Abendausgabe Sir. 362 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 178 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlia 10 Pfennig Montag 3. August 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhe Berleger: Vorwärts- Berlag Gmb Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Severing im Lager der Vertriebenen. Nächtlicher Besuch. Schneidemühl, 3. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der preußische Minister des Innern, Genojie Severing, traf am Sonntag abend gegen 11 Uhr zur Besichtigung des hiesigen Vertriebenenlagers ein. Die Anfündigung seiner Reise hat auf die in Schneidemühl zuständigen preußischen Behörden ihre Wirkung nicht verfehlt; denn bereits am Sonntag vormittag wurde mit allen Miltein versucht, das Lager fo gut wie möglich instandzusehen und alle unangenehmen Dinge dem Auge des Ministers zu entziehen. Severing aber hatte den späten Zeitpunkt feiner Ankunft nicht ohne Grund gewählt. Er wollte gerade die Unterkunftsmöglichfeifen während der Nacht studieren und unterzog deshalb die Aufenthaltsräume der Optanten bis in die späte Nacht hinein einer Jufpetfion. Jn ausführlichen Unterhaltungen mit den Ausgerviefenen lernte er deren Klagen tennen und wurde er vor allen Dingen auf einzelne Mißstände aufmerksam gemacht, deren Erledigung noch im Laufe des heutigen Tages vor sich gehen soll. Heute vormittag wird Severing mit den Behörden in Gegenwarf einer Bertretung der Optanten verhandeln, nicht nur über die Verhältnisse im Lager, sondern auch fiber die Unterkunftsmöglichkeiten in Preußen, die Arbeitsbeschaffung usw. Vorerst sind dem zuständigen Regierungspräsidenten für die Verfriebenen von der preußischen Staatsregierung 5 millionen Mart zur Verfügung gestellt worden. Der Minister organisiert die Hilfsmaßnahmen. den Grund dieses Sturzes in dem 3011trieg Polens mit Deutschland und in den durch die polnischen Massenausweisungen bedingten Zwangsverkäufen der vertriebenen Deutschen. Anforderungen gerecht zu werden, damit nichts verabsäumt wird,| fiel am 29. Juli plötzlich auf 17,75. Die amerikanische Presse erblickt den deutschen Brüdern und Schwestern, die das Lager in ihrer schweren politischen und wirtschaftlichen Bedrängnis und Not auf suchen, jede nur irgendmögliche Erleichterung und Hilfe zu verschaffen. Minister Severing ist heute mittag noch im dortigen Lager geblieben und wird erst abends nach Berlin zurückkehren. WTB. meldet: Hindenburg informiert sich. Reichspräsident Hindenburg empfing heute den Reichsminifter des Auswärtigen Dr. Stresemann und den Reichsinnenminister Schiele zum Vortrag über die Ausweisung der deutschen Optanten aus Polen, die Versorgung der Ausgewiesenen und die im Zusammenhang hiermit noch zu treffenden Maßnahmen. Polen schädigt sich selbst. New York, 3. Auguft.( WTB.) Der polnische Zloty, der feit einem Jahr an der New Yorker Börse dauernd 19,20 notierte, Sozialdemokratischer Protest. Gegen die Grausamkeit der Ausweisung. Der Bezirksparteitag der Sozialdemokratie Groß- Berlins nahm am Sonntag einstimmig folgende Entschließung an: „ Der am 2. Auguff 1925 tagende Bezirksparteitag der Sozialdemokratie Berlins erhebt empörten Widerspruch gegen die allen menschlichen Empfindungen widersprechende Graufamfeit, mit der die polnische Regierung als Mittel im Kampje um Handelsverträge das Mittel der Ausweisung vieler Taufende unbeteiligter Deutschen anwendet. Der Parteitag erwartet, daß die zuständigen deutschen Behörden jedes geeignete Mittel, jedoch nicht das grausame der Ausweisung unbeteiligter Polen anwenden werden, um diesen unwürdigen Gewalttaten entgegenzuwirken und den Nolleidenden Hilfe zu bringen." Umsatzsteuerberatung im Reichstag. Am Sonntag war der Zustrom an Flüchtlingen bereits wesentfich geringer als am 1. Auguft. Der übergroße Teil der Oplanten dürfte die deutsch- polnische Grenze überschritten haben, so daß Die heutige Sigung des Reichstages wurde vom Bräsi-| demokratische Antrag auf Aufhebung der Umsazsteuer höchftens noch 1000 bis 2500 Ausgewiefene in Schneidemühl zu erdenten Löbe mit der Mitteilung eröffnet, daß 14 Abgeordnete auf Lebensmittel angenommen werden. warten find. Für den Fall, daß Unterkunftsmöglichkeiten für die um Urlaub nachgesucht haben. Zum größten Teil wird Optanten im Reich nicht so schnell beschafft werden können, als es Krankheit a is Begründung angeführt. Ohne Zweifel hängt die wünschenswert ist, und infolgedessen ihr Verbleiben in dem Durchsteigende Zahl der Erkrankungen von Abgeordneten mit der jetzigen gangslager erforderlich wird, plant der preußische Minister des Arbeitszeit des Reichstages zufammen. Innern vorübergehend auch das Cager in 3offen in den Dienst der Optanten zu stellen. Die Maßnahmen des Innenministers. Der preußische Innenminister Genosse Severing, der Sonntag nacht in Schneidemühl eingetroffen ist, das Flüchtlingslager jofort inspiziert hat und im Anschluß daran auch während des Vormittags mit den dortigen leitenden Stellen ebenso wie mit Vertretern aller Gruppen der Lagerinfaffen eingehend tonferiert hat, gibt dem Amtlichen Breußischen Bressedienst die folgende Schilderung der dortigen Lage und der von ihm getroffenen Maßnahmen: Die Situation im Lager, die fich am Freitag und Sonnabend zeitweilig durch den nicht genau vorauszusehenden Ansturm mehrerer tausend Neuantommender fompliziert hatte, ist jetzt wesentlich besser, und dementsprechend ist auch die Stimmung im Lager gut geworden. Die Lagerinsassen sind mit der Verpflegung zufrieden; ich habe auch noch vier Feldküchen von Berlin her bestellt, um die Küchenverhältnisse noch weiter zu verbessern. Der Ansturm der Neuantommenden hat jezt abgeflaut und seinen So he punft zweifellos überschritten. Heute sind noch etwa 350 neue Optanten eingetroffen, die fofort untergebracht und ver pflegt worden sind. Um die noch nicht befriedigend geregelten Unterfunftsverhält. nisse zu verbessern, merden, wie ich angeordnet habe, fofort von Berlin 9000 Deden herbeltransporfiert. Außerdem werden in ausreichender Zahl an Ort und Stelle Holz bettstellen zusammengezimmert, die zusammen mit den Decken dann wirklich brauchbare Lagerstätten für jeden einzelnen ergeben. Selbstverständlich braucht niemand etwa, wie das an einzelnen Stellen behauptet worden war, vorübergehend im Freien zu übernachten; für alle Optanten sind genügend Unterkunftsräume vorhanden. Unsere ganz besondere Sorge gilt selbstverständlich den Rindern, für die alles Menschenmögliche getan werden muß, um jede gesundheitliche Gefährdung von ihnen fernzuhalten. Es ist Anordnung gegeben worden, möglichst alle Kinder, von denen sich die Eltern zeitweilig trennen wollen, in jorgfame Privatpflege resp. in Kinderheime, etwa an der Ostsee oder an sonstigen geeigneten Stellen zu gehen, wo sie in guter Obhut sind. Außerdem wird ein Kinderheim, das in Schneidemühl errichtet wird, in spätestens sechs Wochen fertig sein und 500 Kindern dauernd so lange Unterkunft geben, wie es die Verhältnisse der Eltern nur erfordern. Die einzige Schwierigkeit ist eben die, daß sich viele Mütter auch nur für furze Zeit nicht von ihren Kindern trennen wollen und daß also diese Kinder so lange im Lager mit ihren Eltern bleiben müffen, bis die allerdings mit größter Beschleunigung betriebene- Berteilung der Eltern auf die einzelnen Regierungsbezirke durchgeführt ist. Da aber ble Frequenz des Lagers durch die dauernd erfolgenden Abtransporte nach den einzelnen Arbeitsstellen fich ständig vermindern wird, so werden auch im Lager schon in aller Kürze die Verhältnisse so sein, daß die Kinder auch