Abendausgabe fir. 352 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 173 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Rebaftion: SW. 68, Lindenstraße 3 Serufprecher: Dönhoff 292-295 Zel- Abreffe: Sozialdemotrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Dienstag 28. Juli 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Haussuchungen bei Justizbeamten. Strafbare Handlungen der Anklagebehörde im Barmat- Verfahren.- Zusammenarbeit zwischen Staatsanwälten und Deutschnationalen. Wolffburean teilt mit: Die Berliner Kriminiafpolizei nahm| heute morgen verschiedene Durchsuchungen in einem polifischen Nachrichtenbureau, in der Lühowstr., vor, daß die Quelle zahlreicher auffehenerregender Beröffentlichungen in der Barmat- Kutister- Angelegenheit gebildet hat, ferner bei Angestellten dieses Bureaus, sowie bei 3 wei Juftig beamten, die mit der Bearbeitung jener Sachen beschäftigt waren. Das friminalpolizeiliche Borgehen gründet fich auf den Berdacht verschiedener Straffaten, u. a. der unbefugten Beröffentlichung amtlicher Schriftftüde eines schwebenden Strafprozeffes. Die von der Durchsuchung Betroffenen wurden bei der Kriminalpolizei bereits einer ersten Bernehmung unterzogen. Nach Abschluß der polizeilichen Bernehmungen werden die Borgänge der zuständigen Staatsanwaltschaft zur weiteren Berfolgung der Angelegenheit zugeleitet werden. Wie wir hören, sind die Maßnahmen der Kriminalpolizei erfolgt auf Grund eines umfangreichen Materials, das den Behörden vor einiger Zeit zugeleitet wurde. Aus diesem Material, das vordem auch uns vorgelegen hat, teilen wir der Deffentlichkeit einige wesentliche Tatsachen mit. Dieses Material erbringt den Nachweis, daß die ganze BarmatAngelegenheit von Anfang an feine friminalistische, sondern eine politische, auch von der Staatsan maltschaft politif aufgezogene Angelegenheit war, die sich gegen die republikanischen Parteien, hauptsächlich gegen die Sozial demokratie und das Zentrum, aus Anlaß der damals Bevorstehenden Reichspräsidentschaftsmahlen richten sollte. Es mar noch eine Er. meiterung des Angriffs geplant, bei dem auch die De mofraten mit einbezogen werden sollten. Für diese Erweiterung mar ein umfangreiches, aus den Deutschen Werfen entwendetes Material, in Aussicht genommen worden, zu dessen Verwertung es jedoch aus Gründen, auf die wir noch ein mal zurüdtommen werden, nicht gekommen ist. Auf jeden Fall steht das eine fest, daß in der ganzen BarmatAngelegenheit die Staatsanwaltschaft, namentlich die Herren Affeffor Caspari und Affeffor Kußmann fowie Oberffaatsanwalt Cinde in engffer Fühlung mit Stellen der Deutschnationalen Bolfspartei gearbeitet und diesen das ihr amtlich befannt gemorbene material zur publizistischen Verwertung zugetragen hat, daß für diese Hilfeleistung einzelne der genannten Herren Gefällig. feiten und Versprechungen erhalten haben, die wohl das Kernstück der tommenden friminalistischen Untersuchung bilden müssen. 3m einzelnen mollen mir heute folgendes mitteilen: Bei der Deutschnationalen Bolfspartei, Berlin M. 9, Bernburger Straße 24, II, war unter einem früheren Oberregierungsrat Goebel ein besonderes Bureau für die Bearbeitung und politische Ausschlachtung der Barmat- und mit ihr zusammen ge nannter Ungelegenheiten eingerichtet worden. Von diesem Bureau Tiefen die Fäden zu einem zweiten Bureau, das sich Berlin W. 35, Lüßomstraße 60 mit der Telefonnummer Nollen dorf 6662 in der Wohnung eines Herrn von Beaulieu befand. Eine Dame, die als Tochter des Herrn von Beaulieu bezeichnet wird, wirfte in dem Bureau als Sekretärin. Der eigentliche Leiter des Bureaus jedoch war ein gewisser Ernst& noll, wohnhaft, in Oberschöneweide, Luisenstraße 28. Knoll arbeitete aber nicht unter seinem richtigen Namen, sondern nannte sich meist Dr. Kluge, später aus einem gemissen Anlaß auch Klausing. Angestellt an diesem Bureau war ein Rauf mann Frig Kranz, Berlin- Friedenau, Lauterstraße 27, ferner der von der Ehrhardt- Brigade her bekannte Rapita nleutnant Kautter, Berlin- Schöneberg, Mogstraße 22. Es tamen dann faäter noch hinzu: der für die Rechtsparteien schriftstellerisch tätige Wolfgang Breithaupt, mohnhaft Schöneberg, Mohstr. 73, bei Fechner, jüngst bekannt geworden durch die Herausgabe eines Buches im Sinne der Dolchstoßlegende, und der Journalist Werner Mühlberg, Berlin W. 57, Potsdamer Straße 83. Sehr intereffant ist ein Blid auf die Geldgeber, die dieses Bureau finanzierten. Die namhaften Beträge für den Erwerb von Material und die Gehälter der Angestellten Tiefen zunächst über Herrn Badmeiſfer. den Berliner Vertreter der Bergisch Märkischen 3eitung". Berlin SW. 11, Großbeerenstr. 5 II. ( Rollendorff 4067.) Später trat als Geldgeber auf der deutsch nationale Reichstagsabgeordnete Leopold, Direktionsmitglied des Mitteldeutschen Braunkohleninnbitats. Die von ihm ausgestellten Scherds liefen über das Banthaus Delbrüd, Echidler u. Co. in der Mauerstraße. Das Bureau stand in engster Fühlung auf der einen Seite mit ter deutschnationalen Presse, auf der anderen Seite mit der Staatsanwaltschaft. Es fanden eine ganze Anzahl von Konferenzen flatt, an denen Herren des Bureaus, wie der genannten beiden Seiten teilnahmen, so im Restaurant Weinpfuhl", Königgräger Straße, in einer Biertneipe, Lukomftr. 74, in einer Biertneipe auf 21 bem Südwestforso( Stammlotal des Herrn Assessor Kußmann), zuletzt erst vor furzer Seit in einem Berliner Hotel. Die Beziehungen des Bureaus zur Rechtspresse maren außerordentlich enge, wofür eine sehr umfangreiche uns vorliegende Korrespondenz Seugnis ablegt. Es wurden nament lich Briefe gewechselt mit der Deutschen Zeifung und den mit diesem Blatt in Zusammenhang stehenden Herren Freiherr von Sodenstern, Oberfinanzrat Bang, Herr von Herzberg usw., mit Herrn Dr. Oestreich von der Berliner Börsenzeitung"( dem Gönner des Herrn Tannenzapf), mit Herrn Funf Dom gleichen Blatt, mit der inzwischen entschlafenen„ Nationalpost", mit der Bergisch- Märkischen Zeitung" u. a. m. Besonders intereffant ist, daß diefes Bureau auch enge Beziehungen zu der Hugenbergfchen Telegraphen- Union" unterhielt und zwar durch deren Rebatteur Herrn Cames. Das Zusammenspiel dieser Pressestellen war genau geregelt. Sollte z. B. der Berliner Ursprung einer Notiz verschleiert werden, so ging diefe an die Bergisch- Märkische 3eitung in Elberfeld und wurde erst aus dieser rüdüber. nommen. Zur Berbreitung der gleichen Sache an mehrere Blätter wurde die„ Telegraphen Union" benutzt und zwar in folgender Weise( es handelt sich wahrscheinlich um die Berbreifung des widerrechtlich veröffentlichten Kammergerichtsbeschluffes in Sachen Barmats): Tel. X " Berfin, den 25. Mai 1925. Dr. Kluge, Berlin W. 35, Lützowstr. 60. Nollendorf 6662. bei v. Beaulieu. Herrn Chefredakteur Cames, Telegrafen- Union Berlin, S. 61, Blücherstraße 12 Sehr geehrter Herr Cames! Unter Bezugnahme auf unfer heutiges Telefongespräch übersende ich Ihnen beifolgend 4 Abschriften eines Do. fuments, an deffen schnellster und breitester Beröffentlichung größtes Intereffe geboten ist. Der Inhalt des Schriftstüdes bürfte nach dieser Richtung für sich selber sprechen. Es wird Ihnen wohl fchon befannt sein, daß auf Eingreifen des Justizminifteriums die weitere Bearbeitung der Antlage der Staatsanwaltschaft I als der gesetzlich vorgeschriebenen Dienststelle entzogen und der General- Staatsanwaltschaft am Kammergericht überwiesen ist. Es muß daher schleunigst dafür gesorgt werden, daß diefem offenfundigen und parteipolitisch beeinflußten Rechtsbruch der höchften preußischen Juftizinffanz mit aller Energie entgegengetreten wird. Entsprechenden Begleittegt überlaffe ich Ihnen bzw. den betr. Mit deutschem Gruß Ihr sehr ergebener Zeitungen. 4 Anlagen. gez. Kluge. Wie sonst das Zusammenspiel funktionierte, dafür aus vielem Borliegenden nur eine Probe: Abschrift Berlin, den 5. Mai 1925. Dr. Kluge. Berlin M. 35, Lüzowftr. 60. Tel. Nollendorf 6662. An die Schriftleitung der Deutschen Zeitung". Berlin SW. 11, Hedemannstr. 12. In der Anlage sende ich Ihnen beifolgend Abschrift eines Artifels der Bergisch Märtifchen 3eitung, die ihrerfeits Bezug nimmt auf die Berliner Börsenzeitung" Dom Sonnabendnachmittag Nr. 204. Die Börsenzeitung" wird morgen früh ihrerseits wieder auf die Bergisch- Märkische Zeitung" reagieren und wäre es zur Erreichung des in Rede stehenden 3medes sehr erwünscht, wenn auch Sie dann, und zwar in Ihrer nächstfolgenden Nummer die Angelegenheit entsprechend aufgreifen und tommentieren. Ich bitte Sie, mir von der betreffenden Ausgabe einige Beleg exemplare zu übermitteln, da ich dieselben dringend benötige, und zwar an die Adresse von Beaulieu, Lützowstr. 