Nr. 363 ♦ 41. �aheg. Ausgabe A Nr. 166 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig,«onaNIch B.—•Beichsmatl ootcus»abibar. Unter Krenzbanb für Deutichland, Danzig. Saar- und Remelgebiet, Oesterreich. Litauen, Lureniburg 4.5» Reichsmari, für das übrig« Ausland 5.50 Reichsmark uro Monat. Der.Vorwärts' mit der Sonntag» beilade.Volk und Seit" mit„Siedlung und Kleingarten' sowie der Beilage.llnterbaltung und Willen' und irrauenbellage„iTrcuenftimnt«' erscheint wochentägllch zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adreile: .Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Devlinev Volksblstt (lO Pfennia) Auzeigrnpretie Die einspaltig« Zlonp-kteiü». »eil« 80 Pfennig. Reklilmrzeile 5.— Reichsmark...«leine Anzeigen» das fettgedruckte Wort 25 Vsenm, Uuläflig zwei fettgedruckte Wor!e>. jedes weitere Wort Ii Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Bwch. stoben zZblen für zwei Worie. ksamilicnanzeigen für Abonnenten geil« 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis Hb? nachmittags im vauptgeschäft. Berlin SSS SO.Linden- straste Z, abgegeben werden. Geöffnet von 3 Uhr früh bis 5 Ubr nach«. Zcntr&Xorgan der Sozialdcmohratifchcn Partei Deutrd>tand9 Reüaktion und Verlag: öerlin SV. 68, Linöenftraße Z Redaktion Döuboff � 1 Verlag: Dönhoff«50G-2507 Dienstag, den 4. August 19%5 vorwärts-veelag S.m.b.h., Serlln SV. 68, Linöenstr.Z Poftschecktonia: Vcrlin avsss— Bankkonto: Direktion der Tigkonio-Gcscflschaft, Tepositenkasse tiindenftrafir« Der Stanö öer Paktverhanölungen. Französische Einwendungen gegen die deutschen Vorbehalte. Paris, 3. August.(Eixener Drahtbericht.) Der Meinung?� oustauich der Alliierten über die deutsche Garantienote, der durch die aus dem belgischen Memorandum bekannt gewordenen Einzel- heiten eine interessante Beleuchtung erfahren hat, scheint in den letzten Tagen keine weiteren Fortschritte gemacht zu haben. Auch die Hoffnung, daß der für diese Woche angekündigt gewesene Besuch Briands in London die Berhandlungen be- schleunigen würde, mußte nach dem Fiasko der englisch-französi- schcn Besprechungen über die Regelung des Schuldenprobleins wieder begraben werden. Die beiden hauptsächlichsten Meinungs- Verschiedenheiten bilden nach wie vor das Problem der a u t o- matifchen Sanktionen und die Frage einer f r a n z ö s i- schen Intervention im Falle eines Konfliktes zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn. Die englische und mit ihr neuerdings auch die belgische Regierung halten unverrückt an dem Standpunkt fest, daß ein bewaffnetes Eingreifen in beiden Fällen erst erfolgen kann, wenn das dafür in der Völkerbunds- sätzung vorgesehene Verfahren erschöpft und insbesondere vom Völkerbund einwandfrei festgestellt ist, wer von beiden Seiten der Angreifer ist. Gewisie Anzeichen deuten darauf hin, daß der französische Widerstand gegen diese Aufsasiung heute nicht mehr ganz so stark ist, wie in den ersten Tagen, und daß man in Paris sich mit einem Kompromiß abfinden würde, das es dem Außenministerium ermöglichte, sein Gesicht zu wahren. Vollkommen unnachgiebig scheint man sich jedoch hier bezüg» lich der von Deutschland gegen den Artikel 16 der Bölkerbunds- satzung geltend gemachten Borbehalte zu zeigen. Charakte- ristisch dafür sind Auslastungen der„Information"' in ihrer außen- politischen Wochenschau. Das Blatt erklärt, wenn man Deutschland in dieser Frage Zugeständnisse mache, würde das praktisch auf die Isolierung der östlichen Verbündeten Frankreichs im Fall« eines Konfliktes mit Rußland hinauslaufen. Die Haltung Deutschlands gegen Polen und die wachsende Spannung in den politischen Be- Ziehungen der beiden Länder zeigten zur Genüge, daß jede Schwäch« Frankreichs die verhängnisvollsten Folgen haben würde.' Di« englische Regierung zeige osscnbar eine gewisse Neigung, die Frage nochmals vor den Bölkerbundsrat zu bringen. Da dieser sich bereits im vergangenen Jahr dazu geäußert habe, würde der englische Schritt eine versteckte Aufforderung an den Völkerbundsrot dar- stellen, seine eigene Entscheidung zu verleugnen. Dos einzige, was Deutschland in Genf verlangen könne, sei, daß man seiner Enlwaff- nung bei der Festsetzung seiner militärischen Verpflichtungen im Falle eines bewaffneten Eingreifens des Völkerbunds Rechnung trage. Unter keinen Umständen aber dürfe man Deutschland er- tauben, daß es sich seiner Verpflichtung entziehe, den Durchmarsch von Truppen, die zu einer Aktion gegen einen den Frieden störenden Staat bestimmt sind, durch sein Gebiet zu gestatten. Es sei schon bedauerlich genug, daß man dieses Zugeständnis der Schweiz gemacht habe. Würde mau es auch auf Deutschland aus- dehnen, so würde damit das Fundament des Völkerbundes und das Prinzip der internationalen Solidarität für immer untergraben. painlevs über üie Lage Frankreichs. Eine Verteidigungsrede der Regierung. Paris, 3. August.(TU.) Heute hielt der Ministerpräsident Painlevä in Autun eine Rede, in der er überlas Finanz- Problem, die interalliierten Schulden und über die Lage in Marokko folgendes ausführte:„Kaum zusammengestellt, habe dos neue Ministerium sich drei schweren Problemen gegenüber- gesehen, der Herstellung des Gleichgewichts des Franken, der inter- alliierten Schuldensrage und der Marokkokrise. Die erste Aufgabe der Regierung sehe er darin, den Frankensturz zu vermeiden. Di« Inslationsgefahr fei durch die Höhe der schwebenden Schuld Frank- reichs entstanden. Weder das Gleichgewicht des Budgets nach das beste Steuersystem könnte helfen, wenn die Masie der Schatzanwei- sungsbesitzer auf einmal deren Einlösung verlangten. Um die schwe- benden Schulden zu verringern und um wenigstens die drohendste Gefahr abzuwenden, habe die Regierung einen feierlichen Appell an dos Volt erlassen, um einen Teil der schwebenden Schuld zu konsolidieren. Wie Frankreich infolge der schwebenden Schuld keine frei« Innenpolitik führen könne, so seien ihm auch nach außen in gewissem Sinn« die Hände g e b u nd e n,'solange die Frage der interalliierten Schulden nicht geregelt sei. Unter unglücklichen und ungünstigen Umständen sei die S ch u l d e n f r a g e aufgerollt worden und werde von Tag zu Tag dringender. Als die Regierung ge- bildet wurde, begann der Vor stoß Abd el Krims gegen Fes. Wenn ein Land wie Frankreich aus allen Adern geblutet habe, sei es bitter, noch einmal einen verlustreichen Kampf zu fübren. Es wäre daher ein Verbrechen, den Krieg in Marokko eine Stunde länger su führen, als unbedingt notwendig sei. Aber Marokko müsse verteidigt werden, denn diese Zone ausgeben, heiße Nord- afrika aufgeben. Keine Regierung, fuhr Painleve fort, hätte in Marokko ein« ander« Politik verfolgen können, wie die französische es getan habe. Er hege die feste Hoffn'ing, daß spätestens Anfang Ottober der Marokkofeldzug beendet sein würde. Was die fron- zösische Nation durch die Wahlen klar gezeigt habe, sei der feste Will« nach demokratischer Gerechtigkeit, zugleich aber auch die Sorge um die französisch« Sicherheit. Frankreich sei bereit mitzuarbeiten an einer Beruhigung Europas. Dieses sei die Aufgabe der augenblick- lichen Legislaturperiode, eine Aufgabe, die den republikanischen Traditionen entspreche. Sie wollen in sie Serien! Roch vor der Verfaffungsfeier. Ueber die parlamentarische Situation erfährt das Nach- richtenbureau des VDZ. von rechts stehender Seite, daß nach den letzten Mitteilungen über die Situation in den a u s s ch l a g gebenden Parteien heute mit ziemlicher Gewiß- heit angenommen werden kann, daß die Steuergesetze und die Zollvorlage bis zum Montag abend evtl. unter ZuHilfe- nähme des Sonntags für eine Plenarsitzung, verabschiedet werden können. Die Erledigung des Etats und der Amnestie- vorläge ist und bleibt dabei zurzeit noch ungewiß. An dieser Nachricht ist. wie wir hören, soviel richtig, daß die Deutschnationolen den Wunsch hegen, noch vor der Berfas- sungsfeier, die ihr Freund Schiele amtlicherweise veranstalten muß. in ihre schwarzweißrot bewimpelten Heimatgefilde abdampfen zu können. Die Abneigung der größten Regie- ri.ngsparkei gegen republikanische Verfassungsfeiern ist aber für die unsachliche Beschränkung der parlamentarischen Der- Handlungen kein zureichender Grund. Nachspiel zum Kommunistenkrach. Der Aeltestenrat des Reichstages befaßte sich am Montag nach- mittag mit den Einsprüchen, die die Abgg. I a d a s ch und Holl ein von der Kommunistischen Partei gegen ihren Ausschluß durch den Vizepräsidenten G r a e f- Thüringen in der Sonnabend- sitzung eingelegt haben. Die Mehrheit stellte sich im Aeltestenrat auf den Standpunkt, daß diese Einsprüche unberechtigt seien. Die Endentscheidung darüber wird das Plenum in der Plenarsitzung fällen. Von der Kommunistischen Partei ist ferner ein Miß. trauensaMrag gegen den Vizepräsidenten Graes eingereicht worden. Dazu nahm der Aeltestenrat noch»icht Stellung, denn es tauchten geschäftsordnungsmäftige Zweifel auf, ob ein Mißtrauensantrag gegen einen der Präsidenten überhaupt zuläsiig fei. Diese Frage soll zunächst im �ssc.''äftsordnungsausschuß beraten werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschäftigte sich gestern abend mit den beiden Beschwerden. Sie HM die Be- schwerde von I a d a s ch für berechtigt, da der Vizepräsident Graes wahrscheinlich nicht ihn, sondern den Abgeordneten Meyer- Franken gemeint habe. Die Beschwerde von H ö l l e i n hält sie für unberechtigt. Sie hat sich im Plenum entsprechend verhalten. M dem Wege zur Rechtspartei. Ein neuer Zentrnmsminister im Kabinett Luther? Der Reichskanzler hat dem Zentrum das Ministerium für die besetzten Gebiete angeboten. Für dies Ministerium ist Herr von G u 6 r a r d, der Führer des rechten Flügels des Zentrums, vorgesehen. Mit dem Eintritt des Herrn von Gu6rard in das Kabinett Lucher würde eine entscheidende Wendung in der Stellung des Zentrums zum Kabinett Luther besiegelt werden. Aus einer Regierung, in der die Parteien, die die Regierung stützen, nur„Beobachtungsposten" haben, würde eine Regie- rung eines geschlossenen Rechtsblocks werden. Es erhebt sich die Frage: ist im Zusammenhang mit der Zollvorlage ein Geschäft mit Ministerposten beabsichtigt? Neuwahlen in SaÜen. Karlsruhe. 3. August.(WIR.) Der Saotsanzeiger»er- öfsenlllcht heule ein« Bekanntmachung des INinsters des Innern. wonach die Neuwahlen zum badischcn Landtag am Sonnlag, den 25. Oktober stattfinden sollen. bulgarische Slutjuftiz. Arbeit für den Henker. Sofia. 3. August(Eigener Drahlbcricht). In dem Prozeß gegen die kommunistische Militärorganisation von Sofia wurden von 23 Angeklagten H zum Tode durch den Strang verurteilt. Ein Todesurteil winde in lebenslängliche ZuchtbanSstrafe verwandelt. Die anderen Angeklagten erhielten hohe Zuchthaus- und Gefängnisstrafen. der Steuerkampf im Reichstag. Umsatzsteuer und Zölle.— Diskretion für Steuer- defraudanten. Am Sonnabend wurde im Reichstag bekannt, daß die Arbeiterabgeordneten des Zentrums dahin wirken wollen, daß gleichzeitig mit Inkrafttreten der Zölle die Umsatzsteuer für Lebensmittel gänzlich in Fortfall kommt. Zu diesem Streit hatte man sich entschließen müssen, weil das Zollkompromiß auch in den Kreisen der christlichen Arbeiter, Angestellten und Beamten große Erregung hervorgerufen hat. Und da die Sozialdemokratie die Befreiung der Lebens- mittel von der Umsatzsteuer bereits im Steucrausschuh bean- tragt hotte, so will man nun wenigstens so tun, als ob man ein Stück Entgegenkommen zeigt. Mit großer Sparmung wurden deshalb die Entfchei- düngen über die Anträge zur Umsatzsteuer erwartet, die der Reichstag am Montag zu treffen hatte. Aber wie schon in den»orhergenden Tagen, so beteiligten sich auch diesmal die Regierungsparteien nicht an der Debati«. Und auch die An- kündigung, daß ein Teil der Anhänger der Regierungs- Parteien bereit sei, der Befreiung der Lebensmittel von der Umsatzsteuer zuzustimmen, ging nicht in Erfüllung. Die Be- sprechungen der Regierungsparteien mit der Regierung haben zwar bisher ein endgültiges Ergebnis gezeitigt. Es scheint aber sicher zu sein, daß die Regierung der Beseiti- gungderUmsatzsteuerfürLebensmittelnicht zustimmen will, und lediglich ein«{feine weitere Senkung der allgemeinen Umsatzsteuer in Aussicht nimmt. Die Abstimmungcü zur Umsatzsteuer verliefen infolge- dessen ganz programmäßig. Der Regierungsblock hielt fest zusammen und stimmte alle Anträge, gleichviel von welcher Seite sie. kgmen, nieder. Die Befreiung der Lebens- mittel von der Umsatz fte u.e'r war. von den Sozial- demokraten und Kommunisten beantragt. Für. diesen Antrag stimmten nur noch die Demokraten. Ein Antrag der Böl- lischen, nur die inländischen Lebensmittel von der Um- satzsteuer zu befreien, wurde ebenfalls abgelehnt. Aber auch die Versuche, eine weitere Senkung der Umsatzsteuer durchzusetzen, sind f e h l g e s ch l a- g g e n. Nach den Beschlüssen des Steuerausschusses soll am 1- Oktober 1925 die Umsatzsteuer von VA auf VA Proz. ermäßigt werden. Niemand wogt zu bestreiten, daß diese Sen- kung so gering ist, daß sie nicht zu einer Entlastung der ver- braucher führen wird. Wenn also durch die Zölle eine ge- waltige Preissteigerung einsetzt, wird die kleine Ermäßigung der Umsatzsteuer daran nicht das Geringste ändern. Infolge- dessen beantragte die Sozialdemokraten, die Umsatzsteuer am 1. Oktober auf 1 Prozent, und am 1. April 1926 auf � Proz. zu ermäßigen. Während die Demokraten der Er- Mäßigung auf 1 Proz. zustinunten, lehnten die Regierungs- Parteien sie ab, so daß es bei der Ermäßigung auf Il-i Proz. bleibt. Bon jeher hat die Sozialdemokratie die A u s n a h m e- besteuerung der Genossenschaften durch die Umsatzsteuer bekämpft. Die Konsumgenossenschaften unterliegen gegenwärtig einer doppelten Umsatzbesteuerung, da sie sowohl beim Einkauf, als auch bei der Berte, l u n g der Waren an die Mitglieder Umsatzsteuer zu entrichten "......:-■: 1>i. mW esu Bf. Mäßigung der Preise verhindert, halten die bürgerlichen haben. Obwohl diese Doppelbesteuerung der Konsumgenossen- schaften den ungesunden Zwischenhandel fordert und die Er- Parteien diese Ausnahmegesetzgebung gegen die organisierten Konsumenten aufrecht. Das war auch gestern der Fall. Ebenso«enig gelang es, ein anderes schweres Unrecht der Umsatzbesteuerung zu beseitigen. Nach der geltenden Gesetz- gebung sind die Provisionen der Handelsver- treter und die Einnahmen der freien Berufe umsatzsteuerpflichtig. Unter dem Druck der Opposition ist es zwar im Steuerausschuß gelungen, die Befreiung solcher Um- sätze bis zu lölX) M. im Bierieljahr durchzusetzen. Die ganz- liche Befreiung aber gelang im Plenum des Reichstags so wenig, wie vorher im Ausschuß, Zwar haben die bürger- lichen Parteien, insbesondere die Deutschnationalen, unter der Führung von Helfferich jahrelang auf das heftigste gegen die Besteuerung der Provision der Handelsvertreter und die Einnahmen der freien Berufe gekämpft. Auch bei den Wahlen haben sie das versprochen, und sogar im Januar dieses Jahres, wenige Tage bevor sie in die Regierung eintraten, ent- sprechende Anträge gestellt. Das hat sie aber nicht gehindert, jetzt ihre eigenen Anträge abzulehnen. Aehnlich ist ihre Haltung zu der sogenannten Luxus- st e u e r. Auch hier liegen Anträge der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei auf Beseitigung der Lurussteuer vor, die vor dem Eintritt in die Regierung gestellt waren. Sie haben insofern eine gewisie Berechtigung, als die Luxus- steuer in ihrer gegenwärtigenForm eine Besteuerung der Qualitätsarbeit darstellt. Da jedoch die Reichsregierung sich geneigt zeigt, diese Schaden der Luxussteuer zu beseitigen und außerdem bereits im Steuerausschuß beschlossen war, die Luxussteuer auf TA Proz. zu ermäßigen, so hat die Sozialdemo- kratie der Erhaltung der Luxussteuer zugestimmt. Sie konnte da? um so mehr, da durch die Annahme etaes von ihr q e st e l l t c n Antrages die Sicherheit gegeben ist, daß bei den, Umbau der Luxussteucr„eine übermäßige Spezialisier iimg und eine Beeinträchtigung hochwertiger Qualirätsarbeit, sowie die Besteuerung gering- werliger Gegenstände" vermieden wird. Durch diese Be- slimmung werden die Schäden für die Qualitätsarbeit auf. ein geringes Maß herabgedrückt, dem Reich aber eine sehr ertrag- reiche Finanzquelle aus dem hochwertigen Verbrauch erhalten. Daß die K o m m u n i st e n trotzdem für die Beseitigung der Lurussteuer stimmten, den hochwertigen Berbrauch also besser stellen wollten, als den Massenverbrauch, dürfte am wenigsten von ihren eigenen Anhängern verstanden werden. Auch in dem Kampf für die Steuerehrlichkeit hat der Regierungsblock kein Zugeständnis gemacht. Obwohl nicht ein einziger stichhaltiger sachlicher Einwand gegen die Offenlegung der Steuerlisten vorgebracht werden kann, haben die Regierungsparteien asse dahin zielenden An- träge abgelehnt. Sie sind nicht bereit/ das Steuergeheimnis des Besitzes preiszugeben, obwohl es die Hauptursache dafür ist, daß die Steuermoral in Deutschland auf einen erschrecken- den Tiesstand angelangt ist und Hundert« von Millionen, vielleicht sogar Milliarden dadurch an Steuern hinter- zogen werden. Nicht ein einziger der Arbeitervertreter in den Regierungsparteien hat den Mut besessen, für die Offen- lcgung der Steuerlssten zu stimmen, obwohl diese Forderung von den gewerkschaftlichen Berufsorganisationen a l l e r R i ch- t u n g e n vertreten wird. In der Frage desBuchprüfungsdienstessst allerdings ein gewisser Forsschritt erzielt worden. Großbetriebe müssen künstig all« drei Jahre einmal einer ordent- lichen Buch- und Betriebsprüfung unterzogen werden. Wenn . dke Reichsfinanzoerwollung, die zur Durchführung dieser Auf- gäbe notwendigen vorgebildeten Kräfte beschafft, sie in» Be- omtenverhältnis überführt und ordentlich bezahlt, so könnte auf diesem Wege ein erheblicher Mehrbetrag an Steuern erzielt werden. Ob die Reichsregierung aber in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung und bei ihrer starken Abhängigkeit von den Rechtsparteien diesen Schritt tut, muß man bezweifeln. Hat doch der Staatssekretär P o p i tz die Verheimlichung von Namen und Wohnort von[olchen Steuersaboteuren, die rechtskräftig verurteilt sind, ausdrücklich gerechtfertigt. Immerhin haben die gestrigen Debatten doch auch den Regierungsparteien die Erkenntnis aufdämmern lassen, daß der schroffe Widerstand gegen die von allen ehrlichen Steuer- zahlern vertretene Forderung nach Beseitigung des Steuer- geheimnisses auf die Dauer nicht aufrecht zu erhalten ist. Trotz der Warnungen der Reichsregierung ist ein demokratischer Antrag angenommen worden, der den bestehenden Steuerausschüssen„zwecks Kontrolle der Veranlagung die Einsichtnahme in die die Veranlagustgs- Ergebnisse enthaltenden Steuerlssten" gewährleistet. Ist auch damit nicht viel erreicht, so ist doch dieses halbe Zu» g e st ä n d n i s der Regierungsparteien eine volle Auer- k e n n u n g für die Richtigkeit der insbesondere von der Sozialdemokratie vertretenen Forderung nach völliger Offenlegung der Steuerlisten. Ueberblickt man das Gesamtergebnis des gestrigen Tages, so zeigt sich, wie notwe.Ndig die sachliche Opposi- „tion der Linken gegen dit S ter�e rv o r lq g en d e s R e ch t s b l o ck s i st. Zwar ist er entschlossen, das Bund- ..rns zu halten, das Großagrarier mit Großindustrie und mit dem Hausbesitz zur Ausbeutung des deusschen Volkes geschlos- sen haben. Aber hier und da wird ihm doch noch ein kleines Zugeständnis abgerungen, das beweist, daß er sich unsicher fühlt und die Abrechnung der unter seiner Gesetzgebung schwer leidenden Volksmaffen fürchtet. Die Kabinettskrise in Japan. Wie aus Tokio gemeldet wird. erfolgte der Rücktritt des Kabinetts Koto, weil die Seiyukai-Partei es ablehnte, das Steuerreformprogramm der Regierung Ui unterstützen. Es wird allgemein angenommen, daß Kato mit der Bildung eines neuen Kabinetts beaustragt wird. ?n Iahrtausenöen, Von y. C. Andersen. Diese» Neine vbontnstUch« guklinft»bitd, da» an» beute aller- dina, lairm noch»dantaftisch amnutet. ist in den weniafte» deut. schen 9lnd«is«n.An»<>oben entdalten..r Zugleich dankt die Dessammlung der Reichstags- fraktion der Sozialdemokratischen Partess für das große Entgegenkommen, dos sie Herrn Dr. Best gegenüber an den Tag gelegt hat. Di« Versammlung spricht weittthin auch allen Abgeordneten, die bei den Abstimmungen über die Aufwertungsgesetze sich für eine gerechte Aufwertung eingesetzt haben, den Dank d« deusschen Sparer au». Weit« beschloß die Delegiertenversammlung einstimmig, den Kampf um eine gerechte Regelung der Aufwertung mit allen Mitteln und unter Anspannung aller Kräfte fortzusetzen. Die vorbereitenden Schritte für den D 0 l t s b e g e h r gegen die Aufwertungsgesctzo sind- bereits unternommen. sein muß— d« Arbeit, dem Glauben und d« Hoffnung. schassenden, unterdrückten Menschen Ausdruck zu geben. Das Spiel kann sowohl in Versform als auch in Prosa geschrieben sein. Das Manuskript ist mit einem Kennwort zu versehen. Name und Adresse des Verfassers liegen in einem besonderen Briei- Umschlag, der dem Manuskript beizufügen ist und da» gleiche Kenn- wort enthält. Der Briefumschlag wird esst nach der Entscheidung des Preisrichterkollegiums geössnet. Einsendung der Manuskripte eingeschrieben hat bis zum 1. Ok- tober an die nachfolgende Adresse zu essolgen: Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit(R. Weimann), Berlin SW. 68, Linden- straße 3. Die Entscheidung wird unter Zuziehung geeigneter Per- sönlichkeiten gefällt.