Nr. 36542. Jahrg. Ausgabe A nr. 187 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli 8, Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Buremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit" mit„ Gied Jung und Aleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Bisfen und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5,- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( aulaffia amei ettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, iebes weitere Wort 10 Bfennig. Borte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Borie. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Douboff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 5. August 1925 Der Finanzausgleich. Noch keine Einigung mit den Ländern. Am heutigen Mittwoch wird nach einer Debatte von neun Tegen die zweite Lesung der Steuervorlagen voraussichtlich zu Ende gehen. Zuvor aber hat der Reichstag noch die wichfige Frage des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden zu erledigen. Es ist tennzeichnend für die Art, wie der Rechtsblod seine Steuergejeze erledigen will, daß bis zur Stunde der Inhalt dieses Gesezesnoch nicht feststeht. Nach mie vor besteht zwischen der Reichsregierung und den Ländern ein großer Gegensah. Er beruht vor allem auf der Tatsache, daß die Länder der Berkürzung ihrer Anteile an den Ueberweisungssteuern Widerstand leisten, die die Reichsregierung unter dem Drud von Großinduftre und Großagrariern vor nehmen will. Ursprünglich hatte die Reichsregierung vorgeschlagen, daß von der Einkommen- und KörperschaftsSteuer 75 Broz. und von der Umsatzsteuer 20 Broz, an die Länder gegeben werden sollen. Die Länder aber verAnteil von 90 Broz. und an der Umsatzsteuer einen von 30 Proz. lengten an der Einkommen- und Körperschaftssteuer einen Inzwischen ist im Steuerausschuß beschlossen worden, daß die Länder von der Einkommensteuer 75 Proz., von der Um steuer aber 35 Broz. erhalten solen. Mit diesen Beschlüssen des Steuerausschusses aber sind die Länder nicht einverstanden. Sie sind heftig enttäuscht, daz- die Rechtsparteien ihre Zufage, den Ländern eine felbständige Steuerquelle zur freien Verfügung zu geben, nicht Bayern. In den übrigen Ländern will man höhere Weberweisungen, weil man nicht gezwungen sein will, Hauszins Better und Gewerbesteuer übermäßig anzuspannen und weil es sonst nicht möglich ist, die Etats von Ländern und Gemeinden zu balancieren. gerechnet würde. Den Ländern würde also die Hoffnung auf einen Mehrertrag aus der Entwicklung der Einkommensteuer genommen. Ferner würde eine derartige Gesamtgarantie die Abrechnung zwischen dem Reich und den Ländern und vor allem die Auseinandersetzung der Länder mit den Gemeinden völlig unflar lassen, da ja nicht ersehen werden könnte, was von dem etwaigen Zuschußbetrag auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer und was auf die Umfagsteuer zu verrechnen ist. Die Landesfinanzminister haben sich deshalb auf den Standpunkt gestellt, daß das Kompromiß nur dann annehmbar wäre, wenn den Ländern bis zum 1. April 1927 35 Pro3. eines garantierten Aufkommens an Umsatzsteuer von 1500 Millionen zugesagt würden. Vorwärts- Verlag G.m.b. F., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Bostichefkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstraße 3 Japans industrielle Lage. ( Bon unserem japanischen Mitarbeiter.) Tsuruga( Japan), Anfang Juli. Der Entwicklungsstand der japanischen Industrie unterscheidet sich in wesentlichen Zügen von dem älteren europäischamerikanischen Kapitalismus. Ueber die Eigentümlichkeiten der heutigen japanischen Industriewirtschaft ist in dem japanifchen Arbeitsjahrbuch von 1925 eine gute Darstellung erschienen. Ihre wesentlichen Besonderheiten lassen sich etwa folgendermaßen zusammenfassen. Der inländische Absah konnte sich eine Zeitlang günstig entwideln. Die ausländische Konkurrenz war durch Transportfosten benachteiligt und die inländische Produktion durch Zollmauern geschützt. Die Arbeitslöhne waren sehr niedrig. Bis zu einem gewissen Grade gelang die Anwendung der modernen technischen Fortschritte. Das alles trug dazu bei, daß die japanische Industrie sich zunächst geradezu sprung haft entwidelte. Rechnet man dazu 75 Proz. eines Aufkommens an Einkommenund Körperschaftssteuer von 2100 Millionen, auf dessen Garantie faltet aus sich selbst die Gegentendenzen, die ihrer Aber eine solche schnelle tapitalistische Entwicklung ents die Länder feinen unbedingten Wert legen, so würde das auch nur weiteren Ausdehnung im Wege stehen. Die Anwendung der einen Gesamtbetrag von 2100 Millionen ausmachen. Dieser Vertrages Nr. 1311 annehmbar sein. Den Ländern aber läßt er die sättigt, muß die Industrie Ausfuhrindustrie werden; der Zollmittlungsvorschlag dürfte daher auch für die Antragsteller des An- besten technischen und Arbeitsmethoden bedarf schließlich flassifizierter Arbeitskräfte. Ist der innere Abjagmarkt ge= Hoffnung des Mehrertrags, falls die Einkommen- und Körper- fájuk fällt dann fort. Mit der steigenden fapitalistischen Entschaftssteuer mehr als 2100 Millionen aufbringen würde. In der wicklung steigt die Organisation der Arbeiter, die Arbeitslöhne die einzige Möglichkeit liegen, das mit Sicherheit bei einem der Tat würde in einer Steigerung des Ertrags der Einkommensteuer wicklung steigt die Organisation der Arbeiter, die Arbeitslöhne gehen unvermeidlich in die Höhe. Treffen solche Tendenzen artigen Finanzausgleich entstehende Defizit wenigstens zum Teil zusammen, so wird die fapitalistische Entwicklung eines Landes abzudecken. Dieses Defizit wird sich z. B. bei dem preußischen gehemmt. Die industrielle Entwicklung Japans ist gegenStaat unter Drosselung aller nicht unbedingt zwangsläufigen Auswärtig in dieses Stadium eingetreten. Hier liegen die mirk lichen Gründe für die gegenwärtige Stagnation gaben und unter Heranziehung aller etwa noch vorhandenen Rejer- des japanischen Wirtimaftslebens. Für 1926 sieht das Bild noch trüber aus. nen auf etwa 250 Millionen Mart schon für 1925 stellen. Ob nun der junge Kapitalismus eines Landes wie Japan Bische Staatsministerium diesen Vermittlungsvorschlag als letzten Deutschland in Wettbewerb zu treten, hängt in hohem Maße Wie die Landesfinanzministerkonferenz betrachtet auch das Preu- imstande ist, mit den älteren kapitalistischen Weltwirtschaftsmächten wie England, den Vereinigten Staaten und auch Schritt, um doch noch zu einer Einigung über den Finanzaus mit davon ab, ob das betreffende Land Rohmaterialien wie gleich zu fommen. Eisen, Kohle, Erdöl in seinem Besize hat. Ein Staat ohne folche natürlichen Bodenschäge fann auf dem Weltmarkt wegen der Schutzölle anderer Länder nur schwer konfür den Rest des Tagungsabschnittes in folgender Weise: Am Der Weltestenrat des Reichstags verteilte den Arbeitsstoff furrieren. Japan befindet sich in diefer Lage. Daher nimmt Es entsteht eine inmittwo foll verſucht werden, die zweite Befung der Steuer- dustrielle Reservearmee und mit ihr die ökonomische Grundfür den Rest des Tagungsabschnittes in folgender Beise: Am die Arbeitslosigkeit fortwährend zu. borlagen zu Ende zu bringen. Der Donnerstag vormittag foll lage einer antikapitalistischen Majsenbewegung. Die einzige Waffe des japanischen Industriekapitalismus Der Arbeitsplan des Reichstags. Inzwischen haben die Regierungsparteien dem Reichstage einen neuen Antrag unterbreitet, der ein weiteres Entgegenkommen an die Länder darstellt. Er sichert ihnen aus den Ueberweisungssteuern einen Ertrag von insgefamt 2100 Millionen, gibt ihnen also 75 Millionen mehr, als fie nach den Beschlüssen des Steuerausschusses zu erwarten hätten. Aber auch über diesen Vorschlag ist trok dauernder Verhandlungen eine Einigung mit den Ländern bisher nicht erzielt worden. Es ist deshalb zu erwarten, daß bei den heutigen Debatten die Ländervertreter eingreifen, um ihren von der Vorbereitung der Zollvoilage zu geben. Am Donnerstag nach auf dem Weltmarkt ist heute noch die Billigkeit der Arbeitspunft darzulegen. Die Sozialdemokratie mird bei diesen Auseinandersetzungen weder den Standpunkt der Reichs regierung noch den der Länderteilen können. Die partikularistischen Neigungen der Länder lehnt sie mit aller Entschiedenheit ab. Ebenso entschieden aber bekämpft fie die Absichten, Länder und Gemeinden in ihrer finanziellen Bewegungsfreiheit so zu beschränken, daß sie entweder die Mietssteuer start anspannen oder fulturelle und soziale Aufgaben abbauen müssen. Die Forderungen der Länder. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: In der Finanzausgleichsfrage haben die Regierungsparteien offenbar unter Leitung der Reichsregierung- ein neues Kompromis versucht, indem sie durch den Antrag Nr. 1311 den Ländern und Gemeinden eine Gesamt beteiligung an der Einkommen und Körperschaftssteuer und Umsatz Steuer in Höhe von 2100 Millionen Mart garantieren wollen. Die Garantie scheint auf folgender Grundlage errechnet zu sein: 75 Proz. von einem Reichsaufkommen aus Eintommen- und Körperschaftssteuer in Höhe von 2100 Millionen 35 Broz. von einem Reichsaufkommen an UmsetzSteuer in Höhe von 1500 Millionen=. 1575 Millionen, 525 Millionen zusammen 2100 Millionen. Die kürzlich in Berlin versammelt gewesenen Landes. Die kürzlich in Berlin versammelt gewesenen Landesfinanzminister haben zwar den Standpunkt vertreten, daß die Garantie als Ausgleich an sich unerwünscht ist, weil sie die Länder von den eigentlichen Steuerquellen abzudrängen geeignet scheint. Trotzdem würden sie sich in Anbetracht dessen, daß es sich nur um eine Uebergangsregelung bis zum endgültigen Finanzausgleich handelt, mit der Garantie als Einigungsgrundlage abfinden, wenn sie den Ländern tatsächlich etwas bedeutete. In der von den Regierungsparteien vorgesehenen Form hat die Garantie aber den mangel, daß sie nur eine Gesamtgaran tie für das Aufkommen der beiden Steuern zusammen ist; dies hätte zur Folge, daß, wenn aus der Einfommen- und Rörperschaftssteuer als einer immerhin noch entwicklungsfähigen Steuer mehr als 2100 Millionen Mark im Reiche herauskommen, das Mehr auf einen etwaigen ehlbetrag der Umsatzsteuer, der namentlich bei einer etwaigen weiteren Sentung der Steuer eintreten tann, an mittag soll die Angelegenheit des Flüchtlingslagers in Shneidemühl besprochen werden, falls die Regierung an diesem Tage zur Beantwortung der Interpellationen bereit ist. Der Freitag foll der dritten Lesung der Steuergefege gewidmet fein und es wird gehofft, daß die dritte Lesung an diesem einen age durchgeführt werden kann. Sodann soll am Sonnabend die zweite Lesung der Zollvorlage in Angriff genommen werden. Bis wann aber die Bollvorlage auch in der britten Lesung endgültig erledigt werden kann, ist volllommen ungewiß. Eine Sonntagsigung ist bisher nicht in Aussicht genommen. Freie Getreideausfuhr? Wie die WD3. Korrespondenz aus parlamentarischen Kreifen melbet, werden die noch bestehenden Ausfuhr berbote für Getreide und Mehl bestimmt im Laufe der nächsten Woche aufgehoben und zwar mit der Annahme der Zollvorlage oder bei Bertagung des Reichstags. Erstattung von Lohnsteuer. Frift zur Antragstellung bis 31. Dezember 1925 verlängert Durch die Neuregelung des Steuerabzuges vom Arbeitslohn haben die Lohnsteuerpflichtigen in bestimmten Fällen einen Rechtsanspruch auf die Erstattung bereits gezahlter Lohn ft eu erbeträge erhalten. Für das Jahr 1924 besteht dieser AnSpruch in zwei Fällen: erstens bei Verdienstausfall infolge Erwerbs. Iefigteit usw. und zweitens beim Borliegen besonderer wirtschaftlicher Berhältniffe des Steuerpflichtigen( Krankheit, Unglücksfall u. dergl.). Danach besteht in allen den Fällen, in denen der steuerfreie Betrag nicht in voller Höhe gutgebracht ist, ein Recht auf Rüd erstattung der zuviel abgezogenen Lohnsteuer. Dieser Anspruch besteht ohne Rücksicht auf die Höhe des Arbeitslohnes und der bestehenden sonstigen Einkommen. Ursprünglich sollte die Frist zur Einbringung solcher Anträge an das Finanzamt am 31. Juli ablaufen. In dem Einkommen steuergefeß, das der Reichstag jezt verabschiedet, ist aber auf Antrag der Sozialdemokratie die Frist bis zum 31. Dezember 1925 verlängert worden. Es ist also hinreichend Zeit gelassen, damit die Gewerkschaften und Betriebsräte die Anträge und erforderlichen Unterlagen sammeln und gemeinsam an das Finanzamt einreichen fönnen. Es liegt im dringenden Interesse aller Lohnsteuer. pflichtigen, daß von der Möglichkeit zur Erstattung von zuviel gezahlter Lohnsteuerbeträge weitestgehender Gebrauch gemacht wird. jezt nicht geeignet, Arbeit an den kompliziertesten Maschinen der modernen Technik zu leisten. Auf dem Weltmarkt ist die japanische Industrie also erstens nur tonfurrenzfähig, insofern sie Rohstoffindustrie ist, also im Falle Japans: Rohseide, Zucker, Kohle, Tee und Fischereiprodukte ausführt, und zweitens, soweit sie Heimindustrie ist, also z. B. Streichhölzer, Bürsten, einfache Epielwaren, Geifen und strohgeflochtene Waren erzeugt. Seit dem Weltkriege aber ist der japanische Industries tapitalismus dieser Stufe auf dem Weltmarkt nicht mehr tonkurrenzfähig. Die Arbeitslöhne sind zu hoch geworden, und die chinesische Industrie, die in der letzten Zeit sich sprunghaft entwickelt hat, deckt die Bedürfnisse des chinesischen Marktes mit billigeren Arbeitslöhnen. Die japanische Ausfuhr von Baumwollzwirn, Tee, Streichhölzer, Seifen, Bambus- und Strohwaren, Fächer u. a. ist wegen des Aufschwunges der entsprechenden Gewerbe in China in den letzten Jahren start zurückgegangen, während andere Waren, die Japan bisher ausführte, wie japanische Regenschirme, Bürsten, Zahnstocher, Schuhwaren, Holzkohle, jetzt von China und Amerika aus- und fogar in Japan eingeführt werden. Da nun die Ansprüche an die Lebenshaltung in Japan zunehmen und die Arbeiter= organisationen stark genug sind, in vielen Fällen, wenn auch unzureichende, so doch gesteigerte Löhne durchzusehen, so gerät der junge japanische Kapitalismus in den Zustand einer dauernden Krise, da er bis jetzt es nicht verstanden hat, die Chinas oder die billigen Arbeitsfräfte Maffenproduktion der Bereinigten Staaten zu überwinden. So steht die japanische Industrie vor der Notwendigkeit, in das Stadium des Hochkapitalismus überzugehen. Die Industrie wendet sich bereits teilweise der Herstellung hochwertiger Fabrikate zu. Die Baumwoll textilindustrie produziert statt des bisherigen groben, feinen Zwirn und sucht statt Zwirn womöglich Baumwolltuch auszuführen. Die Ausfuhr des Rohkupfers hört auf, weil allmählich eine japanische Elektroindustrie entsteht, die dieses Rohmaterial felbft verarbeitet. Aber der Uebergang in den Hochkapitalismus fordert eine gründliche Umstellung der herrschenden Arbeitspolitik. Bisher wurde mit großen Menschenmassen bei niedrigsten Löhnen produziert. Das muß sich völlig ändern. An die Steile der überlieferten muß eine andere Art der Sozialpolitik treten. Es fommt jetzt darauf an, die Arbeitermassen zu hohen Pro duttionsleislungen zu schulen� Jede Arbeitskraft muß an der Maschine mehr als bisher leisten. Sonst scheitert der Weit- Kerncrb mit dem Exportindustrialismus der europäischen Länder. Japan steht also vor einer scharfen Krise seiner bis- her stetig aufblühenden und durch die Kriegsjahre mächtig ge- förderten Gewerbe. Auf der einen Seite der unausweichliche Zwang, die machsende Bevölkerung durch Ausfuhr Hochwertiger Erzeugnisse zu ernähren, den Wettbewerb auf dem Weltmarkt mit den ältesten Wirtschaftsmächtcn zu bestehen, aus der an- deren die Notwendigkeit, die Lebenshaltung der Massen menschenwürdig zu gestalten. So bricht eine longdauernde Periode mächtiger Klassenkämpfe über Japan herein. Schwere Zeiten stehen der Arbeiterschaft bevor. Sie ist in Gefahr, zwischen den heimischen und den fremden kapitalistischen Wirtschaften zerrieben zu werden. So ist der Aus- bau der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen der Arbeiterschaft ein dringendes Gebot der Stund«. Neue Verbrauchsbelastung. Bier- und Tabak«, Zucker- und Galzsteuer. Der Reichstag nahm gestern die Erhöhung der Bier- und der Tabaksteuer an. Wie vorauszusehen war, wurde in namentlicher Abstimmung die Bestimmung gestrichen, die den arbeitslos werdenden Tabokarbeitern den Anspruch auf eine Unterstützung aus Reichsmitteln in Höhe von fünf Sechsteln ihres Verdienstes sicherte. Statt besten wurde beschlosten, ihnen lediglich den Anspruch aus Erwerbslosen- und Kurzarbeiter- Unterstützung für die Dauer eines Jahres zuzuerkennen. Diese Verschlechterung der Fürsorge für die erwerbslosen Tabakarbeiter aber hinderte die Regierungsmehrheit nicht, kurze Zeit darauf den Weinbauern eine jährliche Zuwendung von insgesamt 50 Millionen Mark zu gewähren. Das geschieht dadurch, daß die Weinsteuer für die nächsten zwei Jahre auf 15, die Schoumweinsteuer auf 22K Prvz. ermäßigt wird und außerdem ein Drittel des Ertrags der Wein- steuer zur Unterstützung der Weinbauern verwendet wird. De von der Sozialdemokratie durchgesetzte Steuerfreiheit für olko« holfreie Weine wurde entgegen den Ausschußbeschlüssen wieder aufgehoben. Auch bei den übrigen Berbrauchssteuern blieb es bei den Ausschußbeschlüsten. Alle sozialdemokratischen Anträge auf Aufhebung der Salzsteuer, der Zündwaren- und Leuchtmittelsteuer wurden abgelehnt. Dasselbe Schicksal hatte ein sozialdemokratischer Antrag, die Zuckerfteuer von 21 auf l6 M. pro Doppelzentner zu ermäßigen. In der Belastung des Massenkonsums, in der Sonderbesteuerung der kinderreichen Familien, zeigte sich der Rechtsblock genau so einig wie in der Entlastung des Groß besitz es._ Der Aollmmister ües Zentrums. Noch ist nichts entschieden... Zu den Gerüchten über das Angebot Luthers an den Zentnnnsabgeordneten v. Guörard, in das Kabinett als Minister für die besetzten Gebiete einzutreten, wird der „Germania" aus der Zentrumsfraktion geschrieben:•• Ein Beschluß der berufenen Instanzen der Zentrumspartei zu dieser Frage ist aber im gegenwärtigen Augenblick noch nicht gefaßt. Daß bei der Natur der Dinge der Vorstand der Fraktion sich mit diesen Fragen«ingehend beschäftigt«, ist klar. Indessen ist eine Stellungnahm« noch nicht erfolgt. Es find vorwiegend politisch« Gründe, die das Zentrum zu einer Zurückhaltung in dieser Frage nötigen. Die Stellung eine» dritten Ministers im Kabinett würde«ine stärkere politische ' und parlamentarisch« Bindung an die Regierung Luther bedingen, als wie sie ursprünglich vorgesehen war. Ob der Zeit- punit für eine derartig« engere Gemeinschaft im jetzigen Augen- blick gegeben ist, wird verschieden, aber in der Hauptsach« ver- neinend beurteilt. Jedenfalls sind alle diese Dinge noch voll- ständig im Fluß, und man wird gut tun, auch diesen Räch. richten der gegnerischen Presse gegenüber mit äußerster Zurück- Haltung zu begegnen, da in ihnen vielfach die Tendenz obwaltet, das Zentrum in einer Richtung festzulegen, von der sich gewisse Tendenzen auf der Gegenseite bestimmten partei- politischen Nutzen versprechen. Nach einer Verneinung sieht diese Erklärung gerade nicht aus, wennschon in der Fraktion„in der Hauptsache