Nr. 375 42. Jahrg.( f) bodi Ausgabe A nr. 192.c Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlic 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt onsdelacion 04 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5- Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zuläffia awei fettgedrudte Worte). fedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig. jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch Staben zählen für zwei Worte. 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Sie beantragte, über alle Abänderungsanträge der Opposition zu Tagesordnung überzugehen. Eine weitere fachliche Beratung und Beschlußfassung über die Zollvorlage wurde durch diesen Gewaltstreich unmöglich gemacht. Als Protest gegen diesen Gewaltatt perließ die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Sigung des Reichstage. Zur Begründung dieses Schrittes gab Genosse els im Namen der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion folgende Erflärung ab: „ Wir Sozialdemokraten haben ein starkes Gefühl für die Würde des Parlaments. Während der letzten Wochen hat die Partei das wiederholt ausgesprochen und sie hat sich mit hingebung aller Kräfte der vielen Aufgaben unterzogen, die dem Parlamente in der letzten Zeit gestellt waren. Ernste und fachliche Arbeit ist von uns bisher unter den fchroierigsten Verhältnissen und sogar unter der Verhöhnung der Rechtsparteien geleistet worden ( Sehr wahr! links). Uns ist Demofrafie etwas Heiliges. Hier findet jetzt teem moeine Entwürdigung der Demokratie ftatt. Was hier verfolgt wird, ist feine ernsthafte Beratung, das ist das wirken einer stumpfsinnigen Maschinenpolitik. Hier herricht rüdsichtsloser Machtwillen, der darauf hinausgeht, die Lasten des Weltkrieges auf die Schultern der breifen Boltsmaffen abzuwälzen, die schon die schwere not des Krieges und der Inflation zu fragen gehabt haben. Man mutet uns zu, diese Gesetzesvorlage, die so fief in die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Boltes eingreift, in wenigen Tagen zu verabschieden, nur weil das Haus angeblich nicht länger zufammenzuhalten ist. Für uns ist das fein ausreichender Grund, die Pflicht des Parlaments, forgfältige Arbeit zu leisten, außer acht zu laffen; um so mehr halten wir an unserem Standpunkt feft, als die Annahme des Zollgefehes von Ihnen( nach rechts) feibst als ein Schrittins Ungewisse bezeichnet wird. Angesichts Ihrer gewaltsamen Pläne tönnen wir jeht nur erklären, daß Sie( nach rechts) vor aller Welt die Verantwortung allein tragen wollen für diese Gesetzesvorlage. Die Sozialdemokratische Fraktion wird sich an der Fertigstellung dieses Gesetzes nicht beteiligen.( Lebhafter Beifall bei den Soz.)." Nach dieser Erklärung des Genossen Wels verließen die Sozialdemokraten geschloffen den Saal. Einige Demokraten schlossen sich ihnen an. Ueber dem Saal lag eine lähmende Stille. Kein Zuruf wurde laut. Nach einer Erklärung des Kommunisten Koenen vollzogen auch die Kommunisten ihren Auszug. Links vom Mittelgang faß nur noch eine schmale Reihe von Demokraten. Fast der halbe Saal war leer, das Bild eines Rumpfparla ments trat eindrucksvoll in Erscheinung. Die Stimmung der Mehrheit war sichtlich tief gedrückt. Sie sant noch tiefer, als Graefe für die Bölkischen seine Bedenken gegen das Vorgehen der Mehrheit aussprach, Koch den Protest der Demofraten gegen die verübte Rechtswidrigfeit anmeldete. anMit ihrer Erklärung und ihrer Tat hat die sozialdemofratische Reichstagsfraktion gegen das Vorgehen der Mehrheit in der denkbar schärfsten Form Berwahrung eingelegt und vor dem ganzen Bolte Anflage erhoben. Das war die Antwort auf die unerhörten Gewalttaten der 3ollmehrheit, die im Verlaufe der Bollberatungen Gewalt auf Gewalt gehäuft hat. Ueber die Gesinnung dieser Zollmehrheit war längst fein Zweifel mehr. Sie wollte nicht die ordnungsgemäße Erledigung der Zollvor Tage, wie es dem Geifte der wahren Demokratie entspricht. Sie wollte die Unterwerfung der parlamentarischen Opposition, die Unterwerfung des ganzen Volkes unter den brutalen Diktatwillen eines engen Gruppeninteresses. Diese Zollmehrheit, die Bertreterin egoistischer Bestzintereffen gegen die Interessen des Volkes und der deutschen Volkswirtschaft hat gestern am Ende der Einzelberatung eine äußerste Gewalttat zu ihren bis herigen Gewalttaten gefügt. Sie hat einen Antrag eingebracht über alle Abän. derungsanträge zu den§§ 1-7 der Zollvor lage zur Tagesordnung überzugehen. Sie hat den Willen der Opposition zur fachlichen Mitarbeit, den Bersuch, diese Zollvorlage nach Möglichkeit zu verbessern, unmög. lich gemacht. Sie wollte die Opposition ausschließen von der verantwortlichen Teilnahme an der parlamentarischen Arbeit. Nach der Annahme dieses Antrages blieb nur noch übrig, die Vorlage der Interessenten und der sie unterstützenden Regierung en bloc anzunehmen- ohne Abänderung einschließlich des berüchtigten verfassungsändernden§ 3a, der der Regierung die Ermächtigung gibt, in der deutschen Zoll- und Handelspolitik zu diktieren nach ihrem Gutdünken. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion konnte die Berwirklichung dieses Willens nicht mehr verhindern. Jezt galt es, vor dem ganzen Bolte zudemon strieren, daß dieser Beschluß der Zollmehrheit ein Att der Gewalt, ein Schlag ins Gesicht der arbeitenden und verbrauchenden Massen in Deutschland ist. Jetzt galt es die Stimme der Empörung und des Protestes lauter zu erheben als es durch die Abgabe des Stimmzettels gegen den Diktatwillen des Zollblocks möglich ist. Die stärkste Fraktion hat geschlossen das Parlament verlassen. In ihrer Abwesenheit hat eine Mehrheit von Interessenten den Triumph eines engen Gruppen= interesses über das nationale Wirtschaftsinteresse zum Gesetz erhoben. Dieser Schritt zeigt dem deutschen Volke, daß die Zollmehrheit des Reichstags wahrhaft demokratische Gesinnung, die Sorge um die Wohlfahrt der Maffen des Boltes, um die Zukunft der Wirtschaft brutal unter die Füße getreten hat. Der Schritt der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ist wahrhaft demokratischer Gesinnung, der Liebe zum Geist der Herr Fehrenbach hielt für die Mehrheit eine Ber- Demokratie und der demokratischen Verfassung entsprungen. teidigungsrede, die wir aus diesem Munde lieber nicht gehört Denn die Gewalttat der Zollmehrheit bedeutet nicht nur einen hätten, obwohl sie gerade nicht übermütig flang. Gedämpft, Anschlag gegen die Lebensinteressen des Volkes, bedeutet nicht fast seelisch versuchte der einstige Reichstagspräsident nur den Sieg wirtschaftlicher Unvernunft sie ist der Aus. ders als der gegenwärtige, der Genosse Löbe, der vom Bräfluß einer reattionären politischen Gesin. fidentenstuhl aus auf das Bedenkliche des Vorgangs hinge nung, die mit dem Geist der Demokratie nichts mehr zu tun wiesen hatte das Verhalten der Mehrheit zu begründen. hat. Jawohl, der Zollblock hat eine Mehrheit im Parlament, Nur an einer Stelle wurde Herr Fehrenbach etwas lebhafter, aber er hat diese Mehrheit in den Wahlen nicht erkämpft, inals er sich gewohnheitsgemäß mit einer Geste an die Linte dem er seine Zollpläne offen als Programm gestellt und um wandte und fein Blid auf leere Bänte stieß. Da wurde sie gekämpft hat. Er hat diese Mehrheit in den Wahlen geaufleere auch ihm bewußt, daß der Reichstag zum erstenmal in feiner wonnen mit einer Politit des Betruges und der Hinterlist. Er Geschichte durch das Verfahren, das er matt verteidigte, zu hat nicht gewagt, offen im Plenum des Reichstags seine Bolleinem Rumpfparlament geworden war. pläne zu begründen und um sie zu fämpfen. Er hat in der Wahl die Mehrheit gewonnen durch einen Volksbetrug im großen Stile. Er hat im Parlament mit brutaler Gewalt die Interessen der hinter ihm stehenden Gruppen durchgesezt, indem er die Mitwirkung der Opposition in der Gesetzgebung bewußt ausschaltete, An der Abstimmung, in der sich dann die Mehrheit für die Abwürgung aller Anträge der Opposition entschied, nahmen die Demokraten zum Zeichen ihres Protestes nicht teil. Bom Zentrum blieben mehrere Abgeordnete, unter ihnen Joos und Lammers fizen. Dieser Schritt der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ruft dem deutschen Wolfe zu: Hier ist ein Anschlag gegen den Geist der demokratischen Verfassung! Ein formeller Vorstoß gegen die Vorschriften der Verfassung, da eine einfache Mehrheit des Reichstages der Regierung ein Ermächtigungsgefez in die Hand geben will, das eine Berfassungsänderung darstellt, ein Vorstoß gegen den Geist der Verfassung durch die Mundtotmachung der Opposition, durch ihre Ausschaltung von verantwortlicher parlamentarischer Art eit. Ungewöhnliche Gewalttat der Zollmehrheit des Reichstags hat den ungewöhnlichen Schritt der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hervorgerufen. Vergewaltigt im Parlament durch eine brutale, bedenkenlose reaktionäre Interessenpolitif, wendet sich die stärkste Fraktion des deutschen Reichstags an das ganze Bolt. Sie ruft nicht nur zum Protest, sie ruft zum Kampf. Dieses Gesetzgebungswert, das auf dem Wege eines Diftates der Mehrheit des Reichtages entstanden ist, darf nicht von Dauer sein! Um dieses Gesetzgebungswert wird weiter gefämpft werden, trotzdem die Mehrheit des Reichstages es beschlossen hat. Nun gilt es den Kampf gegen die reaktionäre politische Gesinnung, die diese Zollvorlage und diese Gewalttat der Zollmehrheit hervorgerufen hat. Nun gilt es den Kampf gegen die reaktionären Parteien und gegen die Rechtsregierung, die als Organ der Zollintereffenten funktioniert hat. Nun gilt es den Kampf der bedrohten Arbeiter- und Verbrauchermassen. Eine schwere Krise, Not und Entbehrung droht im Gefolge dieser Gesetzgebung. Die sozialdemokratische für das was fommt ist das er Bollmehrheit. Reichstagsfraktion ruft den Massen des Volkes zu: Ursache für das was tommt ist das Dittat der wirt. fchaftlichen Unvernunft der 3ollmehrheit. Ihr müßt euch zur Wehr sehen. Kämpft gegen den Versuch, eure Lebenshaltung herabzudrücken! Ihr dürft euch nicht ver elenden lassen! Die Zollmehrheit hat den Kampf gewollt, die Verantwortung für die kommenden sozialen Kämpfe ruht auf dieser Mehrheit. Die Zollparteien des Reichstages haben den Bogen bis zum äußersten gespannt. Die Demonstration der sozialdemo kratischen Reichstagsfraktion ist die Antwort. Sie ruft dem ganzen Volte zu: Der Kampf ist nicht zu Ende. Er entbrennt erst recht. Er wird fortgesetzt werden bei der Beratung der großen endgültigen Zollvorlage. Er wird neu entbrennen bei der Debatte um jeden handelspolitischen Schritt der 3ollregierung, bei jedem Versuch, von der verfassungswidrigen Ermächtigung Gebrauch zu machen. Dieser Kampf wird nicht enden, bis eine neue Entschei bung des Volkes die Abrechnung mit der Intereffen diktatur und der Politik der Gewalt bringt! Die entscheidende Sihung des Reichstags. Bor dem Gewaltstreich der Zollmehrheit wurde die Aussprache zur zweiten Lesung der Zollvorlage zu Ende geführt. Abg. Krähig( Soz.): Die deutsche Tertil- und Bekleidungsindustrie, in der etwa zwei Millionen Menschen erwerbstätig sind, muß mit der größten Sorg falt behandelt werden. Was aber die Regierung mit den Tertil. zöllen vorschlägt, muß die Existenz dieser Industrie bis zur Unerträglichkeit erschweren. Das volkswirtschaftliche Ziel müßte sein, den Export fonfumfertiger Waren für die Verbraucher zu fördern. Das hat aber zur Vor auslegung, daß der Exportindustrie bei der Lieferung der Bor produkte alle nur denkbaren Produktionserleichterungen ge geben werden. Die Zollvorlage geht den umgekehrten Weg, fie sorgt am meisten für die Produktionsgruppen, die dem vollendeten Wian gewährt den Brodutt am entfernteft en stehen. Spinnern hohe Garnzölle, damit sie ihre Lasten auf die weiter. verbrauchenden Industrien abwälzen können. Die Behauptung, daß die Webereien mit den höheren Garnzöllen einverstanden sind, ist unwahr. Sie haben sich alle dagegen aus. gesprochen, mit Ausnahme der Webereien, die eigene Spinnereien haben oder Konzernen mit Spinnereien angehören.( Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Garnzölle follen nur dazu dienen, um die reinen Webereien niederzufonkurrieren und die Existenz der hochwertigen Exportwarenbetriebe zu erschüttern. Das ist keine Gesundung unserer Wirtschaft, das ist eine Protettionspolitit für da« Kapital zum Schaden der Arbeiter. Wir sind aber fest davon über- zeugt, daß auch hier wieder der Tag kommen wird, wo d i« M e h r> hei't des Volkes auf unserer Seit« stehen wird und wir werden dafür Sorge tragen, daß wir so bald wie möglich mit dieser Politik abrechnen können. sLebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Kenzler(Komm.) wendet sich gegen die Automobil- Zölle. Abg. Varlschat(Dem.) führt au», da, Handwerk werde auf das schwerste geschädigt durch die Verteuerung der notwen- digsten Rohstoffe im Zolltarif. Dann wendet sich das Haus der Besprechung der Ueberganiu,. Vorschriften, des Ermächtigungsparagraphen und der sozialen Bestimmungen der Vorlage zu. Abgeordnete Frau Sender(Soz.): Das Verhalten der Mehrheitsparteien wird draußen als sym- bolisch dafür eingesehen werden, in welcher Weis« die durch die Opposition vertretenen Volksinteresien niedergehalten werden sollen. Sie sind nur deshalb auf den Boden der Erfüllungspolitik getreten. weil Sie meinen, die Lasten auf die breiten Masten abwälzen zu können. Sie(nach rechts) halten es nicht einmal für nötig, Ihre eigenen An- träge zu begründen. Alle Preise sollen erhöht werden, nur die Preise der Ware Arbeitskraft will man auf ihrem bisherigen Stande erhalten. Dazu kommt der Wunsch nach Wiederherstellung der Vorkriegsarbeitszett und der Abbau der so- zialen Gesetzgebung. Wo war denn bisher Ihre(nach rechts) sachliche Arbeit. Sie oerlangen, daß ein Kompromißantrag. der am Sonnabend erst fertiggestellt wurde, am M o n ta g de- reits erledigt werden soll. Wir wenden uns ganz entschieden da- gegen, daß der Reichstag dadurch ausgeschaltet wird, daß man der Regierung die Ermächtigung zu eigenem Vorgehen erteilt. Wir haben noch nicht einmal erfahren, wann die angekündigten Einfuhrscheine wieder eingeführt werden sollen. Sollten sie wieder- kommen, dann dürfen sie nur zur Einfuhr von Getreide verwendet werden. Mit dem Trostpreis für Sozialhilfsbedürftige werdep die Rechtsparteien keinen Eindruck bei der Bevölkerung machen. Diese verkoppelung von Wucher und sozialer Fürsorge halten wir für unverantwortlich. Wir haben nachgewiesen, wie ichon die Agrarzölle sich auf die Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung auswirken werden. Die Sprach« des Zolltarifes wird draußen d e u t l i'ch v« r st a n d« n werden. Die Klassengegensätze werden sich verschärfen und dann wird das Gericht über Ihre Po- litik abgehalten werden.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. VreHscheid(Soz.): Wer die bisherige Debatte mit objektivem Blick verfolgt hat. wird nicht behaupten können, daß der Geschäftsordnungsantrag der Rechtsparteien auf Beschränkung der Redezeit sachlichen Grün- den entsprungen ist. Es hat sich mit aller Deutlichkeit herausgestellt. daß es unmöglich ist, auch nur da» Notwendigste in dieser kurzen Zeit zu dieser Vorlage zu sagen. Bei den Regierungsparteien war nichts anderes maßgebend als der Wunsch, dem Reichstag ein Diktat in der denkbar kürzesten Zeit auszulegen, mag auch die sachliche Ar- best darüber zum Teufel gehen.(Sehr richtigl bei den Soz.) Von der Regierung ist uns immer wieder gesagt worden, daß die Zoll- aesetzgebuno den Zweck habe, feste und sichere Grundlagen für die Zoll- und Handelspolitik des Deutschen Reiches zu schaffen. Damit steht im Widerspruch der auf Antrag der Deutichnationalen einge- fügte Z Za, wonach die Reichsregierung ermächtigt werden soll, im Falle eine» dringenden wirtschaftlichen B-dürsnisses mit Zustimmung des R e i ch s r a t s und eines Ausschusses de» Reichstag» die Eingangszölle für zollpflichtige Waren zu ändern oder aufzu- heben. Die Regierung soll also tn die Lage versetzt werden. mit Hilfe einer anderen Instanz den Zolltarif jederzeit abändern zu können. Die Regierung hat immer wieder erklärt, sie müsie etwa« in der Hand haben, um bei den Vertragsverhandlungen abhandeln lassen zu können. Von Hause au» handelt es sich um Marimalsäge, und um davon herunterzugehen, bedarf es keinerlei Ermächtigung für die Regierung. Sie kann da« tun, o h n e das Plenum zu berufen, ohne eine andere Instanz in Anspruch zu nehmen. Mit dieser Praxi« machen Sie aber das Gegenteil von dem, was die Regierung vorher gesagt hat, Sie schaffen keine feste und sicher« Grundlag«, sondern Sie bringen neue Unsstberhelt in die deutsche Zoll- und Handel». Politik.(Sehr wahr! bei den Soz.) Trotzdem heißt e» immer noch in der Begründung des Gesetzes, daß man damit au» der Unsicherheit herauskommen wolle. Von größter Wichtigkeit ist nun dieser K 3a nach der oerfassungmäßigen Seite. Hier soll ein Gesetz ge> schaffen werden, gleichzeitig erhält aber die Regierung die Ermäch- tigung, ein neues Gesetz zu schaffen, ohne dazu erst den Reichstag hinzuzuziehen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Sie schaffen damit ein verordnungsrecht, für da» in der Weimarer Dersasiong die Grundlagen fehlen. Der Abg. Fehrenbach hat sich einmal in einer Geschöftsordnungs- debatte auf einen Präzidenzfall vom 15. August 1922 berufen. Schon damals bestanden die größten Bedenken, aber man hatte doch dazu eine sachliche Rechtfertigung, damals war die Zeit der schlimmsten Inflation, die Zölle mußten dem sinkenden Geldwert angepaßt wer» den, um damit die Zahlungsbilanz zu retten. Jetzt aber haben wir eine st a b i l e D a l u t a. Der Redner zitiert die Artikel 6, 8 und<58 der Reichsoerfassung, nach denen das Reich und der Reichstag das alleinige Gesetzgebungsrecht haben. Der Artikel 77 enthält zwar ein Verordnungsrecht, aber nur für die Ausführung ordnungsmäßig be- ichlosiener Gesetze. Es ist also nicht möglich einen Ausschuß zu schaffen und ihm die Vollmacht zu geben, zusammen mtt der Regie- rung Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlasien. Ein solcher Au»- schuß ist keine von der Verfassung vorgesehene Instanz. Wenn Sie etwa den handelspolitischen Ausschuß zu dieser Instanz machen wollen, so würden Sie einen gesetzgebenden Faktor zu schaffen suchen, desien Bestand zweifelhaft ist. Wenn der Reichstag vertagt ist, dann ist dieser Ausschuß überhaupt nicht vorhaadea. die Regierung hat also kein« Instanz, an die sie appellieren kann. Zuletzt muß noch daran erinnert werden, daß die Verfassung für die Gesetzgebung gewisse einschränkende Möglichkeiten vorsieht. Der Reichspräsident kann sein Beto einlegen, die Minderheit kann einen Volksentscheid herbeiführen. Aber alle diese Ein- schränkungen gelten nur für ordnungsgemäß zustange- gekommene Gesetze. Alles das fällt weg, wenn die weitere Ausführung des Zolltarifs auch einem Äusscbuß übertragen werden soll. Meine Ausführungen decken sich im wesentlichen mit der Stel- lungnahme des I u ri st e n t a g e s von Amberg vom Jahr« 1921, dessen Vorsitzender der Abg. Kahl war.(Der Abg. Kahl nickt dazu.) Im Ausschuß ist gesagt worden, wir müsien«Mich die vergifteten Zollkämpse aus dem Plenum herausbringen.(Hört, hört! bei den Soz.) Warum hat man denn nicht den ganzen Zolltarif mst Hilf« des§ 3a gemacht? Schließlich noch'■' Wi''\ ein wort an das Zentrum: Wir haben uns in den letzten Togen wiederHoll auseinandergesetzt. Aber ich darf wohl feststellen, daß auch Sie noch auf dem Boden der Weimarer Verfasiung stehen. Sie müsien also diesen v e r- fafsungsmäßigen Bedenken Rechnung tragen. Wir haben über den Begriff der Demokratie immer noch die Auffasiung de» Abg. W i r t h, wonach er sich bei Auseinandersetzungen zwischen Kapital und Arbeit auf die Seite der Arbeiter schlagen würde. Wir werden ja in der Lag« sein, vor den Arbeitern unser« Auffassungen darzulegen. In diesen Wirtschaftssrogen stellt sich das Zentrum aber auf die Seite derjenigen, die die Wirtschaft»- und Handelspolitik nicht mit der Sozialdemokratie zusammen machen wollen. Ich hätte gewünscht, daß Sie auch in den Wirtschaft»- fragen mit den Verfassungsparteien zusammengearbeitet hätten. Hier wird der Versuch unternommen, eine Diktatur aufzurichten. Da» sollte da» Zentrum doch den Gegnern der Republik allein überlasten. (Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. TNeyer-Berlin(Dem.) teilt die rechtlichen Bedenken gegen den Ermächtigungsparagraphen und lehnt ihn ab. Auch w i r t< f ch a f t l i ch bestünden ernste Einwendungen gegen dies« Ermächtt- gung, die im Effekt nichts anderes als die Einführung von B e- reitschaftszöllen bedeutet«, obwohl die Rechtsparteien Be« reftfchioftszölle abgelehnt hätten. Abg. Dr. Rosenberg(Komm.) schlleßt sich der Auffasiung de« Abg. Dr. Breitscheid in der Frrage de» Ermächtigungsparagraphen an und lehnt ihn als verfassungswidrig ab. Abg. hoernle(Komm.) lehnt insbesondere die beabsichtigt« Er- schwerung des G e f r i e r f l e i s ch t o n s u m s ab. Die Zölle für Fleisch bedeuteten ein Altcntat auf die Gesundhett besonders der Industriebeoölkerung. Sie wären ein Raubzug und objektiv ein Mord an den Proletarierkindern und den Kronken. Abg. Rädel(Komm.) bezeichnet schon die Formulierung de» „Wohifahrtsporagraphen' als bewußtes Täuschung». Manöver. Ausdrücklich wendet sich der Redner gegen die private Fürsorge, Insbesondere gegen die Zurverfügungstellung von 19 Mil- (tonen au» den Zollcinnahmen für die Kirch«, deren Verwendung niemand kontrollleren könne. Abg. v. Goldacker(Dnat.) stellt fest, daß der Abg.». Gräfe die Ausführungen der„Deutschen Tageszeitung* gegen den Antrag v. Gräfe auf Wiedereinführung der Mindestzoll« für Getreide unrichtig wiedergegeben habe. Damit ist die Besprechung sämtlicher Abschnitt« der Zollvorlag» erledigt, und es soll nunmehr zur Abstimmung kommen. ver /lbwürgungsantrag der Mehrheit. Eingegangen sind folgende Anträge der Regierungsparteien: 1. Zum Zollgefeh über alle Anträge, die zu oea ßß 1—7 des Gesetze» gestellt sind, zur Tagesordnung überzugehen.(Lebhafte Rufe links: Unerhört! und Pjui-Rufe!)..... 2. Die zu den Tarifpositionen gefaßten Ausichuhbeschlusfe in einer einzigen Abstimmung anzunehmen.(Große Unruhe links und Rufe: Pfui! Unerhört!) Präsident Löbe bemerkt zu den Anträgen: Im§ ie unserer Geschäftsordnung heißt es über die zweiten Beratungen:„Die Einzel- besprechungen erfolgen der Reihenfolge nach, ebenso jede Abstimmung. Den Beschluß macht die Abstimmung über Uebet- s ch r i f t und E i n l e i t u n g. Nach Schluß jeder Einzelbesprechung wird abgestimmt.* Diese Bestimmung wird dann in§<2 folgender- maßen ergänzt:„Ueber mehrere Paragraphen oder Teile eines Gesetzentwurfes kann gemeinsam abgestimmt werden: über Staatsverträge wird nur im ganzen abgestimmt.* Dieses Wort »gemeinsam* wurde bisher dahin aufgefaßt, daß wir die Abstimmung nicht, wie es§ 4e vorschreibt, nach dem Schluß jeder Einzel- besprechung vornehmen müssen, sondern zusammenfassen können am Schluß der Beratung eines ganzen Gesetzes oder von Teilen desselben, aber nicht dahin, daß in einer einzigen Abstimmung olle«aträge and Paragraphen erledigt werden können. Das ist aber eine Frage der juristischen Auslegung. Jeden- wird ein Streit darüber jetzt nicht durch juristische Belehrung ge- schlichtet werden können. Der besondere Absatz über Staats- vertrüge scheint mich in meiner Auffassung zu bekräftigen. Ich habe dieser Aufsassuag im Aelteslenra« Ausdruck gegeben, ohne Irgendeinen IDiderspruch zu finden.(Lebhaftes: Hört, hört! links. Widerspruch rechts.). Ich habe wenigstens von einem Widerspruch nichts gehört. Ich glaube kaum, daß in diesem Augenblick jemand noch überzeugt werden kann und werde die Entscheidung durch Abstimmung vornehmen lassen. Abg. Leicht(Bayer. Vp.): Der Herr Präsident hat besonders auf- merksam gemacht auf den zweiten Satz des K 42„über Etaatsoerträg« wird nur im Ganzen abgestimmt*. Wenn ich nun den voraus- gehenden Satz nehme, wonach über mehrer« Paragraphen oder Teil« eines Gesetzes gemeinsam abgestimmt werden kann, und wenn es dann heißt,„über Stoatsverlräge wird nur im ganzen ab- gestimmt*, so folgt zwangsläufig, daß das Wort„im ganzen* synonym ist mtt„gemeinsam*. Ich möchte auf da» Vorgehen von 1902 hinweisen(Ruf links: Ein schönes Muster!), wobei auch über eine große Anzahl von Positionen gemeinsam abgestimmt wurde. (Abg. Schalem ruft: Der Geist v. Kardorffs geht um!) Bei den Kommunisten entsteht ein großer Lärm, da«in K r i m i> n a l b« a m t e r sich an einer der Eingangstüren zum Sitzungs- saal zeigt. Eine Verwahrung Lobes. Präsident Löbe: Ich will darauf hinweisen, daß damals, im Jahre 1902, nicht die Paragraphen dss Zolltarifs in einer Ab- ftimmung zuiammengesaßt wurden, sondern im Gegenteil die Posittonen als Anlage zu dem ersten Absatz des Z 1 des Zollgesetzes galten. Aber auch gegenüber dieser Handlungsweise hat der da- malige Präsident Graf o. B a l l e st r e m ausdrücklich seine Be- denken erklärt(hört, hört! links) und außerdem diesen Bedenken Ausdruck gegeben dadurch, daß er sich bei der namentliche n Abstimmung der Stimm« enthalten hat.