Nr. 373 42. Jahrg. Ausgabe A fr. 191 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reidsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Beit" mit„ Sied. lung und Aleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: .Sozialbemokrat Berlin'an Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareille.. geile 80 Pfennig. Reflamezeile 5. Reis art. Micine Anzeigen das fettgedruckte Wort 25 Vfera ( auläffia zwei fettaedruckte. Wor jedes weitere Wort 12 Biennis Stellengesuche das erite Wo 15 Pfennig, jedes weitere Worl 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. Staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags int Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden Straße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 9. Uhr früh bis 5 Uhr nachin. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonntag, den 9. August 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Boftfcheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Reichsbanner und Reichsverfassung. Zum Reichsbannertag in Berlin. das damit erst die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Wirken im Sinne seiner Bestimmung schafft. Bir haben den Bundesvorsitzenden des Reichsbanners| den Haufen warfen und der Republik den Garaus machten?| bilden, gehört zu dem Aufgabenkreis des Reichsbanners, das Schwarz- Rot- Gold", Genoffen Otto Hörsing Magde. War nicht vielmehr entschlossenes Handeln das Gebot der burg, gebeten, den in Berlin zur großen Verfassungsfeier Stunde, wenn anders nicht sich das republikanische Deutschzusammengeströmten Republikanern ein Begrüßungswort land der freiesten Verfassung unwürdig erweisen sollte? Es zu widmen. Er tut es, indem er das Verhältnis des Reichs- wurde gehandelt und den antirepublikanischen Verbänden banners" zur republikanischen Staatsform in knappen das Reichsbanners entgegengesetzt, das sich bewußt auf den Boden des republikanischen Staatsgedankens stellt. Strichen umreißt. Wenn die deutschen Republitaner auch in diesem Jahre den 11. August, an dem sich die Inkraftfegung der Weimarer Verfassung zum sechsten Male jährt, festlich begehen, so tommt darin nicht ein Rückfall in die Gewohnheiten des faiserlichen Deutschlands zum Ausdruck, einem geschichtlich denkwürdigen Tag durch, Heraushebung aus der Eintönigkeit " des Alltags ein besonderes Gepräge zu geben. Der 11. Auguft ist nicht zu vergleichen mit jenen zahlreichen Festtagen der wilhelminischen Aera, die mit patriotischem Flitterkram umgeben waren und an denen alles so unecht und unwahr war wie die Bezeichnung Boltsfest". Der Ber faffungstag steht in seiner Bedeutung und der Art, in Der er begangen wird, turmhoch über den Regiekünften der Kaiserzeit. Aus all den Rundgebungen, von denen wir in diesen Tagen aus allen Teilen des Reiches Kenntnis erhalten, spricht das freudige, nicht von Oben" befohlene Betenntnis weiter Boltstreise zu dem auf der Grundlage der Weimarer Berfassung errichteten jungen republikanischen Staat; in ihnen liegt zugleich die flare und eindeutige Antwort des republikanischen Deutschlands auf die in den letzten Monaten stärker in Die Gründung und die machtvolle Entwicklung des Bundes der republikanischen Kriegsteilnehmer fetzte den nationalistischen Organisationen einen Dämpfer auf. Während sie fleinlauter wurden, konnte sich die Propaganda der republikanischen Ideen kraftvoll entfalten, tauchten die vielin den entferntesten Dörfern auf. Sie waren durch das Reichsbanner mit einem Male volkstümlich geworden. Der Massenaufmarsch des Reichsbanners am 22. Februar 1925 in Magdeburg bewies, daß es zu einem republikanischen gefästerten verfassungsmäßigen Farben Schwarz- Rot- Gold Nach Ferdinand Lassalle ist die Verfassung eines Landes der Ausdruck der in ihm bestehenden tatsächlichen Machtverhältnisse. Solange das Reichsbanner besteht, ist die Gemähr gegeben, daß die Weimarer Verfassung unangetastet bleibt und in ihr die tatsächlichen Machtverhältnisse der deutschen Republik ihren Ausdruck finden. Deutschösterreichs Schuhbund. Bon Dr. Julius Deutsch( Wien), Vorsitzender der Zentralleitung des Republikanischen Schutzbundes Deutschösterreichs. Vor vier Jahren machte die vielgeprüfte junge Republif Desterreich eine ihrer schwersten Krisen durch. Damals standen die Banden Horthys an der westungarischen Grenze, brandschazten die Dörfer des deutschen Burgenlandes und versuchten von dort aus auch Reichstag. Einfalle in das altöſterreichische Gebiet. Die schwere StaatsZollkampf im Reichstag. Gegenwehr der Minderheit. Im Reichstag hat gestern der Gegenstoß der Oppofifion gegen die Vergemaltigungsabsichten der Mehrheit eingesetzt. Das Haus wurde vorübergehend beschlußzu langen Unterfrise benützten die Monarchisten, um der verhaßten Republik mit verbissener Wut in den Rücken zu fallen. Desterreichische Aristokraten, Offiziere und Diplomaten zettelten im Berein mit ihren ungarischen Klassengenossen eine Verschwörung nach der anderen an. gen, die Verfassung aus parteipolitischen Rücksichten wichtiger unfähig. Deutschnationale Provokationen, verübt durch gründet. Er wollte in erster Linie unsere Soldaten entlasten, Kernstüde zu entfleiden. Die Parole lautet: Hände weg von der Weimarer Verfassung! Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" steht mit seinen mehr als drei Millionen Mitgliedern, von denen der weitaus größte Teil sich aus den in den Schlachten des Weltkrieges geftählten Frontfoldaten rekrutiert, geschlossen hinter dieser Parole. Für die Reichsbannerleute ist das Treugelöbnis zur Weimarer Verfassung und damit zur Republik nicht nur ein Lippenbekenntnis, sie stehen zu ihr mit dem Einsatz der ganzen Persönlichkeit. Ihre Begeisterung für die demokratisch- republikanischen Ideale ist kein Treibbrechungen. Schließlich gelang es der Mehrheit, die allgemeine Ausfprache der zweiten Lefung zu schließen. Am Montag beginnt die Spezialberatung, zu der von der Mehrheit ganze drei Stunden Redezeit bewilligt sind. Eine Darstellung und frifische Würdigung der stürmischen Borgänge, die sich gestern im Reichstag abspielten, finden unsere Cefer in der 2. Beilage. hausgewächs. Sie haben im freien Entschluß den Weg zum Machtfaktor geworden ist, mit dem auch die Gegner rechnen Reichsbanner gefunden, als wir zur Gründung dieser Organi müssen. Daß sie es tun, geht aus der Berleumdungs fation aufriefen, ja sie haben deren Gründung als die erlösende Tat begrüßt, als die Zuspitzung der inneren Gegen- fampagne hervor, die sie feit Monaten in Wort und Gegen- ampagne sätze die Republik gefährdet erscheinen ließ. Dieses staats- Schrift betreiben und die bei den Reichspräsidenbürgerliche Pflichtgefühl, das im Jahre 1924 in tenwahlen den Höhepunkt erreichte. Ist es nicht geradezu dem erstaunlichen Aufstieg des Reichsbanners in über- parador, daß die Kreise, die dem heutigen Staat in Tot wältigendem Maße in Erscheinung trat, schuf die Dämme, an feindschaft gegenüberstehen, sich in der Rolle des staatsdenen sich die Wogen der Reaktion brachen, es hat die erhaltenden Elements gefallen und dem Reichsbanner staatsRepublit aus schwerer Bedrängnis gerettet. feindliche Ziele unterstellen? Es ist dies zwar ein recht ungeschicktes Unterfangen, es fennzeichnet aber die Beharrlich teit, mit der die Reaktion ihre Ziele verfolgt. Ein übriges tun ihre Bundesgenossen bei der Justiz, die die Staatsfreudig keit der Republikaner durch Tendenzurteile übelster Art zu beeinträchtigen versuchen und der untadeligen Persönlichkeit des ersten Präsidenten der Republik den selbstverständlichen Ehrenschutz versagen konnten, während sie gegenüber den Verächtern der Republik eine geradezu erstaunliche Toleranz an den Tag legten. In dem Bemühen, die Daseinsberechtigung diefer ihnen so unbequemen republikanischen Massenorganisation zu bestreiten, sind die Gegner der Republik sehr schnell mit der Behauptung bei der Hand, die Republik sei niemals in Gefahr gewesen und bedürfe daher auch keiner ausgesprochenen Schutzorganisation. Was von diesem heuchlerischen Vorgeben zu halten ist, haben die Ereignisse der letzten Jahre auch dem Unbefangenften in eindringlicher Weise zum Bewußtsein geführt. Das unverschämte Auftreten der nationalistischen VerTrotz all dieser üblen Erscheinungen bekennt sich das bände vom Stahlhelm bis zur kleinsten Hakenkreuzlerfekte Reichsbanner bewußt zur Beimarer Verfassung, die den hatte ausgangs 1923 Formen angenommen, die nicht nur Gedanken des freien Boltsstaates Wirklichkeit werden und bie öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdeten, sondern ihn in den sechs Jahren seines Bestehens eine Reihe schwerster auch die Ausübung der verfassungsmäßig gewährleisteten Belastungsproben ertragen ließ. Trozz unliebsfamster ErRechte der Einzelperson in Frage stellten. Der allerdings fahrungen ist es bereit, die Berfassung zu verfläglich zusammengebrochene-Münchener Novem- teidigen, die für den politischen und wirtschaftlichen Aufberputsch mit dem beabsichtigten Marsch nach stieg des neuen Deutschland erst einen festen Rahmen schuf. Berlin somie der Ruf der Stahlhelmbundes Gewiß liegen in der Verfassung feine Ewigkeitsmerte beleitung nach dem„ nationalen Direktorium" gründet und der Zeitpunkt kommt, wo sie der fortschreitenden fennzeichneten die Situation. Es wird denen, die im gegne- Entwicklung angepaßt werden muß. Reformen sind aber nur rischen Lager das Wort führen, schwer fallen, zu beweisen, denkbar im auf- und ausbauenden Sinne, niemals darf das daß durch diese Vorgänge die Republik nicht gefährdet ge- Nad der Entwicklung rüdwärts gedreht werden. Golchen Bestrebungen Widerstand zu leisten, erfordert ganze Männer, die ihre Rechte tennen und sie zu behaupten wiffen, daraus aber auch das Maß ihrer staatsbürgerlichen Pflichten herleiten. Sie zu erziehen und aus der Jugend heranzuwesen ist. Sollten die Republikaner angesichts dieser Entwicklung die Hände untätig in den Schoß legen und abwarten, bis die Sturmhaufen der Realtion bie Weimarer Verfassung über In diesen Tagen der größten Gefahr wurde der Republikanische Schuhbund unseres Landes ge= Landes Behntausende standen alsbald bereit, die Grenzen der Republik zu verteidigen. Aber nicht allein gegen die äußeren, sondern auch gegen die inneren Feinde der Republik wandte sich der Schutzbund. Gegen monarchistische Zetteleien wie gegen hakenkreuzlerische Bubenstreiche trat er mannhaft auf den Plan. Und siehe da, das bloße Erscheinen der gut diszipli nierten, strammen Abteilungen des Republikanischen Schutzbundes wirkte Wunder. Wo vordem die unterschiedlichen Organisationen sogenannter Frontkämpfer ihr Unwesen getrieben hatten, wo nationalsozialistische Sturmtruppen waffentlirrend einhergezogen waren, stand nun voll entschlossener Kraft die Verteidigungsorganisation Spreu das reaktionäre Gelichter! Wohl wagten die Frontfämpfer und Hakenkreuzler noch manchen feigen Ueberfall, ja Spreu das reaktionäre Gelichter! Wohl wagten die Frontfie töteten sogar eine ganze Anzahl braver Genossen, aber zu einer ernsten Bedrohung der republikanischen Verfassung reichten ihr Kräfte nicht mehr aus. Der Generalangriff der Reaktion war so gut wie abgeschlagen. des österreichischen Proletariats. Und vor ihr zerstob wie Freilich, an heftigen Zusammenstößen hat es auch in der Folge nicht gefehlt. Gerade weil es immer offenfundiger. wurde, daß gegen die wohldisziplinierten Scharen des Republikanischen Schutzbundes das bunt zusammengewürfelte nicht mehr auffommen fonnte, betätigten sich die öfterAufgebot der reaktionären Rampfesverbände reichischen Faschisten oft genug als Messerstecher und Revolverhelden. Wo fie mit Arbeitern zusammen stießen, griffen sie flugs zur Stich- oder zur Schußwaffe und meuchelten die unbewaffneten Gegner nieder. Natürlich deckte auch bei uns zu Lande, ganz ebenso wie im Deutschen Reiche, eine verrottete Justiz jede Mordiat der Hakenkreuzler. Es ist noch keinem von ihnen von der Justiz ein Härchen gekrümmt morden, obwohl sie Bluttat auf Bluttat häuften. Ebenso wie von der Justiz erfuhren die reaktionären Kampfesverbände von den staatlichen Polizeibehörden, wie von den Berwaltungen der Länder reiche Förderung. Nicht Breffe, daß ihre Stretche streflos bleiben fonnten. Diese Bresse, zum mindesten danken sie es aber der feilen tapitalistischen obwohl zu einem Teile von Juden geschrieben, deckte jede faschistische Schandtat, indes fie stets mit großem Geschrei über den Republikanischen Schutzbund herfiel, wenn sie glaubte ihn eines Uebergriffes beschuldigen zu können. Ein lehrreiches Erempel dieser Art ist die journalistische Ausschrotung eines Totschlages, der sich vor einigen Tagen in Bien zugetragen hat. Die Hakenkreuzler hetzten seit Wochen des Internationalen Zionistentongresses. Sie stänkerten in der unglaublichsten Weise gegen die geplante Abhaltung dabei ununterbrochen nicht nur Juden, sondern auch Arbeiter an, denen doch wahrlich der Zionistentongreß höchst gleich gültig ist. Reichsbanner- Grabenkrieg. Eindrücke aus allen deutschen Gauen. Seffen und Baben stehen unserer Efttetruppe der Proving Eine Rotte von unverantwortlichen Buben hielt wochenSachsen und Hannover kaum mehr nach. Am Rhein und am Nedar lang ganz Wien in Aufregung. Da geschah es vorigen gedeiht nun einmal der nationalistische Schnaps der oftelbischen Junker Sonnabend, daß bei einer solchen Auseinandersetzung ein nicht recht und so haben wir in Mannheim, Heidelberg und Freiburg unschuldiger junger Mann, der zufällig des Weges gekommen Bon Hermann Schüzinger. eine Reichsbannerbemegung von frischem Geist und guter, rheinischer war, erstochen wurde. Den Totschlag hatte ein polizeibekannter Strolch und Zuhälter verübt, der auch schon nach Berfaffungsfeier und Gaugründungsfeier find Großkampftage Frische. In Darmstadt durfte ich ebenfalls das Reichsbanner aus der Taufe heben und sah man höre und staune zwei Duzend wenigen Stunden verhaftet und seines Verbrechens überführt des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold". Da gilt es imponierende richtiger deutscher Studenten, darunter den Sohn eines bekannten werden konnte. Der Fall war sofort klargestellt: Es handelte Aufmärsche mit Fahnenwald und Trommler- und Pfeiferkorps zu Großindustriellen, die den Schritt zu uns gewagt haben. Auch die sich um fein politisches Verbrechen, sondern um einen nur inszenieren, riesige Rolonnen auf die Beine zu bringen und den gewassertante braucht sich ihrer Reichsbannerformationen nicht friminell zu wertenden Erzeß eines Trunkenboldes, der zu- ballten Maffenwillen zur Republik äußerlich kenntlich zu machen zu schämen. Die Hansastädte Hamburg, Lübeck und Bremen befizen fällig unter einige politisierende Leute geraten war. Troß mit aller Wucht und Kraft. dem heulte die reaktionäre Presse Tag für Tag von einem Rontingente republikanischer Frontfoldaten, die zum Teil älter find wie das„ Reichsbanner“ und dann in ihm aufgegangen find wie die Verschulden des ganz unbeteiligt gewefenen Republikanischen mustergültige hamburgische„ Bereinigung Republit. In Schleswig Schutzbundes, obwohl selbst der Wiener Polizeipräsident Holstein vermögen sich die in ihre graufamtene Uniform gefleideten der frühere bürgerliche Bundeskanzler Schober öffentlich Rameradschaften sehr wohl die Reaktionäre vom Leib zu halten und erklärte, daß unser Schutzbund mit dem Totschlag in feine in Pommern und Ostpreußen leistet das Reichsbanner an der Memel Berbindung gebracht werden könne. Tut nichts, der Verleumdungfeldzug geht weiter. und an der Weichsel, an den Masurischen Geen und in Bomerellen eine unschäzbare großdeutsche und soziale Kulturarbeit. Nun sind das freilich Verhältnisse, die in Deutschland auch nicht viel anders find als wie bei uns. Die Kampfes methoden der Reaktion sind allerorts so ziemlich die gleichen. Sie ändern sich nicht qualitativ, sondern quantitativ. Ueber das zur Anwendung gelangende Ausmaß vergifteter Kampfesmethoden der Reaktion entscheiden die Machtverhält niffe der Klassen. Deutschösterreichs Reaktion tobt ihre But über die Befestigung der Republit in feigen Gewalttaten und haßerfüllter Berleumdung aus. Aber sie tobt vergebens. Aber sie tobt vergebens. Unsere Abwehrkräfte sind ungebrochen. Ich kann ruhig behaupten, daß wir durchaus in der Lage sind, den Kampfesverbänden der Reaktion erfolgreich die Stirne zu bieten. Diese günstige Lage danken wir nicht allein der verhält nismäßig starken politischen Organisation der österreichischen Arbeiterklasse, ihrem guten gewerkschaftlichen und genossen schaftlichen Rüstzeug, sondern auch dem fräftigen Kampfgeiste, der sie beseelt. In diesem Zusammenhange sei darauf ver wiesen, daß in einem wichtigen Punkte die Verhältnisse Desterreichs einigermaßen anders find als die Deutschlands. Während es in Deutschland auch Teile des Bürgertums und der katholisch organisierten Arbeiterschaft gibt, die zur Demotratie stehen, ist dies in Desterreich in feinem nennenswerten Maße der Fall. Bei uns steht und fällt die Demokratie mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Auf fie allein fann fich bie Republik wirklich verlassen. Sie allein ist übrigens auch stark genug, Demokratie und Republik vor jedem reaktionären Angriff zu schützen. Der Republikanische Schuhbund unseres Landes ist aber aus eben diesem Grunde feine überparteiliche Organisation und fann es nicht sein, sondern ist eine Vereinigung sozialdemokratisch und freigemerffchaftlich organisierter Arbeiter. Und diese Bereinigung ist sich bewußt, daß sie in Deutsch- Desterreich auf die eigene Kraft angewiesen ist. Nichtsdestoweniger verbinden uns enge Fäden mit dem überparteilichen Reichsbanner Schwarz Rot Gold Deutschlands. Wir sind mit ihm eines Sinnes im Kampf gegen die Reaktion und für die demo fratische Republit. Vor allem aber find wir mit dem Reichsbanner eines Sinnes im Rampfe für ein einiges Großdeutschland. Nicht nur die wirtschaftlichen Intereffen drängen nach unserer Meinung Deutschland und Defter reich zur Bereinigung und müssen es schließlich zufammenführen. Unsere Herzen schlagen zusammen! Wir deutsch österreichischen Arbeiter streben mit allen Fasern unseres Seins nach der Ber einigung mit dem deutschen Brudervolte. Und wenn heute eine Abteilung des Republikanischen Schußbundes Deutschösterreichs durch die Straßen Berlins ziehen wird, dann werden wir alle im Geiste mit dabei sein. Unsere Abgesandten werden unsere wärmsten Gefühle zum Ausdrucke bringen, wenn sie den deutschen Arbeitern zurufen: Borwärts zum Kampfe für die Demokratie und für die alle Deutschen vereinigende großdeutsche Republik! Die Reichssturmfahne. Schwarz- Rot- Gold in der Geschichte. Welchen Widersinn und welche Gedankenlosigkeit historisch betrachtet der Kampf gegen die neuen deutschen Reichsfarben bedeutet, wie in diesem Kampf die Traditionen nicht etwa nur des ,, jungen Deutschland", sondern auch die des alten ,, Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation" befudelt werden, wird durch einen kulturhistorischen Beitrag zur Flaggenfrage flar: den Ernst Jäger unter dem Titel Schwarz Rot Gold in der deutschen Geschichte bei Sagawe, Verlag Berlin veröffentlicht. Er erbringt den heraldischen Nachweis der Verwendung der drei Farben bis ins frühe Mittelalter. Seit Otto II.( 973-83) galt als des Reiches Heerbild: Der Adler. Dieser Adler lag in schwarzer Farbe auf goldenem( gelben) Felde. Klauen und Zunge waren als Beichen der Wehrhaftigkeit rot gefärbt. So leuchtete Schwarz- Rot- Gold im Banner des Reiches. Den Zügen des fagenumwobenen Kaisers Barbarossa( Friedrich 1.) flog diefe Farbe voran. Nur der höchste Adel des Reiches war auserlesen, sie zu tragen. Die Urfunden besagen, daß Pfalzgraf Otto von Wittelsbach in den italienischen Feldzügen Friedrich I. der Träger war. 1336 belehnte Kaiser Ludwig der Bayer mit ihrer Führung den Grafen Ulrich von Württemberg, der die Fahne in Württembergs Wappen aufnahm. Bei diesem Anlaß bezeichnen Bei diesem Anlaß bezeichnen die Urkunden die Fahne zum ersten Male als Reichssturmfahne". Diese Fahne bestand aus einer Lanze von roter Farbe( ohne Griff zum Einlegen der Hand) mit einer gelben Fahne und dem Bild eines einfachen schwarzen Adlers, darüber ein roter Schwentel( ein langer Wimpel). Bildlich belegt findet sich diese gelbschwarzrote Fahne bereits in einer Darstellung( des Trieer Bildungskoder) von der Schlacht von Ancisa, September 1312. Die Reichssturmfahne Schwarz- Rot- Gold! Eine unbestreitSchwarz- Rot- Gold! Eine unbestreitbare heraldische Tatsache. Auch die Annahme, daß sich späterhin die Bedeutung der Farben Schwarz- Rot- Gold auf die Kämpfe des Jahres 1848 beschränkte, ist durchaus irrig und wird nur propagiert, um die Fahne als das Symbol demagogischer Ideen abtun zu können. Nicht nur der Turnvater Jahn, Ernst Moritz Arndt, Ferdinand Freiligrath, Hoffmann von Fallersleben, Ludwig Uhland, Friz Reuter und viele andere von den Besten der Nation sahen in den schwarzrotgoldenen Farben die Erfüllung ihrer höchsten Ideen und litten um sie. Auch die ersten Schiffe der Deutschen Flotte" stachen mit dieser Flagge am Mast in See. Sie wehte als Einheitsbanner des Deutschtums, als es galt Schleswig- Holstein meerumschlungen" dem Reiche zu erhalten, sie wehte in den Städten Deutschösterreichs, fie flatterte, geweiht von einem der Mitkämpfer Andreas Hofers, 1848 in ben Bergen Tirols: das Symbol des erträumten Zusammenschlusses, die Flagge des Aufbaues eines wirklichen Deutschen Reiches. " Professor Walter Lehmann, Direktor des Forschungsinstitutes am Berliner Duseum für Bältertunde, tritt in diesen Tagen eine längere for hungsreise nach Merito an " Neben diesen Großtampftagen des Reichsbanners", neben den Abwehr- und Angriffsschlachten größten Stils dürfen wir jedoch den Kleinfrieg, den simpeln Schüßengrabenkampf der Ortsgruppen und Gaue nicht vergessen, der an den Positionen der Reaktion nagt wie ein unsichtbarer Minenkampf unter der Erde, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag. " Bon diesem Reichsbannergrabentrieg will ich etwas erzählen, als einer, den die Welle unserer Bewegung herumgeworfen hat vom Bodensee bis an die Waterkant und von Tilfit bis an die Ruhr und den Rhein. Die Provinz Sachsen ist bekanntlich zusammen mit annover und Braunschweig die Stammproving des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold". Magdeburg, Halle, Braunschweig, Nordhausen, Naumburg, Aschersleben befizen Reichsbannerverbände, die geradezu muftergültig find. Aufonntäglich stoßen die schwarzrotgoldenen Autokolonnen von Braunschweig, Schöningen, Helmstedt und Halberstadt in den Harz, um dort bei den„ Republikanischen Tagen des heißumstrittenen Harzgebietes dem„ Stahlhelm und " Jungbo eine Bosition nach der anderen abzunehmen durch ihre frischen Aufmärsche und ihren lebensfrohen Reichsbannergeist. In Sameln ist mir vor einiger Zeit die hübsche Eitte zum erstenmal aufgefallen, die Lastautos zu bekränzen und mit Fahnentuch aus. zufchlagen. In Bad Pyrmont ftauten sich um unsere Wagenburg" vor der Wandelhalle die Massen. Als mir dann beim Einbruch der Nacht, die Feuergarbert unserer Fadeln über den Köpfen, die Trommler und Pfeifer im vordersten Wagen voraus, in langjamem Tempo in die Rattenfängerstadt zurücfuhren, da flammten die alten Häuser der Stadt auf wie Zunder im Schein unserer Lichter und in unserem hellen Frei- Heil!". Eine der ältesten Reichsbannerprovinzen ist zweifellos die 2ausiz. Hier hat in den letzten Jahren schon in der Kottbuser und Biegnizer Gegend der„ Bund republikanischer Frontsoldaten und der„ Neue Stahlhelm eine fruchtbringende Tätigkeit entfaltet. Die Laufizer und niederschlesischen Reichsbannerkameraden sind ein wetterharter Menschenschlag, voller Hingabe und soldatischer Disziplin. Sie stehen in schärfstem Rampf mit dem„ Stahlhelm", der gerade dort, in den Mittel- und Kleinstädten der Ober- und Nieder laufig, die Straßen und Bläge für sich in Anspruch nahm und die Jungen zu blenden versuchte bis weit in die Kreise der hart um ihr Dafein ringenden Proletarier der Laufiger und niederschlesischen Industrie. Freundnachbarliche Wechselbeziehungen bestehen dort zwischen Görlig und Baußen im Süden, Kottbus, Frankfurt a. d. D. und der großen Reichsbannerfestung Berlin im Norden. rom Einen der schönsten Reichsbanneraufmärsche habe ich fürzlich in Breslau erlebt. Ich stand an der Seite Löbes und des rührigen Bauvorstandes in dem riesigen Saal des„ Messehof", als sich mit einem Schlag die Türen öffneten und unter den Klängen des Reichs. bannermarsches unter dem Beifallssturm der Galerie und der Mänge vier Rolonnen in den Eaal hereinstießen mit wuchtigem Schritt. Nur Hannover fonnte sich mit diesem Schauspiel messen. Es war der Sonntag vor der Abreise des neugewählten Reichspräfidenten Hindenburg nach Berlin. Zwischen der Seelhorststraße und dem riesigen Stadion, dem Schauplatz des Reichsbannertages, fluten die Massen hin und her. Die Galerien sind dicht gefüllt und feierlich stehen die Baummipfel des Parkes um die riesige Arena, in deren mitte ein schwarzrotgoldener Würfel, das Podium der Ehrengäste und der Breffe steht. Ein Fanfarenstoß und das Reichsbanner, Presse eine Riesenfapelle mit einem Maffentrommler und Pfeiferforps voraus, marschiert in sechs Abteilungen durch den breit geöffneten Eingang herein, daß die Tribünen erzittern unter dem Gleichschritt der Kolonnen und unter dem Beifallssturm der Massen. In diesem Augenblick ist dem Berichterstatter des Hannoverschen Kurier", dem Major a. D. v. Prizelmit, das Monofel aus dem verlängerten Gesicht gefallen! Und unsere Schmesterorganisation, der Schutzbund" in Deutschösterreich! Im Mai dieses Jahres erlebte ich eine Schußbundfeier", hoch oben im Salzkammergut, in den bereiften 400 Jahren ber Statthalter von Oberösterreich die Führer der um oberösterreichischen Bergen, am Haushammerfeld". Da hat vor ihres Glaubens willen revoltierenden Bauernschaft hängen lassen, an der Linde am Haushammerfeld". Hier knüpft der„ Schutzbund" an mit einem imponierenden Aufmarsch und mit einem historischen Festspiel unter freiem Himmel zur Aufflärung und innerlichen Revoltierung der Bauernschaft. Doch der Wettergott meint es nicht gut mit uns und entlädt ein Gewitter, so daß der Abt triefend seine Gewänder den Berg herabschleppt. Und dem„ Tod" klebt die Schminte gar traurig ums Maul. Und trogbem mar der Tag eine gewonnene Schlacht im Grabenfrieg". " Räumung Duisburgs erst am 25. August? Gerade dem Berliner Bau ist es dank der Zähigkeit und Opferfreudigkeit einiger Kameraden gelungen, die mit friderizianischen Traditionen und mit der muffigen Luft der altpreußischen Militär- und Beamtenkaste erfüllte Mark Brandenburg zu säubern „ Stahlhelmgeist". Die erste Werbeversammlung durfte ich in Vorbereitungen für den Abmarsch. der Stadthalle an der Klosterstraße aus der Taufe heben. Und Düffeldorf, 8. Auguft( MiB). Wie der Miffag" aus trotz der unendlichen Schwierigkeiten, die im Wesen und im Bau der Weltstadt begründet find, ist dort eine Kameradschaft nach der Duisburg erfährt, ist dort der Befehl bei der Befahungstruppe anderen aus dem Boden geschossen und alle zusammen bilden heute eingetroffen, die Vorbereitungen für den Abmarsch der in Duisvielleicht mit Hamburg und Magdeburg das stärkste Reichsbanner- burg garnifonierenden Truppen zu treffen und fo zu fördern, daß fontingent. Im Spreewald hatten wir vor einiger Zeit eine die Räumung von Duisburg am 25. Auguft erfolgen fann. Gleicheinzigartige Truppenschau der Republit. Das war ein schwarzrot zeitig erfolgt die Räumung des noch befehten Reftgebietes von goldenes Leuchten über den Schiffen, unter dem Blätterdach, das sich Mülheim diesseits der Ruhr. Die belgische Militärpost über die Spreewaldtanäle fenfte, das war ein Jubelruf einer frohen, bleibt noch bis zum 30. Auguft in Duisburg, zu welchem Termin übermütigen Jugend, die sich in den Booten balgte und in den Dorf auch die übrigen Militärbehörden die Stadt verlassen haben schenken tanzte, daß sich die Blanken und die Bretter bogen. Und merden. Dagegen wird die Homberger Rheinbrüde, auf der der doch war alles zur befohlenen Stunde am Markt von Lübbenau zur Berkehr in den letzten Wochen vollständig freigegeben war, wieder Stelle zum Appell der jungen Republik! befeht und am Brüdenausgang in Ruhrort einen Posten erhalten. Die Hosen des Herrn Mussolini. Die folgende fleine wahre Geschichte hat in Zürich gespielt, da. mals vor langen Jahren, als Benito Mussolini noch fein Duce" war und als politischer Flüchtling dem italienischen Vaterlande seine „ Ode an die Deserteure" entgegenschleuderte. Er war nämlich noch sehr jung und verabscheute aus vollem Herzen jede Gewalt. Er fonnte ja nicht wissen, daß er nachher den Faschismus erfinden würde. Aber wie das so geht, Benito Mussolini war zwar reich an fühnen Ideen, aber arm an Franken. Sein hoher Geist verabscheute die banalen Mühen des täglichen Brotermerbs, wie ihn seine inSo zog er es ferioren Kameraden unbegreiflicherweise ausübten. vor, mit seinen Landsleuten und Kameraden ihr färgliches Brot zu teilen, getreu dem Grundfaze, den er später in der Politik verwirk lichte: Wer andern eine Grube gräbt hat Gold im Munde". Das ging auch ganz gut, aber eines Tages brauchte Benito Natürlich wollte er feine schäbige dringend einen neuen Anzug. Konfektion, sondern Maßarbeit, wie sich das für einen feinen Mann geziemt. Benito ging zu seinem Landsmann, dem guten alten Cefare, der ein Meister der Nadel war, und sagte:„ Cesare, amico mio, ich brauche einen neuen Anzug, aber recht elegant muß er sein, und Geidenfutter muß er haben, und in der Brusttasche muß ein buntes Seidentuch steden ja und großtariert natürlich, das ist doch jetzt die neueste Mode, und du, mein lieber Cesare, du sollst mir diesen Anzug machen." Cesare war hoch geehrt und murmelte nur etwas von Bezahlen. Aber Benito winfte großartig ab. werde dich fürstlich entschädigen Und Cefare wagte nichts mehr zu sagen. ch Der Anzug murde fertig, und Benito war schon wie ein Gott in großfariert. Dann aber verließ Benito die Schweiz. Er wollte Weltgeschichte machen. Zu bezahlen vergaß er. Mit solchen Kleinig feiten fann sich ein großer Geist nicht aufhalten. Cesare aber blieb in Zürich, nähte fleißig und dachte nur manchmal noch mit leiser Wehmut an seinen schönen, großfarierten Benito. 78 Franken und 50 Centimes hatte er ihn gefoftet. Das war schmerzlich, aber schließlich trocknete die Zeit auch diese Tränen. Aber eines Tages Madonna, Madonna steht Cefare in seiner Zeitung ein Bild: Benito Mussolini, der Herr Italiens, im Lowenfäfig mit einer Löwin spielend. Weiße Gamaschen hatte er an und einen totschicken Anzug für mindestens 350 Franten, das fah Cefare fofort. Wunder und zeichen geschehen. Wie oft hatte Benito des Abends bei ihm und seiner Frau Maccaroni gegeffen, und jetzt war er der Herr Italiens! So manchen Franken hatte er ihm gepumpt, und richtig, auch jener Anzug fiel ihm wieder ein. Du lieber Gott nun war er ein gemachter Mann. Benito würde ihn zum Minister machen oder noch mehr, zum Hof lieferanten. Cesare schrie:„ Evviva Mussolini" und flapperte mit der Schere im Tafte der„ Giovinezza". Dann sagte er zu feiner Frau:" Siehste wohl, hätte ich ihm damals nicht den schönen Anzug gemacht, wäre er auch niemals ein feiner Mann geworden." Dann schickte er einen Brief an Herrn Duce Mussolini, gratu lierte ihm zu dem neuen schönen Bosten und sagte zum Schluß auch etwas von dem Anzuge. Ganz distret, versteht sich. Cefare hat feine Antwort bekommen, und seine Frau darf fich nichtron Duce Oberhofleibfchneidering nennen, Der Angna murde auch nicht bezahlt, obwohl Cesare nur den Borkriegspreis, 78,50 Franfen, berechnet hatte. ,, Das Geschäft muß doch mohl nicht auf der Höhe sein, sonst tönnte er mir doch die Hosen bezahlen," meinte Cefare. Seine Rundschaft aber tann sich bei Benito bedanten, wenn sie jetzt nichts mehr auf Pump geliefert bekommt. Hans Wesemann. Edles Blut. Da befanntlich selbst die Götter mit der Dummheit Dergebens fämpfen, so war es von vornherein anzunehmen, daß der badische Staatspräsident Dr. Helpach nicht siegreicher darin sein würde. Sein Bemühen, das Leben in den studentischen Verbindungen zu reformieren, war ein Versuch am untauglichen Objett. Denn obgleich der Geist hier quantitativ zwar ein Maximum in Maßtrügen und Weinflaschen erreicht hat, steht er doch qualitativ im Minimum, und genügt gerade noch, um den Komment zu begreifen. Wiffenfchaftliche Aufgaben scheinen dieser deutschen" Jugend überflüssig, desto wichtiger aber die Kenntnis des Ehrhardt- Liedes und der D.