__ Königsgeburtstag an d« Verlin« llnioesstfät. Die Universität der Hauptstadt des republikanischen Deutschen Reiches feierte gestern den Geburtstag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., den sie ihren„Stifter" nennt, mit einem Festakt in der neuen Aula. Obwodl sich nur eine winzige Anzahl von Professoren und Studenten zu dem Akt zusammengesunden hotten, mußte doch der Verkehr Unter den Linden eine Weile stoppen, weil die Chargierten mit Bannern und Fahnen in feierlichem Zuge die Straße überquerten. Die Fest- rede hielt der Rektor, Geheimer Konsistorialrat Holl. Er sprach über die„Dämonische Persönlichkeit". Womit« oder nicht Friedrich Wilhelm III., sondern Napoleon I. meint«. Kampf um da» Gotteshan»— und 126 Millionen. Eine ganz mittelalterlich anmutende Szene ereignete sich dieser Tage im Herzen New Pork», beleuchtet von den auszuckenden Blitzen eines schweren Gewitter». Eine Schar von einigen hundert schreienden Russen, ge- geführt von Priestern in ihrem Ornai, stürmten äxteschwingend die russische Kathedrale des heiligen Nikolas. Die Priester legten selbst unter dem Jubel ihrer Gefolgschaft Hand an die schweren Kirchen- türen, zertrümmerten die unteren Teile, konnten aber die schweren Pfosten nicht beseitigen, so daß die Kirchenstürmer keinen Einlaß in das Gotteshaus erlangten. Sie begnügten sich daher damit, alles in dem Vorhof zu zertrümmern. Der merkwürdige Kirchensturm ist der Höhepunkt eines Streites, der schon seit mehreren Monatm zwischen zwei russischen Gemeinden geführt wird. Der Erzbischos Platon und der Bischof Adam kämpfen um den Besitz d« Kathedrale und um anderes Eigentum der russischen Kirche in den Vereinigten Staaten im Werte von 30 Millionen Dollar. Während der Erörterungen hatten Bischof Adam und seine Anhänger in aller Stille von dem Gotteshaus Besitz ergriffen und verboten ihren Gegnern den Ein- tritt. Daraufhin wurde Bischof Adam von dem New 7)orfer Gerichtshof zu einer Strafe von 250 Dollar verurteilt und ihm die Räumung der Kathedrale innerhalb von fünf Stunden anbefohlen bei Androhung einer Zuchthausstrafe von 30 Tagen. Als die fünf Stunden vorüber waren und die Adamiten keine Miene mochten. ihren unrechtmäßigen Besitz aufzugeben, beschlossen die Platonisten, sich selbst Recht zu verschaffen und die Wohnung des Bischofs zu stürmen, der einen Anbau des Hauptgebäudes innehat. Die Adamiten ober waren zur Gegenwehr gerüstet und wollen die Kathedrale nicht gutnmlig räumen._ Die 47. Xagmg her vevllche»«olhropalogsschev«ekeMckaft wurde am Sonntag in Halle eröffnet. Der Kongreß dauert bit Dienstag. die kommenden provinzialwahlen. Ein neues Wahlgesetz für die Provinziallaudtage und Kreistage. Am 20. Februar 1921 sind mit den Neuwahlen für den preußi- schen Landtag auch die Wahlen für die preußischen Provin- ziallandtage und-kreistage vorgenommen worden. Die am 29. Februar d. I. abgelaufene Wahlzeit ist bis zum 1. No- oember d. I. verlängert und für die Neuwahlen ist von der Regie- rung dem Landtage ein neues Wahlgesetz vorgelegt worden, das gegenüber dem geltenden Recht einige bedeutsame Abände- rungen enchielt. Das Wahlrecht selbst und die Zahl der Abgeord- neten für die Provinzen sollten keine Veränderung erfahren, wohl aber die Verteilung der Abgeordneten auf die ein- zelnen Kreise der Provinz. Die Zahl der Abgeordneten wird nach der Einwohnerzahl einer jeden Provinz in der Weise festgesetzt, daß innerhalb der ersten und zweiten Million Einwohner auf 25 999 ein Abgeordneter ent- fällt. Innerhalb der dritten Million entfällt einer auf 35 999, in der vierten auf 59 999, in der fünften auf 75 999 und von der sechsten Million an auf 199 999 Einwohner. Die Gesamtzahl der Abgeord- neten wurde dann auf die einzelnen Regierungsbezirke nach der Be> nölkerungszahl verteilt. Die Regierungsbezirke bildeten selbständige Wahlkreise. Die auf jeden entfallend« Abgeordnetenzahl wurde durch die Zahl der abgegebenen Stimmen geteilt, und nach der so gefundenen Verteilungszahl jeder Partei die Zahl der Abgeord- neten zugeteill. Restmandate fielen den Parteien zu, die die höchsten Reststimmen ausweisen konnten. Dieses System hatte zur Folge, daß in jedem Regierungsbezirk eine andere Verteilungszahl maßgebend war. Es ergaben sich daraus große Ungerechtigkeiten. Diesen Ungerechtigkeiten sucht« die Regierungsvorlage zu be- gegnen, indem sie die für einen Wahlvorschlag abgegebenen Stimmen nicht mehr in den Regierungsbezirken, sondern in der ganzen Provinz durch die Zahl der Abgeordneten teilt. Sie wollte aber auch erreichen, daß jeder Stadt- und Landkreis durch mindestens einen Abgeordneten vertreten fein soll. Diesen Abgeordneten sollte die Partei stellen, die in dem Kreise die relative Mehrheit erlangt hat. Dann würden aber bei geringer Wahlbeteiligung in einem Wahlbezirk Abgeordnete auf ganz geringe Stimmenzahlen entfallen sein und nur durch ein recht kompliziertes Verrechnungs- system wäre der Ausgleich zu schaffen gewesen. Der Ausschuß des Landtages, der diese Vorlage zu beraten hatte, lehnte den Dorschlag der Regierung ab und nahm einige Veränderungen des jetzigen Wahlsystems an. Zunächst wird an der Zahl der Abgeordneten und der Verteilung an die einzelnen Regierungsbezirke nichts geändert. Dagegen werden die auf einen Abgeordneten entfallenden Stimmen nicht mehr in jedem Regie- rungsbezirke, fondern durch die ganze Provinz berech- n e t. Z. B. Provinz Sachsen: 3 129 193 Einwohner 119 Provinzial» landtagsabgeordnet«,«in Abgeordneter auf 28 447 Einwohner. Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen 1 528 359, auf einen Abgeord- neten 13 894. Dann werden den einzelnen Wahlvorschlägen die Ab- geordneten zugeteilt. Restmandate kommen auf die höchsten Rest- stimmen. Um eine zu große Zersplitterung zu vermeiden, bleiben die Wahloorschläge unberücksichtigt, die nicht die doppelte Dertcilungs- zahl im ganzen oder in einem Wahlbezirk nicht mindestens die ein- fache Zahl und damit einen Abgeordneten erreicht haben. Würde nun die Verteilung der auf»ine Partei entfallenden Abgeordneten so erfolgen, daß die Mandate den Wahlbezirken zufallen, die die höchsten Stimmen aufweisen, so könnte es vorkommen, daß große Teile der Provinz nicht oertreten wären. Deshalb findet nun die Unteroerteilung nach den Regierungsbezirken ftctt, wie bisher. Ergibt sich nun in einem Regierungsbezirk infolge der dort gefundenen kleineren Verteilungszahl, daß eine Partei dadurch mehr Abgeordnete erhasten würde, als vorher bei der Durchrechnung durch die Provinz festgestellt worden ist. dann, wird ihr das Mandat abgezogen, das mit den kleinsten Reststimmen erworben ist. Sollte sich das Gegenteil herausstellen, dann wixd ihr das Mandat zu- eezohst. auf das die höchsten Reststimmen entfallen sind. Auf diese Weise worden alle die erwähnten Ungerechtigkeiten ausgeräumt und jeder Partei die chr zukommende Vertretung gesichert. Die Aufstellung der Wahlvorschläge erfolgt in den Wahlbezirken. Wahlbezirk ist jeder Stadt- und Landkreis, der soviel Einwohner hat. als auf einen Abgeordneten entfallen. Kreise mit weniger Ein- wohnern werden den benachbarten zugelegt. Die Wahlvorschläge müssen von zehn Wahlberechtigten unterschrieben sein und können ein Kennwort tragen. Wahloorschläge mit gleichem Kennwort gelten als miteinander verbunden. Wird bei uns z. B. das Kennzeichen.Sozialdemokratie� überall an- gewandt, so gellen alle Wahloorschläge als verbunden, ohne daß es einer besonderen Erklärung bedarf. Wahlvorschläge mit gleichem Kennwort gellen als eine Gruppe, auf die dann die Mandate oerteilt werden. Für die Kreistagswahlen gellen die Bestimmungen über die Listenverbindungen nicht, weil die von der Regierung beantragte Einteilung eines Kreises in einzeln« Wahlbezirke abgelehnt worden ist. Bei einer solchen Einteilung würde der von früher her bekannten Wahlkreisgeometri« die Tür geöffnet werden. Die Wahlen nach diesen neuen Vorschriften sollen am 15. N o- v e m be r stattfinden. Soll dieser Termin eingehalten werden, dann muß der Landtag das Gesetz sofort bei seinem Zusammentritt am 22. September in Beratung nehmen. Seiner endgültigen Annahme haben sich aber im letzten Augenblick noch Hindernisse in den Weg gelegt. Die Deutschnationalen und die Deutsch« Lolkspartei stimmten im Ausschuß gegen dos Gesetz, weil die Listenverbindung für die Kreistagswahlen abgelehnt wurde. Die Kommunisten lehnten den Entwurf auch ab, und zwar deshalb, weil in das Gesetz auf- genommen ist, daß durch die Geschäftsordnungen der Prooinzialland- tage und Kreistag« bestimmt werden kann, daß Abgeordnete bei grober Ungebühr und wiederhollem Verstoße gegen die Ordnung mit Ausschluß aus den Sitzungen für«inen oder mehrere Tag« bestraft und ihm die Bezüge ganz oder teilweise gekürzt werden können. Durch eine nochmalige Beratung im Ausschuß wird sich zeigen, ob die Differenzen ausgeräumt werden können. Gelingt dies nicht, dann wird im November noch einmal nach den alten, das Verhältniswahl- recht verzerrenden Bestimmungen gewähll werden müssen. Ein faschistischer Wahlsteg. Kraftprobe zwischen Opposition und Faschismus. Rom. 3. August.(EP.) Bei den Gemeinderatswahlen von Palermo hat nach den ersten Ergebnissen die faschistisch« Liste die Mehrheit erlangt. Diesen Dorsprung gegenüber der Opposition ver- dankt sie besonders dem Stimmenergebnis aus den Vororten und der Umgebung der Stadt, wo durch starke faschistische Aufgebote 89 Proz der Wähler zu den Urnen gingen, während in der Stadl selbst die Wahlbeteiligung nur etwa 49 Proz. betrug. In der Stadt erlangt« die Opposition die Mehrhell. In einem Wahlkreise des Zentrums hallen 89 Proz. der Wähler für die Opposition gestimmt. Die Gemeinderatswahlen von Palermo sollen«in« für Sizilien ent- scheidende Kraftprobe zwischen der Opposition und dem Faschismus darstellen. Ernste Zwischenfälle haben sich am Wahllage selbst nicht ereignet, doch konnte der Opposttionsblock nicht die umfangreiche Propaganda entfalten wie die Regierungspartei. Die Gemeinderatswahsen in Palermo standen seit Wochen im Mittelpunkte des politischen Interesses in Italien. Im ersten Ansturm hatte der Faschismus all« gegnerischen Stadt- Verwaltungen zum Rücktritt gezwungeln, teils durch lokale Ge- waltmaßnahmen. teils durch ein Regierungsdekret. Dann wurden die meisten Gemeinden unter außerordentliche Kom- missäre gestellt, welches Regime Rom jetzt schon zwei Jahre lang genießt. In kleinen Orten hielt man die Neuwahlen, wo die Ausschiebung nicht weiter mögllch war. im Zeichen des Terrors ab und erzwang so. wie in R« g g i o E m i l i a und, Hier- unö Tabakverteuerung. Preissteigerung um das Mehrfache des Steuerbetrags. Nachdem der Reichstag die Beratung der Umsatzsteuer und der Wechselsteuer beendet hatte, über die wir in der Beilage berichten, wandte er sich dem Geselzenlwurs über die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer zu. Zur Beratung kommt zuerst die B i e r st e u e r. Abg. Simoa-Schwaben(Soz.): Wir haben wiederHoll schon unseren ablehnenden Standpunkt mit aller Entschiedenheit dargelegt. Die Mehrhell des Steueraus- schusses hat trotzdem die Erhöhung der Biersteuer um durchschnittlich 59 Prozent beschlossen. Wir sehen darin eine schwere Schädigung der Wirtschaft, eine neue Belastung der breiten Massen. Was wir geaen die Biersteuererhöhung sagen, steht im Einklang mll der Aus- sassung der von ihn betroffenen Gewerbe und der Organisationen der Industrie, des Handels und der Verbraucher. In den Entfchlie- ßungen dieser Organisationen kommt übereinstimmend zum Ausdruck, daß auch die herabgemilderte Steuererhöhung fürs Ge- werbe untragbar erscheint, daß Betriebseinschränkungen und Still- legungen die Folge dieser Steuerpolllik sein müssen, daß Tausend« von Arbeitern ynd Angestellten erwerbslos werden und außerdem den Verbrauchern eine neue schwere Last aufgebürdet wird. Die Preissteigerung wird nicht nur den Betrag der Stener, sondern mindestens das Dreifache davon ausmachen. die weitere Folge wird eine Verminderung der Wettbewerbsfähigkeit und die Vernichtung zahlreicher Mittel- und Kleinbetriebe fein. Die Vorlage wird eine weitere Verschlechterung der Lebenshaltung weiter Schichten der Bevölkerung zur Folge haben, denn alle anderen Preise werden gleichfalls in die Höhe gehen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Lohnkämpfe und damit neue Erschütterungen des Wirtfchafts- lebens werden die Folge fein, denn die Arbellerfchaft muß einiger- maßen eine Ausgleichung zwischen Einkommen und Lebenshallung herbeizuführen suchen. Wo die gewerkschaftliche Organisation diesen Ausgleich nicht schaffen kann, wird weitere Verelendung herbei» geführt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Und das alles um einiger Millionen willen, die man leicht auf- bringen kann, wenn man sie dort nimmt, wo sie zn holen sind. Den dazu nötigen Mut hat allerdings die Reichsregierung bei der ganzen Steuerreform zu zeigen vergessen. Noch vor wenigen Tagen hat die Bayerische Bolksparlei im bayerischen Landtag die Biersteuer ab- gelehnt und gegen die Reichsregierung weidlich geschimpft.(Hört, hört! bei den Soz.) Hier ist es davon sttll geworden, hier hat man sich schon auf den U m f a l l vorberellet. Der Landtagsabgeordnete Dr. S ch l i t t e n b a u e r hat jetzt erklärt, daß sich da» Braugewerbe mit einer 33 ZI Prozent igen Biersteuererhöhung abfinden müsse, „da unsere Dirlschaft mit direkten Steuern überlastet sei und dieser Druck nur durch eine maßvolle Erhöhung der Indirekten Steuern, darunter auch der Viersteuer, gemindert werden könne." Auch heute ist noch nicht alles im Lot. Sogar der Reichskanzler mußte sich seines armen Finanzministers annehmen. Er bearbeitete die Bauernbündler, damit sie für das Gesetz stimmen. Wenn aber die bayerischen Bauernbündler gegen die Biersteuer- erhöhung stimmen, kann auch die Bayerische Volts Partei nicht dafür fein und das Gesetz ist erledigt.(Hört, hört! bei den Soz.) Man drohte sogar mit dem Rücktritt des Kabinetts, und das hat anscheinend gewirkt. Das Kabinett Luther wird am Leben bleiben, es lebt von der Gnade zweier Splitterparteien. Wir werden durch eine namentliche Abstimmung dafür sorgen, daß die Haltung der Regierungsparteien, insbesondere der Bayerischen Volksparter und des Bayerischen Bauernbundes allen Voltskreisen vor Augen geführt wird. Wir lehnen das Gesetz nicht nur ab, weil es wirtschaftlich, schädlich und sozial untragbar ist, son- dern auch, weil es außenpolitisch bedenklich, erscheint. Die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer bedeutet eine freiwillige Mehrleistung an die Entente einzig und allein zur Schonung des Besitzes. Eines solchen Verbrechens'machen roi� uns nicht mitichuldig, mir marneu Sie. diesen verhängnisvollen weg zu gehen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Vuchman»(Komm.) lehnt gleichfalls unter heftigen An- Sriffen gegen die Bayerische Volkspartei die Biersteuererhöhung ob. iür die bayerische Bevölkerung sei das Vier mchr als ein entbehr- liches Genuhmittel. Abg. Dr. Flfcher-Köln(Dem.) hebt hervor, daß vom Finanz- Ministerium im Steuerausschuh die Auffassung mit allem Nachdruck vertreten movden fei, daß es für die Regierung untragbar wäre, wenn man auch den Ininativ-Antrao ablehnen würde. Di« Re- aierung konnte absolut nicht die 199 Millionen Mark entbehren, die die Bier- und Tabaksteuer rechnerisch erbringen sollte. Nun liegt ein neuer Kompromiß-Antrag vor, der nicht nur ein« weitere Ermäßigung der Bierstcuersätze erbringt, sondern die ganze Bier- steuernovellc überhaupt erst am 1. April 1925 in Kraft sehen will. Welches ist nun der neue Standpunkt der Regierung? Die Demokraten müssen die vorliegende Novelle ablehnen: sie könnten ihren Standpunkt vielleicht revidieren, wenn die Herabsetzung der Umsahsteuer aus 1 proz.. wie es die Demokraten wünschten, erfolgen würde.(Beifall bei den Demokraten.) Abg. Henning(Volk.) kritisiert die Haltung der Regierung, die dem Willen der Regierungsparteien ein„Unannehmbar" nach dem änderen geopsert habe, ohne daraus die angedrohten Konsequenzen zu ziehen. Bei einer solchen szaltung könne die Regierung nicht mehr erwarten, daß man ihr„Unmöglich" ernst nimmt.(Sehr richtig bei den Völkischen.) Die Bier- und Tabaksteuer sei absolut unsozial, und die Völkischen würden die Vorlage daher ablehnen. Damit schließt die Generaldebatte über die Biersteuererhöhung. — Die Abstimmungen zu dieser Novelle werden zurückgestellt. Präsident Lobe teilt mit, daß die Abstimmung über die kom- munistische Beschwerde wegen des Ausschlusses der Abg. Höllein und Zadafch auf 29 Sitzungstage am Schlüsse der Sitzung stattfinden werde. Das Haus wendet sich dann der Besprechung des Artikels 2 d»r Novelle zu, der die Erhöhung der Tabaksteuer vorsieht. Abg. ZNeyer-Baden(Soz.): Die Einführung der Materialsteuer würde das Verschwinden der billigeren Zigarellensorten von 3 und 4 Pf. zur Folge haben: die statistischen Zahlen beweisen aber, daß 89 Proz. der gesamten deutschen Zigarettenproduttion in dieser Preislage liegen. Ein Ver- schwinden dieser Preislage würde einen starken Konsumrückgang zur Folge haben und damit auch eine Verminderung der Steuereinnahmen. Wenn das Tabakgewcrbe aber in Ruhe gelassen werde, würde eine Mehreinnahme aus den Tabaksteuern zu erwarten sein. Abg. Obendieck(Komm.) glaubt, daß durch Annahme der Au». schußoorloge die Tabakpreise durchschnittlich um 49 Proz. steigen würden. Das sei ein« unerhörte Ausräuberei der breiten ton- sumierenden Massen, die sich die Rechte da zuschulden kommen lasse. (Vize-Prästdent Bell ruft den Redner wegen des Ausdrucks: Aus- räuberet zur Ordnung.) Dabei tomme der Tabakzoll nur einer kleinen Schicht zugute. Auf der anderen Seite droht eine große Arbeits- losigkeit der Tabakarbeiter. Die Kommunisten würden daher di« Vorlage ablehnen.(Beifall bei den Kommunisten.) Abg. ZNeyer-Baden(Soz.): wendet sich gegen das Kompromiß. Zweimal fei schon die Vor- lag« zu Fall gekommen, nachdem sie jetzt zum drftten Male vor» gelegt werde, wisse die Regierung noch immer nicht, in welchem Verhältnis die Material steuer zur Banderole steuer stehen soll. Wenn die Regierung unsere Zustimmung zu einer Vorlage §aben will, dann müsse sie sich selbst doch darüber im klaren sein. m Ausschuß hat die Regierung gesagt, daß sie au» der Tabak- steuer 449 Millionen haben müsse. Run ist ober allein ans der Zigarettenstener in diesem Jahre ein Aufkommen von 459 bis 469 Millionen zu erwarten. Angesichts dieser Tatsache ist nicht zu begreisen, weshalb noch eine Erhöhung der Zigarettensteuer erfolgen soll. Wir find der Auf« fassung, daß wir mit der bisherigen Besteuerung schon an der Grenze des wirtschaftlich Tragbären angekommen sind. Der Hinweis auf England ist nicht berechtigt, man dürfe nicht nur die Tabak- steuern einander gegenüberstellen, sondern müsse«ine Parallele mit der Gesamtbelastung durch Massensteuern ziehen, um den richtigen Maßstab zu gewinnen. Der Redner weist im einzelnen nach, daß die von den Regierungsparteien jetzt beabsichtigt« Reu- regelung der Zigarettensteuer zur Folg« haben werde, daß die teueren Zigaretten in Zukunft weniger Steuern, die billigeren dagegen mehr Steuern zu tragen haben werden. Haben wir nicht schon genug an Massenbelastung? Soll jetzt ein neues Unrecht geschossen werden, indem man die 3 bis 4 Psg.