Nr. 347 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 178 Bezugsvreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar and Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit Gieb. fung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint mochentäglich ameimal, Sonntags unb Montags einmal Telegramm- Adresse: -Sozialbemotrat Berlin " ndiola, and Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5, Reichsmart. Aleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nadm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 11 Sonnabend, den 25. Juli 1925 Das Volk wehrt sich! Die Berliner Massenkundgebung gegen Zoll- und Mietswucher. Diese Demonstration war Aufruf und Auftakt zum Kampf, ein Kampfruf an alle, die es angeht, die von den Zoll- und Steuerplänen der Reichsregierung bedroht werden, eine Mahmung an die Mehrheitsparteien des Reichstages, die Unrecht auf Unrecht häufen wollen. Sie sind nicht unabhängig auf unrecht häufen wollen. Sie sind nicht unabhängig vom Willen des Boltes, und das Bolf wird über das Unrecht richten! Am Brandenburger Tor, am einen Ende der Linden, tagt| Borteiles willen auferlegen wollen. Gegen jie der Reichstag. Er beriet gestern nicht die großen Wirtschafts- richtet sich die Empörung, der Prote ft, ihnen gilt der und Steuergesetze, zu deren Durchpeitschung er noch verfam- Kampf. melt ist. In aller Eile erledigte er das Personalabbaugesetz und begann die Beratung der Amnestievorlage. Die Parteien, die durch ihre Zoll- und Steuerpolitik dem werftätigen Volfe fchwere Laften auferlegen wollen, beschloffen gestern in aller Eile ein Ausnahmegefeß gegen die verheirateten Beamtinnen. Ein Pleines Unrecht- fo fönnte man sagen gegenüber dem gewaltigen Unrecht, das die Zollvorlage der Regierung und der Rechtsparteien gegen das ganze Bolt bedeutet. Aber Unrecht bleibt Unrecht, und die Parteien der Mehrheit des Reichs= tags häufen Unrecht auf Unrecht. Zur selben Stunde vollzog sich am anderen Ende der Linden, im Lustgarten, der Aufmarsch der Demon stranten gegen 3ollwucher und Lebensmit telteuerung. In allen Zugangsstraßen marschierten die Züge der Arbeiter, die dem Rufe der Berliner Arbeiterorga nisationen gefolgt waren. Rot und schwarzrotgold leuch teten die Fahnen in den Straßen und wogten im Luftgarten. Jm Lustgarten versammelten sich die Vertreter der Massen, die von den Zollplänen und Steuerplänen der Mehrheit des Reichstags bedroht werden, zum Protest. Zum Protest da gegen, daß diese Mehrarbeit über ihr Wohl und Behe hinweg fchreitet ohne Verständnis für die bange Sorge, die das werftätige Bolt quält, wenn es sich überlegt, wie es werden soll, wenn die Pläne der Zollparteien Gefez merden. Durch die Straßen marschierten nach Arbeitsschluß die Züge der Demonstranten. Die Kampflieder der Arbeiterschaft erflangen, die Fahnen leuchteten. Dieser Marsch zur Demon stration im Luftgarten war eine ernste Mahnung an die gesamte Bevölkerung, an alle, die sich in den Straßen und Straßenbahnen drängten, während die Demonstranten zum Lustgarten marschierten. Dieser Marsch zur Demonstration rief ihnen zu: um euch und um euer Geschid, um euer und eurer Kinder Wohl und Behe handelt es fich! Es gilt den Mehrheitsparteien des Reichstages zu zeigen, daß ihr euch nicht willenlos unterwerfen wollt, wenn sie Elend und Leiden über die Massen des merftätigen Voltes verhängen wollen. Wir demonstrieren, wir marschieren, nicht mir für uns, für euch. für euch und eure Kinder, für die wirtschaftliche Zukunft unseres Boltes! Bir marschieren- warum seid ihr nicht dabei? Warum marschiert ihr nicht mit uns, warum erhebt ihr nicht eure Stimme mit uns? Im Lustgarten strömten die Demonstranten zusammen, wohl an Hunderttausend. Trog der fürchterlich drückenden Hige tamen sie in stundenlangen Märschen. Berlin hat gewaltigere Demonstrationen gesehen, erregtere Maffen- und hoch war diese Demonstration, die viele Fahnen, viele an flagende Schilder und Blatote mitführte, eine eindrudsvolle Rundgebung, eine ernste pofitische Demonstration gegen das Schwere, das auf die Schultern der Massen gelegt werden soll. leber der Demonstration die roten Fahnen das Symbol der fämpfenden Arbeiterschaft, die sich nicht unterwirft, wenn fie niedergedrückt werden soll, die sich ihrer politischen Bedeu tung, ihrer Kraft und ihres Willens bewußt ist! -Die Mehrheitsparteien des Reichstages mögen ihre Augen vor den demonstrierenden Maffen des werftätigen Bolles vers schließen, fie mögen auf ihre zahlenmäßige Mehrheit im Barlament poten die Massen des werttätigen Bo tes find da! Ihr Wille, ihre Empörung ist nicht minder ein politischer Faftor, wie der Wille der Intereffenorganfationen, des Reichslandbundes, des Reichsverbandes der deutschen Industrie, die der Regierung ihren Willen diftiert haben und durch die ihnen gefügigen Parteien ihren Willen im Parlament zum Gesetz erheben. Die Bertreter der Maffen des werftätigen Bolkes haben ihnen gestern im Lustgarten ihren Protest in die Ohren geschrien. Sie werden den Kampf gegen die Wucherpläne der Reichstagsmehrheit fortfehen. Er wird nicht zu Ende sein mit der Annahme der Zollgefeße und Steuergeseße im Reichstag -er wird fortgesetzt werden, mit dem Stimmzettel bei fommenden Entscheidungen nach den Borschriften ber demokratischen Berfaffung, in den großen Lohnfämpfen, die nach der Annahme folcher Geseze die Arbeiterschaft führen muß, wenn fie nicht zu Boden finfen will. Die Fahnen der demonstrierenden Arbeiterschaft mehten geftern im Luftgarten. Zu ihnen Sprachen die Redner der Sozialdemokratie, die Massenpartei der Arbeiterschaft. Die Entschließung, die den Demonftranten von den Arbeiterorganisationen vorgelegt wurde, der sie einmütig zustimmten, ist flammender Broteft gegen kommende Teuerung und gegen Die Massen wissen, daß Teuerung und not nichts unabmenbbares find, das getragen merben muß Ste tennen die Interessen und Gruppen und Barteien, die sie ihnen des eigenen tommende Not Die Proteftentschließung der Demonftranten. Der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen deutschen Gewert. schaftsbundes, das Ortskartell Berlin der Afa, der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen deutschen Beamtenbundes und der Bezirks Derband Groß- Berlin der Sozialdemokratischen Partei schlugen den Demonstranten die Annahme folgender Entschließung vor: „ Die am 24. Juli im Luftgarten versammelten Maffen des werttätigen Bolles von Berlin haben mit Empörung von den 3011plänen der Mehrheitsparteien des Reichstags Kenntnis genommen. Der fogenannte ladenlose 3olltarif, der alle Einfuhr von Lebensmitteln nach Deutschland mit hohen Abgaben belegt, muß die jetzt schon vorhandene allgemeine Teuerung bis ins Unerträgliche fleigern. Breite Boltsmaffen, die jetzt schon nicht mehr imftande find, die Ausgaben für den notwendigsten Lebensunterhalt zu erfind, die Ausgaben für den notwendigsten Lebensunterhalt zu erschwingen, werden dadurch ins Elend gestoßen und der Verzweiflung überantwortet Während Cohne und Gehälter in Deutschland niedriger find als in irgendeinem anderen Industrielande der Welt, sollen die Lebensmittelpreise fünstlich über den Welt marktpreis erhöht werden. Verteuerung der Produffion, Rüdgang des Exports, Berminderung der Arbeitsgelegenheit sind die unausbleiblichen Folgen. Zugleich mit der Steigerung der Lebensmittelpreise soll durch die Gesetzgebung des Reichs eine Erhöhung der Wohnungsmieten bis zur Friedenshöhe und darüber hinaus herbeigeführt werden. Die tatastrophale Wirkung der geplanten gefeßlichen Maßnahmen wird dadurch ins unermeßliche gesteigert. Die Versammelten erheben gegen diefe Pläne, die nur der Bereicherung einer Minderheit dienen, aber allen Gefehen einer verreicherung einer Minderheit dienen, aber allen Gesetzen einer vernünftigen Wirtschaftspolitik und allen Geboten der Menschlichkeit sohn fprechen, schärfften Protest. Sie geloben, im Kampf gegen fie zusammenzustehen und ihre gewerkschaftlichen und politischen Abwehrorganisationen zu stärken. Nur durch Einigkeit kann das schaffende Bolt die Macht gewinnen. alle Anschläge auf sein Lebensrecht fiegreich zurückzuweisen. An die Mehrheitsparteien des Reichstags richten die verfammelten Maffen einen Ruf dringender Warnung. Durch ihr Berhalten treten sie die Intereffen von Millionen und aber millionen ihrer eigenen Wähler mit Füßen, beschwören sie die Gefahr wirtschaftlichen Ruins für Ungezählte und schärffter klaffentämpfe herauf. mögen fie fich deffen bewußt sein, daß das Bolt fie für ihre Hand tungen zur Berantwortung ziehen wird!" Nach den furzen Ansprachen der Redner der freien Gemert. schaften und der Sozialdemokratie erhoben sich die Fäufte der ver. fammelten Maffen für diese Entschließung- ein fraftvoller Ausdruck des Protefts, ein Gelöbnis zum Rampf. England für eine Ententekonferenz. Um die Antwort au Deutschland zu beraten. London, 24. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In guf unterrichteten Kreifen verlautet, daß die englische Regierung nicht einen schriftlichen, sondern einen mündlichen Gedankenaus. tausch innerhalb der Entente über den Inhalt der deutschen Note und die Beantwortung wünscht. Es soll sich vor allem um eine Auseinandersehung der juristischen Sachverständigen in den einzelnen Außenminifterien handeln, da sowohl die Note Briands als auch die deutsche Antwort starte juristische Bafis haben. Man spricht sogar davon, daß die Juristen u. a. auch einen vor läufigen Entwurf für den Pakt und für die Schiedsgerichts verträge aufstellen, der den Ausgangspunkt für später zu veranstaltende mündliche Unterhaltungen der Außenminister bilden könne. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofiteukasse Lindenstraße 3 Ottilie Baader. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag entschlief im Alter von 78 Jahren still und friedlich Ottilie Baader. Damit endete ein arbeitsreiches Frauenleben, das sich im Dienste des Sozialismus und der Frauenbewegung erschöpft hatte. Ottilie Baader wurde am 30. Mai 1847 zu Frankfurt a. d. D. geboren. Selbst erzählte sie uns, in wie dürftigen Verhältnissen sie aufgewachsen sei. Die letzten freundlichen Lichtblicke ihrer Kinderzeit datierte sie vor ihr fiebentes Lebensjahr zurück. Ihre Mutter starb früh. Von ihrem Vater; der eine beffere Schule hatte besuchen können, aber nicht Gelegenheit fand, seine Kentnisse für die Existenz seiner Familie zu verwerten, lernte fie lesen und schreiben. Nur 3 Jahre, von ihrem 10. bis 13. Jahre war es ihr vergönnt, die Volksschule in Frankfurt a. d. O. zu besuchen. Nach dem Tode der Mutter entbehrten die Geschwister, von denen sie die zweitälteste war, jeder weiblichen Fürsorge, da der sehr geringe Verdienst es dem Bater nicht gestattete, sich Hilfe ins Haus zu nehmen. Für das herangewachsene Mädchen begann eine Zeit schwerster Sorgen und Mühen bei geringem Berdienst. Sie erlebte in ihrem Existenzkampf die Einführung der Nähmaschine, lernte den Einfluß dieser technischen Errungenschaft auf das Wirtschaftsleben und ganz besonders auf die Existenz der Frauen tennen und erlebte nach den Erfahrungen, die sie bei der Fabritarbeit machte, auch das bittere Los der Heimarbeit als wäschenäherin. Anschaulich plauderte sie oft von den ganz spontanen Lohntämpfen während des Krieges. 1870/71 und den wirtschaftlichen und politischen Erfahrungen der damaligen Zeit. Sie gehörte dann nach dem Krieg eine Zeitlang dem Arbeiterinnenverein von Lina morgenstern an und sagte selbst von sich, daß sie damals noch nichts vom Sozialismus wußte. Einen sehr starken Einbrud hatte aber auf Otilie Baader Bebels Buch„ Die Frau und der Sozialismus" gemacht, das sie neben anderen Schriften mit ihrem Vater gemeinsam gelesen hat. Die damals lebenden Vorfämpferinnen der Arbeiterinnenbewegung zwangen ihr volle Achtung und Bewunderung ab. Der Bater Ottilie Baaders fah es als selbstverständlich an, stets gemeinsam mit seiner Tochter die Versammlungen der Arbeiter zu besuchen. Neben der väterlichen Güte war das auch der Egoismus des Aelteren, und wurde von Ottilie so empfunden. Wenn er nicht das Bedürfnis empfand, in die Berfamlung zu gehen, so glaubte er auch das Interesse bei seiner Tochter nicht vorhanden. Je mehr sich aber Ottilie eine eigene Meinung bildete, empfand sie die väterliche Bevormundung als einen Drud. Von diesem Bewußtsein bis zur inneren persönlichen Freiheit war nur noch ein Schritt. Die erste Versammlung, in die sie allein ging, war von den Schäftearbeitern einberufen. Ein Bertreter der HirschDunderschen Gewerkvereine trat als Redner auf. Er fand aber durchaus nicht den Beifall der anwesenden Frauen und einer raschen Eingebung folgend trat ihm Ottilie Baader entgegen. Sie erntete von der Borsigenden der Versammlung den Ausspruch: Die Frau, die jetzt gesprochen hat, hat bas einzig Vernünftige vorgebracht, was zu dieser Sache zu fagen ist. In der Folge wird Ottilie Baader an allen Bersammlungseinberufungen der Frauen beteiligt, die damals wäh rend des Sozialistengefeges und nachher notwendig waren, wenn die Frauen der Arbeiterfreise überhaupt die Möglichkeit haben wollten, sich mit ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage und mit dem Sozialismus zu beschäftigen. Damit stand sie mitten in der Frauenbewegung und im persönlichen Berkehr mit Frauen wie Emma Jhrer, Agnes Babnih, Pauline Staegemann u. a., war beteiligt an dem erbitterten Kampf, den die Frauen in der damaligen 3eit auszufechten hatten. Daß sie sich leidenschaftlich für die Biele der Sozialdemokratischen Partei intereffierte, war bei Ottilie Baader selbstverständlich. Ihre jederzeit klare und fach liche Einstellung, ihre einfache menschliche Art erwarben ihr das Vertrauen weiter Frauenkreise und so war es fein Wunder, daß sie im Jahre 1899 Bertrauensperson der Genofsinnen Deutschlands murde. Mittlerweile hatten sich die politisch interessierten Frauen in Frauenagitationstommiffionen, Frauen- und Mädchenbildungsvereinen, in Arbeiterinnenvereinen, verschiedenster Art organisiert. Sie fämpften zähe gegen polizeiliche Auflösung und Schikane. Nur gegen das System der einzelnen Bertrauenspersonen war die Polizei machtios. Ottilie Baader ist bis 1908, bis zum Inkrafttreten des Auch eine Einheitsfront! Ein merkwürdiges Wahlbündnis ift Reichsvereinsgefeßes, auf diesem Bosten als Zentralverfür die Nachmahlen in den Kantonen Straßburg- Oft, Straßtrauensperson der Genoffinnen geblieben. Man muß ihre burg- eft und Schiltigheim, wo überall der sozialistische Kandidat Lebenserinnerungen lesen und die alten Bände der Schiltigheim unteren nämlich bic nationalistischen Gleichheit" nachschlagen, um zu erkennen, wie stark diese an der Spize steht, zustande gekommen. In Straßburg- Dit und die leritalen die Rommunisten, in Straßburg- Best die bescheidene und zurückhaltende Frau auf ihrem Bosten für die kommunisten die kleritalen. Für beide Gruppen kommt Frauen gewirkt hat. Die soziale Lage der Arbeiterin, wie fie es nur darauf an, den sozialistischen Abgeordneten Weill zu Fall hervorgeht aus der Berufsarbeit in Verbindung mit der zu bringen. Mutterschaft, die farge Entlohnung der Frau, ihre Rechtlofig keit, nötigten sie iinmer wieder und wieder im Verein mit ihren Gesinnungsgenossinnen nach neuen Wegen zu suchen, um zu helfen und um die Entwicklung vorwärts zu treiben. Wer Ottilie Baader persönlich kannte, der weiß auch, daß zu der Ausübung der Stellung, auf die sie durch das Vertrauen der Genossinnen gekommen war, hohe menschliche Qualitäten gehörten. Anspruchslos und bescheiden in ihrem Auftreten, war Ottilie Baader ein kluger, klar blickender und fleißiger Mensch, daneben aber auch eine Frau mit starken mütterlichen Eigenschaften, die in ihrer Arbeit und in ihrem Berkehr mit den Genossinnen zum Ausdruck kamen und Früchte trugen. Sie war in ihrer ganzen Art ein in höherem Sinne religiöser Mensch, der im Wisien vom Sozialismus und im Glauben daran seine Kraft fand. Ottilie Baader war bis in ihr ziemlich hohes Aller hinein unverheiratet. Erst spät hatte sie ein kurzes Frauenglück ge- funden. Der Mann, mit dem sie sich verband, wurde ihr durch ein tückisches Leiden sehr bald wieder genommen. Sie mußte einen Teil der Kriegszeit und in der Folge ihren Weg wieder allein gehen. Aber immer hatte sie etwas, wofür sie mütterlich sorgen mußte. Das war ihres Lebens stärkstes Bedürfnis. Ihre Anteilnahme und ihr Interesse an der Partei- bewegung blieb lebendig bis in die letzten Tage ihres Daseins. Trotzdem sie schon lange sehr leidend war, hat sie auch während der Wahlbewegung für die Präsidentenwahl noch regelmäßig die Wählerversammlungen besucht. In den Frauenoersammlungen und Zusammenkünften der Funk- tionärinnen war sie ebenfalls bis in die letzte Zeit ständiger Gast. Sie hat trotz allem Schweren, das sie erfahren, gern gelebt. Sie hoffte auch in diesem Sommer noch Erholung von ihrem schweren Leiden zu finden und suchte deshalb einen kleinen märkischen Ort an der Oder auf, wo sie abseits vom Großstadtgetriebe wieder zu gesunden hoffte. Diese. Hoffnung sollte sich nicht erfüllen. Wir verlieren in Ottilie Baader eine Genossin, die ihr ganzes Leben der Arbeiter- und Frauenbewegung widmete. Ueber ihren Tod hinaus werden die Worte nachklingen, die sie als Fünfundsiebzigjährige den Frauen in ihren Lebens- erinnerungen zurief: „Haltet die Rechte, die euch die neue Zeit gebracht hat, fest und gebraucht sie wie eine heilige Pflicht für die Zukunft, für den Sozialismus!"_ Die Rechte üer Seamtin. Die Mehrheitsparteien gegen Frauenrecht. Der Reichstag hat gestern die Novell« zur Personal- abbauverordnung verabschiedet. Diese Novelle ent- hielt eine Bestimmung, die entgegen den Vorschriften der Reichsverfassung eine unterschiedlich« Behandlung der weiblichen und der männlichen Beam- t e n vorsieht. Weibliche verheiratet« Beamte sollten nach dieser Bestimmung abgebaut werden. In der zweiten Lesung des Gesetzes gelang es der Sozialdemokratie mit Hilfe der iveblichen Abgeordneten aus den bürgerlichen Parteien, diese Bestimmung zu Fall zu bringen. D!e-Re gierung erhob gegen diesen Beschluß Ein- l p r u ch und verlangte die Wiederherstellung dieser Bestnn- mung. In den bürgerlichen Fraktionen, besonders beim Zent- mm und den Deutschnationalen wurde ein starker Terror auf die weiblichen Fraktionsmitglieder ausgeübt. Sie wurden aufgefordert, entgegen ihrer Ueberzeugung und entgegen ihrem ihren weiblichen Berufsorganisationen gegebenen Dersprechun- gen sich dem Fraktionszwang zu fügen. Bei der dritten Lesung setzten die M�rheits- Parteien ihren Willen durch. Die Bestimmung, die nicht nur eine Verletzung der Frauenrecht«, sondern auch der Verfassung darstellt, wurde wieder aufgenommen. Die sozial- demokratische Reichstagsfraktion, für die Frau P f ü l f auf das undemokratische und reaktionär« dieses Beschlusses hin- wies, erhob den Einwand, daß diese Bestimmung ewe Der- fassungsänderung darstelle. Da eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit für diese frauenfeindliche Bestimmung nicht zustande gekommen war, wird nun zunächst geprüft werden müssen, ob eine Verfassungsänderung vorliegt. Die Mehrhellsparteien des Reichstages haben auch auf dem Gebiet dmer Frauenrechte ihre reaktionäre Gesinnung gezeigt._ warum üie Aufregung? Stresemattn darüber entrüstet, dast man ihm vernünftige Gedanken unterstellt. Die Stresemann-ossiziöse»Deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz" schreibt: Der„Fränkische Kurier" läßt sich gestern aus Genf melden, dort werde von Leuten, die unmittelbar aus Paris kommen und nach ihren ganzen Beziehungen als wohlunterrichtet gellen könnten. Hort- näckig die Behauptung vertreten, von gewissen Stellen der deutschen Reichsregierung und in diesem Falle besonders vom Reichsminister Dr. Stresemann seien unter der Hand in Paris in der Zwischenzeit Versicherungen gegeben worden, daß die deutsche Reichs- rcgierung bis zum September hoffe, den Sicherheitspakt unter allen Umständen durchzusetzen und außerdem sich bereit finde, auch ohne die notwendigen Voraussetzungen, wie st« bisher in den deutschen Forderungen enthalten waren, tn den Völkerbund einzutreten. Der Standpunkt der Reichsregierung zu dieser Frag« dürfte nachgerade bekannt sein. Er steht in schroffem Gegen- s o tz zu der vorstehend erwähnten Behauptung, und der Reichsaußen- ministcr so wenig, wie irgend ein anderes Mitglied des Kabinetts hat irgendwo.unter der Hand" Versicherungen abgegeben, die sich im Gegensatz zu der öffentlichen RegierungserNSrung befinden. Die Meldung, die offenbar geeignet ist, neuerdings Mißtrauen im Innern zu säen, dürste unter dem Einfluß der auch in Genf herrschenden Hitze entstanden sein. "Auch dieses erregte Dementi dürfte unter dem Einfluß der Hitze entstanden sein. Die Vermutung, daß Botschafter von H o e s ch bei seiner Unterredung mit Briand eine andere Sprache geführt hat, als die Herren Luther und Stresemann bei chren Verhandlungen mit den Deutschnationalen, ist gar nicht so abwegig. Man ist vielmehr in Berliner polittschen Kreisen überzeugt, daß die mündlichen Kommentare, die der deutsche Botschafter bei der Ueberreichung der Rote gegeben hat, wesentlich dazu beigetragen haben, den ersten sehr g ü n st i g e n Eindruck des Quai d'Orsay zu erzeugen. Ist es wirklich so empörend, daß man die Meinung in Paris und Genf vertreten wird, Deutschland hoffe auf baldigen Abschluß des Sicherheitspaktes und werde sich die Erreichung dieses Zieles nicht durch ein starres Festhallen an niehr fvrmalisti- sehen Bedenken über den Arttkel 16 des Völkerbundsstatuts verbauen lassen? Aber der„Fränkische Kurier" ist ein stramm deutschnatio- nales Blatt bayerischer Couleur. Und da klappt der mutige Stresemann sofort zusammen. Mit lauter Entrüstung prote- 'tiert er dagegen, daß man ihm, wenn auch in etwas schroffer Form, Handlungen und Absichten unterstellt, die ausnahms- weife mutig und vernünftig wären. Optimismus in völkerbunükreisen. Fährt Stresemann«ach Genf? Senf. 24. Juli, s Eigener Drahtbericht.) In hiesigen Völker- bundkreiscn erwartet man erfolgreiche Verhandlungen mit der Wahrscheinlichkeit, daß Stresemann im September in Genf mit Briand, Ehamberlain und Bandervelde in einer nicht« offiziellen Konferenz zusammentrifft. Ferner wird ange- nommen. daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund in den nächsten Monaten auf einer Sonderkonferenz erfolgt, die im Anschluß an eine internationale AbrüstungS- und Sicherheit«- konferenz einzuberufen wäre. Theaterpläne. Wenn im Sommer sich die Natur ihren Blütenschmuck anlegt, datm erblühen in der Phantasie gewisser.Fachleute' auch olljährlich di» herrlichsten Theaterpläne: nicht bloß so herkömmliche Projekte, irgendwo einen neuen Laden mit Operetten- und Schwankvor- stellungen aufzumachen, sondern vor allem auch großartige Ideen von Kulturtheatern ganz aparter Art, mit organisierter Besucher- schost als linterbau usw. Die Volksbühne hat hier ein so schönes Beispiel gegeben.... Aber pfui Teufel, Volksbühne! Man könnte es doch N'-ch viel besser machen! 2n lächerlicher Verblendung geht die Volksbühne ja immer an gewissen Genies und an gewissen „nationalsn" Tendenzen vorbei. Und doch kommt es darauf an, dies« in den Vordergrund zu stellen. Also: Nieder die Volksbühne! Es leben die neuen Pläne! Der heurige Sommer hat unseres Wissens bisher.nur" zwei Projekte der hier gekennzeichneten Art zur Blüte gebracht: dafür werden sie aber mit um so größerer Inbrunst gepflegt. Das eine will eine Thcatergemeinde sammeln, um auf ihrem Rücktn das leider von Pleite zu Pleite taumelnde Thalia- i h e a t e r unter dem schönen, wenn auch nicht gerade sehr origi- nellen Rainen„Neues Volkstheater" zu einer Pslegestätte neuer Bühnenkultur zu machen. 2n der ersten Zusammenkunst, in der einer breiteren Schar geladener Gäste dieser Plan enthüllt murde, trat als Künder der neuen Bühnenkultur ein merkwürdiges Doppelgespann auf: ein immerhin recht angesehener Autor vielgc- spieller Stücke, der in dem Ruf einer linksgerichteten sehr radikalen Gestnming steht, und ein Regisseur, der für sich die Besonderheit einer„arischen Regickunst" in Anspruch nimmt. Inzwischen munkelt Man, daß diese„arische" Größe schon wieder ausgeschifft und daß dafür ein anderer Bühneninann an Bord genommen sei. Es gibt ja auch so viele, die gerne in Berlin ein Theater haben möchten! In jedem Fall darf man noch den Ankündigungen, die in der ersten Zusammenkunft gemacht wurden, ohne weiteres annehmen, daß dos Ei des Kolumbus mit dem neuen„Reuen Volkstheater" end- gültig gefunden ist. Die Volksbühne wird glatt geschlagen— durch den Spielplan, den dieses neue Unternehmen bringen wird, wie durch die Eintrittspreise, mit denen es auszukommen gedenkt. Man wird unendlich viel Besseres bringen, und die Preise der Plätze werden sich zwischen 90 Ps. und? M. bewegen(das ekelhafte demo- kratische Prinzip des Einheitsbeitrages bei Auslosung der Plätze, das die Volksbühne Hot. wird natürlich abgeschafft). Das 2000 Plätze fassende Theater am Bülowplatz braucht für seine Leistungen eine Tageseinnahme von nahezu 3000 M.. die Künstler des neu lackierten �'challatheaters mit seinen 1200 Plätzen machen es mit einer Tages- c innahme von 1600 oder 1800 M.