(Lebhaftes: Hört. hört! links.) Ich erinnere auch an den Kommentar Iungheims, der«ine Rechtfertigung der Bedenken de» Präsidenten enthält. Außerdem hat der AMragsteller o. K a r d o r f f selbst erklärt, daß sich der Reichstag in einer Notlage befunden hätte. Daraus geht hervor, daß sowohl der Präsident als der Kommentator Bs- denken hatten. Abg. Rlüller-Franken(Soz.) nimmt Bezug auf das, wo» 1992 geschah. Damals lag der Fall ganz anders. Wir haben das Vor- gehen der Mehrheit von der sozialdemokratischen Fraktion aus a u f das schärfst« bekämpft. Damals aber hat es sich immer nur um die Anlogen gehandeft. was jetzt gemacht werden soll, ist ungeheuerlich. Der Antrag liegt nicht einmal gedruckt vor. Ueber alle An- träge zu gz 1 bi» 7 soll zur Tagesordnung übergegangen werden: dreißig unbekannte ööcklins. In der Nattonalgaleri«(nicht im„Kronprinzenpalois*) find fett Sonnabend nicht weniger als 81 neuentdeckt« Bilder von BöcNin ausgestellt, die fett 74 Iahren keines Menschen Auge gesehen hatte, außer den unwissenden Besitzern in Ehikago. Der ausgezeichnete Kunstkenner Dr. Hans Wendland hat sie entdeckt und ihrer alten Heimat wieder zugeführt. Einige der schönsten sind schon in den Besitz der Nationalgalerie übergegangen. Allerdings, unsere Borstellung von Böcklinscher Kunst wird hier auf den ersten Blick gänzlich über den Haufen geworfen. E» sind richtiggehende„Veduten*, d. h. ortstreue Studien au» der Umgebung Rom» und der neapolitanischen Küste, die 1859 und 1851 in Rom gemalt und dann im Block an �wei reisend« Amerikaner 1851 aus dem BöcNinschen Atelier oerkauft wurden. Aber diese Studien füllen eine Lücke in unserer Kenntnt» von Böcklins Entwicklung au» und sind auch an und für sich bedeutsam« Werte eine»„Deutsch-Römers* von 1859. Wir besaßen au» der ersten selbständigen Zeit Böcklin» bisher nicht» al» einig« Zeich- nungen nach der Natur. Diese Bilder offenbaxen un», wie der 23jährige Basler die südländische Welt angeschaut hat, bevor seine aestaltenschaffende Phantasie sie zu der romantischen Mythologie um- schuf, die wir aus seinen Pan- und Meerbildern, Seeräubern, Nymphen und Kentauren kennen. Einige Sachen hat er als„verkäufliche War»*, ol» Veduten im eigentlichen Sinne gemalt. Der junge Künstler mußte eben auch leben. Sie sind gut gemalt, viel besser als die üblichen Italiener- landschaften, sie verraten unbedingt die Klaue des Löwen. Aber das, was die Sammlung interessant macht, sind ganz andere Quali- täten. Das Wunder geschieht, daß dem Anfänger bei dem Bemühen, die Landschaft Italiens getreulich wiederzugeben, fein junge» Genie dazwischenfährt: daß wir mit einem heißen Schauder den Böcklin herkommenden Jahrzehnte schon hier entdecken. Da gibt e» Farben. lahlings aufleuchtend, die niemals in der Natur vorkommen, die rein der Phantasie de» Romantikers entspringen: da wird die Land- schast so geheimnisvoll großartig, ihr Märchenhaftes steigt so ahnungsvoll auf, daß wir gar keine Einbildungskraft brauchen, um sie mit Faunen und Najaden, mit Prometheus, Pan und Seeräubern zu bevölkern. Anblick de» Werdenden, blendend im Ahnen künftiger Große. Die Göttin der Liebe taucht au» dem unergründ- (ichen Schoß de» Meere» auf. Woher da» Genie kommt, das feine Welt des Ungeheuren leibhaftig verkörpern wird— hier ahnen wir " Df°r.j"*" Versuchen eine» kaum der Akademie entronnenen „Meisterschuler».__ Dr. Paul F. Schmidt. Akademie? Die Vorftandschast der PHI- beschlossen, ritte-ußerordemliche Mugl.ed.rver ammlung einzuberufen und auf die TaaeSordnunq unter anderen die Sl u f lös un g bec �diialodkiiiifien Akademie zu letzen da der � ornaiidichaft die Erreichung de« Ziele» der Akademie, die Zulammenai beit der vet'chieteiiett philofophifchen Richtungen aller Länder nach den ge- � aUf ie8,afn kw-m-iri-en®ttatd lagen /lufführung von Schönlanks Chorwert. Da» stärk s>« und nachbaltlaft« Srledni» dt» Hamburger Iugendtage» war die Auffllbruna de» Schlnlankichen Ckiot- werk«»,©tin üderwAltiaender Srfal» hat entscheide»»« Bedeutung: Mit dieser«uffUbrung hat her Surechchor endgllliiq seinen Plag in der proletarischen gelte errungen, dt wird stch »u htm kfi n stier ischen«u»druck»mitttl der Masstnbtwtgutta «ntwickeltt. Die dunkelnde Nacht sieh das auf grünem Plan weit gelagert« Heer der Hunderttausend nicht überblicken. Erwartung zittert« über der Meng«. Da, von erhöhtem Postamente, zwischen züngelnd flackernden Flommenschalen, einsamer Ruf nach Gemeinschaft, Ber- söhnung. Von einem grauen Chor antwortet nur schwächlich« Mut- losigkeit. Aber gegenan, mst jauchzendem Triumphlied, helle Jugend, von Siegesfreudigkeit beschwingt. Doch, wenn die Rot hereinbricht, Zwietracht und Selbstsucht in ihrem Gefolg«, dann warten auch die mutigsten Reihen. In grausem Haßgesang rücken, von rotem Flammengezisch wild überleuchtet, die widrigen Gewalten gegen die fielle Jugend, sie zu bezwingen, und in gewalliger Steigerung türmen Krieg, Mord und Tod In ihrem Gefolge, von dumpfem Trommelrollen begleitet, gegen dt« Dämme der Lirfte. „Haltet Stand. O, haltet Stand!' Blinder Haß will euch zerstreuen! Rufet, rufet den jungen Tag!* So mahnen von oben mit beschwörendem Wort die Sprecher und laut übergellt banger Ruf, wilder Trommelwirbel und Haß. geschrel. Und er kommt, der junge Tag! Bon fern dröhnt, mitten durch schrecklichen Ansturm, Posaunenschall: Hoffnung, Erlösung und siegende Fansare! Zurück flutet die drohend« Welle. In Rauch er- stirbt ihre zuckende Flamme und aus dem Dunkel schreitet, von fern her, durch eine breite Gasse, inmitten der Lagernden, ein flimmernde» Fackelheer und trägt aus nächtlichem Dunkel, hoch gereckt, ein« Wand roter, purpurroter Fahnen. Und von allen Seiten strömen sie herbei, in den Fäusten Fahnenschäfte, an denen im W!ift>e die roten Tücher flattern. Hell leuchten zuckende Fackellinien, in ihrem Lichte wallt, zu großer Bewegung, da» ungezählte Heer der Fahnen, rot wie Herzblut, und ihr« goldenen Spitzen gleißen in die Nacht. Und aufjauchzt der jubelnde Chor der Jungen: «Du JugeMag, Du Tag der Flammen, Du Tag, der alle» Volk versöhnt, Wir singen dir mit Zungenslammen! Zu einem Chor« schlag' zusammen. Du Jubel, der die Welt durchdröhnt!* Und von hohem Postamente rufend, in die harrende Menge der Hunderttausend hinein: «Erhebt euch von den Plätzen. Ein Riesenheer,«in Riesenmund!* Und wehender Wind trug über die Land« in die dunkle Nacht den herrlichen Weltchoral: „Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuß der ganzen Welt! Brüder, überm Sternenzelt Muß ein lieber Vater wohnen.* Und dann machtvoll, trotzig und sieghaft dt« harten Rhythmen der.�internationale*. Dieser Augenblick schuf ein Volk, ein Heer. Dieser Sang war Gelöbnis, war Weihe. Wir reichten uns die Hände. Und überwältigt vom starken Erlebnis, dankte Bruno Schön- lank, den die Begeisterung auf die Postamente gerissen hatte, der willigen Hingabe, die au» dem Wert solch gewaltige Schöpfung hatte erstehen lassen. Und noch einmal lang die brüderlich vereint« Mail« unser Lied, Hermann Klaudius'„Wenn wir schreiten Seit' an Seite Und sieghaft, hoffnungbeschwingt, verklangen die letzten Worte: „Mit uns zieht die neue Zeit!* Richard Perne r. XL 3 u.iiU Das künstlerische Lehramk an höheren Schulen. Durch den Erlaß vom 22. Mai 1922 ist angeordnet worden, daß von den Bewerbern und Bewerberinnen für das künstlerisch« Lehramt, die auch auf einem wissenschaftlichen Gebiet als Hauptfach oder Zusatzfach eine Prüfung ablegen wollen, Meldungen für das von ihnen gewählt« Fach bereits "ach Dollendung des sechsten Studienhalbjahrs entgegenzunehmen stnd. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, bestimmt der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Ergänzung dieser Anordnung, daß auf die oorschriebenen sechs Studienhalbfahr« auch solche Halbjahre anzurechnen sind, während deren die Bewerber an den Kunstakademien in Kassel. Königsberg. Düsseldorf, der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe tn Breslau und der Kun st schule in Berlin-Schöneberg sowie der akademischen Hochschule für Musik und der Akademie für Kirchen- und Schulmusii in Berlin- Charlot- t« n b u r g studiert haben, wenn sie gleichzeitig an den einschlägigen Vorlestmgen und Hebungen einer Universität auf ihrem wisienschaft- lichen Gebiet teilgenommen haben. Di« Schüler der Kunstakademie m Kassel und Düsseldorf müssen darüber hinaus mindestens zwei Semester nur dem Studium des wissenschaftlichen Gebiet» auf einer Universität gewidmet haben. keine Eva. Die Verfasserin des in dem Artikel„Goethe über Verlin und die Berliner*(„Unterhaltung und Wissen* Nr. 373) g«. nannten Buche»„Goethes Berliner Beziehungen* legt Gewicht auf die Feststelkung, daß sie nicht Eva. sondern Erna Arnhold heißt. ver nette«eneraldlrekkor der Slaalsblbllokhek. An Stelle de« am 1. Oktober in den Rudestand tretenden«Sebeimrat« Dr. Milkau»ft der Mtnistertaldirettor im Ministerium lltr»iflenschast, Kunst- und Bolksbilduna Proseffor Dr. Krüh zum Keneraldiietior der Preutzischen Staat«bib!ialbet ernannt worden. vi« Znkernaklcmale Gesellschaft für Rene Rlnsik. Sektion Deutschland bat in ibrer diesjährigen Mitgliederversammlung ihren neuen Vorstand aewäblt An Stelle de« auSjcheidenden Profesior Dr. Adolf Weifimann ist Wilbelm Furtwängler zum ersten Vorsitzenden gewählt worden. Stellvertretende Vor- fitzende find Professor Dr. Hermann Springer und Philipp Iarnach. Alkohol an» SkerdNchkr». Eine amerikanische Leben, versscherun.:«. aesellfchaft bat eine beiondere Abteilung für Total-Abstinenten einaeriGtet. Sie hält e« für erwiesen, datz die Entbaltfamleit die Sterblichkrit ocr- mindert und will deshalb den Total-Abstinenten die Prämien um zehn Prozent ermastgea. Vom§ 7 ab liegen Anträge der Regierungsparteien vor. Da also soll das übliche Verfahren stattfinden.(Hört, hört!) Bei den Anträgen der Opposition dagegen soll Gewalt vor Recht gehen. Es soll der Minderheit das Recht genommen werden, zu ihren Anträgen etwas zur Begründung zu sagen. Ein solches Ver- fahren ist in diesem Hause noch nicht dagewesen. Z 42 der Geschäftsordnung gibt dazu nicht das Recht. Wie können Sie im Ramsch — denn das ist es doch!— die Abstimmung vornehmen. Der Geist der Geschäftsordnung wird dadurch vergewaltigt. Man hat gesagt, die Handelsverträge müßten abgeschlossen werden. Wenn wir im herbst wieder zusammentreten, werden wir ja sehen, wieviel Der- träge abgeschlossen sind.(Sehr richtig! links.) Man scheint es ja darauf anzulegen, das Geschäft zu verekeln. Ich brauche nicht an die Kündigung des spanischen Handelsvertrage» und an die näheren Umstände daran zu erinnern. Wenn eine Notlage vorhanden ist, so ist schuld daran das Verhallen der Regierungs- Parteien. Abg. Dr. Breit scheid hat schon darauf hingewiesen, daß ein Ermächtigungsgesetz eingeschmuggelt ist. Es muß hl« durch Abstimmung festgestellt werden, wie das Haus darüber denkt. Es liegt ein schnöd« Mißbrauch d« Mehrheit vor. Abg. koch(Dem.): Di« juristische Seite ist schon durch den Prä- stdenten wie durch den Vorredner hinreichend begründet. Es ist eine haltlos» Konstruktion, wenn man das Wort„gemeinsam" als„im ganzen" auslegen will. Dann würde der Gesetzgeber wohl das allgemein übliche Wort„im ganzen" gewählt haben. Gerade wenn man verschiedene Ausdrücke gewählt hat, so besagt das, daß man auch etwas Verschiedenes sagen wollt«. Warum ist man seit 1902, in welcher Zeit es doch sicher ähnlich« Fälle gegeben hat, bis jetzt nicht zu ein« solchen Auslegung gekommen? Man hat eben eine Scheu gehabt gegen eine Interpretation, die unhaltbar ist. Sie (nach rechts) sollten doch wirklich noch einige Stunden Zell haben. Sind Sie denn in einem solchen Maße geistige Zwillingsbrüder geworden, daß über jeden Antrag in Bausch und Bogen geurteilt wird. Man muß aus dem Protokoll«sehen können, wie sich die einzelnen zu den Anträgen stellen. Man kann doch nicht deswegen bier so vorgehen, weil eine Handvoll Kommuni st en Schwierig- keilen gemacht hat. Ich protestiere feierlichst dagegen, daß die Ge- ichästsardnung in solch« weise ausgelegt wird, und halte an der Meinung fest, daß auch out« Ihnen(nach rechts) sich jemaud finden' müßte, der d«artige Vergewaltigungen nicht mitmacht. Es folgt eine Erklärung des Abg. Wels, die wir an der Spitze des Blattes geben. Die Sozialüemokraten verlassen öen Saal. Abg. koenen(komm.) bezeichnet das Vorgehen der Rechts- Parteien als einen Ueberfall auf die Minderheit. Daß es sich um einen solchen Ueberfall handele, gehe daraus hervor, daß die Herren Scholz und Gen. im Aeltestenrat kein Wort davon gesagt haben. Die Kommunisten klatschen Beifall und verlasien dann mit dem Ruf„Nieder mit der Zollwuchermehrheit!" geschlossen den Saal. Abg. v. Gracse(Volk.) hält es für berechtigt, wenn die Mehrheit von ihrer Macht gegen die Opposition Gebrauch macht. Es sei aber nicht zu rechtfertigen, wenn auch die Abstimmung der völkischen Anträge abgelehnt wird. �.. Abg. Fehrenbach(Z.) sucht nachzuweisen, daß die Geschastsord- nung doch das Verfahren der Regierungsparteien zulasse. Das sollten auch die Demokraten einsehen und im Saale bleiben. Abg. Soch-Wes«(Dem.) bleibt dabei, daß das Vorgehen der Re- gierungsparteien schon bei den Steuervorlagen und noch mehr bei der �olloorlage mit wahrem Parlamentarismus nicksts zu tun habe. Die Demokraten würden sich an d« Abstimmung nicht beleiNgen. Bei d« Abstimmung über die Anträge«heben sich die Mit- glied« d« Regierungsparteien mit Ausnahme mehrerer S>enlrumsabgeordnelen. � �. Die gesamte Zollvorlage wird in d« Gefamtabfiimmung in 'heiler Beratung angenommen. Um'ill Uhr vertagt sich das hau, auf Miktwoch 10 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung d« Zollvorlage, die zweite und dritte Beratung der Amneflievorlage und die Ve- ratung verschieden« Handelsverträge. Eine berechtigte Sejchwerüe. Der kommunistische Abgeordnete S ch ü tz hat dem Präsidenten des Reichstages folgend« Beschwerde zugestellt: An den Herrn Präkidenten des Reichstags! Ich erhebe hiermit schärfsten Protest gegen die Behandlung meiner Person bei meinem Hinauswurs aus dem Reichstag. Als die Kriminalbeamten«intraten, vsrlangte ich von dem Führer der- selben den Ausweis, wonach er befugt sei, meine Ausweisung vor- zunehmen. Als Antwort darauf stürzten sich drei von den Krimi- nolveamten aus mich und schleppten mich gewaltsam aus dem Sitzungssaal. Ein Kriminalbeamter stieß mich schon im Sitzungs- saal mit dem Fuß in den Rücken: ein ander« Beamter forderte seine Kollegen auf, fest« zuzupacken, und ich wurde daraushin an den Händen geknebelt, so daß der Arzt mehrere Fleischquetschungen an den Armen feststellen konnte. Als die Tür zum Sitzungssaal zugemacht wurde und ich mich mit dem Beamten hinter derselben befand, setzten sofort weiter« Mißhandlungen ein. Ich wurde auf Kopf und Rücken geschlagen. Außerdem wurde ich bi» an die Portaltreppe mit Fußstößen traktiert. Besonders angestachelt wurden die Beamten noch dadurch, daß sich hinter dem Plenarsaal Abgeordnete der Rechten und Regi-rungsvertret« ausgestellt hatten, die dem Beamten sortgesetzt zunesen:„3mm« feste drauf! Haut ihn! Das ganze Gesindel wüßte man an die wand stellen! Faßt doch richtig zu. die Bande oerdient e» nicht and«s!" usw. Man hatte mir nicht Zeit gelassen, meine Aktentasche, die sich an meinem Platz im Sitzungssaal befand, mitzunehmen. Als ich im Portal 2 einen Beamten«suchte, daß man mir die Tasche bringen solle, gab man mir zur Antwort, ich känn« noch ein paar in die Fresie be- kommen. Ich glaube kaum, daß der Reichstag sich mit solchen Behand- bmgsmechoden seiner Abgeordneten einverstanden erklären kann und ich fordere vom Herrn Präsidenten die sofortig« Einleitung einer Untersuchung mit dem Ziel, eine Be< strafung der Schuldigen herbeizuführen. gez.: Schütz. verwilÜerung Üer Gesinnung. Die Rechtspresse gegen Berfaffung und Reich. Die Stellungnahme der deutschnationalen Presse zum Per- fassungstag bewegt sich auf einem unsagbar niedrigen Niveau. Im Ton der Gasse sucht sie die republikanische Gesinnung und die Farben der Republik zu verunglimpfen. Es handelt sich nicht nur um eine Verwilderung des Stils, sondern um eine Verwilderung der Gesinnung. Der„Lokal- ° n z e i g e r" sprach vom Rummel der Verfassungsfeier, die „Borsenzeitung unterstellt den deutschnationalen Ministern und dem Reichspräsidenten, daß sie die Rolle Kohrs für ganz Deutschland spielen wollten und sich in d i e s e m Sinne an der Verfassungsfeier beteiligen: „Wenn morgen H i n d e n b u r g. Dr. L u t h e r und die übrigen schwarzweißrot gesinnten Minister in Reich und Ländern ihre amtlichen Plätze einnehmen, so dienen sie dem großen Gedanken«wer sriedlichen Umwälzung." Die Verfassung offiziell feiern, und gleichzeitig den Sinn darauf richten, sie umzuwerfen— das ist jene Charatterlostg- feit und Unehrlichkeit, die in Bayern nicht nur zum politi- schen, sondern auch zum moralischen Zusammenbruch des Re- gimes Kahr geführt hat. Verwilderung der Gesinnung ist es, dem Reichspräsidenten und den deutschnaüonalen Mimstern Das Garantietompromiß im werden. Der Meinungsaustausch zwischen Paris und London. Paris, 10. August.(Eigener Drahtbericht.) Di« französische Press« veröffentlichte am Sonntag einen aus London datierten, aber zweifellos vom Quai d'Orsay stammenden U eberblick aus dem Met- nungsaustausch zwischen Paris und London in der Garantiejrage. Es berichtet zunächst, daß die französische Antwort auf die deutsche Rote vom 20. Juli, die Briand dem englischen Außenminister unter- bresten wird, voraussichtlich sehr kurz sein und sich unter Richtig. st e l l u n g gewisser deutscher Auffasiungen darauf beschränken dürfte, zu erklären, daß Frankreich die Periode d« Diskussionen üb« die Kanzlelea al» geschlossen und den Zeitpunkt für eine direkte Aussprach« für gekommen ansiehk. Die deutsche Regierung werde deshalb zu einem noch zu bestimmen- den Zeitpunkt eingeladen werden, in direkte Verhandlungen mit den Alliierten zu treten. Es bestätigt sich also, daß die französisch« Regierung ihren Widerstand gegen die von London und Brüssel vorgeschlagene Einberufung einer Konferenz, an der auch Deutsch- land auf dem Fuße voller Gleichberechtigung teilnehmen wird, fallen gelassen hat. Den Hauptgegenstand der Londoner Besprechung wird, wie da« Kommunique weiter mitteilt, die Festsetzung der Basis für die Verhandlungen mit Deutschland bilden. Zu diesem Zweck haben beide Regierungen jetzt einen Entwurf zu einem Garantiepatt vor- bereitet, und der eine dieser beiden Entwürfe— ob es der englische oder der französische ist. wird nicht gesagt— soll al» Grundlage für die Redaktion eines gemeinsamen Textes dienen, der aber den An- regungen des fallengelassenen Entwurfs weitgehend Rechnung tragen werde. Dieser gemeinsame Text werde als Distussionsbasts mit Deutschland dienen und die Grundlage des diplomatischen Instruments bilden, das die endgültige Regelung der Slcherheitssrage zwischen den Alliierten und Deutschland bringen werde. Die weiteren Aus» führungen der halbamtlichen Verlautbarung lassen sich dahin zu- sammenfassen, daß in der Frage der von"Deutschland gegen den Artikel 16 der Völkerbundsatzung geltend gemachten Barbehalt« die französische Rote in ausdrücklichem Einvernehmen mit Londbn an der Forderung des bedingungslosen Eintritt, Deutschlands in den völk«bund festhalten, der deutschen Regierung ab« die Möglichkeit offen- gelassen wird, ihre Bedenken und Reserven gegen die aus dem Artikel für Deutschland resultierenden militärischen Verpslichtunaen in Genf selbst geltend zu machen.(Dazu braucht ein Völkerbunds- Mitglied natürlich gar kein« Erlaubnis anderer Mitglieder! Red.) In der Frage der Garantie der östlichen Schiedsverträge durch Frankreich hoben die zwischen London und Paris bestehenden Diffe- renzen noch nicht ausgeglichen werden können. Da» Foreign Office hat sich hier die deutsche Argumentation zu eigen gemacht. daß Frankreich im Osten nicht zugleich Partei und Richter sein könne, während der Ouai d'Orsay nach wie vor für Frankreich im Falle eines Konflikts im Osten das Recht zu spontaner Inter- vention unt« Beiseiteschiebung des Völkerbundes ford«t. Aus dem gewundenen Text des Kommuniques gewinnt man den Eindruck, daß man versuchen wird, sich auf eine Formel zu einigen, die Polen und der Tschechoslowakei im Falle ganz bestimmter deutscher Vertragsverletzungen dl« sofortige Unterstützung Frankreichs sichert. Auch in der Frag« der automatischen Sanktion scheinen beide Regierungen auf einen Kompromiß hinzuarbeiten. daß Frankreich bei gewissen flagranten Verletzungen des Friedens- Vertrages durch Deutschland„unter genau festzulegenden und im einzelnen noch zu präzisierenden Umständen" das Recht zu so- f o r t i g e n Sanktionen einräumt, in allen übrigen Fällen ab« dafür ein« Entscheidung der zuständigen Instanz des Völker- b u n d e s verlangt. die Sozialisten gegen üie Negierung painleve. Paris. 10. August(Eigener Drahtb«icht.) Der sozialistische Bezirksparteitag für Groh-Paris hat sich am Sonntag mit 3585 gegen 465 Stimmen für die volleHandlungefreiheit der Partei gegenüber dem Ministerium und g e g e n die Beteiligung an der Regierung ausgesprochen. Die Resolution der Genossen Blum, Bracke„ Zyromski usw. erklärt, daß die Partei gegenüber der augenblicklichen Regierung zu d« politischen Haltung zurückkehren solle, die sie v o r d e m K r i e g e den bürgerlichen Parteien gegenüber eingenommen hat. Sie werde das Ministerium nach seinen Taten beurteilen, und sei be- reit, die Wiederaufnahm« d« Unterstützungspolitik ins Auge zu sasien, sobald die äußeren Umstände, die diese Politik im Juni 1924 einpfählen hätten, sich von neuem böten.(Herriot: Dawes-Plan! Red.) Die Resolution der Minderheit, die sich für den Eintritt der Sozialisten in das Ministerium aussprach, hat nur 465 Stimmen erhalten. Auf dem Reichsparteitag, der am 15. August in Paris zusammentritt, werden dementsprechend die Pariser durch 14 Delegierte der Mehrheit und zwei der Minderheit vertreten sein. In a l l e n Departements ergaben die Abstimmungen ähnlich wie in Paris wider Erwarten groß« Mehrheiten sür den Abbruch der Unterstützungspolitik gegenüber dem Kabinett Painlev« und gegen die Beteiligung an einer bürgerlichen Regierung. Selbst für die ausgesprochen rechtsstehenden Verbände, in denen noch vor kurzem große Mehrheiten für das taktische und parlamentarische Zusammengehen mit bürg«lichen Parteien vorhanden waren, hat die Polltik des Ministeriums Painleve eine völlige Um- stellung zur Folge gehabt, die einen besonders beutlichen Aus- druck darin gefunden hat, daß nicht nur Varenne in seinem eigenen Wahlkreis abgeschüttelt wurde, sondern auch Renaudel in seinem Departement mit einem Kompromißantrag unterlegen ist. Unter diesen Umständen dürfte die Entscheidung des Parteitages bereits im voraus feststehen. Er wird in den wichtigen Fragen der inneren Polittk nur noch die Beschlüsie der Bezirksverbände zu be- stätlgen und offiziell festzustellen haben, daß die Aera der Karlellpollttk einstweilen geschlossen ist. Das bedeutet, wie Genosse F r o s s a r d im„Paris Soir" aus- führt, keineswegs, daß die Sozialistisch« Partei nunmehr systematische Opposition gegen das Kabinett Painlevt machen wird. Sie wird vielmehr, wie die Resolution des Seine-Departement» ausdrücklich betont, die Regierung nach ihren Taten beurteilen. d. h., st« wird für das Ministerium stimmen, wenn dessen Politik den Interessen der Arbeiterklasse dient, gegen die Regierung, wenn ihre Politik mit den Forderungen des sozialistischen Pro- gramms im Widerspruch steht. am Vorabend des Derfassungstages diese Gesinnung zu unter- -stellen. Eine Verwilderung der Gesinnung in nationaler Hinsicht aber spricht aus dem hysterische� Geschrei der„K r e u z z e i- tung" über den Verfassungstag. Wir rechten nicht über die ausgesuchte Gemeinheit ihres Tones, wir registrieren, daß sie die Gelegenheit benutzt, um den Verfassungsstreit in den „Deutschen V o l k s b u n d" zu tragen, der den Zusam- menschluß Deutschlands und Deutsch-Oesterreichs zu Groß- Deutschland dienen soll. Dieser Versuch zeugt nicht nur von Verwilderung der Gesinnung und von Gegnerschaft gegen den großdeutschen Gedanken, er ist ein Zeugnis undeutscher Gesinnung. Der Zorn der„K r e ug z e i t u n g" richtet sich gegen Schwarzrotgold und Weimarer Verfassung, nicht nur um des demokratischen Gedankens willen, sondern vor allem deshalb, weil sie das G a n z e d e s R e i ch e s. die Gewähr für die d e u t s ch e E i n h e i t darstellen. Diese Zeitung ist reichsfeindlich. Sie hat am Ende der vergangenen Woche offen ausgesprochen: Vornssiu neo�sse est, Germania von necesse— Preußen muß sein, Deutschland muß Nichtsein! Mit zynischer Offenheit wirft diese Zeitung dem Reich, den süddeutschen Ländern den Handschuh ins Gesicht. SiewollennichtDeutschland, nicht Großdeutschland und nicht Kleindeutschland, sie wollen nur Preußen, und das geschichtliche Geschick der übrigen Länder ist ihnen gleichgültig. Aber sie nennen sich d e u t s ch n a t i o n a l. Das ist ihre Gesinnung, die weder auf das Reich noch auf die Nation gerichtet ist. In dieser Gesinnung beschimpfen sie die Feier, die dem Reiche und seiner Verfassung gilt. Die Deutschen feiern heute den Verfassungstag— laßt die Deutsch- nationalen weiter schreien: Deutschland muß nicht sein. Cin tzambacber Zest. Repftblikanischer Tag für Rheinpfalz, Saargebiet, Baden und Hessen. Neustadt a. d. h„ 9. August.