Abendausgabe fr. 360 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 177 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin malhairo starte 10 Pfennig Sonnabend me 1. August 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands And not proho? Polizei im Reichstag. neu stadser : sid i Eine unsterbliche Verordnung.. tim by Entrechtung der Beamtin.- Der Abbau geht weiter. Bon Willi Steintopf. Die Kommunisten Höllein und Jaddasch durch Schupo- Beamte entfernt! Haben die Deutschnationalen am Donnerstagabend einen über den Durst getrunken oder nicht? Das war die Frage, mit deren Erörterung die heutige Sigung des Reichstags eröffnet wurde. Graf Westarp gab die feierliche Erklärung ab, daß an den Behauptungen der Roten Fahne", seine Parteifreunde gäben sich übermäßig dem Alkoholgenuß hin, fein Wort wahr sei, und es sei sofort Strafantrag gegen das fommunistische Blatt ge= stellt worden. Im übrigen versicherte der Graf, seine Fraktion werde alles tún, um die Würde des Hauses zu wahren. Höllein rief dem deutschnationalen Führer zu:„ Es ist doch wahr!" Neu mann von den Kommunisten rief nach rechts hinüber„ Lügner" wofür er von dem Bizepräsidenten Graef zur Ordnung gerufen wurde. Damit war das Vorspiel des heutigen Tages zu Ende. Jedenfalls scheint die Freundschaft zwischen Deutschnationalen und Kommunisten nicht mehr so eng zu sein als zu jener Zeit, wo sie im preußischen Landtag den gemeinsamen Heldenkampf gegen das Kabinett Braun Severing führten. In der fortgesetzten Aussprache über das Reichsbewertungsgeseh nahm sich Genosse Heinrich Schulz mit besonderer Wärme der Angehörigen der freien Berufe an. Die Vorlage der Regierung hatte den Betrieb eines Gewerbes mit der Ausübung eines freien Be rufes gleichgestellt. Beim Künstler sei nicht das Geld verdienen das entscheidende Moment, sondern er folge feiner inneren Stimme. Es liege im Wesen des freien Berufes, daß feine Angehörigen sich nicht gern zu Organisationen zusammenschließen, um dort ihre wirtschaftlichen Interessen zu wahren. Bei ihnen fomme die Persönlich feitsleistung in Betracht und nicht die Massenleistung. Wie bei den Künstlern der Bersönlichkeitscharafter im Vordergrund steht, haben wir bei dem Streit Rolbe Eberlein gesehen, beides hervorragende Künstler, aber doch mit verschiedenartigen Anschauungen. Bei den Bewertungsvorschriften für das Gefamfvermögen begründete Abg. Bülow( Soz.) einen sozialdemokratischen Antrag, wonach dem Bewertungsbeirat des Reichsfinazministers je ein Bertreter des Reichsverbandes landwirtschaftlicher Steinbetriebe und der gewerkschaftlichen Arbeitnehmerorga nisation angehören solle. Der Redner wies darauf hin, daß die fleinen Landwirte heute schon gegenüber den Großgrundbesitzern benachteiligt find. Wir können irgend eine Steuerart nehmen, ftets zeigt es fich, daß der kleine Landwirt im Verhältnis zum Groß grundbefizer ganz erheblich stärker herangezogen werde. Die Kommissionen, die durch das Gesetz geschaffen werden, würden genau fo arbeiten wie die früheren Einkommensteuerveranlagungstom miffionen. Schon jeht übe der Landbund zugunsten des Großgrundbefizes einen äußerst schädlichen Einfluß auf die Finanz: ämter aus. Führer des Landbundes treten in Versammlungen auf und fordern zur Sabotage der Steuerzahlung auf. Auch bei dem Reichsbewertungsgesez sei wiederum die Möglichkeit für Steuermogeleien der großen Grundbesiker und zur Benachteiligung des fleineren Befiges gegeben. Der fozialdemokratische Antrag suche Abhilfe dagegen zu schaffen. Dr. Herh( Soz.): Der§ 83 gibt dem Reichsminister der Finanzen mit Zustimmung des Reichsrates das Recht, Durchführungsbestimmungen zu diesem Gesetz zu erlassen. Diese Bestimmungen haben eine besonders große Bedeutung, weil der Finanzminister nicht nur Berwaltungsverordnungen, sondern auch Rechtsverord rungen zu erlassen hat. Wir fordern daher in unserem Antrage, daß auch ein Ausschuß des Reichstages hinzugezogen werden foli. In der Abstimung über die einzelnen Paragraphen des Gesetzes gab der Abg. Brüning( 3.) die Erklärung ab, daß bis zur dritten Lesung eine Fassung gefunden werden solle, die den Wünschen des sozialdemokratischen Antrages auf Hinzuziehung der Bertreter des Kleinbefiges und der Arbeitnehmer. organisation entspreche. Daraufhin zog Genosse Dr. Her den jozialdemokratischen Antrag bis zur dritten Lesung zurück. Der fozialdemokratische Antrag für die freien Berufe wurde abgelehnt, dagegen die schwächere Fassung des deutsch nationalen Antrages angenommen. Im übrigen wurde das Gesetz nach den Beschlüssen des Ausschusses angenommen. Bevor man die Beratung des Gesetzes zur Aenderung der Verkehrssteuern und des Verfahrens kam, wozu als erster Redner Genoffe Dr. Herh das Wort ergreifen sollte, fam es wieder zu großen Tumulten. Die Kommunisten beschwerten sich darüber, daß sie zu der heutigen Beratung des Aeltestenausschusses nicht rechtzeitig einge. laden worden seien, und sie beantragten deshalb, daß der Aeltesten ausschuß sich noch einmal mit der Redezeit bei diesem Gesetz beschäftigen solle. Der Aelteftenausschuß hatte beschlossen, daß in der allgemeinen Aussprache 4 Stunden, zu den einzelnen Abschnitten je 15 Minuten von jeder Fraktion gesprochen werden solle. Der kommunistische Abg. Höllein behauptete nun, daß der Reichsfinanzriinister und der Staatssekretär Bopit gestern mit den ein zelnen Parteien gesprochen und ihnen eine schriftliche Aufstellung über die noch zu leiſtenden Arbeiten gegeben habe. Die Kommunisten seien dabei ebenso ausgeschaltet worden wie bei den heutigen Beratungen des Aeltestenausschusses. Die Abgg. Ruth Fischer und Stoeder häften ihre Einladungen auf dem Grabe rebenständer gefunden, während man sie beispielsweise dem Abge ordneten Müller Franten ins Bett gefchickt habe. Mit Pathos rief Höllein aus: Sie können nicht verlangen, daß wir uns eine Hundsnafe anschaffen." Bei der Abstimmung blieben die Kommunisten in der Minderheit, ihre Anträge wurden abgelehnt. Darüber gerieten fie in But und als Genosse Herh zu reden beginnen wollte, überhäuffen einige von ihnen, so Höllein und Jaddasch die Mitglieder der anderen Parteien mit den rohesten und wildeffen Schimpfworfen. Der Bizepräsident Graef versucht vergeblich die Ruhe wiederherzu tellen. Auf Ordnungsrufe reagierten die Romununisten nicht mehr. Runmehr verkündete der Bizepräsident Graef, daß der Abg. Jaddasch uns der Sihung ausgeschloffen sei. Da Jaddasch feine Miene machte den Saal zu verlaffen, die Kommunisten ihren Lärm aber fortsetzten, hob der Vizepräsident die Sigung um 1.20 Uhr für 10 Minuten auf. Um 1,30 Uhr eröffnet der Bizepräsident die neue Sigung. Abg. Stoeder( Komm.) macht den Bersuch, sich zu Worte zu meiden. Der Vizepräsident bedeutet ihm, daß er zunächst die geschäfts. ordnungsmäßigen Mitteilungen verlesen werde. Graef ſtellt fest, daß der Abg. Jaddasch infolge seiner Weigerung, den Sigungssaal zu verlassen, auf 8 Tage ausgefchloffen fei. Da er auch jetzt noch im Saale sich befinde, sei er nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung auf 20 Gigungstage aus geschlossen. Er mache ihn auf die weiteren geschäftsordnungsmäßigen Mittel aufmerksam und er würde bedauern, wenn er Brachialgewalt gegen ihn anwenden müsse, was bisher nur einmal geschehen sei. Bei diesen Worten des Bizepräsidenten machen die Kommunisten ungeheuren Lärm, vor allen Dingen der Abg. Höllein. Bizepräsident Graef schließt den Abg. Höllein, weil er seinen Anordnungen feine Folge leistet, von der Sigung aus. Höllein verläßt den Gaal nicht. 550 Danach vertagt der Bizepräsident die Sigung um fünf Minuten. Inzwischen werden die Galerien geräumt. Die Polizei im Saale. Die neue Paule dehnt sich bis gegen 2 Uhr aus. In der Zwischenzeit bemüht sich Genosse Lobe, den Abg. Höllein zum Berlaffen des Saales zu bewegen. Höllein ist aber ebenso wenig wie die anderen Kommunisten ruhigen Erwägungen zugänglich. Gegen 2 Uhr eröffnet Bizepräsident Graef wiederum die Sigung. Er teilt mit, daß Abg. Höllein, da er den Saal nicht verlaffen hat. zunächst auf 8 und da er auch jeht nicht hinausgehe auf 20 Sihungfage ausgefchloffen fei. Höllein ruft dem Präsidenten zu:„ Ich will. daß Sie die Henfersarbeit pollziehen." Der Bizepräsident ersucht nunmehr die Abgeordneten, hinauszugehen und auch die Prefsetribüne zu räumen. Sodann erscheinen eine Anzahl Kriminalbeamte im Saal, die durch ihre Jugend auffallen. Jaddasch erklärt, daß er der Gewalt weiche und verläßt den Saal Höllein ruft:„ Raus mit den Kindern!" Der Führer der Kriminalbeamten versucht Höllein durch Zureden zum Berlaffen des Saales zu bewegen. Es entspinnt sich eine Au einandersetzung zwischen Höllein und den Kriminalbeamten und als dann noch vier Schupobeamte in Uniform erscheinen, erklärt Höllein, daß er der Gewalt weiche und den Saal verlaffe. Die anderen Kommunisten begleiten diesen Akt mil Absingen der Internationale. Angriffe gegen den Reichstagspräsidenten. Fehrenbach, Westarp und Scholz müffen seine Objektivität bescheinigen. do lodi Der Weltestenrat des Reichstages trat heute schon in früher Morgenstunde zu einer Sigung zusammen. Bei Beginn cab der Reichstagspräsident Löbe eine Erklärung ab, die das Folgende besagte: Zwei 3wei Blätter der„ Deutschen Boltspartei" und zwei Blätter murf erhoben, daß der Fortgang der Geschäfte des Reichstags der Deutsch nationalen Partei haben gestern den Bor=" durch den Präsidenten Löbe gehindert werde, weil er eine läffige Geschäftsführung habe und sich nicht den Willen der Mehrheit zur Richtschnur nehme, also nicht die nötige Objektivität an den Tag lege, und die„ Deutsche Allgemeine Zeitung" hat auf angeb liche Vorhaltungen hingewiesen, die im Aeltestenrat dem Präsidenten wegen mangelnder Wahrung der Würde des Reichs. tags gemacht worden seien. mnis Dazu erkläre er, daß, wenn auch nur die Möglichkeit bestände, daß Teile des Reichstags oder gar die Mehrheit sich diese Meinung zu eigen machen, er noch in derselben