Nr. 345 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 177 Bezugspreis: araua ofnalog b W Böchentlich 70 Pfennig, monaffich 3. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuaband für Deutschland, Danzig Saar- und Memelaebiet, Deiterreich. Litauen. Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,30 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Beit" mit Sied Iuna und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erideint wochentäalich aweimal Eonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin isin siouinger Morgenausgabe 10 Pfennig Anzeigenvrete arovilo 80 Vorwärts Berliner Volksblatt 0001 Die einfpaltige Nonpareille ire 80 Biennia. Reklamezelle 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( auläffia zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 12 Biennis. Stellengesuche das erite Wort 15 Bfennig. tebes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 13 Buch ftaben zählen für zwei Borte Familienanzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rummet müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauv: aefchäft Berlin SW 68, Linden. ftraße 3. abgegeben werden. Geöffnet son 9 Uhr früh bis 5 Uhr nadm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2500-2507 mi Jordan. adela diote to all Freitag, den 24. Juli 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Boftscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Debofitentafe Lindenstraße 3 Wir demonstrieren! is ela Gegen Zollwucher und Volksbedrückung.- Für Brot und Arbeit! 100 Wir demonstrieren! Die Rechtsregierung und die Rechtsparteien des Reichstages haben sich leichtherzig und schonungslos über die Nöte des werktätigen Volkes hinweggesetzt. Für sie sind die Massen des Boltes nur Objekte zum Steuerzahlen. Objekte der Ausbeutung, deren Interessen zurückstehen müssen hinter den Intereffen einer kleinen privilegierten Minderheit. Wir demonstrieren. Wir zeigen ihnen, daß die Massen des Volkes da sind. Wir schreien ihnen unsere Entrüstung und Empörung über das Attentat auf die Wohlfahrt und Gesundheit des Volkes in die Ohren. Nieder mit dem Zollwucher, nieder mit den realtionären Plänen, die das Bolt mit schwerer Lebensmittelwendet sich gegen alle Barteien, die an dem schutzöllnerischen Anschlage gegen die Interessen des ganzen Boltes beteiligt sind. Sie wendet sich gegen den Geist der sozialen Ungerech tigkeit, der die politischen Handlungen dieser Parteien bestimmt. eine Hand voll Großindustrieller und Großagrarier ausbeuten laffen. Seine Organisation, die Massenpartei des arbeitenden Volkes, die Sozialdemokratie, die großen Organisationen der freien Gewerkschaften werden den Kampf gegen Bo un sfoziale Unterdrückung und politische Reaktion aufnehmen. Bir demonstrieren dagegen, daß durch die schutzzöllnerischen Pläne der Rechtsregierung und der Rechtsparteien einschließlich der Deutschnationalen dem Volke neue Opfer auferlegt werden, die über das Maß dessen hinaus, was wir Wir vertreten die Interessen des Volkes, die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands, wir demonstrieren gegen den ungeheuerlichen Anschlag, der sich gegen das ganze Bolk richtet. wir schreien es der Rechtsregierung und ihren Parteien in die Ohren: Fort mit der Politik der Bedrückung und Auswucherung des Voltes, fort mit der Zollvors lage, die neue Lebensmittelteuerung, neue Not heraufbeeiner Hand voll Besitzender über die Interessen des Volkes aftellt. but Lustgarten hört! Fort mit der Regierung, die die Sonderinteressen teuerung bedrohen. Wir sind da, wir zeigen unseren Willen! Die Kundgebung im Kundgebung im Lustgarten Wollt ihr nicht auf uns hören, so scheut die Abrechnung! Sie wird kommen. Die Zollvorlage der Reichsregierung, die von den Intereffenten in Industrie und Landwirtschaft diktiert worden ist, bedeutet die schwerste Bedrohung des werftätigen Boltes. Die Zeiten sind schlimm genug. Sie sollen nach dem Willen der Rechtsparteien noch schlimmer werden. Hochschutzölle, wie sie die Mehrheit des Reichstages durchführen will, be deuten gewaltige Preissteigerungen auf allen Gebieten. Eine neue Teuerungsmelle muß hereinbrechen, wenn die Borlage der Rechtsregierung Gefeß wird. Die Reallöhne der Arbeiterschaft werden sinken. Die Not wird das werktätige Bolt zu schweren opferreichen sozialen Kämpfen treiben. Soziale Erschütterungen, Erschütterungen der gesamten Wirt schaft müssen die Folge sein. Wir protestieren. Wir wollen nicht abermals neuem Hunger und neuer gesteigerter Not preisgegeben sein. Wir wollen nicht, daß eine neue Teuerungswelle, die bereits eingesetzt hat, uris über den Köpfen zusammenschlägt. Wir wollen nicht Ausbeutungsobjekte für eine dünne Oberschicht darstellen. Wir demonstrieren nicht nur gegen die foziale Bebrückung, die uns die Zollvorlage der Rechtsparteien androht. Wir demonstrieren für unser Lebensrecht, unser Recht auf ein fulturelles Dasein! beginnt pünktlich um 5% Uhr. Die gesamte werftätige Bevölkerung Berlins ist eingeladen. Die Belegschaften der Betriebe treffen sich an den in unserer Mittwochausgabe bekanntgegebenen Abmarschplähen. Alle nicht aus den Betrieben direkt abmarschierenden Teilnehmer finden sich an den für ihre kreise bestimmten Sammelplähen zu gemeinjamem Marsch zum Cuffgarten ein. Von 17 Stellen im Luftgarten werden Ansprachen gehalten. Redner find die Genossen: Aufhäuser, Bohm- Schuch, Crispien, Dißmann, Graßmann, Keil, Künstler, Landa, Lempert, Dr. Levi, Meier, Dr. Moses, Dr. Rosenfeld, Joseph Simon, Georg Schmidt, Stampfer, Stelling. Die Redner sprechen 10 Minuten. Dann erfolgt die Abstimmung über eine Entschließung, die vorher in Maffen von Flugblättern bekanntgegeben wird. Anfang und Ende der Kundgebung werden durch Trompetenfignal bekanntgegeben. Republikanische Fahnen und Banner der Partei find mitzubringen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind die von Partei und Gewerkschaften fenntlich gemachten Ordner sowie das Reichsbanner tätig, deren Anordnungen unbedingt Folge zu leiften ift. Nach Beendigung der Kundgebung bewegen fich die Teilnehmer nach den Anmarschstraßen wieder zurück. Die Züge lösen fich in ihren Bezirken auf. Wir wollen, daß oie deutsche Wirtschaft ge= fundet. Wir wollen, daß der Ertrag der deutschen Wirt schaft dem ganzen Bolt ein ausfömmliches Dasein ge- zu leisten verpflichtet sind, in die Kassendes Repara. stattet. Wir wollen eine Wirtschaftspolitik, die auf das Gestionsagenten fließen werden. Diese Zollvorlage ist meinwohl und nicht auf die Förderung enger nicht mirtschaftlich flug, sie ist nicht fozial, nicht gerecht, nicht Sonderinteressen abgestellt ist. Die Zollvorlage der national! Rechtsregierung und der Rechtsparteien bedeutet nicht nur soziale Bedrückung für die Massen des Volkes. Sie gefährdet die Gesundung der deutsch en Wirtschaft, sie erschwert die Eingliederung der deutschen Bolkswirtschaft in die Weltwirtschaft. Deutschland muß egportieren, um leben au fönnen. Diese Zollioorlage hilft denen, die dem deut schen Export hemmende Schranken in den Weg stellen wollen. Deutschland muß sein Preisniveau fenfen, will es fonfurrenzfähig auf dem Weltmarkt sein. Diese Zollvorlage treibt das Preisniveau in Deutschland künstlich in die Höhe. Sollen die Massen des werktätigen Volkes in Deutsch land intensive und Qualiteitsarbeit leisten, so müssen sie menschlich leben fönnen. Diese Zollvorlage setzt ihre Lebenshaltung herab. Sie schwächt ihre Arbeitstraft und ihre Leistungen. Soll die deutsche Wirtschaft sich ausdehnen, so muß die Kauftraft der Malfen gestärkt werden. Diese Zollvorlage fett die Kauftraft der Massen her ab. Die Zollregierung und die Zollparteien haben sich über alle volkswirtschaftlichen Erroägungen hinweggefeßt. Wir demonstrieren dagegen, daß die Zukunft der deutschen Mirt schaft dem Sonderinteresse eini ger Großindustrieller und Großagrarier geopfert wird. Im Namen des Voltes und feiner Zukunft protestie ren wir gegen die Zollpolitik einer unfähigen Regierung, die sich in den letzten Tagen als reiner Interessentenausschuß der Groß industriellen und Großagrarie r bemastiert hat. Wir demonstrieren geger. Die drohende, Teuerung, gegen drohendes Massenelend, wir demonstrieren gegen die Bedrohung der wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands. Unsere Demonstration ist eine politische Demonftration. Sie wendet sich gegen die Rechtsregierung, fie Wir demonstrieren gegen den undemokratischen Geist der Zollwuchervorlage der Rechtsregierung und der Rechtsparteien, gegen jenen Geift, der sich über die Stimme des werktätigen Bolles hinwegsetzt. Die Zollwucherparteien haben geglaubt, die Empörung des Bolles durch das fogenannte 3ollkompromiß abschwächen zu fönnen. Sie haben den unehrlichen Versuch unternommen, mit der Gefte einer angeblichen Berbesserung der Zollvorlage die Last zu erhöhen, die sie den Maffen der Bevölkerung auferlegen wollen. Sie haben geglaubt, daß das Bolf ihre Pläne nicht durchschauen werde, sie haben geglaubt, daß das Volk ein stumpfe, duldende, schweigende Masse sei, die sich Last auf Last aufbürden lasse, ohne sich zur Wehr zu setzen. Wir schreien ihnen heute den Proteft der Massen des Boltes in die Ohren! Sie mögen das Kraftbemußtsein der merttätigen Massen des Volkes nicht unterschäßen. Sie besigen dant der Gunst der Berhältnisse der letzten Jahre, dank der zweideutigen Haltung des Zentrums gegenüber der Arbeiterschaft heute im Barlament eine Mehrheit für ihre unsozialen, volts feindlichen, reaktionären Pläne. Sie wollen diese Mehrheit rüdsichtslos und brutal anwenden, nicht im Interesse des Bolfes, nicht im Intereffe des Staates. Sie befizen nicht jenes Pflichtgefühl gegenüber dem Staat und dem Gemeinwohl, das die Arbeiterschaft in den schwersten Zeiten Deutschlands gezeigt hat. Für sie ist der Staat ein Instrument zur Förderung ihrer Sonderinteressen, ein Instrument zu ihrer Bereicherung. Sie können ihre parlamentarische Mehrheit heute anwenden- um so sicherer wird die Abrechnung mit ihnen in der Zukunft erfolgen. Unsere Demonstration ist eine Mahnung in letter Stunde. Hütet euch, die Dinge auf die Spiße zu treiben! Ihr werdet gewaltige politische und soziale Kämpfe entfeffeln. Das werttätige Volt Deutschlands wird sich nicht wehrlos für Auf zum Protest! Der Ruf der Sozialdemokratie ergeht an das ganze werftätige Bolt Berlins. Heute demonstriert die Reichshauptstadt gegen die volksfeindliche Politik der Rechtsregierung! Und obendrein Mietwucher. Bevorstehende Wiedereinführung der Friedensmiete. groß angelegten Raubsystems, das gleichzeitig in der Wirt Das Zollprogramm des Rechtsblods ist nur ein Teil eines fchafts, Steuer, Lohnpolitif seinen Ausdrud findet. Wäh rend die Unternehmer eine großzügige Propaganda zur Niedrighaltung der Löhne eingeleitet haben, will man die Preise für Nahrung und Kleidung fowie allen übrigen Lebensbedarf steigern, gleichzeitig dem arbeitenden Volke den Löwenanteil an den Steuerlasten auferlegen und schließlich sogar in diesem Zeitpunkt der allgemeinen Verkürzung des Reallohnes noch die Mieten unerhört steigern. Zunächst soll in beschleunigtem Tempo, spätestens bis zum 1. April 1926 die Friedensmiete erreicht sein. Praktisch allerdings wird das noch eher eintreten. Denn das Mietzinssteuertom promiß, das von den gleichen Parteien wie der Zollpaft vertreten wird, sieht die Beteiligung des Hausbefizes an dem Mietertrage in Höhe von 60 Pro3. vor, verlangt überdies Sonderbeträge für den Wohnungsbau und für fisfalische Zwecke, so daß schon bei Anwendung dieser Maßstäbe die Friedensmiete in allerfürzester Zeit erreicht werden muß. Das Kompromiß tommt in diesen Tagen vor den Reichstag. Deshalb richtet sich der Protest der breiten Massen heute nicht nur gegen den Zollwucher, sondern gegen das ganze System der Steuer- und Wirtschaftspolitit, aus dem das Zollkompromiß heraus entstehen fonnte, in vorderster Linie aber auch gegen die Mietzinssteigerung, die genau wie die Zölle die Lebenshaltung der breiten Massen unmittelbartreffen und feinen, auch nicht den 2erm sten verschonen ad Politische Zölle- Korruptionszölle. Das Zollkompromiß eine Quelle politischer Korruption. Der anerkannte Führer der nationalökonomischen Wissenschaft Englands, der Cambridger Professor Alfred Marshall, hat im Jahre 1907 eine glänzende Schrift zur Verteidigung seines freihändlerischen Standpunktes geschrieben. Neben all den bekannten wissenschaftlichen Einwänden des Nationalökonomen bringt Marshall dort als vielleicht das wichtigste Argument gegen die Schußzöllnerei, daß, nach all den Erfahrungen, die bisher in Landern mit Schußzzoll gemacht worden sind, die Gefahr einer Zerfegung des politischen Lebens durch die Korruption der Schuzzollinteressen riefengroß dastehe. Der englische Profeffor, der weit ab von allen sozialistischen Gedanken Zeit seines Lebens ein durchaus bürgerlicher Bertreter der Biffenfchaft gewesen ist, schreibt wörtlich über die deutschen Berhältniffe( 1907!): Es bt wahrscheinlich wenig Menschen mit einem höheren Ehrbegrim privaten Leben, als die ,, agrarischen Mitglieder des Reichstages. Dennoch haben die Praktiken, welche diese Abgeordneten im Berein mit den Industriellen in der Gesetzgebung und in der Beeinflussung der von ihnen abhängigen Kreise angewandt haben, mehr als irgend etwas anderes dazu beigetragen, daß jeder deutsche Arbeiter mit einer ernsten Cebensauffaffung und ffrengem Pflichtgefühl zu einem eifrigen Anhänger der Sozialdemokratie wird.". Diese Worte eines hochangesehenen Wissenschaftlers und etnes dem politischen Tagestampf entrüdten Ehrenmannes der fozialöfono. mischen Forschung rufen wir heute wieder der Arbeiterschaft zu, und gleichzeitig rufen wir sie den Parteien des Bollfompromisses ent gegen! Wir werden nicht nachlaffen, die Deffentlichkeit darüber auf. annel or Das Brot und die neue Zollvorlage Jetzt: 1250 g= 50 Pfg Dann: 1000 g B ம haft enthüllt wird. Z.jr. 50Pfg Zum Abschluß der Reichstagsdebatte. Sozialdemokratie gegen Reichsregierung. Der Reichstag nahm am Schluß der außenpolitischen Aussprache einen von den Regierungsparteien eingebrachten, von den Demokraten unterstügten Billigungsantrag mit 235 gegen 158 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Bölkischen, bei 13 Stimmenthaltungen der Wirtschaftspartei, an. Die sozialdemokratische Fraktion hat am Schluß der außenpolitischen Aussprache der Reichsregierung Luther- Stresemann- Schiele das Vertrauen verjagt Die turze Erklärung, die Genosse Landsberg im Namen der Fraktion vor der Abstimmung abgab und die wir an anderer Stelle des Blattes wiedergeben, bedarf in ihrer Klarheit und Prägnanz eigentlich feines weiteren Kommentars. Dagegen verdient der Vertrauensantrag der Regierungsparteien einige Erläuterungen. Es ist flar, daß die Regierungstoalition sich große Mühe gegeben hat, durch eine gezuklären, daß die 3ollvorlage ein Produkt der übelſten politischiat formulierte Resolution die sozialdemokratischen Stim schen Korruption ist, daß aber durch das neue 3ollfompromiß men zu föbern. Die Mißtrauensanträge der Völkischen her Regierungsparteien diese Rorruptionsangelegenheit erst wahr. und der Kommunisten waren selbstverständlich auch für unsere Die folgenden fünf Bunkte sollte sich jeder, der für wirtschaft. Partei unannehmbar, denn diese beiden Fraktionen gehen in ihrer Bekämpfung der Regierungspolitik gerade in ausliche Vernunft und für Reinheit des politischen Lebens eintritt, tief wärtigen Problemen von ganz anderen Auffassungen aus, als die Sozialdemokratie. Die Bölkischen halten am Revanches frieg fest, die Kommunisten wissen zwar selbst nicht was sie wollen, aber befämpfen Sicherheitspatt und Völkerbund grundsätzlich, wenigstens solange es ihnen Mostau befiehlt. Im allgemeinen entspricht zwar die Antwortnote der von uns feit Jahren empfohlenen Bolitik des Friedens und der Verftändigung. Eine unbedingte Billigung der deutschen Antwortnote tam aber für die Sozialdemokratie, wie schon Genosse Breitscheid in seiner Rede erwähnt hatte, u. a. vollends unmöglich gemacht, wonach verfassungsändernd! vorgesehen ist, daß die Reichsregierung( mit Berstimmung des Reichsnahme der Regierung zum Eintritt in den Bölkerbund entgesehen ist, daß die Reichsregierung( mit Berstimmung des Reichs. deshalb nicht in Frage, weil sie die überaus zögernde Stellung rats und es handelspolitischen Ausschusses des Reichstags) schieden bedauert. 3ölle jederzeit ändern darf. einprägen und immer gegenwärtig halten: Erstens: Das Zollkompromiß enthüllt, durch die Bestimmung, daß die Zollfäge nur bis zum 31. Juli 1927 in Kraft bleiben sollen, feinen Charakter als rein politisches Instrument. Mit derartig furzfristig bemessenen Zöllen ist es unmöglich, zu dem wirtschaftspolitisch wichtigsten, nämlich zu lang fristigen Handelsverträgen zu fommen. Zweitens: Jedes Produktionsprogramm und jede Wirtschafts. Zweitens: Jedes Produktionsprogramm und jede Wirtschaftspolitif auf lange Sicht wird durch die Bestimmung des Konpromisses Drittens: Diese lettere Bestimmung bedeutet nicht nur praftisch die Ausschaltung des Reichstags und die schrankenlose Diktatur der Regierungsparteien, sondern auch die Gefahr der Korruption die Berewigung des politischen Ruhhandels, worin politische Fragen durch Zugeständnisse an die Wirtschafts. politische Fragen durch Zugeständnisse an die Wirtschaftsinteressenten gelöst werden. es Viertens: Sachlich ändert das Kompromiß an der Gefährlich teit der Zollvorlage für die Außenhandelspolitik einerseits, für die Konsumentenschaft nur die Belastung der exportierenden Industrien abfolut nichts zum Befferen. Ebensowenig bedeutet es eine För derung der Produktionsfähigkeit der Landwirtschaft. Im Gegen teil: Das Rompromiß bringt die höheren Lebensmittel. 3ŏlle schon vier Monate eher, als die ursprüngliche Borlage( nämlich zum 31. März statt 31. Juli(!) 1926) Der Ges frierfleischzoll wird von 20 mf. auf 45 Mt., der Zoll für Büchsenfleisch von 20 auf 40 mt. erhöht. Das entspricht einer Berteuerung um 30-40 Bfg. für das Pfund. Die Zollermäßigungen( für Futtergerfte, für Butter und frisches Schweinefleisch) find praktisch taum von Bedeutung. Alle Futtermittelzölle bleiben weiter in Kraft, und die daraus sich ergebende Berteuerung von Fleisch, Milch, Butter usw. wird durch die Festsetzung der hohen Zölle auf alles Schlachtvieh, welche nicht vertragsmäßig herabgefekt werden dürfen( Mindeſtzölle), noch verewigt. Die Schlachtviehzölle sollen nach dem Kompromiß anderthalbmal so hoch wie im Frieden sein! Das bedeutet allein schon eine Belastung von mindestens 15 Pf. auf das Bfund Fleisch! 29 Fünftens: Die sogenannten Erleichterungen des Rompromisses: Fortfall der Getreidemindestzölle, Bildung eines fozialen Fonds von 10 Millionen, Versorgung der Minderbemittelten mit Gefrierfleisch sind gegenüber dieser Mehrbelastung aus dem Stompromiß bloße Mittelchen, welche die Verschlechterung der Bor lage nur verdecken sollen. Sie sind praktisch zur Produktionsförde rung der Landwirtschaft, für die Erleichterung der Last der Kon sumentenschaft, für die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und für die Erleichterung der handelspolitischen Bezichungen zum Ausland absolut mertlos! Körperbildung. Wer sich der ganzen unendlichen Fülle dessen bewußt ist, was im Begriff Sozialismus" an Erfüllung von Menschentum liegt, der erkennt mit frohem Erstaunen, wie sich heute als Borläufer der tommenden Menschheit ein neues Werden offenbart, das in manchem mehr ist als die von unseren großen Borfämpfern ver fündeten Bildungsziele. Wenn es z. B. Lassalle als die Tugend unferer nationalökonomischen Zeit bezeichnete, möglichst viele Bedürfnisse zu haben, so hat sich in der heutigen Jugend eine Abkehr von dieser„ nationalökonomischen" Auffaffung in der Richtung zu der alten Philosophie vollzogen, die den den Glücklichsten nannte, der möglichst unabhängig von Bedürfnissen ist, d. h. möglichst wenig Bedürfnisse hat. Freilich heißt dieses Wenig viel, wenn man es in Vergleich jetzt zu dem, was, trop weitgehender ,, nationalökonomischer" Bedürfnisse, unserem Bolt an wahren Berten zuteil geworden ist. Wie arm ist uns z. B. heute der wahrhaft elegant", d. h. mit vielen Kosten und nach den Vorschriften der Mode gekleidete Mensch. Wie arm der Mann, der vor einer Flasche teuren Weines, die dicke Zigarre im Mund und das schwerbezahlte Weib zur Seite, im ,, mondänen Restaurant" den Klängen modischer Musit lauscht. Und wie reich der Trogtopf mit der Litanenstirn und dem eisernen Nackenmustel, der leuchtenden Auges im Morgengrauen auf windumrauschtem Gipfel die nackte Haut den Morgensonnenstrahlen preisgibt! So wird Erfüllung, was ehedem Berheißung war, und es wandelt sich in der Erfüllung oft ins gerade Gegenteil. Darum dürfen wir aber feinen Augenblic pergessen, eine wie geringe Bahl von Begnadeten und Begünstigten es noch immer ist, die sich solches Glückes, solch aufstrebenden An stiegs freuen darf. Welch zähen, nie ermüdenden Kampfes es be darf, bis erst wirklich das ganze Bolk der Einsicht in diese Güter und der äußeren Möglichkeit ihrer Erreichung teilhaftig geworden ist. Man denke an das gewaltige Gesicht der Bodenfrage, bas aus Wohnungselend, Siedlungsbestrebungen und all den Krankheiten unferer Sivilisation" hervorschaut an die Kämpfe um Freizeit und notwendigen Lebensunterhalt, die der Kapitalismus den Befit Lofen aufzwingt an den Kampf um die Schule, gegen den Krieg und alle die vielen großen und fleinen Notwendigkeiten und Nöte des Tages, die uns immer wieder flarniachen, wie weit wir noch von dem Wege zur Freiheit entfernt sind, wie sehr auch der freier Gestellte, wenn er wirklich ein Sozialist, das heißt ein Mensch, ein Mitfühlender und Miterlöfender sein will, noch zu ringen hat, bis er mit feinen Leidens- und Strebensgefährten in Ruhe und Freuden Jeinen Höhenweg emporwandeln kann und darf. Dazu wieder braucht es ein Bolt voll Kraft. Dazu braucht es Wollende, Tat fähige, die nicht an kleine Bedürfnisse gebunden sind. Ein Kreislauf der Bedingtheiten aber einer, der zum Nachdenken und zur Tat anregt. Ist es ein Lob für eine neue Zeitschrift, daß sie zu solchen weit gespannten Gedankengängen führt? Ich glaube, ja. Es ist viel, wenn ein solches Unternehmen das Innerfte aufwühlt, die tiefsten Fragen des Lebens in uns aufrührt. Unsere traftvoll voranschreitende Körperbildungsbewegung, die bereits die Gesamtheit ihrer unter sich gespaltenen bürgerlichen und völkischen Vorgänger an Zahl überflügelt hat, hat in einer zunächst vierteljährlich erEine ganz andere Frage dagegen ist, ob man zu der Regierung und zu den Parteien, die diese Regierung bilden, das Bertrauen haben kann, daß sie die in der Antwortnote angefündigte Politik energisch und einheitlich zu befolgen bereit sind. Die Vorgeschichte der Note zwingt uns, diese Frage mit einem glatten„ Mein" zu beantworten. Und da wir auf allen anderen Gebieten der inneren und der wirtschaftlichen Politik zu dieser Regierung erst recht nicht das geringste Bertrauen haben, sondern sie auf das entschiedenste bekämpfen, war es felbstverständlich, daß wir dies auch bei der gestrigen Abstimmung eindeutig zum Aus brud brachten. Die Lohnsteuer steigt. In diesen Tagen beginnt im Plenum des Reichstags der Endfampf um die Steuervorlagen. Infolgedessen ist der Ausweis über die Einnahmen des Reiches an Steuern, Böllen und Verbrauchsabgaben