(Eigener Bericht.) Im Mai.1832 haben über 20 000 freiheitsbegeisterte Deutsche auf den Ruinen des Hambacher Schlosses bei Neustadt ihrer Sehnsucht nach einem deutschen Dolksstaat Ausdruck verliehen. Und oft in den Jahren danach haben sich dort deutsche Republikaner zu machtvollen Kund- gedungen versammelt. Auf dieses historische Schloß hatte das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" alle seine Kameraden au« der R h e i n p s a l z. au» dem Saargebiet, aus Baden und aus Hessen zusammengerufen, um hier den Geburtstag der Weimarer Verfassung zu feiern. Zehntausende waren der Einladung gefolgt. Die Vertreter der Rechtsparteien im Stadtrat und die Kommunisten hatten zwar den Antrag, die Stadt anläßlich des Versasiimqstags» offiziell festlich zu schmücken, abgelehnt Ader die Bürgerschaft hatte alles daran gesetzt, um zu zeigen, daß der alte demokratische Geist auch heute noch in der schönen Pfalz zu Hause ist. Die Innenstadt war reich beflaggt. Weich Schwarz-Rot-Gold. Manche aber hoben nur die bayerische blauweiße Fahne gehißt. Da» kleine Neustadt — ein Städtchen von etwas über 15 000 Einwohnern— glich schon am Sonnabend einem republikanischen Heerlager. Am Bahnhos war ein prächtiger Triumphbogen aufgebaut. Don überoll her kamen die Reichsbannergruppen, Arbeiterjugend und auch andere Jugend- vereine. Die Begrüßungsfeier fand im Saalbau statt, in dem die ehrwürdigen Fahnen von 1832 und 1548 ausgestellt wurden. Der Gruppenführer von Neustadt begrüßte alle, die gekommen waren von der Saar, von Baden. Hessen und von der Pfalz. Ganz besonders galt sein Gruß den Freunden von der S a a r. Mit dem gemeinschaftlichen Gcsnng des Hiambacher Liedes von 1�32:„Hinauf, Patrioten, zum Schloß" endete die Kundgebung.— Reichskanzler a. D. Marx und Minister a. D. S o l l m a n n, die sür heute noch als Redner bestimmt waren, werden erst m der Nacht in Neustadt eintreffen. Nach der Versammlung zogen die Scharen hinaus m die dunkle Nacht, die Kapell« voraus, um zu schauen, wie das Schloß weithin sichtbar am Rande der Hardt erglühte. Ein begeisternder Austakt zum Hambacher Fest 19251 dawes-Zahlung im �uli. Der Julibericht des Generalageute«. Nach dem Bericht de« Generalagenten sür Reparationen find im Juli auf Reparationskonto 60 118 223,23 Mark von Deutschland eingcgangeu und 83 523 880,99 Mark an die Alliierten ausgegangen. Im ganzen wurden für Rechnung der ersten Jahresrate bi«»um 81. Juli 840815236,67 Mark eingenommen und 827 352 124,25 Mark ausgegeben. Bon den Julieinnahmen entfallen 60 064 839,93 Mark auf den Dienst der deutschen Ausländsanleihe 1924. Deutsch-eftnifcher Schiedsvertrag. MTB. meldet: Im Auswärtigen Amt ist gestern durch den Reichsaußenminister Dr. Stresemann und den estnischen Außen- minister Pußia«in deutsch- estnisch« SchiedSgerichl«» und BergleichSvertrag unterzeichnet worden. Der Vertrag ent- spricht sowohl in seinem Aufbau al« auch in allen wesentlichen Einzelbestimmungen den Schiedsverträgen, die Deutschland in den letzten Jahren bereit« mit anderen Staaten abgeschlosien hat. Er sieht also für Konflikte rechtlicher Art ein Schiedsgerichtsverfahren. dagegen für Konflikte politischer Art ein Vergleichsverfahren vor. Spitzbergen norwegisch. Feierliche Annexion am 14. August. 0«lo. 10. August.(MTB.) Nach einer Verordnung der Re« gierung findet die Uebernahme SvalbardS(Spitzbergen) am 14. d. M. statt. Staatsrat Berg wird zusammen mil einem anderen Be- amten de« Justizministeriums bei der Uebernahme der Inselgruppe anwesend sein. ES wird eine einfache Feier abgehalten, aus welcher Berg feierlich erklären wird, daß Svalbard nunmehr unter norwegischem Gesetz und Recht stehe. Der Tag wird in Norwegen durch Salutschüsse von den Festungen und durch Beflaggen gefeiert werden._ /lufftanü in Rufllsch-Turkeftan. Moskau, 1V. August. lTU.) Bei den Kämpfen der Roten Truppen gegen die Baomaken in der Gegend der Stadt Keratau ist der Bandenführer Turdy-bai gefallen. Die bolschewistische Presse behauptet, daß mit dem Tode diese« antibolichewistu'chen Führer« die Ausstandsbewegung im Gebiet von Samarkand endgültig niedergeworfen sei._ Französische Militärflugzeuge über deutschem Gebiet. Sonntag vormittag gegen 8'/, Uhr überflogen sechs französische Geschwader- flugzeuge die Gegend zwischen Knielingen und Karlsruhe in der Richtung auf Mannheim._ Lekte Nachrichten. Hakenkreuzunruhen im Westen. Mehrere hundett Hakenkreuzler demonstrierten gestern gegen 11 Uhr abends vor der Wohnung des zurzeit in Haft befindlichen Schnapp, der, wie schon gemeldet, am Sonntag«inen Hakenkreuzl« in der Notwehr erschossen hatte. Di« Demonstranten zogen dann nach dem Lützowplatz. Da sie mkt ihren Fahnen die Passanten arg belästigten, schrttt die Schutzpolizei ein. die mehrere Verhaftungen vornahm. Gewerkschaftsbewegung Jm Baugewerbe wird verhandelt. Die Aussperrung ist aufgeschoben. nach dem bis zur endgültigen Regelung der Vermögensaus einandersehung den nach beiden Seiten Oberschlesiens verdrängten Bergleuten die erworbenen Rechte der Pen. sionstasse ohne eine besondere Anerkennungsgebühr erhalten bleiben. Diesen Vertrag hat Polen durchbrochen. Mag es im ersten Sturm und Drang der Nachkriegszeit, wie in allen Betrieben, auch in der Knorrbremse mitunter etwas drunter und drüber gegangen sein, so hat doch die Redaktion des„ Lichten berger Tageblatts" tein Recht, die aus dem Betrieb der Knorrbremse hinausgedrängten Arbeiter jezt noch herunterzureißen, um ihre vaterländischen" Schüßlinge zu verherrlichen. Eine genaue Die gestern im Reichsarbeitsministerium erfolgte Aussprache Untersuchung darüber, welche Rolle die meisten Baterländiftimmung herausgegeben, nach der alle nach Deutschland zwischen den Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer des schen" in jener Zeit spielten, würde zu Ergebnissen führen, die diese Elemente in einen anderem Licht zeigten. Stellen doch diese„ VaterBaugewerbes hatte folgendes Ergebnis: Zur Beilegung der bezirklichen Lohnstreitigkeiten im Bau- ländischen" heute nichts anderes dar, als organisierten Ar. beiterverrat, die einzige Art der Organisation, von der sich gewerbe wird eine besondere Schlichtungsstelle verdie„ nüglichen Elemente" persönliche Vorteile versprechen. einbart. Die Fahne, die die„ Vaterländischen" der Knorrbremse sich beSie wird zusammengefeßt aus je vier Beisitzern von und eine ernste Mahnung zur Geschlossenheit. Die polnische Knappschaft hat neuerdings eine Be geflüchteten Bergleute, die nach dem 30. Juni 1923 von der Knappschaft Deutsch- Oberschlesiens oder einem anderen Bezirks1925 zur Erhaltnug ihrer erworbenen Rechte eine Anerken= fnappschaftsverein in Deutschland übernommen wurden, vom 1. April nungsgebühr von monatlich 50 Pfennigen zahlen müssen. Oberschlesische Knappschaft hat zwar eine entArbeitgebern und Arbeitnehmern und aus einem unparteiischen schaffen, ist eine eindringliche Warnung für die Arbeiterschaftsprechende Bekanntmachung auf den Gruben veranlaßt, doch dürften Das Borsitzenden, den das Reichsarbeitsministerium ernennt. Schlichtung sverfahren wird sich auf folgende Bezirke erstrecken: Morgen, Mittwoch, den 12. August: Provinz Sachfen nebst Anhalt und Magdeburg, Freistaat Sachsen, und Mecklenburg; am Donnerstag, den 13. August: Groß- Berlin, Baden mit Mannheim und Kassel. Die Erklärungsfrist für die eventuell zu fällenden Schiedssprüche wurde auf den 18. August festgesetzt. Bis zu diesem Termin stellen die Arbeitgeber ihre angekündigten Kampf maßnahmen zurüd. Für den Fall, daß die eingeleiteten Berhandlungen zu einer Beilegung der Lohnstreitigkeiten führen, sollen die Verhandlungen über die strittigen Manteltariffragen alsbald neu aufgenommen werden. Der Weg zur Beilegung des schweren Konflikts im Baugewerbe ist damit begangen. Hoffentlich führen die Berhandlungen vor der vereinbarten Schlichtungsstelle zu einem auch für die Bauarbeiter annehmbaren Ergebnis, so daß die Bauarbeiten in vollem Umfange wieder aufgenommen werden fönnen. Noch immer ist der Unverstand der Massen der Feind, den wir am tiefsten hafsen, der Feind in unseren eigenen Reihen. Rabiater Bäckermeister. Die Nachtarbeit, die dauernde Nachtarbeit in der Bäderei vor dem Kriege war die Ursache, daß die Herstellung der Back ware nicht immer in bygienisch einwandfreier Art vollzogen wurde. Durch Verordnung der Volksbeauftragten wurde die Nachtarbeit in Bädereien berboten. Vor 5 Uhr darf mit der Arbeit in Bädereien nicht begonnen werden. Profitmütige Päckermeister glauben durch nichtachtung der Berordnung dieſe wieder zu beseitigen, da ihnen der Profit vor Arbeiterrecht und Arbeiterwohl gebt. Die Bädergefellen fontrollieren demzufolge alle Bäckereien und bringen Verächter dieses Schutzgefeßes aur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, verfolgt von der But der anständigen" Geschäftsleute. Den Gipfel bon But und Roheit hat aber der Bädermeister rafet. Lichtenberg, Sagenstr. 50, erreicht. Mrafet fiel am 7. Auguft, früh 5 Uhr, über die Bäderfontrolleure mit einem Beil her und hat einen der Kontrolleure erheblich verlegt. Die Arbeiterschaft wie jeder anständige Menich wird vor derartiger Robeit nur Abscheu empfinden. Der Arbeiterschaft fann es wirklich nicht verdacht werden, wenn sie eine solche Bäckerei meidet, da uiemand sicher davor ist. nicht auch einmal die Wut dieses Meisters an erweden und dann in ähnlicher Weise mißhandelt zu werden. Ein fetter Bissen! Aussperrung in den Berliner Mühlen. Bekanntlich hatten die Funktionäre der Berliner Mühlen beschlossen, in den Betrieben Forderungen auf Gewährung von Wirt fchaftsbeihilfen bzw. Teuerungszulagen zu stellen, da die Unternehmer ein dahingehendes Schreiben des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeiter vom 4. Juli unbeantwortet ließen. Am 29. Juli endlich teilte der Arbeitgeberverband der Mühlenindustrie In der Roten Fahne" erschien am Freitag( Nr. 170) ein ArGroß- Berlins dem Arbeitnehmerverband mit, daß infolge der tifel mit der Ueberschrift nach berühmten Vorbildern. Abwesenheit des Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes SBD. Betriebsräte unterschlagen 3000 m. Verbandsgelder". Darin sowie des Syndikus Dr. Graad das Schreiben nicht beantwortet wird dargestellt, daß ein Beitragssammler des Verbandes der Ge werden fonnte. Gleichzeitig teilten die Unternehmer aber mit, daß meinde- und Staatsarbeiter im Gaswert Mariendorf es bei der augenblicklichen Geschäftslage mit Berlusten verstanden habe, Verbandsgelder zu unterschlagen. Leider trifft dies arbeiteten und ihre Stammarbeiter nur noch be. verstanden habe, Verbandsgelder zu unterschlagen. Leider trifft dies zu. Wie weit aber blinder Parteihaß führt, beweist, daß in der schäftigen, um sie nicht aussehen zu laffen. Sie Roten Fahne" der Verfuch gemacht wird, die dort vorgefommenen tönnten deshalb keine Zugeständnisse machen. Die ablehnende Hal Unterschlagungen der SPD. an die Rodschöße zu tung der Unternehmer hat nun dazu geführt, daß die Arbeiter der hängen. Daß der in der Roten Fahne" benannte Beitragshängen. Daß der in der Roten Fahne" benannte Beitrags Humboldtmühle in Tegel am Montagmorgen in den faffierer Mitglied der SPD. ist, hat der Verband der Gemeinde Streit traten. Der Arbeitgeberverband der Berliner Mühlen- und Staatsarbeiter erst durch den Artikel der„ Roten Fahne" er. industrie hat nun für den Fall, daß die Arbeiter der Humboldt fahren. Ein Beweis dafür, daß die Auswahl von Beitragstaffierern mühle bis heute früh 6 Uhr die Arbeit zu den alten Bedingun nicht nach parteipolitischen Grundsätzen erfolgt. Zu solchen Funt gen nicht wieder aufnehmen, zum 11. August die Aussperrung tionen werden Kollegen herangezogen, die das Vertrauen fämtlicher Berliner Mühlenarbeiter beschloffen ihrer Mitkollegen befigen. Wenn ein Mann wie der beund seine Mitglieder durch ein Rundschreiben dahingehend unter treffende Beitragstaffierer sich trotzdem an Arbeitergroschen ver richtet. In einer Unterredung mit der Beleafchaft der Humboldt griffen hat, so ist dieses eher als Beweis dafür anzusehen, daß die mühle am Montag er..ärten die Arbeiter der Humboldtmühle, daß im Betriebe mit demselben zusammenarbeitenden Kollegen sich fie die Arbeit zu den alten Bedingungen froßdem nicht wieder gründlich in ihm getäuscht haben. Denn der ungetreue Beitrags. aufnehmen wollen. Mithin ist heute, Dienstag, mit der Gesamt- fammler wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Beleg fammler wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Beleg. aussperrung in der Berliner Mühlenindustrie beſtimmt zu rechnen.chaft zu diesem Posten bestimmt, nachdem tein anderer bereit Die Funktionäre werden sofort zu der Situation Stellung nehmen. war, diese Funktion zu übernehmen. Um so charakteristischer für das Zum Streit im Schriftgießergewerbe. In Berlin wie im Reiche stehen die Streifenden in der sechsten Streifwoche noch ebenso einmütig zusammen wie bei Beginn des Streit. Die Firma Berthold, Belle Alliance Str. 88 und Gneisenau str. 37 versucht mit Streitbrechern( vom deutsch nationalen" Nachweis) den Betrieb in Gang zu bringen, mit Hilfe der Arbeiter von der Messingabteilung und vom Maschinenbau. Diese Herren fallen ihren eigenen Kollegen, die Streitarbeit ablehnten und deshalb entlassen wurden, in den Rüden. Ein Herr Paul Frize in Briz, Pintschallee wohnhaft, arbeitet an einer Höhenfräsmaschine und lernt Streifbrecher an. Dabei spornt gerade dieser Herr die Arbeiter an, höhere Tariflöhne zu fordern, da auch er sich dann finanziell besser stehe. Ein anderer Meister, Erich Jasmund, Neukölln, Siegfriedftr. 27, Inhaber eines Geifenge schäfts, geht sogar nach dem Schwesterbetrieb Gneisenaustr., um bort Streifbrecher an Graviermaschinen anzulernen. Auch unsere Transportarbeiter ftreifen. An die Kollegen pom Transport der Drudereien wird besonders appelliert, fein fertiges Material abzuholen. ,, Die rote Knorrbremse". Der Vaterländische Arbeiterverein der Knorr bremse" will am 23. Auguft seine Fahne weihen. Dieses Er eignis warf schon am 7. Auguft seine Schatten voraus, in Gestalt eines Artikels in einem Lichtenberger Tageblatt". Der„ warme" Artikel schloß mit den Säßen: " Gaswert Mariendorf, das als kommunistische Hochburg bekannt ist. Es hätte nichts näher gelegen, als das von der Belegschaft aus und den Betriebsräten eine Leberwachung des Beitragsfaffierers durchgeführt worden wäre, zumal die im Gaswerk ar beitenden Kommunisten ja parteipolitisch verpflichtet sind, ihr Mißbeitenden Kommunisten ja parteipolitisch verpflichtet sind, ihr Mißtrauen gegen SPD.- Kollegen zu befunden. Troßdem aber im Gas wert Mariendorf diese Unterschleife seit langem befannt waren, oder wenigstens start vermutet wurden, hat niemand sich bereit gefunden, dem Berbande der Gemeinde- und Staatsarbeiter von diesem Vorfommnis Kenntnis zu geben und erst dem Ein. greifen der Verbandsinstanzen ist es zu danken, daß dieses Wespennest ausgehoben wurde. Wenn also dem Ver: bandskassierer, dem Kollegen 3ietemann, der Vorwurf des Augenzudrückens in dieser Angelegenheit gemacht wird, so ift barin nur Böswilligkeit, wenn nicht Schlimmeres zu sehen. Der für des Augenzudrüdens in dieser Angelegenheit gemacht wird, so ist das Gaswert Mariendorf verantwortliche Branchenleiter ist Mitglied der fommunistischen Partei. also nicht als Beweis zu benutzen, wie„ verrottet" die SẞD. jet, Die bedauerlichen Borkommnisse im Gaswert Mariendorf find sondern umgekehrt, beweist der Vorfall, daß die im Gaswert Mariendorf beschäftigten Verbandskollegen es unterlassen haben, durch lleberwachung ihrer Vertrauensleute solche Vorkommnisse unmöglich zu machen. Nur böser Wille und die Sucht, den freien Gewerkschaften Schwierigkeiten zu machen, ist der Grund der Ausschlachtung der Angelegenheit in der„ Roten Fahne". Eisenbahnarbeiterstreik in Würzburg. " Denten wir noch mit Graufen an das rote Heer der Arbeiter der Knorrbremse, die alles in Lichtenberg terrorisierten und bei allen Würzburg, 10. Auguft. Eigener Drahtbericht.) Die Werk Rempeleien und Schlägereien die Hauptrolle spielten. Die Bestätten, Güterhallen- und Betriebsarbeiter sowie einzelne im strebungen der Knorrbremse, vaterländischen und Rangierdienst beschäftigte Eisenbahnarbeiter sind hier in den feinen internationalistischen Arbeitern Ber. Streit getreten, ba ihre Forderungen auf Einreibung dienstmöglichteiten zu verschaffen, sind sehr zu in eine höhere Tariftlaise nicht erfüllt worden find, begrüßen und werden bald den Namen„ die rote Knorrbremse" Der Gepäcdienst mußte eingeschränkt werden. Bei weiterer Ausin Bergessenheit geraten laffen." Im lezten Satz wird die längst bekannte Tatsache festgestellt, dehnung des Streits soll die Technische Nothilfe herangezogen werden. Nach der Darstellung der Reichsbahndirektion handelt es daß die Betriebsleitung der Knorrbremse bei Ar. sich um einen von den Gewerkschaften nicht unterstützten wilden beitereinstellungen systematisch eine gewisse Streit, der hervorgerufen wurde durch Gewährung höherer Drts Richtung bevorzugt, eben die gelben, sogenannten Baterländischen". Mit der ausdrücklichen Feststellung dieser zuschläge in Schweinfurt. Die Reichsbahnverwaltung hat im allTatsache, durch die in renommistischer Absicht den„ Baterländi- gemeinen Ortszuschläge für die bayerischen Eisenbahnarbeiter abschen Weihrauch gespendet werden soll, hat sich die Redaktion des gelehnt. genannten Blättchens ein Verdienst erworben. Die Knorrbremse wird von den Aufträgen der Reichs. bahn und denen von anderen öffentlich rechtlichen und ftaatlichen Rörperschaften unterhalten. Es muß daher von dieser Firma erwartet werden, daß fie bei ihren Ein. stellungen und Entlassungen objektiv verfährt. Es ist eine Infamie, deren nur Subjefte in den Reihen der Vaterländischen" fähig sind, direkt zu fordern, den gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeitnehmern dürfe teine Arbeitsgelegenheit, teine Eristenz möglich feit eingeräumt werden. Streikerfolg der Ziegeleiarbeiter Oberbayerns. Durch einen erfolgreichen Streit erzielten die oberbayerischen Biegeleiarbeiter, eine Bohnerhöhung von 10 f. pro Stunde. Vom Laudesschlichter waren vorher 3 Pf. vorgeschlagen worden. nicht wenige erworbene Anrechte an den polnischen Knappschaftsverein zu Tarnomik verloren gehen, wenn nicht die Aner fennungsgebührzahlung von einer Stelle besorgt wird. Den durch die Vertreibung schon hart getroffenen Bergarbeitern muß die Sicherheit gegeben werden, daß ihre fnappschaftlichen Anrechte erhalten bleiben, ohne daß sie selbst die Anerkennungsgebühren zu zahlen brauchen. Nach deutschem Recht bleiben die einmal erworbenen Anrechte an den Knappschaftsverein erhalten, solange der Versicherte einer Grubenarbeit nachgeht. Sollen gegenüber diesen vertriebenen Deutschen feine weiteren Schädigungen eintreten, so muß vom Reich- am zweckmäßigſten durch Bermittlung der oberschlesischen Knappschaft-- die Zahlung dieser Anerkennungsgebühren erfolgen. Dabei kommt die bei Invalidität der Bergarbeiter zu zahlende Benfion indirett auch dem Staate zugute. Die Sozialdemokratische Fraktion hat deshalb folgenden Antrag im Reichstag eingebracht: Der Reichstag wolle be= schließen; Die Reichsregierung wird ersucht, der oberschlesischen Knappschaft zu Gleiwiz 200 000 Mart als Fonds zur Verfügung zu stellen. Die aus diesem Fonds fließenden Zinsen sind zur Zahlung der Anerkennungsgebühren für die aus Polnisch- Oberschlesien vertriebenen Bergarbeiter an den polnischen Knappschaftsverein verwenden. Der französische Bankangestelltenstreik. Paris, 10. August.( Eigener Drahtbericht.) Der Streit der französischen Bankangestellten, der nun schon in die dritte Woche eingetreten ist, dauert an und dehnt sich jetzt auch auf Nordfrankreich aus. So wird aus Lille gemeldet, daß am Montag morgen 2000 Bantangestellte die Arbeit niedergelegt haben. In die Marseille, von wo die Bewegung ausgegangen ist, hat die Gewerkschaft der Bankangestellten für Donnerstag den Generalstreit erklärt, falls bis dahin von den Bankleitungen feine annehmbaren Borichläge gemacht sein solten. In Baris hat die sozialistische Gewerkschaft bereits am Montagmorgen den Generalitreit verkündet. Angesichts diefer energischen Haltung der Streifenden hat der französische Ministerpräsident Painlevé selbst die Bankdirektoren zusammengerufen, um die Lösung des Konflikts zu beschleunigen. Verbandstag der Bekleidungsarbeiter. thin Leipzig, 10. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend hielt Genosse Plettl ein Referat über die Aufgaben des deut= schen Gewertschaftstongresses in Breslau, unter besonderer Berücksichtigung der Stellung der Gewerkschaften zum Achtstundentag und zu den Industrieverbänden. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wird als Aufgabe des Gewerkschaftstongreffes bezeichnet, die Notwendigkeit des sozialen Schuzes der Arbeit unter der Parole Ausbau der 1ozialen Gefeggebung auf allen Gebieten des Arbeiterschutzes in den Bordergrund zu rücken." Unveräußerliche Forderung der Arbeiterschaft müsse Wiedergewinnung und stritte Durchführung des Achtstundentages sein. Der Meinungskampf dürfe sich nicht im Streit um die Orgas nisationsform erschöpfen. Der Zusammenschluß der Verbände im Gemeinschaftsbund sei freiwillig. Selbstverständliche Borausfegung für das Zusammenleben im Bunde sei, daß jede Organisation den Schutz des Bundes gegen Angriffe anderer Organisationen ge= nieße. Wenn ein Minderheit von Verbänden, auch wenn sie eine Mehrheit der Mitglieder umfaßt, sich zu dem Beschluß vereinigen wollte, die anderen Verbände zu beseitigen und deren Gebiete unter sich aufzuteilen, wäre das ein ungeheuerlicher Bruch von Treu und Glauben und ein Mißbrauch der Mehrheit, dem unterzuwurden Bleitl, Thierfelder, Weidert und Lehmann ordnen der Verband der Bekleidungsarbeiter ablehnen müßte. Delegierte zum Gewertschaftstongreß aus Berlin, Schmidt Dresden, Heinze- Leipzig und Spreeberg Hamburg gewählt. Sie wurden vom Ber die nach den Vorschlägen des Bundesvorstandes und des Ausschusses bandstag verpflichtet, jede Sazungsänderung abzulehnen, eine organische Entwicklung der deutschen Gewerkschaften hemmt und den angeschlossenen Gewerkschaften den Schutz des Bundes versagt. über Als # Nach einem kurzen Referat des Genossen Stühmer- Berlin die Internationale der Bekleidungsarbeiter wurde einstimmig der Vorstand in folgender Zusammensehung gewählt: Bletti Berlin 1. Vorsigender, Bloog Berlin 2. Borfigender, Heitmann Berlin Kassierer und als Gefretäre Thierfelder, Rugebach, Theifinger, Weidert, Stühmer. Damit hatte der Kongreß sein Ende erreicht. Butab- Ortsverwaltung Berlin. Am Verfassungstage, Dienstag, den 11. Auguft. bleibt unser Bureau gefchloffen. Marinehaus Betriebsversammlung für die Zimmerer ber Firma 91. Achtung, Zimmerer! Am Mittwoch, ben 12. Auguft, vormittags 10 Uhr, im Franke. Die Bertrauensleute eine Stunde früher, also 9 Uhr, im felben Lotal. Die wichtige Tagesordnung erfordert das restlose Erscheinen aller Rameraden, die vor dem Streit bei der Firma Held u. Franke Die Betriebsvertretung. befchäftigt waren. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenitrake 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". ombe. Bom Raubeefgligter waren vorger storagegen Magen- und Berdauungsbeschwerden Vertragsbruch des polnischen Knappschaftsvereins. Anläßlich der Teilung Oberschlesiens wurde zwischen den beiden Knappschaftsvereinen Gleiwig, Deutsch- Oberschlesien und Tarnowiz- Polnisch- Oberschlesien ein Vertrag abgeschlossen, Nehmen Sie Biomalz werden mit Ruilos Knoblauchsaft schnellstens behoben. Gleichzeitig beseitigt er diverse andere Krankheiten und lebel. Ver langen Sie gratis Druckschriften von Ruilos G. m. b. H., Röpenick, Tel. 904. wenn Sie Ihre Gesundheit und ein gutes, blühendes Aussehen erhalten wollen. Ihre| Biomalz kräftigt und erfrischt den ganzen Körper ungemein. Schlaffe, welle Züge Nerven erholen sich, Ihre Arbeitskraft hebt sich. Sie leisten mehr in Ihrem Beruf, verschwinden, die Gesichtsfarbe wird frischer und rofiger, der Teint reiner. 