60. Anlage. Mit deutschem Gruß gez. Kluge. Es tauchen sonst noch im Zusammenhang mit diesem Bureau auf: Der Brunnen- Berlag( Karl Windler), in dem die berüchtigte Barmat- Broschüre des deutschnationalen Abgeordneten Raufhold erschien, Herr Mahraun( Caffel), der bekannte Gründer des Jung deutschen Ordens, sowie eine Anzahl deutschnationaler Reichstags- und Landtagsabgeordneter. Vor allem natürlich Herr Leopold, der Geldgeber vom Mitteldeutschen Braunkohlensyndikat. Woher flammte nun das Material, mit dem bas Bureau diese Stellen versorgte? Es waren zum Teil geffohlene Aften aller Art, zum großen Teil aber flammte es direff non der Staatsanwaltschaft, die dem Bureau willig nicht nur Einblick in die Barmat usw. Aften gewährte, sondern ihm fogar leihweise einzelne Originaldokumente aus den Affen zur Vorlage an deutschnationale Journalisten und Abgeordnete, sowie von der Staatsanwaltschaft gefertigte Abschriften wichtiger Dokumente überließ. In dem berühmten Zimmer 670 bezm. 671 Moabit, wo die Sachen Barmat und Rutister bearbeitet wurden, gingen die Angestellten des Bureaus täglich ein und aus. Herr Dr. Kluge Knoll war mit Herrn Affeffor Rußmann, sowie mit Herrn Assessor Cafpary, eng befreundet, mit Kußmann duzte er sich sogar und ging oft mit ihm zu Kneipereien, bei denen meist Kluge= Rnoll die erhebliche Zeche bezahlte. Auch Herr Don Beaulieu, der Inhaber des Bureaus, war mit Ruhmann bekannt. Er begleitete ihn noch im Juli auf der Ferientour mit Keine Vertagung des Reichstags. Durchpeitschungsabsichten der Regierungsparteien. und Der Aeltestenausschuß des Reichstages trat am Dienstag, mittags% 12 Uhr zu einer Beratung zusammen, in der zunächst der Reichstagspräsident Cobe fragte, ob von irgendeiner Partei, wie das die Zeitungen behaupteten, der Antrag vorläge, die Berhandlungen des Reichstags am Sonnabend abzubrechen. Die Parteiführer erklärten, von solchen Abfichten nichts zu wissen. Von deutschnationaler Seite wurde verlangt, daß die Beratung für die Steuergefehe auf beffimmie Tage fontingentiert werden folle. Dem widersprachen Sozialdemokraten, Demokraten Kommunisten, die damit einverstanden waren, daß zu Beginn der Beratung eines jeden Gesetzes eine Redezeit von einer Stunde bezm. einer halben Stunde gewährt werden müsse. Außerdem müßten bei wichtigen Rapiteln wie z. B. Lohnsteuer und 2ugus steuer Redezeiten von einer halben Stunde gewährt werben. Auch hierüber tam eine Einigung nicht zustande. Es wurde zunächst der Präsident gebeten, zusammen mit je einem Steuerfachmann aus jeder Fraktion zu versuchen, einen Plan für bie Zusammenfaffung von Baragraphen zu entwerfen, die fachlich mit einander in Berbindung stehen. Das solle zunächst für die Eintommensteuer und dann auch für die anderen Geseze versucht werden. Bon deutschnationaler Seite murde erflärt, daß die Fraktionsmitglieder zur Anwesenheit im Reichstag verpflichtet seien. Es sei anzuerkennen, daß die Kompromißparteien, für die Präsenz des Hauses zu sorgen hätten. Bezeichnend war, daß Herr Don Graefe als Vertreter der Bölfifchen fich angesichts der Geschäftslage des Hauses für die Durchpeitschung der vorliegenden Borlagen aussprach. Jm Zollausschuß wie immer. Die Zöllner schweigen in allen Sprachen. Im Zollausschuß mar heute morgen von der Nervosität, die sich sonst überall und namentlich im Plenum bemerkbar macht, nicht das Geringste zu merfen. Der Borsitzende leitete ruhig mie immer die Sigung und die Rechte schwieg dazu in allen Sprachen. Tur zmei Bertreter der fleinen und mittleren Landwirtschaft beteiligten sich an der Debatte. Im übrigen war es den Sozialdemokraten allein überlassen, die Interessen der großen Masse der Konsumenten bei den wichtigen Artikeln Bieh, Fleisch, Gefügel, Eier und Fette aller Art zu vertreten. Eingeleitet wurde die Aussprache durch den Abg. Gerauer( Bayer. Bpt.), der mit Entschiedenheit und Nachdrud Zölle auf Bieh und Fleisch verlangte. Dem Bauernvertreter antwortete Genossin Wurm, die sich durchaus damit einverftonden erklärte, der Landwirtschaft, insbesondere den einen Befizern, helfen zu wollen. Diese Hilfe sei jedoch unmöglich zu bringen durch den lückenlosen 3olltarif, der vor allen Dingen die Möglichkeit vereitelt, bie Betriebe der fleinen Landwirtschaft in wünschenswerter Weise rentabel zu gestalten. Genoffin Nemih betonte, daß mir uns mit aller Entschiedentbeit gegen die Pläne der Regierung der Zollparteien wenden müßten, nicht aus agitatorischen, sondern aus voltswirtschaftlichen und volksgesundheitlichen Gründen, die bei ben maßgebenden Fattoren zugunsten einer fleinen Clique vollständig außer Acht geblieben seien. Der schleswig- Holsteinische Besizer Hanken, ein Wirtfchaftsparteiler agitierte vornehmlich gegen die Einfuhr von argen tinischem Gefrierfleisch. Genoffe Hilferding wendete sich kurz gegen den Wirtschaftsparteiler unter Hinweis auf die früher gepflogenen Distuffionen, in dem er noch einmal darauf hinwies, daß wir unter allen Umständen das Rohproduft zollfrei behalten wollten, um dadurch der Beredelungswirtschaft billigere Produktionsmöglich feiten zu schaffen. Dann verlangte er eine Auskunft darüber, wie fich die Regierung die Durchführung der in dem Antrag der Rompromißparteien vorgesehenen Berteilung von Gefrierfleisch an Minderbemittelte denke, ohne daß die Gefahr nicht geringer Schitanen damit verbunden sei. Die Regierung schwieg fich vorläufig aus. ( Die Berhandlungen gehen bei Schluß ber Redaktion weiter Herrn Rußmanns berühmter Segelfast Schmalbe, zu| deren Anschaffung der von Haus aus vermögenslose Herr Affeffor in diesem Jahre plötzlich die Mittel hatte. Es handelt sich dabei nicht um ein kleines Fahrzeug, sondern um eine große seegehende Jacht, die über den größten Teil der Ostsee bis nach Wisby auf Gotland( Schweden) ging. Auf dieser Tour wurde Herr Dr. Kußmann auch von dem Kriminalassistenten Ganß begleitet. Auf der Rückreife liefen die Argonauten der Schwalbe" Danzig und Kolberg an, wobei ihnen jedesmal das Geld ausging. Durch| Herrn Kluge- Knoll wurden ihnen jedesmal und zwar an die Adresse des Herrn Kußmann- Geldbeträge nachgeschidt und zwar Stellen mit aller Energie bie restlose Klarstellung dieser Borgänge betreiben merden, die wohl in der Geschichte der deutschen Staatsanwaltschaft unerhört dastehen. Er weint über seine Partei! Eine dramatische Szene im Lippeschen Landtag. In einer Sigung des Lippeschen Landtags hat sich jüngst mie unser Bielefelder Parteiblatt mitteilt ein Vorgang abgespielt, der verdient, daß man ihn in allen Einzelheiten für immer festhält. Die sozialdemokratische Fraktion hatte neben einigen Fragen an das Landespräsidium zu ersuchen, dem Landtage Vorschläge darüber zu unterbreiten, wie den durch die Verabschiedung der Aufwertungsgeseze im Reiche um alle Hoffnungen betrogenen Sparern die dringend notwendige Hilfe gebracht werden kann. aus Geldern, die Kluge vorher von Herrn Leopold hatte Landespräsidium dem Landtage auch den Antrag unterbreitet, das 20 abholen lassen. Die genaue Absendung dieser Beträge nach Höhe, Postamt und Tag steht fest. Der eine Betrag ging vom Boftamt 239 am 15. Juli 1925 an Kußmann, Kolberg, an Bord der Schwalbe", der andere Betrag am 11. Juli 1925, Postamt 9 nach Danzig. Gegenüber seinen Angestellten äußerte fich Kluge- Knoll öfter dahin, er fönne ihnen das Gehalt nicht voll auszahlen, weil er zuviel an Kußmann zahlen müßte. Die Staatsanwälte nahmen auch an den genannten Ronferenzen teil, so z. B. trafen sich im Februar 1925 Knoll und Oberfinanzrat Bang mit den Staatsanwälten Kußmann, Pelzer und Caspary in einem Restaurant gegenüber dem Kriminalgericht, Knoll, Beaulieu und Breithaupt mit Staatsanwaltsaffeffor Kußmann im Mai 1925 im Bureau Lügomstraße 60 zu einer Be fprechung, die von besonderer Bedeutung ist, well hier nämlich die Beröffentlichung des Kammergerichtsbeschlusses in Sachen Barmat beschlossen wurde als Gegenschlag gegen das Juftizminifterium, Las im Höfle- Ausschuß von den Staatsanwälten abgerückt sei. Diese Veröffentlichung erfolgte dann auf Grund einer Abschrift, die Kußmann dem Bureau herstellen ließ. Eine besondere Rolle spielt auch Herr Dr. Weiß, der Leiter der Geschäftsstelle der Deutschnationalen Volkspartel. Er war es, der einen Betrag von 10 000 m. für den Erwerb eines Aftenmaterials von drei Kisten Umfang aus den Deutschen Werten versprach und 5000 m. anzahlte. Das Material gelangte zu Breithaupt. Als nun wegen der reftlichen 5000 m. Streitigteiten zwischen verschiedenen Stellen entstanden und mit der Fortschaffung des Materials aus Breithaupts Wohnung gedroht wurde, ficherte Herr Affeffor Kußmann dem Bureau den Besitz, indem er pro forma das Material durch folgende Verfügung beschlagnahmte: Abschrift Der Generalstaatsanwalt bei dem Landgericht I. 13. 3. 845. 24. 2. 3. 25. 25. Straffache gegen Barmat- Kutister. Berlin den 7. April 1925. Das bei Herrn Breithaupt, Berlin- Charlottenburg, Mohffr. 73, bei Fechner wohnhaft, befindliche Aftenmaterial ist bis auf weiteres vorläufig fichergestellt. 