Nr. 377 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 193 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlic 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. Beile S0 Pfennig. Reflamezeile 5,- Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen" bas fettgedruďte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worts). jebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. 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Mit der Entsen-| zurückhaltenden Kommentare eines großen Teils der Londoner ung eines offiziell beglaubigten Unterhändlers in das spanische Presse und die darin betonte Abneigung der englischen öffentlichen Hauptquartier hat Abd el Krim der Behauptung der französischen Meinung gegen jede Verpflichtung, die England in einen neuen Propaganda, daß einzig und allein die Halsstarrigkeit der Rifleute Krieg verwickeln könnte, die hier sehr nachdenklich stimmen. an der Fortsetzung des Blutvergießens in Nordafrika Schuld sei, Einzelne Pariser Blätter ziehen den Schluß, man müsse sich unter ein Ende gemacht. Er hat damit die französische Regierung ge- diesen Umständen darauf gefaßt machen, daß die Londoner Bezwungen, offen Farbe zu bekennen, ob sie wirklich Frieden sprechungen noch nicht sofort zu einer Verständigung führen werden, will oder den Ratschlägen der militärischen Führer entsprechend die sondern ein weiterer Meinungsaustausch zwischen den Alliierten Feindseligkeiten bis zur militärischen Niederwerfung des Gegners nötig fein werde, bevor direkte Verhandlungen mit Deutschland einfortzusehen beabsichtigt. geleitet werden fönnten. Im Gegensatz dazu glaubt der„ Temps", daß, falls es in London zu einem Einvernehmen zwischen Frantreich und England tommen wird, die Alliierten noch vor der für den Herbst in Aussicht genommenen Konferenz sich mit Vertretern der deutschen Regierung zu einer Borbesprechung treffen werden, und daß dazu wahrscheinlich die Völkerbundstagung in Genf Gelegenheit bieten werde. Abd el Krim hat den Eintritt in die Verhandlungen von der Bedingung der vorherigen Anerkennung der Unabhängigkeit des Rifs abhängig gemacht. Er hat damit lediglich eine Forde tung gestellt, deren Berechtigung vor wenigen Wochen noch von Painlevé und Briand selbst von der Tribüne der französischen Stammer aus anerkannt worden ist. Damals, als die militärische Lage für Frankreich sehr brenzlig war, hat die französische Regiecung sich in Beantwortung einer sozialistischen Inter. pellation ausdrücklich bereiterklärt, dem Rif die volle Unabhängigkeit zu gewähren. Seitdem es infolge der zahlreichen nach bem marokkanischen Kriegsschauplatz entsandten Verstärkungen gelungen ist, die Offensive Abd el Krims einzudämmen, scheint die französische Regierung ihr damals gegebenes Versprechen vergessen du haben. Wenn sie auch zu dem Schritt Abd el Krims noch nicht offiziell Stellung genommen hat, so läßt sie doch bereits durch die ihr nahestehende Presse erklären, daß die von dem Führer der Auf: ständischen gestellte Forderung absolut unannehmbar fei und im günstigsten Falle von einer Berwaltungsautonomie des Rifs die Rede sein könne. Frankreich, so begründet der Paris Soir" bie Ablehnung des Berhandlungsangebots Abd el Krims, könne die Bildung eines unabhängigen Staates in unmittelbarer Nachbarschaft feines marokkanischen Protektorats um so weniger zulassen, als biefer Staat dann voraussichtlich sehr bald der Tummelplatz für die deutsche(!) Agitation werden würde. " Die Finanzpolitik des Kabinetts Stauning. Gute Erfolge, trotz des Widerstandes der Rechten. ordentliche Tagung des dänischen Reichstages zeigte wiederum die Kopenhagen, 11. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die außer völlige Ohnmacht der Rechtsopposition gegen das sozialistische Kabinett Stauning. Zunächst nahm das Parlament die Anleihevorschläge der Regierung einstimmig an. Die Auslandsanleihe wurde bei der New Yorker Guaranty Trust Company" in Verbindung mit der Kopenhagener Privatbant, die in engster Berbindung mit dem amerikanischen Finanztrust steht, aufgenommen. Einen gewissen Bruch mit der früheren Anleihepolitik der bürgerlichen Regierung Dänemarks bedeutet die Beräußerung der Hälfte der Inlandsanleihe in turzfristigen zweijährigen„ Staatsschuldbeweisen". Damit will sich die sozialistische Regierung alle Wege zu einer mög lichst raschen Verminderung der Anleihelaft des Staates offenhalten. Die Ueberzeichnung der im Juni ausgegebenen „ Schattammerbeweise" hat die Regierung zu diesem Berfahren ernuutigt. Die Schwenkung der französischen Regierungspreffe in der Frage der Friedensverhandlungen macht es verständlich, Aus der Balutadebatte des Reichstages und dem vorsichtigen daß die Unzufriedenheit mit der Politik Painlevés in der Ar- Versprechen der dänischen Nationalbant, stärkere Schwingungen der beiterschaft und darüber hinaus auch in den linksdemokra Krone fünftig vermeiden zu wollen, wurde deutlich erkennbar, daß tischen Schichten der Bevölkerung immer schärfere Formen fich Dänemark mitten in der Deflation befindet. Schließlich beschäf cnnimmt. Die Ablehnung der Unterstügungstigte fich der Reichstag noch mit der Liquidation der Handelsbank. politik auf den bisher stattgefundenen sozialistischen Le- Das Kabinett Stauning hatte früher durch ein Gesetz der Bank die zirksparteitagen, die sicherlich auf dem am 15. d. M. beginnen Möglichkeit einer ruhigen Liquidation gegeben. Inzwischen wurde den Parteikongreß ihre Bestätigung finden wird, ist ein be- jedoch bei den Genossenschaften fräftig für eine Wiedererrichtung der deutsames Symptom für das Anwachsen der oppofitionellen Bant agitiert. Die Einleger der Bank sollten 20 Proz. ihrer Ein Strömungen innerhalb des Linksblocks selbst, der durch die lagen den Betrag, der bei einer Liquidation der Bant noraussicht Politik Painlevés und Briands zu einer Fiktion geworden ist. lich verloren geht- als neues Kapital zur Verfügung stellen. Auf Bei dieser Entwicklung, die für die Gestaltung der gesamten Verlangen der Opposition untersuchte ein Ausschuß des Reichstages inneren und äußeren Politik Frankreichs von weittragender die Möglichkeit der Wiederaufrichtung der Bank auf dieser BrundBedeutung ist, spielt der marokkanische Krieg wohl lage. Dabei kam der Ausschuß zu der einstimmigen Ueberzeugung, die wichtigste Rolle. Das französische Bolt, und insbesondere daß die Berlufte der Bank, die auf 50 Millionen Kronen veran die Arbeiterschaft, ist zum größten Teil friegsfeindlich schlagt find, so groß seien, daß eine Wiederaufrichtung nicht mehr in gefinnt, und es befürchtet mit Recht, daß die Regierung Pain Frage fäme. Damit gab die Opposition ihren Kampf gegen die levé, unter dem Einfluß militärischer Kreise, das maroffanische Regierung auf, und der Reichstag wurde bis zum Winter vertagt. Abenteuer, das Frankreich schon schwere Opfer gekostet hat, fortsetzen tönnte. Die sozialistische Partei, die von Anfang an gegen dieses Abenteuer angekämpft und zum Frieden gedrängt hat, wird nun angesichts des unehrlichen Spiels der Regierungspreffe ihren Kampf für den Frieden mit verftärfter Energie fortsetzen. Es ist anzunehmen, daß ihr hierbei große Teile des französischen Voltes Gefolgschaft leisten werden. Die Londoner Konferenz. Völliges Stillschweigen englischer amtlicher Kreise. London, 11. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Besprechung zwischen Briand und Chamberlain wird im englischen Auswärtigen Amt völliges Stillschweigen bewahrt, und zwar mit dem wiederholten Hinweis, daß es sich um feine Kon ferenz handle. Zwischen den beiden Staatsmännern sei verabredet worden, erst am Schlusse der zweitägigen Besprechungen das Ergeb. nis der Beratungen in einer amtlichen Meldung zusamenzufaffen. Nur soviel ist zu erfahren, daß am Dienstag lediglich der Entwurf der französischen Antwort an Deutschland zur Beratung gestanden hat. Der französische Text wird als außerordentlich vernünftig bezeichnet, und es wird betont, daß nur fleinere Aenderungen von England als notwendig erachtet wurden. Man wird also wie gewöhnlich die Bariser Zeitungen abwarten müssen, um in London zu wissen, was sich hier tatsächlich abspielt. Gedämpfter Optimismus in Paris. Paris, 11. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Troß des Optimismus, der in den Stimmungsberichten der nach London entfandten Sonder torrespondenten der Pariser Presse über den Ausgang der Unter redungen zwischen Briand und Chamberlain zum Durchbruch tommi, gibt man sich doch in Paris Rechenschaft über die Schwierigkeiten der am Dienstag begonnenen Berhandlungen. Insbesondere jind es die Die Wirtschaftskrise in Oesterreich. Genf, 11. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) In dem letzten Bericht an den Völkerbnnd, der mit dem 15. Juli 1925 abschließt, erklärt der Böllerbundkommissar 8immermann, daß in Desterreich bis jest 76 287 Beamte abgebaut wurden, Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen beträgt 112127. Eine Besserung der Berhältnisse steht nicht in Aussicht. In allen Industriezentren ist im Gegenteil eine Zunahme der Arbeitslosengiffer au berzeichnen. Rollkommandos im Saargebiet. München, 11. August.( Eigener Drahtbericht.) Die in Saarbrücken von Mitgliedern rechtsradikaler Organisationen geplante Entführung des Redakteurs des„ Neuen Saarturiers", Dr. Schöttler, ist auf Veranlassung eines in München lebenden Hauptmanns Desterreicher inszeniert worden. Dieser sogenannte Hauptmann ist eine aus der Zeit der Münchener Butsche beRätezeit rückte er zum Leutnant auf, später nahm er auch an den fannte Persönlichkeit. Im Kriege war er Unteroffizier, während der Rämpfen des Bundes Oberland in Oberschlesien teil. Dann war er zusammen mit dem bekannten völlischen Hauptmann Römer in verschiedene Affären der Münchener Geheimorganisationen verwidelt und u. a. auch an dem Versuch beteiligt, zwischen dem Bund Oberland und den Kommunisten eine Verbindung zu schaffen. Im Bunde selbst war er Führer eines Rollkommandos. Im Oftober 1922 wurde er mit zwei anderen verhaftet, weil er an Einbrüchen und lleberfällen beteiligt sein sollte. Die Angelegenheit ist jedoch im Sande verlaufen, weil die Untersuchung angeblich nichts Belastendes ergeben hatte. Dieser nationalsozialistische Attivist wollte den faarländischen Separatistenführer nach München schleppen losjen. Was dann werden follte, bedarf. E. teiner raget Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftscheckkonto: Berlin 37536- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Germania non necesse. Deutschland nicht notwendig. Die Kreuzzeitung" flagt, daß der ,, Borwärts" aus ihrem Leitartikel vom legten Donnerstagmorgen, der mit den Worten Ichloß: Borussia necesse est, Germania non necesse", falsche, sie kränkende Schlüsse gezogen habe. Sie wendet sich gegen uns mit folgenden Vorwürfen: Es fällt ihm( dem Vorwärts") natürlich dabei gar nicht ein, irgendwie den Gesamtinhalt des Artikels zu berück fichtigen. Er braucht ein Schlagwort und glaubt dieses Schlagwort gegen uns in dem, wie wir selbst zugeben wollen, leicht mißDerständlichen Zitat gefunden zu haben. In Wirklichkeit handelte es sich aber gar nicht darum, wie aus dem Gesamtinhalt des Artikels flar hervorgeht, dem Reich etwa Fehde anzusagen und eine nurpreußische Politik zu proklamieren, die, nebenbei be= mertt, heute auch unmöglich wäre, sondern lediglich darum, die Bedeutung der altpreußischen Staatsgesinnung für das Reich zu unterstreichen und zu betonen, daß der Wiederaufbau Preußens die Grundbedingung für ein Wiedererstarken des Deutschen Reiches bedeutet. Wir sind, um die Kreuzzeitung" zu befriedigen, gern bereit, auch auf den Gesamtinhalt des Artifels einzugehen, müssen aber vorausschicken, daß der lateinische Satz, der sich wie ein Rehrreim durch ihn hindurchschlingt, gar