(sofern das Haus restlas besetzt ist!!) Mein Herz, was willst du noch mehr? Die Massen werden natürlich strömen, um der angekündigten Wunderdarbietungen im„Reuen Bolkstheater" teilhaftig zu werden. Der erste Versuch, die großen Organisationen der Arbeiter, An- gestellten und Beamten zu gewinnen— man hatte sie zu der . Gründungsversammlung' sorgfältigst alle geladen— hotte zwar zunächst ein etwas klägliches Ergebnis: die meisten hotten gar keine Vertreter geschickt, die von einigen anderen entsandten, zeigten großenteils«ine kühle Schulter. Aber du lieber Gott! das Gute wird sich schon Bahn brechen, und es wird eine Kleinigkett sein, die 30 000 Menschen zusammenzubringen, die sich verpflichten, all- monatlich einmal das neue„Neue Volkstheater" zu besuchen,— sofern es überhaupt anfängt zu spielen, und solange es spielt. Dieses Projekt unternehniungsluftiger Regisseure und Stücke» fchreiber ist aber noch gar nichts gegen das zweit«, für das z. Z. die Werbetrommel gerührt wird. Es kündet sich mit dem pompösen Namen„N a t i o n a l b ü h n c" an, und unter dem Aufruf, der da- für wirbt, stehen mehr als drei Dutzend klangvollster Namen. Zwei Prinzen von Lippe, Durchlaucht, der vaterländische Graf v. d. Goltz. dazu noch ein Gros sowie ein« Gräfin, Exzellenz von Loebell, der frühere Staotsminister, fünf hohe Militärs im Range zwischen Oberst und General der Infanterie, Exzellenz, ein Fähnlein«vange- lischer Pfarrer, mit den Herren Traub und Hofprediger Doehring an der Spitze, ganze Rudel von Räten, Geheimräten und Wirtl. Geheimräten, Bürgermeistern, Professoren, Generaldirektoren, Syndici usw. Merkst du etwas, lieber Leser? Diese Rattonolbühne soll nicht etwa eine Bühne sein, die im letzten Sinne der ganzen Nation dient, diese Nationalbühne soll vielniehr im Dienste einseitiger und engstirniger nationalistischer Tendenz stehen. Oder, wie der Prospekt es zart, aber verständlich ausdrückt:„Unser Spielplan wird die Werke der großen germanischen Dichter der Vergangenheit und das Schaffen der lebenden deutschen Dichter umsassen." Zlkoliere, Tolstoi bleiben verbannt, von den Juden ganz zu schweigen. Aber um so reicher wird sich Wildenbruchs Genie entfallen können. Im übrigen gehen die Herren von der Nationalbühne aufs Ganze. Mit Hilfe einer zu bildenden Theatergemeinde soll nicht bloß irgendein abgetakeltes Theater neu aufgeputzt werden.„Da wir auch vor allem das Drama großen Stils pflegen wollen, so können wir nicht allein durch Pachtung von Theatern unser Ziel erreichen, wir müssen an Neubauten denken." Gleich in Mehr- zahl: Neubauten! In möglichst vielen Stadtteilen sollen sie entstehen. und zwar, wie der Prospekt ausdrücklich hervorhebt, stets mit Schiebebühne und„Horizont". Im Norden Berlins soll der Anfang gemacht werden. Die Theatergemeinde ist Mar noch nicht da. und mit dem Geld für die grandiosen Baupläne scheint es auch etwas mau zu stehen. Aber man gibt„Bausteine" und„Patronatsschsine" aus, di« vier Prozent Zinsen tragen sollen, und man verspricht denjenigen, die nicht alle werden und sich als Mitglieder melden,„Stammsitze" im Theater, für die sie je Vorstellung nur 1 bis 3 M. zu zahlen brauchen(Auslosung der Plätze wird auch hier verabscheut). Wenn es bloß nicht gerade die„nationalen" Kreise wären, an die man sich wendet! Denn man weiß, daß diese überaus zurückhaltend sind, wenn's an« Zahlen geht und dreifach zurückhaltend, wenn sie dabei auch noch etwas von Kultur hören. Es ist ja auch nicht die erste.nationale" Bühne, zu der in Berlin aufgerufen, wurde.... In jedem Fall sieht man, wie herrlich auch in diesem Sommer wieder die Theaterpläne erblühen, damit uns ihre Früchte im Winter beglücken. Aber zunächst kommen noch die rauhen Herbst- froste. Und die hoben sich von jeher solchen Projekten höchst ge- fährlich erwiesen..,, Das„Slutbaö' von gestern. So machen sie„Einheitsfront"! Die„Rote Fahne" erzähtte gestern morgen vom Empfang einer kommunistischen Delegation im Gewerkschaftshaus dos Folgende: Die Delegation wurde im Gewerkschastshaus, Zimmer?Z> empfangen. Als sie verlangten, daß auch kommunistische Redner im Lustgarten zugelassen' werden sollen, wurden sie angeschrien: „Wollt ihr ein Bludbad? Wenn ein kommunistischer Redner im Lustgarten zu sprechen versuchen sollte, wird Blut fließen, wir haben schon alles vorbereite t." Jeder denkende Leser erkennt von selbst, daß es sich bei der geschilderten Unterredung um nichts anderes geliandelt hat als darum, vor den verhängnisvollen Folgen,� die eine Störung der gestrigen Kundgebung haben köimte,� zu warnen. Das kommunistische Blatt aber erzählt seinen Lesern, die Gewerkschaften hätten schon„alles vorbereitet", um ein Blutbad anzurichten!_ Durch solche verbrecherischen Lügen versuchte das kommunistische Blatt seine Leser gegen die Veranstalter einer Kundgebung aufzuhetzen, zu deren Besuch es auf- forderte! v So machen sie„Einheitsfront"! Der Finanzausgleich. Tie Regierungsparteien gegen die Länder. Der Steuerausschuß des Reichstags beschäftigte sich am Freitag nochmals mit der Besteuerung der öffenllichen Betriebe. Ein Antrag der Deutschen Volkspartei will auch die Der- forgungsbetriebe zur Körperschastsfteuer heranziehen und außerdem die Abgabe von Gas und Elekttizität umsatzsteuerpslichtig machen. Eindeinotratischer Antrag geht in der gleichen Richtung, will aber den Ertrag dieser Steuern den Gemeinden wieder zuleiten. Staatssekretär Popih bekämpft olle Abänderungsanträge. Die Re- gierungsvorlage beruhe auf einem Kompromiß mit dem Reichsrat, das man nicht gefährden dürfe. Abg. Dr. Hertz(Soz.) empfiehlt den Antrag, gemischtwirtschaftliche Betrieb« soweit frei zu lassen, als öffentliches Kapital dabei beteiligt ist. Die weitergehenden sozialdemokratischen Anträge, die auch di« Befreiung aller össent» lichen Kreditinstitute, insbesondere der Sparkassen, wünschen, würden im Plenum gestellt werden. Da in der Abstimmung alle Anträge abgelehnt werden, bleibt es bei den Bestimmungen der Regie- rungsvorlage. Der Ausschuß trat sodann in die Beratung des Finanzaus- glclchgesehes ein. Staatssekretär Popih erklärt«, daß die Reichs- regierung an der Regelung, wie st« in der ersten Lesung beschlossen ist, unbedingt festhalte. Uin den Ländern und Gemeinden entgegen- zukommen, wolle die Reichsregicrung die Ilmsatzsteueranteile nach dem geschätzten Aufkommen von 1500 Millionen Reichsmark garantieren. Bezüglich der.�kontrollparagraphen" erklärte er, der Reichsregierung läge jede Konlrollobsicht fern, es handelt sich nur um Finanzstatistik. die für die endgüllige Regelung des Finanz- ausgleichs unerläßlich fei. Abg. Dr. horlacher(Bayr. Bp.) gab nach längeren Ausführungen die Erklärung ab, daß er sich in diesem Stadium noch der Stimnie enthalten werde. Die Bayeriscbe Volkspartei, wünsche aber, daß vor der Beratung im Plenum nctch Cinigungsverhandbmgen zwischen der Regierung und dem Reichs- rat stattsänder». Der preußische Finanzminister Höpker-Aschosi bezifferte das Defizit Preußens nach der Ermäßigung der Beteiligungsquote auf etwa 550 Millionen Reichsmark. Demgegenüber wies Reichs- finanzminist« von Schlieben daraus hin, daß das Reich vor allen Dingen für di« im Londoner Wkommen übernommenen Berpflich-- tungen sorgen müsse. Deshalb könne man den Ländern nicht mehr zugestehen. Abg. Seioath(D. Bp) unterstützt« den Reichsfinanz- minister. Die Regierungsparteien hätten sich die größte Mühe ge- geben, Ländern und Gemeinden entgegenzukommen. Dies« Grenze aber sei jetzt erreicht. Die von den Regierungsparteien vorliegenden Anträge stellten das Höchstmaß an Zugeständnissen dar. Die De- ratungen wurden auf Sonnabend vertagt. Die Schriflstellerorganisalionen gegen die boykolliermden Buchhändler. Der Schutzverband Deutscher Schrift- st eller, der Verband Deutscher Bühnenschrift- st e l l« r und der Verband Deutscher Erzähler bitten uns um Verbreitung folgender Notiz: Auf Grund der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich auch im Buchhandel neue Organisationen für den Vertrieb von Büchern entwickett. Die deutschen Sortimenter— oder wenigstens chr lautester Teil— glauben diesen Wettbewerb dadurch bekämpfen zu können, daß sie die beteiligten Autoren bonkottieren. Sie haben in der Buchhändlcrbörse eine Liste solcher Urheber oerösfenUicht, die irgendwelche Werte diesen neuen Anstalten anvertraut haben, und haben die Buchhändler angewiesen, sich für die sonstigen Werke dieser Urheber nicht mehr einzusetzen. Gegen dieses Vorgehen, das rechtlich, wirtschaftlich und kulturell nicht scharf genug verurteilt werden kann, übrigens auch den Buchhandel selbst schwer schädigt, werden die oben genannten Verbände im Interesse de» deutschen Geisteslebens mit allen Mitteln ankämpfen, bis di« völlig« Freiheit geistigen Schaffens— dem auch der Buchhandel zu dienen Hot— erreicht ist. Entsprechende Schritte der Bedrohten, unter denen sich übrigens erste Namen befinden, sind eingeleitet. Professor Köhler und da» Ankiassengesetz. Auch die Vorträge des als Gastprofessor in den Vereinigten Staaten weilenden Psycho- logen der Berliner Universität, Prof. Wolfaang Köhler, mußten unter der antievolutionären Gesetzgebung in Amerika leiden. Prof. Köhler, bekannt durch seine psychologischen Versuche an Menschen- offen, ist in diesem Sommer an der Harvard-Unioersität tätig, wo er ein Seminar über Gestoltvsychologie abhält. Infolge der Ge- setzgebung der Staaten Tennessee und North Carolina mußten die an der Universität des letztgenannten Staates geplanten Bor- lesungen Köhlers über die Schimpansen einstweilen abgesagt werden, weil man die Möglichkeit in Betracht zog, sie könnten mit den gesetzlich verdammten Lehren in Einklang stehen. .®°s, Rokorflugzeug. Der französische Fliegeringenieur Gligorin beabsichtig, wie die„Umschau" mitteilt, auf einem von ihm ton- sttuierten Flugzeug mit Rotorausrüstung den Flug zwischen Paris und New Vork ohne Zwischenlanduna in 12 Stunden auszusübren. Der Ingenieur hat seine Erfindung, die auf dem Fiettnerschen Prin- zip basiert, den englischen und französischen Flugministerien vorge- legt, und die englische Regierung ist bereit, ein Probeflugzeug genau nach seinen Plänen erbauen zu lassen. Sammluuq für Scope». Zugunsten des Professor» Scopes, der im Affenprozeß zu 100 Dollar Geldstrafe verurteilt wurde, ist«ine Sammlung eröffnet worden, um ihm die Fortsetzung seiner biolo- gischen Studien zu ermöglichen. Bis jetzt sind bereits 10000 Dollar gezeichnet werden._ Bernfung an die Staatliche Hochstmle sdr Ulnfif. Sie der Amtlich« Preuszische Pressedienst mitteilt, bat der Kultue minister den Prot Artur Schnabel atS Leiter ein« Klovierllafle in die Staatliche Sochlckule tür Musik beruten. 0«o wir», der m Bern lebende Echriftsteller. hat von der tchweizerifchen Echlllerstistung dieser Tage eine Ehrengabe von tausend Kraulen sür seinen Roman.Gewalten eines Toren" erhalten. Der Moröanfchlag auf /imenöola Tie Faschistenprefse verhöhnt das Opfer! Rom, dsn 22. Juli. Aalien muß wirklich den Kelch der Demütigung bis auf die Hefe leeren. Nach dem von offiziell-faschistischer Seite der Vizepräsident des Senats als„Luder", und der frühere Ministerpräsident und Inhaber des Llnnunziata-Ordens (Vetter des Königs!) Orlando als Oberhaupt der Maffia bezeichnet worden sind, findet das hon plus ultra an Gemeinheit, der Anschlag auf Amendola, von derselben Seite Verteidigung und Rechtfertigung! Man mache sich klar, wie sich dieser Uebcrfall zugetragen hat, nach nicht beschlagnahmter, also offiziell gebilligter Les- ort. Amendola, der Minister unter Facta war und schon einmal, am 24. Dezember 1923 in Rom von Faschisten auf offener Straß? überfallen und verwundet worden ist. begab sich am 19. d. M. nach Montecatini, dem bekannten Kurort in Toscana. Er stieg gegen 3 Uhr im Grand-Hotel ab, in Begleitung eines Freundes. Um 7 Uhr begab sich der Leiter des Hotels zu dem Abgeordneten, einem großen, traft- vollen Mann anfang der Vierziger, teilte ihm mit, daß eine Zusammenziehung von Faschisten aus der Umgebung bevor- stände und bat ihn, offenbar beschämt, doch wieder abzu- reisen. Angesichts des schweren Schadens, den sein Derweilen dem Hotel zugefügt hätte, erklärte sich Amendola zur Abreise bereit, da er nicht in Erfüllung einer Pflicht, sondern aus Ge- sundheitsrückfichten gekommen war. Inzwischen verteilten sich schon mehrere Hundert Faschisten zur Belagerung des Hotels. Zur Verteidigung standen ganze acht Carabinieri zur Verfügung, von einem Leutnant ihrer Waffe befehligt, und ein Polizeibeamter, der nur— das Hotelpersonal unter sich hatte. Das Hotel wurde„eingenommen", und man fing ge- rade an, darin faschistisch zu walten, als ein faschistischer Ab- geordneter, ein gewisser S c o r z a, seine Leute von der Deute abzulenken verstand. Es wurde also vereinbart, daß Amen- dola sofort den Ort verlassen würde: man oersprach ihm Ein- stellung der Gewalttätigkeit und angemessene Eskortierung. Welche Autorität des Fascio dieses Versprechen gegeben hat, wissen wir nicht. Jedenfalls hat sie das„Erröten Sigismunds" nicht gefürchtet. Beim Einsteigen wurde Amendola mit den gemein- sten Schimpfwörtern überhäuft und entging mit knapper Not den Stockhieben: die Fenster des Autos gingen in Scherben. Die Eskorte bestand aus zwei Faschisten, die sich neben den Chauffeur setzten, damit dieser, nach halb- stündiger Fahrt, den um halb ein Uhr nachts aus der Landstraße lauernden Faschisten ihr Opfer auslieferte. Dann haben sich die fünfzehn Bewaffneten im Dunkeln auf den einen Waffenlosen gestürzt, und die Eskorte, dem Eids treu, hat im Hospital von Pistoia das abgeliefert, was nach so gewissenhafter Einhaltung des Paktes übriggeblieben war: einen aus vielen Wunden blutenden, durchKopfverletzungfastbewußtlosenMann! An feiger Gemeinheit wird die ganze Sache kaum durch die Ermordung Matteottis übertroffen. Aber damals tat man wenigstens, als ob man sich schämte. Diesmalnicht. F o r i n a c c i erklärt, er könnte in seinem Gewissen diese Reaktion nicht bedauern.„Dir wollen für die Größe des italienischen Volkes arbeiten. Wer uns zu hindern sucht, der wird als elender Verräter behandelt merben." Das„Popolo d'Ltalia" hatte zuerst schüchtern bemerkt, die Erregung der wackeren Faschisten der Toskana sei begreiflich. aber man müsse selbst nicht ritterlichen Gegnern gegenüber immer ritterlich sein. Anstatt sich und sein Gewissen zu be- ruhigen, daß ein nächtlicher Uebersall auf der Landstraße. wenn nicht gerade ritterlich, so doch durchaus raubritterlich ist. gibt das Blatt des Ministerpräsidenten am nächsten Tage Farinacci ganz recht und schreibt folgende Worte, die als offizielle Aeußerung eines Regierungsorgans euren Platz in der Kulturgeschichte verdienen: .LLarum hat keiner der 400009 Leser de»„Corriere della Sera", des„Monde", des„Risorgimente", der„Stampa" und der niederen Tierart des„Becco Giallo" eingegriffen, um mit kühnem Mut die Sicherheit Amcndolas zu verteidigen? Ist ein« so aus- gebreitete kollektive Feigheit(!) möglich? Ist es denkbar, daß faschistische Elemente, die jeden Tag und jede Stunde von den ge- meinsten Verleumdungen verwundet werden, den Kampf auf- nehmen und ihre Verleumder verteidigen sollten?... Für den Triumph des Faschismus sind Taufende von Opfern gefallen... Die legte Herausforderung des Aoentin zeigt die absolute Falsch- heit gegenüber dem Faschismus, die Verletzung oller Normen ge- sitteten Beisammenlebens und haben jede Möglichkeit der An- Näherung aufgegeben. Wir können Farinacci nicht unrecht geben, wenn er an die Jntransigenz des Faschismus erinnert und die An- wendung von Gesetzen fordert, die geeignet sind, die moralische Integrität, die geistig« Essenz und die wirtschaftliche Kraft der Station zu gewährleisten." Die Gesetze, die Farinacci(von Beruf Eisenbahnbeamter, ober im Nebenamt einer der tiefsten Juristen aller Zeiten) verlangt, bestehen einfach in der Einführung der Ver- bannung mit Beschlagnahme des Besitzes, der Verschickung und der To des strafe für Geg- ner des Faschismus. Aber das ist noch ein Kultur- ertratt im Vergleich zu der Auffassung des sozialen Zu- sämmenledens, wie sie aus den Worten des„Popolo d'Jtalia" ausleuchtet. Macht sich denn das Blatt des italienischen Minssterpräsi- denten, das so zartfühlend zum Bürgerkriege herausfordert, nicht klar, daß die ganze Fasthsstencourage überhaupt nur da- von kommt, daß man die Gegner entwaffnet weiß? Hat man nicht bei den Strafexpedittonen immer erst von der Polizei die Häuser durchsuchen lassen, ehe stch die„faschistische Toll- tühjcheit" auf ihre Opfer stürzte? Die„Tausende von Toten" des Faschismus waren nur 234, die einbegriffen, die von den Faschisten selbst getötet wurden. Glaubt man wirklich, daß man um so geringen Preis ein Land brandschatzen und wirkliche„Tausende von Toten" hätte säen können, wenn die Uebersallenen nicht entwaffnet gewesen wären? Will das Organ des Ministerpräsidenten den Bürger- krieg, so mache es sich klar, daß selbst dieses dreimal ver- fluchte Wort noch etwas Höheres bedeutet, als den heutigen Zustand: es bedeutet, daß Bürger desselben Landes, desselben Blutes, derselben Sprache in Waffen gegeneinander stehen. Aber: Waffen hüben und Waffen drüben. Nicht, wie heute. wo man die Waffenlosen als Feiglinge zu bezeichnen wagt. Plünderer und Brandstifter. Rom. 24. Juli(Eigener Drahtbericht) Wegen vorangegangener Reibereien zwischen Führern der Faschisten und Führern der Kriegsverstümmelten wurden am Donnerstag in Parma starke faschistische Kräfte zusammengezogen. Diese verwüsteten die Druckerei der Zeitung„Piccolo", verbrannten die Kanzlei des Advokaten und früheren sozlolistischen Abgeordneten| Albertoli und verübten auch sonst allerlei Verwüstungen zum Schaden ontisaschistischer Politiker. Das faschistische Direktorium von Parma hat durch ein Schreiben an den Präsekten die D e r a n t- wortung für die Vorfälle übernommen.(!) Dänemark gegen Kriegspielerei. Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: In der bevorstehenden Tagung des Reichstags wird eins scharfe Militärdebatte erwartet, weil die Regierung beab- sichtigt, die Herb st manöoer 1026 ausfallen zu lassen. Das bestehende Gesetz schreibt vor, daß die Manöver der dänischen Armee nur einmal ausfallen dürfen und die Mannschaften, deren Manöver ausgesetzt wurde, im folgenden Jahre ihre Hebungen nachholen müssen. Da die Manöver auf Anordnung der s o z i a l i st i- scheu Regierung bereits im vorigen Jahre nicht stattgefunden, müßte nunmehr der oben erwähnten Gesetzesbestimmung Folge ge- leistet werden. Die Regierung ist aber der Meinung, daß die dann notwendig werdenden Einberufungen sehr groß werden und weder die genügenden Pferd« noch Kleidungsstücke für die Manöversoldaten zur Verfügung stehen. Der Verteidigungsminister will infolgedessen die bevorstehenden Herbstmanöver aussetzen und dem Lande eine Ausgabe von 1)� Millionen Kronen ersparen. In Regierungskreisen hofft man, der aus diesem Regierungsbeschluß drohenden Krise Herr zu werden, da die B a u e r n p a r t ei Venstre mit Rücksicht auf die Erntearbeiten mindestens einer E i n s ch r ä n- k u n g der Manöver zustimmen dürfte. GestheitertesVarlamentsmanoverinSelgien Das Ffrauenw ahlrecht als Vorwand. Brüssel, 24. Juli.(Eigener Drahtbericht) In der Kammer hatten am Donnerstag die konservativen Katholiken, namentlich die früheren Minister Iaspar und Carton de Wiatt den oerzweifelten Versuch unternommen, die Regierung durch Aufrollung der Frage des F r a u e n st i m m r e ch t s zu den Provinzialwahlen aus dem Sattel zu heben. Es kam zu einer überaus heftigen Fehde zwischen Sozialisten und Konservativen, wobei die Sitzung unter- brachen werden mußte. V a n d e r v e l d e. der ein eifriger An- Hänger des Frouenstiminrechts ist und bleibt, erklärte, die Regie. rung habe diese Reform nicht in ihr Programm aufgenommen, well sie darüber nicht einig sei, und sie werde sich nicht dazu hergeben, daß diese Frage von den Konservativen, die das Frauen- stimmrecht bisher stets sabotiert haben, nunmehr vorgeschoben werde, nur um die demokratische Regierung zu stürzen. Am Freitag wurde nun der sozialistische Antrag auf Ver- t a g u n g des Frauenstimmrechts zu den Provinzialwahlen mit 81 gegen 74 Stimmen und 0 Stimmenthaltungen angenommen. Damit hat die Regierung die bis jetzt gefährlichste Klippe glück- lichumsegelt. Hetreiüe, Mehl, Reis. Die Tpezialdebatte über die Lebcnsmittelzölle. In der Freitagssitzung des Zollausschusses wurde nach Abschluß der Generaldebatte die Spezi alberatung durch den deutsch- nationalen Hochschutzzöllner Freiherrn von Richthofen ein- geleitet Mit der ganzen, nur dem Junker eigenen Arroganz, stellte er an die Spitze das„Entgegenkommen", das die Landwirt- schast durch das Kampramiß„gezeigt" habe. Sie seien ober, das stellte er ausdrücklich sesl, dazu nur zu bewegen durch die B e- f r i st u n g, die in den Kompromißanträgen vorgesehen sei. In der Aussprache wandte sich Genosse hllserdiag entschieden gegen eine Defristung der Getteidezölle zu Ende März 1926. Er sürchtesi daß dann die autonomen Sätze von 7 und 7,50 HL in Ansah kommen und plädierte, da das Gesetz bis zum 31. Juli 1027 befristet sei, eine Verlan genmg der Getreidezollsätze bis zu diesem Termin. Der Ernährungsminisler wandte sich gegen Hilferding. Es sei abzuwarten, welche Resultate die einzelnen Handelsoerttagsverhandlungen bringen. Lebendig wurden die Verhandlungen wieder, als der Genosse Georg Schmidt die sozialdemokratischen Anträge, die vorerst weiter Zollfreiheit für Lebensmittel auf ein Jahr oerlangen, begründete. Auf Grund eingehender Untersuchungen sind wir Sozialdemokraten Gegner der Getreidezölle, da sie sowohl wirtschaftlich als auch sozial- politisch von den größten Schäden begleitet sind. Wir stellen fest: Die Zölle, die jetzt beschlossen werden sollen, dienen nur einem kleinen und zwar dem einflußreichen Teil des Reichslandbundes. die große Masse der kleinen Landwirte, die Arbeitsbauern und die Landarbeiter haben nicht mir keinen Vorteil, sondern Rachteit Auch die Landarbeiterschaft yat kein Interesse an den Wucherzöllen. Sie fühlt sich mit den Industriearbeitern absolut solidarisch. Sie weiß. daß ihre Lebenshaltung ebenfalls eine Belastung ersährt und daß die Getreidezölle nur gemacht werden, um einigen Großgrund- bcsitzern Vorteile zuzuwenden. Das für den Arbeiterhaushalt wichtige Kapitel Bohnen, Erbseu, Linsen behandelte die Genossin Bfüls. Auch hier beabsichtigt die Regierung eine Verteuerung durch Zölle. Wie das sich auswirken wird, ergibt folgendes: Unter dem Zollschutz von 4 M. betrug die Einfuhr für Bohnen 1913 351 310 Tonnen. Die zollfreie Einfuhr im Jahre 1024 beträgt nur 330 081 Tonnen. Das ergibt eine Mindereinfuhr von 12 220 Tonnen. Unter der Zollfreiheit ist also die Einfuhr zurückgegangen und nicht etwa gestiegen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Erbsen und Linsen, wobei zu bemerken ist, daß wir bei Erbsen auch noch eine sehr wesentlich erhöhte Au s su h r zu verzeichnen haben. Das wird sich auch In den nächsten Jahren nicht ändern. denn Rußland, das Hauptanlieferungsland in der Dortriegszett für Erbsen und Linsen, fällt aller Voraussicht nach, aus. Eine Verteuerung von Erbsen, Linsen. Bohnen einerseits. Futter- bahnen, Lupinen, Wicken andererseits trifft die Ernährung der kleinen Leuten bswnders hart. Da die Leguminosen wichtigste Rab. rungsmittel der armen Bevölkerung sind, die Erhöhung des Zolls auf diese Futtermittel aber Fleisch und Eier verteuern. Das nicht minder wichtige Kapitel: Autlermillel. Gerste behandelte Genosse Unlerleilner. Er begründete die sozialdemokra- tischen Anträge auf Zollfreiheit. Ein Widerspruch zwischen der Vor- läge und dem jetzt fertiggestellten Kompromiß ist sowohl von der Regierung als auch von den Parteien ungeklärt geblieben. Die Re- gierung forderte einen einheitlichen Satz für Futter und Malzgerste und begründete das treffend. Jetzt treten auf einmal wieder zwei Sätze in Erscheiiutng, ohne daß der Versuch einer Erklärung gemacht wird. Die Erhöhung der Zollsätze für Malzgerste bedeutet eine neue Erschwerung für das Bierbraugewerbe und«ine Erhöhung der Bier- preise, die sich in Verbindung mit der Umsatz- und Biersteuer in sehr unangenehmer Weise auswirken wird. verfaffungsfeier in preußischen Schulen. Da? preußische Stoatsministerium hat angeordnet, daß der VerlassungStag in sämtlichen Schulen im Bereich de» preußischen Kultusministerium» begangen wird. In einer würdigen Feier soll auf die geschichtliche Bedeutung diese» Tage» eingehend hingewiesen werden. Unterricht findet an diesem Tage nicht statt. Wo der 11. August in die Ferienzeit fällt ist entweder bei Beginn der Ferien, oder, wo das nicht mebr möglich ist, bei Wiederbeginn de» Unterrichts eine entsprechende Feier zu veranstalten. Preußen unü üie �mneftievorlage. Kommunistische Bitte um Zustimmung. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Die„Rote Fahne" erhebt in ihrer Rümmer vom 23. Juli Vor- würfe gegen die preußische Staatsregieruug, weil deren Vertreter im Reichsrat gegen den badischen Antrag gestimmt und dadurch eine Erweiterung der Amnestie verhindert habe. Die Ausführungen der„Roten Fahne" gehen davon aus, daß der badische Antrag durch die verlaugte Streichung der Grenze vom 1. Oktober 1023 bezweckt habe, sämtliche schwebenden politischen Verfahren niederzuschlagen, daß er also eine wesentliche Erweiterung der von der Reichsregierung vor- geschlagenen Amnestie erstrebt habe. Das Gegenteil ist richtig. Die Streichung der Grenze vom 1. Oktober 1923 gemäß dem badischcu Antrag hätte nämlich zur Folge gehabt daß auch bei den vor dem 1. Oktober 1023 begangenen Straftaten die Verfahren nur dann hätten niedergeschlagen werden können, wenn voraussichtlich auf keine höhere Strafe als ein Jahr Festungshaft oder ein Jahr Ge- fängnis erkannt werden würde, während die Vorloge der Reichs- regierung bei den vor dem 1. Oktober 1023 begangenen Straftaten die Niederschlagung ohne Rücksicht auf die Höhe der zu erwartenden Strafe eintreten lassen will. Durch die Annahme des badischen Antrags wäre also nicht eine Erweiterung, sondern eine erheb li che Einschränkung der Amnestie erreicht worden. Im übrigen sind die Behauptungen der„Roten Fahne" über weitgehende Zusagen des Staatssekretärs Dr. Weis- mann bei der Besprechung mit kommunistischen Abgeordneten unzutreffend. Wie wenig die Behauptungen der„Roten Fahne" der Wahrheit entsprechen, ergibt sich schon daraus, daß es gerade die kommunistischen Abgeordneten waren, die den Staatssekretär Dr. Weismann gebeten haben, die Amnestie- vorläge nötigenfalls auch in der von der Reichs- r.e gierung vorgelegten Fassung anzunehmen und nicht etwa bei einer Ablehnung der preußischen Anträge gegen die Annahme zu stimmen, um so dem Reichstag Gelegenheit zu geben, über die Amnesticvorlage in Beratungen einzutreten. Noch einer: öer Secker-tzannes. Gott, war das ein Vergnügen, als bei den Ianuarwohlen des Jahres 1907 der Becker-Hannes aus Arnsberg als junger Abgeord- neter In den Reichstag zog. Er war früher Fabrikarbeiter gewesen und hielt zum Zentrum. Dann war er Redakteur an der„West- deutschen Volkszeitung" in Hagen. Sein Aufstieg begann. Als Erz- berger ihn zum ersten Male sah und hörte, sagte er:„Das ist mein Mann, der hat das Herz auf dem rechten Fleck und den Mund da. wo er ihn haben soll." Und wirklich, wenn er in der Zentrums- fraktion sprach und für die Gleichberechtigung der Arbeiter einttat. dann erbleichten die adligen Herren des Zentrums. Auf die war er auch besonders schlecht zu sprechen. Wie rollte der Beckcr-Hanne« seine Augen, wenn er außerhalb der Fraktion aus den Herzog von Arenberg schimpfte, der auch einmal bei einer Nachwahl — wie. ist heute eigentlich noch unerklärlich— in den Reichstag kam. Wie schimpfte unser Becker-Hannes, als sein Kollege Johann G i e s b e r t s sich darüber freute, daß er mit dem herzoglichen Zentrumsobgeordneten einmal zusammen Kaffee trinken durste. Und der Graf Praschma und der Landtagsabgeordnete Graf Henckel-Donnersmarck— das alles waren Leute, die Herrn Becker ein Dorn im Auge waren- Rein, non diesen Ueß er sich nicht beeinflussen. Auch für den schwarzblauen Block war er nicht eingenommen, Mit Erzberger zusammen tat er alle», um das Zentrum von den Fesseln der Konservativen zu lösen. Es ging also alles soweit ganz gut Der Becker-Hannes war bei seinen Kumpeln in seinem Wahlkreis sehr beliebt, und seine Versicherung, daß er zum Erzberger-Zirkel gehöre, konnte ihm nur von Nutzen sein. Auch die Erzbergersch« Friedensresolution 1917 macht« er noch mit. Von den Annexionisten wollte er nichts wissen. Sogar 1910, zur Zeit des Waffenstillstandes und des Friedensschlusses, hielt er noch zu Erz- berger. Als im Frühjahr 1010 das Reichsarbeitsministerium ge- bildet wurde, sollte das Zentrum den Posten eines Staatssekretärs bekommen. Das gelang nicht. Es wurde für das Zentrum lediglich «in sogenannter Beirat im Reichsarbeitsministerium geschaffen. Es war dafür der damalige Reichstagsabgeordnete und jetzige zweite Bürgermeister von Breslau, Dr. H e r r j ch e l, in Aussicht ge- nommem Böse Leute behaupten. Herrsche! habe sich schon«nt- sprechende Visitenkarten drucken lassen. Jedenfalls ließ er sein Bild schon in illustrierte Zeitungen lancieren. Man war daher um so er- stvunter, daß plötzlich nicht Herrsche!, sondern Johannes Becker Beirat im Reichsarbeitsministerium wurde. Herrsche! galt als Reaktionär, und nicht ganz mit Unrecht Deshalb trat Erzberger mit Energie für seinen Freund Johannes Becker ein. Dann kam ein Jahr später die schwere Zeit für Matthias Erz- berger. Einer von denen, die ihn zuerst verließen und den Kon- junkturweg nach rechts einschlugen, war der Becker-Hannes. Settdem gings abwärts mit ihm. Im Sommer 1021 starb der zweite Vorsitzende der Zentrumsfraktion, Reichsgerichtsrat Burlage. Er war zwar kein christlicher Fabrikarbeiter, aber ein wirklicher Demokrat und Republikaner, der noch kurz vor seinem Tode in einem Reichstagsausschuß offen und frei den Deutschnationolen er- klärte, er habe sich am 9. November 1918 als ehemaliger alter Land- wehroffizier geschämt, als er gesehen habe, wie sich die Monarchisten verkrochen. Es fand dann eine Umgruppierung in der Zentrumsfraktion statt, und Herr Becker-Arnsberg wurde stellvertretender Vorsitzender der Zentrumsfraktion. Seine proletarische Vergangenheit hat er ganz vergessen. Im vorigen Jahre hat er einmal im Reichstag erklärt:„Solange ich die Fraktion führe...." Da lachten selbst seine eigenen Fraktionssreunde. Rein, der Becker-Hannes führt nicht. Der Becker- Hannes wird geführt von Herrn o. Cuärard, vom Industriellen- Vertreter L a m in e r s, vom Zementvertreter t e n H o m p e l und nicht zuletzt vom lieben Adom Stcgerwald. Und er macht selbstverständlich dos Zollkompromiß mit An feine proletarische Vergangenheit denkt er nicht mehr. Die„Germania" regt sich Über unsere Charakteristik»Uli Adam Stegerwald und Josef Andre mächtig auf. Sie schimpft und poltert, so daß man ganz genau weiß, in welch hohem Maße in letzter Zeit der Herr v. Popen und der Freiherr v. H e e r e m a n n, der in aller Oefsentlichkeit gegen den Volks- blockkandidaten Marx Stellung genommen hatte, bei der „Germania" Einfluß gewonnen haben. Die„Germaina" spricht von„nichtsnutziger Manier". Dieses Wort hörte sich allerdings ganz nett an. wenn der verstorbene Zentrumsführer Trimborn reaktionären Freunden gegenüber in den Sitzungen des Zentrums dieses Wort mit rheinischem Humor und freundlichem Beigeschmack servierte. Das soll vorgekommen sein. So wie es die„Germania" gebraucht, beweist es nur, wie verlegen man dort ist und wie man plump in der Erwiderung(ein muß— weil man selbst fühlt, daß man das Zollkompromiß vor den breiten Massen nicht verantworten kann. Gewerkschaftsbewegung Eine Unternehmeroffensive. Die Industriellen bei der Reichsregierung. Das Wolff- Bureau meldet: Bie diese Breßtonferenzen aussehen, welcher Art das Material ist, welches die Deffentlichkeit dann tennen lernen würde, braucht faum genauer ausgeführt werden. Bebauerlich ist nur, daß die gesamte bürgerliche, wie auch die fommunistische Preise gegen diese Absicht der Hauptverwaltung nicht Protest erhebt. Bezeichnend für den Geist", von welchem die Berwaltung jetzt. wieder beseelt ist, ist der im Amtsblatt vom 30. Juni veröffentlichte Erlaß der Hauptverwaltung, den Staatssekretär Stieler in Vertretung des Generaldirektors verantwortlich gezeichnet hat. Nachdem in langen Ausführungen dem„ nachgeordneten" Beamten Unterfolgender Saz, der besser als lange Ausführungen die Situation erhellt: In der Reichskanzelei fand heute unter dem Borfiz des Reichsfanglers und in Anwesenheit des Reichswirtschaftsministers, des Reichsarbeitsministers und des Reichsbantpräsidenten eine Auswürfigkeit dem Borgesetzten" gegenüber gepredigt wird, erscheint Sprache mit Bertretern der Rheinisch- Westfälischen Kohlen und Cisenindustrie( d. h. der Industriellen) des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und des Industries und Handelstages statt. Es wurde die gesamte wirtschaftliche und finanzielle Lage der deutschen Wirtschaft, insbesondere der Rohstoff- und Eisenindustrie besprochen. Dabei bestand Uebereinstimmung darüber, daß es darauf ankommit, Mittel und Wege zu finden, um allen Produktionszweigen wieder auf die Dauer eine Wirtschaftlichkeit zu sichern. Festgestellt werden Ponnie, daß aussichtsreiche Verhandlungen über die Ermöglichung einer allmählichen Abstoßung der Haldenbestände des Steinfohlenbergbaus im Gange sind. Die Industrievertreter betonten, daß die Belastung mit sozialen Abgaben, Steuern und Zinsen in der gegenwärtigen Höhe nicht länger erträglich sei. Diese Fragen wurden eingehend erörtert. Die Disfuffion erstrecte sich auch auf die Fragen der Preisbildung, des gesamten Berteilungsapparates und der Ausgabewirtschaft der öffentlichen Hand, insbesondere der meinden. polles, aber fein vertrauliches Verhältnis bestehen. Das Zwischen Vorgesetzten und Nachgeordneten soll ein vertrauensdienstliche Ansehen, wie der allgemeine Anstand( 1) fordern, daß der Nachgeordnete den Borgesezten grüßt. Wer Dienstleidung trägt, wenn auch nur Dienstmüze hat angemessen zu grüßen.( Haden zusammenschlagen? Stramm stehen?) Die Vore gefegten werden entsprechend es nicht unterlassen( man beachte das famose Deutsch), durch Gegengruß zu danken.( Offenbar nur, soweit fie gut gelaunt sind.) Eisenbahnbeamte, auch solche fremder Ber. waltungen, die sich durch Freifarten ausweifen, find von den Bug. schaffnern und Bahnsteigschaffnern zu grüßen." Wenn zur Abfaffung solcher Kindereien, die allerdings einen tieferen Sinn haben, Beamte der Besoldungsgruppen XII und XIII vorhanden sind – nämlich solche, die vom gesamten Bersonal entsprechend" zu grüßen sind dann beweist das nur, daß der Abbau an diesen Leuten, deren Tätigkeit wirklich nicht Geproduktionsfördernd genannt werden kann, versehentlich vorbei gegangen ist. Bie sagte doch Herr Stinnes und mit ihm die Reichsbahn so schön:„ Nur Arbeit fann uns retten." Wir fragen: Ist das Arbeit im Dienste der Allgemeinheit? Was fagt Herr Deser dazu? Die Lage der Wirtschaft soll von allen beteiligten Kreifen ge meinsam weiter geprüft werden. Es war die einmütige Auffassung, daß nur eine wirksame Produktionssteigerung Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus der gegenwärtigen bedrohlichen Lage herausführen fann. Wie weiter mitgeteilt wird, sollen am Mittwoch die Vertreter ber Bergarbeiter vom Reichstanzier empfangen werden. Wie aus der offiziösen Meldung hervorgeht, handelt es sich bei dem Empfang der Industriellen um einen Borstoß der Unternehmer, die die Reichsregierung in den Fragen der Wirtschafts- und Steuerpolitik zu Maßnahmen veranlassen wollen, die den Interessen der in jeder Beziehung reafiionären Unternehmer entsprechen. Wenn der Reichskanzler nachträglich noch die Vertreter der Bergarbeiter empfangen will und zwar nachdem diese ausdrücklich darum nachgesucht hatten so ist dies feine Ergänzung der verstehend skizzierten Besprechungen. Diese umfaffen einen so weiten Rahmen, daß die Vertreter sämtlicher Gemertschaftsorganisationen dazu unbedingt gehört werden müssen. Gerade weil die Vertreter der Spizenorganisationen der Unternehmer ihre Klagen über die sozialen Lasten, über die Notwendigkeit der Produktionssteigerung, über die Belastung der Industrie mit hohen Bantzinsen usw. vorgetragen haben, ist es erforderlich, daß die Vertreter der Arbeiterschaft Gelegenheit haben, dazu sich zu äußern. Wir fordern dies nicht nur auf Grund der Reichsverfassung sondern insbesondere im Interesse der Wirtschaft und des Staates. „ Staatsbürgerliche" Erziehung bei der Reichsbahn. Ausschluß der Preffe, fagbudeln nach oben. Uns wird geschrieben: Die Entwicklung der Reichsbahn nimmt immer sonderbarere Formen an. Der Borwärts" hat bereits darauf hingewiefen, daß von der Hauptverwaltung der Reichsbahn dem Bersonal verboten wird, irgendwelche Auskünfte an die Presse zu geben. Man denke an die Willkür und die vielen Rechtsbrüche in Vergangen heit und Gegenwart, die sich die Hauptverwaltung zufchulden fommen läßt, man denke an die Verschleuderung der Werf stätten und Schlafwagen an die Privatindustrie, die den Ber dacht aufkommen ließ, daß die Hauptverwaltung die Reichsbahn absichtlich bankerottwirtschaften will, um dann, zur Sanierung des Unternehmens, einen neuen Personalabbau vornehmen zu fönnen, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Man bedente die Unfälle und die hierfür verantwortlichen mangelhafter Sicherheitsanlagen, die rigorose Haltung der Hauptverwaltung den streifenden Arbeitern gegenüber und vieles andere mehr. Weber alle diese Dinge, die die Deffentlichkeit zweifellos start interessieren, soll von dem sachverständigen Bersonal der Presse teine Auskunft gegeben werden. Selbst die verantwortlichen Sadreferenten find in dieses Berbot mit einbegriffen; einzig and allein der Pressedezernent soll die Presse informieren, nach Richtlinien, die von der Hauptperwaltung gegeben werden. Der Kampf im Schriftgießereigewerbe. Die Berbindlichkeitserklärung abgelehnt. Von der Zentralstreitleitung der Schriftgießer wird uns ge schrieben: Der Kampf aller in Schriftgießereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands, der nun schon drei Wochen dauert, geht unvermindert fort. Am 13. Juli haben wieder Verhandlungen zur Schlichtung der Streitfrage vor dem Reichsarbeitsministerium statt gefunden. Die erschienenen Bertreter der Arbeitgeber hatten aber weiter feine Vollmacht zu einer anderen Schlichtung der Streitfrage, fondern bestanden auf die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 23. Juni, während die Arbeitnehmer auf 20 Broz. Lohnerhöhung bestehen blieben. Da eine Einigung nicht erzielt wurde, geht der Rampf weiter. fann. Die Arbeitgeber leben nun in der Hoffnung, der Reichsarbeitsminister werde den Schiedsspruch vom 23. Juni verbindlich erflären, welchem nach Lage der Sache gar nicht stattgegeben werden Eine Wiederaufnahme der Produktion durch die Verbindlichkeit wäre damit noch nicht gesichert. Ferner stellen die Unternehmer es so hin, als wäre ihnen der Kampf aufgezwungen". Sie scheinen es schnell vergessen zu haben, daß von unserer Seite alle erforderlichen Schritte geian wurden, um den Konflikt zu vermeiden, während die Unternehmer jede Verständigung ablehnten. In ihrem Fachorgan stellen die Unternehmer die Berdienste der Arbeiterschaft so hin, als ob ihre Geschäfte eine Erhöhung der Löhne nicht mehr zuließen, und eine Erhöhung unserer Löhne eine Rüdwirtung für die Buchdruder haben fönnte. Sie scheinen aber dabei zu vergeffen: 1. daß unsere Löhne jezt niedriger sind als die der Buchdrucker, 2. daß früher unsere Löhne mit den Maschinensezer Mindestlöhnen gleich waren, 3. wissen die Unternehmer genau, welche Löhne fie zahlen, und welche Löhne heute im Buchdrudgewerbe bezahlt werden. Auch den Versuch, Uneinigkeit in den Reihen der Kämpfenden herbeizuführen, tönnen sich die Unternehmer ersparen. So geschloffen, wie die Arbeiterschaft in den Kampf getreten ist, so geschlossen wird sie fämpfen, bis der Sieg der unserige ist. Im übrigen ist, wie mir soeben erfahren, die Verbindlich Die Unternehmer werden feitserfirung abgelehnt worden. also schon wohl oder übel fich dazu bequemen müssen, von ihrem hohen Roß herabzusteigen. Sie wiffen nicht, was sie sagen. Die Kommunisten sind doch undankbare Leute! Wir haben ihnen selbstlos die Ursachen ihres Banfrotts und unseres Erfolges in der Gewerkschaftsbewegung angegeben. Statt uns zu danken, ichimpft die Rote Fahne. Man wird einwenden, daß diese Feststellung keine Absonderlichkeit enthält, meil die Rote Fahne" immer schimpft. Zugegeben. Sie macht es nur diesmal dümmer als es selbst dem dummen August erlaubt sein sollte. Allerdings, bei 34 Grad, im Schatten. Also wir hatten auf Grund des Referats von Thälmann nebenbei festgestellt, daß die KPD. die Bergarbeiterunion und die Ausgeschlossenen Bauarbeiter als Sonderorganisation aufrecht erhalte. Der Gewerkschaftsredakteur der„ Roten Fahne", der entweder das Referat Thälmanns nicht gelesen hat oder mit Recht annimmt, daß es feine Lefer nicht merten werden, jebenfalls nicht im Bibe tft, schimpft, daß wir gelogen hätten. Wir sehen also wörtlich her, mas Thälmann gesagt hat: Im Bauarbeiterverband liegen die Verhält nisse insofern anders, als er in Sachsen, im Rheinland, in Solingen noch ein Kampffaktor ist und in den Kämpfen immerhin eine Rolle spielt und der Vorsitzende des Baugewerksbundes Päplom der größte Kommunistenfresser ist und jede Einheit mit aller Kraft fabotiert. Wir glauben, daß alle selbständigen Verbände, außer der Bergarbeiterunion und den Bauarbeitern, im nächsten Vierteljahr liquidiert sein werden. " Wir fagen nicht, auf welcher Seite, welcher Spalte diese Stelle in dem Thälmannnschen Referat sich vorstehendes Zitat befindet. Der Redakteur, der uns der Lüge zeiht, weil wir an der tommunistischen Autorität des Wahlhelfers glauben, soll suchen. Strafe muß sein. Der Pforzheimer Streik geht weiter. Pforzheim, 24. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Streit in der Pforzheimer Schmudwaren- Industrie wird fortgefeßt. Der am Dienstag vom Schlichtungsausschuß gefällte Schiedsspruch, der bis 31. Juli 66 Pf., ab 1. August 68 Bf. und ab 19. September 69 Pf. Stundenlohn für den gelernten über 25 Jahre alten Arbeiter vorsieht, wurde in der am Donnerstag vorgenommenen Urabstimmung der Arbeitgeberverband hat in seiner am Freitag vormittag stattvon den Arbeitnehmern fast einstimmig abgelehnt. Auch gefundenen Bersammlung die Ablehnung des Schiedsspruches beschlossen. Die Ergebnisse der Abstimmungen der beiden Parteien wurden im ganzen Industriebezirt mit höchster Spannung erwartet. Es ist anzunehmen, daß der Schlichter in den allernächsten Tagen den Schiedsspruch für verbindlich erklären wird.( Während des Streifs?) Der Oberbürgermeister von Pforzheim bemüht sich, die Parteien zu neuen Verhandlungen vor den Schlichter zu bringen. Troß der Zusammenballung von 34 000 Streifenden auf den verhältnismäßig fleinen Raum des Industriebezirks ist es bisher_zu feinen Störungen der Ordnung gefommen, jedoch steigt in der Bevölkerung, insbesondere in der Geschäftswelt, die Erbitterung gegen die Unternehmer immer mehr. Innerhalb des Arbeitgeberverbandes zeigen einige Induftriegruppen Neigung zur Absplitterung, wenn die verfehlte Taftit noch weiter verfolgt wird und dadurch eine Einigung mit den Gewerkschaften verhindert werden sollte. Kündigung des Arbeitszeitabkommens der Schwerindustrie Effen, 24. Juli.( Mib.) Das Arbeitszeitabkommen, das am 26. Februar für die nordwestliche Eiſenindustrie durch Schiedsspruch getroffen wurde und das erstmalig zum 31. August 1925 mit sechswöchiger Kündigungsfrist aufgehoben werden kann, ist nunmehr von den Metallarbetterberbänden gekündigt worden. Metallarbeiterverbände mit ihrer Kündigung beabsichtigen, ist noch nicht befannt. Was die Neuer Vermittlungsversuch im englischen Bergbaukonflikt. London, 24. Juli.( WTB.) Troz der Aufforderung des Bergarbeiterverbandes, die Arbeit mit dem Ablaufen des jezigen Abfommens am 31. einzustellen, hat man, wie der amtliche englische Funkdienst meldet, die Hoffnung auf eine gütliche Beilegung des Konfliktes noch nicht aufgegeben. Die Wiederaufnahme direkter Berhandlungen, die man von der Tätigkeit des Untersuchungsausschusses erwartet hatte, ist einstweilen dadurch unmöglich geworden, daß die Arbeitgeber troß der Aufforderung des Vorsitzenden sich nicht zur zurücknahme ihrer neuen Borschläge bereitfanden. Die öffentlichen Sigungen des Ausschusses wurden gestern abgeschlossen. Das Gutachten der Ausschußmitglieder ist zurzeit in Arbeit. Anderseits hat die Regierung neuerdings einen Vermittlungsversuch unternommen. Der erste Lord der Admiralität, Bridgeman, hat beide Parteien zu gesonderten Besprechungen eingeladen. Die Einladungen wurden angenommen und man erwartet von der Besprechung Bridgemans mit dem Bollzugsausschuß der Bergarbeiter, die heute vormittag stattfand, eine günstige Wendung. Bersammlung Deutscher Holzarbeiterverband, Berwaltungsstelle Berlin. aller Bertrauensmänner der Solzindustrie, soweit die Betriebe den ,, Bereinigten Berbänden und der Freien Bereinigung" angeschlossen sind, am Dienstag abend 6½ Uhr in den Andreas- festfälen, Andreasstr. 21. Als Le gitimation gilt Berbandsausweis und Bertrauensmännerfarte mit dem Aufbrud Solsinduftrie". Bollzähliges Erscheinen ist Bflicht aller BertrauensDie Ortsverwaltung. männer. Rentralverband der Maschinisten und Seizer sowie Berufsgenossen Deutschlands, Geschäftsstelle Groß- Berlin. Montag, vorm. 9 Uhr, im Gaal 3 im Streit des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, Bersammlung aller Bünktliches und stehenden Baumaschinisten, Seizer fowie Metallarbeiter. zahlreiches Erscheinen ist Pflicht! Achtung, Bergmann- Elektrizitätswerke, Berlin! Montag nachmittag 5. Uhr findet für alle Genofsinnen und Genoffen bei Rroll, Sennigs dorfer Ede Utrechter Straße, eine wichtige Fraktionsgung statt. Parteibuch legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Berantwortlich für Bolitik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Echilowski; Lotales und Sonstiges: Frig Rarstäbt; Anzeigen: Th. Glade; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanfialt Baul Ginger u. Co., Berlin G. 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". BILLIGE ANGEBOTE Mengenabgabe vorbehalten Musselinkleider 390 590 690 Baumwolle, aparte Muster...... Vollvoilekleider 90 59° 975 1375 weiss, flotte moderne Fassons.... Batistkasaks 350 gemustert, in modernen Farben..... Satinkasaks 490 in schöner bunter Ausmusterung ****** Mengenabgabe vorbehalten Fliz- Stumpen 600 Strandjäckchen 390 Herren- Tennishosen für Damen- Hüte.... relne Wolle, weiss and farbig....... Haarfilz- Stumpen 1250 Bol- Musseline 95 für Damen- Hüte, grosse Farbensortimente. für Knaben a. weiss.Panama Sporthemden& wees. Panama 238.70 on 359 4 ca. 60 cm 20 ca.70 cm ca.80 cm ca.90 cm Frottierstoff für Bademäntel, modernes Muster, ca. 150 cm breit..... 90 5.90 5° Damen- Lack- Spangen: Damen- Strümpfe 58. schuhe bequeme Form, fester.14.50 Absatz..... mit Doppelsohle und Hochterse, farbig ca. 80 cm breit................ Meter Wollbatist elfenbein, doppeltbreit........... Meter reine Wolle. elfenbein, ca. 180 cm breit...... Meter Foulard reina Selde, moderne Punktmaster, doppeltbreit, Meter Pf. 2.90 starke weisse Köperqualität aus weiss.Cheviot, reine Wolle...... 21ºº Herren- Lüstersakkos 1350 1750 2150 in guter Verarbeitung und Qualität ******* Schillerhemd 690 Zephir 390 Selbstbinder Selbstbinder 175 reine Selde.... 90 Herren- Socken 49 schwarz, mit verst. Spitze und Ferse 38. PL HERMANN TIETZ 182 Nr. 347 ♦ 42. Jahrgang 1« Heilage ües vorwärts Sounabenü, 25. Juli 1425 Nicht der gewitterschwere Himmel, nicht die drückend« Schwill«, die über der Stadt brütete, hielt die Massen ab. um in gewaltigen Scharen im Lustgarten ihre Stimme gegen den Jollwucher zu erheben. Tausend von roten Fahnen und auch schwarzrotgolden« Fahnen flatterten über den Meer von Köpfen und auch mit Plakaten zeugten viele Betriebe gegen den Zollwucher. Es war ein hinreißendes Bild, wie immer wieder und wieder neu« Züge kamen und stch in das Meer von Menschen ergosien. Es waren Sozialdemokraten und Kommunisten, die gegen den Zollwucher austraten, doch die kommu- nistischen Scharen rächten sich dafür, daß sie keine Redner stellen durften, indem sie während der Rede singend und mit Musik um das Schloß zogen. So entstand eine Stimmung, die wahrlich nicht der Einheitsfront dient, welche die Kommunisten im Munde führen. Die Enllarvungsapostel lasten eben keine Gelegenheit vorübergehen, um die Einheit, wie sie sie auffästen, zu demonstrieren. Doch wenn das auch die Wucht der Demonstration etwas ge- schwächt haben mag, der Gesamteindruck blieb ein so starker, daß er der ganzen inneren Stadt und den Zugangsstraßen das Gepräge gab. Diese Massen sind entschlosten, mit aller Hingabe den Kampf gegen den Zollwucher zu führen, das zeigte diese Demonstration mit oller Deutlichkeit. Das Aufbäumen gegen die Wucher- zolle ist der elementare Kampf des Proletariats um feine Selbsterhaltung. Rote Fahnen wehten wieder über den Lustgarten. Das rote Tuch der Internationale war aufgepflanzt gegen das Per. brechen, daß Deutsche am deutschen Volk begehen wollen. Nicht Lenug mit der Aushungerung während des Krieges und der Infla- tion, das Elend soll durch die Besitzenden zum Dauerzustand erhoben werden. Rote Fahnen flatterten durch die Straßen, Scharen auf Scharen von Arbeitern zogen Kampflieder singend durch die Stadt Der heiße Atem des„Bis hierher und nicht weiter* war in den Massen. Gewitterwolken standen nicht nur am Himmel, sondern auch in dem großen hundcrttauscndsachen Gesicht der Masse. Wer in diesem einen Gesicht gelesen, wer aus einem großen Munde den Willen zum Kampfe hörte, dem mußte klar werden, daß diese Demonstration nur ein gewaltiger Auftakt war zu einem Kampf, der nicht ruht noch rastet, bis das Ziel erreicht ist. - Der finmarsth. In allen Stadtteilen sammelten sich die Masten, aus zahllosen Fabriken strömten sie auf die Straßen und schanen sich um die roten Banner. Insbesondere in den Bezirken des Nordens und des Osten sammelten sich die Arbeiter zum gemeinsamen Anmarsch zum Lustgarten. Der Zustrom vergrößerte sich während des Marsches. Allenthalben schlösse« sich neu« Teilnehmer an, die den Ernst der Stunde erkannt hatten. Trotz der Gluthitze des Hochsommertages ließen st« es sich nicht nehmen, durch die stickigen Straßen der Großstadt in Reih und Glied zu marschieren, um in gemeinsamer Kundgebung gegen die unerhörte wirtschaftlich« Belastung des Voltes zu protestieren. Und auch die, die die Pflicht des Tages darau hinderte, mit dabei zu sein, gaben durch Zurufe ihre Ueberein- ftimmung mit den marschierenden Masten kund. Aus den Häusern und auf den Straßen, überall Zustimmung und freudige Begrüßung. Vielfach marschierten die Kommunisten mit unseren Zügen und taten stch hier durch eine Unzahl von mitgeführten Fahnen und Plakaten und leider auch durch Flugblätter der„Roten Fahne* mit ihrem bekannten unsachlichen und den Jntercsten der Arbetter- schast in keiner Hinsicht dienlichen Inhalt hervor. Zuweilen kam es zu recht lebhasten Diskussionen zwischen unseren Anhängern und denen der KPD., wobei die gegenteiligen Anschauungen mtt großer Schärfe zum Ausdruck gebracht wurden. Insbesondere wurde den Kommunisten immer wieder die sinnlose Tatttk ihrer Zentrale und die Schreibweise ihres Zentralorgans vorgehalten. Und wenn sie dann, so in die Enge getrieben, mtt ihrem Latein zu Ende waren. dann begannen sie„auf die korrupte Führerschaft der SPD.