3. A.: Kußmann. Diese Beschlagnahme war nur ein Scheinmanöver, denn das Material blieb bei Breithaupt liegen, ohne daß Herr Kuß aus seiner Verfügung irgendwelche praktischen Konjemann quenzen zog. Interessant ist es auch, daß sowohl Herrn Affeffor Kußmann wie einzelnen Angestellten des Bureaus vom Mitteldeutschen Braunkohlensyndikat Stellungen mit hohem Gehalt versprochen wurden für den Fall, daß ihnen etwas passieren würde. is Herr Kußmann in Urlaub ging, übernahm Caspary seine Ber5935 tretung bei dem Bureau. Er beantragte bald darauf, als das Justizministerium die Staatsanwälte in der Barmat- Sache abberies, ein Disziplinarnerfahren gegen sich selber, ließ den Antrag durch das Bureau der Deffentlichkeit durch die rechtsstehende Bresse mitteilen, noch ehe er bem Justizmini fterium vorlag. Soviel wollen wir vorläufig mittellen, obwohl mit unseren Angaben nur ein Teil des Tatbestandes erschöpft wird. Wir sprechen die Erwartung aus, daß die zuständigen Sehnsucht! Spät am Tage erst, faft ist es schon die erste Abendstunde, wenn das silberne, fingende Wasser mir über Haupt und Rörper fließt, werde ich Mensch. Dann spüle ich mir das nervenzerreibende Rattern der Maschinen, die schnauzende Stimme des Meisters aus den Ohren. Del, Schweiß, Schmutz rinnt von mir nieder, mein Körper atmet auf. Aus den Augen mische ich mir das Bild des Tages, den freudlosen Fabriksaal mit seinen faufenden Treibriemen, züngelnden Flammen, schwingenden Rädern. Den Anblick der hundert Men schen, die in Dunst und Hitze, mit frummem Rücken, hohlen Wangen, truben Augen sich die Quelle ihres Lebens, das Brot verdienen. Ich ziehe mir andere Kleider an. Gehe auf die Straße. Jezt, mo die Sonne am Sinten ist, merke auch ich, daß sie scheint. Bon der Sefunde am frühen Morgen, wo die medende Glode mich aus schwerem Schlafe reißt, bin ich nur totes Rad im Fron des Alltags. Ich darf nicht fühlen, nicht denken. Schon in ganz jungen Jahren habe ich es mir verboten, vor Feierabend zu fühlen und zu denken. Ich fürchte mich vor meinem Schreien, wenn ich mein Verbot übertrete. Nur eine Sefunde fühlen, nur einen Augenblick denken in diesem heißen Fabriksaal, ich würde schreien, mild schreien. Jetzt also bin ich Mensch. Ein anderer Körper in ganzen Kleidern. In der Allee sehe ich mich auf eine Bant. Eine Frau geht vorüber. Jung ist sie und schön. Sie trägt ein dufthelles Kleid. Die Abendsonne hat leuchtende Flammen in ihre Augen gesetzt. Die Frau lächelt der Zauber eines Sommertages liegt in diesem Lächeln. Doch dem das Lächeln gilt nicht mir Herrn dort, dem sie die Hand jetzt reicht, der ihr in die leuchtenden Augen blicken darf. Ach der Herr trägt ja auch einen viel feineren Anzug als ich;; er wird auch nicht so schwielige Hände haben. E: n Automobil, hoch mit Koffern bepact, fährt vorbei. Da bricht es wieder auf in mir, das, was ich mit aller Kraft niedergehalten. Ich springe auf. Wie schnell meine Füße sind. Da ftreben auch schon die Türme meines Zieles aus dem Häusermeer. Jeden Abend, wochenlang schon, treibt es mich. So lange schon die Luft auch in der großen Stadt den Menschen sommerwarm umschmeichelt. Jeden Abend stehe ich am Fernbahnhof, die Menschen zu sehen, die in die Belt hinaus ziehen. Die den Sommer schauen dürfen. Ich sehe sie in eiliger Haft, mit einem glücklichen Lachen in den Augen. In geheimer Sorge, den Zug zu versäumen. Es find jene, die auf vierzehn Tage für groschenweis erspartes Geld in den Sommer fahren, ihn zu trinken, zu erleben. Dann die anderen, die sich die großen Gepäckstücke nachtragen laffen. Mil müden Gesichtern steigen sie in ihr Abteil, sie müssen ja reisen. Ihr Geld, ihre Stellung erfordert es. Dicht an der Sperre stehe ich. Meine Augen brennen! In meinem Herzen ist heiße Sehnsucht, Sommersehnsucht! Wenn ich bem Beamten hier ein gutes Wort gäbe, daß er mich hindurchließe, Nach der Begründung durch den Abg. Grothof, der sich durchaus auf wichtige, sachliche Gesichtspunkte beschränkt hatte, zeigte der deutschnationale Abgeordnete Ruhlmann aus Lemgo einige Neigung, die Debatte auf das Gebiet parteipolitischer Auseinandersegungen zu schieben. Der Landtag folgte diesem Versuche indessen nicht. Nach einer etwas mehleidigen Darlegung des Abg. Treviranus( Dnat.) über die Gründe, die ihn bewogen hätten, dem Kompromiß" zuzustimmen, und nach längeren Ausführungen mehrerer Abgeordneter aus allen politischen Lagern, erhob der alte, seit langer Zeit fränfliche Abg. Krieger( Dnat.) die Hand zum Zeichen, daß er sprechen wollte. Als er dann das Wort bekam, hatte fich Herr Treviramus schon fortbegeben. Verfassungsfeier der Staatsregierung. Der Amtliche preußische Pressedienst meldet: Das preußische Staatsministerium hat beschlossen, am Abend des 11. August eine Verfassungsfeier unter Mitwirtung sehr namhafter fünstlerischer Kräfte zu veranstalten. Die Abendfeier wird wahrscheinlich in einem der Staatstheater oder einer der staatlichen Hochschulen stattfinden; nähere Mitteilungen über das Programm werden in Kürze gegeben werden. Die Paktverhandlungen. Vorbereitung der Antwort auf das deutsche Memorandum. Paris, 28. Jufi.( WTB.) Pefif Journal" berichtet: Der Juffifiar im Minifterium für auswärtige Angelegenheiten, Fromageot, ist aus London zurüdgefehrt, wo er wiederholt mit dem Juftitiar des Foreing Office, Sir Cecil Huret, verhandelte. Es habe sich hierbei um die Antwort auf das deutsche Memorandum und um die Vorbereitung des Sicherheitspatts gehandelt. Annäherung des französischen und des englischen Standpunktes. " Paris, 28 Juli.( WTB.) Der englische Geschäftsträger in Paris, Botschaftsrat Sir Erid Phipps, hatte gestern eine Unterredung mit dem Generalsekretär im Ministerium des Aeußeren Philippe Berthelot, in deren Verlauf über den Eindrud gesprochen worden sein soll, den die deutsche Sicherheitsnote in London hervorgerufen habe. Nach dem Petit Parifien" soll der französische Was Herr Krieger wollte, wurde gleich bei seinen ersten Worten Botschafter in London neue Weisungen erhalten haben, nach denen er bei den fünftigen Verhandlungen mit Staatssekretär flar, er bedauerte nämlich, daß„ er" gemeint war Herr Treviranus- nicht mehr anwesend sei. Ich wollte ihm die Leviten Chamberlain die französische Auffassung über einige internationale -„ Ich Rechtsprobleme, die durch die deutsche Note vom 20. Juli aufgelesen!". Und dann fam eine eindringliche Anklage gegen die Deutschnationalen im Reichstage! worfen worden feien, darzulegen habe. Das Blatt glaubt ferner Mühjam nach Worten suchend, und nur mit Anstrengung sich auf. zu wissen, daß die franzöſiſche und die englische Auffassung, namentrecht haltend, so flagte der greise ehemalige Führer der lipp. Deutsch lich in der Frage des Eintrittes Deutschlands in den Völker. bund sowie hinsichtlich der entmilitarisierten 3one am nationalen seine eigene Partei an. Inzwischen war Herr Treviranus Rhein und der Gestaltung der Schiedsgerichtsbarkeit sich von unserem alten Freunde Schmud wieder in den Saal geholt Aber die britische Reworden. Als schließlich Herr Krieger von der materiellen Not des schon wesentlich einander genähert hätten. jungen Nachwuchses der Aufwertungsbetrogenen sprach, übermannte gierung scheine die Garantie bei den Schiedsgerichtsverträgen, die ihn die innere Bewegung. Die hellen Tränen traten ihm in die Augen zwischen Deutschland und Polen und der Tschechoslowakei abgeund rannen über die Wangen. Außerstande, weiterzusprechen, brach schlossen werden sollen, immer noch anders aufzufaffen als in Paris. London, 28. Juli.( WTB.) Manchester Guardian" weist in Krieger feine Rede ab. einem Londoner Bericht darauf hin, daß die britische Stellung in den Baltverhandlungen heitel sei. Besonders die deutsche Note enthalte vieles, was England nicht annehmen tönne. Andererseits wünsche man nicht, Schwierigkeiten zu schaffen oder der deutschen Opposition in die Hände zu arbeiten. Die Paftverhandlungen würden nur langsam fortschreiten. Die Regierung beabsichtige, mit Paris einen Meinungsaustausch zu pflegen, aber nicht eine gemeinsame französisch- britische Front gegen die Deutschen zu vereinbaren. Der Landtag stand unter dem erschütternden Eindruck dieses Der Landtag stand unter dem erschütternden Eindruck dieses Borganges. Treviramus versuchte, mertlich matt, zu trösten, und es war wohl mit die Folge des Kriegerschen Zusammenbruchs, daß der ganze Landtag dem sozialdemokratischen Antrage zustimmte. Umgruppierung im Sanktionsgebiet. Noch keine Entlastung der Bevölkerung. Duisburg, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Im Sanftions. gebiet finden grundlegende mgruppierungen der französischen Truppen statt. Die Pressemeldungen, nach denen Militärabtransporte aus dem Santtionsgebiet erfolgt seien, find dahin richtigzustellen, daß es sich lediglich um Truppenteile der im Duisburg- Ruhrorter Brückentopf vorübergehend ftationierten Truppen des belgisch- französischen Ruhrdepartements handelt. Bon den im Sanktionsgebiet stationierten französischen Truppen der Ruhrarmee haben 2 Batterien Artillerie Duisburg verlassen. Ferner ist der in Duisburg bisher einquartierte Stab des Befehlshabers der belgischen Truppen der Ruhrarmee aus Duisburg abgerückt. Entgegen anders lautenden Meldungen ist eine Entlastung der unter der Besatzung durch Wohnungsnot schwerleidenden Bevölke. rung bisher nicht erfolgt Nationalistischer Unfug Effen, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Mitglieder der nationalen Berbände Essens beabsichtigen, nach der endgültigen Räumung Effens unter, Heranziehung von reaktionären Mannschaften aus allen Teilen Deutschlands einen großen Deutschen Tag in Effen zu veranstalten. Bezeichnend für das Treiben der Nationalisten ist, daß eine Anzahl Geschäftsleute aufgefordert wur den, sich mit schwarzweißrotem Fahnentuch einzudecken, um der zu erwartenden außerordentlichen Nachfrage nachkommen zu fönnen. und ich den Zug erreiche? Wenn ich ihn vor die Brust fließe, wenn er die Fahrkarte von mir verlangt, und hindurcheile? Andere wür den mich fangen und halten, einsperren würden sie mich. Ich fäme nie in den Sommer. Das " Das armenische Problem. Ein Siedlungsplan des Völkerbundes. Oslo, 28. Juli.