nicht mißverständlich ist. Zwar das Latein ist schlecht, doch der Sinn ist flar. Damit auch der Nichtlateiner darüber entscheiden fönne, sei unter jedes lateinische Wort die deutsche Uebersetzung hierhergesetzt: Borussia necesse est, Germania non necesse! Preußen notwendig ist, Deutschland nicht notwendig! fo fann man ihn in die Worte zusammenfassen:„ Uns fommi Will man den politischen Sinn dieses Gazes milde deuten, lo fann man ihn in die Worte zusammenfassen:„ Uns kommi es nur auf Breußen an, das Reich ist uns egal." famiinhalt ihres Artikels eingehen sollen. Er heißt ,, Die SchuldDie Kreuzzeitung" wünscht nun, daß wir quf den Gefrage" und will beweisen, daß der Geist der Demokratie die Schuld am verlorenen Krieg trage. Dieser wird folgerichtig in Gegensatz gestellt zu dem„ Preußengeist", wie ihn die ,, Kreuzzeitung" und die Junterpartei stets vertreten haben. Der Ertaiser, sagt die ,, Kreuzzeitung" oder vielmehr sie jagt, Se. Majestät" habe sehr oft mit flarem Blid wissenhaftigkeit habe er den Vorwurf, die Wiedereinführung das Richtige erfannt, aber megen seiner großen Gedes Absolutismus anzustreben, von sich fernhalten wollen. Infolge dessen habe nicht der Kaiser, sondern der Kanzler folge dessen habe nicht der Kaiser, sondern der Kanzler dabei, daß sich Wilhelm II. feine Kanzler felber wählte, wie die Verantwortung gehabt. Die Kreuzzeitung" übersieht irgendem absolutistischer Monarch, und daß keiner seiner Erwählten jemals von einem Parlament gestürzt wurde. Die Kreuzzeitung" fährt fort: 11 mit der Gründung des Reiches wurde der preußische Geist verfälscht. Schon seit Jahrzehnten waren Kräfte des Umsturzes am Werke: träglich ,, leicht mißverständlich". Aber auch sie sind nicht nur Vielleicht findet die ,, Kreuzzeitung" auch diese Worte nachsehr verständlich, sondern auch vollkommen konsequent und historisch korrekt. Denn die Träger dessen, was die KreuzReichsgründung demokratischen Unrat gewittert und sie innerzeitung" den„ preußischen Geist" nennt, hatten stets in der lich abgelehnt. Im Kampf gegen diesen ,, preußischen Geist" des Absolutismus und des Partitularismus ist das Deutsche Reich entstanden. Wie hieß es doch: Wir wollen Preußen bleiben! Der Teufel hol' das Treiben, Das Deutschland fabriziert Und Preußen ruiniert. So dichtete, ganz im preußischen Geift der ,, Kreuzzeitung", Graf Breßler lange vor 1870/71. Und als dann der ge Lobte 18. Januar fam, den sie jetzt zum Nationalfeiertag machen wollten, war es der Kriegsminister v. Roon, der ganz im preußischen Geiste höhnisch schrieb: Ist nun das Kaiserhühnchen aus dem Ei ge rochen?" Der König Wilhelm selbst sträubte fich aus feinem preuBischen Geiste heraus, lange gegen die Kaiserwürde mit den Worten: Was soll mir der Charattermajor?" nend gegenüberstehende Geistesverfassung blieb den preußischen Branden bis in die Tage Wilhelms des Lehten hinein er halten. War es doch der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, der nach einer Hoftafel unter dem Eindruck der dort geführten Unterhaltung die Worte niederschrieb: Diese preußisch- konservative, dem Reichsgedanken ableh Diese Herren pfeifen auf das Reich.“ Die Kreuzzeitung" felbst war auf diesen Geisteswegc. allzeit die Führerin. In ihr schrieb Polte v. Gerlach einst das berühmte Wort vom Lafter des Patriotismus", wobei unter Patriotismus eben das Streben nach dem einen Vaterland unter den schwarzrotgoldenen Fahnen gemeint war. Mit zähem Eifer versuchte sie, das zusammenhaltende Band des alten Reiches, das allgemeine Reichstage Wahlrecht wieder zu z-rreißen. sie verherrlichte den Abs»- lutismus und später das preußische Dreiklassenwahlrecht und das Herrenhaus. Man kann verstehen, wie der Guten zumute sein muß. die Absolutismus, Monarchie, Dreiklassenparlament, Herrenhaus, alles, was ihr lieb und teuer war, dahingeschwun- den ist, und das Reich durch die Kraft der Demo- kr a t i e dennoch besteht! Doch zurück zum Artikel vom 6. Auqust! Nachdem er gegen die Reichsgründung von 1870/71 die Klage erhoben, daß sie „den preußischen Geist verfälscht habe", richtet sich oll sein Groll gegen den verstorbenen Kanzler des Kaisers, v. B e t h- mann H o l l w e g. Ihm wird das uns unbekannte Wort in den Mund gelegt, er wolle Preußen das Rückgrat brechen. Wir gehen wohl kaum fehl mit der Annahyre, daß dieses Wort srftmden worden ist, erfunden worden in jener Zeit, in der Herr v. Bethmayn an den„preußischen Geist" rührte, indem er eine Reform des Dreiklassen- Wahlrechts ankündigte. Das konnte dem Mann nicht ver- ziehen werden, und darum wird zuletzt dieser Schuß gegen ihn abgefeuert: Aber wie soilke ein Frankfurter Sinn und Wesen des preußischen Staates erkennen! Bethmann Hollweg war in Frankfurt a. M. geboren. Darum wird ihm noch nach seinem Tode die Zugehörigkeit zum auserwählten Volk der Preußen abgesprochen, wird er für einen Unwürdigen erklärt. Der Artikel fährt fort: Wir wollen einmal ganz klar aussprechen: Deutschland ist in den Krieg hinein getaumelt, weil die poli- tische Führung versagt hat, und Deutschland hat den Krieg verloren, weil wiederum die politische Führung versagt hat. Dort, wo der alte gute Geist Preußens herrschte, der als siaalserhaltendes Prinzip den Demokraten so außerordentlich unangenehm ist. dort blieb die Führung bis zum Schluß gut: m der preußischen Verwaltung und in der Arme«. Dort aber, wo der Preujzengcift längst dem internationalen demo- kraiifche» Geist weichen mußte, dort gab es keine Führer, weil die Berantwortungssreudigkeit bereits beim Nachwuchs im Keime er- stickt wurde: im Auswärtigen Amt. Die Schmähung, die gegen die armen Frankfurter aus- gestoßen wurde, weil sie, trotz 186>Z, Nichtpreußen geblieben sind, wird damit auf alle nichtpreußischen Deutschen aus- gedehnt. Wo die Preußen die Führung haben, da geht alles gut, da ist der Erfolg lind der Sieg. Aber, wo sich ein Nicht- preuße einmischt, da geht die Sache schief, da ist der Mißerfolg, ist die Niederlage. So ist es immer schon gewesen. Zum Beispiel vor dem Kriege, als unter der hohen Patronanz der„Krcuzzeiwng" der„P r e u ß e n b il n d" gegründet wurde. In der Grün- dungsversammlung hielt der General v. K r a 6) t einen Vor- trag über die Schlacht von Orleans, in dem er entgegen der geschichtlichen Wahrheit schilderte, wie die Bayern schon davon- laufen wollten: als die Preußen kamen, ging ober sofort alles wie am Schnürchen: „Ja, wenn wir Preußen kommen, dann kriegen sie wieder Courage!" Ja, gegen Preußen ist alles Deutsche minderwertig. Aber in Preußen selbst ist wiederum Westelbien minderwertig gegenüber Ostelbien, der Katholik minderwertig gegenüber dem Protestanten, der„Koofmickz" minderwertig gegenüber •dem Offizier, der Arbeiter erst recht minderwertig gegen- über dem„Brotherrn". Aus solcher Gesinnung resultieren dann Sätze wie: „Herussin necesse est, Germania non necesse!" * Und heute soll in dritter Lesung der Zolltarif an- genommen werden. Unter Niedertrnmpelung der Geschäftsordnung, der Minderheitsrechte, der gestern noch offiziell ge- feierten Weimarer Verfassung! Versteht ihr nun den tieferen Sinn dieser Aus- einanderfstzung? Das ist unverfälschter„preußischer Geist" vom Geiste der„Kreuzzeiwng"! Es gilt mit Zöllen auf Korn und Vieh den Edelpreußen der alten Gutsbezirke ihre Herr.enstellung neu zu festigen! Was ober istdasdeutfcheVolk? Ein unbekannter Begriff! Eine demokratische Erfindung! HochdieZölbe! Niedermitder Republik! Borussia necesse est, Germania non necesse! Preußens verfasiungsfeier. Eine Rede Severings. Die Preußische Staatsregierung hatte auf gestern abend Einladungen zur Verfasfungsfeier ergehen lasten. die im Konzertsaal der Staatlichen Hochschule für Musik veranstaltet. wurde. Viele hundert Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der großen politischen Parteien, aller Berufskreise, der Preste usw. waren der Einladung gefolgt. Professor P o e l z i g hotte den schönen Saal würdig geschmückt, Schwarz-Rot-Rold und Schwarz- Weiß wallte von der Orgel hernieder, rechts und links standen Zypressenbäume. Schwarzrotgold war auch das Dirigenten- und Rednerpult geschmückt. Frisches Grün, viele Blumen zogen stch rings um den Saal an der Galerie entlang. Um S Uhr eröffnete das Meistersingervorspiel die Feier, von den Philharmonikern unter Schillings Leitung gespielt. Stürmischer Beifall dankte dem Dirigenten und dem Orchester und brach aus? neue aus, als Severing am Rednerpult erschien. Minister des Innern Severing begann seine Festrede mit dem Zitat Uhlands: Das ist der Fluch des unglücksel'gen Landes, Wo Freiheit und Gesetz daniederliegt, Daß sich die Besten, Edelsten Verzehren müssen in fruchtlosem Harm, Daß, die fürs Vaterland am meisten glühen, Gebrandmarkt werden als des Lands Verräter. Und während so die beste Kraft verdirbt, Erblühen wuchernd wie der Hölle Segen Gewalttat, Hochmut, Feigheit, Scheroendienst. Wie aber, wenn aus sturmbewegter Zell Gesetz und Ordnung, Freiheit sich und Recht Emporgerungen und sich fortgepflanzt! Da drängen die, so grollend ferne standen, Sich fröhlich wieder in der Bürger Reih'n, Da wirken jeder Geist und jede Hand Belebend, sördenid für des Ganzen Wohl. Zln diese Worte des tapferen Verfassungskämpfers anknüpfend, gab der Minister sodann einen Ueberblick über die bisherigen Ver- fostungsfciern.„Die ersten Verfastungsfeiern", so führte der Minister aus,„fanden wenig Bestall, denn der Druck des Versailler Vertrages, das Diktat von Spa, das Ultimatum von London ließen wenig Festfreude aufkommen. Aber je mehr wir in Distanz kommen, je mehr müssen wir die Vorzüge der W e i m a r e r A e r f a s s u n g betonen. Wenn wir die Verfassung als Basis der deutschen Staatssorm anerkennen, so müsten wir immer wieder auf ihre Vorzüge hinweisen. Ein schlechtes Werk empfiehlt sich selbst, ein gutes muß man loben. Das Werk von Weimar ist rasch geschaffen worden. Wenn man sich aber der Jahre der Not und des Krieges erinnert, so muß man anerkennen. daß die Versolsung von Weimar schnell«ine Besserung gebracht hat. Vieles ist in der Versastung noch Verheißung und Ideal, aber die Weimarer Verfassung ist nicht das A und das O des Staatsmannes, sondern nur der Rahmen, den man mit demokra- tischen,, mit sozialem Geist ausfüllen muß. Dir find noch zu sehr Preußen. Bayern und Sachsen und hoben noch nichl gelernl. eine Nation zu sein. Wir kommen erst wieder zur Geltung, wcnn wir uns mehr als Deutsche fühlen. Der innere und der äußere Frieden ist leider noch nicht festgelegt. Dies wird man in außenpolitischer Beziehung besonders gewahr, wcnn man einen Blick in die Grenzgebiete wirft. Wir werden erst dann ein einiges Volk werden können und den Frieden erreichen, wenn auch die übrigen Mächte gewillt sind, den Frieden zu wahren und dem deutschen Volke sein Selbst- b e st i m m u n g s r e ch t geben. Der Hinweis aber, den viele Volksgenossen uns noch entgegenhalten, daß die anderen den Ztischläger in öer Sonne. Von Dafther kiaulohn. Frühmorgens wiegt der Hammer ncch zwölf Pfund. Da macht das Zuschlagen Spaß... Dann aber kommt die Sonne. Klettert immer höher über die Dächer der Mietekasernen, bis sie, ein unHeim- licher Feuerball, senkrecht über den Straßcnschächten baumelt. Kerzengerade fällt ihre Glut herunter aus unsere Schädel, frißt sich in die Nackenhäute... Die unbarmherzige Lohe tanzt über unsere nackten Anne, überschlägt sich und bleibt auf den Hammerkuppcn liegen... Die Luft um uns wird immer schwerer, immer wabern- der. Sie ist wie kochender Brei, der immer höher steigt. Eben noch waten wir bis zu den Knien in ihm. jetzt schon gurgelt er um die Hüsten— schlägt glucksend über unseren Kopsen zusammen... Wir und die Straße ersaufen in der roten, zitternden Glut. Der Schweiß rinnt uns in Bächen über die Muskeln, strömt uns den Rücken herab. Unsere Schenkel zittern uns vor Anstren- gung— wie abgetriebenen Gäulen. Immer wieder muß der Hammer durch die zähe Luft um uns. Eins— zwei— drei— vier. Wenn er zum zldeihundertsten Mole auf den Spitzdorn knallt, ist eine Stunde um. Sind 80 Pfennige verdient. In der ersten Stunde vielleicht zählt man die Schläge. Dann gibt man es auf,— muß es ausgeben, sonst schlägt man sich wahn- sinnig. Eins— zwei— drei— vier. Das dröhnt wie Kanonen- schlage zwischen den Schodelwänden. Dazu das verfluchte Bücken. Als sause einem bei„vier" ein Eisenklotz in den Nacken. Hitzschlag? Das ich nicht lache. Wir dürfen keinen- Hitzschlag kriegen. Das steht nicht im Tarifvertrag. Unser Polier sagt immer: „Hitzschlach? Js ja Blödsinn. In Afrika kriejen s« och kenen Hitz- schlach."