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Jahrgang 1. Heilage ües vorwärts Dienstag, 1J. August 1925 Der Marst all Einst Oic Freiheitsfeckel in den Händen des jäh erwachten Dolkt» leuchtet in die sinstersien Ecken und Verstecke des Bolksbetrugs und gab Häßliches schonungsloser Nacktheit preis. Unter dem Eindruck unerhörter Ueberraschungen des Erkennens und Erfahrens sahen wir auf einmal die Welt um uns anders. Städte schienen ihr Gesicht verändert zu haben und was man als wahrhaft königliche Pracht angestaunt hatte, lastet wie eine Zwingburg auf Blick und Sinn. Auch Berlin schien uns fernen vergangenen Zeiten anzu- gehören, so wenig hielt das Prunkgewand, das die herrschende Schicht über soziale Blößen geworfen hatte, unserem prüfenden Emp- finden stand. Wir sahen aus allem nur das Notgewand der Elends- fahre auftauchen— halb war es Trauer- und Bettelkleid, halb Arbeits- und Häfllingskittel— und wir erkannten, daß die Stadt sich an das Dulderklcid zu gewöhnen begann, daß der sichtbare Ausdruck des über uns gebietenden Geistes in grellem Gegensatz zum wirklichen Gesicht von Stadt und Volk stand. Wir waren in den Elendsrock hineingewachsen und sahen wilhelminischen Parade- und Umformspuk den Trödlern der Geschichte oerfallen. Noch eh« damals die ivuge Republik eine neue Hauptstadt suchte und im Wort der Versasiung endgültig bestinnnte, schien sich schon die ' Millionenstadt von ausgesprochen � republikanischem Gepräge nach dein zu ihr gehörenden republikanischen Staatsgebilde umzusehen — s o tief saß neues Fühlen in den Sinnen und Geistern. Der Umsturz war das Selbstverständ- lichste, das man sich denken konnte. Ehe noch die Man- archie zerbarst wie ein überfälliger Staubpilz, war schon Ber- (in eine republikanische Stadt zu nennen, in der Gottes- gnadentum und Standesrechte am harten Amboß der Arbeitswirk- lichkeit zersprangen. Ehe noch der Herbststurm mit letzten Ret- tlingshosimmgen auch die Kronen hinuntcrwirbclte, war dies repu- d�ilanische Berlin der Zlrbeitsnot und der zürnenden Menschenwürde «che Geschlossenheit geivorden, mit der man zu rechnen hatte. Und ehe es die Verfassung bestätigte, zu einer Volkshauptstadt und zur natürlichen Hauptstadt des deutschen Volkes geworden. Und dies Berlin, unser Berlin, das wir achten und lieben, wollen wir heute am Dersasiungstag mit offenen Augen und suchen- dem Erkennen durchwandern. und Jetzt. Mch etwas für öen Verfassungstag. Es wird für alle Zeit gut sein, ab und zu die Schlösier ehemaliger Fürsten zu betrachten— man kann sie allerdings nicht mit den Arbeitermietskasernen oergleichen, es würde infolge des un- geheuren Mißverhältnisses ins Lächerliche führen. Aber undenkbar ist heute doch für aller Empfinden, daß hier eine einzelne Familie hausen soll— und wenn es ein Fürst ist, es fehlen uns heute dafür die Sinne. Verwundert, daß solches einmal möglich war, stehen wir vor den Rjesenfronten des Museum gewordenen, zu Volksbesitz erhobenen Schlosses. Erweitert durch Üeberweisung von Werken des Kunstgewerbes, gereinigt von den Geschmacksverirrungen seines Das Palais als National gaterie. 'tzten Besitzers, bereitet es nun in der Republik die erste Freude. -»toter und«ohn teilen hierin das gleiche Schicksal: auch das Kronprinzenpalais ward Museum, Bestandteil der Nationalgaleric. Hier sind aus dem wertvollen Sammelbesitz des bedeutenden und berühmten Museums die ausländischen Meister untergebracht— die großen französischen Meister der Farbe gehen hier, wo sicher manches herbe Wort des Hasses gegen Frankreich siel, auf friedliche Er- oberung von Augen und Herzen aus— die Republik, und nur sie, ist Völkerversöhnen und Vermittlung all der Güter, die Leben und Erde erst wahrhaft schön gestallen. In diesem Palais eines ehemali- gen Fürsten steht auch die Büste Friedrich Eberls. Soweit verschiedene Paläste in Staatsbesitz übergegangen sind, haben sie Verwendung für allgemeine Zwecke und damit Sinn gefunden. Die Gärten von Monbijou. Bellevue. Eharlottcnburg wurden Volksbesitz— während ein anderer Garten, noch im Besitz eines Prinzen, der All- gemeinheit verschlossen bleibt, ja, zum Teil zu Geschäftszweckcn verbaut wird. Republik vermag auch nicht zu veredeln— wo e- mn Objekt fehlt. ?m Zeichen öer Republik. Einfach und verhältnismäßig klein erscheint uns ein ander« Palais— das des Reichspräsidenten. Wer immer auch die Wahl traf, hat gut daran getan: inmitten des Rcgierungsviertels ist hier eine ernste Arbeitsstätte. Einfachheit und Würde, sie sind zur Sprachsorm der Republik geworden, und wohltuend und vernünftig gesellt sich ihnen die Zweckmäßigkeit. Vom kaiserlichen Marstall zur volksbibliokhek— welch ein Schritt, welch eine Kluft der Gegen- fötzlichkeit! Wenn wir ihn sahen, da er noch im Reichtum an kaiserlichen Wagen und Pferde schwelgte, so begriffen wir nie, wozu man eine Säulenfassade von übertriebener Pracht brauchte, wo doch nur Ställe und Remisen zu verbergen waren. Heute verstehen wir es. Auf die verlogenheil kam es ja gerade an. Wenn nur äußerer Prunk den kaiserlichen Bauherrn lobte— Bestimmung des Hauses häkle nichts zu sagen. Wir sehen im Geiste diese Fassade zerschossen, von Kugeln durchbohrt, wie wir es in den unglücklichen Weihnachtstagen des Jahres 1318 erlebten. War es ein Symbol, ein grauser Witz der Geschichte? Mit ruhigen, festen Schritten drängt die Republik vorwärts, erneuernd, aufbauend, versöhnend. Wir nehmen es heute am Marstall kaum mehr wahr, daß ihm bewegte Zeit Wunden schlug. Ein weiter Weg bis zur Bibliothek! Das unbegreifliche Ich. GeschichteeiuerIugend. Roman von Tom siristensen. �Berechtigte Ucbersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) „Hör mal, Mutter," fragte ich plötzlich und kam hervor- gekrochen,„würde Jesus den anderen Kindern keine Kirschen gegeben haben?" „Auf was du auch alles verfällst! Ich hätte dich doch lieber nicht mit all den biblischen Geschichten vollpfropfen sollen. Raus mit dir jetzt, geh nach unten und spiele wie die anderen Kinder, dann kannst du später wiederkommen und Schokolade kriegen." Ich setzte mich sofort in Bewegung. Ein neuer Gedanke hatte Besitz von niir ergriffen. Ich wollte hinaus und ver- suchen, ob ich so gur wie Jesus wäre, aber den anderen wollte ich nichts davon erzählen, denn davon sprach man nicht. Schnell kroch ich aus meinem dunklen Bersteck unter dem Tisch hervor, ergriff meine Kopfbedeckung, eine Matrosen- mutze mit goldenen Buchstaben und flatternden Bändern, und lief durch den Laden, ohne irgend etwas zu Sannielsen zu sogen, der auf dem Stuhl für die Kunden saß. Auf der eisernen Treppe blieb ich wie gelähmt stehen. Auf dem ganzen dreieckigen Platz befand sich nicht ein einziger Spatz Aber es waren ja auch keine Droschken da. deren Pferde Häcksel aus den Futterbeuteln verlieren konnten. Nur drüben, an der roten Kirche, hüpften ein paar Vögel in den Bäumen und schlüpften in dem dichten, staubigen Laub aus Da hinüber ging ich: doch die Vögel zwitscherten ruhig weiter. Ganz oben bemerkte ich ein S�atzenhahnchen mit schwarzem Brustlatz, wie es von einem ,z,weig zum anderen hüpfte, so daß die Blätter zitterten und die dünnen Sonnen- strahlen in Bewegung gerieten. Er kümmerte sich nicht um mich. Ich stellte mich auf Zehenspitzen, schlug mit den Armen und sagte:„husch!" Einige Blätter raschelten, und er flog fort. Die gespannte Freude, die ich empfunden, als ich die Furchtlosigkeit des Spatzen sah, verschwand. Nein, ich konnte nicht wie Jesus sein. Aber hatte der denn auch„husch" zu den Tieren, Löwen, den Tigern, den Elefanten gesagt? Nein, er hatte bloß den Arm ausgestreckt und das war noch kein Beweis. Der Vogel hatte hoch oben im Daum gesessen und mich nicht gesehen. Er wäre auch, wenn ich nicht gezischt hätte, fortgeflogen: ja, war er nicht schon im Begriff gewesen fortzufliegen, als ich kam? Ich trat auf den hellen Sankt Annaplatz mit den palast» artigen, weißen Häusern hinaus. Es lag stets ein zarter Glanz über ihm, und ich glaubte, er käme von Amalienborg her, wo der König wohnte. Ich fühlte mich immer wie im Märchen, sobald ich unter die Bäume des Platzes trat, und wenn ich allein war, atmete ich rascher vor Beklemmung. Auf einer der Bänke saß Ejnar, der Sohn der Kirchen- dienerin, in einem Sportanzug und schrabte mit der Seite sei- nes Stiefels eine runde Rinne in den Kies. Meine Angst vergrößerte sich. Ich war auf die freie Seite gekommen, und konnte mich nicht in Sicherheit bringen. Ich ging langsam, ohne ihn anzusehen, an ihm Vorbei, denn ich wußte, daß er das nicht leiden konnte und es war mir unangenehm, wenn er rief:„Was glotzt du denn da, du Affe!" Ich stierte unverwandt auf die dunkleren Häuser unten in der Bredgade: aber in meinem rechten Arm, der nach seiner Seite ging, zuckte es. „Esel!" rief er. Es durchzuckte mich. Ich sah mit einem hastigen Blick, daß er die Hände gegen die Bank stemmte, als ob er austprin- gen und mir nachsetzen wollte, und ich war bereits ein Stück an ihm vorbeigegangen, so daß ich nicht umkehren konnte. Ich mußte nach der Bredgade herunter laufen, weiter und weiter fort. Erst hier unten blieb ich stehen und bemerkte voller Un- ruhe die grauen Häuser, die schuld daran sind, daß ich mich dieser Straße stets in einer Beleuchtung, wie vor aufziehendem Regenwette? erinnere. Ich sah mich vorsichtig um, nein, Ejnar kam mir nicht nach: aber ich mußte einen großen Umweg in das Ungewisse hinaus machen, nach der Marmorkirche und Amalienborss zu, um ihm zu entgehen. Ringsum mich herum waren ftemde Läden. Und Herren und Damen waren hier, die so merkwürdig langsam gingen und kalte Gesichter hatten. Ein Botenjunge mit einem Zieh- wagen, der ein Stück Bandlakritze aus dem Munde hängen hatte, beruhigte mich wieder etwas. Er rollte mit Zunge und Lippen die Lakritze zusammen und ließ sie langsam auf diese Art m seinem Schlund verschwinden. Und eine Pferdebahn fuhr vorbei. Eine hohe Pferdebahn mit einem großen, schwarzen O. Ein Haufen Spatzen flog grade vor der Nase des Pferdes in die Höhe und setzte sich wieder, als die Schienen frei wurden. Da hatte ich also die Spatzen und sofort vergaß ich die fremde Umgebung. Vorsichtig ging ich auf den Damm und zwischen die Schienen. Nun kam es darauf an, gut zu fein! Ich nahm meine ganze Güte zusammen, ich fühlte mich zum Platzen voll von arttgen Vorsätzen und lächelte starr; und ich versuchte mich gleichsam vom Boden zu erheben, mein Schwergewicht nach oben zu verlegen, so daß ich über'm Ma- gen und den untersten Rippen spüren konnte, wie leicht ich wurde. Ich fühlte mich ähnstch wie im Traum, wo ich von Langelinie aus über das Wasser gehen konnte, wenn ich bloß ganz vorsichtig auf die Wellen trat. Doch während ich im Traum, ein Traum, den ich oft träumte, stets mit dem ganzen Fuß auftrat, damit meine Stiefelspitzen keine Löcher m die Wellen machten, ging ich jetzt auf den Zehen, mit schwanken- den Tritten, die Arme ausgebreitet, wie einer, der durch feich- tes Wasser geht und näherte mich vorsichtig einem Spatzenweibchen, das an den blanken Pferdebahnschienen entlang- hüpfte. Ich kam immer näher. Ich sah deutlich ihr dunkles, hartes Auge und ihren Schnabel. Ich tat noch einen Schritt, aber geriet dabei auf meinen Zehenspitzen ins wackeln, jo daß ich mit den Armen ausschlug und die Spätzin sich hoch in die Lüste auf ein Fenstersims schwang. Ich mußte also noch ruhiger gehen. Jesus schlug auch nicht mit den Armen aus. Das erschreckte die Spatzen bloß. Sie konnten es leicht mißverstehen und annehmen, ich wollte sie fangen; und ich wollte doch nur an ihnen vorbeigehen, ganz dicht, so, daß ihr Schwanz meinen Schuh berührte! Ich näherte mich einem anderen Vogel und diesmal konnte ich besser die Belance halten. Und ich bemühte mich aus aller Kraft gut zu sein: ich ließ ganze Ladungen von Güte in mir hochsteigen, ging ganz vorsichtig. Da, da saß er, da saß er! Aber im selben Augenblick rief ein Mädchen: „Waldemar, du darfst nicht auf den Pferdebahnschienen gehen, ich sage es deiner Mutter!" Der Vogel flog fort, und ich lief auf den Bürgersteig. (Fortsetzung solgfcj j Volkskultur. land und in Deutschland bekannt werdende Fall völkischer Roheit in Berlin hält der Stadt tausend Fremde fern. Und doch nur Abbild des Kulturweges, den die Republik im großen und die Finsternis der Winkel aufgesucht hat. Und es find viele| Fremde unbelästigt auf der Straße ergehen können. Jeder im Aus wandelt. Gegner, und auch die offenen verschmähen es nicht, ihrem Kampfe wider die Verfassung das Kennzeichen des Heimtüdischen aufzudrücken. Merkmal des Neuen ist der Sinn für Wahrhaftigteit. Wie wir selbst äußerlich scheinen wollen, was wir im Innern sind, so verlangen wir es von Trägern und Wertergeb= nissen des geistigen Lebens fordern jenes Maß von Wahrhaftigkeit, das zu Einklang und Vollendung führt: Einklang von Arbeit und Arbeitenden, von Bestimmung und Ausdruck, von Ziel und Weg, von Mensch und Gemeinschaft. Und Einklang von Berfassung und Staat, von Reich und Volk ver mögen wir nur in der Republik zu sehen, die uns in tiefster Not, da wir schon dem Abgrund verfallen waren, Rettung und neues Leben ward. In all der Schwere der Jahre, die die an sich arbeitende junge Republik begleiteten, ging das Ringen nach Geistesbefiz und seiner Volkserschließung das Streben nach hohen Zielen der Volkskultur nicht unter. Theater des Staates lebten neu auf, verbreiterten Kunst, um sie zugleich auch zu vertiefen. Volkshochschulen zogen mächtige Kreise. Die Kunst tam näher ans Volk heran, kunft flieg wieder aus dem Bolke felbst auf. Wir erlebten proletarische Feierstunden, erkannten im Sprechchor neue, republikanische Kunst. Vorüber wandernd an Regungen und Beseelungen durch das Neue in alte Form glauben wir die Gesetze zu entdecken, die aus der alten Reichshauptstadt, ohne äußerlich viel zu ändern, die neue Hauptstadt des deutschen Volkes gestalteten. Dabei ist sehr wohl zu bedenken, daß das Werden der Republik ein Geistiges ist, mit Entfaltung von Kräften, die sich vielfach der äußeren Wahrnehmung entziehen, wie denn auch die Feindschaft, die von der Republik auf ihrem Wege von Staatsform und Macht ausübung zu völliger Erfassung des Volkes in der sozialen Republit, überwunden werden muß, längst wieder die Heimlichkeit Die neue Hauptstadt der Republik wird einmal, wenn Stillstand der baulichen Entwicklung nicht mehr äußere Monumentalität hindert, ein echtes und stilvolles republikanisches Gewand tragen. Bis dorthin wollen wir zufrieden sein mit wenigem es spricht Geist daraus, der gut ist, und den wollen wir alle wahren und entwickeln. Die Republik bat das Wort! F Die Hunderttausende auf der Treptower Spielwieje. Am Sonntag wurde eins vollkommen flar, nämlich der Unter. schied zwischen den Symbolen des alten und des neuen Reiches. Einst rief die Trommel zum Streit für Kaiser und Fürsten und die Fahne Schwarz- Weiß- Rot führte uns nur dahin, wo es Greuel, und Jünglinge Bernichtung und Tod gab. In Zukunft würde es nicht anders sein. Mit der Fahne schwarzrotgold aber und mit den anspornenden, Freude und Begeisterung weckenden Rhythmen des Reichsbannermarsches verbindet die überwältigende Mehrheit des deutschen Boltes in aller Not und Unzulänglichkeit dieser Zeit die Gedanken des Friedens, der Berständigung, der Freiheit und der freudigen Hin gabe eines arbeitsfrohen, seiner Zukunft sicheren Voltes. Keiner dieser 100 000 Reichsbannerleute wüßte zur Stunde einen äußeren Feind, gegen den er unter der schwarzrotgoldenen Fahne marschieren könnte. Aber jeder einzelne dieser hunderttausende deutschen Männer diese erschütternde und jäh emporreißende Gemißheit erhielt man auf dem Plan von Treptowift bereit, fein Herzblut für die Ideale hinzugeben, die unsichtbar und dennoch gewiß auf den feurig glühenden Spizen der tausend schwarzrot. goldenen Fahnen diefer herrlichen Armee des arbeitenden Bolkes flatterten. Was diese hunderttausend Kameraden aus Berlin, aus der Provinz, aus dem Reich und aus Desterreich geleistet haben an Opfern persönlicher Art, an Selbstentäußerung und Disziplin für das hohe Gut der Freiheit und der deutschen Einheit, das beansprucht, voller Hochachtung anerkannt zu werden. Wie einst in Magdeburg, wie jüngst in Frankfurt am Main und hier bereits in einem witer umfassenden höheren menschlichen Sinne, so auch jetzt wieder in Treptow hat das Volk sich selbst erlebt. Es hat gesehen, daß das Reichsbanner über Hunderttausende verfügt, die auch da' And, wenn sie gerufen werden und die ganz bestimmt nicht formen würden, wenn nicht auch eine innere Stimme fie riefe. Die Deutschösterreicher im Vorwärts". In den Vormittagstunden des Montag besuchten 40 Mann unfrer Parteigenossen aus Deutsch österreich den Be cwärtsbetrieb. Nachdem sie im Bureau des Parteivor. fandes begrüßt worden waren, besichtigten sie unter fachkundiger Führung die Zeitungs- und Werkseyerei, die Buchbinderei und die großen Rotationsmaschinenfäle. Besondere Bewunderung hatten die Desterreicher für die riesigen Kupfertiefdruckmaschinen, auf denen unsere illustrierten Beilagen hergestellt werden. Nach herzlicher Verabschiedung von den leitenden Genossen und vom Per jonal fuhren die Gäste zur weiteren Besichtigung Berliner Sehenswürdigkeiten weiter. BERLINER MESSEN ond Das öffentliche völkische Aergernis. Berlin wird von den Fremden boykottiert werden. Was sich die völlischen Spettafelhorden am Sonntag im Berliner Westen an Terrorismus und Unflätigkeiten geleistet haben, spottet jeder Beschreibung. Von allen Seiten gehen uns zuschriften zu, die geradezu unglaubliche Szenen von der Aktivität dieser politischen Lausbuben berichten. Anscheinend aus Rache über den Riefenaufmarsch der Republikaner an der Spree erwählten sich die Hafenkreuzler den Kurfürstendamm zum Rummelplaz ihrer patriotischen Belange". Dieses Gesindel scheute sich nicht, ehrliche Bürger, ältere Herren, die spazieren gingen, grundlos anzuspuden und aufs unflätigste zu be schimpfen. Diese Flegel find durch eine gewiffenlose Hezpreſſe fanatisiert, daß sie sich an Frauen und Mädchen ver griffen haben und das ganze westliche Biertel in einen 3ust and ber haten treuzbittatur durch minderjährige Bulle- Söhne versetzten. Die Hakenkreuzler obenauf! Bollkommenes Bersagen der polizeilichen Leitung. Am Montag nachmittag gegen 5 Uhr hatten sich ungefähr zwanzig Hakenkreuzler am Play vor dem Potsdamer Bahnhof ver jammelt. Sie nahmen eine große Latte, mit der sie vergeblich versuchten, die schwarz rotgoldenen Fahnen, die zur Begrüßung aufgehängt waren, herunterzureißen. Als ihnen dies nicht gelang, gingen sie dazu über, die Passantn zu belästigen, indem sie jeden, der ein schwarzrotgoldenes Abzeichen trug, mit dem Wort Mörder" beschimpften. Als sich die Passanten auf diese Provokation nicht einließen, wurden die Hakenkreuzler tätlich und es fam zu einer Schlägerei, so daß die Polizei gezwungen war, einige Berhaftungen vorzunehmen. Die Verhafteten gehörten den Hafenfreuzleuten an, unter ihnen einer, der am gestrigen Tage schon dreimal von der Polizei gestellt worden ist, der also gewissermaßen diese Tätigkeit" berufsmäßig ausübt. Es haben sich von beiden Seiten eine Menge Zeugen gemeldet. Kurze Zeit darauf spielte sich, gleichfalls auf dem Plaz vor dem Potsdamer Bahnhof, eine Episode ab, die einmal sehr bezeichnend war, aber auch ein Vorspiel für einen weiteren Borfall bedeutet. Ein Auto mit fünf Reichsbannerleuten fuhr vor. Die Reichsbannerleute stiegen aus und unterhielten sich ein paar Minuten mit dem Chauffeur. Dann fuhr das Auto ab und die Reichsbannerleute blieben noch einen Augenblit in entsprechender unauffälliger Haltung stehen. Hier muß einges schaltet werden, daß die Verhältnisse auf dem Plaz vor dem Potsdamer Bahnhof sich, dank der totalen Unfähigkeit des Leiters der zuständigen Polizeiinspettion, bereits so weit entwickelt hatten, daß die Anwesenheit von ein paar weiteren ruhigen Reichsbannerleuten genügt, um sich sofort eine Menge Be findel, angetan mit völtischen Abzeichen, versammeln zu lassen. So auch hier. Plöglich schoß ein Schußpolizeiwachtmeister- auf die Reichsbannerleute zu und forderte die verdußten Männer in einem Kasernenhofsschnauzton auf, sich auf der Stelle zu entfernen. Der aufgeregte Herr aber wurde merklich stiller und zog sich endlich zurück, als er von anderer Seite sehr energisch darauf aufmerksam gemacht wurde, daß er er war übrigens gar nicht im Dienst und andere Beamten waren vorhanden doch wohl zuerst die Pflicht gehabt hätte, den völkischen Mob, der sich verdächtig im Rüden der Reichsbannerleute zusammenrottete, von der Stelle zu weisen. Breits um 48 Uhr ereignete fich, abermals auf dem Plaz vor dem Potsdamer Bahnhof, ein weiterer, faum noch zu überbietender Zwischenfall. Um diese Zeit wollten einige Reichsbannerleute nach Potsdam und nahmen vor dem Bahnhof Aufftellung. Sie verhielten sich durchaus ruhig und zu rüdhaltend, obgleich feine zwanzig Schritt weiter eine Hafenfreuzlerhorde und an der Jostyede eine weitere Ban. ditenschar Don etwa 30 bis 40 Rerlen Aufstellung ge nommen hatte. Dieselben Vandalen, die noch einige Stunden vorher versucht hatten, den Flaggenschmuck vor dem Bahnhof gewalt. fam zu entfernen. Wieder erschien der bereits vom Sonnabend fattsam bekannte Polizeimajor und forderte in einem ftandalösen Ton die Reichsbannerfameraden auf, den Borplaz zu räumen oder den Bahnhof zu betreten. Wer feinem Befehl nicht Folge leisten wollte, den würde er gemalt= fam dorthin bringen. Ich habe das Theater fatt", endete seine Rede. Die Mienen der Hafenfreugler erhellten sich zusehends ob des Berhaltens diefes republikanischen" Majors. Ohne im Augenblid bei diesen Episoden zu verweilen, muß gefagt werden, daß die Dinge auf dem Plaz vor dem Potsdamer Bahnhof fo nicht weiter gehen dürfen. Zudem ist das Berliner Polizeipräsidium ganz genau unterrichtet, und es muß aufs äußerste befremden, daß es an verantwortlicher Stelle in ber zuständigen Inspektion Personen duldet, die sich offenbar die größte Mühe geben, den alten Geift" wieder lebendig zu machen. Die bedauerlichen Vorfälle am Sonnabend, nach denen das Bräsidium gewarnt worden mar, und die Vorkommnisse am Montag laffen es als notwendig erscheinen, daß nicht nur der Wachtmeister und der Major energisch angepfiffen werden, sondern daß auch die leitenden Herren der Inspektion in eine Gegend versetzt werden, wo es ruhiger und gemütlicher ist als gerade im Zentrum der Weltstadt. Der Fackelzug. in Potsdam. Nun hat auch Potsdam feine würdige republikanische Rund gebung gehabt. Die Straßen, durch die der Fadelaug ging, wares feit Stunden befeßt. Der Aufbruch wurde verzögert, weil die Bolizei aus Berfeben die Charlottenburger Abteilung aufgehaltes hatte. Um 10 Uhr feste fich der Zug in Bewegung und zog durch die Hauptstraßen Potsdams unter regſter Beteiligung bei Botsdamer Bevölkerung. Die Straßen waren oft dermaßer überfüllt, daß der Bug nicht weiter fonnte. Di österreichischen Brüder, ungefähr 150 Mann, erlebter ständige Dbationen. Um 10 Uhr löste fich der Fackelzug auf dem Schloßplatz auf, dort wurden die Fadeln zusammen geworfen, und der Abend schloß mit einem gemütlichen Bei fammensein. non Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianfte. 87/38, Sof 2 r. Gauvorstand, Wassersportabteilung. Gämtliche Rameraden, die eigene Boote besigen, melden fich zum Eintritt in die Wafferfport abteilung. Anmeldung an den Gau oder durch die Kamerabfchaften.- Kame radschaft Wedding. Mittwoch, den 12. Auguft, 6 Uhr, bei Müller, Uferitrae Ein ganz besonders roher Ueberfall durch völtifche Mord gesellen ereignete sich in der Nacht zum Montag auf dem Fehrbelliner Blag, wo ein fieiner Trupp Reichsbannerleute, der von dem Treptower Volksfest zurückkehrte, von nationalistischem Gesindel überfallen wurbe. Hierbei taten sich auch Gäste eines in der Nähe befindlichen Cafés hervor, die, ohne Kenntnis von den Dingen zu haben, unter wilden Hezrufen auf die Bannerleute einschlugen. Ein unbeteiligter Herr, ein Berliner Journalist, der auf seinem Nachhauseweg des Weges kam, wurde von den völkischen Knüppelhelden unter den wüsten Burufen: Efenber Judentümmel! Schlagt ihn tot!" umringt und mit Stöcken und Knüppeln aufs infamfte bearbeitet, bis er ver. letzt zu Boden stürzte. Bei diesem empörenden Borfall, bei dem ein Unbeteiligter von dem fanatischen Gesindel aufs schwerste miß handelt wurde, verhielt sich die Polizei froß der dringenden Hilferufe des meuchlings Ueberfallenen völlig paffiv und ließ die Erzesse des rechtsradikalen Böbels ungehindert geschehen. Und das, trotzdem genügend Polizeifräfte versammelt waren, um die Banditen zurück zuweisen und den Ueberfallenen, wie es die Pflicht der Polizei gewesen wäre, zu schüßen. Es muß als wirklich standalös bezeichnet werden, daß dem schamlosen Treiben einiger hundert völlischer Spektakelisten nicht ganz anders entgegengetreten wird, als es bisher geschehen ist. Wir fordern mit allem Nachdruck endliche und nachdrücklichste Abhilfe durch die Behörden. Es geht nicht mehr so weiter mit dem völkischen Vandalismus! Bollfommen unverständlich ist die Schlafmüßigkeit der Ber- schaft Lichtenberg nebst Untergruppen. Donnerstag, den 13. Auguft, 7 Uhr liner Stadtverwaltung, die auf der einen Seite den Fremdenverkehr fördern möchte und auf der anderen Seite nicht imftande ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung des ihr unterstellten Gemeinwesens so auszugestalten, daß sich friedliche Einheimische und 3. FACHMESSE DER | haben im Bereinslotal Wilhelmshof, Berliner Ede Spreestraße. Kamerab Antreten zur Beteiligung an der Beranstaltung im Eunapart. Eintritt 1 w Karten find bei Müller zu haben.