im Monat Juni und damit im ersten Quartal des neuen Rechnungsjahres von besonderer Bedeutung. Betrachtet man ihn zunächst unter dem Gesichtspunkt der sozialen Berteilung der Steuerbelastung, so ist das Bild ein außerordentlich ungünstiges. Die Massensteuern liefern steigende Erträge, auch steigt ihr Anteil an den Ge= famt steuererträgen. Es haben gebracht: Lohnsteuer: nmiagsfeuer: Beförderungssteuer: Bölle und Verbrauchssteuern: insgesamt in Millionen Reichsmart Juni 1925 132 117,7 28,6 160,6 438,9 April bis Juni 1925 395 370,7 81,1 452.3 1299,1 Da der Gesamtertrag aller Steuern im Monat Juni 561,3 Millionen, und in den Monaten April bis Juni scheinenden Schriftenfolge*) fich eine helle Leuchtfatel, eine scharfe Waffe geschaffen. Der Inhalt des ersten Heftes ist reich. Adolf Roch zeichnet in tnappen Sägen den Weg: Rampffähigkeit der unterdrückten Schichten soll erreicht werden. Mittel dazu: der Rörper. Wir müssen wieder einfach werden, ganz schlicht, uns das Handwerkszeug erarbeiten... wieder Menschen werden, in täglicher Arbeit." Die nächsten Folgen follen unter anderen behandeln: Mutterschaft und Körperkultur das Großstadtkind die Schule Rauschgifte Rassenhygiene. wir mollen In ständigen Beilagen werden fachwissenschaftliche Ratschläge für gefunde und franke Körper und Vorbilder in lebendigen Bildern geboten, deren das erste Heft eine ganze Reihe trefflicher nach den Aufnahmen von Germaine Krull bietet. Die Auffäge von Graaz über die förperliche und geistige Berfassung des deutschen Boltes und feines Broletariats, von Otto Weber: Broletarische Körperkultur? Die deutsche Frau. Braftische Körperkultur. Bon unserer Kleidung( Fränze Fri) geben Einführungen und Proben wertvoller Betrachtung, die natürlich auch manchmal zur Kritit anregt. So scheint mir Graaz bei Erklärung der Auslese der Herrschenden zu einseitig ihre Ueber legenheit zu betonen, die niederen, oft sehr gemeinen Eigenschaften, die vielfach den sozialen Aufstieg ermöglichen, zu wenig zu beachten. Weber erfcheint mir zu sehr geblendet von den Anfäßen zum Guten, die Rußland neben so überaus viel Niederdrückendem bietet. Doch das find tleine Ausstellungen. Ich begrüße das Unternehmen aus vollem Herzen und wünsche ihm soviel Erfolg, wie es nach feinen redlichen Abfichten und zum Wohle unferes schmer darniederliegenden Arbeitsvoltes verdient. Simon Rabenstein. Der Streit um die Ebert- Büste. Die Ebert- Büste, die Georg Rolbe für den Reichstag geschaffen hatte, ist bekanntlich von der Ausschmückungstommission des Reichstages abgelehnt worden. Durch ein Gutachten des Bildhauers Hugo Leberer hat man diesen Beschluß nachträglich begründet. Das Gutachten wird jetzt veröffentlicht. Außer allgemeinen Phrasen ,, das Beste muß in diesem Falle gerade genug jein" usw. enthält es einige verdonnernde Urteile, denen leider die fachliche Begründung mangelt. In schneidigem Ton wirft Lederer der Arbeit des geschästen Kollegen" Kolbe vor, fie fei oberflächlich, nicht genial, ſondern gepakt, nicht gefonnt, sondern mangelhaft. Und dem Reichs, tunstwart, der anderer Meinung ist, wird einfach Jachunkenntnis" atteftiert. Lederer empfiehlt schließlich, die Anfertigung der EbertBüfte dem Münchener Profeffor Bleecker oder dem Stuttgarter Brofeffor Janssen zu übertragen, und er erflärt sich felber gern bereit, ein Schema für die Aufstellung dieser und der nächsten Reichs oberhauptbüsten herzustellen. Kolbe will nun, was man ihm nicht verdenken kann, auf die Beschimpfung Lederers antworten, und so stehen uns für die nächsten heißen Tagen Auseinandersehungen *) Rörperbildung Naditultur." Blätter freier Menschen. 1. Folge: Schrei des Boltes nach Licht. Her ausgegeben von Adolf Koch und Dr. med. Graaz, Berlin, Ver lag des Bundes freier Menschen. Was die geplante Hauszinssteuer bedeutet inkommen Steuer HermögenErbschafts steuer Umsatz. steuer Lohn. stever Hauszinsstever 1825 Millionen betrug, so ist der prozentuale Antei! der Maffenbelastung im Monat Juni auf 80 Pro 3. und in der Zeit vom April bis Juni auf 72 Proz gestiegen. Das sind Rekordziffern, die bisher noch nie erreicht worden sind, da feit Anfang 1924 der Anteil der Maffcnbelastung nie über 70 Broz. hinausgegangen ist. Dieses Steigen des Ertrages der Massenbelastung ist vor allem die Folge der dauernd steigenden Erträge der Lohnsteuer. Sie hat im Monat Juni 132 Millionen Reichsmart gebracht, im ganzen abgelaufenen Quartal 395 Millionen, also wesentlich mehr als dem Voranschlag entspricht. Besonders bedeutungsvoll ist das hohe Aufkommen der Lohnsteuer im Monat Juni. Es bleibt gegenüber dem Mai nur um 5 Millionen zurück und ist damit immer noch 6 Millionen höher als im April. Insteuerfreien Grenze von 60 auf 80 m. und die stärkere Erzwischen aber ist am 1. Juni durch die Heraussetzung der mäßigung für finderreiche Familien die Lohnsteuer gemildert worden. Damals hat die Reichsregierung behauptet, das werde zu einem Ausfall von mehr als 40 Millionen im Monat führen und den Ertrag der Lohnsteuer auf unter 100 Millionen Marf im Monat fenten. Die fozialdemokratischen Vertreter im Steuerausschuß haben damals bereits diese Zahlen absolut schlüssig als falsch nach gewiesen. Trozdem hat die Neichsregierung fie immer wieder verwender, obwohl auch sie an ihre Richtigkeit nicht glauben fann. Gewiß ist zugegeben, daß bei dem Aufkommen der LohnSteuer im Juni die erhöhten Abzüge noch nicht im vollen Umfange berücksichtigt sind. Aber selbst wenn man annimmt, daß das für die Hälfte des Auffommens zutrifft, so bleibt immer noch die Tatsache bestehen, daß auf Grund der Lohnverhältnisse im Juni bei einer Steuerfreiheit vom 80 m. mit einem dauernden Steuerertrag von rund 120 millionen monatlich zu rechnen wäre, und nicht mit weniger als 100, wie die Regierung behauptete. Selbstverständlich ist es der Regierung mie den Regierungsparteien sehr unangenehm, daß sich ihre Angaben so schnell als unrichtig ermiesen haben. Ihr Bestreben geht nach wie vor dahin, die Lohnsteuer zur ergiebigsten und über Gebühr angespannten Steuerquelle zu machen. Ein Erfolg der deutsch österreichischen Partei Verlängerung der Arbeitslosenunterstügung durchgesetzt. Wien, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Jm österreichischen Rationalrat haben die Sozialdemokraten am Donnerstag einen großen Erfolg errungen. Seit Mc aten hatten die bürgerlichen Parteien in der Presse und in Versammlungen eine rege Agitation gegen die am 81. Juli ablaufenden Berordnungen über die Arbeitslosen unterstüßung entfaltet. Sozialdemokraten gelang es im Ausfäuß am Donnerstag, die Verlängerung der Arbeitslose nunterstüßung bis zum 31. De zember 1925 durchzusetzen. Die endgültige Enticheidung wird am Dienstag in der Vollversammlung des Nationalrats fallen. Den bevor, die wie alle Streitigkeiten zwischen Künstlern wahrscheinlich sehr temperamentvoll, aber wenig überzeugend sein werden. Zur Sache selbst märe zu bemerken, daß der besondere Zwed, dem diese Ebe-Büfte dieren soll, nicht nur( was felbstverständlich ist) fünstlerische, sondern auch gewiffe dokumentarische Qualitäten ver langt. Die Büste soll die Erscheinung Eberts späteren Geschlechtern vor Augen führen und ihnen einen Begriff von der Persönlichkeit und dem Charakter des ersten Reichspräsidenten geben. Kolbe hat Ebert persönlich nur wenig getanni. Er hat die Totenmaske ab genommen und der Eindruck der Leidens züge hat ihn offenbar bei der Schöpfung seiner Büste beeinflußt. Der Zug der Müdigkeit, der im Gesichtsausdruck vorherrscht, mag allenfalls für die allerletzte Lebensperiode Eberts charakteristisch feira den ganzen Mana fennzeichnet er nicht. Der war voller Energie und Spannung. Der Rrante des Jahres 1925 ist nicht der Friedrich Ebert, der das Deutsche Reich in schwersten Beiten mit fester Hand durch Stürme und Klippen zu steuern mußte. Diesen aber gilt es der Zukunft vor Augen zu führen. Ein weiteres Problem ergibt sich aus der glatten Unmöglichkeit, eine fünstlerisch wertvolle Plastit den Schreden des Ballotbaues organisch einzuordnen. In dieses Milieu paßt nur der Siegesallee. Stil. Soll etwas einigermaßen Befriedigendes zustande kommen, so muß zunächst eine würdige archite? tonische Umgebung geschaffen werden. Dann möge man daran gehen, dem fünstlerisch einwand freien Raum die künstlerisch und dokumentarische wertvolle Plastik zu geben, die mit ihm zu einem lebendigen Ganzen sich eint. Schultinder im Kino. Eine eindrucksvolle Kinoftatiftit wird Bernischen Schulblatt" peröffentlicht. Danach sind von den 3300 Schülern der 95 mittleren und oberen Klassen in Bern im 2450 Stinobefucher. Bas fie in einen bestimmten Zeitraum saben, mar folgendes: 1914mal Brügelfzeren, 1286mal Streit zwischen Mann und Frau, 1350mal Beiruhtene, 1160mal Entführungen, 1120mal Chebrüche, 1224mal, wie Menschen erschossen wurden, 1645mal Räuberefen, 1179mal Diebstähle, 1171mal Brandstiftungen und Morde, 765mal Selbstmorde,( 1225mal Detektivromane. Die Statistit spricht für sich. Maler Rauch." Hans Thoma hatte 1886 im Café Bauer zu Frankfurt Wandbilder gemalt, die soviel Anstoß erregten, daß fie jahrelang nerbedt waren. Als man dann eines Tages die Male reien wieder sichtbar machte, war das ein großes fünftlerisches Er eignis, und auch der Meister ging hin, um sich seine Werte wieder anzusehen. Ich hatte mein Bergningen an dem harmonischen Ton, ben die Bilder nach und nach in de Rauchluft des Kaffeehauses angenommen hatten," erzählt er felbit. Gie gefielen mir nun meit beffer als in dem frischen Zustand, in dem ich sie gemalt hatte. Bald trat auch ein Berichterstatter zu mir und fragte nach meinem Eindrud. Ja," facte ich, die Bilder wären nicht so gut geworden, wenn mir nicht Meister Rauch dabei geholfen hätte." Am nächsten Tag las man also im Blättchen: Wie bekannt, hat Thoma die Bilder ja nicht allein geschaffen, sondern der geschäzte Maler Professor Rauch hat ihm bei der Ausführung geholfen. Der deutsche Wertbund veranstaltet im Jahre 1926 in Stuttgart eine Ausstellung Neuzeitliches Wohnen". Deutsch nationale Selbstbespiegelung. Ein ehemaliger Reichstagsabgeordneter über seine Partei. In der Reichs- Sturmfahne" veröffentlicht der ehemalige deutschnationale Reichstagsabgeordnete Alfred Roth einen Aufsch über seine Partei, in dem u. a. folgendes ausgeführt wird: Jst etwas besser geworden in Deutschland, seitdem der Mindestens 150 Mark ( Einhundertffinizig Mark!) muß der Familienvater jährlich für Lebensmittelzölle zahlen, wenn die Zollvorlage der Regierung Gesetz wird liner Regierung, indem er auf die schwere Schädigung der Arbeiterschaft beider Nationalitäten in Ost- Oberschlesien durch den Bollkrieg hinweist. Aus Ziffern, die in der letzten Zeit von den Gewerkschaften OstOberschlesiens veröffenilicht wurden, ergibt sich, daß z. B. die In dustrie angestellten des abgetretenen Gebietes immer noch zu reichlich drei Viertel in deutschen Verbänden organisiert sind. Ebenso die Grubenbeamten. Bei den Grubenarbeitern liegt das Verhältnis umgelehrt, erheblich günstiger für die soweit Deutſchnationalen heißeſtes Bemühen gelohnt worden ist, und fie Das sind 12,50 Mark im Monat! Boten, zeit nicht Arbeitslosigkeit die Mitgliedschaft in den Verfich nun mit anderen in die Regierung teilen? Ist die Lage außenpolitisch heute womöglich nicht noch zerfahrener geworben, als vor einem Jahre, da der deutschnatio nale Parteiführer Hergt im Reichstage seine große Rede hielt und die Fraktion durch den Mund des Professors Hoegsch ihre sieben un verzichtbaren Borbehalte" zur Stresemannschen Außenpolitik ver. tünden ließ? Hat sich innenpolitisch etwa der Stand der nationalen Bewegung irgendwie gefestigt? Ist sie nicht vielmehr erfahrener denn je, und hat die Deutschnationale Volkspartei, die sich damals selbst als ihr letztes Bollwert bezeichnete, seitdem in der Führung des nationalen Willens- und wenn man will der nationalen Opposi tion- nicht fläglich versagt? Es muß gesagt fein: Der politische Kredit der Deutschnationalen ist vertan. Das sind 10 Proz. bei einem Stundenlohn von 62 Pfg. Diese Last muß selbst ein Familienvater tragen, der wegen geringen Lohnes von der Lohnsteuer befreit ist! Wehrt Euch gegen die Zollvorlage! namen zu nennen, da man andernfalls im Klagemege fofort seine Behauptungen als ganz gewöhnliche Ehrabschneiderei charakterisieren fönnte. Daß dieser Herr natürlich eine befondere Dffiziersehre für fich in Anspruch nimmt, ist der humoristische Beigeschmack der Sache! Schlieben droht mit Rücktritt. Die Front der Regierungsparteien wackelt. Der Steuerausschuß des Reichstags beschäftigte sich am Donnerstag mit der Frage der Hilfe für die durch die Er. höhung der Tabaksteuer arbeitslos werdenden Arbeiter und Angestellten des Tabafgewerbes. Nach längerer Aussprache wurde ein fozialdemokratischer Antrag angenommen, daß diese Arbeitskräfte, wenn sie infolge des Tabaffteuergesetzes innerhalb der nächsten drei Jahre nach seinem Infrafttreten entweder vorübergehend oder für längere Zeit arbeitslos werden, ohne ander. weitig entsprechende Beschäftigung zu finden, Unterstügung aus der Reichstasse erhalten. Die Unterstützung im Falle cingetretener Arbeitslosigkeit darf nicht weniger betragen als drei viertel des entgangenen Arbeitsverdienstes. Die Mehrheit dieses Antrags tam zustande, da auch einige Arbeitervertreter aus der Zentrums. und der deutschnationalen Fraktion ihre Zuflimmung gaben. Niemand, führt Herr Roth weiter aus, misse heute, was die Deutschnationalen wollten. Wenn Wels gesagt habe, sie hätten sich zur Erfüllungspolitit" befehrt, so habe das bis zu einem gewissen Grabe seine Richtigkeit. Herr Roth weckt dann peinliche Erinnerungen, indem er weiter schreibt: Meine Gedanten treisen immer wieder um das tiefe Erleben in den Tagen des Juli und August 1924. Damals zählte ich nod zu den deutschnationalen Reichstagsabgeordneten. Aber ich gehörte zu denen, welche die nationale Ehre und die Wahrung der deutschen Staatshoheit nicht zu einem Handelsobjekt um minister size herabzerren ließen. Wie es dazu fam, daß das mit stürmischem Gelächter und Händellatschen bei allen Reichsfeinden aufgenommene Hergtsche Bersprechen vom 25. August 1924 in der Vollfigung des Reichstages:" Ich möchte beinahe sagen: Hier stehe ich, ich fann nicht anders" eine bejammernswerte Bestätigung erfuhr das ge. hört zu den peinvollsten Erfahrungen meiner fur: zen Laufbahn als M. d. R. Sie haben mich veranlaßt, diesem ganzen parlamentarischen Betue angewidert den Rücken zu fehren. Herr Roth prophezeit der Deutschnationalen Bartei, fieber werde„ vom Zorn ihrer enttäuschten Anhänger als selb ständiges Gebilde hinweggefegt werden." Bon dieser Bartei bankerotter Betrüger aber läßt sich die Mehrheit des Reichstags für ihre Brot wucherpläne einspannen! Neues von der deutschen Justiz. Für den Galgen reif!" Welmar, 23. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Vor dem Schöffen gericht in Weimar fand am Donnerstag die Berhandlung gegen den ehemaligen völlischen Reichstagsabgeordneten Fahrenhorst wegen Bergehen gegen das Gesetz zum Schutze der Republik statt. Er hatte mit noch vielen anderen völtischen Agitatoren im Auguft vorigen Jahres am Deutschen Tag in Weimar in das Gästebuch des Fürstenfellers Verse geschrieben, in denen über die Novemberverbrecher Ebert, Severing ufw." hergezogen und sie als für den Galgen reif bezeichnet werden. Durch den preußischen Innenminister Severing wurde der Strafantrag gestellt. Eine Brüfung des Gästebuches des Fürstenfellers ergab, daß 3 Berse gegen das Republitschutzgesetz ver ffießen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Fahrenhorst eine Ge fängnisstrafe von zwei Wochen. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 140 mart und zur Tragung der Kosten des Verfahrens. Was tonnie man mehr erwarten? 20 Monate Untersuchungshaft und dann 3 Jahre Gefängnis. Leipzig, 23. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bor dem Staatsgerichtshof zum Schuße der Republit, Süddeutscher Senat, hatte sich am Donnerstag der Installateur Erfing aus Nieder. Schwörstadt( Baden) wegen Beihilfe zum Hochverrat und Ge fangenenbefreiung zu verantworten. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, sich im September 1924 an den Tumulten in Lörrach beteiligt zu haben. Auch soll Erfing die Demonftranten aufgefordert haben, sich zu bewaffnen und die Gefängnisse zu stürmen. Daraufhin drangen die Demonstranten in die Gefängnisse ein und befreiten 5 Gefangene. Der Angeflagte verweigerte mährend der ganzen Ber handlung die Aussage und ließ durch seinen Berteidiger die Erflärung abgegeben, da er infolge einer 20 monatigen Unter fuchungshaft geistig und förperlich vollständig zu fammengebrochen jei. Durch die Beweisaufnahme murde der Angeflagte der Tat überführt. Nach 12stündiger Berhandlung wurde das Urteil gefällt. Erfing wird wegen Bergehens nach§ 7 des Republiffchuzgesetzes und Gefangenenbefreiung zu 3 Jahren Gefängnis und 300 mart Geldstrafe verurteilt. 20 Monate und die Geldstrafe gelten durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Die Wahrheitsliebe eines Generals. Was die Offizierßehre zuläßt. In der Nr. 336 der Deutschen Zeitung" schreibt der General major Freiherr v. Maltzan( Oberlößnig) über Untersuchungsausschüsse und prägt dabei in dem schlechten Deutsch, das er mit den meisten Alldeutschen gemeinsam hat, folgende Säge: Wir haben es erlebt, wie parlamentarische Unterfudungsausschüsse bis in jüngster Zeit auf dem demokra tischen Kompost wie die Pilze nach einem Regen wuchsen. Es [ ei an die Barmat, Kutister, Höfle- und andere Ausschüsse erinnert, in welchen in der Sache selbst schwer belastete Abgeordnete zu Gericht in eigener Sache faßen, um aus parteipolitischen Gründen den ordentlichen Gerichten ihre Aufgaben fast zur Un möglichfeit zu machen. Ein ordentliches Gericht in Deutschland urteilt ohne Ansehen der Person, es fucht nach Pflicht und Gewiffen allein das Recht. Ein parlamentarisches Untersuchungs. gericht besteht aus von den einzelnen Parteien gewählten Barlamentariern, es fucht das Recht nach parteipolitischen Gesichtspunkten. Zu diesen In ehrlichkeiten ist folgendes festzustellen: 1. Die meisten der hier genannten Untersuchungsausschüsse find auf Antrag der Deutschnationalen, also der poli. tischen Freunde des Generals v. Maltzan eingesetzt worden. 2. Der Höfle- Ausschuß hat seine Feststellungen fast ein. ftimmig( ohne die Rommunisten), aber mit fämilichen Stimmen der Deutsnationalen getroffen. 3. Sämtliche Ausschüsse haben stets in Fühlung mit den Gerichtsbehörden gearbeitet, und ihre Untersuchungen ftets bort abgebrochen, wo diese Behörden eine Erschwerung ihrer Tätigkeit fürchteten. 4. Was die Verdächtigung angeblich schwerbelasteter Ausschußmitglieder betrifft, so hütet sich der General mohlmeislich, Weinsteuer erledigt. Auch hier zerbrach wieder einmal die Front In sehr ausgedehnter Beratung wurde die Vorlage über die In sehr ausgedehnter Beratung wurde die Vorlage über die Regierungsparteien, da neben den zwölf Abgeordneten der Linten auch die Abgeordneten der Böltischen und der Wirtschaftspartei gegen die Festsetzung der Weinsteuer auf 15 Broz. ſtimmten. benso wie dieser Satz wurden alle übrigen Säge mit Stimmen gleichheit abgelehnt, sodaß die Borlage überhaupt feinen beftimmten Steuersatz enthält. Diese Situation veranlaßte den Finanzminister v. Schlicben zu der Drohung, er werde, falls es bei diefen Beschlüssen bleibe, fein Amt zur Verfügung stellen. Die Zündwaren, tie Eclz- und die Zuckersteuer wurden nach Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge underȧvbert angermen. Der deutsch- polnische Wirtschaftskrieg. Verschleypung der Verhandlungen. Die deutsche Antwort auf die letzte polnische Note zur Biederaufnahme der Wirtschaftsverhandlungen wird, wie verlautet, in den nächsten Tagen abgehen. Von poln scher Seite wird erklärt, daß vor dem 16. September mit einer Wiederaufnahme der Berhandlungen nicht zu rechnen sei. Wir finden, daß zur Verschleppung der Berhandlungen wirklich fein Grund vorliegt, denn die Klagen über die schweren Schädigungen des Wirtschaftstrieges nehmen von Tag zu Tag zu. Sowohl in Oft wie in West- Oberschlesien und auch über die Grenz gebiete hinaus hat die Unterbrechung der Berhandlungen der deut schen und polnischen Wirtschaft schon viel Schaden zugefügt, daß die beiden Regierungen gut daran täten, ihre Unterhändler schleunigst wieder an den Berhandlungstisch zu schicken. bänden überhaupt unterbrochen hat. Für die Hüttenarbeiten aber ist wiederum ein leberwiegen des deutschen Elementes festzustellen. Frankreichs Einwendungen. Ein Memorandum Briands in London. Paris, 23. Juli.( Eig. Drahtbericht.) Die französische Regierung hat am Donnerstag den Gedankenaustausch mit den alliierten Kabinetten über die am Montag überreichte deutsche note begonnen. Sie hat durch ihren Londoner Botschafter der englischen Regierung ein von Briand selbst ausgearbeitetes Memorandum überreichen lassen, das die französischen Vorbehalte und Gegenargumente gegen die von der deutschen Regierung entwidelten Gedankengänge näher darlegt. Jach Informationen von unterrichteter Seite sollen es die folgenden sechs Puntte sein, die von der französischen Regierung aufgestellt werden: Die von Deutschland an seinen Eintritt in den Bölkerbund geknüpften Bedingungen; die Anspielung der deutfyen Note auf eine Aenderung des Befehungsregimes im Rheinland; die deutsche Auffassung des Begriffes„, fchiedsgerichtliche Regelung"; der Einspruch gegen das Recht der Alliierten zu automafischen Santtionen im Falle deutscher Berfehlungen gegen die Bestimmungen des Friedensvertrages und endlich die Ablehnung der franzöfifchen Garantie für die zwischen Deutschland und feinen östlichen Nachbarn abzuschließenden Schiedsverträge. Weiterhin foll die französische Regierung in Prag und Warichau haben wiffen lassen, daß fie unter feinen Umständen einen Verzicht auf ihre Bündnisverträge mit Polen und der Tschechoslowakei zulaffen werde Pariser Echo Stresemanns. Paris, 23. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Temps" schreibt die Stresemann zu der am Montag überreichten Note gegeben hat, zu der Rebe, die Stresemann am Mittwoch im Reichstage ge halten hat:" Trog ihres fonzilianten Tones find die Erläuterungen, nicht weniger unbestimmt als diese selbst. Der deutsche Außenminister hat zwar am Mittwoch auch versichert, daß Deutsch land den Wunsch hat, die Sicherheitsfrage einer endgültigen Lösung entgegenzuführen. Aber bisher scheint sich dieser Wunsch lediglich in dieser vagen Formel zu erschöpfen, die dazu bestimmt ist, die deut schen 4 en Hintergebanten zu verschleiern. Wenn Strejemanı: von einer Friedensoffensive großen Stils spridit, so meint er damit offenbar eine Offensive zugunsten einer Revi sion des Versailler Bertrages. Der beste Beweis dafür ist, daß Graf Bestarp, der das gegebene Wort Stresemanns noch bis vor wenigen Tagen auf das heftigste bekämpft hat, am Mittwoch die deutsche Antwort rüdhaltlos gutgeheißen und der Redner des Sentrums der Hoffnung Ausdruck gegeben hat, daß Belgien eines Tages zu einer Revision des Statuts der Kreise Eupen und Malmebn bereit sein wird.