— Der Mann muß es wissen. Denn er ist der Polier.— Krischan, Arel Krischan, mein Nebenmann, hat als Steinarbeiter in der Provence gearbeitet. Das ist in Frankreich. Der erzählte mir mal:„Polier", das heißt eigentlich„Parlier". Es ist französisch und bedeutet:„Sprecher". Möglich, daß es so heißt, möglich auch. daß mich Krischan beschwindelt hat. Aber wenn es stimmt, dann ist es ein wunderschönes Wort. Der Sprecher. Der hat gut sprechen von Afrika. Wir müssen zuschlagen. Immer feste. Eins— zwei—> drei— vier. Wenn man den Priem nicht in der Backe hätte, würde einem der Schlund rösten, oder man würde platzen vor Wut. So beißt man die Zähne zusammen, daß einem der braune Gischt ums Maul brandet— und schlägt zu. Die pralle Sonne liegt auf dem Spitzdorn. Immer tiefer muß sich der kantige Stahl in die Erde sress-n. Wir seben den Dorn nicht mehr, wir lehcn nur noch den Spiegelglanz der Sonne daraus. Die ist schuld daran, daß wir hier leiden muffen, wie die Schacher am Kre�... Ein Mädel steht am Straßenrand, ein feines Ding in weißem Kleide. Einen roten Hut hat sie auf. Wie die uns immer anstarrt... Ja, sind wir denn Ochsen, die sich in einem Göpel drehen? Rings um uns glotzen die Gaffer und staunen, daß der Ochse nicht um- fallt... Das Weib soll weitergehen! Wir wissen, daß wir arme Hunde sind und uns für 80 Pfennig« Stundenlohn die Seele aus dem Leib schlagen. Die Sonne spiegelt sich in dem Eisendorn. Sie Ist schuld an allem. Wir sprechen kein Wort, aber wir fühlen gemeinsam. Es ist uns, als liege die Sonne selbst und nicht ihr Widerschein auf unserem Dorn. Wir werden die Sonne in die Erde prügeln. Eins— zwei— drei— vier. Eins— bei„zwei" taucht immer mein Kopf hoch. Der Hammer legt sich automatisch nach hinten. Ob ich will oder nicht, immer seh ich bei„zwei" den roten Hut des Mädchens. Vier— eins— kracht der Hammer auf die Sonne,— zwei— roter Hut— eins— Sonne— krach— rot— vier— Sonne. Immer wütender schlagen wir zu. Hammer— Sonne— Mädchen— Hammer— Sonne... Das Biest will nicht in die Erde. Hoho.— Hammer— Sonne. Jetzt! I! Ah— Endlich! Der Himmel stürzt herunter. Der Feuerball knallt die. Erde auf. Rote Lohe schlägt mir in die Augen. Platzte die Schädelwand? Funken sprühen aus meinem Hirn. Die Luft ist brandig. Sonne— Krach— Afrika— Krach— Göpel— Krach— Polier— Krach, Krach Krach... Ein �rbelterüichter in Not. Rheinische Dichter, unter ihnen Herbert Culenberg und Josef Winckier, werben um Hille jür Heinrich L e r s ch, den Kessel- schmied und proletarischen Dichter in M ü n ch e n- G l a d b o ch. Ihre Gründe sind weithinreichender Befürwortung wert. In seiner engen Schmiede, von Sorgen und einer sehr zahlreichen Familie bedrückt. haust Heinrich Lersch mit kranker Lunge: im Felde erlitt er eine Quetschung, die ihn mit Atemnot und Husten immer stärker quält. Tag um Tag schwingt er den Hammer, und unter den harten Schlägen wachsen in seinem Herzen alle die Verse und freien Rhythmen, wie sie noch jüngst in seinem Werke„Mensch in Eisen" den ewigen Kreis der Arbeit und der Sehnsucht zogen. Obwohl es ihm schlecht genug geht, sitzen an semer kargen Tafel in M.-Gladbach noch allerhand seltsame„Mitesser": versprengte Handwerksburschen. krause Patri- archen und Rekruten der Landstraße. Lersch, der im Kosmos herum- schwärmt, ist ja selber ein ewiger Gesell, der das Schicksal des .„Kleinmsisters" mit ollen seinen Lasten zu tragen hat. Es ist ein Wunder, daß dieser Mensch unter der Härte seines Daseins noch seinen Himmelsglauben bewahrt hat: daß er die menschenverbindende Kraft der Arbeit m immer neuen, überquellenden Wort« lobpreis« Frieden nicht wollen, hat keine Berechtigung. Do» D e i sp i e l ist immer noch die beste Erziehung. Wir haben erst dann ein Recht, uns über Friedensstörer von außen zu beschwereri, wenn wir bekennen können, im Lande frei von Friedens« st ö r e r n zu sein.(Lebhafter Beifall.) Der Minister betonte daim, daß es die erste Ausgabe des deutschen Staatsbürgers sei, die Ideale der Weimarer Verfassung in die Wirklichkeit umzu- setzen.„Ich glaube an das deutsche Volk, ich glaube an die Zu- telligeaz und den Fleiß des deukschen Arbeiters, ist glaube an die Schasfenskrafl des deulichen Kaufmanns und ich glaube an die In- lelligenz des deutschen Technikers, sowie an den deutschen Skaal»- gedanken."„Man hat dem Arbeiter den Vorwurf gemacht, fuhr Severing fort,„daß er zu der jetzigen Staatsform, nicht aber zum Siaate stehe. Als Vertreter der Arbeiterschaft muß ich diesen Borwurf widerlegen. Der Arbeiter ist 1914 in den Krieg gezogen, nicht weil man Ihm die Republik als Belohnung versprochen hatte. auch nicht, weil er auf die Republik als Belohnung hoffte, sondern um sein Land, das er bedroht sah gegen östliche Unkultur und Barbarei, zu verteidigen. Allerdings sei die Stellung der Arbeiter während des Krieges dazu angetan, ihnen nunmehr verfassungs- mäßig ein Haus zu beauen. in dem alle Arbeiter, Techniker und Handeltreibende, das ganze Volk, einig zusammenstünden. Minister Severing schloß seine Zlnsprache mit einem Hoch auf das in der deutschen Republik geeinigte deutsche Volk! In das Hoch stimmte die Versammlung, die sich erhoben hotte. begeistert ein, worauf sie die erste Strophe des„Deutschlandliedes" sang. Eine glänzend« Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie mit dem Schlußchor bildete den erhabenen Ausklang der Feier. O Draußen auf der Hardsnbergstraße hatten sich die Herren vom Hakenkreuz wieder einmal zusammengefunden, um die Teil- nehmer der Verfossungsfeier herauszufordern und womöglich zu überfallen. Die Polizei hielt jedoch diese wackeren Mitbürger auf der anderen Straßenseite und ließ sie trotz allem Gebrüll die Straße nicht überschreiten._' 3n München... München. 11. August.(Eigener Drahtbericht.) Die bayerische Regierung ließ anläßlich der Verfasiungsfeier lediglich Blau- Weiß und nicht Schwarz. Rot-Gold flaggen. Im übrigen oerhielt sich die Regierung am Verfassungstage völlig passiv. Im München« Stadtrat hielt Oberbürgermeister Scharna�l in Abwesenheit der Deutschnationalen, Nationalsozialisten und Kommunisten eine Zlnsprache. in der er neben Angriffen auf die Verfassung doch anerkannte, daß diese das Reich aus der Revolution herausgeführt habe und dem Aufbau zu einem geregelten Staats- wesen diene. Für die Beamten der Reichsbehörden fand im Saale de» Reichspostministeriums, Abteilung München, eine kurze Feier stall. an der Vertreter der Reichswehr, der Reichsbehörden und etwa 1Z0 Beamte und Angestellte teilnahmen. Ministerialdirektor Neu- meyer würdigte in seiner Ansprache die für das ganze deutsche Volk geltende Bedeutung, der Verfassung, die das Reich vor dem Zerfall bewahrt und zü Ordnung und Gesetz zurückgeführt habe. Am Abend veranstalteten die republikanischen Parteien und Organisationen eine Feier in der Tonhalle, bei der der Land- tägsoizepräsident, Genosse Auer, die Festrede hielt. Luüenöocff im Lager. Als Agitator bei den Optanten. Die„Völkischen", denen die Blamagen ihres heldenhaften Parteiführers, General der Infanterie a. D. v. Ludenborff. immer noch nicht genügen, haben dieses schwerste ihrer Partei. geschütze an die„Ostfront" verschoben, um im Schneidemühler Op- tantenlager Krach gegen die schlappe Reichsregierung und die P r e u ß e n m i'n i st e r zu machen. Ludendorff sprach einmal auf offener Straße und ein zweitesmal in einem Bier- lokal. Der Zuspruch aus den Kreisen der Ausgewiesenen war mäßig, die Stimmung sehr mies und flau. Das Betreten des Lagers zu Agitationszwecken war dem Heros der deutschen Nationa- listen van einem simplen Oberst und Logerkommandanten oerwehrt worden. kann. Er besitzt das Glück der echten dichterischen Naivität, die im Lande Utopia schweben mutz, um schassen zu können. Mit Recht fragt Joses Winckler: Was geschieht mit dem tranken Heinrich Lersch?„Soll die rheinische Iohrtausendfeier sich erschöpfen im schnell verrauschten Fest- und Ausstellungstag? Sollen wir die vielfachen Beteuerungen unserer offiziellen Festredner bis zum höchsten Minister hinaus nur für schöne Tischtiraden halten, wenn sie die„rheinische Kunst" glorreich im Munde führen?" Joses Winckler weist auf die hunderttausend braven Beamten im Rheinland hin, die den Registraturgaul reiten, und er erbittet ein„Pöstchen" für Lersch, damit er aus der nervenfolternden Schwerarbeit der Schmiede zu seiner eigentlichen Berufung befreit werde. Freilich fragt es sich, ob dieser Dichter nicht den festen Boden seiner geistigen Sicherheit verlieren würde, wenn man ihn aus einen Posten setzt, wo er Dienst im Leerlauf zu verrichten hätte. Lersck, dessen Lebensglaube eine Art von christlichem Kommunismus mit patriarchalischem Einschlag bedeutet, ist Fleisch vom Fleisch« des gesamten deutschen Proletariats, dessen Befreiungsglauben er«ymbole zu geben sucht. Daß er nicht Sozialist ist, wird der sozialdemokratischen Arbeiterschaft gewiß kein Hindernis sein, am Schicksal des kranken Heinrich Lersch innigen Anteil zu nehmen. Sein Proletorierschicksal ist eine Antlaae und einö Forderung!_ G. B e y e r. Zugendschuh und Zugendrechl. Der soeben in Hamburg ab- gehaltene 4. Deutsche Arbciterjuaendtag stand im Zeichen des Kampfes um Iugendschutz und Jugendrecht. Da kommt die kleine Schrift von E. Ollenhauer:„Zwanzig Jahre Kampf um Iugendschutz und Jugend recht"(Arbciterjugend-Ber- lag, Berlin SW. 61, Belle-Alliance-Platz 8) gerade zur rechten Zeit, um ollen in der Arbeiterbewegung tätigen Genossen, insbe- sondere den Funktionären der Jugendbewegung, das wesentlichste Material zu dieser Frage zugänglich zu machen. Die vorliegende Schrift, die zu dem Preise von 60 Pf. zu beziehen ist, gibt eine kurze Darstellung der bedeutsamen Arbeit, die die sozialistische Jugendbewegung auf diesem Gebiete seit ihrem Bestehen geleistet Hot. Das Schlußkapitel behandelt die Haltung der Kommunisten. Es zeigt, daß sie zwar in Worten sehr radikal für die Jugend ein- treten, in der Praxis aber bisher vollkommen versagt haben. Die Schrift ist ein wertvolles Jnformationsmitte! für alle Jugendlichen im Arbeitsverhältnis und ein willkommenes Hilfsmittel für jeden. der die in Aussicht stehenden Kämpfe um die Verwirklichung des Jugendschutzprogramms verfolgen und unterstützen will. Nach den Wolkenkratzern der„Erdkratzer". Da die amerikanischen Baumeister bei der Errichtung von Wolkenkratzern beim besten Willen die Leistungen ihrer Vorgänger nicht mehr überbieten können, so bemühen sie sich, nach unten zu bauen. Das wird jetzt an einem Ge- bäude in New Dork erprobt, das wieder einmal das größte der Welt zu werden verspricht, da es außer den zehn Etagen in der Höhe auch noch sieben unter der Erde haben wird. Die Kosten dieses Riesen- banes, der ein Bureauhaus werden soll, sind auf 19 Millionen Dollar berechnet._ „Zunge Dich!