Sir. 371 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 190 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied Iung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Billen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Cozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Sonpareille. zeile 80 Pfennig. Reklamegeile 5,- Reichsmart. ,, Kleine Anzeige das fettgedruďte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erfte Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worie. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4½ Uhr nachmittags int Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Ferusprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Werlag: Dönhof 2506-2507 Sonnabend, den 8. August 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Diktaturpläne der Zollparteien. Keine fachliche Beratung der Zollvorlage.- Mundtotmachung der Opposition. Der Reichstag hat gestern die Steuergeseze in dritter Lesung endgültig verabschiedet. Die Verbesserungsanträge der Oppofition wurden abgelehnt. Die Schliebensche Finanz reform bedeutet eine Bedrückung der Massen der Bevölkerung fast bis zum Maße des Unerträglichen. Diese Finanzreform, die von der größten Rüdwirtung auf die deutsche Wirtschaft und auf die Lebenshaltung der deutschen Bevölkerung sein muß, wurde in rasendem Tempo durchgepeitscht. Von einer gründlichen, sachlichen Beratung fonnte schon nicht mehr die Rede sein. Die Mehrheitsparteien haben gestern im Aeltesten ausschuß des Reichstags ihre Pläne enthüllt. Die Deutschnationalen, die führende Partei im Zollblod schlug vor, jeder Partei bei der parlamentarischen Beratung der Zollvorlage eine Redezeit von insgesamt 3 Stunden zu gewähren. Sie haben die Absicht, in ein bis zwei Tagen ohne jede fachliche Auseinandersehung das Zollgesetz zu erledigen. Die Sozialdemokratische Partei hat gegen diese empörende Abficht den schärfften Einspruch erhoben. Sie hat gefordert, daß die Vorlage, die von so tief einschneidender Wirkung ist, Heute beginnt die zweite Lesung der Zollvor gründlich, würdig und fachlich im Plenum des Reichstages lage im Plenum des Reichstags. Die Zollvorlage durch beraten werde. Im Aeltestenausschuß des Reichstages foll rascher noch als die Finanzreform durchgepeitscht werden. tam feine Berständigung über die parlamentarische BerhandBird sie Gesez, so ist eine Schicksalstunde der deutschen Wirt- lung der Zollvorlage zustande. Mit eiserner Stirn beharrten schaftspolitik gekommen. die Deutschnationalen auf ihrem Vorschlag. Die Zollvorlage versperrt den Weg zu einer Gesundung der deutschen Wirtschaft. Sie wird eins der stärksten Motive für die Stabilisierung der Schuzzollmauern in Europa sein. Der Weg zum Freihandel, zu einer europäischen Wirtschaftsunion, zum freien wirtschaftlichen Austausch der europäischen Nationen wird durch sie verbaut. Diese Zollvorlage wird Reichtum und Wohlfahrt weder der deutschen Industrie noch der deutschen Landwirtschaft bermehren. Sie wird lediglich eine Verschiebung der Einkommensverhältnisse herbeiführen. Das Eintommen der breiten arbeitenden Massen des Boltes wird insgesamt um etwa 1,5 milliarden Mark verkürzt, das Einkommen der Landwirtschaft um eben diesen Betrag erhöht. Diese Verschiebung der Einkommensverhältnisse wird dazu führen, daß in absehbarer Zeit an die Wiederherstellung einer gefunden. Proportionalität der deutschen Boltswirtschaft nicht gedacht werden kann. Die durch die Zölle bedrohten Maffen werden gezwungen fein, auf dem Wege des Lohnfampfes einen Ausgleich für den gewaltigen Tribut zugunsten der Landwirtschaft zu suchen, der ihnen auferlegt wird. Gesteigerte Produktionstosten müssen die Folge sein. Einschränkung der Massentaufkraft, Einengung der Massenbedarfsindustrien, Rückgang der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie aus dem Weltmarkt infolge der ge= steigerten Produktionsfoften, allgemeine Preissteigerung, die auch der Landwirtschaft in Gestalt der Steigerung der Preise der landwirtschaftlichen Bedarfsartikel fühlbar werden wird, schwere soziale Auseinandersehungen, das werden die Folgen der verfehlten Wirtschaftspolitik sein, die die Rechtsregierung mit der fleinen Zollvorlage eingeleitet hat. Dieser Weg führt nicht aufwärts! Nicht die Gesundung der Wirtschaft, sondern eine schwere, langandauernde Krise wird die Folge sein. Die 3ollpolitit der Regierung der Mehrheitsparteien des Reichstages ist ein Seitenstück zur Wirtschaftspolitik der Inflationsintereffenten in der Zeit der Geldentwertung. Die Wirkungen werden nicht minder ernst sein. Sie bedrohen die Arbeiterschaft, und mit der Arbeiterschaft die breitesten Massen des ganzen Bolts. Wird diese Vorlage Gesetz, so wird die Arbeiterschaft sich wehren müssen. Eine Zeit ernster sozialer Kämpfe und heftiger innerer Auseinandersetzungen steht bevor. Bei dieser Sachlage wird die Beratung der Zollvorlage im Plenum mit einer heftigen Auseinandersetzung beginnen. Die Absicht der Deutschnationalen stellt einen Vergewaltigungsversuch schlimmster Art gegen die Opposition vor. So haben nicht einmal die Zollparteien im Jahre 1902 gegen die Opposition gefämpft! | bei dieser Brüstierung des Boltes unterstützen wollen. Sie müssen wissen, daß die Durchführung dieser Taktik der Ges walt die innerpolitische Situation auf das schärffte zuspitzt. Unterstützen sie die Deutschnationalen, so dokumentieren fie damit, daß ihnen der Besizegoismus der Interessenten und das Ferienbedürfnis der deutschnationalen Abgeordneten höher steht als das Wohl des Bolkes und das Recht des Parlamentes. Die Mehrheitsparteien des Reichstages mögen sich hüten, den Bogen zu überspannen. Sie tragen selbst daran schuld, daß die so entscheidungsschwere Beratung der Zollvorlage und der handelspolitischen Pläne der Regierung im Reichstage bis zu einem so späten Termin hinausgeschleppt worden ist. Sie wollten es so, denn sie wollten keine wahrhaft fachliche Beratung. Sie wollten nicht, daß auf Grund einer eingehenden parlamentarischen Beratung ihrer Zollpläne das Bolt sich ein Urteil bilde über die Gefahr, die diese 3ollpläne in sich schließen. Sie wollten im engsten Kreise außerhalb des Parlaments, unter dem Einfluß der Intereffenten den Kurs der deutschen Wirtschafts- und Handelspolitik bestimmen. Sie wollten die Deffentlichkeit ausschalten. Der Anschlag der Deutschnationalen richtet sich nicht nur gegen das Recht der Opposition im Parlament, er ist ein Anrufen. Sie wollen jetzt nicht das Zollgefeh fachlich beraten, griff auf das Recht und die Würde des Parlaments, ein Angriff auf das Wesen der parlamentarischen Demokratie. Drei Stunden Redezeit für ein Zollgesez, das etwa 300 Pofitionen umfaßt! Das heißt, die Deutschnationalen wollen, daß der Reichstag den Zolltarif annimmt, ohne in eine fachliche Beratung einzutreten. Drei Stunden Redezeit das ist eine Gnadenfrist für die Opposition, aber feine wirkliche parlamentarische Beratung des Zollgesetzes. Das ift Diktatur der Mehrheit in der trasfesten Form, eine Diftatur der Interessenten, die niemals über eine parlamentarische Mehrheit verfügen würden, wenn über ihre zoll und wirt schaftspolitischen Pläne das Bolt sachlich zu entscheiden gehabt hätte. Die Bundesgenossen der Deutschnatio nalen im Zollblod stehen vor der Entscheidung, ob sie die Deutschnationalen bei dieser Bergewaltigung der Opposition, " Sie haben fein Recht, sich jetzt auf Beitmangel zu be fie wollen in die Ferien gehen. Mögen sie doch in die Ferien gehen, wenn ihnen das Bedürfnis danach über alles geht, dann aber ohne den 3olltarif! Sie haben die Pflicht zu einer fachlichen Beratung. Sie können nicht verlangen, daß die Opposition um des Ferienbedürfnisses der Schutzzollparteien halber schweigend eine Bergewaltigung ihres parlamentarischen Rechtes hinnimmt. Wollen sie den Zolltarif noch vor der Sommerpause des Reichstags erledigen, dann mögen sie ihre Ferienbedürfnisse zurückstellen. Dann mögen fie dableiben und fachlich arbeiten. Dann mögen sie im Plenum des Reichstages vor dem ganzen Bolte ihre Pläne begründen und verteidigen, dann mögen sie in der Deffentlichkeit ihre Argumente vortragen, wenn sie Argumente haben. Wir warnen in letzter Stunde die Deutschnationalen, die die Führung im Zollblock an sich gerissen haben. Wir warnen Die Besprechung Briand- Chamberlain Beginn Dienstag in London. Frankreichs Kolonialkriege. Die geschlagenen Kabylen kommen wieder. Paris, 7. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Briand foll Montag| seit dem Kriegsende bedeutend gewachsen. Er fügte hinzu, daß es nach London reisen und Dienstag vormittag die erfte Unterredung unmöglich sei, die britische Armee wesentlich zu verfleinern, mit Chamberlain haben. Obwohl die dem franzöfifchen Auswärtigen wenn er auch glaube, daß eine gewiffe Berringerung der Streitfräfte Amt nahestehende Breffe versichert, daß diese Aussprache lediglich die erfolgen fönne. Garantiefrage betreffe, besteht nach wie vor Grund zur Annahme, daß Briand mindestens versuchen wird, die Unterhaltung auf andere Fragen auszudehnen, um gegebenenfalls der englischen Regierung Rompenfationen für die von Paris gewünschten 3ugeständnisse anbieten zu können. Eine andere Frage ist, ob Paris, 7. August.( BTB.) Havas veröffentlicht folgenden aus Chamberlain fich auf dieses Spiel einlassen wird, vor dem ein großer Fes vom 6. Auguft eingegangenen Bericht über die Kämpfe in Ma Teil der Londoner Presse mit großem Nachdrud warnt. Der Der rotto: In der Gegend von Fes- el- Bali ist es im Laufe des 6. Auguft Baris Soir" will wissen, daß im Rahmen des Sicherheitsproblems zu beftigen Rämpfen gekommen. Die franzöfifchen Truppen auch der deutsch- polnische Konflift und feine Rückwirkungen find in der Gegend von Kurntieu vorgestoßen, wo der Feind stark auf die internationale Lage erörtert werden wird. Ob auch die in verschanzt war. Seine Stellung wurde im Sturmangriff genommen, der vergangenen Woche abgebrochenen Verhandlungen über die er selbst unter Verlust von fünfzig Toten, Gefangenen und KriegsRegelung der franzöfifchen Schuld an England zwischen Briand material in die Flucht geschlagen. Im Frontabschnitt Wessan und Chamberlain wieder aufgenommen werden, läßt sich noch nicht Tafrant sind die feindlichen Abteilungen, die die Straße von Wessan sicher sagen. Für Briand, dessen persönliches Verhältnis zum Finanz- nach Sul- el- Arba bedrohten ,, in die Gegend nördlich von Mzfrun minister Caillaug nicht gerade sehr freundschaftlicher Natur ist, mag und Aschef zurüdgegangen, um bei Tagesende in der die Bersuchung groß sein, einen persönlichen Erfolg auf einem Ge- Gegend von Ajuem wieder aufzutauchen. Im Gebiet der biete zu buchen, wo Caillaug vor kurzem gescheitert ist. AndererSetta werden feindliche Einbrüche gemeldet. Eine französische feits aber scheint bei der sehr starken Differenz zwischen den eng- Abteilung hat in der Gegend von Mzfrun dem Feinde ein Treffen lischen Forderungen und dem französischen Angebot die Aussicht auf geliefert, der in Unordnung flüchtete und dabei von Flugzeugen eine Verständigung in dieser Frage sehr gering. und Artillerie beschossen wurde. Im mittleren Frontabschnitt find die Riftruppen bei den Beni Zeruals wieder aufgetaucht und hoben den Stämmen eine Kriegsbuße von 150 000 Frank auferlegt. Im östlichen Frontabschnitt versuchte Ahmed- Uld+ del+ Krim, der Bruder des Rifführers, die Tjuls zu sammeln. Rijtontingente, mit einigen Kanonen augerüstet, sollen in dieser Gegend bei den Beni Anassör wieder erschienen sein. Das Gesetz, das von so einschneidender Bedeutung für die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zustände in Deutschland ist, soll in den nächsten Tagen im Reichstag in einer unwürdigen Form, die mit dem Geiste der parlamentarischen Demokratie nicht mehr vereinbar ist, durchgepeitscht werden. Die gründliche Borberei tung des Gesetzes ist monatelang von den Interessenten der Mehrheitsparteien, die eine starke Vertretung in der Rechtsregierung haben, sabotiert worden. Die Beratung der Vorlage im Handelspolitischen Ausschuß des Reichstags war eine Farce. Regierung und Interessenten haben es nicht für nötig gehalten, ihren wirtschaftlichen Kurs und die einzelnen Tarifpofitionen eingehend zu begründen. Pochend auf die Mehrheit, haben sie im Handelspolitischen Ausschuß geschwiegen und nur die Opposition reden laffen. Das war feine parlaLondon, 7. Auguft.( EP.) Nach dem„ Daily Telegraph" wird am mentarische Berhandlung! Sie haben nicht versucht im Dienstag eine Kabinettsfigung stattfinden, da Baldwin es fontradiftorischen Verfahren, wie es dem Geiste des Parlafür angebracht hält, daß der Ministerrat sich mit der Sicher mentarismus entspricht, eine sachliche wohlbegründete gelegheitsfrage befaßt, bevor er in die Ferien geht. Das Blatt glaubt liche Regelung zu finden. Sie wollten den Willen der Inter- mitteilen zu können, daß Baldwin an der Unterredung zwischen effenten bittieren. ebenso wie andere Mitglieder des Kabinetts angesichts der Wichtigkeit Briand und Chamberlain nicht teilnehmen werde, daß er aber, bes Berhandlungsstoffes in engster Fühlungnahme mit dem Außenminister bleiben werde. Die Plenardebatte über die Zollvorlage, bie heute beginnt, foll im Beichen der Dittatur der Mehrheits parteien stehen. Der Reichstag hat länger getagt als es üblich ist. Die Mehrheitsparteien des Reichstags drängen nach den Ferien. Sie wollen das für die deutsche wirtschaftliche Zukunft entscheidende Gesetz in wenigen Stunden durchpeitschen England kann nicht abrüsten. Condon, 7. Auguft.( WTB.) Im Unterhause betonte Churchill, die Berantwortlichteit Großbritanniens für das britische Reich fei Die Niederlage in Syrien. Jerufalem, 7. Auguft.( W. T. B.) Laut näheren Berichten aus Amman verloren die Franzosen in dem jüngsten Kampf gegen die Drusen einige Tanks und Maschinengewehre. Mehrere fran zöfifche Flugzeuge wurden zum Absturz gebracht. Die Franzosen haben den südlichen Teil von Hauran geräumt, die Bundesgenossen der Deutschnationalen im Zollblod, wir warnen vor allem das Zentrum. Beharren sie auf ihren Durchpeitschungsplänen, so werden sie die schärfste Antwort der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hervor rufen. Sie befigen die parlamentarische Mehrheit, um alle Bergewaltigungspläne durchzuführen. Sie fönnen, wenn sie wollen, die Opposition mundtot machen. Sie können den Zolltarif in wenigen Stunden ohne jede wirkliche sachliche Debatte durchpeitschen. Sie fönnen ihr Ferienbedürfnis über das Recht der parlamentarischen Opposition, über das Recht und die Würde des demokratischen Parlamentes stellen. Aber sie müssen wissen, daß sie dann den Konflikt haben werden. Die Berantwortung für die schweren wirtschaft. lichen und sozialen Folgen dieser Zollgesezgebung lastet auf ihnen. Sie werden hinzu die Berantwortung für die innerpolitischen Folgen tragen müssen, wenn sie die Verabschiedung der Zollvorlage zu einem Aft der Gewalt und der Diktatur geftalten. Scheinargumente der Zöllner. Die Auswirkung der Agrarzölle. Angesichts des Schrittes der Gewerkschaften beim Reichs. anzler hat die Deutsche Tageszeitung" die von den Gewerkschaften vorgelegte Berechnung einer Berbraucher belastung von 150 m. angezweifelt und außerdem wieder einmal behauptet, daß sich die Zölle doch nicht auswirken würden. Seltsamerweise berechnet sie im folgenden gleich die Ermäßigung dieser Belastung, die durch die ermäßigten Bollfäge für das erste Jahr eintritt, das heißt aber, daß die Deutsche Tageszeitung" die Berechnung zunächst einmal anerkennt unter der Voraussetzung, daß sich die Zölle voll auswirken würden. So obftur fann zudem eine Berechnung wohl nicht sein, die erstens seit einem Monat mit allen ihren Unterlagen der Deffentlichkeit vorliegt und die zweitens von einem Mitarbeiter der Deutschen Tageszeitung" selbst noch bearbeitet werden kann. Was die Frage der Zollauswirkung betrifft, so wollen wir nur darauf verweisen, daß nach allgemeiner Uebereinftimmung aller Wissenschaftler sich die Zölle in früheren Jahren voll ausgewirkt haben. Trotzdem dies allgemein be fannt ist, wollen wir noch einige Ausführungen, die Sering, ohne Widerspruch zu finden, im Agrarenqueteausschuß gemacht hat, hinzufügen. 2lls wir im Jahre 1902 die Getreidezölle stark erhöhten und diese. Erhöhung 1906 in Kraft trat, sind sofort die deutschen Getreideund jedesmal haben die Ergebnisse nach Einführung der Zölle seine Unrichtigkeit erwiesen. Wir stellen fest, daß die Argumente der Deutschen Tageszeitung", was die Berechnung der Zollbelastung betrifft, unaufrichtig sind und, soweit sie die Frage der Auswirkung der Zölle betreffen, den Ergebnissen sorgfältiger wissenschaft licher Untersuchungen widersprechen. Holland gegen die deutschen Agrarzölle. Gefährdung der internationalen Handelsbeziehungen. Aus Rotterdam wird der Internationalen Finanz- Rorrefpondenz gemeldet: In einer Eingabe an die Regierung erhebt die Handels. und Gewerbefammer für Rotterdam heftigen Pro teft gegen die deutschen Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Rammer weist auf die ungeheuren Mühen und Kosten hin, die in den letzten Jahrzehnten auf die Bervollkommnung der Erzeugung von landwirtschaftlichen Qualitätswaren, besonders in Kulturen unter Glas, verwendet worden sind. Ein großer Teil des Erreichten werde durch die neuen deutschen Zölle wieder zerstört werden. Eine ge fährliche Krisis in der holländischen landwirt. schaftlichen Exportindustrie sei unausbleiblich. Es handelt sich hier um ein Lebensinteresse für die hollän dische Wirtschaft, deren wichtigster Produktionszweig seines bisherigen Hinterlandes beraubt werden würde. Die Rammer bemerkt, daß die holländische Regierung bereits Schritte bei der deutschen Regierung unternommen habe, um das Schlimmste abzuwenden. Die holländische Kaufmannschaft habe aber kein Bertrauen in die deutsche Erklärung, daß der autonome Tarif nur ein Verhandlungs. tarif sei. Die Erfahrungen der letzten Zeit mit anderen Ländern würden dieses Mißtrauen rechtfertigen. Die Richtung der jeßigen deutschen Handelspolitik, deren Auswirkung Holland schon feit einiger Zeit in den Seehäfen- Ausnahmetarifen zu spüren habe, laffe erkennen, daß Deutschland den Wert seiner bis herigen Handelsbeziehungen zu seinen Nachbarländern nicht mehr zu schäßen wisse. Die Kammer fordert die niederländische Regierung auf, die deutsche Regierung zu bewegen, daß sie die bisherige Linie der gegenseitigen Handelspolitik nicht Derlasse. Die Stinnes- Liquidation. Lusschlachtung des gesamten Vermögensbesthes? Die Besteuerung der Inflationsgewinne, die das Reichsfinanzministerium niemals durchführen kann, wird von den Privatbanten an dem größten deutschen Industriekonzern in einer Weise vorgenommen, die an läßt. Das Bermögen des Hauses Stinnes wird von dem Stüßungsfonsortium, das mit Rückendeckung der Reichs bank und der Preußischen Staatsbant arbeitet, regelrecht ausgeschlachtet. Wir berichteten bereits, daß nach zu verläffiger Schäßung sich die Verbindlichkeit des Konzerns auf rund 180 Millionen Mart belaufen. Davon fonnten bisher etwa 40 Millionen als abgedeckt gelten, durch Verkäufe von Aftien und Unternehmungen. Der Bertauf des Attienpalets der Riebed- Monian- Werte an die Badische Anilin- und Sodafabrik bürfte weitere 13 Millionen eingebracht haben. Der Wert der übrigen Berläufe, die inzwischen erfolgt sind, ist Dorläufig noch nicht genau abzuschätzen. Abdeckung der Schulden ausreicht, het man fich glüdlich bereit gefunden, eine Senkung dieses Zinssatzes zu erzielen. Ini Hause Stinnes verfolgt man natürlich diese Ausschlachtung mit lebhafter Entrüstung. Damit hatte denn doch keiner gerechnet, daß die Schuldenwirtschaft des Konzerns zufammen mit der Politit der Stügungsbanken nicht nur den ganzen Inflationsraub des alten Hugo aufzehren würde, sondern darüber hinaus sogar die ererbte Vermögenssubstanz angrei fen würde. In der Tat hätte sich der Steuergesetzgeber ähnliches erlaubt, man hätte von einem Mord an der Wirtschaft gesprochen. Die Privatbanten aber fennen die pein liche Hochachtung vor der Substanz der deutschen Unternehmer nicht, die die Herren Schlieben und Bopik hegen. In einem Augenblick, in dem das ganze Ausland die Entwicklung der deutschen Wirtschaft mit größter Spannung verfolgt, ziehen sie dem Schuldner die Schlinge zu, die sie ihm seit längerer Zeit mit einer heute als leichtfertig erfannten Kreditgewährung gelegt haben. Nach Informationen, die offenfundig aus dem Hause Stinnes selbst stammen, will man sich das in Mülheim, dem Stammsiz der Familie, nicht mehr gefallen laffen. Das Haus Stinnes erwägt, ob es nicht einfach sich unter Geschäftsaufsicht begeben oder konturs anmelden foll, um das Manöver zu vereiteln. Die„ Rheinisch- Westfälische Zeitung", die diese Mitteilung bringt, meint, daß dann das Stügungstonfor. tium selbst stühungsbedürftig werden würde. Das ist eine deutliche Drohung. Das Vermögen des Hauses Stinnes fonnte noch vor kurzem auf mindestens eine Milliarde Goldmart geschätzt werden. Jetzt bleibt höchstens dann noch ein leberschuß, wenn man die schon früher im Besiz des Haufes Stinnes befindlichen Steinkohlenzechen und das Mülheimer Kohlenhandelsgeschäft einrechnet in die Summe, die zur Abdeckung der rund 180 Millionen Marf zur Verfügung stehen. Es scheint auch, daß der aus dem Privatkonzern ausgeschiedene Dr. Edmund Stinnes aus seinen Erbschaftsansprüchen etwas hergeben muß, um zur Abdeckung der Schuldforderungen beizutragen. Welchen Verlauf die weitere Liquidation noch nehmen wird, läßt sich nach den lleberraschungen, die die Banten in dieser Frage der Deffentlichkeit bereits bereitet haben, überhaupt nicht vorgesehen. Selten hat man ein Finanzmanöver in einem solchen Bertrauen auf die Kritiklosigkeit des Publifums aufgezogen wie die Stinnes- Liquidation. Als der Ramsch losging, segte sich der junge Hugo Stinnes aufs hohe Pferd, tanzelte seinen Bruder ab und stellte die ganze Liqui dation als recht harmlos dar. Auch das Stüßungstonsortium hat jede Aufklärung der Deffentlichkeit über den Umfang der Schulden und über die