ver» neinend" auf die Frage geantwortet wurde, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für die stärkere Bindung an die Deutschnationalen gekommen sei. Der rechte Flügel des Zentrums will vielleicht nur noch etwas warten, da die An- nähme eines weiteren Ministerpostens im Kabinett des Zoll- wuchers und der Steuergesetze immerhin etwas sehr Pein- liches an sich hat._ Noch ein Schacher. Auch die Wirtschaftspartei wird gekaust. Der„Sozialdemokratische Pressedienst" meldet: E» ist unter der Regierung Luther üblich geworden, daß beinah« alle wichtigen politischen Entscheidungen außerhalb des Parlaments hinter den Kulissen abgemacht werden. Jetzt liegt ein neuer be- merkenswerter Fall dieser Geheimpolitik vor. Wie man erfährt, hat die Wirtschaftspartei nur unter der Bedingung für die Erhöhung der Bier st euer gestimmt, daß die Reichsregierung unter keinen Umständen eine Gesetzesvorlage zugunsten des Gemetndebe stimmungsrechtes macht. Dieses Ge- melndebestimmungsrecht, das den Einwohnern jeder Gemeinde das Recht zugestehen will, selbst zu entscheiden, in welchem Maße Schank- konzessionen erteilt und Mkoholgctränke verabreicht und gehandelt werden dürfen, wird von dem Alkoholkapital sehr gefürchtet. Ein Teil der bürgerlichen Parteien stand unter dem Eindruck, daß infolge der lebhaften alkoholgegnerischen Agitation da» Gemeindebestim. mungsrecht im Reichstag zum Gesetz erhoben würde. Run versucht man, das dadurch zu verhindern, daß die Reichsregierung das er- wähnte politische Geschäft mit der Wirtschaftspartei abgeschlossen hat. öahnlchutz-Geheimniffe. „Bahuschutz" und„Technische Nothilfe" der Reichsbahn. Vor einigen Wochen fand in Karlsruhe ein«„Dezernenten-Be- sprechung" der Reichsbahngesellschaft über wichtig« Fragen des „Bahnschutzes", der„Personalbetriebshilfe" und der„Technischen Nothilfe" statt. Di« Hauptverwaltung der Reichsbahn hat be- kanntlich den Beamten allgemein verboten, irgendwelche Infor- mationen an die Presse zu geben. Darauf ist auch wohl zurück- zuführen, daß bis heute über die merkwürdigen Verhandlungen in Karlsruhe noch nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Kein Wunder, daß jene unteren und mittleren Bahnbeamten, die von der Tagung wußten, aber von ihr hermetisch abgeschlossen waren,«ine gewisse Beunruhigung über eine Konferenz empfinden, die hinter verschlossenen Türen hochwichtige Problem« der Staats- s i ch e r h e i t erörtert hat. Der„Bahnschutz" stellt nämlich eine stark bewaffnete Organisation dar, die zunächst zum Schutz der Bahnanlagen bei„inneren Unruhen" verwandt werden soll. Seine„Rekru- tierung", Ausrüstung und„Mobilmachung" liegt völlig in den Händen der höheren Reichsbahnbeamtenschast, der damit ein wichtiges Mochtinstrument in die Hand gegeben ist. In Voraussicht dessen haben seinerzeit sich sämtliche Gewerkschaften auf bap entschiedgnste gegen die Errichtung eines.Dahnschutzrs" ausgesprochen, weil ber Schutz öffentlicher Anlagen Sache der Staatsorgan«, nicht irgendwelcher geheimer unkontrollierbarer Gesellschaften sei. Dieser Standpunkt hat an Gewicht noch gewonnen, seit die Reichsbahn ein reaktionär verwaltete» Privat unternehmen geworden ist. Aus der Tagung der mysteriösen„Dezernentenbesprechung" in Karlsruhe sind folgende Besprechungspunkte von Interesse:„Beteiligung des „Bahnschutzes" an den Planspielen der Schutzpoüzei.— Ausstattung mit Verbandpäckchen.— Oeffentliches Tragen der Dienstwaffe.— Lagerung der Bahnschutzgeräte.— Schulsunkübungen für Bahn- schutzzwecke mit Ausdehnung auf die Funkstellen der Schutzpolizei und Reichswehr.— Der Einsatz der„Personalbetrsebshilfe" beim letzten Streik in Sacksen." Das sind alles Fragen, die nicht nur die Herren Dezernenten angehen. Dos öffentliche Tragen der„Dienstwaffen" könnte zum Zrieörich Engels als Ireunö. „Einen Bund ohnegleichen" nennt Franz Mehring in seiner Marx-Biographie das Freundschaftsverhältnis zwischen Marx und Engels. Und in der Tat eine Freundschaft, wie die zwischen dem Schöpfer des„Kapitals" und dem Verfasser der berühmten Streit- fchrift gegen Dühring, trägt die Züge der Unvergleichlichkeit. Wir haben genug Freundschaften in der Geschichte zwischen geistig hochstehenden Männern. Nirgends aber wohl ein« Freundschaft wie die zwischen Marx und Engels, in der der eine Teil sein ganzes materielles Schicksal unter dem Gesichtspunkt gestaltet, wie er dem Freunde helfen könne. Man bedenke, Karl Marx, der nach dem Zeugnis seines Biographen sich sein ganzes Leben auch nicht die bescheidenste bürgerliche Existenz zu sichern oermochte, der in lümmerlichen Verhältnissen im Kreise seiner Familie niemals ganz vyne Sorgen und wohl selten ohne Schulden lebte,— Marx fand in dem Sohne des Barmer Fabrikanten, in Friedrich Engels einen Freund, der eigentlich bei jedem Pfennig, den er verdiente, daran dachte, wie er ihn für Karl Marr und seine Familie vernünftig an- legen könne. Seltsame erhabene Ironie der Geschichte: Der Schöpfer des„Kapitals", der geistige Heerführer des Klassenkampfes findet das tiefst« Verständnis> und— die weitestgehende geldliche Unter. stützung bei einem Gesinnungsgenossen, der der Unternehmerklass«, c-nem strenggläubigen und konservativen Fabritantenhause ent- stampit und nun alles daran setzt, aus seiner kommorziell-industriellen Tätigkeit möglichst viel Geldmittel für den geistigen Bater de» Ge- dänkcns des Klassenkampfes herauszuholen. Engels wurde nach Ablauf seiner Militärzeit Kommis in Manchester bei der Firma Ermen und Engels, an der fein Dater Teilhaber war. Gern ist Engels bestimmt nicht Kaufmann geworden. Aber er war ein guter Kaufmann, wie er auch ein guter Soldat mar. Und es zeigte sich bald, welchen Sinn es in seinem Leben hotte, daß er den Kontorstuhl hei Ermen und Engels in Manchester drückte. Denn so konnte er Marx, mit dem er bald— nach anfänglich sehr lühler Begrüßung beim Kennenlernen— sich befreundete, Ein-, Fünf-, Zehn-, ja sogar manchmal Hundernoten nach London schicken, um seine von der Schriftstellerei nur sehr notdürftig ge- fristete proletarische Existenz zu verbessern. Marx hat Engels gegen- über sich mit ergreifender Ossenhcrzigkeit über seine verschuldet« Lage ausgesprochen. Er schildert ihm zum Beispiel im Brief vom lfj. Juli 1858, welches seine dringendsten unbezahlten Schulden sind: Schule, Hauszinz, Metzger, Bäcker, Kohlen- und Milchmann. Der Verfasser des„Kopitals" war eben ein so großer Volkswirt, wie er ein schlechter Wirt für seinen Haushalt war. und es konnte ihm geschehen, daß er den Betrag eines Wechsels, der auf ihn lief, vergaß und am Verfalltage eine unangenehme Ueberraschung erlebte. Engels hat nie die Geduld verloren. Er schämte sich sogar seines besseren Lebens, wenn er hörte, daß es dem Freunde schlechter ging, als es ihm Vach seiner Berechnung gehen mußt«, und gab und gab immer wieder. Aber wer so von der Sendung de» Freundes durch- drungsn war wie Engels, der durste und konnte, ohne Verlegenheit für den einen oder den anderen, immer wieder helfend eingreisen. Engels wurde im Jahre 1864 Mitinhaber der Firma Ermen und Engel» auf fünf Jahre. Und nun vollzog er bald seinen schönsten Freundesdienst. Er unterhandelte im Jahr« 1868 mst Gottfried Ermen wegen des Kontraktablauss und erwirkte unter der Zu- billigung, seinerseits, fünf Jahre in kein« Konkurrenzfirma einzu- treten, eine Abfindungssumme, groß genug und dazu bereit gestellt. um Marx auf S bis 6 Jahre eins ihn von den ärgsten Sorgen be- freiende Rente zu ermöglichen. Marx war geradezu„überwälligt" von Engels Güte. Nach Marxs Tode schrieb Engels:„Die Menschheit ist um einen Kops kürzer gemacht, und zwar um den bedeutendsten Kopf, den sie heutzutage hatte." Engels jedenfalls kann, ganz ab- gesehen von dem Eigenen, was er als Schriftsteller und Denker auf- zuweisen hat, nichts Besseres nachgesagt werden, als daß er als Mensch und Freund seine ganze Kraft daran gesetzt hat. diesen„be- deutendften Kops" in Ruhe seine Gedanken zu Ende denken zu lassen._ H. F. Hernharö Shaw, üer Heilige. Alte Freunde, unter ihnen Lord Haldan«, hatten zu Ehren E. L e l f o r d B a x, des Veteranen des britischen Sozialismus. der in Deutschland wegen seiner Freundschaft mit Friedrich Engels mehr als durch sein philosophisches Lebenswerk bekannt ist, ein Diner veranstaltet. Man hatte auch Bernard Shaw einge- laden. Der Dichter kam freilich nicht, hingegen ein Brief von ihm. der den Neuiiundsechzigjährigen in der Stimmung eines Zwanzig- jährigen zeigt und beweist, daß selbst der Welterfolg seiner„Heiligen Johanna" und das Bestreben von Literaturhistorikern, ihn zu einem „ehrfürchtigen Patriarchen" umzufälschen, nicht geholfen hat. Er ist der alte, unbekümmerte Revolutionär geblieben, der er stets ge- wesen, den weder die Mißerfolge seiner Jugend noch die Lorbeeren seines Alters seinen revolutionären Idealen entfremdet haben, der bis zum letzten Atemzuge ein Freund der Unterdrückten bleiben wird. Der Brief Bernard Shaws lautet: Palac« Hotel, Aberdeen. Aus der obigen Adresse können Sie ersehen, daß ich im Augen- blick allzu weit entfernt bin, um persönlich an der Feier des siebenzig und xten Geburtstages meines alten Freundes und Kollegen in der Ketzerei. Belford Vax, teilnehmen zu können. Unter normalen Umständen könnte mich gewiß nichts auf der Welt veranlassen, einen Mann dazu zu beglückwünschen, daß aus ihm ein Siebziger geworden ist— stehe ich doch selbst, lediglich durch ein Jahr und fünf Tage davon getrennt, an der Schwelle dieser melancholischen Eminenz. Aber im Falle Boxens, wie in meinem eigenen, hat es damit doch seine eigene Bewandtnis. Denn es ist immerhin erstaunlich. daß wir so lange gelebt haben. Bedenkt man's nämlich recht, jo wären wir schon längst gehängt worden, wenn unsere brave britische Bourgeoisie nur die geringste Vorstellung davon gehabt hätte, was wir über sie denken oder, was ihr« Zukunft betrifft, eigentlich vorhaben. Wir verdanken unsere Existenz lediglich der Dummheit und einem Mißverständnis. Gott sei's gedankt, daß diese Leute immer nur die Falschen hängen. So haben wir beide alle Aussicht, hochrespektabl« Hundertjährige zu werden, während eine Menge viel weniger revolutionärer Originale aufs Blutgerüst hat steigen müssen. Beispiel bei allen Eisenbahnern, die sich mit ihren Gewerkschaften gegen die Einrichtung einer Pinkerton-Gruppe gewehrt hoben, olles andere als beifällige Gefühle auslösen. Und war die„Personal- betriebshilfe" und ihr Eingreifen bei Streiks betrifft, so dürsten auch die Dezernenten der Reichsbahn das Maß der Hochachtung kennen, das dienstwilligen„Helfern" im Arbeitskampf von den Streikenden entgegengebracht wird. Jedenfalls ist die Frage zu beantworten: Wozu wird heute der kostspielige und gefährliche Apparat des„Bahnschutzes" aufrecht- erhalten und ausgebaut? Welche Mittel werden dafür verwandt, und wer ist in der Lage, die Verwendung dieser Mittel zu ton- trollieren?_ Ein tzambacher§eft. Repudlikauische Kundgebung auf dem Hambacher Schloß. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold der Pfalz veranstaltet am 8. und v. August auf dem historischen Hambacher Schloß bei Neustadt a. d. H. einen großen republikanischen VolkStag. Als Redner find gewonnen für die Demokratische Partei Pfarrer Adolf K o r e l l« Ingelheim, für die Sozialdemokratie Sollmann- Köln und für die ZenlrumSpartei Reichskanzler a. D. Wilhelm Marx- Berlin. � An die republikanische Kundgebung schließt sich ein Volksfest an._ Die verhanülungen mit fibü el Krim. Friedeusfeindliche Treibereien. pari». 4. August.(Eigener Drahtbericht.) Während auf dem moroktanischen Kriegsschauplatz die unerträgliche Hitze eine Pause in den militärischen Operationen hat eintreten lassen, nahm auf diplomatischem Gebiete die Aktivität beider Parteien stark zu. Abb el Krim hat Ende der vergangenen Woche bekanntlich zwei Ab- gesandte in das spanische Hauptquartier geschickt, um dort von den auf der Madrider Konferenz beschlossenen Friedensbedingungen Kenntnis zu nehmen. Obwohl Abb el Krim sich damit der franzö» fischen Forderung, daß die Initiative zu Friedensoerhandlungen von ihm ausgehen müsse, unterworfen hat, scheint man hier daran An- stoß zu nehmen, daß er sich nur an Spanien und nicht auch an Frankreich wandte. In den von der französischen Regierung in- spirierten Kommentaren wird demgemäß die Aufrichtigkeit der Friedensbereitschaft des Häuptlings der Riskabylen in Zweifel ge- zogen und ihm die Absicht zugeschoben, durch taktische Manöver Zeit zu gewinnen und so die angekündigte französische Offensio« zu verzögern. Wie weit das tatsächlich zutrisst, ist von Paris aus schwer zu entscheiden. Tatsache aber ist jedenfalls, daß auch die von der französischen Regierung wiederholt erklärte Bereitschaft, durch Eintritt in Verhandlungen dem zwecklosen Blutvergießen in Nord- afrika ein Ende zu machen, jetzt nicht mehr so groß ist als in den Togen, da Abb el Krim militärisch die Oberhand hatte. Damals erklärte sich die französische Regierung auf Grund einer sozialistischen Interpellation ausdrücklich bereit, die volle Unabhängigkeit des Riss anzuerkennen. Jetzt aber ist nur noch von einer lokalen Autonomie die Rede. Darüber hinaus wird von Abb el Krim verlangt, daß er als Voraussetzung für den Eintritt in Friedensoerhandlungen sich im voraus zur Annahme der in Madrid zwischen der französischen und spanischen Regierung vereinbarten Friedensbedingungen verpflichtet. Ganz abgesehen davon, daß dieses Verlangen nach vorheriger Unterwerfung unter ein Diktat nicht mehr als- �lle-rhandlung" bezeichnet werden kann, scheint innerhalb der franzöfischSn Regierung die Ausfaffvng die Oberhand gewonnen zu haben, daß der„Frieden" erst nach einem entscheidenden militärischen Erfolg Frankreich» geschlossen werden kann. Darauf deuten nicht nur die in großem Stile betriebenen militärischen Vorbereitungen bin, das lassen auch die Kommentare, die die Blätter den ErNärungen Painleves über Marokko widmen, unzweideutig durchblicken. Selbst sehr gemäßigte Blätter erklären, daß es nur die Alternative gebe: entweder nehme Abd«l Krim die ihm angebotenen Friedensbedin- gungen an, oder er werde durch Waffengewalt zur Bernunft ge- bracht werden müssen. Die Rechtspresse geht darin noch sehr viel wetter, indem sie der Regierung den Vorwurf macht, daß sie über- Haupt die Möglichkett von Berhandlungen mit Abd el Krim ins Auge gefaßt Hab«. Was mich angeht, so besteht seit einiger Zeil ganz unverkennbar eine gewnse Neigung dazu, mich heilig zu sprechen: wollte sich Bax nur dazu entschließen, statt Abhandlungen über den„Ursprung der Realität" Stücke über Heilige zu schreiben, so könnten er und ich uns ganz gut gemeinsam in einen Heiligenschein teilen. Alle politischen Parteien, die etwas auf sich geben, halten sich heutzutage mehr oder weniger einen gezähmten Hausphilosophen. Die Konservativen können sich eines Bolfour, die Liberalen eines Haldane rühmen.(Dies ist ein freundschaftlicher Hieb gegen die liberale Partei und gegen Lord Haldane, der bekanntlich seit etlichen Jahren Mitglied der Labour Party ist und im Kabinett Macdonald einen der höchsten ministeriellen Posten innegehabt hat. Amn. d. Uebcrs.) Wir Sozialisten prahlten mit Bax: aber er war keineswegs zahm. Wir wußten niemals, womit er uns das nächst« Mal kommen würde. Das disqualifizierte ihn als Parteipolitiker: aber es machte seine Bücher dafür unterhaltsam. Er wird heute zu Ihnen sprechen, aber wir haben(trotz seiner siebzig Jahre) nicht die leiseste Ahnung. was er sagen wird, und es tut mir wirklich leid, daß ich nicht an- wesend sein kann, um alles das hinwegzudisputieren, womit er vielleicht die versammelten Festgäste in peinliche Verlegenheit setzen sollte. Ich erhebe mit aufrichtigen Gefühlen mein Glas mit Wasser und trinke mst Euch auf seine Gesundheit. George Bernard Shaw. Eine überraschende Preisverteilung. Die„Friedrich-Wilhelm- Feier" an der Berliner Universität, über die wir gestern kurz be- richteten, schloß mst einer Preisoerteilung. Die mannhaft kostü- mierten akademischen Jünglinge setzten sich in Positur, um die De- lohnungen für ihren Forschungseifer einzuheimsen. Aber es kam anders. Als der Rektor den ersten Umschlag öffnete, um die medi- zinischen Preisträger der Arbeit über„Blutuntersuchung" fest- zustellen, da meldeten sich mit zager Stimme zwei Frauen: Else Philippin« L e v y und Eleonore von Bunter, eine Baltin. Bei- fallzgetrampel und Verwunderung. Es folgte der philoiophische Preis. Hier wurden die Gesichter der Chargierten und der Dozenten noch länger. Preisträger: Natalie Ton aus P a l ä st i n a! Dem Herrn Rektor verschlug die Stimme, und die Burschenschafter und Korpsiers, die den Fechtboden und den Frühschoppen dem wissen- schastlichen Studium offenbar vorgezogen hatten, hämmerten ziem- lich bedrückt mit ihren Schlägern den Takt zum Deutschlandlied. Dann zogen sie ab, wie sie gekommen waren, m vollem Wichs mit Bändern und Fahnen. Aber ohne Preise. Die hatten drei Frauen errungen. Und darunter zwei Jüdinnen. O all« Burschenherrlich- kell, wohin bist du entschwunden! Flucht vor der bayeeilche» Keuschheit. Di« vor einigen Tagen wegen Verbreitung unsillüchcr Bücher zu 3000 M. Seldstrase verurteilt« Allgemeine VerlagSaiistall in München hat beschlossen, ihren Betrieb außerhalb Bayerns zu verlegen. Ilaloersilatswoch« in Ksperoalo. Am 31. Juli wurde im großen Amhii- theater der llniverfität Ei e n t die Internationale Unlvershülswotbe feierlich eröffnet. Di« Kurf« werden M(klperanlo abgebalten und find belucht von S00 Studierenden au« 23 Sündern. Diese Kurie sind der Ausalt de» 17. Esperanto. SellkougresscZ, der am 2. August in Gens eröffnet wurde Hilst öas Reich öen Optanten? Ein nichtssagendes Dementi. Das Auswärtige Amt läßt durch WTB. folgende Mit- tellung oerbreiten: In Berichtigung vielfach irrtümlicher Pressemeldungen ist fest- Zustellen, daß das Auswärtige Amt in der Frage der Abwanderung der deutschen Optanten au? Polen durch seine Vertretungen dort- selbst von vornherein, d. h. mindestens seit vier Monaten, i>ber die Zahl der in Frage kommenden Personen unterrichtet war und durch erhebliche Verstärkung des Personals dieser Vertretungen, Einrichtung mehrerer Abwanderungsstellen in Polen und durch ent- sprechende finanzielle Maßnahmen alles getan hat, um eine reibungs- lose Abwanderung der Optanten sicherzustellen. Alle diese Vor- bereitungen erfolgten in engster Fühlungnahme mit den für die inner« Verwaltung zuständigen Refforts, die ihrer- seits für Weiterleihing, Unterbringung und Arbertsbeschafsung der Optanten innerhalb des Reiches zu sorgen hatten. Diese Stellen waren auch bereits feit Monaten über die Zahl der abwände- rungspflichtigen Personen durch das Auswärtige Amt unter- richtet. Das Dementi ist sehr durchsichtig. Es spricht das eine Mal von„in Frage kommenden Personen", das andere Mal von den„abwanderungspflichtigen Personen". Ueber die Zahl der in Frage kommenden abwanderungsvflichtigen Per- fönen hat aber ein Zweifel nie bestanoen. Für die Verwaltungsinstanzen bandelte es sich lediglich darum. zu erfahren, wieviel Personen tatsächlich in Schneidemühl zu erwarten waren. Und in dieser Frage hat das Aus- wärtige Amt glatt versagt. Von den ungefähr 20 000 in Frage kommenden Optanten haben sich bei der z u st ä n- digen Stelle in Posen nur 11 000 gemeldet. Es dürfte dem Auswärtigen Amt bekannt fein, daß dieser Man- gel auf die eigenartigen Methoden des Generalkonsuls in Posen zurückzuführen ist, der die Optanten bis in die letzte Zeit hinein dahin orientierte, die Verhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Polen gingen weiter und es sei auf einen friedlichen Ausgleich zu hoffen. Will das Auswärtige Anrt vielleicht leugnen, daß dieser Optimismus auf die Optanten nicht ohne Einfluß geblieben ist und eine ge- regelte freiwillige Abwanderung behindert hat? Selbst die„Germania", der man Voreingenom- mevheit gegen die Reichsregierung und ihre Parteien nicht vorwerfen kann, wendet sich in der schärfsten Weise gegen die skandalöse Hetze der Regierungsparteisn und die nicht weniger skandalöse Indifferenz der Rcichsregierung. Sie sagt, das Ziel aller müßte es fein, den Optanten Hilfe zu bringen und fährt dann fort: „Statt dessen müssen wir es erleben, daß in der Rechtspresse die traurige Angelegenheit zum Ausgangspunkt einer wider- l i ch e n Hetze gegen den preußischen Innenminister gemacht wird, der sich persönlich um die Linderung der Leiden der Flüchlling« bemüht hat. Die Optanlensroge ist doch in erster Linie eine An- gelegenheil de« Reiches, wenn hier Versäumnisse vorliege«, dann scheint uns da« Reichsinnenministerinm mindesten» ebenso beleillgl zu sein wie das preußische Znncnministerium. Aber im Reiche steht an der Spitze des Innenministeriums ein Deutschnationaler. in Preußen ein Sozialdemokrat. Grund genug für die Rechtspresse, den ganzen Zorn auf Herrn Seotring abzuladen und Herrn S chi e l e ungeschoren zu lassen. Die Hetzereien der Rechtspresse sind un- � verantwortlich." Das ist gewiß richtig. Aber die Reichsregierung hat offenbar wieder einmal zeden Einfluß auf ihre Presse verloren. In den deutfchnationalen Blättern wird in den letzten Tage eine Tonart angeschlagen, die jede polltische Vernunft vermissen läßt. Man ist wieder einmal soweit, daß man die nackte Ge- walt, die man soeben erst noch als mittelalterliche Brutalität verschrien hat, als das A uud O der Politik anpreist und der Reichsregierung unterstellt, sie biete der Welt„ein unglaubliches Schauspiel der Jämmerlichkeit und Schlappheit". Und der Reichsaußenminister begnügt sich unterdes mit nichtssagenden Richtigstellungen, während der Reichsinnenminister erklären läßt, er sei nicht i n t e r- essiert!