dort ohne irgendwelche Besorgnisse längere Zeit gelassen werden können, wenn dies erforder lich sein sollte. Dann wurde die Einzelberatung des Gesezentwurfes zur Menderung der Verkehrssteuern und des Verfahrens fortgefeßt. Die Aussprache bewegte fich heute vormittag im wesentlichen um den Artifel IIIa, umsagsteuer. Die Sozialdemokratische Frattion beantragt dazu, daß die Umsätze von Lebensmitteln umfassteuerfrei sein sollen, sie perlangt weiter die Herabseßung der allgemeinen Umfafssteuer ab Entgelts. Die Vermittlungen und Abschlüsse der Handelsvertreter 1. Oftober 1925 auf 1 Proz., ab 1. April 1926 auf% Proz. des sollen umsatzsteuerfrei sein. Ferner sollen von der Umsatzsteuer die angehören, und die der gemeinschaftlichen Verwertung von ErzeugGenossenschaften frei bleiben, die einem Revisionsverband nissen der Genossen oder dem gemeinschaftlichen Absatz von Waren der Genossen oder dem gemeinschaftlichen Einkauf von Waren oder der Herstellung von Häusern für die Genossen dienen. Abg. Peine( S03.) bezeichnete die Umsatzsteuer als eine Geißel für die Wirtschaft, die ganz besonders die legten Verbraucher treffe. Sie hätte schon längst befeitigt werden müssen, bestimmt aber nach der Stabilisierung der Währung. Von den bisherigen Tempo der Herabsetzung der iimsatzsteuer seien die Preise noch nicht berührt worden. Auch nach der jetzigen er absetzung von 1%. auf 1% Broz werden die Verbraucher teine billigeren Preise zahlen. Diejenigen, die die Steuern abzuführen haben, werden die ¼ Broz. für sich behalten. Anders wäre die Wirkung gewesen, wenn man eine st är fere herabsetzung der Steuern, wie sie die Sozialdemokraten verlangen, durchgeführt hätte. Diese langsame herabsetzung der Umfagsteuer müsse zu der Ueberzeugung führen, daß die Regierung diese Steuer noch längere Zeit beibehalten wolle. Die Befürchtun gen, daß eine starke Herabjegung der Umsatzsteuer das Steuerauf tommen wesentlich erniedrigen würde, feien unbegründet, da mit der hoffentlich zu erwartenden Belebung der Wirtschaft auch die Umfäße und damit das Steueraufkommen steigen würden. Die limfagsteuer mirte besonders deshalb ungerecht, weil diejenigen Betriebe in Handel und Industrie, die eine Zusammenlegung vornehmen fonnten, sich von der Steuerleistung zum großen Teil befreien fönnen; fie richten aber ihre Breise nach der Preisstellung derjenigen Betriebe, die sich der Umsatzsteuer nicht entziehen können. Die Regierung wolle fich den Steuereingang durch die Umsatzsteuer sichern, damit sie bei den Besitzsteuern möglichst schonend vorgehen könne. Die Regierung hätte aber, wenn sie auf die Wirtschaft wirklich Rücksicht nehmen wollte, umgekehrt vorgehen müssen, nämlich erst für ein höheres Aufkommen an Befihsteuern forgen müffen, um dannn die Umsatzsteuer abzubauen. Sie wollte aber erst sehen, was die Regierungsparteien bemilligen würden, und deshalb habe sie den energischen Abbau der umfagsteuer nicht durchgeführt. Die Regierung und die Regierungs parteien geben auch in dieser Frage auf die Gutachten der Sach verständigen ebensowenig etwas, wie bei der Zollfrage. Die Tatsache findet bei ihnen keinerlei Beachtung, daß der Hauptteil der Steuern durch Lohn- und Um jak steuer erbracht wird, während die fünf Besitzsteuern nur einen fleinen Teil davon er bringen. Die Regierung hat den sozialdemokratischen Antrag auf Beseitigung der Umsatzsteuer auf Lebensmittel mit dem Vorwand Ich befone ganz besonders, daß von Anfang an schon die dorfibekämpft, weil das eine saubere Scheidung in den Geschäften, die gen Behörden von mir mit ausreichenden finanziellen BollLebensmittel und andere Waren verfaufen, nicht möglich sei. Wenn machten versehen worden sind und auch soviel Schutzpolizei- die Regierung nur den Willen dazu hätte, dann wäre es wohl perfonal anfordern fonnten, wie sie zur Bewältigung der tech- möglich, diese Scheidung durchzuführen. Die minderbemittelte nischen Arbeiten brauchten. Bevölkerung, besonders aber die von den färglichen Renten Nach meinen heute morgen gepflogenen Konferenzen, in und unterstützungen lebenden Massen, haben ein dringendes Intereſſe denen ich nochmals alle fich als nötig erweisenden Kredite und Voll- daran, daß die Lebensmittel verbilligt werden. Die machten gegeben habe, haben mir auch die leitenden Persönlichkeiten Arbeiter fönnen die Umsatzsteuer nicht abwälzen. Wir müssen diesen hes Lagers beftätigt, daß die finanzielle Frage volltom. Streisen endlich die schwersten Lasten abnehmen, aus fogialen, men geregelt ist, und baß fie durchaus imftande find, jet offen bevölkerungspolitischen und gesundheitlichen Gründen muß der sozial Ein schreiendes Unrecht ist die Doppelbesteuerung der Genossenschaften. Es ist fein Mensch hier im Hause, der nicht weiß, daß das ein Unrecht ist. Wenn die Rechtsparteien trotzdem es nicht befeitigen wollen, jo beweisen sie damit, daß ihnen die Bekämp fung einer Idee höher steht als die Beseitigung eines Unrechts. Die Folge der Doppelbesteuerung ist, daß die Wirksamkeit der Organisationen der Verbraucher unterbunden wird, daß den minderbemittelten Massen die Vorteile der genossenschaftlichen Drganisationen entzogen werden, nur damit die rückständigsten Kleinbetriebe unter allen Umständen aufrechterhalten werden. Der RedSozialdemokraten einen„ Berrat" an den Genossenschaften verübt ner wandte sich gegen die Behauptung der Kommunisten, daß die hätten. Er stellte fest, daß in den letzten sieben Jahren fein Antrag nicht von ihm begründet wurde. Alle kommunistischen Anzur Abstimmung über die Genossenschaftsfrage gekommen sei, der träge sind nur von uns abgeschrieben worden. ( hört, hört! bei den Soz.) Ich erhebe feinen Anspruch auf Be zahlung, will auch nicht das Urheberrecht für mich in Anspruch nehmen. Aber gegen den unbegründeten Vorwurf müssen wir Berwahrung einlegen, als ob die Sozialdemokratie nicht alles tue, um das den Genossenschaften zugefügte Unrecht zu beseitigen. Wenn Sie ( nach rechts) auf die bisherige Weise die Genossenschaften befämpfen, dann werden Sie damit erreichen, daß die Genossenschaften mit ihren Organisationen in die politische Arena eintreten.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) In der weiteren Debatte wandte sich der Demokrat Brodauf gegen die Aufrechterhaltung der Umfagsteuer bei den Handelsvertretern. Er wies nach, daß die Deutschnationalen früher selbst diese Forderung aufgestellt haben, fie aber jetzt verraten. Staatssekretär Popih wandte dagegen ein, daß die Umsatzsteuer stehe und falle mit ihrer Lückenlosigkeit. Wenn man erst einzelnen Kreisen eine Befreiung zugestehe, dann würden auch sehr viele andere Kreise mit derselben Forderung kommen. Daher widerstrebe die Regierung dem Verlangen, die Handelsvertreter frei zu lassen. Es sei im einzelnen nicht möglich, zu überprüfen, ob die Ueberwälzung der Umsatzsteuer gelinge oder nicht, das sei eine Frage des wirtschaftlichen Kampfes. Jede Differenzierung aber würde die Erfüllung des Wunsches nach einer weiteren Herabfegung und einer völligen Beseitigung der Umsatzsteuer verhindern. Abg. Kirschmann( Soz.) vermißt bei den Ausführungen des Staatssekretärs den Beweis, daß die Provision der Handelsvertreter ein„ Umjaz" sei. Die Sozialdemokratie mende sich gegen die Aufrechterhaltung des offenbaren Unrechts, daß die Handelsvertreter eine doppelte Besteuerung ihres Einkommens tragen sollen. Diese Forderung ist auch von den großen handelspolitischen Organisationen ge tellt worden. In den Provisionen stecken oft erhebliche Spejen. Auch dafür muß Umfaßfteuer gezahlt werden. Der Kompromißantrag der