- Zigarette verteuert, um in den besseren Preislagen ein« Steuer- crmäßigung durchführen zu können. Die Folg« wird ein starker Konsumrückgang sein. Wenn man auch aus dem Standpunkt stehen kann, daß der Rückgang des Zigarettsnkonsums kein Räch- teil sei, so stellt doch die Regierung das fiskalische Interesse in den Vordergrund. Es ist kein Geheimnis, daß die deutsch« Zigaretten. industria schwer um ihre Cxisteyz zu kämpfen hat und m diesem Augenblick soll sie mit neuchr Steuern belastet werden. Der Reichswirtschaftsrat hat in einem Gutachten ausgeführt, die Lage des Tcchakgewerbes sei so-: daß sie»ine neu«. Be? l a st u n g nicht zu ertragen vermag.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. LLll(Dem.) vermißt sachliche Gründe für die vor de» Regierung behauptete Ratwendigteft der Tabaksteuererhebung. Sehr bedenklich sei es. wenn durch die aus der M-�je der ärmsten Verbraucher herausgepreßten Mehreinnahmen dem Ausland ein ganz falsches Bild von der sinanziellsn Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes gegeben wird. Während die Parteien der Rechten vorher das Dawes-Abkommen für vollkommen undurchführbar erklärten, nötiae» sie jetzt durch die neuen Verbrauchssteuern das Reich, über die?tv> pflichtungen des Dawes-Abtommeus hinaus 159 bis 299 Zllilliai�« an das Ausland zu zahlen nach dem„Wohlftands-Index". ein Wort, das angesichts der Lage der deutschen Verbraucherschast und der deutschen Wirtschaft wie Hohn klingt.(Sehr währ links.) Nach 9 Uhr wird darauf die Weiterberatung auf Dienstag, 11 Uhr, vertagt. Der Geschäftsordnung gemäß wird dann ohne Aussprache über die inzwischen eingegangenen Beschwerden der Abgg. Jadasch und Höllein(Komm.) gegen ihren Ausschluß entschieden. Die Beschwerde des' Abg. Höllein(Komm.) wird gegen die Stimmen' der Kommunisten, die des Abg. Zadasch(Komm.) gegen die Stimmen der K o m m u n i st e n, S o z i a l d e m o k-r a t e n und der Mehrheit der Demokraten abgelehnt. Abg. Sloecker(Komm.) beantragt, auf die Tagesordnung der Dienstagsitzling den Mißtrauensantrag seiner Fraktion zu setzen. Das wird abgelehnt, nachdem Präsident Löbe mitgeteilt hat, daß dieser Antrag zunächst den Geschäftsordnungsausschuß beschästigen wird. Präsident-Löbe teilt weiter mit, daß die an Frau Gölte gerickstete Rohrpost-Einladung zur AettestenratsitzunA am Sonnabend durch einen Fehler der Post nicht rechtzeitig befordert worden sei: die Schuld treffe aber nicht das Reichstagsbureau. Malinclla. die Stinrmenthaltuttg der antifaschistischen Par- teien. In Palermo dagegen war die vorige Verwaltung von Faschisten und Liberalen gemeinsam gebildet. Sie wurde aufgelöst, weil die Liberalen wegsn der allgemeinen politischen Entwicklung, die sich an die Ermordung Matteottis anschloß. den Faschisten die Gefolgschaft austagten. Die Wahlen in Palermo stellen den ersten Fall eines antifaschistischen Blocks dar. dem leider aus prinzipiellen Gründen die Maximalisten und die Republikaner ferngeblieben sind. Charakteristisch ist die Haltung, die die faschistische Partei bei den Wahlen einnahm. Zur Vorberei- tung des Wahlkampies wurde zunächst F a r i n a c c i noch Sizilien gesandt, der in seiner Lümmelhaftigkeit und Unbil- dung dem starken Lokalpatriotismus der Sizilianer sehr vor den Kaps stieß. Um das angerichtete Unheil etwas auszuflicken, wurde dann der Minister Lanza di Scalea, einer der Kandidaten der faschistischen Liste, hingeschickt, wäh- rend die Gegnerliste den ExMinisterpräsidenten Orlando zum Führer hatte. Es handelt? sich also um einen Kampf mit großen Kalibern, bei dem di« Regierung auch tief in die Taschen gegrstfen hat. indem sie kurz vor den Wahlen 19 Mil, lionen Lire sär den Acquadukt der umstrittenen Stadt be- willigt«, aus welchem Gebiet die Opposition freilich nicht konkurrieren konnte. Im Wahlkampf hat man der Opposition die Lokale ab- getrieben, so daß Orlando in einem Kino und D e E e s a r ä auf offenem Platze sprechen mußte. Man hat auch di« Liste der Opposition mit Verspätung ausgehändigt und den noto- rischsn Antifaschisten die Wahlausweise vielfach vorenthalten. Trotz dieser raffinierten Mittel hätte die Regierungspartei in dem durch und durch antifaschistischen Palermo eine eklatante Niederlage erlitten, wenn zum Stadtgebiet von Palermo nicht ein gut Teil Landbevölkerung gehörte, die allen Regierungen Stimmvieh geliefert hat. Nur diesem Umstände ist es zuzu- schreiben, daß der Faschismus in der Hauptstadt Siziliens den Sieg davongetragen hat.____ Anerkennung üer russischen Schulüen? Verhandlungen der Sowjetregierung mit Frankreich. Pari». 3. August.(MTB.) Laut„Chicago Tribüne" hatte der Sowjetbotschafter Krassin mit Briand eine Unterredung über di« Regelung der russischen Schulden. Er sprach dabei, unter Hin- weis auf die Bereitwilligkeit Moskaus zur Zahlung von Zinstn an di« Besitzer von geringen Mengen russischer Wertpapiere, den Wunsch nach Abschluß eines Handelsvertrages aus. Ferner«rbot«r sich, eine große Anzahl von Bestellungen und Verträgen mit der fran- zöstschen Industrie abzuschließen. Der nach Paris zurückgekehrte russische Finanzfachverständige R h e i n go l d ist von der Sowjetregierung ermächtigt worden, mit Frankreich einen Vertrag über die Anerkennung der Schulden abzuschließen. »echtsregleruag in Holland. Amtlichen Informationen zufolge tonn da»«eue Kabinett vorbehaltlich gan, unerwarteter Ver- änderungen wie folgt als zusammengestellt gelten: Minister- Präsidium, Finanzen und vorläufig interimistisch Kolonien: Colijn (Antirevolutionär) Auswärtiges: van Karnebeek Justiz: Schekling(Christlich-histonsch): Unterrick»: Rutger»(Lnti- revolutionär): Krieg und interimistiick Marin« Lamboog. Major im Generalstab(Römisck-ko'holisck!: Wasierwesen und Oeffentliche Arbeiten: vongaert»(Römisch-katholisch): Arbeit, Handel und Industrie Knole»(Römisch-katholisch). Ursache, die ihn heraufbeschworen haben, bleiben jedoch be| Gewerkschaftsbewegung stehen. Es ist in England bis zum Ueberdruß wiederholt worden Waffenstillstand oder Frieden? ( Bon unserem Londoner Korrespondenten.) Die dramatische Wendung in der englischen Bergbaufrise ist nicht ganz unerwartet gekommen, wenn auch niemand sie mit Bestimmtheit vorauszusagen wagte. Sie hat das Land von einem furchbaren Alp befreit. Denn es war von Stunde zu Stunde klarer geworden, daß die Aussperrung im Bergbau nicht lofalifiert bleiben würde. Die Stillegung der Kohlenfrachten durch Eisenbahner und Transportarbeiter mußte zu Reibungen mit den verschiedenen Ge sellschaften führen; Entlaffungen von Eisenbahnern und Transportarbeitern, die sich weigern würden, Kohle zu transportieren, waren bereits angekündigt, die betreffenden Gewerkschaften waren entschlossen, ihren Mitgliedern zu Hilfe zu kommen. Kurz und gut: England stand, worüber sich die wenigsten Bewohner dieses Landes ganz flar geworden waren, am Berabend eines General. streifes, der in einer Zeit der wirtschaftlichen Depression und der Arbeitslosigkeit naturgemäß für alle Klaffen der Bevölkerung unerwünscht hätte fein müffen. Die Krije ist vertagt. Der Ministerpräsident hat der Industrie Staatszuschüsse für neun Monate angeboten, die Kündigung des Tarifvertrages ist für vierzehn Tage zurückgezogen und es fann gar kein Zweifel darüber herrschen, daß in diesen vierzehn Tagen zum 1. Mai 1926, dem Tage der Beendigung der Staatszuschüsse, eine weitere Verlängerung des bestehenden Kollektivvertrages bis zustande kommen wird. Das erste Gefühl im Lande war allgemein das der Erleichterung. Aber schon bald stellte sich in bürgerlichen Kreisen, und auch auf dem Kontinent überall bekannt, daß die Notlage des britischen Bergbaus nicht nur eine Folge veränderter weltwirtschaftlicher Umstände ist, sondern zum großen Teil eine Folge der schlechten Organisation, veralteter Brodut tionsmittel, der unseligen Zersplitterung, die einen ungeheuerlichen Verwaltungsapparat erfordert. Werden die Unternehmer auch das Forschungsergebnis der nunmehr eingeleiteten Untersuchung unter den Tisch fallen lassen, wie das mit den bisherigen Untersuchungen der Fall war, und weiter aus Bequemlichkeit und Anpassungsunfähig. feit von einer organisatorischen Zusammenfassung Abstand nehmen, werden weiter die unsinnigen, überlebten toten Lasten der Royalties, der Grundzehnten, die jetzt noch auf dem Bergbau liegen bleiben, nicht gefeßlich beseitigt werden, so wird im kommenden Frühjahr der Rampf zwischen den Bergherren und Bergarbeitern, der jetzt vertagt ist, unvermeidlich sein. Denn es ist klar, daß die Arbeiter. schaft teinen Schritt zurückweichen und dabei selbst von einem Teil der bürgerlichen öffentlichen Meinung gestützt werden wird, wenn sie infolge der Unfähigkeit der Kapitalisten. fich den veränderten technischen und organisatorischen Verhältnissen anzupassen, zu Opfern gezwungen werden soll An den Unternehmern liegt es also, den Waffenstillstand von neun Monaten zu einem vorläufigen Frieden umzuwandeln. Berfagen fie, so wird sich die Forderung nach Sozialisierung des Bergbaus mit verstärkter Gewalt wieder einstellen. Der konservative Bremierminister, selbst ein Großindustrieller, hat jüngst in einer Rede festgestellt, daß das Zeitalter des industriellen Irgendwie, der privaten Berantwortlichkeit des privaten Rapitalbesikers vor. über ist. Richtlinien vom 30. Mai 1925 übereinstimmend festgelegt find, die Erhöhung des Ortslohnzuschlages durchzusetzen. Diese vergleichbaren Löhne betragen im Durchschnitt 11 Pfg. pro Stunde mehr und sind in der Privatindustrie bereits seit dem 1. März 1925, im ungünstigsten Falle seit 1. Juni 1925, gezahlt worden. Es wird deshalb verlangt, daß der Ortslohnzuschlag für die Arbeitnehmer der DPD. Berlin entsprechend den Feststellungen um 22 Broz. ab 1. Juli 1925 erhöht wird. Lehnt das RPM. bei nochmaliger Verhandlung ab, den Ortslohnzuschlag dementsprechend zu erhöhen, so sind die Arbeitnehmer der DPD. Berlin entschlossen, im fort vom legten gewertschaftlichen Mittel GBenehmen mit der Organisation, dem Deutschen Verkehrsbund, sobrauch zu machen." Einigung in der Zigarettenindustrie. Wegen der in einigen Betrieben der Zigarettenindustrie aus gebrochenen Teilstreifs hatte Gewerberat Körner die Parteien am Montag amtlich zu einer Verhandlung vor den SchlichtungsDie Unternehmervertreter erklärten anfangs, über ihr bereits vor den Streits gemachtes Angebot einer vierproausschuß geladen. zentigen Lohnerhöhung nicht hinausgehen zu können, da sich die Industrie in einer äußerst schwierigen Notlage befände. Nach einer dreistündigen Verhandlung erklärten sie sich aber zu einer Lohnerhöhung von 6 Proz. bereit, welches Angebot die Arbeitervertreter jedoch ablehnten. Gewerberat Körner machte nun als lehten Vermittlungsversuch den Vorschlag, die bestehenden Löhne um 6% Proz. zu erhöhen. Die Unternehmer erklärten sich vorbehaltlich der Zustimmung der sofort einzuberufenden Vollversammlung der in ihrer Industrie Beschäf tigten zur Unnahme dieses Borschlages bereit. Die am Montag nachmittag im Rosenthaler Hof tagende Funktionärversammlung und die Vollversammlungen der Tabatarbeiter und Buchbinder forbie der Transportarbeiter in den Mufitersälen nahmen zu dem Berhandlungsergebnis Stellung. Der Vorsitzende des Tabatarbeiterverbandes, Armbrust, fo= Vorschlag, so ungenügend er auch sei, aus taktischen Erwägungen heraus zu zu stimmen. Nach einer regen Diskussion wurde der Borschlag gegen eine starte Minderheit angenommen. la Da von den Unternehmern erklärt wurde, feine Maßregelungen vorzunehmen und das Arbeitsverhältnis als nicht unterbrochen gelte, wird die Arbeit im Laufe des Dienstag in allen Betrieben geschlossen wieder aufgenommen. insbesondere im tonjervativen Lager ein recht zwiespältiges verband veröffentlicht folgende Erklärung: In verschiedenen Pariser wie die Mitglieder der Verhandlungstommission empfahlen, dem Gefühl ein. Nicht nur, weil man zu begreifen begann, daß dieser Waffenstillstand tief in die Taschen der Steuerzahler hineingreifen und voraussichtlich die im jüngsten Budget vorgenommene Ermäßigung der Einkommensteuer zu zwei Drittel annullieren würde, sondern weil man sich flar wurde, daß es sich hier um einen ausgesprochenen Sieg der Arbeiterschaft. um eine faum verhüllte Rapitulation vor den Gemert schaften handelte, und es ist klar, daß dies, abgesehen von dem speziellen Fall, wegen seiner fymptomatischen Bedeutung einen er heblichen Tropfen Bitterfeit in das Gefühl der augenblid lichen Erleichterung mischte. Die gesamte internationale Gemertschaftsbewegung hat Anlaß, auf ihre britischen Kollegen stolz zu sein. Denn sie haben es verstanden, durch Geschlossenheit und Energie, durch Bearbeitung der Deffentlichkeit lange bevor die Krise afut wurde, aus einer Situation, die anfangs für die Bergarbeiter nichts weniger als günstig schien, einen Sieg zu machen, der von niemand, zu allerletzt von den Unternehmern, bestritten wird. Wäre nicht Schritt für Schritt die gesamte Kraft der Arbeiterschaft zusammengefaßt worden, um die Bergarbeiter in ihrem Defensivkampf zu stüßen, wäre es nicht offensichtlich gewesen, daß die gesamte britische Arbeiterschaft zu moralischer und materieller Unterstützung der Bergarbeiter bereit war, so märe die Regierung, die selbst für Lohnverminderungen und Ber längerung der Arbeitszeit ist, niemals den eingeschlagenen Weg gegangen. Diese bemerkenswerte Einheit einer Bewegung, die wie die britische, rein organisatorisch weniger gefchloffen ist als irgendeine britische, rein organisatorisch weniger geschlossen ist als irgendeine der europäischen Gewerkschaftsbewegungen, war, mie alles auf dieser Insel, nicht das Produkt einer Idee, sondern der Ausdrud einer Notwendigkeit. Jeder Arbeiter, jede Gewerkschaft wußte, daß der Kampf im Bergbau von den Unternehmern als Vorspiel gedacht mar. Das britische Unternehmertum bereitete sich auf eine sich auf die gesamte Industrie erstreckende Herabdrüdung der Lohn- und Arbeitsbedingungen vor. Wurden die Bergarbeiter befiegt, so war eine Verschlechterung der Lebensbedingungen der Eisenbahner, der Arbeiter in den Metallindustrien der nächste Schritt. In der Erkenntnis dieser Gefahren warf die britische Gewerkschafts bemegung ihre ganze Kraft dem Angriff der Bergherren entgegen. Wir alle", sagte eine Abgeordnete der Arbeiterpartet,., figen im felben Boote mit den Bergarbeitern, wir werden alle mit ihnen finten oder weiter gemeinsam unsere Fahrt fortsetzen." Die augenblickliche Entspannung darf aber darüber nicht hinmegtäuschen, daß es fich nur um einen Waffenstillstand han delt. Der Kampf ist zwar in diesem Augenblick abgewendet, die Bochum, 3. August.( Eigener Drahtbericht.) Der Bergarbeiterund deutschen Blättern ist mitgeteilt worden, daß die Vertreter des Deutschen Bergarbeiterverbandes in der Pariser Konferenz sich gegen die Proflamierung eines allgemeinen internationalen Streifs ge= wandt hätten. Von der fommunistischen Presse wurde diese in ihrer Allgemeinheit falsche Meldung zu wüsten Angriffen gegen den Deutschen Bergarbeiterverband und seine Vertreter im Erefutivfomitee benutzt. Wir stellen demgegenüber fest, daß die Bertreter unseres Verbandes in Paris pflichtgemäß auf die vertragliche Gebundenheit hinwiesen, die einen allgemeinen deutschen Bergarbeiterstreit zum 1. August oder sofort unmöglich machten. Die Ents fchließung der Pariser Konferenz und noch mehr die dazu geführte Debatte zeigte auch, daß die ausländischen Kameraden für die schwierigen deutschen Verhältnisse Verständnis haben. An wirklicher Solidarität, an Leistung großmöglichster Hilfe für ausländische fämpfende Bergarbeiter wird sich unser Verband von niemandem übertreffen lassen, am wenigsten aber von den kommunistischen Schreiern, die an Macht und Hilfe gar nichts zu bieten haben." Konflikt bei der Reichspost. Das Reichspoftministerium hält nicht die Verträge. Am Sonnabend nahmen die im Deutschen Verkehrsbund orga: nisierten Funktionäre und Vertrauensleute der Arbeitnehmer bei der Oberpofidirektion Berlin zu dem Verhandlungsergebnis über die Erhöhung der Ortslohngulage Stellung. Das Angebot des Reichspoftministeriums, den Ortslohnzuschlag um 8 Proz. ab 1. Auguft zu erhöhen, entspricht, wie übereinstimmend zum Ausdrud gebracht wurde, in teiner Beise den durch die Richtlinien vom 30. Mai 1925 mit der DPD. Berlin und dem Deutschen Verkehrsbund, Bezirksverwaltung Groß- Berlin, festgesetzten vergleichbaren Löhnen. Zu dem Verhandlungsergebnis wird von den Arbeitnehmern der DPD. Berlin sofort in Betriebsversamm lungen der einzelnen Dienststellen Stellung genommen werden. Sollte bis Dienstag, den 4. Auguft, das Reichspoftministerium einer Regelung des Drislohnzuschlages in Höhe der festgesetzten, vergleichbaren Löhne nicht entsprechen, so muß jede Berantwortung für die sich daraus ergebenden Folgen abgelehnt werden. ". Nachstehende Entschließung wurde einstimmig angenommen: Das mitgeteilte Angebot läßt erkennen, daß das RPM. gar nicht daran denkt, die von ihm mit dem Deutschen Verkehrsbund am 30. Mai 1925 abgeschlossenen Richtlinien für die Beschaffung der Unterlagen zur Festlegung von Drislohnzulagen zu berüdlichtigen. Die versammelten Funktionäre und Vertrauensleute lehnen es ab, RBM. nicht einzuhalten gedentt. Sie verlangen von der Reichsfich durch Richtlinien hinters Licht führen zu lassen, welche das abteilungsleitung des DBB., fofort nochmals die Ver handlungen aufzunehmen und auf Grund der vergleich baren Löhne der Privatindustrie, die mit der DPD. Berlin und dem Deutschen Verkehrsbund, Bezirksverwaltung Groß- Berlin, nach den Internationaler Tabafarbeiterkongreß. Brüssel, 3. August.( Eigener Drahtbericht) Am Montag trat in Brüffel der internationale Stongreß der Tabalarbeiter zuſammen. Auf ibm ist Deutschland vertreten burch Deichmann, Krohn, Ostertag, Gerloff und Klein; Schmidt- Nordhausen befam leine Einreise erlaubnis. Ferner find vertreten Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Holland, Norwegen, Desterreich, Tichechoslowakei, Schweden und Schweiz. Die Vertreter von 120 000 Zabalarbeitern nehmen an dem Kongreß teil, davon entfallen über die Hälfte auf Deutschland. Der internationale Sekretär Eichelsheim- Antwerpen berichtete über ein charakteristisches Manöver des Moskauer Tabaiberbandes, sich unter falschen Boripiegelungen in die Internationale einzufchleichen. Dieses Manöver wurde einstimmig zurüdgewielen und beschlossen, einen Anschluß der Russen als undistutabel zu erklären, io lange feine Einigung der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale und der russischen Gewerkschaftszentrale erfolgt ist. Auf dem Badischen Bahnhof in Basel find am Montag 250 Eisenbahnarbeiter wegen willfürlicher Entlassung zweier Kollegen in den Streit getreten. Der Betrieb wird vorläufig noch aufrecht erhalten. Kollegen in den Streit getreten. Der Betrieb wird vorläufig noch Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe Stud- und Gipsban. Für die mittag 1 hr im Gewerkschaftshaus eine Bersammlung ftatt. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksobleute werden ersucht, in den einzelnen Streittotalen diese Bersammlung bekanntzugeben. Die Gruppenleitung. Fachgruppe der Rohrer: Mittwoch nachm. 3½ Uhr Streitversammlung im Gewerkschaftshaus, Gaal 3. Erscheinen aller Rollegen ist dringend notwendig. Die Fachgruppenleitung. Kollegen ber Watgruppe Stud, und Gipsbau findet morgen, mitmed nadi. Berantwortlich für Politik: Victor Schift: Wirtschaft: Arthur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Toul Singet u. Co.. Berlin SW. 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage unb Unterhaltung und Wissen". Sie leiden schon lange! Haben schon viel versucht, viel Geld vergebens ausgegeben. Machen Sie eine Ruilos- Kur, so haben Sie sicheren Erfolg und es kostet wenig. Verlangen Sie gratis Druckschriften von Ruilos G. m. b. 