_ Schiele nicht interessiert. Aber er hält Vortrag beim Reichspräsidenten. Die„Voss. Ztg." wirft die Frage auf, weshalb Reichs- iimenminister Schiele sich nicht um das Schicksal der aus Polen Vertriebenen kümmere, da ihm als dem Chef des Wanderungswesens die Möglichkeit dazu gegeben fei und fährt dann fort: „Statt dessen erklärt das Reichsinnenministerium daß es an der ganzen Angelegenheit nicht interessiert sei. Roch heute glaubt ein Vertreter dieses Ministeriums, daß es„mit der ganzen Opkanlenfrage nicht» zu tun" habe." Eine nette Antwort für ein deutschnationales Reichsinnen- Ministerium! Mögen sie frieren, mögen sie hungern, diese „Märtyrer ihrer Heimalliebe", wie die„Äreuz-Zeitung" die Optanten noch kürzlich pathetisch nannte, den deutschnationalen Herrn Schiele und seinen Kreis interessiert das nicht. Er will damit nichts zu tun haben. Aber wie. hießt es nicht vor einigen Tagen. dieHerren Strefemann und Schiele seien zum Reichs» Präsidenten befohlen, um Vortrag über die O p- tantenfrage zu halten? Man kann sich denken, wie dieser Vortrag eines Ministers ausgefallen ist, der öffentlich erklären läßt, er fei an der Frage„nicht interessiert", er habe mit ihr„nichts zu tun"! Der Unterschied zwischen dem deutschnationalen Innenminister und dem s ozialdemokrotischen Innen- minister: der eine will nüt der ganzen Sache nichts zu tun haben: er verschanzt sich hinter Kompetenzstreitigkeiten und geht hin, um dem Reichspräsidenten Vortrag über eine Frage zu hallen, um die er sich nicht bekümmert hat. Der andere setzt sich kurzerhand über alle Kompetenzkonflikte hinweg und hilft den Vertriebenen. Und deshalb: Fort mit Severing! « Die deutschnatlonal« Presse, voran die„Deutsche Zeitung", hatte bei ihrem widerwärtigen Versuch, die Tragödie der Optanten zu einer Hetze gegen den preußischen Innenminister Gen. S e o e r i n g zu mißbrauchen, auch die Behauptung aufgestellt, der Gesundheitszustand im Loger von Schneidemühl fei der denkbar schlechteste und auf ungenügende hygienische Maßnahmen seien sechs Todesfälle zurückzuführen. Demgegenüber stellt der Kreismedizinalrat oon Schneidemühl Dr. Fehlenfeld fest, daß der Gesundheitszustand der Lager- insassen als durchaus günstig zu bezeichnen ist. Wo Krank- hellen vorkommen, feien diese zum großen Teil schon aus Polen mitgebracht. Bei den Todesfällen handelt es sich z. B., wie der Preußische Pressedienst mitteilt, um emen lungentuberkulosen Mann und fünf Kinder, die bereits mit Brechdurchfall ins Lager kamen und der Krankheit wahrscheinlich auch unter anderen Umständen er- legen wären. Das festzustellen, wäre natürlich auch der deutschnotionolen Presse möglich gewesen, wenn sie den Willen zur Objektivität hätte. Aber ihr ist kein Mittel windig genug, um es nicht zu gebrauchen. Die Stimme eines vertriebenen. Methode Ludcndorff und ihre folgen. Don einem im Flüchtlingslager Schneidemühl untergebrachten Optanten, einem Bankbeamten aus Bromberg, wird dem„Sozialdem. Pressedienst" geschrieben: Mit Verwunderung lesen wir im Schneidemühler Lager unter- gebrachten polnischen Optanten von dem Rummel, den die sog. „vaterländische" Presse aus Anlaß unserer Abschiebung aus Polen inszeniert hat. Die ausdringliche Reklame der D e u t s ch n a t i o- nalen, die hier zu Protestkundgebungen aufriefen und ihre Hetz- blätter kostenlos verteilten, hat direkt abstoßend gewirkt. Uns steht— weiß Gott— nicht der Kopf nach Huldigung?- und Protest. telegrammen! Was soll man zu dem Telegramm der angeblich„völkischen" Lagerinsassen an den General Ludendorff sagen, in dem diese merkwürdigen Zellgenossen„dem Führer und Retter ein Treu- gelöbnis schicken, in der Hoffnung, daß die Stunde nicht mehr fern fft. wo Eure Exzellenz das uns von Polen zugefügte Unrecht mtt anderen Mitteln wieder gut machen"? Was soll man dazu sagen? Haben denn diese Leute alles ver- gessen, was wir in den letzten Iahren im Osten erlebt haben? Wer ist denn schuld, daß jetzt Deutsche im ehemaligen Westpreußen Haus und Hof verlassen müssen? Wer anders, wie dieser General Lud�ldorff, dem die Gründung eines Königreichs Polen noch nicht genügte, der noch weitgehende„strategische Grenzberichtigungen" haben mußte, um seinen unersätt- lichen Landhunger zu stillen, der den General H o f f m a n n zum Teufel jagen wollte— das weiß im deutschen Osten jedes Kind—, weil er im Frühjahr 1918 einen Ostfrieden der Vernunft mit Ruß« land schließen wollte! Für alle Zelten wären die deutschen Sied- lungen im Osten vor slawischem Zugriff geschützt gewesen, wenn nicht die Rarren der Alldeutschen und jetzigen völkischen und die Büffel der einstigen Generale einen Frieden gewaltsam sabotiert hüllen, der uns Luft und Licht lm Osten gelassen hätte, soviel wir brauchten! Der verlorene Krieg lastet auf uns Flüchtlingen, das wissen wir sehr genau. Der Wohnwitz der a l t« n H« r r e n k o st« ist in erster Linie schuld an unserer Rot. Dieser Herrenkaste, die den polnischen Imperialismus künstlich gezüchtet hat, die in ihrer politischen Einfalt jederzeit geglaubt hat, man könne ein künstlich aufgepäppeltes„Königreich Polen" unter der Knute preußischer Junker gründen und halten, die sich im ernst große Hoffnungen von einer polnisch-deutschen Hilfstruppe im Weltkrieg gemacht hat! Man lacht heute noch weit und breit im Polnischen über die„Erlasse" des„Generalgouvernements Warschau" und des „Oberoft". Man hat die Etappenkommandanten und die Kriegsgerichte im Osten noch lange nicht vergessen! Darum der Haß gegen uns Deutsche, und darum der Abschub der letzten Optanten als Quittung für ein« Zeit, in der deutsche Generäle hier Haß und Rache gesät haben— durch ihren Dünkel und Größen- wahn. So sehen wir Flüchtlinge au» Polen die Lage an. Alan lasse uns gefälligst ungeschorea mit fchwarzweißrolen Fahnen und„vaterländischen" Begrüßungsfeiern! Wir wisfbn, daß man sich diese Müh« macht— nicht um uns, sondern wegen des politischen Geschäfts! wir verbitten uns, daß man in unserem Kamen durch unmenschliche Repressalien und provozierende Telegramme neue Unruhe in den Osten trügt. Er hat. weiß Gott, genug zu leiden als Sündenbock für den politischen und milllärischen Bankerott des allen Regimes, vor allem der Herren, die glauben, st« hätten«in besonderes Recht zu unserem Empfang durch die Größe ihrer Schnauze und durch den Phrosenschwall„vaterländischer" Politik! Wir verzichten auf die Weisheit dieser Herren: denn wir haben die Folgen ihrer Groß- mäuligkell an unserem eigenen Leibe zu tragen! Zug um Zug. Die Gegenmasinahmeu der Reichsregierung. Ueber die Haltung der Reichsregierung zu den Deutfchenver- treibungen aus Polen wird amtlich gemeldet: Die Reichsregierung , hat, sobald bekannt geworden war, daß Polen in Ausübung des ihm im Wiener Vertrage vom 30. August 1924 zugestandenen Rechtes die dort vorgesehenen Aufforderungen zur Abwanderung den beut- schen Optanten in Polen zugestellt hatte, die entsprechend« Maß- nahm« der polnischen Optanten gegenüber im Reich durchgeführt. Die Reichsregierung hat ferner, sobald die Anordnung der Beschlagnahme der Wohnungen der deutschen Optanten in Polen zum 1. August bekannt wurde, wiederum die gleichen Maßnahmen gegenüber den polnischen Optanten in die Wege ge- leitet. Soweit Polen nach dem 1. August die innerhalb seiner Grenzen verbliebenen deutschen Optanten zwangsweise abschieben sollt«, wo- rüber sichere Nachrichten noch nicht vorliegen, wird die Reichs- regierung hinsichtlich der polnischen Optanten in Deutschland das gleich veranlassen. Drbei ist zu beachten, daß der größte Teil der deutschen Optanten infolge des drohenden Zwanges Polen schon vor dem 1. August verlassen hat. und daß umgekehrt ein sehr großer Teil der polnischen Optanten in Deutschland bis zu diesem Termin das Reichsgebiet bereits freiwillig geräumt hatte. Im übrigen hat das Auswärtige Amt in der ganzen Behandlung der Optantenfrage weder der polnischen Regierung noch der Welt- öffentlichkeit gegenüber einen Zweifel darüber gelassen, daß Deutsch- land seinerseits die Ausweisung der Optanten als eine k u l t u r- feindliche Gewaltmahnahme betrachte, die unter allen Umständen vermieden werden sollte: daß die Reichsregierung aber gezwungen sein würde, auf die Maßnahme der polnischen Regierung Zug um Zug mit den gleichen Anordnungen zu erwidern. das Kinderheim der Grenzmark. Der Landeshauptmann der Provinz Grenzmark Posen-West- preuhen. Gen. E a s p a r i. schreibt dem„B. T": In Rr. 361 Ihres geschätzten Blattes vom Sonnabend, den 1. August 1925— Abendausgabe—. befindet sich in dem Telegramm Ihres Sonder- korrespondcnten aus Schneidemühl die Mitteilung,„die Grenzmark Posen-West preußen Hab« noch kein Kinder» heim". Zur Richtigstellung teile ich ergebenst mit. daß die Provinz bereits seit dem Jahre 1923 in Obrawalde bei Meseritz ein Kinderheim hat, dos über 100 Veiten verfügt. Die Ausnahm« van Lptantenkindern ist zurzeit au» dem Grunde unmöglich, weil das Heim bis zum Jahre 1926 mit G r e N z m a r k k! n d e r n. die zum größten Teil tuberkulosegefährdet sind, voll belegt ist. Dr. Ca(pari, Landeshauptmann." Verschiebung üer Reise Drianüs. Tie endgültige Formulierung des GarantievertragS. Varls. 4. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Meldung der Pariser Morgenbläller, die Briand die Absicht zuschoben, sich am Mittwoch nach London zu begeben, wird vom französischen Aus- wärtigen Amt für unrichtig erklärt. Die Art, in der das �e- menti erfolgt, läßt jedoch darauf schließen, daß nur das angsgebsne Datum der Reise als verfrüht anzusehen ist, dagegen der Plan tot- sächlich besteht und, wenn nicht in dieser Woche, so doch jedenfalls noch in der ersten Hälfte des August zur Ausführung gebucht werden wird. Don den zuständigen Stellen in Paris wird weller erklärt, djß. der auf diplomatischem Wege geführte Gedankenaustausch über dte jüngste deutsche Note befriedigende Fortschritte mache und eine gültige Einigung über die französische Antwort an Deutschland, in etwa 8— 10 Tagen erwarten läßt. Wie wir darüber hinaus erfahren, wird zwischen den alliierten Kabinetten gleichzeitig bereits über die endgültige Form des abzuschließenden Garantievertroges ver. handelt. Die englische Regierung hat schon vor einiger Zell in Paris und Brüssel einen Vertragsentwurf unterbreitet, der vom französi- schen Auswärtigen Amt mit einem Gegenvorschlag beantwortet worden ist. Beide Entwürfe zusammen bilden die Grundlage der jetzigen Besprechungen. Nachwirkungen üer Sergbaukrise. Rebellion der Konservative» gegen die Regierung. London. 4. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Abendblätter veröffentlichen am Dienstag übereinstimmend ein« offensichtlich inspirierte Meldung, wonach die Kosten für die staatliche Unterstützung des englischen Kohlenbergbaues auf dem Wege einer in- direkten Besteuerung, und zwar einer Zusatzsteuer aus Bier, aufgebracht werden sollen. Die Regierung hofft damit offenbar, vor der Debatte über die Kohlenkrise am Donnerstag im Unterhaus der wachsenden Mißstimmung im eigenen Lager über die Kosten des Waffenstillstandes im Bergbau entgegenzu- wirken. Diese Mißstimmung gründet sich hauptsächlich auf die Be- fürchtung, daß die auf 15 Millionen Pfund Sterllng geschätzt« Staatsunterstützung die im Haushall vorgenommene Ermäßigung der Einkommensteuer zum größeren Teile wieder rückgängig machen werde. Wie weit die Dinge bereits gediehen sind, beweist eine redaktionelle Bemerkung der„Morning Post", daß ein Teil der konservativen Abgeordneten sich erst während der Debatte darüber entscheiden würde, ob sie die Regierung bei der Abstimmung unter- stützen könnten. Die Mißstimmung im eigenen Lager gegen Valdwin hat eine bisher unbekannte Schärfe angenommen, ins- besondere befindet sich die industrielle Gruppe der Konservativen in vollem Aufstand gegen die Regierung. Russische Sirenenklänge. Moskaus Angst vor dem Völkerbund. Moskau. 4. August.(WTB.) Ein Artikel der„Jswestija" be- schäftigt sick) mll der d e u t s ch e n A n t w o r t auf die französische Note sowie mit den Pressest, n»men zu dieser Frage und konstatiert das scharfe Auseinandergehen der englischen Auffassung, die der deutschen nahestehe, mit der französischen. Aber auch zwischen dem deutschen und dem englischen Standpunkt beständen große Gegen- sätze, u. a. in der Frage über die Bedingungen des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund. Indem es an England Zugeständnisse mache, bestehe Deutschland darauf, daß es durch den Eintritt in den Völkerbund in keine kriegerischen Konflikte mll der Sowjetunion hineingezogen werden dürfe. Dieser Dorbehall bedeutet nach der Auffassung der„Jswestija" ein Beibehalten der Grundlinie des Rapallo-Dertrages bsi gleichzeitiger Weiterentwicklung der eng- tischen Orientierung. Die„Jswestija" meint, die bemerkbar« Mit- derung der Fragestellung über die Bedingungen des Eintrllts in den Völkerbund fellens der deutschen Regierung rufe die Befürchtung her- vor. daß Deutschlaird aus der schiefen Eben« der Einheits- frontbildung gegen die Sowjetunion himmterglelle, an deren Schaffung England arbeite und führt aus, Dr. Wirch und Rathenau hätten klar verstanden, daß Deutschland ohne ernste Gefährdung seiner Zukunft sich keineswegs nur auf England allein stützen könne, ohne eine andere Stütze unter den Kontinentalmächten zu haben. Das Blatt weist auf die Politik Friedrichs des Großen(!) während des Siebenjährigen Krieges hin. die sich ausschließlich auf Englands Freundschaft gestützt habe. Die Rettung Preußens sei aber nicht von England, sondern von Rußland gekommen(I). Di« Milderung der deutschen Bedingungen für den Eintritt in den Völkerbund zeige, daß es der britischen Diplomatie allmählich gelinge, Deutschland in die gcsälirlichste Falle, nämlich die Loslösung von der Sowjetunion zu locken. An dem Artikel der„Jswestija" ist besonders interessant, daß das amtliche Organ der kommunistischen Sowjetregierung sich nicht scheut, den Geist des Zaren Peter III. zu beschwören, der nach dem Tode der Zarin Elisabeth sich von der anti- preußischen Koalition abwandte und dadurch die Niederlage Friedrichs des Großen im Siebenjährigen Krieg verhinderte. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, daß das kommu- nistische Organ zu derartigen verschimmelten Argumenten aus dem Arsenal der monarchistischen Geschichtsschreibung greift, um die Notwendigkeit des Zusammengehens Deutschlands mit Rußland darzutun. Im übrigen mutet der fortgesetzte Hin« weis auf die„Einheitsfront gegen Sowjetrußland", die an- geblich durch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zustande kommen würde, direkt pathologisch an. Rußland hat selbst das beste Mittel in der Hand, um diese„Einheits» front" zu verhindern, indem es sich bereit erklärt, in den Völkerbund einzutreten und gemeinsam an dem weiteren Auf- bau dieser überstaatlichen Organisation mitzuarbeiten. Die Moskauer Selbstherrscher scheuen aber diesen Schritt, der auch im richtig wahrgenommenen Interesse des russischen Volkes läge, weil er ihnen die Möglichkeit nehmen würde, in Wahr- nehmung der Traditionen der zaristischen Außenpolitik die Rolle der Wegelagerer an der Peripherie der Weltpolltit zu spielen. Das deutsche Volk hat bei aller Sympathie für Rußland, mit dem es zahlreiche gemeinsame Interessen hat. nicht den geringsten Grund, gerade diese Richtung der russischen Politik, die in ihrem Kern nationalisttsch und impe- rialistisch ist, zu unterstützen. Denn letzten Endes würde Deutschland bei dem Spiel, das die Diplomaten im Kreml treiben, nur die Zeche zu bezahlen haben. Freigabe denlschen Elgenlums. Die Regierung Reuseelands ist bereit, Anträge deutscher Staatsangehöriger auf Freigabe ihres beschlagnahmten Vermögens aus Gründen der Menschlichkell in den Fallen in Erwägung zu ziehen, wo das fragliche Eigentum noch nicht auf Grund von Artikel 97 des Bertrages von Versailles dem deutschen Liquidationskonto gutgeschrieben ist. Falls die Giuschriit auf Liquidationskonto bereits stattgefunden hat, so kann eine Freigabe nicht mehr in Frage kommen. Die Schlußfrist für die Annahme solcher Anträge ist auf den 31. Oktober d. I. festgesetzt worden. Gewerkschaftsbewegung Internationale Arbeiterverhehung. Fimmen als Märchenerzähler. Seit einiger Zeit erscheint in England eine zweite nach Moskau orientierte gewerkschaftliche Zeitschrift unter dem Titel„ Trade Union Unity"( Die Gewerkschaftseinheit), für die Purcell, Edo Fim men und George Hids verantwortlich zeichnen. Inhaltlich ist die Zeitschrift recht mager und verdient nicht, daß man sich mit ihr beschäftigt. Ein Artikel von Edo Fimmen, der dem bevorstehenden deutschen Gewerkschaftsfongreß gewidmet ist, veranlaßt uns, das Blatt zu erwähnen. In diesem Artikel schreibt Fimmen u. a.: Bom internationalen Arbeiterstandpunkt ist die Tatsache, daß der deutsche Arbeiter der Kuli Europas geworden ist, sehr zu bedauern. Die Tatsache, daß der Achtstimdentag in Deutschland in den bedeutendsten Industrien verloren gegangen ist, daß der deutsche Arbeiter für Löhne schuftet, die die Hälfte und weniger betragen, die der englische Arbeiter für dieselbe Arbeit erhält, daß seine Kampffraft so geschwächt ist, daß seine Arbeitgeber in der Lage sind, ihm ihren Willen wie einem Sklaven zu diftieren, diese Dinge haben einen großen und verhängnisvollen Einfluß auf die Verhältnisse und den Kampf der Arbeiter im übrigen Europa." Fimmen erzählt dann weiter, daß die Schwächung der Arbeiter bewegung in Deutschland dieselben Ursachen hätte wie in anderen Ländern, und zwar den inneren Kampf darüber, ob die Grundlage der gewerkschaftlichen Bewegung der Klassenkampf oder die Klassenharmonie sein soll. Deutschland wäre das erste Land gewesen, wo man die Zusammenarbeit der Klassen vertreten hätte, und zwar wäre in den Novembertagen 1918, als die Arbeiter in den Straßen fämpften, zwischen Hugo Stinnes und den Gewerkschaftsführern ein Abkommen der Arbeitsgemeinschaft zum Wohle des Baterlandes" getroffen morden. Diese Arbeitsgemeinschaft, dieser Verrat des Klaffentampfes habe der Arbeiterschaft unberechenbaren Schaden zugefügt. Der Kampf zwischen denen, die auf dem Standpunkt des Klaffenkampfes ständen, und den Arbeitsgemeinschaftlern habe schließlich zur völligen Machtlosigkeit der Gewerkschaftsbewegung geführt. Der Gewerkschaftstongreß von Breslau werde sich u. a. zu entscheiden haben über die Wiederaufnahme der Gemertschaftler, die megen ihrer politischen Anschauungen ausgeschlossen wurden. In diesem Stile geht es weiter. Wir haben aus dem Artite! Fimmens nur einige Rostproben wiedergegeben. Fimmen stellt feinem Artikel einen Ausspruch des Genossen Graßmann aus dem Jahre 1920 und ein Zitat des Genossen Oudegeest aus dem Jahre 1925 voraus. Graßmann hatte 1920 in London erklärt, daß Deutschland mit seinem demokratischen Regime als Bollwert der Freiheit betrachtet werden könne, während Dudegeest im„ Borwärts" geschrieben hatte, daß Deutschland gegenwärtig in jeiner Sozialgesezgebung von Bolen und der Tschechoslowakei beschämt werde. Ist es nötig, Fimmen zu antworten? Wir glauben, daß Fim men am besten in der Lage wäre, sein Gerede tendenziöser und falscher Behauptungen zu zerreißen. Wenn er den englischen Arbeitern erzählt, daß in den bedeutendsten Industrien Deutschlands der Achtstundentag nicht mehr besteht und daß die deutschen Arbeitgeber ihre Arbeiter wie Sklaven fommandieren; wenn er erzählt, daß zwischen Stinnes und den Gewerkschaftsführern ein Abkommen getroffen wurde über ein gemeinsames Zusammenarbeiten, und zwar im selben Augenblick, als die Arbeiterschaft in den Straßen kämpfte; wenn er erzählt, daß in deutschen Gewerkschaften Mitglieder wegen ihrer politischen Anschauungen ausgeschlossen worden sind; wenn er erzählt, daß innerhalb der deutschen Gewerkschaftsbewegung ein Kampf zwischen Anhängern und Gegnern des Klaffenlampjes getobt habe, bis die Gewerkschaften polständig machtlos geworden feien; ſo weiß Fimmen ganz genau, daß diese Behauptungen, mit denen er die deutsche Arbeiterschaft und die deutschen Gewerkschaftler in den Augen der englischen Arbeiter verächtlich zu machen sucht, phantastische Hirngespinste sind. Daß die Arbeiterbewegung in Deutschland heute nicht mehr oder noch nicht die Kraft befigt, die sie im Jahre 1920 gehabt hat, und zwar nicht nur in Deutschland allein, ist keine Entdeckung von Fimmen. Er hätte billig hinzufügen fönnen, daß die deutsche Arbeiterschaft damals nicht nur den Kapp- Butsch niedergeworfen, sondern auch verhindert hat, daß die Munition, die die fommunistischen Munitionsarbeiter Nordfrankreichs unter Zuhilfenahme von lleberstunden für Polen anfertigten, tatsächlich nach Polen gelangt ist. Er hätte hinzufügen fönnen, daß im Januar 1923 unter dem Vorwande ungenügender Kohlenlieferungen Frankreich und Belgien mit militärischer Gemalt das größte Industriezentrum Deutschlands besetzten und vom übrigen Deutschland trennten. Er hätte weiter hinzufügen können, daß diesen Maßnahmen die öffentliche Meinung in Frankreich, England und Belgien gleichgültig, wenn nicht zu ftimmend gegenüber sich verhielt und daß die Arbeiterschaft dieser Länder nicht den Willen oder nicht die Macht besaßen, um diesen Gewaltaft zu verhindern. Dieser wirtschaftlichen und militärischen| Die fefte Basis sollen aber bie jest gezahlten Eisenbahnerlöhne Bergewaltigung folgte der wirtschaftliche Zusammenbruch, der Zu bilden, ohne Rüdficht auf eine etwaige Erhöhung. Der Magiftrat sammenbruch der Währung und damit der Niedergang der Gewerk- stimmt weiter der staatlich angefochtenen Bestimmung über die Krantenlöhne in der gegen früher faum geänderten Fassung schaftsbewegung. des Schlichters au, bejält sich aber für diesen Punkt monatliche Kündigung bor. Wie mitgeteilt wird, baben 85 Prozent der städtischen Arbeiter für ablehnung der Magistratsvorschläge gestimmt und, wie bereits erwähnt, befchloffen, die Arbeit niederzulegen. Sammellisten im Bauarbeiterstreik. Das sind die einfachen, aber tragischen Tatsachen, die Fimmen hinter einem Nebel bewußter oder unbewußter Unwahrheiten zu verbergen sucht. Wenn er schließlich ausgerechnet in einer en glischen Zeitschrift der deutschen Arbeiterschaft die finan zielle Hilfe vorhält, die ihr Ende 1923 zuteil murde, eine Hilfe, die die deutsche Arbeiterschaft mit Zins und Zinseszinsen schon im Von der Kommunistischen Partei, Bezirk Berlinvoraus zurückgezahlt hat, so tann man über die Niedrigkeit einer derartigen Demagogie mit einem verächtlichen Achselzuden hinweg Brandenburg, Abteilung Gewerfichaften, werben Sammelliften Der Baugehen. Nicht um Fimmens willen, der uns herzlich gleichgültig ist, für die streifenden Bauarbeiter herausgegeben. haben wir diese Feststellungen gemacht, sondern um aufzuzeigen, mit gewerksbund hat damit nichts zu tun. Die Herausgabe von Sammellisten ist nach unserer Meinung ausschließ welchen Mitteln angeblich revolutionäre Arbeiterführer die Berlich Sache der Gewer! iaften. Falls die angekündigte hegung der Arbeiter der verschiedenen Länder gegeneinander beGenerelaussperrung, die, wie wir erfahren, am 8. August treiben. einfegen foll, die Hilfe der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft notwendig machen würde, so werden wir uns an die zuständige Stelle, den Ortsausiauß Berlin des ADGB. wenden. Auch mit den Sammellisten eines Betriebsräteausschusses der Berliner Bauarbeiter" hat der Baugewerksbund nichts zu tun. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerfiaft Berlin. Verbandstag der Bekleidungsarbeiter. Ceipzig. 4. Auguft.( Eigener Drahibericht.) Der Verbandstag der Deutschen Bekleidungsarbeiter wurde am Montag früh vom Borfizenden, Genoffen Pletti, Berlin, eröffnet. Außer den örtlichen Organisationen. begrüßten Vertreter des Reichs arbeitsministeriums, des sächsischen Arbeitsministeriums, der Stadt Leipzig und zahlreiche ausländische Delegierte, Prag, Amsterdam, Paris, London, Kopenhagen, Wien und Reichenberg den Verbandstug. Genoffe Blett1, Berlin, dankt den ausländischen Bertretern für ihre dargebrachten Wünsche und Grüße. Mögen sich die Wünsche der österreichischen Genossen, daß sich die Bereinigung mit Deutsch land unter dem Zeichen Schwarz- Rot- Gold bald vollziehe, erfüllen. Uns beseelt ein Gedanfe: Nie wieder Krieg! Möge die Arbeit des Verbandstages so sein, daß fie zur Förderung der gesamten Arbeiterbewegung dient. Es find noch eine ganze Reihe Begrüßungsschreiben und Telegramme von ausländischen Bruderorganisationen eingegangen. Die Mandatsprüfungsfommission erflärt die Wahl Thümmel, Halle, für ungültig, jedoch die Wahl Dippels, Halberstadt, für gültig. Gleichzeitig foll der Filialleitung in Halle wegen Unregelmäßigkeit bei der Wahl eine scharfe Rüge erteilt werden. Alle anderen Mandate wurden für gültig erklärt. Den Bericht der Zentralleitung, der gedruckt vorlieat, erstattete der Borsitzende, C Te Pletti, Berlin. Wenn alle Wünsche, die bei dem legten Berk, bstag in München gestellt, nicht berücksichtigt wurden, so liege dieses an den wirtschaftlichen Verhältnissen. Katastrophale Ereignisse mären in der vergangenen Zeit eingetreten, wie sie in der Arbeiterbewegung noch nicht zu verzeichnen waren. Durch die Ruhrbesegung fam das gesamte Wirtschaftsleben zum Erliegen und führte zu einem völligen Währungsverfall. Die durch die Zerrüttung der Währung ausgelöste Wirischaftstrife in einem nie gekannten Ausmaß mußte natürlich die Arbeiterschaft auf das empfindlichste schwächen. Aber neben diesen Schwächen des Verbandes entstand auch eine Opposition im Ver. Besonders war dieses in Berlin und Breslau zu verzeichnen. band und es machte sich der Ausschluß mehrerer Kollegen notwendig. Die Folgen des Bruderstreits in der Organisation waren, daß sich eine Anzahl Mitglieder losjagte und indifferent wurde. Im Laufe des Jahres 1924 wurde die Verschmelzung des Deutschen Kürschnerverbandes mit dem Bekleidungsarbeiterverband vorge nommen. Möge die Tagung Wege ebnen und Anregungen geben zur Gesundung der Organisation.( Lebhafter Beifall.) Den Kassenbericht erstattete Genosse eitmann, Berlin. Lohnerhöhung im Tapezierergewerbe. Ab 1. August treten die beim Tarifabschluß vereinbarten Lohnerhöhungen auf alle bestehenden Löhne und Attordpreise ein und awar für Gehilfen fiber alvei Jahre nach beendeter Lehrzeit 5 Pf. pro Stunde, bis zwei Jahre nach der Lehrzeit 3 Bf., für geübte Tavezierernäherinnen 4 Pf.. ungeübte und Matraßennäherinnen 3 Pf. Diefe Vereinbarung ist rechtsgültig und muß überall gefordert und gezahlt werden.( Siehe Bersammlungsfalenber.) Die Ortsverwaltung. Streikbeschluß der städtischen Arbeiter in Potsdam. Die Arbeiter aller städtischen Werte von Potsdam einschließlich des Straßenbahnpersonals wollen heute nachm. 3 Uhr die Arbeit niederlegen. Ueber die Gründe der Arbeitseinstellung erfahren wir folgendes: Die Arbeiterbertreter erflärten sich bereit, eine 9 stündige Arbeitszeit zu leisten, aber nur soweit, als die neunte Stunde nur bei besonderen Bedarf angewendet und im Ileberstundentarit bezahlt werden würde. Der Magistrat Botsdam will an folgenden Forderungen festhalten: 1. Einführung des uneingeschränkten Reun stundentages, 2. Einverständnis mit der Lohnerhöhung von 18 Prozent( ftatt plus 3 Bf.) auf Eisenbahnarbeiterlohnstufe, die für die städtischen Arbeiter die Vergleichungsgrundlage bildet. Ein Sechzigjähriger. Heute, am 5. August wird Hermann Meißner, ein Veteran der Berliner Gewerkschaftsbewegung, 60 Jahre alt. Meißner trat noch unter dem Sozialistengefes im Jahre 1889 feiner gewertschaftlichen Organisation bei. Er widmete sich mit voller Hingebung der Organisierung seiner Berufskollegen im Verein Berliner Hausbiener, dessen Kaifierer Meißner war, um dann nach der Verschmelzung mit dem Deutschen Verlebrsbund zweiter Kaifierer der Berliner Ortsverwaltung au werden. Seit einem Jahre ist Meißner infolge eines schweren Augenleidens penfioniert und mußte fich außerdem fürzlich einer fierigen Operation unterziehen. Wir wünschen dem Genossen Meißner, der auch in der Partei seinen Mann gestanden hat, aut seinem 60. Geburtstage, daß er sich noch viele Jahre der wohlverdienten Ruhe erfreuen möge. Einigungsvorschlag in der belgischen Metallindustrie. Brüffel, 4. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag fand eine wichtige Sigung der paritätischen Kommission für die Metallindustrie statt. Dabei wurde zur Beilegung des großen Metallarbeiterstreits ein neues Kompromiß vorgeschlagen und zwar eine Lohntürzung von 2½½ Proz. für die Zeit vom Oftober 1925 bis März 1926. Diefe Rürzung foll teilweise aufgehoben werden durch einen erhöhten Teuerungszufalag. Die Arbeitsaufnahme ist für den 12. Auguft vorgefeben. Maßregelungen sollen nicht erfolgen. Diefer Vorfelag ist für die Arbeiter günftig. Der Zentralvorstand der Metallarbeiter nimmt am Donnerstag dazu Stellung und wird vermutlich die Urabstimmung beschließen. Achtung, Bauanfchläger! Die Differenzen in der Bautischlerei von Jacob. Lichtenberg, Qüdstraße, Zwischenmeister Anschläger Willi Schöning, Neutöfn. Siegfriedstraße 55, besteben weiter fort. Die Firma hat sich wohl bereit erklärt, die Tariflöhne zu zahlen, jedoch hat sie die beiden Kollegen, welche an der Verhandlung teilgenommen haben, gemaßregelt, deshalb bleibt die Sperre für Bauanschläger für obige Firma bestehen. Wir ersuchen daher alle organisierten Bautischler um Solidarität. Metallarbeiterverband. Drtsverwaltung Berlin. Achtung, Deutsche Bezle( Bert Spandan)! Donnerstag nachmittag 4 Uhr im Lobal von Seibel, Schürftt. 4, Berlammlung aller SPD. Arbeiter und Angestellten. Sehr wichtige Tagesordnung. Jeber muß erfcheinen. Der Fraktionsvorstand. Achtung, SPD.- Rohrleger und Selfez! Freitag abend 7 Uhr wich tige Gigung aller SPD.- Genossen bei Richter, Maybachufer 5. Der Fraktionsvorstand. Uhr, Achtung, Tapezierer! Donnerstag, den 6. Auguft, nachmittags 5 Bertrauensmännerversammlung im Gewerkschaftshaus, Gaal 5. Bichtige Fragen erfordern nozähliges und pünktliches Erscheinen aller Bertrauensmänner und Funktionäre. Im Behinderungsfalle der lekteren muß ein Bertreter gefchickt werden. Jeder Betrieb muß vertreten fein. Die Branchenleitung. Chemische Jubustrie. Am Donnerstag, den 6. Auguft, abends 17 Uhr, findet im Saal 1 des Gemertschaftshauses, Engelufer 24-25, eine Funktionär fonferena file alle Funktionäre und Bertrauensleute der gemischen Induſtrie Verband der Fabritarbeiter, Ortsverwaltung Groß- Berlin. ftatt. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eklorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen Th. Glode;( ämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsauftalt Baul Ginger u. Co. Berlin SB 68. Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Bissen". Mujitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin 027, Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch. Zum Schulbeginn billige Angebote! 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Beilage des Vorwärts lopult& md galassonet Rheinweise Bor dem Krieg, und auch zuweilen mohl noch heute fonnte man oft die Erfahrung machen, daß viele Reise- und Wanderlustige gar nicht wiffen, daß der Rhein, d. h. Mainz und Köln je 580 Kilometer von Berlin entfernt find, Frankfurt allein und Düsseldorf je 540 Kilometer, so daß man mit 18 bis 19 m. Fahrgeld, beschleunigter Personenzug( 4. Klasse) Berlin- Köln oder Berlin- Mainz rechnen muß. Bei vielen Wandertrupps und Jugendabteilungen läßt sich feststellen, daß die Zeit zu furz genommen ist ( manchmal nur 3 Tage) und daß weniger und interessante Orte besucht wurden. Im Folgenden sei ein Programm für eine Wochentour am Rhein aufgestellt: Abreise Sonnabend abend ab Berlin Anhalter Bahnhof 10,09( beschleunigter Personenzug). Sonntag früh 10,16 Anfunft in Frankfurt am Main, Besichtigung der Stadt: Opernhaus, Schauspielhaus, Goethe- Haus, Zeil, Hauptstraße, Römerberg, Römer, Rathaus. 2,36 oder 3,50 Fahrt 4. Klasse nach Wiesbaden.( Ankunft 3,58 oder 4,47). Besichtigung der Kuranlagen. Uebernachten in Biebrich, Mainz oder einer der fleinen Städte zwischen Biebrich und Rüdesheim oder in Ußmannshausen( Freili grath- Museum) in der Krone". Montag einzutreffen. Die Mofeldampfer fahren nicht täglich. Ber abends in einem der fleinen verträumten Mofelorte übernachtet, fann am Mittwoch abend 8,45 mit dem Dampfer wieder in Koblenz fein. Um Trarbach und Bernkastel zu besuchen, muß man zwei Tage opfern, aber es lohnt sich. Der Wein ist gut und billig, befonders bei den Hedenwirten. Mittwoch Ausflug ins Cahntal. Dampferfahrt 7,15 nach Braubach, Besuch der Martburg; durch den Wald nach Bad Ems( 10 Kilometer), von Ems das Lahntal hinab nach Lahnstein( 9 Kilometer); von Lahnstein Elektrische und Eisenbahn nach Koblenz. An diesem Abend Besuch des Rittersturzes( Stadtwald) 3 Kilometer von Roblenz früh 7,00 ab Mainz( ab Biebrich 4 Stunde später) mit holländer Dampfer nach Rüdesheim, Ankunft 8,45; Aufstieg auf den Niederwald; hinab nach Aßmannshausen; ab Aßmannshausen 11,25; in Roblenz 2,00 mit holländer Dampfer. Fahrt Mainz- Koblenz Salon 8 M. Die Entfernung Rüdesheim- NiederwaldAhmannshaufen( Dampfer) beträgt 6 bis 7 Kilometer, so daß die Beit 8,45 bis 11,25 gerade hinreicht( ohne Aufenthalt). Wenn man den Holländer Dampfer 11,25 nicht erreicht, so fährt ein Kölner Dampfer um 2,30 und 5,40 ab Aßmannshausen, in Roblenz 5,15 und 8,25 abends. Die deutschen Dampfer sind um 30 Proz. teurer als die Holländer, was für die Fahrt Aßmannshausen- Koblenz etma 1,50 M. ausmacht. Man fann auch mit der Bahn morgens 7,08 ab Wiesbaden, 7,15 ab Biebrich nach Rüdesheim fahren, Ankunft 8,00, um den Dampfer 11,25 ab Aßmannshausen bequem zu erreichen. Wer den deutschen Dampfer benußt, ab 2,30 Aßmannshausen, tann in St. Goar die Fahrt unterbrechen, die Festung Eine der alten Rheinburgruinen. Rheinfels oder den Loreleifelsen besuchen( an St. Goar 3,35, ab 6,35); in Koblenz 8,25 abends. Besuch der Rheinanlagen und Rittersburg. Dienstag früh 8,00 mit Mojeldampfer nach Kochem- Bullay( Trarbach Bernkastel), um abends mit dem Personenzug wieder in Roblenz 17] Sinnenspiel. Aus einem Tagebuch. Mitgeteilt von Rurt Eisner. Jegt, glaube ich, ist diese Schwäche überwunden und ich kann es magen, mein dürftiges Erleben wieder in diese Blätter einzuspinnen. Ich rette ihm so Duft und Farbe, die in der bloßen Er innerung schnell verwittern. Wenn ich dereinst das Buch auf blättere, werde ich doch wenigstens wissen, wie ich gelebt, mas ich erlebt... Ich will die Brücke übers Jahr zurückschlagen. Die legten Stunden will ich noch einmal nachfühlen, festhalten. Sie stehen in jedem Zug lebendig vor mir, und fast will es mir scheinen, als ob diese Erregungen tieffier Qual mir das legte Glück gewährten, das mir auf Erden beschieden ist... Ich tam am ersten Oftober nachmittags in H. an. Klara und die Kinder waren am Bahnhof. Mara zeigte erregte Freude, doch schien sie mir verändert, nervös. Ihre Augen schweiften bis. weilen ins Leere. Sie reichte mir die Hand mit furzem leiden. schaftlichen Drud. Wir haben es nie verstanden, wie man am Bahnhof vor den Leuten sich Zärtlichkeiten erweisen fönne. Der Bube brachte sofort, feiner Art gemäß, fröhliche Stimmung in den Empfang, indem er sich bemühte, mit seinen schwachen Bermchen meinen Koffer wegzuschleppen; und das Mädchen half ihm mit ihrer dralligen, andächtigen, saft großmütterlichen Geschäftigkeit. Dann lief der Junge auf einen ordengeschmückten Offizier zu und bat ihn:„ Du Soldat, schent mir doch das goldene Ding da!" Ich holte mir den Dreisten schleunigst zurück und fagte ihm leise: ,, Du, das ist kein Soldat, das ist was