-C. Statuten. Und natürlich muß der echte, raffenreine Germane auch die Waffen zu handhaben wiffen. Büdt er sie gegen Juben und Republikaner, so genügt hierfür der Revolver, mit dem man mutig aus dem Hinterhalt hervorknallen fann; gegen seinesgleichen aber tämpft man mit der blanken Klinge, blidt sich tapfer ins Auge, und schüttelt sich hinterher die Hände, stolz auf die gespaltene Raje und die blutigen Schmisse". In 34 Jahren hat ein Heidelberger Arzt 25 000 Schlägermenfuren behandelt, 50 000 Studenten also, die pardon, ihr Deutschtum, be zeugten. Und nun plöglich soll dem Fünfzigtausendhundertsten und bem Fünfzigtaufendundzweiten dieser Baderen dieses Betenntnis verboten sein, und man forderte fie deswegen o alte Burschenvor die Schranken des herrlichkeit, wohin bist du entschwunden Gerichts?! Dort aber faßen weise Richter; fie sprachen die tapferen Streiter frei, wahrscheinlich aus der Erkenntnis heraus, daß Dummheit unausrottbar ist, wenn sie nicht an sich selber zugrunde geht. mit ihrem Blut ihre Dummheit Für die Abschaffung der Todesstrafe. In den Bereinigten Staaten wird eine lebhafte Propaganda für die Abschaffung der Todess strafe entfaltet. In einigen Monaten wird in New York ein internationaler Kongreß stattfinden, an dem die bekanntesten Krimina listen und Psychiater der ganzen Welt teilnehmen werden. Gleich zeitig mit der Eröffnung dieses Kongreſſes wird im Parlament des Staates New Dorf ein Gesezentwurf eingebracht werden, der die Abschaffung der Todesstrafe vorsieht. Zurzeit ist die Todesstrafe noch in 40 der 48 Staaten ber Union in Kraft. Oper am Königsplah. Die Partie der Rosalinde" in der„ Fledermaus wird vom Montag ab Margit Suchy fingen. Die Bollsbühne veranstaltet in der nächsten Winterspielzeit Sonntag Mittaglonzerte in ihrem Theater am Bülowplag und Abendfonzerte in der Hochschule für Mufit, in deren Rahmen am 29. September Otto Klemperer Brudners VIII. Symphonie, am 18. Oftober Dr. Frik zie dry mit Tilla bringen wird. Außerdem haben Artur Schnabel, Heinrich Schlus nus, Durieur als Sprecherin Schönbergs Pierrot lunaire" zur Aufführung Siegfried dis, das avemann Cuartett, die Stapelle der Staats. oper, der Glara rause'iche Frauenhor, Noie Balter ibre Mite wirtung zugefagt am aweiten Beihnachtsfeiertag gelangt zum ersten Male in Berlin bos geburtain now Submig eb Die staatliche Fürsorge für üie Optanten« Ueberwachung durch Ministerialbeamte. Wie der Amtliche Preußische Prcsiedienst mitteilt, weilen zur- zeit der Ministerialrat König vom WohliahrtZministerium und der Ministerialrat Rathenau vom Ministerium deS Innern in Schneidemühl, um die im Hinblick auf die Optantenauiweisungen auZ Polen an der Grenze und im Flüchtlingslager erforderlichen Maßnahmen zum Schutze der Volksgesundheit und zur gesund- heitlichen Fürsorge für die Flüchtlinge zu über- wachen und zu ergänzen. 5500 Optanten im Lager. Schneidemühl. 8. August. sWTB.) Die Zahl der Insassen deS Schneidemühler Lagers beträgt zurzeit annähernd 5500 Person e n. In der Zeit von gestern früh 6 Uhr bis heute früh 0 Uhr sind 54 Ausgewiesene neu im Lager eingetroffen! rund 40 der ein- getroffenen Optanten konnten sogleich weiter befördert werden. Gegen 200 Personen haben im Laufe de? gestrigen TogeS das Lager verlassen. Von der Vermittlungsstelle wurden gestern über 300 Personen vermittelt, denen Arbeitsstellen in den Provinzen Grenz- mark Posen'Westpreußen. Pommern und Ostpreußen nachgewiesen werden konnten. verhanülungen über üieEntwaffnungsfrage Noch im Anfangsstadium. An zuständiger Stelle wird die Nachricht über die Aufnahme von Verhandlungen in der EntwaffnungSfrage bestätigt. ES wird aber darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen noch im An- fangSstadium sind, und daß ein Ergebnis auch noch nicht prophezeit werden kann._ die Eisenbahner im besetzten Gebiet. Ein sozialdemokratischer Antrag gegen Entlassungen. Der Ausschuß für die besetzten Gebiete beschäftigte sich am Sonn- abend u. o. mit der L a g e der Eisenbahner. Seit einiger Zeit wird bei der Reichsbahn im besetzlen Gebiet abgebaut. Genosse Kirschmann wies daraus hin, daß im Reichsbahndirektionsbezirk Köln neuerdngs wieder 1500 Beamte die Kündigung erhalten haben mit der Maßgabe, daß davon 750 als Rottenarbeiter weiter be- schäftigt werden können. Selbstverständlich wird dann die Zahl Rottenarbeiter entlassen, so daß es bei der Zahl 1500 bleibt. Än Koblenz stehen jetzt, bei der dritten Abbauaktion, wieder 250 Per- sonen zur Kündigung, in der Betriebswerkstätte Dortmund sollen gleichfalls 500 Mann entlassen werden. Aus Trier, Limburg und einer ganzen Anzahl weiterer Orte laufen täglich die gleichen chiobs- botschasten ein. Diese Masscnentlassungen müssen bei der an sich katastrophalen Lage des Arbeitsmarktes im besetzten Gebiet fürchter- liche Folgen haben. Die Reichsregierung muß deshalb aus die Reichsbahnverwaltung einwirken, daß diese Aktionen ein Ende finden. Der sozialdemokratische Antrag, daß die Reichs- regierung ersucht wird, bei der Reichsbahnvcrwaltung darauf hin- zuwirken, daß im besetzten Gebiet unter Berücksichtigung der beson- deren Verhältnisse von weiteren Entlassungen von Beamten, An- gestellten und Arbeitern abgesehen wird, wurde im Ausschuß ein- stimmig angenommen. Ebenso wurde eine Entschließung gutgeheißen, in der verlangt wird, daß das Reichsministerium für die besetzten Gebiete unverzüglich mit dem Finanzministerum, dem Arbeits- Ministerium und der Reichsbahnverwaltung in Verbindung tritt, um die in der Entschließung de» Haushaltsausschusses angeforderten Mittel(5 Millionen Mark), die durch die Bewilligung des Not- etats verfügbar geworden sind, bald unter Mitwirkung der Organi» sationen der Arbeiter und Angestellten der Reichsbahn an die Ge- schädigten auszuzahlen._ Der unbequeme vanüervelüe. Briand will ihn nicht in London mitreden lasten. starls, 3. August.(Eigener Drahlbericht.) Entgegen früheren Meldungen wird der belgische Außenminister Dandervelöe an der Londoner Zusammenkunft Briand-Chamberlain nicht teil- nehmen. Briand scheint zv wünschen, daß die Londoner Aussprache auf eine Diskussion zu zweien beschränkt werde, da man nach dem jüngst in London überreichten belgischen Memorandum be- rcchligten Grund zu der Besorgnis zu haben glaubt, daß von Belgien nicht nur keine Unterstützung Briands, sondern in vielen Punkten scharfe Opposition zu erwarten ist. Bandervelde hat die geplante Reise ausgegeben. Immerhin wird die belgische Re- gierung an den Besprechungen zwischen den technischen und juristl- schen Sachverständigen teilnehmen, die der Beratung über die Fassung des Garantievertrage« dienen sollen. Die belgische Regierung hat damit den Kabinettchef R o l l i a beaustragt, der als einer der eifrigsten Vorkämpfer für den Ausbau und die Stärkung des Völkerbunde» und seiner Kompetenz gilt. Man glaubt daraus schließen zu können, daß die belgische Regierung auch in London mit Rachdruck den von ihr bereits ausgesprochenen Gedanken zur Geltung bringen lassen will, daß kein Staat zu einer bewaffneten Intervention in einem Konflikt zwischen anderen Mächten be- rccht'gt ist, ohne dazu durch einen Beschluß oder ein Mandat de» Völkerbundes ausdrücklich bevollmächtigt zu sein, eine These. die das von Frankreich geforderte Recht der automatischen Sank- tionen sowie zum bewaffneten Eingreisen im Fall« eines deutsch- polnischen Konsliktes ohne vorherige Zustimmung de» Völkerbundes ausschließt. VanÄervelde ist ein unbedingter Gegner des Imperialis» mus und einer Politik, die trotz aller friedlichen Reden nur das Gegenteil von Völkerverständigung erreicht. Danim soll er in London nicht dabei sein. Aber auszuschalten ist Belgien aus dem Rat der Alliierten nicht und feiner Stimme, die nun ein Sozialist führt, bleibt ihre Kraft für die Entscheidung erhalten._ Schluß mit Marokko! Einmütige Forderung der Pariser Sozialisten. pari». S.August. lEig. Drahtber.) Eine sozialistische Delegierten- konferenz deS Seine-DepartementS wählt morgen(Sonntag) die ParteitaqSdelegierten und nimmt Stellung zu den Anträgen. Die vor 14 Tagen eingesetzte Resolutionskommission ha« sich'weder ,n der Frage der Forlsctzung der Kancllpolitik, noch in der Frag« der evtl. Beteiligung an einer bürgerlichen Regierung auf eine gemein- some Formel zu einigen vermocht. Mehrheit und Minderheit werden infolgedessen zu den Problemen der inneren Politik besondere«n- träge einbringen. Dagegen hat eine Resolution, die für die schleunige Beendigung des M a r o kk o a b e n t e u e r» eintritt, e i n st i m m i g e Annahme gefunden. Ein Tiszipliabrecher. Varls. 8. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Fall des sozia- listischen Abg. 33 o renne, der ohne Ermächtigung der Partei- instanzen den Posten des Generalgouverneurs in Jndochina ange- nommen hat, wird in der Partei erregt besprochen. Wie man erfährt, bat der Parteioorstand mit großer Mehrheit ausgesprochen, daß dos Vorneh-n Varenn?» Vellen weitere Znaehörigkelt zur Partei a u s i ü- l i c ß t, l ud r.nch dem„Paris Soir" soll in der Partei eine starke Strömung für einen Ausschlußantrag gegen Larenne bestehen.______ �_______ Die englifthe Die Stellung Baldwins k). W. London, Anfang August. Die innerpolitische Situation in England hat in den Tagen eine Verschärfung erfahren. Es wird sichtbar, daß die Hilfslofigkeit Baldwins bei der Erledigung der K o h l e n- k r i f e ihn um jenen Rest von Prestige gebracht hat, den fein Verhalten bei den kritischen Entscheidungen der letzten Monate noch übrig gelassen hatte. Es wird nunmehr klar, daß alle Kritik an seiner Sozialpolitik, seine Kapitulation vor den Admirälen, alle jene Maßnahmen, die von Gegnern und Freunden mit gleicher Schärfe angegriffen worden waren, ihm nicht so geschadet haben, wie seine plötzliche Schwenkung in der Unterhaussitzung. Auf konservativer Seite wirft man ihm vor, daß er es oersäumt habe, jene Vorkehrun- gen zu treffen, durch die ein Generalstreik unschädlich gemacht worden wäre, auf deutsch, daß er nicht eine„technische Not- Hilfe" und andere Organisationen und Maßnahmen zur Durchbrechung des Streikes vorbereitet habe, obwohl er die Gefahr der Krise seit Monaten habe kommen sehen. Die Die-Hards, die Rechtskonferoativen, find auf Baldwin be- sonders deshalb erbost, weil er die Gelegenheit nicht dazu be- nützt hat, um die Gewerkschaften„auf die Knie" zu zwingen— sie geben deshalb die völlig sinnlose Parole aus, Baldwin habe vor dem„Bolschewismus" kapituliert, eine Parole, die sich anläßlich des Sinowjew-Briefes im Wahlkampf gegen Mac- donald seinerzeit so überraschend gut bewährt hat. Die L i b e- r a l e n hingegen tadeln, daß Baldwin anläßlich der K o h l e n k r i s e eine für einen Staatsmann geradezu ver- nichtende Unfähigkeit gezeigt habe, eine gegebene Situation richtig einzuschätzen. Seine ganze Taktik sei auf die Erwar- tung eingestellt gewesen, daß die Einheitsfront der Arbeiter- fchaft zusammenbrechen werde, sobald die Lage ernst werde, er habe bis zum letzten Moment mit einem zweiten„Schwor- zen Freitag" gerechnet, d. h. er sei davon überzeugt gewesen, daß wie im Jahre 1921 Eisenbahner und Trans- arbeite? den Bergarbeitern die Gefolgschaft ver- weigern würden. Als Baldwin in letzter Stunde erkannt Frankreichs Krieg in Sprien. Paris, 8. August.(Eigener Drahtbericht.) Die französischen Der- luste im Kampf gegen die ausständischen Drusen sollen sich auf über 200 Tote und 600 Verwundete belaufen. Durch die sehr beträchtliche Beute an Waffen und Kriegsmaterial aller Art, die den Eingeborenen in die Hände gefallen sind, soll es diesen ermöglicht sein, den Kampf gegen die französischen Truppen mit weit größerer Wirksamkeit zu führen. Die amtliche französische Darstellung führt die erlittene Schlappe aus den Abfall der ein- geborenen Gruppen zurück, die es dem Gegner ermöglicht haben sollen, der aus Damaskus zur Unterstützung der belagerten Garnison von Souida abgehenden Kolonne unter dem Kommando eines Generals zu überfallen und zu zersprengen. General Sarrail soll bereits in Paris Verstärkungen an Truppen und Material angefordert haben, ein Zeichen, daß die revolutionäre Bewegung keineswegs den harmlosen Eharoktcr hat, den die zuständigen Pariser Stellen vorgeben. Die nationalistischen Blätter, die den der Linken nahestehenden General Sarrail für die Ereignisse verantwortlich machen und den Ausstand als die Wirkung einer Reihe von Provo- kationen durch die von ihm ernannten lokalen Befehlshaber hin- stellen, machen bei dieser Gelegenheit Enthüllungen über die franzö- sische K o l o n i s i e r u n g s m'e t h o d e n, die auch auf die Ereig» nisse in Marokko ein neues Licht werfen. London, 8. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Aufstand der Drusen nimmt an Stärke und Ausdehnung beständig zu. Das ganze Hinterland von Beirut und Damaskus soll sich in heller Auf- l e h n u n g befinden. Marokkotruppen, die eben nach der nord- afrikanischen Front verschifft werden sollten, sind z u r ü ck g e- halten worden und marschieren eilig in das Ausstandsgebiet. Da die Drusen niit modernen Kriegswaffen ausge- r ü st e t sind, gelang es ihnen, den französischen Truppen Maschinen- gewehre, Kanonen und Tanks abzunehmen und einige Flieger her- unterzuschießen. » Das Pariser Kriegsministerium bezeichnet die Londoner Berichte über Syrien als übertrieben— ebenso vielleicht, wie vor einigen Wochen die Londoner Regierung die Pariser Berichte über China! Pilger und der Studentenprozeß. Deutsche Erklärung in Moskau. ZNoskau, 8. August.(WTB.) Das Volkskommissariat für aus- wärtige Angelegenheiten veröffentlicht ein Konununique, in welchem mitgeicilt wird, daß die deutsche Botschaft unter Bezugnahme auf ihre früheren Erklärungen zu der Angelegenheit der deutschen Studenten vor einiger Zell an das Volkskommissariat eine Er- klärung gerichtet hat. Das Kommunique veröffentlicht sodann den Wortlaut dieser Erklärung, in der es u. a. heißt: Das Zusammen- treffen des Legationsrats Hilger mit den deutschen Studenten auf einer Reise von Riga nach Moskau mar«in reiner Zufall. Hilger hat die Studenten vorher nicht gekannt und von ihrer Reise nichts gewußt. Die Studenten erzählten ihm von ihrer Absicht, eine Studienreise nach Turkestan und Sibirien zu unternehmn. Hilger, dem diese Pläne unüberlegt und undurchführbar er- schienen, forderte die Studenten auf, bei der Botschaft vorzusprechen, bevor sie ihre Reise fortsetzten, um sich dort Rat zu holen. Bon Be- gegnungcn in Privatwohnungen war dabei keine Rede. Auch gab Hilger keine Ratschläge, kompromittierende Dokumente zu ver- nichten. Hilger sah Dittniar vor dem Prozesse überhaupt niemals. Nach seinein Eintreffen in Moskau hat Hilger von den Studenten zwölf Tage lang nichts gehört. Erst am 26. Oktober wandte sich Moischt an Hilger mrt der Bitte, von der Botschaft empfangen zu werden. Er wurde denn auch am nächsten Tage dorthin bestellt, e r- schien aber nicht. Am 29. Ottober erfuhr die Botschaft, daß die Studenten in der Nacht vom 26. zum 27. Oktober verhaftet worden waren. Das Kommuniqnö erklärt sodann, daß das Volkskommissariat zugleich mit der Veröffentlichuna dieser Erklärung der deutschen Bot- schaft iesistellt, daß in dem Gerichtsurteil über den Legationsrat Hilger nichts gesagt worden sei. Auf Grund der Verhandlungen, die seitdem staltgesunden haben, betrachten beide Regierunqen diese Angelegenheit(d. h. wohl die Angelegenheit Hilger. Red.) als erledigt.___ Agitation mit einer Leiche. Das Begräbnis des Erstochenen in Wien. Dien, 8. August.(EP.) Da? LeichenbegängSniZ deS am Freitag bei einem Stratzentumult getöteten M o h a p e l gestaltete sich zu der erwarteten politischen Demonstration der recht»- radikalen Element«. An dem Leichenzug nahmen die Haken- krenzler. Dentsichnaiionalen.'atbolischen Oraouisativncn und „Frontlämpfer", insgesamt schätzungsiveise 10 000 Personen teil. Tie Polizei hatte 5000 Manu aufgeboten, wn Ruhestänuigeu Kohlentrise. und die Kohlensubsidien. habe, daß sich die Vorgänge von 1921 nicht wiederholen wür- den, daß die gesamte Gewerkschaftsbewegung trotz der un- geheuren Opfer, die von ihr gefordert werden würden, ent- schloffen war, mit den Bergarbeitern gemeinsame Sache zu machen, da sei ihm nichts anderes mehr übrig geblieben, als von einer Stunde zur andern völlig umzuschwenken und aus den Taschen der Steuerzahler Subsidien zu bewilli- gen. Nicht die Subsidien an und für sich seien das Schlimmste, sondern daß die Art ibrer Gewährung es un- möglich gemacht Habs, jene Bedingungen an sie zu knüpfen, die die Nation vor einer Wiederholung der Situation vom 30. Juli im kommenden Frühjahr sichern werden. Die Labour Party hat natürlich keinen Anlaß, sich über den Ausgang der Krise zu beklagen. Aber alle ihre Be- vollmächtigten, alle Gewerkschaftsvertreter, die während der jüngsten Verhandlungen mit dem Ministerpräsidenten zu tun gehabt hatten, mußten übereinstimmend seine völlige Unzu- länglichkeit in der Erledigung lebenswichtiger Fragen und der Führung der Geschäfte feststellen.„Mr. Baldwin," so schrieb der„Daily Herald" unter dem Eindruck seiner Rolle in der Kohlenindustrie,„ist ein nationales Unglück." Und die „Daily Mail", der konservative Antipode des„Daily Herald", stellte gleichzeitig fest, daß zwar Baldwin sich noch im Amte befinde, aber längst zu regieren aufgehört habe.„Es ist," fügte das Blatt hinzu,„eine unwürdige und unmögliche Po- sition." Das Groteske an der Situation aber ist, daß im Gegen- satz zu dieser Einheitsfront der Ablehnung die p a r l a m e n- tarische Situation für Baldwin niemals günstiger war als gerade in diesem Augenblick. Die Mehrzahl der k o n s e r- vativen Abgeordneten hatte zu viel Parteidisziplin. um gegen den Premier zu stimmen und die Arbeiter- Partei hatte ihrerseits keinen Anlaß, gegen die Subsidien, die ein Ausdruck ihres Sieges sind, zu stimmen. So wurden die Kohlensubsidien mit 331 Stimmen gegen 16 Stimmen bei Stimmenthaltung der Labour Party bewilligt. und Zusammenstöße zu verhindern. Da die Sozialdemo« k r a t e n die Parole an ihre Anhänger ausgegeben hatten, bis Straßen, durch die sich der Leichenzug bewegte, zu meiden, so ist e» nirgend» zu einem Zwischenfall gekommen. - Ü Hungerstreik in Sofia. Sofia, 8. August.(WTB.) Die im Zentralgefängni« unier- gebrachten Kommunisten sind wegen angeblich schlechter Behandlung in den Hungerstreik getreten. Die Staatsanwaltschaft ordr-� eine Untersuchung an. Grenzgefecht? Graz, 8. August.(WTB.) Der.Tagespost' wird au» Belgrad berichtet: Gestern nacht ist eine Gruppe von 25 bulgarischen Komitatschi unweit von Kawador auf jugoslawisches Gebiet übergetreten. Sie stand unter Führung des bulgarischen Wojwoden Stojan Wadarsli. Jugoslawische VersolgungSableilungen um- zingelten die Eindringlinge von allen Seiten und machte» sie nieder. Gleiche Sruder. Die Faschisten-Jnternationale. Rom. 8. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Bund der.er- wachenden Ungarn' plant für September eine Romreile. Die Teil- nehmer an der Fahrt werden schwarze Hemden tragen und Mnsiolini sowie dem Grabe des unbekannten italienischen Soldaten einen Besuch abstatten. AuS Ungarn werden ironische Proteste der liberalen Presse gegen diese nationalistische Huldigung von einem feindlichen unbekannten Soldaten und dem auswärtigen Regierungschef gemeldet. Der türkifch-britifche Mofiulkonflikt. Lösungsvorschläge des Bölkcrbundausschuffes. London. 8. August.(WTB.) Der Bericht der Völkerbundskom- Mission über die Festsetzung der Mossulgrenze ist soeben verösfent- licht worden. Die Kommission empfiehlt das strittige Gebiet u n» geteilt zu lassen. Sie stellt fest, daß die Gefühle der M e h r- zahl der Bewohner, sowie wirtschastliche und geographische Gründe für eine Vereinigung des Mossulgebietcs mit dem Irak(dem briti- schen Vasallenstaat! Red-) sprechen. Voraussetzung für diese Vor- einigung müsse jedoch sein, daß das Irakgebiet auf 25 Jahre unter dem effektiven Mandat des Völkerbundes verbleibe. Den Kurden solle im gewissen Umfang eine örtliche Selbstverwaltung zugestanden werden. Di« Kommission ist der Ueberzeugung, daß angesichts der unsicheren Lage der Jrak-Regierung ernste poli- tische Nachteile eintreten würden, wenn das Mandat des Völker- bundes mit dem Ablauf des zwischen England und dem Irak be- stehenden Vertrages in vier Iahren fein Ende erreichte. Die Kom- Mission überläßt dem Völkerbundsrat die Beurteilung ihrer Schlußfolgerungen und Zlnempfehlungen. Für den Fall, daß der Völkerbundsrat sich für die Teilung des Mossulgebietes ent- scheiden sollte, empfiehlt sie die Tcilunqslinie entlang dem Kleinen Sab(einem linken Nehenfluß des Tigris) verlaufen zu lassen. Eine Volksabstimmung lehnt die Völkerbundskommission ab, weil die Mossulianer doch nur ihren Aeltesten folgten, und unreif seien. Das Mossulgebiet ist überaus Petroleum reich— daher wohl die„Feststellung", daß die Gefühle des Mossulianer für den britsschen Schutzstaat seien. Zort mit der Todesstrafe! Agitation in Amerika. Rem Jork. 8. August,(EP) In den Vereinigten Staaten wird eine lebhasie Propaganda für die Abschaffung der Todesstrafe ent- faltet. In einigen Monaten wird in New Dork«in internalio« naler Kongreß stannnden, an der die bekanntesten Krimina- listen der ganzen Well teilnehmen werden. Gleichzeitig mit der Eröffnung dieieZ Kongresses wird im Parlament des Staates Rew flork«in Gesetzentwurk eingebracht werden, der die Abschaffung der Todesstrafe vorsieht. Zurzeit ist die Todesstrafe noch in 40 der 48 Staaten der Union in Kraft. Begnadigung Dr. Z eigner». Der ehemalig« Ministerpräsident Dr. Erich Zeigner, der zu drei Jahren Gefängnis verurteilt war- den war,>st durch den sächsischen Justizminister Bänger begnadigt worden. Am 30. August würde bi« Hälkte der von Zeigner ab- zubüßeiidei! Slrcstcil verslositn ieni: da dieicr Tag ein Sonnlog ist, wird Zeigner bereits am 2 9. August aus der Strafanstalt Bautzen entlassen. Das wahre Gesicht des Kampfes im Baugewerbe Warum 600 000 Bauarbeiter ausgesperrt werden sollen. Der oberflächliche Beobachter ist geneigt, den Rampf im Bau-| bekannt. Jedoch wird darüber fein Wort verloren! gewerbe einzuschäßen als einen Wirtschaftskampf, den die wirt Benn aber die Arbeiter Löhne beanspruchen, um ein einiger schaftlichen Gegner im Baugewerbe miteinander ausfechten. Die maßen erträgliches Leben fristen zu können, dann wird Zeter und Bauarbeiter wollen höhere Löhne und sonstige Arbeitsverbesserun- Mordio geschrien. gen durchsetzen, die Bauunternehmer wollen das Gegenteil, deshalb Der Kampf. Dem ist aber nicht so. Nicht nur die Bauunternehmer, sondern auch die Kapitäne der Großindustrie und das ihnen ergebene Bresse gelichter schreien sich seit Monaten heiser über die hohen Löhne" im Baugewerbe. Diese verteuerten das Bauen ungemein, die nordwestdeutsche Industrie habe sich schon gezwungen gesehen, alle Industriebauten im Rheinland und im Ruhrgebiet deshalb stillzulegen. Systematisch wurde auf der ganzen Linie gehezt, um die Bauarbeiter in der Deffentlichkeit in Verruf zu bringen. In diesem Zusammen hange sei auch erinnert an die berüchtigte Unternehmerbentschrift an die Reichsregierung, in der gleichfalls faftige, von Sachkenntnis ungetrübte Ausfälle gegen die Bauarbeiterschaft enthalten waren. Zu den Anwürfen gegen die Bauarbeiterschaft, fie verteuere durch ihre unverschämten Lohnforderungen und das Festhalten am Achtstundentag in unverschämter Weise das Bauen, machten dies geradezu unmöglich, nur einige wenige Bemerkungen. Es sei festgestellt, daß heute der Lohnanteil an der Bausumme 28, höchstens 32 Broz. beträgt, während er im Jahre 1913 50 bis 54 Proz. betrug. Es sind also nicht die Löhne, die das Bauen verteuern. Nach den tatsächlich im Baugewerbe vorhandenen Reallöhnen muß diese Berteuerung woanders gesucht werden. Diese finden wir, wenn mir zunächst einmal die Lohnstunden betrachten, die die Bauunternehmer bei ihren Kalkulationen" zugrunde legen. Ein Bei spiel: In Chemnitz hatte vor der Aussperrung ein Maurer 1 M. Stundenlohn, er hatte nach Abzug von Steuern usw. 40,65 M. Wochenverdienst; ein Hilfsarbeiter mit 0,90 m. Stundenlohn ging am Lohntage nach Abzug von Steuern usw. mit 35 M. Wochenverdienst nach Hause. Der Baumeister aber brachte dem Bauherrn in Ansatz pro Maurer stunde 2,60 m., pro Hilfsarbei terstunde 2,30 M. Folglich betrug sein Reinverdienst bei einem Maurer und einem Hilfsarbeiter pro Woche 130,50 M.; die beiden Arbeiter dagegen gingen mit insgesamt 75,65 M. nach Hause! wed " Man pergegenwärtige sich ferner die Art der Bauunternehmer anschläge bei Submissionen. Die Herren setzten sich zusammen, legten das„ Mindestgebot" für einen von ihnen Auserwählten" feft, die anderen„ faltulierten" in Abständen bis zum Höchstgebot. Der Auserwählte" wurde verpflichtet, nachdem ihm die Arbeit dann zugeschlagen, an die anderen Abstandsgelder zu zahlen um millionen sind auf diese Weise Private und Behörden übers Dhr gehauen worden! Ferner sei hingewiefen auf den Baustoffwucher. Erst am 18. Juli schrieb die Neue Leipziger Zeitung" darüber. Sie be richtete, im Oktober 1924 hätten 1000 Mauerziegel 18 M. gefoftet, heute tosten sie 35 bis 40 m. ab Fabrit. Klinker, die im Ottober 1924 50 m. das Tausend kosteten, tosten heute 100 M. Das bürger. liche Blatt sagt dazu, man habe damit mit eichhörnchenhafter Schnelligkeit alle Preissteigerungsrekorde geschlagen". Dieser Kampf im Baugewerbe hat große prinzipielle Bedeutung. Man lese nur ein Rundschreiben, daß der Beton- und Tiefbaus Wirtschaftsbund am 18. Juli an Staats- und städtische Behörden gerichtet hat. Es heißt da: Lohnerhöhungen durch staatlichen 3wang Auch ein nicht verbindlicher müssen unterbleiben. Schiedsspruch fällt bereits für den Ausgang des Kampfes so sehr in die Wagschale, daß auch die Schlichter unbedingt aufgeklärt werden müssen. Die Berbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen muß aufhören. Die Lohn, Steuer und Sozial politit der öffentlichen Hand muß eine grundsägliche Aenderung erfahren. Die sozialen Lasten müssen erleichtert, fie fönnen feinesfalls gesteigert werden. Als eine Voraussetzung der Festpreise wurde es bezeichnet, daß wir durch die Regierung eine vernünftige Arbeitszeit und damit die Möglichkeit der Erhöhung der Arbeitsleistung erhalten. Sämtliche Handelskammern von Rheinland- Westfalen und die Industriellen an Rhein und Ruhr haben sofort auf dieses RundSchreiben reagiert. Sie verlangen nun ebenfalls von den bauenden Behörden: 1. Bauaufträge bürfen grundsäglich nur zu festen Preisen vergeben werden. 2. Nur in ganz besonders dringenden Fällen darf auf Einhaltung der Termine bestanden werden. 3. Für Bauten dürfen feine höheren Summen ausgegeben werden, als im Etat vorgesehen und bewilligt sind. 4. Alle nicht unbedingt notwendigen Baupläne To müssen auf fpätere 3eit zurüdgestellt wer den.( Das ist die Belebung des Baumarktes!) 5. Gemeinsam mit dem Baugewerbe müssen alle übertriebenen und unberechtigten Forderungen zurückgewiesen werden." Ueber die Unternehmerfrechheit, Staats- und städtische Behörden für nackte Ausbeutungszwede mobil zu machen, reden wir nicht für nadte Ausbeutungszwede mobil zu machen, reden wir nicht meiter. Man verlangt Festpreise". Dies bedeutet Fest löhne für die Arbeiter. Und dies angesichts der notorisch niedrigen Hunger löhne der Arbeiter, angesichts des großen Steuer- und Zollwucherraubzugs im Reichstage, angesichts des stetig nach oben strebenden Reichsinder! Reine Staffelung der Löhne! Reine Schiedssprüche mit Lohnerhöhungen! Keine Berbindlichkeitserklärung von Schieds. sprüchen! Fort mit dem Achtstundentag! Wenn alles bei diesen Bestrebungen versagt, sogar eine Beschränkung der so überaus not wendigen Bautätigkeit, um alle diese schwarzen Pläne durchzu brüden! Baulöwen, Handelstammern, Industriebarone, alle ziehen sie an einem Strang. Das bedeutet die praktische Einleitung jenes Feldzugs gegen die deutsche Arbeiterschaft, den die Unternehmerdenkschrift an die Reichsregierung mit allen Mitteln" zu führen angekündigt hat. Die Bauarbeiterschaft steht in diesem Kampf wader und stützt diesen aus eigener Kraft. Falls aber die Unternehmer Das alles ist dem Unternehmertum, auch der Schwerindustrie| wirklich diesen Kampf der deutschen Bauarbeiter auf die ganze Linie ausdehnen sollten, dann werden die übrigen Arbeiter Deutschlands dafür sorgen, daß dieser freche Unternehmerangriff zerschellt. Der Kampf der deutschen Bauarbeiter wächst sich dann aus zu einem Kampif für die Interessen der gesamten deutschen Arbeiterschaft. * In Berlin selbst ist eine wesentliche Aenderung im Bauarbeiter. tampf nicht eingetreten. Die Unternehmer machen die größten Anstrengungen, um die Baufirmen, die die Forderungen bewilligt haben, zur Aussperrung zu zwingen. Das wird insbesondere durch Materialsperre versucht. Bisher sind diese Versuche jedoch gescheitert. Die Baustoffhändler find froh, wenn sie verkaufen fönnen. Eine Entschädigung für entgangene Lieferung zu zahlen, dazu ist der Verband der Baugeschäfte nicht in der Lage. Nachdem die Bauauftraggeber begriffen haben, daß der Ber band der Baugeschäfte nicht die Macht besitzt, um die Bauarbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu den von ihnen diftierten Bedin gungen zu wingen, gehen sie mehr und mehr dazu über, die Aufträge den bestreitten Firmen zu entziehen und solchen Firmen zu übertragen, die die Forderungen bewilligt haben. So wird am Montag die Arbeit auf einem großen Bau in der Leipziger Straße wieder aufgenommen werden, nachdem der Bauauftrag einer Firma übertragen wurde, die die Forderungen bewilligt hat. Damit erhöht sich auch die Zahl der Bauarbeiter, die zu den neuen Bedingungen arbeiten. aan Eine Prämie auf Beitragsschen. Zwischen der KPD. und den kommunistischen Splitterorganisa tionen ist ein Abkommen getroffen worden über die Verteilung der Gelder, die auf Sammellisten für die Bauarbeiter eingehen. Der sogenannte Verband der ausgeschlossenen Bauarbeiter rechnet in einem Flugblatt aus, daß der Baugewerksbund, von dem 56 000 Mitglieder im Kampf stehen, infolge der Erhebung von Extrabeiträgen nicht nur in der Lage ist, aus eigenen Mitteln feine Mitglieder zu unterstützen, sondern noch darüber hinaus jede Woche mehrere hunderttausend Mart Ueberschuß macht. Das ist richtig. Der Baugewertsbund hat eben die nötigen Rampfmaßnahmen getroffen, um auch bei einer Verbreiterung der Kampffront gerüftet zu sein. Er hat es schon früher getan. Schon im Frühjahr wurden erhöhte Beiträge erhoben. Der Berband der ausgeschlossenen Bauarbeiter" hat die Erhebung er. höhter Beiträge ausdrücklich mit der Begründung abgelehnt, daß es in diesem Jahre zu Kämpfen nicht fommen würde. Wenn nun die Ausgeschloffenen" den ganzen Ertrag der Sammlungen für sich beanspruchen, so bedeutet das nichts anderes als eine Prämie auf Beitragsscheu und eine Bestrafung der Gewerkschaftsmitglieder, die rechtzeitig die notwendigen Opfer gebracht haben. Achtung, Metallformer und Berufsgenossen! Der Streil bei der Firma eich brodt& Friedrich wird mit allen zu Gebot stehenden Mitteln weitergeführt. Um unseren Kollegen in no größerem Maße als bisher eine Ertraunterſtügung zahlen au fönnen, bitten wir, Sammellisten für unseren Fonds beim Kollegen Reinhardt, Urbanstraße 67, abzuholen. Soweit Sammellisten schon entnommen sind, sind diese umgehend an obige Adresse abzuliefern. Die Branchenkommission. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Beilage.) Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Verlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin S. 68. Lindenstraße 3. Hierzu 3 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Steppdeoke is 16.90 Vorteilhafte Angebote Einfarbiger Satin auf beld. Seiten, Handarb., 150 × 200 buntgemustert Daunendecke 150x200 cm... 