* zu, schimpfen, ohne hier begründete Beweise von Korruption mitteilen: zu können. Häufig genug ernteten sie mit chren Ausführungen � allgemeine Heiterkeit. So wurde der Weg zum Versammlungsort, dem Lustgarten, verkürzt. Es wurde agitiert und geworben. Strömen gleich ergosten sich die Mosten über den großen Platz am Neuen Museum. Unübersehbar schien der rote Fahnenwald, zwischen dem zuweilen die Fahnen der Republik leuchteten. In dieses Gewoge ernst gestimmter Menschen hallten plötzlich Trom- pctenstöße: das Signal für die Redner, die hier in breitester Oefsent- lichkeit die schwerwiegenden Gründe, die zum Kampf gegen den Zollwucher bercchttgen, darlegten. Unsere Redner. Von 17 Stellen sprachen unsere Reimer, die Genosien Auf- Häuser, Bohm-Schuch, Erispien, D i ß m a n n. Groß- mann, Keil, Künstler, L a n d a, L e m p e r t, Dr. L e v i, Meier, Dr. Moses, Dr. R o s e n f e l d, Joseph Simon, Georg Schmidt, Stampfer, Stelling zu den Masten. Sie kennzeichneten mit großer Schärfe die durch die neuen Zölle und Steuern zu erwartende Verschlechterung der Lebenslage der breiten Masten. Sie wiesen daraus hin. daß das deutsche Boll das demokratischste Wahlrecht unter allen Kullurvölkern besitze. Leider habe sich das Volk bei den letzten Wahlen von gefühlsmößi- gen Stimmungen leiten lasten. Es suchte„Retter* unter den Rechts- Parteien. Anscheinend gilt auch in der Wirtschaft der bekannnte Erfohrungsgrundsatz, daß ein erheblicher Teil des Polles erst durch harte Tatsachen klug wird und dann endlich veriuinttig handelt. Vielleicht könnte der Ausgang der Auswertungsfrage, die ungeheure Steueichelastung der bretten Masten. die Schonung de» Besitzes durch die Zollvorloge jetzt erzieherisch wirken. Der Bürgerblock wird oersuchen, die Zollvorloge mit allen Mitteln im Reichstag duräp setze», um dadurch eine neue Kopitalsbildung der Besitzenden zu erzielen. Nie hat ein Volk so aufgeatmet wie das deutsche nach der Beendigung der englischen Hungerblockade. Noch leidet es unter den Nachwirkungen und schon sind deutsche Parteien und Regie- rungsgewallen entschlossen, aus eigenem Antriebe dem deutsche« voll eine neue Hungerblockade mtt Hilfe der Hochschutzzölle aufzulegen, die eine ungeheure Prett- erhöhung aller Bedarfsartikel zur Folge haben wfxd und einen ungeahnten Prokit für die Großagrarier und Großindustriellen be- deutet. Die Zollvorlage in ihrer Gesamtheit ist nichts weiter al» die große Lohnbewegung des Unternehmertum» Die notleidende Wirtschaft kann eine Armee von Unternehmer. syndici besolden, für die Arbeiterschaft hat sie nichts übrig. Do Reichstag ist von diesen Leuten zu einer Börse gemacht worden; unl dieses Unternehmertum, das jede Lohnerhöhung rücksichtslos b«> kämpft, will durch Zölle einen Faulheitsgcwinn verbuchen und wird ihn erhalten, dank einer gefügigen Mehrheit im Reichstag und einer Regierung, die tatsächlich nichts anderes ist, als«in Verwaltungsrat der besitzenden Klasse. Deutschland braucht nichts dringender als frci.cn Zutritt zum Welt- markt und freie Einfuhr der Agrarprodukte, die Politik der Regierung gebt aber auf Isolierung Deutsch lands und auf die Zuf uhrsperre für ausländische Produkte. Die deutsche Wirtschast kann jedoch mir weiter- bestehe» und sich entfalten, wenn billig produziert wird und sie mir ihren Industrieerzeugnissen Absatz auf dem Weltmarkt findet. Die Hochschutzzollpolitik bringt jedoch die Verteuerung der Produktton und die Erschwerung des Absatzes. Die Masten des deutschen Volke? brauchen Stärkung der Kaufkraft und Kräftigung ihrer Leistung? fähigkeit, die Hochschutzzollpolitik bedingt dagegen die Steigerung der Preise, die Schwächung der Kaufkraft und die Verminderung der Leistungsfähigkeit der Masten. Die deutsche Bevölkerungspolsti? erfordert bessere Ernährung der minderbemittelten Schichten, wenn Seuchengefahren beseitigt werden und die Sterblichkeitszissern herabgedrückt werden sollen. Die hochschuhzollpolilik länst aus die Verschlechterung der Vollsernährung und auf die Steigerung der Sterbllchkeil hinaus. Nicht allgemeine Staats- und Dolksinteresten sind es, die mit der Zollpolitik gewahrt werden, sondern nichts als wirtschaftlicher Sinnenspiel. Sf Aus einem Tagebuch. Mitgeteilt von Kurt Eisner. 2. August. Es ist seit einigen Tagen mürrisches Wetter. Von„Nach- sonnenumergöngen* kann man auf die Dauer doch nicht leben. Um so weniger, als sie nicht immer dann in ihrer Pracht sich geigen, wenn man für sie empfindlich ist. Ich habe an den letzten Abenden vergebens das Brückengeländer über dem Strom durch schwärmerisch" dauerhafte Anlehnung in die Gefahr versetzt, in dos Wasser zu stürzen. Ich sah die zorischimmernden Regensttm- mung mit den Augen eines kühnen Malvirttiosen, erfreut, ober nicht ergriffen. Heute habe ich nicht ennnal den Versuch unter- nommen, auf der Brücke Gesicht« zu entsesteln. Die Ferien-kolonie ist bereits gestern abgereist. Die Abreise war für mich verftim- mcnd, denn ich konnte meine Absicht, von der ich den Kindern und mir ein« glückliche Stunde versprach, nicht ausführen. Ihr Der. schwinden erschien mir wie eine plötzliche Flucht, damit mein guter Wille tückisch zuschanden würde. Ich Tor! Hatte ich mich �deiin überhcnrpt erkundigt, wie lange die Schar hierbleiben würde? Kein Wort hatte ich mtt der Lehrerin gesprochen, nur mit humoristischem Beilagen genossen, wie die ungefüge Dame mit ihren Schutzbefohlenen im Wasser tollte-- so furchtbar komisch wegen ihrer Körperlichkeit und doch so liebenswürdig in ihrer Hingabe m: die Wesen, die eimnal für wenige Tage Lebensfreiheit und Da- feinsjubel verspürte, bis si« wieder«ingesperrt find in die Grab- Häuser zwischen den dunstigen Häsen. ' Di« Paragraphentöchter reisen morgen ab. Ich habe dann gar keine Gesellschaft mehr. In der Fremdenliste, die das Wochen- blatt der Kreisstadt veröffenttichte. los ich heut«, daß Fräulein Käthe Blangen hier angekommen sei. Augenscheinlich die Tochter des Malers der diesem Ort sein Ansehen durch seme Bilder ver- schafft hat. Vor zwanzig Iahren wohnte ich mtt ihm Zimmer an Zimmer, ich begleitete ihn aus allen seinen fctreiszügen, kauerte stundenlang neben ihm, um ihm beim Malen zuzuschauen. Wir wurden allmählich innig befreundet, obzwar ich fast noch ein Knabe und er bereits em reifer Mann; es band uns mehr als eine flüchtige Reisebekanntschaft. Damals war er verlobt. Als ,ch in der Zeitung später seine Vermählung las, schrieb ich«hm einen herzlichen Brief. Seitdem schwand jede Beziehung zwischen uns. Wenn ich in den folgenden Jahren im Spätherbst Binsensee auf- suchte» war er jedesmal bereits abgereist. Er war«in schöner Seine Tochter mir» Jahre alt sei«. Wie«ah sie aussehen? Ich werde sie nicht aussuchen, und da sich in dem weit ausgedehnten Dorfe nur die Badegäste näher kennen, die ge- mcinschafttich essen, werde ich sie auch nicht zufällig treffen. Und das ist gut! Ich habe keinen Mut zu dem Abenteuer; es würde Einnerungen wecken, und das ist gefährlich. Zudem ist der Vater inzwischen ein großer Mann geworden, wohl auch reich, und ich bloß ein fleißiger Handwerker vom Geiste. 4. August. Das Spiel! Das Spiel? Wann beginnt es? Heute beim Mittagessen sprach man von dem schlechten Kaffee, den man bei einem Ausflug noch dem zwei Sttinden entfernten Walddorf in der dortigen Konditorei getrunken. Die Leute glauben, bemerkte ein grämlicher Offizier a. D., uns solch Zeug vorsetzen zu können, weil es von einer schönen Witwe und ihren fünf hübscheu Töchtern, die all- schon erwachsen und noch jung sind, zubereitet und serviert wird. Denken Sie, schloß der Berichierstotter, eine Kondttorei, die von sechs Weibsbildern geleitet wird, die sämtlich ihre eleganten Kostüme an ihr herausschlagen wollen! Da muß der Gast bluten. Die Beschwerde erweckte sofort bei mir den Drang ins Weite. Es schickte sich auch, daß ich mein Abenteuer nicht hier, wo gleich- sam mein« Heimat ist. suchte, sondern in der weiten Fremde. Ich pilgerte also nachmittags gen Wohldorf. Aus den geheimnisvollen Schicklichkeitserwögungen, die allezett meinen Spieltrieb oder mein Triebspiel umrankte, ging ich nicht gerade Wegs in die Konditorei. sondern schlenderte in dem Orte umher, lagerte mich am Strande» und ließ mir endlich, als es die höchste Zett war und der Tag schon zum Abend neigte, den Weg zu dem Weiberstaat weisen. Der Ruf hatte nicht übertrieben, im Gegenteil. Der Kaffee war wirk- lich spottschlecht und es waren nicht nur sechs, sondern sieben lebendige Frauen in diesem merkwürdigen Etablissement. Zuerst nahm mich die stattliche Mutter in Empfang und plazierte mich in den Salon, der die unzweideutige Eigenschaft einer einstigen guten Stube bürgerlicher Herkmist durch die Emschmuggelung einiger Marmorttsche ins Oeffenllich-Gewerbsmähige nur notdürftig ver- wondett hotte. Dann schlüpften der Reche nach.die fünf Töchter sehr geschöfttg und eilfertig durch den Salon, ohne, wie es schien. den einzigen Gast zu mustern, sämllich die niedlichsten Schmuck- perlchen in eleganter Textilfassung. Und dann erschien endlich, groß, blaß und üppig-verführerisch, das eigentümliche Dienstmädchen, das mir den Kaffee brachte; es fpielle offenbar gelegentlich die Kellnerin, wenn es den jungen Damen gefiel, vornehm den Betrieb lediglich zu überwachen. Und letzteres taten sie denn auch, wie ich bemerkte» sehr ausdauernd in einem Nebenzimmer, aus dem ihr Schwatzen und Hin-«od Hereile» zu wir herüberdrang. Niemand kümmerte sich in direkter Nähe um mich. Auch dieses Abenteuer drohte mir zu entschlüpfen. Da befiel mich zur rechten Zett ein Genuß nach Backwerk, ich bediente mich der Klingel aus dem Tisch- chen und hotte die Genugtuung, Fräulein Erna— die Mutter rief ihre Namen laut, um sie zu zttieren—, die mittelste der fünf, herbeizulocken. Sie hörte dämonisch lächelnd meine Bestellung, schloß den schweren Eichenschrank auf. entnahm einer Büchse einig? Keks und zählte sie nsir auf einen zierlichen Teller, den se mir ebenso zierlich überreichte. Und um den einsamen Fremdling zu unterhalten, der sich in der Dämmerung langweilen mußte, fragte sie, ob ich hier als Badegast wäre. Nein, nur ein Ausflug aus Binsensee" „Wir sind auch noch nicht lange hier, mein Herr.* Ich sah si« mir an: Es lag etwas nicht Geordnetes, Deklassier- ies in ihrer Erscheinung, dazu ein« nervöse Sinnlichkeit, die über ihr anmutiges Gesicht ein Geriesel von lebhast wechselndem, mimi- schem Geäder ausströmte. Sie war reich, kokett, aber nicht sorg- sättig gekleidet. Dazu schwül parfümiert, und dem Glanz ihrer dunklen Augen mochte sie nachgeholfen soben. Ihre Sprache war temperamentvoll und oerriet Bildung. War das nicht endlich so ein wirrenreiches, raffiniertes, schwieriges Geschöpf, das zu oben- teuerlichen Gefühlen anreizen konnte? Ich hatte den Eindruck. als ob sie jeden Morgen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch höchst komplizierte Tollett« machte. Ich beschloß, das Gespräch fortzusetzen, das abzureißen drohte, denn das Mädchen stand zum Fortgehen berett. „Sie sind nicht lange hier? Noch Ihrer Sprache oermute ich eine Landsmännin.* Wahrhastig, das war so, und wir waren nun, schon näher gekommen. Unwillkürlich, aber leider nicht unbewußt, legte ich die linke Hand— ich stehe im Rufe, schöne Hände zu haben— auf die Marmorplatte, während ich die Rechte(mit dem Ring!) kvnswoll unter den Tisch bog. Ich sprach dann die Vermutung aus, daß sie nicht in einer Konditorei aufgewachsen sei. Diese Ansicht griff sie sehr hostig aus, als ob sie nur darauf gewartet hätte, zu erklären, daß sie eigenllich nicht hierher gehöre. Ich er- fuhr, daß sie die Töchter eines höheren Beamten waren, der früh gestorbeo. Die Pension reichte nicht aus für die ganze Familie, und so kam man aus den Gedanken, die Rente durch die Ueber- nähme einer Kondttorei in diesem Badeort zu erhöhen. Wenn man von persönlichen Schicksalen erzählt, wird man in einer halben Stunde vertrauter, als sonst in einem Jahr. Es dämmerte über unserer eifrigen Plauderei. Die Familie im Nebenzimmer schien nichts Auffallendes an dem Zwiegespräch zu finden. Mein Abenteuer stch.(Fortsetzung folgt»- Egoismus des Großunternehmertums in Industrie und Landwirt- schaft. die zurzeit der deutschen Regierung das Gepräge geben. Die staatlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gesamtinter- essen des deutschen Voltes erfordern den schärfsten Kampf gegen eine solche Politik de» Wahnsinn». Die Zollpolitik der Regierung steht in engstem Zusammenhang mit ihrer sonstigen Außen- und Innenpolitik. Innenpolitisch entspricht sie im Geist der Bevorzugung der Interessen des Großbesitzes, der sich besonders auf den Gebieten der Steuergesetzgebung unbeschränkt austobt, sie entspricht ferner der rücksichtslosen Enteignung der verarmten Gläubiger, die allen Wahlversprechungen zum Hohn durch die Aufwertungsgesetze nicht wieder gutgemacht worden ist. Die.Rettung", die der neue Reichspräsident den verarmten Gläubigern bringen sollte, verwandelt sich nun in eine Mehrbelastung aus dem Gebiet der Steuerleistung und der Preisgestaltung. Die enttäuschten und betrogenen Gläubiger und Sparer werden von dem Zollwucher und der Erhöhung der Masienbesteuerung ebenso hart getroffen wie die gesamten übrigen Lohn- und Gehalts- empfänger. Zoll auf Brot und Fleisch, überhaupt auf alle Lebens- mittel belastet die Massen am schwersten. Aber die Arbeiter, An- gestellten und Beamten sowie die Sozialrentner und KriegsbeschS- dlgten dürfen nicht vergessen, daß auch die Jndustriezölle ein« weitere. schwere, unerträgliche Belastung find. Allein der TextilzollI Schon heute ist es unmöglich bei geringem Einkommen, die Kosten für Bekleidung, Schuhwerk usw. zu bestreiten. Diese habsüchtige Politik des Großkapitals, die von den Rechtsparteien im Innern betrieben wird» dient zugleich dazu, die außenpolitische Selbst- demostierungg zu verschleiern. Die Lebenslnteressen der Proletarier in Stadt und Land, der Lohn- und Gehaltsempfänger, der Sparer und Gläubiger, des kleinen Mittelstandes, kurz aller, die von dem Ertrag der eigenen Arbelt leben, gebieten in geschlossener Front den Kampf gegen die Aushungerung der Massen. gegen die brutal« Machtsucht aufzunehmen. Nieder darum mit der hochschutzzollpolitik. Wir fordern Brot, Freiheit und Frieden für das deutsche Dolk! Der /»bmar/ch. Ein Trompetenstoß und die Redner hatten ihre Ansprachen be- endet. Lebhafter Beifall zeigte ihnen, daß sie mit ihren Ausführun- gen alles das getroffen hatten, was die Massen bewegte und was der Massen Not ist. Ein Händehochheben. die Resolution, die durch Extrablätter des„tßorwärts" an die Massen verteilt worden war, war angenommen. Dann flogen wie auf Defehl die Kopfbedeckungen herunter, und wie aus einem Munde erscholl aus den Kehlen der Arbester die.Internationale". Der Ruf„Nieder mst dem Brot- wucher",„Hoch die Republik" tönte durch die Reihen und die Massen formierten sich zum Abmarsch. Ohne Störung vollzog er sich. Zuerst rückten die einzelnen Abteilungen der SPD„ die Betrieb«, die Jugend und die Rcichsbannergruppen ab. Dann folgten die kommunisti- schen Demonstranten, die eifrig nur hin und wieder einen Zwischen- ruf machen, den Ausführungen unserer Redner gelauscht hatten. Die Schupo, die in zahlreichen Abteilungen, zu Fuß und zu Pferde, angerückt war, bekam kaum etwas zu tun. Eine Stunde dauert« es, bis der Platz völlig geräumt war. Der„Weltnmtm'. In einem Eafe am Bayerischen Platz sitzen ein Herr und eine Dame. Der Kellner zeigt größten Diensteifer. Die Dam« ist stark parfümiert und gepudert, sie stochert angeregt-gelangwestt in ihrem Danille-Eis herum. Der Herr sitzt gestrafst da. ein Bein über das andere geschlagen, die Hosen ganz hoch heraufgezogen, damit die seidenen Strümpfe zu sehen sind, hin und wieder wippt er mst dem Bein, die Strümpfe strahlen in seidigem Hochglanz. Die Schuhe sind auch neu. gelbe Halbschuhe mit Wildledereinsatz. Der ganze Herr sieht sehr neu angezogen aus, und er selbst weiß es zu schätzen, daß er Anzug. Strümpfe und Schuhe vielleicht zum ersten Male trägt, er kokettiert damit, er will sie bewundern lassen. Vor seinem göttlichen Blick thront ein Monokel, er mustert Menschen und Gegenstände mst souveräner Ueberlegenhelt, mit der Geste eines Menschen, dem Bars, Dielen und andere Lebemänner-Institute zur Gewohnheit geworden sind, er ist ein Mann, der eben zu leben versteht. Er schnarrt den Kellner an, und dabei bilden sich zwei teise Fallen um den Mund. Hin und wieder gießt er«inen Likör herunter und wirft seiner Dame einen Herrenmenschenblick zu. In der Tür erscheint ein alter Herr mit einer Aktentasch« unter dem Arm. er schlurft durch das Cafe, er ist irgendein mit Rheumatismus gesegneter Bureauvorsteher oder ähnliches. Er geht langsam an dem Tisch des Lebemanns vorbei und sieht ihn an. Der Lebemann greift sich an den Kopf, das Monokel ist plötzlich verschwunden, dann springt er auf, der Stuhl fällt um. der Herr hat plötzlich Scharnier- gelenke in den Hüften erhalten, er versinkt in zwei tiefen Der- beugungen. Der alle Herr dankt kaum, er ist absolute Vorgesetzten. würde. So etwas wie«inen strafenden Blick wirst er In die Gegend des Lebemanns, dann ignoriert er ihn völlig. Der Lebemann fühlt sich im höchsten Grade geniert, er weiß nicht, wie er sitzen soll. ganz klein ist er geworden, beständig zieht er sein« Hosen herunter und verwahrt seine Füße unter dem Tisch. Di« Dam« lächelt un- merklich und verstehend. Durch eine andere Tür verläßt der alte Herr das Cafe. Der Lebemann sieht da» im Spiegel. Sofort ist wieder die Pose des Herrenmenschen da. Monokel und seidene Strümpfe erscheinen von neuem. Er ruft den Kellner und zahlt. Mit einer Stimme, die durch das ganze Cafö schallt, donnert er dem Kellner, der ihm Geld zurückgeben will, ein„Stimmt" ent- gegen. Dann verläßt er hocherhobenen Hauptes mit seiner Dame das Eafö. Jeder Zoll an ihm ein Weltmann. Strastenbahnbetriebsstörung durch Kabelbrand. Am Freitagnachmittag wurde der Gtraßenbahnoer- k e h r im Zentrum und im Westen längere Zeit durch eine Explosion und einen Kabelbrand an der Umformerstation der Berliner Städti- schen Clcstrizitätswerkc in der Königin-Augusta-Straße 37 in Mst- leidenschaft gezogen. Die Explosion war in einem Post-Kabelschacht entstanden und hatten die Flammen mehrere Kabel zum.Schmoren" gebracht. Dadurch waren zahlreiche Leitungen st romlos geworden. Entstanden war die Explosion in einem Post-Kabelschacht durch Kurzschluß, wodurch andere Kabel der Elektrizitätswerke be- schädigt wurden. Der B ü r g e r st e i g vor dem Hause Königin- Augusta-Straße 33 war st a r k beschädigt worden. Eine Person hatte leichte Verletzungen durch Steine erlitten. Infolge dieser Explosion entstand eine Störung in der Zuführung des elektrischen Stromes für die Straßenbahn, der etwa zwei Stunden dauerte. Bei lebendigem Leib verbraunt. Einen schrecklichen Flammentod fand am Donnerstag nachmittag der k!) Jahre alle Arbeiter Hermann Münch aus der Posener Straße 28. der fest vielen Jahren auf den Neuköllner Elek- trizitätswerken an der Ecke des Weigandufers und der Teu- pitzer Straße beschäftigt war. Er brannte auf dem Hose des Werkes an einem Koksofen unter freiem Himmel Muffen aus. In der drttten Stunde kam plötzlich ein heftiger Windstoß und schlug seine alte mst Oel oollgetränkte Schürze gegen den glühenden Ofen. Die Schürze stand gleich in Flammen. Der alte Mann rannte in seiner Angst in«inen nahegelegenen Schuppen und wälzte sich im Sande, um das Feuer zu ersticken. Als ihm dos nicht ge- lang, sprang er, ganz von Flammen eingehüllt, wieder auf und lief zwischen die Kabeltonnen. Bald brannten nun auch diese. Arbeiter. die jetzt auf die Hilferufe des Unglücklichen herbeieilten, versuchten. mst eigener Gefahr, ihm das brennend« Zeug vom Leibe zu reißen. Es war aber zu fest geschnürt. Münch brach jetzt zusammen, und erst jetzt gelang es, das Feuer auf seinem Leibe zu ersticken. Die Feuerwehr, die gerufen wurde, brachte ihn nach dem Krankenhaus am Urban, wo er unter schrecklichen Qualen bald verschied. Der Brand wurde mit drei Löschzügen leicht bezwungen. Vernichtet wurden nur 3— 4 Kabeltonnen und eine Bude. vle unerträgliche Ileischteuerung. Städtische ZNahnahmen in Vorbereiwng. Endlich hat sich auch die städtische Ernährungsde- p u t a t i o n zu einer Sitzung aufgeschwungen, um die Ursachen der katastrophalen Fleischteuerung zu besprechen und den Versuch zu machen, von stadtwegen der verhängnisvollen Entwicklung der letzten Wochen entgegenzuarbeiten. Am Schluß einer sehr eingehenden Debatte konnte man feststellen, daß außer den schon bekannten und von uns auch genügend gekennzeichneten Faktoren auch die Fleichermeister mst ihrer oft skrupellosen Heraufsetzung der Klein- Handelspreise Schuld an der fürchterlichen Fleischteuerung sind. E» fand sich auf keiner Seite«in Verteidiger dieser Zustande. Die Deputation beschloß deshalb einstimmig, den Leiter des Ernährung»- amtes mit der sofort! gen Veranstallung einer En- quet« über die Ursachen der Teuerung im Klein- Handel zu beauftragen. Dazu sollen Sachverständig« aus tom- munalen wie aus privaten Betrieben herangezogen werden. Die Deputation will sich dann in einer Vollsitzung noch einmal mit dem zu sammelnden Zahlennmterial-beschäftigen und das Ergebnis der Beratung der Oeffentlichkeit mitteilen. Man verspricht sich davon eine starke moralische Wirkung, die sich dann in einer Senkung der Preise wird auswirken müssen. Darüber hinaus setzte sich aber auch auf der bürgerlichen Seite doch die Ueberzeugung durch, daß die Stadt auch mit w i r t- schaftlichen Mitteln der Fleischteuerung ent» gegenarbeiten müsse. Man beschloß deshalb, den Magistrat zu ersuchen, den Verkauf von Gefrierfleisch In eigenen städtischen Verkaufsstellen und Läden in die Hand zu nehmen. Gegen diesen Antrag, der bezeichnenderweise von deutsch- nationaler Seite eingebracht wurde, protestierte lediglich der Wirt- schaftsparteiler in einer lendenlahmen Prinzipienerklärung über Kommunalisierung und ähnliche verwerfliche Dinge. Es muß sich bald zeigen, ob die bürgerlichen Parteien auch im Plenum der Stadtverordnetenversammlung einem solchen Vorgehen der Stadt- Verwaltung zustimmen. Bisher haben sie sich nach Leibeskräften bemüht, alle kommunalen Einrichtungen zu beseitigen. Auf dem Gebiet des Fleischverkaufs liegen aber bereits eine Reihe für die Stadt günstige Erfahrungen vor. Der Apparat dafür läßt sich— wenn nicht politische Widerstände im Plenum erhoben werden,— verhältnismäßig leicht aufziehen. Während so die Vertreter der städtischen Bevölkerung aus allen Parteien unter dem Druck der Not gezwungen sind, für die Förderung des Absatzes von Gefrierfleisch einzutreten, um wenigstens ein Gegengewicht gegen die Preis- katastrophe zu schaffen, berät man im Reichstag über die fänzliche Sperrung der Einfuhr von Gefrier- leisch und über die Erhöhung des Zolls auf solche Sätze, daß die Teuerung noch weit katastrophaler werden muß. Bei den Stadtverordnetenwahlen wird die Bevölkerung Berlins Gelegenheit haben, den bürgerlichen Parteien, nameMlich den Rechts- Parteien zu zeigen, was sie von ihrem wirtschastspolittschen Kurs« hält._ dte Milchknapphett In Serlin. Seine Gefährdung der Säuglingseraähruag. Durch das Zusammentreffen verschiedener Umstände, insbesondere aber infolge der großen Hitze und des gesteigerten Konsums auf dem Lande, hat fest ungefähr Mitte Just die Milcheinfuhr in Berlin nachgelassen und sich in einigen Stadtteilen Milchknappheit bemerk- bar gemacht. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, beträgt der Ausfall der Lieferung im Vergleich zu normalen Zellen etwa löllOOOLIter pro Tag. Wie schon angedeutet, ist der Grund für die Verringerung der Milcheinfuhr darin zu suchen, daß infolge der Hitze erhebliche Milchmengen in sauerem Zustande in Berlin ein- tieften und für die menschliche Ernährung ausfallen, weil ein Verbot der Neutralisierung besteht. Auf der anderen Seit« sst der Grund für den Ausfall der Lieferung darin zu suchen, daß sich die Land- Wirtschaft gegenwärtig in der Ernte befindet und so der Milchwirt- schaft nicht die volle Aufmerksamkeit zuwenden kann. Bisher hat auch dte geringe Abkühlung noch keine Besse» r u n g gebracht. Es wird aber mit aller Entschiedenheit betont, daß die Säuglingsernährung in keiner Weife irgend- wie gefährdet ist, und daß auch die Versorgung der werden- den Mütter und Kranken in jeder Hinsicht sichergestellt sst, so daß kein Grund zur Besorgnis besteht. Eine Gefährdung der Säuglings- ernährung kann, wie uns mitgeteilt wird, erst bei einer Minimal- einfuhr von IIS 000 Litern für Beilin eintreten. Die jetzige Einfuhr beträgt aber noch täglich 700 000 Liter, wozu noch etwa 200 000 Liter Milch kommen, die in Berlin und der näheren Umgebung produziert werden. Hauptsächlich wird die Milchknapphett aber auf die unge- heure Steigerung des Konsums infolge der Hitze zurückgeführt. Der Verfassungstag in deutfchlanö. 700 Einzelfeiern im ganzen Reich in Vorbereitung. Di« Hauptverfassungefeier der Republikaner findet in diesem Jahr» unter Anwesenheit des Bundespräsidenten Hörstng und der Bundesleitung des Reichsbanners Echwarz-Rot-Gold in Berlin statt. Daneben werden in allen größeren Städten im Reich BerfassungSfeiern veranstaltet. Wie wir hören, find bisher mehr als siebenhundert SinzelverfassungSfeiern im ganzen Reich in Borbereitung. Die Suspendierungen im NeichSmonopolamt. Zu den neuerding» erfolgten Verhaftungen und Suspendie- rungen in der großen Spritschieberaffäre erfahren wir von unter- richtet«? Seit« noch folgende Einzelheiten: Im Zusammenhang mit der Aufdeckung erheblicher Sprit- schiebungen in fast allen Teilen Deutschland sind, wie bereits kurz gemeldet, drei Beamte der Derwertungsstelle des Reichsmonopol- amtes für Branntwein vom Dienste suspendiert worden, und zwar die Direktoren Philipp und Horwitz, sowie ein leitender Angestellter namens Wilde. Es handelt sich bei dieser Angeleaenheit. deren Untersuchung erst im Anfangsstadium steht, in der Hauptsache um Jahre lang zurückliegende Fälschungen von Einfuhroer- trägen fürdieLieferung von Sprit. Den suspendierten Beamten des Reichsmonopolomtes soll der Vorwurf gemacht werden, daß sie an diesen Geschäften nicht ganz uninteressiert gewesen seien und au» diesem Grunde trotz Kenntnis der vorgenommenen Fäl- schungen die Verträge nicht beanstandet hätten. Mit diesen Ge- schäften wird serner der ehemalige Direktor der Verwertungsstelle des Monopolamtes, Klose, in Verbindung gebracht, der allerdings Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 25. Jnli. Äußer dem üblichen T&g-eepro�remm: 3.35 ühr nachm.: Onkel Doktor als MSrohenemSbler:„Krnmm- Hänschen". ein modernes Märchen, und ,Klettor-K«trinchen'(erzählt von Dr. med. E. Mosbacher). 5—5.45 Uhr nachm.: Bezitation. Dr. Wilhelm Leyhausen. 6 45— 6.30 Uhr abends: Nachmittagekonzert der Berliner Pnnkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.55 Uhr abends: Theoder Kappstein:.Eine Reise durch Spanien". 3. Vortrag..Granada. Ronda, Gibraltar". 7.30 Uhr abends: Hans-Bredow-Scbule(Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Dr. Julius Glück:.Esperanto". 8.30 Uhr abends:.In der Laubenkolonie". Ein Hörbild. 10 Uhr abends; Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- and Fümdienst. 10.30—11 Uhr abends: Tanzmusik, schon seit Jahren aus der Verwertungsstelle ausgeschieden und fetzt Direktor bei der bekannten Stonsdorfer Firma C. A. F. Körner ist. Weitere Mitteilungen über diese unerquickliche Affäre können im Interesse des Fortgangs der Untersuchung zurzeit noch nicht gemacht werden._ vas Geständnis einer Sterbenden. Zuchlhausstrafe für einen Arzt auf Indizienbeweis. Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte gestern nach zweitägiger Verhandlung den prakt. Arzt Dr. I. wegen Verbrechens nach§ 219(Lohnabtreibung) in einem Falle und Beihilf« zu einem Versuch in einem weiteren Falle zu einer Gesamtstrafe von 1 Jahr 8 Monaten Zuchthaus und ö Iahren Ehrverlust unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft. Der Mitangeklagte, Sanitätsrat Dr. Z. wurde von der Anklage der fahrlässigen Tötung und dem Verbrechen gegen§ 219 freigesprochen. Nach den Urteilsgründen, die Landgerichtsdirektor T o l k i gab, hat das Gericht Dr. I. in dem Hauptfalle als überführt erachtet durch das Geständnis der Sterbenden. Das Gesetz tenne bei§ 219 keine mildernden Umstände. Wenn der Strafrohmen des über 50 Jahre alten Gesetzes auch den heutigen Anschauungen nicht mehr enftpräche, so könnte die niedrigste Grenze bei der Strafe nicht genommen werden, weil es sich um einen Arzt handelte, der schon einmal in ein Verfahren verwickelt war und wußte, was auf dem Spiels� stand. Eine der Ursachen zum Tode des Mädchen», war mit fein Einqriis. Mildernd war. daß er sdion Im vorgerückten Alter steht, und düß die Verurteilung ihn der Achtung seiner Berufskollegen entziehen werde. Staatsanwalt- schaftsrat Vater beantragte wegen Fluchtverdacht bei der Hohe der Strafe den Erlaß eines Haftbefehles. Die Verteidigung widersprach dem Antrage. Der Angeklagte sei nicht geflohen, obwohl er nur 100 Mark Kaution gestellt habe. Er sei schwerhörig und Vermögens- los. Die Verhaftung würde ein unabsehbares Unglück über seine Familie bringen, denn die Frau sei schwer krank. Nach kurzer Be- ratung beschloß da» Gericht, von dem Erlaß eines Haftbefehls ab- zusehen. Das Gericht nimmt mit Sicherheit an, daß der Angeklagte Berufung einlegen werde und bis dahin nicht fliehen werde. Ems Verurteilung sei nicht mit mathematischer Sicherheit erfolgt, sondern auf«inen Indizienbeweis, und es bestehe die Möglich- keit, daß das Berufungsgericht zu einem anderen Urteil kommen könne. Der Haftbefehl würde den Angeklagten auf das schwerste treffen und deshalb sei davon abgesehen worden. Um öie pollzeistunäe. Protest der Gaftwirtsgehilfea. Gegen die Verlängerung der Polizeistunde wendet sich energi'ch der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellten. Die Sostwirtsgehilfen sagen mit Recht, daß die Versprechungen der Unternehmer, bei Verlängerung der Polizeistund« mehr Personal einzustellen und größeres Entgegenkommen zu zeigen, bisher niemals erfüllt worden sind. Jede Verlängerung der Polizeistunde führt zu einer Verlängerung der Arbeitszeit und noch dazu zu einer unbe- zahlten Verlängerung. Außerdem haben die Gastwirtsgebilsen noch die Aussicht, bei der verlängerten'Arbeitszeit in den Großstädten stundenlange Wege nach den Wohnungen in Kauf nehmen zu müssen, da die Verkehrsart stallen sich weigern, ihren nächtlichen Fahrplan auszudehnen. Dazu kommen allgemein- wirtschaftliche Gründe; denn auch die Gastwirtsgehilfen haben das Recht, in ihrer Arbeitskraft geschützt zu werden. Nicht eine Verlängerung der Polizeistunde könne eine Besserung der wirt- schaftlichen Loge des Gastwirtsgewerbes und der Gasthcmsangestellten oringcn, sondern nur eine Erhöhung der Kaufkraft der großen Masse der Bevölkerung durch Gewährung von Löhnen an alle Arbeiter. Angestellte und Beamten, die der tat- sächlichen Stetgerung der Lebenshaltungskosten entsprechen. Bei dieser Gelegenheit muß auch der Behauptung widersprochen werden, als ob die heutige Polizeistunde gegen früher einen Rückschritt be- deute. In Wirklichkeit ist, wie amtliche Unterlagen zeigen, in der heutigen Regelung der Polizeistund« den Gastwirten und dem nächl- lichen Publikum schon viel größeres Entgegenkommen gezeigt worden als in der Vorkriegszeit. Während jetzt die gewöhnliche Berliner Polizeistunde 1 Uhr ist, hatten Ende 1913 im damaligen Ortspolizei- bezirk Berlin die Mehrzahl, nämlich fast SS Proz. der Lokale, um 11 Uhr Schluß, weitere 26 Proz. um 12 Uhr. noch nicht 13 Proz. dursten bis 1 Uhr offen halten und der kleine Rest bis 2 Uhr und später.— Gegen den Beschluß des Breslauer Gastwiristages. d:e Polizeistunde bis 2 bzw. 4 Uhr zu verlänaern und über die Ruhe- zeit der Angestellten nicht mehr Buch zu führen, hat die Organisation der Kellner bereits Protest eingelegt. Koppenhagen. Stockholm und London haben um 12 Uhr Polizeistunde; London will sie aus 11 Uhr herabsetzen._______ verbotene Oaöeftellen. Der Bersiner war von jeher ein« Wasserratte durch und durch. Bewundernswürdig ist es, wie er sich allen Gewalten zum Trotz seine Freibäder erobert hat. Bei der furchtbaren Hitze badet er auch an vielen verbotenen Stellen, wie z. B. im Spandauer Schisfahrtskanal bei Plötzensee. Der Reichswasserschutz fährt an dem allen vorbei und sieht nichts und das ist gut so. Denn die Menschen für ihren Drang zum Wasser auch noch zu bestrasen, wäre sicher ungerecht. Frellich badet so jeder auf eigene Gefahr und muß damit rechnen, ohne behördlichen Schutz zu ertrinken. Doch die Seen und freigegebenen Badestellen sind mehr als überfüllt, die Menschen kleben beinahe auf einander wie Fliegen aus einer Fliegentüte. Der Heidentrieb läßt aber die meisten sich nicht wohl dabei befinden. Doch die Einzelgänger und Familien, die mit jedem Groschen rechnen müssen, sie haben alle irgendwo eine verbotene Badestelle, wo sie sich einem idyllischen. Strondleben hingeben. An einzelnen Stellen wird sogar von ständigen Badegästen für Ordnung gesorgt und die- jenigen, dte den Wald als Papierkorb ansehen, eines Besseren belehrt. Abends müssen auch dte Kanäle der Stadt daran glauben. Junge Fabrikarbeiter, die den ganzen Tag in Rauch und Hitze schanzten, suchen in den Kanälen Erfrischung und setzen einem manchmal durch halsbrecherische Hechtsprünge von den Brücken in Staunen und Schrecken zugleich..Verbotene" Badeslellen. Es hat sich doch mancherlei zum Besseren gewandelt. Man kann der Polizei nur Glück dazu wünschen, daß sie da, wo es nur irgend geht, ein, ja beide Augen zudrückt und so nicht dem toten Paragraphen, sondern dem lebendigen Dasein dient._ Schwindel mit Hnndertmilliardeuscheiuen. Auf Zimmervermieteriiinen hat es ein Gauner abgesehen, der in allen Stadtvierteln austritt. Er sucht sich namentlich alte Frauen au», die oft etwa» vertrauenSielig sind und nicht genau aufpassen. Wenn er gemietet bat, zahlt er am liebsten auf einem etwa» dunklen Flur für einen Monat, indem er sagt:.Hier ist ein Hundertmarlschein." Die Vermieterinnen nehmen arglo» den zu- fammengeknifften Schein an, geben den Ueberichuß heran» und sehen erst später, daß sie einen wertlosen Hundertmilli- ardenschein erhalten haben. Also Gorsicht l Kinderaussage». Auf die Beschuldigung mehrerer kleiner Mädchen war ein Arbeitet Sch. angeklagt, sich in zahlreichen Fällen an diesen sittlich vergangen zu haben. Di« kleinen Zeuginnen schilderten zunächst bestimmte Borgänge mit großer Genauigkeit, wichen dann aber in ihren Schilderungen ob und gaben ander« Vorstellungen der Vorgänge. Dem Verteidiger gelang et, den Nackwei» zu erbringen, daß die Kinder nicht nur bei den vcr- schieden«« Vernehmungen sich bersptochen halten, sondern zunächst auch andere Männer bezichtigt hatten und im Wiedererkennen de» Angellagten schwankend gewesen seien. Da» Schöfjengencht Berlin- Segen öle Aollabfihnürung. Mitte konnte sich daraufhin zu einer Verurteilung des bisher unbestraften Mannes zu einer Zuchthausstrafe nicht entschließen, sondern sprach ihn auf Kosten der StaatSkasie frei. Die Wasserschwierigkeiten überwunden. Am TonnerSiag und Freitag ist es, wie dt« Direktion der Charlottenburger Wasterwerke durch die KL-Korrespondenz mitteilen läßt, gelungen, den durch die Betriebsstörung im Werl Beelitzhof verursachten WasseranSfall wieder auszugleichen und die Waster« behäller wieder auf den alten Stand aufzufüllen, so daß die Schwierigkeiten am heutigen Sonnabend endgültig behoben sein dürften. Auch die Arbeiten zur Steigerung der Produktionsleistung sind in den letzten Tagen erheblich gefördert worden und eS ist möglich gewesen, inzwischen drei weitere Tiefbrunnen in Betrieb zu nehmen, wodurch sich die Leistungsfähigkeit des Werke« nicht unerheblich erhöht. Am heutigen Sonnabend werden ein bis zwei weitere Tiefbrunnen fertiggestellt und der Benutzung übergeben werden. Praktische Alkershilfe. Preiswerte, gut eingerichtete m ö b l i e r t e Z i m m e r weist ständig unentgeltlich inner- halb des Bezirks Prenzlauer Berg nach die Kleinrentnerfürsorge Prenzlauer Berg, Danziger Sir. vt, Hof eine Treppe. Zimmer IIS, Sprechstunden werktäglich von 9—1 Uhr. Telephon: Königstadl S22. Zu dem geheimnisvollen Fund blutbefleckter Wäsche in der Buwer Forst erfahren wir. daß gestern im Laufe des Tages der Wald und die weitere Umgebung von einem größeren Auf- gebot von Kriminalbeamten durchforscht wurde. Trotzdem die Nach- forichungen bi» in den Rachmittag fortgesetzt wurden, waren alle Bemühungen vergeblich, ks wurde keine Leicke gefunden. In der ganzen Gegend wird niemand vermißt, der als Eigentümer dieser Wäschestücke in Frage kommen könnte. Wer über die Herkunst der Wäschestücke zweckdienliche Mitteilungen machen kann, wird gebeten, dies« Kriminalkommissar Riemann im Zimmer 8t deS Polizei- Präsidiums zuzuleiten. Sprech- lhor für proletartkche Zelerfwadeu. Sonntag, den 25. Juki Ausflug zum Slieuitzlee. Treffpunkt: Hauptbahnhof Strausberg, morgens 3 Nhc. Nächste UebungSstunde Donnerstag, den 6. August. Dchw»eze»tg»Ide»« ff ich neu sowie rot«, mit und ohn« Gösch,«rchült mm bei L c v p i n, UHIandstr. IZl/N» 1 Tr. Einzelverlauf zu Engroop reisen. direkt ad Fabrikation. Gllnfliglt« Bezugsquelle kür Hand I er. Die großen k>eiöe- und Waldbrände. Der hannoversche Heidebrand nahezu gelöscht. Im Anschluß an die letzten Mitteilungen ist festzustellen, daß am Freitag die Ausdehnung des Feuers sich gegen den Stand, den es seit 48 Stunden hatte, nicht verbreitert hat. Lediglich im Kreise Nienburg ließ es sich bei dem starken Wind« nicht verhindern, daß das Feuer auf Forscgebiet übergesprungen ist. lind im Kreise Neustadt, wo schon Hochwald brennt, ist noch das H e l st o r f- ser Moor neu vom Brand ergriffen worden, während im Kreise Burgdorf der Brand zum Stehen gekommen ist. Nach wie vor stehen Reichswehrsoldaten, Schutzpolizisten und andere Hilfsorganisationen in angestrengtester, durch die furchtbare Hitze und die dichten Rauchwolken ungeheuerlich erschwerter Lösch- und Abwehrarbeit. Bei dem überall herrschenden Wassermangel ist die einzige möglich« Methode der Abwehr des Brandes durch das Aus- schlagen der einzelnen Flammen mit großen grünen Zweigen. Andere Mittel müssen, wenn kein Regen einsetzt, gegenüber einem solchen elementaren Ereignis von so großen Dimensionen versagen. Menschenleben, Häuser und Ernte sind nach wie vor nirgends de- schädigt oder vernichtet worden.— Neu ausgebrochen ist— unab- hängig von dem Heidebrand au den Grenzen der Regierungsbe- zirke Hannover und Lüneburg—«in Moor- und Heidebrand im Regierungsbezirk Osnabrück, zu dessen Bekämpfung ebenfalls alle verfügbaren Kräfte an Reichswehr» Schutzpolizei mobilisiert worden sind. Der Waldbrand bei Rathenow. Der umfangreiche Waldbrand zwischen Rathenow ind der Elbe flt am Donnerstag mittag an der Ostseite de» Kreises Jericho w II in der Nähe von Rathenow ausge- brochen und wälzte sich mit außerordentlicher Geschwindigkeit nach Westen bis an die Elbe heran. Nach vorläufiger Schätzung find, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, von dem Brand in einer Länge von 16 Kilometer ungefähr 2SOOO Morgen heimgesucht worden. Es handelt sich hierbei um P r i v a t f o r st e n. die zum Test größeren Besitzern, zum Teil bäuerlichen Eigentümern gehörten. Derluste an Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Auch Häuser sind vom Brand unverührt geblieben. Zur Bekämpfung des Brandes wurden sofort die Garnisonen in Rathenow von Osten her und von Stendal vom Westen her alarmiert und prompt, mit anderen Reichswchrtruppen, eingesetzt. Die Gefahr ist gegenwärtig beseitigt. Kleine Flacker- feuer sind noch zu bemerken, die, bei ungünstigem Wind, sich aus- breiten könnten. Da aber die Beobachtung des an sich unÜbersicht- lichen Geländes rasch organisiert worden ist und man über ge- nügend Mannschaften verfügt, hofft man, daß der Brand sich nicht mehr ausbreiten wird. Der Landrat des Kreises, Dr. Bentlage, hat sofort an mehreren Stellen hohe Holzgerüste als Beobachtungs- poften errichten lassen und sie mit Telephonleitungen versehen, so daß jedes Neuaufflackern des Brandes sojort gesichtet und gemeldet werden kann. Eine Drahtscilbahnkatastrophe. Karlsruhe, 24. Juli. sTU.s Gestern abend fuhren 6 M ä d(6 e n zu ihrem Vergnügen mit der Drahtseilvahii eine« Werke« bei Langenbrand, die ein Arbeiter hierzu in Gang gesetzt batte. Plötz- lich sauste der Förderilblitten mit den Mädchen in die Tiefe. Durch �den Absturz wurden drei Mädchen so- fort getötet, während die zwei anderen noch im Laus« der Nacht ihren schweren Verletzungen erlagen. Der Arbeirer selbst liegt mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus.__ BootSunaluck von»1 Olhmpiafnhrern. Am Freitag früh um 7.30 kam. wie WTB. aus Müllheim mit- teilt, ein Boot von Basel, das mit 21 Sportsleuten besetzt war, die an der Olympiade In Frankfurt a. M. teilnehmen wollten, den Rhein herunter. Infolge des herrschenden Windes stieß da» Boot an der Neuburgsr Brücke an ein dort haltende» Schiff und kenterte. Dem Brückenwärter gelang es, die meisten Ruderer aus dem Wasser zu ziehen. Einige von ihiien konnten sich schwimmend retten. E i n Insasse ist ertrunken, einer wurde schwer, zwei andere weniger schwer verletzt. Die Verletzten fanden im Kranken- Haus in Mühlkausen Ausnahme. Sechs Mann fuhren nach Front- siirt weiter, während die übrigen mit dem Zuge nach Basel zurück- kehrten.__ Großfeuer in Oslo. Am Freitag früh brach in Oslo, der Haupt- stadt Norwegens, ein Brand aus, der dalD einen so riesigen Um- fang annahm, daß selbst über das Meer von Kopenhagen Löschhilfe erbeten wurde. Eine Anzahl von Silo- und Packhausern wurde eingeäschert. Der Schaden geht in die Millionen. . Der Typhus«n Hamburg. Der letzte Wochenbericht des Ge- simdheitsamtes meldet 47 Typhusfälle. Etwa 30 Fälle be- treffen die Besatzung eines Dampfers, der in der letzten Woche Hamburg wieber verlasien hat. 14 Fälle ereigneten sich bei einer Firma. Die übrigen drei Fälle sind Einzelerkrantungen. Der Ge- fahr einer weiteren Ausdehnung ist durch umfassende Sicherheit-- maßnahmen vorgebeugt. Wetter sc- Lerliu i r.ü llmgccci.d: IVf; n'.'i iniktiiden Tempcraluren m,d wlederbollen aewitterartigen R-genfälle».'— Für veutschlaad: Auch im pst en langsam« Abkühllmg. Vi-Isach Regenschauer. In der Pressetorrespondenz des IGB. schreibt Robert Ire- melloni über dieses wichtige Thema: Europa wird von einer Schutzzollepidemte heimgesucht. Di« Regierungen aller Länder sind einzig und allein darauf bedacht, die Wünsche der Nationalisten und Kapitalisten zu befriedigen, wobei sie sich der Gefahren, von denen unser in Zer- fall geratener Kontinent bedroht wird, kaum bewußt sind oder ste auf die leichte Achsel nehmen. Demgegenüber weisen die Wirtschafter und Soziologen uner- müdlich auf die schlimmen Folgen der' Gegensätze innerhalb Europas, sowie auf die chinesischen Mauern hin, die von Land zu Land aufgerichtet werden. Die Lasten, die sich aus der neusten Entwicklung ergeben, drücken schwer aus die Schultern der Arbeiter, deren Reallöhn« im Vergleich zum Jahre 1900 beträchtlich gesunken sind und deren Lebensbedingungen immer schlechter werden. Zwei der wichtigsten Industrieländer Europas, Großbritannien und Deutschland, haben bereits Riesenschritte auf dem Wege des Schutzzolls zurückgelegt oder sind im Begriff, in dieser Richtung zu gehen. Diese Politik liefert den anderen Ländern den Vorwand, ihre nationalen In- dustrien ebenfalls zu„verteidigen', weitere Schranken auszurichten und die Lage noch schwieriger zu gestalten. Die Schäden dieser S e l b st m o r d p o l i t i k, auf die die Ge- wertschaften der Amsterdamer Internationale mit allem Nachdruck aufmerksam machen, werden in einigen Iahren offen zutage liegen, falls sich die treibenden Kräfte nicht schon vorher auf ein Besseres besinnen. Es ist wichtig, daß die Gewerkschaftsinterna- tional« das Banner de» Freihandel» hochhält und die Kampagne gegen den Schutzzoll auch auf internattonale» Gebiet verlegt. An Hand umfasiender statistischer Angaben, wie ste z. B. vor einigen Tagen die statistische Abteilung des amerikanischen Handels» amte, veröffentlichte, kann man ersehen, daß die Lerhältnisie be- reit» setzt schon sehr ungünstig liegen. Die Einfuhr und Ausfuhr der verschiedenen Erdteil« in Millionen Dollar ge- staltet« sich in den Iahren 1913, 1923 und 1924 wie folgt: y u lünd«.-) 21 L and er.•) 88 Länder.«) 48 Länder. Dazu ist zunächst zu bemerken, daß das Total der Einfuhren mit dem Total der Ausfuhren nicht übereinstimmt, da von der Statistik nur neun Zehntel der Länder ergriffen werden konnten und die Berücksichtigung der Valuten der ver- fchiedenen Nationen leichte Differenzen ergibt. Dessen ungeachtet können aber au» diesen Ziffern interessante Schlußfolgerungen ge» zogen werden. Es ist daraus unzweideutig ersichtlich, daß der Welthandel in den letzten 10 Iahren zurückgegangen ist. Wenn man die Entwertung des Gold-Dollars(zirka öv Proz.) mit den Schwankungen der Warenpreise ins Verhältnis bringt, kann man sagen, daß die Indexzahl des Welthandels von 100 im Jahre 1913 auf 96 im Jahre 1924 gesunken ist. Was aber vor allem symptomatisch ist, ist die Tatfache, daß Europa der einzig« Kontinent ist, dessen Handels- bilanz sich empfindlich verschlechtert hat. Setzt man die Importe mit 100 ein, so stellen sich die Exporte im Jahre 1924 bei Amerika auf 130,3, bei Asien auf 110,1, bei Afrika und Australien auf 93,8 und bei Europa auf nur 79,2. Es ist schon wiederholt behauptet worden, daß es da» Los von Europa fein werde, eine Kolonie der Vereinigten Staaten zu werden. Man darf in diesem Zusammenhang wohl sagen, daß sich die Bereinigten Staaten allerdings einer Handels- bilanz erfreuen, die auf dem Weltmarkt immer mehr ins Gewicht fällt. Während im Jahre 1913 nur 16,2 Proz. der Ausfuhren und 19.9 Proz. der Einfuhren auf Amerika entfielen, kontrolliert e» im Jahre 1924 14,1 Proz. der Importe und 19 Proz. der Exporte, d. y. fast«in Fünftel des gesamten, internationalen Warenaustausches! Diese Ziffern bestätigen die pessimistischen Loraussage« der Ritti, Ferarro, Rignano und anderer Wirtschafter und Denker. Dies zeigt sich besonder» auch, wenn man zu dem wenig er- freulichen Bild der Handelsbilanzen dasjenige der Wanderung fügt. Die Wanderungsbewegung der verschiedenen Länder der Welt war in den Iahren 1913, 1920, 1921 und 1922 die folgende: 1913 1920 1921 1922 Auswanderung und Rückwanderung.. 3 670 000 2 020 000 1 675 000 986 638 Auswanderung ohne Rückwanderung.. 2 693 009 1 262 000 966 000— Setzt man die Quote des Jahres 1913 mit 100 gleich, so ist st« von 67 im Jahre 1920 auf 47 im Jahre 1921 und 27 im Jahre 1922 zurückgegangen. Die Indexziffern der darauffolgenden Jahre sind offiziell nicht bekannt. Auf oll« Fälle kann man ober von einem starken Rückgang sprechen. Angesichts aller dieser Faktoren ist es Aufgabe der international organisierten Arbeiter, immer und immer wieder auf die ernsten Folgen aufmerksam zu machen, die«ine weiter« Einengung der Weltwirtschaft durch«In« ausgesprochen« Schutzzoll- Politik haben muh. Das Bekenntnis der Arbeiter zu einer Politik des Friedens, zum Gedanken der internationalen Der- ständigung und zur freien Zusammenarbeit erhält in diesem Augenblick eine ganz besondere Bedeutung. Rückbilüvng der Hppothetenbanttonzerne! Im deutschen Hypothekenbankwesen hat die Stabilisierung der Währung allmählich dazu geführt, daß man die historische Aufgab«, die Hypothekenoermitllung wieder in Angriff nahm und sich von den in der Inflation notwendig gewordenen geschästsfremden Be- tötigungen zurückzog. Es war daher zu erwarten, daß eines Tage» auch die Frage zur Diskussion gestellt wird, ob die damals von mehreren Hypothekenbankgruppen vorgenommene Konzernbildung weiterhin aufrechterhalten oder wieder preisgegeben würde. Es ist bekannt, daß diese Konzernierung von Hypotheken- danken seinerzeit in drei verschiedenen Formen erfolgte. Die engste Verbindung, die heut« wohl noch ungemindert fortbesteht, stellt die Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken dar mit sieben größeren Banken, die tatsächlich eine Kombination dar- stellt, bei der die kaufmännische(wenn auch nicht juristische) Selbständigkeit der Mitglieder aufgehoben war. Die losest« Ver- bindung hatte eine Gruppe süddeutscher Hypotheken- danken, die nur«ine Arbeitsgemeinschast zur gelegentlichen ge- meinsamen Durchführung lohnender Geschäfte bildet, für deren Wahrnehmung die Kapitalkraft und der Kredit der einzelnen Mit- glieder genügt hätte. In der Mitte stand die deutsche Zentral- bodenkreditvereinigung mit vier Danken, die zwar die Kapitalkräfte und den Kredit In dauerndem Zusammenwirken vereinigten, die kaufmännische Selbständigkeit der einzelnen In- stiiiit« aber stärker betont und sich vor allem strenger als die beiden anderen Gruppen auf eigentlich« Hypothekenbanken be- schränkte. Die Frage, ob diese Konzern- und Jnteresiengemeinschaft«- bindungen auch eine Rückbildung zu früheren Verhältnissen erfahren würden, ist tatsächlich jetzt von der an sich konservativsten der drei Gruppen, der deutschen Zentralbodenkreditoer- e i n i g u n g, gestellt worden. Wie wir hören, wollen die Preußische Centralbodentredlt Berlin, die deutsche Grundkreditbank in Gotha und Berlin, die Rhein.