Feineres." Che ich weitere Erklärungen geben fonnte, war der Junge mit einem Ich weiß" davongesprungen und rief nun dem Offizier mit triumphierendem Stolz zu: Du Profeffor Soldat!" Der mürdige Sohn einer Universitätsstadt, in der ein Profeffor das Feinste ist! Selbst der Offizier raffie sich zu einem Lächeln auf und berührte flüchtig die langen rotblonden Locken meines Knaben... " 1 Bemerkung: Man fann auch Montag abend in Braubach den Dampfer verlassen, Dienstag die obengenannte Tour machen und Mittwoch mit der Bahn die Mosel hinauffahren bis Bullan; mit Moseldampfer ab Bulian 3,15, in Koblenz 8,45 abends. Besuch der Rheinanlagen mit Abendkonzert. Mittwoch, 5. August 1925 Donnerstag Ab Roblenz 7,46 über Andernach nach Niedermending( an 9,24), zum Laacher See eine Stunde Fußmarsch, Abtei Laach, dann westlich am Gee vorbei über Bassenach das Brohltal hinab nach Brohl am Rhein 3 bis 4 Stunden Fußmarsch. Von Brohl per Bahn nach Remagen, weiter per Bahn ins Ahrtal bis Altenahr, an 6,27, 9,38 ober 11,27 abends. Wundervolle Felsenpartien. Mer 6,27 antommt, wandere bis Manschoß, Rech oder Dernau das Talhinab und übernachte in einem der Dörfer. Die ganze Tour AltenahrNeuenahr( Bad) ist 15 Kilometer. Rüstige Wanderer gehen von Abtei Laach westlich über Bell- Rieden( Gängehals 580 Meter hoch), Langenfeld- Siebenbach über die hohe 2cht"( 780 Meter hoch( nach Adenau im Ahrtal) 25 Kilometer. Bon Adenau nach Neuen ahr 34 Kilometer, herrliche Wanderung im Ahrtal. Wer in Altenahr übernachtet, macht die Fußwanderung früh am Freitag nach Bad Neuenahr. Ab Neuenahr 11,16 oder 12,52 nach Remagen, Antunft 11,37 oder 1,13. Bon Remagen 4,00 mit Holländer Dampfer nach Königswinter, Ankunft 4,40, Besuch des Drachenfels ( 325 Meter hoch), prachtvolle Rundsicht. Restaurant oben, nicht billig. Eventuell Dampferfahrt Remagen direkt dis Köln, Ankunft in Köln 6,30, sonst ab Königswinter 6,16 oder 7,43, in Köln 7,41 ober 9,17. Sonst Marsch Remagen- Rolandsed( 6 Kilometer), Besuch des Rolandsbogens, Motorboot nad Honnef( Ueberfahrt), auf den Drachenfels, hinab nach Königswinter. Sonnabend in Köln: Bormittags Jahrtausendausstellung auf der Deuzer Seite gleich an der großen Eisenbahnbrüde, nachmittags Rundgang durch Röln. Abfahrt 5,55 abends, beschleunigter Personenzug 4. Klasse ( 18 bis 19 m.); Ankunft in Berlin Bahnhof Friedrichstraße 6,03 Sonntag früh. Eventuell Abfahrt Sonntag abend 5,55 von Köln oder von Düsseldorf 6,44, das man Sonntag nachmittag besichtigt. Die Kosten dieser Reise sind auf zirka 100 bis 120 M. 3u schäßen. Davon Fahrgeld 48 bis 50 m., mit 8 bis 10 m. täglich fann man auskommen, wobei ich Logis und Frühstück mit 4 m., Mittagessen mit Getränken mit 2 M. und Abendessen ebenso mit 2 M. rechne, so daß man noch 2 m. verfügbar hat. Wer das Reisen versteht( auch das will gelernt sein), fommt noch billiger weg, besonders Wanderer, die den Rheinhöhenweg benuzen( Wiesbaden- Beuel bei Bonn rechtsrheinisch 180 Kilometer und BingenBonn linksrheinisch 150 Kilometer) und auf den Dörfern übernachten. In allen Städtchen und Dörfern findet man heute Parteigenossen, die gern mit Rat und Tat helfen. Größere Trupps frühzeitig anmelden, damit nicht viele Reisende, oft mit Frauen und kleinen Rindern, ohne Logis bleiben. Der Rheinische Berkehrsverband in Godesberg am Rhein hat in dem sehr gut illustrierten Heftchen„ Der Rhein" einen brauchbaren fleinen Führer durch das Rheintal nebst Fahrplänen der RheinSchiffahrt herausgegeben. " Was soll ich anders machen als einbrechen?" Ein gewisser Binzent Sparty, Schlosser von Beruf, stand an der Spike einer Einbrecherbande, die die Geschäfte Moabits unsicher machte Die Spezialität dieser Bande war es, vom Keller aus mit Bohrern die Dede zu durchbrechen und aus den darüberliegenden der Diebe ist betalen Ware herauszuholen. Ein Tell früher verurteilt worden, während Spartn erst in neuester Zeit zur gerichtlichen Berantwortung gezogen werden tonnte, da er aus dem Gefängnis ausgebrochen war und lange Zeit nicht ergriffen werden konnte. Es schmeben gegen ihn noch zahlreiche Verfahren megen verschiedener Einbrüche. Kürzlich wurde er wegen der ersten Gruppe der Einbrüche zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilt und hatte sich soeben vor dem Echöffengericht Mitte wiederum wegen einer weiteren Gruppe von Einbrüchen zu verantworten. Es handelte sich u. a. um Einbrüche, die in zwei auf einander folgenden Nächten in der Turmstraße verübt worden sind, und zwar wurde in der einen Nacht ein Warenhaus und in der anderen das danebenliegende Geschäftshaus heimgesucht. Sparin und einer seiner Spießgesellen, der Schuhmacher Franz Antfowiat, waren geständig. Als Entschuldigung für jeine Einbrechertätigkeit führte Sparty an, daß er als junger mir das gedacht. Du hättest nicht ohne mich fortreisen sollen. die Zeit zu reden, mie ich es mir so oft in den letzten Zeiten vorNun will ich aber auch weiter nichts tun, als dich pflegen." Auf Klaras Gesicht war jest jener Zug völlig verschwunden. Es zeigte ganz jenen weichen findlichen Ausdrud rührender Gorge, der mich selbst in den Augenblick erbitterten Unmutes fofort zu besänftigen pflegte. Bir plauderten von diesem und jenem. Die Kinder tamen herauf und durften auch das Mitgebrachte bewundern. Namentlich die Muscheln in zierlichen Florfädchen erregten ihre Bewunderung. Schließlich wurden fie zu Bett gebracht. Bir saßen jetzt in der dämmernden Stube nebeneinander auf dem Sofa. ,, Du gefällt mir wirklich nicht," begann Klara ,,, du bist so ernst, selbst mit den Kindern hast du dich nicht ordentlich gefreut." ,, Es ist nichts," erwiderte ich grüblerisch. Blößlich fuhr Klara empor. gesagt hatte.p Es ward mir leichter, weil die Dunkelheit einen Schleier des Erdentrüdten über uns breitete. Id) rede davon, wie ich alles verstände, was geschehen. Ich beichte meine eigenen Berirrungen. spricht sie zitternd, und es flingt fast wie keimendes Lachen der Klara laujat empor, ihr Krampf löst sich, unter leisem Weinen Hoffnung in ihrer Stimme: So bin ich doch nicht so ganz, ganz schlecht?" ,, Nein, schlecht bist du nicht," antworte ich und suche den llebergang zu dem, was ich eigentlich sagen wollte. gefehlt. Schnei, leise, wie für sich selber, erzählt sie den Hergang, Sie aber, erleichtert, gewinnt den Mut, zu beichien, was sie wie sie sich in wunderlicher Stimmung befunden, ganz ähnlich wie iá; wie der Mensch das bemerkt und endlich zu benußen verstand... O, ich weiß, der Arzt hat dir etwas Schlimmes gesagt wegen Gang allmählich. Sie begreife es nicht, wie sie es habe tun können. deiner Gesundheit." ,, Nein, wahrlich nicht." ,, Du willst es mir nur nicht sagen, aber ich sehe es dir an." Und da glitt klara auf den Boden nieder, barg ihren Kopf in meine Hände, die auf den Knien lagen. Ich spürte, wie die Hände feucht wurden. Wir werden dich verlieren," stöhnte sie tränenerstidt, ich hab's verdient!" Dru Ich merkte, wie sie erschauerte, als ihr das Wort entfahren. Sie stand hastig auf und setzte sich in die Sofaede, mit abgewandtem Geficht. Wir schwiegen. Es war dunkel geworden. Endlich sogte ich leise und zögernd: Ich habe in der Tat nicht piel non meiner Badereife gehabt. Die Schuld trägt ein Brief pon dir Ein Brief? Sie spricht es rein mechanisch nach. ,, Oder eigentlich zwei Briefe..." Sie müsse von Sinnen gewesen sein, denn sie hasse den Menscheit. Als er hernach gewagt habe, wieder vor ihr zu erscheinen, habe sie ihm die Türe gewiesen. Entsetzliche Zeiten habe sie dann durchlebt: Scham und Furcht habe sie Tag und Nacht gehezt.„ Das ist die Wahrheit, schließt sie den Bericht. Was soll nun aus uns werden?" Sie war zuletzt mir näher gerückt, als fühlte sie das Bedürfnis, meine Hand zu fassen. Als sie merkt, daß ich ihr nicht entgegenfomme, zieht sie sich wieder in ihren dunklen Wintel zurüd. Was soll nun aus uns werden?" wiederholte sie. An mir ist es jetzt, das zu sagen, was ich mir all die Zeit so sorgfam überdacht und zurechtgelegt habe. Ich spreche ihr von dem Unterschied zwischen Gedanken und Tat, und fühle, während ich fpreche, wie falt, dürr, tüfilich diese Beweisführungen find. Ich mache ihr flar, daß auf faichem Grunde feine würdige Che mehr möglich sei. Um der Reinheit unserer Liebe willen müßten wir jegt entsagen. Reine gesetzliche Scheidung, aber eine Trennung. Sie foll das Mädchen mit sich nehmen, ich würde den Knaben behalten. Es sei ja gut, daß jeder so gerade seinen Liebling um fich haben könne. Für den Unterhalt würde ich sorgen, denn ich werde fie immer als mein Weib betrachten. Klara verharrte während dieser Darlegung in atemlosem Schweigen, als ich aber das Mori auf und ab. Wie ich endige, bleibt sie vor mir stehen, das Geficht starr auf mich gerichtet, als wenn fie im Dunkeln meine Züge entziffern wollte, und dann in erschütterndem Aufruhr der Gefühle, am ganzen Körper bebend, ruft sie mir schnell entgegen: Alora schweigt, aber ich höre, daß ihr Atem stürmisch mogt. Zwei Briefe, in denen du mir merkwürdigerweise zweimal gleiche geschrieben hast: wie unangenehm es dir gewesen, weil so viel zu tun gehabt, daß du Besuch bekommen hätteſt das Einen Augenblick ist alles still. Dann schreit Klara jah auf Trennung aussprach, erhebt fie fich und läuft stürmisch das Zimmer in wirren abgebrochenen Säßen flutet es heraus: das Das„ Mitgebrachte war dann das große Interesse des Heimwegs, nur die rote Mütze des foffertragenden Dienstmanns vermochte daneben die Aufmertjam: eit der Kinder zu fejjein du kind" Wir ließen die Steinen in Garzen zurüt, und als mir nur allein im Zimmer uns gegenüberstanden, schmiegte sich Klara, wie jäh zusammenfintend, an meine Brust. Sie füßte mich angestüm. Dann nach einer Beile sagte sie, mich forschend ansehend: ,, Du siehst aber nicht gut aus." und Ich wußte es, ich wußte es. Es läßt sich nichts vergessen. Ich wollte es wieder gut machen. Nur an deinem Glück schaffen. Tag und Nacht bis ich gebüßt. Nichts sollte mir zu schmer werden. Nun weißt du alles... es ist vergebens... es ist aus." Sie fizt, in sich gefauert, von einem Krampf gepact, unfähig, Nein, du müßtest trotz allebem wohler ausfehen. Ich habe weiter zu sprechen. Jetzt hatte ich die Gewißheit, und es war Das wird von der Reise sein." ,, Das rätst du mir, mir follen uns trennen? Das fanmit du nur fordern, weil du mich nicht liebst, nie geliebt hast." ( Schluß folgt) Mensch einmal geftrauchett und ins Gefängnis gefommen sei. Dort habe er fich sein schweres Lungenleiden, das auch jetzt seine Aufnahme ins Lazarett des Gefängnisses veranlagt hatte, zugezogen. Seitdem sei er nicht mehr imstande, feinen Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen. Was sollte ich da anderes machen, als einbrechen?" Das Schöffengericht verurteilte Sparty zu weiteren 3 Jahren 3uchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Anifowiat erhielt 2 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehr verlust. Da das Gericht mit der Möglichkeit rechnete, daß Sparty wegen seines Gesundheitszustandes über furz oder lang aus der Haft entlassen werden könnte, stellte es ihn unter dauernde Polizeiaufsicht, damit die Krankheit für ihn nicht der Deckmantel zu weiteren Berbrechen sein tönne. Auf Krücken. Gewohnheitsdiebereien eines einbeinigen Kriegsinvaliden. Trotz seiner schweren Berstümmelung, die ihn nötigt, an Krüden zu gehen, hatte es der Kriegsinvalide Brandel verstanden, eine Tätigkeit auszuüben, die eigentlich große förperliche Gewandheit voraussetzen sollte. Er hat nämlich erfolgreich das Gewerbe eines Taschendiebes ausgeübt. Brandel war schon vor dem Kriege Gewohnheitsdieb und dreimal vorbestraft. Zum Heeresdienst eingezogen, verlor er bei dem Sturm auf Gorlice im Jahre 1915 ein Bein. Das hinderte ihn aber nicht, weiter als Dieb tätig zu sein und er wurde in der Folgezeit noch fünfmal verurteilt. Auf seinen Krücken wurde er auch dem Amtsgericht Mitte vorgeführt, um sich wegen eines vollendeten und eines versuchten Taschendiebstahls zu verantworten. Gerade seine Hilflosigkeit war ihm ein Hilfsmittel, um in raffinierter Weise seine Diebestätigkeit auszuüben. Ein Zeuge befundete, daß Brandel ihn eines Abends in der Eichen dorffstraße angebettelt hatte, indem er ihn als alten Kriegskameraben ansprach. Aus Mitleid mit dem Invaliden nahm der Zeuge ihn in das Lotal mit und bewirtete ihn mit Essen und Bier. Man unterhielt sich nachher am Büfett über die Kriegserlebnisse, als der Krüppel plöglich das Gleichgewicht verlor und auf feinen neuen Betannten fiel. Dieser bemühte sich imterstützt vom Wirt- in in hilfreicher Weise den Krüppel wieder auf die Beine zu bringen. Gleich darauf aber entdeckte der Zeuge, daß ihm Uhr und Kette fehlten. Die Kette war jogar aus dem Knopfloch der Beste herausgeknöpft worden. Er fagte dem Kriegs invaliden den Diebstahl auf den Kopf zu; Brandel leugnete jedoch und der Gast holte die Polizei herbei. Als diese eintraf, hatte die Wirtin bereits Uhr und Kette im Spülbeden gefunden. Dorthin hatte offensichtlich der diebische Kriegsinvalide den Wertgegenstand gleiten lassen. In ähnlicher Weise hatte auch ein anderer Mann am Büfett einer Wirtschaft ein Erlebnis mit dem Angeklagten. Vor dem Gericht erklärte der Angeflagte, daß er von all den Dingen nichts wisse, denn er sei Morphinist und müsse im Morphiumrausch gehandelt haben. Medizinalrat Dr. Störmer tannte als Gerichtsarzt den Angeklagten, der sein besonderes psychologisches Interesse erregt hatte, schon seit Jahren. Brandel ist burch seine Kriegsver stümmelung in eine bemitleidenswerte 2age ge. tommen. Morphinist ist er nicht. Wenn er vielleicht auch gelegentlich, wo er es bekommt, Morphium verwendet; wohl aber ift er degenerierter Psychopath und schwer hysterisch. Daraus ist auch zu erklären, daß er seine Invalidität in so häßlicher Weise ausgenugt hatte. Amtsgerichtsrat Dr. Cohn stellte im Urteil feft, daß der diebische Hang des Angeklagten, wie seine Vortriegsftrafen beweisen, nicht erst eine Folge seiner Kriegsinvalidität sei. Sein bemitleidenswerter Zustand hat das Gericht aber veranlaßt, ihm mildernde Umstände zuzubilligen, um den Krüppel nicht als rückfälligen Dieb ins Buchthaus zu fchiden. Das Mitleid muß aber Grenzen haben und deshalb hatte das Gericht beschlossen, den An geflagten auf acht Monate ins Gefängnis zu fchiden. Der bessere Teil der Tapferkeit. Ein stedbrieflich verfolgter völkischer Studienrat. Die Feier ihres 25jährigen Beffehens beging am vergangenen Sonntag die 74. Abteilung Zehlendorf und verband da mit die eihe eines Don der Frauengruppe geftifteten Banners. Am frühen Nachmittage bewegte sich ein Feftzug durch die Straßen dieses deutschnationalen Borortes, in dem Genoffe Gustav Wolff, der nunmehr bald 50 Jahre ununterbrochen der Im Festlokal Partei angehört, das neue Banner vorantrug. Waldesruh" sprach Genosse Erich Hoffmann eine Prolog mit großartigem Schwung, Genosse Pastor Frande hielt eine zündende An sprache. Sodann übergab die Genossin Trojan namens der Frauen das neue Banner dem Parteivorsigenden, Genossen Valentin. Stimmungsvolle Darbietungen des Boltschors Echo", fröhliche Bolfstänze der fich fräftig entwickelnden Zehlendorfer Ortsgruppe der SAJ. und Vorträge einer Mufitkapelle rundeten das Ganze zu einem eindrucksvollen und unvergeßlichen Fest, dessen fröhlicher Ver lauf auch nicht durch die furchtbar herabstürzenden Regengüffe gestört werden konnte. Vier Parteigenossen und zwar Carl Bonow, Otto Stuhr, Friz Krause und Rueder, die seit dem Tage der Gründung der Zehlendorfer Abteilung angehören, nahmen an dem Fest teil Die diesjährige Ferienkolonie in Dahlem, bon döne berger Frauen und vom Mädchenbildungsverein eingerichtet, feiert heute, Mittwoch, den 5. August, das Abschieds. feft, zu dem alle Parteigenossen und Genoifinnen freundlichiit ein geladen find. Fünf Wochen war es möglich, weit über 100 Kinder, welchen eine anderweitige Erholung nicht geboten werden konnte, draußen im Grunewald beim Spiel in frischer Luft zusammenzuführen. Durch eifrige Sammeltätigkeit und Zuschüsse des Bezirksamts fonnte den Kindern eine auslömmliche und gute Verpflegung Dank auch den Helfern und Helferinnen, die gegeben werden. sich täglich zur Betreuung und Arbeit für die Ferienkolonie aur Man benutzt, um das Abschiebsfest zu Verfügung gestellt baben. erreichen, Linie 43 bis Endstation. Sprech- Chor für proletarische Feierffunden. Donnerstag, abends 7 lthr' Uebungsstunde im Befangsiaal der Sopbienschule, Weinmeisterftr. 16/17. Sonntag, den 9. Auguft, vormittags 9%, Uhr, im Nebungslokal Hauptprobe zur Berfassungsfeier. Sprech- Chor der Bolfsbühne. Donnerstag, den 6. August, abends 7 Uhr. Nebungsstunde im Gesangsiaal der Sophienschule, Beinmeifterstr. 16/17. Sonntag, den 9. Auquit, vormittags 9, Uhr, in demfelben Uebung@ lofal: Hauptprobe zur Verfassungsfeier. Alle Mitglieder werden dringend gebeten, pünktlich zu erscheinen. Hochwaffer im oberen Odergebiet. Die ununterbrochenen Regengüffe am Sonntag und Montag haben ein starkes Oberhochwasser hervorgerufen, das no dauernd Das Oberwaffer ist von Montag bis Dienstag, im Steigen ift. früb, nach Meldung aus Ratibor, von 1,27 um 5 m auf 6,16 m geftiegen. Sämtliche linken Nebenflüsse der Oder fübren dieser aus dem Gebirge große Wassermassen zu. Das Hochwasser macht sich auch schon in Brieg bemerkbar, das ein Steigen der Dder von 2,25 auf 3,86 m meldet. Besonders start macht sich der Wasserwuchs in der oberen Ober geltend. Bei Annaberg ist das Wasser von 80 cm auf 440 cm geftiegen. Danach ist ein Hochwaffer in der mittleren Dber zu erwarten, daß die beiden Julihochwaffer erheblich übersteigen wird, wenn auch die Neißewelle der Oberwelle vorauslaufen wird. Rüftenabsturz bei Königsberg. Gestern vormittag ist in Georgenswalde bei Königs berg i. Br., 600 Meter weftlich des Kurbauses, die SteiIfälfte in etwa 40 Meter Länge und 5 Meter Breite mit den darauf be findlichen Ruhebänken und Windschußanlagen abgestürzt. findlichen Rubebänken und Windschußanlagen abgestürzt. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Angefichts der Gefahr weiterer Abstürze ist die Hochuferpromenade und damit der Waldweg nach Warniden für den Verkehr gesperrt worden. Wie erinnerlich, verübte der völkische Studienrat i. R. Henning Parteinachrichten Don Mellenthin, ein Mann, der so ziemlich alle Parteien durch laufen hat, am Maiwahlsonntag 1924 einen bestialisch- rohen An. schlag auf den damaligen Direktor des Fürstenwalder städtischen Gymnasiums, Schreiner, den er in der Nähe eines Wahllokals zu Bodenschlug und mit Schirm und Füßen dermaßen bearbeitete, daß Schreiner einen komplizierten Schenkelbruch, einen Armbruch und einen Bruch des Nafenbeins davontrug. In erster Instanz zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, fand er bei der Frankfurter Straffammer mildere Richter, denn hier wurde die Strafe auf die Hälfte herabgefeht. Unterstüßt von seinem intimen Freunde Körner, dem völlischen Landtagsabgeordneten, der merkwürdigerweise im Minifterium des Herrn Am Zehnhoff Jange Zeit hindurch eine gewichtige Rolle spielen fonnte, obwohl er felbft gegen seinen vorgesezten Minister Gemeinheiten beging, erlangte Mellenthin immer wieder Strafaufschub, einmal wenige Tage vor der ersten Reichspräsidentenwahl. Inzwischen brachte es Mellenthin, der übrigens auch ein guter Freund des trefflichen Jürgen von Ramin ist, fertig, von der Reichsmarine gelegentlich der Nebungen der Hochseeflotte als Borleser über flandinavische Kultur bemüht zu werden, bis der Protest der Presse zu feiner Abberufung führte. Er fehrte dann nach Fürstenwalde zurück und besorgte sich ein neues Krankheitsatteft", um sich meiter von der Strafe zu drücken. Diesmal hatte er aber bei der Staats. anwaltschaft tein Glück, denn sie forderte endlich seinen Straf. antritt. Inzwischen zog Mellenthin es vor, echt völkisch, den befferen Teil der Tapferteit zu wählen und zu verschwinden, jedenfalls traf ihn die Polizei nicht mehr an, als sie zu seiner Festnahme schreiten wollte. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt ad. D. hat inzwischen einen Stedbrief hinter ihm erlassen. Feuer in den Ambi- Werken. " Ein größerer Brand fam am Dienstagmittag in Johannis. that auf dem früheren Flugplak zum Ausbruch. Als die Feuer wehr, von mehreren Seiten alarmiert, an der Brandstelle antam, standen dort in den Ambi Werken mehrere Werkstätten in Flammen. Es wurde beshalb Mittelfeuer gemeldet, worauf mehrere Löschzüge ausrüdten. Mit mehreren Schlauchleitungen stäriften Kalibers wurde von allen Seiten der Brandherd träftig angegriffen. Vier Motorfpriten waren bis in die dritte Nach mittagsstunde unausgesett in Tätigkeit. Der Schaden ist leider erheblich. Die sogen. Malerei und Sadiererei sowie das Dach eines Schuppens für Maschinen ist ansgebrannt. Ausgekommen ist das Feuer in einer Werkstatt und hat dort schnell reiche Nahrung an Spiritus, Laden und Delen gefunden. Selbstmord einer Fünfzehnjährigen aus Liebeskummer. Am Dienstag abend nahm sich die erfst 15 Jahre alte Lotte Heinz aus der Jägerstraße 11 das Leben, indem fie in der Küche den Gasschlauch an den Mund legte. Sie hatte zubor die Küche verschlossen. Ein Hund, der sich im Nebenraum befand, wurde unruhig und machte die Mutter dadurch aufmerksam. Die Tür wurde gewaltsam gesprengt; die sofort herbeigerufene Feuer webe stellte wieder lebungsverfuche an, die aber ergebnislos waren, Die Leiche wurde ins Schauhaus übergeführt. Straßenbahnzusammenstoß in Reinickendorf. In der Provinzstraße Ede Pantower Allee in Reinidendorf erfolgte 2,30 nachmittags ein zusammenstoß zwischen awei Straßenbahnwagen der Linie 36. Bei dem Anprall wurden die Fahrgäste von den Sigen geschleudert und zum Teil verlegt. Es sind in der Hauptsache Fußverlegungen vorgekommen. Die Verletzten wurden einem Privatarzt zugeführt, erhielten dort Notverbände und wurden dann in ihre Wohnungen gebracht. Der Unfall ist auf Berjagen der Bremse an Sem Triebwagen der Nummer 5269 zurückzuführen. Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, Isaia sid für Groß- Berlin Nets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, an richten Die ehemaligen Mitglieder des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse treffen fich Donnerstag, den 6. Auguft, nachmittags 3 Uhr, im Restaurant Café Schilling, Dahlem- Dorf( direkt an der Untergrundbahn) zu einem geselligen Beisammensein.( Bei schlechtem Wetter im Saal.) 6. Kreis Krenzberg. Donnerstag, ben S. Auguft, 3 Uhr, engere Kreisvor ftandsfikung bei Wolf, Gräfefft. 26. 7. Areis Charlottenburg. Donnerstag, ben& Auguft, 8 Uhr, im Loka! Würzburger Sof, Spreeftr. 7, Rusammenkunft sämtlicher Funktionärinnen. 12. Arcis Steglis, Lichterfelbe, Bankwik. Die Abteilungen Lantwit und Lichterfelde werden ersucht, die Flugblätter vom Genoffen Samburg, Schloßftr. 103, abzuholen. 14. Rreis Neukölln. Die erweiterte Kreisvorstandsfihung findet in diefer Die Woche nicht statt. Kreisfunktionärversammlung am 10. Auguft. nicht verkauften Billetts vom Sommerfest müssen umgehend abgerechnet werden. Das verlofte Fahrrad ist auf die Nummer 354 gefallen. Abzu holen im Parteibureau Nedarftraße. 12. Rreis Lichtenberg. Bildungsausschus: Donnerstag, ben 6. Auguft, abends Kinderfreunde Tempelhof. Ferienabschluß im Birkenwäldchen nachmittags 8 Uhr, in der Bibliothek, Weichielftr. 28, wichtige Gigung. 4 Uhr. Eltern und Freunde find herzlichst eingeladen. Die Bartei- und Jugendgenossen beteiligen fich an der Beranstaltung. Richtbildervortrag über Frankreich und Rorbofella. Freitag, den 28. Auguft, abends 8 Uhr, berichtet Genoffe Mar Hodann in der Aula Weinmeister ftraße 17-18 über die Einbrüde und Erlebnisse feiner Reife in Frank reich und Nordafrika. Der Abend ist als Werbeveranstaltung der Rinder freunde Mitte geplant. Rarten zu 30 Pf. find ab 12. Auguft in ber Rinderfreundezentrale, Lindenstr. 3, zu haben. Heute, Mittwoch, den 5. August: 5. 6. 8 Uhr bei Rfchiefing, Aderfft. 1, Sigung der Abteilungsleitung mit ben Bezirksflibrern, Stadt- und Bezirksverordneten, den Mitgliedern der Jugend- und Wohlfahrtskommiffionen, Bezirksvorstehern, Schiedsmännern, Mieterbeisihern und allen sonstigen Funktionären. Am Freitag 9. Abt. 7 Uhr Vorstandssikung beim Genossen Herrichen. 71 Uhr wichtige Funktionärsikung bei Sibner, Wilsnader Str. 34. Stel Tungnahme zur Stadtverordnetenwahl. -W 13. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung im Artushof, Berleberger Straße. Perichterstattung vom Bezirtstag. Stellungnahme zur Verfaffungsfeier. 43. Abt. Achtung, Bezirksführer! Bom 7. bis Ende Auguft erlebigt Genoffe Rischte, Boedhstr. 87, bie Staffengeschäfte der Abteilung. 82. bt. Steglik. Arbeitsgemeinschaft ber Rinberfreumbe: Nachmittags 3 Uhr Treffpunkt zum Spaziergang nach dem Botanischen Garten im Seim Albrechtstr. 47. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 5. August. 85. Abt. Tempelhof 7% Uhr erweiterbe Funktionärtung in ber Btube", Werder, Ede Friedrich- Karl- Straße. Thema: Die Bezirksverorbueten wahlen 110. Abt. Grünan. 8 Uhr Zahlabend bei Berner, Röpenider Straße. Morgen, Donnerstag, den 6. Auguft: 30. t. 7 Uhr Funktionärtonferenz bei Carl, Wichertftr. 69. 33. bt. 7 Uhr bei Lojad, Benmeftr. 8, Funktionärsigung. Gummide De sirtsführer und Betriebsobleute müssen erscheinen. 34. Abt. Die Funktionärkonferenz der Abteilung findet nicht am Donners tag, den 6., fondern am Mittwoch, den 12, abends 7 Uhr, statt. Räheres wirb noch bekanntgegeben. Straße 62, Mitgliederversammlung. Ausspracheabend: Kulturproblematit Jungfostaliften. Gruppe Brenzlauer Berg: 8 Uhr im Jugendheim Dongiges des Sozialismus". Referent Genosse Oschilewski. Frauenveranstaltung am Donnerstag, den 6. August: 120. bt. Friedrichsfelbe. 7 Uhr bei Tempel, Prinzenallee 80, Bortrag bes Genoffen Fabian: Kulturbestrebungen der Partei". Die Abteilungen, die Eintrittskarten zum eft bez 74. bt. ix Rehlendorf erhalten haben, werden bringend gebeten, umgehend abzu rechnen, da im anderen Fall die Abteilung die Bergnügungssteuer zahlen muß. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 45. Abt. Am 2. Auguft verstarb Genoffe Wilhelm Bofa im Alter von 32 Jahren. Einäscherung Donnerstag nachmittag 1 Uhr Baumschulenweg. 81. bt. Friebenen. Die Einäscherung unferes alten Genossen Großmann findet Donnerstag, ben 6. Auguft, nachmittags 4½ Uhr, im Krema torium Wilmersdorf statt. Straße 16. Jugendveranstaltungen. Achtung, Samburgfahrer! Seute 28 Uhr Tekie Probe für die Feier bes Berliner in Samburg im Jugendheim Lindenstr. 3. Mitgliederversammlungen heute, Mittwoch, den 5. August: Webbing: 75. Schule, Ruheplak., Ede Antonftrage. Beißenfee: Roelde. Friebrichshain: Große Frankfurter Buisenstadt: fake 157, Ede Charlottenburger Straße, Bankwik: 1. Gemeindeschule, Schulstraße. Sichterfelbe: Albrechtstr. 14a. Steak II: Schulz, Bergftr. 92. Tempelhof: Germaniaftr. 4-6( Engeum, Eingang Rinderhort). Friedrichshagen: Scharn. meberftr. 105, Sichtenberg Niederschoneweide: Berliner Str. 31( Schule). Mitte: Doffeftr. 22. Ligtenberg- Rats: Bartaue 10. Saboflex( Reichenberger Biertel): Reichenberger Str. 66, Bortrag: Unfers Jugendtage". Staffchreiberstr. 54( Schule). Often( Petersburger Bierbel): Eberinftr. 12. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". 99 Gefd& fts ftelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Ramerabschaft Tiergarten: Sämtliche Rameraden treten Donners. tag 6.15 Uhr am Kriminalgericht zur Runbgebung am GendarmenKamerabschaft Wedding: Am Fahnen find mitzubringen. markt an. Donnerstag abend 6 Uhr Antreten der Rameradschaft bei Müller, Uferfit. 12. Die Sporigenoffen treffen fich am Freitag abend 8 Uhr bei Müller, Ufenfit. 12. Bollzähliges Erscheinen notwendig. Ramerabschaft Kreuzberg: Donnerstag, den 6. Auguft, Generalappell und Bollversammlung. 7% Uhr Antreten der Tambourkapelle sowie der gesamten attiven und paffiven Mitglieder auf der Fontanepromenabe zum Umzug mit Fahnen. 9 Uhr Bollversammlung in der Rannerab Bockbrauerei, Fidicinstr. 2. Die Blodvorstände laben restlos ein. shaft Charlottenburg: Die Kameraben treffen fich am Donnerstag abend 7 Uhr im Vereinslokal Wilhelmshof, Berliner, Ede Spreestraße. Nachzigler 8 Uhr Gendarmenmarkt. Kamerabschaft Rehlendorf: Mittwoch, den 5., abends Buntt 8 Uhr, bei Schnorre, Monatsversammlung. Entgegennahme wichtiger Meldungen für die Berfaffungsfeier. Quartierangelegenheiten. Pflicht für alle Mitglieber. Kamerabschaft Schöneberg- Friebenam: Am Donnerstag, den 6. Auguft, abends 8 Uhr, findet die außerordentliche Zusammenkunft ber passi. ven fowie attiven Mitglieber ftatt. Die einzelnen Rüge treffen sich um 7½ Uhe mie folgt: Aug Rathaus: Ebersstraße; 8ug Rollendorf: Barbaroffaplak; Rug Friedenau bei Klawe, Sanbjernstraße: Rug Rubens bei Gitelich, Rubenstraße: Rua Infel bei Groß, Gebanfirake; Rug Beften bei Rüdert, Steinmegitraße. Kamerabschaft Steglik: Am Donnerstag, den 6. Auguft, treffen fich beim Uebungsabend um 8 Uhr Turnhalle Rinaftraße fämtliche attiven und passiven Rameradschaft Tempelhof: Donnerstag abend 8 Uhr Sufammenkunft aller Rameraben im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffel Kameradschaft Renfölla- Brik: Antreten der gesamten Ranteradschaft am Donnerstag, ben 6. Auguft, abends 7 Uhr, Sermannplag. Kamerabschaft Bichtenberg nebst Untergruppen: Donnerstag, den 6. Auguft, abends 7 Uhr pünktlich, Antreten bei Krüger, Marsch nach Berlin. Freitag abend 7 Uhr Antreten der gesamten Rameradschaft in Rarlshorst, Waldfiedlung. Bon dort Abmerich durch Friedrichsfelde nach Lichtenberg. Der Spielmannana nimmt gefayloffen an beiden Veranstaltungen teil. Ebenso haben die paffiven Mite alieber zu beiden Beranstaltungen in Anbetracht unserer Verfassungsfeier zu erfcheinen. Mitglieder zur Einteilung für die Berfassungsfeier. Sämtliche Rameradschaftsfahnen mitbringe ftraße. one Reichsband ber Kriegsbeschädigten und Sinterbliebenen, Bezirk Webbing 3. Die heutige Monatsversammlung fällt aus, bie nächste findet am 2. September, abends 8 Uhr, im Babenhofer, Chauffeeftr. 64, ftatt. Funfreunde bes Rorbens! Am 1. Geptember wird die Audion- Berfuchs. erlaubnis fallen. Es wird baher jedem Funtbaftler intereffieren, wie ein Audion pder Röhrenapparat gebaut wird. Es spricht am Donnerstag, ben 6. Auguft, im Arbeiter Radio- Klub der Funtfreund Here Rimmich über hagener Str. 9. bei Morad. Wir hoffen, intereffierte Huntfreunde an diesem Abend bearüßen zu können. ,, Audion RudtoppIuna" in ber Gruppe Brenzlauer Berg, Ropen. Freie Bereinigung von Sternfreunden, Berlin. Berfammlung am 8. 5. M., abends 8 Uhr, im Berliner Rindl, Kurfürftendamm 101, erfter Gnal links. Tagesordnung: 1. Bortrag bes ersten Borfigenden Beren Freund: Sternmythen aus allen Erbteilen über die Plejaden.( 1. Fortfekung.) 2. Der Sternhimmel im Auguft. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Mitteilungen. 4. Fernrohrbeobachtungen im Lunapart. Gäste tönnen burch Mitglieder eingeführt werden. Arbeitersport. Touristenverein Die Naturfreunde"( Rentrale ten), Drtspeppe Berlin, Am Mittwoch, den 5. Auguft, abends 8 Uhr, in der Weinmeifterstr. 16-17, Funktionärligung. Freie Turnerschaft Charlottenburg. Sonntag, ben 9., Wanderfahrt der Junamädchenabteilung nach Kloster Chorin. Treffpunkt um% 45 Uhr am Bahn hof Charlottenburg. Gäste willtemmen. Sport. Rennen zu Karlshorst am Dienstag, den 4. Auguft. 1. Rennen: 1. Benezianerin( M. Schmidt), 2. Mandarine( Binceng), 3. Bing Bong( Hutter). Teto: 233: 10. Blag: 59, 52, 45: 10. Ferner liefen: Ba banque, Sapa jus, Quesnau, Erin, Schettind, Roskilde, Ver schwiegenheit, Ankunft, Arkadia. 2. Rennen: 1. Humor( Dertel), 2. Rheinlage( Sths), 3. Eulalia ( Willi Heuer). Toto: 21:10. Blak: 13, 20, 24:10. Ferner liefen: Fippa, Bertrau mal, Ber mala, Hobe Sonne, Lauf. 3. Rennen: 1. La Mirabelle( H. Beer), 2. Sanft Thomas( K.Edler), 3. Due vadis( Walter Heuer). Toto: 96: 10. Blat: 27, 42, 33: 10. Ferner liefen: Danabourg, Sanville, Lissa, Herbststurm, Dolomitenbach, Stather! III, Minenhof, Teufelsnärrin, Mehdia, Eutanbcarivem, Gigerl. 3. Leopard( hr. Shniker). Toto: 20: 10. Plat: 16, 27, 21: 10. Ferner 4. Rennen: 1. Mesfina( b. Borte), 2. Melarola( b. Falkhausen), liefen: Hiltrud. Efto gef, Baldteufel anges, Judo angeb 5. Rennen: 1. Stappeliopf( Lüder), 2. Narr( Mate), 3. Oceana ( Rullies). Toto: 84: 10. Blat: 21, 28, 20: 10. Ferner liesen: Norde fee, Riederwald, Labrador, Elfchen, Buppenfee. 6. Mennen: 1. Mara( E. Eichhorn), 2. Dottor Mabuse( Derten), 3. Königliche Hoheit( Mannhen). Toto: 94: 10, Blak: 22, 14, 23: 10 Ferner liefen: Loga, Prinz Christian, Höllenfee, Duerkopf, Tranfufe, Einfalt. 7. Rennen: 1. Wippchen II Quade), 2. Bescaro( N. Edler), 3. Stummer Teufel( W. Dyer). Lets: 72: 10. Blag: 20, 26, 18: 10. Ferner liefen: Dtus, Bring Chrikian, Nosentel, Savitri, Cito, Bauberte gef., Cyrano II, Tor di Quinto, Liefurt, Amer. Der erste Berliner Start des neuen deutschen Meiterfahrers Karl Salbew findet am Sonntag, den 9. Auguft d. 3., auf der Olympia- Rabrennbaba tatt. Saldow wird hier gleich vor eine sehr schwere Aufgabe geftellt, denn nicht Geringere, wie der Matador der Olympia- Radrennbahn Walter Schweig Baul Suter sind seine Gegner. Diefe Fahrer treffen in bret Samall, der Weltmeister Bifter 2inart und der Meisterfahrer der Dauerrennen über 20, 30 und 50 kilometer aufeinander. Butbejette Fliegerrennen werben das Programm vervollständigen. Die Rennen be6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikbegleitung. 5-6.30 Uhr nachm.: Sechstes Kinderfest der FunkStunde. 7 Uhr abends: Professor Dr. Everling. Referent im Reichsverkehrsministerium: Luftfahrt und Oeffentlichkeit 7.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. Professor Dr. Paul Sommerfeld, Direktor am städtischen Kaiser- und Kaiserin- Friedrich- Kinderkrankenhaus Berlin: Vergiftungen und Uebertragungen von Krankheiten durch Nahrungsund Genußmittel. 2. Vortrag: Vergiftungen durch Fische und 1a) Hugo Scholz: Ho, ho, du stolzes Mädel. b) Hans Semmer: durch pflanzliche Nahrungsmittel 8.30 Uhr abends: Populäres. Ganz leise, c) Franz Abt: Gute Nacht, du mein herziges Kind. ( Alfred Ernesti. Tenor). 2. a) Gialdini: Opernpotpourri, b) Spieluhr.( Guido Gialdini, Kunstpfeifer. 8. s) Händel: Sarabande, b) Oleginnen um 4 Uhr Bull: Sehnsucht der Sennerin.( L. Goedecke, Kontrabaẞ). 4. a) Mozart: Schlafe, mein Prinzchen. schlaf ein, b) Schubert: Schlafe, schlafe, holder süßer Knabe, c) Humperdinck: Es schaukeln die Winde.( Frida Weber- Fleßburg, Sopran). 5. a) Martin Roeder: Spanische Serenade, b) Edward Grieg: Ein Tratum, o) F. Ries: Rheinlied.( Alfred Ernesti). 6. a) Sorento, italienisches Volkslied.( Guido Gialdini). 7. Fantasie über ein deutsches Volkslied.( Leberecht Goedecke), 8. a) Moszkowski: Wiegenlied, b) Gretschaninoff: Wiegenlied, e) C. H. Clutsam: Neger- Wiegenlied.( Frida Weber- Fleßburg). Am Flügel: Johannes Heidenreich. 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater und Filmdienst. Geschäftliche Mitteilungen. Feuerwerksjubiläum. Beute abend Finbet ta Treptow entäslich bes 25. Feuerwertes Treptow in lommen ein befonbers reichhaltiges pyro technisches Schauspiel unter persönlicher Leitung des belannten Oberfeuerwerts meifters Sindner statt. Wetter für Berlin und Umgegend: Siemlich warm, unbeständig Gemitterneigung. Für Deutschland: Im Besten Regenfälle, oftwärts fortschreitende Gewitterneigung. Mittwoch 5. August 1925 Äntechaltung unö ÄNissen Settage öes vorwärts Irieörich Engels. Zum Ü. August, seinem 30. Todestag«. Von Eovr«d Schmidt. Im Vergleich zu der schweren Tragik, mit welcher Karl Marx auf seinem Lebensweg zu ringen hatte, leuchtet über dem Schicksal seines treu est en und besten Kampfgenossen Friedrich Engels etwas wie Heller Sonnenschein. Marx sah die Saaten, die er ausgestreut, nur von fernher keimen. Im Jahre 1883, zwölf Jahre vor dem Fi eunde, in der Aera des Bismarckschen Sozialistengesetzes, ward er, der Kränkelnde, vom Schauplatz seines Wirkens abberufen. Während es Engels beschieden war, den mächtigen Ausstieg der mehr und mehr mit Marxschem Geiste sich durchdringenden Partei unter dem Schand- gcsetze, dm Zusommbruch desselben und die glänzenden Triumphs der nächsten Aeichstagswahlen zu erleben. Mit geschwellten Segeln schien damals an Engels Lebensabend die Fahrt dem Land der Zukunft, das Marx und er verkündet hatten. zuzustreben. Wer den Alten, der seit 1818 den deutschen Boden nicht mehr betreten, 1893 auf dem Internationalen sozialistischen Kongreß in Zürich oder bald darauf in Berlin wiedersah, dem wird das Bild der Kraft und frohgemuter körperlich-seesifcher Gesundheit des mehr als Siebzigjährigen unvergeßlich bleibm. In der Frische des Alien spiegelte sich gleichsam die Siegesstimmung der Partei. der Glaube, daß es im Sturmschritt unwiderstehlich weitergehen werde. Der Schatz seiner Erfahrungen und Kenntnisse, den er mit größter Bereitwilligkeit jedem, der sich in der internationalen Ar- beiterbewegung um Auskunst an ihn wandte, zur Verfügung stellte, hotte ihn schon seit Iahren weit über Deutschlands Grenzen zum Berater des Proletariats gemacht. Frei von jeder Spur persönlichen Ehrgeizes war ihm diese Art verborgenen anonymen Wirkens im brieflichen verkehr ein Herzensbedürfnis. Kein Auskunft Heischender, wenn er's nur ehrlich meinte, galt Ihm in dieser Hinsicht zu gering. Nicht einmal die Zugehörigkeit zur Partei war Vorbedingung. Auch einfache Studenten, die ihm mit Einwänden und Skrupeln in Sachen des Sozialismus und der materialistischen Geschichtsauffassung kamen, erhielten— ich selber habe es erfahren— von ihm eingehenden kritische« Bescheid. er hervorhebt, daß die Erfolge, welche die deutsch« Arbeiterschaft in unablässiger Friedensarbeit unter dem allgemeinen Wahlrecht er» rungen, Entwicklungsmöglichkeiten de» proletarischen Aufstieges ge« zeigt hätten, die Marx und er in ihrer Iugendüberzeugung von der unvermeidlichen Notwendigkeit einer gewaltsamen Revolution nicht vorausgesehen hätten. Da» Bild de» Mannes, wie er im Gedächtnis so vieler Partei- genossen fortlebt, hat durch die Briefe des jungen Engel», die Gustav Mayer, der bekannte Herausgeber des Lassalleschen Nach- lasses, vor mehreren Jahren verösfentlichte, sehr bedeutsame