( WTB.) Fridtjof Nansen gab gestern nachmittag Bressevertretern einen lleberblick über die Untersuchungen, die er im Auftrage des Völkerbundes vorgenommen hat, um die Möglichkeiten festzustellen, den armenischen Flüchtlingen in Russisch- Armenien eine Eristenz zu schaffen. Nansen führte aus, Russisch- Armenien müffe zurzeit als übervölkert angesehen werden, es bestehe jedoch die Möglichkeit, noch viel mehr Menschen dort Existenzmöglichkeiten zu schaffen, besonders durch die Entwicklung des Bewäfferungssystems. Ein englischer, ein französischer und ein talienischer Sachverständiger auf dem Gebiete der Landwirtschaft und der Bewässerung hätten an der Untersuchung teilgenommen. Nansen schlägt die Aufnahme einer Anleihe von 9 Millionen Gold. rubel für Neubauten vor. Nach seiner Ansicht werde es leicht sein, eine solche Anleihe aufzulegen, da die Sicherheit recht gut sei. Der Plan zu den Bauarbeiten werde in den nächsten Monaten fertiggestellt sein, es werde jedoch zwei bis drei Jahre dauern, bis das Bewässerungssystem derart ausgebaut sei, daß die Armenier mit der Besiedlung beginnen könnten. Nansen versucht, die Anleihe durch den Völkerbund zu regein. | hellhörig als die Franzosen. Angesichts dieser Strömungen in Deutschland halte er eine Polarfahrt zusammen mit Amundsen für ausgeschlossen. Er betrachtete jedoch einen Bolarflug für das beste Mittel, um das zu vollenden, was mit der Fahrt des Z. R. III begonnen wurde: Der Welt Bertrauen zum Weltluftschiffsverkehr zu geben. Der Zeiger der großen Uhr rüdt vor. Rufe erschallen, legtes Haften. Der Rotbemühte hebt den Stab. Die Räder Inirschen. Der Zug zieht an. Mir wird es dunkel vor den Augen. Mein Bryan auf den Spuren Chrifti. Zum Tode Bryans wird noch Körper geht im Rhythmus des fahrenden Zuges. gemeldet, daß Bryan, der in der lezten Zeit feinerlei KrankheitsBlühende Wiesen duftende Aecker. Dörfer im Sommerzeichen spürte, den Blan hatte, im ganzen Lande einen Kampf gegen den Modernismus in der Religion zu entfachen. Am Freitag spred gold der Sonne. Rauschende Wälder um tiefblaue Seen. Meer, das unendliche Meer er in Chatanooga und zweimal in Winchester. Am Sonnabend schaumgefrönt freiheitfündend! fehrte er nach Dayton zurück und erörterte dort in einer öffentlichen Fern die Berge wie sie jauchzend in den Himmel schneiden. Rede die Berufung im Scopes- Prozeß. Es ist auch bekannt gemorGrün leuchten die Matten. den, daß Bryan einen Plan für eine Pilgerfahrt nach Palästina ausgearbeitet hatte, wo er mit etwa 400 Anhängern den Spuren Chrifti folgen wollte. In Jerusalem, Bethlehem und an anderen Orten wollte Bryan Ansprachen halten und schließlich auf dem Delberg eine Osterbotschaft verkünden. " Was stehen Sie denn hier noch? Gehen Sie doch endlich weiter!" Ber Berzeihung. ich habe nur dem Zuge nachgeschaut, Herr Stationsvorsteher!" Heiß atmet das Häusermeer. Die Stadt tönt ihr nächtliches Lied. Erschauernd ziehen die Sterne sich Wolfenschleier über ihr silbernes Leuchten. Irgendwo muß doch Sommer sein? Die Welt ist schön und für die Menschen da und sie gehört doch nur dem Menschen. Schlafen will ich. Bald ruft die Glode wieder. Hundert Men fchen in Dunst und Hize. Schmutz Schweiß der Meister schimpft. Nicht fühlen nicht denken! Ich will nicht das wilde Echreien meiner Sehnsucht hören. H. W. Edener über die Möglichkeiten des Luftschiffsverkehrs. Im Rahmen der verkehrswissenschaftlichen Woche in München sprach Dr. Edener über die Möglichkeiten des Luftschiffsverkehrs. Die bisher sich nicht entwickelt habe, erblidt Edener in erster Linie in Gründe, weshalb ein Luftschiffsverkehr in nennenswertem Maße dem noch nicht absolut durchgedrungenen Vertrauen zu der Fahrsicherheit. Es sei eine der größten Ironien, daß diejenigen Böller, die vom Luftschiffsbau nichts verständen, das deutsche Volk, das hierin Erfahrungen besigt und wirklich einen Weltluftschiffsverfehr zu schaffen in der Lage sei, daran hinderten, diese Erfahrungen zum Nutzen der Welt zu gebrauchen. Die Frage, ob das Luftschiff die ihm vorbehaltenen Strecken mit größter Sicherheit durchmeffen könne, sei vollständig zu bejahen. Auch die besonders wichtige Frage, wie es mit der Rentabilität eines Luftschiffes stehe, fönne im gün ftigen Sinne beantwortet werden. Dr. Edener gab eine genaue Rentabilitätsberechnung einer der geeignetsten Strecken für den die bei einem Rapital von Sevilla- Buenos- Aires 43 Millionen eine Berzinsung von 22% Broz. in Aussicht stellen würde. Zum Schluß seiner Ausführungen streifte er die Frage eines Bolarfluges mit Hilfe des Luftschiffes, der besonders geeignet sei, den Glauben an die Sicherheit des Luftschiffes für den Weltverkehr zu vertiefen. Dr. Edener wandte sich gegen die von verschiedenen Richtungen in Deutschland im Zusammenhang mit dem Bolarflug gegen ihn vorgebrachten Angriffe. Diese Angreifer feien weniger Luftverkehr Weitere Affenprozesse abgelehnt. Der Washingtoner Gerichtshof hat eine Prozeßführung gegen Lehrer, die gleich Scopes die Evolutionstheorie lehrten, mit der Begründung abgelehnt, daß eine Mißachtung der Bibel durch die Darwinsche Theorie nicht gegeben fei. Es verlautet, daß die Washingtoner Regierung die durch den Affenprozeß geschaffene Sensation, die sich zu einem Kulturfampf auszuwachsen drohte, endgültig zu begraben bestrebt sei. Ciliput- Mäufe. Die fleinsten Mäuse der Welt kann man jetzt im 3oologischen Garten in London bewundern. Es sind ihrer sechs; weitere neun find während der Hinreise abhanden gekommen. Diese winzigen Nager, die im Gambia- Gebiet in Nordwestafrika leben, find so klein, daß sie durch ein Schlüsselloch gehen. Eine ganze Brut dieser Tiere hat bequem in einer schwedischen Zündholzschachtel Plaz. Man fann sich daher leicht vorstellen, was der Bärter dieser Lili. putaner im Londoner Zoologischen Garten für Sorgen hat, daß ihm seine Pflegebefohlenen nicht entschlüpfen. Paul Hendels beschließt Ende dieses Monats seine giveijährige Tätigkeit an der Boltsbühne( Theater am Bülowplay) mit den lezten Aufführungen des von ihm inscenierten und mitbearbeiteten Auftspiels Die deutschen Kleinstädter". Am 1. September tritt Hendels sein Engagement bei Reinhardt an. Amerifanische Gelehrte in Deutschland. Unter Führung des Prof. Dr. Sherwood Eddy trafen am Montag etwa 100 ameritanische Wissenschaftler im Amerika- Institut in der Universitätsstraße zusammen. 3wed ihrer Reise land die wirtschaftlichen, politischen und fulturellen Berhältnisse zu studieren. ift, in Deutschland, England, Frankreich, der Schweiz, Türkei und GriechenDer Maler L'Hermiffe ift in Paris im Alter von 81 Jahren gestorben Seine bekanntesten Werte find im Luxemburg- Museum ausgestellt. Jahrbuch für Soziologie. Eine internationale Sammlung geselschaftsmiffenichaftlicher Forschungen erscheint jest unter dem Titel Jahrbuch für Soziologie" im Karlsruher Berlage von G. Braun. Bartholomäus- hospital hat in einer ärztlichen Versammlung in Bath er Enfdedung des Ruhpodenerregers? Dr. Gordon vom Londoner St. Hart, es sei ihm gelungen, den Erreger der Stubpoden zu entdeden. Man glaubt, daß dadurch die bisherige Methode zur Bekämpfung der menschlichen Boden eine vollständige Umwandlung erfahren wird. Kleingärten und �inöenburg. Vorstoft der Verpächter gegen die Kleingarteuordnung. Der Kleingartenbau ist ein leider viel zu wenig beachtetes Karnpfseld der Arbeiterklasse. Der jlleingartenbau, der dem groß- stadtischen Industriearbeiter und Kleinbürger Licht und Luft und eine frische Obst-, Beeren- und Gemüsekost verschaffen soll, ist aber darüber hinaus eine wichtige Angelegenheit der Volksgesun- d u n g, ebenso wie Leibesübungen und Sport. Er schafft kulturelle Werte und steigert die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Mafien. Der Staat hat das größte Interesse an der Erhaltung der Kleingärten und an dem wirtschaftlichen Schutz der Kleingarten- Pächter, wie sie ihnen die �kleingartenordnung' vom 31. Juli 1919 gewährt. Selbstverständlich wittern auch die Kleingartenverpächter und Großstadtagrarier unter dem Regime Luther-Hindenburg Morgenluft und schicken sich an, durch einen Antrag an den Reichspräsidenten und die Reichsregierung das finanzielle und organisatorische Rückgrat der Kleingartensiedlungen, die Klein- gartenordnung, zu zerschlagen— im Interesse des schrankenlosen Profits. Die Kleingartenordnung beschränkt nämlich mit vollem Recht den Schacher mit Kleingartenland, die Pachtpreise, die Kündigungsmöglichkeiten durch ihre bei den städtischen Verwol- tungen eingerichteten.Pachteinigungs- und Kleingartenämter'. Den Asrpächtcrn sind natürlich diese Institutionen ebenso verhaßt wie den Hausbesitzern die Mieteinigungsämter und so haben sie in ihrer Eingabe an den Retter Hindenburg eine Breitseite gegen die armen Siedler abgefeuert, daß diese nichts besseres tun können, wie schleunigst ihre Laube einzureißen und ihre Gärten dem Boden- wucher zu überlafien. Dagegen setzt sich der Reichsverband der flleingartenvereine Deutschlands zur Wehr und sagt in seiner Gegendenkschrist, die ebenfalls dem.Retter' übersandt worden ist:.Der Kleingärtner ist trotz der Berbilligung agrarischer Mafienprodukt« immer noch ge- zwungen, einen Teil des Lebensmittelbedarfs im Eigenbau zu er- zcugen. Die Aufrechterhaltnng einer Art Zwangswirtschaft' im Kleingartenbau ist nach wie vor dringend nötig, da die auf dem Boden, der in den meisten Fällen als.Baugelände' anzusprechen ist, ruhenden Lasten, wie Steuern, Verzinsung der zu spekulativen Zwecken investierten Kapitalien, nicht vom Kleingärtner, sondern vom Bauspekulanten getragen werden müfien. Gegenüber den Vorwürfen der Verpächter, die.Zwangswirt- schaff der Gartensiedlungen verschlinge Unsummen, die in die Kassen der Kleingartenverein« flössen und den Stadtverwaltungen entzogen würden, ist festzustellen, daß der.Beitrag' zum Klein- gartenoerein meist 2 bis 3 M. im Jahr betrögt und daß die be- scheidenen Funktionen der.