Bedeutung der Transaktion für die Volkswirtschaft vermiffen lassen. Wie man jezt sieht, geschah war nichts anderes als eine Teilung in den Raub, den der typische deutsche Inflationskonzern während der Geldentwertung am deutschen Volfe vollzogen hatte. Binzig und lächerlich nimmt sich gegenüber einer solchen Aktion die große Entrüstung aus, die man aus politischen Gründen über Fälle mie Barmat und Kutister entfacht hatte. preise nicht bloß um den Mehrbetrag der Zölle in die Höhe ge Gründlichkeit wirklich nichts mehr zu wünschen übrig das aus guten Gründen. Die ganze famose Stüßungsaktion gangen, sondern noch stärker. Man aus einem Vergleich zwischen den deutschen und den englischen Breifen. Das Ergebnis war, daß die deutschen Großhandelspreise für Weizen von 1901 bis 1905 bei einem 3oll von 35 M. durch schnittlich um 36 m., von 1907 bis 1909 bei 55 M. Weizenzoll um 60 M. über dem Preise für englischen Weizen in etwa 200 englischen Marktorten standen. Also über die verteuernde Wirkung der 3ölle fann fein Streit fein. Deshalb habe ich nicht den geringsten 3meifel, daß auch jezt die Getreidezölle fich voll auswirken würden und auch eine ähnliche foziale Wirkung äußern müssen wie nach 1906 die damats: geltenden Zölle.or Nach einem Bericht über das Einfommen der Arbeiter der CarlBeiß Stiftung blieb 10 bis 15 Jahre vor dem Kriege der Realfohn Der gutgestellten Zeiß- Arbeiter ftabil, die Rominallöhne murden zwar erhöht, aber ihre Kauftraft blieb unverändert. In weniger guten Betrieben ergeben fich natürlich ungünstigere Wirkungen." Damit bestätigte Sering indireft, was unser Genoffe Hilferding vorher ausgeführt hatte, daß in den Jahren 1910-1914 in Deutschland der Reallohn fiel und nicht stieg. Das Argument, daß die Zölle sich nicht voll auswirken würden, ist bisher noch in jeder Zollbebatte gebraucht worden Brasilien. Erfahrungen eines Deutschen, der drüben war. Jährlich wandern Tausende und aber Tausende nach Brasilien aus, um sich dort eine neue Existenz zu gründen. Benigen nur gelingt es, Hunderte fehren enttäuscht zurück und Tausende fristen notdürftig ihr Leben in den Hafenstädten ohne jede Mittel, ohne festen Erwerb, den allmählichen Untergang preisgegeben. Denn es ist überaus schwer, in diesem Lande festen Fuß zu fassen und es zu einem wenn auch noch so bescheidenem Wohlstand zu bringen. Die Bereinigten Staaten von Brasilien, ungefähr jechzehnmal jo groß, wie Deutschland, haben etwa 30 000 000 Einwohner. Dem Klima nach teilt man das Land in drei Zonen. Der Norden, um den Amazonenstrom, ist seines menschenmörderischen Charakters wegen berüchtigt. Die Europäer, die in dieses Gebiet fommen, fallen meist dem tückischen Tropenfieber zum Opfer, Siedlungen befinden fich daher nur an der Küste um Bahia und Pernambuco herum. Mittelbrasilien ist dagegen ziemlich dicht bevölfert. Hier be findet sich auch die Bundeshauptstadt Rio de Janeiro, eine der schönsten Städte der Welt. Der wichtigste Staat Mittelbrasiliens ist Sao Paulo. Hier werden auf Kaffee-, Baumwoll und anderen Plantagen viele Saisonarbeiter beschäftigt. Das sind jedoch hauptfächlich Italiener und Portugiesen, welche anspruchsloser als der Mitteleuropäer sind und deshalb billiger arbeiten fönnen. Im Süden des Landes liegen die Staaten Barana, Santa Katherina und Rio Grande do Sul. Das Klima fommt dem füd europäischen fast gleich und ist für den deutschen Auswanderer das gesündeste. Dort wohnen daher auch etwa 400 000 Kolonisten. Die Sprache um Blumenau und Joinville ist überwiegend deutsch, denn das Gebiet ist in der Hauptsache von deutschen Kolonisten erschlossen worden. Die ersten Ansiedler tamen vor etwa hundert Jahren ins Land und haben hier unter schweren Entbehrungen blühende Siedlungen erstehen lassen. Für den neu Eingewanderten bestehen zwei Möglichkeiten, sich eine Siedlung zu beschaffen. Die erste ist die, sich von der Regierung Urwald zur Verfügung stellen zu lassen und zu roden. Was diejes Wort„ lirwald" für ein Elend in fich birgt, weiß nur der, der die Leiben hinter sich hat. Mit dem Handwerkszeug, daß sich der Aus wanderer selbst beschaffen muß, steht er allein, meilenweit von menschlichen Behaufungen entfernt, unter den Urwaldriesen. Für die ersten fünf Jahre darf er nicht darauf rechnen, daß ihn jein Betztum ernährt. Die Felder werden von den Berifiten, einer Papageienart, heimgesucht und oft vollkommen verwüstet. Infolge der überaus schlechten Wege sind die Transportmöglichkeiten gering und daher auch die Abfahmöglichkeiten sehr schlecht. Auch die öffentlichen Berkehrsmittel sind äußerst unzuverlässig. Soll der Zug 3. B. um 8 Uhr gehen und fährt er dann um 10 Uhr, so hat man Glüd, fährt er heute überhaupt nicht, ist es auch gut, dann fährt eben später. Das Losungswort Brasiliens heißt Patiencia ( Geduld). Der deutsche Auswanderer, der an Ordnung im öffent lichen Leben und an gewisse Bequemlichkeiten( sauberes Trinkwasser, anftändige Kleidung usw.) im privaten Leben gewöhnt ist, fühlt sich hier totunglücklich. Ein besonderes Rapitel ist auch die brasilianische er Die Methoden, die das Stügungstonfortium anmendet, sind weit von jener Vornehmheit entfernt, mit der man anfangs fich vor der Deffentlichkeit brüstete. Jetzt erst wird die selbstver befannt, bez neben den üblichen Banfzinsen die selbstver ständlich ohnebies höher find als die Binfen, die die Banten an die Reichsbant und Staatsbant zahlen eine Bereits stellungsprovision pon pollen 4 Proz von den Schuldnern gefordert und bewilligt wurde. Nachdem bei der Abwicklung fich noch weitere Schmierigkeiten ergaben und es durchaus denfbar wurde, daß das Bermögen nicht einmal zur Rost. Da der Boden sehr falfarm ist, fehlen den dort wachsenden Pflanzen die Blut- und Nährsalze. Dem Körper des Rolonisten werden durch diese Nahrung nicht genügend Kraftstoffe zugeführt, die schwere Arbeit tut ein übriges, und so stellen sich Malaria und die andern tropischen Krankheiten ein; die Gegengifte Chinin, und Arsenik schwächen den Körper ebenfalls, und mancher Kolonist hat drüben sein frühes Grab gefunden. Biele andere verzichten auf die Anzahlung, lassen alles im Stich und kehren heim- wenn sie irgend noch das Geld dazu haben. Die andere Möglichkeit ist die, eine schon bebaute Rolonie" zu faufen. Doch gehört dazu neben einer ganz schönen Summe Geldes eine Portion Borsicht und Erfahrung. Wie es einem unwissenden Neuling gehen fann, mag folgendes Beispiel zeigen: Kaufte da ein braver Württemberger für acht Konto( 4000 m.) eine Kolonie. Nachdem er sie bezahlt und bezogen hat, stellt es sich heraus, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen ist, der ihm die Kolonie vertauft hat, ohne ein Befizrecht daran zu haben. Der rechtmäßige Besizer machte seine Ansprüche geltend und der Käufer war ge. zwungen, die Kolonie wieder zu räumen. Nur mit großer Mühe erhielt er wenigstens einen Teil seines Geldes wieder, mit dem er schleunigst in seine Heimat zurückkehrte. Aehnlich unzuverlässig mie der brasilianische Eisenbahnverkehr ist auch das Geldwesen. Die brasilianische Münzeinheit ist der Milreis, etwa 0,50 deutsche Reichsmart. Von Zeit zu Zeit werden dann in der Kolonistenzeitung gemiffe Banknoten aufgerufen, nur Dergißt man einzusehen, welche Bank dieselben eintauscht. Als ich einmal nach vergeblichem Umherlaufen bei mehreren Banten bei dem Redakteur der Zeitung Auskunft einholte, sagte er mir lächelnd: Ja, wir sind eben in Brafilien; das beste ist, Sie tapezieren Ihr Zimmer mit den Scheinen aus. Wir sind eben in Brasilien," diese Redensart entschuldigt und erklärt alles. " Am schlechtesten jedoch steht sich der Arbeiter. Die Zustände auf den Plantagen fommen oft der Stlaverei gleich. Doch find deutsche Arbeiter, mie schon gefagt, in der Landwirtschaft faum zu finden. Auch in den Industriewerfen sind fie in nicht allzu erheb licher Zahl vorhanden, und es fann auch nicht genug gewarnt werden vor Abwanderungen nach den brasilianischen Industrien. 3mar zahlt der Arbeiter feine direkte Steuern, aber sämtliche Gegenstände des täglichen Bedarfs sind so mit indirekten Steuern belastet, daß die Steuerbefreiung der Arbeiterschaft dadurch illusorisch gemacht ist. Der Arbeiter verdient bei neunstündiger Arbeitszeit etwa fünf bis sieben Milreis pro Tag, das sind etwa 25 bis 37 Bf. die Stunde. Die Preise sind im Gegenjazz dazu unverhältnismäßig hoch. Milch fostet pro Liter 35 Pf., Kartoffeln 7,50 bis 17,50 pro Zentner, Rindfleisch 40 Pf., Butter 1,50 M., Schmalz 1,25 m., Beizenmehl 35 bis 40 Pf. pro Pfund. Für Kleider zahlt man Phantasiepreise, so für einen guten Anzug 150 m., für einen Hut 2 M. und für Schuhe auch etwa 20 M. Aus diesen wenigen Sahlen erfieht man, daß sich der Arbeiter ganz ungewöhnlich schlecht steht. Dem Brasilianer, der weder Ansprüche an Ernährung er ist mit ein paar Händen voll Reis den Tag über vollkommen befriedigt noch an Kleidung stellt, ist es möglich, seine Arbeitsfraft so billig zu verkaufen. Der Auswanderer aber geht infolge der schlechten Ernährung und der klimatischen Einflüsse in mehr oder minder kurzer Zeit zugrunde. Deutschland fann auf seine„ Wirtschaftsführer" stolz sein. Sie sind gerade noch zur Beratung der Rechtsregierung gut. Die Berliner Intereffen der Metallabteilung des Stinnes Konzerns find von der Firma Lepy u. Co., Charlottenburg, ge fauft morden. Die Schiffahrtsinteressen follen nach einer Meldung der Konjunkturforrespondenz" nicht verkauft, sondern in eine be sondere Gesellschaft eingebracht und dem Hause Stinnes erhalten merden. Hugo Stinnes der Jüngere hat sich nach Hamburg begeben, um über diese Frage zu verhandeln. Gibt es schon Luftpiraten? Das Marineamt der Bereinigten Staaten ordnete an, daß das Luftschiff Shenandoah mit zebn Maschinengewehren bewaffnet werde. Es muß also woht mit irgendwelchen leberfallgefahren gerechnet werden Auswandern nach Brafilien sollte daher nur derjenige, der sich landwirtschaftlich betätigen will und genügend Barmittel dazu zur Berfügung hat; aber auch dann nur, wenn er eine fräftige Gesund heit befizt und gemillt ist, nicht nur zu arbeiten, sondern zu schuften. Dabei darf es ihm nicht darauf ankommen, daß seine Arbeit in den ersten Jahren feine Erfolge zeitigt. Dann mag es ihm gelingen, nach einer Reihe von Jahren im Besitz einer blühenden Siedlung zu sein. Alle übrigen aber werden fast ausnahmslos Opfer jenes Landes, welches ein sterbender Auswanderer Hölle Brafilien" nannte, eine Verwünschung, in die ungezählte andere, die alle jene Leiden durchmachen oder hinter sich haben, einstimmen. Die Buchhändlerverbände gegen den Boykotiverfuch der„ Buchhändler- Börse". Wie vor einiger Zeit gemeldet, war in der„ Buch. händler- Börse" eine Liste solcher Urheber veröfentlicht worden, die irgendwelche Werke neuen, für den Vertrieb von Büchern ins Leben gerufenen Organisationen anvertraut haben. Gleichzeitig war zum Bontott der beteiligten Autoren aufgefordert worden. Geftern fand nun eine Besprechung zwischen Vertretern des Buchhändler- Börsenvereins, des Deutschen Verlegervereins, der Deutschen Buchhändlergilde, des Berbandes Deutscher Erzähler, des Schukverbandes Deut scher Schriftsteller, sowie des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten statt, in der übereinstimmend anerkannt wurde, daß die Freiheit des Schriftstellers in feiner Weise und nach feiner Seite hin beschränkt werden dürfe. Es wurde betont, daß es den buchhändlerischen Berbänden ferngelegen habe, die persönlichen Rechte der Schriftsteller irgendwie einengen zu wollen. Um fünftige Mißverständnisse auszuschließen, murde in Aussicht genommen, die beteiligten Verbände nach Bedarf zu gemeinschaftilchen Tagungen zusammenzurufen. Kultusministerium zur Verfügung gestellt, damit notleidende Künstler mit Eine Materialspende von fünffausend Mart wurde vom breußischen Material versorgt werden lönnen. Die Summe wird in 200 Gutscheine zu je 25 Mart aufgeteilt; in besonders dringenden Fällen fann der Betrag erhöht werden. Gesuche sind an das Ministerium zu richten. Der neue Borstand des Deutschen Wertbundes. Der Deutsche Berbund bat seinen Vorstand neu zulammettgelegt. Erster Vorsitzender bleibt Prof. Richard Niemerschmid in München, zweiter Vorsigender Geheimrat Beter Brudmann in Heilbronn. Im engeren Borstand find Berater Prof. Bruno standsmitglieder: Albifer, Behrendt, Czesca, Elsässer, Grok, Huber, Kaiser, Baul und Prof. Hans Boelzig in Berlin. Hinzugewählt wurden als Bor Mah. v. Miller, Schmidt Frankfurt, Schramm, Stadler, Tarnow, Bicher und Wienbed. Der Bildhauer Goffl'eb Wilhelm ist in München gestorben, ein vorzüg .licher Stunsthandwerker, dessen funstgewerbliche Metallipertitätte auch vor. bildlich für die Heranbildung des Nachwuchses arbeitete. Dem Bayerischen stunstgewerbeverein und dem Münchener Bunde gehörte Gottlieb Wilhelm als Vorstands- und Ausschußmitglied an. Radio in Riga Rußlandempfang verbofen. Am Rigaschen Strande in Edinburg ist seit einigen Tagen bie erfte in Lettland zur allgemeinen Benubung freigegebene radiotelephonise Empfangstation in Tätigkeit getreten. Die Aufnahme russischer Vorträge ist nichi gestattet. neues Verfahren auf dem Gebiete der Stunitieidenderstellung erfundes Unverbrennbare Kunstseide. In Frankreich ist, laut„ Konfektionär, ein worden. Die nach diesem neuen Prozeß hergestellten Stunstjeidenfäden sind unverbrennlich. Knanzausgleich und SoZialöemokratie Eine Erklärung der Reichstagsfraktion Bei der Beratung des Finanzausgleichs gab gestern der Genosse Keil für die Fraktion folgende Erklärung ab: An die Spitze meiner kurzen Ausführungen stelle ich die E r k l ä- r u n g, daß meine Fraktion den Bestimmungen des Finanz- a u s g l e i ch s in der Formulierung, die sie durch die nunmehr mit den Ländern getroffene Abmachung erfahren, zustimmen wird. Wenn wir das tun, so liegt uns nichts ferner als Begeisterung über die Regierungskünste des Kabinetts Luther. Soweit die Oeffentlichkeit die nun seit Wochen andauernden krampfhaften Vsr- suche der Reichsregierung, mit den Ländern über die Höhe ihrer An- teile an den Reichssteuern zu einer Berständigung zu kommen, oer- folgen konnte, war von der Kunst des Regierens leider nicht die Spur zu merken. Erst mußten die Finanzminister zweier gro- her Länder von dieser Tribüne aus die ihnen anvertrauten Interessen mit der K l a r h e i t und Eindringlichkeit, die uns ihre Reden sehr sympathisch gemacht hat, vertreten und mit dem Einspruch des Reichsrats gegen das Gesetz drohen, ehe das Kom- promiß zustande kam. Nachdem sich nun die Finanzminister der Länder mit den ihnen gemachten Zugeständnissen z u f r i e d en gegeben und selbst Berlreler der Bayerischen volkspackei und des Bayerischen Bauernbundes ihre Namen unter den Antrag 1398 gesetzt haben, liegt für uns kein sachlicher Grund vor, den Ausgleich a b- z u l e h n e n. D i e Frage steht hier nicht zur Debatte, ob die Grund« lagen des Steuersystems, an dem Reich und Länder gemeinsam interessiert sind, anfechtbar sind oder nicht. Wie wir zu diesem Steuersystem im ganzen und im einzilnen stehen, ist im Berlauf unserer Beratungen durch Reden und Anträge klar dargelegt worden. Die Steuern sind in der Gestaltung, die sie erfahren haben, gegen unseren Willen beschlossen worden. Jetzt aber handelt es sich darum, in welchem Maße die Länder und Gemeinden am Ertrag dieser Steuern beteiligt werden sollen. Die Rücksichtnahme auf die finanziellen Interessen des Reichs kann uns nicht veranlassen, gegen die Höhe der Anteile zu stim- men, die den Ländern eingeräumt worden sind. Der Finanz- bedarf des Reichs wird zahlenmäßig gedeckt werden durch die neuen Steuern. Die Wahrscheinlichkeit spricht sogar dafür, daß die beschlossene Lelaslunz de? armen Volksschichten beträchtlich größere Erträge liefern wird, als die Reichsfinanzoerwaltung zugeben will. Wir begrüßen zwar die Einsicht des Reichsfinanzministers und der hinter ihm stehenden Parteien der Rechten, die die Rede des Ministers von heute mittag wieder beherrschte, daß das Reich den Krieg verloren, daß das Reich daher die Reparations- lasten zu tragen habe, und daß in Rücksicht hierauf eine vor- sichtige Finanzpolitik geboten sei. Das war unsere Auf- fassung schon vor Zahren. als wir uns, leider ohne Erfolg, dagegen wehrten, daß das Steuerwerk von Weimar von den Bertretern des Großkapitals unter Führung Dr. H e l f f e r i ch s ausgehöhlt und damit die Znflalions- kalastrophe heraufbeschworen wurde. lieber die bessere Erkenntnis der Kreise, auf die der Finanz- minister sich stützt, kann man sich ja freuen, aber es besteht die G e- fahr, daß sie ins umgekehrte Extrem verfallen. Der Reichsfinanzminister bekundet fast eine übertriebene Sorge um die Erfüllung der Reparationslasken in späteren Zahren und treibt in dieser Sorge eine Thesaurierungspolitik, die wirtschaftlich und sozialpolitisch höchst bedenklich ist, zumal die Kosten dieser Politik überwiegend von den wirtschastlichSchwacheu getragen werden müssen.,> Kann aus diesen Erwägungen vom Standpunkt des Reichs aus die Vereinbarung mit den Ländern nicht abgelehnt werden, so scheint uns umgekehrt, nachdem die Regierungen der Länder zugestimmt haben, auch vom Standpunkt der Länder aus kein Grund zur Ablehnung vorzuliegen. Sicherlich werden die Länder und die Gemeinden, die knapp zu halten der Reichsfinanz. minister sich verpflichtet hält, Mühe haben, ihren Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Sie werden vom Reich auf � die Hauszinssteuer verwiesen, von der der deutschnationale St�avts- prösidentWürttembergs gesagt hat, daß sie gegen die guten Sitten verstoße, was freilich die unter seiner Führung stehende württembergische Regierung nicht abgehalten hat, diese Steuer in einem Uebermah für fiskalische Zwecke anzuspannen. Die Länder haben aber solange keinen zwingenden Grund, die un- soziale Hauszinssteuer zu überspannen, als die viel gerechtere Steuer von den Znflationsgewinnen des landwirtschaftlichen Grundbesitzes nicht ausgeschöpft ist. Wir haben in der 2. Lesung den Versuch gemacht, die Länder zur Erhebung dieser Steuer ebenso zu v e r« pflichten, wie sie zur Erhebung der Hauszinssteuer verpflichte sind. Mit der Ablehnung dieses Antrages hat die Mehrheit de» Hauses deutlich bekundet, daß sie die landwirtschaftlichen Inflations- gewinnler mit anderem Maße gemessen wissen will� als die übrigen und als besonders die Mieter, die in ihrer erdrückenden Mehrheit Opfer und nicht Nutznießer der Inflation sind. Den Versuch, die Länder zur Erhebung dieser Steuer durch reichsgesetzliche Vorschrift anzuhalten, wiederholen wir auch in der 3. Lesung. Wird er wiederum abgelehnt, so ändert dos nichts an der Tatsache, daß die Länder vom 1. Oktober d. I. ab zur Erhebung der Steuer berechtigt sind. So lange die Länder diese Steuer nicht in Anspruch nehmen, besteht kein Anlaß, die Bestimmungen über die Länderanteile an den Reichssteuern abzu- lehnen, weil diS Anteile zu niedrig seien. Zu diesen sachlichen, finanzpolitischen Erwägungen kommen für meine Fraktion noch poNlische lleberlegungen. Der Kamps zwischen dem Reich und den Ländern um den Finanzausgleich war, wie die Finanzminister Preußens und Sachsens hier erklärt haben, für ihre und für die große Mehrheit der Länder lediglich ein Kampf um die Möglichkeit, die Auf- gaben der Länder und Gemeinden pflichtgemäß zu erfüllen. Aür die bayerische Regierung dagegen ist dieser Kampf, wie wir von ihrem Vertreter gehört haben, ein Kamps um die Befriedigung politischer Machtbedärfulsse. Bayern will, wie es offen erklärt, das Recht der Gesetzgebung und Verwaltung auf dem Gebiete der direkten Besteuerung wieder a» die Länder zurückgegeben wissen. Bayern ist jahrelang von de» Rechtsparteien, vor allem den Deutschnatwnalen, in diesem Bestreben unterstützt worden. Jetzt haben die Rechtsregierung und die Deutschnationale Partei auch in dieser Frage umgelernt. Die Ansprüche Bayerns werden von ihnen abgelehnt. Wir freuen uns auch über diese Wandlung und da wir stets für die Verein- h e i tl i ch un g des Steuerwesens eingetreten sind, werden wir nichts tun, um die bekehrten Sünder in ihren Einsichten irr« zu machen. Unsere Zustimmung zu den Bestimmungen über die Länderanteile beruht daher auch auf der politischen Erwägung, daß die Festlegung von 25 Prozent Reichs anteil an der Einkommen- und Körperschaftssteur einen völlig unzuverlässigen und nnbegründeten Eingriff in da» Hungen Layern» bedeutet, die wir unterstützen wollen. Diese Zurückweisung durch eine möglichst große Mehrheit auszn- sprechen, das ist die Absicht, die wir mit unserer Zustimmung ver- folgen. Wir sind aber nicht in der Lage, dem Gesetz über den Finanzausgleich als Ganzem zuzustimmen. Wir werden es in der Schlußabstimmung ablehnen, nicht nur well es ein völlllig unzuverlässigen und unbegrüadeteu Eingriff ia da» Selbstoerwallungsrecht der Gemeinden ermöglicht, nicht nur. weil dem Verlangen der Länder und Gemeinden nach dem Recht der Erhebung von Zuschlägen zur Einkommen- und Körper» schaftssteusr bereits ein bedenkliches prinzipielles Zugeständnis gs- macht wird, sondern vor allem, weil es bepackt ist mit der gegen die guten Sitten verstoßenden fiskalischen Hauszinssteuer. Diese Hauszinssteuer als Hauptbestandteil de» letzten in der langen Reihe der Steuergesetze drückt gleichsam dem ganze» Werk den Schlußstempel auf, den Stempel eines der unso. zialsten Werke, die je in diesem Hause zustand« gekommen sind. Wjr erheben aufs neuz: schärfsten Einspruch gegen dieses arbeiterfeindliche Werk und bringen das zum Ausdruck, indem wir das Gesetz über den Finanzausgleich als Ganzes ablehnen. Das �rbeitsgerichtsgefetz. Zum Gesetzentwurf der Regierung. Die Regierung ließ dieser Tage den gesetzgebenden Körper- schasten den Entwurf eines Arbeitsgerichtsgesetzes zugchen. Di« schon seit Iahren hin und her gehende Diskussion über die Form der Arbeitsgericht« ist damit in«in neues Stadium getreten. Im Reichs- wirtschoftsrat und im Reichstag werden die Arbeitervertreter sich mit dem Entwurf der Regierung auseinandersetzen müssen. Der schon oft erhobenen Forderung der Arbeiterschaft