Abendausgabe Nr. 376+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 185 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise fub in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: S. 68, Cindenstrotze 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-295 Tel- beeffe: Sezialbemotrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Dienstag 11. August 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Verfassungsfeier im Reichstag. Unter Hindenburgs Teilnahme. Zum erstenmal seit dem Tode Eberts wieder Berfassungsfeier im Reichstag! Wo sonst, trop einer gewissen Schwere in seinem Wesen, doch lebhaften Schrittes und Auges, unser Friedrich Ebert vor die Festversammlung trat, da erscheint heute der so alte Mann, den gewissenlose Parteispetulanten aus der verdienten Ruhe geriffen haben. Bollte er auch für seinen Lebensabend die Stille feines Heims, fern der großen Welt, bewahren, rief er auch vor allem Volf laut aus, daß er zu alt für dieses Amt sei ging das die Spetulanten an; fie zerrten ihn aus seiner Ruhe und stießen ihn ins Marktgewühl.... mas Auch sonst hat sich äußerlich an der Verfassungsfeier des Reiches manches verändert. Man lieft nicht mehr an der Stirnwand des Reichstagssaales die Worte des Deutschlandliedes: Einigkeit und Recht und Freiheit: das würde auch schlecht passen. Wenige Stunden, nachdem in diesem Saale der Geist der Verfassung schmählich Darauf erhebt sich Reichskanzler Dr. Luther zu folgender Ansprache: Gefeiert- gebrochen! Verfaffungstag 1925. Die Ordnung des Wirtschaftslebens muß den Grundsägen der Gerechtigteit mit dem Ziele der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle entsprechen.( Art. 151 der Reichsverfassung.) Heute feiert das deutsche Volt den Verfassungstag. Die Herr Reichspräsident, meine Damen und Herren! All unser Reichsregierung feiert ihn auch. Mit der Reichsregierung die In der jetzt zu Ende gehenden Reichstagstagung, die Gesetzgebungshaus, mit ihnen die Parteien, die gestern unter Bruch der Arbeiten gilt und muß gelten dem deutschen Bolt und Vaterland. Herren Schiele und Schlieben, Ranig und Neuwerte von höchfter Bedeutung geschaffen hat, haben Reichstags Verfaffung die parlamentarische Beratung der Zollvorlage zur mehrheit und parlamentarische Opposition ihr Komödie herabgewürdigt und die Rechte der Minderheit im größtes Können und ihre ernsteste Ueberzeugung dem Wohl des deutschen Boltes gewidmet. Um des deutschen Volkes willen, das in Parlament mit Füßen getreten haben. vielleicht naher Zukunft noch jehr große Aufgaben, zumal der Außenpolitit, zu lösen und vielleicht wirtschaftliche und soziale Nöte zu bestehen haben mag, muß auch in Zukunft jeder einzelne seine beste Straft dem Baterlande zur Verfügung stellen. vergewaltigt worden ist! Man sieht dafür einen riesigen Außerordentliche Ausschußfihung des ADGB. schwarzen Reichsadler auf gelbem Grund, mit roter Einfassung, darunter die Reichsfarben in strahlender Seide, von würzigem Tannengrün rings umbuscht. Und Tannengrün deckt die ganze Wand und zieht sich um die Rednerbühne, wo es rote und gelbe Blumen in reicher Fülle trägt, und flettert an der Galeriebrüstung rings um den Sant. So ist troß der Schwüle die Luft erfrischend. An der Galerie entlang hat man die Länderwappen angebracht; ein eigenartiger Bufall will es, daß gerade vor der ehemaligen Hofloge, in der der Reichspräsident seinen Platz hat, ein Doppeladlerwappen mit schwarzweißrotem Schilde hängt. Um 12 Uhr- alles ist auf seinen Blägen, die Reichsregierung affes iſt auf einen Blägen, die Reichsregierung vollständig versammelt erscheint Hindenburg, gefolgt von feinen amtlichen Beratern und von Gerhart Hauptmann mit feiner Frau. Der Reichspräsident verbeugt sich vor den Teilnehmern der Feier, die fich erhoben haben, mehrmals. Nun setzt sich alles und sogleich ertönt der erste Saz der ersten Sinfonie von Brahms, den die Philharmoniker unter Prüfers Leitung meisterhaft vortragen. Die Festrede. Der Bonner Honorarprofeffor Dr. Plat feiert den 11. August 1919 als den Tag, wo inmitten der größten Zerrüitung und Not das deutsche Bolt seine letzten Kräfte zusammenriß und indem es sich eine Berfassung gab, sich dem Chaos entwand". Er fordert, daß deswegen alle an diesem Feiertag teilnehmen sollen. Trog aller Unzulänglichkeit sei sie ein echt deutsches Erzeugnis, geboren im Mittelland, zwischen öftlichen Kommunismus und weit lichen Individualismus gestellt und in wesentlichen Punkten nicht Plaz untreu der alten Ueberlieferung". Blag verlangt, daß alle auf Grund der Weimarer Verfassung mitarbeiten. „ Der Glaube an die Möglichkeit des Besseren, der Glaube an die gesunden Kräfte unferes Boltes und seine politische Erziehbarfeit, der Glaube an die Einfügbarkeit eines so gereiften Staatsvolles in eine Gesamtordnung, die dem Höhepunkt des deutschen Dentens im Mittelalter ebenso gegenwärtig war wie den Männern der flassischen Zeit des preußischen Staates, das ist zunächst notwendig, wenn die Verfassung Wirklichkeit werden soll. Es ist nicht olles Schicksal, das über uns fommt. Ein gut Teil ist in unsere Hand gegeben und unserer Tat überantwortet. Diese selbit aber hängt ab von dem Glauben an die Keimfraft des Guten in der Menschenbrust und im Schoße des Volkes." In dem wirbelnden frischen Leben der heutigen Jugend sieht er ein ficheres Unterpfand einer besseren deutschen Zukunft. Gewiß ist alles nur ein Anfang; noch arbeiten wir mühselig im Tale der Erwartung, von Dämmerschatten umringt. Aber die Hoffnung, daß wir wieder hinauf ins Helle fommen, so oder fo, hat doch dieser Verfaffung fichtlich zur Seite geftanden. Hätten wir gewartet, bis die Voraussetzungen für eine alle befriedigende demo fratische Berfaffung gegeben gewesen wären, wir wären einer solch vollkommenen Verfassung bald überdrüssig geworden, weil wir sie als falt und wefenslos empfunden hätten. Nein, unentmutigt durch alle Schicksalsschläge hat das deutsche Bolt im verworrenen Heute, mit ganz unzulänglicher Erfahrung und fümmerlichen Mitteln, aber in richtiger Einsicht in die Notwendigkeit des Umbauens und Neuanfehens, angefangen, das Chaotisch gewordene wieder zum organischen Bau zu gliedern, und so mag benn auch die Berfaffung als eine jener Kristallisationsformen gelten, in denen nach einem Worte Simmels das Leben mehr ist als Leben, weil sie eben das im Naturgrund triebhaft Berfangen e energisch in die Höhe des gliedernden und überwölbenden Gesamtbauplanes zu heben sucht." An das Gegebene fnüpft die Berfassung an, sie sucht den Bürger als den Träger politischer Energie aus der Bassivität zu erlösen. Sie möchte ihn als irgendwie tätiges perantwortungsbewußtes Glieb einfügen in den politischen Ge ftaltungsprozeß, fie- möchte durch die Freiheit, die ihm bei aller politischen Betätigung gelassen wird, die Gewähr schaffen, daß die einmal erfolgte Bindung an den Staat um so tiefer und nachhaltiger fei. Sie möchte so ein politisches Führertum heranbilden, das mehr Derfteht als einen Führungsmechanismus zu handhaben und einen Autoritätsdrud auszuüben. So fann der national lebenswichtigste Prozeß des Zusammenwachsens von Bolt und Staat, ber schon so lange im Gange ist, der so vielfach unterbrochen und zurüdgebildet wurde, auf der Linie unserer demokratisch- republitanischen Verfaffung wirtungsvoll fortgefeht, und wenn feine Erschütterungen großen Ausmaßes mehr dazmifchen fommen, zu einem glüdlichen Ende gefülyrt werben." Blah richtet die Mahnung an alle, nicht als„ Emigranten des Innern" beiseite zu stehen, sondern mitzuarbeiten. Nur so fann Deutschland in Europa und der Welt seine Stellung wieder erobern. Bla eftrede wird mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Mufit spielt den erften Gag ber Squephonie von Handn Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hat angesichts der augenblicklichen wirtschaftspolitischen Lage den Bundesausschuß, die Bertreter der Zentralverbände auf morgen, Mittwoch, zu einer außerordentlichen Bundesausschußsigung einberufen. Der Bundesausschuß wird sich befassen mit der allgemeinen Wirtschaftslage, ferner zu der besonderen Situation, wie fie sich aus dem Verhalten der Zollblockparteien nach Annahme der Zollvorlage für die Verbrauchermassen ergibt. Insbesondere wird der Bundesausfchuß Stellung nehmen zu der vom Unternehmertum im Baugewerbe angekündigten Generala ussperrung ber Bauarbeiter. sie Die Verfassungsfeier des Jahres 1925 vollzieht sich in einem Rahmen von Ereignissen, die die gegenwärtige Lage in Deutschland eindringlich fennzeichnen. Heute, a m 11. August, ist Berfassungsfeier. Gestern, am 10. August, hat die Mehrheit des Reichstags den Geist der Demokratie vergewaltigt. Morgen, a m 12. August, wird diese Mehrheit ihr Gewaltwerk zu Ende führen. Aber heute feiert f den Tag der Reichsverfassung. Ein schriller Mißflang liegt über dieser Verfassungsfeier. Für die Massen der ehrlichen Republikaner ist die demokratische Verfassung Herzenssache. Für sie ist diefer Tag der Tag einer ernsten und würdigen Feier. Für jene Parteien aber, die sich gestern über Geist und Wortlaut der Verfassung hinweggesezt haben, ist die Feier dieses Tages allenfalls nur eine Sache des Verstandes, die Erfüllung einer formellen Verpflichtung. Wer die Rechte der Minderheit des Parlaments so brutal mit Füßen getreten hat, wie es die Zollmehrheit des Reichs= tages gestern tat, wer entschloffen ist, die undemokratische Gewalttat von gestern morgen zu wiederholen, der kann nicht heute den Tag der Verfassung als inneres Erlebnis begehen. Wer sich so wie die Zollmehrheit des Reichstages gestern über den Artikel 151 der Reichsverfassung hinwegsetzt, der fann nicht im Innersten erfüllt sein von dem Geiste der Verfassung. Bo bleibt der Grundfah der Gerechtigkeit in jener Zollvorlage, die die Mehrheitsparteien