= stellungen über die Wirksamkeit der 3ollerleichterun. gen für landwirtschaftliche Produktionsmittel, ferner Feststellungen über die Wirksamkeit des unter II vorgeschlagenen Inten fivierungsprogrammes zu treffen. Dem Ausschuß ist für feine Arbeiten ein Zeitraum von wenigstens drei Monaten zu belajjen. Nachdem die Ergebnisse dieser Untersuchung vorliegen, wird der Reichstag die Frage prüfen, ob nach dem 1. August 1926 bei irgend welchen Agrarprodukten die Einführung von Zöülen er. forderlich ist. Ein Antrag der Sozialdemokratie im Reichstag. Die Sozialdemokratie hat im Reichstag, und zwar zunächst im zollpolitischen Ausschuß, folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag molle beschließen: Die Reichsregierung zu ersuchen, in Form eines Gefeßentwurfes ein umfassendes Programm für die Hebung und Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion dem Reichstag alsbald vorzulegen und sich bei Ausarbeitung dieses Gefeßentwurfes von folgenden Richtlinien leiten zu lassen. Zolltarif. Bei sämtlichen industriellen 36llen, die eine direkte oder indirekte Berteuerung landwirtschaftlimer Produktionsmittel bedeuten, muß entweder sofortige Beseiti gung oder ein so wirksamer Abbau vorgesehen werden, daß eine Entlastung der landwirtschaftlichen Produk tion von diesem besonderen Druck binnen furzer Zeit in Aussicht steht. Entsprechend den Empfehlungen des Agrarenquete- Ausschusses ist das Prinzip der Degression, das bei den Traktoren und Automobilen bereits Anwendung gefunden hat, auch auf die übrigen landwirtschaftlichen Maschinen auszudehnen, ferner auch auf die Rohstoffe und Halbfabritate, die zur Herstellung landwirtschaftlicher Produktionsmittel erforderlich find. Insbesondere ist von Produktionsmittel erforderlich find. Insbesondere ist von dem Die Hauptaufgabe des von der Regierung auszuarbeiten. den Produktionsprogrammes soll es sein, diejenigen besonderen Er. schwernisse zu beseitigen, unter denen nach dem Gutachten des Agrarenquete Ausschusses die deutsche Landwirtschaft zurzeit ganz besonders leidet und infolgedessen sie schlechter ge stellt ist als die Landwirtschaft anderer Länder. Das Programm foll daher folgende Maßnahmen vorsehen: Es sind alle diejenigen Berordnungen und Gesetze zu beseitigen refp. abzuandern, durch die die Preise für deutsche agrarische Erzeugnisse auf einen tieferen Stand herabgedrückt werden, als für Erzeugnisse gleicher Qualität auf dem Weltmarkt gezahlt wird. Hierher gehört vor allem die Aufhebung jämtlicher Ausfuhrverbote für agrarische Produkte. Weiter ist die Umsatzsteuer für sämtliche Lebensmittel außer Hebung zu sehen. Sollte die Abschaffung der Umsatzsteuer für sämtliche Lebensmittel zurzeit nicht Heraus zum Protest! Aufmarschplan: Der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, das Ortsfartell Berlin des Allgemeinen freien Angestelltenbundes und der Ortsausschuß Groß- Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes haben für die Protestfundgebung im Luftgarten folgenden Aufmarschplan festgelegt: Im Gegensatz zu allen bürgerlichen Parteien, die bisher entweder im Fahrwasser des Landbundes schwammen oder doch nur schwächliche und nicht genügend aufbauende Kritik an der Vorlage übten, hat die Sozialdemokratie in einem großen Antrag die Wege aufgezeigt, wie der Landwirtschaft ohne Hochschutzölle zu helfen ist. Sie lehnt die Faul Freitag, den 24. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Luftgarten. 7. Kreis Charlottenburg: 4 Uhr Wilhelmplatz, heitsprämie der Getreidezölle ab und verlangt dafür, daß der Landwirtschaft da geholfen werden muß, wo ihr im voltswirtschaftlichen Interesse die Hilfe ebenso gebührt wie jedem anderen Volksgenossen, der um den vollen Ertrag feiner Arbeit ringt. Schuß dem Tätigen nicht dem tapitalistischen Nugnießer der Bodenrente; Kreditgewährung an den wirtschaftlich Tüchtigen nicht Bucherpreise für gute und schlechte Bodenwirte; Hilfe und Beratung insbesondere für die bäuerlichen Betriebe -nicht für diejenigen Leute, die heute die wirtschaftliche Abhängigkeit des Bauern zum politischen Machtmittel der großagrarischen Interessen machen; dazu eine Reform des Bodenrechts in dem Sinne, daß der arbeitswillige Sohn des Landvolkes auch eine Möglichkeit erhält, Boden zur Bewirtschaftung zu erwerben! Das ist in wenigen Stichworten der wesentliche Inhalt des großen Agrarprogramms, das wir weiter unten abdrucken. Die Sozialdemokratie hat mit diesem Programm den Beweis geliefert, daß sie an einer positiven Gestal tung und an der Förderung derlandwirtschaft lichen Produktion den regsten Anteil nimmt. Gle hat den Beweis erbracht, daß es zu einer wirffamen und volkswirtschaftlich nühlichen Agrarpolitik der Zölle nicht bedarf, fondern vielmehr einer stärkeren Einstellung der gesamten Wirtschaftskredit- und Steuerpolitik auf das große Ziel einer Intensivierung der landwirtschaftlichen Probuftion. Es ist nichts als eine leere Phrase, wenn die Regierung als Sprachrohr des Landbundes behauptet, daß die landwirtschaftliche Produktionssteigerung nur mit Hilfe der Bölle zu erreichen sei. Das steht jetzt einwandfrei fest und Das verleiht unferer Partei ihre überragende Stärke in dem Rampf gegen die Brot und Fleischwuchervorlage der Regierung. Die Entscheidung für das Kompromis lag und liegt noch beim Zentrum. Die Führer des Zentrums wer Alle Arbeiter und Angestellten der Groß- Berliner Betriebe begeben sich sofort nach Betriebsschluß auf dem fürzeffen Weg zum Luftgarten. Straßen und Plätze, die im Bereiche der Bannmeile liegen, dürfen nicht berührt werden. Betriebe, die aus dem Nordwesten tommen, treffen sich am Oranienburger Tor und marschieren von dort die Oranienburger Straße, Monbijouplak, Burgstraße, Kaiser- Friedrich- Brüde, Westen: Invalidenstraße, Oranienburger Tor, Oranienburger Straße, Monbijouplay, Burgstraße, Kaiser- Friedrich- Brüde. Norden und Weißensee: Hackescher Markt, Spandauer Brüde, Rosenstraße, Raifer- Wilhelm- Brüde, Often: Blumenstraße, Schidlerstraße, Stralauer Straße, Müh. lendamm, Breite Straße, Schloßfreiheit, Süden: Lindenstraße, Spittelmarft, Schloßfreiheit, Südosten: Kottbuser Tor, Oranienbrücke, Dresdener Straße, Roßbrüde, Breite Straße, Schloßfreiheit, Alle Werftätigen, die nicht von den Betrieben zum Lust garten gehen, treffen sich an folgenden Sammelplähen: 1. Areis mitte: 5 Uhr Bülowplay, 2. Kreis Tiergarten: 444 Uhr Kleiner Tiergarten, 3. Kreis Wedding: 4 Uhr Nettelbedplay, 4. Stels Prenzlauer Berg: 4% Uhr Helmholzplatz, Ede Lychener Straße, 5. Kreis Friedrichshain: 44 Uhr Weberwiese, 8. Kreis Spandau: Beteiligt sich an der Rundgebung im Luft garten, 9. Kreis Wilmersdorf: 4 Uhr Uhlandstraße, Ede Wilhelmsaue, 10. Kreis Zehlendorf: Beteiligt fich an der Demonstration im Luftgarten, schließt sich nächstgelegenen Sammelplätzen an, 11. Kreis Schöneberg: 4 Uhr Untergrundbahnhof Hauptstraße, 12. Kreis Steglik- Lichterfelde: Sucht nächstgelegenen Treffpunkt auf. 13. Kreis Tempelhof: 4 Uhr Bahnhof Tempelhof, 14. Kreis Neukölln: 4 Uhr Hermannplatz, 15. Kreis Treptow: 5 Uhr Görlitzer Bahnhof, 16. Kreis Köpenid: Beteiligt sich an der Demonstration im Luftgarten, 17. Kreis Cihlenberg: 4 Uhr Mittelpromenade Frankfurter Allee ( an der Kronprinzenstraße), 18. Kreis Weißensee: 4 Uhr Antonplatz, 19. Kreis Pankow: 4 Uhr Falfplatz und Helmholzplatz, Ede Lyche ner Straße( wie Brenzlauer Berg), 20. Kreis Reinidendorf: 4 Uhr Seebad Reinickendorf- Oft, 4% Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Alle Teilnehmer haben sich so einzurichten, daß sie um 5% Uhr im Lustgarten anwesend sind. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind die von Partei und Gewerkschaften fenntlich gemachten Ordner fowie das Reichsbanner täfig, deren Anordnungen unbedingt Folge zu leisten ist. Die Redner sprechen 10 Minuten. Dann erfolgt die Abstimmung über eine rechtzeitige bekanntgegebene Entschlichung. Anfang und Ende der Kundgebung werden durch Trompeten fignal bekanntgegeben. Fahnen und Banner find mitzubringen. Die Ordner für den Cuffgarten treffen fich um 4 Uhr auf dem Schinkelplatz. Die Redner find um 4% Uhr auf dem Schinkelplah( Denkmal) anwesend. Nach Beendigung der Kundgebung bewegen fich die Teilnehmer 6.& reis Kreuzberg: 4% Uhr Görliger Bahnhof. Spreewalbplay. auf den Anmarschstraßen wieder zurüd. Die Züge lösen sich in ihren Bezirken auf. und 4% Uhr Blücherplag möglich fein, so iff zum mindesten die Umsatzsteuer für Brotgetreide| find noch aufgetreten. Herr Stegerwald hat es vortrefflich ver. fofort aufzuheben. Die Besteuerung der Landwirtschaft muß in den Dienst des Intensivierungsprogramms gestellt werden. Sämtliche vom Landwirt zu zahlenden Steuern sollen nach Möglichkeit aus der Differen fiairente des Bodens gezahlt werden. Die Steuern dürfen in leiner Weise den Charakter von Produktionsfosten tragen. Das Steuerfyftem muß eine Bevorzugung für den jenigen Landwirt enthalten, dessen Tüchtigteit fich über den Durchschnitt erhebt, und eine Sonderbelastung für den jenigen, dessen Tüchtigkeit hinter dem Durchschnitt zurückbleibt. Als Grundlage des Steuersystems hat das zurzeit zur Beratung stehende Reichsbewertungsgefez zu dienen, durch das die heute noch bestehenden und für die Kalkulation des Landwirts außer ordentlich störenden Ungleichmäßigkeiten der Bewertungsgrundfäße beseitigt werden. Der Ausbau des landwirtschaftlichen Kreditwefens hat ebenfalls unter dem Gesichtspunft der Produktionssteige. rung zu erfolgen. Die heutige Intensität der Landwirtschaft muß erhalten werden; Intensitätssteigerungen find vor allen Dingen dort zu fördern, wo sie nach den Gefeßen der wissenschaft lichen Betriebslehre den höchsten Ertrag versprechen. Aus diesem Grunde ist eine organisatorische Bereinigung zwischen der Kredilgewährung und der landwirtschaftlichen Betriebsberatung zu schaffen. Es ist die Aufgabe dieser Organisation, die Verwendung von Kre. diten zu un produttiven und konsumtiven 3weden zu verhindern und die der Landwirtschaft neu zuströmenden Kredite an diejenigen Stellen zu leiten, wo sie den größten poffswirtschaftlichen Nutzen stiften. Zu diesem 3med sind alle Kreditinstitute, auf deren Geschäftsführung das Reich oder die Einzelstaaten direkt oder indirekt einen Einfluß befizen, zur Mit wirkung bei diesem Programm anzuhalten. Neue Kredite dürfen von diesen Instituten nur an solche Betriebe gegeben dürfen von diesen Instituten nur an solche Betriebe gegeben werden, die sich der Betriebsberatung unterstellen. Das gleiche gilt von der Verlängerung abgelaufener Kredite. Diese Be triebsberatung ist jedoch so zu gestalten, daß jeder bureautratische Eingriff in den landwirtschaftlichen Betrieb ver mieden wird. Sie ist in die Hände der von der Landwirtschaft felbst geschaffenen Organisationen zu legen. Unter der Vorausseßung, daß eine solche vom Berufsstand selbst ausgehende Beaufsichtigung über die Zweckmäßigkeit der Kreditverwendung zustande tommt, ist die Landwirtschaft bei der Zuteilung von Krediten auf jede nur Writtel des Reiches, der Einzelstaaten und der Gemeinden bei dieser Kreditgewährung heranzuziehen. Das landwirtschaftliche Fachbildungs- und Beratungswesen ift so auszubauen. daß es dem der auf diesem Gebiet fort. geschrittenften europäischen Länder( Holland und Dänemark) gleich werlig wird. Der ländliche Fortbildungsunterricht ist überall für Knaben und Madchen obligatorisch zu machen und hat in die naturwissenschaftlichen Grundlagen der bäuerlichen Fachbildung einzu führen. Die unteren landwirtschaftlichen Schulen( Winterschulen) find so zu verntehren, daß auch die Angehörigen der kleinbauer lichen Betriebe sie besuchen fönnen. Das Beratungswesen ift so auszubauen, daß jeder landwirtschaftliche Betrieb in Deutsch land von der beratenden Tätigkeit der Landwirtschaftslehre und Sonstiger Betriebsberater erfaßt werden fann. Das Reichs ernahrungsministerium wird ersucht, dem Reichstag baldmöglichst eine Aufstellung über die Organisation des landwirtschaftlichen Schul- und Beratungswesens in Holland vorzulegen. Aus dieser Aufstellung soil hervorgehen, auf wieviel Hettar der landwirtschaftlich genugten läche und auf wieviel landwirtschaftliche Betriebe in Diesem Lande je eine untere landwirtschaftliche Schule, ein Land. wirtschaftslehrer, ein Versuchsfeld und ein Betriebsberater entfallen. Ferner soll diese Aufstellung einen Boranschlag enthalten, welche Stoften die entwidlung des deutschen Schul- und Be ratungswesens zu einem Netz von gleicher Dichte verursachen würde. Der genossenschaftliche Zusammenschluß der landwirtschaftlichen Betriebe 0 250 ist mit öffentlichen Mitteln zu fördern. Bang befonders find diejenigen Genossenschaften zu fördern, durch die bie Produktion einer größeren Anzahl von Kleinbetrieben gemäß den Fortschritten der modernen Technit eingeleitet, beraten und organisiert wird.( Bersuchsringe, Milchfontrollvereine.) Die übermäßige Breisspanne zwischen Erzeugerpreisen und Kleinhandelspreisen ist mit allen Mittelu abzubauen, Austausches der Erzeuger und Berbraucher ganz besonders durch Förderung des unmittelbaren organisationen. Bei einigen landwirtschaftlichen Produkten ist biefe Breisspanne im Bergleich zur Borkriegszeit um fast das Doppelle des Betrages der nach der Regierungsvorlage geplanten Bolle geftiegen. Durch eine Berminderung der Preisspanne würde also für den Landwirt eine gleiche Preiserhöhung wie durch die Zölle zu erreichen sein, ohne daß der Ber. braucher belastet würde, ja sogar unter gleichzeitiger Entlastung des Verbrauchers.. Der Vorzug der deutschen Agrarverfassung, deren Schwerpunkt im bäuerlichen Familienbetriebe liegt, ist bei allen zu treffenden Maßnahmen besonders zu berücksichtigen und zu entwideln. Die in der Reichsverfassung verheißene Reform der Bodenverteilung und Bodennuhung ist unverzüglich durchzuführen. Su ben Einzelheiten dieser Reform wird auf die in dem Antrag Müller ( Franten) vom 10. Januar entwickelten Richtlinien hingewiesen. Adam, der Zöllner. Also das 3olltompromiß zwischen den Regierungsparteien ist so gut wie fertig, und Herr 2bam Stegerwald, Dr. honoris causa, wirft sich in die Brust und sagt seinen Freunden von den christlichen Gewerkschaften: Wir habens geschafft! Die Mindestzölle für Getreide sind gefallen, und die Viehmindestzölle find nicht so schlimm. Ueberhaupt: nichts ist schlimm was Herr Adam Stegerwald macht. Die christlichen Gewertschaftsvertreter haben vor zwei Wochen in Westdeutschland getagt und Herrn Stegerwald bedeutet, daß sie gegen jegliche Mindest zölle sind. Aber Herr Stegerwald ist der Ansicht, er sei ein Staatsmann, und infolgedessen müsse er ein Rompromiß machen. Herr Stegerwald ift Don seiner staatsmännischen Fähigkeit so überzeugt, wie niemand sonst auf der Welt. Wenn man sich fragt, wie das Zustandekommen des Kompromisses unter Stegerwalds Führung möglich geworden ist, so muß man etwas tiefer schürfen. Adam Stegerwald hat seit Wochen und Monaten fein anderes Biel, als den Volksblock zu zerschlagen. Das Zusammengehen von Demokraten, Sozialdemokraten und 3entrum bei der Reichs. präsidentenwahl war ihm ein Greuel, hat er doch selbst gehofft, daß man ihn als Kandidaten für den Reichspräsidentenposten präsen tieren würde. Diese Hoffnung wurde ihm durch einen Artikel im Berliner Tageblatt" zerschlagen, der Herrn Stegerwald völlig nacht präsentierte. Stegerwald hat für Marg teine Hand gerührt, hat faum den Mund aufgetan und war nach der Niederlage Marg' nur von dem einen Wunsch befeelt, möglichst rasch alles zu vernichten, was einer Erhaltung des Boltsblocs dienlich gewesen wäre. Es muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß in den letzten Monaten bei Reichsbannerveranstaltungen von den prominenten Persönlichteiten des Zentrums niemand mehr gesprochen hat. Nur einige Windthorst- Bündler standen, langsam aber sicher Herrn Dr. Wirth beiseite zu schieben und sich wieder in den Vordergrund zu stellen. Unterstützt wird er dabei durch Dr. Brüning, der inzwischen Abgeordneter geworden ist, und dem Herr Stegerwald so ziemlich alles zu verdanten hat. Stegerwalds Reden in den letzten Jahren waren stets und immer Brünings Wert. Man muß sich nur daran erinnern, wie Stegerwald früher gesprochen hat, und wie er jetzt spricht. Stegerwald hat sich ja in ben Kopf gelegt, daß er allein in der Lage sei, den Staatstarren aus dem Dreck zu ziehen" ist einer seiner beliebtesten Ausbrücke. das Das Schwergewicht der ganzen Sache liegt aber in folgendem: Stegerwald ist von einem geradezu blinden und fanatischen Ha B gegen die Sozialdemokratie beseelt. Es war ja schon sein Ziel als preußischer Ministerpräsident: Ausschaltung der Sozial demokratie. Und die Erreichung dieses Zieles ist der tiefere Grund für seine Zustimmung zum Zollkompromiß. Bürgerblod oder Rechtsblod, das ist innigfter Wunsch Adam Stegerwalds und feiner reattionären Freunde. Ab und zu gibt es dabei ein etwas scharfes Wort gegen den Kapitalismus aber das ist alles nur Scheinmanöver. Adam der Zöllner will in die Regierung, und wenn es zum Reichskanzlerposten nicht langt, dann wenigstens zum Reichswirtschaftsminister oder zu sonst einem Bortefeuille in der Reichsregierung. Hand in Hand mit ihm arbeitet Heinrich Brauns der Wertbeständige, der alles vergessen, was er in seiner Boltsvereinstätigkeit geleistet hat, und der nicht bereit ist, irgendetwas dazu zu lernen. Es gibt einige Abgeordnete im Zentrum, die sich der großen Gefahren bewußt sind, die in der Tätigkeit Stegerwalds liegen. Diese wenigen Abgeordneten fönnen sich anscheinend im Zentrum nicht mehr durchsetzen, daher ist es nötig, die breiten Schichten des Boltes aufzuklären über das, was Adam der Zöllner beabsichtigt. Reht, nisl Gifts f Recht, nicht Gnade! Wiederaufnahmeantrag im Fechenbach- Prozeß. Im Reichsgesetzblatt ist nunmehr das Gesetz über die Wieder aufnahme des Verfahrens gegenüber Urteilen der Bayerischen Boltsgerichte verkündet worden. Das Gesetz ist bereits am 13. Juli 1925 in Kraft getreten. Fechenbach, der bekanntlich am 20. Oftober 1922 zu Unrecht vom Münchener Boltsgericht zu 11 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Chrverlust verurteilt und am 20. Dezember 1924 in widerruflicher Weise unter Zubilligung von Bewährungsfrist begnadigt wurde der Ehrverlust blieb bestehen hat daraufhin seinen Verteidiger beauftragt, das Gesuch um iederaufnahme des Verfahrens in Angriff zu nehmen und nach Fertigstellung einzureichen. Ueber den Antrag auf Wiederaufnahme hat zunächst die Münchener Straffammer zu entscheiden. Gibt sie dem Antrag nicht statt, dann steht dem Verurteilten das Recht zu, die Entscheidung des Reichsgerichts an zurufen, vor dem auch der Wiederaufnahmeprozeß stattfinden wird. Ein Erfolg Preußens. Das Amnestiegeseh vom Reichsrat angenommen. Der Reigsrat befaßte sich gestern mit dem von der Reichsregierung vorgelegten Gefeßentwurf über die Gewährung von Straffreiheit. Ein Antrag Preußens, den Straferlaß auch auf die Niederschlagung gewisser Landesperratsfälle auszubehnen, wenn es sich um Mitteilung von geheim zu haltenden Nachrichten durch öffentliche Bekanntmachung handelt, war von der Mehrheit des Ausschusses abgelehnt worden. Der Vertreter Breußens nahm den Antrag in der Bienarfizung wieder auf. In der Abstimmung wurde der Antrag mit 32 gegen 22 Stimmen ange. nommen. Für den Antrag stimmten das Preußische Staats ministerium, die preußischen Provinzen Brandenburg, Westpreußen, Bofen, Oberschlesien, Schleswig- Holstein, Westfalen, Rheinproving, Sachsen und der Vertreter der Stadt Berlin. Ferner stimmten mit Ja" Baden, Hessen, Hamburg, Anhalt, Bremen, Lübeck und Waldeck. Gegen den Antrag votierten die preußischen Provinzen Bommern und Heffen- Nassau. Ferner Bayern, Sachfen, Württemberg, Thü ringen, Mecklenburg- Schwerin, Oldenburg, Braunschweig und Medlenburg- Strelig. Der Vertreter Ostpreußens enhielt sich der in ber so geänderten Fassung in erster und auch in zweiter Lesung Stimme. In der Gesamt abstimmung wurde der Gefeßentwurf mit 38 gegen 17 Stimmen genehmigt. Gegen das Gesez stimmte Bayern, Thüringen, medlenburg- Schwerin, Oldenburg, Lubed und die preußischen Provinzen Pommern und Hessen- Nassau. Ein Urteil gegen die Republik. 15 Monate Gefängnis für Vortrag freiheitlicher Gedichte Leipzig, 21. Juli.