Nr. 36942. Jahrg. Ausgabe A nr. 189 Bezugsvrets: Wöchentlich 70 Bfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelaebiet, Defterreich. Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenstimme* erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: * Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise Die einfpalttge Nonpareille. Beile 80 Pfennig. Reflamezeile 5, Reichsmart. Kleine Areigen das fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( zuläffia amei fettgedruckte Borte). jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erfte Wort 15 Pfennig, tedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. 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Schon in der siebenten Abendstunde hatten sich auf den breiten Treppen des Schauspielhauses viele Hunderte eingefunden, die von luftiger Höhe den Anmarsch der Reichsbannerkolonnen beobachten wollten. Ein dunkler, gewitterschwerer Himmel lastete über dem Play, als um 48 Uhr die erften Abteilungen unter flingendem Spiel und mit den wehenden Fahnen der Freiheit anrückten. Und immer tamen neue Scharen. Gegen 49 Uhr war der Platz von einer nach Zehntausenden zählenden Menge dicht gefüllt. Eine lebendige, lampfgemute Stimmung herrschte unter diesen republikanischen Massen und der laute stürmische Beifall, den die Redner der republikanischen Parteien fanden, als sie gegen die gewissen Losen, national drapierten Feinde des Voltsstaats Front machten, war ein Symptom für die Stimmung der breiten Massen der Reichshauptstadt. Als erster Redner sprach stürmisch begrüßt und mit einem fräftigen Frei Heil" erwidernd, Reichskanzler a. D. Marg: Dem Reichsbanner schuldet das besetzt gewesene Industriegebiet Dank für die Darbietung einer Gelegenheit, in aller Deffentlichkeit hier in der Hauptstadt des Reiches herzlichste Grüße zu senden der befreiten Ruhr! Wir grüßen die Bewohner des Induſtriebezirks an der Ruhr, die so lange Jahre schwere Lasten der Befegung getragen. Dank schulden wir vor allem der Arbeiterschaft, deren Existenz in höchstem Maße in diesem Kampfe bedroht war, die alles aufs Spiel fetzte und mit vorbildlicher Mannhaftigkeit und Treue alles ertrug, sich aber in der Treue zum Vaterlande nicht wankend machen ließ! Heldentaten sind von den schlichten Arbeitern des Ruhrbezirks vollbracht worden, wert, mit goldener Schrift in die Bücher der Weltgeschichte eingetragen zu werden! Möchte nur überall im ganzen Baterlande volles Verständnis für den Heldenkampf der Ruhrbevölkerung verbreitet sein! Möchte man überall durchdrungen sein von der Ueberzeugung, daß dieser Rampf geführt worden ist im 3ntereffe von uns allen, von ganz Deutschland! Haben die Leute im besetzten Gebiet nicht oft barüber zu flagen gehabt, daß man im unbesetzten Deutschland oft so wenig sich der Gefahren bewußt war, die man durch unüber. legte Handlungen für das besegte Gebiet heraufbeschwor? Jedes unüberlegte Säbelraffeln, jedes unvorsichtige Bramabasieren in öffentlichen Reden oder in der Preffe machte sich fühlbar für die hartgeprüften Bewohner des bejezten Gebietes.( Stürmische Zuftimmung.) Und nun ist das Land um die Ruhr, dieses Herz unserer Industrie und unserer Wirtschaft frei von fremder Be= fegung! Wir freuen uns mit seinen Bewohnern und wollen dieser Freude laut und herzlich Ausdrud geben! Gewiß, es war ein schweres Unrecht, ein Bruch des Völker rechts, in das herrliche Land der Arbeit und des Fleißes muit Heeresgewalt einzuziehen, um wirtschaftliche Erfolge zu erzielen. Es mar. war ein Versuch, der von vornherein zum Scheitern verurteilt Gewiß waren die beteiligten Mächte verpflichtet, das begangene Unrecht wieder gut zu machen und die Ruhr zu räumen. Die Bewalt war auf ihrer Seite und fie fonnte sich stügen auf gewisse Untlarheiten des Versailler Friedensvertrages. Mit Gewalt hätte das besiegte und waffenlose Deutschland gegen den übermächtigen Feind nichts ausrichten tönnen! Es mußte der Weg der Verständigung eingeschlagen werden, wenn man ernstlich die Ruhr befreien wollte. Und diesen Weg der Verständigung sind wir in London gegangen. Am 4. Auguſt iſt es ein Jahr geworden, daß die deutsche Delegation zur ersten Sigung der Gesamtkonferenz erscheinen konnte. Die Frage der Ruhrräumung fonnte nicht auf der Konferenz selbst behandelt werden. Aber in zahlreichen Zusammenfünften und Besprechungen mit Macdonald und Herriot wurde die Frage der Ruhr erörtert und erledigt. Herriot erflärte sich bereit, längstens in einem Jahr, also bis zum 15. August 1925, das Ruhrrevier freizugeben, und seine Nach folger haben dieses Versprechen eingelöſt! Nicht bis zum legten Termin hat man gewartet; schon jezt ist die Ruhr frei und ledig fremder Besetzung! Ich stehe nicht an, das festzustellen und anzuertennen! Es drängt sich aber dann ohne weiteres die Frage auf: Wäre das alles geschehen, wenn eine andere Politik verfolgt wäre, als fie fatfächlich angewendet worden ist?( Burufe: Niemals!) Darauf fann nur die eine Antwort gegeben werden: Die verfolgte Politik ist die einzig richtige gewesen! Ohne sie wäre die frohe Tatsache, die wir heute feststellen können, nicht eingetreten! Mit Gewalt oder auch nur mit stiller Opposition und Obstruktion wäre gegen den übermächtigen Feind nichts auszurichten gewesen. Die Erfahrung hat es bewiesen. Der allzulange fortge friedliche Verständigung mit unseren früheren Geanern kann Deutschland auf der Bahn des Wiederauflebens weiterführen! Das muß auch weiterhin Leitgedante unserer Außenpolitit sein! Bestärfen wir uns von neuem in der Ueberzeugung, daß nur durch eine | Außenpolitit, wie sie von den verfassungstreuen Par teien betrieben worden ist, auch für die Zukunft das Heil und die Rettung Deutschlands gefördert werden kann.( Stürmische wieder. holte Zustimmung.) Hierauf ergriff das Wort der demokratische Führer Reichsminister a. D. Koch: Als im vorigen Winter Remscheid von den Franzosen geräumt murde, taten sich die nationalistischen Verbände und Vereine dieser Stadt zu einer Siegesfeier zusammen, bei der alle repu blikanischen Vereinigungen ausdrücklich ausgeschlof sen wurden. Das scheint mir eine eigenartige Arbeitsteilung zu fein. Die einen erringen die Erfolge, und die anderen feiern die Siege. Wir Republikaner find viel zu bescheiden. Unter der Füh rung von Männern, wie Ebert, Birth und Rathenau, wie nicht zuletzt unter Führung des Mannes, der eben gesprochen hat, find wir Republikaner es gewesen, die es durch eine sechs Jahre immer wieder gestörten Politik fertig gebracht haben, daß das lange, vielfach mißverstandene, von rechtsstehenden Phrasenhelden deutsche Volk heute einen Schimmer von Hoffnung fieht. Wenn einer aus unseren Reihen heute ins Ausland geht, sich als ehrlicher Friedensfreund bekannt, nüßt er für die Revision des Vertrages von Versailles tausendmal mehr, als wenn der Stahlhelmverband von Neuruppin mit Stimmeneinheit beschließt, daß der Friedensvertrag von Bersailles morgen aufgehoben sei.( Stürmische Heiter feit und Zurufe.) Aber unsere Politik, das Rheinland frei zu machen und bei Deutschland zu erhalten, wäre erfolglos ohne die Treue des deutschen Volkes, ohne die Treue namentlich der Bewohner der bejezten Gebiete. Wenn Deutschland heute noch von einer Unzahl von Fürsten beherrscht würde, niemals wäre es bei einer folchen Katastrophe einig geblieben. Immer waren es deutsche Fürsten, die, um sich ihren Thron zu erhalten oder gar um Länderzuwachs und Subventionen zu gewinnen, zum Verrat an Deutschland bereit waren. Das deutsche Volk in allen seinen Gliedern ist heute treuer gewesen als seine Fürsten. Deutschland wird sein und Deutschland wird Groß- Deutschland werden, wenn es demokratisch bleibt und von demokratischer Grundlage aus fich die Gleichberechtigung im Rate der Bölker erringt.( Lebhafter Beifall.) Von stürmischem Beifall begrüßt, ergriff der Genoffe Lüdemann Seit 1918, so führte er aus, haben wir ein freies deutsches Volk, frei von Fürstenwillkür und Cliquendittatur. Das deutsche Bolt ist souverän geworden und bestimmt fraft eigener Autorität selbst seine Geschide. Wir begrüßten unsere Brüder von Rhein und Ruhr, die so mannhaft und geschlossen in nie verjagender Treue zu Bolt und Staat gehalten haben. Wir begrüßen die Arbeitsleute an der Ruhr, die mit unbeugsamer Energie die Fahne der deutschen Republik hochgehalten haben, allen Bersuchungen und Lockungen zum Troz.( Stürmische Bravorufe). Was wir an Rhein und Ruhr erlebten, war wahre Demokratie. Hier 30g ein Volk die innere Kraft zum Festhalten an seinen Brüdern aus den Wurzeln freiheitlicher und gemeinsamer Entwicklung. Die Besetzung der Ruhr war ein Unrecht, gegen das zu protestieren wir als deutsche Republikaner das Recht und die Pflicht haben. Das heißt aber nicht, daß wir jenen Leuten folgen sollen, die mit billigem Wortgeschwäß Gewalt gegen Gewalt proklamieren. Es gibt Höheres und Größeres als die brutale Faust. Die arbeitenden Massen wissen, daß für sie nur im Frieden eine gedeihliche Fortentwicklung und eine Lebensmöglichkeit gegeben ist. Die Menschheit verlangt Verständigung und Frieden. Mit jenen Maulaufreißern nationalistischer Couleur Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 37536- Bankfonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Reichstag und Optanten. Blinder Eifer. Der Reichstag hat gestern einmütig ausschließlich der Kommunisten eine Entschließung angenommen, die gegen die Barbarei der Optantenausweisung Protest erhebt. Leider gestattet die Einmütigkeit des Beschlusses keinen Rückschluß auf die Einigkeit der Gesinnung, die in ausmärtigen Fragen erwünscht ist und notwendig werden kann. Vielmehr klafften die Gegensäge weit auseinander. Kein Mensch in Deutschland und überhaupt kein vernünftiger Mensch kann es billigen, wenn Zehntausende von Haus und Hof getrieben werden, weil sie als Bewohner eines abgetretenen Gebiets Staatsbürger ihres alten Vaterlandes zu bleiben wünschen. Zu dieser Vertreibung hat Polen wohl das unbestrittene formale Recht, aber deswegen bleibt doch nicht meniger wahr, daß die Ausübung dieses Rechts eine Kulturschande ist. Was fonnte Deutschland in dieser Lage tun? Es konnte der polnischen Regierung durch eine geschickte und überzeugende, weil aufrichtige Propaganda zeigen, daß sie durch dem eigenen Lande moralischen Schaden zugefügt ihre Zwangsmaßnahmen ihrem eigenen Ansehen und damit hatte. Und es fonnte und mußte selbstverständlich dafür sorgen, daß die Vertriebenen in dem Vaterland ihrer Wahl die verlorene Heimat wiederfanden. Es wird aber weder den Optanten noch dem ganzen deutschen Volk ein Dienst dadurch erwiesen, daß man auf der Rednertribüne des Reichstags in Kraft phrasen schwelgt und dem polnischen Volt als Strafe für seine Schandtaten ein dunkles Ende voraussagt. Die Regierung hätte dafür forgen müssen, daß solche Ausschreitungen der Rhetorik aus dem Lager der Regierungsparteien unterblieben, sie hätte ihnen entgegentreten müssen, wenn sie von anderer Seite famen. Klug war es gewiß nicht, menn Redner, die sich für be fonders national halten, eben durch ihre Reden der polnischen Regierung für ihre verdammenswerten Maßnahmen nachträglich noch Argumente lieferten. Denn wäre es so, daß das deutsche Volk dem polnischen als unversöhnlicher Feind gegenüberſtände, wäre es so, daß das deutsche Bolk dem polnischen sein staatliches Eigenleben mißgönnte und es wieder zu vernichten wünschte, dann wäre der polnischen Regierung damit die Möglichkeit gegeben, alles, was deutsch ist als einen Feind hinzustellen, gegen den sich der polnischen Staat ver teidigen müsse. Den Interessen der Deutschen, die polnische Staatsbürger wurden und auf polnischem Staatsboden bleiden, wird schlecht gedient, wenn man dem polnischen Staat den Gedanken nahelegt, seine Westmark als ein Festungsglacis zu behandeln. Genosse Landsberg hat sich daher ein großes Verdienst erworben, wenn er in seiner Rede den kriegerischen Tiraden einiger überhizter Gemüter entgegentrat und die Notwendigkeit der Berständigung, die dem Westen gegenüber allgemein anerkannt wird, auch für den Osten nachdrücklich in Anspruch nahm. ,, Orient und Ofzident sind nicht mehr zu trennen." Dieses Wort Goethescher Weisheit verdient sinngemäße Anwendung auf die deutsche auswärtige Politik. Eine deutsche auswärtige Politif, die nach dem Westen mit der Friedenspalme wirkt, nach dem Osten aber mit einer schlecht gepanzerten Faust droht, ist eine logische Unmöglichkeit. Sie fann auch von der gegenwärtigen Reichsregierung nicht gewollt sein. Darum müßte man auch jeden Anschein vermeiden, als würde fie insgeheim gebilligt und betrieben. will fie nichts zu tun haben. Allein der Boden der demokratischen Republik ist die Basis, auf der das deutsche Volk zu würdiger na Das Gerede vom polnischen Saisonsta a t" ist tionaler Freiheit emporsteigen fann. Noch zittern die Folgen des zischeln verantwortungslose Mäuler von neuem Säbelschwingen. Geist der geschichtliche Beweis dafür geliefert, daß die Teilung scheußlichen Weltkrieges im deutschen Volksförper nach und schon unfinnig. Nach einem Jahrhundert der Zerreißung hat das polnische Bolt seine staatliche Einigkeit wiedergefunden, damit wisse Elemente lauern schon wieder darauf, das berühmte, deutsche Schwert aus der Scheide zu ziehen. Im Osten erleben wir im Bolens nur eine Saisonerrungenschaft" der Teilungsstaaten Augenblid eine namenlose Tragödie. Einfache Arbeiter war. Wenn uns Deutschen die schwer errungene und troz und Handwerker sind hier von den Polen mit brutaler Willfür in aller Gebietsverluste über den Weltkrieg hinaus erhaltene staatliche Einigkeit ein hohes Gut ist, so sollten wir tiefstes Elend gestoßen worden. begreifen, daß auch die Bolen nicht anders empfinden. Würde in der Welt die Vorstellung geweckt, als gäbe es in Deutschspekulierten, so müßte das verhängnisvolle, die Ruhe Europas land nennenswerte Kräfte, die auf eine Teilung Polens gefährdende Folgen haben. Wir protestieren aufs entschiedenste gegen diese unwürdigen Methoden. Aber wir verbitten uns ebenfalls jene verlogene Ludendorff( große Heiterkeit) zur Vergeltung mit allen Mitteln völkische Propaganda, die in Telegrammen an den Heros auffordert. Die großen Gedanken friedlicher Verständigung müssen die europäische Politik beherrschen. Im Rahmen eines Bölkerbundes wollen wir arbeiten, wo die wahre nationale Freiheit des einzelnen Staates gefunden und geschützt werden fann. Am Neubau des Deutschen Reiches gilt es mit ganzer Kraft weiter zu arbeiten. Die Deutsche Republit, der Volksstaat, das Reichsbanner Schwarz- Rot Gold, sie leben Hoch!( Begeisterte immer wiederholte Zustimmung.) In demselben Augenblick, als Lüdemann geendet, entzündeten fich Hunderte von Fadeln. Oben auf den Freitreppen hielt eine Witwe ein mit ungelenter Hand geschriebenes Pappschild: Fünftes Gebot: Du sollst nicht töten!" Eine einfache, aber dringliche Mahnung an jene viereinhalb Jahre des Todes. heit: Einigkeit, Recht und Freiheit beschloß die Kundgebung. Dann Die dritte Strophe des Deutschland- Liedes, die machtvolle Drei fermierten sich die Kolonnen aufs neue, ein Meer von Jadeln flammte auf und gleich leuchtenden Strömen bewegten sich die riesigen 3üge der Bannerleute durch die Straßen der Stadt. Ein wirkungs. voller Auftatt der großen republikanischen Berfassungsfeier. Man diskutiert über einen Sicherheitspakt, der Europa den gesicherten Frieden und damit die Grundlage neuen wirtschaftlichen, tulturellen und sozialen Aufstiegs gewähren soll. Der deutsche Plan findet die größten Schwierigfeiten an dem Wunsche Frankreichs, bei einem deutsch- polnischen Vertrag als Garant mit weitgehenden Vollmachten figurieren zu dürfen. Wenn man in diesem Augenblid in Polen das Mißtrauen weckt, als bedürfe man Deutschland gegenüber eines mächtigen Schirmherrn, wenn man Frankreich die Möglichkeit gewährt, fich als Beschüzer aufzuspielen, so werden damit die Schwierigkeiten, die sich der Polens gegen vermeintliche gefährliche Pläne Deutschlands Verwirklichung des Sicherheitsplans entgegenstellen, wahr. haftig nicht erleichtert. An der Tatsache, daß das Vorgehen der polnischen Regie rung gegen die deutschen Optanten aufs fchärffte zu mißbilli gen ist, wird durch solche kritische Erwägungen, die sich not mendigerweise an die gestrige Reichstagsdebatte anfnüpfen, nicht das allergeringste geändert. Unsere Gegner von rechts werden mit ihrer albernen Unterstellung, wir nähmen für das Ausland gegen Deutschland" Partei, feine Geschäfte machen können. Nein, wir nehmen für Deutschland Partei gegen diejenigen, die ihm durch ihre Blindheit, ihre Unbelehrbarkeit, ihren unfehlbaren Instinkt, in entscheidenden Situationen immer das Gegenteil vom Richtigen zu tun, immer neuen Schaden zufügen. Wäre eine Rede wie jene Landsbergs gestern vom Regierungstisch gehalten worden und hätten alle Redner ver standen, in gleich würdiger Weise die Sache Deutschland vor der Welt zu vertreten, fo märe damit dem deutschen Bolte besser gedient gewesen. Aber, was soll man dazu sagen, daß einige Herren der Rechten die Schlußworte des sozialdemokratischen Redners von der Gerechtigt eit und Sittlichkeit als der notwendigen Grundlage der Staaten mit lauten B fuirufen begleiteten! Ja, was soll man dazu sagen? Es bleibt nur übrig, dem deutschen Volke das Bedauern darüber auszusprechen, daß es mitunter auch solche Leute zu seinen Bertretern wählt! Ein nettes Plänchen! Die Optanten als Wanderarbeiterersatz. In ihrem blinden Eifer, die Optantenfrage auf jeden Fall zu einem innerpolitischen Krafeel zu gestalten, rutscht der Deutschen Tageszeitung" die Maste etwas aus dem Geficht. Der Landbund, so heißt es da, sei schon im Frühjahr an die maßgebenden Stellen zweds Unterbringung der Optanten auf dem Lande herangetreten: so dürftige Unterfunft verweigert, als es galt, ihnen selbst los zu helfen! und hinterher versuchen diese nationalistischen Maulausreißer auch noch die Anfläger zu spielen! Herr Lindeiner fannte in der Tat feine Bappenheimer, als er seine steptischen Betrachtungen in einem voltsparteilichen Blatte veröffentlichte. Die Unterbringung der Optanten. Preußens Maßnahmen. # Wie der Amiliche Preußische Pressedienst meldet, sollen zur Unterbringung von Optantenfamilien in endgültigen Wohnungen 1000 andarbeiteroptantenfamilien in Landarbeiter wohnungen untergebracht werden. Zur Errichtung dieser Wohnungen find bereits Mittel der produktiven Erwerbs losenfürsorge zur Verfügung gestellt worden. Etwa 500 Optantenfamilien sollen untergebracht werden, ohne daß neuer Wohnraum hergestellt wird; denn infolge ihrer Option für Bolen müssen rund 1500 polnische Optantenfamilien Preußen verlassen, wodurch Wohnraum wieder verfügbar wird. 1000 deutsche Optantenfamilien sollen in der Weise untergebracht werden, daß für sie neue Wohnungen errichtet werden. Da es sich hierbei um Familien handelt, die die östlichen Verhältnisse fennen und daher sicher vorzugsweise im Osten bleiben wollen, ist ihre Berteilung auf die Ost provinzen erfolgt. Bur beschleunigten Herrichtung einer entsprechenden Anzahl von Wohnungen sind vom preußischen Ministerium des Innern seiner. zeit je Wohnung 2500 m. verlorener Bauzuschuß und vom preußischen Wohlfahrtsministerium 4000 m. Hauszinssteuerhypotheken bereit gestellt und sogleich flüssig gemacht worden. Die in Frage fom menden Gemeinden haben damals mit der Annahme dieser Mittel ( insgesamt handelt es sich um 6,5 millionen Marf) die Ver pflichtung übernommen, die ihnen zugewiesenen Familien bis zur Fertigstellung der Neubauten vorläufig wohnlich unterzubringen. Die Bauten befinden sich bereits seit Wochen in der Ausführung und werden bald fertiggestellt sein. Restlose Austreibung. Abgesehen von der Hilfe, die man den Optanten bringen wollte, wäre die Unterbringung auf dem Lande auch eine wichtige Maßnahme gegen den Mangel an Arbeitsträffen auf dem Lande gemesen, ein willkommenes Mittel zur Steigerung der Produktion im Intereffe der Boltsernährung. Als die landwirtschaftlichen SpizenWarschau. 6. Auguft.( DE.) Das politische Komitee des Minister organisationen mit einer Umfrage an ihrer Verbände herantraten, berechtigte die allfeits zutage tretende Bereitwilligkeit zur Unter- rats hat unter Grabstis Vorsitz beschlossen, die Wiener Konvention bringung von Optanten zu den größten Hoffnungen. Aber es restlos durchzuführen. Die nationalistische Preſſe ſpricht die rourde beschleunigte Zuweisung gefordert, denn ein Bereithalten offnung aus, daß die Wojewodschaftsbehörden nunmehr zur von Wohnräumen über die Zeit hinaus und die Ungewißheit, obawangsweisen Abschiebung derjenigen Optanten schreiten die Wohnungen rechtzeitig durch Optanten befeht werden würden, werden, deren Abwanderungsfrist am 1. August abgelaufen war. mußte vermieden werden. Gefordert wurden gleichzeitig beschleu Deutscherseits wird die Zahl der noch in Polen verbliebenen migte Maßnahmen der Regierung zur Förderung des Optanten auf etwa 3000 geschägt. Der Hauptschriftleiter der Optantenwohnungsbaues auf dem Lande. Borbereitet Deutschen Rundschau" in Bromberg, Gotthold Starke, ist als werden sollte die Erfassung der Optanten durch Inserate in der Optant ausgewiesen worden, obwohl er die polnische Staatsdeutschen Presse Bolens, durch die deutschen Berbände und durch angehörigkeit besigt. statistische Feststellungen des deutschen Generalkonsulats in Bosen. Man muß schon sagen, ein nettes Plänchen! Die deutschnationalen Großagrarier hatten also nichts Geringeres vor, als die deutschen Optanten in Polen auf Staatskosten zu ihren Arbeitstulis zu degradieren. Schlimmer ist die Not von Landsleuten wohl felten mißbraucht, selten das Martyrium der Heimatliebe brutaler ausgeschlachtet worden. Selbstverständlich haben die amtlichen Stellen das saubere Ansinnen der Landbündler abgelehnt und den aus Polen vertriebenen Deutschen dieselben Rechte der Arbeitsvermittlung eingeräumt, die jedem Staatsbürger zustehen. In demselben Augenblid, in dem die Optanten für die Großgrundbesiger nicht mehr als polnischer Landarbeitererfag in Frage famen, erlosch ihr Interesse an den Märtyrern ihrer Heimatliebe" Kurz und bündig meldet darüber die Deutsche Tageszeitung": Wir stellen fest, daß hunderte von landwirtschaftlichen Betrieben angesichts dieser Schematisierung von dem Optantenhilfswerk zurüdtraten und zurücktreten mußten. Hunderte von landwirtschaftlichen Betrieben sind von dem Optantenhilfswerk zurückgetreten, weil die Regierung es nicht duldete, daß die Optanten von den Großgrundbesizern als Arbeitspieh ausgebeutet wurden, sie haben ihnen jede noch Der Freischürler. Zu Wilhelm Liebknechts 25. Todestag. Wilhelm Liebknechts liebste Jugenderinnerung, in der er sich noch im hohen Alter fonnte, rantt sich um seine Teilnahme an den badischen Aufständen von 1848/1849. Sie zeigt ihn im Zichte strahlender Revolutionsromantit, denn der zweiundzwanzigjährige Legionär der schwarzrotgoldenen Jdee machte im unbesonnenen Wirbelschritt die tollsten Unternehmungen mit. Als sich im Sep. tember 1848 Beter Struve gegen die deutschen Fürsten erhob, ba überschritt Liebknecht mit einer fleinen Schar Gleichgesinnter den Rhein, im stolzen Besitz einer„ Kollektivbüchse", um sich mit denen um Struve zu vereinigen. Von allen Seiten tam Zuzug, die Be hörden halfen, und schließlich waren an 4000 Mann beisammen. Aber die Absicht mißlingt. Bald ift die Bevölkerung nicht mehr wohlgefinnt, und bei Laufenburg trifft Liebknecht die Hiobspoft von Struves Niederlage. Ein junges Mädchen bietet Rettung an: es will Liebknecht über den Rhein fahren. Aber der hält treu