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Es ist etwas anderes, ob Bäume auf dem Lande oder in der Großstadt Drang und Kraft ihres Lebens entfalten, und ebenso geht es mit den Menschen. Mitten im Sommer läßt uns die Natur der freudlosen Zeit gedenken, die uns um ein Bielfaches länger als die Tage der Luft erscheinen. Natur und Mensch sind gleichermaßen mitten im Leben dem Tod verfallen. Was sich uns an Schönheit der Natur in der Großstadt bietet, ist uns ganz besonders lieb und vertraut. Es bleibt auch für viele, die feinen Urlaub, teine Erholung kennen, ja oft nicht einmal aus der Stadt hinauskommen, die einzige Offenbarung beglückender Zeiten pechsels. Die Treue, mit der uns das Leben der Natur in unsere Steinwelt folgt, wird mit frühzeitigem Siechen bezahlt. Dazu kam die allzu fatte Glut wir werden in der Stadt sehr rasch den Herbst haben und dieser Herbst selbst wird wieder sehr lang sein. Ganz so, wie es im Leben der arbeitenden Großstadtmenschen geht, denen frühe Jugend nicht immer Frühling und der Herbst nur selten Ruhe und Ernte bedeutet. Und denen mitten im Sommer das helfte Licht harte und schwere Schatten hat. So soll es sein auf der Höhe der Jahreszeit wie im Reich des Lebens: Vorzeitiges Berblassen und Belfen will uns mahnen zur Vervielfältigung unserer Kräfte, zu mutigem Streben nach dem Befiz allzu schnell entgleitender Freude. Wie schnell und du möchtest gerne im Sommerland wandern, aber das Land ist ein anderes geworden, und so schön der Herbst ist, es fällt dich doch wie Reue an, daß du Frühling und Sommer un genugt vorüberließest. Noch merkst du nicht recht, daß die Tage fürzer werden, bis dich plötzlich eine Gewißheit mit Bangen erfüllt und das Erkennen flagt, wieviel föstliche Stunden des Lichtes mit all den jubelnden und beglückenden Lebensregungen unbeachtet an dir vorübergingen. -W Aber wie oft erneuert sich denn dem Menschen der Bechsel der Jahreszeiten? Geschieht es fünfzigmal, dann war es schon eine Be günstigung, an siebzig Malen ist es schon fast ein Wunder. Armer Großstadtmensch, laß dir die Mahnung zum Glück dienen, läßt dir schon dein hartes Berfleben so wenig Stunden zu Neigung und Luft- nüße die wenigen aus und werde glüdlich in ihnen! Hüte dich, daß du vom Herbst überrascht wirst oder daß dich gar der Winter überfällt! Noch stehen mir mitten im Sommer, noch ist nichts verloren aber die Zeit steigt wieder von sonniger Höhe und du darfst nicht das Schicksal deiner Bäume in stidender Asphaltumschlingung teilen. Sei stark und tapfer, wie du es sonst bist, und mache dir jest jeden Tag, der doppelt foftbar ist, weil es dem Ende zugeht, zu befizwiffender Freude! Ein Heim der Arbeit an der Märkischen Ostsee". Eine der schönsten Gegenden in der Nähe der Reichshauptstadt ist, so schreibt man uns, unzweifelhaft das Gebiet des Shar: mügelfees. Der See selber ist der größte und schönste der Mart; er wird auch die märkische Ostsee" genannt. Eingebettet in liebliche Höhen, ist er eine Stätte edelster Freuden. Nur eine Beobachtung stört, nämlich, daß die der Erholung am meisten bedürftigen Volfsfreise ihn am wenigsten aufjuchen. Das hat den sehr naheliegenden Grund, daß der Arbeiter und fleine Mann die Dornehmen" Gaststätten nicht aufsuchen tann, weil er die Preise nicht zu zahlen vermag. Darin soll nicht ohne weiteres ein Bor murf gegen die Befizer liegen. Sie müssen den verwöhnten Ansprüchen von Berlin- Kurfürstendamm Rechnung tragen und haben infolgedeffen auch außerordentliche Laften. Vor der Induftricali fierung" des Seeusers, das fast ganz in privatem Befit ist, zu Zeiten des Löschebrands, war es anders. Damals tam das Großberliner Proletariat viel zahlreicher die nach Saarow, Piestow und den übrigen Seeorten Weltbadpreise waren eben noch nicht eingeführt. Nun heißt es eben: Der Scharmüßelsee muß sozusagen für die arbeitenden Klassen wiedererobert werden. Wie das zu machen ist? Man errichte am Ufer des Scharmüßelsees nach Silberberg zu, wo der Boltsfeuerbestattungsverein ein umfangreiches Gelände erworben hat, von welchem er sicher einen Teil abgibt, ein heim der Arbeit, eine einfache und doch geschmackvolle Gaststätte mit Uebernachtungszimmern, Jugendherberge, Bade- und Ruderbetrieb. Dann wird 161 Sinnenspiel. Aus einem Tagebuch. mitgeteilt von Kurt Eisner. 18. September. Ich übe mich im Bergessen. Es gelingt nicht. Ich tomme immer zu dem gleichen Ergebnis. Ich muß Gewißheit haben und dann die Folgen tragen. In niedriger Gemeinschaft weiter zu hausen, das wäre eine Schändung des reinen Glücks, das wir uns einst schufen. Wie sollten auch die Kinder in solch einem Berhältnis gedeihen! Klara schreibt wieder täglich, furz und inhaltlos. Doch scheint sie mir etwas gefaßter. Sie spricht bereits viel vom Wiedersehen, bisweilen aber huscht zwischen den Zeilen etwas Unheimliches, Angstpolies. Ich glaube, fie bemüht sich, auch zu vergessen und das Einmal hinwegzudenken. 24. September. Die Tage schleichen. Ich bin längst der einzige Badegaft. Der Bademeister, der masserscheu ist, erstaunt alltäglich, wie es einem Menschen Bergnügen machen tönne, ins Wasser zu gehen, wenn die Temperatur unter zehn Grad gesunken. Aber gerade diese Minuten im Meer, wenn ich mit den Erschütterungen der Kälte ringe und dann, halb erfroren, zitternd und flappernd in das Badetuch mich hülle, das unter der Fauft des braven Hüters in bedrohlich starke Reibung mit meinem Körper gerät Das sind die einzigen Augenblicke, an denen ich nicht dente, nicht grüble, nichts fürchte. Heute abend saß ich auf der Bant vor dem Wirtshaus. Bald fegte sich an die andere Ede ein Pärchen, das mich in der Fin fternis nicht zu bemerken schien. Ich fannte es: eine Magd, ein schmuziges, dürres, häßliches und äußerst verliebtes Geschöpf, und der Haustnecht, ein strammer Bursch. Sie wurden sehr zärtlich und schienen ganz versunken in ihre Seligkeit. Sonst erheiterte ich mich an solchem Menschlichen. Heute war es mir widerlich. Ewig das Männchen und das Weibchen! Und die verlogene Aus. staffierung des gemeinen Dursies. Ich fühle, daß ich wieder in den Zustand jener Zeiten der Krankheit geraten bin, da mir jedes psychologische Bedürfnis und alle natürlichen Berrichtungen den tiefsten Abscheu einflößten, da ich wie ein Affet im befreiten Geiste schwärmte und das Leibliche haßte als ein Etelhaft- tierisches. Die in irgend beiden bemerkten mich schließlich doch und liefen davon einen johnmuzigen Winkel. hier ein Zeitralpunkt für die gesamte moderne Arbeiterbewegung geschaffen, ein machtvolles Zeichen ihres Aufstiegs. Die Arbeiter wohlfahrt könnte wohl die Sache in die Hand nehmen; ihr blüht hier ein Zentralpunkt für die gesamte moderne Arbeiterbewegung Partei, Gemertschaften, Genossenschaften und Arbeitesportvereine werden das Unternehmen gern unterstützen. Gewiß bereitet die Rapitalbeschaffung Schwierigkeiten, aber sie sind zu überwinden. Wir müssen und werden Vertrauen zu uns selber haben. Ein hartnäckiger Vater. Weil er wieder heiraten will. Bermandtschaft verpflichtet nicht immer! Oft find die Gegen lätze in der eigenen Familie härter und erbitterter wie zwischen fremden Leuten! Wenn sich vor dem Schöffengericht in Moabit ein Brautpaar, das furz vor der Eheschließung steht, wegen Dietftahls zu verantworten hat, tann man sich eines Mitleids mit den jungen Leuten nicht erwehren. Um so mehr wenn ihre Anfläger der ater des Bräutigams und die Schwester der Braut find. Der Arbeiter Reinhold P. und seine Braut Emma R. find peinlichst bemüht, ihren Richtern immer und immer wieder zu erklären, daß sie nur wenige Wochen vor ihrer gesehlichen Ehe schließung stehen, also ein wirkliches Brautpaar find. Trotz der schweren wirtschaftlichen Zeit wollen sie gemeinsam leben, aber auch gemeinsam arbeiten! Run haben sie eine entseßliche Angst, daß einer von Beiden in das Gefängnis tommt, womöglich gleich heute festgehalten wird. Was sie taten, geschah in bitterster Not! Ein Rind wurde frühzeitig geboren, die Entbehrungen dadurch noch größere! Nun ging der Bräutigam zu seinem Vater, die Mutter ist gestorben, und verlangt sein Erbteil. Aber der hat andere Gedanken, er will wieder heiraten und verweigert dem Sohne alles. In dieser Lage läßt sich der Berzweifelte dazu verleiten, mit Gewalt einige Wertsachen an fich zu bringen. Unter anderem soll auch ein Anzug und eine Hoje darunter gemesen sein. Der Bater antwortet mit einer Antlage megen Diebstahls. Und so hat auch die Braut gefehlt. Ihrer Schwester nahm sie eine Uhr und andere Gegenstände. Wohl auf Beranlassung des zufünftigen Schwiegervaters war auch hier die Antwort die gleiche. Jetzt steht das junge Baar auf der Antlagebant, verängstigt und verschüchtert. Das hatten sie nicht vorausgesehen. Der hartherzige Bater bleibt starr und unbarmherzig bei seiner Anzeige. Er hätte sie zurüdnehmen fönnen! Er tut es nicht! Und auch die Schwester des jungen Mädchens zeigt menig mehr Mitleid. nur von dem Recht, ihre Aussage verweigern zu dürfen, macht sie der Schwester gegenüber Gebrauch! Also mußten die Angeklagten verurteilt werden... 3 Mo nate Gefängnis sind der Erfolg, den der Vater dem Sohne, die Schwester der Schwester gegenüber verzeichnen durften. Das Brautpaar aber durfte selbstverständlich nach Hause gehen. Sie werden später ihrem Kinde von dem„ guten Großvater und der netten Tante" fehr viel zu erzählen haben! Ein verschimmelter Keller als Wohnraum. Bor ungefähr drei Wochen erhielt eine Familie mit einem dreizehn Monate alten Rind, die solange möbliert gewohnt hatte, endlich eine Wohnnug. Sie liegt in der Großen Frankfurter Straße. Das Haus fieht noch einigermaßen annehmbar aus, aber die Wohnug befindet sich im Hinterhaus, im Keller. Es ist taum glaublich, daß ein solches Gelaß als Wohnung bezeichnet wird. Diese Kellerräume erhalten nie Sonne, fie sind unendlich verraucht und verschmutzt und spotten jeder hygienischen Forderung. An den Bänden haben sich Schwammtolonien angefiedelt, an denen der Bakteriologe seine helle Freude erleben würde. Der Aufent halt in solchen Räumen muß unbedingt für die Bewohner eine Gesundheitsschädigung mit sich bringen. Sie werden aber einer Familie mit einem dreizehn Monate alten ind als Wohnung angeboten. Der Wirt mill sie nicht mehr vermieten, aber das Wohnungsamt besteht darauf, daß sie bezogen wird. Es wäre dringend notwendig, wenn das Gesundheitsamt dieje Räume einer eingehenden Prüfung unterziehen würde. Der Erbonkel aus Vera Cruz. Der frühere Reiner Ernst Werner, den bereits sein Vater wegen feines leichtsinnigen Lebenswandels und wegen einer leicht finnigen Heirat enterbt hatte, verstand es, einen hiesigen Gastwirt zu betrügen, indem er ihm das Märchen von dem Ableben eines reichen Erbonkels in Bera Cruz mitteilte. Der Gastwirt lieb ibm gerne 3000 M., weil der unglüdliche Erbe in größter Berlegenheit glaubhaft machte, daß er zum Antritt der Erbschaft" 17 " 25. September. Ein Einfall tam mir heute. Barum sollte nun auch ich nicht Ernst machen. Gehe ich nicht so zugrunde? Ich dachte an Mien chen, an das Mädchen aus der Beibertonditorei. Die bloße Vor stellung flößte mir Efel ein. D, dieses stumpfsinnige, gemeine, blöde Handwert der Begierde! Reinheit ist nur in der unbelebten Natur, in dem Lichtertanz der toten Materie. Die Menschheit ist eine Horde von Bestien, die nicht einmal den ehrlichen Mut haben, es find verihre Biehheit zu bekennen, und lieber heucheln logene Bestien. Heute fügt Klara einem Brief das flüchtige Poststript hinzu: Das Rind" ist vor ein paar Tagen abgereift. Er will diesmal ins Ausland. Gottlob." 28. September. Wenn ich nur einmal recht schlafen fönnte... Ist es nicht grausam, daß ich gerade jezt ein Drittel mehr leben muß, meil es feinen Schlaf für mich gibt. Das ganze Leben ist eine schlaflose, fie endigt erst, menn Don qualvollen Gebanten zerriffene Nacht man einschläft. Dienstag, 4. August 1925 wegen einer testamentarischen Bestimmung des Erblassers den Nach weis geschäftlicher Selbständigkeit erbringen müsse. Da Werner dem gutgläubigen Gastwirt sowohl eine gefälschte Testamentsabschrift als auch ein gefälschtes Telegramm aus Amerika vorlegte, ließ diefer sich noch einmal zur Hergabe von 1000 m. überreden, wofür er auf spätere Entschädigung rechnete. Er erstattete erst Anzeige, als er merkte, einem Schwindler in die Hände gefallen zu sein, und daß alle Angaben Werners über den Ankauf eines Geschäftes auf unwahrheit beruhten. Das Schwindlerehepaar auch die Frau hatte sich sehr erfolgreich baran beteiligt erhielt nunmehr je ein Jahr Gefängnis, aber der Gastwirt hat von seinem Gelde nichts wieder gesehen. Die Verfassungsfeier. Berkaufsstellen von schwarzrotgoldenen Fahnen! Um der republikanischen Bevölkerung den Kauf der Fahnen zu erleichtern, hat der Warenvertrieb des Reichsbanners noch folgende Bertaufsstellen eingerichtet: Rahtmann Schöneberg, Belziger Straße 27 Bor Hamburger, Stegliz, Schloßstr. 113 märtsausgabe, Berlin, Immanueltirchstr. 24 Bor= warisausgabe, Charlottenburg, Seesenheimer Str. 2 Israel, Berlin NW, Bachstr. 4 Borwärtsausgabe, neutölln, Redarstr. 2- Reßler, Treptow, Grägstr. 50 Baul, Oberschöneweide, Wilhelminenhofstr. 449 Köpenid, Freiheit 7. Abzeichen zum Berfaffungstag. 97 Breuer, Jeder Republifaner muß am Berfassungstag seine Gesinnung auch offen bekennen. Zu diesem Zwed hat das Reichsbanner ein geschmackvolles Berfassungstagabzeichen geschaffen, das zum Preise von 1 M.im Gaubureau des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, Berlin S 14, Sebastianstr. 37/38 sowie bei allen Gewerkschaften, bei F. H. B. Diez Nachf., Lindenstr. 2, bei der Geschäftsstelle des Vorwärts", Lindenstr. 3, Hauptgeschäftsstelle der Deutschen Demokratischen Partei, Bernburger Str. 18, Deutsche Demokratische Partei, Zinimerstr. 7/8, Geschäftsstelle der Germania" Stralauer Str. 25, sowie an den Theaterfaffen der Warenhäuser Hermann Tiez zu haben ist. Das Ab zeichen berechtigt gleichzeitig zur Teilnahme an sämtlichen Ver anstaltungen des Sonnabend und Sonntag ohne jede weitere Nachzahlung. Republikanische Wassersportier. Am Lage der Berfassungsfeier, den 9. August, ist auch den Bassersportlern Gelegenheit gegeben, für die republitanische Staatsform zu demonstrieren. Während der Vormittagsfeiern veranstalter die republikanischen Wassersportler auf dem Landwehrkanal eine Rorsofahrt mit Musik quer durch Berlin. Treffpunkt und Einschleusen vormittags pünktlich 8% 11hr an der Treptow. Im Anschluß daran nehmen die Wassersportler dann in Oberschleuse, gegenüber dem Osthafen. Rückkehr nachmittags 1 1hr nach Sportkleidung an dem Aufmarsch und dem großen Festakt auf der Spielweise in Treptom teil. Dem Feste entsprechend werden die teilnehmenden Kanu, Ruder und Motorboots befizer gebeten, die Farben der Republit zu fezen. Unfosten durch Einschleusen entstehen den Teilnehmern nicht. Wasser sportler, die noch an der Demonstration teilnehmen wollen, merden um fofortige Anmeldung beim Gau des Reichsbanners, Berlin 1. Sebastianstr. 37/38, gebeten. * In der Mitteilung unserer Sonntagsausgabe„ Die Berfassungsfeier am nächsten Sonntag", ist im zweiten Abschnitt der Tag verwechselt worden. Es hieß dort irrtümlich: Am Sonnabend selbst ist ganz Berlin zur Beteiligung an der Berjaijungsfeier aufgerufen. Nicht am Sonnabend", sondern am Sonntag sind die Volksfeste. Auch die republikanischen Kundgebungen in den Vormittagsstunden in allen Stadtteilen Berlins finden nicht am „ Sonnabend", sondern am Sonntag" statt. Das verregnete Kümmelblättchen. Nicht Bind und Wetter fönnen die eifrigen Spieler abhalten, on den entlegenen Stellen des Grunewaides ihre Bank" aufzu Tegen und die Leichtgläubigen zit prellen. Der Sonntagpormitag hatte, wie immer, viele Berliner in den Grunewald gelockt. Als gegen 4 1hr das Gewitter einseite, suchten die Ueberraschten unter den Bahnübergängen der Avus und an anderen geschüßten Stellen Zuflucht. Sofort waren an diesen Pläßen auch die Spielhalter zur Stelle, und geschickt wußten sie die Langeweile der Wartenden auszunuzen. Aber auch die Polizei wußte, wo sie aufzufspüren waren. So gelang es einer Streife der Kriminalund Schußpolizei, eine Partie" in der Nähe von Schlachtenjee zu überraschen. Troß aufgestellter Spanner fonnten die Beamten geht wieder an sein Graben. Wir liegen fast den ganzen Tag am Strande und bauen die großartigsten Bewässerungsanlagen. Erst schaufeln wir im Trodenen ein Geflecht von Gräben und Teichen; der Hauptkanal, der zum Meer führt, wird zunächst vorn durch einen Damm verschlossen. Dann, wenn alles fertig ist, wird der Damm Durchstochen. Belcher Jubel, menn dann auf einmal all Das glückliche Kind hat noch die Tiefen sich mit Wasser füllen. feinen Begriff von der Zeit. Jeder Tag ist ihm bis zum Rande erfüllt von froher Lebenstätigkeit. Er vergeht ihm nur allzu schnell, und er ist sich nicht bewußt, wie viele vorübergehen. So wartet er geduldig und ohne Sehnsucht, bis die Mutter wiedertommt. Und bald wird er auch die Frage vergessen. Ich habe mich nur schwer entschlossen, von der Arbeit wegzugehen. Aber der Arzt bestand darauf, daß ich ausspanne, und er hat recht. Ich habe Bflichten. Ich habe Pflichten. Ich muß mich erhalfen obwohl ich nirgends ein ruhiges Raften finde. Fast ein ganzes Jahr ist es her, daß ich dieses Heft nicht berührte. Ich magte es nicht. Ich wollte nicht mit mir selbst 3miesprache halten. Nicht wie sonst des Abends, menn alle zu Bett Ich bin niemals mehr wach, ich bin immer nur schlaflos, auch gegangen, mochte ich ausbleiben und mir von mir beichtend und am Tage. 29. September. Morgen reise ich ab. Ich will gefaßt sein, würdig und freund lich. Ein Mensch, der Menschliches begreift, nicht zürnt und tobt, ohne zu schwanken. sondern still und ernst hut, was er hun muß Milde und fest. Ich weiß faft auswendig, was ich sagen werde. Ich habe ja tein Recht, den Stein auf sie zu werfen... Binsensee, den 14. Auguft 189. Seit at Tagen bin ich num wieder hier, in dem alten Wirts haus, in dem alten Zimmer. Es hat sich nichts verändert. Nur bin ich diesmal nicht allein. Im Bettchen dort drüben schläft mein er hat es lange Bube, rosig und ruhig. Heute fragte er mich wieder, wann denn die Mama zurückommt. nicht getan ,, Noch nicht", sage ich. 44 ,, Aber sie bleibt furchtbar lange", meint das Kind. Ja, fie ift auch sehr weit verreift." Weiter noch als Berlin?" „ Ja." Als Afrita?" Ja." Dann muß es jebe weit jein," jagt der Junge erstaunt ins urteilend erzählen. Ich bin die Zeit über, wenn mein Tagewerk vollendet, so schnell wie möglich selbst ins Bett geschlüpft. Es war mir wie ein Ainl. Ich bin schon jetzt in dem Zustande der alt und mürb gewordenen Menschen, die fich Sonntags nachmittags zu Bett legen, weil sie nicht wissen, was sie anfangen sollen, wenn fie die Maschine des täglichen Erwerbslebens freigegeben hat. Auch mir ist das Bett zum Freunde, zum Sorgenlöscher geworden. Man dämmert so dahin, denft nichts recht flar und scharf, Sorge und Sehnsucht ermatten in dem lauen Bade und schlafen schliez lich wohl ganz ein. Aber hier ist mir in den acht Tagen wieder ein menig der Sinn erfrischt. Es erwacht wieder in mir die Lust, mein bißchen Leben zu buchen. Bisher fürchtete ich mich danor; denn ich hätte bei solcher Einfehr immer nur den einen Gedanken aufgeweckt, den ich doch bannen muß: Brich dein Wort! rufe sie zurüf. Lebe mit ihr, so schimpflich und niedrig das Dasein sein mag alles ist besser, als diese tödliche Einsamkeit. Wohl ein dugendmal habe ich den Brief geschrieben, der fie rief, mit heißen inständigen Worten, immer noch fand ich die Kraft, ihn zu verbrennen. Ich wußte ja, daß, wenn meine Sehnsucht erfüllt, dann jenes widerliche Spiel zwischen Neigung und Hader entstehen würde, in dem die Ehen und die Menschen faft immer verwahrlofen und zugrunde gehen. ( Fortseßung folgt) unbemerkt herantommen und Karten und Rasse beschlagnahmen. Die Spielhalter, ein Arbeiter Ludwig R. und ein Kaufmann Erich F. aus Neukölln und Charlottenburg, wurden mit zur Wache ge nommen. Geständnisse und Widerrufe. Zum Urteil im Potsdamer Mordprozeß. Unter den Mordprozessen der letzten Jahre würde es nicht leicht sein, einen zweiten zu finden, der 22 Verhandlungstage beansprucht hätte. Es war ein Indizienprozeß: Auf Grund der Ausjagen von etwa 300 Zeugen mußte das Gericht die Entscheibung treffen. In knappen Worten seien die Tatsachen dieses Monsterprozeffes ins Gedächtnis