- Kamerabschaft Kreuzberg. Dienstag, der 11. August, 7 Uhr, Antreten Untergrundbahnhof Uhlandstraße zum Besuch be Lunaparts. Eintritt 1 M.- Kameradschaft Charlottenburg. Die Ramevaden beteiligen fich an der Bormittagsveranstaltung am Dienstag nicht. Dafiti Mittwoch abend 7 Uhr an der Beranstaltung im Lunapart. Rarten find a fchaft Wilmersdorf. Um 11. August, 6.45 Uhr, Untreten Fehrbelliner Plat aur Teilnahme an der Verfassungsfeier der Schukpolizei im Lunapart. Spiel leute und Fahnen find zur Stelle. Kamerabschaft Steglig. Die Rameraden, die am Dienstag an der Beranstaltung im Lunapart teilnehmen wollen, schließer sich der Kameradschaft Schöneberg an.- Ramerabschaft Köpenid nebit Unter gruppen. Dienstag, den 11. Auguft, 6 Uhr, Antreten auf dem Köllnischen Blah. Kranzniederlegung bei den Opfern des Weltkrieges und des Kapp Rameras Butsches. 8 Uhr Sammeln auf dem Wilhelmsplak zum Fadelzug. Antreten der gesamten Rameradschaft mit Spielmannzug am Bahnhof Lichten berg- Friedrichsfelde. Ramerabschaft Weißensee. Donnerstag abend Uebungs Ramerabschaft Bankow mit Unter und Sportabend im Grünen Paum. gruppen. Mittwoch abend 6 Uhr Treffen der gesamten Teilnehmer für der zur Stelle. Lunapark Bornholmer Straße Ede Schönhauser Allee. Tambourkorps ebenfalls SCHUH- UND LEDER- WIRTSCHAFT vom 9.- 12. August/ AUSSTELLUNGSHALLEN KAISERDAMM verbunden mit der Ausstellung: Die Reklame des Schuh- und Lederwarenhändlers' Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags Der Arbeiterfugendtag. Der vierte deutsche Arbeiterjugendtag wird nicht nur im Herzen der Jugend fortleben. Auch Hamburg wird sein Andenken treu bewahren, denn die jungen Menschen, die seine Straßen und Pläge, feine Kanäle und Häfen mit leuchtenden roten Fahnen und jungem und frohem Kampfmut belebten, sind ihm liebe Gäste gewesen und die vergißt man nicht. Was die Hamburger Arbeiterschaft an Gastfreundschaft und freundlichem Willkommen darbot, wird tausend fältige Frucht werffroher Solidarität tragen. Es ist unmöglich, die Fülle des Dargebotenen einzeln zu beschreiben, aber einige Einzelschilderungen mögen den Geist, der den Hamburger Jugendtag befeelte, wiedergeben. Die Jugend huldigt den Parteiveteranen. Ein unvergeßlicher Anblid, wie die Taufende und aber Tausende der jungen Fackelträger ziehen durch die Straßen. Rot leuchten die Fahnen. Gefang flattert auf. Und wie ein feuriges Heer ziehen sie von den verschiedenen Stadtteilen einem Ziel zu, dem Heiligengeist feld. Der Name des Plages selber war schon ein Symbol. Das war der heilige Geist der Solidarität und flammenden Belöbniſſes, der nicht nur aus den tausenden Fackeln und roten Fahnen sprach, son dern auch aus den Seelen der jungen Fackelträger, die ihren alten Bahnbereitern huldigten. Alle leuchtende Namen des Sozialismus waren barunter, doch auch ſtillere Namen lofe, in deren Lebensabend der Glanz diefer feierlichen Stunden als starte Zukunftsverheißung fortleuchten wird. Der Neger winft. Arbeiter Sport Die blamierten Moskauer! um Fahne", ist bekanntlich auch das einzige Propagandablatt" für den Das einzige wirkliche" Arbeiterblatt Groß- Berlins, die„ Rote Arbeitersport. Ganz besonders die Einheitsfront aller Arbeitersportler" wird mit großer Begeisterung propagiert. Fahne" lediglich durch ein technisches Bersehen" seit einem Für die 1. Arbeiter- Olympiade in Frankfurt a. M. hatte die" Rote Jahre die Parole ausgegeben: Wenn die„ Rote Sport- Internationale" nicht teilnehmen darf, so ist die Teilnahme der KPD.- Sportler in Frankfurt abzulehnen. Kurz vor der Olympiade hat die R. F." sogar diesen" irrtümlichen" Sabotagebefehl ausdrücklich widerrufen und die Moskauer Zentrale der RGI. sandte außerdem offizielle Bertreter nach Frankfurt, über die Einheitsfront" mit der Festleitung die sonst gar feine Beschäftigung gehabt hätte zu beraten. Nun muß die RGI. die sonst gar keine berichten, daß die unermüdlichen Anstrengungen für die EinheitsRSJ. front bei den Führern der Luzerner Internationale nicht die ent. sprechende Würdigung gefunden habe. Aber auch bei den Ber. Ununterbrochen fuhren die Dampfer für die Hafenrundfahrt der abgefallen. Die jugoslawische Boltsstimme" in Maribor tretern der einzelnen Länder ist die RSI. offenbar böse Arbeiterjugend. Der Hamburger Hafen, eine brausende und gefchreibt unter der Ueberschrift: Die RSI. beim Gimpelfang in waltige Symphonie der menschlichen Tatkraft. Ein Anblick, der Frankfurt": immer wieder feffelt. Krane mit gewaltigen Armen und eisernen Krallen, die ungeheure Lasten spielend bewältigen. Werften. Trodendocks. Riesendampfer und Segelschiffe aller Nationen. Kleine starke Schleppdampfer. Und über allem der fast immer ein wenig bewölkte Himmel, zu dem wie ein Opfer der schwarze Rauch von Schiffen und Werften steigt. Hier könnte man zu einer Menschheit beten, die solche Wunderwerte schafft. Doch der Arbeit Schöpfung ist noch unerlöft, noch ist die Arbeiterschaft der Welt nicht Herrin der Güter, die sie schafft. Doch die rote Fahne ist das Symbol fünftiger Gerechtigkeit. Und rot waren die Fahnen, die die Jugend mit sich führte. Ueberall wurden die jungen Menschen jubelnd begrüßt von den dunklen Werftarbeitern, von den Dampfern aller Nationen. Sie alle grüßten in den roten Fahnen der Jugend die Internationale. Auch ein Neger wintte ihnen begeistert Gute Fahrt zu. Die roten Banner, gehalten von den Fäusten junger Arbeiter, vorbeigetragen an Schiffen von allen Erdteilen und der Wunsch eines Arbeiters der noch am meisten entrechteten Raffe, das sei zukunftsträchtiges Zeichen für eine gute Fahrt" der Arbeiterinternationale Bei Hagenbed. ,, Jegt gehen wir zu Hagenbed", das war die Losung gar Bieler. Und die Völkerschau mit den Malabaren wie die Illufion von frei lebenden Raubtieren taten ihre Wirkung. Um so mehr, als drei See Löwen auf der Promenade lustwandelten, so weit man eine er zwungene Promenade zweds Ortsveränderung so nennen tann. Kein Wunder, daß die Papageien wie wild auftreischten und selbst die phlegmatischen Pinguinen ein wenig aus der Ruhe tamen. Löwen, Tiger, Affen, Schlangen, der ganze freilebende 300 übte seine starte Wirkung auf die Jugend aus, die zum Teil noch feinen" 300" gesehen, so daß nicht nur der Hafen ihr Weltbild erweiterte. Die Freifahrtkarte. Es war ein fluger Gedanke der Festleitung, für einen geringen Betrag der Jugend Ausweistarten zu besorgen, die zur freien Fahrt für die beiden Festtage auf der Hoch bahn, Straßenbahn und Alsterdampfern berech tigten. Ein jeder fühlte sich als M. d. R. en miniature. Und die Alfterdampfer mußten daran glauben, die Straßenbahn und Hoch bahn zugleich. Die Jugend hat ihre Karten reichlich verfahren. Die unvergleichlich schöne Alfter mit den eindrucksvollen Hamburger Türmen, umftanden von geduldigen Anglern( fie angeln wohl nichts, aber das Angeln tostet wenigstens nichts. Glückliche Hamburger!). Eine schier unendliche Schar weißer Segelschiffchen und Boote auf schimmernden und blinkenden Fluten und fattes Grün der Anlagen. Und Straßenbahn und Hochbahnen, wie der wandernde Fuß, wie trugen sie die Jugend zu Hochhäusern, stolzen Zeichen felstbewußter Kraft, zu Kirchen, Kanälen und Häfen. Jungjozialistische Kundgebung. Sur selben Zeit, wie Ollenhauer und Maschte die Forderungen auf Jugendschuß und Jugendrecht erhoben, sprach Prof. Dr. Rad. bruch über die staatlichen und revolutionären Aufgaben der Jungfozialisten". Eine tiefschürfende Rede, die hart mit den Problemen rang. Es war eine helle Freude, die jungen Menschen mitdenken zu sehen, und eine Berheizung zugleich. Phrasennebel wird eine solche Jugend nie ganz verhüllen können. Dem Vortrag voran gingen Rezitationen, Die Menge" von Verheeren und„ Die große Stadt" von Walt Withmann, meisterhaft gesprochen von dem jungen Arbeiter Willi Kagelmacher. Die Schlußfeier. Am Sonntag nachmittag demonstrierten 3ehntausende von Jugendlichen für Jugendrecht und Jugend schutz in schier endlosem Zuge. Im Stadtpart fand eine große internationale Kundgebung statt. Auch Spiel, Tanz und Bewegungschöre famen zu ihrem Recht. Bei beginnender Däm merung verfammelten sich die Teilnehmer zur Schlußfeier im Stadion. Einfachste Worte und doch das ganze unheimliche Schidfal. Die Bühne verschwindet, Spieler und Hörer verschmelzen in Eins. Das größte Erlebnis des Jugendtags wächst alle zwingend empor. Was ist die herkömmliche Schaubühne gegen diese Gemeinschaft. Immer höher steigt die mitreißende oge. Graue Not wird besiegt durch die Helfer, die kommen. Mit Liebesfahnen, mit Purpur fahnen!" Hundert blutrote Fahnen, aus dem Heer der Zuschauer felbft sich entwindend, die Bühne stürmend und Alle aufreißend zum Gefang der Behntausend: Freude schönes Götterfunt, Tochter aus Elysium". Geschäftliche Mitteilungen. Die Direktion bes Rose Theaters" gewährt unseren Abonnenten fülr bie Reit vom 11. bis 15. Auguft ganz besondere Vorteile und gibt gleichzeitig befannt, daß die Operette ,, Der Golbat der Marie" nur noch bis zum 13. August auf dem Spielplan steht. Ab 14. August gelangt täglich abends 7% Uhr die Operette Das Schwarzwaldmädel" zur Aufführung. Näheres fiehe heutiges Inferat. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 11. August. Si Außer dem üblichen Tagesprogramm: " Gleich am ersten Tage sind die Vertreter der jugoslawischen Delegation mit der Delegation der RSI., die in allen Ländern die Arbeiter- Turn- und Sportbewegung zu spalten fuchi, zufammengetroffen.... In der kurzen Aussprache hat Genosse Erzen die Sünden der kommunistischen Internationale auf gezählt und auf das große Verbrechen hingewiesen, das die Rote Internationale an der jugoslawischen Arbeiterbewegung begangen hat.... Die Moskauer ließen sich dann nicht mehr bliden, nachdem sie gesehen hatten, daß in Frankfurt nichts zu machen ist. Mit der versuchten Gegendemonstration des kommunistischen Jungsturms in Frankfurt haben sich die Kommunisten nur blamiert!" Arbeitersportler verschiedene Demonstrationen gegen diese schwarzDemgegenüber behauptet die Rote Fahne", daß Zehntausende rotgoldene, der Bourgeoisie ergebene Beranstaltung anläßlich der Rückkehr veranstaltet" hätten. Ferner heißt es in Fettdruck: 3weimal mußten während der Wettkämpfe die schwarzrot. goldenen Fahnen eingezogen werden, weil die finnländischen und lettländischen Genossen sich weigerten, unter diesen Fahnen zu ſtarten." " fein Bon den Demonftrationen" hat merkwürdigerweise teiner etwas gesehen, außer daß die Berliner Bahnwagen von einigen Schmierfinten mit Rot Front" und hoch die RSI." befrigelt wurden. Auch von dem Einziehen der Fahnen weiß offenbar außer der„ Roten Fahne" die nicht da mar Mensch etwas. Der Vorstand des Arbeiter Turn. und Sportbundes teilt uns auf Anfrage mit, daß weder im Hauptausschuß noch im Technischen Ausschuß irgendetwas da Don betannt ist. In der Kampfbahn der Sportler die hier in Betracht fämen rotgoldenen Fahnen, mit Ausnahme derjenigen, die ringsherum in maren überhaupt feine besonderen schwarzallen Landesfarben angebracht waren und der Fahne auf dem Hauptgebäude. Auf den beiden Masten im Stadion wie am Eingang waren rote Fahnen aufgezogen. Es ist selbstverständlich, daß die Rote Fahne" die„ Einheitsfront" mit ihren Bolemiten in feiner Weise fördert. So wie die Verhältnisse jezt liegen, darf erwartet werden, daß auch in Berlin bald alle Arbeitersportler den Gimpelfang gleich den auslän dischen Genossen erkennen werden. Die sonst so hellen Berliner" find diesmal zum Teil auf den Moskauer Einheitsleim gekrochen. Den Schaden hat nur der Berliner Sport, denn in Frankfurt wurden bei den 100 000 Teilnehmern die paar fehlenden Berliner von niemand vermißt. front fann es nur mit wirklichen Freunden, nicht aber mit Saboteuren geben. Ebenso wie in Frankreich und der Tschechoflowatei foll auch in Deutschland eine Filiale der RSJ. er. öffnet werden. Arbeitersportler, feid wachsam! Eine EinheitsRepublikanische Wassersportler heraus! Die gestrige Korfofahrt der republikanischen Wassersportler Groß- Berlins auf dem Landwehrkanal hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Anteilnahme der Bevölkerung, die starke Besetzung der Uferstraßen, der Brücken und der Böschungen und die freudigen Beifallskundgebungen der Menge bewiesen das. Die Veranstaltung hätte aber noch einen weitaus imposanteren Eindruck machen können, wenn sich die republikanisch gesinnten Mitglieder der Arbeiter. Wasserfahrvereine mehr, als es geschehen war, beteiligt hätten. Wenn es auch zu verstehen ist, daß die Vereine als Körperschaften die Aufforderung des Reichsbanners zur Teilnahme negativ beantworten mußten, so hätten doch kein Mensch und feine Sportbehörde den einzelnen Wafferfahrer hindern können, an der schwarzrotgoldenen Rundgebung mit seinem Fahrzeug teilzunehmen. Die Bassivität der republikanischen Wafferratten" ist nur zu verstehen, wenn man weiß, daß der größte Teil sich aus durchaus falsch angebrachter buselei fernhielt. Die politische Neutralität der Vereine in Vereinsharmonie. allen Ehren! Sie darf aber unter feinen Umständen zu einer Neutralität des einzelnen werden. Beeinflussung, der Republikaner in den ArbeiterwasserfahrDie tommunistische vereinen darf nicht soweit gehen, daß Beranstaltungen wie die Berfaffungsfeier des Reichsbanners am Sonntag gemieben werden. Die Buſammenfassung der republikanischen Wassersportler in einer Unterabteilung des Reichsbanners, die von den Arbeiterwassersportlern nicht gerade freudig bemerkt wurde, hätte nicht zu erfolgen brauchen, wenn die zu Schwarz- Rot- Gold haltenden Mitglieder der Arbeitervereine aus ihrer Bassivität schon früher herausgegangen wären. Es ist nur zu hoffen, daß bei kommenden ähnlichen Anlässen die Beteiligung von seiten der Republikaner noch größer ist als am Sonntag bei der Korsofahrt. Stiftungsfest der Freien Turnerschaft Wilmersdorf". Am 16. Auguft d. 3. findet bas 19. Stiftungsfest unter Mitwirkung ber Neuköllner Liedertafel, M. d. A. S. B., ftatt, wozu wir fämtliche Arbeiter. Sportler, die an biefem Tage nicht anderweitig gebunden sind, einladen, Da tämpfen ist, foll biefes Feft zu einer gewaltigen Demonstration und Agitation in Wilmersdorf schon Jahre hindurch start mit den bürgerlichen Bereinen zu ausgebaut werben. Bereine oder Abteilungen, die gewillt find, zu erscheinen, werden gebeten, Fahnen oder Banner mitzubringen. ebenfalls eingelaben. Da ein gutes turnerisches Programm vorgeführt wird, Tambourriegen sind find Meldungen von guten Red, Pferd und Barrenturnern erwünscht. Für fucht. Fauftball( Männer) und für Tambourin( Frauen) werben noch Gegner geFür folgende Wettkämpfe fann noch gemeldet werden: Männet: Bauf, 4 × 100- meter- Staffel, 1500- Meter- Lauf; Turnerinnen: 5x100Meter- Staffel, 100- meter- Lauf. Telephonische Mitteilungen unter Oliva 5258 ( Sportplat). Es finden außerbem nod ftatt: Freibungen, je ein Fußballund Sodenspiel fowie von der Schachabteilung Simultanfpiele und Wettkämpfe. fie antreten und wieviel Spiele mitgebracht werden. Treffpunkt ist für fämtSämtliche Berliner Abteilungen werden gebeten, anzugeben, in welcher Stärke liche Teilnehmer 11 Uhr vormittags Turn. und Sportplaz Württembergische Ede Zähringerstraße. Um 1 Uhr ist Abmarfch. Eintritt im Vorverkauf 50 Bf., an der Raffe 75 Pf. 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikbegleitung. 12 Uhr mittags: Uebertragung der im Reichstag stattfindenden Verfassungsfeier der Reichsregierung. 4.30 Uhr nachm.: Humoristisches Funkallerlei( Georg Bamberger). 5 bis 6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Obermagistratsrat Dr. jur. Emil Clementz: Die wichtigsten Bestim- 100- meter- Lauf, 3 × 200- Meter- Staffel, 3000- Meter- Lauf; Jugend: 100- metermungen über die Ablösuug öffentlicher Anleihen. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Handel. Dipl.- Handelslehrer William Hesse: Buchführung. 4. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Konzert. Dirigent Bruno Seidler- Winkler. 1. Wagner: Aufzug der Zünfte aus der Oper Die Meistersinger von Nürnberg"( Orchester). 2. Brahms: Sonate F- Dur op. 99, Allegro Adagio affetuoso Allegro molto Allegro passionato ( Walter Lutz, Cello; Rudolf Schmidt, Klavier). 3. Beethoven: IV. Sonate O- Dur op. 102, Andante Adagio Tempo d'Andante Allegro vivace Schmidt). 4. Beethoven: Ouvertüre Nr. 8 zu, Leonore"( Orchester). Allegro vivace( Walter Lutz, Rudol Berliner Funkorchester. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. vivace Die Abteilungen haben an folgenden Tagen Spielbetrieb: Turner und Turnerinnen Mittwoch und Sonnabend, Fußball Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, Soden Freitag, Leichtathleten Dienstag und Freitag, Schach Donnerstag. Am Sonnabend, 8. Auguft, abends 8 Uhr, findet die Einweihung des neuerbauten Turnerheimes auf obigem Turnplag statt. Bollzähliges Er fcheinen ist Pflicht. Großkampftag Nordost 06". Programm aufwies, eingeladen. Der Besuch war sehr gut. Der Die sportliche Vereinigung Nordost 06" hatte ihre Anhänger am 31. Juli zu einem Kampfabend, der ein sehr reichhaltiges Abend wurde mit Jiu- Jitsu Borführungen eingeleitet. BuhlJitsu- Kampfort. Die eigentlichen Kämpfe brachten dann die Federniann( N.-O.) und Angermüller( N.-O.) demonstrierten die Jiugewichtler Owege( Libertas) und Stirnemann( N.-D.) in den Ring. Sieger: Stirnemann in 5:34. Liebich( Adler) und Riewe( N.-D.) standen sich im Mittelgewicht gegenüber. Sieger: Riewe in 12:28. Die Leichtgewichte Reimann( Libertas) und Krawczat( N.-D.) lieferten sich einen schönen Kampf, der mit dem Siege Krawczaks in 1:31 endete. Bei den Ringtämpfen brachten Felska Stange( N..D.) warf Wenzel( Concordia) nach 3 Min. 20 Set. ( Concordia) und Geminski( N.-D.) es nur zu einem„ Unentschieden". Schmergladt( Concordia) fertigte Neuhaus( N.-D.) in 2:38 ab. Den Schluß des Abends bildeten sehr intereſſante Borkämpfe, die begannen. Liebich war der technisch bessere Mann und siegte trog mit dem Einleitungsjugendkampf Gohr( N.-D.) Liebich( Siegfried) ihrer fairen Kampfesart und des frischen Draufgängertums großen 2 Berwarnungen nach Bunften. Die nächsten Rämpfe, die infolge Beifall fanden, brachten Schent( n.-D.) und Ueberscheer( Siegfried) durch einen rechten Schwinger to. Im Schlußlampf siegte Ludstädt in den Kampfring. Schent schlug seinen Gegner nach 2 Runden über Gessinske( N.-O.) nach Punkten. 8u dem bereits angekündigten Rurfus für Anfänger des Jiu- Jitsu- Klubs Johannisthal( Sweigabteilung der Sportlichen Vereinigung ,, Nord- Oft") werden Anmeldungen von Jugendlichen und Erwachsenen bis auf weiteres noch entgegengenommen. Uebungsstunden Dienstag und Freitag 8-10 Uhr abends im Bartrestaurant Bota, Johannisthal, Stubenrauchstr. 12( 5 Minuten ab Bahnhof Niederschöneweibe- Johannisthal). Wiederholungsspiel im Stralau- Fußballturnier! Am heutigen Dienstag findet auf dem Stralau- Sportplag in der GozlerStraße bas Wiederholungsspiel zwischen Sertha 22" und Teutonia 09" ftatt. Es ist dies noch das Spiel aus der Vorrunde, welches am vergangenen Diens. tag unentschieden endete. Hertha und Teutonia werden beide mit verstärkten Mannschaften antreten. Nach dem legten Spiel zu urteilen, wird es einen schweren Rampf geben, bei dem nur die Ausdauer und der Sieges. willen die Oberhand behalten werden. Teutonia wird aus dem vorigen Spiel die Lehre gezogen haben, daß man den Gegner nicht unterschäzen darf, um fiegreich zu sein. Hertha wird dagegen alles daran segen, um zu einer Entfcheidung zu kommen. Der Besuch des Spiels ist sehr zu empfehlen. Anfang pünktlich 6 Uhr abends. Borwärts 20" fucht zum 16. Auguft Spiel mit einer 1. Mannschaft auf eigenem Blag. Sigung Freitag 8 Uhr, Lotal Rosenberger, Langenbed. Ede Elbinger Straße. Dortfelbft Aufnahme neuer Mitglieder zur Vervollständigung der Männer- und Jugendmannschaft. Anschriften an Wilhelm Knorr, Cotheniusstr. 12. Leichtathletik- Bereinigung. Sportlehrstunde für Frauen am 15. August, abends 6 Uhr, auf dem Eiche- Sportplag in Köpenid. Weitsprung, Kugel ftoßen und Sochsprung. Meldungen bis 10. August durch die Sport- und Turnwarte unter Adressen- und Altersangabe an A. Hurtig, Berlin GO 33, Staliger Str. 59a. Deden mitbringen. Teilnehmerzahl unbeschränkt. Fahr verbindungen: Borortzug bis Hirschgarten, Weg zum Kabelwerk Bogel( gegen über dem Eicheplas) und übersehen. Straßenbahn: 87, umsteigen Lindenstvaße auf 84 bis Weltrestaurant" und übersehen zum Eiche- Sportplak. Oder 83 bis Marienstraße- Ede und 10 Minuten Fußweg. Bezirkssportlehrerftunde Laufen, Rugelftoßen. Jeber Bezirksverein muk vertreten fein. file Männer am 15. Auguft auf dem Eiche- Plak Röpenid. Uebungsstoff: Feie Turnerschaft Charlottenburg, Mitglied des A.-T. u. Sv.-B. Nach Beendigung der Sommerferien eröffnen wir wieder unfere Rinderturn abteilungen in den Turnhallen der Charlolttenburger Schulen. Es turnen Knaben: Gueridestraße Dienstag und Freitag, Nehringstraße Montag und Donnerstag, Samminer Straße Montag und Donnerstag; Mädchen: SpreeStraße und Oranienstraße Dienstag und Freitag, Scharrenstraße Dienstag, Neues Ufer Montag und Donnerstag. Turnzeiten in allen Abteilungen: 6-8 Uhr abends. Wiederbeginn des Sallenturnens in der Sandwerkerschule Freitag, den 14. Auguft. Bereinsbabepartie am Sonntag, den 16. Auguft. Ab Charlotten. burg 6,16 Uhr bis Botsdam. Gäste willkommen. Am Montag, den 17. August, erster Turnabend der Jugendabteilung in der Turnhalle Bestalozzistr. 42. Ale Mitglieder der Männerabteilung find hierzu eingeladen. Titel veranstaltet bie Freie Turnerschaft Neukölln- Brig" am Sonntag, den Sport, Spiel und Spaß verschieddener Zeiten und Böller, unter diesem 16. Auguft, ein Feft zur Kräftigung der Lachmuskeln. Das reichliche Programm, das mit ernster Arbeit beginnt, enthält u. a.: Olympisches Turnen fcher willinge, Brettkämpfe zweier Indianerstämme, ein Buhsballspiel und Heben am großen Ring, neuzeitliches Turnen der Frauen, Turnen Siamesi. bei Arbeitersportlern noch nie gezeigt, der Ball hat einen Durchmesser von bisher 1,80 Meter. Den Abschluß des feftes bildet die längste jemals gelaufene, gesprungene, gerittene und geflogene Stafette Rund um die Erde". Das Fest beginnt nachmittags 3 Uhr mit dem Aufmarsch fämtlicher Teilnehmer. Cin trittspreis 60 Pf. Der Turnplas ist zu erreichen mit der Stadtbahn bis Raiser- Friedrich- Straße oder Straßenbahn Linien 95 und 98 bis Dammweg ( Röllnische Heide). Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Mittwoch, 7 Uhr, Turnratsfihung in der Geschäftsstelle. Gommerfestbilletts zum 22. August find in der Geschäftsstelle zu haben. 74 Uhr Fichte- Sportplak, Baumschulenweg. Tagesordnung: Vorbereitung der Arbeiter- Wintersport.Jntereffengemeinschaft. Monatsfigung am 13. Auguft Winterarbeit: unsere Kurse. Der erweiterte Technische Ausschuß tagt am gleichen Abend um 7 Uhr; alle Ausschußmitglieder milfsen erscheinen! Die Kurse der AWJ. beginnen im Oktober. Die Eislaufturse werden gefondert mitalieber im Anfängerkurs 6,- M. Nach der Auguftigung nimmt die AWJ. ausgeschrieben. Mitglieder nehmen an allen Stikursen tostenlos teil, Nichtteine Mitalieber mehr auf! Touristen- Verein Die Naturfreunde", Zentrale Wien, Abt. Wedding. Dienstag, den 11. Auguft 1925, Seibeabend in der Jungfernheide. Treffpuntt 127 Uhr Lütticher Ede Seestraße. Sonntag, den 16. August 1925, Wanderung Oranienburg- Grabowfee. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Gäste willkommen! Amyr Hold Die führende Cigarette in höchster Vollendung 50 MASCHALLAH CIGARETTENFABRIK DCD Parteinachrichten Ginsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Heute Dienstag 7% Uhr bei Klug, Danziger Straße 71, Funktionärinnenkonferenz. 6. Kreis Kreuzberg. Bildungsausschuß. 7% Uhr Sigung bei Reim, Urbanftraße 29. Ausgabe des Materials für das Herbstfest. Sozialdemokratischer Wahlverein Nowawes. Sämtliche Parteigenoffinnen und Genossen beteiligen sich an der vom Magistrat der Stadt Nowawes ge. planten Verfassungsfeier. Die Feier findet am Tienstag, den 11. Auguft, pilnftlich 6 Uhr nachmittags, in der Aula der Gemeindeschule IV( Scharn. traße) feat. Simod, den 12. August, abends 8 Uhr, beim Ge. no en Sienite, Waustr. 55, Funktionärversammlung. esponds Heute, Dienstag, den 11. August: 82. Abt. Steglig. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde! Nachmittags 3 Uhr Treffen der Kinder im Heim, Albrechtstr. 47, zum Ausflug. Helfer müssen erscheinen. 91. Abt. Funktionärsigung bei Ramin, Mainzer Str. 25. Mittwoch 7% Uhr im Rarlsgarien, Karlsgartenstr. 11/12, Abteilungsversammlung. 137. Abt. Reinickendorf- West. 8 Uhr Funktionärsigung im Volkshaus, Scharn weberstr. 114. Am Mittwoch Zahlabende 7 Uhr 1., 2., 3., 5. Bezirk: Boltshaus Scharnweberstraße. 4., 6., 7., 8. Bezirk bei Mattern, Eich. hornstr. 94. Die Bezirksführer laden ein. Sungsozialistengruppe Tempelhof- Mariendorf. 7% Uhr Jugendheim Tempel. hof, Lyzeum, Germaniaſtr. 