zu seinem Korps. Auf dem Wege zu ihm wird er zum erstenmal gefangen genommen, doch das Glück steht ihm bei: er entgeht dem sicheren Standrecht durch einen Zufall. Richt Monate fizt er in Unterfuchungshaft, zuerst im Schlosse des Trompeters von Sädingen, dann in Freiburg. Im Mai 1849 wird die Verhandlung gegen Lieb frecht angesetzt. Die Anklage lautete auf: Mord, Mordversuch, Anftiftung zum Mord, Brandstiftung, Anstiftung zu Raub, Diebstahl, Kaffenraub, Bedrohung, gewaltsame Erpressung... Bener zwei Tage vor der Verhandlung fommt die neue politische Wendung in Baden! Wieder fiegt das Bolt, die Soldaten gehen zu ihm über, der Großherzog flüchtet, und die Verhandlung führte, dem Antrage des Staatsanwalts gemäß, zu einem glänzenden Freispruch. Kurt Eisner berichtet nach Liebknechts eigener Darstellung, wie dieser Eisner berichtet nach Liebknechts eigener Darstellung, wie diejer. feltfame Prozeß endete unter einem Strudel von Blumensträußen, feftlich gekleideten Mädchen und Frauen, von geschwenkten Hüten, Reden und Umzügen, Die tolle wunderschöne Maizeit der Bölker freiheit, da alle Knospen sprangen.. Wilhelm Liebknecht wurde nun noch verwegener: nun mill er bie Revolution ganz flegen laffen. Gemeinsam mit dem demo fratischen Abgeordneten Fehrenbach sucht er württembergische Bataillone zum Uebertritt zu bewegen. In Karlsruhe, dem Mittel punit der neuen Erhebung, ist er betriebsames„ Mädchen für alles": Bombardier, Kommissar und Journalist, der die Presse mit Brand. artiteln versorgt. Bald steht er im Mittelpunkt der Radikalen und nimmt Stellung gegen den zaghaften Advokaten Brentano, der Lieb fned in Freiburg verteidigt hatte. Am 5. Juni 1849 wird Lieb Inscht auf Befehl Brentanos als Konspirator der rebellifchen Jugend mit Struve und Johann Philipp Becker hinter Schloß und Riegel gefeßt. Drei Tage sigt er in den berühmten Rastatter Rase matten, die später, als der badische Aufstand unter den Augeln des preußischen Kartätschenprinzen Wilhelm vollends zusammen brach, so viele Jünglinge der Revolution aufnehmen mußten. Liebfnecht entfam mit einem fleinen Trupp von Freunden ins Elsaß, wo pie Behörden sie por die Entscheidung stellten: entweder zurück Fremdenlegion. Sie entschlossen sich zur letzteren. Französische Soldaten sollten sie nach Marseille bringen, doch an der der Verfassungsgegner. Hindenburg auf dem Rummel". Die deutschnationale Presse beginnt heute schon, die Berfaffungsfeier vom 11. August herabzuwürdigen. Ginge es nach ihr, so würde sie den 11. August zu einer Demonstration gegen die Verfassung benutzen. Der Lotal Anzeiger" ereifert sich über„ Berfaffungsrummel". Das Verfassungsfest des Reichsbanners hat es ihm angetan. Die Bolemit gegen das Reichsbanner, die unter der Ueberschrift ,, Verfassungsrummel" geführt wird, ist jedoch nur Vorwand. Der Versuch der Verächtlichmachung, der Herabwürdigung richtet sich gegen die Verfaffungsfeier überhaupt. Den Beweis bilden die folgenden Sätze des " otal Anzeiger": | Feier im Reichstag, sondern auch in seinem Hause festlich be= gehen. Ist das alles Rummel, wie sich der Lokal- Anzeiger" auszudrücken beliebt? Erhebt er Anspruch darauf, mit seinem Herabwürdigungsversuch die Gefühle seiner Parteigenossen in leitenden Aemtern am Verfassungstag authentisch zu interpretieren? Will er zu verstehen geben, daß ihre Teilnahme eine innere Lüge zur Voraussetzung habe? Der Verfassungstag wird eine würdige Feier sein der reaktionären Kläffer. trof Es kommt nicht darauf an. Zollpreffe und Eingabe der Gewerkschaften. Die agrarische Bresse fällt giftig über die Eingabe der Gewerkschaften an den Reichskanzler her. Es fommt ihr nicht darauf an, was sie gegen diese Eingabe sagt, es tommt ihr nur darauf an, daß sie etwas dagegen fagt. Es kommt den Schutzöllnern nicht auf die Argumente an. Sie verirauen darauf, daß die parlamentarische Mehrheit auch ohne Argumente die Zölle beschließen wird. Ob das, was zur Begründung und Verteidigung der Bollpläne gesagt wird, stichhaltig ist, oder auch nur sich nicht selbst widerspricht darauf kommt es nicht an. Nach diesem Grundsah bespricht die Zollpresse die Eingabe der Gewerkschaften. Sie will nicht wahr haben, daß die Bölle eine fünftöpfige Familie mit mindestens 150 m. im Jahre belasten. Die Deutsche Tageszeitung" streitet rundweg jede Preissteigerung ab: ,, Wir wären den Gewerkschaften sehr dankbar, menn fie uns den Schlüssel zu dieser Berechnung mitteilen wollten. Fachkennerr ist es nämlich bisher noch nicht möglich gewefen, auch nur an nähernd festzustellen, ob überhaupt und in welchem Umfange durch die 3ollvorlage eine Erhöhung der Kon sumentenpreise eintreten wird." Man fonnte mehrfach in der Deutschen Tageszeitung" lefen, von Fachkennern, die die Agrarier schützen, daß die Preissteigerung durch den Zoll von der Bevölkerung um der Landwirtschaft willen getragen werden müsse. Wie reimt sich das zusammen? Benige Zeilen nach dem halben Versuch der Deutschen Tageszeitung", zu bestreiten, daß die Zölle die Gesamtheit belasten, befindet sich in derselben Zeitung eine Zuschrift ,, Don gut informierter Seite". Da heißt es: ,, Wie hoch die 3o1lbelastung für die Gesamtheit und für den einzelnen sein wird, ist im voraus nicht genau zu berechnen, da bei der Kompliziertheit der volts- und weltwirt. fchaftlichen Vorgänge niemand im voraus mit Sicherheit festftellen fann, wie die Getreidezölle sich auf die Gestaltung des Inlandspreises auswirken werden, wer bei den wechselnden Konjunkturen den Getreidezoll zu tragen hat, und wie Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt sich stellen werden." Da wird nicht die Teuerung als 3ollfolge bestritten, fondern lediglich das Ausmaß der Teuerung angezweifelt. So schlagen die Argumente der Zollpresse einander ins Gesicht. Aber es fommt nicht darauf an. Sie werden den Zoll schon machen. Die Amnestie im Ausschuß. Verbesserungsanträge abgelehnt. In der zweiten Beratung des Amnestiegefeges im Rechtsausschus des Reichstages sprachen sich die Vertreter der Boltspartei und der Deutinationalen gegen einen irti afispartei, bes 3entrums, der Deutschen Straferlaß Don mehr als zwei Jahren( bei ver schiedenen Strafen) aus. Ein Antrag, der auch Zuchthaus. ftrafen bis zu einem Jahre unter die Amnestie fallen Kommunisten und Demokraten abgelehnt. Angenommen wurde u. a. eine Entschließung, in der die Reichsregierung ersucht wird, dahin zu wirken, daß in den Amnestien der Länder Rücksicht genommen wird, auf Amnestierung der nach weisbar allein oder überwiegend aus wirtschaftlicher Not ,, Man muß mit der Weimarer Verfassung arbeiten, weil sie nun einmal da ist, Freudenfeste aber um sie und um ihre Schöpfer zu veranstalten, dazu liegt nicht die mindeste Belassen will, wurde mit 15 gegen 10 Stimmen der Sozialdemokraten, rechtigung vor." Die Herren deutschnationalen Minister werden an der offiziellen Verfassungsfeier teilnehmen. Reichspräsident Hin denburg wird den Berfassungstag nicht nur bei der offiziellen Schweizer Grenze entfloh Liebknecht mit seinen Freunden. Ein paar Rugeln der Gendarmen flogen hinter ihnen her; fie trafen feinen, wie sie wohl auch feinen treffen sollten. Liebknechts Genfer Zeit begann, die aus dem„ Soldaten der Repolution" langsam einen Erkenner und Bekenner des Sozialismus machte. Aber er blieb sein Leben lang, was er im überschwänglichen Honigmond der deutschen Revolution gewesen war: Schwert und Glamme für Bolt und Recht. gb. Jildis- Kiosk als Bergnügungsetabliffement. Der berühmte und von Geheimnissen umwobene Balast des Sultans Abd el Hamid ist von der türkischen Regierung der Stadt Konstantinopel über. antwortet, die ihm einer ausländischen Gesellschaft verpachten wird, die darin ein gigantisches Bergnügungsetablissement einrichten will. Bielleicht wird sich der Hintertreppenmig der Weltgeschichte darin gefallen, in eben demfelben Raum, der einstmals den Mittelpunkt Elektrizitätsverforgung ohne Zähler. Sohle und Elektrizität werden nach ihrem Energiemert verkauft. Daher muß die Kohle gewogen und die Elektrizität gemessen werden. Beides bedingt bei ben zahllosen Kleinabnehmern einen im ganzen genommen wenig fruchtbaren Aufwand von Zeit und zudem einen großen Bestand zeitlichen Einstellung, wenn man versucht, bieje Brozebur möglichst der Islamitischen Welt darstellte, den Roulettetisch aufzubauen, und wo ehemals die berüchtigte grüne Schnur“ über Leben und Tod Unser neuer Roman. Der dänische Autor Tom Kristensen entschied, wird es dann die rollende Kugel tun. Die Stadt gehört zu der jüngsten Schriftstellergeneration feines Landes. Er Konstantinopel wird mit der Verpachtung des Palastes ein großvereint alle die traditionell guten und gediegenen skandinavischenartiges Geschäft machen, da fie außer der Bachtsumme von Erzählereigenschaften in sich und gibt doch darüber hinaus ganz 30 000 türkischen Goldpfund eine 15- bis 20prozentige Beteiligung Eigenes und Neues. Man täte ihm unrecht, wollte man ihn einfach jährlich eintragen wird. direkten Darstellung schwingt für den, der sehen und spüren fann, als„ Naturalisten" etikettieren. In seiner unerbittlich ehrlichen und stets auch der Dunstkreis der Geschehnisse, die Symbolit der Wirk fichfeit mit. Seinen im Durchschnitt mehr inrisch veranlagten Landsleuten erscheint er pft zu„ hart"; denn er verschmäht durchaus allen sentimentalen Himbeersaft, was seine Schilderungen nur um so echter und überzeugender gestaltet. Und doch weiß er auf seine faft nüchtern zu nennende Art das Pathos liegt ihm ebenso fern wie die Sentimentalität- die feinsten bildmäßigen Wirkungen zu erzielen. In dem Roman Das unbegreifliche Ich", mit deffen Ver öffentlichung wir heute beginnen, schickt Kristensen der eigentlichen Schilderung aus einem späteren Entwicklungsstadium und Erleben fortlaufenden Erzählung stets ein furzes Einleitungstapitel mit der des Helden voraus. Und diese Einleitungstapitel bilben immer entweder durch äußeres oder durch richt aus seiner Jugendzeit. Außer zwei Gedichtbänden und ver eine Parallele zu dem darauffolgenden Beschiedenen, in Zeitschriften verstreuten Novellen, die häufig das ihm Durch einen längeren Aufenthalt bekannte China zum Schauplag haben, veröffentlichte Tom Kristensen neben dem vorliegenden bis her noch einen Roman. In deutscher Sprache sind vorläufig nur zwei fürzere Novellen von ihm erschienen. in irgend einer Beziehung inneres Geschehen Die preußische Verfassungsfeier. Die Verfassungsfeier der preuhischen Regierung, die am 11. August, abends 8 Uhr. in der Staatlichen Hochschule für Musit stattfinden wird, weift, wie der Amtliche Breußische Pressedienst mitteilt, das folgende Brogramm auf: Borſpiel aus„ Die Meistersinger von Nürnberg"; Ansprache des Ministers Serering; gemeinsamer Gesang des Deutschlandliedes ( 1. Strophe); Beethovens neunte Sinfonie. Es werden mitwirten: Das Philharmonische Orchester und der Berliner Bollschor, von Soliften Minna Etel- Wilde, Frieda Langendorf, Eugen Transky, Cornelius Bronsgeeft. Die musikalische Leitung hat Generalmufitdirektor Kleiber übernommen. Verfassungsfeier in allen Berliner Soulen. Einzelne Anfragen veranlassen das Provinzialschulfollegium, wie der Amtliche Preußi sche Pressedienst mitteilt, festzustellen: Gemäß dem Erlaß des Minifters für Wissenschaft, Kunst und Voitsbildung vom 20. Juli d. J. findet am ersten Schultage nach den Sommerferien, den 11. Auguft, in allen Schulen Groß- Berlins eine Berfassungsfeier statt, bei der Die geschichtliche Bedeutung des Tages dargelegt wird. Die Teilnahme ist verbindlich, der Unterricht fällt an diesem Tage aus. zu vereinfachen. In Norwegen befinden sich viele einzelne Höfe in großer Entfernung voneinander und von der nächsten Stadt. Das allmonatliche Ablesen der Zähler in diesen abgelegenen Höfen würde Die Gesellschaften schließen mun neuerdings mit den Stromabnehmern einen ungewöhnlich großen Aufwand an Arbeitskräften erfordern. Jahresverträge ab, die auf eine Höchstzahl von Kilowattstunden und auf eine wahrscheinliche mittlere Berbrauchszahl von Kilowattstunden lauten. Es wird fein Bähler installiert, sondern nur ein tleiner Apparat, der als„ Strombegrenzer" bezeichnet wird und der den Strom felbfttätig ausschaltet, sobald ein bestimmter Effett überschritten wird. Der Berbraucher wird dadurch aufmerksam und hat für Verminderung der Stromentnahme zu forgen. Nor wegen gehört bekanntlich in bezug auf Elettrizitätserzeugung und -verbrauch zu den fortgeschrittensten Ländern. Namentlich ist seine moderne Tarifpolitik zu erwähnen, die sich völlig von der vers fehrten deutschen Hochtarifmethode unterscheidet. Fachschulen für Arbeitslose in England. Sm Oberhaus fündigte der Arbeitsminiſter bie Errichtung von pler Unterrichtsanitaiten an, in denen Arbeitslofe in fedismonaticen Skursen in der Landwirtschaft und auf anderen geeigneten Gebieten ausgebildet werden sollen. Der vierte Infernationale Kongreß für Unfallhellfunde und Berufs. frankheiten findet vom 8. bis 12. Ceptember in Amsterdam statt. Auf dem Kongres werden auch eine beträchtliche Anzahl hervorragender deutscher Chirurgen und Sozialhygienifer mit Borträgen vertreten fein. Für die 50 jährige Sorhhift. In Paris hat fürzlich die internationale literarische und fünlerische Vereinigung ihren 4. Kongres abgehalten. Die wichtigste der gefaßten Entschliehungen war die für die Vereinbeitlichung der Dauer der Schugfrist auf 50 Jabre. Die Verlängerung der Schußfriſt von 30 auf 50 Jahre wird auch in Deutschland und Desterreich besonders ber Konferenz behandelt. Bisher besteht es nur in Frankreich und Belgien in den Streifen der Mufit gewünscht. Auch das Nachfolgerecht wurde aut späteren Berühmtheit ihrer Irbeber in öffentlichen Bersteigerungen zu be zum Nuken derjenigen Künstler, deren Weile unter dem Einfluß der deutend höheren Preisen verkauft werden, als die Künstler selbst dafür erhielten. begangenen Straftaten, knsbesondere auch der Auwiber» Handlungen gegen Strasvorschristen, die sich auf Jnslationeoorgänge bezogen, wie z. B, Preistreibereioeori-rungen, Verordnungen über den Handel mit Lebens, und Futtermitteln usw. Sozialdemokraten. Kommunisten und Völkische stimmten gegen den zweiten Teil der Emschliehung, der sich auf die Verstöße gegen gewisse Handelsver- Ordnungen bezieht. Die Sozialdemokratie wünschte eine Fasjung, aus der hervorgeht, daß nicht die großen Schieber, sondern die vielen kleinen Sünder amnestiert werden sollten, die unter der Not der Inflationszeit sich strafbar gemacht hatten. Der Durchpeitscbungsplan. Nene Beschränkung der Redezeit bei der Steuerdcbatte. Nach einem Beschluß des A e l t e st e n r a t s des Reichstags. der vor der gestrigen Plenarsitzung zu einer Sitzung zusammentrat, soll am Freitag die dritte Lesung der Steuergesetze und am Sonn- abend die zweite Lesung der Z o l l o o r l a g e auf die Tages» Ordnung gesetzt werden. Darüber, bis wann die Beratungen zu Ende geführt werden sollen, wurde noch kein Beschluß gefaßt. Bei der dritten Lesung der Steuervorlagen soll jede Partei im ganzen drei Stunden Redezeit zur Verfügung hoben, gleichviel, welcher Redner und zu welchen Teilen der Vor» lagen er sprechen wird. Ueber die Einteilung der Beratung der Zolloorlage ist eine Per- einbarung noch nicht erzielt worden, es soll heute im Aeltestenrat darüber weiter verhandelt werden. Von einer Sonntagssitzung wird voraussichtlich Abstand genom- wen werden, desgleichen soll am Dienstag, dem. Verfassungstage, keine Sitzung stattfinden. Zentrum und Seamtennot. Zunehmende Mißstimmung. Ein Beamter aus Westfalen, der Zentrumsmann ist, schreibt uns: Das Zolltompromiß ist zustande gekommen, die Mieten sind auf 130 Proz. festgesetzt. In der Zentrumspresse wird Lärm ge» schlagen ob der Angriffe von sozialistischer Seite auf die Zentrums- abgeordneten. Es ist ja wohl hauptsächlich das Verhalten der Ver» treter der Arbeitnehmerschaft des Zentrums gegeißelt worden. Zur Arbeitnehmerschaft gehören auch die Beamten, also auch der Sprecher des Zentrums in Beamtenangelegenheiten DPI. A l l e k o t t e. Allekotte hat bei den katholischen Beamten in letzter Zeit eine gewisse Berühmtheit dadurch erlangt, daß er alle Anträge auf Besserstellung der unteren Beamten niederstimmen half: dies gilt auch für die An- träge auf Verbesserung der Rechtsverhältnisse der Beamten. Wo es aber darum ging, die Lebenshaltung zu verteuern, die Mieten zu erhöhen, Brot. Fleisch, Gemüse, Kartoffeln zu verteuern, da hat die Zentrumsfraktion tapfer mitgeholfen. Man mache doch nicht den ewigen Einwurf, die Wirtschaft verlange das. Wie es in der Wirt- fchaft aussieht, wissen wir auch. Wir kennen auch die Adreßbücher mit den Namen der Aufsichtsratsmitglieder und der Direktoren, die sich im Vergleich zu den Vyrkriegszesten wohl um 1000 Proz. ver- mehrt haben. Wir kennen aber noch mehr unsere eigene Not. Eines ist sicher, das Zentrum hat wohl selten so wenig sozial gedacht wie jetzt. Ein monatliches Einkommen von 1?0 M. ist nach Zentrumsansicht genügend für eine Familie von zwei Köpfen und erträgt noch eine weitere Verteuerung. Zugleich ein Wort über das Kinderprivileg, das vom Zentrum hauptsächlich vertreten wird. Das Vorkriegsgehalt erreicht ja bekanntlich erst der Verheiratete mit zwei Kindern: der Unverheiratete erhält keine 70 Proz. Bei diesen Leuten langt es manchmal nicht zum Kostgeld, geschweige zur An- fchaffung eines Anzuges. Don Ersparnissen zur Gründung eine? Haushaltes ganz zu schweigen. Ihr Vertreter der christlichen Arbeit» nehmerschast, wir fragen euch, wie sollen diese Männer zur Grün- dung eines Hausstandes kommen? Wie sollen diese Leute sich durch, hungern, bis sie das Dorkriegseinkommen erreichen? Ist das christ- liches Recht, daß man auf der einen Seite stets Pflichten gegen Staat und Kirche erfüllen soll und andererseits die Arbeit ZOjähriqec Männer so bewertet wird, daß sie gar keinen Hausstand gründen können? Damit ist nicht gesagt, daß die kinderreichen Fomil'en zu viel erhalten. Es geht jetzt eine Notiz durch die Presse, die Rc» gierungsparteien beabsichtigten, die Gehälter der Gruppen 1—6 um 12 Proz.. die der anderen Gruppen um 10 Proz. zu erhöhen. Wirk- sich sehr sozial denken die Regierungsparteien, denn das bedeutet für die unteren Gruppen ein Mehr von 10 bis 14 M., für die anderen ein Mehr bis zu 80 M. Das Zentrum hat jetzt noch einmal Ge» legenheit, feine, soziale Gesinnung zu zeigen. Wir werden uns die Einstellung des Zentrums und feiner einzelnen Vertreter jetzt genau ansehen: wir verlangen Unterstützung in der vollständigen Auf» rollung des Besoldungssystems. Worte und Bertröstungen haben wir genug: Pflichten bestehen nicht nur für uns, Pflichten hat auch der Staat und somit die Parteien, die ihn verkörpern. Die Pflicht gegen die wirtschaftlich Schwachen hat die Zentrumspartei stark vernachlässigt!_ Das Elsaß als Drücke. Studentische Verständigungsarbeit. Strahburg. 6. August. daß man schon Ansang dieses Jahres zu Beratungen zu- sammentvat und an Viesen Beratungen das R e i ch s m i n i st e r i u m des Innern genau so tellgenommen hat wie dos preußische Ministerium des Innern. Nein, es läßt sich nicht leugnen: wenn hier irgend etwas versäumt worden ist, so trägt neben dem preußischen Innenminister der Reichsinnenminister die Verantwortung mit. Es kann la einer solchen Frage keinen deutschen Innenminister geben, der da sagt: hier bin ich desinleressiert. oder hier bm ich nicht orientiert. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.— Zuruf rechts: Schneidemühl liegt in Preußen!) Es liegt aber erfreulicherweise auch noch in Deutschland.(Große Heiterkeit.) Ich weiß nickt, ob sie einmal die Reichsverfassung in der Hand gehabt und daraus ent- nomme» haben, daß das Wanderungswesen zur Koni- peten? des Reichs gehört, daß die Reichsgesetzgebung darauf Anwendung findet. Ich glaube, daß sich daraus auch die Zuständig- lest des Reichdnnenministers ergibt. Im übrigen verweise ich Sie darauf, daß ein so objektives Blatt wie die„Germania" die Hetzereien der Rechtspresse als unverantwortlich bezeichnet hat, weil ganz unzweiselhast der Reicksinncnminister Herr Schiele genau so verantwortlich iür irgendwelche Mißstände sei wie der preußische Innenminister Severing. Voraussetzungen abhängig zu machen, u. a. von vorheriger Einigung der Alliierten über die G e s a m t h e i t der mit dem Karontieproblem zusammenhängenden Fragen. In dieser Forderung liegt für Deutschland die große Gefahr, daß die alliierten Kabinette mit einem fertigen Vertragsentwurf zur Konferenz kommen und Deutschland vor die Alternative gestellt wird, entweder den Plan der Alliierten in Bausch und Bogen an- zunehmen oder die Verantwortung für ein Scheitern der Verhand- lungen zu übernehmen. Wenn auch zunächst nicht anzunehmen ist. daß die englische Regierung sich zu einem solchen Verfahren bereit- finden wird, das Deutschland vor vollzogene Tatsachen stellen und seine Zustimmung zu der geplanten Konferenz zu einer Farce machen würde, so scheint man doch andererseits in Paris die Hoff. nung zu hegen, daß man das englische Auswärtige Amt durch Zugeständnisse an anderen Gebieten, vor ollem in der Frage von Mossul und bei der Beilegung der Wirren in China, den französischen Wünschen gefügig machen könne. Auf jeden Fall dürfte die Konferenz kaum vor Ende September oder Anfang Oktober stattfinden. Man rechnet in Pari» damit, daß, falls es in London zu einer Verständigung Briand-Chamberlain kommt, die franzö- sische Antwort kommende Woche nach Berlin abgehen wird, und man scheint dann zunächst abwarten zu wollen, welche Haltung Deutschland zur Frage des Eintritts in den Völkerbund ein» nehmen wird._ Zranzofenfchlappe im Jorüanlanö. Jerusalem, ö. August.(WTB.) Nach Berichten au« Amman gelang e» den auiständischen Drusen bei den Kämpfen mit franzö- iiscken Truppen, mehrere Geschütze zu erobern und die Stadt S u c i d a. die H a u p t st a d t der Jebel-Drusen. einzunehmen. Die Drusen sollen 100 mir Munition und Borräten beladene Kamele erobert, die Franzosen zahlreiche Verluste an Toten und Verwundeten erlitten und sich nach Ezra zurückgezogen haben. unö Polen. iber die Optantenausweisnngett. Ich will die wenigen Minuten, die mir noch bleiben, nicht dazu oerwenden, dem Herrn Kollegen B r e d t auf das Gebiet der aller- höchsten Politik zu folgen. Er hat von Polen als von einem k ü n st l i ch e n Staat gesprochen Ich glaube, diese Bezeichnung kann man auf andere Staaten auch anwenden. Er hat Polen nur eine Existenzfrist von einigen Jahren zugemessen. Ich glaube, er wird sich als schlechter Prophet erweisen. Ich weiß auch nicht, woher et die Gabe der Prophetie hat: denn in der Bibel steht meiner Er- innerung nach, daß seit der Zerstörung Jerusalems nur noch die Kinder und die Narren die Gabe haben, Propheten zu sein(Hettcr- keit links.), und Herr Bredt gehört zu keiner dieser beiden Kate- gorien.(Erneute Heiterkeit.) Ich glaube. Herr Kollege Bredt, daß Sie Ihre Ausführungen besser bei der Beratung des auswärtigen Etats oder ober, wenn Sie so lange nicht warten wollen, beim Abendschoppen gemacht hätten.(Wiederholte Heiterkeit. Zuruf rechts: Das hat mit der Optantenfroge unmittelbar nichts zu tun!) Ganz recht, aber weshalb machen Sie fortgesetzte Zwischenrufe? Glauben Sie, daß ich gewillt war, mit Ihnen Gedanken auszu- tauschen? Dabei mache ich doch nur ein schlechtes Geschäft.(Große Heiterkeit.) Ich möchte meine Stimme über die Wände dieses Hauses er- heben, und ich möchte wünschen, daß sie dort, wo sie gehört werden soll, vernommen wird. Ich möchte mich nämlich von dieser Stelle aus an die polnische Regierung wenden und möchte ihr sagen: das polnische Volk soll nicht glauben, daß das deutsche Volt ihm feindlich gesinnl ist.