Ihr. 131. Erscheint täglich außer MontagS. Breis pränumerando: Nierlel- jährlich z.zv Marl,»lonatlich l.io Mk,, wöchentlich rs Pfg. srei in's Haus. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags-Nnnimer mit tlluslr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-?lbo»neme»t: Z.zoMk. proQuartal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland ZMt.pr.Monal. Etngetr. in der Post-Zettimgs- Preisliste für 1835 unter Nr. tu*. 12. Jahrg. Iusertions-Webühr beträgt für die iünfgespaltene Peliizeile oder deren sliaum 40 Pfg., für Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. Inserate snr die nächste Nummer müssen bis« Uhr Nachmittags in der Erpedttio» abgegeben werden. Die Erpeditio» ist an Wochen- tagen bis? Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis g Uhr Bormittags geöffnet. Lernfprecher: Ai»t 1, Nr. 1508. Teiegriuum-Adressc: „Soiirtldemoliiiit Kerl!»!' Berliner NolKsblatt Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ♦ Nedaktion: SW. 19, ZSetttö-Straße 2. Eine Reise ins Innungsland. Ein preußischer uud ein kaiserlicher Geheimrath packen jetzt ihre Koffer, um nach Oesterreich zu reisen, in das Land, wo die Zwangsinnung und der Vefähigiingsnachweis seit einem Jahrzehnt erprobt sind. Sie sollen dort, wo die Forderungen unserer Jnnungsmeister im wesentlichen erfüllt sind, Studien machen und auf gnmd ihrer Erfahrungen sich ein Urtheil bilden, ob die deutsche Gewerbepolitik die Bahnen der österreichischen Gewerbegesetzgebung einschlagcn-soll. Die Studienreise ist auf mehrere Wochen berechnet, und sollen in erster Linie die Städte Wien, Linz, Graz und Salzburg besucht werden. Die Reise erscheint um so bedeutungsvoller, als sie'als ein Glied von Vorbereitungsmaßregcln für eine regere Thätigkcit auf dem Gebiete der Gewerbegesetzgebung er- scheint, denn gleichzeitig mit dieser Reise soll eine Enquete über die Zahl der selbständigen Handwerker in Preußen, Bayern, Sachsen, Baden und Lübeck vorgenommen werden. In Preußen sind die beiden Regierungsbezirke Dauzig und Aachen und außerdem drei oder vier Kreise ausgewählt, um das Material zur Beantwortung der Frage zu ge- Winnen. Das Material, das die Berufs- und Gewerbe- zähluug, welche am 14. Juni d. I. aufgenommen werden wird, über die Zahl der selbständigen Handwerker bieten wird, wird das Material zur Beurtheilnug der Handwerkerfrage bedeutend vermehren. Endlich ist auch das in Deutschland schon vorliegende Material nicht zu unterschätze», wenn es auch freilich die Wünsche der Jnnungs meister wenig fördern kann. Unsere Jnnungsmeister und ihre geistlichen und adligen Protektoren geben sich so gerne als Vertreter des ganzen tandiverks aus, sie sind dies aber keineswegs. Dieser eweis ist in Teutschland wohl niöglich uud damit fallen eigentlich die Forderungen der Jnnungsmeister in sich zu- sammen. Eine Zählung der Jnnungsmeister ani 1. Dezember 1890 ergab die Zahl vou 321 219 Jnnungsmeiftern gegenüber 2 190 370 am 5. Juni 1882 gezählte» gewerblichen Betrieben mit fünf und weniger Arbeitern. Demnach haben nicht einmal 15 pCt. der Handwerksmeister den Drang in sich gefühlt, den bestehenden Innungen beizutreten, oder auf grund der ihnen doch jetzt schon sehr günstigen Gesetzgebung Innungen zu gründen. Die bestehenden Innungen führen aber zum großen Theile auch blos ein Scheinleben, wie erst unlängst in einer eindringenden„Untersuchung über die Wirksamkeit der schleswig-holsteinischen Innungen"*) Dr. Thilo Hampke nach- *) Im Jahresberichte des königl. Kommerz-Kollegiums zu Altona sür 1S93. Altona, H. W. ftöbuer n. Ko., 1894. Feuilleton. (SJodjßvuit vertoien.s Kerliner Marztage. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. 32 Frau Boll kam herüber und berichtete über Annchen's Zustand. Alsdann brachte sie einen Nachmittags-Ausflug nach den Zelten in Vorschlag. „Ick will mir doch mal so'ne Berliner Volks-Ver- sannnlung ansehen," meinte sie,„de janze Nachbarschaft macht heut blau und zieht nach de Zelten. Sehn Se doch de Sonne draußen—'s wär de rcene Sünde, an so'» Dag zu Hause zu bleiben. Vater Schnitze is um halb vieren bestellt, da jondeln wer alle mit'«ander raus, ick und de Kinder und Freiln Lotte, und kochen draußen in't erste Zelt'n Kaffee. Nach Frau Elsbeth und Aennchen kannl Mutter Schultzen sehn, oie hat ohnedies't Reißen in deWlieder." Hans ging munter lachend auf den Vorschlag der unter- nehmungslustigen Dame ein. „Um vier Uhr also im ersten Zelt," sagte er beim Ab- schied zu Lotte.„Ich will zusehen, daß ich auch den Vater und Florian hinanbekomme." Er war dann mit Koivalla zu Borsig gegangen, wo er einen Meister kannte und für den Schwager Arbeit zu erlangen hoffte. Seine Erivartnng ward von Erfolg gekrönt: Anton Koivalla sollte schon am nächsten Morgen als Hilfshcizer antreten. Ucberglücklich eilte er nach Hause, um Elsbeth die freudige Nachricht zu bringen, daß er Beschäftigung gefunden, Arbeit für seine Sehnen und Muskeln. Arbeit bekommen— das ist die Summe des Glücks für diese enterbten Söhne des Volkes. Wovor die weiß- händigen Nichtsthuer sich scheuen wie vor den schlimmsten Qualen der Hölle, das ntacht dieSeligkeit, die Freuds des Daseins aus, für diese bei der Theilung der Erde zu spät gekommenen Hitnderttausende, die nichts besitzen als ihre Gliedmaßen. gewiesen hat. Erzeigt, daß von 314 schleswig-holsteinischen Innungen blos 9 mehr als 100 Mitglieder 20 50—100 201 10—50 78 blos 10». weniger„ davon 22 0 u. weniger„ umfassen. Man kann wohl annehmen, daß die 78 Innungen mit 10 und weniger Mitgliedern ohne Bedeutung für das korporative Leben der Handwerker sind, daß sie unfähig sein müssen, etwas Erhebliches für das Handwerk zu leisten. Blos 71 Innungen in Schleswig- Holstein, nicht ganz 23 pCt. derselben, besitzen Gcselleuaiisschiisse. 100 Innungen mit 2516 Mitgliedern erheben Beiträge von blos 2 Mark oder weniger, in 299 von 314 Innungen mit 7584 von 8270 Mitgliedern erheben Jahresbeiträge von 0 Mark und wc- niger. Schon dies zeigt, daß diese Innungen keine erheb- liehen Leistungen im Interesse des Handwerks unternehmen können. Bewiesen wird dies ferner durch die Ausgaben- statistik der schlcswig- holsteinischen Innungen. 221 vou 314 mit 4001 von 8270 Meistern geben pro Innung weniger als 100 M. jährlich aus, eine Innung hatte eine Jahres- ausgäbe vou 1 M. 10 Pf. Dort wo die Innungen wirklich nützliches leisten können, wo der Versuch des Widerstandes gegen die Konkurrenz des Großbetriebs ernsthafte Beachtung verdiene» würde, beim gemeinschaftlichen Bezug von Rohmaterial, gcnossenschaft- liehe« Verkauf in Magazinen, gemeinschaftlicher Bcuntznng von Baulichkeiten, Maschinen, Werkzeugen und sonstigen Hilfsinitteln, da haben sich die Innungen in ihrer über- wiegenden Mehrzahl unfähig gezeigt, etwas dem Handwerk fruchtbringendes zu leisten. Blos 22 Innungen"von den 314 berichtenden in Schlcswig- Holstein haben ans dieses Gebiet ihre Thätigkcit zu erstrecken versucht. Wie lächerlich gering die Unterstützung sür die Gehilfe» ist, geht daraus hervor, daß die Unterstützung für durch- reisende Gehilfen zwischen 15 Pf. und 1 M. schwankt, daß nteistens nur bei Jnnungsmeistern ausgelcrnte Gehilfen unterstützt wurden und auch dann blos, wenn den betreffenden Gehilfen keine Arbeit nachgewiesen werden konnte. Meist wurde den Gesellen nicht Geld, sondern Marken verabreicht, die einen bestimmten Werth repräsentiren, für welche die- selben ans der betreffenden Jnnungsherberge Nachtlogis und Essen erhalten. Auch sonst leisten die schlcsivig- holsteinschen Innungen für die Gesellen und Lehrlinge sehr ivenig, so für Hilfskassen, Fortbildungsivesen n. s. iv. Als die Summe des Glückes gilt cs ihnen, wenn sie niittcls dieser Gliedmaßen die Maschinenkolosse in Betrieb setzen und regnliren dürfen, mit denen die Männer des Kapitals den Erdenkreis erobern und den Majestäten der feudalen Gesellschaftsordünng die Herrschast über Menschen und Dinge streitig machen. Mit Meister Zipscr, seinem Landsmann, durchwanderte Hans Härtung die Hallen des mächtigen Etablissements, das August Borsig, der Sohn des schlichten Brcslaner Zimmer- manncs, vor einem Jahrzehnt, hier, an der Grenze der eigentlichen Stadt, begründet hatte. Da waren sie an der Arbeit, die ächzenden und stampfenden Un- gclhüme, welche die Dampfmaschinen und Eisenbahn- Lokomotiven gebaren, diese kühnen Verkündiger einer neuen Zeit. Und stramm und ernst standen neben ihnen die Männer im blauen Kittel, von Kohlenruß und Eisen- staub geschwärzt, mit Stolz und Liebe ans die Maschinen schauend, in deren Gemeinschaft sie schafften an dem Werke des menschlichen Fortschritts. Eine nach vielen Tausenden zählende neue Menschenklasse ivar hier erstanden ans den Trümmern der zerbröckelnden alten Welt, eine Klasse, der man ein gewisses Selbstbcivnßtsciu an Ausdruck und Haltung wohl ansah, die aber die ganze Jngendfrische, znkunftsfrohe Kraft noch nicht ahnte, welche in ihren Reihen schlummerte. „Wenn diese Regimenter der Arbeit einstmals zum Bc- wußtsein erwachen— wie werden Euch die Augen aufgehen, Ihr blinden Lobsänger der Vergangenheit!"— so dachte Hans Härtung, als er mit diesen stattlichen Männern der Arbeit den Morgeugrnß tauschte. In der Friedrichstraße, Unter den Linden, auf dem Gcudarmeumarkt, fiel ihm die ungewöhnliche Menge von Uniformen auf, die das Straßenbild belebten. Äldjutanten und Ordonnanzen jagten hin und her, berittene Gendarmen waren an den Straßenecken postirt, Jnfanterietrupps, Kavallerieabtheilungen, sogar Geschütze zogen durch die Straßen. Bei alledem war das bürgerliche Berlin ganz so ruhig wie sonst. Es freute sich des herrlichen Frühlings- wcttcrs, des köstlichen blauen Himmels, der nngeivohnten Wärme, cs plauderte vergnügt und verabredete Spazier- gänge für den Nachmittag, cs kannegießerte harinlos über Spedition: SW.19, ZZettth-Straße 3. Dies uud vieles andere läßt sich heute bei gründlicher Untersuchung im Deutschen Reiche konstatiren. Kein Kenner der Verhältnisse bczivcifelt mehr, daß die Innungen heute nicht leistungsfähig sind, daß die Mehrzahl der Handiverker kein Interesse an den Forderungen der Jnnungsmeister hat und daß die beste und geschickteste Organisation der Hand- werksmeister an der wirthschaftlichen Entwickelung auch nicht das mindeste ändern kann, daß Befähigungsnachweis und Zwangsinnung ebenso wenig wie sonst irgend eine andere Maßregel dem Handiverke einen goldenen Boden verschaffen kann. Trotzdem senden die feindlichen Brüder, die Herren v. Bötticher und von Berlepsch ihre Gehcimräthe nach Oesterreich, um dort die Wirkungen einer reaktionären Geiverbc-Gesetzgcbnng zu studiren. Ohne ihnen nahetreten zu wollen, läßt es sich schon jetzt voraussagen, daß ihre Ermittelungen, werden sie vorurtheilslos vor- genommen, nichts anderes zu tage fördern können, als was die Siegmund Mayer, Hampke, Stieda, Ferd. Schmid über die Wirkungen der österreichischen Hand- werksgesetzgebniig konstatirt haben. Es kann heute als allgemein festgestellt angesehen werden, daß die österreichische Handiverksgesctzgebung die Absichten ihrer Schöpfer nicht er- füllt hat und daß im Deutschen Reiche mit seiner viel höher entwickelte» Industrie günstige Folgen einer Gesetz- gebimg nach dem Geschmacke der Hitze, Gröber, Mehner noch viel sicherer ausbleiben werden als in Oesterreich. Die Wirkungen der österreichischen Gewerbegesetzgebung in> einzelnen zu zeige», wird Aufgabe eines weiteren Artikels sein. Sollten die Jnnungsschwärmer an die Reise der Gcheimräthe große Hoffnungen knüpfen, so feien sie an die Reise des Gchcimraths 5lönigs nach der Schweiz erinnert. Dieser Gehcimrath schrieb einen begeisterten Bericht über die Wirkungen der eidgenössischen Fabrikgesetzgebung und trotzdem erhielten wir unser famoses Arbeiterschutzgesetz vom Jahre 1891, das keinen Normalarbeitstag und auch sonst ivcit ungenügendere Arbeitschutz-Bestimmungen enthält, wie das schweizerische. Freilich sind die Handwerker keine Arbeiter, man nimmt in den Rcgierungskreisen aus sie mehr Rücksicht. Aber man vergesse auch nicht, daß eine Handwerks- gesetzgcbttng im Sinne der Bichl und Metzner heute undurch- führbar ist, schon deshalb, weil sie den Interessen der Großindustrie widerspricht. Trotz Enqueten und Informationsreisen wird im wesent- lichcu alles beim gleichen bleiben. die neuesten Nachrichten ans dem Ansland, beguckte sich neugierig, wie immer, die schmucken„blauen Jungens", ohne sich etwas Schlinnnes dabei zu denken. Üllles war froh und friedlich wie der junge Frühling, nur die„be- ivaffnctc Macht" blickte finster drein und traf ihre Vor- kchrnngen. Als Haus pnnkt zwölf Uhr vor dem Hanse der Jnlius'schen Zeitungshalle, gegenüber der Hanptbank, in der Jägerstraße, anlangte, ward er Zeuge/ wie eine ganze Kompagnie Soldaten in das Bankgebäude einzog und sich in den Gängen, Kellern und Hofräumen desselben vcr- theilte. Die Fenster des Lese-Jnstitnts waren von Ncn- gicrigcu besetzt, die mit stummer Verivnnderung den drohen- den Bewegungen der Truppen folgten. Der erste, der Hans in den Räumen dcS LesekabinctS entgegentrat, war Dr. Wöllstein; das Mitglied der Adrcssendcputation war ganz bleich und verstört, wie ein erschrockenes Kaninchen starrte der arme Doktor den Buch- drnckcr durch seine Brillengläser an. „Haben Sie gesehen?" begann Dr. Wollstein hastig— „das bedeutet Bürgerkrieg, Blut, Kanonaden! Sic wollen cs haben, die Herren da oben, sie wollen cs! Die öffent- lichen Gebäude, die Paläste der Prinzen, alles ist voll von Soldaten. Im Schloßhof sind Kanonen aufgefahren, die Kavallerie steht sattelfertig in den Kasernen, der Prinz von Preußen hat Oberwasser! Verhaftungen sind bereits vor- genommen, auch ich hatte heut ein Verhör ans der Polizei..." Haus tröstete den ängstlichen Herrn so gilt er konnte: „man würde doch auf das wehrlose Volk kein Kesseltreiben veranstalte», wie auf Hasen! Das hieße ja den Wahnwitz zum Staatsgrnndgesetz erheben!" Er erkundigte sich nach den nächtlichen Erlebnissen des Doktors, die mit einer harmlosen Protokollansuahme geendet hatten, und hörte seinen Bericht über die ruhmvollen Thaten der„Führer der Bewegung" an. Soeben hatte das Adressenkomitee eine Sitzung in der „Zeitungshalle" abgehalten und beschloffen sich aufzulösen. Der König hatte den Adressenhelden schreiben lassen, daß er sich auf Unterhandlungen mit ihnen nicht einlassen Der Sudbahn- Sjiattda! vor der franzöftschen Kammer. Man schreibt uns aus Paris unterin 2. Juni: Das Gewitter, das sich schon lange über den Häuptern derjenigen zusammen- gezogen hat, die an den Gaunereien der Cüdbahn-Gesellschaft detheiligt sind, ist endlich gestern in der Kannner zum Ausbruch gelangt. Genosse Rouanet hat nämlich die Regierung über die Saumseligkeit interpellirt, niit der die zu tage getretenen Gaunereien der Südbahn-Gescllschaft verfolgt werden. Handelt es sich um eine Streikaffäre, eine Gewerkschast oder einen sozialpolitischen Gegner, da ist die Staatsanwaltschaft gleich bei der Hand und die Untersuchung, Anklage und Verurtheilung im Handumdrehen vollbracht. Wo es sich um die Interessen der herrschenden Gesellschaft, der herrschenden..Ordnung" handelt, da kann eben nicht flink und scharf genug gegen diejenigen vor- gegangen werden, die sicb, und sei es auch nur in Worten, dagegen vergehen. Und Staatsanwaltschaft und Richter handeln da uin so rascher und gehen dabei um so lieber rmd so schärfer zu Werke, als dies das probateste Mittel ist, schnell empor zu kommen. Handelt es sich aber um„Stützen" der Ge- sellschaft, und wären es auch die größten Ganner, dann sind dieselben Herren, die sonst so scharfsichtig und feinhörig sind, daß sie selbst Dinge sehen und hören, für die, wie beim jüngsten Omnibusstreik, kein einziger Zeuge aufzubringen ist, mit einem mal so blind und taub, daß sie die gröbsten und schreiendste» Sachen nur dann wahrnehineu, wenn man sie direkt mit der Nase darauf stößt. Aber auch dann suchen sie sich noch, vom Justizminister bis herab zum letzten Gerichtsschreiber, bei scite zu drucken, von Skandalsucht, lecrein Geplauder und sonst dergleichen zu sprechen und alles auf die lange Bank hinauszuschieben, um nur ja nicht die Sache anfassen zu müssen. Können sie aber den» einmal nicht mehr ausweichen, dann sieht man es ihnen an, daß sie weit lieber den Beschuldigern als den Schuldigen an den Leib rücken möchte». So war es bei der Panama-Affäre und so ist es bei der Sndbahn-Affäre, bei der übrigens zum theil dieselben Personen dieselbe Gauner- rolle spielen, die sie bei jener inne hatten. Auch da war der be- kanntlich mit Selbstmord geendigte Baron Reinach einer der Haupt„macher", auch da der Ehrenlegionär Eissel mit einigen anderen Bauunternehmern an den„Operationen" betheiligt, auch da so manches einflußreiche Parlamentsmitglied„geivounen" worden, unter welchen sich nebe» Rouvier, Roche, Thsvenet, Deloucle, Magnier und A. Grevl)— die beiden letzteren sind Senatoren— auch unser lieber Freund Herr Ives Guyot be- findet, der zur Zeit der Gründung der Südvahn-Gesellschaft Arbeitsminister war. Doch wird all den Herren, wie dies aus der Rede des Jnstizministers Trarieux nur zu deutlich hervor- geht, kein Haar gekrümmt werden. Genosse Rouanet, der in seiner von häufigem Beifall unterbrochenen Jnter- pellation den ganzen Sachverhalt darlegte, wies darauf hin, daß in der Südbahn- Affäre gleichwie in der Panama-Affäre bedeutende Summen durch betrügerische, in dem Bericht des Experten Flory bezeichnete Mittel ergaunert worden sind. Die Untersuchung sei vor einem halben Jahre eröffnet; eine Masse von Unterschleifen sei begangen worden ,�in die Mitglieder des Parlaments mit verwickelt sind, und obwohl die Regierung die Beweise hierfür seit zwei Monaten in Händen hat, habe sie noch immer kein Verlangen um Ermächtigung zur Verfolgung dieser Herren gestellt. Man wolle hier dieselbe Justizkomödie wie bei der Panama- Affäre aufführen. Es genüge nicht, wenn die Minister sagen, sie übernehmen die Verantwortlichkeit sür ihre Handlungen; denn die Minister gehen, die Verantivortlich- keiten bleiben und die Republik ist es, die sie zu tragen hat. Wenn in der großen Revolution Flecken zu finden sind, so doch keine Schmutzflecken. Wenn der Konvent Uu- regelmäßigkeiten konstatirt hatte, die von gewissen seiner Mitglieder begangen worden sind, da konnten die Schmutzflecke» .nicht in die Erscheinung trete», weil sie in dem Blute der Schuldigen gewaschen wurden. Herr Trarieux, der im Name» der Megierung sprach, hatte im wesentlichen darauf geantwortet, daß .er nicht im Namen der Moral, sondern nur im Namen des Ge- setzcs handeln könne. Die Staatsanwaltschaft könne sich nicht aus Handlungen stützen, sondern nur auf positive Gesetze, die , diese Handlungen bestrasen. Wenn Berivaltnngsräthe der an der -Emission der Slldbahn-Aktie» betheiligt gewesenen Finanzgesell- .schaste» in dem Emissionssyndikat saßen, so verstoße dies zwar gegen den Artikel 40 des Gesetzes vom Jahre 1667; dieser -Artikel sei aber niit keiner Strasbestiinmnng verschen. err Magnier figurire nicht in den Emijsionssyndikate». nd als Genosse Rouanet hier einwarf: er frage, ob Magnier nicht mit 87 VVO Frks. an dem zun« Nachtheil der Südbahn. Aktionäre begangenen Diebstahl betheiligt sei, ant- ivortete der Minister, daß er diesbezüglich nichts sagen könne, ohne der Untersuchung vorzugreisen. Und was die übrigen an- belange, werden dieselben, solange er Justizminister sei, nicht ver- folgt werden, weil keine Handlungen gegen sie vorlägen, die gegen könne, sie möchten sich, wenn sie ihm etwas zu sagen hätten, der königlichen Post bedienen. Der schöne Traum von der Konstitution, von der Preßfreiheit und all den anderen „Freiheiten" schien rasch in eitlen Dunst zerronnen. Die Polizei hatte sich ein paar von den„Königsdepntirten" kommen lassen und ihnen den Standpunkt klar gemacht, ivoranf die edlen Schwätzer der drei Zelten-Versammlnngen sich alle mit einander ins Mauseloch verkrochen und die Hand ans dem Spiele zogen. „So wäre also Ihre berühmte„Beivegnng" hiermit zu Ende?" meinte Hans spöttisch—„und ich iverde nicht ein- mal das Vergnügen haben, nnr eine Berliner Volksversammlung anzusehen?" „Wie können wir denn— Sie sehen doch selbst, daß die Reaktionäre zum äußersten entschlossen sind!" „Der Himmel bewahre dich, deutsches Volk, vor solchen Führern!" dachte Hans im stillen, als er von dem Exhelden schied. In einem kleinen Nanchkabinet traf er seincil Jugend- freund Hermann in schlichten Zivilkleidern; er wartete bereits seit einer Weile in lebhafter Erregung. Willfried's Schreiben hatte auf den Preniierlieiltenant einen tiefen Eindruck gemacht. Sie hatten beide gemeinsam die Artillerieschnle besucht und sich in ihrer verwandten Lebens- auffassuug alsbald gefunden. Der bürgerliche Schlesier, der eine streng sittliche, ans Achtung der Menschen- rechte gegründete Erziehung genossen hatte, und der adelige Rheinländer, dessen Frankenblut vom Wider- willen gegen allen Absolutismus durchtränkt war, hatten sich rasch verstanden und Freundschaft geschlossen. Willfricd hatte die 5tonsequenzen seiner Ueberzeugung gezogen und den Abschied genommen, er hatte sich den rheinischen Kommunisten angeschlossen und stand an der Spitze der Kölnischen Arbeiterschaft, gegen die, wie ein Ge- rücht besagte, der Prinz von Preußen jeden Augenblick ab- marschiren sollte. Hermann hatte geglaubt, in der Jdeali- sirung seines blutigen Berufs, als ein wahrer Erzieher und Freund der ihm anvemauten Söhne des Volkes, seiner menschlichen Pflicht und seinem Soldateneide gleich- zeitig geniigen zu können. Er hatte sich gestern, in der Weinlanne, dazu hinreißen lassen, vor dem Schleicher Axel und den drei Gardisten seine Meinung frei zum Ausdruck zu bringen, und nur den Bemühungen des das Strafgesetzbuch verstoßen. Damit ist de» Untersuchungsrichtern natürlich auch gleick der Weg angezeigt, dcn sie in dieser Affäre zu gehen haben. Als Genosse Jaures hierauf in einer glänzenden Rede ausführte, daß, wenn es sich darum handle, po- lilische Gegner zu treffen, dann lasse die Regierung von der Kammer gleich Tringlichkeilsgesetze votiren, und daß, wenn dies darum in dem vorliegenden Falle nicht geschehe, dies wohl seinen Grund darin habe, daß die Regierung sich selbst nicht einmal der Waffen bedienen will, die sie in Händen habe, um gegen diejenigen vorzugehen, die mit ihrem politischen Einfluß einen wahren Handel lreibcn, da fand Herr Trarieux kein Wort der Erwiderung. Und dnniit ist denn auch das ganze Vorgehen der Regierung trotz des schlicßlichen Ver- trauensvotums, womit die Debatte endigte, vor der Oeffentlich- kcit gerichtet.— Volikischo llebvrNckik. Berlin, 7. Juni. Ein obdachloser Ncichstags-Abgeovdnctcr. Ueber einen für die in den Reichslanden übliche Verwaltnngs- Praxis höchst bezeichnenden Vorgang berichtet die„Straß- burger Bürger-Zeitung": Herr Bebel ist in Straßburg obdachlos. Ter Reichstags- Abgeordnete von Straßburg vermag leinen Saal für eine Berichterstattung über seine Reichstagslhätigkeit zu finden. Große Privatsäle giebt es in Straßbnrg nicht"— aber selbst kleine werden den Sozialiste» vorenthalten. Man beschloß daher, sich an den Gemeindcrath zu wenden und diesen um Hergabe eine? städlischen Lokals für eine Bcbel'sche Versammlung zu ersuchen. Früher war die städtische Verwaltung gern bereit, selbst den Aubettcsaal zu Zwecken der Politik einzuräumen. Erst seit die Sozen an die Pforten der städtischen Ge- bände klopften, verschloß man dieselben— sämmllichen polilischen Parteien. Der Gemeinderalh lehnte in seiner gestrigen Sitzung den An- trag des sozialistischen Klubs„Vorwärts" um Ueberlaffung der Markihalle für eine öffentliche Versammlung des Abgeordneten für Slraßburg, August Bebel, ab. Der Reichstags-Abgeordnete ist Vertreter der gesammten Wählerschaft— nicht nur der Erkorene einer Partei. Die Wähler einer Stadt haben das Recht zu erfahren, wie man ihre Interessen im Reichstage verficht. Der Gemeinderalh ist der Vertreter der städtischen Bürger- schast. Er hat ihre Jnleressen nach allen Richlungen zu vertreten. Er sollte daher unbedingt dem Reichstags-Abgeordnete» Bebel Gelegenheit geben, vor seinen Wählern Bericht zu er- statten. Die politische Haltung der hiesigen Wählerschaft wird des- halb nach dem Geiste der Mairie nicht umgewandelt, ob man Bebel die Markthalle giebt oder nicht. Die Mauern—»nd das Glasdach der Markhalle sind zudem an Menschenmassen— und Stimmengewoge gewöhnt. Denen würde es gleichfalls nichts schaden, wenn eine Bebel'sche Rede dort gehalten würde. Reden stürze» nicht mehr Mauern um, wie das Anno Tobak vor Jericho geschah. Wer Bebel hören will, würde hinziehen— wer eine Bebel'sche Rede nicht verlragen kann— würde wegbleiben. Nun, für die Sache der Sozialdemokratie ist es ja schließlich egal, ob der Straßburger Gemeindcrath unserm Genossen den Saal verweigert oder ob er ihn hergiebt. Daß- der Sozialdemokrat das nächste Mal mit geringerer Majorität geivählt werden wird, glaubt der Straßbnrger Gemeinderath doch selbst nicht, wenn er so augenfällig zeigt, wie unangenehm und gefährlich den herrschenden Klassen das ist, was sozialdemokratische Redner zu sagen haben.— Znr Wahl in Weimar-Apolda liegt jetzt ein interessantes Wahlknriosnm vor. Es ist nun festgestellt, daß in Zlzmannsdorf eine Frau für ihren Mann gewählt hat. Bei dcn sonstigen großen Wahlimregelinäßigkeiten dürften die Wahlprüfiings-Kommission des Reichstages und der Reichstag selbst nicht umhin können, die Wahl sür ungütig zu erklären.— Das bayerische Versammlungsrecht wurde bisher blos gegen die Arbeiter buchstabengetreu ausgeführt. Nicht in letzter Linie zeigten dabei den größten Uebereifer die freisinnigen Stadtväter Nürnbergs, die gegen die Angriffe des Abgeordneten Grillenberger in dem freisinnigen Rechts- anwalt Beckh einen vor keiner Blamage zurückschreckenden Vertheidiger fanden. Nun lernen die Freisinnigen Bayerns am eigenen Leibe die Vorzüge des bayerischen Juwels kennen. Arn nächsten Sonnabend und Sonntag soll dienstbeflissenen Herrn Ohrwurm war es gelungen, den entstandenen Riß zwischen ihm und den Eisenfressern äußer- lich zu verkleben. Vielleicht würde dieser Axel, der zu den Kreisen der Kamarilla in Beziehung stand und durch Vermittelung irgend einer alten Hofdame eine Anstellung im Schloß- dienste erstrebte, die Gelegenheit benutzen, nm durch eine Denunziation des Demokraten in der Uniform sich selbst bei den maßgebenden Machthabern in Gunst zu setzen. Vielleicht würde er, Hermann Rechberg, gezwungen werden, auf seine Zuknnftspläne, die sich auf ein Lehramt an einem der militärischen Institute richteten, für immer zn verzichten. Das alles hätte er mit tapferem Herzen er- tragen, daß er aber sich selbst und seiner menschlichen Würde vor diesen unreifen Burschen etwas vergeben hatte— das hielt er für unverzeihlich. Und nun war dieser Brief von Willfried gekommen, der ihn an die vertraulichen Gespräche entschwundener Tage ermahnte, der ausführlich von Willfried's Bruch mit dem Militarisnms erzählte und mit den Worten schloß:„Geh' hin und thue desgleichen.. „Ich habe wenig geschlafen in dieser Nacht," begann Hermann Rechberg zu dem Freunde,„Willfried's Brief hat mir viel zn denken gegeben." Er reichte Hans dcn Brief, den dieser mit Ausmerksam- keit durchlas. „Ich finde, daß Willfried Dir das Messer ziemlich scharf an die 5lehle setzt," meinte Hans darauf. Und mit gedämpfter Stimme fragte er:„Bist Dn denn Kommunist?" „Ich bin so ziemlich der Ansichten meines Onkels, des allen Votkmuth," versetzte Hermann leise.„Doch Du weißt ja, wie das mit den„Ansichten" in Wirklichkeit ist: mau sucht sie, so gut es geht, niit seinen praktischen Auf- gaben in Einklang zu bringen, und bisher ist mir das ja ciilch ganz gut gelungen. Meine Kanoniere waren die besten im Regiment und gingen für mich dnrch's Feuer." „Dann laß Dich vor der Hand durch Willfried nicht beirren und bleib ruhig Ossizier," versetzte Hans in ans- richtigem, warmem Tone.„Wir haben nicht viele Offiziere in der Armee, die vom genieinen Mann so denken wie Du. Ein Schlimmerer würde Dich ersetzen." (Fortsetzung folgt.) in Neustadt a. d. H.(Pfalz) ein Parteitag der freisinnigen Volkspartei Süddeutschlands stattfinden. Dem Festausschusse ging am 4. Juni folgendes sür sich sprechen- des, sür die Freisinnigen überaus lehrreiches Aktenstück zn: Betreff: Ter Parteitag der Freisinnigen V o l k s p a r t e i für Südivestdeutschland (8. und 9. Juni 13L5.) Wie ans der ohne NamensbeZeichnung des Einllerufers in Nr. 123 der„Neuen Bürgerzeiiung" erfolgten Einladung zu nebenbezeichnetem Parteitag ersichtlich ist, soll am 3. Juni abends 8 Uhr im Thealersaale des Saalbaues eine gesellige Bereinigung mit Damen zur Begrüßung der auswärtigen Gäste und ebenso am v. Juni, abends S und 7 Uhr ein gemeinschaftliches Mittag- essen mit daran anschließendem Bankett stattstnden. Ferner ist auf Montag, den 10. Juni, ein Ausflug auf die Maxbnrg ge- plant. Was den Ausflug ans die Maxburg betrifft, so ist dem betreffende» Geschästsleiter zu eröffnen, daß politischen Vereinen oder Gesellschaslen der Besuch der Maxburg, die königliches Eigenthum ist, grundsätzlich nicht gestattet werden kann und eventuell wegen Hausfriedensbruchs unter erschwerende» Umständen(§ 123 Abf. 3 Str.