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Die Verbindung von Republik und Bürger nimmt sich bei uns wie ein Widerspruch in sich aus, besonders heute, da die meisten bürger- lichen Herzen begeistert in schwarzweißroten Farben erglühen und sich nach den Zeiten der Paraden, Orden. Generäle und anderer kaiserlichen Aufführungen sehnen. Aber am Verfasiungstag der deutschen Republik, da die schwarzrotgoldenen Fahnen über Berlin wehen, erinnert man sich, daß der Bürger tatsächlich einmal an der Seite von Arbeitern und Studenten für sein« politisch« Freiheit kämpfte und daß nur seine politische Unreife später den Sieg der Reaktion ermöglichte. Damals in den Märztagen 184S fanden einige seiner Köpfe den Mut, für ihre Ueberzeugung einzustehen und das Gottesgnadentum der Krone anzuzweifeln, damals verfügten sie über den Willen, sich ihr Recht mit der Waffe zu erkämpfen. Oder täuscht vielleicht die zeitliche Entfernung über die Einstellung des Bürgers der damaligen Zeit? Manchmal scheint es. als ab auch damals der Tatwillc nur bei der Jugend und dem Proletariat lebte und dem Bürger die Revolution aufgezwungen wurde. Die bürgerlichen Kämpfer von 1S4S. Man lebte in einer Zeit, in der Ruhe herrschte, wenn auch die Ruhe eines Kirchhofs, die Unternehmer verdienten, und die Arbeiter wurden ausgesogen, aber die gesellschaftliche Ordnung schien gottgewollt. Wozu eine Aenderung? Für den arrivierten Bürger bedeutet jede Aenderung eine Verschlechterung der Lage. Das bessere Das waren sie 1848, vurgertum Berlins betrachtete deshalb auch die Versa mm- > un gen in den Zelten am Anfang März mit argwöhnischen Blicken, und das Unbehagen stieg, als man srfubr, daß die Intelligenz dinier den Arbeitern stände. Ale nun aber in einer Versammlung Worte von den Menschenrechten fielen, fühlte n,an sich ver- pflichtet, beinahe um Staatshilfe zu rufen, und die erste rot« Fahne floßt« eine Ahnung von panischen Schrecken ein. Man erinnerte sich an den schönen Wahlspruch aus den französischen Kriegen:„Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!" und suchte zu ver- mittel». Di« revolutionäre Gesinnung zeigte sich hauptsächlich in der Absendung von Petitionen an den König, der darauf mit schwung- vollen Phrasen antwortete. Andere Bürger in beamteten Stellungen sprachen mit salbungsvoller Stimme und geöltem Augenausschlag von den Segnungen, die das Hohenzollernhaus dem Lande gebracht hätte, und die Helden dAr Freiheitskriege spielten eine bedeutend« Rolle. Die Stadtverordneten wußten nicht, wie sie noch weiter die Frage der Volksbewaffnung hinausschieben konnten. Man kam zu keinem Entschluß, man schwankte, ob man sich dem König oder dem Proletariat anschließen sollte, dazwischen kokettierte man mit dem Liberalismus. Das Proletariat wurde verdächtigt— genau wie heute. Im Grunde fürchtete man, einen Geist herauf- zubeschwören, von dem man nicht wußte, wie er wieder loszuwerden war. Bis zum letzten Augenblick konnte sich die Bourgeoisie zu keinem endgültigen Handeln entschließen, und erst in den Nach- Mittagsstunden des l8. März, als es klar wurde, daß sie auf das Empörendste und Frechste mißbraucht worden war, und zwar von denen, die sich über sie erhaben dünkten und die doch nur auf ihre Kosten ein prunkendes Dasein führen konnten, schloßsiesichden Studenten, Proletariern und Literaten an, um zu beweisen, daß sie trotz Loyalität doch wußte, was sie ihrer Ehre schuldig sei. Und einmal in die Revolution hineingetrieben, einmal in den Kampf hineingestoßen, führte sie ihn auch zu Ende, allerdings unterstützte sie eher dl« Kämpfenden, als daß sie selbst auf den Barrikaden stand. Liest man die Liste der Barrikadenkämpfer, so sinder man neben Handwerksmeistern oder Gesellen nur noch einige Akademiker. Anders das Kleinbürgertum. 5)ier, in diesen Handwerkern, lebte noch etwas von dem knorrigen Geist der Reichs- städte, der auch den mächtigsten Regenten die Tore vor der Rase zumachte, wenn er sich in seinem Recht glaubte. M e I st e r und Gesell kämpften mit Srudenten und Arbeitern Schulter an Schulter. Sie kannten noch nicht die Angst vor der roten Fahne, die immer wieder die reiche Bourgeoisie befiel. Bürger wie Urban oder Held suchten in Berlin die Arbeitermassen zu� organisieren und auch auf den ersten Landtagen zeigte das Bürgertum Initiativ« und Energie, allerdings verfügte es nicht über die genügend« politische Schulung, um dem politischen Intrigantentum der Regierenden gewachsen zu sein. Der Kämpsee von heute. Mag auch die Bourgeoisie von 1848 nicht über de» Willen eines Croniwell verfügt haben, so besaß sie doch noch Tatkraft genug, um für kürzere Zeit ihr Wollen zu behaupten; mag ihre Haltung nicht immer einwandfrei gewesen sein, einmal aber in die Revolution hineingetrieben, suchte sie sich, so gut es ging, glanzvoll au» der Affäre zu ziehen. In der neugewählten Berliner Nationalverfamm- lung waren die Demokraten durchaus nicht servil. Trotzdem da» konservative Element in der Mehrzahl war, rissen die radikalen Demokraten dank ihres inneren Zusammenhangs, ihrer Presse und ihrer Klubs die Gegner oft mit sich fort. Sie dachten nicht daran, sich den königlichen Parteien zu unterwerfen, und ihre Krait blieb in der Nationalversammlung ungeschwächt. Noch am 9. August setzten sie den Antrag ihres Abgeordneten Stein durch, der darauf ging, die Offizier« hätten sich den neuen Verhältnissen anzapassen oder ihre Entlassung zu nehmen. Selbst die Konservativen trotz ihres Protestes nahmen schließlich den Antrag an. Heute ist nur noch wenig selbst von diesem bereite beschädigten Bürgergeist übrig geblieben. Vor allem hat sich der Geist des bürgerlichen Studenten grundlegend ge- ändert. Kämpften damals Studenten auf den Barrikaden für ein« freie Verfassung, so treten sie heute überzeugt für die finsterste Reaktion ein und nwchten am liebsten zurück ins Mittelalter. Die* früheren Elemente des Fortschritts haben sich in einen Hemmschuh für die Entwicklung verwandelt. Hier hat der Seroilismus der wilhelminischen Aero am schlimmsten gewirkt. Schwarz-Rot-Gold, früher die heiligen Farben, können heute nicht genug beschimpft werden und vor jeder alten Uniform erstirbt man in Anbetung. C» ist von manchen Professoren, die sich heute auf den Clown der Reaktion herausspielen, nichts anderes zu erwarten, der Händedruck der Majestäten macht vor Wonne erbeben, Titel und Orden sind ebenfalls sehr schöne Sachen und dann ist es etwas ganz anders, ob man vor geborgenen Aristokraten, vornehmen Bcamrensöhnen und anderen dekorativen Persönlichkeiten spricht oder vor Proletariern. Mögen nun in den vierziger Jahren die Profesioren in ihrem Gros genau so reaktionär gedacht haben man hört ja nur von den glänzenden Auenahmen—, so standen sie doch einer ganz anderen Studentenschaft gegenüber. Heute aber bieten die Studenten die beste Resonanz für die Ergüsse dieser reaktionären Ladenhüter, sie trampeln be- geisterte Zustimmung bei jeder nationalistischen oder antisemitischen Vemerkung. und bei ihren Kommersen reiben, sie Salamander und trinken aus das unauslöschbore Gedenken für die Exmajestät. Der deutsche bürgerliche Durchschnitts st udent hat auf- gehört, ein K u l t u r s a k t o r zu sein. Revolutionärer Sinn ist in ihm erstorben. Und wie der deutsch« Student, so haben sich auch die anderen bürgerlichen Barrikadenkämpfer aus den Märztagen von Grund auf gewandelt. Der bürgerlich« Kleinhandwerker ist ver- s ch w u n d e n und der besitzende Bürger hat in der Gegen- wort alle Eigenschasten, die er schon früher im Kern zeigte, zur vollen Blüte entwickelt. Revolutionäres Bürgertum streift heute in Deutschland das Grotesk-Kvmische. Revolution bedeutet Entwick- lung, gesteigerte, sieberhaste, Bürgertum dagegen schematisiertes Leben. Das Bürgertum ist eingeschlasen, und seine Adern sind dabei verkalkt, es ist zum absolut konservativen Element geworden. Die Zeit nach dem sranzösischen Krieg und die Aci« des letzten Hvhenzollern habe» die Reste freiheitlichen, revolutio- nären Denkens in ihm erstickt. Der Bürger verdiente und dies machte ihn satt. Der Enkel der Freiheitskämpier von 1818 fühlt sich glucklich in starrer, reaktionärer Haltung, er entartete zum Spieher oder zum Gent, dessen einziger Fortschritt im Mitgehen mit der Mode besteht. Der Proletarier ist heute fast allein der wahre Erbe der achtundvierziger Jahre; er ist tatkräftiger und weniger mir Rücksichten belastet, er ist der eigentliche Schöpser der deutschen Republik. Er ist die Seele des„Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold", das zum Schutz der deutschen demokratischen Republik geschaffen werden mußte. Roch ist der Kriegsgeist und mit ihin die staatsfeind- liche Einstellung des alten Heeres in seinen intelligenten Kreisen als lebhafte Wirklichkeit vorhanden, gestützt von der Unzahl heimlicher verbände, die alles eher als einen Schutz der Verfassung auf ihre Fahnen geschrieben haben— und über die Auslegung der Ver- fassung und ihres Schutzes sind bekannllich die derzeitigen Macht- SäUr, Das sind sie heute! träger mit dem republikanischen Volk in bedenklicher Meinung»- Verschiedenheit. So mußt« denn eine heilsame Gründung wie das Reichsbanner eingreifen— wenn es ausmarschiert, dann glauben wir endlich ganz die Republik vor uns zu sehen, wir danken den mutigen, den unent- wsgten Kameraden, die da» lebende, dos wirkende, das echte Denkmal der Republik schufen, zu Aneiserung allen und jedem zur Äewihheil endgültigen Siegest � Die Armee der Republikaner. Begrüßung und Anmarsch. J Auftakt der Verfassungsfeier im Ulap. Der erste Tag des republikanischen Massenaufmarsches in der Hauptstadt der deutschen Republit hat einen würdigen Verlauf genommen. Bis in den späten Abend hinein währte der Einzug der Reichsbannerleute aus allen Gauen des Reiches und wenn auch die Stadt nicht jenen Festschmuck aufwies, den andere Großstädte bei einem solchen Anlaß als selbstverständlich erachten das vielfältige Gesicht dieses kampfgeborenen Gemeinwesens läßt sich nicht einheitlich drapieren so war doch gegen früher in den Wohnvierteln ein Fortschritt zum republikanischen Bekenntnis unverkennbar. Das offizielle Berlin freilich verhielt sich so beschämend, wie man es eben nur in Berlin gewohnt ist, einen Feiertag des Volkes zu ehren. Es wird später noch Gelegenheit sein, darüber zu reden. Die Ereignisse begannen am Sonnabend nachmittag mit einem Propagandafest zug, der sich vor dem Hause der Reichsbannergauleitung, Sebastianstraße, zusammenfeßte unter Borantritt eines Trommler- und Pfeiferkorps und einer Reichsbannerkapelle, die die Kameradschaft Bernau gestellt hatte. Ueberall, wohin der Zug fam, flogen Türen und Fenster auf, die Menschen stauten sich. Freudige Zurufe ertönten von allen Seiten. Der Sammelplatz im Ulap. | Bureau in unermüdlicher Arbeit die ganze Nacht hindurch geöffnet war, so fann man sich eine Vorstellung von den Massen machen, die zur Feier des Verfassungstages nach Berlin fuhren. Wir warten... Gestörter Empfang der Bundesleitung. Pünktlich 5 Uhr 28 Minuten traf am gestrigen Abend fahrplan mäßig der Magdeburger zug auf dem Potsdamer Bahnhof ein, der die Bundesleitung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold nach Berlin gebracht hatte. Vor dem Bahnhof selbst hatte sich eine starte Menschenmenge eingefunden. Eine Reichsbanner tapelle war ebenfalls zum Empfang der Bundesleitung bereitgestellt und hatte auf dem Vorplay Aufstellung genommen. Dank der unüberlegten Haltung der Schupo mußte jeglicher Empfang unterbleiben. Statt die provozierend umhergehenden Haten freuzler und Stahlhelmleute, die mit unverblümter Frech, heit ihre Abzeichen zur Schau trugen, abzudrängen, mußten die Reichsbannerleute den Plaz räumen. Geradezu un geheuerlich wurden die Zustände, als die Mitglieder der Bundesleitung die Bahnhofstreppe hinabstiegen, um in dem bereitgestellten Wagen Platz zu nehmen. Die Kameraden, die kaum ihre Plätze eingenommen hatten, mußten auf Befehl eines äußerst nervösen Schupooffiziers zwangsweise abrüden. Die Menge war über diesen Borfall derart empört, daß sie spontan hochrufe auf Re. Für den Sonnabend war der große Vergnügungspart des Ulap, publif und Schwarzrotgold ausbrachten. Eine gründliche - Die Baffer an der Spitze der Straße Alt- Moabit und der Invaliden Nachprüfung dieser Vorfälle erscheint dringend geboten. straße, als Hauptsammelpunkt vorgesehen. Hier hatte das mannschen Gestalten mit dem Totschläger in der Hosentasche und Hauptquartier bureau jeinen Siz aufgeschlagen, das die dem schwarzweißroten Parteihafenfreuzband im nicht leichte Aufgabe übernommen hatte, jedem einzelnen in Berlin Knopfloch, die schon gestern mittag den Potsdamer Plaz unsicher ankommenden fremden Kameraden in diesem gewaltigen Wohngebiet machten, begannen dann auch in immer standalöserem Maße händel. sein Nachtquartier zuzuweisen. Dant der Opferfreudigkeit der Mitsuchend, das Publikum zu belästigen. Schon ist es zu arbeiter flappte alles vorzüglich. Früh waren die Desterreicher einigen 3usammenstößen, wenn auch minderer Art, geSchon jah fich die Polizei genötigt, mehrere erschienen, die in ihrer dunklen Kleidung überall auffielen. Zwar fommen. in den ersten Nachmittagsstunden trafen die Kameraden, hauptsäch- Sistierungen vorzunehmen. Vielleicht sieht sich die Polizei lich aus Groß- Berlin, zunächst nur sporadisch ein. Es zeigt sich heute genötigt, dem Skandal dieser engagierten Radaubrüder endlich eben immer wieder, daß die Mitglieder des Reichsbanners, die aus ein Ende zu bereiten. Die Republikaner find trotz aller Disziplin Arbeitsstätte und Bureau herbeikommen, sich nicht so früh frei- schließlich auch Menschen und nicht genötigt, sich die Flegeleien bis machen können, wie völkische Studenten, Gymnasiasten und Staatsins Endlose gefallen zu lassen. pensionäre. Der Ulap hatte zu Ehren der einheimischen und fremden Gäste in allen seinen Teilen republikanischen Schmud angelegt. Auf allen Tischen flatterten schwarzrotgoldene Fähnchen, Girlanden, von schwarzrotgoldenen Bändern durch flochten, zogen sich um die Gebäude der Attraktionen. Alle Gäste, Frauen, Mädchen und Kinder, waren mit schwarzrotgoldenen Bändern, Schleifchen und Abzeichen geschmückt. Alle Erwachsenen trugen das offizielle Abzeichen des Reichsadlers mit dem schwarzrotgoldenen Bändchen. Die Ahordnungen der einzelnen Kameradschaften von Groß- Berlin, die die Unterbringung der fremden Gäste übernommen hatten, hatten sich früh- und rechtzeitig eingefunden, um die Gäfte in Empfang zu nehmen. Die aber ließen auf sich warten, denn auch fie gehören ja ausnahmslos den arbeitenden Ständen an, fönnen sich auch in der Provinz nicht eher als wie in Berlin freimachen, und so mußten die anwesenden und wartenden Berliner wohl oder übel sich gedulden. Eine große Anzahl von freiwilligen Helfern hatten sich in den Quartierbureaus seßhaft gemacht, nahmen hier die Neuankommenden in Empfang und teilten sie den einzelnen Kamerad schaften zu. Allmählich wurde der Betrieb immer lebhafter und schwoll stärker und stärker an. Die Nachmittagszüge waren eingetroffen und brachten aus allen Teilen der Provinz und des Reiches die Delegationen. Einzelne, wie die Brandenburger, die ausgezeichnet durchorganisiert sind und nahezu die gesamte männliche republikanische Einwohnerschaft ihrer Stadt umfassen, famen in großen imposanten Zügen mit Musikkapellen und Trommler- und Pfeiferkorps an. Diese Züge, überflattert von schwarzrotgoldenen Fahnen und Bannern, erregten in allen Straßen ein ganz beträchtliches Aufsehen und trugen wesentlich dazu bei, daß sich das republikanische Element in der Stadt von Stunde zu Stunde stärker und bedeutsamer zeigen konnte. Bis um 6 Uhr abends waren Abordnungen aus Magdeburg, Hamburg, Bremen, Hannover, Görlig, Breslau, Köln, Leipzig, Marburg a. d. L., Halle a. d. S., Dresden, Hof i. B. und selbst aus dem fernen Oberschlesien, aus Gleiwiß, eingetroffen, ferner Delegationen aus Baden, Württemberg, Sachsen, Westfalen, Holstein, Schleswig und Thüringen. Aus der Provinz Brandenburg waren die Vertreter von Kottbus, Züllichau, Brandenburg, Neuruppin, Frankfurt a. d. D., Fürstenwalde, Fürstenberg, Sommerfeld, Sagan, Küstrin, Finsterwalde, Wittenberge und Senftenberg angelangt. Troz dieses gewaltigen Anmarsches, der die Pläge und Gänge des Ulap immer mehr anfüllte, rechnete das Quartierbureau für die Abendstunden mit einem immer stärkeren Anschwellen, und da das 31 Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. ( Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Aber dann wurde ich albern und fragte, so daß mir der Speichel um den Mund stand: Hatten die Löwen feine Angst? Hatten die Elefanten teine Angst? Hatten auch zehn Elefanten keine Angst? Hatten tausend Elefanten keine Angst? Und hatten tausend, hundert, hundert, hundert Millionen, Millionen, Mionen, Mjonen Elefanten feine Angst?" " Jegt fängst du zu quatschen an," sagte die Mutter müde. " Hatten die geräucherten Heringe feine Angst?" Wie kannst du nur so quatschen, Mutter wird dir nie mehr was erzählen, wenn du nicht artig bist." Ich zuckte mit den Schultern und lachte ganz leise; aber als Mutter mir Vorwürfe machte und sagte, ich wäre gar nicht lieb, hörte ich auf. Die Neckluft verflüchtete sich. Ich ftieß noch einmal mit den Beinen aus, die ich unter dem Stuhl hin und her schaufeln ließ. Ich schüttelte mich noch einmal, als ob ich wieder etwas fragen wollte; aber dann wischte ich mir den Speichel vom Mund und wurde ruhig, und meine Gedanken fehrten wieder zu dem Jefusknaben zurück mit dem braunen, welligen Haar unter den braunen, wilden Tieren. Er mußte älter als sechs Jahre sein, dachte ich. Er sah aus, als ob er eben so groß wäre, wie Ejnar, der Sohn der Kirchendienerin, und Ejnar war grade zehn Jahre geworden. Ob Jesus eben so start gewesen war? Ja, das war er mohl gewesen. Er hätte den Ejnar schon gezwungen, der immer herum ging und den Arm frumm machte, um seine Muskeln zu fühlen. Und die Tiere hatten keine Angst vor Jesus. Die Spazen flagen nicht weg, menn er umher lief und sie von den Pferdejein draußen megjagen wollte, blieben sie fizen und legten bloß den Ropf auf die Seite. Es war gewiß fehr schwer, so gut zu werden, aber ich war ja erst sechs Jahre alt. Wenn ich nun nicht mehr fagte, daß ich in der Amaliegade gewesen märe, wenn ich draußen auf der Langelinie herumgelaufen war, und wenn ich nun nicht lachte. menn der Zigarrenhändler Mutter füßte, und wenn ich Mutter nun nicht mehr mit meinen Fragen quälte, Die Sonne scheint, und ein milder Zephir schwächt die Kraft ihrer Strahlen ab. Im großen Part des lap herrscht noch verhältnismäßige Ruhe, und nur die großen Attraktionen sind im stande, einige Liebhaber zu fesseln. Der Springbrunnen sendet seine Strahlen in die flare Luft, der Wind treibt Sprühregen in die Anlagen. 4 Uhr. Das Bild hat sich geändert: Mit Musik ziehen die Reichsbannerformationen mit ihren Fahnen ein, vom Bublifum fympathisch begrüßt. Die Lokale beginnen fich zu füllen, man sichert sich einen Platz, der als Rendezvous dienen soll. Alte Freunde treffen sich, junge Bekanntschaften werde ngeschloffen, das Ewig Weibliche bildet den Kitt für Nord und Sd. Der Fahnenschmud ist überwältigend, von Baum zu Baum ziehen sich Fahnengirlanden und goldgelbe Garben, aus denen Halme wie Fransen herunterhängen, im Licht der Sonne hell leuchtend. Volksfeiertag! In den Händen der Kleinen die Fähnchen, tein Besucher ohne die Farben der Republit. Die Tonwellen der Musik durchfluten den Bark, schrill tönen die Klänge hinein, mit denen Varieté und Riesenfarussell zum Besuch laden. Durch den Part donnern die Stadtbahn- und Fernzüge: ihre Insassen blicken auf ein einig Bolf von Brüdern herab, das die Kraft des Geistes über die rohe Gewalt zu stellen gewillt ist. Immer wieder marschieren neue Trupps unter ihrer eigenen Musit herein. durchweg kräftige Männergestalten, nicht die Fiquren der schmalbrüftigen Jugend, die sich in den Kreuzzügen der Nationalisten breitmacht. Wir warten im Sonnenschein, inmitten einer fröhlich erregten Menge, die ganz Deutschland verkörpert. Etunden vergehen, und mit Recht heißt es hier: je später der Abend, desto schöner das Vergnügen, desto weihevoller der Ernst des Augenblicks. Wenn ein Gedanke in aller Herzen schlägt, die Hand sich hebt zum Schwur der Treue für das freie demokratische Baterland, dann wird in jedem einzelnen das Empfinden lebendig, Blut und Gut für die Berteidigung der Republit daranzu. legen. Und die Erinnerung an diesen Augenblick wird noch lange in den Herzen nachzittern. * Der Gesamteindrud, den man von dem Anmarsch der aus. wärtigen Gäfte am Sonnabend empfing, war der, daß dieses republitanische Fest in Berlin alle bisherigen Veranstaltungen weit hinter fich läßt. Man fann damit rechnen, daß mit den auswärtigen Gästen und mit den vielen Angehörigen und Freunden der Republis würden die Spazzen dann sitzen bleiben, wenn ich angelaufen tam? Ich lehnte mich im Stuhl zurüd und fah mit meit auf geriffenen Augen zum Fenster hinaus auf ein Abflußrohr. Ganz still und regungslos saß ich und versuchte, wie es war, gut zu sein. Da hörte ich einige Mädchen unten im Hof Klara" rufen und eine warme Welle stieg mir zu Kopf. Ich konnte das eingebildete Ding nicht leiden, doch ich mußte sie immer ansehen. Sofort sprang ich auf und drückte die Nase gegen die Fensterscheibe. Eine der vergitterten Aborttüren ſtand nur angelehnt und zwei Mädchen, die Adda aus der Schifferkneipe und Agentens Karen, oben aus dem vierten Stock, sprachen mit einer, die da drin saß. Bald darauf fam sie langsam und herablassend heraus. Es war die blaffe, schwarzhaarige Klara im tnallroten Kleid. Kleid. Adda hatte etwas Bindfaden um ihre beiden diden Hände und zwifchen ihren Fingern durchgeschlungen, so daß er eine Figur bildete und Karen stand gespannt daneben. Klara betrachtete die Figur mit überlegener Miene. Dann teďte fie plötzlich ihre Finger hinein, ergriff fie, hob sie von Addas Händen und bildete eine neue Figur. Sie setzten sich alle dre oben auf die Müllkästen, zogen die Kleider so weit bis an die Knie, wie es ging und rutschten noch ein paarmal hin und her. unter ihrem roten Kleid baumelten ein paar lange Beine Klara saß selbstverständlich als Herrscherin in der Mitte. hervor und mit befriedigtem Rachegefühl entdeckte ich, daß fie sich ein Loch in den einen Strumpf gerissen hatte, so daß das spizze Knie hervorkam. " Das ist eine Wiege!" hörte ich sie rufen. „ Ein See!" schrie Karen. Ich starrte auf ihre Hände. Addas dice Fnger, die nach allen Seiten standen, zitterten so, daß der Bindfaden in Unordnung geriet. " Hait doch stramm, du dumme Kneipengöre!" rief Klara, und ihr langes, blafjes Geficht zudte ungeduldig, laß mich jetzt, ihr könnt ja nicht. Seht mal her, feht mal her, das ist eine Laterne!" Ob es in einem Anfall jener erstrebten göttlichen Güte geschah oder ob es vielleicht nur war, um mich bemerkbar zu machen, meiß ich nicht, ich öffnete das Fenster und rief: Adda, willst du eine Sirithe haben?" faner, die zum Teil auch von auswärts herbeigeeilt sind, bas republttanische Berlin eine Armee von einer Million Menschen auf die Beine bringen wird. Da alle Wetterprognofen für Sonntag auf das günstigste lauten, so fann man annehmen, daß sich am heutigen Sonntag nachmittag ein unermeßlicher Strom von Menschen in den Treptower Park ergießen wird. Gute Beispiele. Der ganze 15. Verwaltungsbezirk NeuköllnTreptom erwartete gestern abend die Ankunft der auswärtigen Gäste. Auf der Treptower Spielwiese, die heute nachmittags 2 Uhr die Stätte der Hauptkundgebung werden soll, wird fieberhaft gearbeitet. Im Hintergrunde ist eine mächtige schwarzrotgoldene Fahne, die eine Größe von 12 mal 6 meter hat, an zwei Gerüsten befestigt. Die übrige Ausschmückung wird im Laufe der Nacht vor sich gehen. Es ist eine angenehme Ueberraschung, republitanische Schupo hier zur Unterstützung zu finden. Um 9 Uhr abends begannen in den Orten, die zum 15. Verwaltungsbezirf gehören, prächtige Fadelzüge. Die Bevölkerung stand in den Straßen und erwartete die Ankunft der Gäste. In Baumschulen weg wurden die Fenster, die nach vorn heraus liegen, mit Beginn der Dunkelheit illuminiert.- Unter den Häusern, die zur Weihe des großen republikanischen Festtages Schmuck angelegt haben, hat sich ein Haus, weit draußen im Westen, unbestreitbar einen Ehrenplatz gesichert. Manch einer ist im Laufe des gestrigen Tages verwundert stehen geblieben. Mit viel Liebe ist die geschmackvolle Dekoration des Hauses Hauptstraße 51, an der Mühlenstraße, ausgeführt. Hoch oben im vierten Stock thront ein Holzpodest: Willkommen", von dem sich mächtige schwarzrotgoldene Girlanden, mehräftig bis zum zweiten Stock abzweigen. Dies freundliche Bild wird durchwirkt von schwarzrotgoldenen Fahnen, während auf dem Balkon des zweiten Stockes rotverhüllte Stehlämpchen eine lebendige, originelle Note in den Aufbau bringen. Dies mitten im Westen, wo von rechts und links nationalistische Neider sozusagen in den Kochtopf schielen. Reichsbahndirektion gegen Berfaffungsfeier. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft, Hauptver waltung, schreibt uns: Ihre Notiz in der 1. Beilage des„ Vorwärts" vom 7. Auguft 1925 über„ Reichsbahndirektionen gegen Verfassungsfeier" gibt uns zu folgender Bemerkung Anlaß: Die Reichsbahndirektion Berlin hat es sich zum Grundsatz gemacht und bisher allgemein durchgeführt, daß feinerlei Ausschmüdung der Bahnhöfe von privater Seite zugelassen wird, ganz gleich Bei gültig, was auch der Anlaß der Ausschmückung sein möchte dem für die Berliner Bahnhöfe bestehenden Massenverkehr muß alles vermieden werden, was einer glatten Abwid. lung dieses Verkehrs auch nur im geringsten entgegen. mirten fönnte; erfahrungsgemäß bietet aber jede Ausschmückung an öffentlichen Verkehrsräumen für die Vorübergehenden vielfach den Anlaß stehen zu bleiben und wirft dadurch verfehrshemmend gerade zu den Zeiten, wo der Verkehrsandrang am stärksten ist. Lediglich diese praktische Erwägung hat die ablehnende Haltung der Reichsbahndirektion Berlin auch gegenüber den Anträgen des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" veranlaßt. Irgend eine politische Absicht kann dabei um so weniger in Frage kommen, als ja die Reichsbahn selbst sich durch Flaggen in den verfassungs. mäßigen Reichsfarben und auch in sonstiger Weise an der Feier des Verfassungstages beteiligt. Wir bedauern, daß durch die unvollständige Wiedergabe der Verfügung der Reichsbahndirektion Berlin in Ihrer Zeitung der Anschein entsteht, als habe die Direktion eine besondere Anweisung zu dem Zweck ergehen lassen, die Aus. schmückung der Bahnhöfe zu verhindern. Tatsächlich bildet der von Ihnen abgedruckte Satz lediglich einen Teil einer größeren Verfü gung über die Verkehrsregelung bei der Verfassungsfeier." Danach bestätigt die Reichsbahndirektion lediglich unsere Kritik an ihrem Berhalten. Wir vermögen auch heute nicht einzusehen, inmiefern ein paar Girlanden und Fahnen an einer Bahnhofs fassade verfehrshemmend" wirken fönnen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber die Reichsbahndirektion will eben nicht, daß die Verfassung der Republik vom Bolte aus geehrt wird. Es ist das schließlich auch nur der Standpunkt der augenblicklich Re gierenden. Kinderspiele bei der Verfassungsfeier. Im Anschluß an den großen Feftatt auf der Treptower Spielwiese finden Kinderspiele auf der Wiese an der Sternwarte, im Plänterwald und auf Wiefe 10( Köpenicker Landstraße, Nähe Karpfenteich) statt. Die Arbeitersportler lassen die Kinder in den verschiedenen Festlofalen antreten und marschieren in geschlossenem Zuge zu vorbezeichneten Spielplägen. Zu diesen Spielen wird die Teilnahme aller auf dem Boden der Republik stehenden Arbeitersportler erwartet. Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder daran teilnehmen zu lassen. Nach den Spielen werden die Kinder wieder geschlossen nach den Lokalen zurüdgeführt. Ich entsinne mich daß Adde einen dicken Mund und große Sberzähne hatte und daß ich sie nicht leiden konnte. Doch die lange lara, mit der schmalen Nase, sah niemals nach der Seite, wo ich war. Adda sprang fofort nom Müßfasten herunter und kam unter mein Fenster gelaufen. Karen rief ihr nach, sie wollte auch eine haben. Aber Klara blieb mit ihrer Laterne fizzen, sie hob nicht einmal den Kopf. Langsam ließ ich eine Kirsche herunterfallen. Run tam Karen herbeigelaufen. Mir auch!" rief fie und hielt die Hände hoch. Ich ließ eine zweite Kirsche fallen. Doch Klara nahm unentwegt den Bindfaden zwischen ihren Fingern ab. Da pflanzte id; mich breit im Fenster auf und genoß meine leberlegenheit. Kiara friegt bloß eine Stachelbeere," rief ich triumphierend. Sie rührte sich nicht. Ich bückte mich über den Teller mit Stachelbeeren und fuchte die allerkleinste aus, ein grünes, hartes Ding und ließ fie durch meine Finger rollen. Dann legte ich fie plötzlich weg, nahm die größte und dunkelste von den Kirschen und warf fie herunter. " Die ist für dich, Klara, aber es ist gar feine Stachelbeere!" rief Adda. Ich fühlte eine heiße Unruhe, als ich sah, wie Klara ganz gemächlich herunterfletterte, zu der Kirsche hinging und sie forgjoltig zu einem langen, roten Strich. betrachtete. Dann setzte sie ihren Fuß darauf und zertrat sie 91 gleichen Augenblic schloß ich lautlos das Fenster und verschwand. Ich setzte mich; auf den Boden unterm Tisch, denn hier war es am dunkelsten. Da froch ich ganz in mich zusammen, legte den Kopf in die Hände und fühlte, wie heiß meine Baden waren. Doch ich wollte nicht weinen! Etwas später hörte ich Schritte und schmulte zwischen meinen Fingern hindurch. In dem kleinen hellen Dreieck wurden Mutters hochhadige Stiefel und ihr schwarzer Rod sichtbar. Es hing ein grüner Faden an ihm. Sie blieb stehen und erst tamen ihre Hände, dann ihre Arme und schließlich ihr Gesicht unter der Tischkante hervor. Weshalb hast du dich ausgerechnet an deinem Geburts tag dahingelegt?" Ach, bloß fo." " Du bist doch ein merkwürdiges Etwas." ( Fortsetzung folgt.) Den Kameraden zum Gruß! Bald jährt sich der Tag, da sich vor nummehr sechs Jahren das Deutsche Volk, frei von den demütigenden Sklaventetten monarchistischer Willkür, kraft eigener Machtvollkommenheit eine Verfassung gab. Gerade im Augenblick sind die Mächte der Finsternis, die machtgierigen Industrieherren, die skrupellosen Teuerungsspekulanten mit der ewig lächelnden Beschwichtigungsmiene und ihre journalistischen Zutreiber aus den Pressekolonien des allmächtigen, Fäden ziehenden Hugenberg, wieder dabei, neues, unerträgliches Unrecht an den breiten Massen zu verüben und den Weg dieses Volkes, das im letzten Jahrzehnt so viel Elend sah und litt, mit neuen spizigen Scherben zu pflaſtern. Denn hinter den verteuernden Zöllen lauert der umgeschnallte Degen der dynastischen Restauration. Republikaner, seid auf der Wacht! In Berlin find Hunderttausende attiver und innerlichst überzeugter Männer zum Bekenntnisschwur in der Reichshauptstadt zusammengeströmt: Für Freiheit und Republit! Dies ist tein Lippenbekenntnis, teine Phrase, sondern eine Ueberzeugung, die sich aus Blut und Eisen emporrang. Unter den Ungezählten, die heute auf der Treptower Wiese dem schwarzrotgoldenen Banner der Freiheit huldigen werden, sind viele, die im Weltkrieg der monarchistischen Geschäftemacher in zahllosen Schlachten dem Tod ins Auge sahen. Sie, die in den zerschossenen Gräben lagen, im Trommelfeuer, an den Russenfronten, oder in der Hölle vor Verdun; die die Leichen ihrer zerschmetterten Kameraden erblickten und die Ruinen der nordfranzösischen Städte; die in Schlamm und Wassernot der Opernfront wie gehezte Tiere um ihr Leben fämpften, wären auch bereit, die Republik, die Sache des Volkes, die ihre, unsere, die die Sache aller ist, gegen ihre Widersacher mit Leib und Leben zu schützen. In den 48er Jahren der bürgerlichen Märzrevolution standen Burschenschaftler und Handwerker Berlins auf den Barrifaden, um sich, das Gewehr in der Faust, das Recht der Verfassung vom Absolutismus des gekrönten Machthabers zu ertrogen. Der Berrat des Königs, der erst seige bewilligte und dann die Haubigen auffahren ließ, zertrat die hochfliegenden Hoffnungen der Barrifadenstürmer. Jene Republikaner der 48er Jahre kämpften und starben unter den Fahnen Schwarz- Rot und Gold. Pulver ist schwarz, Blut ist rot, golden flackert die Flamme, sang Freiligrath. Golden, soll auch uns die Flamme voranleuchten, die Flamme der Liebe für Freiheit, Menschheit und Volk. Der Haß und der Fanatismus unserer Gegner find grenzenlos, es ist die Wut der Betrüger, die ihre Felle wegschwimmen sehen. Der Geist muß es heute sein, der sich den Körper baut. Sorgen wir dafür, daß jener Geist der Barrikadenkämpfer von 1848 in unseren Reihen wächst. Jener Geist, der unüberwindlich ist, da er aus innerstem Herzen kommt! Republikanische Arbeitersportler! Alle auf dem Boden der Republik stehenden Arbeitersportler Groß- Berlins werden hiermit aufgefordert, fich an der Verfassungsfeier in Treptom vollzählig zu beteiligen. Nach Erledigung der Kinderspiele und Vorführungen treffen sich die Arbeitersportler im Lokal Spreegarten". Die Diebereien einer Sanitätsrätin. Folgen des Opiumgenuffes. Wegen fortgesetter Diebstähle in Buchhandlungen hatte sich die 53 Jahre alte verwitmete Sanitätsrätin Dr. Marga D. vor dem Amtsgericht Mitte zu verantworten. Die Angeklagte ist burch Opium genuß vollständig heruntergekommen. Sie hatte einst glänzende Tage gesehen. Ihr Bater war ein reicher Rittergutsbefizer in Ostpreußen gewesen und sie hatte frühzeitig einen Arzt geheiratet, der später in Königsberg einen großen Namen hatte und Leiter einer chirurgischen Poliklinik war. Der Ehemann starb 1919 in so schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen, daß der Witwe nach Auflösung der Zehnzimmerwohnung faum etwas blieb und sie mittellos nach Berlin tam. Schon früher hatte sie sich aus Liebhaberei der Malerei gewidmet, fie suchte jetzt in Berlin dadurch ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Viele Kollegen ihres verstorbenen Mannes kauften aus Mitleid ihre Bilder. Schließlich war die alternde Frau aber nur auf eine Rente aus der Unterstügungskasse der Aerzte im Gesamtbetrage von 95 Mart angewiesen. Den größten Teil ihres Geldes verbrauchte sie aber für Opium, das sie nach ihrer Behauptung in Dosen von täglich 30 Gramm zu sich nahm. Sie führte ein unstetes Leben, reiste viel herum und wechselte dauernd ihre Wohnung. Sei längerer Zeit maren von Buchhändlern Anzeigen erstattet worden, daß eine schwarzgekleide Dame wertvolle Lurusgegenstände gestohlen hätte. straße auch eine Dame erschienen, die sich als Frau Prof. Schlayer Am 25. Januar d. 3. war in einer Buchhandlung in der Eichhorn ausgab, und sagte, daß ihr Mann nachkomme, und daß fie gemeinschaftlich einige Werke für ein Hochzeitsgeschent aussuchen wollten. Es wurden ihr viele Bücher gezeigt und sie wählte auch einige aus. Ihr Mann fam aber nicht, so daß sie schließlich fortging, ohne gefauft zu haben. Am nächsten Morgen vermißte der Buchhändler cine wertvolle Luxusausgabe von Goethes Faust und einige andere teure Bücher. Später fand man den vermißten Faust band bei einem bekannten Arzt wieder, der ihn der Angeklagten abgetauft hatte. Bei einer Haussuchung fand man noch eine Reihe von Bänden vor, und außerdem verschiedene leere Pappfartons. Sie behauptete, daß sie durch das Vermächtnis eines Bruders in den Besitz einer Bibliothek gelangt sei und immer, wenn sie Geld für Opium brauchte, sich zum Verkauf einiger Bände entschlossen habe. Den Faustband tönnte sie nur aus Versehen in ihre Tasche eingepact haben. Amtsgerichtsrat Dr. Cohn bemühte sich, aus der Angeklagten die Motive für ihr Tun herauszubekommen. Er fragte fie, ob sie vielleicht einen besonderen Hang gehabt habe, sich in den Besiz der Bücher zu setzen. Sie blieb aber dabei, daß sie unschuldig sei. Die Angeklagte hatte in mehreren Schreiben dem Gericht und der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, daß eine Kusine, die geistig nicht richtig sei" und die einen ähnlichen Namen wie Schlayer" habe, die Besucherin der Buchhandlungen gewesen sei. Die Angeklagte war auch lange vor Beginn der Sizung vor dem Sizungsjaale erschienen und behauptete, daß sie eine Bekannte der Frau Dr. D. und beauftragt sei, ein ärztliches Attest zu überbringen, in dem der Angeklagten die Verhandlungsfähig teit bescheinigt wurde. Dem Justizwachtmeister tam das jedoch verdächtig vor, und er führte die" Botin" Amtsgerichtsrat Dr. Cohn por, dem es gelang, die angbliche Botin als Angeklagte zu entlarven. Er ließ sie nun gar nicht erst fortgehen, sondern sie mußte im Gerichtssaal Plaz nehmen und dort warten, bis ihre Sache aufgerufen flagte die verdächtige Raufluftige gewesen sei. San.