(Sehr wahr! links.) Die Erde hat Raum für Polen und für Deutschland. Ich kenne die polnische Kultur, und ich schätze sie.(Hört! bört! rechts.) Sie werden mir, glaube ich, nicht ein einziges polnisches Wert nennen können, das Sie gelesen haben, während ich Ihnen die Versicherung gebe, daß ich in den langen Iahren, die ich in dem gemischtsprachigen Gebiet verbracht habe, eine sehr geraume Zeit auf das Studium der polnischen Lite- ratur verwandt habe. Ich sage, der polnischen Sullur und der hohen Religiösilät, die dem polnischen Volke eigen ist, ist die Maßnahme unwürdig. die die polnlsche Regierung jelzl gelroffen Hai. Die polnische Regierung hat Glück gehabt. Diese Massenaus- Weisung war geeignet, einen Entrüstungsschrei in der anzen Welt auszulösen. Aber freilich, wenn man in eutschland, dem nächstbetroffenen Lande, in weiten Kreisen keine andere Sorge hatte als die, den Innenminister, dem man schwer- wiegende Vorwürfe gar nicht machen kann, sofort zur Strecke zu bringen, was soll sich dann die Welt um diese Maß- nähme kümmern?(Lebhaste Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Das ist diesmal das Glück der polnischen Regierung gewesen. Möge sie nicht glauben, daß sie es immer haben wird. Ich bin so objektiv, daß ich eine Abneigung gegen uns, gegen Deutschland, auf Grund der Vergangenheit bis zu einem gewissen Grade begreife.(Hört! hört! rechts.) Begreifen Sie dos nicht? Dann bitte ich Sie, einmal an das Enteignungsgesetz, das Hundertmillionengesetz und andere derartige Gesetze zu denken. (Große Unruhe rechts. Glocke.) Ich sage aber der polnischen Regierung: Man kann weder vom Groll leben noch davon, daß man imstande Ist. ssch auf das formale Recht zu berufen. Die Grundlage der Siaaleu muß die Sittlichkeit und die höhere Gerechtlgkeil sein. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten und den Demokraten.— Pfuirufe bei den Völkischen.— Erneuter Beifall und Händeklatschen links.) Mg. v. Ramin(Volk.) erklärt, solche Vorgänge, wie die polnische Ausweisung seien nichts als die Folge der Erfüllung»- rolttik, die seit Unterzeichnung des Schandfriedeizs gettieben werde. Man müsse endlich einmal das Steuer herumreißen.(Beifall und Hellrufe bei den Volk.— Zurufe links: Ludendorif!) Mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten wird eine interfraktionelle Entschließung angenommen, die folgendermaßen lautet: Der Reichstag protestiert gegen die von der Regierung der Republik Polen gegen die deutschen Optanten rücksichtslos verfügten Ausweisungen. Er gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß durch eine solche Per, letzung unveräußerlicher Menschenrechte dem Frieden der Welt nicht gedient wird. Der Reichstag fordert die Reichsregieruna auf. auch weiterhin alle Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um die polnische Regierung von der Fortsetzung einer so verderblichen Politik fernzuhalten und mit aller Kraft für das Wohl und die Zukunft der vertriebenen Deutschen zu sorgen. Alle übrigen Antröge werden mit Ausnahme der der Völkischen und Kommunisten zurückgezogen. Die Anträge der letztgenannten Parteien wurden abgelehnt. Die von den Abg. Gildemeister(D. Vp.) und Genossen ein- gebrachte Novelle zur Verordnung über die Kraftfahrzeug- linien wird ohne Debatte in zweiter und dritter Beratung an- genommen. Die Novelle zur Verordnung über den Verkehr mit Vieh und Fleisch wird gleichfalls debattelos in zweiter und dritter Beratung endgültig angenommen. Um 9 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag. 10 Uhr vorm. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung d.e r Steuervorlagen, ein Zentrumsantrog auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses über die Berhältnisse in der Verwaltung des Branntweinmonopols und die zweite Beratung des Zolltarifs. flbbau der Reise-Erschwerung. Auch das Schweizer Visum soll verschwinden. Genf, 6. August.(Eigener Drohtbericht). Die unmittelbar bevorstehende Aufhebung de» Sichtvermerks zwischen Teutschland und Deutschösterreich, der bald die gleiche VerkehrSerleichterung zwischen den zwei deutschen Republiken und der Tschechoslowakei folgen dürfte, hat den Schweizer Bundesrat zu gleichem vorgeben angeregt. Die Sichtvermerlsfreiheit, die schon zwischen der Schweiz und Frankreich besteht, soll auch auf die drei anderen Nachbar- staaten der Eidgenossenschaft ausgedehnt werden. Entsprechende Verhandlungen mit den Kantonregierungen sind eingeleitet. Zu Miigliedern des verwalkungsral» der Deutschen Renlen- bank kcreditanslatt sind neben einer Reihe von führenden landwirt- schaftlichen Unternehmern und einigen Beamten berufen worden der 1. Borsigende des Deutschen Landarbeiterverbandes Georg Schmidt- Köpenick und der 1. Dorsitzende des Christlichen Land- ardeiterverbondes Franz Behrens. Die neue vonzlger Regierung dürfte am 19. d. M. gewählt werden und am 20. d. M. ihr Amr anlreten: sie wird au« Zentrum, Liberalen und Sozialdemolraten bestehen. Norwegen rüstet ab. Di« Militärkommission de« norwegischen Parlament» hat mit den Stimmen der Mitte und Linien gegen die Rechte vorgeschlagen, da» Militärbudget de» Lande« von 40 ans 30 Millionen Kronen herabzusetzen. In Alarotko haben die Franzosen die neue Eisenbahnlinie Kanilra— Ainvesali eröffnet.— Tie Franzosen hatten in den letzten Tagen einige Erfolge. Nördlich de» Uerghaflusse» drangen einig« Abteilungen vor. Die Eingeborenen mußten an mehreren Stelle» ihre vorgeschobenen Posten zurückziehen. Die Bauunternehmer sperren aus. Zur Ausübung der Kontrolle über die Baufirmen. Seit vier Wochen streifen in Berlin die Bauarbeiter. Nachdem| Mielenz, wider besseres Wissen, eine unwahrheit. Bor uns liegt bie Tariforganisationen des Baugewerbes beschlossen haben, daß ein Schreiben an einen Bauunternehmer, gez. von dem Syndifus überall dort die Arbeit aufgenommen werden tann, Mielenz, in dem der betreffende Bauunternehmer aufgefordert wird, wo die Unternehmer die Mindestforderungen bewilligen und sich darüber zu erklären, ob die Mitteilung, daß er die Forderung bewilligt habe, richtig sei. Falls eine Antwort nicht erfolge, würde unterschriftlich anerkennen, ist der Streit insofern in ein neues Stadium getreten, ais die Zahl der Firmen, die die Forderungen der Verband den betreffenden Bauunternehmer als einen abtrünnigen anerkennen, von Tag zu Tag zunimmt. Diesem„ Unheil" sucht nun der Verband der Baugeschäfte von Groß- Berlin zu begegnen. Durch Rundschreiben vom 4. Auguft hat er für heute die Aussperrung im Zarifgebiet von Groß- Berlin angeordnet. Das Rundschreiben trägt den Titel: Der Kampfsteht gut für uns!" Mit dieser Ueberschrift will der Verband der Baugeschäfte offenbar fich und seinen Mitgliedern Mut machen. In dem Rundschreiben heißt es: ,, Die Bemühungen der Gewerkschaften, die Unternehmer des Baugewerbes zur Anerkennung ihrer Bedingungen zu bringen, fönnen als gescheitert angefehen werden. Nur einige fleine Firmchen" find abgefallen." Dazu ist zu bemerken, daß unter den mehr als 300 Firmen, die in Berlin die Forderungen der Bauarbeiterorganisationen bewilligt haben, sich gewiß auch eine größere Zahl fleinerer Firmen befindet, aber auch Großbetriebe und viele Mittelbetriebe. Alle anderen Geschäfte, die sich bewußt sind, daß sie mit der Bewilligung der Forderungen der Gewerkschaften sich für ein volles Jahr von jeder Tätigkeit ausschließen, stehen einmütig und mit größter Entfchloffenheit zum Berband, von dessen Mitgliedern nicht ein einziger untreu geworden ist" Wozu wir zu bemerken haben, daß nicht nur eine Mitgliedsfirma des Verbandes der Baugeschäfte, sondern eine größere Anzahl ,, untreu" geworden sind. Die Drohung, daß die Firmen, die die Forderungen bewilligen, ich für ein volles Jahr von jeder Tätigteit ausschließen", fann unter den gegen wärtigen Umständen nur lächerlich wirken. Sie zeigt aber, mit welbehandeln. Aus diesen Tatsachen geht mit voller Deutlichkeit hervor, daß die Behauptung der Heuer- Mielenz, die Unternehmer fönnten die Forderungen nicht bewilligen, weil sonst das Baugewerbe zum Stillstand fäme, von den Unternehmern selbst Lügen gestraft wird. Eben weil trotz des größten Terrors, der von den Unternehmern ausgeübt wird, die Zahl der Bauunternehmer, die die Forderungen bewilligen, und dabei sehr gut fahren, täglich zunimmt, gerade, um diese Belebung des Baumarktes zu verhindern, hat die Unternehmerorganisation die Aussperrung beschlossen. Diese Aussperrung ist ein Berzweiflungsaft. Es ist der Verzweiflungsakt von Leuten, die jede Auseinandersetzung mit der Arbeiterschaft als Machtprobe" ansehen und die mit diesem Berzweiflungsaft den Zusammenbruch ihrer Machtpolitit zu verhindern hoffen. Unterstützungsaktion für die Ruhrbergarbeiter. f herbeizuführen. Der 3011trieg macht fich in tatastrophafer Weise bemerkbar. Vornehmlich sind davon die Drahtmerte in Gleiwit und Hindenburg betroffen. Mehr als 4000 Arbeiter dieser Industrie arbeiten seit Wochen nur drei Tage in der Woche. Die Löhne stehen in feinem Vergleich zu der angezogenen Leuerung. Die Spigenlöhne betragen 45 fürgelernte Arbeiter, für ungelernte 33 Pf. Die Arbeitgeber fordern, daß diese Löhne abgebaut werden. Im Beigerungsfalle drohen sie mit weiterer Betriebseinschränkung. Die Metallarbeiterverbände haben die Forderung nach ohn herabsegung als undistutabel zurüdge. wiesen und eine Lohnerhöhung beantragt. Diese ist von Arbeitgeberseite abgelehnt worden. Der Schlichter soll in diesem Streitfall entscheiden. Gelingt es der deutschen und polnischen Regierung nicht, auf die Scharfmacher in beiden Teilen des Abstimmungsgebietes einzuwirken, dann geht die Wirtschaft einer Ratastrophe entgegen. Die Arbeiterschaft ist empört, weil ihr vor der Abstimmung von beiden Regierungen Versprechungen gemacht worden find, an deren Einlösung keine der beiden Regierungen ernstlich denkt. Zum Kapitel Einheitsfront. Zu der Berichtigung", die der Vorfißende des sogenannten Verbandes der ausgeschlossenen Bauarbeiter in Berlin, Paul Kaiser, uns zugeichidt hat und die wir in unserer Abendausgabe vom 3. August veröffentlicht haben, wird uns geschrieben: IN Es ist richtig, daß die Versammlung, in der Kaiser gegen die Wiedervereinigung seine Attade ritt, nicht in Lichtenberg stattfand. Die Versammlung wurde abgehalten im Steuerhaus", Landsberger Allee Ede Röderstraße, also hart an der Grenze von Lichtenberg. Kaiser gibt in seiner Berichtigung zu, daß über die Wiedervereinigung erst nach dem Kampfe geredet werden könne. Das enthält gleichzeitig das Eingeständnis, daß er gegenwärtig von der Wiedervereinigung nichts wissen will. Ueberraschend ist allerdings, daß Kaiser den Mut zu dieser Berichtigung" aufbringt. Denn seiner Rede, die sich nebenbei auch gegen die KPD richtete, wohnte eine zu große Anzahl Zeugen bei, als daß die Tatsachen noch weggeleugnet werden könnten. m Am Freitag tritt im Reichsarbeitsministerium in Berlin der Ausschuß für die Umsiedlung und Umschichtung der erwerbslosen Bergarbeiter im Ruhrgebiet für die Unterstützung der Arbeitslosen und für die Entschädigung der Belegschaftsmitglieder der stillgelegten Betriebe zusammen. Der Ausschuß für die Nachprüfung der Selbstkosten und der sozialen Versicherungsbeiträge wird am Sonnabend im Reichsarbeits- Schiedsspruch für den Braunkohlenbergbau. ministerium tagen. Jm Reichsarbeitsministerium wurde ein Schiedsspruch für den mitteldeutschen Braunkohlenbergbau gefällt, der eine Lohnerböhung von 8% für das Kerngebiet und eine solche von 3 bis 5% für ab 1. August. chen terroristischen Mitteln die Unternehmer arbeiten, die sonst nicht Aussperrung der Hüttenarbeiter in Oftoberschlesien. bas Randgebiet vorsieht. Die Rohnerhöhung erfolgt rüdwirkend genug über den Terror der Gewerkschaften schreien können. Um eine einwandfreie Rontrolle über alle Bauarbeiten im Tarifgebiet vornehmen zu können, und um der Arbeiterschaft zu beweisen, daß der eiserne Wille der Arbeitgeber, diefen Streit unter allen Umständen abzuwehren, jetzt nach viermöchiger Dauer des Kampfes genau fo fest wie am ersten Tage besteht, hat die außerordentliche Hauptversammlung des Verbandes am 3. August 1925 beschlossen, am Arbeitsschluß des 7. August 1925 alle jeht noch in den Betrieben befindlichen baugewerblichen Arbeitnehmer zu entlassen." Es folgen dann genaue Anweisungen, wie die Aussperrung vorzunehmen ist, wer ausgesperrt werden soll usw. Notstandsarbeiten", heißt es dabei u. a. ,,, dürfen nur mit 3ustimmung des Bor. standes ausgeführt werden." In der nicht unbegründeten Annahme, daß die Mitglieder sich an einen derartigen Aussperrungsbeschluß nicht mehr halten werden als an die vorhergehenden Anweisungen, alle Forderungen unbedingt abzulehnen, hat die Hauptversammlung des Verbandes der Baugeschäfte beschlossen: Daß in jedem Falle eines solchen Verstoßes eine Buße Don 50 Reichsmart für jeden weiterbeschäftigten Arbeitnehmer und für jede Woche der Beschäftigung zu verhängen ist." Weiter beschloß die Hauptversammlung, daß es den Verbands. mitgliedern während der Dauer des Kampfes untersagt ist, Baumaterialien, Maschinengeräte, Gerüste und Werkzeuge anderen Baugeschäften zur Ausführung von Bauarbeiten zu überlassen. Dann heißt es in dem Rundschreiben: Mit Rücksicht darauf, daß fast alle Betriebe unter Mangel an Betriebstapital zu leiden haben, und ihre Berbindlichkeiten zum größten Teil mur aus den laufenden Einnahmen decken können, deren Eingang durch den Streit stodt, sind wir gern bereit, an die Gläubiger der baugewerblichen Betriebe unter Darlegung der Ursachen des schweren Kampfes im Berliner Baugewerbe die dringende Bitte zu richten, fällige Forde rungen bis nach Beendigung des Streits zu st u nden, feine Maßnahmen irgendwelcher Art wegen verzögerter Zahlungen einzuleiten und insbesondere teine Wechsel der Baubetriebe zu Proteft zu geben." Das Rundschreiben sagt allerdings nicht, was der Verband der Baugeschäfte tun will, wenn seiner ,, bringenden Bitte" von den Gläubigern nicht stattgegeben wird. In Puntto Finanzen will er wohl Getbbußen verhängen, aber offenbar ist er nicht in der Lage, den finanziell bedrängten Unternehmern irgendwelche tatsächliche Hilfe angedeihen zu lassen. Wenn es in dem Rundschreiben heißt, daß nicht eine einzige mit gliedsfirma des Verbandes untreu geworden sei, so behauptet die Unternehmerorganisation, gez. Otto Heuer und Dr. Georg Sie fämpfen um den Achtstundentag! Am 21. Juli lief die Frist ab, bis zu der die Arbeitszeit in Ostoberschlesien auf 10 Stunden verlängert worden war. Mit diesem Zeitpunkt sollte in allen Hüttenwerten und 3inthütten die breiteilige Schicht bzw. der Acht stundentag wieder eingeführt werden. Schon vor Ablauf dieser Frist ließen die Arbeitgeber nichts unversucht, um das Infrafttreten der gekürzten Arbeitszeit zu hintertreiben. Mit Dentschriften und Eingaben wurde die polnische Regie rung bombardiert, bis sie dem Drängen der Arbeitgeber in einigen Buntien nach gab. Die achtstündige Arbeitszeit sollte nach der Verfügung des Ministers Sotal nach und nach in den einzelnen Betriebszweigen der Eisenindustrie wieder ein geführt werden. Die Arbeiterschaft blieb dabei nicht müßig. Auch sie versuchte auf die Regierung einzuwirken, das Versprechen, den Acht. stundentag ab 1. August in den Eisenhütten wieder einzuführen, einzulösen. Langwierige Verhandlungen mit den Organifationsleitungen gingen voraus. Das Resultat war die erwähnte Zusage des Ministers Sotal. Betriebsrätekonferenzen und Belegschaftsversammlungen forderten die sofortige EinDie Organija= führung des Achtstundentages. tionsleitungen forderten die Arbeiterschaft im Gesamtbezirk auf, ab Montag, den 3. August, die Arbeit nach a cht Stunden zu verlassen. Das geschah auf einzelnen Hüttenwerken. Am Dienstag, den 4., wurde die zweite Schicht zur Arbeit nicht zugelassen( 3wei- Uhr- Schicht). Verhandlungen waren erfolglos. Die Arbeitgeber bestanden auf der Leistung der Zehnstundenschicht. Nachdem die Arbeiterschaft diese Forderung ablehnte, find am Mittwoch, den 5. August, nachstehende Werte ausgesperrt worden: Ferum- Baldion- und Marthahütte bei Rattomih, Bismardund Falvahütte in Bismarckhütte, die Königs- und Laurahütte und die Friedenshütte, sowie das Eisenwert Baruschowiz bei Rybni?. In Betrieb ist mir noch das Elektrizitätswert Chorzow und die Hubertushütte bei Beuthen. Notstandsarbeiten werden von den Angestellten verrichtet. Zurzeit befinden sich die Organisations. leitungen in Warschau, um mit der Regierung über die Maßnahmen des Arbeitgeberverbandes zu verhandeln. In legter Stunde find auch noch die Arbeiter der 3inthütten teilweise ausgesperrt worden, so daß von der Aussperrung etwa 35 000 Arbeiter betroffen find. Der Bergbau ist von dieser Bewegung unberührt und arbeitet unter Einlegung von Feierschichten weiter. die Hüttenarbeiter in Frage fommen, von großer Bedeutung. Auch Diese Bewegung ist auch in Westoberschlesien, soweit hier ift der Streit um die Arbeitszeit an den Hoch öfen und in den Rotereien noch nicht erledigt. Hier soll die Arbeitszeit am 1. Ottober auf acht Stunden festgesetzt werden. Die Arbeitgeber werden auch diesen Termin nicht einhalten wollen und versuchen eine Verlängerung der Frist Baldwin rechtfertigt sich vor den Unternehmern. London, 6. August.( Eigener Drahtbericht.) Die Unterhaus debatte über die Grubensubventionen wurde am Donnerstag von Baldwin eingeleitet. Er erging sich dabei in heftigen Vorwürfen gegen die Gewerkschaften und sagte, es habe lein anderes Mittel als die Subventionen mehr gegeben, um einen unglückseligen Streit Die Regierung hätte einer geschlossenen Au vermeiden. Front von Gewerkschaften, die mit dem Generalstreit drohten, gegenübergestanden. Wenn diese Drohung von der ganzen Arbeiterpartei gutgeheißen worden wäre, so zeuge das von gar feinem Verständnis. Sollten wir wieder einmal einer solchen Herausforderung begegnen müssen, so werden wir in diesem Hause daran zu erinnern haben, daß unmögliche Forderungen einer Minderheit hinter dem Wohle der Allgemeinheit zurückzutreten Am Schlusse der Rede Baldwins applaudierten die baben. Konservativen, in den Reihen der Abgeordneten der Arbeiterpartei wurden Protestrufe laut. Streikbeschluß der amerikanischen Hartkohlenarbeiter. New York, 6. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Bergarbeiter in Atlantic City( Philadelphia) haben am Mittwoch einen Ausschuß gebildet, der sofort nach seiner Konstituierung den Streik beginn für den 1. September endgültig festgelegt hat. Kranführer, Anbinder der Berliner Metallindustrie. Sonnabend abend 6 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24, Aufgang B, parterre, Rimmer 4, Tagesordnung: Stellungnahme zur Regelung der Lohn Bollversammlung. verhältnisse. Die Betriebsräte und Vertrauensleute werden ersucht, die in ihren Betrieben tätigen Kranführer und Anbinder auf diese Versammlung zu verweisen. Deutscher Berkehrsbund. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Friz Karstäbt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerel und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin S. 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Die alten Indianer wußten wohl warum sie den Mais anbauten, er garantierte ihnen ihr Leben! MAIZENA ist das beste und edelste Maisprodukt. Auch der schwächste Magen kann es verdauen. Darum bekommt es Kindern so gut und Kranken und Genesenden. Kochbüchlein gratis durch die Deutsche Maizena Gesellschaft A.-G. HAMBURG 15. Hermann Billige Lebensmittel Tiefz Mengenabgabe vorbehalten Frisches Fleisch Hammelleisch( Dicke Rippe) Prand 82PL Hammelkeulen Kalbskamm Kalbsrücken u. Brust Kalbskeulen .... Pfund 100 Pfand 80PL ....... Pfund 90Pf. ........... Pfund 1 Schweinehauch ohne Beilage.......... Pfand 115 Schulterblatt ohne Beilage.............. Pfund 125 Rindertale selbst ausgelassen......... Pfund 70PL Schweineköpfe mild gepökelt,.... Pfund 30P. Rinderherzen gefroren... Pfand 32PL gefroren................ Pfund Pa. Rinderbacken gefroren, ohne Knochen fur Gulasch..... Pfund Pfund 40Pf. Pa. Ochsengemüsefleisch gefroren, 50PL ****** Pfand In unserer Konfitürenabteilung: Bansdorp- Kakao garantiert rein Kakao garantiert rein Pfefferminz- Mersellen............. Schmelz- Schokolade 100g 8 Tatein 1,00 85Pf. ......... Pfund 55Pf. Pfund 95Pt. Kolonialwaren Weizenmehl Prand 21 pr. Auszugmehl Pfund 25Pt. Weizenpuder Pfand 45Pt. Weizengriess Pfand 25Pt. Makkaroni.... Pfand 48Pt. Fier- Schnittnadeln Ptd. 50Pt. 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Zeichnungen von Räthe Kollwig, Steinert, Strein und Lehnert. Preis 50 Pf. Jm Reichsbanner- Warenvertrieb, Sebastianftr. 87/88, geöffnet von 9 bis 7 Uhr, ist soeben zur Ausschmückung der Häuser zum Großdeutschen Tag Flaggenpapier, das Meter mit 50 Pf., Großdeutschen Tag Flaggenpapier, das Meter mit 50 Pf fowie Girlanden eingetroffen. Ferner find wieder drei neue Berlaufsstellen für Fahnen eingerichtet: Charlottenburg, Wilhelmshof, Berliner Ede Spreeftr., Friz Hamburg, Steglig, Schloßftr. 108, I., Bettin, Berlin N., Entonſtr. 35. Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold und die aus dem Reich eingetroffenen Republikaner sammeln sich am Sonntag vormittag an verschiedenen Stellen der Stadt, um von dort aus geschlossen mit An der bereits gemeldeten Wasserforsofahrt der Republikaner den Republikanern des betreffenden Stadtteilts zur Verfassungs- werden außer den Ruderern, Boot- und Kanufahrern auch eine jeier im Treptower Bart zu fahren oder zu marschieren. Dieses große Anzahl Segelboote teilnehmen, die, wie alle anderen Boote, Sammeln gibt Gelegenheit zu 20 großen Berfassungsreichen republikanischen Flaggenschmuck tragen. feiern innerhalb der verschiedenen Stadtteile Berlins. Als Redner auf diesen Bezirks- Verfassungsfeiern sind folgende Persönlichkeiten gewonnen worden. Chefredakteur Georg Bernhard, Mitglied des Preußischen Staatsrats Czeminsti, Erdmannsdörfer, Chefredakteur Helmut v. Gerlach, Senatspräsident Großmann, Landtagsabgeordneter Harnisch, Bürgermeister a. D. Heßlein, Dr. Hirschfeld, Reichstagsabgeordneter Rogte, Reichs tagsabgeordneter Künstler, Dr. Lammrich, Direktor Dr. Löffler, Landtagsabgeordneter Otto Meier, Mertens, Reichstagsabgeord neter Dr. Moses, Redakteur Nomad, Professor Paul Oestreich, Oberregierungsrat Dr. Simons, Reichstagsabgeordneter Otto Wels. Die Feiern finden in folgenden Stadtteilen zu den angegebenen Zeiten ftatt: Fahnentompagnie: Abmarsch pünktlich 12,30 Uhr ab Dircksenstraße; Kameradschaft Tier. garten: Magdeburger Play 10,50 Uhr; Kameradschaft Wedding: Schillerpart 10 Uhr; Kameradschaft Prenzlauer Berg: Arnswalder Plaz, Trakehner Straße, 11 Uhr bis 11,20 Uhr; Kameradschaft Friedrichshain: Weberwiese 11 Uhr; Rameradfchaff Kreuzberg: Belle- Alliance- Platz 11 Uhr; Kameradschaft Charlottenburg: Luisenplatz 11 Uhr; Kameradschaft Spandau: Rathausvorplatz 10 Uhr; Kameradschaft Wilmers dorf: Fehrbelliner Platz 10 Uhr; Kameradschaft SchönebergFriedenau: Rudolf- Wilde- Play 10% Uhr; Kameradschaft Steglig einschließlich Zehlendorf: Carmerplay 11 Uhr; Rameradschaft Tempelhof: Part an der Bosestraße 11 Uhr; Kameradschaft Neukölln: Herzbergplay 12,15 Uhr; Ramerad. schaft Treptow: Bahnhof Niederschöneweide 12 Uhr; Kamerad schaft Rop enid: Wilhelmplak 11 Uhr, Kameradschaft Lichten berg: Barfaue Lichtenberg 11 Uhr; Kameradschaft Weißensee: Blag vor dem Schloß Weißensee 11 Uhr; Rameradschaft Bantom: Marktplay Pantom 11 Uhr; Kameradschaft Reinickendorf: Maienplay in Reinickendorf 10,15 bis 10,45 Uhr. Dank des Reichsbanners au die Quartiergastgeber. Der Gauvorstand Berlin- Brandenburg des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold ersucht uns, allen, die sich in so liebenswürdiger Weise bereit erklärt haben, Quartiere für die auswärtigen Kameraden zur Verfügung zu stellen, den besten Dank auszusprechen. Es wird hiermit die Bitte verbunden, am Sonnabend abend Rücksicht auf das späte Eintreffen vieler Kameraden zu nehmen und dementsprechend die Häuser offen zu halten. Ankunft der Deutsch- Defterreicher! Die Abordnung der deutsch- österreichischen Republikaner, die zum Großdeutschen Tag am Sonnabend und Sonntag nach Berlin fommen, treffen am Sonnabend früh mit dem fahrplan mäßigen D- 8ug 95 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof ein. Dort werden die Desterreicher von dem Gauvorstand des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold begrüßt. Vor dem Bahnhof nimmt die Kamerad shaft Berlin- Kreuzberg die Desterreichischen Kameraden in Empfang. Deutschösterreicher nehmen an der Verfassungsfeier teil. Aus weiten Kreisen der in Berlin lebenden Deutschösterreicher ift dem Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold der Bunsch übermittelt tborden, den Deutschösterreichern die Teilnahme an der Feier, die ja gleichzeitig den Charakter des großdeutschen Tages trägt, zu ermöglichen. Das Reichsbanner ist diesem Wunsch nachgekommen und hat das Café Bauer, das in unmittelbarer Nähe der Treptower Spielwiese liegt, von 1 Uhr ab als Sammelstelle für die in Berlin lebenden Deutschösterreicher bestimmt. Den Deutschösterreichern ist hier der Zutritt mit Ausweisen der öfterreichischen Bereine und gegen Entnahme der Berfassungstagsabzeichen möglich. Soweit österreichische Vereine mit ihren Bannern an der Beranstaltung teilnehmen wollen, wird um möglichst umgehende Meldung an die Bauleitung des Reichsbanners, Sebaftian ftraße 37/38, gebeten. 1] Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) 1. Es war in der kurzen Dämmerung. Waldemar Raßmussen, ein blonder, mittelgroßer Däne, mit einem mageren Gesicht, saß am Fenster feines Hotelzimmers und starrte über Schanghais schwarze Dächer hinweg. Er dachte nicht. Er sah nur. 0 Der weite Himmel mit der porösen grauen Dämmerungsfarbe schien alle Gedanken in sich aufzusaugen und er empfand ihn blog wie eine ungeheure Leere, die feine eigene, ruhige Seele überspannte. Ein chinesisches Dach, dessen First sich in leichter Biegung wie eine Wäscheleine herabsentte, zog vorübergehend seine Aufmerksamkeit auf fich und es durchzuckte ihn plöhlich, wie fremd die ganze Umgebung war. Unten in der Straße tönte das Traben nackter Füße und ein unaufhörliches Rufen, eine Reihe schwermütiger Schreie. Ein Gemirr gelber Menschen stürzte vormärts, als eilten sie einen Abhang herunter. Automobile und elektrische Bahnen rasten rücksichtslos durch die Menge hindurch, die zur Seite sprang, mit knapper Not dem Tod entging und weitertrabte, als ob nichts geschehen wäre. Baldemar Rasmussen erwachte zu vollem Bewußtsein und steckte sich eine frische Pfeife an. Das Zimmer gefiel ihm. Ringsumher standen gleichgültige Möbel, mie es ähnliche in jedem größeren Hotel hier draußen im Often gab, und alle waren sie durchdrungen von diesem füßlichen und trodenem Duft, der für ihn China bedeutete. Er stammte, wie behauptet wurde, aus den Staubpartikeln der eingetrockneten Ertre mente des großen Boltes her, und er lächelte schwach bei dem Gedanken. Dann stand er auf und zog die Jalousien vor. Jetzt war er ganz er selbst, ein neues Ich, das nach einem schwindelnden Sprung auf der anderen Seite des Erdballs angelangt war, befreit von seinem alten Ich. Hier draußen lebte er sein neues Leben als Zollbeamter, fuhr jeden Tag im Sampan zu den Frachtdampfern hinaus und hielt Wache an Bord, fehrte am Abend nach der Stadt zurüd und lebte ruhig und geradezu. Er war ein anderer geworden, ohne Illusionen, aber | 1 17 Ein betrogener Betrüger. Sigi Goldfaden zu Gefängnis verurteilt. Graf R. hatte dem Sigi Goldfaden das„ Patent" erteilt: Er hat ihn, der einen gesellschaftlich tadellosen Einbrud" machte, in die sogenannten Potsdamer Hoffreise eingeführt. Und nun wurde er geradezu beſtürmt. Und die Gesellschaft der Grafen, Barone, Kammerherren, Hofmarschälle, adelige Damen und Herren buhlten förmlich um seine Gunst: Lieber Sigi, unser Familienschmud verfault in unseren häuslichen Tresors, Hoffeftlichkeiten gibts nicht mehr und unsere Notlage schreit gen Himmel. Hier hast du alles, was wir besitzen! Möge es dir und uns zum Segen gereichen." Und der gute Sigi, großzügig, wie er nun einmal war, ging selbst so weit, au versprechen, den Schmuck für etwaige Festlichkeiten freigeben zu wollen. War das ein patenter Kerl. Und Sigi versprach die toten Juwelen„ lebendig" zu machen, sie zu lombardieren, in Terrains und Industrie anzulegen. Er zahlte auch wirklich die Zinsen. Der Präsident Singer Präfident" Singer fein Bruder besaß Petroleumfelder in Amerika Bertrauensmann Wiener, Barijer und Kopenhagener Banken, der Freund" Sigis und der Bekannte des Grafen R, sollte die Juwelen ins Ausland bringen, schaffte sie auch wirklich fort, holte sich immer neue und als Sigi verhaftet wurde, war der " Präsident" verschwunden und mit ihm auch das viele Geld, das er für die Juwelen erhalten haben mag. So war der Jude Goldfaden der betrogene Betrüger. Er behauptet allerdings, nie ein Betrüger gewesen zu sein. Das Gericht hatte zu entfcheiden, ob Goldfaden, der der Potsdamer Hofgesellschaft so arg mitgespielt hat, geistesgefund oder geistestrant gewesen ist. Den adeligen Herren und Damen könnte dieses schließlich Wurst sein: die Juwelen sehen fie doch nicht wieder. Ob es ihnen ganz egal ist, ob sie sich von einem gefunden oder einem franken Menschen haben einwickeln lassen, mögen fie selber entscheiden. Goldfaden litt nämlich an einer Krankheit des Zentralnervensystems. Das Gericht hatte zu entscheiden, ob er für feine Taten verantwortlich gemacht werden tann. Der Sachverständige Dr. Marcuse meinte, daß die Wahrschein lichkeit einer beginnenden progreffiven Paralnie gegeben sei. Dafür spreche auch seine ungeheure Verschwendungssucht die 300 seidenen Hemden und die 100 Anzüge, feine ethische Hemmungslosigkeit. Der Sachverständige Prof. Seelert wollte von einer beginnenden Gehirnermeichung nichts wissen. Prof. Cramer, der gewiffermaßen als Obergutachter herangezogen wurde, bestritt auch seinerseits nicht die Möglichkeit der beginnenden Krantheit. Das Gericht erklärte aber Goldfaden verantwortlich für seine Handlungen und verurteilte ihn unter Anrechnung der Untersuchungshaft zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis. auch ohne Sorgen. Das Ziel war erreicht! Inmitten eines Raumes, der nur Leere verhieß und eines Lebens, das nur gab, was man ihm entriß, hatte er die Ruhe gewonnen, die er stets als außerhalb seiner selbst liegend empfunden; aber wie war ihm das gelungen Der Abend war lang. Jm Carlton und im französischen Klub wurde getanzt. In allen Teehäusern und Restaurants in Foochow Road war etwas los! Aber er fühlte keine Lust zum Ausgehen. Das frühere Leben in dem fernen Köbenhavn, ihm so fern, daß ihm die internationale Bezeichnung„ Kopenhagen" als der natürliche Name dieser Stadt erschien, fing an in seinem Hirn lebendig zu werden. Dunkle Gestalten nahmen Form an und begannen zu reden; es war vielleicht nicht das, was fie gesagt, sondern, das, was sie hätten sagen fönnen. Es stand vor ihm als Stoff, den er in seinen Mußestunden umbilden tonnie, ohne die innere Wahrheit zu zerstören. Er fühlte das Recht bloß zum Zeitvertreib die Fabel seines Lebens aufzubauen. Das andere Geschöpf, den früheren Waldemar Raßmussen vor sich zu sehen, war sein einziges Ziel und einfam mitten in der Fremde, mit vielen freien Stunden vor sich, begann er zu schreiben. Zufällig befinne ich mich auf mein erstes Weltbild. Es war bruchstücartig und es befanden sich gefährliche Elemente darin; aber damals hegte ich die Hoffnung, es würde zu einem Ganzen zufammenwachſen mit mir als Mittelpunkt, sobald ich zehn Jahre wäre. Es war an einem heißen Sommertage, und für mich steht ganz wie von einem goldenen Lichte überstrahlt da, denn ich wurde sechs Jahre alt. er Meine Mutter hatte einen kleinen Laden in einem alten Haus der inneren Stadt. Das Schaufenster war voller bunter Damenhüte, die auf hohen Messinggestellen hingen und drin im Laden, hinter einem weißladierten Tisch, saß sie selbst und nähte sie. Mit raschen Bewegungen ließ fie die Stoffblumen und farbigen Bändern zwischen ihren Händen hervorquellen. Auf ihrem Schoß und rings um fie herum auf dem Boden schwammen stets abgeschnittene Tuch, Samt und Seidenlappen, die um jo bunter leuchteten, weil sie selbst stets schwarz gekleidet ging. Ich besinne mich noch auf das Kleid, es hingen immer Reste von Nähgarn daran. Hinter dem Laden befand sich ein fleines, dunkles Simmer, dessen Fenster auf einen Hof ging. Erft mehrere Freitag, 7. August 1925 Dies bas Ende des„ hoffähigen" Juden Goldfaden. Der zutünftige Sittenfchilderer der Adeligen der Nachkaiserzeit wird ihm ein paar warme Worte widmen müssen. Auch in den Annalen des Potsdamer Großadels dürfte er einen gebührenden Raurg ein nehmen. Wie sagten doch die Römer: Traue nicht dem Juden, selbst wenn er die Zinsen zahlt." Reichsbahndirektion gegen Verfassungsfeier. Wir erhalten Kenntnis von folgendem Rundschreiben, das die Reichsbahndirektion in Berlin unter dem 4. August d. I hat her. ausgehen lassen: Reichsbahndireffion. Berlin, den 4. August 1925. Anweisung bezüglich Verfassungsfeier. Anträgen auf Ausschmückung der Bahnhöfe und Borplätze ist zur Vermeidung von Berufungen und Störungen im Befrizbe nicht stattzugeben. ( gez.) Zander. Beglaubigt: Kuban. Dieses Schreiben bedeutet eine runde, nette Sabotage des Berfassungstages, der in allen demokratischen Staaten der Erde als der vornehmste nationale Feiertag angesehen wird. Noch auf der letzten Internationalen Arbeiter Olympiade in Frankfurt a. M. war der Vorplaz des Hauptbahnhofs auf das prächtigste mit schwarzrotgoldenen Fahnen geschmückt. ihre Deutschen Tage" hatten, hat man niemals gehört, daß das Wenn bisher Stahlhelm, Jungdo und andere reattionäre Verbände Ausschmüden der Bahnhofsvorpläge untersagt worden ist. Die Reichsbahndirektion gez. Bander aber er dreistet sich, dem Deutschen Reiche und dem deutschen Bolte diesen Schimpf anzutun. Wir erwarten, daß das Reichsbahndirektorium unverzüglich diese lächerliche Anweisung zurücnimmt. Was jagt überhaupt der demokratische Generaldirektor Deser zu diesem Schwabenstreich eines felner Unter gebenen? Man schreibt uns: Preisanarchie. Welche Regellosigkeit auf dem Gebiete der Preisfalfulation eingerissen ist, mit welcher, gelinde gejagt, Unbekümmertheit der einzelne Geschäftsmann seine Preise einfegt, sei an einem drastischen Beispiel erläutert, dessen Objekt an sich zwar nur gering ist, doch faft als etwas Prinzipielles zur Frage der Preisfestlegung gedeutet werden kann. Vor einigen Tagen faufte ich mir in einem kleinen Geschäft des Westens vier der üblichen polizeilichen Anmeldeformulare und bezahlte hier 20 Pf., alfo 5 Pf. für das Stück. Die Sache fam mir im Preis eiwas abenteuerlich vor, sie interessierte mich, und ich ging faum 30 Schritte weiter in ein anderes, zwar größeres, aber doch durchaus mittleres Geschäft. Hier zahlte ich für dieselben Formulare insgesamt 5 Pf., oder nur 1% Bf. pro Stüd. Ein Breisunterschied von über 300 Proz. Als ich mit dem Geschäftsinhaber diesen hohen Breisunterschied besprach, und ihn als einen Fall besonders tralien Buchers bezeichnete, winkte dieser ab. Und auch mit Recht. Die tleinen Geschäfte berechnen alles: ungünstigen Geschäfts: gang, das Risito größerer Einfäufe, Mieten, eventuell Beriuste. Sie sind unrationell. Der Erfolg: das Publikum wird sie meiden. Was resultiert weiterhin hieraus: Sie werden eingehen. Sie sind nicht lebensfähig. Eine Industrialisierung auch des Kleingeschäfts ist die voraussichtliche Folge. Mit solchen Kaltulationen muß sich jedoch der Kaufmann ins eigene Fleisch schneiden. Eine gejegliche Regelung gibt es hier nicht. Der Kaufmann darf mit allen verteuernden Momenten weitgehendst rechnen. Es ist die Bestätigung der sozialistischen Theorie: die Kleinen werden die Großen ouffressen. Aber wir fragen uns: Wieso fann der Papierhändler die Waren um so vieles billiger liefern, als der Papierhändler D. Der Kaufmann ist zu teuer. Er faltuliert ein Rijifo ein, das vielleicht vorhanden ist, in seiner materiellen Mehrbelastung dem Käufer unerträglich scheinen muß. Die Kalkulation des I ist vielleicht nicht ehrlicher, wohl aber meitaus rationeller und vorteilhafter für das faufende Publikum. Diese günstigere Einkaufsbedingung des Händlers ist durch die Entwicklung unserer Produktion bedingt, die auf Industrialisierung drängt. Die tieferen Ursachen liegen im Wirtschaftssystem des Kapitals. So wird das kleine Gefchäft zur unjozialen Einrichtung und zum Minusposten in der Gefellschaft. Jahre später wurde es mir flar, daß der Hof Tang und schmal mie eine Röhre war, und auch jetzt noch fann ich nicht begreifen, wie in ihm Plaz für Aborte, Müllfästen und Kinder, ja, zuweilen für einen einäugigen Straßenfänger mit seinem Jungen sein fonnte. Und ich fann ebensowenig begreifen, wie ich einen Eindruck von frischer Luft, Weite und Sonne in diesem Hof mit den finstern, schmutzigen Hausmauern erhalten fonnte; aber meine Augen müssen wohl die Fähigkeit gehabt haben, in allem Dunkel Licht zu finden. Ich habe die Mauern weiß und den Hof groß in der Erinnerung, und wäre ich nicht später an die alten Orte zurückgekommen, würde ich darauf geschworen haben, daß es sich so verhielte. Reich. Hier pflegten sich meine Zeichnungen herumzutreiben: Am Fenster stand ein Tisch und hier befand sich mein Phantasieblumen, wie auf den Hüten der Damen und Damen mit ungewöhnlich langen Beinen und ungewöhnlich langen Röcken. Alle waren sie von Mutters Modezeitschriften inspiriert und über dieses Gebiet hinaus wagte sich meine Phantasie niemals. Blummen und Damen waren das Einzige, was man zeichnen sollte, fand ich. An meinem sechsten Geburtstage war der Tisch jedoch aufgeräumt worden und alle meine Zeitungen und Zeitfchriften lagen in einem Stapel auf der Erde. An ihrer Stelle standen dort zwei Teller, der eine mit gelben, haarigen Stachelbeeren und der andere mit schwarzen Kirschen. Ich aß abwechselnd eine Stachelbeere und eine Kirsche und genoß anfänglich das Kratzen der Stachelbeere am Gaumen und dann die Kühlung durch die Kirsche. Später, als ich mit einem Gefühl fatter Ruhe dasaß und den Bauch vorstreckte, war diefe Abwechslung zu einem schlaffen Rhythmus geworden, der mich in Gang erhielt. Mit dem gleichen wohligen Gefühl Don Sicherheit, wie wenn ich in strömendem Regenwetter unter einem Regenschirm ging, fühlte ich, daß das Fenster mich von den Kindern auf dem Hofe trennte. Mutter saß draußen im Laden und flüsterte vernehmlich vor fich hin Fahlgrün? Ach ja und Bronze: Ob ich?" Aber an sie dachte ich nicht. Da hörte ich plöglich die Ladenglocke, ein merkwürdiger, gedämpfter Ton, wie wenn man mit den Händen eine Radfahrglocke fest umschließt und klingelt. Eine kräftige, felbstzufriedene Stimme erfüllte das Lokal; aber ich rutschte mürrisch auf dem Stuhle herum, so daß ich mit dem Rücken zur Tür zu fügen fam; und als ich gleichzeitig einen Kuß hörte und ein fleiner Freudenfchrei von meiner Mutter ertonte, spuckte ich verächtlich einen Kirschtern weit von mir auf den Boden, ( Fortlegung folgt.) Ruinierte Menschenleben. Infolge mangelhafter Fürsorge für entlaffene Gefangene. Bor kaum zwei Monaten war der etwa zwanzigjährige Schloffer Hans W. nach 1½jähriger Strafe aus dem Gefängnis entlassen worden. Er bemühte sich um Arbeit, wurde jedoch in Hinsicht auf feine Bestrafung überall abgewiesen. Berbit tert durch diese ständigen erfolglosen Bemühungen ließ er sich von feinem Bruder Walter dazu überreden, an einem Einbruch bei der in Wilmersdorf Augustastraße gelegenen Filiale der Färberei Coundé teilzunehmen. Die erbeuteten Stoffe und Anzüge wurden bald bei der Braut des Hans W. und anderen Hehlern entdeckt und darauf Anzeige erstattet. In der Verhandlung vor dem erweiterten Schöffengericht Charlottenburg fonnte man ben als Hehler Angeflagten nicht nachweisen, daß sie von dem Einbruch gewußt hatten, und sie wurden daher mangels Beweises freigesprochen. Der Hauptangeklagte Walter W. wurde zu zwei Jahren und sein Bruder Hans zu ein Jahr Zuchthaus sowie je drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Trogdem der letztere immer wieder beteuerte, daß er nur ein Opfer der mangelhaften Fürsorge für entlaffene Sträflinge sei, schenkte ihm das Gericht keinen Glauben und gewährte ihm nur mit Rücksicht auf seine starke Minderwertigkeit mildernde Umstände, weshalb er etwas billiger davonkam als sein Bruder. Nach der herrschenden Auffassung der bürgerlichen Justiz soll die Strafe Buße und Sühne für ein Bergehen sein. Die Folge davon müßte sein, daß der Bestrafte nach Verbüßung der Strafe wieder als ein ehrlicher unbematelter Mensch einhergehen kann. Der vorstehende Fall beweist aber das Gegenteil der Theorie! Die bürgerliche Moral läßt es, von geringen Ausnahmen abgesehen, nicht zu, daß ein Borbestrafter wieder ein ordentlicher Mensch wird. Die neuerliche Berurteilung zu Buchthaus stößt nun zwei bedauerns merte Menschen vollends in den Abgrund, statt ihnen die rettende Hand zu reichen. Betrugsversuche mit Rentenmarkscheinen. Seit einiger Zeit tauchen echte Rentenbanffeine zu zehn und fünf Rentenmart auf, die durch Ab ober Herausschneiden eines sentrechten Streifen& beschädigt sind. Es handelt sich offenbar um einen in größerem Umfange unternommenen Versuch, die ab- oder herausgeschnittenen Teile zu neuen Scheinen zusammenzulegen und diese gefälschten neben den beschädigten Scheinen in den Verkehr bringen. Die bes schädigten Scheine sind durch Ueberkleben mit hellem, oder soweit es sich um den Schaurand handelt, mit farbigem Papier ergänzt. In einigen Fällen ist von einer Ergänzung des beschädigten sollen solche Scheine von den öffentlichen Staffen nicht ersetzt, sondern angehalten und der Polizei zugeleitet werden; der Vorzeiger aber ist mit seinem Erfazanspruch an die Deutsche Rentenbank zu berweisen. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68, Sindenstraße 3, der Arbeiterschaft Adlershof fchon beltebt gewordenen Staffellauf für Groß- Berlin Quer durch Adlershof“. Am kommenden Sonnabend geht der stets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten Achtung, Beamte! Im Bezirkssekretariat, Lindenste. 3, 2. Sof, 2 Treppen, 8immer 10, liegt Alle Mitglieder der wichtiges Informationsmaterial zur Abholung bereit. Beamten werbeausschüsse und die Genoffen in ben Amtsstellen werden aufgefordert, das Material in der Reit von 9 bis 5 Uhr abzuholen. Bezirksmieterausschuß. Seute, Freitan, wichtige Gigung, Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3. Tagesordnung: Die Vorbereitungen zur Stadt- und Bezirksverordnetenwahl. Heute, Freitag, den 7. August: 38. bt. Sente nach der Jugendabschiedsfeier kurze Besprechung bei Bartusch. 78. Abt. Schöneberg. 7% Uhr Funktionärsigung bei Rönig, Feurig-, Ede Prinz- Georg- Straße. 85. Abt. Tempelhof. Die Veranstaltung der Kinderfreunde findet nachmittags 4 Uhr im Birkenwäldchen statt. 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr Funktionärkonferens bei Niendorf. 91. Abt. Neuön. 8 Uhr Borstandsßigung bei Lüddete, Karlsgartenftr. 12. 123. Abt. Kaulsborf. 8 Uhr Funktionärsihung bei Hübner. Sungfozialisten. Gruppe Mitte: Der Gruppenabend fällt aus. Treffpunkt der Hamburgfahrer pünktlich% 49 Uhr Rosenthaler Plag, Normaluhr. Gruppe Lantwih: Der Heimabend fällt wegen Vorbereitungen zur Berfaffungsfeier aus. Morgen, Sonnabend, den 8. August: 25. bt. 8 Uhr bei Gott, Aniprodestr. 6, Funktionärsigung. 52. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr bei Babe, Raiferin- Augusta- Allee 52, wichtige Funktionärsigung. Befonders die Bezirkskaffierer müffen erscheinen. 137. Abt. Reinidendorf- Weft. Anläßlich des Verfassungstages am 8. und 9. Auguft ist es unbedingt notwendig, recht viele Fahnen in den Farben der Republik zu zeigen. Genoffen, die Fahnen hierzu befchaffen wollen, können diefes im Bollshaus Scharnweberstr. 114. Die Quartierverteilung des Reichsbaners für Reinickendorf- West findet am Sonnabend im Boltshaus Scharnweberftr, 114 statt. Es wird gebeten, daß die Quartierwirte fich zur Abholung ihrer Gäste am Sonnabend, den 8. Auguft, abends 8 Uhr, im Boltshaus Scharnweberftr. 114 einfinden, um die Unter bringung zu erleichtern und zu beschleunigen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 12. t. Unser Raffierer, Genoffe Seinrich Albrecht, Beuffelstr. 50, ift verstorben. Einäscherung Sonnabend mittag 12 Uhr im Krematorium Gerichtstraße. Flaggen heraus Scheines ganz abgefeben. Auf Erſuchen der Deutschen Rentenbant zur Volksfeier des Verfassungstages! Eröffnung der Zugtelephonie. Am 15. August d. J. wird auf der Strede HamburgBerlin die Rugtelephonie in Betrieb genommen werden. Bei diefer Gelegenheit beabsichtigt die Norag( Nordische Rundfunk. Aktiengesellschaft) in Hamburg um 11 Uhr vorm. vom fahrenden Zuge aus die Eröffnungsreden auf den Sender zu übertragen, ebenio will man versuchen, das Konzert um 11,80 vorm. auf den fahrenden Schnellzug zu übertragen und den Neisenden durch Lautsprecher zu vermitteln. Kärntner und Steiermärker Ferienkinder in Berlin. Am geftrigen Donnerstag mittag traf ein Transport von über 200 Ferientindern aus Kärnten und Steiermart auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin ein, der von dem Verein Landaufenthalt für Stadtfinder E. V." organisiert worden ist. Die jugendlichen deutschösterreichischen Gäste wurden auf dem Bahnhof non einem Bertreter des Volts wohlfahrtsministeriums auf das herzlichste willkommen geheißen. Mit demselben Zuge traf ein Transport pon über 80 Berliner Kindern ein, die mehrere Wochen hindurch Gäfte der Kärntner und steiermärkischen Bevölkerung gewesen waren und fich dort glänzend erholt hatten. Die deutschösterreichischen Kinder werden auf dem Wohnschiff„ Baldur" in Potsdam untergebracht und verpflegt werden und bis Sonnabend auf den märkischen Gewässern freuzen, um dann nach verschiedenen Nord- und Ostseebädern weiterzureisen, wo sie ihre Ferien zubringen werden. Die neue ,, Budapester Straße". Wie der Amtliche Breußische Breffedienst mitteilt, bat bas Breußische Staatsministerium in seiner Sigung vom 30. Juli d. J. die Genehmigung zur Umbenennung des amischen dem Lüßow Ilfer( Cornelius- Brücke) und dem Auguste- Bittoria- Platz liegenden Teils des Kurfürstendamms in Budapester Straße erteilt. Die Juristische Sprechstunde fällt morgen, Sonnabend, den 8. Auguff, aus. Zu den Unterschlagungen des Buchhalters Frih Maasch wird ergänzend mitgeteilt, daß sich bei den Nachforschungen in der Bant ergeben hat, daß die veruntreute Summe 120000 m. noch erheblich übersteigt. Es fehlen im ganzen für etwa 147 000 M. Wertpapiere. Ueber die Spur des Flüchtigen ist bisher noch nichts ermittelt. Briefkasten der Redaktion. Die Juristische Sprechstunde fällt am Sonnabend, den 8. Auguff, aus 3. 94. 1., 2. und 4. Nein. 3. Bis zum 31. März b. n. 3. 5. Unter Umständen ja. In Ihrem Falle dürfte aber Verzicht auf die Zahlung anzunehmen fein. R. 2. 53. 