Stunde bereit sei, dieses Hindernis aus dem Wege zu räumen. Er fei als Präsident zur Wahrung der Geschäftsordnung jowohl gegenüber der Mehrheit wie der Minderheit verpflichtet und wolle feinen politischen Namen nicht aufs Spiel ſehen, indem er die Bergewaltigung einer Minderheit versuche. Er würde dann lieber in die Reihen der Abgeordneten zurücktreten und die Weiterführung der Geschäfte einem Herrn überlassen, der eine andere Ueberzeugung habe. Darauf ergriff der Abg. Fehrenbach( 3.) das Wort und erklärte, daß er als früherer Präsident ausdrücklich bescheinigen müsse, daß von einer Anzweiflung der Objektivität müsse, daß von einer Anzweiflung der Objektivität auf einer Seite die Rede sein könne; die Borwürfe seien durchaus ungerechtfertigt. Allerdings hatten sich auch beim Präsidenten Löbe am Donnerstag abend 3eichen der Er müdung gezeigt und er habe eine zu lange Geschäftsordnungsdebatte zugelaffen. Der Erklärung, daß die Objektivität des Präsidenten nicht angezweifelt würde, schlossen sich auch die Vertreter der beiden großen Rechtsparteien, Graf Westarp und Dr. Scholz, an. lleber den Geschäftsplan und die Beratung für die noch aus. stehenden Steuergesetze murde sodann vereinbart, daß die Situngen am Montag und Dienstag ebenfalls von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends dauern und daß erst dann meitere Dispositionen megen der dritten Lesung der Steuergesetze und der Beratung der Zollvorlage getroffen merden jollen, Der Reichsrat hat soeben das Gesetz mit dem schönen aber unzutreffenden Namen über Einstellung des Personalabbaus" verabschiedet und sich dabei die Auffassung der Regierung und der Regierungsparteien zu eigen gemacht, daß es trotz der flagranten Verlegung des Art. 128 der Weimarer Berfaffung zu seiner Rechtsgültigkeit feiner Zweidrittelmehrheit im Reichstag bedürfe. Das Gesetz wird also in den nächsten Tagen verkündet werden und damit in Kraft treten. Die Entrechtung der verheirateten Beamtin, die aus ,, dienstlichen Gründen" und, menn ihre wirtschaftliche Versorgung gesichert erscheint", nach wie vor entlassen werden kann, wird verewigt, wenn nicht ein tünftiger, befferer Reichstag diese Bestimmung aufhebt. falls sehr gewichtige Gründe gewesen, welche die Neben diesem Grund sind es aber noch andere ebenSozialdemokratie veranlaßt haben, in der Schlußabstimmung zusammen mit den Demokraten und Kommunisten das Befe abzulehnen. Wohl soll der generelle Abbau der männlichen und unverheirateten weiblichen Beamten bei den Reichsverwaltungen und den Versicherungsträgern eingestellt werden. Bei den Ländern und Gemeinden aber ist noch nicht einmal dies Zugeständnis gemacht worden. Und merkwürdig muß es anmuten, wenn die Reichsregierung und ihre Koalition sich dabei auf den Standpunkt stellen, daß es Sache der Länder sei, dies auszuSprechen; das neue Gesetz berechtige sie dazu. Umgekehrt, als es um den Erlaß der Abbauverordnung und zuungunsten der Beamten ging, trug man feine Bedenken, Länder und Gemeinden nicht nur zu berechtigen", sondern auch zu ,, verEs ist pflichten", Gleiches für ihre Beamten durchzuführen. und bleibt Tatsache, daß die reichsgesetzliche Grundlage zu einem weiteren ganz generellen Abbau der Beamten der Länder und Gemeinden auch weiterhin befteht. Es bleibt also mindestens abzuwarten, was sich daraus entwidelt. Abbaus beim Reich nicht gesprochen werden. Denn ein Eigentlich fann auch von einer Einstellung des generellen neuer Artikel der Abbauperordnung gibt dem Reichsfinanzminister das Recht, zusammen mit dem Reffortminister freimerdende Planstellen nach Belieben zum Zmed eines weiteren Abbaus zu streichen. Damit werden den jungen heranwachsenden Beamten die. Aussichten auf eine etatsmäßige Anstellung glatt genommen, was sich selbstverständlich ais weiterer Abbau auswirken muß. Für den Vorschlag der Sozialdemokraten, wenn schon weiter abgebaut werden müsse, dann dem Beamtennachwuchs durch baldige Anstellung Förderung zuteil werden zu laffen, dafür aber in erster Linie über 60 Jahre alte Beamte zu pensionieren, hatte man fein Verständnis. Unflar ist ferner geblieben, weshalb man in dem einen Artikel des neuen Gesezes die Einstellung des Abbaus bei den Bersicherungsträgern ausgesprochen hat, um in einem Abbau der Beamten und Angestellten der Versicherungsträger anderen Artikel zu erklären, daß die Bestimmungen über den auch weiterhin in Kraft bleiben. Alle Versuche. hierüber eine flare und erschöpfende Auskunft zu erlangen, sind fehl= geschlagen. Der 3wed diejes offenbaren Widerspruchs und man fann doch wohl annehmen, daß eine Reichsregierung nichts zwedlos tut bleibt das Geheimnis der Regierung und der sie stützenden Parteien. Lösung gefunden worden. Hier hat man zwar auch die ominöje, Auch bezüglich der Angestellten ist keine befriedigende vielfach falsch verstandene und willkürlich ausgelegte Beftimmung Angestellte sind zu entlassen" aufgehoben, das Berbot einer Einstellung von Angestellten aber bestehen lassen. Dies ist um so unverständlicher, als praktisch gesehen, dies Berbot durch die Einstellung tausender neuer Angestellten in verschiedenen Reichsbetrieben längst überholt, und auch die Einstellung neuer Beamten mit Genehmigung des Haushaltsausschusses des Reichstags zulässig ist. Dabei ist es für die Regierungsparteien außerordentlich bezeichnend, daß sie den sozialdemokratischen Antrag, bei diesen Beamteneinstellungen neben Bersorgungsanwärtern, Schwerbeschädigten und Wartestandsbeamten auch im Reichsdienst langjährig tätige Angestellte zu berücksichtigen, abgelehnt haben. Ein Schicksal, das auch dem sozialdemokratischen Antrag auf Wiederverwendung der auf Grund der Abbauverordnung entlassenen Schwerbeschädigten zuteil wurde. dafür anführen, daß von einer Einstellung des allgemeinen So ließen sich noch eine ganze Anzahl Dinge zum Beweis Personalabbaus, wie der Artikel 1 versichert, bei weitem nicht die Rede sein kann. Den einzigen Fortschritt, den die Regierungsvorlage brachte, war die Wiederinkraftsetzung des§ 84 Punkt 4 des Betriebsrätegesezes für die Arbeiter und Angestellten der öffentlichen Betriebe. Gut, daß dies geschehen ist. Unverständlich aber bleibt wiederinn, weshalb an eine anderen Stelle des Gesetzes trotzdem noch einmal bestimmt wird, daß sich die Entschädigungen an gekündigte Angestellte fortab nach den Vorschriften des Betriebsrätegesetzes richten, was an sich ja felbstverständlich ist. Was sonst noch an Verbesserungen vorhanden ist, stellt restlos Erfolge der Opposition und besonders der Sozialdemofratie bar. So die Wiederherstellung der Bestimmungen des Reichsbeamtengefeßes, daß Beamte, die pensioniert oder auf Martegels gefekt werden, noch brei Monate das attive Gehalt beziehen. Ferner, daß die Hinterbliebenen aus einer Ehe, die erst nach der Pensionierung des Beamten geschlossen wurde, nunmehr endlich in die Hinterbliebenenversorgung einbezogen werden, wenn auch das Verlangen der Sozialdemokratie, diefen Hinterbliebenen, ebenso, wie es bei den anderen der Fall ist, einen Rechtsanspruch auf die Versorgung einzuräumen, sich noch nicht hat durchsetzen können. Weiter ist dies auch bei der Gestaltung des grundlegenden Artikels über die Aufhebung der eigentlichen Abbauvorschrift für die Beamten und Angestellten des Reichs und der Bersicherungsträger der Fall. Und wenn bezüglich der verheirateten Beamtin gegenüber dem bisherigen Zustand dadurch eine Erleichterung geschaffen wurde, daß diese nunmehr bei ihrer Entlassung eine Abfin dungssumme für den ihr einfach fortgenommenen Anspruch auf die erdiente Pension erhält, so gehört dies ebenfalls zu zur Gemilderter" Ausnahmezustand. männern schreiende deutschnationale Breffe hat fofort an jedem Fachmann etwas auszusehen, wenn er Republikaner ift. Die Sanierung des Stinnes- Konzerns. Sozialdemokratische Jnterpellation. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat folgende Inten pellation eingebracht: Bei den Ende Mai 1925 offenbar gewordenen Zahlungsschwierig feiten des Stinnes- Konzerns hat die Reichsbant eingegriffen. Wir fragen die Reichsregierung: Eine Verhöhnung der Reichsverfaffung. Die schon erwähnten Richtlinien der bayerischen Regierung Milderung des Ausnahmezustandes" er innern lebhaft an die schönsten vormärzlichen Erlasse der deut schen Duodez- Regierungen. Väterlich- polizeiliches Wohlwollen gegenüber den Untertanen", wenn sie hübsch artig sind. Heute aber haben wir eine Reichsverfassung auf repúblitanischer Grundlage und auch die Landesregie rungen find an sie gebunden. Nach der Reichsverfassung hat Sind dabei damals oder später öffentliche Mittel der Reichspräsident, wenn im Deutschen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet oder solche der Reichsbant mittelbar oder unmutelbar zu Sind insbesondere Gelder wird", den Ausnahmezustand zu verhängen. Bei Stügungszweden verwandt worden? Gefahrim Berzuge" fann auch eine Landesregie von Staatsbanten deutscher Länder, von Girozentralen rung für ihr Gebiet ähnliche Maßnahme treffen. Diese Maß- oder von der Reichskreditgesellschaft dem stüßenden Bankentonfortium nahmen find auf Berlangen des Reichspräsidenten oder Reichsaur Berfügung gestellt worden und gegebenenfalls zu welchen Zinstages außer Kraft zu fetzen. Der bayerische Ausnahmezustand stammt aus dem Jahre nicht vorübergehen lassen, ohne für die ihnen besonders nahe 1923! Er ist also jetzt rund zwei Jahre in Geltung, Kredit, der für die übrigen Industrien zur Verfügung steht, be jenen Erfolgen. ie Regierungsparteien b Natürlich haben die Regierungsparteien die Gelegenheit stehenden Kreise der Beamtenschaft eine Ertrawurst zu braten. Die Pensionstürzung, auf deren Beibehaltung die Reichsregierung bis in die neueste Beit hinein bestehen zu müssen glaubte, ist gefallen. Damit sind 5% Millionen Mart jährliche Ersparnisse jenen Ruheständlern" bewilligt worden, die neben ihrer hohen Pension noch große Ein. tommen aus Arbeitsverdienst- 600 m. monatlicher Arbeitsverdienst sollen fürzungsfrei bleiben- einheimfen können. " ist demnach schon zum Regelzustand geworden, der den fubelternen„ Staatsmännern" Bayerns die Möglichkeit gibt, die Regierungsmethode von 1830 wieder einzuschmuggeln und diesen Schmuggel mit Wohlwollens" phrajen zu umfleiden. Will man in Bayern ernsthaft behaupten, daß noch immer Gefahr im Verzuge" bestehe, die die Aufhebung des Ausnahmezustandes unmöglich mache? Will der Reichs tag nicht endlich von seinem verfassungsmäßigen Recht GeDie breiten Maffen der Beamten der unteren und mitt brauch machen und Bayern wieder in die Reihen der verfaffungsmäßig regierten Länder zurückführen? Und will leren Gruppen, denen von der Regierung und den Regierungsber Reichspräsident, der ja am Tage nach der unter parteien seit Monaten und Monaten erklärt wird, daß für brückten Berfassungsfeier in München anwesend eine fo geringe Zulage feine Mittel vorhanden seien, werden diesem Regierungskunststüd verständnislos und ist, nicht den Polizeigeistern der bayerischen Regierung flarerbittert gegenüber stehen. Sie werden um so erbitterter fein, machen, daß auch sie sich seinem Verlangen nach Beseitigung wenn sie erfahren, daß sich zu diesen 5½ Millionen noch des Ausnahmezustandes zu fügen haben? 