zurückgerufen. Am 26. August 1922 ist der Bierfutscher Hauffe in der Nähe von Luckenwalde durch einen Schuß ermordet worden. Das von ihm einkassierte Geld fehlte. Die Leiche fand man mit Garben bedeckt im Walde, Wagen und Pferde auf einem entlegenen Orte, Schinderloch genannt, die Täter unauffindbar. Mordplatate mit ausgeschriebenen Belohnungen blieben erfolglos. Acht Monate waren bereits verstrichen als der 17jährige Fürsorge zögling 2öhnig in die Fürsorgeanstalt zurückgebracht, aus der er entwichen war, plöglich das Geständnis ablegte, zusammen mit dem 19 jährigen Karl Simon den Biertutscher er mordet zu haben. Simon, des Mordes bezichtigt, bestritt anfangs der Täter gewesen zu sein, gestand aber dann die Tat, um fie hinterher aufs neue zu widerrufen. Auch Löhning tat das gleiche. Das Gericht war so gezwungen in alle Einzelheiten des Bu standekommens der Geständnisse und der Widerrufe einzugehen. Wie diese, so war auch jene in der Hauptsache psychologisch zu be werten. So viel stand fest: Löhnig hatte sich verschiedenen Straus berger Kameraden gegenüber über seine Teilnahme am Mord geäußert. Von dem besonders beliebten Erzieher ins Gebet genommen, geftand er unter Tränen die Tat und gab Einzelheiten an, die er nur als Teilhaber wissen konnte. Sein Geständnis wieder holte er vor dem Direktor und vor verschiedenen Kriminalbeamten, vor dem Untersuchungsrichter, Gefängnisgeiftlichen, verschiedenen Gefängnisgenoffen, vor seinem Pflegebruder. Im Gefängnis nahm er fein Geständnis zurüd: Er erflärte, fich fälschlich selbst bezichtigt zu haben, um aus der Strausberger Fürsorgeanstalt her. auszukommen. Schon früher, vor seiner Rückkehr in die Anstalt hatte er aus dem Gefängnis geschrieben: Die Behandlung in der Anstalt set eine derartige, daß man ein Mörder werden könne". Simon beftritt feine Teilnahme. Er sprang Löhnig an die Gurgel, als dieser bei einer Gegenüberstellung ihm die Tat auf den Kopf zusagte. Er blieb anfangs bei seinem Leugnen, auch troß der eindringlichen Briefe Löhnigs, in denen er ihn beschwor, die Bahr heit zu sagen. Er war aber unter Tränen geständig, als der Kriminalkommissar in der Unterhaltung seine Mutter erwähnte, erflärte aber am nächsten Tage, nur gestanden zu haben, um dann Ruhe zu haben, bestätigte hinterher von neuem, am Morde teilgenommen zu haben und widerrief schließlich endgültig das Geständnis. Vor Gericht erklärte er: Allein die Mißhandlungen der Kriminalpolizei hätten ihm das Geständnis erpreßt. Gleich Löhnig wollte er die Einzelheiten der Tat aus den Mordplakaten, Zeitungen und aus verschiedenartigen Gesprächen erfahren haben. Zeugen bestätigen aber, daß Simon derjenige war, der am Abend vor der Tat von dem ermordeten Bierfutscher mit auf den Wagen genommen worden war. Sein Alibibeweis mißlang. Das Verhalten beider Angeflagten während der verschiedenen Zeugenaussagen schien dar auf schließen zu lassen, daß sie doch die Mörder waren. Allerdings widersprachen fich die Aussagen der Angeklagten in verschiedenen Bunften. Auch erflärten einige Kriminalbeamten, daß sie von Anfang an den Geständnissen mißtraut hätten. Das Gericht fam aber zur Berurteilung. Und pielleicht zu Unrecht. Burro Der Berliner Parteitag. Wahlen und Anträge. Mit dem dritten Tagungsordnungspunkt des Bezirksparteitages:| dingungen für eine bessere Berücksichtigung zu schaffen. Protestiert wird weiter gegen die Aufrechterhaltung des§ 14 der Beamten Gleich▾ Wahl der Delegierten zum Reichsparteitag und Bestätigung der abbauverordnung, der die verfassungsmäßige Delegierten zum Internationalen Sozialistischen Kongres in berechtigung der weiblichen Beamten und Angestellten aufhebt. Marseille, entgegenzumirten. Die Resolution verlangt zum Schluß, daß die Parteivorstand und Reichstagsfraktion werden ersucht, dem energijo Frauen ihren ganzen Einfluß im Kampf gegen den Altoho. lismus einsehen. ift die Beratung der entsprechenden Anträge verbunden. Der Bor. figende Genoffe Künstler geht als ordentlicher Delegierter nach Mar. seille, die Genossin Bohm- Schuch als Gastdelegierte. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Mit großer Mehr. heit wurde einem Antrag des fünften Kreises zugestimmt, der besagt: Genossen, die höhere politische Stellungen befleiden, wie Reichs- und Landtagsabgeordnete, Minister usw., dürfen in rein privattapitalistischen Betrieben ohne Genehmigung der Partei keine Aufsichtsratsposten einnehmen." Bei der Beratung der vorliegenden Anträge entspinnt sich eine längere Aussprache über einen Antrag Charlottenburg, der verlangt, daß die Internationale dahin wirken soll, in die Strafgesetzgebung aller Länder strenge Strafbestimmungen gegen Aufreizung zum Krieg und Völkerhaß aufzunehmen, dagegen die Strasbestimmung gegen Kriegsdienstverweigerung aus Gewiffensbedenten zu streichen. Ferner sei zu mißbilligen, daß die Aufgaben der Landes. perteidigung zum Borwand für agressive Kriegshäuser: rüstungen genommen und Defenfiobündnisse mit agressiver Spige abgeschlossen werden. Nach eingehender Aussprache wird dieser Antrag schließlich an genommen; er geht an den Internationalen Sozialistentongreß in Marseille. Abgelehnt wird ein Antrag Neukölln, die Jungfozialistische Bereinigung aufzulösen. Dafür wird der Parteivorstand ersucht, fich mehr als bisher mit den Zielen und der Arbeit dieser Bewegung zu befaffen. Zustimmung des Bezirksparteitages findet nach einer Begründung durch den Genoffen Kogur ein Antrag an den Reichsparteitag, der verlangt, daß Parteigenossen, die als Lohn- und Gehaltsempfänger arbeiten, Mitglied einer freien Gewertschaft fein müssen. Ferner wird angenommen ein Antrag, der von der Reichstagsfraktion dens ch är f ften Rampf gegenwohnungswucher, Wohnungselend und Wohnungslosigkeit und für eine soziale Wohnungspolitik fordert. Die Frauen bedauerten in einer vorgelegten Resolution, daß dem Wert der Zusammenarbeit von Mann und Frau im Parla ment bei der Aufstellung der Kandidaten zu den Barlamenten nich: überall Rechnung getragen wurde. Die Genossinnen werden auf gefordert, durch regfte Mitarbeit im politischen Leben die Vorbe Vier Todesopfer im Kaisergebirge. Dem Parteivorstand überwiesen wird ein Zusazantrag AufBarteigenoffen, die ein politisches Amt oder ein parlamen tarisches" Mandat innehaben und sich durch Inanspruchnahme von materiellen oder anderen persönlichen Vorteilen dazu bestimmen lassen, ihren Einfluß oder ihre Stimme zugunsten der Erlangung eines Vermögensvorteils für einen Dritten geltend zu machen, sind aus der Partei auszuschließen. Darüber hinaus ist durch solche Sagungsbestimmungen allgemein die Verquidung von Politit und Geschäft zu unterbinden. Das Ergebnis der Delegiertenwahlen zum Reichs. parteitag in Heidelberg hatte folgendes Ergebnis: Rünftier 259 Stimmen, Wengels 229, Adolf Hoffmann 218, Schweidardt 217, Harnisch 213, Todenhagen 196, Liedle 186, Hennig 179, Thurm 179, Hille 170, Bagels Zum 164, Buchmann 164, Wendt 162, Maderholz 156, Scheibenhuber 152, Rreutlein 145 Stimmen. Frauentag wurden gewählt die Genofsinnen Helene Schmitz und Amalie Möbus. Bei der nunmehr folgenden Beratung des neuen Statuts für den Bezirksverband erläutert Genosse Liedte den gedruckt vorliegenden Entwurf und die Abänderungsanträge der Kreise. Nach einer furzen Geschäftsordnungsdebatte wird der Saßungsentwurf unter Ablehnung aller Abänderungsanträge angenommen. Nach einem Schlußwort und einem Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie schloß Genosse Künstler den Bezirksparteitag um 4 Uhr. 1 Mitgliederversammlungen heute, Dienstag, den 4. Auguft: Moabit II: Gemeindeschule, am Stephansplak. Webbing- Norb: Schule Millerstr. 48. Norboften II: Danziger Str. 62. Rosenthaler Borstadt: Gipsits. 25a. Brenzlauer Borstadt: Danziger Str. 23. Schöneberg I: Rubens, Ede Sauptstraße. Weiten: Baugewerksäule, Kurfürstenstr. 141, Bortong: Samburg". Marienberf: Alte Schule, Dorfftr. 7, Simmer 11. Steglik I: Albrechtstr. 47. Wannsee: Schule Charlottenftrake, Disfuffion: Samburg". Neukölln V: Savierfeste. 44.- Köpenid: Grünauer Str. 5, Sof rechts. Reinickendorf- Weft: Reinidendorf- Dit: Geebab, Residenzstraße. Rosenthal: Schule Schillerstraße. Tegel: Bahnhofftr. 15. Buchholz: Lokal Roffad, Sauptstr. 71. Niebersihönhansen: 1. Gemeindeschule, Blankenburger Str. 69-70, Reichenfaal. Pantow: Breite Straße. München, 3. August.( Eigener Drahtberict). Das Toten fir& I im Raifergebirge( Eingangsstation Rufftein), eines der be rühmtesten Klettergebiete der Alpen, forderte am geftrigen SonnEs handelte fich um eine sogenannte tag vier Todesopfer. Führerpartie der Münchener Alpenvereinsfettion Bergland", die trop des Regen- und Schneewetters den Aufstieg versuchte. Die infolge der Kälte hervorgerufenen Schwierigkeiten waren aber so Jugendhaus in der Seibelstrake. enorm, daß bei dem Abstieg vier der Touristen den Erschöpfungs. tob erlitten, während der fünfte von der Rettungsexpedition und mit ärztlicher Hilfe noch lebend geborgen werben konnte. Am gleichen Tag fand auf dem Kletterweg des Totenkirchts der berühmte Kletterführer der Dstalpen Hans Fichtl den Tod durch Absturz. Dieses Unglüd geschah infolge Seilreißens. Bie waren aber die Angeflagten zu Mördern geworden? Parteinachrichten Einsendungen für dieje Rubrik find Berlin 68. 68. Lindenitraße 3. 2. Kreis Tiergarten. Vorträge, Vereine und Versammlungen. für Groß- Berlin teemader. Sanitäter und Rachrichtendienst mullen erscheinen. Remerabſchaft ftets an das Bezirkssekretariat. 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten Mittwoch, den 5. Auguft, Raffeelochen im Infel. ( Nur bei fchönem reftaurant Plögenfee( Spandauer Schiffahrtskanal). Wetter.) Gäste willkommen. 5. Kreis Friedrichshain. Mittwoch, den 5. Auguft, 7% Uhr, Sigung der Rommunalen Rommission mit fämtlichen Bürgerbeputierten bei Rofin, Gubener Str. 19. 11. Areis Ghöneberg- Friedenau. Mittwoch, ben 5. Auguft, Schlußfeier der Ferienkolonie( Spielplan), Endstation der Linie 43( Dahlem). Eltern und Barteigenoffen find eingeladen. Löhnigs Bater, ein Säufer und brutaler Mensch, schlug seine Frau als fie mit dem Knaben schwanger war. Die Mutter starb an Schwindfucht, der Junge fam zu Pflegeeltern, an denen er sehr hing, die aber mit dem Jungen nicht fertig werden fonnten. Siebenjährig fam er zu Menschen, die gleichfalls unfähig waren, seiner fchlechten Eigenschaften Herr zu werden und seine guten zur Entfaltung zu bringen. Im gleichen Maße mißlang dies der Fürsorgeanstalt in Strausberg, aus der er immer wieder entwich, und auf die er einen maßlosen Haß hatte. Die Praktiken dieser Anstalt, die unter Umständen Prügel als Erziehungsmittel ansahen, schien auch nicht dazu angetan zu sein, ihn zu einem brauchbaren Menschen zu machen. Simon fehlte der Vater während der Kriegszeit. Er fam von einem Lehrmeister zum anderen und bestahl sie immer wieder, er bestahl auch seine Kameraden in der Truppe, machte sein Gefellenstück, trieb sich dann herum, lernte den aus der Anstalt entmichenen Löhnig kennen und soll beim Metallsammeln auf einem Schießfelde mit ihm zusammen den Mordplan beschlossen haben. 108. bt. Röpenie. Mitgliederversammlung 7½ Uhr im Stadttheater, FriedSimon dürfte zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt werden, Löhnig aber in acht Jahren, vielleicht auch schon früher in die Freiheit zurüctehen. Sein Schicksal wird dunkel bleiben, wie sein Leben begann. Makedonischer Abend. Der Verein makedonischer Studenten veranstaltete am Sonnabend einen makedonischen Abend im Schillersaal Charlottenburg, auf dem Professor Dr. Raffner den Festvortrag hielt über das Thema Makedonien in Bergangenheit und Gegenwart". Er führte nach einer historischen Einleitung ungefähr aus, daß Makedonien seit dreißig Jahren der Kern aller politischen Zwiftig feiten und blutigen Ereignisse auf dem Balkan gewesen sei und daß die matedonische Frage heute noch einer gerechten und endgültigen Lösung harre. Aus Makedonien stammten die ersten Denkmäler einer bulgarischen Kultur, Makedonien empfinde bulgarisch, aber immer wieder sei es von anderen Staaten und Bölfern vergewaltigt worden, besonders nach dem Verfall des osmanischen Reiches von Serben und Griechen. Trog aller Aufstände hätte man die heiß erfehnte Selbständigkeit noch nicht erreicht. Professor Kaffner ging dann auf die kulturelle Bedeutung des Landes ein und zeigte an Hand selbstaufgenommener Lichtbilder die landschaftlichen Schönheiten Makedoniens, die Bolfstrachten und Volksfeste. Großer Beifall dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen. Eine Viertelffunde Karikaturen. Gleich von vornherein: In dieser tabarettistischen Nelson revue im Theater am Kurfürstendamm ist die Conference Friz Wiesenthals eine Revue des Wiener Humors für sich. Und dann die beiden Leopoldis... Schade, das Wiener Stimmungstrio geht nun in diesen Tagen schon wieder fort. Aber wovon gesprochen werden sollte, da zeichnet Emmerich Göndör( diesmal im Frad), den Vorwärts"-Lesern bestens bekannt durch seine scharfpointierten politischen Karikaturen, wie seine stimmungsdurchtränkten Momentbilder von der Frant. furter Arbeiterolympiade, die Köpfe des Bublifums mit Berve und Routine. Berblüffend, mit welcher Sicherheit Göndör das Romische und Charakteristische dieser Bublifumsföpfe mit leicht grotester Untermalung aufs Papier bringt. Dazu ist er fein eigener Ansager auf Ungarisch- Deutsch. Was zu mancherlei puzigen Sprachneu schöpfungen führt. " Arbeitsgemeinschaft ber Rinderfreunde Grok- Berlin. Mittwoch, den 5. Auguft, 7 Uhr, Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3, Selfernigung. Tagesord nung: Die Reichskonferenz im Oktober. Jeber Bezirk muß vertreten sein. Heute, Dienstag, den 4. Auguft: 74. bt. Rehlendorf. 8 Uhr bei Midlen Funktionärsikung. 95. Abt. Neukölln. 7% Uhr bei Neitsch, Jägerstr. 65, Treffpunkt der Romitee mitglieder. richstr. 6, kleiner Saal. Bericht der Bezirksverordnetenfraktion. Stellung nahme zur Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordneten, und Beairtsverordnetenwahl. Jungfozialisten. Gruppe Tempelhof- Marienborf: 7% Uhr im Jugendheim Germaniaftr. 6-7, Bortrag des Genoffen Fromm. Gruppe Süden: 7% Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3 ,,, Die Gaukonferenz in Oranienburg". 16. Morgen, Mittwoch, den 5. August: t. 8 Uhr bei Krüger, Suffitenstr. 34, Mitgliederversammlung. 17. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlunga im Gesellschaftshaus, Triftstr. 63. Stellungnahme zu den Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. Genoffe Fuß. 36. Abt. Raffeekochen der Frauen in der Walbschänke Gadowa. 9% Uhr vormittags Schlesischer Bahnhof. Referent Abfahrt 37. Abt. Treffpunkt aum Frauenausflug nach Sadoma bort in der Waldidänke. 8 Uhr Funktionärsikung bei Pfeifer, Hausburgstr. 2. 38. bt. Treffpunti sum Frauenausflug nach Sabowa vormittags 59 Uhr Schlesischer Bahnhof, Madaiftraße. Nachzügler: Sadowa( Waldschänke). 58. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr Funktionärfigung im Gigungfaal antefte. 4. 84. bt. Bankwik. 8 Uhr Funktionärsfikung bei Lehmann, Raiser- Wilhelm Straße 29 81. 104. bt. Rieberschöneweibe. 8 Uhr bet Thiele, Berliner Str. 38, Borstandsfikung mit den Bezirksführern. 100. bt. Friedrichshagen. 8 Uhr bei Schols, Friebriste. 81, Mitgliederver 141. bt. Rosenthal. 7½ Uhr Mitgliederversammlung bei Moeller am Bahnbof. Aussprache über die Beteiligung an der Berfaffungsfeier. fammlung. Stellungnahme au ben Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. Jugendveranstaltungen. funft im Gesangsfaal bes Gymnasiums Rochftr. 13. Die Liften der Teilnehmer Achtung, Samburgvertrauenslente! Seute 7% Uhr wichtige AufammenAum Jugendtag müssen unbedingt zum Bergleich mitgebracht werden. Jebe Abteilung muß vertreten fein. Es erfolgt die Ausgabe der Fahrkarten. Der Gymnastikturfus fällt heute aus. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 4. August. 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikbegleitung. 4.30 Uhr nachm. Humoristisches Funkallerlei( Georg Bamberger). 5-6.30 Uhr abends: Zum 50. Todestag von Hans Andersen unter Mitwirkung von Ilse Fischer- Ramin, Herm. Kasack und Alfred Braun. 7 Uhr abends: Wilhelm auf der Nöllenburg, Dozent an der Humboldt- Hochschule: Das Papier. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Handel. Diplom- Handelslehrer William Hesse: Buchführung. 3. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Das deutsche Lied. Eine Vortragsreihe von Dr. Felix Günther unter gesanglicher Mitwirkung von Karin Lindholm, Alfred Wilde, Maria Basca, Wilhelm Guttmann, Nora PislingBoas, Kammersänger Cornelis Bronsgeest. 5. Abend. Deutsche Liszt Ein Bende Romantiker: Schumann Brahms. Nora Pisling- Boas singt zu dem Vortrage: 1. a) Robert Schumann: Mit Myrthen und Rosen( Heine), b) Mondnacht( Eichendorff), c) Ständchen( Reinick). 2. Franz Liszt: a) Es muß ein Wunderbares sein( Redwitz), b) Ich liebe dich( Rückert). c) Die Lorelei( Heine). 3. a) Johannes Brahms: Unbewegte laue Luft( Daumer), b) Sonntag( Uhland), c) Ständchen ( Kugler). Am Flügel: Dr. Felix Günther. 10 Uhr abends: Bekannt gabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Bier Jahre bürgerliche Mehrheit in Berlin. Die Auguft.Nummer der vom Bezirksvorstand Berlin der SPD. herausgegebenen Rommu nalen Blätter" ist erschienen. Folgende Beiträge sind für alle tommunalpolitisch tätigen Barteimitglieder von erheblichem Intereffe: Bier Jahre bürgerliche Mehrheit in Berlin. Das Siedlungswesen in Groß- Berlin. Wirtschaftliche Bauverwaltung in Berlin. bunft in der Berliner Wohlfahrtspflege( mit den neuen Sagungen für bie Wohlfahrtspflege der Stadt Berlin). Wetter für Berlin und Umgegend: Mägig warm. Keine erheblichen Niederschläge. Für Deutschland: An der Küfte bewölkt und vielfach Regenschauer. Jm Binnenlande ziemlich heiter. Reine erheblichen Rieber jchläge. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin S. 14. Sebaftianfte. 37/38, Sof 2 Sz. Rameradschaft Tiergarten: Mittwoch abend 8 Uhr Besprechung bei Berger, Levekomſtr. 21. Sämtliche Rug- und Gruppenführer, Quar tiermacher, Webbing: Stadfahrer am Freitag, ben 7. Auguft, abends 7 Uhr, Gikung, Christianiaftr. 116, bei Sauchard. Ramerabschaft Strensberg, Blok 12: Diens tag, den 4. Auguft, abends 7 Uhr, bei Lehmann, Mustauer Str. 1, Blod. berfammlung. 2ekte Borbereitungen sur Berfassungsfeier. Jungmannschaft Gübolt: Dienstag, den 4. Auguft, abends 7 Uhr, wichtige Rufammenkunft in der Turnhalle Mariannenufer 1a. Donnerstag, den 6. Auguft. Antreten 47 Uhr Rottbufer Tor, Ede Reichenberger Straße. Kamerabschaft Ober., Rieberschönereibe und Johannisthal: Am Donnerstag, ben 6. August, abends 8 Uhr, findet bei Räthel, Niederfchöneweide, Brüden-, Ede Spreeftraße, unfere Gitung ftatt. Tagesordnung: Der Großdeutsche Tag. Auch die paffiven Mit clieber haben zu erscheinen. Borstand und Gruppenführer haben schon um 7% Uhr dort zu fein. Ramerabidaft Pankow nebft Untergruspen: Donners tag, den 6. Auguft, abends 7 Uhr, im Türkischen Relt, Bankom, Breite Straße 14, Sameradschaftsvollversammlung. Erscheinen aller Mitalieber Pflicht. Wichtige Mitteilungen. Kamerabschaft Beißenfee mit Tatlik Untergruppen: Donnerstag, den 6. August, Monatsvollversammlung im Grünen Baum. Bekanntgabe der Richtlinien zum Großdeutschen Tag. Erscheinen fämt licher paffiven und aktiven Rameraden ift Pflicht. Freitag abend 6 Uhr De, fehlsempfang Grüner Baum. Sonntag früh 7 Uhr Antreten Grüner Baum in Bannerkleidung. Sämtliche attiven und paffiven Mitglieder haben Au erScheinen. Ortsgruppe Bohnsdorf: Seule, Dienstag, nachmittag 4 Uhr bei Seimann, Waltersdorfer Straße, gemütliches Beisammensein und Raffeekochen. Abends 8 Uhr Rameradschaftsverfammlung. Arbeiter- Rabis- Klub, Bezirk Kreuzberg, Gruppe Rottbuser Tor. Donners tag abend 8 Uhr bei Bollfläger, Adalbertitr. 21, Gruppenabend. Die Mitalieber werden gebeten, ihre Apparate für Verfuche mitzubringen. Gäfte willkommen. Gibot: Jeden Dienstagabend 8 Uhr Gikung bei Deffin, Röpenider Str. 9b, Gäfte willkommen." Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform, Bezirk Reuten. Jeben Donnerstag ab 8 Uhr abends im Restaurant Angelrath, Elbeftr. 