Abendausgabe not Nr. 354 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 174 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Pfennig Mittwoch 29. Juli 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Beclag Gmb. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Jerafprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Sauberkeit der Justiz! Die Koalition der Staatsanwälte mit den Deutschnationalen. Die Haussuchungen der Berliner Kriminalpolizei bei den ehemaligen Staatsanwaltsaffefforen Rußmann und Caspari haben in Verbindung mit unseren Mitteilungen gewaltiges Aufsehen erregt. Während die Presse der Demokraten und des Zentrums ihrer Freude darüber Ausdruck gibt, daß es endlich gelungen ist, diese Eiterbeule aufzuftechen und die Quelle der an sich längst feststehenden Indiskretionen, nach der man so lange vergeblich gesucht hat, endlich zu entdecken, wechseln auf der Seite der Rechten verlegenes Schweigen mit gemimter Entrüftung. Die Deutsche Zeitung schreibt, daß wir selber beschlagnahmte Schriftstücke und das Ergebnis der Hausfuchung veröffentlicht hätten. Das ist glatt gelogen. Wir haben über das Ergebnis der Haussuchung aus eigenem überhaupt nichts veröffentlicht und im übrigen nur Schriftstücke, die uns bereits im Wortlaut bekannt waren, bevor sie den Behörden zugeleitet wurden. Im Gegensatz zur„ Deutschen Zeitung" schreibt übrigens die ihr geistesverwandte Kreuz- Zeitung": ,, Da der„ Vorwärts" selbst mitteilt, daß dieses Material auch ihm selbst vordem vorgelegen hat, so ist wohl die ganze Unter fuchung auf eine Denunziation der Barmatisten zurückzuführen." Aber auch dies ist unrichtig, wenn man nicht als ,, Barmatisten" jeden Unbeteiligten bezeichnen will, der für die Gauberteit der Justiz fämpft. Im übrigen ist die Kreuz- Zeitung" charakteristischerweise bereit, auch schwere Verfehlungen der Staatsanwalt. schaft zu decken, denn sie schreibt weiter: „ Wenn die Staatsanwaltschaft ihre Pflicht der Geheimhaltung ihrer Maßnahmen überschritten haben sollte, was feines. megs feststeht, so wäre auch dies zu verstehen, denn sie befand megs feststeht, so wäre auch dies zu verstehen, denn sie befand fich von vornherein in einer äußerst schwierigen Lage." Damit ist wohl zur Genüge gekennzeichnet, was auf deutschnationaler Seite unter Sauberteit der Von den beteiligten, deutschJustiz verstanden wird. nationalen Stellen und Zeitungen riskiert feine einzige den aus sichtslosen Versuch, ihre Zusammenhänge mit Kluge- Knoll abzu leugnen, die ,, Deutsche Zeitung" bestätigt sie ausdrücklich. Was übrigens das im heutigen Morgenblatt des Borwärts" veröffentlichte Dementi der Telegraphen Union" anbetrifft, so intereffiert in diesem Zusammenhang der folgende Brief Kluges: Dr. Kluge Berlin M. 35,, Lügomftr. 60 b/ von Beaulieu Berlin, den 16. Mai 1925. Telef.: Nollendorf 6662 Sr Hochwohlgeboren, Herrn Oberfinanzrat Dr. Bang Berlin- Neutempelhof, Hohenzollerntorso 3. Sehr verehter Herr Oberfinanzrat! In der Anlage übersende ich Ihnen unter Bezugnahme auf das heute mit Ihnen geführte Telefongespräch einen gestern von mir an die Telegraphen- Union und Deutschen Pressedienst herausgegebenen Artikel zur gefl. Kenntnisnahme. 1 Anlage! Mit deutschem Gruß, Ihr sehr ergebener gez Kluge. Die Erklärung der Deutschnationalen Partei, die nichts zu leugnen versucht, wird von der gesamten übrigen Bresse mit Recht als glatte Bestätigung aufgefaßt. Einige Rechtsblätter fuchen in offener oder versteckter Weise die Berliner Kriminalpolizei wegen ihres Borgehens anzugreifen. Aber selbst der deutschnatio. nale Lokal- Anzeiger muß eine Zuſchrift von juristischer Seite veröffentlichen, die besagt, daß das Verfahren der Polizeibehörde in formeller Hinsicht nicht zu beanstanden ist. Das gelte auch dann, wenn die Behörde wirklich gegen den ausgesprochenen Billen der zuständigen Staatsanwaltschaft gehandelt haben follte. Eon letzterem fann natürlich gar teine Rede sein. Sehr großes Intereffe legt die deutschnationale parteiamtliche Erflärung an den Tag für das von Herrn Affeffor Caspari gegen fich selbst vor einiger Zeit beantragte Disziplinarverfahren Die Deutsche Zeitung" meint, daß dieses Berfahren Dinge enthüllen dürfte, die zum Himmel stinken". richtete sich im einzelnen gegen den Minister am 3ehnhoff, den Staatssekretär Frige und den Ministerialrat Ruhnt. Diese sollten mit Hilfe der Rechtsparteien gestürzt und durch Personen ersetzt werden, von denen man hoffte, daß sie den Herren Caspari und Ruß mann die Sache Barmat wieder in die Hände spielen sollten. Ein besonderes Kapitel bildet auch die Kriminalpolizei. Mussolini- Luther. Italien macht Deutschland den Brotzoll nach! Rom, den 25. Juli 1925. An ein und demselben Tage hat der faschistische Ministerrat die Wiedereinführung des Getreide zolls in der Höhe von 7,5 Goldlire( etwa 38 Lire) für den Meterzentner defretiert und die Aufhebung der Steuer von 15 Proz. auf die Kupons der Aktien. Zum Ueberfluß hat man noch die Berbrauchsabgabe für Benzin auf die Hälfte herabgesetzt. Das ist eine Provokation und will eine Provotation sein. Der Faschismus reibt sich die Hände: seht, was wir dem Bolte bieten fönnen, ohne daß es sich auflehnt; seht, daß man auf das Bolt pfeifen kann, wenn man nur für die Agrarier und für die Hochfinanz sorgt. Der ehemalige Kriminalkommissar Dettmann war von deutsch nationaler Seite, mit einem Monatsgehalt von 1000 m. engagiert, um namentlich in Holland Material zu sammeln. Wenn Angestellte des Bureaus nach Holland fuhren, so trafen sie sich jedesmal zu Korns" mit dem Getreidezoll, also mit der Niederlage der Daß die ganze von Mussolini befehligte Schlacht des fällig" mit Dettmann. Diese Angabe ist durchaus glaubhaft, hat Konsumenten, enden würde, hatten wir gleich gejagt. Die doch auch Herr Tannenzapf vor dem Barmat- Ausschuß erklärt, daß Agrarier selbst hatten sich zwar mit 5 Goldlire Zoll er bei einem nur eintägigen Aufenthalt in Amsterdam, als er ein begnügt, aber der Faschismus ist großzügig und fümmert sich Raffee betrat, dort ganz zufällig" Herrn Dettmann angetroffen nicht um die Kaufkraft der Konsumenten. Was fümmert es und gesprochen habe. Der organisierte Zufall! Aber auch der ihn, daß in Italien seit Anfang 1923 die Kosten des Lebens attive Kriminalassistent Gan ß, der Herrn Kußmann auf seiner unterhaltes beständig steigen, während der Arbeitslohn Segeltour begleitete, wäre zu der Ehre, als mittlerer Beamter stationär bleibt? Setzt man die Unterhaltstoften und die einen sonst sehr standesstolzen Assessor begleiten zu dürfen, nicht Löhne von 1913/14= 100, so hat man im Dezember 1924 gelangt, wenn er nicht in der Barmai- Affäre eine befondere als Kosten für den Unterhalt 580, als 2ohn 486. Seit Rolle spielte. So hatte Herr Ganz Kenntnis von einem Unter dem sind alle Preise über 10 Broz. gestiegen, nehmen, das auf die Entwendung von Akten durch Einbruch