18 Millionen jährlich gesellen, welche die Regierung, ohne den Reichstag auch mir zu fragen, zur nachträglichen / Höherstufung der Kriegsoffiziere bewilligt hat. Mit diesem Geld und dem Betrag für andere durchaus an fechtbare Ausgaben wäre es möglich gewesen, wenigstens die ärgste Not der Beamten der unteren Gruppen zu lindern. Man hat dies nicht, und das möge den Beamten eine Lehre sein. Was mit dem neuen Gesetz, abgesehen von den wenigen Neuerungen zugunsten der Beamten, diesen vorgesetzt wird, geht am besten daraus hervor, daß die Regierung fich trotz einer Zusage im Reichstag fcheut, die abgeänderte Berfonalabbauverordnung in ihrem neuen Wortlaut im ,, Reichsgefegblatt" zu veröffentlichen, weil dies den Wortlaut bindend machen und Auslegungsfünfte aus* schalten würde. Deshalb zieht die tapfere Rechtsregierung es vor, den Wortlaut nur im Reichsbesoldungsblatt wiederzugeben. Dies ist unverbindlicher und läßt in Zweifelsfällen allerlei Auslegungen zuungunsten der Beamten zu. Stiefkinder des Rechtsblocks. Die Beamten erhalten feine Zulage. Die Fassung der Parlamentsberichte über die Verhandlungen des Reichstags vom 31. Juli läßt vermuten, daß die Beamten zu ihrem Grundgehalt eine 12% oder 10prozentige Zulage erhalten. Demgegenüber fei nochmals festgestellt, daß die Beamten zu ihren bisherigen Bezügen feine 3ulage erhalten. Der erwähnte Zuschlag von 12% bzw. 10 Proz. ift den Beamten bereits im November 1924 auf die im Juni 1924 festgesetzten Gehälter gewährt worden. Den sozialdemokratischen Antrag, diese Bufchläge auf 20 Broz. zu erhöhen, hat die Mehrheit des Reichstages am 31. Juli 1925 in namentlicher Abstimmung abgelehnt. An der Bezahlung der Beamten ändert sich also gegenüber dem bisherigen Stande nichts! Befreite Stadt. Bon Ewald Stern. Frühmorgens find die fremden Truppen abgerüdt. Sie bofen der Bevolterung zum legtenmal das Schauspiel marschierender Regt. enter mit schmetternder Mufit, hoch zu Roß figender, fabelhaft geschniegelter Offiziere, schwerbepadter Soldaten, die trotz der Hike mit Mäntel befleidet waren, rafselnder Proviantwagen, dampfender Feldtüchen, maulefelbespannter, fleinfalibriger Ranonen. Man empfand das eifrige Bemühen, legten, möglichst guten Eindruck zu erweden. Die schönen großen Schulgebäude sind jezt leer. Roch wenige Wochen, und in denselben Sälen, wo Mann an Mann auf Strohfäden fchlief, werden höhere Töchter und Gymnasiaften in den Fächern der Wiffenschaften unterrichtet, werden Turnftunden gegeben, wo Pferde eingestellt waren, werden Schulfeiern veranstaltet, wo fremdes Polizeigericht über fleine Sünder, die ohne Ausweis betroffen oder gegen irgendeine der vielen Verfügungen verstoßen haben, oft bra fonische Strafen verhängt hat. Auf dem Aschenberg vor der Stadt liegt jetzt ein Haufen Stacheldraht. Er fündet, daß eine lange, oft bange Zeit vorüber ist. Am felben Nachmittag schon bot sich der Bevölferung ein neues Schauspiel. Schupo, grün- und blauberodt, tommt nach zweteinhalb Jähriger Abwesenheit wieder. Boran in vielen Autos teils orben gefchmüdte Offiziere. Dahinter die Polizeibeamten auf Lafttraft wagen, und zum Erftaunen der Bürger auch ein Banzerauto. Diefes truzig drohende Ding verursacht Mißbehagen, beeinträchtigt ble Wiedersehensfreude. Dann offizielle Begrüßungsatte. Reden von langer Trennungszeit und straffer Ordnung, die jetzt in ben Mauern der Stadt herrschen soll, werden gehalten. Das Straßenbild ist verändert. Wegweiser mit franzöfifcher Aufschrift find verschwunden, die blaugrauen Uniformpunfte in dem Gewimmel der Hauptstraße haben bem Grün der Polizei Plaz ge macht, und als neueste Farbe taucht Schwarz- Weiß- Rot, als Bänd chen im Knopfloch und von Kindern auf Papierfähnchen getragen, auf. Nicht nur die Schupo, auch die Reaktion hat ihren Ginzug ge halten. So viele Abzeichen sind noch nie spazierengeführt worden, mie an dem ersten Sonntag nach der Befreiung von fremden Truppen Das Hafentreuz, bisher feige unter der Weste versteckt, hat den Blag auf der Rodtiappe gefunden. Die Zeitungsstände zeigen vermehrte Reichhaltigkeit. Sie find alle da, die Giftblätter nationalistischer Färbung, die man bisher nur im unbesetzten Deutschland bekam; und das verboten gewefene deutschnationale Lotalblättchen wirbt im Gewande des Martyrers um neue Lefer. In der Kaffeehausgeiger ift ein neuer Geift gefahren. Unter dem Jubel ber Gaste spielt er, der bisher mit Tanzliebern erfreute, alles, was ein teutonischer Mufiter ohne Noten tennen muß: Die Bacht am Rhein, den Fridericus- Marsch, das Lied von der Bonnes gans, unb baß wir fiegreich Frankreich schlagen wollen. Die Repu blikaner, die es auch in Café bleiben wollen, verlassen bas Botal Bor einzelnen Läden beängstigendes Gedränge. Radioapparate sind ausgestellt. Bis zum späten Abend lauschen große Menschen mengen ben Lönen, die dem Lautsprecher entqueden. Den 2an Aufgewärmte Verleumdungen. Mißglückter Vorstoß gegen Severing. Der Lokal- Anzeiger" tobt gegen Genoffen Severing wegen Der Ernennung des Genoffen Regierungsrat Menzel zum Polizeipräsidenten von Magdeburg. Er erinnert daran, daß gegen Menzel aus der Zeit her, wo dieser Landrat von Trebnik war, ein Straf- und Disziplinarverfahren gefchwebt habe. Das ist schon richtig. Nur vergißt das deutschnationale Blatt in feiner urteutonischen Ehrlichkeit hinzuzusehen, daß diese Berfahren mit der Berurteilung des Hauptverleumbers, des Landbundangestellten Bahls zu sechs Monaten Gefängnis und mit der völligen Rehabilitierung Menzels endete, dem sogar die urreaktionäre Delser Straffammer bescheinigen mußte, daß teinerlei Tatverdacht gegen ihn vorliege. Wenn im übrigen der Lokal- Anzeiger" sich mit besonderer Freude auf ein rechtsdemokratisches Breslauer Organ betuft, das über Menzel ungünstig urteilt, so ist hierzu folgendes zu fagen: Gewisse demokratische Kreise haben allerdings in diefer Sache ein sehr schlechtes Gewiffen. Menzel, der als Landrat noch Mitglied der Demokratischen Partei war, war gewissen Breslauer Kommunalfreifinnigen, die heute größtenteils zur Deutschen Volkspartei übergewechselt find, wegen feines entschieden republikanischen Auftretens ein Dorn im Auge. Diese republikanischen Leifetreter scheuten, als die erlogenen Denunziationen gegen Menzel famen, nicht davor zurück, den ebenfalls nur sehr auch bemokratischen" Regierungspräsidenten 3 än ide durch Auskünfte unehrlichster und verlogenster Art gegen Menzel zu be einflussen, mit denen Herr Jänide dann weiter bei allen möglichen Stellen haufieren ging. Statt ihren Parteigenossen gegen die junkerliche Berleumderbande des Kreifes Trebnik zu schützen, ließen Jänide und der damalige angeblich demokratische Innenminister Dominitus Menzel fofort fallen und suspendierten ihn vom Amt. Daß Menzet nach dieser Erfahrung der Demokratischen Partei den Rücken fehrte, fann niemanden wundern. Uebrigens ift Menzel ein für das Amt des Polizeipräsidenten vorgebildefer Fachmann". Aber die sonst nach Fachschenden ist der Apparat, der aus dem Aether Gesang und Gespräch auffängt und widergibt, neues, nie gehörtes. Kulturgut," dant militaristischer Einfalt Millionen Menschen vorenthalten, fann jetzt erft hier genugt werden. In der Menge entsteht Bewegung. Von weither fommt Trommelwirbel. Das chsbanner tommt mit seinen Fahnen. Und aum erstenmal auch in dieser Stadt höhnische, beleidigende Bemer fungen aus der Menge. Das Reichsbanner zieht unbeirrt weiter. Die Männer wissen, daß auch für sie jetzt die Zeit der Kämpfe getommen ist, die bisher diesem Gebiet erspart geblieben sind. „ Aussichtsreiche Lebensstellungen." Von Hans Bauer. Studentenverbänden geht es wie anderen Organisationen. Ste leben es gern, wenn fie wachsen. Es ist ihnen nicht zu verübeln, wenn fie dieses Ziel durch Anpreisung ihrer Borteile zu erreichen fuchen. Es wäre vorstellbar, daß sie in solchen Anpreisungen den Geift der Kameradschaftlichkeit, der nach ihrer Meinung bei ihnen wohnt, betonen, daß fie auf Einrichtungen verweijen, deren Genuß ihren Mitgliedern zur Verfügung steht. Es wäre bei dem Geist, der nun einmal die Mehrzahl der Studentenschaft beherrscht, auch nicht zu verwundern, wenn eine Korporation ihre antisemitische und Dölkische Gesinnung als Locmittel betrachtete. Aber dies alles ist es nicht, was der Deutschnationale Studentenverband" in Leipzig diefer Tage in Aufrufen als Vorteil unterstrich, an dem seine Mit glieder teil hätten, sondern es lautete sein Aufruf, dem dokumen tarischer Wert zufommt, in seinen wichtigsten Sägen solchermaßen: Wie bei Korporationen die Möglichkeit besteht, durch die Altherrenschaft aussichtsreiche Lebensstellungen zu bekommen, so befizt auch der Deutschnationale Studentenverband eine