bio- graphische Ergänzungen erhalten. Man sieht da, wie der 1820 geborene, in pietistisch orthodoxer Umgebung aufgewachsene Rhein- länder Fabrikantensohn sich allmählich in schweren Gewissenskämpfen von dem ererbten Glauben loslöst, welchen umwälzenden Eindruck die historische Eoangelienkritit von David Strauß und gewisse Hegelsche Gedanken auf ihn machen. Die Hegelsche Eniwick- lungsphilosophie mit ihren oft so phantastischen Konstruktionen übte, so sehr Hegel selbst zum Konservatismus neigte, auch auf revolutionär gerichtete Geister der damaligen deutschen Jugend einen faszi- nierenden Einfluß aus. In der von einer immanenten Dialektik ge- tragenen Fortentwicklung der Menschheit schien ihnen ein Prinzip gegeben, das, über jedes in der Geschichte einmal erreicht« Resultat hinwegschreitend, immer neue Umformungen des gesellschaftlichen Lebens au» sich erzeugen muß und so in diesem Sinne die Re- volution in Permanenz erklärt. Es ist bekannt, welche Rolle solch« Gedankengänge und die Kritik derselben in der Herausbildung der späteren Marx-Engelsschen Geschichtsauffassung gespielt haben: und in merkwürdigem Parallelismus dazu stößt man in den Jugend- briefen L a s s a l l e s auf ein höchst charakteristisches Schreiben, in dem der damalige Studiosus Ferdinand Lassalle(der freilich bis zum Lebensende Hegelianer blieb) im engsten Anschluß an jene Hegelsche Konstruktionsmanier seinem Bater den unmittelbar be- vorstehenden Anbruch einer neuen Entwicklungsphase der Mensch- heit. ein Zeitalter des Kommunismus, prophezeit. Da» in dem fungen Engels bei aller Gegensätzlichkeit gegen kirchliche Dogmatil offenbar ursprünglich starte religiöse Gefühl schlägt bei der Berührung mit der Hegelschen Gedankenwelt in einen weltsreudig begeisterten Pantheismus um. der in den Briefen hier und da, vor allem in einer Meeresstimmung, poetisch ergreifenden Ausdruck findet. Manches klingt da an das Faustische Bekenntnis an. Doch diese Stimmung war für ihn nur ein Durchganaspunkt. Noch späteren Aeußerungen, so namentlich in seinem Schristchen über Feuerbach, scheint ihm, der nun von dem Fortgang der Naturwissenschaften und einer sie ergänzenden materialistischen Ge- schichtsforschung die Beantwortung oller wesentlichen Lebensfragen erwaltet, jeder noch so weit gefaßte und unbestimmte Gottesgedante als ein Rückfall in überholte Denkgewohnheiten. Ja, schon der „Agnostizismus�, der die logisch« Widerlegbarkeit ebenso wie die logische Beweisbarkelt der Sottesidee bestreitet, wird von ihm als ein schwachmütiger Kompromiß abgelehnt, dem gegenüber allein der Atheismus den Mut der Konsequenz besitzt. Mit gleichem Eifer wie bie religiösen Fragen verfolgt er in diesen Iugendbriesen die zeitgenössische Literatur: die polltischen Dichtungen des Lormärz �und vor allem die glänzenden politischen Feuilleton», in denen Börnes demokratischer Radikalismus von Paris her die klägliche politische RückständigkeU Deutschlands brand- markt. In v e r l i n. wo er ein paar Semester, bevor Karl Marx dort die Universität bezog, fein Militärjahr abdiente, erhielt er in der Gesellschaft der„F r« i e n'.»ie sich eine übermütig radikal« Gruppe junger hegelianischer Literaten nannte, neue Anregungen. Und bald lenkt ein neues Buch von M o s e- H« ß. dem seltsamen sozio- listischen Eingänger. sein« Aufmerksamkeit auf die in Frankreich und England sich heraufarbeitenden kommunistischen Ideen und die chartistisch« Bewegung der englischen Arbeiterschaft. Don Marx und Engels, den beiden später unzertrennbaren Lebens- und Kampf- genossen, war es Engels, der um zwei Jahr« jüngere, der so zuerst den Anschluß an den Sszialismus fand. Wenn er zu vegknn der 10er Jahr« ein« Anstellung in dem Filialgeschäft, das fein Bater in Manchester besaß, annahm, wird aller Vermutung nach dabei der Wunsch für ihn entscheidend gewesen sei», dort den Chartismus au« nächster Nähe kennenzulernen. Das aus lebendiger Anschauung und edehntesten nächtlichen Studien neben der Berusearbeft au» er- sten nächtlichen Studien neben der Beru n Jahre 181b erschienene Jugendwerk des Tnmsurtd» zwanzigjährig?�„Die Lage der arbeitenden Klassen in England» zeigt ihn bereit» als Meister großzügig packend« Schilderung. In düsteren Vistonen, die ihren InHall au« einer Füll« dokumentarisch belegter Einzellatsachen schöpfen, zieht dos furcht- bare Elend des englischen Frühkopttalismus mn Aug« de, Les«, vorüber. Di« klassische Schilderung der englischen Arbeiterverhält- nisse, tue dos Marxsche �kapital» dann zwei Jahrzehnte später ent- wirft, bestätigt, wie treffend Engels hier gesehen hat. Aber er ist mehr als Beobachter. In slarnmend« Empörung erhebt er Anklage wider die verruchchett tmea gesilllfchaft liehen Systems, da» die Masse, Die Mbeitsmüöen. �Donnerwetter, Zugführer, fahren wir noch nicht balö losU� „Zu öefehl, aber Sie Arbeiter wollen öas Gepäck nicht verloüeu l� wehrlos der blind waltenden kapitalistischen Profitgier überliefert. Der im Chartismus sich zusammenfassende Klassenkampf des eng- tischen Proletariats wird von ihm als die Macht gefeiert, die alsbald in einer ungeheuren, auch auf den Kontinent übergreifenden Re- volution die Zwingburg des Kapitals brechen und eine neue, eine menschliche Gesellschaftsordnung aus sich erzeugen werde. Aus anderen well verschlungeneren Wegen, in einer Gedanken- arbeit, die von der Auseinandersetzung mll den Voraussetzungen der Hegelschen Geschichtskonstruktion ihren Ausgangspunkt nimmt, war der junge Marx, der nach kurzer Redakteurtätigteit an der liberalen „Rheinischen Zeitung* sein Zell als freier Schriftsteller in Paris aufgeschlagen halle, gleichsalls zur Ueberzeugung gelangt, daß der notwendige durch die kapitalistische Struktur bedingte Klassenkampf de» Proletariats zu einer radikalen Umformung der ganzen Eigentums- und Produkttonsordnung führen müsse, und so die Klassenherrschaft, die allen früheren Zivilisationen gemeinsame Aus- beutung der Menschen durch den Menschen, endgültig stürzen werde. Im Jahre 1815. bei einem Besuch, den Engels ihm in Paris machte, schließt sich der Bund der beiden, der bis zum Tode festhält. Engels folgt dem aus Paris ausgewiesenen Freunde nach Brüssel, und um die Wende des Jahres 1817/18 entsteht, von einem Londoner Kommunistischen Arbeiterbund veranlaßt, in gemeinsamer Zu- sammenarbeit der beiden das weltberühmte„Kommuni st ifche M a n i f e st*. das, aus der Zeit geboren und in manchen fein« Züge an die Zell gebunden, in der Geschlossenheit und Tiefe des Gedanken- ganges wie in der grandiosen Wucht der Sprache ein Dokument von welthistorischer Bedeutung für alle Zeiten bleiben wird. Die 1848er Revolution ruft die Freunde nach Deutschland, wo sie in der von ihnen gelelleten„Neuen Rheinischen Zei- t u n g» den Kampf mit den reaktionären Mächten aufnehmen. In Erinnerung an die große Französische Revolution und an die sich anschließenden napoleonischen Weltkriege erscheint ihnen die demo- kratisch-soziale Erhebung in Frankreich und Deutschland zugleich als unvermeidlicher Ausgangspunkt eines ollgemeinen europäischen Kampfes zwischen den revolutionären und den im Banne konser- vattven Regiments verharrenden Nationen. Die Idee des proletari- schen Klassenkampfes, wie sie im„Kommunistischen Manifest* formu- liert wurde, kreuzt sich da mit der Propaganda eines revolutio- nären Weltkrieges. Ein Glaube an die Gewalt der Waffen klingt hier an, der in der späteren Entwicklung der Partei wieder von Marx und Engels mehr und mehr zurücktritt, und dessen lieber- Windung dann in jenem Engelsschen„Testament* vom Jahre 1894 seinen markantesten Ausdruck gefunden hat. Nach dem Scheitern der Bewegung wenden sich die Freunde nach London. Der Versuch, die Agitation für ihre Meen in einer Zeitschrift, d«. Revue der Neuen Rheinischen Zeit- schrist*. fortzusetzen, muß wegen Abonnentenmangel bald wieder aufgegeben werden. Der Sieg der Reaktion macht ihnen auf ändert- halb Jahrzehnte bis zur Gründung der Internationale im Jahre 1861 jede fruchtbare aktive Tätigkeit«uf politischem Gebiete unmög- lich.' Engels' tritt wieder in da» Zweiggeschäft des Baters in Manchester ein.� Doch das ist alles andere als eine Kapitulation. ch i> Ein heroischer Entschluß von höchster Selbstlosigkeit liegt dem zu- gründe. Der reichlich« Erwerb, den diese Stellung verspricht, soll ihm dazu dienen, dem großen Fmrnd«, von dessen überlegen« Geisteskraft« Höchstes erwartet, die Muße zur Ausarbeitung seines Lebenswerkes das„Kapital* zu»erschassen. Ohne solche Hilfe halle diese Riesenarbeit schwerlich geleistet werden können. Der aus ihrem Nachlaß in vier starten Bänden abgedruckte Briefwecbsel, überaus inter- esiant durch den tiefgreifenden Meinungsaustausch über die politi- schen Ereignisse d« Zeit, ist zugleich ein leuchtende» Denkmal ihrer ganz eigenartigen, von der innigsten Hingebung an die Sache ge- tragenen Freundschaft und Engel»' Opsersreudigkeit. 18S7«schien nach langem Harren der«sie Band des Marxsche«„Kapital", und wenige Jahre später war Engels dann sa weit, daß er aus dem Geschäft austreten und, ein unabhängiger Mann, nach London, dem Wohnsitze des Freundes, übarsiedeln konnte. Gleich Marx, von einem rastlosen, ms Unbegrenzte schweisendea Wissensdurst beseelt— neben seiner Berufsarbeit halle er noch imm« Zell zu eingehenden soziologischen, historischen, politischen, militärwilsenschastlichen(wohl in Hinblick auf die«hoffte Ne»olntion) und Sprachstudien ge- Sunden—, warf« sich jetzt mit Feu«eif« ans die Beschäftigung mit icn modernen Naturwissenschaften. Seine heute leider fast oerschallen« Streitschrift:„Herrn Eugen Dübring» Umwälzung der Wissenschaften' legt von der Art und von dem Umfang seines Wissen» auch auf diesem Gebiete Zeugnis ab. Der Univ«lallsmus der Bildung, der sich in dies« zugleich von prächtigem Humor und Witz beschwingten Arbeit ausspricht, erregt noch heute Staunen— gleichgültig, wie man sich zu einzelnen seiner Ausführungen stellt. Di« Schlußkopitel des Buches, die spät« unter dem Titel„Die Eutwickluvg de» Soziali»««» von der Utopie zur Entwicklungsglaube, der das R furchtbaren Katastrophe des si der Zusammenbruch der bei Wissenschaft' erschienen und mächtige Verbreitung fanden, bilden eine Hauptetappe, in der sich unter dem Sozialistengesetz das Eindringen des Marxschen Geistes in die Massen der deutschen Sozialdemokratie vollzog. Ein ähnlich weitgreisender Einfluß ist dem von ihm in Anknüpfung an den amerikanischen Ethnographen Morgan verfaßten außerordentlich anregenden Schristchen:„D i e Entstehung der Familie, des Privateigentums und des Staates*, das durch prähistorische Ausblicke die Marx- Cngelssch« materialistische Geschichtsauffassung ergänzen will, zuteil geworden. Dle Hauptarbeit des Unermüdlichen war seit des Freundes Tod im Jahr« 1888 der Herausgabe der beiden hinterlassen«« Bände des„Kapital* gewidmet. Wieviel hat sich in den drei Jahrzehnten nach dem Hinscheiden des Mannes, der wie kein anderer nelien Marx die Ideen und den Slimmungsgehall des Marxismus lebendig repräsentierte, geändert? Welche Enttäuschungen hat jener frohgemut optimistische eich der Zukunft nahe glaubte, in der sinnlosen Weltkrieges erlebt! Gewiß. Zusammenbruch der beiden allen militärischen Monarchien Zentraleuropas hat gewallig« Hemmnisse für den Ausstieg des Pro- letariats aus dem Wege geräumt, doch was für neue und nicht vor- ausgesehene Schwierigkeiten türmen sich aus den Ruinen, die jenes Massenmorden hinterlassen, von allen Seiten auf! Di« Kämpfe un> mittelbarster Gegenwart verlangen, um noch Schlimmeres abzu- wehren, Anspannung aller Kräfte. In der Ernüchterung, die die Bewegung so bedroht, tut die Erinnerung an unsere Großen und an die wellen Perspektiven, die ihr Auge vor sich sah, doppelt not. Und der Erinnerung an die Marx-Engelssche Gedankenwelt gesellt sich bei denen, welchen das Glück zuteil ward, Im Londoner Heim des„General*, wie er von dem Freunde seit seinen Krtees» krlliken im Jahre 1870 mit gutmütigem Spitznamen genannt wurde, zu verkehren, die Erinnerung an den liebenswerten, Bihnuchs- losen Menschen, der noch im Alter sich einen Widerhall van fu»e«d- licher Burschikosität bewahrte. Auch ich lernte ihn so kennen. Auf eine ihm von mir gesandte Arbeit, mll der ich zu der billigen Würde eines„Doktors* aufgestiegen war, und die naiverweise sogar etwas wie eine„Kritik' des Sozialismus geben wollte, hatte« in seiner Liebenswürdigkeit mit einem Brief, der zugleich eine bündig« Widerlegung enthielt, geantwortet. Und als ich 1887 einige Monat« in London weilte, habe ich dann manchen Abend, da das Lesen bei Licht ihm vom Arzt verboten war, bei ihm an dem Kamin gesessen und— er ging auf olles, was ich fragte, ein— seinem an immer neuen Anregungen unerschöpflichen Geplauder zu- gehört. Bon Sozialismus war dabei nicht viel die Rede. Cr dachte gar nicht daran, einen zu„bekehren*, aber ine Bewunderung, die dieses wie spielend hingeworfene Wissen weckte, der Antrieb zur eigenen Selbstbesinnung, der davon ausging, wirkten um so unwiderstehlicher. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, als ich, so vorb«eitet, von neuem nach dem„Kapital* griff. Und wie vielen hat er als Mensch und als Schriststeller den Weg zu dem Verständnis seines großen Freundes gewiesen, mit dem er selber, der Bescheidene, jede Vergleichung sich verbat!_____ Die veränderte Relseroale d« Zugvögel. Es ist bekannt, daß > dem Reife- vi« Vögel tm tjuden sich trn Kriege angesichts der verminderten Tätigkell der Jag« größer« Ruhe er- ftruten als im Frieden, schien für die in Nordfrantreich einfallenden Wandervögel durch die Feuertällgkeit an den Fronten sich« da» Ende der Welt gekommen zu sein. Ueber die veränd«unqen. die dadurch für die öus Rordeuropa nach Afrika ziehenden Bügel ein- getreten sind, wird man zwar erst mit der Zell völlige Klarheit er- holten. Schon jetzt aber v«ösfentlicht ein Bogelkundiger in der „Revue Franqaise d'Ornithologie' eine Interessante Studie, die sich speziell mit dem oemeinen Kranich beschäftigt, dessen Zua von Mittel- enropa Kramch._________._.. und Rückflug im Norden Frankreichs auf, um einige Zeit in den Ebenen der Bogesen und In den Maaßtäl«n der Ruh« zu pflegen. Noch im Oktober 1911 stufen die Kraniche ans ihrem Flug nach Afrika hier ein. Sie wurden indessen von Gewehr- und Geschütz- feuer empfangen, und da sie sehr niedrig flogen,«litten sie schwere Verluste. Diejenigen, die dem Gemetzel entrannen, wandten sich von der unaa strichen Gegend ab. wo sie so schlecht empfangen wurden und sind niemals wieder dahin zurückgekehrt. Kaum daß nach Hier und da einmal ein vereinzelter Kranich in der Gegend zu sehen ist. Die klugen Bogel haben eine ander« Route gewählt, �und es sieht fast so aus, als wenn sie ihre Kameraden in Astika über die Ge- fahren unterrichtet hätten, denen sie sich bei Verfolgung des alt- gewohnte« Wege»«»setz«, würden. WOHLFEILE WOCHE Damenkonfektion Mädchenkleid aus Waschstoff, reiz.Fassons, viele Muster, Größe 60-90.3.95 Straßenkleid Kleiderstoffe Sport- Flanell aparte Streifen... Meter 0.95 Crêpe- Marocain doppeltbr., Fant. Must. Mtr. 1.45 aus Waschstoff, in vielen 4.75 Popeline seidenen Macharten, schöne Muster Reisemantel aus imprägn. Covertcoat 13.50 neue Fasson, mit Gürtel Sportkostüm aus haltbarem Stoff, Jacke 14.50 auf Futter. Seidenstoffe Cord- Velvet verschiedene Farben Meter 0.95 Helvetia- Seide moderne Farben.. Meter 1.65 Kunstseid. Trikot doppeltbreit.... Meter 1.95 Waschseide neue Karos..... Meter 2.95 Japon- Seide Streifen Meter 1.65 Kostümschotten ca. 100 cm breit . 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Im weiteren Verlauf der gestrigen Reichstagssigung wurde zur Tabatsteuer in namentlicher Abstimmung ein Antrag der Demokraten, der die Beschlußfassung über diese Steuer bis nach den Reichstagsferien hinausschieben will, mit 229 gegen 155 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen abgelehnt. Unter Ablehnung sämtlicher Aenderungsanträge wird die Tabatfeuer nach dem Antrag der Regierungsparteien angenommen( Beibehaltung der bisherigen Banderole und bei Zigaretten ein Zuschlag durch eine Materialsteuer, deren Höhe vom Steuerausschuß festgesetzt rerden soll). Ueber die vom Steuerausschuß vorgeschlagene Erhöhung des Tabakzolls von 30 auf 80 m. soll später abgestimmt Angenommen wird auch der Antrag der Regierungsparteien auf Einrichtung eines Reich stabatforschungsinstituts in Baden. werden. Gegen die Antragsteller wird ein Antrag der Bölfischen auf Berbot der Einfuhr von Pilsener Bier abgelehnt. Es folgt hierauf die zweite Beratung des Gesezentwurfs zur Erhöhung der Wein-, Zündwaren-, Salz-, Zuckerund Spielkartensteuern. Abg. Sollmann( Soz.) lehnt die Steuervorlage ab. Die von der Regierung vorgelegten Verbrauchssteuern ließen jedes Gefühl für die fozialen und nationalen Erfordernisse vermissen. Der Redner bringt dann verschiedene Beschwerden gegen die Branntwein monopolverwaltung vor. Man könne in dieser Beziehung geradezu von einem schwarzweißroten Korruptionsherd sprechen. Die Regierung sollte endlich auch energischer gegen die vielen Schwarzbrennereien vorgehen. # Abg. Jacobshagen( Soz.) bespricht die Weinsteuer. Die Regierungsvorlage fah 20 Broz. Weinsteuer vor( für Schaumwein 30 Proz.). Die Regierungsparteien wollen für die nächsten zwei Jahre in einem Kompromißantrag die Steuer auf 15 Pro3. herabsehen. Abg. Jacobshagen bezeichnet auch diesen Sah angesichts der Notlage der Winzer als viel zu hoch. Er beantragt für fie sozialdemokratische Fraktion die herabjegung auf 10 Pro3. Staatssekretär Dr. Popih erklärt, die geringen Einnahmen aus dem Branntweinmonopol bildeten den Gegenstand ernster Sorge der Reichsregierung. Den Mißständen sei die Regierung mit größter Rücksichtslosigkeit entgegengetreten. Der dazu eingesetzte besondere Fahndungsdienst besteht weiter. Die Schwarzbrennerei hat einen höchst bedenklichen Umfang angenommen; von den Beamten der Monopolverwaltung ist aber nur ein einziger schwer belastet. Weder der frühere noch der jetzige Präsident der Reichsmonopolverwaltung fann in dieser Angelegenheit irgendwelchen Angriffen ausgesetzt werden. So bald wir durch die Erledigung der Steuervorlagen entlastet sind, werden wir ein Gesetz vorlegen, mit dem wir rücksichtslos auf die Dinge in der Reichs= monopolverwaltung eingehen. Abg. Korell( Dem.) begründet einen Antrag, wonach die Weinfeuer bei Schaumwein 15 Pro3., beim übrigen Wein 10 Broz. betragen soll. Neben anderen Mitteln zur Behebung der Not der Binzer sei die Steuerherabſegung ein Mittel zur Hebung des Weinfonjums. Dann werden auch bei verringertem Steuersatz die Einnahme für das Reich nicht niedriger sein als nach den bisherigen Sägen. Abg. Rädel( Komm.) bekämpft die Berbrauchssteuervorlagen. Es handele sich hier um eine neue Ausplünderung der Maffe Der Bevölkerung. Abg. Creutzburg( Romm.) beantragt die 5) er beirufung des Reichsfinanzministers v. Schlieben. Als Vizepräsident Dr. Bell in dem schwach besetzten Hause die Abstimmung über den fommunistischen Antrag vornehmen lassen will, wird von fommunistischer Seite die Beschlußfähigteit bezweifelt. Bizepräsident Dr. Bell setzt die Abstimmung auf einige Minuten aus. Nach etwa fünf Minuten hat sich der Sigungssaal jo gefüllt, daß der Präsident die Beschlußfähigkeit feststellen kann. Der fommunistische Antrag auf Herbeirufung des Ministers wird dann gegen die Antragsteller abgelehnt. Abg. Münzenberg( Komm.) wendet sich gegen die Beinsteuer. Abg. Seiffert( Bölt.) verlangt die Ablehnung aller Verbrauchsfteuern. Sollte aber die Weinsteuer angenommen werden, so müßte fie ermäßigt werden auf 10 Broz. und für fleine Weine auf 5 Proz. Abg. Brey( Soz.) fommt auf die Uebelstände in der Branntwein monopolverwaltung zurüd. Das Interessenten Element fei im Beirat viel zu start vertreten. Es sei nicht zu billigen, menn unter den Reichstagsvertretern im Beirat fich Leute befinden, die selbst Branntweinbrenner sind. . Abg. Sollmann( Soz.) bekämpft einen demokratischen Antrag auf Besteuerung altoholfreier Traubensäfte. EMS SCHUTZ- MARK Emser Wasser ( Kränchen) Emser Pastillen Emser Quellsalz Abg. Korell( Dem.) erklärt, er müsse seinen Antrag aufrecht erhalten. Mittwoch, 5. August 1925 Das Brivatfapital sei zu gewissenlos, um das Interesse der Allgemeinheit in den Versorgungsbetrieben zu wahren. Die LutherSchlieben- Regierung habe sich zum Handlanger des Privatfapitals gemacht. Darum wolle sie die Besteuerung der öffentlichen Betriebe. Die Besteuerung der öffentlichen Betriebe müsse katastrophale Folgen namentlich für die Gemeinden haben, deren Finanzlage eine verzweifelte fei. An den Gemeinden würde durch eine Steuerpolitik wie die vorliegende, die der Luther- Schlieben- Regierung und der Rechtsparteien geradezu ein Verbrechen begangen.' Bei der dann zur Beratung kommenden Salzsteuer bekämpft Abg. Kulenkampff( D. Bp.) wendet sich gegen die Ausführungen Abg. Peters( S03.) die in der Vorlage vorgesehene Erhöhung daß das Privatkapital sich an den öffentlichen Betrieben beteilige, des Abg. Henke. Wenn sich die Regierung nicht darum fümmere, der Steuer für Speisesalz auf 3 M. für den Doppelzentner. Diese steuerliche Belastung eines unentbehrlichen Gewürde sie bald ohne Kapital dastehen.