Äleingartenämter' im allgemeinen nebenamtlich von den Kommunen mit versehen werden. Nun ist der Reichsverband der Kleingartenvereine auf seiner Münchener Tagung gegen die Verpächter zur Gegenoffensive über- gegangen und hat den Ausbau der Verordnung zu einem Reichs- kleingartengesetz in einer Eingabe an die Reichsregierung gefordert. Auf welche Seste sich der.Retter' Hindenburg schlagen wird. läßt sich mit Bestimmtheit noch nicht sagen. Er war es ja, der noch im Krieg die Unterbringung der Kriegsbeschädigten und der heim- kehrenden Feldsoldaten auf.Siedlrnigs�ösen' angeregt und gefördert hat. Wird er imstande sein, die Gärten unserer Siedler > vor dem Zugriff des Bodenwuchers zu schützen— wird er den Willen dazu aufbringen? Kommunisten und Kriegsbeschädigte! Sie schwänzen und schimpfen! Genofie Erich Roßmann schreibt uns: Der kommunistische Abg. Weber hat vor einigen Tagen im Reichstag eine Erklärung gegen den.Vorwärts' ver- lesen, weil dieser trotz einer sogenannten Richtigstellung des konnnu- nistischen Abg. Rädel meine Bemerkung wiedergegeben hat, daß die kommunistische Fraktion in beinahe der Hälfte aller Sitzungen des Kriegsbeschädigten- nusschussesnichtvertreten war. Da ich das Plenum des Reichstags in der Angelegenheit nicht mehr belästigen will, stelle ich hier folgendes fest: Nach den bei den Akten des Ausschufies befind- lichen Anwesensheitslisten war die kommunistische Fraktion bei den sechs Ullterausschußsitzungen, die vom S. Mai bis 26. Mai tagten und wichtige Vorarbeiten für die Novelle leisteten, d r e i m a k überhaupt nicht vertreten. In den acht Sitzungen, die vom 7. Juli bis zum IS. Juli sich mit der Novelle befaßten, war die kommunistische Fraktion z we i m a l ohne Vertretung. In der Sitzung vom 14. Juli erschien als einziger Herr Rädel erst gegen Schluß. Auch in den übrigen Sitzungen war die kommunistische Fraktion zeitweise ganz ohne Vertretung, was u. a. die Folge hatte, daß ein großer Teil der kommunistischen Anträge für die erste Lesung nicht rechtzeitig eingebrocht und begründet werden konnte, soirdern für die zweite Lesung zurück- gestellt werden mußte. Tatsache bleibt ferner, daß ich selbst kommu- uistische Anträge, die sich mit denen meiner Partei inhaltlich deckten oder ihr nahekamen, vertrat, weil kein kommunistischer Vertreter anwesend war. Ich würde diese Feststellungen nicht getroffen haben, wenn Herr Weber nicht den Mut gehabt hätte,/die Sozialdemokratie, die den Kriegsopfern gegenüber ihre volle Pflicht und Schuldigkeit getan hat. im Plenum in ruppiger Weise anzugreifen. Ob die Kommunisten nach dieser Arbeit zu solchen Angriffen berechtigt sind. überlafie ich getrost dem Urteil der Kriegsopserl Segen öie Seheimüiplomatie! Ei« Artikel Hendersons. Amsterdom, 28. Juli.(MTB.).Algemeen Handelsblad' bringt in seiner gestrigen Abendausgabe einen Leffentliche oder Geheim- diplomatie' überschriebenen Artikel aus der Feder des be- kannten englischen Arbeiterführers und Unterhausmitgliedes Arthur H e n d e r s o n. in der dieser sich scharf gegen eine Fortsetzung der Geheimdiplomatie ausspricht. Der Verfasser führt darin/U. a. aus: Der Friede der Welt erfordert nicht nur die Abkehr von der Praxis des Abschlufies von Geheimverträgen, sondern die Verwerfung der Maxime, daß öffentlich abgeschlossene Verträge als unantastbar er- llärt werden und daß ihre Schwächen und Folgen niemals revidiert werden dürfen. Die Welt steht nicht still. Im Leben eines Volkes müfien alle Gesetze verbessert und neue in Gebrauch genommen werden. Dieser Prozeß muß sich auch im internationalen Leben fort- während vollziehen. Töricht sind daher diejenigen, die das Gegen- teil glauben und meinen, daß das, was sie heute anordneten und konstruierten, ebenso unabänderlich sei wie Naturgesetze. ver Sparausschoh deS Reichstag? hat einstimmig eine von allen Parteien gezeichnete Entschließung angenommen,.die Reichs- regierung zu ersuchen, noch im laufenden Rechnungsjahr den Reichstag den Haushalt der ReichSpost vorzulegen und im ReichSbauShaU für 1925 im Wege eines NachtragShauShalteS als Rein Überschuß der ReichSvost eine Summe von mindestens 25 Millionen Mark einzusetzen.' Reichzpräsideul van hindenbnrg wird in der ersten Hälfte deS August. vorauSsichilich am 12., der bayerischen Regierung seinen rMellea Besuch als Reichspräsident abstatten. Vorort Dresden. Man fährt mit dem Flugzeug von Berlin nach Dresden in m Stunde. Das ist ungefähr so lange wie wenn man vom Bahnhof Zoo mit dem Vorortzug nach Erkner kriecht. Die praktische Möglichkeit, daß ein in Dresden wohnender Kaufmann, der in Berlin sein Geschäft hat, jeden Morgen mit eigenem Flugzeug nach Berlin fährt und am frühen Nachmittag zurück, ist also gegeben. Ganz abgesehen von dem Umstand daß man dieselbe Fahrt auch schon in 3 Stunden mit der Eisenbahn machen kann. Dresden— Vorort von Berlin Die Dresdener werden sich schön dagegen wehren Und mit Recht. Denn noch ist ja ihre Stadt ein voll- kommen eigenes Gebilde. Noch! Aber wie lange noch? Was jtnd 50, 70, 100 Jahre? Immerhin heute ist Dresden etwas ganz Eigenes und etwas höchst Reizvolles, was der Berliner— man kann es getrost sagen— mit Sammlung und Bescheidenheit betrachten soll. Da ist für den in Dresden Einsahrenden dieser immer wieder aufs neue über- roschend« Blick von der Eisenbahnbrücke über Stadt und Elbe. Und in dieses wahrhaft großartige Städtebild schiebt sich ganz leise ein anderes Element hinein Man wird plötzlich gewahr, daß die Elbe in Dresden nicht wie in Berlin die Spree in trostlose Kaimauern gezwängt wurde, sondern frei zwischen Wiesen dahinströmt. Und auf diesen Dresdener Elbwiesen im Antlitz eines aus der ganzen Welt herbeiströmenden Reisepublikums, breitet sich gemütvoll und blütenschneeweiß— Wäsche zum Bleichen aus. Man stelle sich das in Berlin angesichts des Schlofies oder des Reichstagsgebäudes an der Spree vor. Aber es ist diese Naturnähe, die einen in Dresden immer wieder, auch bei den Menschen, erfreut. Daß die sächsischen Menschen„gemietlich' sind, ist gar keine Sage und gar keine Frage. Man mache selber die Probe. Man kommt mit ihnen aus. Und der Berliner, der sich aufregt, wird höchst erstaunt angesehen. Dresdener Schupo zum Beispiel gibt sich anders als die Berliner. Bei dem Dresdener, der übrigens nicht die ekelhafte„Dunstkiepe' trägt, hat man immer das Gefühl. daß er sagt: Ich b i n ruhig, während der Berliner oft etwas Ge- zwungenes. Krampfhaftes und Ueberdiszipliniertes hat: ich muß ruhig sein!(Der Berliner Verkehr ist nun auch nicht mit dem Dresdener zu vergleichen: er zerfrißt die Nerven der Beamten schneller als dort.) Da steht mitten im Verkehr in Dresden ein ziemlich junger Schutzpolizist, die Arme ausgestreckt wie ein Weg- weiser. iMt der einen Hand winkt er ununterbrochen die Fahrzeuge heran, mit der andern riegelt er den Verkehr ab. Die Handbewe- gungen sind von einer gewifieen lässigen Eleganz. Kein wildes Schlenkern und Schleudern von Arm und Hand, wie man es oft in Berlin sehen kann. Alles klappt vorzüglich. Alles regelt sich ruhig. Chauffeure und Schutzpolizist scheinen sich zu verstehen. Mancher Chauffeur lächelt. Der Schupo lächelt wieder. Mancher Chauffeur nickt. Der Schupo nickt wieder. Man ist gemütlich. Man ist in Sachsen, man ist in Dresden. Wann steht man in Berlin daß sich Chauffeur und Schupo anlächeln? Einen ganz neuen Typus von Autobus hat Dresden. Es sind langgestreckte niedrige Wagen, die wie ins autobussige übersetzte D-Zug-Wagen aussehen. Sie sind dreiachsig, fahren und rasen nicht, sondern huschen gewandt eilig und vollkommen geräuschlos durch die Straßen. Sie sehen gut aus, diese Autobufie in Dresden. Und ihre Art zu fahren paßt ganz zu dem Charakter der Stadt und ihrer Bewohner. Der Dresdener zeigt in der Arbeit eine nerven- beherrschte selbstsichere Beweglichkeit und in der Ruhe Witz, Fröh- lichtest und genießerische Behaglichkeit. Much der � Amerikaner � im verkehr. Der amerikanische Probeautobus steht fest Tagen auf der Autobuslinie 5(Stettiner Bahnhof— Steglitz) im Verkehr. Auch dieser Autobus wird wie der Londoner Wagen vom P u b l i- tum auffallend bevorzugt. Wenn auch noch Stimmen laut werden, daß der Londoner Wagen insbesondere auf dem überdachten Deck zu eng gebaut fit, so kommt dieser Einwand bei dem omerika- nischen Probcautobus ganz in Fortfall. Die Deckplätze werden durch die befiere Anordnung der Sitzplätze— eine doppelseitige Längs- bank in der Mitte und zwei Quersitzreihen vorn über dem Führer- sitz geben sehr bequeme Sitzgelegenheit— von den Fahrgästen gern aufgesucht. Allein der Umstand, daß die Schaffner der beiden Probe- outos täglich durchschnsttlich etwa 100 M. mehr abrechnen, zeugt von der großen Inanspruchnahme seitens des Publikums, lieber die Gründe, aus denen die„Aboag' neuerdings zwei Lon- d o n e r und zwei amerikanische Wegen aus New Dork und Chicago in den Verkehr bringt, sind teilweise recht wider- sprechende Mitteilungen in die Oeffentlichkeit gelangt. Von gut unter- richteter Seite wird uns dazu folgendes mitgeteilt: Die Gründe für den Versuchsbetrieb sind m erster Linie rein technischer Natur. Die im Ausland gekauften Wagen sind in vielen Teilen der maschinentechnischen Anlage grund- ftitzlich anders konstruiert wie die üblichen deutschen Wagen. Durch den Versuchsbetrieb soll festgestellt werden, ob diese Konstruktionen sich bester bewähren als die eine oder andere von den üblichen deutschen. Was die Karosserien anbelangt, so ist die vielbesprochene Londoner Karosserie mit überdachtem Oberdeck nicht ohne weiteres als„Vorbild" zu betrachten. Die Verwendung derartiger Karosserien ist in allen Ländern erst neuerdings möglich geworden, seitdem man für Omnibusse sogenannte Niederfahrgestelle baut, deren Rahmen zirka 30—50 Zentimeter tiefer liegen als bisher. Die Bauweise ist also auch für London neu und dort