4/6, Vortrag: Die Reichsverfassung." Gruppe Lichtenberg. Die Susammenfunft fällt wegen der Verfassungs. feier aus. Gruppe Süden. 7% Uhr, Juristische Sprechstunde, Linden. ftraße 3. Aussprache über Willensfreiheit." Morgen, Mittwoch, den 12. August: Mitgliederversammlungen und Zahlabende in Groß- Berlin! 1. Abt. 7 Uhr Schulaula Auguftstr. 68. Bortrag des Genossen 8ubeil, M. d. R. 2. Abt. 7 Uhr Bahlabend bei Ohngemach, Rommandantenftr. 86. Ref.: Genosse Dr. Treitel. 4. Abt. 7 Uhr 5. Oberrealschule RI. Frankfurter Str. 5/6, Vortrag des Genoffen Adolf Hoffmann:„ Die politische Lage." Funktionäre eine Stunde früher. 5. Abt. 7 Uhr Rofenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. Bericht vom Bezirkstag und Bericht der Stadt- und Bezirksverordnetenfraktion. Stellungnahme zur Neuwahl. 6. Abt. 7 Uhr bei Büttner, Schwebter Str. 28, Bortrag bs Genossen Binte, Stadtv., über:„ Wohnungspolitit." Bericht vom Bezirkstag und Stellungnahme zu den Stadtverordnetenwahlen. 7. Abt. 7% Uhr, Rahlabende bei Kube, Streliger Str. 55; Döll, Bergftr. 71; as Dams, Schlegelfir. 9; Beirau, Pflugftr. 1; Diepe, Bonenstr. 19. 8. Abt. Der Bahlabend fällt aus, dafür Mitgliederversammlung. 10. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung Schule Alt- Moabit 23. 11. Abt. 7 Uhr bei Berger, Levegowstr. 21, Bortrag über: verordnetenwahlen." Die Stadt. 12. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung bei Schmidt, Wicleffite. 17. 14. Abt. 7 Uhr Rahlabend in folgenden Lotalen: Start, Butbufer Str. 14. Gillwald, Putbuser Str. 24, und Bogen, Graun, Ede Gleimstraße. Heute Dienstag beteiligen fich die Funktionäre an der Kreistonferens Löwenbrauerei, Badstraße. 15. Abt. 7 Uhr gemeinsamer Bahlabend Goldbach, Binetaplah 7. Bericht erstattung vom Bezirtstag und Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl. 17. Abt. 7 Uhr Zahlabende bei Dose, Norbhafen 6; Gerth, Tegeler Straße 50; Müller, Triftstr. 59; Uthnehmer, Triftstr. 49. 18. Abt. Bahlabend an bekannter Stelle. 20. Abt. 7 Uhr gem. Bahlabend bet Bende, Roloniestr. 147. Stellung nahme zu den Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. 21. Abt. 7 Uhr Zahlabende an bekannter Stelle. 23. Abt. Zahlabend Lewandowski, Geestraße; Taube, Müllerstraße, und Tieg, Barfusstraße. 26. Abt. 7% Uhr beim Genoffen Beinlich Mitgliederversammlung. Bericht Dom Bezirkstag. 27. Abt. 7% Uhr Schönhauser Allee 129, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Buttkamer über: 8oll- und Steuerfragen." Bezirksführer Taden ein. 28. Abt. 7% Uhr: 8ahlabende: Bezirk 237 und 39 Rossad, Prenzlauer allee 232m; 238, 240 und 241 Bartelt, Wörther Str. 19; 242b bet Richter, Hagenauer Str. 5; 243a und b Ruhl, Choriner Straße 49; 244 bei Bundel, Rajtanienallee 29/30; 245 bei Mener, Oberberger Straße 39. 31. Abt. 7% Uhr bei D. Gerber, Bornholmer Straße 72, Bortrag ber Genossin Stadtv. Wygodzinski:„ Kommunalpolitik." 30. Abt. 7% Uhr Ledigenheim, Pappelallee 15, Mitgliederversammlung, Bortrag des Genossen Richter, M. d. L. 32. Abt. 7 Uhr Grupperzahlabend in den bekannten Lokalen. 34. Abt. 7 Uhr Memeler Straße, Comeniusfäle( Unterer Saal), gemein Samer Zahlabend. Tagesordnung: Bericht vom Bezirksparteitag. Die Funktionäre und Bezirksführer werden ersucht, um 6% Uhr dort su et. fcheinen. 35. Abt. 7 Uhr 8ahlabende: Topper, Rigaer Str. 85; Schule Samariter. Straße 20;-Bombe, Boigtstr. 25; Borkowsti, Schreinerftr. 32. 36. Abt. 7% Uhr Bahlabende: 1. Gruppe bei Busch, Tilfiter Str. 17; 2. Gruppe bei Biebermann, 8orndorfer Str. 9; 3. Gruppe bei Wittschuß, Petersburger Str. 5. Bericht vom Bezirtstag. 37. Abt. 7 Uhr Sahlabende: 1. Bezirt bei Bettte, Cbertyftr. 7; 2./8.Bezirk: bei Jerasch, Ebertnstr. 10; 4./5. Bezirk bei Röhler, Matternstr. 14. Mitten in die Freude der Verfaffungsfeier trifft uns die schmerz liche Nachricht, daß unser liebes Bundesmitglied ⚫ Ernst Berbig uns jäh und unerwartet durch den Tod entrissen worden ist. Wir verlieren in ihm einen treuen, für den Bund vorbildlichen Kameraden, und wird sein Andenten in unseren Herzen stets lebendig bleiben. Berlin, 11. August 1925 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold Ortsgruppe Kreuzberg, Jungmannschaft I Der Vorstand Beit und Ort der Einäscherung wird noch unter Bundesnachrichten befanntgegeben. Allen Genossen, Freunden und Befannten hierdurch die traurige Nach richt, daß am Sonntag, den 9. d. M., mein lieber Mann, unser guter Bater, der Schankwirt Otto Reim Urbanstr 29, nach vollendetem 50 Lebensjahre nach langer, schwerer Krankheit sanft entfchlafen ist. Um stilles Beileib bitten bic Witwe nebst Kindern. Die Trauerfeier findet am Donners tag, abends 6 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Riefholzstraße, statt Wer den echten 38. Abt. Die Sablabende finden ftatt: Beşir 154 mb 156 bel Rochats, Fürstenwalder Str. 12; 157-159 bei Bartusch, Friedenftr. 88; 155 unb 184 bei Trunt, Palisadenstr. 20; 160-161 bei Wachs, Friedenstraße, Ede Roppenstraße; 185-188 und 195 bei Mogwiz, Barnimftc. 13; 189A, B und E bei Tinius, Wilh.- Stolze, Ede Rochhannstraße. Thema überall: Be. richt vom Bezirksparteitag. 39. Abt. 7% Uhr Jugendheim, Lindenstr. 3, Mitgliederversammlung. Bor. trag des Genossen Ruben: Die Wohnungspolitit." Um 6 Uhr Funktio. närsizung. Abrechnung. 40. Abt. 8 Uhr bei Schmidt, Teltower Str. 18, Abteilungsversammlung. Bericht om Vezirtstag. 41. Abt. 7 Uhr Gruppenverfammlungen: 1. und 2. Gruppe bei Simon, Belle Alliance- Straße 30; 3. und 4. Gruppe bei Schuster, Chamissoplas 4; 5. und 6. Gruppe bei Luge, Bergmannstr. 93; 7. und 8. Gruppe bet Mende, Gneisenaustr. 6. Stellungnahme zu den Stadt- und Bezirksver. ordnetenwahlen. 43. Abt. 72 Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. 44. Abt. 7% Uhr Zahlabende: Stadtbezirke: 79 bei Vogel, Briger Straße; 84 bei Gemecker, Naunynstr. 28; 87 bei Schiebold, Admiralstr. 5; 80, 81 und 86 bei Gloger, Adalbertstr. 5; 85, 88, 89 bei Ewald, Staliger Straße 126; 90, 91 und 92 Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147. 45. Abt. 7 Uhr Gruppenversammlungen: Minnig, Laufiger Str. 45; Hebestreit, Reichenberger Str. 125; Wingiers, Reichenberger Str. 104; Liebig, Wiener Str. 57. Bericht vom Bezirkstag.( Unter Berücksichtigung der Kandidatenvorschläge.) Verschiedenes. 47. Abt. 7% Uhr Zahlabend in den bekannten Lokalen. Bericht vom Be. zirkstag. Die Funktionäre treffen sich eine Stunde früheer bei Lier, Naunynftr. 9, zum Materialempfang. 48. Abt. 7 Uhr bei Gliesing, Wassertorstr. 68, Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Krille:„ Die kommenden Stadtverordnetenwahlen." Charlottenburg. 52. Abt. 8 Uhr bei Büttner, Raiserin- Augusta- Allee 81. Vortrag des Genossen Theek: Die kommenden Stadtverordnetenwahlen." 53. Abt. 71 Uhr bei Schweitert, Erasmusftr. 2, und Lud, Huttenstraße 26. 55. Abt. 7 Uhr Funktionärsigung bei Reimer, Wilmers dorfer Straße 21. 57. Abt. 1. Gruppe: 8 Uhr bei Arndt, Kantstr. 51. Bortrag des Genossen Dr. A. Bernstein: Sur republikanischen Propa. ganda. 2. Gruppe: 7% Uhr bei Thunad, Wielandstr. 4. Bortrag des Genossen France:" Pazifismus und Schutzölle." 56. Abt. 2. Gruppe: Die Gruppenversammlung fällt aus und findet am 9. Geptember bei Justowiat, Holzendorffftr. 20, statt. Bon da ab wieder regelmäßig jeden 2. Mittwoch im Monat. 58. Abt. 7 Uhr Gigungsfaal Nante Straße 4, Mitgliederversammlung.„ Stellung der Partei zum Pazifis mus. Ref.: Genosse Ellen Baidler. Bericht vom Bezirkstag. 68. Abt. Salenfee. 8 Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42, Vortrag des Genossen Arthur Häußler. Wilmersdorf. 69. Abt. 8 Uhr bei Andreas, Pfalzburger Str. 55, Bortrag des Genossen Lüdemann: Die kommenden Stabt und Bezirksverordneten. wahlen." 70. Abt. Der Bahlabend am 12. August fällt aus und findet am 19. ftatt. 71. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung bei Jonas, Bruchsaler, Ede Durlacher Straße. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Stadtverordnetenwahlen. 72. Abt. 8 Uhr bei Schröder, Augustastraße 59, Bortrag des Genossen Bengsch über: Kommunalpolitik." Schöneberg. 77. Abt. 8 Uhr bei Will, Martin- Luther- Straße 69, Abteilungs. versammlung. Referenten: Genossen Flatau und Wilberg:„ Die tom menden Stadtverordnetenwahlen." 78. Abt. 8 Uhr Abteilungsversamm Iung bei Rosenthal am Bahnhof Ebersstraße. Tagesordnung: Die bevor ftehenden Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. Ref.: Gen. Wendt. 79, Abt. 1.- 3. Bezirk bei Arndt, Bauzener Str. 10; 4.- 6. Bezirk bet Groß, Sedanstr. 17, Referent Genoffe Friedlaender; 7. Bezirk bei Podszus, Sachsendamm Ede Reichartstraße. Tagesordnung in allen Rahlabenden: zirksverordnetenwahlen. Beginn pünktlich 8 Uhr. Bericht vom Bezirksparteitag und Stellungnahme zu den Stadt- und Be 80. bt. 8% Uhr Gesangssaal des Helmholkgymnasiums Abteilungsverfammlung. Ref.: Gen. Dr. Seligsohn: Die bevorstehenden politischen Ereignisse. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr Rahlabend: 1.- 3. Bezirt bei Alabe, Sandjern Straße 60/61; 4.- 6. Bezirk bei Baginski, Stubenrauch- Ede Taunusstraße. Tagesordnung: Die fommenden Stadtverordnetenwahlen. Referenten: Be zirksverordneten Ramrowski, Blank und Buth. 82. Abt. Steglig. 8 Uhr Rahlabende: 1.- 2. Bezirk bei Schelhafe, 8.- 6. Be zirk bei Schmidt, Sachsenwaldstraße, 4. Bezirk Düppelstr. 7, 7. Bezirk bei Saue, 8.- 9. Bezirk bei Thiel, Ring- Ede Albrechtstraße. Thema: Die Stadtverordnetenwahlen. Referenten: Leimbach, Klose, Alfermann, Her mes und Lauer. 84. bt. Bankwig. 8 Uhr bei Rehmann, Raifer- Wilhelm- Str. 29/51. Bortrag des Gen. Wermuth über: ,, August Bebel". 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr Rahlabende: 1. Bez.: Bokal Biefe, Dorfftr. 1. Bericht vom Bezirkstag. Referent: Genosse Leucht. 3. unb 4. Bezirk: Lokal zur Linde, Werder. Ede Friedrich- Karl- Straße. Bericht vom Bezirkstag. Referent: Genosse Sille. 7. Bez.: Lotal Wanglid, Gottlieb- Dunkel- Str. L Bericht vom Bezirkstag. Referent: Genoffin Caenger. 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr Sahlabende: 1., 2., 7. Bez.: Nezmeyer, Raifer ſtraße. 3. und 6. Bez.: Niendorf, Chausseestr. 19. 8. und 10. Bez.: Findeisen, Friedenstr. 6. Bericht vom Bezirkstag. 88. Abt. Lichtenrade. 8 Uhr wichtige Mitgliederversammlung, Schule Roonftr. Reukölln. 89. Abt. 7.- 11. Bez.: 7% Uhr bei Schulz, Sobrechtstr. 64. Bor trag des Genoffen Felgentren. 92. Abt. Die Zahlabende finden pünkt lich um 7% Uhr in folgenden Lokalen ftatt: Für Bezirke 14, 29, 30 bei Ganter, Harzer Str. 88; für Bezirke 27, 34, 28, 33 bei Ewald, Elbe. Ede Weserstraße( Vortrag des Genossen Hunze: Die Zommenden Stadtverord netenwahlen) für Bezirke 81, 44, 45a, 45 bei Lippert, Rofegger. Ede Weserstraße( Bortrag der Genossin Sba Beil: Die Rolle der Religion in der menschlichen Gesellschaft); für Bezirke 46, 47, 59 bet Röster, Richardftraße 108( Vortrag: Die politische Lage und die kommenden Wahlen); file Bezirle 72/73 bei Schneider Rosenstr. 7( Bortvag des Genoffen Sarnisch: 111 Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen). Erscheinen der Genoffen in Kapitän Kantabak Diskaln auch nur einmal versucht hat, wird ihn nicht mehr entbehren wollen. Der Kapitän hat einen eigenartigen feinen Geschmack, ist nach dänischer Art aus reinem Kentucky hergestellt. Verkaufsstellen überall; werden auch nachgewiesen durch den Generalvertrieb C. Röcker, Berlin, Lichtenberger Str. 22.( Königst. 8861) Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit. Preis 1 Mart. Porto 5 Pfennig. 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Vortrag des Gen. Litke: Politische Lage und der Parteitag. 115. Abt. 7 Uhr Zahl abende: 1. Gruppe bei Gonell, Jung- Ede Scharnweberstraße. 2. Gruppe bei Lohan, Jung- Ede Oderstraße. 3. Gruppe bei Radtke, Müggel. Ede Scharnweberstraße. 4. Gruppe bei Geipfe, Rronprinzen. Ede Scharnweber. ftraße. 116. Abt. 7 Uhr Knabenmittelschule Marktstr. 11/12. Vortrag über Schugaölle. 117. bt. 7% Uhr gemeinsamer Rahlabend Schule Lückstr. 60. Bericht vom Bezirkstag. 118. bt. 7½ Uhr Abteilungs. versammlung bei Tempel, Gudrunstr. 7. Bericht über den Bezickstag. 119. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt aus. 120. Abt. Friedrichsfelbe. 7 Uhr bei Tempel, Brinzenallee 30, Abteilungs. versammlung. Vortrag des Gen. Rurt Seinig: Zölle und Steuergefch. gebung. 121. Abt. Karlshorst. 8 Uhr Rur Rennbahn", Treskowallee 94. Bortrag des Gen. Erwin Barth: Schutzölle. 122. Abt. Biesdorf. 8 Uhr bei Borath, Marzahner Str. 81. Bericht über den Bezirkstag. 123. Abt. Raulsdorf. Uhr Mitgliederversammlung bei Schwarz, Söhnower Straße. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr Rahlabend bei Anders, Bahnhofstraße. Bortrag. 128/130. bt. Pankow und Heinersdorf. 72 Uhr Zahlabend: 1.- 3. Gruppe bei Majerowitsch, Raiser- Friedrich- Ede Berliner Straße. 4.- 7. Gruppe im Jugendheim, Breite Str. 8/9. 8. und 9. Gruppe bei Dohnte, Wollantftraße 31. Bericht vom Bezirkstag, Organisations- und Wahlangelegenheiten. 133. Abt. Buchhola. 8 Uhr bei Roffat, Sauptstr. 71. Vortrag des Gen. Geb hardt über Bollsfürsorge. Bericht vom Bezirkstag. 135. Abt. Rarow. 8 Uhr Zahlabend bei Alig, Bantgrafenstraße. 143. Abt. Baibmannsluft. 8 Uhr Rahlabend bei Dreißig, Waidmannstr. 4 Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 12. Auguft: 7. Abt. Der Frauenabend der Abteilung fällt aus.- Dafitr am Mittwoch gemütliches Beisammensein mit Raffeekochen in Niederschönhausen, Schloß Schönhausen, Lindenstraße( mit dem Frauenausschuß des Ronsums), nachmittags 2 Uhr. 33. Abt. Donnerstag, 15. Auguft, 7½ Uhr, Funktionärligung bei Lojar?, Benmeftr. 8. Borstandsmitglieder, Bezirksführer und Betriebsvertrauens. Teute müffen erscheinen. ell all you and Sport. Rennen zu Ruhleben am Montag, den 10. Auguft. 1. Altmark( B. Hedert), 2. Benedict( F. Bahr), 1. Rennen: 3. Coriolanus( G. Lautenberger). Toto: 20:10. Blag: 14, 25, 18: 10. Ferner liefen: Linscott jr., Snider, Lindenwirtin I, Arion J., Quantität, Mocuna, Frant, Schwarzwaldmädel, Dante, Goudſter jr. 2. Rennen: 1. Heroftrat( B. Hedert), 2. Belwin( E. Trenherz), 3. Magowan jr.( Hartseil). Toto: 19: 10. Blaz: 12, 18, 27: 10. Fernet liefen: Der Beste, Lebedame, Edelreis, Lessing, Frida Magowan. 3. Rennen: 1. Cleo Bola( Ch. Mills), 2. Linslo( Th. Rekli), 3. Lilac( Glagow). Toto: 16: 10. Plag: 11, 14:10. Ferner lief: Königsadler. 5. Rennen: 4. Rennen: 1. Florentiner( J. Mills), 2. Native Forbes( Groß. mann), 3. Feuerwehr( Jauß jr.). Toto: 13:10. Plaz: 12, 16:10. Ferner liefen: Peter Harvester, Importation, Sybill. 1. Batschari( E. Pert), 2. Frettchen( D. Jürgens). 8. Stapellauf( F. Brandt). Toto: 74: 10. Platz: 21, 23, 25: 10. Ferner liefen: Höbensonne, Flora Bingen, Heiderose B., Diagonale, Charlotte Mathilde, Allertony, Bovan, Fistus, Fenelon, Heideprinz I. 6. Rennen: 1. Alland( Ch. Mills), 2. Trotteur( E. Treuberz), 3. Lord Ellerslie( R. Grogmann). Toto: 12: 10. Plak: 11, 12:10. Ferner lief: Francisco. 7. Rennen: 1. Lybia Watts( J. Mills), 2. Traffus( F. Schmidt), 3. Prinzessin Etahwah( H. Grube). Toto: 37: 10. Blat: 28, 21, 36: 10. Ferner liefen: Importeur, Staybach, Dollyfa, Winnie, Invasion, Interessent 8. Rennen: 1. Frechheit( H. Grube), 2. Flatterrose( J. Mixs). 3. Altgold( E. Elias). Toto: 53:10. Blat: 19, 16, 26: 10. Ferner liefen: Fürst, Della, Copal, Barones Lyba, Paula Bingen, Matador, Jeffries jun. 9. Rennen: 1. Bechfadel( Knöpnadel jun.), 2. Johannistäfer( Groß. mann), 3. Roranna( F. Schmidt). Loto: 36: 10. Plak: 13, 17, 17: 10. Ferner liefen: Heidemann, Ebonit, Federnelle, Alpenser. 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Es spricht der Abg. Puh( Komm.): Er wendet sich zunächst gegen den Bize präsidenten Graef. Auf der Fahrt von Hamburg nach Berlin hätten mehrere deutschnationale Abgeordnete sich laut unterhalten und gesagt: „ Unfer Graef hat die Opposition fofgepeltjcht und peitscht fie weiter! Notwendig ist ein tüchtiger General, der von den Keris 200 bis 300 an die Wand stellt!" ( Rufe bei den Kommunisten: Mördergesindel!) Abg. But fucht bann nachzuweisen, baß die Zollvorlage eine unerträgliche Berteuerung oller Lebensmittel und Bedarfsartikel der arbeitenden Maffen her beiführen werde. Abg. v. Richthofen( Dem.) verweist auf Ausführungen von Prof: Levy im„ Berliner Tageblatt", in benen nachgewiesen werde, daß Deutschlands Lage in der Weltwirtschaft zur Mäßigung in den Zollfäßen nötige. Im Interesse der Landwirtschaft liege eine Berbilligung der landwirtschaftlichen Produktionsmittel. Das Gegenteil werde erreicht durch die in der Vorlage enthaltenen Futtermittelzölle. Auch in ihren übrigen Teilen sei die Zollvorlage unannehmbar. Abg. v. Graefe( Bölt.) wendet sich in scharfen Worten gegen die Deutsche Tageszeitung", deren Schriftleiter dermann feine legte Rede in verlogener Weise entstellt habe. Die Deutschnationalen und der Landbund, dessen Organ, die Deutsche Tageszeitung" fei( Widerspruch bei den Deutschnationalen), hätten die Pflicht, dieser schwindelhaften Zolldemagogie entgegenzutreten. Der Redner gerät bei diesen Ausführungen in einen heftigen Wort wechsel mit dem Abg. Laverrenz( Dnat.). Abg. Frau Wurm( Soz.): Die Agrarter fordern Landwirtschaftszölle zum Ausgleich für die Industriezölle. Das ist nichts anderes als eine tura fichtige Interessenpolitit auf Gegenseitigtett. Die Agrar zölle schaffen feine Intensivierung, sondern bringen einen Schuß nur den technisch zurückgebliebenen Betriebsformen. Es ist ein Widerfinn, gleichzeitig Bölle auf Futtermitteln mit den 3öllen für Bieh, Fleisch und tierische Beredelungsprodukte zu verlangen. Hier würde ein Schutzoll den anderen totschlagen. Daß man die Bevöl ferung beffer und billiger ohne Zoll ernähren fann, zeigt Eng. I and, das Haupteinfuhrland für Fleisch. Bieh- und Fleischzölle müssen die Fleischteuerung noch erheblich verschärfen. Wir find gegen diese Zölle auch aus dem Grunde, well fie die handelspolitische Verständigung erschweren würden. Auch die Erschwerung der Einfuhr von Gefrier fleisch lehnen wir ab. 1924 betrug die Einfuhr von Gefrierfleisch 3,5 Proz. des Gesamtverbrauchs an Fleisch und tierischen Fetten. Eine ernsthafte Konkurrenz für das Gefrierfleisch tommt also hier nicht in Frage. Wir fordern die freie Einfuhr des Gefrier. fleisches und lehnen die Kontingentierung ab. Die Rüd. wirkung der Berteuerung des Viehes muß eine weitere Preissteige rung von Milch, Butter und Käse bringen. Mit welcher Teuerung wir hier noch zu rechnen haben, geht schon daraus hervor, daß die Frischmilch, troßdem fie noch zollfrei eingeführt werden fann, heute schon 35 Pf. gegen 18 Pf. ber Bortriegszeit tostet. Wie tief die Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung jezt schon ift, erfennt man daran, daß eine dem Konsumverein angehörige Familie bei uns jährlich für 140 bis 160 mart tauft, in ber Schweiz dagegen für 900 bis 1000 mart, in England fogar für 1400 bis 1500 Mart. Wie wenig ernst es den Führern der Agrarier mit der Forderung nach der Berufsausbildung der Landwirte ist, sieht man in Thüringen, wo die frühere sozia listische Regierung Berufsschulen geschaffen und der Land. bund zu ihrem Bontott aufgerufen hatte. Die jetzige Ordnungsbundregierung hat alle Strafbefehle gegen die Schuldigen an diesem Schulstreik wieder zurückgezogen. Wir fordern im Interesse der Intensivierung der Landwirtschaft eine durchgreifende Fort. bildungspolitik besonders für die Landjugend." Von dieser Zollpolitik wird jedoch kein Aufstieg der Landwirtschaft ausgehen. Aber selbst diese 3ölle nennt der unerfättliche Landbund magere Bissen". Der Triumph, den heute die Kompromißparteien durch ihre Politik erringen werden, wird die Niederlage von morgen fein. Die arbeitende Bevölkerung wird sich bei einer folchen Politit nicht beruhigen. Sie wird eine Handelspolitik durchsetzen, die nicht einer fleinen Oberschicht, sondern der Mehrheit des Boltes dient.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Debatte zur zweiten Lefung. unfosialen Richtung, ble ble Regierung Luther tennzeichnet.| Welche schweren Vorwürfe erhebt bie Erklärung der Mehrheits partelen eigentlich gegen die Regierung felbft! Sie erkennen an, daß die vollkommene Durchberatung bei der furzen zur Verfügung stehenden Frist, um zu Handelsverträgen zu kommen, nicht möglich war, um zu einem Definitum zu fommen. In der Hand der Regierung hat es gelegen, viel früher zu einer für die Verhandlungen brauchbaren Zollvorlage zu tommen. Sie hat aber die Zeit vom November bis zum Juni nuplos verstreichen lassen. Es ist eine unglaubliche Illusion zu hoffen, daß die Fehlbeträge unserer Handelsbilanz durch erhöhte Inlandserzeugung ausgeglichen werben fönnten. Sie müssen die Schwierigkeiten felbft anerkennen, bie bie Auswirkung ber Zölle für die Berbrauchertreise im Gefolge haben werden.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In den worden, man müsse erhöhen, um abhandeln zu können( hört, hört!), Ausschußberatungen ist als Argument für die Bollerhöhungen gesagt man müsse der Psyche der romanischen Länder Rechnung tragen. Bir glauben, daß wir den Grundfäßen bes reellen Rauf mannes folgen müssen, der feste und so angemessene Preise fordert, daß deren Billigkeit jeder begreift. Dieser Grundsatz hat auch in der Borkriegszeit zur inneren Gesundung des deutschen Wirt fchaftslebens beigetragen. Es ist ganz falsch zu glauben, daß man gegen erhebliche Nachlaffungen bei hohen Böllen beffere Kompenfatio. nen eintauschen fann. Die Rolle der Jahrmarkthändler sollte man anderen überlassen.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was war die Wirtung der deutschen Bollvorlage im Ausland? Erst vor wenigen Wochen hat sich im englischen Parlament Baldwin in seiner Rede gegen Macdonald auf die hohen Zölle in Deutschland berufen. Geradezu als Hohn wirkt es, wenn behauptet wird, daß der Zoll nicht nur als Unternehmerschuh, fondern auch als Arbeiterfchutz aufzufaffen fet.( hört, hört!) Die Schutzzollvorlage beraubt weite Kreise des deutschen Boltes der Arbeitsmöglichkeit. ( Sehr wahr! bet ben Sozialdemokraten.) Wenn wir die heutigen Steuerlaften aufbringen wollen, dann brauchen wir eine lebhaft pulsterenbe Wirtschaft. Wir wissen, daß nur bei einer gutgehenden Wirtschaft auch die Arbeiterschaft leben kann, und deshalb timmen wir mit Ihnen darin überein, daß wir rauchende Schlote, vollbeschäftigte Betriebe und volle Läden brauchen. Aber die Rauf kraft der großen notleldenden Berbrauchertreise muß wiederher gestellt werden durch billigere Prelfe und höhere Löhne! Erft mit billigen Breifen gewinnt auch unsere Wirtschaft die verlorene Ronturrenzfähigtett auf dem Weltmarkt wieder. Aber die Zollvorlage mit ihren hohen Industrie- und Lebensmittel. zöllen macht jede Entwicklung dieser Art unmöglich, sie verteuert bie Lebenshaltung und schanzt den Großindustriellen Sonder. portelle zu auf Kosten der breiten Massen. Die hohen Preise der Parteitag und Frauenkonferenz. Parteigenossen! Dienstag, 11. August 1925 Industrie machen ben arenerport für manche Gewerbezwelge geradezu unmöglich, und mit der verringerten Warenausfuhr geht auch die Arbeitsmöglich feit verloren. der Arbeit, die nur allein uns retten kann, wie es einft hieß. Es So foten die Hochschuhzölle geradezu das Recht auf Arbelt, ist kein Zufall, daß schon im September 1924 bie Nationalötonomen und Sozialpolitiker Abkehr vom Schußzollsystem und Uebergang Bustrie sieht die durch diese Borlage kommenden Gefahren, sie ist zum Freihandel gefordert haben. Die verarbeitende Inaber abhängig von der Schwerindustrie und hat sich deswegen nicht genügend zur Wehr gefeßt. Es ist ein wahres Wort, das einer der einmal mutig, wenn der andere 51 Broz. der Attien hat. Rit Herren zur Erklärung seines Stillschweigens aussprach: Seien Sie welch eine innere Unlogit ist es, wenn die Rohstoffe mit einem einmal fonsequent ist man beim Bolltarif gewesen, dern höheren 3oll belegt werden als die Fertigfabrikate. Auch die selbständigen Eristenzen im Handwerk und Handel werden geschädigt nicht nur als Ronsument und Berkäufer Handwerkszeug wird teurer. Ebenso ergeht es dem kleinen Bauer. von Waren und Leistung, sondern auch als Produzent, sein Die Baumaterialien werden in die Höhe getrieben, alles wird durch die wahnsinnige Zollpolitik verteuert. Bei wichtigen Spezialartiteln, die für die deutsche Industrie lebensnotwendig sind, wird die Einfuhr durch hohe Zölle verhindert. Aber was haben wir im Ausschuß erlebt? Dieselben Leute, die sich in Eingaben an den Reichstag gegen die Zollerhöhungen wandten, haben bei den Abstim mungen die 3ollerhöhungen mit gemacht.( hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Draußen sehen Sie die Folgen dieses Zollfarifs, aber hier sind die Gläser Ihrer Parteibrille blind. Die Industriezölle werben eine schwere Belastung der Verbraucher bringen, die Kulturnotwendigkeiten der bretten Massen des Volkes werden weiter verschlechtert. Ste werden die Stellung Deutschlands auf dem Weltmarkt ungünstiger gestalten, dagegen für die Erhaltung der rückständigen Betriebsorganisationen im Inlande sorgen. Aus allen diesen Gründen lehnen wir die Vorlage ab.