des Reichstages gestern nach der Vergewaltigung nach der Vergewaltigung der Opposition in zweiter Lefung beschlossen haben? Wo ist das Ziel der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle Staatsbürger in diesem Gesetzgebungswert, das eine Bevölkerungsflaffe bereichern will auf Kosten der arbeitenden und verbrauchenden Massen des Boltes, Lebendig bleiben muß in uns der Geist des Zusammenhaltens und der Einigteit, für dessen unerschütter lichteit auch nach härtester Kriegsnot uns die Reichsverfaffung vom 11. August 1919 ein startes Wahrzeichen ist. Wir begehen festlich den Tag diefer Verfassung, die die tragende Grundlage für das jest so schwierige und so besonders verantwortungsvolle Wirken aller öffentlichen Kräfte bildet. Laffen Sie uns am heutigen Verfassungstage geloben, geloben voll träftigen Glaubens an die deutsche Zukunft, daß wir nie nachlaffen werden im Dienst an unserem Bolt und Vaterland. Als Reichskanzler habe ich die Ehre, Sie, Herr Reichspräsident, und Sie, meine Damen und Herren, zu bitten, mit mir einzustimmen in ein hoch auf das in der Republit geeinte beutsche Bolt: das in der Republik geleistung eines menschenwürdigen Daseins der Zwang zur einte deutsche Bolt lebe hoch! dreifache Hoch ein und fingen daran anschließend unter Begleitung Alle Teilnehmer der Feier haben sich erhoben, stimmen in das des Orchesters die erfte und dritte Strophe des Deutschland liedes". T Mit Berbeugungen verabschiedet sich der Reichspräsi dent, der mun durch die Kuppelhalle und über die Rampe zur Freitreppe ging, diese hinunterstieg und die Front der draußen auf gestellten Reichswehrkompagnie unter den Klängen des gleichen, das Deutschlandlied" enthaltenden Defiliermarsches abschritt, der feit Einführung der Berfassungsfeier bei diesem Anlaß gespielt wird. Wir aber sahen im Geiste wieder den ehemaligen Arbeiter, den Führer der deutschen Sozialdemokratie, Friedrich Ebert, die Kompagnie der Wehrmacht der Deutschen Republik abschreiten.... Verfassungsfeier bei Hindenburg. Im Anschluß an die Verfassungsfeier im Reichstag fand beim Reichs präsidenten ein Frühstüd statt, an dem der Reis. fanzler und die Reichsminister, der Präsident und die Vizepräsidenten des Reichstages, Vertreter des Reichsrats und der preußischen Regie rung, die Borsigenden der Frattionen des Reichstags( mit Ausnahme der tommunistischen und der völkischen), der Führer und die unmittelbaren Borgefeßten der Ehrentompagnie, der Festrebner Prof. Dr. Plaß, der Dirigent Profeffor Bruewer und andere teilnahmen. Vor dem Reichstag. das die Massen in ihrer Lebenshaltung bedroht und die Gefahr herausbeschwört, daß ihnen statt der Gewähr Herabjegung ihrer Lebenshaltung auf ein physisch und fulturell nicht erträgliches Minimum auferlegt wird? Reichsverfassung, der die Mehrheitsparteien des Reichstages Es ist wahrhaftig nicht der Geist des Artikels 151 der am 10. Auguft erfüllt hat, und dem sie am 12. August nach der Verfassungsfeier wieder huldigen werden. Was sie erfüllt, das ist der Geist des Plutofratismus, der Aus= nugung der Staatsgewalt zur Bereicherung des Besizes auf Kosten des Boltes. Es war nicht der Wille der Schöpfer der Verfassung von Weimar, eine plutofratische Republik zu begründen und die Verfassung einer Republik des Besitzes zu schreiben. Der Geist der Verfassung von Weimar ist nicht nur der Geist der formellen Demokratie, die Verfassung von Weimar ist erfüllt von sozialem Geifte. Das Biel, das ihren Schöpfern vorschwebte, war nicht nur formelle Gleichberechtigung, sondern soziale Gerechtigkeit. In diesem Geifte und um dieses Zieles willen feiert heute das deutsche Bolt den Berfassungstag. Und die Parteien, die gestern manifestiert haben, daß ihnen nicht das Ziel der sozialen Gerechtigkeit vorschwebt, sondern der Wille zur plutokratischen Republit, sie feiern ihn heute in den offiziellen Kundgebungen. Gestern aber haben sie ihn gefeiert und morgen werden sie es mieder tun durch die Bergewaltigung von Geist und Buchstaben der Verfassung von Weimar. Sie haben nicht nur gegen die Idee dieser Verfassung gehandelt, sie haben gegen die formellen Rechtsgrundlagen der Gesetzgebung im Rahmen der demokratischen Ver faffung verstoßen. Vor dem Reichstag hatten sich schon gegen 12 Uhr größere Menschenmengen eingefunden, die die Feierlichkeiten vor dem Hauptportal beobachten wollten. Die Schutzpolizei hatte umfang reiche Absperrungen vorgenommen, die teilweise bis zum Branden burger Tor führten. Auf der Haupttreppe wie an den Seitenflügeln hatte sich eine größere Anzahl mit Baffagierscheinen Ausgestattete Denn im Wesen des Parlamentarismus liegt nicht nur die eingefunden. Vor dem Haupteingang waren wie bei der Bereidigung des Reichspräsidenten Hindenburg zwei große Fahnenmasten einge- Entscheidung durch die Mehrheit, wie der Sprecher des Zenrammt, von denen der eine die schwarzrotgoldenen Reichsfarben frums, der Abg. Fehrenbach, gestern zur Berteidigung des zeigte, während von der anderen die schwarzweißrote Striegsflagge Gewaltattes der Zollparteien ausführte. Im Wesen des Parlamit dem eisernen Kreuz und der schwarzrotgoldenen Gösch wehte. Die mentarismus liegt die verantwortliche Mitarbeit Botschaften der auswärtigen Staaten hatten die Flaggen ihrer Länder Opposition. Im Besen des Parlamentarismus liegt der gehißt. Gegen 1 Uhr marschierte vor dem Portal die Ehren- es, daß das Gesetz gefunden wird durch die Teilnahme des fompagnie der Reichswehr auf, deren Barade Reichspräsident v. Hin ganzen Parlamentes im kontradiktatorischen Berfahren. Wir denburg abnehmen wird. Die Verfassungsfeier im Reichstag, die um erinnern uns, daß Herr Fehrenbach es war, der bei der Ber 12 Uhr begonnen hat, dauert gegen 41 Uhr noch an. Das Publitum, das sich zu der Kundgebung im Freien eingefunden hat, besteht faffungsberatung in der Nationalversammlung in Weimar mit größtenteils aus Republikanern, die durch ihre schwarzrot größter fachlicher Präzision diefe Grundgedanken heraus goldenen Abzeichen dem Bild das Gepräge einer Boltsgoldenen Abzeichen dem Bild das Gepräge einer Bolts gearbeitet hat. Zum Wesen demokratischer Gesetzgebungs arbeit gehört das Ja der Mehrheit und das Nein der Oppo feier geben. sition, gehört der Wille der Opposition zur fachlichen Mitarbeit, zur Verbesserung nach bestem Wissen und Gewissen, gehört auch der Wille der Mehrheitsparteien, die fachliche Mitarbeit der Opposition anzuerkennen und nach bestem Wissen und Gewiffen über sie zu entscheiden. Das ist demokratischer Barlamentarismus, und eine Partei, die bis in die letzten Tage hinein als ihre politische Idee die Idee det Boltsgemeint hochgehalten hat, müßte für diese Wesenszüge des demofratischen Barlamentarismus' ein Höchstmaß von Verständnis | beweisen. ral Seedt, aus dem Reichstag und nahm die Barade über die Kurz vor 22 Uhr trat der Reichspräsident, gefolgt von Gene ral Seedt, aus dem Reichstag und nahm die Parade über die Traditionsfompagnie ab. Er befaßte fich hier eingehend mit Rich tung und Haltung der Soldaten, an denen er mit dem General Seedt, langsam und streng tritisch prüfend, vorbeischritt. Der Beifall, ber dem Reichspräsidenten gespendet wurde, war auffal lenb ichwa ch, ba bie in überwiegender Mehrheit versammelten schwach, da Republitaner den Präsidenten v. Hindenburg stumm passieren ließen. Bon mehreren Seiten wurde fleine schwarzrotgoldene Fahnen gefchwenft, Aber die Mehrheitsparieten des Reichstages haben das Recht der Opposition im Parlament unter die Füße getreten. Die Partei des Herrn Fehrenbach hat an der Vergewaltigung der Oppositon teilgenommen. Sie wollten keine diktatorischen Verhandlungen, sie wollten nicht das Gesetz finden auf dem Wege des Meinungskampfes. Ihnen genügt das diktatorische Ja der Mehrheit. Sie haben die fachliche Mitarbeit der Oppo- sition beiseite geschoben. Sie haben dem Geiste der demokra- tisch-parlamentarischen Verfassung von Weimar den Geist des reaktionären Diktatwillens einer plutokratisch gesinnten Parka- mentsmehrheit entgegengesetzt. Durch ihre Verfassungsfeier . geht ein schriller Mißklang. Das deutsche Volk aber, die Massen der Arbeiter und Ver- braucher, gegen die der Geist des Plutokratismus sich wendet, feiert heute erst recht den Tag der demokra- tischen Verfassung von Weimar. Es feiert ihn um der Idee der sozialen Gerechtigkeit willen, und seine Feier ist zugleich die Demonstration des Willens, den Geist des Plutokratismus zu überwinden. verfassungsfeter öer Polizei. Eine Rede des Polizeipräsidenten. Die Derfafsungsfeier der Berliner Polizei fand heut« vormittag auf dem großen Kasernenhofe in der Friesenstraße am Tempelhofer Felde unter starker Beteiligung der Beamten und Angestellten des Polizeipräsidiums sowie der Schutzpolizei statt. U. a. waren vom Ministerium des Innern Ministerialdirektor Dr. A b e g g, vom Polizsiprästdium Vizepräsident Dr. Friedens- bürg, die Abteilungsdirigenten und von der Schutzpolizei der Kommandeur K a u p i s ch mit seinem Stabe erschienen. Die Musik spielle zum Eingang der Feier.Die Himmel rühmen dem Ewigen Ehre"; dann betrat Polizeipräsident G r z e s i n s k i die mit Blattpflanzen geschmückte Tribüne, die rechts von der Reichsfahne, links von der Preußenfahne flankiert war, und hielt eine Ansprache, die in ein dreifaches Hoch auf die Republik ausklang, das von der Versammlung vieltausendstimmig aufgenom- men wurde. Nachdem die Musik das Deutschlandlied gespielt hatte, erfolgte nach den Klängen alter Militärmärsche der Vorbeimarsch der einzelnen Abteilungen der Schutzpolizei unter ihren Führern. Aus der Rede des Polizeipräsidenten, die er bei einer Feier im Polizeipräsidium in Gegenwart der leitenden Beamten der Behörde hielt, geben wir einige besonders bemerkenswerte Abschnitte wieder: Sie haben sich hier heute zum Gedenken der