« vor die Front!" Lai:dc4dire?!or von Dinierseldt bat den grohen Saal des LandcShaches für die Veranstaltungen, die Anfang September wieder ausgenommen werden, zur Beifügung gestellt. Antritts- gelb wird«cht erhob«. Kommunistische Zersetzung. Aus der mitteldeutschen Hochburg der KPD. Schon seit längere? Zeit berichteten wir über die Zerfalls- crscheinungen der KPD., die sich gerade in deren hauptsächlichsten Domänen, in Halle und Mitteldeutschland, zu zeigen be- ginnen. Vor allem verwiesen wir schon im Lorjahre darauf, daß Schalem und Konsorten eine Reihe ehrlicher Funktionär« ein- fach absägte, weil sie die„B o l s ch s w i s i e r u n g der Kommunistischen Partei als Wahnfinnsexperiment nicht mitmachen wollten. Das betraf u. a. die bekannten Kommunisten S ch ö n l a n k und Finkelmeier in Halle. Schönlani erhielt zu dieser Zeit«inen Maulkorb und durfte nicht mehr reden. Finkelmeier wurde seines Postens als Redakteur im kommunistischen«Klassenkampf" enthoben, wurde aber später Redakteur an einer nicht offiziell kommunistischen Zeitung, dem«Mitteldeutschen Echo". Herausgeber dieses Plattes war der frühere Unabhängige Karl K ü r b s- Halle. Bei aller politischen Derranntheit dieser Leute wird man ihnen die politische Ehrenhaftigkeit nicht ab- sprechen können. Anders die Zentrale der KPD. Nach einiger Zeit stellte sich nämlich heraus, daß dieses nicht bolschewistische Blatt ollmählich die Scharen der so gut organisierten bolschewistischen Leser an sich zog. Es kam daher zum völligen Bruch, denn die Hallesche Zentrale der KPD. merkte sowohl an den Mitgliedern wie an dem Leserschwund, daß die..Bolschewisierung" der Partei das falscheste Experiment gewesen ist, das sie machen konnte. Es interessiert ins- besondere, zu hören, daß der Mitgliederbestand im Be- zirk Halle. Merseburg, wo die Kommunistische Partei im Jahr« 1923 noch 280V0 or g a n i s i e r t e Mitglieder hatte, wovon allein auf Halle 8000 trafen, in ganz Mitteldeutschland auf die Zahl von nur 8000 Mitgliedern zusammengeschmolzen ist. Die Zentrale schickte also unter der neuen Leitung«inen Be- auftragten nach Halle, wo mehrere hochnotpeinliche Gerichts- sitzungen wider die„Verbrecher" abgehalten werden sollten, um den Parteistall endgültig zu reinigen. Die Reinigungsprozedur hatte keinen Erfolg. Man versuchte zunächst in Güte, die Her- ausgeber und Redakteure des genannten Blattes noch einmal zu gewinnen. Später stellte man das Blatt unter Zensur. Da auch das nichts half, wurden in der letzten Schiedsgerichtssitzung der Redakteur Finkelmeier wegen seiner angeblichen antibolschewistischen Haltung aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Damit ist die Fraktionsbildung in der KPD. zur völligen Spaltung ausgeartet, denn es steht nunmehr fest, daß mit den beiden eine Anzahl ehrlicher Funktionäre der KPD. ihre Aemter niederlegt und außerdem eine Anzahl Arbeiter aus den Betrieben, die längst mit der Haltung der kommunistischen Parte izentrale nicht mehr einver- standen waren, die Fahne der KPD. endgültig verlassen werden. Diese Entwicklung war vorauszusehen. Rur konnte man nicht glauben, daß die Entscheidung so rasch fallen würde. Sie inter- essiert um so mehr, als man als Ersatz für die abgebauten Nicht- bolschewisten sofort andere Mannen bei der Hand hatte. So er- schien vor einigen Wochen in Hall« ein Herr„Wisko", entfernte die Ausgeschlossenen zwangsweise, um in dem Porzellanladen der Redaktion wie ein Elefant zu hausen und die in Frage kommende Zeitung„Das Mitteldeutsche Echo" mit rein kommu- nistischen Artikeln allerübelster Art zu füllen. Da» war so schlimm, daß die Parteizentrale der KPD. eingreifen mußte, um den allzu raschen Leserschwund dieses Blattes zu oerhindern. Gleichwohl brachte man es fertig, die Oeffentlichkeit zu belügen, über die wahren Vorgänge im unklaren zu lassen und die hinausgeworfenen K ü r b s und Finkelmeier äußerlich weiter als verantwortlich zeichnen zu lassen. Das führte zu einem Prozeß vor dem Halle- schen Gericht, der am 4. August verhandelt wurde. Es kam zu hoch- dramatischen. Szenen. Die Kommunistische Partei hatte ihre Ber. treter entsandt, die unter der Aufmachung harmloser Geschäsis- führer deren verderbliche Ziele zu verfolgen hatten. Da es zu einer Einigung nicht kam, auch die jetzige kommunistische Bezirk»- leitung bzw. deren kommunistischer Beauftragter Wisko behauptete, überhaupt nicht Kommunist zu sein und aus diesem Grunde b e- r e ch t i g t zu sein, das Blatt weiterzuführen, konnte der amtierende Amtsrichter jetzt noch zu keinem Entschluß kommen und v e r> tagte die Sache auf einige Tage. In dem echten Bolschewisten Wisko löste dies Wutanfälle au?. Nach Beendigung der Sitzung stürzte er auf den harmlos durch die Gerichtsgänge schreitenden K ü r b s, beleidigte ihn, und als dieser sich die Beleidigungen verbat, stürzte sich Wisko auf ihn, schmetterte ihm die Faust ins Gesicht, trat ihn mit den Füßen in den Unterleib, so daß Kürbs, ein Mann von etwa 60 Jahren, zus ammenbrach und von seinen Freunden fortgebracht werden mußt«. Bei dieser Sachlog« kann man gespannt sein, wie in Mitteldeutschland die Lage der KPD. werden wird. Es steht fest, daß bereits die anderen Bezirke, in denen scharfe Opponenten gegen die jetzige Zentrale vorhanden sind, mit dem Vorgehen der nunmehr in Halle Ausgeschlossenen s y m p a t h i- s i e r« n. Den bekannten kommunistischen Agitator S ch ö n l a n k hat man bisher nicht ausgeschlossen. Es wird jedoch in Parteikreisen der KPD. offiziell oerbreitet, daß nunmehr Schönlant an der Reihe sei. Visher ist man davor zurückgeschreckt, weil gerade hinter Schönlank, der als ehrenhafter und objektiver Mann auch außerhalb seiner Parteigenossen bekannt ist, zahlreich« kommunistische Kreis« stehen, die mit ihm gehen werden. Kommunistische Spaltungsarbeit. Tagung der proletarische« Freidenker. Leipzig, 10. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Gemeinschaft proletarischer Freidenker hielt am Sonnabend in Leipzig unter dem Vorsitz von Theo Mayer eine außerordentliche Haupt» Versammlung ab, die von etwa 50 Delegierten besucht war. Zweck der Tagung war eine Klärung der Verhältnisse innerhalb der Gemein» schaft und ein Ueberwinden der schweren Krise, die sie in den letzten Monaten durchgemacht hatte. Der Vorsitzende stellte zunächst fest, daß die besonders geladenen Angestellten Wolf und Wagner nicht erschienen waren. Otto Lorenz vom Hauptoorstand gab ein Bild von dem Treiben, daseinwilderkommunistischerHaupt- vorstand sich unter der heuchlerischen Maske von Einigungs- bestrebungen erlaubte. Das ging schließlich so weit, daß am 1. und 2. August eine geheime wilde Hauptversammlung all« führenden sozialdemokratischen Mitglieder der Gemeinschaft ausschloß. Das Be- streben dieses wilden Hauptvorstandes geht jetzt nur noch dahin, die Mitglieder um ihr Vermögen zu prellen. Man ist deshalb auch nicht davor zurückgeschreckt, die Geschäftsräume mit dem roten Frontkämpferbund zu besetzen. Bei all dem konnte festgestellt werden, daß allein von den 20 000 Mitgliedern in Groß-Leipzig 60 Proz. hinter dem rechtmäßigen Hauptvorstand stehen. Am Sontag wurde ein neues Organisationsstatut genehmigt und der Beschluß gefaßt, daß dieses für sämtliche Mitglieder der Gemein« schaft proletarischer Freidenker bindende Rechtsgültigkeit hat. Wo sich Landesvorstände, Bezirke oder Ortsgruppen weigern, das Statut und die Beschlüsse der Hauptoersammlung anzuerkennen, sollen sofort rechtmäßig« Bezirke und Ortsgruppen gebildet werden. Außerdem wurde die Eintragung der Gemeinschaft in da» V e r e i n»- r e g i st e r beschlossen. Als erster Vorsitzender wurde Gewerkschafts- angestellter Adolf Müller, als zweiter Theo Mayer gewähll. Rehnig- Schnapp. Wann besteht Notwehr und wann nicht? Am Tage vor der Hindenburg-Wahl erschoß der 21jährige R e h n i g den Reichsbannermann Schulz. Rehnig hatte, geschmückt mit hakenkrcuzlerischen Abzeichen, im Kreise gleichgesinnter Burschen die Werbefahrt des Reichsbanners ver- höhnt und die Rsichsfarben beschimpft. Als er zur Rede gestellt wurde, drohte er mit dem Revolver und als man ihm die Waffe ab» nehmen wollte, schoß er blindlings darauf los. Der Reichsbanner. kamerad Schulz blieb als Opfer des nationalistischen Haken» kreuzlers tot am Platze. Der für Schwarz-Weiß-Rot und Hindsnburg begeisterte Bube kam vor ein republikanisches Gericht. Der Vorsitzende führte die Verhand- lung so, daH jeder mit dem F r e i s p r u ch rechnen mußte, der denn auch tatsächlich erfolgte. Das Gericht hielt es für nötig, diesen Frei- saruch mit einigen moralischen Erläuterungen darüber zu begleiten, daß es für den Angeklagten keine Sympathie habe. Aber es billigte ihm N o t w e h r zu, obschon der Bursche, wie gerichtsbekannt, wieder- Holl die Hegend am Bayerischen Platz unsicher gemacht hotte. „Notwehr" ist eine schöne Sache. Die völkischen Lausbuben, die in Gegenwart der Polizei, ohne gefaßt zu werden, die Reichs- fahnen vom hohen Mast« herunterholen, die seit Monaten den Kurfürstendamm und feine Umgegend unsicher machen, die jeden, der die Farben des Reiches zeigt, anrempeln und inißhandeln, ohne daß bisher sich ein Richter gefunden hätte, der sie beim Schlafittchen nähme, diese völkischen Lausbuben wissen, was sie dem Gerichte schuldig sind. Sie können ihre Schandtaten mit großer Gewissenhaftigkett ver- üben, wenn sie nur„Notwehr" vorschützen. Deshalb sind die dreißig Bengels, die den Kaufmann Schnapp aizfielen und mißhandetten, natürlich auch in„Notwehr" gewesen. Und weil der Kaufmann Schnapp, der seines Abzeichens in den Farben des Reichs wegen angefallen wurde, in höchster Not zur Schußwaffe griff, des- halb fällt die Rechtspresse einmütig über ihn her. Er wird— der Wahrheit zuwider— als ein«Reichsbannerheld" dargestellt(obschon er dem Reichsbanner gor nicht angehört) und mit dieser Bezeichnung dann jeder moralischen Mißhandlung durch die Stahlhelm-Geister ausgeliefert. Inzwischen befindet sich Herr Schnapp in Polizeigewahrsam, nachdem er sich selbst der Polizei gestellt hat und nachdem eine große Anzahl von Zeugen sich gemeldet hat. die bestätigen, daß Schnapp schwer mißhandelt worden ist, bevor er zum Revolver griff. Aber der vernehmende Richter beim Polizeipräsidium, ein ge- wisser Dr. Struckmann, lehnt die beantragte Haft- entlassung ab, weil, nach seiner Meinung, Schnapp sich seiner Verfolger mittels eines Gummiknüppels hätte erwehren sollen. Und da man diesem Richter glaubhaft macht, daß der Mann, der einen Ausflug in den Grunewald machen wollte, gar keinen Gummi- lnüppel besitze, gibt Struckmann die salomonische Weisheit von sich: Dann hätte er eben andere Mittel anwenden oder mit einem Auto davonfahren müssen....! Inzwischen haben sich bei der Polizei und dem Verteidiger. Rechts- nnwall Dr. Brandt, weitere unbeteiligt« Zeugen, die die Mißhand- lang Schnapps durch die Gesellschaft völkisch-notionaler Rowdies be- stätigen, gemeldet. Darunter die Insassen des Autos und zwei Straßen- boynkontrolleure. die den ganzen Vorfall mit angesehen haben. Der Verteidiger wird Haftbeschwerde bei der Strafkammer«inlegen. Wir wissen freilich nicht, ob die zuständige Kammer in diesem Fall identisch ist mit jener, die den völkischen Rohling Rehnig wegen.Notwehr" freigesprochen hat. Es wäre immerhin von Jn�nesse, zu erfahren, wie diese Kammer sich im Fall« Schnapp aus i sr Tffäre ziehen würde. Zumal Schnapp kein Hakenkreuz, sondern -«ns�in Bändchen in den Forben der deutschen Nation getragen hat. Niedriger hängen wollen wir hier ein« Darstellung der„Deut- lchen Tageszeitung", die sich seinerzeit dadurch berühmt gemacht hat, daß sie den feigen Mordversuch an unserem Genossen Scheide- mann als das„Attentat mit der K l y st i e r s p r i tz«" ver- bohnt«. Dieses in völkischen Mordaffären so wohlbewanderte Organ der Landbündler bringt die„Zeugenaussagen" zweier Damen, die angeblich von einem Kaffeegarten aus beobachtet haben, wie Schnapp ohne jeden Anlaß,„von niemanden angegriffen oder provoziert", den jungen Dölle niedergeschossen