Nr. 353 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 181 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Rusland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Sied lung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt ( 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5, Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen das fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( zulässig awei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig. jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worie. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Tönhoff 292-295 Werlag: Dönhof 2506-2507 Mittwoch, den 29. Juli 1925 Die Haussuchung bei Staatsanwälten. Das Netz der Barmatheter. Deutschnationale Ausflüchte. H Die Mitteilungen des Borwärts" über die engen Be-| Lotal Anzeiger" dirigiert hat. Caspari, der Chefziehungen zwischen den Barmat Staatsanwälten pilot der Fliegerstaffel", war bekanntlich per Flugzeug nach und den deutsch nationalen Pressebureaus Dresden gefahren, wo Werthauer einen Termin marzufinden volle Bestätigung. nehmen hatte. Bei Casparis Ankunft in Dresden war Werthauer schon auf der Rückreise begriffen. Caspari stieg nun wieder auf, überholte auf dem Rüdflug den 3ug und paßte dann Werthauer am Bahnhof ab. Daß Kluge- Knoll dies nicht wissen und vorhersehen fonnte, wenn ihm nicht Caspari felber oder einer von beffen Beamten sofortige Mittelung machte, liegt auf der Hand. Knoll- Kluge wußte aber bald, daß Caspari früher angelangt war und besorgte den Hugenberg- Reporter, um den großen Schlag" möglichst laut auspofaunen zu lassen. Die BS.- Korrespondenz berichtet, daß die beiden Justiz beamten, von denen in dem Polizeibericht die Rede mar, die früheren Staatsanwaltsassessoren Caspari und Kußmann find, in deren Wohnungen in der Landhausstraße und am Südwest. forfo gestern früh noch vor 7 Uhr Kriminalbeamte der Abteilung IV des Berliner Polizeipräsidiums Einlaß begehrten, um eine Durch fachung der Räume vorzunehmen. Die beiden ehemaligen Staatsanwälte, die bei den Ermittlungen in Sachen Kutister und Barmat selbst zahlreiche Haussuchungen geleitet hatten, waren aufs äußerste überrascht über die Tatsache, daß sie nun auch cinmal Objekt einer solchen polizeilichen Maßnahme sein mußten. Die Beamten der Kriminalpolizei beschlagnahmten bei beiden Affeffoten eine Reihe von Schriftflücken und Briefen. Im Anschluß hieran wurden die beiden Justizbeamten im Polizeipräsidium einer längeren Bernehmung unterzogen. Gleichzeitig fanden andere Haussuchungen in dem Nachrichtenbureau eines Herrn Knoll, der sich Dr. Kluge nennt, in der Lüzowftr. 60 in der Wohnung eines Herrn v. Beaulieu statt. Auch hier wurden Beschlagnahmungen von Teilen der Korrespondenz und sonstigen Dokumenten porgenommen. Sowohl Dr. Kluge- Knoll wie v. BeauLieu und ein Angestellter dieses Bureaus, Kran3. mußten ebenfalls auf dem Polizeipräsidium zur Bernehmung erScheinen. Es handelt sich dabei um gewisse Zusammenhänge, die zwischen dem Barmat- Dezernat der Staatsanwaltschaft und dem Bureau des Dr. Luge bestehen und angeblich dazu ge führt haben sollen, daß amtliche Schriftst üde, die auf die Finanzflandale Bezug hatten, auf diesem Wege einem Teil der Breffe augeleitet wurden. Die geftrigen Bernehmungen im Polizeipräsidium, die bis in die Nachmittagsstunden dauerten und zum Teil von dem Chef der Abteilung IV, Regierungsdirektor Dr. Beiß, persönlich vorgenommen wurden, drehten sich in der Hauptsache um die Veröffentlichung verschiedener Dokumente, wie des bekannten Beschluffes des Rammergerichts, durch den seinerzeit eine Haftentlassung der Ge brüder Barmat abgelehnt wurde, ferner um ein angebliches Schreiben des Ministerialdirektors Abegg vom Preußischen Ministerium des Innern, und schließlich auch um die persönlichen Beziehungen zwischen Kluge und v. Beaulieu einerseits und Dr. Kußmann andererseits. Tatsache ist, daß Kluge- Knoll mit Kußmann feit längerer Zeit eng befreundet ist, daß ferner v. Beaulieu erft vor einigen Tagen von einer mit Dr. Kußmann auf deffen Segeljacht Schwalbe unfernommenen 5wöchigen Ostseefahrt zurückgekehrt ist. Diese Jacht foll übrigens, entgegen anders lautenden Meldungen, schon seit drei Jahren im Besiz des Dr. Kußmann sein, der paffionierter Segler iſt. Die Verhöre, nach deren Beendigung alle Beteiligten wieder entlaffen wurden, bezogen sich ferner auf Geldsendungen, die von Kluge Knoll im Berlauf dieser Segelfahrt an Bord der Schwalbe nachgesandt wurden. Wie wir hören, murde dabei bestritten, daß dieses Geld, wie behauptet wird, an Dr. Kußmann ge= gangen sei, vielmehr soll es von Beaulieu in Kolberg in Zahlung von rückständigem Gehalt erhalten haben, nachdem Kluge- Knoll zu vor in einem Schreiben nach Danzig zunächst eine Geldsendung abgelehnt hatte. Tatsache ist weiter, daß Teilnehmer an dieser Bergnügungsfahrt auch ein kriminalassistent Ganß war. Was die übrigen Veröffentlichungen in dieser Angelegenheit betrifft, so wird u. a. bestritten, daß eine Verbindung zwischen dem Nachrichtenbureau Kluge und einem von einem früheren Oberregierungsrat Göbel geleiteten Bureau bestanden habe. Die Straftaten, deren vorliegender Verdacht zu diesen Maßnahmen Anlaß gegeben hat, bestehen in erster Linie in der Beröffentlichung amtlicher Schrifistücke, die durch Gesetz vom 5. April 1888 unter Strafe gestellt ist, wenn es sich um Dokumente eines schwebenden Berfahrens handelt. Diese Mitteilungen der erwähnten Korrespondenz be ruhen augenscheinlich auf Angaben von einer Seite, die geneigt ist, den Weltreisenden Kußmann nach Möglichkeit zu entlasten. Aber selbst sie müssen als das Ergebnis der bisherigen Ermittlungen die enge Freundschaft des Rußmann mit Beaulien und jenem Knoll zugestehen, der sich willkürlich ,, Dr. RIuge" nennt und außerDem gelegentlich einen dritten Namen führt! Merkwürdige Freundschaften eines Staatsanwalts mit den parteipolitischen ,, Nachrichtenbureaus", um so fo merkwürdiger, als diese Freunde" allerhand Meldungen verbreiten laffen können, die ganz zufällig in den Amtsbereich des Herrn Kußmann fallen! In Ergänzung der Mitteilungen des Borwärts" fann übrigens der ,, Sozialdemokratische Pressedienst" berichten, daß außer den schon bekannten Indiskretionen der Leiter des Bureaus Kluge alias Knoll auch zur Berhaftung des Justizrats Berthauer durch den Staatsanwalisaffeffor Caspari extra einen Berichterstatter bes, Berliner # Der deutsch nationalen Parteileitung find die Veröffentlichungen des„ Borwäris" begreiflicherweise sehr unangenehm. Wird doch durch sie die enge Bertnüpfung der Kußmann- Aktion gegen Barmat mit den parteipolitischen Zielen der schwarzweiß roien Reinigungsa postel einwandfrei nachgewiesen. Die Parteileitung der Deutschnationalen weiß sich deshalb nicht anders zu helfen, als durch Ausgabe einer Erklärung, in der sie mit gespielter Rindlichkeit behauptet, die Partei hätte tatsächlich an der Aufhellung der Barmat- Affäre ein Interesse und auch die Unterstützung durch den„ Bormärts" würde ihr willkommen sein. Es handelt sich aber jetzt gar nicht mehr um eine ,, Affäre Barmat", sondern um eine Affäre der Staatsanwaltschaft, der Justiz und um eine solche der deutsch nationalen Ehra bichneider und ihrer Geldgeber! Diefe Zusammen hänge gilt es aufzudecken. Aber vorsichtigerweise schweigt die deutschnationale Erklärung von den Geldern, die der deutschnationale Abgeordnete eopold aufwandte, wie von denen, die über Bacmeifter famen. Sie schweigt vor von denen, die über Bacmeister famen. Sie schweigt vor allem von den Geldern, die der deutschnationale Geschäfts. führer Dr. Weiß der Mann mit den hundsgemeinen Flugblättern" für den Erwerb gestohlener Atten der Deutschen Berte aufwenden konnte! Dieses Schweigen ist auch schon ein Schuldbekennt nis. Aber da die Deutschnationalen nach Aufklärung im Landtag verlangen, so fann ihnen diese hoffentlich recht bald werden. Denn daß es sich bei der ganzen Sache nicht so sehr um die Feststellung irgendwelcher frimineller Bergehen handeln kann, leuchtet ohne weiteres ein. Aber die poli. fische Giftmischerei, die durch die deutschnationalen Bureaus mit Unterstügung von Diebstahl und Aftenunter Schlagung betrieben wurde, gilt es aufzudecken, und vor allem die politische Rolle, die jene beiden Staatsanwaltschaftsaffefforen dabei spielten. Der Landtag hat die Möglichkeit, durch einen Untersuchungsausschuß auch die Brunnenvergifter zu entlarven, die den ganzen Standal an gezettelt haben um ihrer Barteiinteressen willen. Er wird die Möglichkeit hoffentlich nicht ungenutzt lassen! Bon der Chefredaktion der Telegraphen- Union" erhalten wir in bezug auf unsere Mitteilungen, die den Redakteur Kames be treffen, ein Schreiben, in dem es heißt: Da wir annehmen, daß es auch Ihnen erwünscht sein wird, über die tatsächlichen Verhältnisse unterrichtet zu werden, so teilen wir Ihnen mit, daß die beiden unterzeichneten Chefrebat. teure der Telegraphen Union überhaupt erst aus Ihrer heutigen Veröffentlichung von dem Vorhandensein des von Ihnen erwähnten Bureaus Kenninis bekommen haben. Auch feiner der in Ihrem Bericht genannten Mitarbeiter des Bureaus ist uns dem Namen oder der Person nach bekannt. Besonderen Wert legen wir darauf, Ihnen mitzuteilen, daß Herr Kames nicht Redattionsmitglied der TelegraphenUnion ist, er gibt vielmehr in dem in unserem Haus befindlichen Dammert- Verlag zwei Korrefpondeazen heraus und ist gleich zeitig Berliner Bertreter verschiedener Provinzzeitungen, zu denen übrigens, wie wir festgestellt haben, die Bergisch- Märkische 3ei tung" in Elberfeld nicht gehört. " Wir geben von dieser Mitteilung unseren Lesern Kenntnis. Das ist um so notwendiger, als ja auch der Vorwärts" den Depefchendienst der„ Telegraphen- Union" abonniert hat. Aber leider umgeht auch die Erklärung der„ TU." die Tatsache, daß sich in der Dachgesellschaft Telegraphen- Union" ein ganzes Netz Don Korrespondenzen- und Nachrichtenagenturen zusammenfinder, von denen Herr Rames einen Teil herausgibt. Hugenberg und seine Helfer haben in der„ TU." wirklich ein System geschaffen, in dem immer der eine Verantwortliche nichts von der Tätigkeit des anderen weißz. Aber schließlich gehören alle Unterabtei Iungen zu der großen Firma. Und die Tatsache, daß die Chef redakteure des Depeschendienst es nicht verantwortlich find für die Korrespondenzen, die nur bestimmten Baiteiblättern zu gehen, ändert nichts daran, daß das Il. Unternehmen durch Herrn Kames mit dem Bureau Knoll- Kluge in engster Ber bindung stand. Denn der sogenannte„ Dammert- Berlag" ist von der U." aufgekauft und ist ihr Glied! 3 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Pofticheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Der Verständigung näher! ( Bon unserem französischen Mitarbeiter.) Paris, 26. Juli. Die deutsche Antwortnote hat eine politisch- diplomatische Entspannung gebracht, die den Optimismus, den der französische Außenminister Aristide Briand im Laufe der legten Wochen nie aufgegeben hatte, rechtfertigt. Man ist hier natürlich erst aunt darüber, daß die nationalistischen Monarchisten, unter Führung des Grafen Westarp, dieser Note zustimmten, da die wilden Heßfeldzüge gegen die Note des Herrn Briand vom 16. Juni und gegen die ganze Stresemannsche Außenpolitit bis jetzt nicht vergessen wurden, Immerhin ist man in gewissen Pariser Kreisen im Begriff, das nationalistische Getobe für einen Bluff zu halten, durch den die Führer ihre Anhänger über die Rückzugsoperation, die sie gezwungen sind, auf dem Gebiete der Sicherheitsfrage durchzuführen, hinwegtäuschen wollen. Solange nicht feststand, ob die Herren Westarp, Hergt und Genossen ihre feierlichen Protefte im entscheidenden Augenblick nicht durch einen Austriit aus der Regierung und aus der Koalition bekräftigen würden, war man in Paris nicht ganz ohne Sorgen über die fommende Entwicklung der Dinge. Nachdem man nun gesehen hat, daß die Deutschnationalen nicht daran denten, das, was sie seit dem Waffenstillstand gegen die Erfüllungspolitik gepredigt haben, zu verwirklichen, sie vielmehr einer Note zugestimmt haben, die in ihrer entgegenkommenden Höflichkeit auch nicht das geringste Echo jenes antifranzösischen Gebrülls enthält, durch das sich die ganze deutschnationale Propaganda seit Jahr und Tag auszeichnete, ist man sich über deren innerstrategischen Charakter flar geworden. Allerdings wollen die Blätter des Nationalen. Blocks das immer noch nicht gelten laffen. Die deutschnationale Agitation hat ihnen allzu große Dienste geleistet, hat den Herren Reibel, Maginot, André François- Poncet und anderen Bortführern der Poincaréund der Millerand- Truppen das Propagandahandwerk gar zu sehr erleichtert, als daß fie nun ohne Bedauern den Zufammenbruch des deutschnationalen Befreiungs"-Bluffs zugeben tönnten. Deshalb darf man sich auch nicht wundern, wenn im nationalistischen ,, Echo de Baris" die Stresemannsche Note als Triumph der Deutschnationalen(!) hin gestellt und die französische Regierung dringend aufgefordert wird, dem Abschluß des Sicherheitsvertrages mit Deutschland, wenn es noch irgendwie möglich wäre, aus dem Wege zu gehen. Herr Briand ist noch viel entschlossener, als das bei seinem deutschen Kollegen den Anschein hat, den Einflüsterungen und Drohungen der nationalistischen Clemente fein Gehör zu schenken. In den Rechtstreifen wird ihm jetzt vorgeworfen, er habe sich in feiner offiziellen Mitteilung an die Bresse über die Note allzu optimistisch ausgesprochen. In Wirklichkeit hat sich der franzöfifche Außenminister vor allem befriedigt darüber gezeigt, daß nun die Anknüpfung von Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland endgültig gesichert erscheint. Das heißt feineswegs, daß er sich im Unflaren ist über die einzelnen wichtigen Fragen tiefgehender Berschiedenheiten, die noch zwischen der deutschen und der Inhalt des Sicherheitspattes bestehen. Ebensowenig wie die französischen Auffassung, insbesondere über den endgültigen allgemeine Genugtuung, die in der Linkspresse wort Tür und Tor zur Verständigung voll offen läßt, etwa darüber zum Ausdrud gebracht wird, daß die deutsche Antfo gedeutet werden darf, als ob man auf der Linken den ganzen Inhalt der deutschen Note gutheißt. Bor allem herrscht, mas den Eintritt Deutschlands in den Bölterbund anbeiangt, in allen Linksfreisen vollste Einmütigkeit, daß irgendwelche Vorbehalte der deutschen Regierung unmöglich angenommen werden können, ohne daß man dadurch die Grundlagen des Bölkerbundspattes in Gefahr bringt. In den politischen führenden Kreisen weist man darauf hin, daß der Text des Böllerbundspaftes selbst im Konfliktsfall es nicht nur ermöglicht, sondern notwendig macht, daß der besonderen Lage, in der sich Deutschland infolge seiner Entwaffnung befindet, durch den Bölkerbundsrat Rechnung getragen wird und infolgedessen Deutschland nicht zu befürchten braucht, etwa militärische Aufgaben augeteilt zu be= kommen, denen es nicht gewachsen wäre. Der deutsche Hinweis auf Artifel 16 der Bölferbundsatte wird von den französischen Nationalisten natürlich wieder als Beweis dafür ausgebeutet, daß geheime Abmachungen" mit Rußland be ständen, durch die Deutschland in dieser Frage gebunden wäre und durch die es verpflichtet sei, im Falle eines selbst durch Rußland heraufbeschworenen Konfliktes mit Polen auf seiten der Sowjetregierung zu stehen. In ruhiger denkenden Kreisen nimmt man aber an, daß die deutsche Regierung wirklich befürchtet, Deutschland fönne im Kriege zwischen Dritten hineingezogen werden, ohne die Mittel zu haben, sich gegen irgendeinen Angriff zu schüßen. Darauf wird er widert, daß Deutschland in diesem Falle ja den ganzen Völkerbund auf seiner Seite habe Frankreich einge schlössen. Denn, würde z. D. ein Konflikt heraufbeschworen werden nicht dadurch, daß Rußland sich eines Angriffs auf die Grenzen Polens, sondern Polen sich eines Angriffs auf die Grenzen Deutschlands schuldig macht, so wäre Frankreich ouf Grund des Völkerbundspaktes gezwungen, gegen Polen aufzutreten. Gerade deshalb hält man es in maßgebenden Linkskreifen für nicht nützlich und nicht für nötig, daß die Schiedsgorichtsoerträge, die Polen oder die Tschechoslowakei mit Deutsch! an d später ein- mal abschließen, unter die besondere Schutz- Hoheit Frankreichs gestellt werden. Die gleichen Kreise erklären jedoch im engsten Zusammenhang mit dieser Seite des Sicherheitsproblems, daß die deutsche Forderung nach dem Verzicht Frankreichs auf Sonder- Vorrechte zu der logischen Voraussetzung führe, daß auch Deutschland ohne irgendwelche Privilegien in den Völker- bund eintreten muß. Man hofft sogar, daß in diesem sehr wichtigen Punkt die deutsche Regierung schließlich erkennen wird, wie gefährlich es ist, den Völkerbundspakt irgendwie zu durchlöchern. Es ist keine Frage, daß diese Ansicht von dem franzö- fischen Außenminister Vriand und seinem Hauptmitarbeiter Philippe Berthelot geteilt wird. Sie sind beide vom stärksten Willen beseelt, mit Deutschland zum Abschluß des Sichcrheitspaktes zu gelangen, und sie dürften die Beant- wortung der deutschen Note genügend beschleunigen, um Deutschland die Möglichkeit zu geben, seinen Eintritt in den Völkerbund noch in diesem Jahre zu beantragen- Deutschnationale Sefürchtuagen. Keine Verschleppung der Zollvorlage» wenn... Die Deutschnationalen haben in den letzten Tagen unter einem schweren Druck gestanden. Sie befürchteten, durch ihre Brotwucherpläne könne noch ein Strich gezogen werden. Der Beschluß des Aeltestenrats, die Zollvorlage noch vor den Ferien durchzubcraten, wird deshalb von ihrer Presse in großer Aufmachung veröffentlicht.„Der Reichstag bleibt zusammen, die Regierung setzt ihren Standpunkt durch/ jubelt der„Lokal-Anzeiger".„Die Annahme der Zollvorlage gesichert" triumphiert der„Tag". Die„K r« u z- Z e i t u n g" ist vorsichtiger. Sie fügt dem positiven ersten Teil ihrer lleberschrift„Keine Verschleppung der Zollvorlage" die skep- tilche Unterzeile hinzu:„Wenn die Abgeordneten der Rechten erscheinen" und oersieht den Beschluß des Altestenrats mit folgendem Kommentar: „Zur Durchführung dieses Arbeltsplanes ist es aber unbedingt eiforderlich, daß die Regierungsparteien ihre 270 Mit- giieder ohne nennenswerte Lücken ins Haus bringen. Mit fehlenden Fraktionen kann gegen starke Linksopposilion eine Zoll- vorläge allerdings nicht dorchgebracht werden." Auch beim„Lokal-Anzeiger" und beim„Tag" ist die Siegeszuversicht nur äußere Fassade und die deutschnationolen Neichstagsabgeordneisn müssen es sich gefallen lassen, daß ihnen in einer alles anderen als parlamentarischen Sprache die Leviten gelesen werden. Ihre Interesselosigkeit an den Sitzungen wird als g r o b e P f l i ch t v e r l e tz u n a. w i d« r- »artiges Schauspiel bezeichnet und mit der V e r- öffentlichung der Namen der bei den Verhandlungen fehlenden Fraktionsmita lieber gedroht. Der „Lokal-Anzeiger" wird ganz deutlich. Er sagt: .Listen, auf denen die Namen solcher Pflichtlosen ständen, würden bei künftigen Reichstagswahlen von vornherein ouf eine außerordentlich starke Stimmeneinbuhe rechnen n-üsion. Das würde bedingen, daß die Parteien sich ängstlich hüteu werden, Namen solcher Pflichtloser auf die Listen zu nehmen— mit anderen Worten, für diese wäre es mit der Abgeordnetenherr. lichkeit endgültig aus. sobald Iteowahlen kämen." Eine Partei, die genöttgt ist, vor aller Oefsentlichkeit zu derartigen Mitteln zu greifen, um ihre„Führer" beieinander zu halten, charakterisiert sich selbst. Hundepeitsche und Futterkrippe sind Reizmittel, die man sonst nicht gerade bei intelligenten Politikern anzuwenden pflegt. Gefahren für üas Zentrum« Eine Mahnung ans dem Rheinland. Köln. 28. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Erregung über die Zustimmung der Zentrumsfraktion zu dem Zollkompromiß wird bei den Zentrumsarbeitern Westdeutschlands von Tag zu Tag stärter. Am DienHfag abend bringt das über gute Beziehungen zum linken Zentrumsflügel verfügende offizielle Kölner Zentrumsblatt, die „Rheinische Boltswacht", unter der Ueberfchrift„Zentrum und Reichsregierung" einen sehr kritisch eingestellten, nahezu drei Spalten langen Artikel, in dem zwar versucht wird, die Hastung der Zentrumsfraktion de» Reichstags zu rechtfertigen, der aber sonst in seiner Wirkung eine einzige Anklage gegen die Zolltom- promiß. Politik darstellt. Das Blatt betont, daß in der Zen- trumspartei große Kreise vorhanden sind, die der Meinung seien, daß bei der Vorbereitung der Zolloorlage gewisse Rechtskreise ab- sichttich darauf ausgingen, die Einigkeit der Zentrums- parte! in Gefahr zu bringen. Das Blatt unterstreicht, daß e? nicht Krakeeler, sondern die Besten und Größten der Partei seien, die der Entwicklung der deutschen Innenpolitik, soweit es sich um Zoll- und Steuersragen handele, mit sehr gemischten Gefühlen ver. folgen. Das Blatt gibt dann weiter zu. daß unter dem Druck der Zollpolitik die Teuerung in Deutschland zunehmen werde. Darum müsse neben der Zustimmung zur Zollpolitik vom Zentrum mit allem Nachdruck die Forderung vertreten werden, daß dem Berbraucher die Möglichkeit gegeben werde, durch Verbesserung seiner Bezüge die Zunahme der Teuerung ertrogen zu können. Das Fallen der Mindestzölle habe auch den Gewerkschaftsvertretern in der Zentrumsfrakion die Möglichkeit gegeben, sich für das Kompromiß auszusprechen. Aber dieses Kompromiß schließe nicht die letzten und endgültigen Entscheidungen in sich, sondern man werde sich in der Fraktion die Lerbesserungswünsche des Berbraucherflügels im Zentrum zu eigen machen müssen. Das Blatt schließt seinen Artikel mit der deutlichen Mahnung an die Reichstagsfraktion der Zentrums- partei: „Darum ist die Wahrung der Lebenskraft und der Stärke. aber auch der Unabhängigkeit der Zentrumspartei für die Ueber- zeugung jedes Zentrumsanhängers eine deutsche Lebensfrage. Di« Frage als solche anzuerkennen, heißt Grenzen ziehen— auch in der Kompromißfreudigkeit bei den großen Entscheidungen der Gegenwart." Diese Auslassungen des Kölner Zentrumsblattes lasten deutlich erkennen, wie stark sich in der Zentrumsarbeiterschaft des Westens die Opposition gegen das Zollkompromiß regt. In nächster Zeit findet eine große Versammlung der westdeutschen Arbeiter-Zentrums- Wähler statt, in der es vermutlich wegen des Umfalls der Zentrums- fraktion zu lebhaften Auseinandersetzungen, auch mit der Richtung St e g e r w a l d, die immer mehr an Einfluß einbüßt, kommen wird. Gtatberatungen im Ausschuß. Der Vergleich mit dem Jahre ISIS— Finanzmittister und Beamteneinftellungen. Im Haushallsausschuß des Reichstags, der am Dienstag die Beratung über den allgemeinen Finanzetat fortsetzt«, gab zunächst Abg. Dr. Ouaah(Dnar.)