-Westf. Bodenkreditbank Köln und die Braunschw.-Hann. Hypothekenbank die Verknüpfung in der Ver» waltungs-, Bilanzierungs- und Gewinnpolitik lösen und in eine losere Verbindung in der Art der Arbeitsgemeinschaft süddeutscher Hypothekenbanken umwandeln. Diese losere Der» bindung sei jetzt, nachdem die Währung stabilisiert und der Um- fang der Geschäfte sich dadurch erheblich eingeschränkt habe, um so mehr vorzuziehen, als durch da« Wiederaufleben des alten Darlehensbestandes für jede der beteiligten Banken eine selbständige. dem früheren Umfang entsprechende Betätigung gesichert sei. Die zukünftige Verbindung der vier Banken soll auf die gemeinsame Vertretung der Interessen nach außen, auf Erfahrungsaustausch zwischen den Direktionen und geeignete gemeinsame Geschäfte be- schränkt sein. Ob diese Rückbildung der Zentralbodenkreditvereinigung als symptomatisch für die Preisgabe der Konzernform bei den Hypo- thekenbanken angesehen werden darf, darüber wird man das Urteil wohl noch zurückstellen müssen. Von der Gemein- fchaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken liegt zum mindesten noch kein Anzeichen für eine entsprechende Rückbildung vor. Im Gegenteil ist zu erwarten, wenn die von der Gemeinschaftsgruppe In New Park geführten Anleiheverhandlungen Erfolg haben sollten, daß diese die Tendenz zum Zusammenschluß noch verstärken. Weiter ist zu beachten, daß auch die Zentralbodenkreditvereinigung ihren Mitgliedern ja nicht die volle Unabhängigkeit zurückgeben wird. Und schließlich dürften in der Notwendigkeit des Wieder. aufbaus des Realkredits und der Möglichkeit umfassender Kurs- regelungen für die Goldpfandbriefe auf inländischen und aus- ländifchcn Börsen Momente liegen, die der Konzernierung der Hypo- thekenbanken wieder förderlich sein könnten. ver öeutsihe Außenhandel im �luni. Der deutsche Außenhandel zeigt im Juni eine geringe Steige- rung der Einfuhr und eine etwas größere Abnahm« der Ausfuhr. Dem Werte nach betrug die Einfuhr Ausfuhr >828 Zmü Rai gan./I>»i Zmii Rat Zan./Iuai in Rtliiau«» Rart 1. Lebende Tiere. 16.0 12,9 60,8. 0.7 1.0 9.4 2. Lebensmittel u. Getränke... 844,6 292,7 1888,8 84.8 40,2 264,8 8. Rohstoffe und halbiert. Waren 484,9 620.6 3876.1 120.8 137,8 722 9 4. Fertige Waren 164.8 167.1 1069.0 630.4 619.0 3120,6 Rein.Warenverl. 1009,2 933,3 6393,2 685,7 728,0 411,2 5. Gold u. Silber 62,6 90.4 448,1 2.0 42 14,9 Zusammen 1071,8 1083,8 6836,3 687,7 732,2 4132,1 Die reine Wareneinfuhr zeigt im Juni gegenüber dem Vormonat eine Steigerung um 16 Mill. M., die reine Warenausfuhr ist dagegen um rund 42 Mill. M. gefallen. Der sich auf Grund des reinen Warenverkehrs(unter Ausschaltung des Außenhandels mit Gold und Silber) ergebende Einfuhrüberschuß beträgt im Juni 3 2 3 Mill. M, gegen 266 Mill. M. im Mai und 337 Mill. M, im April. Bei der Einsuhr ist eine Zunahme um 62 Mill. M. bei Lebensmitteln und Getränken und«ine Abnahme um 35,7 Mill. Mark bei Rohstoffen und halbfertigen Waren festzustellen. Der Aus- fuhrrückgang verteilt sich auf alle Positionen: hauptsächlich sind daran beteiligt Rohstoffe und halbfertige Waren mit 17,6 Mill. M, und Fertigwaren mit 19 Mill. M. Steigende Umsähe der konsumgenossenßhastea. Der Gesamtumsatz der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumvereine m. b. H. beziffert fich im 1. Halbjahr 1926.... 90 607 l 62,88 Rm. , 1., 1924...■ 74 459 764,76„ mithin ein Mehrumsatz von 16 047 398.12 Rm.-- 21,66 Proz. In selb st Hergest eilten Erzeugnissen betrug der Umsatz im 1. Halbjahr 1926 auf.. 14 606 479.37 Rm. , 1.. 1924... 12 467 536,13. mithin ein Mehrumsatz von 2 147 894,24 Rm.---- 17,24 Proz. Der Umsatz in selbsthergestellten Erzeugniffen bat also nur eine Erhöhung von etwa 17«/„ eriahren. während der Gesamtumsatz um etwa 21 o/o gestiegen ist. Hier ist noch viel zu tun. um die Genosien- schailer im Lande dahin zu bringen, in ihren Verteilungssiellen nur die Fabrilaie ihrer eigenen Betriebe, mit dem Zeichen OEG, zu fordern. Nur so ist es möglich, die Fabrikate mindestens denen der Konkurrenz ebenbürtig zu gestalten. die fluto-Induftrie der vereinigten Staaten. Aus einem Bericht des Department vf Commerce entnehmen wir einige für die Entwicklung dieser Industrie im Jahre 1924 interessante Angaben. Danach wird die Zahl der in der Automobil-Industrie be- schäftigten Arbeiter und Angestellten mit 329 663 Köpfe angegeben, die an Löhnen bzw. Gehältern 647 216 760 Dollar be- zogen. Das Durchschnittsgehalt eines Arbeiters be- trägt jetzt 1660 Dollar pro Jahr. Das in dieser Industrie investierte Kapital betrug am 31. Dezember v. 1. 1 691 050 112 Dollar. Es wurden im letzten Jahre 3 243 286 Personenwagen und 374 317 Lastwagen abgesetzt. Der große Absatz der nord- amerikanische» Automobilfabrikantrn ist nicht nur auf die außer? ordentlich günstigen Zahlungsbedingungen, die dem Käufcil eingeräumt werden, sondern auch auf die ständig zu» nehmende V e r b i l l i g u n a, die gegen das Jahr 1923 20 P r o z. beträgt, zurückzuführen.— Ein nachahmenswertes Beispiel. Die Automobilausfuhr ist im Jahre 1924 gegen das Borjahr um 17,9 Proz. gestiegen; fie betrug insgesamt 178 730 Einheiten. Zu den Hauptabsagländern gehörten Australien( 45 522), Argentinien( 12827), Ranada( 10 393), merito( 10 082). An der Ausfuhr waren die Ford- Werke mit mehr als 50 Proz. beteiligt. Nach dem Werte der Erzeugung gemessen, die die ein zelnen Induſtrien Ameritas in einem Jahre schaffen, steht die Automobilindustrie mit einem Werte von 3 163 327 875 Dollar an der Spike, ihr folgt die Eisen- und Stahlindustrie, deren Wertziffer mit 3 154 324 671 Dollar angegeben wird, und an dritter Stelle die Nahrungsmittel Industrie mit 2 585 803 000 Dollar. Chinawirren und Weltmarkt. Der chinesische Antimon- Erport hat in den letzten Monaten ständig abgenommen. China deckt zu mehr als 80 Proz. den Weltbedarf an Antimon. Die Folgen diefer Exportverminderung haben sich in Preiserhöhungen auf bem amerikanischen Marft ausgewirft; auch auf dem beutschen Metallmarkt ist Antimon in den letzten zwei Wochen ( von 122-124 auf 126-128 R.-M. p. 100 Kilogramm) gestiegen. Antimon, das vornehmlich zur Herstellung von Legierungen, Letternmetall, Geschützmetall, ferner zur Erzeugung von chemischen und medizinischen Präparaten verwendet wird, dürfte, falls die chinesischen Unruhen nicht bald beendet sein werden, angesichts der geringen Weltvorräte auf dem Weltmarkte sehr knapp werden. Eine selbstverständliche Folge davon wäre ein weiteres Steigen der Antimonpreise bzw. der aus Antimon hergestellten Produkte. Ein zweites Produtt, das China in startem Maße exportiert, ist Sojabohnen Del. Dieses Produkt spielt in vielen Ländern Die Rolle des Olivenöls. In den Vereinigten Staaten hat sich, wie wir hören, bisher noch fein Mangel empfindlich bemerkbar gemacht, da die amerikanischen Bezieher dieses Erzeugnisses bis auf weiteres mit Sojabohnen- Del eingedeckt sind. Der starte Rüd gang des chinesischen Eier Exports in den letzten Monat hat in amerikanischen Leder- und Zertproduzenttreffen( wo chinesische| viere, innerhalb derer dann die meltere Berteilung durch die OberEier zur Leder- und Textilapprehur verwendet werden) große Berlegenheit hervorgerufen. Die Preise sind in den letzten Wochen beträchtlich gestiegen. Die Lage der Holzindustrie. Die Erhebungen des Deutschen olzarbeiterverbandes über die Geschäftslage der Holzindustrie im Juli 1925 ergeben zahlreiche Anzeichen für einen efel der Konjunktur. Von den Erhebungen wurden 616 Betriebe mit 102210 Arbeitern erfaßt, gegenüber 614 Betrieben mit 100520 Arbeitern im Monat Mai. Von diesen Betrieben waren 408 mit 70747 Beschäftigten gut, 148 mit 24 275 Beschäftigten be friedigend und 60 Betriebe mit 7161 Beschäftigten schlecht beschäftigt. Die Entwicklung vollzog fich also wie folgt: Bon je 100 Beschäftigten Juni 1924 Mai 1925 Juni 1925 entfielen auf gut beschäftigte Betriebe befriedigend schlecht " 34,5 28,1 37,4 72,8 22,4 5,3 69,2 28,8 7,0 Die Zahl der Arbeitslosen stellt sich auf 9608 Personen 3,7 Proz. der Mitglieder, gegenüber 8708 Personen 2,88 Mit glieder im Monat Mai. Das Kohlensyndikat für ganz Polen, das türzlich gegründet wurde, trägt den Namen„ Gesamtpolnische Ronvention" ( Konwencja Ogolno- Polsta, abgefürzt KOP.); die beiden beteiligten Organisationen die Oberschlesische Kohlentonvention und der Rat der Kohlenindustriellen in Dabrowa Gornicza, der die Kohlenindustrie des Dombrowabedens und des Krakauer Reviers vertritt, behalten ihr innere Selbständigkeit, verpflichten sich aber zur gemeinsamen Festfezung der Bertaustontin gente, der Kohlenpreise, der Zahlungs- und Kre bitbedingungen. Ein paritätischer Bollzungsausschuß bes stimmt monatlich die Produktionsmengen für jedes der drei Refchlesische Konvention bezw. den Rat der Dombrowaindustriellen erfolgt. Die derzeitige Regelung meist dem oberschlesischem Gebiet 74 Proz. der gesamtpolnischen Produktion zu, dem Dombrowa und dem Krakauer Revier 26 Proz. Der Vollzugsausschuß mit dem Sig in Kattomiz sezt sich aus je fünf Mitgliedern und zwei Stellvertretern zusammen, die von den beiden genannten Organisationen gewählt werden. In den ersten Vollzungsausschuß ist von der Oberschlesischen Konvention Geheimrat Billiger als Vorſizender gewählt worden. Die Sachlieferungen nach dem Dames- Gutachten. Von Frankreich sind in den legten 6 Wochen für ca. 6 Mill. Goldmark Sachlieferungsaufträge an die deutsche Industrie erteilt worden. Unter diesen Aufträgen befand sich einer in Höhe von 2 Mill. Goldmart auf eine fomplette Fabriteinrichtung. Außerdem sind Schnittholz und Werkzeugmaschinen bestellt worden. Die belgischen Aufträge über Sachlieferungsfonto haben in der gleichen Zeit ca. 4 Mill. Mart betragen. Diese Aufträge sind im Gegensatz zu den französischen ausschließlich von staatlichen Organen erteilt worden, und zwar in erster Linie von der Poftverwaltung und Eisenbahn. Ueber die Neuregelung der Sachlieferungen durch Frankreich sind die Bestimmungen noch nicht veröffentlicht worden, Es verlautet aber, daß die früheren starken Widerstände der französischen Industrie gegen die deutschen Sachlieferungen in der letzten Zeit erheblich nachgelassen haben. Schwedens Erzausfuhr nach Deutschland. Nach einer Stpdholmer Meldung des Fachblattes Industrie- Kurier sind von dem schwedischen Trust Gröngesberg im Monat Juni 925 000 Tonnen Erze gegen 601 000 Tonnen im Juni 1924 und 493 000 Tonnen in 1913 verladen worden. Für das erste Halbjahr 1925 belief sich die Gesamtverschiffung auf 4 136 000 Tonnen gegen 2591 000 Tonnen im ersten Halbjahr 1924. Die starke Zunahme des Exports ist auf den gesteigerten deutschen Bedarf zurückzuführen. Trinkt bei der Hitze 8. Bolle Joghurt Theater Lidifplele uw. Staats- Theater Schauspielhans Sommergastsp. 1925 Leitung: Leo Walther Stein. Täglich 8 Uhr: Kreuzfeuer Lustspiel von K. Presber und L. W. Stein Schiller- Theat. Operettenspielzeit 8 Uhr. Annemarie Operette von Jean Gilbert u. Robert Gilbert mit Dora -W LLE EMMO die erfrischendste und gesündeste Sauermilch Elite- Sänger Kottbuserstr.6 Tel. Moritzpl. 16077 TYPOGRAPHIA Ab 1. August die größte aller Revuen: Berlin... da kieekste: Elite- Revue in 12 Bildern. 8 Tage Vorverkauf e Reichshallen- Theater Basispiel der berühmter Gesangverein Berliner Buchdrucker a. Schriftgießer M.d.A.S.B. Chormeister: Alex.Weinbaum Sonnabend, den 25. Juli 1925 abends 6 Uhr Dresda. Viktoria- Sänger Sommer- Konzert Anfang 8 Uhr 1. August im Spree- Garten Treptow Wiederauftreten der Stettiner Sänger Alt- Treptow 9-13 Dönhoff- Brett'i: Anfang 6 Uhr. Garten ist ab 4 Uhr geöffnet Saal und Garten Das entzückende Eintrittspreis 50 Plennig Juli- Programm! Bei ungünstiger Witterung findet das WINTO DORTEN Rauchen Leffler Nymgau Der auserlesene Juli- Spielplan G( stat) Spira- BaseltDieHeidemann gelmann- Hiller Kuthan Ledebour Volksbühne 8 U.: Die deutschen Kleinstädter Metropol Theat.. 8 Uhr: Tausend MSD 9 1,2,3, sube Beinchen Theater des Westeus Steinpi.931 8U: Letzte Vorst. im Th. des Westens. Bis 31. Julis USCHI Uschi Ellept, Fr. Schulz Gertrude Berliner Deutsches Sommerpreise Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Berlins erfolgreichste Revue: Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! LUNA Heute Kindertag Kind. 50 P. 2 Affrakt, fre Erwachs 1 M. 1 Kind frei Künstler- Theater Alle Attraktionen in voll.Betrieb Letzt.Vorstellungen 8 Uhr: Meiseken Dienstag 72 Chr Premiere Fanteuil 47 Lustspiel von Louis Verneuil Operettenhaus am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Der kleine Kuppler Kleines Th. Täglich 8 Uhr: Rosen von Sudermann 8 U. Triauon- Th. Ueber 100 mal Die Tugendprinzessin Musik v. Kurt Zorilg Kettner, Reiter, Saudt, Hellmuth, Wenkhaus Serenyi, Radetzky, Berliner Theater 7.45 Uhr: Anneliese v. Dessau Feuerwerk Grix Grigory. Rehfeldis Motorradsens. Eintritt 1 MK. PARK Entdeckung des NORDPOLS in Groß- Berlin Restaurant Alexanderstraße 46-48 Ecke Neue Königstraße. Berlins neueste Sensation! Konzert im Saale statt. Am 22. Juli verschieb nach langent, schwerem Leiden meine liebe Fran 5/12 und gute Mutter geb. Martha Karsch Radmann Dies zeigen tiefbetrlibt an Friedrich Karsch u. Sobn. NW, Embener Str. 13 Die Einäscherung findet am Montag, ben 27. Juli, vormittags 10 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Heute nacht 10% Uhr entschlief sanft nach schwerem Krantenlager meine liebe Rufine, unfere liebe, gute Zante Ww. Ottilie Dietrichs geb. Baader Die Einäscherung findet Dienstag, 28. Juli, nacht. 3% Uhr, im Arematorium Gerichtstr. 37 statt. Die trauernden Hinterbliebenen: Elise Bohbe, Paul Rustig und Frau Martha geb. Schrader. Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Minifterzeit. Breis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borräfig in allen VorwärtsAusgabeftellen. AUSSTELLUNG zirka 60 bemalter und vollständig ausgestatteter WOHNRÄUME FARBE Schulgebäude Fürbringerstr. 33 nahe Hallesches Tor UND JULI BIS SEPTEMBER 1925 RAUM Veranstalter: Verb. der Malereigesch. v. Berfin u. d. Vor. Eintritt tägl. 50 Pf. Donnerstags Mark 1.Geöffnet von 10-7 Uhr. Reederei Kieck Verkäufe Möbelfucher, Neueröffnung, Möbel. magazin nur Invalidenstraße 131, Sof ( am Stettinerbahnhof). Billigste Breife. Ranmann- Rähmaschinen für Sausge. Teilzahlung geftattet. brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re Wichtig für jedermann! Täglich wer paratur- Berfitatt für alle Syfteme den verkauft: Rleiderschränke, Bertikos Emil Salbarth, G. m. b. S., Friedrich. 18. Bettstellen, fomplett, 16, Metall Straße 55a. Merkur 6268. bettstellen mit Auflegematragen 22, luridränke Waschtoiletten 18. Chaife. longues 18, Rommoden 15, Bücher inden, Schreibtische 36, Trumeaus 29, Büfcits 75, fünfzig Standuhren, Garantie, von 68,- an, Kücheneinrich tungen 48, Speisezimmer, Serrenzimmer. Schlafzimmer 225, Rlubgarnituren 175. Leberklubfeffel 65. Riefenausmahl. über 500 Zimmer. Alles tatsächlich fpot billig. Stargardts Möbel und Lom barbfpeicher. Brenzlauer Straße feds. Reißenge( Richter- Bräzision), Sicher heits- Goldfüllfederhaiter. Bureaubebarfs haus Lindner, Neukölln, Raiser Friedrich- Straße 36/37. Reifebauerwäsche, allerbeste, Reichenbergerstraße 7, Schwäbische 19. Liefere sofort Rinderwagen. Rinderwagen spottbillig. Auf Teilzahlung Rinderklapp magen. Ball. Große Frankfurterstraße 47. Musikinstrumente Alaptermacher Ren eingetroffen große Boften Teppiche, Tisch und Chaiselonguededen auf bequeme An- und Abzahlung. Möbel- Bianos preiswert. Lechner, Brunneuftraße 7, Nähe Rosen- Lint. Brunnenitraße 85. thaler Blog. Qualitätspianos auf Roten an jeder mann. August Roth, Pianofabrik. G. 32, Brandenburgstraße 72, Hochbahn Bringenfiraße. Bekleidungsstücke. Wäsche usw. Getragene Herrengarderoben, tadel Beftein, Blüthner, 3bach, Dunfen los erhalten, große Auswahl billige Bianos, Flügel verlauft fehr preiswert Breife. Leibhaus Spiegel, Chaufice- Bianohaus, Königgrägerstraße 81, Ru ftraße 7. Tante Rahlungsbedingungen. Monatsgarderobe, Lothringerstraße 56, Bon eine Treppe, Rosenthalerplag. Millionären, Aerzten, Anwälten turze Fahrräder 4 Reit gefragene Ravaliergarderobe, fabel- Fahrräder, fabrikneu, 55 an. Damen baft billige Breise. Anzüge, Taillen- räder, Jugendräder, Rennmaschinen. mäntel, Baletots, Frad, Gmoting Bei Anzahlung fofort mitzunehmen. Brandenburgstraße Gehrodanzilge, Hofen. Kein Kaufawang, Große Auswahl! Beitester Weg lohnend. Bitte genau vier, Hochbahnstation Bringenstraße. Sausnummer 58 beachten. Linienstraße 65! Serrenräder, DamenHoritzpl. 8197onatsgarderobe kaufen Sie billig in räber, Rennmaschinen zu Einführungs. Lowidis Leihhaus. Brinzenstraße 105: preifen. Kleine Anzahlung, bequemfte Ab Oberbaumbrücke täglich außer Sonnabends reizvolle Anzüge, Fradanzilge, Smokinganzüge, Teilzahluna. Schaumann, Linienftr. 65. Baletots, Ferien- Dampfer- Extrafahrten nach Bertaufstelle: Falekensteinstr.48 Dürkoppfahrräder. Bedingungen. Neu- Heringsdorf und Woltersdorfer Schleuse Sportpelse, capelze, che aller Art. Anoch. Oncifenauftraße 111. Günstigste Abfahrt: Sonntags 12 u. 2 Uhr mittags, Wochentags 9 Uhr vorm. Fahrpreise für Hin- und Rückfahrt: Sonnt: Neu- Heringsdorf 1.50 M., Woltersdorf. Schleuse 2. M. Wochent.: " 1. Kinder die Hälfte. 9 Uhr vormittags nach 150-> Taillenmäntel, Cutaways; Gelegenheitstäufe in neuer Garderobe. Leihhans Friedrichfirake 2. Gelegenheitstäufe: Soreengarderobe, Pelzwaren, auffallend billig. Monatsgarderoben staunend billig. Rak, Rastanienallee 84. Kaufgesuche Demenjahrräder, Herrenfahrräder, Jeden Montag und Freitag Neue Mühle anatsanzüge, Commerpaletots, Ge- auch reparaturbedürftige, tauft Zimmer. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt: 2 Mark, Kinder 1 Mark feufchaftsanzüge, forpulente Figuren, mann, Rheinsbergerstraße 16 I. 1081 b* Tgl.9 Uhr vorm.( auß. Fahrräder kauft Linienftraks 19 Sonnabd. u. Sonnn. Grünheide Fahrp. Hin- u Rück- faunend billig. Naß, früher men, fahrt 2 M, Kinder I Mitraße, jest nur Gormannstraße 25/26 Ferner: Täglich( außer Sonnabend und Sonntag) reizvolle unb Mariannenstraße 26. Dampferfahrten über Pfaueninsel, Potsdam, Caputh, Monatsanzüge, fradanzüge, Smoking Verschiedenes nach Ferch am Schwielowsee. Abfahrt: 81%, vorm ab anaige. Gehrodanzüge, Sadettanzüge, Marschallbrücke( nahe Bhf. Friedrichstraße) und 944 vor Sommerpaletots, Cutawananglige, TailReparaturwerkstatt für Uhren, reell, ab Charlottenburg Tegeler Weg( nahe Bhf. Jungfernheide), fenmäntel, für jede aur passend. billig. Armbanduhren 6.75, AnterFahrpreis hin und zurück 3 M., Kinder die Hälfte. 3/2 Spezialität: Bauchanzüge, fpottbillig. Semontoiruhren 4.50, 7.50 ufw. Unter Salpern, Rosenthalerstr. 4, erste Etage. schriftlicher Garantie. Parochialftr. 21, Berleih bon Köstlich erfrischend find hühle Limonaden, selbst bereitet aus Reichel's Limonaden- Girupertraften Himbeer- Hirsch, Citronens, Orangens efc.Fruchts gefchmack. Das erquickendte u. billigste Sommer getränk. Borzüglich auch als Speisen- Beiguh. Cine Flasche ergibt 3% Pfd. Limonaden- Sirup, M 0.85 halbe. M 0.55, Jn Drogerien u. Apoth. erhälft fonflbei Otto Reichel, Berlin 4350 Eisenbahnstr.4 Man nehme nur Marfe, Lichtherz die Dualität verbürgt. Rofenthalerstraße 4. Gefellschafts- Anzügen nahe Klosterstraße, Untergrundbahn. Bettenverlauf. Neue Betten 19.50, 25.00! Aussteuerbetten 30.00, 35,001 Spottbillig! Reine Lombardware Leihhaus Brunnenstraße 47. Teilaahlung. Gardinen, Stores, Bett decken, Tischbeden, Steppdeden, Diwane decken, Teppiche. Bettwäsche. Arbeitsmarkt Stellenangebote • Geringe Berfekte Muflernähezin für ModellAnzahlung, bequeme Abzahlung. Möbel genre, im Hanse, per sofort fuchen haus Cuifenstadt, Röpeniderstraße 77/78 Carstens u. Lachmann, Simmerstr. 29, Ede Brüdenstraße. Quergeb. III. 1079 b* Residenz- Th. Arbeiter- Baugenossenschaft, Paradies" Möbel 8 Uhr: Die Koblanks zu Berlin. E. G. m. b. H. Vorzeig.d. Annonce Vermögen Bilanz am 31. März 1925. zahlen aur Reederei Eckner balhe Kassenpreise Gebaubetonio 1-6. • ( Abschr.). Grundstüdstonto · 4 Mark 109 000, 1090.107910 13000, Mart Tel: Grünau 280 Sonntag, den 26. Juli, vorm. 8%, Uhr u. nacnm. 2 Uhr von Brandenbur er Ufer( Jannowitzbrücke) nach[ 154/12 von 50 Pf. an Rose- Theater Inventartonto ( Abschr). U. Die vertagte aacht Gartenbühne: Ranto für Rückstände. 16 U: Bunter Teil Gebäudefonto 7. ( Abschr). Krampenburg- Schmickwitz Der Soldat der Mariene. Forderungen mit Salonschiff Dora" Einfache Fahrt 1.50 M., Kinder 50 Pi. Komödienhaus Rennen zu Hoppegarten 7.45 Uhr: Der letzte Kuß Sonnabend, d. 25. Juli machm. 3 Uhr SCHUTZ MARKE Munitungs- Rabatt u Reklamemarken Senior Self 450ahren Spezialitat Conrod Müller Schkeuditz Leipzig Grund und Boden Raffatonto Anteil- Gehag Spartaffen- Guthaben. 182/10 204,50 203,50 120 910, 1, 1541,40 1 335, 51367,45 500, E Beyersdorff. Borsigender. Hypothekenkonts Geschäftsanteillonto Sparfondskonto. Refervefondskonto. Möbel wirklich auffallend billig auf allerbequemfte Teilzahlung Hur int Schulden Möbelhaus Sumboldt, An der Jannowikbride 3/4 und Putbuser Straße 14 Straßenbahn: Brunnenstraße, Ede Ri gerer Straße. 3 Minuten vom Bahnhof 37 845,-Gesundbrunnen. 28957, Schuldverschreib.- Ronto Darlehukonto. Geldentwertungs Ausgleichskonto 50867,45 gem Ausgleichsfonto 22941,68 Gewinn. 3545,43 750, 2800, Ga. 204 691 96 Mark Teilzahlung. Möbel fedez Art. Ge 19 458,96 ringe Anzahlung, bequeme Abzahlung. 10 245,- Möbelhaus Luifenstadt, Köpenider 1480, 6139,94 525, ftraße 77/78 Gde Brüdenstraße Speisezimmer Mar" 400. Sans Siegfried 650,., Georg" 750, Schlafzimmer Jrma" 650, Silde Sonja" 120, 7815,09 Alubiofa Anna" 125, Rlubfefel Cife" 48 Goltmart. Miesige Auswahl. Möbel6262,87 haus Ramerling, Raftanienalice 56. Möbelforgen! Bei Lehner borse Möbel Lechner. Brunnenstraße 7. Nähe Rofenthaler 86 488,10 550, Kücheneinrichtung Ga. 204 691,96 Der Borffand: G Darner. P. Schiffte. G Pfeiffer. Die Sevifiousfommission: Der Aufsichtsrat: 6. Mirsch. H. Weif.& Zimmermann. Walter Batentmatzaken, Auflegematraken, Metalbetten, Chaiselongues. Staraarberstraße achtzehn. Antleibeltänte 110.-, englifche Bett Stellen 48.-, lüfchlofas, Einzelmöbel. Rahlungserleiterung. Stein, nur An flamerstraße 20. Wir fuchen zum 15. September für unsere täglich einmal erschei nende Zeitung einen weiteren Redakteur der die helfische Politit, ben provinziellen Zeli der Kreise Friedberg und Büdingen, fowie den Feuilletonteil zu bearbeiten hat, mit dem Sig in Fran? furt a. M. Sinn für Attualität, Berständnis ir gute Aufmachung und befte eigene Beift engen sind unbedingtes Erfordernis. Bewerbungen find bis zum 30. Juli unter Beitügung von Lebenslauf. Beugnisabschriften u. Angabe der Gehaltsansprüche an den Bor Fikenden der Breßfommission Otto Ottilie, Gießen, Schanzenstr.18, zu richten. Verlag der Oberheffischen Bolfszeifung, Gießen. Nr. 347 42. Jahrgang R 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 25. Juli 1925 Eine Anklage gegen die politische Justiz. Reichstagsmehrheit gegen Frauenrechte. Präsident be eröffnet die Sigung um 1,45 Uhr. Das 25 Haus ist sehr schwach bejezt. Eine ganze Reihe von Abgeordeten suchen wieder Urlaub nach. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetzentwurfes zur Aenderung der Personalabbauperordnung. Bei der zweiten Lesung war bekanntlich der Artikel 14, der gewisse Ausnahmebestimmungen gegen die verhei rateten meiblichen Beamten enthielt, mit einer Zufalls mehrheit von 180 gegen 179 Stimmen bei einer Enthaltung gestrien worden. Gleich zu Beginn der heutigen allgemeinen Aussprache nahm Ministerialdirektor 2otholz das Wort und er. klärte, daß nach nochmaliger eingehender Prüfung die Reichsregie rung nach wie vor an der Aufrechterhaltung des Artitels 14 festhalten müsse. Die Gründe für diese Stellungnahme feien bereits eingehend dargelegt worden, es erübrige sich daher, fie in diesem Stadium der Beratung zu wiederholen. Einem Kompromiß antrage der Regierungsparteien, der die Wiederherstellung des Artikels 14 ausspricht, aber den verheirateten Beamtinnen in mehrfacher Richtung durch eine Milderung der Bestimmungen entgegen tommt, stimmt der Redner im Namen der Regierung zu. Die Frage, ob der Gesezentwurf etwa verfassungändernd sei, verneint der Redner. Abg. Frau Pfülf( Soz.): Der Regierungsvertreter hat sich lediglich auf zwei motive be schränkt, von denen er annimmt, daß fie draußen sehr populär sind. Man will jagen, daß all die Schwerkriegsbeschädigten und die un versorgten Beamten durch die Ablehnung des Artikels 14 aufs härteste betroffen würden. Es sind also nicht mehr wie früher die gesundheitlichen Berhältnisse der verheirateten Beamtin, die die Leistung ungünstig beeinträchtigen. Ich habe mir nach den neulichen Ausführungen des Regierungsvertreters noch einmal Statistiken angesehen und es nicht ganz uninteressant, zu sehen, wie solche Statistiken überhaupt aufgemacht werden. Von einer wissenschaftlichen Methode fann dabei nicht mehr die Rede sein. Die 3weigstelle München des Reichspoftministeriums veranlaßte eine Statistit. Diese hat folgendes ergeben: Bom Jahre 1905 bis 1913 hat sich die Krankheitsziffer bei den weiblichen Post- und Telegraphen beamten um 45 Broz. vermehrt, bei den männlichen, im Post dienst beschäftigten Beamten ist sie gewiffenmaßen niedrig geblieben, aber bei den männlichen Beamten der Fernſprechabteilung ist sie um 50 Broz. höher als die allgemeine Krankheitsziffer.