Reicksversassung zusammengefunden. Ich danke Ihnen und hoffe zugleich, daß nicht diensllicher Anlaß allein es ist, der Sie hier anwesend sein läßt, sondern auch ein inneres Bedürfnis Sie treibt, als B e- amte der Republik und Hüter der Verfassung und der Gesetze für das Verfassungswerk Weimar, auf dem unser staat- liches und Volksleben heute beruht, erneut Bekenntnis abzulegen. Sechs Jahre sind verflossen, feit sich das deutsche Volk durch die Nationalversammlung in Weimar seine demokratisch-republi- kuniiche Verfassung gegeben und sich damit nach den furchtbaren Er- schüttcrungen des Krieges, des Zusammenbruchs und der Um- wälzung eine neue feste Grundlage für sein staatliches Da- sein geschaffen hat. Es zeugt von der inneren Kraft, aber auch von dem Sinn des deutschen Volkes für Ruhe und Ordnung, daß es nach der emicblick'en militärischen und staatlichen Kata- strophe im Jahre 1918 so schnell wieder den Weg fand, auf den, allein ein staatliches, wirtschaftliches und soziales Leben eines Volkes sich entwickeln kann. Am 19. Januar 1919 konnte die Nationalversammlung bereits gewähll werden. Am 6. Februar traten die Vertreter des ganzen deutschen Volkes in Weimar, der Glanzstätte deutscher Kultur, zu- sammen, um in emsiger Arbeit ihre Hauptaufgabe zu lösen, nämlich die Verfassung zu schaffen. Die Weimarer Verfassung ist im Gegensatz zu früheren und anderen Verfassungen nicht das Werk einzelner. wie von chren Gegnern oft fälschlich behauptet wird. Sie wurde in absolut freier Entschließung nach monatelangen und e i n- gehenden Beratungen von der Nationalversammlung in der Schlußabstimmung mit 262 gegen 75 Stimmen angenommen. Wäre die Verfassung wirklich das Werk einzelner, so wäre sie nur ein Blatt Papier, wie es das Frankfurter Dokument von 1848 gewesen ist. So stehen aber heute hinter der Reichsverfassung ge- nügend Kräfte, um ihren Geist durch die Adern des gesamten öffent- lichen und privaten Lebens zu pumpen, und alle bisherigen Versuche von äußerst links und äußerst rechts, ihre Grundfesten mit Gewalt anzutasten, sind kläglich gescheitert und werden weiterhin scheitern. Die Weimarer Verfassung wird immer mehr Gemeingut des ganzen volles, welches erkannt hat, daß nach dem Zusammenbruch ein anderer wie der demvkratisch-republikanische staatliche Aufbau m Deutsch- land einfach nicht denkbar ist. Das deutsche Volk, das durch die Kriegsjahre hindurchgegangen sst, fühlt sich mündig genug, sich felbst zu regieren. Daß es dazu die Kraft und die Fähigkeit hat, das haben die Nachkriegsjahre hinlänglich gezeigt. Ohne die Wei- marer Verfassung hätten wir in Deutschland längst die Anarchie und vielleicht überhaupt kein deutsches Reich mehr. .Das Deutsche Reich ist eine Republik", heißt es im Artikel 1 der Verfassung,.die Staatsgewalt geht vom Volke aus". Die Rechte, welche die Weimarer Verfassung damit jedem deutschen Staatsbürger gibt, sind zugleich die Ventile, aus denen der Ueber- druck der Unzufriedenheit entweichen kann, ohne den Staat als solchen zu gefährden. Dafür schafft die Reichsoerfassung dem ein- zelnen den wchutz, daß ihm gewisse Grundrechte—• das Recht der Mitwirkung am staatlichen Leben, Wahlrecht, Vereins-, Versamm- lungsrecht, Koalitnms- und Pressefreihett— nicht genommen werden können. Die Verfassung ist so der vertrag des einzelnen Deutschen mit der Gesamtheil des deutschen Volkes; allerdings kein Bertrag, der dem einzelnen zur Annahme oder Ab- lehnung vorgelegt wird, sondern eine Urkunde, die traft der Mehr» heit auch für die Mmderheit unter allen Umständen bindend ist. Das Verfassungswerk, das in einer Lett geschaffen wurde, in der tagtäglich schwerste innere und äußere Kämpfe das damals lecke Reichsschiff umbrandeten, ist gewiß nicht ideal. Mancher Artikel trägt den Stempel eines nicht immer erfreulichen Ko m- pro miffes an der Stirn. Dennach, als Ganzes gesehen, ist die Verfassung ein gutes Werk. Sie hat sich in den hinter uns liegenden schweren Iahren bewährt als eine feste tragfähige Grund- läge unseres staatlichen Daseins. Vor allem im Jahre 1923, dem furchtbaren Jahre der Inflation und der Putschversuche, in dem es mehr als einmal schien, als würde das Reich doch noch hinein- gerissen werden in jenes grauenvolle Chaos, vor dem unser Land zu bewahren in den Stürmen von 1918 nur mit Aufbietung der letzten Kräfte gelungen war. Die Weimarer Verfassung ist das Instrument, das alles zvsammensaßt, was deutsch ist und deutsch denkt und fühlt. Trotz weitgehender, nur zu weitgehender Berücksichtigung parti- kularistischer Tendenzen in Deutschland lebt in der Verfassung der Großdeutsche Gedanke, der auch dadurch nicht ausgemerzt worden ist und nicht ausgemerzt werden kann, daß der Arttkel 61 Abs. 2, der für Deutsch-Oesterrcich nach Anschluß eine Vertretung im Reichsrat und bis dahin beratende Stimmen vorsieht, auf Gebot der Entente außer Kraft gesetzt werden mußte. Die Unzufriedenheit im Volte ist allerdings groß. Das Volk hat ungeheure Lasten zu tragen. Minderung der Arbeits- fähigkeit durch Kriegs- und Zivilbeschädigungen. Arbeitslosigkeit, Verlust des Vermögens durch die Inflation haben Not und Elend in weiteste Kreise getragen. Auch die Beamten und die sich in� Beschäftigung befindenden Angestellten und Arbeiter sind in ihrer großen Masse nicht so gestellt, daß sie frei von Not wären. Dafür! machen Unwissende und demagogische Elemente den heutigen Staat und die Weimarer Verfassung verantwortlich. Als ob es früher nicht Not und Elend, Armut und Unzufriedenheit in ausreichendem Maße gegeben hätte. Die Grundursache unseres Unglücks ist der verlorene Krieg, der uns den versailler Vertrag und die Sanktionen gebracht hak. Bei allen unseren staatspolitischen Betrachtungen, dann auch bei der Prüfung unserer Forderungen und Wünsche dürfen wir diese Tatsache nie aus dem Äuge verlieren, wollen wir Enttäuschungen vermeiden und nicht zu Trugschlüssen kommen. Die Reichsverfassung und die Verfassung der Länder �ermög- lichen es jedem, nach seiner Fasson selig zu werden und für seine Ueberzeugung zu wirken und zu werben. Solange die Grundlagen der Verfassung nicht angetastet werden und gegen die Gesetze nicht verstoßen wird, ist weitgehende Duldung am Platz und angebracht. Wir als pollzei sind die Hüter der Verfassung und berufen und verpflichtet, jeden Gewaltakt abzu- wehren und ihn im Keim rücksichtslos zu ersticken. Wir haben die Verfassung, die Gesetze und die gesetzestreuen Staatsbürger zu schützen und geschworen, den Anordnungen einer verfassungsmäßigen Zlüchtlinge. Von Hardy Worin. Stundenlang laufen sie schon. Frauen, Männer, Kinder. Den Blick zu Boden gesenkt und den Rücken gebeugt. Ach, was für Tage waren das doch. Letzte Tage. Immer noch hatten sie gehofst. Vom Abend bis zum Morgen und vom Morgen bis zum Abend. Sie hatten es nicht für möglich gehalten. War der Krieg nicht zu Ende? Hatten sie nicht den Fremden in die Augen geblickt, auf- recht und friedensbereit? Kommt, laßt uns vergessen, was gewesen ist; Tiere waren wir, blutgierige Tiere, doch jetzt: der Mensch ist erwacht, der Mensch ist da. Und dann hatten sie Schulter an Schulter zusammen mit ihnen gearbeitet. Tag für Tag, hatten mit einem Male wieder Freunde überall. Arbeit, gemeinsame Arbeit verbindet. Und nun dieser Wahnsinn. Waren das Menschen, die Dekrete in die Welt schleuderten wie Brandgranaten? Warum wurde der Blick ihrer Freunde so kühl, warum stand plötzlich Ein- samkeit um sie, eine Mauer der Unliebe. Nein, nein, sie hatten es nicht geglaubt. Sie hatten gelacht, gelacht mtt einer leisen Angst im Herzen. Hier weg? Weg von der Scholle, diesem Haus, zärt- lich umfangen von blühenden Gärten. O, diese lauen Abende im Sommerwind. Vom Felde her zirpte das Singen der Mädchen. War das nicht Heimat, Heimat im fremden Land? Und als es geschah, als das Unglaubliche geschah, da standen sie mit trockenen, zitternden Lippen. Und sie nahmen sich bei der Hand, sie nahmen sich alle bei der Hand und würgten nach trösten- den Worten. Trostlos umfing sie die Einsamkeit der Entwurzelten. Sie wurden welk und alt. Hier war ein Stück und dort war ein Stück. Liebgeworden durch Gewohnheit und Alter. Da war einer, ein verwitterter Bauer, der barg als erstes eine kleine Weidenflöte auf der Brust. Eine kleine Weidenflöte. Ich bitte euch, ist das nicht lächerlich? Aber was wißt ihr von seiner Weidenflöte. Ihr saht ihn nicht, wie er als Junge Heimatlieder darauf pfiff. Er konnte nicht viel darauf spielen, gewiß nicht, und das, was er spielte, klang nicht immer klar und rein. Und doch ereignete sich eines Tages, Jahre, viele Jahre ist's her, ein wundersames Erlebnis. Da kam ein Herr über die Grenze. Ein Herr, der war unten in Klondyke gewesen, am Mississippi, an den rauschenden Quellen des Nils, hatte im Dschungel gelegen, ge- plagt von einem zerfressenden Fieber. Und dieser Herr kam gerade- wegs über die Grenze auf unfern Bauern zu, der damals noch ung und frisch war, am Bache saß und spielle. So ein rührendes, entimentales Heimatlied. Und als er aufblickte, sah er, daß der eingekleidete Herr weinte. Unser Bauer war damals sehr er- chrocken. Aber er mußte das Lied noch einmal spielen und noch einmal. Nun, das ist lange her. Bald nicht mehr wahr. Und nun ist alle» futsch, percku. Ein trostloser Zug. Die Frauen verhärmt, die Männer ver- härmt. Stundenlang laufen sie schon. Unterwegs bricht ein Wagen zusammen. Alles arme Leute, die jFtzt über die Grenze ziehen. Arme Leute bücken sich in den Staub der Straße und raffen ihre Habseligkeiten zusammen. Und nun sind sie in der Heimat. In der Heimat, die ihnen so fremd ist. Es ist Nacht, und der Regen raunt durch die Straßen. Ueber einem Gasthaus brennt eine Laterne. Ein Hund schlägt an. Grenzenlose Traurigkell umfängt die Flüchllinge. Müde werfen sie sich auf die Strohsäcke. Ihre