«in« Ueberstcht üiex den Etat int Vergleich z u den Zahlen vom Jahre ISlZ. Der Netto- bedarf der allgemeinen Reichsverwaltung Hab« 1913 insgesamt 2 790 Millionen betragen, er betrog« 1925 3100 Millionen Mark. Der eigentliche Staatsbedarf der Länder betrage jetzt 3 Milliarden gegen 2 Milliarden 1913. Dabei sei die gewastige Schuldenentlastunz b« den Ländern zu berücksichtigen. Die reine Ueberweisung der Länder betrage insgesamt 2350 Millionen: hiervon behiesten die Länder ungefähr«in Drittel mit 800 Millionen, während an die Gemeinden fast zwei Drittel, 1500 Millionen, überwiesen wer- den. Für die Dawes-Reparationsbelastung müßten 1926: 495 Millionen. 1927: 675 Millionen. 1928: 1230 Millionen und ab 1929: 1540 Millionen Mark jährlich aufgebracht werden. Nach Annohm« der Etats der allgemeinen Finanzverwaltung für 1924 und 1925 folgte die Beratung der Haushallsgesetzs 1924 und 1925. Es wurden folgende Ergänzungen angenommen, die itt das Haushastsgesetz eingefügt werden sollen: „§ 5a: Zur Einstellung von Beamten und Beamten- a n w ä r t e r n in den Reichsdienst bedarf es der vorherigen Zustimm'ung des Reichsministers der Finanzen. Bei Einstellungen sind in erster Reihe Versorgungsanwärter, Schwer- beschädigte, sowie nach Möglichkeit leistungsfähige, entlassene oder in den einstweiligen Ruhestand oersetzte oder in Arbeiterverhästnis überführte Beamte heranzuziehen. Die erfolgten Einstellungen sind dem Haushaltsaussckuß de» Reichstags unverzüglich mitzuteilen. In Reichsverwastungen, in denen eine Verringerung der Planstellen zum Zwecke einer Verminderung des Beamten- körpers notwendig ist, dürfen freie Planstellen nicht wieder besetzt werden. Ausnahmen hiervon sind nur zulästig: 1. wenn durch ihre Besetzung eine andere Planstelle derselben Laufbahn frei und nicht wieder besetzt wird, oder 2. mit Zustimmung des Reichsfinanz- Ministers, wenn die Besetzung aus dienstlichen Gründen dringend not- wendig ist.— Die Feststellung, ob eine Verringerung der Planstellen zum Zwecke einer Verminderung des Beamten- körpers in einer Verwaltung oder in Teilen einer Verwaltung notwendig ist, trifft der Reichsmini st er der Finanzen im Einvernehmen mit dem für die Verwaltung zuständigen Reichs- minister." „8 7a: Werden bereits als planmäßige Beamte angestellt ge- wesene und gemäß§ 65 der Angestelltengrundsätze für eine höhere Besoldungsgruppe«inberufene Versorgung»- anwärter, die wegen Ungeeignetheit aus der Dienst- leistung für höhere Besoldungsgruppen entlasten werden, in ihrer früheren Besoldungsgruppe wieder beschäftigt, so sind sie, falls Plan- stellen dieser Besoldungsgruppe nicht frei sind, bis zum Freiwerden der nächsten Planstelle, in die sie einzurücken haben, so zu besolden. als ob sie als planmäßige Beamte ihrer früheren Besoldungsgruppe wieder angestellt worden wären." Am Schluß beantragte Genosse Steinkopf, daß den Reichsbeamten der Besoldungsgruppen I bis VII zum Grundgehalt ein Zuschlag in Höhe von 20 P r o z. oder, wenn da» abgelehnt werden sollte, mindestens eine einmalige Zuwendung von 100 Mark gewährt werde. Ministerialdirektor Lotholz vom Reichsfinanz. Ministerium bezeichnete den Antrag als untragbar für die Finanzen des Reiches und der Länder. Hierauf vertagte sich der Ausschuß._ Scheiüemanns dank. Genosse Scheidemann bittet um Abdruck folgender Zeilen: Vielen Dank! Aul Anlaß der Vollendung meines 60. Sebent- jähret find mir von Freunden. Parteigenosien und Reichsbanner« kameraden zahlreiche Glückwünsche out dem In» und Autlande zugegangen, viele Blumen und sonstige Liebesgaben ins Haut ge- schickt worden. Ich bin vollkommen außerstande, hunderte von DankeSbriefen zu schreiben, deshalb danke ich an dieser Stelle allen, die an mich gedacht haben, von ganzem Herzen. Kassel, den 28. Juli 1926. Ph. Scheidemann. der Unfug üer Lanüesverratsverfahren. Der Generalstaatsanwall in Hamm hat gegen den General- setretär der Deutschen Friedeusgesellschaft, Genosten Gerhard S e g e r- Berlin unter dem 9. Juli ein Landesverratsver- fahren eröffnet. Der Landesverrat soll begangen worden sein durch eine Rede, die Seger am 20. Februar d. I. in einer öffent- lichen Versammlung der F ri« d e n s g e s ell sch a f t in E s s« n gehalten und in der er sich Mit dem bekonnten Bericht des englischen Generals Morgan beschäftigte. Nachdem so viele ähnliche Landesverratsverfahren eingftellt worden sind und auch der Reichs- wehrmulister Dr. Geßler im Reichstag die Erörterung solcher Fragen als seiner Auffassung nach schädlich, aber nicht landesverräterisch bezeichnet hat. muß die Eröffnung dieses neuen Verfahrens äußerst befremdend wirken._ Die Düsseldorfer Stadtverordnelenversammlung hat mit Zu. stimmung aller Parteien«inen Antrag der städtischen Derwastung angenommen, die Reichsregienmg zu ersuchen, im'Hinblick auf die bevorstehende Räumung der Stadt Düsseldorf die r« i ch s« i g e n e n Bauten in Düsseldorf d e r S t a d t zur Linderung der Wohnung»- not zur Verfügung zu stellen. Norölanöfahrt. Ci� war zweifellos ein« Tat. daß der Reichsausfchuß für sozialistische Bildungsarbeit einer Gruppe in der Be- wegung arbeitender Genossinnen und Genossen die Möglichkeit einer Reise»ach Norwegen gab. Erholung und die Gelegenheit zu sozialen und politischen Studien waren der Zweck der Reise. Er wurde erfüllt, unsere Erwartung in jeder Hinsicht weit Übertroffen. Von unserem Treffort Warnemünde ging e, mit dem Fähr- schiff hinein in die blaue See. Nach schöner Bahnfahrt durch frucht- bares dänisches Land war unser« erste Station Kopenhagen erreicht. Der Tag wurde ausgefüllt mit Besuchen der Sehenswürdig- keiten, zu denen auch der„Riksdag" gehötte. in dessen gediegen repräsentativen Räumen unsere Genossen jetzt eine so fruchtbringende Arbeit für ihr Land vollbringen. Besonderen Eindnick machten die an der Peripherie der Stadt durchgeführten Siedlungsbauten. Die von Arbeiter-Genoffenfchaften mit staatlichen Zuschüssen errichteten Wohnviertel stellen«ine äußerst großzügige Maßnahme zur Be- Hebung der Wohnungsnot dar. Der Staat greift in Dänemark tief in den Säckel, wenn es gilt, seinen Bürgern Obdach zu schassen.— Der Abend fand die Genossen da, wo sich an einem schönen Sommer- sonntag in Kopenhagen alles hinbegibt— im Tivoli! Mit diversen Smerbroten im Koffer ging» am nächsten Tag an Bord des Dampfers, der uns nach Oslo bringen sollt«. Strahlen. der Sonnenschein begleitete das Schiff, als es längs der dänischen Küste, vorbei an der Hamletstätte Helsingborg. den Kurs auf die offene See gen Norden nahm. Die Seefahrt hatte guten Verlauf— abgesehen von kleinen Unannehmlichkeiten, verursacht durch ein« un. höfliche Besatzung— aus dem Schiff, da» den Namen de» Königs trug. Doch eine Nacht geht bald vorüber, und als am Morgen die schöne Kristiania. Oslo Ihre Schleier lüftete, rüsteten wir zu neuen Genüssen. Durch«ine glänzende Organisation verstanden e» unsere liebenswürdigen Osloer Genossen uns an dem«inen Tag unseres Ausentholts eine Fülle von Eindrücken zu vermitteln. Der Stotthing, das Volkshaus, das Lolks-Wuseum—«ine schöne Sammlung alter norwegischer Kulturerzeugnisse. die auch Ibsens Arbeitszimmer birgt— und wiederum prachtvoll gelegene, groß- zügig angelegte städtische Siedlungen, in denen der städtische Bau- direktor die Führung übernommen hatte. Das Osloer Parteiorgan hatte eine Begrüßung und ausführlich« Würdigung der Reise oer socialysters* gebracht und zu einer Abendseier in dem außer. halb Oslos an der Bergmatte gelegenen Heim der dortigen Jugend eingeladen. Nach einem Abstecher auf den Ausstchtsounkt Holme- koll«. der einen einzigartigen Rundblick aus die zwischen Bergen gelagerte Stadt und die durch einen Kranz von Inseln von der Stadt getrennte hohe See bot, wurde der Weg in das Heim unserer Ge- nassen angetreten. Der uns dort zuteil werdende Empfang ent» schädiat« reichlich für die Strapazen de» Tage». Mit reichen Eindrücken schieden wir am nächsten Morgen aus Norwegens Hauptstadt. Unsere Genossen hoben die- Zuversicht, daß sich die sozialdemokratisch« Linie im Land« immer mehr durchsetzen wird. Die(von Moskau) unabhängigen Kommunisten, die gegen- raartig noch den Großteil der Arbeiterschaft hinter sich haben, nähern sich in ihrer prakttschen Politik immer mehr dem sozialistischen Standpunkt. Unsere Bewegung, kampfesfreudig und entmicklungs- fähig, zeigt heute schon, daß ihr die Zukunft gehött! Einer der wunderbarsten technischen Verkehrsweg« der Welt, die Bergenbahn, nahm uns nun auf. Noch überwältigender sind die Naturwunder, die den Reisenden auf dieser Fahrt überraschen. Während ihn anfangs groß« Wälder, leuchtende Matten und idyllische Flüsse erfreuen, bewundert er. wenn die Bahn Häher steigt, prächtig eingebettet« Bergfeen, um sich endlich, an den höchsten Punkten, zwischen ungeheuren, haushohen Schneemassen zu finden. Die Bergseen sind völlig verschneit. Hier ist das Dorado der Leute. die es sich leisten können, auch im Hochsommer dem edlen Skispott zu frönen. In Daß wurde die Dahnsahtt beendet. Die Reise ging nun ver Auto fast drei Stunden durch landschaftlich prachtvolle Gebiete am Hardangcrfjord nach U l v i k. Dieser schön« Fleck liegt am äußersten Ende des Fjords, eine Tagereise von der offenen See entfernt, eingebettet zwischen hohen Bergen. Die Fjorde mit ihren weit in das gebirgige Land hineingreifenden Armen, umgeben von gigantischen Bergmassen schaffen Landschaftsbilder von höchster Eigenart. Ueber diesen Landschaften weht in den hellen, stahlklarcn nordischen Abenden eine zauberhaste Stimmung. Don hier führt« uns ein Tagesausflug nach dem Dönngfoß, einem der schönsten Wasserfälle Norwegens. Tosend stürzen ungeheure Wassermassen hunderte von Metern hinab in den Kessel mit ihrem Gischt und Wasserstaub das ganze Tal erfüllend und mit zarter Feuchtigkeit überziehend. Wenn dann Sonnenstrahlen den nassen Staub treifen, bilden sich Regenbogen, die sich nach unten hin wieder allmählich verliercn. Lange verweilten unsere Genossen in stummer Be- wunderung. Die Genossen, die länger blieben, verlebten noch Tag« der Freude im schönen Ulvik. Eine glänzende Verpflegung, die bis Mitternacht ausgedehnten Bootsfahrten und die Bäder in den kühlen Fluten schufen jene glückliche Stimmung, in der man die Sorgen des Alltags und der Heimat vergißt. Slllzuschnell verrannen die-tage, und nach zweitägigem, ebenfalls unter aufopfernder Be- tteuung eines dortigen Genossen interessant und lehrreich ver- laufenem Aufenthalt in der ehemaligen Hansestadt Bergen führt« uns das Schiff heimwärts gen Homburg. Die Teilnehmer werden noch lange mit Genugtuung an die einzigartige Reise denken. Der gediegenen Vorbereitung und der Zusammenardett des Reichsauskchufses mit den in Frage kommenden Stellen, insbesondere mit unseren norwegischen Genossen, ist es zu danken, daß das Unternehmen vollauf gelang. Möge in Zukunft recht vielen Genossen Gelegenheit geboten werden, ssch, Im eigenen, wie im Interesse der Bewegung, an solchen Fahrten zu beteiligen. Heinrich Kühn. ver Sleaographenbund Babelsberger für die Einheitsturzschrist. Der Deutsch« Stenographenbund Gobelsberger hält gegenwärtig in München seinen 12. Bundestag ab, um u. a. auch zur Frage der Eiuheitsstenographie Stellung zu nehmen. In einer fast einstimmig angenommenen Entschließung wurde dem Regierungsentwurf der Einheitskurzschrift zugestimmt und weiter beschlossen, daß der Bund den Namen„Gabelsberger" auch für die Zukunft beibehält. Pelersburg von der Pest bedroht? Angesichts des Auftretens der Pest in Südostrußland ist von medizinischer Seite in Petersburg die Frag« aufgeworfen worden, ob eine Ausbreitung der Epidemie bzw. eine Einschleppung der Pest noch Petersburg zu besoraen sei. Es fand eine Konferenz von Vertretern des Gesundheitskommissoriates unter Hinzuziehung einiger Professoren der Medizin statt, di« zu dem Schluß kamen, daß einstweilen eine erliste Pestgesahr für Petersburg nicht besteht. Der Passagier, und Handelsverkehr mit dem Süd- osten Rußlaiiii» lasse es aber immerhin möglich erscheinen, daß die Pest nach Petersburg übertragen wird. Es wurde daher beschlossen: sogleich eine besondere Desinfektionsstation einzurichten, welche alle Waren und Pakete passieren müssen, die aus den von der Pest bereits hcimesuchten oder aus pestverdächtigen Gegenden' eintreffen, und bei den betreffenden Behörden vorstellig zu werden, damit die Einfuhr aus den betreffenden Bezirken zeitweilig verboten werde. Der Tlaiurschuhlag gegen den Bau der Zugspitzbahn. Im Der« lause des dieser Tage in München stattfindenden Ersten deutschen-Naturschutztages wurde noch einem Referat des Professors Schulze-Naumburg über„Naturschutz und Industrie" eine Entschließung einstimmig angenommen, die sich gegen di« beab- sichtigt« Industriealisierung der bayerischen Berge durch Bergbahnen, vornehmlich gegen den Bau einer Zugspitzbahn wendet. Es wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß das bayerische Hochland aus Gründen des Naturschutzes, wie auch im Interesse der Erholung Tausender von Volksgenossen oller Schichten in seiner jetzigen Unzu» gänglichkeit und Reinheit erhatten bleibe. Die Spielhölle des Elsverkäufer». Die herumziehenden Der- käufer von Speiseeis, die in diesen heißen Tagen auch bei uns so viel Kundschaft haben, besitzen für das Publikum der kleinen spanischen Städte noch einen anderen Reiz. Man kann sich bei ihnen seine Portion Eis erspielen, und es entwickett sich an den Eisständen ein leidenschaftliches Glücksspiel, bei dem manchmal ziemliche Summen verloren werden. An den Eiswogen befindet sich nämlich«in bunt- bemaltes kleines Roulette, und der„Käufer" setzt die Summ« von etwa zehn Pfennigen auf eine bestimmte Zahl, worauf die Scheibe gedreht wird. Gewinnt er. so bekommt er seine Portton Eis umsonst und darf noch ein weiteres Spiel wagen. Er kann also bei großem Spielglück ein« ganze Anzahl von Eispartianen gewinnen. Verliert er, so ist der Einsatz dabin, und er muß von neuem setzen, wenn er sein« Erfrischung doch erobern will. Pechvögeln kommt also ein« Portion Eis bisweilen sehr teuer zu stehen. Beflefeiimg devgcher zootoglschcr Sitrten durch Zlaßluad. Tin gröberer TlertranSport wnrdc dieser Tage au« Petersburg nach Hamburg befördert. T» bandelt sich um 4 Bären und 12 Kamele, di« für den Hamburger Zaologiichen Garten bestimmt sind. Russische Blatter sind der Meinung, daß die ,oologilchen Gärten Deutschland« eine ganze Reihe von Tieren au» Rusfisch-Asten beziehen könnten. „Arifbe Böhneukuust." Die deutsche Kvnstgemeinschast In Wien Lcab» fichtigt, die Gründung eine».arischen Theater«', zunächst in Form einer Tdeatergemeinlchost. deren Mitglieder zu bestimmten Vorstellungen, an denen nur.arische Schauspieler' mitwirten, Karlen zeichnen. Für später ist di« Erwerbung einer ständige».arischen Bühne' beabsichtigt. End« der Frust erst euer!u Fravkrelch. Zur Vereinfachung de« sranzöfi» scheu Stenerlpstem« wird vom 1. Januar ab tie Aenstersteuer in Frankreich durch einen Zuschlag der Mobilar- und Patentsleuer ersetzt«erden. Ein öeutsch-polnischer Notenwechsel. Polnischer Wiederanfnahmevorschlag.— Deutsche Be» reitschast unter Vorbehalt. Der polnische Beoollmächtizte für die d e u t s ch- p o l n i s ch e n Han�>elsvertragsverhandlungen hol unter dem 18. d. M. ein Schreiben an den deutschen Bevollmächtigten, Stoots- sekretär z. D. Lewold, gerichtet, in dem er den polnischen Standpunkt noch einmal ouseinondersetzt und am Schlüsse erklärt, daß nach pol- nischer Auffassung die Verhandlungen ohne formelle Unterbrechung in der Weise weitergehen sollten, daß die beiden Delegationen sich spätestens am IS. September, eventuell auch schon früher, wieder oereinigen sollten, um die Verhandlungen zum Abschluß zu bringen. Der deutsch« Bevollmächtigt« hat darauf am 27. d. M. erwidert» die deutsche Delegation sei im Interesse der Abkürzung des von pol- nischer Seite begonnenen Wirtschaftskrieges jederzeit bereit, die Frage der Wiederaufnahme der Verhandlungen zu prüfen, so- bald sich die deuffche Delegation auf Grund neuer Ertlärun- gen der polnischen Delegation vor eine veränderte Verhandlungs- läge gestellt sähe, welch« für eine Wiederaufnahm« der unterbräche- nen Verhandlungen Aussicht böte. Sie sei auch bereit, der An- rcgung der polnischen Delegation entsprechend am 15. Septem- b e r mit dieser zusammen die Frage zu prüfen, ob nach der dann bestehenden Lag« der Abschluß eines Provisoriums oder eines end- gültigen Handelsvertrages möglich sei. Einen Erfolg würden diese Verhandlungen allerdings nur dann versprechen, wenn sie durch neue Erklärungen der polnischen Delegation gefördert würden. die Gptantenfrage. Neuanfiedlung i« der Grenzmark? Die deutsche Regierung wird auch am 1. August, dem kritischen Tag in der Optantenausweisung, zunächst sozusagen Gewehr bei Fuß stehen und abwarten, ob Polen tatsächlich von seinem „Recht" der Zwangsausweisung brutal und rücksichtslos Gebrauch macht. In den letzten Tagen sind bei den zuständigen Stellen Nach- richten eingetroffen, die befürchten lassen, daß Polen sofort am 1. A u g u st mit scharfen Maßnahmen gegen die deutschen Optanten. die unter den ersten Termin fallen, vorgehen werde. Trotzdem rechnet die deutsche Regierung noch immer damit, daß die polnische Regierung Brutalitäten gegenüber deutschen Optanten, die aus irgendwelchen Gründen am 1. August die Grenze noch nicht über- schreiten konnten, vermeiden wird. Die preußische Regierung hat für olle Fälle Vorsorge getroffen. Von der Reichsbahn sind für den Abtransport der deutschen Optanten die notwendigen Extrazüg« bereits angefordert. Noch dem 1. August werden die Regierungspräsidenten in Preußen zunächst einmal feststellen, wieviel polnisch« Optanten sich noch auf preußischem Gebiet befinden. Die von dem ehemaligen preußischen Landwirtschaftsminister Dr. W e n d o r f f gemachten Vorschläge, die deuffchen Optanten, so- weit es sich um landwirtschaftlich« Siedler handelt, im deutschen Osten anzusiedeln, find, wie wir hören, bereit» Gegenstand von Verhandlungen im preußischen Innenministerium gewesen. Nach der Auffasiung Wendorffs müßten LllOOObisZOOOOHektar für die Grenzsiedlung zur Verfügung gestellt werden. Der Förde- rung der Grenzsiedlung, wie sie hier vom früheren preußischen Landwirtschaftsminister angestrebt wird, kann man im allgemeinen zustimmen» nicht aber seinem Vorschlag, für die Siedlung in erster Linie den staatlichen Domänenbesitz heranzuziehen. Der oft« «lbische Großgrundbesitz, dessen Sünden wir nicht zuletzt die vielen Uebergriffe des polnischen Natiormlismu» zu verdanken heben, hat die Pflicht zur Wiedergutmachung: er muh für die Grsnzsiedlung herangezogen werden. Der flmnestieaussthuß. Verlängerung der Vegnadignngsfrist. Der Rechtsau«schuß de» Reichstags setzte gestern die Be- ratung des Gesetzentwurf« über Straffreiheit fort.§ 1 wird in der veränderten Fassung bei einer Stimmenthaltung angenommen. Dann wendet sich die Aussprache dem 8 3 zu. der von der Ein- stellung der Verfahren wegen Zuwiderhandlung gegen die§§ 81—86 lhochverräterisch« Handlungen).§ 128(Geheim- bündele i).§ 12«(Teilnahm« an staatstze.ndllchen Verbindungen) und gegen dos Republlkichutzgeseg usw. handelt, wenn die Tat vor dem 1. Oktober 1923 begangen ist oder wenn sie in der Zeit vor dem 1. Oktober 1923 bis zum 15. Juli 1925 begangen rst und voraussichtlich keine höher« strafe als Geld- strafe, Haft oder ein Jahr Festungshaft oder«in Jahr Gefängnis allein oder nebeneinander nach sich ziehen wird. Neu« Venahren werden nicht eingeleitet. Ebenso soll.d i p l o ma t i s ch e r H o ch- verrat" behandelt werden, sofern die Tat durch öffentliche Be- kanntmachung begangen ist. Abg. Landsberg(Soz.) beantragt, keinen Unterschied zwischen den Delikten zu machen, die vor dem 1. Oktober 1923 und denen. die nachher begangen worden sind. Er wendet sich gegen die Be- gnadigung der Kapp-Rebellen und nennt dabei den KapltänChr- Hardt ehrlos, well er«in« Frau, die ihm alle» geschenkt, zu einem Weineid verleitet habe. Abg. Münzenberg(Komm.) unterstützt den Antrag Landsberg. Reichsjustizminister Frenke«: Ich erkläre ganz bestimmt, daß die in dem Paragraph gesetzten Fristen und Termine für die Reichsregierung unantastbar sind. Abg. Lehmann(Dnat.): Ob Kapitän Ehrhardt die Prinzessin Hohenlohe zum Meineid verführt habe, stehe nicht fest, es bestehe nur der Verdacht. Abg. Dr. wunderlich(D. Dp.) erklärt al» beteiligt gewesener obieklioer Richter, er habe die Flocht Ehrhardt» au, dem Leipziger Gefängnis ohne Milbefreiung der Prinzessin Hohenlohe nicht ver- standen. Im übrigen sei die Frage noch nicht geklärt, ob er unter ollen Umständen ehrlos sei. Wie es zu dem Meineid gekommen sei stehe nicht fest. Als objektiver Richter könne er jedenfalls noch kein Schuldverdikt in diesem Punkt über Ehrhardt fällen. Abg. Dr. Rosenseld(Soz.) bedauert die Erklärung des Justiz- Ministers Es schwebten doch auch noch pol, tische Prozesse, die wohl eine Amnestie verdienten, z. B. gegen die P a rt i s a n e n g r u p p. n. Staatssekretär Zoel bemerkt. d,e sogenannten Partisanengruppen seien T-rrorgruppen der»ammu nisten, die bei Auf- ständen die Bürger terrorisieren sollten. Nach ihrer Konstruktion verdienten diese Gruppen keine besondere Berücksichtigung. Ein preußischer R e g i e r u n g s v e r t r e t er erNart. daß in besonders geeigneten Fällen ein« Einzelbegnadigung eintreten könne. Abg. Sloecker(Komm.) begründet einen Antrag, an Stell« der Terminbestimmung„vor dem 1. Oktober 1923 zu setzen:„vor der Auswirkung des militärischen Ausnahmezustande» und der In- flationszest bis 1. April 1924" mit der Beschränkung:�.es sei denn, daß die betreffende Handlung weiter fortgesetzt wurde". Es entwickelt sich dann ein« länger« Auseinandersetzung zwischen den Abgeordneten der Rechten und dem Abg. Landsberg(soz.) über den Fall Ehrhardt. Abg. Laadsberg erklärt nach einer Darstellung des Prozesse» der Prinzessin Hohenlohe, ein Mann, der so gehandelt hat. wie d« Kapitän Ehrhardt. Hab« keinen Anspruch, al. Mann von Ehre behandelt zu werden. Staatssekretär 2ocl wendet sich gegen den kommunistischen Antrag. Unter Ablehnung sämtlicher Aenderungsanträge wird der 8 3 nach der Vorlage in der Gesamtabstimmung e i n st i m m i g mit einer Stimmenthaltung angenommen. Infolge des beim 8 1 angenommenen Antrags Kahl erhöht sich auch im 8 3 die Höchst- dauer der für die Amnestie in Frage kommenden Freiheitsstrafen von ein auf zwei Jahre. § 4 der Vorlage behandelt die Ausnahmen von der Amnestie. Noch dem Absatz 1 sollen ausgeschlosien sein diejenigen Personen, die im Zusammenhang mit der Straftat ein Verbrechen gegen das Leben(§8 211, 212. 