28. Dafelbft Beratung, Salzabgabe und Neuaufnahmen. Berliner Esperanto- Bereinigung. Dienstag, ben 4. Auguft, abends 8 Uhr, in ben oberen Räumen bes Cafe Jofty am Potsdamer Plag, Ronverfations abend in Esperanto. Gäfte fehr willkommen. Thessophische Gesellschaft, wein Berlin. Mittwoch, den 5. Auguft, abends 7 Uhr, in den Gesellschaftsräumen, Wilhelmfte. 120, öffentlicher Bortrag: Die fichtbaren und unsichtbaren Welien". Jm Lichte der Rosenkreuzerlehre. Bortragender Dr. Teschner. Distuffion. Eintritt frei. Sport. Rennen zu Ruhleben am Montag, den 3. Auguft. 1. Rennen: 1. Altmark( B. Hedert), 2. Fiamette( J. Mills), 3. Good Boy( H. Grube). Toto: 22:10. Blet: 13, 14, 15: 10. Ferner liefen: Etatshöferin, Linscott fr., Snider, Dichtung, Quantität, Baron Rushaga, Benedict, Lindenwirtin I, Lester Mobifaner. 2. Rennen: 1. Rafimir( Lautenberger), 2. Dele Marion( Ringius), 3. Niederländer( B. Hedert). Toto: 117: 10. Blab: 24, 40, 24:10. Ferner liefen: Manrico, Möglich, Edelreis, Dreimafter, Paladin. 3. Rennen: 1. Flatterrofe( J. Mills), 2. Crassus( F. Schmidt), Ferner liefen: 3. Alud( Aleinau). Toto: 24: 10. Plat: 16, 17: 10. Importeur, Handfeit, Berdun. 4. Rennen: 1. Michelangelo( E. Treubers), 2. Florentiner( J.Mills) 3. Erdmann( B. Hedert). Toto: 46: 10. Blag: 16, 24, 18: 10. Ferner Hejen: Della, Lodung, Bildkaze, Interpellant, Alpenfer. Koranna. 5. Rennen: 1. Homer( Ch. Mills), 2. Doritha( Bauß jr.), 3. Colonel Bosworth( Großmann). Toto: 34: 10. Plat: 16, 23: 10. Ferner Itef: Frankenstein. 6. Rennen: 1. Frettchen( D. Jürgens), 2. Beitgeift( B. Holz), 3. Batschari( E. Perf). Toto: 38: 10. Blat: 21, 19, 57: 10. Ferner liefen: cideroje B., Daniel, Erst. Wolferfomer, Allertony, Cuba, Fenelon, Arion J., Linsko, Odessa Fürst. 7. Rennen: 1. Bez( Großmann), 2. Hetman( 3. Mills), 3. Copal ( F. Schmidt). Toto: 33: 10. Plat: 16, 14, 17: 10. Ferner liefen: Stapellauf, Submill I, Sybill, Clematis blau, Adler, Simpel. 8. Rennen: 1. Duera( G. Jauß), 2. Baula Bingen( Jauß jun.), 3. Blaumeiſe( G. Rautenberger). Soto: 72:10. Blas: 16, 12, 14: 10. Ferner liefen: Blaue Adria, Gladiator I, Celata, Bainsca Bundes Abendrennen in Treptow. Am Mittwoch, den 5. Auguft abends 7 Uhr, finben in reptom Abendrennen des Bundes Deutscher Radfahrer statt. Die Gauptnummer des Programms ift ein Zweiftunden- Mannschaftsrennen nach Sechstageart, zu dem bierzehn Mannschaften vorgesehen find. Es starten u. a. auch die Teilnehmer an, ber Beltmeisterschaft in Amsterdam, die Stölner Dhmella, Brewer Steffes, die Leipziger Brane und Bahn, sowie die Berliner D Blani, 2ongardt, Gebr. Badebuig, beyne, Rühl, Balle, rehn, Klatt, Buls usw. Das Rennen wird mit steigender halbstündlicher Bunfiwertung gefahren, so daß bis zum Schluß ein spannendes Rennen erwartet werden kann. Außerdem Anbet das am Sonntag ausgefallene Sanbemrennen sowie ein Troftfahren für die Nicht placierten flatt Die Umsatzsteuer bleibt. Ablehnung aller Berbessernugsanträge.— Die Offenlegung der Stenerlisten abgelehnt. oit der Fortsetzung der Debatte über die Umsatzsteuer im Reichstag bezeichnet Abg. Dr. Braun(Soz.) die Umsatzsteuer als eine der ungerechtesten Steuern. Wenn ji« aber bestehen bleibt, dann sei auch die höhere Besteuerung der Luxus- waren berechtigt. Be« der Luxussteuer beantragt der Redner eine Vermeidung der übermäßigen Spezialisierung und eine Schonung hochwertiger Qualitätsware. Abg. Neubauer(Komm.) bezweifelt, daß die viel zu geringe Herabsetzung der Umsatzsteuer überhaupt zu einer Senkung der Preise führen werde. Abg. hoernle(Komm.) beantragt die Befreiung der Konsum- oereine von der Umsatzsteuer. Abg. heuning(Völk.) oerlangt die Aufhebung der Umsatzsteuer. Es sei geradezu unsittlich, dem Volt durch die Umsatzsteuer die Lebensmittel zu verteuern. Damit ist die Besprechung der Umsatzsteuer beendet. Die Ab- stimmunzen werden— das Haus ist sehr schwach besetzt— aus später verschoben. Zur Besprechung kommen hierauf die Bestimmungen über das verfahren der Erhebung. Abg. Dr. Fischer(Dem.) fordert die Nennung der Namen der- jenigen, die- wegen der Aofsorderong zur Sieuersabotage verurteilt worden sind. Der Redner begründet einen Antrag, wonach den VeranlagungsausschülTen bei den Finanzämtern sämtliche S t e u e r l i st e n zur Nachprüfung vorgelegt werden. In den Aus- führungsbeftimmungen müsse die Zusammensetzung dieser Ausschüsse aus allen Schichten der Bevölkerung gewährleistet sein. Abg. Dr. Hertz(Soz.): Dem Verfahren und der Durchführung der Veranlagung messen wir große Bedeutung bei, weil die hinter uns liegenden Ähre lehren, daß nicht dieHöhederTarif« und dieArtderBewertung entscheidend sind für die höhe des Steueraufkommens, sondern daß sie von der Art der Veranlagung abhängen. Wir sind uns bewußt, daß sich das gegenwärtige Steuer- system nicht aufrecht erhalten läßt, wenn nicht jeder einzelne in der Bevölkerung das Bewußtsein hat, daß jeder nach seinen Leistungsmöglichkeiten zu den Lasten beiträgt. Wir haben aus diesem Grunde den Antrag gestellt, daß durch die Offenlegung der Steuerlisteu diese Leitragsleistung sichergestellt wird. Bon Strafmaßnahmen oer- sprechen wir uns keine besondere Wirkung, gerade deshalb sind solche Viiltet, die ohne Bestrafung ein oetzeres Ergebnis«rzleien, � von großer Bedeutung. Unsere Bedenken gegen den Antrag der Regierungsparteien im Ausschuß zur Buch- uno Betriebsprüfung uchren fug Dagegen, daß erstens nur ckroßbetriede erfaßt und dag zweitens diese Prüfungen nur innerhalb drei Zahrcn durchgeführt werden sollen. Es ist zuzugeben, daß eine ordnungsgemäße Bucy. prüfung sich nicht aus der Erde stampfen läßt, besonders angesichrs oer bisherigen Zurückhaltung der Regierung, um selbst dieses einge- schränkte Ziel zu erreichen. Wir haben deshalb Aosland genommen, unseren Antrag aus dem Ausschuß, wonach auch die kleineren uno mutleren Betriebe geprüft werden sollen und der Zeitraum weniger hjp drei Jahre betragen müsse, hier noch einmal einzubringen. Wir geben aber unserer Erwartung Ausdruck, daß die ReichSiinäUzvet- «altung alle Kräfte anstrengen wird, um den Luchprüfuagsdienst auszudehnen und nicht nur die Großbetriebe, sondern alle Betriebe einer o b l i. gatorijchen Buchprüfung zu unterziehen. Das jetzt voraus, »aß genügend Beanue für den Buchprujungsdienst ausgebildet werden. Diese Beamten müssen aber auch eine entsprechende Stellung im Organismus der Finanzverwaliung einnehmen. Das war bisher nicht der Fall, sie werden zu schlecht gezahlt und dadurch besteht nicht die Sicherheit, daß sie allen Lersucyungen wider- stehen können. Dies« Beamten genießen auch nicht das Ansehen innerhalb der Verwaltung, das oer Bedeutung ihrer Tätigkeit em- spricht. Zahlreich sollen die Fälle sein, in denen sreundschainiche und verwandtschaftliche Beziehungen zu den Finanzämtern Rücksichten bei der Ausübung der Buchprüfung verursachen.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Soweit das Reichssinanzministerium Kenntnis von solchen Fällen hat. muß erwartet werden, daß es dagegen ein- schreitet. Wir unterstützen den Gedanken, die Buch- und Betriebsprüfung zu einer unabhängigen Behörde zu gestalten. Das wäre um so zweckmäßiger, weil«ine so verant» wörtliche Tätigkeit unabhängig von den anderen Verwaltungskörper» jchaften sein muß. Wir erkennen es an, wenn das Reiaisstnanz. Ministerium die Absicht hat, den Buchprüfungsdienst von den bis» herigen Fesseln zu befreien, wir fordern aber, daß das in allen Zweigen der FinanzoerwaUung der Fall ist. Staatssekretär P o p i tz will Namen und Wohnort der wegen Steuersabotage rechtskräftig Verurteilten nicht nennen, um ihnen in ihrer bürgerlichen Existenz keine Schwierigkeiten zu bereiten. E» ist unerhört, daß Persönlichkeiten, die in der politischen Bewegung eine große Rolle spielen und nach Ihrer Verordnung Gefängnis- strafen erlitten haben,«inen Schutz genießen, den man sonst nicht kennt. Wenn Arbeiter und Angestellte verurteilt worden wären, dann würde keine Finanzoecwaltung diese Persönlichkeiten so in«chutz genommen haben.(Vehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In der Verordnung ist den Gerichten ausdrücklich die Befugnis zum öffentlichen Anschlag der rechtskräftig gewordenen Urteile zuerkannt worden. In einzelnen füllen ist dieser Anschlag auch vorgenommen worden und nun kommk die Regierung und nimmt diejenigen Personen, die in ihren Bezirken angeprangerk wurden, in Schuh, um sie nicht in ihrer Existenz zu gefährden! (Hört, hört!) Dos ist die denkbar schärfste Schädigung der S t e u« r- moral. Das kann doch keine andere Wirkung haben, als daß die leistungsfähigen Steuerpflichtigen auf die Ermahnungen zur Hebung der Steuermoral nach wie vor pfeifen. Zur dritten Lesung werden wir dem Hause ein« Entschließung unterbreiten, die die Regierung auffordert, ihre Uebersicht durch Namen und Wohnort der Hebeltätzr zu ergänzen. Wir wollen die Probe auf das Exempel machen, oo der Reichstag es wagt, eine rechtmäßig erlassene Verord- nung durch einen selbständigen Akt außer Kraft zu setzen und ob der Staatssekretär Popitz die Zustimmung der Mehrheit findet. Um das festzustellen, werden wir namentliche Abstimmung beantragen. Die Wahl der Steuerau». schüss« durch die Gemeindeverwaltungen, die durch allgemein« Wahl zustande gekommen sind, bietet uns eine Gewähr für die Ausgestaltung der Ausschüsse. Werden die von uns vor- geschlagenen Schritte jetzt nicht getan, so ist damit der Kampf gegen die Vorrecht« des Besitzes nicht erledigt. Angesichts der Tatsache. da» dw Steuerreform das Steuerunrecht nicht beseitigt, sondern noch verschärft, daß die Ungleichheit in der Att der Veranlagung fort- besteht, werden auch künftig weite Kreise des deutschen Volkes mit den Kampf für S t e u e r« h r l i ch k e i t auf den von uns ge- zeigt«! Wegen weiterführen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Staatssekretär Dr. Popitz erwidert, die Namen der Verurteilten seien schon durch die Presse gegangen. Hier, wo über da» zweck- mäßigste«erfllhren beraten werden soll, habe die Namensnennung gar keine» Zweit. Die Abg. Reubauer(Komm.) und Dr. Korsch(Komm.) verlangen die Offenlegung der S t e u e r l i st e n, einen Ausbau der Buchprüfung und wesentlich schärfere Strafen für Steuer- Hinterziehung und Kapitalflucht. Es sei unerhört, daß der Ausschuß die Bestimmungen gegen die Kapitalslucht überhaupt ge- strichen habe. Es folgen nun die vorher zurückgestellten Abstimmungen. Die kapilalverkehrssteuer wird in der Ausschußsassung nach Ablehnung der Aenderungsanträge angenommen. Zur Grunderwerbssteuer wird einstimmig ein Antrag B e h- r e n s(Dnt.) und Gen. angenommen, der den Grunderwerb durch Anstalten, die der äffen tlichen Wohlfahrtspflege dienen, von der Steuerpslicht befreit. Im übrigen wird die Vorlage nach den Ausschußbeschlüssen angenommen. Bei der Umsatzsteuer wird der sozialdemokratische Antrag auf Steuerbefreiung der handelsoerlreler in namentlicher Abstimmung mit 205 gegen 152 Stimmen der Linken abgelehnt. Der sozialdemokratisch-kommunistische Antrag aus Befreiung aller Lebensmittel von der Umsatzsteuer wird in namentlicher Abstimmung mit 224 gegen 131 Stimmen der Sozialdemokraken, Kommunisten und völkischen abgelehnl. Abgelehnt wird auch der demokratische Antrag auf Steuer- befreiung für die freien Beruf«. Die Steuerbefreiung der Konsumgenossenschaften wird in mnnenk- sicher Abstimmung mit 233 gegen 124 Stimmen der Sozialdemo- kcalen und Kommunisten abgelehnk. Zur Luxusfleuer wird mit den Stimmen der Regierungsparteien der sozialdemokratische Antrag angenommen, daß eine zu weitgehende Spezialisierung vermieden und hochwertige Oualitäts- arbeit geschont werden soll. Die Aufhebung der Luxussteuer wird gegen die Stimmen der Kommunisten und Demokraten abgelehnt. Die Herabsetzung der Umsatzsteuer auf 1 proz. wird mit 205 gegen 152 Stimmen der Sozioldemokraien, Kommunisten, Demo- ktalen und Völkischen abgelehnt, es bleibt bei 1)4 proz. für die allgemeine Umsatzsteuer und Vk proz. für die Luxussteuer. Die Ausschußbeschlüsse zur Umsatzsteuer werden angenommen. darnnter auch die vom Ausschuß beschlossene Zustimmung, daß Länder und Gemeinden keine Veherbergungssteuer mehr erheben dürfen. Die Wechsel st euer wird unverändert angenommen. Bei den Bestimmungen über das verfahren wird der sozial- demokratische Antrag auf Offenlegung der Stenerlisten in namentlicher Abstimmung mit 230 gegen 130 Stimmen abgelehnt. Dann wird in namentlicher Abstimmung mit 322 gegen 3(3 Stimmen der demokratische Antrag angenommen, der den Der- anlagungsausschüssen bei den Finanzämtern die Einsichtnahme in das Beranlagungsergebnis gewährleistet. Im übrigen werden die Bestimmungen über das Verfahren nach den Ausschuhbefchlüssen angenommen, ebenso die Bestimmungen über Kapital- und Steuerflucht(Aushebung der Kapital- fluchtverordnungen) und die Schluß- und Uebergangsvorschriften, nach denen das Berkehrssteuergefetz am 1. September 1925 in Kraft tritt. (Schluß des Berichts im Hauptblatt.) Rückblick auf Zrankfurt. Die Festwoche des internationalen Arbeitersports sst nun vor- über. Eigentlich war es eine Arbeitswoche, denn die aus den ver- fchiedenen Ländern herbeigeeilten Sportler mußten tüchtig helfen, das Fest zu vollem Erfolge zu bringen. Eingerahmt in den prächtigen yrankfurter Stadtwald, lagen in der Vorkriegszeit die Schießstände der Frankfurter Garnison, nun sind die Uebungsstätten für den Krieg zu Stätten des Friedens, zu Kampfplätzen der Körper- kultur geworden. Neben dem vorzüglich hergerichteten Kampfplatz, der etwa unserem Berliner Stadion entspricht, sehen wir eine ae» waltige Rasenfläche für Massenübungen, ringsum von Terrassen für Zuschauer umgeben. Für die Schwimmer ist ein besonderes Schwimm-Stadion, das auch Zehntausenden von Zuschauern Platz bietet, vorhanden, desgleichen eine große Radrennbahn für die Weit- kämpfe des Radsports. Ein großes Zelt steht bereit für die turnerischen Vorführungen an den Geräten, auf grünem Rasen werden an anderer Stelle die Systemwettlämpfe der Nationen ge- zeigt, Ersrischungsplätze und-räume sorgen für Erholung. Ueberall, wohin man auch kommt, gibt es neues und anderes zu sehen. Keiner sst imstande, allen Vorführungen der Olympiade beizu- wohnen, weil sie sich., auf die verschiedenen Uebungspläge verteilen. Aber Freude und Begeisterung liegt auf dem Ganzen, und aus den Augen oller leuchtet es mit stolzem Bewußtsein, daß hier ein großes Werk aus eigener Kraft geschaffen wurde. Sportrat W. D ö r r- Frankfurt, der verschiedene bürgerliche Olympiaden und deutsche Turnfeste besucht hat. konstatiert in der demokratischen„Frankfurter Zeitung", daß hier ein Meisterstück vollbracht wurde, das niemand vorher so vollendet zustande brachte. Gute Disziplin und das Bemühen aller, aktiv zum Gelingen des Ganzen beizutragen, feien offen in die Erscheinung getreten. Die Finnen zeigten Leistungen, die selbst denen der Bürgerlichen über- legen waren. Die deutsche Bundesschule brachte beste Extraklasse, die Massenübungen aller Sportler und Sportlerinnen waren von imponierender Wucht und Schönheit. Diese Worte eines bürger- lichen Sportlehrers zeigen den tiefen Eindruck dieser ersten intcr- nationalen Arbeitersportveranstaltung aus jeden objektiven Be- obachter. Auch die bürgerlichee Presse konnte sich dieser Wirkung nicht entziehen und mußte die ursprüngliche Absicht des Tot- lchwcigens fallen lassen. Die schon erwähnte„Frankfurter Ztg." würdigte in ausführlichen Artikeln die gute Disziplin und schrieb: „Der Begriff Masse erhält hier einen überraschenden impo- nierenden Sinn. Die kämpfende Klasse wird zum Erlebnis ihrer selbst, zum Vorbild des Volkes. Die mächtige Begeisterung der Tausende, der Völker, wird hier zum einigenden Band, das keinen Mißton aufkommen läßt." Aber wie überall, so gibt es auch hier Unzufriedene. Die deutschnationale„Frankfurter Post" ließ wenigstens offen ihre Feindschaft erkennen, und da» ist ehrlich. Aber die sogenannte „Arbeiter-Zeitung" der KPD. tat gewaltig freundlich, um ihr In- teresse für den Arbeitersport zu zeigen, und dann zerrt« sie olles als recht minderwertig herunter:„Don bürgerlichen Klim- bimvereinen war die Olympiade-Beranstaltung nicht zu unter. scheiden: abgesehen vom offiziellen Aestabzeichcn habe man nicht erkennen können, daß es sich um Arbeitersport handele." Im gleichen Sinne arbeitet freilich auch die„Rote Fahne", die gleich den meisten bürgerlichen Blättern sich nicht zu einer planmäßigen Berichterstattung aufschwingen konnte.„Die Olympiade war ein Betrugsmnnöver der reformistischen Führer." Run soll wieder ein Massensturm für die„Einheitsfront der Arbeitersportler" einsetzen. Wir verstehen den Schmerz der„Roten Fahne". Aber Frankfurt hat gezeigt, wo die Massen stehen und wie die Einheitsfront in Gemeinschaft mit der sozialistischen Gesamt- arbeiterschasi herzustellen sst. Mögen Deutschnationale und Kommu- nisten den Arbeitersport in den Schmutz zu zerren versuchen, vor- wärt? geht es trotz alledem. Die Tage von Frankfurt werden allen Teilnehmern in freudiger Erinnerung bleiben. Nun geht es aufs neue an die Arbeit, um da» Gesehene und Gehörte in allen Ländern und Organisationen zu verwerten. In vier Iahren wird die Luzerner Internationale zur zweiten Olympiade aufrufen, die vielleicht in Pari» stattfindet, und dann muß der deutsche Span gleich wie in Frankfurt auf der Höhe sein. Allen Sportbrüdern und-schwestern aber entbieten wir schon heute unseren Gruß: Auf frohes Wiedersehen!_ Sozialdemokratische Zlrbeilersporkler. an die Front! Mit dem Zusammenbruch des alten wilhelminischen Systems sst unsere junge Republik ensstanden. Der Arbeitersport, bisher unterdrückt, kann sich nun frei entfalten. Aus den Hunderttausend sind Millionen geworden, in immer weitere Kreise dringt die kultu- relle Idee des Arbeitersports. Nun sorgt dafür, daß das gewonnene Terrain nicht wieder verloren geht. Stellt euch in Reih und Glied mit der sozialistischen Gcsamtarbeiterschoft und der republikanischen Bevölkerung. Die Dersassungsfeier am nächsten Sonntag soll«in Freudentag'sein im Gedenken an das Erkämpfte, und ein Kampftag mit dem festen Willen, das Erreicht« zu erhalten und im dsmo- ktatischen Sinne weiter auszubauen. In fester und geschlossener Front muß der Arbeitersport seinen Willen bekunden, die Republik und ihre Verfassung zu schützen. Arbeitersportler. t»t eure Pslichtt §ür öie Republik! Der kommende Sonntag ist ein Festtag für das r e p u b l i- konische Groß- Berlin. Hunderttausende überzeugter Re- publikaner werden an diesem Tage in einer Massendemon- st r a t i o n das Treugelöbnis zur Verfassung ab- legen, Delegationen aus dem ganzen Reiche werden in Gemein- Ichaft mit den Berlinern ihren festen Willen zum Ausdruck bringen, diese Verfassung gegenüber allen reaktionären Anschlägen zu ver- leidigen. Diese Kundgebung ist nach den Borgängen der letzten Zeit eine unbedingt politische Notwendigkeit. Aufs neue erhebt die Reak- tion ihr Haupt, um die Errungenschaften der Revolution zu be- seitigen. Der Volksmasse soll wieder wie in der Vorkriegszeit das Mitbestimmungsrecht in Reich, Staat und Gemeinden nach Möglichkeit genommen und unser freies Wahlrecht beseitigt werden. Große Massenkämpfe auf wirtschaftlichem Gebiet sollen die Kraft und den Mut des werkätigen Volkes brechen und eine allgemeine Hoffnungs- lrsigkeit hervorrufen. In dieser Kampssituation ruft die Schutz- truppe der Republikaner, das Reichsbanner Schwarz« Rot-Gold, alle freiheitlich gesmnten Volksgenossen zur Der- fassungsfeier, zum Großdeutschen Tag, auf. Je größer die an diesem Tage zusammenströmenden Massen sind, um so eindrucksvoller und nachhaltiger wird der Ruf des Volkes weit über Deusschltmd« Grenzen erschallen: Friede, Recht und Freiheit! An alle sozialdemokratischen Arbeitersportler ergeht hiermit der Ruf, teilzunehmen an dieser Massendemonstration. Wer an diesem Tage teilnahmlos beiseite steht, unterstützt die Reaktion! In Frankfurt hat der internationale Arbeitersport gemeinsam mit der Gesamtarbeiterschast und unter Mithilfe des Reichs- b a n n e r s ein ideales Bild der Einheitsfront des Prole- t a r i a t s gezeigt, das nicht nur auf dem Papier steht, sondern praktisch betätigt wurde. Die Ausschmückung der Stadt, aller Fest- plätze und Fefträume in den Farben Schwarz-Rot-Gold war das Treu- gelöbnis des Arbeitersports für die Republik. Run gilt es, auch in Berlin die Einheitsfront des A r b e i t e r s p o r t s mit allen überzeugten Republikanern öffentlich zu bekunden. Wie vor über hundert Iahren die Turnerei sich mit den Freiheits- kämpfern verbündete, so muß auch der heutige Arbeitersport sich fr« und offen in die kämpfende Bolksmasse eingliedern zu gemeinsamem Handeln gegen die Reaktion._ Das Jußball-Tournier in Stralau. Am Sonntag stieg in Stralau das diesjährige Fußballtournier mit dem Spiel Rüstig-Borwärts gegen B r i t a n n i a. Punkt 4 Uhr pfiff der Schiedsrichter das Spiel an. Rüstig hat Anstoß und sitzt auch gleich vor dem Britanniator, jedoch können sie durch die gute Verteidigung von Britannia nicht vorbei kommen. Britannia spielt vorerst mit 8 Mann, vervollständigen sich aber nach 10 Minuten. Dann wird Britannia überlegen. Angriff auf Angriff erfolgt auf das Rüstigtor und hat die Verteidigung harte Arbeit zu oerrichten, um dasselbe rein zu halten. Der B.