( Für eine wirtliche Boltsabstimmung in diesen beiden Streifen hat sich aber wiederholt die belgische sozialdemo fratische Partei ausgesprochen, die jetzt Regierungspartei ist. Red. b. 2.") Noch ist der Vertrag, der den Status quo im Westen garan. tieren soll, nicht unterzeichnet, und schon reflamiert Deutschlank bie Gebiete, die es im Friedensvertrag hai abtreten müffen." Stresemann hat der Hoffnung Ausdrud gegeben, daß die ein geleiteten Berhandlungen bald zur Einberufung einer inter. nationalen Konferenz führen würden. Berlin bemüht sich offenbar, England für diese Idee zu gewinnen, aber Frankreich hat seine guten Gründe, sich deren Zusammentritt zu wider. feßen, solange nicht cine restlose Verständigung über die Prinzipien erzielt ist. Wenn die englische Bresse den deutschen Standpunkt bezüglich der Rückwirkung eines Garantiepaktes auf die beDeutsche und poluische Gewerkschaften für Wirtschafts- ftehenden Berträge und der Unhaltbarkeit automatischer Sanf. frieden. tionen sich zu eigen macht, so tann auch das Frankreich nicht beBreslau, 23. Juft.( Eig. Drahtbericht.) Eine gemeinsame Bestimmen, seine Auffassung darüber zu ändern. Die französische Retriebsrätefonferenz der deutschen und polnischen Gegierung hält sich hier an die von Chamberlain in seinem Briefe vom wertschaften Dst Oberschlesiens nahm eine Ent Ost Oberschlesiens nahm eine Ent. 8. Juni gegebene Erklärung, daß der in Aussicht genommene Batt fchließung an, die zum Abbruch des deutsch polnischen in feiner Weise die aus dem Friedensvertrag ich ergebenden Rechte Bollfrieges auffordert. Während die polnischen Gewerkschaften und Pflichten beeinträchtigen fann. Stresemann hat u. a. davon in den letzten Wochen wiederholt Delegationen mit ähnlichen Auf gesprochen, daß die Atmosphäre der Londoner Konferenz noch vor forderungen nach Barschau entfandt haben, mendet sich das Organ handen ist, die in Berlin herrschende Atmosphäre scheint dagegen der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft Ost- Oberschlesiens, der Rattomizer Boltswille", in den legten Tagen wiederholt mit der einer befriedigenden Regelung der internationalen Fragen wenig gleichen Mahnung an die Warschauer und an die Bergünftig zu sein. Die Affiierten haben die in London gegebenen Versprechugen mehr als pünktlich gehalten, und Stresemann yat feiner Genugtuung über die vorzeitige Rückgabe des Ruhrgebietes Ausdruck geben fönnen. Bisher aber wartet man vergeblich darauf, daß Berlin mit einer ähnlichen Gefte des guten Willens auf das französisch- belgische Entgegenkommen antwortet." Z.jr. Das Fleisch und die Zollvorlage love Jetzt: 500g- 803 Dann: 300g- 803 Abd el Krim zu Verhandlungen bereit? Fünf Bedingungen. Paris, 23. Jufi.( Eig. Drahtbericht.) Laut einer Information des Quotidien" soll Abd el rim bereit sein, in Frie. densverhandlungen mit Spanien und Frankreich einzutreien, wenn diese beiden Länder die von ihm gestellten Bedingungen als Berhandlungsgrundlage annehmen sollten. Das Blatt, das die Quelle seiner Information nicht nennt, glaubt, diese Bedingungen wie folgt zusammenfassen zu können: 1. Die staatliche Souveränität des Rifs soll durch den Völkerbund garantiert werden. Es soll ein ähnliches Statut erhallen wie Afghanistan, mogegen Abd el Krim bereit wäre, die Souveränität des Sultans von Marokko anzuerkennen. 2. Das von dem Stamine der Djeballa bewohnte Gebiet soll dem Rif angegliedert werden, dessen Grenze gegen die französische Brotettorats. zone der Fluß ergha bilden soll. 3. Spanien soll der Besiz von Ceuta und Melilla mit den an Eisenerzen reichen Hinterländern garantiert werden. Dagegen soll es die Städte Larasch, Tetuan und Arzilla an das Rif abtreten. 4. Abd el Krim verpflichtet sich, Spanien und Frankreich besondere wirtschaftliche Vorrechte einzuräumen, sowie die Kon zeffion zum Bau zweier Eisenbahnlinien von Fes nach Tanger und von Melilla nach Taza zu erteilen. 5. Das Rif soll die Erlaubnis zur Unterhaltung einer zahlenmäßig beschränkten regu lären Armee erhalten. Es behält sich weiterhin vor, sich an den Bölkerbund um Unterstüßung für die Entwicklung der wirtschaftlichen Kräfte des Landes und zu diesem Zweck insbesondere zur Auflage einer internationalen Anleihe zu wenden. In unterrichteten Kreisen sieht man in dieser Meldung, die einen englischen Offizier, der längere Zeit im Hauptquartier Abd el Krims gewesen sei, zum Autor habe, einen Versuchs. ballon. Gewerkschaftsbewegung maßregeln getroffen worden, um Störungen zu verhindern. Es wäre| unverantwortlich von den Gewerkschaften und der Partei, wenn fie Hunderttausende zur öffentlichen Demonstration aufrufen und diese nicht schützt vor gewalttätigen Angriffen. Die Arbeitszeit in den Metallhütten. Diese elementaren Vorsichtsmaßregeln find den Leuten, die die Einheitsfront mit Stuhlbeinen und Biergläfern herzustellen gewohnt Sie darf 8 Stunden nicht übersteigen, sagt der RWR. find, offenbar sehr unangenehm. Die„ Rote Fahne" jammert daher, Bekanntlich bestimmt der§ 7 der Arbeitszeitverordnung, daß daß der Drisausschuß des ADGB. gegen die KPD. eine„ PogromIn den Berufen, wo die Beschäftigten befonderen Gefahren ausgelegt stimmung" zu erzeugen versuche. Als Beweis führt sie eine Aeuße find, eine Ueberschreitung des Achtstundentages auch durch tariflicherung der Läglichen Rundschau" an!... Wir können den Bereinbarung unzulässig ist. Der sozialpolitische Ausschuß des Drahtziehern der KPD. die beruhigende Bersicherung geben, daß sie Reichswirtschaftsrats beschäftigte sich im Verlauf der letzten Woche ebenso wie die gewöhnlichen Broleten aus den Betrieben gegen den mit einem Gutachten über die Anwendung des§ 7 der Arbeitszeit geplanten Zollwucher demonstrieren fönnen. Aber gerade das wollen verordnung auf die Metallhütten. Das Gutachten wurde sie nicht. Deshalb phantasieren sie von Bogromstimmung. Für non einem Arbeitsausschuß erstattet, der in den letzten Wochen zahl Revolutionäre find das ganz merkwürdige Angstvorstellungen. reiche Untersuchungen vorgenommen hatte. Auf Grund dieses Gutachtens wurde mit 15 gegen 13 Stimmen die Anwendung des§ 7 auf folgende Gruppen befürwortet: Bleihütten, Erzzerfleinerei und mischerei, Röfterei, Hochöfen, Raffinerieöfen, Entfilberungs, Seigerungs- und Raffinerieteffeln, Zintschaumdestillationsanlagen und an den Treiböfen. Außerdem für die Bleilader, Kupferhütten, den Schachtöfen und Zinthütten, den Destillationsöfen, den Zinfstaubfieb und Berpackungsräumen fowie die Räumaschenladen und fahrer. Die Arbeitgebergruppe stimmte geschloffen gegen den Borschlag. Dagegen wurden einstimmig, über den Regierungsentmir hinaus, die Arbeiter in der Laugerei des Kupfer hüttenbetriebs für die Einbeziehung unter den Schutz des § 7 vorgeschlagen. Die Arbeitszeit für Aluminium- und Legierungshütten wurde zur weiteren Beratung an den Arbeitsausschuß zurüd verwiesen. B Die Stoßtrupps der Kommunisten. Unter großer Aufmachung veröffentlicht die„ Rote Fabne eine Resolution, die ihr der Arbeiterrat der Osram Fabrit A. G. zugefchickt hat und die auch wir bekommen haben. Es werden in dieser Resolution eine Reihe Forderungen an den Bundesvorstand des ADVG. sowie an die Berliner Gewertschaftskommission gerichtet, gegen die auch der schärfste Protest" erhoben wird. Dazu ist zu bemerken, daß der Arbeiterrat der Dsram- Fabri! A.-G. diese Resolution niemals angenommen hat, weil sie ihm nicht Bis auf einen sind die Unterzeichner borgelegt wurde. dieser Resolution allerdings Mitglieder des Arbeiterrats, jedoch ist au bemerken, das drei der Unterzeichner noch nicht einmal gewertsaftlich organifiert find. Nichtsdestoweniger befißen diefe Leute die Unverfrorenheit, an den Bundesvorstand DGB. und den Drtsausschus Berlin des ADGV. Forde rungen zu stellen und ihnen zu diktieren, was sie zu tun bätten. Diese Drüdeberger find die richtigen kommunistischen Stoßtrupps gegen die Gewerkschaften. Die Lohnbewegung der Eisenbahner.bes Auf Anregung des Einheitsverbandes der Eisenbahner fand am Donnerstag in Berlin eine Besprechung jämt Itcher Eisenbanherorganisationen über die Lohnfrage statt, als deren Ergebnis folgende Eingabe an die Deutsche Reichsbahngesellschaft gerichtet worden ist: Die wirtschaftliche Lage der Reichsbahnbeamtenschaft, hervor. gerufen durch die in der letzten Zeit immer stärfer anwachsenden Steigerung der Preise für die unbedingt notwendige Lebenshaltung, läßt eine weitere Hinauszögerung einer Besoldungserhöhung, haupt. fächlich für die unteren Beamtengruppen, nicht mehr tragbar erscheinen. Anläßlich der am 10. Juli d. 3. stattgefundenen Besprechung der Beamtenspizenorganisationen beim Herrn Reichskanzler glaubte die Reichsregierung eine Erhöhung der Beamtenbesoldung vormiegend mit der Begründung ablehnen zu müssen, daß die Reichsbahngesellschaft infolge der dadurch entstehenden erhöhten Ausgaben zu einer Tariferhöhung schreiten müsse. Diese sei jedoch im Augenblick für die Gesamtwirtschaft untragbar. Die unterfertigten Organisationen fönnen sich diesem Standpunkte nicht anschließen. Sie sind vielmehr bereit, ihre gegenteilige Auffassung in einer dringend notwendigen Besprechung darzulegen. Sie erfuchen daher die Deutsche Reichsbahngesellschaft, den fürzesten Zeitpunkt zu bestimmen, an dem die Hauptverwaltung bereit ist, die Organisationen zu einer Aussprache einzuladen." Die Generaldirettion läßt jetzt schon wieder durchblicken, daß eine Erhöhung der Löhne angesichts der Unmöglichkeit, die Güterund Personentarife weiter hinaufzuschrauben, nicht in Frage fommen soll. Möglich sei lediglich eine 2n paffung der Löhne an die Induftrielöhne in gewissen Bezirten, jo im Bezirk Elberfeld- Barmen. Wie unter diesen Umständen die Reichsbahnverwaltung die Hoffnung hegen fann, einen tatsächlichen Konflikt zu vermeiden, ist uns schleierhaft. Die Vermittlungsaktion im Baugewerbe. Sie gemeldet wird, finden die vom Schlichter festgesetten Berhandlungen am Sonnabendnachmittag statt. Angesichts der Diffes xenzpunkte dürfte es dabei laum über eine Feststellung der Ausdehnung der Differenzen hinaus zu einer Annäherung fommen. Die Unternehmer lehnen die Forderungen der Arbeiter ab, nicht weil sie sie nicht bewilligen tönnen, sondern weil sie fie nicht bewilligen wollen. Ein derartiger Standpunkt macht eine Annäherung so gut wie unmöglich. Verfolgungswahn. Streifversammlungen der Staaker und Rohrer. Gestern tagten im Gewerkschaftshaus zwei Streitversamm fungen der Staater und Rohrer des Baugewerksbundes, in dem Fachgruppenleiter Kirschner über die Streiflage und die Maßnahmen der Zentralstreitleitungen berichtete. Beide Versamm lungen wandten sich entschieden gegen die von gewissen Elementen angewendeten Braftifen, die nicht angetan sind, die mit so viel Ge schrei gewünschte Einheitsfront" zu fördern. Es ist jedem vernünftig Denfenden flar, daß es sich von selbst verbietet, mit solchen dunklen Elementen überhaupt in einen Gedankenaustausch zu treten. Alle Bersammelten stimmten darin überein, den zentralen Streifleitungen der am bisherigen Vertrage beteiligten Drganifationen vollste Bewegungsfreiheit zu gewähren, damit fie die für jeden Augenblick des Rampfes nötigen taktischen Schritte imternehmen fönnen. Diese von der Fachgruppenleitung be gründeten Anträge wurden von beiden Versammlungen einstimmig angenommen. Aus einem Großbetrieb der Tabakindustrie. Eine Betriebsverfammlung der 3igarettenfabrit Gar baty beschäftigte sich mit Arbeitsverhältnissen, wie sie in obigem Betriebe üblich sind. Auf Grund des ganzen Arbeitssystems, was bei dieser Firma herricht, weigern sich Arbeitsfräfte, wenn sie durch den Nachweis angefordert werden, dort anzufangen. Es ist vor gekommen, daß die Firma Kräfte eingestellt hat, diese dann leber tunden leisten mußten, worauf nach zwei bis drei Tagen Massen. entlaffungen erfolgten. Dasselbe Spiel wiederholte sich nach acht bis vierzehn Tagen. Um diese Maßnahme länger durchführen zu fönnen, ist es der Firma nicht angenehm, daß das Betriebsräte gefetz und demzufolge Betriebsräte bestehen. Gleich nach er. folgter Bahl der Betriebsräte im Februar d. 3. entließ die Firma ein Mitglied des maugewählten Betriebsrates mit der Motivierung, daß der Betriebsrat nicht zurecht bestehe, da sich die Angestellten an der Wahl nicht beteiligt haben. 19 Das Gewerbegeriát ertannte das Bestehen des Betriebsrates als zurecht an. Gegen diese Entscheidung hat die Firma Berufung beim Landgericht eingelegt, die Klage ist noch nicht entschieden. Ein anderes Mitglied wurde frant und mußte sich einer schweren Operation unterziehen. Zwei Tage nach der Operation wurden die Entlassungspapiere ins Krantenhaus geschickt! Aber die Firma tann auch anders, wenn es sich darum Die KPD. hat im Zollkampf bisher alles verfäumt. Sie hat dreht, Maßnahmen im Intereffe der Firma durchzuführen. sich weder der Mühe unterzogen, die Massen des Volkes über die Dann erkennt sie den Betriebsrat an In der letzten Zeit ist die Folgen der Zollvorlage aufzuklären, noch hat sie im Reichstag sich Firma dazu übergegangen, Arbeiterinnen im Alter von 14 bis bei der Arbeit in den Ausschüssen irgendwie in der Bekämpfung der 16 Jahren durch Annoncen einzustellen. Diese Arbeiterinnen er Zollvorlage hervorgelan. Sie hat das eine wie das andere den halten einen Lohn von 7 M. pro Woche. Die gefehlichen Gewerkschaften und unserer Partei überlassen. Wenn die Bausen brauchen die Jugendlichen nicht innehalten; die Firma Partei und die Gewertschaften die Massen zu öffentlichenerklärt, die Genehmigung der Behörde hierzu zu be Demonstrationen aufrufen, sucht die KPD. Familienanschluß. figen. Die jugendlichen Mädchen werden bis 10 Stunden Da wir einige Erfahrung über die Art der Herstellung der„ Einheits pro Tag beschäftigt. front" durch die BD. besitzen, find die bei einer solchen Massendemonstration übrigens auch sonst durchaus notwendigen VorsichtsIm§ 11 der Arbeitsordnung heißt es: Den Arbeitnehmern dürfen Abzüge für die Zeit des Besuches der Pflichtfortbildungs. schule nicht gemacht werden. Die Firma tehrte fich nicht daran, fondern zieht den Lohn für die Zeit, in welcher sie die Schule besuchen, ab, damit jedoch nicht zufrieden, jedenfalls um diese billigen Arbeitskräfte noch besser ausbeuten zu können, legt die Firma den Mädchen ein Schriftstück zur Unterschrift vor, in dem die Schulleitung um Befreiung vom Schulbesuch ersucht werden, weil sonst die Gesuchsstellerin ihre Arbeit verlieren würde. Wir fragen: Wo bleiben die Behörden, die die gesetzlichen Schutzbestimmungen zu überwachen haben? Oder ist die Firma Garbaty immun, daß sie sich über die gesetzlichen Bestimmungen hinwegfejen fann? Den Behörden müßte befannt sein, daß die Ueberstunden, die bei dieser Firma auch von Jugendlichen verlangt werden, nur dazu dienen, den Unternehmer vor dem Inkrafttreten der Tabaksteuer die Läger zu füllen, was die Betriebsleitung bei einer Verhandlung selbst zugegeben hat. Auf die Frage, was dann geschehen soll, wenn die Tabaffteuer in Kraft tritt, erklärt die Firma, daß wisse sie nicht, fie molle aber jegt noch etwas verdienen. Es wird an der Zeit sein, daß sich die Belegschaft der Firma auf ihre Menschenrechte besinnt, und sich der zuständigen Organifation anschließt, um so in die Lage versetzt zu werden, auch in diesem Betrieb bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen. 魯娜 Johannes Veeser. Nach zweijähriger Krankheit starb am 22. Juli der erste e vollmächtigte der Berliner Ortsverwaltung des Deutichen Eisenbahnerverbandes, unser Genosse Johannes Veefer. Knapp 42 Jahre alt, war Veeier, der ursprünglich von Beruf Stullateur gewesen ist, einer der beften Köpfe der Berliner Gewertidafts bewegung. Er war Angestell er des Deutschen Bauarbeiterverbandes in Nürnberg, als er vor vier Jahren nach Weiden in Bayern aur Leitung der dortigen Organisation des TEV. berufen wurde. Im Februar 1922, als die Berliner Ortsverwaltung des TEV. durch die kommunistische Zerstörungsarbeit in größter Gefahr war, wurde Veeser vom Verbandsvorstand nach Berlin berufen. In der nur furzen Zeit, die er der Berliner Organisation widmen fonnte, hatte Beefer sich als fluger und gefchickter Gewerkschaftler erwiesen. Es darf wohl gesagt werden, daß die Berliner Eisenbahner in ihm ihren besten Mann verlieren. Günstiger Verlauf des belgischen Seherstreiks. Brüssel, 28. Juli.( Eigener Drabibericht.) Der Streit der belgischen Schriftfezer nimmt einen günstigen Verlauf. Einem Drittel aller Schriftseter des Landes wurden bereits die aufgestellten Forderungen bewilligt. In Antwerpen, Gent und Brügge erscheinen bereits wieder verschiedene Zeitungen, nicht dagegen in Brüssel. Lüttich, Namur, Charleroi und Mons; auch in den sonstigen Druckereien dieser Städte wird teilweise noch gestieilt. Achtung, Bauarbeiter! Bom Kartell der selbständigen Verbände wird zu ammlungen für die im Rampfe befindlichen Berliner Ban arbeiter aufgefordert. Es werden Marken herausgegeben, die den Anschein erweden könnten, als feien die unterzeichneten Organisationen an der Verbreitung beteiligt. Dazu wird aus. drüdlich erklärt, daß die Unterzeichneten an diesen Sammlungen nicht beteiligt sind. Wo etwa in der Annahme, die Sammlungen gehen zugunsten der Unterzeichner, Gelder aufgebracht wurden, tönnen diefe zu Händen der gemeinsamen Streilleitung im Ge wertschaftshaus, Zimmer 56, abgeliefert werden. Deutscher Baugewertsbund, Zentralverband der Zimmerer, Verband Chriftlicher Bauarbeiter, Verband der Maschinisten und Heizer, Verband der Atlordmaurer. werden hierdurch aufgefordert, sich heute, Freitag, 5% Uhr, an der im Achtung, Zimmerer! Alle Berbandskameraden Groß- Berlins Luftgarten stattfindenden Demonstration gegen den Brotwucher refilos zu beteiligen. Außerdem geben wir noch bekannt, daß am Somabend, vor. mittags 10 Uhr, in allen Bezirken Bezirksversammlungen stattfinden, zu denen alle Kameraden vollzählig zu erscheinen haben. Bei der Wahl eines Delegierten zum Gewerkschaftskongres wurden in der Zahlstelle Berlin des Zentralverbandes Der Schuhmacher insgesamt 1283 Stimmen abgegeben 29 Proz. Davon erhielten: Joh. Hörg( KBD.) 1001, F. Hamacher ( SBD.) 219 Stimmen. Der Rest war zersplittert. Ueber das Ergebnis in den anderen Bezirken, die mit Berlin einen Wahlfreis bilden, liegen uns noch keine Angaben vor. Berantwortlich für Politik: Victor Swiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Echitowski: Lotales und Sonstiges: Frih Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Bud bruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". 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Juli 1925 Patel Berliner Montmartre, Ob sie es wollen oder nicht- Schwestern müssen die beiden Städte Paris und Berlin letzten Endes doch sein, denn eine Gemeinschaft von vier Millionen hat ihre unum.ftößlichen Inneren Gefeße, die ebenso von der anderen Stadt in gleicher Bahlhöhe gelten. Der Durchschnitt der Einwohnerschaft, gezogen nach Möten und Gewöhnungen, nach äußerer Erscheinung und innerem Wert, dürfte derfelbe sein: es werden annähernd gleich viel Menschen ins Leben und aus ihm hinaus geleitet werden, nicht allzu verschiedene Dauer von Sonnenschein dürfte über ähnliche Sahl von Guten und entsprechende von Bösen leuchten, furz, man ist im Wesen nicht sonder lich voneinander verschieden und nur das Gebaren schwanft etwas im Lebhaftigkeitsgrad. Es war ungefähr vor zwei Jahren, da schilderte der„ Borwärts" in seinem lofalen Teil unter dem Titel Das neue Gesicht Berlins" die Veränderungen durch Krieg und Imftura, um auch fernerhin nach dieser Seite ein aufmerksamer Berichterstatter zu bleiben, und kam darauf zu sprechen, daß bas neue, zivile Element fich dem der anderen Weltstädte angeglichen hatte. Seitdem hat sich vieles verstärkt, und davon wollen wir er. zählen, mollen tapfer, aber sehr friedlich die noch nicht ganz ver träglichen Schwestern einander gegenüberstellen. Wir dürfen uns nicht bei der Tatsache aufhalten, daß die preußischen Könige ihre Residenz französisch bauten und ausschmückten und daß Berlin einmal ganz eine gallische Stadt gemejen sein muß, wie es heute noch ausgerechnet mit Potsdam der Fall ist nein, wir wollen gleich zu den Menschen übergehen und ihnen in die stillen Winkel folgen, wo sie am echtesten find. Tasten wir uns an die Vorstadt Der Boulevard". heran. Richtig, dort in Europas Weften der gleiche Boulevard zweiter Alaffe, gleich angelegt und bepflanzt, ebenso breit und der Länge Stanach geschwungen. Und die Häuser, Mischung von Bürgerbehaglich feit und Geschäftsschlichtheit, faft diefelben, an Länge und Breite, eines rüdsichtslos gegen das andere, und über ber Straße mit ben pielen Rollfuhrwerten Bermengung von Parfüm und Arbeiter. schweiß. Aber da drüben wir find ja tatsächlich in Paris- das weiße, alte, ganz unmöglich unmoderne Kino oder Theater, das foll an der Ede der Grolmanstraße sein? Genau so steht es dort an der Boulevardecke des Montmartre, nur steigt bort die Straße steiler an, während sie hier sich unwesentlich erhöht. Freilich, eine Erhöhung F 7] Sinnenspiel. Aus einem Tagebuch. Mitgeteilt Don Rurt Eisner. " ist auch da, und deshalb bilden wir uns ein, wir seien nun einmal zu Füßen des Montmartre. Sieht nicht über die Dächer eine stattliche Kirche mit fremdartigem Turm? Und wenn wir den Boulepard" die andere Seite entlanggehen, dann sehen wir eine bepflanzte dem Kauf Straße etwas steiler anfteigen und eine Ruppel winken- dem KaufWir wissen, es handelt haus zur Seite des Montmartre ähnlich. sich im Grunde nur um eine artige Illusion, aber läge nicht etwas geistig stark Verwandtes in diesem Gesamtbild wie in einzelnen befonders auffallenden Annäherungen, so fäme man leichter von ihr los: je mehr wir uns mit dem Vergleich beschäftigen, desto mehr glauben wir auch daran, denn außer dem Bild eines Stadtviertels gibt es ja auch noch Lebensart und Geist seiner Bewohner. Auch der Berliner Montmartre, wenn wir den faft unmertlichen Höhenzug fo nennen wollen, der sich nirgends zu einem anständigen Hügel aufzuraffen vermag, ist immer Norden einer Riesenstadt, genau so wie es in Paris der Fall ist, und ist flantiert von einem Bahnhof mit lebhaftem Fern- und Borortverfehrstreiben. Rund um den Stettiner Bahnhof herum mit Berästelungen nach den einzelnen Himmelsrichtungen hin erstreckt sich unser Biertel von geheimnis vollem Zauber, und wenn wir das durchwandert haben, dann- ja, bann fann es geschehen, daß wir plöglich miteinander französisch zu sprechen beginnen. Was sich hier uns auftut, das ist vor allem fein Stadtteil für reiche Leute. Schon um den Bahnhof sehen wir Geftalten, die man an der Seine im allgemeinen als Apachen bezeichnet. hier nennt man sie Buba, aber wenn diese an anderen Berliner Bahnhöfen mehr den Charakter des Vagabunden- und Bettelhaften tragen, fo drängt sich hier schon am hellen Tage ein schlimmerer Typ Berlin, wo Berkommenheit und Roheit am meisten zu Hause find. und des Nachts ift das Biertel, wie wir wissen, das finsterfte Was will man noch mehr? Ist das nicht echtes Montmartre? Im äußeren Bild wie in der Welt innerer Abgründe? Warum man hier ein Biertel romantischer Dichter schuf, warum diese ganz freudlosen Straßen, in denen Armut und Großstadtdunkel sich eng gedrängt aneinander schmiegen, den lieblich- heiteren Namen Eichendoris oder den wohledlen der Tieds und Schlegel, ben föft lichen Novalis tragen, das ist ein Geheimnis Berliner Stadträte und wird es für immer bleiben ein Lokale und anderes. So schauen wir doch nach, wenn so viel Aeußeres an Berwandtschaftlichem gegeben ist, wie es im Innern der Häuser aussieht. schaftlichem gegeben