214 des Strafgesetzbuches), ein Ver- brechen der schweren K ö r p« r v e r l etz u ng(88 224. 226 StGB.), des sch w e r e n Raubes(§ 251 StGB.), der Brandstiftung(88 396— 308, 311 StGB), der vorsätzlichen G e- s ä h r d u n g einzs Eisenbahntransportes(8 315 StGB.), ein Derbrechen gegen 8 321 Abf. 2 StGB, oder gegen die§8 3. 6. 7 des Gesetzes gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Ge- brauch von Sprengstoffen vom 9. Juni 1884 begangen haben. Ein kommunistischer Antrag auf Streichung dieses Absatzes wird gegen die Antragsteller abgelehnt. Abg. Dr. wunderlich(D. Dp.) beantragt, auch das Verbrechen gegen§ 259 unter die Ausnahmen einzufügen. Die Abgg. Dr. Rosenseld(Soz.) und Dr. Korsch(Komm.) wenden sich gegen diese Erweiterung der Ausnahmen, die den vor- herigen Vereinbarungen widerspreche. Ein kommunistischer Antrag auf Streichung des schweren Raubes wird abgelehnt, der Antrag Wunderlich ange- n o m m« n. Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) wünscht die Streichung de» 8? des Gesetzes gegen den gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen unter den Ausnahmen.§? bestraf« den bloßen unrechtmäßigen Besitz von Sprengstoffen. Gerade dadurch sei der Staatsgerichtshof oft gegen seinen Willen zur Derhängung schwerer Zuchthausstrafen gezwungen worden gegen verhältnismäßig harmlose Leute. Zn der kapp- und Raihenan-Amoestle war§ 7 auch nicht unter den Ausnahmen. Geheimrat Werner vom Reichsjustizministerium wendet sich gegen die Streichung, weil die Vorgänge in den letzten Monaten gezeigt haben, daß die Zuwiderhandlungen gegen diesen Paragraphen eine ganz besonders gefährlich« Verletzung der Staats- sicherheit darstellen. Abg. Stoecker(Komm.) weist darauf hin, daß die Ehrhardt-Truppen ausnahmslos mit Handgranate» bewaffnel waren, um den Bürgerkrieg zu führen, von diesen ist kein einziger bestraft worden. Abg. Dr. Rosenseld(Soz.): Die schwere Strafe trifft hier oft Leute, die den ihnen übergebenen Sprengstoff gar nicht verwenden wollten. Abg. Dietrich(Soz.): Abg. F e h r e n b a ch hat in einer Frei- burger Versammlung die außerordentlich harten Strafen im Freiburger Prozeß ausdrücklich damit erklärt, daß die Vestim- mungen des 8 7 die Richter des Staatsgerichtshofes zu einem so hohen Strafmaß gezwungen habe. Geheimrat Werner ist der Meinung, daß 8 1 nicht in ollen Fällen zu harten Strafen zwinge. Der 2. Absatz nimmt diejenigen Personen von der Amnestie aus, die lediglich aus Roheit, Eigennutz oder sonstigen nichtpolitischen Beweggründen gehandelt haben. Vors. Abg. Dr. kahl(D. Vp.) hält die Fassung„oder sonstigen nichtpolftischen Beweggründen" für bedenklich dehnbar. Nicht- politische Beweggründe könnten ntiter Umständen auch höchst ehren- hafte Veweaaründe sein. Staatssekretär Zsel erklärt, diese Fällung sei aus den früheren Amnestiegesetzen übernommen und habe bisher zu keiner einzigen Beschwerde geführt. Ein Antrag auf Streichung der vom Abg. Dr. Kohl bemängelten Worte wi'd abgelehnt. Abs. 3 nimmt Hochoerrat im Rückfall von der Amnestie au». 8 4 wird in der Gesawlabsiimmung angenommen. ß 5 bestimmt, daß eine Gesamtstrafe, in der unter die Amnestie fallende Cinzelstrofen enthalten sind, so verkürzt wird, wie es dem Anteil der amnestierten Einzelstrafen entspricht.§ 5 wird ohne wesen kllche Aussprache angenommen. Der Ausschuß vertagte dann seine Schlußsitzung auf Mittwoch vormittag._ Stahlhelmer als llanöfrieAensbrecher. Eine Erklärung deS Innenministers. Am 29. Juni d. I. fand in Zeitz eine behördlich ge- n e h m i g t e Kundgebung sozialistischer Arbeiter, Gewerkschaftler, Sportler und Republikaner statt. Zwei Wochen vorher hatte dort eine ähnliche Kundgebung rechtsgerichteter Organisationen statt- gefunden, die ungestört verlief, während die Kundgebung der Re- publikaner durch geschlossene Trupp» rechtsgertchte- ler Organisationen belästigt und gestört wurde. Auf«ine Frage, wie das Staatsministerium derartige Exzesse in Zukunft zu verhindern gedenke, erteilt der preußische Minister des Innern nachstehend« Antwort: „Bei den Vorgängen in Zeitz in der Nacht zum 21. Juni 1915 sind nach den bisberigen Ermittlungen Reichsbanneranaehörige von Mitgliedern des Stahlhelmbundes belästig, tätlich angegriffen und mißhandelt, ferner sind schwarzrotgoldene und rote Fahnen gewaltsam von den Häusern entfernt und beschädig worden. Diese Vor- gänge bilden den Gegenstand eines gegen 4 Stahlhelmangehörig« eingeleiteten Strafverfahrens bei der Staatsanwaltschaft in Naumburg a. d. S. Zur Vermeidung von Wiederholungen solcher Ausschreitungen habe ich die in Frage kommenden Be- Hörden erneut aus meinen Erlaß vom 26. Mai(gegen das Treiben radikaler Elemente) hingewiesen." Man darf auf den Verlauf des Prozesse, neugierig sein. Bisher ist es nur zu häufig so gewesen, daß die angegriffenen R e- publikaner vor Gericht als Friedensbrecher behandelt wurden, während die angreisenden Stahlhelmer straflos aus- gingen. Diese Methode wird diesmal nicht glücken, weil die Antwort des Innen minister? den Landfriedensbruch der Stahlhelmer ausdrücklich feststellt. Wird da» Urteil dem- entsprechend ausfallen? Der skandalöse SchweidnitzerProzeß gegen die Reichsbannerleute ist noch nicht vergtssen! Der Rote Zrontkämpfertag in Halle. Eine Niederlage der Kommunisten. Halle, 28. Juli.(Eigener Drohtbericht.) Der Riesenniedergang. den die KPD. in Mitteldeutschland erlitten hat. offenbarte sich am Sonntag in dem sogenannten„Antikriegstag", den die KPD. unter scheinbarer Hervorkehrung äußerlich pazifistischer Tendenzen nach Holle einberufen hatte. Obwohl man von überall her aus Mittel- deutschland, sogar au» Berlin, sich Rot« Frontkämpfer zum söge- nannten„Antikriegstag" bestellt hatte, blieb den Kommunisten doch nichts weiter übrig, öis die gähnende Leere durch Massenaustrieb von Kindern. Frauen und Jugendlichen auszufüllen. Entgegen den von den Kommunisten verbreiteten Nachrichten über die angeblichen Massenaufmärsche der Roten Front in Halle sei darum ausdrücklich festgestellt, daß insgesamt 5299 Personen einschließlich Frauen, Kindern und Spielleuten am Umzug teilnahmen und daß de? größte Teil der dazu gestellten angeblichen Frontkämpfer Jugendliche ge- wesen sind. Im Volkspark, dem Halleschen Versammlungslokal, sind zu keiner Stunde mehr als 3999 Personen anwesend gewesen. Wenn man überlegt, daß auf dem Parteitag der KPD. mit Wehmut festgestellt wurde, daß von den Roten Frontkämpfern 89 Pr»z. voll- ständig unorganisiert und auch für die KPD. nicht mehr zu erfassen sind, so ist leicht ersichtlich, daß der Einfluß der KommumMchen Partei auch in Mitteldeutschland trotz aller Betpugsoersuche im Proletariat dahin ist. internationale Aktion öer Dergarbeiter. Beschluß des Exekutivkomitees. WTB. meldet aus Paris über die Tagung des Exekukivln.n- schusses des Zukernalionalen Vergarbeiterverbandes. über die wir bereits im gewerkschafklichen Teil berichteken. noch folgendes:?n der Sitzung, die von 2 bis S Ahr dauerke. wurde folgende Enl- schließung angenommen: Das Znlernationale Komikee der Bergarbeiter, das sich ver- sammelt hak. um über die kritische Lage de» Dergarbeilerproleka- rials zu beschließen, das abermals von einer Lohnherabsetzung in dem Augenblick bedroht ist. In dem die Lebensbedingungen schwieri- ger werden, steht aus dem Standpunkt, daß diese Lage sich aus der kapitalistischen Unordnung ergibk, die die Erzeugung der Sohlen über die Bedürfnisse des verbrauch» hinaus gesteigert hat. Da« Exetulivkomilee erklärt, daß das grundlegende Heilmittel in einer Regelung der Kohlenförderung zu suchen sei, die mit den Bedürfnissen der verschiedenen Länder in Einklang steht. und daß dieses Ziel nur durch die Verstaalllchnng der Kohlengruben und durch die inlernalionale Regelung der Produktion zu erreichen sei. Po» Exekulwkomilee fordert die Gewerkschastsorganisalionen der Berg- arbeiter daher auf. die Durchführung dieser wesenklichen Reform zu verfolgen. Das Komilee beschließt, den englischen Bergarbeitern das Höchstmaß an Hilfe in ihrem Kampf gegen die nnerlräglichen Bedingungen, die die Grubenbesitzer ihnen aufzuzwingen versuchen. zukommen zu lassen. Angesichlg der außerordentlich ern- st e n Lage beschließt das Inlernalionale Komilee, daß im Falle die englischen Grubenbesitzer am 1. August ihr vorhaben ausführen, eine internationale Aktion unternommen wird. Für den Fall, daß der Streik nicht sofork durchführbar sein sollte, beschließt das Komitee, daß die Produktion in den einzelnen Ländern dermaßen hecabgesehk wird. daß die Förderung keine Schädigung der eng- tischen Bergarbeiter bedenket. Das Komilee Hai weiter beschlossen, sich mit der internationalen Transportarbeiter- organisalion in Verbindung zu setzen, um die Aussuhr von Kohlen zu verhindern. Rege Aussprache paeis-Lonöon. Der englische Konferenzplan fallen gelassen. Paris, 28. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Zwischen der fron- zösischen und englischen Regierung findet gegenwärtig ein sehr aktiver Meinungsaustausch über die deutsche Note statt. Der französische Botschafter in London hatte bereits zwei Unter- redungen mit Ehomberlain, wobei er ihm eine Kopie seiner von Paris erhavsnen Instruktionen überlassen hat,� die gegenwärtig der Prüfung durch das englische Auswärtige Amt unterliegen. Anderer- seit? Hai der englische Geschäftsträger in Paris am Montag dem Generalsekretär des französischen Außenministers Berthe lot ttr Vertretung Briands die großen Linien der englischen Auffassung zur Kenntnis gebracht. Der augenblickliche Stand des Meinungsaustausche» läßt sich noch Informationell von unterrichteter Seite wie folgt zusammen- fallen: Der Gedanke einer internationalen Sonserenz. dem England anfangs sehr sympalhisch gegenübergestanden hakte, ist auf Grund des französischen Einspruchs endgültig fallen gelassen worden. Weiterhin scheint England sich die sranzösiiche Auffassung in.zwei Punkten zu eigen gemacht zu haben: In der Ablehnung jeder Diskussion über die Besetzung des Rheinlandes und in der französischen Ausfassung über die obligatorische Rechts- Verbindlichkeit schiedsgerichtlicher Regelungen. Das englische Auswärtige Amt soll daran die Bedingung geknüpft haben, daß dem schiedsgerichllichen Verfahren auch evtl. Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der V e r s a i l l e r Vertrages zu unterwerfen find und Frankreich aus seine Absicht verzichtet, gewisse Verfahren des Völkerbundes durch obligatorische Schiedsgerichte zu ersetzen. Hinsichtlich des Rechts zu automatischen Sanktionen sollen beide Regierungen der Meinung sein, daß für das Gebiet der Reparationen diese Frage bereits im Dawes-Plan eine endgültige Regelung gefunden hat. Was evtl. Verfehlungen Deutschlands gegen andere Bestimmungen des Friedensvertrages betrifft, so scheint Eng- lond sich die Auffassung der deutschen Note zu eigen machen zu wollen, baß ein Land nicht zugleich Partei und Richter sein kann. Wenigstens lehnt das englische Auswärtige Amt das von Frankreich verlangte Recht ab, im Falle einer Verletzung der antimilitaristerten Rheinlandzone oder im Falle eines bewaffneten Konflikts im Osten ohne weiteres den Kriegsfall als gegeben zu betrachten und seine Truppen in die neutrale Zone einmarschieren zu lassen. England vertritt demgegenüber den Stadpunkt, daß in beiden Fällen die deutsche Vertragsverletzung zuvor durch die zu- ständigen Organe des Völkerbundes ausdrücklich festgestellt sein muh. Da über diesen Gegensatz grundsätzlicher Natur«ine Einigung bis» her nicht erzielt werden konnte, scheint man in Paris und London zunächst eine authentische Interpretation der einschlägigen Bertrags- bestimmungen durch die juristischen sachverständigen der beiden Länder herbeiführen zu wollen. Der juristische Beirat de» französischen Auswärtigen Amtes soll sich noch Blättermeldungen beretts zu diesem Zweck nach London begeben haben. Englisch-französischer Kuhhandel. Parts, 28. Juli.(WTB.)„Ere Nouvelle" schreibt, man hätte Unrecht, wenn man annehmen würde, daß das Foreign Office und der Quai d'Orsay sich im Augenblick einzig und allein damit be- schäftigten, ihre Ansicht über das Eicherhettsproblem mit einander in Einklang zu bringen. Nicht nur in Europa hätte die englisch« und die französische Diplomatie ein Interesse, gemeinsam zu handeln, sondern überall in der weiten Welt, besonders im Hin- blick auf das beängstigende asiatische Problem, vor das die beiden Länder gestellt seien. Wenn das Foreign Office hinsichtlich der europäischen Politik großmütig sein wolle, könne es von Frank- reich verlangen, daß es sich großmütig hinsichllich der asiatischen Politik zeige. Mit anderen Worten: Nlarlanoe könne John Bull einen Dienst in China erweisen, den Zahn Bull Marianne am Rhein bezw. an der Weichsel zurückerstatten könne. P6tai« fährt z« Primo. Parts. 27. Juli.(WTB) Marschall Pätain hat sich heut» nachmittag um 5 Uhr, wie aus Rabat berichtet wird, an Bord eines Kreuzers von Rabat nach Tetuan begeben(wo er mit Primo de Rivers zusammentreffen dürfte). Der Abbau im Ruhrbergbau. Um das Schicksal der Ruhrbergarbeiter. Die Stillegungs- Epidemie. Bochum, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Vor Jahresfrist mar sich die gesamte Schwerindustrie des Ruhrgebietes darüber einig, daß der Ruhrbergbau an einer Inflation der Menschen" leide Alle Krisenerscheinungen wurden auf die feit dem Kriege erfolgte Bermehrung der Belegschaftsziffern zurüdgeführt. Angeblich waren 30 000 Arbeiter zuviel. Ohne fie und mit vermehrter Arbeitszeit für die anderen sollten alle Uebel fie und mit vermehrter Arbeitszeit für die anderen sollten alle lebel verschwinden. Nun haben die Bergbau- Industriellen erreicht, was fie mollten. 30 000 Bergarbeiter sind während der tehten Monate entlassen worden, ohne daß freilich die Krise ein Ende genommen hätte. Täglich erfolgen neue Kündigungen und - ein Ende ist noch lange nicht abzusehen. Stillgelegt find bis jetzt an größeren Zechen mit zirka 1000 Mann Belegschaft: Beust, Freier Bogel, hamburg, Herpeter Steinkohle, Ulenberg und Bereinigte Schürbanf. Rechnet man noch die fleineren stillgelegten Zechen hinzu, fo ergibt sich eine Arbeitslosengiffer von etwa 10 000 Mann, die von weiteren Betriebseinschrän fungen betroffen sind. Thyssen mit 5500 Mann steht hier an der Spize. Ihm folgen die staatlichen 3echen mit 2000 Mann. Die Zechen Erin, Franzista, Neumühl, Bereinigte Bonifazius mit je 1000 Mann. Eine ganze Anzahl anderer Bechen haben rund 500 Arbeiter entlaffen, so die Zechen Alma. Dannebaum, Fröhliche Morgenfonne, General Blumental, Johann Deimelsberg, Königin Elifa beth, Rhein- Elbe I- II, 3entrum, Hörder Stein. Pohle und Weft end. Diese Betriebseinschränkungen haben etwa 16 500 Menschen die Arbeit getoftet. 3ufammen mit denen, deren Betriebe gänzlich stillgelegt wurden, sind es rund 26 000 Arbeiter. Damit ist die Zahl noch feineswegs erschöpft. Es tommt zu ihr noch eine kleinere Bahl entlaffener Arbeiter, so daß die Gesamtzahl der Entlassungen die 3iffer 30 000 meit überschreitet. Wenn die Theorie der Unternehmer vom Vorjahre richtig gewesen wäre, müßte heute der von ihnen erftrebte Zustand eingetroffen sein. Dagegen wütet die Krise wie nie zuvor! " Effen, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Deutsch- Lurem burgische Bergwerfs- und Hütten- A.- G. wird ihre Zeche Wiendahlsbant" am Dienstag stillegen. Die Schachtanlagen will man er faufen lassen, ebenso wie die Bechen Kaiser Friedrich, Glüd" und Glüdauf Tiefbau", weil nach Aussage der Berwalhing die Aufrechterhaltung der Wasserhaltung größere Kosten verursachen würde, als eine evtl. spätere Sümpfung Der Zechen. Von den Zechen der Gelsenkirchener Bergwerfs- 2.- G. follen weiterhin 3 offern II" und Bonifazius III" ftill. gelegt werden, während auf der Zeche Erin" eine starte Einschränkung der Förderung erfolgen foll. D Dortmund, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Berwaltung bes Baroper Balzwertes gibt durch Anschlag bekannt, daß das Martin Wert ab Dienstag stillgelegt werden muß, weil das Kohlensyndikat den Kohlenverfand eingestellt habe. Einige Ber treter des Balzwerkes find nach Arnsberg bzw. nach Berlin gefahren, um mit der Regierung über die neue Lage zu verhandeln. Sollte auch das Balzwert Ende der Woche zum Stilliegen kommen, so dürfte die Zahl der dadurch erwerbslos Gewordenen fich auf 500 belaufen. Auch die Zeche„ Adolf von Hanjemann" soll die Förde rung auf eine Schicht beschränken, wodurch zirka 1000 mann zur Entlassung fommen. Die Deutsch- Luxemburgische Berg merts und Hütten-.- G. hätte damit alle ihre im Dortmunder Bezirt gelegenen Schächte stillgelegt bezm. start eingeschränkt. Die gestrigen Verhandlungen. leber die am gestrigen Dienstag zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern des rheinisch- westfälischen Bergbaues unter Borfiz der Regierung im Arbeitsministerium stattgefundenen Sigung wird folgendes Kommuniqué veröffentlicht: In einer Besprechung der Arbeitsgemeinschaft, Gruppe Ruhrbergbau, die unter dem Vorsitz des Reichsarbeitsministers im Reichsarbeitsministerium stattfand, und sich mit den wirtschaft. lichen und sozialen Nöten befaßte, die sich aus der Krisis des Steinkohlenbergbaues ergeben haben und noch ergeben können, wurde folgendes Ergebnis erzielt: Die deutschnationale Landtagsfraktion des Preußischen Land tages weist in einer Anfrage auf die drohende Lage im Ruhrrevier hin und fordert von der preußischen Regierung Abhilfe. Die Anfrage mutet feltsam an. Die guten Deutschnationalen im Preußischen Landtag hätten sich besser an die deutschnationale Reichstagsfrattion und an die deutschnationalen Minister im Kabinett Luther gewandt. Seitdem die Deutschnationalen in der Reichsregierung fizen, zeigt die ganze irtschaftspolitik die Wirkung, steigende Preistendenzen auszulösen. Inter diesen Preistendenzen leidet eben auch der Ruhrfohlenbergbau Jedenfalls haben die Deutschnationalen mit ihrer Anfrage nicht an der richtigen Tür angeflopft. Heute neue Verhandlungen. Wie der Sozialdemokratische Pressedienst" erfährt, werden heute, Mittwoch, in der Reichskanzlei Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und den Vertretern der Bergorbeiterorganisationen Rheinlands und Westfalens stattfinden. Silfe- für die Unternehmer. Aus Kreisen, die dem rheinisch- westfälischen Kohlenbergbau nahestehen, verlautet, daß dem Ruhrbergbau ein Kredit aus Reichs mitteln gewährt werden soll, indem die Kohlenlager in Rheinland und Westfalen mit 10 Prozent ihres Wertes beliehen werden. Man fchätzt den Wert der auf die Halden gestürzten Kohlen auf 150 Millionen art, so daß es fich alfo um einen Kredit von 15 Millionen Mart handeln würde. " In der erften Besprechung, die zwischen der Regierung und den Bertretern der Schwerindustrie in der vorigen Woche abgehalten wurde, ist auch die Frage einer Bombardierung der rheinisch- westWie fälischen Haldenbestände ohne Erfolg angeschnitten worden. ber Soz Pressedienst" erfährt, wandte sich besonders der Reichsbankpräsident Dr. Schacht gegen einen derartigen Kredit. Wenn enn nun das Reich aus eigenen Mitteln einen Betrag von 15 Millionen Mart zur Verfügung stellt, dann ist es den Steuerzahlern mindestens Aufklärung darüber schuldig, an wen und unter welchen Bedingungen der Kredit gegeben werden soll. Konferenz der Bergarbeiter. Der deutiche Bergarbeiterberband( Alter Berband) hat im Anschluß an die Bariier Sizung des internationalen Berg arbeiterkomitees, die am Montag abend beendet wurde, eine Sonferenz für Donnerstag im Reichswirtschaftsrat einberufen. Zur Erörterung steht die Lage im rheinisch- westfälischen Kohlenrevier. Die Bergarbeiter- Internationale. Paris, 28. Juli.( WTB.) Heute vormittag 10 Uhr hat die erste Sigung des Bollzugsausschusses des Internationalen Bergarbeiter. verbandes begonnen. Es waren vertreten: England, Deutsch land, Belgien, Holland, die Tschechoslowakei und Frankreich; auch der Internationale Transportarbeiterverband und der englische Eisenbahnerverband haben Delegierte entsandt. Am Schluß der Sigung veröffentlichte das Erefutivlomitee folgendes Kommuniqué: Der Erefutivausschuß des Internationalen Bergarbeiterverbandes hat heute vormittag die Lage der Bergarbeiter in den einzelnen ändern auf Grund von Berichten über die Krife, die in der Kohlenindustrie besteht, geprüft. Im Laufe des Nachmittags wird, sobald Romitee solidarisch internationale Maßnahmen beschließen bezüglich die notwendigen Unterlagen beigebracht sind, das internationale der Länder, bie evtl. ben Kampf mit den Bergwertsgesellschaften wirksam zu machen, nahmen der Generalsekretär des Internationalen und den Bergwerksbefizern aufnehmen sollen. Um diese Maßnahmen Transportarbeiterverbandes und ein Bertreter der englischen Eisenbahner an der Konferenz teil bahner an der Konferenz teil Der Streif der Saarbergleute. Saarbrüden, 28. Juli.