( Eigener Drahibericht.) Am Dienstag begann vor dem Staatsgerichtshof zum Schuße der Republit ein Hochverratsprozeß, der besonders in Theaterkreisen intereffieren wird. Es hatte sich wegen Beihilfe zum Hochverrat und Republitschutzvergehen der Schauspieler und Schriftsteller Josef Gärtner aus Mannheim, der bis vor kurzem am Nürn berger Stadttheater beschäftigt mar, zu verantworten. Gärtner ist der Sohn eines Fabritarbeiters und betätigte fich schon seit seiner frühesten Jugend schriftstellerisch und rezitatorisch. Er ging dann später zum Theater über, und zwar zu den Stadt theatern Würzburg und Nürnberg. Während der Rätezeit in Bayern in Würzburg. Er wurde damals zu 1½ Jahren Festung verurteilt. war er Borfizender der geistigen Arbeiter und künstlerischer Beirat Die Antlage legt Gärtner zur Last, daß er im November 1924 in Stuttgart anläßlich der Gedenkfeier zum 7. Jahrestag der Sowjetrepublik und 10jährigen Gründungstag der württembergischen fommunistischen Partei die fünstlerische Leitung übernommen hat. Bei dieser Feier trug Gärtner Gedichte von Henry Maday, Erich Mühjam, Serwegh und Toller vor. Auch leitete er die Aufführung eines Dramas affe, zu dem er als Prolog einen Gefang der gefangenen Prole tarier vortrug. Die Verteidigung hatte als Sachverständigen den Bräsidenten der deutschen Bühnenangehörigen Gustav Ridelt geladen und unter Beweis gestellt, daß einem Schauspieler bei Vorträgen der= artiger Werke das Bewußtsein fehle, sich in hochverräterischer Weise zu betätigen. Das Gericht lehnte jedoch Ridelt ab. Nach längerer Verhandlung wurde Gärtner zu 1 Jahr 3 Monaten Gefäng nis und 100 M. Geldstrafe verurteilt. Zwei Monate und die Geldstrafe gelten als verbüßt. In der Begründung führte das Bericht aus, die künstlerischen Veranstaltungen, die Gärtner leitete, hätten nicht den Zweck gehabt, die Teilnehmer künstlerisch und wissen schaftlich weiterzubilden, sondern nur den Zweck verfolgt, fommunistische Propaganda zu treiben! Die demagogischen Tugenden. Ein kommunistisches Bekenntnis. In einem Sonderheft der Internationale, das auf dem fommunistischen Parteitag ausgegeben wurde, fonnte man in einem Artikel von Hermann Remmele, der sich gegen den rechten" Ernst Meŋer richtete, folgendes lejen: „ Die( nach Lenin) für die Politit so unerläßlichen demagogischen Tugenden, als da sind: Lug und Befrug, Berfchweigen der Wahrheit, Berschmigtheit und Verschlagenheit. Schlauheit und Lift, hat der Gen. Meyer von uns allen vielleicht am höchsten entwickelt. Nur auch hier wieder hat er die zu diesen Tugenden unerläßlich erforderlichen Geseze der Politit noch nicht begriffen." Eines dieser Geseze" soll sein, daß man die„ demagogischen Tugenden" nur dem Gegner, nicht aber den eigenen Parteigenossen gegenüber anwenden darf. Die fommunistische Wirklichkeit sieht aber anders aus als diese Theorie. Wer beispielsweise die Ber handlungen des fommunistischen Parteitages verfolgt hot, der wird sich erinnern, daß. diese„ demagogischen Tugenden hier besonders eifrig geübt wurden, so bald die Ruth Fischer auf Werner Scholem, Herr Rosenberg auf den Turkestaner einhieben. Aber auch sonst find die Kommunisten nicht faul, sich gegenseitig zu belügen und zu betrügen, alfo die„ demagogischen Tugenden" bei sich selbst anzuwenden. Ein Beweis dafür bildet die Berichterstattung der tommunistischen Presse über die Berhandlungen des Parteitages, für die Remmele verantwortlich zeichnet. Was der tommunistischen Zentrale unangenehm sein tönnte, ist aus dem Bericht ausgemerzt oder entstellt wiedergegeben worden. Um einige Beispiele zu nennen, so wird aus der Rede Rosenbergs die Stelle fortgelassen, in der nachgewiesen wird, daß sich Ruth Fischer über die wichtigsten politischen Fragen nicht geäußert hat. In dem Schlußwort des Herrn Geschte fehlt der Aufruf zum Bogrom gegen den„ Borwärts“. In der Rede der Ruth Fischer vermißt man die von ihr sehr eindeutig vorgetragene Formulierung, wie die Rommunisten die Er. oberung der Macht sich vorstellen. Es heißt sehr sanft, daß der Kommunismus nur erfämpft werden könne auf dem Wege des Bürgerfrieges gegen die Bourgeoisie". In den bisher veröffentlichten Berichten über die Diskussionsreden, ist die immer wieder geäußerte mißstimmung über die ungünstige Lage der Partei, über den schlechten Stand der Zellenarbeit, über den zurückgehenden Einfluß in den Gewerkschaften gestrichen worden. Die Berichterstattung in der fommunistischen Presse ist noch nicht zu Ende, aber schon jetzt sieht man, daß die Leser nur das erfahren sollen, was die Remmele ihnen zu fagen für gut befinden. Die„ demagogischen" Tugenden werden zuerst an den kommunisti. schen Parteimitgliedern ausprobiert.. Die Brüsseler Dreiländerkonferenz. Ein offizieller Bericht. Ueber die in Brüssel am Sonntag und am Montag abgehaltene fozialistische Dreiländerfonferenz geht uns folgender offizieller Bericht zu: Entsprechend einer Unregung des Bureaus der Sozialistischen Arbeiter- Internationale und auf Borschlag der französischen Sozia listischen Partei sind die Vertreter der deutschen Sozialdemokratie, der belgischen Arbeiterpartei und der franzöfifchen Sozia liftischen Partei zusammengetreten, um die verschiedenen Fragen zu prüfen, die bezüglich eines Sicherheitspattes im Laufe der gegen wärtigen Verhandlungen zwischen England, Deutschland, Belgien und Frankreich aufgetaucht sind. Die Aufmerksamkeit der Teilnehmer an dieser Besprechung richtete fich hauptsächlich auf nachstehende Buntte: 1. Wie die zwischen Deutschland auf der einen Seite, Bolen und der Tschechoslowakei auf der anderen Seite zu schließenden Schieds. gerichtsverträge, zu garantieren wären. 2. Die Umstände, unter benen Deutschland Mitglied des Bölferbundes werden würde. 3. Die Boraussetzungen, unter denen erflärt merben sollte, daß einer der Signatarstaaaten zum Mittel des Krieges gegriffen habe. Bei dieser ersten Prüfung ist festgestellt worden: Auf der einen Seite, daß die gegenwärtig zwischen den Mächten in Frage kommenden Staaten an dem im September 1924 in Genf Schwebenden Schwierigkeiten vermieden worden wären, wenn alle ausgearbeiteten Brototollentwurf festgehalten hätten. Auf der anderen Seite, daß es heute noch möglich ist, diese Schwierigkeiten zu lösen oder sogar zu beseitigen durch die einfache Anwendung des Bölferbundstatuts, unter der einen Bedingung jedoch, daß Deutschland in den Bölkerbund mit gleichen Rechten und Pflichten wie die übrigen Nationen eintrete. Das Statut des Bölferbundes sieht nämlich vor, daß, abgesehen von dem einen Fall, der im Art. 16 geregelt wird, wo ein Staat zum Mittel des Krieges greift, feine Macht von sich aus be schließen darf, daß eine Vertragsverlegung vorgekommen sei, die als Gewaltanwendung betrachtet werden müsse; ferner tönnen Schieds. gerichts oder Garantieverträge feiner Macht Rechte verleihen, die weitergehen oder Pflichten auferlegen, die weniger weit gehen, als lene, bie sich aus dem Bölkerbundsstatut ergeben. Man ist schließlich zu der Erkenntnis gekommen, daß die durch bie öffentliche Meinung Deutschlands und Rußland geäußerten Be. sorgnisse über die Anwendung des Art. 16 des Bölkerbund. statuts im Falle von Konflikten, an denen Rußland beteiligt wäre, zum großen Teil hinfällig würden, wenn Rußland selbst in den Völkerbund einträte. Die Brüsseler Konferenz hat beschlossen, ihre Arbeiten auf einer zweiten Zusammenkunft fortzusehen, zu der die Bertreter der sozialistischen Parteien Bolens und der Tschechoslowatei eingeladen werden sollen. Diese zweite Zusammenfunft wird vor dem fommenden internationalen sozialistischen Kongreß statt. finden müssen. An der Brüffeler Konferenz nahmen teil: für die deutsche Sozialdemokratie: Otto Bels und Rudolf Hilfer. ding, für die französische Partei: Leon Blum, Renaudel, Longuet und Grumbach, für die belgische Partei: De Broudere und van Roosbroed. Gegen schwarzweißrote Rüpeleien. Verbot von Kundgebungen im befreiten Gebiet. Arnsberg, 21. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Wegen der Aus schreitungen, die sich an einigen Stellen des geräumten Ruhrgebietes nach Abzug der Besagung ereignet haben, wurde eine Berfügung erlassen, in der nochmals darauf hingewiesen wird, daß Beranftaltungen und Kundgebungen jeglicher Art aus Anlaß des Abzuges der Bejagung bis auf weiteres verboten sind. Der Staatsgerichtshof, der dieses Urteil gefällt hat, ist fein Staatsgerichtshof zum Schuß der Republit, sondern ein Staatsgerichtshof gegen die Republik. In der Republit abenb traten die deutsche Handelsdelegation und die Bevollmächtigten Beginn der deutsch- Spanischen Wirtschaftsverhandlungen. Montag muß es erlaubt sein, revolutionäre Gedanken in künstlerischer der spanischen Regierung zu den Beratungen über einen neuen Form zu äußern, dagegen braucht die Republik feinen Schutz, Handelsvertrag zusammen. Es fand zunächst nur eine allgemeine Defto mehr Schutz braucht sie gegen eine Justiz, die ihren Rufusfprace statt, in der die Grundlagen für die Neuregelung der untergräbt Wirtschaftsbeziehungen erörtert wurden. Die öeutfthe Sicherheitsnote. Festhalten am Stresemaun-Memorandum.— Für schleunige Verhandlungen» Die am 20. Juli urschriftlich in Paris, abschriftlich in einseitig zuungunsten Deutschland durchbrochen London, Rom und Pnu'lel übergeben« deutsche Ant- werden würde. Das Ziel einer wirklichen Befreiung, wie es m �, � franzosische Note vom 16. Juni hat folgenden von der deutschen Regierung in Uebereinstimmung mit den alliierten 'LUti Regierungen angestrebt wird, wäre nicht erreicht. Die deutsche Re gierung möchte sich deshalb Die deutsche Regeirung hat die von Seiner Exzellenz dem fran- ziZsischen Botschafter Herrn de Margerie am IS. Juni über. reichte Antwort auf das deutsche Memorandum vom 9. Februar einer»ingehenden Prüfung unterzogen. Sie entnimmt aus der Antwort mit Genugtuung, daß die französische Regierung und ihre Alliierten grundsätzlich bereit sind, die Festigung des Friedens gemeinsam mit der deutschen Regierung auf dem Wege der Verständigung herbeizuführen und hierüber in einen gegenseitigen Meinungsaustausch einzutreten. Die alliierten Regierungen wünschen indes vor der Einleitung sechlicher Verhandlungen eine weitere Klärung der in dem deutschen Memorandum berührten Fragen und machen ihrerseits eine Reihe konkreter Vorschläge, zu denen sie die Stellungnahme der deutschen Regierung erbitten. Diese Vorschläge sind zwar auf den Anregungen des deutschen Memorandums aufgebaut, geben diesen Anregungen aber iu wichtigen Punkten eine andere Richtung und fügen zu ihnen auch neue Dertrogskonstruklionen hinzu. Di« deutsche Regierung will in dem gleichen Geiste des Entgegenkommens nnd der friedlichen Verständigung. aus dem ihre eigenen Anregungen hervorgegangen sind, nachstehend ihre Ansicht über die alliierten Vorschläge darlegen. Sie glaubt sich dabei jedoch auf eine allgemeine Aeußerung zu einigen grundsätzlichen Fragen beschränken und ihre Stellungnahme zu den Einzelpunkten bis zu den endgültigen Ver- Handlungen vorbehalten zu sollen. I. Die alliierten Regierungen betonen in der Rote vom 16. Juni, daß die Regelung der Sicherheitsfrage keine Aenderung der Friedensverträge mit sich bringen dürfe Die deutsche Re- gicrung oermag aus den Ausführungen der Rote über diesen Punkt nicht ohne weiteres zu erkennen, welche Absicht die alliierten Re> gierungen damit versolgcn. Der Abschluß eines Sicherheitspaktes, wie er in den deutschen Anregungen skizziert wird, bedeutet keine Aenderung der bestehenden Verträge. Es dürite deshalb in dieser Hinsicht kein Anlaß zu besonderen F e st st e l l u n g e n vorliegen. Die deutsche Regierung betrachtet es hierbei als selbstverständlich, daß nichk etwa für alle Zukunft die Möglichkeit ausgeschloflen werden soll, bestehende Verträge aus dem Wege friedlichen Uebereintommens zu gegebener Zeit veränderten Vsrhällnisien an» zupassen. Sie darf darauf hinweisen, daß auch die Satzung des Völkerbundes derartigen Notwendigkeiten Rechnung trägt. Wenn die alliierten Regierungen zum Beispiel hervorheben, daß der Sicherheitspakt die gellenden vertraglichen Bestimmungen über die militärische Besetzung deutscher Gebiete nicht berühren dvrf«, so ist es richtig, daß das deutsche Memorandum den Ab- schluh des Paktes nicht von einer Aenderung dieser Bestimmungen abhängig gemach: hat. Sollten die alliierten Regierungen jedoch beabsichtigen, jene Testimmungen als für die Zukunft schlechthin maßgebend hinzustellen, so möchte die deutsche Regierung demgegen- über darauf hinweisen, daß da» Zustandekommen eine» S i ch er h e it s p a k t e« eine so bedeutsame Neuerung darstellen würde, daß sie nicht ohne Rückwirkung ovf die verhältniste in den besetzte» Gebieten und überhaupt auf die Fragen der Besetzung bleiben dürste. IT. In dem System, da« die alliierten Regierungen in der Rote vom 16. Juni für den Sicherheitspart entwerfen, wird ein« hervor- ragende Rolle den Schiedsverträgen zugewiesen, die Deutsch laut» mit den ihm benachbarten Signatarstaaten des Bersailler Vertrages abzuschließen hätte. Die Gestaltung der Schiedsverträge in diesem System gibt jedoch zu erheblichen Zweifeln Anlaß. die noch der Aufklärung bedürfen. Die deutsche Regierung hat Schiedsverträge beabsichtigt, wie sie in den letzten Jahren sowohl von Deutschland als auch von einer Reihe anderer Mächte abgeschlosien worden sind. Verträge dieser Art, die in Analogie zu den«nt sprechenden Bestimmungen der Völkerbundssatzung aufgebaut sind, erschöpfen nach Ansicht der deutschen Regierung die unter den gegenwärtigen Verhällnisien gegebenen Möglichkeiten, eine schiedlich« Regelung von Staatenlonslitten mll Aussicht auf praktischen Erfolg herbeizuführen. Bei den alliierten Dorschlägen scheint an ein anderes System gedacht zu fein. Was dabei vor allem in die Augen fällt, sind die von den alliierten Regierungen vorgesehenen Ausnahmefälle, in denen ein gewaltsames Vorgehen der Staaten gegeneinander zulässig sein soll. Die deutsche R« gicrung kann in dieser Hinsicht die Ausführungen der Note vom 16 Juni wie auch den veröffentlichten Schriftwechsel zwischen der französischen und der königlich großbritannischen Regierung nur dahin verstehen, daß in diesen Fällen nach der Absicht der alliierten Negierungen das gcwallsame Vorgehen ohne irgend ein vorher- gehendes objektives Verfahren— sei e» ein Schieds- oerfahren oder ein anderes Internationales Verfahren— erfolgen kann. Wenn das zutrifft, so würde sich daraus ergeben, daß die alliierten Regierungen zum Beispiel die Entscheidung über die Zu- lässigkeit oder Unzulässigkeit von Repressalien wegen der Reparationsverpflichtungen nicht einem objektiven Verfahren unterwerfen, sondern ihrem«inseitigen Ermessen vorbehalten wollen. Es würde sich serner er- geben, daß die deutsche Regierung den alliierten Regierungen ein vertragliches Recht einzuräumen hätte, ohne vorhergehendes objekti- ves Verfahren gegen Deutschland misitärisch einzu- schreiten, wenn sie der Ansicht sind, daß ein deutscher Verstoß gegen die Bestimmungen über die DeMilitarisierung des Rheinlandes vorliege. v»•,», Ebenso bedenklich wären die Folgen, zu denen die in der fran- zösischen Note vorgeschlagene Konstruktion der E a r a n t i« für die abzuschließenden Schiedsverträge führen konnte. Das Ein- greifen des Garanten würde zwar von bestimmten Voraussetzungen abhängig sein, der Garant hätte aber das Recht, nach freiem und einseitigem Ern, essen darüber zu entscheiden, ob diese Voraussetzun- gen im gegebenen Fall« zutreffen. Das würde bedeuten, daß der Garant zu bestimmen hätte, wer bei einem Soaflikl zwischen den beiden Kontrahenten des Schiedsvertrages als Angreifer zu gelten hat. und zwar würde er diese Befugnis selbst dann haben, wenn er gegenüber dem einen Rontrahenteu durch ein Sonderbünd- vis verpflichtet Ist. Es liegt auf der Hand, daß das Garantiesystem durch derartige Konstruktionen der Hoffnung hingeben, daß ihre Besorgnisse in diesen Punkten von den alliierten Regierungen beseitigt werden können. Sie glaubt das um so mehr erwaten zu dürfen, als sich das Garantiesystem sonst mit dem Geiste der Völkerbunds- s a tz u n g nicht in Einklang bringen lassen würde. Während nach der Völkerbundssatzung die Frage, ob eine Friedensstörung vorliegt, in einem genau geregellen Verfahren zu entscheiden und die Anl Wendung von Zwangsmaßnahmen an bestimmte, objektiv festzw stellende Voraussetzungen geknüpft ist, würden nach dem in der französischen Note entworfenen System alle diese Entscheidungen in die Hand einer Vertragspartei gelegt sein. Ein solches System würde die Friedensordnung nicht stützen und könnte sogar die Ge fahr ernster Verwicklungen heraufbeschwören. III. Nach Ausfasiung der deutschen Regierung würde für die Verwirklichung der Grundgedanken des deutschen Memorandums der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund keine notwendige Voraussetzung sein. Die alliierten Regierungen dagegen sind ihrerseits der Auffassung, daß der in dem deutschen Memorandum angeregte Sicherheitspakt nur'denkbar ist. wenn Deutschland in den Völker bund eintritt. Sei der großen Bedeutung, welche die deutsche Regierung der Regelung der Sicher- heitsfrage beimißt, will sie gegen die Verbin- dung der beiden Probleme keine» grundsätzlichen Widerspruch erheben. Sie muß indes darauf hinweisen, daß die Frage des deutschen Eintritts selbst noch sorgfältiger Klärung bedarf. Der Standpunkt der deutschen Regierung in dieser Frage ist den alliierten Regierungen aus dem ihnen im September v. I. über- reichten Memorandum sowie aus der deutschen Note an den Völker- bund vom 12. Dezember v. I. bekannt. Die in der französischen Note angeführte Note des Völkerbundes vom 13. März d. I. hat die Bedenken, die auf deutscher Seite gegen die Uebernahme der Verpflichtungen aus dem Artikel 16 der Satzung geltend gemacht worden sind, nicht ausgeräumt. Auch nach den Ausführun gen des Völterbundsrats bleibt die Gefahr bestehen, daß Deutschland als entwaffneter Staat, der von stark gerüsteten Nachbarn umgeben ist, der sich in zentraler Lage besindet, und der in der Geschichte immer wieder Schauplatz großer Kriege gewesen ist, bei dem Eim tritt in den Völkerbund unbeschränkt de r_ Verwicklung i n kriegerische Konflikte dritter Staaten aus» gesetzt sein würde. Deutschland kann als Mitglied des Völkerbundes erst dann als gleichberechtigt gellen, wenn seiner Abrüstung auch die in der Völkerbundssatzung und in der Einleitung zu Teil V des Versalller Vertrages vorgesehene allgemeine Abrüstung folgt. Es muß deshalb, wenn der alsbaldige Eintritt Deutschlands in den Völker- bund ermöglicht werden soll, eine Lösung gefunden werden, welche die Zeitspanne bis zur Verwirklichung der allgemeinen Ab- rüsiung über brückt. Die Lösung müßte sowohl der besonderen geo> graphischen Lage Deutschlands gerecht werden. Auf diese Bemerkungen zu den Ausführungen der Note vom 16. Juni möchte sich die deutsch« Regierung vorerst beschrän» t en. Trotz der angedeuteten Zweifel und Bedenken glaubt sie 1» wesen klicheu Punklea bereits eine bedeutsame Annäherung der beiderseitigen Anschauungen feststellen zu können. Die beteilig ten Regierungen sind grund säglich einig in dem ernstlichen Willen. die Sicherheitsfrage durch den von Deutschland angeregten Garantie- pakt und durch einen weiteren Ausbau des Systems von Schied?