Nr. 367 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 188 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mit„ Gied. Iung und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 80 Pfennig. Reklamezoile 5. Reichsmart. ,, Kleine Anzeigex bas fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( auläffia zwei fettgedrudte Worte), fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erste Bort 15 Pfennig, ledes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worie. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftrake 3, abgegeben werden, Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 t nochm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Tönboff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 6. August 1925 Warnung in letzter Stunde. Dringende Eingabe der Gewerkschaften gegen die Zollvorlage. In legter Stunde vor der endgültigen Erledigung der Zollvorlage haben die Gewerkschaften die schweren wirtschaftlichen Bedenken gegen die Zollpolitik des Rechtsblocks noch einmal in einer Eingabe an den Reichskanzler zu sammengefaßt. Wir geben das Dokument im Wortlaut wieder: Steuersystem und durch die auf allen Zweigen der deutschen Wirtschaft lastenden Kreditschwierigkeiten. Die unterzeichneten gewerkschaftlichen Spizenverbände richten an die Reichsregierung das Ersuchen, vor der Verabschiedung des Gefezes über Zolländerungen nochmals in eine ernste Prüfung einzutreten, ob die geplanten schweren Eingriffe in bas Wirtschaftsleben wirklich notwendig und unvermeidbar sind. Durch die Einführung von Zöllen auf Lebensmittel und Futtermittel würde eine unerträgliche Berfeuerung der Lebenshaltungstoffen eintreten. In sorgfältigen Berechnungen ist festgestellt worden, daß eintreten. In sorgfältigen Berechnungen ist festgestellt worden, daß allein durch die von der Regierung vorgeschlagenen Zölle auf Agrar: produfte eine minderbemittelte fünftöpfige Familie mit einer Mehrausgabe von mindestens 150 m. jährlich belastet werden würde. Auch nach der im Reichstag erfolgten Abänderung der Zollvorlage bleibt die Belastung unerträglich. Nach Ablauf der achtmonatlichen Schonfrist mit ihren ohnehin überhohen Bolljäzen würde die Belastung trotz der Freilassung eines Gefrier fleischtontingentes sich der genannten Summe von 150 m. jährlich weitgehend annähern. Die Einkommens- und Ernährungslage aller Schichten der Lohn und Gehaltsempfänger ist zurzeit bereits derartig gespannt, daß eine weitere Belastung nicht tragbar ist. Selbst die Epigenverdienste, die mur für einen fleinen Teil der Lohnarbeiter. schaft in Frage kommen, reichen bei den heutigen Preisen faum hin, um eine auch nur einigermaßen austömmliche Lebenshaltung zu gewährleiften. Das Einkommen der großen Massen der Cohn- und Gehaltsempfänger gewährt ihnen bei der bereits bestehenden Teuerung nicht einmal das für die Erhaltung der Arbeitskraft und für das Heranwachsen einer gefunden neuen Generation erforderliche Eriffenzminimum. Schon ble für die nächsten Monate beschlossene sprung hafte Erhöhung der Mieten bedeutet für sämtliche Haushaltungen der Arbeiter, Angestellten und den größten Teil der unteren und mittleren Beamten eine Mehrausgabe, die dem fargen Lebensunterhalt abgerungen werden muß. In diefer Situation ist es völlig ausgeschlossen, daß die geplante Mehrbelastung durch die Agrarzölle von den Konsumenten getragen werden könnte. Diese Auffassung der Gewerkschaften wird durch die Gutachten der Wissenschaftler vor dem Reichswirtschaftsrat und vor der Agrarenquetekommission bestätigt, denen sich auch der Bertreter des Reichsbankdirektoriums angeschlossen hat. Es bliebe fein anderer Ausmeg, als unverzüglich die Abwälzung der Belastung durch Lohn- und Gehaltserhöhungen in Angriff zu nehmen. Gegen solche Erhöhungen ist aber bereits im voraus der Widerstand der Arbeitgeberverbände angekündigt worden. Schwere Lohnkämpfe und eine unheilvolle Erschütterung des gesamten Wirtschaftslebens müssen daher die unausbleibliche Folge einer Durchführung der Zoll. vorlage sein. Die Gewerkschaften find von der ungeheueren Berantwortung durchbrungen, die sie zwingen würde, diese Kämpfe mit aller Energie zu führen, um einen neuen Raubbau an der durch Kriegs- und Inflationsjahre geschwächten und taum wiederhergestellten Arbeits fraft und Bolksgesundheit zu verhindern. Sie sind der Ansicht, daß alles versucht werden muß, um noch in lekter Stunde den zu ers wartenden Erschütterungen des Wirtschaftslebens vorzubeugen. Die unterzeichneten Verbände sind mit der Regierung darin völlig einer Meinung, daß die Erhaltung einer lebensfähigen Landwirtschaft zu den wichtigsten Zielen der Wirtschafts. politik gehört. Sie sind auch der Ansicht, daß eine planvolle Beiterentwidlung der landwirtschaftlichen Produktion erforderlich ist, um in immer wachsendem Maße einen möglichst großen fönnen jedoch nicht zugeben, daß das jetzt geplante Bollsystem das geeignetste Mittel ist, um dieses Ziel zu erreichen und daß die geforderten ungeheuren Opfer zur Erreichung dieses Zieles notwendig find. Vertreter der organisierten Arbeitnehmerschaft haben als Mitglieder des vorläufigen Reichswirtschaftsrates und des Reichstages bei der fachlichen, durch Vernehmung von Sachverständigen der Braris und ber Biffenschaft unterstützten Prüfung der Zollvorlage intensiv mitgearbeitet. Sie sind dabei, in Uebereinstimmung mit den namhaftesten Bertretern der Wirtschaftswissenschaft und der landwirtschaftlichen Betriebslehre, zu folgendem Urteil gelangt: Die Schwierigteiten, in denen sich ein großer Teil der deutschen Landwirtschaft zurzeit befindet, find Angesichts dieser Situation würden Sölle ein völlig ungeeigBerbrauchern geforderten Opfer würden vergeblich gebracht werden. netes Mittel sein, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen; die von den Die unterzeichneten Berbände unterbreiten der Reichsregierung folgenden Vorschlag, daher der fich für fie mit zwingender Logik aus den ausgeführten, von allen Sachverständigen übereinstimmend getroffenen Feſtſtellungen ergeben hat: sonderen Erschwernisse, unter denen die deutsche Landwirtschaft leidet Es muß mit allem Nachdruck daran gegangen werden, die beund durch die sie schlechter gestellt ist als die Landwirtschaft anderer europäischer Länder, auf direktem Wege zu beseitigen. Es wären daher die Industriezölle und Einfuhrverbote, durch die die landwirtschaftlichen Produktionsmittel verteuert werden, aufzuheben, oder wenigstens in scharfer Degression abzubauen. Gleichzeitig wäre der Landwirtschaft der Weltmarkt für ihre Erzeugnisse zu sichern durch Freigabe der Ausfuhr und Beseitigung der Umsatzsteuer auf Lebensmittel. hellir Diese grundlegenden Maßnahmen, die sofort oder in kurzer Zeit durchgeführt werden fönnten, müßten durch ein fyftematisches Programm der landwirtschaftlichen Produktionsförderung unterstügt werden. Das landwirtschaftliche Kreditwesen muß weiter ausgebaut werden; durch eine Verbindung zwischen Kreditgewährung und einer von den landwirtschaftlichen Organisationen selbst zu hand habenden Betriebsberatung wäre einer Verschwendung und unzwed. mäßigen Berwendung der Kredite vorzubeugen. Das landwirt. fchaftliche Unterrichtsmesen muß in sehr viel groß zügiger Weise ausgebaut merden, als es bisher in Deutschland geschehen ist, ebenso das Genossenschaftswesen. Der Ueber gang des Bodens an den besten Bewirtschafter ist zu erleichtern, und der Bächter gegen Ausbeutung zu schüßen. Die gegenüber der Bor friegszeit unnatürlich vergrößerte Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen ist abzubauen; zu diesem 3wed ist vor allem der Zusammenschluß zwischen den Genossenschaften der Erzeuger und denen der Verbraucher anzubahnen. Ein großer Teil dieser Maßnahmen stellt erst eine langsam eintretende, dafür aber um so nachhaltigere Wirkung in Aussicht; durch die Aufhebung der Ausfuhrverbote, den Abbau der Industriezölle und Beseitigung der Umfazsteuer auf landwirtschaftfiche Produkte würde dagegen eine sofortige ganz wesentliche Erleichterung für die Landwirtschaft eintreten. Die unterzeichneten Spizenverbände machen daher den Borschlag, diese Maßnahmen durchzuführen und gleichzeitig die zurzeit bestehende Zollfreiheit für Lebensmittel zunächst um ein weiteres Jahr zu verlängern. Nach Ablauf dieser Friff wäre die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen zu ermitteln und erst auf dieser Grundlage zur Frage der Agrarzölle endgültig Stellung zu nehmen. Eine solche Berlängerung der Zollfreiheit erscheint um so weniger bebentlich, als bereits während des letzten dingungen stand als gegenwärtig, die landwirtschaftliche Broduktion Jahres, in dem die Landwirtschaft unter fehr viel ungünstigeren Be nicht nur feine Berringerung, sondern eine ganz besonders rasche und erfreuliche Steigerung erfahren hat. Die Berflechtung in den welt. wirtschaftlichen Güteraustausch bei zollfreier Einfuhr von Lebens. mitteln und Futtermitteln hat seit der Stabilisierung der Währung auf die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion in durchaus günstiger Weise gewirkt. Es besteht nicht der geringste Grund, daran zu zweifeln, daß die vorgeschlagenen ernsthaften Anstrengungen zur planmäßigen Förderung der landwirtschaftlichen Produktion diese Entwicklungstendenz noch verstärken würden. Unter Würdigung aller Umstände tönnen die unterzeichneten Verbände in den geplanten Zöllen fein geeignetes Mittel einer zielbewußten und fachlich begründeten Wirtschaftspolitik erblicken. Die den Konsumenten zugemuteten Opfer mit allen sich daraus zwangsläufig ergebenden Folgen sind durch die wirtschaftliche Situation in feiner Weise gerechtfertigt. Der Bersuch, diese Bollpläne auf Grund der politischen Machtverhältnisse dennoch durch zuführen, würde daher nichts anderes darstellen, als einen Mißbrauch der Staatsmacht, um politischen Barteiinteressen zu dienen und ein flußreichen Wirtschaftsgruppen Sondergewinne zuzuwenden. Eine folche Entfernung der Wirtschaftspolitik von den Grundlagen des fachlich Gebotenen würde nicht verfehlen, die schärfsten Abwehrmaßregeln der benachteiligten Boltsmaffen hervorzurufen, und müßte für unser gesamtes politisches und wirtschaftliches Leben die verhängnisvollsten Folgen zeitigen. Die unterzeichneten Spizenverbände halten es daher für ihre Pflicht, in legter Stunde nochmals vor dem Betreten dieses Weges zu warnen. Sie verfolgen mit ihrem Vorschlag die Absicht, zu einer für Wirtschaft und Volk nugbringenden Behandlung der folgen schweren Entscheidungsfragen beizutragen. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Leipart. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Boftschecktonto: Berlin 37586- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3 Zolldiktatur? Vor der zweiten Lesung des Zolltarifs. Das Gesetz über Zolländerungen wird nun in den nächsten Tagen zur zweiten Lesung an den Reichstag gelangen. An dem eigentlichen Tarif der Regierungsvorlage sind verhältnismäßig wenig Renderungen vorgenommen worden. Die sozialdemokratischen Anträge auf 3ollbefreiung oder ZollBlod der Rechtsparteien und des Zentrums herabsetzung hat man ja unterschiedslos abgelehnt: der blieb einig und geschlossen. Ueber ein paar geringfügige Zollminderungen haben sich diese Parteien untereinander verReihe von Erhöhungen vorgenommen. So sind sie beispiels ständigt und dafür haben sie auf der anderen Seite noch eine weise für Gurken, Bananen, Apfelsinen, für Käse, Fische und Bein noch über die Süße der Borlage hinausgegangen. seg selbst eine nicht unbeträchtliche Umgestaltung erfahren. Dagegen hat das aus acht Paragraphen bestehende Ge= Durch das bekannte Kompromiß sind die ursprünglich vorgesehenen Mindestzölle auf Getreide gefallen und dafür Mindest zölle für Schlachtvieh eingeführt worden. Die Zollsäge sollen, wie es jeht im§ 3 heißt, durch vertragsmäßige Abmachungen bei Rindvieh und Schafen nicht unter 13 RM., bei Schweinen nicht unter 14,50 m. für einen das Zentrum diese Abänderungen durchsetzte, behauptete es, Doppelzentner Lebendgewicht herabgefeßt werden. Indem den Interessen der viehzüchtenden kleinen und mittleren Bauern zu dienen. Da es sich aber gleichzeitig mit den Deutschnationalen und der Deutschen Bollspartei schützend vor die 3ölle auf Industrieerzeugnisse und nicht zulegt auch auf landwirtschaftliche Produktionsmittel stellte, und da es ferner gegen eine Belastung der dem Viehzüchter unentbehrlichen Futtermittel nichts einzuwenden hatte, strafte es sich selber Lügen. Für Getreide, Hülsenfrüchte, Fleisch, Mehl ufm. waren in der Borlage für die Zeit bis zum 31. Juli 1926 gewisse Ermäßigungen gegenüber dem allgemeinen Tarif vorgesehen. Sie sind im wesentlichen beibehalten worden. Bei Gerste und Malz wurden sie noch erhöht, bei Schweinefleisch, Sped und Schmalz sind sie etwas vermindert worden. Neu hinzugekommen ist die immerhin als Verbesserung zu bewertende Bestimmung, wonach Ge= frierfleisch im Rahmen der bisherigen Einfuhr zollfrei gelaffen wird, sofern es durch Vermittlung von Gemeinden tunlichst unter Einschaltung des ordnungsmäßigen Gewerbes und der Genossenschaften den Verbrauchern zum Selbsttoftenpreis oder mit einem mäßigen Aufschlag zugeführt wird, und war unter Bedingungen, die einen Mißbrauch der Vergünftigung ausschließen. Das ist eine Vergünstigung für die minderbemittelten Teile der Bevölkerung, und wir haben sie immerhin höher anzuschlagen, als das Bemühen, die Niedertracht der Zollbelastung dadurch zu verhüllen, daß man die Reineinnahmen aus den Lebensmittelzöllen für Zwecke der Invalidenversicherung, für die Wohlfahrtspflege sowie zur Förderung wissenschaftlicher Ausbildung und Forschung zur Berfügung stellen will. auf Jahre hinaus eine neue schwere Laft auferlegt, und Wird der Zolltarif jetzt Gesez, so ist dem deutschen Volke wenn auch durch Handelsverträge die eine oder andere Pofition noch heruntergefeßt wird, so wird dadurch keine wirklich bemerkbare Erleichterung des Drucks herbeigeführt werden. Was das für unsere Lebenshaltung sowohl wie für die Entwicklung unserer Produktion und die Möglichkeit des fo dringend notwendigen Warenerports bedeutet, ift oft genug auseinandergelegt worden. Im Parlament und in der Presse find unsere Argumente immer und immer wieder vorgetragen worden, fie prallten an dem entschlossenen Profitstreben der Landwirtschaft und der fartellierten Industrie ab, und sie werden auch in der zweiten Lesung im Plenum fein anderes Schicksal haben. Die Folgen werden sich bemerkbar machen, wenn das Gesetz erst eine Weile in Kraft ist, und dann werden wohl auch diejenigen Bevölkerungsschichten aus ihrer Ruhe erwachen, die in den letzten Monaten noch nicht die Entschlußfraft aufbringen fonnten, Seite an Seite mit der organisierten Arbeiterschaft den Protestfeldzug gegen die Wucherpolitik zu führen. Hoffentlich noch früh genug, um die Vorbereitung der fogenannten großen Tarifreform entscheidend zu beeinflussen. Denn das vorliegende Gesetz soll zunächst nur bis zum 31. Juli 1927 gelten. Der jetzt zu beschließende Tarif tritt noch nicht an die Stelle des Tarifs von 1902, sondern ändert nur ein paar hundert von seinen Positionen. Der Plan ist, in den nächsten Jahren ein vollständig neues Schema aufzustellen, das den veränderten wirtschaftlichen und technischen Berhältnissen angepaßt sein soll, und mit dessen Hilfe natürlich ber jetzt beschrittene Weg bis zum Ende gegangen werden soll, welche Bernunft fiegt, oder fich die unter der Zollpolitik leidenden Massen die Macht im Staate gesichert haben. nicht durch den Drud einer ausländischen Konkurrenz verursacht. In den europäischen Freihandelsländern ist die Weltagrarfrisis der Jahre 1920 bis 1923 völlig überwunden, und die Aussichten für eine fruchtbare Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Produktion find dort durchaus günſtige. Die Schwierigkeiten der deutschen Land- Gewerkschaftsring deutscher Arbeiter Angestellten- und Beamten wenn inzwischen nicht bei der heutigen Mehrheit die ökono wirtschaft find vielmehr durch ganz andere, im wesentlichen auf Deutschland beschränkte, besondere Erschwernisse verursacht. Unter diesen Erschmernissen stehen die Mängel des gegenwärtigen handelspolitischen Systems( Ausfuhrverbote für landwirtschaftliche Prohutte, Bollbelaftung bei landwirtschaftlichen Produktionsmitteln) an after Stelle; fie werden verstärft burch ein fehlerhaftes Berbände.( H.-D.) F. Neustedt. Allgemeiner freier Angeftelltenbund. Aufhäuser. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Döbling Aber es gibt noch eine Bestimmung in der Vorlage, auf die eine ganz besondere Aufmerksamkeit gerichtet werden muß. Der§ 3a ermächtigt die Reichsregierung im salle eines bringenden wirtschaftlichen Be d ü r f n i s s e s mit Zustimmung des Reichsrats und eines Ausschusses des Reichstags die Cingangszöllc für zollpflichtige Waren zu ändern oder aufzuhebe n". Das ist schlechterdings eine Ungeheuerlichkeit! Sehen wir ganz von der Ver- f a s f u n g s w i d r i g k e i t ab, die darin liegt, einen Aus- schuß des Reichstags zum Träger der Gesetzgebung zu machen, so soll hier das Plenum der Volksvertretung für die Umge- staltung des von ihm beschlossenen Zolltarifgesetzes vollständig ausgeschaltet werden. Die Regierung zusammen mit dem Reichsrat und einer Kommission, in der die Schutzzöllner un- bedingt in der Mehrheit sind, erhält die Ermächtigung zur Aendcrung der Zölle, und das bedeutet nicht nur, datz sie nach Belieben irgendwelche mehr oder weniger wichtige Positionen hinausschr-auben kann, sondern sie ist auch in die Lage gesetzt, nach dem 31. Juli 1926 die Sätze für Getreide, Fleisch u s w., die wie gesagt, bis zu diesem Termin ge- bunden sind, nach Gutdünken zu erhöhen, und sie vermag dann auch die Mindcstzölle für Vieh dem Wunsche der Rechts» Parteien entsprechend hinaufzusetzen. Man fragt sich am Ende, wozu denn überhaupt der Reichstag noch zur Deschluß- fassimg über die gegenwärtige Lorlage bemüht wird.' Es genügte ja schließlich der eine Paragraph, der der Regierung. mit oder ohne Reichsrat und Reichstagsausschuß freie Hand für die Festsetzung der Zölle gewährt. Hier soll einfach eine Art von Zolldiktat nr errichtet werden, und das Er- staunlichste dabei ist, daß sich Regierung und Regierungs- Parteien noch dazu auf den Standpunkt stellen, es handele sich bei dem � 3a nicht um ein verfassungsänderndes Gesetz, das zu seiner Annahme einer Zweidrittelmehrheit bedürfe. Wird dieser Paragraph endgültig angenommen— und er kann nur mit einfacher Mehrheit angenommen werden, da eine Zweidrittelmajorität ohne die Sozialdemokratie nicht zustande kommt—, so heißt das Willkür, die die das Kabinett Luther stützenden Parteisn bei der ganzen bisherigen Be- raiung der Steuern und der Zölle haben wallen lassen, die Krone aufsetzen. Es ilt die Absicht der Mehrl>eit, das verhängnisvolle Gesetzgcbungswerk noch vor den Ferien in wenigen Tagen zu verabschieden. Diese Absicht ist mit der Würde des Parlaments und dem Recht der Opposition, ihre Gegengründe ausführlich geltend zu machen, unvereinbar. Es bestehen nicht nur unüberbrückbare sachliche Gegensätze, sondern auch über die gcschästsordnungsmäßige Behandlung der Materie sind die Meinungsverschiedenheiten so stark, daß die Dinge einem Konflikt entgegenzutreiben scheinen. Buch Sie Nietsteuer angenommen. Alle sozialdemokratischen Anträge abgelehnt. Der letzte Tag der Beratungen der Steuervorlagen in zweiter Lesung hat den Volksmassen die allerstärkste Belastung gebrocht. In dem Finanzausglekchgesetz ist vorgesehen, dag die M i e t st c u e r künftig in wesentlich höherem Maße als bisher angespannt werden kann. Sowohl die Erhöhung der Mielsteuer für den Wohnbau, als auch die Erhöhung ifür fis- kalische Zwecke und für einen erhöhten Anteil an die Haus- besitzer bedingen eine Steigerung der Miete, deren Ausmaß nach oben nicht begrenzt ist. Das Gesetz sieht lediglich vor, daß die Mietstcuer für fiskalische Zwecke bei einer Miete bis zu 199 Proz. der Friedensmiete nicht mehr als 39 Proz. betragen darf. Es gewährt aber sonst freien Spielraum für das unbegrenzte Steigen der Mieten. An allen diesen gefährlichen Absichten ist in zweiter Lesung nichts geändert worden. Zwar wurde ein Zentrums- nntrog angenommen, der die Bestimmung streicht, wonach die Mieten am 1. April 1926„mindestens" 199 Proz. zu betrggen haben.' Aber das ist nur eine Schönheitskorrektur, die ohne jede praktische Bedeutung ist. Alle sozial- demokratischen Anträge wurden von der ge- schlosscnen Regierungsmehrheit niedergc» st i m m t. Nichts ist zum Schutze der großen Massen der Mm Schraubstock. von Otto Paulus. „O, stinkt's da." Mit diesen Worten habe ich bei einer großen Weltfirma meinen ersten Arbeitstag begonnen.