( hört, hört! b. b. Goz.) Ich wollte damit nachweisen, daß nicht die Berheiratung der weiblichen Beamten und nicht die geringere Leistungsfähigkeit der Beamtin überhaupt, sondern die anstrengende Arbeit im Fern [ prechamt es ist, die diese hohe Biffer der Berufserkrankungen dieser Frauen veranlaßt. Die Behörden haben in die Krankheitsziffer auch die Abwesenheitstage der Frau bei Schwangerschaft und Niederfunft aufgenommen. Bo nimmt da noch der Staat das moralische Recht her, die Privatindustrie aufzufordern, der verheirateten Arbeiterin in der Zeit der Schwangerschaft und Niederkunft Erleichterungen zu verschaffen, wenn er selbst diese Fälle als Krankheitsfälle be handelt und in eine Statiſtik einreiht, die er gegen die weiblichen Beamten auszunügen sucht. Wenn Sie nun sagen, der Artifel 128 Abs. 2 der Reichsverfassung fei seiner Zeit aus be völkerungspolitischen Gründen fonzediert worden, es habe sich jetzt aber herausgestellt, daß die verheiratete Beamtin die Gebärmilligkeit gar nicht habe, so können Sie das ja ändern, wenn Sie der ver. heirateten Beamtin die Erleichterungen der Reichsrichtlinien geben. Bei den Leistungen erklärt die Regierung auf der einen Seite, die nicht verheiratete Beamtin leiste weniger, weil sie den Beruf als eine Durchgangsstation betrachte, auf der anderen Seite will sie der Frau die Möglichkeit nehmen, sich in diesem Beruf ein zuniften, indem sie ihr das Recht der Verheiratung im Beruf streicht. Eine Streichung des Artikels 128 Abs. 2 der Reichsverfassung bedeutet auch der Antrag der Regierungsparteien. Ich mache jetzt schon darauf aufmerksam, daß wir diesen Antrag für einen verfaffungändernden halten, der nur mit Zweidrittelmehrheit angenommen werden tann. Der Staat sagt nun, er habe das volle Recht auf die hundertprozentige Leistungsfähigkeit eines Menschen. Dieses Recht hat der Staat ebenso wenig wie die Privatindustrie. Nicht nur die Frau, sondern alle männlichen und weiblichen Beamten müffen etwas für ihr persönliches Leben übrig behalten. Aber wenn ich mich schon einmal auf den Standpuntt der hundertprozentigen Leistungsfähigkeit stelle, so frage ich, wie tommen Sie dazu, daneben noch Nebendienstleistungen pflichtmäßig von den Beamten zu fordern. Das ist der ungeheuerlichste Raubbau, den der Staat als Arbeitgeber vornimmt, der doch beispielgebend auf die Arbeitgeberschaft wirken soll. Bon Fürsorge für die Allgemeinheit, von voltswirtschaftlichen und sozialpolitischen Erwägungen ist hier teine Spur zu finden. Sie sagen, es sei Aufgabe des Staates, den Frauen ihre Pflichten gegenüber der Gesamtheit zu erleichtern, aber was wird benn getan, um den Hausfrauen die Berpflichtungen gegenüber der Gesamtheit zu erleichtern? Warum schicken denn die bürgerlichen Parteien feine Frauen in den Zollausschuß, damit sie dort für die Erleichterung des Lebens fämpfen. ( Sehr gut! b. d. Soz.) Ich weiß nicht, mer von Ihnen in der Heimarbeitsstellung gewesen ist und die Löhne gesehen hat, die an diese Heimarbeiterinnen gezahlt werden. Warum steht hier dieser Staat, dieser höchste Hüter des Familienrechtes, nicht auf und wehrt sich gegen dieses Verbrechen an der deutschen Familie und an der Frau?( Sehr richtig! b. d. Soz.). Nun wird in der Deffentlichkeit erzählt, daß die verheirateten Beamtinnen ihre Familie ihrem Gewinnstreben opfern. Dieses Gewinnstreben einer Poſt- und Telegraphenbeamtin ist dieses: bel den minimalen Löhnen ihrer Männer dafür zu forgen, daß ihree Kinder bessere Bildungs- und Lebensmöglichkeiten haben. Der Staat sollte erst einmal dem Geminnstreben anderer Kreise sich mit etwas mehr Energie zuwenden. Die Rednerin wendet sich dann den vorliegenden Anträgen zu, die die Regierungspartelen gestellt haben und die im wesentlichen Werschlechterungen bringen. Bei der zweiten Lesung haben wir den Artikel 14 gestrichen, um den verfassungsmäßigen Zustand wiederherzustellen. Eine wesentliche Belastung des Etats ist dadurch nicht eingetreten. Den heute vorliegenden Antrag der Regierungsparteien werden wir aber als einen Verfaffungsbruch aufs fchärfffe bekämpfen. Wir erkennen den tapferen Rampf unserer weiblichen Rollegen hier im Reichstag an, der aber von ihren männlichen Rollegen leider nicht unterstützt worden ist. Jezt sind sie dem Cl bogenawang ihrer Fraktionen unterlegen. Die Organisationen der Beamten und Beamtinnen, ble fich für die Beseitigung des Art. 14 eingefeht haben, werden jetzt zu der Erkenntnis fommen, wo ihre Interessen gewahrt werden. Für uns aber wird es immer deut licher, wie notwendig das passive Wahlrecht der Frauen ist, wie notwendig es aber auch ist, daß viel mehr Frauen als bisher in den Reichstag gewählt werden.( Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Abg. Frau Arendfee( Rom.) meint, in ben bürgerlichen Barteien feien die Frauen eigentlich nur noch geduldet. Auch diese Rednerin betont die Verfassungswidrigkeit des Artifels 14. Bräsident Cobe tellt mit, daß eine Entschließung eingegangen ft, bie Reichsregierung zu ersuchen, die Schmerkriegsbeschäbigten, Genosse Rosenfeld über die Amnestie. Organisation Consul. | Reichsanwaltschaft und die auf Grund der Personalabbauverordnung abgebaut wurden, in Schweidniß und Lüneburg, bei denen gegen Reichswieder in den Dienst einzustellen. bannerleute mit einer Härte vorgegangen ist, die sonst nur aus Rommunistenprozessen befannt ist. Bei all diesen Prozessen hatte man immer volles Verständnis für die Jungdo-, Wifing- und Stahlhelmleute, aber eine harte Faust für die Arbeiterschaft. Abg. Koch- Weser( Dem.) legt gegen die Degradierung der Frau und Stellung unter ein Sonderrecht Einspruch ein. Die Beftimmungen, die hier erlassen werden sollen, seien verfassungswidrig. Aber auch vom sozialen Standpunkt aus sei es turzsichtig, die Frage der Frauenarbeit in dieser Weise zu behandeln. Wir bekämpfen die Absichten der Regierung auf das schärfste. Damit schließt die allgemeine Aussprache. In der Einzelberatung wird unter Ablehnung aller sonstigen Abänderungsanträge der Antrag der Regierungsparteien auf Wiederherstellung des in zweiter Lefung gestrichenen Art. 14 der Perfonalabbauverordnung, betr. die verheirateten weiblichen Be amten, mit der Aenderung, daß den Ausgeschiedenen eine Abfindungsrente in Höhe( statt bis zur Höhe) des Ruhegehalts gewährt werden kann, in namentlicher Abstimmung mit 232 gegen 155 Stimmen angenommen. Auch die übrigen Anträge der Regierungsparteien auf Abänderung der Beschlüsse zweiter Lesung gelangen zur Annahme. Eine Erklärung der Sozialdemokraten. Bor der Schlußabstimmung gibt Abg. Steinhopf für die Sozialdemokratische Frattion folgende Erklärung ab: Die Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat trotz ihrer oppofitionellen Stellung zur gegenwärtigen Reichsregierung versucht, die Vorlage entsprechend den berechtigten Forderungen der betroffenen Bevölkerungskreise und den diesen gemachten Zufagen in fachlicher Mitarbeit in den Ausschüssen und im Plenum zu verbessern. Zusammen mit den anderen Oppositionsparteien und teilweise auch unterstützt von einer Anzahl Abgeordneter der Regierungsparteien ist es ihr gelungen, im Verlaufe der Ausschußberatungen und der zweiten Lesung im Plenum verschiedene erhebliche Berbefferungen der Vorlage zu erreichen. Dies gilt ganz besonders von der Streichung des Artikels 14 der Personalabbauverordnung, durch die der Art. 128 der Reichsverfaffung wieder voll in Kraft gefeht worden ist. Lelder hat fich im Verlaufe der driften Lefung eine Mehrhelt der Regierungsparteien gefunden, die den Art. 14 der Perfonalabbauverordnung in veränderter Fassung wiederhergestellt hat Bedauerlicherweise stimmten für diese Wiederherstellung auch jene Abgeordneten der Regierungsporteien, die in der zweiten Lesung sich für unseren Antrag auf Streichung dieses Artikels entschieden hatten. Nach unserer Auffaffung fann es gar feinem Zweifel unterliegen, daß diese neue Faffung des Artikels 14 der Personalabbauverordnung an fich eine Verlegung des Art. 128 der Weimarer Berfassung darstellt. Der neue Art. 14 der P2B. bedarf also, um Rechtskraft zu erlangen, der Zustimmung der im Art. 76 der Reichsverfassung für Berfaffungsänderungen vorgeschriebenen Mehrheit des Reichstags. Da diese Mehrhelt bei der Abstimmung nicht erreicht wurde, ist der neue Artikel 14 der PAB. nicht verfassungsmäßig zuftande gekommen und mithin rechts ungültig, wie auch das ganze Gesetz. Im Hinblick auf diesen ohne jeden zwingenden Grund erfolgten Angriff auf die Weimarer Berfaffung, ferner im Hinblick darauf, daß die Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt bei weitem nicht die endgültige Einstellung des Personalabbaues bringt, und weil die zugestandenen Berbesserungen trotz allem unzureichend find, bedauert die Frattion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands die Borlage in der Schlußabffimmung ablehnen zu müffen. Sie ist dabei der festen Ueberzeugung, daß die Beamten, Ungestellten und Arbeiter des Reichs, der Länder und Gemeinden usw. für die Haltung der Fraktion vollstes Verständnis haben und sie in dem weiteren Kampf um die Beseitigung des ihnen angetanen Unrechts tatkräftig unterstützen werden.( Lebhafter Beifall bei den Soz.). Abg. Schuldt( Dem.) schließt sich namens seiner Fraktion dieser Erklärung an. Abg. Rädel( Komm.) lehnt gleichfalls die Borlage ab. Abg. Guérard( 3.) erklärt, daß die Regierungsparteien nicht der Auffassung sind, daß das Gefeß eine Berfassungsänderung in polviere. volviere. Mit den beschlossenen Milderungen nähere man fich ja wieder der Berfaffung. Gegen Abg. Koch( Dem.) erwidert, man fönne Gesetze nicht nach dem mehr oder minder an Verfassungsmäßigkeit beurteilen. Recht und Staatspolitik werde hier ein schweres Unrecht gegen die verheirateten weiblichen Beamten begangen. Präsident Löbe erklärt dazu, die Entscheidung darüber, ob eine Berfassungsänderung vorliege, stehe anderen Instanzen au. Um bas Stimmenverhältnis im Reichstage festzustellen, fei namentliche Abstimmung beantragt. Hierauf wird das Gesetz in namentlicher Abstimmung mit 236 gegen 156 Stimmen angenommen, also mit einfacher mehr heit. Es ist zwar eine Zweidrittelmehrheit als anwesend festzu ftellen, aber von dieser Mehrheit nicht wiederum eine 3 weibrittelmehrzeit für das Gefeß, wie vom Präfidenten ausdrücklich festgestellt wird. Zur Annahme gelangt insbesondere noch die Entschließung der Regierungsparteien, wonach die Reichsregierung ersucht wird, die Ausführungsbestimmungen so zu fassen, daß beim Art. 14 der Begriff nicht mehr gesicherte wirtschaftliche Versorgung" in weitherziger, die foziale Stellung der Beamten berücksichtigender Weise festgelegt wird. Das Haus geht über zur ersten Beratung des Amnestiegesetzes. Abg. Dr. Rosenfeld( Soz.): Weiter möchte ich die Frage aufwerfen, wie viele Frauen wandern wohl ins Gefängnis, weil sie in ihrer Not gegen den Abtreibungsparagraphen verstoßen haben. Daß diese Frauen sich hauptsächlich aus dem ärmeren Kreisen rekrutieren, bedarf feiner näheren Begründung. Die Amnestie versagt, weil Kompetenzbedenten ein Hindernis sein sollen, eine durchgreifende Amnestie zu gewähren. Es soll Landessache sein, in diesen Fällen einzugreifen. Da appelliere ich an die frühere Regierung, die ausdrücklich erklärt hat, das Reich wäre auch für eine solche Amnestie an sich zuständig, auch hervorragende Juristen in den Parteien weiter rechts haben diese Auffassung vertreten. Wie sollen wir Ber trauen zu den Ländern haben, wenn wir erlebt haben, daß im Reichsrat gegen diese Amnestie gestimmt haben Bayern, Thüringen und Oldenburg! Wenn dazu noch Sachsen sich der Reihe derjenigen anschließt, die sich der Abstimmung darüber enthalten haben, wie sollen wir abwarten, was uns die Länder bringen! mit den Ländern getroffen, um uns davor zu schüßen, daß wir Ich frage die Regierung: Welche Vereinbarungen find enttäuscht werden? Wenn Sie jetzt nicht eine umfassende Reichsdurch das Ergebnis der Verhandlungen in den einzelnen Ländern amnestie geben, sind Sie, Herr Justizminister, dafür verantwortlich, daß das einheitliche Rechtsband zerrissen wird. Wir fordern eine solche umfassende Amnestie und wir werden im Ausschuß unser folche umfassende Amnestie und wir werden im Ausschuß unser möglichstes tun, um diese Vervollständigung der Amnestie herbeizuführen. Wir vermissen in dem Amnestiegefeßentwurf u. a. auch eine Behandlung der Disziplinarfachen. Der Reichstag hat durch seinen Haushaltausschuß bei der Beratung des Reichsministeriums des Innern einstimmig beschlossen, die Reichsregierung zu ersuchen, gelegentlich der Vorlegung eines Gesezentwurfes über eine allgemeine Amnestie auch eine solche über die Amnestierung von Disziplinar vergehen der Reichsbeamten einzubringen. Wie rechtfertigt es der Herr Reichsjustizminister, daß er gegenüber einer Refolutign, deren einstimmige Annahme im Blenum zu erwarten ist, völlig schweigt? Die Reichsamnestie soll sich nach den Vorschlägen der Regierung nur auf solche Urteile beziehen, die von einem durch das Reich eingefeßen Gericht gefällt worden sind, oder für Verfahren, die nech schweben beim Reichsgericht oder bei der Reichsanwaltschaft. Dane ist von vornherein die Amnestie eingeengt auf rein politische Delikte, und auch diese sind noch im allerengsten Rahmen gehalten. Was mir besonders auffällt, ist, daß man nicht einmal daran denkt, den bayerischen politischen Gefangenen aus dem Jahre 1919 die Freiheit zu bringen.( Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Amnestie ist aber weiter beschränkt auf bestimmte Delitte: ochverrat, Geheimbündelei, Bergehen gegen das Republitschuhgefeh und damit im Zusammenhang stehende Straftaten. Eine kleine Erweiterung in bezug auf Landesverratsverfahren ist vollzogen. Straferlaß will die Amnestie gewähren, wenn die Strafe oder der Strafrest in Geldstrafe oder Haft oder Gefängnis bis zu einem Jahr oder Festungshaft bis zu einem Jahr besteht. Das ist eine ganz unzureichende Festsetzung der Grenze. Ich will Ihnen einen bayerischen Fall und einen Fall vom Staatsgerichtshof vortragen. Der erste ist der Fall des Karl Gsell, eines jungen Mannes, der in der Revolutionszeit in München eintraf und fand. Er hat geschrieben, was man ihm diftierte, und er hat auch dort eine Stelle als Schreiber beim damaligen Revolutionsgericht eines Tages die Namen der Leute geschrieben, die später erschossen worden sind. Das ist alles, was er getan hat, und dafür ist er zu noch verbüßt. Das eine wird man mir ohne Attentenntnis zugeben, 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden, die er heute daß nach dem immer noch geltenden Dynamitgesetz aus dem Jahre 1884 schon der Besitz von Dynamit unter gewissen Umständen mit Buchthaus bis zu 10 Jahren bedroht ist. Das ist ja das Gefeß, das den Staatsgerichtshof zwingt, so scharfe Urteile auszusprechen. Das Gesek gilt, und deshalb muß die Amnestie auch die Zuchthausurteile umfassen, damit dieses Gesez von 1884 nicht noch weiter wirkt. Ich möchte fragen: Wo ist in Deutschland ein einziger Rechtsradikaler verurteilt worden, meil er Dynamit angewandt hat? Ich glaube, dieser Fall ist nicht festzustellen.( Buruf aus der Mitte: Sie sind nicht gefaßt worden.) Ich werde Ihnen nachher gleich sagen, wie man es gemacht hat, damit man sie nicht faßt. Ich will jetzt eingehen auf eine zweite Gruppe von Fällen, wo das Berfahren noch schwebt, das eingestellt werden soll ohne weiteres dann, wenn die Handlung vor dem 1. Oktober 1923 begangen ist, bei späteren Handlungen nur dann, wenn voraussichtlich auf teine höhere Strafe als Geldstrafe oder Haft oder auf ein Jahr Festung oder Gefängnis erkannt werden würde. Da entsteht die Frage: 3ft es gerechtfertigt, ausgerechnet am 1. Oftober 1923 ben entscheidenden Einschnitt zu machen? Ich verstehe vollkommen, daß man die Zeit von 1923 besonders behandelt zu sehen wünscht und daß man alles, was mit der Inflation zusammenhängt, milbernd zu beurteilen versucht hat. Aber bann können Sie doch nicht den 1. Oktober als das entscheidende Datum ansehen, wo die Inflation noch gar nicht auf der Höhe war, wo sich die Wirkung der Inflation noch gar nicht in besonders hohem Maße geltend gemacht hat. Das geht nicht. Oder Sie sagen: Chitwit wird nicht bestraft und die Sozialisten und Kommunisten werden bestraft. Die Wirkung wäre, daß alle kappisten frei sind und frei bleiben und daß die Prozetfe gegen die Kommunisten fortgeführt werden. Dabei ist doch noch ein großer Unterschied zu konstatieren. Lüttmiz hat och verrat begangen, mie niemand bestreiten wird. Kommunisten haben ihn doch höchstens vorbereitet. Nicht nur die Kappisten follen amnestiert werden, auch die so wenig schwer verurteilten Mitglieder der Organisation Conful und die wegen Beleidigung des früheren Reichspräsidenten Berurteilten oder noch Angeklagten. Heute bin ich zum erstenmal in der Lage, einen dokumentavischen Beweis dafür zu liefern, daß sich die ganze Schärfe der Justiz nady links und die ganze Milde nach rechts richtet. Ich kann heute sozusagen einen Urkundenprozeß führen, nämlich durch den Hinweis auf die Anklagefchrift der Oberreichsanwaltschaft gegen 26 Mitglieder der Organisation Conful. Wenn man diese Schrift Die lang angekündigte Amnestie ist endlich an das Haus getommen und aus den Zuchthäusern und Gefängnissen richten sich bie Augen der Gefangenen hierher voll Erwartung, welche Be schlüsse der Reichstag faffen wird. Aber ich fürchte, daß sehr bald eine Enttäuschung eintreten wird. Dieser Gesetzentwurf ist zu Ehren Hindenburgs von der Regierung vorgelegt worden. Ueber die politischen Gefangenen werden die politischen Parteien je nach ihrer politischen Ginstellung verschieden denten, aber alle fozial Empfindenden sollten doch auf die Blattform verlieft, dann meint man eine Berteidigungsschrift und nicht einigt merben: Amnestie für alle, die aus Hunger und Not, in der Berzweiflung über das Elend, in das sie geraten find, gegen ein Strafgeseh verstoßen, fich an fremdem Eigentum vergriffen haben, um ihr notdürftiges Leben fristen zu können. ( Sehr wahr! bei den Soz.) Regierung und Regierungsparteien fließen so oft über von Bedauern über die harten Zeiten, in denen das deutsche Bolt lebt, aber das find nur Worte. Die Regierung versagt und der Retter" Hindenburg rettet mit hiefer Amnestie tein Opfer der traurigen wirtschaft lichen Verhältnisse.( hört! hört! bei den So3.) Die Ammestie geht an der wirtschaftlichen und politischen Not vorüber, Prozeffe, die durch Ausschreitungen bei Lebensmittelunruhen, bel politi fchen Rundgebungen entstanden sind, sollen nach dem Wunsche der Reichsregierung weitergeführt werden. Ich erinnere an die Prozesse eine Anllageschrift zu lesen.( Härt! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe als Berteidiger manche Anklage in der Hand gehabt, aber noch niemals fand ich die Wege der Berteidigung so gewiesen und geebnet wie in diesem Dokument. Der Berfasser der Anklageschrift schämt sich offenbar, daß so viel herausgekommen war. Er vermeist auf den ihm offensichtlich viel zu eifrigen Staatsanwalt in Offen burg, der bei der Berfolgung der Mörder Erzbergers auf die Organi fation& stieß und energisch zugriff Banz deutlich flingt aus der Anklage ein Ton des Bedauerns beras darüber. daß diefer Staatsanwalt aus Baden in seiner Unrenninis der patriotischen Motive der Organisation so tüdsichtsos oorging.( Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Direkt zur Klage über die Hilfsorgane wachsen sich die Ausführungen der Anklagefchrift über die in Thüringen angestellten Ermittlungen aus. In Thüringen gab es damals einen energischen Innenminifter, den sozialdemokratischen Minifter Hermann, ber nach der Ermordung Rathenaus anordnete, daß den Mordorganisa tionen gründlich nachgestellt werden soll. Es entbehrt wirklich nicht des Reizes, daß der Reichsanmalt auf die Anzeige dieses thüringischen Ministers wegen Hochverrats gegen eine Anzahl von Stubnten 1923 gar nichts getan hat und daß er ebenso wenig etwas getan hat, als derselbe Minister Hermann den General Hasse anzeigte, weil er Feststellungen des Hochverrats zu verhindern versucht hat.( Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Anordnungen immerhin eines Ministers, wenn auch nur eines sozialdemokratischen Ministers, fanden so sagt die Anklageschrift eine eifrige Vollstreckung. Das bedauert der Herr Reichsanwalt! Aber das ist doch selbstverständlich! Viele so sagt der Reichsanwalt meiter wurden festgenommen. Aber die Festgenommenen haben, mie man sieht, offensichtlich das ganze Mitleid der Reichsanwaltschaft; denn die Reichsanwaltschaft setzt hinzu:" Für die Verhafteten erwuchs bald eine bedrohliche Lage."( Hört hört! und Heiterfeit links.) Also für diese braven Jungs, die ja gar nichts getan hatten! Und warum? Ich zitiere den Reichsanwalt:„ Für den 4. Juli waren Rundgebungen der Arbeitermassen angesagt." Das mar jene Rathenau- Demonstration, die von den Sozialdemokraten, dem Zentrum und den Demokraten gemeinsam gemacht murde. Da fagt der Herr Reichsanwalt:„ Es bestand eine Gefahr für die Verhafteten, die festgenommen worden waren, weil sie verdächtigt waren, zu dem Mordgesindel zu gehören, aus dessen Reihen heraus Rathenau niedergeschossen worden ist." Das sagt der Reichsanwalt!( Abg. Lohmann: Und was ist davon erwiesen?) --Wovon? | getelt, bag ber Gau L Thüringen der Organisation Conful em Ersten jedes Monats Bestandsmeldungen über vorhandene Waffen forderte. Es wird geprüft, ob die Verfassung untergraben ist. Der Reichs. anwalt fragt, was heißt Untergrabung der Verfassung? Die Antmort lautet: Das ist eine Arbeit, die unterirdisch geleistet wird und den völligen Einsturz der angegriffenen Einrichtung, bewirten soll. Wenn man aber fragt, wie er zu einer solchen Begriffsbestimmung fommt, dann zitiert er Adelungs Wörterbuch der deutschen Mundarten, ein Wörterbuch aus dem Jahre 1774.( Große Heiterkeit und lebhafte Burufe links.) Ich will nur noch ein Wort darüber sagen, wie der Reichsanwalt in der Anklageschrift von dem Kapitän leutnant Andler spricht, der, wie die Anklageschrift sagt, im Jahre 1923 nach dem Ruhreinmarsch der Franzosen den Plan erwogen hat, der Auflehnung gegen diese Gewalttaten Ausdruck zu verleihen. | Das genügt für den Reichsanwalt, um fagen zu können: Als Andler von den Franzosen gefangen genommen war, da war in Andler den Franzosen ein echter deutscher Mann in die Hände gefallen. ( Lebhafte Zustimmung rechts.) Diese Antlageschrift trägt die Unterschrift Ebermayer.( Andauernde stürmische Unterbrechungen. Erregter Wortwechsel zwischen Sozialdemokraten und Abgeordneten auf der rechten Seite des Hauses.) Wir hätten gewünscht, daß großzügig ohne Kleinlichkeit, ohne Tendenz allen unter den Folgen strafbarer Handlungen Leidenden Verständnis und Milde entgegengebracht wird. Die kleinliche und Arbeitersport. Die Arbeiterolympiade. Der Auftakt. Die ehemalige freie Reichsstadt Frankfurt a. M. hot in iesen Tagen viele Tausende Arbeitersportgenossen in ihren Mouern, wo sie sich zur Ersten internationalen Arbei ter Olympia de einfinden. Zum ersten Male geben sich die sportliebenden Arbeiter aus allen Ländern ein Stelldichein, um in friedlichem Wettbewerf zu konturrieren. Ein gigantisches Werk baut sich vor unseren Augen auf, das aus stiller Organisationstätigkeit emporwuchs, dem nicht nur sport. Ii che, sondern auch geistig- fulturelle Bedeutung zufommt. Der Gedanke des Völkerfriedens wird neu belebt. Durch Sprache und Rasse von einander getrennte Völker sollen durch ein derartiges Wert aufs engste aneinander geschweißt werden, um die Bahn zur Völferverständigung weiter zu ebnen. Die und Schwestern unter der Fahne des Sozialismus ver Olympiade wird keine Nationen fennen, fie wird vielmehr Brüder einigen. Die Veranstaltung wird zugleich ein beredter Zeuge sein zu stählen und innerlich und äußerlich freie Menschen zu schaffen, für das ernste Strebe der Arbeiter, das Volk förperlich und geistig die nicht gewillt sind, ihr Leben ausschließlich unter das Joch des Kapitalismus zu verbringen. Die Stadt zeigt bereits überall Flaggen und Girlandenschmud, um die Arbeitersportler und sportlerinnen zu begrüßen. Schwimmer, Radler, Athleten, Ruderer und auch Schachspieler finden sich zum Wettkampf zusam men; es gibt fein Sportgebiet, das nicht vertreten sein wird. Auch die Naturfreunde und Esperantisten werden sich zu dem Feſt zahlreich einfinden. lleber 30 Sonderzüge führen der Stadt die auswärtigen Gäste zu. Die ersten trafen bereits am Sonntag ein, fie brachten Boltsgenossen aus der Tschechoslowakei. Rathenau ist tot! Oder bestreiten Sie das auch?