- Verträgen zu regeln. Sowell wegen der Einzelheiten dieser Regelung noch Zweisel und Meinungsoerschiedenhetten bestehen, werden auch sie zu überwinden sein, wenn die Regierungen das anzustrebende Ziel fest im Auge beHallen und dem uaerlößliche» Erfordernis der Gleichberechtigung und Gegenseitigkeil Rechnung tragen. Die deutsche Regierung glaubt deshalb hoffen zu dürfen, daß die wetteren Erörterungen zu einem positiven Ergebnis führen werden. Sie würde es lebhaft begrüße», wenn diese Er- örlcrungen beschleunigt werden könnten, damit dem dringeirden Ver- langen der Völker nach sicheren Bürgschaften für Ruhe und friedliche Entwicklung, sowie für die Wiederherstellung der durch den Krieg zerstörten normalen wellwirtschaftlichen Beziehungen bald Genüge geschieht. « Für die am Montag übergebene deutsche Note zu den Verhandlungen über den Abschluß eines Sicherheitsvertrages zeichnet die gesamte Reichsregierung, alle Kabinettsmitglieder und die hinter ihnen stehenden Parteien verantwortlich. Sie legt insbeson- dere die Deutschnationalen unausweichlich auf die Garan- tiepolitit fest, so daß also selbst die Gruppe Freytagh- Loringhoven nicht mehr die Möglichkeit hat. gegen die von der eigenen Partei gebilligte Politik Stu-m zu laufen. Tlle Note deutet mit diplomatisch gewählten Worten an. daß Deutschland die Erfüllung besonderer natio- naler Forderungen zu erwarten das Recht hat. wenn die Verhandlungen zu einem glücklichen Ergebnis führen. In dem Gedanken an eine Revision von Grenzen hatte Frankreich im Namen der Alliierten verlangt, bestehende Ver- träge dürften durch einen Sicherheitspakt nicht geändert werden. Dagegen wendet die Note ein, es könne damit un» möglich die friedliche Revision von Verträgen ausgeschlossen werden: die Völkerbundssatzung sieht ja der- gleichen vor. Die deutsche Regierung hätte hinzufügen können, daß sogar die Alliierten in ihrem Bersailler Ultima- tum es gerade als einen Vorzug des Friedensvertrages be- zeichneten, daß er den Völkerbund als Werkzeug für die fried- liche Anpasiung des Vertrages an veränderte Verhältnisse schafft. In diesem Zusammenhang deutet sie an. daß der W- schluß eines Garantiepaktes notwendigerweise das Streben Frankreichs, sich durch militärische Mittel zu sichern, beein- flussen und eine Erleichterung der Besatzungslasten mit sich bringen müsse. Erscheinen diese Formulierungen befriedigend, so kann das von dem zweiten Teil der deutschen Rote nur in erheb- lich geringerem Maße gesagt werden. Hier wird, und zwar mit Recht, die Forderung Frankreichs abgewiesen, als Ga- rant eines Schiedsvertrages ohne weiteres über den Bruch eines Schiedsvertrages entscheiden und gegen Deutschland dann sogleich militärische Machtmittel einsetzen zu dürfen. Es der Psychologie daß Frankreich de? als wäre in der Tat im Widerspruch zu Völker, wenn man erwarten wollte, Bundesgenosse z. B. Polens imstande wäre, den Bruch eines Schiedsoerirages durch Polen oder durch Deutschland objektiv zu beurteilen. Aber die Kritik der Reichsregierung an dem Vorschlage Frankreichs bleibt negativ, sie stellt nur fest, daß nach dem französischen Entwurf alle Entscheidungen über die Verletzung von Schiedsverträgen in die Hand einer Vertragspartei des Garantiepaktes gelegt würden und damit die Gefahr ernster Verwicklungen heraufbeschworen wird. Deutschland ist zwar nach wie vor bereit, mit den Nachbar- staaten Schiedsverträge abKischließen. Aber diese Verträge sind nach dem unzureichenden Muster der mit der Schweiz, mit Schweden und mit Finnland verein- karten Abkommen gedacht. Sie sehen sämtlich nur ein Obli- gatorium fstr die Schlichwna von Rechts st reitig- k e i t e n, aber keine unbedingte Verpflichtung zur Schlich- tung politischer Streitigkeiten vor. Deutschland behält sich durch sie theoretisch das Recht vor, zu Gewaltmaßnahmen zu greisen, wenn der Versuch einer Schlichtung ergebnislos ausgegangen ist. Der französische Wunsch, demgegen- über ebenfalls die Befugnis zu Gewaltmaß- nahmen zu erhalten, ist deshalb nicht minder abwegig. Frankreich geht dabei von einer Ansicht über die Möglich- k e i t e n einer deutschen Machtpolitik aus, die angesichts der deutschen Abrüstung für uns Deutsche etwas U n b e g r e i f- liches hat. Wenn aber Deutschland wirklich ohnmächtig ist, so wäre es doch naheliegend, auf das f o r in a l s Recht zu Gewaltmaßnahmen ausdrücklich zu verzichten, die durchzu- führen man nicht die Macht hat. Die Unfähigkeit der Reichsregiereung. durch eine solche Wendung zum Gedanken des Genfer Protokolls die Verwirklichung des Schiedsgedankens über den bisherigen Stand hinauszutreiben, hängt mit ihrer noch immer mangelnden Bereitschaft zur Völkerbunds- Politik zusammen. Die Alliierten betrachten„Sicherheit durch Völkerbund" als eine Selbstverständlichkeit. Die Reichs- regierung ist jetzt soweit, gegen die Verbindung von Sicher- heitspakt und Völkerbund keinen„grundsätzlichen Widerspruch" zu erheben. Das bedeutet, einen Fortschritt über die bisherige Negation hinaus: leider aber nicht aus eigenem Entschluß, son- dern nur aus dem Drängen der Gegenseite. Dabei wird daraus hingewiesen, daß Deutschland solange eine gleiche Verpflichtung zur Teilnahme an den Bundesaktionen nicht auf sich nehmen könne, als sein gleiches Recht durch die Nichtabrüstung der an- deren noch nicht verwirklicht ist. Es werden noch immer ge- wisse Einzelheiten der Völkerbundssatzung zum Einwand gegen den deutschen Völkerbundseintritt gemacht. Die Reichsregie- rung schreckt noch vor dem Völkerbund zurück und vermeidet damit den geradesten und kürzesten Weg zur Befriedung Europas. Das gestern morgen veröffentlichte Kommunigus der fron- zösischen Regierung über die deutsche Note und die Erörto- rungen der ausländischen Presse über den vermutlichen Inhalt der deutschen Antwort lassen erwarten, daß die Verhandlungen nach dem Notenaustausch weitergeführt werden. Die Aufnahme der Note scheint im Auslande günstiger auszufallen, als in Deutschland vor der Absendung erwartet wurde. Deutsd'chmd muß darüber hinauskommen, daß es für eine besonders Leistung angesehen wird, wenn eine deutsche Note den Weiter- gang der europäischen- Sicherheitsverhandlungen nicht aufhält. Es muß eine Selbstverständlichkeit sein und als Selbstoerftänd- lichkeit anerkannt werden, daß Deutschland tätig und führend an der Schassung eines wahren europäischen Friedens mitwirkt. Bis dahin bedeuten die vorliegenden Dokumente und die daraus folgenden Verhandlungen einen weiteren Sieg der Po- ljtik, die die Sozialdemokratie im Kamps gegen die' nationa- listische Hetze einleitete: und sie bedeutet zugleich den weiteren Zusammensturz der nationalistischen Ideologien. Die Auf- gäbe der sozialistischen Parteien aller Länder ist es. die Re- gierenden auf dem Wege zur Verständigung der Völker weiterzutreiben. französische Kommentare. Pari». 21. Juli.(ffig. Drahtbericht.) Im Gegensatz zu den ten- denziösen Darstellungen einiger Pariser Abendblätter wird vom französischen Auswärtigen Amt ausdrücklich darauf hingemiesen, daß der Gesamteindruck, den die letzte deutsche Note zum Garantiepakt hervorgerufen habe, durchaus günstig sei. Sie behandle Punkt für Punkt die französische Note vom 16. Juni. Doch lasie der Text in einigen Einzelfragen die erforderliche Genauigkeit ver- missen. Der deutsche Botschafter Herr v. H o e s ch soll in der mündlichen Unterredung mit Herrn Briand darauf hinge- wiesen haben, daß die zum Teil nicht ganz präzise Formulierung ein- zelner Punkte durch die Notwendigkeit entstanden sei, einen alle Parteien befriedigenden Kompromihtext zu finden. Das französische Auswärtige Amt bezeichnet als die Aufgabe der nunmehr beginnenden Verhandlungen, diese Punkte zu klären. Infolge der Kompliziertheit der zur Diskussion stehenden Probleme müsse man auf recht lang- wierige Verhandlungen gefaßt sein. Die deutsche Note suche in an- erkennenswerter Weise eine Einigungsmöglichkeit zu finden und setze sich für die Fortführung der Verhandlungen ein. Die rechtsstehenden Blätter unterstreichen den Gegensatz zwischen der deutschen und der französischen Auffassung.„Ein Abgrund eröffnet sich zwischen der deutschen und der französischen Aufsassung." schreibt„Echo de Paris". Die französische Parole sei die Sicherstcllung des europäischen Status von 1919, die Organisation eines Verteidi- gungssystcms usw. Die deutsche Parole aber lautet: Revanche durch eine Revision der Verträge, durch Isolierung Frankreichs, durch An- rufung des Völkerbundes, durch das Fehlen jeglicher französischer und englischer Vorbereitungen. Dennoch würden die Verhandlungen fort- dauern. Das Blatt gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es Briand ge- lingen werde, eine internationale Konferenz zu ver- meiden. Hungerstreik von Kommunisten. Zwei in Hannover in Unter- fuchungShaft befindliche Kommunisten sind in den Hungerstreik getreten. Der kommunistische Abg. Abel bat al« Mitglied deS Preußischen Landtage« sich in einem Telegramm an den Preußischen Justizminister gewandt, um die sofortige Einleitung de« Gerichtsverfahrens zu erzwingen. Der Führer der ilalienischen Demokraten Amcndola, der schon vor einigen Monaten dos Opfer eines gefährlichen Faschistenan- chlages war, ist gestern in der Nähe von Florenz wiederum von unbekannten Faschisten überfallen und mir Stöcken schwer miß- handelt worden. Er und seine Begleiter mußten ins Kranken- haus übergeführt werden, wo sie zehn Tage verbleiben dürften. Gewerkschaftsbewegung Der Kampf im deutschen Baugewerbe. Schon seit dem Frühjahr haben im Baugewerbe in fast allen Teilen Deutschlands neben ungezählten fleineren auch größere Arbeitskämpfe stattgefunden. Erwähnt seien an dieser Stelle die Kämpfe und Aussperrungen der Bauarbeiter in Groß- am burg, in Schleswig- Holstein, in Württemberg, in Pommern. Diese Kämpfe wurden für die Bauarbeiter in günstiger Weise entschieden, obwohl nicht alles erreicht werden konnte, was erreicht werden sollte. Die Kämpfe gingen nicht nur um Lohn erhöhungen, es galt dabei auch, die Sozialerrungen schaften der Bauarbeiter, die im alten Reichstarif für das Baugewerbe enthalten und mit dessen Ablauf verloren gegangen waren, wieder zurückzuerobern. In Württemberg ist auf, und die Behörden sehen diesem Bucher seelenruhig zu. Aber die Arbeiterlöhne ja, Bauer, das ist etwas anderes. Der einzige wirkliche Berbilligungsfattor auf dem Baumarkt ist heute, die Berhältniszahlen zugrunde gelegt, nur noch der Bauarbeiterlohn. Alles andere steht im Preise bedeutend höher. In den jetzt entfesselten Bauarbeiterfämpfen geht es dem Unternehmertum darum, ihre Grundsäge hochzuhalten: Nied rige Löhne, lange Arbeitszeit, höchste Bucher preise. Die Bauarbeiter Deutschlands haben bisher alle Sturmangriffe der Bauunternehmer auf den Achtstundentag abgeschlagen. Ihre Kämpfe gelten der weiteren Berbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, nicht zuletzt auch der Wiedergewinnung jener Sozialerrungenschaften, die ihnen in früheren Jahren die Bauunternehmer tariflich verbrieft hatten. Bei diesen gerechten Kämpfen der Bauarbeiter unsere Sympathie und unsere Solidarität! zum Teil auch das letztere gelungen, bei den anderen schon Kündigung des Lohnvertrages bei der Reichsbahn. genannten Kämpfen konnten in der Hauptsache nur die Löhne verbessert werden. Neuerdings ift mun der Kampf im Baugewerbe um Lohnverbesserungen und Wiedereroberung der alten Sozialvergünstigungen, besonders der Ferienbestimmungen, auf breiter Grund lage im Gange. Zuerst fam es zu einem allgemeinen Kampf in Mecklenburg. Die Unternehmer machten nur ganz geringfügige Zugeständnisse, die Verhandlungen zerschlugen sich, die Bauarbeiter griffen zu Teilstreifs, die Bauunternehmer antworteten mit der Aussperrung. Dasselbe Spiel dann in B a den mit Borderpfalz, später in Sachsen, schließlich der Kampf in Berlin und zuletzt die Aussperrung in der Provinz Sachsen und in Anhalt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch noch in arderen Landesteilen die Bauarbeiter in Großlämpfe verwidelt werden. Diese Kämpfe im Baugewerbe sind systematisch von den Bauunternehmero reganisationen Dorbereitet worden. Hinter ihnen stehen die anderen industriellen Großunternehmer. Es ist dem Baugewerksbund im vorigen Jahre und bisher in diesem Jahre gelungen, die Bauarbeiterlöhne so zu verbessern, daß sie heute in Deutschland zu den höchsten Arbeiterlöhnen gehören. Das fällt vor allem auch den Industrieherren von Rohle und Erz auf die Nerven, weil sie darin einen Anreiz für ihre Arbeiter zu höheren Lohnforderungen erblicken. Sie stellen sich hinter die Bauunternehmerorganisationen, die sich diese Hilfe gern gefallen laffen. So haben die Industriebarone des Ruhrreviers beschloffen, teine Bauten mehr ausführen zu lassen, weil die Bauarbeiterlöhne zu hoch" seien. Wie steht es mun mit den hohen" Bauarbeiterlöhnen? Zu" 1 nächst ist zu beachten, daß die Bauarbeiter Saisonarbeiter find. Die allwöchentlich vom Baugewertsbund vorgenommenen Erhebungen über den Umfang der Arbeitslosigkeit im Bereiche seiner Mitglieder ergeben, daß in diesem Jahre an einem Zähltage der Höchst stand an Arbeitslosigkeit 24,8 Proz., der niedrigste Stand 3,16 Proz. war. Immer waren Arbeitslose vorhanden, womit auch zugleich das Unternehmergeschrei über den Bauarbeitermangel" abgetan ist. Nun zu den„ hohen" Bauarbeiterlöhnen selbst. Auch darüber nimmt der Baugewerksbund von Zeit zu Zeit Erhebungen auf; die legte über die Löhne wurbe Mitte Juni veranstaltet. Dabei wurden 80 Lohngebiete erfaßt und die Realwochenlöhne errechnet. Von dem richtigen Grundsatz ausgehend, daß die Reichsmeßziffer ( damals 136) nicht die wirkliche Lohnentwertung widerspiegelt, wurde diese Ziffer auf 150 gesetzt, was unferes Erachtens auch noch reichlich niedrig ist. Seht man als Meßziffer die Zahl 150 ein, so bleiben von den 80 Lohngebieten nur noch 6 übrig mit einer Steigerung von 50 bis 60 Proz. und 9 mit 60 und 70 Broz. über den Borkriegslohn. Die wirkliche Teuerung zugrunde gelegt, dürfte demnach der Reallohn in den best bezahlten Orten dem Vorfriegslohn ungefähr gleich stehen. In 39 von den 80 Lohn lumpigen Reichs meß3iffer erreicht! Bei den Hilfsarbei gebieten haben die Maurer noch nicht einmal den Lohn nach der tern liegt es ähnlich. Damit ist aber auch das nicht mehr endenwollende Geschrei der Unternehmer über die hohen" Bauarbeiterlöhne gründlich wider legt. Was ist das überhaupt für eine Unternehmerberechnung, wenn die Reallöhne von 1925 denen von 1914 gegenübergestellt werden! Selbst wenn 1925 wirklich der Reallohn für alle Arbeiter erreicht wäre, so bedeutete auch dies einen Stillstand in der Arbei terkultur von 11 Jahren! Will einer behaupten, ohne Welt frieg ständen die Arbeiterlöhne in Deutschland immer noch so wie 1914? " im Wo die Ursachen der Teuerung auf dem Baumarkt liegen, dafür einige Stichproben: Im Juli 1914 fofteten nach der Westdeutschen Rundschau" vom 15. Juni 1000 Mauersteine frei Waggon Berlin 18,50 M., im März 1925 49 M., April 1925 gin dieser gin dieser Großwucherpreis auf den Bucherpreis DON 44 M. ziurüd. Biegel tofteten im Juli- 1914 bas Tausend 29 M., am 1. April 1925 dagegen 66 M. Hier nimmt man also weit mehr als den doppelten Preis! Darüber regt sich jedoch fein Unternehmer Mitte August Verhandlungen mit der Hauptverwaltung. Nach längeren Berhandlungen, die am gestrigen Dienstag stattfanden, ist von den Tarifgewerkschaften der Reichsbahnarbeiter der Beschluß gefaßt worden, den mit der Hauptverwaltung der der Beschluß gefaßt worden, den mit der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft abgeschlossenen Lohnvertrag zum 31. Auguft zu tündigen. Der gegenwärtige Lohnvertrag sieht fieben Lohngruppen für männliche Arbeiter und eine achte Lohn gruppe für die weiblichen Arbeiter vor. Die Tarifgewerkschaften, die durch den Abschluß des neuen Lohnvertrages im wesentlichen eine allgemeine Erhöhung der Löhne erzielen wollen, werden nunmehr zwecks detaillierter Formulierung ihrer Forderun gen in Berhandlungen eintreten. In den Verhandlungen, die die Gewerkschaften untereinander führen werden, wird auch die Frage geprüft, ob der Manteltarifvertrag ebenfalls zu dem gleichen Termin gefündigt werden wird. Nachdem über diese Einzelheiten Einstimmigkeit erzielt worden ist, werden mit der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Lohnvertrages gepflogen werden, die aber nicht vor Mitte August stattfinden werden. Das Berliner Arbeitersekretariat 1924. Am 15. Oftober 1924.fonnte das Berliner Arbeiterfekretariat auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Auf die Entstehung und die Geschichte des Sekretariats an dieser Stelle einzugehen, erübrigt fich, darüber ist im Vorwärts" am Jubeltage des Sekretariats eingehend berichtet. 6935 Ratsuchenden in Anspruch genommen, benen in 7793 Fällen Im Berichtsjahr wurde das Arbeiterfekretariat von insgesamt Auskunft erteilt wurde. Von den Auskunftsuchenden gehörten 6053 Personen gleich 87,05 Broz., den gewerkschaftlichen Zentralverbänden an. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 1770 Schriftfäße angefertigt. Davon entfallen auf die Arbeiterversicherung 997, auf den Arbeitsund Dienstvertrag 70, auf das bürgerliche Recht, auf das Straf gefeß, Gemeindeangelegenheiten, Militärversorgung, Privat-, bzw. Angestelltenversicherung, Steuerfachen usw. 733. Von den Auskünften entfallen auf die Arbeiterversicherung 4463, gleich 57,33 Proz. aller Auskünfte. An erster Stelle auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung steht auch in diesem Berichtsjahr die Unfallversicherung mit 62,07 Broz., dann folgt die Invalidenperficherung mit 849 gleich 19,02 Proz., die Krantenversicherung mit 787 gleich 17,62 Proz. Die persönliche Bertretung erfolgte in 327 Fällen mit 395 Ter minen; davon entfallen auf das Reichsversicherungsamt bzm. Reichsversorgungsgericht 27, auf daas Oberversicherungsamt 261, auf das Gewerbe- und Kaufmannsgericht 13, auf das Amtsgericht 13, auf bas Reichswirtschaftsgericht 2, auf Schaden- und Haftpflichtversiche Der Ausgang des Rechtsstreits wurde dem Sekretariat in Arbeiter bzw. Arbeiterinnen erfolgreich, in 104 Fällen 357 Fällen bekannt. Das Resultat war in 253 Fällen für die Arbeiter bzw. Arbeiterinnen erfolgreich, in 104 Fällen hier find auch die am Jahresschluß noch nicht erledigten Fälle mit ein begriffen erfolglos. Von den mit Erfolg vertretenen Fällen wurde in 11 Fällen durch die mündliche Verhandlung des Sekretärs mit den Parteien im Vergleichswege ohne den Klageweg zu be schreiten, ein günstiges Resultat für die Arbeiter erzielt. Ein Teno- Streich. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichten wir in der Morgen ausgabe vom 18. Juli eine Mitteilung des Deutschen Baugewerfsbundes, wonach durch das ungeschickte Vorgehen der Technischen Nothilfe Spundwände durchbrochen wurden, so daß der Baugewerksbund, der alle Notstandsarbeiten ausführt, fich bereit erklären mußte, diefen von der Teno hervorgerufenen Notstand zu beseitigen. Dazu schickt uns die Hauptstelle der Technischen Nothilfe eine Berichtigung. Es sei nicht richtig, daß die Spundwände infolge ihres Eingreifens durchbrochen worden seien, daß vielmehr von ihr die Ausschachtung des Baugrundes entfernt von der Durchbruchstelle vorgenommen worden sei und daß der Durchbruch an einer Spundwand erfolgt ist, die der Bauleitung bereits vor dem Einsatz der Teno als Gefahrenstelle befannt war. Es sei auch nicht wahr, daß diese nach Entstehung des Notstandes das Feld geräumt habe, sondern sie sei vielmehr damit beschäftigt gewesen, die ge fährdete Stelle der Grube durch Aufschüttungsarbeiten zu sichern. Die Teno werde erst zurückgezogen, wenn der Baugewerksbund die neue Spundwand aufführen werde, was dieser zum 21. früh in Ausficht gestellt hatte. Dazu wird uns vom Baugewerksbund erklärt, daß eine der. artige Spundwand nicht von selbst durchbreche. Der materielle Nach weis, daß die Teno den Durchbruch verschuldet habe, ließe sich gewiß schwer erbringen, jedoch sei es für jeden Sachverständigen klar, daß dort Unberufene tätig gewesen sein müssen und den Unfall ver. ursacht haben. Aufreizung zum Klaffenhaß. Durch die Schwerindustrie. Bochum, 21. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Unternehmer der nordwestlichen Gruppe( Metallindustrie) nehmen bittere Rache an der Arbeiterschaft, weil der Lohnschiedsspruch vom 25. Juni 1925 am 7. Juli d. J. vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärt worden ist, und entlassen Tausende von Arbeitern mit der Begründung, daß sie die 4 Bf. Lohnerhöhung, die der Schiedsspruch der Arbeiterschaft brachte, nicht tragen tönnen. Eine Konferenz der Funktionäre und Betriebsräte des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Bezirk Essen, nahm zu dieser auf Grund des Schiedsspruchs die Entlassungen vornehmen und aus Situation Stellung. Die Berichte ergaben, daß die Unternehmer dieser Tatsache selbst kein Hehl machen. Die Gemerbeaufsichtsbehörden geben nur allzuleicht die Genehmigung zu Stillungen und Kündigungen. In einer Reihe von Betrieben werden lleberstunden gemacht, die natürlich in einem fralien Mißverhältnis stehen zu den Maßnahmen der Unternehmer. Die Konferenz beauftragte eine Kommission, bei den Regierungsstellen vorstellig zu werden, um dort zu verlangen, daß die Gewerbeauf fichtsbehörden erst nach sorgfältiger Prüfung alle Anträge auf Stilllegung oder Kündigung und immer erst dann genehmigen, wenn eine unbedingte Notwendigkeit vorliegt. Schiedsspruch im Pforzheimer Streif. Pforzheim, 21. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Zur Beilegung des Streites in der Pforzheimer Schmuckwarenindustrie trat am Diens tag nachmittag unter dem Borsiz des Schlichtungsausschuß vorsitzenden eine Verhandlungskommission zusammen, die bis in die Abendstunden erfolglos verhandelte. Die nach dem Scheitern der Berhandlung fofort zusammengetretene Schlichtungskammer fällte darauf einen Schiedsspruch, nach dem der Spizenmindestlohn für den 25jährigen gelernten Arbeiter bis zum 31. Juli 66 Pfennige, ab 1. Auguft 68 Pfennige und ab 19. September 69 Pfennige betragen soll. Bisher wurde nur ein Stundenlohn von 60 Pfennigen gezahlt. Am Donnerstag vormittag werden die 34 000 im Streit ſtehenden Arbeitnehmer der Pforzheimer Schmuckwarenindustrie durch Ur entscheiden haben. abstimmung zur Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu Entspannung im englischen Bergbaukonflikt. Condon, 21. Juli.