- Rat Dr. Lepp. wurde. Die vernommenen 3 eugen befundeten, daß die Angemann fonnte nach furzer Untersuchung der Angeflagten fein abschließendes Urteil über ihre Geistesbeschaffenheit abgeben. Durch die Opiumsucht sei das moralische und sittliche Empfinden sehr gejunken;§ 51 fame aber nicht in Betracht. Amtsgerichtsrat Dr. Cohn kam zu einer Verurteilung der Angeklagten wegen fortgeRücksicht auf ihr Alter und ihre Minderwertigkeit erhielt sie dreisetzten Bücherdiebstahls zu 2 Monaten Gefängnis. Mit jährige Bewährungsfrist unter der Voraussetzung der Besserung, und daß sie den angerichteten Schaden wieder gut mache. Hütet eure Töchter! und 24. Auguft. Kursus Seebab Mariendorf. Leiter: Herr Kurt Hartig. Freitag, den 14. und 21. August; Dienstag, den 18. und 25. August. Kursus Seebad Weißensee. Leiter: Herr Albert Voigt. Freitag, den 14. und 21. August; Dienstag, den 18. und 25. August. Kursus Neukölln Brig. Sievers. ufer, Sommerbad der Schwimm- Union. Leiter: Herr und 25. Auguft. Friz Burow. Freitag, den 14. und 21. August; Dienstag, den 18. Vom Hamburger Jugendtag. Hamburg, den 8. Auguft. des Hauptbahnhofs ist voller Erwartung. Bald müssen sie Früher Morgen. Milchiggrauer Himmel. Die weite Halle fommen. Und sie kommen in Sonderzügen von der Mittelelbe, aus Hannover, aus dem Rhein- und Ruhrgebiete, aus Berlin, aus allen Himmelsrichtungen. In Abständen von zehn Minuten ungefähr laufen sie ein. Ein starker Rhythmus liegt darin, wie die Züge anbrausen, ein Gesang jubelnden Lebens. Technik und junges Arbeitervolt, dem einmal die Welt gehören soll. Rote Fahnen flattern zu beiden Seiten aus den Fenstern. Die Wagen entleeren sich, die Scharen gruppieren sich und Gesang und Musik steigt auf in dem Dom der neuen Zeit. Die übermüdeten Gesichter straffen sich, die Augen leuchten und singend hinaus geht es in den Jugendtag. Die Begrüßungsfeier. Ein fleines 16 jähriges Mädel hatte, nachdem es die ganze Woche lang schmer gearbeitet hatte, eines Sonntags einen Spaziergang nach Halensee gemacht. In einem Lokal bemühte sich ein älterer Herr in freundlichster Weise sich ihr zu nähern. Bertrauensvoll ging fie auf seine harmlosen Scherzworte ein und bald faß man auf der Weinterrasse, wo der alte freundliche Herr sich das Vergnügen" machte, das fleine Mädel, das sich so etwas Bornehmes sonst von ihrem färglichen Einkommen nicht leisten fonnte, mit Wein und Delikatessen zu trattieren. Der Erfolg war, daß die kleine Elli, benommen von all dem Herrlichen, bald einen regelrechten Fabrikbefizer Jansen- anscheinend noch nicht aus und so ging man, Schwips hatte. Das reichte aber dem väterlichen Gönner einem „ um den Schwips durch Mokka zu beheben", in ein intimes Café, wo man zu dem Motta natürlich noch etwas Liför trinken mußte. Bald war die Kleine sinnlos betrunten. Sie wurde in einem Hinterzimmer auf ein Sofa gelegt und später von dem„ Kavalier" nach Hause gebracht. Aus Angst vor Scherereien wurde sie aber statt nach Hause von dem väterlichen Freund auf der Treppe Kampf um den Sozialismus voranstehen soll. Ein sehr starkes zu feinem Fabritraum zum Schlafe gebettet" und Ahnung zu haben, was mit ihr vorgefallen war, nach Hause. Nur dort ihrem Schicksal überlassen. Am nächsten Morgen ging fie, ohne zu bald erfuhr sie, was ihr geschehen war, denn es stellte sich heraus, daß die Sechzehnjährige einem Kinde das Leben schenken würde. Die Eltern erstatteten nun Anzeige wegen Notzucht und gestern fam es vor dem Schöffengericht mitte zur Verhandlung, die in solchen Fällen häufig zu gehen pflegt, wurde von einem Zeugen dem armen Mädel zu seinem Recht verhelfen sollte. Wie es aber befundet, daß bei der kleinen Elli in der fraglichen Nacht noch andere Herren gesehen worden seien, so daß die Sache für den angeflagten Fabrikbefizer mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen endete. Eröffnung der Ledermesse. Am geftrigen Sonnabend fand die Borbesichtigung der 3. Berliner Fachmesse der Schuh und Lederwirts schaft in dem Messegebäude am Raiserdamm statt. In einem furzen Begrüßungsvortrag führte der Direktor des Berliner Messes des Berliner Messeamtes aus, daß man für die Messen des Jahres amtes Dr. Schick nach einem Rückblick auf die bisherige Tätigkeit 1926 mit einem außerordentlichen Abbau aller Meffegebühren rechnen dürfe. Darauf erfolgte der Rundgang durch die Aus stellungsräume. Festgestellt konnte werden, daß auch diese Messe wieder außerordentlich gut beschicht ist, sowohl die Funk- wie auch die neue Autohalle sind vollständig belegt. Neben Schuhen jeder Art sieht man alle Erzeugnisse der Leder- und Sattlerwaren industrie, vor allem aber find die Stände farbentechnisch außer ordentlich geschmackvoll aufgemacht und fügen sich zwanglos der Architektur des Raumes an. Neu ist die Sonderausstellung„ Die Reklame des Schuh- und Lederwarenhändlers", die von Profeffor Frenzel und dem Reklamezeichner Joe Lie geleitet wird. Und wieder Dachstuhlbrände. Wegen eines großen Brandes wurde die Feuerwehr gestern nachmittag gegen 1 Uhr nach der Mirbachstr. 67 alarmiert. Bei Ein treffen der Wehr stand bereits der ganze Dachstuhl des Hauses in Flammen. Mit mehreren Schlauchleitungen mußte energisch borgegangen werden, um das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und die unteren Etagen zu schützen. Der Dachstuhl war nicht mehr zu retten, er wurde ein Raub der Flammen. Rach etwa zweistün biger Tätigkeit fonnte die Wehr unter Zurüdlassung einer Brandmache wieder abrüden. Die Entstehungsursache konnte noch nicht ermittelt werben, man bermutet Brandstiftung. Der Schaden ist erheblich.- Ein anderer Brand beschäftigte die Feuerwehr in der Tegeler Str. 40. Die Wehr fand bereits einen ausgedehnten Brand des großen Wohnhauses bor. Der Dachstuhl stand in hellen geschützt werden. Da man auf der Bodentreppe eine brennende Flammen und nur mit großer Mühe konnten die unteren Etagen Matrage fand, liegt der Verdacht einer Brandstiftung nahe. Der Schaden ist bedeutend. Kurse zum Retten Ertrinkender. Die heißen Tage des Sommers haben viele Unfälle beim Baden verursacht. Um diese Unfälle möglichst einzudämmen, und das Rettungsschwimmen allgemein zu machen, unternimmt der Bezirk Berlin der Deutschen Lebensrettungs- Gesellschaft es wieder, Lehrgänge für Rettungsschwimmen abzuhalten. In den Kursen, die vier Abende umfassen, wird von anerkannten Fachlehrern Unterricht im Rettungsschwimmen und Wiederbelebung gezeigt. Ferner wird Gelegenheit gegeben, durch Ablegung der vorgeschriebenen Prüfungen den Grundschein der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft erwerben und damit als Rettungsschwimmer zu gelten. Die Teilnahmegebühr beträgt 3 M., die mit der Anmeldung an die Geschäftsstelle des Bezirks Berlin der DLRG., Erich Esser, Berlin SW 61, Belle Allianceplay 11a, Postscheck Nr. 16 528 einzureichen sind. Schwimmfertigteit muß vorausgesetzt werden. Die Kurse, welche abends um 7 Uhr beginnen, finden in nachstehenden Badeanstalten statt: Rurfus Deutsches Bad, Treptow. Leiter: Herr Emil Rausch, Donnerstag, den 13. und 20. August; Montag, den 17. und 24. August. Rurfus Militärbadeanstalt Blötenfee. Leiter: Herr Franz Stamatsch. Donnerstag, den 13. und 20. August; Montag, den 17. Rote Fahnen und Banner leuchten von den Emporen. In stehen gedrängt die Delegierten. dem überfüllten Saale des Besenbinderhofes fihen und Der Niederrheinische Jugendchor eröffnet mit hellen Stimmen die Feier mit dem begrüßt darauf mit warmen Worten die Erschienenen und erinnerte Gefang Aus der Städte dumpfen Banden". Genosse Westphal an die vergangenen und doch so lebendig gebliebenen Jugendtage. Besonders herzlich bewillkommnet er die über 70 Jahre alten Beteranen, die zur Feier besonders geladen sind. Seine Worte flingen aus in dem Gelöbnis, daß die deutsche Arbeiterjugend im Erlebnis war die Darbietung des Niederrheinischen Bewegungschors, der mit dem Rhythmus der Bewegung, mit mehr als Worte es fönnen, ein Stück Proletarierschicksal gab. Auf und Nieder, stumpfer Berzweiflung, Aufbäumen und Sieg, Darauf sprachen ein Vertreter der Arbeiterjugend und der Bertreter des Hamburger Senats, der auf die engen Befür die Jugend einzutreten. Der Berliner Jugendchor sang ziehungen zwischen Senat, Bürgerschaft und Arbeiterjugend hin. wies. Hamburg fenne und erfülle seine Pflicht, mit allen Kräften hierauf das start wirkende Lied von der Herzblutfahne. Dann die allerdings beffer in das frische Grün und in Luft und Sonnenfolgten noch Boltstänze der Altonaer Arbeiterjugend, schein gehören. Hierauf begrüßte je ein Vertreter der Sozialdemokratischen Partei, der Frauen, der Arbeitersportler und der freien Gewerkschaften mit warmen Worten die Versammlung. 91 Darauf fang der Leipziger Jugendchor Brüder zur nationale". is letter Redner sprach zündend für die Sozialistische Sonne" und mit Fahnenschwenken alle impulsiv mit die InterJugendinternationale Pieter Boogd aus Holland. Mit dem gedie erhebende Feier. meinsamen Schlußgefang„ Wenn wir schreiten Seit' an Seite" schloß gebahndirettion. Warum ist an den meisten Hauptvers Untergrundbahnschmerzen. Eine Anfrage an die Hoch fehrsbahnhöfen der Untergrundbahn um die Mittags zeit( in der das Angestelltenheer nach Hause strömt) und in den Spätnachmittagsstunden( kurz nach Fabrik- und Geschäftsschluß) nur ein Schalter für den Fahrkartenverkauf öffnet? Ist wirklich der Mangel an Personal ein so horrend großer, daß man die Menschenschlangen sich zu fast to meterlängen anstauen laffen muß? Diese ungeduldig Warten den find bald von einer begreiflichen Nervosität ergriffen und den meisten fährt die Bahn, mit deren Benutzung fie bestimmt rechnen zu fönnen glaubten, vor der Nase fort, und evtl. die nächste ebenfalls. Ist diefem einer Großstadt wirklich unwürdigen llebelstand, der fast wie eine Schikane des Publikums anmutet, nicht abzuhelfen? Wir hoffen, daß dieser Hinweis genügt, um hier eine Korrektur eintreten zu lassen. Todesstürze in den Schweizer Bergen. Genf, 8. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Biz Rosatich im Engadin ist Hans v. Borsig, der Sohn des Berliner Großindustriellen, abgestürzt. Sein Bruder konnte mit einer Rettungss kolonne die Leiche bergen. Seit dem 20. Juli wird Rechnungsat Deißler Nürnberg vermißt, der allein eine Bergtour in das Leiche wurde eine Belohnung ausgefeßt. Am Auberg bei Schwyz Silvretta- Gebiet unternommen hat. Für die Auffindung seiner Sein Begleiter mußte nach Chamonix gebracht werden, wo er stürzte Frau Amberger aus Heidelberg ab und war sofort tot. Bei einer Besteigung des Montblanc starb der Luzerner Gieger. hoffnungslos im Spital liegt. # Eröffnung der Ausstellung Deutscher Wein" in Koblenz. Die Reichsausstellung Deutscher Wein" in Koblenz wurde gestern vormittag in Anwesenheit von Vertretern der Reichs, Staats- und Provinzialbehörden sowie zahlreicher Angehöriger der fachlichen Organisationen und Verbände mit einem eindrucksvollen Festakt im Koblenzer Stadttheater durch Oberbürgermeister Russell eröffnet. Nollendorf 1120, 1121, 1122 M. 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Meßabzeichen zu Vorzugspreisen und Auskunft durch Ehrenamtlichen Vertreter des Meßamts für den Handelskammerbezirk Berlin: Direktor G. Bach, Berlin, Potsdamer Straße 21, Fernsprecher: Lützow 3366; Geschäftsstelle des Meßamts, Berlin W 57, Kurfürstenstraße 23, Fernsprecher: Oliva 1783, Verkehrsbüro der Industrie- und Handelskammer, Berlin C 2, Klosterstr. 41, Fernspr.: Merkur Nr. 2033/38, Deutsches Verkehrsbüro, Potsdamer Bahnhof, Erdgeschoß links, Berlin W 9, Fernspr.: Nollendorf Nr. 8550/54 und die Vertretung des Norddeutschen Lloyd, Agentur Berlin G. m. b. H., Hotel Adlon, Unter den Linden 1. Sonderzug IV. Klasse am 3. September ab Berlin. Fahrkarten und Auskunft N. D. L.- Agentur Berlin, G. m. b. H., Hotel Adlon, Unter den Linden 1, N. D. L.- Reisebüro Wertheim, Berlin, Leipziger Str. 132/137. MESSAMT FÜR DIE MUSTERMESSEN IN LEIPZIG Reichsbanner Prenzlauer Berg. Unserem Kameraden und Parteige noffen August Rühle seinem 50. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche. Möge er noch recht oft dieses Feit im Kreise feiner Lieben feiern. Die Kameraden des 6. Zures. Dauerwäsche. Born, Reichenberger 7, Schwäbische 19. Danksagung. 8 18 BRESLAU 6-8 SEPTEMBER MESSE Die Hornhaut an des Fußes Sohl', die Dich so schmerzt, mußt Du vertreiben. Ein Mittel weiß ich: Lebewohl", die allbekannten Ballenscheiben! Allen denen, die bei der Rettung meiner Frau am Nachmittag des 16. Juni an der Ede der Greifswalder u. Elbinger Straße fo tatkräftig Hilfe geleistet haben, insbe fondere Hrn. R. Schmidt und den anderen Serien sowie dem Fahrer sagen wir hiermit Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aerzten unſeren innigsten Dant Meine Frau ist am empfohlene Hühneraugen- Lebewohl für die Zehen und LebeMontag aus dem Krankenhause entlassen wohl- Ballenscheiben für die Fußsohle. Blechdose( 8 Pflaster) Paul Puthske und Frau Elbinger Straße 67. 75 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Nr. 375 ♦ 42. Jahrgang 2. Heilage des vorwärts Sountag, August 1925 —■■»■■■IIWIMIMIIM llj V Der Gewaltstreich öer Aollparteien. Die Opposition wehrt sich.— Die allgemeine Beratung beendet. Ein paar Tatsachen aus der Reichstagsfitzung von gestern. Die Mehrheit beantragt, daß bei der Beratung des Zoll- tarifs keine Fraktion länger als insgesamt vier Stunden sprechen dar. Die drei Parteien der Opposition. Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten» pro- testieren. Herr Fehrenbach vom Zentrum begründet den Vorschlag der Mehrheit, in dem er u. a. erklärt» daß der Neidest ag nicht länger mehr als eine Woche noch zusammenzuhalten ist. Die Opposition meint» wenn der Reichstag zurzeit nicht mehr arbeitefähig fei, so müsse er eben auf eine so groß« und schwere Arbeit wie die Erledigung des Zolltarifs zunächst verzichten. Solle aber der Zolltarif noch erledigt werden» dann fei es notwendig» ihn auch sachlich durchzuberaten und beisammen zu bleiben, solange das nötig fei. Am Freitag sind die Steuergesetze verabschiedet worden. Ihre Beratung war im Verhältnis zu dem, was man für den Zolltarif vorschlägt, immer noch recht ausführlich, aber noch nicht sorgfältig genug. Beweis: Roch ehe vierunLzwanzig Stunden vergangen waren» hatten schon die R e g i e r u fi g s» Parteien selbst zu den eben verabschiedeten Gesetzen drei wichtige Abänderungsanträge gestellt. Wenn jetzt der Zolltarif im Galopp erledigt werden soll, kommt etwas zustande, was kein Mensch ernstlich verantworte» kann. Hilft nichts! Alle Argumente prallen an der Mehrheit ab. Die Gnadenfrist von vier Stunden wird beschlossen. Dann spricht der Reichskanzler— es gibt stürmische Szenen. Lobe beruhigt den Sturm und schafft dem ver- antworllichsn Vertreter der Zollvorlage Redefreiheit. Ein Satz oder Satzteil der Kanzlerrede findet auf der Linken stürmische Zustimmung. Er lautet: JDas deutsche Volk ist beklagenswert". Es ist beklagenswert. Es muß ertragen, daß Herr Luther ihm für den 1. Oktober Preisabbau verspricht. im selben Atemzug mit einer Verteidigung des Gesetzes, das dem Preisansbau dienen soll.» Es muß zu de» schweren Folgen der Zollvorlage den Hohn hinnehmen, der in der Unaufrichtigkeit dieser falschen Versprechung liegt. « Luther hat den Standpunkt des Amtes vertreten. H i l f e r d i n g vertritt den der Wissenschaft. Keine Obstruk- tionsrede» keine Sensationsrede. Eine nüchterne sachliche Rede, die durch Logik bezwingt. Ein Bau von Tatsachen und Argumenten, festgefügt durch eine starte geistige Kraft. Viel- leicht fragt sich dabei auch mancher Kommunist, ob den Arbeiterinteresien durch solche Reden, die den Gegner zur Achtung zwingen, nicht besier gedient ist als durch die bloße Aneinanderreihung von Schlagworten. Her Perlitius vo mZentrum gibt für die Wehr- heit eine Kollcktiverklärung ab. die aus zwei Gründen wert- voll ist. Erstens gibt sie mit einer Aufrichtigkeit» die wir längst gewünscht hätten» zu. daß die Zölle verteuernd wirken— warum suchte man das zu leugnen, das ist doch der Zweck der Urbung!— zweitens bezeichnet sie mit nicht minder erfreullcher Aufrichtigkeit den Zolltarif als einen Schritt ins ungewisse. Vielleicht darf man sagen, daß es eine Frivolität ist» eine Vorlage, die man selber als einen Schritt ins ungewisse bezeichnet,'in ein paar Tagen durchpeisichen zu wollen, sie durchpeitschen zu wollen, bloß au? dem Grunde, weil das Haus schon beinahe arbeitsunfähig ist und es in einer Woche ganz bestimmt fein wird. Nachdem der Kommunist Hoernle» der Demokrat Dietrich. Baden, der Völkische v. G r a e f e gesprochen— gegen 4 Uhr nachmittags— beantragen die Sozialdemokraten Vertagung und bezweifeln zugleich die Beschluß- fähigkeit. Sozialdemokraten und Kommunisten verlassen den Saal, die anwesenden Demokraten können sich nicht ent- schließen mitzumachen. Trotzdem ergibt die Aus- Zählung Beschlußunfähigkeit. Wenn das Haus beschlußfähig sein soll, müsien 247 Abgeordnete, einer über die Hälfte, anwesend sein. Es sind aber nur 244 einschließlich der Demokraten. Von den Komproinitzparteien sind also nur etwa 23l> Mann da. Zuvor im Aeltestenrat hatte ein Sozialdemokrat gesagt, wenn die Mehrheit die Minderheit vergewaltige, müsse sie auch selber für Beschlußfähigkeit sorgen. Darauf Graf Westarp stolz:»Dazu sind wir bereit!" Sie waren nicht dazu bereit. Vizepräsident Rieß er vertagt für eine halbe Stunde. « Die Mehrheit wirst der Linken„agitatorische Rücksichten" vor. Wie kommt es aber, daß sie selber in dieser Debatte ihren Wirtschaftspolitikern einen Maulkorb umhängt, daß beispielsweise nicht Raumer und Lammers reden, sondern Nippel und Ehrhardt? Well man aus Angst, die Arbeiter zu versieren, christlich-soziale Arbeiterführer heraus- stellen will. Sind das nicht auch»agitatorische Rücksichten"? Herr Rippel, der Deutschnational«, provoziert. Als eine Provokation wirkt es schon, daß man der wisienschaftlich fimdamentrerten Rede Hilserdings ein« solche platte Agita- tionsrede aügegenstellt. Schließlich hat der Mann die Drei- stigk-it. von»wohlandrefsierten Red«»" zu spreche», die die Abgeordneten der Opposition nn Zollausschuß gehalten hätten. Das schlägt dem Faß den Boden aus. Erst knebelt man die Minderheit, dann überhäuft man sie noch mit Unverschämtheiten. Eine noble Kampfesweise! Rippel diktiert im tosenden Lärm die letzten Sätze seiner Rede ins Protokoll, um schleunigst zu verschwinden. Dann unterbricht der Vizepräsident die Sitzung abermals, nachdem «r noch zuvor den Kommunisten Neubauer aus dem Saal gewiesen. Der wartet nicht erst auf die Polizei und geht. Kann also Montag wieder da sein. Wiedereröffnung der Sitzung. Doch nur zu dem Zweck, den Aeltestenrat einzuberufen. Der tagt eine halb« Stunde. Gr-:bms: Rießer erteilt Rippel einen Ordnungsruf. Ditt- mann verlangt abermals Vertagung und bezweifelt die Ve- schlußfähigkeit. Die Auszählung beginnt, die' Demokraten lassen sich wieder mitzählen, diesmal sinds 252. Also, es langt! Aber die Zollmehrheit oerdankt ihre knappe Beschlußfähigkeit nur den Demokraten. Schließlich steigt eine Verteidigungsrede des Zentrums- arbeiters Ehrhardt, die nicht so provozierend ist. wie jene Rippels, sachlich aber auf nickst viel höherem Niveau steht. Und dann Schluß! O Die Mehrheit trägt die Verantwortung für den»Schritt ins Ungewisse", den sie mit schwankenden Beinen tut. Sie trägt aber auch die Verantwortung für die Methoden, nach denen sie diesen Schritt vollzieht. Sie ist brutal aus Schwäche, aus innerer und äußerer Schwäche. Sie will die sachliche Debatte strangulieren, well sie den geistigen Kampf mit der Minderheit nicht führen kann. Sie will so schnell wie möglich zu Rande kommen, well sie fürchiet, noch vor dem Ziel zusammenzubrechen und beschußunfähig zu werden. Ein erhebendes Vorspiel zur Verfassungsfeier für- wahr! Aber kann es uns abschrecken? Mit Nichten! Nicht weniger Demokratie, sondern mehrDemokratie. heißt die Parole. Da ist eine Parlamentsmehrheit, die die Interessen einer Dolksminderheit vertritt, da ist eine Parlamentsmindcr- heit. der drei Viertel oder neun Zehntel des Volkes zustimmen müßten, wenn sie nur erst begriffen hätten, worum es geht. Sie werden es begreifen, wenn sie die Wirkung dieser reaktionären Steuer- und Wirtschaftspolitik am eigenen Leibe spüren werden. Darum erst recht für die Ver- f a s s u n g. die allen gleiche politische Rechte gibt, sie werden (ie auch schon richtig gebrauchen lernen! Die Mehrheit, die ich an der Demokratie versündigt, wird an der Demokratie zerbrechen._ Ein neuer Täuschungsversuch. Rechtsblock und Lohnsteuer. Das Zentrum hat es außerordentlich unangenehm empfunden, daß bei dem Endkampf um die Steuern der Nach- weis geführt wurde, daß es die eigenen Forderungen zum Schutze des Arbeitseinkommens und des Verbrauchs preis- gegeben habe, well es an den Rechtsblock gefesselt fei. In- zwischen liegt ein neuer Beweis dafür vor. Die Rechtsregierung und die Regierungsparteien hoben stets versichert, daß die Lohnsteuer nur einen Er- trag von 1200 Millionen Mark im Jahre er- bringen solle. Sobald ein Mehrertrag erzielt werde, solle eine weitere Senkung der Lohnsteuer erstiigen. Eine Ent- s ch l i e ß u n g des Zentrums, die diesen Gedanken vertrat, fand auch beim Steucrüberteitungsgesetz Annahme, nachdem eine von der Sozialdemokratie beantragte gesetzliche Bindung dieser Art abgelehnt worden war. Trotzdem de- deutete die Annahme der Entschließung, daß diese Begrenzung der Lohnsteuer auf einen Ertrag von 1200 Millionen Mark für das Rechnungsjahr 1925, also für die Zeit vom 1. A p r i l 1925 bis 31. März 1926 Geltung haben solle. Bei der dritten Lesung der Einkommensteuer am Freitag beantragte die S o z i a l d e m o t r a t i e die Aufnahme eines entsprechenden neuen Paragraphen. Sie wollte auf diesem Wege erreichen, daß statt des Wunsches an die Regierung eine gesetzliche Bestimmu.ng geschaffen werde. Ob- wohl in den Beratungen des Steuerausfchusies über diese Frage völlige Uebereinstimmung bestand, lehnten die Regierungsparteien einschließlich des Zentrums den sozial- demokratischen Antrag ab. Inzwischen ist von ihnen ein Inittatiogesetz eingereicht worden, das eine grobe Täuschung der Lohn- und Gehaltsempfänger enthält. Es sucht den Anschein zu er- wecken, als entspreche es dem sozialdemokratischen Antrag. In Wirklichkeit unterscheidet es sich davon nach zwei Rich- tungen. Erstens nämlich insofern, daß künftig keine Er- höhuag des Existenzminimums eintreten soll, sondern nur eine Erhöhung der Abzüge bei k i n d e r- reichen Familien. Zweitens aber, und das ist noch wich- tiger, soll diese Bestimmung erst zur Anwendung kommen. wenn der Ertrag der Lohnsteuer vom 1. Oktober 1925 bis zum 31. Marz 1926 oder später in einem halben Jahr den Betrag von 600 Millionen Mark übersteigt. Das bedeutet eine ganz unabsehbare Hinaus» fchiebung der Ermäßigung der Lohnsteuer. Obwohl das Reich bereits in den Monaten April, Mai und Juni rund 100 Millionen Mark Mehreinnahme aus der Lohn- steuer erzielt hat und etwa denselben Mehrbetrag in den Monaten Just, August und September erzielen wird, soll die Lohnsteuer nicht im Oktober, wie ursprünglich versprochen wurde, weiter gesenkt werden, sondern erst im neuen Etats- jähr. Auch hier wieder zeigt sich also der Ausnahmecharakter der neuen Steuergesetzgebung. Während der Steuerdruck für alle Besitzenden ganz erheblich ermäßigt wurde, bleibt er auf den Massen der Lohnsteuerpslichtigen fast unvermindert er- halten. Würde man das o ff e n zugeben, fo könnte man wenigstens noch von einer ehrlichen Politik sprechen. Daß man aber den Schein zu erwecken sucht, als solle auch für die Lohn- und Gehaltsempfänger etwas geschehen, es aber in Wirklichkeit für das gegenwärtige Steuerjahr gar nicht beab- sichtigt. kann man wirküch nicht mehr mit sachlichen Er- wägungen begründen._ Der �Ewigkeitswert"' üee Steuern. Noch vor der Berkünduug die erste Aeuderuug... Die Reichsregierung hat zur Verherrlichung ihres Steuerwerk« behauptet, diese Steuern würden einen relativen Ewigkeit»- wert haben. Wie dieser Ewigkeitswert aussieht, das zeigt die Tatsache, daß diese Steuergesctze noch nicht in der dritten Lesung de» Reichetags zu Ende beraten waren, als sich die Notwendig. keit ihrer Abänderung bereits herausstellte Trotz der wochenlangen Verhandlungen, die über die Gestaltung der Tabak- steuer geführt worden sind, ist sie in einer Gestalt Gesetz geworden. die selbst der Regierung unerträglich erscheint. Sie hat infolgedessen bereit» am Donneretag eine Verordnung durch den Reichsrat genehmigen lassen, die eine Abänderung des Tabaksteuergesetzes vorsieht. Diese Verordnung ist bereits am Sonnabend früh Gegen- stand von Beratungen im Steuerausschuß des Reichstags ge- wesen. Es handelt sich dabei um folgendes: Nach den Beschlüssen des Reichstages wurde die Banderolensteuer in der bisherigen Höhe von 40 Proz. vom Kleinverkaufspreis belassen. Dazu trat neu eine Steuer vom Wert des Rohproduktes, die sogenannte Material st euer oder der Gewichtszoll in Höhe von 2,50 M. pro Kilogramm Zigarettentabak. Nun kommt die Regierung mit dem Dorschlag, die Bonderolensteuer aus 20 Proz. herabzusetzen und die Materialsteuer auf v M. pro Kilo zu erhöhen. Die Wirkung dieses Regierungsvorschlages würde sein, daß die billige.Zigarette bis zu 4 pf. kleinverkausspreis überhaupt nicht mehr hergestellt werden könnte, weil eine zu hohe Belastung auf ihr ruht. Die Zigaretten aber, die bisher in der Preislage von 8 Pf. aufwärts hergestellt werden konnten, werden entlastet, da die Banderolensteuer herabgesetzt wird und sie nur die gleiche Belastung durch die Materialsteuer tragen, wie die billigen Zigaretten. Dos geschieht so stark, daß der Fabrikant bequem eine lO-Pf.-Ziga- rette zu 8 Pf. und eine 12-Pf.>Zigarette zu 10 Pf. usw. verkaufen kann. Bei der starken Vertrustung der Zigarettenindusirie ist aber noch nicht einmal sicher, daß die Steuerherabsetzung den Rauchern zugute kommt, vielmehr ist zu erwarten, daß der Fabrikant diesen Extraprofit in die Tasche steckt. Trotzdem wird aber der Preis der bMgen Zigarette stark erhöht werden. Schon aus diesen kurzen Angaben geht deutlich hervor, daß sich die Herabsetzung der Banderolensteuer bei gleichzeitiger Herauf- setzung des Gewichtszolls, der für sämtliche Preislagen der Ziga- retten die gleich« Höhe hat, in einer denkbar unsozialenWeise auswirkt. Die Beratungen des Steuerousschusses über die enb- gültige Festsetzung des Verhältnisses der Bonderolensteuer zum Cewichtszoll haben denn auch bei den Regierungsparteien derart starke Bedenken gezeitigt, das die Beratungen abgebrochen und auf Moutag vertagt worden sind. die Miete 1926. Eine Erklärung des ReichsarbeitSministerS. Zu der Polemik über die Absichten der Reichsregierung in der Frage der Mietspreiserhöhung teilt der Reichsbund beut- scher Mieter mit, daß der Reichsarbeitsminister Dr. Braun» in einer Konferenz mit Borstandsmitgliedern des Reichsbundes am 14. Juli iL a. folgendes erklärt hat: »Die Gesundung der Wohmmgswlrtschast erfordert die Wiederherstellung der Friedensmiete zuzüglich des Teuerungsausgletchs, so daß mit einer Dauermiete von 140 Proz. der Vorkriegsmiete ge- rechnet werden muß." Allerdings hat der Minister betont, daß die Angleichung der heutigen Miete an die künstige Dauermlete nur allmählich und unter Anpassung an die jeweilige Wirtschaftslage erfolgen soll. Der Minister soll der Ansicht sein, daß im Jahre 1926 keine wesentliche Ueberschreitung der Friedensmiete zu erwarten ist. Aller- dings kann man auf diesem Wort des Ministers keine Häuser bauen. denn die Hausagrarier drängen in letzter Zeit wieder heftig auf Mietpreiserhöhungen. Die Stinnes-Jntereffevten. Vom Stützungskonsortium zum Exekutivkomitee. Während die Stützungsbanken des Stinnes-Konzerns ein« Erklärung verbreiten, wonach von irgendwelchen Differenzea innerhalb der Stinnes-Interessenten keine Red« fein kann, ver» öffentlicht die schwerindustrielle Tolegraphen-Union den In» halt einer Unterredung mit rheinischen Vertrauenspersonen der Stützungsbanken und mit Freunden der Familie Stinnes. Der Inhalt dieser Unterredung soll ebenfalls zur Beruhigung bei- tragen, bestätigt aber u. a. folgendes: Generaldirektor V ö g l e r und Herr W i t t h o e f t haben bei der Verwertung der Bennögensmasse des Hauses Stinnes Wünsche und Forderungen gellend gemacht, die mit denen der Stützungsbanken nicht übereinstimmen. Außerhalb des Hauses Stinnes nennt man so etwas eine M e i n n n g s- Verschiedenheit, die eben abgestritten wurde. Zur Abdeckung der Schuldverpflichtungen des Hauses Stinnes ist es notwendig, daß der Privattonzern auf den ererbten Besitz der Familie zurückgreift. Man hofft allerdings, die Flotte vorläufig noch zu erhallen,„da ein Einzelverkauf der Schiffe nicht ratsam erscheine". Daraus gebt hervor, daß man es hier noch darauf ankommen lassen will. ob sich die neu zu gründende Schiffahrtsgesellschaft rentiert; sollte das nicht der Fall fein, so würde man einen Verkauf der Gesellschaft als Ganzes vorziehen. Die Abwicklung würde von setzt ab langsamer vor sich gehen als bisher, da die börsengängigen Werte größtenteils verkauft sind. Man hofft darauf, noch die Koholyth A.