( WTB.) An der Streiflage hat fich nichts geändert. Zwischenfälle sind nicht zu verzeichnen. Die Stimmung unter den Bergleuten ist optimistisch. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen in Paris ist noch nichis be tannt geworden. Kein Bergarbeiterstreit in England? London, 28. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß die Grubenbesitzer auf der letzten gemeinsamen Sizung mit den Gewerkschaften am Mittwoch die Kündigung der Belegschoften für Freitag zurückziehen und ihre Vorschläge bezüglich folgedessen, daß der Streif noch verhindern werden wird. der Löhne und der Arbeitszeit abändern wollen. Man glaubt inIn der Bezirksarbeitsgemeinschaft des Ruhrbergbaues in Effen Wendung im Berliner Bauarbeiterkampf. wird eine besondere Kommission die Entlassungen im einzelnen erörtern und berechtigte lagen der Die Front der Bauunternehmer durchbrochen. Arbeitnehmer fünftig abstellen. Im Reichsarbeits. Der Beschluß der Tariforganisationen des Baugewerbes, den n.inifterium soll zu Beginn nächster Woche eine Bewir in unserer Sonntagsausgabe veröffentlicht haben, hat die vorsprechung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auszufehende Wirkung gehabt. Wie wir erfahren, ist bereits eine barüber veranstaltet werden, was für die Entlassenen insbesondere größere Anzahl von Baufirmen, darunter auch Mitglieder des durch Verpflanzung in andere Berufe, Umfiedlung Terbandes der Baugeschäfte, in Berhandlungen und Notstandsarbeiten geschehen kann. Die soziale Be mit den Bauarbeiterorganisationen getreten. Diese Verhandlungen Laftung des Bergbaus wird das Reichsarbeitsministerium in einer be haben zum Abschluß von Berträgen geführt, in welchen die betref sonderen Berhandlung mit Vertretern der Ruhrfnappschaft, der fenden Baufirmen die Forderungen der Bauarbeiter anerkennen und Sechenbefizer und der Bergleute feststellen." bewilligen. Es sind auch Versuche von Mitgliedern des Berbandes der Baugeschäfte gemacht worden, durch Strohmänner solche Berträge abzuschließen. Die Bauarbeiterorganisationen haben jedoch in jedem Falle den Abschluß von Verträgen mit folchen Zweifelhaften Bertragspartnern abgelehnt. Man fann vorausfehen, daß in den nächsten Tagen die Zahl der Firmen, die die Forderungen der Bauarbeiter unterschreiben, erheblich zunehmen wird. Diese Tatsachen werden die Heuer und Mielenz zwingen, auf die Machtprobe, die fie großfpurig angekündigt haben, zu verzichten und fich an den Berhandlungstisch zu setzen. Man fann jetzt schon sagen, daß sowohl der Plan der Bauunternehmer, die Bauarbeiter durch Hunger zu bezwingen und die Ailgemeinheit als auch die Bauarbeiter schrankenlos auszubeuten, ge" Dazu erfährt der S03. Bressedienst: Die Arbeitgeber brachten in der Sigung ihre befannten Klagen über die Sozial belaftung, Steuern und Frachten vor. Demgegenüber wiesen die Arbeitnehmervertreter darauf hin, daß die gegenwärtigen Löhne angesichts der steigenden Teuerung die Existenz der Berg arbeiter nicht mehr gewährleisten. Eine Lohnerhöhung wäre des halb nicht mehr zu umgehen. Im übrigen entspann sich eine längere Debatte über die Behandlung der Bergarbeiter im Falle der Still legungen. Die Arbeitnehmervertreter fegten sich scharf für die sozialen Belange der Ruhrbergarbeiter ein und verlangten, daß nan die Betriebsräte bei der Erörterung über Stillegungen usw. zuziehen soll. Die Arbeitgebervertreter lehnten jedoch jedes Enigegenkommen, das über den Rahmen des Betriebsrätegesetzes hinausgeht, ab. THEODOR RAATZ AUTOMOBIL A.G. BERLIN W 35 fcheitert ist. In der Front der Bauunternehmer iff eine breite Brejche geschlagen. Damit kann jetzt schon der Kampf, wie lange er fich auch noch hinziehen mag, als entschieden betrachtet werden. Der Streit der Seeleute in Australien. London, 28. Juli.( EP.) Wie aus Melbourne gemeldet wird, dehnt sich der Streit der Seeleute raich aus. In Melbourne und Sidney sind bis jezt 7000 Arbeiter vom Streik betroffen. Die Kündigung des Reichstarifs der Wasserbauarbeiter wurde nicht, wie wir irrtümlich in unserer Sonntagsausgabe berichteten, vom Deutschen Verkehrsbund angenommen. sondern von allen Bertragsorganisationen, d. b. außer dem Verkehrsbund, dem Verband der Gemeinde- und Staatearbeiter, dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer und dem Deutschen Metallarbeiter- Verband. Verbandstag der Buchbinder. Hamburg, 27. Juli( Eigener Drahtbericht). Am Sonntag abend wurde in Hamburg der 15. Verbandstag des Verbandes der Buch binder und Bapierverarbeiter Deutschlands mit einem Begrüßungs. abend eingeleitet. Die Berhandlungen begannen am Montag ino.gen mit einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden HaueifenBerlin. Er gab einen längeren Rückblick über die Geschichte des Berbandes. Erfreulicherweise hat die Organisation die schwere Krise der Inflationszeit und die damit verbundenen Erschütterungen überstanden. In das Bureau des Verbandstages wurden gewählt: Küster Hamburg zum ersten und Brückner Berlin zum zweiten Borsitzenden. Nach der Wahl einer Mandatsprüfungstommiffion und je einer Kommission zur Beratung der materiellen und der ideellen Anträge ergriff Brüdner das Wort zu einem furgen Hinweis auf die innerpolitische Lage, wobei er besonders auf das vom Reichstag verabschiedete Aufwertungsgese, den Beschluß über die Mietsteigerung und vor allem auf die 30llvorlage einging. Er hob hervor, daß dadurch eine weifere schwere Belastung der Arbeiferschaft und eine Verschlechterung der Lebenslage eintreten müßte, woran der Verbandstag nicht achtlos vorübergehen dürfe. Auf seinen Vorschlag murde an den Reichstag ein Telegramm gesandt, = in dem bas tiefste Befremden darüber ausgesprochen wird, daß der Reichstag allem Anschein nach gewillt fei, die das WirtschaftsLeben schmer treffende Borlage über den Schußzoll zu verabschieden. An die Bolfsvertreter wird das dringende Ersuchen gerichtet, dieser Borlage die Zustimmung zu verfagen. Gegen eine Stimme wurde auch Brückners Vorschlag angenommen, der sozialdemokra tischen Reichstagsfraktion die Anerkennung auszusprechen für ihr mannhaftes Eintreten im Kampf gegen den Zolltarif, die Mietenerhöhung und das unzulängliche Aufwertungsgesetz. Der Verbandstag erwarte, daß die Fraktion in ihrem Rampfe alles aufbieten werde, um weitere Belastungen von der Arbeiterschaft abzuwenden. Gegen drei Stimmen wurde ein Antrag RöllrichLeipzig abgelehnt, ein entsprechendes Telegramm an die kommunistische Reichstagsfraktion zu richten. Bor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte Küfter die als Gäste erschienenen Vertreter des Hamburger Senats und Arbeitsamtes, des ADG B. und der verwandten Verbände der Buchbruder und Lithographen und der Bruderverbände efter. reichs und der Tschechoslowatei. Grünfeld Wien gab der Hoffnung Ausdrud, daß bald eine Bereinigung der österreichischen und deutschen Kollegenschaft in einer Organisation fommen möge, da der Zusammenschluß Fragen hin, die in nächster Zeit an die gewertschaftlich organisierte Deutschlands und Desterreichs nicht dauernd verhindert werden könne. Bruns vom Bundesvorstand des ADGB. wies auf die großen greß von Breslau beherrschen werden. Arbeiterschaft herantreten und voraussichtlich den GewerkschaftstonHaueisen Berlin gab dann den Geschäftsbericht des Berbandsvorstandes. Im Jahre 1922 mar die Mitgliederzah! auf den höchsten Stand von 98 000 gestiegen. Bei Beginn der Stabilisierung war sie infolge der Inflation auf 48 000 zurüdgegan gen, hat sich aber bereits mi eder bis zu 56 000 erholt. Jetzt sei man dabei, den Verband aufzubauen, nachdem man mit den fommunistischen Gewerkschaftszerstörern schließlich furzen Prozeß gemacht habe. Verbandstaffierer Render Berlin erstattete den Raffenbericht und betonte, daß es während der Inflationszeit unmög lich gewesen wäre, den Verband überhaupt noch aufrechtzuerhalten, wenn nicht von ausländischen Bruderorganisatio= nen, besonders von Desterreich, der Organisation fräftige finanzielle Hilfe zuteil geworden wäre. 3inte- Leipzig gab den Bericht des Verbandsausschusses, der dem Verbandstag fchriftlich vorliegt. Nach dem Bericht der Mandatsprüfungskommisfion find außer sämtlichen Mitgliedern des Verbandsvorstandes 63 Delegierte anwesend. Sämtliche Mandate find gültig. Nach länge rer Debatte, in deren Verlauf gegen die Tätigkeit des Verbandsvorstandes und des Staffierers im allgemeinen feine Einwendungen erhoben wurden, wurde dem Kassierer einstimmig Entlastung erteilt. Einstimmig gebilligt wurde auch die Beteiligung an einer Grundftüds- und Gebäudeerwerbsgesellschaft, die zu einer Treuhandgesellschaft des Verbandes ausgebaut werden soll. Schließlich wurde de mi Berbandsvorstand einstimmig Dant und Anerken nung für feine Arbeit ausgesprochen.d Sattler, Tapezierer und Bortefeuillerverband. Achtung, RIeber! Seute abend 7 Uhr Bertrauensmännerfikung in der Schlesischen Seimat", Neue Friedrichstr. 1. Jeder Betrieb muß vertreten fein! Die Branchenleitung. Wetter für Berlin und Umgegend. Wechselnd bewölkt, noch wieder holte Regenschauer bei lebhaften westlichen Winden. Ziemlich fühl, aber Neigung zur Befferung des Wetters. Für Deutschland. Im Norden noch weitere Regenjälle; überall ziemlich fühl. Berantwortlich für Bolitik: Bictor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritäbt; Anzeigen Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Einger u. Co. Berlin GB 68 Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen. Mufifaufträge alla al goizetStändiges Lager an Lindenstraße 3. übergibt man mur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasitr. 21( Königstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbesuch. Lieferwagen mit Kasten- u. Pritschen- Aufbauten von 200- 400 700 1000 und 1500 kg Nutzlast *** Vertreter der Fabriken: Adler- Fafnir- Opel- Protos THEODOR RAATZ AUTOMOBIL A.-G. Fernsprecher: Nollendorf 56-59 Berlin W 35, Potsdamer Straße 112 Telegr- Adr.: Autoraatz Berlin Nr. 353 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärtsoch, 29. Juli 1925 Das Frankfurter Olympiade- Weihespiel. Der Himmel, ins reine Blau gewandelt, zeigte sich schon rot über. worfen, als Kampfbahn und Festwiese leer wurden, Ruhe sich über die ermüdeten Zuschauer legte und unter den Bäumen die Kon junttur für„ heiße Frankfurter" von neuem einsetzte. Eine kleine Atempause mit dem Eintritt der Abenddämmerung. Plöglich aber stand es wieder weiß aufmarschiert auf dem hellen Rasen der Rampfbahn: das gesamte Pfeifer und Trommlerforps des Bundes. Es jezte leise ein, riß im Nu alles zusammen, was schon müde geworden war; es zeigte ein fo ursprüngliches und ge fundes Können in der Beherrschung der einfachen dynastischen Möglichkeiten, daß viele hingerissen zum erstenmal verstehen lernten, mas diese Musit in sich birgt( die alten Militärs der friderizianischen Epoche fannten am besten ihre aufpeitschende Wirkung!). Das marnur Auftatt. Dann begann ein Massenchor des Frant furier Arbeiterfängerbundes, warf seine guten Stimmen über das mächtige Oval der Kampfbahn, das von den Abendschatten tiefer und tiefer erfüllt wurde. Der grüne Rasen leuchtete noch hell. Rund herum verschwammen die Gesichter der fünfzigtausend im Dämmerviolett. Der Rand des Waldes, die Wipfel der Läume, die sich hinüberwölbten, atmeten in Ruhe. Es war ganz still ge worden. Da erschien der Srechchor vom Festspiel Kampf um die Erde von Berthold Auerbach auf dem steinernen Halbrund vor dem Portal des Hauptgebäudes. Er gab das Leitmotiv des Spiels, das um die Dinge freift, die den Gefnechteten aller Welt als die Ergeb niffe aus Macht und Ohnmacht so geläufig sind. Als er abgetreten war, sprangen die fünf Bölfer" aus der Erde hervor. Stärffte Wirkung ging von diesen fünf Chören aus, als der Kampf mit den Beltverbesserern, den Mächtigen" und den„ Diplomaten" begann. Der Kampf, der die Völker bald ausschaltete, als das Spiel um den Besitz unter den Mächtigen allein begann. Es tam, wie es tommen mußte, und wie wir alle es erlebt haben. Macht. und Besiggier, Eitelkeit und Ruhm sucht der Mächtigen hezen die Völker in den Krieg, und mm gefchieht etwas Er schütterndes. Die Szene, über die fich ganz die Dunkelheit gesentt hat, wird von grünen Lichtern in ein schauriges Dämmer der Ver. mejung getaucht. Bon Kriegsfurien gepadt, hezen die Bölker einander facelumtoft durch die Nacht. Keine Rettung, niemand ist mehr da, nicht die Mächtigen, nicht die Diplomaten, nur der Tod. Aber die Erlösung naht, die Weltvernunft, die Jungen find es, die die Allen aufrütteln, ihnen das Bild deffen, mas gewesen, und die neue Zeit vor Augen führen. Ergreifend schließt es mit der feierlichen Apotheose Schillers: Freude, fchöner Götterfunfen" zu der Musik von Beethoven. Man möchte dieses Spiel einmal noch besser vorbereitet, in den Hauptrollen von besseren Spredchören einige fleinere Rollen verrieten unzweifelhafte Begabungen vorgetragen sehen. Der Beifall war so groß, daß der Dichter Berthalb Auerbach dem Rufe, fich zu zeigen, nicht miderstehen durfte. Er sprach ein paar zündende Worte für die mahre Bölferversöhnung und gegen die Kriegshezer. Der Abzug der Hunderttausende in die Stadt dauerte auf den Linien der in langen Zügen fahrenden Straßenbahnen bis gegen Mitternacht. Die Wettkämpfe am Montag. ○ = Das gewaltige Stadion scheint am Morgen nach dem großen Sonntagsfeit noch etwas zu ruhen. Aber bald belebt es sich wieder; ichon am Nachmittag ist wieder voller Betrieb. och haftet der tiefe Eindrud des Weihespiels von Auerbach, das all die Zehntausende am Sonntag beim Lichterschein auf grünem Blan begeistert hatte. Doa nun fommt neue Arbeit. Bei marinem und fonnigen Better, das erst abends fühl und mindig wird, bringt die Leichtathletik muchtige Entscheidungskämpfe. Beim Hoch [ prung der Sportlerinnen fommen Bleul Freie Turnerschaft Groß Berlin und Haase Magdeburg bis 1,39 Meter. Der 3000 Meter Lauf wird eine sichere Beute der Finnen, immer stürmisch mit Heilrufen ihrer Landsleute gefeiert. 500 Meter vor dem Ziel fezen fich die vier führenden Finnen in eine Linie und laufen geschlossen durchs Ziel, welchem Beispiel die bald folgenden drei Deutschen und dann auch die drei Franzosen folgten. Beim 400 Meter Lauf sind zwei Finnen und ein Deutscher zeitweise in Linie, zum Schluß bleibt der Deutsche jedoch eine Kleinigkeit zurück. Sehr interessant wird das Radballspiel, in seiner Spielart sehr ähnlich dem Fußball, jedoch nur für fünf Spieler auf jeder Seite. Auch der 11] Sinnenspiel. Aus einem Tagebuch. Mitgeteilt von Rurt Eisner. Mienchen mar auch das erste, was ich im Wohnzimmer fah. Sie saß in der Mitte der Stube am Tisch und schnitt grüne Bohnen. Sie erhob sich ziemlich linkisch, wurde sehr rot und stammelte etwas, das mie: ,, Guten Tag" flang. Der Bater fragte behaglich, ob wir uns wieder erkennen, ob sein Mädchen nicht tüchtig ge wachsen, das übrigens insofern eine Sehenswürdigkeit fei, als es das einzige ortsangefeffene, weibliche Wesen sei, das täglich in der See bade. Bis in den Oftober henein, bei acht Grad sogar. Mienchen wurde noch röter, sagte nichts, und ich wußte ebensowenig ein Gespräch anzufangen. Der Alte breitete nun seine Schäße auf dem Tisch aus und ich durfte, Mienchen gegenüber fizzend, die Schnitzereien gebührend bewundern. Mienchen blickte nicht auf, aber sie atmete, mie es mir schien, unruhig ein Bild zarter Schüchternheit. Mir fam das dumme Bortspiel in den Sinn: Sehen Seligkeit. Aber freilich, die Seligkeit deutete ich mir hinein, denn ich hatte nicht die geringste Ursache, anzunehmen, daß diese Befangenheit nicht ihr gewöhnlicher Zustand, sondern die Wirkung meiner bezaubernden Persönlichkeit sei. Inzwischen holte der freundliche Mann mir auch seine ver schiedenen Sammlungen heran, und während ich gerade übez etliche Räften prächtiger Schmetterlinge ein möglichst fachverständliges Urteil zu fäller juchte, wurde der Vater abgerufen. Er versicherte, sofort wieder da zu sein, und ich war mit Mienchen allein. Sie zerschnitt unabläffig ihre Bohnen, ich bestaunte die brasilianischen Schmetterlinge. Mien hen schwieg momöglich noch cifriger als vorher. Es war ein wenig unbehaglich. Ich hatte zuerst Lust, meine Mithilfe an ihrer Arbeit anzubieten, boch verwarf ich gleich wieder diese Anknüpfungsidee als gar zu albern. Aber Gescheites wollte mir auch nicht einfallen. Wenn sie mich wenigstens gefragt hätte, wie es mir gefiel, mie lange ich noch zu bleiben gedente. Aber nein, sie hatte offenbar gar fein Interesse an der Frequenz des Bades, obwohl der Vater Vorsitzender des Vereins zur Hebung des Badeverkehrs mar. Endlich raffte ich mich dazu auf, ein Gespräch zu eröffnen: ,, Warum habe ich Sie eigentlich nie auf dem Wege zum Bade getroffen. Sonst, begegnet man doch allem, was überhaupt badet." „ Ich gehe immer sehr früh des Morgens, ich bin immer die Erfte," antwortete Mienchen. Und dabei zitterte ihre Stimme so fonderbar rührend, als erschräte fie über das Wagnis ihrer Antwort Gönderm Frankfort Tation Die Völker gegen die Mächtigen. meter- Straßenmettfahren folgen. Frankreich und Lettland traģen ein Entscheidungsfpiel im Tennis aus, die Schügen fonfurrieren um die Bundesmeisterschaft, die Schachipieler haben Maffenwettkämpfe, darunter einen internationalen Schachwelttamp Deutschlands gegen das gesamte Ausland. Resultate: 800- Meter- Lauf( Sportier). Entscheidung: 1. E. Borg, Finnland, 1:59 Min., 2. Järvinen, Finnland, 2: 03: 5 Min., 3. Salén, Y., Finnland, 2: 04: 1 Min. Sechsprung mit Anlauf( Sportler). Entscheidung: 1. Storpi, A., Finne land, 1,79 Meter, 1. Niemi, D., Finnland, 1,79 Meter, 2. Seinäffen, D., Berlin, Deutschland, 1,71 Meter, 3. Heinowik, Burg b. Magdeburg, Deutsc Finnland, 1,71 Meter, 2. Birtanen, B., Finnland, 1,71 Meter, 2. Lippert, Tormart verteidigt auf dem Stahlroß sein Heiligtum. Bald schnell| 25 11hr bei einem 50- Kilometer- Mannschaftsfahren, 10- und 20- Stilofahrend, bald stehend wird mit den Rädern der Ball geschleudert, und in der Hize des Spiels gibt's manche humoristische Situation. Der Radsport zeigt sich auch bei dem Kunstreigen von einer recht intereffanten Seite. Beim Weitsprung stellt Lotte Rau von der FTGB. einen neuen Bundesrekord auf mit 4,96 Mefer( bisher 4,71 Meter) und belegt damit den ersten Plazz; an zmeiter Stelle tam eine Finnländerin. In der Schwedenstafette( 400, 300, 200, 100 Meter) ist Finnland mit 2 min. 7 Set. erster, an zmeiter Stelle die Deutschen. Die großen Streden über 1500 Meter und ein 25 Kilometerauf mit Start und Ziel im Stadion bringen viel Spannung. Unterdessen finden Länder wettstreite in bezug auf die ver= schiedenen llebungssysteme statt. Belgier, Tschechen, Finnen und Deutsche zeigen ihr Bestes. Alles hat viel Aehnlichkeit miteinander, ist aber in der Form und dem Ausbau doch verschieden. Die weiblichen Finnen, hervorragend wie ihre männlichen Genossen in der Leichtathletik, bringen ästhetisch feine und disziplinierte Uebungen, die aber mit der deutschen Reichhaltigkeit nicht fonkurrieren fönnen. Die Tschechen haben gleich gutes Uebungsmaterial wie die Deutschen. Die Belgier zeigen ebenfalls gutes Geräteturnen. Auf allen lebungspläßen wird fortgesetzt wechselndes Programm geboten. Die Schwimmer haben für ihre Endkämpfe ein„ volles Haus". Die Radfahrer sind schon früh um Und da schlug's in mir ein! Dieses flingende, schwingende Beben tat es mir an. Ich hatte plötzlich das Gefühl, als ob das Mädchen auf einer einsamen Insel, gänzlich unberührt von dem Treiben der Belt, aufgewachsen sei. Wie herrlich müßte es sein, ein solches Geschöpf das Leben zu lehren, es allmählich aus der Stille des beengten Tales über Fernen entschleiernde sanfte Hügel zu den schroffen, mild umbrausten Gipfeln zu führen, wo sich das lezte Geheimnis dem schwindelnden Blic offenbart. So träumte ich noch, als der Bater wieder erschien. Kein Wort war mehr zwischen Mienchen und mir gewechselt. Ich empfahl mich eilig. Seitdem habe ich den ganzen Tag über Mienchens Bild in meiner Phantasie ausgepinselt, immer die gleichen Einzelheiten malte ich mir. Aber die Farben wurden leuchtender und heißer, je länger und öfter ich mir das Mädchen vorstellte. Warum ist sie aber auch gerade siebzehn Jahre alt. Genau so alt, wie meine erste, zweite und dritte Liebe, als ich fünf, neun und vierzehn Jahre zählte. Ich habe seit meiner Geburt das Siebzehnjährige geliebt.... Ah, meine Phantasie ist in einen wahren steckbrief. lichen Berfolgungsgeift geraten.... Mienchens Augen find fast größer als der Mund, wie bei meinem Jungen, als er ein Jahr alt war. Die Haut ist so fest und zart über den Leib gespannt ich schließe vom Gesicht auf das übrige, daß man fürchten möchte, fie müsse in tausend Etüde zerspringen, wenn man sie an einer Stelle unsanft berührt. Es ist eine ungeheure gefesselte Spannung in ihr, wie Hartglas: Saft und Kraft im engsten Raume frofpen haft zusammengefaltet, noch nicht in fließende Gewebe zerfallen. Ich möchte wohl die Bilder des hohen Liedes brauchen, um fie zu malen, so wie ich sie sehe und ahne. Ich müßte reden von runden, duftigen, festen Früchten, von Gold und Elfenbein und allen Würzen und Farben der Belt. Ach, wir heutigen verstehen es nicht mehr, Frauenschönheit zu schildern. Wir haben nicht den Mut der Sinnlichkeit, wir sind zu abstrakt, wir wagen nicht die alten Gleichnisse, die uns zu derb- lüstern und gewöhnlich scheinen. Besonders reizend muß ihr Fuß sein, der in weiten Zeugschuhen stedt. Das ist eine Schwäche von mir. Ich bin jedesmal entzückt, wenn eine Frau aftmodisch lockere Beugschuhe trägt. Ich seze dann in ihnen Gebilde voraus, die ausnahmsweise nicht den wissen schaftlichen Wert und Drang eines pathologischen Präparates haben. Ich schäze, daß ich eine Viertelstunde darauf verwandt habe, mir die Knöchel oberhalb von Mienchens Füßen vorzustellen. Das Zarteste und Künstlerischste, mas am Menschen zu bewundern ist. Und da ich weiß, daß Mienchen täglich in die See hinaus schwimmt, oder wenigstens hinausplätschert, darf ich diesen Teil auch hinsichtlich des Kolorits vollkommen denken. Ich grübele wie ein Aftet und Myftifer aus dem Mittelalter, da man noch an Hoch Ent land, 1,67 Meter, 3. Wilde, Ottersleben, Deutschland, 1,67 Meter. Entscheidung: 1. Saase, Magdeburg. sprung mit Anlauf( Sportlerinnen). Deutschland, 1,39 meter, 1. Bleul, Berlin D., Deutschland, 1,29 Meter. 