mit ihm zusammen arbeitende Akademikerschaft, deren oberster Grundfaß es ist, den Angehörigen unseres Berbandes gesicherte Existenzen und Erleichte rung im Studium zu gewähren. Durch Vermittlung von Arbeits. stellen und finanzielle Unterstügung sollen den uns angeschlossenen Studenten die Sorgen des durch die Mißverhältnisse geschaffenen Studentenlebens erleichtert werden." Die Mißverhältnisse? Ja so, die sind durch die Revolution ent standen und bestehen vornehmlich darin, daß hier und dort einmal ein fähiger Ropf, einer also, der dem Deutschnationalen Studentenverband wohl nie angehört hat, in eine führende Stellung gelangt ist. Der Deutschnationale Studentenverband ist daran, diese Mißverhältnisse zu beseitigen. Das geschieht dadurch, daß die alten Deutschnationalen den jungen Deutschnationalen aussichtsreiche Lebensstellungen verschaffen. Ein Deutschnationaler tritt fo immer das Erbe des anderen Deutschnationalen an. Da muß doch wohl gefagt werden, daß es fich für der jungen Afademiter verlohnt, deutschnational zu benten. Er hat sein Auskommen dabei. Er hat feine prima Existenz. Er hat seine Versorgungsanstalt. Da hat es oft geheißen, daß gewisse höhere Justiz- oder Verwaltungsbeamte die Objektivität eines Kompasses hätten und daß ihr Nußen nicht einzusehen wäre. Aber da sieht man's ja, mie frivol solche Schnellfertigteit des Urteils ist. Wie sollten denn die jungen Akademiler in ihre Stellungen tommen, wenn die ausgeblenten sie nicht hinein Ist durch die Stüßungsaktion für den Stinnes- Konzern der schränkt worden? Sind für andere Konzerne Stügungen aus öffentlichen Geldern erfolgt? Hat die Reichsregierung irgendwelche Borsorge getroffen, daß die Stügung in einer Weise erfolgt, die den volkswirtschaftlichen Interessen entspricht, indem insbesondere verhindert wird, daß durc die Stügungsattion lebensunfähige Betriebe, wie die 3eitungsunternehmen des Stinnes- Konzerns oder dessen ausländische Beteiligungen, erhalten bleiben? Im Falle, daß aus öffentlichen Mitteln Stügungs attionen gefördert wurden, sind von der Reichsregierung oder den Länderregierungen an die Gewährung der Gelder Bedingun gen geknüpft worden? Sind insbesondere dem Reich und den Ländern Vortaufsrechte zur Uebernahme geeigneter Be triebe in die öffentliche Hand gesichert worden? Ist schließlich die Reichsregierung bereit, über den gegenwärtigen Stand der Liquia dierungsaktion dem Reichstag Aufklärung zu geben? Die völkische Feme. Die Geldgeber der Mordbuben. Bei den Enthüllungen über die völlische Feme in Mecklenburg war u. a. auch darauf hingewiesen worden, daß der Fabrikant Gustav Ritter, Inhaber der Bollenhagenschen Pfeffernußfabrit in Grabow( Mecklenburg) einer der Hauptgeldgeber der völlischen Unternehmungen sei. Herr Ritter sucht dies in einer Berichtigung" an das„ Berliner Tageblatt" zu bestreiten. Das Blatt gibt darauf folgende Darstellung von der Wirksamkeit des Herrn Ritter: Schon vor der Gründung der Deutschvölkischen Freiheitspartei gehörte er zu den eifrigsten Mitgliedern des Bauvorstandes des Deutschvolfischen Schuh- und Trugbundes, Gau Mecklenburg. Diese Gauleitung erließ im Januar 1922, als die Mordpläne völkischer Kreise schon in Vorbereitung waren, ein Ge heimschreiben an die Mitglieder, das als streng pertrau lich bezeichnet wurde. Darin wurde die Zahl der Mitglieder in Mecklenburg auf 3000 angegeben. Zum Kriegführen gehört aber Geld, so heißt es dann weiter, den wohl ausgesuchten und verzeich neten Empfängern dieses Schreibens traut die Gauleitung die Möglichkeit einer Hilfeleistung in Form einer einmaligen Zahlung von 100 bis 2000 m. zu, um alle weiteren großzügigen Pläne in die Wirklichkeit umzujeßen". Dieses Geheimschreiben ist unterzeichnet mit den Namen Erich Bade( Schwerin), Leutnant Gustap Ritter( Grabow), Inspektor Straeter( Neuhof), Telegraphen birettor Straede( Rostoc) und Kaufmann Rielandt( Ludwigsluft). Ende März 1922 folgte ein zweites Geheimschreiben mit dem Ber mert:" Nach dem Lesen vernichten." In diesem Schreiben heißt es: " Fast jede Ortsgruppe hat ihre Jugendgruppen. Sie wird mit nicht verbotenen Rarabinern ausgerüstet und in Geländeübungen zu felberprobten Männern erzogen. Gegebenenfalls müffen die umliegenden Güter des Waffenbejizes wegen um 3agberlaubnis angegangen werden. Wir haben außerdem eine Reihe meist unverheirateter Männer, deren besondere Aufgaben öfteres 3ufammenfommen nöfig machen." Angesichts dieser gravierenden Tatsachen muß man die Kühnheit bewundern, mit der Herr Ritter in seiner Berichtigung" jede Berbindung mit den völkischen Mordorganisationen leugnet. | balancierten, wenn das nicht ihr oberster Grundfah" wäre, einer also, dem alle anderen, fachliche, soziale, moralische, nachgeordnet find? Ein luftiger Ringelreihen, bei dem einer immer die Hand des anderen faßt. Da lohnt es sich doch noch, eine nationale Gesinnung zu haben. Die Lebensstellung ist ihre Folge und diese wieder hat zur Birtung, daß es sich mit ihr als Basis gut national sein läßt. Ein maliger treudeutschgesinnter Antrieb genügt, um, ohne neue Zufuhr von irgendwelchen Leistungen, das Werfchen in dauerndem Gang zu halten: Ein soziales Perpetuum mobile. Rameltreiber fonira Eisenbahn. Wie aus Haifa gemeldet wirb, brauchte der letzte Eisenbahnzug, der arabische Bilger von Medina nach der heiligen Stadt Metta beförderte, volle fünfundvierzig Tage, um die achthundert Kilometer lange Strede zu durchfahren. Der Grund für diese auffallende Berzögerung entbehrt nicht einer aus gesprochenen Originalität. Die Eisenbahn macht nämlich den Be duinen, die sich als Rameltreiber ihr Brot verdienen, eine geradezu mörderische Konkurrenz, die sie zur Verzweiflung bringt. In ihrer Not versuchen sie es von Zeit zu Zeit damit, burch Aufreißen der Schienengeleise den Bahnbetrieb zu lähmen. Rommt der Zug an eine solche zerstörte Stelle, so find die Passagiere genötigt, auszuſteigen und zu warten, bis das Gleis wieder hergerichtet ist. Dies mal hatten die Beduinen die Arbeit so gründlich verrichtet, daß alle Augenblicke der Zug zum Halten gezwungen war und vor jeder Weiterfahrt ausgedehnte Reparaturarbeiten ausgeführt werden mußten. Expedifion nach Nowaja Semlja. Das russische Institut zur Gr forschung des Nordens hat die Ausrüstung einer neuen Expedition beendet, die fich demnächst auf die Infel Nowaja Semlja begeben soll. Der Zweck dieser Forschungsreise besteht in erster Linie in einer genauen Aufnahme der Küsten und in Meffungen der Meerestiefe; Es foll ferner festgestellt werden, wieweit sich Nowaja Semlja für eine Kolonisation eignet. Der größte Rheinkahn. Auf einer holländischen Werft wird jegt ein Rheinfahn gebaut, ber meitaus der größte feiner Gathing jein wird. Die Länge des Schiffes beträgt 128 Meter, die Breite 15 Meter und die Tiefe 3 Meter, die Tragtraft 4000 Tonnen Der größte Schlepper, den es bisher auf dem Rhein gab, weist bei einem Tiefgang von 2,85 meter eine Berbrängung von 3581 Tonnen auf. Erffaufführungen der Woche: Mittwoch: Schloßpark- Theater: G temporale, Role- beater: Der große Betrug; Donnerstag: Goethe Bühne: Dreitlang des Strieges; Freitag: Cafino- Theater: Der Bühne Schwimmer. Die erste Aufführung im Aus'ande von Richard Strauß Intermezzo" wird im Gran Teatro del Liceo in Barcelona im November b. 3. in italienischer Sprache stattfinden. Trotzdem sind für die Hauptrollen deutsche Stüniller engagiert worden, und zwar von der Berliner Staatsoper Maria Hussa, Paul Stieber- Walter, Theodor Lattermann, von der Wiener Staats oper Karl Stenner und Hermann Ballos. Die übrigen Rollen werden mit ütalienischen und spanischen Kräften bejegt werben. Als Dirigent wurde ber Stapellmeister ber Biener Staatsoper, Min, gewonnen. Entwaffnung und Rechtsregierung. Die Alliierten mit Luther- Schiele zufrieden. Im Pariser Temps" vom 29. Juli ist zu lesen: „ Die Frage der Entwaffnung Deutschlands, entsprechend den Bestimmungen des Vertrages pon Versailles, scheint in eine neue Phase zu treten, von der man hoffen kann, daß es endgültig sei. Das Reichskabinett hat der Interalliierten Kontrollkommission mitgeteilt, daß in Berlin eine Rommission eingefegt worden ist, mit dem Zweck, die Fragen zu untersuchen und zu regeln, die in der interalliierten Note vom 4. Juni über die deutsche Entwaffnung aufgeworfen sind. Die Interalliierte Rontrollfom mission hat mit Befriedigung von dieser Mitteilung Kennt nis genommen. Es muß unterstrichen werden, daß in derselben Stunde, wo die französisch- belgischen Unterredungen über den Sicherheitspalt eine glüdliche Wendung nehmen, in Berlin eine erste Anstrengung unternommen wird, das Problem der Abrüstung des Reiches praktisch durchzuführen. Das ist eine Tatsache, die geschaffen ist, eine günstige Atmosphäre für die fommenden Berhandlungen zu erzeugen. Nach der Räumung. Eintreffen der Schupo in Effen. Essen, 1. August.( TU) Heute um 11 Uhr vormittags trafen auf dem Essener Hauptbahnhof 600 Mann Schupo unter dem Kommando des Polizeifommandeurs Thufius aus dem Regierungsbezirk Münster ein. Sie wurden von der auf dem Bahnhofsplay versammelten Menschenmenge jubelnd begrüßt. Bei den in Essen eingetroffenen Mannschaften handelt es sich um die in Essen anjässigen, vor zweieinhalb Jahren von der Besatzung ausgewiese nen Polizeibeamten, die zum größten Teil verheiratet find. Sie werden bis zur Wiederherstellung des Polizeipräsidiums einstweilen in vorbereiteten Quartieren untergebracht. Kurz vorher waren aus dem Regierungsbezirk Münster 85 berittene Schuhleute eingetroffen. Während am gestrigen Tage bis zum Schluß der offiziellen Beschung feine Flaggen zu sehen waren, erschienen heute im Laufe des vormittags zahlreiche Fahnen in den Reichs- und Landesfarben. Mussolinis Agrarzölle. Rom, 1. Auguft.