( EP.) Die Grubenbefizer haben heute nach mittag beschlossen, den Grubenarbeitern neue Vorschläge zu unterbreiten. Diese werden gegenwärtig vom Bollzugsausschuß der Grubenarbeitergewerkschaften geprüft. Man nimmt an, daß sie als genügend erachtet werden, und daß die Unterhandlungen zwischen den beiden Parteien innerhalb 48 Stunden wieder aufgenommen werden können. Der Generalsekretär der Grubenbefizerunion hat heute nachmittag erklärt, daß die Rückkehr zur Gold. währung zum Teil für die gegenwärtige Krise in der Kohlen industrie verantwortlich sei, weil dadurch die Produktionskosten per Tonne Kohle um einen Schilling per Tonne gestiegen feien. Die Delegierten der Verkehrsarbeiter haben heute nachmittag in einer Jahrestonferenz eine einstimmige Entschließung ange nommen, in der sie den Grubenarbeitern im Falle eines Streifes finanzielle und moralische Unterstügung zusichern. Achtung, Bauanschläger! Die Bautischlerei Jacob, Lichten. berg, Südstraße, Zwischenmeister: Anschläger Billi Schöning, Neukölln, Siegfriedftr. 55, ist für Bauanschläger wegen Tarifbruch gesperrt.( Bei Lichtenberg, Knorrbremse.) Die dort beschäftigten organisierten Bautischler ersuchen wir um fraftvolle Unterſtügung. Die Belegschaft der Firma Ofis, Aufzugwerke, Abt. Stadtlager, Berlin. Alte Jakobstr. 23-24, befindet sich seit dem 20. Juli wegen Lohndifferenzen im Streif. Es wird erwartet, daß die Arbeiter schaft strengste Solidarität übt und den Betrieb unter allen Um ständen meidet. Alle Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe ber Staaler. Am Donnerstag, vor mittags 10 Uhr, Streifversammlung im Gewerkschaftshaus, Gaal 3. Kollegen haben zu dieser Versammlung au erscheinen. Die Fachgruppenleitung. Fachgruppe der Rohrer. Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, Streitversammlung der Rohrer im Saal 3 des Gewertschaftshauses, Engel- Ufer 24/25. Boll zähliges Erscheinen ist dringend erforderlich. Die Fachgruppenleitung. Berantwortlich füte Politit: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewertschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderet und Sonstiges: Frik Karstädt: Anzeigen: Th. Glede; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GW. 68, Lindenstraße& Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Mufitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27. Andieasstr. 21( Königstadt 4310, 4048), Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch. 4 billige Anzug- Tage Von Mittwoch, dem 22., bis Sonnabend, dem 25. Juli Sakko- Anzüge Serie I. Einzelne Herren- Anzüge in verschiedenen Mustern, gute Qualität. 25.Serie II. Herren- Anzüge aus sehr haltbaren Stoffen, schön gemusterte Cheviots und Donegalstoffe. 33.Serie III. Unser Schlager! Herren- Anzüge aus schön gemust. Woll- Homespun u Woll- Cheviots in vielen 38.Farben, bei sehr guter Verarbeitung u. Zutaten Serie IV. Herren- Anzlige aus vorzüglichem Wollstoff, 46.sehr geschmackv. Muster, beste Verarb.u.Zutaten Herren- Jackett- Anzüge, Ersatz f. 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Gabardine- Anzüge, vierteilig mit Breeches u. langer Hose und viele einzelne dreiteilige Anzüge.. BAER SOHN A.-G. nur Chausseestraße 29-30 38.47. fr. 34142. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts mit In den Jahren der Inflation wurde die deutsche Weltstadt von Abenteurern und Genußmenschen aus aller Herren Länder über. schwemunt. Den traurigen Bertommer weiter Boltstreife gefellte sich ein anderes llebel, das durch ein hemmungsloses lleberschäumen und durch die bunte Gegensäglichkeit zu seinem inneren Wesen faft noch tragischer und erschütternder wirfte wie das hilflose Untergehen müssen armseliger Menschen. Berlin, eine Stätte nicht einmal langfam schleichenden Todes, schien Tummelplak ausgelaffener Freude zu sein. In furchterregender Fülle drang Gift in die Jugend ein nicht nur feelisch, auch außerlich und fichtbar: Die Kokainfenche mit all ihren abstoßenden Rebenerscheinungen ergriff und verzehrte, mas Ueberschwang an Lebensfreude schien, wurde zu bewußtem oder ungläubigem Spiel mit dem Tod. Höhlen niedrigster Art, oft deshalb gefährlich, weil sie sich mit Reizen des Künstlerischen und Gesellschaftlichen umgaben, wurden für viele zu Heim and Grab. Als der Inflationssput entschwand und mit ihm das freudengierige Ausländertum übler Art, blieb ein trauriger Rest zurüd: Menschen, die die Arbeit verlernt hatten und nicht mehr von unfeligen Angewöhnungen wegtamen, Jnjasjen von Jrrenanffalten, von Gefängnissen und Asylen: foweit nicht die Bielen ihr Leben fathit wegwarfen oder bejammernswert zugrundegingen. Die gesteigerte Lebenslust, über die Grenzen des Tollen hinaus getrieben, war nichts anderes gewefen als ein Spiel mit dem Tode. Und dies ist heute noch nicht geschwunden, ja, es wirkt jetzt, entfleidet jeden täuschenden Reizes, in seiner ganzen erschreckenden Tiefe. Die Zahl derer, die jeden Halt verloren haben, meist junge Menschen, ist banntlich groß. Und junge Menschen sind es mieder, die am leichtesten ihr Leben wegwerfen. Die Entartung der Jugendlichen, eine Folgeerscheinung von Kriegserziehung und dem Abenteurergeift der Inflation, ist eines der traurigsten Kapitel des öffentlichen Lebens. Nicht genug kann das Augenmert aller Menschenfreunde darauf gelenit merden. Wären die polizeilichen Fürsorgeeinrichtungen auch besser als sie sind, würde ein entlassener Gefangener, zermürbt durch den Strafvollzug und durch dessen oft unglückliche Eigenart dem freien Leben nur schwer gewachsen, auch wenige Widerstände zur Erlangung von Arbeit und Brot zu überwinden haben es ist immer noch nicht das, was einen Menschen dauernd für das Leben retten und zum Leben erziehen tann. Was wir für unfere Jugend vor allem brauchen, das ist der Glaube an die Heiligkeit des Lebens, ist die ungeheure moralische Kraft des Gemeinschaftsgedankens, dessen Berlust dem Menschen das letzte an Halt und Hoffnung nimmt. Ift es uns darum zu tun, die verhängnisvollen Spuren von Aus. nahmezeiten wieder zu zerstören, dann haben wir, ganz gleich, mie wir politisch als ernste Menschen denken, unter die Jugend die Grundsätze eines edleren, eines allein würdigen Lebens zu tragen, haben unbekümmert darum, ob es von allen gebilligt wird oder nicht, die Grundfäße wirken und Gestalt gewinnen zu lassen, die sich allein der menschlichen Seele gegenüber bewährten und das ist die Ethil des Jugendlichen, die auf Opferfreude und Gemeinschaftsdienst gerichtet ist. Bellagt es einer nicht, daß Ethit als Erlebnis zu wenig an den Jugendeingangspforten des Lebens steht, so mag er StatiTrost im Eis. Die außergewöhnliche Temperatur in diesen Hundstagen stellt an die Eiswerte Berlins die allergrößten Anforderungen. Die Heineren Eisfabriken find faum oder gar nicht in der Lage, dem er. höhten Konjum nur annähernd Rechnung zu tragen. Hier müssen die großen Eisfabriken einspringen, die mit ihren riesigen Maschinenanlagen Tag und Nacht arbeiten, um der Nachfrage einigermaßen gerecht zu werden. Während am Montag bie Norddeutschen Eiswerte allein etwa 6800 Zentner teimfreies Eis ausgefahren haben, mird die Menge, die in der Nacht bis um 12 Uhr erzeugt wurde, die obengenannte Zentnerzahl noch um einige Hundert übersteigen" In erster Linie werden die Krankenhäuser mit der nötigen Menge Eis versorgt. Es ist also feinesfalls zu befürchten, daß hier eine Unterbrechung in der Lieferung eintritt. Dann folgen die Re ft aurants und Kaffeebäufer sowie die fliegenden Eishändler, die fogenannten„ Eismarer", die mit ihrem Wägelchen an der Straßen ede stehen und Speiseeis verkaufen. Wenn man den heutigen Berbrauch an Eis in Groß- Berlin zufammenfaßt, so dürfte man diesen mri 40 000 bis 45 000 3entner durchaus nicht über. schäzen. Aufsehen erregt es, wenn in den Vormittagsstunden die Eistransportwagen ihr foftbares Gut entladen. Es ist Ferienzeit und viele Jungen und Mädchen verfolgen folch ein eisspendendes Gefährt, um ein heruntergefallenes Stückchen gierig zu erhaschen. Die Hiße ist eben groß, und jeder, ob groß oder klein, sucht so gut er fann, die unerträgliche Temperatur herabzumildern. Großer Waldbrand bei Bernan. Am Dienstag vormittag brach in dem Waldgebiet zwischen Bernau und Bandlik ein größerer Waldbrand aus, der infolge her großen Dürre mit rafender Schnelligkeit um fich griff. Die Spiel dem Tode ffiten der Weltstadt durchblättern oder eine der zahllosen Keller ineipen des Berkommens besuchen, in denen meist Jugendliche zu finden sind. Oder er mag es dem Zufall überlassen, bis er in grauenvoller Weise belehrt wird. Vielleicht genügt ein einziger Fall, um dies Grauen zu wecken. Es gibt solche Fälle, die nie aus der Erinnerung schwinden. Nur ein Beispiel. Es ist Morgen. Um Heute H σ Aman Emert eine Sandfifte am Schiffbauerdamm stehen Polizisten. Ab und zu wird der Deckel gehoben. Sogleich aber wieder sinken gelassen. In dieser Sandkiste liegt die Leiche eines blutjungen Selbstmörders in der Hand den Revolver, im Munde die Zigarette. Niemals ist mir so furchterregend das Spiel mit dem Tod entgegengetreten. Möge jeder helfen es geht um Schweres, aber auch um Dantenswertes! Bernauer Feuerwehr, ebenso die Freiwilligen Feuerwehren aus den Die Eindämmungsarbeiten gestalteten sich sehr schwierig, da hier umliegenden Dörfern eilten herbei, um den Brand zu befämpfen. Bemühungen der Wehren werden fortgesetzt. und dort das Feuer immer wieder aufloderte und übergriff. Die Bemühungen der Wehren werden fortgefeßt. Der angerichtete Schaden ist sehr beträchtlich, da das Feuer eine große Ausdehmung erlangt hatte und größtenteils wertvolles Laubholz vernichtet wurde. Die Entstehungsursache fonnte noch nicht festgestellt werden, ist aber vermutlich auf die Unvorsichtigteit oon Ausflüglern zurückzuführen. Auch eine Kindesentführung. Eine wilde Jagd fonnte man am Dienstag morgen gegen 8 Uhr auf der Chaussee zwischen Michendorf und Baisdam beobachten. Ein elegantes Auto, in dem drei Personen mit einem hübschen, etwa vierjährigen Kinde Platz genommen hatten, fuhr in schnellstem Tempo die Chauffee entlang, verfolgt von einem Passanten auf den vorderen Wagen aufmerksam zu machen. Da, anderen Kraftwagen, dessen Insassen laut rufend versuchten, die an der Biegung der Chaussee, bog sich der Herr, der das Kind in feinen Armen hielt, etwas weit aus dem Wagen heraus; das Kind entfiel seinen Armen und flog, sich überschlagend, auf die Straße. Im letzten Augenblid vermochte noch der verfolgende Bagen aus zuweichen, wodurch das bewußtlos daliegende Kind vor dem Ueberfahrenwerden bewahrt wurde. Beide Wagen wurden hierauf zum Halten gebracht; man hob das Kind auf und legte die Puppe in den Wagen. Schluß!" rief da plötzlich jemand. Der Mann mit dem Kurbelkasten tam hervor, nahm im Auto Play, und in schneller Fahrt ging es nach Potsdam. Es war mal wieder eine Filmaufnahme. Wie nun aber, wenn, was doch möglich ist, es wirklich einmal Ernst ist und das Publikum glaubt, es sei nur eine Filmaufnahme? " Mittwoch, 22. Juli 1925 Am Feuer! Gengenb brennen die Sonnenstrahlen, schier unerträglich ist die Hize. Der Asphalt raucht! Menschenleiber dampfen und suchen Schutz und Abkühlung. Doch er, der den Maschinen neue Lebensgeister einblasen muß, er steht ungeschützt, der Obertörper nadt, vor ben Feuerburen und wirft ungezählte Schaufeln von Kohle in den nimmersatten Rachen. Er, der Heizer! Schweiß perlt, rieselt mie ein Bächlein. Der Gaumen, die Lippen trocken, der Atem heiß, die Brust feucht. „ Rohle! Rohle!" Das Bauberwort spornt zu neuen Anftrengungen. Schlacken! Mit einem Rud fliegt die Kesseltür auf. Das Feuer ledt an seinem Körper, die Augen schmerzen, die Hände verbrennen faft. Schnell! Schnell! Weiter! Weiter! Keine Raft, tein Aufatmen! Er muß! Seine Arbeitsbrüber, die in der Werkstatt an den Maschinen stehen, erwarten es von ihm. Still, underdrossen, ohne Klagen, ohne Murren hält er aus. Acht Stunden. Es ist unmenschlich bei dieser Backofenglut. Wer denkt an ihn? Wer kümmert fich um ihn? Endlich ist er frei. Bie zerschlagen wantt er nach Hause. Ach, wie schön ist es doch hier draußen. Und da gibt es noch Menschen, die über unerträgliche Hige tlagen? Geht zu ihm und den Laufenden anderen Werftätigen, die in solcher Glut schwer schuften müssen, mur um ihr Leben notdürftig zu fristen, und lernt an ihnen, daß man selbst diese Hitze ertragen muß und ertragen tann. Mieterfrenden." Wer die Berliner Mietstafernen fennt, der sehnt sich nach einem fleinen Eigenheim. Du brauchst ober, wenn Du das Mieterleben fatt triegen willst, noch nicht mal in eine dieser großen Miets. fajernen zu ziehen. Auch in den auf nur zwei oder drei Wohnun gen bemessenen Kleinhäusern, wie man fie in vtelen Vororten hat, lann Dir als Mieter das Baradies, das Du zu finden gehofft hattest, zur Hölle werden. Eine mehr oder minder mertliche Gespanntheit des Berhältnisses zwischen dem Birt und den Mietern ist für die Großstadt kennzeichnend, und zwar so sehr, daß darin fast eine unvermeidliche Zutat großstädtischer Mietwohnungen gesehen wird. Wir wollen hier nicht die Frage aufwerfen, ob das wirklich so zu sein braucht, sondern nur die Tat fache feststellen, daß es leider in der Regel so ift. Bon Leuten, die lange genug in Kleinhäusern der Bororte als Mieter gewohnt haben fann man die Bersicherung hören, daß dort die Beziehungen zwischen dem im Hause wohnenden Wirt und feinen" Mietern oft noch unfreundlicher asl in den Mietstafernen der Innenstadt seien. Die Eigenart vieler Bororifieinhäuser bringt es mit sich, daß dort, so bald es zu Unstimmigteiten zwischen Wirt und Mietern fommt, fich vielleicht noch mehr Reibungsflächen als in den großen Mietsfasernen bieten. Aus dem benachbarten Blantenburg an der Borortftrede nach Bernau erhalten wir eine Schilderung, die auf die Mieterfreuden" der Kleinhausbewohner ein sehr unerfreuliches Licht wirst. In dem nur drei Wohnungen enthaltenden Hause Suderoder Straße 64 sind, nachdem das Grundstück an einen neuen Eigentümer übergegangen und dieser mit einem Berwalterehepaar in die Wirtswohnung gezogen war, mehrfach recht unliebsame Auseinandersetzungen mit den beiden zur Miete mohnenden Familien vor. gekommen. Als die Geldentwertung fortschritt und die Berechnung der von den Mietern durch Umlage aufzubringenden Unkosten der Häuser nur zu leicht die Beziehungen zwischen Wirten und Mietern trübte, gab es auch im Hause Suderoder Straße 64 megen der Umlage schließlich Differenzen. Die Gereiztheit nahm zu, und die aus der Wirtswohnung gewiesenen Mieter hielten es für geboten, die Miete nicht mehr an den Wirt oder an seine Verwalterin zu zahlen, sondern beim Amtsgericht zu hinterlegen. Das und andere Zwiftigkeiten führten zur Räumungsflage, die unerwarteterweise vor dem Amtsgericht und in der Berufungsinstanz auch vor dem Landgericht zugunsten des Wirtes endete. Die Mieter wurden, weil die Miete nur hinterlegt, aber nicht vertragsgemäß gezahlt und der Wirt durch die Zwistigfeiten belästigt worden sei, zur Räumung verurteilt. Das Urteil ist, da die Beschaffung von Ersagwohnungen zur Bedingung gemacht wurde und diese Be dingung noch nicht vom Wohnungsamt erfüllt ist, bisher nicht vollstreift worden. Inzwischen sind die Beziehungen zwischen der Wirtsund Verwalterfamilie und den beiden Mieterfamilien nicht besser, sondern noch schlechter geworden, so daß es sogar schon zu Tätlichkeiten getommen ist. Die Mieterfamilien geben die Schuld besonders der Verwalterin, die sie als überaus reizbar schildern. Von der anderen Seite ist natürlich eine entgegengesetzte Darstellung zu erwarten, und das hat sich auch bei den Gelegenheiten gezeigt, wo die Streitigkeiten vor Gericht famen. Außer der Räumungsflage gab es auch zwischen der Berwalterin und einem der Mieter eine Klage und Widerlage wegen Beleidigung und Rörperverlegung und eine Meineidsanzeige gegen die Verwalterin, doch hat hier die Staatsanwaltschaft zur großen Verwunderung der Mieter sich auf die Seite der Verwalterin gestellt und die Anklageerhebung abgelehnt. Das Leyte war ein Zusammenstoß, bei dem ein Topf der Verwalterin dem einen Mieter gegen den Kopf flog. An dem daraus entstandenen Handgemenge beteiligte sich auf der Seite der Verwalterin ihr Sohn und der Wirt, dem bedrängten Mieter kam der andere Mieter zu Hilfe. Hier soll Aussicht vorhanden sein, daß zugunsten des anfangs auf den Weg der Privatflage verwiesenen Mieters doch noch die Staatsanwaltschaft einschreitet. Das Haus liegt in freundlicher Umgebung, aber wer an ihm halt vergällt ist. Bei normalen Wohnungsverhältnissen, wie vorbeigeht, ahnt nicht, wie den Bewohnern der Aufent wir sie jetzt unter den Nachwirkungen des Krieges leider noch lange nicht haben, fönnte solchen Zuständen durch Wechsel der Wohnung rasch ein Ende gemacht werden. Die Schriftfäße zur Räumungs flage des Wirtes haben den Mietern alles mögliche nachgesagt und fie der Schikane beschuldigt. Ach, die Mieter werden froh sein, wenn ihnen endlich geeignete Ersakwohnungen befchafft werden und sie ausziehen können. Vielleicht finden sich Nachfolger, zu denen die Wirts- und Verwalterfamilie besser paßt. In den Streitig feiten, die im Zusammenhang mit diesen unerquicklichen Zuständen entstanden sind, haben übrigens auch politische Gegensäge eine Rolle gespielt. Zuungunsten der Mieter glaubte die Gegenseite geltend machen zu können, daß fie Kommunisten" seien. In einer Nacht soll sogar ein beträchtliches Polizeiaufgebot in der Wohnung der Wirts- und Verwalterfamilie gelagert haben, um die Mieter demokratischen Partei. Auch ein bei der einen Mieter zu beobachten. Die Mieter sind tatsächlich Mitglieder der Sozial. familie in Schlafstelle wohnender Arbeiter, der später zur Schuh polizei ging, wurde dort man weiß nicht sicher, von wem - als " Kommunist" denunziert. Das mußte ausgerechnet ihm widerfahren, dem die Kommunisten, weil er gleichfalls Mitglied der Sozial demokratischen Partei ist, ihren Haß reichlich zu kosten gegeben haben. Mitarbeit der Frau bei der Verfassungsfeier. Bekanntlich liegt in den Händen des Reichsbanners Sowarz Rot- Gold die Vorbereitung der großen Verfassungsfeier in Berlin, die gleichzeitig die Tendenz als großdeutscher Tag in sich trägt. Da nun im Reichsbanner fich nur die männlichen Republikaner sammeln, wäre die Mitarbeit der republikanischen Frauen zur Vor« berenung der BerfassungSfeier ausgeschlossen. DaS Reichsbanner ist jedoch im Hinblick darauf, daß die Verfassungsfeier eine Volks- frier im wahrsten Sinne des Wortes sein soll, jetzt an die Fraueil- organisationen der republikanischen Parteien herangetreten und hat sie zur Mitarbeit aufgefordert. Spart mit Sem Wasser! Täglicher verbrauch von l Million Sobikmeter Wasser Der Wasseroerbrauch in Berlin ist in den letzten Tagen wieder ganz e r h eb l i ch gestiegen. Täglich werden letzt in Verlin an- nähernd rund 1 Million Kubikmeter Wasser verbraucht, davon liefern die städtischen Wasserwerke mehr als die Hälfte, nämlich täglich rund MO 000 Kubikmeter und die Charlottenburger Wasser- werke 206 000 Kubikmeter, während der Rest auf die Großbetriebe, Eisenbahn und Selbstversorger ohne Anschluß an eine Wasserleitung entfällt. An vielen Stellen ist der Grundwasserbeftand gesunken. Zahlreiche Bäume, die infolge der anhaltenden großen Hifte mehr Wasser als sonst verbrauchen, sterben ab, verlieren die Blätter und vertrocknen. Man kann dies am Dönhoffplatz und in vielen Straßen beobachten. Angesichts dieser Kalamität und im Hinblick auf das Fallen der Wasserspiegel der Spree, Havel, Dahme sowie sämtlicher märkischer Seen wird darauf hingewiesen, daß es Pflicht der Bevölkerung ist, den Wasser- verbrauch einzuschränken, damit wir über diese Trockenverlode hinwegkommen. Bei weiter anhaltender Dürre und weiter steigen- dem Wasseroerbrauch ist es nicht ausgeschlossen, daß eine aber- malige empfindliche Wassernot eintritt, besonders wenn das Grundwasser weiter fällt und die Brunnen nur geringere Wassermengen liefern. Wie sehr der Wasserverbrauch in Berlin zugenommen hat, geht schon daraus hervor, daß die städtischen Wasserwerke heute rund SO 000 Kubikmeter Wasser täglich mehr fördern als 1922. Wer also eine unangenehme Störung