bei ohne daß sich die Löhne gehoben hätten. Der italienische der Amerima in Amsterdam hinzielte, ein mißglücktes Unter- Arbeiter hat also heute eine niedrigere nehmen, das aber, als es noch geplant war, Herr Tannenzapf etwas Lebenshaltung als in der unmittelbaren Borkriegszeit. unvorsichtig vor dem Untersuchungsausschuß andeutete. Herr Gang Der offizielle Gedankengang, oder richtiger: die offizielle gibt allerdings an, seine Mithilfe zu dem Einbruch verweigert zu Taschenspielerei begründet die Maßnahmen wie haben. Aber wie tamen die Einbrecher überhaupt dazu, ihn als folgt: die italienische Baluta ist in rapidem Abattiven Kriminalbeamten zu solcher Tat aufzuftieg, weil die Handelbilanz paffiv ist. Diese Unterbilanz fordern?! Ferner spielt auch eine Rolle der Kriminalassistent Rowalski, ist ein Folge des Bedürfnisses nach fremdem Weizen, von dem in normalen Jahren etwa 25 Millionen Meterzentner einder Kußmann auf seiner Automobilreise nach Deutsch- Desterreich geführt werden müssen. Um dieser Unterproduktion an begleitete. Diese Reise Kußmanns hatte den Zweck, die österreichi- Beizen abzuhelfen, brauchen wir eine intensivere Produktion, schen Behörden in der Böllersdorfer Angelegenheit zu einer Baral- und die gibt es nur, wenn die Landwirtschaft gewiß ist, einen lelaftion gegen Stlarz zu veranlassen. angemessenen Breis ihrer Produkte zu erzielen. Daher Rornzoll, der den Einfuhrbedarf auf 10 Millionen(!) herabsehen wird, also Besserung der Baluta und entsprechende Ber billigung aller Waren. Da außerdem die Börse etwas ,, berängstigt ist, weil eine großzügige Baiffe inszeniert ist, muß man sie ermutigen, indem man den armen Kupons ihre Steuerlast abnimmt, damit sie wieder siegreich ,, ihre Schlacht“ fämpfen. an Von der Reise schrieb Herr Rowalski im Auftrage Rußmanns Kluge- Knoll folgenden Brief: Wien, den 26. Januar 1925. Sehr geehrter Herr! 3m Auffrage des Herrn Affeffors Dr. Kußmann teile ich Ihnen mit, daß Stlarz hier eine Reihe von Torpedobooten für 500 m.( im Original unterftrichen. Red.) pro Stüd erworben haben solle. Falls Sie in der Lage seien, durch Beziehungen beim Marineminifterium feststellen zu fönnen, daß dies zutreffend, erbittet Herr Dr. Kußmann Drahtnachricht bis spätestens Donnerstag abend nach hier, Hotel Erzherzog Rainer. Mit vorzüglicher Hochachtung ganz ergebenst Rowalsti, kriminalassistent. Dieser Brief zeigt die Verbindung zwischen dem Staats. anwaltsaffeffor Rußmann und dem Kluge- Knollschen Bureau in imwiderleglicher Klarheit. Er gibt auf der einen Seite Informationen, die mur politischen Zweden dienen tönnen, fordert auf der anderen Seite Recherchen zu gleichen Zweden. Daß es sich nicht um eine strafrechtliche, sondern nur um eine politische Attion handeln kann, ergibt sich ganz flar daraus, daß Kußmann den Privatmann Knoll mit Nachforschungen beauftragt. Hätte es sich um eine ftrafrechtliche Sache gehandelt, so hätte Rußmann ja ohne weiteres in seiner a milichen Eigenschaft als Staats. Aber Herr anwalt vom Ministerium Auskunft einfordern können. Aber Herr Kußmann wollte eben gar nicht als Staatsanwalt fungieren, er mollte, wie auch aus zahlreichen mündlichen Aeußerungen hervor. geht, einen politischen Standal aufziehen. Und hier muß schließlich im Zusammenhang mit den Reifen des Herrn Kußmann, die im Automobil durch Holland, Defterreich usw. erfolgten, die Frage der Finanzierung aufgeworfen werden. Bis heute hat das Justizministerium die von Das glauben wir auch, nur in etwas anderem Sinne. Oder sozialdemokratischen Abgeordneten beim Juſtizetat aufgeworfene meint die Deutsche Zeitung" gleich uns die Art, wie Herr Cafpari, Frage nicht beantwortet, ob diese Reisen ebenso wie die Flugnachdem ihm die Bearbeitung der Barmat- Sache vom Justizministe zeugfahrten des Herrn Affeffor Caspari aus staatlichen Mitteln rium entzogen war, zu allen möglichen, namentlich auch rechtsfinanziert worden sind, oder ob private Geld- und Auftraggeber die stehenden Bolitikern gelaufen ist und Himmel und Hölle Rosten getragen haben, etwa dieselben, die 5000 m. durch Herrn in Bewegung gesetzt hat, um wieder an die Sache heranzukommen Beiß, den Leiter der deutschnationalen Geschäftsstelle, zum Anlauf bies in einer Art, bie einem politischen Feldzug gegen gestohlener Atten der Deutschen Werke vorstreckten. Bis heute auch das Justizministerium verzweifelt ähnlich sah? Ueber diesen ist die Frage nicht beantwortet, ob es wahr ist, daß Herr Affeffor Rußmann auf holländischem Boden Bernehmungen vorge Feldzug der Herren Staatsanwälte gegen das preußische nommen hat. Wir erwarten, daß das Justizministerium diese Juftizminifterium Fragen auf das sorgfältigste prüft. dürfte überhaupt noch sehr viel zu reden sein. Wir erwähnten bereits, daß die Veröffentlichung des Kammergerichtsbeschlusses in Sachen Barmat seinerzeit von Rußmann und Knoll als Schlag gegen das Justizministerium ausgehect wurde, weil dieses im Höfle- Ausschuß die dort aufgebedten Uebergriffe der Staatsanwälte Pelzer und Linde nicht zu decken bereit war. Aber dieser Feldzug wurde noch viel intensiver, als demnächst der Gruppe Linde- Belzer- Cafpari- Kußmann die Bearbeitung der Sache Barmat entzogen wurde. Bir können heute mitteilen, daß die wahnwigige Rampagne der Rechtspresse in den letzten Wochen gegen das preußische Justizminifterium, die in der Forderung der Deutschert Beitung" gipfelte, Herrn Minister am Zehnhoff in Antlagezu stand zu versetzen(!), ebenfalls von dem Bureau Kluge. Knoll und feinen staatsanwaltschaftlichen Hintermännern dirigiert mar. Diese Herren wußten so gut Bescheid, daß sie imftande waren, die einzelnen Hegartifel schon am Tage vor ihrem Erscheinen mit genauer Ueberschrift Dritten gegenüber vorauszusagen. Der Plan DO Verleumdung ohne Grundlage. Bielleicht aus der Knoll- Kußmannschen Fabrik. Erfurt, 29. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag fand vor dem hiesigen Schöffengericht die Verhandlung gegen den poli tischen Redakteur der Thüringer Allgemeinen 3ei tung" statt, der in einer Wahlnummer vor der Hindenburg- Wahl die Behauptung aufgestellt hatte, der frühere Reichswirtschaftsminifter, Geneffe Robert Schmidt, habe während seiner Amtstätig feit für seine vollen Taschen gesorgt". Der Angeklagte gab an, die Noti; einer Korrespondenz entnommen zu haben. Es wurde ein Bergleich geschlossen, in dem der Angeflagte feststellte, daß er fei nerlei Grundlagen für seine Behauptungen habe und er bedauere, irregeführt worden zu sein. Die Koiten des Verfahrens trägt der Angeklagte. i Es ist wirklich wunderbar, daß ein so einfaches Mittel zu Italien Wohlstand bis jetzt von allen Regierungen außer acht gelaffen worden ist. Noch wunderbarer ist, daß derselbe Weizenzoll, den mir vom 24. Juli an genießen werden, von August 1898 an beinahe 15 Jahre Italien zuteil geworden ist, ohne jene Produktion zu zeitigen, die man heute von ihm