Füße schmerzen und in ihren Augen brennt ein Feuer. Kinder wimmern in der Dunkelheit. Allein, entwurzell, verlassen. Und am nächsten Morgen stehen sie alle im Lager. Die Ge- sichter noch müde und verzerrt. Was wird, was wird? Wohin werden sie kommen? Wird man sie nicht mtt scheelen Blicken an- sehen? Der Kampf ums Brot ist bitter und hart. Was wird aus den Alten, Zermürbten, Gebrochenen? Müde Kotten sie mit ihren Eßgeschirren durch das Lager. Und der Himmel hängt gran über ihnen, eine zerhauene Fratze. -tebt Sas naturalistische Drama noch! Von der ortsüblichen Sommerware, die heutzutage die Theater zu wesentlich ermäßigten Preisen feilbieten, sticht JI m Hafen" von Georg Engel, von der Goethe- Bühne gestern zum ersten Male aufgeführt, ganz erheblich ab..Im Hafen" ist weder eine Revue, noch ein auf neu gearbeitetes Volksstück, noch ein pikanter Schwank a la Paris, noch ein expressionistisch überspitztes Literaten- drama. Wir stecken so well in der Theatermisere, daß Zurückgreifen ans etwas fast Vergessenes wie ein neuer Einfall wirft und daher zu begrüßen ist. Georg Enael schildert in seinem Schauspiel nüchtern und sachlich die dumpfe Atmosphäre einer dörflichen Fischerehe, in der sich die Frau in Sehnsucht nach ihrer Jugendliebe verzehrt und in einer tragischen Situation der Versuchung erliegt. Ueber dem Ganzen lastet eine trostlos düstere Stimmung, die sich dem Zuschauer bleischwer auf die Seele legt: Naturalistisches Drama, wie es vor drei Dutzend Jahren als die kommende Kunst betrachtet wurde. Man merkt den Kunstwillen des Autors, das Fehlen jeglicher Theater- mache- Er rührt an unser Inneres, indem uns unbehaglich zumute wird. Und doch ergreift er nicht, weckt nicht einen Hauch von In- teresse für das traurige Schicksal der an sich felbst zerbrechenden Vühnenfiguren. Der Fischer Clas Drühs und fein Hader mit Gott, die freudlose Wiederoereinigung seiner zerquälten Frau mit dem einstigen Iugendgefährten gehen uns nichts an. Das liegt nicht daran, daß der Naturalismus im Drama ein überwundener Stand- punkt sst. Auch die ersten naturalistischen Dramen IVor Sonnenaufgang" und„Das Friedensfest" erschüttern noch heute. Georg Engel ist kein Gerhart Hauptmann und nicht ein Dramatiker, dem es gegeben ist, einem Einzelschicksal Allgemeingültigkeit zu verleihen. Daran liegt es. Das Ausbleiben feelsscher Wirkung sst nicht dem Autor allein anzukreiden. Ursel Stein— Fischersfrau— war selbst bei dürf- tigen Sommeransprüchen völlig unzureichend. Ihr Schicksal, in Berlin mit mühsam eingelernten Posen aus einer bemerkenswert minderwertigen Theaterschule tragende Rollen darstellen zu müssen, erschütterte mehr als das Schicksal, dem sie auf der Bühne Gestalt geben sollte. Im übrigen ist das Bemühen des Direktors BerthSld und seines Regisseurs Emil Janson, bei beschränkten Mitteln saubere Vorstellungen herauszubringen, höchst anerkennenswert. E. Degner- Regierung Folge zu keiften. Nur wenn«kr mit fremdig�m Bejahen des heutigen Staates trotz aller schweren Be- gleitumstände unsere Pflicht tun, werden wir wellerhiu jestes Boll- wert der Verfassung und des Staates sein und bleiben. Wir gehen offenbar schweren Zellen und einem trüben Winter entgegen. Die trotz aller Beschwörungen von amtlicher Seite Zweifel- los weitergehende Teuerung des täglichen Lebensbedarfs wird die Unzufriedenheil mehren und den demagogischen Elementen in unserem Volke Wasser auf ihre Mühlen leiten. Vielleicht werden auch wirlschaflliche kämpfe in größtem Umfange einsetzen, um für die Angestellten und Arbeiter einen Ausgleich für die verteuerte Lebenshcuftmg zu erreichen. Das alles muß erttagen werden. In allen diesen Fragen' hat sich die Polizei der größten Neutralität zu befleißigen, und im übrigen haben wir unser« Pflicht zu tun bis zum äußersten. Ich habe das Vertrauen, daß das deutsche Volk letzten Endes wie bisher, so auch in Zukunft den rechten Weg gehen und nichts tun wird, was seine nationale Existenz zerstören könnte. Denn bei aller Meinungsverschiedenheit der deutschen Stämme und der sozialen Schichten in Deutschland unter- einander, ist doch wohl die Ueberzeugung Gemeingut aller, daß ein Bürgerkrieg und damit Zerfall des Deutschen Reiches das gesamte deutsche Volk ins Verderben stürzen müßten. So wird die Liebe zum deutschen Volke und zum deutschen Vaterlande uns auf dem richttgen Wege hallen. Diese Liebe wollen auch wir. die wir heute als Beamte und Angestellte der Republik hier versammelt sind, aufs neue bekunden, indem wir geloben, fest und treu zur Verfassung zu stehen, eingedenk unseres Eides. Reichsbannertag im Ruhrgebiet. Eine Rede Severings. Auf der Reichsbannertagung im Herzen des Ruhrgebiets sprach der preußische Innenminister Genosse Severins in der Bochumer Fssthalle. Er richtete einen warmen Appell an die Bevölkerung des Westens, zur demokratischen Republik zu stehen. Severing wandte sich gegen die Angriffe der deutschnationaleu und völkischen Presse und stellte sich ganz hinter das Reichsbanner. In seiner Rede sagte er u. a. in Erwiderung auf Zeitungsangrifse der örtlichen Presse: „Ich bin auch der Meinung, daß für die Fest- und Gedenkfeier in dieser schweren Zell kein Raum ist, und Ersparnisse und Ab- striche soll man machen. Aber wir sind höfliche Leute, wir über- lassen den anderen den Vorantritt, und wenn der Artikelschreiber dem Reichsbanner nahe legt, auf seine Existenz und sein Wesen zu verzichten, dann sagen wir: jawohl, wir wollen die Fragen gründlich prüfen, aber erst, wenn der Stahlhelm, tzungdo, Wehr- wols usw. abgeschasst find.(Bravo I) Wir sind nicht zu einem Fest hergekommen, wie es bei Schützengilden und Kriegervereinen herkömmlich und gebräuchlich ist. Wir wollen das, was als erstrebenswert von dem Artikelschreiber hingestellt wird, durch unser Fest erreichen, wer hat das Deutschland-Lied populär gemacht? Wer hat betont, daß die Verfassung die Vlaflsorm für alle Verfassungsparteien sei? Das Reichsbanaeri Glauben Sie, daß wir mll einer monarchisttschen Verfassung besser zu einem wirtschaftlichen und politischen Aufstteg kommen? Ich darf wohl daran erinnern, daß gerade in den letzten Tagen im Reichstage Klage geführt worden ist über das F i n a n z e l e n d des Reiches, der Länder und Gemeinden. Wenn es besteht, sollten wir da nicht alle suchen, es zu beseitigen? Brauchen wir heute noch ein Bayern, Preußen, Württemberg usw.? Sollten wir heute nicht ein einiges Deutsches Reich haben? Gewiß, alte Ueberlieferungen soll man nickt künstlich beseitigen. Aber wenn wir sehen, daß eines in Wirtschaft- liche und finanzielle Not geraten ist, sollten wir dann nicht helfen? Hier hat das Reichsbanner die große Aufgabe, für den Gedanken eines einigen Deutschland zu werben. Das sollte auch der heutige Tag bekräftigen. Mit 26 Monarchien, die ihre Hausmacht stabilisieren möchten, kommen wir nicht zur Einigung. Wir wollen daran denken nicht nur in den Tagen, die uns heute zusammenführen, sondern an jedem Tage. Wenn wir so wirken, ist die Republik gesichert, dann werden die W e h r w ö l s e sich heiser bellen. Wir wollen nicht dulden, daß man an der Republik rüttelt, das ist die Aufgabe des Reichsbanners." Severings Rede wurde vom stürmischen Beifall begleitet, der sich zu einer begeisterten Ovation für deck Mini st er der Republik steigerte. Die Tagung des Reichsbanners Im Ruhr- gebiet reiht sich würdig den großen Verfassungsfeiern in allen Teilen des Reiches ein. Zerfall des vleialoms in Thallium und Quecksilber. Die Er- forschung des Atoms schreitet rüstig fort. Nachdem bekanntlich Professor Miethe im Juli v. I. bei Zertrümmerung von Queck- silberatomen Gold gefunden hat, ist es jetzt den beiden holländi- schen Gelehrten A. Smits und A. Karsten zum ersten Male in dem Amsterdamer Laboratorium für allgemeine und anorganische Chemie gelungen, den Zerfall eines Bleiatoms herbeizuführen. Smits beabsichtigte schon viele Jahre, verschiedene Metalle in einer Vakuum- lampe zu studieren in der Hoffnung, daß bei Zunehmen der Stromdichte das Atom zerfallen würde. Ueber die Zertrümmerung des Bleiatoms, die sehr schwierig war, weil Blei bei 327 Grad schmilzt und ein Ouarzgefäß, in welchem Blei erstarrt ist. beim Aufwärmen zerspringt, macht Smits selbst in den„Naturwissen- schaften" eingehende Mitteilungen. Es gelang den beiden Forschern, eine sehr handliche Bleilampe zu konstruieren, welche viele Stunden hintereinander brennt. Das reinste Blei kam in den wärmsten Teil der Lampe nur in Kontakt mit reinem, stark aus- geglühtem Quarz und im kälteren Teil mit einem hoch ausgeglühten,- eingeschliffenen, stählernen Stift und einem ebenso hoch aus- geglühten, eingeschliffenen Kohlensttft. Alle anderen Maßnahmen waren so getroffen, daß eine Verunreinigung mit Quecksilber voll- kommen ausgeschlossen war. Die Untersuchungsmethode, die an- gewandt wurde, war die spektroskopische mll dem Ouarz-Spektro- graph. Die erste Aufnahme erfolgte sofort nach der Zündung, die zweite nach 4 Stunden und die dritte nach 6 Stunden Brennens. Das Ergebnis war, daß das Bleispektrum vollkommen unverändert blieb. Anfangs war im Bleifpekttum nur eine Quecksilberlinie lm Ultraviolett festzustellen, und nach 10 Stunden Brennens war das Vleifpektrum vollkommen unverändert geblieben. Bei höheren Stromdichten wurden aber positive Resultate erzielt. Nach 6 Stunden Brennens stellten die Forscher im Bleispektrum schon ein schwaches Auftreten einiger Quecksilberlinien fest, und nach 19 Stunden Brennens waren sowohl im sichtbaren als im ultra- violetten Teil die stärksten Quecksilberlinien und ebenso die charakte- ristischen Thalliumlinien sehr deutlich festzustellen. Daraus erkennt man, daß das Bleiatom in Thallium und Quecksilber zerfällt. Diese Feststellung bedeutet einen weiteren erheblichen Fortschritt auf dem Gebiete