Nr. 361 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 185 Bezugspreis: 935dentlich 70 Bfennig, monatlic 8.- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit ber Gonntags beilage Bolt und Reit mit„ Gied Iung und Kleingarten fomie ber Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareillescile 80 Bfennig, Reflamezeile 5,- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( aufäffig zwei fettgedruckte Woric). fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch. Staben zählen für awet Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für bie nad te Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, LindenStraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nahm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2500-2507 Sonntag, den 2. August 1925 Vertriebenenelend in Schneidemühl. Gegenmaßnahmen der Regierungen. = Wie schon die Bezeichnung Durchgangslager" besagt, ist das Lager in Schneidemühl nur für den vorübergehenden Aufenthalt bestimmt. Die Staatsregierung hat von Anfang an ganz befonderen Wert darauf gelegt, daß die Räumung des Lagers und die Weiterleitung der Lagerinsassen nach ihrem endgültigen Unterbringungsort so schnell als möglich erfolgt. Ent sprechende Weisungen sind ergangen. Haupthindernis für die Unter bringung bietet neben der allgemeinen Wohnungsnot die vielfach hervortretende Abneigung der Gemeinden, den neuen Zuzug auf zunehmen. Der Minister des Innern hat deshalb durch Erlaß vom 19. Juli d. I. die Regierungspräsidenten nochmals nachdrüdlich angewiesen, ungeachtet aller Hindernisse da für zu sorgen, daß die Gemeinden die ihnen überwiesenen Optanten tatsächlich aufnehmen. Die Gemeinden müssen, wie die Berhältnisse liegen, mit allen erdenklichen Mitteln versuchen, geeignete Wohnräume für die Optanten zu schaffen. An mehreren Orten wird fich die Möglichkeit bieten, dazu die Wohnräume in Anspruch zu nehmen, die bisher die aus Deutschland abwandernden polnischen Optanten inne hatten. Ausreichende Befugnisse hierzu bietet die in diesem Falle anwendbare Reichsver. ordnung über die Auflösung der Flüchtlingslager vom 17. De zember 1923. Die polnische Regierung führt die Ausweisung der| Optanten mit einer Härte durch, die sieben Jahre nach dem Friedensschluß nicht zu rechtfertigen ist. Anstatt den beDauernswerten Opfern einer furzsichtigen nationa listischen Politit, wie sie ein Nationalpole vor dem Kriege aufs heftigste bekämpft hätte, Zeit zu lassen, den Uebergang zu vollziehen, anstatt die Tausende des Landes Verwiesenen nach geordnetem Plan nach und nach der Grenze zu zuführen, hat man sie mit einem furzen Besenstrich fortgefehrt, als ob es sich um sonstwas, aber nicht um Menschen handelt. Es ist selbstverständlich, daß das Deutsche Reich diesen Bertriebenen gegenüber, die ihre bisherige Heimat ihrem Deutschtum geopfert haben, die Pflicht hat, ihnen eine Heimat zu geben, und es wäre sehr zu begrüßen, wenn ihre Seßhaftmachung auf dem Latifundienbereich der Grenzmarken in großzügiger Weise durchgeführt würde. Bevor allerdings die Optanten das Ende ihrer Irrfahrt erreicht haben, werden fie fich gedulden müssen. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß fich die preußische Regierung auf die Weiterleitung und Unterbringung der Bertriebenen von langer Hand vorbereitet hat. Aber auf das unorganische, jeden Empfindens bare Borgehen der polnischen Regierung war offenbar auch sie nicht gefaßt. Es hat sich herausgestellt, daß die Vorkehrungen im Es liegt auf der Hand, daß die für die Optanten getroffenen llebergangsort den Anforderungen eines derartigen Massen. Fürsorgemaßnahmen in ihrer Durchführung den Behörden erheb. austroms nicht entsprechen, und es ist zu hoffen, daß die liche Schwierigkeiten bereiten. Die vorläufige Unterbringung wird Maßnahmen, die mit der nötigen Eile getroffen wurden, vielfach nicht den Erwartungen und allen Bedürfnissen der Flücht fobald man die unerwartete Ausweisungspraris der polni linge, bie oft mit umfangreichem Haushalt und mit fchen Regierung übersehen fonnte, genügen, um der Notlage Bieb nach Deutschland fommen, entsprechen. Es werden Herr zu werden. Dem Regierungspräsidenten in Schneide fich auch ganz felbstverständlich aus einem fa plößlichen starten 3u mühl sind ausreichende Mittel zur Verfügung gesammenftrömen vieler Menschen an einem und demselben Orte stellt; es sind auch genügend Räume vorhanden. Der Unzuträglichkeiten mancherlei Art ergeben, die sich auch bei sorg Minister hat den Spizen der Verwaltung außerdem Gefältiger Vorbereitung nicht vermeiden laffen. neralvollmacht gegeben, so daß also ohne Rücksicht auf bie Roften alle Maßnahmen getroffen werden fönnen, die für die Unterbringung, Fortschaffung, Verpflegung und Unterstügung der Ausgewiesenen notwendig sind. Es ist bezeichnend, daß die Tragödie der aus Polen ver wiesenen Optanten in demselben Augenblic beginnt, in dem Die Tragödie des Ruhreinbruchs abschließt. Europa hat in den sieben Jahren nach Abschluß des Versailler Friedens feine Ruhe gefunden, und es ist auch heute noch nicht zur Ruhe gefommen. Es wäre ein leichtes, auf diesen oder jenen Ruhe störer hinzuweisen. Aber haben wir nicht gerade in diesen Tagen allen Grund, an den Ausgangspuntt all dieses Elends zu denken, den Krieg? Nur ein Blinder fann nach den Erfahrungen dieser Jahre eine Wiedergutmachung von einem neuen Kriege erwarten. Die einzige Möglichkeit eines Wiederaufstiegs liegt in der Befriedung Europas, und man wird, wenn man weiterfommen will, die Instrumente benutzen müssen, die für diesen Zwed geschaffen sind. Bermut lich hätte sich die Tragödie der deutschen Optanten vermeiden laffen, wenn das Deutsche Reich bereits heute Sitz und Stimme im Bolterbund hätte. DOT Hilfsmaßnahmen der preußischen Regierung. Der amtliche Breußische Pressedienst schreibt: Die durch das Wiener Abkommen bedingte Abwanderung beut fcher Optanten nach Deutschland hatte in größerem Umfange schon dem ersten vertragsmäßigen Abwanderungstermin( den 1. August) eingesetzt. Bie vorauszusehen war, ist von Anfang an der Hauptstrom der Abwanderer aus Polen nach Schneide mühl gegangen. Schneidemühl wird auch weiter der Hauptüber gangspunkt für die Optanten bleiben. Taufende von ihnen werden von hier aus einer neuen Heimat zuzuführen sein. Die amtlichen Stellen in Preußen haben seit langem Borbereitun. gen getroffen, um den Strom der Optanten nicht nur aufnehmen zu können, sondern ihnen auch möglichst schnell neue Lebens. und Erwerbsmöglichkeiten zu verschaffen. Es ist schon vor Monaten in Schneidemühl eine Uebernahme. ftelle und eine Arbeitsvermittlungsstelle eingerichtet. Bon Schneide. mühl aus erfolgt für ganz Preußen die Verteilung der Optanten auf bie einzelnen Regierungsbezirte, die ihrerseits miederum für die Unterbringung in den Gemeinden zu sorgen haben. Der vorübergehenden Unterbringung dient hierbei das Durchgangslager in Schneidemühl. Dort find zur Aufnahme des Flüchtlingsstroms von langer Hand die notwendigen Einrichtungen getroffen, die nun in diesen Tagen allerdings einer ganz besonders ftarten Inanspruchnahme ausgelegt find. Genaue Ziffern über die Belegung des Lagers lassen sich nicht angeben; fie erfahren durch den andauernden Bustrom stündlich Aenderungen; die lokalen Stellen glauben jedoch, daß mit der Zahl 6000, die am Abend des 31. Juli erreicht war, der stärkste Andrang zum Ausdruck kommt. Für den Fall, daß der Zuftrom noch beträchtlich wachsen sollte, sind dem Regierungspräsidenten in Schneidemühl ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt, um für die vorübergehende Unterbringung auch einer noch größeren Anzahl von Flüchtlingen zu sorgen. Die Botmenbigen Räume ftehen zur Berfügung. Die Staatsregierung hofft, daß die Optanten ihrerseits diese Schwierigkeiten nicht verkennen und durch guten Willen im eigensten Interesse dazu beitragen, daß sich alle von den Behörden zu treffenden Maßnahmen schnell und reibungslos vollziehen. Die Maßnahmen der Reichsregierung. Das Reichsarbeitsministerium und die Reichsarbeitsverwaltung haben bereits vor Monaten mit dem Reichsinnenministerium und mit den zuständigen Ministerien der Länder, denen die allgemeine Fürsorge für die Optanten obliegt, Vorbereitungen getroffen, um deutschen Optanten, die aus Polen vertrieben werden, so schnell wie möglich Arbeitsstellen zu beschaffen. Es sind erhebliche Mittel der produttiven Ermerbslofenfürsorge zum Bau von 2andarbeiterwohnungen für Optanten bereitgestellt, um die Unterbringung verdrängter Landarbeiterfamilien in der Landwirtschaft zu ermöglichen. Den Arbeitsnachweisämtern hat das Reich besondere Mittel zur Verfügung gestellt, um in ihren Bezirken die Optanten in Arbeitsstellen zu vermitteln. In Schneides mühl ist schon im April dieses Jahres unter besonderer fachkundiger Leitung eine eigene Optantenvermittlungsstelle eingerichtet worden. Bis Ende Juli hat diese Vermittlungsstelle einschließlich der Familienangehörigen bereits 4000 Berfonen Arbeit verschafft. Burzeit werden die ledigen Optanten noch am Tage ihres Eintreffens weitergeleitet. Die Berheirateten müssen mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Wohnungsbeschaffung gegenwärtig meist zwei Wochen im Lager verbleiben, bis ihnen Arbeit vermittelt werden kann. In lezter Zeit ist das Bersonal der Bermittlungsstelle erheblich verstärkt, so daß sie auch dem gegen wärtigen starken Andrang genügt. Der Präsident der Reichs. arbeitsverwaltung hat sich gestern persönlich zur Arbeitsvermittlungsstelle Schneidemüht begeben. Wieder 1000 Flüchtlinge eingetroffen. Schneidemühl, 1. Auguft.( WTB.) Die Verwaltung des Schneide mühler Durchgangslagers für Optanten teilt uns heute mit, daß im Laufe des Tages bis gegen 6 1hr abends meitere 1000 Flüchtlinge eingetroffen find. Man rechnet noch mit weiteren großen Transporten. Deutscherseits ist man über den limfang der weiteren Ausweisungen völlig im unklaren, da die polnische Regierung fein Material über den Umfang der Ausweisungen veröffentlicht hat. Biele der Flüchtlinge gehen auch über die Grenze nach Dft preußen und werden erst später durch das hiesige Durchgangslager weiter auf die öftlichen Provinzen Breu Bens verteilt. Genoffe Severing besichtigt die Optantenlager. Der preußische Innenminifter Severing wird sich, wie TU. meldet, am fommenden Montag nach Schneidemühl begeben, um dort das Flüchtlingslager zu besichtigen. Politischer Hungerftreit in den Kownoer Gefängnissen. Nach Bressemeldungen sind in den Kownoer Gefängnissen 125 politische Gefangene, darunter auch die wegen des Memelputsches Berurteilten, in den Hungerstreit getreten. Der Grund soll schlechte Ber. pflegung fein Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Boftscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Drüber und drunter! Oder: Bon Mirabeau bis Höllein. Die Szenen, die sich gestern im Reichstag abspielten, entsprangen nicht nur der allgemeinen Nervosität des Hauses, sondern vor allem der besonderen Nervosität der Rommunist en. Diese Nervosität erklärt sich daraus, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion vor aller Welt einen scharfen Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Rechtsregierung führt, während die Kommunisten mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. Die neue Taftit", die von Moskau befohlen wurde, soll aber doch nur den 3med haben, die Sozialdemokratie als Arbeiterverräter" zu entiarven. Schon auf dem fommunistischen Parteitag hat Herr Rosenberg geseufzt, daß dieses Entlarvungsgeschäft angesichts des tatsächlichen Berhaltens der Sozialdemokratie ungemein schwierig zu werden drohe. Gestern endlich glaubte man, die längst gewünschte Gelegenheit erwischt zu haben, bei der man die eigene Tüchtigkeit ins rechte Licht sehen und das nachtschwarze Verhalten der Sozialdemokratie als Folge dazu benutzen fonnte. Ueber die tatsächlichen Vorgänge, die dem Ausschluß der beiden kommunistischen Abgeordneten vorangingen, unterrichtet die vom Bureau unserer Reichstagsfraktion gegebene Darstellung, die wir an anderer Stelle wiedergeben. Hier feien einige allgemeine Betrachtungen gestattet. Zufrieden mit den geftrigen Ereignissen maren nur die Deutschnationalen, die grinsend dem Schauspiel der polizeilichen Ausweisung einiger Bolfsvertreter zusahen, und die Kommunisten, die ihnen zu diesem Schauspiel verhelfen hatten. Geschäftsordnungsmäßig war ja der Bizepräsident Greef im Recht: er hätte wohl durch Ueberhören der wiederholten groben Burufen der Kommunisten den Höhepunkt des Speftafels perhindern fönnen hatte er aber einmal die Abgeordneten aus dem Saal gewiesen, wozu ihn die Art ihrer Rufe berechtigte, und weigerten sich die ausgewiesenen. Abgeordneten beharrlich, den Saal zu verlassen, dann trat die Ausschließung erst auf acht, dann auf zwanzig Tage durch den 3wang der Geschäftsordnung automatisch ein. Weigerten fich die Abgeordneten auch dann noch hinauszugehen, so blieb nichts anderes übrig, als die Vollzugsorgane der Staatsgewalt in Bewegung zu setzen. Am 23. Juni 1789 sprach der liberale Graf Mirabeau in der französischen Nationalversammlung zu den Beamten des absoluten Herrschers Ludwig XVI. die berühmten Worte: Sagen Sie Ihrem Herrn, daß wir hier durch den Willen des Bolles versammelt sind, und daß wir nur der Ge= walt der Bajonette weichen werden." Eine ähnliche Erklärung wurde von den Abgeordneten der Oppofition abgegeben, als im Herbst 1848 die preußische Nationalversammlung vom General Brangel auseinandergetrieben wurde. Wir werden nur der Gewalt der Bajonette weichen!" ist die historische Parole des demofratischen Parlamentarismus im Kampf gegen die absolute Königsmacht. Gestern wurde diese Parole von den kommunistischen Abgeordneten 3 ad asch und Höllein den fünf Schutzleuten in Zivil und den vier Blauen entgegengedonnert, die den peinlichen Auftrag hatten, die beiden Herren aus dem Saal zu entfernen. Offenbar wollten sie damit beweisen, wie recht Karl marg hatte, als er schrieb, alles, was sich in der Weltgeschichte als Tragödie ereignet habe, wiederhole sich später einmal als Farce. Es ist keine Heldentat, im Saal zu bleiben, wenn man mit der Erklärung, man weiche der Gemalt, vor der Majestät vom Präsidenten aufgefordert wird, ihn zu verlassen, und des Schutzmanns zusammenzutniden. Es ist aber auch fein Aft der politischen Klugheit. Wie liegen denn heute die Dinge im Reichstag? Mehrheit und Opposition stehen in schwerem Ringen gegeneinander, man fchleppt die franten Abgeordneten heran, damit alles zur Stelle ist, und jeder hüben und drüben empfindet das Ausharren als eine schwere Pflicht. Die Teilnahme an den endlosen Sizungen, die sich aneinanderreihen, ist für jeden eine Qual; auch in der Brust des pflichtgetreuesten Abgeord neten lebt eine geheime Sehnsucht nach ein paar stillen Wochen im Kreise der Familie, nach Erholung im Freien. Dennoch bleibt man auf dem Bosten: die einen, weil sie die Verabschie dung des Zolltarifs noch vor den Ferien durchsetzen wollen, die andern, weil sie auf ordnungsmäßiger Beratung des nod aufzuarbeitenden Stoffes und auf fachlichem Rampf gegen die Bläne der Mehrheit bestehen. Die Kommunisten mögen ihre Höllein und Iadasch als Märtyrer aufpußen aber die Wirklichkeit sieht anders aus. In Wirklichkeit haben die zurückbleibenden Abgeord neten allen Grund, diesen Märtyrern mit einem Gefühl des Neibes nachzublicken. Die sind sein heraus! Im Interesse der Sache liegt es aber nicht, wenn die Opposition durch überflüssigen Spettafel geschwächt wird. Hätten Höllein und Jadasch nicht erst auf die Polizei ge wartet, fo hatten sie schon am Montag wieder, statt spazieren zu gehen, im Reichstag zur Stelle sein können. Wer weiß, ob nicht die nächsten Tage Abstimmungen bringen werden, in denen es auf zwei Stimmen, auf eine einzige Stimme an- kommen wird. Sich in einer solchen Situation freiwillig, bloß dem Skandal zuliebe auszuschalten, ist eine politische Torheit ersten Ranges. Es sei denn, man wolle den wirk- lichen Kampf gar nicht, sondern nur die bloße Spiegelfechterei. O Die sozialdemokratische Fraktion führt den Kampf mit kaltem Blut und ruhiger Ueberlegung. Gerade dadurch ist sie den Gegnern höllisch unangenehm geworden, während ihnen der Hinauswurf einiger Kommunisten nur Vergnügen bereitet. Die Deutschnationalen fürchten, auch bei ihren agrarischen Wählern den letzten Rest ihres Rufes zu verlieren, wenn es ihnen nicht gelingt, den Z o l l t a r i f noch vor Herbst- beginn in die Scheune zu bringen. Zentrumsleute und Volksparteiler laufen mit bekümmerten Gesichtern herum, sie wissen— wahrscheinlich noch besser als wir— wie es in ihrem bisherigen Anhang rumort, sie fühlen sich dem Druck jener ihrer Wählerschichten ausgesetzt, die gegen den ge- planten Hochschutzzoll interessiert sind. Inzwischen schreitet die Beratung der Steuern, die nur das Borspiel zum Kampf um den Zolltarif bildet, viel langsamer fort, als Regierung und Regierungsparteien ange- nommen hatten. Unbeirrt von dem Ferienbedürfnis der Mehrheit setzen die Sozialdemokraten ihre sachliche K r i t i k an der Finanzpolitik der Regierung und ihrer Par- teien fort. Die Sozialdemokraten hüten sich wohlweislich, sich ins Unrecht zu setzen und die Geschäftsordnung zu verletzen, sie halten sich in ihrem Rahmen und holen aus ihr heraus, was zum Schutz der Minderheit in ihr enthalten ist. Den Vorwurf, sie trieben Obstruktion, widerlegen sie durch die strenge Sachlichkeit ihrer Kritik, deren tiefgreifende Wirkung in den Dolksmassen mit jedem Tage fühlbarer wird. Die sozial- demokratische Fraktion bestreitet der Mehrheit nicht ihr un- bestreitbares Recht, schließlich nach ihrem Willen zu be- schließen, aber sie nimmt zugleich ihr eigenes Recht als Opposiiion in Ansvruch, den Willen der Mehrheit durch fach- sich« Kritik zu erschüttern. Sie nimmt ihr Recht in Anspruch, durch diese Kritik von der Reichstagsmehrheit an d i s V o l k s- mehrheit zu appellieren und damit den Sinn einer demo- kratischen Staatsverfassung lebendig zu machen.. O Käme es den Kommunisten darauf an, die Interesien der Arbeiter ernstlich zu vertreten, so müßten sie sich darauf de- schrägen, durch ihr Verhalten und ihre Ssimmenzahl die sozioldemokrasische Politik zu unterstützen. Aber die Väter, oder richtiger die Mütter der vielberedeten„neuen Taktik* «ollen sich nicht dem Borwurf aussetzen, sie segelten nur im Kielwasser der„verruchten SPD.