perlangt. Nach dem statistischen Jahrbuch von 1911 betrug ( mit Zoll in der heutigen Höhe) in den drei Jahren 1909/11, bei einer Anbaufläche von 4,8 Millionen Hektar, die mittlere Jahresprobuftion 48,6 Millionen Meterzentner; ohne Zoll, in den Jahren 1921/23, bei einer Anbaufläche von 4,5 millionen Heftar dagegen 52,8 Millionen( Mortara, Prospettive economiche, 1925). Warum soll der Weizenzoll heute nermögen, was er noch nie vermocht hat? Er soll die 230 000 hektar, die man seit 1913 dem Weizenbau entzogen hat, zurüderobern. Ja, glaubt man im Ernst, daß die Landwirtfchaft guten Weizenboden aufgegeben hat? Sie hat Boden aufgegeben, der sich beffer für andere Produfte, für Gemüse, für Obstbau, für Weidewirtschaft eignete. Tatsächlich ist, mie die Angaben zeigen, trok verminderter Anbaufläche der Er. Bodens faum die Einfuhrbedürfnisse von 25-30 auf 10 Miltrag gestiegen; da wird die Zurückeroberung des verlassenen lionen Metergentner herabsetzen. Uebrigens mürden auch 10 Millionen Metergentner eine jährliche Mehrbelastung der Konsumenten um 75 Millionen Goldfire bedeuten, wofür es nur den einzigen Trost gibt, daß die Aktien kupons und die Automobile entsprechend entlastet werden. Es ist natürlich ein Köhlerglaube, daß ein Land gerade in der Deckung des eigenen Weizenbedarfs die gesunde Grundlage seiner Wirtschaft findet. Italien hat mehr als 120 Cinwohner auf den Quadratkilometer, hat ausgedehnte Gebirge, die nicht anbaufähig sind, hat einen Geburtenüberschuß von 365 000 Menschen im Jahr, hat klimatische Verhältnisse, dis es auf viel lukrativere Formen des Anbaus hinweisen namentlich Obst und Gemüse, warum soll es da gerade Weizen bauen, der verhältnismäßig wenig Arbeitskräfte braucht? Vielleicht wird man durch den Roll eine Bermeha rung der Anbaufläche erzielen und eine Erhöhung des Er trags; ficher aber eine Verminderung des Konsums. Der Weizenkonsum beträgt etwa 175 Kilogramm pro Kopf. Der Gesamtkonfum an Getreide- und Kartoffeln ist gegenüber der Borfriegszeit von 363 pro Ropf und Jahr auf 326 Kilogramm( Durchschnitt 1921/24) gefunten, wofür vielleicht der größere Fleischverbrauch des Landvolfes einen physiologischen Ersatz bot. Bei der heutigen Wirtschaftslage müffen mir aber damit rechnen, gleichzeitig den Brot- und den Fleischkonsum zurückgehen zu sehen. Wenn fo für den italienischen Konsumenten fchmere Beiten heraufziehen, so geht es dafür den großen Banten um so beffer. Was hat die faschistische Breffe in diesen Wochen über die Baiffefampagne der Börsen gejammert! Es war ihr unbegreiflich, warum bei Rüdgang der Baluta- die Aftien aller Industriebetriebe janten, Zwischen jeder Zeile stand die Mahnung: vertauft, verkauft Hals über Kopf! Jeder Rat, sich vor der Panik zu hüten, sollte Panik säen und fäete Panik. Und heute ist Ernetezeit. Die Banken haben aufgekauft, was unter dem Einfluß ihrer Prefle auf den Markt geworfen wurde, haben zu niedrigen Preisen riesige Aktienbestände in ihre Hände gebracht. Natürlich haben sie das nur aus Patriotismus getan, fönst hätten die bösen Ausländer sich der nationalen Industrien bemächtigt. Jetzt belohnt sich die gute Tat. ohne langfristige Ausstände. Jetzt werden die auf einmal von der Einkommen- steuer befreiten Aktien emporschnellen und den Profit der ganzen Sache, die das Land Hunderte von MiMonen kostet, sacken die Großbanken ein. Es geht nichts über eine Regierung, die enge Fühlung zur Hochfinanz hat, ohne daß sich zwischen beide die verschiedenen Jnteresienver- tretungen drängen, wie Parlament und derartige veraltete Anstalten. Mussolini macht heute alles mit sich und seinem Gott ab, und ist es nicht der alte Jehovah, so doch fem Zeit- genösse, das goldne Kalb... Zentrum unü Zollkompromiß. Ivos als Verteidiger. In der„Germania� polemisiert der Reichstagsabgeordnete Ivos gegen einen Aufsatz, der in der sozialdemokratischen Presse des Westens erschien und sich an die katholischen Arbeiter wandte. Er sieht in diesem Aussatz, der sich gegen die Zollpläne der Regierung wendet,„ein bedauer- liches Machwerk*, ein„trauriges Dokument*, einen„Rück- fall in die parteipolitischen Methoden der Vergangenheit*. Und das alles, well in dem angegrissenen Aufsatz eine Rechtsentwicklung des Zentrum» festgestellt wurde. Der Aufsatz von I o o s wird zu einer Verteidigung des Zollkompromisse»: .Es ist nicht wahr, daß im ZoMompromkß, dessen Ge- statt noch gar nicht fertig ist, die Interessen der Arbeiter zugunsten eines.agrarischen Flügel»* ge- opfert worden sind. Was bislang beschlossen ist, liegt durch- aus in der Linie de« Programms der»grar- sachverständigen und, wie wir zu wissen glauben, bis zu einem gewissen Grade auch in der Linie de» sozial» demokratischen Agrarprogramms. Der Zolltarif soll Handelsverträge ermöglichen, soll den Außen- und Innenmarkt und damit unser Wirtschaftsleben befruchten. So berühren sich Ar- betterinteressen und Zolltarif und Agrorschutz. Der Aufruf stellt die Tatsachen auf den Kopf. Gerade die oft- elbischen Großgrundbesitzer kommen bei dem jetzigen Zollvorhaben nicht auf ihre Rechnung, der klein« und mittlere Bauer eher. Was die Regierungsvorlage dem reinen Getreidebau gewähren wollte, ist eben geändert worden. Der Aufruf redet tatsächlich in den Wind.* Wir bedauern— aber diese Darstellung des sachlichen Inhalts des Zollkompromisses ist eben nicht richtig. Es bleibt bei den Getreidezöllen, die durch eine Vereinbarung der Mshrheitsparteien nach unten gebunden werden. Es bleibt dabei, daß die Gesamtheit der Agrarzölle ein Sinken der Kaufkraft der konsumierenden Bevölkerung mit allen Folgen für die Wirsschaft zur Folge haben muß, während auf der anderen Seite die Vodcnpveise und die Bodenrente steigt. Es bleibt auch dabei, daß die reinen agrarischen Jnteressenpoll- tiker sich für zufriedengestellt erklärt haben. Nun aber das polltsschel Das Zollkompromiß— und die sechs Anträge haben doch schließlich fertige Gestalt— gibt der Regierung eine weitgehende Ermächtigung w Zoll- fragen. In dieser Negierung ist das Zentrum vertreten durch errn Brauns, die Deutschnationalen durch die Herren anitz, Neuhaus, Schlieben und Schiele. Die drei erstgenannten vertreten die bei Zollfragen betei- ligten Ressorts. Noch vor einem Bierteljahr hätte das Zentrum diesen Herren die verlangte Ermächtigung nicht gegeben. Ist das nicht Rechtsentwicklung? Weller: die kleine Zolltarifnovelle sollte nur Derhand- lungszölle entHallen, die als Waffe in der Hand der Unter- Händler bei den Handelsvertragsverhandlungen dienen sollten. Die agrarischen Vertreter in der Regierung haben die Novelle solange sabotiert, bis sie die Zustimmung des Kabinetts für die Hereinnahme reiner agra- rischer Schutzzölle erhielten. Das Zentrum gibt jetzt dazu feine Zustimmung: ist das nicht Rechtsentwicklung? Es bleibt dabei, daß die agrarischen Interessenten ihren Willen durchgesetzt haben, und daß das Zentrum