-G. B.) b e z'w. soweit erforderlich mit anderen Maßnahme» e i n g e s'ch r i t t e n werden müßte. Anlangend die Theilnahme von Frauenspersonen bei bezügltchem Parteitag, so wird bemerkt, daß gemäß Art. Ib des Vereinsgesetzes Frauenspersonen und Minderjährige weder Mitglieder politischer Vereine sein, noch den Versammlungen derselben beiwohnen dürfen. Im Hinblick auf diese Gesetzes- bestimmung muß ich daher die geplante Theilnahme von Frauenspersonen, und sei es auch nur zur geselligen Unterhaltung, bcaiistanden und dagegen Widerspruch einlegen. Dies ist ebenfalls dem treffenden Veranstalter oder Leiter der Sache zu eröffnen. Wegen der unrichtigen Abfassung der Einladung ist gegen den betreffenden Eiulader und. gegen den Redaktenr Sirafanzeige zu erstatten, Königliches Bezirksamt. Siebert, Kgl. Reg.-Rath. Die SnnitätSvethaltuisse in der bayerische» Armee haben schon öfters Anlaß zn Klagen gegeben, so auch jetzt wiederum. Hierüber wird der„Germania" am 6. Juni ge« schrieben: Seit gestern sind ans zwei bayerischen Garnisonstädten Er» kranlungen unter dem Militär bekannt. Beim 12. Infanterie- regiment in Neu-Ulm ist eine größere Zahl von Mannschaften plötzlich an Durchfall und Unterleibsbeschwerden erkrankt. Die Ursache dieser Erkrankungen ist noch nicht festgestellt, doch find natürlich die nothwendigen Anordnungen ergangen. Im 16. Infanterieregiment in Passau grasstrt seit wenigen Tagen der Kopftyphus in Bedenken erregender Form. Die Ursache dieser Erscheinung ist noch nicht bekannt; die Leute klagen vielfach über schlechte Kost, und die„Donauzeitnng" verspricht, einiges aus den „Geheimnissen" der Küche des 16. Regimenis zum besten zu geben. Bis gegen Abend des gestrigen Tages sind 33 Kraule in das Lazareth gekoimne», während 50 Typhusvcrdächtige im Revier behandelt werden.— Zum Fall Hammerstei». Freiherr v. Hammerstein hat nunmehr gegen die Herren Leopold Sonncmann und Dr. Zacher wegen Beleidigung die Privaillage erhoben. Es dürfte vielleicht, so schreibt die„Kleine Presse", auch für weitere Kreise von Interesse sein, zu erfahren, daß Herr v. Hammerstein keineswegs wegen aller in jenem Zlrtikel be- haupteten Thatsachen als Kläger auftritt, son- der» nur diejenige» Punkte herausgegriffen hat, welche sich ans den Lebenswandel des Herrn v. Hammerstein und die Vermögenslage der„Kreuz-Zeitnng" beziehen. Das obengenannte Blatt stellt ausdrücklich fesch daß Herr v. H am m er st ein die ihm nach dem allgemeinen U r t h e i l am meisten belastenden B e h a u p tju n g e n und Beschuldigungen wegen des Pensionsfonds und wegen der Papier- lieferungen nicht zum Gegenstände der Klage gemacht hat.— Zur Frage der lluabhängigkeit der Richter schreibt der Rcichsgerichtsrath Otto Mittelstadt im letzten Hefte der „Zukniift": „Irre ich nicht, so hatte ich gelegentlich darüber geklagt, wie schwer gerade unter dem Regime des Fürsten B i s m arck das 'Ansehen, die Würde, die Unabhängigkeit des deutschen Richteramts gelitten habe. Doch hatte ich die Schuld mindestens in demselben Maße der WiderstandslosigkeitderJustiz wie der Skrupel- losigkeit des große Ziele mit allen Mitteln verfolgenden Staatsmannes beige messe n." tteber die Zersetzung der Bourgeoisie durch den sozialdemokratischen Bazillus schreibt Reichsgerichtsrath Otto ß i t e r a r i s ch e s. Das Recht der Meinung. Eine altbc�ylomsche Legende mit theilweiser Benutzung eitler alten Quelle von Albert Herrmaun.(Verlag von Hugo Steinitz.) Es ist dies eine kleine Tendenzschrift, im Anschluß an allerhand Uuistnrzgesetze geboren, um das Recht der freien Meinung, des freien Aussprechens wissenschaftlicher Ueber- zcugungen zn ivahren. Gekleidet ist der Gedanke in einen dramatischen Vorgang, der etwa 900 Jahre vor Christi Ge- burt im alten Babylonien spielt.— Der Exilarch von Snra verkündet aus Anratheil seines höchsten Rathgebers, des Priesters Anan, ein„Umstnrzgesetz", wonach die freie Meinung mit dem Tode bestraft wird. Jener Priester hat das Gesetz aber nur ausgeklügelt, um dadurch erst recht den Umsturz zn erwecken und bei dieser Gelegenheit seinen Herrn, den Exilarchen, zn stürzen. Schließlich kommt jedoch die Geschichte heraus und der gute Exilarch giebt dem dankbaren und beglückten Volke die volle Freiheit zurück, indem er spricht: Wie kann den Umsturz ein Gesetz bekriegen. Das, ich erkenn es, selber Umsturz ist?! Geboren ward's von schlauer Hinterlist, Um Wohl und Freiheit schneller zu besiegen. In dem Nahmen dieses Vorganges werden in glatten Versen erhebende, freisinnige Redet» über Denk- und Schreib» frciheit geredet. Freilich schmeckt die ganze Historie, be- sonders der rührende Schluß, etwas stark nach„Berlmer Tageblatt"-Freisin„.— Für unsere Zeit trifft die Ge- schichte, da sie schon beinahe 3000 Jahre her ist, nicht mehr zu. So niederträchtig, wie jiuor Priester des babylonischen Exilarche», sind unsere RcakUouäre nicht; sie dienen ihrem Herrn ohne Hinterlist schlecht und recht für sichere Verköstigung, gute Behandlung und Familienanschluß. Und wenn unsere— Exilarchen gelegentlich das Dichten kriegen, dann dichten sie zwar schlechtere Verse, aber im übrigen stramm, preußisch, ge- sinnungstüchtig. Na, wir haben es eben mit einer alibabylonischeu Legende zu thun, und:„andere Zeiten, andere Sitten." M. P. Mittelstadt am Schlüsse emes feUfeto Vetter Georg v. Gizycki Lewidmcten Nachrufes: „Ä>ie seltsam wirbelt doch dieses zu Ende gehende Jahr- hundert alle Elemente der alten Gesellschaft durcheinander! Georg v. G> z y ck i, nach Blut und Her!»,, st. Lebensführung und Lebensgewohnheit den besten preußischen Beamtenfamilien angchörig, ist weder durch politischen Ebrgeiz noch sonstige häßliche Leiden- schalt, weder durch verfehlten Beruf noch herbes Schicksal der Sozialdemokratie nahegebracht worden 5 ein vollkommen normaler Gang seines Lebens nnd seiner Studien hat ihn in diese Nähe geführt. Auch ist er niemals aus der Kaste gefallen, sondern hat in de» bestgeordneten bürgerlichen Verhältnissen, in, fortgesetzten sreuudschastlichsten Verkehr mit seinen, in der Mehrzahl dem höheren Beamten- und Osfiziersstaude angehörigeu Bluts» verwandten seine Tage beschlossen. Steht die Er- scheinung dieses Mannes in der Gegen- wart wirklich„och vereinzelt da? Wächst nicht täglich die Zahl unter den begabten Köpfen deutscher Sozialwissenschaft und unter den energischeren Naturen deutscher Geistlichkeit, L i e ä h n l i ch e W a n d l u n g e n in ihren, VerhältnißzurSozialdeniokratiedurchlnachen? Kathedersozialislen, Sozialethiker, Christlich-Soziale,— sind sie nicht alle sozialdemokratischer Verseuchung längst verdächtig geimden? Bin ich selbst so sicher, nicht auch noch suspekt zu welden, nachdem man schwarz aus weiß erfahren hat, mit was für Leuten ich verwandt, ,nit was für Leuten ich befreundet war? Und während solchergestalt bald die Weltanschauung, bald das soziale Glaubcnsbekenntniß der Sozialdemokratie sich immer bunter vermischen mit weit über die Schichten des vierten Standes hinaus verbreiteten Gedanken- kreisen deutschen Geisteslebens, erhebt sich daneben eine halb militärisch-autokratische, halb bureaukratisch-polizeiliche Tendenz, die. durch Zwangsgesetze, Umsturznovellen und dergleichen des ge- sammten sozialdemokratischen Schwindels nicht nur äußerlich im Thun und Treiben,»ein! auch innerlich in, Glauben nnd Denken Herr zu werde» hofft!" So gleichgiltig für uns diese Strömungen in der Bourgeoisie sind, so bedenklich erscheinen sie den Führern der herrschenden Klassen, nnd deshalb erscheint es uns nicht unwerth, diese Worte Mittelstädt's auch unseren Lesern zu- Hänglich zu machen.— Vier Monate auf ein Hoch auf die Sozialdemokratie? Ans Mainz schreibt unser Korrespondent: Das Militärgericht verurtheille einen Kanonier vom Brandenburgischen Fuß-Artillerie- Regiment Nr. 3, welches hier in Garnison liegt, weil er kürzlich in der Kaserne ei» Hoch auf die Sozialdemokratie ausgebracht chat, zu einer Festungsgesängnißstrafe von 4 Monaten. Der waffeustarrende Bourgeoisstaat war aber auch in's Wanken ge» kommen, ob des Unvorsichtigen Rede!— Die Fvanciifrage vor dem evangelisch- soziale» Kongrcst. Aus dem cvangelisch-sozialen Kongreß in Erfurt hielt am Donnerstag Frau Gnaul aus Berlin einen längeren mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die bürgerliche und proletarische Frauenfrage. Während diese Dame vielfach recht vernünftige Ansichten vorbrachte, be- mühte sich Hofprediger a. D. S t ö ck e r, den Eindruck der Rede durch platte, frömmelnde Redensarten nnd jesuitische Winkelzüge zu verwischen. In seiner Rede waren die Bibelsprüche häufiger, als die nationalökonomischcn Wahr- heiten. Das niedrige Niveau der ganzen Versammlung kam in dem Erstaunen zum Ausdruck, das sich darüber erhob, daß eine Frau über die Interessen der Frauen sprechen könne. Besonders bcuierkcnswerth sind die Aus- sührungen des Professors Adolf Wagner, der sagte: „Der heutige Tag ist epochemachend für unser ganzes öffent- liches Leben, denn er hat gezeigt, wie vorzüglich eine Frau die Frauenfrage behandeln kam,." In unser,, Arbeiterversammlnngen erscheint das Auf- treten von Frauen als etwas Selbstverständliches. Für die Sozialdemokratie ist die Gleichberechtigung der Frauen eine alte Wahrheit, die allerdings ans dem evangelisch-sozialen Kongreß erst neu entdeckt werden mußte.— Ans dem Reiche des Eisendohnministers. Mit rührender Sorgfalt wacht die Bahnverwaltnng darüber, daß die Seelen ihrer Untergebenen nicht durch das Lesen politischer Zeitungen vergiftet werden. Folgendes Rund- schreiben beweist das, das dem„Hallcschen Volksblatt" zur Verfügung gestellt worden ist. Königliches Eisenbahn-Betriebsaml J.-Nr. 20 800 A. I. Nordhausen, den 4, Januar 1895. An die sämmilichen Dienststellen (je besonders.) Nach dek, infolge unserer Verfügnng vom 18. Dezember 1894, J.-Nr. 20 800 A erstatteten Berichten ist noch eine große Anzahl von Beamten und Arbeitern vorhanden, welche die Zeitschrist Die Eisenbahn noch nicht halten»nd lesen. Die Zeitschrift wird zum Preise von monatlich 10 Pf. heraus- gegeben. Zweck des Blattes ist nebe» Unterhaltung der Familien der Arbeiter und kleinen Beamte», auch Auskunft über die Wohl- fahrtsbestrebungen der Verwaltungen zu geben und vom Stand- pmikt der kaiserliche,, Sozialreform über die Fortschritte des staatlichen Arbeitcrschutzes und aller arbeiterfreundlichen Ein- richtnngen zu berichte». Politische nnd konfessionelle Erörterungen sind völlig ausgeschlossen, wenn auch über die Tagesereignisse möglichst ausführlich gesprochen werden wird, um hierdurch das Halten eines besonderen politischen Blattes überflüssig zu machen. Ein Exemplar der Zeilschrift ist beigefügt. Bis zum Schluß dieses Monats ist zu berichten, welche der Ihnen untergeordnelen Beamten und Arbeiter aus die Zeitschrift abonnirt haben. Wir benierken noch, daß Bestellungen des Abonnements von uns für die Dienststellen nicht erfolgen können. Dies ist Sache der einzelnen Dienststellen. (Name unleserlich). Wer auf die Zeitschrift: Die Eisenbahn abonniren will, kann dieselbe bei mir bestellen. Probeexemplar kann eingesehen werden. �> Kroppenstedt, Schreibgehilfe. Wer wollte nicht entzückt sein über so viele väterliche Fürsorge. Und wer wollte es dem Herrn Thielen nicht gönnen, daß seine Untergebenen fortgesetzt unterrichtet werden„über die Fortschritte des staatlichen Arbeiterschutzcs" tinf dem Gebiete des StaatSbahnwesens. Diese Belehrung ist um so uothwcudiger, als die Bahnarbciter von denScg- nuugen dieser„Fortschritte" am eigenen Leibe— nichts spüre». Auch daß das Halten eines politischen Blattes durch das Abonnement auf„Die Eisenbahn" überflüssig ge- macht werden soll, beweist nur die väterliche Fürsorge der Bahndirektion für den Geldbeutel ihrer Angestellten. Namentlich da die bösen politischen Zeitungen, insonderheit die sozialdemokratischen, dem Herrn Eisenbahnminifter nicht selten recht unangenehme Tinge sagen.— lieber die impfgcgnerische Agitation äußert sich heute die„Berliner Korrespondenz" im Anschluß an Verfügungen des Kultusministers und des Ministers de- Innern solgcnderinaße»: Die Agitation der Jmpsgegner gegen die Schutzpocken. Impfung wird seit einiger Zeit wieder mit besonderer Lebhastig- keit betrieben und scheint insbesondere auch in ärzt- lichen Kreisen neuerdings mehr Unterstützung als früher zu finden, wosür unter anderen Anzeichen auch die in einzelnen Gebieten besonders häufigen und sich jährlich mehrenden Jmpsbesreiungen auf grund ärztlicher Bescheinigungen sprechen. Infolge dessen wächst die Zahl der ungeschützten Per- sonen a», und damit werde» naturgemäß günstige Verhältnisse für eine Verbreitung der Pocken geschaffen. Tritt diese Folge ein, so liegt für das größere Publikum, dem die besonderen Ver- bältnisse unbekannt sind, die Annahme nahe, das Jmpfgesetz schütze nicht vor dem Austreten der Pocken, und damit würde die impsgegnerische Agitation wiederum gestärkt werden. Um dieser Gefahr rechtzeitig zu begegnen, haben der Kultus- minister und der Minister des Inner» in einer gemeinsamen Ver- fügung vom 22. Mai die folgenden, vom Direktor des Kaiserlichen Gesundheitsamts vorgeschlagenen Maßregeln den zuständigen Bc- Hörden zur Beachtung und Durchführung mitgetheilt: 1. In denjenigen Jmpfbezirken, in welchen verhältnißmäßig zahlreiche Befreiungen von der Impfung stattstnden oder die Impfungen der Privatärzte auffallend häufig erfolglos bleiben, sind die Ursachen solcher Unzuträglichkeiteii zu ermitteln. In geeigneten Fällen ist geniäß§ 2 Absatz 2 de- Jmpfgesctzes durch den Jmpfarzt festzustellen, ob der Jmpfpflichtige thatsächlich ohne Gefahr für sein Leben oder seine Gesundheit nicht geimpft werden kann, und je nach dem Ergebniß dieser Fest- stell, mg anzuordnen, daß die letzte Wiederholung der Impfung durch de» Jmpfarzt vorgenommen wird. 2. Die Tlngaben über sogen. Jmpsschädigunge,,. deren Beröffcnllichnng in der Tagespresse, in Fachzeitschriflen, Flugblättern, Petitionen»,. dergl. zur Zeit das beliebteste Agitationsmittel der Jmpsgegner ist. sind durch die bc- thciligten Behörden zu»ntcrsuchen und der Thatbestand, sowie die Ursache der behaupteten Gesnndheitsschädignng in jedem ein- zelnen Fall mit möglichster Beschleunigung festzustellen. Sofern sich die verbreitete Nachricht als unrichtig erweist, ist die öffent- liche Berichtigung unwahrer oder entstellter Angaben herbeizn- führen und, wenn dies angängig und für das öffentliche Gesund- heitsinteresse förderlich crachtcl wird, ein strafrechtliches Vorgehe» gegen die Verbreiter falscher Nnchrichte» zu veranlassen. Mit Rücksicht ans die vielfach noch übliche Unterscheidung eines Jinps- rothlaufes von dem echten Wundrothlauf, welche geeignet ist, der Verbreitung nnzutreffender Mittheilungen über Jmpsschädigunge» Vorschub zu leisten, sind die Jmpsärzte anzuweisen, gewöhnliche Hautentzündungen, welche infolge ansnahmsweise starker Wirkung der Lymphe oder hochgradiger Empstndlichkeit des Impflings um die Jmpspusteli, aufzutreten pflegen, fernerhin nicht mehr in de» Berichten als Rothlauf anznsühren, sondern diese Bezeichnung nur auf Erkrankungc» an echter Wundrose(Erz�ipeks) anzuwenden nnd diese Fälle einzeln eingehend zu beschreiben. 3. Die praktischen Aerzte sind in geeigneter Weise durch Mittheilungen in den Fach- und Standesvereine» oder durch Veröffentlichungen der Behörden auf die Bedentnng der Impfung hinzinreisen, znmal den meisten jüngeren Aerzte» die Schrecken der Pocke»- seuche aus eigener Anschauung nicht bekannt sind. Blnt ist in unsere» Kolonien wieder geflossen. Nach einem Telegramm des kaiserlichen slellvcrtrctende» Gouverneurs von Putikamer ans Kamerun hat die kaiserliche Schntztrnppe unter Führung des Rittmeisters von Stetten den seit längerer Zeit aufsässigen Stämmen der Bakokos an, unteren Lauf des Eanagaflnffes eine empfindliche Niederlage bei- gebracht. Bier Hanptorte derselben wurden erstürmt, 200 Todte blieben auf dem Felde; zahlreiche Gefangene fielen in die zpände der Sieger. Von der kaiserlichen Schutzlruppe sind zwölf Mann gclödtet nnd 47 vcnvnndet. Deutsche klntcrosstziere oder Offiziere sind nicht verletzt. Die Schntztrnppe gelangte ungehindert nach Naunde. welches unter Leitung des Lieutenants Dominik uiili- rärisch besetzt wurde.— Die österreichischen Klerikale» wollen die industriellen Arbeiter für das Linsengericht der Wahlresorm mit der Alters- Versicherung entschädige». Nach ihrem Gesetzentwurse solle» die Arbeiter 10 pCt., der Staat 20 pCt., den Rest die Unternehmer bezahlen. Der llientenbczug habe spätestens mit den, 60. Lebensjahre zu beginnen, die Höhe der Rente werde nach den Verhältnissen der einzelne» Provinzen auf je fünf- jährige Zeiträume bcstiimnt. Tie österreichische» Arbote werden durch derartige Danaergeschenke sich in ihrem Eifer fi."die Wahl- resorm nicht abschwächen lassen. Für den nächsten Sonntag haben die Wiener Arbeiter eine große Demonstration im Prater angekündigt.— Ministerpräsident CriSpi ünßerte sich Freunden gegen- über dahin, er werde in der ersten Kammersitznng den Antrag stelle», alle Interpellationen auf sechs Monate zn vertage», die Angelegenheit Cornelius Herz jedoch unverzüglich zu debatliren.— Tie Haftpflicht in Frankreich. In Frankreich hatte die Deputirtenkamiucr am 10. Juni 1893 einen Gesetz- entwurf genehmigt, welcher die Haftpflicht für Arbeits- Unfälle und die Organisation einer obligatorischen Ver- sichernng der Arbeiter gegen diese Unfälle regeln sollte. Jetzt liegt der vom Senator M. Poirrier verfaßte Bericht vor, welchen die Kommission des Senats über diesen E»t- wurf dem Plenum unterbreitet hat. Wenn schon die Senats- kommission den Beschlüssen der Teputirten kann, einen Gegenentwurf gegenübergestellt hat, so schließt sich dennoch auch dieser unserer Gesetzgebung in weitgehendster Weise an. Auch der Senatsentwurf macht die Unfallversicherung im Prinzip obligatorisch, läßt jedoch eine Abschivächung des Prinzips insofern zn, als die Versicherung auch bei privaten Anstalten erfolgen darf. Die Entschädigung wird, wie in Deutsch- land, in Form einer Rente gewährt. Schiedsgerichte haben bei Streitigkeiten über Rentensestsetzung zu entscheiden; in höherer Instanz eine neu zu organisirende höchste Behörde: der unter Vorsitz des Handelsministers gestellte Conseil superieur des accidents du travail(Höherer Rath für Arbeitsunfall- Angelegenheiten), welchem Mitglieder des Senats, der Tcpntirtenkammer, des Staatsrathcs nnd andere Beamte angehören. In gewissen Fällen bleibt gegen die Entscheidungen des Conseil superieur Berufung an den Staatsrath zulässig.— Aus Koustautinopel erfahren englische Blätter die Antwort der Pforte auf den Reformvorschlag der Mächte betreffend A r in e n i e 11. Die Pforte verwerfe die Reformen iiisgesammt, bezeichne Aender,»igen für irgend einen besonderen Theil der Unterthancn des Sultans allein als unnöthig. Die einzigen er- forderlichen Modifikationen seien solche, die auf die ganze Be- völkernng anwendbar wäre». Tie Pforte bestreite de» Mächten das Recht der Einmischung in die innere Verwaltung des türkischen Reiches.— Ans Djcddah liegt heute vom 6. Juni folgendes Telegramm vor: Die Lage der hiesigen Europäer ist sehr ernst. I» der Stadt befinden fich nur wenige Truppen, und die Bevölkerung ist im allgemeinen über de» Angriff der Beduinen auf die Konsularbeamten erfreut. Ter religiöse Fanatismus ist sehr gestiegen und wird gefahrdrohend, wenn nicht alsbald von den Mächten Vorkehrungen getroffen werden, die dem Leben der Europäer wirksamen Schutz verbürgen, welches sonst nicht ge- sichert erscheint, zumal ei» Bedninen-Anfstand für die nächste Zeit wahrscheinlich ist.— Formosa. Das„Reutcr'sche Bureau" meldet aus Honkong: In Jaipefn auf Formosa, wo der Ausstand ausbrach, herrscht noch vollständige Verwirrung. Der Stadttheil der Eingeborenen steht in Flamnien. Ein Pulvermagazin flog in die Lust, wobeil so Chinese,, getödtet wurden.— 1 In die ostas, atischeu Wirren sind auch zeht einige deutsche Schiffe verwickelt worden. Die Behörden in Hobe wollten die Abfahrt eines deutschen Handelsdampfers mit dem Präsidenten Tang, Soldaten und Flüchtlingen an Bord verhindern. Die Ausständischen in Fort Tamsui beschoffen den deutschen Dampfer, woraus das deutsche Kanonenboot„Iltis" auf das Fort feuerte und zum Schweigen brachte. Die Aufständischen flohen und der Dampfer ging in See.— Hoffentlich hat dieser Zwischenfall nicht noch weitere und ernstere Konflikte im Gefolge.— Euba. Die Aussichten der Spanier auf Euba sind weit ungünstiger, als die spanische Regierung zuzugestehen beliebt. Das geht nun selbst aus Madrider Meldungen hervor. Aus Madrid wird nämlich telegraphirt: Die Königin unterzeichnele heute den Gesetzentwurf, durch welchen die Ermächtigung der Kammer zu einer Kreditaufnahme durch Ausgabe von Hypothekenbriese,, auf Euba verlangt wird. Der Kriegsminister schickt 10 Bataillone nach Euba ab und be- reitet die Absendnng von 10 weiteren Bataillonen vor. Groß scheint auch die Furcht der spanischen Regierung vor Unterstützung der Aufständischen durch Bürger der Vereinigten Staaten zu sein. Aus Washington liegen hierüber die folgenden Meldungen vor: In Amerika halten sich spauische Beamte auf, welche ver- schiedene vermuthete Expeditionsbestrebungen zu Unterstütznugen der cubanischen Aufständischen beobachten sollen, mit dem End- zweck, die Einmischung der Regierung der Vereinigte» Staaten zu erlangen. Die spanische Gesandtschaft lenkte die Aufmerksamkeit des Staatsdepartements darauf hin, daß Expeditionen von Frei- beutern gegen die spanische Regierung in Euba auf de», unteren Mississippi ausgerüstet würden und daß Bürger der Südstaaten sich mehrfach bewaffnet gezeigt hätten, in der Absicht, sich mit de» Ausständischen in Euba zu vereinigen und densesjttn Mtsth einzuflößen.—_ Inteliiationalrr Kergarbriter- Kongrefi. Paris, 5. Juni. Zweiter Verhandlungstag. (Nachmittagssitzung.) Die Diskussion über die Frage der Ueberproduktioi, scheint fich z» einer äußerst interessanten gestalten zu wollen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um das„System Lewy". Herr Emil Lewy, der Verwaltungsraths-Bräsident einer belgischen Berg- werks-Gesellschaft ist, hat sich die löbliche Aufgabe gestellt, Kapital und Arbeit harmonisch mit einander zu verbinden. Als erster Redner ergreift der belgische Abgeordnete A. D e f u i s s e a u x das Wort, der für das„System Lewy" eintritt. Einleitend bemerkt er, daß er dies schon ans dem Berliner Kongreß gcthan hätte, wenn er nicht bei Beginn desselben von der Re- gierung ausgewiesen worden wäre, und geht auf die Darlegung des Lewy'schcn Projektes über. Danach soll die Kohlenproduktion durch eine internationale Verständigung der Grubenarbeiter, dem Kohlcnbedarf entsprechend, begrenzt werden, um so die Bildung von Vorräthcn, die den Interessen der Arbeiter wie denen der llnternehnier entgegenstehe», zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen, soll — bei einer täglichen Arbeitszeit von 8 Stunde», Ein- und Ausfahrt inbegriffen— die Arbeit auf 4 Tage in der Woche be- schränkt werde», die Arbeiter aber einen süuftügiHen Lohn hierfür erhalten. Ob 4 Tage geuüge», würde sich bald zeige». Für den Anfang sei es jedenfalls angezeigter, eher hinter dem Bedarf zurückzubleibe» als ihn zu übersteigen, und zwar umso,»ehr, als mit den vorhandenen Vor- räthcn zu rechnen sei. Ans diese Weise würden sowohl die An- sprüche des Kapitals, wie die Ansprüche der Arbeit befriedigt werden können, der Preis der Kohlen zu ihrem„wahre» Werth" gelange», die Arbeiter nicht gezwungen sein, um Hungerlöhue zu arbeiten, nnd die Unternehmer nicht gezwungen, zu Spottpreisen zn verkaufen. Die Löhne würden zu eine», Regulator der Verkaufs- preise werden. Defuisseaux sagt sodann, man werde sich vielleicht wunder», wie er, ein Revolutionär, eine Einigung der Arbeiter und Unternehmer vorschlage, aber das„System Lewy" sei den Grubenarbeiter» so günstig, daß er sich schuldig fände, wenn er es nicht kräftigst untcrstützte. Die Zwischenhändler allein wären es nur, die bei Durchführung dieses Projektes verlieren würden. und die werde gewiß niemand bedauern. Zun, Schlüsse be- antragt Defuisseaux eine Kommission mit dem Auftrage zu er- nennen, eine auf grund des Lewy'schcn Projektes aufgebaute Vorlage auszuarbeite» und baldigst vorzulegen. Genosse Möller, Reichstags-Abgeordneter, der namens der deutschen Delegation spricht, erklärt sich von vornherein gegen das Lewy'sche Projekt, an dem er eine scharfe Kritik übt. Das Projekt, sagt er, sei ans falscher Grundlage aufgebaut; es beruhe aus einem Zusammengehen der Arbeiter»nd Unternehmer, auf eine Harmonie zwischen 5kapital und Arbeit, was der ganzen Natur der kapitalistischen Gesellschaft widerspreche. Alles, was vo» den Arbeitern erreicht wurde, ist nur i», Kampfe gegen die Kapitalisten erreicht worden, mußte diesen erst abgezwungen werden. Die Interessen der Arbeiter und Kapitalisten stehen sich aber schnurstraks entgegen. Darum verbinden sich auch die Arbeiter mit Arbeiter», die Kapitalisten mit Kapitalisten. Die Durchführbarkeit des Projekts zugegeben, würde es wie das Petroleumsyndikat nur im Interesse der Unternehmer wirken und eine Vereinigung gegen die Gesamintheit der Konsumenten bilden. Spricht ma» aber von Konsumenten, da»,, spricht man von der Masse der Arbeiter. Und wie sich die organisirten Arbeiter Deutschlands und deren Vertreter im Reichstage gegen die von den Agrariern bezweckte Erhöhung der Kornpreise erhoben, würde» sie sich auch gegen die Erhöhung der Kohlenprcise erheben. Und wie wäre es da, wo sich die Unternehmer nicht de», Projekte anschließen? Soll dam, etwa mit Streiks gegen sie vorgegangen werde»? I» diesem Falle würden sie nur die Massen gegen sich aufbringen und anstatt der»othwendigen Einigkeit der Arbeiter nur Zwiespalt hervorrufen. Gelänge eS übrigens, innerhalb der Kohlenproduktion sowohl die Löhne wie den Profil zum Steigen zu bringen, dam, würde das„System Lewy" bald auf alle Produktionszweige Ausdehnung finden und wo alles gleich hoch steigt, bedeuten höhere Löhne keine höhere Lebenshaltung. Nachdem er noch aus das Rheinisch- Westfälische Kohlensyndikat hinweist, das die Kohlen- preise so hoch als möglich hinaufgetrieben und die Konkurrenz und den Zwischenhandel so weit als möglich beseitigte, ohne daß es darum de» Grubenbesitzer» eingefalle» wäre, die Löhne auch nur um einen Deut zu erhöhe», schließt Möller, daß er aus all den angegebenen Gründen gegen das„System Lewy" sei und verlangt die Ueberweisung der Frage der Ueberproduktioi, an das internationale Komitee zur Vorbereitung des nächsten Kongresses. Mit Möller's Rede, die besonders von den Engländern bei- fällig aufgenommen wird— Genosse Ledebour, der als Ueber- setzer für Deutsch und Englisch sungirt, hat sie ausgezeichnet wieder» gegeben— schließt die Sitzung und mit ihr der zweite Ver- Handlungstag. Dritter Verhandlungstag. Als Präsident sungirt heute Woods, M. P., der bei Be- ginn der Sitzung dem Kongreß die traurige Nachricht überbringt. daß in den Fifeshire-Mai»-Kohlei»vcrken durch eine» Gruben- brand 9 Arbeiter ihr Lebe» verloren haben und 8 Wiltlveii mit zusammen 40 Kindern zurücklasse». Auf Antrag Haslcin's spricht die Versammlung in einem Beileidsvotuni ihr tiefstes Bebauen, über diese» Unfall ans»nd damit zugleich die Zuversicht, daß diesbezüglich eine öffentliche Untersuchung vorgenommen werden wird. Es erhält sodann Wilson. M. P., das Wort, der die Diskussion über das Leivy'icho Projekt wieder ansnimmt und dcnnit»icht wenig Humor in die Versommwng bringt. Das wäre ja ausgczeichncr, sagt er, für 4 Tage Arbeit S Tage Lolm zu erhalten und in. Verkaufe von wenigen Monaten um 30 pCt. erhöht zu sehen. Er für seine Person inöchte gerne nüt beiden Händen für das„System Lewy" notiren. Das schüfe ja ein wahres Paradies für die Grubenleute. Was ihm nur etwas Bedenken mache, das sei die Durchführung. In all' den 25 Jahren, die er die Grubenarbeiter vertrete, sei es ihn« nicht gelungen, sich mit den Unternehmern zu verständigen; und nun soll dies auf einmal im Handumdrehen möglich sein. Um die Unternehmer zu einer solchen Verständigung zu bringen, müßten die Arbeiter ausgezeichnet orgauisirt und disziplinirt sein. Da frage es sich aber, ob es dann ivihischenswerth wäre, mit dem Unternehmerthum zusammen zu gehen und er schließt darum gleich Möller mit der Ueberweisung der Ueberproduklions- srage an das internationale Komitee. Die RedeWilson's hat sowohl im Original wie in dcr Ueber- setzmig sehr erheiternd gewirkt und zeitweilig wahre Lachsalven hcrvorgerilfe». Der nächste englische Redner, S m e l l y, spricht sich eben- falls für die Ueberweisung an das internationale Komitee aus, da die Frage erst gründlich studirt und die einschlägigen Katistischen Daten gesammelt werden müssen. Er sei der Mei- mutig, daß die Regelung der Kohlenproduktion nur durch eine Nationalisirung der Bergwerke erreicht werden könnte— und macht zugleich auf die Gefahren ansmerksam, die ihnen von Japan drohen, wo die Kohlcnproduktion ungeheure Fortschritte mache. Es ergreift hierauf Abg. Basly das Wort, der in einer groß angelegten Rede, mit der die Vormittags-Sitzung ihren Ab- schluß findet, besonders dafür plädirt, daß die Frage der Ueber- Produktion nicht abermals hinausgeschoben werde. Die Nationali- firung der Bergwerke, für die er ebenfalls sei. stehe in noch zu weiter Ferne und es müßten, wenn die Löhne nicht noch weiter zurückgehen sollen, schon jetzt Maßnahmen gegen die Ueberproduk- tion getroffen werden. Nachdem in der N a ch m i t t a g s- S i tz u n g noch der eng- lische Delegirte W h ite fi eld das Wort ergreift und dabei aus- führt, daß die Billigkeit der Waaren den Arbeitern nur nach- theilig sei und sich eine Verbesserung der Lage nur von großen Streikes verspricht, wird die Debatte geschlossen und zur Ab- stiminnng über den Antrag auf Ueberweisung der Frage der Ueberpröduktion an das internationale Komitee geschritten. Das Resultat ist folgendes: Es stimmen England und Deutschland, die zusammen 757,300 Arbeiter vertreten, geschlossen f ü r die Ueberweisung an das internationale Komitee, die französische wie die belgische Delegation, die zusammen 212 000 Arbeiter vertreten, einstimmig dagegen. Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung erledigt und man schreitet zum nächsten Punkt, den Achtstundentag. In unserem letzten Berichte� ist irrthümlich angegeben, daß der Reichs- und Landtags-Abgeordnele Horn-Löbtau am Berg- arbeiter-Kongresse theilnimmt. Es liegt hier eine Verwechselung mit dem sächsischen Landtags- Abgeordneten und Bergmann P. Hör n vor._ PavfeiuaiJmdifim. Parteikonferenzeu. Auf der in Finster walde ab- gehaltenen Konferenz der Sozialdemokratie des Reichstags-Wahl- kreises Kalau-Luckau wurde initgetheilt, daß die Agitations- kommission im vergangenen Venvaltungsjahre 253.35 M. Einnahmen hatte, wovon sie für die Agitation selbst 215 M. ausgab. Die Bewegung geht, trotz der großen Schwierigkeiten, in allen Orten rüstig vorwärts. Besonders günstig lauteten die Berichte aus Kirchhain und Vetschau; in beiden Orten ist es den Genossen gelungen, sich ein festes Ver- isnmmlungslokal zu erobern, so daß uns jetzt im ganzen Kreise außer in Finsterwalde, wo wir sänimtliche Säle haben, noch an drei bedeutenden Orten Lokale zu Versammlungen zur Verfügung stehen, während es uns bei der letzten Wahl nur in Finsterwalde möglich war, Versammlungen abzuhalten. Von der Beschickung des Breslauer Parteitags sah man ab. Ebenso von intensiver Landngitation; alle Kräfte sollen zunächst der Bearbeitung der Jndnstriezeutren gewidmet werden. Das „Niederlausitzer Volksblatt" wurde zum offiziellen Organ des Kreises erklärt. Sitz der Agitalionskommissio» ist Finsterwalde; Ort der nächsten Konferenz Vetschau. Erwähnt sei noch, daß Dr. Pinn aus Berlin eine» Vortrag über„Die Lügen unserer Zeit" hielt und daß ein Parteigenosse aus dem Kohlenrevier Senstenbcrg mittheilte, auf einer dortigen Grube seien 12 Str äf- linge aus der Strafanstalt Plötzensee in Arbeit gestellt tt tvb dafür politisch anrüchige Zl r b e i t e r entlassen toorden, welche Mittheilung, wenn sie wahr sein sollte, wieder einen äußerst beweiskrnsligen Grund für die Nothwendigkeit der Schaffung eines Reichs- gesetzes über den Strafvollzug abgeben würde. Tie Konferenz war von 17 Orten durch 27 Delegirte beschickt. Der Parteilag für die Wahlkreise M e i n i n g e n I und II und K o b u r g, der zu Pfingsten in K o b n r g verhandelte, war aus vielen Orten zahlreich besucht. Zu der geplanten systematischen Agitation in den Bezirken Camburg und Kranichfeld wurde von S e i g e aus Pößneck und anderen Rednern verlangt, daß die Beiträge besser als bis- her eingingen, sonst sei ersprießliches Arbeilen unmöglich. Die Beschlußfassung über die beabsichtigte Gründung einer Landes- organisation für den Reichstags Wahlkreis Koburg wurde einer Landeskonferenz der Koburger Parteigenossen überwiesen. Beim Punkt Presse wurde festgestellt, daß, mit Ausnahme des„Saal- selber Volksblatts", die Provinzialpresie an geringem Abonnement krankt. Für den Eintritt in die Gcwerkschasten soll überall kräftig agitirt werden. Zum Breslauer Parteitag werden zwei Delegirte gesandt; vorgeschlagen sind von der Konserenz als Kandidaten: Seige-Pößueck, Wehder-Sonneberg, Hosmaun-Saal- feld. Der nächste Parteitag wird in Pößneck abgehallen, das auch wieder zum Vorort gewählt wurde. AuS der Parteiprcfse. Australische Arbeiter hatten wegen der schlechten heimischen Erwerbsverhältuisse in dem südamerikanischen Staate Paraguay ein neues Gemein- wese» gegründet, und zwar sollte durch die Art der Orgnuisation dieses Geineinwescns,„in der alle'Arbeit dem Gemeinwohl dient, bewiesen werden, daß unter Bedingungen, die es dem einen nn- möglich niachen, den anderen zu tyrannisiren, und die als erste Pflicht jedes einzelnen das Wohlbefinden aller, sowie als erste Pflicht aller das Wohlbefinden aller erklären— Mann und Weib in Behagen, Glück und Bildung leben können, die unbekannt find in einer Gesellschaft, wo niemand heute sicher ist, daß er oder seine Kinder nicht schon morgen verhungern." Das englische Auswärtige Amt brachte einen Bericht darüber, worin gesagt war, zur Verwirklichung jenes schönen Prinzips sei wenig geschehen; die Kolonisten hätten Streitigkeiten unter einander bekommen; die Unterstützungen der Regierung von Paraguay hätten aufgehört und das„sozialistische Ex- periment" sei vollständig mißglückt. Die Kolonie iverde aber dennoch blühen, denn ihre Verwaltung sei zu„einfachen liberalen Prinzipien" zurückgekehrt. Die„M ü n ch e n e r P o st" weist nun dem englischen Aus- wärtigen Amt nach, daß es sich in Wirklichkeit garuicht um ein sozialistisches Experiment gehandelt hat, sondern daß die Gründung etwa das war, waS man in Deutschland eine Genossenschast nennt. Dann niacht unser Bruderorgan folgende, zwar nicht neue, aber dennoch äußerst bcachtensiverlhe Ausführungen: „Wir halten alle ähnlichen Experimente— auch wenn sie aufrichtig sozialistisch gemeint sind— von vornherein für ver- fehlt und die Erfahrung giebt uns darin recht. Alle diese Grün- düngen sind untergegangen oder haben in den seltenen Fällen, wo sie bestehen blieben, Fornien angenommen, die mit dem wissenschaftlichen Sozialismus nichts zu thuu haben. Innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft lassen sich keine sozia- listischen Inseln errichten. Der Uebergaug zur sozialistischen Pro- duklionsform istnur denkbar.weuudie Gesammtheit derProduktious- mittel in den Besitz der Gesammtheit der Bevölkerung übergeht. Dieser Uebergang kann nach und nach erfolgen, aber die Neu- Organisation muß immer von dem Gesichtspunkte ausgehen, daß sie durchaus unvollendet ist, so lange sie nicht die Gesammtproduktion umfaßt. Eine der Hauptbedingungen für den Bestand eines sozialistischen Gemeinwesens ist, daß die Ergiebigkeit der Pro- duktion sehr bedeutend gesteigert werden m u ß, damit es möglich iv i r d, allen Gesell- s ch a f t s g l i e d e r n ein m c ti s ch e n w ü r d i g e s Dasein zu g e w ä h r l e i st e n. Die moderne technische Entwickelung mit ihren großartigen Hilfsmitteln schafft die Möglichkeit, diese Be- dingung zu erfüllen. Kami es darum etwas verkehrteres geben, als sich die Einöden Südanierikas auszusuchen, um dort ein sozialistisches Experiment vorzunehmen? Der Sozialismus d r a u ch t. um sich einzurichten, alle Hilfsmittel der Zivilisation und die Gründer von Neu-Australieu gehen in die Wildniß! Der Aberglaube, daß man, um den Sozialismus praktisch zu gestalten, sich aus der„verdorbenen" Atmosphäre der Zivilisation in die„reine Natur" zurückziehen müsse, ist in diesem Falle wieder einmal vortrefflich beleuchtet; nichts desto- weniger erfreut er sich immer noch einer starken Verbreitung." Die dänische Arbeiterpartei hat begonnen, sich in Ropen- Hägen eigene Versammlungslokale zu errichten, um gegen die auch dort so beliebte Saalsperre ein für alle Mal geschützt zu sein. Ein derartiges Lokal ist zur Zeit draußen vor Kopenhagen in Bester bro im Bau. Zur Errichtung hat sich eine Aktien- gesellschast(wir würden sagen: Gesellschaft mit beschränkter Hastpflicht) gebildet, die ein Areal von 23 000 Quadrat- Ellen mit zwei großen hübschen Villengebäudeu ankaufte. Das eine ist zum Restaurations- und Vereinsgebäude bcstimnit und enthält zwölf elegante Restaurations- und Vereinszimnier sowie einen Speisesaal von 400 Quadratcllen Größe. Außerdem wird ein Querflügel aufgesührt, der einen 800 Quadratellen großen Sitzungssaal mit Bülpie aufnehmen soll und der nach seiner Vollendung der zweitgrößte Saal Kopen- Hagens sein wird. Der Garten umfaßt ein Areal von 10 000 Quadratellen und ist dichlbcpflauzt mit Obstbäumen. Er wird zur Zeit in einen Lustgarten umgeivaudelt, mit Aussichts- höhen, Springbrunnen, Mtisikparsillon, Theater, Sportplay, Kegelbahn ec. Die Gartenanlage kostet allein 10 000 Kronen, das ganze wird sich auf etwa 200 000 Kronen stellen. Tie Aktionäre sind Arbeiter, die einzelne Aktie lautet auf 5 Kronen und kann in wöchentlichen Zahlungen von 25 Oeren einbezahlt werden. Ein zweites derariiges Lokal haben die Arbeiter von K r i st i a n s h a f c n und A in a g e r(Vororte von Kopenhagen) errichtet, das schon längere Zeit eifrig von den Fachvereiii en und politischen Vereinen benutzt worden ist. Der zu diesem„Volks- Hause" gehörige Garten wird jetzt ebenfalls zum Konzerigarten eingerichtet, mit Blumenpartien und Springbrnnnen geziert, ferner mit Kinder-Spielplätzen versehen und soll auch eine Kegel- bahn erhalten. I» Schwede» sind die sozialdemokratischen Redakteure D a>i i e l s s o ii in M a l in ö und Carleso ns in Stock- Holm von der Anklage der Majesiätsbeleidigung durch die Ge- schworeneu freigesprochen worden. Sie hatten die Politik des Königs gegenüber Norwegen abenteuerlich genannt. Tie Ne- gieruugsleute planen nun, indem sie dahingehende Vorschläge vorbereiten, eine Verschärsung des Preßgesetzes. Hoffentlich haben sie damit beim schwedischen Reichstage nicht mehr Glück, als Herr v. Köster mit der Umsturzvorlage beim deutschen Reichstag gehabt hat. Todteuliste der Partei. I» Apolda starb am zweite» Feierlage der Schuhmacher K ar l S ch ö ps; cr hat sich be- sonders unter dem Sozialistengesetz um die Partei verdient gemacht. Polizeilich, Gerichtliches zc. — Der„Proletarier" in L a n g e n b i e l a n theilt mit, daß der Parteigenosse Feld in au n wegen Beleidigung des B er- l i n e r Polizeipräsidiums angeklagt worden war, weil er in einer Versammlung in Peterwitz'bei Janer nach de» Auf- zeichiiiiuaen des überwachenden Beamten gesagt hatte:„In Berlin sei es vorgekommen, daß auf der Polizeiwache Beamte Arrestanten geprügelt hätten, so daß es sich angehört habe, als würden Teppiche geklopft!" Feldmann Halle sich erboten, durch den(damaligen, jetzt gestorbeneu) Polizeipräsidenten von Berlin, Herrn von NichtHosen, als Zeugen, sowie durch Eerichtsnrlheile zu beweisen, daß seine Aeuße- rung auf Wahrheit beruhe. Das zuständige Lieguitzer Gericht beschloß jedoch die Einstellung des Verfahrens aus solgendcn Gründen:„Weder aus dem Wortlaute der Aeußerung, noch aus dem Zusammenhang, in welchem sie gelhau worden ist, ergebe sich irgendwelche Beziehung zu der angeblich beleidigten Behörde. Der Umstand allein, daß letztere die Jlnstelliings- und Aufsichtsbehörde für die Beamten der Berliner Polizciwachcn ist, kann diese Beziehung nicht schaffen, da auch bei der größten Sorgfalt in der Auswahl und Kontrolle seitens der vorgesetzten Behörden Pflicht- und Dicnstwidrigkeiten der untergeordneten Beamten nicht zu verhüten sein werden und deshalb die Be- Häuptling von dem Vorkommen derartiger Aueschreituiigeii nicht ohne weiteres einen Vvrivurf sür die vorgesetzte Behörde enthalt." — Nach dem Manuskript des in Nr. 01 des Chemnitzer „Beobachters" vervssentlichten Artikels„Amtliche Zugeständ- nisse" stellte die dortige Polizei in den Redakliouslokalitäten des genannten Blattes eine Haussuchung an. Ihr Suchen war erfolglos. — In B u d a p e st sind wegen der Katzenmusik vor dem Hause des Apothekers T ö r ö k von 17 verhastet gewesenen Ar- beitcrn ganze drei zu Geldstrasen von 5—15 fl. verurtheilt worden. Die übrigen sind freigesprochen worden. Die drei sollten— was übrigens nur angcuoinmen, nicht bewiesen werden konnte— am Zerschlagen der einen Fensterscheibe betheiligt ge- Wesen sein, die vom Töiöl'schen Eigenthnm allein zerstört worden ist, während die bürgerliche Presse über eine angebliche„Demo- lirung" des Hauses das Blaue vom Himmel hernntergelogeu hatte. Soziale UebevNchti Krankenkasse»wese». Auf grund des ß 75a des Kranken- reisicheruugsgcsctzcs ist vom llieichskauzleramt der Kraukenkasse des kausmäiinischen Vereins Mannheini(Eingeschriebene Hilfs- kasse) in Mannheim, und der Kranken- und Sterbekasse„Wohl- ergehen"(E. H.) in Hamburg, vom preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe der Maurer-Gewerks-Kranken- und Sterbe- kasse zu Friedrichshagen, der Kranken- und Sterbekasse„Arbeiter- ivohl" zu giansbach(E. H.), der Kranken- und Sterbekasse zur „Slaudhasten Nächstenliebe" in Frankfurt a. M.(mit Bornheini und Sachsenhausen)(E. H.), der Kranken- und Sterbekasse zur Nächstenliebe zu Cransberg- Friedrichsthal(E. H.), der Kranken- uud Sterbelasse der Zinunergesellen zu Friedrichshageu, der Christlichen Männer- Krankenlasse in Heddernheim(E. H.), der Siralsundischen Unterstütznngskasse fiir Mitglieder ans allen Klassen von Arbeitern(E. H.) von neuem die Bescheinigung er- theilt worden, daß sie, vorbehaltlich der. Höhe des Krankengeldes, den Aufvrdernngen des§ 75 des Krankenversichernngs- Gesetzes genügen. Die Freie Verein ig»ng der Kranken lassen im G r o ß h e rz o g t h n m H e ssen hielt dieser Tage in Bens- h ei m an der Bergstraße ihre diesjährige Gineralversaniiiilung ab. Von der Regierung waren anwesend die Regierungsräthe F ey und Dr. D i e tz aus Darmstadt, sowie die Kreis- Amt- mäuner L e ch m a n n aus Mainz und Weber aus Bens- Heini. Dr. Strecker aus Mainz referirte über die geuiachleii Erfahrungen mit dem neu eingeführten Heilmitlelverzeißniß. das allen Aerzten zu empfehlen sei, ebenso sollte zeitweise eine Prüfung der Rezepte durch die Kassen veranlaßt werden. Die Orts-Krankenkaffe Mainz sei darin bereits vorgegangen und habe erfreuliche Resultate erzielt. Eventuell seien die Hand- Vcrkaussartikel, da dies gesetzlich zulässig, von den Droguisten zu beziehen. Rcgierungsralh F e y aus Darmstadt bezeichnete die Ausstellung einer allgemeinen Krankenkassen-Statistik als außerordentlich nothwendig. Die Versammlung beschloß, sich dieserhalb nn das Ministerium zu wenden, um auch die Mit- Wirkung der Kreisämter hierbei zu veranlassen. Auf das dringendste empfahl Regierungsrath Dr. D i e tz das pünktliche Eintragen der 5kraukheitszeiten in die Jnvaliditäts- Quittungs- karten, um die Versicherten vor Nachtheilen zu bewahren. Da der Bundesrath einer Eingabe der Orts- Krankenkasse Mainz wegen Erhöhung der Hebgebühren der Versicherungs- anstalt keine Folge gegeben hat, beschloß die Versamm- luug, bei dem hessischen Ministerium wegen einer entsprechenden Erhöhung auf 0 pCt. vorstellig zu werden. Regiernngsrath Dietz glaubt, daß Hessen wahrscheinlich eine Erhöhung eintreten lassen werde. Weiter beschloß die Versammlung, an den Bundesralh eine Petition zu richten betreffs theilweiser Uebernahme des Heilversahrens Verletzter auf die Beriissgenossenschaften, damit in Fällen, wo die Unterstützungs- Verpflichtung der Krankenkassen vor Ablauf der dreizehnten Woche aufhört, nachträglich jedoch eine verminderte Arbeitsfähigkeit sich erweist, die von der Berufsgenoffenschaft zu gewährende Rente von dem Tage ab geleistet wird, wo die Unterstützung aus der Krankenkasse aufgehört hat. Ferner sollen die Berussgenossen- schasten zu beschleunigter Renlenfestsetzuug veranlaßt werden, da das jetzige Verfahren vieles zu wünschen übrig lasse. Die nächste Geueralverfammlung findet in Bingen statt. Tie Anfhebuiig der Vorschulen ist in Barmen von den Stadtverordneten mit Zweidrittel- Mehrheit beschlossen worden. Vom 1. April 1330 ab werden in diese Anstalten keine Schüler mehr aufgenonimen. Die Elberfeldcr„Freie Preffe" begrüßt die Maßnahme, da dadurch. daß nun auch die Kinder der reichen Leute die Volksschule besuchen müssen, man wohl veranlaßt iverde, etwas mehr für die Volksschule zu thun. Den Reichen ist der Beschluß natürlich nicht angenehm; ihre Vertreter im Stadtverordneten-Kolleginm wehrten sich heftig dagegen, daß ihre Kinder mit den Kindern des Proletariats auf einer uud derselben Schulbank sitzen sollten. Vom Schlachtfelde der Industrie. Nach Blättermeldungen ans Temesvar fand im Kreuzberge bei Reschirtze eine große Erdabrutschung statt. Zahlreiche Steinbrucharbeiter wurden ver- schüttet, bisher wurde eine Leiche geborgen; niehrere Personen wurden verletzt. ZZet»es4ieu. Wolff's Telegraphen-Bureau. Verliu, 7. Juni. Die Berliner Korrespondenz" theilt mit: Der gegenwärtig in Aachen geführte Prozeß Mellage, betr. das Alexiauer-Klosier Mariaberg, und die unch der Presse hierbei zu Tage getretenen auffälligen Erscheinungen haben der Staatsregierung Veranlassung gegeben, in eine eingehende Unter- suchung der Verhältnisse der genannten Anstalt, namentlich hin- sichtlich der Pflege von Nerven- und Geisteskranken, einzutreten. Aachen, 7. Juni. In dem Prozeß gegen Mellage und Ge- Nossen beantragte der Staatsanwalt in längerem Plaidoyer gegen Mellage 300 M., gegen Scharre 80 M. und gegen Warnatzsch 200 M. Geldstrafe. Der SUatsauwalt ließ die Anklage wegen der Behauptung von vorgekommenen Mißhand- luiigen fallen, weil hierfür der Wahrheitsbeweis erbracht sei. Es werde deshalb ein strenges Verfahren gegen die Schuldigen eingeleitet werden. Karlsruhe, 7. Juni. Im Gebiet der Wutach, eines Neben- flusses des Rheins, ist infolge eines Wolkenbruchs bedrohliches Hochwasser eingetreten. Der Bahnverkehr im Breythale ist unter- breche, i, ebenso mußte der Bahnverkehr zwischen Wolfach und und Freudenstadt gänzlich eingestellt werden. Der Gesamiiitschadeii ist noch nicht zu übersehen. Karlsruhe, 7. Juni. Auch bei Lahr ist ein Wolkenbruch niedergegangen und hat großen Schaden verursacht.— Di« Kinzingthal-Bahn hat den Verkehr wieder aufgenommen. Wien, 7. Juni. Wie Zeitungen aus Budapest berichten, wurde das neuerliche Verbot von öffentlichen Versauimliingen und Besprechnngcn in der Geheimmitiel-Angelegenheit der Töröl'schen Apotheke, welches durch eine jüngst erfolgte Arbeiter- revolte veranlaßt war, nicht respektirt. Es erschienen vielmehr etwa 1000 istrbeiter in dem Versammlungslokale und veranstalteten zur Demonstration einen Aufzug vor die Apotheke. Die Wache war genöthigt, den Säbel zu ziehen, und verhastete 20 Personen. Wien, 7. Juni. Die Abhaltung der von der sozialdemo- kratischen Parteileitung für den 9. Juni in einem Lokal im Prater einberufenen Volksversammlung mit der Tagesordnung „die Wahlreform" ist mit Rücksicht auf die ungesetzlichen Straßen- demoiistraliouen nach der am 30. Mai in der„Volkshalle" statt- gehabten Versammlung seitens der Behörden untersagt worden. Dem Ansuchen auf Ueberlassung der„Rotunde" sür eine Ver- nmuilung mit derselben Tagesordnung konnte seitens des Handels- Ministeriums keine Folge gegeben werden. Paris, 7. Jnni. Der Griibenarbeiter-Kongreß hat einen Antrag angenommen, welcher fordert, daß die Verantivort- lichkeit der Grubenbesitzer für jegliche Grubenunfälle gesetzlich festgestellt werde. Der deutsche Delegirte Bunte .lalle de»'Antrag befürwortet. Der Kongreß wählte ödaiin einen internationalen Ausschuß, dem die deutschen Delegirten Moeller und Horn angehören, und bestimmte als nächsten Kongreßort Lüttich, falls das belgische Ausweisungs- dekret gegen Basly und Lamendin zurückgeiiommen wird; andernfalls soll der Kongreß in London tagen. Hierauf wurde der Kongreß geschlossen. (Depescheu-Rureau Herold.) Oedeubnrg, 7. Juni. Die Ortschaft Obersdorf ist durch einen furchtbaren Wolkenbrnch verwüstet worden. Sämmt- liche Häuser waren in kurzer Zeit vollständig unterwaschen, so daß eine große Anzahl Bewohner nicht rechtzeitig flüchten konnte, lieber 100 Personen werden vermißt; bisher sind 18 Leichen aus den Flnthen gezogen worden. Auch einig« Brücken sind von der Gewalt des Wassers mit fortgeführt worden. In Wettersdorf schwamin ein Kind in der Wiege aus dem Wasser und konnte gerettet werden. Ein Postkutscher bat mitsammt der Post den Tod in den Flnthen gesunde». Es herrscht unbeschreibliches Elend. Graz, 7. Juni. � Auch in der hiesigen Umgebung hat das Unwetter arg gehaust. Die Bergflüsse schwellen zu reißende» Strömen nn und vernichteten alles, was ihnen in ihrem Laufe begegnete. Die Ortschaften Peggan, Frohnleitcn und Semrich haben schweren Schaden erlitten. Viele Erdrutsche haben statt- gefunden, neue Quellen haben sich gebildet. Die Ernte ist ver- nichtet. Lemberg, 7. Juni. Im Bezirk Kolomea wüthete ein heftiger Orkan mit Hagelwetter. In Korftow sind 22 Wirlh- schaslsgebände eingestürzt, 200 andere Gebäude wurden erheblich beschädigt. Auch in Sambor und Sadowa ist ungeheurer Schaden angerichtet worden. Alle Feldfrüchte sind vernichtet. Mailand» 7. Juni. Aus der Umgebung von Bologna kommen Nachrichten, nach welchen ein furchtbares Hagelwetter unberechenbaren Schaden daselbst verursacht hat. Tie Landlente betrauern den Verlust der ganzen Ernte. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Cmil Roland) in Berlin. Druck uud Verlag von Max Babing in Berliu, SW., Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 131. Sommbend, den 8. Inn» 1895. 12. Jahrg. Ans einer Katholischen Irren- Anstalt. tteber den 6. Verhandlungstag wird aus Aachen vom L. Juni berichtet: In dem gestrigen Nachmittagsbericht ist durch die Eile, mit der der Bericht verfaßt ist, ein Jrrthum in dem Gutachten des Geh. Medizinalraths Dr. Finkelnburg enthalten. Finkelnburg hat erklärt: Fordes sei n i ch t g e i st e s k r a n k, er leide auch n i ch r an Größenwahn. Sein ethisches Empfinden sei wohl bo zügltch seiner alkoholischen Exzesse und deren Folgen etwas ab gcstumpst, wie dies bei allen Trunksüchtigen der Fall ist, im übrigen ist Fordes vollständig geistig intakt und eine Nothwendig keit, ihn zu interniren, lag durchaus niäzt vor. Eine provisorisch« Jnternirnng zum Zwecke ärztlicher Beobachtung war vielleicht für Fordes zu empfehlen. Die heutige Sitzung wird vom Präsidenten, Landgerichts rath Dahmen, gegen 9 Uhr vormittags wieder eröffnet.— Es wird zunächst nochmals der medizinische Sachverständige, Medizinalrath Prof. Dr. Finkelnburg vernommen. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Niemeyer: Hat Fordes durch die Jnternirung in Mariaberg an seiner geistigen Gesundheit Schaden gelitten?—- Finkelnburg: Ein verwöhnter Mann wie Fordes würde auch in einer gute» Anstalt an seiner Gesundheit Schaden gelitten habe». Nachdeni ich aus der Beiveisausuahnie erfahren. welche Zustände in Mariaberg herrschen, muß ich nur meine Berwunderung aussprechen, daß Fordes nach so jahrelanger Jnternirung und nach solcher Behandlung,>vie sie ihm in Mnriaberg zu theil geworden, nicht geisteskrank ge- worden ist. Eine solche Gefahr lag zweifellos vor und Herr Fordes kann mithin Herrn Mellage niit vollem Recht als seinen Befreier und Erretter' ansehen. Ich niuß bei dieser Gelegenheit bemerken, daß mein gestriges Gutachten in den verschiedensten Zeitungen falsch wiedergegeben worden ist. Ich habe nicht ge- sagt: Fordes leide an Größenwahn oder sei geisteskrank, sondern ich habe erklärt: Forbcs ist geistig intakt, nur sei sein ethisches Empfinde» bezüglich seiner alkoholischen Exzesse und deren Folgen etwas abgestunipfl.— Präsident: Wenn die Presse Ihr Gut achten falsch wiedergegeben hat, so ist das sehr bedauerlich.— Verth.: Herr Geheimralh, wie erklären Sie es sich, daß Fordes nicht eine» Fluchtversuch gemacht hat?— Finkelnburg: Ich habe auch über diese Angelegenheit niit Fordes gesprochen. Er sagte, er habe sich wohl mir diesem Gedanken getragen, allein. er habe dies nicht thun wollen, da er auf Anweisung seines Bischofs in Mariaberg war. Allerdings, so sagte er inir, gestehe er wohl seinem Bischof das Recht zu, ihm seinen Wohnsitz an zuweisen, nicht aber ihn in seiner Freiheit zu beschränken, am allerwenigsten ihn in einer Irrenanstalt gefangen hallen zu lasse». Er habe deshalb mit Freunden in England über diese Angelegenheit korrespondirt und diese um Nlath ersucht: Es �se ihm nun von englischen Freunden gerathen worden, nicht aus Mariaberg zu flüchten, er solle nur darauf halten, daß ihm seine freiheitliche Bewegung nicht beschränkt werde.— Verth Rechtsanwalt Lenzmanu: Herr Geheimralh, sind Sie nun der Meinung, daß die Austaltsbrüder und Aerzte mala fiele gehandelt haben, indem sie den Fordes drei Jahre und drei Monate als Geisteskranken festhielten?— Finkelnburg: Das läßt sich schwer sagen. Tie Beweisaufnahme hat ergeben, daß die An st a l t s- ä r z t e sich um die Kranken und ganz besonders um Forbcs sehr wenig kümmerten. Die Aerzte wälzten eben alle Verantwortung auf die Brüder ab. Es ist in hohem Grade zu vernrtheilen, daß ungebildete Leute sich Funktionen anmaßten, für die sie nicht das geringste Verständniß hatten und die nur von Aerzten ausgeübt werden konnten. Ich mache allerdings w e n i g e r den B r ü d e r n einen Vorwurf als den A u s s i ch t s- behörden. die doch zweifellos die Verhältnisse kannten und nicht dagegen einschritten.— Vertheidiger: Mußte nicht jeder verständige Mensch zu der Einsicht gelangen, daß es erforderlich sei, über den Zustand des Fordes wieder einmal ein ärztliches Gutachten einzuholen, um zu er- wägen, ob seine Jnternirung noch immer nothwendig sei?— Finkelnburg: Ich habe bereits gesagt, daß ich den Brüdern weniger «inen Vorwurf mache als de» Aufsichtsbehörden und den Älustalts- ärzten. Ich kann nicht sagen, daß die Brüder mala fiäe handelten, zumal ich es ablehnen muß, mich in den geistigen Zu stand der Brüder hineinzudenken.— Verth.: Mußte nun Mellage annehmen, daß die Brüder wider besseres Wissen den Fordes interuirt hielten?— Finkelnburg: Ich kenne Herrn Mellage nur, soweit ich ihn hier gesehen und gehört habe; ich kann daher uicht sagen, wie weit seine Menschenkenntniß geht, aber nach Lage der Dinge konnte Herr Mellage wohl zu der Ansicht ge- langen, daß die Brüder mala fiele gehandelt haben. Im übrigen niuß ich bemerken, daß Herr Mellage zweifellos eine Reihe schreiender Mißstände ans Tageslicht gezogen hat, denen die Behörde wird näher streten müssen.— Staatsanivalt: Der Herr Geheimrath hat den Herren Vertretern der Presse den Vorwurf gemacht, daß sie sein Gutachten falsch »viedergegebe» habe», ich muß jedoch bemerken, daß der nicht psychiatrisch Gebildete sehr leicht zu einer mißverständlichen Auf- fassung gelangen konnte. Ganz besonders mußte de» Laie», auch de» gebildeten Laien, das Schlußurtheil überraschen.— Finkelnburg: Meine Schlußfolgerung hat durchaus meinen Aus- sühruugen entsprochen. Ich Hab- gesagt, daß Fordes durchaus logisch zu denken vermag, es ist lediglich zu konstatiren, daß sein ethisches Empfinden bezüglich seiner alkoholischen Exzesse und seiner Folgen etwas abgestumpft ist. Es ist das aber eine Er scheinung, die bei allen Trnnkfälligen zu beobachten ist.— Alls Antrag des Vertreters der Nebenkläger, Rechtsanwalt Oster, wird eine Eingabe der Leiter des Alexianerklosters an die Staatsanwaltschaft voin November 1834 verlesen, wonach Fordes während seines Aufenthaltes.in Mariaberg viermal sinnlos be- trunken gewesen sei. Ter folgende Sachverständige Jrrenanstalts-Direktor Geh. Sanitätsralh Dr. R ippiu g bekundet in eingehender Darlegung, daß er ein genaues Urtheil über den Geisteszustand Fordes uicht abzugeben vermöge, doch hege er die Ueberzeugung. daß Fordes nicht g e i st e s g e st ö r t sei.— Auf Befragen deS Vertheidigers Rechtsanwalts Lenzmann, ob die Anstaltsärzte ihre Pflicht verletzt hätten, sagt der Sachverständige, „ich bin der Meinung, die Aerzte sind nicht blos dazu da, um Zähne auszureißen und Geschwüre aufzustechen, es wäre ihre Pflicht gewesen, mehr den Geisteszustand der Kranken zu beobachten, und diese Aufgabe, die nur von Aerzten ausgeübt werden kann, nicht de» Brüdern zu überlassen, die von Psychiatrie keine Ahnung haben."— Sanitätsrath Dr. Eapellmann, der nunmehr vom Präsidenten hervorgerufen wird, bekundet: Als er vor 30 Jahren in die Anstalt eintrat, waren die Befugnisse der Brüder noch bedeutend größer als jetzt. Er ivar bemnhr, die Befugnisse der Brüder nach Möglichkeit einzuschränken.— Präs.: Es haben doch regelmäßige Revisionen stattgefunden?— Dr. Eapellmann: Jawohl.— Präs.: Hat die Behörde jemals Veranlassung genommen. gegen die Einrichtungen der A n st a l l einzuschreiten?— Dr. Eapellmann: Nein.— Präs.: Wer ist die Aussichtsbehörde.