*. Also muß man zeigen. wie tüchtig man ist. muß man— so schwer die» auch nach dem Zeugnis Rosenbergs ist— die Sozialdemokratie„ent- laroen*. Di« sozialdemotrasifche Reichstagsfraktton denkt aber Nicht daran, sich mit den Kommunisten in«inen Wettstreit de« Spektakels einzulassen. Sie läßt sich ihre Takttk nicht von Leuten vorschreiben, die schon ein outzendmal ihr« Takttk wechseln mußten, weil sie mit der bisherigen nach ihrem eigenen Geständnis Schiffbruch erlitten hatten. Sie kann den vorzeitta in Ferien gegangenen Abgeordneten H ö l l e i n und Iadasch keine Märtyrerkronen flechten, und sie kann nicht wünschen, daß andere Abgeordnete der Opposition ihnen auf ihrem allzu bequemen Wege folgen. Sie ist vielmehr der Meinung, daß die Opposition Handlungen unterlassen soll, durch die sie sich ins Unrecht setzt und die zahlenmäßige Ueber- legenheit der Gegner stärkt. Nicht Skandal machen und davonlaufen, sondern da- bleiben und arbeiten! Nicht Skandal machen und davon- laufen, sondern dableiben und kämpfen! der Ausschluß üer Kommunisten. Eine objektive Darstellung der Ursachen. Aus dem Sekretariat der Reichstagsfraktion wird uns geschrieben: In der Sonnabendsitzung des Reichstage» kam es bei Beginn ber Beratung der Kapitolverkehrssteuergesetze zu tumultuarischen Szenen, die mit dem Ausschluß der kommunistischen Abgeordneten Iadasch und H ä l l e i n endeten. Ts handelte sich im Kern um folgendes: Die bisherigen Beratungen im Plenum des Reichstages über die Dorlagen erfolgten nach einer Dereinbarung, die der Aeltestenrat getroffen hatte. Ihr hotten dl« Kommunisten zugestimmt. Sie wurde auch von ihnen bei den Beratungen innegehallen. Für die nun noch ausstehenden D o r t ist man noch so nett verblödet Im Geist der Firma Wittelsbach. Ja, trüge Er noch den Armeerock, Mit tausend Klunkern angetan! So aber bloß im powren Gehrock? Dann lieber auf die Eisenbahn! Hier macht man schnell sein vtettelstündchcn Bei der Verfassungsfeier mit. Dann richtet man den Blick auf München; Da drüben spricht man noch Granit. Wo noch die Welt voll Gardelitzen Und Landesvätern in Person, Wo tausend blank« Blech« blitzen. Da tonn man nicht—; da muß man schon! Wo Rupprecht mit den Heldensporen Au» seiner Feldherrnhalle dräut (Hat man auch nicht auf Ihn geschworen) Hier muß man schon au« Höflichkeit. Da drüben macht man noch Epoche; Und Lölterstämme stehen stramm. Da« gibt dann nächstens für die«Woche* Ein wunderschönes Photograimn. Dort kennt man nicht Verfassung»feiern! Ein andrer Geist wie in Berlin! Drum fühlt man sich so wohl in Bayern, D«n Land, wo die Patronen blühn. Doch d a, sst sicher: Aus den Stufen D«r Residenz, bei Platzmusik, Wird Er doch donnernd Hurra rufen Für Echwarz-Rot-Gold und Republik! __ I o d o c u». vle Zatendim, der S«aot»»per bat K-S cnllchli>sl«n. die.Zledermeu»- der O» e r- in K o n i q« o I a z nach b-K.im, mag. den 9-.'tuguN. oeütt zu geben. Die mit Rücklicht aus die Äer.ängcrung der Fiussüarungen ujo-derllch« llmtesetzung ewiger Par.ieu erfolgt er'unallg am Stamag, den Bild-Propaganda. Vor dem Schaufenster staut sich die Menge. Tiefe« Schweigen, nur hin und wieder unterbrochen von halblauten Bemerkungen. In tteser Ergriffenheit, nachdenklich vor sich hin- blickend, entfernen sich die«inen. Andere schieben sich vor und blicken minutenlang auf dl« Auslage. Ich trete näher. Es sst da» roß« Schaufenster der Vorwärts. Buchhandlung tn der i n d e n st r a ß e 2, auf dem in riesigen Lettern die Wort««N i e wieder Krieg*! stehen. Die ganz« Auslage ist auf diese» Watt abgestimmt: Bilder bekannter Kunstler, die da» Unheil de« Kriege» darstellen. Plakate mit eindringlichen Mahnungen an Männer und Frauen, die bedeutendsten Werte der Antikriegsliteratur usw. In der Mitte jedoch erhebt sich ein Aufbau, der in seiner plastischen Eindringlichkeit wie ein Keulenschlag wirkt: Auf sandigem Grund« ein zerschossener Menschenschädel, daneben ein einfaches schwarzes Helzkreuz und ein umgestülpter Stahlhelm. Wütender Schmerz hallt das Herz zusammen, wenn man in die Uesen Augenhöhlen des Menschenschädel» blickt. Es scheint, als ob dos abgrundtiefe Leid der Kriegsjohre aus diesen Augenhöhlen blickt, und al» ob da» Kreuz den endlosen Leidensweg symbolisiert, den die Menschheit zurücklegen muß, ehe sie au» der heutigen Barbarei zu den Höhen eine» freien Daseins emporsteigt. Zm Lesstng-THeaker ging gestern«Regenbogen*,«ine inter- nattonale Revue in dreißig Bildern vom Skala-Theater in Kopen- Hagen, in Szene, zu der eine ganze Reihe von Komponisten Schlager beigesteuert haben. Die musikalische Leitung des Abend» lag in den Händen des Kapellmeisters Hans May.«Regenbogen* sst eine Barietevorstellung, in der mit viel Tempo Humor und tausend süßen Beinchen Eoupletschloger illustriert werden, die keinen Zusammen- hang miteinander und zu den Fragen der Zeit nur sehr lose Be- ziehungen haben. Dank der vortrefflichen Laune des unverwüst- lichen F« r r y S i k l a und de» überbeweglichen und äußerst ulkigen Kurt Bois hatte die Revue trotz der etwas matten Schlußbüdsr «inen recht hübschen Erfolg. Dgr. Da»«unsittliche* moskowltisch« Ero». Bor dem Schwurgericht in München kain dieser Tage eine Klage gegen den verlagsdirettor der Allgemeinen Berlagsanstalt München. Dr. Röther, wegen Ber- breitung unzüchtiger Schriften zur Verhandlung. Beanstandet von der Staatsanwallschait war«ine unter dem Titel ,/va» mosko- witifche Eros* herausgegebene Sammlung von bedeutenden russischen Autoren, wie Tschechew, Kulmin u. a., und außerdem die von Scharfsenberg gesammelten„PersischenLiebesgeschich- t e n*. Das erste Buch ist schon vor Iahren unbeanstandet im Orphis-Derlag erschienen, der später in der Allgemeinen Verlags- anstalt aufgegangen ist. Bon den Sachverständigen sprachen sich nur einer, und zwar der hochbetaat« Münchener Literatur- und Theater- tritiker Baron v. Mensi im Sinn« der Staatsanwaltschaft aus, wäh- read sämtliche übria« Sachverständige, Ilnivcrsitätsprofessor Dr. Strich, Dr. Martens(der zweite Dorsitzende des Bayerischen Autoren- verbände«), der Dichter Karl Henckell und der gegenwärtig mit seinem Ensemble„Der blaue Bogel* in München gastierende Russe Dr. Iushny sich gegen die Behauptung aussprachen, daß es sich kiei diesen Werken um unsittliche Schmvtzliteracur bandele. Der russische Sachverständige erklärke u. a. noch, daß eine Reihe von den in der ersten Sammlung genannten russischen Autoren hochangesehen« hiX Crrnorh�n m gewesen seien, und daß keiner dieser Autoren semal» von der russischen Zensur beanstandet worden sei. Zugunsten des Angeklag- ten lagen auch schriftliche Gutachten von Alerander Gleichen-Ruß- wurm und dem Münchener Universitätsprofessor Dr. Tuscher vor. Nach einer Beratung von knapv 20 Minuten schloß sich das Gericht der Auffassung der Staatsanwaltschaft an und oerutteilte Dr. Nöther wegen der Verbreitung von Schriften, die geeignet sind, das Scham- gefühl zu verletzen, zu einer Gesamtgeldstrafe von 3000 Mk. unter Einziehung und Vernichtung der Lücher und Druckplatten. Wodurch die Keuschheit in Bayern zweifellos einen erheblichen Ausschwung nehmen wird. Aus der Schwetterllngssarm. Eine der merkwürdigsten Zucht- stätten, die es in der Welt gibt, ist die Schmetterlingsfarm zu Bexley in Kent. Hier werden Millionen von Schmetterlingen und Schwär- mern in jedem Jahr gezogen, die dann die Reise nach allen Teilen der Welt machen. Der Londoner Zoologische Garten z. B. wird von der Schmetterlingsfarm täglich mit neuen Arten versorgt, die in dem Insektenhaus Aufnahme finden. Im vergangenen Jahr sind allein für den Londoner Zoo von der Farm LS 000 Stück einer bestimmten Schmetterlingsart, der schönen schildpatt- und psauen- schwanzfarbigen Danessa, gezüchtet worden. Wenn man die Farm besucht, so findet man die Pappelbäume, die den Hauptbesland des Grundstücks bilden, mit großen Beuteln au» Seidengase bedeckt, nnd der ganze Platz macht den Eindruck, als fei er mit Ballons verziert. Diese Beutel, von denen mehr als«00 benutzt werden, hallen die Scharen der Raupen ab sich zu zerstreuen und schützen die Larven vor den Bögeln und ihren grimmigsten Feind, der Ichneumon- Flieg«. Radio- prediglen. Di« oberste englische Kirchenbchörde trägt sich mit dem Plan, in zahlreichen Landkirchen durch Rodioübenragung den Gläubigen die Predigten der bekanntesten großstädtischeil Konzelredner zu übermitteln. Statt der Gesstlichen werden aha dann am AUar— Lautsprecher stehen. Rckordslug einer Brieftaube. Ein New Yorker Briestauben- züchter machte vor kurzein ein interessantes Experiment. Er gab eine seiner Tauben dem Kapitän eines Dampfers mll und verein- borte mit ihm, daß die Taube in Freiheit gesetzt werden sollte, so- bald der Dampfer«ine Entfernung von 1500 Kilometern von New Pork erreicht haben würde. Dem entsprechend öffnet« der Kapitän den Käsig der Taub«, al» sein Schiff die aenannte Entsernung zwischen sich und den Hafen von New Jork gelegt hatte. Di« Taub« erreichte in zwar stark erschöpftem, aber trotzdem verhällni, mäßig gutem Zustand ihr New Yorker Heim, und zwar nach erstaunlich kurzer Zeit. Sie muß eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nahezu 100 Kilometer in der Stund««ntjallet haben. «w uene,«ansller-vlertel in pari». Der Stadtrat von Pari» bat einer Gruppe von Hingen Künstlern ein Baugelände zur Dersügung gestellt, aus dem demnächst Neulauten mll IN Wohnungen und Atelier» für Raier nnd Bilddauer errichtet weiden sollen. Späterhin wird die Anlag« zu einem eigenen Künstle:-Viertel erweitert werden. ver.AUruffilch« Kvegrrh der Bezirksärzle- tagt am 28 September d J. ■3«. in Ro»kau Für gnlereikeme» lieg: in der Vertretung de» Volt»- kammisiariat» für GelundheitSweien in Dentichland. Berlin L»«8, strnden- tzntz***30, da» Pwgrmmn zur«nchchtnahm» au«. Optanten und Reichsregierung. liegen, nach der Richtung hin, dem Beschluß des Reichstages bie Shimpung zu verjagen. Eine Unterredung mit Stresemann. Anderseits liegt aber bereits seit dem 3. Juli 1925 eine besondere Rundverfügung des Reichsarbeitsministers vor, die sich an die Außenminister Stresemann führte in einer Unterredung Länder und Gemeinden richtet. Diese Rundverfügung ist bezüglich mit einem Bertreter der„ Breslauer Neuesten Nachrichten" aus, daß der Ausübung der Fürsorgeverordnung besonders für Sozialrentner die deutsche Regierung bereit gewesen sei, die Optantenfrage auf von größter Bedeutung. Es ist bekannt, daß der Magistrat der dem Wege der gegenseitigen Duldung zu erledigen. Stadt Berlin die Rentensteigerungsfäße der LandesversicherungsPolen sei nicht darauf eingegangen und im Wiener Schiebsanstalten seit Juni bezw. Juli bereits in voller Höhe zur Anrechnung pruch sei niedergelegt worden, daß ein Optant zur Abwanderung gebracht hat. Damit nicht genug. Es liegt eine große Zahl von dann verpflichtet sei, wenn er von der deutschen resp. polnischen behörde bereits Abzüge an der Sozialrente gemacht hat, trobem dann verpflichtet sei, wenn er von der deutschen resp. polnischen Fällen vor, aus denen sich ergibt, baß die städtische FürsorgeRegierung eine schriftliche Abwanderungsaufforderung erhalten habe. Die Landesversicherungen überhaupt noch feine Steigerungsfäße Also auch nach diesem Spruch hätte sich eine Ausweisung der errechnet haben, bezw. feine Steigerungsrenten zu erwarten find. Optanten noch vermeiden lassen und die deutsche Regierung Die obige Rundverfügung des Reichsarbeitsministers weist nun habe noch in den lehten Tagen Versuche gemacht, die zwangsweise insbesondere darauf hin, daß die Anrechnung der seit April, bezw. Abschiebung zu verhindern. Sie habe bei der polnischen Regierung in lezter Zeit gezahlten Steigerungsrenten mit den Vorschriften fondieren lassen, ob sie bereit sei, über eine 2 usse zung der Ab- der Reichsgrundsäge über Boraussetzung, Art und Maß der öffent lichen Fürsorge nicht im Einklang stehen. schiebung zu verhandeln. Alles vergeblich. Die Rundverfügung betont weiter, daß die Gemeinden, was auch die Erläuterungen zu den Reichsgrundsäzen hervorheben, dar auf hinwirten müssen, daß sich bei den Sozialrentnern, die sich durch ein Leben von Mühe und Arbeit durch ihre Beitragsleistung einen Anspruch auf Fürsorge erworben haben, Rechte und Richtmaße der Fürsorge in der Regel höher bemessen werden als bei hilfsbedürfti gen, denen die Fürsorge lediglich fraft ihres Daseins zugestanden Die deutsche Regierung sei nunmehr natürlich genötigt, ebenso wie die polnische Regierung vorzugehen. Sie werde nach dem 1. Auguft etwa 8000 polnische Optanten ausweisen und, mie es Polen getan habe, thre Wohnungen zum Zwede der Unterbringung der aus Polen zurückkehrenden Deutschen in An. spruch nehmen müssen. Für die deutschen Optanten merbe alles Menschenmögliche getan und man werde sich auch dem anzupassen wissen, daß die polnische Regierung in ihrer Ausweisungspragis in einer Weise vorgehe, wie sie dem friedlichen Zusammenleben zwischen den Völkern und der Humanität nicht entspreche. Unter diesen Umständen sei es nötig geworden, in Bromberg und Dirschau neue Abman. derungsstellen zu schaffen, um die Abwanderung der Optanten zu organisieren. Exzesse des Wahnsinns und des Größenwahns. Rom, 1. Auguft.( WTB.) Das sozialistische Mailänder Blatt Avanti nimmt heute in einer 8ufchrift aus Rom zu dem polnischen Zoultrieg und der Ausweisung der deutschen Optanten aus Bolen Stellung. Es heißt darin u. a., Bolen, das sich eingebildet habe, dem Beispiel der Gewaltpolitik der Groß mächte folgen zu können, habe als Gegenmaßnahme für die unmög lich gewordene Berlängerung der Stohlenausfuhr nach Deutschland auf einzuführende deutsche Waren ungebeure Zollfäge geschlagen. Nun habe Bolen eine weitere grausame Maßnahme getroffen, indem es biele Taufende von Deutschen aus Bolen ausweise. Es feien ausschließlich Arbeiter und Kleinhändler, die nun dem Hunger und Elend ausgefezt seien. Es fel unerhört, daß sich dergleichen im 20. Jahrhundert ereignen tönnte, ohne daß der Bölferbund, der angebliche Schüßer höherer Ziele, die Exzesse des Wahnfinns und des Größenwahns eines Staates verhindert habe. Die deutschnationalen Richtlinien. Wer hat sie Stoecker gegeben? Gegen unsere Behauptung, daß die geheimen deutschnationalen Richtlinien zur Außenpolitit, die der kommunistische Abgeordnete Stoeder am Freitag im Reichstag perlesen fonnte, aus albeut schen Kreisen den Kommunisten in die Hände gespielt worden seien, protestiert der Abg. v. Freytagh Loringhoven in einer aufgeregten Erklärung. Die deutschmationale Reichstagsfraftion teilt dazu weiter mit, daß die nur für die Bresse bestimmten Richt linien feinem Mitglied der Fraktion, sondern nur einigen Bresse vertretern übergeben worden sind. wird. Die Anrechnung der Steigerungssäge für die Bersicherungs. rentner auf die Sozialrentnerunterstügung, wie fie in Berlin bisher vorgenommen wurde. ist mithin zu Unrecht erfolgt. Der Gau Brandenburg des Zentralverbandes der Arbeitsinvaliden hat bereits Verhandlungen beim Magistrat Berlin angemeldet und hofft, daß entsprechend dieser Rund verfügung der Berliner Magistrat die Anrechnung der Steigerungsfäße wieder rückgängig macht und die bereits abgezogenen Beträge den Sozialrentnern wieder zuführen wird. Parteigenossen Hitlers! Die Mitglieder der Fememordgesellschaft ,, Wehrund Hilfe" München, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Aus einer parteiamtlichen Mitteilung Hitlers im Böllischen Kurier geht hervor, daß es sich bei den Mitgliedern des„ Nationalen Bundes für Wehr und Hilfe", die vor einigen Tagen wegen ihres Mordanschlages in Leipzig auf den nationalsozialistischen Major a. D. Braune verhaftet wurden, um vollwertige Bartei a. D. Braune verhaftet wurden, um vollwertige Partei genossen Hitlers handelt, denn er selbst hatte seinerzeit ihre Mitgliedsbücher ausgestellt. Nachdem in einem Artifel des Bölli schen Beobachters" der„ Nationale Bund für Wehr und Hilfe" als eine national- bolfchemistische Firma" gekennzeichnet ist, werden in der parteiamtlichen Mitteilung die Mitglieder dieses Bundes, die bisher auch Mitglieder der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei waren, als nicht mehr zur Partei gehörig erklärt. Das staatsgefährdende" Reichswappen. München, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Münchener Polizeibirektion hat bei ihrem lleberfall auf das Ausflugs. auto des Reichsbanners München, worüber wir seinerzeit berichtet haben, auch vier Reichsbannerflaggen als Siegesbeute mit heimgetragen. Nun wurde der Vorsitzende des Reichsbanners auf die Polizei geladen, wobei ihm eröffnet wurde, daß die Führung der schwarzrotgoldenen Flagge mit dem Reichsabler strafbar sei, und zwar nach§ 360 Ziffer 7 der Strafprozeßordnung( Nachbildung des Reichswappens und unbefugte Benutzung). Ob der Staatsanwalt tatsächlich ein Strafverfahren eröffnet, ist bis zur Stunde noch nicht entschieden. Ruhrkrise und Bevölkerung sziffern. Wir bestätigen Herrn D. Freytagh gern, daß Herr Stoeder die Richtlinien von ihm nicht erhalten hat. Das hatten wir auch nie behauptet oder auch nur angedeutet. Der unbegründete Ber dacht, gegen den er sich so entrüftet wehrt, ist offenbar nur dadurch entstanden, daß man diese beiden Herren so oft in vertrautem Ge spräch miteinander gesehen hat. Eine Erflärung aber für alle Mitglieder des allbeutschen Oppofitionstreifes abzugeben, bazu fehlt Herrn v. Freytagh die Attivlegitimation. Außerdem wird er iminer hin mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß uns manche Dinge bevölkerungszunahme auf. So steigerte sich die Bevölkerung von tannt sind, von denen er nichts weiß. Sachsen und der Finanzausgleich. Protest, aber fein Kampf gegen den Reichsgedanken. Dresden, 1. Auguft.( WTB.) In den Dresdener Neuesten Nachrichten ergreift Finanzminifter Dr. Reinhold zu einem Ichten Appell in zwölfter Stunde an die Reichsregierung in Sachen des Finanzausgleichs das Wort. Er erklärt: Der Finanz ausgleich in feiner jetzigen Form bedeutet nach einmütiger Auffassung der Länder eine so weitgehende Beränderung der bisherigen Steuerverteilung zugunsten des Reiches, daß die Länder ihre Realsteuern, deren Abbau im Sinne der Berbilligung der Produktion auf das dringendste zu wünschen wäre, noch weiter an. fpannen müssen. Die großen Wirtschaftsverbände, die die öffentliche Meinung im Sinne der Borlage zu beeinflussen fuchen, sind vollständig im Irrtum, wenn sie von der Durchfegung des Finanzcusgleiches in seiner vorliegenden Form eine Ermäßigung der Steuerlast erwarten. Gerade das Gegenteil wird eintreten, und zwar, wenn statt der von der Wirtschaft mit vollstem Rechte geforderten Sentung der produktionsverteuernden Realsteuern, ins. besondere der Gewerbesteuer, hier an der falschesten Stelle der Wirtschaft neue Lasten aufgebürdet werden, die ein gerechter und wirtschaftspolitisch richtiger Finanzausgleich vermeiden würde. Der fächsische Finanzminister protestiert dann gegen die Ber. ollgemeinerung der Angriffe gegen die Finanzpolitit ber Gemeinden und betont, daß gerade in Sachsen dem Ueberfluffe gemisser vereinzelter Gemeinden die brückende Notlage anderer, vor allem größerer Arbeitergemeinden, gegenübersteht. Nach dem bis. herigen Berteilungsschlüssel des Finanzausgleichs erwächst nach Dr. Reinhold für den sächsischen Staatshaushalt ein Defizit pon 40 millionen Mart für das laufende Etats jahr. Dr. Reinhold betont schließlich noch, daß der Kampf gegen den Finanzausgleich fein Kampf gegen den Reichsge banten sei, sondern lediglich eine Abwehr unberechtigter Forde rungen seitens des Reichs. Fürsorge und Sozialrenten. Unberechtigte Abzüge. Die Genossen Starften, Schröter, Juchacz haben im Reichstag ben Antrag gestellt, auch für Rentenempfänger aus der Sozialversicherung die Bestimmung im Aufwertungsgefez finngemäß gelten zu lassen, nach welcher seinrentnern bei der Bemessung der Unterfügung 270 m. ihrer Einnahme aus aufgewerteten Rapitalien nicht mit angerechnet werden dürfen. Dieser Antrag der Sozialdemokratischen Partei wurde mit der Aenderung angenommen, daß% der Rentenbezüge, aber nicht mehr ais 270 m. jährlich, bei der Gewährung der Fürsorgeunterfügung auf Grund der Fürsorgepflichtordnung nicht angeregnet wird. Gegen diesen Beschluß des Reichstages foll, mie mir erfahren, bereits ein Einiorum der Deutschen Stäbtetages beim Reidarat nor Bochum, 31. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Wie die lang an haltende Krise besonders des südlichen Teiles des Ruhrgebietes auf die Bebölferungsziffern der Städte einwirkt, dafür bietet die letzte Bollszählung interessante Beispiele. Die abgebauten Magerfohlenbezirke des Südens weisen im Verhältnis zu den Fettfohlenbezirken des Nordens eine überaus geringe Bes Hattingen, too fast nur Magerkohle gefördert wird, in den Jabren 1910 bis 1925 um nur 1,83 Proz., von Witten um 2,45 Broz, Gelsenkirchen 6 Broz, Bodum 14 Broz, Essen 12 Broz. usw. Dagegen wucien die nördlich gelegenen Proz., Städte, wie Dinslaken um 77 Broz, Bottrop 63 Broz Buer 68 Broz, Glabbet 52 Proz., Moers 30 Proz., Redlinghausen Süd 42 Proz. 84 Prozent der Friedensmiete in Baden. Karlsruhe, 29. Juli.( WTB.) Mit Wirkung vom 1. Juli ab ist die gefeßliche Miete in Baden, die seit dem 1. November 1924 75 Prozent der Friedensmiete betrug, auf 84 Prozent erhöht worden. Vandervelde für den Garantiepakt. Anerkennung des deutschen Standpunktes. Paris, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der belgische Außenminiffer Bandervelde hat sich nach Meldungen aus englischer Quelle in einem an das englische Auswärtige Amt gerichteten memorandum rüdhaltlos den von diesem entwickelten Standpunft zu eigen gemacht. Vandervelde soll u. a. erklärt haben, daß zwar die geltenden Verträge durch den Garantiepatt weder beeinfeils a bwegig wäre, alle Einzelheiten dieser Verträge für fatrofrächtigt noch abgeschwächt werden dürften, daß es aber andererfeits a bwegig wäre, alle Einzelheiten dieser Verträge für fatto. fantt zu erklären und man demgemäß Deutschland nicht das Recht bestreiten fönne, den Artikel 19 der Böllerbundsatzung für sich in Anspruch zu nehmen( der bekanntlich die Nachprüfung unanwendban gewordener Verträge durch den Böllerbund vorsieht). Gleich der englischen Regierung fieht der belgische Außenminister in gewissen Forderungen der jüngsten deutschen Note lediglich Zugeständnisse an einen Teil der deutschen öffentlichen Meinung und glaubt, daß es im Laufe der Berhandlungen nicht allzu schwer sein werde, darüber mit der Berliner Regierung zu einer Verständigung zu gelangen. Bon befonderer Wichtigkeit ist, daß Vandervelde ebenso wie das englische Auswärtige Amt die von Deutschland gegen die automatischen Sanffionen geltend gemachten Argumente als berechtigt anerkennt. Er vertritt in seiner Antwort an die englische Regierung den Standpunkt, daß im Falle eines Konflikts zwischen Deutschland und einem feiner Nachbarstaaten dieser zwar berechtigt fei, sich auch ohne formellen Beschluß des Bölferbundes gegen einen deutschen Angriff zur Wehr zu sehen, daß aber die Garantiemächte erst für die eine oder andere Seite Partei nehmen dürften, wenn durch Beschluß des Böllerbundes ausdrücklich festgestellt fel, wer in dem tonkreten Falle Angreifer fei. Der überflüssige Sichtvermerk. Auch die Tschechoslowakei für Aufhebung. Prag, 1. Auguft.( WTB.) Das tschechoslowakische Pressebureau übernimmt zur Frage der Aufhebung des Sichtvermerkszwanges zwischen der Tschechosowakei und Deutschland eine Information der Prager Abendzeitung", die besagt, die Tschechoslowakei habe schon früher ihrer Bereitwilligkeit zur Aufhebung des Sichtvermerfzwanges gegenüber Deutschland Ausdruck gegeben. Dan fönne erwarten, daß die Baßschranken gegen Deutschland bald fallen werden. Jedoch seien entgegen anderen Meldungen noch feine Besprechungen über diese Frage gehalten worden. sprechungen über diese Frage gehalten worden. Der Grenzverkehr Deutschland- Holland. Der bolländische Minister für Arbeit, Handel und Industrie bat, zugleich im Namen des Außenministers, auf eine Stammeranfrage. betreffend die Verhandlungen über die Abschaffung des Pagvisums zwischen Holland und Deutsch. land, geantwortet: es träfe nicht zu, daß die holländische Regierung zu der Abschaffung des Visums nicht übergehen wolle. Er erklärte, daß Unterhandlungen mit Deutschland im Gange feien, die holländische Regierung jedoch danach strebe, daß im Falle der Abichaffung der Baßvisa auch die wirtschaftlichen hinderniffe, die für die in Deutschland arbeitenden holländischen Arbeiter zurzeit bestehen, aufgehoben werden. Hinsichtlich dieser Frage ist zurzeit eine genaue Prüfung im Gange. Frankreich in Marokko. Painlevé über Pétains Mission Der Daris, 1. Auguft.( WTB.) Marschall Pétain ist heute vor. mittag hier eingetroffen. Am Bahnhof hatte sich zu seiner Begrüßung u. a. auch der spanische Botschafter eingefunden. Marschall begab sich alsbald zu Ministerpräsident Painlevé, um ihm über die Durchführung seiner Mission in Marotto Bericht zu erstatten. Nach Beendigung dieser Unterredung erklärte Painlevé Pressevertretern, die Aufgabe Pétains fei die Regelung des Kommandos in Marotto gewesen. Danach vertrete Lyautey die Regierung, während Naulin die Operationen leite. Die von Pétain mit Lyauten und Raulin festgelegten Operationen, die zum Teil politischer, zum Teil militärischer Art sein würden, würden sofort begonnen werden, wenn Abd el Krim cuf die großzügigen Friedens. feien im übrigen alle Maßnahmen getroffen, um die etwaigen Ope bedingungen Spaniens und Frankreichs nicht eingehen sollte. Es rationen so wenig wie möglich verlustreich zu gestalten. Bétain habe ihm, Painlevé, versichert, daß die Truppen in Marotto trog der vielfach schwierigen Situation in der letzten Zeit durchaus zu versichtlich seien, und daß diese Zuversicht angesichts des Eintreffens von Verstärkungen wachse. Amnestie in Italien. Und Freisprechung faschistischer Uebeltäter. Rom, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend erschien aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des Königs eine Amnestic. Danach wird volle Amnestie gewährt für alle poli tischen Berbrechen, soweit sie nicht den Tod herbeigeführt haben. Aber auch für den unbeabsichtigten politischen Totschlag tritt starte Strafverminderung ein. Endlich genießen gewisse gemeine Verbrechen Straferlaß. Man schägt die Zahl der Begnadigten auf 12.000. Der Prozeß gegen die Matteotti- Mörder wird von der Amnestie nicht beeinträchtigt, während die Verfahren wegen der Ge Die walttätigkeiten der sogenannten Tscheka eingestellt werden. faschistische Presse nimmt die Amnestie begeistert auf und nennt fie verföhnlich. Die Presse der Opposition bemerkt, daß die Amnestie nur nüglich sei, falls die Regierung fünftig alle Gewalttaten unterdrücke. Sonst würde die Amnestie der faschistischen Regierung nur dazu dienen, ihre Anhänger zu neuen Geroaittaten anzustacheln. Die Bestattung Reumanns. Ungeheure Beteiligung der Wiener Bevölkerung. Wien, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Leichenfeierlich feiten für den vor einigen Tagen verstorbenen ersten sozial demokratischen Bürgermeister Diens, Genossen Reumann, gestalteten sich zu einer Kundegbung, wie sie Defterreich bis heute noch nicht erlebt hat. Schon am Freitag und Sonnabend vormittag besuchten Hunderttaufende die Festhalle des Rat hauses, in der Altbürgermeister Reumann in einem Meer von Kränzen und roten, schwarz umflorten Fahnen aufgebahrt lag. In den ersten Nachmittagsstunden entstand geradezu eine Völkerwanderung aus den Außenbezirken Wiens zum Rathaus, wo die Feierlichkeiten ihren Anfang nahmen. Um 2% Uhr In Ferrarca wurden vom Schmurgericht alle wegen Ermordung standen in ganz Wien zum Zeichen der Trauer sämtliche städtischen Unternehmen, so die Straßen- und Stadtbahn bzw. die Autobusse des Geistlichen Don Minzoni angeklagten Faschisten freige. für zwei Minuten still. Gleichzeitig leitete der Bläserchor der Staatsprochen und nach ihrer sofortigen Freilassung von den Parteiper das Begräbnis ein. Am Rathausplay stand um diese Stunde freunden durch Kundgebungen begrüßt. bereits eine unübersehbare Menschenmenge. Auch der deutsche Ge fandte Pfeiffer, mehrere österreichische Minister, der jetzige Wiener Bürgermeister Genosse Teig, der gesamte Stadt- und Gemeinderat und die Bürgermeister fast aller sozialdemokratisch verwalteten Städte Desterreichs hatten sich zu dem Begräbnis ein gefunden. Der Earg murde nach den Trauerreden von mehr als 200 000 Arbeitern begleitet; Mitglieder des Republikanischen Schuh bundes marschierten in 3möljerreihen hinter ihm. Der Borbeimarsch über den Ring dauerte mehr als eine Stunde. Die Bogenlampen waren auf dem ganzen Wege zum Krematorium schwarz umffort. um 5 Uhr erfolgte im Strematorium die Einäscherung. Dem früheren Herzog von Golha find im Prozeß gegen das Land Thüringen seine sämtlichen ehemaligen Besig. tümer zugesprochen worden. Dazu gehört auch die Bibliothet des früheren Staates Gotha. Eine der ersten Uebernahmebondlungen des jepigen Befizers bestand darin, daß er den Diret for der Bibliothet, den demokratischen Landtagsabgeord. neten Profeffor Dr. Krüger, am 1. Auguft seines Amtes enthoh Deutsch- Oberschlesien den Polen! Der Tag" des Herrn Hugen berg nennt den tommunistischen Abg. Jadaich Herrn Jadajch aus der Wasserpolatei". Nach dem Reichstagshandbuch ist Jabasch in Krappig füdlich von Oppeln, im deutschperbliebenen Teil Oberschlesiens geboren. Dieser aber ist laut Tag"" die Wasser. polatei", also polnisch und von dorther zu stammen ist schimpflich. Der deutschnationale Tag" rechtfertigt damit nicht nur die Teilung Oberschlefiens, sondern er ist offenbar auch bereit, das ganze ungeteilte Oberschlesien aus dem Deutschen Reich auszuschließen. Begen des einen Herrn Jadasch scheint uns das ein bißchen viel, aber bie Polen werden sich freuen. Friedrich- Ebert- und Walter- Rathenau- Straßen in Leipzig. Der Rat der Stadt Leipzig hat beschlossen, die bisherige Hauptftraße im Bororte Leuzsch in Erinnerung an den ersten Reichs. präsidenten Friedrich Ebert in Friedrich- Ebert- Straße und die bisherige abnb ofstraße im gleichen Vorort in Er ant den Reichsminister Des Neubern Walter innerung Die Um Nathenau in Rathenau- Straße umzubenennen. benennung foll vom 1. Januar 1926 ab in& raft treten Gewerkschaftsbewegung Der Streik im Saarbergbau beendet! Saarbrüden, 1. August.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend fanden in Saarbrüden die Repierfonferenzen des Deutschen Bergarbeiterverbandes und des Christlichen Gewerfvereins der Berg arbeiter im Saargebiet statt. Beide Konferenzen beschlossen, das Berhandlungsergebnis ihrer Organisationsleitungen mit dem französischen Minister für öffentliche Arbeiten in Paris und ber Bergwerksdirektion in Saarbrücken anzunehmen und die Arbeit am Montag, den 3. August auf allen Gruben bes Saargebiets wieder aufzunehmen. Der Berband der Bergarbeiter faßte folgende Ent. Jchließung: Reine Beamtenzulagen. Bom Algemeinen Deutschen Beamtenbund wird uns mitgeteilt: In der zweiten Beilage der Sonnabend- Morgenausgabe des Bor wärts" ist im Parlamentsbericht gesagt, daß die Besoldungsgruppen I bis VI 12% Broz, die übrigen Beamten 10 Broz. Zulage, somie sämtliche Reichsbeamte einen Zuschlag zu den Kinderzuschlägen und dem Frauenzuschlag von monatlich je 2 m. erhalten. Diese im Notetat tatsächlich enthaltene Bestimmung ist in den Kreisen der Beamtenschaft zum Teil falsch aufgefaßt worden. Sie meinten, daß ihnen nun tatsächlich eine Erhöhung Don 12% bzw. 10 Broz. zu den bisherigen Bezügen zustände. Das ist nicht der Fall. Es handelt sich in Wirklichkeit nur um die notgefeßliche Bestätigung der bereits im November 1924 auf der Basis des Ermächtigungsgesetzes vorgenommenen Be soldungsregelung. Die gestrigen Beschlüsse des Reichtsages bringen infolgedessen feine Aenderung der bisherigen Bezüge Die Beamten aller Besoldungsgruppen erhalten jetzt und in Zukunft genau dieselben Bezüge, die sie in den vergangenen Monaten gehabt haben. „ Die am 1. August ds. Is. in Saarbrüden tagende Revierfonferenz der Funktionäre des Verbandes der Bergarbeiter DeutschEine einzige Veränderung steht immerhin zu erlands ertennt nach ausgiebiger Debatte das vorliegende Berhand- warten, insofern, als dem Reichsfinanzminister im Gesetz die Erlungsergebnis an. Die Konferenz ist auch heute noch der Auffassung, mächtigung gegeben worden ist, den Hundertsaz des auszubaß das Lohnangebot von 5 Broz, gemessen an rungsverhältnissen, zu niedrig ist. Wenn aber die Konferenzahlenden Wohnungsgeldzuschusses nötigenfalls auf über 100 Prog. hinaus zu erhöhen. bennoch zur Annahme der gesamten Verhandlungsergebnisse fommt, so deshalb, weil neben der Lohnfrage noch eine Anzahl weiterer sehr wichtiger Fragen für die Kameraden der Saargruben erlediat wurde. Daneben ist aber auch die Lage auf dem Weltkohlenmarkt mit zu berücksichtigen. Die Konferenz erkennt die Tätigkeit der Verhandlungsleitung an und beauftragt die Bezirksleitung, mit den erreichten Berbesserungen den neuen Tarif zum Abschluß zu bringen. Rameraden! Der Erfolg bei diesem Kampf ist voll auf Seiten der Arbeiterschaft. Einigkeit und Geschlossenheit haben ihn verbürgt! Die Stärkung des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands ist unbedingt erforderlich, follen fünftig weitere Verbesserungen im Arbeitsverhältnis erzielt werden. Darum fordert die Konferenz alle Rameraden des Saarrepiers auf, fich der Organisation anzuschließen. Denn nur Einigkeit macht start! Im Berfolg dieses Beschlusses der Funktionärfonferenz ergeht an alle Belegschaften der Aufruf, gefchloffen wie bei dem Eintritt in den Kampf nunmehr den Kampf zu beenden und die Arbeit wieder aufzunehmen." Die Vorverhandlungen bei der Reichsbahnverwaltung. lungen zwischen Reichsbahnverwaltung und EisenbahnerorganiſatioAm Sonnabend haben die bereits angekündigten Vorverhand nen zur Neuregelung der Lohnverhältnisse der Eisenbahnarbeiter stattgefunden. Die Organisationsvertreter haben dabei die For. derungen der Eisenbahner dargelegt; fie enthalten im wesentlichen zunächst pro August einen Ausgleich für die euerung und die Mietsteigerung und ab 1. September eine Erhöhung des Stundenlohnes des volljährigen Bohnempfängers um 12 B f.; ferner Revifion der Wirtschaftsgebietsund Lohngruppeneinteilung sowie durchgehende Löhnung für die Schichtlöhner. Die Vertreter der Reihsbahnverwaltung erf! ärten, daß die Organisationen ihre Forderungen bis zum 5. d. M.[ chrift überprüfen und feststellen, inwieweit diese für die Reichsbahn erlich vorlegen sollen. Die Berwaltung werde dann die Forderungen träglich feien. Die Reichsbahnverwaltung will in den nächsten Tagen der Deffentlichkeit eine eingehende Darlegung über die Finanzlage der Reichsbahn unterbreiten. Der Zweck dieser Uebung ist flar; die Verwaltung möchte auch jetzt der Deffentlichkeit einreden, daß dem Eisenbahner eine nennenswerte Lohnarhöhung nicht gewährt werden fann. Hoffentlich erscheint diese Darlegung recht bald, damit die Reichsbahnverwaltung eines Besseren belehrt werden kann, falls sie sich belehren lassen will! Stillegungen und kein Ende. Dortmund, 1. August.( Mtb.) Der Union- Konzern beabsichtigt, seine Abteilung Berl vollkommen stillzulegen. Sämtlichen Arbeitern ist gekündigt worden. Auch der Betrieb der Abteilung Fröndenberg soll eingestellt werden. Der Bankbeamtenstreik in Frankreich. hat die Zahl der Streifenden bereits 15 000 überschritten. Die Paris, 1. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) In Paris Arbeitsbörse ist für die Streifenden zu klein geworden. Die Regierung hat dem Streiffomitee deshalb die Reitbahn einer Kaserne zur Verfügung gestellt. Im Laufe des Sonnabend vormittag haben bisher noch gezögert hatten, sich der Bewegung angeschlossen. Man schäßt die Beteiligung am Streif bereits auf etwa 70 bis 80 Proz der Angestellten. Auch in der Provinz macht die Bewegung rasche Fortschritte. In Marseille, Toulouse, Lyon, Montpellier, Limoges usw. mußten fast sämtliche Banken geschlossen werden. Die beiden Hauptforderungen der Angestellten find die bisher von den Direktionen abgelehnte Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisation und die Anpassung der Gehälter an die rasch fortschreitende Teuerung. Für Paris wird in der untersten Gehaltsstufe eine Teuerungszulage von 1300 Franken jährlich ge fordert. Die Vermittlungsversuche der Regierung haben bisher zu Entgegenkommen abgelehnt haben. Man wird unter diesen Umfeinem Ergebnis geführt, da die Direktionen der Großbanten jedes ständen mit einer längeren Dauer des Streifs rechnen müssen. 3du.- Bezirksversammlungen. Restaurant Ringler, Tempelhof, Berliner Str. 100. Blubs). Montag, 3. Auguft: Schöneberg, Friedenau, Berlin 30, 35, 57: Reftau rant Rosenthal, Ebersftr. 66. Reue Dichtung"( Bortvag, Rezitation). Re ferent: Roll. Karl Reig. Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade: Das Abendprogramm des Bothauses( durch Lautsprecher, unter Mitwirkung des Arbeiter, RadioDienstag, 4. Angust: Often: Andreas- Rafino, Andreasftr. 3, Beginn 7½ Uhr. Senry Ford der Retter Deutschlands? Refrent: Rebatteur Hans Krauß. Nordwesten: Nord- West- Rafino, Alt- Moabit 55. ,, Arbeiter- Dichtung", Refe. rent Roll. Rarl Reik. Adlershof, Alt- Glienice, Grünau, Bchusdorf, Falten bera, Eichwalde- Schmödwis: Restaurant Schnaut, Adlershof. Gebanitr. 3. Referent: Roll. Josef Aman. Ludwig Thoma"( Bortrag, Rezitation). Oberschöneweibe, Niederschöneweibe, Johannisthal, Baumschulenweg, Karls borst: Restaurant Räthel, Niederschöneweide, Brüdenstr. 15. Die Sächsische Schweiz" ,, Winter im Erzgebirge", Lichtbildervorträge des Roll. Bredow. Mittwoch, 5. Auguft: Süben, Südwesten: Blücherfäle, Blücherstr. 61. Der Aufstieg und Niedergang des Stinnestonzerns. Referent: Roll. Fris Fride. Neukölln: Bürgerfäle, Bergstr. 147. 8ur Lohnfrage der Angestellten. Refe. rent: Roll. Rarl Bublik. Achtung, Rimmerer! Die nächste Belegschaftsverfammlung der Firma Selb ut. Frante findet am Dienstag, 4. Auguft, vormittags 10 Uhr, im Marine haus ftatt. Deutscher Baugrwerksbund, Fachgruppe ber Töpfer. In allen Bezirken finden in der Woche vom 3. bis 8. Auguft in den bekannten Lokalen, abends 7 Uhr, Bezirksversammlungen ftatt, und zwar fülr: Köpenid und Moabit am Montag, Spandau, Often und Charlottenburg am Dienstag, Reutölla am Mittwoch, Brenzlauer Allee am Donnerstag, und Schöneberg am Freitag. borf bei Mar Engels, Swinemünder Str. 65, am Dienstag, 4. Auguft; SüdReu eingerichtete Bezirkslokale für Wedding, Gesundbrunnen und Reiniden. oft, Giben und Rentrum bei Kurt Linke, Waldemarstr. 