1. Der Prozentfak beträgt 15 Broz. bzw. 11 Proz. 2. Gegen den früheren Eigentümer fann nichts unternommen werden. 2. S. 101. Der Mietvertrag muß vom Wohnungsamt genehmigt werden. Anleihe Gr. Gefch über die Ablösung öffentlicher Anleihen. E. 6. 63. Gie miffen fich mit einem Legitimationspapier versehen. Das Nähere erfahren Sie auf dem Bolizeirevier.. K., Dameswalbe. Das Aufwertungsses tommt nicht zur Anwendung. Bielmehr entscheiben die Gerichte nach freiem Ermessen, fofern eine gütliche Verständigung mit dem Gläubiger nicht stattfindet. Bieten Sie dem Gläubiget etwa 120 Reichsmart an. Karl 1918. Der Antrag ist an das Bersorgungsamt, Berlin- Schöneberg, General- Bape- Straße, au richten. B. T. 77. Das Urteil tönnen Sie nicht mehr vollstrecken. Der Anspruch auf den Aufwertungsbetrag muß mit neuer Rlage geltend gemacht werden. Aufgewertet beträgt die Forderung 37 Reidsmart. 3. W., Ahrensfelde. Die Airchenaustrittserklärung muß dem Amtsgericht gegenüber abgegeben werden. Die Kirchensteuer ist bis zum Schluffe des Kirchensteuerjahres zu entrichten. Frau M. Gambert. Sypothelengläubiger und Sparer- Schutzverband für bas Deutsche Reich, Berlin SW. 66, Wilhelmstr. 49. Die echten holländischen ajp POLAK PUDDINGE Zum Diner A.T.P.! Jugendveranstaltungen. Treffpunkte für die Hamburgfahrt heute, Freitag, 7. Auguft: Abt. Reidenberger Biertel: 8% Uhr abends im Jugendheim Reichenberger Abt. Rosenthaler Vorstadt: 49 Uhr abends Rofenthaler Blak, Straße 166. an ber Normaluhr. Abt. Charlottenburg: 9 Uhr abends im Heim Rosinen Straße. Abt. Schöneberg I: 9 Uhr KWP. Stealis I: 8 Uhr abends im Seim. Werbebezirk Prenzlauer Berg 1: 9 Uhr abends Senefelderplag. Berbebeair! Westen: 49 Uhr abends Bahnhof Bülowſtraße. Werbebegiet Dften: 149 Uhr abends Frankfurter, Ede Petersburger Straße. Werbebezirk Werbebezirk Reinidendorf: 49 Uhr 1 Neukölln: 9 Uhr abends Sermannplag. Bahnhof Webbing, Eingang Müllerstraße. Heute, Freitag, den 7. Auguft, abends 7% Uhr: Moabit I: Schule Siemensstraße, Literarischer Abend. Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplag, Bortrag: ,, Nikotin und Alkohol". Nordost I: Jugendheim Neue Königstr. 21, Mitgliederversammlung. Norboft II: Jugendheim Danziger Str. 62, Aussprache: Jugend und Rauschgifte". Warschauer Bjertel: Jugendheim Tilfiter Str. 4, Mitgliederversammlung. Südost( Köpe nider Biertel): Jugendheim Mariannenufer la, Mitgliederversammlung. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenftr. 4, Mitgliederversammlung. New Fölln II: Jugendheim Nogatfte. 53, Mitgliederversammlung. Spandau: Altes Schügenhaus, Neuendorfer Str. 38, Mitgliederversammlung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 87/38, Sof 2 Tr. Achtung, Rameradschaftstaffierer! Sofort Programme, Festschriften, Bostkarten und falls nötig, noch Blaketten vom Gaubureau ab holen. Achtung, Wassersportler! Sämtliche Bootsbeliker haben sich Gonnbag, den 9., morgens 8% Uhr pünktlich, mit ihren Booten an der Oberschleuse gegenüber Osthafen einzufinden. Etwaige Funktionen innerhalb der Kamerad fchaften find für diesen Tag abzugeben. Das Abschleppen vom Savelgebiet Sonnabend, den 8., mittags 12 Uhr ab Spandau, 124 Uhr Pichelsberge, 4 Uhr Wannsee, Brüde aum fleinen Wannsee, 4% Uhr Griebnissee, Mündung Teltowtanal. Bon Freitag ab Gaftstände im Neuen Elerhäuschen bei Rehneft. Gauvorstand. Kamerabithaft Brenzlauer Berg: Die Quartiergeber werden gebeten, sich bereit au halten, zum Sonnabend abend ihre Gäste au empfangen. Gäste bes 1., 2., 3., 5. und 6. Ruges Lehren bei Büttner, Schwedter Str. 23, ein. Die Gäfte des 4., 7. und 8. Auges tehren bei Schüßler( Aleiner Schultheiß), Raftanienallee 23, ein. Die Rameraben werden gebeten, der Einteilung gemäß in den beiben Lokalen rechtzeitig zu erfcheinen. 2. 8ug am Freitag, den 7., abenbs 8 Uhr, Berneuchener, Ede Elbinger Straße, Rusammenkunft. Vollzähliges Erscheinen Pflicht. 7. Rug am Freitag, den 7., abends 8 Uhr, wichtige Rugversammlung mit Damen an bekannter Stelle. Alles hat zu erscheinen. 4. Rug: Sonnabend, den 8., Antreten der eingeteilten Rameraben um 2 Uhr bei Grohn, nichteingeteilte Kameraben treten um 4 Uhr bei Schüßler, Kaftanienallee, an. Sonntag, den 9., Antreten der aktiven und paffiven Kameraben um 9½ Uhr bei Grohn. Erscheinen, ist Chrenfache. Alle Kameraden, auch die paffiven, haben teilzunehmen. Zugführer laden befonders dazu ein. fchaft Wilmersdorf: Sonntag, den 9. Auguft, Antreten 9 Uhr vormittags Fehrbelliner Blah, von dort aus Marsch durch Wilmersdorf bis Bahnhof Bilmersdorf- friedenau, dort Abfahrt 11% Uhr nach Treptow. Festaszeichen find noch zu haben beim Kameraden Leppien, Uhlandstr. 131-132, und beim Rameraden Kroll, Solsteinische Str. 60. Dienstag, den 11., abends 6% Uhr, Treffen Fehrbelliner Blak aur Teilnahme an der Berfassungsfeier des Verbandes preußischer Polizeibeamter im Lunapart. Erscheinen au allen Veranstaltungen ist Pflicht. Die Fahnen sind zur Stelle. Kamerabschaft Bernan: Sonnabend, den 8. Auguft, Abfahrt 4.42 Uhr ab Bernau zur Begrüßungsfeier im Ulap. Sonntag, den 9., Antreten 8% Uhr Bellevue, Abfahrt 9.12 Uhr bis Bankow- Niederschönhausen zur Bezirksfeier Marktples Bantow. Bon dort nach Treptow. Kamerad Der Friebensbund des Kriegsteilnehmer Tabet die Bunbeskameraden, Freunde und Gönner zu einem Rameradenabend am Sonnabend, den 8. August, abends 7 Uhr, nach dem Lokal Gündler, Rimmerstr. 30, Ede Markgrafen. Straße, ein. Thema: Was tönnen wir für den inhaftierten Kameraden Seinrich Wandt tun?" Arbeitersport. Staffellauf„ Quer durch Adlershof". Wie alljährlich, so veranstaltet auch in diesem Jahre der Arbeitersportverein Adlershof" feinen, unter den Sportlern sowie Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 7. August. 1 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikbegleitung. 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau. ( ,, Gefährdete Kinder" von Dorothee Goebler). 5-6.30 Uhr abends: Konzert. 1. Max Reger: a) Du meines Herzens Krönelein, b) Und willst du von mir scheiden, c) Waldeinsamkeit( Mary Wurm- Meisenberg, Sopran). 2. a) Tenaglia- Arie, altes Kirchenlied, b) Svendsen: Romanze( Elfriede Urbach, Violine). 3. Tschaikowsky: Rokoko- Variationen( Walter Lutz, Cello). 4. Max Reger: a) Wenn die Linde blüht, b) Herzenstausch, c) Beim Schneewetter, d) Schlecht Wetter( Mary Wurm- Meisenberg). 5. a) Vieuxtemps: II. Satz aus dem D- Moll- Konzert, b) Kreisler: Liebesfreud ( Elfriede Urbach). 6. Boccherini: Menuett( Walter Lutz). Am Flügel: Ludwig Preiß. 7-7.50 abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Gartenbau. DiplomGartenbauinspektor Paul Kache: Der Blumengarten. III. Teil. 7.30 Uhr abends:( Hochschulkurse). Abteilung Geographie. Dr. Konrad Kretschmer, Professor an der Universität Berlin: Das Erdbild im Wandel der Zeiten. 5. Vortrag: Die Umgestaltung des Erdbildes im 16. Jahrhundert. 8.30 Uhr abends: I. JohannStrauß- Abend. Dirigent: Selmar Meyrowitz unter Mitwirkung yon Theophil Demetriescu( Klavier). Berliner Funkorchester. 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. nun dritte Staffellauf unter starker Beteiligung der Brudervereine vom Start. Haben doch bisher nicht weniger wie 15 Mannschaften gemeldet. Der Start beginnt pünktlich 7 Uhr an der Turnhalle Hackenbergstraße, das Ziel ist Bismarckstraße, bei Wöllstein. Weitere Mannschaften sind noch willkommen. Anschließend findet das dritte Stiftungsfest des Vereins im Saale von Wöllstein statt. Um regen Besuch der Arbeiterschaft Adlershofs sowie der Brudervereine wird gebeten. Das Fußballturnier in Stralan. Im Zwischenrundspiel stehen sich am Sonntag auf dem Sportplatz in der Gozlerstraße Berliner Fußballverein Vorwärts 20" und Sportverein Stralau" gegenüber. Aus den Vorrundenspielen hat man die Ueberzeugung gewonnen, daß, an der Spielstärke der Mannschaften gemessen, sehr guter Sport geboten werden wird. Um 4 Uhr treffen sich Britannia" und Hertha 22" im Gesellschaftspiel. Nachmittags 2 Uhr spielen die zweiten Mannschaften dieser Bereine. Arbeiter- Radfahrerverein Groß- Berlin. Die Touren fallen am Sonntag, den 9. Auguft, wegen der Verfassungsfeier aus. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität". Sonntag, den 9. Auguft, Gau wanderfahrt. Gau 9, Prov. Brandenburg, Bez. 1, 2, 3, 4 und 24 nach Golzen bei Baruth. Uebernachtung bei Möhring, nicht bei Junter. Start der 12. Abteilung( Motorfahrer) Sonntag früh 6 Uhr Steuerhaus, Tempelhofer Feld, Start der Abteilungen 1, 2, 3, 4, 5 und 10 vom 1. Bez. Berlin abends 6 Uhr an den bekannten Stellen. Ortsgruppe Charlottenburg: Start früh 5 Uhr Galvanistr. 13. Ref. Rich. Karras. Bez. 21, 22, 23, 25, 26 und 27 nach Neuruppin, vom Bez. 1 Berlin die Abteilungen 6, 7, 8, 9. Start Sonnabend abend 6 Uhr an den bekannten Stellen. Ortsgruppe Tegel: Abends 7½ Uhr Schlieperftr. 64. Ortsgruppe Pankow: Nachmittags 5% Uhr Florastr. 24. Ortsgruppe Reinidendorf: Nachmittags 5% Uhr Residenzstr. 109. Ref. Gaul, Rich. Sanisch. Bez. 16, 17, 18, 19 und 20 nach Schwedt a. d. D., vom Bez. 1 Berlin die Abteilung 11 sowie alle Langstredenfahrer. Start nachmittags 5 Uhr Hochstr. 13. Ref. Ost. Rohter. Bez. 4a, 5, 8, 9 nach Forst t. d. Laufik. Ref. Ernst Seeger. Bez. 6, 7, 10, 11. noch Drossen. Ref. Otto Hantel. Bez. 12, 13, 14, 15, 28 nach Friedeberg( Neumark). Ref. Heinr. Legero. Rege Beteiligung an der Gauwanderfahrt ist Pflicht. Ortsgruppe Spandau: Start abends 6% Uhr Klinkedenkmal. Deden mitbringen. Ortsgruppe Neulölla: Abends 6 Uhr: 1 Abt. Serkbergplak, 2. Abt. Bahnhof Hermannstraße. Berliner Arbeiter- Scathlub. Sonntag, den 9. Auguft, Familienausflug mit Propagandafpiel, Lokal Marchand, Endhaltestelle der Straßenbahn Fried. richshagen- Kaltberge. Treffpunkt vormittags 9 Uhr Bahnhof Friedrichshagen an der Straßenbahn. Spiele mitbringen. Dreikampf in Steglik. Am Sonntag, den 9. Auguft, findet in Steglit in der Badeanstalt des Luftbades ein Dreikampf zwischen den Bereinen GörTik- Brandenburg- Steglis- Lichterfelde statt. Da diese Vereine alle mit ihren besten Mannschaften am Start erscheinen, fo ift guter Sport zu erwarten. Um 1 Uhr Abmarsch des Festzuges mit Musik vom Dippelplag, Stegliz. Beginn der Wettkämpfe 3 Uhr. Eintritt im Vorverkauf 30 Pf., an der Kaffe 50 F. Kreisschule, Jugend- und Männerklaffe. Der nächste Uebungsabend findet am Montag, den 10. Auguft, statt. Salle Boucheftr. 76. Arbeiter Radio- Klub, Bezirk Reukölln, tagt heute, Freitag, abenb 8 Uhr im Restaurant Sauer, Pannier, Ede Weserstraße. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht. Sourifienverein ,, Die Naturfreunde( Rentrale Wien), bt. Norben. Die Fahrt nach Löwenberg fällt wegen der Berfassungsfeier am 8./9. August aus. Werbebezirk Norden: 10. August, 8 Uhr, Führersihung, Sonnenburger Str. 20. Sport. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, den 6. Auguft. 1. Rennen: 1. Rita( Nowak), 2. Stafima( Jälel), 3. Dojan( Narr). Toto: 21:10. Blaz: 12, 13, 22: 10. Ferner liefen: Katastrophal, Dorns Bruder, Lichtung, Blaufelche, Frigga, Capua. 2. Rennen: 1. Civilist( W. Schröder), 2. Palamon( Huguenin), 3. Hattenheim( Varga). Toto: 154: 10. Play: 46, 28, 55: 10. Ferner liefen: Laufeya, Brolog, Eigilolf, Palamedes, Schneeberg, Heros de Legende, Boller, Gourmet, Melantho, anal, Basalt, Jisenstein, Soulgate. 3. Rennen: 1. Corag( Olejnif), 2. Rheinwein( B.Tarras), 3. Beriboia ( D. Schmidt). Toto: 49: 10. Platz: 18, 15: 10. Ferner liefen: Mimofe. Sigtuna. 4. Rennen: 1. Cardinal II( Huguenin), 2. Bildame( Varga), 3. Katchine( D'Neill). Toto: 58: 10. Blaz: 29, 38: 10. Ferner liesen: Pan Robert, Idomeneus, Tod und Leben. 5. Rennen: 1. Pompejus( Krüger), 2. Ich dien( Barga), 3. Mädchentraum( Ebert). Toto: 155: 10. Platz: 48, 31, 45: 10. Ferner liefen: Landolo, Griff, Ardoritin, Turba, Aihalberga, Hödur, Siegreich, Runkler, Bernina, Victoria, Clothilde. 6. Rennen: 1. Preda( Torke), 2. Rüdsicht( D. Schmidt), 3. Bigavon ( Albers). Toto: 17: 10. Blag: 11, 11: 10. Ferner lief: ida. 7. Rennen: 1. Dran( H. Blume), 2. Erbschleicher( Schönfisch), 3. Riuma( Huguenin). Toto: 33: 10. Plat: 15, 19, 13:10. Ferner liefen: Bromo, Dzema, Emigrant, Hochstapler. Hunderennen in Strausberg. Zum nächsten Hunderenntag in Straus berg find 120 Meldungen eingegangen, darunter befinden sich 21 Hunde, die zum ersten Male laufen. Einzelne Rennen haben bis zu 20 Unter schriften. Alle Kanonen" sind wieder zur Stelle, so daß in sportlicher Hinsicht Hervorragendes bevorsteht. Beginn der Rennen 24, Uhr. Im Vorortzug nach Strausberg ab Schlef. Bahnhof 12,55 Uhr sind zwei Wagen 4. Klasse für die Führer der Hunde reserviert. 2 " Großer Preis von Treptow. Am Mittwoch, den 12. Auguft, hält die Radrennbahn Treptow ihr nächstes Abendrennen ab. Das Programm enthält als Haupinummer den Großen Preis von Treptow" als Dauerrennen hinter Motorführung über 75 km ferner das Bruno Demte Erinnerungsrennen über 25 km, ein Tandemrennen über fünf Runden, den Treptower Galopp" als Punttejahren über 30 Runden mit zehn Wertungen in verschiedenen Abständen und das Armbinderennen für die ehemaligen Schüler der Rütt- Schule.- Für die Dauerrennen winden bisher der Franzose Parijot, der am vergangenen Sonntag in Düsseldorf einen großen Sieg vor Wittig, Rosellen und Alerts herausfuhr, und der Sieger des letten Treptower Rennens Walter Sawall verpflichtet. Mit weiteren ersttlaffigen Stehern schweben noch die Berhandlungen. Geschäftliche Mitteilungen. Die immer mehr sich Geltung verschaffende Erkenntnis, daß nur ein gefunder Körper den Anforderungen des heutigen Zeittempos gewachsen ist, hat auch hinsichtlich der Fußpflege dazu geführt, daß man heute bewußt den Füßen eine besondere Gorge und Pflege angedeihen läßt. Auch die ärztliche Wissenschaft hat sich eingehend mit dieser Frage beschäftigt, um so mehr, als die Erkenntnis Raum gewann, daß nur eine rechtzeitige Beobachtung des Fußes im jugendlichen Älter dazu führt, fpäter auftretenden Fußleiden vorzubeugen. Es eriftieren heute eine Menge Schuheinlagen, bie alle darauf hinzielen, Franken Füßen eine Stüge und Silfe zu bringen. Es erscheint deshalb wichtig, darauf hinzuweisen, daß eine wirkliche Hilfe nur die Einlage bringen kann, die individuell dem Fuße angepaßt und durch ihre Nachformbarkeit jederzeit in der Lage ist, Beränderungen des Fußgewölbes ausfeit rationeller Fußpflege erkannt und durch Einrichtung einer großen orthoaugleichen. Das bekannte Schuhwarenhaus Stiller hat feit langem die Wichtig. pädischen Abteilung Rechnung getragen. Ein vernünftiges Heilmittel für den Magen! Beseitigt die Ursache der Beschwerden! " Wenn Ihnen Ihre Nahrung nicht bekommt und Ihnen Schmerzen ober auch nur eben Unbehagen verurfacht, benötigen Sie etwas, bas Ihnen schnell Erleichterung verschafft. Eben dies tut Biserirte Magnesia". Nehmen Sie eine Dosis davon nach dem Essen, und die Wageniäure, welche die Ursache des Leidens ist, wird neutralisiert, noch ehe sie Unheil anrichten kann! Ist die lästige Säure unschädlich gemacht, jo tann der Magen seine Funktion ohne weitere Hilfe und ungestört verrichten. Wenn der Magen schon entzündet ist, bringt ihm Biferirte Magnesia" Linderung und verleiht ihm Gesundheit und Straft. Verfuchen Sie es einmal! Sie fönnen Biferirte Magnesia" in allen Apotheken zu Mt. 2 die Flasche erhalten, und schon nach einmaligem Einnehmen werden Sie von der Ihnen gewährten Erleichterung angenehm überrascht sein! " Biferirte Magnesia hat folgende Zusammenfegung: Wismutfubkarbonat 4,5 25% Magnesium perhydrol 15,0, 2faches tohlenfaures Natron 15,0. 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Die Einäscherung findet im Krematorium Gerichtstraße am Sonnabend, d 8.Aug, mittags 12 Uhr statt. Holte( Nürnberg) äußert sich zur Tariffrage; er ist ber An-! Achtung! sicht, daß die Bezirkstarife erst richtig ausgebaut werden sollen, bevor man zum Reichsmanteltarif tommt. Die Bestimmungen des Reichstarifs jeien unflar und mangelhaft. Eggert wendet sich als Vertreter des ADG B. gegen die Vorwürfe, die dem Bundesvorstand insbesondere von den tommunistischen Rednern gemacht worden sind. Parteipolitische Neutralität von den Gewerkschaften zu verlangen, gehe zu weit; fie Straßenhändler Zur VerfassungsFeier sehr lohnender Artikel brauche sich aber auch noch lange nicht einer politischen Barteirichtung Papierfahnen unterzuordnen. Die Gewerkschaften sollen parteipolitisch unabhängig, nicht neutral und feiner politischen Parteirichtung untergeordnet sein. Die Gewerkschaften unterordnen sich nicht der KPD. schwarzrotgold- 1000 St. M.15 Pohl& Weber Nchf. Spittelmarkt 4/5 I Neue Haare wachsen schon wieder! Neichels Saartraftwasser Jntraft" wirtt Wunder nach Billigste Preise. Großes Lager Go lauten viele An Tafelwag., Gewichte, 3maligem Einreiben. Köpenicker Str. 71gerien, jonit bei Otto Georg Wagner ertennungen M. 2,25 und M 3.50. In Droein Ladengeschäft Reklame, dafür we- 50, Gisenbahnstr. 4. Keine Schaufenster- Reichel, rlin 43, sentl.billigere Preise und lehnen es ab, von irgendeiner Stelle Barolen oder Direktiven Dezimalwagen zu empfangen. Es gibt keine Frage, die von den Gewerkschaften aufgegriffen, ihrer Lösung entgegengeführt worden ist, die Zustim mung der Kommunisten gefunden hat. Sie fritifieren alles. Der Angriff des Großunternehmertums auf den Achtstundentag im Jahre 1923 brach' in dem Augenblick los, als im Ruhrgebiet die Großbetriebe nach einjähriger Stillegung wieder geöffnet wurden. Die Metallarbeiter haben im Hagener Bezirk 17 Wochen um den Achtstundentag gekämpft, um das Unglück nicht über ganz Deutschland hereinbrechen zu lassen. Um die Führung der Gewerkschaften ist es ein eigenes Ding; wer es in den Fingerspigen nicht erfassen fann, der lernt es nie. Es war möglich, einen Kapp- Butsch durch den Generalstreit zur Strecke zu bringen, aber unmöglich ist es, durch) Massenstreit die Wirtschaft aufzurichten. Aus unsern Eristenzbedingungen heraus ergibt sich das Kampfziel und nicht aus den Erfahrungen in anderen Ländern. Es ist teine Schmach für die deutschen Gewerkschaften, daß sie bei dem systematischen Angriff des Unternehmertums für 54 Proz. der deutschen Arbeiterschaft den Achtstundentag erhalten haben. In der Geschichte der deutschen Gewerkschaften bedeutet Das ein Ruhmesblatt.( Lebhafte Zustimmung.) Der Redner wendet si dann fer rage de nur erbände zu Der Streit liegt auf derschiedenen Gebieten. Die eine Gruppe fagt, daß der Verschmelzungsgedante von innen herauskommen muß. Die andere Gruppe meint, daß durch einen gewissen Drud von der Zentrale dem Berschmelzungsgedanten nachgeholfen werden muß. Der Bundesvorstand steht auf dem Standpunkt, daß in den Bundessagungen ein bestimmtes Ziel aufgestellt werden muß. Das Ziel darf aber nicht befristet sein. Der Bundesvorstand verschmäht und Dermeidet deshalb auch bewußt alle Zwangsmaßnahmen, die dazu dienen, einzelne Gewerkschaften zwangsläufig zur Verschmelzung zu drängen. Die Besorgnis bestimmter Gruppen ist berechtigt, daß ihre Interessen in den Industrieverbänden nicht so gewahrt werden fönnten, wie das in den 30 Jahren ihres Bestehens der Fall war. Der Bundesvorstand schlägt deshalb vor, daß Berbände verwandter Berufe sich zunächst zusammenfinden, andere Organisationen sollen versuchen, durch Kartellverträge ihre gemeinsamen Fragen zu regeln. Redner schließt unter lebhafter Zustimmung mit der Bitte, die Delegierten möchten unter BerücksichtiHaltung des Bundesvorstandes verstehen, dessen Ziel es jei, nach und nach alle Gewerkschaften zu vereinigen, aber jeden 3wang abzulehnen. Von Lampions von 5 Pi. an. Stocklaternen m.Stock a.Licht 8 Pt. Fackeln, Luftballons, alle Festartikel sehr billig. Feuerwerk Jed Art, Sortimente M. an Bengalfeuer Kilo M. 2.-. Papiermützen Dtz. 20 Pf. an. A. Maas& Co.. Markgrafenstraße 84 an der Lindenstraße. Gegründet 1890. an 2 Mark Wochenfiche Tei zahlung Hefere bei kleiner Anzahlung eleg. Herren- Moden fertig und nach Maß nur Qualitätsware in großer Auswahl. Garantie f. tadellos. Sitz u. Verarbeitung. gung der feinen Veräſtelungen der gewerkschaftlichen Fragen die Maßschneiderei J. Kurzberg Scheffel, Borsitzender des Eisenbahnerverbandes, legt eingehend die Schwierigkeiten dar, die die Frage der Verschmelzung bei den Beamten verursacht. Es gehört eine intensive Agitation und Ausflärungsarbeit dazu, die Beamten von dem Vorteil einer Berschmelzung ihrer Verbände mit den Gewerkschaften zu überzeugen. Schumann, Borsitzender des Deutschen Berkehrsbundes, Oranienstraße 160, I. Chausseestraße 1, I. Eingang Elsässer Straße Deshalb rate ich Ihnen zu einem Versuch mit Lassen Sie sich sagen, dass jeder schmerzende Fuss. eine gründliche, individuelle Untersuchung u. Behandlung erfordert. Dr Scholl's Fuß- Pflege- System, das für alle Fussleiden wirklich individuell angepasste Heilbehelfe bietet und sich in hunderttausenden von Fällen auch der schwersten Art bestens bewährt hat. Insbesondere wird Dr. Scholl's Fuss- Einlage nicht allein der besonderen Form und Eigenart jeden Fusses genau angepasst, sondern es findet auch späterhin eine längere Beobachtung des Fusses durch erfahrene Fuss- Spezialisten statt, wobei von Zeit zu Zeit eine Neueinstellung der Fussein'age nach Massgabe der inzwischen fortgeschrittenen Veränderung des Fussgewölbes vorgenommen wird. Kommen Sie noch heute zu uns! In unseren sämtlichen Filialen kostenlose ärztliche und fachmännische Beratung Stiller Hauptvertrieb u. Zentraldepot für Gross- Berlin Zähne warnt vor gewaltfamen Eingriffen in historisch gewordene gewert Ortstrantentaffe der Steinbruder und schaftliche Organisationsformen. Die Beschlüsse des BundesvorStandes des ADGB. tragen der gewerkschaftlichen Konzentration in vollem Maße Rechnung. Mit diesem gewaltigen Fortschritt solle man sich vorerst zufrieden geben. Grenzstreitigkeiten, wie sie bisher geführt wurden, find nicht mehr zu ertragen. Durch den Kartellvertrag zwischen den Eisenbahnern, Berkehrsarbeitern, Gemeinde- und Staatsarbeitern ist für sie der Streit um die Organisationsform erledigt. Stetter vom Verbandsvorstand befürwortet den Anschluß euch der Kommunalbeamten an die gemertschaftlichen Berufsver. bände, insbesondere auch die Einbeziehung der Berufsfeuerwehrleute in den Kartellvertrag. Ferner verlangt er, daß auch die vielen sozialdemokratischen Beamten den Weg in die freigemerfschaftlichen Organisationen finden. ( Buftimmung.) Engelhardt( Stuttgart) äußert mehrere Wünsche zum Reichsmanteltarif. Grol'mus( Berlin) wünscht als Vertreter der Berufsfeuerwehrleute eine engere Verbindung zwischen beiden Drganisationen. Der Verschmelzungsgebante sei bei den Feuerwehrleuten weit vorgeschritten. Um 2 Uhr wird die Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Der Dienstagnachmittag ist für eine Besichtigung der Saalburg vorgesehen. Verbandstag der Bekleidungsarbeiter. aus= Leipzig, 6. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am zweiten Ver. handlungstage wurden neben einigen Begrüßungsschreiben aus ländischer Bruderorganisationen auch Beschwerden von geschlossenen Mitgliedern zur Kenntnis des Berbandstages gebracht, Der aber nach furzer Diskussion den Vorschlag des Bureaus annahm und über diese Beschwerden zur Tagesordnung überging. In der Debatte über die Vorstandsberichte wurde besonders von Stuttgart ein energisches Durchgreifen gegen die kommunistischen Gewertschaftsgerstörer gefordert. LehmannBerlin mahnte, bei der Wiederaufnahme der ausgeschlossenen Mitglieder mit größter Vorsicht vorzugehen, wenn Ruhe und Ordnung innerhalb des Verbandes wieder hergestellt werden sollen Den Nückgang der Organisation in Berlin führt Salewsti weniger auf die Opposition, als auf die Abwanderung verschiedener Branchen aus Berlin zurüd. Bon Heinze Leipzig wird die baldige Verschmelzung des süd. deutschen Arbeiterverbandes mit dem Bekleidungsarbeiterverband gewünscht. B100g- Berlin erflärt, der Rückgang der Mitglieder zahl sei wesentlich darauf zurückzuführen, daß die Unterstügungssäge cußer Kraft gesetzt wurden. Spig- Dresden sieht die hauptfächlichen Ursachen für die Migliederflucht in dem Mangel an Erziehung zur Gemeinschaft. Windelmann Riel betont die Notwendigkeit, ein größeres Augenmert auf die Lohngestaltung für Arbeiterinnen zu richten. Nach den Schlußworten der Berichterstatter werden die Borstandsanträge der Zentralleitung zur Er. wägung überwiesen. Ueber die Lohn- und Tarifpolitik der einzelnen Branchen berichten: Tierfelber, Kugebach und Thei Binger. Die Aussprache über diese Referate fand am Mittwoch in einer vertraulichen Sizung ftatt. Lithographen zu Berlin Freitag, den 14. Auguft, nachm. 5% Uhr, im„ Deulichen Hof", Ludauer Straße 15 Außerordenti. Ausschuß- Sihung Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes 2. Aenderung der Gagung:$$ 31a und 45. 3. Aenderung der Dienstordnung. 4. Bahl eines Bertreters gemäß§ 78 der Sagung. 5. Berichtebenes. Den Teilnahmeberechtigten geht noch besondere Be nachrichtigung zu. Der Borstand: Hugo Albrecht, Borsigender. Vom Zunftgesellen zum freien Arbeiter Eine kleine Kulturgeschichte mit zeitgenössischen Bildern von PAUL KAMPFFMEYER In Ganzleinen gebunden 1.95 Mark Zu haben. J. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. Berlin SW. 68, Lindenstraße 2 Besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und trotzdem billig! 1 und 2 Mark. Goldkronen von 8 Mark an. Persönliche fachmännische Behandlung. Wöchentliche Telizahlung gestattet. 198 B. Wolff, Charlbg., Berliner Str. 110, nahe Wilhelmplatz. Berlin O 17, Madaistr. 15, Ecke Koppenstraße. PLEHNE Malerscherze oder Eheirrungen in der Sierwelt. 7. Der Schweinehund ist das Produkt einer Kreuzung zwischen einem Landschwein und einem entarteten Pinscher. Es gibt übrigens eine so große Menge von Abarten dieses Untieres, daß die bloße Aufzählung der verschiedenen Kombinationen Seiten füllen würde. Diese Arbeit ersparen wir uns. Wir stellen vielmehr nur fest, daß der Schweinehund bisher nur als Schimpfwort bekannt war. Wenn wir ihn heute den Lesern im Bilde vor Augen führen, dann gefchieht das, um abschreckend zu wirken und den deutschen SprachSchaz um ein Schimpfwort zu verringern. Mit diesem Bilde wollen wir auch diese Anzeigenferie, die eine außergewöhnlich große Beachtung gefunden hat, abschließen und wieder etwas Neues bringen. Viele Leser haben über die Malerfcherze gefchimpft, überaus zahlreiche Leser dagegen haben sich über sie herzlich gefreut. Gelefen wurden unsere Anzeigentexte von Allen. Unsere Präparate wurden fleißig gekauft, weil sie gut und überaus preiswert find und infolgedessen trog der Geldnot von allen Bevölkerungstreifen erworben werden können. 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Telephon: Stephan 5471, STADIE BEILAGE Wohnungswirtschaft im Wohlfahrtswesen. 1925 mie bisher mit 1 Broz. der Gehälter und Löhne des Monats Die Wohnungsbeschaffung in der Wohlfahrtsfürsorge, someit sie für finderreiche Familien in Frage kommt oder sich aus gesundheitlichen oder füttlichen Gefahren ergibt, wird noch recht wenig beachtet, und doch ist eine vernünftige Wohnungsbe wirtschaftung ein bedeutender Faktor in der Wohlfahrtsfür jorge. Schon durch die Beseitigung der gesundheitlichen Gefahren, die sich aus schlechten Wohnverhältnissen ergeben, erledigt sich ein erheblicher Teil der heilenden Wohlfahrtsfürsorge von selbst, was aber auch zutrifft, wenn finderreiche Familien, insbesondere aus fittlichen Gründen, mit genügenden Wohnräumen bedacht werden. Daß sich die Wohnungsnot selbst mit dem besten Willen nicht von heut auf morgen beseitigen läßt, weil die Bautätigkeit im Berhältnis zum Bedarf noch sehr weit zurücksteht, ist bekannt. Troydem ist es aber möglich, Mittel und Wege zu finden, um wenigstens den dringendsten Bedarf, den die Wohlfahrtsfürsorge erfordert, zu decken. Um Unterlagen für die einzuschlagenden Wege zu schaffen, hat das Bezirksamt Prenzlauer Berg eine Umfrage unter den Sozialrentnern, Kleinrentnern und Wohlfahrtsunter ſtügungsempfängern veranlaßt, die folgendes Resultat ergab: Erfaßt wurden 5131 Wohnungsinhaber( Unterstützungsempfänger mit eigener Wohnung) mit 11 823 Berfonen einschließlich Kindern jeder Altersklasse. Sie bewohnten 11 467 Zimmer mit 15 478 Fenstern. Eine Zusammenstellung würde folgendes ergeben: Wohnungen Zimmer 2794 1072 2521 2969 5704 Fenfter 3838 4029 2977 Wohlf.- Unterstützungsempfänger 1538 2574 Kleinrentner 6272 Sozialrentner 7616 Die gesundheitliche Fürsorge schreibt für jeden Wohnungsin haber einen Luftraum von 25 Kubikmeter vor. Diese Vorschrift ist mit einem einfenftrigen Zimmer in Durchschnittsgröße gleich bedeutend. Demnach wäre, menn für jeden Bewohner ein Wohnraum mit 1 Fenster berechnet wird, ein Fensterüberschuß( 3immeraberschuß) von rund 25 Broz. vorhanden. Was aber besonders ins Auge fällt, ist, daß die Zimmerzahl bei einzelnen Personen und feinen Familien erheblich größer ist, als bei Wohnungs inhabern von 6 bis 11 Personen, bei denen sich mit der Ber größerung der Familie auch eine größere Zimmernot bemerkbar macht. Der Preußische Landtag hat auf Antrag feines Hauptausschusses an das Staatsministerium das Ersuchen ge richtet, den Betrag von 20 Millionen M. zur Verfügung zu stellen. Für diesem Betrag follen für den Wohnungsbau neben den Hauszinssteuer- Hypotheten für minderbemittelte finderreiche Familien Beihilfen gewährt werden. Zugleich nahm der Landtag folgende Entschließung an: Das Staatsministerium wird ersucht, die Richtlinien für die Verwendung der Hauszinssteuer dahin zu ergänzen, daß bei Wohnungsbauten für minderbemittelte finderreiche Familien und für minderbemittelte Familien Schwerfriegsverlegter, insbesondere erblindeter Rrrieger, die zu gewährende Hauszinssteuer- Hypothet bis zu 90 Proz. der Gesamtkosten bzw. 100 Broz. der reinen Baukosten betragen fann." Diese Entschließung genügt aber nicht, wenn schnelle Arbeit im Interesse der Wohlfahrtsfürsorge geleistet werden soll. Hinzu fommt, daß der Berliner Magistrat befannt gibt, daß zunächst eine Sperre für Anträge auf Hauszinssteuer Sypotheten erlassen ist. Mithin ist kaum zu erwarten, daß in Kurze nennenswerte Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Daraus ergibt sich, daß der Magistrat, um das Schlimmste zu ver hüten, schnellstens eine Berordnung nach dem Muster von Frant furt a. M. und anderen Städten herausbringen muß und Prämien zahlt für den Austausch von Wohnungen mit Familien, die erheblich unter der Wohnungsnot zu leiden haben. Aber auch der Forderung, die aus den Kreisen der Unterstüßungsempfänger jelbft tommt, Altersheime zu schaffen, wird näher zu treten fein. Der Magistrat von Berlin darf sich äußern. Rosemann, Stadtrat. Fällige Gemeindeabgaben im August. Im Monat August find an die städtischen Steuertassen zu zahlen: a) Grundstücsabgaben bis zum 15. August mit Schonrist bis einschließlich 22. Auguft( am 21. August sind die Steuer. Passen geschlossen: 1. Grundvermögenssteuer. Gemeindezuschlag und Hauszinssteuer in der Höhe der Beträge des Vormonats. Für Grundstüde, die als land oder forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt besteuert werden, ist die vierteljährliche Zahlung ein geführt. Für diese Grundstücke ist erstmalig am 15. August die Vierteljahressteuer für die Monate Juli/ September zu zahlen. Soweit der Julibetrag bereits entrichtet ist, bleibt am 15. Auguft noch die August- und Septemberrate zu entrichten. Künftig ist die Vierteljahressteuer am 15. des zweiten Monats jedes Vierteljahres zu zahlen. Bei denjenigen bebauten und unbebauten Grundstücken, die nicht als land- oder forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt besteuert werden, verbleibt es bei der bisherigen monatlichen Zahlungsweise. 2. Straßenreinigungsbeiträge nach den Säßen des Bormonats. Im Interesse der Pflichtigen wird, soweit für landoder forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Grundstücke Straßenreinigungsbeiträge zu zahlen find, die gleiche Zahlungsweise wie bei der Grundvermögenssteuer empfohlen. b) Gewerbesteuer bis zum 10. Auguft mit Schonfrist bis einschließlich 17. August: Gewerbesteuervorauszahlungen find mur Don den bisherigen Monatszahlern zu leisten und voranzumelden: 1. die Kamille für's Haar Seit erdenklichen Zeiten schäßt man die anregende Wirkung der Kamille auf die Kopfhaut. Von der unpraktischen und zeitraubenden Verwendung reiner Kamillen ist man aber längst abgekommen, seitdem in dem bekannten Kopfmaschpulver, Schaumpon mit dem schwarzen Kopf mit Kamillenzusah" ein Mittel von angenehmem, aromatischem Duft geboten ist, das die kräftigende Wirkung der Kamille mit durchgreifender Reinigungs fraft verbindet und dem Haar glänzendes, volles Aussehen verleiht. Das echte Fabritat trägt stets die Schuhmarte„ Schwarzer Kopf". Aleiniger Hersteller: Hans Schwarzkopf, Berlin- Dahlem. MONDAMIN Delikatess PUDDING RK VORWÄRTS Lohnsummensteuervorauszahlungen für August tlar. Bon dieser Dedfläche sollen zunächst 6000 Morgen urbar ge macht werden und zwar möglichst in diesem Jahr noch ſaatfertig. Juli 1925. 2. die Gewerbeertragssteuervoraus- Die Gesellschaft hat sich an die Stadt Berlin mit dem Anirage gezahlungen für das Vierteljahr Juli/ September wandt, ihr den für die kultivierungen dieses Jahres erforderlichen 1925, die sich wie folgt berechnen: Die Gewerbesteuersäge für die Betrag von 800 000 m. gegen mäßige Verzinsung und entsprechende Gewerbesteuer nach dem Ertrage für das Rechnungsjahr 1925 Tilgung zur Verfügung zu stellen. Die Stadt hat sich bereit erklärt, ( 1. April 1925 bis 31. März 1926) find von 500 auf 425 Proz. des dieses Darlehen zu gewähren und den Zinsverlust, der sich gegenSteuergrundbetrages herabgefeßt worden. Zum Ausgleich der für über dem sonst gegenwärtig angemessenen Zinsertrag ergibt, zu April/ Juni 1925 noch nach den Säten des Borjahres( aljo 500 tragen. Brozent des Steuergrundbetrages nach dem Ertrage) geleisteten Zahlungen werden für Juli/ September 1925 mur 350 Brozent des Steuergrundbetrages nach dem Ertrage erhoben. Die Gemeindebetriebe im Etat der Städte. Ueber die Bedeutung der kommunalen Betriebe für die finanziellen Berhältnisse der Städte hat der„ Deutsche Städte tag eine Rundfrage veranstaltet, die jetzt veröffentlicht wird. Benn diese Veröffentlichung auch keine ziffernmäßige Angaben über die Leistungen der Werke an die Kämmereiverwaltungen enthält, so ergibt sich doch aus der Zusammenstellung des Städtetages, daß die fommunalen Betriebe für die städtischen Finanzen von aus. fchlaggebender Bedeutung geworden sind. Eine ganze Reihe wichtiger Großstädte lassen sich von ihrem Elektrizitäts-, Gasund Wasserwerk sowohl die Straßenbeleuchtung, wie das Wasser für städtische Swede unentgeltlich liefern. Dazu gehören n. a. Köln, Düsseldorf, Hannover, Stuttgart, Kiel, Münster in Westfalen, Bielefeld, Hildesheim, Königsberg. Das allein be deutet schon für die Etats dieser Städte eine ganz ungewöhnliche Entlastung. In einzelnen Großstädten würden die Beträge für diese Zwecke, wenn sie von der Stadt gezahlt werden müßten, in die Millionen, mindestens aber in viele Hunderttausende gehen. Am besten ist wohl Königsberg daran, das neben der unent geltlichen Abgabe nicht weniger als 13 Proz. der erzielten Roheinnahmen für seinen Etat und weitere 7 Proz. für die Auf wertung der vor dem Kriege aufgenommenen Anleihen fich von den Werfen zahlen läßt. Das bedeutet insgesamt bei Königs berg eine Belastung der Roheinnahmen zugunsten der Stadtverwaltung von etwa 30 Proz. Mannheim verlangt 10 Proz. der Gesamteinnahmen und 5 Broz. von einer festen Mindestsumme. Stuttgart verlangt 10 Broz. der Bruttoeinnahmen der Elektrizitäts- und Waffermerte außer der unentgeltlichen Beleuchtungs- und Wasserabgabe. Am niedrigsten find offenbar die Beträge in Berlin, das nur 5 Broz. der Roheinnahmen erhebt, die Straßenbeleuchtung und Wafferabgaben aber selbst bezahlt. Die Zusammenstellung des Städtetages zeigt, daß die Etats faft aller Städte vollständig über den Haufen geworfen würden, wenn die Besteuerung der Bersorgungsbetriebe der Gemeinden, wie sie von den Rechtsparteien propagiert wird, Gesegestraft erlangen follte. Das Arbeitsamt im Bezirk Wedding. Draußen im hohen Norden, in der Schulstraße, murde am Mittwoch der Arbeitsnachweis für den Bezirk Wedding eröffnet. Es fehlte lange an geeigneten Räumen und so war man leider gezwungen, die einzelnen Vermittlungsstellen an verschiedenen Stellen, zum Teil sogar außerhalb des Bezirfs unterzubringen. Das war, wie Bürgermeister Genosse 2eid in seiner Eröffnungs rede betonte, um so schmerzlicher, als es sich hier um den volts. reichsten Bezirk von Berlin handelt, in welchem große Industrie werte mit riesigen Arbeitermassen ihren Siz haben. Genosse Leid, wie nach ihm Stadtrat Genosse Fabiunte, dem das Arbeitsamt unterſtellt ist, brachten zum Ausdrud, daß den Arbeitslosen ein freundlicher Aufenthalt geboten werden müsse. Leute, die durch lange Arbeitslosigkeit verbittert, und deren Wohnungen allzu häufig nur elende, jeder Behaglichkeit bare Löcher find, sollen fich in ihrer Wartezeit im Arbeitsamt wohl fühlen. Daß in der neuen Stätte die Vorbedingungen hierfür gegeben sind, fonnten die zahlreich erschienenen Gäste, Stadträte und Stadtverordnete bei einem Rundgang durch die Räume übereinstimmend feststellen. Große helle Räume für die weiblichen Abteilungen, wie für die Ungelernten und das Hauspersonal. Die in freudigen Farben aus gestatteten Bureauräume und Wartezimmer machen einen behaglichen Eindruck; bequeme Stühle und Bänte find in ausreichendem Maße vorhanden. Das fleine niedliche Gebäude, das mitten in einem Gärtchen steht, hat übrigens eine gewisse historische Bedeutung. Es handelt sich um die sogenannte la motten. schule", die älteste Schule des Wedding, erbaut im Jahre 1824, zu einer Zeit, da der Wedding noch eine selbständige Gemeinde war. Die beiden genannten Vertreter des Bezirksamtes dankten dem Baumeister, wie dem Landesarbeitsamt und dem Magistrat, die alle in entgegenkommender Weise das Werk gefördert haben. Stadtrat Genosse Brühl, der als Vertreter des Magistrats das Wort nahm, gab dem Gedanken Ausdruck, daß für die Arbeitslosen nicht die Erwerbslosenfürsorge die Hauptasche sei, sondern vielmehr der dringende Wunsch, baldmöglichst wieder eine nug bringende Arbeit zu finden. Aufgabe der angestellten Bermittlungs beamten müsse und werde es deshalb sein, den richtigen Mann an die richtige Stelle zu bringen. Hoffen wir, daß der neu eröffnete Arbeitsnachweis recht vielen Menschen die Segnumgen schaffensfreudiger Arbeit bringen fann. Darlehen der Stadt Berlin für Sedländereien. Die Deutsche Dedlandkulturgesellschaft m. b. H., die vom Reich und vom preußischen Staat zum Zweck der Nutzbarmachung von Dedländereien gebildet ist, und die bereits im vergangenen Jahre größere Kultivierungsarbeiten in den Provinzen Hannover und Schleswig- Holstein eingeleitet und durchgeführt hat, will nun auch in der Provinz Brandenburg ihre Tätigkeit aufnehmen und das Havellu ch fultivieren. Die urbar zu machende Fläche des Landes ist ungefähr 100 000 morgen groß. Dieses Gelände, das bisher nur minderen Ertrag lieferte, fann durch Kultivierung in bestestes Wiesen und Weideland umgewandelt werden und 30000 bis 40 000 Stud Großvieh ernähren. Dementsprechend würde sich eine Steigerung des Milchertrages um täglich 300000 Liter und ein jährlicher Fleischzuwachs von 100000 3entner ergeben. Die enorme Bedeutung dieser Produktionsfteigerung für die nahegelegene Großstadt Berlin ist ohne weiteres Heinrich Albrecht gestorben. Der befonders im 2. Berliner Berwaltungsbezirt( Tiergarten) betannte Genoffe Heinrich Albrecht, Beuffelstraße, ist in der Mittwochnacht an einem Darmleiden plöblich verstorben. Den Genossen des 2. Kreises wird diese Nachricht um so überraschender kommen, als Heinrich Albrecht erst im 61. Lebens jahre stand. Er gehörte nicht zu denen, die in der Deffentlichkeit besonders hervortraten; aber gerade seine stille und emfige Birkfamkeit in der Kleinarbeit seit den 25 Jahren seiner ParteizugehörigSympathie aller Genossen erworben. Bei seiner großen Beliebtheit teit hatte ihm über den Kreis seiner engeren Wirksamkeit hinaus die im Kreis Tiergarten wird sein plötzliches Verscheiden sehr schmerzlich bemerkt werden. Bielen ist der Verstorben: durch seine treue Hingabe ein Vorbild gewesen. Er war bis zuletzt Kassierer der 12. Abteilung. Die Einäicherung findet am Sonnabend um 12 Uhr mittags im Krematorium Gerichtstraße statt. Die Genossen werden aufgefordert, durch zahlreiche Beteiligung dem verftorbenen Kämpfer die letzte Ehrung zu erweisen. Besichtigung städtischer Betriebe Groß- Berlins. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin hat einen Führer durch Anstalten und Einrichtungen der Stadt Berlin herausgegeben, der zum Preise von 30 Pf. in der Geschäftsstelle des Gemeindeblattes, Rathaus, dritter Stock, zu haben ist Das Büchlein umfaßt eine Auswahl der städtischen Anstalten und Einrichtungen, die sich besonders zur Besichtigung auch des Bublifums eignen. Der Besuch von Privatpersonen und nicht städtischen Stellen ist dem Nachrichtenamt der Stadt Berlin( Unruf: Magistrats- Nachrichtenamt) rechtzeitig vorher anzumelden, das für den Besuch einen Ausweis ausstellt. Die Besichtigungen er folgen ohne Haftung der Stadt für Gefahren oder Unfälle. Die Besichtigungsobjekte sind einzeln aufgeführt, getrennt nach Arbeit und Gewerbe, Bade-, Bestattungs, Feuerlösch- und Gesundheitswesen, nach Jugendpflege, Kunst und Bildung, Volfsbüchereien und Schulwesen, nach technischen Anlagen, Bauwerten, Siedlungen und Wohlfahrtspflege. Das Bezirksamt Weißensee teilt mit: Bei der herrschenden Wohnungsnot märe es erwünscht, daß Inhaber größerer Wohnungen bei nur geringer Zahl der Familien. mitglieder ihre Wohnung gegen eine fleinere tauschen. Auch alleinstehenden Personen wird das aus sozialen Gründen anempfohlen. Das Bezirkswohnungsamt fann unter gewiffen Bor aussetzungen eine Umzugsbeihilfe und Vergütung für den Verzicht zahlen. Jubilänm. Am 8. Auguft begeht der Genosse Robert Schulge. Safenheide 48, feinen 75. Geburtstag. Genoffe Schulße ist ein Beteran der Bartei. Er steht noch heute wie feit 61 Jahren am Ambos und am Schraubftod. der echte Südfruchtpudding HENKEL'S SCHEUERPULVER ATA HOM Der ATA- Engel ist vergnügt, Deil seine Arbeit nur so fliegt. Jn heller Freude ruft er aus: ATA gehört in jedes Haus! ATA putzt und reinigt alles! nach holländischer Art. Das liebliche Aroma( keine Essenzen) und die glücklich gewählte Eigenart seiner Zusammenstellung verleihen dem Mondamin- Delikatess- Pudding seinen pikanten Geschmack. Mondamin- Delikatess- Pudding ist etwas ganz Leckeres wie jeder MONDAMIN- FEINKOST- PUDDING Nr. 369+42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Die Optanteninterpellation. Stresemann über die Deutschenausweisungen- Die Verantwortungsfrage. Der Reichstag behandelte gestern die Interpella| lang es, bis zum 4. August d. 3., 5751 Personen einschließlich der tionen zur Optantenfrage. Familienangehörigen in Arbeitsstellen unterzubringen, davon allein 3352 Personen seit dem 28. Juli. Abg. Dr. v. Keudell( Dnat.) begründet die deutschnationale Interpellation. Er fordert den Reichstag auf, in der Optantenfrage einmal einmütig zusammenzuarbeiten, um zu untersuchen, wie es zu den schmachvollen Zuständen in Schneidemühl gekommen sei, und eine Wiederholung dieser Zustände zu verhindern. Die deutschnationale Interpellation fragt die Reichsregierung, was sie getan habe, um zu verhindern, daß die polnische Regierung in den letzten Tagen mehr als 30 000 Deutsche von Haus und of vertrieben hat. Ferner wird gefragt, was die Reichsregierung getan habe, um die Bertriebenen vor dem bittersten Elend zu bewahren, und was die Regierung zu tun gedenkt, um, gegebenenfalls unter Anwendung von Bergeltungsmaßnahmen, die deutschen Einwohner Polens in Zukunft zu schützen. Die Regierung soll erklären, ob sie die lleberzeugung gewonnen habe, daß die polnische Regierung ihrer Berpflichtung, den Optanten den Uebertritt nach Deutsch. land zu erleichtern, nachgekommen sei. Abg. Rädel( Romm.) begründet die Interpellation feiner Fraktion. Die Reichsregierung wird in dieser Interpellation aufgefordert, unverzüglich Maßnahmen zur Linderung der Flüchtlingsnot zu treffen, und gefragt, was sie gegen die an der mangelhaften Unterbringung Schuldigen zu tun gedente. Als der Redner erklärt, die Rechtsparteiler hätten fein Recht, gegen die polnische Willkür zu protestieren, da sie selber Gewaltanbeter seien, erhebt sich großer Lärm rechts; Rufe: Herunter mit ihm! Die Mehrzahl der Deutschnationalen und der Mitglieder der Deutschen Volkspartei verlassen den Saal. Reichsaußenminister Dr. Stresemann gibt im Namen der Reichsregierung und im Einverständnis mit dem preußischen Ministerium des Innern auf die von den Vorrednern gestellten Interpellationen folgende Erklärung ab: Der Reichsregierung ist durch den Schiedsspruch des Präsidenten Kaeckenbeed die Pflicht aufgezwungen worden, die Abschiebung der deutschen Optanten aus Bolen zu dulden. Trotzdem dieser Schiedsspruch auch für die deutsche Regierung verbindliche Kraft hatte, hat die deutsche Delegation in Wien durch direkte Verhandlungen mit der polnischen Delegation versucht, eine Milderung dieses Schiedsspruches herbeizuführen. Diese Bemühungen scheiterten on dem polnischen Widerstand. Es ist nur möglich gewesen, in den Wiener Berhandlungen eine Erleichterung in den Abwanderungsbedingungen zu erreichen. Nachdem auf der Grundlage des Kaeckenbeeckschen Schiedsspruchs das Wiener Abkommen am 30. Auguſt vorigen Jahres, das im Reich und in Polen Gesetz wurde, unterzeichnet war, hat das Auswärtige Amt die deutsche Gesandschaft in Warju,.... beauftragt, in dringlicher Form bei der polnischen Regierung auf einen Verzicht auf die Ausweifungsbefugnis bzw. auf eine Einschränkung des Kreises der abwanderungspflichtigen Optanten hinzuwirken. Diese Berhandlungen, die im Januar, Juni und sogar noch im Juli dieses Jahres stattfanden, hatten jedoch infolge des Widerstandes der polnischen Regierung feinen Erfolg. Lediglich das Berbleiben der zu den Sonfulatangestellten gehörenden Optanten wurde zugestanden. Dabei wurde nicht einmal der Wunsch der deutschen Regierung, von der Abwanderungspflicht Greise, Schwer. friegsbeschädigte, Witwen und Waisen auszunehmen, berücksichtigt. linmittelbar nach dem Abschluß der Wiener Verhandlungen unterrichtete das Auswärtige Amt das Reichsmisterium des Innern in einer Besprechung vom 25. Oftober 1924, in welcher die Frage der Uebernahme und Unterbringung der Optanten noch nicht abschließend geklärt werden konnte. Die Behandlung dieser Frage wurde vom Reichsministerium des Innern übernommen und dieses berief für den 1. und 8. Dezember 1924 fommissarische Besprechungen mit den beteiligten Stellen des Reiches und Preußens ein, um die zur Durchführung des Abkommens notwendigen Maß nahmen sicherzustellen. Dabei wurde auf Grund der angestellten Ermittlungen die Zahl der aus Polen Abwanderungspflichtigen auf rund 27 000 angegeben. An Mitteln find für die Unterbringung vom Reich und Preußen insgesamt 6,5 millionen M. bereitgestellt und weitere 3 millionen M. für die Unterbringung der zu erwartenden Optanten ausgeworfen. Da damit gerechnet wurde, daß 20 000 Optanten Polen bis zum 1. August verlassen mußten, so glaubte man, daß der Hauptteil in der zweiten Julihälfte die Grenze überschreiten würde, und danach wurden in Schneidemühl die Einrichtungen getroffen. Wider Erwarten tam aber der Hauptteil der Optanten erst in den allerleßten Julitagen. Der Grund dafür war, daß die Optanten bis in dem letzten Augenblid hofften, Polen würde im allgemeinen oder in befonderen Fällen von der Austreibung Abstand nehmen. So drängte sich der Zuftrom auf wenige Tage zusammen und da durch entstanden Unzuträglichkeiten für die Unterbringung und die Weiterbeförderung. Diese Schwierigkeiten onnten im Zusammen arbeiten aller Stellen behoben werden. Die höchste Belegung des Lagers in Schneidemühl betrug etwa 7000 Köpfe. Die bisherige Abwanderung erfolgte unter dem Druck des in dem Wiener Abkommen festgesetzten Termins, aber ohne diret ten polizeilichen 3wang.