habe! Dies« Kasseetantenaussage begleitet die Klystierspritzenzeitung mit der De- hauptung:«Es steht also fest: der sechzehnjährige Werner Dölle ist von einem blindwütigen Republikaner nieder- geschossen worden aus dem einzigen Grunde, weil er einer nationalen Gruppe angehörte". Diese unverschämt« Lüg« wird an dem Tage verbreitet, an dem Hindenburg den republikanischen Versassungstag feiern half! Neue Rüpelfzenen im öerllner Vestea. In später Wendstunde wird uns gemeldet: Heute abend fand in der Hochschule für Musik in der H a r d e n- bergstraße die Feier der Ministerien statt. Bei Be- cndigung der Feier um KU Uhr erschienen vom Knie her etwa 200 Hakenkreuzler. die von der Polizei nach dem Stein- platz abgedrängt wurden. Sie fingen dort mit Reichs- banncrleuten in Zivil eine Schlägerei an, und als die Schlägerei in vollem Gange war, rückte die Polizei zu Fuß und zu Pferde dazwischen und versuchte, die Demonstranten auseinander- zutreiben. Einige leisteten dem nicht sofort Folge und wurden ver- letzt. Die Demonstranten zogen darauf weiter die H a r d e n b e r g- st r o ß c entlang und demonstrierten vor dem Lokal„Barbcrina". rno jedoch durch das energische Eingreifen des Polizei- vffiziers des Reviers 128 wettere Ausschreitungen verhindert wurden. Sie zogen darauf weiter und demonstrierten vor dem Romanischen Caf«. wo sie wiederum von der Polizei zer- streut wurden. Bor diesem Cafe tat sich besonders ein Angehöriger der Marincstation Ostsee hervor. Die Unruhen dauern gegen 11)4 Uhr noch an._ Aufhebung ües Seamtenabbaus. Prcuften will ihn einstellen. Der amtlich- Preußische Pressedienst teilt mit: Da- Staatsministerium beabsichtigte, dem Landtage unmittelbar nach dem Erlaß des Reichsgesetzes über die Einstellung des Per- sonalabbaues einen im Finanzministerium bereits vor- bereiteten Gesetzentwurf vorzulegen, der auch für die gesamte vfseiUliche Derwallung Preußens in Uebereinstimmung mit de» Vorschriften des Reichs die Einstellung des?lbbaues vorsieht. Diese Absicht kann infolge der verspäteten Verabschiedung des ' Reichsgcsehez„icht verwirklicht werden, da der Landtag zur- zett nicht oersammell ist. � Da eine Benachteiligung der preußischen Beamtenschaft aus der Verzögerung der gesetzlichen Regelung in Preußen nicht entstehen soll, sieht sich das Staatsministerium, um einer Be- nnruhigung der preußischen Beamtenschaft vorzubeugen, veranlaßt, süncr Auffassung dahin Ausdruck zu geben, daß in Zukunft von den Vorschriften �er Preußischen Personal-Abbau-Berordnung. so- � weit sie daraus abzielen."Beamte gegen ihren Willen in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen oder zu entlassen, kein Gebrauch mehr gemacht werden soll. Eine entsprechende An- Weisung ist an die Behörden ergangen. Ebenso ist angeordnet worden, daß die Vorschriften der Personal,Abbau-Verordnung über die Kürzung von Versorgungsbezügen bei Privatein- kommen mit Wirkung vom 1. August 1925 ob bi» auf weiteres nicht anzuwenden find. In dem Gesetzentwurf, der dem Landtage unmittelbar noch seinem Wiederzusammentritt vorgelegt werden wird, wird im übrigen darauf Bedacht genommen werden, daß die Beamten durch die später« gesetzliche Regelung gegenüber den Reichsbeamten nicht benachteiligt werden. Wohnungsfürsorge. Bauerleichterung für Kinderreiche und Kriegsbeschädigte. Der preußische Wohlfahrtsminister hat«ine Ausführungsver- Ordnung zu dem Beschluß des Landtags erlassen, der 20 Millionen Mark zur Verfügung stellt, um minderbemittelten kinderreichen Fa- mitten(vier Kinder und mehr) für Wohnungsbau neben den Haus- zinssieuerhypotheken Beihttfen zum gleichen Zinsfuß zu geben. Außerdem sollen bei Wohnungsbauten für minderbemittette linder- reiche Familien und für minderbemittelte Familien Schwerkriegs- verletzter, insbesondere erblindeter Krieger, die Houszinesteuerhypo- theken bi» auf 90 Proz. der Gesamtkosten oder auf den vollen Betrag der reinen Baukosten erhöht werden können. Borau». setzung ist dabei allerdings, daß durch diese Sonderbewilligungen keine erhebliche Beeinträchtigung des Gesamtbauprogramms der Ge- meinden herbeigeführt wird. Liegen in einer Gemeinde besonders viele Anträge auf Gewährung der Zusatzhypothek vor. so werden zuerst die Fomii�n mtt den meisten Kindern und die Kriegsblinden berücksichtigt. Die Zusatzhypotheken sind in erster Linie gedacht als eine Er- leichterung beim Bau von Eigenheimen. Sie sollen aber auch ge- währt werden, wenn es sich um die Errichtung von Genossen- schaftswohnungen handelt. In diesen Fällen müssen sich aber die Genossenschaften verpflichten die Wohnungen an minder- bemittelte Schwerkriegsbeschädigte oder an kinderreiche Familien abzugeben. Die Vermietung an solche Familien muß für mehrere Jahre sichergestellt sein. Erst wenn die Zusatzhypothek abgetragen ist. erlischt diese Verpflichtung der Genossenschaften. Stellen diese Beschlüsse auch eine erhebliche Verbesserung im Vergleich mit den früheren Verhältnissen dar, so wird es doch gerade den Kreisen, für die diese Erleichterung bestimmt ist. besonders schwer fallen, die resttichen 10 Prozent aufzubringen. Die Ein- Zahlungen, die heute auch von den Baugenossenschaften gefordert werden müssen, wenn sie Wohnungen abgeben, sind so hoch, daß es den meisten Proletariern nicht möglich ist, sie aufzubringen. Für kinderreiche Familien und für Schwerkriegsbeschädigte liegen die Verhältnisse noch ungünstiger. Selbst bei bescheidenen Ansprüchen belaufen sich die aus eigenen Mitteln aufzuwendenden 10 Proz. auf 1100 bis 1300 M. für eine Zwei- bis Dreizimmer- wohnung. Der Bau eines eigenen Häuschens erfordert einen noch etwas höheren Betrag. Gegen die öarbarei üer fiusweijungen. Eine sozialistische Stimme zur Optantcufrage. Warschau, 11- August.(MTB.) Der polnische Sejmabgeordnet« Diamond schreibt im sozialdemokratischen„Robotnik" über die Optantenfrage:„Herr Kaekenbeek hat durch seinen Schiedsspruch Deutschland und Polen einen wahren Bärendienst geleistet. In halb- wilden Ländern, wo das Zusammenleben von Personen verschiedenen Glaubens oder verschiedener Nationalität zu Mord und Totschlag führt, ist die Ansiedlung von nationalen oder religiösen Minderhctten notwendig, um ein gegenseitiges Morden zu verhindern, wie es in Griechenland und Bulgarien geschieht. In Kulturländern dagegen ist die Vernichtung von Tausenden von Existenzen, das Hinauswerfen von Menschen aus ihrer Umwelt, in welcher sie gelebt haben, ein« Barbarei, die sich vom moralischen Tiefstand des gegensettigen Mar» dens von Halbwilden nur wenig entfernt. Herr Kaekenbeek hat kein Recht gehabt, die polnische oder die deutsche Nation wie Balkan» Völker einzuschätzen. Es besteht kein Zweifel, daß Polen im Recht ist. wenn es die Optanten ausweist. Polen hat dieses formale Recht in seinem vollen Umfange genau so wie es Deutschland hat. Aber formal war schließlich auch Shylock in seinem Rechte." Diomand wendet sich dann entschieden gegen die Politik der polnischen Regierung, die unter dem Druck der nationalistischen Kreise die Optantenausweisungen durchgeführt hat. Der staatliche und nationale Nutzen, den Polen durch die Optanten- ausweisung davongetragen habe, sei gering- Dagegen seien die Schäden, die die polnische Politik dadurch erlitten habe, sehr be» deutend. Eine Regierung, die sich zwar von den wahrhaften Inter- essen des Staates Rechenschaft gebe, gleichzeitig ober dem Druck der Unverantwortlichen und Unreifen unterliege, versäume ihr« Pflicht. Oer Drusenaufstanö. Paris, 11. August.(Eigener Drahtbericht.) Der telegraphische Bericht, den General Sarrail aus Verlangen des Kriegsministeriums über die Ereignisse in Syrien erstattet hat. war am Montagmorgen nur zu einem Teil in Paris eingetroffen. Sarrail bestätigt darin im wesentlichen die Richtigkeit der durch Meldungen aus eng» l i s ch e r Quelle bekannten Tatsachen, gibt aber gleichzeilig der Ueber- zeugung Ausdruck, daß es sich um einen lokalen Zwischen- fall ohne ernstlichere Folgen handele. Ueber die Höhe der französischen Verluste und über die noch immer ungeklärte Lag« der französischen Garnison von Souaida enthüll das Telegramm Sarrail? keine Angaben. Auch der am Montag abend eingetroffene zweite Teil des Sur- railfchsn Berichtes enthält keinerlei Angaben über die Höhe der fron- zösischen Verluste bei den letzten Kämpfen mit den Drusen. Cr bei stätigt lediglich, daß die Kolonne des Generals Michaud nach dem Verluste ihres Trains sich unter heftigen Kämpfen nach Ezra habe zurückziehen müssen. Der Gegner habe die Grenze des Djebcl-Drus jedoch nicht überschritten. Die französische Garnison Souaida sei wicderholl angegriffen worden, hätte aber nur geringe Verluste. Gewerkschaftsbewegung Don einem Unparteiisgen die wirkliche Unparteilichtelt und die notwendige Sachfenntnis in der Beurteilung und Auslegung von Tarifverträgen. Diese Boraussetzungen fehlen in dem vorlie genden Schiedsspruch. Zu den Verhandlungen im Baugewerbe. Die Lohnbewegung im allgemeinen tann als abgeschlossen Die Antwort auf die vertagte Generalaussperrung. geften, da mit 95 Prozent aller Betriebe Berein barungen erzielt worden sind, bei denen als Mindestzulagen die Seute beginnen die Schlichtungsverhandlungen für die ver schiedenen Bezirke des Baugewerbes, die sich gegenwärtig im Kampf mit der Freien Bereinigung der Holzindustriellen zu Berlin abgeschlossenen Säge zugestanden worden sind. Die Lohnbefinden. Die Unternehmer haben sich wohl bereiterklärt, die anzulagen bewegen sich zwischen 8 und 20 Proz., so daß auch aus die gekündigte Generalaussperrung bis nach den Verhandlungen zuen Gründen einer zwangsweisen Durchführung des Schiedsspruches vertagen, jedoch die Drohung mit der Generalaussperrung als jede Grundlage entzogen ist. In einigen wenigen Betrieben mit Drudmittel bei den Verhandlungen aufrechterhalten. insgesamt 209 Arbeitnehmern wird zwar noch gestreift, doch Wir möchten von vornherein darauf aufmerksam machen, daß ist auch hier mit der baldigen Wiederaufnahme der Arbeit zu rechdiese Drohung ihren Eindruck verfehlen dürfte. Die Bau- nen, so daß die Lohnbewegung trotz Widerstrebens der Vereinigten arbeiter verfügen über starte Gewerkschaftsorganisationen, die mehr Berbände und der von ihnen gemachten Schwierigkeiten als abge= als einen schweren Kampf siegreich bestanden haben. Wir erinnern schlossen gelten fann. In tarifrechtlicher Beziehung werden sich die Berliner Holzarbeiter bei einer nächsten Gelegenheit mit den Arbeitnur an die Generalaussperrung im Jahre 1911, die mit einer gebern auseinandersetzen. Niederlage der Unternehmer ausging. Heute ist die Situation der Unternehmer nicht so, daß fie auch mur annähernd eine Straftprobe gleich der im Jahre 1911 durchhalten könnten. Wir erinnern schließlich daran, daß der ADBB., wie wir in unserer gestrigen Abendausgabe bereits mitteilen fonnten, eine außerordentliche Bundesausschußfizung einberufen hat, die sich insbesondere mit der angekündigten Generalaussperrung im Baugewerbe und den Abwehrmaßnahmen gegen den geplanten Echlag des Bauunternehmertums befassen wird. Wenn die Bauunternehmer es auf einen Großlampf abgesehen haben, dann werden sie die Arbeiterschaft zum Gegenschlag gerüstet finden. Die Bauunternehmer würden gut tun, sich die Folgen des Vorgehens zweimal zu überlegen. Zur Tarifbewegung in der Holzindustrie. Der Schiedsspruch vom 31. Juli besagt ausdrücklich, daß ein Arbeitnehmer, der bisher einen Tariflohn von 95 Pf. hatte, in Zu funft 1,03 m. erhalten soll, mogegen derjenige Arbeitnehmer, der bisher schon einen Lohn von 1,03 m. betam, feinerlei Zuschlag zu beanspruchen habe. In ähnlicher Weise soll auch den Akkordarbeitern die Zulage nur unter gewissen Voraussetzungen gewährt werden. Aus diesen Gründen haben die Berliner Holzdem Schlichter geladen. Unter Vorsiz des Herrn Dr. Grabein fand eine nochmalige Aussprache statt, bei der die Gründe und GegenArbeitnehmer Groß- Berlins! In verschiedenen Betrieben wurde unter Berufung auf einen angeblichen gemeinsamen Beschluß der SPD. und der KPD. die Parole ausgegeben, heute in einen politischen Generalstreit einzutreten. Es sei daher ausdrücklich festgestellt, daß weder die SPD. noch der DGB., weder der Bezirksverband Groß- Berlin noch die Ortsausschüsse des ADGB. und des AfA- Bundes mit dieser Parole irgend etwas gemein haben. Unsere Partei- und Gewerkschaftsgenossen wissen also, was sie. zu tun haben und werden irgendwelche parolen unbeachtet lassen. Die Aussperrung in den Berliner Mühlen. Die Vertreter des Verbandes der Lebensmittel- und GetränkeZur Ruhrbergbaukrise. Eine Dentschrift des Bergarbeiterverbandes. Bochum, 11. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Bergarbeiter verband hat beschlossen, die an den Reichsfangler gerichtete Dent schrift des 8eenberbandes über die Ruhrberg bautrise und die in ihr vorgeschlagenen Maßnahmen zur Entlaftung des Ruhrbergbaues zu beantworten und der Reichsregierung den Standpunkt der Gewerkschaften in einer Dentschrift zu unterbreiten. Schon jest warnt der Bergarbeiterverband die Reichsregierung vor den Gedankengängen der Unternehmer, da deren Durchführung eine weitere Verschlechterung der Eristenzbedingungen der Bergleute bedeuten würde. Alle derartigen Maßnahmen würden auf entschiedenen Widerstand der Gewerkschaften stoßen. Der Bankangestelltenstreik in Frankreich. Paris, 11. August.( Eigener Drahtbericht.) Die Unterredung zwischen dem französischen Ministerpräsidenten und den Barijer Bankdirektoren am Montag scheint teine Aussicht auf eine rasche Beilegung der Streitbewegung der Bankangestellten eröffnet zu haben. Die amtliche Meldung betont lediglich, daß der Ministerpräsident auf die gefährlichen Folgen hingewiesen hat, die eine Fortdauer des Streits für die zur Aufzeichnung aufliegende Goldanleihe haben könnte. Von einer Bereitschaft der Bankleitungen zu irgenddas Streitfomitee mehrfach betont, daß die Bankangestellten bereit seien, die Arbeit wieder aufzunehmen, sobald eine Gehaltserhöhung von 100 Fr. pro Monat für alle Gruppen der Angestellten und eine sich der Teuerung automatisch anpassende Gehaltsikala von den Direktoren bewilligt sei. Die Erörterung für alle anderen von den Streifenden aufgestellten Forderungen fönnte bis nach Wiederaufnahme der Arbeit verschoben werden. Um die Bemegung auszudehnen und zu verstärken, haben die Streifenden ein Bentralstreittomitee gebildet, das aus je zwei Bertretern der sozialistischen, tatholischen, unabhängigen und tommunistischen Gewerkschaft der Bankangestellten sowie je einem Bertreter des Pariser Streiffomitees und der Streitenden in der Provinz zusammengesezt ist. Der belgische Metallarbeiterstreit geht weiter. Brüffel, 11. August.( Eigener Drahtbericht.) Die Urab. standegekommene Stompromis ergab dessen Ablehnung mit 17401 gegen 9015 Stimmen. Demgemäß beschloß die Zeitung des Metallarbeiterverbandes, den Kampf fortzusetzen. Gleichzeitig aber soll die paritätische Kommission, vor der der Kompromißvorschlag zustande fam, wieder einberufen werden, um die durch den Ausgang der Urabstimmung geschaffene Lage zu arbeiter durch ihre Ortsverwaltung den Schiedsspruch arbeiter haben gestern morgen versucht, den Konflikt in der Hum- stimmung unter den streifenden Metallarbeitern über das zu abgelehnt. Die Bereinigten Verbände der Berliner Holz- boldt- Mühle beizulegen. Die Arbeiter der Mühle haben es jedoch industrie" dagegen, haben beim Schlichter für Groß- Berlin die Ber abgelehnt, ohne die Gewährung einer Wirtschaftsbeihilfe die bindlichkeitserklärung dieses Schiedsspruches bean. Arbeit wieder aufzunehmen. Die angekündigte Aussperrung tragt. Bereits zu Montag, 10. August, waren die Parteien von ist dann im Laufe des Dienstags in allen Berliner Mühlen mit Ausnahme der Salomon- Mühle, der Safenmühle und der dem Arbeitgeberverband nicht angeschlossenen Iostermühle in Spandau durchgeführt worden. Die Unternehmer haben es also vorgezogen, die an sich berechtigte Forderung der Arbeiter durch eine Aussperrung zu beantworten, anstatt durch Verhandlungen mit der Organisation den Konflikt beizulegen. In Frage fommen bis jegt etwa 400 Ausge sperrte. gründe erneut vorgebracht wurden. Daß die Berliner Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes alle Ursache hatte, den Schiedsspruch abzulehnen, wird durch den Vorsitzenden der Vereinigten Verbände, Herrn Paeth, in feiner Fachzeitung" bestätigt. Er gibt nämlich dem Schiedsspruch folgende Auslegung: Wir weisen unsere Mitglieder noch besonders auf Folgendes hin: Unter teinen Umständen dürfen andere und im besonderen feine betrieblichen Vereinbarungen getroffen werden, die diesen Schiedsspruch abändern. Der Schiedsspruch ist im Sinne unferes Vertrages und unseren ausdrücklichen Forderun= gen wenigstens insoweit gerecht geworden, als er I wie es in unserem Bertrage auch ausgedrückt ist. nur Mindest- und Durch schnittslöhne festgesetzt hat, weil die Bemeffung höherer wie Durchschnittslöhne Sache des einzelnen Betriebsinha bers ist. Ebenso bringt der Schiedsspruch teine Berpflichtung zu prozentualen Zulagen auf alle Attorde. Er bringt nur den Hinweis, daß diejenigen Attorde, welche auf Grund der Akkordbestimmungen des Manteltarifvertrages, ordnungsgemäß aufgebaut find, sich entsprechend erhöhen sollen. Nicht aber eine Berpflichtung, wahllos alle Akkorde im gleichen Prozent saz wie die Löhne zu erhöhen." Da der Schiedsspruch diese Auslegung tatsächlich zuläßt, mußte er von den Holzarbeitern ohne Rücksicht auf die Lohnhöhe abge. lehnt und seine Durchführung fonfequent befämpft werden. Mit den unglaublichsten Mitteln versuchte Baeth als Bor fizender seiner Organisation dem Schlichter flarzumachen, daß der Schiedsspruch mit dieser Lohnhöhe eine starte Belastung" fei und erflärte, wenn Arbeitnehmer einen Zusd, lag auf den bestehenden Lohn erhielten, tönnte die Arbeitgeberorganisation im Rechtswege schadenersaßpflichtig gemacht werden. Verhandlungen in der chemischen Industrie Berlins. Der Fabritarbeiterverband teilt uns mit, daß die Unternehmer sich zu Verhandlungen bereiterklärt haben, die am Sonnabend vor sich gehen werden. besondere aber Mit Rücksicht auf seine tarifliche Bindung, mit Rücksicht auf diese Berhandlungen richtet der Jerband an die Belegschaften der Berliner chemischen Industrie die Aufforderung, von weiteren Arbeitsniederlegungen abzusehen und die Verhandlungen nicht zu fomplizieren. Bei dieser Gelegenheit möchten wir die noch immer unor ganisierten Arbeiter in der chemischen Industrie an ihre Dr ganisationspflicht erinnern. Der geltende Lohntarif wäre bei seinem Abschluß zweifellos günstiger für die Arbeiter ausgefallen, wenn sie geschlossen als Tariffontrahent den Unternehmern gegenüberstanden. Auch für die fünftige Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen in der chemischen Industrie tommt es in erster Linie darauf an, daß die. Gesamtheit der Arbeitnehmerschaft gewertschaftlich organisiert ist. Schlimm genug, daß diese Einsicht auch heute noch nicht sämtliche Arbeiter dieser Industrie erfaßt hat. Es ist höchste Zeit, das bisher Versäumte nachzuholen. Schwerer Lohnkonflikt in der Textilindustrie. Chemnih, 11. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Eine umfangEs ist bestimmt anzunehmen, daß auch diese Einschüchterungsarbeiter betroffen werden dürften, droht die Textilindustrie reiche Aussperrung, von der rund 150 000 Tegtil versuche sowie die sonstigen Demagogenstückchen des Herrn Paeth mittel und Westfachsens stillzulegen. Die mittel und beim Schlichter ohne Einfluß bleiben, denn dieser wird aus westsächsische Tertilarbeiterschaft hatte die Lohntarife bereits zum dem ihm überreichten Material, aus dem hervorgeht, daß in allen 5. Juni bzw. 4. Juli gefündigt. Bisher sind neue Lohntarife nur übrigen Landesteilen, wo der Holzarbeiterverband Lohn- für rund 25 000 Arbeiter zustande gekommen, und zwar durch Vertarife abgeschlossen hat, die gemachten Lohnzulagen auf alle be. bindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen. Ein Schiedsspruch stehenden Löhne festgelegt worden sind. Schon aus diesen Grün- des Schlichtungsausschusses Chemniz für die übrige Arbeiterben allein, ohne die Lohnhöhen zu bewerten, wird der Schlichter aus schaft wurde von den Gemertfchaften abgelehnt, da die vertragsrechtlichen Gründen zur Ablehnung des Verbind Lohnerhöhung zu gering war und bis zum 31. März 1926 lichteitsantrages fommen müssen. Geltung haben sollte. Der Schlichter für Sachsen erflärte den Spruch nicht für verbindlich, leitete aber sofort neue Einigungsverhandlungen ein. Diese fanden am 7. August im fächsischen Arbeitsministerium statt, scheiterten aber wiederum wegen zu geringen Entgegenkommens der Unternehmer. Inzwischen sind einige tausend Arbeiter der Baumwollspinnereien in den Streit getreten. Daraufhin droht der Arbeitgeberver band mit der Kündigung der übrigen Arbeiterschaft, so daß in 14 Tagen der größte Teil der Textilindustrie Mittel- und Westsachsens zum Stillstand fkommen dürfte. Die Arbeitgeber des Holzgewerbes find mit diesem Schiedsspruch allerdings zufrieden. Nach Herrn Paeth unterscheidet sich dieser Schiedsspruch sehr wesentlich und vorteilhaft von der Vereinbarung der Freien Bereinigung der Holzindustriellen zu Berlin, welche den Mitgliedern Zulagen auf alle bestehenden Löhne und außerdem eine prozentuale Erhöhung aller Attorde auferlegt." Dieser Lobeshymne auf den Schiedsspruch stellen die Berliner Holzarbeiter die schärfste Verurteilung gegenüber. Sie verlangen besprechen. Verbandstag der Lithographen. = Köln, 11. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag wurde hier der Verbandstag der Lithographen, Steindrucker und verwandter Berufe im städtischen Volksgarten eröffnet. Es wurde beschlossen, zur Unterstügung der im Streit befind lichen belgischen Kollegen aus der Verbandskasse pro Mitglied 1,50 m. dem belgischen Verband zur Verfügung zu stellen. Nach einstimmiger Annahme der Entschließung gegen die 3oll und Steuervorlage der Reichsregierung erstattete für den Verbandsvorstand der Kollege Haß den Geschäftsbericht. Aus seinen Ausführungen ist zu entnehmen:„ Wenn die Wirtschaft gebunden sein soll, müssen die Gewerkschaften als Organe in die Wirtschaftsverfassung und Betriebsräte in den Betrieb eingeschaltet werden. Das Betriebsrätegesetz ist noch sehr unzulänglich, es bedarf der Erweiterung. Leider aber hat die Arbeiterschaft es nicht verstanden, dieses Recht so auszunuzen, wie sie die Rechte ausgenugt hat, die vor dem Kriege errungen waren, unfere Stellung zu den allgemeinen Industrieverbänden i die, daß der Zusammenschluß der Gewerkschaften zum Industrieverband eine Notwendigkeit ist." In der Aussprache suchte Ufrom Berlin die kommunistische Gewertschaftspolitit zu rechtfertigen. längeren Ausführungen sprach dann Hermann Müller als Vertreter des DGB. zur Organisationsfrage. Er nahm die Arbeit des ADGB. in Schuß und verteidigte die Hal.. tung des Bundesvorstandes in der Frage der Industrieorganisationen. Die Dißmannsche Formulierung bedeute eine Ge= fahr für die Gewerkschaftseinheit, da sie den Kampf in die Gewerkschaften tragen werde. Die Mehrzahl der Diskussionsredner zollte der Tätigkeit des Vorstandes Anerkennung. In Straßenbahn-, Hochbahn- und Omnibusbedienstete! Heute, Mittwoch, abend 7 Uhr im Saal 4 bes Gewerkschaftshauses, Engel. ufer 24/25, Bersammlung aller freigewerkschaftlicher Mitglieder. 