65, am Mittwoch, 5. Auguft. Das Erscheinen aller Rollegen erwartet Das Ergebnis der Berhandlungen ist im einzelnen folgendes: Eine wesentliche Verbesserung über die angebotene 5prozentige Lohn erhöhung hinaus wurde nicht erreicht. Dagegen wurden wesentliche andere Zugeständnisse an die Bergarbeiter gemacht. Es erhalten alle Bergarbeiter für die Feierschichten, die sie haben machen müssen, einen Vorschuß je nach der Zahl der Feierschichten und nach dem Familienstand in Höhe von 50 bis 150 Frant. Diejenigen, die feine Feierschichten verfahren haben, erhalten einen Vorschuß in Hähe von 50 bis 80 Frant. lleber die Zurückzahlung des Borschusses Zum Kampf im Schriftgießereigewerbe. soll im März 1926 verhandelt werden, d. h. er ist praktisch als Eine am 31. Juli von allen Streifenden besuchte Bersammlung à fonds perdu gegeben. Der Hauermindestlohn erfuhr insofern eine der Berliner Schriftgießer nahm den Bericht der Streifleitung ent Neuregelung, als er in Zukunft mindestens die Höhe des Schicht gegen. Entrüstung herrschte darüber, daß die Unternehmer ihre Lohnes der zweiten Lohnklasse betragen muß. Außerdem wurden Faftoren zwingen wollten, Streitarbeit zu verrichten. eine Reihe von Arbeitergruppen in eine höhere Lohntlasse um diese die Zumutung ablehnten, wurden fie fristlos entlassen. tonarek und zum Internationalen Rongrek der Leder- und Schuhinduſtriegruppiert und die tiefste Lohnklasse für den Saarbergbau unter Es sollen nun mit Betriebsfremden( Streitbrechern) die Bearbeiter im 4. Bahlkreis erhielt feiner der Kandidaten die abfolute MehrTage praktisch aufgehoben. Für die Kündigung und Entlassung von triebe in Gang gebracht werden. Die Streifenden erblicken darin heit. Es ist daher Gti mah I erforderlich, die für Berlin am Donners nur eine Verschärfung des Streifs und geloben, nur noch vorgenommen wurden. tag, 6. Auguft, in den gleichen Lokalen erfolgt, in denen die Urwahlen Arbeitern wurde in Zukunft jeder Willkür dadurch vorgebeugt, daß Die Rollegen merden aufgefordert, sich an der Stich wahl vollzählig au beteiligen und ihren Mitgliedsausweis mitzubringen. jeder Arbeiter vor seiner Entlassung vom Grubenleiter gehört fester zusammenzuhalten und werden die Betriebe nur wieder betreten, men der legte von den Streifbrechern die Betriebe merden muß. Maßregelungen dürfen weder für den passiven Wiber wieder verlassen hat. Auch werden sie sich für die fristlos entlassenen stand, noch für den Streit vorgenommen werden. Eine wesentliche Faftoren einsehen. Gestreift wird in folgenden Berliner Betrieben: Erhöhung soll außerdem sofort einsehen für die Bezüge der Inh. Bertholdt, A.-G., Belle- Alliance- Straße 88; E. Gurs, validen und der Witwenrente, deren gesetzliche Neuregelung be- Gneisenauftr. 27; W. Wollmer, Friedrichstr. 226. Vor ArbeitsSchleunigt werden soll. annahme wird gewarnt. 21s die Fachgruppenleitung. Rentralverband der Schuhmacher. Bei den Urwahlen zum Gewerkschafts Berantwortlich für Bolitik: Bietor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chloru; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Sonstiges: Fri Karstadt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. Sieran 3 Beilagen unb Unterhaltung und Bissen". Seldene Wäsche- Garnitur aus farbigem Crêpe de Chine, zweitellig, Taghemd u. Beinkleid... für 29.Frottier- Handtuch weiß, gezwirnt, m. Jacquard- Kante u. rot eingekurbeltem Buchstaben, 50X110 cm 1.95 Küchen- Wischtuch 86X56 cm, Reinleinen graurot kariert... Küchen- Handtuch Diaper( Spezial- Marke) 0.55 45X100 cm, weiß, reinen, 1.00 srael BERLINC KÖNIGSTR. 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Die Gerüste entpuppten sich schließlich als riefige Dampfhämmer, die auch alsbald mit der Arbeit begannen. Unter ohrenbetäubendem Zischen und dumpfem Dröhnen fauften die Bären auf die Eisenträger herab, die zwar widerwillig, aber schließlich doch dem eisernen 3wang gehorchend, im Leib der Erde ver schwanden. Zwei Meter vom Rebenträger entfernt, schob sich wiederum ein 14 Meter langes Eisenungetüm in die Tiefe und so ging es fort, die ganze Straße hinauf. Der eiserne Palisadenzaun follte die senkrechte, seitliche Absteifung für die auszuhebende Bau grube abgeben. Mittlerweile war auf dem Tempelhofer Feld, auf der linken Seite, in der Nähe des Flughafens, eine Baubudenstadt entstanden. Arbeiteraufenthaltsräume, Zimmerer, Schlosser, Schmiedewerkstätten entstanden unter den fleißigen Händen der Zimmerleute. Lokomotivschuppen wurden gebaut, Feldbahngleise wurden zu Bahnförpern zusammengestellt und um das Ganze ging ein funfelnagelneuer Bretterzaun. Hier stehen auch die Bureaubaracen der leitenden Ingenieure, die mit ihrem Techmiterstab das gewaltige Werf meistern; von hier aus stiegen wir in die Baugrube ein, um sie erst am Ende, an der Kreuzung der Belle- Alliance- Straße mit der Gneisenaustraße zu verlassen: ein Gang durch das Innere cines ganzen Stadtteils, eine Wanderfahrt über Bahngleise, Röhren, Baubretter und Leitern hinweg, neben uns den werdenden Tunnel der Untergrund", über uns das oberirdische Leben der Weltstadt mit den ratternden Elektrischen, den rasenden Autos und den geniächlichen Lastwagen. Im Tunnelschlund. Kleine Lokomotiven bringen einen langen Troß sandbeladener Ripploren ans Tageslicht; ein Leerzug fährt in die Tiefe. Wir folgen ihm und stehen bald im Innern des Kreuzbergs. Eine fühle Luft empfängt uns, unwillkürlich sucht das Auge das Tageslicht und findet es oben, zwischen schmalen Rizen hindurchschimmernd. Die fünftliche Fahrbahn der Belle- Alliance- Straße bildet gegenwärtig die Baugrubendecke. Auf die eingerammten 30 Zentimeter starken Doppel- T- Träger find in der Breite der Grube andere Träger quer hinübergelegt. Sie erscheinen noch massiger, sie sind an den Auflagestellen mit stärkstem Winkeleisen verbolzt und werden da, wo 15] IT Sinnenspiel. 0, die Breite der Baugrube es erforderlich macht, von Eisenträgern und starten Rundhölzern, die die märkische Heimat mur zu gut verraten, unterſtüßt. Alle zwei Meter ein senkrechter Träger, alle zwei Meter ein horizontaler: eine Riesenmenge Eisenkonstruktion bildet so das U- förmige Gerippe für den in der Luft hängenden Bierkanthölzer geben die Nagelungsunterlage für fünf Zentimeter Fahrdamm. Eine engliegende Lage sechzehn Zentimeter starter dice buchene Bohlen ab, auf denen dann der großstädtische Verkehr dahinrollt. Die Schienen der Straßenbahn find noch einmal egtra abgefangen, so daß jede erdenkliche Sicherheit geboten ist. Und doch ift von der Bauleitung bestimmt, daß die hölzerne Fahrbahn nur obwohl die zehnfache Sicherheit vorhanden ist. Die gleitende Last mit Caften bis 120 3entnern Gesamtgewicht befahren werden soll, der Straßenbahn fällt nicht so start ins Gewicht als das unregel mäßig treuzende Fuhrwerksverkehr. Nicht alle Träger find fentrecht in die Erde gegangen. Ein großer Stein, manchmal schon die barte Ein Blick in den Tunnel 31. Auguft. Klara erwidert, sie habe oft Briefe an mich angefangen, fie aber dann wieder zerrissen. Sie sei in schlimmer Stimmung und wolle mich nicht auch verdrießlich machen... Dann erzählte sie wieder ganz am Schluß die Bemerkung:„ Das„ Rind" war gestern wieder ihre Kleinigkeiten, aber der Humor blieb gezwungen, und abermals bei mir, läßt Dich grüßen. Er blieb sehr lange. Mir äußerst unangenehm, denn ich hatte besonders viel in der Wirt schaft zu tun. Ich mag ihn nicht." fchaft zu tun. Ich mag ihn nicht." Aus einem Tagebuch. Mitgeteilt von Rurt Eisner. Barum schreibt sie, daß ihr der Besuch unangenehm gewesen Barum schreibt sie, daß ihr der Besuch unangenehm gewesen sei? Ich weist, daß ihr der Bursche gefällt. Daß fie fich an feinem Gespräch gefreut und daß sie sich ihre Freude schwerlich dadurch beeinträchtigen läßt, daß sie deshalb ihren praktischen Obliegen heiten entzogen wird. Ganz im Gegenteil. Rein Zweifel, biefer Das„ Mag" steht über der Zeile. Darunter bid ausgestrichen, Besuch war ihr zu angenehm. Sie fühlt sich dadurch mir gegenüber aber doch lesbar:„ haffe". Und das„ Nicht" entwickelt sich deutlich bedrückt, und daher die Abschwächung, diese allzu eifrig betonte aus einem ursprünglich gefeßten Buntt. Ich habe nun Gewißheit. Gleichgültigkeit, aus der die Selbstanklage deutlich spricht. Der Es ist fein Scharfsinn mehr vonnöten. Hier ist der Bewels. Weil leidenschaftliche Eingang und dieser unwahrhaftige Schluß find fie die unwahrheit rebet und Motive zu erfinden sich bemüht, der fie nicht Zeichen des gleichen Zustandes? Warum hat sie den Brief fällt fie auf dieselben wie schon einmal. Das Leben wiederholt sich nicht gleich abgefchickt? Sie hat ihn affenbar, wie der Boststempel nicht, aber die Lüge. Klara hat tein gutes Gebächtnis, fie vergaß, zeigt, ein paar Tage liegen laffen. Denn geschrieben hat sie ihn daß fie die gleiche Bendung von der wirtschaftlichen Störung eben in der Nacht vom 9. zum 10. August, in jener Nacht, da ich es ist mein eigenes schlechtes Gewissen, das Harmloses so gewalt Not, ich glaube, ihrer Reue. Sie fühlt das Berräterische ihrer es ist mein eigenes schlechtes Gewissen, das Harmioses so gewalt erst gemacht hatte. Dies ich hasse ihn war ein Aufschrei ihrer fam deutet. Weil wir uns zuletzt noch über das Kind" geftritten, Wendung und mildert fie. Doch auch für das ich mag ihn nicht hat sie wohl befürchtet, ich könnte über den Besuch eifersüchtig lag tein Anlaß vor, wenn nichts geschehen war. Ich zweifle werden und hat darum das ungeschickte Mittel gewählt, ihn als unwillkommen darzustellen. Wenn wahr wäre, was der Argwohn mir einzureden sucht, so würde sie überhaupt den Gast gar nicht erwähnt haben... Jezt gehe ich wieder zu weit in der harmlosen Deutung. Sie würde sicherlich auch dann davon sprechen, um fich vor sich selbst zu rechtfertigen, wie ehrlich und aufrichtig sie sei, oder meiner möglichen Entdeckung vorzubegen. Bielleicht sucht sie auch gerade durch die Erwähnung Schuß gegen fich und ihre Leidenschaft. Ich tüftele vergebens. Meine Vernunft sträubt sich gegen mein Gefühl, mein Vertrauen gegen Argwohn. Ich bin nichtswürdig. Es genügt mir nicht, Klaras Tod zu wünschen, ich verleumbe fie auch. Und doch- ich weiß nicht * nicht mehr. 5. September. Die Mitteilungen Staras werden wieder häufiger, aber fie find inhaltlos, taum lesbar und selbst bisweilen ungrammatitalisch, wie von jemand, der alle Beherrschung verlor. Ich bin jetzt ganz ruhig, aber ich schlafe die Nächte nicht mehr. Der Bademeister meint, das fäme vom Baden, sei aber gefund. Ich würde die Erholung erst um Weihnachten spüren, das sei immer so. Wenn er wüßte, daß ich nichts so sehr fürchte wie das nächste Weihnachts fest, da ich allein, ganz allein sein werde. Ich würde am liebsten zurückkehren. Mein Aufenthalt hier Ich würde am liebsten zurückkehren. Mein Aufenthalt hier sonderbar hat feinen 3wed mehr. Aber ich möchte die Entscheidung hinausschieben, solange als möglich. Ich werde die drei Monate aushalten, voll aushalten. Sonntag, 2. August 1925 Mergelschicht bildeten selbst für diese Eisenriefen unüberwindliche Hindernisse. Dann bogen fie fich unter den harten Schlägen der Dampfhämmer zusammen wie Haarnadeln. Ein Musterexemplar steht noch zur Ansicht an der Baubude; es ist in vier- bis fünffacher Bindung zusammengedrückt wie ein harmonifabalg. Die Schachtarbeiten schritten schnell voran, boten aber durch die Eingeweide der Großstadt Kanalisations, Gas- und Wasserröhren, Rabelleitungen und Zementröhren manche Schwierigteiten. Jetzt hängen diese Röhrenungetüme hoch oben an der fünstlichen Straßendecke, gehalten von starten Eisenbändern an Querträgern. Durch Hacklehm, eine Mergelschicht, die hart wie Stein war, fam man auf Gand. 130 000 Subitmeter Boden waren zu bewegen eine unge heure Menge. Tag und Nacht wurde mit 650 Mann gearbeitet, Lorenzug auf Lorenzug rollte die Einfahrt hinauf aufs Tempelhofer Feld und diente hier zur Blanierung eines Telles des weiten Feldes, der Franzosenpfuhl ist damit zugeschüttet worden. Der Grund und Boden der Stadt Berlin wird durch die fertige Bahn um 100 000 Kubikmeter verringert bleiben; die restlichen 30 000 benötigt man zur Zuschüttung der Baugrube. Im unteren Teil der 1200 Meter langen Strede, etwa von der Bergmannstraße ab, war ein harter Kampf mit dem Grundwasser zu bestehen, der aber zugunsten der Bauleitung entschieden ist. Die Baugrube war mehrmals in der Gefahr, abzufaufen. Man entschloß sich daher, den Grundwasserspiegel für die Zeit des Baues zu fenten. Aus 75 in die Erde getriebenen Tiefbrunnen ziehen Hochleistungs- Kreiselpumpen, die von 50pferdigen waffer heraus und befördern es in den Landwehrfanal. Almonatlich Elektromotoren angetrieben werden, ohne Unterbrechung das Grundfließen eine halbe million Kubikmeter Wasser in den Kanal, d. h. in jeder Minute wird etwa der Inhalt von 8 Sprengwagen Waffer der Gegend um den Kreuzberg herum entzogen. Die Bauleitung sieht feine Gefahr darin; ob sich diese optimistische Auffassung allerdings Tatsache ist, daß beispielsweise durch den Bau der Untergrundbahn in der Praxis bewahrheiten wird, muß noch dahingestellt bleiben. in der Wallstraße viele Brunnen in der Köpenicker und Inselstraße versiegt sind. Zement und Eisen. erreicht, der Bau der eigentlichen Tunnelröhre ist in Angriff geInzwischen ist allenthalben die Sohle des fünftigen Tunnels nominen und stellenweise über mehrere hundert Meter schon fertig. Ganz aus Eisenbeton gegossen, schmiegt sie sich eng an die Schachtwand an. Die Träger der oberirdischen Fahrbahn werden mit Schutzblechen umkleidet, damit der Beton nicht an ihnen abbindet, weil sie nach der Fertigstellung der Bahnstrecke wieder herausgezogen werden müssen. Auf dem Zimmerplatz haben die Handwerker die Holzformen für die Tunnelwand hergestellt. Sie sind genau berechnet und sehen schon alle Einbuchtungen, Unterstellnischen für die Streckenwärter, ja selbst an den Bahnhofswänden die Flächeneinfenfungen für die Reflametafeln por. Sogar die Holzleisten, an denen diese Tafeln befestigt werden sollen, sind schon in den Bement eingelassen. Für die ganze Strede find etroa 140 000 Zentner Žement nötig, der durch 700 Tonnen Rundeisen in Daumenstärke armiert wird. Die in riesigen Mischmaschinen hergestellte Zementtiesmischung wird auf Feldbahnen von oben in die Holzverschalung geschüttet, dann festgeftampft und braucht etwa drei bis vier Wochen zum Abbinden". Dann fann die Holzform beseitigt werden und die 80 bis 90 Zentimeter starte Tunnelwand ist fertig. Später wird im gleichen Berfahren die Decke draufgeseßt. Die ganze Zementröhre ist durch wasserdichte Pappe, die mit Teer aufgeklebt wird, gegen Feuchtigkeit geschüßt. Eine Schotterschicht am Boden des Tunnels wird den Unterbau für die Gleisanlage bilden; die Ausgeftaltung der Bahnhöfe, der Treppenanlagen, die Montage der Signaleinrichtungen und alles sonstige Drum und Dran wird dann endlich im innigen Zusammenwirten vieler Berufsschichten das Werk beenden. Steile Leitern führen uns vor dem Haus des 362. wieder ans Tageslicht. Schrill blendet uns der Sommerfonnenschein in die Augen, haftende Menschen jagen in den Straßen ihrem Gewerbe nach, währenddem tief in der Erde Ingenieurkunst und Arbeiterkraft neue, schnelle Berkehrsmittel bauen. Die im Bau befindliche Strecke bildet den vorläufigen südlichen Abschluß der Nordsüdbahn, die damit von der Seestraße bis auf das Tempelhofer Feld, nach Neu- Tempelhof führt. Dort, wo an der Gneisenaustraße die Bahn nach der Hasenheide abzweigt, ist eine Untertunnelung dieses Bahnstranges nötig. Das Gleis, das von Etation Kreuzberg fommend, nach dem Stadtinneren führt, wird in an die Trennungsstunde. Ich werde weich, mild, gütig sein wir werden als Freunde scheiden, die verzeihen, aber niemals vergessen. Doch kann ich ihr eigentlich überhaupt etwas vorwerfen? Tat ich nicht selbst das gleiche, wenn auch nur in franken Träumen? ist. Ein unüberbrückbarer Abgrund flafft zwischen beiden. Für Es ist nicht wahr, daß zwischen Tat und Gebante fein Unterschied den Gedanken gibt es eine Sühne, indem er ausgerettet wird. Die Tat bleibt ewig, nie wird fie ungeschehen. Möglich, daß noch ein Rest von dem Dünkel des Mannes wirft, der in seinem Herrschaftsgefühl sich gestattet, was er dem Weibe als Verbrechen anrechnet. Gleichwohl ich vermag nicht mehr in Gemeinschaft mit der Schuldigen zu fein. 15. September. wie vor. Ich werde immer ruhiger, aber der Schlaf meidet mich nach Manchmal möchte ich meinen Verdacht einfargen, ahnungslos heimtehren und weiter mit ihr und den Kindern weil sie gefündigt und ich ihr verziehen, als ob durch die Schuld leben. Ja, es ist mir, als ob ich fie noch mehr lieben würde, und die ftumme Bergebung Schicksalsgröße in den Bund der Alltäglichkeit hineingetragen wird, und dadurch alles edler und kraftDoller würde, geweiht von der Erhabenheit des Tragischen. Eitle Bebanten. Wenn ich auch schwiege, sie würde sich verraten! Und dann: ist mein Verdacht denn so bewiesen, daß ich darauf verzichten fönnte, ihn zu prüfen. Vielleicht ist es ein Irrtum und ich legte ohne Rot das Schwert zwischen uns. Und ich glaube wirtlich daran, daß ich das in mir selbst totschweigen fönnte, und daß ein solches, wie ich mir vergeblich einzuflüstern suche, edelmütiges Verfahren unseren Bund sogar veredeln würde? Nein, die Erinnerung wird immer und überall verderbend mitwirken. Wenn mir etwas an Klara mißfällt, wird jene Erinnerung den Verdruß zum Etel steigern. Jeder fieinlicher 3wift entartet zum erbitterten Strieg. Das eine Unvergeßliche ist der gewaltige Fatfor, mit dem troy allen Haders und der inneren Entfremdung werden die sich jede ärgerliche Stimmung ins ungeheure multipliziert. Aber Stunden der Leidenschaft kommen und wir werden uns ihr hin24. Auguft. Eine Woche lang war ich wieder ohne Nachricht von Haus. Heute endlich erhielt ich eine Rarte, merkwürdig flüchtig geschries ben, zerstreut in Stil und Handschrift. Ich beginne schon wie ein Detektiv zu lesen. Verfolgungswahnsinn: Die Unruhe werde ich nicht mehr los. Ich betreibe meine Erholung nur noch wie ein verdrießliches Geschäft. Ich babe, gehe, effe, schlafe- alles pflichtfällige, gleichgültige Werkzeug einer Verirrung. Er ist kein Neben- wißheit verschaffen. Vielleicht ist es doch möglich, daß mich nur gemäß, ohne innere Freudigkeit. 27. Auguft. Bieder nur eine Postkarte. Ich habe Klara heute geschrieben, fie möchte mich nicht so schlecht behandeln und etwas Ausführ licheres berichten. Daß ich noch jemals ein eifersüchtiger Ehemann werden würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Es ist aber auch eigentlich nicht Eifersucht, es ist bange Furcht vor dem Berlust bes Teuersten, In den Ehebruchsgeschichten pflegt der Mann von einem toben. den Haß gegen den Verführer befallen zu werden. Ich spüre nichts bergleichen. Ich denke gar nicht an ihn. Er ist ja nur das zu buhler, tein Ebenbürtiger. Aber auch dem Weibe zürne ich nicht. Nur tiefen Schmerz empfinde ich, daß fie leichtsinnig unser beider Leben zerstört hat, denn hinweg kann auch ich darüber nicht. Benn ich noch bort gewesen wäre, wenn jener mich aus ihrer Liebe im offenen Stampfe verdrängt hätte. Bielleicht könnte ich gerade dann vergessen. Aber die Täuschung des Vertrauens verwinde ich nicht, das Heimliche. Unehrliche. Wir werden beide erst recht empfinden, was wir uns waren, wenn wir uns für immer verlieren. Ich denke nur noch geben und das Heiligste entwürdigen. Wir werden wie die Hage. und doch immer wieder zusammenfinden. Ich muß mir also Geftolze mit ihren Wirtschafterinnen leben, die sich schimpfen, prügeln ein Bahn ängstigt. Auch fie mag sich am bloßen tatenlosen Ginnenspiel berauscht haben, und gewissenhafter als ich, fühlt sie sich durch die Gedankenschuld bedrückt und verstört. Bielleicht. Ach, mit der Bunschkraft und dem Erfüllungsglauben eines Kindes träume ich den ganzen Tag, es möchte Wahrheit werden, was ich ersehne. Denn ich liebe dich, Klara! Ich kann mir kein Leben ohne dich denten, und doch glaube ich nicht an meine Hoffnung. ( Fortsetzung folgt.) 