— Dr. Eapellmann: D i e k ö n i g l i ch e N e g i e r u n g zu A a ch e n.— Präs.: Besteht irgend ein Vertrag, wie weil die Befugnisse der Brüder gehen? — Dr. Capellman»: Die Befugnisse der Brüder sind gewisser-' maßen Tradition.— Präs.: Nahm die Revisionsbehörde nw mals zu einer A u s stje l l u n g Veranlassung?— Dr. Capech mann: Herr Geh. Regierungsrath Schaper rügte einmal, daß der eine Hausflur zu schmal sei. Es wurde ihm jedoch bewiesen, daß seine Ausmessung f al s ch war.— Präs.: Nahm die Aussichtsbehörde niemals Veranlassung, auf Vermehrung der Aerzte der Anstalt zu dringen?— Dr. Eapellmann: Nein. Im Jahre 1869 wurde eine Vergrößerung der Anstalt durch Umbauten vorgenommen. Als sich nun in den 1370er Jahren die Zahl der Geisteskranken und Epileptiker sehr vermehrte, stellte ich den Antrag, angesichts des Umsiandes, daß die Anstalt 20 Minuten vor der Stadt liegt, noch einen Assistenzarzt anzu- stellen, der in der Anstalt wohnt, damit bei irgendwelchen Plötz- lichen Vorkommnissen, körperlichen Erkrankungen u. s. w. stets ein Arzt bei der Hand ist. Dieser mein Antrag wurde jedoch vom Generalobern Bank abgelehnt. Seit einem Jahre steht die Anstalt mit der Provinzial- Landesdirektion in Düsseldorf wegen verschiedener Reformen in Korrespondenz. Tie Provinzial- Landesdirekticn hat das Verlangen gestellt, daß ein Assislenzarzt angestellt werde, der Generalobere hat dies jedoch a b- gelehnt. Die Verhandlung hierüber ist bis nach Beendigung dieses Prozesses vertagt worden, diese wird jedoch alsdann sosort wieder aufgenommen werden und höchstwahrscheinlich wird dann noch ein Assistenzarzt augestellt werden. Der letzte medizinische Sachverständige Dr. Leopold Besser (Poppelsdorf bei Bonn) bekundet gleich Herrn Finkelnburg: Es ist zu verwundern, daß Fordes durch die lange Jnternirung und schlechte Behandlung nicht geisteskrank geworden ist, und ich füge hinzu: hätte die Jnternirung noch länger bestanden, dann wäre die Geisteskrankheit auch eingetreten. Daß Fordes ein Trinker ist, bestreite ich. Wir haben zunächst gehört, daß Fordes während des letzten Jahres in Iserlohn niemals betrunken ge sehen worden ist. Ich habe außerdem hier in Aachen mit ihm zusammen bei Tisch gesessen. Fordes chatte eine Flasche Wein vor sich stehen, er trank aber innerhalb IVe Stunden nur ein halbes Gläschen; ein solches Verhalten entspricht nicht der Ge pflogenheit eines Trinkers. Man behandelt jetzt allgemein die Irren als Kranke, die man vor Schäden bewahren müsse, die jedoch für ihre Handlungen in keiner Weise verantwortlich gemacht werden können und gegen die daher auch keineStrafen oder Tisziplinarmittel angewendet werden dürfen. Mir ist es daher ähnlich gegangen wie dem Herrn Geheimralh Finkelnburg, ich habe, als ich die Broschüre gelesen, deren Inhalt einfach sür pure Uebe r treibung e n gehalten. Daß solche Vorkommnisse, wie sie uns hier vorgeführt worden, geschehen konnten, i st empörend. Daß die Jrrenpflege sich noch nicht auf ihrem Höhepunkte be� findet, hat auch der Ilmstand verschuldet, daß z. B. die R h e i nifche P r o v i n z i a l- V e r w a l t u n g im ganzen 480 000 Mark im Jahr für die Jrrenpflege ausgeworfen hat. Ein bestimmtes Urtheil über Fordes läßt sich nicht geben, da das Beobachtungsprotokoll des Herrn Sanitätsraths Dr. Eapellmann ein gar zu mangelhaftes war.— Auf Befragen des Vertheidigers erklärt auch dieser Sachverständige: Er könne den Brüdern weniger Vorwurf i machen als der A u s s i ch t s b e h ö r d e: es sei allerdings ii.i höchsten Grade zu vernrtheilen, daß Leute sich Besugnisse anmaßten, wofür ihnen jedes Verständniß fehlte.— Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Niemeyer: Sie haben gehört, Herr Sachverständiger, daß Herr Dr. Eapellmann von„nichts- würdigen" Irren gesprochen hat, die bestrast werden müssen Was haben Sie dazu zu sagen?— Sachverständiger: Ich muß gestehen, ich habe meinen Ohren k a« in. g e t r a u t, als ich diese Aeußerung aus dem Munde eines Arztes hörte.— Sanitätsrath Dr. Capellniann: Es sei ihm schlechterdings un- möglich gewesen, den Forbes zu behandeln, cr hätte ohne An- wendnng von Gewalt dies nicht thun können. Im übrigen bc- merke er, daß sein Gutachten über Forbes doch nicht so dumm und so einfältig sei, daß mau daraus nichts entnehmen könne.— Sachverständiger: Ich muß dcch bitten, derartige Ans- duicke zu unterlassen, ich habe wirklich keine Veranlassung dazu gegeben.— Präs.: Dies kann ich allerdings bestätigen.— Dr. Besser: Ich bin auch entfernt, Herrn Dr. Eapellmann einen Vorwurf zu machen. Zwei Aerzte, die täglich auf etwa l'/e Stunden in die Slnstalt kommen, sind schlcelsterdiiigs nicht im stände, im Nebenamt 600 Kranken die nöthige ärztliche Pflege angedeiheu zu lassen.— Nachdeni Herr Dr. Eapellmann noch dargelegt hat, daß Forbes ihm immer ausgewichen sei. legte der Sachverständige Dr. Besser gegen das in der Broschüre enthaltene Vorwort, das einen argen Angriff gegen den gesammten ärztlichen Stand enthalte. Prolest ei„. Verth. R-A. Dr. Niemeyer: Herr Sachverständiger, dieser Ihr Protest bezieht sich doch nur auf das Vorwort?— Sachverständiger: Jawohl.— Verth. R-A. Lenzinaun: Bei dieser Gelegenheit fühle ich mich genöihigt, sestzustellcn, daß Mellage durch die Broschüre keinen Vortheil, sondern großen pekuniären Schaden hatte. Ich ersuche, den Angeklnglen Waniatzsch darüber zu befragen.— Warnatzsch: Ich kann versichern, daß Mellage durch die Broschüre mehrere tausend Mark Schaden gehabt hat.— Auf Antrag des Vertheidigers Rechtsanwalt Lenzmann wird noch einmal Kansmnnn Hildebraud(Iserlohn) veruomniili.— Dieser bekundet: Mellage sei seit dem Erscheinen der Broschüre Gegenstand der unerhörtesten Angriffe seitens der ultra- m o n t a n e n Presse. In der„M ä r k i s ch e n P o st" seien arge Spottgedichte über Mellage erschienen, die in den k a t h o- l i's ch e n B e r e i u e u m i t M u s i k b e g l e i t u n g gelesen werden. Die Wirthschast des Mellage sei von den Katholiken boykottirt worden, sodaß Mellage finanziell arg geschädigt worden sei. � Mellage bemerkt: Er sei finanziell derartig ge- schädigt worden, daß, wenn die Hauptverhandlung noch weiter hinausgeschoben worden wäre, er finanziell ruinirt worden wäre — Auf Antrag des Rechtsanwalts Lenzmann verliest der Präsident eines der erwähnten Spottgedichte aus der„Märkischen Post". Nach einer kurzen, persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem Vertheidiger Lenzmann und dem Staatsanwalt tritt gegen 1 Uhr millags eine Pause ein. Nach Wiedereröffnnug der Sitzung erscheint als Zeuge der vielerwähnte ehemalige Fabrikarbeiter Joseph Schäfer, ein dhr nett und gulmülhig aussehender 18 jähriger junger Mann. Er bekundet aus Besrngeu des Präsidenten: Er leide an Epilepsie und befinde sich dieses Leidens wegen schon seit 2 Jahren in Marinberg. Eines Tages sei er in Gegenwart des Rektors Overbeck von zwei Brüdern, deren Namen er nicht mehr wisse, an Händen und Füßen gefesselt und alsdann in eine Bade- wanne gesetzt und mit dem Kopf untergetaucht worden. Wenn er eine zeillang untergeraucht war, wurde der Kopf wieder aus dem Wasser hervorgehoben und gleich darauf wieder untergetaucht. Diese Prozedur wurde 7—10 mal wiederholt. Ein Kranker namens Köibcr sei einmal gefallen, weil der Wärter Klings ihm ein Bein gestellt habe. Der drirte Zeuge ist ein ööjährigcr Epileptiker namens L a u n e r. Dieser ist seit 10 Jahren in Mariaberg. Er bc- kündet: Er habe mit dem Bruder Basilius einmal wegen Gemüse Streit bekommen. Bruder Basilius habe ihn deshalb ins Gesicht geschlagen, zu Boden geworfen, furchtbar m i t ;üßen getreten, so daß er ganz mit Beulen bedeckt war, ünf Löcher in den Kops bekam und ungeheure Schmerzen hatte. Alsdann wurde er vierzehn Tage lang fast täglich gedoucht. Er wurde in einen leeren Raum gebracht, wo eine Badewanne stand. Er wurde zunächst gefesselt, alsdann kopfüber unter die Touche gesteckt, so daß er keine Luft bekam. Diese Prozedur wurde zehnmal wiederholt. — Präs.: Und das geschah täglich 14 Tage lang?— Zeuge: Fast täglich. Der Zeuge bekundet im weiteren: Eines Tages sei er nicht schnell genug die Treppe zur Kirche hinaufgegangen. Bruder Pankratius habe ihn zur Eile angetrieben und da er sich deshalb verantwortete, so habe ihn Bruder Pankratius die Treppe hinunter geworfen, ihn furchtbar geschlagen, mit Füßen getreten und nun sei er zur Strafe wieder 14 Tage lang gedoucht worden.— Dr. Chantraine bemerkt: Der Manu sei sehr streitsüchtig und leide an Verfolgnngswahnsinn. Er sei auch in der letzten Zeit schwachsinnig geworden.— Launer proieslirt dagegen.— Dr. Chantraine bemerkt im weiteren: Launer leide an eingebildeten Schmerzen und bilde sich ei», Ver- letzungen erhalten zu haben.— Vertheidiger Rechtsanwalt Lenz- mann: Wodurch wissen Sie das?— Dr. Chantraine: Das ist mir mitgetheilt worden.— Verth.: Ich bitte Sie doch aber. auseinanderzuhalten, was Sie selbst gesehen haben und was Sie vom Hörensagen wissen. Selbstverständlich hat Ihnen dies ein Bruder mitgetheilt?— Dr. Chantraine: Jawohl.(Lautes Gelächter im Zuhörerraume. Der Präsident er» mahnt das Publikum zur Stühe.)— Vertheidiger Rechts- anwalt Lenzmann: Hat Ihnen auch der Mann selbst die Schmerzen geklagt?— Dr. Chantraine: Jawohl.— Verth.: Und Sie hielten das sür Einbildung?— Dr. Chantraine: Jawohl.— Verth.: Woher entnahmen Sie das?— Dr. Chantraine: Weil ich wußte, daß der Mann an Einbildung bildet.— Ver- theidiger: Woraus entnahmen Sie das?— Dr. Chantraine: Wenn mir der Mann ein Jahr lang über Rückeiischmerzen klagt, dann muß mau doch annehnlen, daß er sich die S ch m e r z e n einbildet.(Bewegung im Zuschauerraum.)— � — Verth.: Haben Sie jemals den Urin des Mannes unter- sucht?— Dr. Chantraine: Ich glaube nicht.— Verth.: Ich wünsche eine bestimmte Antwort von Ihnen.— Dr. Chantraine:. Bestimmt kann ich es nicht sagen.— Verth.: Ich bin nicht Mediziner, bin aber der Meinung, wenn der Arzt den SchmerK nicht erkennen kann, dann nimmt er zunächst eine Harnunter-- suchung vor.— Dr. Chantraine schweigt.— Verth. Rechts- anwalt Dr. Niemeyer: Herr Doktor, wenn jemannd über Kopf- schmerz klagt, ist alsdann der Kopfschmerz an einer äußeren Er- scheinnug zu erkennen?— Dr. Chantraine: Bisweilen allerdings. — Verth.: R.-A. Lenzmann: Wir verzichten darauf, über. dieses Thema die medizinischen Experten zu vernehmen. Wir trauen dem hohen Gerichtshof so viel medizinische Kenntniß zu, daß sich derselbe über dieses Thema selbst ein Bild wird machen können.— Staatsanwalt: Ich beantrage, den Herren medizinischen' Sachverständigen auszugeben, den Zeugen Lauüer zu untersuchen, da sich daran vielleicht noch ein Verfahren an- schließen wird. Tie medizinischen Sachverständigen ziehen sich mit Lautier zum Zwecke der Untersuchung zurück. Es wird alsdann ein weiterer Insasse des Klosters Maria- berg, Schmied Groß vernommen. Dieser befindet sich seit mehreren Jahren wegen Epilepsie in Mariaberg. Er bestätigt im wesentlichen die Bekundungen des Vorzeuge» Launer. Ein fernerer Zeuge ist Emil Schmitz, ehemals Brauer, jetzt wegen Epilepsie in Mariaberg. Dieser bekundet: Er habe einnial gesehen, wie Bruder Florian einen Kranken mit einem Becher geschlagen habe. Auf Befragen des Vertheidigers Rechts- anwalt Lenzmann bemerkt der Zeuge, daß sür ihn den Tag SM. Pension gezahlt wurden. Inzwischen erscheinen die medizinischen Sachverständigen mit Launer. Geh. Medizinalrath Dr. Finkelnburg berichtet: Wir haben den Launer untersucht und nur eine einzige Stelle finden könneii, die wohl von einer Verletzung herrühren kann. Wir haben serner festgestellt, daß die Schmerzen, über die der Zeuge ltagte, nicht ans Halluzinationen beruhten, sondern eine ärztliche Behandlung erheischten. Ob der Zeuge an Verfolguiigswahnstnw leidet, ließ sich bei der Kurze der Zeit nicht feststellen. Er sagte' aus: Seitdem er die Anzeige wegen der ihm widerfahrenen M i ß h a u d l u n g e ii erstaltet, werde er sowohl von dew Brüdern, als auch von den Kranken verachtet. Wo er� vorbeikomme, werde vor ihm a u s g e s p i e n. Ein anderer Zeuge ist der Schreinernreister Saureu: Dieser bekundet: Er habe mehrere Jahre in Mariaberg als Schreiner- meister gearbeitet. Er habe einmal gesehen, daß ForbeS, als dieser eines Abends gegen 7 Uhr nach Hause kam, von einer Anzahl Brüder ergriffen, geschlagen, gestoßen und zur Treppe hinauf in eine Zelle gezerrt wurde. Forbes habe geschrien und gebeten, ihn loszulassen, er werde allein gehen, diesem Verlangen haben aber die Brüder nicht entsprochen. Er habe außerdem mehrfach gesehen, daß Kranke von Wärtern und Brüdern miß- handelt, gestoßen, geschlagen und getreten wurden. Einmal habe er gesehen, wie der Wärter Krings einem Kranken ein Bein stellte. Bruder Heinrich habe einen Kranken mit einem Schlüssel- bnnd aus den Kopf geschlagen. Er selbst sei einmal von dem Bruder Florian heftig aus die Schulter geschlagen worden, weil er in die Küche gekommen sei. Er habe nicht gewußt, daß es verboten sei, in die Küche zu gehen. Er habe sich dagegen ver- wahrt und dem Bruder Florian gesagt: Sie haben kein Recht, mich zu schlagen, ich bin kein Kranker. Der Student der Theologie Friedrich Hahn(Schaufen- berg), der längere Zeit als Kranker in Mariaberg war, bekundet gleichfalls, daß cr in der vorhin beschriebenen rohen Weise ge- doncht worden sei. Nunmehr werden die medizinischen Sachverständigen auf- gefordert, ihr E n d u r t h e i l über die Zustände in Mariaberg abzugeben. Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Finkeliibtirg: Ich muß bc- merken, daß ich vergeblich nach Worten suche, um für die Zustände in Mariaberg, wie sie uns durch die Beweisaufnahme hier vor- geführt worden, die richtige Bezeichnung zu finden. Mich haben diese hier bekundeten Vorgänge mit Entsetzen und Abscheu erfüllt. Derartige Dinge sollte man weder in Deutschland. noch in einem anderen zivilisirten Lande für m ö g l i ch halten. (Bravo im Zuhörerraum.) Präs.: Ich muß das Publikum dringend zur Ruhe er« mahnen. Dr. Besser und Geh. Sanitätsralh Dr. Ripping erklären, daß sie sich diesem Gutachten vollständig anschließen können. Medizinalrath Dr. Gerlach: Ich kann mich auch nur dein Glitachten des Herrn Geheimralh Finkelnburg anschließen. Ich will aber noch bemerken, daß nächst den Mißhandlungen es in hohem Grade zu verurtheilen ist, daß den Kranken ärztliche " i l f e versagt und die gesammte Krankenpflege den rüdern überlassen wurde. Die Kranken bedürft» schon der ärztlichen Behandlung im Interesse der Hygiene. In Mariaberg wurden die Verhältnisse geradezu auf den Kopf gestellt. Ich bin der Ansicht, daß die Aerzte der Kranke» wegen da sind und nicht die Kranken der Aerzte wegen. Es heißt doch alles aus den Kopf stellen, wenn Kranke, die den Arzt verlangen, sich bei diesem in seinem Zimmer melden müssen. In jeder anderen Kraiikenanstalt kommt der Arzt unaufgefordert zu dem Kraulen. Auf Befragen des Staatsanwalts und des Vertreters der Nebenkläger, Rechlsanwalt Oster, erklären die medizinischen Sach- verständigen wiederholt, daß die Psychiatrie alle Zucht- und Stt as- mittel gegen Kranke grundsätzlich verwirft. Zwang�inittel, die zur eigenen Sicherheit des Kranken geboten erscheine», dürfen nur von einem Arzt angeordnet und auch nur im Beisein desselben angewendet werden. Sanitätsrath Dr. Capellmann bemerkt: Dr. Scholz in Bremen, «in hervorragender Psychiater empfehle gegen widerspenstige Jrre. das Zucht- und Strafmittel. Dieser empfehle sogar in gewissen Fällen Kostentziehung. Es sei dies eine Maßregel, die er(Capellmann) als barbarisch bezeichnen müsse, dann sei es doch besser, den Kranken zu schlagen. _ Schreinermeister Lange hat gesehen, wie einem Kranken Fesseln angelegt und er alsdann unter Schläge» in seine Zelle geschleift ivnrde. Ei» fernerer Zeuge, namens Mölchers, bekundet ebenfalls von ihm in Mariaberg wahrgenonunene Mißhandlungen. Zeuge Vonderlinden. der auch als Kranker i» Mariaberg war, bekundet, eine Reihe von Mißhandlungen beobachtet zu haben. Ein Kranker sei von dem Bruder Pankratius einmal ganz furckstbar geschlagen und alsdann mehrere Tage in eine Zelle gesperrt worden. Wärter Käuffchens habe mehrfach Kranke ini Hofe an einen Baum festgebunden.— Präsi- tciit: Haben Sie das selbst gesehen?— Zeuge: Jaivohl, das habe ich mehrfach gesehen.— Präsident: Wie lange mögen wohl diese Kranken angebunden gewesen sein?— Zeuge: Ten ganzen Tag.— Präsident: Waren Brüder dabei?— Zeuge: Jawohl, der Rektor Overbeck.— Präsi- denk: Können Sie das beeiden?— Zeuge: Jaivohl, mit reinstem Gewissen.— Der Zeuge wird vereidigt.— Zeuge Heinrich Willems hat gesehen, wie der verstorbene 5ilima von einem Bruder heftig geschlagen worden sei. Verth. N.-A. Dr. Niemeyer: Es sind jetzt noch einige 80 Zeugen zu vernehmen, die sämmtlich über arge Mißhandlungen in Alariaberg bekunden würde». Die Vertheidigung verzichtet jedoch auf jede weitere Beweisaufnahme, da die Zustände in Mariaberg nunmehr hinreichend beleuchtet worden sind. Ter Staatsanwalt und der Vertreter der Nebenkläger ver« zichten ebenfalls auf jede weitere Beweisaufnahme. Der Präsident erklärt danach die B e iv e i s a u f n a h in e für geschlossen und vertagt gegen 8 Uhr abends die Sitzung ?uf worgen(Freitag) nachmittags 4 Uhr, zu welcher Zeit also die P l a i d o y e r s beginnen. Zu berichtigen ist, daß Geh. Rath Finkelnburg bekundet hat Es sei im Februar 1891 nicht„vielleicht", sonder» ganz bestimmt «nie provisorische Jnternirung des Fordes zun, Zwecke der ärzb Iichen Beobachtung nolhivendig gewesen. Auch muß es im heutigen Vormittagsbericht in dem Gutachten Finkelnburg' heißen: Fordes ist ein nervöser, nicht ein verwöhnter Mann. Ferner ist noch niitzutheilen. daß heute vormittag der Staats auwalt den Antrag stellte, den Polizeikommissar Zimmerman» als Zeugen zn vernehmen, um diesem Gelegenheit zu gebe», sich serllgeii � ücgeii ihn ausgesprochenen Verdachts zu recht ts®er®f.lic*),§5c|l lehnte jedoch diesen Antrag, weil nicht zur EWe gehörig, al>. Uolmles. Der Spartrieli in der Slruienvertvaltniig. I» der letzten Ar>nenko»i»iisfio»s'Vorsteher-Versam»>lung wurde über„Zahlung von Psiegegeld a» Geisteskranke und Hospitaliten außerhalb der verhandelt. Hierzu bemerkte Magistratsassessor Cuno als Beauftragter der Armendirektio», wegen Ueberfüllung der Hoipilaler sähen die betreffenden Verwaltungsdirektionen ge� eignete Hospitaliten gern wieder in Außenpflege gebracht. Da aber die Koste» der Austaltspflege(ca. 50 M.) bedeutend hoher seien als das höchste jetzt in der offenen Arme» pflege gezahlte Almosen, so habe die Hospitalverwaltung an- geregt, an solche wieder in Außenpflege gebrachten Hospitaliten höhere Almosen zu zahlen. Die Arinendirektion halte das jedoch für bedenklich, soweit nicht die Hospitalvcrivaltnng selber einzelne Personen in Außeupflege geben und de» Pflegern ein höheres Kostgeld zahlen wolle. Es sei zu befürchte», daß wenn an Hospitaliten nur deshalb mehr als das sonst übliche Almosen gezahlt iverde, um sie aus dem Hospital entlasten zn könne»,„die„Begehrlichkeit anderer Alinosenempfänger geweckt und das Streben noch mehr angeregt werde, auf dem Ilmwege durch das Krankenhaus und Hospital ei» höheres Almosen zu erziele», als den Verhältnissen der offene» Armenpflege entspricht". Eine allgemeine Erhöhung der Almosensätze�„über das nothwendige Maß hinaus" müsse die Folge sein. So lange allerdings der jetzt übliche Höchstsatz»och nicht erreicht sei, sollte» die Arnienkommissionen lieber zunächst noch die Almosen erhöhe», statt Hospitalpflege zu fordern. In den» amtlichen Protokoll der Vorsteher-Versamm- lung, dem wir diese Angaben entnehmen, wird die Gegensätzlich- keit des Standpunktes der Hospitalverwaltung und derjenige» der Armendirektion scharf hervorgehoben. Mit der Frage, wie das "Interesse der pflegebedürftigen Armen am besten gewahrt "wird, scheint sich nur die Hospitalverwaltung beschäftigt zu haben. Die Armenvenvaltuiig hat, falls das Pro tokoll einigermaßen vollständig ist, nur danach ge- fragt, wie man der Zunahme der„Begehrlichkeit" der Almosenempfänger steuert und einer etwaigen Nölhigung zu allgemeiner Erhöhung der Almosensätze vorbeugt. Nebenbei »vollen wir bemerken, daß im Verwaltungsjahr 1893/94 an laufenden Unterstützungen durchschnittlich 13,14 M. pro Person und Monat gezahlt wurden. Im einzelnen gingen die Unter stützungen bis unter 3 M. hinab und bis über 30 M. hinauf. lieber 30 M. erhielten jedoch von 23 348 Alinosenempsängern, die Ende März 1394 vorhanden waren, nur 19. Heber schlechte Zeitcu klagt wiederum der neueste, das Jahr 1893/94 behandelnde Bericht über die Verwaltung der städtischen Gasanstalte». Das ungünstige finanzielle Ergebniß des Jahres wird aus mancherlei Umständen erklärt, aus der Konkurrenz des elektrischen Lichtes, des Ouerlichtes u.s.w. Außerdem aber heißt es im Eingang des Berichtes:„Tie un- günstige» Geschästsverhältnisse in allen Zweigen der gewerblichen Thätigkeit und der Industrie, deren bereits in den Berichten über die beiden letzten Betriebsjahre als von nicht un- wesentlichen» Einflüsse auf die Entlvickelung der städtischen Gasanstalten gedacht»verde» mußte, haben auch in dem Betriebsjahre 1693/94 eine Aenderung zun» besseren nicht � erfahren. In den Fabriken soivohl»vie in den Werkstätten der Haudiverker»nachte sich nirgend eine größere Thätigkeit gegen die beiden letztvergangenen Jahre bemerklich, nnd auch ,ii den Ladengeschäften nahm der Verkehr in keiner Weise eine größere Ausdehnung an. Es kam Hinz», daß auch die Bauthätigkeit infolge der großen Zahl der leerstehende» Wohnunge» und der größeren Sch,vierigkeit. Baukapitalien zu erhalten, sehr erheblich ziirückgegauge!» ist, wodurch insbesondere für die Bauhandwerker ein erheblicher Ausfall an lohnender Beschäftigung eintrat. Es konnte daher auch für die Ent Wickelung des geschäftlichen Betriebes der Gasanstalte» aus eine Steigerung des Gasverbrauchs kaum gerechnet werden,». s.>v." Die Berichte über die städtischen Werke, besonders über die Gas- anstalten, sind leider die einzigen, in denen man ein un- umwundenes Geständniß der»ingünstigen wirthschaftlichen Verhältnisse sindeu kann. In dem vorliegenden Bericht wird sogar zugegeben, daß auch die Arbeiter, ivenigstens die Bauarbeiter, darunter zu leiden haben. Daß bei den Gasanstaltsarbeitern dasselbe der Fall ist,»vird nirgends gesagt. Aber es ergiebt sich aus dem, Titel„Arbeitslöhne", ,vo angegeben»vird, daß beim eigentlichen Betrieh der Aiistalten(Bedienung der Oese» und Apparate) und beim Vertrieb der Nebenprodukte die Arbeitslöhne "iß 970 M. oder 2,13 pCt. weniger als im Vorjahre betrage», haben. Die Lohnsätze sind seit 1890 unverändert geblieben, also muß steh die Zahl der Arbeiter(über die der Bericht nichts sagt) vermindert haben. Natürlich„stand zu diesen Sätzen(sagt der Bericht) stets eine ausreichende Anzahl von Arbeitskräflen zur Verfügung", was sich, angesichts der von der Venvaltung verfügten Entlassungen, leicht begreifen läßt. Uebrigens»st in den» Berichtsjahre gerade an den Arbeitslöhnen noch etivas verdient»vorden. Auf je 1000 Kubikmeter produzirtes Gas kamen davon 7,57 M., gegen 7,70 M. im Vorjahre; macht eine Ersparniß von 0,19 Nt. pro 1000 Kubikmeter. Dagegen sind die Ausgaben für Direktion, Beamte und Bureau von 0,16 ans 0.30, also mn 0,14 M. pro 1000 Kubikmeter gestiegen. Hier scheint sich die Entlassung„überflüssiger" Arbeitskräfte und eine intensivere Ausnutzimg deS verbleibenden Personals als un- thunlich erwiesen zu haben. Weis? gegen schwarz. Der nach Einführung des„Weiß- lackirteu" von den„Schwarzen" gegen sdie„Weißen" unternommene Kampf im Troschkensuhrgewerbe hat gegemvärtig eine gänzlich veränderte Gestalt angenonnne». Nicht mehr sind es die „Schwarzen",»velche gegen die„Weißen" eisern, vielmehr sind es jetzt die„Weißen",»velche gegen die„Sehivarzen" operiren, und»veniger»vird der Kämpf von den eigentlichen Droschkenlutschern als von den Droschkenbesitzern ge< führt. Die berufenste Vertreterin der„Weißen"»st die Berliner Droschkenbesitzer-Vereinigung, eine nur ans Besitzern von Taxanieterdroschken bestehende und mit den Rechten einer juristischen Person ausgestattete Organisation. Welche Fort- schritte der Taxameter in Berlin— nnd»nit ihm die„Weißen"— gemacht hat, erhellt aus der von dieser Vereinigung gemachten Älngabe, daß bereits über 1000 Taxameter in» Betriebe sind,»vas»lngesähr einen» Drittel der Droschke» erster Klasse insgesammt entspricht. Li»ich für Droschken zweiter Klaffe sind Fahrpreis- Anzeiger in A»issicht geuominen. für deren Einführung indessen noch kein bestimmter Zeitpunkt vorgesehen ist. Stach Lage der Sache ist nicht zn beziveifeln, daß die„Weißen" über die„Schivarzen" den endgiltigen Sieg davon tragen»verde». Tie Kutscher haben,»venn auch»vider- »villig, sich bereits mit diesem Gedanken vertraut machen müssen Nachdem ihr Streik verloren gegangen ist, führen sie den Kamps gegen die„Weiße>»" nur noch auf dein GebieteaussichtsloserPetitionen. Auch vou denDroschkenbesitzeru habe viele abgeschivenkt und so mancher derselben, der anfangs mit am lautesten gegen den Taxameter und den„Milchtopf" zeterte, ist heute ins Lager der„Weißen" übergegangen und hat de» Fahrpreisanzeiger an seiner Droschke. Kein Wunder, daß die„Berliner Droschkenbesitzer-Vereinigung" die ihr günstige Situation»ach Kräften auszunutzen sucht und daher bestrebt ist, zu den bereits bestehenden 150 Droschken- Halteplätzen immer noch»»»ehr hinznznvcrlange». ins- besondere solche im Ausstellnngspark in Moabit, sowie an den Theatern und an Vergnügungs-Etablissements. Das heißt die„Weißen"»vollen die„Schivarzen" aushungern, indem sie ihnen die besten Bissen»vegschnappen. Diese Vorgänge im Droschkeufuhrgeiverbe haben ein iveit über den engen sachgewerb- lichen Rahmen hinausreichendes Interesse,»venu»na» berücksichtigt, daß hinter den„Weißen" die kapitaiistische„Taxameter- Gefell- fchafi" steht,»vährend.die„Schivarzen" mehr die noch unabhängigen Selbständigen repräsentiren. Die Zahl dieser Repräsentanten schmilzt aber immer mehr zusaunnen, der eiserne kapitalistische Reifen der Fahrpreis- Anzeiger dehnt sieh immer»veiter ans und die Hoffnung der„Weißen", daß bis zur Berliner Gelverbe-Ausstellung sie die Majorität haben werden, erscheint keineswegs unberechtigt. Das alte Berliner Droschkemvesen erfährt aber damit eine gänzliche Umgestaltung. Zunächst wird sich ein ähnliches Verhältniß herausbilden wie im Gaflivirthsgewerbe. Wie dort viele Gastivirthe abhängig sind von Brauereien und deshalb nach deren Pfeife tanzen müffcn,»verde»» auch nuinnehr zahlreiche Droschkenbesitzer in Abhängigkeit von der Taxameter- Gesellschaft gerathen. Tie Droschkenbesitzer haben»vohl erkannt, daß die Zeiten sich geändert haben»»id daß sie zivischen zwei Feuer gerathen sind: auf der einen Seite das Großkapital, auf der an- deren die Kutscher. Die Droschkenbesitzer haben bereits erkannt, daß sie einzeln ihre Interessen nicht zu»vahren vermöge», daß sie dazu vielmehr der Organisation bedürfen. So finden wir neben der„Vereinigung"noch de»„Droschkenbesitzer-Verein", die„Genosse»- schast", die„Innung"»c. Wenn die Kräfte jetzt auch noch zersplittert sind, so»vird die Interessengemeinschaft sie doch,»vollend oder nichtivollend zusammenschweißen, theils um den» Großkapital die Spitze bieten zu können,»Heils un» die Kutscher unter eiserner Juchtel zu halten. Auch das altehrwürdige Droschkensuhrgeiverbe nimmt immer mehr»nodern- kapitalistische Formen an, und mit diesen unabiveisbaren Thatsachen haben die Kutscher z>i rechnen. Gegen siekäinpsen die koalirten Unternehmer in erster Linie, auf sie »vird der allerschiverste Druck ausgeübt. Die Berliner Droschkenkutscher haben daher alle Ursache, sich ebenfalls zu organisiren und zivar zeitgemäß zu organisiren, ihren Verein mehr als bisher auf den Boden der modernen Arbeiterbeiregung zu stellen und»nit der neuen Leitung auch einen neuen Geist in denselben einziehen zu lassen, die zünstlerischen Allüren, die ihn» noch innner anhasten, abzustreifen und den veränderten Verhältnissen der neuen Zeit an- zupassen. Einen Vorgeschmack von dem.»vas den Kutscher» in Zilklliift noch alles erblühen kann, erhalten sie ans dem Vorgehen der„Weißen", resp. der Berliner Droschkenbesitzer-Vereinignng. Dieselbe hat einmal in Rücksicht auf den Umstand, daß sich iin letzten Vierteljahre 300 neue Droschken angemeldet haben, an das Polizei- Präsidium das Gesuch gerichtet, im Droschkenfuhr-Geiverbe den Bedürsnißnachweis einzuführen, damit der„Ueberhandnahme der Droschken" Einhalt gethai»»verde. Weiter will die Vereinigung, um einen moralischen Druck aus die Droschkenkutscher ausübe» zu können, für alle diejenigen Droschkenkutscher,»velche 5 Jahre bei einem Fuhrherrn„aushalten", eine Prämie einführen! Man sieht, die„Weißen" arbeiten mit durchaus reaktionären Mitteln— die ja jetzt allerdings„zeitgemäß" sind— in ihren, eigenen Interesse mid damit gegen die Interessen der Kutscher. Diesen eröffnet sich»eben den jetzigen bereits bestehenden trostlosen Ver- hältnissei» eine recht erbärmliche Perspektive auf die Zukunft. Wollen die Kutscher sich von kommenden Ereignissen nicht über- raschen lassen, so haben sie ans den jetzigen Vorgängen im Droschkenfuhrgewerbe die„othwendigen Lehren zu ziehen und zivar— ehe es zu spät ist. Zlnf die sozialdemokratischen Liederbücher ist die Polizei bekanntlich sehr schlecht zu sprechen. Und seit langen» fahndet sie bei allen Kolporteure» mit Emsigkeit nach dieser staatsgesähr- lichen Lektüre. Gestern, an» Donnerstag Vormittag,»vnrde dieser- yalb»vicder in der Buchhandlung von Th. Mayhofer Nachfolger gehaussucht»md,»venn freilich auch keine Liederbücher gesunden »vurde», so fiele» der Polizei doch einige Hefte anderer staats- gesährlicher Schriften in die Hände. Ter Inhaber der Firma, L. Steding,»vurde verhaftet u»d ist nach Moabit in Untersuchiingshaft abgeführt»vorden. Ebenso»vnrde beim Kolporteur Hern». Pelz er in der Madaistrnße gehanssueht, hier aber gar nichts gefunden. Pelzer»vnrde gegen U Uhr vormitlags verhaftet nnd nach dem Alexanderplatz geführt. Tort wurde er im Laufe des Tages bis abends 7 Uhr den ver- schiedenartigsten Verhören unterworfen, ohne aber— trotz seines ausdrückliche» Verlangens etivas— zu essen zu bekomme»». Pelzer »vurde schließlich unter Bedeckung zu einem ihm bekanute» Wirlh geführt, Ivo er sich restaurire», konnte. Wie können Bail'Unfäfle vermindert werden? Tie Delegirtenversammluiig der nordöstliche» Baugeiverks-Berufs« zenossenschafl hatte eine Eingabe a» die Behörden beschlossen, i»»velcher um rechtzeitige Vergebniig größerer Bau-Ansführungen gebeten wurde. In der von» Vorstande ausgearbeiteten Petition »vurde als»vesenllichstes Beiveismiitel für diese Forderung die o r t g e s« tz t e Steigerung der B a u- U» s ä l l e ins Feld geführt. Während»n, Jahre 1890 z. V. eine Verletzung auf 41,9, und ein schwerer, entschädigungspflichliger Unfall auf je 174.3 der bei der Berussgenossenschaft angemeldete» Arbeiter kam, entfiel 1893 eine Verletzung ans 30,9 und«in schiveur, entschüdigungepflichtigkr Unfall aus 119,0 Ar- beiter. Wie man sieht, trat innerhalb dieses kurzen Zeitraumes eine bedeuteude Steigerung ein. Um die Ueberhastung bei A»rs- führung der Bauten zu vermeiden,»vurde in der Petition»veiter ausgeführt, sollten die zuständigen Behörden veranlaßt werden, die Ausbietung möglichst aller Bauausführungen schon bei Anfang des Frühjahres vorzunehmen. Wo infolge einer erst spät erlangten Genehmigung der Bauausführung eine so frühzeitige Ausbietung nicht möglich»väre, sollte das Bauobjekt bis zur nächsten Bausaison zurückgestellt werden. Auf diese Eingabe hin ist jetzt,»vie die„B.