„Du wirst dich daran gewöhnen," meinten die Kollegen.„Ja, stinkt's denn da immer so?"„Wart's ab, lieber Freund, bekommst noch mehr zu riechen. Wenn wir erst die Maschinen rausfahren, wird es noch toller;"„Dos kann ja heiter werden," dachte ich.„Na mal ran a» die Arbeit." Fix bin ich instruiert, und in wenigen Minuten stehe ich in der Produktion. Einer Aktordkolonne werde ich«ls elfter Mann zu- geteilt. Meine Arbeit ist Einpassen von Keilen in Wellen und Auf- keilen von Zahnrädern. Der Vorarbeiter meinte:„Du Host hier eine ichöne Arbeit. Da heißt es aber aufgepaßt, damit der Kram nicht wackelt. Du weißt ja, wie das ist hier. Finden die Herren was, wo sie einem am Zeug flicken können, dann reiten sie ein halbes Jahr auf einem rum. Also du weißt Descheid." „Ja, ich weiß Bescheid." Und ich feilte und keilte und paßte auf, damit die Herren nicht» zum Reiten bekamen. Keilte und feilte. Atmete Gestank, der in meinem Kopfe einen dumpfen Druck verursachte, feilt« und keilte: schwitzte und fluchte und rechnete nach, wieviel Stück man im Tag« machen kann. Wenn nur der verfluchte Gestank nicht wäre. Dieser fürchterlich stinkende Auspuff der Rohölmotoren. Aber inimerzu feilen und keilen. Ganz mechanisch. Weitab sind die Gedanken. Doch der Gestank und immer dieselben Griffe: immer wieder das gleiche Stück Arbeit, das kommt mir bald zum Halse heraus, wenn ich daran denke. Und das soll nun Tag für Tag so sein? Ein Leben- lang? Entsetzlich! Feilen, immer wieder feilen. Keilen, immer keilen. Fluchen, schwitzen, Gestank einatmen. Ganz grausig wird mir zuniute. Wie sagten die Kollegen?„Wirst dich daran gewöhnen." Und ich muß mich daran gewöhnen. Feile und keile, fluche und schwitze, atme Gestank und fantasier« von fernen Bergen, blauen Seen und kommendem Land. Seh' mich feilen und keilen ohne Gestank einzuatmen. Herz und Sinn sind mit der Arbeit verwoben. Aus jedem Hammerschlag springt die Freude in den arbeitsreichen Tag. Ich falte die Stirn, strenge mich an. auf die Arbeit zu achten. Dumpf schmerzt der Kopf. Weg mit dem Phantasieren! Feilen. teils«. Doch schon in kurzer Zeit wandle ich in Gefilden reinen Glau- bene an gewaltige Ideen. Aus dem grausigen Einerlei steigt meine Liebe zu opferndem Handeln für alle Leidenden in Fabriten, Hütten und düsteren Hallen. Wie Musik klingt der Rhythmus der Arbeit in meinen Ohren. Höher und höher wächst in mir die Kraft zu Lohn- und Gehaltsempfänger und der Rentner durchzusetzen gewesen. Die Mehrheit, beseelt von dem Willen, auch bei der Mietpreisbikdung dem Profit freie Bahn zu verschaffen, ließ alle volkswirtschaftlichen Erwägungen außer Betracht und öffnete durch ihre Beschlüsse dem unbeschränkten Steigen der Miete Tür und Tor. Eine starke Belaftungder Volksmassen wird die unausbleibliche Folge sein. In einer Zeit steigender Preise und erbitternden Widerstandes der Unternehmer gegen Lohn- erhöhungen wird das doppelt fühlbar werden. Vermehrte Rot und größeres Elend werden auftreten, zugleich aber wird die Arbeitsfähigkeit der Massen und die Exportfähigkeit der deutschen Industrie leiden. Alles das aber ist von dem Rechts- block in den Kauf genommen worden. Seine Verantwortungs- losigteit gegenüber dem Volke ist so groß, daß er nicht einmal eine Rechtfertigung für seine Handlungen zu geben ver- sucht hat. Wahrlich, niemals sind Wähler so getäuscht worden, wie diejenigen, die im Vertrauen auf Rettung aus Rot und Elend ihren schärssten Bedrückern in den Sattel geholfen hasten. Schwarz-Rot-Golü ist Neichsfarbe! Scharfer Erlast Severings gegen Schwarz-Weist-Rot. Innenminister S e v s r i n g hat an die Regierungspräsi- denten einen Erlaß gerichtet, in dem er noch einmal einschärft, daß die Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold sind und daß auch die Kommunalbehörden sich danach zu richten haben. Ueber den Inhalt des Erlasses berichtet der Preußische Pressedienst: Der Minister weist eingangs darauf hin. daß er schon in seinem Erlaß vom 27. Juli 1922 auf die Notwendigkeit hingewiesen habe, mit allen gesetzlichen Mitteln dafür zu sorgen, daß das Flaggen mit schwarzweißroten Fahnen auf sämtlichen Dienstgebäuden, auch denen der Gemeinden und Gemeinde- verbände, in Zukunft unterbleibe! Der Eingliederung der Gebietskörperschaften in Staat und Reich entspräche es, daß sie nur die neuen Reichsfarben führen dürfen. Die Beflag- gung mit den alten Ncichsfarben von diesen Stellen aus würde nicht als bloße Bekundung der gebotenen Achtung gegenüber den früheren Reichsfarben angesehen werden können, sondern müßte als eine bewußte und gewollie Mißachtung gegenüber den gellenden ver- fasiungsmäßigen Farben wirken, die sich in keiner Weise, insbeson- dcre nicht durch Berufung auf das Recht der Selbstverwaltung, rechtfertigen lasse. Der Minister ist daher entschlossen, eine mißbräuchliche Der- wendung der früheren Reichssarben nicht zu dulden, und macht darauf aufmerksam, daß derartige Maßnahmen der Selbstverwal- lungskörper unter allen Umständen eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung bedeuten und auf Grund des 8 19 II 17 ALR. polizeilich zu verbieten, gegebenenfalls zu beseitigen sind. Er ersucht daher die Regierungspräsidenten, für Berlin den Polizeipräsidenten, in geeigneter Weise dafür Sorge zu tragen, daß Zwischenfälle der bezeichneten Art unterbleiben und zu diesem Zweck insbesondere dem vielfach anscheinend auch bei kommunalen Verwaltungen verbreiteten Irrtum entgegenzu- treten, als habe das Oberverwaltungsgericht in feiner Entscheidung vom 29. Mai 1923 zu der materiellen Frage der Julässigkeit staatlicher Anordnungen wegen Beflaggung kommuna- ler Dienstgebäude Stellung genommen. Der Minister ersucht welker. drm verbot der vejloggung kommunaler Dienstgeböude in den Farben Schwarz-Weiß-Rol im gegebenen Falle, namcullich auch am Tage der vcrsassungsfeier. durch Vereitstellung genügender Polizeikräske entsprechenden Nachdruck zu verleihe«. Hinzugefügt wird, daß sich diese Anordnung sinngemäß auf alle Flaggen bezieht. die von denen des Reiches, der Länder, der Provinz oder der Ortsgemeinde abweichen und die öffentliche Ordnung, ins- besondere durch Heroorkehrung einer parteipolitischen Ten- dcnz, zu gefährden geeignet sind. Der Erlaß ist zu begrüßen. Er ist erforderlich, um das Ansehen des Reiches provokatorischen Krähwinkeleien gegenüber, wie sie sich Potsdam des öfteren geleistet hat. edlem Beginnen. Mitstreiter sein im großen Heere für die Be- freiung der Menschheit. Ketten sprengen. Frei sei der Mensch! Plötzlich schrecke ich zusammen. Zuviel weggefeilt? Rein, es langt noch. Glück gehabt. Müde werde ich. Möchte mich hinsetzen. Der Kopf schmerzt so arg. Dieser Gestank und der Lärm. Am Nebsten ginge ich raus auf eine Wiese. Sonne trinken, den Duft der Erde einsaugen und ein Stückchen blauen Himmel sehen. Roch zwei Stunden, dann ist's geschafft. Also nochmal reingelegt ins Zeug. Es geht aber nur longsam. So schwer fällt es mir jetzt aufzupassen. Die Gedanken fliegen immer wieder hinaus ins Freie. Wieder zusammengerissen. Aufgerafft. Wie träge die Zeit dahin- schleicht. Feilen, keilen. Schraubstock auf, Schraubstock zu. Frau und Kinder haben Hunger- Sechsunddreißig Mark die Woche. Feilen, keilen. Ohne Liebe, ohne Freud«. Tag um Tag. Der Deutsche Stuöententag. Der„Deutsch« Studententag" ist nach einer langen welt- erschütternden, die deutschen„Belange" grundlegend berührenden Tagung am Mittwoch beendet worden, nachdem es ihm gelungen war, den Tiefstand des neudeutschen Studententums öffentlich zu dokumentieren. Die Begrüßung des Kongresses durch hohe und höchste Spitzen der BeHorden, durch die Gesandten Oesterreichs und Ungarns und die Vertreter der ausländischen Hochschulen konnte zu der Erwartung berechtigen, daß dieser achte Studententag besonders be- deutungsvölle Entschlüsse von großer Tragweit« zu fassen habe. Nach endlosen Debatten und Nachtsitzungen steht man jetzt eigentlich vor lauter Nichtigkeiten. Dieser Studententog stellt— worauf wir schon bei seinem Be- ginn hinwiesen— überhaupt nur ein„Rumpfparlament" dar: denn eine große Minderheit der deutschen Studentenschaft hat die Beteili- gung abgelehnt, in Erwartung des üblen Terrors, der von den ..farbentrogcnden" und den übrigen„nationalen" Verbindungen er- fahrungsgemäh ausgeübt wird.' Am Tisch des Präsidiums faß der bekannt« völkische Pressetiger der„Hochschulblätter", canä. Frank aus Wien, der keinen Monat ohne eine Anpöbelung des badischen Ministerpräsidenten vorüber- gehen läßt, als Symbol der neudeutschen Studentenschaft. Als der preußische Kultusminister Becker eine kurz« Ansprache hielt, verliehen diese völkischen Recken, vor allem die„Schlosser" der Technischen Hochschule Hannover, die es Becker nicht verzeihen können, daß er den Privatdozenlen Lessing nicht gespießt und gerädert hat. mit Protest das Lokal. Schließlich mußten sich ober doch die jungen Leute einige Wahr» Helten von dem preußischen Unterrichtsminister sagen lassen, die sie hinunterschluckten wie saures Bier. Ohne jeden Beifall trat der Minister ab: den„vaterländischen" Tiroden ihrer zünftigen De- magogen aber trampelten sie Beifall, das man einen Hauseinsturz befürchten mußte, wie in Monkeyville, der Afienstodt. Ueber wirtschaftliche Selbsthilfe wurde gesprochen, über Werk- studententum, Auslandsstudium u. a. mehr, Den breitesten Raum zu schützen. Daß aber auch manche Reichs st eilen in dieser Frage eine gewisse Bevormundung nötig haben, zeigt ein Bar- fall in H a l l e, wo die R c i ch s b a h n d t r e k t i o n die von dem Magistrat erlaubte Beflaggung der auf dem Dahnhofs- vcrplatz stehenden Masten in den Reichsfarben verboten hat. Sie will nur die Stadtfarben erlauben! Der Erlaß des Genossen Sevcring ist die richtige Antwort aus den ungeheuer- lichen Eingriff der Rsichsbohndireknon Halle in das Recht des Staatsbürgers die Reichsfarbe zu zeigen. Aber auch die G e- n e r a l d i r e k t i o n der Reichsbahn und der R e i ch s i n n e n» minister werden zu diesem unglaublichen Vorfall Stellung nehmen müssen. Es wäre ein unmöglicher Zustand, wenn die Reichsregierung den Schutz der Reichsfarben und damit des Ansehens des Reiches, dessen sich der preußische Innenminister mit so erfreulicher Energie annimmt, versagen würde. parteihetze. Aber keine Hilfe für die Vertriebene». Während die„Deutsche Zeitung" in der Optontenfrage auch weiter gegen Stresemann Sturm läuft, bemüht sich in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" eigens der. Geschäftsführer der Deutschnationalen, Abg. von Lindeiner-Wildau nun den Nachweis, daß neben Gen. S e v e r i n g, auch der deutsche Gesandte in Warschau, Ulrich Rauscher, an der Tragödie der aus Polen Vertriebenen schuld ist. Er oeifucht vergeblich, die niedrige deutschnationale Parteihetze mit einem Schein von Sachlichkeit zu bemänteln. Der einseitige Vorstoß der Deutschnationalen gegen Mitglieder der preußischen und der Roichsregierung, zeigt zu deutlich, daß es den Zöllnern lediglich darauf ankommt, aus der Rot der Vertriebenen poli- tisch Kapital zu schlagen, wie sie es ja auch glänzend oerstanden haben, das Elend der Inflationsopfer nach Strich und Faden auszubeuten. Sachlich ist die„Schuldftage" längst erledigt. Auch dem Abg. Lindeiner sind die Veröffentlichungen des Auswärtigen Amtes bekannt. So stellt die vom Auswärtigen Amt inspi- rierte Diplomatisch-politische Korrespondenz noch einmal fest: In unausgesetzten Verhandlungen, seit im Vorjahre durch den Spruch des Völkcrbundsschiedsrichters Kaeckcnbeek und das Wiener Abkommen die Möglichkeit— nicht der Zwang— zur beiderseitigen Ausweisung der Optanten geschaffen wurde, hatte man sich deutscher- seits bemüht, die polnische Regierung für den gleichen Humanitätsstandpunkt zu gewinnen, um zu verhindern, daß bodenständige Menschen beider Nationalitäten bloß deshalb, weil sie diese nicht preisgegeben hatten, entwurzelt und Not und Elend aus- gesetzt wurden. Der Mißerfolg dieser bi» in die letzte Zelt fort- geschlen deutschen Bemühungen hat sich in seiner Auswirkung d«»- halb im ersten Augenblick um so schwerwiegender geltend gemacht. weil polniicherseits bei Aufrechlerhaltung des engherzigsten nationa- listischen Prinzips nicht einmal die verpslichtungen zur Uebermitt- lung der Optantevlistcn richtig erfüllt worden sind, so daß man in bezug aus die Zahl der aus Polen Ausgewiesenen und die Termins ihres Eintressens aus Schätzungen angewiesen war. Der Sinn dieser Erklärung ist eindeutig. Aber den Deutschnationalen kommt es nicht darauf an, klarzustellen und zu helfen, ihnen kommt es nur auf die p o l i t i s ch e H e tz e an. Dem deutschnationalen Geschäftsführer entschlüpft� in dieser Hinsicht ein niedliches Geständnis. Es genügt nicht, dauernd Krach über nicht vorhandene skandalöse Zustände im Durchgangslager zu schlagen, die Vertriebenen müssen auch untergebracht werden. Wer soll sie aufnehmen? Es ist damit zu rechnen, daß die zurzeit in den Uebergangsstsllen konzentrierten Flüchtlinge den verschiedenen Ländern und Ge- mein den in abgekürztem Verfahren zur Unterbringung über- wiesen werden. 3ch weiß, daß in unseren überfüllten Städten und Dörfern diese neuen Zuwandere« vielfach unwillkommene Gäste sein werden. Möge man sie das nicht allzu sehr fühlen lassen. Herr Lindeiner kennt seine Pappenheimer, insbesondere die auf den Herrensitzen in geräumigen Schlössern. Daß man diese Herrschasten zur Aufnahme der Kleinbauern heranziehen soll, davon wagt er nichts zu sagen.... aber nahm die studentische„Ehrenordnung" ein. Man höre und staune: Seit sechs Iahren berät die deutsche Studentenschaft über dieses heiligste Gut! Trotz Revolution, Inflation, Dawes-Gutachten und Sicherheitsvertrag ist es der Blüte der deutschen Jugend immer noch nicht gelungen, den richtigen„Ehren-Komment" für das neue dem Weltkrieg entwachsene Geschlecht zu fabrizieren. Auch diesmal nicht! Man geht in dem niederdrückenden Bewußtsein auseinander. die Kulturschande eines mangelnden Ehrenkodex nicht beseitigt zu haben. Eine Nachtsitzung mit 37 Debatterednern verpuffte umsonst! Der Reichstag sinkt zu einem harmlosen Debattierklub herab gegen- über der Tragik dieser durchdiskutierten Nacht. Arme deutsche..Studentenschast"! Trotz Schützengraben und Werkstudententum hat sie den Weg zum schassenden Boll nicht ge> sundcn. So hat dieser Studententog mit dem Affenprozeß das eine gemein: er weist zurück in die Nacht der Dummheit und der Reaktion. Wettbewerb für Berliner Bildhauer. Der Kultusminister be- absichtigt einen allgemeinen Ortswcttbewerb unter den p r e u- ßischen Bildhauern, die ihren Wohnsitz in Berlin haben, zu veranstalten, und hat für die Preise und für Ankäufe von Entwürfen eine Summe von 20 000 M. zur Verfügung gestellt. Der Wettbewerb hat den Zweck, Bildwerke zu erlangen, die zur Ber- leihung als Preise für Sportzwccke verschiedenster Art die- nen sollen. Die guhfertig einzureichenden Entwürfe müssen für eine Ausführung in Porzellan oder für eine Ausführung in Metallguß (Silber, Bronze) geeignet sein. Es wird hierbei weniger«ntschei- dender Wert auf die Berwendbarkeit der Entwürfe für eine vielfache Anfertigung gelegt, als auf die Verwendbarkeit einiger Exemplare z. B. als Wanderpreise. Die Einsendung der Wettbewerbsentwürfe erfolgt bei der Akademie der Künste, Berlin W. 8, Pariser Plag 4. Der Termin der Einlieserung sowie die näheren Bestim- mungen des Wettbewerbs werden noch bekanntgegeben werden. Althor v. Serloch, der bekannte!ileg!sseur der„Usa". ist an einem Herzleiden plötzlich gestorben. Bevor er sich dem ssilm zuwandte, war er ali Spiclleiier am Leipziger SchauspielhauZ und alS�Direttor des Brom- berger und des Elberselder LtadttheaterS tätig gewesen. Di« Staatliche kunslblbliolhek, Prinz-AIbrecht-Ztrahe 7a, veranstaltet in ihrem Lesesaal eine Ausstellung„AugSburger Buchillustralion von 1479 bis 1539-. Die Ausstellung wird wcrltägiich von 9—2 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich sein Der„Vcvssche verein fiir össenlllche Gesuadbeitspflege" hält am Ii. und IS. September ieine IahreSvetjammiung in Bonn aus Einladung des Magistrats und der Universität ob. Die(Acschäslsstelle des Deutlchen Ver- eins bestndet sich jetzt: Berlin G 2, Fisch crstr. 39/40.(GeschäsiSsührer: Pros. Dr. v. Trigaltti). Elve däni che Andersen- Sesevschoss wurde»um 59. Todestag de« DichierS gegründet. Sie will seine unbekannteren Werke herausgeben und ein KindheitSheim in Odense restaurieren. Ellworlh über den nächsten Nordpolflug. Nach Aeußerungen EllwoptbS. drr in New f)olt eingelrosien ist. dürste ein Nordpolflug mit ein cv> Zeppelin nicht in Frage komme», da er sich zu teuer stellen würde, obgleich er sich sür dielen Zweck besser als ern Flugzeug eione. Ellworlh wird alle Ein- »ahmen aus den Filmverkäusen und Vorträgen Amundjen zur Verfügung stellen. in Eine deutliche Antwort. Der Polizeipräsident an die Bacmeister- Leopold. Auf die Veröffentlichung der Bacmeister- Leopold Gachen Rußmann" antwortet das Berliner Polizeipräsidium in einer gepfefferten Erklärung, die durch Wolffs Bureau verbreitet wird. Vor allem wendet es sich gegen die Borwürfe, Die gegen die Kriminalpolizei megen ihres Borgehens erhoben Gegenüber diesen vom ersten bis zum legten Wort unrichtigen Borwürfen erklärt der Polizeipräsident von Berlin folgendes: werden: 1. Das Verfahren der Kriminalpolizei ist, wie der amtliche preußische Pressedienst bereits zutreffend gemeldet hat, nicht vom Justizministerium veranlaßt worden, sondern ist auf die eigene pflichtgemäße Entschließung der Kriminalpolizei zurückzuführen, die friminalpolizeilichen Maßnahmen waren auf Grund der Vorschriften der Strafprozeßordnung berechtigt und geboten. Selbstverständlich waren lediglich fachliche Er. wägungen für die Einleitung des Verfahrens maßgebend. 2. Ueber den Inhalt ber friminalpolizeilichen Vernehmungen hat die Berliner Kriminalpolizei weder dem ,, Vorwärts" noch irgendcinter anderen Zeitung oder Zeitungsforrespondenz auch nur die geringfte Mitteilung gemacht. 3. Der Inhalt der von der Kriminalpolizei beschlagnahmten Schriftstücke ist weder dem„ Borwärts" noch irgendeiner anderen Zeitung oder Zeitungsforrespondenz zur Kenntnis gebracht worden. Die vom„ Vorwärts" sofort nach dem Bekanntwerden des kriminalpolizeilichen Borgehens veröffentlichen Schriftftüde, gehören nicht zu den von der Kriminalpolizei beschlagnahmten. Ueber die letzteren, die zum Teil einen von friminalpolizeilichen Verfahren betroffenen Justizbeamten nicht unwesentlich belasten, ist die Oeffentlichkeit überhaupt noch nicht unterrichtet worden. Sollten tatsächlich wie die obengenannte zuschrift behauptet -die beiden Justizbeamten und sonstigen Beschuldigten ei de 3. frattliche Versicherungen abgegeben haben, die den vor. genannten Erflärungen zu 2) und 3) widersprechen, so würden diese Versicherungen unwahr sein. Die Kriminalpolizei wird im Benehmen mit der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungs. verfahren darüber einleiten, ob die etwa abgegebenen eides. stattlichen Versicherungen eine strafbare Berlegung der Eidespflicht darstellen. ist des Todes, der Landwirt Rarl ifta aus Groß- Strehlig megen. Anstiftung zum Morde zur Strafe des Todes, der Oberleutnant a. D. Echard Schöller aus Thorn wegen Anstiftung zum Morde und wegen Anstiftung zum Meineid zur Strafe des Todes und zu einer Buchthausstrafe von drei Jahren, der Verwaltungsanwärter Josef Wagner aus Redlinghausen wegen Nichtanzeige eines drohenden Berbrechens zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und der Bäcker Alfons Wittor aus Groß- Strehliz wegen Meineids zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre und drei Monaten ver= urteilt worden sind. Es hat sich übrigens dahin geäußert, daß es nicht in der Lage ist, den dem Urteil zugrundliegenden Tatbestand sonstige Feststellungen des Schwurgerichts mitzuteilen, da das Schwurgericht wegen zu beforgender Gefährdung der Staatssicherheit(!) nicht nur die Deffentlichkeit für die Verhandlung einschließ lich der Verkündigung der Urteilsgründe ausgeschlossen, sondern auf Grund des§ 174, Abs. 2 bes Gerichtsverfaffungsgefeges den in der Berhandlung anwesenden Personen die Geheimhaltung von Tatsachen, die durch die Verhandlung, durch die Anklageschrift oder durch andere amtliche Schriftstücke des Prozesses zu ihrer Kenntnis gelangten, zur Pflicht gemacht habe. Zu der Frage der Aufdedung hochperräterischer Unternehmungen gegen die Berfaffung des Deutschen Reiches und geplanter meiterer Ermordungen hat das Mecklenburg- Schwerinsche Staatsministerium mitgeteilt, daß die Er eine Beranlaffung gegeben haben, bei dem Oberreichs anwalt die Einleitung eines Ermittelungsverfahrens wegen Hoch verrats anzuregen, und daß von einem Mordplan gegen 17 Per fonen der Staatsanwaltschaft nichts befannt ist. gebnisse der Hauptverhandlung der Staatsanwaltschaft in Schwerin Diese höchst merkwürdige Beantwortung der Anfrage der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zeigt, daß weder die Reichsregierung noch eine Landesregierung bei der Politisierung unserer Justiz imstande oder willens find, in einer Lebensfrage der Republik auch den Tatbestand eines politischen Komplotts, das zu vier Todesurteilen geführt hat, offiziell zu erfahren. Die Antwort bedeutet nicht mehr und nicht weniger als einen groben Mißbrauch des„ Gerichtsverfassungsgefeges" zur Bertuschung politischer Straftaten im der Tatbestand dieses der mecklenburgischen Feme entInteresse der Reaktion. Es ist ganz undenkbar, daß sprungenen Mordes nicht hochverräterische Elemente enthält und lediglich nach den Grundsätzen des gemeinen Rechts unter Borschüßung der Staatssicherheit" im Sinn bes Räumung der Sanktionsstädte. Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort vor dem Abzug der Truppen. Paris, 5. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Botschafferfonferenz, als die nach dem Friedensvertrag zuständige Instanz, hat am Mittwoch den offiziellen Beschluß zur Räumung der drei im März 1921 durch die alliierten Truppen befehten Städte Düs seldorf, Duisburg und Ruhrort gefaßt. Sie hat dem Interallierten Militärfomitee in Berlin Anweisung gegeben, die lokalen Besatzungsbehörden dahin zu instruieren, daß die drei Städte bis zum 15. August 3u räumen find. Die Botschafterkonferenz hat mit diesem Räumungsbefehl ein Versprechen eingelöst, das sie dem Reichskanzler Marg auf der Londoner Konferenz gegeben hatte. Dieser Beschluß ber Botschafter war zur Verwirklichung des Abzugs der Truppen notwendig, da die Besetzung der drei Städte im Einverständnis mit den Ententemächten( im Gegensatz zum Ruhrein marsch) erfolgt ist. Bekanntlich vollzogen die französischen und belgischen Truppenteile am 3. März 1921 diese„ Okkupation", nachdem die Besagungsmächte erklärt hatten, sie seien auf der ersten Londoner Konferenz Pfänder" zu fordern. befugt, angesichts der Zahlungsverweigerung Deutschlands militärischen Gesichtspunkten ausgesucht worden; sie sollten Die Pfänder" waren nach wirtschaftspolitischen und den Hauptabzugsfanal des Ruhrgebietes nach dem Besten, das dem Rhein vorgelagerte Hafengebiet, in die Hand der gelehrt, daß gegenüber dem feinmaschigen Neg der Wirtschaft Gläubiger Deutschlands bringen. Die Erfahrung hat jedoch noch so plumpe und tief einschneidende„ Barrieren" wirkungslos sind, wenn der„ blockierte Teil" über ein hochentwickeltes Eisenbahnnetz verfügt. SP Der Offupation der Ruhrhäfen mußte demnach die Be- m fegung des Ruhrgebiets folgen als ein Eingeständnis von der Wirkungslosigkeit einer noch so raffiniert ausgeflügelten Wirtschafts, strategie". Eine gemischte, aus französischen und belgischen Offizieren spruchnahme der deutschen Reichsbahngesellschaft den Abbestehende Kommission ist nun en der Arbeit, unter Inan transport der Düsseldorfer, Infanteriedivision in die Wege zu leiten. Letzten Endes bedeutet auch dieser Truppenabmarsch nichts anderes wie die Kapitalution der Gewalt vor der Ber Diese Antwort an die deutschnationalen Justizreiniger" Landesverrats hinter den verschlossenen Türen eines medien nunft bei der Lösung der wirtschaftlichen Befriedung des burgischen dem Knoll- Kluge- Klausing ergebenen Presse mit besonderen Gefühlen aufgenommen werden wird. Aber immerhin hat die von der KKK.- Berleumdungszentrale feit langem irre geführte Deffentlichkeit ein sehr lebhaftes Intereffe daran, auch die für die Justizbeamten belastenden Schriftstücke fennen zu lernen, die bei der Haussuchung gefunden wurden. Das dreiste Ableugnen durch Bacmeister- Leopold macht es zur Pflicht, ganze Arbeit zu machen. Die Stampe". diese Antwort des Reichsjuftigministers nichts anderes, als eine unerhörte Herausforderung der republikanischen Bevölkerung, die durch ihre Breffe eingehend über den irrenischen Presse politischen Hintergrund des Prozesses unterrichtet worden ist, eine Herausforderung des republikanischen Deutschland durch eine eigensinnige Bureaukratie, die vom deutschregierungen und dem letzten Amtsgericht herunter eine Kette bildet, um dem im Reichstag verkörperten Bolt zu zeigen, daß es in seinen Lebensfragen rein gar nichts zu sagen hat, wenn die Beamtentlique nicht will. Die Bacmeister- Leopold behaupten in ihrer spaltenlangen Erflärung, die wir schon im Abendblatt furz würdigten, unter anderem, sie hätten ,, ein Bureau unterstüßt, dessen Aufgabe darin bestand, altes, zum Einstampfen bestimmtes Aftenmaterial der Deutschen Werte zur Feststellung der in diesen Werken zum Echaden des Reichs und insbesondere der beteiligten. Angestelltenfind Arbeiterschaft vorgekommenen Defraudationen und Unter hleifen zu überprüfen". Auf deutsch: Es handelt sich um gestohlene Aften aus den Deutschen Werten, selbst wenn diese wirklich zum Einstampfen bestimmt gewesen wären. Aber mer glaubt das? Für bloße Stampe" hätte Dr. Weiß, der Geschäftsführer der DNB, schmerlich 10 000 mart periprochen und 5000 Mart in bar angezahlt. Für bloße... Stampe" hätte fieiior Kuß ann wohl faum jene feltfamen Beschlagnahme verfügungen erlassen, die aufzuklären er bis heutigen Tags interlassen hat. Er beschlagnahmte nämlich die gestohlenen Aften zweds Sicherstellung für die Staatsanwaltschaft", ließ fie aber ruhig bei ihren unrechtmäßigen Befizern. So wertvoll bas Eingeständnis der Leopold und Bacmeiſter aber auch ist, es bedarf der Ergänzung. Das Bureau Dr. Kluge Knoll hatte weit mehr zu tun als diese Aften zu bearbeiten. Das beweist z. B. folgender Eilbrief Kluge- Knolls vom 27. Mai 1925: Berlin Zehlendorf- Mitte, Knesebecftr. 2. Sehr geehrter Herr Leopold! Seit Montag versuche ich, ebenso auch Herr Bacmeister und Herr Oberfinanzrat Bang, mit Ihnen in Verbindung zu fommen, um ganz bringende Angelegenheiten mit Ihnen zu besprechen, die im Zusammenhang mit den gestern in verschiedenen Rechtszeitungen( Deutsche Zeitung, Berliner Börsen- Zeitung, Deutsche Tageszeitung usw.) forle in zahlreichen Provinzzeitungen erschienenen Beröffentlichungen über Barmat- Höfle stehen. Weiteres in demselben Zusammenhang wird heute folgen. Wir müssen jedoch dringend mit Ihnen Rüdsprache nehmen bezüglich parlamentarischer Maßnahmen....( Der Rest des Briefes intereffiert hier nicht.) 3 Mit deutschem Gruß Ihr ergebener( gez.) RIuge." Rohrpost! Diefer Brief zeigt, daß Herr Leopold außer finanzieller auch parlamentarische Unterstügung dem Bureau Rluge Senoll angedeihen ließ, aber nicht in Sachen Deutsche Werke, sondern in Sachen Barmat- Höfle. Aehnliches beweist bezüglich des Herrn Bacmeister ein Brief Kluge Knolls an die Hauptschrift Lettung der„, Bergisch- Märkischen Zeitung" vom 4. März 1925, in dem es heißt: Gleichzeitig bitte ich Sie, mir von Ihrer heute erscheinenden Nummer( 4. 5.) ebenfalls einige Eremplare zu übermitteln, falls in derselben die mit Herrn Barmeister vereinbarte Notiz über das ärztliche Gutachten betr. Todesfall Höfle enthalten ist." Der erste dieser beiden Briefe wirft auch noch ein besonderes Schlaglicht auf die Wahrheitsliebe des darin erwähnten deutsch völkischen Oberfinanzrats Bang, der bekanntlich in einer Zuschrift an die Deutsche Zeitung" seine intimen Beziehungen zu Kluge. Knoll abftritt. Frenken's Schweigen. Der Mecklenburger Fememord als Geheimnis. Auf die sozialdemokratische fleine Anfrage nach den Hin tergründen des Schweriner Geheimurteils im Feme- Prozeß hat sich der Reichsjustizminister herbeigelassen, folgende nichtssagende Antwort zu erteilen: " Die Anfrage des Abg. Müller Franken und Genossen Nr. 67 hat mir Anlaß gegeben, mit der Mecklenburg- Schwerinschen Regierung in Berbindung zu treten. Das Medlenburg- Schwerinsche Staatsministerium hat hierauf mitgeteilt, daß durch Urteil des Schwurgerichts in Schwerin vom 14. Juli d. 3. der Maurer Johann Nezon aus Rattomiz und der Schuhmacher Johann Kalla aus Adamowitz wegen gemeinschaftilchen Mordes zur Strafe nationalen Reichsminister zu den rechtsstehenden LänderDie Steuerscheu von Giesches Erben. Verwaltungsrat Ganse, der Verantwortliche. Breslau, 5. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die ungeheuerliche Steuerhinterziehung der großen Bergwertsgesellschaft von Giesches Erben, die Genoffe Reil im Reichstag aufgedeckt hat, ist von der bürgerlichen Presse in Schlesien so gut wie gar nicht beachtet, allenfalls nur unvollständig im nur unvollständig im Reichstagsbericht erwähnt worden. Immerhin gibt gestern die in Schlesien start verbreitete Schlesische Provinz Korrespondenz einen Artikel, in dem fie den Borfihenden des Verwaltungsrats der Firma und früheren Siedlungsfommiffions- Präsidenten Ganse auffordert, da er die unwürdige Gefehesumgehung und die Verheimlichung von mehreren 100 millionen Goldmark vor der Steuer im Krieg und nachher gekannt haben muß, feine öffentlichen Ehrenämter niederzulegen. Er belaste gerade die ihm politisch und gesellschaftlich nahestehenden Kreise. 11m welche Kreise es sich dabei handelt, das macht heute die Breslauer Bolts macht" etwas deutlicher, indem sie Herrn Ganse auffordert, diesem Wink zu folgen. Sonst würde demnächst der Deffentlichkeit vorgeführt werden, wie er in deutschnatio. nalen Versammlungen vom Vorstandstisch aus herzlich begrüßt zu werden pflege oder wie er im„ Roten- Kreuz- Borstand monarchistische Huldigungen der früheren Kronprinzessin darbringe, deren Mann ja dafür nach den Angaben von Keil ernſtes Intereffe für Giesches Anteile gezeigt habe. Den Arbeitern von Giesche wird jetzt auch ein Licht darüber aufgehen, warum gerade sie durch Stahlhelm Agitation vor der Berührung mit den Ansichten der Sozialdemokratie bewahrt bleiben sollten. # Der neue Danziger Senat. Koalition zwischen Sozialdemokratie, Zentrum und Liberalen. Danzig, 5. Auguft.( Mtb.) Heute abend 9 Uhr ist die Koalition für die Wahl der parlamentarischen Senatoren zwischen Sozial. demokratie. 3entrum und der deutschen liberalen Graftion zustande gekommen. Die Sozialdemokratie erhält 6 Senatorensize, die deutsche liberale Fraktion 4 und das Zentrum ebenfalls 4 Size. Die Parteien haben jedoch zusammen nur 57 Abgeordnete, d. h. also nicht die Hälfte des Boltsstaates, der 120 Abgeordnete hat. Sie find deshalb auf die Unterftüßung anderer Mittelgruppen angewiesen. Mit deren Unterstützung soll die Wahl am 19. August stattfinden. Boraussichtlicher Bize präsident des Senats wird der bisherige sozialistische Bizepräsident des Boltsstaates Gehl. Eine nennenswerte Aenderung der Außen politif Danzigs ist von der neuen Koalition faum zu erwarten. Innen politisch dürfte sie mit recht erheblichen Schwierigkeiten zu lämpfen haben. Fürstenaufwertung. Und Defizit in der Thüringer Staatskaffe. Weimar, 5. August.( Eigener Drahtbericht.) Der Etat des Landes Thüringen, der im legten Jahre mit 89 Millionen abschloß, wird sich in diesem Jahre auf über 105 Millionen Mar! erhöhen. Schon jetzt rechnet man mit einem geblbetrag von 10 millionen. Ganz besonders hohe Kosten sind durch die verlorenen Prozesse mit den ehemaligen Fürsten und der Kirche entstanden, die allein eine Mehrausgabe von vier millionen jährlich erfordern. D Maurenbrecher ist mit 10 gegen 4 Stimmen zum Pfarrer der Gemeinde Wengersgereuth Hemmern Forschgersgereuth gewählt worden. Die Wahl dürfte zu einer allgemeinen Protestbewegung der Kirchenanhänger führen. Kontinents. Die deutschen Sachlieferungen. Widerstände der französischen Industrie. öffentlicher Arbeiten. Pläne Paris, 5. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Konferenz, die sich am. Dienstag unter Borsiz von Painlevé mit den deutschen Sachleistungen befaßt hat, ist dadurch veran laßt worden, daß Frankreich das ihm nach dem Demesplan zustehende Kontingent der deutschen Reparationslieferungen in Natu ralien bisher nur zu einem Teil abzunehmen vermocht hat. Aehnlich, wie bei dem im Jahre 1922 unternommenen Schritt der deutfchen Gewerkschaften, den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete durch Beteiligung deutscher Arbeiter und Technifer zu fördern, und wie bei der Durchführung des Rathenau- Loucheur- Abkommens ist es auch diesmal wieder der Widerstand der franzöfifchen Industrie gegen deutsche Naturalleistungen, der die im perallerdings mit dem Unterschied, daß bei diesem Sabotageverfuch gangenen Jahre getroffene Regelung zu gefährden droht. Jetzt Frankreich allein die Kosten zu tragen haben wird, da bei der nunmehr international anerkannten Unmöglichkeit für Deutschland, größere Barzahlungen zu leisten, Frankreich nur dann auf den pollen Eingang des ihm zustehenden Reparationsteils zu rechnen hat, wenn es deutsche Sachleistungen dafür in Zahlung nimmt. Angesichts der vorhandenen privatwirtschaftlichen Widerstände, mit deren Ueberwindung in absehbarer Zeit faum zu rechnen ist, scheint die franzöfifche Regierung dem schon früher erörterten Gedanken näher treten zu wollen, die deutschen Reparationslieferungen mehr und mehr in den Dienst der von ihr geplanten öffent. lichen Arbeiten großen Stils zu stellen. Es ist bereits vor einiger Zeit von der französischen Regierung ein größerer Auftrag an Maschinen und Materialien aller Art zur Durchführung der Ranalisierung der Seine in Deutschland vergeben worden. Jetzt verlautet, daß in ähnlicher Weise die deutsche Industrie auch für die geplante Elektrisierung des flachen Landes herangezogen werden soll. Auch verschiedene Pläne zur Verwendung deutscher Repa rationslieferungen in den franzöfifchen Kolonien scheinen in der Konferenz geprüft worden zu sein. Endgültige Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt, vielmehr ist der Unterstaatssekretär Bonnet beauftragt worden, ein Gesamtprogramm für die rationellste Nuztarmachung der deutschen Lieferungen auszuarbeiten und dem zuständigen Minifterium zu unterbreiten. Die deutsch- spanischen Verhandlungen. Kein Abbruch, sondern Vertagung. Wolffs Bureau meldet: Eine Berliner Zeitung hat gestern abend eine Meldung ihres Madrider Korrespondenten über einen angeb lichen ,, definitiven Abbruch" der Handelsvertragsverhandlungen in Madrid gebracht. Nach den hier vorliegenden amtlichen Nachrichten trifft diese Mitteilung nicht zu. Allerdings muß mit der Wahr. fcheinlich feit gerechnet werden, daß die deutsche Dele gation in diesen Tagen von Madrid abreifen wird. Eine endgültige Entscheidung darüber liegt noch nicht vor. Die Abreise der deutschen Delegation würde aber feinen Abbruch, sondern nur eine Bertagung der Berhandlungen bedeuten. Auch die Meldung, daß die spanische Regierung die von der Reichsregierung an die deutsche Delegation vor kurzem gegebene telegraphische Instruktion als nicht akzeptabel" bezeichnet habe, trifft nicht zu. Die deutsche Delegation wird in dem natürlichen Verlauf der Berhandlungen jetzt nach Deutschland zum Bericht über die bisherigen Verhandlungen und zur Einholung neuer Instruttionen zurückfahren. Es besteht bis jetzt tein Grund, daran zu zweifeln, daß die deutsche Delegation, wie das von vornherein von der Reichsregierung vorgeschlagen war, nach der Sommerpause Mitte oder Ende September zur Fortsetzung der Verhandlungen nach Madrid zurückreisen wird. Noch eine Erkrankung. Ohnmachtsanfall der Genoffin Arning im Reichstag. Die fozialdemokratische Abgeordnete Frau Arning erlitt ant Mittwoch abend im Reichstag während einer namentlichen AbStimmung einen schweren Ohnmachtsanfall. Sie wurde in das Krankenzimmer geschafft, wo sich der in diesen Tagen sehr start in Anspruch genommene sozialdemokratische Abgeordnete Dr. med. Moses um sie bemühte. Gewerkschaftsbewegung Die Herren vom Stahl und Eisen. Sorgen der Wirtschaft". In Düsseldorf tagten am 4. August die Mitglieder des Bereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen. Der Vorsitzende Dr. Reusch sprach über die Sorgen der Wirtschaft". Die Wirtschaft befinde sich in schweren Zuckungen; insbesondere die wichtigen Grundstoffindustrien Kohle und Eisen find von ernsten Krisenerscheinungen bes fallen. Dennoch muß es der Arbeitnehmerschaft, nach der Darstellung des Herrn Reusch, geradezu glänzend gehen. Im 2ohnwesen haben wir seit Anfang v. J. Steige rungen zu verzeichnen, die an die Inflationszeit erinnern. Die Vorfriegslöhne sind längst überschritten; min dest s gehen die je zigen Löhne in ihrer Rauftraft weit über die Vorfriegslöhne hinaus. Solange die 3wangswirtschaft im Lohnwesen nicht verschwindet, fönnen wir nicht gesunden". Die Herren wollen also gesunden" auf Kosten der Arbeitnehmer. An die über die Vorkriegslöhne hinausgehenden Löhne, sogar meit hinausgehenden Löhne, glaubt wohl Dr. Reusch selbst nicht. Der Redner sang dann das bekannte Klagefied über die Lasten der sozialen Bersicherungen, wobei er mit längst widerlegten falschen Zahlen operierte. Dazu komme die steuerliche Belastung. Diese habe zwar in dem einen oder anderen Punti fleinere Erleichterungen und Verbefferungen erfahren, doch nach der übereinstimmenden Grundauffassung unserer Kreise", trage die neue Steuerreform den wirt schaftlichen Verhältnissen und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in feiner Weise Rechnung. Im Jahre 1924 seien „ der Wirtschaft durch Steuern 11 bis 12 milliarden Mart ent. zogen, das ist etwa dreimal so viel wie vor dem Kriege." " Wenn allein der Wirtschaft" durch Steuern 11 bis 12 Milliarden entzogen wurden, muß das Reich eine Einnahme von mindestens 25 Milliarden gehabt haben. Boraus man sieht, daß bei den Unternehmern Lächerlichkeit nicht tötet. Aber vielleicht lassen die Herrschaften sich einmal ausrechnen was. fie während der Inflationszeit an Steuern erspart" haben, ziehen bas 700 millionen Gefchent mit in Rechnung und beachten, wieviel die Lohnsteuer der Arbeitnehmerschaft mehr ergibt als deren Einkommensteuer vor dem Kriege, damit sie in ihren schweren Sorgen menigstens einen fleinen Trost haben. " Die gegenwärtige Steuerlast ist so groß, daß auch in nor malen Zeiten, in denen die augenblicklichen frisenhaften Erscheinungen nicht vorhanden sind, der größte Teil des Reingewinns von der Steuer aufgefressen wird. In vielen Fällen wird der Wirtschaft jede Aussicht auf Gewinn genommen. Wenn hier nicht beld Wandel geschaffen wird, muß die Wirtschaft zum großen Teil verfümmern und absterben. So fann es unmöglich meiter gehen." Also rücksichtslose Opposition gegen den ,, Retter" und die Regierung Luther? Wer foll durch diese Spiegelfechterei getäuscht werden? Die Forderungen der Reichsbahnarbeiter. Die Telegraphen- Union meldet: Bon den Eisenbahnergewert. schaften sind der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft folgende Forderungen überreicht worden: 1. Allgemeine Bohn erhöhung um 12 Pf. für die Stunde; 2. durchgehende Entlohnung für alle Schichtlohnarbeiter; 3. Revision der Lohngruppeneinteilung, Die im wesentlichen darauf hinausläuft, die Beamtendienst ver richtenden Arbeiter in eine höhere Lohngruppe einzureihen; 4. Revision der Wirtschaftsgebiete mit dem Ziel, das Wirtschaftsgebiet in den einzelnen Gebieten zu beseitigen.(?) Wie die Telegraphen- Union hierzu von zuständiger Stelle erfährt, würde eine allgemeine Stundenlohnerhöhung von 12 Bf. allein eine Belastung von etwa 144 Millionen Mart im Jahre ausmachen. Auch die anderen Forderungen bedeuten eine große finanzielle Mehraufwendung.