sich ihnen fügt. Im übrigen: die Entwicklung der deutschen Politik wird nicht gefördert durch Kompromisse, die eine Kapllulation vor dem Geiste der Interessen Wirtschaft darstellen. Wir wissen nur zu gut, daß Koalitionspolitik ohne Kompromisse nicht möglich ist. Das Zollkompromiß aber— weit entfernt davon, fortschrittliche Elemente zu enthalten— verbaut den Weg zum Abbau der Zollschranken in Europa in einem Augenblick, in dem von Deutschland aus ensscheidende Anstöße gegeben werden könnten, es führt zu einer Verschärfung der sozialen Gegensätze. Es gehört zu jenen Kompromissen, die eine Partei wie das Zentrum nicht eingehen kann, ohne daß ihr Wesen berührt würde._ Verlängerung ües Notetats. Wiedereinberufung des Reichstags im Oktober. Die Mehrheitsparteien des Reichstages haben einen Antrag ein- gebracht, nach dem die Gültigkeitsdauer des Gesetzes über den vor- läufigen Etat bis zum 8. August 1S2S verlängert wird. Sollte bis zu diesem Datum die Feststellung des Etats nicht erfolgt fein, so wird die Geltungedauer des Gesetzes biszum 31. Oktober 1925 verlängert. Aus diesem Antrag ist zu schließen, daß der Reichstag nach der Sommerpause im Ottober zusammenbe- rufen werden soll, um den Etat fertigzustellen. Das Notgesetz wurde vom Reichstag ohne Diskussion dem Haus- Haltsausschuß überwiesen. Schleles gelbe Schützlinge. Der Tementicr-Apparat i« Arbeit. Reichstagsabgeordneter Genosse Graßmann schreibt uns: Eine zuständige Stelle* behauptet in einer Erklärung an die Presse, daß meine Veröffentlichungen über die Zusammen- hänge des Reichsinnenmini st ers und der gelben .Zentraltommisfton* jeder Begründung entbehren, und daß das Reichsministerium des Innern mit der gelben»Zentral- kommission* niemal« Beziehungen unterhalten Hab«. Will dte zuständige Stelle* auch bestreiten, daß der Begründer, zweite Vorsitzende und faktische Leiter der»Zentralkom- Mission*, Oberleutnant Kienzl, mehrmals wöchentlich bald den Reichsinnenminister I a r r e s persönlich, bald den Leiter des politischen Bureau» in den Diensträumen aufgesucht hat? Und will Herr Schiele leugnen, daß er als Minister diese Beziehungen durch Vermittlung eine» Frakttons- kollegen fortgesetzt hat? Die»zuständige Stelle* ver- meidet es bezeichnenderweise ängstlich, den Namen Kienzl zu nennen. Was nun die»Technische Nothilfe* betrifft, die durch Dermitt- lung der gleichen»zuständigen Stelle* von der»Zentralkommission* abzurücken sucht, so will ich mich für heute auf die Frag« be< schränken, ob sie auch bestreiten will, daß der Leiter Ihrer nor- wegischen Bruderorganisation mit der gelben»Zentralkommisston* aufs engste zusammenarbeitet? Wie lange will das Reichsinnenministerium dulden, daß die »zuständig« Stelle* solch« unwahren Informationen verbreitet? 9 Die Veröffentlichung über die»weißen Betriebszellen* veran- lassen sogar den gelben Reichslandarbeiterbund, in einer»Berichti- gung* von der»Zentrolkommisfion* de» Kienzl abzurücken. Diese Arbeiterschutztruppe des Reichslandbunde» legt Wert darauf, daß wir mitteilen, sie befinde sich»nicht in der Gesellschaft des Herrn Kienzl und seiner weißen Betriebszellen*. Auch stehe er nicht in finanzieller Beziehung zum Republikschutzfonds. Eine Zemeorganifatlon in Leipzig aufgeöeckt Ein Attentat verhindert. Leipzig, 29. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In der vergangenen Nacht wurden in Leipzig-Gohlis drei Führer der Feme-Organisation verhaftet. Mehrere Mitglieder des»Nationalen Bundes für Wehr und Hilfe* haben einen Ueberfall auf einen der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei angehörenden Major a. D. Braun« geplant, um ihn zu oerletzen oder gar zu beseitigen. Dem Opfer sollte zuerst Pfeffer in die Augen gestreut und sodann mit einem langen Schal der Hals zugedreht werden. Man wollte dem Major a. D. des Augen- lichts berauben und ihn am Schreien und Hilferufen hindern. Dem Opfer waren mindestens schwere Schläge mit einem starken Knüppel zugedacht. Eh« jedoch die Täter ihre Tat ausführen konnten, wurden sie von einem Polizeibeamten festgenommen, der im Austrage der politischen Polizei diese Feme-Organisation schon seit einigen Tagen verfolgt. Im Besitze des Anführers, eines ehemaligen Offi- ziers» wurde eine mit einem Gemisch von Pfeffer und anderen gefährlichen Pulvern gefüllte Ballspritze vorgefunden. Der Mann gab die Absicht zu, daß er den Major a. D. zunächst mal verteidi- gungsunfähig machen wollte, um ihn später zu beseitigen. Er gab ferner zu. daß seine Begleiter um die Tat gewußt und sich zur Bei- Hilfe bereit erklätt haben, was von diesen jedoch aufs entschiedenste bestritten wird. Als Grund für seine geplant« Tat gibt der Führer Rache an, weil der Major a. D. den Bestrebungen seines Bundes entgegengearbeitet habe. Die vier Täter wurden festgenommen und noch in dieser Nacht dem Staatsanwalt zugeführt. Spanisch-französisthe Parteikonferenz. Sozialistische Friedenspolitik für Marokko. pari». 29. Juli.(MTB.) Gestern haben Vertreter der spanischen und der französischen Sozialisten in Paris miteinander verhandelt, um eine gemeinsame Formel für das Maroktoproblem zu finden. Don französischer Seit« nahmen an dieser Beratung u. a. die Abgeordneten Blum und R e n a u d e l teil. Nach Beendigung der Konferenz erklätte der spanische Dele- gierte, daß er die Friedensbedingungen, die man Abb«l Krim stellte und über die benchtet worden sei, als den Tatsachen ent- sprechend betrachte._ öulgaristtzes. Brandstiftung in einem Gefängnis.— Zwei frühere Minister verbrannt! Au» Sofia wird gemeldet: Am Montag ist, wie erst jetzt bekannt wird, im Keller des Polizeigemängnifses ein Brand ausgebrochen. Dabei sind die dort inhaftierten beiden Minister aus der Etambulinski-Regierung, Kyril P a w l o w und Peter I a n« w, bei lebendigem Leibe ver- brannt. Man vermutet allgemein, daß der Brand absichtlich gelegt wurde, um sich der beiden Politiker zu entledigen. Neberfall auf Srlanöo. Rom. 29. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In Palermo wurde der in einem Auto sitzende ehemalig« Ministerpräsident Orlando, der vorher eine Wahlrede für den Freiheitsblock zu den Gemeinde- wählen gehalten hatte, von Faschisten überfallen. Die Auto- fenster wurden mit Knüppeln zerschmettert. Orlando selbst blieb unverletzt. „lReinigung". Rom, 25. Juli.