12 Meter Tiefe unter dem Neuköllner Gleis hinweggeführt, um bann dicht dahinter wieder in die normale Höhe anzusteigen. Die Stadt Berlin beabsichtigt, späterhin den Bau der Untergrundbahn bis nach Tempelhof fortzuführen. Parteiarbeit in Groß- Berlin. Zum Bezirkstag am Sonntag. Am heutigen Sonntag tritt im Plenarsizungsfaal des Breußischen Staatsrates in der Leipziger Straße der ordentliche Bezirts. tag des Bezirksverbandes Berlin der Sozialdemokratischen Partei zusammen. Neben dem Geschäfts- und Raffen bericht steht die Neuwahl des Bezirtsvorstandes, der Bressetommission, des Bezirksbildungsaus. schusses und die Wahl der Delegierten zum Reichspartei tag auf der Tagesordnung. Die Beratung des neuen Organisationsstatutes und der eingelaufenen allgemeinen Anträge werden den Bezirtstag beschließen. Am nächsten Sonntag Verfassungsfeiern. mohner: Breußen 38 138 460, Bayern 7 898 991, Sachsen 4970 801, Der tommende Sonntag ist der Auftakt zu den diesjährigen Verfassungsfeiern in Berlin. Am Sonnabend vormittag werden von Passau aus die Oesterreicher in Berlin eintreffen und in feierlichster Weise eingeholt werden. Da die Veranstaltung den Charakter einer Bundesfeier trägt, wird die Bundesleifung des Reichsbanners am Sonnabendnachmittag um 26 Uhr auf Auch die Bundesdem Potsdamer Bahnhof eintreffen. leitung wird in befonders feierlicher Weise in Berlin begrüßt und abgeholt werden. Bon da aus wird sich der erste Jug zum 21ap begeben, der für die geselligen Veranstaltungen am Sonnabend den Republikanern Berlins zur Verfügung steht. Württemberg 2 591 340, Baden 2319 581, Thüringen 1624 675, Heffen 1 350 986, Hamburg 1 134 112, Mecklenburg- Schwerin 685 123, Oldenburg 551 805, Braunschweig 508 322, Anhalt 351 471, Bre men 331 381, Lippe 165 621, Lübeck 127 460, Mecklenburg- Strelig 111 831, Waldeck 58 641, Schaumburg- Lippe 48 661. Die Gesamtzahl der Großstädte, d. h. der Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern bezifferte sich auf 45. Berlin steht mit 4 Millionen Einwohnern an erster Stelle. Ihr folgt Hamburg mit etwas über 1 Million Einwohner, dann kommen München, Köln, Leipzig und Dresden. Auf 1 Quadratkilometer Fläche wohnen nach der letzten Zählung durchschnittlich 132,9 Einwohner, Todesurteil im Prozeß Hauffe. Zehn Jahre Gefängnis für Lönnig. Nach sechsstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende, Land. gerichtsdirektor Westerkamp, das Urteil im Mordprozek Hauffe. Der Angeklagte, Tischler Karl Simon, wird wegen Mordes, versuchten schweren Raubes und Unterschlagung zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Der Fürsorgezögling Hans Lonnig wird aus dem Jugendgerichtsgesetz heraus wegen der gleichen Vergehen und wegen schweren Diebstahls zu ins Strafaussetzung gesamt 10 Jahren Gefängnis verurteilt. wird bei ihm abgelehnt. Aus der Verhandlung ist noch nachzutragen: Am Sonnabend selbst ist ganz Berlin zur Beteiligung an den Volksfeiern aufgerufen. In den Vormittagsstunden finden in allen Stadtteilen große republikanische Rundgebungen statt, an denen Reichsbanner und Besserung teilnehmen. Bei jeder dieser Kundgebungen wird ein bekannter republikanischer Politiker in einer furzen Ansprache die Bedeuning des Tages feiern. Dieje Veranstaltungen finden für den Bezirt Tiergarten: auf dem Magdeburger Play, Wedding: Schillerpart, Prenzlauer Berg: Arnswalder Play, Friedrichshain: Weberwiese, Kreuzberg: Belle- Alliance- Blak, Charlottenburg: Wilhelmplatz, Spandau: Rathausvorplay, Wilmers dorf: Fehrbelliner Play, Schöneberg- Friedenau: Rudolf- Wilde- Platz ( neues Rathaus), Steglig: Carmenplay, Tempelhof: Part an der Beseftraße, Neukölln: Herzbergplay, Treptow: Bahnhof Niederschönemeide, Köpenick: Wilhelmplah, Lichtenberg: Partaue Lichtenberg, Weißensee: Platz vor dem Schloß Weißensee, Bantow: Marktplay, Reinickendorf: Maienplay in Reinickendorf statt. Diese Ver anstaltungen werden einschließlich Reden und zweier Musikvorträge nur jedesmal eine halbe Stunde dauern. Von ihnen aus beginnt der Abmarsch des Reichsbanners und der Republikaner durch fest. gelegte Straßenzüge nach der Spielwiese im Treptower Part. Die beiden Anmarschstraßen zum Treptower Bart Mitgliedern im Bezirksverbande zu rechnen ist. Darunter befinden wird ein riesiges, 16 Meter hohes und 8 Meter breites, schwarzrot wähnten erfreulichen Aufstieg, so daß gegenwärtig mit über 40 000 den schwarzrotgoldenen Farben erhalten. Auf der Spielwiese selbst fich etwa 10 000 Frauen. Diese eingeschriebenen und vollzahlenden goldenes Banner errichtet werden. Mitglieder der Partei find als die Kerntruppe der politisch organi gestellt, um den Redner, Oberpräsident Höring, den Bundes fierten Arbeiterschaft Berlins zu betrachten. Die mit allen Mitteln vorfizenden des Reichsbanners, bis zum letzten Play verständlich zu der Reklame und Unvernunft arbeitende fommunistische Propaganda machen. 2000 Sänger, ein Sprechchor von 500 Mitgliedern und die gesamten Musikkapellen aus den Festzügen in Stärke von über 1000 hat nicht vermocht, die Erkenntnis von Berlins Arbeiterschaft fern- Wann werden durch kurze Beiträge die Feier umrahmen. Die Feier zuhalten, daß nur die Sozialdemokratie die wirkliche Interessen beginnt punkt 2 Uhr und soll nicht länger als eine Stunde dauern. vertreterin des arbeitenden Volkes ist. Der Jahresbericht bringt Im Anschluß an diese Feier beginnt dann der Abmarsch nach ferner die Berichterstattung der einzelnen Abteilungen des Bezirks den Lokalen in Treptow, die sämtlich für den Tag zur Vervorstandes. Am 1. Oktober 1924 ist auf Grund vielfacher Anregungen faffungsfeier bereitgehalten find. Hier vereint freudige Geselligkeit aus den Mitgliederkreisen ein tommunales Setretariat eingerichtet worden, das den berechtigten Forderungen unserer Spiel und Tanz die Menschen bis zum Abend, wo ein riesiges, 40 Minuten dauerndes Feuerwerf abgebrannt wird. fommunalpolitisch tätigen Genosfinnen und Genossen Rechnung trägt. Die Kommunalen Blätter für Groß- Berlin" stellen das Berbin dungsglied zwischen dem Sekretariat und den Kommunalpolitikern In dem Jahresbericht, der in den Mitteilungen des Be zirksverbandes" den Mitgliedern und Funktionären bereits zugängig gemacht ist, wird die Tätigkeit des Bezirksverbandes für die Zeit vom April 1924 bis zum 31. März 1925 einer eingehenden Würdigung unterzogen. Nach der entsetzlichen Inflationszeit machten sich bei Beginn des Berichtsjahres die ersten Anzeichen einer Besse rung auch in parteiorganisatorischer Hinsicht bemerkbar. Bis zum Ende der Berichtszeit haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse weiter gefestigt. Die Arbeitslosigkeit hat abgenommen und damit ist auch die Anteilnahme der Maifen am politischen Leben wieder gestiegen. Das matte sich in eurem Aniteigen der Mitglieder ziffern bemerkbar. In einer graphischen Darstellung ist die Mit gliederbewegung in übersichtlicher Weise erkennbar. Die zehntausend organisierten Sozialdemokraten des Jahres 1918 vermehrten sich bis zum Jahre 1920 auf rund 59 000 und find dann in einem jährlichen Auf und Ab in der Zeit der größten Inflation naturgemäß start werden von den Eisenbahnunterführungen aus reichen Schmud in bangend erhebt sich Lönnig zum letzten Wort: Meine Herren, der dar. der Die Steigerung der sozialdemokratischen Stimmen bei den politischen Wahlen im Berichtsjahr ist nicht zuletzt auf die Agitation Betriebsvertrauensleute zurückzuführen, die wiederum wirksam durch das Betriebsfetretariat unterstüßt wurden. Die Berichte des Beamtensetretariats, des Bil dungsausschusses, des Jugend- und des Frauen jefretariat's und der Arbeiterwohlfahrt laffen eine umfangreiche Arbeit erkennen. Die Bersammlungs tätigkeit, die sich besonders auf die Wahlperioden, aber auch auf andere Parteiveranstaltungen erstreďte, war bedeutend größer als selbst in den Jahren vor dem Kriege. Der erfreuliche Aufstieg der Barteiorganisation ist nicht zuletzt auf das selbstlose Wirken aller Parteifunktionäre zurückzuführen. Noch eine Landbundpleite. Idyllische Zustände müffen, wie man uns schreibt, bei der Landwirtschaftlichen Kreisgenossenschaft des Kreifes 3 auch Belzige. B. m. b. 5, Belzig, einem vom Landbund ins Leben gerufenen Unternehmen, bestanden haben. Da von einem großen Teil der Mitglieder die Geschäftsanteile nicht einge zahlt worden waren, mußte die Genossenschaft Kredite zu ungeheuer hohen Zinsen aufnehmen; die unausbleibliche Folge hiervon war, daß 300000 bereits im März 1924 eine Unterbilanz von m. bestand. Statt nun sparsamer zu wirtschaften, die Bor räte zu verringern und wenigstens den Versuch zu machen, die Anteile hereinzubekommen, wurde nichts unternommen und weiter gewirtschaftet. Es wurden ein Personenauto und mehrere Lastautos angeschafft; im März 1925 bestand bereits eine Unterbilanz von 89 000 m., die sich bis Ende Juni d. 3. auf 180 000 m. erhöhte. Als man sich keinen Rat mehr zu schaffen wußte, berief man eine Generalversammlung ein, die beschloß, den Anteil auf 2 M. pro Morgen bei einer Mindestabnahme von 20 Anteilen zu erhöhen und diese Summen sofort einzuziehen. Dieser Beschluß rief natürlich große Empörung hervor. Abgesehen davon, daß die Genossenschafter dieses Geld als verloren ansehen, tommt noch ein anderer Punkt in Betracht, der ein grelles Licht auf die Art und Weise wirft, wie man im Handumdrehen„ Kunde" des Landbundes werden und die Karre mit aus dem Dred ziehen helfen kann. Während der Inflation war es oft nicht möglich, Roggen oder Kartoffeln an anderer Stelle als bei der Kreisgenossenschaft zu betommen. Voraussetzung war natürlich, daß man Mitglied war. Also traten eine ganze Reihe Personen ein, um nicht ohne Lebensmittel dastehen zu müssen. Sagungen der Genossenschaft erhielten sie nicht, der damalige Papiermark oder Roggenanteil wurde nur teilweise eingezahlt. Das war 1923; jetzt nach zwei Jahren glaubt die Genossenschaft, diese Mitglieder" und Landwirte" mancher hat noch nicht einen Blumentopf Erde zu eigen heranziehen zu können, um ihre Berfehlungen zu decken. Da immerhin 40 m. zu zahlen find, wird es noch manchen Krach geben. In den Verfammlungen waren manche freiwilligen und unfreiwilligen Ge ständnisse der prominenten Landbundführer interessant. So stand in Beeliz die Versammlung unter dem Zeichen des Alkohols. Auf dem gerade stattfindenden Schüßenfest wurden die Landwirte von Händlern betrunken gemacht und dann zum Standalmachen in die Versammlung geschickt. An anderen Orten mußten sich die Herren vom Landbund Betrüger" von ihren Gesinnungsgenossen zurufen lassen; auch wurden bittere Klagen darüber laut, daß man fich so sehr auf die Geschäftsführer verlassen habe. Bon Intereffe war auch die Mitteilung, daß nicht nur jüdische", sondern auch christliche Banten unter den Zinswucherern gewesen wären. Das neue Blindenabzeichen. Wie bekannt, diente seit dem Jahre 1923 in Berlin und auch in einigen anderen deutschen Städten ein ovales Emailleschildchen mit weißem Kreuz auf rotem Grunde als Blindenschutzabzeichen im Straßenverkehr, das auch den Blinden Berlins im großen und ganzen gute Dienste geleistet hat. Auf dem 5. Berbandstage des Reichsdeutschen Blindenverbandes zu Stuttgart ist nun beschloffen worden, als Blindenschuhabzeichen eine gelbe Armbindemit drei schwarzen Bunften allgemein zu verwenden. Man wählte diese gelbe Armbinde, weil sie sich bereits in der Schweiz bewährt hat und auch gelbe Schilder mit schwarzen Punkten im internationalen Autoverkehr dem Fuhrwesen als Warnungszeichen bekannt sind. Der Reichsdeutsche Blindenverband hat jezt einen größeren Posten solcher Armbinden beschafft und gibt sie durch Bermittelung der Zentralftelle für städtische Blindenpflege, Oranienstraße 26, und auch in seinem eigenen Bureau, Dirdsenstraße 2, an Berliner Blinde zum Preise von 35 Pfennigen pro Stüd ab. Sämt liche von dieser Stelle verausgabten Binden tragen auf der Innenseite den Stempel Reichsdeutscher Blindenverband e. V.". Die Bolizeiverwaltung der Stadt Leipzig hat bereits dieselbe gelbe Armbinde auf ihre Kosten für die Leipziger Blinden beschafft. Lautsprecher find aufKnapp 1½ Tage nahmen die Plädoyers der Verteidiger und die Repliten der Staatsanwälte im Mordprozeß Hauffe in Anspruch. Dann kamen die Angeklagten zum letzten Wort. Bom psychologischen Standpunkt interessant war das, was der angeklagte Fürsorgezögling Lönnig gab. Während der Angeklagte Simon bis zum letzten Augenblick gefaßt blieb, brach Lönnig unter der Bucht der langen Verhandlungsdauer vollständig zusammen. Leichenblaß und Der Gerichtsarzt mußte hinzugezogen werden. tein Hemd auf dem Leibe, als der Bierfutscher ermordet wurde. hätte ich das Geld von dem Toten, dann würde ich doch das NotHerr Staatsanwalt hat gesagt, ich bin nicht dumm; ich hatte damals meine Herren. Aber weshalb bekommen wir Fürsorgezöglinge, wendigste gekauft haben. Arbeitsscheu war ich, das gebe ich zu, menn wir zu den Bauern verdingt werden, nicht ein fleines Wenn ich etwas Taschengeld? Das spornt die Arbeit an. mit dem Morde zu tun gehabt hätte, sollte ich da am nächsten Tage Menschen, der erst mordet und dann betet? in die christliche Gemeinschaft gehen können? Gibt es denn einen Die Geständnisse? Die Herren wissen, ich bin ein Phantast, ich könnte Ihnen Raubmorde beschreiben, wenn ich Lokalfenntnisse hätte und der Staatsanwalt würde darauf reinfallen. Ich habe mit dem Bierkutscher. renommiert? Aber was habe ich von meinem Leben? Zehn Jahre Gefängnis sind beantragt; ich mache mir nichts daraus. Auch wenn man meinen Kopf gefordert hätte, und jetzt, meine Herren, sehe ich auf Simon. Wenn der heute zum Tode verurteilt wird, dann bin ich erst zum Mörder geworden. Eimon beteuert ebenfalls, nichts mit dem Mord zu tun gehabt zu haben. Darauf zog sich das Gericht zur Beratung zurüd und fällte nach sechs Stunden das eingangs erwähnte Urteil. Die Verkehrsverhältnisse sind in jeder Beziehung geregelt. Die öffentlichen Verkehrsmittel von Straßen- und Stadtbahn werden einen ausgedehnten Sonderdienst einrichten. Um den jenigen, die mit der Stadtbahn nach Zreptom gelangen wollen, die Möglichkeit hierzu in bestem Maße zu geben, werden die Reichsbannerabteilungen, die aus den entlegenen Stadtteilen nicht alle bis nach Treptow marschieren fönnen, sondern einen Teil des Weges mit der Bahn zurücklegen müffen, nicht auf dem Bahnhof Treptow aussteigen. Der Bahnhof Treptow wird restlos für den allgemei- Die neue Städfische Oper". Die Stadt Berlin hat mit dem nen Verkehr freigehalten bleiben. Das geschmackvolle Bergeftrigen Tage durch die Städtische Oper- Aktien- Gesellschaft das fassungsabzeichen eine bronzeähnliche Plakette am bisherige Deutsche Opernhaus übernommen, das schwarzrotgoldenen Band das bei allen Reichsbanner- und nunmehr den Namen, Städtische Oper" führt. Parteistellen, fowie an den Theatertassen des Barenhauses Tietz zum Preise von 1 M. zu haben ist, berechtigt ohne jede weitere Nachzahlung zur Teilnahme an sämtlichen Veranstaltungen und zum beliebigen Befuch aller Lokale. Der nächste Rheinland- Sonderzug Berlin- Hannover- Köln, den die Reichsbahnverwaltung aus Anlaß der rheinischen Jahrtausendfeiern und der Jahrtausendausstellung in sö In verkehren läßt, wird am 6. August, abends 7.42 von Berlin, Deutscher Arbeiterfängerbund, Gau Berlin. Die Chorprobe für die bei der Verfassungsfeier am 9. August in Treptow zu singenden Lieder findet am Montag, den 3. August, abends 7 Uhr, auf der Spielwiese in Treptow statt. Treffpunkt am Karpfenteich. Schwarzrotgoldene Fahnen erhältlich in fämtlichen Waren- Schlesischer Bahnhof, abfahren. häusern und Berkaufsstellender Konsumgenossenfchaft Berlin und Umg. Fertige Fahnen: 120 Zentimeter breit, 1% Meter lang: 2,90 m.; 2 Meter lang: 3,90 m.; 2% Meter lang: 4,75 m. 3 Meter lang: 5,50 m. Angewebte Fahnen 80 Benti meter breit, Meter 1,75 m. 140 breit, Meter 3,25 m. Bestellungen für die westlichen Vororte nimmt entgegen Ostar Schiller, BerlinLantwig, Charlottenstr. 34. Das Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925. Nach den Zusammenstellungen des Statistischen Reichsamts über die von den Statistischen Landesämtern ermittelten vorläufigen Ergebnisse der Reichsvolkszählung vom 16. Juni 1925 beträgt die Be völkerung des Deutschen Reiches ohne Saargebiet 62 468 762. Rechnet man noch das Saargebiet mit seinen etwa 750 000 Einwohnern hinzu, so beziffert sich die Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches nach einem heutigen Umfang auf 63,25 Millionen Einwohner. Bei Ausbruch des Weltkrieges zählte das Deutsche Reich 68 Millionen Einwohner. Davon entfielen auf die einzelnen Länder folgende EinDas Rundfunkprogramm. Sonntag, den 2. August. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Dr. Oscar Gehring:„ Erklärung der Sixtinischen Kapelle".- 2.Sonette. Michelangelo: a) An Dante, b) An Vittoria Colonna. Madrigale. Michelangelo: Auf Vittorias Tod( Josémaria Lepanto, Rezitation).- 3. a) Karl Ehlert: Präludium, b) Haydn: Adagio, c) Franz Büning: Fantasie( Franz Büning, Harmonium, Organist der Klemenskirche). 4 Uhr nachm.: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Direktor Diekopp, Obstbauschule in Werder: Landwirtschaftlicher Obstbau". I. Teil. 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffmann, 7 Uhr abends: Schriftsteller Dittrich ( Programm nach Ansage). 7.30 Uhr abends: Oberregierungsrat Professor Dr. Möllers, MitGlücksburg: Die Kunst des 19. Jahrhunderts in der Mark. glied des Reichsgesundheitsamtes: Die gesundheitliche Lage des deutschen Volkes. 8.30 Uhr abends: Heiteres. Mark Twain: Grotesken und Anekdoten. Vorgetragen von Meinhart Maur. 9.05 Uhr abends: Dreiunddreißig Minuten in Grüneberg" oder Der halbe Weg". Posse in einem Akt von Karl von Holtei. 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst, Königswusterhausen, Sonntag, den 2. August. 11.30-12.50 Uhr mittags: Konzert. Veranstaltet von der Opernund Konzertsängerin Edith Bach, Berlin. Mitwirkende: Edith Bach, Sopran; Frau Dr. Lucie Böhm. Alt; Ilse Freimann, Violine; am Flügel: Klara Bach und Elsbeth Owert. 1. Lieder gesungen von Edith Bach. 2. Gesangsduette, Edith Bach- Lucie Böhm. 3. Zwei Violin- Soli, Ilse Freimann. 4. Arien, gesungen von Edith Bach. 5. Duette Violine und Gesang, Edith Bach- Freimann. 6. Lied, gesungen von L. Böhm. 12 Uhr mittags: Esperanto- Vortrag. Montag, den 3. August. 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikbegleitung. 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau. ( Färberei im Haushalt" von Apotheker Georg Zander. 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman.( Programm nach Ansage). 6.35 Uhr abends: Werbevortrag: Die deutsche Hochseefischerei, ihre Entwicklung, ihr Betrieb und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung, verfaßt von Korv.- Kapt. a. D. Reichert vom Institut für Seefischerei. Wesermünde. 7 Uhr abends: Dr. Berndt Götz: Das schwachsinnige und schwachbegabte Kind und seine Pädagogik. I. Teil. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Geschichte. Geh. Regierungsrat Dr. Richard Schmitt, Professor an der Universität Berlin: Der Siebenjährige Krieg. 5. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Orchester- Konzert. Dirigent: Georg Széll. 1. Mendelssohn: Musik zu Sommernachtstraum". 2. Haydn: Konzert für Cello( Walter Lutz). 3. Schubert: Sinfonie H- Moll. ( Berliner Funkorchester). 