-Z." mittheilt, durch den Minister der geistlichen. Medizinal- zc. Angelegenheiten der Bescheid ertheiit, daß die zuständigen Behörden angeiviesen sind, tui Sinne der in der Petition geäußerten Wünsche zn verfahren. Ziveifellos sind die Unternehmer für die bedenkliche Steigerung der Unfallgefahr in erster Linie verantwortlich zn machen. Daß durch die Verfügung des Ministers eine»vesenttiche Verminderung der Unfälle erzielt wird, ist kaum anzunehmen, da die Liaiiptursache: der Mangel an Vorschriften,»velche die Bau- leiler zivingen. Leben und Gesundheit ihrer Untergebenen aus« reichend zu schützen, nicht davon berührt ist. Bei Prioatbauteu bleibt die Gefahr, daß durch Ueberhastung bei der Ausführung der Bauten Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden, so »vie so bestehen. Es ist erklärlich, daß die Unternehmerschaft im Bangeiverbe, un» auf die Behörden in ihrem Interesse einznivirken, ein Interesse für den Arbeiter heuchelt, das sich sofort in nichts auflösen»vürde,»ven», ihnen zugemuthet»verde» sollte, zu gunsten der Betriebssicherheit bessere Bezahlung und vor allein kürzere Arbeitszeil eintreten zu lassen. Von diesen Argiimeiiten verlautet auf jener Seite nicht das geringste. Der leidende Theil in dieser Angelegenheit, die Arbeiterschaft, legt mit Recht dieser Seite der Frage: Wie können die Bau-Nafälle vermindert werden? den größten Werth bei. Er hat sein Herz entdeckt, der Geheime Ober-Regiernngs- rath und Stadtverordnete E p i n o l a und zivar in der Ver- samuiliing eines hiesigen Hausbesttzer-Vereins, in welcher er über „einige konnnnnale Tagesfragen" sprach. In dem Referate äußerte er sich n. a.: Man lebe in einer Zeit der Jnteresienkämpfe. und dies erfordere, daß sich hauptsächlich in den großen Städten auch der Grundbesitz fest zusammenschließe, um sich vor Steuer- überbürdnngen in geeigneter energischer Weise zu schützen. Der tz 10 der Städte-Ordnnng bestimme, daß in Berlin die Hätsle aller Stadtverordneten aus Hausbesitzern bestehen müsse. Es mache sich i» gewissen Kreisen eine starke Strömung bebemerkbar, gegen diese Bestimmung Sturm zu laufen und das Dreiktasscn-Wahlsystem zu beseitigen. Hier müßten alle Haus- besitzer, die doch das stabile Element in der Berliner Bevölkerung bilden. Main» für Mann auf dem Platze sein und gegen ein solches Unternehniei» mit Entschiedenheit Front machen.— Bei solchen Anschauungen hat Herr Geheimer Ober- Regierungsraih Spinola im Interesse seines Stadtverordneten- Mandats aller- dings sehr begründete Ursache, für das Dreiklasse»- Wahlsystem und den tz 10 der Städte- Ordnung einzutreten. Jedoch— die Weltgeschichte in ihrem Lails hält auch Herr Geheiiuer Ober- Regierungsralh Spinola sammt seinen Hansbesitzern nicht auf. Ans liebliche Zustände innerhalb der Militärkapelle» »veist ei» Bericht hin. dem»vir folgendes entnehmen: Der alte Streit zwischen den Zivilmusikern und den Militärkapellen, der durch die Vereinbarung eines neuen Tarifs für die Militärmusiker endlich seinein Eilde nahe zu sein schien, hat in letzter Stunde wider Erwarten sogar noch zu einem unliebsamen Zwiste inner- halb der Militärkapellen selbst geführt. Die Leiter von sieben Militärkapellen sind nämlich plötzlich mit Kon- trakten aufgetreten, die mit dem neuen Tarife nicht im Einklang stehen, diesen 7 Kapellen aber insofern ei,»en bedeutenden Vortheil gewähren, als sie die 10 übrigen von den Konzerten in mehreren großen.Etablissements,»vie dem Zoologischen Garten und den» Landes-Ausstellungspark ausschließen. Augenblicklich schivebt noch eine Untersuchung, ob.»vie behauptet wird, die be- treffende», Kontrakte auch vordatirt sind. Dadurch erschiene das Vorgehen der sieben Mann in einem noch nngünstigeren Lichte. Ohnehin erregt es nicht nur uiiter den bei, ach- theiligten Militärmusikern, sondern in den bezüglichen Regimentern überhaupt lebhaften Univillen, zumal unter den Dirigenten, die zu dem alten Tarife abgeschlossen haben, sich auch der befindet, der an der Spitze des AuS- s ch u s s e s stand, de», die Neuregelung der Angelegenheit unt» die Durchführung des neuen TanseS übertragen»var. Die Ka- pellen, die sich den, gemeinsauiei» Vorgehen entzogen haben, sind die des Elisabeth-, des Augnsta-, des 4. Garde-Regiments �u Fuß, des 2. Garde-Dragoner-, des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments, der Eisenbahn-Brigade und des Kadetten-Korps. Die Parteigenossen in Nixdorf werden schon jetzt auf das Volksfest ausmerksan» gemacht,»velches am Sonntag, den 23. Juni, in den Viktoriasälen, Hermannstr. 45. stattfindet, lieber das Programm der interessanten Veranstaltung»verde» die Annoncen und Plakate das Nähere besagen. Der Vertrauens- niaiii»: August Dohrmann. Gerhard Hauptmann's„Weber" sind nunmehr auch in Brandenburg a. H. verboten»vorden. Der Theaterdirektor Corneck, der in diesem Städtchen mit seiner Trtlppe gastirt, »vollte das Drama in, dortigen Soiiiinertheater aufführen. Die Polizei gestaltete dies jedoch nicht. Eine ArbeitsnachtveiSstefle ist jetzt auch von der Gemeinde Friedenau eingerichtet und bereits eröffnet worden. Bei der(»;»,« entgeltlichen) Zuiveisung von Arbeitsstellen sollen diejenigen Ar- beiler de» Vorzug erhatten,»velche länger als drei Monate im Genieindebezirke wohnen. Die Arbeitgeber»verde» von der Orts- verivaltung dringend ersucht, sich zur Beschaffung von Arbeits- krästen der Nachiveisstelle zu bedienen. Als Nachfolger des verstorbenen Polizei« Präsidenten v. Richthofen werden in der bürgerlichen Preffe die Herren Keßler, Polizeipräsident von Magdeburg. und Stube», rauch, Landrath des Kreises Teltviv genannt. Stubenrauch wollte,»venn»vir»licht irren, auch einmal Ober- Bürgermeister von Berlin»Verden. Herr Keßler hat bekanntlich oft seine Forsche in Sozialistenversolgung darzulegen gesucht. Viel Werth habe» diese Prophezeiungen der Presse nicht. In» Humboldthafen»vurde am Donuerstag Nachmittag die Leiche eines uubekannteii, etwa 16 Jahre alten Knaben ge« landet. Ein Tttinuiersiiugciistrcich ist von einigen„»vilden" Reportern zu einen»„sechsfachen G i f t in o r d v e rs»» ch" gestempelt»vorde». Wir stellten durch eigene Recherchen fol- gendes über den Thatbestand fest: Auf dem Hose des Hauses Wörtherstr. 37 spielte ain vorgestrigen Abend gegen 0 Uhr eine Anzahl Kinder, zu denen der 13jährige Sohn des in dem« selben Hause wohnenden Bankbeamten D. trat. Der Junge bot den Kleinen„Lakritzen" an und natürlich fand diese Offerte»villige Abnehmer bei den Kindern. Nach Genuß des Leckerbissens wurde den Kleinen übel, sie fingen jämmerlich zu»veinen an, ja bei einigen derselben trat Erbrechen ein. Natürlich entstand nun in» Hause große Aufregung, es wurde ein Arzt herbeigeholt, der zur Beruhigung der geängstigten Eltern feststellte, daß der I3jährige D. den Kindern kleinere Dosen hypermangansaures Kali gereicht hatte, das er sich irgendwo verschafft hatte. Schlimme Folgen haben diese„Lakritzen" für die Kinder nicht gehabt. HilsloS anfgefnudete»vurden an» Freitag Morgen zivei Personen, die man in ein Krankenhaus bringen mußte. Kurz vor 5 Uhr fand ein Schutzmann an der Ecke der Dorotheen- u»d Neustädtischen Kirchstraße einen und zivei Stunde» später ebenfalls ein Schutzmann im Strauchiverke an der Nationalgalerie eine Frau, die beide sich selbst nicht Helsen konnten und an- /cheineud schiver erkrault waren Die Beamten requirirten Droschken und brachte» die Kranke» in ein- Anstalt. In beiden Fällen sind die Persönlichkeiten noch nicht festgestellt, da die Kranken noch nicht vemommen werden konnten. Nrbeiterrififo. Durch Sturz vom Gerüst ist am Freitag -Nachmittag gegen 5 Uhr ein Arbeiter auf dem Grundstücke Dankelmannstr. 1 in Charlottenburg ums Leben gekommen. Mit dem Aufstellen eines Leitergerüstes beschäftigt, stürzte er aus der 'Höhe zwischen dem l. und 2. Stock herab, brach das Genick und war auf der Stelle todt. Ein Nuderboot, in welchem sich siebe» Personen befanden, kenterte am Mittwoch auf der Oberspree in der Nähe der Liebes- insel. Ein in der Leipzigerstraße ivohnender Kaufmann Hammer unternahm an dem gedachten Tage abends mit mehreren Bekannten in seinem neuerbauten Petroleum-Motorboot eine Probefahrt auf der Oberspree. Der Abend war sehr dunkel und so geschah es. daß das Schiff wohl infolge falscher Steuerung in der Nähe der Liebesinsel gegen einen im Wasser befindlichen Pfahl anfuhr. Während nun die Passagiere das Boot untersuchten und dasselbe abzubringen versuchten, erfolgte von der Seite aus ein zweiter sehr heftiger Stoß und gleichzeitig drangen aus dem Wasser heraus Hilferufe. Bei dem Versuche, von der gefähr- lichen Stelle loszukommen, hatte der mit voller Kraft arbeitende Motor ein Nuderfahrzeug überrannt und dasselbe buchstäblich durchschnitten. Von den sieben Insassen, jungen Berliner Hand- werkern, gelang es fünfen, sich an dem Wrack solange fest- zuhalten, bis ihnen Hilfe vom Motorboot wurde. Zwei andere Verunglückte, die in die Tiefe versanken, wurden bewußtlos auf- gefischt und erholten sich erst nach längerem Bemühen in einem Treptower Restaurant, wohin sie geschafft wurden. Erstickt ist vorgestern Nachmittag das zwei Jahre alte Töchterchen des in dem Hause Hochstraße 41 wohnende» Maurers Lage. Die Eltern des Kindes, dessen um ein Jahr ältere Schwester an Masern krank liegt, waren in Geschäften aus- gegangen. Das kleine Mädchen wußte sich aus der Stube Zu- gang in die Küche zu verschaffen und spielte dort mit Streich- hölzern, wodurch ihre Kleidchen in Brand geriethen. Als die Nachbarn den Brandgeruch wahrnahmen und die Thür zur Küche öffnen ließen, war die Kleine bereits eine Leiche; sie hatte schwere Brandwunden erlitten und scheint erstickt zu sein. Polizeibericht. Am 6. d. M. nachmittags wurde im Hum' boldthafen die Leiche eines 14 Jahre alle» Knaben angeschwemmt- — Auf dem Wörtherplatze wurde einem ö'/e jährigen Knaben von einem größeren noch nicht ermittelten Knaben Jodtinktur in den Mund gegossen. Sofortiges ärztliches Eingreife» verhinderte ernste Gefahr für das Leben des Kindes.— Von der Torsbrücke fiel gegen Abend ein Former in der Trunkenheit in den Spandauer Schifffahrtskanal, wurde zwar sofort herausgezogen, jedoch, da er sich bei dem Falle erhebliche Verletzungen am Kopfe zugezogen hatte, nach der Charitee gebracht.— In der Hochstraße ver- brannte die zweijährige Tochter eines dort wohnhaften Maurers. Das Kind hat in Abwesenheit der Elten, anscheinend nnl Streich- hölzern gespielt, dabei die Kleider in Brand gesetzt und war, als die infolge des Geruches aufmerksam gewordenen Hausbewohner herbeikamen, bereits todt.— Im Laufe des Tages fanden fünf kleine Brände statt. WitternilgSiiberficht Dorn 7, Jnui 1805. Wetter-Prognose für Sonuabend, 8. Juni 1805. Etwas kühleres Wetter mit mäßigen»ordwestlichen Winden und veränderlicher Beivölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Gerickks-Beikrmg; Ober-VerwaltungSgericht. A l s eineBerichtignng der Städteordnüng vom 30. Mai 1853 läßt sich eine Entscheidung des 2. Senats bezeichnen, welche am 5. Juni gefällt wurde. Mehrere Bürger der Stadt Salzwcdel hatten sämmtliche im November 1893 vorgenommene 6 Ergänznngswahlen für die städtische Vertretung angefochten, und zwar mit der Begründung, daß bei den Wahlen gegen einige Bestimmungen der Städte- orduuug verstoßen worden sei. Ter§ 13 derselbe» enthält u. a. die Bestimniung, daß jede Abiheilung ein Drittel der(für jede Kommune zulässigen Anzahl) Stadt- verordneten wählt, während tz 21 Absatz 3 bestimmt: „Alle Ergänznngs- und Ersatzwahlen werden von denselben Ab- iheilungen und Wahlbezirken vorgenommen, von denen der Aus- geschiedene gewählt war. Ist die Zahl der zu wählenden Stadtverordneten nicht durch drei theilbar, so ist, wenn nur einer übrig bleibt, dieser von der zweiten Abtheilung zu wählen. Bleiben zwei übrig, so wählt die erste Ab- t h ei l u n g den einen und die dritte Abtheilung den andern." Auf die gesperrt gedruckte, zuletzt angeführte Bestimmung stützten die Kläger ihr Vorgehen, indem sie be- mangelten, daß von den 3 im November 1843 vorgenommenen Ergänzungswahlen gemäß dem seit 1853 behördlicherseits an- gewandten Vertheilungsmodns je zwei auf die I. imd 3. Abtheilung und vier auf die 2. Abthcilung kamen. Bei striktem Festhalten an jener Bestimniung des§ 21 hätten, wie sie be-' ronlen, auf die I. und 3. Abtheilung je drei und aus die 2. Abtheilung nur zwei kommen dürfen.— Bekannt- lich hat auf grund der Städte- Ordnung von 1853 jede ihr unterstehende Kommune alle zwei Jahre ein�Drittel der Stadt- verordneten auszuscheiden. Der erwähnte Modus sollte nun jeder der drei Abtheilungen für sechs Jahre, der Amtsdauer eines Stadtverordneten, das gesetzmäßige Drittel der Salzwedel gesetz- lich zukommende» 24 Stadtverordneten sichern. Deshalb wird danach innerhalb sechs Jahren das Kollegium in der Weise er- gäuzt, daß zweimal Hintereinauder die I. und 3. Abtheilung je drei und die 2. Abtheilung zwei wählt, während das dritte Mal, wie im hier in Frage kommen- den Falle, von der I. und 3. Abtheilung je zwei und von der 2. Abtheilung vier gewählt werden.— Der zu- ständige Bezirksausschuß hat nun unter Abweisung der Klage ausgeführt, die betreffende Bestimmung des 8 21 der Städtc-Ordnung könne nicht unter allen Um- ständen durchgeführt werden; denn das würde dazu führen, daß innerhalb 6 Jahren für die 1. und 3. Abtheilung je nenn, für die 2. Abtheilung aber nur sechs Stadl- verordnete gewählt würden, während jede Abtheilung gleich viel in diesem Zeitraum wählen solle{§ 13).— Ter 2. Senat des Ober VerwaltungSgerichts bestätigte das U r t h e i l des B e z i r k s- A u s s ch u s s e s.— Zu erwähnen ist, daß in dem unweit Salzwedel gelegenen Gudelegcn dein Wortlaut des s 21 Abs. 3 entsprechend ge- haud.lt wird. Zur Zuständiakeitsfrage der Gerichte in Preß- An-' gelegcnheiteu. Wegen eines in einem Berliner Blatte er- schienenen Artikels wird demnächst vor dem Schwurgerichte in München gegen einen dortigen Schriftsteller verhandelt werden. Die Offizialklage gründet sich auf die Erzählung der Heiraths- affäre einer Schauspielerin, in der einem preußischen Prinzen eine aktive Rolle zugeschrieben wird. Die Berliner Gerichte, einschließlich des Kamniergerichts, wollten, der„Frankfurter Zeitung" zufolge, den Angeklagten in Berlin zur Rechenschaft ziehen, und es war ihm die Vorladung zur Verhandlung bereits zugegangen. Das Reichsgericht entschied aber, daß München der That- und Gerichtsort sei. Der Rath des Nechtökousuleuten. Eine Anklage wegen Doppelehe wurde gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I gegen den Portier Karl S ch e r z e r und dessen Ehefrau Ottilie geb. Guhse, verhandelt. Die letztere hat sich im Oktober 1377 mit einem Arbeiter Ziemke in Nobkowitz bei Bromberg verheirathet. Die Eheleute trennten sich schon nach einjährigem Zusammenleben; die Ehe wurde aber nicht ge- schieden. Im Jahre 1393 lernten die beiden Angeklagten sich in Berlin kennen und wünschten sich zu Heirathen. Die Angeklagte Scherzer wandte sich an ihre Ellern, um sich über den Ver- bleib ihres ersten Mannes zu erkundigen, die Ellern wandten sich an den Gemeindevorsteher und dieser ertheilte den Bescheid, daß Ziemke verschollen sei. Jetzt wandten sich die An- geklagten an einen Rechtskonsulenten Jacobsohn und, wie sie be- hanplen, habe dieser ihnen den Rath gegeben, sich ohne weiteres nach dem Standesamt zu begebe» und dort nichts von der früheren Ehe zu erwähnen, es würde sonst der Todtenschein ver- langt und die Trennung' der früheren Ehe würde viel Geld und Zeit in Anspruch nehmen. Leider hätten sie diesen Rath befolgt, im Oktober 1393 seien sie standes- amtlich getraut worden. Jin vorigen Jahre tauchte Ziemke wieder in seiner Heimath auf, er hatte sich seit seinem Ver- schwinden in Rußland aufgehalten. Als er von der Verheirathung seiner Ehefrau erfuhr, stellte er Strafantrag. Der Staatsanwalt verkannte nicht, daß der Fall besonders milde liege, er be- antragte das zulässig niedrigste Strafmaß, gegen jede» An- geklagten sechs Monate Gefängniß, verwies dieselben dabei aber auf den Weg des Gnadengesuchs, indem er ihnen die Unterstützung der Staatsanwaltschaft als sehr wahrscheinlich in Aussicht stellte. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage. Ter Seilermeister Bergk aus Nixdorf halte sich kürzlich vor dem dortigen Schöffengericht wegen Diebstahls zu ver- antworten. Die Sache erregt natürlich in der Einwohner- schaft großes Aufsehen. Bergk wurde beschuldigt, während der Kanalisations- Arbeiten der Gemeinde Nixdorf zwei Granitschwellen, zwei Tonnen Zement und mehrere Fuhren Sand entwendet zu haben. Die Anklage stützte sich vor- wiegend auf das Zeugniß eines Bäckermeisters Schulze, der mit Bergk verfeindet ist und gesehen haben wollte, daß die bezeichneten Diebstahlsobjekte auf das Grundstück des eingeklagten geschafft worden sind. Durch die Beweisaufnahme wurde jedoch fest- gestellt, daß die vom Zeugen Schulze gesehenen Objekte vom An- geklagten ehrlich erworben und keineswegs Gemeindeeigenthum waren. Der Angeklagte wurde daher freigesprochen, während der Zeuge ernstlich ermahnt wurde, künstig mit seinen Vermuthungen etwas vorsichtiger zu sein/ Vom Landrath von Niederbaruim. Eine Kritik landräthlicher Erlasse führte heute den Slgenren Emil Gersten berger ans Ncu-Weißensee vor die 4. Strafkammer am Landgericht 11. Am 26. März d. Js. ist der Angeklagte durch Urtheil des Schöffengerichts am Amtsgericht II wegen Be- leidigung des Landralhes für den Kreis Nieder-Barnim, Herrn v W a l d o iv, zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Hiergegen hatte die Stnatsanwaltschafl Berufung eingelegt, weil ihr das gewählte Strafmaß noch zu niedrig erschien, obwohl der Angeklagte bisher noch nicht vorbestraft ivar. Am 15. September v. I. fand in Weißenfee eine Volksoersamm- lung statt, in welcher der Reichstags- Ztbgeordnete Genosse Arthur S t a d t h a g e n über die„geheimen Erlasse" des Landraths v. Waldow sprach. Nach der Bekundung der über- wachenden Gendarmen Opitz und Jakob soll Stadthagen die Erlasse als gesetzwidrig, feige und niederträchtig bezeichnet haben. Nach dem Vortrage ergriff der Angeklagte zur Diskussion das Wort und führte eliva folgendes ans:„Ebenso wie der Herr Referent die geheimen Erlasse des Laudraths bezeichnet hat, muß ich seine öffentlichen Erlasse bezeichne». Sie stehen auf derselben Stufe wie die geheimen. Wie kommt der Landrath dazu, durch eine» Erlaß zü dekretiren, daß öffentliche Versamntlungen mit der Polizeistunde des betreffenden Lokales geschloffen werden sollen? Das verstößt ivider die Bestimmungen des Vereins- gesctzes, das ist gesetzwidrig und niederträchtig!" Der An- geklagte bestritt, die Worte„feige",„niederträchtig" ec. gebraucht zu haben und berief sich im übrigen auf den Schutz des § 193 des Strafgesetzbuchs, den er für sich beanspruchte, da jeder Staatsbürger das Recht habe, offenbare Gesetzesverlctznngen zu krilisiren. Die erneute Beiveisaufnahme ergab dasselbe Bild, wie in der ersten Instanz. Die Gendarmen verblieben bei ihren früheren Bekundungen, und von den beiden Entlastungszeugen gab der Schriftsetzer Kaufmann die Möglichkeit zu, daß er infolge der herrschenden Unruhe die inkriminirten Worte vielleicht überhört habe, während Zigarrenarbeiter Kopf behauptete, der Angeklagte habe jene Worte nicht gesprochen. Der Gerichtshof legte diesem Zeugen kein maßgebendes Gewicht bei und erhöhte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß die Strafe auf vier Wochen Gefängniß. Dein Landrath wurde außerdem die Publikationsbefngniß zugesprochen. Sozialo J/IcUctiirJjk. Ein städtischer Zlrbeitsiiachweiö soll auch in Frank- furt a. O. errichtet werden. Zunächst hat der Magistrat die Vorstände der Orts-Krankeulassen zc. um ihre Meinungsäußerung ersucht, ob ein solches Institut nöthig sei und wie es eingerichtet werden solle. Das VolkSschnlgeld abzuschaffen haben die bürgerliche» Kollegien der würltembergischen Städte Bönnigheim und Friedrichshasen beschlossen. Neber den zweifelhafte» Werth, den für die Berg- l e u t e die G e d i n g e- A r b e i t hat, wird uns ans Zwickau geschrieben: Man kann dies ans den Lohnnachweisen eines unserer sächsischen Werke ersehen, wonach in einem Monat d. I. an 25 von 128 Arbeitsorten bei der Gedinge-Arbeit nicht einmal der Schichtlohn, der von 1,69 M.(bei jungen Förderleuten), bis 2,89 M.(bei Vollhänern) und 3 M.(bei Zimmerlinge») steigt, erzielt, sondern von 2 bis 92 Pf. darunter verdient wurde. Um nun den Ausfall in etwas zu decken, iverden die Lente milten im Monat an günstigere Orte versetzt oder das Gedinge wird etwas erhöht; ob sie aber in jedem Fall ans den Schicht- lohn, der bisher als Minimallohn auf den Werken gilt, komme», das ist natürlich nicht ausgemacht, denn die an 193 Arbeitsorten gemachte Ausbeute(Mehrverdienst) stieg von 5 Pf. über den Schichtlohn nur in einem Falle bis auf 174 Pf.; in den meisten Fällen gab es Ausbeute unter einer Mark. Man sieht an diesem einen Beispiel, dem noch viele an die Seite gestellt werde» könnten, wie die Gedinge-Älrbeit thatsächlich dazu dient, die Löhne herunter zu bringen, die Arbeiter aber zur höchste» Anstrengung ihrer Kräfte zwingt. Kein Wunder, daß sie die Grubenver- waltungcn nicht fallen lassen wollen; sie ist ihnen ja das Mittel zur höchsten Ausnutzung der Arbeitskraft, das fette Dividenden bringt. Gegen das sogenannte„Unwesen" der Gründung von u« u e n B u ch d r u ck e r e i e» suchen sowohl die„großen" wie die„kleinen" Buchdruckereibesitz« schon seit Olims Zeiten nach einem Radikalmittel, um die jetzige Höhe ihrer Prositrate auf. recht zu erhalten, was natürlich nicht geht, wenn immer und immer wieder neue Buchdruckereien„über das Bedürsniß hinaus errichtet werden. Was Bedürsniß ist, entscheidet selbstverständlich nicht das Publikum, sondern der weise Herr Buchdruckereibesitzer. Jetzt hat nun das Preßorgan des deutschen Buchdrucker-Bereins. der Organisation der deutschen Buchdruckereibesitzer, zur Er- schwerung der Gründung von neuen Buchdrnckereien den Vorschlag gemacht, daß zwischen dem deutschen Buchdruckerverem und den Maschinenfabriken, Schriftgießereien und Buchdruck- uteiisilien-Haudlungen folgendes Uebereiiikommen getroffen wird: „Das Gewähren von Kredit wird dahin geregelt, daß neu zu er» richtende oder weniger als drei Jahre bestehende Druckereien bei Anschaffungen 33Vs— 59pCt. der Kaussumme sofort bei Liesernng und den Rest in längstens zwei Jahren zu zahlen haben, während länger als drei Jahre bestehenden Buchdruckereien für Schriften- und Utensilienlieserniigen bis zu zwei Jahren, für Maschinenlieferungen bis zu drei Jahren Kredit gewährt werden soll. Die Form des Leihlanfs ist unzulässig, ebenso die Betheiligung von Lieferanten an Konkurrenz- unternehmen Dritter, die gegen einzelne Buchdruckereifirmen ge- richtet sind. Zur Durchführung dieserBestimmungen werde» diejenigen Lieseranten, welche dem Uebereinkommen beigetreten sind, von Zeit zu Zeit veröffentlicht mit der Aufforderung an die Buch- druckereibesitzer, nur mit den genannten Lieferantenfirmen in Geschäftsverbindung zu treten." Dieser Vorschlag ist nach zwei Richtungen hin erheiternd. Erstens liegt die fortgesetzte Errichtung möglichst vieler Buch- druckereien gerade im Interesse der Maschinenfabriken, Schrift- gießereien und Ulensilienhandlungen, von denen manche deshalb selber Buchdrnckereien durch Mittelspersonen errichten. Zweitens ist in Sachsen, wo das Preßorgan des deutschen Buchdrucker- Vereins erscheint, die Aufforderung zum Boykott mit schwerer Strafe bedroht. Daß der Vorschlag im übrigen einen nichts weniger als verschämten Eingriff in die Gewerbefreiheit darstellt, sei nur nebenbei erwähnt. Gctvevltl'dicllkUdies. Aufruf an die in der Damen- und Kinder-Konfektion beschäftigten Arbeiter- und Arbeiteri n n e n und ganz besonders au die Genosse», deren Frauen und Töchter zu Hause beschäftigt sind. Am 19., II., 17. und 18. d. Mls. finden öffentliche Versammlungen statt, die sich mit der Frage der Er- richtnng von Betriebs-Werkstätten beschäftigen. Alle Frauen und Mädchen sind zu dieser Versammlung besonders ein- geladen, da sie gerade die größte Zahl der in der Hausindustrie beschäsligten bilden. Die A g i t a t i o n s- K o m m r s s i o n. Aufruf an die Steinsetzer in den Provinzen Branden- bürg, Schlesien, Pommern und Pose n. Kollegen! In F r a n k f u r t a. O. und S a g a n haben die Steinsetzer eine geringfügige Lohnerhöhung beantragt, jedoch haben sich die Meister bis jetzt geweigert, sie z» bewilligen. In Sagau ist des- halb schon ein Kollege gemaßregelt worden. Wir richten deshalb an Euch das dringende Ersuchen, Euch nicht unter irgendwelchen Versprechnngen nach den genannten Orten locken zu lassen, damit die dortigen Kollegen niit ihren bescheidenen und berechtigten Forderungen durchdringen. Die Meister haben nämlich gedroht, wenn die Gesellen streiken wollten, daß sie dann Euch als Streik- brecher heranziehen wollten. Kollegen! Laßt Euch nicht als Streikbrecher und Lohndrücker gebrauchen und haltet den Zuzug nach genannten Städten fern. Der Vorstand des Verbandes der Steinsetzer(Pflasterer) und Vernfsgenossen Deutschlands. I. A.: A. Knoll, Vorsitzender, Verlin, Emdenerstr. 42. Neber die Fabrik chirurgischer Jnstrumeute von Adam S t o r tz in Tuttlingen in Württemberg ist bekanntlich die Sperre verhängt. Da der genannte Unternehmer auswärts Arbeiter sucht, so werden die auf Stahl und Neusilber arbeitenden hiesigen Kollegen vom Vertrauensmann der Berliner Arbeiter der chirurgischen Branche ersucht, in der Stortz'schen Fabrik nicht in Arbeit zu treten. Leipziger Manrerstreik. In der gestrige» Versanunlniig der Ausständigen, wo beschlossen wurde, an der Forderung von 45 Pf. Stmidenlohn festzuhalten, entgegen der vom„Arbeitgeber"- Bund proponirten 49—45 Pf., wurde noch von mehreren Rednern mitgetheilt, daß die Maurer wiederholt versucht haben, mit den, „Arbeitgeber"Bil»d zu verhandeln, doch hätte dieser nicht einmal die betreffenden Schreiben beantwortet. Wenn sie sich also mit den Arbeitern hätten verständigen wollen, so konnten sie das früher thnn; an der Gelegenheit habe es nicht gefehlt. Eine Anzahl von Unternehmern hat inzwischen wieder bewilligt. Wird der Zuzug auch künftig streng ferngehalten, so ist ein vollständiger Sieg sicher. In Giebicheusteiu bei Halle haben sämmtliche Böttcher der Böttcherei von Albert Schwarz, Eichendorsstr. 