(MTB.) Der Sekretär der faschistischen Partei hat eine Reihe von Abgeordneten wegen Nichteinhaltung der politi- schen Richtlinien der Partei für länger« Zeit von jeder politischen Tätigkeit ausgeschlossen. Die Abgeordneten haben Berufung gegen diese Entscheidung eingelegt. Hn öer Grenze. ition Rudi Hornig, Prag. Wenn man von dem Kurort« Eichwald nördlich der deutsch- böhmischen Badestadt Teplitz-Schönau mit der übrigen» prachtvoll gebauten Bergbahn zum Kamm des Erzgebirges fährt, gelangt man nach kurzer Fahrt zu der Grenzstation Moldau, deren Bahnhof hart an der tschechoslowakisch-sächflschen Grenze liegt. Wen« nämlich am nördlichen Ende des Bahnhofs ein Zug rangiert wird, fo muß die Verfchubslokomotive immer wieder ins sächsische Gebiet hineinfahren. Die Straße nach Sachsen führt kaum 200 Meter vom Bahnhof ent» fernt über eine die Bahnführung überquerende Brücke und man ist bereits auf reichsdeutfchem Boden. Vor der Brücke steht an der Straße da» Zollhaus. Groß« Fir- mentoseln oerkünden, daß dieses Hau» sowohl die sächsischen al» auch die tschechoslowakischen Zollbehörden beherbergt. Rechts von der Haustür ist das Schild in den sächsischen, links in den tschechoslo- wakifchen Farben gehalten. Rechts«in deutscher, links ein tschechischer Text. Bei dem gegenüberliegenden Gasthaus hängt die tschechische Firmentafel über der deutschen. In den tschechoflowakischen Aemtern gibt es bekanntlich nur eine tschechische Amtssprache. Auch in den deutschen Randgebieten des Staates. Ich war daher, als ich während einer Urlaubswanderung an dem Moldauer Zollhaus vorbeikam, darauf neugierig, wie der amtlich« Verkehr zwischen den beiden so einträchtlich im gleichen Hause amtierenden Zollbehörden eigentlich vor' sich geht. Auf dem Bahnhof« in Moldau hatte ich nach den tschechischen und vor den deutschen Aufschriften französische Aufschriften gesehen. Daß jedoch die beiden Zollbehörden auch französisch mit eirnmier verhandeln werden, wollte mir nicht einleuchten. Vor der Tür des Zollgebäudes stand«in tschechisches und ein deutsches Zollorgan. Ich wandte mich, da ich ja noch auf tjchecho- slowakischem Boden stand, in tschechischer Sprache an den tschecho- slowakischen Grenzbcamten mit der Frage, ob ich einen Spaziergang hinüber zum sächsischen Schloß Rehefeld machen könne. Der Grenz- beamte mußte sich nun an den sächsischen Kollegen wenden. Und er tat dies in tschechischer Sprache, war es doch ein« amlllche Frag«. Der sächsische Zollbeamte verstand ihn zu meinem Erstaunen auch. Und gab, natürlich deutsch, die Erlaubnis. Daraufhin beendete der tschechoslowakisch« Grenzbeomte die dienstliche Angelegenheit damit. daß er mir den deutschen Bescheid de» Sachsen, den er wohl ver- standen hatte, ins Tschechische übersetzte. Ich mußte, als ich die Grenze auf der über die Dahoführung gehenden Brücke überschritt, herzlich lachen: so einfach und dabei doch so drollig habe ich mir die Lösung dieser Sprachcnfrag« nicht vorgestellt. Beice Grenzorgane müssen in dienstlichen Angelegen- heiten die Amtssprache ihres Landes sprechen. Und verstehen sich dabei doch so großartig. Als ich kam vor dem Rehefelder Schloß stand, in dem früher Mitglieder der weiland sächsischen Königsfamisie den Sommer zu verbringen pflegten, und mir die Tatsache so recht bewußt wurde, daß die deutsche Fürstenherrlichkeit nun doch einmal endlich zum Teufel gegangen war, fiel mir auch das Neine Erlebnis beim Mol- dauer Zollgebäude wieder ein: Wie die beiden Zollorgane, so werden sich auch einmal die Völker aller Länder oerständigen, wenn sie durch gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis die vorhandenen Gegen- setze überbrücken oder zumindest mildern werden. E» geht auch ohne den dummdreisten Hurrapatriotismus... „Fauteull 47" ist ein junger Mann namens Paul, der— immer auf demselben Platz eine Theatervorstellung 82mal besucht, um die Schauspielerin Gilberte zu bewundern. Diese Schauspielerin hat eines Tages ihren abgelebten reichen Verehrer satt und läßt sich vom Inspizienten den Herrn vom Fauteuil 47 in ihre Garderobe holen. Wen bringt er? Nicht den erwähnten jungen Mann, sondern einen abgetakelten alten Grafen, der zufällig auf Platz 47 nachgerückt ist. Da er ihr sein großes Vermögen zu Füßen legt, geht sie mit ihm eine Verbindung ein. Als Paul(vom Fauteuil 47) mit ihr anzubandeln versucht, passiert ein kleines Mißverständnis: sie verheiratet ihn mit ihrer Tochter, die er gar nicht haben wollte. Die Ehe nimmt einen stürmischen Verlauf, ein zertrümmertes Tele- phon und zerbrochene Vasen sprachen vom Temperament der jungen Eheleute.— Das ist der Inhalt des Lustspiel» von Louis Ver- n e u i l, das gestern das„D e u t s ch e K ü n st l e r t h e a t e r* auf- führte. Man sieht, es sind allerhand Ueberroschungen in dem Stück. Es kommt immer anders als man denkt. Und das ist das Rezept, nach dem man gute Laune erzeugt. Ein geschickt gezimmerter Dialog erstickt die Langeweile, die manchmal von dem etwa» breit ausge- walzten Stoff auszugehen droht. Man freut sich an den sprudelnden Einfällen des erfahrenen Buhnentechnikers Aerneuil. Ein Lust- spiel ohne viel Originalität, aber voll Witz und guter Charakter- zeichnung. Ein für den Sommer ungewohnt gute» Ensemble ver- hilft dem anspruchslosen Stück zu einem hübschen Erfolg. Hans Brausewetter, der Herr vom Fauteuil 47, legt in die Roll« den Glanz seiner Jugend. Seine Kindlichkeit, seine Treuherzigkeit und seine stünnende Frische bezwingen. Ida Wüst, die ange- jähtte Schauspielerin Gilberte, besitzt Routine, Sicherheit. Sicghaftig- keit— und Knusprigkeit. Eine Neuerscheinung, Hertha Hambach, hatte anfangs mit starker Befangenheit zu kämpfen. Sie sprach nicht, sondern sagte auf. Zwei prächtige Komiker, Adolphe E n g e r s und Julius E. Hermann, bringen die Lacher sofort auf ihre Seit«. Der Regisseur Friedrich Lobe wurde gerufen. Dgr. Prof. Bernhard Naunyu. der bekannte Kliniker, sst in Baden- Baden gestorben. Er war als Sohn eines Berliner Oberbürger- Meisters 1839 geboren und wirkte, nach mehrjähriger Asststenten- tätigkeit bei Frerichs, an den Universitäten Dorpat, Bern, Königs- berg und Straßburg als Lehrer der inneren Medizin. Seine wissen- schaftlichen Arbeiten betreffen vorwiegend das Gebiet der experi- mentellen klinischen Pathologie. An der Entwicklung der Lehre von den krebsartigen Neubildungen, der Gelbsucht, der Gallensteinkrank- heit und dem Diabetes ist er mit zahlreichen Abhandlungen be- teiligt gewesen. ver teuerste Filmstern der Welt. Der amerikanischen FUmfirma Famous Players Lasky Corporation soll ihr Filmstern Gloria Swanson die schöne Summe von 17 500 Dollar die Doch« tosten. Die kostbare Dame hatte bis vor einiger Zeit 5500 Dollar Wochen- gage, aber mit ihrer Berühmtheit wuchsen auch die Angebote an sie, und da die Gesellschaft fürchtete, sie zu verlieren, bot sie dem Film- stern 15 000 Dollar die Woche. Doch dt« Konkurrenz Warner Brothers bot glattweg 17 500 Dollar, und so mußte Famous Players auf dieselbe Summe hinaufgehen. Das ist die höchste Gage, die zurzeit in der Filmwelt gezahlt wird— in deutschem Geld« jährlich etwa 3 822 000 Mark! Ein veuenkdeckker vermeer van Dessl. In englischem Privat- besitz ist ein bisher unbekanntes Frühwert des Dermeer van Delft aufgetaucht, das die Parabel des ungetreuen Knechte» darstellt. Das Bild, das trotz seines überraschend starken Rembrandt-Charakters in vielen Zügen schon den künftigen Koloristen Dermeer ahnen