( WTB.) Die gestern erfolgte Erhöhung des Brotpreises um 35 Centefimi pro Kilogramm und der Teigwaren um 60 bis 65 Centefimi pro Kilogramm hat in der Bevölferung große Erregung hervorgerufen. Die Gemeindeverwaltung hat diese Preiserhöhung nur provisorisch bis zum 9. Auguft bewilligt. Die Gewerkschaften, die sozialistischen wie die faschistischen(!), haben bereits entsprechende Cohnerhöhungen gefordert. Während in Genua, wie in Rom, die Brotpreis erhöhung bereits heute in Kraft getreten ist, hat die Gemeindeverwaltung von Mailand befchloffen, eine Entscheidung über Forde rungen der Bäcker auf Erhöhung des Brotpreises auf Montag zu vertagen, um von der Regierung Informationen einzuholen. Infolge der Weigerung der Mühlen von Lecce, die Mehlvorräte vor einer Regelung der Preisfrage zu verkaufen, hat die Regierung die Mehlvorräte beschlagnahmt. Sozialisten und Koalitionspolitik. Meinungsverschiedenheiten in der französischen Partei. Paris, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Resolutions fommiffion, die von dem letzten Kongreß der sozialistischen Berbände des Seine- Departements eingesetzt wurde, vermochte sich nicht auf einen gemeinsamen Tegt zu einigen. Es werden daher dem Nationaltongreß zwei Entschließungen vorliegen. Die eine trägt 23 Unterschriften, an erster Stelle die von Leon Blum, spricht sich gegen die Unterstützungspolitit gegenüber der jezigen Regierung aus und weist darauf hin, daß die sozialistische Fraktion ihre Stimme nur einer Regierung geben tönne, bie eine gleiche Grundlage, wie das Ministerium Herriot, besigen würde. Diese Entschließung wendet sich dann gegen jegliche Be feiligung an einer bürgerlichen Regierung und stellt diese Beteiligung als außerordentlich gefährlich für den Sozialismus in Frankreich hin. Die zweite Entschließung, die nur von fieben Mitgliedern der Resolutionsfommiffion unterzeichnet worden ist, tritt im Gegenteil dafür ein, daß die Sozialistische Partei fich bereit erkläre, sich an der Regierung zu beteiligen. Die beiden Entschließungen nehmen schließlich noch im Einklang mit den Beschlüssen der vor wenigen Tagen stattgefundenen Konferenz der franzöfifchen, spanischen und englischen Sozialisten Stellung zu der Marotto Affäre. Verhandlungen mit Abd el Krim? Friedensvorschläge unterwegs. " Kleingeld. Am Fahrtartenschalter drängen sich die Ereignisse. Weil Sonntag ist, wird natürlich nur auf dem kleinen Bahnhof der Stadtbahn ein Schalter offen gehalten. Man steht angereiht. Der Beamte hinter dem Schalter hat sich bereits des Jacketts und der Weste entledigt. Seine Glaze schimmert durch das kleine Fenster wie ein freundlicher, stimmungsvoller Mond. Vor dem Schalter befindet sich ein kleines Schild, auf dem zu lesen steht, man möchte das Fahr geld abgezählt bereit halten. Selbstverständlich fümmert sich niemand darum, das Schild hat nur den 3wed, den Bahnhof stilvoll zu dekorieren. Jeder zahlt mit dem größten Geldschein, der ihm zur Verfügung steht. Der Beamte befindet sich am Rande der absolutesten Verwirrung und des Kleingeldes. Eine überaus wohlbeleibte Dame hat endlich die Schalteröffnung erreicht. Sie fordert dret Karten zweiter Klasse nach Nikolassee und zahlt mit einem Zwanzig martschein. Der Beamte bittet um Kleingeld. Darauf erregtes Suchen in der Handtasche, verschiedene Gegenstände gelangen dabei ins Freie. Schließlich fehlen fünf Pfennige. Im Hintergrunde wütendes Gemurmel der Wartenden. Inzwischen fahren unentwegt Züge nach dem Westen. Der Beamte, mühsam seine Fassung bewahrend, wechselt den Zwanziger und zählt der Dame das Geld vor. Die Dame ergreift es und will gehen. Erlöstes Aufatmen Der Wartenden. Aber sie bleibt doch trotz liebevoller Stöße und zählt das Geld nach. Es fehlt eine Mart; die Dame zählt noch einmal nach, dann zählt der Beamte, der extatisch behauptet, es hätte alles gestimmt. Es beginnt ein wütendes Hin und Her von Schimpfworten:" Unterschlagung"," Betrüger"," Beamtenbeleidigung". Der Beamte versucht seinen Kopf durch die kleine Deffnung zu zwängen, er achtet auf nichts mehr, er ist nur noch getränkte Würde. Die Erregung der Wartenden hat den Siedepunkt erreicht. Schließlich ein energischer Stoß, der die Dame trotz ihrer Korpulenz ins Freie und in einen hysterischen Anfall befördert, die Angehörigen umtrauern fie. Warum übrigens beachtet niemand die Schilder auf dem Bahnhof? Es bedeutet auch eine Rücksichtslosigkeit gegen seine Mitmenschen, am Schalter großes Geld wechseln zu laffen. Die Prüfungskommission für die Fleischteuerung. Wie wir gestern Abend mitteilten, tagte am Freitag vormittag im Schoneberger Polizeipräsidium die Preisprüfungs tommiffion, um Mittel und Wege zu finden, den Fleischpreis herab zudrüden, natürlich ohne positiven Erfolg, was vorauszusehen war. Alle beteiligten Interessengruppen erklärten wieder einmütig, daß fie vollkommen unschuldig an dem Steigen der Fleischpreise seien, ihre Raftulationen und Statistiken vorzulegen, aus denen felbft niemals hätten sie fleischverteuernd gewirkt. Alle waren gern bereit, verständlich flar hervorgehen würde, daß man mit Unterbilang arbeitete. Die Verhältnisse hätten eben schuld. Man beschloß, die Berbände sollten alles verfügbare Material der mitt leren Preisprüfungsstelle einreichen, und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß in einer neuen, in möglichst furzer Frist einberufenen Sigung die Angelegenheit abschließend geprüft werden würde. Natürlich werden mehr als eine Sigung sich ats notwendig erweisen; aus den vergleichenden Statistiken wird her oorgehen, daß niemand an der Fleischteuerung schuld hat, und der Fleischpreis wird langsam aber sicher weiter steigen. Ob das der richtige Weg ist, um die praktische Aufgabe einer Sentung des Fleischpreises zu erfüllen, erscheint uns mehr als zweifelhaft. Man wird wohl schon andere Mittel anwenden müssen, um dem gesteckten Ziel auch nur etwas näher zu kommen. Um den winterlichen Inventurausverkauf. Die deutschen Polenflüchtlinge. Elend im Schneidemühler Konzentrationslager. Die Lage der infolge des Zollkrieges aus Polen pertriebenen Deutschen, die in einen mehr als primitiven Konzentrationslager bei Schneidemühl gesammelt werden, ist eine für Deutschland geradezu unwürdige, und fordert zu heller Empörung willkür unter wirklich grauenerregenden hygienischen Bedingungen heraus. Es ist ein unglaublicher Standal, daß die Opfer polnischer ihre Tage fristen müssen. Die erste Nacht auf deutschem Boden verbrachten sie ohne Stroh und ohne das geringste Deckenmaterial auf dem blanten Fußboden in den Flugzeughallen der Flugzeugfirma Albatros". Hunderte, die es be fonders ungünstig trafen, mußten bei Wind und Regen in den Güterwagen oder im offenen, zugigen Schuppen übernachten. Die Bustände in diesem Konzentrationslager haben unter den Flüchtder Hölle der Kriegsgefangenenlager, ja, soll sie noch an Düſterkeit in lingen den größten Unmut hervorgerufen. Das Ganze ähnelt start einigem übertreffen. In den letzten Tagen wurden in dem Lager 20 Säuglinge geboren, für die nichts getan werden fann, da die meisten Familien gezwungen waren, ihre Möbel, überhaupt ihren gesamten Hausrat an die Polen zu verfaufen, um überhaupt fort zu können. Die Zusammenballung der von Hunger und Flucht völlig erschöpften Menschen hat zu einer größeren Anzahl Todesdie zu den schwersten Befürchtungen Anlaß geben. Unter den fällen geführt. Epidemische Ertrantungen machen fich bemertbar, Kindern grassieren Majern. Eine Anzahl Säuglinge find infolge der miserablen Ernährung an Darm- und Magenerkrankung zugrunde gegangen. Dazu treffen täglich neue große Transporte ein. Wenn hier nicht durchgreifend Abhilfe geschaffen wird, ist mit einer Katastrophe zu rechnen. Schneidemühl, 1. August.( WTB.) Die Zahl der aus Bolen ausgewiesenen hier eintreffenden deutschen Optanten nimmt in letter Zeit erheblich zu. Im Lager sind zurzeit etwa 6000 bis 7000 Menfchen untergebracht, Frauen mit Säuglingen, Männer, Kinder und Greise. Große Lastautos der Schußpolizei und Rollwagen, auf denen die Ausgewiesenen dicht gedrängt beieinander stehen, rattern vom frühen Morgen bis zum späten Abend durch die Straße, ja selbst bis in die tiefe Nacht hinein. Das Rote Kreuz hat Borsorge getroffen, den Aermsten in Schneidemühl einen einigermaßen würdigen Empfang und einen erträglichen Aufenthalt zu bereiten. Die Optantenhilfe ist vom Roten Kreuz organisiert. Der preußische Staat baut das Werf weiter aus und bewilligt die Mittel. Die Flüchtlinge schlafen auf Holzpritschen, Strohfäden und Strohlagern. Die Hallen reichen in letzter Zeit bei weitem nicht mehr aus, den Strom der Menschenmaffen unterzubringen. Deshalb mußten das Lehrerfeminar und die Gebäude der 5. und 6. Gemeindeschule belegt werden. Mit einem so außerordentlichen Zuftrom hatte man nicht gerechnet. Eine Riefenarbeit ist erforderlich, die immer neu eintreffenden Flüchtlinge zu verpflegen, sie unterzubringen und ihnen Arbeitsstellen zu vermitteln. Die Ausgewiesenen wissen wohl, daß hoffnungslos. Geduldig stehen sie in langen Reihen an, um ihr es schwer ist, sich eine neue Esistenz zu schaffen, doch sie sind nicht Reisegelb zu empfangen oder um Kaffee und Effen zu erhalten. Zwer Drittel der täglich Eintreffenden werden bis zum Abend weiter geleitet, nachdem sie ihre Wegzehrung( 50 mt. für Ledige und 200 bis 400 Mt. für Familien) erhalten haben. New Bort, 1. Auguft.