-E. und die noch vorhandenen 40 000 Morgen Güter günstig abzustoßen. Daß aber diese Werte noch nicht ausreichen, und zwar auch dann nicht, wenn die Forderungen von Dr. Edmund Stinnes mit Regreßansprüchen aufgerechnet werden, das geht daraus hervor, daß man um eine Erleichterung der Bankbedinguvgen für die erhallenen Kredite sich bemüht. In der besagten Unterredung wird schließlich das Konsor- tium der Stützungsbanken mit einem Namen genannt, den man bisher ängstlich vermieden hat: man bezeichnet es näm- lich ausdrücklich als E x e k u t i v k o m i t e e. In der Tat hat man mehr den Eindruck, als ob hier mehr eine Exekutive als eine wirkliche Sanierung vollzogen wird. Ob dieses Exekution notwendig war. das wird sich erst nach ihrem Abschluß ganz klar übersehen lassen. Ob die Banken dabei ein glänzendes Geschäft gemacht haben, das wird vielleicht schon die von der Sozialdemorbatie beantragte Untersuchung ergeben. Fest scheint allerdings das eine zu stehen, daß es sich eben um nichts anderes als um ein A b w i ck l u n g s g e f ch ä f t l?andelt. bei dem natürlich alle Teile verdienen wollen, das aber als Ge- schüft alles andere ist wie jene großzüaiae, von Volkswirt» schaftlichem Interesie diktierte Aktion, für die man die Stützimg ursprünglich angegeben hat. Lohmann und Ehrhardt. Die Ehrenrettung" des Meineidigen. Die Rechtsregierung schlägt in ihrer Amnestievorlage dem Reichstage die Niederschlagung von Verfahren wegen Landesverrats, Geheimbündelei und Bergehen gegen das Gesetz zum Schutze der Republik vor, die vor dem 1. Oftober 1923 begangene Straftaten zum Gegenstand haben. Der Stichtag ist gewählt, um die Rapp Rebellen dem Strafrichter zu entziehen und Kommunisten, die in ihre Fußstapfen getreten sind, zur Bestra fung bringen zu fönnen. Gegen diese Differenzierung mandten sich am 28. Juli unsere Genossen im Rechtsausschuß des Reichstags. Der Genosse Landsberg führte aus, daß Lüttwit und Ehrhardt der Amnestierung meniger würdig seien als viele tommunistische Verschwörer. Die Tatsache, daß Ehrhardt eine Frau, die ihm alles gegeben habe, was eine Frau einem Manne geben fönne, die Prinzessin Hohenlohe, zum Meineide verleitet und durch seine Flucht aus dem Gefängnis im Stich gelaffen habe, fennzeichne ihn als einen Mann ohne Ehrgefühl. Diese Charat terisierung ging durch alle Zeitungen, ohne daß Ehrhardt sich rührte. Da wandte fich der deutschnationale Abgeordnete Landgerichts direktor Lohmann mit einer brieflichen Anfrage an ihn. Für die Strafverfolgungsbehörde ist Ehrhardt nicht erreichbar. Aber Herr Lohmann kennt den Weg, auf dem es möglich ist, an ihn heranzufommen, und dem hohen richterlichen Beamten untersagt es fein Tattgefühl nicht, diesen Weg zu betreten. In der Sitzung des Rechtsausschusses vom 6. Auguft nahm mun Lohmann außerhalb der Tagesordnung das Wort, um mitzuteilen, daß Ehrhardt ihm brieflich versichert habe, es hätten zwischen ihm und der Prinzessin teine anderen Beziehungen als jolche der Gastfreundschaft und des damit verbundenen tonventionellen Berkehrs bestanden. Erschienen war ferner der dem Rechtsausschuß nicht angehörende deutschnationale Abgeordnete Pfarrer Wolf, der die Erklärung abgab, daß er nach allem, was er von der Prinzeffin misse, es für ausgeschlossen halte, daß fie irgendein intimes Berhältnis zu Ehrhardt gehabt habe. Als er den Bericht über den Brozeß gegen die Brinzessin gelesen, habe er ihre ihm als zuverlässig bekannte Zofe auf Ehre und Gewissen ausgefragt, und sie habe ihm versichert, daß ihr von einem intimen Verhältnis ihrer Herrin nichts bekannt sei. Bei den dem Zentrum angehörenden Ausschußmitgliedern erregte das Borgehen der Herren Lohmann und Wolf Befremden, und der Zentrumsabgeordnete Wegmann bat den Borfizenden, zu derart unangebrachten Ausführungen fünftighin das Wort nicht mehr zu erteilen. Der Zollsturm im Reichstag. Das Haus beschlußunfähig. Deutschnationale Provokation. spruch bei den Sozialdemokraten.) Nach der Rede Hilferdings, die eine wuchtige Anklagerede| deutschen Arbeiterschaft fich ständig gehoben hat.( Lebhafter Wider gegen die Zollparteien war, ließen die Mehrheitsparteien durch den 3entrumsabgeordneten Perlitius, den Borfizenden des Handels politischen Ausschusses, eine Erflärung abgehen. Abg. Perlitius( 3tr.): Die genannten Parteien sind entschlossen, dem Gefeßentwurf in der Fassung der Ausschußvorlage zuzustimmen und mit der Regierung die Verantwortung für das Gesezmert zu tragen, obgleich zahlreiche Forderungen von Erzeugern und Verbrauchern, deren Berechtigung die einzelnen Barteien von ihrer Beurteilung der Lage der Wirtschaft aus für unumgänglich hielten, ihre teilweise oder volle Erfüllung nicht gefunden haben. Sie betrachten den vorliegenden Tarif als ein Provisorium, das innerhalb einer Frist von längstens zwei Jahren durch einen endgültigen Tarif ersetzt werden muß. Diese Bestimmung hat auch im Gesetz Aufnahme gefunden, und in einer hierzu gehörigen Entschließung ist die fofortige Inangriffnahme der Vorarbeiten, sowie die Zusammenarbeit von Reichswirtschaftsrat und Reichstagsausschuß gefordert morden. Als wesentliche und damit auch viel umstrittene Aenderung des zurzeit geltenden Zustandes bringt die Vorlage die Wieder. einschaltung der 3ölle auf Produkte der Land. wirtschaft einschließlich des Obst- und Gartenbaues. Die Parteien sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die gegenwärtig bestehende Zollfreiheit von Agrarproduften für die Landwirtschaft nicht länger erträglich ist, daß vielmehr auch hier der Schutz vor drohender Ueberschwemmung mit Auslandserzeugniffen zuteil werden muß und wenigstens bisher auch durch Einfuhrverbote genießt. Der schwere Kampf, den die deutsche Industrie gegenüber dem fapitalfräftigen Auslande zu führen hat, ist zur Aussichtslosigkeit verurteilt, wenn nicht auch fie einen ausreichenden Schuh erhält. Bon diesem Gedanken geleitet, haben sie sich entschlossen, die Indu striezölle mit den Ausschußanträgen anzunehmen. Benn fich die Barteien bei dem Entschluß zur Annahme der Vorlage auf der einen Seite von wirtschaftlichen Gesichtspunkten leiten ließen, jo haben sie sich aber auf der anderen Seite ebensowenig den Schwierigkeiten verschließen fönnen, die die Auswirkung der Zölle für die Ver. Go lange und so brauchertreise zum Gefolge hoben wird. meit Deutschland nicht zu handelsverträgen mit anderen Staaten gekommen ist, bedeuten die autonomen Zölle des Tarifs allerdings eine Gefahr. Es muß doher Gorge getragen werden, zu verhindern, daß die autonomen Zollsäge der Borlage, semeit sie nicht durch Handelsverträge eine mefentliche Herabsetzung erfahren würden, etwa in Kraft treten und zu einer schweren ungewollten Belastung der Bedarfspreise führen könnten. Dazu ist ein Regulatin rötig, melches dem leitenden Gedanken bei dem Zustandekommen dieser Gesetzesvorlage die Wirksamkeit erhält, dem Gedanken, zwar in einem Zolltarif der Wirtschaft, was ihr not tut, zu geben, aber nach Möglichkeit die damit verbundenen Härten zu mildern, die sich aus der Belastung nach der anderen Seite ergeben. Das soll geschehen auf dem Wege der verkürzten Gesezgebung durch eine Ermächtigung, die im Gesetz ihre Beranferung finden foll, monach Regierung, Reichsrat und ein Ausschuß des Reichsesttages Aenderungen der Zollsäge vorzunehmen haben, wenn die wirtschaftliche Lage es erfordert. Die In ihrer Nummer vom 7. August bringt nun die Kreuz 3eitung" über den Borfall im Rechtsausschuß, augenscheinlich aus der Feder des Herrn Lohmann, einen langen Bericht. Die Er flärungen der Herren Lohmann und Wolff werden darin mit epischer Breite wiedergegeben. Dann wird das Referat schweigfam. Rüge Wegmanns wird gänzlich unterdrückt. Und von Lands. berg wird lediglich gesagt, er habe längere Ausführungen gemacht, in denen er erklärte, daß er sein Urteil nicht nur aus Bresseberichten, fendern auch aus Nachrichten eines Münchener Genossen geschöpft habe. Landsberg hat in Wirklichkeit eine Reihe von ftellungen aus dem Prozeß Hohenlohe wiedergegeben, die mir nicht aufzählen wollen, weil uns die Angelegenheiten Ehrhardts und der Prinzessin nicht interessieren. Diese Feststellungen sind aber fp schwerwiegend gewesen, daß sie selbst bei dem Fraffionskollegen + 32ohmanns, dem Pfarrer Wolf, den Verdacht eines intimen Bertehrs machriefen. Das beweist das Berhör, dem er die Zofe unterworfen hat. Wenn ihn die belanglose Austunff dieses Mädajens beruhigt hat, so ist das ausschließlich seine Sache, wie es Sache des Herrn Lohmann ist, der Bersicherung seines Ge finnungsgenossen Ehrhardt Glauben zu schenken, trotzdem dieser sich des misfentlichen Meineides schuldig gemacht hat. Bezeichnend für das Rechtsgefühl des Deutschnationalen Lohmann ist es übrigens, das Rechtsgefühl des Deutschnationalen Lohmann ist es übrigens, daß er im Rechtsausschuß die Verantwortung für den Meineid Ehrhardts- dem Richter zugefchoben hat, vor dem der Kapitän falsch geschworen hat. Bestrafter Verleumder. 1000 Mark Geldstrafe für Hottenrott. Magdeburg, 8. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Schrift. Leiter der in Staßfurt erscheinenden Mitteldeutschen Bresse, Hottentott, der intellektuelle Urheber des Magdeburger Brozeffes, hatte sich am Freitag vor dem Schöffengericht zu verantmorten. Der Angeklagte marschiert mit an der Spize jener Elemente, die die Bresse dazu mißbrauchen, die Republik und ihre Träger in wüstester Weise zu begeifern und zu verleumden. Vor dem Gericht wurde festgestellt, daß Hottenrott nicht weniger als 18 Borstrafen, darunter folche wegen Beleidigung, in der Hauptsache jedoch wegen Erpressungsversuchen, Gottes Tästerung usw., zu verzeichnen hat. Unter diesen Borstrafen ragt besonders eine mit 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis hervor, die Hottenrott wegen Beleidigung des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert vom Staatsgerichtshof im Jahre 1923 erhalten hat. Da mals riß der Held aus, um vom Auslande und dem sicheren Bayern aus gegen die Republik zu heben. Der gegenwärtigen Anklage lag eine Berleumdung des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen, Hörsing, zugrunde. Hörfing hatte 1923 die Mitteldeutsche Presse" auf einige Tage verboten. Hottenrott richtete nun einen Beschwerdebrief an das Oberpräsidium zu Händen des Herrn Hörfing, in welchem diesem die moralischen Qualifikationen für sein Amt abgesprochen wurden und u. a. behauptet wurde, der Oberpräsident hätte sich an Sauforgien in Halle beteiligt und in der Trunkenheit in einer, Gastwirtschaft ein madel auf seinen Schultern reiten lassen. Bor Gericht konnte der Berleumder seine Behauptungen nicht mehr aufrecht erhalten und zog sie sämtlich mit dem Ausdruc des Bedauerns zurüd. Er ersuchte den Oberpräsidenten, jeinerseits die Anflage zurückzuziehen. Als Hörfing dieses Berlangen ablehnte und auf dem Termin bestand, kam dem Angeklagten wieder seine alte Frechheit. Er erging sich sofort in neuen Ver dächtigungen gegen die Republik und vor allen Dingen gegen Lie sozialistische Bresse, die nach seiner Meinung fich alles erlauben dürfe, während man die Völkischen wegen der geringsten Kleinigkeit unnachsichtlich verfolge. Die Berhandlung ergab die völlige Saltlosigkeit der Behauptungen Hottenrotts. Der Staatsanwalt beantragte eine& el d= Strafe von 600 Mart und führte begründend dazu aus, daß er Gefängnisstrafe nicht beantragt habe, weil er annehme, daß Hottenrott die Beleidigungen gegen den Oberpräsidenten nicht selbst in die Presse lanciert hat. Es liege alfo teine öffentliche Beleidi. gung vor, sondern die Beleidigung in dem Beschwerdebrief. Der Rebenfläger Hörfing und sein Rechtsbeistand plädierten auf eine Gefängnisstrafe, da eine solche hinterhältige Berleumdung unmöglich mit einer Geldstrafe geahndet werden könne. Das Gericht verurteilte aber Hottenrott troßdem zu einer Geldstrafe DOM 1000 Mart wegen Bergehens gegen§ 186 des Strafgefezbuches und begründete die Höhe der Geldfumme damit, daß eine io grove Beleidigung des Oberpräsidenten, als den höchsten Beamten der Provinz Sachsen, empfindlich gestraft werden müßte. Der Englandboyfoft in China dehnt sich jetzt auf den Besuch vou Engländern geleiteter Schulen aus. Das Ginesische Personal ber britischen Gesandtschaft und Konsulate streitt Trotz aller Bedenten hat schließlich die Begrenzung der Gelhungsdauer des Gesetzes auf zwei Jahre es den Parteien ermöglicht, fich zu seiner Annahme zu entschließen, und den Schritt zu tun, der zu einer besseren Zukunft des deutschen Volkes führen soll, einen Schritt zwar ins ungewisse, der aber getan werden muß, in der Hoffnung, daß er gelingt. Abg. Hoernle( Romm.) lehnt die Borlage als Erzeugnis der Brutalität und Borniertheit der in Deutschland regierenden Klassen ab, zu dem sie eine ftümperhafte Begründung voller Widersprüche erhalte, in der ein Argument das andere aufhebe.( Es sind außer den Kommunisten noch ganze zehn Abgeordnete im Saal.) Wir Die Sache wird sich an ihren Urhebern rächen. Bariament oder werden den Kampf des Proletariats gegen die Wucherzölle führen. Arbeiterräte, das wird die Parole sein. Das Bolf wird richten über die Gesellschaft.( Beifall und Händeklatschen b. d. Komm.) Abg. Dietrich- Baden( Dem.) betont, man dürfe die 3olfrage nicht einseitig vom Ronsumentenstandpunkt aus betrachten, sondern müsse an die Spitze die Frage stellen: Wie tann man die deutsche Volkswirtschaft in die Weltwirtschaft eingliedern? Das nach dem Weltkrieg verkleinerte Deutsch land braucht heute viele Artikel aus dem Ausland, über die es früher selbst verfügte. Eine wirtschaftliche Berständigung der verschiedenen Länder im Interesse der ganzen Weltwirtschaft sei nicht möglich, so lange sich die Länder mit hohen Zollmauern von einander absperren. Die demokratische Partei sei keineswegs eine grundföhliche Gegnerin des Zollschutzes. Durch die Vorlage der Regierungsparteien fei aber ein wirksamer Schuß besonders der fleinen und mittleren Landwirte nicht erreicht. Ihnen werde vielmehr das notwendigste Werkzeug zur Hebung ihrer Broduktion gerade durch die jetzige Bollvorlage verteuert. Die demotra. fische Fraktion fönne daher der Vorlage nicht zu it i'm men. Abg. v. Graefe( Bölt.) bezeichnet die Zollvorlage und die Agrarzölle als notwendig. Es sei aber ein tribes und abstoßendes Bild gewesen, wie bei der Beratung der Borlage versucht worden fei, zu markten und zu feilschen seitens der einzelnen Verbände und Intereffentengruppen gegeneinander. Beschämend jei vor allem, daß zu den Intereffentenvertretern auch 2bgeord: nete gehörten, die berufsmäßig als Syndizi bestimmter Intereffentenverbände im Parlament auftraten. Der Redner mendet sich dann scharf dagegen, daß die Mindestzölle für Getreide, die Graf Kanig selbst als Kernstüd seiner Borlage bezeichnete, weggefallen und durch Mindestzölle für Bieh ersetzt worden sind. Wir wollen die Zollvorlage annehmen, aber nur, wenn die mindest 301le für Getreide wieder eingesetzt werden und menn die Konsumenten vor der Belastung durch die daraus entstehende Preissteigerung bewahrt werden durch die Aufhebung der Umjah steuer für inländische Lebensmittel.( Lebhafter Beifall b. d. Völk.) Das Haus beschlußunfähig. Um 4 Uhr beantragt Abg. Dittmann( S03.) Verlagung der Sigung und bezweifelt gleichzeitig die Beschlußfähigkeit des Hauses. Die Sozialdemokraten und Kommunisten verlaffen darauf bis auf wenige Ausnahmen den Saal. Die Prüfung der Beschlußfähigkeit wird durch die Abgabe weißer Abstimmungskarten vorgenommen. Die Auszählung verzögert sich. bis nach 10 minuten noch einige Abgeordnete erscheinen und ihre Zeffel abgeben. Bizepräsident Dr. Rießer stellt feft, daß 244 3ettel abgegeben find, das Haus also nicht beschlußfähig ist. Er beruft eine neue Sigung mit der gleichen Tagesordnung auf 45 Uhr, also eine halbe Stunde später, ein. In der neuen Sizung wendet sich in der Fortsetzung der allgemeinen Beratung Dr. Hilferding. Den Sozialdemokraten fomme es offenbar nur Abg. Rippel( Dnat.) gegen die Ausführungen des Abg. darauf an, durch lange Reden die Zeit totzuschlagen. Der Redner bevölkerung betrachte er die Frage Schutzoll oder Freihandel nicht erklärt, als deutsnationaler Vertreter einer städtischen Arbeiter. als Brinzipien, sondern als 3medmäßigkeitsfrage, Bon feiner Seite merde die Notwendigkeit beftritten, der notleidenden Landwirtschaft zu helfen; denn eine notleidende Landwirtschaft habe zur Folge eine notieidende Konsumentenschaft. Es sei doch nicht zu bestreiten, daß unter der Schuzzollpolitik der Borkriegszeit die Lebenslage der 3 | Der Redner zitiert unter großer Unruhe der Sozialdemokraten Ausführungen Schippels gegen den Freihandel. Die Zollvorlage trage dem sozialen Gedanken Rechnung, aber sie halte sich frei von dem sozialistischen Gedanken des Freihandels. Die Agitation der Sozialdemokraten und Kommunisten gegen die Zoll und Steuervorlage habe mit Sachlichkeit nichts zk tun. Unterbrechung der Sihung. Als der Redner gegen die Linte gewandt ausführte: Wenn im Ausschuß einer von uns sachliche Ausführungen machte, so tamen von Ihnen( nach links) sofort zehn Leute mit wohlpräpa rierten, andreffierten Reden", erhebt sich auf der Linken ein ungeheurer Lärm. Taftmäßig ertönen laute Schlußrufe auf der Linken. Bergebens versucht Bizepräsident Dr. Rießer durch fortwähren des Läuten mit der Glocke den Lärm zu beschwichtigen. Unter Händetklatschen der Linien verläßt Abg. Rippel die Rednertribüne. Bizepräsident Dr. Rießer verweift den tommunistischen Abg. Neubauer aus dem Saal Da der Abg. Neubauer der Aufforderung des Bizepräsidenten, den Saal n verlassen, nicht nachfommt, unterbricht der Bizepräsident Dr. Rießer die Sigung auf fünf Minuten. Nach Wiedereröffnung der Sigung der Abg. Neubauer hat inzwischen den Gaal verlassen- teilt Bizepräsident Dr. Rießer mit, er habe versäumt, in der Angelegenheit Neubauer den Aeltestenrat zu berufen; er hole das jetzt nach und vertage die Sigung bis 5% Uhr. Die Beratungen des Aelteftentats dauerten bis 6 Uhr. Nach Wiedereröffnung der Sigung durch Bizepräsi dent Dr. Rieker erklärt dieser: Was den Konflikt betrifft, so hat sich herausgestellt, daß ich die Aeußerung, die der Abg. Rippel getan hat, als parlamentarisch unzulässig bezeichnete. Meine Rüge wurde infolge des Lärms auf einer Seite des Hauses nicht verstanden. Ich will aber hinzufügen, daß ich inzwischen durch das stenographische Brotofoll festgestellt habe, daß die Aeußerung des Herrn Rippel noch schärfer gemejen ift als ich bei meiner Rüge vorauss lehte. Er hat von wohlandressierten Reden" gesprochen. Ich rufe ihn daher zur Ordnung. Bizepräsident Dr. Rieger mill nunmehr dem Abg. Ehre hardt( 3.) das Wort geben. Zur Not beschlußfähig. Abg. Diffmann( 503.) beantragt munmehr abermals die Ber tagung und beffreitet erneut die Beschlußfähigkeit des Hauses Da das Bureau nicht einig ist, wird die Frage, ob das Haus beschlußfähig ist, abermals durch Zettelabgabe entschieden. Sozialdemokraten und Kommunisten hatten wieder bis auf wenige Abgeordnete den Saai verlassen. Abgegeben wurden 252 Zettel. Das Haus ist also beschlußfähig. ( Beifall bei den Regierungsparteien.) Die Beratung wird fortgesetzt. Abg. Ehrhardt( 3.) tam zunächst auf die Idee der Vereinigten Staaten von Europa zu sprechen, die von den Bollgegnern vertreten wird. Die Zentrumspartei habe volles Vers ständnis für ein derartig meitgeſtedtes Biel; es scheine nur, als fci man von einer europäischen Zollunion noch außerordentlich meit entfernt. Gerade wer den Abbau der Zollschranken in der Welt will, müsse auch den Mut haben, reale Mittel zur Erreichung dieses Zieles zu verwenden. Für das Zentrum sei die Frage Schuzzoll oder Freihandel feine prinzipielle, sondern eine solche nach der Zweck Dabei müje die Wirtschaftspolitit einen Ausgleich mäßigkeit. schaffen zwischen Industrie und Landwirtschaft. Es sei ein offenes Ausnahmen, in nicht geringen finanziellen Schwierigkeiten befänden. Geheimnis, daß sich unsere größten industriellen Berfe, mit wenigen Die Folgen des verlorenen Krieges und des passiven Widerstandes machten sich bemerkbar und er, der Redner, habe den Eindruck, daß wir vor einer induftriellen Krise stehen, die alle Befürchtungen übertreffe. Wenn die Industrie heute allgemein zollfrei gehalten merde, müßten viele Industriezweige in furzer Zeit zum Erliegen fommen. Bei zukünftigen Beratungen über den endgültigen Zolltarif müsse die Frage der Kartelle und Synditate und ihrer Wirkung auf die Preisbildung behandelt werden. Technische Rüdständigkeit wolle das Zentrum nicht schügen, und der Zoll folle fein Ruhekissen für irgendeinen Industriezweig sein. Zurzeit müßten aber eine Reihe von Industriezweigen durch Bölle geschützt werden, um die technische Umstellung in den nächsten Jahren zu ermöglichen. Zur Frage der Agrarzölle wies der Redner darauf hin, daß durch die Industriezölle die Produktionsmittel der Landwirt schaft verteuert würden. Eine starte Intensivierung und Industriali fierung der deutschen Landwirtschaft müsse das zu erstrebende Ziel fein. Es habe sich um die Frage gehandelt, wie man für die deutsche Landwirtschaft Preise erreicht, die eine späte Intensivierung ermög lichen. Man habe bei den in der zur Beratung stehenden Borloge festgelegten Zölle eine mittlere Linie gefunden, die den erwähnten Bedürfnissen Rechnung trage.( Lebhafter Beifall im Zentrum.) Das Sentrum, jo erklärte der Redner zum Schluß, halte eine mäßige Schutzzollpolitik für die deutsche Industrie für notwendig. Mit den hohen autonomen 3öllen sei das Zentrum einver standen, weil durch sie das Ziel verfolgt werde, auf einen Abbau der hohen Zölle anderer Länder hinzuarbeiten. Auch ein mäßiger landwirtschaftlicher Schus301l jei erforderlich, weil man auf einen Industriezoll nicht verzichten fönne.( Beifall.) Damit schließt die allgemeine Aussprache. Gegen 28 Uhr vertagt das Haus die Einzelberatung der Zollvorlage auf Montag, 10 Uhr. Reichsrat und Steuergesetze. Annahme der Steuergesetze im Plenum des Reichsrats Der Reichsrat beschäftigte sich in seiner öffentlichen Bolloersammlung am Sonnabendnachmittag mit den Beschlüssen des Reichstags zu den Steuergesezen. Die Vertreter von Sachfen, Bayern und Baden erklärten, daß ihre Regierungen Bedenken gegen die Beschlüsse des Reichstages hätten. Angesichts der allgemeinen Situation würden sie jedoch von einem Einspruch absehen. Oberpräsident Hörsing erflärte als Vertreter der Provinz Sachsen und zugleich im Namen des Vertreters von Groß- Berlin, daß er darauf gegen die Stimmen des Vertreters der Proving Sachsen gegen die betreffenden Gesetze stimmen werde. Der Reichsrat nahm und des Vertreters von Groß- Berlin Kenntnis von den Reichstags beschlüssen, ohne Einspruch zu erheben. Der Reichsrat beschäftigte sich dann mit dem Finanzaus. den Reichstagsbefchlüffen Kenntnis zu nehmen, ohne Einspruch zu gleich. Er beschloß gegen die Stimmen Bayerns und Hessens, von erheben. der es heißt:„ Die jest norgesehene Beteiligung an den großen Ferner wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in Reichssteuern fann für den endgültigen Finanzas. gleich nicht präjudizierend jein. Die 2änder müffen fich nielmehr norbehalten, insbesondere bei der Einkommen und Körperschaftssteuer alsdann eine höhere Beteiligung zu fordern" Gewerkschaftsbewegung ( Gemertschaftliches fiehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Unhaltbare Zustände im Bankgewerbe. Bieder naht der Ründigungstermin und noch immer zittern Tausende von Bantangestellten um den Fortbestand ihrer bescheidenen Existenz. Die Commerz- und Privatbant will zum 1. Oftober ihren Personalbestand von 2700 Angestellten in Berlin allein um meitere 200 Köpfe reduzieren. Andere Banken lassen die Angestelltenschaft aus durchfichtigen Gründen bis zum letzten Moment im Ungewissen. Die Verhältnisse im deutschen Banfgewerbe wachsen sich zu einem öffentlichen Standal aus. Auf der einen Seite bleiben bie Bezüge der Ange. stellten um mehr als die Hälfte hinter den Bezügen gleichwertiger Beamtenfatégorien zurüd, auf der anderen Seite ist der Ab bcu älterer Angestellter so weit fortgeschritten, daß Großbanken junge Banfangestellte im Alter von 19 bis 22 Jahren suchen, die abschlußsicher sein müssen. Wer die Bantabschlußarbeiten fennt, mird wissen, daß zur Beherrschung dieser schwierigen Materie langjährige Erfahrungen gehören, die bei der weitgehenden Arbeitsteilung in den Großbetrieben riemals in den kurzen Jahren der Lehrzeit gewonnen werden Lönnen. Den Banten ist es gleich, wie der Personalförper beschaffen ist und auch das Publikum hat sich damit abzufinden. Kein anderer Gesichtspunkt als der, den Gehaltsetat möglichst niedrig zu halten, ist für unsere Bankleiter maßgebend. Man Geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß sich diese Personalpolitik der Banken über kurz oder lang bitter rächen wird. Auch die Lehrlingsfrage wird von den Banten in dentbar furzsichtigster Weise behandelt. Ohne Rücksicht auf das Schickjal er davon Betroffenen, werden Lehrlinge, die bekanntlich in der Inflationszeit, dem allgemeinen Anschwellen des Personalförpers entsprechend, in Riesenscharen eingestellt worden sind, noch bevor die kürzeste im Tarif vorgesehene Lehrzeit von 2 Jahren abgelaufen ift, abgebaut mit einem Zeugnis, das ihnen die ordnungsgemäße Beendigung der Lehrzeit bescheinigt. Anderen Lehrlingen Iegt man nach Beendigung der Lehrzeit nahe, auf das Tarif. gehalt zu verzichten und meiter für das Gehalt des letzten ehrjahres zu arbeiten. Daß sich genügend Lehrlinge finden, die auf dieses Anfinnen eingehen, ist bei den heutigen Berhältnissen im Bankgewerbe nicht weiter verwunderlich. Im höchsten Grade aber vermunderlich ist es, daß fich immer noch Eltern finden, denen ihre Kinder nicht zu schade find, als Lohnbrüder im Bant. gewerbe zu dienen. BI An die Elternschaft muß deshalb nachmals der dringende Appell gerichtet werden, ihre Knaben anderen Berufen zuzuführen als dem auf Jahre hinaus mit Personal übersättigten Bantge merbe. Die Angestelltenschaft im Banfgewerbe aber muß alle Fälle untertariflicher Bezahlung oder sonstiger Umgehung der tariflichen Schutzbestimmungen der freien Gewerkschaft, dem II= gemeinen Verbande fellten, zur Meldung bringen. der Deutschen Bantange nalen und voltischen Bereinen einige Elemente gefunden, die es sich gefallen lassen, daß sie für Rausreißerdienste von der Firma ihrer persönlichen Bewegungsfreiheit beraubt merden, indem fie interniert" wurden. Es ist Schlafgelegenheit für sie im Betriebe hergerichtet worden, Holzpritschen und Decen, und sie werden von einer Stelle im Hause beköstigt, damit sie mit der Außenwelt( Streitposten) nicht mehr in Berührung fommen. Aber auch von diesen ,, nüzlichen Elementen sind schon wieder einige zu der Einsicht gekommen, daß der Streit berechtigt ist und die Firma bei der Anwerbung Angaben macht, die sich als falsch ermeijen, daß die den Betrieb Erzählte " Barteigenoffen und Genoffinzen Berlins! Grabite doch einer derfelben, er habe bei Attorðarbeit in drei Der ordentliche Bezirkstag vom 2. Auguft hat der Arbeiterschaft Groß- Berlins, aber auch unseren politischen Gegnern ein Bild gegeben von der inneren Geschlossenheit und Kampfesfreudigkeit der Berliner Sozialdemokratie. Die Wunden der Inflationszeit sind verheilt. Die Sozialdemokratische Partei Berlins ist auf dem besten Wege, ihre alte Machtstellung wiederzugewinnen. In neun Monaten haben wir 10 000 neue Mitglieder und Mitstreiter für die Freiheit gewonnen. Unsere nächste Aufgabe muß sein, die noch abseitsstehenden Arbeiter und Arbeiterinnen für unsere Partei zu gewinnen. In einer Zeit der verschärften Klaffengegenfähe und Klaffenfämpfe müssen alle Hand- und Kopfarbeiter fich um das rote Banner der Sozialdemokratie scharen. Für jeden Angehörigen der proletarischen Klasse ist das Gebot der Stunde: Hinein in die Sozialdemokratische Partei! Die Zeit ist bitter ernst. Groß agrarier und Industrie. magnaten haben gemeinsam eine Offensive eröffnet gegen alle Lohnempfänger und Konsumenten. Das Brot wird in einem Augenblid um ein Bielfaches verteuert, da die Luther- Regierung den Lohn- und Gehaltsempfängern neue Steuerlast en aufbürdet, den Mietzins auf über Friedenshöhe bringt und die soziale Fürsorge einzuengen versucht. Ein schamloseres Attentat auf die Lebenshaltung des Proletariats ist kaum jemals verübt worden. Der schwarzweißrote Block der Luther, Schiele und Schlieben, dem das Zentrum Helferdienste leistet, ist ein Bund der Brotmucherer und Steuerrauber. Ihm gilt unfer Kampf. Er wird um so erfolgreicher sein, je står fer die Sozialdemokratische Partei ist. Wer nicht will, daß die Arbeiter, Angestellten und Beamten in ihrer Lebenshaltung tief herabgedrückt werden sollen, der muß mit uns bereit sein, aftin in den Kampf einzutreten für die Befreiung des Proletariats aus den Fesseln der kapitalistischen Wirtschaft. Unseren Klaffengenossen rufen wir zu: Ueberwindet Lauheit und Gleichgültigkeif. Caßt ab von kleinmuf und Zersplifferung, die unseren Gegnern den Mut und die Kraft gegeben haben, ihre arbeiterfeindlichen Pläne zu verwirklichen. Zum Kampf gegen die Reaktion rufen wir auf! Arbeiter und Arbeiterinnen, Angestellte und Beamte, schließt die Reihen! Hinein in die Sozialdemokratische Partei! Barteigenoffen und Genofsinnen! Wir müssen in leidenschaftlichem Eifer unsere Pflicht erfüllen, auf daß unser neues Arbeitsjahr ein wahres Kampfes- und Siegesjahr werde! Der Bezirksvorstand der SPD. Groß- Berlins.. Die zum Teil bereits durchgeführte, zum Teil meiter betriebene Berjüngung" des Personalförpers ist nicht nur furzsichtig vom Etandpunkte der Bantleitungen, nicht nur schädlich für das Bubli fum, fie führt auch zu weiteren Auswüchsen, die hier nur gestreift werden fönnen. So versuchen einzelne Banten, auf ihre Ange. fiellten einen Drud auszuüben, fich mit 10 Proz. Bezahlung unter Tarif zufrieden zu geben, da sonst so und so viele Kollegen gelündigt merden müßten. Ein Ueberschreiten der tarif. lichen Arbeitszeit ist überall an der Tagesordnung, die Bezahlung der Ueberstunden wird aber vielfach nerweigert, trotz der flaren Bestimmungen des Tarifes, dessen Schutzbe. stimmungen den Angestellten selbstverständlich nur zugute fommen fönnen, wenn sie nicht Angst vor ihrer eigenen Courage haben und, wie es vielfach geschehen ist, die Gewerkschaft am energischen Durch greifen hindern. Besonders zu erwähnen ist noch das Verhalten Fer Bank für Deutsche Beamte, die mit ihrem hochtrabenden Titel aus einer Bekleidungsgesellschaft für Eisenbahner in der Inflationszeit entstanden ist. Diese Bant" läßt sich von Staatsbeamten, die nur futzessive über ihre Bezüge verfügen, die Monatsgehälter einzahlen und vergütet dafür 9 Proz. Zinsen. Der Beamte aber, der ein Darlehn von dieser Bank nimmt, daß er aber auch nur im Umfange von höchstens einem Monatsgehalt erhält, muß 30 Bro3. 3insen zahlen. Die Angestellten dieser Bant", tie feine Börsenzulassung hat, merden unter Tarif bezahlt; die tägliche Arbeitszeit beträgt 10 Stunden ohne Bezahlung der Ueberarbeit, und das Schönste ist, daß ein Heer von Helfern in dieser Bank beschäftigt ist, die einen Stundenlohn von 36 bis 40 Bf. erhalten. Früher sind die Banken durch ihre Vertreiben, muß deutlich der Wille zur Abwehr gezeigt werden. bände, den Zentralverband des Deutschen Bant- und Bankierge merbes, den Reichsverband der Bankleitungen und die Interesen gemeinschaft Berliner Privatbanfiers, gegen derartige Mißstände in Bantgewerbe aus eigener Initiative eingeschritten. Heute aber im gelten bei diesen Arbeitgeberverbänden anscheinend die Banfen, die es, wie geschildert, verstehen, ihre Machtpofition gegenüber dem Bersonal auszunutzen, als besonders würdige Bertreter des Ge merbes. Togal gegen Schmerzen Der Nerven, Rheuma, Cicht, Ischias, Kopffomerzen, Orippe und Erfältungstrantbeiten. Togal Tabletten fallen He Schmerzen und scheiden die Harnsäure aus. Hervorragend bewährt! Sragen Sie Ihren Arzt. In allen Apoth. erhältlich. 12,6%, Lith., 0,46% Chinin, 74,3%, Acid. acet. salic, ad 100 Amyl. Angestellte und Beamten Berlins! Die Verfassungsfeiern in Berlin müssen ein eindruds bolles Bekenntnis für die Republik, für die Verfassung werden, die, richtig angewandt, schon heute sich in freiheitlichem Sinne aus wirten tönnte. Den Realtionären, die die Verfassung beseitigen wollen, die jest wieder im Reichstag ihr voltsverderbendes widerliches Spiel Freigewerkschaftlich organisierte Angestellte und Beamte Berlins! Beteiligt Euch restlos an ben republikanischen erfassungsfeiern! Allgemeiner Freier Angestelltenbund Ortskartell Berlin. Flatau. Reichelt. Allgemeiner Deutscher Beamterbund Ortsausschuß Groß- Berlin. Weidmann. Körber. Der Schriftgießerftreik. Der schon fünf Wochen andauernde Streit im Schriftgießerei gewerbe scheint durch die scharfmacherischen Maßnahmen einiger Herren Direktoren einer Berliner Firma noch längere Zeit dauern zu sollen. An dem Widerstand dieser Herren ist der Vermittlungsvor schlag einer nennenswerten auswärtigen Firma, zu Verhandlun genüber ein neues 2ohnabtommen( da ein solches nicht Stunden 74 Pfennig verdient, während ein Wochenlohn von 55-60 M. in Aussicht gestellt worden war. Einer dieser Arbeitswilligen hat durch seine Unkenntnis der Maschinen sich die Finger der rechten Hand abgequetscht. nach wie vor geschlossen da. Sie merden, gestützt auf ihre ZentralTrog aller Maßnahmen der Unternehmer stehen die Streifenden organisation, nicht eher wieder in die Betriebe gehen, bis ein befriedigendes Lohnabkommen getroffen ist und die während des Streifs | eingestellten Streifbrecher wieder entfernt worden sind. Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins, übt Solidarität, nehmt bei den nachstehend bestreiften Firmen teine Streitarbeit an, helft mit, die berechtigten Forderungen der Streifenden zur Durchführung zu bringen! Bestreift fint 5. Berthold A.-G., Belle- Alliance- Str. 88. E. Gursch, Gneisenauftr. 27. W. Wöllmer, Friedrichstr. 226. Gebr. Arndt, Friedrichstr. 