( Abg. Lohmann: 3ft Jungjozialisten Berlins und der Prov.Brandenburg Borer, Schüßen, Hoden, Kricket- und Tennisspieler, Fußballer, Ach, erwiesen, daß sie verbündet waren mit dem Mordgesindel?) Herr Kollege Lohmann, ich werde Ihnen darauf noch antworten. Die thüringischen Polizeibeamten fuhren also wie die Anklageschrift fagt fort, zu verhören. Und nun hören Sie weiter! In der Anklageschrift heißt es wörtlich: ,, Unter solchen Umständen bildeten fich Berhandlungen, gegen die seitens der Gefangenen hernach eingewendet werden fonnte, daß sie weniger ihre Aussage als die Auffassung der verhörenden Beamten wiedergaben." Daß Angeklagte sagen, die Protokolle seien nicht richtig, fommt alle Tage vor; aber daß die Reichsanwaltschaft erklärt, so sei es gemejen, ist immerhin etwas Neues. Interessant ist auch, daß die Reichsanwaltschaft über die Feststellungen in Regensburg sagt: " Diese Feststellungen fährten in das Haus von Dr. Heim."( Hört! Hört! links.) Der württembergische Vertrauensmann der Organi sation C war der Oberleutnant Mahn. Auf ihn wurde die Polizei aufmerksam, als sie Schulz und Tillessen verfolgte. Und wo fand sie Herrn Mahn? Bei Herrn Dr. Heim!( Lebhafte Rufe lints: Hört! Hört!) Aber Dr. Heim war natürlich ganz unschuldig an der Geschichte. Nichts hören wir von einer Untersuchung gegen Dr. Heim. Interessant ist die geschichtliche Uebersicht des Herrn Reichs anmalts über die Entstehung der Organisation Con suL Es heißt in der Anflageschrift: Kapitän Ehrhardt erhob im Frühjahr 1920 bei den maß gebenden Stellen nachdrücklich Einwendungen gegen die Auflösung der vaterländisch gesinnten und dem Parteigetriebe fernstehenden Truppe. ( Heiterkeit fints.) Das ist die Truppe, die den Kapp- Pufsch gemacht hat. Und das soll man ernst nehmen! In der Anklageschrift wird dann über die Flucht Ehrhardts gesagt:„ Ehrhardt wandte sich nach Süddeutschland und von dort über die Grenze nach Desterreich."( Heiter fcit links.) Ja, wie wird denn das sonst genannt, wenn ein Berfolgter vor der Staatsanwaltschaft flüchtet? Da habe ich solche Ausbrüde noch nie gehört. Welche Empörung in Kommunistenprozessen, wenn der Angeklagte flüchtet. Von der Auflösung der Brigade Ehr hardt wird gesagt ich zitiere, mörtlich: Im übrigen fonnte freilich nicht in Frage kommen, daß die Angehörigen der Marine- Brigade Ehrhardt, die zwischen ihnen bestehenden Beziehungen mit der Auflösung der Brigade völlig aufgeben werden.( Lachen links.) Da fie in festem Gefüge zu sammen im Kampf gestanden hatten, mußte sich das Bestreben geltend en, einen Zusammenhalt für die Zukunft zu gewinnen. Gankonferenz Sonnabend, den 25. Juli, abends 18 Uhr, in Oranienburg, Jungdeutschlandhaus. Gen. Dr. Viktor Engehardt spricht über die Aufgaben der Jungfozialisten. Gäfte willkommen. tendenziöse Amnestie, die uns vorliegt, wird man aber weber in Deutschland noch im Ausland verstehen, und wir werden im Ausschuß versuchen, eine wirklich durchgreifende umfassende Amnestie Lachen und Zurufe Bu machen.( Lebh. Beifall bei den Soz. rechts.) Abg. Frau Golfe( Romm.): Der Retter" Hindenburg hat vor Monaten eine allgemeine Amnestie zugefagt, wir wußten aber von vornherein, was wir von einer Amnestie durch Hindenburg zu erwarten haben. Wir verlangen die Amnestie für alle prole tarischen Gefangenen. Der Untersuchungsausschuß hat die Bustände im Moabiter Untersuchungsgefängnis aufgedeckt. Wagt der Reichstag, jetzt ein solches Gesetz in dieser Form zu beschließen, das nur der Rechten nügt?( Rufe rechts: Ist ja nicht wahr!) Wann endlich wird der Reichstag sich zu einer Amnestie für Mar Hölz entschließen?( Lärm und Lachen rechts.) Biele Monate lang werden unsere Anhänger bei geringen Vergehen in Untersuchungshaft fest gehalten.( 3wischenrufe rechts.) In Deutschland sind faschistische Mörder frei, aber es gibt Gott sei Dant noch ein Land, wo die Organisation Consul nicht ungestraft walten fann. Sie irren sich, menn Sie glauben, Sie fönnten durch dieses Gesetz beruhigend mirken. Nein, dieses Gesez verschärft die Lage, und mir merden nicht ruhen, bis eine gerechte Amnestie erreicht ist.( Die Rednerin mird dauernd von andauerndem Lärm, Zwischenrufen und Gelächter der Rechten unterbrochen.) Der Präfident schlägt sodann gemäß einem Beschlusse des Aeltestenrats vor, die Sitzung zu vertagen, um den Frattionen noch Zeit zu Fraktionsfizungen zu geben.( Widerspruch rechts.) Die Abstimmung ergibt jedoch, daß nur eine kleine Minderheit aus Bölkischen und einigen Mitgliedern der Deutschen Volkspartei die Fortlegung der Sigung wünschen. Das Haus vertagt sich. Nächste Sigung Sonnabend 1 Uhr: Kleinere Vor Lagen. Ja, meine Herren, welche Entrüftung zeigt dieselbe Behörde in Parteinachrichten Kommunistenprozessen, wenn von der Fortführung der KPD. nach ihrer Auflösung die Rede ist!( Zustimmung links.) Hier aber ist die Sache ganz etwas anderes. Ja, der Reichsanwalt rühmt sogar das Bekenntnis der Leute noch, wo doch die D. C.- Leute ganz dick lügen. ( Hört, hört! links.) So sagt er vom Kapitänleutnant Werber ich zitiere wörtlich:„ Er legte die Wahrheit offen dar, aber mit tun lichster Schonung seiner Kameraden.( Lachen links.) Das heißt doch auf deutsch: er hielt mit der Wahrheit zurüd. Von anderen heißt es: Ihnen fehlte das Verständnis dafür, mie dringend notwendig die vollkommene Aufklärung des wahren 3meds und der wahren Tätigkeit der Organisation C erscheinen mußte." Nicht weniger als drei Vereine führt der Reichsanwalt auf als Fortseter der DC. Von ihnen wird gesagt:„ Keiner der drei Vereine trug irgendeines der Merkmale einer geheimen oder staatsfeindlichen Verbindung an sich. Die von ihnen verfolgten Ziele stellten sich als durchaus einwandfrei dar." Mit welcher Sicherheit behauptet aber die gleiche Behörde gegenüber Kommunisten, es sei selbstverständlich, daß die Ersagorganisationen ebensowenig einwand freie Ziele verfolgen wie die aufgelöste Kommunistische Partei. Hier jehen Sie doch wie ganz verschieden die einen und die anderen behandelt werden.( Lebhafte Zustimmung links.) Die Sagungen der Organisation C machen allerdings dem Herrn Reichsanwalt doch noch einige Schwierigkeiten; denn darin wird als Ziel bezeichnet: Bekämpfung der antinationalen Weimarer Berfassung, der Zweck der Sammlung von entschlossenen" nationalen Männern ist nach den Sagingen, die vollständige Revolutionierung Deutschlands zu verhindern. 2. Bei großen inneren Unruhen deren vollständige Niedermerfung zu erzwingen und durch Einsehung einer nationalen Regierung die Wiederkehr der heutigen Verhältnisse unmöglich zu n: achen. 3. Die durch den Versailler Bertrag angestrebte Entmannung und Entwaffnung unmöglich zu machen und ihm seine Wehrmacht und die Bewaffnung, so weit wie möglich zu erhalten." Der§ 11 fagt:„ Verräter verfallen der Feme"; Satzungen, die ausreichen, um alle hier in Frage fommenden Paragraphen anzuwenden. Trotzdem sagt der Herr Oberreichsanwait: Das Ziel war eine Verfassungsänderung auf gefezlichem Wege.( Erregte Burufe links.) Trogdem sagt der Herr Reichsanwalt: Geheime Umtriebe fanden nicht statt!§ 5 der Etatuten verpflichtet jeden zu unbedingtem Gehorsam gegenüber der Leitung der Organisation und über alle Angelegenheiten der Dr. ganisation das strengste Stillschweigen zu bewahren. Diese Be stimmung soll sich hauptsächlich auf den Hauptzwed beziehen, ein Regiment für die Abwehr des vierten polnischen Aufstandes aufzustellen, jenes Aufstandes, der niemals stattgefunden hat. Das be deutet doch geradezu eine Anerkennung der Gefehmäßigkeit der Feme! Einem Studienrat Dr. Bland wird bescheinigt:„ ihm blieb sogar der Name der Organisation C unbekannt". Bei einem Leutnant Kopp, her Führer einer Sturmfompagnie mar, findet man ein in Geheim. schrift geschriebenes schwer belastendes Dokument. Kopp sagte:„ Ich tannte die Geheimschrift nicht. Ich fonnte das Schreiben nicht lesen. Das ist nicht erstaunlich. Das sagen Angeklagte öfter. Aher erstaunlich ist, daß der Oberreichsanmalt jagt, er fonnte das Schreiben, weil ihm die Unterlagen zur Entzifferung der Geheimschrift fehlten, nicht lesen.( Stürmische Zurufe und Unterbrechungen rechts.) Ja, das beweist, mie man gegen die Rechte vorgeht und wie notwendig es ist, einen Ausgleich zu schaffen.( Stürmische Zurufe rechts: Das ift eine Unflagefchrift gegen den Oberreichsanwalf! Das hat gur nichts mit der Sache zu tun!) Der Reichsanwalt untersucht, ob die Organisation Conful bewaffnet war und sagt, die Organisation Consul verfügte niemals über Waffen. Dabei ist auf Seite 28 und 94 mit Einsendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68, Lindenstraße 3, Das Die Luzerner Sportinternationale ist der Träger der Ersten internationalen Arbeiter- Olympiade. Das Ausland ist offiziell durch Finnland, Lettland, die Tschechoslowakei, Defterreich, Frankreich, Belgien und England start, Italien, Südflamien, Bolen, Bortugal zahlenmäßig geringer vertreten. Rußland an infolge der durch die Sowjets geschaffenen eigenen Sportinternationale, die gegen die Luzerner Richtung ankämpft, offiziell nicht vertreten sein. Die Teilnehmer an der Olympiade merden außer in Brivatquartieren in zehn Maffenquartieren untergebracht. Festbuch verzeichnet daneben nicht weniger als 28 Stammquartiere. Das von herrlichem Waldgelände umgebene Stadion bietet für etma 130 000 Zuschauer Plag. Zur Austragung aller Wettkämpfe reicht die Stadionfläche aber nicht aus, und so wird sich auf allen Sportplägen der Stadt und der engeren Umgebung ein großes sportliches Leben und Treiben entwickeln. Auf 23 Fußballplägen merden 40 deutsche Arbeiterfußballmannschaften ihr Spielglüd ver. fuchen. Mit der Olympiade verbunden ist eine am Donnerstag abend eröffnete Ausstellung für Sport und Körper. fultur. Während der Olympiade werden zu wissenschaftlichen und statistischen 3meden an den Sportlern Körpermessungen vorgenommen. Die Frankfurter Volksstimme, unser Barteiblatt, bringt einen deutsch- französisch- englisch abgefaßten Begrüßungsartikel. Bon allen Seiten strömen trotz des schlechten Wetters massenhaft Gäfte nach Frankfurt. Am Freitag begannen die Kampfspiele mit dem Einmarsch von 60 000 Arbeitersportlern. Fußbe. Am Sonntag findet um 3 Uhr quf dem Sportplak in Wilmersdorf, 85ringer Straße, bas Bezirksspiel des Südwesten gegen Ludenwalde tatt. Das Nord gegen Oft- Spiel fält der großen Sike wegen aus. Im Rorben findet ein anderes interessantes Epiel statt: Borwärts Bolen( N.- 8.) 1 gegen Freie Turnerschaft Charlottenburg 1. Die Bormärts- Mannschaft gift in ihrer Seimat mit an den Spielstärksten. Das Spiel findet auf dem Minerva- Sportplak in Blökenfee. Olympia- Radrennbahn, statt. Beginn des Spiels 5 Uhr. Vorher Schillerspiel. Arbeiter Tura and Sportverein Cantem. Am Sonntag, ben 2 Auguft, Familienpartie nach Tegel. Dampferfahrt ufm, Abmarsch 7 Uhr, pünktlich Dom Vereinslobal Borstel, Mühlenstraße. Freitag, den 7. Auguft. General verfammlung, abends 7 Uhr, im Bereinslotal. Sportler. Alle Sportler treffen fich um Training auf dem Bolleplok, Nordend, um 7 Uhr abends. Soden. Spieler, meldje unsere Mannschaft vervollständigen wollen, Finden für Groß- Berlin fich Mittwoch, 7 Uhr, auf dem Andreas- Sofer- Blak, Bankow, ein. ffets an bas Bezirksfekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten Bezirksvorstand. Hente abend 6 Uhr wichtige Sigung des erweiterten Bezirksvorstandes im Konferenzzimmer der Vorwärts" Redaktion, Cindenstraße 3. 28. 61. Morgen, Sonntag, Familienausflug nach Selligenfee. Treffpunkt 7,15 Uhr Stettiner Borortbahnhof. Nachzügler treffen die Abteilung im Walde hinter der AGG.- Siedlung. Jungfozialisten, Grappe Süden. Heute, Sonnabend, nadm. 5 Uhr, treffen wir uns am Stettiner Borortbahnhof zur Fahrt nach Oranienburg. Spielgemeinschaft. Alle Mitglieder müffen am Sonntag fpätestens 10 Uhr auf dem Festplas fein. Wir brauchen für die Aufführung noch Reltbahnen. Sonntag, Sommer Balbfeft ber Jungsozialisten morgen, im Balde bei Sachsenhausen( Oranienburg), am Teschendorfer Graben bei Geilers Gasthaus Waldfrieden"( Teerofen). U. a. mird Georg Büchners Luftfpiel ,, Leonce und Lena" aufgeführt. Die Teilnehmer treffen fich bis 9 Uhr vorm. oder Rechzügler um 2 Uhr nadm. am Bahnhof Oranienburg. Zur Dedung der Unkosten wird ein Festbeitrag von 30 Bf. erhoben. Rarten find auf dem Festplah noch zu haben. Bei ungünstigem Wetter wird das Fest im großen Gaal der Jugendherberge Oranienburg abgehalten. Junglozialisten, Gruppe Charlottenburg. Morgen, Sonntag, Fahrt Birkenwerder Oranienburg. Treffpunkt 6,30 Uhr Fahrkartenschalter bes Stettiner Borortbahnhofs. Jugendveranstaltungen. Berbebezirk Brenzlauer Berg L. Sonnabenb, ben 25. Juft, abends 7 Uhr, in der Aula des Lnzeums, Greifswalder Straße 25, Berbe fe ft aum Samburger Jugendtag. Lichtbilbervortrag: Jm Samburger Safen. Alt- Hamburg. Rezitationen. Lieder zur Laute. Unkostenbeitrag 40 Bf... Heute, Sonnabend, den 25. Juli: Borfihendenkonferenz abends 7% Uhr im Jugendheim Lindenfe. 3. Jebe Abteilung muk vertreten fein. Wilmersdorf. Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr, Rathaus. Morgen, Sonntag, den 26. Juli: Beißensee 2 Uhr nachm.: Spielen vor bem Jugendheim Rödefte. 157. Werbebezirk Often. Beteiligung an der Fahnenweihe in Stegli. Treff. punit 8 Uhr Betersburger Straße Ede Frankfurter Allee. Abt. Stta. Iauer Biertel: 8 Uhr Rudolfplak. Schöneberg L. Treffen zur Stegliger Fahrenweihe 9 Uhr Trofchle- Rundell. Abends 6 Uhr: Seimabend mit buntem Brogrampt. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Der Ziegenzucht- Berrin Reukölln hält am Sonntag, ben 26. Juft, im Garten der Berliner Kindl- Brauerei, Neukölln, Hermannstraße, feine dies jährige Riegen- und Lämmerschau ah. Um 11 Uhr findet ein Rursus der ftaatlichen Riegenbod Rörtommissionen der Bezirke Botsdam und GroßBerlin statt. Der Schachklub Steinig hält am Donnerstag, 30. Juli, abends 8 Uhr, im Klublokal, Cafe Specht, Gr. Frankfurter Str. 68, cin Simultanspiel des Schachmeisters Herrn Bernhard Sacan ab. Der Arbeiter Radioliub e. V., Bezirk Lichtenberg, veranstaltet am 8. Auguft 1925 eine Propaganda- Mondscheinfahrt, verbunden mit Radionorführungen burch Lautsprecher, nach Rauchfangswerder. Teilnehmertarten find zum Breise Don 2 m zu haben in der Reichsgeschäftsstelle Betersburger Str. 39 und in den Bezitten. Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, den 24. Juli. 1. Rennen. 1. Charl. Mathilde( F. Bahr), 2. Good Boy( H. Grube), 3. Duera( Jauz). Tot.: 127: 10. Bl.: 29, 23, 30:10. Ferner liefen: Gladiator I, Schwarzwaldmädel, Mocuna, Charley Worthy, Kronprinz I, Coriolanus, Cikade, Barillia, Celata, Heidefee. 2. Rennen. 1. Erasmus( Großmann), 2. Heroftrat( L. Weiß), 3. Niederländer( Hedert). Tot.: 17:10. I.: 11, 11, 13:10. Ferner liefen: Die Lezte, Mar Kujer, Weinbrand, Erbpring jr., Eitelfried, Lebemann. 3. Rennen. 1. Heidemann( J. Mills), 2. Cuba( 2. Weiß), 3. Baula Bingen( Jauß jr.). Tot.: 27:10. I.: 13, 14:10. Ferner liefen: Qump, Mainsca. 4. Rennen. 1. True For( Jauß jr.). 2. Michelangelo( CH. Mius), 3. Blaumeise( G. Lautenberger). Tot.: 41:10. BI.: 21, 15, 61:10. Ferner liejen: Klud, Altgold, Lodung, Johannistäfer, Koranna, Native Forbes. 5. Rennen. 1. Frankenstein( Ch. Mins), 2. Progres( F. Schulz), 3. Addie( Jauß ir.). Tot.: 22: 10. L: 14, 18:10. Ferner liefen: Bring Adbell, Carleta( ausgebr.), Lord Ellerslie( ausgebr.).. 6. Reunen. 1. Dr. Lem jr.( E. Treuberz), 2. Baron Nushaga( L. Weiß), 3. Hofmeisterin B.( Knöpner jr.). Tot.: 35: 10. I.: 21, 20, 16:10. Ferner liefen: Kartenspieler, Altmart, Dina Watts( ausgebr.), Heidefrau. 7. Rennen. 1. Armida I( B. Rösler), 2. Handfest( A. Rüdert), 3. Razbach( Sleinau). Tot.: 83: 10. BI.: 26, 25, 39: 10. Ferner liefen: Seitgeist, Tajna, Heiderose B, Mädel, Heideprinz. Cadiag Arworthy, Berdun, Erst. Wolferfomer, Willy I, Brinzessin Etawah, Matador I, Höbenjonne, Odessa, Baron Agworthy, Fenelon( als erster disqualifiziert, 80 Proz. Sieg und Blazivetten zurüd). 8. Rennen. 1. Dichtung( G. Lautenberger), 2. Lindenwirtin( Jauß jr.), 3. Kapitain Halle( E. Ringins). Tot.; 29: 10. Pl.: 13, 13, 27: 10. Ferner liefen: Divifionär, Etatshöferin, Dante, The Kitty. 1. Bechjadel( Anövnadel jr.) 2. Della( Großmann), 3. Sybill( F. Schulz). Tot.: 73: 10. BL: 19, 25, 19:10. Ferner liefen: Francisco, Alpenfer, Ebonit, Clematis blau. 9. Renne it. Nächstes Abendrennen in Treptow. Am Donnerstag, den 30. 3uIi, abends 8 Uhr, findet das nächste bendrennen der Treptower Bahn statt. Im Mittelpunkt des Interesses steht das flaifische Rennen Die Hundert", ein Dauerrennen hinter Motorführung über 100 km in zwei Räufen. Weiter enthält die Ausschreibung ein Tandemfahren über fünf Runden und ein Punktefahren über 20 Runden mit Wertungen in jeder dritten Runde für Berufsflieger, sowie ein Rennen um die Armbinde für die ehemaligen Schüler der Rütt Schule. Getreu ihrer Tradition wird die Rennbahn Treptow auch diesmal eine erstklassige Besezung wie bei allen bisherigen Abendrennen zustande bringen. Der Meldeschluß für die Nennen ift Sonnabend abend. Briefkasten der Redaktion. $. S. 105. Die Bestimmung tommt nur für Lohnempfänger in Betracht M. Rubow. Rrankengeld ist nicht pfändbar. F. B. 100. 1. Bis aum 18. Jahr. Die Berschiedenheit erklärt sich daraus, daß es Boll- und Teilrenten gibt. 2. Das richtet sich nach der Söhe des Jahresarbeitsperdienstes. 6. 11. 1. Nein. 2. Die Frage kann nur an Sand der Bereinsfagungen beantwortet werden. B. M. 74. 1. Der Bertrag ist nur dann rechtsgültig, menn Sie ihn genehmigt haben. Sie haften nicht. 2. Die Alageforderung Lönnen Sie selbstverständlich erhöhen. 10 Komet Freilauf ES GIBT KEINEN BESSEREN Sparfam im Betrieb Keine teuren Reparaturen Soaaabeaö 15. 7ull1H25 Unterhaltung unfl AVissen Beilage öes vorwärts Ein Ueberbleibfel. VZ von Martin Anderleu ZtexS(Konstanz). (Schluß.) �Da» sind gewiß die Bewohner von Rönne, die ein« Ler- gnügungsfahrt nach Hammerhus machen/ sagt» Lar»..Wa» wird da heute gcirunlenl Zlber es soll noch schlirnawr-Jkta. wenn die Deutschen auf-Hnem Ausflug dort sind/ Jakob wellt««ine zurechtweisende Antwort geben, beherrschte sich aber— er fühlt« das Verlangen, den letzten Nest de» Lorwurfs, «in Freidenker zu sein, abzuschütteln. ,3a, die meisten Menschen wenden ihren Sonntag schlecht an," sagte er. ,Qnb das tft eine Schande: denn der Sanntag hat trotz allem etwas, da? die anderen Tag« nicht haben.* 3n diesem Augenblick kam ihnen die Flagge de» Schießstande» zu Gesicht: sie hörten den bekannten, regelmäßigen Stull,»ud so beschleunigten sie ihre Schritte. Am Schießstand wurden sie mit Ungeduld erwartet. 8» war der letzte Tag des Wettschießens, wer den Bezirk bei dem großen Schötzenfest in Kopenhagen vertreten solle, und der Endkampf würde zwischen den beiden stattfinden. .Da kommen ja die Zwillingek* rief jenund. So wurden sie genannt, teils noch den beiden Höfen, teil», well sie immer bet- sammen steckten. Die ganze Aufmerksamkeit richtete sich setzt auf die beiden. Lars schoß zuerst, und er schoß ruhig und besonnen wie immer seine zehn Schuß hintereinander. Alle Zuschauer waren darüber einig, daß er außergewöhnlich gut geschosien habe. Als er fertig war, begann er mit Karl Bahn, einem Hofbauern- söhn vom Innern der Insel, Zielübungen. Sie zielten gegenseitig auf das rechte Auge: dabei konnte der, der gerade als Scheibe dient«, feststellen, ob der Flintenlaus während des Abdrückens vollständig ruhig geholten wurde. Jakob machte all« möglichen Umstände. Er llef hw und her, eh« er sich entschloß, mll dem Schießen anzufangen, zielte und ließ die Flinte wieder sinken. Endlich nahm er sich zusammen und schoß drei Punkt« in einem Zug: um ihn her wurden bewundernd« Aus- ruf« laut. .Paßt auf! Jetzt kommt ein Fehlschuß/ antwortet« er auf ihren Beifall und setzte die viert« Kugel an den äußeren Rand der Scheibe. Der nächste Schuß war«in Sechser. All« waren sich darüber einig, daß er jetzt absichtlich schlecht schieß«. .Du willst wohl Lars die Reis« machen lassen,* flüstert» ihm der Bezirksführer anerkennend zu. /Die Leute auf den Zwilling»höf«» find nicht immer s» gut» Freund« gewesen.* sagt« einer, der daneben stand. Jakob lächelt« gutmütig, zielt« sorgfältig und— schoß«inen Sechser. Letzt hast du gewannen, gor,!* riefen die anderen. Bei dem frohen Klang ihrer Stimmen fuhr Jakob zusammen. .Wer sagt da»?* fragt« er mit einem eigentümlichen Lächeln. Ich habe»och vier Schuß— vier Punkte. Gib mir Dein« Flinte, Lar», mit ihr läßt sich'? besser zielen al» mst meiner.* � Sie wechsellen die Gewehre. Lar» gab Jakob«in paar Winke. auf welchen Punkt der Scheibe er den Lauf richten soll«: dann kehrt« er zu seinen Zielübungen zurück. Die anderen warfen sich ringsum ins Heidekraut, um die Signale des Scheibenzeiger» in aller Ruh« zu beobachten: Jakob war ihnen ein wenig zu langsam. Plötzlich fielen gleichzeitig zwei Schüsse,»in kurzes abgerissenes Stöhnen folgte, und Karl Bohn sank in sich zusammen. Im selben Augenblick sah Lar» den Kameroden umsinken nnd den Echeibenzeiger einen Treffer am Schießstand melden. Er sah den roten Schimmer in dem Aug« de» Freundes, und es durch. schauerte ihn: aber er begriff noch nicht, wo» geschehen war, und über sein Gesicht gllU ein mißbilligendes Lächeln— ein Porwurf wegen de« dummen Spaßes. Dann aber fiel ihm die Büchse an» der Hand: mit schweren Schritten ging er vorwärts, packt« Karl unter »eu Armen und richtete chn auf. während er ihm flehend in da» blutüberströmte Gesicht schaute. Und er hielt ihn noch in den Armen, sah ihm noch immer in» Gesicht und bewegt« die Lippen. ohne einen Ton hervorzubringen, während die anderen einen Kreis um die beiden bildeten. Jakob war in den Krei, hineingesprungen. Er stand da vorn- übergeneigt, mit hängenden Armen und hängendem Unterkiefer— wie ein Wohnsinniger, der mst Grausen geschlagen ist— und gaffte den Toten an in rücksichtsloser Benommenheit. So verharrt« er, b>»«in letzter krampfartiger Ruck wie ein Nachholl des Lebens durch die Leiche ging: dann brach er in ein lautes Gelächter aus, sprang aus dem Kreis heraus und stürmte auf die Felsen hinauf, warf sich da nieder und bohrte das Gesicht in das Gestein, als sei dies ein Kiffen, in dem er sein Gelächter ersticken wollte. Sprang drnn wieder mit einem verzerrten, ganz vergrämten Gesichtsousdruck'n die Hohe, benahm sich wie ein vom Teufel Besessener und verschwand schließlich zwischen den Felsen dem Meere zu. Man mochte für den Toten ein« Bahre zurecht und trug ihn in den nächsten Bauernhof. Bon dort wurde ein Wagen nach dem Doktor und der Behörde geschickt. Bei den Berhören wurde festgestellt, daß die Flinte geladen gewesen sein muß, als Lars sie von Jakob erhielt. Aber niemand verstand dos, denn Jakob hatte soeben damit geschossen, und man hatte ihn nicht aufs neue laden sehen: es war allen ein« selbsta.'r- ftändlichc Sache gewesen, die Flinte sei nicht geladen. Dies war ein mildernder Umstand für Lars, und er kam mit der niedrigsten Strafe für Totschlag und Unachtsamkeit davon. Ialob murde erst nach mehreren Tagen gefunden, und in e nem geradezu lämmerlichcn Zustand: sein Benehmen erinn'ite in vielem or das fein s Großvaters bei dessen Hochzeit. Auch er begriff nick/t, wie dos G:vehr hast« geladen sein können, als er es Lars gab. Im übrigen erinnerte er sich on nicht? mehr und sagte wiliig zu allem ja,>vi» man ihm in den Mund legte. Wenn er mir statt Lar» die Straf« absitzen dürfe, könne man mit ihm mac-.en, wae man wolle— alles ander« fei ihm gleichgültig. Er war, wie leine Großmutter gesagt hatte, ein Herzmensch, ein Mensch von west stärkeren Gefühlsausbrüchen, als man gewohnt war: und er war ganz außer sich an dem Tage, wo Lars ins Gefängnis abgeführt wurde, um sein« Strafe abzubüßen. Lar» saß nicht lange eingesperrt, aber doch lange genug, so daß der unheimliche Vorfall ihn ganz durchsickern und sich hemmend über olle seine Lebensäußerungen legen konnte. Als er aus dem Gefängnis wieder entlassen wurde, war er stumm und schwermütig und hotte eine enischiedene Abneigung dagegen, zu arbeiten, zu reden oder sonst etwas zu tun. Auf seinem Gesicht lag von da an immer ein Ausdruck, als kämpfe er mit den Tränen, die jeden Augenblick hervorzubrechen drohten. Aber man sah ihn nie mehr lächeln oder weinen. Jakob» Freundschaft zu Lars entwickett« sich zu einer unbe» grenzten Hingabe. Er litt unter dem schweren Kummer des anderen und war um ihn, soviel er konnte, scherzte mit ihm oder sprach ihm beruhigend zu, ohne sich durch dos düstere Schweigen des anderen entmutigen zu lassen. Oder er sah tagelang stumm neben ihin. Auch Lars konnte Jakobs Gesellschaft nicht entbehren. Er folgte jeder Bewegung des Freundes mit den Augen und war unruhig, wenn er ihn nicht bei sich hotte. Als er voriges Jahr den väterlichen Hof übernehmen sollte, machte er sein Erbteil zu Geld und zog zu Der ZaUgraf. Am g. Zok stößt Westarp in den Rücken des Sabiaetts. der ,Mffenmens