Regierungsparteien, der den Umjah der Handelsvertreter bis 1500 Mart freilaffen will, beseitigt dieses Unrecht nicht. Bei den Deutsch nationalen hat diese Frage in ihrer Agitation früher eine große Bedeutung gehabt; heute spielt sie bei ihnen nur eine intergeordnete Rolle. Auch in diesem Falle beweisen die Deutschnationalen, daß fie früher, als sie in der Opposition standen, eine verantwortungslose Politit getrieben haben, wäh rend sie heute sich so wandelten, daß sie alle ihre früheren Forderungen verraten und selbst offenbares Unrecht aufrecht erhalten wollen. Der demokratische Abg. Fischer- Köln mandte sich gegen den Borwurf, daß die Demokraten Bertreter des Großfapitals seien. Rein einziger ihrer Anträge fordere die Herabjegung der Besizsteuern, dagegen verlangen fie die soziale Gestaltung der Lohnsteuern und die Herabsehung der Berbrauchssteuer. Die Regierung und die Regierungsparteien hätten sich früher gegen die Beseitigung der Umsatzsteuer gewandt, weil sie beim Finanzausgleich mit den Ländern eine Hauptrolle spielte. Nach dem Kompromis sollen die Länder und Gemeinden eine fefte Summe erhalten; der bisherige Bormand für die Aufrechterhaltung der Umsatzsteuer bestehe affo nicht mehr, Ob sie schreien können! Diesmal nicht die Agrarier, sondern die Schwerinduftrie. Herr Hugenberg findet, daß sich die Entrüftung über die Interessentenpolitif der Mehrheitsparteien zu einseitig gegen die Agrarier richtet. Er findet, man dürfe darüber nich tdie Interessenten politik der Schwerindustrie vergessen, und er schreitschreit wie ein Agrarier, der nicht genug Zoll befommen fann. Herr Hugenberg ist Besizer des Lokal- Anzeiger". Nichts ist z udumm, als daß er es nicht in seinem Papier bruden laffen fönnte. Er fährt die ältesten Schlagworte der Schwerindustrie auf: die Sozialdemokratie ist betriebsfeindlich, die Betriebe rentieren nicht, mehr Zoll und weniger Steuern her, damit wie wieder verdienen. Das sind nun Argumente eines Wirtschaftsührers". Aber Herr Harnisch, der für Herrn Hugenberg fonft die Schlagwortfabrikation besorgt, feßt erst den Puntt über das Geschrei seines Herrn. Die Arbeiter sind schuld! Sie wollen die verteuerten Waren nicht taufen. Sie wollen einmal nicht! Das ist wirklich eine Bosheit. Dabei sind sie felbft schuld daran, daß die Waren teurer werden; denn das tommt nur von der Sozialpolitit. Die ist an allem schuld: an der Teuerung, der Arbeitslosigkeit, dem Rückgang der Broduktion- also fort mit der Sozialpolitik. Ja, sie können schreien, Herr Hugenberg und sein Harnisch! Deutsches Kohlendumping in Frankreich. Der Wahnsinn der Schleuderkonkurrenz. Paris, 3. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Das von der fran. zösischen Regierung erlassene Einfuhrverbot für deutsche Kohle hat nach der schwerindustriellen Zeitschrift„ Ufine" seinen Grund darin, daß deutsche Zechen versucht hätten, durch Angebote von Rohle auf freiem Markt und zu Preisen, die erheblich unter den von der französischen Regierung für Reparationstohlen zu zahlenden lagen, den Dames Plan zu durchbrechen. Die in der Berordnung vorgesehenen Ausnahmen von dem Einfuhrverbot würden von der französischen Regierung ohne weiteres bewilligt werden, wenn der französische Besteller sich verpflichtet, den Preis für die von ihm im freien Handel bezogene Kohle nicht an den deutschen Lieferanten, sondern an die französische Regie rung abzuliefern, die diese Eingänge mit dem Transfer- Komitee verrechnen würde. B Wie wir dazu erfahren, haben deutsche Zechen tatsächlich in den letzten Wochen größere Mengen Kohlen zu 19,50 pro Tonne im freien Handel nach Frankreich abgefeht, während der Breis, den die französische Regierung nach den getroffenen Bereinbarungen für Reparationstohle zu zahlen hat, 24 Mart pro Tonne beträgt. * erträglich belasten würden. Eine solche Belastung mit| Dorthin kommen nun alle bende junge Hakenkreuzler und brüllen neuem Konfliktsstoff würden aber die am 15. September wieder beginnenden Verhandlungen durch ein gegen Deutschland gerichtetes Rohleneinfuhrverbot natürlich in verschärftem Maße auferlegt bekommen. ihre Pogromzeilung aus. Weber Arbeiter noch Juden taufen Hakenkreuzzeitungen; aber sie ärgern sich, daß ihnen mit Haten treuzzeitungen vor die Augen gefuchtelt wird, daß ihnen Hafentreuz zurufe in die Ohren dröhnen. Das aber ist der Zweck der ,, Rolpor tage": die Arbeiter, die Juden sollen geärgert, fie follen aufgereizt, fie sollen provoziert werden, bean, fo behauptet wiederum die Polizei, es sei das gute Recht der Haten freuzler, die Bevölkerung eines Stadtteiles aufzureizen und zu proDozieren; die Provokation müsse sich nur in gesetzlichen Formen", also etma In der„ Kolportage" halten; bann sei sie gefeßlich", dann fomme ihr polizeilicher Schuß zu. Diefen Schutz hat nun die Polizei dem halben Dutzend Hafenkreuzlern in reichstem Maße beigestellt. Jeder Hakenkreuzler erfreut sich der Begleitung einiger Polizisten, und je gesicherter fie fich fühlen, desto ungenierter besorgen fie ihr provokatorisches Geschäft, defto reizvoller der Genuß Also die deutsch- französische Wirtschaftsverständigung steht auf dem Spiel. Aber noch mehr! Bekanntlich fonnte der Arbeitskampf im englischen Bergbau nur dadurch beigelegt werden, daß die britische Regierung ihrem Kohlenbergbau eine staatliche Subvention zur Erhaltung feiner Konkurrenzfähig feit zubilligte. Der Kreis schließt sich also: deutsches Dumping, französisches Einfuhrverbot. englische Staatsunterstützung. Jetzt fehlt noch eine staatliche Unter stügung des deutschen Kohlenbergbaues, um das Dumping wenigstens auf anderen Auslandsmärkten aufrechterhalten zu fönnen, und das ganze Theater fann von neuem losgehen! Opfer dieser ganzen planlosen und protektionistisch forcierten an der ohnmächtigen Wut der Arbeiter. Die ,, Rechtsauffassung" der Konturrenzpolitik werden schließlich die deutschen Berg- Bolizei hat aber mun tägliche Krawalle zur Folge. Seit fechs arbeiter und mit ihnen die Arbeitnehmer aus den Ver Tagen ist der Praterstern in Aufruhr, ist der Praterstern der Schanarbeitungsindustrien sein, die letzteren, weil die Pro- plaz maßlos erregier Demonstrationen. Die Arbeiter fönnen es dukte ihrer Fabriken einer mit Hilfe verbilligt ausgeführter einfach nicht ertragen, daß sie verhöhnt und herausgefor deutscher Kohle start erhaltenen Auslandskonkurrenz aus- dert, die Juden, die eben diesen Stadteil besiedeln, tönnen es nicht gesetzt werden! ertragen, daß fie auf offener Straße beschimpft und geachtet werden. So ist die Hatenfreuzfolportage am Braterstern zu einem und Ordnung" geworden. So geht es auf keinen Fall weiter. Man wird es dem die ,, bewährten" Regeln fapitalistischer Absaytonturrenz hält, menn er nach dem Ausland billiger liefert als an die deutsche Industrie. Die Regierung aber, die die Folgen einer der artigen verfehlten Exportpolitik sehen muß und sieht, fann fich auf eine derartige Entschuldigung nicht berufen. Sie muß verfuchen, eine internationale er ständi gung über den Kohlenabsah herbeizuführen, wie sie der Internationale Gewerkschaftsbund vorgeschlagen hat und wie fie allein die Beseitigung des Konfliktstoffes verbürgt, den die Absatzfrise im internationalen Kohlenbergbau vorstellt. deutschen Bergbau zugute halten müssen, daß er sich nur an Nur Steißarbeit. In der„ Täglichen Rundschau" findet sich der folgende Sat: Den Zolltarif im Reichstag durchzubringen, wird sicherlich noch ein schweres Stüd Arbeit fosten. Es wird genau so, wie die parlamentarische Arbeit während der abgelaufenen Woche eine Steißarbeit sein, wie der nunmehr mit der