nach einer, von den»rdentlichen Gerichten vollkommen losgelösten Arbeitsgerichtsbarkeit ist nur zum Teil Rechnung getragen. An die Stelle der seitherigen Gewerbegerichte(einschließlich Derggewerbegerichte), der Kaufmannsgerichte, der Jnnungsschieds- gerichte und der arbeitsgerichtlichen Kammern der Schlichwngs- ausschüsse soll in erster Instanz das sogenannte Arbeitsgericht treten, das ein vom ordentlichen Gerichtswesen vollkommen unab- hängiges Gericht darstellt. Das Arbeitsgericht soll z u st ä n d i g sein für alle bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, die sich aus dem Arbeits- Verhältnis ergeben, einerlei, ob es sich um Differenzen zwischen den einzelnen Arbeitgebern und Arbeitnehmern handelt, oder um Streitigkeiten aus dem Tarifvertrag, oder dem Detriebsrätegesetz, oder um bürgerlichen Rechtsstreit zwischen mehreren Arbeitnehmern (zum Beispiel bei Gruppenaktord). Die neu zu schaffenden Arbeits- gerichte werden auch über die Streitfälle der Landarbeiter aus ihrem Arbeitsverhältnis zu entscheiden haben, für die bisher die ordentlichen Gericht« zuständig waren. Ebenso werden die An- gestellten, die bisher, weil sie nicht in einem kaufmännischen Betrieb tätig waren, die Kaufmannsgerichte nicht in Anspruch nehmen konnten, sich an die neuen Arbeitsgerichte wenden können. Die Arbeitsgerichte setzen sich zusammen aus einem ordentlichen Richter als Borsitzenden und zwei Beisitzern, je einem Arbeitgeber und einem Arbeitnehmer. Die Beisitzer werden nach einer Bor- schlagsliste, die von den Organisationen einzureichen ist, für mehrere Jahre von den Justizbehörden ernannt. Gegen die Entscheidung des Reichsarbeitsgerichtes steht beiden Teilen ein Revistonsrecht zu, wenn der Wert des Streites höher als 300 Mark ist, oder wenn es sich um einen Streitfall von allgemeiner Bedeutung handelt. Zweite Instanz ist das Landesarbeitsgericht. Es wird ebenfalls aus einem ordentlichen Richter(Landgerichtsdirektor) und je einem Arbeitgeber- und Arbeitnehmeroertreter gebildet. Die dritte und letzte Instanz ist das Reichsarbeitsgericht. Es soll be- stehen aus einem Senatspräsidenten als Vorsitzenden, zwei Reichs. gerichtsräten als Beisitzern und aus Arbeitgeber- und Arbeit- nehmerbeisitzern. Das Landesarbeitsgericht und das Reichsarbeits- gericht sind den ordentlichen Gerichten«ingegliedert. Es sollen für die Aufgaben der Arbeitsgerichtsbarkeit bei den Landgerichten be- sondere Kammern und beim Reichsgericht ein besonderer Senat ge- bildet werden. In erster Instanz vor dem Arbeitsgericht soll ein« Verhandlung nur ersolgen, nachdem in einem vorausgegangenen Güteverfahren ein Vergleich nicht zustandegekommen ist. Die Entscheidung des Rechtsstreites soll möglichst sofort, im Anschluß an die erst« münd- liche Berhandlung oerkündet werden. Sie soll so formuliert sein, daß sie zwischen beiden Parteien klare Rechtsverhältnisse schafft. Der Betrag der entstandenen Prozeßkosten soll in der Entscheidung ge- nannt werden. Die Gebühren sollen ungefähr ebenso hoch sein wie seither bei den Gewerbegerichten. In den Verhandlungen vor dem Arbestegericht sollen beiden Parteien ihren Rechtsstandpunkt selbst vertreten. Bei einer even- Wellen Revision müssen sie dagegen sowohl bei den Landesa rbeits- g«richten wie beim Reichsarbeitsgericht ihre Vertretung einem Rechts- anmalt übertragen. Durch besondere Vereinbarungen zwischen Arbestgebern und Arbeitnehmern und durch Tarifverträge können für Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis andere Abkommen getroffen werden, die eine Inanspruchnahme der Arbeitsgericht« ausschließen. Di« Arbeitervertreter im Reichswirtschastsrat und im Reichstag werden, sobald die Ausschußverhandlungen über den Gesetzentwurs beginnen, mit allem Nachdruck auf eine freiere Gestaltung der neuen Gerichte hinwirken müssen. Besonders gilt das für die Landesarbestsgerichte und für das Reichsarbeitsgericht. Die»Nationalpost"- pleite. Gläubigerversammlnng der„Nationalpo�-G. m.b.H. Gestern fand vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte die Gläubiger- Versammlung der„Rationalpost�-G. m. b. H. statt. Bis auf den letzten Platz war der Saal mit Gläubigern und Gläubiger-Ver- tretern gefüllt. Der Konkursverwalter, Direktor Otto Gädler, von der Mittelstandstreuhand-Gesellschoft erstattete den Bericht. Bevar der Verlag.Nationalpost".G. m. b. H. gegründet wurde, existierte eine deutschnationale Derlagsfirma, in der eine Zeit- fchrift.Der Boltsfreuird" wöchentlich erschien. Dieser Derlag ar- beitet« mit Ueberschuh. Das Unglück des Verlages begann in dem Augenblick, in dem er mit der neugegründeten.Netionalpost"'- G. m. b. H. zusammengewarfen wurde. Schon zu Beginn des Jahres 1925 arbeitete der Derlag mit einer Unterbilanz von 25.000 Mk. Das kam daher, well der Derlag für jeden der 22 000 Abonnenten pro Monat 15 Mk. zujetzte. Er erhielt, um dieses Minus bestreiten zu können, von den verschiedensten Stellen au» Zuschüsse, die monallich 10—15 000 Mk. betrugen, u. o. vom Grafen Westarp, von Graes« und von der.Kreuz- z e i t u n fl*. Als die Zuschüsse aufhörten, war auch das Ende des Berlages da. Der Geschäftsführer der G. m. b. H. Rentfch, war Naturwissenschaftler, der 1918/19 bei einer Verlagsfirma in Stellung gewesen war, und auch den Verlag des.Volksfreundes" geleitet hatte. Hinter dem Verlage stand bekanntlich der Landesverband Berlin der Deutschnationalen Dolkspartei. Er veranlaßt«, daß am 11. Mai Rentfch abgesetzt wurde und Laoerrcnz zum Geschäfts- führer bestellt wurde. Di« Herrlichkeit von Laverrenz dauerte allerdings nicht lange und am 20. Mai wurde Rentfch wieder Geschäftsführer. Der Landesverband Berlin war nämlich als Ge- sellschafter nicht eingetragen, er konnte also auch kein Gesellschafler- recht ausüben und demnach auch nicht Laverrenz zum Geschästs- sichrer bestimmen. Diese Nichteintragung wurde aber erst am 20. Juni entdeckt, an dem Tage, an dem der Konturs beantragt wurde. Zwischen dem Ausbleiben der Zuschüsse und dem Konkurs- antrag wurden von den verschiedensten Seiten Sanierungs- versuch« gemacht, u. a. auch vom Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Berband. Sie scheiterten. Eröffnet wurde der Konkurs am 9. Iull. Es ist«ine Masse im Werte von ungefähr 41000 Mk. vorhanden, darunter 3000 Mk. in barem Geld«, das bei der Depositenkasse der Deutschen Dank in der Königstroße hinterlegt ist. Der größte Teil der Masse besteht aus Forderungen, deren Einbringung z. T. sehr zweisechast geworden ist. da sie z. T. doppelt ubertragen sind. Dieser Masse stehen Forderungen in Höhe von zirka 300000 Mk gegenüber. Davon haben die Angestellten zirka 50 000 Mk. gefordert. Im Anschluß an den Bericht des Konkursverwalters entspatm sich eine Debatte darüber, warum der Konkurs so spät eröffnet worden sei. Der Ceschästsführer Rentfch wie» daraus hin, daß erst Ende Mai die Sanierungsversuche als ge- scheitert zu betrachten gewesen seien. Das Unternehmen sei vom Landesverband Berlin der deutschnattonalen Partei abgewürzt worden, da dieser die Zahlungen, zu denen er verpflichtet war, ein- stellte. Dan verschiedenen Seiten wurden Zweifel in die Richtig- keit der Behauptungen von Rentsch geäußert. Müller- Köpnitz, der Vertreter des Landesverbandes, verwahrte sich gegen die von Rentsch in breitester Oeffentlichkeit ausgestellten Behauptungen. Die Partei sei mit ihren Unterstützungen zu weit gegangen und es sei im übrigen festzustellen, daß der Landesverband nicht Gesell- schafter der„Nationolpost" gewesen sei, sondern nur Abonnent auf eine Anzahl von Exemplaren des im Berlag„Nationalpost" er- scheinenden Wochenblatts„Berliner Dolksfreund". Als Abonnent hätte der Landesverband das Recht gehabt, das Abonnement zu kündigen, in dem Augenblick, in dem die Zeitung nicht mehr erschien oder erscheinen tonnte. Rentsch ist der Ansicht, daß für diese Dinge der Gläubigerausschuß zuständig sei und verweist im übrigen auf die noch schwebenden Strafverfahren. Da der oufstcht- führende Richter ebenfalls der Ansicht ist, daß die Dinge vor den Gläubigerausschuß gehören, wird die Debatte hierüber geschlossen. Nach Ansicht des Konkursverwalters ist bestenfalls mit einer Quote von 14X P roz. zu rechnen. Der Kontursverwalter wurde bestättgt und es wurde dann«in Gläubiger- ausschuß gewählt, der sich wie folgt zusammensetzt: 1. Als?ln- geftelltenvertreter der Leiter der Anzeigenabteilung H i l l e r. 2. Der Mitinhaber der Firma Hempel u. Co., Ackermann. 3. Herr Gees« von der Firma E. A. Geese. 4. Herr S ch lö m ih l, Halle a. d. Saale. 5. Freiherr Dr. von B r a n d e n st e i n als Vertreter der �kreuzzeitung" und des Dr. Mylius. 6. Stadtverordneter Buchwitz. 7. Geheimer Iustizrat Dietrich. Cin Schlag gegen öen Faschismus. Orlando verzichtet demonstrativ aufs Mandat. Rom. 7. August.(Eigener Drahtbericht.) Der ehemalige Minister- Präsident Orlando übersandle dem Kammerpräsidenleu ein Schreiben, in dem er sein Abgeardnelenmandat niederlegt. Orlando begründet diesen Schritt damit, daß die Stadtralswahlen von Palermo ihn zwar nicht wegen ihres scheinbaren Ergebnisse», wohl aber wegen der M e l h o d e n. unter denen sie flallgesunden haben, in der Ueberzeugung bestärkt Höllen, daß für Männer van liberaler Ge- 1 sinnung und parleirichtung heule im politischen Leben Italien, kein plah mehr sei. Visher habe er es vermiede«, die Folgerungen aus dieser Ueberzeugung zu ziehen, ans demokratischer Gesinnung heraus und auf Drängen angesehener Politiker faschistischer Richtung. Räch seinen letzten Erfahrungen würde es aber eine Täuschung bedeuten, wollte man glauben, dem Lande noch dienen zu können; deshalb trete er zurück. Der Schritt Orlandos macht einen liefen Eindruck und wird vielleicht nachgeahmt werden. Das Befinden des fchwerverlehlen Oppostlionsführer» Amen. data bessert sich, jedoch werden die Folgen des U ebersall» von Monlecadinl noch lange andauern. England und Rußland. Auch die konservative Regierung wünscht Handels- deziehungen.' London, 7. August.(WTB.) Im Unterhaus sagte bei de: Berichterstattung über die Vorlage betreffend die Subventionen für die Bergverkehrsindustrie Bromley(Arbeiterpartei), der Entschluß der Regierung, die Bergwerksindustrie zu unterstützen. bedeute keinen Sieg für die Arbeiter, sondern für die Kapita» l i st e n. P u r e e l l(Arbeiterpartei) hob hervor, die Gewert- schaftsbewegung werde sich durch die gestern geäußerten Drohungen nicht hindern lassen, auf ihrem guten Recht zu bestehen. Die Vorlage wird— bei Stimmenthaltung der Arbeiterpartei — mit 351 Konservativen gegen 16 Liberale angenommen. P o n s o n b y warf bei Einbringung eines Antrages auf Ver- togung des Unterhauses die chinesische und die russische Frage auf und verlangte B e w e i s m a t e r i a l für die angebliche Sowjet» Propaganda in England. Er sagte, die Regierung veranlass« durch ihre Haltung den russischen Handel, sich nach anderen Ländern umzusehen und treibe Rußland in die Arme Asiens. Nach Ausführungen weiterer Mitglieder erwiderte Me N eill namens der Regierung u. a.: Die Annahme, daß die Handels- deziehungen von den politischen Beziehungen abhängen, ist irrig, was sich �z. L. aus den Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten, die die Sowzetregierung nicht anerkennen, mit Rußlcrnd ergibt. Die britische Regierung weih, daß es von außer» ordentlicher Bedeutung ist, daß England mii Rußland Handel treibt. Das wahre Hemmnis gegen seine Entwicklung ist das russische Außenhandelsmonopol. Ihre Propaganda ist eine bekannte Tatsache. Die Aufforderung zu freundschaftlichen Beziehungen wird Ponsonby besser an die russische Regierung richten. Ponsonby glaubt doch wohl nicht im Ernst, daß die jetzige russische Regierung von freundlichen Absichten gegenüber Eroßbritamnen beseelt ist. Weiterhin führte Me Neill aus: Die Regierung wünscht lebhaft. den Handel mit Rußland zu fördern und bestreitet, irgendwelche positiv unfreundliche Gesinnung gegen Rußland zu hegen. Wenn eine unfreundliche Gesinnung besteht, so ist sie auf der andere» Seite vorhanden, und wenn die Sowjetregierung sich entschließen sollte, an die britische Regierung heranzutreten und Vorschläge für die Ausnahme ausgedehnter Handelsbeziehungen zu machen, werden diese > Vorschläge sehr aufmerksame und wohlwollende Erwägung finden. Abc? nach den bisherigen Erfahrungen würde es Zeitver- schwendung sein, wenn die brittsche Regierung einen solchen Schritt unternimmt. Das Parlament ist bis zum 16. November vertagt worden. Premierminister Baldmin wird die nächsten Wochen in Aix-les. Bains verbringen, während Macdonald und einige andere Führer der Arbeiterpartei in Marseille zum Iitternattonalen Sszia- listenkongreß gehen. Gewerkschaftsbewegung Die Aussperrung" der Bauarbeiter. Der Reichsarbeitsminister greift ein. In einigen Berliner Abendblättern wird unter entsprechend großer Aufmachung von der gestern in Berlin zur Durchführung gekommenen„ Aussperrung" im Baugewerbe gesprochen. Wir möchten feststellen, daß diese Aussperrung nur auf dem Papier steht. Vor der Aussperrung" arbeiteten rund 2700 Bauarbeiter zu den neuen Bedingungen. Nach der Aussperrung sind es ganz genau ebensoviel. Die Nachtausgabe des„ Tag", die ja über die Absichten der Unternehmer naturgemäß besonders gut unterrichtet ist, schreibt, daß vor der Aufnahme von Vergleichsverhandlungen die Unternehmer die Bedingungen stellen werden, daß die Arbeit zu nächst wieder aufgenommen werden müsse, wo gegen dann auch selbstverständlich die Aussperrung" aufgehoben würde. Die Heuer und Mielenz haben also ihre famose Aussperrung verfügt, um ein Kompenfationsobjekt zu haben, allerdings ein nicht eriftierendes Rompensationsobjekt. " Bie das Reichsarbeitsministerium mitteilt, hat der Reichsarbeitsminister die Zentralorganisationen der Unternehmer und der Arbeiter im Baugewerbe zu Montag zu Vergleichsverhandlungen geladen. Er will den Versuch machen, eine Einigung herbeizuführen, bevor es zu der von dem Unternehmerverband angekündigten Generalaussperrung für ganz Deutschland tommt. Die„ Bossische Zeitung", die über den Kampf im Baugewerbe ganz phantastische Angaben veröffentlicht, meiß jetzt schon mitzuteilen, daß eine Lohnerhöhung dabei kaum in Frage tommen würde. Die Nachtausgabe des Tag" schreibt übereinstimmend, daß die Beilegung des Konflikts auf große Hindernisse stoßen würde, da die Baugeschäfte nicht nachgeben würden und hinter den Firmen die gesamte Bauindustrie stehe, die jedes Nachgeben zu verhindern gewillt sei. brechen. Benn die Unternehmer mit diesen Ansichten und Absichten zu den Bergleichsverhandlungen gehen, dann ist an eine Beilegung des Konflikts allerdings nicht zu denken. Die Bauarbeiter haben den schweren Kampf nicht unternommen, um ihn resultatslos abzu Besser, als die von den Unternehmern inspirierten oder informierten Zeitungen, unterrichten uns die Briefe und Rundschreiben des Verbandes der Baugeschäfte von Groß- Berlin. In einem Schreiben an einen Bauauftraggeber, der den Auftrag, den er einer bestreitten Firma erteilt hatte, zurüd zog, um ihn in eigener Regie ausführen zu lassen, behauptet die Berliner Unternehmerorganisation, daß sich wohl einige sogenannte Unternehmer" gefunden hätten, die die Forderungen der Bauarbeiter bewilligt haben, daß es sich aber dabei meist um solche Firmen handele, deren Inhaber selbst noch vor kurzem Arbeiter gewesen seien und diesen näher als den Unternehmern ständen. Wir haben eingangs die Zahl der Bauarbeiter, die zu den neuen Bedingungen in Berlin bereits in Arbeit stehen, angegeben. Bei der großen Bersplitterung im Baugewerbe müßte die Zahl der Firmchen" ganz außerordentlich hoch fein, um 2700 Bauarbeiter zu beschäftigen. Zum Schluß heißt es in dem Schreiben: „ Nachdem seitens des Magistrats der Stadt Berlin der Arbeitsminister um Vermittlung gebeten ist und nachdem der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe in Hannover seinen Borstand bevollmächtigt hat, gegebenenfalls die Gesamtausiperrung im Deutschen Reich zu verhängen, wenn nicht innerhalb einer Frist von 14 Tagen sämtliche Arbeitskämpfe im Baugewerbe beigelegt sind, besteht die berechtigte Aussicht, daß schon in der nächsten Woche Verhandlungen seitens des Arbeitsmini steriums eingeleitet werden. Wir bitten Sie unter diesen Umständen. die Frist für den Beginn der Bauausführung noch um einige Zeit hinauszuschieben. Bir glauben mit Bestimmtheit annehmen zu können, daß der Kampf sich seinem Ende nähert und die Möglichkeit besteht, mit der Ausführung der Arbeiten in der nächsten 3eit beginnen zu fönnen." Dieses Schreiben ist vom 3. August datiert. Es geht daraus her vor, daß der Verband der Baugeschäfte über die Absichten des Reichsarbeitsministers sehr gut informiert war. Es geht weiter daraus hervor, daß die Unternehmerorganisation einen plumpen Bluff versucht, wenn sie in der gestrigen Nachtausgabe des„ Tag" schreiben läßt:„ Der Verband der Berliner Baugeschäfte legt Wert auf die Feststellung, daß er nicht an eine Beilegung des Streits in acht bis zehn Tagen glaubt." Abschließend möchten wir für heute nur erklären, daß der Streif an dem Tage beendet sein wird, an dem die Unternehmer die Konsequenzen aus den gewiß für sie harten Tatsachen zu ziehen entschloffen find. Ob sich die Bauunternehmer, die heute noch den Heuer und Mielenz gehorchen, bereits zu diesem Entschluß durch gerungen haben, werden die Verhandlungen am Montag aufweisen. Die Bauarbeiter sehen ihnen mit gelaffener Ruhe entgegen. Verhandlungen über die Ruhrkrise. Im Arbeitsministerium tagte am Freitag der von der Regierung mit Zustimmung der Arbeitgeber und Arbeiter eingesetzte Ausschuß. dessen Aufgabe ist, die Umschichtung und die Fürsorgemaßnahmen für die entlassenen Bergarbeiter im Ruhrgebiet zu beraten. Der Ver treter des Landesarbeitsamtes Westfalen und Lippe gab einen Bericht über die Arbeitsmarktlage im Ruhrbergbau. Aus seinen Feststellungen ergab sich, daß vom 1. Januar 1923 bis zum 1. Juli 1925 die Belegschaften um 124 000 Mann von 560 000 auf 436 000 verringert worden sind. Im August ist eine weitere Verminde rung bis auf 427 000 Mann eingetreten und damit der Belegschaftsbestand der Borkriegszeit erreicht. Weitere Entlassungen find gemeldet. Leider bestehen nur schwache Aussichten, die erwerbslosen Arbeiter in anderen Bezirken unterzubringen Im Berlauf der Sigung wurde vorgeschlagen, durch den so fortigen Bau der vom Ruhr- Siedlungsverband geplanten Ver tehrsstraßen im Westen Deutschlands Arbeitsmöglichkeit zu schaffen. Für die zur Entlassung gefommener Angestellten, die zur Umfiedlung gezwungen sind, wurden Beihilfen verlangt. Außerdem forderten die Bertreter der Arbeiter für die durch die Stillegungsmaßnahmen geschädigten Personen eine Entschädi gung durch den Ruhrbergbau. Krieg oder Frieden in der chemischen Industrie? Die Entscheidung liegt bei den Unternehmern. In einer überfüllten Versammlung, die am Donnerstag im Gewerkschaftshaus tagte, nahmen die Funktionäre des Chemiefartells Stellung zu den letzten Ereignissen in der chemischen Industrie. zu lassen, was abgelehnt werden mußte, weshalb der Schlichtungsausschuß angerufen wurde. Dieser hat nun einen Schiedsspruch ges fällt, der, trotzdem die Löhne in ähnlich gelagerten Industriegruppen erheblich höher find, was auch belegt wurde, die beteiligten Arbeitnehmer nicht befriedigen kann. In einer Versammlung der Kellereiarbeiter wurde nach eingehender Aussprache hierzu Stellung genommen und beschlossen, in den Betrieben über Annahme oder Ablehnung eine llrab it immung vorzunehmen. Ueber das Ergebnis wird eine am Dienstag stattfindende Versammlung der Funktionäre im Gewerkschaftshaus weiter beraten. Alle Betriebe müssen sich an der Urabstimmung beteiligen. Streik bei Hönigsberg, Zelt u. Co. Die Arbeiterschaft der Schuhfabrit Hönigsberg, gelt u. Co. stellte an die Betriebsleitung die Forderung auf Erhöhung der Mindestlöhne, die zurzeit 66 Pf. pro Stunde für einen männlichen Arbeiter über 21 Jahre betragen, für die übrigen Alters- und Ges schlechtsklassen prozentual gestaffelt. Die Firma lehnte jede Verhandlung über die eingereichten Forderungen ab und verwies den verhandelnden Betriebsrat auf den Weg über die Organisation. Da aber furz vorher die Fabrikantenverbände die von der Gewerffchaft eingereichten Forderungen ohne jede Verhandlungen abgelehnt hatten, wollte sich die Arbeiterschaft der Firma Hönigsberg. Belt u. Co. nicht mehr länger hinziehen lassen und trat am Mittwoch in den Streik. Nationalsozialistische Jammerlappen. Die Regierung erklärte sich bereit, für den beschleunigten Bau Neben den vielen Splitterorganisationen der Eisenbahner hat der geplanten Verkehrsstraßen größere Mittel zur Verfügung sich seit einiger Zeit der Reichsbund Deutscher Eisen= zu stellen. Sie stellte ferner in Aussicht, über die Erwerbslosenbahn- Kriegsteilnehmer gebildet. Nicht etwa zu dem unterstützung hinaus etwas für die arbeitslosen Bergarbeiter zu weck, die soziale Lage des Eisenbahnpersonals zu verbessern, sondern tun, um Härten zu beseitigen, während die Zechenunternehmer je de um sie nach dem Muster des früheren Reichslügenverbandes in das Entschädigung ablehnten. Die Verhandlungen werden vorfriegszeitliche Hörigkeitsverhältnis zurüdzuführen. Neben der in den nächsten Tagen fortgesetzt. mißglüdten Schnorrerei zur Errichtung eines Denkmals, von 25 000 herausgegebenen Zeichnungslisten ist nur ein Drittel(?) gezeichnet worden( die übrigen zwei Drittel ruhen wohl und sicher an der bekannten Stelle), fommt die kurze, aber geschickte Abfuhr des Direktionspräsidenten. Severin, der Leiter dieses Reichsbundes, hat nämlich Beschwerde geführt, daß die auf den herausgegebenen Zeichnungs= Dienststellen listen feine genügende Unterstützung durch die Hauptverwaltung Reimann gab einen Ueberblick über die Lohngestaltung und gefunden haben; er spricht sogar von Sabotage. Wir stellen also die verschiedenen Betriebsverhältnisse. Der Redner ging dann weiter fest, daß diefe blaurotgelbe Eisenbahnerfirma im auf die wilden Einzelstreits ein. Bei all diesen Bewegungen beriefen Einverständnis mit der Verwaltung großgepäppelt tritt. Severin sagt nämlich: Es wäre ein beschämendes Zeugnis für fich die Unternehmer einerseits auf die abgeschlossenen Hariflöhne, wurde. Aber auch die Eisenbahner bekommen ihren Fußbequemien fich aber andererseits dazu, den Verdienst der Arbeiter in Form von Leistungszuschlägen, Prämien und dergleichen zu die Cisenbahnerschaft, wenn nicht mindestens die Hälfte aller Beerhöhen. Angesichts dieses Verhaltens kann man die Antwort der diensteten ihr Scherflein zum Bau dieses Denkmals( oder zum Ausbau der zehntöpfigen Bundesleitung) beitrügen. Es ist verwerfUnternehmer, daß sie zu keiner Lohnerhöhung imstande seien, nur Eine sonderlich, daß eine kleine Schicht dieser Gewerkschaftssekretäre und mittals eine Scheinargumentation bezeichnen. bare Stellung nehmen die Unternehmer gegenüber dem Streit bei leren Beamten einen gemiffen Druck auszuüben versucht, um den der Firma Schering, Jungfernheide, ein. Man versucht, in Eisenbahnern den letzten Groschen aus der Tasche zu ziehen. diesem Falle die Gewerkschaften als tarifbrüchig hinzustellen, während gerade das Gegenteil der Fall ist. Der Vorwurf des Tarifbruches trifft allein die Firma Schering, die ihre gesamte Arbeiterschaft entließ, ohne den tariflichen Instanzenweg einzuhalten. Eine leider nicht wegzuleugnende Tatsache ist es aber auch, daß es bisher deshalb nicht möglich war, bessere Löhne für die chemischen Arbeiter zu erzielen, weil noch ein großer Teil der Beschäftigten, namentlich in den Großbetrieben, der Organisation fern steht. Um nun endlich mit den menschenunwürdigen Löhnen aufzu= räumen, fann man zwei Wege beschreiten: Man fann entweder durch Streiks den Tarifvertrag zerreißen, oder noch einmal versuchen, auf gütlichem Wege eine Verständigung herbeizuführen. Die Organi sation schlägt den Funktionären vor, durch die tariflichen Schlichtungsinstanzen den Versuch einer Beilegung der Differenzen zu machen. Sollten diese Bemühungen scheitern, so tragen allein die Unters nehmer für die weiteren Folgen die Berantwortung. halten der Unternehmer einer scharfen Stritit unterzogen. In der sehr regen, aber fachlichen Diskussion wurde das Ver Obleute der Großbetriebe betonten, daß es unmöglich ist, angesichts halten der Unternehmer einer scharfen Kritik unterzogen. Alle. der fatastrophalen Teuerung mit den jezigen Löhnen bis Oktober auszufommen. Besonders starten Beifall fanden die Redner, die dazu aufforderten, ungeachtet aller politischen Streitigkeiten einen festen Wall gegen Unternehmer und Unorganisierte zu bilden. Es wurde dann gegen eine Stimme eine von der Versammlungsleitung vorgelegte Resolution angenommen, die die Taktik entsprechend den gemachten Vorschlägen festlegt. Zur Bewegung der Kellereiarbeiter. Urabstimmung über den Schiedsspruch. Für die in den Weingroßhandlungen und Liförbetrieben beschäftigten Arbeitnehmer hat der Deutsche Verkehrsbund das im März abgeschlossene Lohnabkommen im Hinblick auf die Verteuerung aller Lebensmittel und Bedarfsartikel zum 30. Juli d. I. gefündigt und eine berechtigte Ausbesserung der Lohnsäge beantragt. Der Arbeitgeberverband der Getränkeindustrien hat dagegen verlangt, das Lohnabkommen unverändert zunächst weiterlaufen Der französische Bankbeamtenstreik verschärft sich. Paris, 7. Auguſt.