gleichfalls, jedoch in 10 Ver- suchsaussührungen. in Betrieb. Die„Aboag' hat eine ähnliche Karosserie in eigenen Werkstätten auf ein Chicagoer Fahrgestell bauen lassen und wird weitere aus einigen der neuen 200 Fahr- a«stelle in den nächsten Monaten in Verkehr bringen. Diese Anordnung soll zunächst im kommenden Winter erprobt werden. Die vier ausländischen Wagen sind sänstlich mit Vollgummi bereist. Die Versuche mtt Lustreisen werden trotz alledem immer wieder genau geprüft._ Die Verfassungsfeier in Berlin. Die BnnbeSleitnng de« Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hat die BerfofiungSfeier in Berlin, zu der auch zahlreiche Ver- treter österreichischer Republikaner erscheinen werden, zur BundeSfeier erklärt. Die Ansprache auf der großen Wiese in Treptow wird der Bundesvorsitzende, Oberpräsident Hör- sing, halten. DaS Originalabzeichen für die Teilnehmer der Verfassungsfeier ist soeben fertiggestellt worden. ES besteht in einer bronzierten Metallpiakette, die den Reichsadler und die Kehrseite BerfassungSfeier Berlin 1925 trägt. Das Abzeichen wird an schwarzrotgoldenem Band getragen. Ferner hat der Waren- vertrieb der Republikaner, Berlin SB. 15, Pfalzburger Sir. 8, eine entspreöbcnde Stock- und Fahncnplalette für die VcrfafiungSfeier hergestellt._ Reifende Tittlichkeitsverbrecher. Verbrecherische Individuen ganz besonderer Sorte sind der 32jährige Kaufmann.Kellerhof und seine Geliebte, die 38jährige Katharine Werres, die wegen Sittlichteitsvergehens skrupellosester Art von den Kriminolbehörden gesucht werden. In einem eleganten Stöwerauto durchfährt dos gemeingefährliche Paar dos ganze Reichsgebiet. Die Werres lockte junoe Mädchen an sich, indem sie Köchinnen, Hausmädchen oder Erzieherinnen sucht. Roch vollzogenem Engagement steigt dos Paar mit seinem Opfer in irgendeinem Hotel ab. betäubt dos gejagte Mädchen und oer- zeroaltigt es aus nicht wiederzugebende Weise. Ist das Risiko, die Untat in der Stadt des Fanges vorzunehmen, zu erheblich, so fährt man mit dem Mädchen in eine andere Stadt. Man vermutet stark, daß diese Vampire auch einen großzügigen Mädchenhandel betreiben. Die Zeittralstelle zur Bekämpfung des Mädchenhandels beschäftigt sich ebenfalls mtt dem Fall. Anzeigen sind aus Frankfurt a. M., Jülich, Köln sowie einer Anzahl anderer Orte eingelaufen. Söje Zungen. Verleitung zum Meineid. Welche schlimmen Folgen ein allzu lockeres Mundwerk haben kann, mutzte wieder einmal eine Frau erfahren, die sich vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Anstiftung zum Meineide in mehreren Fällen zu verantworten hotte. Es war eine Verhandlung, deren oft drastische Art den trüben Ausgang für die Angeklagte nicht voraussehen ließ.' Frau G. versteht bestimmt keine Sympathien für sich zu erwecken. Ihr Varleben ist nicht einwandfrei. Oft hat sie aus der Anklagebank gesessen und dort geschimpft und gekeift. Mit Ge- fängnis mußte sie schon manche ihrer Taten büßen, einmal sogar mtt Zuchthaus. Aber auch t�e Zeugin, eine Frau K., steht der Angeklagten in keiner Beziehung nach. Beide haben einmal bester zueinander gestanden. Wer sie aber jetzt gegeneinander„los- gehen' hörte, der kann sich ein Bild van tiefem Haß und bitterster Feindschaft machen. Und wenn Frau K., vom Vorsitzenden auf die Bedeutung des Eides aufmerksam gemacht, sich als' eine streng anGott gla übende Frau hinstellt, dann denkt man sich darüber sein Teil. Frau G. soll die Zeugin wiederholt aufgefordert haben, falsche eidliche Aussagen zu machen. Mit dem Ehemann der Angeklagten soll sie auf dessen Verlangen Ehebruch getrieben haben, um dann bei der Scheidung als Zeugin auftreten zu können. Frau K. bestreitet dies auf dos entschiedenste, auch hierzu sei sie von der G. aufgefordert worden. So steht Aussage gegen Aussage. Eine Beschimpfung folgt der anderen! So wenig Verständnis man für die Handlungsweise der Angeklagten aufbringen kann, wenig kann man sich aber dainit abfinden, daß diese Zeugenaussage einen Menschen ins Zuchthaus bringen soll. Erst als noch ein anderer Zeuge unter seinem Eide behauptet, ebenfalls von Frau G. wiederholt zu falschen Aussagen vor Gericht verleitet worden zu sein, scheint das Schicksal der Angeklagten besiegelt. Noch einmal wehrt sie sich mit Händen und Füßen dagegen und bittet um Ladung weiterer wichtiger Entlastungszeugen. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Das Urteil läßt länge auf sich warten, und dann... darf Frau G. nicht mehr nach Haufe gehen... In drei Fällen gilt sie der Verleitung zum Meineid für überführt, das Urteil lautet auf 1 Jahr und 6 Monate Zuchthaus!_ Die Ladeufleischer gegen das Zollkompromih. In den Kammersälen, in der Teltower Straße, veranstaltete der Interessenverband der L a d c»s l e i s ch e r Groß- Berlins eine Protestkundgebung gegen das Zoll- kompromiß und gegen die Kontingentierung des Gefrierfleisches. In durchaus ruhiger und sachlicher Art führten die Referenten aus, daß durch die Hochschutzzölle sich das Fleisch derart verteuern würde, daß die wenig st en Familien überhaupt noch in der Lage sein würden. Fleisch zu essen. Die Teuerung sei seit April katastrophal fortgeschritten, der Preis für Schweinefleisch hätte sich um 36 M. und für Rindfleisch um 12 M. pro Doppelzentner erhöht. hinzu käme jetzt nach der neuen Zolloorlage ein Zuschlag von 7 resp. 12 M. DieZollvorlage.die nur ein Schutz der Landwirtschaft bedeute, sei durch das Steigen der Viehpreise unötig geworden. Da der Fleischzoll die Lebenshaltung stärker beeinflusse als der Brotzoll, könne man noch Inkrafttreten der neuen Zoll- sijtze bestimmt mit einer Verdoppelung des Teuerungs. index rechnen. Mit Entschiedenheit, an Hand von Statistiken. wiesen die Reserenten nach, daß nicht der Fleischer, au der Ver- teuerung des Fleisches schuld sei, sondern der Landwirt„dpx.die Preise für lebend Bich gegenüber der Vorkriegszeit umllOProz. gesteigert höbe. Am schlimmsten sei aber der Zoll auf Gefrier- fletsch, der den Import überhaupt unmöglich mache. Zollfrei solle nur das Kontigent fein, das bereits früher eingeführt worden fei. 5lier sei der Zollkompromiß voll Fußangeln. Das Gefrierfleisch solle wieder durch die Kommune an Rtinderbemittelte zur Ver- teilung kommen. Damit wäre der Grund zu einer neuen Zwangs- Wirtschaft gelogt, und wo läge denn überhaupt die Grenze des Minderbemittel'tseius. Der neue Zolltarif sehe eine Erhöhung des Preises für Gefrierfleisch um 45 M. pro Doppel- zcntner vor, damit sei jeder Import unterbunden. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der sie zum Ausdruck brachte, daß die neuen Fleifchzölle nicht nur dem Fleischergewerbe ungeahnten Schaden brächten, sondern auch das deutsche Volk in neue Ver, clcndung führen würden._ Christliche Weltkonferenz in Stockholm. Dom 19. bis 30. August soll in Stockholm eine W e l t k o n f e- renz derchri st lichen Kirchen stattfinden. Der Träger dieser Idee ist der vom schwedischen Erzbischof Soederblom geleitete Weltbund für praktisches Christentum. Der cvan- gelischen Pressestelle gab diese künftige Konserenz den Anlaß, zu den instruktiven Vorträgen der Herren Konsistorialrat Scholz und Pro- fefior Deißmann einzuladen. Bemerkenswert ist der Versuch, alle Konfessionen und Sekten der protestantischen Kirche in grundlegen- den ethischen Fragen zusammenzufassen und das Bestreben, sich eine Internationale zu schaffen. Auch die g r i e- chisch-katholische Kirche wird ihre Vertreter senden, was mit auf ihren fast nollständigen Zusammenbruch in Kleinasien zu- rückzusübren sein soll. Die römisch-katholische Kirche wird nur Beobachter senden. Auf der Könscrenz in Stockholm soll die Siel- lung der Kirche zu sechs Hauptthsmen behandelt werden, von denen besonders die Frage �Industrie und Volkswirtschast' (die anglikanische Formel: Industrie und Eigentum!),„Die soziale und moralische Frage' und„Die internationalen Beziehungen der Völker' Interesse haben. Die einsichtigen Kräfte im deutschen pro- testantischen Lager drängen nach Aktivisicrung und interna tio- nalem Zusammenschluß, nach einem Tatchristentum. weil sie darin den einzigen Ausweg sehen, der Lauheit und Interesse- losigkeit ihrer einzelnen' Glieder�zu begegnen. Daß auf dem Kon- greß auch englische Arbeiterführer wie Ramsoy Macdonald und James Brow n über internationale und soziale Fragen sprechen werden, erklärt sich aus der orthodoxen Einstellung mancher englischen Arbeiterführer. Wie weit der Kongreß zu einer Attivi- sierung der verschiedenen und insbesondere der deutschen Kirchen führen, wie weit er klar und eindeutig zu den sozialen Fragen Siel- lung nehmen wird, das sind Fragen, die eines tieferen Interesses nicht entbehren.____ Roch zwei Todesopfer des Sonntags. Die Zahl der gemeldeten Opfer, die durch Ertrinken den Tod in den Fluten fanden,' hat sich auf 1 0 e r h ö h t. I m W a n d l i ß s e e erlrank ein etwa 20iähriger junger Mann, dessen Leiche noch nicht geborgen werden konnte, sowie ein 4jähriger Knabe, der in eine Untiefe geriet. Em weiterer Ertrunkener, der rechtzeitig geborgen wurde, konnte nach sttmdenlangem Bemühen ins Leben zurückgerufen werden. Die eingetretene Abkühlung wird hoffentlich dafür sorgen. daß diese Todesrekordzahlen nicht noch überstiegen werden. 