( Diese Meldung ging uns in so ( Diese Meldung ging uns in so später Abendstunde zu, daß eine Nachprüfung nicht möglich war. Wir veröffentlichen sie deshalb nur unter Vorbehalt.) Streiflage. Streifversammlung der Zimmerer. Ueber 300 Unternehmer haben bewilligt. In der Zahlstellenversammlung der Zimmerer, die gestern im Gewerkschaftshaus tagte, berichtete Rappichläger über die Gewerkschaftshaus tagte, berichtete Rappschläger über die Die Rundschreiben des Verbandes Berliner Baugeschäfte einer seits, andererseits die über 300 Unterschriften Berliner Bauunternehmer, die die Forderungen der Bauarbeiter anerkannt haben, zeigten, daß die Veränderung der Kampftaftit der Streifleitung richtig war. Die Unternehmer glauben nun, durch die am 29. Juli in Hannover beschlossene Generalaus fperrung, die am 7. Auguft einsehen soll, die Bauarbeiter in ganz Deutschland auf die Knie zwingen zu fönnen. Die Zimmerer jowohl wie die gesamten Bauarbeiter fürchten die angekündigte Aussperrung nicht und werden in ihrem berechtigten Rampf weiter ausharren. Es verdient aber festgehalten zu werden, daß die bürgerliche Brelle, vor allem die Morgenpost", versucht, durch spaltenlange Artikel Untlarhett in die unbeteiligte Arbeiterschaft zu tragen, be fonders in bezug auf die Forderung der 46% stündigen Arbeitszeit. Seit 7 Jahren haben die Berliner Bauarbeiter schon die 46% stündige Arbeitszeit und werden sich auf keinen Fall eine Berschlechterung der Arbeitszeit aufzwingen lassen. Im Auslande arbeiten die Bauarbeiter teilweise nur 44 Stunden in der Woche und zu einem mehrfach höheren Lohn als in Deutschland. Die Behauptungen der Unternehmer, daß die erst wieder belebte Bautätigkeit durch Erfüllung der sozialen Forderungen der Arbeiter erdrosselt würde, sollen nur dazu dienen, die Deffentlichkeit gegen die streitenden Bauarbeiter auszuspielen. Nach einer regen Diskussion billigte die Versammlung ein stimmig die Beschlüsse der Ortsverwaltung, zur Finanzierung und Weiterführung des Kampfes. Eine Bollversammlung aller Streifenden der Gruppe Stud und Gipsbau des Baugewerksbundes tagte gleichfalls gestern im Gewerkschaftshaus. Sched schilderte noch einmal eingehend die Verhandlungen vor dem Schlichter. Er betonte, daß fich die Unter nehmer des Studgewerbes, die restlos organisiert sind, völlig solidarisch erklärt haben mit den Maßnahmen der übrigen organifierten Bauunternehmer. Auch die Stuftateure sehen allen angekündigten Maßnahmen der Bauindusiuriellen ruhig entgegen und werden im engsten Einvernehmen mit den gesamten Streifenden des Baugewerbes den Kampf wie bisher weiterführen. Die Versammelten verzichteten auf jede Diskussion über die Kampfmaßnahmen und sprachen somit der Streikleitung und ihrer Organisation das vollste Vertrauen aus. Erfolgreiche Landarbeiterstreits im Kreise Striegan. Zu der in Nr. 349 vom 26. Juli veröffentlichten Notiz, schicht uns der Land- und Forstwirtschaftliche Arbeitgeberverband für die Provinz Schlesien folgende Berichtigung": " Es ist unwahr, 1. daß die landwirtschaftlichen Arbeitgeber der Provinz Schlesien in der Berhandlung vom 14. Juli wünschten, die Bezahlung der Erntezulage soll betriebsweise vereinbart werden, 2. daß die Beilegung des Landarbeiterstreits im Kreise Striegau dadurch erreicht wurde, daß die Besizer sich zu Zugeständnissen erflärten, die erheblich über das Maß hinausgingen, das von der flärten, die erheblich über das Maß hinausgingen, das von der Arbeitgeberorganisation zur tariflichen Regelung angeboten war". Wahr ist vielmehr, 1. daß der Land- und Forstwirtschaftliche Arbeit geberverband für die Provinz Schlesien in der Berhandlung vom 14. Juli ausdrücklich eine freis oder betriebsmeije Vereinbarung einer Erntezulage abgelehnt hat. Der Provinzialverband hatte beabsichtigt, den Kreisen oder Betrieben zu gestatten, von sich aus, jedoch ohne Bereinbarung mit den Arbeitnehmerorganisationen oder der Betriebsvertretung, über die zwischen den Spizenorganisationen A.Wertheim Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Alben mit Städte- u. Landschaftsbildern Photographiebrud 95pt. 3m schönen Land Tirol 190 Ansichten. Gebb. nur und Salzkammergut. Bayrisches Hochland. art. 150 Gebunden 250 Dr., 30 Berlin und Potsdam. 3 Panoramen und 105 AnAnsicht. fichten Gebunden 5m Gebunden 250 Harz. 31 Ansichten. Potsdam. Panorama und 29 Rafoniert 150 Gebunden 250 1 Ansichten. 1 Panorama und 29 150 Gebunden 250 Riefengebirge. fichten. Rartoniert Sächsisch Böhmische Schweiz. t. art. 150 Thüringen. 47 Ansichten Der Rhein 32 Ansichten • 1 Panor. u. 29 Gebunden 4m 5m vom Bodensee bis Düsseldorf. 2 Panoramen u. · Gebunden Berlin. 39 Ansichten in feinerem Format..... Startoniert 1m Dresden. 31 Ansichten in Kleinerem Format... Kartoniert 1 Neuefter Miniatur- Atlas, Pic". Mit der Zendaguru- Expedition Rifle Länder der Erbe in 14 farfen 20 pt. Karienblättern.. ... nur Bon Efaias Tegnér Ganzleinenband B. Die Frithjofsfage. 3 Berbindung mit ber ürform der alt isländischen Saga von Frithjof dem Starten. 20 Dreizehnlinden. on J. 13. Beber Mit einem Se 20 Triflan und Isolde. Don Gottfried von Strasburg. Rach ber Übertragung von Herm. Kurz herausgegeben felitwort von. H. Ewert. Sanzleinenbb. ron Dr. Alfred Ceinrich. Mit Holzschnitten. 2 Bände in Genzleinen 4m Mur im Süden ron Deutsch- Offafrita. Reiseftizzen von Ina Red, geb. von Grumfow. 95 pt. Jlluftrationen. Vom om Geift der Erde. Gin Bellbrevier C. Heilborn. 248 G. Geschenkbd. nur Halbleinen vereinbarten Mindestfäße hinauszugehen. Eine freis oder betriebs. weise Bereinbarung der Erntezulage hätte einen Tarifvertragsbruch (§ 5) bedeutet.(!?) 2. Daß die Landarbeiterstreits auf den Betrieben Bilgramshain, Gäbersdorf, Eisdorf- Häslicht und Drohmsdorf Lohnig im Kreise Striegau ohne jegliches Zugeständnis an die Arbeitnehmer zusammengebrochen sind. Die schlesischen Landwirtschaftlichen Kreisarbeitgeberverbände waren vom Provinzialverband- da die Arbeitnehmer freiwillig auf ihr Recht, an der Gestaltung der Erntezulage mitzuwirken, verzichtet haben ermächtigt worden, über die vom Provinzialverband nunmehr als Richtlinien herausgegebene Erntezulage hinaus zu gehen. Der Kreis Striegau hatte neben anderen Kreisen von diesem Recht Gebrauch ge= macht, jedoch schon bevor auf den genannten Betrieben der Streit ausbrach. Ueber diese Säge sind die bestreiften Betriebe auch nach Wiederaufnahme der Arbeit nicht hinausgegangen. Zu dieser Berichtigung" bemerkt unser Berichterstatter: 3u 1. Hier handelt es sich um ein Spiel mit Worten. Tatsache bleibt, daß der Provinzialverband der Arbeitgeber an Stelle einer vernünftigen Regelung für das ganze Tarifgebiet die Gewährung eines Erntegeschenkes" den Betrieben überlassen wollte. Zu 2. Die Arbeiter auf einer Anzahl Güter des Kreises Striegau erhielten bei der Lohnzahlung vor dem 20. Juli ein derartiges Erntegeschent zu ihrem Lohn. Das Geschent genügte ihnen nicht; fie forderten darum ihre Entlassung. Jezt verhandelten die Arbeitgeber mit ihren Arbeitern. Das Ergebnis dieser Verhand lungen waren( wir wiederholen wörtlich, was von uns bereits früher gefagt wurde) 3ugeſtändnisse, die erheblich über das Maß hinausgingen, das von der Arbeitgeberorganisation zur tariflichen Regelung angeboten war. " dienen, wenn sie die Arbeit ihrer Sekretäre zu nüglicheren Zweden verwenden würden, als zum Verfassen derartiger Berichtigungen". Verhandlungen der städtischen Arbeiter in Potsdam. In dem Lohnlampf der städtischen Arbeiter in Botsdam fonnte in den noch andauernden Verhandlungen des Magistrats mit den Arbeitervertretern eine Einigung bisher nicht erzielt werden. Wie es heißt, halten die Arbeitervertreter nach wie vor an ihren Forderungen feft, während der Magistrat von seinen Grundsägen nicht abzuweichen scheint. Der beabsichtigte Streit der städtischen Arbeiter ist aber vorläufig noch hinausgeschoben, da auch für heute weitere Verhandlungen in Aussicht genommen find. Von gut unterrichteter Seite fommt die Mitteilung, daß der Vorsitzende des amtlichen Schlichtungsausschusses, Oberpräsident a. D. Binnig, in dem Streit um die städtischen Tarifbestimmungen das amtliche SchlichtungsBis zum Ende dieses Verfahrens ist verfahren eingeleitet hat. zwischen beiden Parteien ein sogenannter Waffenstilstand gefchloffen worden. Einigung im Pforzheimer Streik. Berlin, 5. August.( WTB.) In der Arbeitsstreitigkeit in der Pforzheimer Samud warenindustrie haben im Reiche arbeitsministerium gestern und heute Verhandlungen stattgefunden. Die Barteien haben sich verständigt. Die Arbeit wird am Montag wieder aufgenommen. Auf welcher Bafis die Einigung zustande lam, fagt die Meldung nicht. Die Aussperrung in der oftpreußischen Sägewerksindustrie ist, nachdem in den Lohnstreitigkeiten eine Einigung herbeigeführt worden ist, mit dem geftrigen Tage aufgehoben worden. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe der Glaser. Seute abend 7 Uhr wichtige Berfrauensmännerversammlung bei Lehmann. Jeder Betrieb muß einen Bertreter senden. Freitag abend 7 Uhr Bersammlung der Hilfsarbeiter der Flachglasgruppe im Gewerkschaftshaus, 3. Stod, Rimmer 53. Zentralverband der Maschinisten und Heizer fowie Berufsgenossen Deutsch wertschaftshaufes, Engelufer 24-25, Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht vom 2. Quartal; 2. Raffenbericht vom 2. Quartal; 3. Anfräge. Ane bienfifreien Kollegen werben ersucht, au diefer Bersammlung au lands, Geschäftsstelle Groß- Berlin. Freitag abend 6 Uhr im Gaal 1 des Gectfcheinen. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski: Lokales und Sonstiges: Fris Raritädt; Anzeigen Th. Glode; Jämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstroke 3. Sieran 2 Beilagen, Unterhaltung und Biffen" unbrauenstimme". Billige Bücher Neuerscheinungen Eskimoleben. Von Frithjof Nansen. 5m Aus dem Norwegischen übericht von Langfeldt. Mit Bollbildern. Leinenbd. Anleitung zum Die deutsche Jagd. prattlichen Beib werf. Bon B. von Preffentin. Mit 5 Fährten unb 11 Zierbibern nach Naturaufnahmen. 2n 460 Seifen. Gebunden nur Die Smaragde des Pharao. Eine Abenteurerfahrt vom Ril zum Roten Meer Bon R. Miethe. Mit 8 Dreifarbenbildern 4x nach photogr. 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August 1925 T Lehnert Wenn uns im Frühling und zum Sommeranjang aus den Rörben der Händler und von den Tischen des Marties die frischen, jungen Gemüse entgegenleuchten, die rötlichen Mohrrüben, der faft grüne Spinat, der gelb und grüne Rohlrabi, der weiße Blumen Bohl und die Spargelstangen mit ihren schimmernden Röpfchen, dann freut sich unser Auge, und das Berlangen nach dem Genuß all Dieser Herrlichkeiten stellt sich ein. Aber der Wermutstropfen mischt fich gleich in den Becher der Frende: es ist alles recht teuer; nd manche Hausfrau, besonders in der Großstadt, muß bitteren Herzens darauf verzichten, soviel davon zu kaufen, wie sie es gern möchte. Der Nährwert der Gemüse. bildet, der Berdammg fchwer zugänglich. Daher geht leider etma der britte Teil von ihnen ungenutzt verloren, mie ja überhaupt alle aus dem Pflanzenreich stammenden Eiweißstoffe viel schlechter im Organismus ausgenutzt werden fönnen als die Broteine aus dem Tierreich. Reichlich Kohlehydrate und Salze. vorhandenen Kohlehydrate nicht in vollem Make geschehen läßt. Die Zellulose ist es auch, welche die Verdauung der reichlicher Wohl fuchen wir bei der Zubereitung der Gemüse durch Kochen und Wiegen die Zellhäute und Fajern zu zerreißen, damit die Einwirkung der Magen- und Darmfäfte möglichst weitgehend sein fann. Trotzdem wird ein großer Teil der Kohlehydrate unverdaut wieber ausgeschieden. Zum Teil bestehen die Kohlehydrate der Wir wissen, daß alle Nahrungsmittel gewisse Mengen von Gemüse aus den nahrhaften amb befömmlichen 3uderstoffen, bestimmten Nährstoffen enthalten, Eiweiß, Feit und dergl, und daß mas ums ja aus dem füßen Geschmack befannt ist, zum Teil sind sie banach ihr sogenannter Nährwert berechnet werden fann. Diefe auch in der Form von Stärfe vorhanden, welche im Körper erst Stoffe sind in den Gemüsen und namentlich in den jungen in nicht die Umwandlung zu leicht verdaulichem Zucker erfährt. Die meisten fehr hohem Grade vorhanden und fönnen auch teilweise nur schlecht Kohlehydrate befiht der Grünkohl, der überhaupt neben dem Rosenmusgenutzt werden. Die Bedeunmg der Gemüse für die Ernährung fohl der nahrhafteste Rohl genannt werden fann, mit liegt weniger in dem Gehalt an diesen Nährstoffen als vielmehr 12 Broz, dann folgen die Wurzelgemüse mit 8-9 Proz. und die muf anderen Gebieten. Zunächst haben sie einen sogenannten hohen anderen Rohlforten mit etwa 6 Proz. Am leichtesten verdaulich Sättigungswert. Damit bezeichnet man die Zeit, die ein Nahrungs- find die Zucker- und Stärfeanteile im Spinat, grünen Erbsen und mittel im Magen verweilt, und dementsprechend das Hungergefühl Bohnen, Spargel, Mohrrüben und den grünen Salaten. Am anterbrüdt. Ferner wirken die Gemüse durch die ihnen anhaftenden sdaverften, wie jedermann aus eigener Erfahrung weiß, bei den Riech- und Gefchmadstoffe günstig auf die 2bsonderung der Ber- Rohjorten, Kohlrüben, gelben Erbsen, weißen Bohnen und Linjen. bauungsfäffe und befördern fomit die Verarbeitung der mit ihnen Es ist allgemein befannt, daß der menschliche und tierische Organisoder mit anderen Nahrungsmitteln aufgenomenen Nährstoffe. Sie mus für seinen Aufbau bestimunte, aus dem Mineralreich stammende dienen also dem Organismus ähnlich wie Gewürze oder andere Stoffe nötig hat. Es find das die Kali, Natrium- und Ralffalze, Speifezutaten als Genußmittel. Betrachtet man die Gemüse, zu die zum Aufbau der Knochen und Gewebe erforderlich find, ferner benen wir außer den Kohlforten auch die Wurzel- und Knollen- die Phosphorfalze, die zur Bildung der Zellferne und bet gemüse mie Mohrriben, Teltower Rüben, Rohírüben, Rohlrabi, Nervenfubstanz beitragen, außerdem die Eisenverbindungen, aber auch die Salate, den Spargel, die Tomaten und die grünen die für das Blut unentbehrlich sind, und andere. Alle diese Bohnen und Erbsen rechnen, auf ihren inneren Gehalt, fo finden mineralischen Stoffe tommen in den natürlichen Nahrungsmitteln wir zunächst vom Fett nur geringe Mengen, so daß sie für die in ausreichender Menge vor, mur in den pflanzlichen fehlt die Ernährung faum in Betracht tommen. Es handelt sich bei den Natriumverbindung Rochfalz. Sonft find gerade die aus dem meisten von ihnen un Bruchteile eines Prozentes. Deshalb ist es Pflanzenreich stammenden Nahrungsmittel an Mineralstoffen sehr auch erforderlich, daß bei der Zubereitung der Genije in der Küche gehaltvoll und namentlich sind es die jungen Benuife. Fett hinzugefegt wird, sei es, daß sie damit gefocht, oder, es daher feiner Mutter dringend genug ans Herz legen: gebi euren wie der Spargel, übergoffen merden, oder sei es, daß, wie den Kindern beizeiten und in ausreichenden Mengen die eisenhaltigen rohen Salaten, ein Zufaz von Del oder Sahne erfolgt. Fehlt diese und blutbildenden frischen jungen Gemüse! Als wichtigstes ist hier Fettbeigabe, so find manche Gemüse foum zu genießen. Wir denken der Spinat zu nennen und der Spargel. Außer den feit langer Zeit wohl noch alle an den Kohlrübenwinter 1916, wo es uns bekannten Nährstoffen, Eiweiß. Fett und Kohlehydraten, den mine nicht möglich war, das dauernd wiederholte Gericht mit fettem ralischen Salzen und dem Wasser benötigt unser Rörper aber noch Schweinefleisch oder mit Talg zu fochen. Nicht so fnapp find in bestimmter Ergänzungsstoffe, wenn er sich entwideln, ben Gemüsen die Eiweißffoffe oder Proteine enthalten. Hiervon wachsen oder sich erhalten foll. Es find das die Bitamine, über find meist einige Brozente enthalten, in den Rohlforten und im Spinat melche uns erst die letzten Jahre Aufklärung gebracht haben. Das 3-4. im Rofentchl fogar 5 Broz. Die Wurzelgemüse haben erheb Fehlen der Vitamine hat schlimme Erscheinungen wie Englife fich weniger. Rachteilig steht es mit dem Eiweißgehalt Kranfheit und Storbut, fomie auch die Beranlagimg zu anderen infofern, als er nur schlecht ausgenutzt werden kann. Die Proteine Krankheiten und Stoffwechselstörungen im Gefolge. leber ihren figen nämlich wie bei allen Pflanzen im Innern der Zellen und inneren Ausbau, ihre chemische Beschaffenheit und die Art ihrer find deshalb, da die umgebende Zellulose eine schüßende Hülle Wirkung wiffen wir nichts. Schon in allerkleinsten Mengen entfalten 18] Sinnenspiel. Aus einem Tagebuch. Mitgeteilt von Rurt Eisner. ( Schluß.) Sie brach in wildes Beinen aus und warf sich wieder in ihren Sofawinfel, den Kopf auf der Lehne. Man fann fie ihren Einfluß. In den Gemüsen und vornehmlich wieder in den frischen grünen sind sie durchweg enthalten. Auch die Rüben besigen ziemlich beträchtliche Anteile davon. Zeit und Art. Benn wir immer den Wert der frischen und grünen Gemüse betonen, so ist damit natürlich feineswegs gesagt, daß nur diese also die derden kohlforten und die Rüben durchaus gute, wertvolle gegessen werden sollen. Vielmehr sind ebenso die wintergemüse, und auch preiswerte Nahrungsmittel. Gerade der Preis ist es ja, der uns den Genuß der Frühgemüse so erschwert. Aber es ift nicht nötig, immer das Neueste und Teuerste zu kaufen, vielmehr foll man es so einrichten, daß man laufend das ganze Jahr hindurch möglichst viel Gemüse zu sich nimmt; dann fann man immer das taufen, was gerade vorteilhaft zu haben ist. Auch in konserviertem Zustand eignen sich die Gemüse gut zur Ernährung. Am bekanntesten ist das Eintochen und Einwecken, bei denen allerdings die Bitamine teilweise zerstört werden. Doch kann man diesen Mangel durch die Auswahl der übrigen Kost leicht ausgleichen. Auch das Einfäuern, wie es beim Rohl und den Gurfen geschieht, gibt angenehme und wertvolle Nahrungsmittel, bei denen durch die gebildete Milchsäure und Effigfäure günstige Verdauungswirkungen erreicht werden. Bi der Art der Zubereitung, die für jedes einzelne Gemüse unendlich vieschieden sein fann, ist streng darauf zu achten, daß nichts Wertpofles verloren geht. Das Grüne der Kohlrabi darf auf keinen Jall fortgeworfen werden, wie es leider häufig geschieht. Die Stohlarten dürfen, wenn sie nicht gerade allzu alt und streng sind, nicht abgemellt oder gar vorher abgefocht werden. Die Salze, Bitamine und ein Teil der Eimeißstoffe gehen in das Brühwasser über und verschwinden nutzlos im Ausguß. Als 3ugabe zu den Gemüſen ist, wie fdjon erwähnt, Feft, und nicht allzumenig davon, erforderlich. Auch Fleisch ist zur Berbesserung des Gesómiads und zur Vermehrung der Eiweißstoffe zum Mitkochen oder zum gleizeitigen Genuß bei den meisten Gemüsen zu empfehlen, wenn and nit unbedingt nötig. Ein wichtiges Erfordernis ist es, daß alle Gemüse und namentlich) dic, melche roh genoffen werden sollen, vor der zubereitung sorgfältig durch Putzen und Waschen gereinigt werden. Es fönnen sich an den Blättern durch die anhaften mit Dung nermischte Gartenerde Wurmeier befinden, die zu schlimmen Er frantingen Anlaß geben. Es handelt sich hier hauptsächlich um di Gler der Bandwürmer und der verschiedenen Eingeweidewürmer, also Spul- und Madenwürmer, die insbesondere für Kinder Gefahren der Darmschädigung und nervöse Störungen mit sich bringen fönnen. Berner ist es möglich, daß durch die Berührung der Gemüse beim Bilücken, Berpaden, Transportieren oder Bertaufen Krankheitsfeine der verschiedensten Artex von den beteiligten Personen fich angesiedelt haben und zu Infektionstrantheiten Veranlassung geben. Durch Sauberteit vermindert man die Ansteckungsgefahr. Schließlich förmen auch Büchsengemüse und eingeredte Pflanzenfest der Grund zu schlimmen Bergiftungen werden. Durch Fehler bei der Herstellung find gefährliche und überaus giftig wirkende Seime hineingeraten, und selbst fochen fan die entstandenen Stoffwechicl ob die Tür nach dem Flur sich bewegt hätte. Ich hatte zuerst glänzende Zukunftsbilder, wie mun vergessen fei, was geschehen, nicht darauf geachtet. Eine grausende Furcht befällt mich. Benn Klara in dieser Erregung hinausläuft, dann wagt sie alles. Ich stürme die Krep pen hinunter und laufe wie ein Toller durch die Straßen der Stadt. Nirgends finde ich fie. Immer wieder zieht es mich zum Fluffe. Aber eine unüberwindliche Scheu hält mich zurüd. Ich bange vor der Gewißheit ich will das Wasser nicht sehen. Schließlich ermanne ich mich. Jetzt stehe ich auf der Brüde und schaue in die Eine unendliche Beichheit überfommt mich und innig fage ich: Tiefe. Unten blinkt der schnell fließende Fluß, der an der Brücke ,, Nein, Klara ich liebe dich mehr denn je." fleine Strudel bildet. Jeden Augenblid glaube ich, etwas Weißes, ,, Nein, nein," schreit sie und lacht gellend. auf dem Wasser Treibendes zu sehen. Es ist aber nur ein Sput Ich sage noch einmal ganz leise:„ Ich liebe dich, Mara, ich der Einbildung. Riemand weit und breit zu schauen. Eine bemill es dir beweisen." flemmende Stille, nur das Riefeln des Flusses fern das schütternde Raffein eines fich entfernenden Eisenbahnzuges. 