( Eigener Drabtbericht.) Angesichts der Tat fache, daß die Bankleitungen noch feinen Schritt zur Verständigung getan haben, obwohl der Streit der Bankangestellten nun schon fast zwei Wochen dauert, wächst die Unzufriedenheit auch bei denen, die bisher gezögert haben, sich der Bewegung anzuschließen. Für Sonnabend nachmittag ist ein außerordentlicher Stongres sämtlicher Gewerkschaften der Bankangestellten nach Paris zusammenberufen, dessen Beratungen der Ausdehnung des Streits gewidmet ſein sollen. Man nimmt an, daß die Streilleitung bei dieser GeTegenheit fi Montag den Generalitreit bei den Banken nehmbaren Gegenvorschläge gemacht haben. proklamieren wird. falls bis dasin die Bankleitungen keine anAchtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute! Der Kämpfer" Rr. 14 ist fertiggestellt und kann im Bureau, Bindersiz. 3, 2. Hof, 2 Sr., in Empfang genommen werden. Benders die Bertreter der Klein und Mittelbetricbe werden ersucht, rechtzeitig abzuholen. Baricianswcis ist milzubringen. Bezirksverband Berlin der SPD., Betriebssekretariat. Berantwortlich für Politit: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chloru; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Friz Raritädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Einger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Komet Freilauf" gehört in jedes Fahrrad! 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Wersen wir einen Blick aus die Karte, so sehen wir rechts in der vom Bahnhof zur Stadt führenden Straße die Wasserflächen des Großen Lychen- fccs und des Sladtsees und links die des Ikcstelpfuhls und des wuri- sees: haben wir die Stadt durfchschntten, so stoßen wir aus den vberpsuhl und weiiden wir uns rechts, so kommen wir zum lang- oestreckten Zenssee. an den sich wiederum der platkowsec schließt. Also das„zwischen Seen" stimmt und damit ist der Hauptreiz der Zqchener Landschait gekennzeichnet. Denn wo bei uns Wasser ist, da ist auch Wald und der in dem Anblick des dürren Grunewald ost entsetzte Berliner, bat schon aus der Fahrt nach Lychen den ganz anderen Charakter dicies nordischen Waldes zu beobachten Gelegen- hest gehabt: die Mischung von hochragendem Nadelholz mit Laub- wald und das Durchsetztsein mit Unterholz, üppig wuchernd« Fannen und kräftiger Wacholder geben selbst bei heißestem Wetter das Bewußtsein von Kühle und Crquickung und die Anwartschaft auf reiche Heidelbeer- und Pilzernte. Daß die Seen mit einander in Verbindung stehen und der Große Lychcnsee durch den W o b l i tz- Kanal nach Westen eine Wasserstraße bis zur Havel bei Fürsten- berg eröffnet, ist ein weiterer Borzug der Lage, da damit eine direkte Waiser st raße für Berliner Boote gegeben ist. Der Ort Lyckzen selbst liegt aus einer Anhöhe zwischen den Seen: die kurzen Straßen der Stadt gehen zum Teil steil zu den Seenufern hinab, . eure drückende Lust. wird sich hier nur bei Gewitterschwüle einstellen. ' Alle Bedingungen zum Ausblühen als Luftkurort waren also ge- geben, und die Bewohner hoben es verstanden, nicht nur die Touristenwelt, sondern auch die Sommergäste— aller- Vings zumeist solch« von guter Zahlungsfähigkeit— anzuziehen. der Chronik der Stadt. Der Deriaiscr der jüngst erschienenen kurzen Stadtgeschichte schreibt über die Herleitung der Bedeutung des Namens Lychen: „Die Ansichten gehen auseinander. Ich persönlich neige der Ansicht zu, daß man den Ort noch der damals bestehenden Landschaft Lychen genannt hat.' Das ist nur eine Erklärung nach dem bekannten Reuter'schen Musterbeispiel: ,D i e Armut kommt von der P o v e r t Aber zerbrechen wir uns nicht den Kopf über diese Frage, sondern blättern in der Seichichte weiter. In das Jahr 1248 wird die Gründung der Stadt verlegt, die als G r« n z o r t sicher schon früher bestanden hat. 1254 erhielt sie Stadtrecht: 1293 kam sie in mecklenburgischen Besitz. Mit dem in jenisr Zeit gleichfalls gegründeten nahen Kloster Himmelpsort lag die«tadt, namentlich wegen der Fischgerechtigkeit, dauernd in Streit: erst die Aufhebung des Klosters durch die Reformation schus Abhilfe. Während der Mecklenburger Zeit besaß Lychen auch ein Schloß, in dem sich 14Ö8 haus von Qulßon) eine Zeitlang als Gesängen« aushalten mußte, bis er gegen den von ihm sestgesegten Bruder des mecklenburgischen Herzogs ausgetauscht wurde. Räuberische Einfälle der Mecklenburg« in brandenburgisches und poinmersches Gebiet führte 1442»u einem energisch geführten Kriege: der Brandenburger einem verheerenden Brande und von Seuchen heimgesucht: spätere Brände— 1684 und 1732— folgten, so daß schließlich nur noch 30 Häuser und die Kirche vorhanden waren. Nach einem neuen Bc- bauungsplan ausgebaut, zählle die Stadt 1744 an 162 Häuser mit einer Einwohnerzohl von 74S Personen. Neue Drangsale brachten der Siebenjährige Krieg und die Franzosenzeit: namentlich drückend waren die von den Franzosen d« Stadt auferlegten Kontributionen. zu deren Ableistung 6000 Klafter Buchen und Eichen aus der Stadt forft geschlagen werden mußten. Wichtig für den Auischwung von Lychen in der neueren Zeit war die Erössnung der Bahn Eberswalde— Templin— Lychen— Fürstenberg(1899) und die Errichtung der Bolls Heilstätten vom Roten Kreuz im benach- borten Hohenlychen am Zenssee. Durch den Aufschwung der Touristik sowie die bessere Einschätzung des Wertes d« alten Baudenkmäler, und endlich durch das Sommerfrischewesen ha: Lycken neue Anziehungskrast erhalten. Dos weite Wald- und See- gebret zwischen Ruppin und Prenzlau gehört gegenwärtig ja zu den besuchtesten Gegenden der Mark. Die altertümlichen Sauten. Ist auch die Mehrzahl der Lychen« Baulichkeiten nach dem Gesagten keine zweihundert Jahre alt, so gibt es doch einige Zeugen der alten Zeil, die durch die Solidität ihr« Erbauung dem .Zahn der Zeit" getrotzt haben. Der Reichrum an Steinen in dieser Gegend führte, genau so wie im benachbarten Templin, dazu, die Stodlmau« aus starken Feldsteinen aufzuführen: ist auch ein Teil spät««niiernt und teilweise abgetragen, so bildet doch noch der Rest mit dem hochragenden und mit dem romantischen Storchen n c st gekrönten Skargarder Tor ein sehenswertes Denkmal früher« Beiestigungskunst. Und die stattliche, ebenfalls fast ganz aus Feld- steinen erbaute St. Zohonneskirche rührr aus dem 13. bis 14. Jahi hundert her; sie dürfte eine der größten S t e i n k i r ch e n der Mark sein. Bemerkenswert ist die sorgfältige Durchführung der Granitquadernortale. Gerade die einlache Außengestaltung gibt dem aus«höh�em Grund stehenden Bau seinen wuchtigen Charakter. Das Innere ist durch teilweise recht glücklich wirkenden dekorativen Schmuck zu einem warm und ruhig gestimmtem Raum gestaltet. Bemerkenswert sind die M e s s i n g k r o n l c u ch t e r mit ihren Emblemen: der Schneider-Kronleuchter stammt aus dem Jahre 1529. Sehr malerisch sind die um dos Stargarder Tor ge lagerten Häusermassen: die kleinen Häuser mit den Bauerngärten, alte Fachwerkbouten und schief stehende Schuppen, die von frucht strotzenden Obstbäumen überragt w«dcn, bilden die Augenweide des Besuchers, und K ü n st l« r finden nicht nur in der Ilmgegend, in dem Wechsel von Wald und Wasser, verschwiegenen Ilferpartien und Inieln, sondern auch in dem Aus und Ab der Straßen, in den malerischen Durchblicken durch Gassen und Mühlgraben, eine reiche Ausbeute für ihr Skizzenbuch. Stadtiuneres und Strandpromenade. Hat man die übliche Bahnhofsstraße durchschritten, so gelangt man durch den schwachen Rest eines alten Tores in die Fürsten- berger Straße. Bor dem Tore links Blick auf die tief unten angelegte Promenade und über die Seefläche hinweg zu den neuen Häusern. Dort, namentlich am Wurlsee, vollzieht sich in neuester Das unbegreifliche Ich. P Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Sristensm. J(Berecht'gt« Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Ich wußte wohl, daß das der Zigarrenhöndler Somuelsen war. Ich lauschte angestrengt. Ja, nun kam er in das Hinter- zimmer gepoltert, hevein zu mir. Ich sprang sofort vom Stuhl herunter und stellte mich an die Wand, die flachen Hände gegen die Tapete gevreßt: denn ich konnte feine lär- wende Freundlichkeit uitd seinen Schnurrbart, mit dem er mir immer übers Gesicht stihr, wemr er mich küssen wollte, nicht leiden. Und was sollte ich mit seinem Speichel in meinem Gesicht? Ich glaube noch jetzt Samuelsen deutlich vor mir zu sehen; aber wenn ich richtig nachdenke, sehe ich einen großen, roten Kops mit einem weihen, k la Kaiser Wilhelm gedrehten Schnurrbart und dünne, schweinsborstenähnliche Haare. Die runden Augen, die auf heuchlerisch« Gutmütigkeit und Fröm- miakeit deuteten, haben mich so oft geärgert, daß ich mich auch daraus besinne. Damals mögen fein Haar und Bart braun und sein Bauch dünner gewesen sein; aber das jugend- liä,cre Bi'd von ihm ist in meiner Erinnerung völlig von dem ö'/cren verdrängt worden. Mit Bestimmtheit kann ich nur foaen daß seine Weste stets in Fallen faß: denn wenn man wich zwang auf seinen Knien zu retten, vergnügte'ch null, damlllmeinc Finger von Falle zu Falte wie auf emer L-.ter heraufklettcrn zu lassen Mutter sehe ich dagegen deutlich vor mir. Sie ging hmt� Samuelsen. aber ihr Kopf kam neben seinem Arm zum Bor- schein, und ihre Augen sahen mich drohend an. Sie hatten stets dieselbe Farbe wie das Meer unter eu«m wolkenbedeckten Himmel, und war sie böse, blickten sie schwarz und drohend, wie die See, wenn Gewitterwolken über ihr hingen. Dresm dunklen, starren Blick vergesse ich nie.„Waldemar? sagte sie bloß. Ich mußte, was das zu bedeuten hotte, gab aber trotzdem nicht nach. Störrisch stemmte ich mich gegen die Wand, um Widerstand zu leisten und starrte dem Zigarrenhändler grade in die Augen. Dies war die einzige An. auf die ich anzu-, greifen wagte: doch ich legte meine ganze Kraft hinein und ein schwaches Gefühl von Ueberlegenheit stieg in mir aus. als sein Blick den Ausdruck veränderte, matt und oerlegen wurde, und mir auswich. „Aber, wie siehst du denn Herrn Samuelsen an?" fragte Mutter vorwurfsvoll. „Ein verflixter Junge!" brummte der und drehte sich nach ihr um. Dann zog er sie an sich— ihr Kopf reichte ihm bis ans Kinn— und küßte sie aus das Haar, währeird er mit einer großen, gekrümmten Hand an ihrem Arm herunterstrich. Ich sah sie verdutzt an und mußte plötzlich lachen, wild und gellend. Sie benahmen sich ja wie die Liebespärchen des Abends unten in der Haustür. Und das war so peinlich. Warum küßten sich die Leute eigentlich und machten sich die Gesichter naß? Warum ließ Mutter sich von dem stechenden Schnurrbart an der Nase kitzeln? Sich so als Pärchen auf- zuführen, worüber sich doch alle lustig machten! Darüber konnte ich doch bloß lachen. Und ich trompetete unnatürlich lang«, auch als sich Mutter schon von ihm los- gerissen und mich am Ann gepackt hatte. „Jetzt bist du aber still, verstanden! Ich finde nicht, daß du an deinem Geburtstag besonders artig bsst! Hier kommt nun Herr Samuelsen mit Geschenken für dich, und du willst ihm nickst einmal guten Tag sagen. Wirst du jetzt sofort hingehen und ihm die Hand geben, du Drccklümmel!" Langsam tat ich ein paar Schritte und sagte„Guten Tag." In der einen Rocktasche hatte« etwas, was einer zu« sommengerollten Zeitung glich. Doch es leuchteten einige kräftige, rot« und braune Farbenfleck« daraus hervor und ich empfand es als Erleichterung, sie anzusehen, während ich notgedrungen die Hand ausstreckte. „Ja, das sind ssöne Bilderchen für den kleinen Waldemar". sagte er schmeichelnd. „Ssöne Bilderchen." äfft« ich höhnisch nach So klein war ich denn doch nicht mehr.„Na, na!" ermahnte die Mutter. Aber dann verging ich doch fast vor Neugier. Samuelsen rollte einen Stoß bunter Bilder vor mir auf. Das Papier war nicht blank, wie das der Modezeitschristen, es war bläu- lich und faserig wie das der Zeitungen und die bunten Bilder waren recht roh in der Farbe: ober dennoch überwälligten sie mich. Auf allen miteinander war ein Mann mit langem brau- neu Haar. Das sollte Jesus Christus sein, konnte ich sehen. Das eine Mal ging er über ein stürmisches Meer, ein anderes Mal befand er sich mit vielen Menschen unten an einem See: aber immer hielt er den einen Arm gradeaus gestreckt, so daß der rote Mantel in vielen Fallen an ihm herniederfiel. Besonders ein Bild packte mich, weil Jesus hier als Jung« dargestellt war und ich ihn deshalb besser verstehen konnte. Er hatte seinen roten Mantel an. und er hielt den Arm geradeaus gestreckt, wie auf den anderen Bildern und rings um ihn her sammelten sich alle wilden Tiere, Löwen und Tiger und Bären und Wölfe und Elefanten, alle mit dicken, braunen Fellen. Sie fürchteten sich nicht vor Jesus: aber sic stürzten sich auch nicht aus ihn. Mutter, die mir jeden Abend die biblische Geschichte, aus der Betttante sitzend, erzählte, erklärte mir alle Bilder: ober ich hörte nicht zu, bis sie zu den Tieren kam. „Du weißt doch, daß Jesus Christus Gottes Sohn war. Aber alle Menschen glaubten das nicht: doch alle Tiere kann- ten es merken. Du weißt dock, Waldemar, daß alle Bogel fortfliegen, wenn wir draußen spazieren gehen. Das tun sie, weil die Tiere wissen, daß die Menschen nicht immer gut sind. Aber mit Jesus Christus war das etwas anderes. Er war so gut, daß sie es bis weit weg merken konnten." „Ach," flüsterte ich. Mehr vermochte ich nicht zu sagen, denn alle meine Ge danken liefen wie in einem Nebel zusammen: doch bald daraus bat ich sie, doch noch einmal zu erzählen, weshalb die Tiere nicht fortliefen, wenn sie Jesus sahen. „Und die Katzen auf dem Hof liefen auch nicht fort?" fragte ich. „Nein!" „Und sie streckten auch nicht die Krollen heraus, wenn er sie nehmen wollte?" „Nein!" lUnd die Hunde bellten nicht?"' „Nein, das taten sie nicht!" „Und die Pferd« mit Stroh hmterm Ohr») schlugen nicht aus?" „Nein!" Ich saß wieder-m Weilchen still: dann fuhr ich fort: „Konnte Jesus den Spatzen Salz auf den Schwanz streuen?" „Ja. das kannte er gewiß."(Fortsetzung folgt.) ") Die Hssigen Pferd« tragen in Kopenhagen Strohbüschel hinterm Ohr. Zeit die bauliche Entwicklung von Lychen. Ins Stadl- innere vordringend gelangt man bald, nachdem rechts eine Straße mit dem poetischen Namen Vogelgesang-Gasse abgezweigt ist, auf den ZNaeTlplah, auf dem rechts das R a t h a u s, ein einfacher viereckiger Bau, hinter Linden oerborgen, sich erhebt. Weiter rechts die Kirche. Links durch die Stargarder Straße, über das M ü h l e n f l i e ß hinweg, zum Stargarder Tor, wo auch die alte Feldsteinmauer gut zu sehen ist. Vom Markt unsere erste Rich- tung iforadcaus verfolgend, gelangt man steil hinab auf bös ge- pflasterter Straße in einer Minute zur Strandpromenade am Oberpsuhl. Ein schöner Blick tut stch auf, das breite Wasser wird auf der gegenüberliegenden Seite von bewaldeten hügeligen Usern be- grenzt. Segel- und Ruderboote beleben die Fläche, auf der linken Seite schiebt sich eine B a d e a n st a lt in den See hinaus(das Frei- bad ist am Großen Lychensee). Die Strandpromenade geht links zum Stargarder Tor, ist mit Ruhebänken gut versehen und wäre unbedingt ein Glanzpunkt der Stadt, wenn nicht eine gewisse Nach- lässigkeit in der Pflege den Aufenthalt dem feiner Fühlenden unbe- haglich machte. Das Wasser in der Bucht ist trübe von Schling- pflanzen, die wohl leicht ausgerottet werden könnten, der Ufer» weg ist von Stullenpapier usw. nicht genügend gereinigt, und die Stühle und Tische eines Eafes könnten auch mit mehr Liebe in„die Landschaft komponiert"' sein. Was sich„Jnterlaken" nennt, darf nicht„Krähwinkerallüren tragen. Das Poetische, den Maler An- reizende dieses und so manchen anderen Fleckchens in Lychen soll beileibe nicht angetastet werden und der Tourist auch auf einem mehr gepflegten Promenadenwege seine Existenzberechtigung behalten. » Wie schon angedeutet, ist Lychen alsSommerfrischenicht billig— das nahe, einfachere Himmelpfort macht ihm daher scharfe Konturrenz. Besondere soziale Momente wird man von einem mit Fremdenaufenthalt und-verkehr rechnenden Orte nicht verlangen: charakteristisch war aber die Aeußerung einer Gemüse- Händlerin, daß sie alle Waren aus Berlin herbeischaffen müßte. Ein starker agrarischer Einschlag ist nicht zu spüren,' dagegen eine Mecklenburg-Strelitzsche Bank, der es nach den den Einlegern ver- sprochenen Zinsen recht gut zu gehen scheint. Lychens Stellung unter den märkischen Kleinstädten: malerische Lage, altertümliche Ber- gangenheft, durchweht von den duftigen, leuchtenden Gewändern hübscher junger Mädchen und spielender Kinder— ist eine so eigen- artige, daß jeder Freund unserer heimischen Scholl« darüber wachen muß, daß das Stadtbild immer schöner sich entfalte. Die verfajsungsfeier. Am heutigen Sonnabend nehmen die Derfassungsfeiern ihren Anfang. Der Auftakt ist die Ankunft der Deutschösterreicher auf dem Anhalter Bahnhof um 9,05 Uhr heute vormittag. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend sind bereits die Borplätze des Bahnhofs geschmückt worden. Große Transparente mit B e g r ü- ßungsworten und republikaniscken Wünschen sowie die Banner der Republik grüßen auf den Vorplätzen des Stettiner, Potsdamer, Lehrter, Anhalter, Schlesischen und Görlitzer Bahnhofs sowie auf dem Bahnhos Friedrichstraße die aus dem Reich ankom- Menden Republikaner. Am Sonnabend nachmittag wird dann weiter der Bundesvorstand des Reichsbanners, von Magdeburg kommend, tMit dem Bundesbanner auf dem Potsdamer Bahnhof um 5,28 Uhr «nkommen. Ebenso wie bei den Oesterreichern wird auch der Empfang tes Bundesvorstandes ein besonders festlicher sein. Die Ehren- kompagnie marschiert dann vom Potsdamer Bahnhof an der Grenze der Bannmeile entlang nach dem Ulap. Für die aus dem Reich ein- treffenden Republikaner und Reichsbannerleute ist der Ulap b e- reits von 12 Uhr mittags an geöffnet. Auch der Ulap wird reichen Flaggen- und Wimpclschmuck erhalten. Vom frühen Nach- mittag an sind sämtliche Vergnügungsstätten des Ulap zu ermäßigten Preisen in vollem Betrieb. Im Ulap versammeln sich im Lause des Nachmittags und des Abends sämtliche Angehörige des Reichsbanners und die republikanischen Fesfteilnehmer, die mit den Freunden und Gesinnungsgenossen aus Deutschösterreich und dem Reich einige Stunden der Freude und des Vergnügens verbringen wollen. Im Ulap erfolgt die Ausgabe der Quartiere an die von auswärts eintreffenden Kameraden. Das Quartierbureau im Ulap ist die ganze Racket hindurch geöffnet. Während sich der Eingang am Tage und Abend in der Straße A l t- M o a b i t befindet, ist er in den Nacht- stunden nach Schluß der Attraktionen in der I n v a l i d e n st r a ß e. — Der Appell des Reichsbanners an die Berliner Revublikaner ist nicht ohne Widerhall geblieben. Annähernd 40 000 Einzelguartierb sind in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt worden. Die Fahnen des Reichsbanners treten wie im vorigen Jahr wiederum in der Dircksenstraße am Alexanderplatz zur Fahnen- kompagnie zusammen. Der Abmarsch beginnt pünktlich um 12,30 Uhr durch die Grunerstraße., Alexanderstrahe, Iannowitzbrücke, Brücken- strafte, Köpe nicker Straße, Schlesische Straße zum Festplatz, Spielwiese im Treptower Park. Die Begleitmannschaften stellt die Kameradschaft Berlin-Mitte. Mit der Fahnenkompagnie marschieren auch die österreichischen Kameraden mit. In Treptow beginnt der große Festakt nachmittags 2 Uhr. Die vereinigten Musikkapellen des Reichsbanners in einer Stärke von 1000 Mann unter Leitung des Dr. Felix Günther spielen den Reichsbannermarsch. Darauf wird Professor Ferdinand G r e g o r i den von Fritz von Un- ruh gedichteten Prolog„Für den Verfassungstag 1925" sprechen. Nach einem Bortrag des großen Sprechchors unter der Leitung von Hein- rich Witte wird der erste Gauvorsitzende, spritz Koch, den Will- kommensgruß entbieten, woran sich die Begrüßung durch den Ver» treter der Stadt Berlin, den Bürgermeister Kohl, anschließt. Dann hält der Bundesvorsitzende des Reichsbanners, Oberpräsident Hör- f i n g, die Festrede mit dem Thema„Bekenntnis zur Republik". Nach der Weihe der Fahnen singt ein Rlassenchor von 2500 Sängern unter der Leitung des Herrn Thilo„Ich warte Dein" und„Tord Fole- son", worauf die Mustkkorps das Deutschlandlied anstimmen, dessen dritte Strophe von allen mitgesungen wird. Um die Redner und Sprecher bis auf den letzten Platz verständlich zu machen, sind drei große Lautsprecher auf dem Platz aufgestellt worden. In dankenswerter Weise hat sich der Arbeiter- Samarilerdienst für alle Fälle für die Massenoeranstal- tungen. des Sonntags zur Verfügung gestellt. Nach Abschluß des Festaktes auf der Spielwiese beginnt der Abmarsch nach den Trep- tower Lokalen, die sämtlich in den Dienst des Tages gestellt sind. Hier finden Musik- und Gesangsvorträge statt, turnerische Vorführungen und Spiele für die Kinder werden veranstaltet. Für Charlottenburg und Spandau finden die Nachmittagsver- anstaltungen im Spandauer Bock statt. Auch hier ist genau dasselbe Programm wie in den Lokalen in Treptow. Am Abend findet im Spandau« r Bock und in Treptow aus der Spree «in riesiges Feuerwerk statt. Die Dauer des Feuerwerks, das von der Firma Bock ausgeführt wird, wird auf eine gute halbe Stunde be- rechnet. Am Abend erfolgt dann der Rückmarsch der Kameradschaften nach den einzelnen Stadtteilen. Die Durchführung des Verkehr» erscheint gesichert, da alle Verkehrsinstitute«inen außerordentlichen gesteigerten Verkehr nach Treptow eingerichtet haben. Der Bahnhof Treptow wird in den Nachmittagsstunden nicht zur Ankunft von Reichsbanner- kameraden benutzt werden, damit die andere Bevölkerung diesen am günstigsten gelegenen Bahnhof benutzen kann. Zur Teilnahme an allen Veranstaltungen heute und morgen berechtigen ohne jede weitere Nachzahlung die Verfassungs- tagsabzeichen.die zum Preise von 1 M. bei den nachfolgend� Stellen bereits setzt zu besorgen angebracht erscheint: Geschäftsstelle des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Berlin S. 14. Sebastian- ftraße 37/38, Reichsgeschäftsstelle der Zentrumspartei, Französische Straße 6?, Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Demokratischen Partei, Bernburger Straße 18, Geschäftsstelle der Deutschen Demokratischen Partei Berlin-Mitte, Zimmerstraße 7/8, Erpedition des„Vorwärts", Lindenstr. 3, Dietz-Buchhandlung, Lindenstr. 2, Warenhäuser von Hermann Tietz und bei den einzelnen Kameradschaften. Alles nähere über die beiden Festtage ist in dem a u s f ü h r- l i ch e n Programmheft enthalten.— Die ideellen Grundlagen der Republik finden in der illustrierten F e st s ch r i s t überzeugeirden Ausdruck.' Fahnen, heraus! SozfailsleB, vsSA sclmanrolgold und rof! Bepablihaner, fladdl sdiwarzroldoldl Zeigt der Reaktion, dach ihr tren znr Weimarer Verfassung und zur Republik steht] Nicht aufgeklärt! Das einem Däschereiienhen passieren kanu. Sehr viel Glück hatte eine Frau R., die von dem schweren Verdacht des Straßenraubes durch das Schöffengericht Berlin-Mitte freigesprochen wurde. Der gegen sie als Zeuge austretende Kaufmann S. fand nur bei dem Staatsanwalt einiger- maßen Glauben, der die Angeklagte wenigstens wegen Beihilf« auf 1 I a h r und 6 M o n a t e ins Gefängnis schicken wollte. Die ganze Geschichte klingt wenig glaubhaft. Der Kaufmann S.. ein Reisender in Damenwäsche, hat mit einigen Freun- den etwas gefeiert. Nicht mehr ganz nüchtern, bewaffnet mit einem umfangreichen Mufterkoffer, nimmt er schließlich seinen Heimweg durch die Sorauer Straße. Reizende und weniger reizende Mäd- che», die nicht unabsichtlich seine Bahn kreuzen, erwecken in ihm den Wunsch, den Abend..in Liebe" zu beschließen. So lernt S. die An- geklagte kennen, sie ist gern zu einem Schäferstündchen bereit, aber... das liebe Geld! Doch wo«in Wille, ist auch ein Weg. Ein ent- zückender Prinzehrock besiegt all« pekuniären Bedenken, man ist einig. In der Wohnung der R. zeigt der Reisende den ganzen In- halt seines Mustertoffers, der so gut gefällt, daß die„Schöne" sofort beschlieht, noch weitere Stücke zu erwerben! Aber... wieder einmal das Geld, diesmal fehlt es der Angeklagten. Doch auch jetzt wird Rat. Eine in derselben Straße wohnende Freundin muß helfen! Leider ist deren Haustür verschlossen, die beiden können sie also nicht erreichen. Die R. nimmt nun an, die Freundin würde wohl noch in der Nähe des Schlesischen Bahnhofs„tätig" sein und will sie dort aussuchen. Der Reisende und sein Musterkoffer sollen so lange vor dem Hause warten! Nach kurzer Zeit kommt die kauf- luftige Dame zurück, aber mit einem Herrn! Der stürzt sich sofort auf den verblüfften S., fragt ihn unvermittelt, wie er dazu käme, die Dame so fürchterlich geschlagen zu haben. Noch bevor eine Antwort erfolgt, liegt der Ueberroschte am Boden und Fräulein R. sucht mit dem Mufterkoffer das Weite. Die beiden Männer wollen sich dann wieder oertragen und sich gegenseitig noch Zigaretten angeboten haben!! Obwohl der Mustertofser einige Tage darauf auf dem Boden der Angeklagten von der Polizei beschlag- nahmt wurde, ist kein klares Bild der wirklichen Begebenheiten zu gewinnen. Die Angeklagt« verteidigt sich energisch, der Zeuge wird unsicher, dem Gericht bleibt schließlich nicht« weiter übrig, als wegen Mangel an Beweisen und der eigenartigen Haltung des Zeugen, die R. freizusprechen!_ . erhielt er noch«ine Anzeige wegen Hausfriedensbruches. Der Wirt aber zeigte ihn außerderp noch wegen angeblicher Zuhälterei an. Die Anzeige kam zur Hauptverhandlung. Der Wirt sagte als Zeuge aus, daß der Gast und feine Braut offenbar arbeitslos waren und daß die Zeche deshalb doch nur von„Nebeneinnahmen" der Braut bezahlt sein könne. Die Braut aber sagte unter Eid aus. daß sie zwar gelegentlich Bekanntschaften gemacht, aber niemals davon herrührende Dorteile für ihren Bräutigam verwandt Hobe. Der Vorsitzende, Landgerichtedirettor Gayl, erklärte:„Das Gericht hat sich entschlossen, den Angeklagten N. von der Anklage der Zu- hälterei freizusprechen. Wegen Hausfriedensbruches konnte eine Geldstrafe von 20 M.-nicht oermieden werden. Wenn wir auch .vielleicht kein ideales Brautpaar vor uns haben, so wird auf der andern Seite die Sache wohl noch ein gerichtliches Nachspiel haben, denn die Staatsanwaltschaft wird sich jetzt sowohl die Polizei- liche Anzeige als auch die Person des Anzeigenden einmal genau ansehen.— Es ist die alte Geschichte von jenen, die stets Splitter in dm Augm anderer sehen... Arme Leute um das Letzte gebracht. Ein geriebener Gauner, der sich seine Opfer besonders unter den Vertriebenen und Auslandsfluchtlingen gesucht hatte, wurde in der Person des Kaufmanns Erich G r i e b e r t vom Schöffengericht Mitte auf längere Zeit unschädlich gemacht. Er hatte sich an abgebaute Beamte, an Flüchtlinge au» dem besetzten Gebiet und an vertriebene Auslandsdeutsche herangemacht und chnen fabelhafte Einnahmen durch den Verkauf eines Buches über Boxkämpfe versprochen. Um von seinen Opfern höher« Kautionen herauszulocken, wies er ihnen fingierte Aufträg« an, die ins riesenhafte gingen. Die Leute sollten ihm Geld zum Ausbau des Geschäftes geben. Zur Sicherheit verpfändete er sein Auto, das angeblich sein Eigentum war, obwohl er darauf gar keine Besttzrechte hatte. Auf diese Weis« wurde das Auto unzählige Male verpfändet. Da er«ine Reihe armer Leute, die ohnehin schwer um ihre Existenz zu kämpfen hotten, vielfach um ihr Letztes gebracht hatte, versagt« das Schöffengericht Gliedert mil- dernde Umstände und verurteilte ihn zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus sowie dreihundetr Mark Geld- strafe oder weitere 30 Tage Zuchthaus und erkannte auch gegen ihn auf mehrjährigm Ehrverlust._ Eine ten« Masche Bier. Em imliebssmes nächtliches Erlebnis hatte der AfSky-tg« Mm- teur B.. der, als er in der Rächt zum 21. Mal von der Arbeft deimkehrte. noch in einer Kaschemme mft Rachtberieb, dem„Wörther Kell«, eingekehrt war, um dort eine Flasche Bier zu trinken. Er hafte auch noch mehreren jungen Leuten, die sich im Lokal auf- hielten, je eine Flasche Bier spendiert. Unoorsichtigerweise Heft« er beim Bezahlen seine gefüllte Brieftasche mit über 200 M. Jnhaft sehen lassen. Als er das Lokal verließ, wurde er plötzlich auf der Treppe von«inigen Männern im Dunkeln gepackt. und es wurde ihm gewaltsam seine Geldbörse entrissen, so daß dabei sogar die Hose zerfetzt wurde. Er begab sich zur Polizei und kam mit mehreren Beamten in den„Wörther Keller" zurück. Dort er- kannte er als fein« Angreifer zwei von den Leuten, mit denen er gezecht hotte, namens Richard Wallbruch und Richard Baumann. wieder, beide bereits mehrfach vorbestraft. Das Geld war aber nicht mehr zu finden. Diese beiden hatten sich nunmehr wegen schweren Straßenraubes vor dem Schöffengericht Mitte zu verantworten. Wallbruch wollt« das Lokal überhaupt nicht verlassen haben. Bau- mann dagegen gab zu, daß er B., weil dieser schwer betrunken gewesen sei, die Treppe hinaufgeführt habe, dabei habe er ihm ohne jede Gewaltanwendung leise die Geldtasche gestohlen. Der Zeuge B. bestritt, daß er betrunken gewesen sei und behauptete, daß ihm das Geld gewaltsam entrissen worden sei. Die Angeklagten hatten sich auf zwei Freunde berufen, die auch bekundeten, daß sie mit den Angeklagten zusammen am Tisch gesessen hätten und daß keiner von ihnen hinausgegangen sei, obwohl ihnen entgegengehallen wurde, daß Baumann selbst zugegeben habe, sich entfernt zu haben. Die Angeklagten hatten insofern Glück, als sich herausstellte, daß der Ueberfall nicht auf der Straße» sondern noch im Hause erfolgt war. Deshalb wurden sie nur wegen einfachen Raubes verurteilt und erhielten unter Versagung mft- dernder Umstände je zwei Jahr« Zuchthaus. Sillige Telegraphie nach Amerika. Ein freches Gannerstückchen. Die Frage wie er auf billige Art an feine Verwandten noch Amerika telegraphieren könne, wälzte der 35 Jahre alte russische Kaufmann Berel Gerschenfeld lange in seinem Kopfe herum, Schließlich erfand er ein System, bei dem andere die Kosten tragen mußten. Er suchte die verschiedendsten Geschäfte auf. die über einen Fernsprecher verfügten und oerstand es jedesmal so einzurichten, daß er unbelauscht blieb. Dann gab er telephanisch an seine Verwandten in Amerika ein Telegramm auf. für das die Gebühren dem Teilnehmer angerechnet wurden. Für dieses„Telephongespräch" bezahlte Gerschenield selber aber 15 Reichs- Pfennige. Die Teilnehmer waren natürlich nicht wenig erstaunt, wenn sie- auf den Gebührenrechnungen den erheblichen Betrag für eine Depesche nach Amerika, die etwa«0 bis 70 M kostete, fanden. Herr Gerschenfeld hatte nämlich, da ihn das Telegramm nur 15 Pf. kostete, an Worten nicht gespart. Verschiedene Geschäfts- leut« erstatteten Anzeige bei der Krimtnalpostdienststell«. Es dauerte aber lange Zeit, bis man dem Gauner auf die Spur kam. Erst die ausfallende Tatsache, daß er viele Depeschen aus Amerika empfing. aber nie selbst eine aufgab, lenkte den Verdacht auf ihn. Es ge- lang, ihm bisher 6 Fälle nachzuweisen, in denen er auf Kokten anderer Telegramm« abgesandt hatte. Gerschenfeld wurde verhaftet. Der Gauner behauptet, er habe nach Amerika auswandern wollen und habe deshalb in Verbindung mit seinen Verwandten stehen müssen. Da es ihm an Zeit und Geld mangelt«, habe er diesen Wen eingeschlagen._ Großfeuer!n einer Metallwarenfabrik. Wegen eines großen Fabritbrandes wurde am Freitag aber» die Berliner Feuerwehr nach dem Elisabethuser 19 gegenüber dem Wassertorbecken alarmiert, wo vor Jahren schon einmal ein Troß- feuer die Feuerwehr längere Zeft beschäftigt hatte. Aus dem Hofe brannte im Quergebäude die Metallblech- und Metoll- warenfabrit von Oberneck u. Co„ Inhaber Gebrüder Reich. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als die Flammen schon aus den arotzen Fsbritfenstern mächtig emporloderten und dicker Qualm sich über die Dächer wälzte. Als die Feuerwehr an der Brandstell» erschien, war wie gewähnlich kein Schlüssel vorhanden. Die Türen waren fest verschlossen und mußten ge- waltsam geösfnet werden. Ausgekommen war der Brand in der Schleiferei im ersten Geschoß de- reckten Flügels eines mächtigen fünfstöckigen Fabritgebäudes aus noch unbekannter Ursache. Da auch das zweit« Geschoß schon Feuer gefangen hatte und Rauch aus dem driften Stock hervordrang, wurde„M i t t e l f e u e r" an all« Dachen gemeldet und sofort mft vier ORohren und einem L-Rohr angegriifen. Es gelang der in großer Stärk« ausgerückten Feuer- wehr, den Brand auf zwei Etagen zu beschränken und olle übrigen Betriebe zu schützen. Der Schaden ist bedeutend, ober leider nicht durch Versicherung gedeckt. Fast gleichzeitig hafte die Wehr in der Prinzenstraße 83 einen Kellerbrand zu löschen.— In der Landsberger Straße 12 brannten auf offener Straße unter mächtiger Feuerwirkung Zelluloidabfälle.— Aus Spandau wird ein großer Waldbrand gemeldet. Ein kommunistisches FiaSko. E« nutzt nicht»— trotz aller verzweifelten Demonstration?« Parolen lasten sich die„Massen" nichl zusammentreiben. Der Roie Frontkämpferbund veranstaltet« am Freitagabend eine Wirbekundgebung für den gesamten Westen auf der vülowpromenade, die«inen geradezu lläglichen Verlauf nahm. Vom so dringend herbeigtbeienen Publikum waren kaum 150 Menschen an- wesend. Die kommunistischen Frontkämvfer selbst erschienen rund 250 Mann stark. Nach einigen Reden verlief die Demonstration, ohne daß sich bemerkenswerte Zwischenfälle ereignet hätten. Hochbetrieb bei den Jungvölkischeu. Die välkischen Tertianer und nationalstudentischen Werfungen unter Führung einer Anzahl durchaus arischer Reurastheniker, Rheu- matiker und Kokainisten fühlen sich bemüßigt, in der Gegend von E i ch t a m p im Grunewald merkwürdige nächtliche Spaziergänge zu machen. Und das schon seit längerer Zeit. Augenblicklich aber mit Hochbetrieb. Man verscheucht mittel» Trommeln und Pfeifen noch die letzten für den Naturschutz bereits reife Grüne- waldkarnickel, zerftampell mit Nagelstiefeln die zarten Pflänzchen der Schonungen, die der Stadt Berlin erhebliche Summen gekostet haben, und verursacht mtttels Hörnern und anderen nicht feststell- baren Instrumenten laute Geräusch«, die nicht gut klingen. Man ver- wechselt die wenigen mageren Grunewaldkiefern mit Telegraphen- stangen vnd schmückt sie, wie Weihnachtsbäume mft Lametta, mit blitzenden Telephondrähten. Es scheint, daß es nicht notwendig ist, daß die neurastbenischen Hokenkreuzritter mft nächtlichem Trommeln, Pfeifen und feldmäßigem Telepyonieren die zahlreichen mittuenden Berliner Gymnasiasten auch noch neurasthemsch machen. Es gibt doch wohl Mittel gegen solchen nächtlichen Spuk? Der ventsche Arbeitersängerbund. Gau Berlin, teilt mit: Dr« beim Masienchor anläßlick der Berfassunatieier in Treptow mit- wirkenden Sänger tresten sich 1>/, Uhr am Podium, Nähe Restaurant Korvfenteick. Legitimation durch BereinSauSweiS. Auskunft iyr die in den Festlokalen einzeln singenden Chöre, soweit nicht direkt ge- schehen, durch SangeSbruder Steffen» dortselbst. Speech-Ch«r s»r vroleiariftft« Aeiersiunden. Tonntag. vormittags Y.V lltr, in der Aula der Sopbienfchul«, Wemmeistervr. tk-I7, Probe zur Ler- fassungSfeier, von da gemelnlame Fahrt zum Festplatz I» Treplolv. Sprech-Ctzor Wr volwbvhne. Sonntag, vormittag»'/� Upr. in der«n!» dor Topdienlchule. Vernmeifierstr. 16-17. Prob« zur Berf-fsunzZf-i-r.»»„ de gemeinsame Fahrt»um Fesiplatz in Treptow. Die s&nstische Speechstantw fällt heule an«. C�tzloflo« in einer italienische» Pnltz-rfnHi«. In der Pulversobrft San Martina bei Rav-nna explobftrft ««< unbekannten Gründen eine Pulvernrederlag«. Neun Personen, darunter liebe» Frauen, wurden a e r ö t« t. «uk der Fabrik brach Feuer au,, zu dessen vekampfun,«iliz und Feuerwehr an, Ravenna h crangezagen wurde. Nach elfsühriger russischer Gefangenschaf« zurückgekehrt. Wie aus Bonn gemeldet wird, ist vor kurzem der Bildhauer Ton» nach elfjähriger russischer Gefangenschast zurückgekehrt. Er war um U. August 1914 in Rußland verwundet worden und wurde nach seiner Wiederherstellung zu Arbeiten verwendet. Nach mehrsachen vergeblichen Fluchtversuchen gelang ihm und dr»i anderen Gefangenen in diesem Jahre die Flucht. Einer von den Gefangenen starb ans dem Wege in die Heimat. Verbandstag der Gemeindearbeiter. Dritter Verhandlungstag. Frankfurt a. M., 5. Auguft. Schulz vom Hauptvorstand wendet sich scharf gegen die von den kommunistischen Rednern zum Geschäftsbericht geübte unsach liche Kritik. Der Borstand steht auf dem Standpuntt, daß alle Kollegen nach dem Reichstarif bezahlt werden sollen; die Verhältnisse find jedoch stärker wie vielfach die Organisation. An die Bertreter der einzelnen Bezirke richtet er die Frage, was denn sie zur Ber. teidigung ihrer Rechte getan haben. Durch den Reichstarif vertrag find den Mitgliedern ihre Rechte nicht geschmälert worden. Der Redner weist nach, daß die Kollegen in fast allen Gemeinden eine Reihe Sondervergünstigungen bekommen haben, die sie vorher nicht hatten. Die Lohnfrage tönne man nicht so behandeln, wie das vom grünen Tisch der KPD. aus geschieht.( Zustimmung.) Gegen die Preisgabe städtischer Betriebe. Der zweite Borsitzende des Verbandes, Otto Beder, berichtet für die Statutenberatungskommission über eine Menge Entschlie Bungen und Anträge, die insbesondere für die Statutenänderungen gestellt worden sind. Bon allgemeinem Intereffe ift die Stellung Des Berbandstages zur Entfommunalisierung städti [ cher Betriebe, die in folgender einstimmig angenommenen Entschließung zum Ausbrud tommt: Der 10. Berbandstag des Berbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter stellt mit Entrüftung fest, daß in den letzten Jahren cine Reihe staatlicher und tommunaler Betriebe aus der staatlichen oder Gemeindewirtschaft in Brivatbesig umgeleitet oder in gemischtwirtschaftliche Betriebe umgewandelt sind. Die Behauptung, daß die privaten oder gemischt wirtschaftlichen Betriebe rationeller betrieben werden tönnten als die Regiebetriebe, ist durchaus nicht erwiesen und hält einer objektiven Prüfung auch nicht stand. Es steht vielmehr fest, daß das Wirtschaftsergebnis gut ge Verbandstag der Bekleidungsarbeiter. Leipzig, 7. August.( Eigener Bericht.) Die beiden letzten Berhandlungstage des Verbandstages der deutschen Bekleidungsarbeiter maren mit Beratungen über die Lohn- und Tarifpolitit des Verbandes ausgefüllt. Es wurde nach längeren Debatten fol. gende Entschließung gegen 13 Stimmen angenommen: Die Frage der zentralen oder örtlichen Lohn oder Tarifpolitik ist kein Prinzip, vielmehr eine 8wed mäßigteit, gegebenenfalls eine aus den Verhältnissen heraus geborene Notwendigkeit. Entscheidend für zentrale oder örtliche Lohn- und Tarifpolitik find die organisatorischen und wirtschaftlichen Verhältnisse auf beiden Seiten der Ver= tragsparteien. 137. Abt. Reinickendorf- West. Die Genoffen und Genoffinnen treffen sich vormittags 8 Uhr im Volkshaus, Scharnweberstr. 114, zweds Teilnahme am Umzug des Reichsbanners aum Maienplag nach Reinickendorf Oft. Rinderfreunde Charlottenburg. Anläßlich der Berfassungsfeier fällt der Spiel. nachmittag aus. Die Kinder treffen sich am Dienstag, den 11. Agust, abends 7 Uhr, im Jugendheim Rosinenstraße, zur Fahrtbesprechung Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 9 Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianfte. 37/38, Sof 2 Tr. Kameradschaft Mitte: Sonnabend ab 2 Uhr nachmittags Treffpunkt Ulap. Sonntag vormittag 7½ Uhr Antreten der gesamten Rame rabschaft fowie aller auswärtigen Kameraden am Sportplag Dirdfenftr. 1. Kamerabschaft Tiergarten: Standquartier Rug 1 und 4 bei Berger, Levezom. febts totale: Emil Diede, Bonenstr. 19, und Sporthaus Dirdſenſtr. 1. 