-Sturm wiederum scheint die Schieß- stiesel vergessen zu haben. Sie versuchen mit dem Ball ins Tor zu laufen, was aber bei der vielbeimgen Verteidigung Rüstigs nicht möglich ist. Bei einem Angriff gelingt es dem Mittelläufer von B. durch langen Schuß in Führung zu gehen. Diesen Ball hätte der sonst gute Torwart Rüstigs, unbedingt hallen müssen. Bald darauf ist Halbzeit. Nach Halbzeit ist es Rüstig, die das Sp!«l in der j)and haben. Der Torwart Britannia» scheint aber unüberwindlich zu sein. Er hält die schwierigsten Bälle. In der 18. Minute ein Durchbruch von Linksaußen: der Ball wirb gut zur Mitte gegeben. von hier scharf eingesandt und der Ausgleich ist geschaffen. Schon glaubt alles an ein Unentschieden, da läuft Rechtsaußen von Rüstig im rasenden Lauf die Seite entlang. Eine präzise Flanke nimmt Halblinks auf und sendet zum zweiten und siegbringenden Tor ein. Rüstig-Borwärts ist Sieger, und somit Teilnehiner an den Zwischen- rundenspielen am kommenden Sonntag. Um 6 Uhr betreten Stralau und Askania den Platz. Zwei alte Rivalen aus den Serienspielen. Wer wird diesmal glück- licher Sieger sein? Daß das Glück die größte Rolle spielen würde, hatte wohl ein joder geglaubt. Um es aber vorweg zu sagen: Stralau bat verdient gewonnen. Es bewahrheitete sich wieder einmal: Die Mannschaft, die es versteht, ihr« Kräfte richtig einzuteilen, hat stet» den Borteil auf ihrer Seite. Askania hat Anstoß, können jedoch vor- erst nichts erreichen. Erst durch einen Fehler des linken Dertetdigers Stralaus erzielen sie das erste und einzige Tor. Nach der Pause macht sich eine kleine Ueberlegenheit Stralaus bemerkbar, die sie durch 3 Tore zum Ausdruck bringen.— Vorher spielten die zweiten Mannschaften von Rüstig-Vorwärts und Stralau. Hier gewann Rüstig mit 5:3. Um 342 Uhr spiellen die Schüler vom Treptower Balljpiel-Club gegen Stralau und gewannen die kleine Stralauer 3: 0. Das Spiel Wernigerode gegen F r i s ch- F r e l. Niederschöneweld' konnten letztere 3:1 für sich entscheiden. Am Sonnabend standen sich Berliner Sport- Derein 22 und Titania, Neustettin im Freundschaftsspiel gegenüber. Nach flottem und fairem Spiel konnte B.S-B. mit 3:0 siegreich bleiben. • Am heutigen Dienstag stehen sichtmdrkttenBorrunde». fpifrl Teutonia 09 und Hertha 22 auf dem Stralauer Sportplay in der Callerstroke gegenüber. Teutonia, die in der ver. gangenen Serie Norbbezirksmeijier waren, werden alles daran sehen, ben guten Ruf der Mannschaft zu wahren. Jedoch sollen sie Hertha nicht unterschäzen. Schon so manches Spiel ging durch die Leichtfinnigkeit der Spieler, die den Sieg schon vorher in der Tasche hatten, berloren. Genau so fann es Teutonia gehen. Beginn des Spiels um 6 Uhr. Beichtathletik im Stadion Lichtenberg. Am Sonntag um 1 11hr, begannen die Borkämpfe zu den Ber: eins Mehrfämpfen der Leichtathletik Bereinigung des 1. Areijes( Arbeiter- Turn- und Sportbund). Das Lichtenberger Stadion war froß des trüben Wetters gut besucht. Die Hauptkämpfe erfuhren durch den starten Gewitterregen eine Unterbrechung; es nahmen daran teil: Athletit- Sportklub, die Freie Turnerschaft Neufölln, Schöneberg, Lichtenberg, Schönom, Schönholz und Zehdenia, Fichte Südost, West, Nord, Sid I und II, S. C. Sparta 1911, S. B. Moabit, Eiche"-Röpenid und Tegel, Neufölln, Groß- Berlin Bedding, Königsmusterhausen, Bildau und Wilmersdorf. Die Bette fämpfe jegten sich aujammen aus 3000- meter- Gehen, Hochspringen, Speerwerfen, Kugelstoßen, Olympische und Schwedenstaffel, Beit springen, 100 und 400- meterlaufen, Distuswerfen usw. Resultate: Alefie A 1. 914 24618438 641368278 575544859 3455831TAR 5 514936495 anni aff 7 1 3 G 3 6% 5 11/ 11 133544548 34643967 435581370 BANOAT625 31 8 4 6 81/ 6 7 8% 7 37 10 Fichte Weit Schöneberg Fichte Süd- Oft. Bichtenberg AG C. Moabit. Sparta 1911. Reufölln Eiche- Röpenid A. G. C II. Sparta 1911 II. Lichtenberg Moabit. Fichte Süd- Ost. Fichte Glib I Wilmersdorf Fichte 3 Ciche- Tegel Bildan Fichte Nord Fichte Süd I! Riasse A 2. Mannschaft Schönom Oberfpree. 12 41 2 44 53 6 561 9 5 57 57112 4 60% 88 889 4 1 20 2 3½½ 291 3 36 3 39 3 laffe B 39% 41 33 6 3 6 6 31 7 1 25% 41 3 49 4 50 6 6 5 6/2 61 31 Alaffe C 2 31 211 12 22 Schönhols Regel Alaffe D unb Turner 21% 3 21/2 Zehdenid Moabit Sparta 1911 6. C. Reutöln eltete Sportler 3 11 51 23 41 51 512 312515121 41283 1 21 2 53% 552 17% 18 18/ 18 2912 171 171 19 isld Wirtschaft Auf falschem Wege. Die deutsche Landwirtschaft erhebt Anspruch auf hohe 3ölle und begründet diese Forderung damit, daß die ausländische Ronturrenz ihr die Möglichkeit nimmt, zu egiftieren. Gegenüber den Borwürfen der Verbraucherschaft, daß die Preise für Brot und Fleisch exorbitant ho ch seien, läßt die Landwirtschaft durch ihre Organe erflären, daß daran nicht sie, sondern der 3 wischenhandel schuld sei. Diese Beweisführung spielte auch im Zollausschuß des Reichstags eine Rolle; sogar an den Plakatsäulen Berlins fonnte man lesen, daß alle Schuld an der Berteuerung der Lebenshaltung der Arbeiter nicht der Landwirtschaft, sondern dem Zwischenhandel zuzuschreiben fei. Die Forderung der Lebensmittelzölle muß demnach doch der Folgerung entspringen, daß der Zustand der Berteuerung durch den 3mischenhandel una bänderlich ist, und daß sich der Berbraucher wegen dieser Unabänderlichfeit neben der Zwischenhandelsver teuerung noch die der Zollverieuerung gefallen lassen müsse. In der Volkswirtschaft darf das Berbraucherinteresse nicht über sehen werden, und der Bolkswirtschaftler muß sich über die Bir fungen von Maßnahmen Rechenschaft ablegen fönnen, bevor er fic zur Anwendung in Borschlag bringt. Aus demselben Grunde darf man auch nicht lediglich einseitig vom Berbraucherstandpunkte aus: gehen. Ebenso falsch ist es aber, eine Wirtschaftspolitik zu treiben, die nur das Produzenteninteresse berücksichtigen will. Uns will scheinen, als wenn die deutsche Landwirtschaft sich bei ihren Forde rungen nach Schutzzoll auch im Hinblick auf ihr eigenes Interesse auf einem falschen Wege befindet. Wenn man einfieht, daß sich zwischen Produktion und Berbrauch ein schädigender Faktor befindet, so hat man Maßnahmen au treffen, ihn zu beseitigen. Das fann geschehen dadurch, daß sich Pie organisierten Produzenten mit den organi: fiericn Berbraucherfreisen in unmittelbare arengeschäftsverbindung begeben. Die Idee ist nicht neu und hat vor einigen Jahren schon ihren Niederschlag gefunden in der Gründung des Wirtschaftsausschusses der Erzeuger und Verbraucherverbände. Ein Bericht über die Tätigkeit dieses Wirtschaftsausschusses ist leider nicht zu erhalten. Wir glauben, daraus schließen zu können, daß er eine praftische Tätigkeit noch nicht hat ausüben fönnen, weil, wie wir annehmen. auf der. Erzeugerseite das Berständnis für die Organisierung emnes direkten Verkehrs mit den Verbrauchern fehlt. Der Minister für Ernährung und Landwirtschaft ist nach dieser Richtung noch nicht als Führer in Erscheinung getreten. Er ist mirtschaftspolitisch aus dem alten Gedantengefüge seiner schuzzöllnerischen Freunde noch richt hinauszukommen und weiß der ungünstigen Preisstellung auf dem Gebiete landwirtschaftlicher Erzeugnisse nicht anders zu be= gegnen als durch Schutzölle. Die Bequemlichkeit des Dentens läßt ihn nicht einmal dazu kommen, der deutschen Landwirtschaft zu sagen:„ Wir werden Euch auf einige Jahre einen Schuh soll geben; inzwischen aber habt Ihr Euch betriebsorganisatorisch und verfaufstechnisch jo umzustellen, daß Ihr zu Eurem Rechte tommt und das Volk nicht verhungert." 25 Proz. der Bevölkerung sind in Berbraucherorganifationen( Konsumvereinen) zusammengeschlossen. Die Leitungen dieser Unternehmungen sind gemillt und in der Lage, sich auf den direkten Verkehr mit der Landwirtschaft einzustellen. Mühlen, Bäckereien und Schlachtoreien von erheblichem Umfange sind vorhanden. Ebensowenig gebricht es an Persönlich keiten, den direkten Berfehr zu organisieren und weiter zu entwideln. Das Verständnis dafür ist in hohem Maße in den Verbraucherkreisen orhanden. Daß es nicht schon dahin gekommen ist, eine Ueberleitung der Produktion direkt an den Verbraucher zu er: möglichen, verfchuldet einzig und allein die organisatorische Rüdständigteit der Landwirtschaft. Es sind auch dort Männer vorhanden, welche die Notwendigkeit der Ausschaltung unZichtenberg 4,25; 3. Ziehed- Reufönn 4,15 Meter. Dimmpische Stafette: nötiger Glieder des Zwischenhandels erkannt haben, und es soll zu gegeben werden, daß ernsthafte Versuche gemacht worden sind, den Fichte Nord 29 30% Jugend: Beitspringen: 1. Bessel- Röpenid 5,32 meter; Galzmebel- Schöne Berg 5,52; 2. Thielemann- Brandenburg 537; 3. Riegel( Sichte- Güb) 5,10. 4x100- meter- Stafette: 1. AGC. 50: 0; 2. Steuton 50: 5; 3. Brandenburg 30: 6. Franen: Rugelmerfen: 1. Rain( AGC.) 17 Meter; 2. Buid( Südoft) 13,97 Meter: 3. Klulas- Lichtenberg 12.60 Reter; 4. Bernhard( Fichte- Sid) 1.42 Meter. Beitfpringen: 1. Rüfter( Fichte- Nord) 4,32 meter; 2. Rufos. 3. Fichte- Süd 61: 0; 2. Fichte 3 61: 2; 3. Reukölln 61: 3. Quer durch den Müggelsee. Grau bezogen war der Simmel als am Sonntagmorgen zu bem ti gael. feefahmim men, das der Berliner Schwimmverein Belle" besonders Für feine jüngeren Mitglieder ausgefchrieben hatte, fich 26 Teilnehmer dem Starter meldeten. Größtenteils waren es Jugendliche, die fich zum erften Male auf einer längeren Gtrede periudhen mollten. Go manch einem fliegen weifel auf, ob er ben vorgefariebenen Weg vom BrinsengartenMüggelberge nach Freibad Dignelfee- Rahneborf( 2800 Meter) bewältigen wird, mm jo erhabener aber war dann am Riel das Gefühl, einen der größten märkischen Geen burchquert zu haben. Bon den Geftarteten tamen 16 durchs Riel und ein einbeiniger Invalide durchschwamm die beachtenswerte Strede son über 1000 Metern. Das Schwimmen verlief ohne jebe Störung. Gleich nach dem Start job fich die Spisengruppe hervor, und aus dieser fchältex fich die ersten heraus, bie die Führung bis zum Gdylus behielten. Biele Stuberer und Babbler fammelten fich nach und noch an, um durch ihre Begleitung der Somimmern die Richtung au weifen. Subelnd wurden die einzelnen am Riel begrüßt, und freigiebige Sände reichten Erfrischungen dar. Die Beranftaltung war für den Berein ein gutes Rengwis für geleistete Arbeit. Das Urbeiter- Spart- und Kulturtariell bes 18. Berliner Berwaltungsbezirks Beißenfee veranstaltet in der Reit vom 9. bis 16. Auguft eine Sportwerbemode. Am Sonntag, 9. Auguft. findet zunächst vom Rennbahngelände aus ein großer Umana ftatt. Um 2% Uhr beginnex die neuzeitlichen Freiübungen. Die Naturfreunde" werden Boltstänge zeigen, der ArbeiterRadfahrer- Bund Solidarität" Reigenvorführungen. Ein lebendes Schachspiel, Stafettenläufe, Gdymezathleti!, ein Geräteturnen, Olympiafreiübungen nach Mufit und verfchiebene Ballspiele werden an diesem Tage bas Feft befchließen. Am Montag findet im Gesellschaftshaus, Bartstr. 16, eine Veranstaltung der ,, Raturfreunde" statt. Anfang 7½ Uhr. Der Arbeiter- Schachtlub wird am Dienstag im Lofal Brefina, Wörthstr. 27, Gdadfpiele vorführen, während am Mittmod in Weißenfee und auf der Uferpromenade Borführungen des Arbeiter, Schwimmflubs Reptun" und des ,, Männerchors Beißenfee" ftattfinden. Der Donnerstag bringt Berbeneranstaltungen in Malcom und Der Freitag in Bartenberg. Der Beginn ist hier auf 7 Uhr festgescht. Freie Rana- Bereinignug Chweiffterne"( Mig. d.... u Go.- 8.). Bonishaus Fraternitas", Röpenid. Rächfe Mitgliederversammlung Donnerstag, den 6. Auguft, im Bereinslokal Buffe, Reufölln, Teupiker Straße 105-106, Ede Sudomaftraße( am Bahnhof Raiser Friedrich- Straße). Beginn vintilic 8 Uhr. Erscheinen aller Sportgenoffen ift erforderlich, ba midtige Tagesordnung. ant Athletil- Sport- Club, z. B. Leichtathletik, Soden. Rubern. Männer, Frauenand Jugendabteilung. Gefchäftsstelle: Rurt Biebruds, Berlin D. 34, Silfitter Straße 46. Dienstag und Donnerstag ab 6 Uhr Training auf dem Fichteolas in Boumichulenweg. Freitag, den 7. Auguft, abends 8 Uhr. Mitglieder Derfammlung auf dem Fichteplak. Schriftführer der Sodenabteilung: Willi Mielle, Berlin D. 34, Beidenweg 27. Touristenverein Die Raturfreunde, Zentrale Bien, Driegruppe Berlin. Mittwoch, den 5. August, 18 Uhr, Funktionärversammlung, Beinmeister frake 16-17. Abt. Webbing: Dienstag, den 4. Auguft, im Seim Sütticher Straße 48. Nie wieber Srieg! Gäste und Genoffen aus anderen Abteilungen willtommen. Arbeitersportler bes 1. reifes. A 25. Auguft venanfhaltet die Freie Earnerioaft Otsi Berlin( Beairt Webbing) ein Sportfeft ber B, C nth D- Bereine auf dem Sportples Garnwebezftraße, gegenüber Eichbornstraße. Aur Tenahme find alle Brudervereine freundlicht eingeladen. Folgende Beittämi: find vorgesehen: Männer: 100 Meter, 5000 Meter, Sodierung, Spa, Rugelstoken. Stafetten: 4x100 meter, 10x200 Meter( ½ Runde). Sugend: 100 Meter( 2 Rlaffen), 1500 Meter, Sochsprung, Disfuswerfen. Stafetten: 4x100 Meter, Sweden staffrY. Sportlerinnen: 100 Meter. Beitiprung. Augelstoken, Speerwerfen. Stafetten: Aleine olympifdie Staffel( 200, 50, 50, 100 Meter). Sportler: 100 meter, 1000 Meter. Beifferung aus dem Stand. Echleuder. Ball. Stafetten: 4X100 Meter. Rinder: 10x100- Meter- Stafette. melbefchI: 10. Auguft. Startgeld: Männer 40 Bf.. Frauen und Jugend 30 Bf., Stafetten 1 M., Rimberftoffein frei. Meldungen an Ernst Friedrich, Berlin St. 65, Reinidendorfer Str. 20. eltere Freie Schwimmer Charlottenburg 4. Mittwoch, den 5. Auguft, 7% Uhr, Fortfegung der am 7. Juli vertagien Bierteljahresversammlung bei Schellbach, Königin Elifabeth- Str. 6. Tagesordnung: 1. Bereinsangelegenheiten. 2. Ber fchiedenes. Dienstag, den 4. Auguft, abenbs 7 Uhr, Borstandsfigung bei Müller, Tauroggener, Ede Osnabrüder Straße. Die Schiebskommisfion des Arbeiter- Sport. rnb kulturfartells Lichtenberg heilt mil, bak ber. Bontott gegen das Botal Arielua, Jungirage, durch zufrieden Hellenic Cellärungen des Softwichs aufgehoben in. Die schwarze Hand ist das Zeichen, Kokona ist der Name des Reinigungsmittels für Alle und Alles, eine milde, wirkungsvolle Paste an Stelle von Seife, Blitzblank, Bimsstein, Sand. Kokona hilft der Frau bei allen häuslichen Reinigungsarbeiten, Aluminium u. 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Die Bestrebungen find aber crlahmt, meil alle Bemühungen an der geistigen Unbewegliteit der landwirtschaftlichen Kreise abprallten. Dieser mirtschaftliche Ronservativismus wird peremigt, solange das Minifterium für Ernährung und Landwirtschaft unter der Führung eines Mannes bleibt, der feinen anderen Beg meiß, als den Irrweg der Schutzzollpolitif. Das deutsche Volf hat das beste Wahlrecht der Welt. Es ist dadurch in den Stand gesetzt, sich einen Reichstag und eine Regierung zu schaffen, die moderne Wege geht. Die Agrarenquete hat bewiesen, daß die Wissenschaft nicht auf Seiten der Zollpolitiker steht. Die Zollpolitiker schöpfen ihre Kraft nicht aus der ökonomischen Erfenntnis, sondern aus der politischen Macht, die ihnen ein unpolitisches Bolt durch ein falsches Botum in die hand gegeben hat. Es wird dafür büßen müssen. Man fönnte an ihm verzweifeln, menn nicht die Hoffnung übrig bliebe, daß die furchbaren Folgen einer Berteuerung des ganzen Lebensbedarfs es endlich, hoffentlich nicht zu spät, auf den richtigen eg bringt. Der Weg, auf dem es jetzt wandelt, führt ins Berderben. Er nützt der Landwirtschaft nichts, erhält sie in produktionstechnischer und verkaufsorganisatorischer Rückständigkeit und stößt die minderbemittelte Berbraucherschaft immer tiefer ins Elend. Der Verband belgischer Genossenschaften hat eine Untersuchung über den Brotpreis veranstaltet, als deren Ergebnis er feststellt: 1. daß die Genossenschaftsbäckereien unbestreitbar einen regulierenden Einfluß auf den Brotpreis ausüben, 2. daß sie wertvolle Fattore im Kampfe gegen die Preistreiberei bilden, 3. daß die großen Broifabriken, in etwas geringerem Maße, dazu beitragen, den wohltätigen Einfluß der Genossenschaften zu verallgemeinern. Die deutsch- französischen Eisenverhandlungen. Während die Rartellbildung innerhalb der deutschen Schmerindustrie neuerdings wieder rasche Fortschritte macht, ist es nan den Berständigungsversuchen zwischen deutschen und französischen Eisenintereffenten ziemlich still geworden. Bereits angesetzte neue Berhandlungen wurden ausgesetzt. Offenbar verspricht sich die deutsche Schwerindustrie erst dann einen Erfolg von einem Abschluß, wenn die internationale Kartellregeglung ausreichend vorbereitet ist. Nach einer Meldung der Frantf. 3tg." haben die deutschen Industriellen vor der bekanntlich ursprünglich für Ende Juli in Paris vorgesehenen neuen Zusammenfift schriftlich vorgeschlagen, vor der Weiterberatung der Einzelheiten des Luxemburger Abfommens, über das man sich ja grundsätzlich einig war, zunächst die wichtigste Frage der Einschäzung aller europäischen Eisenindustrien zu behandeln. um das Problem einer generellen Produktionsregelung in allen Staaten Besteuropas zu flären. Bekanntlich hatte die deutsche Industrie ihre Zustimmung zum Luxemburger Abkommen von der Bedingung abhängig gemacht, daß spätestens sechs Monate nach Infrafttreten des beabsichtigten Abkommens eine Rontingentierung der eisenschaffenden Industrie in Frant. reich und Belgien durchgeführt werden müsse. Infolge ihrer durch die Frantbemegung günstigen Konkurrenzverhältnisse hat die französische Industrie hieran zurzeit wenig intereffe, da sie den 3mang zur Einschränkung ihrer Produktion befürchtet. Dementsprechend bezeichneten die französischen Industriellen diese Frage als nicht aftu efl; sie wünschten eine Verschiebung der Debatte. Auf diesen Brief ist eine Antwort der deutschen Industrievertreter abgegangen, in der diese ihren Standpunkt erneut darlegen, der dahin geht, zunächst die Frage des General fartells au flären und die Besprechungen des Luxemburger Abfommens bis zur Wiederaufnahme der amtlichen Handels vertragsverhandlungen zurückzustellen. Es wird erwartet, daß nach meiterer Klärung der beiderseitigen Meinungen durch schriftlichen Gedankenaustausch in absehbarer Zeit wieder eine persönliche 3usammenfunft der Industrievertreter Länder stattfinden wird. beider Der polnische Zlotyfurs hat sich nach der Sentung vom legten Mittwoch wieder erholt. Nach Meinung deutscher Banttreise scheint es sich nur um einen vorübergehenden Kurseinbruch gehandelt zu haben, der durch einen stärferen Devisenbedarf der polnischen Jm porteure herbeigeführt worden ist, sich aber wieder ausgeglichen hat. HERZ UND NERVEN „ Zeo stärken unsere weltbekannten -Kohlensäure- und Sauerstoffbäder Man befrage den, Arzt und ,, Zeo" achte auf die Schutzmarke Ueberall , Zeo" ernaltlich KOPP& JOSEPH, BERLIN W. Dixin Das dankbare Seifenpulver Größte Ergiebigkeit und hervorragende, Waschwirkung! Dixin ist für jedes Waschverfahren geeignet. Besonders vorteilhaft für Maschinenwäsche zu ver' wenden! 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Denn es gibt viele Millionen Menschen in China, und die Arbeitskräfte sind billig, so billig, daß ein Mann oft nicht die zwei Handvoll Reis wert ist, die er für seinen Tageslohn beim Händler kaufen kann. Li-Dong ist ein kleiner siebenjähriger Chinesenjung«. Er arbeitet in einem der Kellergewölbe, wo die Baumwolle gezupft und ron Fasern und anderen Unebenheiten gereinigt wird. Von morgens f'.