( TU.) In der Beurteilung der deutschpolnischen Optantenfrage sind die amerikanischen Breffeftimmen Deutschland nicht sehr günstig. Nur die„ World" vertritt den Standpunkt Deutschlands. Die polnischen Ausweisungen deutscher Optanten fei die übelste Folge der oberschlesischen Teilung, Für die gegenseitigen Ausweisungen sei Bolen verantwortlich, während Deutschlands Handlungen nur in der Ergreifung von Gegenmaßnahmen bestünden. Außerdem seien die aus Bolen aus gewiesenen Deutschen dort lange Zeit Anfäffige, während die aus Deutschland ausgewiesenen Polen nur Saisonarbeiter seien. Alle Radfahrer und Radfahrerinnen, die auf dem Boden der Luzerner Jnternationale ftehen, treffen fich am Sonntag, den 2. August, nachmittags 1 Uhr, im Lotal Jdeal Bassage, Reukölln, Weichselstraße 8. Belleibung: Eporthose; weißes Hemb erwünscht. Noch eine Demonftrafion. Die tommunistische Jugend veranstaltete Donnerstag abend auf den Laufizer Plaz eine„ Proteft. fundgebung gegen die Bolizeiübergriffe", die einen überaus schwachen Besuch aufmies. Das Ueberfalltommando der Schußpolizei, das zur Sicherung der Straße bereitgestellt war, tonnte bald wieder ab fahren. Nach furzen Ansprachen und einem Umzug unter Gefang löfte sich das Ganze in mehr oder weniger Wohlgefallen, resp. im Regen auf. Anzuviel Demonstrieren wird auf die Dauer lang weilig. Sie betreiben halt alles zu sportmäßig, unsere guten Radikalen. Die Berliner Handelskammer hatte sich an den Polizeipräfidenten gewandt und beantragt, die jährliche Inventur auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen und die übliche Zeit der winterlichen Inventurverfäufe, die bekanntlich vom 2. Januar bis 15. Februar läuft, zu verkürzen. Die Handelskammer begründete dieses Verlangen damit, daß eine größere Anzahl kleinerer Betriebe aus angel an Hilfskräften die Inventur bis zum 2. Januar nicht be enden tönnte. Bolizeipräsident Gen. Grzesinsti hat dieses Gesuch ablehnend beschieden. In seiner Entscheidung betont er, daß der Ausverkauf mit der am Jahresende üblichen Inventur zeitlich im Einverkauf mit der am Jahresende üblichen Inventur zeitlich im Einlang stehen müsse. In fast allen Betrieben des Einzelhandels pflege die Aufnahme des Barenbestandes am 1. Januar abgeschlossen zu sein. Als sehr wichtigen Grund führt der Polizeipräsident auch vor allem an, daß der weitaus größte Teil der Berliner Bevölkerung einfach nicht in der Lage sei, vor Weihnachten zu nicht herabgesetzten Breifen die für den Winter notwendige Ware zu kaufen. Dieser Entscheid des Gen. Grzesinski iſt zu begrüßen. Es zeugt von entschie: Berlin( ab 9 nachm.)- Dresden in Baruth( 10), Golßen( 10). benem fozialen Verantwortungsgefühl. Ein Inventurausverlauf in späterer Zeit wäre für beide Teile, den Käufer sowohl wie den Kaufmann höchst unerfreulich. Was nüßt der„ Ausverkauf" in einer Zeit, in der der Räufer fehlt? Ungenügende Leichenhallen. Von Sonnabend, den 1. August 1925 ab hält der Eilzug 67 Dresden- Berlin an 9 früh in Baruth( 8) und der Eilzug 68 Genosse Pfarrer Bleier hält am fommenden Sonntag, borm. 10 Uhr, in der Trinitatisfirche seine nächste religiöse Feierstunde ab. Das Thema lautet: Du sollst nicht töten." Anlaßlich der Erinnerung des Kriegsausbruchs wird um zahlreiche Beteiligung gebeten. Die Typhuserkrankungen. In Antlam haben sich einige Neuerkrankungen leichterer Art um Typhuserkrankungen handelt. Aus Ottersleben wird feine Beränderung der Lage gemeldet. In Beeliz scheint die Gefahr überwunden. Die Seuche ist völlig auf ihren Herd beschränkt. Ein neuerlicher Todesfall wird aus dem Solinger Bezirk gemeldet. Hier scheint trotz aller ärztlichen Bemühungen, die Epidemie noch im Fortschreiten zu sein. Die Stadtverwaltung Solingen verbietet, um der Gefahr von Krankheitsübertragungen vorzubeugen, größere Versammlungen und Beranstaltungen. Jeden falls tann aber gesagt werden, daß ein Grund zu ernsterer Beforgnis auch hier nicht vorliegt. Ein Leser unseres Blattes aus Neukölln berichtet uns, daß die Paris, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die heufigen Leiche seines am 13. Juli tödlich verunglüdten Stiefbruders ert ereignet, von denen jedoch noch nicht feststeht, ob es sich überhaupt am 21. beerdigt werden konnte, weil sie solange beschlagnahmt war. Morgenblätter bringen eine Meldung aus englischen Quellen, wo- Während dieser Zeit lag fie, der furchtbarsten Hitze ausgesetzt, in nach Abd el krim zwei Abgesandte nach Tanger gefchickt haben einer Nebenleichenhalle des Waldfriedhofes in Oberschöneweide. soll, um dort von den Bertretern der franzöfifchen und spanischen Bei der Bestattung war der Leichnam so start verwest, daß die AnRegierungen die von Frankreich und Spanien gemeinfam aus gehörigen nicht mehr vorgelassen wurden. Thfolge des starten Gegearbeiteten Friedensbedingungen entgegenzunehmen. Dagegen wird ruches fonnten die Leidtragenden nur in großer Entfernung dem von der franzöfifchen zuständigen Seite nach wie vor erklärt, daß Sarge folgen. Unser Gewährsmann fragt mit Recht, ob es nicht man in Paris feinerlei Angebote von Abd el Krim erhalten habe. möglich gewesen wäre, den Toten während der heißen Tage in die Der Matin" glaubt zu wiffen, daß das franzöfifche Auswärtige Amt nicht weit entfernten, fachgemäß eingerichteten Leichenhallen des an den Marschall Lyauthen eine dringende Anfrage über Röpenider oder Neuköllner Strankenhauses zu bringen. die angeblichen Friedensschritte Abd el Krims gerichtet hat. Spaniens Friedensvorschläge. Paris, 1. Auguft.( TU.) Nach einer„ Temps" Meldung in Tanger hat die spanische Regierung Abd el Krim folgende Friedensvorschläge unterbreitet: Abd el trim erkennt die Oberhoheit des Sultans von Marokko und die Autorität der Spanier innerhalb der spanischen Zone an. Er verpflichtet sich, an Spanien seine gesamte Artillerie auszuliefern. Spanien wird in Abjir, dem gegenwärtigen Hauptquartier Abd el Krims, einen ständigen Boften einrichten. Sämtliche Spanische Gefangene werden freigegeben. Dafür gibt das spanische Direktorium dem Rif das Recht, eine unabhängige lokale Regierung zu bilder, der spanische Beamte zur Seite stehen sollen. Das Rif ist ferner ermächtigt, ein stehendes, Don Spanien bezahltes Heer zu unterhalten. Die Rifleute werden außerdem finanziell bei der Bildung der Regierung unterstützt. Der Kampf in China. Neue Zusammenstöße in Nanking. Peting. 1. Auguft.( WTB.) In dem Betrieb der internafionalen Exportgesellschaften in Nanking entstanden gestern Cohn treitigteiten. Es tam zu Zusammenstößen, bei denen ein Engländer getötet wurde. Die Engländer follen hierauf gefchoffen haben, wobei es vier Tote und mehrere Verwundete gegeben haben foll. Zurzeit werden die Betriebe von englischen Matrosen bewacht, die in Nanting ansässigen Engländer wurden zum größten Teil von Kriegsschiffen an Bord genommen. Girlandenschmuck am Verfassungstag in Berlin. Anlaßlich der großen Verfassungsfeiern am 8., 9. und 11. Auguft beabsichtigen nicht nur viele Republikaner und große Kaufhäuser und Geschäfte, die Fronten ihrer Häuser und Läden mit Girlanden zu schmücken, sondern es war auch vielfach die Frage nach dem Girlandenschmuck quer über die Straßen weg gestellt worden. Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold hat sich deshalb mit dem PolizeiFräsidium in Berbindung gefeßt und teilt nachstehend die Bedin gungen mit, unter denen Girlanden quer über die Straßen gefpannt werden dürfen: Birlanden müssen mindestens 10 Meter oberhalb der Straßenoberfläche gespannt sein. Sie dürfen leider in Straßen mit Straßenbahnen nicht angebracht werden. Selbstverständlich ist, daß nur Material verwendet werden kann, das bei Lösung der Befestigung das Bublifum nicht gefährdet. Ein Sittenbild. Ein bereits 70jähriger Arbeiter Louis S. stand mit seiner Stieftochter Anna B. und einer weisen" Frau, Anna R., unter der Antlage sehr übler Sittlichkeitsdelikte. Die Stieftochter hatte ftrafbate Beziehungen zu ihrem Stiefvater und auch zu ihrem Schwiegervater und ihrem Schwager. Offenbar ist sie selbst hierbei die Triebfeder gewesen. Heute ist sie verheiratet. Sie hat sich ein aus der Ehe hervorgegangenes Kind von der Mitangeklagten gegen Entgelt abtreiben laffen. Die Schwester der Stieftochter felbft brachte später die Sache zur Kenntnis der Polizei. Das Schöffen gericht Mitte erfannte gegen die Anna S. auf 1 Jahr Zucht. aus. gegen den Stiefvater auf 1 Jahr Gefängnis und gegen die Stieftochter auf 7 Monate Gefängnis. 1270 Kilometer in 6% Stunden. Der Verkehrspilot des Aero Lloyd Bolte legte gestern die 1270 Rilometer lange Strede Friedrichs bafen- Berlin- Königsberg in ber Rekordzeit von sechs Stunden und 40 Minuten zurüd. Groß- Berliner Parteinachrichten. Parteinachrichten. 2. Kreis Tiergarten. Die Genoffen ber 10, 11, 12. und 13. Abteilung, welche auch an der Bannerweibe 8ehlendorf teilnehmen, treffen sich um 12 Uhr bei Trümper, Flensburger Straße 3. Alle vorhergegangenen Bereinbarungen heben sich hierdurch auf. Rege Beteili gung der Genossen wird erwartet. Vorträge, Vereine Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefäftstelle: Berlin G. 14, Gebaftianfit. 87/88, Sof 2 St. Ganvorstanb. Alle im Sanitätsdienst ausgebildeten Rameraden, bie abends 9 lbr int steſtaurant Wilhelmshof Charlottenburg, Spreestraße 8 nicht Mitglieder des A.SB. find, treffen fich am Mittwoch, den 5. Auguft, Kamerabschaft Tiergarten. Gonntag, den 2. August Antreten der Gesamt- Kamerad schaft Tiergarten morgens 8 Uhr, am Bahnhof Jungfernheide Atrive fowle Kamerabschaft Webbing. Die Turn paffive Kameraben haben zu erscheinen. Kameradschaft Friedrichshain. Montag, den 3. Auguft, abends 7%, Uhr, Treffen der gesamten Stamerabschaft attiver abende finden vom 2. bis 16 Auguſt nicht haft. fowie paffiver Mitglieder auf dem Schulhof Dieſtelmeyerſtr. 5 zweds Einterung zur Berfaffungsfeier. Alles muß erscheinen Wer fehlt bekommt Extra- Funktionen. Kamerabschaft Kreuzberg. Sonnabend, den 1. Auguft, abends 7 Uhr, bet Bieler, Dieffenbachstr. 70. Ausgabe der Verfassungsabzeichen und Abrechnung. Kamerab schaft Wilmersdorf. Das Trommler- und Beifertorps fibt bis auf weiteres jeben Abend an der verabredeten Stelle. Kamerabschaft Röpenic, Ortsgruppe Bohns bor. Montag, 3. Auguſt, Empfang der Brandenburger Jugendgruppe. Die Kameraden werden ersucht, fich möglichst vollzählig abends 6 Uhr am Bahnhof Grünau einzuben. Gewerkschaftsbewegung. Konflikt in der chemischen Industrie. Die Chemieherren bestehen auf ihrem Schein. In der chemischen Industrie Berlins besteht ein Lohntaris, der em 2. Mai in Kraft trat und bis zur ersten Lohnwoche im Oktober gültig ist. Infolge der inzwischen eingetretenen unvorherge. jehenen Zeuerung hat sich der Verband der Fabrikarbeiter an den Arbeitgeberverband der chemischen Industrie in Berlin mit folgendem Schreiben gewandt: " Wir erhalten fortgesetzt von unseren Kollegen in sehr bringlicher Form die Aufforderung, mit dem Arbeitgeberverband der rungene Enem ber minimallöhne zu zerfchlagen und an ihre Stelle ein neues System der Berechnung der Löhne treten zu laffen, das einer Verminderung der Löhne um 12 bis 4s Broz in den verschiedenen Diftriften oleichkommen follte. An Stelle des gegenwärtigen Lot ninimums sollten in 3utunft die Löhne diprusweise von vem eitrag ves Hohlenoergoaues in dem betreffenden Bergbaubezirk abhängig gemacht werden. 