in der Wasserbelieferung vermeiden will, der schränke seinen Wasserver- brauch etwas ein, bis die Trockenheit vorüber ist. Die EinlaSung zu einer Tasse Kassee. Wie weibliche Jugend verdorben wird. Ein übles Quartier wurde von der Kriminalpolizei in dem Hause Willibald-Alexis-Strahe 4 ausgehoben, dabei kam es zur Fest- stellung von geradezu haarsträubenden Einzelheiten. In dem ge- nannten Hause wohnte im hohen Erdgeschoß des Seitenflügels eine 5 0 Jahre alte Frau Franke, die vor 7 Jahren aus Staßfurt nach Berlin kam. Die jüngste Tochter dieser Frau, eine Ida Franke, die auf der Straße Männerbekanntschasten sucht und unter der Aufficht der Polizei steht, zog nun junge Burschen an sich und diese wieder holten lunge Mädchen heran. Zu dem Zwecke standen sie besonders im Biktoria-Park, lauerten dort Mädchen auf, sprachen sie an und luden sie ein, mit ihnen bei ihrer Tante in der Willibald-Alexis-Straße 4 eine Tasse Kaffee zu trinken. Die Mädchen, die ihnen ins Garn gingen, wurden in dein Quartier, zwei Stuben und Küche, die ebenso wie die dürftig« Einrichtung vor Schmutz starren, vergewaltigt. Mit anderen, an denen schon nicht mehr viel zu verderben war, feierten die jungen Burschen die wüstesten Orgien. Kriminalbeamte, denen solche Bur-' schen in den Anlagen auffielen, folgten ihnen heimlich, überraschten 4 in dem Quartier und nahmen sie fest. Andere werden noch gesucht. Es sollen 15 bis 16 Jungen beteiligt sein. Weil sie sich untereinander nur mit ihren Spitznamen riefen, so sind auch nur diese bekannt. Vergewaltigte Mädchen, die vielleicht aus Angst vor ihren Eltern die Vorkommnisse bisher verheimlicht haben, werden unter Zusicherung strengster Verschwiegenheit dringend ersucht, sich bei Kriminalkommissar Johanne» Müller im Polizeidienstgebäude in der Magazinstraße zu melden, ebenso ander« Leute, die da» unsaubere Treiben beobachtet haben. Frau Frank« wurde vorläufig in Gewahrsam genommen. Die Kopfbedeckung der Schutzpolizei. Unter der augenblicklich herrschenden großen Hitze leiden natur- gemäß besonders die Berkehrsbeamten der Schutzpolizei. Um ihnen ihren schweren Dienst zu erleichtern, sind verschiedene Arten der Kopfbedeckung ausprobiert worden. So hat man auch versucht, die Verkehrsbeamten ihren Dienst in der Mütze ver- richten zu lassen. Aber auch die Mütze bietet keine nennenswerten Erleichterungen gegenüber dem Tschako, da sie keine Bentilations- öffnungen hat. Man Ist dann dazu übergegangen, die schwarzen Tschakos der Berkehrsbeamten zunächst probeweise mit weißen Ueberzügen zu versehen, um die Konzentration der Sonnenstrahlen durch die schwarzen Tschakos nach Möglichkeit zu vermeiden. Augen- blicklich stellt Professor Hahn von der Hygienischen Abteilung der Universität Berlin Versuche an, um durch Messungen der durch die verschiedenen Kopfbedeckungen erzeugten Wäremgrade die zweck- mäßigste und luftigste Kopfbedeckung für die Verkehrsbeamten zu bestimmen. Hoffentlich kommt man recht bald aus dem Stadium der Versuche heraus zu einem praktischen Ergebnis, von dem die geplagten Schutzpolizeibeamten auch noch etwas haben. Im Grunde genommen hätte man den Beamten schon längst diese Erleichterung schassen sollen. Die gesamte Uniform ierung mit ihren schweren, eng anliegenden dunklen Stoffen, die die Hitze geradezu ansaugen, muß übrigens als für den Sommer ganz un- praktisch bezeichnet werden. UnÜ wieder ins Zuchthaus. Das einzige Wittel. Der Schuhmacher Karl P. ist ohne Frage ein Mensch, der sich nie wieder auf den Weg eines rechtlichen Lebens zurückfinden wird. Er selbst bringt dazu nicht mehr die Kraft auf, die Behörden stecken ihn— nur immer i n s Z u ch t h a u sl In der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Moabit, P. hat einen neuen Ein- bruch während einer Urlaubszeit au» dem Zuchthaus begangen, kommt sein ganzes Leben zur Sprache! Schon die Großmutter des Angeklagten starb im Irrenhaus, sein Vater war notorischer Säufer. P. selbst ist schwerer M o r p h i n i st und war zwei Jahre lang in der Irrenanstalt In SeMMm! Miklismli!iiie»M! heute Mittwoch von 4 Uhr ab, morgen Donnerstag, den ganzen Tag, sehr wichtiges Flugblattmaterial abholen vom vezirbssebretariat, Lindenstr. 3. U-Hof. 2 Trp. Slle Betriebe, auch Uleinbetriebe und Bureaus, müssen mit Flugblättern belegt werden! Landsberg. Der Alkohol und die Na r t o t i k a sind die ständigen Begleiter der Jugend dieses schwachsinnigen Menschen gewesen. Nun kann es natürlich nicht oerwundern, wenn der Angeklagte bald ständige Bekanntschaft mit den Zuchthäusern macht. Aber man kann ihn hier nicht dauernd halten, sein Gesundheitszustand ver- bietet es, er wird wiederholt wegen Krankheit beurlaubt! Während des letzten Urlaubes geht P. zuerst zum Armenvorsteher und erhält eine monatliche Unterstützung von 10 Mk., in Worten zehn Mark...! Als diese ausgegeben sind, be- geht er wieder einen B o d e n d i e b st a h l in der Rosenthaler Straße. Durch die Aufmerksamkeit der Portlerfrau wird der An- geklagte aus frischer Tat ertappt und oerhaftet. Nun nimmt sich dieses Menschen wieder der Staatsanwalt an! Ein kurzer Antrag:— sittenloser Mensch.— Morphinist, Sauser, Gewohnheit»- Verbrecher,... menschliche Gesellschaft muß davon befreit werden! — 3 Jahr- Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von ebenfalls 3 Jahren! — Da» Gericht ist derselben Meinung, Berufsrichter und— die Laienrichter auch! Und P. geht nun wieder in» Zucht- Haus, wird sicher wieder trank, dann wieder beurlaubt... bis zu seinem erlösenden Ende._ Wetter für Bettln nab Umgegend Heiter, trocken, heiß.— 56t Oeotschland Im äußersten Westen strichweise Gewitter, sonst überall trocken und sehr warm. Das Kunäkunkproxramm. Mittwoch, den 22. Joli. AnCar dem Üblichen Tageeprogremm: B— 6.30 Uhr naehm.: Viertes Kinderfest der PnnV- Stunde. 7 Uhr abends: Dr. P. Vageier:«Das moderne Abossinien". 7.30 bis 8.16 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnle(Bildungshurae). 7.30 Uhr abends: Abteilung Philosophie. Dr. med. Alfred Beyer, Oberregierungsrat im PreuSischen Ministerium für Volkswohlfahrt: «Psychologie für das tägliche Leben". 7. Vortrag, Praktische Auswertung", II. Teil. 7.55 Uhr abends: Abteilung Heilkunde. Dr. Paul Borinski: rDie Milch in ihrer gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedeutung". 6. Vortrag:„Die gewerbliche Verwertung der Milch*. 8.30 Uhr abends; Das deutsche Lied. Eine Vortragsreihe von Dr. Felix Günther, unter gesanglicher Mitwirkung von Karin Lindholm, Alfred Wilde, Maria Basca, Wilhelm Guttmann, Nora Pisling-Boas, Kammersänger Cornelia Bronsgeest 3. Abend. Schubert. Maria Basca singt ru dem Vortrage: 1. a) An die Musik(Schober), b) Erlofsee(Meyerhofer). e) Seligkeit(Hölty). 2. Lieder nach Goetheschen Gedichten: a) HeiQ mich nicht reden, b) G retchen am Spinnrad, c) der Musensohn, d) Liebhaber in allen Gestalten. Am Flügel: Dr. Felix Günther. 10 Uhr abends; Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater und Filmdienst. Der Tob im Wasser. Am Dienstag vormittag wurde die Leiche des am 10. Juli um 5 Uhr nachmittags ertrunkenen Schülers Alfred Panter. der bei seinen Eltern im Hause Schandauer Straße 76 in Neukölln wohnte, nahe der Grenzallee-Brücke aus dem Neuköllner Stichkanal geborgen und nach dem Schauhause gebracht.— Nahe dem M ü g g« l- s ch l ö ß ch e n zog man morgens um 7� Uhr die Leiche eines etwa 17 bis 19 Jahre allen Mannes aus dem Müggelsee. Auffallend sind sein langes blondes Haar und eine Overationsnarbe am Unterleib. Man schaffte die Leiche nach dem Friedhof in der Rudower Straße. Der junge Mann soll am Sonntag beim Baden ertrunken sein.— Aus dem Landwehrtanal landete man um dieselbe Zeit nahe der Unteren Freiarchenbrücke die Leiche eines etwa 30 Jahre alten Mannes, die schon längere Zeit im Wasser gelegen haben mußte. Anscheinend liegt ein S e l b st m o r d vor.— An der Herkules- Brücke zog man um Uhr früh die Leiche eines etwa 30 Jahre alten Mannes aus dem Landwehrkanal, die bereits mehrere Tage im Wasser gelegen hatte. Auch hier scheint es sich um einen Selbstmord zu handeln._ Noch einmal die Z?leischpreise. Unsere Ausführungen über die Fleischpreise haben begreiflicher- weise die Aufmerksamkeit der Interessenten erregt. Wenn die Fleischer-Berbands-Zeitung der Ansicht ist, daß wir trotz der Feststellungen, an der augenblicklich herrschenden Fleischteuerung seien die Ladenschlächter am wenigsten schuld, glaubt, daß wir be- sondere Freunde der Ladenschlüchter sind, so irrt sie. Der Verfasser dieser Aeuherung hat den Porwärts-Artikel nicht gelesen, dort steht ausdrücklich, die Ladenschlächter sind keine Engel. Sie nehmen nur deswegen von Preiserhöhungen in demselben Verhältnis in dem die Erhöhung der Biehpreise erfolgt Abstand, weil es augenblicklich nicht in ihrem Interesse liegt. Es kann aber auch einmal anders kommen, daß nämlich die Lodenschlächter die Treibenden bei den Preiserhöhungen sind. Daß die Engrosschlächter fich gegen die gegen sie gerichteten Angriffe wehren, ist begreiflich. Aber das Argument, daß auch Ladenschlächter reich geworden sind. Ist für uns noch kein Argument zugunsten der Engrosschlächter. Wenn jetzt noch durch das Kompromiß in der Zolltarifvorlage Vieh- und Fleischzölle eingeführt werden sollen, dann werden Fleisch und Wurst für die großen Massen bald etwa» werden, von dem man den Bericht wie die Märchen beginnen kann: E» war einmal! Billig« Fischlage. Der Verein der Fischhändler von Groß-Berlin veranstaltet am Mittwoch, den 22. bis Freitag, den 24. Juli billige Fischtage und es kommen zum Verkauf frischer Kabliau und frischer Goldbars. Der Abgabepreis beträgt �ro Pfund 0,30 M.(Im Anschnitt etwas teurer.) Ferner wird frisches Krabbenfleisch abgegeben: der Preis hierfür beträgt für% Pfund 0,35 M. Die Fische werde» in ganz besonderer Qualität geliefert und sind in den Verkaufsstellen gut gekühlt vorhanden. Di« Verkaufsstellen sind durch Plakate kennt- lich gemacht, und befinden sich in den Lodengeschästen, Markthallen und auf den Wochenmärkten. Feriensahrlen veranstallet die.Stern'-Ges. jetzt täglich. Don Potsdam fahren die Dampfer Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag nach Paretz, Donnerstag vormittag nach Brandenburg. Von Berlin und Tegel die Dampfer nach Nedlitz und Potsdam, von Plötzensee (Bahnhof Beusselstraße), Mittwochs nach Oranienburg. Ebenso finden die Extrafahrten nach Teupitz außer Sonntag und Montag und nach Grünheide täglich statt. Neu aufgenommen sind billig« Fahrten nach Neu-Helgoland, die täglich zweimal morgen» um 10 Uhr und nach- mittag» um 3 Uh' ausgeführt werden. Auf der Linie Spandau- Pfaueninsel findet ab Sonntag ein zweistündlicher Berkehr statt. Verlegung von Straßenbahnlinien. Wegen Bauarbeiten verkehrt die Linie 54 vom 23. d. M. ab voraussichtlich bis Sonnabend, den 25. Juli, anstatt über Französische Straße— Schloßplatz— Breite Straße durch den Lindentunnel bis zum Kupfergraben. 7lew gorker Sänger in Berlin. Dienstag nachmittag trafen die auf einer Deulschlandreise befindlichen Mitglieder deS New Dörfer Beethoven-Ehors, 80 Herren und 70 Damen, von Hamburg kommend, auf dem Lehrter Bahnhof«in, wo sie festlich empfangen wurden. Zum Sroßdeutschen Tag und zur verfofsangsfeier find Fahnen, Banner sowie Girlanden uiw. preiswert im ReidiSbanner-Waren- Vertrieb, Sebastianstr. 37/88(geöffnet von 9—6 Uhr), zu haben. Die Hitzewelle in Bayern. Die Hitzewelle, die über ganz Europa hereingebrochen ist, hat auch in Bayern«in starke« An- steigen der Temperaturen zur Folge gehabt. Die böckste betrug gestern mittag 27,3 im Schatten. Die Isar, die sich infolge ihrer starken Strömung nur sehr schwer erwärmt, erreichte gestern eine Temperatur von 21 Grad. Urteil im Affenprozeß. Nach einer Meldung au» Dayton ist Professor Seope» gestern vom Schwurgericht für schuldig erklärt und zu einer Geldstrafe von 100 Dollar verurteilt worden. Sinnenspiel. Kl Aus einem Tagebuch. Mitgeteilt von Kurt Eisirer. Das war es nicht. Aus dem Geschwätz meiner Wirtin lernt« «ch bald die Ursache kennen. Es wurde mir klar, was mir längst ausgefallen, wie unheimlich still es im Dorf« war. Früher er- schienen Abend für Abend die vielen wohlhäbigen alten Schiffs- kopitäne, sonntäglich gekleidet, im Saale des Gasthauses, spielten Karten, tranken in bescheidener Andacht und ergötzten sich an einem munteren Geplauder, an dem Austausch reicher und bunter Lebenserfahrungen, bis sie zu gebührender Stund« ordentlich zu Weib und Kind heimwandelten. Arzt, Apotheker, der Poftsekre- tär und die paar Fremden mischten sich, nebst etlichen jungen Volk, unter die Gesellschaft der in behaglichem Ruhestand leben- den alten Schiffer— und der ganze Saal war erfüllt von leb« hastem Treiben. Jetzt erscheint nur am Sonnabend etn« einzige Stammgesellschaft als letzter Rest vergangener Herrlichkeit, nimmt an zwei Tischen im kleinen Nebenzimmer Platz, und versucht, ohne sonderliches Gelingen, die heiteren Gepflogercheiten früherer Zeiten aufrecht zu erhatten. Im Saal« gähnten derweil die paar Pen- sionäre und stöberten in uralten Zeitschriften und in der neuesten Nummer des Wochenblattes der Kreisstadt. Nach einer Weile verlassen auch die den Schauplatz.— Das Dorf ist zugrunde gegangen an den Dampffchiffen. Früher fuhren sie auf den stolzen väterlichen Dreimastern erst als Matrosen und Steuerleute, dann als Kapitäne auf dem eigenen Besitz. Hatten sie dann etliche Jahre so die Welt durchsegelt, so setzten sie sich zur Ruhe und lebten friedsam van dem Erwor. benen; die Söhne fuhren an Stelle der Alten. Und wenn das junge Volk der Schiffer eine langwierige Fahrt beendet, dann kehrten sie getreulich in die Heimat zurück und blieben dort so- lang-, bis der letzt« Pfennig verflossen. Ehlert erwies sich als das Asyl für die unruhigen Taler und ihre Inhaber. ver Niedergang der Segelschiffahrt hatte die Wohlhabenheit de, Dorfes zerstört. Die reichen Rentner sterben allmählich aus. ver Nachwuchs bleibt in ewiger Abhängigkeit, meist als Angestellte der Dampffchisfe. Mit den langen Ferien zwischen zwei Fahrten ist es aus. Sie fahren etwa jahraus jahrein zwischen New Jork und Honolulu, ohne eine Pause der Heimfahrt zu gewinnen oder mühen sich sonst in ununterurochener Arbeit. So fehlt jetzt die männliche Jugend und ihr Geld. Daran ist Ehlert verblutet wie das ganze Dorf. Di« paar Wochen„Saison" ersetzen nicht jenen Ausfall. Was für Badegäste ein« groß« Ausgabe, ist für die Einheimischen nur eine winzig« Einnahm«, wenn sie den Ertrag für dos ganz« Jahr bilden soll. Dazu muh man für die verwöhnten und unansäs- sigen Herrschasten Aufwendungen machen: das Schiffsvolk war zu- frieden, wenn es frisches Bier und lustige Mädel gab. Man hat's dann mit der Fischerei versucht. Di« Boote nahmen stetig in Zahl ab: die Hochseefischerei lähmt auch diesen Erwerb. So ist ein breiter, frohsinniger Wohlstand lautlos zugrunde gegangen. Sie sind kaum recht zum Bewußtsein gelangt, was den Verfall eigent- lich verschuldet. Sie haben nicht geschrien, sondern sich in die schlimme Lage ruhig geschickt. Nur still fft das Dorf darüber ge- worden. Man tanzt nicht mehr, ich glaube: man liebt auch nicht mehr, sondern heiratet bloß. Wenn ich vordem am Sonntag mich ans Klavier in Ehlerts Saal setzte und leise einen Walzer begann, slugs merkt« ich, wie sich Schatten auf dem Hofe regten und etwas durch die Fenster spähte. Bald wagten sich zwei oder drei Mädchen, hell gekleidet, schüchtem in den Saal, die Arme ineinander geflochten. Andere Mädchen folgten, spazierten umher oder setzten sich bereits in ver- legener, lächelnder Keckheit auf die Bänke, die sich— mit rotem Kattun bezogen— längs der Wände hinzogen. Und ich weiß nicht, woher sie kamen, plötzlich war auch die junge Männlichkeit scharen- weise da. Man schwatzte und scherzte. Vater Ehlert schmunzelte. Die Tisch« wurden beiseite geräumt, und nun wurde getanzt. Dann mußte ich für da» üppige Honorar von einer Flasche Selter mit Himbeer die halb« Nacht durchspielen, nur biswellen abgelöst von dem Schulmeister, der dreizehn lebendige Kinder, ein« noch leben- digere Frau hatte, und seine hundert Schüler wacker für landwirt- schaftliche Hilfeleistungen heranbildete. Außerdem war dieser Schul- meister Vergnügungskommissar des Zukunftsbades, uird hatte ein großes Vergnügen daran, ältere Fräuleins zu nächllichen Mond- Icheinpartien am Strande zu geleiten-- eine Hauptnummer auf seinem Programm geselliger Unterhaltungen... Und wie sie tanzten! Als wenn die Leidenschaft selbst den Takt angab. Droht« die Morgendämmerung, dann» urde wohl noch ein gemeinsamer Erfrischungsspaziergang verabredet. Paarweise wanderten sie durch die Nacht, nur ich allem, froh über die Frohen, in den anderen genießend. Das Meor war das Ziel. Hier verloren sie sich in den Dünen. Ich lagert« mich in den Sand und lauschte. Mählich erstarrt das Flüstern und Kichern, und das Meer rauscht die Mär von der immerdar sich wieder«rzeugenden Ewigkeit der Kraft... Kam ich übers Lahr wieder, dann fand ich gar manchen der Burschen als braven Ehegatten und Familienvater wieder. »So plötzlich?" fragte ich. „Ja", meinte der Gefragte und lächelte verschmitzt treuherzig. »Ich mußte". Der Tanz, die Freiheit, die Jugeied und das Meer mochte schuld sein an dem stattlichen Menschenschlag dieses Dorfes, das Hochzeit und Tauf« nicht allzu weit zu trennen gewohnt war. Die Liebesinsel nannte ich gern dieses abgelegene Dorf. Heute ist das vorbei. Man tanzt nur noch Sedan und Kaisers "Geburtstag, dann aber mit großem Apparat und der benachbarten Kreisstadtkapell«. Vor allen Dingen tanzt man nicht mehr ohne behördlich« Erlaubnis, und Ehlerts Nachfolger würde schwerlich jene vergnügten Improvisationen dulden. Es scheint mir, sie über- treiben ein wenig ihren Elfer, den Niedergang auch äußerlich zur Schau zu tragen. Früher traf man nicht selten Frauen, die bereits den dritten Mann hatten und doch in reizendster Jugendfrffche erstrahlten(der dritte war auch gerade zur See und schickte sich möglicherweise an, dem vierten Platz zu machen). Jetzt sind sie schon welk und haben noch nicht einmal den ersten. Ach, ich werde diesmal kein« Gelegenheit haben, m den Ge- schicken der anderen zu leben. Ich werde mir selbst ein Geschick schaffen müssen, aber wie da» anfallen?. « Binsensee, 10. Juni. Ich muß mich verlieben! Immer kehrt der Gedanke wieder... Aber warum ihn abweisen? Ist e» nicht ein Wink der Natur, die mir den Weg der Heilung zeigen will. Gewiß, der Gedanke ist durchaus nicht so ruchlos albern, wie er mir anfangs schien. Er fft sehr venünftig, weil er sehr kurgemäß fft. Ich würde eine mich ganz erfüllende Beschäftigung haben, etwas, an dem ich mich erfrischen und erheitern könnte. Und das schönste wird sein, daß dies Unternehmen für niemand Folgen haben wird. Ich werde mich theoretisch verlieben, mewen Sommerroman ganz allein anspinnen und durchleben, und mit dem Tage beendigen, an dem ich den Ort oerlaffe. Fehlt nur noch der Gegenstand meiner Kurliebe. der natürlich niemals erfahren wird, daß ich chn als Junglwunnen benutze. Ich werde einen Zyklus von LIebeslicdern in bloßen Gefühl-n und Phantasien dichten, ich werde einen Liebesroman erleben, der nur«in künstlich arrangierter Traum fft. Ich werde ein verheiratetr Don Quichot« sein, der seine Dulzinea sucht, findet und— ohne em Wort mit ihr zu sprechen— verläßt. Ich werde mich verlieben! Denn im Grunde glaub« ich, daß ich bereits Sehnsucht nach den Meinigen Hab«. Ich halte e, einfach die drei Monate nicht aus. wenn Ich mir keine Ablenkung schaffe. O, da suche ich Elender bereits Enffchuldigungsgründe für meine geplant« platonische Treulosigkeit: d. h. sie soll platonischer sein als Plato es gemeint hat. Aber schändlich bleibt's trotzdem. Was tut's! Ich bin zeitlebens tugendhaft gewesen, ich will wenigstens einmal nachempfinden, wie süß es ist, schändlich zu sein. (Fortsetzung folgt.) "r. Unterhaltung unö Wissen /lufwertungszigarre, Marke: �Ver Retter� vor tmö nach dem Gebrauch. der Mchtlmg. Von Iwan Heilbut. Am Ersten dieses Monats habe ich mein Zimmer gewndigt. Mit gegenüber hat sich ein Frauengesangverein ausgetan. Ich wohne... Nein, da» werde ich nicht verraten. Den Zinunervermieterinnen dieser Straße wäre da» Geschäft verdorben. Und ich will ihnen wohl, noch immer, ja. trotz allem, wa» mir angetan worden ist. Unglückliches Geschlecht der Zimmervermieterinnen! Fühlte ich jemals mit einem Menschen, so weiß ich euer Leid zu ehren. Man ist den Launen der jungen cherren preisgegeben und steht allein in der Welt. Denn der Mann ist längst gestorben und höchsten» ein Sohn ist im Hause. Aber er geht srüh am Morgen an sein« De- jchästigung und wenn er abends heimkommt, mag er nichts hören. Was aber hat sich ereignet am Tage! Und nicht eine mitfühlende Seele, der man es mitteilen könnte(die Nachbarin geht gegen Abend aus). Der junge Herr in der Stube mit dem Klavier hat den Blumentopf zerschmissen. Der im Balkonzimmer hat ausgemuckt wegen Unsauberleit(wann aber soll wohl gesäubert werden, wenn er bis in den Nachmittag schläft!). Aber der dritte— der im Berliner Zimmer— hat den meisten Schmiß: er hat den Besuch seiner Schwester empfangen, obgleich er sich kontraktlich verpslichtet hat, seine Schwester nicht zu empfangen. Alle andern darf er empfangen, nur seine Schwester nicht--- Und nur seine Schwester empfängt er! So sind die jungen Leute von heute, und die Zimmervermiete- rinnen sind noch— zum Teil— au» einer besieren Zeit. E» gibt weißhaarige, glattgescheitelte Frauen, die den Fremdling die Fremde wohl vergessen lehren mit dem einfachen Blick ihrer stillen blauen Augen. Etwas Jungmädchcnhastes in siebenzigjährigen Augen... wie das mich oft entzückt. Ich kann aber mit gutem Gewissen sagen, daß meine Wirtin jeden Keim von Zuneigung, der sich entwickeln wollte, in mir er- stickt hat. Und daran ist nicht etwa schuld, daß ihr da» biblische Alter, die stillen blauen Augen mangeln— ach nein— Eine Frau muß nicht eben- matronenhaft sein, damit sie mir gefalle... oho, da kennt ihr mich salsch! Aber ich habe diese meine Wirtin mit meiner Petroleumlampe, die sie Abend für Abend zu füllen vergißt, von ollen Seiten beleuchtet. Und sieh«, da war nichts, was mich zu sehen freute. Hört: Morgen» um acht Uhr stehe ich auf. Um neun Uhr öffne ich die Tür« und suche mein« Stiesel. Die Hände tasten in die dunklen Ecken und finden nicht». Meine Wirtin läßt dann von der Küche her einen Laut vernehmen. Der ist verständlich für da» Allgemeine, eine Art Esperanto, und heißt: Geduld. Ich gedulde mich. Ich sitze auf dem Bettrand und lasse die Bein« hängen. Die Uhr nebenan schlägt, sie schlägt übrigens seit einem halben Jahr« die verkehrte Stund«, und zum Glück nicht„eine ganz verkehrte Stunde", sondern die vorige Stunde, so daß sie niemals aufgehört hat, diese Widerwärtige, mich zu foppen. Aber das war nebenbei gesagt.