8 Uhr Abmarsch mit Mufit aur Berfassungsfeier. Reiner darf fehlen. Bera ftraße 21; Rug 2 bei Sübner, Wilsnader Str. 34, ab 2 Uhr nachmittags; zug 3 tretung in solidarischer Verbindung des Starten mit dem Schwachen In Erfüllung unserer historischen Aufgabe, die Interessenverist zurzeit einer zentralen Lohn- und Tarifpolitik der Borzug zu geben. Es liegt im organisatorischen wie im wirtschaftlichen Interbei Bollenmüller, Botsdamer Str. 118c, ab 6 Uhr morgens. Alle nicht be. effe der Arbeiterschaft einer Branche, daß die Lohn- und Arbeits- antreten 49 Uhr Kleiner Tiergarten: Rug 8: 10 Uhr Magdeburger Blak. fekten Rameraden werden sich dort einfinden. Sonntag: Die Rüge 1, 2 und 4 bedingungen im ganzen Verbandsgebiet einheitlich geregelt Ramerabschaft Kreuzberg, Abt. Süboft: Blod 10, 11, 12, 13, 14 einfchl. Jugend, werden. Boraussetzung für eine solche einheitliche Regelung attiver und paffiver Mitglieder: Sonntag, den 9., pünktlich 10 Uhr, Antreten ist jedoch, daß der Bertragsinhalt für die daran interessierte Arbeiterbei Ewald, Staliger Str. 126. Rameradschaft Wilmersdorf: Am Sonnabend, schaft wie für die Organisation durchführbar und tragfähig Ab 5 Uhr zum Empfang unserer Gäste Kurfürstenpart, an der Salenſeer Brücke. den 8. Auguft, treffen sich die Kameraden ab 3 Uhr nachmittags im Ulap. ist. Wo diese nicht gegeben ist, fann nach 3medmäßigkeit eine be Angehörige treffen dort mit den Kameraden und unseren Gästen zusammen, irtliche oder örtliche Regelung erfolgen. Entsprechend den freundlichst eingeladen, hier ihre Gäfte zu empfangen. Republikaner find willkommen, insbesondere die verehrten Quartiergeber find Richtlinien der Deutschen Arbeitgeberverbände versuchen auch die lig, 12. Bezirk: Die Verteilung der Gäste findet in folgenben totalen ftatt: Kamerabschaft Stegbestimmungen und das Mitbeſtimmungsrecht der Arbeiter a busemate, potelen gem filiches Reifammenfein. Sonntag Feah Anifreten zum Arbeitgeberverbände der Bekleidungsindustrie, die sozialen Vertrags- Lichterfelbe, Restaurant Katun, Vätestraße. Ab 8 in fämtlichen obenSteglih. Albrechtshof: Lantwis, Lehmanns Festfäle, Raiser- Wilhelm- Straße; bauen. Diese den Lebensnerv der Tarifverträge treffenden Angriffe der Arbeitgeberverbände fönnen nur erfolgreich durch eine ze n fral geführte, starte Organisation der Arbeiter schaft abgewehrt werden. Weitere erforderliche tarifvertragliche Berbesserungen fönnen aber ebenso nur mit Hilfe zentral tonzentrierter Kräfte durchgesezt werden. erter Kräfte leiteter Regiebetriebe dem Ergebnis gleichartiger Privat Parteinachrichten betriebe mindestens gleich steht. Die technische und kaufmännische Betriebsführung der Regie betriebe tann und muß zu höchster Bolltommenheit aus. gebildet werden, was mit Unterstügung der Sach- und Fachkenntnisse Der Betriebsräte möglich und notwendig ist. Durch die Schaffung austömmlicher Sohn- und Arbeitsbedingungen wird es möglich sein, eine Arbeiter. schaft heranzubilden, die durch gesteigerte Arbeitsluit und entsprechendes Interesse am Betriebe die Wirtschaftsergebnisse der Regiebetriebe jebem nur dem Privatbesig dienenden Betriebe über. legen macht. Der Verbandstag fordert daher die Bertreter der Arbeiterparteien in den Parlamenten auf, feinerlei lieberführungen staatlicher oder tom. munaler ettiebe in Privatbetriebe oder gemischtwirtschaftliche Betriebe zuzustimmen und Enttommunalisierungsbestrebungen mit allen ihnen zu Gebete stehenden Mitteln ent Gegenzumirten." den Weitere Entschließungen wenden sich gegen die 3Zollvorlage, die Tätigkeit der Technischen Nothilfe und gegen die Lohnpolitit der Arbeitgeberverbände mit dem Bestreben, alle Lasten des Friedens. vertrages auf die Arbeiter abzuwälzen. Sie werden einstimmig angenommen. Ferner wird zum Ausdruck gebracht, daß der Beschluß des Leipziger Gewerkschaftstongresses zur Frage der Industrieorganisation durchgeführt wird. Die mit dem Berband der Rominunalbeamten angebahnte Berfchmelzung wird begrüßt. Die Gleichberechtigung der Arbeitnehmer wurde in einer Entschließung zum Tarifrecht betont und darin zu allererst stritte Anerkennung der Gleichberechtigung der Arbeitnehmer auch gegenüber dem Arbeitgeber öffentlicher Betriebe und Verwaltungen gefordert. Gegen den bereits in der gestrigen Abenbausgabe des Bor märts" erwähnten Gegenseitigteitsvertrag mit verwandten Berufen erhebt sich fein Widerspruch. Der Vertrag und auch die dazu ge troffenen Sondervereinbarungen werben einmütig angenommen. Die Wahl des Verbandsvorstandes. 3u befoldeten Mitgliedern wurden gewählt: F. Müntner, 1. Borfigender; D. Beder, 2. Borsitzender; A. Ruppert, Rassierer; B. Schulz, Seferetär; D. Stetter, Sefretär. Als Rebafteur: E. Ditimer. Unbesolbete Mitglieder sind: B. Hepprich, M. Eliz, H. Bort, Fr. Leidecker, E. Frobel, M. Krause. Der Verbands. ausschuß fet fich zusammen aus: Ch. Lang, H. No, W. Hahn, H. Schmoll, J. Roht, F. Engelhardt und R. Großhans. Die von der Statutenberatungsfommission vorgeschlagenen Gehaltssäte wurden in namentlicher Abstimmung mit 117 gegen 52 Stimmen abgelehnt. Damit ist die vom Borstand empfohlene Borlage angenommen, die durchweg niedrigere Såge vorfieht. Mit den von der Rommission vor geschlagenen Diätensägen erklärte sich der Berbandstag einverstanden. Um 7 Uhr abends wurden die Berhandlungen auf Freitag vertagt. Der Donnerstag bleibt für eine Dampferfahrt der Dele gierten auf dem Rhein frei. Betterbericht für Berlin und Umgegend. Warm und größtenteils beiter. Für Deutschland. Fast überall troden und nur vereinzelte Bärmegewitter. Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin W. 68, Lindenstraße 3, 10 2 für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten Bezirksvorstand. maua. Stealik: 10 Uhr Restaurant Schellhafe, Ahornstraße: Restaurant Thiel, Ring, Ede Albrechtstraße: Lantwiß: Antreten 9 Uhr Lehmanns eftfäle, Raiserantreten 94 ihr Restaurant Katun, Bäkestraße. Bon 6 Uhr an BerWilhelm- Straße: Lichterfelde: Antreten 9 Uhr Kranoldplag: Bichterfelde- Oft: teilung der Gäfte. Rameradschaft Röpenid, Untergruppe Röpenid: Sonnabend, ben 8., abends 8 Uhr, Antoeten zum Fadelzug vor bem Stadtgarten. Sonntag, den 9., vormittags 10 Uhr, Antreten in den drei Stadtbezirken. Untergruppe Friedrichshagen: Sonnabend abend 8 Uhr in Schröders Gefell. fchaftshaus, Friedrichstr. 137, republikanische Rundgebung, Quartierausgabe. Sonntag vormittag 8% Uhr Antreten am Bahnhof Friedrichhagen, Empfang der Rameraden von Rüdersdorf- Raltberge. Marsch nach Köpenid. Familienangehörige, die fich an der Feier in Treptow beteiligen, fahren gemeinfant um 12% Uhr mit der Stadtbahn. Ramerabschaft Lichtenberg nebst Unteraruppen: Sonntag, den 9., treffen fich die Rameraden nebit Angehörigen bis 94 Uhr bei Krüger, Türrschmidtstraße; Bunkt 10 Uhr Abmarsch nach der Partaue. Ramerabschaft Eichwalbe und Untergruppen: Sonntag früh 9 Uhr Antreten Couriersiedlung zur Fahrt nach Köpenid. Ju ber Trinitatiskirche, Charlottenburg, Karl- August- Plak, einer religiösen Feierstunde über das Thema In der Abendsonne". ortuzba Heute abend 6 Uhr wichtige Sigung im Jugendheim, Linden Pfarrer Bleiet am Sonntag, den 9. Auguft, abends, pricht Geffe ftraße 3. Die Kreisvertreter oder deren Stellvertreter müffen anwefend sein. 19. Kreis Pankow- Nieberschönhausen. Die Quartiergeber, welche ihre Gäfte im ulap nicht empfangen haben, werden gebeten, fich am Sonnabend abend um 8 Uhr in Pankow, Türkisches Relt, Breite Str. 14, und in Niederfchönhausen, Lotal Rubafch, Uhland, Ede Trestow ftraße, einzufinden. Hente, Sonnabend, den 8. August: 68. Abt. Salenfee. Die Abteilung trifft sich nachmittags 4½ Uhr im Breußen. part. Von dort aus nach dem Kurfürstenpart. 74. Abt. Rehlendorf. Parteigenoffen, die auswärtige Reichsbannerleute in Quartier nehmen, finden sich von 5 Uhr ab bei Midlen ein. Die Reichs bannerleute werben vor 6 Uhr nicht erwartet. 82. Abt. Steglig. Die Genoffen nehmen am Sonnabend, den 8. Auguft, 8 Uhr, am geselligen Beisammensein des Reichsbanners im Albrechtshof tett. Sonntag vormittag 10 Uhr erscheinen alle Genoffen bei Schellhafe, Ahornftraße, und bei Thiel, Albrecht, Ede Ringstraße, aut Berfaffungsfeier. Um 11 Uhr Feier am Carmerplas( früher Rugeplak). 83. Abt. Richterfelbe. Die Genoffen beteiligen fich an der Begrüßungsfeier der auswärtigen Reichsbannerkameraden um 8 Uhr im Lotal Rattun, Böteftr. 7. 84. 2bt. 2antwik. Die Genoffen beteiligen fich an der Berfassungsfeier des Reichsbanners. Gonnabend 8 Uhr Empfang der Gäfte und Begrüßungsfeier bei Lehmann. Sonntag 94 Uhr Abmarsch vom Restaurant Lehmann. 106. Abt. Johannisthal. Die Genoffen werden erfucht, fich abends 8 Uhr im Lotal Botha einzufinden zur Abholung der auswärtigen Reichsbannerleute. 109. Abt. Friedrichshagen. 8 Uhr Schröders Gesellschaftshaus republikanische Rundgebung. Redner: Genoffe Klatt. Dort auch Quartierausgabe. Gonn tag Treffpunkt der Genoffen, bie fich an der Berfaffungsfeier in Treptow beteiligen, um 12% Uhr am Bahnhof. Fahrt mit der Stadtbahn. 119. Abt. Lichtenberg. Die Funktionärtonferenz fällt aus. 131. bt. Rieberschönhausen. Die Funktionärsihung fällt aus. Mitgliederver fammlung am letzten Mittwoch des Monats. Morgen, Sonntag, den 9. Auguft: 19. Abt. Die Genoffen und Genoffinnen beteiligen fich an der Bannerweihe im Schillerpart. Treffpunkt vormittags 9 Uhr Ede Prinzenallee und Christianiastraße. 56. Abt. Charlottenburg. 10% Uhr Beteiligung der 1. und 2. Gruppe an der Berfassungsfeier Luisenplak. 101. Abt. Treptow. Die Genoffen beteiligen fich um 2 Uhr an der Rundgebung. Treffpunkt 12 Uhr Bahnhof Treptow. Nachmittags 3 Uhr im Spreegarten. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 8. August. cana". Arbeitersport. Stralan- Fußballturnier. Rum 3. Vorrundenspiel im Stralauer Fußballturnier trafen sich am Donnerstag auf dem Sportplag in der Goßlerstraße Vorwärts 20" und Frisch- Frei". Um es vormeg zu sagen, beide Mann fchaften enttäuschten fehr. Was man im Spiel ,, Teutonia 09" gegen ,, Sertha" an Feinheiten und Technik zu sehen bekam, vermißte man bei Borwärts- Frisch Frei vollkommen. Frisch- Frei hat Anstoß, verliert aber gleich den Ball an Borwärts. Beide Mannschaften pflegen das hohe Spiel, die gegnerischen Sintermannschaften tönnen den Ball stets abfangen. Go ist es feinent ver gönnt, Erfolge zu erzielen. Nach der Baufe lebt das Spiel etwas auf. Haupt. fächlich der kleine Sintsaußen von Borwärts tann des öfteren gefährlich wer ben, jedoch die Mitte verfiebt die sichersten Sachen. In der 22. Minute verwirkt Frisch- Frei einen Elfmeter durch Sand, der von Vorwärts verwandelt wird. Frisch- Frei versucht nun den Ausgleich herbeizuführen. Sie schnüren Borwärts vollkommen in ihre Spielhälfte ein. Aber alles wird eine Beute der ficheren Verteidigung von Borwärts, oder der Torwart fängt und ver hindert so jeden Erfolg. Mit dem Resultat 1: 0 für Borwärts endet bas Spiel. Borwärts 20" und Stralau" stehen sich nun im Awischenrundenspiel am Gonntag gegenüber. Wenn Vorwärts dann nicht mehr zeigt, follte Stralau als sicherer Gieger hervorgehen. Geschäftliche Mitteilungen. Jm Sinbenpart, Schöneberg, Sauptstr. 13, und Reuterpart, Neukölln, Mainzer Str. 46-52, bieten internationale Ring- und Bogkämpfe fowie das Welthippodroms des Berliner Rinotattersalls den Besuchern angenehme Unter haltungen zu den niedrigsten Preisen. Boltsbeluftigungen aller Art wechseln mit den neuesten Attraktionen. Näheres aus dem heutigen Inferat ersichtlich. Die zarten Füße des Kindes bedürfen der ständigen Aufmerksamkeit feitens der Eltern. Die forgende Mutter wird daher vor Schulanfang auf die Fußbekleidung ihrer schulpflichtigen Rinder besonderes Augenmert richten. Ein enger, drückender Schuh bereitet dem empfindlichen Rinderfuß nicht nur Schmerzen, sondern birgt auch schwere Gefahren in fich. Der im ständigen Wachstum befindliche Fuß wird frühzeitig verbildet; viele der später auf tretenden Fußleiben find darauf zurückzuführen. Auch die Aufnahmefähigkeit in der Unterrichtsstunde Teidet unter schlechtsigendem Schubwert. Allen Eltern fei barum doppelt ans Herz gelegt, nur solch Rinderschuhwert zu baufen, bas allen orthopädischen Ansprüchen genügt. Es gilt immer zu bedenken, daß der wachsende und stärkerwerdende Fuß zwar im Stiefel eine Stüße und festen Halt finden foll, aber trotzdem dem Fuß eine leichie, zwanglose Bewegung ermög lichen muß. Das renommierte Schuhwarenhaus Carl Stiller hat die Einführung guten Jugendschuhwerks fich befonders angelegen sein laffen. Bewährte deutsche Fabritate und ausgezeichnete Bakformen gewährleisten durch Verwendung beften Rohmaterials nicht nur eine längere Haltbarkeit, sondern entsprechen auch allen anderen Anforderungen, die an gutes Kinderschuhwerk in doppeltem Maße gestellt werden müssen. Schöne Leserin 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit MusikFunkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 1. Fucik: begleitung. 5-8.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Einzug der Gladiatoren, Marsch. 2. Lortzing: Ouvertüre zur Oper Zar und Zimmermann".. 3. Waldteufel: Goldregen, Walzer. 4. Mascagni: Fantasie aus der Oper, Cavalleria rusti5. Dvorák: Zwei slawische Tänze.- 6. Reggon: Der erste Brief. 7. a) Ganne: Extase, b) Gillet: Loin du bal. 8. Morena: Kabarettiche, Potpourri, 7-7.45 abends: Hans- Bredow- hre schönen Augen und Ihre so zarten Hände werben ein fettiges Sport. Willy Stiewe: Die Bedeutung des Sports für die weibliche Baichen Sie dieses aber mit dem weitbekannten und ständig geSchule( Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Spiel und haar ebenso unangenehm empfinden wie ein firobig- stumpfes! Jugend. 7.25 Uhr abends: Abteilung Sprachunterricht. 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Die Finanzpolitik der Länder fönne da anders vorgehen, als die des Reiches. Der Minister betont, er bemühe sich nicht nur, die Einnahmen zu erhöhen, sondern auch die Ausgaben zu vermindern. Die Wirtschaft ist nach unserer Meinung in der Lage, die ihr aufgelegten Lasten zu tragen. Sie wird das nur mit Mühen und Sorgen fönnen, aber wir haben doch nun einmal einen verlorenen Krieg und die Inflationszeit hinter uns, deren Spuren noch nicht überwunden sind. Zeigt sich in einigen Monaten, daß neue erhebliche Ueberschüsse da sind, so sind wir durchaus bereit, eine weitere Milderung der Steuern vor zubereiten. Der Minister wendet sich schließlich unter dem Beifall der Mehrheit gegen eine demokratische Entschließung auf Ein fegung einer Enquete- Kommission zur Prüfung des Verhältnisses zwischen Steuerleiffung und Steuerkraft der Wirtschaft. Staatssekretär Fischer sucht in längeren finanztechnischen Aus. führungen nachzuweisen, daß die Bereinbarung zwischen Reich, Reichs. bank und Rentenbant fein Geschent an die Rentenbank sei. Sie sei auch keine Verlegung des Haushaltsrechts des Reichstags. sondern entspreche durchaus dem Liquidationsgefeß.( Widerspruch bei den Soz.) Abg. Seiffert( Völk.): Da die Regierungsparteien alle Verbefferungsanträge, auch die vernünftigsten, rüdsichtslos ablehnen, halten wir es für zwecklos, zur dritten Beratung noch viel zu debattieren. Wir beschränken uns deshalb auf eine kurze Entschließung. Abg. Dr. Brüning( 3.) weist zunächst einige Angriffe der Abgg. Dr. Fischer und Koenen zurüd und wendet sich dann besonders eingehend gegen die Ausführungen des Abg. Dr. Her. Er sagt dazu: Wir haben uns sehr zurückgehalten mit Rücksicht auf die zukünftige Entwicklung. Wenn Sie auf die zurünftigen Verhältnisse bei Ihrer Polemik gegen uns so wenig Rückficht nehmen, dann werden Sie eines Tages Ihre Konsequenzen ziehen müssen.( hört! Hört! rechts und bei den Komm.) Sie scheinen andernfalls diese Tragweite gemisfer Ereignisse zu unterschätzen, die mir von außen in Ihrer Frattion beobachten fonnten.( Abg. Dr. Breitscheid, Soz.): Was denn? Heraus mit der Sprache!".) Der Wille zur Verständigung mit der Linken ift dauernd bei uns vorhanden gewesen.( Abg. Dr. Breitscheid: Wohl beim 3olltarif?) Dieser Berständigungswille hat bei verschiedenen Beschlüssen auch Früchte getragen. Wir haben uns immer bemüht, auch die Linke wieder zur Verantwortung mit heranzuziehen. Wenn ich aber an die Möglichkeit denke, daß das Zentrum mit Herrn Dr. Fischer und mit der Sozialdemokratie allein die Steuern machen follte, so überläuft, mich ein Grausen. Es ist auch vergebliche Liebesmüh, wenn die Sozialdemokraten versuchen, die christlichen Arbeiter vom Zentrum abzuziehen. Wer darauf rechnet, verfennt den tiefen Gegensah, in dem die Psyche des christlichen Arbeiters zu sozialdemokratischen Auffassungen steht.( Beifall i. 3tr.) Bielleicht ist Abg. Dr. Herk gezwungen gewesen in diesen Augenblid, mit Rücksicht auf gewiffe Strömungen in seiner Partei, so scharfe Angriffe gegen das Zentrum zu richten.( Gelächter b. b. Soz.) Wenn die Sozialdemokraten die Steuerfragen zur Agitation gegen uns benutzen wollen, so werden wir dem Volke sagen, daß die Sozialdemokraten, als sie in der Regierung faßen, eine ganz andere Steuerpolitit gemacht haben.( Hört! hört! rechts.) Wir halten an unserer alten Grundlinie fest, daß wir großen Parteien die Möglichkeit geben wollen, an der Regierungsverantwortung teilzunehmen. Wir können aber selbstverständlich große Parteien in ihrer Entwicklung nicht beeinflussen. Wir sind nach wie vor jederzeit bereit, Anregungen und Mitarbeit, von welcher Seite fie auch fommen, bei den einzelnen Gesetzen dankbar anzunehmen.( Beifall im Zentrum.) Abg. Herh( Soz.): # genommen?( Sehr wahr bei den Soz.). Wo ist diese Rücksicht in der Frage der Lohnsteuer? Warum wird diese Rücksicht nicht auch jetzt bei dem 3011tampf genommen, wo Sie den breiten Massen der werktätigen Bevölkerung die größten Laften aufbürden wollen. Die Behauptung, die Haltung der Sozialdemokratie zur Umfatsteuer widerspreche der Haltung, die sie in früherer Zeit eingenommen habe, fann nur der aufstellen, der nicht den Unterschied zwischen dem Charakter der Umsatzsteuer in der Inflations zeit und in der Gegenwart erkennt. Gerade das Zentrum hätte den Herren nach rechts sagen müssen: Als in der Inflationszeit die Wogen über unserem Haupte zusammenzuschlagen drohten, da war es die Sozialdemokratie, die gezeigt hat, daß sie mit den hinter ihr stehenden Schichten für die Gefundung der Reichsfinanzen Opfer umfangreichster Art bringen will. Wenn Sie das nach rechts gesagt hätten, dann häffen Sie die denkbar günstigste Position gehabt, um mit uns eine Steuerverteilung herbeizuführen, die nicht neue Caften auf die Cohn- und Gehaltsempfänger bürdet.( Lebhafte Bustimmung bei den Soz.). Die Sozialdemokratie hat einen Antrag eingebracht, wonach der Haushaltsausschuß prüfen soll, in welcher Weise das Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs von Rentenbankscheinen durchgeführt worden ist. Der Staatssekretär Fischer hat zugegeben, daß im Gegensatz zu dem Wortlaut des Gesetzes ein privater Bertrag abgeschlossen worden ist, der das Gesez in einer seiner wichtigsten Bestimmungen außer Kraft fetzt. Damit ist zugegeben, was ich behauptet habe. Das Weitere überlasse ich der Nach prü. fung im Haushaltsausschuß. Schon heute aber fage ich: Jedes Bertrauen zu amtlichen Angaben wird erschüttert, wenn diese Mißachtung von Gefeßen, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben, weiter fortgesetzt wird.( Lebhafter Beifall bei den Soz.). Abg. Koenen( Komm.) bezeichnet die Auseinandersetzung zwischen Brüning und Dr. Her als das wirkliche Ende des Bolts blocks zwischen der Linken und dem Zentrum. Zentrum und Sozialdemokraten hätten in gleicher Weise die Arbeiterschaft verraten. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Es folgt die EinzelBei der beratung. Einkommensteuer wird auf Antrag Horlacher( Bayr. Bp.) ber steuerfreie Ber bei äußerungsgewinn Gewerbebetrieben 25 000 auf 10 000 m. herabgesetzt. DON Auf Antrag der Abg. Frau Dr. Behm( Dnat.) wird mit Unterftüßung aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten der Finanzminister ermächtigt, Bestimmungen darüber zu treffen, inwieweit bei den Heimarbeitern, deren Arbeitslohn die Freigrenze nicht übersteigt, der Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterbleiben Ein Antrag auf Erhöhung des fteuerfreien Existenzminimums wird mit 237 gegen 177 Stimmen abgelehnt. Abgelehnt werden auch die sozialdemokratischen und kommunistischen Anträge auf Aenderung der Steuertarife und Erhöhung der steuerfreien Abzüge. In der Schlußabstimmung wird das Einkommensteuergesetz in dritte: Lesung gegen Sozialdemokraten, Kommu nisten und Demokraten angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Körperschaftsteuergesetzes. Abg. Neubauer( Romm.) befämpft die Vorlage und greift befonders das Zentrum wegen seiner Steuerpoliti? an. Ohne weitere Debatte wird das Körperschaftssteuer. gesez nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen, ebenso die Vermögens- und Erbschaftssteuer und das Reichsbe. wertungsgefeh. Nach der namentlichen Abstimmung über das Reichsbewertungsgeset, das mit 361 gegen 56 Stimmen in namentlicher Abstimmung angenommen wird, stellt Bize präsident Graef fest, daß dieses Geſetz mit der für Verfaffungsänderungen notwendigen Zweidriffelmehrheit beschlossen sei. Es folgt dann die dritte Beratung des Gesetzentwurfs über die Verkehrssteuer und das Verfahren. Abg. Peine( S03.) Gegenüber der Behauptung des Abg. Brüning, er hätte der Zentrumspartei den Borwurf gemacht, sie würde ihre soziale Gefinnung für einen Ministerposten verkaufen wollen, verliest der Redner aus dem Stenogramm der Rede die betreffende Stelle, in der es heißt, daß die Herren von der Zentrumspartei sich doch im flaren sein müßten, wenn man Ende dieser Wirtschaftsgesetzgebung der Eintritt eines neuen Zentrumsabgeordneten in die Reichsregierung stehe, das eine außerordentlich große Aehnlichkeit mit dem Berhalten der deutschnationalen Partei aufweise. Daraus fönne man nicht die Behauptung herleiten, es sei der Zentrumspartei der Vormurf gemacht worden, daß sie ihre soziale Gesinnung mit der Erringung eines Ministerpostens erkauft habe. In der„ Germania" vom 6. Auguft wurde gesagt, daß das Ministerium für die besetzten Gebiete porläufig nicht wieder besetzt werde, und später heißt es, daß die Partei im gegenwärtigen Augenblice es nicht für an gezeigt halte, dieses Ministerium wieder zu besetzen. Aus diesem starken Unterstreichen des Vorläufig" mußte ich die Empfindung haben, daß diese Frage in einer furz bevorstehenden Zeit zu einer Entscheidung fommt, und meine Bemerkung hatte nur die Ab. ficht, die Zentrumspartei auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die burch ein solches Berhalten entsteht. Es hat mir auch ferngelegen, persönliche Angriffe gegen die Abgg. Brüning und Beusch zu richten. Ich habe durchaus anerkannt, daß durch die Haltung des Zentrums manche weitergehende Verschlechterungen der Regierungsvorlage verhindert wurden. Aber in den entscheidenden Fragen ist das nicht zu spüren gewesen. Die Meinung muß ich mit aller Gründlichkeit zerstören, als ob meine Auffassungen nicht der Stimmung der gesamten sozialdemokratischen Partei ent sprächen. In meiner Fraftion gibt es nicht ein einziges Mitglied, das meine Ausführungen nicht billigt.