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Meyer- Berlin( Dem.) fteht in den Industriezöllen der Borlage eine schwere Schädigung der Fertigindustrie, der mittleren Landwirtschaft, des Einzelhandels und des deutschen Handperts. Die Wirtschaftspartei, die sich als Schüterin von Handwerk und Kleingewerbe aufspiele, habe gegen die Ermäßigung der Tertilzölle gestimmt, so baß jezt ein einfacher Uebergangsmantel durch den Zoll um 6,75 Mart verteuert werde. Dieser Bolltarif sei fein Rüstzeug, fondern ein Hindernis für Handelsverträge. Er werde Deutschland in einen verhängnis. pollen Weltgolltrieg stürzen. Abg. Frau Dr. Bäumer( Dem.) bezeichnet bie Begründung ber Bollpofitionen als ganz unzulänglich, fa geradezu verant. wortungslos. Wenn der Reichskanzler die Preissentung als fein Biel bezeichnete, so erinnert man sich beim Vergleich seiner Rede mit dem Zolltarif an die bekannte Anekdote von Rindfleisch und Pflaumen ein schönes Gericht, wir friegen's Boltes, am Herzen liegt, würden die durch die Zölle verursachte Berteuerung der Lebenshaltung am empfindlichsten spüren. Auf Grund des Organisationsstatuts der Partei beruft bloß nicht. Die Frauen, denen die Erhaltung der Lebenstraft des ber Parteivorstand den nächsten Parteitag auf Sonntag, den 13. September, abends 6 Uhr, nach Heidelberg, Stadthalle, ein. Als vorläufige Tagesordnung ist festgefeht: 1. Bericht des Parteivorstandes. a) Allgemeines. Berichterstatter Johannes Stelling. b) Agitation, Organisation und Rasse. Berichterstatter: Fr. Bartels und Konr. Ludwig. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter: Fr. Bruhne. Die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstag. Berichterstatter: Wilhelm Retl 3. 4. Problem der europäischen Politt!( Bericht vom Rongres ber Sozialistischen Arbeiter- Internationale). Berichterstatter: Artur Crispien. 5. Das Parteiprogramm. Berichterstatter: Dr. Hilferbing. 6. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Anträge, soweit sie durch die vorstehende Tagesordnung noch nicht erledigt find. 7. Abg. Obendiet( Komm.) bezeichnet die jezige Regierung und ihre Reichstagsmehrheit als ein klaffeninstrument des Ra. pitals zur Riederhaltung der Arbeiterschaft. Die Zollvorlage fei statt. dafür der beste Beweis. Abg. Wiffell( Soz.): Frauenkonferenz Vorläufige Tagesordnung: Abg. Lemmer( Dem.) wendet sich vor allem gegen die 3ölle auf Rohstoffe für die Fertigwarenindustrie., Mit den Eisenzölle habe die Schwerindustrie einen Sieg über die für Deutschland besonders wichtige verarbeitende Industrie errungen und damit die deutsche Gesamtwirtschaft schwer geschädigt. Die Vertreter der Berarbeitungsindustrie in den Parteien der Rechten fühlten sich jedoch schon so abhängig von der Schwerindustrie, daß sie einen ernsten Kampf gegen die Verteuerung ihrer Rohstoffe gar nicht führen. Abg. Frau Weber- Berlin( 3.) betont, man dürfe den Solltarif nicht allein vom Konsumenten standpuntt aus betrachten, sondern müffe das Intereffe der Gesamtwirtschaft im Auge behalten. Die Zollvorlage sei mit Ernst, Sachlichkeit und Gerechtig feit so aufgebaut worden, daß auch die Berbraucher nicht übermäßig belastet wurden. Abg. Dr. Rofenberg( Romm.) fucht an einzelnen Zollpofitionen nachzuweisen, daß sie keineswegs die deutsche Wirtschaft fördern, fondern lediglich die Macht der großen Konzerne stärken würden. Die Regierung habe sich in unerhörter Leichtfertig Im Anschluß an den Parteitag findet in Heidelberg etne tett von den übelsten Machenschaften der Interessentenverbände einfangen lassen. Bei der Margarine habe die Zollvorlage die Wirkung, die noch unabhängigen deutschen Margarinefabriten in die großen holländischen Konzerne hineinzuzwingen. Das nenne man bann Schuß der nationalen Arbeit. Der deutschnationale Abg. Baeth habe in einer Eingabe der von ihm geleiteten Tischler. meiiterorganisation ben 10- Mart 3oll für gewisse hölzer als ruinös unb untragbar bezeichnet, aber als Ab. geordneter für diesen 3oll gestimmt.( Seiterfeit fints.) Abg. Dißmann( S03.) bekämpft die Eisen zölle, die nach dem Diktat des deutsch- französischen Kartells der Schwerindustrie von der Regierung aufgenommen worden seien. Eine allgemeine Berteuerung der gesamten deutschen Produktion werde die under meidliche Folge sein. Das Handwert werde ganz besonders zu leiden haben unter dem Werk der Parteien, die bei jeder Gelegenheit ihre Handwerksfreundlichkeit betonen. Die Arbeiterabgeordneten des Zentrums würden von ihren Wählern noch die Quittung dafür 1. Frauenbewegung und Sozialdemokratie. Referentin: Frau Marie Juch a cz. ger- München. Die bisherige Entwicklung der Solltarifberatung fofern man überhaupt von einer Beratung sprechen kann zeigt die Situation 2. Die Frau im zufünftigen Strafrecht. Referent: Genosse Saen. in flarstem Lichte. Eigenartig muß es berühren, daß gerade das Zentrum, das durch Herrn Fehrenbach die Unterbindung einer ausreichenden Diskussion verteidigt und durch Herrn Perlitius die Begründung für die Bollparteien geben läßt. Herr Ehrhardt schließlich als Verteidiger der Kommissionsbeschlüsse kommt mit der Pühnen Behauptung und dem schönen Trost, daß, wenn die Sozial demokratie in der Regierung gesessen hätte, die Borlage wohl ebenso gewesen wäre. Diese Redewendung soll wohl Beruhigung bei den Maffen schaffen. Bis auf den Unglücksmenschen Rippel, der nicht Der Parteitag setzt sich zusammen aus den in Bezirksverbänden gewählten Delegierten, der Vertretung der Reichs tagsfraktion, den Mitgliedern des Parteivorstandes, des Parteiausschusses und der Kontrollkommission. An der Frauenkonferenz sind zur Teilnahme berechtigt: ein bis zwei Delegierte aus jedem Bezirksverband, die weiblichen Delegierten zum Parteitag, die Mitglieder Lesung sagte, hält sich die Rechte fein zurück. Es ist ja eine wahre Reichstags, je ein weibliches Mitglied der Landtage und unser täglich perteuertes Brot gib uns heute!" trum als Schirmherr des Rechtsblods! Als eine erfrischende Dffen herzigkeit habe ich es empfunden, daß Herr Dr. Pertitius ertlärt hat, man mache mit der Zollvorlage einen Schritt ins Ungewisse. Für die Macht und Preispolitit innerhalb der deutschen Wirtschaft ist jedoch die Zollvorlage kein Schritt ins Dunkle, sondern ein Schritt in das hellste Licht des Preiswuchers und der Teuerung auf allen Gebieten. ( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was uns flar vor Augen freht, die Berteuerung der Lebenshaltung, möchte das Zentrum als ungemi bezeichnen, weil es vielleicht gegenüber den christlichen Arbeitern behaupten will, es habe die Tragweite der Zollvorlage gar nicht absehen können. Wenn man der Ansicht war, daß die Zollvorlage einen Schritt ins ungewisse bedeutet, warum hat man ihr nicht die wissen ( chaftlichen Grundlagen gegeben, die man der Boll. vorlage von 1902 immerhin durch langjährige Boruntersuchungen gegeben hat? Dem Zentrum wird es wohl mit dem Schritt ins Ungewisse nicht so ernst gewesen sein, denn bisher pflegte es sich nur mit Schritten auf sehr realem Boden abzugeben. Auch das Zentrum fann nicht bestreiten, daß die Zollvorlage der Landwirtschaft und der Industrie Sondervorteile auf Kosten der Gesamtheit gibt. Das Sentrum weiß, daß diese Bollvorlage einen Schritt ins sehr Gewiffe bedeutet, nämlich einen Schritt weiter in das Gewisse der männliche Genossen, die von der Bezirksleitung mit Mandaten versehen werden. Anträge fürble Tagesorbnungbes Bartet tages fönnen nur behandelt werden, wenn sie von Bartelorganisationen gestellt und spätestens bis zum 12. August 1925 beim Parteivorstand eingereicht sind, damit sie laut Dr ganisationsstatut§ 13 Abs. 2 spätestens am 16. Auguft im Borwärts" veröffentlicht werden können. 3um Parteitag gestellte Anträge müffen jeder für sich auf ein besonderes Blatt Papier einseitig beschrieben und mit der Angabe, zu welchem Punkt der Tagesordnung gehörig, versehen sein. Wegen Wohnungsbeschaffung unter Angabe, ob Hotel oder Privatwohnung, müssen sich die Delegierten rechtzeitig beim Lokalkomitee melden. Adresse: Parteisekretär J. Amann, Heidelberg, Rohrbacher Str. 13. Berlin, den 4. Juli 1925. Der Parteivorstand. ( Schluß des Berichts im Hauptblatt.) Aus der Partel. Zusammenschluß der deutschen Sozialdemokraten Polens. Die dentiche Sozialdemokratie in Oft- Oberschlesien, zu der auch die Bromberger Sozialdemokraten gehören, und bie deutsche Arbeitspartei in Lodz haben sich zu einer Partei aufammengefchloffen, die den Namen Deutice Sozialistische Arbeiter. partei in Polen" trägt. Für die Zeit bis zum nächsten arteitag ist ein achtgliedriger Eretutivausschuß gewählt worden. Damit ist der Zusammenschluß aller deutschsprechenden sozialistischen Gruppen Bolens erreicht worden. Glüdauf zur Bereinigung! Jugendveranstaltungen. Heute, Dienstag, den 11. August, abends 7% Uhr: Prenzlaner Borstadt: Schule Danziger Str. 23. Bericht vom Samburger Jugendtag. Mariendorf: Alte Schule Dorffte. 7. Bortrag: Stammbaum des Menschen", II. Teil. Wetter für Berlin und Umgebung. Bunehmende Gewitterneigung. Für Deutschland. In Ostdeutschland noch weiter troden und warm, im Besten verbreitete Gewitter. Joröerungen öes Ruhrbergbaues. Steuernachläfse.— Soziale Benachteiligung der Arbeiter. Der Zechenverband für dai rheinisch-westfS» lisch« Bergbaugebiet hat dem Reichskanzler ein« Denk- s ch r i f t über die Lage im Ruhrbergbau unterbreitet, so wie er sie aufsaßt. Vom Reich wird zum Zwecke der Gesundung gefordert: Ermäßigung der Steuerlasten und Herabsetzung der Eisenbahnfrachten für Kohlentransporte. Gegen dl« Arbeiter richten sich folgende Forderungen: Abbau der sozio- l e n L a st e n, Wiedereinführung der 8�. Stundenschicht. Beseitigung des Zwangsschiedsverfahrens. Ob nicht noch andere Forderungen in der Denkschrift enthalten sind, ist nicht zu übersehen, denn sie liegt bei Abfassung dieser Zeilen nicht im Original vor. In der kapitalistischen Presse sind aber Aus- züge enthalten, die ungefähr dem vollen Inhalt entsprechen dürften. Daraus ergeben sich die vorgenannten Forderungen an das Reich und die Bergarbeiter. Sie genügen zur Kennzeichnung der Situation. Der Zechenverband führt in der Begründung seiner Forderun. gen aus, daß die arbeitstägliche Förderung von 378 614 Tonnen im Januar auf 331 8SS Tonnen im Juni oder um 12,3S Proz. g e- sunken sei. Die Angaben sind richtig, aber dennoch irrefuh- rend. Die Irreführung der bergbaulichen Laien ohne Unterschied ist auch von den Vätern der Denkschrift gewollt. Es soll der Eindruck hervorgerufen werden, als habe die Leistung des einzelnen Berg. manns nachgelassen, womit wiederum die Forderung nach Verlän- gerung der Schichtzeit von 8 auf 814 Stunden ihr« Begründung sin- den soll. Für diesen Zweck stehen auch die Zahlen über die arbeits- tägliche Förderung im Vordergrund der Begründung. Ein« sauber« Absicht. Die arbeitstägliche Förderung ist kein Beweis für di« Schichtleistung eine» Bergmann». Einmal wird in der Denkschrift selbst ausgeführt, daß die Belegschaft im Ruhrbergbau von 472 605 Mann im Januar auf 436 493 Mann Ende Juni, also um 36115 Mann gleich 13 Proz. gesunken ist. Es ist also festzu- stellen, daß der Rückgang der Belegschaft stärker ist als die Minderung der arbeitstäglichen Förderung. Dann wurden im Juni sehr viel Feierschichten eingelegt, wodurch wiederum die arbeitstägliche Förderung beeinträchtigt wird. Ihre Errechnung ge- schieht, indem die Gesamtförderung des Monats durch die Zahl der Arbeitstage dividiert wird. Werden nun viel Feierschichten einge- legt, wie das leider in den letzten Monaten der Fall war, dann v e r- mindert sich bei dieser Art der Errechnung die a r b e i t s t ä g- liche Förderung. Das ist natürlich den Vätern der Denkschrift und auch anderen Personen, die mit dem Wesen des Bergbaues ver- traut sind, bekannt, aber der allgemeinen Oeffentlichkeit nicht, und auf deren Beeinflusiung kommt es den Bergbauunternehmern in erster Linie an. Demgegenüber sei noch gesagt, daß der Schicht- förderanteil der bergmännischen Belegschaft— es sind die» «lie auf den Bergwerken beschäftigten Arbeiter, ausschließlich jener, die in den Kokereien und der Nebenproduktengewinnung tätig sind — im Durchschnitt des Monats Mai 908 Kilogramm gegen 901 Kilogramm im Januar betrug. In 1913 betrug der Schicht- förderanteil eines bergmännischen Belegschaftsmitgliedes 934 Kilo- g r a m m. Wenn die Förderung in den vergangenen Monaten nicht gedrosselt worden wäre, würde unstreitig der Schichtförderanteil von 1913 erreicht sein. Der Schichtförderanteil der Hauer und Lehr- Hauer von 1913 mit 1802 Kilogramm wurde im Mai 1925 stark über- schritten, denn er betrug 1831 Kilogramm. Die Unternehmer können aus dem Leistungsergebnis der Bergarbeiter keine Begründung für eine Verlängerung der Schichtzeit finden. Darum hüten sie sich auch, dieses Ergebnis anzuführen, sondern arbeiten mit dem Begriff der arbeitstäglichen Förderung zum Zweck der Irreführung. Entschei- dend für die Beurteilung des Leiftungsergebnisies ist bei normo- lem Betrieb der Schichtförderanteil. Aber auch dieser Anteil kann beeinflußt werden. Wenn ein« Betriebsleitung den Nachweis führen will, daß der Leistungseffekt rückgängig ist, dann braucht sie nur größere Anteile der Belegschaft in Reparatur- und Vorrichtungsarbeiten zu verlegen, und die gewollt« Wirkung ist erzielt. An eine VerlängerungderSchichtzeitistnichtzu denken. Acht Stunden, im tiefen Schoß der Erde, fern von Licht und Luft, umgeben von drohenden Gewalten, ist überlang genug. Haben die Unternehmer den Willen, ihren Plan durchzuführen, und ist ferner die Regierung bereit, sie dabei zu unterstützen, dann ist der drohende Kampf, der am Ende des vergangenen Monats im eng- tischen Bergbau zu beginnen schien, nach Deutschland verlegt. Das kann gesagt werden, ohne den Bergarbeiterverbänden, di« dar- über zu entscheiden haben, vorzugreifen. Die Unternehmer führen in der Dentschrist weiter au», daß di« Gehalts- und Lohntosten einschließliq aller sozialen Lasten je Tonne Kohle 11,0SMark betragen. Wle erklärt sich diese Zahl? Darüber� wird in der Denkschrift, nach den Auszügen der Presse, nichts näheres gesagt. Dies aber wäre dringend erforderlich. Für Mai liegen Angaben über den Durchschnittslohn vor. Er betrug nach dem„Gliick-Auf', berg- und hüttenmännisch« Zeitschrift, 6,80 Mk. je Schicht. Bei einem Fördereffekt von 908 Kilogramm je Schicht be- trägt der Arbeiterlohnanteil an einer Tonne 7,48 Mark. Für Beamtengehälter wurden früher 8 Proz. des Arbeiterlohne« be- anfprucht. Nimmt man an, daß der Beamtenabbau sich nicht in der gleichen Weise wie der Arbeiterabbau vollzogen und sich der prozen- tuale Anteil dadurch verschoben hat und rechnet 10 Proz. des Lohn- anteils der Arbeiter für Beamtengehälter, dann würden rund ge- rechnet 0,75 Mk. für Beamtengehälter oder 7,48+ 0,75— 8, 23 M k. für Gehaltsanteile und Arbeiterlohnkosten bei einer Tonne Förderung erforderlich sein. Hinzuzurechnen sind noch die sozialen Lasten mit 1,10 Mk., so daß sich Lohnkosten, Gehalts- anteile und soziale Lasten für eine Fördertonne auf 9,33 Mk. be- laufen. Von der Förderung werden nun 10 Proz. im S e l b st v« r- brauch der Zechen aufgezehrt, so daß sich der errechnete Kosten, betrag von 9,33 M. um 10 Proz.— 0,93 M. auf 10,26 M. erhöht. Wie kommen die Unternehmer auf 11,05 M.? Darüber muß Auf- schluß gegeben werden. Die Differenz beträgt 0,79 M. je Tonne oder bei 7,5 Millionen Tonnen Absatz im Monat annähernd 6 M i l l i o- n e n Mark. Die Unternehmer fordern ferner die Beseitigung de» Zwangs- lchlkdsverfahren». Vielleicht macht diese Forderung den Bergarbeitern klar, daß die Bergwerks b e f i tz e r in allen Angele- genheiten rücksichtslosen Kampf wollen, worauf auch sie sich einzustellen haben. Eine andere Frage aber ist, ob die Allge- meinheit sich nach steten und heftigen Auseinandersetzungen im Berg- bau sehnen kann. Als die Herren glaubten, das Zwangsfchiedsver- fahren könnte ihnen vorteilhaft fein, waren sie durchaus damit zu- irieden. Nun aber, da sie glauben, genügend Wirtschaftsmacht zu besitzen, wünschen sie seine Beseitigung. Der Kamm ist ihnen sehr gejchwollen. .. Die englischen Bergwerksbesitzer haben durchgesetzt, daß ihnen die Regierung zur Vermeidung eines schweren Wirtschafts- kampfes �"�Sboention zusagte. Sie hat ihre Genehmigung auch durch Mehrheitsbeschluß im Parlament erhalten. Die Ruhr- bergwerksbesitzer oerlangen nun eine Subvention auf U m w e g e n. Ermäßigung der Steuern. Welche Pflicht hat die Regierung angesichts des Vorgehens der Unternehmer. Sie muß die Einberufung des Kohlen- Wirts ch af t spar l am« n ts, des Reichskohlenrates fordern. Hierzu ist der Reichswirt chaftsminister gemäß L 32 der Ausführungs- b-stimmungen zum Kohlenwirtschaft-gesetz berechtigt. Dem Reichs- kohlenrat muß die Gelegenheit gegeben werden, in amtlicher Eigen- schaft Z" d» Unternehmerdenkschrift St.llungzu nehmen und sich gutachtlich zu ihr zu äußern Dies zu tun ist seine Pflicht. Dessen sind sich auch die Unternehmer sehr wohl bewußt. Sie umgehen mit Absicht diese Einrichtung und wenden sich direkt an die Regierung in der Hoffnung, daß sie dabei btsier fahren. Der Reichskohlenrat hat di« Pflicht der genauen Nachprüfung aller Angaben. Davon muß nunmehr, angesichts des Vorgehens der Unternehmer, Gebrauch gemacht werden. Die schwere Lage im Bergbau soll nicht verkannt werden, aber einseitige Angaben der Unternehmer hierüber verdienen keinen vollen Glauben. Bevor etwas unternommen wird, was so aussieht, als solle den Wünschen der Unternehmer nach- gegeben werden, muß volle Klarheit über die Lage geschaffen sein. Klarheit über die Lohntosten, sozialen Lasten, Gehallsanteile, Materialkosten usw. In allen diesen Punkten bestehen die größten Meinungsverschiedenheiten. Auch über die tatsächlichen Er- löse bestehen große Meinungsverschiedenheiten. Die Kohlenwirt- schaftsorgane haben das Recht der genauen Nachprüfung. Hiervon muß nunmehr im Interesse des Volksganzen rücksichtslos Gebrauch gemacht werden, sonst haben diese Einrichtungen ihre Daseinsberech- tigung verwirkt._ Die tzetze gegen öas Saarabkommen. Als das Eaarabkommen kürzlich abgeschlossen wurde, wurde dies allgemein begrüßt. Man sah in diesem Wirtschaftsabkommen den ersten Schritt einer endgültigen Verständigung zwischen der deutschen und französischen Regierung. Das reindeutsch« Saargebiet kann der Hilfe des einstigen Mutterlandes, mit besten Absatzmärkten es durch tausend Fäden verbunden ist, nicht entbehren. Ueberdies ist di« Zeitspanne bis zum Jahre 1935 nur noch kurz, wo es sich endgültig durch Abstimmung entscheiden soll, ob das Saargebiet deutsch oder französisch wird. Es wird sehr wesentlich auf die Stimmung der Bevölkerung einwirken, wie sich Deutschland gegenüber dem saarländischen Industriegebiet bis dahin oerhält. Auch di« westdeutsche Schwerindustrie schien den Wiederzusammenschluß des Saarlande» mst Deutschland bisher zu begünstigen. Ist es doch nicht unwesentlich, ob jenes hochentwickelte Industriegebiet an der deutschen Südwestecke, das seit Jahrzehnten in reger Wechselwirkung mit dem Ruhrgebiet stand, an Frankreich fällt oder zum Mutterland zurückkehrt. So fand am 16. Juni demonstrativ die Tagung des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller in Saarbrücken statt. Bei den V e r h a n d- lungen zwischen der deutschen und französischen Schwerindustrie war man deutscherseits ohne weiteres bereit, wenigstens sind ernsthafte Widerstände in der Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden, den saarländischen Teil de» Ein- fuhrkontingent» an Roheisen und Stahl zollfrei nach Deutschland herein zu lasten. Um so eigentümlicher nimmt sich jetzt die Hetz« aus, di« von schwierindustriellen Blättern gegen da» Saarabkommen getrieben wird. So veröffentlicht di«.Deutsch« Bergwerkszeitung* vom 4. August einen Artikel.Preisgabe des Ruhrgebiet»?*, in dem scharf gegen das Saarabkommen Stellung genommen wird. Da- noch soll das Abkommen geeignet fein,„der Wirtschaft an der Ruhr tödliche Wunden zu schlagen*. Es wird dann weiter auseinander- gesetzt, daß die zollfreie Einfuhr einen schweren Wettbewerb für die Ruhrindustrie bedeute. Die Saarindustrie hätte weder mit den Einschränkungen der Erzeugung wie di« Ruhrindustrie zu rechnen, noch sei sie an die Preispolitik der deutschen Werke gebunden. Dies klingt eigentümlich angesichts der Tatsach«, daß die organisiert« Einschränkung der Ruhrindustri« ein« durchaus freiwillige ist und mit der scharfen Kartellierung der deutschen Industrie und mit der monopolistischen Beherrschung des Innenmarktes zusammenhängt. Irren wir nicht, so wird die vom Saargebiet hereinkommende Eisenmenge von den Verbänden der Eisenindustrie abgenommen und innerhalb Deutschlands vertrieben, wenigstens war dies eines der Kernstücke de» deutsch-französischen Eisenabkommcn» der Jnterestenten. Der Wettbewerb der Saar- werke wird also erstens auf ein gewistes Ko n t i n g e n t beschränkt, da» sich mit der Einschränkungsquote der Rohstahlgemelnschaft(für August 35 Proz.) automatisch senkt und zweitens von den Kar- tellen gemildert, da diese den Vertrieb besorgen. Das Saargebiet liefert heute an Eisen weniger nach Deutschland als vordem. Selbst wenn dieser Wettbewerb fühlbar werden sollte, so muß man doch fragen, wa» es hätte werden sollen, wenn da» Saargebiet noch deutsch wäre oder wieder zu Deutschland kommen würde. DI«.Bergwerkszeitung* beschwert sich darüber, daß z w i s ch« n d«n Saarwerten und den lothringischen Hütten «ine Abmachung getroffen wurde, wonach letztere für jede noch Deutschland ausgeführte Tonne Eisen ein« Abgab« erhalten soll. Auch diese» Ist durchaus nicht» Neues, es stand bereits bei Abschluß des Vertrages in Aussicht. Doch zur Demagogie werden die Ausführungen der DBZ., wenn sie sich also vernehmen läßt: .Eine gewichtig« Waffe, die man bei den Handelsvertragsverhand. lungen mst Aussicht auf Erfolg hätte benutzen können, legt man so im voraus aus der Hand und stellt die Eisenindustrie an der Ruhr i I» merci Frankreichs.* Wa» haben die Ruhrindustri- ellen anders getan als ihr« Interesten vor allem anderen gestellt? Es ist an dieser Stelle de» öfteren Klage darüber geführt worden, daß die deutsche Regierung die wichtig« Frage der Eisenindustrie aus der Hand gab. ohne sie als wichtig« Ausgleichsposten gegenüber Frankreich benutzen zu können. Und im Rahmen dieser privaten Abmachungen hält sich da» Eisenkontingent de» Saar- abkommen». Die ganze Hetze ist weiter nichts als ein Feldzug gegen die in Aussicht stehend« Ratifizierung des Abkommens durch die deutsche Regierung(von Frankreich wurde es bekanntlich schon ratifiziert). Do» dürfte ziemlich eindeutig au» dem Schluß. absatz des Artikels hervorgehen:.Da» also hat man heimgebrachl (gemeint sind die Einfuhrfreiheiten für deutsche Fertigprodukte) und für so wichtig gehalten, daß man dafür sozusagen den ganzen deutschen Eisenmarkt der französischen Industrie zur beliebigen Ver. fügung gestellt hat. Will und kann die Reichsregierung ihre Zu- stimmung zu einem solchen Abkommen wirklich ernsthast in Cr- wägung ziehen?* Es liegt unseres Erachtens kein Grund vor, die Ratifizierung des Saarabtommens hinauszuschieben, selbst wenn einig» tausend Tonnen Eisen zu geringeren Preisen nach Deutschland kommen sollten, was gewiste Jnterestenten gleicht als einen Ver- derb ansehen._ Zölle oder Boykott! Die österreichisibe Alvine Montan- a e se ll s ck a st. die größte roheisenschaffende Jndustriegesellschaft Oesterreichs, hat sich vor einiger Zeit an den Hauptverband der Industrie gewandt, um die Einleitung einer Aktion zur sofortigen Einführung von sog. Notstands z ö ll e n für Eisen zu verlanaen. Der Hauptverband hat die Anregung der Alpinen Montangesell. schaft unter Berufung auf die Interesten der eisenverarbeitenden Industrie abqelehnt. Die Alpine Montangesellschaft hat nun- mehr an den Hauptverband der Industrie ein neue« Schreiben ge- richtet, das einer KrieaSerklärung der Roheisenindustrie an die Fertigindustrie gleichkommt. In dem Schreiben wird auS- geführt, daß die Alpine Montangesellschaft alle Vergünsti« gungen für die eisenverarbeitende Industrie be- dingungSloS zurückziehe und von nun an ihre eigenen Wege gehen werde, um ihre Ansprüche durchzusetzen. verbanöstag der Gemetnöearbetter. vierter Verhandlungstag. Frankfurt a. HL,& August. Zur Beratung steht der 6. Punkt der Tagesordnung: D i e Bildungsausgaben der Organisation. Redakteur Dittmer begründet hierzu eine Entschließung, in der es heißt: „Der Verbandstag erneuert feine Magdeburger Beschlüste zur Bildungssrage. Um eine planmäßige und umfangreiche Bildung?- arbeit im Sinne dieses Programms zu ermöglichen, �ist zunächst in der Zentrale ein besonderer Bildungssekretär anzustellen, der die Vorbereitungen für die neu zu schaffenden Bildungs- und Ferienkurse zu treffen hat. Die Filialen werden ersucht, daneben nach Möglichkeit die systematische Durchbildung ihrer Mitglieder energisch zu fördern und in stärkerem Maße als bisher die Presse des Verbandes nutzbar zu machen, sowie die„Schriften zur Auf- klärung und Weilerbildung" in Mitgliederkreisen zu verbreiten, ferner für den Ausbau von Filialbibliotheken zu sorgen.