ist, wie es im Innern der Häuser aussieht. Da sehen wir zunächst die unzähligen Hotels, in derem Schoße sich Sollte das ein Wegweiser zu dem erwähnten Abenteuer sein? Offenbar, daß irgendein Frälein von mir etwas wünscht, das mit Kleingeld zusammenhängt. Da ich nun aber die Bitte des Rindes beim besten Willen nicht verstehe, habe ich wohl das Recht, ja auch die Menschenpflicht, mich bei dem Fräulein persönlich zu erfundigen, was fein Begehren. Ich erhebe mich unb sage turz entfchloffen:" Führe mich zu dem Fräulein!" Das Kind ist fich unflar, was diese Weisumg bedeutet. Sagt wieder:" Da", indem es den rechten Arm fpreizt, und zeigt mir endlich in dem geschlossenen Händchen ein Markstüd: Ob Sie teinen Grofchen haben für das Fräulein?" Ich das Treiben der Straße recht lebendig fortzufezen scheint und in deren Auswahl jedem Reisenden oder sonst Zimmerbedürftigen mehr als Vorsicht empfohlen merden muß. Wie so oft, gelingt dem Gesetz durch ausführende Verordnungen das Gegenteil von dem, was es bezweckt: es jagt die Prostitution auf die Straße, von 100 diefe der zimmerbedürftigen Bevölkerung das sogenannte billige hotel wegnimmt. Weh dem Unbedachten, der gutgläubig und totmüde in eines der Hotels ging er tommt meist am anderen Tag erst so richtig auf dem" Alex" zum Erwachen. Die Zimmernot hat an sich das billige Hotel" verschwinden lassen, die Inflation, die die Prostitution ins Ulferlose steigerte, hat eine unübersehbare Industrie an Absteigequartieren geschaffen. Der eigentliche Montmartre muß beschämt zurücstehen er fennt wohl Arbeiterhotels, in den Bärchen zusammenwohnen, ohne jemals nach der Legitimität ihrer Be ziehungen gefragt zu werden, aber mit Stundenbetrieb gibt er fich nicht ab. Not der Zeit fommt in einem düsteren Kapitel befondere häßlich zur Geltung, aber nur der gelangt zu rafchem scharfen Urteilsspruch, der den bösen Hintergrund nicht fennt oder an ihm geflissentlich vorbeigeht. Was ging nicht hier und in weiten Kreisen Berlins während der Inflation alles als Montmartre geist im geliehenen Kostüm auf mehr oder minder geschmackvolle Abenteuerfahrt! Das war die große Zeit der Nachthelle, die tat. sächlich so etwas wie Montmartregeist vortäuschte. Richts fehlte, von der frischgemalten weiblichen Gesichtsanmut bis zu den schmucken Matrosen, die noch niemals ein Schiff gesehen hatten, auch Künstler. wie mancher talentierte junge Künstler völtchen ließ sich sehen öffnete damals nicht einem der reichen Ausländer die Wagentüre, wenn es ihm nicht anders gelungen war, etwas fürs tägliche Brot zu ergattern. Seele des Ganzen war der Rofaini smus, der, wie wir heute missen, nicht als eine Einzelerfrantung, sondern als allgemeine Pinchose auftritt, immer im Gefolge von anderen Entartungen, in entschuldbarer Form am meisten dann, wenn Menschen mit unendlich gesteigertem Kraftaufwand unseliger Zeit nachzu tommen fuchten, die für ein Kunstwert, wie es ein Gedicht sein fann, faum viel mehr übrig hatte als ein bescheidenes Mittagessen. Aber immerhin war's unerhörte Lebensaufpeitschung, die viele für das Leben selbst nahmen, um dabei zugrunde zu gehen. Das Gebäude zerbrach, Ruinen stehen noch da, nur sind es menschliche Ruinen, deren Gespensterhaftes heute noch durch das Viertel hufcht, um doch nicht mehr zu rechtem Leben erwachen zu fönnen. Es war feine schöne Zeit, niemand wünscht sie sich zurück, auch die nicht, die sich erft von ihr berauscht zeigten, ja, die am allerwenigsten, denn fie missen, wie hart der Berliner Montmartre an der Charité grenzt. viert: Ich intereffiere mich nämlich für Bilder, meine Frau ist auch Malerin. Das war zwar eine Lüge, aber ich mußte Don miener Frau in diesem Augenblid reben: denn ehe ich nicht den letzten Rest der abenteuerlichen Möglichkeit vernichtet hatte, war ich nicht zufrieden. Der pflichttreue Philister war in dem Augen blick der Entscheidung stärker als der verwegene Schwerenöter. So schied ich mit einer gleichgültigen Wendung als gang ungefähr. licher Ehegatte: wäre ich noch zwei Minuten länger geblieben, würde ich sicherlich auch meine Kinder erwähnt haben, um in dem Glück meines Familienlebens die abenddämmernde Begegnung mit einem jungen Mädchen, das mit Pastellstiften hantierte, ehrjam zu verbürgerlichen. Die Sonne rüftet sich bereits zu ihrem höchst unwissenschaft. lichen Untergang, der Strand war leer, die zähesten Kinder hatten bereits ihre Sandberge verlassen, die hagere Befizerin der Andenfenbude hatte die Schaktammer mittels eines Brettes versperrt und den Heimweg angetreten. Eben trieb auch die alte freundliche Lehrerin ihre jubelnde Ferienkolonie" von dannen. Der Fabrit. befizer mir gegenüber an der Mittagstafel unb meine Mittegler Berwünschte Kombinationsgabe. Jetzt begreife ich. Ich soll ärgern fich faft täglich elfervoll über diese neuzeitliche Erfindung, das Markstück umwechseln. Der zureichende Grund zu einer AnAuf der Brücke, die über den Strom führt, bleibe ich stehen. die eine Aufreizung zur Begehrlichkeit und eine Brivilegierung näherung an das Fräulein ist nun verschwunden; indeffen, warum von Kindern fei, die eine Erholung lange nicht so nötig hätten, foll ich mich nicht stellen, als ob ich das Kind immer noch nicht über fönnen. Du mußt die Natur genießen, raunt mir der Sophist Sie ist so eng, daß zwei Menschen nur mühsam aneinander vor. wie viele Sprößlinge aus den armen, aber höheren Kreisen. Seine perftebe? Das ist unehrlich, Paul. Kann meine Deutung mög. 3u. Und in der Tat lehnte ich mich weit über das Geländer und Frau spinnt gern das Thema fort, indem sie ausführlich darlegt, licherweise nicht falsch sein, flüsterte der Sophist in mir. um wieviel sorgenfreier die Dienstmädchen lebten, als die be. glaube ihm zwar nicht, aber ich folge ihm. Das Kind führt mich und fah ich gar nichts, sondern erwog die Möglichkeit, ob die zierstarrte wie verloren hinaus. Jedoch, um aufrichtig zu sein, fühlte drängten Herrschaften. Warum tauschen Sie unter ben obwal. einen ziemlich langen Weg durch die Dünen, bis ich auf einer fiche Malerin über die Brücke gehen würde. Da ließe sich viel tenden Umständen nicht mit Ihren Dienstmädchen, um die Ver das Fräulein stehen ſehe. Sie ist eben im Begriff, eine Feld- leicht doch die Ehrsamkeit von vorhin widerrufen und trotz der befferung Ihrer Lage zu erzielen?" fragte ich sie gestern möglichst staffelei zusammenzupaden. Eine umfangreiche Pappe liegt am Na, hauchen. Eigentlich, was suchte ich denn? naio und ernsthaft. a, hören Sie," erwiderte fie, bin ich Boden, daneben ein Bastellkasten mit meist zerbrochenen und be- nicht mehr abzuleugnenden Ehefrau dem Abenteuer Atem ein Ich wollte mich ja benn fräftig genug, bie Arbeit zu verrichten?" Ich schwieg ge- fchymußten Stiften. Auf der Bappe bemerkte ich mit bunter Kreide hauchen. Eigentlich, was fuchte ich denn? geschmutzten schlagen; denn ich merkte, daß das Weib mir nicht traute und den ziemlich flott meine kleine Führerin ftizziert. Die amtergehende ich einer Anregung... Als eine Viertelstunde verging, ohne nur, mich ganz allein, in Schwingung versetzen, und dazu bedurfte Garfasmus in meinem einfältigen Vorschlag witterte. Ich bin Sonne beleuchtet ihre trockenen Bäckchen, Kleidfliden und mageren zur Kur hier und mag mir niemand zum Feinde machen. Aber Beine, die aus hohem Dünengrase zur Seite von ein paar falb. daß das Fräulein die Brücke paffierte, sah ich ein, daß sie einen anderen Weg genommen. Und num pacte es mich doch. Mein auf der Zunge brannte mir die Antwort: Dann haben Sie also violett überhauchten gelben Stranddifteln ragen. Das Fräulein noch nicht einmal das Recht auf die soziale Lage eines Dienst. follte lieber das sterbende Meer und den aufleuchtenden Wald des Schauens. Wie aus unendlichen Tiefen flutete ein todttrau Auge belebte fich und all mein Gefüh! quoll empor in die Andacht mädchens." Immerhin verdirbt es mir die Laune, daß man der dort drüben malen, wo sie fich eben in gewaltigem Widerstand tief, Ferienkolonie gefliffentlich, aus dem Wege geht; die Lehrerin ift flammender Farben der Nacht ergaben, denke ich; lüfte aber höflich Wasser des Stromes, hüllte den weißen Sand ein, auf dem die riges, düster- grell Inderndes Dunkel violett über das leise bewegte ganz ifoliert. Die höheren Kinder sollen mit ihren Kindern nicht den Hut und erkläre, daß ich nach dem unverständlichen Stammein bereits schwarzen Riefern ihre wundersam gefrümmten Stämme in Berührung fommen. Wenn sie nur mein Spiel in Bewegung des Kindes vermute, das Fräulein bedürfe irgendeines Dienſtes, fegen möchte. Ach, fie vermag es noch weniger als die anderen. Sie folle über mich verfügen. Insgeheim bin ich enttäuscht, denn erhoben, und lagerte fich auf der stillen, weiten Fläche des raimen den Meeres, das an dem Waldrand begann Jedenfalls will ich für ein paar Taler Krimskrams in der An eitle Hoffnung hatte mir vorgegaufelt, das Fräulein hätte feiner. Seligkeit der ewig Unfeligen, die einmal sich von der Folter erheben benkenbude erstehen und ihn der munteren Herde als Preise für feits eine Anknüpfung gesucht. Unstreitig ein Irrtum, denn von dürfen, ehe die Nacht und der Schlaf kommt, indem sie sich für die Bettspiele ausleben. Eigentlich gehöre ich ja doch zu ihnen und ihrem Standpunti fonnte fie mich in meiner entfernten Sand. dürfen, ehe die Nacht und der Schlaf kommt, indem sie sich für die neue Folter der Morgens neue Kraft gewinnen müssen der Lehrerin und nicht zu der albernen Gesellschaft, mit der ich mulde gar nicht sehen. In der Tat war der Vorgang cuch ganz schmerzvolle Seligkeit gewann Farbe und Gestalt in diesem Bilde. zufammen fpeife, fegle und spaziere. Pfui, wie furmidrig, un und gar nicht abenteuerlich. Die Malerin wollte ihrem Motel Bis alles Licht verschwunden, stand ich am Brüdengländer verbefferlich. Wo bleibt das Spiel und der Selbstfuchtssport?-- ein paar Groschen schenken und schickte zu diesem Zwed das Kind füßiges Dorffind auf mich zu und fragt mich, ob ich keinen Groschen der Strand weithin bereits verödet war, kam das Kind schließlich und doch erbebte ich in feierlichen Schwingungen. Und wie ich Bie ich solche Gebanten ausfpinne, tritt ein fleines, bar. aus, fich von irgend jemand ein Martftüd wechseln zu lassen; da regungslos. Bergeffen der schmerzhaft- peinvoll neckende Zwiespalt der Gedanken, vergeffen das Abenteuer, vergeffen das Fräulein, hätte. Ich vermute eine Bettelei und fuche das Kind ins Ge- bis zu mir. Das Wechselgeschäft war bald erledigt, das Fräulein, in voller Nacht endlich mich loslöfte und den Weg tappend durch spräch zu ziehen, indem ich es ausfrage, was es sich denn für die ein zierlich unbedeutendes Persönchen, das man sehr genau anoder den Greschen, die es bei mir voraussetzte, laufen wolle. Ob fchen muß, um es nicht sofort wieder zu vergessen, dankte ein wenig die Finsternis ging zwischen den Schatten der Wiesen und busch. Sie feinen Groschen haben für das Fräulein," wiederholt das Kind. verlegen, nachdem es sich entschuldigt hatte, daß mich das dumme umhegten Gehöfte, da war ich ein seliger Mann und hatte doch Ich merke, daß es ein wörtlich, wenn auch torrumpiert auswendig Rind mißverständlicherweise herbemüht habe. Um noch etwas zu eben gewendet hat. Ich glaube, ich bedarf feines Abenteuers, ich nichts erlebt, wie den Blick in die Welt, die sich von der Sonne gelernter Auftrag von einer dritten Person sein muß; das Schrift fagen, bat ich sie, mir das Bild zu zeigen, obwohl ich es am verstehe ich nicht und ich forsche:„ Was ist denn das für ein Fräulein?" meinte sie schüchtern, indem sie den Karton vor mich hielt. Und wird, glaube ich, nicht mehr in diesen Blättern erscheinen. deutsch fällt dem Kinde sicherlich schwer. Den Sinn der Frage freilich Beden genugsam gewürdigt hatte. Es ist erst flüchtig angefangen, werde mein Spiel nicht erleben, brauche es freilich auch dann nicht 3u verlieren. Das Fräulein mit den zerbrochenen Bastellstiften Da, fagt das Kind und zeigt mit dem Arm nach irgendeinem nun in dem unwiderstehlichen Drang, das zum größten Teil zerfernen Ort:„ Ob Sie feinen Groschen haben für das Fräulein?" ronnene Abenteuer ganz zu tniden, bemerte ich, ziemlich unmoti " zu die schmerzvolle die ( Fortseßung folgt.) 1 Neues Leben. Hier wie überall, wo Weltstadtinneres in Vorstadt übergeht, ist Straßentreiben des Tages Kampf und Siegeszug der Arbeit. Deutsche und französische Hauptstadt gehen hier im gleichen Pulsfchlag, der Tag fennt nicht den eleganten Menschen der Genußjagd, die Gestalten, die man lichtscheu" nennt, sind ihm gleichfalls fremd. Es gibt eine Welt für sich, die schläft fich tagsüber aus, um mit dem Beginn der Nacht nach Freude oder Handwerk zu gehen. Unsere Welt ist es nicht. Aber jeder Sekundenschlag der großen Arbeitsuhr ist uns Sprache und Inhalt, ihr hören wir gerne zu und von ihr laffen wir uns leiten. * Welt der Arbeit und Welt des Bergnügens find überall das Gleiche. Sie kennen nicht Unterschied der Bolts- und Raffezuge hörigkeit. Wo Welt rechter Arbeit und rechter Freude ist, da findet sich beides zusammen, und das greift dann auch über Grenzen und Weiten: ein Arbeitsmensch gehört zum anderen, es ist gleich, welche Sprache er spricht, die große Herzenssprache weiß schon Wege zu finden. In diesem Sinne entdecken wir gerne, wenn es gut ist, ein Stück fremden Landes. Wissen wir doch, wie flein an sich die Welt ist, die darauf wartet, einer einzigen und einigen Menschheit zum Wohnsiz der Freude und Arbeit zu dienen. Bischofsburg Berlin. Die billige Reise mit gefälschten Fahrkarten. Um ihre Geschäftsspesen zu verbilligen, war die 23jährige Erna Bontorra aus Bischofsburg in Ostpreußen auf ein Mittel verfallen, das ihr jetzt eine Anflage wegen Urfunden fällung zugezogen hatte. Gleichzeitig aver eröffnet der Prozeß einen Einblick in gewisse Gepflogenheiten von Kleinstädtern, die weit draufen in der Provinz wohnen und dennoch eine Reise nach Berlin riskieren, um ihre Produkte abzusetzen. Er hatte sich beizeiten mit der Geschäftstasse der Bande aus dem Staube gemacht. Das Geld muß aber doch nicht allzuweit gereicht haben, denn der Häuptling, ein entwichener Fürsorgezögling Alfred Ruhrt, war bald wieder gezwungen, auf Beute auszugehen und stahl in Eberswalde ein Fahrrad. Als er das Rad jetzt in Neukölln verfaufen wollte, wurde auch er festgenommen und nach Moabit ge bracht. Er gestand, mit den anderen gemeinsam eine große Anzahl Einbrüche verübt zu haben. Jetzt sigt die ganze Gesellschaft, die mit ihren Freundinnnen" in den Mußestunden auf den Neuköllner Wiesen mit gestohlenen Instrumenten fleine Konzerte zu veranstalten pflegte, hinter Schloß und Riegel. Der Leidensweg eines unehelichen Kindes. Schwere Mißhandlungen einer Bierzehnjährigen. Ein Bild des Jammers ergab eine Gerichtsverhandlung vor einer Straftammer des Landgerichts II. In dieser sagte eine im Gastwirtsgewerbe angestellte hysterische Frau, Anna Kucharet, als Beugin selbst aus, daß bei ihr alle mütterlichen Gefühle gegenüber ihrer 14jährigen unehelichen Tochter erstorben seien. $ Die Mutter gab daher das Mädchen als Hausmädchen der mun mehr angeklagten Kollegin, Klara Winkler, wobei sie ihr einschärfte, daß bei der Behandlung des Mädchens äußerste Strenge angezeigt sei. Hier war nun das arme kind den furchtbarsten MiB handlungen ausgefeßt; fie wurde täglich in roherster Weise von ihrer Herrin" unzählige Male mit Besen, Stöcken, Kellen und ahnlichen Gegenständen gefchlagen, bis sie durch Zufall einmal entmeichen fonnte und zu einem Ontel lief, der sie zu einem Arzt in Behandlung schickte. Die 31jährige Angeklagte Klara Winkler war deswegen bereits wegen Rörperverlegung zu neun Monaten Ge fängnis verurteilt, fie hatte aber den traurigen Mut gehabt, hier, gegen Berufung einzulegen. Die Beweisaufnahme ergab, daß ein weiblicher Rohling aus Luft an der Quälerei das Mädchen wochen lang feelisch und körperlich gepeinigt und in graufamster Weise ver Die Angeklagte pflegte wöchentlich zwei bis dreimal die letzt hat. Ein dem Gericht vorgelegtes Lichtbild zeigte die AnReise aus Ostpreußen nach Berlin zu unternehmen, schwellungen und Berlegungen, welche der Körper des wehr und und hier Lebensmittel, vorwiegend Geflügel und Butter, in der Schutzlosen Kindes dabei davongetragen hat. Während der Abwesen Markthalle zu verkaufen. Die weite Reise belastete ihre Spesen in heit der Herrin" wurde das Kind eingeschlossen und einmal in sehr erheblichem Maße und deshalb fand sie ein Mittel heraus, einem Kleiderschrant verstedt, als die Mutter gerade zu Besuch um als blinder Passagier mit gefälschter Fahr. fam. Landgerichtsdirektor Siegert erklärte:" Es handelt sich um tarte zu fahren. Sie nahm fich sogar noch Hilfe aus ihrer Heisein derartig rohes Delift, daß jedes Mitempfinden für die Täterin mat and auch aus Berlin mit, die ihr beim Transport zur Hand wie auch für die Rabenmutter" fortfällt. Wenn das Gericht über gehen sollten, denn die Reise loftete ja nichts. In Berlin stieg sie das Urteil der Borinstanz nicht sogar noch hinausgegangen ist, so bei einer Frau P. ab und diese beobachtete mun, daß Erna Bontorra geschah dies lediglich deshalb, weil mit der Möglichkeit einer frant mit Radiergummi, Stempeln und Tinte Fahr. haften sadistischen Veranlagung der Täterin gerechnet werden mußte. farten bearbeitete. Da ihr das verdächtig vorfam, er« Es bleibt also bei neun Monaten Gefängnis." Der Borsigende stattete sie bei der Kriminalpolizei Anzeige. Als nun die Angeflagte wandte sich dann an die anwesenden Damen des Wohlfahrtsamtes wieder nach Bischofsburg zurüdfahren wollte, wurde sie aus dem mit der Bitte, fich des Kindes fofort anzunehmen, damit es bei der Buge herausgeholt. Den Bahnsteig hatte sie mit einer Bahnsteig bösartigen Natur der beiden Frauen von ihnen getrennt und vor farte betreten, hatte aber in ihrer Handtasche eine Fahr weiteren Mißhandlungen geschügt werde. Nach Schluß der Berhandfarte IV. Klaffe, bie, wie die Prüfung ergab, bereits abgefahren lung zeigten erregte Szenen auf dem Korridor, daß diese Anordnung war, jedoch war der Kontrollftrich ausradiert und der Tagesstempel des Gerichts begründet und sehr notwendig war. gefälscht. Auf dem Wege zur Polizeiwache wußte die Festgenommene geschicht ein fleines Patet wegzuwerfen. Den Beamten war das entgangen. Zu ihrem Unglück hatte aber ein Dienstmann den Vor gang beobachtet und brachte das Batet nach. Die Angeklagte wollte zunächts nicht Befizerin des Patets sein, sie hatte ihren guten Grund dazu, denn der Inhalt bestand aus mehreren Stempeln, einem Radiergummi und noch fünf, bereits abgefahrenen Fahrkarten in der Richtung Berlin- Bischofsburg- Rotfließ, und umgefehrt. Su ihrem Bech war aber auch in dem Bäckchen eine Brieftasche mit ihren Ausweispapieren enthalten. Troß dieses erbrüdenden Belastungsmaterials blieb die Angeflagte vor Gericht hei einem hartnädigen Zeugnen und mußte durch umfangreichen Zeugenbeweis erst überführt werden. Es ergab sich auch, daß fie aus einer sehr feinen" Familie stammt. Ihr Bater, der Pferdehandel betrieb, hatte bereits wegen Pferbediebſtals eine Gefängnisstrafe erhalten, und ihr Bruder war bereits einmal wegen Fälschung von Fahrkarten bestraft worden und hatte außerdem zum Einkauf von Lebensmitteln Falschgeld bei den Bauern verwendet. Auch dafür ist er bereits mit mehrjähriger Gefängnisstrafe belegt worden. Das Schöffengericht mitte fam zu einer Verurteilung der Ange flagte wegen versuchter Urkundenfälschung und erkannte auf drei Monate Gefängnis. Sein Typ. An einem schwülen Juliabend 1923 war dem Obergärtner Karl Ruhle aus Sanssouci in der Nähe des Drachenhäuschens eine junge Dame mit flawischem Typus aufgefallen. Es mar fein Typ", er sprach sie an und sie blieb bis zum anderen Morgen mit ihm in Sanssouci. Als der Frühling ins Land zog, wurde Kuhle vom Amtsgericht Potsdam aufgefordert, Alimente zu zahlen. Der slawische Typus hatte sich zwar als Ruffin ausgegeben, war aber ein Fräulein mit gutem deutschen Namen ohne festen Wohnsiz. Der Herr Obergärtner wehrte sich mit Fänden und Füßen gegen die Baterschaft und suchte frampfhaft nach anderen Bätern. Eines Tages traf er in der Brandenburger Straße in Potsdam den 20jährigen Sohn des verstorbenen Uniformverwalters des früheren Kronprinzen Friß Hinge. Kuhle lud den Hinge und dessen Freund zu einem Glafe Bier ein und im Laufe des Gespräches foll Stuhle dem Hinge vorgeschlagen haben, für ihn in seinem Alimentationsprozeß auszusagen, daß er auch mit der Russin verfehrt hätte. Auf 10 bis 20 m. würde es nicht ankommen. Die Folge dieses Gespräches, das zu Ohren der Russin gekommen war, war die Anflage wegen Berleitung zum Meineid. Im Termin bestritt der Obergärtner entschieden, zu Hinge derartiges geäußert zu haben. Zur allgemeinen Ueberraschung wurde Friedrich Hinge, der Kronzeuge, als Fürsorgezögling vorgeführt. Die als Sachverständige geladene Polizeifürsorgerin stellte den Beugen als einen moralischen Schwächling hin. Das Gericht schenkte auch seinen Aussagen feinen Glauben und sprach den Obergärtner frei. Die fleine Ruffin aber hat bis zum heutigen Tage niemanden, der für ihr Kind sorgt. Großfener in der Greifswalder Straße. Am Donnerstag nachmittag fam, wie wir bereits im gestrigen Abendblatt furz gemeldet hatten, aus unbekannter Ursache in der Immanueltirchstraße 18 und Greifswalder Straße 215 ein Feuer zum Ausbruch und machte der Feuerwehr sehr viel Arbeit. Leider ist dabei der Feuerwehrmann Ernst Rädler schwer verlegt und mußte nach der nächsten Rettungswache geschafft werden, wo man seine Ueberführung in ein Krankenhaus anordnete. Als die Gefahr nach 1 Uhr bemerkt wurde, schlugen die Flammen schon an mehreren Stellen hell aus dem Dache des vierstödigen, von zahlreichen Parteien bewohnten Hauses empor. Dider Qualm und gewaltige Sige erschwerten das Bordringen der Wehr anfänglich fehr. Die Wehr ging mit fünf Schlauchleitungen über zwei mecha nische Leitern und die Aufgänge vor, um den Dachstuhl nach der Greifswalder Straße unter Baffer zu nehmen. Schließlich gelang es, die Flammen einzufreifen. Nach mehrfiündiger Tätigteit war man des Feuers Herr und konnte die Wehr gegen Abend wieder ab. rüden. Gleichzeitig verbrannten in der Charlottenstraße in Wittenau auf dem Felde mehrere Stiegen Roggen vollständig. Ter Häuptling des Tachsbaulagers" verheftet. Gine Bande jugendlicher Einbrecher, die sich in einer großen Strohmiete zwischen den Wirtschaftsgebäuden des Rittergutes Brig ein nach Art eines Dachsbaues eingerichtetes Lager hergestellt hatte, wurde fürzlich, wie wir berich teten, von der Neuköllner Kriminalpolizei gesprengt. Einer der Burschen wurde in dem Dachsbau angetroffen, von einem Spürhund herausgeholt und festgenommen. Die anderen Mitglieder der Bande wurden in einem neuen Lager unter einer Brüde an der Grenzallee ermittelt und ergriffen. Nur der Häuptling entwischte. Die Typhuserkrankungen in Beelit. Typhusfälle zum Ausbruch gekommen. In dem Städtchen Beeliz in der Mart find mehrere Es handelt sich um Dier bis fünf Erfrantungen, von denen eine einen töd lichen Berlauf nahm. Einige Blätter haben die Nachricht von den Erfrantungen in Beelig in einer ziemlich fenfationellen Aufmachung gebracht, die der Bedeutung der Krankheitsfälle nicht ent spricht. Wie uns mitgeteilt wird, ist zunächst ein Grund zur Besorg nis nicht vorhanden. Die Behörden haben alle Maßnahmen er griffen, um ein Umfichgreifen der Krankheit, vor allem ihr epide misches Auftreten, unmöglich zu machen. Im Beelizer Krankenhaus werden die Typhusbefallenen einer sehr eingehenden Behandlung unterzogen. Es handelt sich hier wiederum um typische Kontaktfälle. Zuerst erkrankte die Mutter eines Sattlers, die so heftig von der Krankheit befallen wurde, daß der Tod nach wenigen Tagen eintrat. Die Mutter infizierte auf dem Krantenlager die Tochter. Dann wurden zwei weitere Fälle bekannt. Die Erkrankten wurden sogleich ins Krankenhaus gebracht. Die Ursache der Typhusfälle steht noch nicht fest; eine eingehende Untersuchung iſt eingeleitet worden. Man nimmt an, daß die sehr mangelhafte Ranalisation und die dadurch bedingten hygienischen Mängel die Krant heitsursache sind. Weiterhin werden Typhusfälle aus Karzin und Elsholz gemeldet. Zu Befürchtungen besteht jedoch nicht der mindeste Anlaß. Alle Maßnahmen, die Krankheit zu isolieren, find getroffen. fuche mit Einlagen aus verschiedenen Stoffen, n. a. aus Gummi gemacht, wie sie bei Tropenhelmen üblich sind. Von dem Ergebnis biefer neuen Versuche wird es a hängen, ob diese Einlagen als ge nügende Erleichterung für die Bertehrspolizisten betrachtet werden fann, oder ob man doch noch schleunigst zur Einführung Don Tropenhelmen schreiten wird. Die Entscheidung darübei wird, da es sich bei dem Anhalten der Hige um eine dringende Frage handelt, in türzester Zeit fallen. Gleichzeitig wird man auch zu der Frage der Einführung einer leichten Sommeruniform für die Schuhpolizei Stellung nehmen wobei es sich aber um eine Maßnahme handeln wird, die erst im nächsten Jahr in die Tat umgesetzt werden kann. Die grauen Drillichanzüge, die von den Straßenpoliziste seit gestern bis auf weiteres getragen werden, fönnen nur als Notbehelf betrachtei werden. Arbeiter, nüht Eure Ferien! In steigendem Umfang hat sich die Arbeiterschaft einen roeng auch turzen Ferienurlaub errungen. Biele aber wissen noch nicht wie sie die Ferienzeit gut und nuhbringend verwenden sollen. Di Errungenschaft der Ferien ist aber nur zu halten, wenn die Arbeiter schaft von ihr den richtigen Gebrauch zu machen versteht. Daruti hat der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit den Versuch unternommen, Ferienveranstaltungen für die Arbeiterschaft zu orga nifieren. Die bisher stattgefundenen Ferienreisen und Kurse fanden freudige Anteilnahme, und niemand hat es bereut, fich beteiligt zu haben. Die Ferienveranstaltungen, sowohl die Reifen wie auch die Kurse, bieten geistige Anregung wie auch Erholung in reichen Maße. Im Kreise gleichgesinnter Genossen und Genosfirmen er wächst ein neues Gemeinschaftsgefühl, verbinden sich die Herzen schneller zum gemeinsamen Erleben. Für den Rest des Sommers find noch folgende Veranstaltungen vorgesehen: 1 1. Studienreifen: Dänemart: Flensburg, Esbjerg, Aarhus, Kopenhagen, Seefahrt nach Helsingör, Rückfahrt über Esbjerg nac Warnemünde. Zeit: 9.