läßt, ist in diesen Tagen zur leihweisen Aufstellung in der vom Kaiier-Friedrich-Museums-Berein veranstalteten Ausstellung alter Meister gelangt. Aus der Sammlung Victor Hahn wurde das Brustbild eines alten Mannes von Rembrandt dargeliehen. Außerdem sind noch zwei wichtige Bilder von G r« c o. eine heilige Familie und eine Madonna mit Stiftern und ein Gemälde von Pieter de Hoch hinzugekommen. SScklin-Avsstelluvg In der TlaNoaalgaleri«. Die neuentdeckten Land- schaftzstudien Arnold Söcklin«, die von Dr. HanS Wendland in Amerika aufgejunden wurden und von Ende April ab im Muieum in Zürich au»- aeslellt waren, find inzwischen in den Berliner Kunilhandcl übergegangen. Drei der um» Jahr 1L51 herum entstandenen Oelstudien an» der italienischen Landschaft erwarb die Berliner Nationalgalerie, zwei gingen in den Besitz der öffentlichen Kunstsammlungen in Basel über, eine wurde von der Bremer Kunsthall« angekauft. Um nun den ganzen, für die Kenntnis de» jungen Böcklin bedeutungsvollen Fund allgemein zugänglich zu machen, wird die Nationalgalerie die 31 Studien in nächster Zeit ausstellen. Sold in Qveckfilber auch lv Zapon gelandet». Die llntcrjuchungen Prof. Miethe» über die Umwandlung von Oueckstlber in Gold find jetzt auch in Japan bestätigt worden. Proi. H. Nagaota von der Univerfität Tokio veröffentlicht in den.Nawrwiffenjchasten' da« Ergebnis jewer Versuche, die in gleicher Richtung verliefen. Ein aalorwlffen'chailllcher Fcrlevlehrgang findet lautBekanntmachung de» Preutzischen UnierrichtSministelS vom Lv. September bis 10. Ottober d. I. für Lehrer und Lehrerinnen höherer Lehranstalten statt. VorauSjetzung ist für die Testnehmcr Lehibesähsgimg in MalhemaNt und Physik. Den Kursus wird der Direktor der Staatlichen Hauptstelle für den naturwiffenichastitchc» Unterricht, Herrn M a t t h ä e. Bettln NW. 40, Invalid enstr. 67/82. leiten. Von der Zulaffung von Lehrern und Lehrerinnen an» Grotz-verlw soll ab- gesehen werden.. Ein deutscher Gelehrter In den Völker bood berufe». Di« Völkerbund». kommission iür geistige Zusammenarbeit Hot de» Professor der National- Ökonomie an der Fleiburger Universität von Scholze-Gaevernitz zum Leiter der Abteilung jür wissenschaftliche Fragen ernannt. veschleoa gte Verbreiluvg der SoivfelblSNer. Die Moskauer Sowjet- blättrr weiden jetzt in einigen der grösilen Städte Rußland» mit dem Flugzeoge verschickt. Am 17. Jnti geschah die»»um erfternnal in Roftow a. Don, wo die Morgennummer der»Rabotschaza Gaseta* von diesem Tage bereits um 5 Uhr nachmittag» aus den Straße» verkauft H-yt-i wie Zölle gemacht weröen. Aufdeckung der Juterefsenwirtschast bei den Oelzölle«. Ein sehr bezeichnendes Iniermezzo im Zollausschuß läßt ge- wisse Rückschlüsse zu über die geheimnisvollen Eiuslüsse, die sich bei der Vorbereitung der Zolltarifnovelle bemerkbar gemacht haben. Genosse Zloroack und der Kommunist Dr kloscnberg harten auf Grund einer Mitteilung des Schutzverbandes der Oele und Fe t t e verarbeitenden Industrie einige Fragen an die Regie- r u n g gestellt, die darin gipfelten, ob dort bekannt sei, welche merk- würdigen Methoden in der Preisbildung der Margarine durch eine Organisation ausgeübt werden, in der die ausländischen Jnteressenien maßgebend sind und die von früheren Angestellten der Wirtschaftsgesellschast Deutscher Oelmühlen geführt wird— einer während der Zwangswirtschaft entstandenen, vom Reich kontrollier- ten Gesellschaft. Die Regierung antwortete sehr nervös und ohne eigentlich auf die konkreten Fragen einzugehen. Sie verteidigte sich und ihre Beamten gegen gar nicht erhobene Vorwürfe, bis hilferdinz sehr energisch die Dinge beim richtigen Nomen nannte. Der Genosse chilferding stellte mit Nachdruck sest, daß die Oelzölle eine Angelegenheit sind, die ein tnteressantes Licht wirft auf gewisse Beziehungen, die sich während der Zwangswirtschaft zwischen einzel- nen Industrie- und chandelstreisen und Regierungsstellen geknüpft haben, ohne daß sie nach der Aufhebung der Zwangswirtschaft mit der notwendigen Eile abgebrochen worden sind. Genosse Hilferding erklärte, er wolle nicht den Vorwurf der Korruption erheben. Aber die Tatsache, daß solche Beziehungen beständen, bewiesen doch da» mangelnde Unterscheidungsvermögen, daß bei einer objektiven Regierung erst« Boraussetzung sein müsse. Die Beziehungen, die sich so herausgebildet haben, bedeuten praktisch, daß die volkswirtschaftlichen Interessen, die die Re- gierung iu erster Linie zu vertreten hat, hinter gewissen privater Interessen zurücklreien. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Ausschnitt aus der Kartell- e n t w i ck l u n g, wie sie durch das Wirken der Außenhandelsstelle treibhausmäßig gezüchtet wird. Es ist bekannt, daß halbamtliche Stellen energischsten Druck anwendeten, um die widerstrebenden Elemente der Industrie in diese Kartellbildung hineinzuzwingen. In diesem Falle ist es besonders schlimm, weil die Unter- stützung ausländischen Konzernen zugutekam, die dieser Hilfsmaßnahmen auf Grund ihrer außerordentlichen Kapitalskrast gar nicht bedurften. Es ist dadurch eine direkte Schä- digung der deutschen Wirtschaft eingetreten. Bezeichnend ist auch, wie die ungeheuerlichen Zollsätze von 20 M. zum Teil auf Oel- Produkte zustandegekommen sind. Der Reichswirtschaftsrat ist mit diesen Zöllen nicht beschäftigt worden. Sie wurden«inge- führt, nachdem die Lorlage den Reichswirtschaftsrat bereits passiert borte. Bezeichnend ist, daß das Kompromiß der Zollparteien die Vorschläge der Regierung auf 2 M. reduziert hat. Tatsächlich ist die Maßnahme der Kompromißparteien«in Beweis für die Richtig- teit unserer Auffassung, daß Rohprodukte grundsätzlich zollfrei bleiben müssen. Im übrigen betonte Hilferding. daß die sozialdemokratische Fraktion nicht daraus verzichten könne, aus die geheimnisvollen Borgänge bei der Einführung der Oelzölle im Plenum des Reichstages noch näher einzugehen. Der Vertreter der Regierung Ministerialdirektor Hofs- mann, wußte auch gegenüber Hilferding nichts anderes zu sagen, als daß kein Beamter des Ernährungsministeriums Beziehungen zur Oelindustrie unterhalte und daß nicht das geringst« Privatwirtschaft- liche Interesse vorgelegen habe. Dinge, die niemand behauptet hat und Behauptungen, die niemand bestreitet. Auf die konkreten Frage- stellungen ging der Regierungsvertreter nicht ein. Der Ton war gereizt und pikiert und im selben Tonfall wurde ihnen von sozial- « demokratischer Seite durch Zuruf geantwortet, daß für die Ver- teidigung im Plenum Zeit und Gelegenheit wäre. Den Reigen der sachlichen Veratungen eröffnete Genosse Tlowack mit einer sachkundigen Betrachtung der Oelwirtschaft. Unser Redner bestritt nicht, daß die Oelindustrie vorübergehend schlechte Konjunktur gehabt habe. Die Ursache dazu war aber nicht mangelhafter Zollschutz, sondern technisch« Unvollkommenheit. Nach- dem diese Schwierigkeiten beseitigt sind, ist die deutsch« Oelindustrie in der Lage, jede Konkurrenz zu schlagen. Sie� ist gut beschäftigt und die Gesamtsituation macht selbst Erziehungszölle unnötig. Durch Zölle auf Fette und Oele wird die damit verbunden« Urproduktion in keiner Weise geschützt, die Fertigindustrie dagegen wird außer- ordentlich gefährdet. Und außerdem fördert der Schutzzoll die au»- ländischen Konzernbeftrebungen, die gerade bei der in Frage kommenden Industrie Dimensionen angenommen haben, die den deutschen Einfluß fast völlig auszuschalten vermögen. Sicherheitspakt bedeutet Abrüstung. Eine Erklärung Coolidges. Swampscolk. 