Polizei aus dem Reichstag hinausbeförderte Kommunist Höllein einmal nicht ohne Big sagte, denn in der Tat: nur darauf fommt es an, ob das Sigfleisch der Regierungsparteien oder bas ber Oppo fition ausdauernder ist, und in diesem Punft wird sich die Mehrheit von der Oppofition feinesfalls übertreffen lassen." In der Tat: um Berstand zur Begründung ihrer Interessenten politik hat sich die Zollmehrheit nicht bemüht. Ihre Argumente fizzen im Steiß. Kommunistische Beschwerde. Diese Darstellung unseres Pariser Korrespondenten deckt sich durchaus mit den Informationen, auf Grund deren wir bereits vor einigen Tagen den deutsch- französischen KohlenSowohl die kommunistischen Abgg. Höllein und Jabas tonflikt kritisiert haben. Mit Hilfe von Krediten der Deutschen wie auch die kommunistische Reichstagsfraktion als solche haben in Goldbistontbant betreibt der deutsche Kohlenbergbau einen der vorgeschriebenen Form schriftliche Beschwerde gegen Schleudererport, ber unsere eigene Berarbeitungs- den Ausschluß der Abgg. Höllein und Jadasch auf zwanzig Gigungsindustrie schädigt, indem er es den ausländischen tage aus dem Reichstage beim Präsidium des Reichstags eingereicht. Metall, Maschinen und sonstigen Berarbeitungsindustrien ermöglicht, billiger als Deutschland zu produ zieren Gefährlicher noch sind die Rückwirkungen auf die internationale Handelspolifit. Der deutsche Außenminister hat durch ein ihm befreundetes Presseorgan bereits betonen laffen, daß das französische Kohleneinfuhrverbot ebenso wie ein bereits bestehendes Einfuhrverbot für freie Farbstofflieferungen das Haupthindernis für eine deutsch- franzo fifche Wirtschaftsverständigung fei, um fortzufahren: Ein Opfer der Hakenkreuzler. Blutiger Sonnabend in Wien. Wien, 3. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Nach Beendigung der Trauerfeier für den verstorbenen Autbürgermeister Genossen Reumann ist es am Abend in der Gegend des Pratersterns zu schweren Zusammenstoßen gekommen, in deren Verlauf ein junger Mann, namens Jasef Mohapel, erstochen Die Wiener Arbeiterzeitung" gibt über die BorDenn auch hier ist deutscherseits immer der Standpunkt vertreten geschichte dieser bedauerlichen Zusammenstöße folgende Darstellung: worden, daß die Aufrechterhaltung von Einfuhrverboten, die fich Alle Abende ist der Braterstern von vielen Hunderten Menschen gegen Deutschland allein richten, ein Handelsabtommen unerfüllt: es find Arbeiter, es find Juden, die dort lustwandeln. Wiener Blut. Die neue Direttion Carl Richter hat sich in dem unglüdlichen Theater des Westens sehr glücklich mit einer Mufit von Johann Strauß eingeführt. Wiener Blut"? Eine solche Operette gibt es nicht; wohl aber einen Walzer, der zusammen mit den Geschichten aus dem Wiener Wald"," Morgenblätter" und An der schönen blauen Donau" wirklich so etwas wie eine zweite öfter reichische Nationalhymne darstellt. Wie ein abendfüllendes Wert daraus wird, das verrät fein Heldenbuch, tein Brogramm. Sicher ist, daß der Geift Wiens durch diese ganze Partitur weht, daß ein Finale, in Sextett, ein oder das andere Couplet- Duett ganz nach Fledermaus" flingt, und daß die Orchesterarbeit von Feinheiten und Humoren durchsetzt ist( Einleitung zum Riezing- Att), wie fie Straußischer wohl nicht erdacht werden können. Woher aber diese ganze Mufit? Stedt ba auch noch ein wenig Lanner und ein Schuß Strauß- Bater drin? Es wäre angenehm, etwas von dieser höchft geschickten Potpourriarbeit zu erfahren. Das Wert scheint in dieser Form nicht nur lebensfähig, sondern sogar tonfurrenzfähig, wenn nicht mit der Fledermaus, so doch mit dem Bigeunerbaron" und ficher mit Indigo 1001 Nacht". Bittor Léon und Leo Stein, die Textverfaffer, haben eine Berwechslungsgeschichte erjonnen, die mit Hilfe einem trotteligen Premierministers immer wieder auf das falsche Gleis im Ländchen Reuß- Schleiz- Greiz ge schoben wird, so daß tatsächlich statt eines oder zweier Atte brei herauskommen( deren erste beide zu lang find). Eine gewiffe frivole Tendenz in bezug auf Eheheiligkeit wird durch den Ton des ulls gedämpft, nicht verdrängt. Die Szene aber, in der ein Wiener und ein Sachse sich unterhalten und teiner den anderen versteht, gehört schon zu den beften aller Schwankeinfälle. 1. Hauptfache: Eduard Lichtenstein fann mit drei Frauen umspringen, wie er will. Er macht das sehr frisch und heiter, ein bißchen heftig das Männerideal liebehungriger Damen heraus beißend und im Dialog so start pallenbergend. Die Stimme ist heller als je; die Liebe erhält ihn jung. Aber Biener Blut hat er nicht. Das hat eigentlich in der ganzen, sehr flotten Aufführung nur Oskar Sachs in seiner herrlich polternden Cholerit und die jungenhaft luftige, naturhaft würzige Margit Kühnl. Wenn fie Duliuh fingt, so ist Miener Borstadt nach Berlin gekommen, an ftedend herzhaft. Auf der Positivseite der Luftigkeit seien gebucht: der felche Kammerdiener Eugen Sietels und der entgeisternd blödelnde Minister Carl Gepperts. Else Kochhann fingt hochdramatisch, Anni Terroda ist bei guter stimmlicher Begabung eine sehr ungrazioje Tänzerin. Bienerisches Blut besonders bei dem Dirigenten Schönbaumfeld. D, wären sie alle ihm doch besser gefolgt! Der Rabeßtymarsch, getanzt von ber feurigen und doch lieblichen anger, mußte wiederholt werden. Ein sehr lohnender bebt R. 6. Abschaffung der großen Buchstaben in Rußland. Dem Mostaner Bil bungstommiffariat ist ein Projekt eingereicht worden, wonach bie großen Buchstaben gänzlich abgeschafft und auch die Anfangsbuchstaben in einem Say flein geschrieben werden sollen. Das Projekt weist dabei darauf hin, daß die dem Sowjetbund angehörenden orientalischen Bälterschaften in ihrer Schrift große Buchstaben nicht lennen, morden ist. Revue im Ceffing- Theater. Kurz bevor ins Lessing- Theater wieder die ernste dramatische Kunst einzieht, bietet es der flatterig geschürzten Muse Obdach. Die Revue aus dem Kopenhagener Stala Theater, mit der die Sommerdirektion die Gunst der Berliner geminnen will, nennt sich„ Regenbogen", weil die Bilder der Bühnenschau äußerst farbenprächtig sind. Alles ist auf pompöse Ausstattung, auf Augenweide und Sinnenreiz gestellt. Die Revue, der in den vornehmen Theaterraum verpflanzte Rummel, ist deshalb beim abgehegten Großstadtmenschen beliebt, weil an feine Auffassungsgabe gar teine Anforderungen gestellt werden. Er braucht nicht nachzudenken. Er fieht nur hin und hat seine Freude daran. Die Direktion war fich bis furz vor der Aufführung nicht darüber flar, ob sie 29, 30 oder 32 Bilder zeigen sollte. Das ist das Nette bei einer Revue. Es kommt nicht darauf an, ob ein Bild weggelaffen oder hinzugefügt wird. Aber auf das Tempo tommt es an. Und die vom Direktor Hans Baars und dem Kapellmeister Hans Man geleitete Borstellung hatte viel Schmiß. Nur allzuviel Einfälle hat die Revue nicht. Die Es find lebende Bilder, die unter Aufbietung vieler schöner Frauen Coupletterte illuftrieren, und richtige Barieténummern. Das ist ein bißchen wenig für einen Theaterabend. Immer nur Brunt und Ausstattungsflimmer ermüden auf die Dauer. Sonderbar, daß es nicht gelingt, die früheren Metropoltheaterrevuen wieder erstehen jatire zu machen, ist der gelentige Kurt Bois, ber, auf der Bühne zu laffen. Der einzige, der versucht, die Revue zu einer Art Seitund mitten im Zuschauerraum, mit seinen sicher improvisierten Späßen das Bublifum in fidele Laune bringt. Gein trodener Big, fein elegischer Blick und seine Schlagfertigkeit erftritten den Erfolg des Abends. Dgr., Hauswirtschaft in Amerika. In New York befommt eine Stütze 60-100 Dollar