- 17. August. Tschechoslowakei. Desterreich: Dresden, Bodenbach, Prag, Wien, Salzburg -Schwarzwald: Mann Berchtesgaden. Zeit: 16.- 25. August. heim, Heidelberg, Hornisgrinde, Baden- Baben. Belt: 2.- 8. Auguft. Harz: Halberstadt, Thale, Bodetal, Broden, Goslar. Zeit: 23. big Riefengebirge: Hirschberg, Krummhübel, 29. August. Schneekoppe, Spindelmühle, Schreiberhau, Waldenburger Industrie. gebiet. Beit: 31. Auguft bis 5. September. " 2. Ferienkurse: Freiburg i. Br.( Schwarzwald): Josef Luitpold Stern- Wien Arbeiterbildung und Arbeiterbewegung" Beit: 27. Juli bis 1. Auguft. Wismar( Ostfee) im Landesjugend. heim: Dr. Renner- Wien Staat und Sozialismus". Zeit: 2. bis 8. Auguft. Blantenburg( Harz): Reg.- Rat Dr. Woldt„ Die Lebenswelt des Industriearbeiters". Beit: 17.- 22. August. Soltau ( Lüneburger Heide): Prof Dr. Nölting Einführung in die Politik". Beit: 7.- 12. Auguft. Bitte auf der Insel Hiddensee( in der Nähe der Insel Rügen, Ostsee): Dr. Heller„ Einführung in die Politit. Beit: 7.- 13. September. Die Kosten für diese Veranstaltungen sind einschließlich Ber. bungen und nähere Auskünfte beim Reichsausschuß für soziali. stische Bildungsarbeit, Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Die amerikanischen Sänger im Reichstag und Rathaus. New York besuchten gestern in den Vormittagsstunden den ReichsDie deutsch- amerikanischen Sänger vom Beethoven- Männerchor tag, dessen Räumlichkeiten sie unter Führung einer Anzahl Abgeordneter besichtigten. Reichstagspräsident 2öbe hielt dabei an die New Yorker Gäste eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß in den verflossenen 10 Jahren im Ausland, insbesondere in den Ver einigten Staaten sehr viel Unrichtiges über Deutschland verbreitet morden sei. Darum sei es besonders zu begrüßen, daß die Deutsch. Amerikaner Gelegenheit hätten, sich durch eigenen Augenschein von der Haltlosigkeit so vieler Tendenzmeldungen zu überzeugen, die auch drüben viele Deutsch- Amerikaner irregeführt und schwankend gemacht hätten. Die Amerifagäfte würden sehen, daß man in Deutschland mit zähem Fleiß daran sei, 3usammenge brochenes wieder aufzubauen. Zum Schluß sprach der Reichstagspräsident den Wunsch aus, daß der Besuch des BeethovenMännerchors der Berständigung zwischen den beiden Bölkern dienen möge. Als poetischen Dank an den Präsidenten des deutschen Parlaments für feine Worte fangen die Amerikaner im großen Ruppelsaal ein deutsches Heimatlieb. pflegung und lebernachtung äußerst niedrig bemessen. Anmel. Am Mittag peranstaltete die Stadt Berlin zu Ehren der New Dorter Sänger einen Empfang, auf dem u. a. Stadtver ordnetenvorsteher Genosse Haß, Stadtrat Bege, Stadtrat Gen. Weyl, sowie Bürgermeister Scholz sprachen. Weirauch- Stapf- Roser. Wie wir erfahren, ist der Präsident der Reichsbahndirettion Berlin, Weirauch, als Nachfolger Higlers zum Personalreferenten in der Hauptverwaltung der Reichsbahn ernannt worden. Nachfolger Weirauchs wird der Bräsident der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M., Stapf, au dessen Stelle Geheimrat Roser tritt. Einsturz der Stadthalle in Stuttgart. Mahnung zur Sparsamkeit mit Wasser. Der Berliner Städtische Nachrichtendienst erläßt folgende Mahnung: Die andauernde und immer noch steigende Size hat eine ungeheure Erhöhung des Wasserverbrauchs verursacht, die noch nicht zum Stillstand gekommen ist. Das Versagen der Wasserversorgung in den von der Charlottenburger Wasser- und Industrie- Werken A.-G. versorgten südlichen Ortsteilen der Stadt im Anfang des Juni d. I. iſt noch in frischer Erinnerung. Schon hat sich neuer Waffermangel in diesen Bezirken eingestellt. Daß Zustände mie im Juni sich nicht 1 Arbeiter fof, 3 schwer, 7 leicht verlegt. wiederholen, erfordert das allgemeine Wohl der Bevölkerung. Infolge eines heftigen Sturmes stürzte am Donnerstag um die Von den Städtischen Wasserwerken ist alles geschehen, um mit Mittagszeit die im Bau begriffene, 8000 Berfonen faffende Stadi. Hilfe von Rohrverbindungen so viel Wasser an die notleidenden halle, die zur Tagung des Deutschen Ratholitentages füdlichen Stadtbezirke abzugeben, wie die technischen Verhältnisse es gestatten. Wenn einerseits die Wasserwerke bemüht sind, den Be einem neuen, freitragenden System in Holzkonstruktion errichte Ende August fertiggestellt sein sollte, ein. Die Halle wird nach barf der Bevölkerung zu befriedigen, so muß lettere andererseits einem neuen, freitragenden System in Holstonftruktion errichte den Verhältnissen Rechnung tragen und jeden unnügen. Gebrauch und war etwa zur Hälfte aufgebaut. Bei dem Unglück wurden von Wasser in der herschenden Higeperiode vermeiden. Insbesondere elf Arbeiter verlegt, davon vier schwer, während darf Leitungswasser nicht zum Rühlen von Lebensmitteln und Ge- der größere Teil sich in Sicherheit bringen fonnte. Bon den tränken und zu Luruszwecken( Springbrunnen u. dgl.) verwendet werberlegten ist inzwischen einer verstorben werden. Auch dürfen nicht große Mengen abgelaffen werden, um, Der Sachichaden ist bedeutend. Die rechtzeitige Fertigstellung fü wie es häufig geschieht, besonders fühles Wasser zu bekommen. den Katholikentag dürfte in Frage gestellt sein. Die Echuld an Daher wird an die Einwohner der Stadt die ernste Mahnung ge dem Unglück wird von den Arbeitern der leberstunden. richtet, zur Förderung des allgemeinen Wohles das vorstehend Ge fagte zu beherzigen und jede Wasserverschwendung zu vermeiden. wirtschaft und dem Antreibesystem zugeschrieben, wobei die Verstrebungen der Holzkonstruktion mangelhaft aus geführt wurden. Tropenhelm oder ,, Dunktkicpe"? Die wissenschaftlichen Untersuchungen über die die Wärmeentwicklung in den Tichakos der Schußpolizei mit und ohne weißen Ueberzug haben, wie wir erfahren, ergeben, daß der weiße Stoffüberzug nur eine ganz geringfügige Tem peraturverringerung im Innern dieser Kopfbedeckung herbeiführt, und zwar genau um 3/10 Grad. Infolgedessen wird man von der Einführung der Tichakoüberzüge Abstand nehmen. Neuerdings werden jezt bei den zuständigen Stellen VerDas Rundfunkprogramm. Freitag den 24. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Fran.( Hansfrau und Berufsfrau, von Dorothee Goebeler). 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7-7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Gartenbau. Gartenbaudirektor Meermann: Der Gemüsegarten, II. Teil 7.30 Uhr abends: ( Hochschulkurse). Abteilung Geographie: Dr. Konrad Kretschmer, Prof. an der Universität Berlin: Das Erdbild im Wandel der Zeiten". 3. Vortrag Kompaß und Seekarte". 8.30 Uhr abends: Orchesterkonzert. 1. Goetz: Ouvertüre Franzesca di Rimini. 2. Schubert- Liszt: Wanderer, Fantasie.( Prof. Josef Weiß, Klavier). 8. Volkmann: Serenade( mit oblig. Cello).( Ernst Wassing, Cello). 4. Joh. Strauß: Dolci pianti, Romanze( mit oblig. Cello). Erst aufführung.( Ernst Wassing). 5. Chabrier: Pastorale Suite. ( Berliner Funkorchester). 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. ous Absturz eines deutschen Flugzeugs in der Schweiz. Ein Passagier tot, drei Personen schwer verwundet. Am Donnerstag, morgens um 2 Uhr, verunglückte. wie SPD Genf meldet, das deutsche Bassagierflugzeus 701 bei Unterſiggental im Kanton Aargau. Das Flugzeug, das dem Deutschen Aero Lloyd gehört und die Strecke München Stuttgart flog, war durch starken Wind nach der Schweiz abge trieben worden und stürzte bei dem Versuch einer Notlandung auf einen Bais ab. Das Flugzeug wurde völlig zerstört Ciner der Baffagiere, Herr Lindenberg aus Baden- Baden, wurde getötet, der Flugzeugführer Hieronymus und zwet andere Bessa giere sind schmer verlegt. Großer Brand in der Lüneburger Heide. In der Lüneburger Heide stehen an der Grenze der Regierungs bezirke Lüneburg und Hannover, vor allem im Kreise Burgdorf etwa 5000 Morgen in Flammen. Der Brand hat schon am Freitas voriger Woche aus unbetannten Ursachen begonnen und ist dann voi zwei Tagen zu großen Ausdehnungen gelangt. Der Oberpräsiden anliegenden Gebiete befahren und alle Anordnungen gegeben, die Noste hat am Mittwoch den größten Teil der Brandstätte und der zur Eindämmung und Bekämpfung des großen Brandes nötig, find Es sind sowohl Formationen der Reichswehr wit Polizeitruppen aus Hannover und Lüneburg an de Arbeit. Erfreulicherweise find bisher weder Menschenleben nod Ernte vernichtet oder gefährdet. Radfahrer und Verkehrsordnung. Ein Proteft der Radfahrerverbände. 46400 Die maßgebenden Radfahrerorganisationen haben eine 3entralstelle geschaffen, die gegen die Beschränkungen des Radfahrens durch die Berkehrsordnungen anzufämpfen bestrebt ist. Diese Zentralstelle hat zunächst in folgender Entschließung zu der Frage Stellung genommen: Der§ 13 der Verkehrsordnung, wonach den Radfahrern ein großer Teil der Straßen des Stadtinnern entzogen werden soll, ist zwar noch nicht in Kraft gesetzt, aber er ist vorhanden und beunruhigt die Radfahrerschaft dauernd. Die unterzeichneten Berbände, die den größten Teil der Radfahrer Berlins repräfentieren, erachten es für notwendig, darauf hinzuwirken, daß ihre Fahrfreiheit auch für die Zukunft gewahrt wird. Wir weisen zunächst darauf hin, daß fich Schwierigkeiten im Berliner Straßenverkehr durch die Radfahrer bisher nicht ergeben haben, trobem laut amtlicher Zählung bleje 3. B. über diese z. ein Drittel der gesamten Berkehrsmittel etwa am Potsdamer Platz ausmachen. Ferner ist ebenfalls amtlich erwiesen, daß Berkehrsstodungen niemals durch Radfahrer hervorgerufen wurden, trotzdem diefelben die größte Gruppe aller Berkehrsmittel ausmachen. Der beste Beweis, daß gerade die Radfahrer es verstanden haben, fich der größten Berkehrsdichte anzupassen. Es muß ferner darauf hingewiesen werden, daß Groß- Berlin nach einer ungefähren Schäzung etwa 400 000 Radfahrer hat, die meistens Lohnempfänger sind und darum mohl von benen, die die Straßen benutzen, den größten Teil der Steuern aufbringen. Der Radfahrer ruiniert die Straße überhaupt nicht, im Gegenteil wirkt er da, wo Chauffierung vorhanden ist, verbessernd, ebnend. Für einen verschwindend fleinen Teil von Rettern sind filometerlange, wohl gepflegte Reitmege vorhanden, deren Unterhaltung große Rosten verursacht, während in ganz Berlin der großen Masse von Rad fahrern nur etwa fünf kilometer eigene Wege reserviert find. Wir machen hier auf unsere alte Forderung aufmerksam, daß von der Stadt fein Straßenumbau oder neubau vergeben werden sollte, bei dem die Bedürfnisse der Radfahrer nicht berücksichtigt werden. In den Nachkriegsjahren und in der Inflation hat man unsere ständigen Hinweise damit erledigt, daß dazu noch tein Geld vorhanden wäre. Wir behaupten jedoch, daß zur Durchführung unferes Borschlags überhaupt teine Mehrtoften notwendig find. Durch Schaffung von Radfahrerstreifen am Rande der Fahrstraße wird der Radfahrerverfehr aus der Fahrmitte entfernt und Platz für andere Fuhrwerte geschaffen. In anderen Städten ist dieses Problem längst gelöst. Es muß ferner betont werden, daß, wenn wirklich den Radfahrer die wichtigsten Straßen verboten würden, eine gewaltige Berfehrsverbichtung in den Straßen erster Ordnung geschaffen würde. Biele Geschäftsleute werden dazu übergehen, Motorleichträder mit Seitenwagen oder Geschäftsdreiräder zu benußen, um weiter diese Straßen befahren zu fönnen,& B. Beitungsfahrer, Eilboten, Batetfahrt usw. Es ist auch unverständ lich, wie durch ein Fahrverbot eine Berfehrserleichterung eintreten soll, da selbstverständlich jeder Radfahrer, der beruflich das Stadtinnere befahren muß sein Fahrrad über die verbotenen Straßen hinwegschieben wird. So bildet er dann erst recht ein Berkehrshindernis. Es würde zu weit führen, alle Argumente schon jetzt aufzuführen, die far ergeben, daß der§ 13 der Berkehrsordnung nicht nur vertehrsfeindlich ist, sondern auch einen großen Teil der schwer um seine Erifteng ringenden Bevölkerung Berlins um ein billiges Bertehrsmittel brächte, bas für thn Beit, Geld, Gesundheit und auch noch Bergnügen bedeutet. Die forporierten Radfahrer find se st in unserer Hand, und folgen den von den Verbänden herausgegebenen Fahrvorschriften genau. Ber. stöße gegen die Polizeivorschriften erfolgen meift nur von den fogenannten wilden Radfahrern. Der Polizeipräsident follte an Fahrer einem Berbande angehören. DES STADT BEILAGE fährden. Es wird darauf aufmertfam gemacht, daß Fahrräder benselben verkehrspolizeilichen Bestimmungen unterliegen, mie andere Fahrzeuge, daß fie fich also ebenfalls tunlichst rechts an der Bordschwelle zu halten haben. Gegen Radfahrer, die gegen diese Vorschriften verstoßen, wird in Zukunft unnachfichtlich vorgegangen werden. Kommunale oder private Wohlfahrt? Die Frage, ob man Wohlfahrtseinrichtungen fommunal oder privat betretben soll, dürfte eigentlich gar nicht mehr gestellt werden, wenn sie nicht auch bei uns in Berlin brennend wäre. Sämtliche bürgerlichen Stadt- und Bezirksverordneten sind selbstverständlich für die private Fürsorge. Man will anstatt Wohlfahrt Wohltätigkeit. Bon privaten Vereinen, meist firchlichen, soll es abhängen, ob und wieweit jemand unterstützt bzw. versorgt wird. Nicht ein Recht soll jeder Staatsbürger auf diese Bersorgung in bestimmten Fällen haben, sondern von dem guten Willen Privater soll dies abhängen. Bir Sozialdemokraten wollen die Wohlfahrt des ganzen Bolles. nicht vom freien Willen des einzelnen oder der Kirche darf es abNicht vom freien Willen des einzelnen oder der Kirche darf es abhängen, ob geholfen wird. Rein Almojen barf gegeben wer Postabonnenten welche die Erneuerung des Abonnements für August noch nicht vorgenommen haben, müssen 30fort das Versäumte nachholen, wenn keine Unterbrechung in der Zustellung der Zeitung erfolgen soll Vorwärts- Verlag G. m. b. H, den. Rein, es ist Pflicht ber Gemeinde, zu helfen. Sie muß Schwangeren und Säuglingsberatung, Trin. ter, Geschlechtstranten- und Lungenfürsorge treiben. Sie muß Rinderhorte, Rrippen und heime bauen. Sie muß die Aerzte und Pflegerinnen stellen. Sie muß die notwendigen Räume und ihre Einrichtungen hergeben. muß die notwendigen Räume und ihre Einrichtungen hergeben. Dies fann und darf nicht Sache der firchlichen Vereine bleiben. Bir haben bereits Erwerbslosenunterstützung und Armenunterstügung. und fie find ein Recht des Bürgers, wenn er bedürftig ist, teine Almofen. Die Gegner der Kommunalisierung des gesamten Wohlfahrtswesens behaupten, daß tein Geld vorhanden sei. Man fönne der privaten Gelder nicht entraten. Nun, vielleicht denkt man mal ein bißchen darüber nach, ob heute alle gemeindlichen Gelder wirklich nur für die notwendigsten Ausgaben verwandt wirklich nur für die notwendigsten Ausgaben verwandt werden? Wie verlautet, follen möglichst viel Wohlfahrtseinrichtun gen privat aufgefogen werden, um Geld zu sparen. Dagegen müssen wir uns mit allen Mitteln zur Behr fegen. Diese Einrichtungen muß die Stadt schaffen. Wie aber fönnen wir bies Ziel erreichen? Wir müffen nicht nur die stärtste Frattion im roten Haufe fein, wir müssen die Mehrheit erlangen. Und wir fönnen es, wenn wir rechte Arbeit leisten. Unsere Stimmenzahlen sind bei ordnen, daß bei Berfehlungen jeftgestellt würde, ob die betreffenden ir tonnen beweisen, daß die Bürgerlichen wenig, bie Rommuder legten Reichspräsidentenwahl gewaltig angefliegen. nisten gar nichts im Berliner Stadtparlament geleistet haben. Wir fönnen beweisen, daß die Bürgerlichen Werte, die der Stadt gehörten, an Privatkapitalisten verschleudert haben, daß fie städtische Einrichtungen, die große Gewinne hätten abwerfen tönnen, dem Privattapital ausgeliefert haben. Die Sünden der Bürgerlichen find ungeheuer groß und die Kommunisten waren ihre freuen Steigbügelhalter, die immer nur ihren Kampf gegen die Die Stadtverordnetenwahlen müssen den Sieg der Sozialdemokratie Sozialdemokratie, nie das Wohl der Bürgerschaft im Auge hatten. bringen. Wir vermissen schmerzlich ein 8usammen. arbeiten des Berkehrsdezernats mit den maß. gebenden Verbänden! Der Bersuch, die mißlichen Ber liner Berkehrsverhältniffe nur durch Berbote regeln zu wollen, sollte doch als überlebt gelten. Wir sehen weiter zu unserem Erstaunen, daß Polizeivorschriften und Berbote nicht in der reichlich vorhan denen Fachpresse veröffentlicht werden. Ein engeres Zusam menarbeiten ist notwendig. Unsere alte Forderung, daß man por dem Erlaß neuer Berordnungen erst die Fachleute hören soll, erheben wir darum aufs neue. Die unterzeichneten Berbände haben sich, um eine 3 entral stelle zu schaffen, zufammengetan und eine Rom miffion gebildet, in der langjährige Fachleute auf dem Gebiete des Radfahrwesens vereinigt find. Wenngleich wir hoffen, daß die Idee, Radfahrerverbote für die Reichshauptstadt zu erlassen, für immer verschwindet, bitten wir, trotzdem dieser Kommission eine Unter redung zu gewähren, in der es uns möglich sein wird, etwaige Bedenten gegen die endgültige Streichung des§ 13 ber Verkehrsordnung zu zerstreuen. Arbeiterradfahrerbund Goffdarität" E. B., Offenbach a. M. Bund Deutscher Radfahrer E. B., Berlin. Deutsche RadfahrerUnion. Berufsstraßenfahrerverband. Rad- und Motorradfahrerverband Concordia". Reichsverband deutscher Fahrradidustrieller. Reichsverband deutscher Mechaniker, Fahrrad- und Motorfahrzeughändler. Ingenieur Otto Lübers, Handelstam merfachverständiger für die Fahrradbranche. Obmann: Richard Hanisch, Wilmersdorf, Kaiserallee 188, Pfalzburg 6360. Als Gegenstüd zu den oben geschilderten Klagen der Berliner Radfahrer verbreitet das Polizeipräsidium folgende Mahnung an die Radfahrer: Eine Unfitte, die immer wieder beobachtet werden kann, ist es, daß die Radfahrer fich über die allgemeinen Verkehrsbestimmungen hinwegfegen und insbesondere durch Fahren nahezu in der Mitte des Fahrdammes den Verkehr behindern und die Fußgänger geEin Fünfundfiebzigjähriger. MENDITE RK VORWARTS Aus den Bezirken. 2. Bezirk Tiergarten. Die Bezirksversammlung Tiergarten ist am 24. Juni in die Ferien gegangen. Borher wurde noch beschlossen, das Dianastandbild wieder in den Kleistpark zu versehen. Wie wohl noch erinnerlich, wurde das Standbild während der Inflation in den Sportplatz Tiergarten gebracht, um es gegen Diebstahl zu schützen. Da der Anreiz, altes Metall zu stehlen, heute nicht mehr so groß ist, ist diese Borsichtsmaßregel nicht mehr erforderlich. Es wird vielen willkommen sein, daß die Diana durch ihre Rückversehung in den Kleistpark wieder der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wird. Ferner tam das Bezirksamt auf den von uns schon bei der Etatberatung geäußerten Wunsch zurüd, bedürftige Kinder während der Ferien nach dem Freibad Wannsee zu senden. Seinerzeit wurde unserer Anregung nicht Folge gegeben. ezt beantragte bas Bezirksamt selbst, für diesen 3wed 5000 m. zur Verfügung zu stellen. Die Kinder sollen unter Aufsicht zum Freibad hinausfahren, sich dort den Tag über aufhalten und ver pflegt werden. Die Bezirksversammlung bewilligte die hierzu angeforderten Mittel. 