2. Rauschte, Berlin SO., Deutschland, 129 Meter, 2. Garnes, Magdeburg, Deutschland, 1,29 Meter, 2. Rod), Magdeburg, Deutschland, 1,29 Meter, 3. Bonier, Trudi, Schweiz, 1,26 Meter. Disfuswerfen( Sportlerinnen). scheidung: 1. Bodicova, Tschechoslowakei, 20,39 Meter, 2. Dninin, Antonic. Lettland, 20,17 Meter, 3. Rehrt, Ludwigshafen, Deutschland, 20,16 Meter. Beitsprung mit Anlauf( Sportlerinnen). Entscheidung: 1. Nauh, Berlin, Deutschland, 4,96 Meter, 2. Birtanen, Sally, Finnland, 4,93 Meter, 3. Su derson, Lettland, 4,66 Meter. Weitsprung mit Anlauf( Sportler). 1. Hei nänen, D., Finnland, 6,88 Meter, 2. Birtanen, Finnland, 6,80 Meter, 3. Rud. fit, Alfred, Lettland, 6,57 Meter. Schwedenstafette: 1. Finnland 2: 07: 8 Min.. 3000- Meter- Mann2. Deutschland 2: 08: 1 min., 3. Desterreich) 2: 08: 8 Win. schaftslauf. 1. Finnland 9: 31: 7 Min., 2. Deutschland 10: 03: 1 min., 3. FrantDeich 10: 33: 9 Min. Versuchungen sich berauschte und die Sünde sich als ein dämonisches Weib dachte, statt als eine efle, öde Krankheit. Indessen Mienchen hat gar nichts Dämonisches. Keine Sphing, eher ein Gänschen! Gänschen! Wahrhaftig, da steht das Wort und zerreißt den ganzen Aufbau meiner Illufionen, id) merke, ich bin dem Zauber noch nicht ganz nerfallen. Gleichwohl, es bewegt sich etwas banges, unheimliches Lüfternes in mir. Ich werde doch mir selbst eine Sturmwarnung signalisieren müssen. 10. Auguft, vormittags. Sturm! Hochflut! Ich liege erschöpft, ein Schiffbrüchiger, am Strande, und bin sterbend matt. Nein, diese Bilder sind zu edel. Ich bin eine verwesende Maischolle, eine trocknende Quelle. Ein Schlammvulfan hat seine widerliche Flut über mich gefpien. Nie erschien mir so grell und unabweisbar das gespenstische Gefühl, als ob in unserem Ich noch eine ganze Welt von Anderen hauste. Die unnatürlichen entarteten Begierden von Vorfahren, die befleckt und gestaltet worden von den ruchlosesten verwildertsten Zeiten einer fernen finsteren Bergangenheit, schienen in mir aufzumachen, und ich rang mich vergebens los von der Kette der Jahrhunderte, die jeglicher hinter sich zerrt: Nur in den Fieberstunden einer verheerenden Leidenschaft fühlt er sie und hört er fie rasseln, sonst bindet sie ihn in tückischer, heimlicher Stummheit. Aller Schmutz und alles Granen der Weltgeschichte, dieses Teufelsgeflecht von Verbrechen und Narrheiten, schlummert noch immer in uns, tief unten als Bodenfaz der Seele, der aufwirbelt, wenn sie vom Fieber durchmühlt wird. Darum wird der Mensch in den Delirien der Geistesfrankheit immer zum Verbrecher: Die Weltgeschichte, die überwundene Grausamkeit und Gemeinheit, hält in dem umnachteten Geist wieder ihre Auferstehung. Seien mir nicht stolz auf das junge Licht der Kultur. Beginnt es mir zu flackern, so hebt sich sofort wieder die grausame Nacht empor, die unten lauert, ob ihre Herrschaft nicht wieder beginne. Die Sünden der Bäter werden heimgesucht an den Kindern, wahrlich auch bis ins tausendste Glied, denn wir bergen alle ihre Sünden in uns, die unsterbliche Brut des toten Ungeheuer, die Erben verruchten und verrauchten Blutes.... Bin ich krant, daß ich so törichtes Zeug schreibe? Die Qualen dieser Nacht laften noch auf mir und es treibt mich, die entsetzliche Stimmung zu erklären, die mich befallen, wie menn ein Fremder von mir Befiz ergriffen und mich, den gefitteten Nachfahr, lenkte wider meinen Willen nach seinen niedrigen Gelüsten ein Fremder aus einer wüsten Zeit geseglosen Frevels, der sich hineingeschlichen hat in unseren hellen Tag.... ( Fortsetzung folgt.) Ottilie Baaders letzte Fahrt. Nun ist Ottilie Baader den steinigen Weg ganz zu Ende gegangen. Zum letzten Abschied fanden sich die vielen zusammen, die ihrem Beispiel und ihrem selbstlosen Wirken so viel verbanken. Selten wohl zitterte in den Abschiedsworten, die das Krematorium der Gerichtstraße gehört, so viel innere Empfindung, fo viel schlichte Dankbarkeit, wie sie ihr als letzte Grüße mitgegeben wurden. Wer nicht das Glück hatte, Ottilie Baader persönlich zu tennen, der fühlte in dem wehmütigen und doch so dankbaren Abglanz der Gesichter, aus den so einfachen Worten, mit der ihr alle den legten Gruß gaben, welche Persönlichkeit von uns gegangen. Es flang aus allem der hohe Gesang der fämpfenden und doch so mütterlichen Frau, die ihr reiches Leben der sozialistischen Bewegung geschenkt. Marie Ju chacz zeichnete noch einmal ihr Frauenfchicfal, wie sie immer einfach, flar und schlicht mütterlich war, wie sie dauernd als arme Profetarierin an sich selbst arbeitete, um das Gewonnene wieder als Wissen im Kampf zu verwerten. Kein geiziges Anfammeln von Wissensschätzen, ihr war der höchste Inhalt des Lebens, für die sozia listische Bewegung zu kämpfen und zu arbeiten. Wie die schon Gealterte anspruchslos als Vertrauensperson zurücktrat, als 1908. das Vereinsgesetz den Frauen die Gleichstellung mit den Männern gab. Gie, die eine Berförperung der Geschichte der proletarischen Frauenbewegung war, diente der Partei weiter bis zum letzten Atemzug. Otto Wels zauberte ihr Bild wieder hervor, wie sie mit immer heiterem Gesicht die Bürde der Arbeit auf sich nahm und Führerin und Kämpferin zugleich blieb. Eines nur war ihr nicht gegeben der Zorn. Sie war der immer gute Geift, Streitende zu versöhnen, entzweite Hände ineinanderzulegen zu gemeinfamem Tun. Ein Beispiel, wie sie es gegeben, wird es felten geben. Wohl mögen die Namen anderer leuchtender sein, aber von solch einer Hingabe an den Sozialismus und so tiefer Mütterlichkeit wie sie war feine. Die Fahnen der Sozialdemokratie senten sich ihr als letter Gruß am Sarge. Clara Bohm Schuch sprach für die Berliner fozialdemokratischen Frauen, die stolz darauf sind, daß Ottilie Baader die ihre gewesen. Berlin, die Stadt der raftlosen Arbeit, des unendlichen Mühens und Vorwärtsdrängens, war ihr Symbol. Ein leuchtendes Borbild schlichter Schönheit und einfacher Würde, weil sie so ganz Frau war. Deshalb war sie auch so un endlich gütig und flar. Darum sorgte fie, die mütterliche Rampf genoffin, zuerst immer für die anderen. Für die preußische Landtagsfraktion sprach Marie Kunert. Noch einmal unternahm fie, dies so reiche proletarische Frauenschicksal zu umzeichnen. Selbstlofe Hingabe für den greisen Bater, mütterliches Zusichnehmen der Geschwistertinder, unermüdliches Arbeiten an der Nähmaschine und Hingabe an die Bewegung. Eigenes Familienglüd blieb ihr in der Jugend versagt, die Enttäuschung ihrer jungen Jahre ließ sie aber nicht zum grämlichen, alternden Mädchen werden; ihre starte Mütterlichkeit umfaßte mit elementarer Kraft sowohl den fleinen Kreis wie lichkeit umfaßte mit elementarer Kraft sowohl den kleinen Kreis wie die ganze große Bewegung. So wurde sie zur Bahnbrecherin auf dem steilen Weg zum Sozialismus. # Mit dem Gesang von Goethes Wanderers Nachtlied": leber allen Wipfeln ift Ruh; In allen Zweigen spürst du Raum einen Hauch. Die Vöglein schlafen im Walde. Barte nur, balde Ruhst du auch oth vollkommen indolente Haltung der maßgebenden Reichs- und Staats behörden gegenüber diesen Borgängen, die die Berbraucherschaft auf bas lebhaftefte beunruhigen, fie zeigen, daß der Verbraucher. huh heute mehr als je notwendig ist und daß mindestens bei den höheren Verwaltungsorganen Stellen vorhanden sein müssen, die im gegebenen Falle den Auswüchsen am Warenmarkt entgegenzutreten imstande find, wen auch die Schuld an diesen Treibereien treffen mag. Offiziersbegen oder einen scharfen Hirschfänger, ja er befigt fogar| Behr leben. Die Breissteigerungen der letzten Seft allein und bie einen Waffenschein. Bem die Klodow'sche Musit also nicht gefällt, der fann mit seiner Kritik bei dem ftreitbaren Musikdirektor schlecht antommen. Der Staatsanwalt schieb die Anklage wegen unlauteren Wettbewerbes vollkommen aus. ,, Militärmusit" tönne jebe Kapelle machen. Die Uniform des Klockow'schen Dr. chefters hielt er doch immerhin für bedentlich. Er beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Monat, die aber durch Zahlung von 500 mart Geldbuße als verbüßt anzusehen sei. Das Gericht sprach den Angeklagten auf Kosten der Staatstasse frei. In der Begründung jagte der Vorsitzende, daß der Grundstoff der Orchester Uniform allerdings der gleiche fet, wie bei ber Reichswehr. Die Abzeichen seten aber doch so verschieden, daß eine Berwechselung ausgeschlossen sei. Nach diesem Urteil wird also Herr Klodom- Eichbaum mit seinem Orchester weiterhin Gelegenheit haben, Militärmufit in feldgrauen Militärlitewten auszuführen. Wenn die Musiker auf dem Bodium, verhältnismäßig entfernt von den Zuhörern, ihre Musik machen, glaubt jeder Unbefangene eine Militärfapelle vor sich zu haben. Die geringen Abweichungen bei den Abzeichen sind schwer erkennbar und geringen Abweichungen bei den Abzeichen find schwer erkennbar und Herr Klodow- Eichbaum seine deutsche Mufte" lediglich in dem nur Eingeweihte wissen sie zu deuten. Interessant ist immerhin, daß Neuköllner Sozialdemokrat. Propagandatag Sonntag, den 2. August, nachm. 2 Uhr, am Hertzbergplatz Sammellokal der Berliner nationalistischen Kreise in der Mauer Gammellotal der Berliner nationalistischen Kreise in der Mauer ftraße und dann in Mecklenburg und Bommern abfeßen tann. Dort wird ja fchließlich mit seiner Musit nicht mehr viel zu verderben sein. Aber einige Fragen find noch zu flären. Zunächst: Wie fommt der vorbestrafte Herr Klockow- Eichbaum zu einem Waffenschein? Es ist doch in der letzten Zeit gerade oft genug vorgekommen, daß anständige Leute von nationalistischen Schießhelben zweifelhafter Art angefallen wurden. Dann ist an die Reichswehr die Frage zu richten, aus welchem Grunde fie an Herrn Klodow- Eichbaum neue Uniformen vertaufte? Im übrigen ist es charakteristisch für die Geistesverfassung nationalistischer Kreise, daß es genügt, wenn ihnen cin mehrfach vorbestrafter Beitgenosse Radaumufit unter natio. naler", schwarzweißroter Flagge vormacht, um Liebkind bei ihnen zu werden. Eine Aktion gegen die Fleischteuerung. Der Schutz der Berbraucher. Der Berliner Polizeipräsident, Genosse Grezefinity, hatte als Borsigender der Breisprüfungsstelle für Berlin und die Broving Brandenburg für gestern eine Besprechung von Vertretern der Landwirtschaft, bes Biehhandels und des Fleischergewerbes eingeladen, um Maßnahmen zur Berringerung der hohen Preisspanne zwischen Vieh und Fleisch sowie Fleischwaren zu beraten. Geladen waren nobie preußische Hauptlandwirtschaftskammer, der Bund der Bieh händler Deutschlands, die Ernährungsdeputation des Magistrats Berlin, die Pommersche Biehverwertungs G. m. b. 5., die Dst preußische Biehverwertungs G. m. b. H., ferner Bertreter der Bieh tommiffionäre, der Verband Berliner Fleischwarenfabriten, ber Interessenverband der Großschlächtervereine und andere Groß Bertreterin der Ladenfleischer. fchlächterorganisationen, endlich die Berliner Fleischerinnung als fentte fich langfam der Sarg mit Blumenfränzen und roten Schlet. fen in die Tiefe. Noch einmal neigen sich die schwarzumflorten Fahnen vor der toten Kämpferin. Der Gesang verftummt. Die Orgel fetzt ein und sie gehen wieder hinaus in den Alltag, in den Kampftag, die ihr das letzte Geleit gegeben. Den toten Leib darf die Flamme verzehren, doch das heilige Gelöbnis, das auf den vermeinten Gesichtern der älteren Frauen und jungen Mädchen, auf den ernsten Gesichtern der Männer liegt, bleibt Geist vom Geiste Ottilie Baaders, liebende Nacheiferung und treues Festhalten am Ziel. Und in diesem Geist wird sie weiterleben. Ihr Wirken pflanzt sich als lebendige, immer wieder zeugende Kraft fort. Uniformierte Musiker. „ Berwechslung ausgeschlossen..." Der Inhaber" des Deutschen Tonfünstler- Orchesters", ein Musikdirektor Klodom, stand vor dem Schöffengericht Charlotten burg unter der Antlage des unerlaubten Uniform tragens und des unlauteren Wettbewerbs. Die frei gewerkschaftlich organisierten Musiker haben mit diesem Herrn schon manchen Kampf auszufechten gehabt. Das von ihm auf die Beine gestellte Orchester wirft bei allen nationalistischen Radau fest en besonders im Berliner Clou mit und befigt darüber hinaus noch Abteilungen, die Mecklenburg und Pommern(!) mit nationalistischer Musik versorgen. Die Besprechung, die in den Räumen der mittleren Breis prüfungsstelle im Bolizeipräsidium Schöneberg gestern unter starter Beteiligung der eingeladenen interessierten Kreise stattfand, beschäftigte sich mit den Üürfachen der Teuerung auf dem Fleisch markte und den möglichen Wegen der Abhilfe. Die Tatsache, daß die gegenwärtigen Preise im Groß und im Kleinhandel für Fleisch und für Fleischwaren nicht nur absolut erheblich höher sind, wie in der Vorfriegszeit, fondern auch beträchtlich höhere Spannen untereinander aufweisen, scheint den Schluß zuzulassen, daß übermäßige Buschläge im Großhandel und mehr noch im Kleinhandel genommen werden. Die Erörterungen, die mehrere Stunden dauerten, fonnten ein abschließendes Ergebnis noch nicht zeitigen. Es wurde deshalb eine Rommission gebildet, die feststellen soll, inwieweit die Zuschläge bei den einzelnen Berteilungsstellen berechtigt find oder inwieweit eine Herabsetzung gefordert werden könne. der arbeitenden und verbrauchenden Bevölkerung außerordentlich Die Initiative des Berliner Polizeipräsidenten ist im Interesse zu begrüßen. Davon, daß sich die einzelnen Interessentenorgani fationen gegenseitig die Schuld an der Fleischteuerung zuschieben, wird kein Mensch satt. Es ist in der Tat dringend notwendig, daß die Organe der Preisprüfung hier zunächst mit gründlichen Er hebungen Klarheit schaffen, um dann in geeigneter Weise einschreiten zu können. Die Reichsregierung hat zwar eine Zollvorlage eingebracht, die u. a. Mindestzölle auf Vieh und Fleisch und außerZwecks späterer Heirat. Die betrogene Witwe. Frau 2., eine rundliche Witwe von 56 Jahren, wollte nochmals ihr Glück in der Ehe versuchen. Ein Inserat in der Zeitung, in dem eine stattliche Witwe in den besten Jahren mit etwas Bermögen cine Herrenbekanntschaft suchte 3 weds späterer heirat, hatte den Erfolg, daß sie in kurzer Zeit nicht weniger als 80 Bewerbungsschreiben erhielt. Die engere Auswahl unter den Bewerbern fiel auf den Tischler Gustav Lorentat. Allerdings hatte dieser sich bei seiner Bewerbung nicht als einfacher Tischler, sondern als Werfführer einer großen Klavierfabrit mit gutem Einkommen bezeichnet. Wohlweislich hatte er seine dunkle Bergangenheit verschwiegen, und die Witwe ahnte nicht, daß Lorentat sich ein Gewerbe daraus machte, alleinstehende ältere Frauen, deren Bekanntschaft er gemacht hatte, zum Stelldichein fortzuloden und in ihrer Wohnung Einbrüche ausführen zu laffen. In diesem Falle wurde ihm die Sache noch leichter gemacht. Nach der ersten Bekanntschaft lud die Witwe ihn zu sich in die Wohnung zum Kaffee. Bei dieser Gelegenheit hatte sie ihren gesamten Brillantschmud, der einen Wert von etwa 2000 Mart hatte, angelegt. Schon am nächsten Tage tam der Heiratsbewerber um 9 Uhr früh nochmals zum Besuch. Berschämt entSchulbigte sich Frau L., daß sie im tiefften negligé überrascht worden sei, aber er wehrte ihre Entschuldigungsworte ab: 50 fehe ich die Frauen am liebsten". Der Zufall wollte, daß während des Frühstücs der Gasmann tam und auch ein neuer Wieter einzog. Die Zwischenzeit benugte Lorentat, die Fächer und Schränke zu durchstöbern, um sich des Brillantschmuds zu bemäch tigen. Bald verabschiedete er sich und hatte noch die Dreiftigkeit, die Witwe vor dem neuen Mieter zu warnen, damit ihr ihr Schmud nicht gestohlen werde. Seitdem hatte er sich nicht wieder sehen laffen. Erst nach längerer Zeit gelang es, den Schwindler festzunehmen. Er erhielt gestern von dem Schöffengericht mitte 1½ Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust. Glück im Unglück. Ein feltsamer Eisenbahnunfall. Der Bajeler Schnellzug stieß vor dem Pariser Ostbahnhof mit einer Rangierlotomotive zusammen. Zu diesem Unglücksfall werden jegt folgende aufsehenerregende Einzelheiten bekannt. Es stellte fich nämlich heraus, daß durch den Zusammenstoß mit der Lokomotive, der fälschlicherweise freie Fahrt" signalisiert worden war, eine fuhr nämlich in der Nähe des Ostbahnhofs, wo er fonft seine Fahrt. unabsehbare Ratastrophe verhütet wurde. Der Baseler Schnellzug geschwindigkeit ganz bedeutend verringert, mit einer Stunden. geschwindigteit von 115 Kilometer n, weil der Regulator nicht schloß, die Bremse nicht funttionierte und auch der Gegendampf, den der Führer gegeben hatte, wegen der außerordentlichen Fahrt geschwindigkeit, die der Bug nun einmal angenommen hatte, mirfungslos blieb. Selbst die Westinghousebremse hatte verjagt. Unter diesen Umständen hätte der Zug, wenn er nicht auf die Lokomotive gestoßen wäre, den Brellbod belfeite geschleudert und wäre in das Bahnhofsgebäude hineingefahren. Man glaubt, daß es in diesem Falle Hunderte von Toten gegeben und das große Eisenbahnunglüd in den Annalen der französischen Eisenbahn sich zugetragen hätte. So aber wurde durch den Zusammenstoß verhältnismäßig geringer Schaden angerichtet. Es wurden allerdings der Zugführer und ein Angestellter, der sich mit dem Führer im vordersten Bagen befunden hatte, getötet. Der Lokomotivführer wurde schwer verletzt und ist im Laufe des Tages seinen Berlegungen erlegen. Die Berlegungen der Reisenden sind zumeist unbedeutend. Die beiden Lokomotiven sind bei dem Zusammenstoß entgleift, wodurch der Anprall der beiden Züge gemilbert wurde. Lediglich ber Tender ber Rangierlotomotive wurde in den ersten Wagen des entgegenfahrenden Zuges hineingetrieben. Die Eisenbahngesellschaft hatte eine Untersuchung eingeleitet, die zu dem obigen Ergebnis geführt hat. Bon den 6 Zufahrtslinien des Ostbahnhofs find 5 durch die Trümmer der Wagen gesperrt worden, so daß fomohi der Vorort als auch der Fernverkehr gestern vormittag fast vollständig unterbunden waren. Sport. Rennen zu Ruhleben am Dienstag, den 28. Juli. 3. Starl Alexander( F. Schmidt). Toto: 51:10. Blaz: 14, 13, 21:10. 1. Rennen: 1. Wildkage(. Grube), 2. Chester Belle( Ch. Mius), Ferner liesen: Cypresse II, Mirabelis I, Baroneß Lybia, Diagonale, Barmaid, Federmelte, Lilac. 2. Rennen: 1. Quadrat( Ch. Mills), 2. Magowan fr.( Großmann). 3. Kohlenfönigin( B. Hedert). Toto: 17:10. BL: 10, 11, 11:10. Ferner liefen: Langmacher, Sir Gaid, Dele Marion, Edelreis. Grund zu haben, den Leuten, denen er Musik vormacht, feinen hat so einen starten Anreiz zur Preissteigerung geschaffen, sie bat 3. Matador I( Lichtenfeld). Toto: 21:10. 1.: 20, 23, 45: 10. Ferner wahren Namen zu verschweigen. Wie der Vorsitzende des Schöffengerichts nämlich feststellte, hat der Herr schon sehr erhebliche Gefängnisstrafen wegen Betruges, Sachbeschädigung und Pfand bruch zudiktiert erhalten. Herr Klockow erzählte dem Gericht aller dings eine lange Geschichte, nach der er bei Begehung der Straftaten nicht ganz gesund gewesen sein will, denn er hätte damals an den Folgen einer Kopfverlegung gelitten. Die Gefängnisstrafen hat er deswegen auch nicht verbüßen brauchen. Für seine musikalischen Produktionen hat sich Herr Klockow- Eichbaum für sich und fein Orchester eine Uniform zurechtgemacht, die einer Reichswehr. uniform sehr ähnlich sieht. Bor Gericht spielte der Angeklagte den sozialen Arbeitgeber. In der Zeit der schlimmsten Inflation hätten seine Musiker Schwierigkeiten bei der Beschaffung einer anständigen Kleidung gehabt und so ist er an die Reichswehr um Ueberlaffung alter, ausgebefferter Uniformen herangetreten. Was an Gerichtsstelle an Uniformen des Deutschen Tonfünstler- Orchesters zu sehen war, waren wirklich feine ausgebesserten Kleidungsstüde, sondern funfelnagelneue feldgraue Militär litewfen, wie fie jetzt noch bei jedem Reichswehrfoldaten zu sehen sind. Daß Herr Klodow- Eichbaum an den Kragen dieser Litewfen fleine filberne Lyren anbringen ließ und daß die Achselstücke mit einem schmalen fchwarzweißroten Band durchsetzt sind, hinderte viele feiner Zuhörer nicht, die Kapelle als eine Militärtapelle anzusehen. Das gaben zwei 3eugen, die früher bei dem Angeklagten in Diesten gestanden hatten, unum= wunden zu. Herr Klodow bestritt natürlich, eine Täuschungs. absicht gehabt zu haben. Die von ihm angekündigte Militärmufit fönne fich das Bublifum ordnungsgemäß ausgeführt nur von einem einheitlich, d. h. uniformgekleideten Drchefter denken. Deshalb habe er diesem Verlangen des Publikums Rechnung tragen müssen. Der Angeklagte beschwerte sich beim Gericht auch darüber, daß er bei seiner Absicht, den Deutschen wieder deutsche, nationale" Mufit bei zubringen, einen Kampf nach drei Fronten führen müffe. Das eine Mal fizen ihm die Gemertschaften, vor allem der Deutsche Mufiterverband, auf den Fersen, was allerdings verständlich ift, weil es für Herrn Klockom feinen Tarifvertrag gibt. Zum anderen feien aber auch die lintsgerichteten Boltstreise und die Konturrenz scharf hinter ihm her. Um allen Eventualitäten, die sich aus diesem Dreifrontentrieg" ergeben tönnten, gewachsen zu fein, trägt Herr Klodow neben seiner Militäruniform entweber einen aber nicht die geringste Vorkehrung dagegen getroffen, daß nun die zu erwartende Breissteigerung zu spekulativer Warenzurückhaltung, also zu ausgesprochenem Bucher, ausgenutzt wird. Es obliegt den Preisprüfungsstellen, hier Abhilfe zu schaffen. Daß fie es versuchen, beweist, wie notwendig diese Einrichtung noch jetzt ist. Denn sonst wären die Verbraucher schußlos den Preistreibereien mit wichtigen Lebensmitteln preisgegeben. Bei dieser Gelegenheit muß baran erinnert werden, daß innerhalb der Reichsregierung und innerhalb der preußischen Staatsregierung starte Bestrebungen im Gange find, die Preisprüfungsstellen radikal zu beseitigen. Dagegen muß fich die verbrauchende Bevölkerung mit aller Entschiedenheit zur Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 29. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 11 3. Rennen: 1. Florentiner( Ch. Mins), 2. Harry W.( Jaug jr.), liefen: Della, Frechheit, Baron Agworthy, Billi I, Harlekin, Fürft, Jeffries jr., Tajna, Gopal, Fenelon, Angriff. 4. Rennen: 1. Michelangelo( R. Treubera), 2. True For( Jauß jr.), 3. Koranna( F. Schmidt). Toto: 126: 10. BL.: 33, 16, 20:10. Ferner liefen: Johannistäfer, Ballontouigin, Erdmann, Interpellant. 5. Rennen: 1. Lump( M. Bauer), 2. Beitgeist( W. Holz), 3. Ddessa ( 3. Körting). Toto: 112: 10. B1: 30, 20, 22:10. Ferner Tiefen: Flora Bingen( E. Riele, Batschari, Barmaid, Klärchen M., Stapellauf, Frettchen, Fistus, Alpenfeg. 6. Rennen: 1. Hofmeisterin( Knöpnadel fr.), 2. Lybia Watts ( 3. Mills). 3. Dolerit( Rosenberg). Toto: 48:10. BI: 19, 21, 33:10. Ferner liefen: Baron Rushaga, Baron Gabler, Sylvia Stout, Freibeuter, Delos. Mins), 3. Boritha. Toto: 21:10. BL.: 26, 18:10. Gerner lief: Brogres. 7. Rennen: 1. Colonel Bosworth( Großmann), 2. Homer( Charlie 8. Rennen 1. Kronpring I( 2. Lemzer). 2. Altmark( B. Hedert), 3. Arion J.(. Lautenberger). Toto: 44:10. BL: 16, 20, 40: 10. Ferner liefen: Siegleicht, Charlotte Math., Dean Girl, Parilla D., Gladiator L M. P., Goriolanus, Schwarzwaldmabel 9. Rennen 1. Berdun(. Baabe). 2. Bring Abbell( B. Hedert), 3. Adler( Jürgeus). Tot.: 79:10. 31: 19, 21, 22:10. Ferner liefen: bisqualifiziert, 80 Broz. Blazweiten zurüd). Baron Agworthy, Mädel, Wasserfall, Heidemann, Franzisto( als dritter Corenz fordert den neuen deuffen Meifter Gofffried heraus. Soeben Fleisch- und Fisch- 2orenz den neuen deutschen Meister Billi Gottfried Hannsser zu erhalten wir bie Nachricht, daß ber borjährige deutsche Meister Billi Donnerstag, ben 30. Juli, in Treptow stattfindenden Abenbrennens par einer Revanche herausgefordert hat. Diefelbe foll bereits anläglich beam Entscheibung fommen. 5-6.30 Uhr nachm.: Fünftes Kinderfest der Funk- Stunde. 7 Uhr abends: Professor Dr. Paul Sommerfeld, Abteilungsdirektor am städtischen Kaiser- und Kaiserin- Friedrich- Kinderkrankenhaus Berlin: Vergiftungen und Uebertragungen von Krankheiten durch Nahrungs- und Genußmittel. 1. Vortrag. vergiftungen. 7.30 Uhr abends: Dr. Kurt Magnus: Die Steuern im August. 7.55 Uhr abends: Obermagistratsrat Dr. Clements: Die wichtigsten Bestimmungen des Aufwertungsgesetzes. II. Teil. 8.30 Uhr abends: Konzert: 1. a) Loewe: Odins Meeresritt. b) Der Nöck, c) Prinz Eugen( Leopold Alexander. Bariton). 2. a) Thomas: Arie des Wilhelm Meister Leb' wohl. Mignon", aus Mignon, b) Romanze des Wilhelm Meister aus Mignon".( Marcel Noë von der Staatsoper, Tenor). 3. a) Mozart: Arie der Konstanze aus Gärtnerin aus Liebe".( Sabine Meyen, Sopran). 4. a) Brüll: Lied Die Entführung, aus dem Serail", b) Arie der Sandrina aus„ Die des Bombardon, aus Goldenes Kreuz, b) Bungert: Bonn, c) Fürst: Der Wagen rollt.( Leopold Alexander). 5. a) Offenbach: Klein- Zack- Lied aus Hoffmanns Erzählungen", b) Puccini: Wie sich die Bilder gleichen aus Tosca".( Marcel Noë). 6. a) Rossini: Frühlingsstimmen- Walzer.( Sabine Meyen). Am Flügel: Professor Arie der Rosine aus„ Der Barbier von Sevilla", b) Joh. Strauß: Oscar Wappenschmitt. 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. . Die Hundert am Donnerstag in Treptow. Dieses Hatche Rennen tetrb nunmehr am Donnerstag, den 30. 3ult, abends 8 Uhr, in Treptow jeine alljährliche Bieberbolung finden. ie in den borbergebenden Bahren, so hat auch in diesem Jahre Die Hundert als Dauerrennen hinter Motorführung in zwei Läufen à 50 km eine erfiflalfige Belegung gefunden. An erster Stelle ift der bei der Berliner Radsportgemeinde lo bellebre Balter Sawallzu nennen, welcher fich gerade in Trepions stets von der beften Seite zeigte. Als weiterer Teilnehmer gilt der in Berlin ftets gern gesehene Franzose Jules Miquel Für den in Ausficht genommenen gewanom ist der Frankfurter Jean Beiß auf Grund feiner hervorragenden in Treptow immer ein gefährlicher Gegner ift, fo dürfte der blerte Seil Fabrweise am legten Sonntag in Dresben berpflichtet worden. Da Beig nehmer, Erich Möller, der allerdings beim letzten Treptower Rennen eine ganz hervorragende Fahrweise, zeigte, gegen dieje alterprobten Rämpen einen schweren Stand haben. Mittwoch 29. Mi 7925 Unterhaltung unö �Vissen Seilage ües Vorwärts Svenö Tpborgs Haus. von Grete ZNafsS. (Schluß.) Die Insel dort unten mit ihren Dillen und Hotels hat nicht mehr Platz, die Fremden zu beherbergen. Die müssen umher» schweife» und entlegene Plätze und Häuser aufsuchen. Selbst im Dorf ist jede Kammer besetzt von einem Gast und wo ein Haus steht, finden ssch auch Leute ein. die um Aufnahme bitten. Als Daniel an einem Abend vom Fischfang heimkehrt. HSrt er Kajsas Gesang schon draußen. Er ist nicht mehr dünn und leise wie das Zirpen einer Grille, sondern ein unbekümmertes Schmettern und ein jauchzendes, lustiges Trällern. Drinnen findet Daniel Gad« im Oberstock die singende Kajsa mit geschürztem Kleiderrock, auf- gekrempelten Aermeln, in der Hand die Scheuerbürste und umsprüht vom farbig schimmernden, schäumenden Seifenschaum. „Was soll'»/ fragt Daniel erstaunt,»daß du scheuerst und wäschst, hier oben, wo niemand wohnt?" Kajsa hängt sich an seinen Arm, leicht und leuchtend mit ihren vox Eifer glühenden Wangen, den fröhlich strahlenden Augen, dem blanken, weißen Hals mit einer kleinen glänzenden Kette, die sie noch nie getragen, seit sie eingekehrt in ßvend Tyborgs Haus. .Ich habe die Zimmer vermietet an Badegäste," sagt sie heiter. ..Wir werden Geld bekommen. Und Menschen werden um uns sein, Menschen." Sie hat sich losgelöst von ihm und steht da mit sehnsüchtig au«- gebreiteten Armen und einer Gier nach neuem Erleben im Gestcht. Dann taucht sie die Bürste in den Seifenschaum und scheuert an der Tür, die bald die einlassen soll, die von draußen kommen. Die Fremden sind eingezogen in den Oberstock. Ein Ehepaar mit dem Bruder der Frau. Tagsüber sind sie am Meer, dessen Schönheit und Gewalt anzustaunen sie nicht müde werden. Des Morgens aber und de» Abends sitzt die Frau auf der Veranda und schreibt mit engen, kleinen Buchstaben in ein Tagebuch, ihr Mann srtzt daneben und raucht und liest und der junge Mensche der Bruder der Frau, singt und klimpert auf einer Mandoline. Kajsa ist nicht wiederzuerkennen. In nichts gleicht fie dem Häufchen Elend mehr, al» das Daniel Gade sie aus dem Kranken- haus geholt. Ihre Augen sind so blau und tief, ihr nachgewachsenes Haar lockt sich braun um di« Schläfen und kräuselt sich im Nacken. ihr Mund ist rot wie purpurne Nelken..Will sie denn gar nicht altern?", denkt Damel Gad« und betrachtet im Spiegel die grauen Fäden, die sich durch sein eigenes Haar ziehen und die scharfen Falten um den Mund.»Sie ist doch nur vier Jahre jünger als ich. Aber sie blüht wie einst und di« Zeit geht an ihr vorüber, ohne ihr eine Spur zu hinterlassen." Draußen auf dem Meere sagen es die Fischer dem Daniel Gade, daß sein Weib es mit dem jungen Burschen hält, der in Soend Ty- borgs Haus zur Miete wohnt. Daniel Gade stiert vor sich hin. Das Netz mit Fischen in seinen Händen wird so schwer, als wolle es ihn niederziehen bis zum Grund. - Der Tor, der er war! Hat er wirksich geglaubt, Kassa würde sich ändsrn und würde Treue hallen. Kajsa. die nie altert, die ewig glüht und blüht und deren Lachen wie Taubengirren klingt? Ein Schmerz ist in seiner Bnlst, den er kennt. E» ist derselbe Schmerz den er vor siebzehn Jahren empfunden, bis er Schluß gemacht, Kajsa verlassen und sich angesiedell in Soend Tyborgs einsamem und finsterem Hau». Nun liegt er in allen Nächten wach, starrt ins Dunkel und wälzt seine Gedanken hin und her. Neben ihm geht der ruhige Atem der Frau, die ihn wieder betrügt wie vor Jahren, die mit dem blonden, jungen Burschen in die Dünen läuft und sich herzen und küssen läßt. Kajsa hat kein Gewissen, Kajsa keunt keine Reue. Ihr Atem geht darum nicht schwerer, weil sie Unrecht tut. ihr Herz schlägt nicht ängstlicher, weil es voll Schuld ist. Unbekümmert und sorglos liegt sie in den Kissen und lächelt im Traum wie ein un- schuldiges Kind. Daniel Gade aber denkt daran, daß auch Soend Tybor; dess« Haus er bewohnt, viele hundert Nächte grübelnd im Dunkeln ge- legen. Auch Soend Tyborg mag in den Ecken des Zimmers dunkle Tiere, uralten Meerungeheuern gleich, gesehen haben, die sich be- wegen und drohend emporrichten. Auch Soend Tyborg mag auf die Atemzüge der ungetreuen Frau gelauscht hoben, mag von ihren träumenden Lippen den Namen des anderen gehört, mag die Hand ausgestreckt und die Finger an die Kehle der Schlummernden ge- legt haben, kämpfend mit dem Wunsche, zuzudrücken. Auf einmal ist er dem fremden Manne so nahe, fühlt alles, was er gefühlt. leidet alles, was er gelitten. Nur gegen das Letzt« wehrt er sich noch. Eine Frau hmabschleudern von den Klippen in da» Meer, sehen, wie die Kreise des Wassers sich schließen über ihrem Haupt, sehen, wie die großen Wogen gleichgültig hinrollen über ein srsches Grab. Nein! Nein! Das nicht! Das nicht! Aber die dunklen Gewalten in seiner Bnist schlafen nicht ein. Tagsüber, in den Dünen oder auf dem Meere, da geht es ja. Aber sobald er im Hause ist, beginnt es In seinen Schläfen zu hämmern. Vom Hause au» strömt der Seist Soend Tyborg» in ihn hinein. Von den Treppen, den Stiegen, den Eimsen, den Mauern, den Balken scheint auszuglühen, was in diesem Hause einmal ein Feuer gewesen und ein Brand,«s ist ihm. als kröche sein eigenes Selbst immer mehr in sich zusammen, säße irgendwo zusammengekauert und zusammengezogen und Soend Tyborg nähme von seinem ganzen Leibe Besitz. Soend Tyborg ist es. der im Finstern ein kleine, Kätzchen abwürgt, das der junge Bursche Kajsa ins Haus gebracht. Soend Tyborg ist es. der in den dunkeln Winkeln des Hauses lauert. bereit, mordend h-rvorzustürzen. wenn er Kajsa in den Armen des Jungen findet. Soend Tyborg ist es. der sich schlaflos in den end- losen Nächten auf dem Lager wälzt, die Faust hebt und in sich die Gier bezwingen muß. sie nicht niedersausen zu lassen auf die Stirne d«r Schlafenden., Der Daniel Gade in ihm kämpft gegen den Soend Tyborg in ihm. aber Soend wächst und seine Macht hat keine Grenzen mehr. Und in einer Nacht, da fühlt er. nichts in ihm ist mehr Daniel Gade. alles ist Soend. Er steht auf und nimmt die Schlafende empor. Die schlägt erschrocken die Lugen auf und beginnt zu wimmern, wie sie über sich das entstellte Gesicht sieht. Es hängt wie eine Gewitter» wölke über ihrem Haupte, seine Blicke sind Blitze und sein Atem«in Keuchen, der nichts Menschliches an sich hat. Und er stößt mit dem Fuße die Haustür auf und geht den Weg. den einmal Soend Tyborg gegangen. Der Wind der Nacht braust um ihn her und die Dünen ruhen grau im Mondenlicht. Langsam schreitet er aufwärt» und hört da» Rauschen des Meere» näher und näher. Er steht aus der Klippe und will die Arme heben, die Ungetreue hinabzuschleudern iß den Grund. Aber da regt sich der Daniel Gade in ihm. Kajsa! Kajsa hat er doch einmal geliebt mit aller Kraft! Kajsa muß er noch einmal ins Angesicht sehen, bevor das Meer sie empfängt. Und wie er auf die Frau in seinen Armen schaut, sieht er, daß er eine Tote trägt. Der Herzschlag muh sie getroffen haben mitten In ihrer ungeheuersten Angst, denn ihre Züge tragen den Ausdruck namen- losen Entsetzens. Langsam läßt er die Tote niedergleiten auf den Boden. Der fremde Geist weicht von ihm und alles, was sich in Soend Tyborgs Haus in ihn hineingewühlt und hineingefressen. Schluchzend wirft sich Daniel Gade, der schwache, hilflose, gutmütige Mann, der sich niemals rächen, der immer nur verzeihen und dulden konnte, nieder und küßt Kajsas kalten, angstverzerrten Mund. Dann springt er von der Klippe herab ins Meer. Monömärchen. .haben 5e wak verloren, del Se so emsig kieken?" .Ach. ich suche einen sozialen Gedanken in der 5leuer- vorläge der Retterregierung." ' die Verzauberung öer Namen. von Lola Landau. Namenlos sind die Bäume im Walde. Dicht aneinander- fedrängt, Scharen an Scharen, im Gelock des Laube» oder schwarz- trähnig mit struppigen Schöpfen wiegen sie alle nur den einen großen Himmel. Namenlose Wiesen verlieren sich in Wäldern, Wälder verirren sich in tieferem Dickicht. Namenloses Geriesel des Wassers, das durch Dunkel und Helle, hierhin und dorthin schlüpft! Keinen Namen kennt die große Natur, und in ihren unendlichen Windungen und Derschlingungen findet die Einzelseele sich selber nicht wieder. Aber betritt der Mensch die stummen gespenstischen Stätten der Wildnis, so will er alle Wesen dem Schweigen entreißen. In Grauen und Ehrfurcht vor diesem Versinken des heißen selbstischen Lebens im Allrausch, das ihn selbst erst im Tode lockt, möchte er doch diese Gebannten, diese keuchenden Leiber der Bäume, diese brennenden Münder der Blumen dem Vergessen entwinden und zu seinem menschlichen Jchglück erlösen. So leiht er ihnen sein eigenes menschliches Gefühl und gibt ihnen Namen. Nie hat er zartere, schönere gefunden, nie aus sich selber tiefer das Innerste geschnitten. Und um die Bäum«, behängt mit dem glitzernden Schmuck der Namen, um diese umschwärmten Plätze wittert von nun an die ge- heimnisoolle Lust menschlicher Schicksale. In unserem Dorf«, das nichts ist als eine Lichtung, die Menschen mitten in den Wald geschnitten haben, gibt es wundersame Namen der Landschaft. Wer kennt dort nicht die„Zärtliche Buche", so berühmt wie Julia, die große Liebende, die sich dem Sohne des verfeindeten Hauses untrennbar vermählte. Liebend umschlingt„die zärtliche Buche" eine hohe Kiefer mit ihren herrlichen Armen. Drei- mal, von dem Erdboden bis zu dem zitternden Gipfel des Baumes umwinden ihre Aeste den Stamm der Kiefer in einer umkreisenden, schließenden Umarmung, während der Nachbarbaum sich leise in der gleichen erhabenen Höhe an sie lehnt. Nicht anders sieht es aus, als preßte„die zärtliche Buche" leidenschaftlich ihren Geliebten an sich, um ihn nie wieder aus ihren Armen zu lassen, ihn, den Kiefern- sproß, den Stämmling einer fremden Rasse, welche mit ihrer Familie auf Tod und Leben um jeden Wurzelbreit Boden kämpft. Aller Feindschaft ihrer Geschlechter spottend, in strotzendem Jubel der Schönheit und des Wachstums ragen die beiden unlösbar Ver- schlungenen aus demselben schmalen Erdbett auf. Dicht schmiegt sich die glatte silbrige Haut an die rauhere, das helle Geriesel der Laub- haare umspielt das düstere ernste Haupt. Vor diesem Wunder mögen Liebende in glücklichem Staunen stehen bleiben. Aber sie wissen nicht, daß sie auf demselben Wege, der sich wie ein grüner Knäul am See entwirrt,«ine Schwesterbuche treffen werden, die zu einem furchtbaren Morterstein der Liebe ge- worden ist. Man nennt sie die„S e l b st m ö r d e r b u ch e". Denn an ihrem Stamm tötete sich«in Liebender, als das heiße Lachen seiner Geliebten hinter einem anderen herlief und ihn mit tausend höhnischen Echos umgellte. Zusammen mit einer Freudesschar war er an einem Sonntagsmorgen ausgezogen, vielleicht mn in dem weiten Atem der Wälder die gräßliche Beklemmung der Eifersucht zu verlieren. Aber gerade hier zerriß ihn das schamlose Lachen der Frau wie ein wildes Tier, dos aus dem Dickicht springt. Er blieb etwas zurück hinter dem lärmenden Zug der Wandernden. Dort auf offenem Wege, in seinem Jammer ganz den hellen lächelnden Augen des Sees entblößt, hob er die Waffe gegen sich. Das Blut spritzte hoch gegen den Stamm der Buche. Sieht man nicht jetzt noch den Blutfleck auf der Rinde? Moos und grüne Flechten sind darüber gewachsen: und doch ist dieser Baum nun für immer gezeichnet wie ein Galgen und mit Blut geimpft, daß die Blätter sich dunkelrot färben müßten. Vielleicht aber war die„Selbstmörderbuche" die Trösterin des Verzweifelten. Sie war das letzte lebende Wesen, an das er den Kops legte, in ihr Blätterrauschen mischte er sein Flüstern. Sein letzter Blick sah in den wehenden grünen Himmel ihres Laubes. Auf dem Rückweg gehen wir an dem„Bahnhof" vorüber. Aber welche Totenstille! Kein Lärm, kein Gewimmel von Stimmen und Rufen erfüllen uns mit der Erregung der Reise. Ist dieser Bahnhof ausgestorben oder niedergerissen? Nein, hier gespenstert nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Dieser Bahnhof ist nur ein breites viereckiges Brachfeld, mit Baumstämmen besät, das vor Iahren abgeholzt wurde, um für das Dorf den lange ersehnten Dahnhof zu bauen. Aber der Krieg und Nachkrieg verhinderte bis heute den Bau der Bahn, und nur das Getriller, di« Schreie und Pfiffe der Vögel streichen über den Bahnhof und geben die Signale ihrer unbezähmbaren Reiselust. Aber die Zukunft geht hier um. Nachts, halb im Traum hört man bisweilen da« gespenstische dumpfe Rasseln von Wagen, gellende Pfiffe und da» dunkle Getöse der Lokomotive, die durch den Wald braust, um ihre Still» mit dem großen Laut der Welt aufzureißen. Ehe wir in das Dorf zurückkehren, steigen wir noch einmal einen kleinen Wiesenhügel hinauf zum„Mutterblick". Gibt es etwas Liebevolleres, Zärtlicheres als diesen Namen? Dort überschaut man alle Häuser, die sich wie Kinder nebeneinander in einem halboffenen Kreise aufgestellt haben. Dort leuchtet der rote Kopfputz eines zier- lichen Hauses, die Fenster blinzeln golden in da» Abendlicht. Es ist der Blick einer unsichtbaren Mutter, die vom Hügel aus all« Wesen in Liebe behütet und umfängt. Der Blick der Mutter, der mit klarer Milde olle» sieht und durchdringt. Hier oben am„Mutter- blick" ist keine Unruhe vom Walde zurückgeblieben, und dt« Landschaft schwingt in leisen Wellenlinien am Rand« der Wolken auf und nieder. Und doch ist dieser Mutter ein Kwd entlaufen, und chr Blick sucht vergeblich den„Verlorenen Sohn". Wo hält er fich verborgen?„Der verlorene Sohn" ist eine versteckte Waldwiese, von Wasser burchstckert. von wildem Kraut überwuchert. Hier wächst die Brennessel in Büschen, brennende Ranken schleichen wie Schlan- gen am Boden, aber auch der ganze bunt« Schaum der Blumen tollt durcheinander. Denn der Boden ist feucht, fast morastig, fo daß es scheint, die Wiese wird einmal ganz in den See versinken, der sie mit seinen spitzen Wellenzungen umschmeichelt. Kehrt der ver- loren« Sohn zu der Mutter zurück oder geht er hinab zu den Schllsgöttern, den Sumpsgeistern? Noch einmal sehen wir vom MutterbUck hinab in das Dorf. Mit den zauberischen Namen der Urschicksale schmückten diese Menschen ihre Landschast aus. Liebe, Tod, Mutterschaft, die großen Gewallen des Lebens wachsen nun in Rinde und Blüte weiter und können nicht oergehn._ Geographie der Kleidung. Die Stoffe und Sachen, die aus „fernen Gegenden" kamen, waren in alter Zeit natürlich besonders kostbar, und deshalb nur von den Reichen erschwinglich. Heutzutage trägt jede Frau Sachen an sich, die aus fernen Weltteilen stammen, und die wenigsten denken daran, wie weit die Rohstoffe oder Fabri- kate reisen muhten. Immerhin ist die„Geographie der Kleidung". di« beständig bereichert wird, ein interessantes Kapitel. Die Motive der heute so beliebten Stickereien stammen vielfach au» dem Orient. aus Indien, aus China, aus Aegypten. Die billigen Lederhand- schuhe werden hauptsächlich aus Lammfell hergestellt, aber die elegantesten Glacehandschuhe kommen von lappländischen Renn- tieren und österreichischen Gemsen. Manche Stosfe künden schon in ihrem Namen Ihre weite Herkunft an. So heißt Kaliko nach der südindischen Stadt Kalkutta, aus der der beste Kaliko kam, bevor sich englische Und deutsche Fabriken der Herstellung annahmen. Der Musseline wurde ürsorünglich aus Mosul eingeführt, der großen Handelsstadt an den Ufern des Tigris. Die Bezeichnung Serge weist auf China als Geburtsland hin, denn das Himmlische Reich hieß früher das„Land der Serer" und China lateinisch Serica, wovon Serge abgeleitet ist. Die große Zahl französischer Namen für Mode- stofse zeigt, daß viele Stosfe von dort ihren Ausgang genommen haben. Die Seid« der Damenkleider stammt in seltenen Fällen aus dem fernen Osten, aus Indien und Japan, meisten» aus Italien, Frankreich und der Schweis Die Wolle sür unftre Kleider stammt vielleicht aus Nordamerika oder au» den Hinterwäldern von Australien, und bei Pelzen und Edelsteinen, bei Federn, Reihern ist es die ganze weite Welt, die geplündert wird. Japanische Schildkrökensarmen. Ein Tierbostand von 60000 Köpfen ist sicher für einen lottdwirtschafllichen Betrieb«in unge- wohnlich stattlicher, ja riesiger Besitz, den man am allerwenigsten in der japanischen Landwirtschaft suchen würde. Es bandest sich aller- dings nur mn 60 000— Schildkröten, di« auf einer Farm nahe Tokio leben und gedeihen. Sie produzieren jichrlich 100 000 Eier. die auf dem japanischen Markte als Leckerbissen sehr geschätzt werden. Daneben sichern ober die Schildkröten mit ihrem Fleisch und ihrer Panzerschole dem klugen Manne, der sich ihrer Zucht gewidmet hat, einen sehr ansehnlichen Ertrag, der obendrein ziemlich mühelos ge-- mannen wird. Eine ähnliche Form befindet sich in Mufaka. Hier wird die Schildkrötenzucht jedoch nur als Nebenberuf neben der Vieh- zucht betrieben. Sie beschränkt sich überdies ausschließlich aus die Züchtung von Schildkröten indischer Herkunft, und zwar wird nur eine einzige Art gezüchtet, die wegen ihres hochwertigen Schildpatts besonders geschätzt wird. welche Gegenden der Erde sind noch unerforscht? Man sollte es kaum glauben, daß noch ein volles Siebentel der Erdoberfläche ganz m, erforschtes Land ist. Selbst wenn man von den mit ewigen, Schnee bedecken Nord- und Südpolargegenden absieht und nur be- wohnte oder doch wenigstens degangen« Gegenden ins Auge faßt. bleibt immer noch ein rundes Zehntel übrig, das auf unseren Karten als kahle Stell« erscheint, weil noch kaum ein Forscher seinen Fuß hineingesetzt hat. Da» größte bisher unerforschte Gebiet liegt in Arabien. Es umfaßt etwa 600 000 Quadratmeilen, ist also fast doppelt so groß wie das Deutsch« Reich und liegt im Innern der Halbinsel. Kaum ein Forschnngsreisender ist bisher in das Innere dieses Gebietes gedrungen und zuverlässige Angaben über Boden- beschaffenheit, Bewohner, Flußlaufe fehlen ganz. Di« Küsten- bewohner sprechen von einem„Voll der Leere", das da wohnen soll. für Herrn Preiswerte Angebote den Mengenabgabe vorbehalten Kragen Perkal- Oberhemd master 550 Herren- Bekleidung Schillerhemd das Zephir 690 Herren- Anzüge Panamahemd Schillerkragen..... Qualität, mit weiss, 750 50 aus soliden Stoffen, in guter Verarbeitung... 