39, die Arbeil niedergelegt, um einen Lohn zu erreichen, der schon früher gezahlt, aber seitdem wiederholt gekürzt worden ist. Zcczug ist zu vermeiden. AnS Stettin wird vom„Volksboten" gemeldet, daß auch der Besitzer der Grabow er Brauerei, Herr Wegner, die Arbeiterforderungen und zwar mit der einzigen Aenderung bewilligt hat, daß statt 3 M. für die Sonntagsdujour nur 2 M. gezahlt werden, da es sich nur um«in kleines Geschäft handelt. Ter Tischlerstreik in Wilster in Holstein ist zu gnnsten der Arbeiter beendet. Die Tischler, die früher eine It'/zstündige Arbeitszeit hatten, haben sich mit den Arbeitgebern dahin ge- einigt, daß in den Werkstätten 19V» Stunden und auf den Bauten 19 Stunden gearbeitet wird. Die Differenzen der Stellmacher sind noch nicht beigelegt, weshalb vor Zuzug gewarnt wird. Au die bk.'ngewerblichen Arbeiter des KöuiureichS Sachse» und der preußischen Provinz Schlesien!! Wie Euch durch unser Flugblatt 1 bekannt gegebe», sind die Ar- beiter des Baugewerbes unter der Leitung der Generalkommilstoil der Gewerkschaften Teutschlands in eine großartige Agitation gegen die Mißstände in den Baugewerbebeirieben eingetreten. Es handelt sich bei dieser Agitation, bei der richtigen Würdigung der traurigen Verhältnisse des baugewerbliche» Proletariats nicht allein um die jämmerlichen Hnngerlöhne oder die aller Menschen- würde hohnsprechende lange und ungeregelte Arbeitszeit, sondern diese Agitation soll die Mißstände„ans Licht der Sonnen" be- fördern, die namentlich ans das Konto deö Bau- spekulantenlhnms zu setzen sind. Wir meinen den m a n g e I- haften S ch u tz für die Erhaltung der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter. Bei dieser jetzt vo» uns nolhwendig zu entwickelnden praktischen Thätigkeit kommt es nun, um die öffentliche Meinung und die R e- gier un g von der Nothwendigkeit gesetzlicher Reformen zu überzeugen, hauptsächlich darauf an. daß wir authentisches Material zusammentragen. Es würde sich für die Vertrauenspersonen der baugewerblichen Arbeiter in den einzelnen Orlen um die gewissenhafte Beantwortung folgender Fragen handeln: 1. a) Sind die Uusallverhütnugs-Vorschriften der Be- rufsgenossenschast im Bau-, Arbeitsplatz und Steinbruch aus- gehängt? o) Und wie weit sind die darin enthaltenen Bs- stiinmungen durchgeführt? e) Sind die Balkenlagen abgedeckt? Sind die Gerüste. Hebe- und Auszugsvorrichtungen in guter Ordnung? 2. Ist eine bemerkbare Kontrolle durch„die Bcanf- tragten" der Berilssaenossettschast über die Durchführung der Unsallvethüinugsvorschriite» zu konstatire»? 3. Werde» am Orte die dWpolizeNichen Schutzbestimnmugen stmig durchgeführt? 4. Hat die Baupolizei(Ortsbehörde) in bczuc, auf dre An- Wendung deS offenen KoalsfeuerS(Koakskorb) im Bau irgend welche Bestimmungen refp. ei» Verbot erlassen? S. Wie stellt .lich die Ortsbehörde zu den Arbeiten in den offenen Winter- «auten?— Sind zum Schutze der Arbeiter gesetzliche -Bestiminiiiigen erlassen, wie z. B. bezüglich der Fenster- VntC-' 61 �'e �'e Aufenthaltsrciume für die Arbeitspausen beschaffen? a) Sind Baubuden vorhanden? d) Hat die Baubude Fenster? Ebenso einen Osen zum Er- -warme» des Mittagsmahles n. st m.? c) Ist der Boden mit Brettern ausgedielt? d) Wie verhält sich die Grösse der Bau- «»de zur vorhandenen Arbeiterzahl? 1. Sind Aborte vorhanden und wie sind diese beschaffen? Sind für die am Bau be -ffchästigten Frauen besondere Aborte vorhanden? 3. Sind in 'den Etagen Urin-Eimer aufgestellt? 9. Wie werden die �ohne ausbezahlt? Ist irgend welches Trucksystem im 'Sinne des§ 115 a und 117 der Gewerbe- Ordnung zu verzeichnen? 19. Wie hoch stehen die Durchschnitts- .ohne der einzelnen Berufskategorien im Baugewerbe? 11. Wie laug ist die tägliche Zlrbeitszeit? 12. Ist der Schnapsaennst unter der baugewerblichen Arbeiterschaft am Ort verbreitet? .&r<,0cn Interesse unserer so wichtigen Sache»ach bestem Wissen richtig zu beantworte», kann den denkenden Ge- Nossen an den einzelnen Orten nicht schwer falle». Wir müssen bei dieser Arbeil auf die Unterstützung aller Parteigenossen rechnen können, wenn unsere stalistischc Zusainmensielllnig richl'g und zuverlässig sein soll. Nun heran an's Werk'! Durch entschlossenes Handeln erreicht man sein Ziel! Zli bemerken ist noch, daß nach der kautschnckariigen Beschaffenheit des sächsischen Vereinsgesetzes die in der Sache thätigen Personen in öffentlichen Versammlungen gewählt werden müssen. Sind Referale und Auskunftsertheilungen nach -i>eii einzelneu Orten nothwendig, so ist der Unterzeichnete ver- pflichtet, dieses zu veranlasse». Die Thäligkeit der Dresdener Genossen erstreckt sich in dieser Sache im Einvcrständniß der Generalkommission, über das Königreich Sachsen und die preußische Provinz Schlesien. Ii» Austrage der Berlraucnsmänner der baugewerblichen Arbeiter von Dresden: G. Heiuke, Dresden, Reissigerstraße 55, part. l. Unter den ansgebenteten unteren Beamte» der öfter- r e 1 ch i s ch e n und der ungarischen P 0 st v c r w a I t u n g gahrt es lebhaft. In Wie n war am Donnerstag eine Teputa lion der Postbediensteten dein, Minister, um diesen für die Auf- besserung der Gehaltsverhältuisse zu gewinnen. Ucber das Ne- -sultat theilt das Wolff'sche Bureau nur uiit, daß der Sprecher »der Deputation aus dem Staatsdienste entlassen wurde, weil er ,deil Streik der Postbedienstelen androhte, falls bis Freitag die »Regierung keinen Bescheid gegeben halte. Danach läßt sich ' der Grad des ministeriellen Wohlwollens taxiren. Mit fder Entlassung mißliebiger Leute kann jeder regieren. Schwerer, aber auch ehrenvoller ist es, als Staatsbeamter .«ein Bedrückten sei» Recht zu verschaffe». In B u d a p e st haben Die Briefträger ihr qualvolles bisheriges Dasein ebenfalls satt. SSie verlangen höheres Gehalt und kürzere Arbeitszeit und .'wollen, wenn dos Ministerium kein Einsehen hat, die Arbeit -niederlegen. Wenn demnach der Telegraph die Kunde bringen -sollte, daß k. k. österreichische und k. ungarische Postbeamte in den Streik getreten sind, braucht sich die bürgerliche Welt nicht Hu ivunder». Wie man in den Wald hincinruft, so schallt es heraiis. In BndÄptst füTfitfu die Bäckergehilfe» um höhere» Lohn, kürzere Arbeitszeit und strenge Einhaltung der Sonntagsruhe. Aus dev' Schweiz. Der Holzar beitcr-Beroano -hat auf einer Delegirten-Konferenz seine Auslösung beschlossen. Dazu schreibt man uns: Die Berussverbände sind in der Schweiz noch keine alte Einrichtung und es werden deren immer noch -mene gegründet. Wo sie ernsthaft geleitet werden, haben sie sich �bisher ausnahmslos beivährt. Wenn man nun wieder an die Äluflösung der Verbände schreiten und zu den einzelstehenden Aachvereinen zurückkehren wollte, so betriebe nian damit -die reinste Vereinsspielerei, die einer den Kinder- lschuhen entwachsenen Arbeiterbewegung nicht würdig iväre. Glücklicherweise dürste das Vorgehen der Holzarbeiter -ohne Nachahmung bleiben.— Die Metallarbeiter haben auf ihrem Kongreß beschlossen, überall die Errichtung kommunaler Ärbeitsnachweise und Einigungsämter zu fordern, ferner für Abschaffung der Akkordarbeit zu wirken und sich um «ie Bedillgungen aller staatlichen und kommunalen Submissionen jü» bekümmern, um dabei für ausreichende Arbeitslöhne ein- Zutrete». In Sachen der Reiseunterstützung wurde bcfchloffen, .mit den ausländischen Metallarbeiter- Organisationen einen Ausgleich der großen, zu Ungunsten der Schweizer sich ergebenden Differenzen herbeizuführen, und wenn dies nicht möglich ist, die Mitglieder der betreffenden ausländischen Organisationen nicht mehr zu unterstützen. Ferner sprachen sich die Metallarbeiter für die Forderung nach obligatorischen Berufsgenossenschaften ans, die in einer Resolution als „erstrebenswerthe Etappe auf den» Wege zur Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel bezeichnet werden. Ter Metallarbeiter- Verband hat im letzten Jahre um 999 Mitglieder zugenomme» und zählt gegenwärtig 1390 Mitglieder.— Die in Zürich ab- gehaltene Delegirlenversammlung der s ch w e i z e r i s ch e n Ar- b e i t e r i n ii e 11- V e r e in e hat u.a. beschlossen, überall für An- stellung weiblicher kantonaler Fabrikinspekloren einzutreten. Tie Vorstände der örtlichen Arbeiterinnen-Vereine sollen sich mit den an ihren Orten besteheuden Frouenvereinen in Verbindung setzen und gemeinschaftlich bezügliche Petitionen an die Behörden absenden. DerreumnUmgeu. Die Brauerei- Hilfsarbeiter hatten am vergangene» Dokinerstag Abend bei Zubeil eine öffentliche Versammlung an- beraumt, um zunächst die bereits zweimal vereitelte Wahl zur Agitationskonunission zu vollziehen. Der Vorsitzende T a»1 m hatte bereits im voraus ersucht, alle persönlichen Gehässigkeiten und Zänkereien zu uiiterlassen im Interesse der Einigkeit und Organisation. Dieser Wunsch erfüllte sich leider nur zum theil. Indem sich über den für die Kommission vorgeschlagenen Kollegen Schneider eine längere und lebhafie Diskussion ent- spann, die damit endete, daß die gegen diesen erhobenen Verdächtigungen energisch und unter dem Beifall der Ver- sammlung zurückgewiesen wurden. Namentlich wurde von Eiermann(Brauer) auf die Wichtigkeit der Kommission und die Verantwortlichkeit deren Mitglieder soivie auf die große Lässigkeit der Berufsangehörigen hingewiesen, besonders die- jenigen, welche die meisten Unterstützuiigen erhallen, belhätigen heute nicht das geringste Solidaritätsgefühl. Hierauf wurden die Kollegen Schüler. Kohls(Weißbier-Brauer) e i 11- stimmig, Schneider mit allen gegen 1 Slimine in die allgeincine Agitationskomnlission gewählt. � Nach vollzogener Wahl referirte Genosse Jahn über„Sozial- ge'etzgebung und Berufsstalistik unter dein Beifall der Berfammluiig. Eine Diskussion hierüber fand nicht statt; sodann wurde das wortbrüchige Verhallen der Brauerei Leh- m a n» in scharfer Weise gegeißelt. Trotzdem der Brauerei- besitzer Lehmann wie alle anderen seine Unterschrift gegebe», entsprechend den getroffenen Vereinbarungen seine Arbeiter nur durch Vermittelung des allgemeinen Arbeitsnachweises der Brauer und Hilfsarbeiter zu beziehen, habe er bereits jetzt mit Umgehung dieses Arbeitsnachweises seine Arbeiter auf zwei volle Jahre zum bestimmten Prozentsatz, der sonst alljährlich festgestellt wurde, eingestellt. NNbaud de« In N»l,l>e>itt>»itu»gs-Fi>t>sili«» und nnf Koljplüt,«» beschäftigt«« Arbeiter«nd Arbeiterin»«« Dentschlanb». l Filiale Berlin I.) Moniag, den lo. Juni, abends Uhr, bei Wille, Andreasfir. 20: Bersammlunl,. Vortrag von Fräulein Baader über: Tie technische Revo- lution und die Organisation der Frauen. biihisch« Kesettschast. Sonntag, den 9. Juni, abends s Uhr, in Cvhn's Festsälen(großer Saal), Beuthslraße 20: Bersauimlung. Vortrag des Herrn Dr. Völlel aus Vraunschweig über: Die Stellung der Frau sonst, sjetzl und in Zukunft.— Die Bibliolhet bcftndet sich bei Eärlner, Molkenstraße 12 (am Molkeniuarki), geöffnet Sonuabendz von s— lo Uhr. ziero»üg»no»li lub Gftcnd bei Birks, Strantzbergerstr. 3. Sonnabend 9 Uhr: Sitzung mit Damen. Gäste ivilltommen. TUchUr-sterein. Heute, abends 9 Uhr, Melchiorstr. 15; Versammlung. Arbeiter zZildungsschnl«. Sonnabend, abends 7�— sz; Uhr: Lcttüre s!(— lojz Uhr: Nordschule, Müllerftraße>79», Dislulirübungen(Thema: Die Frauenfrage. Referent: Genosse Wildung) Süd-Ost-Schule, Waldemar straße u, Dislutirübungeu(Thema: Die Bevöllcrungssrage. Referent Genosse Fralscher.) Unenrgelllich. Bei allen Unterrtchlsfächer» werden Dame» und Herren jederzeit aufgenommen. Arb»>trr-Sii»oerb»»b Kerlins»»d Zlmgegend. Vorsitzender Ad. Ncumann, Baftivolkerfir. 9. Alle Aenderungen im VereinSlalender find zu richte» an Friedrich Korium, Manteufselstr. le, v. 2 Tr. Sonnabend, Abends 9— 11 Uhr: llebuugsßuvde und Auwobnie neuer Mitglieder. Gesangverein E s m e r a l d a, Königsbergersir. 5 bei RaSkowsky.— T r ii n e E i ch e, Nildorf, Hermaunstr. is. Ecke Herrsurihsuaße, bei HeiekauS.— Lurania, Landsl berger Allee iö« bei Ecebcl.— Eanges-Echo, Namirmstr. SS, bei Zubeil. — G I ü ei z n, Bascwairerslr. 3 bei Ncumann.— Gesundbrnnner Mäunerchor, Prinzen- Allee lo bei Bergmann— Mäiiner-Aesang- verein Lied erlranz in Brandenburg a.b. Havel, Mcngerl's Bolksgarien, Bergstr. S.— Deutsche Eiche II, Brandenburg a. d. Havel, Hauptstraße. Winkel's Talon.— Frisch auf I, Friedrichsberg, Rummelsburgerstr. ö» bei Adam.— Sänge rlu st, Luckenwalde, Beclitzerftr. St bei Ono Schulze.— Mäuuer-Gesaugverci» Forrschrltt, jeöntgsbergcrftrabe 2S bei Leichuitz— Hand in Hand II, FriedrichSbcrg, Friedrich Karlftr. Ii bei Emil Hciuecke.— Mämier-Sesanaverein Immergrün, Tegel, Span- dauerstr. IS bei ffi. vi entner.— M 0 a b t l, Havelbergerstr. 31.— Freie Sänger, Schmargendors, Wirthshaus Friedrich.— Hand in H a n d I, Admiralslr. SS bei Tutzauer.— Gesangverein„F lisch auf II", Schönivaldc in der Mark. Kund der gesrliige» Arbeitervereine Kerlin« und Ilnigegend Alle Zuschriften, de» Bund der geselligen Arbeiiervcreine belreffend sind zu richten an: P. Gent, Adalbertslr. os. Hounnbend! Thcaterverei» L es sing, Raupachslr. s, Restaurant Felsengrolle(jeden 2 und t. Sonnabend). Gesnug-, Turn- und aesellige Kereine. Sonnabend. Turnverein Fi chlc(Milgl. d. Teulschk» Arb.-Turnerb.) lurnt heute: l. Männer-Ablh. Friedcnstr. 37.— 3. Mäu»er-Ablh. Boeckhstr. 21.— 2. Lehrlings-Abih. Ekalitzerslr. 65— 56.— Gciutschter Ehor Gleichheit, Abends 9 Uhr, lZmdcncisUaße, Restauratcur Schirmer.— Bühneuverbaud Norman ia, jede» letzien Sonnabend im Monat Sitzung bei G. Leichuitz, Köiiigöbergerstraße Nr. 23.— Privat- Theater- Gesellschaft Schiller, Sitzung abends s Uhr bei Linke, Putlbuserstr. 2t. Nach der Sitzung: FidelUaZ.— Zhcalerverein B a v a r i a, Ackerstraße 17 bei Manfras. — Privatlhrnlcv Gesellschaft Tont, Sonnabend Uhr bei Zuleger, Swine- münbeistraße Itt.— Theaterveroln Lustige Brüder II, Sitzung jede» Sonnabend, Abends 0 Uhr, bei Reichelt, Hascnhaide Nr.«s/t?.— Theatergesellschaft 1 111 m er L u st t g, Abends s Uhr, Sitzunq bei Nuhl, Ehormeistr. 03.— Vcrgiiügnngsftub Ostend, Sitzung Äbends 0 Uhr im Restaurant Rudols, Kraulstraße s.— Geselliger Arbeiler- Verein Proletaria, Sonnabend nach dem I. und IS. jeden Monats, Abends 0 Uhr bel Sommer, Wrünstraße 21.— Ranchklud Blaue W 0 l k e II, Sitzung jeden Sonnabend 0 Uhr im Nestanraul F. Steuer, Wetnstraße 22.— Nanchklub Dornröschen, jeden Sonnabend, Abends 0 Ubr, bei F. Krüger, Fenüslraße s.— Nanchklub II» verzagt, Abends 9 Uhr bei Vogel, Lcbuserstr. 13.— Nanchklub Märkisch Kraut, Eisenbahnstr. 7 bei Engelhardt.— Skalklub Blaue Bloufe, jeden Sonnabend bei Wutlle, Eraudcnzerfir. 2.— Skalllnb Revolution, Sitzniil jeden Sonnabend 9 Uhr bei Hauptmann, Wienerstraße l— 0— Skallln! Brüderltchkeit, Sonnabend von s— n Uhr Sitzung bei Willwe Lehn, Stralsunderstr. 10.— VergnügungSverein Alpenvetlcheu, jeden Sonn, abend sjlv Uhr Sitzung bei Nupp-», Blnmenftr. 49.— Tambourveret» N n f- Sonnabcnd, abends 9 Uhr, beim Nestauralenr Sodiks, Jnfelstr. I.— Ar- beiler-Zilhciilub Frohsinn abends S Uhr im Neftaurant Reich, Blumenstraße 32.— Vctgnügungsverei» Bruderkelte, Sitzung abends 9 Uhr bei Parts, Elcdiischftr. 23. Gäste willkommen. v a n 3 Ii n 0 r e n j llg n r ej a, vranienstrasse ZI, hlöäcaslen Iivor l.ärel!>g KI. 9. Besägende ere velkomne, Danslee Aviscr lindes i Lokalci. Dent scher soziaidrinokratischer Lesestinb i» Karis. N»e Sl. Honore Sit Gase du Lion de Belsorl. Jeden Sonnabend öffcnllichc Ver sammlung: reiche Bibllolhek, Zeiiungen, französischer Unlerrichr. Kondon. Ter einzige hiesige sozialdcmotralische Verein Londons, der alte, von Karl Marx und Friedrich Engels isio initbegrNndete Kommunistische A r b e i t e r- B i i d u» g s v e r e i n besinde! sich nach wie vor 49 Totlenham Slreet ,Tolte»ham Eonrt Rd., W. London. VeriniNcklkesi ?>uö Ehorcditsch, England, war dieser Tage genieldet worden, daß bei einem dort vorgekommenen Todesfall Cholera als Ursache vermnthet worden sei. Im„Brilisch Medical Journal" theilt Tr. Klei» nunmehr mit, daß die pathologische und baklcriologische Untersuchung bei diesem Todessalle keinerlei Anhaltspunkte für das Vorhandenseiii asiatischer Cholera ergeben habe. Von dem grster« aus Württemberg gemeldeten Wolke nbruch sind am schwersten die Gemeinven Balingen, Frommer», Laufen und Dürrwangen betroffen worden. Ins- gesammt sind 49 Personen ertrunken und 39 Häuser lheils zer- stört, theils beschädigt. Schwer betroffen sind auch die Gemeinde» Thailsingen, Truchtelfingen und Meßstetten, weniger schwer die Gemeinden Lantlingen, Ebingen und Onstmettingen. Abends traf eine Abtheilnng Ulmer Pioniere per Sonderzug in Balingen ein. Behufs Beseitigung der Trünimer mußte» Nothbrücke» gebaut werde». Auch in verschiedenen Theilen Oesterreichs nnd Ungarns sind am Donnerstag lheils Wolkenbrüche, theils Hagelschlag niedergegangen, wodurch bedeutender Schade» an- gerichtet tvurde. Der„Staatsanzeiger für Württemberg" bringt über die entsetzliche» Verheerungen des Wolkenbruchs»och eine Reihe Mit- lheilnngcn: Danach sind die Wirkungen der Ueberschweunnuiig 'urchlbare; die Gesammtzahl der bisher ermittelten Todte» beläust sich aus 37. 19 Personen werde» noch vermißt. Heute stellte sich ein neuer, starker Regen ein, der noch weiteren Schaden anrichtele. Ein Kommando von 99 Pionieren ist heute früh eingetroffen und aus die geschädigten Gemeinden vertheilt worden. Die gefährdeten Häuser sind gestützt worden, an Herstellung der Straßen, Wege und Brücke» wird noch gearbeitet: es hat sich ei» Hitfskomitee gebildet. Von privater Seite wird die Zahl der Todten auf 59 an- gegeben, hiervon entfalle» auf Margrethausen allein 5. Gestcrn Abend slellle sich abermals ein Gewilter mit»volkenbruchartigem Regen ein, welcher im Eyachthal eine neue Ueberschwemmnng verursachte. Verluste an Menschenleben sind bisher nicht ge- meldet ivorden. Im Remslhal ging gleichfalls ein Wolkenbruch nieder, und die ganze Südhälste Württembergs wurde gestern durch Gewitter heimgesucht. Die Donau und der Neckar führen Hochwasser. Gegen Mitlag hat sich das Wetter ansgellärt und verspricht heiter zu bleiben. Durch wessen Schuld sind die Heizer aiif dem türkischen Torpedojäger g e t ö d l e t worden? Die erbärmliche Anschuldigung einiger kapitalistischer Organe, die Bediennngsmannschaft der Kessel trage selber die Schuld an dem Unglück, wird immer mehr als ein frecher, vom bösen Geivissen eingegebener Schwindel auf- gedeckt. Unserem Kieler Parteiblatt wird geschrieben:„Trotzdem die„Schleswig-Holsieiucr Volkszlg." die nichtswürdige» Anschul- diaungen der„Ltord-Ostsee-Ztg." gegen diejenigen Arbeiler, die sich nicht mehr verlheidigeu können, gebührend zurückgeiviesen hat, dürste es doch angebracht erscheinen, ein paar Worte zur Klärung des ganzen Systems beizufügen. Nach dem, was Be- theiligte übereinstimmend bekunden, liegt die Schuld solcher Katastrophen nicht an einzelnen Personen(oder doch höchstens nur zum kleinen theil), smideni am ganzen System. Bei Probe- yhrteu, bei denen es sich ja hauptsächlich um Feststellung der Fahrgeschwindigkeit handelt, wird darauf gesehen, daß nicht „zuviel" Wasser im Kessel ist; es darf nur soviel Waffer im Kessel sein, daß dasselbe im Wasserstandglas eben noch sichtbar ist. Bei hohem Wasserstand bekommen die betreffende» Heizer einen Anschnauzer. Und es ist nur zu einleuchtend; denn je weniger Wasser im Kessel ist, desto leichter ist es, de» hohen Dampfdruck(12 ig pro qcin) zu erreichen nnd auch dauernd beizubehalten. Nun weiß jeder Heizer, daß bei diesen ogen. Lokomotivkessel», die eine so riesige Heizfläche haben, bei niedrigem Wasserstand die Gefahr der Explosion eine sehr große ist, wenn nicht die Kesselspeisepumpen ganz vorzüglich funktioniren. Aber da scheint es gerade gehapert zu haben, wen» man den Gerüchten, die vorher nnd nachher laut wurden, glauben darf. lilber noch eins. Es ist auch Sitte, daß während der forcirten Fahrt die Kessel nur im alleräußersten Fall mit Wasser gespeist werden. Und darin liegt eben eine große Gefahr. So viel steht fest: So lange die Kriegssurcht die Konkurrenz der Kriegsfahrzeuge mit immer höherem Dampfdruck zu fahren bedingt, und die Profitwulh des Unternehmerthums bestehen bleibt, so lange werden Katastrophen, wie die am 27. Mai, leider nicht aus der Welt geschafft. Hat es doch sogar der„Reichs-Anzeiger" bei Gelegenheit des„Brandenburg"- Unglücks mit verblüffender Offenheit betont, daß, so lange mit so hohem Dampsdruck ge> fahren wird, auch derartige Katastrophen nicht ganz ausgeschlossen sind. Für die Arbeiter aber, die derartige Probefahrten mit- inachen, giebt die ganze Sache zni» ernsten Nachdenken Anlaß." Ans Fünfkirchen berichtet ein Telegramm vom Donnerstag: Durch eine zwischen Pincehely und Simontornya nachts durch furchtbares Unwetter hervorgerufene Ueberschwemmung entgleiste ein Güterzug. 15 Waggons wurde» zertrümmert. Verwundet wurde niemand. Vom Uebermuth der GesellschaftSstiitzen. Ein Westend- „Schuhmacher" in London hat, wie wir in den Blättern lesen, jüngst einige Andeutungen über die Riesensumineii gemacht, die einige Damen der Aristokratie auf ihre Schuhe und besonders auf ihre Pantoffeln venvenden. Zivei Beispiele: Vor kurzem ließ eine Gräfin, deren Name» jedermann in London bekannt ist, ein paar Pantoffeln herstellen, die mit Stickereien verziert waren, zu denen Rubineu, Smaragde und Diamanten benutzt wurden. Die Pantoffeln waren„entzückend", kosteten aber die Kleinigkeit von 39 999 Mark! Die gegenwärtig verwitlwete Gräfin von be- stellte vor einigen Jahren ein paar Pantoffeln, in denen sie als „Aschenbrödel" auf einem Maskenball erscheine» wollte, den der Herzog von Manchester gab. Die Pantoffel» waren dicht besetzt mit Diamanten; der Werth der Steine betrug mehr als 249 999 M. und das Fassen kostete 3999 M. Ein solcher Wahn- sin» spielt sich bekannllich als Ordnung auf. Neber die Schensilichkeite», die in englischen Gefängnissen getrieben werden, berichten die Blätter gelegentlich der Ver- urtheilung der Wüstlinge Wilde und Taylor folgendes: Oskar Wilde und Taylor sind wegen ihrer Sünden zu harter Arbeit(Iiard labour) verurtheilt worden. Nachdem sie im Gefängnisse von Pentonville im Norden von London gebadet und gewogen worden, wurde ihnen die Sträfliugskleidung angelegt, und sie mußten in die Tretmühle eintreten. Es ist ein Riesenrad, dessen Halbmesser vier Meter laug sind und dessen Peripherie in Zellen eingetheilt ist. In jede kommt einer der Vernrtheilten und muß sich an seinen beiden Händen, die in zwei Ringen stecken, aushänge», um mit seinem Gewichte zum Gange des Rades beizutrage», das� er in seiner Zelle nicht einmal steht. Wenn er sich sträubt, erhält er vom Aufseher eine» Peitschenhieb; wenn er aufhört, erhält er vom Rade einen starken Stoß an die Füße; wenn er stranchelt, so riskirt er eine» Beinbruch. Weigert er sich ganz und gar, so erhält er dienennschwänzige Katze. Mehrals drei Stunden am Tag dürfen die Sträflinge nicht in die Tretmühle gebracht werden. Die Arbeit ist aber auch, namentlich für den Neuling, so er- inüdeud, daß man ihm allemal nach einer Viertelstunde fünf Minuten 3iuhe gönnen muß. Außerdem müssen die Verurtheilten gebrauchte Taue der Marine in Werg auflösen, eine Arbeit, bei der man die Hände sich ausreißt, so daß sie bluten. Die Verurtheilung der beide» Sünder hat wenigstens das eine bewirkt, daß die Folterqualen, die man Menschen in den Gefängniffen eines Kulturstaates zu theil werden läßt, ans Licht kommen. So lange nur Leute in die Tretmühle kaineu, welche ein Brot gestohlen hatten, war von den Gesäiignißzuständen Londons nicht weiter die Rede. SpbersxfÄcll. Die Relxlklidn siellt die Benutzmig des SprechsaeilS, sewsil osr Rsuni dajilr «dxugedsn ist, dem Vubliluin zur Besprechung von Auaelsgenheilen allgemeinen JnieresieS zur Verfügung: ste ivahri sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben idenlisizirt zu werden. In der Sonntags- Nummer des„Vorwärts" ist unter der Spitzmarke„Das Schivitzsystem in der Konfekton" ein Artikel enthalten. In diesem Artikel findet sich unter anderen folgender Absatz:„Eine Bewegung gegen die einheitlich aufgestellten Forderungen, unter Anführung zweifelhafter Elemente, macht sich in der jüngsten Zeit bemerkbar" u. f. w. Da sich dieser Absatz nur auf den„Verband der Damen- konseklion»- Arbeiler lind- Arbeiterinnen" bezichen kann, so fühlt sich der Vorstand des Verbandes veranlaßt, dagegen Protest zu erheben. In dem Vorstand obigen Verbandes, der doch wohl in erster Linie als„Anführer" bezeichnet werden uulß, sind weder Genossen noch Genossinne», welche die Bezeich- nnng zweifelhaftes Element auf sich nehmen. Sollte jedoch der Artikelschreiber unter dem Vorstand obigen Verbandes zivcisclhafte Elemente kennen, so fordere ich denselben im Interesse der Sache aus, dieselben öffentlich zu nennen. I.A.: E r i ck S p ö t t e r, Gr. Frankfurterstr. 133. Wir haben diese Zuschrift de», betreffenden Artikelschreiber vorgelegt, der darauf folgendes erividert: Ich muß konstatiren, daß ich Herrn Spötter persönlich nicht kenne. Ebensowenig ist mir bekannt, welche Personen sich in dem Vorstand obigen Vereins befinden. Ich bin sogar im Zweifel darüber, um welche» Verband es sich hier handelt. Nach mir gewordenen Mittheilungen bestehen gegenwärtig zwei Verbände gleiche» Namens. Od er der Vorstand einer dieser zwei Verbände oder eines dritten und vierten Vereins ist, weiß ich nicht. Unmöglich wäre eS nicht, denn das Vereinsgründuiigsfieber grassirt in unserer Branche augenblicklich wieder recht stark und treibt die absonderlichsten Blüthen. Damit wäre die Anfrage erledigt. Da es aber, wie aus der Zuschrift hervorgeht, Genosse» nnd Genossinnen sind, die sich im Vorstand des betreffenden Verbandes befinden, so gebe ich ihnen recht gern noch folgende Erklärung, welche Per- sonen ich unter ziveiselhafle Elemente verstanden haben will: 1. die, welche immer nur da auftauchen, wo es etwas zu stänkern giebt; 2. die. welche in dem Augenblick, wo>vir mit den Unternehmern auf dem Kriegsfuße stehen, Zer- splitternngstaktik treiben nnd befürworten; 3. die, welche ihre vornehmste Aufgabe darin sehe», wie unverhohlen verkündet wird, den deutschen Schneider- und Schneiderinnen- Verband zu unter- grabe»; 4. die phrasenschnatternde», sonst aber recht harmlosen aiiarchistischen Leisetreter, deren ganze Leistung in dem Geschimpfe aus unsere Partei besteht und natürlich noch darin, daß sie den Unternehmern Vorspanndienste leisten. Die Personen, auf die vorstehendes zntrifft, sind mit der Bc- zeichnling zweifelhaste Elemente gemeint. Von dieser Spezics sind gegenwärtig verschiedene an der Minirarbeit. Es ist nicht anzunehmen, daß die Genossen und Geiiosflitnen des fraglichen Verbandes der Damenkoiisektions- Arbeiter und-Arbeiterinne» diese Thäligkeit in Schutz nehmen. Bvivfksjten des Dedaktion. Wir btlten bei jeber Anfrage eine Chiffre(gwel Buchstaben oder«ine Zahl) anzugeben, unter der die Aniwort erlhellt werde» soll. In 3i e ch t s a n g e l e g e n h e i t e n wird a u s sich l i e ß- l i ch a m Montag. D i e n st a g, Donnerstag und Freitag von 7 bis 3 Uhr abends Auskunft er- theilt. P. M.«Ä. Die Adresse des Maschinenbau- Werkmeister- Vereins ist: F. Ehrhardt, Berlin, Boyenstr. 13. Sozialdemokrat Stanislaw, Galizien. Sie erhalten das Buch gegen vorherige Einsendung des Betrages in Höhe von 5 M. für Leinwand geb. oder 5,59 M. für Halbfranz. A. L. ItMl. Am Dienstag Abend. K. L. Ihr Gedicht ist leider nicht verwendbar. Auch haben wir überhaupt keine» Bedarf an Gedichten. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck lind Verlag von Max Vading in Berlin, SW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vomarts" Berliner Volksblatt. Ur. 131. Sounnbeud, den 8. Juni 1893. II. Jahrg. Das Landgericht und die Koionnenfnhrer. Schon wieder droht eine der vornehmsten und segenZreichsten Errungenschaften der Wirksamkeit des Berliner Gewerbegerichts verloren zu gehen, die Praxis nämlich, welche sich im Laufe von 2 Jahren hinsichtlich der rechtlichen und sozialen Stellung der Kolonnenführer in Hunderten von Fällen gut bewährt hat. Beinahe 2 Jahre hat das Gewerbeaericht(Kammer III) an seiner Hebung festgehalten, Kolonneufiihrer, die sich that- sächlich, also in materieller Hinsicht, als nur gleich- berechtigte Mitarbeiter und Kollegen der übrigen Mitglieder der Putzer- oder Steinträger- Kolonne erwiesen, nun auch rechtlich als solche und nicht als Arbeitgeber der fraglichen Putzer, Steinträger ec. gelten zu lassen. Und daran hat man festgehalten, obgleich bereits vor einem Jahr das hiesige Landgericht I sich damit in Gegensatz stellte, und zwar hat das Gewcrbegericht seine Praxis nicht zuni Schaden seines Ansehens beibehalten. Neuerdings nun, wo wieder ein gegentheiliges Urtheil des Landgerichts vor- liegt, scheint man doch in bestimmten Kreisen geneigt zu sein, sich auch in dieser Frage der Berufungsinstanz zu unterwerfen, wie man es in der Hcimarbeiterfrage gcthan hat. Wir nwchten davor warnen, einem zu weit getriebenen Formalismus zur Liebe vielen Bauarbeitern die Möglichkeit zu nehmen, den- j e n i g e n bei etwaigen Ansprüchen zu packen, der etwas hat. Ter rechtlich zum Uniernehmer emporgehobene Arbeiter, Kolonnen- sichrer genannt, hat bekanntlich„merschtendels nischt", woran sich die halten könnten, denen ihr Lohn nicht wurde, weil der„Unter- nehmer vom Obernnternehmer auch nichts erhielt.