üh um sechs bis abends um zehn sitzt er auf dem Boden, vor ihm rn Berg schmutziger, zerfaserter Baumwolle. Mit ihm im gleichen Räume sitzen noch hundertzwanzig andere Chinesenkinder. Alle zwischen drei und vierzehn Jahre alt. Mädchen und Knaben. Alle sind sie klein und schrecklich mager. Ihre kleinen gelben Hände zupfen schnell und unaufhörlich an der Baumwolle. In dem Staub und Schmutz sind ihre Augen entzündet und die meisten haben einen bösen Husten, der sie Tag und Nacht quäll. Sie schlafen in dem- selben Räume auf den Brettern, mit alten Lumpen bedecken sie sich. Li-Dong ist glücklich gewesen, er hat einen alten Sack auf dem Hofe gefunden, in den kriecht er nun des Abends hinein, er ist so groß, daß der kleine Fen noch neben ihm Platz hat. Und so liegen sie des Nachts, sich umschlungen haltend. Die anderen Kinder wälzen sich im Schlaf, stöhnen und lachen', aber Li-Dong träumt. Manchmal sieht er im Traum die Fabeltiere seines Landes, den großen gelben Drachen, die Schlange, den steigenden Silberrelher und Bronze- Löwen mit offenem Maul, der nach Li-Dong schnappen will. Dann wälzt er sich unruhig und stöhnt und stößt den kleinen Fen, daß dieser im Schlaf ausfährt und ihn fragt:.Was hast Du? Sei still!" Dann liegt Li-Dong eine Zeitlang wach. Er sieht ins Dunkle, imd er denkt an viele Dinge, die in seinem armen kleinen Kopf sich drehen. Er denkt daran, ob er morgen wohl sein Pensum Baum- wolle zupfen kann und ob der Aufseher, der boshafte, grobe Ah-Po, ihn wieder schlagen wird. Unwillkürlich zieht er sich bei diesem Eedanken zusammen. Dann fallen ihm aber die Augen langsam zu, und er sieht im Traume wieder jenes unklare Bild des kleinen chinesischen Dorfes, das ihn geboren hat. Li-Dong kann sich nicht mehr deutlich erinnern. Er weiß nur, daß es einen schlammigen Deich dort gibt, in dem an Sommerabendcn die Frösche quaken, dann sieht er eine alte, verfallene Pagode, die die Kinder nicht zu betreten wagten, weil dort die bösen Geister Hausen. Und manchmal kommt dann auch noch im Schlafe ein sehr alter, weißbärtiger Mann '.itd gibt Li-Dong ein Stück Zuckerrohr. Li-Dong hat den Geschmack dieses Zuckerrohres nie vergessen, obwohl er seit vier Iahren es iv cht mehr gegessen hat. Aber er hat in der Erinnerung den Geschmack der würzigen Süßigkeit als höchsten Genuß bewahrt und mmn ihm heute ein Gott oder einer der fremden weißen Teufel sagen würde:.Li-Dong. wünsche Dir etwas", er würde ant- warten:.Herr, gib mir Zuckerrohr." So laufen Li-Dongs Tage dahin. Am frühen Morgen wird et «"weckt mit all den anderen Kindern durch das heisere Dröhnen eines Gongs. Dann kriechen sie aus ihren Lumpen. Einige stoßen und schlagen sich. Aber dann warten alle auf die große Schüssel mit «ekochtem Reis, die hineingetragen wird. Alle stürzen auf sie los stopfen so viel wie möglich in sich hinein, und glücklich derjenige, der eine Handvoll kalten Reis für nachher erobern kann. Mittag« und abends wiederholt sich die gleiche Szene. In der Zwischenzeit ober sitzt Li-Dong und zupft Baumwolle, Strähne um Strähne, Jaden um Faden. Und der Aufseher Ah-Po schleicht auf seinen maßen Filzsohlen durch den Raum, den Bambusstock hinter dem Rücken haltend. Er ist ein wahrer Teufel, dieser Ah-Po. Er schlägt und tritt die Kinder, nur aus Bosheit und Schadenfreude. Er be- schimpft sie und fühlt sich hoch über sie erhaben. Denn er trägt einen reinen hellblauen Anzug und eine Tuchmütze mit Schild, die ihm Herr Denkins als Zeichen seiner Würde verliehen hat. Und er glaubt den Dank seiner weißen Herren sich zu verdienen, wenn er scharf und unerbittlich über die Kinder wacht. Dafür hassen ihn ober auch alle die kleinen Arbeiter. Und Fu, einer der größten der Jungen, hat ihm eines Tages„Schildkröte" nachgerufen, als Ausdruck seiner höchsten Verachtung. Ah-Po hat ihn dafür furchtbar geschlagen und ihn so getreten, daß Fu seit jener Zeit Blut spuckt. Einige der Kinder haben zwar gesagt, sie werden zu Herrn Yenkins gehen und ihm alles erzählen, aber Herr Denkins ist für seine kleinen chinesischen Arbeiter nicht zu sprechen. Li-Dong hat ihn nur einmal im Automobil über den Hof fahren sehen. Neben ihm sah seine Frau und sagte zu ihrem Mann:„Dear William, ich muß dich doch sehr bitten, deinen Hof etwas sauberer zu hallen. Man kann als Lady unmöglich deine Fabrik betteten, wenn einem bei Schritt und Tritt dieses farbige Volk vor den Füßen herumspringt." Li- Dong hat zwar nicht verstanden, was Frau Denkins in ih-er l-emden Teufelssprache gesagt hat. Aber er hat ihr hochmütiges. schönes Gesicht gesehen und den Sinn ihrer Worte mit dem Herzen erraten. Li-Dong hat auch noch andere Erfahrungen mit den Weihen «"macht. Einmal war in ihrer Fabrik eine böse Krankheit aus- ö. b rochen Die Kinder bekamen hoheß Fieber, mußten furchtbar brechen und starben wie die Fliegen. Die Ausseher hatten erst versucht, sie durch Hiebe mit dem Bambusstock an die Arbeit zu bringen Als aber alles nichts nutzte, waren sie ins Kontor zu Herrn Yenkins gegangen und hatten ihm Bericht erstattet. Herr Dentins hatte gerade Besuch von einem Reverend. �..Wenn diese Chinesen nicht so schmutzig und gefräßig wären, würden sie auch nicht trank sein" hatte Herr Dentins dem Reverend erklart. Der geistliche Herr hatte dieser Erklärung durchaus zugestimmt und ein paar salbungsvolle Bemerkungen über das unausrottbare Heiden- l::m dieser chinesischen Wilden gemocht. Dann war er aber trotzdem. denn das forderte ja die Nächstenliebe in den Schuppen hinüber- o-gangen, um nach den Kindern zu sehen. Bei dem schrecklichen Geruch, der ihm aus dem Kellergewölbe entgegenschlug, hatte der geistliche Herr indigniert das Toschentuch vor die Nase gehalten. Dann war er mit vorsichtigen Schritten in den halbdunklen Raum getreten und hatte einige Fragen an die Kinder gerichtet, die sich s öhnen auf dem Boden wälzten. Li-Yong hotte halb im Fieber i m flehend beide Hände entgegengestreckt. Der geistliche Herr hatte sich vorsichtig etwas zurückgezogen und ihn dann mit spitzen Fingern ein frommes Traktätcheu in die Neinen schmutzigen Chinesen- häode gesteckt. „Der Himmel wird dich retten, mein Kind," hatte er dabei gesagt. llnd da hatte Li-Dong, er konnte einfach nicht anders, dem geist- lichen Herrn die Zunge herausgestreckt.„Es ist doch wohl die Zuchtrute Gottes, die diese Heiden schlägt," pflegte der Reverend später jedesmal zu sagen, wenn er voll Empörung dieses Erlebnis zum Besten gab. Ja, aber das Schlimmste, was der kleine Li-Dong erlebt hat, das war vor etwa einem Jahre im Sommer. Li-Dong hatte auf dem Hofe eine Besorgung gehabt und dabei— o glücklicher Zufall— das Tor nach der Sttaße offen gefunden. Da war er einige Stunden lang im Settlement herumgestreift. Er hatte eine Zeitlang den Händlern zugesehen und mit einigen anderen Kindern Mah-Yong gespielt. Dann Halle er von dem Karren eines Bauern eine Hand voll Bohnen gestohlen und war mit seinem so eroberten Mittags- Die Teilung der Eröe. „wohlan," sprach Schlicben-Zeus.„das Geld ist weggegeben, Und die Millionen sackten jene ein; Rur Reichtum darf im Zöllnerhimmel leben, Zedoch die Arbeitshölle soll euch offen sein."(Frei nach Schiller.) mahle schleunigst davongerannt. Schließlich aber war er an die Mauer eines Damen gekommen, der einem der fremden Teufel gehörte. Li-Dong war über die Mauer geklettert und in einen Garten gestiegen. Es war ein wundervoller Garten, der erste, den Li-Yong mit seinen eigenen Sinnen schmecken und fühlen durfte. Da waren Blumen und ein Rosen. Auf einem See schwammen weiße Rosen. Und ein feiner kleiner Glockenton ließ sein Geläut im Winde erklingen...bing...bong...bing...bong. Der kleine Li-Yong hatte eine ganze Weile dagestanden und alle diese Herrlich- leiten aus seinen Schlitzaugen heraus so verwundert angestarrt, wie nur ein Chinese starren kann. Aber da war plötzlich ein großer Hund gekommen und hatte ihn gehetzt. Li-Yong hatte furchtbar geschrien, als ihn die scharfen Zähne faßten. Gerade über seinem Gesicht sah er, wie er auf dem Boden lag, die funkelnden Augen des Hundes und die starken weißen Zähne. Und dann war ein Weißer gekommen, ein kleiner weißer Junge, kaum größer als Li-Dong. Der hatte einen Stock in der Hand und helle gelbe Sttesel an. Nie wird Li-Dong— und wenn er hundert Jahre all wird— den Ausdruck von Spott und Verachtung vergessen, den dieser kleine weiße Teufel zeigt«. Mll der einen Hand hat er den großen Hund zurückgezogen, mit der anderen Li-Yong ein paar Schläge ins Ge- sicht gegeben. Und dann zeigte er mll der Spitze des Stockes nach der Mauer. Sirius!" Li-Yong hat nichts zu sogen gewagt. Er weiß mll der Klughell seiner Rasse, daß dem Schwachen immer unrecht geschieht, aber er hat das Gesicht dieses weißen Knaben nie vergessen, und jedesmal wenn er wieder an diese Szene denkt, faßt ihn ein Gefühl des rasenden Zornes, kindlich und ohnmächtig zugleich. Er denkt sich die schrecklichsten Martern aus, mit denen er den weißen Knaben für seine Beleidigung strafen möchte und sein kleines gelbes Gesicht zieht sich wie im Krampf zusammen, wenn er an olles denkt. Aber mitten in diesen Gedanken faßt ihn dann plötzlich wieder ein furchtbarer Hustenreiz, vor ihm liegt der Berg ungezupfte Baumwolle und der Bambusstock Ah-Po's fällt auf seinen Rücken. Und Li-Yong zupft hasttger. den Kopf ttef über die Arbell gebeugt, und wischt nur verstohlen, mll dem zersetzten Aermel seiner Jacke, seine roten und ewig entzündeten Augen. Eines Tages wird in der Fabrik nicht gearbeitet. Alle Chinesen stehen auf dem Hofe und schreien und reden durcheinander. Bor dem Kontor sind die eisernen Rolläden heruntergelasien und Ah-Po mll den anderen Aufsehern hat sich in den Yamen von Herrn Yenkins geflüchtet. Auf einem Fasse steht ein kleine Chinese und spricht zu der Menge. In den hohen kreischenden Fisteltönen der chinesischen Sprache, wie sie die Erregung hervorruft. In der einen Hand häll er eine Pergamentrolle mit Schriftzeichen, auf die er immer wieder deutet, und dann rufen sie alle im Chor:„Wir wollen Reis! Nieder mit den fremden Teufeln!" Li-Yong versteht nichts von all diesen Dingen. Er hockt an der Mauer im Sonnenschein und spielt mit der großen grauen Katze, die leise schnurrend ihre Krallen aus- und einzieht. Li-Yong ist glücklich. Er braucht heute nicht zu arbeiten und Ah-Po wird ihn nicht schlagen. Er wird nachher durch die Sttaßen gehen und den Leuten zuschauen und wenn er etwas zu essen findet, wird ihm nichts mehr zu wünschen übrig bleiben. Da sieht er plötzlich, wie alle Arbeller zum Tor hinauslausen auf die Sttaße. Alle schreien und schwingen Fahnen über den Köpfen. Li-Dong findet das schrecklich komisch und läuft mit seinen Kameraden hinter ihnen her. Auf der Straße sind sehr viele Menschen. Ein Zug bildet sich und marschiert, Männer, Frauen und Kinder. Gesang schwillt an und prallt wie eine Sturni- woge gegen die Dächer und Mauern der Bonkpaläste und Kauf- Häuser. Li-Dong läuft im Zuge mll. Er ist sehr lustig und singt mll seiner kleinen scharfen Stimme:„Li-Yong braucht heute nicht zu arbeiten, und Ah-Po, dieser Sohn einer Schildkröte, wird ihn nicht schlagen... Li-Dong will Reis und Bohnen essen, bis er ganz satt ist, Li-Yong will Zuckerrohr"... Ein rasendes, scharfes Knattern, ein Ausheulen der Menge, die in wilder Flucht über ihre «gene« Leiber stürzt: die fremden Teufel schießen! Li-Boug hat einen schrecklichen Schlag gegen den Kopf bekommen. Er dreht sich im Kreise und schlägt zu Boden. Er will den Mund well öffnen, er will weinen und schreien, aber das Blut stürzt schon aus seinem Munde, er kann sich nicht mehr hallen, er fällt und versinkt. 2lber das Blut auf seinen Lippen schmeckt-- wie Zuckerrohr... Verkäuferinnen. Don Georg Mönkeberg. Das Gebäude droht mächttg und mit viele» Bogenlampen grell bewimpell in die lange Sttaßenfront. Dort, wo die breite Asphalt- schlucht mll ihren sausenden Wagen auf den großen Platz hinaus? bricht, lagert sich der Monumentalbau milder mll steinernen Arkaden hin und bietet mit hochbogigen Toren und schmalen fast kirchlichen Fenstern einen lächelnden Anblick. Pompös sind die Eingänge, figurenbedacht, von reichen Schaufenstern flankiert, von blitzblank galonierten Dienern bewacht. Die Drehtüren schwirren summend, einsaugt das Haus strömende Menschenflut, endlos breiten sich innen die Stände und der Zug der Käufer irrt durch polierte Gassen» flankiert von lächelnden Cutaways und Scheiteln, die zu richtungs. weisenden Händen zucken. Ganz zur Celle aber ein kleines Türchen. kaum bemerkbar neben dem Eingang, und während der Tag dahin- geht, schwingt es nur selten in seinen Angeln. Zwei Zeiten nur hat das Tllrchen: morgens, wenn die Verkäuferinnen kommen, und abends, wenn die Verkäuferinnen gehen. Hinter einem Glasfenfter der Portier. Neben ihm ein Mann mll einer Mütze. Sie beobachten» morgens, ob niemand zu spät kommt, abends, ob niemand etwas mitnimmt. An der Sperreihe ihrer Blicke passieren sie vorbei, und wer einmal die Mädchenflut herauf- und herunterblickt, der hat die Geschichte der Verkäuferinnen abrollen gesehen. Morgens: da kommt die kleine Anfängerin, die vorläufig nur Pakete zu ttagen hat, sommerbefproßt mll spärlichem Zöpfchen, die Kinderaugen noch voll Schlaf, mll schiefgettetenen Hacken und einem dummen Schnuppern der Nase, ein wichtiges Ding, das sich jeden Anschnauzer gefallen läßt. Dahinter die Siebzehnjährige, nicht mehr die Thermosflasche- sorglos in der Hand, sondern sie in einer kleine» abgeschabten schwarzen Mappe bergend, der Gang ist kühner, sie weiß, daß oft die Blicke des Rayonchefs auf ihrer dünnen Bluse ruhen und die jungen Brüste darunter suchen und der Käufer beugt sich oft über den Tisch, um ihren Atem etwas näher zu spüren. Ihre Augen sind unruhig und unterhöhlt, Schlaf und Qual, war Absinken in Tiefen des Unerlöstseins, als sei sie geschlagen worden die ganze Nacht, hatte sie sich morgens vom Bett erhoben. Da ist die Fünfund- zwanzigjährige schon anders. Auch sie ist kaputt. Aber die Nacht war glücklich und voller Freuden. Sie sieht nicht die Demütigung der Kontrolluhr, nicht wie die Aufseherin sie notiett, weil sie fünf Mi- nuten zu spät kam, beim Umziehen überschwemmt sie ihre Kalle- ginnen mit Geschichten, die Stunden schlagen rasch hintereinander dem Nachmittag zu, die schimpfende, dicke Dame, die die Knöpfe zu ihrem Mantel nicht passend finden kann, ist ihr gleichgültig, gleich- gültig alles Brummen um sie herum, denn irgendwo hinter der siebenten Stunde steht jemand und hat Fahrkarten nach Wannfe« m der Tasche. Zehn Jahre aller ist die nächste. Abgründe ttennen sie von dieser da.'Die Lippen sind faltig, sie hat einen Tag vor sich, auf dessen Ende sie sich nicht freut, weil sie nur noch in Einleitungen lebt und bestimmten Fristen; sie erwartet wenig und hofft noch weniger, die Zeit, die das Wunder ihr geschehen könnte, ist längst vorbei, fast zärtlich ttitt sie in ihren Handschuhstand und steckt mit Sorgfalt die Preisschilder auf. Und dann die anderen: die Verheiratete, die arbeiten muß, well ihr Mann lungenkrank zu Hause liegt und nicht hochkommt, die dicke rundliche Fünfzigerin, die schon einen gehobeneren Posten hat und vor der sich die kleinen Schafsnasen ducken, und schließlich die Alle, die bei der letzten Beförderung doch nicht Kassiererin geworden ist, und mll ihrem schwarzen Rock und schiefen Pincenez manchmal hinter den künstlichen Blumen einschläft, da ja selten einmal einer künstliche Blumen kauft, und erschreckt auffährt, wenn eine Frage knarrt, auffährt aus einem Traum, in dem eine Neine Stube, weiße Gardinen und eine Katze ein« Rolle spielen. Das Kinderwatscheln wird zum jungfräullchen Gang, der heroische Schritt der Rayonchcffin zum Trippeln der Alten. Die Mütze am Kontrolleingang wechselt manchmal den Kops, ihr Schirm wird immer abgerisieuer, und die Brillengläser des Portiers daneben stets schärfer. Die Tür schwingt auf, die Tür schwingt zu. die Herde ttabt ein, die Herde ttabt aus, das Warenhaus bekommt nächstens einen Neubau, die Aktionäre tauschen ihre veralleten Auto« in neue amerikanische um, wenn eine nach fünfundzwanzig Iahren Dienstzett stirbt, ist der Kranz größer als nach zehn Iahren, die Ausverkaufs- schilder bei der Saison-Inoentur werden moderner, well unterdes in der Kunst eine neue Zeit heraufgezogen ist, nur die Schuhe der Ber- käuferinnen bleiben abgetreten, die Auge» stumpf, die Herzen ohne Freude— ober die Aktien des Geschäftes werden jetzt schon an aus- ländischen Börsen notiert._ Der Käß der Muse. Eia wahres Geschichtcheo. Im allen K. und K. Oesterreich spiellen die Polen ein« bedeu- tende Rolle im parlamentarisch-politischen Leben. Zehn Jahre lang war est, polnischer Abgeordneter Präsident des österreichischen Reichsrates. Als diese zehn Jahre verstrichen waren, wollte der Polenklub dieses Jubiläum gebührend feiern und veronstallete zu Ehren des Reichsratspräsidenten ein Festbankett. Ein polnischer Abgeordneter hatte die Festtede übernommen. Voll Würde erhob er sich von der Tafel und begann: .Ich mutz meine Rede mit einem Geständnis beginnen: Zu Ehren des heutigen Jubiläums habe ich etwas getan, was ich in meiner langjährigen parlamentarischen Tätigkeit noch nie getan habe. Ich habe mich auf meine Rede vorbereitet. Als ich zu Hause an meinem Schreibtisch saß, um die Bankettrede zu konzeptieren, da fiel mir ein, daß ich schon einmal in meinem Leben mich auf eine Rede vorbereitet habe. Das war, als ich noch auf den Bänken des Gymnasiums saß. Und well ich nun gerade vom Gymnasium spreche, möchte ich gleich erzählen, was uns damals ein Lehrer von den Athenern gesagt hat. Wir behandelten im Unterricht die Kunst der allen Griechen und da erzählte unser Lehrer: Wenn im alten Athen ein Knäblei» geboren wurde und die Muse küßte es in der Wiege auf die Stirne, dann wurde aus dem Knäblein ein Philosoph oder ein Dichter. Küßte die Muse das Knäblein auf das Ohr, dann wurde aus dem jungen Weltbürger ein Musiker. Wenn aber die Muse das Knäb- lein auf die Hände geküßt hat, dann wurde es ein Bildhauer." „Du, lieber Freund," wandte sich der Redner nun zum Jubllar, „du{igest schon zehn Jahre auf dem Präsidentenstuhl des österrei- chischen Reichsrats. Wohin mag dich die Muse geküßt haben?" Fecheubach. Sie leiden nun schon monatelang an Hämorrhoiden! Biz raten Ihnen Folgendes genau zu lesen und sofort a bie nääjfte Apothefe zu gehen. Die Gefahren eines vernachläffigten Hämorrhoiden Leidens merden von vielen daran Erfrankten auf bie leichte Schulter genommen. Mit Entschiedenheit muß der Aberglaube betämpft werden, bag Blutungen gesund und zum Wohlbefinden notwendig feien. Ebenso tbricht ist die Scham, fich einem rat an einer Untersuchung anzuvertrauen. Die Erfahrungen, daß viele Sämorrhoiden- Beidende für eine Operation feine Entschluß fraft aufzubringen vermögen, Deranlassen ben Arzt zum Ber fuche, biefes Beiben auf unblutige Weise( ohne Operation) durch örtliche Behandlung zu beheben. Neben: Berordnung diätetischer Lebensweise, Regulierung ber Verdauung, und bes Stuhlganges tommt hauptsächlich Betliche Behandlung mit guten Spezial- Präparaten auf wiffenfchaftlicher Grundlage in Betracht, um die Hämor thoiben vor Beschädigung, und Infektion zu schüßen, ander feits dort, wo bereits Jnfettion eingetreten ist, biefelbe zu beheben. Es t die Annahme, daß es gegen diefes Leiben tein anderes Mittel gebe als die Operation, schon deswegen vet bängnisvoll, weil viele Strante eben so lange warten, bis wirtlich eine Operation nicht mehr zu umgehen ist. Da sich auf dem Boden alter. vernachlässigter Sämst thoiden sehr oft a jt dari Fisteln und Mastdarm. Krebs entwidein, handeln jene Rrante flug, welche eine frühzeitige operationslose Behandlung einleiten laffen. Bir raten baber jebem Hämorrhoiden Kranten in feinem eigenen Intereffe, unfere bewährten „ Novosan- Präparate 3 versuchen und die Behandlung mit diefen Bräparates jeinem Hausarzte zu überlassen, dem wir die Biteratu unentgeltlich zur Verfügung stellen. Befragen Sie fofor Ihren Arzt! 8u beziehen durch alle Apotheken Deutschlands! Bersant durch Schwan- Apotheke, Dresden- N. Aufklärende Broschüre nebst Dantschreiben an jeben J tereffenten fostenlos durch uns dirett Walter Kießling. Chem.- pharmac. 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