-- Nun schlägt etwas gegen die Tür. Meine Stiefel sind da. Ich habe die Absicht, mir den Mund zu spülen und mache dt« Bemerkung, daß es ohne Wasser nicht möglich ist: ich versuche, meinen Tee zu wärmen, aber der Kochapparat läßt sich aus nicht» ein, und wie ich ihn rüttle, sagt er: Ohne Spiritus geht» nicht. Ich such« die Spiritusslosche. Sie hockt in einem Winkel an der Fensterbank, unsanft reiße ich sie au» ihrem Bersteck. Sie ist leer. Und ich hebe meine Flasche in die Luft, hoch, und zerschlag« sie. Da liegen die grünen Scherben. Ein süßlicher Geruch geht von Ihnen au». Meiner Flasche Glück und Ende, sage ich. Ich muß ihr End« bezahlen. Ich sehe meinen Sturmhelm auf. Draußen, an der Wohnung». tür, steht meine Wirtin: die Nachbarin, an ihrer eigenen Wohnung»- tür, fegt. Sie fegen also, jede vor ihrer eigenen Tür. Ganz nebenbei schwätzen sie. Die Neste der in Fetzen zerschwätzten Nachbarn, von zwei messerscharfen Frauenzungen zerrissen, fliegen noch in der Lust. Für solch eine Lust habe ich ein« empfindlich zu beleidigende Nase. Ich wittere die Schlächterei. Auf dem Korridor nehm« ich Ein Ueberbleibfel. 2] Von Marlin Andersen NexS(Konstanz). War e» indes mit der Bruderliebe bisher nur einigermaßen gewesen, so wurde die Sache jetzt ganz toll. Di« Teilung bot feste Anhaltspunkte zu gegenseitigem Streit, denn die Höf« lagen zu dicht beieinander, und obwohl da» Meer groß genug war, konnten sich die Brüder nicht über die gischplätz« einigen. Noch schwieriger war die Teilung des Strandgute». Während einer Strandung selbst hielten sie allerdings fest zusammen und halfen einander treulich, die übrigen Bewohner der Umgegend fernzuhalten. Als die beiden dann heirateten, wurde das Verhältnis keine«- weg» besser. Ihre Frauen führten den Kampf mit tausend Nelnllchen Aerger- nisten weiter. Böser Klatsch und verblümte Anspielungen sickerten wie Grundwasser von Hof zu Hof. In den heimischsten Winkeln der Häuser wurde e» rauh und kalt:>o. der giftig« Haß drang wie«ine kalte Feuchtigkeit bi» in» Ehebett hinein und hemmte die letzten freien Lebensäußerungen. Wenn die Frauen unterlag» auf der Bleiche standen und sich zankten, richteten sie ihr- boshaften Angrisf« auf die Schlaskammer der anderen, und da wurden manchmal zu- fällig Dinge in die Welt hinausgeschrien. die tief trafen, well sie auf der genauesten Kenntnis der Nächte der Gegenpartei beruhen mußten. Die Männer, die nicht wußten, daß die Frauen e» nur aus sich selbst hatten, lagen nachts blödsinnig schielend da und hatten trog der Dunkelheit das Gefühl, als würden sie belauscht. Die beiden Frauen trieben e, so weit, daß die zwei Brüder die Sache selbst satt bekamen und sich einander helmlich zu nähern suchten. Aber das dauerte nur so lange, bis ein« der Frauen davon erfuhr und einen Brand warf. Dann flammte der Unfriede stärker denn je auf: er umfaßte alle, die Kinder und da» Gesinde so gut wie die Eltern selbst, und bisweilen gab es sogar blutige Köpfe. Aber da» Gericht wurde niemal» herangezogen. Das Geschlechts- gefühl zwischen den beiden Brüdern war stark, und nach außen hielten sie unverbrüchlich zusammen. Ihre Nachkommen kriegten den Unfrieden als Erbteil, aber sie hielten ihre Frauen besser in Zucht und beschränkten sich auf die hauptsächlichsten Fragen: zu nahe Nachbarschaft, Streit wegen der Fischplätze und des Strandguts. Und al» die Entwicklung allmählich dazu führte, daß man sich mehr auf den Ackerbau warf, entstanden neue Schwierigkeiten wegen der Grenzscheide. Aber das Geschlechts- band hatte sich gelockert, die beiden Höfe bildeten nach außen keine Einheit mehr. Man rief fremde Einmischung heran, und zahllose Rechtsstreitigteiten verschlimmerten den Zustand, indem bald dl« eine, bald die ander» Partei Grund zu» Triumphieren frckt* meinen Anlauf und stürze mich mitten hinein. Dann aber grüße ich demütig.„Guten Morgen", sage ich. Aber der Teufel juckt mich und ich muß meine Wut kratzen, ich komme nicht im Guten vorbei:„Sie haben es, meine Liebe, heute zur Abwechslung mir in drei Dingen versehen: gestern dagegen fehlte es an allen Ecken und Enden der Stube. Sie bemühen sich, wie ich bemerk«, mir zu gefallen. Ich bin Ihnen dankbar. Guten Morgen." „Wissen Sie denn nicht, wie krank ich bin?" ruft st« mir nach. (Ja, wenn ich nun nicht Neu« fühl«, bin ich«in brutaler Mensch.) Und die Nachbarin ruft:„Sie sollten froh sein, solch eine Wirtin zu haben! Wann bezahlen Sie denn Ihre Miete?"— Die Nachbarin hat solch liebenswürdige Stimm«, jeder Ton knallt, wie wenn man ein« Kelle auf den Tops haut. Aber nun habe ich doch gekündigt. Es ist wahr, daß die Straß«, die ich nicht nennen will— denn ich mag niemanden kompromittieren— es ist wahr, daß auch sie ihre stille Stunde hat: nein, ihre stille halb« Stunde... nein, ich bleibe bei der Wahrheit: Ihr« still« Viertelstunde. Das ist die Viertel- stunde von dreidreiotertel bi» vier Uhd vormittags. Es scheint, daß zu dieser Zeit die Betrunkenen ehrenhalber paussren, es ist vielleicht eine Konvention über die ganz« zivilisierte Erde— kurzum, sse liegen dann an den Sielen. Und nur»in Glucksen von Zelt zu Zeit zeugt von verborgenem Leben. Aber es Ist nicht anders wie dos Geräusch im Röhricht am See oder im tiefen Wald«, vom Sumpf her- schallend. Die Stille wird noch stiller. Und ich sitze auf der Fenster- bant, der Nachtwind streift meine Schläfen, ich schließe die Augen und genieße die stille Viertesstunde. Ja. im Anfang meines Aufenthalte» in dieser Straße stürzte ich mich sogar einmal hoffnungs- voll an den Tisch, um In diesem Interregmnn der Ruhe die Frucht- barkeit des Gehirns ausschießen zu lassen... aber mein Tisch ist überschwemmt mit siebentägigen Tümpeln von Tee: mit Krumen, Fettäuglein, Geschirr belegt. Denn meine Wirtin weigert sich, einen zweiten Tisch als Schreibtisch(quasi) zu opfern. Ich sehe ein Tisch- lein, e, steht in der Toilette(dort ist ein Anblick wie in der Requi- l sitenlammer eine» Theater», man muß sehr gut klettern können, wenn man bis zum Ziel hindurch will)... ein Tischlein steht dort im Staub begraben. Aber— er soll es nicht haben, denkt sie: braucht der Mensch«inen Schreibtisch, wenn er gesund ist?(Dieser Ge- dantengang hat ewas Wahres in sich, o Kummer!)... Zwischendurch kamen friedlichere Zelten, und In ihnen versuchte man es zweimal, die lockeren Familienbande durch Einheirat fester zu knüpfen. Aber der Zank war wie ein Unkraut, das die Ober- Hand gewonnen hat: er zog aus allem Nahrung und schoß an den unerwartetsten Stellen hervor. Die zwei Einheiraten bewirkten gerade das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war. Nach und nach kamen die beiden Familien zur Ruhe in einem so tief eingewurzelten Haß, daß er nicht einmal mit der Muttermilch eingesaugt werden mußte. Wie ein Instinkt schwebte er über dem Ehebett und wurde schon bei der Empfängnis geradezu zu einem Lebensprinzip— die so am stärksten haßten, vermehrten sich am üppigsten. Der Haß wurde die Kraft, die das Blut der Leibesfrucht zum Rollen brachte und das Neugeborene atmen ließ. Unter all dem täglichen Wandel lag er und brannte wie«in stilles Feuer, das den Hintergrund für alles bildete, was man tat, ja dem ganzen Dasein Sinn verlieh. Er knisterte auf in leiser Schadenfreude und Hohn, in Unwillen, dem anderen Hilse zu leisten oder Hilfe zu empfangen, in doshaften Anspielungen und Spott» licdern. Ja selbst im Schweigen glühte er giftig hervor. Aber bisweilen loderte er in einer hellen Flamme empor, und seine Wirkung war so stark, daß sie sich den gleichgültigsten Menschen unauslöschbar einprägte. Ganz alte Leute erinnern sich noch von ihrer Kindheit her an solche Ausbrüche und verwechseln sie bisweilen mit anderen, von denen ihnen ihre Großeltern erzählt haben. Mehrmals legten sich die übrigen Bewohner des Kirchspiels Ins Mittel und versuchten durch Versprechungen und Drohungen eine der Familien zu veranlassen, weiter ins Land hineinzuziehen. Sie boten sich an. den Umzug und Wiederaufbau des Hose« zu über- nehmen: aber obwohl die Beaufsichtigung der weit entfernt liegenden Accker sehr beschwerlich war und beide Familien unter normalen Verhältnissen höchstwahrscheinlich längst selbst den Umzug bewert- stelligt hätten, weigerten sie sich jetzt hartnäckig, das Anerbieten an- zunehmen. Keine von ihnen wollte sich nachsagen lassen, sie habe der anderen da» Feld geräumt. Als die männliche Linie auf dem einen Hof ausstarb und ihn eine Tochter übernehmen sollte, wurde vas Angebot wiederholt, ver- mutllch in Zuversicht darauf, daß da» Weib nachgiebiger sei. Ger- trud Kofod beantwortete aber das Angebot der Gemeinde damit. daß sie den Hof zur Hochzeit rüstete und einen kräftigen, rothaarigen Burschen namens Römer heiratete, der vom Innern der Insel kam und wegen seiner Streitsucht schwer berüchtigt war. Römer lebte sich leicht und schnell in die Ueberliefcrung ein, alles half Ihm dazu. Und da er mit frischen Kräften in den Haß eintrat, führte er ihm ein neue» Element von Energie zu. Er scherte sich nicht um die Sticheleien, den Klatsch und die kleinlichen Bosheiten, sondern warf sich mit voller Wucht aus dt« vewirtschas- Bald muß ich von euch Abschied nehmen, ihr lieben Wände! Jede einzelne Spinnweberei ist mir so wohl vertraut an euch! Tag für Tag betrachtete ich mir den Fortschritt der fleißigen Tiere, und wo ich tonnte, legte ich Hand mit an. Bom Gestell nehme ich die wenigen Bücher und eine blaue Base, mit einem süßen, buschigen Heidestrauh.„Scheiden tut weh", schreibe ich mit dem Finger auf da» Brett und da steht es in den Staub wie in Marmor geschrieben. Die lieben goldenen Motten, die Nachkommen all jener geliebten Toten, die ich oft am Morgen unter meiner kleinen Lampe fand— st« schwirren nun um mein Haar, als wollten sie mich bewegen zu bleiben. Ich fühle so etwas wie eine Berpflichtung, ich unglückseliger Flüchtling, mich vor ihnen und vor allem, was mich in meiner Stube anblickt, zu verteidigen. Ihr wißt, sog« ich, welch ein langmütiger Herr ich war. Im Ernst: war ich denn jemals ein Zimmerherr? Ich ließ mich dulden, sozusagen, und dafür bezahlte ich Geld. Alles habe Ich in Demut er- tragen, Grammophone, Klaviere, Posaunenartisten. Gut, sagte ich, und stopfte die letzte Fensterritze zu. Und in jeder Sonnabendnacht goß ich mir da» Wachs einer Kerze in die Ohren. Nun aber— ihr müßt nur ganz verstehen, was es bedeutet, dann werdet ihr mir auch ganz oergeben— nun ist ein Frauengesangverein mir gegen- über eingezogen. Ein Bogel wollte Hochzeit halten... Es gibt Variationen dazu, so daß dies Lied in Wahrheit über zweihundertfünfzig Verse... wie gesagt, Fensterritzen verstopfen, und Wachs in die Ohvek�ja... Aber fiterallalla, fiterallalla, fiterollalla lala dringt durch s wenn Iüngfrauenkehlen das singen— scharf wie ein Glaserdiamant. Und wenn ich meine Zweihundertsünfzig habe... dann geht es im Traum von vorne an! Nein, ihr müßt mir vergeben, mein« Freunde. Seht, ich liebe diese Straße, obgleich die ersten Betrunkenen zu singen ai'.fongen, wenn die letzten aufhören zu rezitieren(und diese Straße hat eine Akustik wie ein Theater...): ich liebe auch dies Haus, obgleich im Treppengang ein Modergeruch aus allen heimlichen Kammern schweift: und ich liebe dich, mein Zimmer, mit all deinen Mängeln, so wie du bist. Aber— Ein Frauengesangverein... Das Wandern ist des Müllers Lust. Ich bin mobil. tung des Hofes. Zu jener Zeit zog eine vorübergehende Begeiste- rung für die Landwirtschaft über das Land hin, und so gelang es Römer, der«in tüchtiger Mann war, aus dem Hofe eine Muster- Wirtschaft zu machen, zu deren Besichtigung die Leute von weither kamen. Kofod auf dem Nachbarhofe legte ihm anfangs alle möglichen Hindernisse in den Weg: wenn aber Römer Fremden seinen Hof zeigte, redete er so unumwunden von den Schwierigkeiten, mit denen er zu kämpfen hatte, daß der andere mit der ganzen Schande dastand. Außerdem hoben sich die Seite an Seite liegenden Felder der beiden Höfe auf ihre besondere Weise deutlich genug vonein- ander ab. Eines Tages jedoch bekam es Kofod satt, sich als Beispiel eines schlechten Landmannes hinstellen zu lassen, und er legte sich mit seinem ganzen Hausstand ins Geschirr. Unermüdlich arbeitete er. um das Versäumte nachzuholen: er sprengte Felsblöcke au» seinen Feldern heraus, säuberte sie von Schlehen und Wacholder und legte sie unter den Pflug. Und das Kirchspiel sah voller Verwunderung, wle sich der Haß in das Joch der Kultur einspannte und ein form- licher Wettstreit darüber entstand, wer da» meiste Land umpflüge» und die meisten Fuhren unter Dach bringen konnte. Ihre Körper ermüdeten, und ihr Wohlstand nahm zul Aber das böse Glimmen leuchtete noch immer au» den Gesichtern der beiden: und von Römer, der sich auf Wind und Wetter verstand, wird erzählt, daß er eines Nachts im Herbst Regen wisterte und ganz leise mit seinen Leuten ausrückte, um das letzte Getreide unter Dach und Fach zu bringen. Sein Nachbar jedoch, der im Bertrauen auf Römers Erfahrung auch noch Getreide draußen hatte, schöpfte im Lause der Nacht Verdacht und rückte ebenfalls auf» Feld hinaus. Da war Römer beinah« fertig: er fuhr aber mit der letzten schweren Fuhre so toll, daß diese bei der engen Einfahrt In die Schlucht um- stürzte und sie vollständig oersperrte, und ehe sie auf dl« Seite ge- rückt werden konnte, war der Regen losgebrochen. Dieser Römer kam aus folgende Weise ums Leben: Es war zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, zu jener Zeit, wo es um Bornholm herum eine solche Menge von Lachs gab, daß das Gesinde beim Eintritt in den Dienst die Bedingung stellte. nur dreimal in der Woche Lachs essen zu müssen. Beide Höfe hatten Boote auf dem Meere draußen, um nach den Netzen zu sehen. Trotz des böigen Märzwetters war Römer allein hinausgefahren, fein Sohn mußte das Vieh besorgen, und ein paar Knechte, die im letzten Sommer bei ihm im Dienst gestanden hatten, waren vorzeitig, über die Kost klagend, davongelaufen und befanden sich jetzt auf dem Nach. BERLIN C 19* GERTRAUDTENSTR. 25-27* ROSS- STR. 1-4 PEEK& CLOPPENBURG H. 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Er ersucht in einer Entschließung der Reichs regierung, durch entsprechende Berordnungen die in der Berwaltungspraxis bei der Kriegsbeschädigtenfürsorge zutage getretenen Mängel zu beseitigen. Abg. Roßmann( Soz-): Das Reichsversorgungsgesetz ging von zwei grundsätzlichen Vorausfegungen. Es wollte erstens aus dem Wuft der Vorschriften und der friegsministeriellen Erlasse ein eindeutiges allgemein verständliches Recht schaffen und zweitens die Verschlechterung des alten Rechts vermeiden. Reine dieser beiden Voraussetzungen trifft heute noch zu. Die Regierung erfennt die Mängel an, aber sie fträubt sich dagegen, ihnen abzuhelfen. Sie hat ein Allheilmittel in der Bestimmung gefunden, daß der Reichsarbeitsminister im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzminister die notwendigen Anpaffungen vornehmen kann. Das bedeutet, daß alles auf dem Verwaltungswege erledigt werden soll, damit wird aber auch der Inhalt des Gejeges verändert, wie wir es schon bei der Offiziersversorgung gesehen haben. Es wird wiederum ein Wirrwarr geschaffen, der größer ist, als er beim Ende des Krieges war. In der Braris bedeutet das nichts anderes, als daß eine sehr große Zahl von Kriegsbeschädigten statt auf ihr Recht, auf das Wohlwollen der allmächtigen Bureaukratie angewiesen find. abgebaut, alle Quellen, die eine reichere Einnahme bringen tönnten, bleiben unverschlossen. Die von uns verlangte öffentliche Auslegung der Steuerlisten, durch die die Steuermoral erheblich ge bessert und wodurch die Einnahmen erhöht werden würden, lehnen Sie ab. Wenn die Regierung und die Regierungsparteien die Mög: lichkeit hätten, das jezige Heer von 100 000 Mann wieder auf 600 000 zu erhöhen, dann würden binnen wenigen Wochen die Mittel dazu geschaffen sein. Nur die Mittel tönnen sie nicht finden, um die Opfer des Krieges ans dem alten kaiserlichen Heere vor dem Untergange zu schüßen!( Lebhafter Beifall bei den Goz.). Abg. Gerig( 3.) verteidigt im Namen der hinter der Regierung ftehenden Parteien unter dem Beifall der Rechten und des Zentrums die Novelle gegen die Angriffe des sozialdemokratischen Redners. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns weist verschiedene Angriffe des Abg. Roßmann zurüd. Das neue Gesez sei feineswegs ein fozialer Rückschritt gegenüber dem alten Recht, sondern ein wesent licher Fortschritt. Die gesamten Entschädigungsausgaben für die Kriegsbeschädigten und hinterbliebenen sind heute nach dem neuen Recht höher, als nach dem alten Recht. Abg. Budjuhn( Dnat.) erklärt, seine Bartet habe nicht die Abnicht gehabt, einen besonderen Redner vorzuschiden; die maßlojen Angriffe des Abg. Roßmann müßten aber zurückgewiesen werden. Abg. Roßmann hat versucht, aus dieser reinen Boltssache eine Bartet fache zu machen, wir verbitten uns das.( Beifall rechts, Unruhe bei den Soz.). Abg. Weber- Düsseldorf( Romm.) begründet einen kommunistischen Aenderungsantrag, der die Unterstützungsfäßge wesentlich über die Ausschußvorlage hinaus erhöhen und weitere Bergünstigungen für die Beschädigten und die Hinterbliebenen einführen will. Abg. Dr. Heuß( Dem.) hebt hervor, daß er die Rede des Abg. Roßmann zwar nicht mit ungemischtem Bergnügen gehört habe, daß aber aus der Rede des Abg. Budjuhn hervorgegangen sei, daß scheine.( Heiterkeit). Der Redner erinnert an deutschnationale Andas Glashaus, in dem er sigt, sehr feste Scheiben zu haben träge, die in dieser Angelegenheit zu Anfang des Jahres gestellt wurden und die fallen gelassen worden seien, als die Deutschnatio= nalen Regierungspartei wurden. Im Ausschuß hat man unsere Kritik an der Borlage sehr übel genommen. Ich fann mich dabei aber auf Urteile von Sachver ständigen berufen, die noch weit schärfer in ihrer Kritik sind. Der Redner zitiert einen Artikel des Abgeordneten Thiel( D. Bp.), der in einer großen Anzahl deutscher Zeitungen erschienen ist und worin an das Wort erinnert wird, daß die Kriegsteilnehmer des„ Dantes des Vaterlandes" sicher seien und daß nach dem großen Striege eine bessere Versorgung für sie vorgenommen werden solle, als es nach dem Kriege von 1870/71 der Fall war. Er fügte hinzu, es treibe einem die Schamröte ins Gesicht, wenn man fehe, wie diese Bersprechungen in Erfüllung gegangen seien. Im Kriegsbeschädigten ausschuß hat dieses prominente Mitglied einer der Regierungs parteien feine natürliche Gesichtsfarbe sehr rasch wiedergefunden. Gegenüber unseren Anträgen erflärte er, daß er über feine For berung mehr reden werde, die über die Regierungsvorlage hinaus gehe.