1. Seuerung und Löhne; 2. Aussprache. Deutscher Verkehrsbund. Rentralverband der Maschinisten und Heizer. Deutscher Metallarbeiterverband. Achtung, Rimmerer! Alle Bezirksleitungen werden hierdurch eingeladen, zu der Funktionärtonferenz am Freitag, den 14. Auguft, nachmittags 1 Uhr, im Gewerkschaftshaus pünktlich zu erscheinen. Weiter bitten wir die Bezirks. Teitungen, bafür zu sorgen, daß am gleichen Tage abends 7 Uhr in allen Besirken Versammlungen abgehalten werden. Außer der Berichterstattung über die zentrale Berhandlung stehen noch andere wichtige Fragen zur Beratung. besuchen. Alle Mitglieber haben die unbedingte Pflicht, die Bezirksverfammlungen au Zentralverband der Zimmerer. Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eklorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales Berantwortlich für Bolitit: Eent Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei Lindenstraße 3. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin S. 68 Große Reklame: Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wifen". " Himbeer- Saft und Grieß bis einschließlich Dienstag, den 18. August Neue Ernte: Reichelt Himbeer- Saft Flasche 1.55, Jetzt 1.30 M. 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Besonder» die Verwendung der daktyloskopischen Erfahrungen hat bei der Sicherung der Beweise schon oft erstaunliche Erfolge gezeigt. Vorbildlich für andere Ver- waltungen ist die Einrichtung des Erkennungsdienstes im Berliner Polizeipräsidium, welcher feit langen Jahren unter der Leitung des Kriminal-Inspektors Dr. Schneikert steht, der zugleich Dozent für ßrafrechtliche Hilfswissenschaften an der Berliner Universität ist. Der Iingerabüruck als Verräter. r Sekten wird ein Verbrecher auf frischer Tat entdeckt und fest- genommen, oft aber sind Verdächtige beobachtet, deren Person und verbleib zunächst unbekannt sind. Später führt die Spur vielleicht auf bestimmte Personen, ohne daß ihnen etwas Sicheres nachgewiesen werde» kann. Um den Beweis der Tat zu sichern, muß der Täter nn entweder bestimmt wieder erkannt werden, oder er muß durch puren am Tatort, am besten durch zufällige Finaerabdriicke über- führt werden. Tatsächlich bedeuten Fingerabdrucke heute ein unbedingt sicheres Mittel zur Erkennung der Versonengleich�eit. Diese Ansicht gründet sich auf Ersahrungen, deren Anfänge bis ins Mittel- gltcr zurückgehen. In China wurden Fingerabdrücke damals bereits if/ne Spur, die für den Täter verhängnisvoll Ist als Unterschriften gebraucht. Aber erst im Iii. Jahrhundert brach sich die Erkenntnis Bahn, daß zwei Abdrücke verschiedener Menschen niemals gleich sind. Auch der Vererbung sind nur ähnliche Muster, niemals aber gleiche Formen fähig. Die Muster der Fingerlinien sind iu ihrer Anordnung und in ihren kleinsten Besonderheiten so vielfältiger Natur, daß bei Hunderttausenden von bisher angestellten Vergleichen noch alle unterscheidbar waren. Die Feststellung er- fordert den Gebrauch einer scharsea Lupe und vor ollem ein fach- kundiges Auge. Der Erfolg hängt oft von der leichten Vergleichs- Möglichkeit ab. Der Vergleich gestaltet sich verhältnismäßig einfach, wenn nur wenige bestimnite Personen in den Verdacht einer Straf- tot geraten und am Tatort zufällig Fingerabdrücke an Gläsern, Türen oder Gegenständen hasten geblieben sind.— In einem Falle konnten aus frischer Tat entdeckte Geldschrank einbrecher sich nur durch eilige Flucht retten. Dabei schlug die schwere Tür des Geldschranks mit großer Gewalt zu und quetschte einem der Beteiligten einen Daumen ab. Dieser blieb zurück und wurde zum Verräter, denn der Abdruck dieses Daumens war der Kriminalpolizei schon bekannt. Ein Mörder wurde einmal trotz eines sonst nur geringen Verdachtes dadurch ermittelt, daß blutige Fingerabdrucke an einer in der Stube der Leiche stehenden Glasschale genau mit denen des Verdächtigten übereinstimmten. Der registrierte Lingerabüruck. Aber meist ist die Sache bedeutend schwerer, oft ist direkt niemand verdächtig. Deshalb sammeln die Behörden die Finger- abdrücke aller gewerbsmäßigen Verbrecher und finden immer neue Vergleichsmöglichkeiten. Es läßt sich denken, daß in den letzten Jahren eine gewaltige Vergrößerung des kriminalistischen Arbeits- gebietes für Fingcrabdrücke erforderlich war. So zählt der Er- kennungsdienst der„Reichszentrale", die dem Berliner Erkennungs- dienst untersteht, über ein« Merkel Million Fingerabdruckkarten aus dem ganzen Reiche. Da sie nach bestimmten Formeln, die auf eine mehr oder minder große Aehnlichkeit hinweisen, geordnet sind, ist der Vergleich erleichtert und zugleich das Heraussuchen eines bestimmmten Blattes zu verbrecherischen Zwecken dem Nichtfachmann unmöglich. So scheiterte der eleganteste Einbrecher aus Holensce, Bernotat, bei der radikalen Vernichtung seiner kriminellen Vorgänge, daran, daß es dem bestochenen Kriminalassistenten Vickbold nicht möglich war, neben den Strafakten und dem Lichtbild auch diese Fingerabdruckkarte zu vernichten.— Sind am Tatort nur wenige und undeutliche Abdrücke gefunden, so müssen häufig Hunderte von Logen verglichen werden, bis eine Entlarvung möglich ist, in Einzel- fällen ist die Arbeit von Wochen und Monaten erforderlich gewesen. Besonders wichtig sind die Fingerabdrücke zur Ueberiührung von Zigeunern, die bekanntlich selten ihren richtigen Namen führen. Oft wissen sie ihn auch selbst nicht, so daß fortgesetzt Verwechslungen vor- kommen. Es wird deshalb jeder Zigeuner, der mit der Polizei in Berührung kommt, von dieser„getaust", d. h., er bekommt einen Namen, dessen er sich stets zu bedienen hat, andernfalls er sich straf- bar macht. Eine besondere Zigeunerkartokhek befand sich in München, sie ist allerdings in der Zeit der Revolution stark beschädigt worden, aber die eigentliche Sammlung der Fingerabdrücke für Zigeuner ist erhalten geblieben und vom Reiche übernommen. » Jeder einzelne kann, so das Schicksal will, schon heute oder morgen durch ein Verbrechen betrosfen werden. Wenn man Finger- abdrücke findet, die von dem Täter herrühren können, so wird man es vermeiden, diesen Gegenstand unnötig zu berühren, da man da- Der Handschuh soll schützen durch noch unzählige eigene hinzusetzen würde. Immer ziehe man schleunigst die Kriminalpolizei zu Rate. Diese hat auch auf Er- presserbriefen, die sofort dem Erkennungsdienst eingesandt wurden, noch Fingerabdrllcke durch ein chemisches Verfahren sichtbor machen können und den Täter dem Gericht überführt. Allerdings ist dies nur möglich, wenn ein solcher Brief schonend behandelt wird und vor allem nicht erst am abendlichen Stammtisch von Hand zu Hand geht. Tie neuen dreirädrigen Kraftraddroschkc». Ueber die Zulassung der neuen dreirädrigen Kr«. std« raddroschken(Motorräder mit Seitenwagen) für den öffent» lichen Droschkensuhrbetrieb hat der Polizeipräsident Sondervorschrif- ten erlassen, welche die Vorschriften der Droschkenordnung vom 12/ Januar 1923 ergänzen. Nach diesen Vorschriften gilt die Zu- lassung nur probeweise bis Ende Dezember 192(1 und kann zurückgezogen werden, lzzxnn die Fahrzeuge nicht bis 1. Januar l9Zb in Betrieb gestellt worden sind, wenn gegen hie Sondervorschriften verstoßen wird oder wenn sich ergibt, daß die Fahrzeuge-nicht den Anforderungen an die Verkehrssicherheit genügen. Die Grundgebühr des Fahrpreises betrögt 39 Pf., und für jede weiteren 10 Pf. fährt man eine doppelt so lange Strecke wie mit den großen Krastdroschken. Andererseits beträgt die Wartezeit- gebühr die Hälfte des für große Kraftdroschken festgesetzten Be- träges. Ein entsprechend einacrichteter Fahrpreisanzeiger wird an der Verbindungsstange'zwischen Motorrad und Seitenwagen befestigt. An der Rückwand des Beiwagens ist ein beleuchtetes Er- kenmingszeichen vorgesehen. Der A n st r i ch des Wagenkastens ist dunkelgrün, mit einer schwarz und weiß karierten Torte, oberhalb der Borte schwarz, das Dach weiß oder schwarz. Der Sozius- s i tz darf von den Fahrgästen nicht benutzt werden. Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom kriskensea. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. C. Vogel.) Es war Edith, die Tochter der Kirchendienerin, die aus der Schule kam. Ihre schwarze Tasche hatte rote, blanke Ecken, wie olle Mädchentaschen. „Was machst du hier?" fragte sie mütterlich. Sic wollte mich immer gern an der Hand nehmen und mit mir spazieren- fjehen, doch ich hatte mich dem stets widersetzt; denn sie war trenger als Mutter. Sic hatte zwei weißblonde, starre Zöpfe mit blauen Bändern. „Was machst du hier, wirst du es mal gleich sagen?" tom- mandierte sie. Ich stand mit den Händen auf dem Rücken und sah zu ihr «uf. Sic war elf Jahre. „Wirst du es mal sagen!" wiederholte sie. Aber plötzlich begann ich mich vor mir selbst zu schämen und bekam einen roten Kopf. Ich griff zu der ersten besten Ausrede und ich sagte:„Ich habe den Spatzen Salz auf den Schwanz gestreut," „Kann ich mal sehen? Hast du denn Salz in der Hand, kleines Schaf!" „Das Salz liegt da auf dem Damm." „Und du hast es deiner Mutter stiebitzt!" „Nein, das habe ich nicht getan. „Kann ich mal deine Hand sehen? Zeig her! Da sieh mal, du hast einen Lügenfleck, einen großen, dicken Lügenfleck auf deinem Nagel." „Der war schon gestern da, den habe ich bloß bekommen. dienerin nach. „Aber Esnar sitzt unten auf dem Sankt Annaplatz und will mich verkeilen." „Es heißt nicht verkeilen! Und wenn du mit mir gehst, haut dich Einar nicht. Er soll es bloß mal versuchen, das Großmaul," rief sie hitzig und vergaß ganz ihren mütterlichen Ton. Dann wollte sie mich bei der Hand nehmen, doch ich zog weine Hand zurück. Wir gingen die Bredgade hinunter: ich ein Stückchen hin- ter ihr her und ich untersuchte heimlich meine Nägel, schob die Haut herunter, um zu sehen, ob der neue weiße Lügenfleck, der ja kommen mußte, schon zu bemerken war. Aber ich konnte nichts entdecken. Wir bogen auf den hellen Platz ein und gingen an Ejnar vorbei, der ein großes Taschenmesser hervorgezogen hatte und nun damit an der Bank henimschnitzelte. „Das darfst du nicht, Ejnar, sonst kommt der Schutz- mann!" rief Edith empört,„und den Waldemar mußt du auch zufrieden lassen!" Ejnar trug einen Scheitel und das mit Wasser gekämmte 5)aar hing ihm stets in die Stirn. Ich hatte ihn immer be- wundernd angesehen, wenn ich oben sicher hinter meinem Fen- ster saß. Er sah uns an, ohne ein Wort zu sagen. Dann klappte er das Messer zusammen und indem er es in die Tasche steckte, lehnte er sich mit gespreiztem Körper hintenüber: „Ich bin dir noch ein paar Maulsä)ellen schuldig," sagte er zu mir. „Ejnar, du läßt ihn zufrieden, verstehst du?" „Ach, der Pimpclfritze! Warte nur, mein Freundchen, bis ich dich zu fassen kriege, dann kannst du was erleben!" Und ohne die Antwort seiner Schwester abzuwarten, ging er zur Kirche hinüber, machte ein paar„L)opse"sprünge über die Pflastersteine, als ob ihm alles gleich wäre und schlenderte dann weiter. „Cr hat sich doch nicht getraut," hohnlachte die Schwester und sah beschützend auf mich herunter,„da siehst du's!" Aber ich hatte mich unwillkürlich etwas von ihr zurück- gezogen: ich wollte kein Pimpelsritze sein. Ich betrachtete sie mir von hinten: ihre beiden struppigen Zöpfe und ihre mit einer Schleife zusammengebundene Schürze. Sie stand steif- bcinig da und starrte dem Bruder nach. Eine mächtige Wut stieg in mir auf und gleichzeitig damit ein Gefühl der Ohnmacht, das meine Wut launisch werden ließ. Mein Rachegefühl bewegte sich im Zickzack. Klara hatte meine Kirsche zertreten, Ejnar hatte mich einen Pimpelfritzen genannt. Ganz sachte machte ich die Schleife von Ediths Schürze auf, so daß die Bänder flatterten: und ich empfand ein kitzeln- des Wohlgefühl, einen Drang zu unberechenbarer Grausamkeit. „Komm mit nach oben," sagte Edith,„dann werde ich dir mal ein paar Bilder zeigen." Wir standen vor Mutters Laden mit den vielen Hüten. „Du hast ja gar keine Bilder!" sagte ich. „Und ob ich welche habe, du wirst ja sehen! Komm nur mit nach oben, dann kannst du auch einen Kuchen kriegen." „Ich mache mir nichts aus Kuchen." „Na, denn nicht!" Im selben Augenblick kam Klara in dem roten Kleid aus der Tür gegangen. Ihr Gesicht war unbeweglich, aber chre Augen flitzten in dem ruhigen Gesicht blitzschnell hin und her. Sie ging dicht an uns vorbei und als sie grade neben Edith war, tagte sie:„Mit dem dummen Jungen spielst du, Edith? Na weißt du, der macht sich ja noch in die Hosen!" Ich wurde rot und sah verwirrt an mir herunter: aber antworten konnte ich nicht. Ich merkte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen. Ich hatte Lust loszuweinen, ganz laut loszuwsinen. aber da sagte Edith: „Klara ist ein ganz ungezogenes Mädel, du mußt dir nichts daraus niachen, was sie sagt." „Ja und du bist ein dummes Mädchen, ein ganz dummes Mädchen!" rief ich. „Was sagst du da?" „Ja, das stimmt!" Und damit lief ich die Treppe herauf und in Mutters Laden. Hier wartete die Schokolade auf mich. Sie stand auf msi- nem Tisch neben den bunten Bildern mit Jesus. Während ich trank schielte ich zu den Bildern hin, etwas verlegen und betrübt. Jetzt war ich weiter von Jesus als je, fühlte ich. Und ich fragte:„Mutter, wie alt war Jesus, als er merkte, daß— daß er Gottes Sohn war?" „Ach. wie du auch frägst, Junge!" 