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk ( E. Nebermann). Die Deutsche Liga für Menschenrechte wird auch am heutigen Sonntag, vormittags 11 1hr, auf dem Garnisonfriedhof in der legen laffen. Hafenbeibe einen Kranz am Grabe der unbekannten Soldaten niederDer Gefangverein, Freier Bolfschor Buch", Mitglied des deutschen Arbeiterfängerbundes, veranstaltet heute nachmittag 4 Uhr im Bart des Hospitals in Buch ein Unterhaltungskonzert für die Hospitaliten. 1925/26. Internationale Vollstänze und Volkslieder. Steppe und BußtaBezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Bier Broße Fest! ongerte Aus der Neuen WeltIm Orient Der deutsche Tanz. Mitwirkende: Das Ballett und erste Solisten der Staatsoper. Künstlerische Leitung: Mag Terpis, Ballettmeister der Staatsoper. Prof. Schünemann, Dir. der Hochschule für Mufit. Abonnementspreis für alle vier Veranstaltungen 4 M. Alle wichtigen Bestimmungen enthalten die Zeichnungslisten. Listen liegen aus: Bei den Mitgliedern der Kreis- und Abteilungs- Bildungsausschüsse, Bigarrengeschäft Horsch, Engelufer, Tabafvertrieb GFG., Inselstr. 6, Berband der Graph. Hilfsarbeiter, Alte Jakobstr. 5, W. Schmidt, N. 39, Tegeler Str. 31, Job. Moranz. Danziger Str. 46, Buchhandlung Vorwärts, Linden ftraße 2, und im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr. r., Zimmer 8/9. Ebert Reliefs nach dem Entwurf des Künstlers Gerstenberg, elfenbein getönt, 1,60 m. pro Stüd, dunkel getönt 1,80 M. pro Stüd, zu haben im Bezirksbildungsausschuß, Lindenstr. 3, 2. Hof II. Ferner Radierungen von Krommer, Deiterle und Sela affe. Ab Ende August werden die Abonnementstarten für die Fest fonzerte ausgegeben. Wir bitten um rechtzeitige Rüdgabe der Sammelliften. Die Juli- Zeitschriften des Bücherfreises sind erschienen. Sprech- Chor für proletarische Feierstunden. Montag, den 3. August, abends 7 Uhr, auf dem großen Spielplatz: Probe für die Verfassungsfeier. Die Mitglieder werden gebeten, pünktlich zu erscheinen. Nächste Uebungs flunde Donnerstag, den 6. August, abends 7 Uhr, im Gesangssaal der Sophiensule, Weinmeisterstr. 16/17. Heber Wohnungselend und fiffliche Verwahrlofung und die Ursachen der Bohnungsnot spricht am 6. August, abends 8 Uhr, in Berlin, Rosenthaler Straße 12, der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Bodenreformer Biltor Road. Eintritt frei. Radfernfahrt Zürich- Brelin. Der Italiener Tonani Sieger der zweiten Etappe. Gestern fuhren die Fahrer ihre schwierigste Strede. Bon München nach Pößnec, die Etappe, die 379,8 Kilometer zählt, gab es heftige Kämpfe. Hier waren es die Diamantfahrer, die am Start zu spät eintrafen, die versuchten, verlorenes Terrain wieder zu gewinnen. Der anhaltende Regen zwang viele Fahrer, das Rennen aufzugeben. Manthey, Michael, Gay, Oliver, H. Fischer, Nörenberg und Tonani waren die ersten, die die Einschreibtontrolle in Nürnberg passierten. Auf der weiteren Fahrt blieben Defekte selbstverständlich nicht aus, so daß die Schar der Spigengruppe bis auf 11 Mann zufammenschmolz. Doch auch P. Kohl und Oliveri blieben infolge Reifenschäden zurück. Trotzdem nörenberg, der Sieger der ersten Etappe, mit allen Mitteln versuchte, auch die zweite für sich zu reservieren, mußte er doch ein Loch vor Tonani zurücstecken, der somit als Sieger durch Ziel ging. Der gestrige Sonnabend galt als Ruhetag. Die letzte Etappe und zwar von Pößned um Deutschen Stadion in Berlin, die über 321,3 Kilometer führt nimmt ihren Anfang am Sonntag um 4 Uhr früh. Die Amateure starten eine halbe Stunde später. Im Berliner Stadion werden die Fahrer gegen 4 Uhr nachmittags erwartet. Resultate: Berufsfahrer: 1. Tonani( Italien) 13 Stunden 44 Min. 32. Get., Rweiter Nörenberg, Dritter Kroll, Bierter Suschte, Fünfter Gay, Sechster Manthen. Siebenter Remold, Achter Rosenbusch, Nunter Michael. Amateure: Erster Martinetto( Italien) 14 Gtd., 28 min., 18,2 Get., Zweiter A. Reitberger( München), Dritter E. Müller( Frankfurt a. M.), Bierter P. Röfen( Köln), Fünfter Mettels( Rheindalen), Sechster Quandt ( Leipzig), Siebenter Blattmann( Rürich). Gegründet 18c4" DOO .136 130gssted Kredithaus „, ANDERS" am Bahnhof Wedding Reinickendorfer Straße 16 Größtes Haus direkt a. Nettelbeckplatz Auf Teilzahlung Anzüge Herren- Paietots DamenGarderobe schick und modern Kostüme- Kasacks- Kleider Mäntel Knaben-, Mädchen-, Konfirmanden- Garderobe usw. Prima- Qual. Sellde Preise. Größte Auswahl Niedrigste Anzahlung Riesen- Möbel- Auswahl Polsterwaren, eig. Fabrikat 1- bis 2- Zimmer- Einrichtungen Spezialität: Mod. Küchen Aus Korbmöbeln und große Erleichterte Zahlungsbedingungen! Kredithaus , ANDERS" 99 Reinickendorfer Straße 16 Pank- und Gerichtstraßen- Ecke Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten Lieferung frei Haus Groß- Berlin Deutscher Metallarbeiter- Verband Dezimalwagen Wagen- n. Karofferiefunttionäre Dienstag, den 4. August, abends 62 Uhr, im Sigungsfaal des Verbandshauses, Cinienste. 83/85: Konferenz Tagesordnung: 1. Stellungnahme Tafelwag., Gewichte, ane Ründigung unseres Lohnabkommens. Billigste Preise. Großes Lager 2. Diskussion. Georg Wagner Köpenicker Str. 71 Achtung! Bertrauensleute Achtung! Kein Ladengeschäft Keine SchaufensterAm Mittwoch, den 5. Auguft, finden Reklame, dafür wein den bekannten Lokalen die sentl.billigerePreise Bezirks- Vertrauensmännerkonferenzen ftatt. Butritt nur gegen Borzeigung des Mitgliedsbuches und der Vertrauens männer- Legitimationstarte. Die Bertrauensmännertonferenzen des 6. und 21. Bezirkes fallen aus. Gardinen Achtung! Generalversammlung! Sonderangebote Am Montag, den 21. September, findet die ordentliche Generalver Gelegenh.- Käufe fammlung für das 2. Quartal statt. Anträge dazu müssen bis spätestens 15 Auguft bei der Ortsverwaltung eingereicht fein. Die Wahlkörper- Bersammlungen finden in der Zeit vom 31. Auguft bis 14. September statt. Neuanmeldungen von Delegierten müssen in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt bis spätens 16. September in Händen der Neukölln, Bergstr.67 Berwaltung sein. Die Ortsverwaltung. am Ringbahnhof. JOSEF MARIA FRANK: UNUS MULTORUM ( Einer von Vielen) BERLIN C, Gertraudtenstr. 25-26-27 PEEK& CLOPPENBURG H Zur Einsegnung Fertig am Lager: Saccoanzug Brustwelte 82 cm aus reinwollenem, dunkelblauem Cheviot Saccoanzug einreihige zweirelbige Form M. 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Alle vorhergegangenen Vereinbarun gen heben sich hierdurch auf. Rege Beteiligung wird erwartet. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, 3. August, pünktlich 6 Uhr, außerordent liche Frattionssikung vor der Bezirksversammlung, Bimmer 1. 9. Kreis Wilmersdorf. Mittwoch, 5. August, pünktlich 1 Uhr Treffpunkt der Genoffinnen zur Fahrt nach Spandau, Stadtpark. Gäste willkommen. 14. Rreis Renkölln. Rinderfreunde! Am Sonntag( heute) Beteiligung am Sommerfest von den einzelnen Abteilungen aus. 1 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, 5. August, 7% Uhr, Vorstandssitung in der Bibliothek, Weichselstr. 28. Donnerstag, 6. August, 8 Uhr, Bibliothet, Weichselstr. 28, wichtige Sigung. Die bestellten Fhnen sind täglich von 3-6 Uhr in der Spedition Borrhagener Str. 62 abzuholen. Heute, Sonntag, den 2. August: 52. Abt. Charlottenburg. Genoffen, die in der Lage find, am 8. und 9. August einen Reichsbannermann zit beherbergen, melden dies underzüglich dem Genossen Reichelt, Kaiferin- Augusta- Allee 40. 83. Abt. Lichterfelde. Die Genoffen beteiligen fich an der 25jährigen Parteifeier in Rehlendorf, Lokal Waldesruh, Machnower Chauffee. Neukölln. 91. Abt. Treffpunkt zum Umzug 1 Uhr am Rarlsgarten. Ep. scheinen Pflicht. 92. Abt. Die Genoffinnen und Genossen der Abtei, lung treffen fich zum Umzug um 1½ Uhr vor der Turnhalle ThiemannStraße am Herzbergplak. Niemand darf fehlen. Die Rinder der 92. und 93. Abt. treffen sich an gleicher Stelle. 94. Abt. Treffpunkt 12% Uhr Schillerpromenade zwischen Steinmek- und Allerstraße. 95. Abt. Die Genossen und Genossinnen treffen fich zur Demonstration 1 Uhr bei Grieger Lessingstr. 9, die Kinder um 12% Uhr. Frauenveranstaltungen am Montag, den 3. August: 31. Abt. 8u unserem Frauenausflug nach Sirschgarten ist der Treffpunkt am Bahnhof Schönhauser Allee nicht um 11% Uhr, sondern 1% Uhr. 84. Abt. Lantwig. 7% Uhr Frauenabend bei Lehmann, Kaiser- WilhelmStraße. Vortrag der Genoffin Rreffe: Rollpolitik und Arbeiterhaushalt". Uebermorgen, Dienstag, den 4. August: Wichtige Tges 16. b. 72 Uhr bei Döhling, Brunnenstr. 79, Funktionärsizung. 80. bt. Schöneberg. 8 Uhr Funktionärsihung bei Gürlich. ordnung. Besondere Einladungen ergehen nicht. 101. Abt. Treptow. 7 Uhr in der Vorwärtsspedition äußerst wichtige Borstandssigung. 106. Abt. Johannisthal. 8 Uhr Funktionärsigung bei Gobin, Roonftr. 2. 117. Abt. Lichtenberg. Die Genoffen des alts Ortsteils Rummelsburg fowie fämtliche Gruppenführer werden zu einer wichtigen Besprechung 7% Uhr bei Gundlach, Rant-, Ede Leffingstraße, eingeladen. Jungfozialisten. Gruppe Reinidenborf. 7% Uhr Jugendheim Seebad Neinidendorf ,,, Demokratie Diktatur" Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 4. Auguft: 8. Abt. Die Genofsinnen veranstalten am Dienstag ein gemeinsames Raffectochen in Zehlendorf, Anners Höhe. Treffpunkt 2 Uhr Bahnhof Großgörschenstraße. 123a Abt. Raulsdorf- Güb. 7% Uhr Jugendheim Unterhaltungsabend. * 9. Abt. Am 16. August findet ein Familienausflug ftatt. Die Genossen und Genofsinnen werden ersucht, sich diesen Tag freizuhalten. Näheres wird im Rahlabend am 12. Auguft bei Faber bekanntgegeben. 42. Abt. Ausflug nach Grünau- Schmetterlingshorft: am Mittwoch, 5. August, Treffpunkt 8% Uhr Görliker Bahnhof. Gäste willkommen. 82. Not. Steglig. Mittwoch, 5. August, 8 Uhr bei Thiel, Albrecht. Ede Ringstraße, Borstands, und Funktionärsizung. Die Bezirksführer müssen bis bahin die Quartiere zum Verfassungstag melden. 85. Abt. Tempelhof. Mittwoch, 5. August, Funktionärsihung in der Linde", Werder Ecke Friedrich- Karl- Straße, 7% Uhr. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonntag, den 2. Auguft: Berbebezirk Neukölln. Der Treffpunkt zum Feftzug ist 12 Uhr Bahnhof Neukölln. Alle müssen erscheinen. Bringt rote Fahnen mit. Achtung, Hamburgvertrauensleute! Dienstag, 4. August, 7½ Uhr, wichtige Rusammenkunft im Gesangssaal des Gymnasiums Rochstr. 13. Die Liften der Teilnehmer zum Jugendtag müssen unbedingt zum Ber gleich mitgebracht werden. Jede Abteilung muß vertreten fein. Abteilungsmitgliederversammlungen morgen, Montag, den 3. August: Moabit I: Schule Siemensstr. 20. Norbring: Vorwärts- Spedition Greifenhagener Str. 29.. 60. Görliger Viertel: Schule Waldemarstr. 74. Vorträge, Vereine und Versammlungen. sträge, ver Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 87/38, Sof 2 St. Ganvorstand. Gämtliche ausgebildeten Spielleute Montag abend Kame. 7 Uhr auf der Spielwiefe in Treptow Generalprobe. radschaft Kreuzberg. Block 10 einschl. Jugendliche. Blodversammlung am 3. Auguft, 8 Uhr, bei Kamerad Mendler, Dieffenbachstr. 54. Wichtige Sages Kamerabschaft Neukölln- Brig. ordnung. Einteilung zur Verfassungsfeier. Jungmannschaft. Am Montag, 3. August, 7% Uhr, in der Jdeal- Passage, Ortsverein Treptow. Am Montag, Weichfelstraße, Monatsversammlung. 3. Auguft, pünktlich 7 Uhr, steht der gesamte Ortsverein auf der großen Spielwiese in Treptow zweds Bornahme einer Generalprobe für die Berfaffungsfeier. Anschließend im Viktoriagarten furze Besprechung. Restloses Kamerabschaft Einladen feitens der Ortsgruppen wird zur Pflicht gemacht. Lichtenberg nebst Untergruppen. Dienstag, 4. Auguft, 7 Uhr, Antreten der Die Untergefamten Rameradschaft bei Krüger zum Propagandamarsch. Die Weihe eines Banners verbindet die 74. Abteilung Zehlendorf am Sonntag, den 2. Auguft mit der Feier des 25 jährigen Bestehens der Abteilung. Nachmittags 3 Uhr: Festzug durch den Ort ( Sammelpunkt Restaurant Mickley, Potsdamer Chauffee). 4 Uhr Feftatt im Lokal Waldesruh, Machnower Chauffee. Festansprache des Genossen Paftor Frande. Prolog: Erich Hoffmann. Gesänge: Bolfschor Echo. Danach: Boltsbeluftigungen, PreisEintritt 50 Pfennig Tanz tegeln, Tombola und anderes. Rame gruppen und der Spielmannzug baben sich rechtzeitig einzustellen. rabschaft Bankow nebst Untergruppen. Montag, 3. Auguft, 6% Uhr, fämt. Das Turnen liche Spielleute Schönhauser Allee Ecke Bornholmer Straße. fällt aus. Kameradschaft Wilmersdorf. Jugendabteilung. Die Rug und Gruppenführer einschl. Salenfee treffen fich am Mittwoch, 5. Auguft, 8 Uhr, bei Kroihs. Kameradschaft Prenzlauer Berg. 4., 6., 7., 8. Rug Montag 8 Uhr Turnhalle Greifenhagener Str. 59 Turnen. 1., 2., 3., 5. Rug Mittwoch 8 Uhr Turnhalle Heinersdorfer Straße Turnen. Ramerabschaft Reinidendorf. Montag 6 Uhr Turnen der Rameraden aller Untergruppen auf dem Kamerab Städtischen Sportplag, Reinidendorf- Weft, Scharnweberstraße. 1 schaft mitte. Rugversammlungen: 8ug 1 am Dienstag, 4. Auguft, 8 Uhr, bei Rieschfing, Aderstr. 1. Rug 4 am Dienstag, 4. August, 8 Uhr, bei Mogwik, Barnimftr. 13; mit Damen. Mittwoch, 5. August, Antreten der gesamten Ramevadichaft in Bannerkleidung aweds Einteilung zur Verfaffungsfeier in der Schule Kleine Frankfurter Straße. Kamerabschaft Kreuzberg. Achtung, Tambourkorps. Pflichtübungsstunde Gonntag, 2. Auguft. Treffpunkt 7,45 Uhr Montag, Rüdkehr gegen 2 Uhr nachmittags. vormittags Hallesches Tor. 7,15 Uhr nachmittag, in Bannerkleidung Radrennbahn Treptow gegenüber Bahnhof. Mittwoch 7 Uhr Dienstag, 7 Uhr abends, Görlizer Bahnhof. Gewerkschaftshaus. Donnerstag Beteiligung an der Ramerabschaftsveranstal tung. Bannerkleidung und Instrumente. Freitag, abends 7 Uhr, Görliger Bahnhof, falls nicht noch anders bestimmt wird. Kamerabschaft Charlotten. burg. Dienstag, 4. Auguft, abends 7% Uhr, treffen fich die Rameraben in Bannerkleidung im Wilhelmshof zum Abmarsch nach dem Pferdemarkt. Pünkt. liches Erscheinen sämtlicher Kameraden ist Pflicht. Die geplante Veranstaltung des Ruges 800 fällt an diesem Tage aus. Kamerabschaft Brenzlauer Berg. Montag, 3. August, Antreten sämtlicher Ramevaden in der Turnhalle Greifenhagener Str. 59, 8 Uhr. Das Turnen am 5., 10. und 12. Auguft fällt aus. 1. Rug im bekannten Lokal Montag abend 7 Uhr Zusammenkunft. Rameradschaft Köpenid. Die Rameraden, die fich an dem Sommerfest in Eichwalde beteiligen, treffen sich um 2 Uhr am Köllnischen Plaz. Bereinigte Berbände Seimattzeuer Oberschleier, Ortsgruppe Rorb- Dt. Am Montag, 3. August, 8 Uhr, Monatsversammlung, Unions- Festfäle, Greifs walder Str. 222. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. B., Brenzlauer Berg. Montag, 3. Auguft, 7% Uhr, bei Gltesche, Ropenhagener Str. 74, Bezirks mitgliederversammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Gäfte willkommen. Bubbhistisches Sans Berlin- Frohnan. Dienstag, 4. Auguft, 8 Uhr, Su fammenkunft. Sör Bortrag über Buddhismus und Fragebeantwortung. willige find willkommen. Freie Hochschule. Mittwoch, 5. Auguft, 8 Uhr, Sophiensäule, Beinmeisterstr. 16/17. Dr. phil. Stalbe. Thema: Die Myftit und das Geistes. ftreben der heutigen Jugend." Gäste haben Zutritt. A.Wertheim Leipziger Str. Königstraße Arbeitersport. Achtung, SPD.- Sportler Neuköllns! Die Kreisleitung der SPD. fordert die Arbeitersportler, die Sozialdemokraten find, auf, am heutigen Sonntag an dem Parteipropaganda zug teilzunehmen. Sofern nichts anderes verDer einbart ist, Treffpunkt um 1%, Uhr am Herzbergplatz. Aufruf des Neuköllner Sportkartellvorstandes in der Roten Fahne" ift für sozialdemokratische Sportler nicht maßgebend, da die Kundgebung im Lustgarten eine tommunistische Parteiangelegenheit ist. Der Kreisvorstand der SPD. hat sich auch nicht an die Sportvereine, sondern an die SPD. Sportler Das werden der Kreisvorstand sowie andere sozialgewandt. demokratische Organisationen auch in Zukunft tun, ohne erst den fommunistischen Kartellvorstand zu fragen. Adtung, Arbeiterschachspieler! Am Sonntag, den 2. August, vormittags 10 Uhr, findet in Ewalds Festfälen, Staliger Straße 126, die L. und 2. Runde der Bereins- und Einzelkreismeisterschaft statt. Die Meisterpartien werden Gleichzeitig finden Rug um Rug am Demonstrationsbrett mitgespielt. Simultanspiele statt. Gäste willkommen! Der Arbeiter- Mandoliniften- Bund, Bezirk Berlin, fordert alle ArbeiterMandolinisten auf, aus den bürgerlichen Vereinen auszutreten und fich den Vereinen anzuschließen, die im AMB. zusammengeschlossen find. Zuschriften an Alfred Liebich, Neukölln. Weifestr. 11. S.-C. Oberspree- Oberschöneweibe veranstaltet heute auf eigenem Blak in der Wuhlheide 4 Spiele. Die erste und zweite Männermannschaft tritt gegen ,, Treptower Ballspielverein" an. Spielanfang 4 Uhr. Die erfte und zweite Juniorenmannschaft spielt vormittags ab 9% Uhr gegen G.-C. Stralau. Die Schachabteilung tagt jeden Dienstag ab 7% Uhr bei Schönide, Wilhelminenhofstraße. Schachspieler und Neuanfänger willkommen. Der Spielabend Berliner Arbeiter- Schachklub. Abt. Lichterfelbe- Lankwik. findet jest jeden Dienstag 8 Uhr in Kattuns Festfälen, Lichterfelde, Bäre Jugendftraße 7, ftatt. Dafelbst kostenloser Unterricht für Anfänger. Schachspieler und solche, die es werben wollen, jederzeit herzlich willkommen. abteilung Steglik. Spielabend jeden Montag 7-10 Uhr im Jugendheim Solfieinische Str. 3. Am Montag, 3. Auguft, beginnt ein Unterrichtsturfus für Anfänger, zu dem wir alle jugendlichen Schachfreunde, auch Nichtmitglieder, herzlichst einlaben. Die Abt. ,, Süden" spielt jeden Donnerstag abend 7 Uhr bei Otto Sackbarth, Mustauer Str. 10, Ede Eisenbahnstraße. Am Donnerstag, 6. August, Vortrag des Schachfreundes Paul Often. Gäfte herzlich willkommen. Arbeitersportkartell Neukölln. Am Montag, 3. August, 8 Uhr, in der Alle Delegierten müffen Idealflause, Marefchstraße, wichtige Kartellfigung. erfcheinen. Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friebrichsfelbe. Montag, 3. August, 8 Uhr, im Bereinshaus von Wegner, Frankfurter Allee 236, Gigung des erweiterten Technikerausschuffes. Alle Obmänner ter zum Stiftungsfest eingefekten Aus. schüsse müssen auch erscheinen. Sport. Rennen zu Grunewald am Sonnabend, den 1. Auguff. 1. Stennen: 1. Maiprinz( Haynes), 2. Winterweide( Barga), 3. Rita. ( D. Schmidt). Toto: 122: 10. I.: 29, 23, 27:10. Ferner liefen: Elbe, Fanal, Lump, Firn, Allotria, Stattliche, Namen, Katastrophal, Stolzenfels, Luna, Chiemgauerin. 2. Rennen: 1. Persephone( D. Samidt), 2. Drlandus( Haynes), 3. Löwenberz II( W. Tarras). Toto: 25:10. PI: 11, 11, 14:10. Ferner Itefen: Rose Marie, Sturmnacht, Amenophia, Farmerin. 3. Rennen: 1. General Höfer( Huguenin), 2. Bromo( M. Dreißig), 3. Baedley Dell( H. Blume). Toto: 91: 10. PL.: 27, 33, 30:10. Ferner liefen: Patrizier, Sapores, Ypsilanti, Ettehardt, Rheintochter, Mazeppe II, Primo, Bellejus, Whatagirl. 4. Rennen: 1. Gralsritter( Huguenin), 2. Hampelmann( F. Kasper), 3. Ceran( Torte). Toto: 28: 10. I.: 15, 14:10. Ferner liefen: Magnet, Hedenstrauch, stili. 5. Rennen: 1. Die Königin( Breguer), 2. Margarethe( Haynes), 3. Tully( Olejnit). Toto: 223: 10. PL: 61, 26: 10. Ferner liefen: Adana, Sonnenwende. 6. Rennen: 1. Tibia( Haynes), 2. Nubia( Grabsch), 3. Goldenes Horn( Hugnenin). Toto: 21:10. BI: 13, 34, 20:10. Ferner liefen: Edelweiß, Livadia, Fits and Start, Perimede, Hark, Lelia. 