16. Das Lohnabkommen im Fuhrgewerbe angenommen. Bie mir bereits in unserer Freitag- Abenbausgabe berichteten, ist in dem Konflikt im Schwer- und Leichtfuhrgewerbe eine Eini. gung erzielt worden. gung erzielt worden. In einer Bersammlung der Rutscher am Freitag in den Residenzfestfälen berichtete John als Branchenleiter über die Berhandlungen. Die Fuhrherren, die wohl erfannt hatten, daß bei einem starren Festhalten an dem durch den Schiedsspruch gezeitigten Ergebnis ein Streit unvermeidlich sei, be. Bugeständnissen. Auf keinen Fall wollten sich die Unternehmer quemten sich daher nach langwierigen Verhandlungen zu weiteren tretern verlangte Sicherheitstlaufel aufzunehmen. Nach aber bereit erklären, in den Lohnvertrag die von den Arbeiternerdem die Arbeitervertreter aber bestimmt erklärten, den Bertrag, ber rüdmirkend vom 1. Auguft bis zum 30. Oftober gilt, ohne Einfügung dieser Sicherheitsklausel nicht annehmen zu können, gaben die Unternehmer dem Verlangen der Arbeitervertreter statt. Vertrag anzunehmen. Wenn auch die Forderung um 2 M. Die Berhandlungsfommiffion empfahl der Bersammlung, den höher war, als der erreichte Lohn, so ist das erzielte Resultat, das eine Lohnerhöhung von insgesamt 9,70 m. b der Woche bedeutet, annehmbar. Die Arbeiter dürften nun aber trotz ihres Erfolges nicht erlahmen, weiterhin für die Berbesserung ihrer Lage einzutreten und mußten versuchen, auch den letzten Unorganisierten im Fuhrgewerbe der Organisation zuzuführen. Die Unternehmer erflärten bei den Verhandlungen, daß sie jetzt der Arbeitnehmerorganisation gegenüber die Schwächeren feien, daß aber auch mieder einmal die Zeit tomme, wo auch vor ihrer Tür die Sonne miede: scheine". Nach einer verhältnismäßig furzen Diskussion, in der allfeitig der Verhandlungskommission das Vertrauen und die Anerfennung ausgesprochen wurde, wurde das Lohnabfommen gegen wenige Stimmen angenommen. Die Unternehmerniederlage im Pforzheimer Kampf. Pforzheim, 8. Auguft.( Eigener Drahtbericht). Der Etreit in der Pforzheimer Schmudwarenindustrie ist bekanntlich nach biertwöchiger Dauer durch Verhandlungen vor dem Reichsarbeitsministerium beendet worden. Die Riesenbewegung, an der 34.000 Arbeitnehmer beteiligt waren, hat mit einer Niederlagedes Arbeitgeberberbandes geendet. Die zwischen den Parteien getroffene Vereinbarung hält die in dem legten von den Unternehmern abgelehnten Schiedsspruch festgesetzten Mindestſtundenlöhne aufrecht, die bis 22. August 68 Pf., von da ab. 69 f. бetragen. Eine am Freitag abgehaltene Vertrauensmännerberfamm Koch& Seeland Stoffe sind die besten für Herren- und Damen- Bekleidung. Anzugstoffe Meter Damenstoffe Meter aparte Streifen 15, neue Moden 10, mehr beſteht) zufammenzutreten, gescheitert. Diese Firma glaubt ihren Gertraudtenstr. 20-21 Betrieb, hauptsächlich Messinglinienabteilung, durch berufsfremde Streitbrecher in Gang zu bringen. Sie hat aus deutschnatio. gegenüber der Petri- Kirche Bad Schmiedeberg Bez. Halle- Bahn Wittenberg- Eilenburg Eisenmoorbad glänzend bewährt bei Gicht, Rheumatismus, Ischias, Vollständig renoviert Frauenleiden usw. Kurzeit März- Okt. Herrl.Waldgeg, Sommerfr., Touristenort, Kurhaus mit Kongreßsälen. Prosp. 76 d. städt. Badeverwalte. MÖBEL Reklameangebote, erstklassige Fabrikate. Auf Wunsch Teilzahlung ohne Preisaufschlag Kompl. Schlafzimmer M. 450.- 550.- 600.-W. Speisezimmer, 480.- 540.- 650.Herrenzimmer, 475.- 545.- 625.Küchen und Einzelmöbel äusserst preiswert Möbelhaus Gottlieb nur Rosenthaler Straße 54. 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Unys Yold Die führende Cigarette in höchster Vollendung 50 MASCHALLAH CIGARETTENFABRIK Tung der Gewertihaften billigte bie getroffene Bereinbarung| and sprach den Unterhändlern das Vertrauen aus. Am Montag foll die Arbeit aufgenommen werden. Durch die Haltung des Ar beitgeberberbandes, der den Streit provoziert hatte, ift die Wirt schaft des Industriebezirks Pforzheim und die Indusitie selbst schwer geschädigt worden. wenn eine Ration fich weigere, bie internationalen Arbeitstonden. tionen durchzuführen, jo follten alle Bertragsmächte diejenigen Waren von der Einfuhr ausschließen, die unter meniger günstigen Arbeitsbedingungen als ben in ben Ronventionen bezeichneten hergestellt wurden. Der Ausschuß schlägt nor als im Schwigsystem hergestellte Waren solche zu bezeichnen, die unter Be. bingungen hergestellt wurden, die ungünstiger als die im Bashingtoner Achtstundenabkom men bezeich. Die Unternehmer pfeifen auf die Schlichtungsordnung.neten sind. Die in den Friedensverträgen vorgesehenen MaßSonnabend, den 8. Auguft, erfolgte die von den Arbeitgeber hingungen durchzufezen. Sie müßten jedoch durch den Boykott München- Gladbach, 8. Auguft.( Gigener Drahtbericht.) Am nahmen sollten durchgeführt werden, um die Erfüllung dieser Beberbänden der Zegtilindustrie des München- Gladbacher Bezirks bor gegen Baren der erwähnten Art ergänzt werden. einigen Tagen beschlossene Kündigung fämtlicher Arbeiter, bon der etwa 40 000 Mann betroffen werden. Die Unternehmer fündigen bie Schließung fämtlicher Betriebe an, falls bis zum Ablauf des Kündigungstermins am 24. August die Arbeiter sich noch nicht bereit erklärt haben, zu ben alten Bedingungen weiterzuarbeiten, statt den im verbindlichen Schiedsspruch festgelegten. Die Einigungs. berhandlungen werben inzwischen fortgesetzt. Generalstreik der französischen Bankangestellten. Paris, 8. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Delegierten ber Bantangestellten aus allen Zeilen Frankreichs, bie am Sonn abend in Paris zur Beratung über die Lage zusammengetreten find, haben angesichts der Unnadhgiebigkeit der Bankleitungen die Proflamation des Generalftreits beschlossen. Gegen das Schwitzsystem. London,& Auguft( WTB) Der vom Gemertshafts. tongreß ernannte Ausschuß für im Schwizf9ftem her. gestellte Waren hat einen Bericht erstattet, morin es heißt, Allgemeine Ortstrantentajie für den Stadtbezirt Köpenid. Gemäß§ 97 der Raffenfagung follen hie Bahlen zum Ausschuß der Allge meinen Ortstrantentaffe file den Stadt bezirk Röpenid Wahlperiode 1926/29 mie folgt vorgenommen werden: Für die Versicherten am Montag, ben 7. September 1925, in der Zeit von 3-8 Uhr nachmittags im Stadttheater, Friedrichstraße 6. Su mählen find 40 Berireter, 40 erste Erfagvertreter, 40 ameite Crfagpertreter. Für die Arbeitgeber on Dienstag, ben& September 1925, in der Seit nott 5-7 Uht nachmittags im Rathaus teller, Edlogftraße. Su wählen find 20 Vertreter, 20 erfte Erfagnertreter, 20 aweite Erfagvertreter. Gemählt wird gemäß den Bestimmun gen der Wahlordnung nach den Grund fägen der Berhältniswahl. Das Wahlrecht ist in Berfon aus auüben. Für die Wahlen sind dem Borstanbe Borschlagslisten, und zwar getrennt für Arbeitgeber und Bersicherte bis fpäteftens 22. Auguft 1925 einzureichen. Sure his diesem Termin eingereichte au Tönnen berücksichtigt Bahlvorschläge merden. Die in den Wahlvorschlägen einzeln Bezeichneten Bewerber find unter fort Taufenden Nummern aufzuführen, welche die Reihenfolge ihrer Benennung aus brüdt, und nach Familien- und Bor namen, Beruf und Wohnort zu be zeichnen. Bei Versicherten ist auch der Arbeitgeber, bei dem fie beschäftigt find, anzugehen. Mit den Wahlvor Schlögen für Versicherte ist von jedem Bewerber eine Erklärung barliber vor aulegen, dag er zur Annahme der Wah! Bereit ift Die Wahlvorschläge milfen von min heftens 10 Bahlberechtigten der be treffenden Gruppe mit ufammen 30 Stimmen unterzeichnet feint. jedem Wahlvorschlag ist ferner ein Ber treter des Wahlvorschlages und ein Stellvertreter für ihn aus der Mitte der Unterzeichner su benennen. Der Wahlporschlagsvertreter oder fein Bertreter ift berechtigt und verpflichtet, bem Bor ftande die zur Befeitigung etwaiger Anflände erforderlichen Ertlärungen abangeben, Die eingereichten Wahlvor fchläge liegen vom 24.- 30. Angust 1925 im Raffenistal, Berliner Straße 3, wäh rend der Dienststunden, 8-1 Uhr vor. mittags, zur Einficht aus. Die Arbeitgeber- und Mitgliederver zeichnisse fönnen bis zum 22. August 1925 bebufs etwaiger Cinsprüche gegen die Richtigkeit der sich aus den Berzeichnissen ergebenden Wahl unb Stimmberechti gung im Saffentotal möhrend Dienstunden eingefehen merden. fpalihe find bis zum 22. August 1925 unter Beifügung von Demeismitteln bei dem Borftande an erheben. ber Ein 00000 00000000000000 Der Streif und die Aussperrung der Heizungsmonteure im Rheinland und Weffjalen gehen weiter. Die bisherigen Berhandlungen waren ergebnislos. Auch die Einigungsvorschläge des Schlichters, die wesentliche Verschlechterungen des bisherigen Arbeitsverhältnisses vorjahen, wurden von den Unternehmern abgelehnt. Der Arbeitgeberverband fordert, daß ab September die Löhne von der Steigerung der Judegziffer abhängig gemacht werden. Am Frei tag haben bereits 80 Firmen trog der Haltung des Verbandes die Forderungen der Monteure schriftlich anerkannt und 10 Firmen haben die Löhne bereits gezahlt. In einem anderen Landteile, z. B. in München- Gladbach, wo der Spihenlohn des Monteurs auf 1,30 M. festgesetzt war, werden die verlangten Löhne bereits gezahlt. In den Kölner Schokoladenfabriken Swatta und Stollwerd 21.- 6. ist es am Freitag zu Lohndifferenzen gekommen, die zum Streit ber Belegschaft führten. Die Stichwahl der Berliner Schuhmacher für die Delegation zum Breslauer Ge wertihaftsfongreß und zum Internatio nalen Kongreß der Schuh- und Lederindustriearbeiter ergab 1477 Stimmen für$ 5rs, D., Berlin, und 199 Stimmen für Weise, All In der Morgenstunde Damen in Farben in reiner Wolle gute Qualität 0.65 mit kleinen Fehlern, Stehumlege 0.35 Kragen Kläppchen in einzelnen Größen Strickwesten Wolle, Herren und 5.50 Gestrickte Ueberblusen i 2.75 Hemdentuche 0.70 Hemdenflanelle- Zephir. 0.70 Damen- Hemdhose, weiß Trikot.. 1.40 Damen- Hemdchen wel, reinfäd.gestr Herrentaschentüch. bat. Kante, 0.25 Herrentaschentücher weiß,%, Diz. 1.Herrentaschentücher, rabi Damentaschentücher 0.25 Männerhemden i. gestreiftem Barchent 2.Herrenhemden, watch. Qual. el. 1.85 Herrensocken 0.15 mit Häkelgarnitur gute Qual, St. arabias Stück i. verschied m. 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Die für jeden Bahlvorschlag in Betracht tommende offene 16. Stadtrag zur Raffenfagung sur Bilans am 31. mars 1925. Ordnungsummmer wird von dem Bor perficherungsamt genehmigt worden und im Laufe des Jahres um 1982 9. und Aenderung des§ 20 ift vom Ober Das Gefchäftsguthaben vermehrte fich fland mittels öffentlicher Bekannt machung mitgeteilt werden. Sind auf tritt am 17. Auguft 1925 in Roaft. Bon diefem Tage an werden zu hem 28 957 9. beträgt am Schluß des Geschäftsjahres gültigen Bahlvorschlägen im ganzen Arantengeld an die Mitglieder, welche fich im Laufe des Geschäftsjahres um Die Haftfumme verringerte nur fo viele mählbare Bewerber beals Saushaltungsvorstand gelten, fosiale 900 20. und beträgt am 31. März 1925 nannt wie Bertreter aut mählen find, Rufchläge gezahlt. Diefe Buflage be 233 700 902 fo gelten fie als gewählt. Sind weniger tragen 5 Bros. für den Ehegatten und 31. März 1924 maren 778 Genoffen vor Mitalieberbewegung: Am Bewerber vorgeschlagen, fo gelten diese 5 Bros. für je ein Rind vom Grundlohu handen. Ausgefchieben burd Riinbigung 2, ebenfalls als gewählt: wegen der noch ber in Betracht tonnenben Lohnftufe fehlenben Bertreter fowie megen ber Lob 13 und Uebertragung 2 Genossen Das Hausgeld file unverheiratete Mit Es verblieben somit mit den 13 neu einerforderlichen Erfahventreter ist jeboth glieber beträgt nach halbjähriger Mitgetretenen 775 Genoffen am Jahresschluß. alsbalb eine neue Wahl vorzunehmen. gliedschaft ein Gechftel des Grundlohnes. Die Stimmabgabe am Tage der Wahl Der Borstand: Die verheirateten Mitglieder et. erfolat burch einen Stimmzettel, welcher fuden wir, im Erkrankungsfalle fo die für bie betreffende Gruppe bezeich gleich Legitimationspapiere, wie Stamm nete Ordnungsmummer des Wahlnor buch der Familie usw., aus denen bie fchlages enthält. Die Stimmaettel müllen Anzahl der Kinder hervorgeht, zur Be Don weißer Farbe und 10 x 8 Senti- rechnung der Rufchläge vorzulegen. meter groß fein. Wahlberechtigt und Berlin- Köpenid, den 7. Auguft 1925 mählbar find die volljährigen Arbeit Der Borstand. geber und Berficherten der Raffe. Ferner hat fich feber Wahlberechtigte, Borikender. femeit er feiner Berfon nach nicht be tannt, bei ber Babhandlung mit einer Legitimation zu verfehen. Es ist dies file die Arbeitgeber die Tekte Beitragsquithma. fir die Versicherten der An melbeabfchnitt aber bie lekte Quittungs Parte, oder auch eine vom Arbeitgeber ausgeftellte Bescheinigung. Zegitimationsformulare biefem 8med merben auf Wunsch ben Arbeit gebern znaefanbt att Berlin- Ripenid, ben 7. Auguft 1925. Der Borhaub. Die Bidel, Wilhelm Schwarzenbein, Borfihender. Hello. Schriftführer. Ortskrankenkasse f.d. Maurergewerbe zaBerlin Mahngebührenfarif Die Mahngebühren betragen. fomeit eine Swargsvolltredung noch nicht eingeleitet ift, bei Ruiditänben bis 8 M. einschl 10- Pf. iber 8 M. 15 150 15 20 150 40 75 get. R. Freund Schriftführer ges H. Krüger Morfizender Borftehender Mahngebührentarif mirb gemäß§28 RBO genehmigt." Berlin, ben 18. Juli 1925 Berficherungsamt ber Stadt Berlin Bezirksabteilung 1-6 Der fändige Stellverte. bes Borgenden ( S.) ges. Unterschrift Otto Midel, Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe ans der Parlaments- und Minifferzeit. Breis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. Borräfig in allen BorwärtsAusgabestellen. Sie brauchen einen neuen Anzug! KLEINE ANZEIGEN Mantel, Kostüm, Kleid, Ulster, Paletot, Schlüpfer, Regenmantel Wilhelm Schwarzenbein, Wie? Das Geld reicht nicht? Se uns! Besuchen ftello. Schriftführer. Kanzen und alles Ungezi vernichtet mit Brut resters Ungezieferkerze ATLAS auch wissenschaftlich anerkannt! 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Der Zentralverband der HotelRestaurant- und Café Angestellten teilt uns mit, daß die nachfolgenden Betriebe wegen Differenzen für organisierte Arbeits nehmer gesperrt find: 8ur Bräpelstube, Rosenthaler Straße, Ede Gormannstraße; Jordans Alte Bierstube, Am Rosenthaler Blaz; Münztlause, Münzstraße. Inhaber Flid; Gastwirtschaft Grenadierstraße, Inh. Cohn, wird aufgehoben. Die Diffe Franz Wiecasnewsti, Faldenſteinſtr. 47. Die Sperre gegen das Lokal Managlode, Münzstraße, Ede renzen find beigelegt. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute! Der Kämpfer" Nr. 14 ist fertiggestellt unb kann im Burean, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 r., in Empfang genommen werden. Besonders die Bertreter der Alein und Mittelbetriebe werben ersucht, rechtzeitig abzuholen. Barteiazaveis Bezirksverband Berlin der SBD., Betriebssekretariat. mitzubringen. 里 Graphisches Gewerbe. Am Dienstag ab morgenbs 8 Uhr Ausgabe des ampfers Nr. 14 im Restaurant Sennig, Alegan brinenftr. 44. 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Auch fallen die Geldsendungen der Auswanderer in ihre Heimat für die Zahlungsbilanz schwer ins Gewicht. Bon der natürlichen Zu- oder Abnahme der Bevölkerung hängt aber die Struktur einer Wirtschaft weitgehend ab. In einem ganz anderen Tempo entwickelt sich eine Volkswirtschaft auf der Grundlage einer stetigen Zunahme der Be- völkerung als bei stagnierender Bevölkerungszahl. Die Steigerung der Produktion erfolgt auf einer ganz anderen Stufenleiter, wenn auch für die künftige Generation in erweitertem Mohstab gesorgt werden muh. Es müsien mehr Produktionsmittel dcrgestellt, mehr Wohnungen gebaut werden usw. als bei einer stabilen Bevölkerung. Bevölkerungszunahme in Deukfchland— Abnahme in Frankreich. Der grohstädtische Geburtenüberschuß war im ersten Halbjahr 192S um 81 Proz. höher als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Ein Zeichen dafür, daß die Tendenz zur Bevölkerung»- Vermehrung weiter anhält. Das Deutsche Reich hotte von seiner Wiederaufrichtung bis zum Kriegsausbruch, also in einem Zeitraum von etwas über vier Jahrzehnten, feine Bevölkerungszahl um 26,8 Millionen oder 66,3 Proz. erhöht. Die Zunahme der Bevölkerung. betrug jährlich 1,3—1,5 Proz� ein Prozentsatz, der als sehr hoch an- zusehen ist. Durch den Krieg trat ein schwerer Rückschlag ein. Zwei Millionen Männer sind dem Krieg zum Opfer gefallen, über% Millionen hat die Grippeepidemie dahingerafft, 3 Millionen Kinder wurden infolge des Krieges weniger als sonst geboren, und endlich hat Deutschland auf Grund des Friedensvertrages Gebiete mit rund 7 Millionen Einwohnern abtreten müssen. Ohne den Krieg und seine Folgen, also bei normaler Weiterentwicklung, würde das Deutsche Reich heute über 75 Millionen Einwohner zählen. In den Jahren 1919—1925 betrug die Zunahme der Bevölkerung rund 3,3 Millionen, d. h. 5,6 Proz. Auf ein Iabr gerechnet ist demnach die Zunahme geringer als vor dem Krieg. Trotzdem ist ein erheblicher Geburtenüberschuß immer noch vorhanden, und zwar zeigt die Ent- wicklung, wie oben angedeutet wurde, eine aufsteigende Linie. Die überseeische Auswanderung betrug in den Jahren 1919— 1925 272 0000. Ganz entgegengesetzt ist die Entwicklung in Frankreich, wo die Stagnation der Bevölkerung, eine seit jeher bekannte Tatsache, weiter anhält. Die kürzlich veröffentlichte letzte Volkszählung ergab sogar die Tatsache, daß die Zahl der Todesfälle die der Geburten er- deblich überstieg. Da Frankreich nach dem Krieg ein großer Industriestaat geworden ist und auch der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete viele Arbeitskräfte beanspruchte, bedarf es ausländischer Ar- bciter. Vor kurzem waren noch über eineMillion ausländische Arbeiter in Frankreich beschäftigt. Die Masie der Einwanderer strömte um so mehr nach Frankreich, als die Vereinigten Staaten ihre Tore gesperrt hatten. In der letzten Zeit wurden aber die W i e d e r a u f- bauarbeiten in Frankreich infolge Geldmangels sehr verlang- samt: auch ist die industrielle Konjunktur abgestaut. Diese Lage muß der bisherigen Einwanderung italienischer, polnischer und ungarischer Arbeiter einen Riegel vorschieben. Die Landflucht. In einer Anzahl von Ländern ist ein auffallender Vorgang der Inneren Wanderung zu beobachten, die in der letzten Zeit überall in verstärktem Maße auftrat. Die Landbevölkerung verläßt massenhaft die Scholle und strömt in die Städte. In den V e r- einigten Staaten verliehen Zehntausende von Farmern, die durch die hohen Pachtzinsen bankrott wurden, ihre Farmen; die Ne- eicr der Südstaaten, die bisher in den Paumwollnklanzungen beschäftigt waren, siedelten in die Nordstaaten über. Von Kanada sind im verflossenen Jahr über eine halbe Million Land- nrbeiter nach den Vereinigten Staaten gegangen und wurden dort zumeist in der Industrie beschäftigt. In Frankreich war das Ab- strömen der ländlichen Bevölkerung in die Städte während des Krie- aes in größtem Maßstab erfolgt. Mehr al» vier Millionen französischer Landarbeiter zogen in die Städte. Dieser Vorgang dauerte auch weiter an. Die in der Landwirtschaft sehlenden Kräfte mußten zuni Teil durch Einwanderer ersetzt werden. In Spanien, unter den überseeischen Ländern in Brasilien und Argentinien geht das gleiche vor sich. Die Wanderungsbewsgung. Das Stagnieren der Einwanderung nach Frankreich infolge der Einstellung der Wiederaufbauarbesten und des Abflauens der Kon- junktur haben wir oben bereits erwähnt. Vor allem wird der Ueber- schuß an italienischer und polnischer Arbeitskraft dadurch betroffen. Dank des befriedigenden Beschäftigungsgrades der Industrie in Italien konnte diese einen großen Teil des Bevölkerungszuwachses aufnehmen. Trotzdem bleibt noch ein beträchtlicher Teil desselben aus die Auswanderung angewiesen. Die Regierung ist bestrebt, diese Masten in Argentinien und Brasilien unterzubringen. Noch schwieriger ist die Unterbringung des polnischen Bevölkerungsüberschusses, zumal polnische Landarbeiter als Saisonarbeiter von der deutschen Landwirtschaft im Verhältnis zur Vorkriegszeit nur wenig beschäftigt werden. Was die überseeische Auswanderung anbelangt, so soll zunächst die ausfallende Tatsache erwähnt werden, daß die Ein- Wanderung nach den Vereinigten Staaten in den letzten zehn Monaten geringer war als die Auswanderung von dort. Es ergab sich eine Abnahme der Bevölkerung durch die Wanderungsbewegung. Dies ist die Wirkung der Gesetze, die die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten einschränken. Trotzdem ist ein Bevölkerungszuwachs in den Vereinigten Staaten vorhanden, vor allem durch die natürliche Bevölkerungsvermehrung, aber auch durch die Einschmuggelung kanadischer und mexikanischer Arbeiter, die von der Statistik nicht erfaßt werden kann. Die Berichte aus Kanada oerraten, daß die Einwanderung nach Kanada gänzlich ins Stocken gekommen ist. Die Einwanderer nach Kanada lieferte in den letzten Iahren vor allem England, wo die Auswanderer auf Kosten der beiden Regierungen befördert werden.(3 Millionen jährlich sind für den Zweck der Unterstützung der Auswanderer nach Kanada und nach Australien ausgesetzt.) Die Auswanderung von England dauert zwar immer noch an; es wird sogar vielfach darüber geklagt, daß Zchntausende von Facharbeitern England v erlosten. die englischen Facharbeiter nach den Vereinigten Staaten gehen, wo bekanntlich die Lohnlage heute günstig ist. Auch Brasilien und Ar- geMinien können die ihnen notwendigen landwirtschaftlichen Arbeiter sich nicht durch Einwanderer beschassen. Die Auswanderer möchten sich in der Industrie betätigen, was wiederum die brasilianischen und argentinischen Regierungen zu vereiteln suchen. In Südafrika wird jetzt eine Gesetzgebung zur Wahrung der Interessen der weißen Arbeiter vorbereitet. Da sich die Gesetze nicht nur gegen die Neger, sondern auck gegen die Inder richten, soll dadurch die Auswande- rung aus Indien getroffen werden. Wegen der Behandlung der Inder in Südafrika besteht seit langer Zeit eine Spannung zwischen Indien und Großbritannien, das dafür verantwortlich gemacht wird. Die neuen Gesetze dürften diese Spannung noch weiter verschärfen. _ 2L f>. Neue Wege üer Nationalisierung. Drei Großwerke der rheinisch-westfälischen Eisen- und Stahl- industrie, Phönix, Rheinstahl und Deutsch-Luxemburg, stehen mit- einander in Verhandlungen, um auf einem begrenzten Gebiete, der Herstellung von Prosileisen, zu einer A r b e i t s t e i- lung untereinander zu kommen. Damit ist ein neuer Weg zur Rationalisierung der Produktion von Eisen-Halbfabrikaten be- schritten. Es handett sich dabei um ein Halbfabrikat, das unter einer Sammelbezeichnung, in Wirklichkest aber in den verschiedenartigsten Formen auftritt. Dieses Walzwerkprodukt dient den vielfältigsten Verwendungszwecken, vor allem auch in der eisenverarbeitenden Fertigindustrie. Je nach dem Zweck ist es zwischen entsprechend geformten Walzen profiliert.(Also beispielsweise im Durchschnitt halbrund, konisch, ausgekehlt usw.) Dieses Halbfabrikat hat einen verhältnismäßig hohen Wert. Seine Herstellung ist recht schwierig: diese fetzt in einem gut darauf eingerichteten Werk das Vorhanden- sein(oder jeweils die Beschaffung) von zahlreichen Formwalzen vor- aus, die ein großes, teilweise und zeitweise brachliegendes Kapital repräsentieren. Auch an die Arbeiterschaft solcher Profilwalzereien werden bedeutende Ansprüche bezüglich ihres technischen Könnens gestellt. Die Aufträge auf Profileisen bestimmter Art kommen nur setten in großen Posten herein. Gerade gegenwärtig werden die Besteller die Aufträge so klein als möglich halten, da ihnen für Bestellungen auf Vorrat die Mittel fehlen. Das bedeutet für die Werke eine Erschwerung und natürlich auch Verteuerung der Produktion. Die um so öftere Umstellung der Walzenstrahen, je kleiner die Auf- träge auf Spezialsorten sind, erfordert jedesmal erheblichen Zeit- aufwand. Brachlegung von menschlicher und mechanischer Arbeits- kraft. Aus diesem Grunde wollen die genannten Werke die ein- gehenden Aufträge nach gleichen Sorten zusammen- legen und beispielsweise in Zukunft das eine Werk die zusammen- gefaßten Aufträge ausführen lasten, die sonst eventuell in drei Werken als kostspielige Einzelaufträge ausgeführt werden würden. Der Nutzen dieser Neuordnung liegt auf der Hand. Mehrere kleine S p e z i a l a u f t r ä g e, bei den einzelnen beteiligten Firmen eingegangen, ergeben zusammengefaßt einen größeren Auftrag. Dieser zusammengefaßte Auftrag erfordert nur eine einmalige Umstellung der Walzenstraßen und macht diese Um- stellung für eine längere Zeitspanne brauchbar. Die Zeitverluste vsr- mindern sich ganz enorm. Weiterhin kann das in den Formwalzen zu investierende Kapital bedeutend vermindert werden, weil eine Aufteilung der Sorten auf die beteiligten Werke stattfinden kann und nicht mehr jedes Werk alle Formen zu haben braucht. Und schließlich kann das Walzen dort vorgenommen werden, wo die beste Eignung für die jeweiligen Spezialaufträge vorhanden ist Damit kann, obwohl natürlich die genannten Werke versuchen werden, den größten Teil der erzielten Ersparniste zu profitieren, der Profileisen verbrauchenden Industrie eine Verbilligung zu- gestanden werden. Für die Fertigindustrie bedeutete das eine nicht unwichtige Stärkung ihrer Konkurrenzfähigkeit. Anderseits wird es möglich sein, den jahrelangen Klagen der Fertigindustrie über qualitativ mangelhafte Belieferung durch vermehrte Anstrengungen ein Ende zu bereiten. Es war lange Zeit soweit gekommen, daß man in den Kreisen der Fertigindustrie die Ansicht hegte, daß unsere Walzwerke insgesamt qualitativ weit hinter ihre Vorkriegsleistungen zurückgekommen seien. Es wurde kein reines Profil mehr gewalzt, das Material hatte nicht mehr die verlangte Güte usw. Bei der Weiterverarbeitung gab es infolgedesten viel Ausfall, der natürlich auch produktionsverteuernd wirkt. Es gab Stockungen, die Arbeiter und Maschinen brachlegten. Es gab Reklamationen und Aerger und Verdruß die Menge. Der neue Weg zur Rattonalisierung ist gut. Er ist auch prattisch bedeutungsvoller, als oll das Stöhnen der Großindustriellen, als all ihr schwarzer Pessimismus. Die Verwirklichung dieser Pläne kostet vor allem kein neues Kapital. Vielleicht ist noch für manch anderen Zweig des deutschen Wirtschaftslebens damit ein Weg gewiesen, aus Bedrängnisten herauszukommen.— etz— Gel aus kohle. Die große internationale Bergbaukrise, die in hohem Grad« auf das Vordringen der Oelfeuerung zurückzuführen ist, zwingt olle Kohlenlönder, die allmähliche Umstellung des Bergbaues von einer Brennstoffbasis auf ein« chemische Rohstoffgrundlage mit der größten Aufmerksamkeit zu verfolgen. Jedes Kohlenland hat das größte Intereste daran, sich in diesem Umwandlungsprozeß frühzeitig einen technisch-organisatorischen Vorsprung zu sichern. Im P r e u- ßischen Handelsministerium finden deshalb feit Monaten zwischen dem Ministerium und den Bergbouinteressenten Beratungen statt, die den Zweck haben, ein größeres chemisches Werk— wahrscheinlich in Neurode(Schlesien)— zu schaffen, in welchem eines der neuen Verfahren der Umwandlung von Kohle in Oel an- gewandt werden soll. Bei den Verhandlungen sind große Schwierig- keiten zu überwinden, so daß man von einem Abschluß noch weit entfern ist. Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen durch das Reich und durch Preußen eine Finanzierung des Planes, bei dem natürlich auch private Interessen mitspielen, erfolgt, ist noch lange nicht geklärt. Ein weiteres Hindernis liegt darin, daß auch der Streit über die Güte der einzelnen Verfahren für die Umwandlung von Kohle in Oel noch nicht entschieden ist. Das bekannteste Der- fahren ist das von Professor B e r g i u s, dos in der Mannheimer Verfuchsasfitall bereits ausprobiert und vor einiger Zeit denLerq- bauinterestenten vorgeführt wurde. Nach diesem Verfahren wird die Kohle gemahlen, der aus Kohlenmehl hergestellte Brei unter hohem Atmosphärendruck durch ein Röhrensystem getrieben und je noch der Kohlensorte verschiedenen Hitzegraden(bis zu 300 und 400 Grad) ausgesetzt. Dabei löst sich die Kohle in ihre Urfubstanzen auf, unter denen sich ein reichliches Quantum O e l befindet. Die Umwand- lungsformel lautet: drei Tonnen Kohle auf eine Tonne Oel, d. h. eine Tonne Kohle wird für die Umwandlung verbraucht und zwei Tonnen machen den eigentlichen Umwandlungsprozeß durch. Nach dem Urteil von Kennern soll das Kohlenumwandlungsverfahren im allgemeinen bereits soweit durchgebildet sein, daß mit der Regtabilitöt der geplanten Kohlenumwandlungswerke bestimmt gerechneAwerden kann. Der Vorteil dieses Versahrens besteht u. o. darin, daß auch geringwertige Steinkohle— wie die niederschlqfsche— dazu verwandt werden kann. Da diese Gebiete heute besonders unter der Absatznot leiden, da sie sogar Herde schlimmster sozialer N o t sind, kann man für die Arbeiterschaft nur Nutzen davon er- warten, wenn an diesen Stellen eine rationelle Verarbeitung der Kohle zu hochwertigen Oelen möglich wird. Bei dem bisherigen Ver- fahren der Oelgewinnung durch Verkokung war das nicht der Fall. Die durch die Kohlenumwandlung geschaffene neue Oelproduktion wird die Oeleinfuhr, die Deutschland jetzt zu verzeichnen hat, bedeu- tend herabdrücken. Heute kostet eine Tonne Oel etwa 180 bis 200 M.: drei Tonnen Kohle machen 45 M.; auch bei genauester Berücksichtigung der mit den Experimenten im Anfang noch verbundenen Lufwen- düngen wird das aus der Kohle stammende Oel wesentlich billiger kommen.'_ vom ß erlinet �rbeitsmarkt. Der Berliner Arbeitsmarkt ist gegen die Vorwoche stabil ge- blieben. Der teilweise leicht gebesterten Aufnahmefähigkeit einiger Berufsgruppen steht verschiedentlich ein Rückgang der Beschäfti- gungsoerhältniss« gegenüber. Hierbei muß jedoch in Berücksichtigung gezogen werden, daß die Difierenzen im Baugewerbe nicht nur die Hauptberufe, sondern jetzt auch einige Nebenberufe un- günstig beeinflusien. Für Angestellte sind die Beschäftigungsmög- lichkeiten bei einem großen Kräfteangebot im allgemeinen nur sehr geling. Es waren 40 514 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingc- trogen, gegen 39 701 der Vorwoche. Darunter befanden sich 29 431 (28 785) männliche und 11083(10 916) weibliche Personen. Unter- stützung bezogen 10 308(10 234) männliche und 2413(2595) weib- liche, insgesamt 12 721(12 829) Personen, davon bei Notstands- arbetten 2203(2199). HIT PROBLEM DURCH DIE WELT HOILBH 5 PF* Parteinachrichten Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin 6. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin Vorträge, Vereine und Versammlungen. ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, an richten. 1. Rreis Mitte. Dienstag, den 11. Auguft, 8 Uhr, wichtige Sigung des erweiterten Kreisvorstandes bei 8fchiefing, Aderftr. 1. 2. Kreis Tiergarten. Montag, den 10. August, 7½ Uhr, erweiterte Kreis. vorstandsigung bei Krüger, Butlikstr. 10. 3. Areis Bedding. Dienstag, den 11. August, in der Löwenbrauerei, HochStraße 2-4, Areistonferenz. Tagesordnung: Berichterstattung ber Stadtund Bezirksverordneten. Referenten Genossen Brolat und Blaschzik. 4. Areis Leenzlauer Berg. Montag, den 10. August, 7 Uhr, Sigung des erweiterten Kreisvorstandes bei Klug, Danziger Str. 71. Fehlende Abrechnungen und Adressen der Reitungstommiffionen mitbringen. 5. Arcis Friedrichshain. Erweiterte Kreisvorstandsfizung Montag, den 10. Auguft, 7% Uhr, bei Rofin, Gubener Str. 19. 6. Kreis Kreuzberg. Montag, den 10. August, 7 Uhr, bei Reim, Urbanftr. 29 wichtige Sigung der Abteilungsmicierobleute und deren Stellvertreter fomie aller in der Mieterbewegung tätigen Genoffen. 7. Areis Charlottenburg. Am Dienstag, den 11. Auguft, abends 18 Uhr, erweiterte Borstandssitung, Zimmer 1. 9. Kreis Wilmersdorf. Montag, den 10. Auguft, 8 Uhr, bei Rroths, Sol. freinische Str. 60, engere Rreisvorstandsfigung mit den Abteilungsführern. 13. Kreis Tempelhof. Montag, den 10. Auguft, 8 Uhr pünktlich, Kreisvor standsfigung bei Niendorf, Mariendorf, Chauffee-, Ede Streligstraße. Wich tige Tagesordnung. 15. Rreis Ezevtom. Montag, den 10. August, abends 7% Uhr, in Nieder fchöneweibe bei Gral, Kreisvorstandsfisung mit den Abteilungsleitern. 16. Areis Köpenid. Dienstag, den 11. August, 7% Uhr, Kreisvorstandssigung beim Genossen Babel, Freiheit 5. 17. Kreis Sichtenberg. Montag, den 11. Arguft, abends 7 Uhr, im Arbeitsamt, Schreiberhanter Straße, Funktionärversammlung. Erscheinen aller dringend erforderlich. 18. Areis Weißensee. Montag, den 10. Auguft, 8 Uhr. bei Gallas, Gigung der Funktionäre, Fraktion und Kommunalen Rommission. Sport. Rhön Segelflug Wettbewerb. % Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianftr. 87/88. Sof 2 Tr. Wafferkuppe, Fliegerlager, 8. Auguft. Gauvorstand. Aus Anlaß des Berfassungstages bleiben die Bureaus am 11. Auguft geschloffen. Ramerabschaft Brenzlauer Berg. Am leßten Julitage begannen auf der Waffertuppe die Vormett 4., 6., 7., 8. Rug: Montag abend 8 Uhr Turnhalle Greifenhagener Str. 59, bemerbe des sechsten Rhön- Segelflugwettbewerbes. Ueber die BeSummen. 1., 2., 3., 5. Rug: Mittwoch abend 8 Uhr Turnhalle Seinersdorfer rechtigung solcher Konturrenzen ist, auch von Fachleuten der Straße, Turnen. Ramerabithaft Reinidendorf: Montag abend 6 Uhr Turnen Luft, hin und her gestritten worden, noch mehr in nichtorientierten der Kameraben aller Untergruppen auf dem Städtischen Sportplag, Reinidendorf- West, Scharnweberstraße. Kamerabschaft Bernau: Dienstag, den aber interessierten Kreisen. Fliegen heißt Landen, und Landen ist 11. August, Verfassungsfeier. Abends 7 Uhr fritt die gesamte Kamerabschaft die Hauptsache, der Endzweck. Der Motorflieger fann sich immerhin bei Modisch, Kaiserstraße, zum Aufmarsch nach dem Marktplan an. Landungsgelände in weit größerem Umfang aussuchen als der Feier. Festrede Kamerad Rorvettenfapitän a. D. Urbahn. Anschließend Fadelaug, Rongert, Regitationen im Restaurant Bellevue. Alles hat zu erfcheinen, Reichsbund ber Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinterbliebenen, Ortsgruppe Rorben 14. Am Montag, ben 10. b. M., abends 7½ Uhr, Mitgliederversammlung in Büttners Feftsälen, Schwedter Str. 23. Wichtige Tagesordnung. Erfah. bzw. Neuwahlen. Erscheinen ist licht. " Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. B. Algemeine Mit. gliederversammlung Dienstag, den 11. Auguft, abends 7% Uhr, Schule SffLandstraße. 