75 Zahre wurde am 27. Juli der Genosse Otto Popp, Reinickendotf- Ost, Sommerstraße 52. Seit 40 Jahren ist dieser Arbeiterveteran Parteimitglied. Viele Genossen werden ihn kennen, da er seit Jahren am Bahnhof Scbön- holz mir dem„PorwänS' handelt, um zu seiner spärlichen Rente noch etwas zu zuverdienen. Wir gratulieren unserm alten Genossen. Glück und Ende eines Inflationsbankiers. Die Millionenverluste der Deutschen Girozentrale. Bor einiger Zeit erregten die Millionenverluste der Deutschen Girozentrale, der Spizenbank der deutschen Sparfassen und Giro faffen, in der Deffentlichkeit großes Aufsehen. Sie erlitt schon Ende der Inflationszeit und in der ersten Stabilisierungsepoche in die Millionen gehende Berluste, da sie zivilrechtlich Ersatz nicht erlangen fonnte. Das strafprozessuale Verfahren, das sich an diese Borgänge angeschlossen hatte, und das nunmehr vor dem Schoffengericht mitte feinen Abschluß fand, warf in das Milieu der Inflationsspefulationen und auf die bei der Jagd nach Millionengewinnen hervorgetretenen leichtsinnigen Kredithingaben grelle Schlaglichter. Die Berhandlung zeigte, wie mit ungedeckten Sched's gearbeitet wurde und endete damit, daß der Angeflagte öfling zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, während der Angeklagte Hinz freigesprochen murde. aber Der Banfier Julius Höfling, der sich wegen An stiftung des Profuristen der Deutschen Girozentrale, Artur inz, zur Untreue und zum Betruge mit diesem zusammen zu verantworten hat, ist eine jener Inflationsblüten, die schnell zu fabelhaftem Reichtum gekommen waren, deren Herrlichkeit aber mit der Stabilisierung zunichte wurde. Der Angeklage Hinz war Kriegsfreiwilliger und später Offizier geworden. Im Jahre 1919 trat er in Berlin als Volontär in die Deutsche Girozentrale ein. Schon nach zwei Jahren wurde er im Alter DON 25 Jahren Broturist und Leiter der Hauptkasse, durch die täglich bis zu 500 Millionen Goldmart gingen. Er hatte die jelbftandige Disposition über sämtliche überschüssigen Gelder der übrigen Girotaffen. Bei diejer Tätigkeit lernte er den zweiten Angeflagten Höfling fennen, den die Antiage als Banfier bezeichnete, der felbft nur als Privat petulant angesprochen sein mollte. Der jet dreißigjährige Höfling war aus dem Banffach hervorgegangen und hatte es unter der Gunst der Inflations tonjunttur zu einem großen Vermögen gebracht, das aber noch be deutend überschäßt wurde. Die Antlage warf nun Hinz vor, bei der Erteilung von Krediten an öflich zum Nachteil der Deutschen Girozentrale gehandelt und damit Untreue perübt zu haben; ferner Betrug dadurch, daß er seiner Direttion feine nähere Mitteilung über die Transattionen von Höfling gemacht habe. Höfling murde vorgeworfen, Hinz durch Geschenke und Einladung angeftiftet zu haben. Die fraglichen Geschäfte Höflings und der Girozentrale spielten sich in der Weise ab, daß Höfling von Hinz Reichsbanticheds erhielt und damit sich anderweitig Kredit verschaffte. Er war dem Banthaus Gustan G. Sean aus früheren Geschäften größere Beträge fuldig. Zur Dedung dieser Schuld, die über den Kaffenverein lief, ließ er sich non hing einen um einen Tag vordatierten Reichsbanfjhed geben. Durch diesen. Sched erwarb er sich bei dem Banthaus Levy großen Kredit und erhielt hier einen neuen Sched über denselben Betrag, der ebenfalls vordatiert mar. Auf diese Weise verschaffte sich Höfling Lange Zeit hindurch täglich Gelo, da das Manöver Tag für Tag erneuert wurde. Als dieser Schedaustausch wegen der darauf lastenden Zinsen Don 20 bis 30 Prozent täglich hölling zu teuer wurde, richtete er sich ein eigenes Konto bei der Girozentrale ein mit der Einzahlung von 5000 Mart und zog feine eigenen Schecs auf diefes Konto, das natürlich zur Deckung der Millionenbeträge nicht aus reichte. Seine Scheds ließ er sich von Hinz bestätigen. Er versprach Hinz die fofortige Hingabe eines Gegenfchecks und besorgte sich auf Grund des Schecks der Deutschen Girozentrale bei anderen Instituten, so bei der Deutschen Landesbantzentrale, der Hamburger Handels- Bank und anderen, Gegenfchecks. Ueber die Frage, ob einmal ein Sched ohne Gegenfcheck von Hinz gegeben worden fei, enispann fich eine längere Erörterung zwischen dem Gericht und den Berteibiger, wobei sich schießlich aus dem von der Giro zentrale vorgelegten Kontoauszug ergab, daß in der Tat für den Sed vom 12. Dezember 1923 in höhe Don 18 millionen tart eine Gegenbuchung stattgefunden habe. Ueber den Berbleib des Gegenmertes ließ sich jedoch nichts feststellen. Durch diese Trans altion mar erreicht worden, daß die Schuld, die Höfling bei dem be freundeten Banthaus Levy in Höhe von 1.8 Millionen Mart besaß, durch den Reichsbanijched der Deutschen Giro zentrale abgebedt murbe, und daß in der Folge immer ein Sched in dieser Höhe bei der Girozentrale ungebedi blieb. Hinz forderte schließlich Dedung und ließ, als diese ausblieb, am 15. Ja nuar einen von ihm bereits gegebenen Sched in Höhe von 1,7 Mil lionen Mart bei der Reichsbanf sperren. Die Direktion hob aber die Sperrverfügung auf und zahlte den Schedbetrag aus. Damit fügte fie, mie non allen Seiten übereinstimmend mit den Sachberſtändigen festgestellt wurde, der Girozentrale unter 3uziehung Der Rinsen und des Zinseszins einen Schaden von etma 2 Millionen Mark zu. Als die Landesbankzentrale eines Tages Rückfragen bei der Girozentrale über die Höhe des Guthabens Höf: lings anstellte, tam die Sache zum Klappen. Wie der Sachverständige Alebber darlegte, wäre ein Schaden nicht entstanden, wenn es bei ber Sperre geblieben wäre. Die weiteren Berlufte für die Giro zentrale traten dann durch das Sinfen der Effetten ein. Hinz er flärte, daß ihm jede Schädigungsabficht ferngelegen habe. Bon dem Berteidiger murde der Girozentrale vorgeworfen, daß die Ne visionseinrichtungen burchaus ungenügend ge mesen feien, da eine Kontrolle des Angeklagten während eines ganzen Jahres nicht stattgefunden habe. Es sei ein ungeheuerlicher 3uftand, menn öfffentliche Gelber derartig bewirtschaftet werden, daß ein 25jähriger Brofurift, der der Sache nicht gemachfen fei, die unbeschränkte Berfügung über Hunderte von Millionen habe. Das Schöffengericht Berlin- Mitte tam nach fürzerer Beratung zu dem oben miebergegebenen Urteil. Groß- Berliner Parteinachrichten. 04. st. Reutölin: Mütmoch, ben 29 Juli 7 Uhr wichtige Funktionärsfigung bei Schröder, Steinmezitzaße 52 Erscheinen licht. 96. Abt. Reutör: Mittmech 7, Uhr bei Brandt, Thüringer. Ede Bipperſtraße, Functionär sigung Ale Bezirle müssen vertreten sein. 101. Abt.( Treptow). Mittwoch, 29. Juli, nahm. im Lotal Neu- Zinolt", Neue- Krug Allee, Raffeetochen. Alle Genojjinnen und Genoffen müssen erscheinen. Haben Sie Wanzen? Go gebrauchen Sie Mothesin. Unfehlbares Spezial. Mittel zur radikalen Bernichtung der Banzen und deren Brut. Abfolut ficher und schnellste Birfung Preis Flafahe 1, 2,50 und 4,- M. Nur allein echt bei Arth. Mothes. Berlin R. 31, Eminemünder Straße 41. Geg. Schwaben, Ruffen. Franzof. u. Flöhe ufm., Motten nebft Brut helf. nur meine als vorzügl. anert. Spezial- Mittel in Sh. à 1,-. Zeiterwagen u. alle ander.Transportgeräte liefert billigst. Großer Vorrat. Georg Wagner Köpenicker Str. 71. Kein Ladengeschäft. Keine SehaufensterReklame daffrwesentlich billigere Preisel Der gute KapitänKautabakisindistan Zigarrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 HUNDE Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1.4-6 Uhr Gewerkschaftsbewegung Der Lohnkonflikt bei der Reichsbahn. Für die Eisenbahner ist kein Geld da. Unter dieser Notiz veröffentlicht das Berliner Tageblatt" die von den Tarifgewerkschaften beschlossene Ründigung des Lohn tarifs zum 31. Auguft. Unter dem Hinweis auf die Notlage der Eisenbahner angesichts der ständig wachsenden Preise wird u. a. gefagt, daß die Reichsbahngesellschaft wohl für Besprechungen gesagt, daß die Reichsbahngefellschaft wohl für Besprechungen ist, aber nicht für eine 2ohnerhöhung, es sei denn, daß die Güter und Berfonentarife erhöht werden. Der ablehnende Standpunkt der Verwaltung wird außerdem bamit begründet, daß das Reichsfinanzministerium( foll heißen v. Schlieben) auch die Erhöhung der Beamtengehälter abgelehnt hat. Wir gehen nicht fehl in der Annahme, daß diese Notiz von der Hauptverwaltung der Reichsbahn stammt, um die demokratisch gesinnten Kreise für ihren ablehnenden Standpuntt zu gewinnen. Wie liegen die Dinge in Berlin wirklich? Im Jahre 1914 betrug der Höchstlohn für einen Handwerker( Lohnarbeiter) 0,84 M., im Jahre 1923 ist der Höchstlohn, Sozialzulagen für Frau und zwei Kinder eingerechnet, 0,86 m. Bei Beachtung des Reichsinder von 1,38 müßte der Stundenlohn um 38 Prog. höher fein als 1914, aljo = 1,16 M., b. h. der Handwerfer befommt real 30 f. 84+ 32 Pf. meniger. Bei 20 Prog. Ueberverdienst hat der Arbeiter einen Stundenlohn von 86+ 12 f.= 0,98 m. Also auch dann noch 18 Pf. weniger. Diefelbe Arbeitergruppe verbiente 1914 durchschnittlich 60 Bf.( jegige Gruppe VI 60 b3m. 69 Pf.). Unter Heranziehung des Reichsinder von 1,38= 60+ 28= 88 Bf. Der Arbeiter mit zwei tinder bekommt also in Wirklichkeit 19 Pf. weniger. Bei 10 Broz. Ueberverdienst 69+ 5= 74 Pf., also auch dann 88-7414 Bf. meniger. Dieses Mimus im Realeinfommen wird noch bedeutend ver größert, weil die Gesamtlebenshaltung im Juni eine Berteuerung Don 2,1 entgegen dem Monat Mai aufweist. Die Steigerung wird im Juli noch beträchtlichere Formen annehmen; einmal durch die Zollvorlage und die in Aussicht stehende Mietserhöhung für Monat Auguft. Wir haben bei dem Bergleich ausdrücklich die Unverheirateten und die Kinderlosen nicht in Betracht gezogen. Hier ist die Differenz nicht unerheblich größer. 