monatlich. Die Kauftraft dieses Lohnes tann mit 200-350 mt. bewertet werden. Es ist klar, daß die Zahl der Fa milien, die ohne Hausangestellte austommen müssen, verhältnis mäßig größer ist als bei uns. Wenn der Mann nur" 6000 Dollar verdient, so macht die Frau die Arbeiten nach Möglichkeit selbst. Andererseits ist aber die Amerikanerin viel weniger geneigt, in den Arbeiten für Küche und Haus aufzugehen und darin die Befriedi gung ihres Lebens zu suchen, als die Deutsche. So kommt es, daß von Amerita aus starte Bestrebungen gehen, die Hauswirtschaft durch wissenschaftliche Betriebsführung zu vereinfachen und die per fönliche Arbeit dabei auf ein Minimum zu verringern. In New Yort hat sich ein Verein gebildet:„ Wissenschaftliche Haushaltführung". In den Arbeiten diefes Vereins wird vor allem die Systematit von Raum und Zeit untersucht. Es werden also die verschiedenen An ordnungen der notwendigen Geräte studiert und dann wird auf Grund dieser Untersuchung eine bestimmte, für die Normaltüche passende Normalanordnung vorgeschlagen. Auch für die Aufeinanderfolge der verschiedenen notwendigen Arbeiten und schließlich natürlich für die zu gebrauchenden mechanischen Apparate werden allgemeine normen herausgesucht. Es muß auch festgestellt werden, mittel für die Küche der deutschen gewaltig überlegen ist. Auch was daß die amerikanische Industrie in der Herstellung technischer Hilfs. die großen Mietshäuser, wie auch die kleinen Einzelwohnhäuser anbelangt, so baut man in Amerita, namentlich in New Dort und Chicago, prattischer als vielfach bei uns. Das Einbauen von öffentlichen Bergernis", zu einer„ Bebrohung der öffentlichen Ruhe Nun strömten gefiern vom Leichenbegängnis Reumanns ungeheure Massen über den Braterstern heim: Ordner in geschlossenen Zügen, Arbeiter scharenweise. Am Praterstern schlug ihnen das Geschrei der Hatenfreuzier ents gegen. Es tam zu Ansammlungen, zu erregten Auseinanderfegungen. Da tauchten mun Kommunisten auf, die schon am Ring heftographierte Handzettel mit der Aufforderung verteilt hatten, am Abend auf dem Braterstern zu demonstrieren". Dort forderten sie zur Einheitsfront von unten" auf, zur Gründung einer „ Antifaschistenliga": ein„ Wirbel" stand in Aussicht, die Rommu nisten waren zur Stelle und mit ihnen eine Schar von pachen.. Und schon blizten da und dort Polizeisäbel, Berittene fprengten heran, die Erregung war maßlos. In solch einen Wirbel" geriet nun Mohapel. Es fiel ein unvorsichtiges Wort von seinen Lippen, worauf sich sofort einige junge Burschen auf ihn stürzten, ihn, der in ein Hotel geflüchtet war, verfolgten, und ihn mit Messerstichen tödlich verlegten." 27 " Der Getötete, der mit einem Freunde ren zufällig in die Menschenmenge geriet, gehörte einem Turnverein an und trug einen Gürtel mit dem bekannten Abzeichen des Turnerbundes, dem vier fachen F. Als Mörder ist inzwischen von der Wiener Bolizel ein bekannter Raufbold und zuhälter verhaftet, der der Polizei schon viel zu schaffen gemacht hat. Er hat angegeben, daß er mit den politischen Ansammlungen garnichts zu tun hatte, nur aus Freude am Krawall sich in die Menschenmenge gemischt und schließlich an der Verfolgung des flüchtenden jungen Mannes sich beteiligt habe, dem er im Flur des Hotels mehrere messerst i che versetzte. Einer von diesen traf das Herz Moha pels und führte den sofortigen Tod herbei. Friedensverhandlungen mit Abd el Krim. Uebergabe der spaniranzöfifchen Boschläge. Paris, 3. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) In Tefuan, dem spanischen Hauptquartier, find am Sonnabend zwei Emisfare Abd el Krims eingetroffen, um in deffen Auftrag Kenntnis von den Friedensbedingungen zu nehmen, über die fich Frankreich und Spanien auf der Madrider Konferenz geeinigt haben. Die beiden Delegierten wurden von Primo de Rivera felbft empfangen und find mit einer Abschrift der Madrider Beschläffe in das Hauptquartier Adjir zurückgekehrt, wo Abd el Krim für Montag feine militärischen Mitarbeiter, sowie die Häuptlinge der unter feinen Fahnen fämpfenden Stämme zu einem großen Kriegsrat zufammenberufen hat. | Möbeln, namentlich Betten, in die Wände wird von der deutschen Hausfrau zwar oft abgelehnt werden. Biele Möbel, namentlich Tische, lassen sich aber mit Vorteil, wenn man ihrer nicht bedarf, in die Wände verstauen. Sehr praktisch ist die Anlage von Warm wafferleitungen für sämtliche Wohnräume, ferner die Einrichtung von Aufzügen und schließlich die neuerdings projettierte Anlage von Schächten für Müll und Abfälle aller Art. Jede Wohnung in den Großstädten wird eine derartige Anlage erhalten. Reftorwahl an der Berliner Universität. Der weitere Senat der Berliner Universität wählte Sonnabend abend den Reftor magnificus für das Jahr 1925/26. Nachfolger von Geheimrat Holl Geheimer Bergrat Prof. Dr. Joseph, Bompedi. Bompedi wird danach der ordentliche Profeffor der Geologie und Paläontologie steht im 59. Lebensjahre. Für seine Berufswahl entscheidend wurde ein Wert Aus der Urzeit von Bittel, dem Meifter ber Balãon. tologie in München, beffen Affiftent Bomped fpäter zehn Jahre Borher aber hatte er in lang am Münchener Museum war. Rönigsberg und Tübingen bei Wilhelm Branca gearbeitet, beffen Nachfolger er schließlich an der Berliner Hochschule geworden ist. in die Reftorwahl schloß sich die Wahl der Defane. Detan ber An die Reftorwahl schloß sich die Wahl der Detane. Detan ber Theologen- Fakultät wird Prof. D. Julius Richter, Ordinarius für Missionswissenschaft. Die Juristen- Fakultät wählte zum Detan Prof. Dr. Heinrich Lige, der bürgerliches Recht, Arbeitsrecht Klinik an der Charité. Die philosophische Fakultät wählte zum Defan und Zivilprozeß vertritt. Detan der Mediziner wurde Geheimrat Alfred Goldscheider, der Direttor der britten medizinischen den Botaniker Prof. Dr. Ludwig Diels. Brotanzellar ber Philosophen- Fakultät wurde der Mathematiker Prof. Dr. Ludwig. Bieberbach. Beim Ausbaggern des neuen Cippebeffes wurden in der Nähe von Droften außer Resten von großen Särgen zwei foffile Menschen schädel gefunden, die von herbeigezogenen Sachverständigen mit Rücksicht auf die flache Stirnbildung und andere Merkmale primitiver Entwicklung für Schädel von Menschen gehalten werden, die zu Be ginn der letzten Eisperiode, d. i. vor etwa 25 000 Jahren, gelebt haben. Kubiffifche Teppiche von Mar Dlberod und Gemälde von Carl- Heing Stroll, einem Schüler von Herwarth Walden, find auf der Auguft- Ausstellung des Sturm, Botsdamer Str. 134 a ausgestellt. Die Ausstellung ist täglic von 10-6 und Sonntags von 11-2 Uhr geöffnet. Ein China- Juftitut an der Universität Frankfurt a. M. ift fest bort burch Prof. Richard Wilhelm begründet worden. Das Institut will fich an ble jenigen, die für die gegenwärtige innere Auseinandersehung zwischen Drient Titel führt Chinesische Blätter für Biffenschaft und Stunft. Chinesische und Ofzident Intereffe haben, mit einem eigenen Drgane wenden, bas bez und deutsche Gelehrte werden daran mitarbeiten. Zweiter Kongreß für Erfindungswesen. Die Arbeitsgemeinschaft bentscher Stongreb für Erfindungswesen, auf bem Borträge über die Gefchichte bes Erfinderschuhverbände veranstaltet in blesen Lagen in Nürnberg ben stoeifen deutschen Erfinderwesens, über die Einrichtung eines deutschen Erfindungs instituts sowie über zahlreiche Einzelprobleme gehalten werden. Ein Verein für Strahlenfunde in Berlin. Die Erforschung der ver Jahrzehnt eine große Ausdehnung angenommen. Die Bichtigkeit bieles ichiebenen Lichtstrahlen und ihrer Wirkung für die Hefftunde hat im legten Gebietes wird jest anerkannt burd