der Erforschung der Materie. Zm Revaissaace-Thealcr wird die Vreniiöre von'SIrindbergS„Toten- tanz' auf Mittwoch, den 12. er., 8 Uhr, verschoben. Deutsche Forscher nach Grönland. Mit dem dänischen Dampfer.HanZ Egede' sind zwei deutsche Forscher, Dr. Krüger und Dr. K I u t e, nach Grönland abgegangen. Die Reise ist auf fünf bis sechs Jabre berechnet und wird vom bessilchcn Staat finanziert. Aus demiclben Schiff befindet sich auch der dänische Innenminister Hange, der fich nach Grönland begibt, um persönliche Gindrücke von den dortige» Vcrhältmssen zu erhalten. Radiogespräch über 3703 Seemeilen. Der Ehicagoer Vertreter der Affoeiated Prcfi hatte ein Radiogcspräch mit Kapitän Mae Millan, der fich 3700 Meilen entfernt an Bord des Dampfschiffes Peary in Etah(Grönland) befindet. Dieses Gespräch, das l'/j Stunden dauerte, bedeutet ein in der Geschichte des ZeitungswescnS bisher einzig dastehendes Ereignis. vi« erste Desainlausgabe von Goethe» Werten in einer fremden Sprache. Uni« LeUnng Professor Otiokar Fischers-Pi ag arbeiten gegenwärtig die besten tlchcchlschcn Uebcrsctzer an einer vollständigen tschechische» Caetbc. ausgäbe. Man begegnet dieser Ausgabe schon deshalb in literarischen und wlsjenschastllchen kkreisen mit besonderem-Jillrreffe, well eine GcianitanS- gobt von Goethes Wert«, w«»er fremden Sprach« bisher nöch nicht«rtsllert. Hakenkreuz- Plychose. Nervenchock über die Verfassungsfeier. Die Verfassungsfeier des Reichsbanners mit ihren riesenhaften Ausmaßen ist den völkisch- deutschnationalen Kreisen der Reichshauptstadt derartig in die Glieder gefahren, daß der durch die Rechtspresse tünstlich gezüchtete Hakenkreuztoller immer mehr das Straßenbild Berlins beherrscht. So hält es selbst die ehrbare Kreuzzeitung" für ihre Pflicht, das Volksfest des republikanischen Deutschland als eine Riesenprovokation des Reichsbanners" und eine Reklamewoche" zu verhöhnen. Sie sucht in dem spontanen, aus dem Massenwillen des schaffenden Boltes geborenen Nationalfeiertag nichts wie eine Nachäffung der Deutschen Tage und aller äußerlichen Mertmale der nationalen Verbände". Ein Nervenchock bedroht die „ Kriegervereine" und die nationalen Verbände", da die Trommler und Pfeifer, die Aufmärsche" und" Paraden" als ursprüngliche Reservatrechte der Offiziersverbände und des Kyffhäuserbundes ihre höhere Weihe verlieren infolge der Profanierung" durch Schwarz Rot- Gold!" " Und so treibt man in unzähligen Hezartikeln gegen die Horden von Schwarz- Rot- Gelb" die jungen Leute auf die Straße. Auch der bedauerliche Vorfall vom Sonntagabend am Kurfürstendamm soll mun dazu dienen, den Brand zu schüren, und so gloffiert die Deutsche Tageszeitung" den Zusammenstoß mit den Säßen: „ Der 16jährige Werner Dölle ist von einem blindwütigen Republikaner niedergeschossen worden, aus dem einzigen Grunde, weil er einer nationalen Gruppe angehörte. Diese neue Kostprobe republikanischer Freiheit wird sicher dazu beitragen, die Sympathien für Schwarz- RotGelb bedeutend zu stärken." " 9 Die Hakenkreuz- Psychose des„ Lokal- Anzeigers", des„ Tag" und Der Tageszeitung hat somit im Berliner Westen, wo sich der„ Tageszeitung" hat somit im Berliner Westen, wo sich die halbwüchsigen Rowdies von Schwarz- Weiß- Rot" am fichersten fühlen, bereits zu einer Anzahl von Zusammenstößen ge= führt, die allmählich dem Republikaner das Betreten der westlichen Hakenkreuzreviere nur noch mit schwerer Bewaffnung angezeigt erscheinen läßt. So wurde Montag abend ein Mitarbeiter des„ Berliner Tageblattes", Balter v. Cube, von einer Hatentreuz- Rotte niedergeschlagen und so übel zugerichtet, daß er sich für längere Zeit zur Heilung der Blutergüsse in ärztliche Behandlung begeben mußte. Ein junger Mann, der Cube beistehen wollte, wurde von den Rowdies ebenfalls mit Knütteln trattiert. Als dieser die Schupo heranholte und führen wollte, wurde ihm nach dem Bericht des ,, Berliner Tageblattes"- höhnisch bedeutet, er möchte sich den Schuldigen doch selbst heraussuchen. Der Offizier des Kommandos fuhr ihn an:" Seien Sie bloß still Sie hätten noch mehr verdient!" Am Café Hardenberg und am Knie wurden ähnliche völlische Razzien offenbar als Rachezüge" für den verunglückten Walter Dölle inszeniert. Auch der Lüßowplay stand stundenlang unter dem Terror dieser Banden. Am Potsdamer Platz aber wagten es die Herrschaften sogar, die Fahnenmasten und Girlanden herunterzureißen, die Fahnen der Republik zu stehlen und in den Dred zu ohne daß es der Polizei gelang, einen der Täter dingfest ziehen zu machen! Erfreulicherweise hat der Polizeipräsident im Bewußt Erfreulicherweise hat der Polizeipräsident im Bewußt. sein dieser balkanischen Zustände eine Verstärkung des Straßendienst es durch Polizeistreifen zu Fuß, zu Pferd und in Kraftwagen" vorgenommen, um diese Auswüchse des Straßenverfehrs energisch hintanzuhalten. Die wahren Verantwortlichen der Straßenstandale und Exzesse find auch diesmal wieder die Blätter der Rechten, die vor wenig Monaten noch die Ermordung des Reichsbannermannes Walter Schulz durch einen bewaffneten Hosenmag förmlich als Heldentat gefeiert und den Freispruch des Täters vor dem Berliner Landgericht freudig beflatscht hatten. Dieselbe Preffe zetert nun, weil ein Bassant, der das Verbrechen begangen hatte, zum Nationalfeiertag ein republikanisches Abzeichen zu tragen und dafür wie ein gescheuchtes Wild durch den Kurfürstendamm gehegt worden war, in seiner Not zur Waffe gegriffen hatte, als er feinen anderen Ausmeg mehr sah. Dieselben Blätter zetern jetzt mit der Kreuzzeitung" über eine angebliche Herabwürdigung der Staatsautorität und der persönlichen Ehre des Reichspräsidenten durch das Reichsbanner" und den„ Republikanischen Schutzbund Deutschösterreichs" dieselben Blätter, die nicht geruht hatten, bis der er ste Präsident der deutschen Republit unter dem Trommelfeuer ihrer Lügen und Gemeinheiten todkrant zusammenbrach! Selbsterkenntnis. In Nr. 185 des Deutschen Tageblatts" finden wir folgendes Inserat: Ehemaliger Roßbacher, 30 Jahre, sucht für sofort oder 1. 9. Stellung als Flur- oder Gutsschutz, da Schreibgewandt, wird auch geeigneter Posten mit übernommen. Offerten unter B. R. 44 Landsknecht an die Geschäftsstelle. Wenn die Roßbacher sich selber schon als Landsknechte bezeichnen, dann kann man das wohl nur darauf zurückführen, daß die Selbsterkenntnis allmählich in ihren Kreisen um sich greift. Nur hat man leider wenig Hoffnung, daß bei diesen Leuten Selbsterkenntnis den ersten Weg zur Besserung bedeutet. Besatzungsschäden. Segen des Militarismus. Bochum, 11. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Besatzungsaus schuß und Breffe nahmen am Montag eine Besichtigung einzelner Gebäude vor, die von den Franzosen zu Besatzungszwecken beschlagnahmt worden waren. Angesichts der in den Gebäuden angerichteten Verwüstungen sah man die Namen Cuno und Poincaré in der Erinnerung wieder aufsteigen. Die Schäden, die Bochum durch die Bejagung erlitten hat, sind nur ein kleiner Teil der fatastrophalen Begleiterscheinungen. Die Besagung hat faft sämtliche während des passiven Widerstandes requirierten Möbel, Bureaugegenstände, Wohn- und Schlafzimmer und Kücheneinrichtungen aus Bochum fortgeschafft. Die in Frage kommenden Gegenstände find zum größten Teil bereits in früherer Zeit aus Bochum abtransportiert worden. Nach überschlägiger Schäßung wurden von der Besatzung verschleppt: 50 fomplette Schlafzimmereinrichtungen, 14 tomplette Küchen, 18 Eßzimmerbufetts, 3 tomplette Speisezimmer, Küchenbufetts und Anrichten, 54 Tische, 14 Schränke, 105 Stühle, 100 Waschtessel und 120 Kochherde, 240 Bettstellen, 28 Waschkommoden, außerdem Schreibtische, Klubfeffel, Badewannen und große Bestände an Bäsche, Wolldecken und Küchengeräte. Die später vom Besagungsamt gelieferten Möbel, die nicht fortgeschafft worden waren, befinden fich heute zum größten Teil in völlig unbrauchbarem Zustand. Die Stadt Bochum schätzt die ihr durch die Besatzung entstandenen Loften auf ungefähr 65 millionen Mart, Republikaner oder Hakenkreuzler? Polizei unterstützt das Hakenkreuzlertreiben am Potsdamer Platz. 19 Nach den Erfahrungen bei den Verfassungsfeiern in Groß| wurde natürlich fofort Folge geleistet. Inzwischen hatte sich aber Berlin muß es als eine nicht mehr fortzuleugnende Tatsache gelten, die Schar der Hafentreuzler mit ihren Gummifnüppeln um den daß ein großer Teil der Polizeibeamten und ihrer Offiziere nicht Beitungsverfäufer" in Stahlhelmtracht verstärkt und ich wurde, da mehr den Willen hat, die republikanische Bevölkerung Berlins vor ich ein republikanisches Abzeichen trug, natürlich von den Strolchen den Flegeleien des allerorts auftretenden völkischen Gefindels zu schimpft. Als ich den diensttuenden Offizier bemerkte, wandte angepöbelt und von dem Berkäufer" besonders scharf beschützen. Nachdem die Beispiele zu Hunderten angewachsen sind, darf ich mich beschwerdeführend an ihn, indem ich ihn bat, er möge doch aus der üblen Tatsache tein Hehl mehr gemacht werden, daß ein dafür sorgen, daß die provozierenden Hakenkreuzler, die anständige großer Teil der Polizeibeamtenschaft antirepublikanisch Bassanten belästigen, das Feld räumen. Seine Antwort und der eingestellt ist und bewußt die Feinde der heutigen Staatsform Ton spottet jeder Beschreibung, er sagte: Seien Sie doch nicht unterstügt. Wir sind jetzt dank dieser Polizei auf dem Wege zu den so kleinlich." Meine Aufforderung hierauf, mir seine BerZuständen, die sich in München vor dem Hitler- Butsch entwickelt fonalien aufzugeben, beantwortete er seinerseits mit einer Drohung, hatten und die dazu führten, daß München und das ganze oberihm zur Wache zu folgen. Die hinter mir spottenden bayerische Landschaftsgebiet von den Fremden gefliffentlich ge50 Hatenkreuzler waren also wieder vollaufbefriedigt mieden wurde. In gewissen Stadtgegenden Berlins fann es heute hetzerischen Reden erfreuen. So arbeitet die Schuhmannschaft und und sie fonnten sich hierdurch noch verstärkend ihrer gegenseitigen als sicher gelten, daß jeder von einer Horde dieses üblen schwarz- ihre Offiziere am Potsdamer Platz für die sie bezahlende Republik. weißroten Auswurfes Angefallene nicht mehr den Schuß der Bolizeigenießt. Auf dieser nicht mehr anzweifelbaren Grundlage bewegen sich auch die folgenden Buschriften, deren Beachtung wir der Leitung der Schutzpolizei noch einmal angelegentlichst empfehlen. Hakenkreuzler als Fahnendiebe. Das was Hatenfreuzlerrowdys am Montag vormittag vergeblich versucht hatten nämlich das gewaltsame er unterreißen der schwarzrotgoldenen Fahnen vor dem Botsdamer Bahnhof ist diesem Gesindel vor dem Anhalter Bahnhof in der Nacht vom 10. 