1. Referat über Binchoanalnfe" 2. Die Frankfurter Olym. piade. Bericht unferes Delegierten. 3. Berschiebenes. Gäste willkommen. Der Reichsband jüdischer Frontsolbaten, Drisgruppe Berlin, veranstaltet am Mittwoch, den 12. Auguft, nachmittags, ein Gartenfeft bei Kroll. Gartentongert. Sportliche Borführungen. Spiele für Kinder. Jm Saale Tanz. Eintritt in den Garten 1 M. Freie Hocheschule, Mittwoch, den 12. Auguft, 8 Uhr, Sophienfabule, Bein meisterftr. 16-17. Dr. med. iur. phil. dent. Sommer spricht über Wie schütt man fich vor irrenärztlichen Mißgriffen und vor unnötiger Einsperrung in der Jrrenanstalt." Gäste haben Zutritt. " Segelflieger, dessen Bewegungsfreis beschränkter ist. Günstiges Gelände ist in der Rhön die Wassertuppe, auch Rofsitten mit den Dünen. So wird denn auch der Wind nicht End- und Selbstzweck des Segel. flugsportes sein, sondern nur Mittel zum Zwed. Die Retonstruktion der Flüge durch die Wissenschaft, durch Meßtrupps und durch die Meteorologie, die Erkundung vieler unbekannter Vorgänge in der Atmosphäre und ferner die Festlegung der richtigen Flugzeugform durch den Aerodynamiker und Statiker, die es ermöglicht, wirtSchaftlich zu fliegen, als Sport und auch im Weltluftverkehr, ist die missenschaftliche Seite der Wettbewerbe. So dient die Rhön mehrfachen 3weden: Theorie, Sport, Wissenschaft und Praris, Wirtschaft und Industrie. Hier oben auf der Rhön war bisher stets die Wissenschaft im Vordergrund. Auch die Ausschreibungen tragen dieser Forderung Rechnung: Seit drei Jahren beweisen der Konsul", Margarete"," Der alte Dessauer", daß die Zeit des Bastelns und Erfindens lange vorüber ist, der Standardtyp ist da, bewährt, er. probt, nicht nur hier oben auf der Rhön und bei Roffitten, fondern Bezirtsbildungsausschuß Groß- Berlin. Bier Große Festfongerte auch in Wien, am Rochelberg und bei Affiago. Durch das erstmalige 1925/26. Internationale Boltstänge und Bollslieder. Etebbe und Bußta- Erscheinen der Russen ward diesmal die Rhön international. Das Im Drient Aus der Neuen Welt Der deutiche Tanz. Mitwirkende: allgemeine Interesse gewinnt. Das Ballett und erfte Solisten der Staatsoper. Künstlerische Zeitung: Mar Terpis, Ballettmeister der Staatsoper. Brof. Schünemann, Dir. der Hochschule für Mufit. Abonnementspreis für alle 4 Beranstaltungen 4 M. Reukölln. Gruppe Richardplas spielt Dienstags, Alle wichtigen Bestimmungen enthalten die Reichnungslisten. Die Listen liegen aus: Bei den Mitgliedern der Streis und Abteilungs- Bildungsausschüsse, Bigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, Tabalbertrieb GFG., Inselftr. 6, Ber band der Graph. Hilfsarbeiter, Alte Jakobftr. 5, 3. Echmidt, N. 39, Tegeler Str. 31, Joh. Moranz, D., Danziger Str. 46, IV, Buchhandlung Borwärts, Bindenftr. 2, im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof II, Bimmer 8/9. Ebert Reliefs nach dem Entwurf des Künstlers Gerstenberg. Elfenbein getönt, 1,60 M., dunkel getönt 1,80. pro Stud. Zu haben im Bezirksbildungsausschuß, Lindenstr. 3. Radierungen erster Künstler( Deiterle, Sela gaffe, Strommer, folk), Besichtigung und Rauf im Bezirksbildungsausichuk. Ab Ende Auguft werden die Abonnementstarten für die Konzerte ausgegeben. Bir bitten um rechtzeitige Rüdgabe der Zeichnungslisten. Die Juli 3eitfchriften des Bücher Ireises find erschienen. 20. Streis Reinideudorf. Montag, den 10. August, 7 Uhr, im. Gigungs faal des Rathauses Wittenau. Sigung des engeren Kreisvorstandes. Sozialdemokratischer Männerchor Friebrichchain. Der Chor fingt heute an folgenden Stellen: 11 Uhr Weberwiese, 12 Uhr Gruner-, Ede Dirdsen. ftraße; 2 Uhr Treptom, Spielwiese. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, Gruppe Treptow. Vom 10. Auguft ab finden unsere Spiele wieder regelmäßig jeden Montag und Donners tag auf der Wiefe ftaft. Treffpunkt 3 Uhr nadmitfags Graeg, Ede Wildenbruchstraße. Mittwochs und Donnerstags Don 5-7 Uhr nachmittags in der Schule Schubomaftr. 53. Beginn Mittwoch, den 12. Auguft. Heute, Sonntag, den 9. August: 44. bt. Ae Genossen und Genoffinnen beteiligen fich an der Bezfaffungsfeier in Treptow( Bezirk Treptow: Neues Cierhäuschen). 83. ht. Sichterfelbe. Zur Verfaffungsfeier treffen sich die Genoffen aus Ost und Süd vormittags 9 Uhr am Kranoldplay. Die Genoffen aus Weft Dormittags 9% Uhr bei Rattun, Bätestr. 7. 91. Abt. Reukölln. Treffpunkt zur Demonstration vormittags% 411 Uhr bei Schröder, Schillerpromenade, Ede Steinmesstraße. $ 12 Morgen, Montag, den 10. Auguft: 1. bt. 71 Uhr Funktionärhitung bei Afchiefing, Aderstr. 1. 6. Abt. Die fällige Funktionärsigung fällt umständehalber aus.- Die Besirtsführer merden gebeten, für die am Mittwoch stattfindende Mitglieder. perjaminlung einzuladen. 7. Abt. 7 Uhr Funktionärversammlung bei Bärmalde, Echlegelftr. 8. 10. bt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Trümper, Flensburger Str. 3. 11. Abt. Die Funktionärsigung fällt aus. Dafür laben die Bezirtsführer zur Mitgliederversammlung am Mittwoch ein. 15. bt. 7 Uhr wichtige Funktionärsigung bei Obiglo, Stralsunder Str. 11. 23. st. 7 Uhr Funttionärsizung bei Grunwald, Kameruner Straße. 27. Abt. 71 Uhr Funktionärtonferens bei Leyker, Kopenhagener Str. 87. 31. Abt. 8 Uhr Funktionärtung bei Goldschmidt, Stolpifche Str. 36. 32. bt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Balentin, Krautftr. 36. 35. Mbt. Funktionärtonferens mit Elternbeiräten. Betriebsvertrauensleuten und Referenten abends 7 2hr bei Peter, Schreinerftr. 36. 36. bt. 7 Uhr Funktionärfonferenz bei Busch, Tilfiter Str. 27. Die Begirtsverordneten und Bürgerbeputierten müssen erscheinen. 38. St. Achtung, Bezirtsführer! Mitteilungsblätter beim Abteilungsleiter abholen. 39. Abt. Unfere nächste Funktionärßigung findet nicht am Montag, fondern am Mittwoch statt. 40. Mot. 8 Uhr bei Reufner, Sagelberger Str. 20a, Funktionärfonferens. 41. bt. 74 Uhr bei Schult, Mariendorfer Str. 5, Funktionärtonferenz. 42. Abt. 7 Uhr Borstandssigung, 8 Uhr anschließend Funktionärsigung bei Wiersborf, Urbanftr. 6. 45. bt. 7% Uhr wichtige Funktionärverfammlung bei Wolf, Forster Str. 44. Schriftliche Einladungen ergehen nicht. 46. Abt. 8 Uhr bei Eichholz, Cuornftr. 23, Gigung der Bezirksführer, Funt. tionäre und Ordner. Mittwoch Mitgliederversammlung bei Baig, Schlesische Str. 28. Referent Genoffe Krüger- Merseburg, M. d. R. 48. bt. 8 Uhr bei Redling, Wafferiorstr. 68, Funktionärügung. 128. 130, bt. Bantow und seinersdorf. 8 Uhr Funktionärfißung im Jugendheim Breite Straße. 1. Bericht vom Bezirksparteitag. 2. Organisations. und Wahlangelegenheiten. Frauenveranstaltungen am Montag, den 10. Auguft: 38. 26t. Ausflug nach Ertner. Treffpunkt 8% Uhr Schlesischer Bahnhof, Ede Madaistraße. Die Genoffinnen der anliegenden Abteilungen find eingeladen. 74. bt. Rehlenborf. 8 Uhr bei Schnorre, Zusammenkunft. Abrechnung. Bichtiges. Uebermorgen, Dienstag, den 11. August: " 8. Abt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Ridert, Steinmenstr. 36a. 74. Abt. Rehlendorf. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Barteilokal. Bericht bes Genossen Lempert über den Bezirksparteitag". Abrechnung von der Bannerweihe. 85. Abt. Tempelhof. 2. und 5. Bezirk: Lokal Buse, Berberstr. 24. Bericht vom Bezirkstag. Referent Genosse M. Müller. 101. Abt. Treptow. Der Rahlabend am Mittwoch fällt aus, dafür am Dienstag, den 18. Auguft, außerordentlich wichtige Mitgliederversammlung Reichensaal. im 134. Abt. Buch. Ab nachmittags 3 Uhr große Verfassungsfeier in den Gesamträumen des Bartschloß- Restaurants Göpfert am Bahnhof. Gartenkonsert, Feftrede des Reichstagsabgeordneten Prof. Dr. Bergfträßer. * 24. Abt. 2. Gruppe: Mittwoch, den 12. August, 7½ Uhr, Sahlabend bei Winzer, Wins, Ede Christburger Straße. Referent Genoffe Roth über Freibentertum, Rirche und Feuerbestattung". Bezirksführer milffen einTaben. 34. bt. Charlottenburg. Mittwoch, den 12. Auguft, Abteilungsversammlung. 1. Beridyt vom Bezirksparteitag. 2. Bortrag des Stadto. Genossen Schmidt: Die Sozialdemokratie in der Kommune". 96. Abt. Reufoün. Die Zahlabende finden am Mittwoch, den 12. Auguft, abends 7 Uhr, ftatt. Bezirke 86 und 100 bei Miller. Thüringer Str. 5, Referent Dr. Freund; Bezirke 80, 87 und 88 bei Lühber, Thomasstr. 5; Begirfe 101, 102 und 103 bei Bed, Emfer Str. 20, Ede Jlfestraße. Arbeitersport. Die erfte Elf vom Sport- Club Oberfpree, Niederschöneweide, fährt nach Peipsig und spielt am Sonntag gegen Knaut- Rleberg. Anaut- Kleberg ist noch in guter Erinnerung, denn Pfingsten zeigten fle hier ein formvollendetes Fu halfpiel, wie man es sonst felten sieht. Oberfpree geht einen schweren Gang. Die erfte und zweite Jugendmannschaft spielt gegen BFB. Köpenick auf dem Oberfpreeplag in der Wuhlheide. Anfang 9% Uhr vormittags. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 9. August. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 4 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule Abteilung Landwirtschaft. Direktor Diekopp, Obstbauschule in Werder: Landwirtschaftlicher Obstbau. II. Teil. 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Dr. H. Kritzinger: Was fesselt uns an die Sterne? 7.30 Uhr abends: Frau Erna Arnhold: Rundgang durch Alt- Berlin. 1. Vortrag. 7.50 Uhr abends: Theodor Kappstein: Eine Reise durch Spanien. 5. Vortrag. Madrid drinnen und draußen. 8.30 Uhr abends: Kunterbunt. 1. Aus Italien. freie Fantasie.( Fritz Wenneis, Harmonium). 2. a) Suppé: Hab ich nur deine Liebe a. d. Operette, Boccaccio b) Zeller: Als geblüht der Kirschenbaum a. d. Operette Der Vogelhändler", c) Leo Blech: Walzerlied a. d. Operette, Die Strohwitte".( Lotte Appel, Sopran). 3. Improvisationen über bekannte Melodien, gepfiffen von Irene Merling. 4. a) Saphir: Das Paradies, b) Robert Steidl: Das Lied von der Ehe, c) Paul Rosenhain: Nachtspuk.( Adolf Gärtner). 5. a) Ralph Erwin: Sonne, liebe Sonne, b) Dr. Robert Hatscher: Was Frauen träumen, c) Rudolf Dellinger: Vom alten Stamm aus der Operette Don Cesar". ( Willi Weiß, Tenor; am Flügel: Miezi Peery). 6. Freie Fantasie über Opernmelodien( Fritz Wenneis). 7. a) Hugo Felix: Lied unter dem Lindenbaum a. d. Operette„ Die drei Kätzchen", b. Lehár: Eva- Walzer a. d. Operette Eva, c) Joh. Strauß: Lied der Saffi a. d. Operette, Zigeunerbaron".( Lotte Appel). 8. a) P. Rosenhayn: Der Mann unterm Bett, b) Die Selbstmorderin, c) Adolf Glaßbrenner: Die neue Geschichte.( Adolf Gärtner). 9. a) Béla Zerkowitz: Ein Brief aus Sorrent b) Abner Silver: Sag ihr's beim Tanze, e) Heinrich Mannfred: Deutsches Hoffen.( Willi Weiß; am Flügel: Miezi Peery). Am Flügel: Ludwig Preiß. 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Sonntag, den 9. August. 11.30-12.50 Uhr mittags: Konzert. Veranstaltet von der Opernund Konzertsängerin Edith Bach, Berlin. Mitwirkende: Edith Bach; am Ibach- Flügel: Klara Bach; Violine: Frau Anny Schildberger- Luxemburg; Cello: Robert Crzelitzer; Am Ibach- Flügel: Maria Badt. Robert Crzelitzer. 1. a) Brahms: Sandmännchen, b) Meyer- Helmund: Zauberlied.( Gesungen von Edith Bach). 2. Schubert: Adagio a. d. Cello- Sonate.( R. Orzelitzer). 3. Massenet: Elegie.( Edith Bach, Annie Schildberger- Luxemburg). 4. Delibes: Lacmé Arie.( Edith Bach). 5. Violin- Solo.( Annie SchildbergerLuxemburg). 6. Pergolesi: Tre giorni.( Edith Bach, Crzelitzer). 12 Uhr mittags: Esperanto- Vortrag. Montag, den 10. August. 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikbegleitung. 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau. ( Ratschläge zur Fleckenentfernung, von Chemiker Vostell). 5 bis 6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Dr. Götz: Das schwachsinnige und schwachbegabte Kind und seine Pädagogik. II. Teil. 7.30 abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Geschichte. Geh. Regierungsrat Dr. Richard Schmitt, Professor an der Universität Berlin: Der Siebenjährige Krieg 6. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Konzert.( Programm nach Ansage). Am Flügel: Bruno Seidler- Winkler. 10 Uhr abends: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk( E. Nebermann) Persil THEODOR RAATZ AUTOMOBIL A.G. BERLIN W 35 Durch die Errichtung der wissenschaftlichen Station auf der Waffertuppe erstand im einfachen Blockhausstil das Verwaltungshaus, das den Forschern und Beobachtern Sommer und Binter In langen Tagen faum ein paar gleich gute Unterkunft gewährt. Stunden Sonne. Scheint sie, dann startet aber auch gleich alles. Die erste Woche galt dem Nachwuchs, der sich den vor. geschriebenen Prüfungen unterziehen mußte. Unter den gemeldeten Ruffen ist Jungmeister besonders zu erwähnen; er jegelte 1924 5 Stunden 7 Min. Ihr Führer ist ein alter Rampfflieger Arzenoff. Der Start der ruffischen Segelflugzeuge erfolgte mit Drahtseil. Alle gemeldeten Maschinen sind Ein beder von 18-21,5 Quadratmeter Flächeninhalt, bei 12-17,2 meter Spannweite. Rennen zu Ruhleben am Sonnabend, den 8. Auguft. 1. Rennett: 1. Pedra( F. Schmidt), 2. Good Boy( H. Grube), 3. Terazzo( 2. Weiß). Zoto: 4:10. Blag: 17, 15, 5810. Ferner liefen: Dolina, Siegleicht, Coriolanus, Mirabolis I, Gladiator, Bovan. 2. Rennen: 1. Luftschiffer( F. Schmidt), 2. Dele Marion( Beiß), 3. Magowan jun.( Großmann). Toto: 36: 10. Blaz: 14, 24, 15: 10. erner liefen: Langmacher, Gerhard, Eitelfried, Sphing I, Dreimaster, Baladin, Weinbrand, Freiberg, Die Lehte. 3. Rennen: 1. True Fog( Jaus jr.), 2. Bedfadel( Knöpnabel( fr.), 3. Baron Agworthh( 3. Mills). Toto: 18:10.( a: 14, 16:10. Ferner liefen: Bildlake, Fenelon. 4. Rennen: 1. Duadrat( Gh. Mills), 2. Heroftrat( B. Hedert), 3. Lebensfünftler( Jauß jr.). Zoto: 13:10. Blaz: 10, 11, 12:10. Ferner liefen: Niederländer, Manrico, Lokomotive, Laterne. 5. Rennen: 1. Joll( Jaug jr.), 2. Clematis blau( H. Grube), 3. Trotteur( E. Treuherz). Toto: 48:10. Blag: 19, 18, 20: 10. Ferner liefen: Lord Ellerslie, Gassenmädel, Carleta, Feuerwehr. 6. Rennen: 1. Hofmeisterin B.( Knöpnabel jr.), 2. Denkmünze ( G. Lautenberger), 3. Alarich( Brygrembel). Toto: 37:10. Blaz: 16, 15, 26: 10. Ferner liefen: Lybia Batts, Dunajec, Kapitän Halle, Dolerit, Broschüre. 7. Rennen: 1. Dbeffa( 3. Rörting), 2. Cuba( Sr. Mofen), 3. Bate fari( r. Bert). Toto: 58: 10. Blag: 20, 28, 2010. Ferner liefen: Stagbad,. Erft. Wolfersomer, Allertony, Linsto, Bergschwalbe, Diagonale, Baron Klatawah, Sarneval, Heiderose B., Handfeft. 8. Rennen: 1. Kartenspieler( Klabunde), 2. Coeur Maid( Sauß jr.), 3. Freibeuter( B. Schuller). Toto: 77: 10. Blah: 23, 61, 24: 10. Ferner liefen: Etatshöferin, Frl. v. Lindow, Morgensonne, Baron Rushaga, Sterrigan jr., Augenstern B., Schüler Teddy, Benedict, Tudora, Terraria, Duantität, Frant, Salome, Cirano. 9. Rennen: 1. Slud( D. Kleinau), 2. Heidemann( 3. Mas), 3. Ballonfönigin( Triphan). Foto: 55: 10. Blat: 15, 15, 12: 10. Ferner liefen: Alpenfez Amorette, Peter Harvester, Importation. Großkampftag- Punching. Der am Freitag zum Austrag gefommene 5. Rampfabend zeigte ausgezeichnete Kämpfe. Als erstes Paar stiegen Rohler und Friedrich Schmidt in den Ring. Kohler war gut in form und machte Schmidt viel zu schaffen. Er war bestimmt der technisch beffere mann. Das Urteil Unentschieben", das gerechter mit der Bunftsiegertlärung Kohlers hätte verfündet werden müffert, ift unverständlich. Eder Schmidt vermochte bei Allwin Baute, der fehr zäh ist, nicht zu landen und mußte fich mit einem Bunttsieg begnügen. Das Haupttreffen des Abends brachte Hermann Herse gegen den Holländer Karel de Jaeger in den Kampfring. Es war ein richtiger sogenannter Fight". Beide waren hart im Nehmen und Geben, doch gab die beffere Technif, vor allem die gute Beinarbeit Herses den Ausschlag zu einem verdienten Bunktsieg. Den Schluß der Veranstaltung bildete das Treffen Willy Antono. mitich gegen Piet van Dam. Der Kampf wurde mit beispiellofer Härte auf beiden Seiten geführt. Der Holländer zeigte sich von der besten Seite und teilte gut aus. Antonowitsch war nicht Jehr in Form und mag hieran das Aussegen des Trainings in den legten fünf Tagen Schuld sein, wo er sich eine Handverlegung zuge 3ogen hatte. Der Kampf endete unentschieden. Allgemein waren bie Rämpfe ausgezeichnet und gaben Beispiele guter Technif und einer, man möchte sagen, seltenen Fairheit. Wetter für Berlin und Umgebung: Biemlich heiter und am Tage warm, nagmittags etwas Gewitterneigung. Für Deutschland: Strichweise leichte Gewitter, fonft troden und warm. allein verwenden! Persil enthält beste Seife in feinster Verteilung so reichlich, daß jede Mitverwendung von Seife und Seifenpulver Verschwendung wäre. Ge naue Befolgung der Gebrauchsanweisung sichert höchste Waschwirkung! Ständiges Lager an Lieferwagen mit Kasten- u. Pritschen- Aufbauten von 200-400 700 - 1000 und 1500 kg Nutzlast Vertreter der Fabriken: Adler- Fafnir- Opel- Protos THEODOR RAATZ AUTOMOBIL A.-G. Fernsprecher: Nollendorf 56-59 Berlin W 35, Potsdamer Straße 112 Telegr.- Adr.: Autoraatz Berlin Sonntag 9. August 1925 Aus der Film- Welt Der Film im Roman. Bon A. T. Hollermann. Daß die Romanautoren und-autorinnen sich nach der Verfilmung ihrer Berte drängen, nimmt nicht Wunder. Nichts ist auch angenehmer als aus dem geschriebenen Buch noch einmal ein hübsches Honorar für die Ueberlassung der Verfilmungsrechte zu ziehen. Nichts ist erfolgreicher, als die bekannten Gestalten eines Buches noch einmal im Filmbilde aufleben zu sehen und somit rüdwirkend vom Film aus das Buch zum großen Erfolge zu machen. Aber nicht nur die Berwertung eigener Werke, sondern auch das bunte und romantische Leben der Filmwelt reizte die Autoren und in den letzten Jahren ist so mancher Filmroman geSchrieben worden, der nicht nur unter Badfischen eine begierige Leferschaft fand. Die Verfasser der aktuellen Romane warten ja nur darauf, baß ein neues Milieu, eine neue Interessensphäre auftaucht, in die fie die üblichen Liebesgeschichten und die üblichen Helden und Intriganten hineinstellen können. So wechseln die Epochen der perschiedenen Romangattungen in gewissen Zeiträumen ab, ohne innerlich und inhaltlich eine Aenderung im Stil und Wert des Wertes durchzumachen. Wer eine feine Nase hat und die neue Mode vorausahnt, der macht das Rennen und gehört zu den geLesensten und also am besten verdienenden Autoren. Die Aera des Filmromans ist eigentlich nicht recht zur Entfaltung gekommen, da fie durch die unruhige Zeit des Krieges und der Revolution gehemmt wurde. Als aber mit einem Male die feldgrauen Romane broschiert oder gebunden zur Matulatur wurden, da warfen sich piele Romanschreiber auf das blendende Gebiet der Filmwelt. Glashausluft" und„ Der Film zerriß..." waren gewiß reizvolle Romantitel und fanden Tausende von Lesern und Leserinnen. Die meisten Verfasser hatten allerdings nur eine vage Borstellung Don der wirklichen Welt des Films, aber gerade ihre phantastische Ausschmüdung des angeblich dionysischen Lebens einer Filmdiva und die Schilderung der romantischen Atelierszenen, die in Wirtlichkeit höchst nüchtern und arbeitssam verlaufen, übten einen größeren Reiz auf die Massen aus als die Zeichnung des wahren Filmmilieus. Allmählich aber überlebte sich auch die Mode des Filmromans wie alle Moden, und heute haben sich bie Tagesautoren wieder anderen aktuelleren Stoffgebieten zugewandt. Geblieben sind die wertvolleren Werte, die das interessante Broblem des Filmlebens und seiner Menschen ernster und tiefer anfaffen. Eine ganze Anzahl hervorragender deutscher Romanautoren hat in ihren jüngsten Werfen ganz oder teilweise das Filmmilieu geschildert. Georg Hirschfeld hat in seinem Schönen Mädel" bie Laufbahn eines Münchener Rindls bis zur Berliner Filmdiva padend und lebenswahr dargestellt. Ludwig Wolff hat in der Brin zeffin Siwarin den Typus der adligen russischen Emigrantin ge fchaffen, die als blendende Schönheit und gewandte Frau durch den 3wang der Verhältnisse auf die Laufbahn der Filmschauspielerin geführt wird. Unter den Größen der Literatur hat sich der stets moderne und aktuelle Pirandello an einen Filmroman gemacht. Unter der Parole Achtung Aufnahme" gibt er ein hinreißenbes Bild vom aufreibenden Dasein eines Filmoperateurs, der Hand, die die Kurbel breht". Hier wird der Kurbelmann zur Maschinerie, Die selbst im Löwentäfig mechanisch funktioniert, wenn sich pro grammwidrig die Bestie auf den filmenden Darsteller stürzt. Birandello tennt wahrscheinlich das Filmgetriebe gar nicht so genau aus eigener Anschauung, sondern fah in ihm nur eine gute Gelegenheit, seine besonderen Ideen und grotesten Einfälle anzubringen. Der erste Mann vom Bau, der einen Filmroman unter genauer Renntnis des Glashausbetriebes schrieb, ist der Filmjournalist und Filmergiffeur F. W. Koebner, der in einem Filmfachblatte einen Berliner Filmroman ,, Wenn ich mein Leben neu beginnen fönnte... jüngst veröffentlichte und für den Laien wie für den Kenner ein Porträt aus der echten Berliner Filmwelt schuf. Er zeigt die Rehr. seite der Medaille und schildert die tiefe Resignation, die fich bei vielen jungen Künstlerinnen einstellt, wenn von den vielen Illufionen der neuen Laufbahn nur der Ernst der Arbeit und des Daseinstampfes übriggeblieben ist. Alle diese Filmromane haben natürlich wiederum den Ehrgeiz, felbft verfilmt zu werden. Die Filmleute werden auch einen Stoff, ber aus ihrer eigenen Welt stammt, wenn er nur echt und filmgerecht behandelt ist, lieber als jeden anderen turbeln. Die Filme der Woche. Vaterländische Filmerinnerungen. Im Brimus.Balast wurde der Film Was Steine erzählen uraufgeführt. In einleitenden Worten wurde etwas von der Notwendigkeit gerade dieses Films mitgeteilt. Das war Jehr gut gemeint, denn so etwas nimmt man ja allgemein für eine zarte Borbereitung darauf, daß man filmisch nicht viel erwarten barf. Dem ist auch fo, es handelt sich faft durchweg um verfilmte lebende Bilder. Und ausgerechnet die lebenden Bilder sind solche tiefergreifenden vaterländischen Erinnerungsvorrechte der Kriegervereinsmitglieder usw. Es ist doch wirklich hart, nun macht ber Film schon den gefühlvollsten Bereinsfesten Konturrenz. Im ersten Bild, Theodor Körner", verfündigt man sich besonders schwer gegen alle Filmgebote. Szenenlang fieht man die Darsteller fingen, dabei ist doch jede mechanische Mundbewegung der Tod einer regelrechten Filmszene. Und dann die reiterlichen Vorführungen! Lüzows wilde Derwegene Jagd tommt im Tattersallzudeltrab an. Einmal springt fie zum Galopp über, aber ohne Schwung, man hat das Empfinden, als ob jedet Gaul flamm ging. Für patriotische Reminiszenzen follte man sich wenigstens Pferde mit einem geräumigen Galopp. iprung ausfuchen. Bapa Brangel" ist ein nett gemachtes Bild und Andreas Hofer" hat recht starte Momente. Im Bilde Mozart" ist zu viel Anhimmelei in das häusliche Glück gemischt. Das letzte Bild zeigt Friedericus Reg als Knalleffekt, das genügt, um Beifall auszulösen und ein gutes Geschäft zu machen. Sittenfilme. e. b. Betreffs der Sittenfilme stellt das Bublifum heute höhere An. Sprüche. Das ist eine erfreuliche Tatsache, die für die Richard. Oswald Lichtspiele freilich unangenehm war, weil die Wege des Sidsals" bei der Uraufführung glatt abge. Ichnt wurden. Das geschah ihnen recht, denn das Manuskript ist der artig zusammengehauen und die Regie hat so wenig gefeilt, daß man sich mit diesem Wert nicht ernsthaft beschäftigen tann. Anders steht es um den Film„ Ein Gesellschaftsstandal". Er fönnte auch„ Die böse Schwiegermutter" heißen. Gloria Swanson spielt die Hauptrolle und das ist ein Gewinn. Diese Darstellerin ist nicht gerade schön, aber man sieht sie wirklich gern, sie bemalt sich furchtbar und erscheint doch stets natürlich, sie ist ertravagant in der Kleidung und bleibt immer die gut zurechtgemachte Dame. Mithin für den amerikanischen Gesellschaftsfilm ist Gloria Swanson( diesmal het ratet fie als zu Unrecht geschiedene Frau den Rechtsanwalt ihres Mannes) unerreicht. Die drei Portiermädel. -g. Die drei( Maly Delschaft, Hanni Weiße und Helga Molander) sind wirklich nett, und sie gefallen uns besonders gut, weil ihre Mutter Margarete Kupfer ist. Diese Darstellerin bietet in der Rolle der Portierfrau eine sehenswerte Leistung. Wie schwer hat sie es als Mutter, ihre drei schönen Töchter an den Mann zu bringen. Das Schicksal verteilt die Lose recht verschieden. Die eine Tochter heiratet einen Chauffeur, die andere deffen Brotgeber, einen Fabrit. befizer, und die dritte, vorerst ein Berhältnis, ehelicht zuguter Letzt den Mann ihres Herzens, einen Barmiger. Zu welchen Zusammen. ftößen es in dieser buntscheckigen Berwandtschaft führt, kann man fich bei den im heutigen Klassenstaat herrschenden Ansichten ohne SPIELPLAN Ofa- Palast am Zoo Kurfürstendamm Turmstraße Touentzienpalast Friedrichstraße Kammerlichtspiele Alexanderplatz Weinbergsweg Uta- Theater Nollendorfplatz Wegen Renovierung geschlossen Der Golem Wie er in die Welt kam Wochent, 7 u. 9/ Sonat, 5, 7, 9 Der müde Tod Auf der Bühne: Tanz- Pantomime Die drei Lichter" Wochent. 7 a. 9/ Sonnt. 5, 7, 9 Sodoms Ende Auf der Bühne: Bürger Carlson Gesellschaftstänze Wochent. 7 u. 9 Sonnt. 5, 7, 9 Chaplin- Woche Wochent. 7 u. 9 Sennt. 5, 7, 9 Wege zu Kraft und Schönheit Wochent. 7 u. 9 Sennt. 5, 7, 9 Die Bacchantin Wochent, 7 u. 9/ Sonnt, 5, 7, 9 Henny Porten, Lustspiel- Woche Die beiden Batten d. Frau Ruth HBbenluft Aufd. Bahne: Original oberbayr. Gesangs- u. Tanzszene Wochent. 7 u. 91 Sonat. 5, 7, 9 Wegen Renovierung geschlossen Das auserlesene Programm 1) Les Préludes. Symphonische Dichtung.. Franz Liszt 2) Auf der Bühne: ,, Die drel Lichter" Tanz- Pantomime in einem Vorspiel und 3 Bildern von Walter Kömme 3) Musik von Walter Kömme Mitwirkende: Marion Palfi, Grete Bonn, Grete Glelche, Alice Brünler, Hasse Holm, Josef Oswald, L. de Barry Der müde Tod Ein deutsches Volkslied in 6 Versen Verfasser und Regisseur: Fritz Lang Hauptdarsteller: Lil Dagover, Walter Janssen, Bernhard Götzke, Rudolf Klein- Rogge Vorverkauf ohne Aufschlag täglich mittags 12-2 Uhr Ufa Theater TURMSTRASSE ( Turmstrasse, Ecke Stromstrasse) Verkehrsverbindungen: Direkt vor dem Theater halten die Straßenbahnlinien: 3, 4, 11, 12, 13, 14, 19, 21, 44, 45, 56, 113, 119. Autobuslinien: Nr. 11, 28. Stadtbahn: Bahnhof Bellevue Beklage des Vorwärts weiteres denten. Die Berwidlungen machten dem Publikum im Marmorhaus, wo die Uraufführung stattfand, recht viel Spah. Carl Boeses Regie verstand sich ausgezeichnet auf den guten Spicifilm. Man gewahrte das elegante Milieu als Gegensaz zur Portierloge, Menschen in Lumpen und Menschen in Seide, feinsinnige Frohlaune und derberen Ult. Der Photograph Alfred Hansen lieferte in den nächtlichen Automobilfahrten, bei denen das Publikum all das Drum und Dran der filmisch stets wirksamen Lichtretlan genießt, ein Meisterstück. Bruno Kastner zeigte lächelnd seine schönen Bähne, Fischer- Köppe war ein handfester Chauffeur und Jaces Tiedtfe ein unnachahmlich tomischer Lebemann. Hermann Bic holte fich in der kleinen Roile des Photographen einen großen Erfolg. Der Tert trug viel zur allgemeinen Heiterfeit bei, dennoch bleibt die Verwendung von so vielen Worten ein Berstoß gegen die Gebote des Films. e. b. jetzt fertiggestellten Phoebus- Filmen Schiff in Not" und FriesenDer weibliche Soldat. Jenny Jugo, die bereits in den beiden einen dritten Phoebus- Film verpflichtet worden. Sie wird Seice blut" eine der weiblichen Hauptrollen gespielt hat, ist mmmehr fi an Seite mit Carlo Aldini in den Kampf gegen Berlin" ziehen. Eine feine Nummer. Ein hocheleganter junger Mann, der mi allen Mitteln eine junge verheiratete Frau fich gefügig machen möchte, der vor Bedrohungen und Erpressungen gemeinster Art nicht zurüdschredt, ja, der sogar gemillt scheint, über die Leiche eines unschuldigen Kindes sein Ziel zu erreichen- das ist die Rolle, die in dem neuen Marco- Film der Süd- Film A.- G. ,, Marco, der Bezwinger des Todes" dein Charakterdarsteller Karl Faltenberg zufiel. Alfred Hansen, der den Terra- Film Die drei Bortiermädel" gedreht hat, ist als Chefoperateur für die Terra verpflichtet worden. Die im Phoebus- Verleih erscheinende neue Harry- Piel- Probuftion 1925/26 wird aus 4 Großfilmen bestehen, von denen der erfte unter dem Titel„ Das Abenteuer im Nachtegpreß" bereits in Angriff genommen worden ist. Die anderen Filme werden vor aussichtlich die Titel„ Panit", Im brennenden Berg" und„ ,, In Tausend Gefahren" führen. Weiterer Ausbau der Deulig- Woche. Infolge bedeutender Er. meiterung der gesamten Organisation der Deulig- Woche wurde der befannte Kameramann Erich Stoll für aktuelle Berichterstattung ver pflichtet. Karl Grunes nächfter Sternfilm. Nach Beendigung des von ihm inszenierten Ufafilms„ Die Brüder Schellenberg" wirb Karl Grune feine Regietätigkeit bei der Sternfilm wieder aufnehmen. Dieser neue Brune- Film betitelt sich Frau auf der Flucht" und wird noch im Rahmen der diesjährigen Sternfilmproduktion erscheinen. Fred Sauer hat die Aufnahmen zu Friesenblut"( Manuskript: Ilse Schlettom), dem neuen Phoebus- Film beendet. Hans A. Schlettow, Grete Reinwald, Jenny Jugo, Friz Alberti, Gustav Fröhlich, Julius Szöreghy, Harry Hardt, Dr. Philipp Manning, Frieda Lehndorff und Rudolf del 3opp find die Mitwirkenden. W. A. Herrmann errichtete die Bauten, Giovanni Bitrotti und Werner Bohne photographierten. Als Aufnahmeleiter war Paul Goergens tätig. " Der elettrische Schwiegerjohn" ist ein ländlicher Luftspielfilm der Deulig- Film A.-G., mit deffen Aufnahmen in der Umgebung Berlins soeben begonnen wurde. Die Regie liegt in den Händen des Regiffeurs Dr. Ulrich Kayfer, Don welchem auch das manuskript stammt. Mitwirkende: Hanni Reinwald, Henry Peters- Arnolds, Alberti, Senius. Sonnige Rheinfahrt. Die Aufahmen zu dem neuen Deulig. Rulturfilm von Sonne, Liebe und Wein unter der Regie von Dr. Ulrich Kayser sind soeben beendet. Die Uraufführung findet demnächst in Köln statt. Mitwirkende Lilian Weiß, Willi Raiser Heyl, Henry Peter- Arnolds. .3m Strudel des Verkehrs". Das Publitum hat in letzter Zeit öfters bei dem Berliner Polizeipräsidium darüber Riage geführt, daß bei Filmaufnahmen in den belebtesten Straßen Berlins Bolizei. beamte den Filmleuten nicht nur behilflich gewesen, sondern sogar offenfundig mitgewirkt hätten. Die Betreffenden wurden aber darüber aufgeklärt, daß es sich hierbei um die Aufnahmen zu den Ufa- Kulturfilm Im Strudel des Verkehrs" gehandelt hat, der auf Wunsch und mit Unterstügung der Kommunalbehörden soeben unter der Regie von Leo Peutert hergestellt wird. Der Film soll dem Bublikum die Gefahren des Großstadtvertehrs eindringlich Dor Augen führen und die Verkehrsregeln demonstrieren. Wie start das Interesse dafür ist, geht daraus hervor, daß alle deutschen Großstädte Sufazaufnahmen für ihre Stadt erbeten haben. Metropolis". In den Filmanlagen der Ufa zu Reubabelsberg schreiten die Aufnahmen für Friß Langs nächsten Großfilm Metro polis" fort. Augenblicklich arbeitet Friz Lang in den tief unter der Großstadt Metropolis liegenden Ratatomben, in denen fich die Arbeitssklaven von Metropolis gegen ihren Ausbeuter zusammen rotten. Draußen aber auf dem Gelände schießen die Bauten für die gigantische Zukunftsstapt aus dem Boden, während in den Modellwerfstätten an den Wunderwerken der Technit gearbeitet wird, die in diesem Film zu sehen sein werden. Große Sportwoche im Atelier am 300. In einem mächtigen Trainiersaal, ausgestattet mit allen Dingen, bei deren Anblick dem echten Sportsmann das Herz lacht, tummeln sich an die hundert Athleten aller Art: Prächtige Figuren, muskulöse Gestalten, intereffante Typen. Hier wird gebort, dort rasen mehrere Dugend junger Leute im Trainingslauf über rollende Scheiben. Hier wieder lernt ein Autofahrer auf einem besonders konstruierten Apparat mit Projektionsflächen und Bildvorführung die Gefahren des Straßen. verfehrs der Großstadt zu vermeiden. Athleten hantieren mit Ge wichten von mehreren hundert Pfund, als ob es Kieselsteine wären. Inmitten des Ganzen: Dr. Guter, der Ufa- Regiffeur als Spiritus rector. Georg Alexander plaßt in diesen sportlichen Hochbetrieb hinein und wird nun von einer für ihn unliebjamen Ueberraschung in die andere gestürzt, bis er schließlich vor den ihn verfolgenden Jüngern der heiligen Hermandad sich in die große Trommel einer Jazzbande vertriecht und in diesem feltsamen Fahrzeuge munter davonrollt, zur großen Genugtuung der über solche Geistesgegenwart hocherfreuten Offi Oswalda. Es handelt sich hierbei um Aufnahmen für den großen neuen Ufa- Film, den Robert Liebmann nach der Novelle von Frant Heller Collins Abenteuer" verfaßt hat. Bad Wildungen für niereu. Blase Zur Haus- Trinkkur: bei. Nierenleiden, Harnsäure, Eiweiss+ Zucker Helenenquelle Badeschriffen sowie Angabe billigster Bezugs quellen für das Mineralwasser durch die Kurverwaltung Kolonialwaren Bruchreis Tafelreis GROSSER Leicht verderbliche Artikel sind vom Versand ausgeschlossen. Mengenabgabe vorbehalten? LebensmittelWurstwaren. .Pfund .... Pfund 17Pt. Delikatess- Sülze Pfund 45Pt. Pfund 19Pt. Rotwurst. Prind 55p. Java- Reis......... Pfund 36P. Leberwurst...... Pfund 55Pf. Weizenmehl Pfund 21, 22P1. Sülzwurst Pfund 80Pf. Auszugmehl Prund 23, 25P. Speckwurst....... Pfund 10 Kartoffelmehl... Pfund 24Pf. Bauernmettwurst Pfund 100 Weizengriess... Pfund 23PL Knoblauchwurst. Pfund 105 Hartgriess..... Pfund 25P. Jagdwurst. Pfund 130 adores ide FLEISCH für Gulascb, Pfund Ptuna P70P1. Rinderbacken pagefroren, o.Kn 40P.