87 Broz. des Ertrags sollten nach Abzug aller Unkosten für die Löhne benutzt werden, während man die übrigen 13 Proz. unter allen Umständen dem Unternehmer ohne Rücksicht darauf sichern wollte, ob die 87 Proz., die für die Arbeiter vorgesehen waren, ein Existenzminimum garantieren oder nicht. Die Situation veränderte sich erst, als die angedrohte Aussperrung furz bevorstand und Baldwin sich unter dem Drud wirtschaftlicher Tatsachen und der Stimmung der 5000 Sportgenossen in Neukölln! chemischen Industrie in Verbindung zu treten, damit im Rahmen des Tarifvertrages eine Aufbefferung erfolgen foll. Am heutigen Tage hat auch das Chemie- Kartell für Groß- Berlin sich mit den Zuständen befaßt, wie fie gegenwärtig in der chemischen Industrie liegen. Die beteiligten Berbände erklären, daß die SchwierigFeifen für die Einhaltung des Tarifvertrages immer größere würden. Die Unruhen in den Betrieben steigern fich gleichfalls Don Zu dem am Sonntag, den 2. Auguft, nachmittags 2 Uhr, in den Straßen Neuköllns stattfindenden PropagandaTag zu Tag.. Wir möchten nicht verfehlen, auf das Bedrohliche der Situation aufmerksam zu machen. Ein Teil der dem Ar- Umzug für die Sozialdemokratische Partei laden wir die beitgeberverband angeschlossenen Firmen hat sich ja auch bereit fozialdemokratischen Sportgenossen zur Beteiligung ein. gefunden, in irgendeiner Form das Einkommen der Arbeitnehmer Swimmer, Turner, Radfahrer usw. treten in gezu erhöhen. Bir bitten Sie, in Anbetracht der Berhältnisse mit uns schloffenen Gruppen an und sorgen für ihre Leitung. Starte Bebaldigst in Verhandlungen darüber einzutreten, damit ein Weg geteiligung der Sportler bedeutet Propaganda für den Arbeitersport. funden wird, wie das Bedrohliche der jezigen Situation beseitigt Besondere Wünsche find zu melden von 5-7 Uhr im Sekretariat und das Einkommen der Arbeiter erhöht werden kann. Wir be Die Kreisleitung. der SPD, Neuföln, Nedarstr. 3. halten uns vor, bei den Berhandlungen mündlich die weiteren Erläuterungen zu geben." Darauf hat der Arbeitgeberverband mit einem Schreiben ge antwortet, in dem es heißt: „ Mit Rücksicht auf die außerordentlich schwierige Lage, in der sich die chemische Industrie Groß- Berlins feit Monaten befindet, und deren Berschärfung leider für die nächste Zukunft noch zu erwarten ist, ist, jedoch der Borstand einstimmig zu der Ueberzeugung gekommen, daß eine Aenderung der derzeitigen Lohnverhältnisse zurzeit schlechterdings unmöglich ist. Da unter diesen Umständen Ver. handlungen von vornherein zur Ergebnislosigkeit verurteilt sind, ist der Borstand einstimmig zu der Erkenntnis gekommen, daß Verhandlungen über diese Fragen leider zurzeit 3 med los find. Wir sehen uns daher zu unserem Bedauern außerstande, dieser Bitte zu entsprechen. Also die Chemieherren bestehen auf ihrem Schein. Sie geben vor, daß die Situation der Chemischen Industrie außerordentlich fchwierig fei und sich noch verschärfen werde. Bisher haben nur die Arbeiter von dieser schwierigen Situation etwas zu spüren betommen. Wenn man weiß, daß in dieser gesundheitsschädlichen Industrie der Spizenlohn eines Bollarbeiters 66 Pf. die Stunde beträgt, dann fann man die Ablehnung der Chemies herren erst richtig einschäßen., Wie in dem Schreiben des Fabritarbeiterverbandes schon her. norgehoben worden ist, haben verschiedene Betriebe die Löhne infolge spontaner: Einzelbewegungen erhöhen müssen. Dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie scheint das ein besonderes Bergnügen zu machen, weshalb er jede, Berständigung von vornherein zur Ergebnislosigkeit verurteilt". Im übrigen wird eine Funktionärtonferenz der chemischen Industrie in der nächsten Woche hierzu Stellung nehmen. Staatsbürgerliche Erziehung bei der Reichsbahn. Zu der Notiz in Nr. 347 des Vorwärts" vom 25. Juli schreibt uns die Reichsbahnidirektion Berlin, daß die von ihr fürzlich heraus. gegebene Amtsblattverfügung bezüglich der Untersagung von Mit teilungen an die Presse nicht von der Hauptverwaltung, sondern von der Reichsbahndirektion Berlin allein ausgegangen sei. Die Reichsbahndirektion erflärt, daß sie dabei Angelegenheitn lolaler Bedeutung im Auge gehabt habe, wie z. B. die. Elektrifizierung der Bororibahnen, über die unrichtige und verfrühte Meldungen in der Presse erschienen seien, die auf falsche Informationen durch Beamte der Reichsbahn zurückzuführen seien. Im übrigen sei mit der Berfügung nur eine bereits bestehende Bestimmung in Erinnerung ge bracht worden. Nur der Pressedezernent sei Vermittler zwischen der Reichsbahndirektion und der Breffe. Dazu haben wir zu bemerfen, daß es selbstoerständlich möglich ft, daß die Preise durch unrichtige Angaben von Beamten falsche Informationen bringt, wie es auch vorzukommen pflegt, daß& B. bei Unglüdsfällen das Preffedezernat, sagen wir, gefärbte Berichte Die Presse ist dazu da, die Wahrheit zu der Presse übermittelt. erforschen. Sie wird sich dabei ebenso des Breffedezernats der Reichsbahn bedienen, wie sie es sich nicht versagen darf, auch auf anderem Wege Informationen einzuholen. Die Verhandlungen im englischen Bergbaukonflikt. London, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die von der Regierung bewilligten staatlichen Unterstützungen für die Bergwerfe dürfen insgesamt einen Betrag von ungefähr 20 Millionen Pfund erreichen. Die Verteilung wird zu einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten führen, so daß der jeßige Aufschub der Kündigungsfrist wahrschein lich verlängert werden wird, da die Verhandlungen länger als 14 Tage dauern werden. Eine der Hauptschwierigkeiten bildet die Frage, ob auch die bereits geschlossenen 500 Bergwerfe unterstüßt werden sollen. Die wenigstens vorläufig überwundene Krise murde, darauf muz immer wieder hingewiesen werden, von den Unter nehmern heraufbeschworen. Nachdem die Unternehmer in der ihren Argumenten zugänglichen Presse seit Monaten eine Kampagne über die Notlage des Bergbaues" geführt und damit den Boden für ihre Handlungsweise vorbereitet hatten, fündigten sie am 30. Juni das bestehende Lohnabkommen und leg ten den Bergarbeitern gleichzeitig neue Vorschläge vor. Diese Vorschläge bildeten im wesentlichen einen Angriff auf den Siebenstundentag der Bergarbeiter. Sie stellten ferner den Bersuch dar, das von den Bergarbeitern in schweren Rämpfen er. Deffentlichkeit entschloß, die Krise auf Roften des Staates zu überwinden. Die Unterstützungserklärungen der englischen organisierten Arbeiterschaft, vor allem der Beschluß des Transportarbeiterverbandes, ab Freitag mitternacht teine Rohlen mehr zu fördern, falls es zur Aussperrung tommen sollte, und schließlich eine entsprechende Erklärung der Frattion der Labour Party haben mit zu dem Ent Schluß des Kabinetts beigetragen. Von einer leberwindung der Krise, die den englischen Bergbau jeit Monaten bedroht, fann natür lich teine Rede sein. Es handelt sich vorläufig lediglich um eine Bertagung der großen Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit. Borerst aber haben die englischen Bergarbei ter einen Sieg zu buchen, der nicht zuletzt infolge der Unterſtügungserklärungen der Internationalen Bergarbeiterschaft, insbesondere auch der deutschen Bergarbeiter, möglich wurde. Jezt heißt es weiter fämpfen und alle Borbereitungen zur Abwehr neuer Angriffe der Unternehmer auf die erworbenen Rechte der Arbeiter zu treffen! Kommunistenniederlage selbst im Bezirk Halle. Aus Halle wird uns geschrieben: Das endgültige Ergebnis der Delegiertenwahl der Metallarbeiter im Bezirk Halle zum Breslauer Gewerkschaftstongreß liegt nunmehr vor. Das Ergebnis ist eine für den Bezirk Halle ganz besonders tatastrophale Niedertage der Kommunisten. In den 40 Berwaltungen der ehe maligen fommunistischen Hochburg haben 11 083 Mitglieder an der Wahl teilgenommen. Gültig waren 10 666 Stimmen. Davon entfielen auf die Amsterdamer Liste 8066, auf die fommuniftische Liste 2600 Stimmen. In einigen Berwaltungen, und zwar in Eilenburg, Halle, Hettstedt, Staßfurt, Torgau, Weißenfels und Wittenberg, haben die Kommunisten allerdings noch eine Vormacht stellung. Das ganze Bild zeigt aber doch eine recht erfreuliche Befferung der politischen Verhältnisse im Bezirk Halle. Hier, wo einft Kommunisten vorherrschend waren und hemmungslos ihre für die deutsche Arbeiterschaft so verderbliche Butschpolitik durchführen fonnten, haben sie nunmehr ihren Einfluß fast völlig verloren. Ausdehnung des Pariser Bankbeamtenstreiks. Paris, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Streitbewegung der Bariser Bantbeamten hat im Laufe des Freitags an Umfang gewonnen. Es befinden sich numehr die Angestellten fast sämtlicher Großbanten( mit Ausnahme der Société Generale) im Ausstand. Die Streifenden, deren Zahl man auf etwa 10 000 bis 12 000 schäßt, find entschloffen, den Kampf erfolgreich zu Ende zu führen. werden von sämtlichen Gewerkschaften, den Sozialisten, den Kommunisten und den Ratholischen unterstüßt. Der Finanzminister hat am Freitag die Bertreter der Bankleitungen empfangen und mit ihnen eine längere Unterredung gehabt. Die Bankdirektoren sollen sich aber geweigert haben, den Forderungen der Angestellten entgegen. zukommen. Auch aus den Provinzen wird eine weitere Ausdehnung der Streifbewegung gemeldet. Wirtschaft Günftige Entwicklung der preußischen