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Graveur- und 3ijeleurlehrlinge Am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, findet bei Ewald, Staliger Str. 126, unfere Versammlung statt, zu der alle Lehrlinge erscheinen müffen. Die älteren Kollegen werden gebeten, die Jugendlichen darauf anfmerksam zu machen. KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 0,10 Goldmark, Fettgedrucktes Wort 0,20 Goldmark( zulässig 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche das 1 Wort( fett) 0,10 Goldmark, jed.weitere 0,05 Geldmark. Worte mit mehr als 15 Buchstab.zähl doppelt. Eine Goldmark== 1 Dellar geteilt durch 4,20 Anzeigen, welche für die nächste Hammer bestimmt sind, müssen bis spätestens 4 Uhr nachmittags in der Haupt- Expedition des Verwärts, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Dieselbe istwochentags von morgens 9 Uhr bis nachmittags 50hr ananterbrochen geöffnet. Verkäufe Kaufen Sie jetzt! Ihr Vorteil! PIOschmäntel 140.- 105 88.- 65.65 48- Astrachanmäntel 550.- 398.- 295.- Pelzjacken. 27 54.- 33.125.Extra- Abteilung: Trauer- Magazin.= Westmann 1. 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Die A b st i m m u n g c n sollen immer nach Beendigung der Beratung einer Paragraphengruppe stattfinden. Das Haus wendet sich der Beratung der ZZ 2—5 des(Einkommen- steuergefeges zu, die die Steuerträger bezeichnen und die steuerbaren Einkünfte auszählen. Abg. koenen(Komm.) sieht schon in diesen Paragraphen den Klassencharakter der ganzen Dorlage, der sich in der schonend- individuellen Behandlung der Besitzenden und dem schonungslosen Scheinatismus bei Behandlung der Lohnsteuerpflichtigen zeige. Die Kommunisten mutzten schon diesen Gesetzesteil ablehnen. Abg. Dr. Aischer-Köln(Dem.) fragt die Regierung, ob sie nicht doch eine Ermächtigung in das Gesetz hineinnehmen möchte, duicki die sie bis zum 31. Dezember 1330 die unbeschränkte Steuer- rfü t der Ausländer, die in Deutschland irgendwie an Geschäften beteiliat sind, erweitern könnte. Staatssekretär Popitz vom Reichsfinanzministerium wendet sich geben diese Anregung. Damit schließt die Beratung über die Paragraphengruppe 2 bis 5. Das Haus stimmt diesem Teil des Gesetzes gegen die Kommunisten zu. Zu den§§ 6— 14, die die zur Einkommensteuer herangezogenen Einkünfte behandeln, begründet Abg. Frau Psülf(Soz.) einen sozialdemokratischen Antrag, wo- ach die Abfindungssummen, die an die durch den Per- ' n a l a b b a u ausgeschiedenen verheirateten Beam- nnen gezahlt wurden, nicht der Besteuerung unterliegen sollen. r Staat hat nur ganz geringfügig« Absindungen gegeben, und Reichsfinanzminister hat selbst erklärt, daß sie steuerfrei bleiben '.-n. Der sozialdemokratisch« Antrag entspricht daher nur einer iaen Forderung. Nachdem ein Regiernngsvertreter erklärt hat, daß : Verordnung im Sinne des sozialdemokratischen Antrages er- m werden soll, zieht die sozialdemokratische Fraktion ihren Antrag ick. Abg. Dr. Fischer(Dem.) beantragt, im§ 14 zu sagen: Die auf 'und der Pcrsonalabbauoerordnung gezahlten Abfindungssummen üerliegen der Einkommensteuer nicht. Der Redner beantragt -eiter. daß den im Auslande tätigen Deutschen, die ihren bohnsitz in Deutschtand behalten, die im Auslande gezahlte Steuer '>f die deutsche Einkommensteuer angerechnet wird. Der Antrag .vird abgelehnt. Die Z8 K— 14 werden unverändert angenommen. Bei der gemeinsamen Beratung der§§ 15 und 16 beantragt Abg. Schaffner(Soz.), ,m§ 16 die Streichung der Absätze. wonach zu den Werbungskosten auch gehören sollen die nach '■cm Aufbringungsgesetz vom 30. August 1924 ,u entrichtenden Sohresleistungen und die auf Grund des 8 4 des Gesetzes über die N-ntenbankslbeine vom 30. August 1324 zu entrichtenden Grund- i b u l d z i n s e n. Durch diese Bestimmungen würde da» wieder znuichle gemacht werden, was durch die Aufwertung den Neiuen Gläubigern und Sparern gegeben worden sei. Sie Inflationsgeschädigten werden bald genug von der„Rettung� oben und sich jetzt nach einem neuen Retter umsehen. Die Bevor- ,z"gung der hier in Frage kommenden«reise könne man sich nur si erklären, daß entweder die Finanzlage des Reichs nicht so schlecht f?i, wie es bisher dargestellt wäre, oder die Regierung fühlt sich so sehr als Hüter der kapitalistischen Interessen, daß sie aus diese Einnahmen verzichten kann. Man müsse die starke Vermutung haben, daß das letztere den Tatsachen entspräche. Die sozialdemokratischen Aenderungsanträge werden abgelehnt und die§8 15 und 16 unverändert an- genommen._.. 8 17 behandelt dieabzugsfähigenSonderlclstungen. Äbg� Neubauer(Komm.) beantragt die Streichung der Besinn- mung, daß die Kirchensteuern al« abzugsfähige Sonderleistun- gen gelten. Abg. Staad(Soz.) begründet einen sozialdemokratischen Antrag auf Streichung des Absatz 6 im§ 17, wonach Zuwendungen an Unterstützungs-, Wohlfahrts- und Pensionskassen des Betriebes steuerfrei bleiben, wenn die dauernde Verwendung für die Zwecke der«asten ge- sichert sei. Diese Bestimmung würde eine ungeheuerliche Begünstigung der Industrie bedeuteten. Durch den stän- l iaen Hinweis auf die Unterstützungs-, Wohlfahrts- und Pensions- krsten sollen die Arbeiter abgehalten werden, sich mit der Verbesse- rung ihrer Lebenshaltung zu befassen. Mit diesen Einrichtungen werden die Arbeiter an den Betrieb gefesselt und ihrer Freizügig- »eit beraubt. Es ist kein Zufall, daß die Unternehmer auf allen Tagungen gegen die Sozialgesetzgebung Sturm laufen, dagegen ihr« Unterstützungskasten aufrecht erhalten wollen. Wenn die Regierung wirklich ein soziales Gewissen hätte, dann müßte sie dafür sorgen. daß die Sozialgesetzgebung bester ausgebaut wird, damit würde sie n-ich den mittleren und kleinen Unternehmern nützen. Bei dieser Bestimmung kommt nur das nackte Interesse des Unter- n e h m e r« zum Durchbruch. Die Regierung hat im Ausschuß erklärt, daß sie mit diesem Bdchluste nur dann einverstanden sei, wenn sie die Gewißheit babc daß damit kein Mißbrauch gelrieben werde, wir haben nicht' das vertrauen zur Regierung, daß sie diesen Mißbrauch verbülen wird, wenn Mittel zur so,ialen Fürsorge vorhanden find bann bauen Sie doch die Sozialgesetzgebung au».(Bravo! '' bei den Sozialdemokraten.) Unter Ablehnung der Aenderungsanträge wird§17 in der Attsschußfastung angenommen: ebenso werden unverändert an- �"°Aba�Dr'° Fischer�Dem.) beantragt die Einfügung eines§ 23a. wonach bei Gewerbetreibenden, die Handelsbücker fuhren, der zu versteuernde Gewinn nach dem D u rchf chnitt der m den her Veranlagung vorangegangenen drei Wirtlchafts- jähren berechnet werden soll..» e. � ,r-\ Di« Abgg. koenen(Komm.), Dr. Beusch foS, Dr. Hertz(ooz.) und Staatssekretär Popitz wenden sich gegen den Antrag. � Abg. Dr. Hertz(Soz.) bezeichnet es als einen Beweis der Ver- ontwortungslosigkeit der«Regierungsparteien, daß auch Abg. Ke». nath von der Deutschen Volkspartei den gleichen An- trag eingebracht hat. ohne ihn freilich zu begründen, wenn so eine prinzipielle Unterscheidung zwischen Lohnsteuer, und Veranlagung«. Pflichtigen gemacht wird, dann werde auch die Sozialdemokratie für die vollständige Beseikigung der Lohnsteuer kämpfen. Abg. Reubauer(Komm.): Der Antrag Keinath sei nur gestellt moroen, damit die Deutsche Dolkspartet bei ver nach st en Wahl nicht die Korruptionsgelder der Industrieverliert.(Unruhe und Protestruse rechts.s E s i st doch nicht zu bestreiten, daß die Lolkspartei der Industrie für einen großen Betrag das Mandat t,»»»ogeordueteu hug» verkauft hat.(Unruhe recht».) Die Unruhe steigert sich. Abg. Winnefeld(D. Vp.) macht dem Redner erregte Zurufe. Bon den Kommunisten wird Winnefeld zu- gerufen:»Hall's Maul, du Dicksraß, du Renommierprolet!" Ab- geordneter Winnefeld ruft dagegen laut:„Ich habe länger gearbeitet als Sie!"— Im Hause bilden sich erregte Gruppen. Vizepräsident Dr. Bell schafft schließlich Ruhe durch die Androhung der schärfsten geschäftsordnungsmäßigen Maßnahmen. Die gleichlautenden Anträge Dr. Fischer(Dem.) und Seinalh (D. Vp.) werden darauf gegen die Stimmen der Dolkspartei und der Demokraten abgelehnt. Die KZ 30 und 31 werden unverändert angenommen. § 32 der Regierungsvorlage wollte die Besteuerung bei der Veräußerung eines Gewerbebetriebes dann ein- treten lasten, wenn der Veräußerungsgewinn den Betrag von 5000 Goldmark übersteigt. Der Ausschuß hat die Grenze für die Steuerfreiheit bis zu 25 000 M. erhöht. Die Sozialdemo- traten beantragen die Wiederherstellung der in der Regierungs- vorläge vorgesehenen Grenze von 5000 M. Die Kommunisten beantragen die Streichung des ganzen Paragraphen. Sie haben dazu namentliche Abstimmung beantragt, die um 7 Uhr abends stattfinden soll. Die Demokraten beantragen dagegen ein« Aenderung der Fastung in der Weise, daß der Veräußerungsgewinn besteuert werden soll,„soweit" er den Betrag von 25 000 M. übersteigt. Dieser Antrag wird von den Rednern der Kommunisten und Sozialdemokraten scharf bekämpft. Abg. Schlicke(Soz.) weist darauf hin. daß auch die Regierung der Meinung ist, durch den Ausschuß- beschluß würden Schiebungen«eilgehender Art mägllch sein. wenn man die Absindungen der abgebauten Besralen znr Besteuerung heranziehe, so sei es nur recht und billig, wenn auch diese veräußerungsgewinne der Einkommensteuer unterliegen. Der kommunistische Antrog auf Streichung des§ 32 wird ab- gelehnt. Beim 8 34 wird«in Antrag der Sozialdemokraten und Kommunisten, der durch eine andere Fastung Steuerhinte r- Ziehungen in den inländischen Zweigstellen eines ausländischen Unternehmens oerhindern will, im Hammelsprung mit 241 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Die Kommunisten und die meisten Sozialdemokraten haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt. 8 34 wird unoerändert angenommen. Ilm 7 Uhr wird daraus namentlich abgestimmt über de« Antrag aus Wiederherstellung der Regierungsvorlage im§ 32. d. h. auf Begrenzung de» steaersreiea Veräußerung»- gewinn? auf 5000 ZN. statt 25 000. Die Sozialdemokraten. Kommunisten and völkischen stimmen für den Antrag, die Zeu- trumsabgeordneten enlhalken sich der Abstimmung. Der Aalrag wird mit 162 gegen 153 Stimmen bei 72 Eulhal- langen abgelehnt. Der Antrag Dr. Fischer(Dem.) zum 8 32 wird gleichfalls abgelehnt. Beim§ 37. der den Begriff des SapitalvermSgens definiert, de- gründet Abg. Schneider-Berlin(Dem.) einen Antrag, der kapital. ver mägens steuerfrei lasten will Zinsen auf Kapitalforde- rungen jeder Art bei Sparkasten, Banken und anderen Kreditanstal- ten, soweit sie bei einem Gesamteinkommen des Steuer- pilichtigen von weniger al» 8000 M. jährlich den Betrag von 300 M. nicht übersteigen. Die Kompromigoorlage kennt in diesem Falle keine Grenze für eine Steuerbefreiung. Staatssekretär Vopch wendet sich gegen den demokratischen Antrag, weil er eine einseitige Bevorzugung eines Teiles des Ein- kommen? bedeute und das Steuerprinzip oerletze. Abg. Dr. Hertz(Soz.) kann diesen Standpunkt der Regierung nicht anerkennen, weil die Regierung diesen Grundsatz bei den Leräußerungsgewinnen und Leistungsgewinnen euch durchbrochen habe. Di« Sozialdemokraten müßten in diesem Augenblick allerdings gegen den Antrag stimmen, weil bei der Lohnsteuer auch keine Ausnahmen beständen. Der demokratische Antrag wird gegen die Stimmen der Antrag- steller abgelehnt, die Bestimmungen der Vorlage angenommen. Es folgt die Besprechung des 8 41 usw., der die Leistungsgewinne aufzählt. Abg. höllein(Komm.) begründet einen Antrag, der die Frei- lassung eines Betrages oon 500 M. bei der Besteuerung von Leistungsgewinnen, wie sie die Vorlage bestimmt, streichen will. Der kommunistische Antrag wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten und Kommunisten abgelehnt. Die Fastung der Vorlage findet Annahme. Bei Beratung der§§ 42 und 43, die die Besteuerung der V e r- äußerungsgewinne regeln, beantragt Abg. Simon-Schwa- ben(Soz.) Wiederherstellung der Regierungsvorlage, die. gegenüber der Kompromißfassung, eine breitere Basis für die Besteuerung bietet. Abg. Neubauer(Kamm.) begründet einen ähnlichen Antrag. Beide Antragsteller wünschen namentliche Abstimmung, die bis 9 Uhr ausgesetzt wird. � � § 49 besagt, daß auch der Verbrauch an Stelle des Em- kommen? der Besteuerung zugrunde gelegt werden kann, wenn das festgestellte Einkommen eines unbeschränkt Steuerpflichtigen in einem offenbaren Mißverhältnis zu seinem Verbrauch steht. In der Re- gienmgsvorlage stand statt dieser«ann-Borschrift eine Ist-Vorschrist. Abg. kulenkampfi(D. Dp.) begründet dazu unter großem Lärm der Kommunisten einen Aenderungsonirag, wonach der Verbrauch nur als steuerbares Einkommen zugrundegelegt werden kann, soweit der Steuerpflichtige nicht nachweist, daß er den Verbrauch aus steuerfreien Einkommensteilen oder au« seinem Vermögen bestritten habe. Abg. Dr. Fischer(Dem.) stellt den gleichen Antrag. Staatssekretär Popitz bittet um Ablehnung beider Anträge. Abg. Dietrich(Soz. wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Kulenkampff und beantragt Wiederherstellung der I st- B e st i m in u n g der Regierungsvorlage. Abg. Dr. Reubauer(Komm) bekämpft gleichfalls die Anträge Kulenkampfi und Fischer. Zur namentlichen Abstimmung gelangt ein s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e r Antrag, der im 8 49 bei der Besteuerung nach dem Verbrauch die Regierungsvorlage insofern wiederherstellen will, als er die„Kann"-Vorschrift des Kompromißbeschlusies für die Zu- grundelegung des Verbrauchs bei der Besteuerung wieder in eine .,Jst"-Vorschrift verwandeln will, wenn das festgestellte Einkommen eines unbeschränkt Steuerpflichtigen in offenbarem Mißverhältnis zir seinem Derbrauch steht. Ferner wollen sie die Anwendung dieser Vorschrift, wie die Regierungsvorloge, schon bei einem Ver- brauch von 8000 Mark jährlich anwenden, während das Kompromiß sie erst bei einem Verbrauch von 15 000 Mark wünscht. Die namentliche Abstimmung ergibt mit 238 gegen 145 Slim- men die Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages. Auch die erwähnten Anträge Kulenkampfi und Fischer werden gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Dann nimmt das Haus die rückständigen namentlichen Ab- stimmungen über die Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten auf Wiederherstellung der Rezierungsvor- läge bei der Besteuerung der Einkünfte aus Ver- üub«r»«g»g«schäste« vor. Gegenüber der Kompromiß- fassung hatte die Regierungsvorlage eine breitere Basis zur Er- sastung von Beräußerungsgewinnen gelassen. Die Kommunisten wollen außerdem im Gesetz zum Ausdruck bringen, daß jeder Grund- ftücksverkauf als Spekulationsgeschäft zu bewerten sei. Die über die Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten gemeinsam vorgenommene nameMliche Abstimmung ergibt ihre Ablehnung mit 239 gegen 145 Stimmen bei einer Stimm- enlhallung. Unter Ablehnung aller Aenderungsanträge werden die Be- stimmungen der Kompromißvorlage aufrechterhalten. Noch 9,30 Uhr beantragt Abg. kosnen(Komm.) die Vertagung des Hauses. Mit den Stimmen der Linken und eines Teiles des Zentrums wird dieser Antrag angenommen. Das Haus oertagt sich auf Mittwoch 1 Uhr: Weiterberatung. Follausfchuß. Tie Verteilung des Gefrierfleisches. Im weiteren Verlauf der gestrigen ZollauSschußbe- ratung erklärte Minister Könitz in der Frage der Verteilung de» Gefrierfleisches, daß die Regierung desbalb noch mit den Ländern in Verhandlungen eintrelen werde. Tie G e- mein den sollen aber verpflichtet werden, die Bedingungen zur Abgabe von Gefrierfleisch genau einzuhalten. Wa§ unter.Minder- b e m i t t e l t e n" zu verstehen iei. wüßten die Gemeinden selbst am besten, da sie in der Regel über die VermogeuSverhältnisse ihrer Bevölkerung genau unterrichtel seien. In der Fortsetzung der Debatte stellte Genossin Schulz-Hern«, fest, daß gegenwärtig in dem riesigen rheinisch-westfälischen Industrie- gebiet der Bedarf an Frischmilch nicht gedeckt werden kann. Dieser Mangel ist vornehmlich eine Folge der Sperre, die seit dem 15. Mai über die Einfuhr von holländischer Frischmilch verhängt wurde. Bom gleichen Tage datiert eine rapide Steigerung des Milchpreises, die geradezu sich zu einer Gefahr für die Ernährung der Säuglinge, der Mütter und der Kranken auswächst. Zum Aus- gleich müßte durch die Kommunen kondensierte Milch ge- geben werden, für die leider ein Z o l l s a tz v o n 20 M. pro Doppel- Zentner in der Regierungsvorlage vorgesehen war. Unverständlich war schon, wie der Re i ch s w i r t s ch a f t s r a t zu einer Erhöhung a u f 30 M. kommen konnte. Ungeheuerlich aber fit, daß das Kom- promiß der Z o l l p a r t e i e n s o q a r 40 M. für den Doppelzentner kondensierter Milch vorsieht. Dieses Beginnen, dem sich auch eine sogenannte christliche Partei angeschlossen hat. ist geradezu bethlehemitischerKindermord. Heute schon erhalten wir aus den Säuglingsheimen die verzweifeltsten Zuschriften, die Kinder. speisungen, die in vielen Gemeinden und Städten durchgeführt sind, geraten durch die zu erwartenden Preiserhöhungen in Gefahr. Statt einer Erweiterung der Fürsorge, die nach der Ansicht aller sozial tätigen Kreise unbedingt notwendig wäre, werden die Agrarzölle nicht nur wesentliche Einschränkungen, sondern an vielen Stellen die restlose Einstellung bringen. Die Genossin Arning wandte sich gegen die Zolle auf Talg- und Kunst spei sefett. Leider sind diese Artikel wichtige Bolksnahrungsmittel, die Erhöhung der Zölle wirkt sich bei den erwerbstätigen Schichten unmittelbar in einer an den Einkommens- Verhältnissen gemessenen unerträglichen Weise aus. Unsere Rednerin wies nach, wie der Zoll, da die beiden Materialien ja auch zur Magarineherftellung dienen, den Konzernen, die in der Hauptsache in den Händen ausländischer Kapitalisten sind, zugute komme. Bar jeden sozialen Verständnisses ist dos Beginnen der Zoll- blockparteien bei den Positionen über Fische der verschiedensten Art. Früher waren Fische, so stellte die Genossin Schifsgens fest, zollfrei, die Regierung hatte schon in ihrer Vorlage mit dem für alle Fälle passenden Gummistempel die„Begründung" geliefert. Der Zollblock geht aber noch über diese Sätze hinaus. Man sagt, die Zölle auf Fische sollen Berhandlungszö'lle sein. Wir zweifeln in dem Falle wie bei vielen anderen und fürchten vom Ausland entsprechende Maßnahmen. Das wird sich vornehmlich bei dem Fisch, den die arbeitende Masse in der Hauptsache konsu- miert, beim Hering, sehr bald ergeben. Nur ein kleiner Teil der in Deutschland verbrauchten Quantitäten an Heringen kann durch den deutschen Fischfang geliefert werden. Der Zoll auf Salz- Heringe belastet gerade den ärmeren Teil der städtischen Be- volkerung, dem dieser Fisch— leider— sehr oft das teure Fleisch ersetzen muß. Die Beratung wurde hier abgebrochen. Man hofft, am Mitt- wach mit der Spezialdebatte fertig zu werden. Es wäre dann noch die zweite Lesung vorzunehmen, außerdem ist das Gesetz an sich noch zu beroten und es muß noch die Frage der Ermächti- g u n g, die in den beiden Anträgen der Kompromißparteien vor- gesehen ist, einer einwandfreien Klärung entgegengeführt werden. Erst dann kann die Beratung im Plenum beginnen. WjrtfcholO Der Reichsbantpräsiüent warnt. In der Zentralausschußsitzung der Reichsbank am Dienetag gab Reichsbankpräsident Dr. Schacht einen Ueberblick über die gegenwärtige Finanz- und Währungslage. Er führte u. a. aus: .Die große Nachfrage nach lang- und kurzfristigen Kapitalien Hot in Deutschland nicht nachgelassen, und die Kurve der Zinssätze, die vom Beginn des Jahres bis Ende April«ine sinkende Tendenz zeigte, beginnt wieder leicht anzu st eigen. Wenn wir den Zinsmarkt nicht völlig in Unordnung bringen wollen, kann deshalb auf das Mittel der Kreditrationierung nicht oerzichtet werden. Eine Herabsetzung des Reichsbank. distonts kommt nicht in Frage." Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen wies der Reichsbank- Präsident darauf hin, daß die in den legten Monaten einsetzende Nachfrage nach Devisen auf dem deutschen Markte kein Geheimnis geblieben ist: Diese Nacksrage fit in unserer Handelsbilanz begründei, da ein erheblicher Teil der Wirtschast dem Export nicht genügende Ausmerksamkeit zuwendet. Andererseits wird die Kaufkraft des in- ländischen Marktes durch eine vielfach verkehrt gehandhabte Bewirt- schaftung öffentlicher Gelder künstlich erhöht und täuscht damit eine Konjunkturbelebung vor, die bei der steuerlichen Belastung der Wirt- schaft notwendigerweise ein rasches Ende finden muß. Im weiteren sind in letzter Zeit zahlreiche Kündigungen kurzfristiger Auslandskreditc erfolgt. � Visher hat die Rcichsbank den Anforderungen nach Devisen genügen können. Die Wirtschaft muß sich aber vor Augen halten, daß die Reichsbank auch fernerhin gegebenenfalls Devisen nicht gegen Kredite, sondern nur gegen Ma rkzahlung abgeben wird. Nach den Angaben des Reichsbankpräsidenten machen die Zah- lungen für den Z i n s e n d i e n st der D a w e s- A n l e i h e, für den Recovery-Akt usw. bisher mehr als 250 Millionen Reichsmark in Deoisen aus. Trotz dieser Belastung, die noch durch die Sachlieferungen oerschärst werde, fit es der Reichsbank gelungen, izunmehr ihren Galddestandaus 1 l 0 0 M il li o n e n Reichsmark zu erhöhen. Die Erhöhung soll fortgesetzt werden, da, nach Ansicht des Reichsbankpräsidenten. trotz des Zinsen- ausfalle? die Deckung in gemünztem und ungemünztem Golde für eine Notenbank bei weitem vorzuziehen ist. Zur Liquidation des Stinneskonzerns. Die Meldung des Verkaufs der wertvollsten Beteiligung des Stinnesprivatfonzerns an der Rhein- Elbe- Union, der 21 Millionen Aftien der Deutsch- Luxemburger Bergwerts A.