29. Juli.(WIB.) 3n der Sommerccsidenz des Präsidenten E o o l i d g e wurde gestern mitgeteilt, daß nach A?? ficht des Präsidenten der Abschloß eines europäischen Sicherheit». Paktes eine breitere Grundlage für eine weitere Abrüstung schaffen würde. Die Meldungen, daß Präsident Eoolidge die hoff. nung aus eine weitere Abrüstungskonferenz nusgegebea habe, werden dementiert, doch wird dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß die Zu- stände in Europa der Veranstaltung einer solchen Konferenz noch nicht günstig seien. Der Präsident werde abwarten, bis die Lage stabiler geworden sei. Räch Ansicht de» Präsidenten werde die Frage der Abrüstung durch den Sicherheitspakt nicht erledigt und bleibe für künftige Erörterungen offen. Besuch des britischen GeschäststrSgers bei Briand. Paris, 29. Juli.>e. Mit Rosen geschmückte Wagen der Kleinsten und Kleinen werden um Z Ubr aus dem Dreieck der vaugenossenschait zum Umzug durch den Ort nach dem Fesiplatz ausgeftelll. Tat in voltslümlichein Charakter gehaltene Fest bietet der Unterhaltung viele« und hat sich alljährlich viele Freunde erworben. Eintritt SS Pf, Kinder 20 Pf. Gewerkschaftsbewegung Kampfmaßnahmen der Bauarbeiter. Außerordentliche Beiträge von 2 bis 6 Mart. Am 27. Juli tagte im Hamburger Gewerkschaftshause eine Ronferenz des Beirates und Vorstandes des Baugewertsbundes. Den einzigen Beratungsgegenstand bildeten die zurzeit Deutschland durchtobenden Großfämpfe im Baugewerbe. Der Bundesvorfigende Paeplom bemerkte dazu, daß nach neueren genauen Feststellungen rund 56000 Mitglieder des Baugewertsbundes an diesen Kämpfen beteiligt sind. Aussperrungen haben die Unternehmer verhängt in den Freistaaten Baden, medlenburg, Sachsen, der Provinz Sachsen und Anhalt. Außerdem wird gestreift in Berlin und Kajjel Diese Großfämpfe fönnten, da man sich auf eine lange Dauer ein richten müsse, aus laufenden Mitteln allein nicht finanziert werden. Für die nächsten Wochen seien allerdings die Mittel zur Führung der Kämpfe vorhanden, allem Anschein nach seien aber die Unternehmerziele weiter geftect; es handele sich um nicht weniger als um die vollständige Niederringung der Bauarbeiterorganisationen. Diesen Unternehmerftreich, gilt es mit allen Mitteln abzuwehren. Die rund 320 000 nicht im Kampfe stehenden Mitglieder des Baugemertsbundes fönnten aus ordentlichen Mitgliederbeiträgen die Mittel zur Führung der Kämpfe nicht aufbringen. Außerordentliche Berhältnisse erforderten auch außerordentliche Maßnahmen. Deshalb müssen befondere Kampfbeiträge für die in Arbeit befindlichen Mitglieder des Bundes ausgeschrieben merden. Wir müssen alle unsere Kräfte zusammenfassen, um die Angriffe der Unternehmer abschlagen zu fönnen. In der ausgedehnten und lebhaften Aussprache stellte sich deutlich heraus, daß der gegen die Bauarbeiterorganisationen gerichtete Niederringungsplan der Baulöwen ein wohlvorbereiteter und wohl überlegter ist. Sie beharren nach wie vor auf Abschaffung des Ahlstundentages im Baugewerbe, auf Bermeigerung der früher reichstarifvertraglich festgelegten sozialen Bergünsti. gungen der Bauarbeiter, auf Serabfegung der Stun Benlöhne. Hinter dem Baulöwentum steht die gesamte Großindustrie. Der Kampf der Bauarbeiter hat sich damit zu einem Interessenkampf aller Arbeiter Deutsch Iands ausgewachsen. = Der Plan der Unternehmer geht dahin, die Bauarbeiterorganifationen mürbe und kampsunfähig zu machen, und dann einen Reichstarifvertrag abzuschließen, der den Achtst und entag beseitigt, bessere Lohn- und Sozialvergünstigungen aus. schaltet und die Bauarbeiterorganisationen auf längere Zeit in Fesseln schlägt. Alle Redner stimmten in der Auffassung überein, daß sich der Baugemertsbund unter teinen Umständen niederzwingen lassen darf. Aus Mangel an Mitteln zur Fortführung der Kämpfe dürften diese nicht aufgegeben werden. Echließlich verdichteten sich die Anschauungen zu folgenden ein. stimmig angenommenen Beschlüssen: „ Die den Bauarbeitern aufgezwungenen Rämpfe werden mit Energie fortgeführt. Es werden zur Unterstügung der Kämpje zunächst für 3 Wochen von jedem in Arbeit stehenden Mitgliede des Baugewerksbundes besondere Kampfbeiträge erhoben, und zwar für die 32., 33. und 34. Beitragswoche. Der Borstand wird ermächtigt, im Bedarfsfalle noch wei tere Rampfbeiträge einzuheben. Diese Kampfbeiträge find Pflichtbeiträge, fie müssen neben den ordentlichen Beiträgen schnellstens einge hoben und Zug um Zug der Haupttaffe zur Verfügung gestellt werden. Alle Unterstützungen sind für das ganze Jahr nach der Beitragshöhe des 1. Quartals 1925 zu berechnen. Die Kampf beiträge betragen je Woche bei einem Stundenlohn bis zu 55 Pf. 2 m., über 55-70 Bf. 3 m., über 70-90 Pf. 4 M., über 90 bis 110 Pf. 5 m., über 110 Pf. 6 M. Lehrlinge, Jugendliche, die Jugendmarken fleben, und weibliche Mitglieder sind von der Bah lung der Kampfbeiträge befreit. Sonstige örtliche oder bezirtliche Beschlüsse betreffend Extrabeiträge tommen wäh rend der Wochen bei Einhebung der Kampfbeiträge in Wegfall In Kampfgebieten, wo bereits höhere Streitbeiträge beschlossen find, sind besondere 3ufagmarten für die zu den neuen Bedingungen Arbeitenden zulässig. Die in Bezirks- und Baugewerkschaftskaffen befindlichen Streitfonds find, soweit och nicht geschehen, sofort der Haupttaffe zur Verfügung zu ffllen." Damit haben Borstand und Beirat des Baugemertsbundes be-| fundet, in diesen den Bauarbeitern durch Unternehmerwillfür aufgezwungenen Kämpfen ernstlich durchzuhalten. An den Mitgliedern liegt es, durch Solidarität, Disziplin und Opfermut zu zeigen, daß auch sie ernstlich gewillt sind, den Bergewaltigungsabfichten des Unternehmertums einen starten Ball entgegenzusehen. Der Appell an die Mitglieder wird nicht ungehört verhallen. Die Bauarbeiterschaft wird zeigen, daß sie immer noch die alte, erprobte Rampfes- und Sturmtruppe der Arbeiterschaft ist. Sonnabend Verhandlungen mit der Reichsbahn. Bekanntlich hatten die vertragsschließenden Organisationen der Eisenbahner den Reichslohntarif zum 30. Juli. aufgefündigt. Wie uns mitgeteilt wird, finden am Sonnabend Borverhand Iungen ftatt. Die Einladungen hierzu sind bereits an die in Frage kommenden Organisationen ergangen. Betriebsverhältnisse bei der Reichsbahn. Uns