16. Bezirk Köpenid. Die Schulverhältnisse im Bezirk 16, des östlichsten der Stadtgemeinde Groß- Berlin, sind nicht die günstigsten. Die Arbeiter bevölkerung dieser eingemeindelen Vororte hat natürlich ein großes Intereffe daran, daß die Schulverhältnisse so gestaltet werden, wie fie im übrigen Groß- Berlin schon seit Jahren bestehen. Gerade der Umstand, daß die Aussicht bei der Bereinigung zu einem leistungsfähigen Groß- Berlin auch dem sonst verwaftungstechnisch rückstän digen Often die Vorteile des Berliner Gemeinwesens bringen würde, hat den Widerstand der Arbeiterklasse in diesen Orten gegen die von bürgerlicher Seite inszenierte Los- von- Berlin"-Bewegung gefestigt und mit Erfolg ein Paroli geboten. Um so enttäuschter ist natürlich die arbeitende Bevölkerung der an der Beripherie des Bezirks liegenden Orte, daß ihren berechtigten Wünschen betr. der Schule wenig Entgegentommen gezeigt wird. Die Orte Rahnsdorf, Wilhelmshagen und Hessen mintel, brei organisch zusammen hängende Teile des Bezirks, besigen je eine ein bis dreitlaffige Boltsschule mit eigenen Schulgebäuden und Ber maltungen. Die arbeitende Bevölkerung dieser Ortsteile muß je nach Wohnort ihre Kinder für die Schulzeit diese Schulen durchlaufen laffen, während die„ befferen" Anwohner ihre Kinder hier nur der Grundschulpflicht Genüge leisten lassen, um sie dann den höheren Schulen in dem benachbarten Friedrichshagen zuzuführen. Das Mißgeschick der Kinder, die die ganze Schulzeit in den erwähnten einund dreiflassigen Schulen verbrachten, wird erst offenbar, wenn fie in das öffentliche Wirtschaftsleben treten sollen. Bei Erlangung von Lehrstellen in Berlin wird Wert gelegt auf die Absolvierung der 1. Klasse einer Boltsschule, bei Aufnahme in Fachschulklassen werden die Kinder dieser Zweigschulen zurückgestellt bzw. ganz ausgeschaltet u. a. m. Es ist deshalb verständlich, daß alle in Betracht kommen den Kreise dieser Ortschaften schon seit Jahren den Kampf für die Schaffung einer achtklassigen Volksschule in zentraler Lage des Schulbezirks führen. Die jetzt teilweise von den Kindern zurückzulegenden Schulwege zu den jeht vorhandenen drei Einzelschulen wären feilweise nicht weiter als zu einem gemeinsamen Zentralschulgebäude, die Vorteile für die Gesamtheit aber von außerordentlicher Bedeu tung. Daß von den Lehrkräften der jegigen Schulgemeinden aftiv und passiv Widerstand geleistet wird, ist nach Einstellung gewisser Herren verständlich, da jeder Rönig in feinem Reich" fein möchte. Dieser Umstand fann aber nicht ausschlaggebend sein, wenn es sich um das Wohlergehen eines Teils der Bevölkerung von Groß- Berlin handelt und deshalb sollte, wo die Leitung des Schulwesens diesen Dingen ihr Augenmert zuwenden, zumal Neubauten für das des Bezirks versagt, die Zentralschulleitung in Berlin tommende Etatsjahr in Ausficht genommen sind, die unter Berüdsichtigung der vorliegenden Wünsche und Bedenken als zwecklos und die zufünftige Entwicklung schädigend angesprochen werden müssen. Eine Berichtigung aus Fichtenau. Der Gemeindevorsteher von Fichtenau ersucht uns unter Hin bes Borwärts", Nr. 333, erschienenen Rotiz: Eine Mustergemeinde. weis auf den§ 11 um eine Berichtigung zu der in der Stadtbeilage Wir geben sie in Folgendem wortgetreu wieder und nehmen an, daß fie Gegenstand weiterer Erörterungen in den beteiligten Kreisen fein wird. Auf Grund des§ 11 des Gesetzes vom 7. Mai 1874 ersuche ich um Abdruck folgender Berichtigung in der nächsten Nummer des Vorwärts" Zum Artikel Eine Mustergemeinde in Nr. 333: Die Mitglieder der Gemeindeverwaltung, mit Ausnahme des Am Dienstag, den 21. Juli, wurde unfer Genoffe Heinrich Beege 75 Jahre. Er gehörte schon in jungen Jahren zur Sozialdemokratie. Während des Sozialistengefeges arbeitete er eng mit dem in Halle in der Berbannung verstorbenen Wilhelm Grote zusammen in der Innern" und wurde felbft im Jahr Gemeindevorstehers, erhalten für ihre Mitarbeit keinerlei Entschädi 1880 auf Grund des Sozialistengefeges aus Berlin und danach mehrmals aus anderen Orten ausgewiefen. Leider ist er durch einen schweren Unfall, Stura durch eine fogenannte Falltür in einen Keller, gezwungen, feinen 75. Geburtstag im Birchow. Krantenhaus zu verleben, da er sich einen schweren Rippen und Oberschenkelbruch angezogen hat. Die Boltsbüchereien des Bezirks Treptow( 7 an der Bahl) find in der legten Zeit durch Neuanschaffungen wesentlich um fangreicher geworden. Insgesamt beläuft sich der Bestand an Büchern in den Boltsbüchereien auf 17 000. Jede der Büchereien, Büchern in den Boltsbüchereten auf 17 000. Jede der Büchereien, die in den einzelnen Ortsteilen untergebracht sind, meist burch Ichnittlich 2000 bis 3000 Bände auf. Bei den Neuanfchaffungen ist besonderer Wert auf die Werte neuerer Autoren gelegt. Die Inanspruchnahme der Bibliotheten ist günstig. Durch die Bereitstellung moderner Werte wird den Büchereien sicherlich manch neuer Freund gewonnen werden. Dieleizien Tage unseres Saison- Ausverkaufes geben Ihnen noch Gelegenheit, anerkanntes Qualitäts- Schuhwerk zu Spottpreisen zu erstehen. Sie müssen aber eilen, denn bereits am 27. Juli geht unser Ausverkauf zu Ende. Someets Schühfabrik gung. Der frühere Gemeindevorsteher erhält nur Bension von der Stadt Bärwalde und hier einen Ehrenfold an Stelle der Pension für 18jährige Dienstzeit als Gemeindevorsteher. Der gegenwärtige Gemeindevorsteher bezieht für seine umfangreiche Tätigkeit in der 3300 Einwohner zählenden Gemeinde nur 100 m. monatlich Entschädigung neben 60 M. Dienstaufwand. Für die arbeitende Bevölkerung ist mehr als bisher bewilligt. Die Ausgaben für Wohlfahrtspflege betragen jährlich über 9000 M. Die gestrichenen 300 m. für Berjchidung tranter Kinder ufm. werden aus den Titeln für sonstige Wohlfahrtspflege 2000 m. und zur laufenden Unterstüßung 1800 m. bestritten. Kleinschönebeck( Fichtenau), den 21. Juli 1925. Der Gemeindevorsteher. gez. Unterschrift." Nachstehend einige Beispiele unserer Billigkeit: Brauner Damen- Halbschub, gefällige Ausführung, elegante Pasform Brauner Damen Halb schub, echt Boxkalf und Original- Goodyear- Welt cke . 690 Vornehmer HerrenHalbschuh, echt Rindbox in Orig. Good.- Welt 1250 Brauner Herren- Halbschuh mit echt braun 1290 Nubuk- Einsatz.. Beachten Sie auch unsere Schaufenster! SW, Friedrichstr. 240/41 W, Potsdamer Str. 50 W. Schillstr. 16 NW, Beusselstr. 29 NW, Turmstr. 41 N, Brunnenstr. 37 & CieA NW.Wilsnacker Str. 22 Burg. N. Danziger Str 1 N, Friedrichstr. 130 Made N, Müllerstr. 3 O, Andreasstr. 50 O, Frankfurter Allee 22 SO, Oranienstr. 2 a SO. Wrangelstr. 49 C, Spittelmarkt 15 1850 F C. Rosenthaler Str. 14 Neukölln, Bergstraße 30/31 Potsdam, Brandenburger Str. 54 Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 122/23 an der Denkmalscinweihung in Rüdersdorf. Sanimelpuntt aller Rameraben 8 Uhr in Rallberge. Rameradschaft Bernan. Gonntag, den 26. Juli, Anttreten der gesamten Ramerabschaft nachmittags 1,30 Uhr am Bahnhof zur Feftplafetten zur Berfassungs fahrt nach Blankenburg, Familienausflug. feier find bei Brose und den Gruppenführern zu haben. Reinidendorf. Achtung! Treffpunkt Freitag, den 24. Juli, necm. 4 Uhr, nuc Saloßbrikke. Kamerabschaft Die Umgestaltung des Streforplatzes in Spandau. Das Be- 28. Juft, nachmittags 1 Whr, Treffen am Bahnhof Röpente ant Beteiligung girtsamt Spandau teilt mit, daß der Stresowplaz aus verfehrs technischen Gründen umgestaltet werden soll. Der alte Springbrunnen, der bisher schon unsymmetrisch im Blazbilde lag, wird entfernt werden, drei an sich nicht schöne Bäume werden umgelegt. Die neue Anlage, die jetzt hergerichtet wird, wird ein Erholungs pläßchen für die Anwohner und ein netter Ersatz für die der Neugeftaltung zum Opfer gefallenen Bäume und den Springbrunnen jein. Parteinachrichten Einsenbungen für diese Rubrif find Berlin S. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin fiets en bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, au richten. Bezirksvorstand. Wichtige Sihung des erweiterten Bezirksvorflandes Sonnabend, den 25. Juli, abends 6 Uhr, im Konferenzzimmer der„ Vorwärts". Redaktion, Lindenstraße 3. 6. Streis Strenabera. Rare Demonstration fammeln i bie 44, 45, 48. unb 47. Abteilung vor dem Görliher Bahnhof, bie übrigen Abteilungen auf dem Blücher- Blak. Ordnerbinden find anzulegen. Heute, Freitag, den 24. Juli: 3. Abt. Die Genossinnen und Genoffen treffen sich nachm. 4 Uhr auf dem Schulke- Delihfch- Blas zur Demonstration. Abmarsch pünktlich 5 Uhr. 8. Abt. Treffpunkt zure Demonfivation 4 Uhr Bülow- Ede Manfteinitzake. Von dort Anschluß an den Rug der Schöneberger Genoffen. 21. Abt. Treffpunkt zur Demonstration nadm. 4 Uhr Nettelbedplak, Die Genoffen, die am Sonntag, den 23. den Familienausflug bes Reichs banners Schwarz- Rot- Golb( Gruppe Webbing) nach Blankenburg mit machen wollen, treffen sich nochm. 14 Uhr bei Müller, Uferftz, 12, 25. Abt. Alle Genoffinnen und Genoffen( foweit nicht Betriebe) treffen R nadm. 4 Uhr Helmholkplag. Die Orbner bringen ihre Armbinden mit. 27. Abt. Die Abteilung trifft fich zur Demonstration um 4 Uhr am Fallolah. 38. Abt. Die Mitglieder treffen fich aut Rundgebung 4 Uhr auf ber Beber wiefe mit Banner. Sunglozialisten, Gruppe Schöneberg. Beteiligung an ber Demonftention. Sm Anschluß baran 8 Uhr abends Arbeitsgemeinschaft: Das römisch- Deutsche Raifertum". Jugendveranstaltungen. Zur Abrechnung von Rarten fir Sunenbfeft, und Steftabredungen für Jugendtag Hamburg in das Gefretariat am Sonnabend, den 25. bis au Be ainn ber Borfigendenkonferena( 7 Uhr) geöffnet. Wir bitten, alle bredungen unbedingt zu erledigen. Heute, Freitag, den 24. Jufi: Sämtliche Abteilungen beteiligen dy au ber Brotefifunbgebung, nadu. 5 hr, im Suftgarten. Das Jugeabfelretariat with wegen der Demonstration um 5 Uhr gefchloffen. Während der Ferien- und Reisezeit kann der ,, Vorwärts" auf jede Daner allerorts bezogen werden. Touristen und Wanderer d fordern das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungen, Zeitungskiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den ,, Vorwärts" bei einer Aufenthaltszeit unter 14 Tagen per Kreuzband durch die Hauptexpedition nachsenden. Außer dem Abonnementsbetrage ist in diesem Falle das Porto zu zahlen, welches wochentags 6 Pf, Sonntags 10 PL ( pro Woche 45 PL) beträgt. Bei längerem Aufenthalt ist der Vorwärts" durch Postüberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedition vornimmt. In letzterem Falle kommen zu dem Abonnementsbetrage die Zustellungsgebühren in Höhe von 72 PL pro Monat. Sobald die eine oder andere Art der Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des Vorwärts", Berlin SW 68, Lindenstraße 3, zu benachrichtigen. Abonnenten, welche den Vorwärts" bereits durch die Post beziehen, können denselben jederzeit bei dem Postamt gegen eine Gebühr von 50 Pf umbestellen. Bei Postüberweisungen bitten wir zu beachten, daß die Angabe der neuen Adresse bei der Ausgabestelle oder bei der Hauptexpedition bezw. bei der Post möglichst eine Woche vorher erfolgt, um eine rechtzeitige Zustellung des Vorwärts zu gewährleisten. 99 VORWARTS"-VERLAG Berlin SW 68, Lindenstraße& Fernspr. Dönhoff 2506/2507 neine Arbeitersport. 20 ftvake 146. Das Sugendbeim Nogat Werbebezirk Reukölln. Alle Genoffen beteiligen fibh an ber Brobe s Sprechchor, im Jugendheim Bergite. 20, 18 Uhr. ftraße bleibt geschloffen. Dorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin 6. 14, Sebaftienftr. 87/88, 5of 2 r. Ramerabschaft Mitte. Freitag, den 24. Suft, abends 8% Uhr, Bollperfammlung mit Borstandswahlen in den Residens- Festfälen, Lands berger Straße. Bother 7½ Uhr erweiterte Borstandsfitung dafelbft. Rame tabschaft Tiergarten. Sonnabend, den 25., abends 8 Uhr, Ramerabschaftsabend im Artushof, Berleberger Straße. Familienangehörige lönnen eingeführt werden. Remerabithaft Röpenid anb Untergruppen. Sonntag, den Tafelservice Steingut, verschiedene Dekore, 23 Teile Küchengarnitur Steingut, hübsches Dekor, Herrenartikel Sporthemden weiß Panama, m. 2 Kragen Nachthemden m. farh. Besatz u. Tasche Selbstbinder in schönen Mustern. 22 Teile 8% 9 50 Badeartikel Badekappe hübsch garniert. Badetrikot Arbeiter Radfahrer- Bund Solidarität". Souren für Sonning, den 28. Juli. 1. Abt.: Schönmulze( Müggelhort) früh 5 u. 12 Uhr. Start Bülowftt. 55. 2. Abt.: Rahmer Gee, früh 5 Uhr. Start Diefenbachstr. 36. 3. Abt.: Sonnabend, Stalienische Nacht am Tobnißfee, Rörbistrug. Start 6 Uhr abends, 26., früh 5 Uhr, ebenda, Start Laufiger Blah. Seben Freitag von 4 Uhr ab, Große Wiese, Spielabend. 4. Abt.: 6 Uhr Stienisfee. Start Weberwiefe. Jeben Montag und Donnerstag Sportplak Friedrichshain, 6 Uhr, Spielabend. Mitgliedsbuch legitimiert. 5. bt.: 7 u. 12 Uhr Badetour( Müggelhort). Start Landsberger Blak. 6. Abt.: 25., abends 6% Uhr, Dampiontour ,, Schönwalde, Rlöpfer, 26. besgl. früh 6 Uhr. Start Ropenhagener Str. 26. 7. Abt.: Frith 5 Uhr Brenden, 1 Uhr Schönwalde, Klöpfer. Start Rolonie 8. bt.: 25., abbs. 6 Uhr, Schwärzesee, Meldom, 26., frith 4 Uhr besal. Start Rolonieftr. 146.-9. Abt.: Chorinfee, früh 5 n. 1 Uhr. Start Schulstr. 114. 10. bt.: Moorlafe. Start 6 u. 12 Uhr Comeniusplan 11. Abt.: 25., nachm. 5 Uhr, Tiefenfee. Start Sochstr. 18. 12. ( Motorfahrer): Teupik, Tornow- Jonll. Start 7 Uhr Baufizer Blak. Drts gruppe Renton: frih 5 Uhr Liepnitfee. Start 1. bt.: Serhbergplat 2. Abt.: Bahnhof Hermannstraße, 12 Uhr mittags, Milagelhort, beibe b tellungen Bergbergplag. Ortsgruppe Spanbau: Babetour, 1 Uhr am Start Neuendorfer Str. 74. Ortsgruppe Charlottenburg: Lampiontour Arampnigfee. Start 8 Uhr abds. 26. desgl. früh 6 Uhr. Start Galvaniste. 13. Ortsgruppe Panlow: Frith 5% Uhr, Berifee. Start Floraftr. 24.- Orts Ortsgruppe gruppe Tegel: Sumptersee. Start 6 u. 1 Uhr Schlieperstr. 64. Reinidenborf: 25., 5% Uhr nadm., 26. früh 5 Uhr, Sumterfee. Start Re fibenaftr. 109. Ortsgruppe Oberschöneweibe: Lödnik, Berlfee. Start 6 Uhe frilh Siemenstr. Adung, Fahrwarte! Donnerstag, den 30. Suli, pünktlich 7 Uhr, Rungeft. 17. Arbeiter- Rabfahrer- Berein Groß- Berlin: Conning, ben 26. Sul fall Start 5 Uhr, Sophienstädt. Mittags 1 Uhr Röntgenthal( Waldbaus). Mariannenplag Ede Balbemariitake. Touristenverein Die Naturfreunde"( Sentrale Dien). st. Gefund. brunnen: 25. u. 26. Juli Treffahrt mit Abt. Norben, Mittelprendener See. Abf. Sonnabend 3,43 Uhr, Sonntag 6,08 Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen ( Rüdfahriarte Biesenthal). Freie Turnerschaft Charlottenburg. Die angefekte Bereinspartie findet nicht statt. Wir empfehlen allen Mitgliedern und Freunden ben Besuch des Fußballspiels Bolen- Charlottenburg am 26. Sufi, nachm. 5 Uhr, auf bem Minervaplak an der Olympia- Rennbahn. Borber Spiel ameier erftflaffiger Schülermannschaften. Freie Turnerschaft Reukolln- Brik, II. Männerabtellung: Treffpunkt zus Bartie am Gonnabend, den 25. Juli, um 5 Uhr Stettinez Bahnhof. Abfahrt 5,20 Uhr. Sonntagsrückfahrkarte bis Eberswalbe lösen. Mannschaftstampf im Ringen. Der Sportklub Adler 05( Mitglied des AABD.) Deranstaltet anläßlich eines Sommerfestes am Sonntag, den 26. Juli, in Irmers Feftfälen( früher Wanalid). Am Treptower Baek 27, Nähe Bahnhof Ereptow, einen Mannschaftstampf mit dem Sportlub, Deutsche Eide 1900 in 7 Rlaffen. Deutsche Eiche" tritt in stärkster Aufstellung an. Auker dem Mannschaftskampf finden noch Jiu- Jitsu- Rämpfe, einige Artiften- Nummern Garteneröffnung und Gefangsvorführungen( Friedrich- Hegar- Chor) fait. Uhr. Ronzert ab 4 Uhr. Außerdem abends Sans im großen Gaal. Eintritt 0,75 S. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Donnerstag, den 23. Juli. 1 Rennent. 1. Rili(. Broton), 2. Belfenheim( D. Schmidt), 3. Hansa( B. Zarra3). Zot.: 38:10. BL: 16, 18, 53:10. Ferner liefen: Bring Rudud, Rosenfeld, Laufeya, Binterweide, Bandufia, Nordlicht, Oft fels, Hannar, Geldulf, Beiße Dame, Stafima, Fits and Starts, Frigga II, Rita. 2. Rennen. 1. Zella( Huguenin), 2. Lindwurm( Haynes). 3. An tenor( D. Schmidt). Tot.: 51:10. BI: 18, 17, 18:10. Ferner liefen: Königl. Hogeit, Dbotrit, Lump, Frechdachs, Brofa. 3. Rennen 1. Fauftina( D. Schmidt), 2. Die Königin( Bregner), Ferner liefen: 3. Indigo( Barga). Tot.: 40:10. 31: 17, 22, 19:10 Ludwig Thoma, Nimmerwahr, Fadelichein, Silberfafan, Benissima. 4. Rennen. 1. Ganelon( D. Schmidt). 2. Tod und Leben( Haynes), 3. Hornbori( H. Blume). Tot.: 18:10. BL: 10, 12, 13:10. Ferner liefen: Sdomeneus, Langenichts, Ban Robert, Bellae, Storm Cloud, Ratchine. 5. Sennen. 1. Zibia( Haynes), 2. Bifdame( Barga), 3. Roskva ( H. Blume). Tot.: 17:10. L: 11, 11:10. Gerner liefen: Sternschnuppe. Rüstung, Livadia. 6. Mennen. 1. Abt. 1. Rosa( E. Hahnes), 2 Diftator( Bretner), 2. Dpponent( Olejnik). Tot.: 17:10. BL: 10, 13, 11:10. Ferner Hefen: Rojanera, Moniffet, Final, Titus, Baltin, Billa. 2. Abt.: 1. Breda( N. Torle), 2. Amenophis( 3. Schmidt),& Mutatis mutandis( Earras). Zot.: 40:10. L: 13, 15, 12:10. Ferner liefen: Aufbau, Drobeus, Bictoria, Hurone, Siegreich, Heirat, Dlive. 7. Rennen. 1. Dran( Barga), 2. Marquis( Haynes). 3. Automedon ( D. Schmidt). Tot: 33:10. BL: 16, 14, 23:10. Ferner liefen: Bromo, Brandung, Calderon, Münzmeister, Märschenzauberin, Eisenkrone. Der Mensch lebt nicht von dem, was er ist, sondern von dem, was er verbaut. Darum ist MAIZENA fo berühmt, weil selbst der schwächste Magen es verdaut. Auf jedem gelben MAIZENA Päckchen stehen vorzügliche Rezepte. Mehr noch stehen in dem MAIZENA- Rochbüchlein, das ieder umsonst erhalten kann durch die Deutsche Maizena Gesellschaft A.-G. HAMBURG 15. Billiger Freitag JANDORF 0.95 6.90 3.90 für Herren, Mittelgröße. 1.85 0.95 Badetrikot für Damen, farbiger Besatz, 1.95 Mittelgröße... 1.25 Frottierhandtuch guter Kräuselstoff. 1.15 5.90 Hemdentuch kräftiges Gewebe. Meter 0.65 Hidige Qualitat Louisiana Meter für 0.85 Baumwollwaren Hosenträger aus starkem Gummi mit Lederteilen Bettwäsche Louisiana, kräftigeQualität Kissen dazu passend. 1.75 Renforcé tenDeckbettbezug Louisiana, ca. 130/200 cm, Deckbettbezug 6.90 ohne Naht. Kissen dazu passend. 1.95 Bettlaken 4.90 Halbleinen, ca. 140/200 cm und Bettwäsche Züchen Leib- 0.95 Meter gate Qualität.. Meter 0.95 Schürzenstoff ha vielen Streifen.. Meter bez Strumpfwaren Damenstrümpfe 0.28 schwarz, lang... 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Dies zeigt tiefbetrübt mit der Bitte um stille Teilnahme an im Namen der trauernden Hinterbliebenen Mbert Kranje. Berlin, Forster Str. 46. Die Beifegung findet Sonnabend, 25 Juli, nachm 21 Uhr v d.Leichen halle des Alt n Thomas- Kirchhotes, Neutölln, Hermannftr.179 85 aus ftatt. Guter Schlafellmittel. Metallbetten flir Groß n Klein, mit oder ohne Zubehör, Stahlmatragen, an Bri vate. Bequeme Beding. Rat. 30 a frei Eisenmöbelfabrik Sahi( Thür.) mit Stickerei. 0.78 3.75 Am 20. b. M. Derschieb nach langem fchweremLeiden uns. liebe gute Mutter, From Emilie Lehmann geb. Graf, im Alter von 63 Jahren. Um ftilles Beileib bitten[ 15.11 Hanna Lehmann und Gefchwister. Wilhelmshavener Str 18. Einascherung Sonnabend. 25. d. M., 110 Uhr vorm. Arematorium Ge richtstraße. Kranzfpenden verbeten. Verband der Maler. Am 20. Juli verstarb in Steglig der Kollege 159/4 August Hauser Die Einäscherung findet am Fre tag, ben 24 Juli, nachm. 4%, 2hr, im Krematorium Berl- Wilmersdorf statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 18 Nr. 345 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Gegen die Politik der Unaufrichtigkeit. Sozialdemokratische Erklärung im Reichstag. fort. Die Billigungsformel der Negierungsparteien mit 235 gegen 158 Stimmen bei 13 Enthaltungen angenommen. Der Reichstag fegte gestern die außenpolitische Aussprache| Herbeiführung des wirklichen Friedens in Europa. Die endgül tige Regelung ist erst möglich, wenn alle damit zusammen Abg. Dr. Haas( Dem.) stellte fest, daß unter dem Druck der Ber- hängenden Fragen, insbesondere die Räumung der nörd hältnisse sich für die Außenpolitik eine breite Einheitsfront zufammen( ichen Rheinlandzone, abgeschlossen find.( Beifall.) Wir gefunden habe, die jetzt von den Sozialdemokraten bis zu den senden auch bei dieser Gelegenheit dem deutschen Bolt an Rhein und Deutschnationalen reicht. In der Hoffnung einer friedlichen Ent- Ruhr unsere Grüße und gedente mit besonderer Anteilnahme derer, wicklung der deutsch- französischen Beziehungen bestärkt uns ein Auf deren endgültige Befreiungsstunde noch nicht geschlagen hat. Die ruf, der 102 der besten französischen Namen trägt deutsche Reichsregierung wird zur Erreichung des wahren, endgülund in dem die Beseitigung des Artikels 231 des Versailler Bertrages tigen Friedenszustandes alles tun, was in ihren Kräften steht. berlangt wird, der nach der Meinung der Unterzeichner zu Unrecht( Lebhafter Beifall.) Deutschland die Alleinschuld am Kriege zuschreibt. Die Abg. Dr. Rosenberg( Romm.): Nach dieser Rede des ReichsRechte in diesem Hause sollte beachten, daß zu den Unterzeichnern tanzlers muß man erneut die Frage stellen, wie es mit der Ein diefes Aufrufs Männer gehören, denen rechtsradikale deutheitlichkeit der Regierung steht. Wenn man vorher von einem iche Studenten das Reden in Deutschland unmöglich gemacht Ronflitt Stresemann- Schiele sprach, so fann man jegt ebensogut von haben.( Hört! hört! links.) In diesem Zusammenhang richten wir an einem Ronflitt Stresemann- Luther reden. Denn der die Regierung und besonders an ihre deutschnationalen Mitglieder Reichskanzler hat die auch von uns zum Teil gebilligten starten die Frage, warum in ihrem Memorandum die Frage der Kriegs Borbehalte für den Eintritt in den Böllerbund und für den schuldlüge in feiner Weise erwähnt ist. Die Deutschnationalen Abschluß des Sicherheitspattes gemacht, die Dr. Stresemann nicht haben doch immer behauptet, jede Regierung, die fich nicht offiziell gemacht hat. gegen die Kriegsschuldlüge verwahrt, begehe Landesverrat. Sehen Sie jetzt endlich nun, welch großes Unrecht Sie in dieser Frage den früheren Regierungen zugefügt haben?( Lebh. Suftimmung lints.) Bir tragen für das Regierungsmemorandum feinerlei Verantwortung und lehnen jede Berantwortung dafür ab. Wir wissen nicht, ob diese Form der Einleitung der an sich berechtigten Attion not mendig war, eine Einleitung, die uns leicht neue Fesseln anlegen fann. Das Memorandum spricht den Verzicht auf Elsaß Lothringen aus. Das ist tief schmerzlich für uns. Auch wir wollen nicht, daß Elsaß- Lothringen wieder zum Rampfobjett zwischen Deutschland und Frankreich wird. Wir haben aber das Recht, zu sagen: Das Elsaß in seiner Kultur und Bevölkerung ist Deutsch!( Lebh. Beifall.) Der Verzicht auf Elsaß- Lothringen war ielleicht notwendig, wir fragen aber: Was wäre von den Partelen der Rechten geschehen, wenn eine Regierung Wirth- Rathenau diesen Verzicht ausgesprochen hätte? ( Sehr gut! links) Das Wort vom Landesverräter" wäre noch das mindeste gewefen. Nach den früheren Erfahrungen muß man annehmen, daß in einem jolchen Falle die Hege der Deutschnationalen jo start geworden wäre, daß kein Mann der Regierung seines Lebens ficher gewesen wäre( lebh. Sustimmung lints). Wie begreifen, daß schwere Opfer notwendig find; aber man hätte erwarten müffen, daß endlich einer von den Deutschnationalen und von der Deutschen Boltspartei aufgestanden und bekannt hätte: Wir haben den Männern der früheren Regierungen bifferes Unrecht mit unsern maßlosen Ungriffen getan!( Lebh. Zustimmung lints.) Wenn man von der Opposition Berantwortungsgefühl verlangt, müßte man es ganz be sonders von einer Regierung verlangen. Der Außenminister hat scharfe Worte mur gegen den Grafen Reventlow gefunden. Barum nannte er nicht die deutschnationalen Abgg. Graf Westarp und Dr. Quaat, die in maßloser Weise feine Außenpolitit in Bersammlungen befämpft haben?( Sehr gut! lints.) Sehr bedenklich erscheint uns in dem geplanten Sicherheitspalt die Bestimmung, daß der Ausschluß der Gewaltanwendung nicht auf die den Versailler Bertrag berührenden Fragen ausgedehnt wird. Abg. Dr. Bredt( Wirtschaftl. Ber.). Wir sehen ein langfames Hinrüden der Regierung auf den Bölterbund. Wir vermissen aber, daß die Regierung uns ratet: wir wollen in den Bölkerbund. Auch der Auswärtige Ausschuß rafft fich nicht zu einer Stellungnahme in dieser Frage auf. Möge die Regierung fich hüten, weitere Schritte in dieser Hinsicht zu unternehmen, ohne daß es ganz flar entschieden ist, ob der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund unferem Baterlande und dem deutschen Bolte nußt oder nicht. ( Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Leicht( Bayer. Boltsp.): Der deutschen Note stimmt unsere Partei grundsäglich zu. Bei den weiteren Erörterungen um ben Sicherheitspatt müsse unbedingt gefordert werden: Gleichberechtigung Deutschlands und volle Gegenseitigteit.