44 Damit ziehe ich die nun sanft Widerstrebende auf meinen Echoß, füffe die Tränen von ihren Wangen und suche ihren Mund. Ihre Lippen find falt, sie erwidern scheu meinen Ruß. ,, Siehst du, fönnte ich das tun, menn ich dich nicht liebte. Selbst diesen Mund vermag ich noch zu füffen, obwohl er mir nicht mehr allein gehört." So fizen wir lange eng aneinander geschmiegt, stumm wie ein junges Liebespaar, das weiß, baß es morgen sterben muß. Alara besänftigte fich allmählich, nur bisweilen schluchate fie noch. Dann streichelt sie mir sacht das Haar und sagt einfach: Du hast recht. Es gibt keinen anderen Weg, wir wollen als Freunde, als Liebende auseinander gehen. Aber wenn wir alt, ganz alt geworden find" ihr Ton ist fast wieder schelmisch, wie ,, und alles vergessen haben, dann ich es sonst so gern hörte wahrhaftig, fie lacht leise tommen wir wieder zusammen, und" bann werden wir prüfen, wer sein sind am besten erzogen hat." Medend -O Ich füsse sie noch einmal, fanft gleitet sie von meinem Schoß. Du wirst morgen Das wollen wir tum, Klara, gewißlich. mit dem Kind abreisen zu deiner Freundin, denke ich, damit bu fürs erste nicht ganz allein bist." Alara hatte sich jäh wieder erhoben, treift im Zimmer unther, and mit einem ächzenden: Ich fann nicht, ich fann nicht," stürzt sie hinaus. Ich denke, sie wird in das Schlafzimmer gegangen fein, fich ufs Bett geworfen haben, um den letzten Widerstand ihres leidenhaftlichen Gemütes niederzufämpfen. Als sie aber nicht wieder. lehrt, gehe ich ihr nach. Das Schlafzimmer ist leer, in der ganzen Wohnung ist sie Bas erwarte ich denn eigentlich? Sie hat ja einen geraumen Borjprung vor mir. Längst hat sie der Fluß davongetragen. In einer Bucht mag ihr Körper jetzt zwischen Schilfgeftrüpp liegen. Ich halte mich am Geländer fest, denn die Brücke schwankt und das Baffer in der Tiefe lockt. D wie flein und gleichgültig erscheint mir nun alles neben der Unentrinnbarkeit des Todes. Und ich gelobe, wenn ich sie lebendig wiedersehe, daß alles vergeffen sein, eine neue herrliche Ehe beginnen soll. Aber die Ein. ficht fommt zu spät. Ich brauche nichts mehr zu vergessen En Opfer der Grausamkeit eines unloren, für ewig verloren. natürlichen Menschenhirns, das über den Gott des Lebens die Gözen vermeintlicher Ideale erhebt. Der: Langsam fehre ich heim. Vielleicht ist sie inzwischen wieder nach Hause gegangen. Ich schüttele müde den Kopf. Törichte Hoffnung: Zu spät, zu spät! Jezt kannst du um eine Welt nicht mehr die sehen, von der du dich leichthin zu trennen gedachtest... Das Schicksal hatte mir nun mehr gewährt, als mein Stolz verLangte. Seltsam, es peinigt mich plöglich, daß ich nicht beten fann, nur dieses eine mal möchte ich gläubig beten. Ich verstehe jetzt, warum die Menschen das Gebet nicht entbehren wollen. Sie wollen das Unmögliche, das Blindwaltende beeinflussen. Aber ich vermag nicht zu beten, ich bin verdorben für vernunftloses Fühlen... Ich biege in die Straße ein, in der wir wohnen. Ist es tein Bahn höre ich hinter mir Schritte den lieben, vertrauten Rhythmus ihres Ganges? Ich drehe mich um: ,, Klara, Gott sei Dank. Wo warst du?" ,, Am Fluffe," sagte sie zitternd, aber ich war zu feige, oder nicht feige genug." Sie schreitet neben mir her, ich fasse ihre Hand. So gehen sicht zu finden. Da fällt es mir ein, daß es mir so gewesen, als wir Hand in Hand wie die Kinder. Ich aber, überfelig, male und mie herrlich sich das neue Leben gestalten werde. Beißt du," schließe ich, was ich am liebsten hun möchte? Dir hier auf offener Straße um den Hals fallen, dann dich in meine Arme nehmen und hinauftragen in unser Heim. Glaube mur, ich bin noch start genug dazu. Erinnerst du didy noch, mie ich dich einst über jede schmutzige Straße trug das heißt, wenn es niemand jah"? Klara schweigt. Sie öffnet wiederholt die Lippen, um etwas zu sagen. Immer unterdrückt sie es wieder, bis ich stehen bleibe und frage: Freust du dich nicht ein wenig, Klara?" Da antwortete sie: Ja, ich freue mich über deine Liebe und weil du so gut bist, aber ich habe es mir überlegt. Du hattest Dorher recht. Gerade weil wir unsere Liebe nicht entweihen dürfen, müssen wir uns trennen." Ich unterbrach fic, rede inständig auf sie ein. Das sei töricht gewesen, was ich gefagt und grundfalsch. Erst jetzt werde zwischen uns das wahre Glüd beginnen. Klara schüttelt wehmütig den Kopf. " Das sagst du heute, weil du erregt bist. Morgen in dem nüchternen Licht und alle die übrigen Tage denkst du anders und fühlst anders. Dann beginnt das abscheuliche zwiespältige Leben, von dem du gesprochen, in dem wir zugrunde gehen müssen, du und glaube ich auch ich." Ich werde immer eifriger, bicte das Höchste auf, was mir an Beredsamkeit gegeben ist. Meine Beteuerungen und Beschwörungen bleiben vergeblich. Klara beharrt auf ihrem Entschluß; träumerisch flüstert sie: „ Es ist schön, sehr schön, so in Liebe sich zu trennen herrlich, als sterbe man im ersten Ruß." Ich widerspreche ihr nicht mehr. Ich fühle, daß es auch das beste ist. ,, Aber ich habe noch eine Bitte," sagte fie verlegt, und ihre Stimme erlischt fast in einem unsäglich rührenden, faum hörbaren Harfenton. Wir wollen nicht warten, bis wir ganz alt geworden. Nur zehn Jahre. Willst du es dann wieder mit mir versuchen?" Ich will, Klara." Bir gingen nach Hause. Ich blieb die Nacht über in meinem Arbeitszimmer. Am nächsten Tage verreiste" Klara mit ihrem fleinen Mädchen; sie war ruhig und lächelte sehnsüchtig: Auf Wiedersehen!"... Ich aber weiß, daß auch die Zeit nichts ändern wird, ich werde dich immer lieben, Klara, und dich niemals wiedersehen. probutte der Batterien nicht beseitigen, fobaß schwere, den| Wurst und Fleischvergiftungen ähnliche Krantheiten entstehen. Deshalb benute man feine aufgetriebene Konservenbüchse, fein Wedglas mit trübem Inhalt, teine riechenden oder verdächtig aus jehenden Dauerfonserven. * Weiter erbeutete eine Einbrecherbande in einer Billa in der Camp haufenstraße in Zehlendorf ein Gemälde, das tunstgerecht heraus geschnitten war. In allen Fällen arbeiteten die Eindringlinge ungestört. Tötung auf ausdrückliches Verlangen. Eine erschütternde Familienfragödie. Die Gemüse gehören zu den ältesten Kulturgütern der Menschhet. Seitdem der Mensch aus dem reinen Sammelerzustand herausfand, in welchem er nur in der Natur vorhandene Pflanzen Eine Familientragödie entrollte die Verhandlung gegen den fich zugeführt hatte, und seitdem er den planmäßigen Erwerb der Hausdiener Eugen R., der sich vor dem Schöffengericht Mitte wegen Feld- und Gartenfrüchte durch eignen Anbau begonnen hatte, hat Tötung seiner Ehefrau auf deren Verlangen zu verantworten hatte. es stets bestimmte Arten von Gemüse in allen Gärten der Mensch Der 60jährige Angeflagte lebte mit seiner Ehefrau in heit gegeben bis auf den heutigen Tag. Wohl find in anderen ungetrübter Ehe und in guten Verhältnissen. Ein langes Siechtum Ländern andere Pflanzen und Früchte beliebt, wohl hat die Zeit der Frau brachte ihn wirtschaftlich herunter. Es fehlte bald im Altes vergehen und Neues entstehen lassen, aber Pflanzen, Pflegen Haushalt am Notwendigsten, da die Meditamente alles verschlangen. und Pflücken ist das gleiche geblieben. Und da ist es doch wurde zur Berzweiflung getrieben, als es sich herausstellte, daß K. die Frau sich ohne sein Wissen an ihm anvertrauten Geschäftsbewundernswert, daß der einfache und einfältige Mensch vor vielen gelbern vergriffen hatte. Die Frau, die mit dem Leben abgeschlossen Jahrtausenden, dem keine Möglichkeit der fyftematischen Untersuchung hatte, wußte den weichen Charakter des Angeklagten so zu beeinzur Verfügmug stand, mit seinem Instinkt das als richtig gefunden flussen, daß er sich bereit fand, mit ihr zusammen aus dem hat, was die Wissenschaft nummehr bestätigt. Leben zu scheiden. Erst erschießt du mich und dann dich felbft," so flüsterte sie ihm ein. Er faufte einen Revolver und gab zuerst drei Schüsse auf seine Frau ab und dann brei auffich. Die Frau war sofort tot, aber er wurde wieder ins Leben zurüdgerufen und geheilt, obwohl noch zwei Schüsse in der Brust stecken. Der Angeklagte war vollkommen gebrochen und bedauerte, laut jammernd, daß er nicht auch gestorben sei. Ihm wurden von seinem Chef die besten Zeugniffe ausgestellt. Er ist lange Jahre in dem Geschäft tätig gewesen und war stets ein folider, fleißiger Mann, der fich allgemeiner Sympathien erfreute. Amtsgerichtsrat Regner erfannte auf die niedrigfte vom Gefeß festgelegte Strafe für eine Tötung auf ausdrückliches Berlangen von drei Jahren Ge= fängnis. Der Angeklagte, dem auch das Gericht weiteste SymDie Verfassungsfeier. Das Programm der am Sonnabend, den 8., und Sonntag, den 9. August, in Berlin stattfindenden und vom Gau Berlin- Brandenburg des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold veranstalteten Ber fassungsfeier liegt nun vor und läßt in seiner Gesamtheit erkennen, daß die Veranstaltung eine der großartigsten republitanij hen Demonstration zu werden verspricht, die nicht nur Berlin sondern Deutschland bisher gesehen hat. Es sind drei Hauptphasen der Gesamtveranstaltung zu unterscheiden: 1. Begrüßung aller aus. wärtigen Kameraden und deren Angehörigen im Gesamtetablisse- pathie entgegenbrachte, wurde auf freiem Fuß gelassen. ment des illap im Landesausstellungspart am Sonnabend, den 8. August, nachmittags 3 Uhr; 2. der große Teftaft auf der Trep tower Festwiese am Sonntag, den 9. August, nachmittags 2 Uhr; 3. die großen Boltsfefte in 12 Treptower Lofalen am Sonntag nach. mittag 4 Uhr. Wir lassen eine Anzahl Bekanntmachungen und Mitteilungen der Reichsbannerleitung folgen, aus denen weiteres zu ersehen ist und die genauester Beachtung empfohlen werden. Begrüßungsfeier im ulap am Sonnabend. Das Reichsbanner hat den gesamten Ulap für Sonnabend, den 8. August, zur Vorfeier des Verfassungs- und großdeutschen Tages gepachtet. Alle Attraktionen werden zu ermäßigten Preisen in Betrieb sein. Der Eintritt ist auch hier den Inhabern des Verfassungsabzeichens unentgeltlich gestattet. Außerdem wird ein wunderbares Feuerwerf abgebrannt werden. Im Ulap findet am Abend die Begrüßung der bis dahin eingetrof fenen auswärtigen Kameraden, besonders der deutsch öfter reichischen Kameraden statt. Hier erfolgt auch die Ausjabe der Quartiere. Aus diesem Grunde ist der Ulap, Ein jang Invalidenstraße, auch die ganze Nacht hindurch ge 5ffnet. Berfaffungsfeier auf der Spielwiese in Treptow. Nach dem Abschluß der in den einzelnen Stadtteilen Berlins am Bormittag stattfindenden Verfassungsfeiern marschieren Reichs. banner und Republikaner in geschlossenen Zügen nach der Spielwiese in Treptow. Der Aufmarsch des Reichsbanners ist um 42 Uhr beendet. Um Buntt 2 Uhr beginnt der große& estalt auf der Treptower Spielwiese. Die Einleitung gibt das Trommlerforps der vereinigten Trommlerabteilung des Reichsbanners. Dann folgt der Reichsbannermarsch, von sämtlichen Kapellen unter der Leitung von Dr. Felir Günther gespielt. Professor Ferdi nand Gregori spricht im Anschluß daran den von Fritz von Unruh gedichteten Prolog für den Verfassungstag 1925. Darauf folgt ein Vortrag des großen Sprechchors unter der Leitung von Herrn Heinrich Witte, woran sich der Willkommensgruß durch den ersten Vorsitzenden Koch des Gaues Berlin- Brandenburg anschließt. Als Vertreter der Stadt Berlin wird darauf Bürgermeister Kohl Begrüßungsworte übermitteln. Dann hält der Bundesvor. kende des Reichsbanners, Oberpräsident Hörsing, die Feftrede über das Thema Sefenntnis zur Republit". Nach der Weihe der Fahnen, darunter das Gaubanner, wird ein Massenchor von 2500 Sängern unter der Leitung von Herrn Thilo Ich warte dein“ und„ Lord Foleson" singen. Sämtliche Musikkorps spielen dann das Deutschlandlied, dessen dritter Vers von allen Festteil nehmern mitgesungen wird. Um die Sprecher auch bis auf den letzten Platz der 40 000 Quadratmeter großen Festwiese verständlich zu machen, sind von der Firma F. Huth drei große Lautsprecher aufgestellt. Berfassungsfeier im Spandauer Bod. Für die Republikaner Charlottenburgs und Spandaus findet eine große Berfassungsfeier, die in feinen Buntten der Gesamtfeier in Treptom nachsteht, in den Gesamtanlagen des Spandauer Bod statt. Die Reichsbannerfameraden Spandaus und Charlottenburgs mit ihren auswärtigen Gästen nehmen mittags wie alle anderen Republikaner an der Hauptfeier in Treptow teil. Die Feier in den Anlagen des Spandauer Bock beginnt nachmittags 4 Uhr. Gesangs- und Konzertvorträgen findet am Abend ein riesiges Feuermert statt. 3um Eintritt berechtigt auch hier wie bei allen anderen Beranstaltungen das überall für 1 m. erhältliche Berfaffungstags. abzeichen. Fahnen heraus zur Verfassungsfeier! Neben Der Tag der Berfassungsfeier ist der Festtag des deutschen Boltes. Das muß auch äußerlich im Stadtbild Berlins zum Aus brud fommen. Die Freiheitsfahnen, die am Sonnabend und Sonn tag durch die Straßen Berlins getragen werden, müssen überall gegrüßt werden von den Häusern und Fenstern der Straße herab durch Schwarz- Rot- Gold. Fahnen find, soweit sie nicht in den einschlägigen Geschäften und Warenhäusern zu haben sind, beim Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Sebastianstraße 37/38, zu so bil ligen Preisen ausreichend vorhanden, daß auch der einfachste Republitaner sich in den Befiz einer republikanischen Fahne jeten fann. Ein Rekordtag der Einbrecher. Heute abend Ruhrkundgebung! Heufe, Donnerstag, abend um 8 Uhr findef die angefündigte Ruhrfundgebung der Republikaner Berlins auf dem Gendarmenmarfi ftatt. Für die Sozialdemofrafen fpricht der frühere preuBifche Staatsminifter Lüdemann; für die Demofrafen Reichsminifter a. D. Erich& och und für das Zentrum Reichsfanzler a. D. Marg. Die Republifaner Berlins wollen durch diese Knndgebung den Brüdern an der Ruhr öffentlich ihren Dank für freues Ausharren barbringen und gleichzeitig die Richtigkeit der von den Republikanern von Rathenau bis Marg geführten Verständigungspolitif darlegen. Ein unschuldiger Hochstapler! Nicht ungefährlich ist es, mehr scheinen zu wollen als man ift Dem Raffierer 2. wurde es beinahe zum Verhängnis, daß er einmal den vornehmen Mann gefpielt batte. In einen schweren Belg mantel gebüllt, den er sich gelieben hatte, stieg er als Herr Balm in einem Hotel ab und bemerkte leise zum Empfangspersonal: Großlaufmann aus Mostau!" Bald faß er mit anderen Herren bei einer Flasche Wein im Klubfeffel des luguriös ein gerichteten Rauchzimmers und verhandelte großzügig über die Ausbeutungsmöglichleiten der Erzgruben bes Uralgebirges. Dann ging er nach Hause und gab den geborgten Belamantel wieder ab. Sein Auftreten batte aber bei den anderen Serren Berbaut erregt und die Polizei nahm ihn furz darauf fest. In der Folge davon tam es nunmehr zur Gerichtsverhandlung wegen angeblichen Betruges; das Gericht fprach ihn aber nach langem Sin und her schließlich frei, weil er ein Sochstapler", aber fein Betrüger" sei! Man schreibt uns: Hohenzollernnepp. | vollständig verqualmten Treppen und mechanischen Leitern fräftig gelöscht. Es gelang schließlich, die Flammen auf das Duergebäude und die Lagerräume der Firma Braun u. Co. zu be schränken. Mehrere Räume mit Chemifalien, medizinischen Stoffen aller Art sind ausgebrannt. Die Feuerwehr hatte längere Zeit mit der Lösung zu tun. Der Schaden ist ganz erheblich. Die Entstehung wird auf Unvorsichtigkeit zurüdgeführt. Der Allgemeine Blindenverein E. B. Berlin lädt zu seinem am 8. Auguſt im Vittoriagarten in Wilmersdorf flattfindenden Sommerfest ein. Beginn 5 Uhr. Eintrittspreis: 0,50 Mr. Gartenfonzert, Staffeekochen, Frei Ruchen, Gaben- Lotterie. Sm Saale Wiener Schrammeltrio, Vorlesung der Festzeitung, Rezitationen, Tanz. Bei ungünstiger Witterung findet die Ber anstaltung im Saale ftatt. Ein öffentliches Konzert veranstaltet der Männergejangberein Ramenlos" am Freitag, den 7. August, 7 Uhr im Friedrichs. hain am großen Sandberg. Ein unglüdlicher Reichswehrschüße. Durch einen unglüdlichen Bufall wurde Mittwow bormittag beim Bistolenschießen auf dem Schießstande der Unterfeldwebel Krogh von der 3. Kompagnie des Ins fanterie- Regiments 6 durch einen Feldwebel so schwer verlegt, daß er auf dem Transport zum Lazarett verstarb. Für 700 000 Frant Juwelen gestohlen. Im belebtesten Teil während der Mittagss der Stadt Zürich wurde am hellen Tage pause ein Einbruchsdiebstahl begangen, bei dem Juwelen und Bijouterien im Gesamtwerte von 700 000 Frant erbeutet wurden, 1. a.: Ein Perlenkollier mit 113 Perlen zu 63 000 Frant, ein Perlenfollier mit 107 Perlen zu 52 000 Frant, ein Perlenkollier mit 42 Perlen 3 u 13 000 Frant, ein Perlenkollier zu 22 000 Frant, ein Etui mit fieben Platinringen, Smaragden und BrilTanten zu 37 000 Frant. Arbeitersport. Fußball- Tournier in Stralan. Am Dienstag ftanden sich auf dem Stralausportplak Teu. tonia 09 und ertha 22 im dritten Borrundenspiel gegenüber. Was man hier an technischen Einzelheiten und gutem Zusammen. spiel zu sehen bekam, war hervorragend. Den zahlreich erschienenen Buschauern wurde ein Spiel vorgeführt, das wirklich dazu angetan war, der Arbeiter- Fußballbewegung neue Anhänger zuzuführen. Beim Anstoß hatte Hertha nur 10 Mann zur Stelle. Teutonia versuchte aus dieser Schwäche Nutzen zu schlagen, konnte aber an der ficher arbeitenden Berteidigung Herthas nichts erreichen. Nach 10 Minuten vervollständigt sich Hertha und verlegt, das Spiel in die Hälfte des Gegners. Troß guten Zuspielens ist es ihnen aber nicht vergönnt, einen Erfolg zu erringen, da auch die Hintermannschaft Teutonias auf der Hut ist. Erst in der 26. Minute fann H. durch einen Brachtschuh in Führung gehen. Teutonia versucht nun mit aller Macht den Ausgleich herbeizuführen, aber verfällt in den alten Fehler, mit dem Ball bis ins Tor zu spielen. So bleibt es bis zur Bause. Nach der Halbzeit wird Hertha fast vollständig in seine Hälfte zurüdgedrängt. Schuß auf Schuß erfolgt auf das Herthator. Der Torwart weiß aber alle noch so scharfen Schüsse zu meistern, wofür er reichen Beifall auch von den Teutoniaanhängern erntet. In der 65. Minute fommt aber doch das Verhängnis. Der Rechtsaußen Teutonias gibt den Ball flach zur Mitte. Halblinks läuft vor. bei und der linte Läufer Herthas sezt den Ball scharf in das eigene Tor, somit Teutonia zu einem billigen, aber verdienten Tor vers helfend. Alle Anstrengungen beider Mannschaften, noch einen Erfolg zu erringen, scheitern an der sicher arbeitenden Hintermannschaft Bei Schluß der regulären Spielzeit steht das Spiel unentschieden 1: 1. Es wird deshalb zweimal 15 Minuten verlängert. Aber schon nach der ersten Verlängerung muß das Spiel wegen der hereinbrechenden Dunkelheit abgebrochen werden. Da ein Sieger feftgestellt werden muß, findet am Dienstag, den 11. Auguft, die Fortsegung des Spieles ftatt. Auf dem Sportplak in ber Gozlerstraße ftehen fich am Donnerstag Bor. Beginn des Spieles um 6 Uhr. Auch hier fann es leicht zu einer Berlänge rung baw. zu einer Bieberholung lommen. Beide Vereine verfügen über eine eingespielte Mannschaft. Beitere Refultate vom Sonntag: Brandenburg 02 gegen Neukölln- Brig 4: 2: rifah- frei 2 gegen Genala 1: 1: Frisch- Frei Jugend gegen Norbista 4: 1; Stralau Schiller gegen Treptow 3: 0. Ich meilte in der Zeit vom 11. bis 20. Juli am Schwanensee bei Oderin im Unterspreewald. Ein Berliner hatte mit seinen beiden märts 20 und Frisch- Frei, Nieberschönemeide, im 4. Borrundenſpiel gegenüber. Rindern am See ein 3elt aufgeschlagen. Eines Tages erschien der Förster und erklärte, daß von jest ab für das Belteaufschlagen eine Gebühr erhoben würde und zwar für je 3 Tage zwei Reichs. mart. Der Zeltbefizer wies nun einen Zeltschein der Oberförsterei Ertner( Reg.