— Das neueste Urtheil des Landgerichts sei im Anschluß an den z» arunde liegenden Thatbcstand hier wiedergegeben. Ter Putzer Älbrecht hatte mit dem Maurermeister Meyer einen jener be- kannte» Verträge abgeschlossen, in dem sich ersterer verpflichtete, unter Heranziehung der erforderlichen Putzer und Träger die Putzarbeiten an einem Neubau gut und innnerhalb ge- wisscr Zeitgrenzen auszuführen. Als Kontrahenten waren in dem Bertrage nur Albrecht und Meyer angeführt. Für den Quadrat- meter Putzfläche wurde ein Akkordsatz von 17�/2 Pf. vereinbart, zugleich aber wurde, wie üblich, bestimmt, daß Albrecht pro Tag und Kopf eine bestinnnte Summe(hier K,d0 M.) zur Lohnanszahlung erhalten sollte. Der ev. Ueberschuß(sog. Nachschub) sollte nach Fertigstellung der Arbeit ausgezahlt werden.(Wohl- bemerkt: der möglicherweise sich herausstellende Nachschuß. Dies festzuhalten, ist deshalb bezüglich der materiellen Stellung des„Führers" wichtig weil häufig der Ueberschuß ganz fort- fallt, za manchmal für die letzten Arbeite» des Gesammtakkordes nicht einmal der Lohn verbleibt.) Festgelegt wurde im fraglichen Vertrage noch, daß der pro Tag und Kops fest- gesetzte Betrag nur gezahlt werden sollte, wenn mindestens das entsprechende Quantum Putz geliefert sei. So hätte also im Falle einer geringeren Gesammltages- oder Wochenleistung, jeder ein- zclne Mitarbeiter mit einem geringeren Tage-lohn zufrieden sein müsse». Die späteren Kolonnenmitglieter waren also an dem Vertrage von vornherein direkt intcressirt. Mit der erwünschten Anzahl von Kollegen, die sich Albrcchl nun zusammenholte oder schon„an der Hand" hatte, begann er dann auch am L3. September vor. Js. die Arbeit, nachdem er diese Arbeiter vorher aus- drücllich auf die Bedingungen des Vertrages verpflichtet hatte. Nach etwa einer Woche wurden die Leute, Älbrecht eingeschlossen, zum Feiern gezwungen, weil erst die Polizei Einspruch erhob, dann aber wieder der zur Arbeit unerläßliche Mörtel fehlte. Taraus ging schließlich ein Entschädigungsanspruch hervor, den 12 Putzer und 4 Träger unter der Firma A l b r e ch t und Genossen gegen den Maurermeister Meyer beim Gewerbe- gericht geltend machten. Auf eine Darstellung jeder Einzelheit des Prozesses kann hier verzichtet werden, da es uns bei diesem Falle nur aus die vom Gewerbegericht bejahte, vom Landgericht aber verneinte Frage ankommt, ob der Kolonne». führer lediglich als Arbeitnehmer und Kollege der andere» Kolonnenmitglieder anzusehen sei. Das Gewerbcgericht ver- Große Kerliuer Knttstnnsstdlttttg. (Schluß.) Die Münchener Sezession und ganz vorzüglich einige einsame Knustler süddeutschen Stammes sind es, die für deutsches 5iu»st- bestreben ein vollwerthigcsZeugniß ablegen. Die einsam Wandeln- den waren im Lauf ihrer Eulwickelung immer mehr auf sich allein gestellt. Im Anfang wurdeusie bespöttelt, als Sonderlinge bewitzelt, ilnd das gerade sührle sie, wie es bei trotziger Energie nicht selten ist, zum treuen und zähen Festhalten an ihrer cigenc» Natur, zur Abgeschlossenheit in sich selber. Als ihnen dann ver- hältuißmäßig spät erst Anerkennung und Ruhm zu theil wurden, da waren die Eigenbrödler so stark schon in ihrer künstlerischen In- dividualität gefestigt, daß sie eben nicht mehr anders konnte». Modemaler wurden sie nie, weder Hans T h o m a, der Empfind- same, noch der wackere Leibi, noch der probirlustige Wilhelm Trüb» er; als der Frankfurter Hans Thoma zuerst austrat und seine Ideal- Lnndschaslen und Märchen zur Schau stellte, da ließ man ihn nicht als besonderen Charakter gelten. Es hieß, er rede in Böckliu's Sprache ohne Böcklinschen Farbenzauber und ohne Böckliu'sche Gluth. Ter deutsche Kritiker, wie er leider im Durchschnitt besteht, ist gar so leicht geneigt, ein- neu auftauchende Erscheinung rasch zu schemalisiren, sie i» eine Schule, ein geläufiges Fach einzuschachteln. So wurde Thoma zum flügellahme» Schwächling abgestempelt, der vergebens sich abmühe, zur Höhe Böcklin'scher Phan- tasie sich emporzuschwingen. Heute haben sich die Ansichten über Thoma geklärt. Mau stellt ihm nicht mehr de» mächtigeren Böcklin gegenüber, man hat empsinden ge- gelernt, daß Thoma ans eigener Scholle baue. Während Böcklin in seiner Jdcallaudschaft das Erhabene, heroisches Palhos aussucht malt Thoma mit zarteren Händen ein Idyll, selbst da. wo er mit seinen Stoffen direkt an Böcklin erinnert, z. B. Charon führt die Seelen der Abgeschiedenen ins Schaltenreich, das auf unserer Ausstellung freilich nicht günstig hängt. Eine durchaus mannhafte Erscheinung ist Wilhelm Leibi: grund- ehrlich, kraftvoll und einfach. Der hat es immer geliebt, sich abzusondern von der Menge seiner Kunstgenossen. Vereinsamt, wie ein bäuerlicher Man» fast, lebte er in Dachau bei München und heute schafft er zu Aibling in der Nähe von Roseuheiin. An geistreichen und geistreicheluden Manieren hat Leibi kein Ge- fallen. Schlicht und ernsthaft ist sein Grundwesen und eindring- lich besonders erweist sich seine Kraft, wo sie länd- liche Charaklerköpfe iviedergicbt, wie in dem ganz prächtigen Tiroler Kopf und in der Studie„In der Kirche". T r ä b n e r zu München war in seinem ganzen Küustlerleben wohl über Gebühr gescholten und über Gebühr gepriesen. Er ist exzentrischer, unruhiger als Thoma und Leibi. Während die nüt ruhiger Ausdauer ihre Spezialität pflegen, bat Träbner bald dies, bald jenes versucht. Er hat sich an die pathetischesten Kunstaufgaben, wie in dein Thema zu urtheilte unter Vorsitz des Assessors von Witzleben den Be- klagten Meyer, dessen Hanpteinivand, garnicht Arbeitgeber der Kläger zu 2 bis 16, sondern nur Auftraggeber des Putz- Unternehmers Albrecht gewesen zu sein, es für n i ch t i g erklärte. I» den hierauf bezüglichen Ausführungen der Urtheils- begründung betonte der Vorsitzende besonders die Thatsache, daß der Beklagte Meyer bezw. dessen Vertreter mit Umgehung Zllbrechts den Abschlagslohn direkt an die Kläger gezahlt hatte, sowie den Umstand, daß die Kläger sich den etwaigen Ueberschuß theilen wollten, ein Unter- nehmergewinn also ans jeden Fall garnicht in Frage kam. In den Gründen wird weiter ausgeführt, Meyer habe sich durch seine schriftliche Abmachung mit Albrecht nicht nur diesem) sondern durch den von ihm angenommenen Zlrbeitern gegenüber verpflichtet, deren Kollege und Mitarbeiter Albrcchl gewesen sei. — Die 8. Zivilkammer des Landgerichts I hob dies Urtheil aus 1. weil die Kläger zu 2 bis 16 nur gegen Albrecht hätten klagbar werden können, der S u b u n t e r n e h ni e r und ihr Arbeit- g e b e r gewesen sei, 2. weil Ällbrecht als Subunternehmer nicht das Gewerbegericht gegen Meier hätte i» Anspruch nehmen dürfen. Aus den Entscheidungsgrüuden mögen folgende be- merkenswerthe Stellen hervorgehoben werben:„Nach den allgemeinen Grundsätzen über Verträge besteht darüber kein berechtigter Zweifel, daß derjenige, der mit einem anderen, sei es auch im Auftrage eines dritten, im eigenen Namen einen Vertrag abschließt, durch diesen Vertrag dem anderen Kontrahenten gegenüber allein berechtigt und ver- pflichtet wird."—„Die Frage, ob ein Vertragsverhältniß in Slellverlretnng eines dritten eingegangen sein soll, hat aber auch— abgesehen vom Gebiete des Handelsrechtes— nicht nur nach den bei dem Vertragsabschluß abgegebenen Erklärungen, sondern auch unter Berücksichtigung der sür das in Frage kommende Ncchtsverhältniß obwaltenden Umstände entschieden werden müssen. Im vorliegenden Falle fehlte es indessen an jedem thatsächlichen AnHall dafür, daß etwa Albrecht nur als Vertreter des Beklagten die übrigen Kläger engagirt hat."— Nach diesen Ausführungen verweisen die Gründe auf die vor dem Landgericht abgegebene Erklärung des Klägers Albrecht, mit den, Beklagten Meyer den Verlrag abgeschlossen und dann selbst die übrigen Kläger engagirt zu haben, sowie aus den Berlragsinhall. Dieser wie die Erklärung A.'s ließen denselben als Sub- Unternehmer erscheinen, dem die anderen Kläger als ihrem alleinigen Kontrahenten gegenüber gestanden hätten. Dann heißt es weiter: Wiederholt habe die entscheidende Zivilkammer darauf hingewiesen, daß die im Baugewerbe nicht selten beobachtete Praris, den kontraktlichen Nexus zwischen dem Haupt- Unternehmer und de» Banarberlern durch Einschiebung eines Subunternehmers zu verhindern, im v o l k s w i r t h s ch a f t- l i ch e n Interesse n a m e n t l i ch dann als b e- dauerlich erscheint, wenn dadurch den Arbeitern eine Persönlichkeit gegeuübergeslellt werde, die wegen der L o h n a n s p r ü ch e ausschließlich auf fremde Hilfe angewiesen sei. Indessen müsse es den Arbeitern überlassen bleiben, sich vor dem Eingehen von Arbeitsverträgen mit solchen nicht leistungs- fähigen Subunternehmern zu hüten. Verständen sie sich aber einmal dazu, derartige, rechtlich nicht zu beanstandende Verträge einzugehen, so bleibe ihnen infolge der aus der Natur der Sache sich ergebenden Rcchlsgrundsätze kein anderer Weg, als sich an de» mit ihnen im eigenen Namen kontrahiren- den Siibnnternehmer(Kolonnensührer) wegen ihrer Ansprüche zu wenden.— Das ist angesichts unserer sozialen Verhältnisse ein recht zweifelhafter Rath, der da den Arbeitern gegeben wird; gerade, als ob nicht die Macht des Kapitalismus den'Arbeiter zwänge, auf die ihm genehmen Verträge einzugehen. Wir können zum Schluß nur nochmals de» Wunsch aussprechen, daß das G e- w e r b e g e r i ch t bei seiner auf g r ü n d l i ch e r Berück- s i ch t i g n n g der thatsächlichen Verhältnisse b e- r u h e>t d e n Praxi i ä bleiben möge. Taute's Hölle gewagt und ist selbst vor dem gemachten Witz „Cäsar ain Sinb.lon", der bedenklich an Trivialität streift, nicht zurückgeschreckt. Das werthvollste, was hier von Träbner zu sehen ist, sind vielleicht einzelne seiner Bildniß- studien. Ein Künstler, der gleichfalls aus eigenen Pfaden ivandclte, ist der dahingeschiedene Viktor Müller. Ihm blühte kein Glück, als er lebte; u> d nach dem Tode erst drang von München her sein Name in weitere Volkskreise. Viktor Müller spann sich in seine eigenen Träumereien ei». Er war ein verspäteter lliomanliker. Tie großen alten Landschafter hatten es ihm angethan und in ihrem dunklen Ton, aber auch in naivem Märchenglauben malt er seine Nymphe im liesen Watd. Tie Miii.cheiter Sezession zeigt verschiedene Künstler noch beeinflußt vom sogenannten Nen-Kalholizismus, vom Hang zur mystischen Symbolik, zum Wunderglauben. Dabei ist aber nicht zu vergessen, daß nahezu alleS, was die Münchener nach Berlin gesandt hatten, im Vorjahre und vor zwei Jahren bereits i» München zu sehen war. Vielleicht war die Strömung, die Welt- flucht, Wcltlnüdigkcit als künstlerischen Ausdruck zeitigte, einer modische» von Paris becinflußlen Stimmung entspruiigen und ist heute bereits überwunden. Charakteristisch selbst piil ihrer Jnbrünsligkeit koinmt sie bei Albert Keller(„die glückliche Schwester"„Am Kreuz, Mondschein") und bei Höcker(„Nonne mit Wundmalen") und bei Volz (Heilige Cäcilie) zu stage. Auch Stuck's finsterer Reiter ist vom Hauch des Mystizismus berührt. Desgleiche» das seltsame Gemälde„Faust und Wagner, die den Geist des Bösen als Pudel erblicken" von Ludwig v. Z u ,» b n s ch Stuck's allegorische Phantasie„Die Sünde" reicht a» Wucht und Gewalt nicht an den„Krieg" desselben Malers heran; aber das geistvolle Bild übt einen bestrickenden Farbenreiz aus. Ter junge Samberger enlwickell sich in seinen Bildnissen immer mehr zu eigenartiger Selbständigkeit. Aus dem Gebiet der Landschaft, wo die Kuilst der Modernen überhaupt am lebendigsten sich entfalten durste, der stimmungsvollen Szenerie hat München sich im Vordcrtresfc» erhalten. DaS bezeugen n. a. die seinsinuige» Arbeite» von 5t e l l c r- Reutlingen, H er t eri ch(Die Jugend), Potzel- beiger, W i n t e r n i tz. Von den Düsseldorfern, die einen Saal sür sich haben, bleibt nicht viel zu sagen. Gegen die Erstarrung hat sich auch in Düsseldorf ein jüngeres Künstlergeschlccht mit Prolest erhoben. Wirkungen dieses Protestes sind auf der Berliner Ans- stcllung wenigstens nicht zu verspüren. Manches gute Gemälde, gewiß, haben die Düsseldorfer ausgestellt. Der Gesammtcharaktcr aber deutet auf kampslosen Frieden. Man malt, wie's die Väter gethan; man versucht aver, dem künstlerischen Bedürfniß der eigenen Zeit fortschreitend gerecht zu»Verden. Diesen ccmüchlichcn Frieden lheilt Berlin nicht. Das kann man nicht bchauptcn. Viel eher herrscht hier eine»»ruhige Geschäjtigkeit. Aber eine Geschäftigkeit, die nirgend eine»» greif- (Seutci'ftWjofflitfics. Erste Generalversamnilnug dcS ZentralvereiuS der Bildhauer Deutschlands in Nürnberg an» S.»»»d 4. J»u,t 1893. Erster Verhandlungstag. Der erste Vorsitzende, D u p o n t- Berlin, eröffnet die Sitzung un» 9 Nhr. Anwesend sind die ge- »vählten 16 Telegirten, vom Zentralvorstand die beiden Vor» sitzenden D u p o n t und Meyer- Berlin, ferner der Haupt- verivalter Stahl« Berlin. Die Protokolle werden von zwei Nürnberger Kollegen geführt. Als Gäste sind anwesend F o i t i n und Rubin- Blidapest, Z u m a n n- Prag, U t t i n g e r- Zürich und De Ro od- Haag, zu denen sich später Schramm und P l a tz e r- Wien gesellen. Die Mandate werden in Ordnung gefunden und in die Tagesordnung eingetreten. Zum ersten Punkt liegt der Bericht des Z e»> t r a l v o r st a n d e s ge- druckt in der„Bildhauer- Zeitung" vor; derselbe»vird noch mündlich ergänzt. Da wesentliche Erinnerungen nicht gemacht »verde» und die Revisoren in eine»» an die Berfammlnng erstatteten Bericht die Handhabung der Geschäfte und die Führung der Kasse seitens des Zentralvorstandes als korrekt und ordnungsgemäß bezeichnen, ertheilt die Generalversainmlnng die Decharge. Es wird beschlossen, die vom Vorstand vorgelegte Statistik nicht in Broschürenforn»,»vie dies von einigen Seiten gewünscht»vird, zu veröffentlichen, sondern besondere Auszüge in der„Bildbauer-Zeitung" zum Abdruck zu bringen. Damit sind die Punkte 2»md 3 der Tagesordnung,„ e v e» t. B e s ch>v e r d e n gegen den Vorstand", und ,, G e n e h n» i g u n g d e r R e ch e n s ch a f t s b e r i ch t e", erledigt. Zum 4. Pllnkt der Tagcsorduuug:„Verlegung des V e r e i n s s i tz e s",»vird beschlossen, denselben in Berlin zu belassen. Es»vird in die „Erledigung st a t u t g e m ä ß e r Anträge" eingetreten, und»verde» zunächst diejenigen Anträge erledigt,'welche mit den Unterstützungen und Finanzen im ivcseiitUcheii nichts zu thun habe». Als»vichUgste Beschlüsse sind hier zu nennen: „Arbeitslose und eriverbsnnfähige Mitglieder, welche Unterstützung nicht wehr beziehen, sind ans die Daner von srchsnndzivanzig Wochen von der Beitragspflicht befreit. Während dieser Zeil ruhen auch ihre Rechte in bezng ans Unter- slützung bei Arbeitslosigkeit resp. Erwerbsunfähigkeit; lim diese Rechte wieder zu eriverben,»st eine 26 ivöchenlliche Beitrags- zahlung erforderlich."— Der Antrag Stuttgart:„Unternehmer sind in den Verein nicht»nehr anfzunehnien resp. auszuschließen" »vird»ach längerer Diskussion abgelehnt, da der Begriff„Unter- nehmer" schiver zu begrenzen ist. Der Antrag Münster:„Die Generalversammlung anstatt aller 3 Jahre alle 3 Jahre ab- zuhalten»nid damit die Amtsperiode des Zentralvorstandes ans die gleiche Zeit zu erhöhen", wird abgelehnt. Die Gencralver- samuiliiiig»var der Meinung, daß die Ausschreibung einer Ge- »eralversainmlung und die damit verbundene größere Regsamkeit »nr agitatorisch und nutzbringend für den Verein wirken könne. 2. Verhandlungstag. Die Sitzung wird von» ersten Vor- sitzenden D u p o n t um 8 Uhr morgens eröffnet. Das Protokoll vom ersten Verbandlnngstag wird genehmigt und in der Tages« ordnnng fortgefahren. Es»vird zunächst der Antrag Elberfeld:„Die Reniuneratioi» des Vorstandes und der örllichen Verwalter zu kürzen", beralhen und abgelehnt. Dasselbe geschieht mij den Anlcägen Hamburg und Bochnm:„Das Markensystem in der Verwaltung eiiizusühren." Sodann beginnt die Generaldiskussion über die Fcstsetzrnig der in Zukunft vom Verein zu leistenden Unterstützungen und die in» Hinblick auf die im letzte» Jahre ge- »inchlcn Mehrausgabe» von 5000 M. vom Zentralvorstand und den Verivaltungsstellen gestellten Anträge, die bisher gezahlten Unterstützungen' zu kürzen. Die Anträge Berlins:„Die Wiltiven- Unterstützung und die Unterstützung bei Arbeitsunfähigkeit zu streichen, da diese mit de» Zielen einer aus»noderuc»» Boden stehenden Arbeiterorganisation nichts zu thun haben»md hier der Staat eiiizugreisen habe", rufe» eine lebhafte Tiskussio» hervor. Die Anträge werden von den vier Berliner Telegirten, besonders von B u d a, eingehend begründet, jedoch von den übrigen Telegirten, besonders von S ch a ck- Brauuschweig, K e g e l< Stuttgart, P ö n i ck e- Leipzig und G ö b e l- Dresden, bekämpft. Die Anträge Berlins werden darauf abgelehnt. Dagegen»vird der vom Zentralvorstand gestellte'Antrag:„die Unterstützung von 30 M. a» die Angehörigen verstorbener ßliitglieder zu streichen". bare» Eindruck hinterläßt, die überall a» Zerfahrenheit gemahnt. Wozu das im einzelnen ausführen? Die Thatsache»vird von Leute» bestätigt, die»nit Berlin aufgewachsen sind und stets sür die Berliner jkniistpstcge auftraten. Manche Gründe. die Berlins Niederlage erklären könnte»»,»vnrden bereits an dieser Stelle erörtert. Wenn man nur die Berliner Porlrätinaler ansieht. Die haben es freilich nicht so gut,»vie Meister Lenbach, der erkläre» darf: Ich male mir Köpfe. die für mich ctiras bedeute». UebrigenS hat Lenbach dicS.nal das Porträt eines Barons Zedlwitz ausgestellt. daS die Züge einer Persönlichkeit wiedergiebt, die sicher mit ihrem unisornien Ossizicrlypns keine» markanten Eindruck hinterläßt. Die Berliner Porirätmaler haben so selten das Glück, ausgebildele Charakterköpse darzustellen. Ihnen konvenirt hauptsächlich der„Geldadel." Die gleichgiltigste», uichls- sagendslen Gesichter von dcr Wclt drängen sich da vor. Es ist ein Jammer. Das Berliner Pflaster ist kostspielig für den Künstler. Will er Austrüge ergattern, muß er der„Gesellschaft" nahe leben, sich ihrem Geschmack anbequemen. Das gilt für Genre,»vie für Landschaft und andere Gebiete. Die Gesellschaft liebt es zu»ivel- liren, sie duldet solche Trotzköpfe und Voliiiatüren,»vie sie unter günstigeren Bedingungen sich in München entwickeln durften, nicht, die Berliner„Gesellschast" insbesondere, die keine lebhaste Kunst- traditio»» hat,»vie die Pariser eliva, die ferner den Werth der Kunst, doch nur als»edcnsäcklich einschätzt,»veil sie zu geistesarm ist, ihn als lebendigsten Ausdruck der jeivciligci» Zeit zu fassen, eriveist sich eher lähmend als fruchtbar. Man hat nicht ganz zutreffend die jetzige Anssttllnng inier- national genannt. Engländer und Schotte» haben kaum»nehr Probe» ihres reichen Könnens als Landschafter nach Berlin ge» sandt. als wir sonst etwa bei Gurlitt zu sehe» pflegten. Bon den Jtaliencrii sind nur»venige gekommen, darunter die ernst» basten Landschafter Petit» n»d Dall Bica Bianca. Michctli, der sarbentrnnkene Maler der Abrnzze»»vie S e g n n t i n i, der stolze Mailänder, fehlen gänzlich. Die Spanier haben einzelne köstliche Stücke hicrhergesandt, so Pradilla, der Meister der Kleinmalerei, eine Wallfahrt. VillegnS ein paar soinieiifreudig- venelianische Szenerien und Graner-Araufi das Farbenproblem eines Rauchers. Aber derlei Einzelheiten gestalten keine Schlüsse aus den Ge- sanimtcharakter des nationalen Kunstschaffens. Während in diesem Sommer beispielsweise die lliussen geschlossen in» .Münchener Glaspalasl austreten werden, sind sie bei uns vollständig allsgeblieben. Trotzdem ist wieder ein Anfang zu internationalem Welt- beivcrb in Berlin geschaffen. Vielleicht»vird,»vas diesmal in überstürzter Eile begonnen wurde im kommenden Jahre zu Ehren der Geiverbe-Alisste'llnng planmäßiger fortgesetzt._ Ein Zweifel darüber,»vas Berlin im Bereich der großen Kuuflanssiellungen durch die Jsolirnng nach außen hin vwlouii hat, kann bei leinen» Einsichlsvollen mehr obivalle». ojißmon men. In einer Resolution, welche G ö b e l- Dresden einbringt, erklär! sich die Generalversammlung im Prinzip gegen >die Unterstützung au Wittwe». und Erwerbsunfähige, weil die« -selbe mit einer ZIrbeiterorganisarion nichts zu thun habe. Aus lattische» Gründe» sollen diese Unterstützungen jedoch noch bei- behalte», aber innerhalb der nächsten drei Jahre eine Agitation dagegen entfaltet werden, damit die nächste Generalversammlung dieselben eventuell beseitigen könne. Pönicke-Leipzig beantragt dazu:„Ter Zentralvorstand hat kurz vor der nächsten General- Versammlung eine Urabstimmung darüber vorzunehmen, ob diese beiden Unterstützungszweige in Zukunft fortfallen sollen." Der Antrag wird angenommen. Es folgt der Antrag Königsberg: .Die Unterstützung i» besonderen Nothsällen zu streichen", derselbe wird abgelehnt; dagegen wird der Antrag Berlin: „Tie Unterstützung bei Streiks u. s. ,v. von 5 auf 8 Wochen zu erhöhen," angenommen. Es kommt nun die Unter- stützung an solche Mitglieder, welche innerhalb vier Wochen nach der Lehrzeit eintreten, zur Berathung; dieselben erhielten bisher sofort eine Neise-Unlerstützung, diese wird durch Beschluß auf LS Tage a 50 Pf. nach LOivöchentlicher Mitgliedschaft festgesetzt. Tie bisherige Reise- Unterstützung von 75 Pf. bis zu 4b Tagen nach LOivöchentlicher Mitgliedschaft wird gestrichen. Es folgt die Berathung der drei Unterstützungen für Erwerbslose und wird zunächst beschlossen, für alle drei Zweige eine einheitliche Warte- zeit von sieben Tagen einzuführen, welche cveut. zusammengezählt wird. Darauf erklärt sich die Generalversammlung mit einem Autrag des Zentralvorstandes, die Karenzzeiten für alle drei Unterstützungeii auf ö2 und bei etwaigein Wicderbczng auf 20 Wochen festzusetzen, einverstanden; ferner damit, daß für alle drei Zweige gleiche Höhe festgesetzt wird. Hierzu wird nun der Antrag des Zentralvorstandes, diese Unterstützungen einheitlich aus 70 Tage a 1 M. festzusetzen, angenommen. In der darauf folgenden Berathung über die Reglements der Unterstützungen Streiks, Arbeitslosigkeit bezicbungswcise Erwcrbsnufähiglcit, zur Stellenvermittelung, Verwaltung und zum Rechtsschutz, werden die vom Zentralvorstand vorgeschlagenen Fassungen im wesent- lichen akzeptirt. Erwäbnenswerth ist hier, daß Berlin im Stellenvermittclnngs-Reglement den Kollegen, welche eine an- genommene Stellung nicht antreten, die Unterstützung bei Arbeitslosigkeit um 7 M. kürzen will. Hamburg will solchen Kollegen, welche trotz entgcgenstcheudem Beschluß der örtlichen Verwaltungsstelle in den Werkstätten nach Arbeit umfragen gehen, die Unterstützung für die Tauer ihrer Arbeitslosigkeit entziehen, eventuell dieselben ausschließen. Beide Anträge werden angenommen. Tamil sind die Reglements erledigt. Es werden noch die vorliegende» Statutenttnderungs- Anträge be- rathen. Hervorzuheben sind hier die Anträge Münster und Rürnberg: Der Vorstand solle in Zukunft Unterstützungen bei Streiks anderer Gewerkschaslen nicht mehr bewilligen. Dieselben werden nach einer Erklärung des Vorstandes, daß dies nur in besonderen Fällen geschieht, abgelehnt. Der Statutenentwurf des Zentralvorstandes wird nun mit den getroffenen Aendcrungcn im ganzen angenomnien. Das neue Statut soll am 1. August in kraft treten. Dann ivird das Gehalt des Hauptverwalters be- willigt und die Entschädigung der Telegirten auf 10 M. pro Tag festgesetzt. Der Punkt 8 der Tagesordnung wird wegen vor- gerückter Zeit abgesetzt, die hier vorgesehenen Berichte über örtliche Verhältnisse sollen in der„Bildhaucr-Zeitung" Veröffentlichung finden. Zum Punkt S der Tagesordnung; „Agitation", wird dem Vorstande aufgegeben, größere Mittel wie bisher zu einer kräftigeren Agitation für den Verein zu verwenden. Ferner wird ihm aufgetragen, ein Flugblatt ans- zuarbeiten, in welchem für den Verein Propaganda gemacht wird. Dasselbe soll in großer Auflage hergestellt und den einzelnen Verwaltungen nach Bedarf zugestellt werden. Zu Punkt 10: „Gegen seitigkeits- Verträge mit außer- deutschen Bildhauer-Vereinigungen",>vird be- schlössen, die bezüglichen Abniachungen dem Zentralvorstand zu überlassen. Die anwesenden Mitglieder desselben sollen niit de» gleichfalls anwesenden Vertretern der Schweiz, Hollands, Böhmens, Oesterreichs und Ungarns diese Bedingungen stipuliren. Zum II. nnd letzten Punkt:„Stellung zur General- k o m m i f f i o n und zum Gewerkschaftskongreß" wird auf Vorschlag des Zentralvorstandes, welchem sich Nürn- berg anschließt, beschlossen, die Beiträge bis zu dem im nächsten Jahre stattfindenden Gewerkschaftskongreß sortznbezahlen. Die Weiterzahlung soll jedoch von den Beschlüssen dieses Kongresses abhängig gemacht werden; zur Vertretung auf demselben hat der Vorstand einen Telegirten ans seiner Mitte zu entsenden. Die Verhandlunge» sind damit erledigt, das Protokoll wird verlesen »nd angenommen. Der Vorsitzende Dupon dankt den Telegirten für ihre Ausdauer und schließt, nachdem Schock dem Vorstand für seine Thäligkeit im Namen der Telegirten den Dank der Generalversamnilung ausgesprochen hat, die Generalversammlung um VU Uhr nachts. Ter 2. ordentliche VerbandStag des Zentrakverbandes deutscher Konditoren, Psefferküchler und verwandter Berufs- genossen wurde vom 2. bis 4. Juni im Eldorado- Saal in Nürnberg abgehalten. Ter Verbaudstag hatte ein reiches Arbeitsfeld und wurden die Arbeiten mit allseitiger Zufrieden- heit erledigt. Der Kassenbericht vom Jahre 1803 ergiebt eine Einnahme von 1031,08 M.. eine Ausgabe von 040,05 M., vom Jahre 1694 Einnahme 1229,82 M., Ausgabe 1085,94 M. Somit haben die Einnahmen sich um ca. 20 pCt. vermehrt. Als ein Fortschritt zu einer weiteren Verbrüderung wurde die Ver- schmelzung der Organe-der Bäcker, Müller und Konditoren nach langer, heftiger Debatte einstimmig angenommen. Ein weiterer Gesichtspunkt war die Anbahnung eines Kartell- Vertrages obiger Branchen wegen Agitation und Regelung der Reise-Ünlerstützung. und wurde die Einführung des Kilometer- tarifs einstimmig angenommen. Für Verheirathete wurden 20 M. als Umzugskosten bewilligt. Zur leichteren Agitation wurde Teutschland in Bezirke eingetheilt, innerhalb deren die Kollegen der betreffenden Städte die Agitation zu betreiben haben. Ein weiterer tief einschneidender Zlutrag>rar der auf Zentral- Stellenvermittelung. Waren auch die Aufgaben des Verbandstages schwierig, so konnte man aus der Ausopferung eines jeden Vertreters und aus allen Debatten wahrnehmen, daß jeder seine Kiäste für das Gedeihen des Verbandes einsetzen wollte. Jetzt ist es Pflicht aller, das Beschlossene in Thaten zu verwandeln und die aus- gestreute Saat wird aufgehen und Früchte bringen, Tie deutschen Steinarbcitcr(Steinmetzen, Steinbrecher ,e.) hatten zu ihrem 7. Kongreß in Breslau, der zu Pfingsten stattfand, aus 40 Orten 30 Dekegirle gesandt. Von der General- konimisflon war Legten erschienen. Nach dem Geschäftsbericht sind jetzt die Steinarbeiter in III Orten organisirt, während im Vorjahre weit weniger zu verzeichnen waren. Au manchen Orten wurden von den Behörden Schwierigkeiten bereitet. Man verlangt Statuten, die bei einer losen Organisation, wie sie die Sleiuarbeiter haben, nicht nothwendig schienen.