( Beifall.) Auch Deutschland müsse geschützt werden gegen Dinge, die seine Grenzen und seine Bevölkerung bedrohen können. Abg. Graf Reventlow( Bölt.) wendet sich gegen die Deutschnationalen, bei denen bereits eine wahre Seelenruhe hinsichtlich der Außenpolitif eingefehrt sei. Ueber das FebruarMemorandum, gegen das die Deutschnafionalen fich wandten, fel man schon weit hinausgegangen. Wie die Dawes- Gefeße so laufe auch der Sicherheitspatt darauf hinaus, Deutschland unter die Herr schaft des Konzerns der tapitalistischen Westmächte einschließlich Amerikas zu bringen. Dieses Spiel werde den Westmächten er leichtert durch die oberflächliche, leichtfertige Diplo. matie des Außenministers, die auch fein Memorandum pom Februar fennzeichne. Von allen Rednern hier hat allein der Kommunist Stoeder die Dinge beim richtigen Namen genannt( hört! hört!). Der Redner wendet sich zum Schluß gegen einen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Reichskanzler Dr. Luther: Abg. v. Graefe( Bölt.): Der Reichstanzler ist mit teinem Wort auf die Entwaffnungsnote und auf die Luftfahrnote eingegangen. Die Regierung will offerbar diese Fragen verfumpfen laffen. Wir protestieren gegen die Duldung dieser Schmach, wir bedauern, daß sich an dieser Duldung auch Kreise beteiligen, von denen wir es vorher nicht erwartet hätten. Der Reichskanzler tann aus der Haltung der Fraktionen unmöglich schließen, daß die Mehr heit des Boltes hinter der Verzichtpolitit der Regierung steht. Ich bezweifle fogar, daß die Mehrheit der deutsch nationalen Wähler hinter der deutschnationalen Fraktion in dieser Frage steht. Es geht eine gerade Linie von Erzberger, Rathenau über Wirth zu Luther und Stresemann und leider auch zu Schiele. ( hört, hört!) Dem Gruß des Reichskanzlers an die Brüder an Rhein und Ruhr schließen wir uns an. Wir gehen aber weiter und schwören auch den deutschen Brüdern, die diese Regierung und ihre Parteien im Stich gelassen haben, den Schwur deutscher Treue. ( Beifall b. d. Bölt.) Präsident Löbe ruft den Abg. n. Graefe wegen seiner letzten Bendung gegen die Regierung zur Ordnung. Abg. Landsberg( Soz.): Sm Auftrage der sozialdemokratischen Frattion babe ich die folgende Erklärung abzugeben: Die fozialdemokratische Fraktion hat stets den Gedanken des Bolterfeledens gepflegt und vertreten. Sie wird diefer ihrer Politit treu bleiben. Mit Genugtuung stellt fie fest, daß Parteien, die ihr wegen ihres Strebens nach Berföhnung der Bölter noch vor kurzem die gröblichfien ehrverlehendsten Borwürfe gemacht haben, jeht zur Erreichung des gleichen Zieles Borschläge machen, die sich in hohem Maße der von ihr vertretenen Polifit annähern. Die politischen Kundgebungen aus den Reihen der stärksten Regierungspartei in der Zeit nach der Absendung des Memorandums, die von der Regierung nicht zurüdgewiesenen Borbehalte ihres Redners in dieser Ausfprache nötigen aber die sozialdemokratische Fraktion zu wachsamem Mißtrauen. Der von der sozialdemokratischen Fraffion dringend geforderte Eintritt Deutschlands in den Böltetbund erfährt zudem durch die Haltung der stärksten Regierungspartei eine den Interessen Deutschlands nicht dienliche Berzögerung. Deshalb sieht sich die fozialdemokratische Fraffion außerstande, dem von den Regierungsparteien eingebrachten Bertrauensanfrag ihre Zustimmung zu geben. In ihrer ablehnenden Haltung wird sie durch die allgemeine polifit der Regierung bestärkt, die immer flarer das Ziel erkennen läßt, die Laften aus dem Friedensvertrage den breiten Massen des Boltes aufzuerlegen. ( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Bon den Regierungspartelen ist folgender Antrag eingegangen: Indem der Reichstag über die Mißtrauensanträge der Böllischen und Kommunisten zur Tagesordnung übergeht, billigt er die Antwortnote und die darin zum Ausdrud tommende politische Stellungnahme der Reichsregierung." Abg. Koch- Weser( Dem.) erklärt, die Demokraten hätten ein für die Regierung eingebrachtes Bertrauensvotum ab. lehnen müffen, dem vorliegenden Billigungsantrag aber würden sie zustimmen, da er sich nur auf die von ihnen gebilligte Außenpolitik beziehe. Nach einer längeren Geschäftsordnungsdebatte über die Rethenfolge der Abstimmung finden Anträge der Bölkischen und Kommu. niften auf namentliche Abstimmung über die Mißtrauensanträge nicht die nötige Unterſtügung. Zuerst kommt der Billigungsantrag der Regierungspartelen zur namentlichen Abstimmung. Der Billigungsantrag wird mit 235 gegen 158 Stimmen bel 13 Enthaltungen angenommen. Die weiteren Anträge sind damit erledigt. Die in Berbindung damit stehenden Ergänzungshaushalte werden nach furzer Debatte in 2. Lesung bewilligt. Nach 8 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag 1% Uhr: 3. Lesung der 2. Aenderung der Personalabbauverordnung, Amnestievorlage und Gefeßentwurf über das Recht zum Tragen einer Militäruniform, sowie fleine Vorlagen. Der Zollkampf im Ausschuß. *** Schärffte Kampfanfage der Sozialdemokraten. Mir ist bis zu diesem Augenblid unbekannt, wie fich der formelle Abschluß diefer außenpolitischen Debatte gestalten wird; es steht aber jetzt schon feft, daß eine große Mehrheit des Reichstags im Endergebnis der fachlichen Stellungnahme sich im Einklang mit der Note der Reichsregierung an die französische Regierung befindet. Mit dieser Stellungnahme zeigt der Reichstag, daß die große Mehrheit des deutschen Boltes in dieser Frage hinter der Regierung steht. Für die Außenpolitik gibt die weitgehende Zustimmung der einstimmig und unter Gesamtverantwortlichkeit eingenommenen Haltung der Regierung ein besonderes Gewicht. Bei den kommenden Berhandlungen muß sich die Taktik der Sachlage anpassen und tann nicht vorher erläutert werden. Das Ziel wird immer sein, eine dauernde Grundlage für den europäischen Frie. den zu schaffen. Deutschland fann einen Sicherheitspaft nur auf Jm meiteren Verlauf der gestrigen Bollausschußigung stellte der Grundlage voller Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit ab Gen. Wissel, nachdem der Demokrat Dietrich sich entschieden schließen.( Lebhafter Beifall.) Auch die in den Verträgen festgeleg- gegen die in den Anträgen vorgesehene Ermächtigung der ten Rechte, vor allem bas Selbstbestimmungsrecht, dürfen durch Regierung gewendet hatte, mit ironischem Bedauern fest, daß aus. neue Abmachungen nicht geschmälert werden.( Beifall.) Ein Ein- gerechnet ein Vertreter des Zentrums, Herr Lammers, das tritt in den Bölkerbund ist für Deutschland nur möglich, Stompromiß begründen mußte. Entfleibet von allen wirtschaftlichen wenn ihm wirfliche Gleichberechtigung eingeräumt wird, nicht nur und sozialen Phrasen seien die Anträge nichts anderes als ein die formale Gleichberechtigung der Sagungen, die leicht zum UnProgramm des extremsten Zollwuchers, recht werden kann. Notwendig ist vielmehr die Berücksicht und es sei endlich gelungen, das uralte Bündnis gung der für Deutschland ganz besonders gelagerten Verhältnisse, Die vor allem im Geltungsbereich des§ 16 der Bolterbundsischen Industrie und Landwirtschaft wieder fagungen für Deutschland weit abweichen von denen anderer den los herzustellen. Dieser Tarif müsse sich für die Länder. Auf die Anerkennung seiner besonderen Lage in dieser großen Waffen der Erwerbstätigen als eine fürchterliche Länder. Auf die Anerkennung seiner besonderen Lage in dieser Folter auswirken. Die Aufhebung der Mindestzölle sei genau Frage hat Deutschland ein natürliches Anrecht.( Beifall.) In dieser wie die Ermächtigung eine Täuschung. Hinsicht wird besonders die 2 brüstungsfrage afut. Kein Mensch glaube baran, daß eine Regierung wie die Luthers die Ermächtigung zu Ermäßigungen anwenden würde. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß in der gleichen Zeit, In der Deutschland vollständig entwaffnet ist, die anderen Staaten im Gegensatz zu den Zusagen des Versailler Bertrages immer welter in ihren Rüstungen fortschreifen.( Beifall.) Deutschland wird es niemals zulaffen fönnen, daß es zum Aufmarschgelände und zur Operationsbafis für friegerische Auseinandersehungen feltens oder innerhalb des Bölferbundes gemacht werden kann. Webhafter Belfall) Mir erstreben mit unseren Berhandlungen die Der christliche Gewerkschaftsbeamte Ehrhardt, der aus Schlesien tommt, und dem gerade auf Grund der fürchterlichen Verhältnisse daran gelegen sein müßte, nicht nur jede Belastung der arbeitenden Bevölkerung fern zu halten, sondern für eine Entlastung zu wirken, versuchte mit allerhand Rechenkunststückchen die Haltung des Zentrums zu bemänteln. Bei der Erregung, die auch in den Kreisen der griftlichen Arbeiter über das Kompromiß und den Umfall der Freitag, 24. Juli 1925 Sentrumsfrattion herrscht, werden diese Redensarten so gewertet werden, wie sie es verdienen. Interessant war, daß der deutsch nationale Gutsbefizer Domich aus Sachsen zugeben mußte, daß sich die in seiner Nähe befindlichen staatlichen Güter ren tieren. Er behauptete zwar, daß tomme durch die Steuerfreiheit und daher, daß früher gewährte Kredite nicht zurückgezahlt werden mußten. Seine Behauptungen, die schon an anderer Stelle wahr werden, fie find erfunden und bleiben erfunden. aufgestellt wurden und durch ihre Wiederholung nicht auf einmal gegen den christlichen Gewerkschaftsführer darzutun, daß unsere Genoffe Hilferding benügte die Gelegenheit, um in einer Bolemit Stellung gegenüber dem Bolltarif auch als Regierungspartei die gleiche wäre, die wir heute in der Oppofition einehmen. Es handelt sich nicht darum, wie wir innerhalb drei Wochen zum Freihandel fommen, sondern darum, man wie wir zu einer gefunden Handelspolifit tommen. ir find für eine Wirtschaftspolitik, die das Rohprodukt für die Landwirtschaft sowohl als auch für die Industrie freiläßt, um dadurch den Beredelungsprozeß zu förden. Der hohe Zoll, der jetzt eingeführt werden soll, muß in feiner Wirkung die Landwirtschaft schädigen. Wir haben sehr aufmerksam hingehört, was gegen unsere Gründe zu sagen hat. Aber der Nachweis, daß unsere Argumentation falsch ist, ist nicht erfolgt, vor allem nicht durch die agrarischen Vertreter. Der lückenlose Bolltarif, wie ihn die Regierung fordert und wie ihn die Regierungsparteien bereit sind zu geben, führt automatisch zu einer Steigerung des Preis. niveaus und dadurch zu einer Erschwerung unserer Exportmöglich feiten. Die umgefehrte Politit, das Preis. niveau zu fenfen, wird in seiner Wirkung den Export heben und ein Hilfsmittel sein, die jetzt noch bestehenden hohen Bölle der Kontur. rengländer zu überwinden. Wir haben uns sehr eingehend gefragt, ob das Kompromiß eine Berbefferung oder eine Berschlechterung der Vorlage darstellt. Wir sind mit Herrn von Gragfe, der lleberzeugung, daß die Borlage nicht besser geworden ist, wengleich wir von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen als er, dessen Wünsche auf eine noch intensiver betonte Hochschutzpolitit hinausgehen. Darin ftimmen wir mit ihm überein, daß namentlich die Arbeiten der Enquetetommission zu sehr beschränkt ges mesen find. Unser Bestreben müsse darauf gerichtet sein, ähnlich mie in England Einrichtungen zu schaffen, die die für die Wirtschaft Unsere Stellung zu dem Kompromiß sei natürlich abhängig von den unerläßlichen einwandfreien Feststellungen ermöglichten. Erklärungen der Regierung. Die Stellungnahme des Reichsernährungsministers habe bewiesen, daß man nicht mißtrauisch genug fein tönne. Seln Bedauern, daß die Mindestzölle gefallen feien, Spreche für fich, wengleich er die Möglichkeit habe, durch entsprechende Anweisungen an seine Unterhändler dafür zu sorgen, daß eine Berhinderung der Bollsäge niemals einsetze. Im übrigen bedeute die Begrenzung der Agrarzölle bis zum 31. März 1926 nichts anderes, als bas von jedem Tag an die autonomen 3ölle in Kraft treten, mindestens aber die vom Minister als unerläßlich bezeichneten Bollsäge von 5 M. und 5,50 M. Es sei übrigens Sanb in die Augen der Deffentlichkeit geftreut, wenn von den Agrarzöllen als Verhandlungszöllen geredet werden, und nachdem Rußland als Ge treidelieferant ausgefallen sei, würden die Agrarzölle von teinem Vertragstontrahenten ernsthaft angegriffen. Das Kompromiß wird die schwersten sozialen Auseinanderfetzungen bringen, weil die arbeitenden Massen durch diesen Art auf das schwerste be. drückt und belastet würden. Nach den von uns aufgestellten Be rechnungen beläuft sich die Belastung für eine Durchschnittsfamilie nicht nur teinen voltswirtschaftlichen Nugen, im Jahre auf 150 M. Der Effekt dieses Bastards ist, daß er uns sondern soziale Lasten bringt. Wir werden deshalb das Rompromiß nicht nur ablehnen, sondern es mit aller Entschieden heit und mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen. Der Arbeitsplan des Reichstags. Stenerberatung erst Montag. Und die Zollvorlage? Der Heltestenrat des Reichstags hat seinen ursprünglichen Geschäftsplan dahin geändert, daß mit der zweiten Beratung des Steuergefeges im Blenum nicht schon morgen, sondern er st am Montag nächster Wo de begonnen wird. Heute und Sonnabend werden das Perfonalabbau-, das Amnefttegesetz und das Gefeß über das Recht zum Tragen der Militäruniform und leinere Borlagen behandelt werden. Ueber die Verhandlung der 8011vorlage und über den Schluß der Tagung vor den Sommerferien ist noch nichts bestimmt. Partei und Finanzamter. Steuerfreiheit für politische Zuwendungen. Der Steuerausschuß des Reichstages hat vor einigen Tagen beschlossen, daß Zuwendungen an politische Parteien in unbeschränkter Höhe ste uerfrei sein sollen. Auf Antrag der Regierungsparteien ist diese Bestimmung mit rüd wirtender Kraft ausgestattet worden, so daß auch diejenigen Be. träge, die politischen Parteien im Jahre 1924 zu Wahlzweden zugefloffen sind, steuerfrei sind. Es besteht kein Zweifel daran, daß dieser Beschluß des Steuerausschusses die Zustimmung des Reichstages finden wird und also in nächster Zeit Gesetzeskraft erlangt. Veranlassung zu diesem Beschluß hat die Tatsache gegeben, daß zahllose Finanzämter an die politischen Organisationen der verschiedensten Parteien das Ersuchen gerichtet haben, ihnen Nachweisung über die vereinnahmten Beträge, teilweise, sogar die Mitgliedsbeiträge, einzureichen. Es liegen sogar Fälle vor, in denen die Finanzämter um die Einreichung von Mitgliederver. zeichnissen und um vollständige Aufstellung sämtlicher Einnahmen ersucht haben. Ein solches Berfahren steht im Widerspruch zu den Bestimmungen des geltenden Erbschaftssteuergesetzes. Nachdem der Steuerausschuß nun aber auch die Steuerpflicht überhaupt aufgehoben hat, fehlt jeder Rechtsgrund zu einem derartigen Ersuchen. Organisationen der Sozialdemokratischen Partei, die eine der. artige Aufforderung des Finanzamtes zur Einreichung von Mit gliederlisten oder zur Angabe von gezeichneten Beträgen oder der Namen der Schenker oder sonstige Ausfünfte wegen Zuwendungen an politische Parteien erhalten haben, müssen deshalb jetzt dem des Reichstages hinfällig geworden sind. Sofern trotzdem FinanzFinanzamt mitteilen, daß diese Aufforderung durch die Beschlüsse ämter auf der Einreichung solcher Angaben beharren, wolle man dies zwed's weiterer Verfolgung der Angelegenheit dem Vorstande der Sozialdemokratischen Partel melden. Die Schicksalsffunde der deutschen Wirtschaftspolitik. Unter diefem Titel hat der Verlag.H. W. Dieß Nchf., Berlin, das Referat herausgegeben, das Genoffe St. Hilferbing auf dem AFA- Gewerkschaftsfongrek in München im Juni gehalten hat. Die kleine Schrift, die in fonzentrierter Form die wichtigsten Probleme der Gegenwart schildert und die engstirnige Interessenpolitik der Bollwucherparteien tennzeichnet, eignet sich vorzüglich zur Agitation gegen die Rollwucherer, die die handelspolitische und weltpolitische Lage Deutsch lands auf das schlimmste gefährden. Sowjetrußlanüs Sergwerks- und Hüttenindustrie Katastrophaler Tiefstand. In der kommunistischen Presse ist oft von dem großen„Auf- schttmng' die Rede, den die sowjetrusstsche Wirtschaft angeblich gs> nominen hat. Wie die Dinge gerade in der wichtigsten Industrie Ruhlands, der Bergwerks- und Hüttenindustrie, liegen, darüber erhalten wir die nachfolgenden Ausführungen aus fach- männischen Kreisen, die die Lage in einem wesentlich anderen Lichte erscheinen lassen. Vom Tiefsland des Jahres 1920 aus gesehen, ist in diesem Ge- werbezweige eine Besserung zu erkennen. Damals lagen diese Industriezweige einfach in Todeszuckungen. Ihr Pulsschlag drohte jede Minute auszusetzen. Die Kohlengewinnung war auf 21 Proz., die Kokserzeugung auf 0,22 Proz., die Eisenerzgewinnung auf IHO Proz. und die Manganerzgewinnung auf 0,41 Proz. der Pro- duktion von 1913 gesunken. Bon diesem Tiesstand, ja, man kann fast sagen- von diesem Nichts, aus gesehen, ist eine Besserung zu erkennen. Darob große Freude bei den Sowjetleuten und ihren Anhängern in der Welt. Daß diese Freude bei den Sowjetleuten unecht ist, beweisen die Betriebsergebnisse für 1924. Sie bestätigen, daß die russische Wirtschaft' noch längst nicht gesund ist. Die Sratistiken dürften wohlsrisiert sein, um dem Patienten ein möglichst gutes Aussehen zu geben, denn der internationale Kapitalismus soll seiner Lebensdauer oertrauen. Aber die Wahrheit läßt sich nicht ganz verstecken. In den gegenwärtigen Grenzen der Sowjet-Union wur- den im letzten vollen Vorkriegsjahr 28 992 700 Tonnen Kohle ge- wonnen: in 1924 aber nur 14 577 900 Tonnen 50 Proz. von 1913. Im Donezgebiet, dem größten Bergbaubezirk Rußlands, wur- den im letzten Borkriegsjahr 25 287 300 Tonnen Steinkohle gefördert, gegen nur 11 431 200 Tonnen in 1924. Das sind 45,2 Proz. der Borkriegsmengen. Diese geringen Produktionsergebnisie, bei fast gleicher Arbeiter- zahl, haben auch ihre materiellen Auswirkungen. In dem Bericht der englischen Gewerkschastsdelegation über Rußland wird ausgeführt, daß sich der russische Kohlenbergbau, abgesehen von wenigen kleinen Anlagen, im Staatsbesitz befindet. Wie hat nun diese staatskapitalistische Bergbaugemeinschaft finanziell ab- geschlossen? In dem am 30. September 1924 abgelaufenen Finanzjahr erhielt der russische Kohlenbergbau 24,8 Millionen Tscherwonez- Rubel Staatszuschüsse und 50 Millionen Tscherwonez-Rubel Staatskredite. Das sind, ein Rubel— 2,14 M. gerechnet, 160 Millionen Mark Zuschüsse und Kredite. Je beschäftigten Arbeiter sind das 1 00 4 Mark und je geförderte Tonne Kohle 11 Mark an Krediten und Zuschüssen.» Sodann ist diese staatskapitalistische Bergbaugemeinschaft mit der Steuerzahlung an den Staat stark im Verzug, lieber die Höhe der rückständigen Steuersumme schweigt natürlich des Sängers Höflichkeit aus leicht begreiflichen Gründen. Aber nicht nur die Staotssteuern wurden zeitweilig nicht gezahlt, sondern auch die Bergarbeiter erhielten monate- lang keinen Lohn. Deswegen ist es des öfteren zu heftigen Streiks gekommen. Von dieser Behandlung des Proletariats ist natürlich in der deutschkommunistischen Presse kein Wort zu lesen. Darüber hat sie auf Befehl zu schweigen. Und sie tut es nach echter Lakaienart. Daß aber die zeitweilige Berweigerung der Auszahlung des Bergarbeiterlohnes eine unleugbare Tatsache ist, kann der russischen Zeitschrift„Wirtschaft des Donezbeckens' Nr. 5— 6, Jahrgang 1925, Seite 116, entnommen werden. Danach hat das Zentral- Vorstandsmitglied des russischen Bergarbeiterverbandes A b r a m o f f ausgeführt: „Man niuß ein für allemal mit der scheußlichen Gleichgültig- keit aufräumen, mit der die entsprechenden Organe sich der L er- zögerung der Auszahlung des Arbeiterlohnes im Steinkohlenbergbau hingeben. Hier muß man nicht mit �Worten, sondern mit T a f en kämpfen, sonst werden wir den .Produktionsaufstieg im Kohlenbergbau und die ungeheure Arbeit, die den Lokalorganisationen(Ortsvereinen) geleistet wurde, aufs Spiel setze n." Also nicht nur Kredite und Zuschüsse aus den Staatskassen wurden gefordert, nicht nur mit der Steuerzahlung an den Staat ist der Trust für den Bergbau im Rückstand, sondern auch die Aus» zahlung des Arbeitslohnes wurde verzögert. Monatelang hoben die Bergarbeiter auf ihren Lohn warten müssen und noch immer scheint dieser Mangel nicht behoben zu sein. Worauf das zurückzuführen ist, sagt uns S. Imanoff in der sowjetrussischen Monatsschrift „Wirtschaft des Donezbeckens' Nr. 7—8, Jahrgang 1925, Seite 6. Der genannte Autor führt dort sus: „Im Laufe dieses Jahres ist freilich einiges in bezug auf die Beseitigung der technischen Mängel und aus die Erhöhung der Arbeitsproduktivität getan worden. Die Erhöhung der Produk- tivität ist nicht nur auf Kosten der Arbeitskraft, sondern auch in- folge der Nationalisierung der Produktion erreicht worden. Aber auf diesem Gebiete ist bis jetzt noch sehr wenig getan worden. Was nun die Mechanisierung anbetrifft, so steht die Sache hier sehr schlecht. In bezug auf die Verladung ist fast garnichts geschehen. Nicht besser ist es auch mit der Abführung der Kohle bestellt. Nach dem Produktionsprogramm für das Wirtfchastsjahr 1924/25 ist beabsichtigt, die Abführung im ganzen auf 5 Proz. zu mechanisieren und mit Hilfe von Maschinen bloß 8 Proz. der Kohle zu fördern. Bei solchen.Erfolgen' auf dem Gebiete der Mechanisierung wird es klar, warum für den Don-Ugl(Bergbautrust. D. V.) die Frage der Mechanisierung zu einer höchst aktuellen Frage wird.' Nun sieht man klar. Auf dem Gebiete der Mechanisierung ist es sehr schlecht im russischen Bergbau bestellt. Mit Ironie spricht der Autor von den„Erfolgen' auf diesem Gebiete. Die zu er- kennende Besserung gegenüber dem Tiefstand ist auf die gesteigerte Leistung der Arbeiter, zu welcher sie mit dem raffiniertesten Akkordsystem gebracht wurden, zurückzuführen. Durch die Arbeiter allein kann aber die Bergbauwirtschaft nicht gesunden. Wenn ihnen die Technik nicht hilfreich beisteht, ist die Mühe der Arbeiter vergebens. Noch schlechter als bei der Kohlengewinnung ist es im Erz- b e r g b a u bestellt. 1913 wurden in Rußland 10 640 000 Tonnen Eisenerz gewonnen. 1924 aber nur 1 094 129 Tonnen— 10,28 Proz. von 1913. Manganerz wurden 1 220 000 Tonnen 1913 und nur 117 287 Tonnen— 9,6 Proz. in 1924 gewonnen. Ausschließlich der früher in Polen gewonnenen Mengen wurden 1913 4 217 000 Tonnen Roheisen gegen nur 735 726 Tonnen in 1924 erzeugt. Die Walzeisenerzeugüng betrug 1913 3510 000 Tonnen gegen nur 788 233 Tonnen in 1924. 1913 wurden 4 249 200 Tonnen Stahl erzeugt, 1924 aber nur 1 143 629 Tonnen. Die Eisen- und Metallindustrie Rußlands liegt also noch mehr da- nieder als der Kohlenbergbau. Das ist auch aus ihren Staats- krediten und- Zuschüssen ersichtlich. Ihr wurden 1924 ge- währt: 45,7 Millionen Rubel als Staatszuschüsse und 43,2 Millionen als Staatskredite. Das find umgerechnet rund 190 VI Millionen Mark Zuschüsse und Kredite in einem Jahr. Ange- sichts solcher Ergebnisse ist es absurd, von einem Aufschwung der russischen Industrie unter dem System des Staatskapitalismus zu reden. Eine Besserung ist gegenüber dem tiefsten Stand van 1920 wohl festzustellen. Sie hat ober noch längst nicht genügt, um an die Produktionsziffern von 1913 Heranzugelongen. So auch ist es mit der Lage der Arbeiter. Eine vom Zentraloor- stand des russischen Bergarbeiter»erbandes nach dem Donezbecken entsandte Kommission veröffentlichte im offiziellen Gewerkschaftsorgon, dem.Trud'. Nr. 73, Jahrgang 1925, Seite 5, über dich Leistungund den Lohn je Schicht folgende Angaben: Juli 1924. Oktober 1924. Dezember 1924 "PcoMittlon 1» Ardeiter tm Donezbecke» 18,9 Pud 2H9, 24,4. Dnrckifchnittolohn je Arbeiter hn Donezb ecken 1.64 Rubel 1,51. 