( hört, hört! bei den Soz.). Beim Zusammentritt des Reichstags wurde eine Flut von Anträgen gerade von den Rebie Versorgung der Kriegsbeschädigten in Sowjetgierungsparteien gestellt, der größte Teil stammte von den Deutschnationalen und von der Deutschen Bolkspartel. Wenn die Forderungen der Deutschnationalen erfüllt worden wären, so häfte das nach den Berechnungen der Regierung eine fortlaufende Ausgabe von 633 Millionen, eine einmalige von 461 millionen, im ganzen alfo 1094 Millionen Mark erfordert. Die Anträge der Deutschen Volkspartei hätten eine Ausgabe von 645 Millionen Mark notwendig gemacht. Demgegenüber waren die Anträge meiner Partel und auch die der Kommunistischen Partei geradezu Muster von Bescheidenheit und Zurückhaltung. Was ist den Kriegsbeschädigten von den Regierungsparteien nicht alles versprochen worden? Wenn Sie Ihre Forderungen nicht etwa verwirklichen wollen, wenn die meisten Kriegsteilnehmer schon gestorben find, so hätten Sie schleunigst die Regierung veranlassen müssen, eine Novelle vorzulegen, die die Forderungen der Regierungsparteien realisierte. Das haben Sie aber nicht getan, fondern Ihre Anträge fang- und flanglos verschwinden laffen. Uns hat man den Vorwurf unverantwortlicher Demagogie gemacht, meil wir angeblich unerfüllbare Anträge gestellt hätten. Nun frage ich in aller Deffentlichkeit die Deutschnationalen und die Volkspartei: Was haben Sie mit Ihren Anträgen beabsichtigt? Der Abg. Budjuhn hat ja die Antwort schon gegeben, als er im Ausschuß er tlärte: Wir hatten diese Anträge schon gestellt als noch niemand daran dachte, daß die Deutschnationalen in die Regierung eintreten würden.( Lebhaftes Hört, hört! bei den Soz. Unruhe rechts.) Später allerdings haben Sie einen Rückzug angetreten. Im Aus fchuß haben Sie erflärt, es sei die Gepflogenheit der Deutschnationalen, beim Zusammentritt des Reichstags die Wünsche der Kriegsteil nehmer in Antragsform zu fleiden.( Hört, hört! bei den Soz.). Haben Sie das auch in den Wahlversammlungen gesagt, an denen Kriegsbeschädigte teilgenommen haben? Glauben Sie, daß von dieser Gepflogenheit 2% Millionen Kriegsbeschädigter satt werden können? Sie freiben in Wirklichkeit die unverantwortliche Demagogie, indem Sie Anträge stellen, von denen Sie wiffen, daß Sie selbst fie niemals verwirklichen werden.( Sehr richtig bei den Goz.) Troß der Kritik an der Vorlage erfennen wir an, daß fie auch einige Berbesserungen enthält, die besonders auf das Drängen meiner Freunde geschaffen wurden. Im Ausschuß hat auch die Regierung Erklärungen abgegeben, die dahin führen können, daß das Gesetz eine soziale Auslegung erfährt. Darüber hinaus muß aber die Bor lage den Kriegsbeschädigten schwere Enttäuschungen bringen. Die Leichtbeschädigten werden etwas besser behandelt, troßdem sie immer noch ein Drittel bis die Hälfte der Bezüge erhalten, die sie nach dem Mannschaftsversorgungsgefeß von 1906 zu bean ( pruchen gehabt hätten. Diese Berbesserung erfolgt aber zum Teil auf Kosten der Schwerbeschädigten und finder reichen Witwen.( hört, hört! bei den Goz.). Diese beiden Gruppen gehen fast feer aus, trog der Tatsache, daß wir mit einer neuen Verteuerung der Lebenshaltung und mit einer bevorstehenden Mietsteigerung zu rechnen haben. Während die Regierung bei den unteren Klassen Schluß machen will, ist sie bei den sogenannten oberen Riassen nicht so engherzig. Die Regierungsparteien sind im Ausschuß nur dort über die Vorlage hinausgegangen, wo es fich um zulagen für die Offiziere handelt.( Hört, hört! bei den Goz.). Benn es sich dabei auch nicht um erhebliche Beträge handelt, so muß uns diese Bevorzugung der Offiziere angesichts des Zurückbleibens der anderen Klaffen mit Empörung erfüllen. Der Redner zeigt an einem Beispiel, daß ein sehr schwer Kriegsbeja digter im ganzen 81 Mart im Monat als Rente erhält, während ein Major neben seiner vollen Pension bei den gleichen Berftümmelungen allein 75 Mart Verstümmelungszulage erhält.( Hört, hört! bei den Soz.). Ein Doppelamputierter erhält eine Gesamt rente von 60 Mart, ein Major mit der gleichen Berstümmelung eine Ertrazulage von 75 Mart.( Hört. hört!) Alle unsere Versuche, eine Verbesserung der Borlage herbeizuführen, find an dem ein. mütigen Biberstand der Regierungsparteien ge scheitert. Der Reichsfinanzminister hat im Kriegsbeschädigten. ausschuß erklärt, durch die Arbeit der Sozialdemokratie werde er gehindert, für die notwendigen Einnahmen zu sorgen. Er hat sich wohl gehütet, dasselbe im Steuerausschuß zu sagen. Aber wenn er meint daß die Sozialdemokratie schuld daran sei, daß die Regierung zu geringe Einnahmen habe, so ist es immer noch Zeit, dem Uebel abzuhelfen, denn der Steuerausschuß ist ja noch bei Nach den Angriffen des Abg. Dietrich- Franten( Bölf.) auf den Reichsfinanzminister stellt Abg. Roßmann( Soz.) feft, daß ble Regierung im vorigen Jahre den Reichstag über die Finanzlage des Reichs im unflaren gelaffen habe. Hätte die Sozialdemokratie damals fchon gewußt, daß den Ruhrindustriellen 715 Mil lionen zugewendet worden waren, so hätte sie dem damaligen Rompromiß nicht zugestimmt. Gegenüber dem tommunistischen Abgeordneten Weber, der zum großen Teil gegen die Sozialdemokratie polemistert hatte, ersucht der Redner um Aufklärung darüber, wie rußland ausfehe. Es müsse festgestellt werden, daß der Kommunist Weber in der Hälfte der Ausschußfihungen gar nicht anwesend war, die Begründung seiner Anträge hat er zum großen Teil den Sozialdemokraten überlaffen. Bon allen Barteien, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, Kommunisten und Böllischen, ist folgende Entschließung eingegangen: Der Reichstag nimmt mit Bebauern davon Kenntnis, daß mit Rücksicht auf die Finanzlage des Reiches den Anträgen, die fich auf die Wiedergewährung der durch die 12. Ergänzung zum Reichsbesoldungsgefeß als abgegolten bezeichneten, gefeßlich ge währleisteten Bulagen an Angehörige der ehemaligen Wehrmacht und an ehemalige Rolonialbeamte beziehen, nur in völlig unzureichendem Ausmaße entsprochen werden fonnte. Er erwartet, daß die Reichsregierung die in Zusammenhang mit diesen Anträgen stehenden Fragen weiter verfolgt und, sobald die finanziellen Berhältnisse dies geftaten, eine entsprechende Gesegesvorlage etnbringt. werden die fommunistischen Anträge zum Teil gegen die KommuRach persönlichen Bemerkungen und furzer Einzelberatung nisten, Sozialdemokraten und Bölkischen abgelehnt. Ueber fozialdemokratische Anträge auf gefehliche Festlegung der Heilbehandlung der Hinterbliebenen und auf Erhöhung der Grundrente wird namentlich abgestimmt. Der erste Antrag wird mit 220 gegen 153 Stimmen bei einer Enthaltung, der zweite mit 221 gegen 157 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Ein völkischer Antrag, der die Schwerbeschädigtenzulage erhöhen will, wird im Hammelsprung mit 191 gegen 166 Stimmen abgelehnt. Abg. Fram Reihe( Soz.) begründet einen sozialdemokratischen Antrag, der den Satz von 40 Pro 3. ber Bollrente, ben die Vorlage für die Witwe des Berechtigten gibt, auf 50 Broz. erhöhen will. Der Antrag will der Witwe 60 Broz. der Vollrente zusprechen, wenn sie ein Kind zu versorgen oder das 45. Lebensjahr erreicht hat. Wenn die Witwe erwerbsunfähig ist, oder fobald sie das 50. Lebensjahr erreicht hat, foll fie, nach dem sozialdemokratischen Antrag, 80 Proz. der Bollrente erhalten. Abg. Frau Unforge( Soz.) et fich für einen sozialdemokratischen Antrag ein, der unter befonderen Boraussetzungen den Witwen, die nach dem Gesetz keine Rente erhalten sollen, eine it wenbeihilfe gewähren will. aus der Kann". in die Mußvorschrift umzuwandeln. Von Abg. Dietrich- Franken( Bölt.) beantragt, die Elternrente fozialdemokratischer Seite wird ein ähnlich gehaltener Antrag befürwortet, der jedoch die Bedürftigkeit" vorausseßt. Bon Regierungsseite wird gegen die Anträge der Oppofition Stel ung genommen, weil sie eine unerträgliche finanzielle Mehrbelastung des Reiches erbringen würden. Die Anträge werden gegen die Sozialdemokraten, Kommunisten und Böllischen, denen sich in einigen Fällen auch die Demokraten anschließen, mit 191 gegen 166 und mit 197 gegen 169 Stimmen abgelehnt. beitsgemeinschaft die Erklärung ab, nachdem die Regierungsparteien Abg. Dietrich- Franken( Bölt.) gibt namens der Völkischen Arbie für die Schwerbeschädigten bescheidenen Berbesserungen abgelehnt haben, sei es den Bölkischen leider nicht möglich, die für die Offiziere vom Ausschuß beantragte 66proz. Erhöhung der Berstümmeltenzulage anzunehmen, obwohl sie die Erhöhung fachlich für berechtigt hielten. Abg. Gerig( 3tr.) bezeichnet diese Stellung der Völkischen als ganz unverständlich. in der Ausschußfaffung in zweiter und gleich darauf auch in dritter Die Borlage wird unter Ablehnung aller Aenderungsanträge Lesung gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Ungenommen wird weiter die von den bürgerlichen Parteien eingebrachte Entschließung, die die Regierung um eine Aufbefferung der Renten ersucht, sobald die finanziellen Berhältnisse dies gestatten, Gegen 10 1hr abends mird darauf die erste Beratung des Gefehentwurfs über das Recht zum Tragen einer Militäruniform fortgelegt. Präsident Löbe leitet die Beratung mit folgender Erklärung ein: Diese Beratung ist am Freitag abend durch Ünruhe unterbrochen worden. Die Folge Mittwoch, 22. Juli 1925 ist eine Befchwerde ber vottischen Frattion gegen den amtierenden Vizepräsidenten Dr. Bell gewesen, mit der sich der Aeltestenrat beschäftigt hat. Bizepräsident Dr. Bell hat glaubhaft nachgewiesen, daß er bei dem allgemeinen Lärm die einzelnen Be mertungen des Redners und die Zwischenrufe nicht verstehen fonnte. Aus dem Stenogramm ist festgestellt worden, daß Abg. v. Ramin gesagt hat:„ Aber uns als vaterländisch Denkenden ist diefe Revolution und diese Republik das Symbol einer elenden Unterwürfigkeit gegen den äußeren Feind. ( Lebh. Bfui!-Rufe links.) Die Republit ift die jeßige Staatsform Deutschlands, während die Monarchie die frühere war. Ich werfe nur die Frage auf, wenn ein Redner früher sich erlaubt hätte, in so würdelofer Weise liber die Monarchie zu sprechen, ob er in diesem Hause seine Rede hätte beenden fönnen?( Sehr gut! links.) Heute ist es nicht mehr möglich, dem Redner das Wort zu entziehen, ich fann den Abg. v. Ramin jetzt nur noch dafür zur Ordnung rufen.( Bei fall.) Der Lärm hat sich gesteigert, als Abg. v. Ramin dann fagte, er fei dabei gewesen, wie ungefähr 30 waffenlose Offiziere um gebracht worden sind. Diese Behauptung ist durch Zurufe bestritten worden. Jedenfalls ist schon jest festgestellt, daß er nicht von 30, sondern von 13 Dffizieren gefprochen haben will.( hört, hört! links.) Jedenfalls muß ich wegen der bei dieser Gelegenheit erfolgten 3wischenrufe und Bemerkungen die Abgg. Sollmann, Graßmann, Kirschmann und Müller- Franken zur Ordnung rufen. Der Abg. D. Ramin hat darauf dem Abg. Sollmann gefagt:„ Sie Jammerlappen, wenn Sie morgen ohne den Schuß der Immunität mir gegenüberständen, würde ich mit der Waffe in der Hand anders mil Ihnen reden!" Ich kann darin nichts anderes sehen als die Bedrohung mit dem Totschlag gegen einen 2bgeordneten. Hätte ich als Präsident diese Bemertung gehört, ich würde den Abg. v. Ramin aus dem Saale gewiefen haben. ( Stürmischer Beifall links.) Abg. v. Ramin( Böll.) setzt hierauf seine am Freitag abgebrochen Rebe fort. Er erklärt, er habe bei dem geschilderten Borgang in Steglig ein Lastauto gesehen, das mit uniformierten Leuten besetzt war und von zwei bewaffneten Leuten geführt war. Dieses Auto so erklärt der Redner, fuhr ab und bald darauf verbreitete sich das worden.( Burufe lints: Gerücht? vorher wollten Sie selbst dabel Gerücht, sämtliche darauf befindliche Leute wären erschossen gewesen sein!") Ich sah dann das Auto in der Kolonnenstraße, vor einer dichten Menschenmenge umgeben. Daneben lag eine gräßlic verstümmelte Leiche. Von den Zuschauern wurde mir gesagt, es wären sämtliche in dem Auto befindlichen Leute erschlagen worden.( Rufe links: Dann waren Sie selbst also doch nicht dabei Abg. Dr. Rosenfeld( Soz.) ruft:„ Er hat schon wieder gelogen!" und erhält dafür einen Ordnungsruf.) Ich habe zwei Leute gefunden, die dabei gewefen sind. Die haben uns bestätigt daß sie schwer verletzt worden sind und monatelang im Kranten hause gelegen haben. Die beiden Herren sind leider gleich zu An fang mit schwerer Verlegung liegen geblieben und tonnen des. halb nicht gen au sagen, wieviele Herren erschlagen worden find. In der Bresse stand aber, daß es dreizehn gewesen find. Ein amtliche Untersuchung des Vorgangs hat leider nicht stattgefunden der hier eine solche Hegrede gehalten hat, wird als unfähige ( hört, rechts), hoffentlich wird fie jetzt nachgeholt. Der Abg. Kuhnt Bhrasendrescher und Schwadroneur bezeichnet von seinem eigene Barteigenoisen Noste, in dessen Buch„ Von Kiel bis Kapp".( Bei fall und lautes Gelächter rechts.) gegen die Rede des Abg. Ruhnt. Abg. Brüninghaus( D. Rp.) legt schärfste Berwahrung eis gegen die Rede des Abg. Kuhnt. Nachdem noch der Abg. Riedel( Komm.) fich in scharfer Weist gegen die Borlage ausgesprochen hat, vertagt sich auf Antrag des Abg. Dr. Haas( Dem.) gegen 11 Uhr nachts das schwachbesezt Haus auf Mittwoch 2% Uhr. Auf der Tagesordnung steht du außenpolitische Aussprache mit den dazu gestellten Anträger und Interpellationen. Der Arbeitsplan des Reichstags. Heute außenpolitische Debatte, Zollberatung unbestimmt. Der Weltestenrat des Reichstages beschäftigte sich gestern wiederum mit dem Geschäftsplan. Es wurde daran festgehalten, daß am Mittwoch und Donnerstag die außenpolitisch Debatte stattfinden soll. Daran soll sich noch die dritte Lesung des Berfonalabbaugesetzes schließen. Sodann wurde in Aussicht ge nommen, daß am Freitag mit der zweiten Lesung der Steuer. geseze begonnen wird, falls bis dahin die Ausschußberatungen zum Abschluß gelangt sind. Der Aeltestenrat wird sich am Donners Schidsal der 3ollvorlage und den voraussichtlichen Ab. tag von neuem versammeln, um darüber zu beschließen. Ueber das schluß der Tagung vor den Sommerferien ist gestern nicht ge. iprochen worden. = Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat gestern unter dem Vorsitz des stellvertretenden Bor fizenden Müller Franten( Soz.) zu einer Sigung zu fammen. Bei Beginn der Sizung war von der Reichsregierung ber Außenminister Dr. Stresemann, begleitet von den Staats. ministers eingeleitet. Auf der Tagesordnung stand das vorläufige sekretären v. Schubert und Trendelenburg, anwesend. Die Ber andelsabtommen mit Griechenland und mit der Belgisch handlungen wurden, wie üblich, von Darlegungen des Außen Buremburgischen Wirtschaftsunion, die deutsch- französischen Handels. beziehungen, die Begriffsbestimmungen für Luftfahrzeuge und der Schiedsgerichts- und Vergleichsvertrag mit Schweden und wurde nach kurzer Begründung durch den Reichsaußenminifter dem Finnland. Das vorläufige Handelsabkommen mit Griechenlani Handelspolitischen Ausschuß des Reichstags überwiesen. Es folgte die Beratung über das vorläufige Handelsabkommen zwischen Deutschland und der Belgisch- Luxemburgischen Wirtschaftsunion, zu Dr. Ritter vom Auswärtigen Ami Erläuterungen gaben. Die Dis. dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann und Ministerialdirektor tusfion, an der sich die Abgg. Dr. Schnee( D. Bp.), Dr. Rofenberg ( Komm.), Dr. Dernburg( Dem.), v. Lindeiner- Wildau( Dnat.) und Dr. Breitscheid( Soz.) beteiligten, führte zur Annahme fol gender Entschließung: Die Reichsregierung wird ersucht, mit der belgischen Regie. rung nochmals in Berhandlungen megen Beseitigung aller für Deutsche in der belgischen Kongo Kolonie und in den von Belgien in Afrika verwalteten Gebieten bestehenden Distriminierungen einzutreten." Das Handelsabkommen selbst wurde ebenfalls dem Handels. politischen Ausschuß des Reichstags zur Weiterbehandlung überwiesen. Nunmehr wandte sich der Ausschuß der Beratung der deutsch- französischen Handelsbeziehungen Staatssekretär Dr. Trendelenburg berichtete über die deutsch- franzu. zöfifchen Handelsbeziehungen und über die Bereinbarung zwischen Deutschland und Frankreich vom 11. Juli 1925 betreffend den Warenaustausch zwischen Deutschland und dem Saarbedengebiet. Die weitere Aussprache hierüber wurde auf Donnerstag vertagt. 501 Für Oesterreichs Anschluß. Eine deutschösterreichische Wirtschaftskundgebung. Der Wirtschaftsausschuß der österreichisch- beutschen| tätsgewerbe und Qualitätshanbwerf im welteften Arbeitsgemeinschaft hat eine Enquete über das öfter. Sinne, ist durch den Zusammenbruch des alten Reiches erreichische Wirtschaftsproblem veranstaltet, deren Erhüttert und verengt worden. Diese Erwerbszweige tonnten mur in Jahrhunderten allmählich von einem Gemeinwesen zur Blüte gegebnis jetzt in Form einer Dentschrift vorliegt. An der Redaktion bracht werden, in dem Hof, Diplomatie, Armee, Bureautratie und dieser Denkschrift sind zusammen mit anderen Bertretern wirtschaft ein reiches Bürgertum Kulturtraditionen schufen und einen ständigen licher Organisationen u. a. auch Vertreter der Wiener Kammer für Qualitäts- und Lurusverbrauch entfalteten. Das Jahr 1924 hat die Arbeiter und Angestellte beteiligt gewesen. In den wichtigsten Zügen schwerste Krise über das Konfektionsgewerbe, das Kunsthandwert, ist ihr Inhalt der folgende: Juweliere, Theater, Buchhandel usw. gebracht. Hiervon werden in Wien allein 150-200 000 Menschen betroffen. Ein trauriges Bild der Berarmung führt die Denkschrift vor Augen: Die Dentschrift gibt zunächst einen Ueberblid über die Rohstoffreichtümer des alten Desterreich- Ungarn und die um diese Rohstoffe ein fich gruppierenden Industrien. Die alte Monarchie war autartes Wirtschaftsgebiet. Es ernährte sich selbst und versorgte seine Industrie mit allen wichtigen Rohstoffen, soweit fie nicht überseeischer Herkunft waren. Die Aufteilung der Monarchie in mehrere Staaten hat auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge Peinerlei Rücksicht genommen. Infolgedeffen verfügte jeder dieser Staaten nur über einen torsohaften Wirtschaftsheitsstellungen verdrängt und darüber hinaus die Attienapparat, dessen Ergänzung jenseits der Grenze lag. Weitaus am fompliziertesten lagen die Dinge für Deutsch- Defter reich. Hier blieb eine egentrisch im Osten gelegene 2- MillionenStadt übrig, von der sich ebenso exentrisch durch das südliche Niederösterreich und die Steiermart eine beträchtliche Industrie hinzog, während der ganze sich nach dem Besten erstreckende Länder fompler dünn besiedelt, zum Teil durch Hochgebirge unzugänglich, mit geringer industrieller Tätigkeit frachtlich vielmehr zu den nördlichen und südlichen Nachbarn als zu Wien und seiner industriellen Nachbarschaft gravitierte. Der Wirtschaftsapparat, der in DeutschDesterreich verblieb, beruhte im wesentlichen auf drei starken Pfeilern: auf dem Eisen, auf dem Holz und auf den Kulturbedürf nissen der Großstadt. Besonders start entwidelt waren die jenigen Industriezweige, die DON öffentlichen Aufträgen abhängig waren. Das Streben der Nachfolgeftaaten war vom ersten Tage ihres Bestehens darauf gerichtet, ihre politische Selbständig teit durch wirtschaftliche Selbständigkeit zu ergänzen. Zu diesem Zwecke dienten 30llmauern und Einfuhrverbote. Wie immer aber auch die Zölle in der Tschechoslowatet, in Italien, Ungarn, Südflawien, Rumänien und Polen festgesezt sein mögen, es ist bei der heutigen machtpolitischen Einstellung der europäischen Staaten völlig ausgeschlossen, daß damit ein wirtlich freier wirtschaftlicher Bertehr hergestellt wer den tönnte. Parteinachrichten Ginsenbungen für diese Rubrik find Berlin 68. 68, 2inbenftraße&, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, zu richten. 1. Arels Witts. Seute, Mittwoch, abends& hr, Sigung bes erwetterlen Areisvorstandes bei 8fchiefing Aderite. 1( am Roppenplok). Sede Ab teilung muk unbedingt vertreten fein. Die Delegierien zum Bezirks parteitag find ebenfalls eingeladen. 3. Streis Webbing. Morgen, Donnerstag, ben 23. Jult, abends 7 Uhr, Sigung der Arbeiterwohlfahrt, Kinderschuh, fomununale Rommiffion, Ver treter ber Sunglozialien und Arbeiterjugend. Schönstedtke. 