Sparkassen. Die erfreuliche Entwicklung der Einlagenbestände im spar- und bankmäßigen Sparkassenverkehr hat auch im Juni d. J. angehalten. wie die„ Statistische Korrespondenz" mitteilt, tam der Geſanit Spareinlagenbestand zu Ende Juni auf 797 Millionen M. und damit dem Stande von* Milliarden M. ziemlich nahe. Die Spareinlagen haben sich seit Jahresbeginn allein um 391,5 millionen M., d. h. um 96,5 Pro 3. erhöht, also fast verdoppelt. Andererfeits läßt es sich nicht verkennen, daß sich in den absoluten zu Der Junizuwachs war nämlich mit 54,4 Millionen M. 7,3 Proz achsziffern für Preußen eine intende Tendenz zeigt. um 21,1 63m. 16,4, 13,4, 6,2 und 6,5 Millionen M. hinter demjenigen der Monate Januar bis Mai zurückgeblieben. Die Neubildung von privaten Sparfapitalien leidet unter der verschärften Kreditnot und unter der Aufsaugung der Einnahmen durch Steuern und sonstige Lasten. Auch der bantmäßige Verkehr der Spartassen nahm eine günstige Entwicklung. Die Einzahlungen beliefen sich im Juni auf 1263,2 Millionen M., die Auszahlungen auf 1271,4 Millionen M., die Guthaben auf 564,3 Millionen M. Daß die Auszahlungen faſt überall die Einzahlungen überftiegen, ist wohl in erster Linie auf die meitere Verschärfung der Kreditnot zurückzuführen. Uebergangsmaßnahmen beim Jafrafftreten der neuen Zollfähe. Der Zentralverband des Deutschen Großhandels hat sich laut Schreiben an den Handelsvertragsausschuß des Reichstags gewandt und diesen gebeten, dafür Vorsorge zu treffen, daß nachweislich alte Abschlüsse bezw. schwimmende oder rollende Ware durch das vorzeitige Infrafttreten der neuen Zollfäße nicht berührt, und daß für deren reibungslose Abwidlung angemessene Uebergangsfristen festgelegt werden. Der Verband begründet das besonders mit den Gefahren, die der Lebensmittelversorgung und dem Handel bei einer zu raschen Infraftsezung der Vorlage entstehen. Die Regierung felbft hat in der Begründung zur Zollvorlage er flärt, daß fie aus zolltechnischen Gründen nicht in der Lage sei, die neuen Zolljäze früher als zwei Monate nach Ber abschiedung der Vorlage in Kraft zu feßen. Preußens Forfterwerbungen aus dem Stinnes- Konzern. In einer Kleinen Anfrage der kommunistischen Landtagsfraktion wurde auf eine Mitteilung des Amtlichen Preußischen Bressedienstes Bezug genommen, wonach vor einiger Zeit der Preußische Forstfiskus etwa 10 000 Morgen Forst aus dem dem Stinnes- Konzern gehörigen Güterfompler Zuchom erworben habe. Das Staatsministerium wurde um Mitteilung des Kaufpreises ersucht, ferner wurde nach den Mitteln gefragt, aus denen diefer Raufpreis genommen worden sei. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst auf Grund der Antwort des Landwirtschaftsministers mitteilt, find von den Flächen des Gutes Zuchow 2525,1 Hektar einschließlich der darauf stockenden Holzbestände und mit den dazu gehörigen Fischereigerechtiamen auf der Drage für 1925 000 Mt. angefauft worden. Die Mittel hierzu wurden aus dem vom Finanzminister für die Erweiterung des forftfistalischen Besizes zur Verfügung ge ſtellten 5- Millionen- Fonds( vom Reich an Preußen gezahlte Entschädigungssumme) entnommen. Ein Unternehmerbeirat zur Durchführung der Industriebelastung. gur fachverständigen Beratung der Reichsregierung in allgemeinen Fragen, die bei Durchführung der Geseze bom 30. Auguft 1924 über die Industriebelastung und deren Aufbringung auftauchen, it beim Reichswirihafts ministerium ein Beirat aus 37 Mitgliedern gebildet worden. In ihm find Vertreter der Induſtrien berufen worden, die der Belastung unterliegen. Auch die Kreise, die an der Aufbringung der Jahresleistungen mitzutragen haben, wie Handel, Bant-, Bersicherungs-, Beherbergungsgewerbe und Handwerk, find im Beirat vertreten. Sport. Borfämpfe im Ulap. Sm Ulap fanden geftern wieder Borkämpfe nach amerikanischer Art flatt. Bei diesen Kämpfen gibt es teine Bertung der einzelnen Runden, sondern nur ein Niederschlag oder 1. o. Gieg entscheibet. Die Rämpfe gingen ülber 4 Runden, 8 Unzen, meich. Als erstes Baar stieg Young Spears( England) und Walter Peters( Deutschland) in ben Rampfring. Young Spears, der fich schon in bedeutend besserer Form gezeigt hat, fonnte tros des Draufgängertums in der ersten Runde teine Entscheidung herbeiführen. Peters gab gut zurüd. Die nächsten Runden vergingen wenig tampffreudig, da fich Spears wie auch Beters in der ersten Runde zu sehr ausgepumpt hatten. Das Treffen endete unentschieden.- Als zweites Baar stiegen cie Salbschmer. gewichte Horft Shade( Berlin) und Reinhold Boigt( Tasdorf) durch die Seile. Boigt, der erit var einigen Wochen von Boldi Steinbach eine Niederlage durch Aufgabe einsteden mußte, glänate auch hier wieder durch mangelhafte Technik. Bei aller Sympathie file Boigt follte er fich ein hartes Trai ning angelegen sein laffen, denn er hat die besten Anlagen zu einem Aufstieg in der Boxerflaffe. Edhabe, außerordentlich hart im Rehmen und Geben, ver mochte bei Boigt jedoch keine entscheidenden Schläge zu landen, und fo trennien fich auch diese Gegner unentschieden. Beide Rämpfe ließen an Technik au wünschen übrig und es wäre in der Tat begrüßenswert, wenn das Publikum im Ulap einmal wirkliche Alafſekämpfer au sehen bekäme. Einigungsfortschritte im belgischen Metallarbeiterstreik. Brüffel, 31. Juft.( TU.) Der Nationalrat der belgischen Metatarbeiter ist gestern zur Prüfung der neuen Vorschläge der Arbettgeber zusammengetreten. Nach langer Aussprache wurde beschlossen, die Vorschläge als eine geeignete Berhandlungsgrundlage anzusehen. Der Rat beschloß, eine neue Zusammenkunft der Schieds. gerichtskommission zu beantragen, damit die Arbeitgeber ergänzende Auskünfte über ihre Vorschläge machen könnten. Die Streifenden werden jetzt auf dem Wege der Abstimmung in den Betrieben über die Annahme oder Ablehnung der endgültigen Vorschläge Beschluß Wiener Blut. faffen. Gesperrte Gaffwirtsbetriebe. Wie uns der Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten mitteilt, sind die folgenden Gastwirtsbetriebe für organisierte gastwirtschaftliche Arbeitnehmer gesperrt: Frankfurter Brälaten, Große Frankfurter Str. 16, Bräpelstube, Rosenthaler Straße Ecke Gormannstraße, Münzglode, Münzstraße Ede Grenadierstraße, Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11, Jordans Bierstuben, Inh. Stocfleth, Rosenthaler Plaz Ede Linienstraße. Berband der graphischen Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen. Morgen, Gonn tag, 10 Uhr, Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshaus. Tagesordnung: Bericht Dom Berbandstag. madalal blut. Theater der Woche. Bom 2. Auguft bis 9. August 1925. Boltsbühne: Die deutfchen Kleinftädter. Over am Rönigsplan: Bolen Schauspielhaus: Kreuzfeuer. Schiller Theater: Annemarie. Leffing- Theater: Regenbogen. Große Boltsoper im Theater des Westens: Renaissance- Theater: Die Pfarrhauslomödie. Deutsches Künstler- Theater: Barlett Fauteuil 47. Romödienhaus: Der legte Ruß. Berliner Theater: Anne- Liefe von Deffau. Schaubühne im Neuen Theater am Roo: 1, 2, 4., 5., 6., 8. Fräulein Jofette- Meine Frau, 3. Johannis feuer, 7. Seimat, 9. Pension Schöller. Trianon- Theater: Die TugendTheater in der Kommandantenstraße: Der Better aus Dingsda. prinzefin Romische Oper: Das hat die Welt noch nicht gefeh'n. Metropol Theater: Taufend füße Beinchen. Operettenbaus am Schiffbauerbamm: Der fleine Ruppler. Thalia- Theater: Uidhi. Meines Theater: Die schöne Melufine. Rofe Theater: 3. u. 4. Die vertagte Radit, 5. bis 9. Der große Betrug. Rafino Theater: ab 7. Der fühne Schwimmer. Schloßpart. Theater Steglig: 1. bis 4. Die Anna- Life, ab 5. Extemporale. Berantwortlich für Bolitik: Victor Schiff; Wirtschaft: Arthur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Fris Rarftabt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. Berliner Elektriker- Magen Möbelfabrik Rob. Seelisch Genossenschaft leibende nehmen die angeschl. dem Verb, sozialer Baubetriebe echten Reichels Magentropfen, das Berlin N24, Elsässer Str.86-88 erprobte Rezept M. 1Fernseher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4Tel. Pfalzburg 983) · Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen u. 2,50. Jn Drogerien u. Apotheken, sonst bei Otto Reichel, Berlin 43 SO, Eisenbahnstr. 4, Metallbettstellen Preiswerte, gediegene Arbeit Korbmöbel, Kinderwagen Rauschule Glauchau i. Sa. Hochbau. Tiefbau. Eisenbetonbau. Deutsche Dachdeckerschule Glauchau i. Sa. Bestimmungen für den Winterunterricht kostenlos durch die Direktion Diskret Teilzahlung bei sofort.Lieferung BALL Gr. Frankfurt. Str. 47 gegenüb.Markusstr. Reparaturen anrufen Alex. 3186 egründet 1876 Berlin O 112, Rigaer Straße 71-73a Bekannt seit 49 Jahren. Große Auswahl in kompletten Wohnungs- Meine guten Möbel sind Einrichtungen sowie Einzelmöbel aller Art im Gebrauch die billigsten. zu wirklich billigen Preisen. Auf Wunsch Zahlungs- Erleichterung. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Geschäftszeit von 8-7 Uhr. Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pf. Riefenauswahl in allen Preislagen herrliche Muster Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, fein Saben. ( Ringfrei, daher tonturrenzlps billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. ähne 1.2M Teilzahlung auf gestattet b. kl. Anzahl u. wöchentl. Abzahlung von 1 G.-M. an. Echte Goldkronen v. 8 G.-M. an, Ersatzkronen v. 3 G.-M. an. Zähne ohne Gaumenplatte v. 3. G.-M. an. Zahnz. mit Betäub. 1 G.-M., b. Bestellg. von Gebissen gratis. Rat und Munduntersuchung gratis 3 Jahre weitgehende Garantie. Ueber 20 000 Getisse zur vollsten Zufriedenheit geliefert. Ecke SchönHatvani, Danziger Strasse 1, bauser Allee. Vorzeiger 10% Rabatt. Bären- Stiefel haltbarster Qualitätsstiefel für Strasse und Sport nur bei SpittelH. Bähr, markt 1 Vollmilch sofort täglich bis 20 000. Liter, gute, haltbare, an Milchgeschäfte und Fabriken abzugeben Meierei Humboldt Berlin N.54, Zionskirchstr. 38 Telephon: Humboldt 3209/3018.