( Lebhafte Bustimmung bei den Soz.). Der Vorwurf, daß die sozialdemokratische Fraktion aus unfachlichen Motiven bei der Steuergesetzgebung getrag auf Umsatzsteuerbefreiung stimmen. handelt habe, ist in feiner Weise berechtigt, und Sie, Herr Dr. Brüning, haben nicht die von mir angeführte Tatsache wider legen fönnen, daß die entscheidenden Forderungen der Sozialdemo fratie zur Steuerreform Forderungen der christlichen Gewerkschaften find( Sehr wahr bei den Soz.). Daß in einigen Einzelfragen ein Fortschritt erzielt worden ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Gesamtcharakter der Steuereform plutokratisch geblieben ift, daß die Bildung der größeren Vermögen begünstigt durch Belastung des Urbeitseinkommens und des Verbrauchs jede kapitalbildung bei fleineren und mittleren Einkommen verhindert wird. begründet die sozialdemokratischen Anträge, wonach die Umsätze Don Lebensmitteln umsagsteuerfrei bleiben sollen die allgemeine Umsatzsteuer ab 1. Oktober 1925 1 Pro3. ab 1. April 1926 ½ Proz. betragen soll. Ferner follen die Vermittelungen der Handelsvertreter und die Umfäße bei den Genossenschaften steuerfrei sein. Der Rebner erinnert daran, daß hier wie schon bei so vielen anderen Gelegenheiten, die Rechtsparteien draußen viel versprochen haben, um hier wenig davon zu halten. Auch das 3entrum habe hier im Reichstag gerebet, aber es habe feine Gelegenheit genommen, die Sozialdemokratie in ihrem Kampfe für die Herabjegung der Umsatzsteuer zu unterstützen. Die Umsatz= fleuer bedeute eine Stärkung der großen Kartelle, denen die Handmerferorganisationen ebenso wie die Genossenschaften rücksichtslos ausgeliefert feien. Man habe die Umsatzsteuer eine ft er bende Steuer genannt, aber bei den Verhandlungen über den Finanzaus gleich hat der Reichskanzler erklärt, daß an einen Abbau von 1½ auf 1 Proz. vor dem 1. Juli 1927 nicht gedacht werden könne. Macht man sich denn flar, was diese Belastung für die arbeitende Bevölkerung zu bedeuten hat? Die Sozialdemokratie hat sich zum Rampf gegen diese Steuergefeße gestellt. Deutschland hat das beste Wahlrecht der Welt ,, wenn das deutsche Volt sich einen solchen Reichstag wählt, dann hat es selbst die Schuld, daß es Stockprügel auf den Magen erhält.( Beifall bei den So3.) Es war nicht meine Aufgabe, das Gebiet der großen Politit in diese Auseinandersetzung hineinzuziehen, die sich aus Ihrer Haltung zur Steuerfrage ergeben. Der Abg. Dr. Brüning hat selbst im Ausschuß tarauf hingewiesen, daß bei der Beratung der Zuschläge für die Länder und Gemeinden auf die großen Fraktionen, die außerhalb der Regierung ftänden, Rücksicht genommen werden müsse. Warum haben Sie denn nicht bei den anderen Fragen dieje Rüdjicht auf uns Bon den Regierungsparteien wird die Regierung in einer Entfchließung ersucht, erneut die Frage zu prüfen, ob die Sandels vertreter und Agenten nicht von der Umsatzsteuer befreit oder entlastet werden könnten. Abg. Brodauf( Dem.) bezeichnet diese Entschließung als den Bersuch einer Täuschung der Deffentlichkeit. Benn die Regierungsparteien es ernst meinten, müßten sie für den AnAbg. Koenen( Komm.) fragt an, ob es richtig sei, daß 40 Proj. der Umjahiteuer hinferzogen werden. Staatssekretär Dr. Popis meint, es handle sich bei dieser Zahl um eine jeder tatsächlichen Grundlage entbehrende Legende. Gerade die Umsatzsteuer habe sich verwaltungsmäßig sehr gut entwickelt.( Rufe bei den Kommunisten: Zahlen hat er nicht genannt, das ist feine Antwort, das ist eine Bopigerei!) Ein Antrag der Sozialdmofraten auf Befreiung der Lebensmittel von der Umfaßfleuer wird in namentlicher Abftimmung mit 253 gegen 156 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen abgelehnt. Abgelehnt wird auch der sozialdemokratische Antrag auf Her abfehung der Umfahsteuer von 14 auf 1 Pro3. Danach bleibt es bei dem Sah von 1% Pro3. Die Entschließung der Regierungsparteien über die Han delsvertreter und Agenten wird angenommen. Den übrigen wird die Umsatzsteuer nach den Beschlüssen der 2. Lesung angenommen, ebenso wie die übrigen Vorlagen zu den Verkehrssteuern und zum Verfahren. Sonnabend, 8. August 1925 Dagegen stimmen die Sozialdemokraten, Kommunisten, Demotraten und Bölkischen. Es folgt die dritte Beratung des Gesezentwurfs über die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer. Abg. Simon- Schwaben( Soz.) wendet sich nochmals gegen die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer. Er setzt sich für den sozialdemofratischen Antrag ein, der es bei den bisherigen Sägen für die Biersteuer und die Tabaksteuer belassen will. Der Redner äußert sich auch gleich über die anderen Verbrauchssteuern, die die Sozialdemokraten ablehnen. In Eventual- Anträgen wünschen sie wenigstens Beibehaltung der bisherigen Steuersäge und lehnen die Erhöhung ab. Abg. Schred( S03.) bemängelt die durch die Regierungsparteien Labatsteuer arbeitslos werdenden Facharbeiter, getroffene Regelung für die durch die Erhöhung der Bier- und die absolut unzureichend sei. Unbedingt müsse aber min wenigstens dafür gesorgt werden, daß die Reichsregierung die Mittel zur Unterstügung dieser Arbeitslosen den Gemeinden überweist. Abg. Lang( Bayr. Bp.) gibt namens der bayerischen Abgeordneten der Regierungsparteien, unter denen sich auch der bg. Tirpik( Dnat.) befindet, eine Erklärung ab, baß diese Abgeordneten der Erhöhung der Biersteuer nur unter Borbehalt zustimmen fönnten. die Alenderungsanträge der Opposition abgelehnt. Damit schließt die Aussprache. In der Abstimmung werden Mit einer un wesentlichen Aenderung wird die Bier- und Tabatsteuer nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen, und zwar gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten und Bölkischen. Das Haus wendet sich dann der 3. Beratung der Verbrauchssteuern zu. Auch diese Vorlage wird unter Ablehnung sämtlicher Aenderungsanträge der Opposition nach den Beschlüssen 2. Lesung gegen Demokraten, Sozialdemokraten, Kom munisten angenommen. Annahme findet der Antrag des Zentrums auf Gründung eines Labat Forschungsinstitutes in Baden, ebenso der auf Einsegung eines Ausschusses zur Rontrolle der Branntwein Monopol- Berwal. tung. Ohne Debatte wird dann in 3. Beratung das Gesetz über die Reiches. gegenseitigen Besteuerungsrechte des der Länder und Gemeinden angenommen. Bei der 3. Beratung des Finanzausgleiches begrüßt Abg. Keil( Soz.) die Zustimmung des Reichsfinanzministers zu der Forderung der Länder. Der Redner erflärt sich für seine Frattion nunmehr mit dem Finanzausgleich einverstanden. Die in der jetzigen Stellung der Regierung liegende Zurüdweifung der partikularistischen Sonderanfprüche Bayerns fei für die Sozialdemokraten ein weiterer Grund, dem eigentlichen Finanzausgleich zuzustimmen. Die Gesamtvorlage des Finanzausgleich- Geleges würden die Sozialdemokraten aber ablehnen, meil in dieser Vorlage auch die ungerechte, unsoziale auszins= steuer enthalten sei. Abg. D. Leicht( Banr. Bp.) gibt folgende Erflärung ab: Die Bayerische Volkspartei hält an dem Grundsage fest, daß der fulturelle, wirtschaftliche und politische Wiederaufbau des deutschen Bolkslebens und Staatswesens auf föderalistischer Grundlege folgen muß. Ohne ein bestimmtes Maß von eigener Finanzhoheit ist aber auf die Dauer meder eigenes staatliches Leben, auch zum Besten der Gesamtheit des deutsche nẞolkes, noch eigene staatliche Verantwortung gegenüber dem Reich möglich. Diesem grundsäglichen GStandpunkt wird die vorläufige Regielung des Finanzausgleichs, troh mancher Berbesserungen gegenüber der ursprünglichen Borlage nicht gerecht. Wenn wir der Neuregelung trojdem zuffimmen( grohe Bewegung, Unruhe und Gelächter links), so tun wir das nur, weil wir darin einen durch die Notwendigkeit der Wiederherstellung einer geordneten Finanzwirtschaft und Rücksichtnahme auf die Aufrechterhaltung unserer neuen Währung bebingten 3 mischenzustand erblicken, deffen Geltungs dauer auf verhältnismäßig furze Zeit berechnet ist. Abg. Dr. Fahr( M. Bgg.) schließt sich für den Bayerischen Bauernbund und für die Deutschhannoversche Partei dieser Erflärung an. Damit schließt die Aussprache. Angenommen wird ein Antrag der Regierungsparteien: Aus dem für den Wohnungsbau zu verwendenden Teil der Steuer fönnen die Länder Darlehen an unbemittelte finderreiche Familien und an Schwerfriegsbeschädigte, insbesondere auch an Kriegsblinde, bis zur vollen Höhe der Baukosten gewähren. 3n namentlicher Abstimmung wird die Hauszinssfeuer mit 225 gegen 173 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen angenommen. Die Gesamtvorlage wird dann gegen die Sozialdemokraten. Demokraten, Kommunisten und Bölkischen angenommen. Damit ist die 3. Beratung der Stenervorlagen beendet. Nach 10 Uhr vertagt sich das Haus auf Sonnabend, 10 Uhr: 2. Beratung der Zollvorlage. Aus der Partei. Die Vierzigjahrfeier der belgischen Arbeiterpartei. Die belgische Arbeiterpartei feiert am 15. Auguft das Jubiläum thres 40jährigen Bestehens. Der Generalrat der Partei hat nunmehr das Programm der Feierlichkeiten für diesen Tag feftgesetzt. An der Feier, die in Brüssel stattfindet, werden auch zahlreiche ausländische Delegierte teilnehmen. Nach der Eröffnung der Ausstellung, in welcher alle Dokumente zur Parteigeschichte, Aufrufe der Partei etc. feit ihrer Gründung vereinigt find, erfolgt zunächst die Enthüllung der Gedächtnistafeln in französischer und flämischer Sprache, wobei zwei der Mitbegründer der Partei, die noch jetzt in der ersten Reihe ihrer Führer stehen, die Genossen Louis Bertrand und Eduard Anseele Reden halten werden. Im Fest zug, der sich sodann formt, marschieren die gesamten Jugendlichen Belgiens, Deputationen aller Gewerkschaften und anderen Organisationen im Arbeitskleid mit ihren Arbeitswer? zeugen und die Träger der Fahnen sämtlicher Arbeiterorganisationen des Landes. Die übrige Arbeiterschaft bildet Spalier. Auf dem Rathausplatz findet der Aufmarsch mit Massenchorgesängen und AnSprachen Vanderveldes, sowie eines Vertreters der Internationale statt. Abends wird im Festsaal des Boltshauses eine große Ber fammlung abgehalten, in der Louis de Broudère im Namen der belgischen Partei und drei Vertreter der ausländischen Parteien reden werden. Die Glückwünsche der gesamten Internationale werden sich an diesem Tage unseren belgischen Genossen zuwenden, die in vierzig Jahren voll ruhmreicher Stämpfe eine mächtige und vorbildliche Organisation aufgebaut haben, vor dem Endkampf um die /lgrarzölle. Falsche Statistiken des Deutschen Landwirtschaftsrats. In den nächsten Tagen werden wir in der Frag« der A g r a r» zölle den großen Endkampf vor dem Plenum des Reichstags erleben. Beide Parteien werden das Aeußerfte aufbieten, um ihrer Auffassung zum Siege zu verhelfen, die Linksparteien, um die drohende Belastung der Konsumenten und«inen unser ganzes Wirtschafteleben gefährdenden volkswirtschaftlichen llnfinn abzu wehren, die Regierungsparteien und speziell die agrari- ichen Jnteressentenvertreter,»m ihre wirtschastspolitische Ernte in die Scheune zu bringen. Obschon nach der politischen Machtlage diese Ernte als einigermaßen gesichert gelten kann, wird man nichts uw versucht lassen, die sachliche Kritik der Opposition zu übertönen. Das Wehgeschrei über die Notlage der Landwirtschaft, dos sich bis> her stets als das wirksamste Mittel zur Erlangung von Sondev gewinnen auf Kosten der Boltsmassen erwiesen hat, wird seine äußerste Steigerung erfahren. Die Jabel von üer gefährlichen fluslanöskonkuerenz. Run hat die Landwirtschost den bekonnten Grundsatz.Lerne zu klagen, ohne zu leiden" schon in allen möglichen Situationen mit großer Geschicklichkeit zur Anwendung zu bringen gewußt. Diesmal befinden sich ihre Führer aber in einer be- sonders schwierigen Lage, wenn es sich darum handelt, mit aller Gewalt einen Anlaß zu wirkungsvollen Klageliedern aufzu- finden. Der Hinweis auf die ausländische Konkurrenz zieht nicht mehr: er ist durch die weltwirtschaftliche Entwicklung und durch die klaren Feststellungen, die der Agrarenquete-Ausschuh im Anschluß an Geheimrot Gering über diese weltwirtschaftliche Entwicklung getroffen hat, allzu gründlich erledigt worden. Jedermann weiß, daß die europäische Landwirtschaft zurzeit keinem Preis- druck durch überseeische Konkurrenz unterliegt und auch aller Voraussicht nach auf absehbare Zeit nicht unter- liegen wird. Die Lage der Landwirtschaft in den europäischen Freihandels ländern ist eine überaus g ü n st i g e, mtd es machen sich dort alle Anzeichen einer von Jahr zu Jahr sich verstärkenden agrarischen Hochkonjunktur bemerkbar. Rur die besonderen Sünden der deutschen Wirtschaftspolitik, ins- besondere das mittelalterliche System der Ein- und Ausfuhrverbote imd der industrielle Hochschutzzoll, hindern die deutsche Landwirt- schaft daran, in vollem Umfange an dieser günstigen Konjunktur teilzunehmen. Trotz dieser Einschränkung ist festzustellen: auch in Deutschland ist die Lage der Landwirtschaft durchaus günstig. Mit dem Hinweis auf die vielberufene„Preisschere" ist kein Ein- druck mehr zu machen. Die landwirtschaftlichen Pro- d utte haben gegenüber den Produktionsmitteln, die die Jndu- strie dem Landwirt liefert, nicht nur keine geringere Kaufkraft als in der Zeit der Bülow-Zölle vor dem Krieg, sondern sogar eine gesteigerte Kaufkraft. Für sein Getreide erhält der Land- wirt das Eineinhalbfache an Kunstdünger wie vor dem Kriege, wichtige landwirtschastliche Maschinen, wie die Traktoren, sind, in Getreide gerechnet, auf weniger als die Hälfte des Friedenspreises verbilligt. Die praktischen Landwirte denken gor nicht daran, sich durch die Klagelieder der agrarischen Führung über angeblich ungünstige Preisverhältnisse und durch das immer wieder von den agrarischen Jnteressentenvertretern an die Wand gemalt« Schreckgespenst der Extensivicrung ins Bockshorn jagen zu lassen.4 Milliarden bei 30 Millionen Hektar, also nur 70 bis 80 Mk. je Hektar, beträgt. Es handelt sich also um eine Zu- sammenftellung von Betrieben, bei denen die Verschuldung»- enlwicklung in einer ganz einseikigen Welse vom Durchschnitt ab- weicht. Die Vorkriegsverschuldung bleibt hinter dem Durchschnitt zurück, die Nachkriegsverschuldung übertrifft den Durchschnitt um mehr als dos Doppelte. Auf welche Weise ein« so einseitig« Zusammenstellung Zustandekommen konnte, bleibt zunächst aufzu- klären. Wir richten daher an den Deutschen Landwirtschaftsrat die öffentliche Aufforderung, uns zu erklären, ob in feine Statistik, die auf Grund von Fragebogen zustande gekonunen ist, auch samt- l i ch e beantworteten Fragebogen ausgenommen sind oder ob ein Teil dieser Fragebogen sich als.unbrauchbar" erwiesen hat. Wenn aber, was wir zunächst unterstellen wollen, ein« absichtlich ein- seitige Auswahl der Betriebe nicht stattgefunden hat, so bleibt dies« Statistik darum nicht weniger wertlos. Man muß dann annehmen, daß die Beamten der Landwirtschaftskammer, die bei der Erhebung mitgewirkt haben, vornehmlich mit solchen Betrieben in Berührung gekommen sind, die seit der Stabilisierung besonders viel Schulden haben aufnehmen müssen oder denen von den für die Landwirtschaft bereitgestellten Krediten ein besonders großer Teil zugeflossen ist. Der Deutsche Landwirtschastsrat, der auf diesen Er- Hebungen eine Statistik von allgemeiner Beweiskraft aufbauen wollte, Hot dann eben bei der Gewinnung seiner Unterlogen ein be- sondere? Pech gehabt, und die Bearbeiter dieser Stattstik können, sofern sie überhaupt den Anspruch erheben, daß ihr« weiteren Arbeiten von irgend jemand ernst genomnien werden, nichts anderes tun, als diese sehlgeschlagene Arbeit möglichst geräuschlos in der Versenkung oersch winden zulassen. Wenn sie es aber dulden würden, daß mit diesen Zahlen, deren Unwert zweifelsfrei er- wiesen ist, noch weiter gearbeitet wird und daß gar in den Amts- blättern der Landwirtschaftskammer, deren oberste Spitzenorgani- sation der Deutsche Landwirtschastsrat ist, derartige Aussätze er- scheinen, dann würden sie sich an einer groben und absicht- lichen Irreführung der öffentlichen Meinung mit- schuldig machen. « Daß die Landwirtschast alle Anstrengungen macht, die Ein- führung von Lebensmittelzöllen nicht allzu kroß in ihrem wahren Eharakter als offenen Raub und politisch« Gewalttat erscheinen zu lasten, sondern ihr«inen Schein von sachlicher Be- rechtigung zu geben, ist verständlich. Da bei der tatsächlichen wirt- schaftlichen Lage keinerlei Rechtfertigung für die Zölle erblickt werden kann, ist sie gezwungen, zu Verdrehungen der Wirklichkeit ihr« Zuflucht zu nehmen. Diese eine Lüge aber, die sich auf die hier kritisierte Stattstik des Deutschen Landwirtschasts- rotes stützt, die Behauptung, daß die Landwirtschaft insgesamt jetzt mehr an Zinsen zu zahlen habe als vor dem Krieg«, ist zu faust- dick und unverschämt, als daß sie noch weiter Glauben finden dürfte. Es kann daher den agrarischen Vertretern nur geraten werden, sich für den Endspurt im Zollkampf beizeiten noch einem besterrn Argument umzusehen. '-"J 1 proöuktionssteigerung ohne �»grarzSlle. Die agrarische Preste brachte vor einigen Wochen Zahlen- Material, allerdings ohne weiter« Unterlagen, woraus sich ergeben sollte, daß viel« landwirtschastliche Betriebe in kurzer Zeit dem Bankrott entgegengehen. Es waren Luchführungsergebniss« des Wirtschaftsjahres 1924/25. Ueber den Wert oder Unwert der Buch- führungsmethoden ist während der Zolldebatt« reichlich Material zusammengetragen worden. Aus diesen Luchführungsergebnisten war natürlich kein klares Bild zu gewinnen. Jedoch gibt es in Deutschland landwirtschaftlich« Betrieb«, die ihr« Betriebsführung in aller Oeffentlichkeit darlegen und so einen Einblick in die landwirtschaftlichen Betriebe gestatten. Uns liegt«in gedruckter Bericht vor über die Betriebsverhält- nisfe der Güter des sächsischen Wirtschaftsmini st e- r i u m». Das Studium dieses Berichts wäre jedem Landwirt dringend ans Herz zu legen. Aber auch die Oeffentlichkeit, die dos ewige Klagelied von der Not der Landwirtschaft anhören muß, hat ein Interest« daran, zu erfahren, wie es mit gut bewirtschafteten Betrieben bestellt ist. Es handelt sich um die Bewirtschaftung von 11 ehemaligen Remontegütern und einem Kammergut mit einer Ge- samtfläch« von 3452 Hektar. Die Bewirtschaftung der Güter erfolgt nach privatwirtschastlichen Gesichtspunkten mit dem Ziel höchstmöglicher Ientisität und Rentabilität. Wenn man bedenkt, daß Remorttegüter nach ganz anderen Gesichtspunkten bewirtschaftet wurden, so bedeutet die Durchführung dieses Grundsatzes kein« Kleinigkeit, und doch kann heute schon gesagt werden, daß die Umstellung geradezu vorbildlich gelungen ist. Für das laufend« Jahr ist die Abgabe an den Staat auf 136 000 M. be» messen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Umstellung der Güter in der Hauptsache aus laufenden M i t te l n bestritten werden mußte. Es entspricht nicht den Tatsachen, wenn immer behauptet wird, diese Güter seien reichttch mit Staatsgeldern ausgestattet. Es sind insgesamt zur Umstellung, nach Umrechnung der Papiermark- summen im Jahre 1920 250 000 Goldmark zur Verfügung gestellt worden. In den Jahren de« angebttchen Niederganges der Landwirtschast von 1920/24 find bedeutende Neubauten vorgenommen worden. Umbauten mußten erfolgen. Manchem Landwirt ist auch sehr dien- lich, zu erfahren, daß Arbeiterwohnungen errichtet wurden. Eine große Zahl neuer Maschinen wurde angeschastt. Um nur einige Zahlen zu nennen: 1920 hatten die Güter keinen Motorpslug, am 1. Juni IS23 deren 9. Häckselmaschinen wurden von 6 auf 20, Dünger- streuer von 15 auf 46. Hackmaschinen von 6 auf 80 vermehrt. Die llebersicht des Maschinenparks, die hier nicht vollständig wieder- gegeben werden kann, zeigt, daß die Güter höchst intensiv bewirtschaftet werden. Die Durchsckinittsernteergebnist« sind auch dementsprechend von Jahr zu Jahr gestiegen und stehen heut« weit über de» Reichsdurchjchmtt. Das Durchfchmttsergebni» von � 1S24 aar fvr Wetzen Doppelzentner. Roggen 25,89, Winter« gerste 29,07, Sommergerste 29,31, Hafer 30,25, Kartoffeln 233,54 und Futterrüben 715,61 Doppelzentner pro Hettar. Diese Ergeb- niste sind nicht etwa auf bevorzugten Böden erzielt worden, nur zwei Güter haben etwas besseren lehmigen Boden, während bei den übrigen Gütern leichter Boden bis zum leichtesten Sandboden vorherrscht. Dieser Boden ist aber mit allen Mitteln der neuzeitlichen Agrorwissenschaft behandelt worden. Es haben Bodenuntersuchungen stattgefunden, um die Düngerbedürftigkeit festzustellen. Agrar- geologische Karten find angefertigt worden. Immer wieder wurden Versuche angestellt, um die zweckentsprechendsten Bebauungen her- auszufinden.— Mit derselben Gründlichkeit wird die Viehzucht behandelt. Nur ein Beispiel über die Steigerung des Milchertrages. 