3 um 11. August nur zu gut gelungen. Eine Flagge ist vollständig verschwunden und eine weitere eingeriffen. Wahrscheinlich sind diese Banditen gestört worden, denn sonst hätten sie den gesamten Flaggenschmuck vernichtet. Man fragt sich mit Recht: Wo war die Polizei, die den Dienst vor dem Bahnhof versieht? War der Vorfall vom Montagnachmittag noch nicht deutlich genug, als daß man annehmen mußte, die Hakenkreuzler würden sich ohne einen„ Erfolg" zurüc ziehen? Müssen erst die Republikaner selbst den Schuh für die Farben der Republik in die Hand nehmen? vor dem Potsdamer Blah, gewissermaßen unter den Wie wir inzwischen festgestellt haben, sind auch die Fahnen Augen der Schupo, in der Nacht von Bölkischen abgerissen worden. Seien Sie doch nicht so fleinlich. Ich bin Leserin Ihres Blattes und möchte Ihnen hiermit zur aft und ihrer Offiziere folgende fleine Episode unterbreiten: Illustration der republikanischen SchuhmannHerrn, den ich zum Potsdamer Bahnhof begleitete, über den Am Sonnabend, den 9. August, gegen 3% Uhr, ging ich mit einem Botsdamer Platz. In doppelt großer Anzahl als an gewöhn lichen Tagen hatten sich hatenkreuzlerische Beitungsverfäufer" aufgestellt, die, umringt von einer Schar ihrer Gesinnungsgenossen, provozierende gemeine Reden gegen die Reichsfahne Schwarz- Rot- Gold und die Juden führten. Da tamen plöglich zirka 6 bis 8 Angehörige des republikanischen Schutzbundes den Reichsbannerleuten begrüßt wurden. Es mögen zirka 20 Mann gewesen sein, die sich mit Frei Heil begrüßten, als auch schon ein Schuhmann dazwischenfuhr und die Leute zum Weitergehen aufforderte, seine Worte durch Händegriffe verstärkend. Es Eine organisierte Falschgeldzentrale. Hinter das Treiben einer organisierten Falsch geldver= breitungsbande leuchtete soeben eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Charlottenburg. Der aus Chitomier in der Ukraine billionenscheine in Berlin, eine Frau 2örte ini Köln und der stammende David Bland war als Verbreiter falscher Zehn Handelsmann Ignaz Sochaczewsti in Dortmund festgenommen worden. Alle drei standen in Verbindung mit dem berüchtigten Falschmünzfabrikanten Struß, der schon bereits zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteilt worden ist. Bland hatte sich nun gestern hier zu verantworten, während die anderen beiden nur als Beugen auftraten. Alle drei fuchten die Schuld auf die anderen zu schieben und wollten nur ein unglückseliges Opfer des Zufalles sein, festgestellt, daß Bland bei Austeilung des Falschgeldes einmal am daß sie in die Geschichte hineingefommen waren. Es wurde aber Sentralviehhof und das andere Mal im Romanischen Café" mitgewirkt hatte. Das Schöffengericht erblickte in ihm einen gefähr lichen landfremden Fälscher, der versucht habe, die deutsche Währung zu untergraben, und erkannte auf 2% Jahre Zuchthaus, Ehroerlust und Polizeiaufsicht; neun Monate wurden auf die Untersuchungshaft angerechnet. Wieder ein Dachstuhlbrand. Rein Tag geht hin ohne einen oder mehrere Dachstuhlbrände. Am Montag nachmittag brannten die Dachstühle der Häuser Bintschstraße 6 und 7. Heute früh um 7 Uhr stand der Da ch stuhl des Wohnhauses Brinz Handiery- Straße 55 in Neukölln in Flammen. Als die Neuköllner Feuerwehren an der Brandstelle erschienen, hatten die Flammen an mehreren Stellen schon eine solche Ausdehnung erlangt, daß mit mehreren Schlauchleitungen von zwei Seiten aus tüchtig gelöscht werden mußte. Leider fonnte aber nicht verhütet werden, daß der Dachstuhl und die Wohnungen in den oberen Geschossen start beschädigt wurden. Wenn diese Brände, die zum Teil auf Brandstiftung zurückgeführt werden, nicht bald aufhören, entstehen für das Volksvermögen unersetzliche große Verlufte. Geſchädigt werden Mieter, Hauseigen. tümer, die städt. Feuersozietät und alle Wohnungsuchenden. Leider hat die Polizei noch feinen Täter erwischt, deshalb muß die Be Dölferung Selbstschutz ausüben und die Böden tontrollieren, sonst sieht es noch recht böse aus, weil die Brandstifter beim Verfagen der Polizei immer fühner und frecher werden. Die ,, Tränen des Laurenting". Wie alljährlich fallen in den Tagen vom 11. bis 13. August aus dem Sternbilde des Perseus die sogenannten„ Tränen des Laurentius". Es sind dies Reste von einem verfallenen Kometen, Sie beim Durchgang durch unsere Atmosphäre aufleuchten und oft auch einen farbigen Schweif zurücklassen. In den früheren Jahr. gängen der illustrierten Zeitschrift„ Das Weltall" gab Dr. Archenhold Anweisung zum Photographieren derselben. Er hat auch die erste dieser Sternschnuppen im Jahre 1890 auf der Platte festge= halten. Heute und morgen wird Dr. Archenhold von 8 Uhr abends ab Vorträge in der Treptower Sternwarte über die Bedeutung der Sternschnuppen an Hand zahlreicher interessanter Aufnahmen und Lichtbilder halten. Die Treptower Sternwarte schen Tor und an der Stadtbahnstation Treptow zur freien bleibt ausnahmsmeife länger geöffnet. Autos stehen am Schlesi in- und Rückfahrt für die Besucher. Es wird gebeten, photographische Apparate und Krimstecher mitzubringen, für deren Aufstellung und Benutzung auf der Plattform Gelegenheit geboten wird. Hakenkreuz- das ist was anderes. Auf Am Sonnabend, den 8. August, um 12 Uhr mittags, fuhr ich in Begleitung von zwei Reichsbannerkameraden per Rad über den Potsdamer Platz. An den Rädern hatten die beiden anderen mitfahrenden Kameraden Platate des Reichsbanners befestigt, während an meinem Rade eine Fahne 80X1,20 befestigt war. Um eine fleine Unordnung an meinem Rade zu beseitigen, hielten wir in der Straße, die nach dem Ringbahnhof führt, an. Sofort tam ein Schupowachtmeister auf mich zu, und ver langte das fofortige Einrollen der Fahne Fahne trägt einen demonstrativen Charakter und Demonmeine höfliche Anfrage warum, gab er mir folgende Auskunft: Die ftrationen sind, weil wir uns in der Bannmeile befinden, verboten. Auf meinen Hinweis, daß dort am Bahnhofsvorplatz eine a tentreuzgruppe mit Zeitungshändlern, die fleine Fähnchen trugen, doch wohl erst recht einen ausgeprägten demonstrativen Charakter trugen, bekam ich die Antwort, das ist was anderes!! Das war bezeichnend für einen republikanischen Beamten. Ein Barteigenosse stellte sofort die Nummer des betreffenden Beamten feft, entfernte fich aber leider sehr schnell mit dem Bemerken, die Sache weiterzugeben... imftande sieht, den Schutz der Republikaner gegen die Hakenkreuzler Es handelt sich jetzt darum, ob die Berliner Polizei sich noch zu übernehmen oder ob fie es vorzieht, dant ihrer Zusammensetzung die völkische Jugend in ihrem Vorgehen gegen die Republitaner zu unterstützen. Die Münchener Zustände sollten eigentlich eine Warnung sein. Es darf aber festgestellt werden, daß die Schutzpolizei in den nicht westlichen Stadtteilen sich zur ist, Zwischenfälle fernzuhalten. 3ufriedenheit bewährt hat und daß es ihr dort gelungen * niffen mit einem schärferen Vorgehen der Polizei gegen die volWie wir erfahren, ist nach den letzten bedenklichen Vorkommtischen Ruhestörer zu rechnen. Die Streifen sollen verEs ist das natürlich nutzlos, bevor die mehrt werden. Polizei sich nicht bewußt wird, daß sie vor allem berufen ist, die Bürger der Republik gegen ihre Feinde zu schüßen. Nicht die Kraft der Polizei hat versagt, sondern ihre Unfähigtett ber moralischen Einstellung zum Schuh des republitanischen Staatswesens. Plakatentwürfe zu besichtigen, findet vom 13. bis 15. Auguft 1925 im Saal 1 des Gewertschaftshauses, Engelufer 24/25, in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends eine Plakat- Ausstellung statt, deren Besuch empfohlen wird. Schwere Unwetter im Westen. Aus dem Westen des Reiches tommen beunruhigende Meldungen von schweren Unwettern, die in Schleswig- Holstein großen Schaden angerichtet haben. Uetersen in Holstein und umgebung haben besonders gelitten; fie wurden am Montagabend gegen 7 Uhr von einem schweren 3ytlon heimgesucht, der mit Wolkenbruch und Hagelschlägen verbunden war. Das Unwetter dauerte eine scheiben wurden zertrümmert, zahlreiche FabrifschornBiertelstunde. Biele Dächer wurden abgedeckt. Tausende von Fenstresteine stürzten ein. Die Fuhrwerte auf der Landstraße wurden in die Wassergräben geworfen. Jahrhunderte alte Bäume find entwurzelt. Die Ernte ist vernichtet. Im benachbarten Neuendeich wurde von dem Wirbelsturm ein großes Bauernhaus zerstört, nur der Schornstein steht noch. Das Wasser drang durch die zerfezten Dächer in die Häuser der Stadt ein und richtete großen Schaden Die Stadt ist in Dunkel gehüllt, da die elektrischen Leitungen der Ueberlandzentrale zerstört sind. Verschiedene Personen wurden durch die einstürzenden Schornsteine verlegt. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen. In techt bei Lübeck sind dem Unwetter ein Gehöft und drei Scheunen zum Opfer gefallen. Durch Bligschlag wurde das Haus eines Handwerkers an der Straße Lübeck- Razeburg vernichtet. Schwere Schäden werden außerdem aus Krummenfeerek und Schönberg in Medienburg gemeldet. an. Schmere Unwetter haben auch Holland heimgesucht. In Oldenzaal schlug der Blitz in viele Häuser ein; zwei Häuser find vollkommen niedergebrannt. Die elektrische Lichtleitung ist gestört. In Doetrinzhen wurde die Motorenfabrit de vijf vernichtet. Die Siedlungen Borculo und Reede in Gelderland sollen durch einen Zyklon vollkommen vernichtet worden sein. Die Telegraphen- und Telephonverbindung nach bort ist unterbrochen. Tragödie eines Liebespaares in Kopenhagen. Der 27jährige Dr. med. von Hoff aus Aachen traf am 1. August in Beglettung eines gleichaltrigen Fräulein Gertner in Kopenhagen ein. Beide logierten im Hotel Kongen af Danmark. Am anderen Tage wurde von Hoff tot in seinem Bett aufgefunden. Er hatte sich mit Morphium pergiftet. Im Nachbarzimmer wurde Fräulein Gertner bewußtlos aufgefunden und ins Hospital übergeführt. Sie iſt außer Gefahr. In von Hoffs Zimmer fand die Polizei große Mengen Morphium und Opium. Groß- Berliner Parteinachrichten. 29, Wbtlg.: Am Mittwoch 7%, Uhr Mitgliederversammlung im Mtersheim, Danaiger Str 62. 73. Abtig. Schmargendorf: 8 Uhr Mitgliederversammlung im Lehrerzimmer der Gemeindeschule. Der Borstand tagt ab 7 Uhr. Wichtige Tagesordnung. Stellungnahme zur Stadt- und Bezirksverordnetenwahl. Die Bezirksführer Taben ein. 89. Abtlg. Reukölln: 72 Uhr 8ahlabende: 1.- 5. Bezirk bei Brose Sanderstr. 10, 6., 11., 12. Bezirk bei Gläser. Pannier, Ede Pflügerstr. 7-10, 18. bis 19. Bezict bei Schulz, Hobrechtstr. 64. 125, Abtig. Weißensee: 8 Uhr Bezirksversammlungen. 1. Bez: Minge, 2. Bez.: Gallas, 3. Bez.: Bohlmann, 4. Bez.: Jädel, 5. Bez.: Grüner Baum. Platafausstellung der Boltsfürsorge. Der Vorstand der Boltsfürsorge, Gewerkschaftlich- Genossenschaftliche Versicherungsaktiengesellschaft, hatte bekanntlich einen Platat- Wettbewerb veranstaltet. Es haben sich hieran über 200 Bewerber aus den Gemertschafts- und Genossenschaftstreisen beteiligt. den Berliner Genossenschaftsfreunden Gelegenheit zu geben, diese straße 37. Trommlertorps tritt an. Sämtliche Fahnen mitbringen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Um Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebastianite. 37/38. Sof 2 r. Kameradschaft Fricdrichshain. Treffen der gesamten Rameradschaft Mittwoch, den 12. August abends 7 Uhr vor dem Vereinslokal Frucht 102015 al Gewerkschaftsbewegung Glasarbeiterverband und Baugewerksbund. Zu unserer in Nr. 372 gebrachten Notiz Rüdgängig gemachte Berschmelzung" erhalten wir aus bem Hauptbureau des Deutschen Baugewerksbundes die nachstehende Zuschrift: Demnach ist also die geheime Stimmabgabe nichts weiter als eine leere diplomatische Form. Die offene Stimmabgabe wird das gegen als eine der fundamentalen Lehren Lenins ausgegeben. Ob diese freche demagogische Phrase die deutschen Delegierten befriedigt hat, werden mir nach ihrer Audfehr erfahren. Borläufig verzeichnen wir die Tatsache, daß von einer geheimen Stimmab= gabe in Rußlanb gegenwärtig nicht die Rede sein Unter diefen Umständen ist es fein Wunder, daß alle Benn der Beschluß der Glasarbeiter, dem Baugewertsbunde Wahlen in Sowjetrußland unter völliger Bassi. beizutreten, in den Reihen der übrigen Gewerkschaften größtes Bevität der Arbeitermalsen verlaufen. So find vor turzem fremden" erregt hat, so tann dies nur ein Beweis dafür sein, daß im ganzen Reiche die eu mahlen der Betriebsaus. bie im Borwärts" genannten Reihen" der Angelegenheit nicht schiffe abgeschlossen worden. Der Arussische Gewertschafts genügende Aufmertfamteit gefchentt haben. rat zieht im rad" vom 18. Juli folgende Bilanz dieser Bahlen: tann. ausschüsse haben eine Reihe von Mängeln an den Tag geDie in letzter Zeit vorgenommenen Neuwahlen der Betriebsbracht, die in ihrer Hauptsache auf folgendes hinauslaufen: Die Streitgefahr im Berbande Sächsisch- Thüringischer Webereien ist beseitigt. Am Sonnabend fam es nach Verhandlungen vor dent Reichsarbeitsministerium zu einer Berständigung über die Stuhlmeisterlöhne. Die Stuhlmeister erhalten auf Borschlag des Bertreters des Reichsarbeitsministeriums als Monatslohn bei 48 Wochenstunden 203 M., bei 50,5 Wochenstunden 213 m. und bei 53 Wochenstunden 223 M. Die Arbeitgeber haben zu diesem Bor schlage unter der Bedingung ihr Einverständnis gegeben, daß die Gewerkschaften den Spruch des Schlichtungsausschusses Gera über den Lohntarif, für den die Erklärungsfrist am 10. August abläuft, annehmen. Diese Zustimmung ist mittlerweile erfolgt. Wirtschaft Zur Lage der Brauereien. Es wird in der Notiz gesagt, man tam in früheren Jahren bei Schaffung eines vereinigten teramarbeiterverbandes nicht zum Ziel. Das ist richtig. Nach dem Kriege vollzogen dann die Töpfer allein den Anschluß an den Baugewertsbund. Später näherten fich auch die Glasarbeiter wieder dem Berschmelzungsgebanten, jedoch 1. Die Neuwahlen der Betriebsausschüsse verliefen unter un- Nach Mitteilungen aus Interessententreisen ist der Konsum brachte die Leitung des Porzellanarbeiterverbandes der vorgeschlagenügender attiver Teilnahme der Arbeiter. In zahlreichen Fällen an Bier infolge der günftigen Witterung dieses Sommers start genen Verschmelzung beider Berbände nur geringes Interesse ent- wurden die Wahlversammlungen ta um von der Hälfte der in gestiegen. Er beträgt zirka 60 bis 80 Proz. des Friedensgegen. Deshalb erwog der Vorstand des Glasarbeiterverbandes Frage kommenden Personen besucht. Mitunter jedoch waren auf konsums, während das Borjahr ungefähr 54,1 Proz. des Friedens andere Anschlußmöglichkeiten und schließlich beschloß eine Beirats diesen Betriebsversammlungen taum 15 Proz. aller Artonfumns erbrachte. Im lehten Friedensjahr wurden 69 Millionen tonferenz gegen wenige Stimmen, den Glasarbeitern den Anschluß beiter des Betriebes anwesend. Hettoliter abgefeßt; rechnet man von diesem Abjaz den Konsum der an den Baugewertsbund zu empfehlen. Die Urabstimmung 2. Die Wahlversammlungen spielten sich sehr eilig ab unter Länder, die uns durch den Friedensvertrag verloren gegangen sind, ergab dann mit überwältigender Mehrheit den Anschluß an den paffiver Teilnahme der Mehrzahl der Arbeiter. An den Debatten ab, so bleibt ein Konsum von 65 Millionen Hektoliter. Baugewertsbund. Durch vorherige Verhandlung war die Bereitnahmen die Arbeiter aus der Masse nur wenig Anteil, die willigkeit des Baugewertsbundsvorstandes feft- Tätigkeit des Betriebsausschusses wurde von der Bersammlung nicht gestellt worden, gegebenenfalls die Glasarbeiter im Baugewertsbund mit der notwendigen Aufmerksamkeit erörtert. aufzunehmen. wie Nach der Urabstimmung der Glasarbeiter kam der Entwurf über die Industrieorganisationen, der den Keramarbeiterverband als felbständige Industriegruppe vorsieht. Deshalb hat der Borstand des Baugenertsbundes dem Vorstand des Glasarbeiterverbandes angeraten, den Uebertritt zum Baugewerksbund nicht gewünscht- fofort zu vollziehen, sondern erst die Beschlüsse des Gewertschaftstongreffes in Breslau abzuwarten. Beschließe dieser den selbständigen Keramarbeiterverband, dann müsse sich dem auch der Baugewertsbund fügen, dann aber nur dann müsse er auf die Aufnahme der Glasarbeiter verzichten. Deshalb und nur deshalb sei es zweckmäßig, den Zufammenschluß nicht jetzt zu vollziehen, vor allem fönne man die Angestellten im Hauptbureau des Glasarbeiterverbandes nicht veranlaffen, fchon jetzt nach Hamburg zu übersiedeln auf die Gefahr hin, später wieder nach Berlin zurückziehen zu müssen. Dies der nüchterne Sachverhalt. Aus ihm geht hervor, daß der Baugewerfsbund gewillt ist, sich unter allen Umständen den Be schlüssen des Gewerkschaftstongreffes zu beugen. Im übrigen fagt der Entwurf Dißmanns über die Einteilung der Industrieorgani fationen, es sei zu empfehlen, bie Gruppe Keramindustrie als Untergruppe dem Baugemertsbund anzugliedern. näher als dies, denn die Löpfer befinden sich bereits im BaugewerfsNichts liegt bund, die Glasarbeiter haben durch Urabstimmung den Willen zu einem solchen Zusammenschluß gleichfalls befundet. Es fehlen demnach nur noch die Porzellanarbeiter, denen man, nachdem die anderen teramischen Gruppen so entschieden, nur das gleiche empfehlen könnte. Der Steinarbeiterverband dürfte für den Anschluß an eine selbständige feramische Gruppe nicht in Frage kommen; soviel wir unterrichtet sind, lehnt er einen solchen zu fammenschluß ab. Demnach ist es vollständig falsch, wenn gesagt wird, der Vorfchlag Girbigs, die Keramarbeiter als Untergruppe dem Baugewertsbund angugliebern, habe beim Baugewertsbund feine Gegenliebe gefunden". Der Artikel Girbigs:„ Der Zusammenschluß mit dem Baugewerksbund findet nicht statt", ist in manchen Wenbungen unrichtig und spiegelt wohl nur Girbigs fubjektives Empfinden wieder, Seiner Ansicht ist im Glasarbeiterfachblatt, auch bereits von verschiedenen Seiten entgegengetreten worden. 3. Ueber die Kandidaten zum Betriebsausschuß wurde listen weise abgestimmt, ohne daß über jeden Kandidaten im einzelnen gesprochen wurde." In Berbindung mit diesen Uebelständen fordert der Zentral rat der russischen Gewerkschaften die Verbände auf, für die Belebung der Wahlkampagne ernstlich Sorge zu tragen, bei den Wahlen keine Listen aufzustellen, eine gründlichere Erörterung der Tätigkeit der Betriebsausschüsse in den Arbeiterversammlungen zuzulaffen und davon Abstand zu nehmen, die Betriebs, ausschüsse auf dem Wege der Kooptierung zu ergänzen.