bie Gründung eines Berliner Berg vereins für Strahlenkunde, die vor furzem erfolgte Unser Sezirtsparteitag. Starke Beteiligung von Delegierten und Zuhörern. T>a gestern im Plenarsitzungssaal de» Preußischen Staatsrat» abgehalten« ordentliche Lezirksparteitag der Sozialdemo- kratischeu Partei Berlins wurde vom Borsitzenden, Genosien Künstler, mit dem Hinweis darauf eröffnet, daß der Parteitag in einer politischen ernsten Zeit zusammentritt. Der Abwehrkampf gegen die Brotwucherer, die durch Zölle die Lebenenotwendigkeiten de» arbeitenden Volkes unerträglich schmälern wollen, erfordert ein treues und festes Zusammenarbeiten der Parteigenossen. Künstler erinnerte weiter daran, daß vor 11 Jahren der zweit« Mobil- machungstag war, an dem hunderttausend« Arbeitsbrüder in» Feld zogen. Die Versammlung ehrte darauf in der üblichen Weise das An- denken der im Verichtsiahre verstorbenen Parteiangehörigen, unter denen sich eine Reihe namhafter Führer, so unser Genosse Reiche- Präsident E b e r t, und das Mitglied des Parteivorstandcs, Otto Heinrich, befinden. Die Anwesenheitsliste ergibt, daß von 391 Delegierten 3ö8 zugegen sind. Als Vertreter des Parteivorstandes ist Reichstagsabgeordneter Genosi« C r i» p i e n erschienen. Den f Seschäslsberichl des Vezirksvorsionde» gibt Genosse Theodor Fischer. Es sind setzt zwanzig Jahre her, daß die damals bestehenden acht Einzelwahlverein« im„Ver- band der sozialdemokratischen Dahlvereine Berlins und Umgegend' zusammengeschlossen wurden. Eine bis 1911 unterbrochen steigende Kurve in der Mitgliederbewegung war die Folg« dieser organisa- torischen Zusammenfassung. Nach 1911 trat ein Stillstand em, der dann mit Ausbruch des Krieges von einem starken Verlust abgelöst wurde: seit einigen Jahren geht die Kurve wieder auswart«. Im Jahre 1920 wurde dann der„Bezirisverband Verlin der sozialdemokratischen Partei Deutschlands' ins Leben gerufen, der seit der Schaffung der Einheitsgemeinde Groß-Bcrlin als Bezicksverbond das Gebiet der neuen Gemeinde umfaßt. Kenosie Fi'cher betonte, daß die jetzt vorhandenen 49 000 Mitglieder kein«.Papiersoldaten', sondern nach den abgerechneten Beitragsinorken ermittelt sind. Di« Frauen gehören erst seit 1908 unserer politischen Organisation an.— Die hinter uns liegenden Wahlen haben eine klare Entscheidung nicht gebracht, die Vorgänge im Reichstag beweisen da». Wenn wir jetzt noch einmal Reichstags- und Reichspräsidentenwahlen hätten, würde das Ergebnis sicher anders ausfallen. Mancher von den Abgeordneten des Steuer- und Zollblockes würde nicht zurückkehren. Das Ergebnis der Reichstagswahlen war im Bezirksverband gut. Es gelang, die sozialdemokratischen Stimmen vom Mai bis zu den Dezemlwrwahlen um 54 Proz. zu steigern. Demzufolge erhöhte sich auch die Zahl der sozialdemokratischen Abgeordneten im Wahlkreis Berlin von 4 auf 6. Der Ausgang der Reichspräsidentenwahl und die mit allen Mitteln geführte Wahlkampagne der Rechtsparteien ist noch in guter Erinnerung. Nunmehr besorgt die Rechtsregieruag die Geschäfte ihrer Austraggeber, der Industrie und Landwirtschaft. Durch Zölle und Steuern soll auch das Letzte aus dem arbeitenden Volk herausgeholt roerdsn. Der Berichterstatter ging dann kurz auf die bevorstehenden Stadt- verordnetenwahlen»in und betonte dabei, daß nur eine klar« Stellung zu den kommunalpolitischen Vorgängen und Fragen uns einen Erfolg bringen wird. Nachdem Genosse Fischer die Der- fammlungstätigkeit de» Bezirksverbande« gestreift hatte, ging er zur Berichterstattung über die einzelnen Abteilungen des Derbands- f-tretariats über. Das Betriebssetretariat hat dafür ge- sorgt, daß die Betriebsvertrauensleute mit dem nötigen Material versorgt wurden, um unserer Partei in den Gewerkschaften und in den Betrieben wieder die nötige Achtung zu verschaffen. Dem B e- a m t e n s e k r e t a r i o t ist es gelungen, sich einen guten Stamm sozialdemokratischer Beamten in den Behörden zu schaffen. Leider ist aber der Zustand noch nicht beseitigt worden, daß die Republik in der Hauptsache ohne republikanische Beamte ist. Die Partei- genossen werden in ihren einzelnen Abteilungen mehr als bisher dieser Frage ihr Augenmerk widmen müssen. Durch die Schaffung des zentralen Bildungsausschusses ist der Versuch unter. nommen worden, zu einer einheitlichen Bildungsarbeit zu kommen. Die Erfolge sind zufriedenstellend. Das Arbeiterkulturkartell macht gute Fortschritte. Die Regelung des Bibliothetwesen» aus einer zusammenfasienden Grundlage bezeichnet« Genosie Fischer als eine der nächsten Aufgaben. In der Jugendbewegung ist getan worden, was möglich war. Vei der Berichterstattung über die Frauenbewegung sprach der Redner die Hoffnung aus, daß sich die Zahl der weiblichen Parteimitglieder im neuen Geschäftsjahr verdopPeln möge. Die Werbemethoden, die die Kommunisten zur Gewinnung der proletarischen Frauen anwenden, kommen für uns nicht in Betracht. Unsere Stärke liegt in der Aufklärung und nicht in der Verhetzung. In der A r b e i t e r w o h l f a h r t ist ein großes Stück Arbelt geleistet worden dank der uneigennützigen Helsertätigkeit der Funktionäre. Don dem Kommunalen Sek«. tariat ist bisher nicht viel Aufhebens gemacht worden. Es wirkt im stillen darauf hin, daß in den zwanzig Derwaltungsbezirten Groß- Berlins einheitliche kommunalpolitisch« Arbeit geleistet wird. Be- züglich der Stellung der Parteigenossen zum.Vorwärts' ist fest- zustellen, daß die Haltung unseres Zentralorgan» allgemein an- ertannt wird. Sie entspricht durchaus der Auffassung der Mitglieder. Die Flugblätter, die in neuerer Zeit mit dem.Borwärts'-Kopf herausgegeben wurden, sind von den Massen willig aufgenommen worden. Sie haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Zusammenfassend konnte Genosie Fischer sagen, daß wir mit dem Erfolg unserer Jahresarbeit zufrieden sein können. Wenn wir das große gemein- same Ziel nicht aus den Augen verlieren, wird uns auch in Zukunft der Erfolg treu bleiben. Der Kassenbericht. den Genosse Paael» erstattete, ergab einen guten finanziellen Stand der Organisation. Die Wahlen haben starke Anforderungen an unsere Finanztrast gestellt: wir tonnten ihnen aber genügen. Nach der Auffassung des Berichterstatters ist der große Mitglieder. rückgang während der Inflationszeit nicht zum geringen Teil aus eine mangelhaste Beitragskassierung in den einzelnen Abteilungen zuriickzusühreu. Nachdem da» geändert wurde, hatten wir«inen größeren Mitgliederzuwach» zu verzeichnen, als Eintrittemarten ver- kauft wurden. Pogel» gab der Hoffnung Ausdruck, daß durch die Opferwilligkeit der Porteigenossen auch die zu erwartenden Stadt» verordneten- und Parlamentswohlen ohne Schwierig- ketten finanziert werden können. Die Aussprache über den Geschäftsbericht wird mit der Beratung der dazu vorliegenden Anträge verbunden. Zu dem Antrag des 7. Kreises, Charlottenburg, die Vorgänge in China betreffend, liegt folgend« Entschließung de» Bezirtsvor- stände- vor: »Der Parteitag des Bezirksverbandes Groß-Berlin der SPD. weist mit besonderem Nachdruck aufdieEreignisseinEhtna hin. Dort zieht in Jahrtausend« alte ökonomische, polttische und soziale Verhältnisse der Kapitalismus reooluttonierend ein, zualeich alte Kulturformen zerstörend, aber auch neue Konturrenz schaffend für die europäischen und ameritansschen Produktionsstätten und so da« End« de, Kapitalismus beschleunigend. Der Bezirkspartei. tag begrüßt die Erhebung der Opfer des Kapitalismus, der chine- fischen Proletarier, denen der Kapitalismus in doppelter Form, in der Form der wirtschaftlichen Ausbeutung wie