1.37. Bei ansteigender Produktion rückläufiger Loh n. Man sieht daraus, auf wessen Kosten die fehlende Mechanisierung im Bergbau nachgeholt werden soll. Eine herrliche Wirtschaft, die hier mit Kommunismus bezeichnet wird! Der Jahresabschluß eines Varenhauskonzerns. Die Zlrbeiterschaft sollte die Entwicklung der Warenhauskonzerne, besonders wenn sie wie der Korstadt-Konzern in Ham- bürg über zahlreiche Eigenfabriken verfügen, immer mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Sind sie doch in mancher Hinsicht die privatkapitalistischen Gegenspieler der ebenfalls mit eigenen Produk- tionsbetrieben arbeitenden proletarischen Konsumgenossen- s ch a f t e n. Während aber die proletarischen 51onsumgenossenschaften ganz regelmäßig die Oeffentlichkeit mit reichlichen Statistiken über ibre Geschäfte unterrichten— ein nicht hoch genug einzuschätzender Beitrag zur Konjunkturbobachtung und zur Verfolgung der Kauf- kraftentwicklung—, lassen die Warenhausgesellschaften die Oeffent- lichkeit damit regelmäßig vollständig im Stich. Das gilt auch für den Karftadt-Konzern, der sich in seinem G e- schäftsbericht übrigens allen Ernstes dagegen verwahrt, etwa mit dem Stinnes-Konzern in einen Topf geworfen zu werden, weil die Rudolf Karstadt A.-G. nie ihr„wesensfremde Erwerbungen' gemacht habe. Das muß man ihr übrigens bestätigen, wenn sie auch ebenso wie Stinnes ohne ihre Jnflations- gewinne niemals zu ihren 10 eigenen Fabriken, ihrem Groß- Handels- und Exportgeschäft und der starken Vermehrung ihrer Kauf- Häuser(heute 51) gekommen wäre. Auch die um mehr als das Drei- fache gesteigerten Umsätze, für die nähere Ziffern und Spezialisierung aber vollständig fehlen, wäre ohne die gewerbliche Konzernierung der alten Karstadt-Warenhäuser mit Produktions- und Exportbetrieben nicht möglich gewesen. Der Karftadt-Konzern hat übrigens wirklich früher die Siwation erkannt, als Hugo Stinnes und seine Erben. Er hat mit Beginn der Stabilisierung sofort mit dem Neuerwerb von Fabriken überall da aufgehört, wo er für den Konzern nicht ein absoluter B o r t e i l war. Die noch während der Inflation begonnenen Neubauten in Wilhelmshaven und Wandsbeck, der Ausbau der Spinnerei in Bocholt, die die Textilproduktion des Konzerns auch vom Garnbezug unabhängig macht, wurden beendet und in Betrieb genommen. Zur Zusammenlegung der drei Berliner Konfektionsfabriken wurde der Kommandantenhof, zur Ber- einigung des Berliner Zcntraleinkaufs für Konfektion wurde ein Haus in der Kronenstraße erworben. Zur Förderung des Exportgeschäfts wurde in Argentinien ein eigenes Haus er- richtet. Ein besonders lukratives Geschäft, das übrigens schon in das Geschäftsjahr 1925 fällt und die Ausdehnung des Kar- stadt-Konzerns wohl auf absehbare Zeit beendigen dürfte, war die Erwerbung der B e s a tz- I n d u st r l«- A.-G. Barmen. Weil diese mit über 100 000 M. der Karstadt-A.-G. verschuldet war, aber in Konkurs hätte gehen müssen, wenn die Karstadt-A.-G. die Forderung eingetrieben hätte, tonnte der Konzern den Il�-Millionenwert der Barmer Firma mit ganzen 220 000 M. schlucken. Für die Einstellung der Ausdehnungspolitit war es übrigens auch Zeit, wie die Bilanz erkennen läßt. Zahlungsstockungen im Sommer 1924 führten schon zur Inanspruchnahme eines amerikanischen Kredits, zu dessen Deckung 70 000 Karftadt-Aktien im Nominalwert von 2V Mill. nach New Pork gingen. Auch sonst ließ das Jahr 1924 die Schulden sehr stark anschwellen. Gegen- über 10,62 Mill. in der Goldbilanz betragen sie 29,83 Mill. in der Abschlußbilanz. Das ist eine so große Steigerung, daß man an- nehmen darf, daß die Werterhöhung der Warenbestände von 28,5 auf 48,7 Mill. nicht nur auf die Vermehrung der Bestände zurück- geht, sondern auch auf eine höhere Bewertung. Wenn man sieht, daß die Bankguthaben gleichzeitig zurückgegangen sind, wird man aus der Erhöhung der Grundstücke, Gebäude und des Inventars auch auf leichte Auflösung von Reserven schließen müssen. Die geplante Kapitalserhöhung um 8 Millionen auf 34 Millionen läßt ebenfalls die Lage nicht ganz so golden erscheinen, wie sie nach dem Geschäftsbericht scheinen soll. Allerdings für den Karftadt-Konzern würde auch ein« schärfere Anspannung noch nicht viel bedeuten. Hat doch ein New Porker Prospekt allein den Wert der Gebäude, der mit knapp 7 Mlll. in der Eoldbilanz stand, auf 9 5 Mill. und den Wert des ganzen Unternehmens, der mit 48 Mill. bewertet war, auf 196 Mill. Goldmark geschätzt. Das mag etwas übertrieben sein; in ernste Verlegenheiten wird der Karftadt-Konzern aber kaum kommen. Dafür spricht auch dir Divtdentze»o» tSPr»»,«e trotz der sehr hohen Zinskosten(3,3 Mill.) und Steuern(6,1 Mill.) noch ausge- schüttet werden kann. K— T- Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 22. Juli berechnete Großhandelsinderzisjer des statistischen Reichsamts, ist gegenüber dem Stand vom 15. Juli(134,9) um 0.4 Proz. auf 1 3 4. 3 z u r u ck gegangen. Niedriger lagen die Preise für Roggen(neuer Ernte), Rindfleisch, Hopsen, Baumwolle, Jutegarn und Hans. G e st i e g e n sind die Preise sür Hafer. Butter, Zucker, Schweinfleisch. Treib- riemenleder, die wichtigsten Nichteisenmetalle, Gas und Maschinenöl. Bon den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 134,3 aus 133V oder um 0,7 Proz. nachgegeben, während die Industricstojjc von 135,8 auf 136,2 oder um 0V Proz. anzvgen. Die Krise in der Schwerindustrie. In der Hauptversammlung des Roheisenoerbandes wurde am Dienstag berichtet, daß der Monat Juni einen weiteren Rückgang im Versand brachte, und zwar sowohl im Inlande wie im Auslande. Für den lausenden Monat ist mit einer weiteren Abschwächung des Absatzes zu rechnen. Der Bedarf im Inlande ist zurückgegangen. Auch im Auslande herrscht in Kreisen der Verbraucher Zurückhaltung. Der Verband hat den Verkauf für den Monat August aufgenommen, um dem Eindringen fremden Eisens entgegenzutreten. Um den veränderten Schluß frachten Rechnung zu tragen, hat der Verband mit Wirkung ab 1. August d. I. eine Regulierung seiner Preise vorgenommen. Diese wirkt sich auf die Hochofenwerke, zurückgerechnet, in einer Er- Mäßigung biszu 4 M. pro Tonne aus. Die Preise für Gießerei-Roheisen, Luxemburger Qualität, wurden um 6 M. er- mäßigt. Die Zahl der Konkurse beträgt im Monat Juni 1925 rund 766 gegenüber 815 im Monatsdurchschnitt des Jahres 1913. Luch gegenüber den Bormonalen hat sich die Zahl der Konkurie ver- mindert; so wurden im Monat Mai 807 Konkurse gezählt. Damit wurde bis jetzt für 1925 ein gewisser Relord erreicht, der sich im Juni auf 766 abgeflacht bat. Von den Konkursen entfallen ,m Monat Juni auf die Industrie 262, auf den Warenhandel 409, aus die Banken 3 und auf die Landwirtschaft 9. Die Landwirt- schaft steht verhältnismäßig g ü n st i g in der KonkurSstalistik da. Noch günstiger schneidet sie bei den GeschäslSaussichlcn ab. Die Zahlen der Geschäftsaussichten haben gegen den Moral Mai. wo 351 neue GeschäitSaufsichten verhängt wurden, sich für den Monat Junr auf 328 gesenkt. Von dielen Geschäftsaufsichlen fallen aus die Landwirtschast 1, Industrie 143, auf den Warenhandel 157 und aus daS Bankgewerbe 3. Gründung einer Automobilbank. In München ist die erste deutsche Automobilbank(Motorkreditbank A.-G.) gegründet worden. Die Ausgabe solcher Banken soll sein, den Massenabsay von Klein- automobilen gegen Abzahlung dadurch zu ermöglichen. daß sie den Autofabrikanten das für die Produktion verauslagte und wiederbenötigte Geld schneller und in größeren Summen zur Ber- fügung stelle», als es den auf ein- bis zweijährige Abzahlung ver- kaufenden Aatohändlern möglich wäre. Außer'Amerika, wo heute schon über 100 Automobilbanken tätig sind, die im Jahre 1923 den Derkaus von über 500 000 Automobilen auf Abzahlung finanziert hoben, sind derartige Banken auch in England. Frankreich und Skandinavien bereits tätig. In Amerika erfolge» 90 Proz. der Autooerkäufe aus Ab zahlung und'werden von den Automodilbanken finanziert.— Die Grün- dunq der einen Bank in München darf natürlich nicht zu der Illusion führen, als ob uns diese dem„Volksauto' auch nur einen Schritt näher führte. Dafür haben zunächst die Autozölle gesorgt, und wenn es auf den Willen der Regierungsparteien ankäme, würde das Bolksauto in Deutschland aus ewig eine Illusion bleiben. Es ist bezeichnend genug, daß die Firma Opel heute Betriebs- einschräntunaen melden muß, die sicher aber in dem Rückgang des Massenkonsums infolge der hohen Preise begründet sind, als etwa in finanziellen Schwierigkeiten der Serisnfabrikotiou ihrer billigen Wagen. Bekämpfung de» Baustoffwuchers. Der Preußische Minister des Innern ersucht in einem Runderlaß die Polizeiverwallungg» und die mitlleren Preisprüfungsstcllen, in allen Fälle», in denen ein Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen be- hauptet wird, die Namen der örtlichen Kartelle, die angeblich übermäßige Preise festgesetzt haben, sowie die näheren, den Getzen- stand der Beschwerde bildenden Totsachen durch den Innenminister dem Reichswirtschaftsminister anzuzeigen: ferner solle» diesem beweiskräftige Unterlagen, gegebenenfalls unter Beifügung des Ergebnisses von S e l b st k o st e n p r ü f u n g« n. zur Verfügung gestellt werden, damit tatsächliche Mißstände bekämpft und eine wirtschaftliche Freiheit des Wettbewerbes gesichert werden kann. ver Kredit zur Beubelebung und Förderung des Handwerk». der Kleinindustrie und des Einzelhandels des besetzten Gebietes, über den seit einiger Zeit im Reichswirtschastsminilterium verhandeli wurde, beträgt 10 Millionen Mark. Es handelt sich um Post- Scheckgelder, die über die Preußische Staatsbank an die Kreditgenossenschaften und Spartassen gehen. Die Darlehen sollen bis zum Höchstbetraa von 3000 M. gegeben werden, natürlich nur an kreditwürdige Personen und nur gegen Wechsel. Di« Zinsspanne zwischen der Preußischen Staatsbant und dem letzten Kreditnehmer darf nicht mehr als 3 Proz. betragen: die Verlängerung der Kredite über 6 Monate hinaus ist in Aussicht genommen. Me? echten hoffändtschen M r,f\\ lysF fi 1 1 rm �AlUli�iXlU IAöI Irettog 24. Jnlims Unterhaltung unö AAssen SeNage des vorwärts Ein Ueberbleibfel. f] Von ZNartio Andersen ZtexS(Konstanz). Die Mission lehrte die beiden Geschlechter, ihren Zorn nach außen zu richten— auf die Kinder der Welt; der Mission folgte der Grundtvigianismus und lehrte sie lachen. Und wie rasch das alles ging! Die Mitglieder der Gemeinde hatten ja alles miterlebt und wußten Bescheid, aber kein Fremder hätte jetzt kommen und sagen können, zwischen den beiden Höfen habe jahrhundertelang ein wüten- der Haß getobt. Die Jugend trug gemeinsam die Bänke der Volks- Hochschule ab, und die Eltern sahen nach beendetem Tagewerk in friedlicher Unterhaltung miteinander draußen auf dem verfallenen Stampfwerk. Und wenn eine der Familien Besuch bekam, ging dieser aus beiden Höfen aus und ein. II. Es war an einem Sonntogvormittag im Jahre I89S, zwischen der Heu- und Getreideernte. Auf„den Zwillingshöfen' war der größte Teil der Bewohner in die Kirche gegangen. In dem eingezäunten Grasplatz hinter dem Römerschen Hofe stapfte der alte � Jens Römer herum und jagte das Vieh hin und her, hin und her, indem er es mit seiner gestrickten Zipfelmütze scheuchte. Er war jetzt geradezu kindisch und hielt sich meist auf dem elterlichen Hofe auf. Hinter den kleinen Fensterscheiben des Kofodschen Hofe» faß Ane Römer und las in der Hauspostille das Evangelium des Tages, während sie sich den von der Gicht gekrümmten Rücken von der Sonne durchwärmen lieh; ihr abgezehrter Kopf wackelte beständig. Reben ihr auf der Bank lag eine Katze auf dem Rücken mit allen Vieren in der Luft und schlug faul nach den Fliegen auf Anes Schürze. Mitten in der Stube stand ein dunkelhaariger, kurzstäm- miger Bursche und untersuchte einen Stutzen, er hatte einen un- ruhigen, springenden Blick und schnelle Bewegungen. Es war Anes Enkel Jakob, ein Sohn des.Liebeskindes'. Ane las mit flüsternder Stimme, anscheinend völlig in ihr« Bibel vertieft: als ober auf dem Hof Schritte und Pfeifen er- Nangen, hob sie den Kopf und schaute über ihre Drille hinaus; sie war fernsichttg. .Offs Lars?' fragte der Enkel. Ei« nickte. Nochbars Lars trat mit der Flinte über die Schulter«in. Er war mit seinem Detter Jakob gleichaltrig, aber größer, hotte ein« kupferbraune Haut und von der Sonne gebleichte Haare. Er war langsam in seinen Bewegungen, sein Gesichtsausdruck war ernst, grüblerisch. „Grüß Gott. Großmutter! Ihr nascht Sonnenschein, ja', sagt« er.—„Bist Du fertig, Jakob?' Dieser zog seine Schaftstiefeln an. .Nehmt Euch nur mit Euren Schießgewehre» w achtl' sagte die Alte. „Es ist gar bald ein Unglück damit geschehe«— das ist schon oft vorgekommen. Es ist ein gefährliche; Spielzeug, besonder» an einem Sonntag.' .Man könnte leicht fallen und die Augenbrauen brechen,' sagte Jakob. .Ja, ja, mein Junge, Du bist ja immer der Klügst«,' erwiderte die Großmutter.„Aber man hat es doch erlebt, daß ein« Flinte, eh« man sichs versieht, großes Unheil angerichtet hat.' .Aber doch nur, wenn sie geladen ist, Großmutter.' „Wirklich? Nein, wie die lungen Leute heutzutage klug sind! Man muß wirklich dankbar sein, wenn mau ihnen nur zuhören darf.' Jakob lachte neckisch. „Und was macht Deine Gicht. Großmutter?' fragte Lars, um die Alte milder zu stimmen.„Ist sie immer noch so schlimm?' „Ja, wahrhaftig, das ist sie! Ich Hab' weiß Gott wl« lang« vor Schmerzen nicht mehr schlafen können,' antwortete die Groß- mutier.'.Aber der Mensch soll ja sein« Prüfungen mit Geduld ertragen und dem lieben Gott danken, der sie ihm auserlegt.' „Ihr seid trotzdem gesünder als die meisten Leute in Eurem Alter" Großmutter", versetzte Lars. Die Alt« lächelte geschmeichelt, schüttelte aber den Kopf. „Ihr solltet wirNich nicht am Sonntag zum'Schiehen hinaus, sondern ins Gotteshaus gehen; dabei kommt nichts Gutes heraus", sagte sie ernst. Lars sah nachdenklich au«. „Ehristi Jünger sammeilen am Sonntag Lehren'» sagte er longsam. „Ja. und der Missionar Iespersen prügette seine Frau am Himmelsahrtstag durch', fügte Jakob hinzu und lachte spöttisch. In den cingesallenen Wangen der Alten zuckte es; sie schaut« den Enkel mit einem Ausdruck ratloser Verzweiflung an. Doch Jakob blieb mitten im Lachen stecken, sprang hin und nahm ihren Kopf in beide Hände. „Es war ja nur ein Scherz, Du liebes, altes Großle!' rief er. indem er ihr zärtlich über den gekrümmten Rücken strich. Ihre dünnen, mit Gichtknoten bedeckten Finger tasteten aus ihm herum und sie lächelte glücklich: „Nein, wie Du Deinem Großvater ähnlich bist, als er jung war— genau so launisch'„.. Da war er es aber gründlich, sagte Jakob und dacht« an die Hochzeil, die durch den Großvater scheiterte „Gewiß, ober er hatte ein gutes, liebevolles Gemüt— gerode wie Du. Jakob," erwiderte die Großmutter Die beiden lungen Männer hingen ihre Klinten über die Schulter und oinaen Ans ober las wieder in ihrer Bibel. Sie kle'ttorten an der nördlichen Seite der Schlucht hinauf und wanderten auf dem Fußweg weiter, der an dem obersten Rand der ieliiaen Külte bald aus. bald abwärts führte. Die Wärme trieb hier oben fast sichtbar ihr Spiel in der Luft und ließ die Felsen und das Heidekraut ganz sonderbar aufleuchten. Sie verlieh allein Glanz und gab ihm ein helleres Aussehen, ollem, ausgenommen dem Meere, das tiefblau Zur Linken lag ble.schw-r in seiner Ruhe, als fei es das Gewicht der Erde selbst das einzige, das sie drunten halte. Weit draußen am Horizont waren die Um- risse der schwedischen Küste deutlich erkennbar: da und dort lag auf dem Meer ein Schiff und arbeitete sich mit schlaffen Segeln vor- warts. Sie wateten schweigend durch dos Gestrüpp von Heidekraut, kriechenden Wocholderbiischen und Brombeerronken. Es war ein schwieriger Marsch bei der Hitze. „Woran denkst Du?" fragte Jakob plötzlich, indem er Lars von rückwärts auf die Schulter schlug. Lars drehte sich um und sah den Freund verlegen an. der sich gar oft da» Vergnügen wachte, ihn mitte» r» eioer Grübelei zu er- Wer kommt nicht? Rittergut-besiher v. knorke, weil BanNer Sistenmacher, weil es Fräulein Eva Mario Zimperlich. Kleinhändler Fridolin Muckcfet«. ihm die Demonstratio« das Ge- Ihm auf die paar Pfennige Mehr- weil sie nur iu besserer Gesellschaft weil er seit 20 Fahren nur den schäft vermasselt. ausgaben wirklich nicht ankommt. verkehrt..Berliner Lokal- Anzeiger" lieft, Die anderen kommen. tappen und sie unbarmherzig an» Tageslicht zu ziehen. Auf seinem Gesicht lag etwas wie eine stumme Bitte. „Na. heraus damit, Trottel!" scherzte Jakob. „Ich denke an den Sonntagsglanz,' sagte Lars leise. „Hab ich mir's nicht gedacht? Als ob gestern und vorgestern nicht ebenso schönes Wetter gewesen wäre!' rief Jakob.„Du bildest Dir vielleicht gar ein, unser Herrgott striegle und reinige auch alles so am Samstag wie wir?" „Man könnte fast meinen. Du seiest Freidenker," sagte Lars in wuchtigem Ton. „Bist Du verrückt, Mensch? Dies« Leute können ja nicht einmal eine Glocke läuten hören. Dann verschwinden sie sofort unter der Erde.' Allein, das sind die Unterirdischen— das ist nur ein Aber- glaube.' „So— wirklich? Ich glaube wahrhaftig. Du bist der Frei- denker,' sagte Jakob, der über diese Beschuldigung ttes gekränkt war und sich nicht bester zu röchen wußte, als sie gegen ihren Urheber zu wenden. Aber Lars schüttelte nur den Kopf; er war seiner selbst zu sicher, um gekränkt zu werden. Ein Dampfer glitt drunten hervor und fuhr die Küste entlang. Er war über und über mit Wimpeln geschmückt, und auf seinem Deck wimmelte es von Menschen. Hinter ihm her lag ein silbern glänzender Streifen weit nach Süden, als habe er einen Festglanz auf der Wasserfläche zurückgelassen, auf der er dahin glitt; die Töne eines Orchesters drangen in ununterbrochenen Wellen zu ihn-n herauf, sie konnten gut von der stillen, sonnengesllllten Luft selbst herrühren._(Schluß folgt.) . �uch öu möchtest reisen... Don Erich G r i s a r. Die weißen Wände der endlosen Straßenzüge zerspringen vor Hitze. Der Aspholt kocht. Staub frißt sich in alle Poren. Schweiß beißt die Haut wund. Jetzt in den Wald gehen können. In den kühlen Bach die Füße Höngen. Den Kopf in freie Bergluft heben. Und die Brust weiter in schwellender Lust, die Lied um Lied in die herrliche Welt hinaus- jubett. Jetzt frei sein. Aber da steht die Fabrik. Das riesige Sklavenhaus. Schwarze Säulen, stemmt sich der Rauch der Schlote gegen den Himmel. Gellen Schrei stößt dir die heulende Sirene ins Herz. Du weißt, daß der Lärm der Fabrik dir das Hirn wie mit spitzen Nadeln zerwühlt, spürst die Qualen der Kreuzigung auf dem Schädel- berg menschlicher Fron, aber du mußt hinein in die Fabrik. Du mußt dich ducken und hören, wie das vergitterte Tor hinter dir zuschlägt und dich trennt von den weiten Straßen, die alle irgendwo in die Welt hineinführen, noch der du dich sehnst. Du keuchst und stöhnil in Gluthitz» vor den hohen Oefen und denkst an die lachenden Küsten Italiens, die du so gerne sähest. denkst an die kühlen Winde Skandinaviens, denen du dich gerne entgegenwürfest in der Qual dieses Sommers. Ja, auch du möchtest reisen. Auch du möchtest einmal ein Mensch sein. Wie die andern, für die du fronst. Wie die andern, die in Stunden das verzehren, was dich für Tage, vielleicht für Wochen frei machen würde. Aber dich stößt man tiefer hinab in das Werk, wenn du dich hinaussehnsl. Und während die Sonne höher und höher steigt und dein Durst in die Ferne unerträglich wird, stehst du da im öligen Kittel und bepackst Waggon um Waggon mit kantigen Schrauben und fressendem Zement, dunkler Kohle oder knirschendem Eisen. Du verladest den glänzenden Stahl, daß dir der Schweiß das Hemd näßt, das oftmals dein einziges ist, das du am Abend in das Waste: steckst, um es vom Nachtwind trocknen zu lassen, während du auf hartem Lager kurzen Schlaf suchst, deine Kräfte sammelst für die Fron des nächsten Tages, des übernächsten, des folgenden und io fort. Selbst den Sonntag stiehlt man dir zweimal im Monat. Und niemals ein Ende. Bis einmal die Kraft aller Gequälten die eisernen Tore zerschlägt, die zwischen dich und die Ferne sich dränge». Und der von den Herren sinnlos vergeudete Ueberschuß denier Arbeit in die Hand, die ihn schuf, zurückfließt und den Traum aller Schaffenden erfüll!: Straßen zu ziehen, die in die Freiheit führen, Berge zu ersteigen, die in das Licht ragen, Meere zu sehen, deren Brandung dir des Echo der eigenen, unbesiegbaren Kraft entgegen- rollt. Du weißt, daß einmal alles so sein wird, daß einmal das Ziel unserer Sehnsucht erkämpft ist und du schreitest mit trotzigem Schritt durch die glutheißen Straßen, stampfst den kochenden Asphalt mit deinen Füßen und wenn du das Fabriktor hinter dir zuschlägst, glaubst du sein Splittern z» hören, und du gehst an die Arbeit wie einer, der weiß, daß die Frucht seines Schweißes ihm nicht entgehen kann. Und dos macht dich stark in aller Qual, das macht dich froh in aller Fron._ Libellen als Froschfresser. Wenn wir die schillernden Libellen an uns vorüberschwirren, im kühnen Bogen über den glitzernden Wasser- spiegel jagen sehen, so kommt es uns kaum in den Sinn, daß diese so harmlos ausschauenden Tiere, die durch ihre bunte» Farben, durch ihren gewandten Flug unser Auge entzücken, ein recht räuberisches Handwerk treiben. Und dach ist dem so. Manche von ihnen spielen im Reihe der Kerbtiere geradezu die Rolle der Falken untc'- den Vögeln. Im rasenden Fluge jagen sie dahin, stehen in den Lüften still, alle Zeit nach Beute spähend, um dann in Blitzeseile aus ihr Opfer loszuschießen und es zu packen, einen Schmetterling, der nichtsahnend vorüberflog, eine Mücke, die über dem Weiher tanzte, einen Käfer. eine Fliege, die vom Boden aufstiegen; und meist nehmen sie sich dabei nicht einmal Zett und Mühe, ihre Beute in Ruhe an sicherem Orte zu verzehren. Im Flug« fressen und zerstückeln sie ihr Opier. Abge- trennte Schmetterlingsslügel, harte Chitindecken, Kops und Beine eine; Käfers fallen zu Boden, während die Libelle hoch in den Lüsten Mahlzeit hält. Doch nicht genug damit! Die Libelle läßt es bei Kerbtieren nicht bewenden. Was man zunächst nicht glauben sollte: von manchen unserer einheimischen Libellenartcn werden zeitweilig sogar kleine Frösche überfallen und zerstückell. Die jungen Tiere sind den großen Libellen wehrlos ausgeliefert, wenn sie nur einmal in ihre Klauen geraten sind. Die Mundwerkzeuge der Libelle sind an ihr Räuberleben ganz ausgezeichnet angepaßt. Sie beißt kräftig und sicher zu und hat den kleinen Frosch binnen kurzem bewältigt. Die Farben der Trauer. In Europa, Amerika und Japan zeigt die schwarze Farbe die Trauer an. In anderen Ländern ober dienen die verschiedensten Farben diesem Zwecke. So trägt man in Syrien .ftimmelblau, in Aegypten die gelblich« Farbe trockenen Laubes, in Äbefsinien Grau oder Aschgrau. In Indien wähtt man Rot, in China Weiß. Uri Gebrüder Akt- Ges. imm Ecke Swinemünder Straße 86 Lortzingstraße Glas/ Porzellan/ Emaille Wirtschaftsartikel Lebensmittel Nach Umstellung dieser Abteilungen beginnen wir heute in der III. und IV. Etage unseres Geschäftshauses mit einem außergewöhnlich billigen Extra- Verkauf zu scharf kalkulierten Einführungspreisen Eine eminent billige Sparquelle für ökonomische Hausfrauen Glaswaren Porzellan Besonders billig! m. 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