1922 war die Gesamtdurchschnittsleistung einer Kuh 2736,1 Kilo- gramm Milch, 1924 3205,4 Kilogramm. Die entsprechende Butter- menge hierfür ist 101,16 Kilogramm resp. 119,27 Kilogramm. Interessant ist nun noch, daß bei zunehmender Intensivierung die Zahl der Arbeiter abgenommen hat, und zwar von 665 auf 568, während die der Beamten und des Aufsichtspersonals nur wenig gestiegen ist. Wichtig ist auch zu erfahren, daß auf diesen Gütern keine Wanderarbeiter beschäftigt werden, sondern alle Arbeiten von den ansässigen Arbeitern bewälligt werden, die allerdings im Winter mit weniger produktiven Arbeiten be- fchäfttgt werden müssen. Die Zahl der Gesamtarbeitstage pro Hettar wird wohl dadurch etwas erhöht, aber vom nationalen Standpunkt betrachtet, bedeutet die Beschäftigung einheimischer Arbetter einen Gewinn für die heimische Volkswirtschaft. Ein weiteres Eingehen auf den Bericht der sächsischen Staats- güter würde zu weit führen. Aus diesen kurzen Ueberblick kann man aber schon schließen, daß die Zahlen der agrarischen Preste entweder willkürlich aufgestellt sind, oder die Bewirtschafter dieser Güter den gesteigerten Anforderungen der freien Wirtschaft nicht gewochsen sind. Die sozialdemokratisch« Fraktion hat im Reichstag Anträge gestellt, die die höchstmögliche Leistung in der Landwirtschaft erzielen wollen. Aber für die bürgerliche Mehrheit des Reichstages gilt heut« nur der Grundsatz: durch Zölle sich einen billigen Gewinn zu verschaffen. Der breiten Masse des Voltes wird ein« solche Produkttonspolltik sehr teuer zu stehen kommen. Henry Lrunsel. ver Reichsbaakausweis Ende JutL wieder starke Veränderungen. Der Wochenousweis der Reichsbant zum 31. Juli, der als Monatsabschlußousweis ein besonderes Gewicht hat, zeigt starke Veränderungen gegenüber der Vorwoche. In ihrem Ausmaß werden sie, außer in dem letzten Ausweis des Monat» Juni, von wenigen Wochenausweisen der letzten Zeit erreicht. Da die beiden letzten Monate kritische Monate für die Wirtschaft waren, kommt den beiden Ausweisen zum Monatsschluß besondere Bedeutung zu. Ein Zufall will, daß die von der Reichsbank mehr befriedigten Kreditansprüche in der Schlußwoche von Juli bis Juni gegen- über der Vorwoche genau die gleiche Höhe hatten: 325 Mill. Wechsel und Schecks und 39 Mill. Lombardkredite. Der Bestand an Wechseln und Schecks hat sich gegenüber dem 30. Juni da- gegen um 98 Mill- auf 1789 Mill. erhöht. Damit ist der h ö ch st e Stand im Jahr« 1925 erreicht. Ebenso sind die Lombard- kredit« gegenüber dem 30. Juni höher: und zwar um 14 Mill. (Bestand 60 Mill.). Das ist der höchste Monatsstand seit Ende April. Daraus ergibt sich, daß die Krisenerscheinungen der letzten Monate die Ansprüche an die Reichsbank erheblich gesteigert und die Mittel der Reichsbant erheblich in Anspruch genommen hoben. An Banknoten ünd ReMenbanttcheinen kamen in der letzten Juliwoche 576,3 Mill. neu in den Verkehr(Ende Juni 577 Mill.). Der Bonknotenumlauf stieg um 329,5 Mill. auf 2530 Mill.(Ende Juni 2474 Mill.). An Rentenbankscheinen erfolgte ein« Ausgabe von 246,9 Mill. Der Umlauf an Rentenbankscheinen erhöhte sich damit auf 1703 Mill. Der D e st a n d der Reichsbank an Rentenbankscheinen verminderte sich um 250 auf 134,5 Mill.: 3,1 Mill. wurden der Ver- nichtung übergeben. Der Goldbestand wurde wetter um 1,1 Mill- auf 1104 Mill. erhöht, der Bestand an Währungsdevisen um 0,4 auf 368 Millionen. Unter Einrechnung von rund 490 Mill. Scheidemünzen und 185 Mill. Prioatbanknoten ist der gesamte G e l d u m l a u f in Deutschland 4908 Mill. M. Das ist der höchste seit der Stabilisie- rung der Währung überhaupt erreichte Stand. Die Notendeckung durch Gold ging gegenüber der Vor- wache von 50,1 auf 43,6 Proz.. die Deckung durch Gold und De- visen von 66,8 auf 58,2 Proz zurück. Die entsprechenden Zahlen End« Juni waren 42,9 bzw. 57, 2 Proz. Gegen End« Juni ist also noch eine leichte Verbesserung der Deckungsverhältniffe für den Umlauf an Noten festzustellen._ Die Zunahme der Oelheizuug in der Handelsschiffahrt. Di« nachstehende Statistik zeigh in wie großem Umtang die Handels« schiffe von der Kohlenheizung auf Oelheizung umge» stellt wurden und wie groß die Zunahme der Motorschiffe mit Dieselmotoren ist. Die Verschiebung ergibt sich au« folgenden Hundertsätzen: ES waren im Betrieb in Hundertsätzen in den Junimonaten:»u ins 1924 ins . in Prozenle» Dampnchlffe mit Kohlenheizung.. 88�8 68,9 66,2 64,8 Dampffchiff« mit Oelheizung... 2.6 24.2 26,8 27,5 Motorschiffe......... 0,5 2,6 8.1 4,3 Segelschiffe......... 8,1 4,3 8.9 8,5 Die Schiffe mit Oelheizung haben sich diesen Zahlen zufolg« in zehn Jahren verzehnfacht, die Zahl der Motorschiffe hat sich fast verzehnfacht. Seit 1923 war die Zunahme der Schiffe mit Oelheizung 13.6 Pro,, der Motorschiffe 67 Proz. In der letzteren Gruppe sind 2,5 Millionen Tonnen Schiffsraum vorhanden. Die englische Tonnage für Motorschiff« beträgt 734 000, die norwegische 325 000, die schwedische 260000. die deutsche 234 000. die amerikanisch« 2l6 000. Japan hat merkwürdigerweise kein« Motorschiffe. Die hier geschilderte Umwälzung macht sich gegen» wärtig bei der W elt k 0 h l e nkri s« fühlbor. Ein Teil der Absatzschwierigkeiten des Kohlenbergbaues rührt von dieser Seite her. Si«sch«-Harriman. Der in den RelchStagZdeVatten der letzten Zeit vielgenannte Konzern GiescheS Erben der bekanntlich sein von ihm selbst auf 350 Millionen eingeschätzte« Vermögen be- scheiden nur mit 50 Millionen Mark der Sleuerbehörde angegeben hat, schloß soeben mit dem amerikanischen Harriman-Konzern ein Abkommen, durch das amerikanische« Kapital vornehmlich für die oftoberschlefischen Besitzungen von GieicheS Erben interessiert wird. Gleichzeittg trennt sich der Giesche-Konzeim von seinen recht umfang« reichen Oelinteresien. Da« Europäische Oelkontor G. m. b. H. wird seine Tätigkeit einstellen;-S lieferte insbesondere Be« triebSftoffe und Oele nach Berlin. vor»eue« Fortschritten der deutschen HeilmltlelproduMoo. Anläßlich eine« Empfanges amerikanischer Studenten sprach Ge« heimrat D u i» b e r g über die Leistungen der deutschen Pharma« zeutischen Industrie für die Zivilisation und erwähnte dabei, daß auf diesem Gebiete durch die Ersindung deS.Germanins"(Boyer 205) durch feine Firma. Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer n.Co, in der SchlafkrankheitSbelämpfung bei Menschen und der Tietse- kranlbeit bei den Haustieren ein großer Fortschritt erzielt sei. Angespornt durch diele Erfolge entwickelt die Firma gerade aus dieiem Gebiete eine besondere Regsamkeit. Ter Verlaus dieser Untersuchungen in den letzten Wochen berechtigt ,u der Hoff- nung, daß bezüglich der Bekämpfung von Tropen! rantheiren und-seuchen Erfolge in Aussicht stehen, die uns einen außer« ordentlichen Schritt vorwärts bringen werde». Unterhaltung unö �Vissen � Ihr leeres Portemonnaie. Einstweilen gibt es öeshalb in veutsthlanb keinen anöeren Weg öer Erzeugung neuen Vetrtebskapitals als über öle Setriebe. Und diese Sildung neuen Kapitals kann stch im slugenblick und in erster Linie nur dadurch vollziehen, daß die Getriebe wieder verdienen. Die Sozialdemokratie nennt das:„Profit machen." ch-g-nberg>m.c»kai.A°zeiger- i Waldidyll. von Icffi. (Aus dem Russischen von L. T.) In der Ferne auf dem Kirchturm ertönte viermal ein kupferner Schlag, hielt still und dröhnte dann langsam weiter sechsmal. Das bedeutete, daß alle vier Viertel von einer Stunde verflossen sind und daß es gerade sechs wurde. Im Walde, auf der kleinen, runden Wies« von drei Schritt im Kreisdurchmesser, gehen die Abendvorbereitungen emsig vor sich. Zwischen den Wurzeln der alten Linde rührt und rauscht etwas. Ein rötlicher, flaumiger Wedel gleitet vorbei, er hält auf einem hohen Zweige an und dreht sich um, zwei aufmerksame Knöpfchen erglänzen und wieder gleitet der Wedel aufwärts und verschwindet. In der Krone einer nahen Fichte beginnt es plötzlich zu säuseln und ein Vogel schreit mit heiserer, besorgter Stimme dreimal ein und dasselbe; er beginnt zum viertenmol, gerät aber in Verwirrung. wird konfus und verstummt. Es ist nicht meine Schuld, daß er in Verwirrung geraten ist. Ich kann ihn nicht erschreckt haben. Ich liege ganz still und rege mich schon lange nicht, so lange, daß ich selbst den Schmerz von der rauhen, knorrigen Fichtenwurzel, auf der ich mit einer Schulter lehne, nicht mehr empfind«. Viele hoben sich hier an mich bereits gewöhnt. So die kleine Spannerraupe, die sich zierlich wölbt und streckt, und mit ihrem grünen Körperchen die Länge meines Armes abmißt. Zwei dunkelrote Ameisen sinnen auf den Fransen meine» Gürtels, sie warten, vielleicht zeigt ihnen der weis« Instinkt, wie dieser wunderlich« Gegenstand zu Nutz und Frommen der Ameisen mit verwertet werden könnte. Ich rege mich nicht, ich will nicht stören. Ich heb« die Augen und betrachte die rissige Rinde, die von der Ferne her einfarbig scheint und doch ganz bunt, ganz voll Sprüngen und Schuppen, Hülsen und Fädchen ist, wenn man sie betrachtet, indem man mit einer Wange an ihr lehnt. In einem der Sprünge wohnt ein grünes Pünktchen, kaum daß es atmet, kaum daß es sich bewegt, man sieht, es denkt nur daran, wie nicht zu sterben, wie sein für die gesamt« Deltschöpfung be- deutendes unersetzliches Leben nach Möglichkeit zu verlängern. Ich beginne für da» Pünktchen zu fürchten und lasse die Augen sinken. Unten, an den Wurzeln, wandelt gemessenen Schrittes ein Käfer. Er hat sicherlich ein wichtiges Geschäft vor. Auf seinein Rücken liegt ein Strohhälmchen. Weiß der Käfer davon oder nicht? Hat er e» auf sich geladen und trägt er es bewußt, oder ist es zufällig an seinem Rücken kleben geblieben und er kann nicht verstehen, warum er den ganzen Tag Kreuzschmerzen hat? Ich fasse einen roschen Entschluß. Ich strecke leise die Hand aus und nehm« das Strohhälmchen herab. Der Käser zieht augeti- blicklich die Füße ein und stellt sich tot. Um ihn zu beruhigen, stell« ich mich gleichfalls tot. Z Wie der Käfer überzeugt ist, daß er mich überlistet hat, wandelt er in seinen Geschäften weiter, ernst und besorgt. Die Spannerraupe ist inzwischen bei meinem Ellbogen ange- langt, denkt nach, wölbt ihr geschmeidiges grünes Körperchen und beginnt wieder zurückzukriechen. Offenbar hat sie die Zahl verloren und beschloß nun, von neuem anzufangen. .Vier... fünf... sieben...' helfe ich ihr..Messen wir es noch einmal ob und merken wir uns es, damit wir wissen, wieviel Platz in der Erde vorzubereiten ist. Es muß für alle reichen,,. zehn... elf...' Zwischen den Stämmen, dort wo die ersten Zweig« beginnen. blinkt etwas herüber, springt etwas Helles und Freudiges herum. Dort hat die Sonne hinterm Walde ihr« purpurrote Laterne an- gesteckt und sendet das Licht in einer lebenden, rauchenden Säule hinaus. Es lodert mit trockenem Feuer auf den rotstämmigen Fichten und spielt spitzenartig durchscheinend in Büschen und Sträuchern. Plötzlich kommt mit leichtem Geräusch ein Tierchen auf die kleine Wiese gelaufen. Es hat ein spitziges, tierische» Kinn und spitzige tierische Ohren, aber die Augen, lebhaft und traurig, sind weder waldhaft noch tierisch. Das Tierchen dreht sich und richtet die Ohren auf. Seine ge- hoben« vorder« Pfote zittert und auf dem Rücken zittert da» um den Hals gebundene ungereimt« lila Band. Es wird das Krachen schwerer Schritte hörbar. Hinter dem Tierchen treten keuchend große Tiere auf und sie kommen auf die kleine Wiese. Es find ihrer zwei. Da» vordere in grauem Rock und gewürfelten Hosen könnte wohl einen großen Kater vorstellen, das hintere, im Mantel und Hut mit Kuckucksseder und mit einem Körbchen am Arm hat etwas von der Art eines Pudels. Die Tiere bleiben stehen, schnauben und schnarchen gegen die Fichten, gegen das rauchrote Feuer der Sonne, und das erste von ihnen schnarrt in menschlicher Sprache: �Hier!" Sie breiten ein Tuch aus und lassen sich darauf nieder. Das kleine Tierchen mit dem lila Band beginnt um st« herum- zulaufen, ihnen zu schmeicheln und zu fuchsschwänzeln. Es spricht zu den großen Tieren mit den Augen, mit den Flanken, mit den Ohren mit dem Schwanz, sagt, daß es ganz zu ihnen stehe, daß es niemand abspenstig machen könne, nicht dos rauchig« Feuer. nicht dos saftige Grün, nicht was oben säusle, nicht was unten rausche Es habe für oll dos kein Verständnis. Das alles sei eine Kleinigkeit und-ine Albernheit-.euch diene ich und euch be- wundere ichr, V m V Der Pudel stellt dos Körbchen auf den Boden. Drei Ameisen beginnen sofort diese neue Naturerscheinung zu studieren: sie riechen und beraten, wie sie sich dazu verhalten sollen. Der Pudel zieht rauschend Papier au» dem Körbchen, entnimmt Butterbrot« und Schinken, gibt eines dem Kater und steckt sich das andere in den Mund. Hhr« Augen werden sofort verwundert rund. Dos untergehende Feuer der Sonne beleuchtet die netzarttgen roten Adern ihrer stumpf glänzenden AugSpscl. und das kleine Tierchen mit dem lila Band zittert mit der ganzen Brust vor unterdrücktem, gierigem Geheul. .Ruhig!" schreit der Pudel..Zunächst essen wir und dann bekommst du." Sie kauen bedächttg. die Augen auf einen Punkt gerichtet. Sie schmatzen laut und ernst, so daß der von seinem Geschäftsgang zurücoehrend« Käser Kch ans jede« Fall für«ine Minute tot stellt, Ei« kauen und schweigen und alles rundum verstummt. Alles erstarrt und nur zwei fett« Mäuler bringen feierlich und herrisch ihre Opferung dar. Das Bild ist mystisch-peinlich. Ich schließe die Augen.... .Nun. Jetzt wirst du fressen, denn wir haben schon gegessen." Der Pudel holt aus dem Korb«ine Tasse und schüttet aus der Flasche wässerige Milch hinein. Das Tierchen mit dem lila Band streckt die Zunge nur Seit« heraus und beginnt delikat und dankbar von der Milch zu lecken. Und die großen Tiere fahren mit den Augen über die still- gewordenen spitzenartigen Sträucher, die feurigen Stämme, die seidenen Gräser und verbleiben keuchend und stumpf. Dann erzittern die Augen de« einen und ein kleiner, schneller Blitz leuchtet für einen Moment zwischen den Wimpern auf. Ein Gedanke? Ja, ich Hab« e» erraten: ein Gedanke! Der Kater sagt: .Maier kauft ein« Apotheke." Nach diesen Worten wird alles still, so still, daß selbst die Ameisen den Atem zurückzuhalten scheinen. Es lauscht der Wold, es lauscht die Sonne, es lauschen die Gräser, die Tiere, die Baumläufer und die himmlischen Böget, und die grüne Raupe wölbt sich und erstarrt zu einem Fragezeichen. Es lauscht alles auf das Unerreichbare, das Unfaßbar«, das sich da vollzieht— wie der Mensch denkt und redet. Das Tierchen mit dem lila Band zittert und heult leise, er- stickend in Liebe und Entzücken und in Hingebung zerfließend. Halt inne, Natur!... Horch auf, Erde!... .Maier kauft eine Apotheke." Spleen? Von Erna Büsing. Das Wort spieen(engl!) ist sowohl die Bezeichnung für eine Milzkrankhcit, die Milzsucht, als wie sllr eine Art Hypochondrie, eine üble Laune. Nanientlich beim Engländer will man die Verschroben- heit, den spieen entdeckt haben. Graf Morton Dcoereux, der von sich sagen konnte:„Mein Leben war reich an Abenteuern und stets in Aufregung", schreibt von seinem Spleen genau so leichthin wie von den langen Fransen an seinen Handschuhen oder dem Diamant- knöpf an seinem Hut. Und der Engländer von heute, eingedenk der großen Wahrheit, die menschliche Schwäche ist etwas Gewisses, die menschliche Tugend ist etwas Ungewisses, glücklich aber bin ich auf jeden Fall, wenn ich meine eigene Verschrobenheit belächele, aner- kennt mit einer Großzügigkeit, die den ärgsten Nörgler entwafsnet, seinen Spleen. Doch, Spleen oder nicht, in den nachfolgenden Zeilen sollen ein paar Schnurren aneinander gereiht werden. Als die Whigs(engl. Perücken) und die Tories unter Karl II. ihre ränkevollen Parteikämpfe führten, trugen, so erzählt uns Eduard Lytton Bulwer, die Damen von der Whigpartei die Schönheits- pfläitcrchen auf der einen, die Anhängerinnen der Tones aber auf der anderen Seite des Gesichts. Und als einmal in der Gesellschaft eine Lady von ihrem Bcrehrer darauf aufmerksam gemacht wurde, daß ihre Schönheitspslästerchen sich oerrückt hätten, antwortete sie: .Ich habe meine politischen Ansichten geändert, Graf, das ist alles." Zur Ergänzung sei hier beigefügt, daß Whigs(liberale Bolkspartei) und Tories(aristokratische Hofpartei) von 1K8(>— 1867 als sich befehdende Parteien gegenüberstanden. Bon da ab unterscheidet man die Liberalen und die Konservativen. Eine höchst eigenartige Gepflogenheit, den Anstand zu wahren, berichtet der berühmte Schauspieler Colley Cibber(geb. 1674 als Sohn eines nach England ausgewanderten deutschen Bildhauers) in seinen Lebenserinnerungen. Er behauptet nämlich, die Damen hätten vor seiner Zeit es nicht gewagt, anders als maskiert in ein neues Lustspiel zu gehen, um sich so zu überzeugen, ob in dem Stück nicht allzu starke Berstöße gegen den Anstand vorkämen. Selbst gegenwärtig kann man noch viel Schnurriges finden. So ist noch heutzutage der„Hosenbandorden" der höchste englische Orden. Er wurde am 19. Januar 1350 von König Eduard III. gestiftet. Seine Geliebte, die Gräsin Salisbury, hatte auf einem Balle das Mißgeschick, ihr blaues Strumpfband zu verlieren, das sie am linken Beine trug. Der König wollte dos Strumpfband aufheben, ergriff ober das Kleid der Gräsin. Da soll er den Ausspruch getan haben: „Höring seit qui mal y bense". lind„Schande dem, der schlecht davon denkt", ist noch heute die Devise des Hosenbandordens, der als bloues Bond unter'm linken Knie zu tragen ist. Der Hosenband- orden wird, mit Einschluß des Köuios on Z6 regierende Fürsten und Engländer aus den vornehmsten Geschlechtern verliehen. Zudem werden 26 mmc Ritter, vewährte Hhoj-) Diener, ernannt, die jährlich 300 Pfund Sterling bekommen. Durch Annohme dieser Pension sind die armen Ritter, diese Menschen ohne Macht, verpflichtet für die 26 englischen Großen,— die immerhin nicht nur die selbstbe- wußten Großen irgendeiner Nation, sondern eines Weltreiches sind--- zu beten. Die.Herztöne" der INaschlue. Um die Herztöne beim Menschen genau zu untersuchen, bedient sich bekanntlich der Arzt des Stethoskops. Aber nicht nur beim Men- schen, sondern auch bei den Maschinen gibt es feine und feinste Geräusch«, die Störungen anzeigen und die man wohl als „Herztöne" der Maschine bezeichnen könnte. Ingenieure zu New- castle-on-Tyn« haben nun eine Methode erdacht, um das Stethoskop auch für Moschinen zu oerwenden. Bisher ermittelte man Störung?- gerousche bei Maschinen dadurch, daß man eine hölzerne Latte oder einen Stahlstab zwischen die Zähne nahm und das andere Ende auf die Maschinenteile aufsetzte. Nun sind aber manche Teile der Maschinen so unzugänglich, daß das Versahren versagt. In solchen Fällen bedient man sich jetzt des.Stethoskops". Dieser Apparat zur Feststellung der Herztöne der Maschine besteht aus einer Metoll- kapsel, die etwa den Durchmesser eines Zweimarkstückes hat und einen Zentimeter dick ist. Die eine Fläche der Kapsel besteht aus einen Zelluloid-Diaphragma, an dem ein Hörtrichter angebracht ist, gegenüber münden zwei Gummischläuchc von einem Meter Länge. Steckt man die Enden der Schläuche in die Ohren, so nimmt man an den Maschinenteilen, aus die der Hörtrichter aufgesetzt wird, das allergeringste Geräusch war. Die Leisttingssähigkeit des kleinen Instruments ist durch Dersuche an den verschiedensten Maschinen er- wiesen worden. Nahrungsaufnahme durch Blätter. Seit langem ist es bekannt. daß die Wasserpflanzen mit Hilse ihrer Blattoberfläche Nahrung?- stoffe aus dem Wasser aufnehmen. Neuerdings ist es nun gelungen, auch bei den Blättern der Landpflanzen diese Fähigkeit nachzuweisen. Werden die Nährsalze in dünnen Losungen auf die Blattobersläche gespritzt oder gepinselt, so werden sie allmählich ausgesaugt und van der Pflanze genau so verwertet, als wenn sie von der Wurzel auf- genommen wären. Daß in diesem Falle die Blätter das Geschäft der Wurzeln übernehmen, zeigt ein Versuch ganz eindeutig. Kultiviert man zwei Kürbispflanzen in ftickstofsreiem Boden und bestreicht man die Blätter der einen Pflanze regelmäßig mit der Lösung eines ge- eigneten Stickstoffsalzes, so wächst die so behandelte Pflanze kräftig heran, während die andere natürlich vollständig verkümmert. In der freien Natur hat allerdings diese Fähigkeit der Blätter, gelöste Stoffe aufzunehmen, nur geringe Bedeutung— etwa Aufnahme der im Regenwasser gelösten Stoffe. Aber im Pflanzenbau könnte sie doch noch Bedeutung erhalten, so vielleicht bei der Behandlung erkrankter Pflanzen. Das hellste Gestirn ist nicht unsere Sonne, wie man wohl noch vielfach glaubt, sondern ein Stern in der sog. Mngellanischen Wolke, der sich in einer Entfernung von ungefähr 100 000 Lichtjahren von der Erde befindet. Das Licht braucht also 100 000 Jahre, um bis zur Erde zu gelangen, und das Leuchten, welches wir heute wahrnehmen, ist in Wirklichkeit vor dieser langen Zeit entstanden. Dieser weitent- scrnte, helle Stern führt die Bezeichnung ,,S Doradus" und stellt einen veränderlichen Stern dar, dessen Lichtstärke unregelmäßig« Schwankungen zeigt. Neben diesem Stern, der das hellste bekannte Gestirn ist, finden sich noch acht andere Sterne in der großen Magella- nischen Wolke, die auch durch ihre bedeutende Helligkeit oufsallen. „S Doradus" überragt sie aber alle: denn man hat berechnet, daß seine Gesamtstrahlung so groß ist wie 600 000 Sterne von Sonnen- Helligkeit zusammen, und dnß er jährlich mehr als 10 Trillionen Tonnen an Substanz durch diese gewaltige Strahlung verliert! Briefbestellung aus Stelzen. Das seltsam und recht vorsintflutlich anmutende Schauspiel eines Briesträgers. der sich auf seinem Bestell- gang zum Ueberschreiten eines Meeresarmes primitiver Stelzen bedient, kann man in einem verlorenen Winkel Dänemarks noch heute beobachten. Das merkwürdige Verfahren findet in den besonderen örtlichen Verhältnissen der Gegend seine Erslärung. In dem Wasser- streifen, der die beiden nördlich von Falster gelegenen Jnselchen Bogö und Farö trennt, bleibt beispielsweise die Wassertiefe oft unter einem Meter zurück, sodaß Fuhrwerke dort mühelos passieren können. Ist dos Wasser hoch, so vollzieht sich zwischen Bogö und Farö der Postbeste', ldienst unter den normalen Bedingungen. Der mit der Be- stellung betraute Briefträger gelangt zu der letztgenannte» Insel, indem er den trennenden Meeresarm auf einem Boot durchquert. Sinkt das Wasser aber, ein Fall der häufig eintritt, so hat sein Boot nicht mehr den genugenden Tiefgang. Um seinen Postbestellgang auszuführen, ist der Briefträger dann genötigt, sich der Stelzen zu bedienen, um auf ihnen den dreihundert Meter breiten Wasier- streifen zu überschreiten. Da Farö nur drei bewohnte Gehöfte zählt, so glaubt die dänische Postverwaltuno. sich die Ausgabe für eine Wageopost sparen zu dürjen, Der große Erfolg! In der Hauptrolle: Mozartsaal ZIGANO Harry Piel Theater, Lichtspiele usw. Schiller- Theat. Lessing- Th. Operettenspielzeit 8 Uhr Täglich 8 Uhr: Die neue Revue Annemarie Regenbogen Bois, Herrnfeld, Operette von Jean Serak, Sikia, UnterGilbert u. Robert kircher, Ury, Sister, Gilbert mit Dora Bitter LosAndaluses Leffler Nymgau Spira- BaseitHeidemann Die Kleines Th. gelmann- Hiller Kuthan Ledebour Täglich 8 Uhr: Die schöne Melusine SCALA Komödie v. Lothar 8 Uhr Internat. Anni Mewes, Scherk Maaß, Sanden Schröder- Schrom Varicté. Trianon- Th. 330 zu ermäßigt.Preisen das volle Programm! Komödienhaus 7 45 Uhr: Der letzte Kuß Thalia- Th. 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