der notlonalq, Unterdrückung, gegenübertritt. Das erwachende KlassenbewiMein dieser chinesischen Arbeiter Et ein wertvolles Unterpfand de, Siege» auch der«iroväischen Arbeiter über die gemeinsamen Unterdrücker.' Die Entschließung wird«instimmig angenommen. Ein Antrag Mahlsdorf-Süd, der verlangt, daß sich der Bezirksvorstand mehr als bisher mit Siedlungsfragen beschästigt, wird schließlich dem Bezirksvorstand überwiesen. Tolksdors-Köpenick begründet einen Antrag seines Kreises, in dem der Bezirksvorstand Berlin beauftragt wird, sich wegen einer besseren Regelung der Landagitation mtt dem Bezirksvorstand Berlin-Brandenburg zu verständigen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Genosse llrich ist der Meinung, daß durch die Arbeit des Be- zirksvorstandes die Haltung der Gcsamtpartei günstig beeinflußt worden ist. Urich wünscht eine schärfere Stellungnahme der Reichstagsfraktion im Kampfe gegen den Steuerbetrug und gegen den Zollwucher. Reichstagsobaeordnoter Genosse Ed. Bernstein erklärt, daß der Standpunkt Urichs beweise, daß unter den Parteigenossen«ine falsch« Aussassung über die Haltung der Reichstagsfraktion vorherrscht. Die Taktik unserer Fraktion ist darauf zugeschnitten, durch sachliche Bekämpfung der Zoll- und Steueroorlagen zu wirken. Di« Fraktion wird damit sicher größeren Erfolg haben, als wenn sie etwa die Radauszenen der Kommunisten mitgemocht hätte. Davon kann für uns Nattirlich keine Rede sein. Leider wird unsere sachliche Arbeil oft genug durch die Radau- takti? der Kommunisten abgefchwächk, manchmal sogar unwirksam gemacht. Die Politik der KPD. ist als direkt nakionaliftifch zu be- trachte«, was sich besonders bei der Behandlung der Handels- Verträge und bei dem Versuch einer Verständigung mit Frank- reich gezeigt hat. Die Politik Moskaus gleicht der allen z a r i st i» s ch« n P o l i t i k: sie will die europäische Verständigung unter allen Umständen hintertreiben.(Allseitige Zustimmung.) Genosse Erlspieu betont, daß die Steuergesetze von einer festen bürgerlichen Mehrheit im Reichstag vertreten werden. Die Opposition wird tatsächlich in der Hauptsache von den Sozial- demakraten geführt. Die Kommunisten belasten uns durch ihre �Opposikion' sehr stark. An unser« sachliche Kritik können sie nicht heran, deshalb„entlarven' sie uns. Der Redner geht dann noch auf die Vorgänge im Reichstag am Sonnabend ein und erläutert den Standpunkt unserer Vertreter im Aeltestenrat. Genosie Urich hält an seiner Auffastung fest, daß die Reichstags- fraktion schärsste Obstruktion treiben müsse, allerdings ohne kornmu- n istisch« Methoden anzuwenden. Im weiteren Verlauf der Aus» spräche gehen noch die Genossen Fleck und kuttner, sowie Genossin Vohm-Schuch auf die Hallung unserer Reichstagsfraktion ein und verteidigen sie unter allgemeiner Zustimmung. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Bei den nunmehr folgenden Abstimmungen wird dem Kassierer Eni- lastung«rteill. Angenommen wird ein Antrag des ersten Kreisss, der verlangt, daß vor den Wahlen die Reichs- und Landeslisten mindesten» acht Tage vor Einreichung an den Reichs- oder Landes- wahlleiter veröffentlicht und den Bezirksorganisationen zur Stellungnahme überwiesen werden. Die Zustimmung de» Bezirksparteitages findet ferner ein Antrag, der sich auf ein« einheitliche Mai- s e i er durch Partei und Gewerkschaften bezieht. Eine Reche weiterer Anträge wird dem Bezirksvorstand als Material überwiesen. Bei den nunmehr vorgenommenen Wahlen zum Bezirksvorstand und die chm angegliederten Körperschaften wird zunächst der Bezirk»- vorstand in seiner ollen Zusammensetzung wiedergewählt. Nach de» gedruckt vorllegenden Borschlägen werden weiter die Presse» kommission, die Revisoren und die Parteivertreter im Derein»Sozio- listisch« Arbeiterjugend' gewählt. Als Vertreterin der Frauen wer- den die Genossinnen Lohm-Schuch, Gertrud Scholz und Wenzels in den Bezirksvorstand berufen. In den Bezirksausschuß für die Arbeiterwohlfahrt werden ge- wählt: Minna Todenhagen, Franz Künstler, Emma Dölz, Dr. Friedländer, Alex Bogels, Hedwig Wachenheim, Dr. Ollendorf, Klara Bohm-Schuch, Helene Schmitz. Der Bildungsausschuß besteht au» den Genossen: Richard Weimann, Fritz Schmolinski. Ennn Stock. Otto Jakob», Bruno Loche, Richard Seidel, Professor Leo Kestenberg. Dr. Kurt Löwenstein, Otto Günther. (Schluß in der Morgenausgabe.) tfn Sonntag für Neukölln. Propagandaumzug der Neuköllner Parteigenossen. Gestern veranstaltet« der 14. Kreis Neukölln im Garten der Berliner Kindlbrauerei sein diesjähriges Sommerfest. Auf dem Hertzbergplatz hatten sich die Teilnehmer gesammett, um sich zu einem wirksamen Propagondazug durch die Straßen Reu- kölln» zu formieren. Die Spitze hatten die Radfahrer, die mit weißen Hemdblusen und roten Schärpen einen sehr wirksamen Austakt bildeten. Di« Sportler beteiligten sich überhaupt in sehr erheb- licher Zahl. Belebt wurde der Zug besonder» durch die zahlreichen allegorischen Darstellungen, die auf Wagen mitgeführt wurden. Kinder, Knaben und Mädchen mit Blumenkränzen im Haar, ander« mit weißen Kappen, auf denen dl« Inschrift:„Gegen den Zoll- wucher' zu lesen war, andere Kinder mit blumenumkranzien Stäben in ihren Händchen gaben dem ganzen einen lebhaften Cha- ratter. Auch der»Vorwärts' war mtt einem besonderen Wagen vertreten. Auf dem Wege, der durch die Stuttgarter, Reuter-, Münchener, Wanslick-, Weise- und Hermannstraß« führte, spielte die Musikkapelle die ollen Kampflieder und lockte zahlreich« Zuschauer herbei, die mit lebhaften zustimmenden Zurufen den Zug begleiteten. Im Garten selbst vergnügt« man sich mit Gesangsmusik und Bor» trägen, bis der Regen dem Fest vorzeitig ein End« machte. Die Sozialistische Arbeiterjugend brachte den Sprechchor »Wir stehen am glühenden Feuer' zum Vortrag, ein Kinder- reizen.Lusiballons' wurde ausgeführt, ein weiterer Kinderreigen „Das heilige Feuer' fand lebhaften Beifall, die.FreieTurner- schaft Neukölln- Britz zeigt« in rhythmischen Stabübungen und rhythmischen Freiübungen Ihr Können. DI« Neuköllner Lieder- tafel brachte ein« Reihe von Liedern zum Vortrag. Es war noch manches andere beabsichtigt, was aber der Regen nicht zuließ. Trotz- dem war der Veranstaltung ein voller Erfolg beschieden. Er hat der Partei und auch der Idee de» Soziallsmus neue Anhänger ge- wannen._ SlutikriegSde« onstrati oa der Kommunisten. Di« KPD. veranstaltete gestern gemeinsam mit dem Internatio- len Bund der Kriegsopfer und dem Sozialistischen Bund Ledebour» eine Antikriegsdemonstration im Lust garten, deren äußer« Auf- mochung durch den Aufmarsch starker Abteilungen des Roten Front- kämpferbundes mit Spielleuten und Musik sich ganz militärisch gestaltete. Neben roten Fahnen und Bannern mit dem Sowjet- zeichen, sah man bei dem Anmarsch der Züge diesmal ausfallend viel Transparente und Darstellungen mannigfachster Art, so auf einer Stange eine von einem Totenkopf gekrönt«, schwarzumflorte Vogelscheuch«, auf einer anderen Stange den„Sensenmann', einen Wagen mit der Persiflage einer Bölkerbundssitzung, ein andere» Fahrzeug mit einem mit Handgranaten geschmückten Schalterfenster zur Annahm« von»Friedenserklärungcn für einen zukünfttgen Krieg'. Don den Kommunisten sprachen u. a. Ruth Fischer, Heckert, Höllein und Dierath, vom Sozialistischen Bund Ledebour und Rabold. Die Ansprachen brachten im wesentlichen die Erörterung der bekannten kommunistischen Gedankengänge zum Kriegsthema. Die Polizei, die mit starkem Aufgebot die Bannmeile uich die An- marschftraßen gesichert hatte, fand keinen Anlaß zum Einschreiten. Die