mirb folgendes mitgeteilt: Ganz unhaltbare Zustände herrschen auf dem Bahnbetriebs mert Botsdamer Güterbahnhof( Bog). Es befinden sich hier u. a. der sog. Wannseeschuppen und der Güterschuppen, in denen die an den Betriebsmaschinen notwendigen Repara turen vorgenommen werden müssen. Zunächst einiges über den Wannseeschuppen. Die in diesem Schuppen vorhandene Rauch abzugsanlage befindet sich schon feit langem in einem unbeschreiblichen Zustande. Die Abzugsfanäle sind derart defekt und durchgerostet, daß der von den unter Dampf stehenden Maschinen entwidelte Qualm durch die Kanäle nicht abziehen tann, sondern durch die Löcher entweicht und sich im Schuppen fest sezt. Nun stehen meist in diesem Schuppen 20 Maschinen und vor den Toren weitere 10. Wenn der Wind gerade ungünstig steht, wird der Rauch der draußen stehenden Maschinen auch noch in den Schuppen getrieben. Der Schuppen gleicht unmöglich, bei dieser Qualmentwicklung zu arbeiten. Augen und dann einer Räucherfammer. Den dort Beschäftigten ist es beinahe Lungen find start in Mitleidenschaft genommen. Auf mehrmalige Beschwerden hin ist jetzt endlich zur Reparatur des Rauchabzuges geschritten worden. Es wird aber nicht etwa die ganze Anlage repariert, fondern nur ein Drittel Die Reparatur der gesamten Anlage würde sich laut Roftenanschlag auf ungefähr 6000 m. ftellen; Die Reparatur eines Teiles der Anlage ist völlig zmedlos, da es find aber für diesen 3med nur 2000 m. bereitgestellt worden. angefeuert werden und somit den größten Qualm entwickeln, under Teil des Schuppens, in dem die sog. Auswaschmaschinen frisch berüdsichtigt bleibt. schuppen als Reparaturschuppen. Dieser ist in einem noch viel Während der Stillegung dieses Schuppens dient der fog. Güter schlimmeren Zustande. Da er eigentlich anderen Zweden dienen sollte, ist aus ihm die Rauchabzugsanlage gänzlich entfernt worden. An der Kuppeldecke sind viele Fenster entzwei, fo daß bei Regenwetter eine schwarze Brühe den Arbeitern auf die Röpfe läuft. In den Tagen der tropischen Hize fand der Rauch naturgemäß nirgends Abzug, so daß die Arbeiter zeitweise den Raum verlassen mußten, weil sie vor Rauch nicht mehr aus den Augen sehen konnten. Der Werkstättenvorstand hat sich die größte Mühe Dienststellen fein Verständnis dafür. Es bleibt den Beschäftigten gegeben, diese Zustände abzuändern, findet aber bei den vorgesetzten nichts anderes mehr übrig, als die Deffentlichkeit auf diese menschen unwürdigen Arbeitsverhältnisse aufmerksam zu machen. Diese Zuschrift wirft ein grelles Schlaglicht auf die Zustände bei der Reichsbahn. Man tann unter diesen Umständen verstehen, marum man dem Personal verbietet, an die Presse irgendwelche Auskünfte oder Berichte zu geben. In feinem Privatbetriebe wären solche schauderhaften Zustände möglich. Man gleicht die Dinge wirklich nicht dadurch aus, daß man einen verzopften, militaristischen Erlaß über die Grußpflicht herausgibt und im übrigen den Eisenbahnern einen Maultorb umbindet. Internationaler Kongreß der chemischen Arbeiter. Wien, 28. Juli.( WTB.) Gestern wurde der auf drei Tage anberaumte internationale Rongreß der chemischen Arbeiter eröffnet, an dem 42 Delegierte aus allen europäischen Ländern teilnehmen. Die Tagesordnung des Rongreffes umfaßt zwei Fragen. Erstens die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der chemischen In duftrie und zwettens die Gefahren der Arbeit in der chemischen Industrie für die Gesundheit. Zu beiden Punkten erstattete H a upt. Hannover ein ausführliches Referat. Dem Rongreß liegen zwei Resolutionen vor. Die erste spricht fich mit Rücksicht auf die Zunahme internationaler Kar. telle und der internationalen Vereinbarungen zwischen den Unternehmen für einen weiteren Ausbau des internationalen Getretariats des Fabritarbeiterverbandes aus. In der zweiten Entschließung werden zum Schuh der in chemischen Betrieben beschäftigten Arbeiter eine Reihe von Forderungen aufgeftellt. darunter die Ueberwachung der Schutzvorschriften durch staatliche Beamte, die gesetzliche Festlegung des Achtstundentages für alle chemischen Arbeiter und einer fürzeren Marimalarbeitszeit für Arbeiter an besonders gefährdeten Arbeitsplätzen, das Verbot der Afford- und Prämienarbeit bei Arbeiten mit giftigen, sowie säureoder explosionsgefährlichen Stoffen und das Berbot der Beschäftigung von Frauen und Jugendlichen bei der Herstellung oder Verarbeitung giftiger Stoffe. Zum Streik im Saargebiet. Saarbrüden, 29. Juli.( WTB.) Auch die Angestellten der Saargruben haben zur Lage Stellung genommen und ihre Organi fationen beauftragt, der Bergwerksdirektion eine Eingabe zu über. reichen, in der sofortige Verhandlungen mit dem Verwaltungsrat der Saargruben gefordert werden, da die Gehälter der Grubenangestellten ebenso wie die Löhne der Bergarbeiter einer Aufbesse rung bedürfen. Ferner wurde beschlossen, daß die Angestellten während des Ausstandes der Bergarbeiter jede Arbeit, die für ge wöhnlich von Arbeitern ausgeführt wird, ablehnen sollen. Paris, 29. Juli.( BTB.) Der Arbeitsminister Laval empfing gestern eine Abordmung der Bergarbeitergewerkschaften aus dent Saargebiet, die ihm darlegte, daß die Löhne ungenügend seien, da die Lebensbedingungen im Saargebiet besonders schwierig seien. Der Minister entgegnete ihnen, daß die Löhne in diesem Jahre bereits bemerkenswert erhöht worden seien. Nach Prüfung der statistischen Angaben über die Kosten der Lebenshaltung im Saar. gebiet und der finanziellen und wirtschaftlichen Lage der Bergwerte im Zusammenhang mit der Lage auf dem Kohlenmarkt machte der Minister den Mitgliedern der Abordnung bestimmte Borschläge. Die Delegierten nahmen diese zur Kenntnis und erklärten, daß sie die Vorschläge der Arbeiterschaft unterbreiten würden und unmittelbar nach deren Beschlußfassung antworten würden. Voraus sichtlich werden die Arbeiter am Sonnabend zu den Vorschlägen Stellung nehmen. Keine Entspannung im englischen Bergbankonflikt. London, 29. Juli.( WTB.) Zu der Meldung, daß die Bergmertsbesitzer sich bereit erklärt hätten, ihre Vorschläge betreffend neuer Lohnabkommen zurückzuziehen, und die erfolgten Kündigungen nicht erfolgt sei. Die Lage sei noch immer unentschieden. zu widerrufen, erfährt Preß Association, daß ein derartiger Beschluß Der Streit bei der Firma Ofis, Aufzugswerte, Abtg. Stadt. lager, Alte Jafobftr. 23/24, geht weiter. Nachdem alle Vergleichsverhandlungen bisher gescheitert sind, hat der Deutsche Metallarbeiterverband am 22. Juli neue Berhandlungen vorgeschlagen. Die Firma hat bisher es noch nicht für nötig gefunden, darauf zu antworten. Zuzug ist fernzuhalten. Berantwortlich für Bolitit: Bietor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fris Rarfstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 • Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. 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