7. Rennen: 1. Barus( Ebert), 2. Padamon( W. Tarras), 3. Kiuma ( Hahnes) Toto: 216: 10. PL.: 56, 38, 15:10. Ferner liefen: Piasti, Erbjchleicher, Lafl, Lenor, Habanera, Sonnenschein II, Dunst, Abendwind, Favilda. Wetter für Berlin und Umgegend: Mäßig warm. Bielfach bewölkt Später etwas Regen. Für Deutschland: Unbeständig, oftwärts fort schreitende Regenfälle. Extra- Preise Rosenthaler Str. Moritzplatz Montag bis Mittwoch Ein großer Posten Damenstrümpfe sehr gute Ausführung außerordentlich preiswert Fein- Musselin mit Hochferse u. Doppeisohle schwarz, weiß oder farbig.. 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Es herrscht eine ungeheure Spannung. Um 2 Uhr betritt Bizepräsident Graef wiederum den Saal und wird von den Kommunisten mit Lärm empfangen. Besonders Höllein schreit ihm unaufhörlich entgegen: Sie Henker! Bizepräsident Graef stellt fest, daß Höllein noch im Saale ist und damit automatisch auf acht Tage ausgeschlossen wird.( Toben der Kommunisten.) Graef fordert Höllein nun noch mals auf, den Saal zu verlassen. Höllein erwidert: Nein, Sie Henter! Bollziehen Sie Ihr Henteramt bis zum Ende! Darauf wird Höllein auf zwanzig Tage aus. geschlossen. Der Kommunisten bemächtigt sich bei dieser Feststellung eine ungeheure Erregung. Sie schreien mit voller Lungenkraft in den Saal hinein. Vizepräsident Graef stellt fest, daß die Tribünen geräumt sind, bis auf die Journalistentribüne. Er empfiehlt der Presse aber Zurückhaltung bei der Berichterstattung über das, was nunmehr geschehen müsse und was zu verhindern er sich bis zum legten Augen blick bemüht habe.( Beifall bei der Mehrheit, Hohngelächter bei den Kommunisten.) Der Bizepräsident bittet die Abgeordneten, den Saal zu verlassen, diese bleiben aber in den Türeingängen stehen, zum Teil auch noch im Saal. Die Kommunisten erheben einen ohrenbetäubenden Lärm und stoßen wilde Schimpfrufe gegen den Präsidenten aus. Einen Augenblid wird es still, als fünf Kriminalbeamte in Zivil den Saal betreten. Die Kommunisten drängen fich um Jadasch und Höllein, um den Beamten ihre Tätigkeit zu erschweren. Sie reden auf die Beamten ein und verlangen ihre Legitimation, die ihnen auch gezeigt wird. Da der Knäuel der Menschen ganz unentwirrbar erscheint, werden noch fünf weitere Kriminalbeamte hereingerufen. Da es meist jüngere Beamte sind, werden sie von den Kommunisten höhnisch als Kinder" bezeichnet. Der Abg. Jadafch erklärt endlich, er weiche der Gewalt, und läßt sich abführen, während Höllen wilde Schimpfrufe ausstößt. Darauf erscheinen vier Schupobeamte in Uniform im Saale, von den Kommunisten mit einem ohrenbetäubenden Geheul begrüßt. Höllein erklärt, er weigere fidf nicht, den Saal zu verlaffen, er wolle aber wissen, mer die Beamten beauftragt hat. Schließlich läßt auch er fich abführen, indem er drohend ausruft: Ich weiche nur der Gewalt! Die Kommunisten erheben sich dann mit drohend geballten Fäusten und schleudern den anderen Parteien wüste Schimpfworte zu. Sie bringen schließlich ein hoch auf Höllein aus und singen dann die Internationale. Die Tagung des Aeltestenrats. Nachdem der Ausschluß der Abgg. Jadaſch und Höllein aus der Reichstagsjigung vollzogen war, trat der Aeltestenrat zu einer Besprechung über die Angelegenheit zusammen. Zunächst wurde fefigestellt, daß die Einladungen zu der Aeltestenratfizung gestern früh, an der die kommunistischen Fraktionsvertreter nicht teilgenommen haben, weil sie angeblich nicht ordnungsgemäß eingeladen worden seien, in der üblichen Form, und zwar mit besonderer Borsicht ergangen sind, weil die Aeltestenratssigung erst vorgestern am späten Abend berufen wurde. Der eine der kommunistischen Vertreter, Abg. Stoeder, war vorgestern abend noch im Hause, die Einladung wurde ihm von seinem Garderobendiener an seinem Hut befestigt, der anderen kommunistischen Bertreterin, Frau Golte, ist die Einladung durch Rohrpo ft vorgestern abend an die Adresse befördert worden, die sie selbst für ihre Postfachen angegeben hat. Dem tommunistischen Abg. Koe. nen, der allerdings nicht Vertreter im Aeltestenrat ist, hat der Präsident 2öbe vorgestern abend mündlich von der für Sonnabend bevorstehenden Sigung des Aeltestenrats Kenntnis gegeben. Außerdem ist für sämtliche Mitglieder des Aeltestenrats die Einladung nochmals an den Garderoben baten aufgehängt worden. In der Sigung des Aeltestenrats führten die kommunistischen Bertreter Beschwerde über den Ausschluß ihrer beiden Mitglieder. Der Weltestenrat lehnte es aber ab, fich damit zu beschäftigen, bevor nicht eine formelle Beschwerde von der kommunistischen Fraktion eingelegt worden ist. Sobald dies geschehen sein wird, wie die Beschwerde im Plenum zur Erledigung gelangen Die Sigung des Aeltestenrats war um 3 Uhr nachmittags zu Ende; zunächst sollten sich die Fraktionen mit ber Angelegenheit befassen, und die Plenarsizung sollte dann um% 4 Uhr fortgesetzt werben. Wiedereröffnung der Sitzung. Um 4 Uhr nachmittags wird die unterbrochene Stzung vom Bräsidenten Löbe wieder eröffnet. Er erteilt zur Geschäfts. ordnung dem Abg. Stoeder das Wort. Abg. Stoeder( Komm.): Die letzten Vorgänge hätten vermieden werden fönnen, wenn der deutschnationale Bizepräsident Graef sich nicht dreimal geweigert hätte, dem Ersuchen der Kom munisten auf Einberufung des Aeltestenrats stattzugeben. Ohne diese Beigerung des Vizepräsidenten wäre eine Entspannung mög lich gewesen.( Gelächter und Zurufe rechts.) Präsident Löbe richtet an beide Seiten die Mahnung, Kundgebungen zu unterlassen. Abg. Stoeder( fortfahrend): Die Vorgänge in dieser Sigung sind ein Symptom der Politif, mit der die Mehrheit unter allen Umständen die 3oll- und Steuervorlagen durchpeit. Ichen will, um möglichst rasch in die Bäder zu tommen. Die Ber einbarung über die Berkürzung der Redezeit ist in Abwesenheit der Kommunisten beschlossen worden. Die Erregung der Kommunisten war darum durchaus berechtigt. Abg. Ja dash, der sich in einer Auseinandersetzung mit den Sozialdemokraten befand, ist vom Bize präsidenten Graef plöglich aus dem Sagle gewiesen worden. Warum der Abg. Höllein aus dem Saale gewiesen wurde, weiß überhaupt niemand.( Widerspruch und Gelächter rechts.) Dieser Hinauswurf unferes Steuerspezialisten ist eine Provokation der Kommunisten durch die Rechtsparteien. Wir wollten im Aeltestenrat die Sache zur Sprache bringen; aber die Mehrheit hat das verhindert, ja die Parteien der Rechten einschließlich des Zentrums haben die Sigung, die noch nicht geschloffen war, verlaffen und fie fo auffliegen lassen.( hört, hört! bei den Kommunisten.) Wir laffen uns diese Diftatur bei dem Raubzug der bürgerlichen Barteien nicht gefallen.( Der Redner erhält einen Ordnungsruf.) Wir werden gegen den Bizepräsidenten Graef ein Mißtrauensvotum beantragen und werden verlangen, daß Höllein und Jadaſch zu den Sitzungen wieder herangezogen werden. ( Beifall bei den Kommunisten.) Präsident Löbe: Ich möchte diese Geschäftsordnungsdebatte nicht fortjehen. Die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Maß nahmen des Bizepräsidenten steht dem Reichstag zu, wenn ein ent [ prechender Antrag vorliegt. Ich brauche ihn gegen übertriebene Borwürfe night in Schuß zu nehmen. Im übrigen ist es richtig, daß die kommunistische Fraktion bei den Berei mgen im Aeltestenrat nicht anwesend war. Ich werde versuchen, das in einer neuen Beratung nachzuholen. Jedenfalls trifft das Präsidium und das Bureau teine Schuld an der Verspätung der Einladung. Nunmehr wird die allgemeine Aussprache über die Aenderung der Verkehrssteuern und des Verfahrens eröffnet. Abg. Dr. Hertz( Soz.): beruht im wesentlichen auf der Tatsache, daß die Umsagbesteue Die ablehnende Haltung der Sozialdemokratie zu dieser Reform rung faft in der alten Höhe aufrechterhalten werden soll, und feine Maßnahmen für die Herstellung der Steuerehrlichkeit garantiert werden. Auch die Reichsregierung erkennt an, daß wir in einem Tiefstand der Steuermoral angelangt sind. Der Steuerausschuß hat verlangt, daß die Reichsregierung Rechenschaft über die Handlungen ablege, die auf Grund der Verordnung über die Steuersabotage aus dem September 1923 ergangen find. Damals, als die Landabgabe vom Reichstag einmütig beschloffen wurde, hat wenige Tage danach unter Führung des Abg. Dr. Helfferich und seiner Freunde aus dem Lager des Reichs landbundes eine ungefegmäßige Bewegung gegen die Entrichtung dieser Steuer eingesetzt. Die Regierung Stresemann sah sich im September 1923 gezwungen, eine Berordnung gegen die Aufreizung zur Verweigerung der Steuerpflicht zu erlassen. ( hört, hört! bei den So3.) Die Uebersicht der Regierung über die durch rechtskräftige Verurteilung abgeschlossenen Strafverfahren und eine über die anhängig gemachten aber ergebnislos verlaufenen Verfahren, zerstören ben Glauben, als ob es ihr bei der Herstellung einer höheren Steuermoral ernst sei. Die fozialdemokratische Fraktion hat verlangt, daß diese Mitteilungen auch Namen und Wohnort derjenigen enthalten müsse, die zur Steuersabotage aufgefordert haben. Die Regierung verschweigt aber die Namen derjenigen, die rechtskräftig verurteilt worden sind. ( hört, hört! bei den Goz.) Die Männer, die mit einer Grafe belegt worden sind, haben aus den gewinnsüchtigsten, niedrigsten Motiven gehandelt. Wenn die Reichsregierung sie trogdem gegenüber dem Barlament in Schutz nimmt, obwohl das Strafverfahren öffentlich war, so ist es nichts anderes als eine Inschuhnahme folcher Elemente, die die Eristenz des Reichs in der schwersten Zeit durch Steuersabotage gefährdet haben. ( Hört, Es handelt sich fast nur um Großagrarier. hört! bei den Soz.) In der Uebersicht über die Berufe der Angeklagten finden wir folgende Angaben: Rittergutsbesizer, Geschäftsführer des Kreislandbundes, Gutspächter, Büdner, Bantdirettoren, Raufmann, Landwirt, Geschäftsführer, Gemeindevorsteher, Spengler. meister.( hört, hört! bei den Soz.) Es finden sich bis auf wenige Fälle in diesem Berzeichnis nur solche Persönlichkeiten, die anderantwortlicher Stelle der agrarischen Bewegung standen. Die von ihr betriebene Geheimhaltung muß der Regierung den Vorwurf eintragen, daß sie diese Personen schützt, weil sie fich auf die politische Vertretung der großagrarischen Schichten ftügt. ( Sehr wahr! bei den Soz.) Nun ein Wort über das Berhalten der Gerichte. Die Berordnung vom September 1923 fah ausdrücklich als mindest strafe einen Monat Gefängnis por und nur daneben follte auf Geldstrafe erkannt werden. Trotzdem ist in den 13 Fällen gibt, nur in einem einzigen Falle auf Gefängnis erfannt der rechtsfräftigen Verurteilung, über die die Regierung Auskunft worden, in allen anderen Fällen wurden die Gefängnisstrafen in zum Teil ganz lächerliche Geldstrafen umgewandelt. ( hört, hört! bei den Soz.) Es ist ein erschreckender Mangel an Staatsverantwortungsgefühl, der sich in diesen Urteilen äußert. ( Sehr wahr! bei den Goz.) Zu diesen uns mitgeteilten Fällen will ich noch einige charakteristische Einzelheiten hinzufügen, als Beweis dafür, welches erschreckende Maß von Verantwortungslosigkeit bei der Steuerzahlung in den Schichten herrscht, die einen wesentlichen Bestandteil dieser Regierung bilden. Was würde die Regierung getan haben, wenn etwa ein Gewertschaftssekretär zur Berweigerung der Entrichtung der Lohnsteuer aufgefordert hätte? ( Sehr gut! bei den Soz.) Würde man ihnen gegenüber jene Milde bezeigt haben, die den Angehörigen der großagrarischen Schichten zuteil geworden ist? In Nr. 15 des Steuerblatts des Reichslandbundes ist eine Aufstellung über die Steuerlaften der Großagrarier enthalten und dabei findet sich folgende Angabe: In unbar Leistungen an den Besizer: Entnahme von Wirtschaftserzeugnissen für Besizer und Familie( 6 Erwachsene und 2 Kinder) 1284,96 m."( Hört, hört! bei den Goz.) Hier wird also 2 Kinder) 1284,96 m."( hört, hört! bei den Soz.) Hier wird also landwirtschaftlichen Familie mit monatlich 107 M. anzusetzen sei. Mit die Behauptung aufgeftellt, daß der Unterhalt einer achttöpfigen, dieser Unterlage für Steuerveranlagungszwecke wird der agrarischen Bevölkerung geradezu ein Anrecht gegeben, unrichtige Angaben zu machen. Was soll man dazu sagen, wenn einer der Führer der ostpreußischen Landwirtschaft, der Rittergutsbesiger Dr. Brandes Althoff in einem Vortrag erflärt, der Reichs finanzminifter foll nicht glauben, daß er die geftundeten Steuern nachgezahlt erhalte, die Steuern feien eingefroren wie die Weichsel. ( hört, hört! bei den Soz.) Hat der Reichsfinanzminister gegen diese Aeußerungen etwas getan? Hat er nach der Verordnung vom September 1923 ein Strafperfahren eingeleitet?( Lachen rechts.) Was ist aus den versprochenen Schritten der Regierung gegen den Landwirtschaftsverband Preußisch holland ge worden, der ebenfalls in einem Rundschreiben aufgefordert hat, fünftig feine Steuern mehr zu entrichten? Wie weit ist die Regie rung mit der in Aussicht gestellten Prüfung gekommen? Aus den reichhaltigen Mitteilungen über die systematische Hege gegen die Steuerleistung der Landwirtschaft will ich vorläufig nichts meiter anführen. Ich mache nur furz auf den Bericht eines amtlichen Buchprüfers aufmerksam, der auf die Erregung hinweist, die fich der gewerbetreibenden Bevölkerung über die viel zu niedrige Beffeuerung der Landwirtschaft bemächtigt hat. Mehrere Ortsvorsteher machten den Buchprüfer darauf aufmert. fam, welchen ungesunden Einfluß der Landbund in steuerlicher Beziehung ausübt. Die Leute fagen, der Landbund habe fie aufgefordert, fie sollen nur recht viele Anträge machen, lieber 100 als nur 10, das witte immer beijer.( Lebhaftes Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Sonntag, 2. August 1925 sondern dem deutschen Staat den allerbesten Dienst erweisen.( Sehr wahr bei den Soz.) Durch eine solche vorbeugende Maßnahme wird nicht nur das Steuererträgnis erheblich gesteigert, es wird die Möglichkeit bestehen, die Reparationslasten zu erfüllen, die Ver brauchssteuern und die Lohnsteuer abzubauen, ohne daß damit eine stärkere Belastung des ehrlichen Steuerzahlers verbunden ist. In welchem Maße heute Steuerhinterziehungen begangen werden, dafür liefern die Ergebnisse der Buch- und Betriebsführung. die Beweise. Nach den Mitteilungen der Regierung an den Ausschuß hat felbft der ungenügend arbeitende Buchprüfungsdienst ohne irgend welche Anstrengungen einen Reinertrag von 94 Millionen Mart erbracht.( Hört, hört! bei den Soz.) Man kann sich danach ein Bild von dem Umfang der tatsäch lichen Steuerhinterziehungen machen. Aus den Ergebnissen eines einzigen Finanzamts teilt der Redner einige Fälle mit. Einem erklärten Bermögen von 37 143 M. ftand ein festgestelltes Vermögen von 221 143 m. ggenüber.( hört, hört! bei den Soz.) Einem erflärten Vermögen von 85 000 m. stand ein festgestelltes Vermögen von 163 000 m. gegenüber. Statt 233 000 m. merden 416 000 m., statt 55 000 m. 185 000 m., statt 224 000 m. 3 131 000 m.( Hört, hört), statt 220 000 m. 205 000 m. festgestellt.( Buruf von den Soz.: Diese Fälle unterschlägt die Rechtspresse.) In einem einzigen fleinen Bezirk wurden so viele Duhende von Fällen aufgededt. Kann man einen solchen Zustand dulden? ir haben leider keine großen Hoffnungen, daß das Reichsfinanzministerium aus dem Mittel des Buchprüfungsdienstes eine Waffe gegen die Steuerhinterziehung machen wird. Einen Erfaz für die Offenlegung der Steuerliften vermag ich in dieser Maßnahme nicht zu erblicken. Man muß beide Mittel nebeneinander anwenden. Wenn Sie( nach rechts) an ihrem Widerstand gegen unseren Antrag festhalten, dann brauchen Sie sich nicht darüber zu wundern, daß die Erbitterung gegen Ihre Steuerreform sich nicht des Lohneinkommens, gegen die Erhöhung der Verbrauchssteuern nur gegen die Herabjegung der Tarife, gegen die starke Belastung richtet, sondern daß sie sich in erster Linie gegen das zweierlei Maß Ihrer Steuergesetzgebung richtet, nämlich die Sonderbehandlung der ehrlichen und anständigen Steuerzahler.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Staatssekretär Dr. Popik: Man fann doch nicht einen Schuh ber Uebersicht nicht nennt. Die Leute sind doch nachdrücklich be der Steuerjünder darin sehen, wenn die Regierung ihre Namen in ftraft worden und da wäre es doch nicht angebracht, fie durch Nennung der Namen noch weiter zu schädigen( Unruhe und Widerspruch b. d. Soz.). Die schon früher hier erwähnte Aufforderung des Landwirtschaftsverbandes Preußisch- Holland ist zweifellos zu mißbilligen; aber dürfte strafrechtlich fau'm zu fassen sein, denn es wurde nur aufgefordert, die Steuerstunwürde faum günstige Wirkungen haben, aber sie würde ganz allbung zu beantragen. Die Offenlegung der Steuerlisten Gemein zu einer politischen Verhegung führen, und in der gegenwär tigen Zeit ist eine weitere Berfchärfung der politischen Gegensätze nicht angebracht. Die Vorbeugung von Steuerhinterziehungen wer den wir mit politisch weniger bedentlichen Mitteln besser erreichen. Wir werden die Buchprüfung weiter ausdehnen und vervollkommnet. Abgesehen von den Auswüchsen der Inflationszeit steht die Steuer moral in Deutschland auch nicht tiefer als in anderen Ländern. Abg. Koenen( Komm.): Eine Hauptbeschäftigung der Bureaus des Reichsland bunde's und des Reichsverbandes der Industrie besteht jetzt nur darin, Anweisungen zur Steuermogelei zu geben. Der Staatssetretär zeigt sich hier als Agent der Steuerdrückeberger.( Präsident Löbe rügt diesen Ausdruck). Der Zweck der Verkürzung der Redezeit durch die Regierungspar teien sei nur der, zu verhindern, daß die zahlreichen Steuererleichte rungen, die dem Rapital gerade in vorliegendem Entwurf gewährt werden, in der Deffentlichkeit nicht ausführlich erörtert werden. Abg. Dr. Heuß( Dem.) bezeichnet die Umsatzsteuer als eine sterbende Steuer, deren hemmende Wirkungen fich unangenehm bemerkbar machten. Durch die vorgesehene Senfung der Um fatzsteuer um 4 Proz. würden die Regierungsparteien nicht das Ziel erreichen, das sie doch wohl auch erstrebten, das Ziel der Herab. fezung des Preisniveaus. Redner wendet sich gegen die Lurussteuer, soweit sie die Handarbeit unterdrückt. Staatssekretär Popik betont, die Lugussteuer habe im vorigen Jahre 120 Millionen erbracht. Die fann man nicht so ohne weiteres entbehren, noch dazu, menn man daran denkt, die allgemeine Um satzsteuer zu fenten. Trotzdem wird noch eine neue Revision stattfinden. Schon jetzt würde die Spezialisierung eingeschränkt und er bitte, den sozialdemokratischen Antrag anzunehmen, der dies und die Bermeidung der Beeinträchtigung hoch wertiger Qualitätsarbeit ausdrücklich im Gesetz zum Ausdruc bringen wolle. Reichsfinanzminister v. Schlieben weist die Angriffe des Abg. Roenen gegen den Staatssekretär Dr. Popik auf das schärfste zurüd. Nach Erklärungen des Abg. Feder( Nat.- Soz.) vertagt sich das Haus um 7 Uhr auf Montag 10 Uhr vormittags. Flaggen an Dienstgebäuden. Wo bleibt die Reichsregierung? Durch gemeinsamen Erlaß haben die preußischen Minister des Immern und der Finanzen einen Beschluß des Preußischen Staatsministeriums zur Kenntnis gebracht, wonach die Dienst. wohnungen der preußischen Beamten nur in den ver. faffungsmäßigen Farben des Reichs, des Landes, der Provinz oder der Gemeinde" beflaggt werden dürfen. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir daran, daß der Haus. haltsausschuß des Reichstags bei dr Beratung des Clats des Reichsminifters des Innern einstimmig den sozialdemo fratischen Antrag angenommen hat, die Reichsregierung zu er suchen, das Beflaggen der vom Reich zur Verfügung gestellten Dienstwohnungen mit anderen als den verfassungsmäßigen Reichs- und Landesfragen zu verbieten". Dieser Beschluß ist zwar noch nicht vom Plenum des Reichstags bestätigt worden, weil die dritte Lesung des Etats bis zum Herbst verschoben wurde. Es dürfte aber nach der einstimmigen An nahme des Antrags im Ausschuß teinem Zweifel unterliegen, daß er ebenfalls einstimmig, mindestens aber mit einer großen Mehrheit im Plenum des Reichstags zur Annahme gelangt. Deshalb darf man von der Reichsregierung verlangen, daß sie dem einmütig zum Ausdrud gekommenen Willen des Reichstags schon jett Rechnung trägt, und die erforderlichen Verfügungen herausgibt. Dies um so mehr, als der Notetat ja die Reichsregierung er mächtigt, den Etat nach den Beschlüssen des Reichstags und des Haushaltsausschusses in der zweiten Lesung durchzuführen. Wir haben jezt noch einmal den Antrag auf Offenlegung der Steuerlisten gestellt. Wir lassen uns dabei von der Er wägung leiten, daß für die Massen der Lohn- und Gehaltsempfänger fein Steuergeheimnis besteht, und daß es deshalb nur ein Att der Gerechtigkeit ist, den anderen das zu nehmen, was die Lohn- und Gehaltsempfänger heute schon nicht mehr haben.( Sehr mehr bei den Soz.) 3m Steuerausschuh hat die Regierung nicht befiriffen, daß steuerliche Gründe gegen die Offenlegung der Steuerlisten nicht bestehen. Der Staatssekretär Popis hat zweimal er. flärt, daß seine Sauptbedenten auf politischem Gebiete ruhen.( hört, hört links.) Das Steuergeheimnis ist heute eine Hochburg für Steuerfieber, und nur durch seine Beseitigung kann man den unredlichen Elementen das Handwerk legen. Der wichtigste Gesichtspunkt für uns ist, daß wir in der Offenlegung der Steuerliſten ein vorbeugendes Mittel zur Hebung der Steuermoral jehen. Bir mürben bamit nicht nur ben Lohn- und Gehaltsempfängern gar nichts an? Ist es für die Regierung Luther, nicht beschämend, daß wohl die preußische Regierung sich beeilt, der Anregung aus dem Reichstag nachzukommen, sie selbst aber so tut, als ginge fie die Sache Die internationale Kapitalwanöerung. Weltwirtschaftliche Umschau. In den verarmten Ländern Europas und in den überseeischen Ländern, die ihre Produktion in rascherem Tempo steigern möchten, besteht ein Heißhunger nach ausländischen Anleihen. In den europäischen Ländern brauchen neben der Privatwirtschaft auch die Staaten ausländische Anleihen, um mit deren Hilfe ihren zerrütteten Währungen auf die Bein« zu helfen. Eine notwendige, wenn auch sehr kostspielige Sache, da diese Währungsanlcihen vielfach nur hohe Zinsen kosten, ohne neue Kräfte der Wirtschaft zuzuführen. Abge- sehen von den Währungsanleihen beruht das Anleihebedürfnis aus einer Passivität der Zahlungsbilanz. Ein Land hat größere Schulden an das Ausland, als Forderungen, und das Defizit soll nun durch Aufnahme ausländischer Anleihen ausgeglichen werden. Dieser volks- wirtschaftliche Vorgang spielt sich prioatwirtschaftlich anders ab. Die Privatunternehmungen brauchen Betriebskapital und auslän- dische Warenkredite und nehmen daher ausländische Anleihen auf. Auf feiten der Gläubigerländer sieht der voltswirtschaftliche Vor- gang der Kreditgewährung ebenfalls anders aus, als der privat- wirtschaftliche. Länder mit aktiver Zahlungsbilanz, vor ollem die Vereinigten Staaten— müssen Anleihen an das Ausland gewähren. E» ist kein freiwilliger Akt und noch weniger eine beabsichtigte Wohltat, wenn sie Kapitalsanlagen im Ausland machen. Ihre Warenausfuhr könnte sich, da die Waren nur zum geringen Teil mit Geld bezahlt werden, nicht entwickeln, wenn sie nicht Waren a u f Kredit geben würden, was aber im internationalen Kapitaloer» kehr nur durch Gewährung fremder Anleihen möglich ist. Ja, es können in der Regel nicht einmal die Zinsen nach diesen Anleihen eingezogen werden, sondern müssen in dem Schuldnerland stehen bleiben. Privatwirtschaftlich richten sich die Anlagen nach der Höhe des Zinsfußes, der im Schuldnerland größer fein muß als im Gläubigerland, daniit die ausländischen Kapitalisten sich veranlaßt fühlen ihre Kapitalien herzugeben. wohin geht üos ftuslanüskapital! Wo kne überschüssigen Kapitalien angelegt werden, hängt auch nach von anderen Umständen ab. Einmal ist die R o h st o f f b e» schaffung bel der Kreditgewährung maßgebend,— das gilt j. B. für amerikanische und englische Kopitalsanlagen in Astenl— dann wieder hängt die Kapitalsanlage vom Vertrauen der Ausläirder in die allgemeinen, politischen und wirtschaftlichen Zustände oder von den Aussichten des onleihesuchenden In» dustriezwetgs im Schuldnerland ob. So hat— was das erster« anbelangt— die Hindenburg-Wahl und der Zusammenbruch des Stinnes-Konzerns die Lust der amerikanischen Kapi» talisten zur Anleihegewährung eine Zeitlang erheblich abgekühlt. Oder aber sprechen politische Momente f ü r die Gewährung von Anleihen, so für die Reparationsanleihe des vorigen Jahres an Deutschland, die Dölkerbundsanleihe an Oesterreich und Ungarn, die französischen Anleihen an Polen und andere Ostländer, in letzter Zeit die englischen Anleihen an Polen und die Rand» staaten als Folge der politischen Spannung mit Rußland. Was die einzelnen Industriezweige anlangt, so sucht das ausländische Ka- pital vor allem die Elektrizitätsindustri« auf. Die großen Wasserkräfte der Tschechoslowakei werden mit ameri- konischem Kapital ausgebaut. Die polnische Zuckeritidustri« wird in de? letzten Zeit mit englischem Geld betrieben. Der s ch w«» dische Zündholztrust möchte seine Monopolstellung in der Welt auch durch Gewährung von Ausländsanleihen befestigen. U. a. hat er dem polnischen Staat eine größere Anleihe bewilligt, tkller» dings unter Heranziehung des amerikanischen Kapitals durch die Vermittlung seiner Tochtergesellschaft. Die in der jüngsten Zeit überall emporgestiegene Schutzzollwelle trägt insofern zur Gewährung ausländischer Anleihen durch das Privattapital bei, als neue Produktionszweige mit ausländischer Beteiligung in dt« Schutz- zolländer verlegt werden, um einen Ersatz für die ausgebliebene Aue fuhr zu schaffen. Das geschieht dann ost zum Schaden de» Landes, tn dem die oerlegte Industrie sich entwickelt hat und in dem sie ost am entwicklungsfähigsten ist. Kapitalanlage üer vereinigten Staaten. Die im Frühjahr sehr abgeflaute Abwanderung amerikanischer Sapitaften hat in der letzten Zeit wiedereingesetzt. Die ame- rikanische Warenausfuhr ist in stetigem Steigen begriffen, was, wie oben angedeutet wurde, notwendigerweise mit einer gesteigerten Kapitalausfuhr einhergehen muß. Der nicht aufhörende Zustrom von Gold nach den Vereinigten Staaten verstärkt die Bereit» Willigkeit für ausländische Anleihen. Sonst müßte das Gold zur Der» hütung einer Inflation in den Kellern der Banken unver- zinst liegen bleiben. Die amerikanischen Kapitalien wandern nach aller Herren Länder, vor allem nach Kanada, Mittel» und Süd- amerika, aber auch in die europäischen Länder, die sie zum Teil zur Stützung ihrer Valuta, zum Teil für privatwirtschaftliche Zwecke brauchen. So haben vor kurzem die Z e n t r a l b a n k en in Dänemark und der Tschechoslowakei feste Währungskredite, Italien und England sogenannte R e v o l v i n g-Kredite(Kredite, die nach ihrer Abdeckung neu zur Verfügung stehen und nach Bedarf abge» rufen werden) in Anspruch genommen. Was Dänemark anlangt, so strömen amerikanische Kapitallen auch infolge der Valutaspekulation in Hoffnung auf die Werterhöhung der dänischen Krone dorthin. Die italienische Notenbank möchte durch die jüngst erfolgte Zins- erhöhuug fremde Kapitalien in das Land locken. Recht be- zeichnend aber für die veränderten Zustände ist, daß England, früher die größte Geldmacht der Welt, bei Wiederherstellung seiner Goldwährung amerikanische Kredit« zum Teil von der Morgangruppe, zum Teil von der amerikanischen Zentralnotenbank in'Anspruch nehmen mußte. Was Deutschland anbelangt, so ist dieses auf amerikanisch« Anleihe im gegenwärtigen Augenblick der Geld- und Kreditknappheit in hohem Maße angewiesen. In der letzten Zeit war der Zustrom amerikanischer Kapitalien nach Deutschland wieder lebendiger geworden. Indessen werden diese Kredite nur langfristig den Gemeinden oder öffentlichen Anstalten bzw. der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt. Kurzfristige Anleihen an die Industrie werden zum Teil au» Mißtrauen, z. T. um nicht die Kon- kurrenten der eigenen Industrie zu stärken, nicht gewährt, ja es wurden früher gewährt« kurzfristige Anleihen gekündigt. Die deutsche Industrie ist deshalb vor allem auf das holländische Kapital angewiesen. Infolg« der dauernd günstigen Zah- lungsbilanztst Holland in der Lag« und auch dazu gezwungen, namhafte Kapitalien auszuborgen. Dank der alten nachbarlichen Beziehungen finden diese Kapitalien ihren Weg zum großen Teil nach Deutschland.— Auch die Schweiz oersügt über eine aktive Zahlungsbilanz und kommt als Gläubiger für ausländische Anleihen in Frage. Trotzdem wird schweizerisches Kapital nur spärlich und zu schweren Bedingungen angeboten. Eaglanö kann keine Anleihen gewähren. Wir erwähnten bereit«, daß England zur Wiederherstellung setner Goldwährung sich amerikanische Kapitalunterstützung sichern mußt«. Wurden zwar diese Kredite bisher nicht in Anspruch ge- nommen, so konnte man in der Tat nur durch andere amerikanische Anleihen die Goldwährung sichern. Dank dem höheren Zinsfuß strömt ständig amerikanisches Kapital nach England, und es fand daher in der letzten Zeit«in« beträchtliche Goldeinfuhr statt. Da» englische Kapital selbst ist infolge der dauernden B erschlecht«- rung der Zahlungsbilanz, die nach der Meinung des be- kannten Sachverständigen Sir Iosuah Stamp bereits im laufenden Jahr passiv sein dürste. Immer weniger in der Lag«, fremde Kredite zu gewähren. Es besteht ein inoffizielle» Regierung»- verbot gegen die Gewährung ausländischer Anleihen, das vielfach nur aus politischen Zwecken durchbrochen wird. In der ersten Hälft« des laufenden Jahres wurden ausländische Kredit« im Betrag« von nur 31 Millionen Pfund gewährt, gegenüber 02 Millionen bzw. 73 Millionen in der ersten Hälfte der Jahre 1S24 und 1923. D i« Krise der englischen Wirtschast spiegelt sich auch in dem Rückgang der Kapitalavswanderung wider. Eng» land befindet sich auf dem Weg«, vom Gläubigerland ein Schuldner- land zu werden. A. H. Die Eisenexportvergütung. Infolge des Tisenzolls von 1 M. je Doppelzentner(10 M. je Tonne) Roheisen und entsprechend höherer Sätze auf verarbeitetes Eisen liegen die deutschen Preise für diesen Rohstoff erheblich über dem Weltmarkt st and. Wie die zahlreichen Stillegungen der Schwerindustrie beweisen, denkt die Schwerindustrie gar nicht daran, den Preis deutscher Eisen bis auf den Stand sinken zu lassen, zu dem der metallverarbeitenden Industrie des Auslands ihre Rohstoffe und Halbfabrikate zur Verfügung stehen. Die deutsche Verarbeitungsindustrie muß so eine Sonder st euer an di« Montanindustrie tragen. Daß sie bemüht ist. diese Sondersteuer auf den Verbraucher abzuwälzen, ist selbstverständlich. Nicht so selbstverständlich ist es, daß ihr da» auch gelingt. Denn die Kaufkraft der Bevölkerung ist trotz aller Versuche der Gewerkschaften, sie durch Lohnerhöhungen zu heben, gering. Sobald sie versagt, müssen die von der Absatzstockung betroffenen Werke ihre Betrieb« einschränken. Di« zunehmenden Schwierigkeiten am Arbeitsmorkt der Metallindustrie, von denen u. a. das Berliner Arbeitsamt z» berichten wußte, find ein deutliches Zeichen, wie schwer di« Rohstofsteuerung auf den Inland». markt zurückwirkt. Nun hat sich die Schwerindustrie die Zustimmung ihrer Unter- nehmerkollegen au» der Metallverarbeitung zu den Zöllen und dem Abschluß internationaler verbände damit erkaust, daß sie sogenannte Ausfuhrvergütungen gewährt. Kann der Eisenverarbeiter, der Maschinenfabrikant, der Industrie der Haushaltsartikel, der Automobllproduzent nachweisen, daß er au» dem bezogenen Eisen Daren für den Export herstellt, so bekommt er dafür eine Rückvergütung. Di« deutsche Reichsbahn, dl« Kommunen usw. dürfen für di« riesigen Eisenmengen, die sie»er- brauchen, ruhig den vollen Preis bezahlen. Wird«tn Waggon dagegen nach Rußland geliefert, so erhält der Fabrikant für da» zu der Herstellung de» Waggon» bezogen« Eisen sein« Rückver» gütung, er kann also billiger liefern. Der Deutsch« kann zahlen. Hernach verlangt mau von der deutschen Reichsbahn als Gegenleistung für di« lleberpreis«, die sie der Schwerindustrie zahlen darf, noch Tarifermäßigung. Warum auch nicht? Ueber solche Widersprüche kann flch höchsten» der Arbeiter wundern. Der Kapitalist.schützt' die nationale Arbeit, indem er sich von ihr mehr bezahlen läßt als vom Ausland. Das ist nun einmal national. Run werden di« Sätze bekannt, noch dene» die Schwer- induftrie ihre Rückvergütung auszahlt. Au ihnen kann man ermessen, wie hoch die Schwerindustrie selbst die Ueber- teuerung de. Eisen» gegenüber dem Weltmarkt einschätzt. Die Rückvergütung beträgt mit Wirkung von Mär, bis einschließlich August, wo nicht» andere» ausdrücklich angegeben ist, und zwar je Tanne: Roh- und Vorblöcke L M-. Kniippel-Platinen 6 M., Universal. eisen 12 M.(bis Juli, im August 13 M.). Bandeisen 7,50 M� Walzdraht 12 M.(im August 13 M.). leichtes Etsenbahnober- baumaterial 6 M.(bis Juni, dann 10 M.), schweres Elsen» bahnoberbaumaterial 12,50 M., Röhren 10 M.(für Juni, für Juli und August 13 M), Mittelblech 7 M., Feinblech bis 1 Millimeter und darunter 10 M.. Qualltätsfeinblech. Dynamoblech und Tran». formatorenblech 25 M. Man steht, die Sache geht ganz schön. Di«.Exportvergütung' ist ziemlich genau so hoch wie der Extraprofit, den man dem In» landsmarkt abnimmt. So leicht, wie die Schwerindustrie hier ihre Lohnbewegung für die Kapitalisten durchgesetzt hat, kommt man nicht immer zu Geld. Wenn der Arbeiter in Berlin oder Sachsen es zu spüren bekommt, daß die Fabrik nicht mehr Beschäftigung hat, heißt es, die hohen Löhne oder di« hohen Steuern seien schuld. Der Schwerindustrie aber wird ein« Sondersteuer extra gezahlt, ohne daß man besonder« ächzt und stöhnt. Selbst im Unternehmerloger sind jedoch Licht und Schatten im» gleich oerteilt. Der kleine Betrieb bekommt überhaupt kein« .Rückvergütung", denn er arbeitet ja.nur' für den deuffchen Verbrauch: wenn er wirklich etwas exportiert, dann ist das in der fertigen Ware enthaltene Eisen meist zu gering in der Menge, als daß es lohnt, den Nachweis zu erbringen, wieviel Eisen er nun für die Exportartikel gebraucht hat. Außerdem hat er das Eisen vielleicht irgendwo im Handel anstatt direkt beim Syndikat gekauft und kann daher den Vergütungsanspruch gar nicht geltend machen. Der mittlere Betrieb tonn monatelang aus seine Rück- Vergütung warten und inzwischen brav die Zinsen für Kredite zahlen, die er zur Erledigung seines Auftrages brauchte. Nicht so der Großbetrieb, der seinen Eisenbedarf für Exporwujträg« gleich im großen eindeckt. Dieser bekommt gleich bei der Lieferung einen Borzugspreis, hat also die Umstände gar nicht, die mit der.Vergütung' verknüpft sind. Selbstverständlich liegt der Bor- zugsprei» unter dem Marktpreis abzüglich Exportvergütung. So tostet heute Stabeisen ab Werk für Deutschland 127 bis 128 M.. die Rückvergütung 13 M. Wer heut« im großen für den Export kauft, braucht jedoch in jedem Falle nur 114 M. dafür zu zahlen, ist also bereits demjenigen Verarbeiter gegenüber um 1 M. i m B o r t e i l, der heute seinen Bedarf zu 128 M. ein» decken muß und in ein oder zwei Monaten 13 M. zurückbekommt. Ein umständliches System. Zwangswirtschaft ist immer umständlich, ob sie von Behörden oder von Kartellen ausgeübt wird. Würden Behörden so willkürlich oerfahren, dann würde man über.Schiebung, Korruption' und ähnlich« Dinge in sämllichen Flötentönen zetern. Aber es ist ja die Schwerindustrie— und da» ist etwa» andere«. Und e» wird.etwas anderes' bleiben, so lange dt« Albeiterschaft der verbrauchenden Industrien, die kleineren und mitt» leren Unternehmer der Metallindustrie und der Handel sich da» gefallen lassen!_ vom Serllner �trbeitsmarkt. Auf dem Berliner Lrbeitsmartt zeigen sich gegenüber der Vorwoche kein« wesentlichen Veränderungen. Gut aufnahmefähig blieb weiterhin insbesondere di« Landwirtschaft, wogegen sich im allge» meinen der Beschäftigungsgrad auf der Höh« der vor. w o ch« hielt. Die Zunahme der Arbeitsuchenden ist zum Stillstand gekommen. Es waren 39 701 Personen bei den Arbeitsnachweisen«inge- tragen, gegen 40 350 der Vorwoche. Darunter befanden sich 28785 (29 001) männliche und 10916(11349) weibliche Personen. Unter» stügung bezogen 10 234(10 164) männliche und 2595(2796) weil»- iiche, insgesamt 12 829(12 960) Personen, davon bei Notstands» arbeiten 2199(2180). Die Zahl der zu gemeinnützigen Pflicht- arbeiten Ueb erwiesenen betrug 18 gegen 10 der Vorwoche. Folgen deuffchaakloaaler Handelspollklk. Die Klei»eis«»- und Werkzeugindustrie an der Ruhr» die bi4h«r mit Aufträge» hauptsächlich nach dem AuZlande hinreichend versehen war, ist plötzlich durch Lnuulierung von Lieferun gt« kontrakteu und stockender Nachfrage in eine schwere Krise geraten, die zu umfangreichen BetriebSeinichränkungen zwingt. Infolge der Kündigung de» Handelsvertragetz mit Spanien, die bekanntlich auf Betreiben der Deutschnationalen ausgesprochen wurde, erfolgten zahlreich« Rücknahmen von sehr erheb- lichen Aufträgen. An» der werftilldllstrle. In der Hamburger Werstindustri« stehen wieder zwei Werften vor dem Zusammenbruch. Di« H a m- burger Elbe- Schiffswerft A..S.. ein« kleinere Werft mit einer halben Million Eigenkapital, hat das Iahar 1924 mlt einem Verlust von rund 300 000 M. abgeschlossen und zur Glatt- stellung der Schulden den größten Teil der Bestände und Betriebs- einrichtungen verkaust. Die Verwaltung hat bei der traurigen Lag« der Werftindustrie keine Hoffnung, die Betriebe, die seit End« 1924 fast stillagen, wieder zum Leben zu bringen.— Enister und weit- tragender ist der Fall der Norddeutsche Unionw«rte» Werft, Maschinen- und Waggonbau» A.-G. Auf der Grundlage der Tönninger Schiffswerft und Maschinensabrik 1917 zu einer Aktiengesellschaft neugegründet, hat sie di« typische In- flationskonzernentwicklung genommmen und sich mm 1920 bis 1923 neben zwei kleinen Wersten Metallpapier», Waggon» und Lokomotivfabriten in Berlin und Wismar angegsiedert. Ol» wobl das Ausgangstapital von 1918(1,75 Mill.), allmählich auf 65 Mill. erhöht, in der Soldbilanz auf 750 000 M. zusammengelegt wurde, bracht« da» Jahr 1924 einen Verlust von 711 000 M. Dieser vertust ergab sich, nachdem di» meisten Letriebswert«, um die Gläubiger zu befriedigen, zum Verkauf gebracht waren. Der Vorschlag, da» Goldkapital von 750 000 M. nochmal» 15: 1 auf ------'"*'' offenbaren Zweck. erst wird ge» mewel, vag iib jui» anm. wcarc an nnc youunuiiu/i Finna verkauft und die hauptsächlichen Anlagen nach Holland gebracht werden sollen. Erloschelle» Lavdllcht. Di« Landltöb t»A.«A. für Film- induftrie und Optik, die Anfang 1922 zur Herstellung und Vertrieb von Filmen, insbesondere aus dem Land« und zur Fabrikation von Filmapparaten gegründet wurde, hat ein un- rühmliches Ende genommen. Anfangs stand die Landli