von der Museumverwallung geforderte Räumung der Museums» freitrepp« vollzog sich störungslos, ebenso wie auch später der Ab- marsch der Demonstranten. Völkische Strolche in Sranöeut-nrg. Blutig? Zusammenstöße. Das kleine Städtchen Brandenburg war am gestrigen Sonntag das Dorado rechtsradikaler Kreise, die in unverantwortlicher Weise Zusammenstöße inszenierten und die republikanisch« Bevölkerung pro- oozierten. Wir erfahren darüber folgendes: Am Sonnabend und Sonntag fand in Brandenburg«in Gedenk- tag aller früher dort in Garnison stehenden Regimenter statt. Auf 12 Lastauto» rückten aus Berlin, Potsdam und Spandau Hakenkreuzler(Frontbann) an und formierten sich al« An- hängsel zu dem im Marsch befindlichen Festzuge. Aus dem Zug« heraus wurden die Zuschauer aus alle erdenkllche Art und Weise belästigt. Wer nicht mtt den Strolchen gleichgesinnt zu sein schien, geriet in Gefahr, angepöbett zu werden. Nach Beendigung des Zuge» kam es vor dem Volkshau» zu ernsten Zusammen- stoßen. Obgleich am Eingang des Lokals die politisch« Einstellung des Wirte» unzweideutig zu erkennen war— da» Volkshau» ist unser dortiges Parteilokal— gingen einig« Frontbannleute hinein, um Bier zu fordern. Es wurde ihnen selbstverständlich verweigert. Das gab da» Zeichen zum Angriff und mit Biergläjern und mit eisenbeschlagenen Eichenstöcken drangen sie auf den Wirt ein. Der Sohn des öekonomen, der anwesend war, wurde gleichfalls blutig geschlagen. Es schien, als ob die Hakenkreuzbandtten da» ganze Lokal demolieren wollten. Di« Fensterscheiben wurden zertrümmert, zerbrochen« Stühle und Biergläser lagen umher. Dem beherzten Zugreifen einiger Republikaner gelang es unter Einsetzung de» eigenen Lebens die schwer Dedrohten vor dem äußersten zu be» wahren. Bis zum Eintreffen des herbeigerufenen U e b e r f a l l- kommandos entwickelle sich eine beispiellose Schlägerei, bei der Knotenstöcke, Blumentöps« und Mosaikplastik als Wurfgeschosie dienten. Auch in die gegenüberliegend« Verkaufsstelle der Konsum- genossenschaft drangen die wüsten Burschen«in und gingen dort tätlich gegen ein junges Mädchen vor. Das inzwischen erschienene Ueberfallkommando räumte dann die Straße mit der blanken Waffe und nahm zahlreich« Verhaftungen vor. Viele Personen wurden teil» leichter, teils schwerer verletzt. Die schwarzweißroten Skandal- Helden transportierten ihr« Verletzten auf den mitgebrachten Auto» ab. Ts ist größtenteils der bewundernswerten Zurückhaltung der republikanischen Bevölkerung zu verdanken, daß die Zusammenstöße keinen noch ernsteren Eharakter hatten. Auch in der Altstadt kam «» zn ernsten Zusammenstößen, bei denen die mit Karabinern be- waffnet« Polizei erneut eingreifen mußte. Einmütig wurde von der Bevölkerung die Tatsach« festgestellt, daß diese Zwischenfälle einzig und allein aus das skandalöse Lerhal- ten der Hakenkreuzlsr zurückzuführen sind. Unverstänötjch ist«», daß die Polizei nicht beizeiten für genügend« Sicherheitsmaßnahmen gesorgt hat, sondern erst auf den Hilferuf einiger Republikaner auf der Bildfläche erschien. Bei jedem kleinen Umzug linksgerichteter Kreis« fahren Lastwagen vollbemannt hinterher. Warum ist das hier nicht geschehen, wo bei der Anwesenhett der Frontbannleute mit Zusammenstößen zu rechnen war? Die Arbeit der Feuerwehr. Zwei große Brände«ad Ueberschwemmuagea. Die Feuerwehr hatte am Sonntag zwei große Brände in der Schreiner st raße 44 und in der Allerstraße 35/36, Site Schillerpromenade 27/28 in Neukölln zu löschen. Der Dachstuhl- brand aus Neukölln, Schillerpromenad« 28, wurde von vier Seiten gemeldet, worauf um S Uhr nachmittags 4 Züge ausrückten. Der Dachstuhl stand mtt den Lodenräumen in großer Ausdehnung schon in Flammen. Mit sechs Schlauchleitungen von 4 Motor- spritzen aus wurde gelöscht. Es konnte aber nicht mehr verhindert werden, daß die Dachstühl« samt den Bodenräumen ausbrannten. Zwei Feuerwehrleute, Schmidt und Karls, er- krankten auf der Brandstelle an Rauchvergiftung und mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Di« Entstehung dieser Sonn- tagsbrände ist noch nicht ermittelt. Man vermutet Brandstiftung. — Durch den gestrigen starken Regen, der örtlich begrenzt war, wurden in der Ackerstraße 26 und 50, Friedrichstraße 131a. und anderen Straßen Keller unter Master gesetzt, in der Berliner Straße 56 in Wilmersdorf ein Heizraum überschwemmt und Wohnungen beschädigt. Auch in der Berliner Straß« 164 in Charlottenburg stand«ine Wohnung unter Wasier. In der Siedlung 11 bei Köpenick hat da» Wasser solchen Schaden ver- ursacht, daß die Feuerwehr helfen mußte. In Lebensgefahr schwebten die Hausbewohner Reichenberger Straße 18 infolg« de, Ausströmen» von Ammoniak aus einem Kühlopparat. Di« Wehr drang mtt Gasmasken sin und besettigt« die Gefahren. Da» Fest der Fuuksreuade. Wohl selten zeigte der Luna« park eine solch« Füll«, wie am oergangenen Sonnabend. Bor den einzelnen Schauottraktionen, auf den Wegen, vor dem Musik- Pavillon, tonnt« man sich nur im Schneckentempo fortbewegen. Ein« Attraktion für sich bildete die Riesentombola. Nur unter groß- ten Schwierigkeiten war es möglich,«in Los zu erhallen— und die Abholung der Gewinne gestallet« sich kaum weniger schwierig. In einem Pavillon war«in von der Telefunken. Gesellschaft erbauter Sender aufgestellt, den Prof. L« i t h ä u s« r den Wißbegierigen erklärte. An zehn oder zwölf verschiedenen Plätzen spielle Musik bi» in die Sonntagmorgenstunden zum Tanz auf. vi« ehemallaen Mitglieder de» Verein» für Frauen and Mädchen der Arbeiterklasse fressen sich Donnerstag, den 6. August taichl Dienstag), nachmittag 3 Ahr. im Restaurant Cafe Schilling. Dahlem- Dorf(direkt an der llulergrundbahn) zn einem geselligen Sei- sammensein.(Lei schlechtem Wetter im Saal.) die Sieger üer Raüfernfahrt Zürich- öerliu. Srewer«ad Oßmeva Sieger der Preußenmeifierschafie«. Di« International« Radfernfahrt Zürich— Berlin, veranstaltet von dem Bund Deutscher Radfahrer, hat gestern nach- mittag im Grunewald-Stadion ihr Ende erreich!. Bon den A m a- teuren wurde erster Peter R äsen-Köln mit 36 Stunden, 36 Minuten und S0 Sekunden, von den Berussfahrern der Italiener Gay mit 36 Stunden, 40 Minuten und 25 Sekunden. Anläßlich der Anlunft der Fahrer Zürich— Berlin wurden gestern im Grumewald-Stadion die Meisterschaften von Preußen über 1 und 25 Kilometer für Amateure aus- gefahren. Verteidiger für beide Meisterschaften war Oßmella. Zahlreiche Vorläufe erwiesen sich bei der starken Zahl der Gemeldeten zum Laus über I Kilometer al» noiwendig Für den Entscheidung»- lauf qualifizierten sich P. Oßmella, P. Krewer, ffi. Rieger und P. Stesse». Al» Sieger ging Krewer(RV. Adler-Köln) hervor. Zweiter wurde Willi Rieger(RV. Adler-Breslau) vor Paul Oßmella(NV. Adler-Köln) und Peter Stesse»(RV. Adler- Köln). Di« Preuhenmeisterschoft über 25 Kilo- meter gewann Paul Oßmella in 36 Minuten 20,4 Sekunden vor Stesses, Rieger und O. Blank. Den Preis von Pößneck(Lue- icheidnngsfahren) sicherte sich R. Hahn(Diana- Leipzig) vor Wetb« (Borussia), Beimert(Concordia) und Soldmann(Gennanla-Char- lottenburg). Blitzkatastroph« aus einem �cstplatz. Teplih- Schöna«. 3. August. Bei der Feier de» Gründungs- feste, der Ortsgruppe Webeschan de« Bundes der Deutschen in Böhmen schlug ein B l i tz in den Festplatz. Neun Personen«ur- den betäubt, davon 5 s ch w e r, die in ein Krankenhau, gebracht werden muhten.__ Hroß-Serliner parteinachrichSev. 5. ftrri« gtieWArtote: aHn««»»Mmun und ftinb« NlNw»ch, dm 5. Nueuft nooi S-d-wo. 2EafM*mt«(Un«)«« dm Sad�d»«»). Steffpuott»otm. ff/, Ufte 9aftn6ef 6aft#»a, 9taA