| Hammelverderfleisch 70 Rinderherzen gefroren, wie frisch 32 Pf. Hammelkeule pa, gefroren, Pfand 80Pf. Ochsen- Suppenfleisch Page 48p. Hammelrücken pa., gefroren, Pfund 85 Pr. 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Frisch gebr.Kaffee Ptd. 243 Würstchen Dose 70 Pf. u. 135 Kakao gute Qual- Pid.- P. 48P Pekelrinderbrust 158 Piun Dose 1 Obst und Gemüse 5 Pfd13Pt. Schmorgurken Käse | Camembert.. Schachtel 30p Tilsiter gute Qual, Pfd. Get Dän. Gouda...... Pfund 75Pt Edamer Pfand 85ef Steppenkäse.... Pfand 90pt Tilsiter vollfett Pfund 100 Steinbuscher volt, Pfd. 120 aussergewöhnich preiswerter Tischweine Sortiment I Die Weinpreise verstehen sich ohne Steuer und Flasche 1921er Oberhaardter Maikammerer 1922er Gundersheimer Rheinpfalzer..... ..... Pfund 7Pf. 1922er Winninger Mosel. Möhren.... Prd. 7Pt. Essäpfeleid.12P., Strudeläpfel erd.25Pt. 1921er St. Martiner hervorragende Qualität...... Pfund 7Pt. Preisselbeeren Pfund 35Pt. 1922er Valwigsberger Palmberg 1922er Kreuznacher Kehrenberg Franz. Olivenöl 4. 55Pt., 11.90 Pt. 175320| Erdaussöl.45P, 80P, 135-Ltr.-F. 230 Sonnengartner spanischer Dessertwein..... FL 125 10 FL 1200 Sortiment II FL160 10 FI, 1500 do Sortiment I 125 1, Fl. Krümelschokoladersa 82Ps. 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LUNA PARK Schiller- Theat. Lessing- Th. Operettenspielzeit 8 Uhr Täglich 8 Uhr: Bie neue Revue Annemarie Regenbogen Bois, Herrnfeld, Operette von Jean Serak, Sikla, UnterGilbert u. Robert kircher, Ury, Sister, Gilbert mit Dora- Bitter LosAndaluses Leffler Nymgau BaseltHeidemann- Die Kleines Th. gelmann- Hiller Täglich 8 Uhr: Kuthan Ledebour Die schöne SCALA Komode V. Lothar 8 Uhr Internat. Varicié 330 zu ermäßigt, Preisen das volle Programm Operettenhaus am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Der kleine Kuppler v. Anni Mewes, Scherk Maaß, Sanden Schröder- Schrom su. Trianon- Th. Ueber 130 mal Die Tugendprinzessin Musik v. Kurt Zor lig Serenyi, Schrader, Kettner, Wenkhaus, Lenz, Chandon, du Menil Theater d. Westens Das große Operettenhaus Direktion: C. Richter Tägl. 8 Uhr Wiener Blut Operette v. Johann Strauß Kochhann, Künl, Geppert, Sachs, Lichtenstein, Bietel M. 1, 1.50, 2, 3.50, 5 usw. Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: X 400 X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! Reichshallen Theater Allabendlich 8 Uhr: Konzert Feuerwerk Erna Offency mit ihrem Ballett Eintrit 1 Mk. Zweitägiges Sommer- und Kinderfest am Dienstag und Mittwoch Riesen- Tombola 1 Wohnzimmer 1 Motorrad usw. Metropol Theat. 812 Uhr: Tausend süße Beinchen Thalia- Th. Unwiderrufl. letzter Monat 8: Uschi Th. in d. Kommand. Str. 8: Vetter a.Dingsda Komödienhaus 7.45 Uhr: Berliner Prater Der letzte Kuß Kastanien- Allee 7-9 Täglich: Residenz- Th. Gr.Varieté- Vorstellg. Die Koblanks Kaffeeküche ab 3 Uhr geöffnet. Anfang 4 Uhr Jeden Eintritt 50 Pf. Mittwoch: Gr. Kinderfest wieder Apollo Varieté 8 Uhr Theater 8 Uhr Ein Sensat.- Progr.m.P.Beckers Ganz kleine Eintrittspreise!! Vorzeig. d. Annonce zahlen nur halbe Kassenpreise von 50 Pf. an Casino- Theater Lothringer Str. 37, Tägl. 8 Uhr Die dreiaktig. Posse Der Kühne Schwimmer dazu das humorvolle Jubiläums- Programm Flora- Lichispiele Berliner Theater Landsberger Allee 40-41 Ossi Oswalda in ,, Blitzug der Liebe" außerdem: „ Die Stadid.Versuchung" Voranzeige: Ab Freitag Harry Piel in, ZIGANO" Film Puhlmann ma Elkne Berlin, Schönhauser Allee 148 Heute: Frauen, die nicht lieben dürfen. 7.45 Uhr: Anneliese v. Dessau Deutsches Künstler- Theater 8 Uhr Fauteuil 47 Lustspiel von Louis Verneuil Muster.. DER VERGNÜGUNGSPARK ULAP Heute Sonntag ERNTESCHLUSS FEST! Freibühne 15 Kapellen Das Festprogramm ist RIESENGROSS! Tanz auf der Tenne! Die grosse Preisfrage. RIESENFEUERWERK! 92. Eintritt nur 60 Pfg. M LEHRTER BAHNHOF 12 WINTO BRIEN Rose- Theater im August Varieté größten Stils!( a) 81/4: Der gr. Betrug Gartenbühne: 5 Uhr: Bunter Teil 73/4: Der Soldat der Maria VARIETE Gr. Sittenfilm in 6 Akten mut Ellen METROPO Kurti, Olaf Fjord, Paul Otto usw. Dazu die großen Lustspiel- Schlager und die anerkannt gute Bühnenschau Ab Dienstagi Kokain! ( Dem Laster verfallen?) Olivaer Lichispiele Olivaer Platz 7 Stettiner Sänger Verminie Tödter Dönhoff Brot Saal und Garter Qroßes Familien- Varieté Anf. 3 Uhr, Sonnt. 6 Uhr Die Erlebnisse dreier junger म. Mädchen sowie das hervorragende Beiprogramm 8 Uhr Der internat. AugustSpielplan Zoologisch. Garten Aquarium ( gestatt.) Gate- Sanger Kottbuser Str. 6 Tel. Mpl. 160 77, Täglich S Uhr die konkurrenzlose Revue: Berlin... da kickste! 12 Bilder. Sichern Sie sich im Ververkauf gute Plätze Trabrennen Ruhleben Affen- Sonderschau Montag, den 10. August, nachm. 3 Uhr Tierkunstaustelle Rennen zu Karlshorst Tägl. ab 4 Uhr: Gr.Konzert Wochentags ab Sonntag, d. 9. August, nachm. 8 Uhr 7U abds. 75 Pf. Gr. Berliner Jagdrennen. Ausgl. Neue Welf Arnold Scholz, Hasenheide 108/114 Jeden Sonntag Großes Konzert und Varieté- Vorstellung 35 Künstler Außerdem Großes Riesen- W Kunstfeuerwerk Auf vielseitigen Wunsch: Ausbruch des Vesuv und Gr. Ball Einlaẞ 2 Uhr Anfang 4 Uhr Von der Reise zurück Dr. Nacht Augenarzt, Neukölin. etallbetten Statmatratz Kinderbetten dir. an Priv. Kat, 30A frei. Eisenmöbelfabr.Suhl Thür. 145 CHIC UND BILLIGS HALLER REVUE 1925/26 1m Theater im Admiralspalast ..ACHTUNG! WELLE all 505" Die Revue der Sensationen PREMIÈRE Donnerstag, d. 13. August Pünktlich Uhr! 7 chiller Vorverk. begonnen! AUSSTELLUNG zirka 60 bemalter und vollständig ausgestatteter WOHNRÄUME FARBE Schulgebäude Fürbringerstr. 33 nahe Hallesches Tor UND JULI BIS SEPTEMBER 1925 RAUM Veranstalter: Verb.der Målereigesch. v. Berlin u. d. Vor. Eintritt tägl. 50 Pf. Donnerstags Mark 1.Geöffnet von 10-7 Uhr. TUX ebus celow13 Sonntag 9. August 1925 Unterhaltung unö ÄVissen Seilage öes vorwärts Denn unser ist öas Reich... Schwarz war die Nacht, die la des Maatels Fallen das Schicksal barg und wie der Abgrund lief der Hätz, der gleich den stürmenden Gewalten, uns peitschend durch die Lande lief. Ein Rufen scholl, von Dunkelheit verschlungen: doch tausend Gräber hallten Echo nach. Das wuchs und schwoll und Rlillionen Zungen Bedrückter wurden taumelnd wach. Schwarz war die Nacht! Verzweiflungsschreien gellte! was uns Jahrhunderte belog: Die finstere Defpotenmacht zerschellte. weil sie da» voll und sich betrog. Rot war da» vluk. da»— letzte Schmach und Schande- durch Irrwahn seiger Salnstaaten floh. Blut war der Freiheitsdienst am vaterlande. das der Geringste noch vergoh. 0. dah noch immer an da» Kreuz geschlagen die Helden, die da» Recht der Kreatur als heilig Banner kühn vorangetragea. im herzen wahrer Gottheit Spur und noch im Sterben grob durch ihr Vollbringen. Rot leuchtet ihrer Opfer Schein durch zwei Jahrtausende, die schon vergingen. Ihr Blut soll unflre Farben sein. Gold ist da» Licht! Gold ist da» suuge Tagen, das kämpfend flegt und wolkenaacht durchbricht. Der Morgen kam. der Götze liegt zerfchlageu. auf fahle Trümmer scheint da» Licht. An» Werk, ans Werk! Run heih's im vlorgeugrauea — du Proletar. du mit gelehrter Stirn— vereint das neue, bess're hau» zu bauen: Baumeister alle, doch ein Hirn. Maulwürfe wühlen und Gespenster geifiera erschreckt: Symbole alter Zeit! Die gold'ne Ankunft lacht, sie wird sie meisteru. und Schatten bleibt Vergangenheit. Schwarz war die Rächt, in der die Väter starben. geschmäht, verfolgt und ohne hoffoungsscheiu. Uns das Vermächtnis: Ihre Freiheitsfarbea! Schwarz soll die düfi're Mahnung seiu. Rot war das Blut, der hei he Strom des Lebens der Opfer. Heber ihrem blutigen Mal das Banner steht: sie fielen nicht vergeben»! Rot soll uns glühen als Fanal. Gold ist das Licht! Im Tagesanbruch weichen die Schatten la» Gewesene zurück. Denn uuser ist da« Reich im stolzen Zellen der schwarzrotgold'nen Republik! Otto Meier. Die ersten drei. Den Reichsbannerkameraden zum Gruß. von einem früheren Offizier. Das.Reichsbanner- ist aus der Atmosphäre einer stumpfstnni. gen. hahgeschwollenen Reoanchestimmung der Nachkriegszeit her. ausgewachsen als«ine Frontsoldatenorganisation, deren Feiern und Fest« über den Nebel dieser haßpsychose hinaufragen sollen in die chelle einer im großen Krieg geläuterten Generation. Darum kein Reichsbannersest ohne das Gedenken der zehn Millionen Toten. die hinter uns liegen, ohne den Trommelwirbel und den Trauer- marsch vom.guten Kamerad-'. Drei Tote sind mir in der Erinnerung hotten geblieben be,m Gedenken der ersten Schlacht:-in französischer Oberst, ein deutscher Hauptmann und ein einfacher Soldat. Die Nacht fällt auf uns herab am Paß von Salcee in den vogesen. Di«.Kochkisten- des Gouvernements Straßburg traben eben ins Dorf hinauf und verabfolgen ihre lauwarme Kost an die Kompagnien, die an der Straße stehen, verbrannt von der Hitze, ausgeglüht vor Durst, zerlumpt und zerrauft. Dann stellen sich die Mannschaften zitternd vor Erschöpfung zum Schanzen an: man sticht mit dem Spaten etwas am Boden herum und stürzt dann traftlosoor Müdigkeit aufs Gesicht zum Schlaf. Mitten im Gesechtsfeld. zwischen den flachen Schützengräben der Franzosen, in denen unsere Maschinengewehre aufgeräumt haben, daß die Leichen wie Säcke übereinander liegen, steht unser Regimentskommandeur. Sein Graukopf blickt traurig über da» schaurige Feld. Da tritt der Stabsarzt zu uns und meldet, daß dort drüben, in dem gelben Haus, ein französischer Oberst im Sterben liegt. Wir treten ein. Die Fenster sind noch verbarrika- diert und am Tisch steht noch das Gefechtstelephon. Auf einem Stiohsack in der Ecke liegt der Kommandeur, das Käppi mit den fünf Streifen zur Seite. Auf dem Stuhl am Bett blakt die Petroleumlampe, die das Zimmer mit einem rußig-gelben Licht erhellt. Der Oberst des Linienregiments Nr. vg ist genau so grau- köpfig, genau so untersetzt und doch durch den Gamaschendienst trainiert wie sein deutscher Kamerad— und seine Augen leuchten im Sterben vor Berlangen nach Menschlichkeit. Plötzlich hebt sich dieser schwere, mit dem Tod ringende Mensch in seiner blauen Tunita und den grellroten Hosen, mit der letzten Kraft empor und reicht seinem Besieg« den Degen hinauf. Uns greift die Rührung ans Herz. Uns« Oberst oersteht erst nicht, was der andere will und ich greife schnell nach dem grau überzogenen Säbel, damit ihn d« Sterbende nicht fallen läßt. Die Ereude an der Pose der.«ranäe nstion- erwacht hi« nochmal zum eben, das Festklammern an eine ritterliche Gest« in diesem großen. immer wiederkehrenden Duell und läßt den Kolonel leichter sterben, KI weil es in der deutsch-französischen Geschichte seit Jahrhunderten so war! Und wie der deutsche Oberst dem Alten die 5?and reicht, schießt eine Blutwelle von Glück über den sterbenden Leib.——— In unser.Stabsquartier-, in eine elende Hütte vom Gef feld zurückgekehrt, find« ich auf meiner Pritsche, in Decken Sef«hts. gehüllt. einen Soldaten. D« sieht aus, als ob er schliefe..Sind's mir net bös, Herr Adjutant, der Herr Stabsarzt hat mich eben auf die Matratze gelegt!-— Macht nichts! Schlafen Sie sich aus, bis das Krankenauto kommt!-—„Bei mir rentiert's sich nicht mehr!- — Jetzt erst schaue ich ihm genau« ins Gesicht, das trotz einer beispiellosen Beherrschung eine schwere D«wundung widerspiegelt: „Was soll das heißen: rentiert sich nicht mehr?-—„Weil mir ein Geschoß durch und durchgegangen ist. Ich spürs ganz genau: von vorn bis hint'!-—„Mensch, und da können Sie noch mit mir reden, wie wenn gar nichts wär'?-—„Ja— es geht schwer, ab« es geht.- —„Kann ich dir was besorgen, Kamerad?-—„Dank schön, Herr Leutnant, ich Hab' mein Telll- Ich greife nach seiner Hand und halte sie fest mit hartem Griff. Ja, das war er, der unb.e kannte Soldat! Der stirbt, weil« muß! Der sieht den Tod kommen und weicht ihm nicht aus. Der redet keine tönenden Phrasen und schwenkt keinen Degen wie der Kolonel, der stirbt ganz einfach, als Mann und Kamerad. Er hat sein Leben für die anderen gegeben, ohne Tschinbum und Trara. Und nun ists aus. Mögen die anderen weiterfechten. Er hat seine Sach' getan. Als ich nach einer Stunde wiederkam, war er gestorben, ohne viele Worte, d« unbekannte Soldat.--- D« dritte Tote war der Hauptmann d« 12. Kompagnie. Der hat prächtig mit den Reservisten umzugehen verstanden und als er unter einer Granate zusammenbrach, als anständiger K«l, eine .znims Candida", von Deutschlands Abwehrkampf ehrlich besessen, wie wir alle zusammen dazumal, da packt eine übermenschliche Wut die ganze Kompagnie. Die Reservisten und Landwehrmänner recken sich auf wie utü« einem Peitschenhieb und rennen an den Feind, den Kolben in der Höhe, das Messer in der Faust und un- ausgesetzt brüllend:.Her mit der verfluchten Ardollerie! Ihr habt unsern Hauptmann g'schoisen! Dafür sollt ihr verrecken!" Der Befehl zum Rückzug reiht sie los vom Feind. Sie laden den toten Hauptmann auf einen Handwagen und schieben ihn vor sich her mit rührend« Zärtlichkeit:„Unsern Hauptmann lassen wir net an der Straßen liegen. Der kriegt im nächsten Friedhof aan anstän- diges, gewechtes Grab!" Doch an der Paßstraße steht der Kommandeur und verlangt, daß auf den Handwagen, den ihm ein günstiger Zufall zuweht, das Schwein aufgeladen wird, das der Berpflegungsosfizier eben zur Strecke gebracht hat. Die„Zwölfte" brummt:„Unser Hauptmann liegt unter dem Zelt, da kommt kein Schwein herauf!" Der Major kehrt sich um und brüllt:„Wollt ihr morgen was zum Fressen haben oder eine großartige Leich?— Seid nicht so blöd! Rauf mit d« Sau!" Da» Bataillon tritt an— den Berg hinunter und marschiert schweigend in die Nacht hinein. Sie marschieren und schlafen dabei. Das kann man nämlich. Ueber der Kolonne ab« hocken die Gesichte d« letzten Tage: Das Schlachtfest der deutschen Maschinengewehre unt« d« französischen Infanterie, der tote Oberst, der tote Haupt- mann und der unbekannte Soldat. Sie schrecken auf bei jeder Marschstockung und stoßen die Gesicht« auf die Feldkessel des Vorder- manns und fluchen auf die Nacht und den Krieg. Ihre Nasen aber riechen das Quart!« hinten im Weilertal wie einen Geruch von Weißbrot, Wein und Weib. Vor ihnen her rollt unt« der Zeltbahn der tote Hauptmann und das Mutterschwein, gezogen voy zwei todmüden Soldaten. Als sie ins Tal kommen, ins erste Dorf, stellen sie den Wagen schwei- gend vor die Mairie und folgen mit der letzten Kraft der Nachspitze des Bataillons.„Den einen wird man wohl begraben," so denken sie,„und das Tier wird man fressen."— Das ist der Lauf der Welt! Was sollen wir den Toten schleppen, wenn wir Lebende vor Jammer verrecken!"——— Und dann ging dn Marsch weiter, vi« Jahre lang, durch eine unendliche Nacht. Nechts und links der Straße folgen sich die Schlachten und die Gefechte und die Totenkreuze des Regiments sammeln sich an bis auf 3000 Stück.--- Die Zeit ist drüber hinweggegangen. Und Reichsbannertrom- mein rassdln über dem großen Massengrab. Die Toten aber liegen draußen, verfault und zerfressen und träumen von uns, dem neuen Geschlecht: der Hauptmann, der Kolonel und d« unbekannte Soldat. Der Weg nach Weimar. In den Festtagen der Verfassungsfeier ist es mehr als ange- bracht, den Blick nicht nur auf die gegenwärtige Verfassung zu richten, sondern auch zurückzuleiten in die Geschichte, um von dort aus abmessen zu können, welchen Wert und welche grundlegende Veränderung für da� Leben des deutschen Volkes die Weimarer Ver- fassung bedeutet. Wer heute den wohl inzwischen für das republi- konische Staatssystem entschiedenen Kampf zwischen Republikanern und Monarchisten verfolgt hat, der hat sich vielleicht gelegentlich der Frage des allen Fritz erinnert, die er in seinem„Antimachiavell" aufwirft: warum die Völker stets die republikanische Staatssorm erstreben, und die er beantwortet, indem er sagt:„Es ist besser, den eigenen Gesetzen zu gehorchen, als den Launen eines Fürsten." Und von diesen Gedankengängen waren die Verfassungskämpse getragen, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts das deutsche Volk ergriffen. Zweierlei fundamentale Ereignisse hatten den Anstoß gegeben: das erste waren die Ideen der sogenannten großen franzö- sischen Revolution gegen Ausgang des 18. Jahrhunderts. Diese Ideen forderten nicht nur soziale Rechte und verfassungsmäßige Mit- arbeit des bis dahin gänzlich unabhängigen Bürger- und Bauern- tums, sondern sie brachten auch den nationalen Gedanken in der Form, wie wir ihn heute kennen, zum Ausdruck und stellten ihn bewußt dem bis dahin geltenden Grundsatz, daß Staat und Volk Eigentum der Fürsten seien, entgegen. In der deutschen Literatur fanden die französischen Ereignisse zuerst ihren Niederschlag. Die Geister wurden aufgerüttelt und gebunden. Als im Jahre 180Y dann unter den Schlägen des französischen Eroberers das alte„heilige römische Reich deutscher Nation" zusammenbrach, als im darauf- folgenden Jahre Napoleon ganz Deutfchland sich unterwerfen konnte unii es zum Teil in französische Provinzen verwandelte, da brachen die nationalen Ideen, die die französische Revolution einst geboren, in geläutert« Form im ganzen deutschen Volk sich Bahn. Der Wunsch nach einer Befreiung Deutschlands von Napoleons Herrschaft ward innig verbunden mit der Sehnsucht, im Anschluß an diese Befreiung ein einiges deutsches Reich zu schaffen. Die Erneuerung des Staates ging nicht von oben aus, sondern kam vom Volke. Bc- zeichnend ist, daß Friedrich Wilhelm III. in den Tagen, da die deutsche Jugend sich zum Befreiungskampf schon sammelte, auf den Vorschlag, Freiwillige aufzurufen, antwortete:„Ganz guter Ge- danke, wird aber kein« kommen." Noch bezeichnender, daß damals weite Kreise des sehr einflußreichen Adels sich gegen die allgemeine Wehrpflicht, wie man sie zur Durchführung d« Befreiungskriege be- nötigte, sträubten mit der Behauptung, daß dadurch das Volt zur, Revolution und zu bewaffnetem Vorgehen gegen die Regierung auf- gefordert würde! Die Befreiungskriege waren nicht ein Werk der Fürsten, sondern ein solches der Völker, die zu gleicher Zeit um die Befreiung von der Fremdherrschaft und um eine Neuordnung der Regierungsoerhältnisse in den einzelnen deutschen Staaten und dar- über hinaus für die Wiedererstehung eines einheitlichen Deutschlands kämpften. Die Freiheitskriege gingen siegreich aus, aber die zu Beginn des Krieges gemachten Hoffnungen auf liberale Verfassungen, auf Heran- ziehung des Volkes zur Mitarbeit in der Regierung, wurden ebenso enttäuscht, wie die Vorstellung von einem einheitlichen deutschen Reich. Der deutsche Bund war das Ergebnis des Wiener Kongresse«, üb« dessen Verlauf und Gestalten die besten Deutschen damal»«tsetzte Urteile abgegeben haben. Wie d» Wiener Kongreß bie Grundlage geschaffen hat, um jede wirklich nationale, jede frei-| heitliche Regung im deutschen Volk zu lähmen und niederzuhalten, so hat die Frankfurter Nationalversammlung des Jahres 1848 die teen vom deutschen Volk und vom nationalen deutschen Staat gerettet und vielleicht grundlegend auch noch für unsere heutige Zeit geschaffen. Es ist beliebt, die Frankfurter Nationalversammlung, die in der Tat während ihres Bestehens feine praktischen politischen Erfolge erzielen konnte, spöttisch als ein Professoren- Parlament abzutun und sie als das typische Beispiel für den nichtsnußigen demo-. fratischen Parlamentarismus hinzustellen. Dabei wird übersehen, daß die große historische Tat, die die Frankfurter Nationalversammlung geschaffen hat, nicht nur in ihrer Existenz selbst besteht, sondern barüber hinaus in der Verfassung, die sie dem deutschen Volke bringen wollte. Denn diese Verfassung ist die Grundlage aller weiteren deutschen Verfassungen geworden. Das Wahlrecht der Frankfurter Nationalversammlung, das allgemeine gleiche und geheime Wahlrecht, wurde die Grundlage der Wahlrechte der Berfassung des norddeutschen Bundes und des Reichstages. Bismart hat die Verfassung des norddeutschen Bundes und des deutschen Kaiserreiches auf der Frankfurter Verfassung aufgebaut, allerdings indem er sorgfältig alle demokratischen Grundgedanken, wenn auch nicht immer dem Wortlaut nach, so doch in der Tat, beseitigt hat. Und auch die Verfassung von Weimar baut auf jenem Verfassungsentwurf der 48er auf, insbesondere der Abschnitt„ Grundrechte und Grundpflichten" enthält viele Teile des Frankfurter Entwurfes. Ganz abgesehen von formalen Anlehnungen aber trägt die Weimarer Verfassung den Geist der Paulskirche in sich. Die Ideen, die damals die Besten des Volkes zur Arbeit für den nationalen Staat unter Schwarz- Rot- Gold hinriffen, sind die Grundideen der Weimarer Verfassung: Sie will durch Auslösung aller guten Kräfte des deutschen Bolkes und deren Zusammenfassung den großdeutschen fozialen und nationalen Voltsstaat schaffen und sichern. Im Lande der Kopfjäger. ( Sonderbericht des Vorwärts".) Bon Richard Huelsenbed. In den Bergen Formosas gibt es Wilde, die fich ein Vergnügen daraus machen, ihren Mitmenschen die Köpfe abzuschneiden. Diese Berge find von einer dunklen Großartigkeit. Sie ragen fteil aus dem Meer und ihre Gipfel sind von dichtem Schnee bedeckt. Die Wilden Formosas steigen nicht von ihren Bergen herunter, und die Japaner, die Kolonisatoren des Landes, denken nicht daran, über das Weichbild ihrer Städte und den engen fultivierten Landstrich der Küste hinauszugehen. Was würde ihnen eine verlustreiche Eroberung dieser Bergriefen nügen? Beide Parteien verharren Gewehr bei Fuß. Das heißt, die eine Partei hat nur Tomahawks und Spieße. Die Wilden gehen ihrem merkwürdigen Gewerbe in Gebirge nach, und die Japaner hüten ihre Reis- und Zuckerkulturen an der Küste. Es bleibt nur ein Gefühl des Unheimlichen, wenn man in die blauen Schatten der Felsen sieht. Da irgendwo führen sie Kriegstänze auf und hier in Tatao fizzen sie hinter der Schreibmaschine und tippen ihre Geschäftsbriefe. Es gibt in Tatao Geschäftshäuser, Banken und Bostämter. So gar einen Aussichtsturm, der einem als letzte zivilisatorische Errungenfchaft sogleich gezeigt wird. Eine Schnellbahn verbindet Tatao und Tainan. Man fährt durch Reisfelder und Zuckerplantagen. Zuder ist hier ber Haupterportartikel. Man sieht die Kulis mit breiten Basthüten, wie sie die Zuckerstauden in die Waggons verladen. Vor dem Kriege verdiente ein Kuli 30 Sen am Tage. Das sind etwa 50 Pfennig. Damit lebte er aber vergnüglich und zufrieden. Nach dem Kriege hat sich auch hier viel geändert. In Japan gibt es eine große Arbeiterfonföderation, der zahlreiche Kulis angeschlossen find. Sie arbeiten wie andere Arbeiter nach Tarif, und die Zeit, in der man sie wie Tiere behandeln konnte, ist endgültig vorbei. Tainan hat einen Marktplatz mit einem Denkmal. Dieses Dentmal stellt einen schlizäugigen General vor, der irgendeiner Heldentat Verkäufe wegen hier verewigt worden ist. Das Denkmal gilt als großer zipi lisatorischer Fortschritt. Man geht sich müde in den engen Straßen. Die Häuser sind einstöckig und zierlich wie Vogelkäfige. An Stelle des Fensterglases gibt es geöltes Papier. In den Läden fizen die Verkäufer mit untergeschlagenen Beinen auf dicen Bastmatten. Die Frauen in ihren zierlichen Kimonos hüpfen wie Vögelcheen. Wir haben die Wilden in den Bergen lange vergessen und sind in den Anblick der zarten Mädchengesichter vertieft. Die Japanerinnen sind bescheidene Wesen. Sie drücken Entgegenkommen in jeder Geste aus. Sie wissen noch nichts von Feminismus dazu sind sie zu sehr Frauen. Sie trippeln auf merkwürdigen hölzernen Stöckelschuhen. In einem weiten Ueberwurf tragen sie ihre Kinder auf dem Rücken. Die Kinder spielen auf den Straßen wie bei uns. Sie rufen sich und jagen sich wie bei uns. Aber es gibt nichts Reizvolleres als so ein vierjähriges japanisches Mädchen. Die Mütter sind zierlich und fein aber diese Kleinen sind das Puzigste, was man sich vorstellen tann, mit ihren Kimonos, die ihnen viel zu groß zu sein scheinen, ihren starren schwarzen Haaren und den ernsthaften Marzipangesichtern. Wenn man sich an allem Neuartigen müde gesehen hat, pfeift man nach einer Rifscha. Das sind die berühmten Wägelchen, die von Kulis gezogen werden. Man kann sich in Tainan durch den Stadtpark fahren lassen, der nächst dem Denkmal die größte Sehenswürdigkeit der Stadt darstellt. Wenn man über Rasen und Beete wegsieht und die Augen halb schließt, fönnte man denken, in einer deutschen Stadt zu sein. Aber dann geht dort plöglich ein feierlicher Mann, barhäuptig, in langen Kimonos. Er liest ein Buch und bleibt von Zeit zu Zeit finnend stehen. alle Gedanken an Das ist eine durchaus erotische Erscheinung die Heimat schwinden dahin. Wie ungefährlich ist dieses von Kopfjägern bevölkerte Formosa. Wir fahren in der Schnellbahn nach Tata o zurück und entdecken einen regelrechten Speisewagen. Das nennt sich Tai Wau Rail: way Dining Car. Hier gibt's normale hochzivilisatorische Beefsteats und ein gutes Glas heißen Tee. Goethe über Berlin und die Berliner. | fammenhänge werden erschöpfend in einem demnächst im LeopoldKlog- Berlag zu Botha erscheinenden Wert Goethes Berliner Beziehungen" von Eva Arnhold dargestellt. Hier tritt auch die aus einer gewissen Abneigung und Bewunderung gemischte Stellung des Dichters zu der werdenden Großstadt deutlich hervor. Eine ,, flare prosaische Stadt" nennt er einmal Berlin, und er hat selbst erwogen, wie anders sich sein Leben dort gestaltet haben würde als in IlmAthen. Ueber sein Verhältnis zu Herder und Wieland schreibt er einmal:„ Um das oft gebrauchte Gleichnis, daß wir zu nah aneinanderstehende Bäume gewesen, beizubehalten, wenn jene Verstimmungen mich hinderten an Ausbreitung, so trieben sie mich desto mehr in die Höhe. Jeder von uns hätte eines eigenen abgeschlossenen Kreises für sich bedurft; in einer großen Stadt, z. B. in Berlin, hätten wir ihn gefunden, während wir uns hier durchkreuzten." 99 Die Berliner nennt er einmal einen„ verwegenen Menschenschlag" und spricht von der„ Schärfe Berliner Zungen". Sie imponierten ihm aber doch und er hatte viel Sinn für den Berliner Humor. Noch ein Jahr vor seinem Tode ließ er sich die bekannten Dörbeckschen Zeichnungen nach Berliner Redensarten zeigen und fagte zu Förster:„ Mich freut es immer, wenn ich wo auf Nationalität treffe, selbst auf eine rohe, wenn sie nur erfindungsreich ist. Die Berliner Sprachverderber sind doch auch zugleich die einzigen, in denen noch eine nationale Sprachentwicklung bemerkbar ist; 3. B. Buttertreppenkellergefalle, das ist ein Wort, wie es Aristophanes nicht gewagter hätte bilden können, man fällt ja selbst mit hinunter, ohne auch nur eine Stufe zu verfehlen." Freund Zelter versorgte ihn immer mit den neuesten Berliner Wizen und Geschichten und wußte, daß er an ihm das dankbarste Publikum fand. Zelter konnte ihm aber auch mitteilen, daß troz der scharfen Kritik, die von Berlin an seiner Persönlichkeit und seinen Werken geübt wurde, doch die Bin ich doch von Verehrung für ihn immer allgemeiner wurde. Jugend an in der Welt gewesen, in Berlin und sonst im Vaterlande umher," schreibt Belter 1829, und habe nirgends so viel Neigung und Anerkennung des Guten, was von Weimar über Deutschland gekommen ist, gefunden als eben in meiner Baterstadt, wo einer gegen euch 100 gegen sich hatte. Hiesige Bürgersleute, Handwerksgesellen rühmen sich, vor Deinem Hause in Weimar gestanden zu haben, um Deinen Kragen oder einen Zipfel Deines Kleides mit Augen zu erwischen. Deine Büste, die von Schiller und unserem Könige stehen überall in allen Größen und Formen auf Spinden und Konsolen der geringsten Wohnungen. Die Gipsgießer tragen sie den ganzen Tag mit Geschrei durch die Straßen. Alle drei Büsten taufst Du um sechs Silbergroschen, und wer sich aufs Handeln legt, hat sie wohl noch billiger." Goethe fonnte mit Recht sagen, daß er, Goethe ist nur ein einziges Mal im Jahre 1778 eine Woche in auch ohne Berlin zu betreten, über die dortigen Verhältnisse genau Berlin gewesen, aber er hat in seinen späteren Jahren an der unterrichtet war. Mit Berliner Besuchern sprach er über das dortige wachsenden preußischen Hauptstadt den regsten Anteil genommen Leben„ bis tief in die Nacht", und man fonnte ihm nicht genug davon erzählen. Als gar sein Sohn begeistert von einer Berliner und vielfache Beziehungen zu dem überlebendigen Berlin" unterhalten, wie er es einmal nennt. Ja, er blickte auf das Treiben in Reise zurückkehrte, da brachte er ihm einen Plan von Berlin mit. dieser großen Residenz", die nach unseren Begriffen damals freilich" Den muß ich mit ihm studieren und durch alle Straßen laufen, erzählte Goethe Parthen, und bei jedem Hause, wo ein Freund noch faum eine Mittelstadt war, mit einem gewissen Grauen aus seinem stillen Weimar hin, und dies mag legten Endes der Grund wohnt, wird ein Kreuz gemacht mit roter Tinte. Und dann spricht er mir von großen Plägen, wo das Schloß steht und das Opernhaus, gewesen sein, weshalb er den immer dringlicher werdenden Einladungen seiner Berliner Freunde nicht folgte und die Hauptstadt und wie herrlich das alles sei." Zu den köstlichsten Dingen, die ihm aus Berlin tamen, zählte der alte Goethe aber allerlei Delikatessen, nicht besuchte, obwohl bereits verschiedentlich Vorbereitungen getroffen waren. Der nächste Freund seines Greifenalters, Belter, mit denen ihn seine Berliner Freunde versorgten, besonders die bat ihn immer wieder, und mit ihm wetteiferte ein anderer Beföstlichen Teltower Rübchen", und als er einmal einer anmutigen Berlinerin gegenüber zwei Dinge in Berlin tadelte:„ Unter den kannter, der Staatsrat Schulz, der sich auch bereits mit dem StaatsLinden Staubwolfen und am Himmel Regenwolken", da drohte fanzler Hardenberg und dem Minister von Altenstein darüber verständigt hatte, daß man dem großen Gast gar keine Schwierigkeiten diese, man werde ihm keine märkischen Rübchen mehr schicken und machen und sogar die Reisekosten ersehen wolle, wenn er ein Gut- ihn durch diese„ Lockspeise" gewiß nach Berlin ziehen. achten über das Berliner Kunstwesen abgebe. Goethe aber wich im legten Moment immer wieder aus, auch als Graf Brühl ihn zur Wiedereröffnung des Schauspielhauses einlud und sich sogar schon das Gerücht verbreitet hatte, Goethe sei bei der Feier anwesend. Wenn er es auch selbst nur ganz flüchtig gesehen, so haben doch Berlin und die Berliner im Leben Goethes eine große Rolle gespielt. Von hier nahm die eigentliche Goethe- Berehrung durch die Romantiter ihren Ausgang; er ist auf den Berliner Theatern als Bühnendichter eingeführt worden, hat an Berliner Zeitungen und Beitschriften mitgearbeitet, zu Berliner Künstlern, Staatsmännern, Gelehrten und Frauen in naher Beziehung gestanden. Alle diese ZuFahrräder Berleih Pianos, 200 Anzahlung, 50 monatDon Gesellschafts- Anzügen. Ihle Möbel Fabriklager, FriedrichRofenthalerstraße 4. ftraße 246. Schweres Herrenzimmer, lich. Garantieschein. Mäßige Preise. Leihhaus Friedrichstrake 2. Gelegen- reich geschnikt, 1,60 breit, Eiche, Diplo. Serer, Vallasstraße 9, am Sportpalast. Raumann- Rähmaschinen für Sausgeheitstäufe: Herrengarderobe, Belzwaren, mat mit gestochener Blatttante, schwerer, runder Tisch, 2 Rindlederstihle und brauch und Gewerbe. Teilzahlung. 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Rein", antwortete einer der Jungen schüchtern, aber wir haben gestern ein paar Krokodile im Fluß gesehen." Wäscherei Mar Snpniewski, Röpenid, 1 Fernsprecher Röpenick 956, Raulsdorferftraße 2b, wäscht und plättet Haus und Leibwäsche, trocknet im Freien, Bezug 0.30, Laken 0.25. Abholung Montag, Dienstag. 11345 Speifezimmer, 1,60, Ciche preifen. Kleine Anzahlung, bequem fte Vermietungen Jhle Möbel Fabriklager, Friedrich mit Mahagoni, Büfett mit Facette gläsern, handgeschnitte Nußbaum- Maserung, 295. Linienstraße 65! Herrenräder, Damenräder, Rennmaschinen zu EinführungsTeilzahluna. Schachmann, Linienftr. 65. Dürkoppfahrräder. Berkaufsstelle: Pension Klein- Tirol", Grund- Mohorn Raifer Auf Abzahlung. Herrengarderobe, Knoch, Gneisenaustraße 111. Günstigste i. S. Ab 2. Auguft einige Rimmer frei. Bolle gute Verpflegung. Genosse Damengarderobe, Gummimäntel, GarBedingungen. Möbel wirklich auffallend billig auf Stores, Sohlleber, Schäfte, Leisten usw. preis- dinen, Bettwäsche, Inlette, 5. 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