1, 8immer 122/123, 1 r. 18. b. beste, Rittwoch, TV Uhr, Mitgliederversammlung an bekannter Stelle. Bortrag bes Gen. Lempert über 88lle". 24. bt. 3. Gruppe, hente, Mittwoch, abends 8 Uhr, im Schweizer Häuschen, Greifswalder Str. 8/10: Freiheitliche Dichtung". Jungfozialisten. Genoffin Hedwig Wachenheim spricht am Donnerstag, abends 7 Uhr, in ber Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, über Schug der Ingens bet Luftbarkeiten". Die Jungfozialisten and dazu eingeladen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 91. Abt. Reukölln. Unfer altes Parteimitglied, Genosse Josef Grob, Wimannftr. 28, ift gestorben. Die Einäscherung findet am Donnerstag 22 Uhr Baumschulenweg Batt. Beteiligung erwünscht. Jugendveranstaltungen. Friedrichs Friedrichshain. Reichen Während bis zum Jahre 1918 in Wien die Attienmehrheit faft aller großen tschechoslowakischen Eisenwerke, Maschinenfabriken, Textilfabriken, Zuckerfabriken, der großen galizischen Betroleumgruben und Raffinerien, der Triester Schiffahrtsgesellschaften und Werften war, ist Desterreich nachweisbar fast aus all diesen Mehr. mehrheit oder wenigstens große Beteiligungen der Wiener GroßHeute, Mittwoch, den 22. Juli 7½ Uhr: banten und der maßgebenden österreichischen IndustrieunterWallenberg. Am Faltenberg 117. Bortrag: Schulpolitik". Баден. Scharnweberstr. 105a, Bortrag: Hamburg". nehmungen in das Ausland abgewandert Als die markantesten Beispiele für diesen Prozeß der Kapitals. Diftelmenerftr. 6/7. Lichtbildervortrag: Die Lüneburger Heide". perarmung feien nur erwähnt: Stodamerte, Brager Eisenberger Biertel. Reichenberger Str. 66. Bortrag: Bon unferen Fahrten". industriegesellschaft, Berg- und Hüttenwertsgesellschaft, Poldi- Hütte, Webbing Ruheplat, Schule. Bortrag: Sind wir wirklich Gemeinschafts menschen?". Erste Brünner Maschinenfabrik, die Redlichschen Zuckerfabriken, Aufsiger chemischer Berein, Cosmanns Tertilfabriten, Rönigshofer Zementfabrit, Triester Llyod, Cosulich, Stabilimento Tecnico, Krainische Industriegesellschaft und viele andere, deren Aktienmajorität bis 1918 nachweisbar in österreichischem Befih war, wie sie jetzt nachweisbar in franzöfifchem, tschechischem, italienischem Besig ist. Darüber hinaus sind, wie erwähnt, große Teile der deutsch- österreichischen Wirtschaft selbst ausländischer Befih geworden. Die Anglobant ist englisch, die Länderbank franzöfifch geworden. Von anderen Großbanken sind bis zu 50 Broz. des Aftientapitals bei ausländischen Gruppen placiert." Mittwoch, den 22, und Mittwoch, den 29. Juli: Untung, Hamburgfahrer! Brobe file bie Feier in Sambuca 7½ Uhr. Lindenstr. 3, Jugendheim. Erscheint zahlreich! Berbebegir! Dberspree, Donnerstag, ben 23. Juli, 7% Uhr, im Jugendheim, Röpenid, Grünauer Str. 5: Werbebezirks- DelegiertenLonferens. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Bon den maßgebenden österreichischen Industrieunternehmun- Vorträge, Vereine und Verfammlungen. gen ist die Aktienmehrheit der Alpinen Montangesell. schaft, der mit Felten und Guilleaume A.-G., der Böhler- Berte, der A. E. G., Union und der Siemens- Schuckert- Werte in deut. schem Bejig, an den Boitscher Magnesitwerten ist SchneiderCreuzot maßgebend beteiligt. Die Dentschrift tommt zum Schluß, daß die Herstellung eines Die Dentschrift meist eingehend darauf hin, daß die Hoffnungen, großen wirtschaftlichen Inlandsmarktes nur dort dentbar ist, wo die man auf den Ausbau Wiens als Finanz- und Handels- die Herstellung einer politisch- staatlichen Gemeinschaft zentrum vielfach seht, sich nicht verwirklichen fönnen, da es noch nie möglich ist. Es ist offenbar, daß dies nur durch den Anschluß an ein Finanzzentrum gegeben hat, das es nicht aus eigener Rapital Deutschland erreichbar wird. Abschließend wird eine umfangreiche fraft war. Eingehend wird die schwierige Lage des Bankgewerbes Aufstellung aller derjenigen wirtschaftlichen Vorteile gegeben, die sich die Verfasser vom Anschluß an Deutschland verund des Großhandels geschildert. Lediglich im Textilhandel und im Getreidehandel hat Bien auch für die Nachfolgestaaten seine besprechen. Auch denjenigen Kreisen wird mit gewichtigen Argumenten herrschende Stellung bewahrt. entgegengetreten, die bei einer Bereinigung mit Deutschland die überlegene Ronkurrenz der deutschen Industrie fürchten. Aber auch die Grundlage für das fpezifische Wiener Quaft. Bauern als Sparer und Kreditnehmer. Die landwirtschaftlichen Spar- und Kreditgenossenschaften, die als wertvolle Organisationen des bäuerlichen Mein- und Mittelbefizes eine sehr große Bedeutung erlangt haben, hielten, soweit sie im theinischen Revisionsverband des Generalverbandes der Deutschen Raiffeisen- Genoffenschaften zusammengefaßt find, am 14. Juli in Koblenz eine Vertreterversammlung ab. Dem Schresbericht ist zu entnehmen, daß die Zahl der dem Revisions. verband angeschlossenen Genossenschaften von Anfang bis Ende des Jahres 1924 von 661 auf 685 ftieg. Die Zahl der speziellen Sparund Darlehnskaffen vermehrte sich in derselben Zeit von 520 auf 582. Die Umfäße der Raiffeisenbank in Roblenz haben im vergangenen Jahre 391 Millionen Marf betragen. Die Schulden der Bereine werden für Ende 1924 auf 3,3 millionen Mart bei der Roblenzer Bant und auf weitere 2,5 Millionen Mart bei der Sentralbant angegeben. Von Anfang bis Ende des vergangenen Jahres ftiegen die Spareinlagen bei den rheinischen Bereinen Don 48 000 m. auf 2417 000 m. Das bedeutet eine träftige Erholung, wenn auch im Vergleich zu Bortriegsverhältnissen noch immer eine minimale Summe. Bro Kopf der Bereins. mitglieder stiegen die Spargelder von 30 Pfennig am Anfang des Jahres auf 39 m. am Ende des Jahres. Wenn man bedenkt, daß im Rheinlande eine be. sonders starte. 3mmobilisierung des agraren Be triebstapitals im Berlauf der Inflation stattgefunden hat ( für dieses Faktum zeugt der Augenschein in jeber Gegend des Ge bietes!), so erscheint die Lage des rheinischen Bauernstandes im Rahmen des Raiffeisen- Berichtes durchaus nicht schlecht. Die BerSchuldung der Vereine, die als Kreditgeber an die Genossenschafter und als Verwalter von deren Spargeldern tätig sind, ist nur gering, ein Umstand, der gewisse Rückschlüsse auf die finanzielle Lage der Mitglieder erlaubt. Die Zunahme der Spargelber ist doch recht Die Zunahme der Spargelber ist doch recht beträchtlich; bald zweieinhalb Millionen Mart Spargelderzuwachs in einem angeblich besonders schlechten Jahre find nicht als unmesentlich zu betrachten. Deshalb flagt die rheinische Landwirtschaft unter Führung des Zentrumsfreiherrn Loe doch Stein und Bein. -1 Gefchäftstelle: Berlin G. 14. Gebaftianfte. 37/38, Sof 2 Tr. Gauvorstand! Rum republikanischen Tag in Mittenwalde am Sonn tag, den 26. Juli, benußen die Kameraden den Rug ab 7,40 Uhr som Görliger Bahnhof bis Rönigswusterhausen. Von dort Fußmarich eine Die Stunde am Ranal entlang. Fahrpreis für Sin- und Rüdfahrt 1 Mt. Neuköllner Rameraben ab Bahnhof Hermannstraße, 9 Uhr, Kleinbahn bis Mittenwalde. Kameradschaft Neukölln- Brig. Donnerstag, den 23. Juli, abends 7 Uhr, Treffpunkt Ganner. Ede Saalestraße. Uebungsabend auf dem Sportplag. Kameradschaft Bankow mit Untergruppen. Am Donnerstag, den 23. Juli, abends 7 Uhr: Ueben der Spielleute, Jugendheim Bankow. Am Freitag, den 24. Juli, abends 7% Uhr, bei Meler, Bankow, Breite Am Sonntag, den 26. Juli, Strake 14, Stamerabfchaftsvollversammlung. Dorm. 9% Uhr: Antreten der gesamten Kameraden zum Marsch nach Blankenburg. Familienausflug. Kameradschaft Wedding. Donnerstag, abends 7 Uhr, Treffen der Jugendkameraben in der Turnhalle, Lütticher Straße 4. Ramerabschaft Mitte. Freitag, nachmittags 4% Uhr, fämtliche attiven Festabzeichen zur Ver Rameraden am Denkmal im Luftgarten antreten. faffungsfeier find beim Kameraden Diede, Bonenftr. 19, in Empfang zu nehmen. Quartieraettel find umgehend bei den Zugführern bzw. Quartier obmann abzugeben. Kameradschaft Treptow. Die Kameradschaft Oberfchöneweibe und Johannisthal unternimmt am Sonntag, den 26. Juli, einen Familienausflug nach dem Restaurant Sanssouci in Raulsdorf- Süd. Die Kameraden der anderen Kameradschaften sowie Republikaner find mit ihren Familienangehörigen dazu eingeladen. Antreten um 1 Uhr vor dem Haupt. portal bes Bahnhofs Niederschöneweide- Johannisthal. Sämtliche Jugendfameraden beteiligen fich an dem Ausmarsch. Spielleute üben diese Woche jeben Abend 7 Uhr bei Räthel, Niederschöneweide, Brüdenstr. 15. Teilnehmer aus Adlershof, Alt- Glienice, Baumschulenweg, Treptow müssen unbedingt erfcheinen. Am Donnerstag, den 23. Juli, abends pünktlich 7,30 Uhr, ervon Borgmann, Baumschulenweg. Tagesordnung: Bericht des Kameraden Lempert von der Reichsverfassungsfeier und der geplanten Maßnahmen im 15. Berwaltungsbezirk. Ramerabschaft Friebrichshain. Am Sonntag, den famen Spaziergang ohne frauen vor dem Vereinslokal, Fruchtstr. 36a. Fahr gelb hin und zurüd etma 1 Mr. Ramerabschaft Neukölln- Brik Die Svielleute treffen fich am Mittwoch, den 22., abends 7 Uhr, am Bahnhof Karls Kameradschaft horft aum gemeinsamen Uebungsabend mit Lichtenberg. Röpenid und Untergruppen. Mittwoch, den 29. Juli, abends 7 Uhr, int Meinen Saal des Stadttheaters Röpenid wichtige Mitgliederversammlung. Besichtigung des neuen Banners. Bollzähliges Erscheinen unbedingt erforberlich. Donnerstag, ben 23. Juli, abends 7 Uhr, Uebungsabend sämtlicher Spielleute in den Adlershofer Fichten. Ramerabschaft Stealik- Sichterfelbe. Lantwik. Donnerstag, den 23. Juli, pünktlich 8½½ Uhr abends, erweiterte von Mehr, folange aber die Einfuhr von Mehl nicht wesentlich die gegenwärtige Menge von etwa 9 Proz. derjenigen Menge über steigt, die im Inlande gewonnen wird, ist sie zu gering, als daß die deutsche Mühlenindustrie deswegen eines besonderen Schutes bedürfte. Die Menge von 9 Proz. ist auch zu gering, als daß durch den Kleieausfall bei der Vermahlung die deutsche Biehaltung ernst lich beeinträchtigt werden könnte." Ueber die Preisfrage urteilt Hermann wie folgt:„ Der Wunsch auf Wiedereinführung der Zölle weiterte Kreisvorstandsfikung einschließlich fämtlicher Gruppenführer in Lokal zielt nur auf eine Erhöhung des Inlandspreis. niveaus hin. Die Annahme der Reichsregierung, daß bei In frafttreten der Zölle das Ausland einen Teil des Rollbetrages durch 26. Suli, Treffen der gesamten Rameradschaft morgens 7 the aum gemein Preisermäßigung trägt, ist nicht als zutreffend anzusehen, fondern es steht in sicherer Aussicht, daß die ganze Caft der Zölle der deutsche Berbraucher zu fragen hätte. Die Steigerung der Preise hätte natürlich eine Lohnsteigerung zur Folge, die wiederum ein Steigen sämtlicher Inlands. produfte hervorrufen würde. Die Landwirtschaft hätte wie die ge famte deutsche Wirtschaft ihre Geräte und Inlandsrohstoffe teurer. zu bezahlen, die Hilfe durch die Preiserhöhung ihrer Erzeugniffe würde durch die erhöhten Untosten für Löhne und Betriebsmittel wettgemacht. Die bekannte Schraube ohne Ende fängt wieder mit ihrer unfeligen Bewegung an. Belche ernste Gefahr diefe Umstände weiter für unsere Ausfuhr und Stabilität der Währung heraufbeschwören würde, brauche ich wohl hier in den Kreisen so bewährter Wirtschaftler nicht weiter auszuführen. Der deutsche Nahrungsmittel- Großhandel", so schließt der Berfasser, Iehnt daher, wie die Arbeitsgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und die Verbraucherschaft, die Einführung von 35llen auf Getreide ab. Ebenso widersprechen wir der Wiedereinführung eines 3olles auf Reis und Hülsenfrüchte." Preußen erwirbt Aftien der R. W. E. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, hat der Preußische Staat durch Erwerb des Stinnesschen Anteils bei den Rhei. nisch- Westfälischen Elettrizitätsmerten maßgebenden Einfluß gewonnen. Der Erwerb der Aftien ist aus den Mitteln erfolgt, die dem preußischen Staat vor einiger Zeit vom Reiche als Entschädigung für infolge des Friedensvertrages verloren ge gangenes Staatsvermögen überwiesen wurden. Es war von Anfang an beabsichtigt, diese Beträge wieder in merbenden Anlagen für den Staat anzulegen. Die Beteiligung an den Rheinisch- Bestfälischen Elettrizitätswerten scheint vor allem deshalb geeignet, weil es dem Rheinland, das unter den Folgen des Friedensver trages besonders zu leiden hat, ein erheblicher Teil jener Mittel zugeführt werden tann. Außerdem sprach für die Beteiligung, daß eine Verstärkung der elettrowirtschaftlichen Interessen des Staates in den mestlichen Provinzen und die Herbei führung eines engeren Zusammenarbeitens mit den ftaatlichen Elektrizitätswerfen, namentlich Hannover, erwünscht war. die Borbands- und Führerfizung bei Thiele, Stealik. Albrecht. Ede Ringstraße. Au biefer Sigung haben Rug- und Gruppenführer, sowie die Unterkallierer Dollzählig au erscheinen. Besondere Einladungen ergehon nicht. Arbeiter- Radioklub, Bezirk Brenaloner Berg. Donnerstag, ben 28. Juli, Gruppenabend mit Vortrag. Erscheinen aller Gruppenmitglieder ift Pflicht! Bezirk Schöneberg. Donnerstag, den 23. b.., 7,30 Uhr, wichtige Mitaliederversammlung bei Rosenthal, Ebersftr. 66.. D. Experimentier- Ausflug am 25. b. M. Arbeiter- Amateure und Gäste willkommen. Bezirk Arenz fchläger, Adalbertftt. 21, treffen fich die Funkfreunde. Gäste willkommen. Bferbeſchakvereinigung über ganz Deutschland gegen Mikhandlung der Bferde. Nächste Gigung Mittwoch, den 5. Auguft, abends 8 Uhr, kleift ftraße 41, Rollendorffafino. Gäfte willkommen. bera Gruppe Rottbuser Tor. Jeden Donnerstag, abends& Uhr, bei Boll. Arbeitersport. Achtung, Vereinsvorstände! Die Sportredaffion des„ Borwärts" bilfet die Borstände der Arbeiterfportvereine dringend, in den Zufchriften an die Redaktion die Namen der Bereine nicht abgekürzt, sondern voll ausgefchrieben anzugeben. Neben den Sportvereinen, die sich unter einander tennen, sollten auch nichtsportler erfahren, mit welchera Berein sie es bei den Beranstaltungen zu tun haben. Sextonic Sportplak, Chriftianiafte. Am Mittwoch, ben 22. Sult, abends 7 Uhr, findet ein fußballwettspiel zwischen G. 24 I gen bak guter Sport au erwarten tit. Boruffia I flatt. Beide Mannschaften treten in stärkster Aufstellung an, so Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelde. Dinmpia- Fahrer. Donners bag, ben 23. Juli, Treffpunkt abends 10 Uhr am Bahnhof Stralau- Rum melsburg. Fahrkartenausgabe für fpäter Eintreffende gegen Ausweis im Bartefaal II, Alaffe des Anhalter Bahnhofs beim Gen. Billi Gerlach. 3. Sport. Rennen zu Ruhleben am Dienstag, den 21. Juli. 1. Rennen. 1. Intereffent( W. Lemzer), 2. Bildlake( H. Grube), Corona Mac Kinney( Weidner jr.). Tot.: 157: 10. BI.: 17, 18, 21: 10. Ferner liefen: Barmaid, Simpel, Federnelle( als 4. disqualifiziert). Dollyfa, Gay Childs( angehalten ohne Wetten), Baißca. Gründung eines Arbeitsausschuffes für Handelspoffit. In Berlin ist die Gründung eines Arbeitsausschusses für Handelspolitit erfolgt, der sich die Abwehr hochschutzöllnerischer Ten benzen zur Aufgabe gemacht hat und in der öffentlichen Meinung eine breite Basis sowohl zur Klärung und Diskussion handelsund zollpolitischer Fragen als auch zur Beeinflussung der handelsund zollpolitischen Entscheidungen schaffen will. Außer der unmittelbaren Einflußnahme auf die Gestaltung der gegenwärtigen Sollvorlage, für die die Gründung leider etwas spät erfolgt ist, hat sich der Ausschuß zur ft än bigen Aufgabe gefeßt, die Distuffion der handels- und zollpolitischen Fragen auch in der Butunft in Fluß zu halten. Hinter der Gründung stehen in der Haur hache Reichsspikenorganisationen maßgebender Berbände des Handels und der Konsumindustrien, die von der Gefährlichkeit der gegenwärtigen Schußzzollabsichten der Großagrarier und Schwerindustriellen überzeugt, die Einsicht in die Bedeutung der zoll- und handelspolitischen Zusammenhänge in die weitesten Kreise tragen will. Man wird diese Gründung nur begrüßen und ihr vollen Erfolg wünschen dürfen. Eine wesentliche Bedingung für einen nachhaltigen Erfolg wäre es allerdings, wenn es dem Arbeitsausschuß gelingen würde, nicht nur zu agitieren, sondern auch in brauchbaren Darstellungen das umfängliche Tatsachen- und Erfahrungsmaterial, das in den Archiven der Spigen und Unterverbände schon liegt oder in der Zukunft gesammelt werden wird, der Deffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine erste große Gewinne sein, die die Gesellschaft erzielen fonnte. Diese beschränken 3. Primus( E. Treubherz). Tot.: 16:10. 1.: 10, 10:10. Ferner lief: öffentliche Beranstaltung soll bereits in dieser Woche stattfinden. Der deutsche Nahrungsmittelgroßhandel gegen die Zollvorlage. In seinem Berbandsorgan wendet sich der 1. Borsitzende des Landes verbandes Berlin- Brandenburg des Reichsverbandes des Nahrungsmittelgroßhandels, Wilhelm Hermann, mit aller Schärfe gegen die Bollvorlage. Auch er weist nach, daß zur Dedung unseres Brotgetreide und Mehlbedarfes Einfuhr unumgänglich notwendig ist und daß durch die Einfuhrverbote und Hölle, welche die Einfuhr erschweren, die Ernährung gefährdet wird. Grundsäglich wünschenswert ist", lo schreibt Hermann mörtlich die Einfuhr von Getreide, nicht die " Zur Umstellung in der Waggonindustrie. Die faum nennenswerte Ausdehnung der Güterbeförderung, die Vermehrung der Waggon bauanstalten und die Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit in der Kriegszeit sowie die durch die Reparationsverpflichtungen erzwungene Burudhaltung der Reichsbahngesellschaft mit Waggonaufträgen find befannten Ursachen der schwierigen Lage der Waggonindustrie und der Notwendigkeit ihrer betrieblichen Um stellung. Wie start diese Notwendigkeit ist, dafür ist der Geschäfts. bericht der Eisenbahn- Bertehrsmittel-G. Berlin ein beachtenswertes Symptom. Der Waggonbau spielt bei dieser Firma nur eine Nebenrolle in dem Sinne, daß sie in ihrer 1917 erworbenen Wismarer Fabrit zwar Waggons baut und ihren Bergdorfer Werten Waggons repariert, daß aber das Hauptgeschäft im Vermieten von Güterwagen und Bierwaggons, Reffelund Kühlwagen besteht, aus dem von selbst erhebliche Wagenbauten und Reparaturen anfallen. Dennoch fonnte auch die Berkehrs-.- G. nicht umhin, ihre Werke zum Teil auf neue Bauzweige, insbesondere Don Karosserien für Motoromnibusse und Lieferwagen umzustellen. Das Bermietungsgeschäft, das kein besonderes Rifito in sich schließt, dürfte auch die Hauptquelle der immerhin beachtlichen fich nicht auf die 8 Pro3. Dividende, die auf die 5,2 Millionen Aftienfapital verteilt werden und auf die beträchtlichen( 30 Prog.!) Abschreibungen von annähernd 500 000 m. auf 1,4 millionen An lagewerte.( Die Abschreibungen auf den Wagenpart von 7% Millionen erfolgen auf einem Wagenerneuerungskonto 4,8 Millionen besonders). Man wird annehmen dürfen, daß die Waggonbau- und reparatur. betriebe Zuschüsse erforderten, die über Betrieb, also aus dem Gewinn gededt werden konnten. Wenigstens lassen die außerordentlich geringen 3inskosten und die in Wertpapieren angelegten erheblichen flüffigen Mittel darauf schließen, daß die Inanspruchnahme von II m. stellungstrediten nicht notwendig geworden i 2. Rennen. 1. Quadrat( Ch. Wills), 2. Mamrico( E. Treuherz), 3. Herostrat( Hedert). Tot.: 21: 10. PI: 12, 12, 11:10. Ferner liesen: Erbpring jr., Rafimir, Langmacher, Eir Caid, Freiberg, Starta. 3. Rennen. 3. 1. Dreilise Anvil( Ch. Mills), 2. Duera( Jauh jr.), Delos( F. Schmidt). Tot.: 21:10. 1.: 12, 18, 12:10. Ferner liefen: Coriolanus, Fiamette, Good Boy, Lingott fr., Sylvia Stout, Siegleicht. 4. Rennen. 1. Kelud( Sleinau), 2. Lump( M. Bauer), 3. Ddessa ( Körting). Tol.: 60:10. Pl.: 26, 26, 17:10. Ferner liefen: Diagonale, Erft. Wolfersomer. Klärchen M., Divifionär, Letter Mobilaner, Ballast, Karneval, Arion J., Broschüre, Cypreffe II, Unheil( ohne Betten). 5. Rennen. 1. Paula A( B. Finn), 2. Flamingo( Ch. Mins), Königsadler. 6. Nennent. 1. Crassus( F. Schmidt), 2. Fenelon( E. Ningius), 3. Heiman( 3. Mills). Tot.: 107: 10. 1: 30, 39, 63:10. Ferner fejen: Frankenstein, Jeffries jr., Cadiac Agporth, Binnie, Brinzessin, Sybill, Baron Agworthy, Razbach, Invasion, Manfred, 7. Rennen 1. Fiamette(. Mis), 2. Dichtung( H. Schröder), BI.: 16, 32, 23: 10. Ferner 3. Barillia D.( F. Schulz). Sot.: 23: 10. liefen: Altmart, Dunajec, Baron Nushaga, Baron Gabler, Snider, Benedict, als 3. disqu ,, 80 Broz. der Blatwetten zuüd, ipenkönig, Dolerit, Alarich. 8. Rennen. 1. Addie( Jauß jr.), 2. Brogreß( Mis), 3. Joll ( C. Jauz). Tot.: 14:10. L. 14, 27: 10. Ferner lief: Starlata. 9. Rennen. 1. Starbella( Ch. Mills). 2. Copal( s. Smidt), 3. Selbebring I( 3 Mine Sot: 10:10. 3 ficfan