- Bez. Frankfurt a. Oder) vor. Er erhielt die Antwort, daß die Forsten hier nicht staatlich find, sondern zum Softammergut" gehören. Also Hohenzollerneigentum. Bas blieb dem Mann übrig, er mußte blechen. Vor diesem Zwischen fall find wir an jenem See noch nie behelligt worden. Man scheint jezt erst auf den Geschmad zu fommen. In den staatlichen Forsten wird eine Beltgebühr von 2 Reichsmart für das ganze Jahr erhoben. Hier in der Forst unseres ehemaligen Landesvaters" treibt man ausgesprochenen Nepp. Das ist zwar nichts Neues von diesen erlauchten Herrschaften, aber follte es in der Republik nicht möglich sein, diesen Bolts beglüdern etwas auf die Finger zu flopfen? Das ist leider schwer zu machen, da Privatforstbefizer ganz beliebige Gebühren nicht nur für das Aufstellen von Zelten, sondern auch für Holz, Streu- und Beerensammeln erheben tönnen. Da wirkt am besten Selbsthilfe, indem man an der Hand guter Karten feststellt, auf weffen Gelände man raften will und so ver meidet, daß Hoftammerbeamte" Gebühren tassieren können. Schüler als Lebensretter. Am Mittwoch vormittag sprang die 22 Jahre alte Arbeiterin Elsbeth H. aus der Kirchbachstraße in Neukölln am Haveled in den Wanniee. Zwei dort zufällig vorbeigebende Schüler sprangen ihr nach, und es gelang ihnen mit vereinten Kräften, die bereits Be finnungslose wieder ans Ufer zu bringen. Die Unglüdliche fand im Sanatorium, Waldfrieden in Zehlendorf Aufnahme. Feuer in einem Lagerraum. Ein gefährlicher Brand entstand am Mittwoch vormittag in einem Lagerraum im 2. Stod des Sauses Albredt ftr. 11, am Schiffbauerbamm. Als die 4. Kompagnie dort anlam, schlugen die Flammen schon hell aus allen Fenstern heraus. Wegen der großen Gefahr für die angrenzenben Räume und die oberen Geschosse wurden noch awei Rüge der 1. Kompagnie nachgeholt und gleich mit mehreren Schlauchleitungen über die Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 6. August. Es ist immer eine wiederkehrende Tatsache, daß in der Reise. zeit Hochtonjunktur für die Zunft der Langfinger herrscht. Daß diesen Gewerbetreibenden besonderer Art ihr abenteuerliches Hand. werf von den Wohnungsinhabern oft genug besonders leicht gemacht begleitung. 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikwird, beweist die hohe Anzahl der Einbrüche und die geradezu leicht Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 1. Möllfinnige Sorglofigkeit, mit der die Berreisenden ihr Heim perlassen. nitz: Rundfunkklänge, Marsch. 2. Thomas: Ouvertüre zu RayIn der Wohnung eines Bantiers in der Marburger mond". 3. Strauß: Mephisto- Walzer.- 4. Rich. Strauß: Suite in Straße hatten Einbrecher besonders leichte Arbeit. Sämtliche vier Sätzen ans der Oper, Der Rosenkavalier". 5. Leuschner: Jalousien waren heruntergelaffen, das erste Zeichen, daß niemand Paraphrase über Giordanis Lied Caro mio ben 6. Siede: Im 7. Dickens: Anita Boston.- 8. Morena: zu Hause war. Am Dienstagnachmittag statteten fie dann ber schönen Lenz, Ständchen. Wohnung nach Durchbrechen der hintertür ihren Besuch ab. Die Extravaganzen, Potpourri. 7 Uhr abends: Rechtsanwalt Dr. Hein: Beute der Einbrecher betrug nach vorläufiger Schäßung et ma Die Enteignungsbestrebungen gegen Inflationsgrundbesitz und ihre Gefahren für die allgemeine Rechtssicherheit. 7.30 Uhr abends: 25000 m. Es fielen ihnen u. a. ein goldenes Zigarettenetui, eine Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. InHalskette mit 134 echten Berlen und Blatinbbrillantschloß, genieur O. Kappelmeyer: Fernsehen. 8.30 Uhr abends: 6 Kammerfilberne Bestecke und eine Anzahl alte 20- Mart- Stücke in die Hände. musikabonde des Roth- Quartetts in chronologischer Reihenfolge Stromfeld In einer Billa in der Beerenstraße in Zehlendorf erbeuteten( Roth Spitz Lutz). Sechster Abend. 1. Maurice Einbrecher für 12000 m. jilberne Beftede mit mono. Ravel: Streichquartett F- Dur Allegro moderato Assez vif gramm. Außerdem nahmen sie Schmucksachen und eine Berserbrüde Très lent Vif et agité. 2. Kurt Weill: Streichquartett Nr. 1 op. 8, Introduktion Scherzo- Choral fantasie. 3. Francesco Malipiero: mit. Einige Häuser davon entfernt erbeutete eine andere Kolonne in der Wohnung eines Kaufmanns Sachen im Werte von 5000 m. Rispetti e Strambotti"( Ständchen und Liebeslieder) für Streichquartett, Coolidge- Preis 1921. 10 Uhr abends: Bekanntgabe der darunter mehrere wertvolle Beiß- und Goerz- Fernrohre. 3( drei) Bach neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachhunde, die auf dem Grundstüd wachten", hatten nichts gemertt. richten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends; Tanzmusik, Freie Kannfahrer Berlin, e. B.( Mitgl. b. A.-T.. Sp.-B.). Eigenes Bootshaus in Röpenid an der Dahme. Sigung jeben Freitag nach bem 1. und 15. jeben Monats im Bereinslobal Jbeal- Riaufe, Neukölln, Marefcftr. 14, abends 8½ Thr. Dortfelbft Aufnahme neuer italieber. Anschriften und GeSchäftsstelle: Frik Baschke, Berlin 60. 26, Oranienftr. 35. Arbeiter Radfahrerverein Groß- Berlin. Am 9. Auguft, feilh 5 Uhr, Glin bower Alpen, Reſtaurant Seffe: 1 Uhr Zehlendorf- Weſt, Alte Fischerhütte. pünktlig 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Lokal von Seidel, Schönhauser Alee 156. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht, ba eine reichhaltige Tagesordnung au erlebigen ist. Die Uebungsstunden des Vereins finden regelmäßig Montags und Donnerstags, abends von 16 bis 7 Uhr, in der Beltsbadeanstalt Oberberger Straße ftait. Berliner Swimmverein Freiheit". Am Freitag, den 7. Auguft, abends Arbeiter- Turn- und Sportbund, 1. Kreis, 1. Beairt. Gonntag, ben 9. Auguft, Bezirkssportfelt im Stadion Lichtenberg, Serabergstraße. Beginn nadmittags 2 Uhr. Maffenfreibungen, fportliche Wettkämpfe, Geräteturnen, Fußballspiel Lichtenberg gegen Spandau, Sand, Fauft und Trommelball. Der reftaua stellt fich um 12 Uhr in der Gürtelstraße am Bahnhof Frankfurter Alee auf. Abmarsch 1 Uhr. 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Der Reisende kam mitten im Winter fieberkrank in Rischni- Xogil an. Seine Freunde fuhren nach Sibirien weiter, nur Ja» Hanna,«in junges Mädchen aus Berlin, blieb bei ihm. In Jekate. rinenburg spürte Hellmut, so wollen wir den jungen Mann nennen. die ersten Flammentatzen des Fiebers, aber erst auf der nächtlichen ,jahrt nach der kleinen Uralstadt Nischni-Togll kam der heiße Blut- uberfall des Fiebers und jagte in hohen Kurven durch seinen Leib. Ueber zwei Wochen schwebte der Kranke zwischen Tod und Leben. Fieber verwirrte sein Herz. Der tote Zar erschien in seinen �räumen. Aufstände tobten durch seine Gesichte. Die Welt war«in rasender Kreisel und tanzte zwischen seinen Augen. Als die Fieber. kurve sank und Hellmut auf wunderschönen Schlittenfahrten durch schweigende Wälder und verschneite Wege endlich gesundete und auch Johannas Wangen sich von den schrecklichen Nachtwachen er» holten und langsam röteten, da enthüllte sich für Hellmut. den der Zufall an diesen Strand geworfen hatte, das Gesicht der kleinen Stadt im Ural. Und bald erkannte er. dah auch hier Well war. Schicksal. Liebe. Haß und große Freundschaft. Tagil soll aus Koreanisch.Großes Glück" heißen. Das wußte Hellmut noch von Tscha-So-Wang, dem koreanischen Reisegefährten, der einmckl. als er gegen die japanischen Bedrücker seiner Heimat sprach, ein weißes Seidentuch zersetzte und mit fanatischem Gesicht ausrief: .So weichen wir einst in Korea die japanischen Herren zer- reißen!" Großes Glück. Ja, durch diese Stadt ging auch das Glück. Platin wurde gefunden und auch ein wenig Gold. Aber in diesem Winter, als Hellmut mit Johanna in Tagil war. gab es sehr wenig Glück. Das Adelskapllol. in dessen Händen die Gruben lagen, war schon im Krieg zusammengebrochen. Und jetzt war Revolutton und Bürgerkrieg. Aber die Stadt lebte doch, sie fußte auf guter Erde, und in der Erde lagerte das andere Metall, wichtiger als Gold und Platin. lagerte in mächttgen Bergen und Bänken das Eisen. Die Erzgrube war ein mächtiger Krater in verschneller Land- schaft. Die Wege zu ihm waren rot vom Rost des verlorenen Gesteine«, das auf kleinen Holzschlitten zu den Hochöfen trans> portiert wurde. Die Schmelztechnik aber war noch so primlliv. daß die sechs Prozent Kupfer, die man im Eisen fand, nicht ver» wertet wurden. Auch die Mine war noch ganz unerforscht und kein Mensch wußte, wieviel hunderttausend Tonnen Eisen in ihr lagerten. Hellnmt besuchte mit Johanna diese Grube und sah auch den großen Pendelschwung der Ausbeute, die Fieberkurv« der Produk« kion, und als er die Statistiken durchsaht ahnte er plötzlich ganz blutvolles Leben in dürren Zahlen und Ziffern. Hellmut ent- deckte zum erstenmal, daß es keine toten Dinge auf der Erde gibt. erkannte, daß alles feine eigenen und oft nur einmaligen Gesetze dnd Formen hat, sei es nun Erde, Erz. Kristall, Pflanze oder Tier. Der Wohlstand dieser kleinen Stadt war in der Mühle des Bürgerkrieges zermahlen, und man sah ihr blatternarbige» Gesicht. sah Holzhäuser mit geschnitzten Fassaden, kleine Gärten, breit« Sttaßen und riesenhafte Plätze, viel zu groß für die Stadt, man sah aber auch die verwilderten und kleinen sibirischen Pferd«, ver. kümmerte Kühe und schwarze Ziegen. Frauen kamen vom ver- eisten Fluß und beugten sich in das Joch der Wasserträger. An aufgebrochenen Eislöchern wuschen sie jetzt im Winter die Wäsche. Das war die Stadt Rischni-Tagil. eine Stadt unter anderen Städten im weiten Rußland. Der Bürgerkrieg hatte vieles ge- lahmt, aber die.Gesellschaft Gottes", eine sonderbar« Sekt« religi» öser Schwärmer, fünfzig Köpfe stark, lebte immer noch. So war dies« Stadt auch: von hundert Leuten konnten nur dreißig lesen und schreiben, und doch hatten Hellmut und Johanna hier das rührendste aller rührenden Denkmäler in Rußland gesehen: die Statu« der Frei. hell steht auf erhabenem Sockel und leuchtet mll einer elektrischen Lampe in die Rächt. Der Führer und Machthaber dieser Stadt hieß Wolkow. Das ist ein Roman für sich. 1906 wurde Wolkow als Politischer zu lebens- länglicher Verbannung nach Sibirien verurteilt. 1912 erst gelingt ihm die Flucht. Er lebt bis zur Revolution in der Ukraine,, im Ural, in Tambow und Moskau und wurde von dort nach dem schwarzen Ural geschickt. Die früheren Herren von Rischni-Tagil waren die Dimitrows. Hellmut und Johanna enträtselten viel in dieser kleinen Stadt. Sie kamen auch dem Chefarzt des Kronkenhauses etwas näher. Dieser Arzt, er hieß Lomosoff, war früher einmal ein berühmter Doktor in Moskau gewesen und hotte in Berlin und Paris studiert. Jetzt war er zur Zwangsarbell in den Ural geschickt worden. Er war auch niit dem letzten Dimitrow gut bekannt. Seine Zwang»- arbeit bestand darin, daß er in Rischni-Tagil der unbeschränkte Herr über ein Krankenhaus mit monatlich sechstausend Durchgängen war. Obwohl er lieber heute wie morgen abreisen wollte: er tat seine Pflicht, operierte, verband, kämpfte mit dem Zentrum um Medizin und ärztliche Instrumente und blieb bei seinen Kranken, trotzdem ihn die Stadt Perm eine Professur angeboten hatte. Einmal sprach er auch mll Hellmut darüber. „Rein, Herr, ich bleibe hier," sagte er,.es kann ja nicht ewig sein.' Einmal werde ich schon nach Moskau zurückkommen." .Ja, Moskau ist größer als Rischni-Tagil/ sagte Hellmut. „da haben Sie ja auch mehr Möalichkeiten.... Aber sagen Sie mir. bitte, was ist das für ein Mensch, den Sie da an der Wand hängen haben?� „Ach," antwortete Lomosoff leichthinn,.das ist ein« Lokal- größ«. Das ist der letzte Dimllrow. � Ewählen Sie doch von den Dimitrows," bat Hellmut, der das BiuTneugierig betrachtete und viel Hochmut darin zu lesen glaubte. „Dieser Mann rnteressiert mich. Er hat das Gesicht eines Empor- kömmliira». der sich seiner Pergangenhell schämt." Lomosoff lacht« leise.. „Hören Sie" begann er dann mll dozierender Stimme.„Das ist eine echt russische Geschichte. Der erste Dimitrow war, w,e Sie aus dem Bild sehr mll gelesen haben, ein Arbeller,«in ganz ge- wohnlicher Schmied Cr tauchte unter Peter dem Großen auf. Was das für ein Titan war. wissen Sie. der damalige Lenin, wenn ich es so nennen darf. Der Schmied Dimittow und der Kaiser Peter wurden, ich meiß nicht wieso, Freund«. Dimitrow inochte sich iigendwo nützlich gemacht haben und wurde zur Belohnung m den Ural geschickt. Der Ural war damals noch mehr Wildnis a\9;etzt, Run gut. Unser Schmied kommt nach Rischni-Dagil, seist sich fest und begründet die Herrschaft seiner Familie. Da»«vor in der grauen Z«K, ob«a» sich noch Mensch« kauf« konnte wie heute Wald- Durchpeitfthung. ,?ch muß meine Erute in die Scheuer bringen, bevor das Gewitter des Volkszorns losbricht/ «rdbeeren. Leibeigene, Sie wissen ja. Unser Schmied taufte sich also Leibeigene und fand die Erzgrube, die Sie ja auch besucht haben. Das«oar seine Goldgrube. Unerschöpflich, sage ich Ihnen. Unsere Ingenieure wissen heute noch nicht, wieviel hunderttausend Tonnen dort schlummern. Straßen wurden gebaut. Viel viel später kam die Eisenbahn. In das Licht der Geschichte aber, wie ein bekannter Schriftsteller so schön sagt, traten die Dimitrows erst im Jahre 18S0, als einer von ihnen in Italien eine Maria Duona- parte heiratete, durch sein Geld im Süden geadelt und später in Ruß- land in den Fürstenstand erhoben wurde. Das war bis jetzt«ine russische Geschichte, aber nun komnll Weltgeschichte.. „Wellgeschichte?" fragte Hellmut..Wellgeschichte in Nischni- Tagil?" „3a," sagt« Lomosoff und lächette wieder.„Weltgeschichte. Herr. Der Fürst Dimllrow war es, der den Staatsstreich seines Vetters, des dritten Napoleon von Frankreich, finanzierte." „Das war der erste Fürst Dimitrow." sagte Hellmut nochdenk- lich und sucht« den Ausgleich.„Aber wo ist der letzte Dimitrow? Der Mann mit dem kalten Gesicht." .In London. Er hat sein Vermögen gerettet," antwortete Lomo- soff."(Schluß folgt.) Der schwarze Gast. von Ernst Schenner. „Vom Turme hoch, da kam ich her," singt mein Klaas oben im Birnbäume des Nachbars. Er hat nicht unrecht. Neulich habe ich gehört, wie er einem Spatzen, der ihm fein in Milch gebrocktes Weiß- brot nicht gönnte, seine Erlebnisse erzählte. Eine schöne Geschichte! „Nimm nur ruhig, Spatz, ich tu dir nichts. Das Zeug krieg' ich alle Tage. Es hängt mir schon zum Halse heraus. Die Menschen tun so, als wenn eine Dohle nur son quabbeliges Zeug frißt." „Aber du kannst dir doch etwas dazu suchen, da man dir ge- stattet, hier auf dem Hofe frei herumzulaufen." „Hm. Viel ist hier aber nicht. Die Regenwürmer taugen nichts,' sie haben«lle einen merkwürdigen Beigeschmack. Käfer und Fliegen greife ich allerdings, aber...." „Wie bist du denn eigentlich hierhergekommen?" Darauf hatte Klaas gewartet. Aber er legte nicht gleich nach Spatzenart los, sondern putzte erst umständlich sein Gefieder, strich seinen Schnabel am Erdboden ab und sprach dann würdevoll wie ein Alter: „Oben auf dem einen Domturme, wo in der Berzierung die Löcher find,— du warst wohl noch nicht da droben— bin ich zur Well gekommen. Eines guten Tages sah ich einen unangenehmen Lichtschein. Die Augen schmerzen mir noch, wenn ich daran denke. Die Eierschale zerbrach. Ich lag in einem Neste mit drei Geschwistern. Meine Mutter trug uns den ganzen Tag über Nahrung zu, hin und wieder auch mein Dater. Ach, war das fein, als die Federn immer länger wurden! Da mochte ich es gar nicht mehr haben, wenn Mutter uns«värmen wollte. Eines Tages lockte die Sonne mich. Ich hüpfte zum Loche und guckt? zum ersten Male hinaus. Wie well war die Welt! Wie schön!— Und dann saßen wir alle vier in der Oefinung und auf einem Vorsprung des Mauerwerts und schlugen mit den Flügeln. Da kam die Mutter mll Leckerbissem Nie reichten sie für alle. Immer hatten wir Hunger und freuten uns, wenn wir sie heranfliegen sahen. Fliegen, fliegen.... Das war unsere einzige Sehnsucht. Und hoch, hoch über den Turmspitzen schweben wie die Turmfalten, die wir jeden Tag kreisen sahen. „Hinaus in die Well," hieß es eines Morgens. Wir flogen los. Abwärts ging es. Ich landete auf dem Dachreiter«md sah mich nach meinen Geschwistern um. Sie waren fort. Nein, dort schrie eins. Ich antwortete. Bald darauf kam Jochen, unser Jüngster, auf dem Grat« des Daches ongehoppett und schrie:.Hie beiden andern sind runtergefallen!" Ich lachte:„Bogel, wie kannst du so etwas glauben, eine Dohle fällt nie."— Da kamen die Eltern, fütterten uns und erzählten, daß die Geschwister drüben in der Linde säßen. Ob wir nicht auch dorthin wollten. Ich hatte aber zuerst genug und hüpfte auf dem Dache hin und her. Die Nacht über blieb ich mit Jochen im Dachreiter, denn zum Turme hinauf konnten wir trotz aller Versuche nicht wieder kommen. Morgens ging es weiter. Da wir Hunger hallen, oben auf dem Dache aber nichts zu finden war, und die Eltern trotz unseres Schreiens nicht kamen, flogen wir zur Erde. Da fanden wir Wür- mer, Schnecken, Käfer und allerlei anderes Krabbelzeug. Plötzlich kamen ein paar Jungs angelaufen.— Na, Spatz, du kennst diese Sorte!— Als sie uns gewahr wurden, schrien sie wie toll:„Ein Klaas, ein Klaas!"— Wir versuchten aufzufliegen, aber die Angst ließ uns nicht hochkommen. Ich flog gegen eine Mauer, taumelle und stürzte, und schon hatten mich derbe Hände gepackt.— Ich war gefangen. O wie schrie die Bande!— Den Jochen hatten sie auch. Ein Bengel lief mit ihm fort. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Mich brachten sie in ein großes Haus hinein, wo ein Unmenge schlechte Lust, Lärm und Kinder drin waren. War das ein Skandal. als lie mich dort losließen. Ueber die Tische gintz die Bande. Ich wollte aus dem Fenster, da kriegte ein Knirps mich beim Schwanz. Bogel, tat das weh!— Dann setzte er mich in eine hohe Kiste, in der viel Papier lag. Auch etwas Brot. Aber ich hatte keinen Appetit. Auf einmal wurde es ganz still. Ein Mann war ins Zimmer getreten.„Guten Morgen," sagte er.—„Wir haben einen Klaas," war die Antwort. Der Mensch kam, holte mich heraus und lachte:.,3a, ja. so einen Hab' ich früher auch einmal gehabt!"— Und dann erzählte er den Kindern eine Geschichte von seinem Klaas. Darauf berichtete er von den Dohlen allerlei Zeug. Aber er hatte keine Ahnung davon, wie es oben bei uns im Turm gewesen war. Woher sollte er das auch wissen, er hatte doch nicht mll uns im Neste gesessen. Nach der Schule nahm mich ein Junge mll Hierher. Er sperrte mich in eine Holzkiste eiir. Da hob' ich ihm aber gezeigt, daß ich mir das nicht gefallen lasse. Ich bin doch kein.... Gegen das Gitter habe ich getobt, bis sie mich herausließen. Da sagte der Dater des Jungen:„Wir lassen ihn frei auf dem Hofe. Die Flügel können gestutzt werden." Na, und da haben sie mir einfach die Schwanzfedern abge- schnitten. Und nun kann ich hier spazieren gehen, statt herumzu- fliegen. Weißt du, Spatz, die Menschen sind«ine gefährliche Bande. Sie haben keine Flügel und versuchen auf alle mögliche Weise hoch- zukommen. Und uns, die wir doch zum Fliegen da sind, schneiden sie die Flügel. Und das nennen sie Bernunft! Aber das sag' ich dir, lange bleibe ich nicht mehr hier. Meine Federn wachsen schon. Paß mal auf, nächstens.... Er flüsterte so leise, daß ich nichts mehr verstand. Di« Geschichte wurde mir unheimlich. Ich rief„Klaas". „Jark" war die Antwort. Dann kam er eilfertig, denn er wußte, wenn ich ihn rief, gab es Leckerbissen. Deshalb glaube ich auch noch nicht daran, daß er fortfliegen wird. Er wird renommiert haben. Andere tun es auch. Amelsen als Aeinde des Menschen. Die Ameise genießt einen sehr guten Ruf nicht nur wegen der vielen sozialen Tugenden, die man ihr zuschreibt, sondern auch wegen ihrer angeblichen Harm- losigkeit. Dabei übersieht man. daß es Ameisenarten gibt, die zu höchst gefährlichen Feinden des Menschen werden können. In der Leipziger.Illustrierten Zeitung" wird auf solche Schädigungen durch Ameisen hingewiesen. So verursachen z. B. die Treiberameijen in Afrika und Amerika großen Schaden, wenn sie auf ihren Wände- rungen in menschlich« Behausungen eindringe««. Rahen sie heran, so muß der Mensch flüchten mit allem, was er retten will,«venu er nicht bei lebendigem Leibe zerfressen werden will. Es gibt auch ein- heimische Arten, wie die Gebirgsbewohnenerin M�rwice rubida, deren Biß höcbst schmerzhaft ist: sie sticht so heftig wie eine Wespe. Die unangenehmsten Stecher aber unter den Ameisen sind in den Tropen. Der Reisende Schomburg erzählt, wie er von einer Ameise der amerikanischen Art Paroponors. clacata in den Daumen ge- stachen wurde und im ganz« Körper brennende und schneidende Schmerzen empfand. In den Baumwollfeldern von Texas lebt eine Art, bei deren Stich der Mensch ohnmächtig hinfällt. Das Ameisen- gift, das diese Tier« in den Körper bringen, sst ein Eiweihstoff, dessen Bestandteile man noch nicht kennt, der aber jedenfalls mit der be- kannten Ameisensäure nichts zu tun hat. In jüngster Zeit hat man auch bei uns beobachtet, daß Hausameisen gelegentlich, besonders in Krankenhäusern, in solchen Massen aufgetreten sind, daß sie zu einer schrveren hygienischen Gefahr wurden. In Indien werden auch Pest- bazillen von ihnen übertragen, indem sie pestkranke Ratten anfraßen. Bei uns fällt die weitverbreitete Rasenameise über Fette, Zucker und andere Nahrungsmittel her. Die ursprünglich aus Indien«inge- schleppte Pharaoameise, ein kleines bernsteinfarbenes Tier, siedelt sich in Häusern an, in deren Mauern sie ihre Nester legt, und es sind schon Häufer durch das massenhafte Austreten dieser Tiere unbe- wohnbar geworden. Preiswerte Herren- Bekleidung Herren- Artikel Herren- Oberhemd farbig mit 1 Kragen.. Herren- Schillerhemd aus Zephir.. Panama- Schillerhemd weiss, vorzügliche Qualität........ Herren- Nachthemd mit farbigem Besatz Selbstbinder 90 in schönen Mustern reine Pf. Scide Mengenabgabe vorbehalten 550 Herren- Anzüge 90 aus soliden Stoffen, in guter Verarbeitung 86800 54 90 90 90 4.9° 175 Sportanzüge vierteilig, mit Breeches und langer Hose Herren- Sportkragen 35 70°° 56°° weiss Herren- Hüte in grosser Farbenauswahl. 3.90 Herrer- Haarbut mod. 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Das Reich verfüge über genug Reserven, um den Ländern durch ein Eingehen auf ihren Kompromißvorschlag die Notwendigkeit einer stärteren Anspannung Der Realsteuern zu ersparen. Die Folge einer solchen Anspannung würde eine neue Preistreiberei und würden neue Lohn- und Gehaltserhöhungen sein.( Beifall links.) Abg. Junte( Soz.) erklärt, seine Freunde wären Gegner des für später angekündigten Zuschlagsrechts der Länder und Gemeinden. Wenn jetzt das Zuschlagsrecht noch in der Vorlage fehlt, so sei das bei den Regierungsparteien der Mangel an Mut, das auszusprechen, was sie wollen. Inzwischen haben fast alle Abgeordnete den Saal verlassen. Es find nur noch Abgeordnete der Sozialdemokraten anwesend. Abg. Ludwig( Soz.) beantragt, die Sigung nach dem Tier garten zu verlegen, wo die Rechtsparteien sigen, die die Geseze inachen. Vizepräsident Bell rügt diese Ausdrucksweise.( Buruf bei den Soz.: Es ist aber so!) Abg. Ludwig( Soz.) wiederholt seinen Antrag auf Ber. tagung. Bizepräsident Bell setzt die Abstimmung über diesen Antrag auf cinige Minuten aus. Als durch die Alarmvorrichtungen des Hauses eine erhebliche Zahl Abgeordneter der Rechten in den Saal gerufen sind, wird der Bertagungsantrag gegen Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Abg. Dr. Rosenberg( Komm.) Die Länder sind der überflüssigste Lurus, den der deutsche Staat sich leisten fann. Welcher Staat fönnte sich nach einem verlorenen Kriege 19 nebeneinanderbestehende Regierungen leisten, die sich nur durch gegenseitiges Attenzuschicken beschäftigen können. Die lächerliche Kleinstaaterei müsse verschwinden. Den gegenwärtigen Finanzausgleich müßten die Kommunisten ablehnen. Abg. Koch- Weser( Dem.) betont, interessant sei, daß die Rechtsparteien heute geschloffen für die Erzbergeriche Steuerreform eintreten. Der ganze Streit gehe nur darum, wie die Erzbergersche Steuerreform zu handhaben sei. Sie folle jetzt in einem bureaukratischen Sinne gehandhabt werden, der unerträglich sei. Es wird faum einen Finanzminister der Länder geben, der so fahrlässig mit den Branntwein. steuern umgegangen wäre, wie das Reich.( Sehr richtig, lints. uruf des Abg. Hoch( Soz.): Nur aus Liebe zu den Großagrariern!) Der Reichsfinanzminiffer hat es nicht für notwendig gehalten, auf Reden von Vertretern dreier großer deutscher Länder zu antworten. So fann man auf die Dauer ein großes Bolf nicht regieren.( Sehr qut, links.) Solange wir feine Regierungserklärung zu den Aus. führungen der Länder erhalten, werden wir gegen die Bor Iage stimmen.( Lebhafter Beifall links.) Abg. v. Graefe( Völk.) Das Stillschweigen der Regierungsparteien auch in dieser wichtigen Frage ist überaus bedauerlich. Die Zeitungen hätten leider auch diesmal recht. wenn sie den Rechtsparteien nicht erfüllung von Wahlversprechungen vorwerfen. Das Kompromiß, wie es jetzt vorliegt, müßten die Böllischen a b= Iehnen, und sie würden darüber namentliche Abstimmung beantragen. In der Einzelberatung begründet Abg. Silberschmidt( S03.) Jozialdemokratische Anträge zur Mietzinssteuer. Er erinnert daran, daß die sozialdemokratische Fraktion im Ausschuß die Regierung angefragt hat, welche Einwirkung die Erhöhung der Hauszinssteuer auf 30 Proz. auf die Löhne in der Privatwirtschaft und in den öffentlichen Unternehmungen, auf die Rentenbezieher, auf die Währung, auf die Preisentwidlung und die gesamte Handelspolitik haben würde. Die Antwort der Regierung läßt jede Klarheit vermissen. Sie hat zugegeben, daß die Erhöhung der Hauszinssteuer nicht ohne Einwirkung auf die Verhältnisse der Lohn- und Gehalts. empfänger ſein würde. Große Gruppen der Arbeiter und Ange. stellten würden nicht in der Lage sein, die neue Last auf fich zu nehmen. Es sei Aufgabe der Gesamtwirtschaft, dieser Tatsache Rechnung zu tragen, aber es sei ebenso eine günstige Ein mirkung auf das Wirtschaftsleben zu erwarten durch die Erweiterung des Wohnungsbaues infolge der Erhöhung der Hauszinssteuer. Diese Antwort ist so nichtssagend, daß durch fie feine Beruhigung bei den Millionen Mietern herbeigeführt werden kann. Die gesteigerten Aus gaben müssen durch Lohnerhöhungen ausgeglichen werden. Was wird aber den Arbeitern geantwortet, wenn sie eine Lohnerhöhung verlangen? Die Unternehmer sagen, daß sie feine höheren Löhne zahlen können, weil sie sonst tonturrenzunfähig sein würden. Es wird schwerer Kämpfe bedürfen, ehe einigermaßen ein Ausgleich bie anderen Kreise der Bevölkerung tun, die sich nicht in derselben erzielt werden wird.( Sehr wahr bei den Sos.) Was aber werden Weise zur Wehr jezen können? Was wird mit den alten Leuten geschehen, denen die Ersparnisse für ihr Alter weggenommen worden find mit dem hilflos gewordenen Mittelstand, mit allen Schichten, die einen schweren Kampf um ihre Existenz führen müssen? Die Folge wird neue Not sein, eine neue Steigerung der Unkultur. Empörend wirkt es, daß gerade diese Kreise zu den Lasten der Gemeinden herangezogen werden, während die Landwirtschaft auch in Zukunft davon freibleiben soll. Die Sozialdemokratie beantragt, daß die Länder und die Gemeinden im Zusammenhang mit der Regelung des Mietwesens von allen Gebäuden und Gebäudeteilen mindestens in Höhe von 20 Broz. der Friedens miete eine Steuer erheben. Das Aufkommen der Steuer ist zur Förderung des Wohnungsneubaus und zur Erhaltung des alten Wohnraums zu verwenden. Bis zu 10 Broz. des Steueraufkommens find zu Mietbeihilfen für leistungsschwache und zahlungsunfähige Mieter zu verwenden.( Lebhafter Beifall bei den Goz.) Ab 1. April Ab 1. April volle Friedensmiete der Finanzausgleich. Finanzbedürfnisse der Länder verwandt werden muß.| Anteile der Länder am Ertrage von Reichssteuern ergeben haben, Zur Förderung der Bautätigkeit müßten aber mindestens 20 Proz. der Friedensmiete aufgewandt werden. Abg. Frau Schroeder( S03.) setzt sich für einen sozialdemo fratischen Antrag ein, der im Rahmen des Finanzausgleichs feftfehen will, daß die Wochenhilfe wieder vom Reiche übernommen wird. Abg. Tremmel( 3tr.) begründet hierzu den Alenderungsantrag der Regierungsparteien, nach dem das Wort mindestens" zu streichen und den besonderen Verhältnissen kinderreicher Familien Rechnung zu tragen ist. Abg. Seiffert( Bölt.) lehnt die Hauszinssteuer ab. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Neubauer( Romm.) wendet sich Abg. Frau Dr. Bäumer( Dem.) gegen den sozialdemokratischen Antrag, demokratischen Antrag, wonach die Leistungen der Wochenfürsorge wieder vom Reich übernommen werden sollen. Diese Frage müsse vielmehr durch ein besonderes Gesetz geregelt werden, in dem im Sinne des sozialdemokratischen Antrages das Reich wieder zum Träger der Wochenfürsorge gemacht wird. Abg. Lipinski( S03.) weist Angriffe des Abg. Tremmel gegen die sozialdemokratische Fraktion zurüd. Abg. Luce( Wirtsch. Ver.) bekämpft die Hauszinssteuer. Abg. Frau Schröder( Soz.) tritt den Ausführungen der Abg. Frau Dr. Bäumer entgegen und empfiehlt nochmals den sozialdemokratischen Antrag zur Wochenfürsorge. Abg. Keil( Soz.): Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion habe ich zu erflären, daß ihr Verhalten bei der Abstimmung über die§§ 1 bis 3a als Stimmenthaltung zu betrachten ist. Die Fraktion hat in dem parlamentarischen Eilbetrieb dieser Tage nicht die Möglighteit gehabt, zu den wechselnden Situationen, die sich aus den fortdauernden Verhandlungen hinter den Kulissen über die abschließend Stellung zu nehmen. Sie behält sich ihre endgültige Entschließung bis zur dritten Lesung vor." Nunmehr werden die Abstimmungen vorgenommen. Zum Finanzausgleich wird der Kompromißantrag Graf Westarp und Genossen( Regierungsparteien) betr. Garantierung von 2100 Millionen auf zwei Jahre für Länder und Gemeinden aus Einkommen, Körperschafts- und Umsatzsteuer angenommen. Alle übrigen Anträge werden abgelehnt, es bleibt bei den Ausschußbeschlüssen. Zur Hauszinssteuer liegen insgesamt 48 Abänderungsanträge vor. Angenommen wird davon nur der Antrag Trem= mel( 3.), wonach die Miete am 1. April 1926 100 Proz. der Friedensmiete befragen muß( das Wort mindestens" vor ,, hundert Brozent" ist also gestrichen) und ein rein redaktioneller Antrag der Bölkischen. Alle übrigen Anträge werden abgelehnt, darunter auch in namentlicher Abstimmung mit 246 gegen 145 Stimmen ein fozialdemokratischer Antrag betr. Aenderung des Reichsmietengefeges, wonach u. a. der dem Hausbefizer nach Abzug der Steuern verbleibende Betrag bis 31. Dezember 1927 55 Proz. der Friedensmiete nicht überschreiten darf. Auch Art. III wird nach den Ausschußbeschlüssen angenommen. Damit ist die zweite Lesung aller Steuergesetze beendet. Um 94 Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag 3 Uhr nachmittags. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellationen wegen der aus Polen ausgewiesenen deutschen Optanten. Für den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Eichhorn tritt der Redakteur Karl Tiedt, Berlin- Pantow( Kommunistische Partei) in den Reichstag ein. Deflation der Wirtschaft und die Banken Die dritte der seit Jahresbeginn wieder aufgenommenen Kreditstatisten der Reichsbant, die unter dem Namen der 3 wetmonatsbilanzen der Banken befannt sind, bringt in der Erfassung der Banten, über die berichtet wird, wieder einige Veränderungen. Es wäre doch erwünscht, daß die Vergleichbarkeit der Ergebnisse durch größere Gleichmäßigkeit der erfaßten Banten hergestellt wird. Die Junistatistik ist nun besonders interessant durch die Rückschlüsse, die das nicht allzu auffällig veränderte Zahlenwert auf die Bankpolitit in der letzten Zeit zuläßt. Das Schicksal des Stinnes- Konzerns, das in der Wende der Berichtsmonate Mai- Juni abzurollen begann und den Banten offenbar einen tiefen Schrecken über die Unsolidität der überorganisierten Konzerne eingejagt hat, wurde für die Kreditpolitit der Banken zum Stichwort, die Defiation der Wirtschaft" nicht dieser allein zu überlassen, sondern sie durch die eigene Kreditpolitik nachdrücklich zu fördern. Es ist vielleicht noch in frischer Erinnerung, mit welcher Schärfe die Deutsche Bant in ihrem Wirtschaftsbericht vom Ende Juni von den Inflationstonzernen' abrückte und den Abbau der industriellen lieberorganisation als erwünscht hinstellte. Die Entwicklung der Industrieverhältnisse im Die Entwicklung der Industrieverhältnisse im rheinisch- westfälischen Montangebiet dürfte mit auf diese veränderte Stellung der Banken zu den Kreditwünschen der schweren In dustrien zurückzuführen sein. Im Wirtschaftsbericht der Commerzund Privatbanf zum 1. Auguft wird betont, es sei ein schwerer Irrtum, anzunehmen, daß die Umstellungen und Betriebsverbesserungen, deren die deutsche Wirtschaft zur Wiederherstellung ihrer Konkurrenzfähigkeit bedarf, schon zu Ende geführt wären. Der letzte Wirtschaftsbericht der Dresdner Bant fordert eine Zurückschraubung der Kreditansprüche zugunsten gründlichster Umstellung der Betriebe und führt die Ronkurrenzunfähigkeit der Industrie direkt auf die mangelhafte Organisation der Produktion zurück. Insbesondere sei die niedrige Kauftraft der Massen ein einstes Hemmnis der Spartätigkeit und verschärfe mit der Absatzfrise auch die Kapitalfrise. In dem letzten Wirtschaftsbericht des enger mit der Fertigindustrie und dem Großhandel verbundenen Berliner Banthauses Bett- Simon u. Co., dessen Wirtschaftsberichte durch ihre forgfältige volkswirtschaftliche Durch arbeitung über den Durchschnitt der Wirtschaftsberichte der Banken herausragen, erscheint die Forderung der Deflation zum Programm erhoben. Gegen unproduktive Kredite! Diese Veränderung in der Politik der Kreditbanken muß man berücksichtigen, wenn man die eingetretenen Veränderungen im Bahlenbilde der Zweimonatsbilanzen volkswirtschaftlich auswerten will. Leider werden die Verschiebungen in der Kundschaft aus ihnen nicht erkennbar. Sie dürften auch bei der Entwicklung des Wechsel portefeuilles eine Rolle gespielt haben. Die Wechselbestände der Berliner Großbanken vermehrten sich im Mai- Juni um nur angewachsen waren. Dabei ist anzunehmen, daß das Wechselgeschäft 85 mill. Mart, während sie im April Mai um 127 Millionen noch forciert wurde durch das Streben nach Diskontgewinnen und nach einer möglichst starten Flüssigkeit, das die Kassenbestände und Bankguthaben bei den Großbanten auf 776 Millionen Ende Juni gegenüber 752 Millionen Ende April hat steigen lassen, während Lombards und Warenvorschüsse von 485 auf 472 Millionen gefenft wurden. Wenn nun der Reichsbankpräsident Dr. Schacht im 3en tralausschuß der Reichsbank fürzlich feststellen konnte, daß auch die irtschaft der strengen Rationierung der Kredite immer mehr zustimme, so ist das in erster Linie der Ausdruck der veränderten Kreditpolitit der Banken selbst, die sich von der fehlerhaften Politik der fünftlichen Sättigung der Industrie mit unproduktiven Krediten endlich abwendet. Es wäre nur zu wünschen, daß diese Abkehr auch der Landwirtschaft gegenüber mit Nachdruck erfolgte. Das ist aller dings weniger Sache der privaten Kreditbanken, als der Glaats behörden, der öffentlichen und der Landschaftsbanten. Allerdings scheint es fraglich, ob die Politik der Kreditdeflation Nach einem meiteren Antrag soll die Miete höchstens von den Banten entschieden genug und in der gebotenen Richtung 100 Proz. der Friedens miete betragen dürfen, während durchgeführt wird. Bedeutet doch jede Kreditdeflation zunächst eine sie nach der Ausschußvorlage vom 1. April 1926 ab mindestens Einengung des heute hoch rentablen Distont 100 Broz. betragen soll. Ein neuer Antrag der Regierungsgeschäfts und verschärft sie doch die Konkurrenz der Banken parteien will in der Bestimmung das Wort mindestens ftreichen. Abg. Dr. Gülz( Dem.) bezeichnet die Hauszinssteuer als eine Motsteuer, die jetzt noch nicht entbehrlich sei, aber es müßte im Gefeß der Zeitpunkt bestimmt werden, an dem die Hauszinssteuer aufge hoben werden muß. Abg. Lipinski( S03.) verlangt, daß mindestens 20 Broz. der Friedensmiete zur Förderung der Bautätigkeit verwandt werden. Abg. Schneider( Dem) hält es angesichts der Notlage der Länder für unvermeidlich, daß für eine gewisse Zeit ein Fünftel des Aufkommens der Hauszinssteuer auch für die allgemeinen um die risikoloseren Geschäfte. Jedenfalls stinnte es bedent. lich, daß auch aus den solidesten Kreisen der Fertigindustrie und des Handels, um deren Rentabilität es durchaus günstig, um deren Bahlungsflüssigkeit es aber um so schlechter steht, die Klagen über Distoniverweigerungen und Kreditkürzungen eher zu- als abnehmen. Die steigende Tendenz der 3inssäge läßt ebenfalls darauf schließen, daß das Gewinninteresse der Banten die entschlossene Durchführung der Kreditdeflation, die nicht ohne gleich) zeitigen Abbau der eigenen Ueberorganisation möglich ist, noch beeinträchtigt. Die Tatsache ist sehr beachtenswert, daß trok steigender Umfäße der Fertigindustrie, die an sich deren Zahlungsflüffigkeit verbessern müßte, wenn ihre Wechsel ausreichend diskontiert würden, die Zahlungsziele sich in den letzten Monaten verdoppelt und verdreifacht haben und 3insen von 12-15 Broz. jährlich berechnet funktion, der Umschlagsfinanzierung, noch lange nicht werden. Das läßt darauf schließen, daß die Banten ihrer Hauptin dem erforderlichen Maße nachkommen und der Wechselbevor schuffung noch absolut nicht in der von der Konjunktur gebotenen Richtung genügen. Die Loslösung fehlgeleiteter Kredite und ihre Ueberleitung in gefündere Anlagen scheint demnach erst im Uebergangsstadium fich zu befinden. Bon hier aus fällt auch ein besonderes Licht auf die Entwicklung der Kreditoren bei den Privatbanten. Diese sind nämlich bei den 6 Großbanten Ende Juni nur um 184 gegen 372 Millionen Ende April vermehrt. Bei den 84 Kreditbanken zusammen nur um 200 gegen 406 millionen. Nun find bis Ende Juni wieder ziemlich erhebliche Auslandskredite ins Land gekommen. Die sonstigen Kreditoren" find Ende Juni gegen Ende April um 70 Broz. gestiegen. Die Bermehrung hat sich auch hier verlangsamt. In dieser geringen Vermehrung der Depositen aus dem Inland dürfte ein Beweis dafür liegen, daß die insbesondere von den Großbanten vernachlässigte Fertigindustrie und der Handel start zur Selbst finanzierung übergegangen sind. Ein durchaus ungefunder, an Inflationsmethoden erinnernder Zustand, der zwar die geringe Bermehrung der Depositen weniger bedenklich erscheinen läßt, aber doch dartut, wie wenig die Banken der Erfüllung ihrer normalen Funktionen schon gewachsen sind. So gewinnt man den Eindruck, daß die Banten die Deflation der Wirtfchaft zwar zu fördern unternommen haben, daß sie aber noch weit davon entfernt sind, die Sanierung der deutschen Wirtschaft durch eine überlegene Leitung der Kreditpolitif auch zum Erfolge zu führen. Auslandskredite und Kapitalbildung. Erfreulich ist eine andere Wirkung der neuen Bankpolitik. Das Versagen von Krediten zur Durchhaltung von Auslandskrediten und Don Aftienpaketen, wodurch beträchtliche Betriebsmittel in unrationeller Weise gebunden blieben, hat der so ruinösen Fehl Leistung sowohl der furz- als der langfristigen Auslandskredite ein Ende gemacht. Man wird in der Zukunft erwarten dürfen, daß nicht nur bedeutend weniger furzfristige und mehr langfristige Auslandsfredite aufgenommen werden, sondern daß die kurzfristigen auch nur zu Umschlagszwecken und die langfristigen als echtes Ga nierungs= und Umstellungsfapital Berwendung finden. Damit darf man hoffen, daß auch viele Inlandskredite, die zur Durchhaltung der fehlgeleiteten Auslandskredite verwendet wurden, ihrer eigentlichen Bestimmung wieder zugeführt werden der Stinnes- Liquidation, bei der Aftienpafete veräußert werden, fönnen. Darin liegt auch die tiefere voltswirtschaftliche Bedeutung um feftgefrorene Lauftredite wieder flottzumachen und sie zwedmäßigerer Verwendung zuzuführen. der Kapitalneubildung gewähren, erscheint düsterer, als die tatsäch Das Bild, das die Junibilanzen der Banken von dem Prozeß lichen Verhältnisse rechtfertigen. Wie außerordentlich geringfügig die Kapitalbildung bei den kreditbanken selbst ist, zeigt fo recht erst ein Vergleich mit dem Jahre 1913. Während im Jahre 1913 bei den Großbanken 419. Millionen, bei den Kreditbanken zusammen 1241 Millionen mit mehr als dreimonatiger Fälligkeit ihrer Verwendung als Kapitalanlage harrten, find die entsprechenden Zahlen Ende Juni 1925, am Schluß des 3. Stabilisierungshalbjahres nur 23 bzw. 45 Millionen. Das sind gegenüber 1913 nur 5,4 bzw. gar nur 3,6 Proz. Ein etwas günstigeres Verhältnis, 14 bzw. 20 Broz, ergibt sich für die fonftigen Kreditoren. Dieses Verhältnis spricht Bände für die Wirtschaftsverwüstung, die während der Inflation durch die Substanzbereicherung der Sachwerttönige und durch die Wohlstandszerstörung bei den Rentnern und den arbeitenden Maffen angerichtet worden ist. Aber es erscheint doch viel ungünstiger, als es tatsächlich ist. Einmal erfolgt wohl in allen Industrien, gerade weil der Kapitalmartt desorganifiert ist, eine sehr starte kapitalbildung über Betrieb: das auf dem inländischen Kapitalmartt vorläufig überhaupt nicht und vom Ausland noch völlig unzulänglich erreichbare Sanierungsund Umstellungskapital wird durch Preisüberspannung aus dem Warenumschlag genommen und direkt im Betrieb verwertet, ohne die Banken zu berühren. Sodann zwingt die bisherige Fehlleitung der Kredite in Industrie und Landwirtschaft, die die Betriebsmittelnot ganz besonders verschärft hat, entweder zum Verzicht auf die Dividende, oder zur Stundung der Dividendenzahlung durch die Attionäre. lind endlich wird die Kapitalbildung selbst entscheidend gehemmt durch die Einrechnung von Gewinnansprüchen in den Warenpreis, die in Widerspruch stehen mit dem niedrigen Kursstand der Attien und mit der künstlichen Erhöhung des Preisniveaus die Warenumfäße droffeln müssen, Seehandlung, Staatsbanken und Girozentralen. Für die Bilanz der Seehandlung ist charakteristisch, daß frog der Erhöhung der Einlagenbestände um 196 Millionen, das ist noch 12 Millionen mehr als die Erhöhung aller Kreditoren bei den Großbanten und 9 Millionen mehr gegenüber