( Widerspruch links.) Länderwürzes der breiten Massen wirfe um so unsozialer, als gleichzeitig in wünsche feien feine Wirtschaftsargumente. Auch die öffentlichen Beder Vorlage die Besteuerung der Industriesalze auf- triebe müßten Steuern zahlen, weil sich jetzt niemand davon ausgehoben wird. Eine so brutale Abwälzung der Last von den schließen könne, denn wir müßten Reparationen bezahlen. Schultern der besitzenden Industriellen auf die Termsten der Armen( Sehr richtig! rechts.) Der Redner setzt sich in eingehenden Aussei nicht zu rechtfertigen. Die Sozialdemokratie beantrage die Aufführungen für einen Rompromißantrag ein, der alle Verhebung der Salzsteuer oder wenigstens ihre Herabsetzung forgungsbetriebe besteuern will. auf 1 mM. Abg. Ferl( Soz.) lehnt die 3 ündwarensteuer ab, da der Vertrag in feinem Verhältnis zu den hohen Verwaltungs= tosten stehe. Abg. Wendemuth( S03.) macht der Regierung den Vorwurf, daß fie widerrechtlich 70 bis 80 millionen Mart an Zudersteuer zuviel erhoben habe. Abg. Schaffner( S03.) wendet sich gegen den demokratischen Antrag auf Aufhebung der Spielfartensteuer. Abg. Neddermeyer( Komm.) befämpft die Salzsteuer. Der Redner fündigt an, daß die Kommunisten bei der Endabstimmung bewußt Obstruktion treiben, den Voltsentscheid verlangen und den Demonstrationsstreit proflamieren würden. Nach weiteren Aeußerungen der Abgg. Weber( Komm.) und Frau Arendfee( Komm.) feßt sich Abg. Schneider- Berlin( Dem.) noch einmal für den vorliegenden demokratischen Antrag auf Beseitigung der Spielfartensteuer ein. Damit schließt die zweite Beratung der Verbrauchssteuern. Ein tommunistischer Antrag auf Streichung fämtlicher Verbrauchssteuern wird gegen die Stimmen der Antragsteller, der Bölkischen und einiger Sozialdemokraten abgelehnt. 3weifelhaft bleibt die Abstimmung über den Antrag, der die Steuerfreiheit für alkoholfreie Trauben und Obst ge= tränke im Weingesetze beseitigen will. men bei 9 Enthaltungen angenommen. Im Hammelsprung wird dieser Antrag mit 201 gegen 167 StimZur Frage der Steuerhöhe findet Annahme ein Antrag, der die Steuer für Schaumwein auf 30 Pro3. festsetzt. Ein sozialdemokratischer Antrag, der die Weinsteuer im übrigen auf 10 Pro3. festsetzen will, wird in namentlicher Abstimmung mit 219 gegen 174 Stimmen abgelehnt. Annahme findet zur Weinsteuer der Antrag der Kompromißparteien, der einen Steuersatz von 20 Proz3. festfekt. Zugleich bestimmt der Kompromißantrag, daß dieser Steuerfaz sowie der von 30 Broz. für Schaumweine vom 1. August 1925 bis zum 30. September 1927 um ein Viertel ermäßigt werden. Außerdem soll ein Drittel des Ertrages der in der Zeit vom 1. Juli 1925 bis zum 30. Juni aufkommenden Weinsteuer zur Behebung der Not des Winzerstandes verwendet werden. Bei der Zünd warensteuer wird unter Ablehnung aller Aenderungsanträge die Ausschußfassung aufrechterhalten, die eine Steuer von 0,2 bis 0,6 Pf. pro Schachtel Zündhölzer und eine solche von 2 Pf. für Zündkerzen aus Stearin, Wachs usw. vorsieht. Der fozialdemokratische Antrag auf Streichung der Salzsteuer wird mit 224 Stimmen der Rechtsparteien gegen 166 Stimmen abgelehnt. Es bleibt auch hier bei der Ausschußfaffung, die einen Steuersatz von drei Reichsmart pro Doppelzentner Reingewicht vorsieht. Die Zuderfteuer wird, ebenfalls unter Abehnung von Aenderungsanträgen der Linken, hierauf nach der Ausschußfaffung angenommen, fo daß also an Steuern erhoben werden pro 100 Kilogramm vom Stärtezuder 8,40 m., von anderem Zuder 21 m. Annahme findet schließlich noch die Spielfartensteuer und die Schlußbestimmungen, so daß die Verbrauchssteuern in zweiter Lesung bewilligt sind. Das Haus wendet sich der Besprechung des Gefeßentwurfes über die gegenseitige Besteuerung des Reiches und der Länder zu, die mit der Beratung der Besteuerung der Versorgungsbetriebe verbunden ist. In der Generaldebatte betont Abg. Hente( Soz.), daß der vorliegende Entwurf Einschrän. fungen bringe, soweit das Reich in Frage komme. Der Redner lehnt die Besteuerung der öffentlichen Betriebe im Interesse des Gemeinwohls ab. Nur Scheingründe würden für die Besteuerung der öffentlichen Betriebe geltend gemacht. Das fapitalistische Profit. interesse allein sei für diese Besteuerung maßgebend.( Sehr richtig! links.) Die Versorgungsbetriebe müßten alle in öffentlicher hand vereinigt und steuerfrei gelassen werden. Den Eventualentrag, in dem die Steuern den zuständigen Gemeinden überwiesen werden sollten, zieht der Redner zurüd. Es handele sich für die Kompromißparteien nur darum, den Grundjaz zu Geltung zu bringen, daß alle Versorgungsbetriebe, gleichgültig welcher Hand sie sich befinden, steuerpflichtig sein müssen.( Lärm Beifall rechts.) links. mißparteien dafür ein, daß die Ausschußfaffung aufrechterhalten Staatssekretär Popik tritt gegenüber dem Anträge der Komprobleibe, die die öffentlichen Versorgungsbetriebe( Gas- und Wafferwerke usw.) in öffentlicher Hand ſteuerfrei läßt. Um 8% Uhr vertagte das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 10 Uhr. Das Befinden des Genossen David. Der Zustand des Genossen David am Abend ist durchaus befriedigend gewesen. Die Blutung hat sich nicht wiederholt. Fieber ist nicht eingetreten. Eine eingehende Untersuchung zur Feststellung der Ursachen der Blutungen fann erst in einigen Tagen erfolgen, da sonst die Gefahr neuer Blutungen entfieht, jedoch berechtigt der bisherige Verlauf zu der Auffassung, daß momentan teine Lebensgefahr besteht. Genosse Dr. David befindet sich in Behandlung der Professoren Strauß und Citron. Wirtschaft Unfreiwillige Landbundgeständnisse. In der Ausgabe des Reichslandbund vom 1. August steht ein Artikel über den Russischen Wettbewerb", in dem auf einmal Rußland der Hauptkonkurrent der deutschen Landwirt. schaft wird. Wie es mit Rußland in dieser Hinsicht tatsächlich steht, darauf wird noch zurückzukommen sein. Was aber die Frage der Roggentonfurrenz betrifft, so finden sich in dem angezogenen Artikel einige interessante Geständnisse, die im Auszuge mitgeteilt seien: Der gegenwärtige 3ustand, in dem Länder, die für Roggenbau gar feinen geeigneten Boden haben, dennoch, wenngleich nur in beschränktem Maße, zum Anbau dieser Frucht übergegangen sind, ist auf die Dauer unhaltbar. Und nur diesem unnatürlichen Zustande find die gegenwärtigen verhältnismäßig hohen, wenngleich nicht genügenden Roggen= preise zu verdanken. Denn die 20 bis 30 Millionen Doppelzentner Roggen, die Nord- und Südamerita in den letzten Jahren auf die europäischen Märkte lieferten, fonnten eben nur mit unnatürlich hohen Kosten bereitgestellt werden." Das flingt zunächst sehr harmlos, geht aber in seinen Konse quenzen überaus weit. Was seit einem Jahrhundert von der nationalätonomischen Wissenschaft erkannt wurde, nämlich, daß der Ges treidepreis den Produktionstosten der schlechtesten Böden folgt, wird damit endlich auch vom Landbund verstanden. Was für Roggen gilt, gilt auch für Weizen. Nun verhielt sich der Weizenjetzigen Preislage etwa wie 4: 3. Weizen ist also verhältnismäßig preis zum Roggenpreis vor dem Kriege etwa wie 5: 4 und nach der teurer geworden. Also ergibt sich aus der Argumentation des Reichslandsbundschreibers, daß zur Befriedigung des Weizenbedarfs der Welt ungewöhnlich ungünstige Böden noch herangezogen werden müssen, Böden, die verhältnismäßig noch ungünstiger find als die, die unseren Roggenbedarf decken. Damit sind die Behauptungen Serings über Preisbildung und Preistendenzen auf dem Weltmarkte vom Reichslandbund anerkannt. Interessant ist die Behauptung, daß die gegenwärtigen Roggenpreise nicht ausreichend seien. Diese Behauptung findet sich in verfeinerter Form auch im Gutachten der schutzölnerischen Majorität der Agrarenquetekommission. Wie aber jetzt die Brotokolle der Ber handlungen der Enquete zeigen, wurde eine dahingehende BehaupBad Ems Empfohlen von den bedeutendsten Aerzten durch die Jahrhunderte bei Erkrankungen der Luftwege( Katarrhen, Asthma, Emphysem, Folgezuständen von Grippe, Rückständen von Lungen- und Rippenfellentzündung), Katarrhen der Verdauungs- und Unterleibsorgane, Frauenleiden, Herz- und Kreislaufstörungen, Gicht und Rheumatismus. Natürliche kohlensaure Bäder, Inhalatorien, Pneumatische Kammern, Staatliche ärztliche Untersuchungsanstalt mit den neuzeitlichsten Einrichtungen. Alle Kurmittel. Vielseitige Unterhaltungen und Sport jeder Art. 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Fernwirkungen der Stinnes- Liquidation. Hugo Stinnes hat Benn man mun das menngleich nicht genügenden aus dem oben abgedruckten Baffus als unbeweisbar oder vielmehr widerlegbar nicht mur selbst gegründet. Wie Kristalle anschießen, sa schoffen herausnimmt, so bleibt das Eingeständnis, daß eine lebersee seinen Gründungen auch Gründungen von anderen an, die dem Aktionsradius der Stinnesschen Gründungen sich ein und anpaßten fonkurrenz für deutschen Roggen und damit bei der gegen und dadurch zu Gewinnen zu fommen hofften. Selbstverständlich märtigen Preislage auch für deutschen Weizen night u zicht nun die Liquidation des Stinnes- Konzerns auch diese Grüne fürchten ist. Der Reichslandbund gibt damit wieder einen berbungen in ihren Strudel So wird der Beschluß der Liquidation jentgen„ Bemeisgründe preis, bie er bisher für Schutzölle ange ber 1923 gegründeten, auf 200 000 Goldmart umgestellten Biesen täler Bergbau A.-G., Freiburg i. Breisgau, gemeldet. Nach ben Mitteilungen der Gesellschaft ist diese Eigentümerin des für bie Exportabteilung der Hugo- Stinnes- A.- G., Hamburg, neu ein gerichteten modernen Flußspat- und Bleibergwertes Bieben bei Schönau im Badischen Wiesental, das für einen Tagesversand bis 150 Tonnen Flußspat mit allen Anlagen, Bahnanschluß und Draht feilbahn versehen ist und über 13 Grubenfelder verfügt. Es scheint, daß die Hugo- Stinnes A.-G., Hamburg, sich zur Abnahme der BroLuktion verpflichtet hatte oder das Werf selbst gepachtet hatte. Dar auf läßt auch die Bemerkung in den Mitteilungen der Wiesentäler Bergmerfs- 2.- G. schließen, daß der Erfolg des Beschlusses ihrer Generalversammlung von der Stellungnahme der Hugo- Stinnes. AG. abhänge. Das Flußspatwerk Wieden soll öffentlich zum Berkauf ausgeboten werden. Aehnliches geschieht mit der Drahtindustrie A.-G. in St. Thönis bei Krefeld, die im Mai 1924 mit einem Rapital von 100 000 Goldmart gegründet Die unrationelle Wirtschaftsführung. In ihrem legten Monatsbericht macht die„ Dresdner Ban intereffante Feststellungen zur gegenwärtigen Wirtschafts. lage. Die Darstellung ist um fo bemerkensmerter, als sie in vielen Bunkten von dem Standpunkt abweicht, den die Unternehmer. verbände zur Begründung ihrer Steuer. 3oll- und Lohnpolitik geltend zu machen pflegen. So wird u. a- gesagt, die Krise sei vor allem darin begründet, daß bei dem geringen Einkommen der einzelnen Wirtschaftssubjekte nach Befriedigung des dringenden Lebensbedarfs nur ein verhältnismäßig geringer Teil zu Ersparnis. zmeden übrig bleibt. Da aber in erster Reihe die lebensnotwendigen Brodukte beschafft werden müßten, bleibt für die Nachfrage nach anderen Konsumgütern außer Nahrung und Kleidung nur ein geringer Bruchteil übrig. So und durch die verringerte Rapitalaffu mulation tommt es, daß die für den unmittelbaren Konfum arbeitenden Unternehmungen( Lebensmittelbranche, Textilindustrie, Barenhäuser u. a. m.) einen befferen Abfaß und beffere Gewinn möglichkeiten haben wie die Industrien der Rohstoff- und Produt tionsmittel. Eine beffere Begründung der Forderung nach höheren Löhnen läßt sich nicht denfen. Das wird noch nach einer menig fruchtbaren Schilderung ter Steuerpolitit besonders betont, indem bie Bank auf die außerordentliche Rüdständigteit unserer industriell en Produktion hinweist. Sie schreibt dazu: „ Der dritte Hauptgrund für die augenblickliche Wirtschafts. verfassung besteht in der mangelhaffen Organisation der Produktion. Die Hypertrophie an Betrieben in Produftion und Handel ist der Grund dafür, daß trotz einer relativ günstigen Gesamtproduktion der Geschäftsumfang in den einzelnen Unternehmungen gering bleibt und die Existenz derselben nur durch entsprechend hohe Preise gewährleistet wird. Dadurch tritt eine Ueberteuerung der Produtte ein, die ihrerseits wieder einer Ausdehnung des Abfages entgegensteht; so besteht hier zwischen Absazkrisis und Produktionskrisis eine Wechselwir tung. Hinzufommt, daß die Unrationalität der Produktionsmethoden von sich aus schon verhältnismäßig hohe Produktionsfoften erfordert. Dieser Zustand einer mangel haften Broduktionsmethode und Wirtschaftsorganisation tonnte sich bisher trotz der trisenhaften Zustände für die einzelnen Unter. nehmungen dadurch aufrechterhalten, baß durch eine fort. schreitende Kartellierung das Eristenzminimum für die Cinzelunternehmung gewahrt murde: um großen Nach. teil für die Gntmidlung der Broduktion und des Absages. Nur so ist es auch zu begreifen, daß trog der schlechten Berhältniffe die Ronfursziffer relatin geringfügig geblieben ist und in dem legten Halbjahr feine wesentliche Tendenz zur Steigerung aufgemiesen hat. Wenn das Ziel erreicht wird, daß in der Tat nicht mehr Betriebe an der Produktion und am Handel beteiligt find, als notmenbig, bann wird sich die Breissenfung automatisch durchlegen und damit auch die Kauftraft der Bevölferung erhöhen. Alsdann wird auch non hier aus, nach Ausscheidung der überflüssigen Unternehmungen, eine 3urüdschraubung her rebitansprüche auf das palismirtschaftlich notwen dige Maß eintreten, fomie eine Erweiterung der Spartätigkeit, die alsdann auf der niedrigeren Breisbasis wieder eine Ausmeitung der Gesamtproduktion über das augenblickliche Maß, hinaus ermöglichen wird." Die Schutzbedürftigkeit" der deutschen Industrie, die von der Regierung in der Bollvorlage so eindringlich geschildert wird, nimmt fich nach dieser Darstellung doch wesentlich anders aus! Die Preis. jentung und die Beseitigung der Kartellwilltür tann durch Hoch schutzölle nur aufgehalten und verzögert werden. Sind aber Breis abbau und rationellere Produktion notwendig, so verbietet sich eine Wirtschaftspolitif, die mit Niedrighaltung der Löhne und An ziehen der Zollschraube das Gegenteil des Notwendigen ermeist. Statt Karten Magistratsrat Ernst Böhme Lili Böhme geb. Bahn Vermählte Magdeburg, z. Zt. auf Reisen Gröperstr. 2 DER NAME Guter Schlaf bas befte Heilmittel. Metallbetten für Groß n Klein, mit oder ohne Zubehör, Stahlmatragen, an Bri pate. Bequeme Bebing. Rat. 30 a frei Eisenmöbelfabrik Suhl( Thür.) Doornkaal GARANTIERT: Treinen Korngeneser 45 Vol.%, gewonnen aus Roggen, Darrmalz und Wachholderbeeren. 2.Bein neues unkontrollierbares Erzeugnis. Unsere Grossvätter bevorzugten schon Doornkaat 3echten ostfriesischen Genever, hergestellt nach nitem Familien- Rezept seit 1806 in einer der grössten Kornbrennereien Deutschlands. Es gibt auf der ganzen Welt nur einen Doornbeat Berlangen Sie ausdrücklich. 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Die Berwaltung von St. Thönis hat nunmehr den Antrag auf Geschäftsaufsicht gestellt und hofft, das Unternehmen so. nieren zu fönnen. Breuiiden Industrie und Handelstammern ift Verschärfung der Wirtschaftstrife. Nach den Berichten der eine Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage im Monat Juli nicht eingetreten. Die Absastrise hat sich eher noch ber härft und noch weitere Zweige der Wirtschaft erfaßt. Eine Belebung ist nur in wenigen Zweigen der Industrie zu verzeichnen, so im Kalibergbau, oberschlesischen Koblenbergbau, Buch- und Steindrudgewerbe, in einzelnen Teilen der Textilindustrie und in der Brauindustrie. Die Gründe für die zunehmenden Absatzschwierigleiten werden vor allem in dem starken Kapitalmangel gefehen, der einen immer schleppenderen 8ahlungseingang Aur Folge hat. Weiter wird der innerdeutsche Markt vielfach durc die noch immer nicht abschließend herbeigeführte Klärung der Steuerund Zollgesetzgebung beeinträchtigt. Anhaltender Refordabjah an kali. Der Abiat des Deutschen Staliipnditats G. m. b. H. im Juli 1925 betrug 956034 dz Reintali gegen 472978 dz Reintali im Juli 1924. Der Gefamtabsatz der ersten sieben Monate des Jabres 1925 beträgt 8292702 dz Reintali gegen 3 748 048 dz Reintali in den ersten sieben Monaten des Jahres 1924. Preußische Staats- Lotterie 5. Klasse( Haupt- und Schlußziehung) vom 12. bis 81. August 131 000 Gewinne, Höchstgew., Prämien u Hauptgew. 2 Millionen Mk. 1 Million Mark 2 x 500000 M. 2 x 500000 M. 2 x 300000 M. 2 × 200000 M. 2 × 100000 M. achtel, 13 viertel, 30 M Los- Preise: halbe, ganze Doppel- Loss 60 M. 120 M. 240 M. Original- Losa empfiehlt u. versend.auch u.Nachnahme Staatliche Lotterie- Einnahme Heinz Berlin W8 Friedrichstr. 83, zwischen Behrenstr. u. Unt. d. Linden. Postscheok- Konto: Berlin 40221. Beiferwagen Mairol Spezial Dinder 4. alle ander.Transportgeräte liefert billigst. Großer Vorrat. Georg Wagner Köpenicker Str. 71. Kate Ladengeschäft. 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