( Lachen rechts.) Die Reichsregierung hat sich bei den entsprechenden Maßnahmen gegen die polnischen Optanten in Deutschland, die denselben Bestimmungen des Wiener Abkommens unterliegen, zur Richtschnur gemacht, ihnen dieselbe Behandlung zuteil werden zu lassen, der die deutschen Optanten in Polen durch die polnische Regierung ausgesetzt werden. Es ist daher selbstverständlich, daß die Reichsregierung, um das Los der deutschen Optanten nicht unnötig zu erschweren, ihre Maßnahmen gegen die polnischen Optanten in Deutschland dann vornehmen wird, wenn Polen hiermit vorangegangen ist. ( 3wischenrufe rechts.) Das ist vollkommen richtig; wir haben das größte Interesse daran, daß wir zu Repressiomaßnahmen erst schreiten, wenn Bolen uns so behandelt hat.( 2ärm und Zwischenrufe rechts.) Gie, Herr v. Graefe, scheinen der Meinung zu sein, daß wir provozieren Regierung, nachdem die polnische Regierung den deutschen Optanten ellen.( Ruf rechts: Unerhört!) Demgemäß hatte die deutsche das gleiche getan. Nachdem Polen die Wohnungen der Optanten in Polen die Abwanderungsaufforderungen hatte zustellen lassen, beschlagnahmt hatte, ist von deutscher Seite dasselbe veranlaßt worden. Ebenso hatte Deutschland beabsichtigt, mit den gleichen Zwangs maßnahmen zu antworten, sobald Polen die zwangsweise Abschie bung der noch nicht abgewanderten Optanten vornahm. Die Ver. treibung von vielen Tausenden von Optantenfamilien von ihrer heimatlichen Scholle im abgetretenen Gebiet bedeutet einen Notstand von solcher Größe, daß es ein Gebot der Mensch. lichkeit, zugleich eine selbstverständliche deutsche Ehrenpflicht für alle zur Pflege der Wohlfahrt und des Deutschtums berufenen Refforts des Reiches und Preußens ist, nach Kräften der Linderung der Not beizutragen. Dieser Verpflichtung sind sich alle Refforts bewußt, und von keinem ist je die Mitverantwortung für das Los der Optanten verkannt oder bestritten worden. Heute ist dem Auswärtigen Amt durch das Generalfonfulat in Bosen berichtet worden, daß die polnischen Behörden Maßnahmen zur zwangsweisen Abschiebung derjenigen deutschen Optanten in Polen eingeleitet haben, die bisher innerhalb ihrer Abwanderungsfrist nicht abgewandert sind. Insbesondere ift diefen Personen die Aufforderung zugegangen, Polen innerhalb von 48 Stunden zu verlassen.( Hört, hört! auf allen Seiten des Hauses.) Die zuständigen inneren Stellen in Deutschland haben daraufhin auf Beranlassung des Auswärtigen Amtes bereits die nötigen Maßnahmen in die Wege geleitet, um die noch in Deutschland verbliebenen bereits abwanderungspflichtigen polnischen Optanten in derselben Weise zum Verlassen des Reiches zu zwingen. daß niemand in Urlaub gegangen ist, der mit diesen Dingen Zu dieser Erklärung der Regierung habe ich noch zu bemerten, zu tun gehabt hat.( 3wischenruf: Herr Rauscher!) Herr Rauscher ist auf Urlaub gegangen, nachdem seine Verhandlungen mit den Polen hierüber vollkommen ergebnislos verlaufen sind und uns jede weitere Verhandlung mit Polen darüber nicht mehr mit der Bon der reichsdeutschen Kolonie in Warschau ist das Verhalten des Herrn Rauscher gebilligt worden. Mit dem Abtransport der Optanten aus Polen an die deutsche Grenze wurden die deutschen Konsulate in Bosen und Thorn beauftragt, die mit den organisatorischen Maßnahmen bereits im Februar begannen. Abwanderungsstellen wurden in Bromberg, Thorn und Dirschau eingerichtet. Jeder einzelne Optantürde der deutschen Regierung vereinbar fchten. erhielt gedruckte Berhaltungsmaßregeln. Abwanderungspapiere wurden ebenfalls jedem einzelnen Optanten ausgefertigt und in Notfällen eine Geldbeihilfe gewährt. Tausende von Optanten erbaten und erhielten von den deutschen Konsulaten Rat und Hilfe, und dank dieser umfangreichen Vorbereitungen fonnte ein großer Teil der Optanten, etwa 8000, im Juli die Rückwanderung antreten, ohne das Durchgangslager in Schneidemühl zu be. rühren. Nach Abschluß. der im Dezember 1924 genau festgelegten Vorarbeiten beraumte das Reichsministerium des Innern eine erneute allgemeine Aussprache über die Optanten frage auf den 30. März 1925 an, an welcher das Auswärtige Amt, das Generalkonsulat Posen, das Reichsfinanzministerium, das preußische Ministerium des Innern, das preußische Ministerium für Bolkswohlfahrt, das preußische Finanzministerium, das preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten und die Reichsarbeitsverwaltung teilnehmen. In dieser Besprechung teilte der Vertreter des preußischen Ministeriums des Innern mit, daß der Oberpräsident in Schneidemühl zum preußischen Gaatstommissar für die lebernahme der Optanten aufgestellt sei. Es wurde eine Arbeitsteilung vereinbart, wonach der preußische Staatsfommissar und die Reichsarbeitsverwaltung gemeinsam zu for en hätten für den Empfang der Flüchtlinge an der Grenze und ihre Berteilung auf die Abwanderungsstellen. Das von Breuken in Schneidemühl eingerichtete Durchgangslager bot für etwa 5000 Optanten ein vorläufiges Unterkommen. Dieses Lager war lediglich für die erste Aufnahme der Optanten bestimmt, und die rasche Weiterleitung war ge= vährleistet durch die preußischen Vorschriften über die wohnliche Unterbringung der Optanten gemäß dem Runderlag vom 7. Februar 1925 und die sich darauf aufbauenden ministeriellen Anweisungen an die Regierungspräsidenten, durch welche diese verpflichtet wurden, Wohnräume für die ihnen zugewiesenen Optanten zu beschaffen. Gleichzeitig mit dem Wohnungsproblem war die Frage der Ar. beitsbeschaffung zu lösen, da ein längeres Lagerleben aus fanitären, politischen und sozialen Gründen nicht geduldet werden fennte. Zu diesem Zweck hatte die Reichsarbeitsverwaltung Mitte April eine Optanten- Bermittlungsstelle eingerichtet und ihre Leitung einem hervorragenden Sachfenner übertragen, während dem Generalfonfulat in Bosen ebenfalls ein Bearbeiter für Die einschlägigen Fragen beigegeben wurde. Auf diese Weise ge Ich habe außerordentlich bedauert, daß bei Behandlung dieser Frage in der öffentlichen Meinung in Deutschland vielfach die inneren Fragen den außenpolitischen Intereffen vorangestellt sind. Was in Schneidemühl gefchehen ist, ift tiefbedauerlich, aber wenn die Frage aufzuwerfen ist, wer die Schuld daran trägt, so hätte sich diese Frage wohl im engeren Streise erledigen lassen. Die Dinge in Schneidemühl find doch sekundärer Natur, das Primäre ist, daß 6 Jahre nach dem Kriege noch Behntausende von friedlichen Deutschen aus einem Nachbarland cusgewiesen werden können. Wenn jetzt darüber geklagt ist, daß das Ausland nicht genügend auf die polnische Ungerechtigkeit reagiert, so tragen wir insofern eine große Schuld daran, als wir diefe Zustände in Schneidemühl in den Vordergrund geffellt haben. Die polnische Regierung beruft sich auf das formale Recht, das fie nach dem Schiedsspruch des Herrn Katenbaed hat, das Recht, die zwangsweise 2bwanderung zu fordern. Auch hier liegt es so, wie Der Reichskanzler neulich einmal sagte, daß formales Recht zum größten Unrecht wird. Die Gefte Polens uns gegenüber ist aber die Geste der Gewall! ( Sehr richtig!) Wenn wir gezwungen sind, Repressalien dagegen zu ergreifen und wenn wir heute die Befehle haben ergehen lassen, daß die Polen, die noch nicht abgewandert sind, innerhalb 48 Stun den den deutschen Boden zu verlassen haben, so haben wir das nicht getan im Gefühl der Befriedigung über solche Maßnahmen. Wir haben es getan im Gefühl der Beschämung darüber, zu folchen Maßnahmen greifen zu müssen.( Allgemeine Zustimmung.) Wir handeln in der Abwehr gegen ein Unrecht. Es hat Zeiten gegeben, vielleicht in früheren Jahrhunderten, wo selbst bei denjenigen Völkern, die Krieg miteinander führten, das Heimatrecht der Völker höher geachtet wurde als heute fieben Jahre nach dem Kriege. Wir geben dem Widerspruch gegen die Politif der Gewalt Ausdruck und zugleich der Ueberzeugung, daß mit allen Mitteln denjenigen geholfen werden muß, die die Opfer der Gewalt gewor den sind. Abg. Kube( Bölt.) vermißt bei den Deutschnationalen in dieser Frage ben Rampfesgeist helfferichs und der deutsch nationalen Presse Polen, dieser Raubftaat, müffe gezwun Freitag, 7. August 1925 gen werden, die Manieren eines zivilisierten Staates anzunehmen. Wer die Bassermannschen Gestalten beim polnischen Generalfonsulat am Nollendorfplat in Berlin beobachtet, müsse dringend wün schen, daß dieser Schweinestall einmal gesäubert wird.( Beifall, Unruhe und Gelächter.) Abg. Dr. Mittelmann( D. Bp.) erflärt: Die polnische Politit, das habe erst kürzlich ein französischer Schriftsteller anerkannt, streue eine Saat des Hasses, die bei den Deutschen dem Bedürfnis nach Nahrung gebe. Dabei dente man in der Lat immer wieder an den einer friedlichen Revision der Ostgrenzen immer neue polnischen Korridor, den Pfahl im deutschen Fleische.( Beifall.) Für die Unterbringung und Unterstüßung der Optanten müsse alles getan werden, was möglich ist. Abg. Dr. Haas( Dem.) bezeichnet es als einen schlechten Dienst an den unglücklichen Optanten, wenn ihre Not dazu gemißbraucht wird, gehässige Angriffe gegen politische Gegner zu richten. Dem groben Unfug der politischen Agitation im Flüchtlingslager müffe fchleunigst ein Ende gemacht werden.( Beifall links.) Jest tomme es vor allem darauf an, für die deutschen Optanten ausreichende Siedlungsmöglichteiten zu schaffen. Polen sei in die längst überwundenen Methoden mittelalterlicher Gewaltpolitik verfallen.( Beifall links.) diesem Augenblid Angriffe gegen Reichsbehörden oder preußische Abg. Dr. Bredt( W. Bgg.) hält es nicht für zweckmäßig, in Behörden zu richten. Die Hauptfürsorge müsse jetzt die Hilfe für die Optanten sein. Nach den unerhörten Atten polnischer Gewaltpolitit gegen Deutsche müsse jetzt verlangt werden, daß die Deutschland übergesiedelt sind und die zum größten Teil hier als deutsche Regierung rücksichtslos alle die Polen ausweist, die nach Blutsauger aufgetreten seien. Es folgen dann die Schlußworte zu den Interpellationen. Abg. Schulh- Bromberg( Dn.) gibt zunächst von einer EntschlieBung Kenntnis, die die Deutschnationalen eingebracht haben. Abg. Nowack( Soz.): In den letzten Jahren und Monaten haben Tausende deutscher Existenz zu finden. Ihnen gebührt unser Gruß und Dant, weil die Staatsbürger Polen verlassen müssen, um in Deutschland eine neue bewahrt haben. Diejenigen, die in der Ostmark gearbeitet haben, Heimkehrenden in der schwersten Zeit ihrem Vaterlande die Treue wissen, wie viel Schweiß es gefoftet hat, um in jahrhundertelangem Sumpf blühende Heimstätten zu schaffen. Diese Leute müssen die Kampf deutsche Kultur nach dem Osten zu tragen, um aus Moor und Kampf um eine neue Eristenz aufzunehmen. Wir sprechen die Hoffihnen lieb gewordene Heimat verlassen, um in der alten Heimat den nung aus, daß ihnen ein ausreichender Erfaz für alle Unbill geboten wird. Wir erwarten von der Regierung, daß sie ausreichende Mittel zur Verfügung stellt, um den nach Deutschland Zurückkehrenden zu helfen. Deren Andrang ist so start, daß das Unterkommen in Schneidemühl nicht ausreichte, es sind dort Zustände eingetreten, die in einer Kulturnation nicht vorkommen dürfen. Diese Zustände haben dazu geführt, daß der preußische Innenminister Severing selbst nach Schneidemühl gereist ist, um einen Ueberblick über die Unterbringung und Weiterbeförderung der Optanten zu bekommen. Seinem schnellen Eingreifen ist es gelungen, die größten Mißstände abzustellen. Ich habe ihn auf dieser Reise begleiten tönnen und bin deshalb in der Lage, einen objektiven Bericht über die Lage der Optanten in dem Lager von Schneidemühl zu geben. Ich selbst bin geborener Westpreuße und hatte ein Intereffe daran zu sehen, wie meine Landsleute von der alten Heimat aufgenommen und untergebracht und verpflegt worden find. Es war ein erschütternder Anblic, als wir in der Nacht durch die Baraden gingen. Sie waren darin zusammengepfercht und bei der schlechten Luft tann man sich vorstellen, welches Bild sich uns bot. Bei diesem Anblid tam mir ein anderes Bild in Erinnerung. Es war in den Augufttagen 1914, als Ostpreußen geräumt werden mußte und fage- und wochenlang die Einwohner draußen im Regen liegen mußten. In den Zeitungen war gemeldet worden, daß die Lagerkommandantur auf den Ansturm wenig vorbereitet war, daß insbesondere nicht für Stroh gesorgt wurde. Ich habe danach gefragt, wer daran die Schuld trug, die Antwort: Die Kommandantur hat sofort den Versuch gemacht, fich Lager. Stroh zu verschaffen. Als sie auf die großen Güter der Umgegend danach schickte, wurde geantwortet:„ Wir sind jetzt in der Ernte, wir fönnen fein Stroh abgeben"( Stürmisches Hört, hört!) Das sind( nach rechts) Ihre Leute, die diese Antwort gegeben haben. Sie können nicht erzählen, daß ein Grundbefizer gerade soviel Stroh hat, wie er für die Ernte braucht. Es ist auf den großen Gütern immer so viel Stroh da, daß es für viele Jahre ausreichtDiese großen Grundbefiher hatten für die Optanten fein Stroh, aber die anderen, die Kleinbauern, ftellten sofort Stroh zur Verfügung.( Hört, hört!). Wir verstehen es, daß die Ernte in die Scheuern gebracht werden loll, aber wenn es sich darum handelt, für die aus der bisherigen Heimat vertriebenen Stroh zum Lager zu geben, dann kann ich eine solche Handlungsweise nicht verstehen.( Sehr wahr b. d. Soz.). Wir verstehen es aber auch, daß die Herren vom Landbund jetzt damit beschäftigt find, die Schußzölle unter Dach und Fach zu bekommen, diese Ernte muß jezt in die Scheuer gebracht werden. ( Sehr richtig bei den So3.). andarbeiter aus Deutschland auszuweisen. Er hätte sich in Herr Kube hat vorgeschlagen, die 129000 polnischen dieser Frage eigentlich an Herrn Graef und an die Deutschnationalen menden müssen. Dort hat man fein Interesse daran, diese Landarbeiter hinauszuweisen. Allerdings hält man sie nur fo diese Landarbeiter hinauszuweisen. Allerdings hält man sie nur solange, als sie ihre Arbeit leisten, später heißt es, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr fann gehen. Der Redner verliest eine Bresse äußerung über das Elend der pol nischen Wanderarbeiter. Es wird darin berichtet, daß in Pommern zahllose polnische Schnitter obdachlos sind, und er fnüpft daran die Schlußfolgerung: Erst beutet man sie aus, dann seht man sie auf die Straße( Sehr richtig bei den Goz.). In einigen Baracen in Schneidemühl fah es sehr betrübend aus, in anderen Baraden war es besser. Insbesondere dort, wo Maßnahmen getroffen wurden, damit die Familien zusammen wohnen können. Der preußische Innenminister hat Richtlinien für den Neubau von Baracken und andere Maßnahmen aufgestellt. Die Lagerverwaltung mill alles tun, um eine Erleichterung für die Optanten zu schaffen. Die Leute waren zumeist mit dem Essen zufrieden, fie erklärten zum Teil, daß fie besseres Essen bekommen hätten als vorher in Polen. Es soll ihnen jezt angemessene Arbeit und Wohnung verschafft werden. Auch für die Optanten, die län= gere Zeit dort zu bleiben gezwungen sind, ist durch die Maßnahmen des preußischen Innenministers besser gesorgt. Es wird alles getan, um ihr Los zu mildern und um bessere sanitäre Einrichtungen zu schaffen. Erfreulich ist es, daß durch die Arbeits vermittlung des Lagers schon für 5% Tausend Optanten Arbeit und Wohnung beschafft werden konnten. Die Optanten drängen selbst in ausreichendem Maße zur Arbeitsvermittlung. Flehentlich bitten fie darum, ihnen Arbeit und Wohnung zu beschaffen. Die Rechts. preffe hat statt sich darüber zu freuen, daß der preußische Innenminister so schnell eingegriffen hut, ihn in unflätigster Weise be schimpft und in nicht zu beschreibender Weise angegriffen. Wir hoffen, daß die Optanten überall so aufgenommen werden, wie es den Opfern entspricht, die sie gebracht haben und nicht so, wie Herr Lindeiner- Wildan in der„ Deutschen All1 gemeinen Zeitung" geschrieben hat.( Sehr richtig bei den S03-). Bolen war bei seinen Maßnahmen gegen die Optanten juristisch formell im Recht. Nach dem Wiener Abkommen vom 30. August 1924 sollten die deutschen Optanten am 1. August 1925, soweit fie Grundbesiz haben, in den Festungsrayons oder in der Grenzzone wohnen, am 1. November 1925, der Rest am 1. August 1926 Bolen nerlassen. Aber die polnische Regierung brauchte nicht auf ihren Schein zu bestehen, wir verstehen es nicht, daß sie auf diese Weise vorgegangen ist. Menschen, die mit Polen verwachsen sind, die Kulturarbeit geleistet haben, wurden wie das Vieh an die Grenze abgeschoben. Die Versuche von deutscher Seite, diese Wir haben Maßnahmen rüdgängig zu machen, waren vergeblich. gehört, daß gestern 3wangsmaßnahmen von Polen durchgeführt murden, daß auch Industriearbeiter in Lodz aus= gewiesen werden. Wenn Bolen mit den Ausweisungen fortfährt, dann wird Deutschland allerdings nichts anderes übrigbleiben, als Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Man muß doch aber die Frage aufwerfen: 3ft diese Polenpolitik nicht eine Frucht jener Politit, die Preußen vor dem Kriege getrieben hat? ( Sehr wahr! bei den Soz.) Die Maßnahmen der polnischen Regierung erinnern an die preußische Ostmartenpolitit.( zurufe rechts.) Ich beschönige nichts, was Polen tut. Deswegen dürfen wir aber doch nicht verschweigen, daß das eine Frucht der früheren Ostpolitik ist. Die preußische Regierung vor dem Kriege hatte den Polenkindern perboten, sich in ihrer polnischen Muttersprache zu unterhalten. Häufig wurden die Kinder geprügelt, menn die Lehrer erfuhren, daß sie zu Hause polnisch sprachen.( 3wischenruf vom Abg. SchultzBromberg( Dnat.) In Bromberg mag es nicht so gewesen sein, aber in den fleineren Orten ist man jo vorgegangen. Jeht rächt sich die Politik, die früher getrieben worden ist. Wir wünschen aber, daß die Polen die Lehre gerade aus der Vergangenheit ziehen, daß die nationalistischen Leidenschaften durch solche Maßnahmen erst recht angefacht werden. Die Leidtragenden dabei find ja nicht die Großgrundbefizer, denn die haben nicht für Deutschland geftimmt, sondern find zu Polen geworden. Gerade diefe Herren, die immer den Nafionalismus im Munde führten, haben jetzt vergessen, daß fie Deutsche gewesen find.( Sehr richtig! bei den Soz.) In der Rechtspresse wird nach den Instanzen gesucht, die die Berantwortung zu tragen haben. Nach der Erklärung des Reichsaußenministers, von der hoffentlich die Rechtspresse Notiz nehmen wird, fann fein Zweifel daran sein, daß die Schuld an den zu ständen in Schneidemühl nicht beim preußischen Innenministerium, sondern bei der Reichsregierung liegt. Es ist jetzt ihre Aufgabe, genügend Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Immer wieder wurde es uns von dem Kommandanten des Lagers gesagt, daß nur der Mangel an Geldmitteln verhindert habe, den Ausbau des Lagers vorzunehmen und die Not der Optanten rechtzeitig zu lindern. Nach der heutigen Erklärung des Reichsaußenministers darf nicht länger mit dem Elend der Optanten Schindluder getrieben werden. Nicht durch Redensarten, nicht durch die Aufpeitschung der nationalistischen Instinkte ist ihnen zu helfen, sondern durch die Bereitstellung ausreichender Geldmittel. Am 1. November ist wieder eine größere Anzahl von Optanten zu erwarten, wir haben deshalb den Antrag gestellt, daß die Regierung dafür sorgt, daß den Optanten, die Landwirtschaft betrieben haben, in ausreichendem Maße Gelegenheit zur Siedlung gegeben wird. Es kommen diesmal vornehmlich kleinere und mittlere Bauern in Betracht. Wir haben im Osten riesigen Grundbesig, es fann ihnen also genügend Land zur Verfügung gestellt werden. Reigen sie nun, daß Sie wirklich bereit sind, denjenigen zu helfen, die in Deutschlands willen leiden. Wir sprechen aber die Hoffnung aus, daß bald eine Verständigung mit Polen zustande kommt, nicht mur in der Frage der Optanten, sondern auch im Wirtschaftsfrieg, der im Interesse aller Beteiligten bald beigelegt werden muß.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Buchholz( 3.) bedauert, daß auch die furchtbare Not der Optanten zum Gegenstand eines gehässigen Parteistreits in der Bresse gemacht worden seien. Die Tendenzmeldungen dieser Bresse hätten nur neues Wasser auf die Mühlen der Polen geleitet. Man habe hier und da nach deutschen Schuldigen gesucht, statt auf den mahren Schuldigen hinzuweisen, auf die Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit der polnischen Politik.