-G., an ein von der Banffirma J. Henry Schröder Co., London, geführtes englisches Ronfortium, hat größere Bedeutung als es scheint. Zunächst ist er eine Entlastung der Rhein- Elbe- Konzerne selbst. Gleichgültig, in messen Hand endgültig das Attienpatet bleibt, daß es nicht auf den Kapitalmarkt geworfen wird, bedeutet neben einer Erleichterung der Börse eine Konsolidierung für die Rhein- ElbeUnion. Sodann aber läßt der Verkauf gerade dieses Batets er fennen, daß das Haus Stinnes als Großattionär aus der Rhein. Elbe- Union, dem viel bestaunten Meisterwert des alten Stinnes. ausscheidet. Man wird sich also daran gewöhnen müssen, die Namen Rhein- Elbe- Union und Stinnesfonzern in der Zukunft noch viel schärfer auseinanderzuhalten, als bisher. Endlich aber, und das Wichtigste: es handelt sich heute nicht mehr um eine Stügung" oder„ Sanierung" des Hauses Stinnes, sondern um seine Liquida tion. Es dürfte weder ein Zufall, noch ein falscher Zungenschlag fein, wenn die Berliner Börjen- Zeitung" den Bertauf des Deutsch. Luxemburger Attienpafets nach London unter der Spißmarte Liquidation des Stinnestonzerns" bringt. Selbst wenn sie teine Absicht damit derfolgt haben dürfte, gäbe sie damit den Eindruck wieder, den die Deffentlichkeit bisher von der soge nannten Stügungsaktion der Großbanten empfangen hat. Sie trifft mit dieser Ueberschrift die Sache. Denn vom Hause Stinnes bleibt, nachdem die Pakete der Handelsgesellschaft, des Barmer Bankvereins, der Stinnes- Kiebed- Montan und der Deutsch- Luxemburger Bergwertsgesellschaft, sowie die gesamte Hamburger Stinnes A.-G. für Seeschiffahrt und Ueberseehandel mit den Stinnes- Linien in andere Hände übergegangen sein werden, nicht mehr viel übrig. An der Liquidation des Stinneskonzerns durch die ftügenden Großbanten ist daher nicht zu zweifeln. Wir haben die gewaltige symptomatische Bedeutung des Sturzes der Firma Stinnes schon mehrfach gewürdigt. Darüber hinaus aber eniftehen aus der Liquidation der Firma Stinnes sehr ernste Fragen. die die Deffentlichkeit angehen. Zunächst können die Verlegenheiten der Firma Stinnes, entgegen den seinerzeitigen Erklärungen des Banfentonsortiums, feine augenblidlichen Zahlungsverlegenheiten gewesen sein, für die nur eine faffenmäßige Stüßung für eine furze Uebergangszeit in Frage tam. Der Ausverkauf der Aktienpatete läßt darauf schließen, daß die Firma Stinnes überschulbet war und heute noch überschuldet ist; denn die Riefenwerte bringen laufende Einnahmen, aus denen der Umfang der notwendig gemordenen Verkäufe nicht erklärlich ist. Entweder ist das Banten tenfortium falsch informiert worden, oder das Bankentonsortium hat die Deffentlichkeit irregeführt. Sodann versteht es sich von selbst, baß das Konsortium die Transaktionen nicht ohne erhebliche Pro visionen durchführt, die bei der Höhe der Objekte( abgesehen von der Zinsspanne von 2 Proz. aus der Stinnes berechneten und an die Seehandlung gezahlten Zinsen) in vielfache Hunderttausende gehen. Das Stügungsgeschäft der Großbanten, das sich heute als Liquidierung des Stinneskonzerns darstellt, erweist sich also als eine Ausschlachtung des Hauses Stinnes durch Privatbanten unter aftiver Mithilfe der Reichsbant und unter Inanspruchnahme öffentlicher Mittel. Das ist als endgültige Tatsache heute festzu stellen, womit die Frage aufgeworfen wird, ob bei dieser Art „ Stügung" öffentliche Bankinstitute noch weiterhin Hilfsstellung geben dürfen, ohne das Ansehen dieser Institute und der Staatsgemalt zu gefährden. Endlich entsteht die wettere Frage, ob nicht die führenden Banten des Stügungsfonfortiums selbst, insbesondere tie Darmstädter und Nationalbant, mit sehr hohen Eigenforderungen an das Haus Stinnes, und dadurch an deffen Sanierung" per sönlich interessiert waren, worauf bie Führung des Konsortiums gerade burch die Darmstädter und Nationalbant fchließen läßt. Das wäre für die Deffentlichkeit von ganz besonderem Intereffe. Denn märe das der Fall, so wäre die ganze mit soviel scheinbarer Selbst. Lcfigkeit eingeleitete und von der Deffentlichkeit mit gespanntestem Intereffe verfolgte Stügungsaktion ein einfaches Attorbierungs. geschäft zwischen den Banten und Stinnes' Erben, bei dem dem Hause Stinnes von seinen Gläubigern das Fell über die Ohren gezogen wird. -t. Deutsche Textilmaschinenindustrie im Konkurrenzkampf Rürzlich ging durch die Breffe die Nachricht, daß die englische Maschinenindustrie Don Der deutschen Textilindustrie Aufträge aus Lieferung von Textilmaschinen erhalten habe. Diese Nachricht war auffallend, weil in Deutschland eine leistungsfähige Textil maschinenindustrie vorhanden ist. Wir wandten uns an den Tertilmaschinenverband, um von ihm über die Gründe dieser Aufträge unterrichtet zu werden und erhielten die folgende Auskunft: Es kann sich bei diesen Aufträgen nur um Feinspinnerei beutschen Maschinen als durchaus gleichwertig ben Einsendungen für diese Nubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. 2. Areis Tiergarten. Donnerstag, 30. Juft, 7½ Uhr, Kreisvorstandsfizung mit ben Delegierten des Bezirkstages bei Krüger. 5. Kreis Friebrichshain. Der Kreisvorstand und die Bezirkslagsdelegierten werden gebeten, am Donnerstag, 30. Juli, 7% Uhr, bei Rosin, Gubener Straße 19, fid) au einer Aussprache einzufinden. 19. Kreis Banfor. Donnerstag, 30. Juli, 7% Uhr, Restaurant Türkisches Relt, Breite Str. 14, Begirtstags- und Kreisbelegiertenversammlung. Wichtige Mitteilungen. englijden eingeführten Fabritaten bezeignet Parteinachrichten Führende Bertreterfirmen weisen darauf hin, daß sich in Amerifa besonders für Spinn- und Webmaschinen für die Kunstseideindustrie Bedarf geltend macht, da die in der amerikanischen Kunstseideindustrie zur Beit arbeitenden Maschinen als veraltet angesehen merden. Auch auf diesem Gebiete werden besonders den deutschen Maschinen gute Ronkurrenzmöglichkeiten zugestanden. Die deutsche Tertilmaschinenindustrie ist zurzeit verhältnis. mäßig gut beschäftigt und zwar zu 70 bis 80 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit, die ungefähr der der Borkriegszeit ent spricht. Der Export ist allerdings sehr gering. Das ist deswegen besonders wichtig für die Beurteilung, weil vor dem Kriege Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. 82. Ast. Steglik. Mittwoch, 29. Juli, 70 bis 80 Broz. der deutschen Tertilmaschinenfabrikation nach dem Auslande ging. Merkwürdigerweise steht der Textilmaschinenverband der 301lvorlage uninteressiert gegenüber, obwohl die Industrie, die sich auf die Dauer ja doch nur auf den Export stüzen fann, an dem Abschluß günstiger Handelsverträge ein erhebliches Interesse haben müßte. Ihr Inlandsabsah hängt von dem Gedeihen derjenigen Industrie ab, bie fie beliefern. Die Tertil industrieminderung braucht aber eine Steigerung der Kauftraft der breiten Maffen, also niedrige Preise. Daher müßte auch die Textil maschinenindustrie, menn fie ihre Interessen richtig abwägen würde, im Kampf gegen die Zollvorlage unser Berbündeter sein. Zur Lage der Lederwarenindustrie. nachmittags 3 Uhr, Treffen der Kinder und Mitarbeiter im Jugendheim, Albrechtstr. 46, sum Spielen. Heute, Mittwoch, den 29. Juli: 83. bt. Lichterfelbe. Die für Juli fällige Mitgliederversammlung fällt aus. 137. bt. Reinidendorf- Weft. Frauenabend 7% Uhr Scharunweberstraße Bolks haus. Referent: Gen. Secht. 7½ ht Sungfozialisten. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4 L Sauptmann von Beerfelde spricht über: Der Kampf gegen den Krieg ein Rampf für foziale Befreiung. Morgen, Donnerstag, den 30, Juli: 22. 6. 7 Uhr Besprechung der Bezirksführer bei Grunwald. Ausgabe der Eintrittstarten zum 29. Auguft. Bot Dafelbft 47. Abt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Linke, Waldemarstr. 65. besprechung zum Waldfeft. Die Genossen der 45., 46. und 47. Abt. erfehen näheres im Gonnabend- Borwärts. 58. Abt. Charlottenburg. Pünktlich 8 Uhr in den Räumen des Deutschen Berlehrsbundes, Bayreuther Str. 31, außerordentliche Mitgliederversamm lung. Stellungnahme zur Ronfumgenoffenschaftsfrage betr. die 176. Abgabeftelle in der Bayreuther Str. 26. Nominierung der Delegierten. fizung. 93. bt. 7 Uhr bei Ruppelt, Raifer- Friedrich-, Ede Rofegger. 95. Abt. 8 Uhr bei Grieger, Leffingftr. 9, Straße, Funktionärkung. treffen fich der Borstand, Bezirksführer oder Stellvertreter. 1 Aus Offenbach mehren fich die Nachrichten über In. solvenzen und Geschäftsaufsichten der Lederwaren industrie, von denen neuerdings fogar alte bedeutende Firmen be troffen werden. Das zeigt deutlicher, als alle Nachrichten, wie sehr enrolln. 92. bt. 8 hr bei Wolf, Raiser- friedrich- Str. 173, Funktionär. auch die Lederwarenindustrie unter der wirtschaftlichen Lage zu leiden hat, obwohl gerade sie zum überwiegenden Teil dem Er. portgeschäft zuneigt und somit nicht in vollem Ausmaß von der Geldfnappheit abhängig ist. Die deutsche Lederwaren, Reiseartikel und Kofferindustrie ist außerdem an dem Schidial ber fleinen Sollvorlage sehr wesentlich intereffiert, weil eine ganze Anzahl für fie notwendiger Roh- und Hilfsstoffe durch dieses Gefeß über Zollveränderungen höheren 3öllen als bisher unterworfen perden sollen. Es handelt sich dabei um Rohmaterialien und Hilfsftoffe, die ihrer besonderen Eigenart wegen gerade wieder für Exportartifel der deutschen Lederwarenindustrie notwendig sind und teilweise auch noch vom Auslande billiger als vom Inlande bezogen werden fönnen( französische Moutons und Seide, englische Baumwollstoffe, böhmische Gläser und ameritanische bzw. schwedische Bulfanfiberplatten). Unsere Lederwarenindustrie muß bei den gegen wärtigen Schwierigteiten im Exportgeschäft äußerst faltulieren und aus diesem Grunde unter anderem selbstverständlich auch ihre Materialien auch überall bortherholen, wo fie diefelben am zwed mäßigsten und auch am preiswertesten bekommen fann. Werden ihr diese Bezugsquellen durch eine furasichtige Zollpolitit verschlossen, so wird sie immer weniger in der Lage sein, mit ihren Brodukten auf dem Auslandsmarkte mit denjenigen Ländern zu ton furieren, die an sich schon wesentlich günstigere Produktionsbedin gungen als Deutschland haben. Diesen Gesichtspunkt müssen die gefeßgebenden Körperschaften, die über das Schicksal der kleinen Bollvorlage endgültig zu befinden haben, voranstellen, nicht etwa im einseitigen Interesse einer einzelnen Industriegruppe, sondern im Gesamtinteresse unserer deutschen Boltswirtschaft überhaupt. Aftienfurfe, Goldbilanzen, Sanierung. Auch im Monat Juli hat fich die Senfung der Afttenturse an der Berliner Börse fortgefeßt. Der heftige Einbruch der Börsenkurse, der am 10. Juni aus Anlaß ber ersten ernsten Nachrichten über Zahlungs. schwierigkeiten des Stinnes- Konzerns erfolgte, ist demnach mit Recht als ein besonderes Symptom der fortschreitenden Sanierungs frise bezeichnet worden. Die neuerliche Senfung im Juli erstreckt sich auf das gesamte Rurs niveau, nicht nur auf einzelne Gruppen. Das ergibt sich aus einer Zusammenstellung, die die Kommerz und Privatbant veröffentlicht. Danach stehen von 922 Attien 27,2 Proz. unter 50 Broz. der Goldparität,( im Juni 20,4 Proz.), 34,4 Broz. ( 37,5) zwischen 50 und 75 Prog. ber Goldparität, 21,4 Broz.( 23,7) amischen 75 und 100 Broz., 15 Broz( 16,5) zwischen 100 und 150 Broz. und nur 2 Broz.( 1,9) über 150 Broz Ueber 100 roz. notierten Ende Juli also nur noch 17 Bros. fämtlicher 922 Werte( gegenüber 18,4 Broz. im Monat Juni), während 770 Berte oder 83 Broz.( 81,6) unter 100 Broz notierten. 83 Broz. der an der Berliner Börje gehandelten Bapiere haben also einen Kursstand, der in der Vortriegszeit bie betreffenden Unternehmungen auf dem Kapitalmarkt reditunfähig gemacht hätte. Da wenigstens für die gesamte Montanindustrie, beren Kurse heute noch tiefer stehen als am schwarzen Mittwoch ber Stinnesbaiffe, in absehbarer Zeit aber feine Besserung der Wirt schaftslage zu erwarten ist, besteht der Grund zur Annahme, daß die Golbumstellungen in diesen Industrien noch eine erhebliche. Korrektur Das spricht auch der bekannte Bantfachmann erfahren werden. Konsul Marg in der Bossischen Zeitung" deutlich aus, der einen Artikel über die Krise in Kohle und Eisen schließt mit der Ueber zeugung, daß die Umstellungsbilanzen unserer leitenden Montanwerke in der Mehrzahl der Fälle zu wenig Boraus. ficht befundet hätten. Es müsse diejenige Rapitalbafis erreicht werben, auf welcher die dringend erforderliche Ausgabe neuer Attien möglich erscheint. Das ist eine deutliche Aufforderung, bas Rapital erneut zusammenzulegen, um bie heute be onnenen Umstellungen auch auf einer gefunden Kapitalbasis durch zuführen. Neue Kalitredite aus Amerika? Die fürzlich beendete Amerita. Reise bes Generaldirektors des Kolisynditates Diehn und bes Direttors Runze haben in erster Linie der Organisation des Raligefchäfts gegolten. Eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Erhöhung des Absages ist getroffen und größere Bertäufe find abgeschlossen worden. Die 3insfäße für den noch nicht benugten 6- millionen Dollartredit des Synditats find erheblich ermäßigt worden. Die Hochfinanz hat sich, wie mitgeteilt mirb, sehr für das Kalisyndikat interessiert gezeigt. Unterhaltungen in maßgebenden Kreifen hätten erkennen laffen, baß eine etwaige große Anleihe des deutschen Kalisgnbitats eine sehr gute aufnahme erwarten tönnte. maschinen handeln, die die Spinnereien Rheinlands und Weit Erntebergungskredite. Die Berhandlungen über die Gewährung falens schon vor dem Kriege cus England bezogen. Die Leitung eines Erntebergungstredits haben ergeben, daß ein Kredit in die der Spinnereien lag vielfach in Händen englischer Direttoren. Die Inhaber fandten ihre Söhne nach England, damit sie bort, innerste Hand", also an die Landwirtschaft selbst, nicht in Frage tommen foll. Man will die Landwirtschaft mit teuerem Personalfrebit nicht Klassischen Lande der Tertilmanufattur, Renntnisse sammelten und noch mehr überschulden. Die Reichsbant plant aber, die laufenden in ihren eigenen Betrieben verwandten. Generationen deutscher Landwirtschaftswechsel 3. T. bis zum 1. Januar zu Spinnerföhne find in England ausgebildet worden, und so tam cs von selbst, daß sie ihre Fabriten mit englischen Maschinen, beren Prolongieren. Im übrigen sollen die mit der Landwirtschaft arbeitenden Rassen in die Lage versezt werden, so mit ihren Mitteln Technit ihnen befannt und vertraut geworben war, ausstatteten. Es tommt noch hinzu, daß in Deutschland vor dem Kriege nur eine im bu bisponieren, daß Notverläufe nicht stattzufinden brauchen. Elsaß liegende Fabrit existierte, die Feinspinnereimaschinen für Baumwolle herstellte. Neuerdings haben fich die Deutschen Berte, Krupp und die Chemnizer Fabrit Hartmann ber Herstellung von Feinspinnereimaschinen zugewandt. Wenn die deutschen Spinner nach dem Kriege einen sehr starten Bebarf an Maschinen haben, so liegt das daran, daß sie während des Krieges gezwungen waren, Papierfäden auf ihren Maschinen zu fpinnen. Die ausgeleierten Maschinen wurden während der Inflation zwar, billig, aber gegen Devisen nach dem Ausland vertauft und das Geld zur Maschinenerneuerung verwandt. Die Spinner in Rheinland und Westfalen, gewohnt mit englischen Maschinen zu arbeiten, machten ihre Bestellungen wieder in England; bestimmend waren dabei auch die schwierigen deutschen Kreditverhältnisse. In England gewähren die Maschinenfabriten ein Zahlungsziel bis zu einem Jahr. Sie tönnen das, weil ihnen von der Regierung Unterstützung für Exportaufträge gewährt wird. Diese steht auf bem Stand punft, daß es zweckmäßig ist, den Unternehmern die Unterbringung Don Aufträgen zu erleichtern und damit die Beschäftigungsmöglichkeit so zu stärken, daß möglichst viele Arbeiter beschäftigt merden, anftat: Erwerbslosenunterstügung zu zahlen. So erfolgen die Bestellungen aus Rheinland und Westfalen zum größten Teil in England, während bie übrige Spinnereiindustrie ihre Maschinen von den oben er. wähnten deutschen Fabriten bezieht. Technisch stehen die deutschen Maschinen, da ja die Fabrikation erft begonnen hat und selbstverständlich bei der Einrichtung der Betriebe die neuesten technischen Errungenschaften angewandt wurden, mindestens auf derfelben Höhe wie die Auslandsfabritate. Das gilt nicht bloß von Spinnereimaschinen, sondern von Tertilmaschinen aller Art. Vom Ausland wird dies auch anerkannt. Nach Berichten aus amerikanischen Importeurtreisen hält die Nachfrage nach deutschen Tertilmaschinen in Amerita unverändert an. In der amerikanischen Fachpresse werben die Ruffifcher Etat. Das russische Boltskommissariat für Finanzen hat den Entwurf des Reichsetats der Sowjet- Union für das Finanz jahr 1925/26 vorgelegt. Die Gesamtbilanz beträgt 3460 mil. lionen Rubel Darin sind die Balutaeinnahmen und Baluta. ausgaben nicht eingerechnet. Der Boranschlag fieht ordentliche Einnahmen in Höhe von 3317 Millionen Rubel und außerordent. liche Einnahmen in Höhe von 143 Millionen Rubel vor. Die ordent lichen Ausgaben merben auf 3010 Millionen Rubel und die außer ordentlichen auf 450 Millionen Rubel geschäßt. In der Aufbringung Don Mitteln für den Wirtschaftsaufbau ist eine Anleihe von Be deutung, die den Namen Anleihe des Wirtschaftsauf. baues" trägt. Sie soll mit 300 millionen Rubel zur Zeichnung aufgelegt und ausschließlich zu Industriezwed en verwendet werden. Im übrigen find die Einnahmen start zur Förderung der Landwirtschaft bestimmt. Weiter dürfte interessieren, daß man durch Steigerung des Prozentsages des Altoholgehalts der vom Staats. monopol hergestellten Spirituosen, namentlich der Wodka" kommenden Finanzjahr eine Mehreinnahme von 200 Millionen Rubel erzielen will. Der Alkoholgehalt soll hinfort bis zu 40 Proz gefteigert werden können. " im 108. 116. Stellungnahme au den Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. bt. Rövenid. 7 Uhr funktionärligung bei Schula, Bahnhofftr. 34. bt. Sichtenberg. 8 Uhr Lokal Murt, Neue Bahnhofftr. 28, Sigung der Barteifunktionäre und Betriebsvertrauensleute. SPD.- Genoffen des Bezirksamts Kreuzberg! Am Donnerstag, 30. Suli, 7½ Uhr, im Lokal von Bieler, DieffenbachReferent: Herr Stadtatzt fraße 76, Bersammlung aller SBD.- Arbeiter, Angestellten und Beamten. Tagesordnung: Kommunale Gefundheitspflege. Gäste will Dr. Bejad. Angehörige von Barteimitgliedern baben Zutritt. Der Fraktionsvorstand. 3. A.: Menez. tommen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation forben. Cinäfcherung: heute Mittwoch 4 Uhr Baumschulenweg. fand bereits am Sonnabend. 25. Juli, statt. 91. bt. Reukölln. Genoffe Friebrich Bieterbe, Biffmannstraße, ist ver 43. bt. Die Beerdigung bes am 22. Jult verstorbenen Genoffen Beefer Jugendveranstaltungen. Heute, Mittwoch, den 29. Juli: Susenbheim, Lindenstraße. Achtung, Hamburgfahrer! Brobe für das Spiel ber Berliner 18 Uhr im Bichtenberg Baltenplak: Rigaer Ste. 102/103, Mitgliederversammlung. Reichenberger Biertel: Rozb: Barbaue, Diskussion: Unsere Samburgfahrt. Tempelhof: Germaniaftr. 4/6, Bortrag: Webbing: Schule, Rubensplag, Bortvag: BeReichenberger Stra Reibung und Röperkultur. tufsfragen. Berbebegit! Kreuzberg. Donnerstag, 30. Jult, Sugendheim, Lindenstr. 3, Berbebeaittsmitgliederversammlung. Bortag: Der internationale Gedanke. 99 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 87/88, Sof 2 Ex. Kamerabschaft mitte. Ruguersammlungen: 2. Rug: Sonnabend, 1. Auguft, bei Diede, Bonenstr. 19. 3. 8ug: Donnerstag, 30. Juli bei Engel, Bartelstraße. Wegen ber bevoritehenben Berfassungsfeiern vollKamerabschaft Biergarten. aäbliges Erscheinen unbedingt erforderlich. Seute abend 7½ Uhr Berfammlung der Jungmannschaften bei Berger, Le. vekomstvake tom, Gruppe Adlershof. Donnerstag, 30. Juli, 7½ Uhr, Mitgliederversamm Ramerabschaft Webbing. Donnerstag abenb 7 Uhr Treffen Ortsverein Trep ber Jugendkameraben in ber Turnhalle Lütticher Str. 4. Tung im Ratskeller Adlershof, Bismardstraße. Begen der hochwichtigen Tagesordnung milfsen sämtliche Kameraben, attive und passive, erscheinen. Ramerabidaft Steglig- Lichterfelbe- Lankwik. Donnerstag, 30. Juli, 8 Uhr, Samerabfchaftsvolverfommlung in Stealis, Albrechtshof. Erscheinen sämtlicher attiner unb inattiner Rameraden ist Bflicht. Verfassungsfeier und Quartierfragen. Die Spielleute üben jeden Montag und Donnerstag abend an betannter Stelle. Reiner bark fehlen. Ramerabschaft Lichtenberg nebst Unter gruppen. Donnerstag, 80. Juli, 7% Uhr, Antreten am Bahnhof Lichtenbergfelbe- Oft. In Anbetracht der Wichtigkeit ist vollzähliges Erscheinen Pflicht. Friedrichsfelde. Die Untergruppen stehen um 8 Uhr am Bahnhof FriedrichsRamerabfchaft Weißenfee. Donnerstag, 30. Juli, Uebungs- und Sportabend im Gelinen Baum. Ramerabschaft Reinidenborf. Freitag, 31. Juli, 7 Uhr, im Botal Ramlow, Reinidendorf- Schönhola 14, Bollversammlung. Es ift Bicht ber altiven und passiven Rameraben aller Untergruppen, au erscheinen. Hrbeiter- Rabio- Rub B. Bezirk Kreuzberg, Gruppe Rottbufer Zor. Donnerstag, 30. Juli, 8 Uhr, bei Bollschläger, Abalbertſtr. 21, Aufammen. funft aller funtfreunde. Gäste willkommen. Ortsgruppe Webbing. DonGäste willkommen. nerstag, 30. Juli, Bastelabend, Lokal Utrechter Str. 29. Ortsgruppe Brenzlauer Berg. Donnerstag, 30. Juli, Gruppenabend. Die italieber werden gebeten, ihre Apparate für Bersuche mitzubringen. HENKEL'S SCHEUERPULVER 11 ATA SCHEUER PULVER HOH Die ein Gebild aus Himmelshöhn Jst hier der blanke Mond zu sehn Der ATA- Engel lacht dabei: Mit ATA wird er stets Die neu! ATA putzt und reinigt alles!