(Es werden nur sreiwillige Beiträge gezahlt und jeder Kollege, der diese zahlt, ist Mitglied der Organisation.) Das Interesse für das Fachorgan „Bauhandwerker" ist unter den Kollegen gestiegen. Die Ein- nahmen betrugen vom I. Oklober 1893 bis 31. Dezember 1804 insgesammt 10 021,83 M., die Ausgaben 4211,07 M., niilhin verblieb ein Bestand von 0710,70 M. Unter den Ausgaben flguriren für Burcau-Anslagen und Verwaltungskosten 905,44 M., sür Agitationszivecke 2529,17 M., für Streikunterstützung 340,30 M. Die Lage der Sleiuarbeiter ist überall sehr ungünstig. Die Schilderungen, die über die Arbeitsverhältnisse in den Marmor- und Granitbrüchen der Strehlener nnd Stricgauer Gegend gegeben wurden, müssen geradezu als erschreckend bezeichnet werden. Die Arbeitszeit ist 14—15 Stunden täglich, womöglich darüber, und der Lohn ein solcher, daß sich die Arbeiter mit ihren Familien die größten Entbehrungen auserlegen müssen. Im Winter beträgt der Tukchschnillslohn 0 M. pro Woche; im Sommer hat der b e st e Arbeiter bei der angestrengtesten Arbeit bei der angegebenen Tauer 12—20 M. Nicht nur durch die lange Arbeitszeit wird die Gesundheit der Arbeiter in den Brüchen zerstört, sondern auch durch den Staub, den sie cinschlucken müssen, abgesehen von den vielen sonstige» Gcsährlichkeilen, denen diese Arbeiter ausgesetzt sind. Ter Telcgirte Hübenett beantragt, eine dreigliedrige Kommission zu wählen, die über die geschilderten Ver- Hältnisse eine Denkschrift ausarbeiten und der sozial- demokratischen Fraktion behuss Durchdringung eines Nornlakarbeits- lages im Reichstage übermitteln soll. Legten schlägt vor, sich in dieser Hinsicht mit den bereits bestehenden Kommissionen in Berlin u»d Dresden, die eine Teukschrift über die Mißstände im Baugewerbe einbringen werden, in Verbindung zu setzen; der Kongreß beschloß indessen, selbständig vorzugchen. Stach Er- Icdignng der Agitationsbcrichte— u. a. halte K e y y l i n g e r- Budapest die traurige Lage der österreichische» Steinmetzen ge- schildert— wurden folgende Beschlüsse gefaßt: die Agitations- kommissionc» beizubehalten, diese zu vermehren und die einzelnen Bezirke enger zu begrenzen; für die in Teutschland arbeitenden Liollcgcn ein Flugblatt auszuarbeiten, um unter ihnen besser agiliren zu können; am l. Mai die Arbeit überall da, wo es möglich ist, ruhen zu lasse»; wo dies aber ohne wesent- liche wirthschaftliche Nachtheile nicht möglich ist, da legt der Kongreß die moralische Verpflichtung auf, ihrem Ver- ständuiß für die Bedeutung des 1. Mai dadurch Ausdruck zu geben, daß jeder Berufskollege, der am 1. Mai arbeilet, einen Theil seines Arbeitsverdienstes dieses Tages freiwillig der Agitation für die Ausklärung der noch indifferente» Arbeiter zu- kommen läßt. Der Delegirle für Straßburg(Elsaß) verlangte, auch die Arbeiterinnen in die Organisation aufzunehmen, weil schon an verschiedenen Orten in den Schleifereien und Polir- anstalten Frauen und Mädchen beschäftigt find. Hinsichtlich der zu gewährenden Wandernnterstützungen stellte Berlin den Antrag, nur an solche Kollegen Wanderunterstützung auszuzahlen, die bereits ein halbes Jahr organisirt sind. Nach längerer Debatte fanden diese Anträge durch Annahme ihre Erledigung; der letzte jedoch mit der Einschränkung, daß diejenigen Kollegen, die erst aus der Lehre gekommen sind, und solche, die, wenn auch nicht sechs Monate organisirt, von ihren Arbeitgebern geniaßregelt ivurden, von dieser Bestimmung auszuschließen � sind. Zum Punkt Streik wurde beschlossen:„Da die Zentralleituitg sehr selten in der Lage ist, genaue Kontrolle zu führen, ob bei Angriffsstrciks auf Erfolg zu rechnen ist oder nicht, dies aber von den jetzt schon vielfach bestehende» Agitationskomilees leichter und sicherer durch- zuführen ist, so hat sich der betreffende Ort, der in den Streik eintreten will, in erster Linie an das Agitntionskomitee zu wenden. Wird dann der Streik von diesem Komitee gutgeheißen, so muß er auch von der Zentralleitung unterstützt werden. Bei Angriffssireiks haben die streikenden Kollegen in der ersten Woche die Kosten selbst zu decken; Unterstützung wird erst am Schlüsse der ziveiten Woche gewährt." Die Geschäfts- leiiung wurde beauftragt, mit den ausländischen Führern der Sleininduslrie-Organisationcn in rege Korrespondenz zu treten, dannt eine regelmäßige gegenseitige Unterrichtung über wichtige Vorkommnisse, Streiks ic. auf dem schnellsten Wege herbeigesührt werden kann. Die Beibehaltung des„Bauhand- werkers" wurde mit allen gegen 2 Stimmen beschlossen, der Preß- kommission jedoch aufgegeben, dafür zu sorgen, daß in dem ge« nannten Blatte künstig alle gehässigen und beleidigenden Aeußerungen unterlassen werden. In Beziehung auf das Ham- burger Gewerkschastskartell, das ivegen der Beibehaltung des „Bauhandwerkers" der Steinarbeiter-Organisation förmlich die Solidarität aufgesagt habe(wie ein Redner ausführte), wurde eine Resolution gesaßt, worin gesagt ist, das Kartell solle sich nicht in innere Angelegenheiten der Steinarbeiter-Organisation ein« mischen. Zum nächsten allgemeinen deutschen Gewerkschaftskongreß wurden Thomas und Starke, crsterer außerdem als Tele- girier z»u> Londoner Internationalen Ztrbeitcrkongreß gewählt. Ter Antrag, tie Geschäslsleitung der Steinarbeiter zu beauftragen, an die Gencralkommission der Gewerkschaften Deutsch- lands von jetzt ab Beiträge zu schicken, rief eine lebhaste Debatte hervor, an der sich besonders Legten und ThomaS bethei- ligtcn. Letzterer sprach gegen den Antrag, der schließlich niit großer Majorität abgelehnt wurde. Ucber den Punkt„Statistik" berichtete S ch e r z- Berlin, daß die vorliegende Statistik nicht in der gewünschten Weise ansgesallen ist; das liege aber nicht an ihm, sondern an den Kollegen. Wenn dies in Zukunft nicht besser werde, dann möchte der Kongreß lieber beschließen, er verzichte aus die Statistik. I» der Diskussion bemerkten einige Redner, daß es sich empfehle, in den Flugblättern mehr auf den hohen Werth der Statistik hinzuweisen. Von den schlesischcn Telegirten wurde hervorgehoben, daß es in den Granitsteinbrüchen sehr schwer sei, eine Statistik aufzustellen, weil die Slrbeiter nach vierzehn- und mehrstündiger Arbeitszeit zu geistiger Arbeit nicht mehr heranzuziehen sind. Dem Statistiker Sckerz-Berlin wird hierauf vom Kongreß eine Gratifikation von 100 M. für seine Mühewallungen bewilligt. Tie Wahl des Gcschästsleiters siel auf den bisherigen Bevollmächtigten Thomas- Berlin, der fortan 05 M. niouatlich als Entschädigung erhalten soll. Als Statistiker wurde Scherz-Berlin gleichfalls wiedergewählt. Hübenett-Breslau als Mitglied der Kontrollkommission berichtete, daß Beschwerden im Lause der letzten zwei Jahre nicht ein- gegangen sind. Aus der Neuwahl dieser Kommission gingen H ii b e n e t t- Breslau, Straubinger- München und N s i n g e r- Hannover hervor. Von den Schlußverhandlungen sei noch erwähnt, daß der nächste Kongreß in Mitteldeutschland abgehalten werden soll. Der Ort wird später bestimmt. Auf dem Grabe Lassalle's legten die Telegirten«inen Lorbeerkranz nieder. Verband der Steinsetzer. Der gestrige Bericht über den Verbandstag in Halle ist nach folgendem richtig zu stellen: Tie angegebenen Einnahmen beziehen sich auf den Zentralvorstand des Verbandes. Bei der Statutenberathung handelte es sich nicht darum, daß die R a m m e r des Berussdünkels geziehen wurden, fondern es sollte ihnen eine gleichberechtigte Stellung in der Or- ganifalion eingeräumt werden, im Gegensatze zu der bishcr stellenweise üblich gewesenen Praxis, wonach es zulässig war. die verwandten Berussgenossen(die ungelernten Arbeiter) überhaupt auf die Bildung besonderer Filialen zu verweisen. Derartige zweite Filialen bestanden bisher in Berlin und Königsberg i. Pr. Betreffs des Fachorgans wurde beschlossen, daß es, wie bisher, Privaleigenthum des Herausgebers, nicht des Verbandes, bleiben soll. Ans Flensburg erhalten wir von der Streikkommission der Maurer die Nachricht, daß wieder 4 Maurer und ein Parlier(Polier) von Berlin zugereist seien. Uebcrhaupt wäre von keinem Orte mehr Zuzug gekommen, als gerade von Berlin. Im„Vorwärts" ist genügend auf den Streik anfmerk- sam gemacht worden. Falls trotzdem wirklich von Berlin er- heblicher Zuzug von Streikbrechern gekommen wäre, was vorderhand»och zu beweisen bleibt, denn zu so einer Be- Häuptling gehören Ziffern, so wird da? wohl an der Zerfahren- heit liegen, die unter einem großen Theile der Maurer in gewerk- fchastlicher Beziehung herrscht und die vornehmlich darin ihre Ursache hat, daß die organisirtcn Maurer wegen der Organi- sationssorm seit Jahren in bitlerer Fehde liegen,>vaS die indifferenten Maurer sicherlich nicht gerade begeistern kann, sich dem Geiverkschaftsleben zu widmen. Infolge desselben Organisationszwistes— nämlich wegen der deshalb mangeludeu Einigkeit— ist in Nürnberg die letzte Lohnbewegung der Maurer vollständig gescheitert." Der ganze Zwist unter den Maurern wäre beseitigt, wenn die sogenannt„lokal" organisirlen Maurer sich dem Zcntralverband der Maurer Deutschlands an- schlössen. Dem steht aber jahrelang von hüben und drüben ge- nährter Haß entgegen. Könnte» sich die sogenannt„lokal"- organisirten Maurer Berlins darüber hinwegsetzen, es wäre für die Maurer ganz Deutschlands und auch für sie selbst von Nutzen. Es wäre zudem ein Beispiel so echter Solidarität. daß es, glauben wir, bei der ganzen deutschen Arbeiterschaft aufs allersreudigste begrüßt würde. Wir wollen damit bei- leibe nicht Anlaß geboten haben, daß über den alten Zwist in der Presse nnd in den Versammlungen abermals verhandelt wird. Auseinandergesetzt hat man sich hüben und drüben genug. Woraus es ankommt, das ist: Frieden, wirklichen dauerhaften Frieden zu schließen, m>d wenn das unter dem Banner des Zentralvcreins deutscher Maurer geschehen kann, so würde vermuthlich gerade das dem Frieden die allersichcrste Bürgschaft leisten, denn der Zentralverband ist ja doch die einflußreichste Organisation der Maurer. Sei dem aber wie ihm wolle, feststeht, daß bei dem jetzigen Zustand den Vortheil der Unternehmer, den Nachtheil der Bauarbeiter hat. Will der Arbeiter seine Lage gründlich verbessern, so ist Einigkeit, Einigkeit und nochmals Einigkeit nöthig. An dieser fehl! es, sie muß geschaffen werden, mag es kosten was es wolle. Was Flensburg betrifft, so bitten wir noch einmal drin- gend die Maurer Berlins und Umgegend, alles zu thun, was möglich ist, um den Zuzug fernzuhalten. Ebenso von Leipzig. Tie schon angekündigte Konferenz der Textil- arbeiter von Brandenburg, Mecklenburg und der Provinz Preußen wird Sonntag, den 10. Juni, vor- mittags 10 Uhr, im kleineren(oberen) Saal von Keller'Z F e st s ä l e n in Berlin 0., Koppcnstr. 29, unweit des Schlcsischen Bahnhofs, ihren illnfaug nehmen. Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Agitation und Organisation. L.Stellung zum internationalen Textilarbciter-Kongreß in Gent. 3. Eventuelle Wahl von Telegirten. 4. Stellung zu einem für Weihnachten d.J. geplanten Landeskongreß. 5. Weitere Anträge der Telegirten. Die Telegirten werden ersucht, sich mit schriftlichen Man- baten zu versehen, wie darum, von der Tagesordnung abweichenoe Anträge, wenn möglich vorher, an Paul Wagner in Berlin 0.. Fruchtstr. 35, gelangen zu lassen. Die lokal- oder nichtorgani- sirten Tcxtilbezirke der Niederlausitz werden in besonders starker Vertretung auf der Konferenz erwartet, weshalb namcnt- lich die in jenem Landstrich verbreitete„Volksstimme" um gefälligen Abdruck dieser Mittheilnng ersucht wird. Tie etwa vorhandenen Gewerks chaftskartelle werden gebeten, die Textilarbeiter aus die Konferenz hinzuweisen. Die däuischen Fachvereine. In der dänischen Zeitschrift „Tilokueren"(„Zuschauer") ist ein Beitrag zur Geschichte der dänischen Fachvercine enthalten. Besonders beachtenswerth sind darin folgende Zahlenangaben: Für Streiks sind in den 10 Jahren von 1880—1890 allein für Kopenhagen 700 000 Kronen geopfert worden. Von dieser Summe wurden 220000 Kronen durch direkte Zuschüsse der Fachvereine, der Rest durch freiwillige Beiträge aufgebracht, aber auch fast ausschließlich durch Mitglieder der Fachvereine. Die Folge dieser Opferwilligkeit der Arbeiter ist, daß die Löhne um durchschnittlich 10 pCt. gestiegen sind. Interessant ist dabei ferner, daß die Zahl der Streiks abgenommen hat. Der Verfasser, J.Jensen, schreibt darüber:„Obschon der Streik selbstverständlich noch eine große Rolle innerhalb der Fachvereiusbewegung spielt, weil er das einzige schnell wirkende Mittel ist, was die'Arbeiter anwenden können, werden die Streiks doch immer seltener, und zwar in demselben Grade, wie die Organisationen an 51raft zunehmen. Erstens lassen die Unteruehnier sich ungern in einen Strcikkainpf mit einer starken Organisation ein, weil der Ausfall für sie äußerst zweifelhaft werden kann, und ferner ist eS einleuchtend, daß die Arbeiter, die im Anfang nur von ihrer moralischen Rechtsforderung ausgingen nnd nicht genügend Rück- ficht auf das nahmen, was im Augenblick möglich roar. jcbt diese Seite der Sache einer sehr sorgfältigen Prüfung und Ucbcr» legung in den Fachvereinen unterwersen. Die Forderung':» werde» jetzt von beiden Seiten den gegenseitigen Kraftverbäit- nissen angepaßt, sodah viele Streiks vermiedeii werden. Hätten die Arbeiter aber nicht diese Krastmittel als Rückhalt, so würde auf ihre Wünsche viel weniger Rücksicht genommen werden." ¥c»i!ks-¥iBi*steSiyBigg arrangirt von Julius Türk im National-Theater, föro|c Frinlksuckrßrch M. Sonntag, den 9. Juni, nachmittags 21, Uhr: Maria Magdalenk. Ei» bürgerliches Tranerspiel m drei Akten von Fr. Hebbel. Mitwirkende: Klara Drucker(Lessing- Theater). Agnro Wrrurr (Schiller-Theater), K landin» Dlrrtrn(Lessing-Theater). Kchmidt-Dagler (Deutsches Volkslheaier in München), Gsstar Wagnrr(Berliner Thealer). Julius Mefle!»(Deutsches Theater). Sastenrroffnnng 1 Khr.— Dreis frdeo Plastes 75 Pf. AM- Die Nlitglieder der Freien Volksbühne und erhalten in allen Zahlstellen des Vereins Billets ä 60 Ps. soi/14 Samariter*1* Kursus her Arbeiter u. Arbeitemlnell. Man tag, den 10. Juni, abends 8>/s Uhr. bei Th. Bolz, Alle Jakobstraße 75: Vortrag«. ttebllügsitlliibe unter Leitung des prakt. Arztes Herrn Dr. Christrller. Gäste haben Zutritt. 105/4 Tie Lehrstunden am 24. Juni, 8. und 22. Juli finden in demselben Lokal statt. Am Sonntag, den 10. Juni:'Ausflug mit Spielen nach Friedrichsfelde im Schloßpark. Ter Vorstand. Wer Stoff hat, 15l0b fertige d. Anzug mit feinst. Futtersach. f. 20 M. au. Hctimauu, Chaussrestr. 20. klisslöllung Italien in Berlin. Station Zoologischer Garten. TSglich, nachm. 4I/8 Uhr: die Bersaglierii Magstro Gatti. 5 Uhr: Mueiktruppen i Liberti, Angell, Penna, Tribani, della Rosa. 0 Uhr: Tarantella-Tanaertruppen i Marano, Grieco, Lorenzo. 7 Uhr: Volksszenen aus dem italienische» Leben. üIr» mit seinem weltberühmten 7v3 uhr: M8iS!i 0 WaWIBl gppjonie�rdjcfto: aus Mailand. 8 Uhr: Opemcbordes toatro kilodramatioo aus Mailand. Maestro Donizelli. 8 Uhr: Teatro americano mit Urcomico Bendixio. 11 Uhr: Finale i Grosser Umzug der Bersagiieri. Während des ganzen Tages Vorführung der ital. Seidenspinnerei. Glasbläserei, siorenlinischer Strohflechterei, Mosaiksabrikation, Holzschnitzerei u. s. w. Entree 50 Pf.' Für denJnhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonnabend, den 3. Juni. Drrliner Theater, �lad-ung Sans- Gene. Friedrich- Milhelmstädt. Theater. Spezialitäten-Vorstellung. Ueueo Theater. Tata-Toto. Schill er-Theater. Die Neuvermählten. Ein Diener zweier Herren. Airrauderplab- Ttieatcr. Ein Modell. Heinrich Heine. Zlatianal- Theater. Napoleon und seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehescheidung. Theater Zlnter den Finden. Miß Helyerr. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. Seliüler-Thealer. (Wallner- Theater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Neuvermählten.— Gin Diener zweier Herren. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Zopf und Schwert. Abends 8 Uhr: Die»ärt- tichen Verwandten. Gin Strafrapport. National-Theater. Große Frankfurterstraß« 132. Direktion: Max Samst. Heute u. folgende Tage, abds. 7l/z Uhr: $Up{m iiuü seine Kennen oder Eine kaiserlW Ehesßeidung. Großes romantisches Drama in S Akte» von kl. Vill» und Eamthoren. Nationaitheater- Garten i Großes Konzert u. Spezialitnten-Vorstellung. Inrchgegangene Weiber. Posse in 5 Akte» von Ed. Jakobsohn. Nanny.. Frl. Henny Schmid. Fettweiß. Martin Kettner. Kafsenöffnnng ö Uhr. Anfang 6 Uhr. 'eieijs'iLk-MilkslmstklltizÄ konceet-fgekl 2ö/26 Chausseestraße 23/26. lirtist. virektor: N. Qu arg. Kolossaler Erfolg des komislhen ProgrnMs, 16 Elite-Nummern. U. A.: vor jüugntg parorit Ueli LIam! k-aura I Vor laodt äa I vis Eavarisudädlls. Montag, den 10. Juni: vis ] Pariser Favoritin, die blldhübsclie j üini Oiira. Ans. d. Concerts 6 Uhr I Gntrer „ Vorstell. 7.. I SO pf. Hoiksgarten (ehem. Weimann's Volksgarten) Grfnndbrnnnen. Sadstr. 56, Direktion: Max Samst. Am Sonnabend, Sonntag, Montag und Dienstag: Auftreten der Orlgl n al-Texas- Cowboy-Troupe. Szenen aus dem wilden Westen Noro- Amerika's. Die besten Reiter und Lassowerfer der Prairie mit ihren wilden Pferden BaoKing Broncbos. Auftreten der Cowboy- Tronpe um 9 Uhr bei elektrischer Beleuchtung. Bor und nach dem Auftreten der Cowboy-Troupo: Concert, Spezialitäten- n. Theater-Vorstellung. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 30 Pf. Kassenöffnung 3 Uhr. Anfang 6 Uhr. I Kaifauiis Variett. Königstr, Kolonnaden. SmnMhve. (Bei ungünstigem Wetter im Theatersaal). ßnuloristislher Menb der Kleumsnn» VliiQmvkvn's Lkipziger Clivger. Keumaun, Wild. Wolff, Eorvälh, klipner. Lemke, Feldow und Ledermaun. Auf. 8 Uhr. Entree 36 Ps. Neu! Ter Neu! Floh! (La Puee.) Posse von Wilh. Wolff. ZDV" Et i» zum pieprn;'T&r2 Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel, Victoria-Brauerei Kiitzowstraß- 111—113 (nahe der Polsdamerstraße und Potsdamer Brücke). Täglich außer Sonnabends Im herrlichen Konzert-Garten (bei schlechtem Vetter Im Saal): Längs?' (Meysel, Pietro, Britton, Sieidl, Krone, Röhl und Schräder.) Stets wechselndes Programm l KsBckskaHaii. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) Täglich: KmorißisHe Soiree deutschen Quartett- Hui Ii u, Couplet-Sänger Hoffmann, Wolff, Führmann, Walde, Horst, Betz U.Frische. Anfang 8 Chr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags; Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf., ab 9 Uhr 30 Pf. Pamge-Ruielitlim Täglich: Rettung aus Feuersgefabr durch die Wemelir Castan's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Flug durch die Luft! Bestrafte weililiclie Eitelkeit. W. Ncsack's Sommer-Theater, Krnnuenstr. 16, Täglich: Concert, Theater- n. Spezialitäten Vorstellnng. Die goliltne IM Ausstattungs-Operette v. Anton Arno. Jeden Sonntag. Montag, Dienstag und Donnerstag Im Saale: CroLser Ball. Elysium 2665£* Landsberger Allee ilr. 40. Großer Garten u.Säle für Vereine und Privatfestlichkeiten. Somit ag: �jltel't UÜ Bllil. Sie geht los, sie BilseM! Volils-Balieanslalt Rixckorf, vanner vhaussoe. Der Unterzeichnete empfiehlt den geehrten Einwohnern von Ripdorf und Umgegend feine renovirte Badeanstalt für Herren und Damen mit Schwimm- bafsin. Man kann billig abonniren, auch werden Schwimmschüler ange- nommen. Schöner Aufenthalt im schattigen Garten. Vier Kegelbahnen, Schießbude, Kraftmesser und Schaukel stehen zur Verfügung. Jeden Sonntag im Garten: Große Spezialitäten- und Theater-Vorstellnng von renommirten.Künstlern. Jm Saaie: Mp- Grosser Kall. Auch können Familien Kaffee kochen. Mein Lokal steht den geehrlen Innungen sowie den Vereinen unent- geltlich zur Verfügung. 23601- Hochachtungsvoll Ä. Stolzenburg. AP- Achtung I-�Wi Zahnersatz, auch Theilzahl, wöchentl. l Mark, Gnckel, Lausitzer Platz 2, Elsasserstr. l2. Herzlichste Gratulation zum 30. vom 1508b Unparlamentarischen _ joa Willem. Unserm Klubwirth Bruno Herzog zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganze Reinickendorferstraße wackelt! Der Rauchklub„Wedding". Bruno, heute wird eene Tonne»ich reichen. 1304b Todes-Anzeige. Den Mitgliedern des Zentral-Ber- bandes Deutscher Maurer, Fil. II Berlin, hiermit zur Nachricht, daß das Mitglied Wilhelm Wollenberg an» Mittwoch verstorben ist. Ehre seinein Andenken. Die Beerdigung findet Sonntag, den 9. d. M., nachmittags 3l/2 Uhr, von» Krankenhaus am Urban ans nach dem Mariendorser Kirchhof statt. 191/8_ I. A.: G. H. Schonebepg. Arbeiter- Bildungsverein. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse Frnst Buchholz nach längerein Kranksei», an» Mittwoch an der Proletarierkrankheit im Alter von 42 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 9. Juni nachmittags 3 Uhr auf dem Schöneberger Kirchhof in der Max- straße statt. Uin rege Betheiligung ersucht Der Vorstand. Die Beleidigung wider die Warmuth schen Eheleute nehme ich retour und er- kläre sie für ehrenhaft. 1309b Frau Stockei, Memelerstr. 40. zcatrlll-Krajifeii-li.Sterbckjse kr Tischler Ging. Kllfsllassr Ur.3?n Hamburg Filiale Kertin v. MtgHetlcircrsainniluug am Montag, den 10. Juni, abends 8 Uhr, bei Werner, Bülowstr. 39. Tages-Ordnung: 1. Nellivahl der gesanniiten Orts verivaltung. 2. Andere»vichtige Kassen� angelegenheiten. Es»st Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimirt. 233/11 Die Grt»verwatt»tttg. Empfehle allen Freunden u. Genoffen mein Schah-«.Stiesel Lager. 26668* G. Kordel, Forsterstr. 3. 'If werden sauber und billig |j!a«9Rrla reparirt. B. Schreiber, Uhrmacher, Waldemarstraße 13(früher Adiniralstr. 4 u. 1). «isspiudru, l'ÄU! joivie Mllohgeschäfts-Utensilien. Jordan, Kleine Marhusstr. 28. Gold- und Silbernwaaren. A. Barnick, Grüner Weg 112, pari. 1. Eig. Repar.-Werkstail f. Uhren, Golh und Silberivaarsu. 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Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. Refer.: Lshsi, 2. �oräSeutscke Brauerei, CHansseestr. Refer.: Huer. Thema in beiden Versammlungen: Die Stellung der Frau im bürgerlichen Recht. 2. Diskussion. Genossinnen und Genossen! Agitire ein jeder nach besten Kräften, damit die Versammlungen gut besucht meiden. 38�7_ Die Einberufert». Oeff entliehe Versammlung für den 1. Kerj. Reichstags-Wahlkreis Montag, den 10. Juni, abends 8'/� Nhr, in„C o h n' s F e st s ä l e n4', Beuthstraße Nr. 20. Tages-Ordnung: 1. Die Währllngsfrage und die Arbeiter. Referent Neichstagsabg. LchWei. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1�-/2__ Dev Einberufrr. VerblliiS der in BiHindemen, der Papier- und Ledergalanteriewaaren-Jlldustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen. Montag, den 10. Juni, abends S'/e Uhr, bei Schmiedel, Alte Jatobstr. 32: ZMikglievevVevssmmlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Do. Zadek über:„Die Bedeutung des Acht- stundentages für die Gesundheil des Arbeiters". 2. Mitgliedschaslsangelege»- heilen. 3. Verschiedenes. gl/g Lerlin der Meschiilißt«, Heizer md Berchgemsse» veolins und Umgegend, 211/10 Aomrtag, den 9. Juni, nachmittags 3 Ilhr, in den UosmenliaUeii, Oranienstraße 51(am Moritzplatz): Versammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. _ Der Vorstand. I. A.: H. Holz, Mulackstraße 21. Zentralverband deutscher Maurer (Zahlstelle Berlin I). Sonntag, den 9. Juni, vormittags 11 Uhr, in Cohn's Festfäl«». (Industrie- Grbändr), Kenthstraste SO: Mitglieder-UersammUmg. Tages-Ordnung: 1. Die Streiks der Maurer Teutschlands im Jahre 1395. 2. Beschluß- fassung über Beitragserlassuug bei Krankheit und Arbeilslosigkeit. 3. Wichtige Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet i92/19 I. A.: Der Krvollmächtigte. DV" Sämmtliche Vorstandsmitglieder, soioie Bibliothekare ersuche ich, Sonntag früh präzise 3 Uhr bei Hamaclr, Kommandantenstr. 20, zu erscheinen. Achtung! Elelcakieure. Achtung! Sonntag, den 9. Juni, vormittags 19 Uhr» bei?eind, Weinstr. 11: DG" Versammlung."MZ Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Braunsvh«eig. 2. Diskussion. 3. Ab- richnung vom Maskenball. 4. Verschiedenes. Sg/g Die Kollegen von Tack sind besonders Hierzu eingeladen. _ Der Vorstand. Wnng! OBiarlottenburg, Achinng! HismarcksHöHe, Wilmersdorferstr. 39. Sonntag, den S. d. KI.: Konzert nn!! Spezinlitliten-VorMing ftenes Pttgrnnlnch Kasterküche.— Im Parkettsaal: LstZ?- lane.-Wg Es ladet Hierzu freundlichst ein H. Krause. I. V.: H. Wernicke. SCapeniek- Montag 10. Juni, abends 8 Uhr, bei Schulz, Schönerlinderstraße: Leffeiltiiche Färber-Verfammlung. T ages-Ordnung: Stellungnahme zum Gemerlschaftskarlell. 2. Diskussion. _ 127/9_ Drr Einberufer. Rixdorf. SoMmokultislher Verei» Jotmartr Dieustalf, den lt. Juni, abends 81/2 Uhr, im Lokale des Herrn Kummer, Berlinerstrahe Nr. IS«: Kresse Versammlung. Tages-Ordnung: 272/15 1. Vortrag des Genossen Antrick über:„Bimetnllismus". 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Stiftungssest. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Dorstaud. zM- Die Urania-Billets werden in der Versammlung ausgegeben. Wichtig für Jedermann! Gegen wollene Lumpen aller Art liefern moderne, haltbare Kleider-, Unterrock- und Känferstosfe, Schlafdecken» Teppiche, sowie Kuckokin, blau Cheviot und Loden anerkannt billig.— Muster frei. Oeferlleler BalltnM a. Knrz 7. Sammelstelle und Musterlager in Berlin i UV., Lübeckerstr. 39 v. 1. bei Frau S. JablonvKy, sowie in deren Filialen:(!., Hirtrnltr. S1 und Vrenzlauerstrast« 18» bei C. Sanm; Zionvkirch-Plalz 3 bei A. Goebler._ 1465L* Verband der Wöbelplilirer. Montag, abends 3 Uhr, Badstr. 12 bei Kraust: Vcnsummlung. Tagesordnung wird in der Ver- sammlung bekannt gemacht. 199/18 NB. Billets h 30 Ps. zu dem a>n 23. Juni stallfindenden Sommersest sind in der Versammlung, sowie in den Zahlstellen zu haben. Der Vorstand. Drts-Kritnkknknise her Handschuhmacher und verw. Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung. Gemäß den Bestimmungen'des Z 34 unseres Kassenstatuts bringen wir hier» mit zur öffentlichen Kennlniß, daß die Beschlüsse der General- Versammlung vom 23. April d. I. betreffs der Vor- schriften über das Mahnverfahren sowie Festsetzung der Mahngebühren von der hiesigen zuständigen Aufsichtsbehörde nach§ 55 Abs. 3 des Krankenversiche- rungs-Gesetzes am 22. Mai d. I. ge- nehmigt worden sind. Die Vorschriften gelangen als An- läge zum Statut unserer Kasse zur Ausgabe und erfolgt die Einhändigung der Exemplare für die versicherungs- Pflichtigen Mitglieder nach den Be- stimmungen des§ 35 unseres Statuts durch Vermittelung des Arbeitgebers. Für freiwillige Mitglieder sind die- selben in den Sprechstunden im Kassen- lokal zu haben. Iö06b Berlin, den 6. Juni 1895. Der Vorstand. gez. Berthold Hollnbarsck, Vorsitzender. Louis Ehronberg Am Molkenmarkt No. 7 (früher Annenstr. 16) enipf/Frennden».Bekannten sein Weiss- u. Bairisch-BierlokalJ Weiß- u. BnW-Bltr-LM mit gsränmigom Vorsinszimmer, be- sonders bei Beerdigungen zum Auf- enthalt für größere Gesellschaften. Für guto Lpsison n. Ketränlc« ist stets gesorgt. 2377L* Paul Hilpert(nixdorf), Ecke Hermann- und Karlsgartenstraße Mart. Bcrndt'3 MßeWe empfiehlt nach wie vor allen Freunden und Bekannten seinen vorzüglichen rriibsiüelcs-, Aittags- unü Udeuiltisoli. Jeden Sonnabend von 6 Uhr ab: tt. Eisbeins. Für gute Biere ist selbst- verständlich bestens Sorge getragen. Um zahlreichen Besilch bittet Martin Bemdt, Oranien- u. Alexandrinenstraßen> Ecke. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich>.Utzo«str. 4 ein Weiß- n. BnisiM-VierlM übernommen habe. Faber. Mein Weiß- vnh Lkirislh- Bier-LM nebst HaHöii sei alle» Freunden u. Bekannten, sowie den Gästen der Badeanstalt von Getschni bestens empfohlen. 2625L' �utou Seidler, Ratiborstrasse No. 16. Boltz' Sommergarten Alte Jakobstr. 75. Täglich: Spezialitiitcu-Vorstellung. Bei ungünstiger Witterung i. Part.- Saal. Für Saison 1395/96 Säle zu Festlichkeiten u. Versaninilungen. M. Krüudel's mit .ne Brunnenstr. 188 (150—500 Uerfone»), Ucrrins» zimmrr, Garten, frans. Killard. Einige Tage sind noch frei. Kaffeelüche täglich von 3 Uhr ab geöffnet._ Grünau.|| Grünau. Gnstwivthfchast 2146C* von G. Lindeuina�n S Friedrich straffe Ä Garten.— Kegelbahn. Vereiuszimmer von 25- 60 Personen. Speisen u. Getränke in bekannter Güte. Auch sind Fremdenzimmer zu haben. Vcrkehrslokal des Arbeiter- BildungS Vereins. Grünau. I| Grünau. Friedrichshagen. Empfehle den Genossen mein Weist- und Vayr.-Bier-Lokal, Garten und Kegelbahn. 1411b Raul Spindler, Wilhelmstr. 67 rechts vom Bahnhof, die Linden-Allee entlang. Berliner Kranken-llnterstützungs- und Begräbniß-Berein für Franen und Mädchen. Sonntag, de» 9. Juni, abends 7 Uhr, im LouifenstädtischenKonirrthan», Alte Jakobstraße 37: Gemuthliche Abendunterhaltung(nachher Tanz). Billets ä 20 Pf. sind in den Zahlstellen und im Setzersaal des„Vorwärts" bei Eimer zu haben. 1462b' t edem Parteigenossen zur Anschaffung empfohlen! Soeben ist complet in 5 Heften erschienen: Itnistotj«lld Amldtltlolttgjik. Stenographischer Bericht der Retchstligs-Nerhandlungrn über die Umsturz- gorlage. 464 Seiten Groß-Oktav. Preis 60 Pfennig. Porto 20 Pfennig. Heft l und 2 je is Pfg., Heft 3, i und 5 je io Pfg. MT Gebundene Exemplare ä 80 Pfg. Porto SO Pfg.-�Z Seit der ZukunftsstaatSdebatte hat keine ReichstagSverhandtung die öffent- liche Meinung so lies erregt wie die Umsturzdebatten, und die reaktionären Angriffe auf das NNgcmrinr Wahlrecht wie die Drohungen mit dem Sknalo- strcich und neuen Susnahmegefehen halten das Interesse an diesen Ver- Handlungen noch auf lange hinaus lebendig. Für unsere Partei sind diese einzelnen Heste— nach dem einstimmige» Slageruf der gegnerischen Presse— das beste Agitattonsmaterial, über das wir zur Zeit versagen: und sllr alle politisch regen Kreise wird das Buch(wie f. Z. die Verhandlungen über das Sozigiisiengeseh) ein werlhvollcs historisches Aktenstück bleiben. Wuchs) and lung Berlin SW., des„Morwärts Beuth- Straße 2. Iubilämns- u Land- und Wasserpartien zu vergeben. PrtWßnsSrijinfltptof, unmittelbar am Grunewald, mit schattigem Garten. Familien-Kaikeekucde. Jeden flu Oij.H Kaai, 200 Personen fassend und UrmusM'.nmrr zn Sonntag: wl»-vlllU. Versammlungen und Festlichkeiten. M. Schulze. Wilrntlnnniittßr. 6 3. Lokal v. Ecke Breitcstr., „22um Waldbaus� auf ßauchfangswerder vis-a-vis /O.lllkbPö �tflflliK» Bequeme Ucberfahrt. Dampfer-Station. 9 iMÜJlliju Herrlich am Wald und Wasser gelegen. Kegelbahn, Kaffeeküche, Kairifch-, Meiff-, echte Biere, gute Kitche?n zivile» Preisen. Vereine», Klubs:c. zu Ausflügen besonders zn empfehlen. Zd. Rutkowsky(früher Grünau). Verantwortlicher Redakteur: A. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, SW., Beuthstraße 2.