* In der mehrstündigen Aussprache wurden alle Fragen der Dil- dungsmöglichkeit erörtert, die den Gewerkschaften zur Verfügung stehen. Durchweg wurde anerkannt, daß die Frankfurter Akademie der Arbeit ein unentbehrliches Institut zur Ausbildung gewerkschaft- licher Funktionäre darstellt: die Lehrgänge jedoch müßten ver- längert werden. Hervorgehoben wurde aber auch, daß die sozial- demokratische Presse ron den Gewerkschaftlern gelesen werden muß, damit sie über die wirtschaftlichen Zusammenhänge genügend unterrichtet werden. Der Dorstandsoertreter wies darauf hin, daß es viele Organisationen gibt, in denen nicht eine einzige sozialdemokratische Zeitung gelesen wird. Die von dem Referenten befürwortete Entschließung wird mit dem Zusatz angenommen, daß in den einzelnen Gauen Bildungsausschüsse gebildet werden sollen. Ueber Tarifrechk ia öffentlichen Delriebea spricht an Stelle des beruflich verhinderten Genossen Prof. Dr. Sinzheimer sein Mitarbeiter Genosse Dr. Neu mann. Der Redner definiert zunächst den Begriff des Rechts der Automie der Gewerkschaften. Die erste Frage ist die: Ist es notwendig und zweckmäßig, daß die Gewerkschaften zur Erreichung ihrer Ziele die Rechtsfähigkeit erlangen, das heißt, eingetragene Vereine werden? Die Verbände der Unternehmer besitzen alle die Rechtsfähigkeit: sie können tarifbrüchige Kontrahenten schadenersatz- p f l i ch t i g machen. Bei der gegenwärtigen Rechtslage, nach der die Vorstandsmitglieder der Gewerkschaften mit ihrem ganzen Ver- mögen für Tarifbrüche haftpflichtig gemacht werden können, erscheint es nicht tunlich für sie, die Rechtsfähigkeit zu erlangen. In den Entwürsen zu den Arbeitsgerichtsgesetzen ist jedoch vorgs- sehen, daß die Gewerkschaften in allen Tariffragen die Rechtsfähigkeit erlangen können, ohne daß sie gerichtlich eingetragen werden. Diese Art der Sicherung ihrer Rechte ist den Gewerkschaften nur zu empfehlen. Wie steht es nun mit dem Koalitionsrecht an sich und mit dem Schutz des Koalitionsmitgliedes und des Außenseiters? Das Reichsgericht hat entschieden, daß auch der Außenseiter gericht- lich geschützt sein soll. Die geselligen Vereine hatten einen kläge- rischen Anspruch auf die Mitqliederbeiträge, die Gewerkschaften nicht. Das Reichsgericht hat vor acht Tagen in einer Entscheidung diesem unwürdigen Zustande ein Ende gemacht. Die Zahl der Zwangstarife nimmt gegenüber den freien tariflichen Vereinbarungen erheblich zu. Von einzelnen Fachkennern wird behauptet, der Zwangstarif sei konservativ, er sei koalitions- feindlich. Ein Recht könne nie konservativ sein, er verbietet ja auch den Streik nicht, beschränkt ihn allerdings. Es ist aber eine Frage, ob der Zwangstarif beibehalten werden soll. Vor dem Krieg hätte man jeden Zwangstaris als Unsinn bezeichnet. So lange im Reichstag keine sozialistische Mehrheit besteht und die Möglichkeit zu einer sozialistischen Regierungsbildung fehlt, müßten die Gewerk- schaften den Zwangstarif ablehnen. Eine wichtige Forde- rung der Gewerkschaften ist zunächst die, zu verlangen, daß der Schlichter nur im Einverständnis der Gewerkschaften ernannt und zurückgerufen werden kann. Ferner müssen sie darauf bestehen, daß das Schlichtungsverfahren nur unter Zustimmung der be- teiligten Organisationen eingeleitet werden darf. Endlich müssen sich die Gewerkschaften dagegen wenden, daß ihnen im Zwangstarif eine Friedenspflicht von bestimmter Dauer auf- erlegt wird. Wenn die Gewerkschaften die Verantwortung tragen sollen und auch wollen, dann ist der Zwangstarif überflüssig. Schaum(Berlin) und B i a ch(Leipzig) brachten in der Dis- kussion zum Ausdruck, die Gewerkschaften müßten dafür sorgen, daß der Schlichter frei sein müsse in seinen Entschließungen: er dürfe nicht an die Anweisungen des Reichsarbeitsministeriums gebunden sein. ilrbeHerpofilik In Reich. Siaat und Gemeinde. Bei der Behandlung dieser Frag« wies der Referent, Genosse Paul Hirsch. letziger Bürgermeister von Dortmund, zunächst da- rauf hin. daß es vor dem Kriege um di« Rechte auch der Gemeinde- und Staatsarbeiter bedeutend schlechter gestellt war. Die be- scheidensten Forderungen der Gemeinde- und Staatsarbeiter wurden' nicht einmal einer Würdigung unterzogen. Wenn es später bester geworden ist, dann war das die Folge der Erstarkung der gewerk- schaftlichen Organisation und des Einflusses der sozialdemokratischen Vertretungen in den Gemeindeparlamenten. In demselben Maße aber, in dem die Gemeinde- und Staatsarbeiter sich der gewerkschaft- lichen Mittel der in den Prioatindustrien beschäftigten Arbeiter be- dienten, machten sich auch die Bestrebungen der Regierungen und Unternehmer zur Niederknüppelung der Arbeiterorganisationen geltend. Der Redner erinnert an di« angedrohten Strafoerschär- fungen bei Streikvergehen. Alle diese Zustände haben nach der Revolution eine völlige Aenderung erfahren. Di« Gemeinden sind gesetzlich gehalten, für ihre Arbeiter soziale Ein- richtungen zu schaffen. Tatsächlich ist die Lage der Arbeiter in den Gemeinden und öffentlichen Betrieben, trotzdem der Schlichter frei sei in seinen Entscheidungen, nicht rosig. Die Löhne sind nur'/» so hoch wie vor elf Iahren: sie reichen nicht aus, um das Leben zu fristen. Was die sozialen Einrichtungen anlangt, liegen die Verhält- niste in Preußen günstiger als im Reich. Daraus ergibt sich, daß der Kampf um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen ein Kampf um die politische Macht ist. Don den politischen Rechten, die die Revolution hen Arbeitern gegeben hat, müssen sie den richtigen Gebrauch machen. In der Schlußsitzung am Sonnabend wurde ein Antrag angenommen, nach dem die Wahl der Delegierten zum Gewerkschasts- kongreß durch Urwahl zu erfolgen hat. Ein weiterer Antrag oerlangt die Entsendung einer Studienkommission nach Ruß- l a n d, um die dortigen Wirtschaftsverhäftnisse zu studieren. Lehnt die Sowjetregierung die Einreiseerlaubnis für den von der Kam- Mission bestimmten Dolmetscher ab, so nimmt die Kommission ihre Arbeit nicht auf. Der Antrag wird dem Vorstande uberwiejen. Das gleiche geschieht mit Anträgen, die sich auf die Wiederherstellung der Einheit der internationalen Gewerkschaftsbewegung beziehen. Der Verbandstog forderte ferner die Reichsregierung auf, eine durchgreifende Erhöhung der Bezüge für die Kriegsopfer und Hinter- bliebenen sowie der Klein- und Sozialrentner aus dem schnellsten Wege durchzuführen. Um den nächsten Verbandstag bewerben sich die Filia- len Kiel. Halle a. S. und Köln. Der Verbandstag entscheidet sich für K ö l n. Für die Beschickung des Internationalen Ge- merkschaftskongresses werden vier Wahlbezirke gebildet. Es werden gewählt Beck(München), Heinz(Köln), Polenske(Berlin) und Ihle(Hamburg. Vorsitzender M ü n t n e r weist in seinen Schlußausführunaen darauf hin. daß der Verband im nächsten Jahr fein dreißimähnae» Bestehen feiert. Der Verband ist bereit, zu kämpfen und die Kampf- fähigkeit zu erhöhen. Der Kampf um die Auswirkungen des Dawes- Gutachtens beginnt erst. Der Verband sei einig, in der Einiakei» lieat der Sieg auch der Gemeindeairbett et, Unterhaltung unö �Nissen Volk, es ist Sein Tag! Von vok enkfachk, vom Recht erdacht Und für das Volk geschrieben. So ward Verfassungswerk vollbracht, So wollen wir es lieben. Wir traten böses Erbe cm. Umwogt von Sturm und Lohen. Du Volk in Rot, dein Sleuermana Dar feig und fahl geflohen. Du hast nicht an dich selbst gedacht. Volk, eisern in Gefahren. Wie bettelten um Weg und Dacht, Die deine Henker waren! Dir war das Herz zu froh und leicht, Als du das Land besessen, Und wem der Sinn zu mild erweicht. Der mag zuviel vergessen. Run höhnen sie, nun ächten sie Das Werk, das wir vollendet! O hätte Lust die Kräfte nie Wie Sonnenspiel verschwendet! Das Wort der Herren streut in Wind Die Furcht aus Freiheitsjahren. Wie sie dem Volke dankbar sind, Wir haben es erfahren. Das freie Volk Hot edlen Sinn In's Dort vom Recht getragen. Der Rlenschenwürde Anbegiau Und rechter Liebe Wagen. vom Hunger nicht, nur Wort vom Recht, vou Luft, und nicht von Leiden. Das Wort wird kühn ein frei Geschlecht Zu Sang und Sonne kleiden. Es ist dein Tag und will es fein. Dein Sieg soll dir gehören, Wagst du in sattem Sonnenschein, Wüßt du in Schatten schwören. Dich ziert kein freudig Festgewand Und darfst doch aufrecht schreiten: Es leuchtet Schrift aus deiner Hand Im helligeu Geist der Zeiten. Da» Wort ist Kraft, das wort ist Groll Und wird nicht Menschen weichen. Volk, Watz des Zorns ist übervoll Und schäumt in dunklen Zeichen. Wer deuten kann, der soll es frei Den Arbeitsbrüdern künden: Es wird ein Wort wie Sturm und Schrei Der Freiheit Fackel zünden. Franz Rotheufelder. Das Auto der Zukunft. Die rapide Zunahme des Automobil- und Flugverkehrs m den letzten Jahren läht befürchten, daß die Wellvorröte an Benzin und Benzol in absehbarer Zeit erschöpft sein werden. Seit geraumer Zeit sind denn auch Versuche im Gange, den Kraftsahrzeugbetrieb von diesen Brennstoffen unabhängig zu inachen. So versucht man in jüngster Zeit, dem in stationären Be- trieben und auf Schiffen seit vielen Iahren bewährten Dieselmotor eine für Fahrzwecke brauchbare Fonn zu geben. Zum Betrieb von Dieselmotoren finden bekanntlich schwerentzündliche Oele wie: Rohöl, Gasöl, Parafsinöl, Teeröl usw. Verwendung, die aus der Erde in solchen Mengen vorkommen, daß sie den Bedarf auf lange Zeit hinaus zu decken vermögen. ?ch heirate meine Iran. Das Ergebnis einer Folter. Bon Otto Salzmann. Lachen Sie nicht! Sie dürfen nicht meinen, ich hätte mich scheiden lassen, um dann meine Frau wieder zu heiraten. Nichts dergleichen! Ich habe gestern nieine Frau geheiratet— obgleich wir bereits feit zehn Jahren verheiratet sind. Bitte halten Sie mich nicht für oerrückt! Ich bin nicht ver- rückt, meine Frau ist nicht verrückt, wie auch Sie nicht verrückt sind. Aber Sie können verrückt werden, wenn Sie erfahren, warum ich gestern meine Frau heiraten mußte, richtig mit Standesamt Spießee-Schicksal. Da» wird das Ende fein von Zoll und Steuern: Ver deutsche Spieher stürzt sich selbst ins Grab. Er merkt nicht, wie sie Alles ihm verteuern: vald fällt der Dummkopf in den Sumpf hinab! und Kirche heiraten mußte, obgleich wir bereits zehn Jahr« ver- heiratet sind, richtig mit Standesamt und Kirche verheiratet sind. Wenn es Sie ankommt, darüber verrückt zu werden, so trösten Sie sich: es ist mir genau so gegangen. Wissen Sie, was ein überflüssiger Mensch ist? Em überflüssiger Mensch ist ein Mensch, der arbellen will, aber keinen Plag findet, auf dem er arbeiten kann. Sie sagen, daß es eine Folter nicht gäbe, well die Fotter In Deutschland ja bereits seit zwei Jahrhunderten abgeschafft sei. Ich erwidere Ihnen: die Foller ist in Deutschland wieder eingeführt! Ich erwidere das, weil ich auf der Folter gelegen habe; ich bin zehn Monate ein überflüssiger Mensch gewesen. Ich wurde ein überflüssiger Mensch, ol» das Bankgeschäft, das mir fünf Jahre einen Arbeitsplatz geboten hatte, überflüssig ge- worden war. Ich wurde ein überflüssiger Mensch, aber ich wollte kein über- flüssiger Mensch sein. Darum habe ich 243 Bewerbungsschreiben verfaßt und 24Zmal meinen Lebenslauf geschrieben. Daraufhin wurde ich 94mal zur persönlichen Vorstellung aufgefordert und eben- Seilage öes vorwärts sooft mtt der Aussicht auf umgehenden Bescheid wieder fortgeschickt. Ich bin 94 Abende mit der Hoffnung eingeschlafen, am nächsten Morgen als ein Mensch aufzuwachen, der nicht mehr überflüssig war. Aber ich habe an 94 Morgen schwarz auf weiß bescheinigt erhalten, daß dtt Hoffnung mich genarrt hatte. Erkennen wie, daß ich im Recht bin, wenn ich sage: die Folter ist in Deutschland wieder eingeführt? Ich konnte nicht begreifen, warum ich ein überflüssiger Mensch bleiben sollte. Aber meine Frau hatte es begriffen: Ich war ver- urteilt, ein überflüssiger Mensch zu bleiben, weil ich einen Arbeits- platz suchte, der mich, meine Frau und unsere Kinder ernähren sollte, hingegen Taujende meiner Mitmenschen einen Arbeitsplan suchten, der nur einen Menschen ernähren sollte. Nicht wahr, das ist eine einfache Rechnung! Ich wurde blaß vor dieser ein- fachen Rechnung, aber meine Frau bewies mir, daß es besser sei, auf die Frauen- und Kinderzulage zu verzichten, als verurteilt zu lein, ein überflüssiger Mensch zu bleiben. Darum hörte ich mit meinem 244. Bewerbungsschreiben aus, verheiratet zu sein. Auf mein 259. Bewerbungsschreiben wurde ich zur persönlichen Vorstellung aufgefordert. Ich log einem Menschen frech ins Gesicht: ich sei unoerheiratet! Ich verleugnete Frau und Kinder— aber damit hatte ich endlich aufgehört, ein überflüssiger Mensch zu sein. Ich war nun unverheiratet— obgleich ich bereits seit zehn Iahren verheiratet bin. Wissen Sie, was es heißt, unverheiratet zu sein, obgleich man bereits seit zehn Iahren verheiratet ist? Ich sage Ihnen: Sie können Tränen lachen über eine Welt, die den Menschen zum Posienspiel zwingt, obgleich sie selbst dabei die Rolle des Hanswurst spielen muß. Aber Sie können auch die Wut kriegen. Ich aber bin zum Posienreißer erniedrig worden. Ich bin acht Monate zwischen Lüge und Wahrbeit hin und her getaumelt. Ich dachte, der Folterkammer zu entschlüpfen, als ich aufhörte, ein überflüssiger Mensch zu sein. Aber wie hatte ich mich getäuscht! Ich war nur auf eine andere Folterbank gelegt worden. Ich beschloh, einen letzten Versuch zu wagen. Ich beschloß, zu heiraten. Ich beschloß, meine Frau zu heiraten, mit der ich be- reits zehn Jahre verheiratet bin, richtig mit Standesamt und Kirche. Ich kann hier nicht verraten, wie ich es angestellt habe, denn Standesämter und Kirchen sollen es nicht erfahren. Sie wollen es aber gern wissen, weil Sie ein überflüssiger Mensch sind und lieber Ihre Frau heiraten wollen, als verurteilt zu sein, ein überflüssiger Mensch zu bleiben? Gut! Dann schreiben Sie mir unter Post- lagerkarte l 324 576 899, Berlin NOWS. Ich stehe Ihnen jeden Freitag ab 7 Uhr abends zur Verfügung. Ja, leider nur am Freitag! An den anderen Tagen nämlich sinne ich darüber nach, wie meine drei Kinder wohl noch einmal geboren werden können— obgleich sie bereits geboren sind: richttg mit Hebamme, Standesamt und Kirche geboren sind. Wie, jetzt kommt es an Sie an. wirklich verrückt zu werden? Auf Wiedersehen dann— in Dalldorf. Wie Keller Paris mit Balzacs Augen sah. In Gottfried Kellers großer Versdichtung.Der Apotheker von Chamounix� befindet sich eine wundervolle Schilderung von Paris, in der die Riesenstadt von der Anhöhe des Pere Lachaise im Abendgold der untergehenden Sonne geschaut ist und mit ihrem gewaltigen Leben einen unvergeß- lichen Gegensatz zu den Gräbern und Grabdenkmälern des Fried- Hofes bildet. Nun ist Keller nie in Paris gewesen, konnte also die- ses Dichterbild nicht aus eigener Anschauung schaffen. Die Schil- derung muß daher auf einen literarischen Eindruck zurückgehen, und Max Nußberger hat jetzt, wie er in einem Aufsatz der Monatsschrift „Die Literatur' berichtet, die Quelle entdeckt. Es ist eine Stelle in Balzacs Roman„Die Frau von dreißig Jahren', in der mit groß- artiger dichterischer Kraft die Ansicht der Seinestadt gegeben ist, wie sie sich„unter den friedlichen Zypressen des Pere Lachaise' aus- breitet. Vor allem aber ist es das Nebeneinander von Tod und Leben und der dadurch hervorgerufene unvergeßliche Eindruck, den Keller in dieser Romanstelle bei Balzac fand und der in ihm einen verwandten Akkord anklingen ließ. Auch er hat ja dies Motiv ver- fchiedentlich, so in einem Sonett und in der Novelle„Dietegen', ge- staltet. Es war wohl der Doppelklang des dichterischen und male- rischen Empfindens, der Keller in Balzacs Schilderung so stark be- rührte, und als er eine ebensolche Stimmung in seiner Versdichtung anschlagen wollte, da stand er unbewußt unter dem Eindruck des großen Meisters des Romans. Marina. Don Gabriela PreissvvS. tAutorisierte Uebersetzung aus dem Tschechischen von v. Berchtold.) Iura knirschte mit den Zähnen und rüttelte in ohnmächtigem Zorne an einem Zwetschenbäumchen an der Ecke des Schusterhauses. Seine Kehle zog sich mtt grimmigem Zorne leidenschaftlich zu- sammen. Er wäre in diesem Augenblick imstande gewesen, den Schuster Hatlik, wenn dieser ihn jetzt gefragt hätte, was er hier auf fremdem Boden zu suchen habe, niederzuschlagen wie seinen größten Feind. Wie konnte sich dieser Hamster die wunderhübsche Straßenräumerstochter Marina angeeignet haben, deren Augen leuch- teten wie zwei Iohanniskäferchen? Dieser Ausschuß, de» man nicht einmal zum Soldaten brauchen konnte und dem man das Heiraten hätte verbieten müssen! Diese schreiende Ungerechtigkeit hatte das Schicksal dem selbst- bewußten Iura bereitet, ihm. dem besten Tänzer in der Umgebung, in dessen Armen die Weiber beim Tanz« aufblüht?», wie die Blumen, die er in seinem Kärtchen beim Eisenbahnwöchterhause zog. und welche die Bewunderung der vorübergehenden Weiber erregten. Die fast neue Türe des Schusterhäuschens blieb geschlossen, ihre zierlichen Zinnknöpse blitzten widerwärtig, so wie jene an der Pforte des bekannten Gerichtshauses in der Stadt, wo Jura einmal zu 59 Kronen Geldstrafe verurteilt wurde, weil er sich in einem Dorfe als fremder Bursche mit den einheimischen ein wenig raufte. Hinter einer solchen Gerichtstüre erwögt und beurteilt man jede Kleinigkeit überspannt genau Dort könnt- der Mensch nicht einmal aufjauchzen dürfen, ohne gestraft zu werden. Aber wozu braucht der kleine Schuster auf der Höhe hier eine so prahlerisch beschlagene Tür? Dieser Dummkopf!...... t. � An allen drei Fenstern waren auch Eifengitter angebracht, genau wie in einem Kerker. Und damit nicht eimwrt die Sonne die Marina und ihren Schuster anblicke, waren die Fenster noch mit Klematis, blühenden Bohnen. Passionsblumen und Fuchsien ver- dunkelt. Ach. er kannte von ihnen schon jede Blüte und jeden Stengel. l°»st hatte er sie in den letzten Tagen angestarrt. Denn er eilte immer rasch hierher zu den Fenstern, sobald er von seinem Wächter- dous sah. daß sich her Schuster Hatlik mit seiner großen Tasche aus dem Hause entfernte, um in der.Stadt sein- Einkäufe an Leder zu machen, oder wenn er am Sonntag nachmittag ins Gasthaus ging, um sein Bier zu trinken und die Zeitung zu lesen. Jura hatte in letzter Zeit jeden Ausgang des Schusters ausgespäht, aber trotzdem konnte er niemals einen freundlich verstehenden Blick des jungen Weibes zu seinen Gunsten verbuchen. Verschloß sie sich vielleicht auf Befehl ihres Mannes? Worum sollte sie diesem widerwärtigen Menschen so sklavisch gehorchen? Die Einfältige! Draußen im Freien war es zu dieser Zeit so wunderschön, daß sich jedes Käferchen seines Lebens erfreute, und ihm selbst schwindelte der Kopf vor Lebensfreude, weil ihn der böse Krieg nicht gefällt hatte, wie eine Kornähre. Gott sei Dank, daß er nicht ge- blieben war, dort unten bei den Rumänen oder Italienern! Daher war er auch, trotzdem er ein Gottesleugner war, manchmal der Vor- sehung demütig donkbar. Ist es doch ein Glück zu leben! Wenn nur noch die Engel das seltene Weibchen, die Marina, welche er während der Kriegsjahre unglücklicherweise oerpaßt hatte, wenigstens jetzt in seine Arme sühren wollten! Was würde er dafür opfern, wenn sie Aie Seine werden könnte. Noch nie in seinem Leben hatte ihn ein Weib so bezaubert! Wie gefühllos spielt doch das wider- wärtige Schicksal mit den Menschen! Iura� überfiel plötzlich eine Bangigkeit. Der blaue Iunttag summte kein süßes Liedchen mehr, die Spatzen hüpften leise ohne Gezwitscher vor dem Gebäude, und von dem roten Dach gafften zwei graue Tauben still in die Welt hinaus, nur die Linden atmeten ihren betäubenden Duft aus. Iura mußte sich mit Gewalt halten, um nicht ins Weinen auszubrechen. Was wird jetzt aus seiner großen, starken Liebe! Marina versteckt sich still im Hause wie ein Mäuschen, nicht ein- mal beim Fenster zeigt sie sich. Sie ist doch nicht auf den Kopf ge- fallen, daß sie nicht erriete, warum er hier herumsteigt! Sie muß sicher erraten, was mit ihm geschieht, warum er sich hier wie ein Narr herumtreibt! Aber sie kommt mit Absicht nicht! Oh, er möchte sie gern zähmen, er würde sich für eine solche Gefühlslosigkeit rächen! Schon damals hat sie ihn ganz gut verstehen müssen, damals, als er sie am Ostermontag zum Tanze aufforderte! Sie sagte ihm:„Sie müssen meinen Mann um Erlaubnis bitten, dort dieser Kleine— welcher Kegel schiebt.' Der hochgewachsene Iura lachte ein bißchen, als sie ihren Mann„der Kleine' nannte, ging aber doch den Schuster ersuchen, daß er mit seiner Frau tanzen dürfe. Und gleich bei den ersten Tanzschritten begann er mit ihr vertraulich zu sprechen:„Sie sind mir gleich, als Sie eintraten, aufgefallen. Ich weiß schon, daß Ihr Name Marina ist.' „Jetzt heiße ich aber schon Hatlik.' entgegnete sie ruhig:„wir haben unser eigenes Häuschen dort oberhalb der Lindenallce.' Sie blieb stehen und deutete über das Tal, welches durch die Sonne stark beleuchtet war, auf die gegenüberliegende Anhöhe. Er hatte schon früher diese Lindenallee gekannt, neben der eine kleine Kapelle stand, aber das Haus des Schusters hatte er nicht be- achtet. Marina schien ganz stolz zu sein auf dieses ihr Heim. Darum vielleilbt hatle sie sich mit dem Schuster eingelassen, dacht- Iura, und als sie wieder anfingen zu tanzen, ließ er sich vernehmen- „Ich werde schon bald den Weg zu Ihnen finden, Sie werden sehen!' „Und was wollten Sie bei uns machen?' entgegnete sie, ihn kaum mit den Augen streifend.„Run, wegen Ihres Schusters werde Ich gewiß nicht kommen— ," sagte der Bursche keck.„Aber damit es nicht auffällt, kann ich ja auch ein paar Schuhe bestellen!'„ Sie blickte ihn verständnislos an, Jura lachte hell auf und preßte sie stürmisch an sich. In diesem Augenblick drückte sie ihre Hände so kräfttg gegen seine Brust, daß er sie auslassen mußte. Dann konnte er mit ihr nicht mehr tanzen, denn sie stellte sich ganz nahe bei der Kegelbahn zu ihrem Manne und hatte fortwährend an seinem Rockärmel etwas abzustauben. Iura aber ahnte ganz richtig, daß sie seine Worte ihrem Manne nicht wiederholen werde. Tanzen wollte er nicht mehr, die übrigen Frauenzimmer interessierten ihn nicht. Er setzte sich unter dem Wagenschuppen auf die Baumstämnie und warf hier langsam den Tauben die Lebzeltbrocken vor. von dem Marzipanherzen, das er früher gekauft hatte, und das er jetzt nie- mandem geben wollte und verfolgte die Marina unausgesetzt mit den Augen. Sie schien es zu ahnen, denn sie drehte sich zweimal nach ihm um. Iura kannte doch die Weiber ebenso wie die seltenen Blumen seines Hausgärtchens! Die weißen, roten, blauen und gelben Blumen, alle drehen sie sich sehnsüchtig nach der Sonne— sie wollen aufblühen und gefallen, bevor sie verwelken müssen. Iura hatte viele fremde Länder als Soldat durchzogen, bis er schließlich in Gefangenschaft kam: da wurde er zuerst Holzhacker, dann Kutscher auf einem Gute. Ueberall waren die Weiber gleich, überall hingen sie sich an ihn, angezogen durch seine stramme Gestalt und sein selbstbewußtes Lächeln. Zwei hatte er in verzweifelter Bangigkeit zurückgelassen. Oh, der Teufel soll sie holen! Warum hat ihn aber jetzt diese Marina zur Verzweiflung gebracht? Gott im Himmel, welche Prüfung kommt über ihn, was wird au? seiner starken Liebe zu Marina werden? Bis jetzt hotte er nur ruhig angeklopft, ist geduldig herum- gegangen vor dem Hause, nun aber hämmerte er gewaltig auf die nicht zu erbrechende Tür los. Aha, das hotte sie doch geweckt, sie meldete sich nun ängstlich von innen:„Warum lärmen Sie hier so entsetzlich? Der Meister ist nicht zu Hause, wenn Sie ihn sprechen wollen, kommen Sie am Abend!' Juras Stimme klang erregt, als er ihr antwortete:„Ich suche nicht den Schuster, mit Ihnen. Marina, möchte ich gern sprechen, wenigstens ein Weilchen! Oeffnen Sie doch die Türe, ick bin ja kein Räuber, und betrunken bin ick auch nicht. Böses tue ich Ihnen nichts, nur sprechen muß ich mit Ihnen.' Eine Weile blieb es still, dann entgegnete sie:„Kommen Sie also zum Fenster.' Sie schob zwei Blumentöpfe mit Fuchsien zur Seit«, öffnete die äußeren Fensterflügel und sprach leise:„Wenn man Sie hier sähe, böse Sachen würde man von mir denken: ich weiß nicht. was ich Ihnen getan habe, daß Sie mich so ins Gerede der Leute bringen wollen!' (Fortsetzung folgt.) ,, Zur Einsegnung billige Angebote! Einsegnungsanzüge Serie I aus blauem, starkem Cheviot, ein- u. zweireihig, Or. 38/43 27.-, Gr. 11. 12 25.Serie II aus blauem Cheviot, besserer Qualität, ein- und zweireihig, Gr. 38-43 30.Gr. 11-12 Serie III aus blauem kammgarnartigen Cheviot, ein- und zweireihig, Gr. 38-43 36.-, Gr. 11-12 Serie IV aus blauem kammgarnartigem Cheviot besserer Qualität, zweireihig, Gr. 38-40 40.-, Gr. 11 und 12. 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