1 Nun macht die Hauptverwaltung jede Lohnerhöhung abhängig von einer Erhöhung der Güter und Perfonentarife. Wir erinnern an die Lohnerhöhungen im Jahre 1924. Auch damals fuchte fie jeder Lohnerhöhung auszuweichen, meil durch die Ermäßi gung der Gütertarife eine Berbilligung der Lebens. mittel eintreten würde. Borag, vom Hauptvorstand, gab den Bericht über die geftern mit den Unternehmern geführten Lohnverhandlungen. Die Unternehmer forderten Sondervereinbarungen für Berlin, die auch Verschlechterungen der Krankheitsentschädigung in sich schließen sollten. In ihrem letzten Augebot erklärten fich die Unternehmer bereit, eine vierprozentige Lohnerhöhung zu gewäh ren. Zum Arbeitszeit abfommen führte Borag aus, daß dieses wohl bei seinem Abschluß einigermaßen günstig gewesen sei, heute sich jedoch ungünstig auswirke. Das Abkommen müsse baldigft aufgehoben werden. Armbrust, von der Berliner Leitung, wandte sich in seinen Ausführungen sehr scharf gegen das Arbeitszeitablommen. Im gleichen Sinne äußerten sich die Diskussionsredner. Das Lohnangebot wurde von allen Rednern als völlig ungenügend bezeichnet. Obwohl der Bertreter des Hauptvorstandes und Roch zur Abwägung aller gegebenen Verhältnisse mahnten, murde das Angebot der Unternehmer von der Versammlung einstimmig abgelehnt. Versammlung der Lebensmittel- und Getränkearbeiter. Am Sonntagvormittag fand im Gewerkschaftshaus die ordentliche Generalversammlung der Lebensmittel- und Getränkearbeiter statt. Durch einen Beschluß der Delegierten wurden die ersten beiden Bunfte der Tagesordnung: Geschäftsbericht vom 2. Quartal 1925 und Bericht vom Verbandstag, bis zur nächsten Quartalsversammlung vertagt. Es wurden somit mur die angesetzten Wahlen vorgenommen. Als unbefoldete Mitglieder des Hauptvorstandes sowie als Erfagleute für diese wurden die von der erweiterten Ortsverwaltung und der Vertrauensmännertonferenz vorgeschlagenen Mitglieder gewählt. Zum Verbandsbeirat wurde hodapp als ständiges Mitglied und Fischer als Ersatzmann gewählt. Aus dem gedruckt vorliegenden Rassenbericht über das 2. Quartal 1925 geht hervor, daß die Ver bandstaffe in Einnahme und Ausgabe mit 40 670,50 mt. bilanziert und die Lokalfaffe gegenüber dem 1. Quartal eine Mehr. einnahme von 2332,61 m. hat. Das Lofalfaffenvermögen be trägt 13 267,71 m. gegenüber 10 935,10 m. am Schlusse des 1. Quartals 1925 und nur 7 M. am Schluß des letzten Quartals 1923. Auch hier zeigt sich mie bei allen Verbänden, daß die Organisationen auch in finanzieller Hinsicht ihre Schlagkraft wiedergewinnen, die sie durch die Inflation vorübergehend verloren hatten. Die Gemeindearbeiter in Rheinland- Westfalen. Effen, 28. Juli( Mtb.) Die Urabstimmung der Gemeindearbeiter von Rheinland- Westfalen über die Frage, ob die Ablehnung der Lohnforderungen mit einem Rampf beantwortet werden solle, hat eine Mehrheit von 90 Broz für den Streit ergeben. Dis Forderungen wurden von 10 auf 7 Broz herabgefeßt. Für Mitfmod hat der Schlichter beide Parteien zu einer Berhandlung nach Dortmund berufen. Die christlichen und freien Gewerf Mittwoch eine Konferenz einzuberufen, falls das Ergebnis der Berhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht be. friedigen sollte. Und wie fah es aus? Die Gütertarife murden am 20. Januar 1924 um 8 Broz., am 1. März 1924 um 10 Broz. und im September 1924 um meitere 10 Broz. ermäßigt. Den Borteil hatten die inter- schaften beschlossen in einer gemeinsamen Mitgliedertonferenz, für effierten Wirtschaftsgruppen. 700 bis 800 Millionen floffen in ihre Taschen. Die Teuerung wuchs. Dieser Verlust in der Einnahme. quelle murde durch eine Steigerung der Personentarife auszugleichen versucht. Die im Mai b. J. erfolgte Steigerung der Personentarife gegenüber 1913 beträgt in der IV. laffe 50 Pro3. und in der I. Klasse nur 33 Pro3. Rechnet man nun den Ausfall der Einnahmen, infolge der wiederholten Ermäßigung der Gütertarife, dann die für das Abbaumiederholten Ermäßigung der Gütertarife, dann die für das Abbaufieber zur Berteilung eingefehten Leistungszulagen in Höhe Don 50 Millionen Mart und die Mehrbezüge derleitenden Beamten( 107 an der Zahl) in Höhe von 600 000 m., bann ist die Verwaltung in der Lage, die Löhne der Eisen bahner zu erhöhen, damit diese, den Auswirkungen der Zollund Mietswucherei gegenüber, einigermaßen den Lebensunterhalt bestreiten tönnen. Die Zimmerer antworten den Unternehmern. Seine Arbeitsaufnahme ohne Bewilligung der Forderungen Gestern abend tagte im Gemertschaftshaus eine Sahlstellenver. fammlung des Zentralverbandes der Zimmerer, in der Repp. schläger einen Bericht über die legten Berhandlungen gab. Nach bem der Kampf fast drei Wochen dauerte, fanden bekanntlich am Sonnabend vor dem Schlichter Einigungsverhandlungen statt. Es mar schon von vornherein zu ersehen, daß die Unternehmer, die fich nur durch ihre drei Syndici vertreten ließen, gar nicht die Abficht hatten, zu einer Berständigung zu kommen. Die Verhandlungen berliefen fomit ergebnislos. Der Vorstand empfahl der Bersammlung, angesichts dieser Tat. fachen dem am Sonntag im Borwärts" veröffentlichten Beschluß der Zentralftreitleitung zuzuft immen. Nach einer regen Diskussion wurde von der Bersammlung durch bezirksmeise Abstimmung folgende Entschließung angenommen: Bahlstellenversammlung des Zentralverbandes der Zimmerer ftimmt Die am 27. Juli 1925, im Gewerkschaftshaus, Gaal IV, tagende dem Beschluß der Zentralftreitleitung, welcher am Sonntag, den inhaltlich zu. Die Delegiertenversammlung verpflichtet meiter 2. Juli, im„ Borwärts" und" Roten Fahne" veröffentlicht ist, voll alle Rameraben, nach wie vor, die streng ft e Kontrolle über olle Baustellen auszuüben. Fortdauer des fächfischen Bauarbeiterftreits. Dresden, 28. Juli.( TU) Die Einigungsverhandlungen im Bau gewerbe find ergebnisios verlaufen. Eine Berlängerung der Arbeitszeit murbe von den Arbeitnehmern abgelehnt. 3ur Lohnfrage erklärten fie, bag ohne eine Lohnerhöhung der Streit nicht beigelegt werben tönne. Lohnkonflikt in der Berliner Zigarettenindustrie. Gestern abend fand im Rosentaler Hof eine Funktionärver jammlung der Tabalarbeiter, Buchbinder und Transportarbeiter statt, die in der Zigarettenindustrie beschäftigt find. Der Bergarbeiterftreit im Saargebiet. Saarbrüden, 28. Juli.( TU.) Der Ausstand der Bergarbeiter ist vollständig. Rund 99 Proz. der Belegschaft der Saargruben steht im Ausstand. Bewaffnete Landjäger halten seit einigen Tagen die Gruben besetzt. Die Bergleute bewahren jedoch größte Disziplin, überall herrscht Ordnung und Ruhe. Die Gewerkschaftsführer weilen in Paris, um mit dem französischen Arbeitsminister über die Lohnfrage zu verhandeln. Die großen MetallarbeiterDerbände des Saargebietes haben sich mit den ausständigen Bergarbeitern solidarisch erflärt. Der Landesrat des Saargebietes wendet sich an das französische Arbeitsministerium mit einem Telegramm, in dem die große Notlage der Bergleute als die Ursache des Streits bezeichnet wird und wegen der schweren Folgen für die ganze Bevölkerung dringend gebeten wird, den Forderungen ber Bergleute meitestgehend gerecht zu werden. Lehte Verhandlungen vor dem englischen Bergbauftreik. London, 28. Juli.( BTB.) Bertreter des Bergarbeiterverbandes berieten gestern mit Bertretern des Internationalen Gemertschaftsbundes über die Frage der Haltung der Berg und Transportarbeiter auf dem Rontinent im Falle einer Arbeitseinstellung in den britischen Kohlenbergwerfen. Der Sefretär_des Bergarbeiterverbandes Coot teilte mit, daß wahrscheinlich im Falle einer Arbeitseinstellung teine Kohlensendungen vom Rontinent nach Großbritannien erfolgen würden. London, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der englische Bremierminister Baldwin empfing gestern in Gegenwart des MarineGrubenbefizer zu bewegen, ihre Vorschläge zurückzuziehen und die ministers und des Arbeitsministers eine Abordnung des Allgemeinen Gemertschaftstongresses, die den Ministerpräsidenten ersuchte, die Arbeit auf Grund des gegenwärtigen Lohnübereinkommens folange führt haben würden. Baldwin fonnte zu dieser Forderung keine fortsetzen zu lassen, bis die Verhandlungen zu einem Ergebnis geErklärung abgeben, versprach aber, mit größtem Nachdrud und größter Eile die Vermittlungsversuche der Regierung fortzusetzen. Die allgemeine Lage bleibt nach wie vor sehr ernst. London, 28. Juli.( TU.) Die Grubenbefizer versuchen, die ge schloffene Front der Bergarbeiter zu durchbrechen, indem fie erflären, mit den Belegschaften ihrer Sechen örtliche Lohnabfommen abzuschließen und bieten teilweise recht günstige Lohn und Arbeitsbedingungen an. Die meisten Bergarbeitergemertschaften haben jedoch den Abschluß von örtlichen Lohnabkommen abgelehnt. Paris, 28. Jufi.( WTB.) Heute tritt der Ausschuß der Inter nationalen Bereinigung der Bergarbeiter zu fammen, um auf Veranlassung der englischen Bergarbeiter über die Ursachen der Weltkrise in der Kohlenindustrie zu beraten und die Möglichkeiten eines Generalftreits ins Auge zu faffen. Berantwortlich für Bolitif: Bictor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus: Roch gab zunächst einen Ueberblid über die besonders in legter Zeit in der Industrie erfolgte Rartellbildung. Der größte Teil der Firmen sei heute von ausländischem Rapital abhängig. Es sei unerträglich, daß jezt bei wesentlich geringeren Löhnen Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Edilowski Cotales weit höhere Arbeitsleistungen verlangt werden als früher. Küchen roh emailliert Rüche Lottchen 38 68 Mk. Küche Hermine 70 120 Mk. Riesenausw.roher, lackiert.. lasiert. Küchen u. einzelner Sehränke jetzt enorm billig. 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