(!) fchaftszentrale sind flar: Die beginnende Belebung der ArbeiterDie Beweggründe für diese Mahnungen der russischen Gewert bewegung zwingt die Spitzen der russischen Gewerkschaftsbureaus fratie, die äußeren Formen ihrer Herrschaft zu mildern. Um so stärker flammern sie sich jedoch an die Ueberlieferung" Lenins, die offene Stimmabgabe, mit deren Hilfe sie ihre Herrschaft über die Arbeiterklasse aufrecht erhalten. Urabstimmung in der Likörindustrie. Gestern abend nahmen die dem Verband der Lebensmittel- und Stellung zu dem letzten Schiedsspruch. Während die Organisation Getränkearbeiter angeschlossenen Litörarbeiter im Rosenthaler Hof bringt der Schiedsspruch dagegen nur eine ungefähr sechsprozentige eine Erhöhung der bestehenden Löhne um 20 Broz. gefordert hatte, Lohnerhöhung, so daß sich z. B. der Lohn der männlichen Arbeiter von 34,20 m. auf 36,50 m. bei 48 Arbeitsstunden in der Woche In der regen Diskussion wurde die geringe Lohnaufbesserung anerhöht. Dieser Schiedsspruch gilt vom 7. Auguft bis zum 1. Oktober gesichts der Preissteigerung sämtlicher Lebensmittel und BedarfsUrabstimmung in den Betrieben sämtliche Verbandsmitglieder über artitel als völlig ungemügend bezeichnet und beschlossen, durch eine den Schiedsspruch entscheiden zu lassen. Die Urabstimmung muß abend um 6 Uhr auf dem Berbandsbureau, Muladstr. 10, abge am Mittwoch beendet sein und das Abstimmungsmaterial Mittwoch liefert werden. Anmerkung der Redaktion: Das Befremden" über den Beschluß der Glasarbeiter ist zurückzuführen auf die Tatsache, daß die beruflichen Zusammenhänge Außenstehenben unbekannt nb. Daß ein Zusammenschluß gerade in der Keramindustrie mit feinem potenzierten Großfapital für alle Keramarbeiter eine Lebensgeberverband in der Saarindustrie um Berhandlungen über die Löhne notwendigkeit ist, daran fann nicht gezweifelt werden. Ob dazu der Zusammenschluß in einen Verband der Keramarbeiter ausreicht oder deffen Anlehnung an eine Großorganisation notwendig ist, darüber hätten die Keramarbeiter zunächst zu entscheiden. Betriebsrätewahlen in Rußland. ( RSD.) Will man die grundlegenden llebelſtände der russischen Gewerkschaftsbewegung erkennen, so muß man die Frage der offenen oder geheimen Abstimmung bei der Wahl der Betriebsausschüsse, der Gewerkschaftsvorstände usw. erörtern. In einem Lande, in dem eine schrankenlose Dittatur herrscht und jede Oppofition auf die grausamite Art verfolgt wird, wird jede Wahl durch die offene Stimmabgabe in eine Boffe verwandelt. unch bei dem jüngsten Besuche der deutschen Delegation in Sowjetrußland ist die Frage der offenen oder geheimen ahlen aufgerollt worden, und zwar als die Delegation nach ihrem Eintreffen in Petersburg die Butilo mwerte besuchte und uch mit dem Betriebsausschuß unterhielt. Der Berichterstatter des offiziellen Gewerkschaftsorgans Trud"( vom 17. Juli) schildert diese Szene wie folgt: Cine der ersten Fragen der Delegation war, in welcher Weise die Betriebsausschüsse gewählt würden, durch offene oder durch geheime Stimmabgabe. Darauf erwiderte der Genoffe Maju chin, der Borsigende des Betriebsausschusses, Lenin habe schon im Jahre 1917 geschrieben, die Arbeiter fönnten und dürften nicht bei den Wahlen Diplomatie treiben, jondern sie müßten offen reden und offen ihre Stimme abgeben für oder wider." Der Lohnstreit im Saargebiet. Cohnerhöhung nur nach Ratifizierung des Zollabkommens. Saarbrüden, 11. August.( Mtb.) Wie wir hören., haben die drei Tariforganisationen der Metallarbeiter neuerdings beim Arbeit in der Fertigindustrie nachgesucht. Bei der gegenwärtigen ungeflär ten Wirtschaftslage des Saargebiets ist mit einem allgemeinen Aus. stand um so weniger zu rechnen, als die Unternehmer sich prinzipiell mit einer acht bis zehnprozentigen Lohnerhöhung ab 1. August ein verstanden erklärt haben. Ernstliche Differenzen bestehen nur noch darin, daß von feiten der Arbeiterschaft die prozentuale Lohnerhöhung auf die Effettivverdienste gefordert wird, während die Arbeitgeber nur für einen Aufschlag auf. die Grundlöhne bereit sind, was etwa 2 Broz. ausmacht. Bemerkenswerterweise hat der Arbeitgeberverband fein Angebot unter der Bedingung abgegeben, daß das( von Detschland) no immer night ratifizierte Saarzollab tommen zustande fommt.( Die Hinauszögerung der Ratifizierung ist nur auf Widerstände der deutschen Schwerindustrie zurückzuführen. Der Profit über alles auch wenn er Deutsch lands Interessen in Gefahr bringt.) Der Generalftreik der französischen Bankangestellten. sich im Laufe des geftrigen Tages bedeutend ausgedehnt. Es Paris, 11. Auguft.( EP.) Der Streit der Bantangestellten hat besteht Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Angestellten des Crédit Foncler, eine der Großbanten, die bis jetzt von der Bewegung ver. schont blieben, heute dem Ausstand beitreten werden. Ferner wurde befannt, daß auch in Lille sich gestern über 90 Proz. der Banfangestellten dem Streit angeschloffen haben. In Toulouse hat fich der Streit ebenfalls ausgedehnt. Bei den Großbanten streifen fast alle Angestellten und nur in den fleineren Banten wird noch gearbeitet. In Toulon dagegen macht sich eine Bewegung für die Wiederaufnahme der Arbeit geltend, da die Forderungen der Streifenden zum Teil bewilligt worden sind. | Die Wirkung der Steuererhöhung auf die Bierpreise läßt fich vorerst noch nicht übersehen. Bekanntlich sah die Regierungs vorlage eine Verdoppelung der jegt 5 bis 6,10 m. pro hektoliter betragenden Biersteuer vor. Angenommen wurde im Reichstag ein Antrag, der die Erhöhung auf 33% Broz. festsetzt und der bestimmt, daß diese Erhöhung vom 1. April 1926 ab in Kraft tritt. Bis dahin hat also die Brauereiindustrie Ruhe. Die Erhöhung beträgt durchschnittlich auf den Hektoliter 2 M. und wird selbstverständlich auch eine Erhöhung der Bierpreise zur Folge haben. Die Brauereiindustrie hat seit dem 1. Dezember 1923 ihre Bierpreise nicht mehr erhöht, obwohl die Preise für Rohmaterialien start gestiegen sind und eine erhebliche tarifarische Erhöhung der Löhne und Gehälter eingetreten ist. Diese Preispolitit hat sich, wie die steigenden 3iffern des Absages beweisen, bewährt. Die deutsche Bierproduktion wird heute in der Hauptsache im Inland abgefeht, während vor dem Kriege 3 bis 4 Proz. der Produktion ins Ausland gingen. Wie die Eindedung mit Rohmaterialien ausfallen wird, kann man heute noch nicht wissen. Die Gerstenernte ift quantitativ und qualitativ befriedigend ausgefallen, besonders in den Gebieten, die in der Hauptsache die Brauereiindustrie mit diesem Material verforgen, in Mitteldeutschland, der Oderbruch, Schlesien und Bayern, das die der Qualität nach am höchsten stehende fränkische Gerste liefert. Die Angebote, die vorliegen, verlangen einen Preis von 12,50 m. für die qualitativ am niedrigsten stehende Ware, während die Angebote aus den Ausfall der Hopfenernte und die Preisaussichten dieses RohMitteldeutschland einen Preis von 14 bis 15 m. fordern. Ueber nicht ungünstig, das kann sich aber jeden Tag ändern, da die Hopfenstoffes läßt sich nicht viel sagen. Augenblicklich find die Aussichten ernte Ende Auguft und Anfang September erfolgt. Viel Kopf. zerbrechen macht dem Gewerbe die Finanzierung der Roh ftoffversorgung. Diese pflegte im Frühjahr für das ganze zu sehr teuren Preisen vornehmen müssen. Diese Nachtkäufe haben Jahr zu erfolgen. Im vorigen Jahre hat man erhebliche Nachläufe Eindeckung wird sehr langsam erfolgen müssen. Die Brauereien bedeutende Summen verschlungen, so daß auch in diesem Jahre die werden ohne den Kredit der Banken und des Handels hierbei nicht auskommen. Der Ronzentrationsprozeß im Brauereige werbe ist augenblicklich, bedingt durch die Finanzlage der einzelnen Brauunternhemungen, ins Stoden geraten. Im Gegensatz zu den anderen Gewerben, in denen sich die Zahl der felbftändigen Unterdie Zahl der gegenwärtig arbeitenden Brauereien etwa 50 Proz nehmungen gegenüber dem Friedensstand start erhöht hat, beträgt derjenigen Unternehmungen, die vor dem Kriege eriftierten. Aufgesaugt von den Großbetrieben wurden nicht etwa die fleinen Unter nehmungen, sondern in der Hauptsache die Mittel und Großbetriebe. In Württemberg find allein während des Krieges und durch die Inflation einige Tausend Brauereien eingegangen. Der Zollvorlage gegenüber verhält sich die Brauerei industrie ablehnend. Sie wird belastet einmal dadurch, daß fie erhebliche Zölle für Rohstoffe fordert, die bisher frei eingeführt werden kommten, der Gerstenzoll wird mit 3 M., der Malzzoll mit 6,80 m. für den Doppelzentner vorgesehen, während jetzt diese Produkte ohne Zollbelastung nach Deutschland hineingebracht werden fönnen. Es bedeutet aber die Zollvorlage auch nach der Richtung eine Belastung für die Brauereiindustrie, als 75 Proz. der Biertonsumenten Arbeiter sind; wenn deren Lebenshaltung durch eine Berteuerung der unentbehrlichen Lebensmittel verschlechtert oder verteuert wird, so muß darunter der Bierkonsum leiden. Beide Argumente find für die Brauereiindustrie Ber anlaffung, fich mit aller Schärfe gegen die neue Zollvorlage zu wenden. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eklorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales und Sonstiges: Fri Karstadt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. Haben Sie Wanzen? Go gebrauchen Sie Mothesin. Unfehlbares Spezial- Mittel zur raditalen Vernichtung der Wanzen und beren Brut. Absolut sicher und schnellste Wirkung. Preis Flasche 1,-, 2,50 und 4,-M. Nur allein echt bei Arth. Mothes, Berlin R. 31, Swinemünder Straße 41. Geg. Schwaben, Ruffen, Franzof. u. Flöhe ufw.. Motten nebst Brut helf. nur meine als porzigt. anert. Spezial- Mittel in Sch. à1- M. Herren Halbschuhe Rand weiß gedoppelt, mod. Form, braun oder schwarz, echt Boxrind derselbe schwarz Boxr. mit gr. Nubuk- Einsatz 128 TTICASH Herren- Halbschuhe braun und schwarz in verschiedenen Zusammenstellungen 13.90, 16.80 980 1190 6.90 Merrenstiefel 7.90, 8.90 Harrenstiefel braun od schw med. Pons, gut. Fabr. 11.80,14.80,15.8e Orig. Goodyear Welt Halbschuhe u. Stiefel, echt Boxrind, sehr gutes Material معو 1250 Herren- Sportstief, braun 1190 ad. schwarz, geschl. 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