der Erhöhung Ende April, die Wechselbevorschussung von 244 auf nur 246 Millionen gestiegen und Raise und Bantguthaben von 53 auf 34 Millionen gefunten find. Dafür sind die Buchkredite von 250 auf 392 Millionen und die Lombardkredite von 59 auf 127 Millionen(!) erhöht. Es scheint, daß die auffällige außerordentlich starte Erhöhung der Lombardkredite um 68 Millionen( der bei den Berliner Großbanken nur eine Erhöhung des Lombardgeschäfts um ganze 2 Millionen, bei sämtlichen Kreditbanken sogar eine Sentung um 2 Millionen gegenübersteht) auf den Rüdlombard zurüdzuführen ist, den die Seehandlung auf Veranlassung der Reichsbant dem Stinnesschen Stüßungsfonsortium gewährt hat. Die Deffentlichkeit wird darauf zu achten haben, ob die inzwischen erfolgten Verkäufe von Aktienpaketen des Stinnes- Konzerns zur Zurückzahlung der Lombardkredite bei der Seehandlung geführt haben. Die Berschlechterung der Liquidität bei der Seehand lung, im ganzen von 59,8 auf 51,6 Proz., bei den flüssigen Mitteln jogar von 48,7 auf 34,7, also um volle 14 Proz., ist außerordentlich bedenklich. Es fönnte im öffentlichen Interesse teinesfalls geduldet werden, daß die Etügungsbanken durch einfache Abwälzung des Liquiditätsrisikos auf die preußische Staatsbant sich selbst flüssig erhalten, die Zahlungsflüssigkeit der Seehandlung, damit der Staatsverwaltungen und öffentlichen Betriebe aber gefährden. Diese Gefährdung ist um so eher zu erwarten, als die Reichs- und Landesfinanzen in den beiden letzten Monaten mit Einnahmedefiziten geschlossen haben. Auch bei den Staats- und Landesbanken und bei den Girozentralen zeigt sich gegenüber Ende April trop beträchtlicher Steigerung der Einlagen eine erhebliche Berschlechterung der Liquidität. Da es selbstverständlich ist, daß die Deflation in der Wirtschaft die heutige Krisis der Wirtschaft furz über lang auch auf die Banken übertragen muß, mögen sich die Staatsbanken und Girozentralen vorsehen, daß die kommende Reinigungstrise der privaten Kreditbanken nicht auf ihrem Rücken erfolgen wird. K ― r. Die Konstituierung der Rentenbankkreditanstalt. Die Rentenbant hielt Mittwoch im Plenarjaal des Reichsmirtschaftsrats ihre Generalversammlung ab und am Anschluß daran fand die tonstituierende Sigung der Rentenbant. kreditanstalt statt. Die Bilanz der Rentenbank, welche der Bersammlung vorgelegt wurde, ergab einen Reingewinn von 181 Millionen. Ein Mitglied der Verwaltung nahm bei dieser Gelegen heit zu der Zinshöhe Stellung. Es sei bemängelt worden, daß von den 10 Proz. Zinsen, die die Rentenbant hereinbekäme, 3 Broz. ihr und 7 Proz. der Reichsbank zuflössen. Dabei sei zu berücksichtigen, daß die Verteilung dieser Kredite mit Hilfe der Organisation der Reichsbank und der Notenbank vorgenommen werde und daß seit dem Liquidierungsgesetz die Beträge, die der Reichsbank zufallen, gestundet werden. Präsident Lenze nahm dann ausführlich zu dem Renten= banffreditgesey Stellung. Er führte aus, daß sich die Kreise der Rentenbant dieses Gesez anders gedacht hätten als es jetzt zur Tat geworden sei. Das Hauptprinzip, daß es eine Anstalt derjenigen werde, welche die Mittel für die Bank aufzubringen haben, sei verlegt worden. Das jei besonders ersichtlich in der Regelung der Verwaltung. Wenn nicht die Kreditnot der Landwirtschaft so groß wäre, würde die Rentenbankverwaltung den Vorschlag machen, das beschlossene Gesetz nicht in die Tatumzusetzen, denn bekanntlich hänge es von der Rentenbant ab, ob dieses der neu durch Gesez ins Leben gerufenen Rentenbank- Kreditanstalt die Mittel bewilligen wolle. Freiherr von Loe beklagte fich darüber, daß bei Bejegung der Berwaltungsratsstellen der Westen unberücksichtigt geblieben sei. Wenn man wolle, fönne man das agitatorisch nach der Richtung hin ausschlachten, als ob der im Often be= heimatete Großgrundbesig im Einfluß das Uebergewicht habe über die Kleinbauern und den mittleren landwirtschaftlichen Besit. Einstimmig beschlossen wurde eine Resolution, die sich besonders dagegen richtet, daß die Landwirtschaft im Berwaltungsrat der neuen Kreditbant nicht genügend vertreten sei. Aus dem Bermögen der Gesellschaft wurden 150 Millionen Mark der neuen Rentenbank- Kreditanstalt überwiesen und ferner tommen dazu jährlich bis zu 25 Millionen, die aus den eingehenden Zinsen der Grundschulden überwiesen werden sollen. Die neue RentenbantKreditanstalt wird sich in der Hauptsache damit befassen, für die Landwirtschaft, die bekanntlich die von der Rentenbant gewährten Kredite innerhalb drei Jahren abdecken soll, dazu aber aus eigener Straft nicht in der Lage ist, ausländische Kredite in erster Linie aus Amerika hereinzuholen. Sie steht deswegen in aussichtsreichen Berhandlungen. Die Organisation der neuen Bant haut sich in folgender Weise auf: die Landwirtschaft hat von der Rentenbank bekanntlich einen Kredit von 870 Millionen erhalten. Dieser muß in drei Raten von jährlich 290 Millionen Marf getilgt werden. Es laufen noch 770 Millionen Mart Kredite. 190 Millionen Mart der ersten Jahresrate find am 1. Dezember fällig. Da die Rentenbank teine neuen Geschäfte machen darf, find die 100 Millionen und die Zinsen der Treuhand stelle überwiesen. Im ganzen hat die Treuhandftelle 130 Millionen. Diese 130 Millionen würden aber nicht zur Gründung der Rentenbant- Kreditanstalt genügen, fie erhält 150 Millionen und außerdem 25 Millionen aus laufenden Zinjen. Die laufenden Zinsen betragen im ganzen 100 Millionen Mart, davon werden die ersten 60 Millionen zur Tilgung der RentenmartScheine verwandt. 25 Millionen behält die Rentenbank- Kreditanstalt und die restlichen 15 Millionen Mart finden wieder Verwendung zur Tilgung der Rentenmartscheine. Theater, Lichtspiele usw. Metropol Theat. 8 Uhr: Tausend süße Beinchen Dir. Dr.M.Zickel Thalia- Th. Schiller- Theat. Lessing- Th. Hete 8 Dhr: 153 mal Operettenspielzeit Täglich 8 Uhr: 8 Uhr Die nene Revue Unwiderrufl. letzt Monal Die gr. Schlageroperette USCHI Annemarie Regenbogen. Jean Gilbert Rex, Loni PyrBois, Herrnfeld, emont, Gertrade Berliner Operette von Jean Serak, Sikla, UnterGilbert u. Robert kircher, Ury, Sister, Th. in d. KomGilbert mit Dora Leffler Nymgau Spira- Baselt Bitter LosAndaluses Heidemann Die- Kleines Th. gelmann- Hiller Kuthan- Ledebour SCALA 8 Uhr Internat. Varieté Residenz- Th. 8 Uhr: Die Koblanks Vorzeig. d. Annonce zahlen nur halbe Kassenpreise von 50 Pf. an Berliner Theater 7.45 Uhr: Täglich 8 Uhr: Die schöne mandantenstr. Tägl. 8 Uhr Der Vetter a.Dingsda mit Job. Müller a. G. Hedwig Waedrter- Hotthoff, Fritz Beckmann Volkstümliche Preise' Melusine Rose- Theater Komödie v. Lothar 8% U.: Die verlagte Macht Anni Mewes, Scherk Gartenbühne: 5 Uhr: Bunter Teil Maaß, Sanden Schröder- Schrom 74: Der Soldat der Marie Verbandstag der Gemeindearbeiter. Frankfurt a. M., 3. Auguft. Der Verbandsvorsitzende Friz Müntner eröffnete den Ver bandstag und begrüßte zunächst die zahlreich erschienenen in- und ausländischen Gäste. Bei der Konstituierung des Verbandtags wer den Müntner( Berlin) und Schneider( Frankfurt a. M.) zu Borfizenden gewählt. Den Geschäftsbericht erstattet Müntner. Er bezieht fich auf den gedruckten Bericht, aus dem hervorgeht, daß Ende 1924 187546 Mitglieder vorhanden waren, und zwar 159 246 männliche und 28 300 weibliche Mitglieder; im 1. Quartal 1925 hat sich der Bestand auf 195 000 Mitglieder erhöht. Die Arbeitslosenziffern sind im Vergleich zu den Vorjahren im Jahre 1924 erträglich zu nennen. Lohnbewegungen wurden im Jahre 1924 484 in 1437 Orten, 7327 Betrieben mit insgesamt 327 094 Beschäftigten geführt. In 29 Fällen erfolgten Arbeitseinstellungen, an denen 12 840 männliche und 1365 weibliche, insgesamt 14 205 Beschäftigte in 342 Betrieben und 55 Orten beteiligt waren. Nach den Erläuterungen des gedruckten Berichts äußert sich der Redner auch zur Frage der Errichtung von Induftrieverbänden. Er befennt sich zu dem Vorschlage des Bundesvorstandes. Mit dem Verbande der Eisenbahner soll ein Kartellverhältnis ge schaffen werden, das der Zustimmung des Verbandstages bedarf. Das Kartellverhältnis soll auch auf den Verkehrsbund ausgedehnt werden. Es wird ein geeigneter Weg sein, um der Frage der Industrieverbände näher zu fommen. Zum Schluß erkennt er dankend an, was die Internationale für die Bewegung getan hat. Diese Unterftügung ist doppelt abgegolten bei den jetzigen Kämpfen in Dänemart.( Bravo!) Die eigene Berbandstaffe ist aber wieder so gefestigt, daß auch ernsteren Zeiten ruhig entgegengesehen werden kann. Die Kritit bittet er sachlich zu üben; die Delegierten sollten nicht vergessen, daß sie Kollegen sind.( Lebhafter Beifall.) Im Anschluß an einige geschäftliche Mitteilungen bringt der Borsitzende die überraschende Nachricht, daß ein vom Borstande im Jahre 1923 ausgestellter Schuldschein über ein Darlehen von 200 englischen Pfunden von der englischen Bundesorganisation zurüdgegeben worden ist, so daß der Betrag nicht zurückgezahlt zu werden braucht.( Bravo!) Ueber das Kaffen- und Finanzwesen berichtet der Haupttaffierer Ruppert. Die Einnahmen betrugen 3 736 407 m., die Ausgaben 2 597 159 m. Es ist somit eine Mehrfällt der größte Teil auf die Unterstügungen mit insgesamt 470 463 m. einnahme von 1139 248 m. zu verzeichnen. Unter den Ausgaben Ihr folgen in weitem Abstande die Ausgaben für Agitation und Lohnbewegungen mit 340 000 M. Für„ Die Gewerkschaft" wurden im abgelaufenen Jahre 193 800 M. aufgewendet. Den Bericht über die " die Verbandspresse gab Redakteur Dittmer. Die Gewerkschaft" und die BeamtenGewerkschaft" erschienen regelmäßig wöchentlich achtſeitig, die ,, Sanitätswarte" 14tägig mit acht Seiten. Am 21. September 1924 wurde die Gewerkschaft" zu einer besonderen Friedensnummer ausgestaltet. Eine Woche darauf konnten wir eine besondere Werbenummer der Gemeindearbeiter in einer Auflage von 220 000 Eremplaren erscheinen lassen. In Verbindung mit den Agitationsreferaten hat diese Werbewoche, wie sich aus den örtlichen und bezirklichen Berichten unferer ,, Gewerkschaft" ersehen läßt, sehr gut gewirkt. Ebenso wurde Anfang November eine Werbewoche für die Staatsarbeiter mit gutem Erfolg durchgesetzt, die Gewerkschaft" Nummer 43 wurde dementsprechend ausgestaltet. Da für die Gewerkschaft" wieder etwas Raum gewonnen werden konnte, wurde dem langgehegten Bunsch aus den Kreisen unserer Kollegen Rechnung getragen, indem eine FrauenRubrit" eingerichtet ist, die in der Hauptsache von der Genossin und früheren Kollegin Klara Bohm- Schuch bearbeitet wird. Die Gewerkschaft" ist gegenwärtig sowohl in der äußeren Form als auch in ihrem inneren Gehalt reichhaltiger denn je geworden, dank der zahlreichen Mitarbeit aus den verschiedensten Kreifen. " " In der Aussprache warnt Polenste( Berlin) vor der Enffommunalisierung der städtischen Betriebe, die nur dazu dient, den Arbeitern ihre Rechte zu schmälern. Für die Arbeiter der Gaswerte wünscht er eine Reichssettion. Den mit einzelnen verwandten Gewerkschaften geplanten Kartellverträgen stimmt er zu. Orlopp( Essen) vermißt in den Berichten die großen Schwie rigkeiten, unter denen die Gemeindearbeiter im belegten Be biet zu leiden haben. Die Schwerindustrie legt ihre Betriebe still, Leute im besten Mannesalter werden abgestoßen, die natürlich in den Gemeinden Beschäftigung suchen. Das eigentliche Rückgrat der Organisation fehlt dort. Hinzu kommt eine Zerrissenheit der Arbeiter schaft wie in feinem anderen Bezirk. Für die Aufrechterhaltung der Organisation erbittet er die Unterstützung des Vorstandes. Sport ( Bonn) schildert die Drangfale der Rheinländer, insbesondere während der Herrschaft der Separatisten. Hinter den glänzenden Jahrtausendfeiern der Rheinlande standen Hunderttausende hungernde Arbeiter. Auch von Arbeitgebern find Arbeiter bei der Besatzungsbehörde denunziert worden. Die Kartellverträge werden von ihm begrüßt. An dem Reichsmanteltarif müsse die Organisation festhalten. Die Verhandlungen wurden dann auf Dienstag vertagt. Wetter für Berlin und Umgebung. Etwas übler, größtenteils betölt mit einzelnen leichten Regenfällen. Für Deutschland. Vielfach leichte Regenfälle; überall etwas Abfühlung. ULAP HEUTE ERNTEFEST! DAS PROGRAMMIST RIESENHAFT! 8 Uhr: BOXKAMPF Erich Brandel- Richard Hartig Charly Häcker- Kurt Sasse 89 SU. Trianon- Th. Theater d. Westens Ueber 130 mal Die Tugendprinzessin Musik v. Kurt Zorlig Kettner, Wenkhaus, Serenyi, Schrader, Lenz, Chandon, du Menil Deutsches Künstler- Theater 8 Uhr Fauteuil 47 Lustspiel Anneliese v. Dessau von Louis Verneuil 8 Uhr: Wiener Blut Hauptdarsteller: Kochhan, Geppert. Küni, Hietel, Lichtenstein, Sachs Rennen zu Grunewald Donnerstag, 6. August nachmittags 3 Uhr EINTRITT NUR 60 PFG. Entdeckung des NORDPOLS in Groß- Berlin Restaurant Alexanderstraße 46-48 Ecke Neue Königstraße. Berlins neueste Sensation! Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: × 400 X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! Neue Welf Arnold Scholz, Hasenheide 108/114 Jeden Donnerstag Großes Riesen- W Kunstfeuerwerk Märchen aus 1001ner Nacht abgebrannt von dem Kunstfeuerwerker E. Nielandt Außerdem Großes Konzert und Varieté- Vorstellung 35 Künstler und Gr. Ball Einlaẞ 3 Uhr Anfang 5 Uhr Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin 6. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. Bezirksvorstand. Sonnabend, den 8. August, abends 6 Uhr, Sigung des et. weiterten Bezirksvorstandes im Jugendheim Lindenstraße 3. Fahnen zum Verfassungstag fub in den verschiedensten Größen und Qualitäten zum billigsten Preise in Jugendsekretariat, GB. 68, 2indenstr. 3, 2. Sof links, 2 St., au haben. Barteis abteilungen erhalten beim Bezug von 5 Fahnen an 10 Broz. Sonderrabatt. * 5. Kreis Friedrichshain. Freitag, den 7. Auguft, abends 8 Uhr, bei Rofin, Gubener Str. 19, Gigung des Kreisbildungsaussouffes. Freitag, den 14. Kreis Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: 7. Auguft, 7% Uhr, Selferfigung im Barteibureau, Redarftr. 3. Heute, Donnerstag, den 6. Auguft: Sungsozialisten. Gruppe Friedrichshain: 7½ Uhr im Jugendheim Tilsiter Straße 4, Bortrag des Genossen Obermant: Baneuropa. Gruppe Char. lottenburg: 7½ Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 5, Referat des Genojien Nietisch. " Morgen, Freitag, den 7. August: 8. Abt. 8 Uhr bei Ridert, Steinmekftr. 36a, Borstandssikung. 20. Abt. 7 Uhr Funktionärsgung bei Fritsch. Das Vergnügungskomitee ist ebenfalls eingeladen. 26. Abt. 7 Uhr Funktionärtonferenz bei Benferitt. Schöneberg. 77. Abt. 8 Uhr im Lokal Jürgens, Barbarossaftr. 5a, wichtige Funktionärsikung. 79. Abt. 8 Uhr im Lokal Groß, Sedanstr. 17, Funt tionärsgung. 81. Abt. Friebenan. 8 Uhr erweiterte Borstandsfikung bei Schoenfeld, Kirchftraße 23( nicht Alabe). Reutonn. 89. Abt. 7½ Uhr Borftands- und Funktionärsigung bei Schulz, Sobrechtstr. 64.- 95. bt. 7% Uhr wichtige Funktionärsigung bei Rösler, Steinmenftr. 47. Einladen! Berbandsbücher mitbringen. 97. t. 7 Uhr beim Genoffen Rohr, Siegfriedstraße, wichtige Funktionärsigung. 114. Abt. Lichtenberg. 7 Uhr bei Schwarzer, Gabriel- Mag- Str. 17, Borstands und Funktionärügung. 124. Abt. Mahlsdorf. 8% Uhr Funktionärligung bei Riefelath, Söhnower Straße. Jungsozialisten. Gruppe Norben: 8 Uhr Aussprache über unsere Blätter" und Bericht von der Gruppenkonferenz. Jugendveranstaltungen. Mitgliederversammlungen heute, Donnerstag, den 6. Auguff: Norben: Gesundbrunnen: Rote Schule, Gothenburger Str. 2( Oberflaffe). Weltliche Schule, Butbufer Str. 3. Schönhauser Borstadt I: Schule IbsenStraße 17. Schönhauser Vorstadt II: Eberswalder Str. 17, 8immer 11. Zehlendorf: Lokal Midlen, Botsdamer Str. 25. Helmholzplay: Johannisthal: Rathaus am Königsplag. Salensee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 35-36. Schönhauser Allee 140. Vorträge, Vereine und Versammlungen. 90 Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefäftstelle: Berlin S. 14. Sebaftianftr. 87/88. Sof 2 St. Gauvorstand. Alle Rameraben stehen Donnerstag abend Bunkt 8 Uhr Gendarmenmarkt. Ausnahmen nur für die Kameradschaften Bankow, Weißenfee und Behlendorf auläffig. Etwaige fire diesen Tag angesente Rufammenfünfte haben nach Beendigung der Rundgebung stattzufinden. Kamerabschaft Mitte: Donnerstag abend 7 Uhr Antreten mit Fahnen ant Neuen Markt; 7% Uhr Abmarsch nach dem Gendarmenmarkt. Sonnabend ab 2 Uhr nachmittags Treffpunkt Ulap. Sonntag vormittag 7½ Uhr Antreten der gesamten Rameradschaft sowie aller auswärtigen Rameraden am Sport. haus Dirdienstr. 1. 8 Uhr Abmarsch mit Musik zur Berfaffungsfeier. Reiner darf fehlen. Kameradschaft Tiergarten: Die Beranstaltung am Donnerstag findet nicht um 64 Uhr, fondern um 714 Uhr statt. Kamerabschaft Wedding: Damen, die am Sonntag, den 9., vormittags 9 Uhr, beim Aufmarsch der Rameradschaft tätig fein wollen, melden fich am Sonnabend, ben 8., beim Rameraden Müller, Uferstr. 12. Dortfelbft findet die Berteilung des Materials und der Schärpen statt. Ramerabschaft Brenzlauer Berg, 8. Rug: Freitag abend 8 Uhr Bollversammlung bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Die Gruppenführer 7 Uhr. Kamerabschaft Friedrichshain: Morgen abend 7 Uhr Treffen der gesamten Ramerabfchaft vor dem Bereinslobal Fruchtstr. 36a zum gemeinsamen Marsch nach dem Gendarmenmarkt. Sämtliche Fahnen find mit. aubringen. Trommlerkorps tritt an. Ramerabschaft Neukölln- Brig: Freitag abend 8 Uhr bei Sermann Krüger, Reuterstr. 46, Ausgabe der Festschrift und Blaketten zum Verkauf für Sonntag. Ramerabschaft Köpenid und Unter gruppen: Freitag abend 8 Uhr in Röpenid, Bahnhofstraße, bei Schulz, Berfammlung der Untergruppenführer fomie fämtlicher Bug- und Gruppenführer. 8ug Dammoorstadt: Gämtliche Rameraden, auch die paffinen, erfcheinen zur gleichen Zeit in demselben Lokal. Ramerabschaft Lichtenberg nebst Untergruppen: Das Antreten heute abend findet nicht um 7 Uhr, sondern 6 Uhr bei Krüger statt. Bünktliches Erscheinen unbedingt notwendig. Ortsverein Reinidendorf: Donnerstag abend 7% Uhr Antreten sämtlicher Rameraden nor dem Stettiner Borortbahnhof zur Teilnahme an der Demon ftration auf dem Gendarmenmarkt. Ramerabschaft Soppegarten- ReuenhagenBirkenstein: Sonnabend, den 8. Auguft, Abfahrt ob Reuenhagen abends 6.09 Uhr, ab Hoppegarten 6.13 Uhr nach Berlin, Bahnhof Friedrichstraße, zur Teilnahme an der Begrüßungsfeier im Ulap. Sonntag, den 9. Auguft, Abfabrt ab Reuenhagen früh 9.09 Uhr, ab Hoppegarten 9.13 Uhr nach Lichtenberg zur Bezirksfeier( Bartaue), ab dort nach Treptow. Die deutsche Luftfahrt im 1. Halbjahr 1925. 21 Millionen Flugfilometer und 43589 Passagiere. Die Veröffentlichungen über die Betriebsergebnisse der deutschen liegen über das 1. Halbjahr 1925 nunmehr vor. Luftfahrt Deutscher Hero Lloyd verzeichnet 900 000 Flugtilometer, 15 200 Passagiere, 103 Tonnen Fracht und Gepäd. Mit JuntersFlugzeugen wurden bei 1 508 310 zurüdgelegten Flugfilometern 28 389 Baffagiere, 127 Tonnen Fracht und Gepäd mit 36 Tonnen Bost befördert. Demnach ergibt sich die gewaltige Leistung von zusammen 2, Millionen Fluglilometern und etwa 818 Tonnen beförderter Ruzlaft, also allein im ersten Halbjahr 1925 das dreifache Gesamtergebnis von 1923. Die Heide- und Moorbrände im Landkreis Hannover und im Kreise Burgdorf sind jezt völlig gelöscht. Die legten Reichswehrtruppen find aus den bedrohten Gebieten zurüdgezogen worden. Ein großer Teil des abgebrannten Geländes wird in nächster Zeit fultiviert werden. Besonders groß ist der Schaden am Wildbestand. Berliner Prater Kastanienallee 7-9 Heute Gr. Volkstag Gr. Varieté- Verstellung Auf allen Plätzen 50 Pf., außer Logen Anfang 4%, Uhr WINTERTEN 76 Raucher Im August Varieté größten Stils!( d) Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr: Stettiner Sänger Dönhoff- Brett'l: Saal und Garten Großes Familien- Varieté Anf. 8 Uhr, Sonnt. 6 Uhr Elite- Sänger Latibuserstr. Tel.Martizpl 10 Ab 1. August die größte Revue: Berlin... da kiekste! Elite- Revue in 12 Bildern. BEF 8 Tage Vorverkant. Operettenhaus am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Komödienhaus 7.45 Uhr: Der kleine Kappler Sonnab. z. 75. Male Der letzte Kuß Der kleine Kuppler APOLLO Theater 80hr Die James Klaim wieder Varieté 10 AugustSensationen unter anders: Paul Beckers 5 Artonis Sprechende Seelöwen Pt. 60 Trt: 5 ML. Casino- Theater Lothrinrer Str. 37, Freitag 7. Aug. 8 U. Eröffnung der 25. Spielzeit mit d. 3aktig. Posse D.kühne Schwimmer Vorverkauf täglich von 11--2 en der Kasse KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. I. 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