( Beifall.) Abg. Rädel( Komm.) meint, die Ausführungen des Außenministers würden bei den Vertriebenen in Schneidemühl nur Enttäuschung hervorrufen. ( Schluß des Berichts siehe Hauptblatt.) But Wirtschaftli Jerfinn mit Methode. Die Bedeutung der Industriezölle, die jeßt ,, in vermehrter und verbesserter Auflage" aus dem Zollkompromiß herauskommen, ist von jeher nicht zweifelhaft gewesen. Sie galten früher einmal mit einem gewissen Recht als Erziehungszölle, aber schon 1890 fennzeichnete sie Friedrich Engels mit den Worten:... die industriellen Schutzölle, eingeführt gerade im Augenblick, wo die deutsche Industrie aus eigener Kraft und unter Freihandel sich eine Weltmarktstellung erobert hatte, eingeführt ausdrücklich und einzig, damit der Fabritant im Inland zu Monopol preisen und im Ausland zu Schleuderpreisen ver. faufen fönne..." Engels brachte damit auf eine furze Formel, was schon viele Jahre vorher Gegenstand heftiger sozialdemofratischer Kritik gewesen war: die Tatsache des deutschen Schleuder exports, dessen Kosten der zollumschlossene Binnenmarkt trug. Für diesen Schleuderexport ist in der sozialdemokratischen Lite ratur manch charakteristisches Beispiel verzeichnet. Hier sei nur aus der neuen Zeit"( Jahrgang 1887) die folgende Mitteilung wieder gegeben: ,, Die Herren Schußzölner haben bekanntlich nur im Intereffe des Baterlandes und nicht ihres Profits die Erhöhung der diversen Zölle durchgedrückt. Eine gute Illustration diefes Patriotismus bietet folgender Fall, der sich jüngst ereignete, einer aus vielen: Zwei große Lieferungen Schienen waren ausgeschrieben; beide wurden deutschen Firmen zugeschlagen. Nach Abzug der Transportfosten betrug der Preis, den der deutsche Fabrikant verlangte, in dem einen Falle 76 m. pro Tonne, im anderen Fall dagegen 120 M. Der erstere Preis war ebenso unerhört niedrig, wie der andere hoch, denn gleichzeitig fostete eine Tonne Schienen in Eng land 85 M. Die eine Lieferung war für das Ausland bestimmt, für die australische Kolonie Vittoria, die andere von der Eisenbahndirektion Berlin ausgeschrieben. Jedermann sollte nun glauben, daß der deutsche Fabrikant, der von Patriotismus trieft, dem Vaterland den Profit preisgibt, den er aus dem Ausland herausgeschlagen. Jedermann weiß aber auch, daß das Umgekehrte der Fall ist." In der Folge haben die Fortschritte der Rartellierung und Syndizierung der Industrie es ermöglicht, die anfänglich primitiven Methoden solcher Ausnutzung der Schutzölle mehr und mehr zu einem sorgsam ausgebildeten Syftem zu entwideln. Dabei war sowohl die Rohmaterial- und Halbfabrikatproduktion wie auch die Fertigfabrikation beteiligt. Je länger, je mehr ist aber die Berfeinerungsindustrie in Nachteil geraten, und durch keinen Extraprofit, der unterm Zollschutz im Inlande zu erreichen war, fonnten schließlich für sie die Wirkungen der billigen Rohmaterial- und Halbfabrikat lieferungen aus der deutschen Produktion an die ausländischen Fertigindustrien aufgehoben werden. Nach dem Kriege ist Fabritaterport für das fleinere und in seiner agraren Grundlage geschmälerte, anderseits mit schweren Zahlungsverpflichtungen ans Ausland belastete Deutschland drin. gendstes Erfordernis. Jede Steigerung des Fabritat. exportes bedeutet geradezu eine Erleichterung sowohl der gesamtwirtschaftlichen wie auch der sozialen Situation. Dementsprechend fordert die Wissenschaft, der in der Gegenwart mehr als je zuvor die Vertretung der wirtschaftlichen Allgemeinintereffen gegenüber den differenzierten Gruppen- und Einzelinteressen zukommt, Beseitigung aller Exporthemmnisse für die Fertigindustrien, welcher Art diese Hemmniffe auch sein mögen. Aus diesem Grunde trat die deutsche Wirtschaftswissenschaft auch mit seltener Einmütigkeit gegen die Rohmaterial- und Halb. fabrikatzölle auf. Man fann nicht die Fertigindustrie in ihrer Exportfähigkeit stärfen, wenn man ihr die Materialien verteuert, durch Zölle ihre Gestehungskosten über Weltmarttniveau hinauftreibt selbst wenn die sogenannte eisenschaffende der eisenverarbeitenden Industrie Differenzbeträge herausbezahlt, um sie für die Ueber teuerung durch die zollgeschützte Preisbildung ihrer Kartelle und Syndikate teilweise zu entschädigen, so schafft dies doch feinen entsprechenden Kraftzuwachs für den internationalen Konkurrenzkampf der Fertigindustrie, weil auf solche Weise ein Ausgleich für das durch das lückenlose Zollsystem allgemein überhöhte Preisniveau nicht möglich ist. Es wird sich bald zeigen, daß die Schwerindustrie relativ reüffiert, während die Fertigindustrie zunehmend in Schwierigtetten gerät. Aus Holland wird schon jetzt über Erfolge der deutschen Rohmaterial- und Halbfabrikatproduzenten durch billige Exportpreise und, damit zusammenhängend, über Mißerfolge der deutschen Fertig. industrien im internationalen Ronkurrenzfampf berichtet. Der ,, ölnischen Zeitung wurde darüber aus Rotterdam gemeldet( R. 3" Dom 3. August): „ Die Einfuhr deutscher Maschinen nach Holland ist seit 1922 ständig und start zurückgegangen und betrug im letzten Jahre nur mehr 40 Broz. von den in 1922 und 50 Broz. von den in 1923 nach Holland gelieferten Maschinen. Diese Tatsache deckt sich durchaus mit der bekannten Verschiebung, die in der Belieferung Hollands durch Deutschland eingetreten ist. Fertigerzeugniffe werden mehr und mehr verdrängt, während Rohstoffe und Halbfabrikate deutfchen Ursprungs infolge äußerst niedriger Preisstellung wachsenden Absatz in Holland finden, wodurch, was sehr bedenklich stimmen fann, die holländische Fertigwarenindustrie vielfach in die Lage versetzt wird, die deutsche Industrie zu unterbieten. Diese Verschleuderung der deutschen Rohstoffe und Halbfabritate hat nicht menig dazu beigetragen, daß große holländische Unternehmungen sich überraschend schnell von den Rückschlägen der letzten Jahre erholen fonnten." genteil des Notwendigen. Das ist Irrsinn, der freilich Methode hat, die Methode der umbefümmert um alle Weiterwirkun gen nur auf ihren momentanen Vorteil sehenden Interessenten. Was übrigens wieder bestätigt, daß für die kapitaliſtiſche Praxis nicht wirtschaftliche Bernunft, sondern lediglich der Profit maßgebend ist. Solche Gestaltung des deutschen Exports ist genau das Ge= Im höchsten Grade bedenklich ist es aber, daß der neue Zolltarif von diesem methodischen Irrfinn außerordentlich stark beeinflußt ist. Gewähren alle Einfuhrzölle die Möglichkeit, die Preise inländischer Erzeugnisse etwa um den Zollbetrag über die Preise gleichartiger ausländischer Erzeugnisse zu erhöhen, so steigt diese Möglichkeit mit dem Grade der Zusammenfassung von Erzeugergruppen zu Kartellen und Syndikaten. In dieser Beziehung gibt nun die gegenwärtige lebhafte Kartellaufbautätigkeit speziell für die meisen schaffende" Industrie, für die Produzenten von Rohmaterial und Halbfabrifaten start zu denken. Diese Kartellerneuerungen und Reubildungen fnüpfen an die Tatsache, daß der neue Zolltarif diftiert ist vom stärksten tapitalistischen Interesse, welches nach der ganzen politischen Lage die Schwerindustrie darzustellen vermag. ** Hier ist ein flares proletarisches Interesse in Ge= fahr. Die deutsche Arbeiterschaft tann im fapitalistischen Deutschland Arbeitsmöglichkeit nur finden bei möglichst weitgehender Ausdehnung der qualitativ hochwertigen Berfeinerungsindustrie. Nur darin fann nach Lage der ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeitslohn für die relativ starte Industriebevölkerung Deutschlands reproduziert werden. Wie schließlich die deutsche Landwirtschaft eventuell nach großen Anstrengungen und unter großen Opfern der Berbraucher die deutsche Bevölkerung wohl ernähren, aber ihr feine Berdienstmöglichkeit geben fönnte, fo fann auch die Rohmaterial schaffende und die Halbfabrikate herstellende Industrie unmöglich die großen Massen deutscher Arbeiter beschäftigen. Rüdgang der Berfeinerungsindustrie bedeutet also in viel höherem Grade Arbeitss pfigteit, als je durch einen Vorteil von Landwirtschaft und Schwerindustrie ausgeglichen werden kann. Es liegt deshalb im Interesse der Arbeiterschaft, die ja auch ihr Recht im Produktionsprozeß suchen muß, die deutsche Produktion von Fertigfabrikaten nicht zurüdbrängen zu laffen zugunsten der Schwerindustrie. Die Lösung" der Produktionsfragen im Zolltarif ist falsch. Es handelt sich richtig darum, die Produktion in Deutschland zu steigern, näher an die volle Ausnutzung der industriellen Leistungsfähigkeit heranzukommen und in der Folge diese Leistungsfähigkeit zu steigern. Die Bedürfniffe der Gesamtwirtschaft weisen darauf hin, die Fertigindustrie zu fördern, um aus deren Erfolgen die Impulse für die stärkere Beschäftigung der Rohmaterial- und Halbfabrikatindustrie zu gewinnen. Das setzt voraus, daß, der Berfeinerungsindustrie billige Materialien zur Verfügung stehen. Der Weg, in den die Zolltarisierung die Wirtschaftsentwidlung zwingt, führt umgekehrt im Extrem zur Beschräntung der Fertigindustrie auf den inneren Markt, auf dem sie nie die volle, ihrer Leistungsfähigkeit entsprechende Beschäftigung finden kann, womit sie nie in die Rolle des Hauptabnehmers der heimischen Rohmaterialproduktion hineinwachsen kann, und womit zwangsläufig auf den Export( und zwar auf den Schleuderegport). von deutschen Rohstoffen und wenig verarbeiteten ausländischen Rohstoffen hingewirkt wird. Das ist ein Schlag gegen die Lebensmöglichteiten des deutschen Proletariats im fapitalistischen Staate. Joh. Rrezen. Die Zigareffenfirma Batschari dementiert die Nachricht, wonach fie in Zahlungsschwierigkeiten geraten fei. Eine Beräußerung von Attien der Firma nach dem Ausland ist nicht erfolgt. CONRAD DETERT 丕 und die Schule beginnt. Mütter, achtet auf die Füsse eurer Kinder! 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Auch In das Lichtbild der Dimitrows malte Hans Schubert, Student der Medizin, gebürtig aus Wien, und hier Iman Petrowitsch genannt, die schwarzen Striche und Schatten. Dieser Hans Schu bert mar schon sechs Jahre in Rußland, war Russe geworden und hatte auch eine russische Frau. „ Hören Sie, Hellmut," sagte er eines Tages zu dem Genesenden, der mit Johanna über den Fluß in das„ Kartoffeldorf" gekommen mar, in dem Schubert wohnte.„ Hören Sie, und glauben Sie nicht, daß ich leicht und aus vollem Herzen Russe geworden bin. Aber da sind so viele Verstrickungen und Erlebnisse, die nicht in einer Etunde erzählt werden können, so viele Knoten, die man nur lösen und nicht zerschneiden kann. In Jekaterinenburg lernte ich meine Frau fennen. Sie war Krankenschwester. Hatte ein fleines Kind. Nadja hieß das Kind. War elend. Verlassen. Fremd. Wie ich. Hab mich ihrer angenommen und hab nun selbst ein Kind von ihr Iwan heißt es, nach dem Bater... Ich kann nicht fort, es gibt ja so viel Arbeit auch in der fleinen Stadt. Der Tag müßte fiebzig Stunden haben • .. . Johanna hatte sich zu der russischen Frau gefeßt und spielte mit den Kindern. Ich verstehe," sagte Hellmut nachdentlich. Die Kreatur Mensch muß Sie ja als Arzt ganz besonders interessieren. Ihre Leiden, Ihre Schmerzen. All der Jammer Ich bin noch nicht Arzt," wehrte Schubert ab, ich bin erst Feldscher, aber Sie haben recht. Wir alle sind auf einen Posten hingestellt und müssen bleiben. Und wenn es ganz schlimm fommt, dann erst recht. Hier in Nischni- Tagil waren die Dimitrows, Sie hoben wohl das Bild beim Chefarzt gesehen, nun, der Mann sizi in London und wartet, bis er wieder im Ural herrschen kann. Ich hab ihn nicht gefannt, ich fenne nur die Erzählungen über ihn und seine Sippschaft. Die Dimitrows, wiffen Sie, Hellmut, das maren die großen Blutsauger in Tagil. Als sie noch allein über den Erzgruben saßen, bauten sie Bolksschulen, auch das Krankenhaus, in dem Sie gelegen haben und die Bergschule. Eine philanthropische 2ber, meinen Sie? O nein, die Adern der Dimitroms waren aus Eisen wie die Adern ihrer Erzgruben." Der fleine Feldscher aus Wien schwieg. Johanna spielte mit dem fleinen Jwan. Die russische Frau lächelte, wie alle Frauen in der Welt über ihre Kinder lächeln. ,, Die Bergschule wurde von den Dimitroms gegründet," fuhr Schubert fort. Schön, aber auf dieser Schule befamen die Schüler grnach der rejte 09. DEER: 00 XX einen Vortrag über Euer Elend gehalten. Wie bitte?- tätige Hilfe? „ Wir haben Euch zu„ Märtyrern der Heimatliebe" ernannt, außerdem habe ich dem Herrn Reichspräsidenten Sie glauben, bei den Herren Guts- und Villenbesitzern wären Zimmer frei!!!- Aber ich kann doch nicht meine eigenen Parteigenossen mit Eurem Unglück belasten den Wassern". Mit diesen Wassern können sowohl die beiden Ozeane| gemeint sein wie auch die großen Seen, in deren Nähe der geistige und politische Mittelpunkt des Reiches ruhte. Im Jahre 648 n. Chr. tamen die Tolteken nach Anáhuac und siedelten sich dort an. Tolteken bedeutet Architekten; dieses indianische Bolt baute große und schöne Städte, Tempel und Staatsgebäude. Ihre Hauptstadt war Tula, heute ein kleines Dorf, in dessen Um gegend das Land stundenweit mit den Trümmern jener Bauten und bewiReifeprüfung feine Zeugnisse. Sie mußten, um 34 leben, mit Gräbern bedeckt ist. bewig in Tagil bleiben, hier, in diesem schwarzen Eisendrecknest. ** Sagen Sie selbst, Hellmut: war das nicht eine verschleierte Form der Leibeigenschaft? Run, später wurde die Bergschule verstaatlicht. Neue Männer famen und griffen den sicheren Besitz der Dimitrows mit neuen Gruben und Minen an. Platin wurde gefunden. Auch etwas Gold. In dieser Zeit zogen die Dimitrows die letzte Kopeke Unterstützung von den Schulen und vom Krankenhaus. Jezt mußte der Staat das schwarze Volt soweit auftlären und unterrichten, mie es gerade für den Bergbau notwendig ist. Mit der Eisenbahn kam dann die Zivilisation in den Ural, was man so Zivilisation nennt... Aber eines muß ich Ihnen noch erzählen, Hellmut," fuhr er lebhaft fort, ein echtes Dimitromstüd. Durch hohe Gehälter lockten fie auch ausländische Ingenieure heran und stellten neben sie junge Leute, und wenn die genug abgesehen und abgelauscht hatten, wurden die Fremden brutal entlassen. Da mußte sogar die alte faiserliche Regierung eingreifen." Und darum bleiben Sie in Nischni- Tagil, damit der große Dimitrow in London...?" fragte Hellmut erstaunt und begeistert. „ Auch darum," sagte der kleine Feldscher aus Wien ganz schlicht. ,, Und vergessen Sie nicht, daß ich hier sehr gut gebraucht werden kann. Es sei denn, ich werde zu den Baschkiren abkommandiert." " Zu den Baschfiren?" fragte jetzt Johanna. ,, Ja," sagte Hans Schubert ,,, ins Seuchengebiet." Da ist im fernen Ural eine fleine vergessene Stadt: Nischni. Tagil. Auch dort ist Welt, Schicksal, Liebe, Haß und Freundschaft. Cisen wird gebrochen. Platin wird gefunden. Auch Gold. Die Bälder schweigen blau. Kirchen stehen da: meiß und grün. Der Fluß blizt. Die Balzwerke flirren. Herr Lomosoff ist jetzt in Moskau oder hat die Professur in Berm doch angenommen. Der Fürst Dimitrow fit in London und denkt an die große unerschöpfliche Erzgrube. Hans Schubert, der Feldscher aus Wien, hat viel zu tun. Siebzig Stunden sollte der Tag haben und nicht nur vierundzwanzig. Aber vielleicht ist Hans Schubert gar nicht mehr in Nischni- Tagil. Vielleicht ist er zu den Baschkiren abfommandiert worden und an der Pest gestorben. ... Die Gründung des Aztekenreiches Bon B. Traven( Columbus Tamaulipas, Mexiko). Alle Urbewohner Ameritas find Indianer und gehören derfelben Raffe an, ganz gleich ob sie Grotesen, Huronen, Siour, Aztefen oder Intas genannt werden. Merito, Peru und Bolivia sind die ältesten Kulturzentren des amerikanischen Kontinents. Wer die Ureinwohner Meritos gewesen sind, wissen wir nicht. Diese Untenntnis verdanken wir der Tatsache, daß die spanischen Geistlichen( Bischöfe und Mönche) alle königlichen Bibliotheken, alle staatlichen Archive, alle Lehrwerke der Priester und Gelehrten der Azteken gleich nach der Eroberung des Landes als Werke des Teufels verbrannten. Unter unsäglichen Mühen amerikanischer, merikanischer und europäischer Gelehrter ist ein wenig Klarheit geschaffen worden, wenig ftens für die verflossenen 1500 Jahre. Bor dieser Zeit bestand in Merito eine bewundernswerte, hoch. entwidelte Zivilisation, deren Zeugen die gewaltigen Ruinen von Mitla, Urmal, Palenque und Chichen- Iza sind, Bauten, die schon Ruinen waren als die Azteken in Merifo einwanderten. Wohin jene Hochzibilisierten Völker gewandert sind, warum sie ihre großen Städte plöglich verließen, hat bis heute nicht erforscht werden können. Merito hieß in alten Zeiten Anáhuac", das bedeutet:„ Nahe Ganz plötzlich, es war das Jahr 1051, machte sich das Bolt auf die Wanderung, ebenso unauffällig und unfriegerisch, wie es geSüden, nach Beru, dort ein neues Reich gründend. tommen war. Wohin es wanderte, weiß man nicht, vielleicht nach Als die Tolteken Anáhuac verlassen hatten, überschwärmten die friegerischen Tschitschemeken das Land und siedelten sich in den verlaffenen toltetischen Städten an. In ihrer Absicht, ein großes Reich zu gründen, wurden sie aber unterbrochen durch die Einwanderung zweier kleiner indianischer Völker: der Azteken und der Acolhuanen. Es wird angenommen, daß diese beiden Völker, die für Mexiko eine so entscheidende Rolle spielen sollten und in kommender Zeit wahrscheinlich eine noch größere spielen werden aus Kalifornien tamen. Da ihre Sprache und ihre Zivilisation der der Tolteken so ähnlich war, daß man sie beinahe die gleiche nennen tonnte, nimmt man an, daß auch die Tolteken aus Kalifornien ursprünglich gefommen sind und daß die Azteken und die Acolhuanen die in Kalifornien zurückgebliebenen Reste des toltetischen Volkes waren. Aus der Tatsache, daß sie Gold kannten und es in hochkünstlerischer Weise zu bearbeiten verstanden, und Kalifornien das Land war, wo Gold in großen Mengen offen zutage trat, darf man den Schluß ziehen, daß Kalifornien das Ursprungsland jener Völker war. Mit den in Anáhuac zurückgebliebenen Teilen der Tolteken vermischten sich die neueingewanderten Böller sofort. Diese in Anáhuac zurückgelassenen foltetischen Boltsteile hatten durch ihre lange Seßhaftigkeit einen höheren Grad der Zivilisation erreicht, als die Azteken und die Acolhuanen mitbrachten. Aber die Zivilisation der Tolteten wurde von den beiden einwandernden Völkern sofort übernommen, wenn auch bei der Uebernahme der roheren Lebensformen der Azteken die viel feinere Kultur der ganz und gar unfriegerischen Tolteken sehr vergröberien. Die Azteken erreichten Tula im Jahre 1196 und eroberten die Stadt von den Tschitschemefen, die sie gerade 26 Jahre im Besiz gehabt hatten. Mit rastloser Energie bauten die Azteken die Stadt auf und erfüllten sie mit reichem Leben. Aber sie hielten es auch hier nur eine Zeit aus, und von ihrem Wanderfieber weitergetrieben, famen fie im Jahre 1325( am 18. Juli) an einen großen See auf dem Tafellande, wo ewiger Frühling herrscht. Das Drakel hatte ihnen verkündet: Ihr werdet einen gewaltigen Adler sehen, der von föniglicher Schönheit ist; in seinen Fängen wird er eine Schlange halten und seine weit geöffneten Schwingen werden der aufgehenden Sonne zugekehrt sein. Wo ihr jenen Adler seht, da baut eure Stadt und wohnet da!" Und hier auf einem Felsen am See sahen sie den verkündeten Adler hocken, genau so, wie er von dem Drakel vorhergesagt worden mar, nur viel mächtiger und schöner als sie es erwartet hatten. Und in diesem See erbauten sie auf Pfählen die Stadt Tenochtitlán, die später nach ihrem Schuhgotte Meritli( unter Verhunzung des ursprünglichen Wortes durch die Spanier) Megifo genannt wurde. Bas Rom für das römische Weltreich war, das wurde Merito für das aztefische Reich. Die Stadt wurde im südwestlichen Teil des Sees angelegt. Ge waltige, im Wasser angelegte Kunststraßen verbanden die Stadt mit dem Ufer. Diese deichartigen Straßen waren an mehreren Stellen durchschnitten und überbrückt, um die Sicherheit der Stadt bei einem Angriff zu erhöhen. In 200 Jahren hatten die Azteken diese Stadt auf 16 Kilometer Umfang gebracht und mit 120 000 Häusern ausgefüllt, daneben Hunderte von Riesenpalästen, Tempeln und Staatsgebäuden errichtet. Eine doppelläufige Wasserleitung führte das not: wendige Wasser auf meilenlangem Wege von dem fernen Gebirge zur Stadt; denn der See war ein Salzwassersee. So geschickt war die Wasserleitung gebaut, daß sie jederzeit repariert werden konnte, ohne daß Wassermangel eintrat. Am östlichen Ufer desselben Sees erbauten die Weggenossen der Azteken, die Acolhuanen, ihre nicht minder schöne und große Stadt Tezcuco( existiert heute noch). Nach dieser Stadt wurde das Volk später die Teztufen genannt. Die Teztuten besaßen mildere Sitten, eine feinere Kultur und eine humanere Religion als die Azteken. Aber die Azteken hatten eine unerhörte Lebensenergie, eine unzerstörbare Urfraft, eine unverwüstliche Zähigkeit, durch die sie nach und nach ihre fultivierteren Verbündeten auf ihre niedrigere Stufe der Gefittung herabzogen. Das Reich der Acolhuanen( Tezkuten) begann kaum zu blühen, als es von dem friegerischen Volke der Tepanelen überfallen und verwüstet wurde. Dieser Ueberfall aber durch ein Volk gleichen Blutes wurde die Ursache der Gründung eines großen Reiches, das der Azteken. Die Azteken eilten den Tezkufen zu Hilfe. In zwei großen blutigen Schlachten wurden die Tepaneken geschlagen, und die Azteken erhielten zur Belohnung für die geleistete Waffenhilfe das Land der befiegten Tepaneken. Aus dieser Waffenbrüderschaft erwuchs ein Bündnis, das an gegenseitiger Treue, aufopfernder Hilfeleistung und an weittragenden politischen Folgen nicht seinesgleichen hat. Es wurde beschlossen, daß die beiden großen Völker, die Azteken und die Tezkufen, unter Einschließung des winzig fleinen Nachbars, des Volkes der Tlakopanen, das jene große Wanderung mitgemacht hatte, in allen Kriegen, gleich ob es Angriffs- oder Verteidigungsfriege seien, gleich aus welchen Ursachen auch immer sie unternommen fein mögen, fich gegenseitig bis zur letzten Quelle ihrer Kraft unterstüßen sollten. Ein Fünftel aller Beute sollte an die Tlakopenen fallen, der Rest wurde unter den Azteken und Tezkuken verteilt. Inzwischen hatten die Azteken ihre Stadt soweit aufgebaut, ihre staatlichen Einrichtungen soweit gefestigt, daß sie daran gehen fonnten, ihre Macht auszudehnen. An Seite ihrer beiden Verbündeten führten die Azteken 100 Jahre ununterbrochen Kriege, bis fie alle erreichbaren Völker besiegt hatten und das Merikanische Reich vom Atlantischen bis zum Großen Ozean, im Süden bis Nicaragua und im Norden bis Kalifornien und die Wüsten Arizonas reichte. Beachtenswert ist, daß trotz der vielen Kriege, trotz der Beuten niemals auch nur der geringste Hader zwischen den drei Verbündeten ausgebrochen ist, weder über die Verteilung der Beute, noch über die Führerschaft, noch über die Ursachen eines Feldzuges. Wenn der Aufruf erfolgte, erschienen die Verbündeten, auch wenn ihnen der Krieg noch so ungelegen fam. Derjenige König, der als der fähigste galt, wurde ohne Neid als Führer anerkannt, auch wenn er der König der fleinen Macht der Tlakopanen war. Eins aber zu berichten soll nicht vergessen werden: Die drei verbündeten Reiche waren Monarchien; und diese drei Verbündeten befiegten und eroberten alle Königreiche und Fürstentümer Merikos und der erreichbaren Gebiete und zwangen sie zur Anerkennung ihrer Macht. Aber: Ein Volk, das dicht an den Toren des aztekischen Mutterlandes lag, das die drei mächtigen Verbündeten 50 Jahre lang bekämpften, 50 Jahre lang blockierten und von der gesamten Außenwelt abschnitten, so daß dieses Volk den Geschmack und den Gebrauch des Salzes verlernte, konnte nicht bezwungen werden, in ungezählten wilden Schlachten nicht besiegt werden. Und dieses heroische Volk, das Cortez schwer zu schaffen machte, war feine Monarchie, sondern eine Republit, die Republik Tlástala. Nicht regiert von einem Präsidenten, sondern von einem gewählten Senate, einer Gruppe von Präsidenten, deren Taten mit ewigem Mißtrauen beobachtet und unausgesezt betrittelt wurden. und der Wortführer des Senats bei der Ankunft der Weißen war mehr als 100 Jahre alt und seit langem blind. Nur mit Hilfe dieser Republik, mit der Cortez sich verband, mar es den paar hundert Spaniern möglich, das Aztekenreich, das drei Millionen Krieger ins Feld stellen konnte, zu überwinden. Jedoch das Reich der Azteken und Acolhuanen ist nicht tot, wie man in Europa glaubt. Es lebt und atmet, hat das gleiche Gesicht und das gleiche Blut und wird noch viel von sich reden machen. Fischregen. In den Hochgebirgswässern der südamerikanischen Anden findet sich ein kleiner Fisch, den manchmal das unangenehme Schicksal trifft, daß er mitsamt dem Wasser, in dem er lebt, eines Tages mit ins Land hinaus geregnet" wird. Es ist der sog. Bulkanfisch, der nicht nur in den oberirdischen, sondern auch in den unterirdischen Gewässern der dortigen Vulkane vorkommt. Sobald nun ein Bulkanausbruch stattfindet, was übrigens gar nicht sehr selten der Fall ist, so werden zugleich mit dem Schlamm dieser unterirdischen Gewässer auch alle Fische mit herausgeschleudert und auf diese Weise entsteht oft ein förmlicher Fischregen, durch den die Fische zu Taufenden in die Luft hinausgeworfen werden, um dann irgendwo weit weg wieder zu Boden zu fallen. Kinder- Tage 32 Wir bieten Ihnen zum Schulbeginn eine außerordentlich günstige Gelegenheit zur Beschaffung von zweckentsprechendem Schuhwerk für Knaben und Mädchen. Beachten Sie nachstehende Preise und prüfen Sie selbst die Qualität der angebotenen Artikel: B Schwarze Mädchenstiefel Kinder- Halbschuhe Lack- Spangenschuhe Zweisohlige Sandalen teils Rindbox und teils la Mastbox, in kräftiger Bodenausführung, bequeme Form, in Blatt- u. 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