2. Waldemar hatte außer feinen Kollegen nur einen einzi- gen Bekannten, einen alten Dänen, der gelb vom Klima ge- worden war und Schlitzaugen bekommen hatte, weit er sie immer wegen der Sonne und vor dem Staub zusammenkniff. Eines Abends trafen sie sich in einer Bar. Der Däne hatte den ganzen Nachmittag Whisky getrunken und saß nun schwer wie ein Buddha auf einem Stuhl. Große Schweiß- perlen drangen unter seinem Haar hervor, liefen über seine Stirn und sammelten sich in seinen Runzeln zu kleinen Bächen. Er sprach über tiefsinnigere Dinge als gewöhnlich. (Fortsetzung folgt.) Gegen den Terror völkischer Rüpel. Per Ein Erlaß des Berliner Polizeipräsidenten. Der Polizeipräsident hat folgendes bestimmt: In den letzten Tagen ist es in einigen besonders belebten Stadtgegenden zu Zusammenstößen von politischen Gegnern dadurch gekommen, daß geschlossene Trupps, Anhänger anderer Parteien auf offener Straße ohne Anlaß beschimpften und tätlich angriffen. Berschiedentlich ist dabei unter Bezugnahme auf den bedauerlichen Vorfall am letzten Sonntag vor der Alhambra auf dem Kurfürstendamm, dem leider ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen ist, gerufen worden, das sei die Rache für die Erschießung des Dölle. Ich weise darauf hin, daß strafbare Handlungen zu fühnen einzig und allein Aufgabe der Staatsgewalt, Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte, ist, und in einem geordneten Staatswesen niemals in das Ermessen von Privatpersonen gestellt sein tann. Mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln werde ich dem Rowdytum, das unter dem Deckmantel politischer Betätigung die Straße unsicher macht, das Handwerk legen und Sorge tragen, daß ruhige Staatsbürger unbehindert und unbelästigt in Berlin ihres Weges gehen können. Aufzüge, deren Teilnehmer erkennen lassen, daß sie nicht zum Zwecke friedlicher Demonstration zusammengekommen sind, sondern um Unfug zu verüben und Andersdenkende zu belästigen, werden von meinen Beamten rücksichtslos auseinandergetrieben werden. Auch werden den Teilnehmern gemäß eines Erlaffes des Herrn Ministers des Innern Stöcke und Waffen abge nomme. Die Beteiligten setzen sich zudem der Gefahr aus, wegen Landfriedensbruches unter Antlage gestellt und schwer bestraft zu werden." Wir hoffen, daß diese Verfügung sich als ausreichend erweisen wird, um das von uns kritisierte Verhalten einiger Polizei mannschaften und ihrer Offiziere im Westen, dem Treiben des völkischen Banditentums gegenüber, in etwas nach drücklichere Bahnen zu lenten. Barmherzige Samariter" und die Unbarmherzigen. Nicht zum erstenmal wird mitgeteilt, daß sich bei plöhlichen Unfällen auf der Straße Leute einfinden, die unter der Maske der Hilfsbereitschaft den Berunglückten bestehlen. Gestern versuchten es wieder zwei Gauner auf dem Potsdamer Bahn hof. Ein älterer Mann war ohnmächtig geworden und mitleidige Leute trugen ihn auf eine Bank und erfrischten ihn mit Wasser. 3 wet andere Männer, die in der Nähe dieser Gruppe standen und das Liebeswert mit kritischen Blicken verfolgten, machten teine Miene, fich daran zu beteiligen, was den lebhaften Unwillen der Umstehenden erregte. Als dem einen ein Topf in die Hand gedrückt wurde, in dem er Wasser holen sollte, mies er ihn mit stummem Kopfschütteln zurück. Nach längeren Bemühungen schlug der Ohnmächtige wieder die Augen auf, und die Helfer wollten sich zerstreuen. Plötzlich gingen die beiden stummen Zuschauer auf zwei der Helfer zu, die sich besonders eifrig stummen Zuschauer auf zwei der Helfer zu, die sich besonders eifrig gebärdet hatten. Sie legitimierten sich als kriminalbeamte der Bahnhofsstreife und baten höflich, aber energisch, dem er. trantten Herrn die Uhr und die Brieftasche zurückzugeben. Inzwischen hatte dieser auch schon den Berluft bemerkt, und Uhr und Brieftasche wurden den„ Samaritern" wieder abgenommen. Wie wandelbar die Stimmung der Zuschauer ist, fonnte man auch hier wieder beobachten. Die Beamten hatten me, ihre beiden Häftlinge vor den Büffen und Schlägen der ervegten Menge in Sicherheit zu bringen, denen sie wenige Minuten vorher beinahe felbft wegen ihrer vermeintlichen Lieblosigkeit ausgefegt gewesen waren. Der Lockspitel. Ein ziemlich außergewöhnlicher Fall. Sein Anfang ftellt nichts Besonderes dar. Ein Familienleben, das viel zu wünschen übrig läßt. Die jetzt 20jährige Tochter tam früh wegen sittlicher Ber fehlungen in die Fürsorge. Der jetzt 19jährige Sohn ist erst vor einigen Tagen vom Bauer zurückgekehrt, bei dem er von der Für forge aus das Jahr über gearbeitet hat. Hinter fich hat er einen Betrug und eine Unterschlagung; in beiden Fällen erhielt er Bewährungsfrist. Neben beiden auf der Anklagebant der 30jährige 5., ein intelligenter und gut aussehender rückfälliger Dieb. Auch das Zuchthaus fennt er bereits. Er verliebt sich in die 20jährige. Ist auch im Hause aufgenommen. Die Mutter ist dem jungen Menschen anfangs gewogen, dann verbietet sie aber der Tochter den Umgang mit ihm. Diese geht kurzerhand aus dem Haus, mietet sich zusammen mit dem Geliebten ein. Die beiden schlagen fich mit einem fleinen Handel durchs Leben. Die Mutter aber fordert vom Sohn: Du mußt die Else von dem Zuchthäusler befreien, einerlei auf welche Weise. Für den 19jährigen eine schwere Aufgabe. Er fucht seine Schwester auf, befreundet sich mit deren Freund" und fagt eines Tages dem H.: Weißt du was, Friz, die Frau, die neben uns ihren Wagenstand hat, befizt zu Hause ein paar Fahrräder. Die wollen wir stehlen." Der H. willigt nach einigem Zögern ein. Die Schlüssel aus dem Wagenfasten zu nehmen scheut er sich aber. Die holt sich der 19jährige Erich selbst, das junge Baar deckt ihn dabei. In der Gerichtsverhandlung behauptet er, die Schwester habe sie genommen. Beide junge Leute begeben sich in die Wohnung der Frau; auf mehrmaliges Klopfen erfolgt teine Antwort; die Tür wird mit dem Schlüssel geöffnet; da steht aber die Mutter der Frau.„ Wir wollen Papier zum Dütentleben holen." Sie erhalten das Papier; unterwegs läuft der 19jährige in die Wohnung zurüd, teilt der Frau mit, daß. die Absicht ge= habt habe, die Fahrräder zu stehlen. H. wird verhaftet. Nun stehen sie alle drei vor dem Richter. Die Mutter faucht vor Empörung. Als die Tochter hereingeführt wird, will sie sich auf sie werfen. Der Freund spielt den Gentleman. Er verteidigt die Else. Er habe sie zu sich genommen, weil er befürchtete, fie lönne in der Fürsorge verdorben werden. Nun sei sie in anderen Umständen. Der Bruder hat mich zum Diebstahl angestiftet, meil die Mutter mich ins Gefängnis bringen wollte. Da paffen Sie auch hinein." Ich möchte sie nur vor der Fürsorge retten."„ Sie tommt doch in die Fürsorge." Bruder und Schwester merden freigesprochen. Der Freund erhält vier Moa nat e Gefängnis. Die Mutter triumphiert. Bei versuchtem Diebstahl ist Anstiftung nicht strafbar. Wenn der Diebstahl gelungen märe, dann hätte auch der 19jährige verurteilt werden müssen. Ein Propagandatag des deutschen Schäferhundes. Aus allen Vororten Berlins waren am Sonntag die Befizer von deutschen Schäferhunden mit ihren Tieren gekommen, so daß sich in Friedenau ein Zug von 57 Reihen( jede Reihe zu drei Personen mit drei Hunden) formieren fonnte, der über den Bayerischen Plaz nach der Schloßbrauerei in Schöneberg ging. Im Zuge fielen besonders die Hunde der Blinden auf, die sich durch nichts irre machen ließen und ihre Herren sicher führten. Unter den Darbietungen fanden die Gruppenübungen ein lebhaftes Interesse. 30 Hunde arbeiteten in drei Gliedern. Dabei mußten die einzelnen. Glieder verschiedene Uebungen machen. Eine besonders schwere Prüfung, die aber gut bestanden wurde, war das Fortwerfen eines Apportierblocks, der nur von einem Hunde auf den Anruf seines Herrn geholt werden durfte. Nachdem so gezeigt worden war, zu welchem stritten Gehorsam man einen Schäferhund erziehen kann, wurde durch die fogenannte Mannarbeit demonstriert, welchen Schutz der Befizer durch seinen Hund hat. Ein Schäferhund imponierte durch Hochsprung, nahm er doch spielend eine Kletterwand von 2,30 Meter. Ein anderer Artgenosse glänzte im Weitsprung, er fegte sogar über einen fleinen, breiten Baum und ein dritter Hund lieferte eine ganz her vorragende Nasenarbeit. Daß der deutsche Schäferhund viele wohl verdiente Freunde hat, sah man an diesem Propagandatage, der tats fächlich das Gepräge eines Boltstages annahm. Schwarz- Rot- Gold auf Sanssouci. Fahnenübergabe an die Deutschösterreicher in Potsdam. Die deutsch österreichischen Reichsbannertame: raden, die aus Anlaß des deutschen Verfassungstages nach Berlin gekommen und in Potsdam untergebracht waren, nahmen gestern nachmittag an der Verfassungsfeier der Regierung teil. Am Nachmittag zogen die Deutschösterreicher, begleitet von den Potsdamer Kameraden, vor das Schloß Sanssouci, von dessen Fahnenmast eine schwarzrotgoldene Fahne wehte. hier übergab ihnen im Namen des Gauvorstandes Berlin- Brandenburg Kamerad Nował ein reichgesticktes schwarzrotgoldenes Banner als Symbol der Freundschaft und des Zusammenhalts. Ramerad Nowat wies darauf hin, daß ein Deutschösterreicher, der unvergeßliche Professor Ludo Hartmann, es gewesen sei, der seinerzeit in Weimar dazu riet, die Farben Schwarz Rot Gold zum Symbol der großdeutschen Republik zu er flären. Der Führer der österreichischen Kameraden übernahm das Banner mit Worten des Dantes und des Gelöbnisses, die Fahne zu schüßen und zu ehren, bis der Tag des Zusammenschlusses er. reicht sei. % Der Herr Amtsgerichtsrat demonftriert. Durch preußischen Ministerialbeschluß wurde den Beamten untersagt, am Verfassungstage in ihren Dienstwohnungen in anderen als den verfassungsmäßigen Farben zu flaggen. Diese Vorschrift wurde zwar nicht auf die Privatwohnungen übertragen, aber der selbstverständliche Taft sezte voraus, daß die etatsmäßigen preußischen Beamten darauf verzichteten, am Tage der Verfassung durch Heraushängen der schwarzweißroten Fahne gegen die Republik zu demonstrieren. Man hatte auch durchaus den Eindruck, daß die gesamte Bevölkerung und mit ihr die rechtsstehende Beamtenschaft sich diese Auffassung zu eigen gemacht hat. Anders dachte offenbar mur Herr Amtsgerichtsrat D. in Charlottenburg, der drei Tage hindurch eine schwarzweißrote Fahne heraus hing. Seit dieser Herr erkannt hat, daß es ihm mit Hilfe der Sozialdemokratie nicht gelingen dürfte, in einem Ministerposten Unterschlupf zu finden, benugt er jeden Anlaß zu einer Demonstration gegen die Republit. Bei fünftigen Bersonalveränderungen in der preußischen Justiz möchten wir den preu Bischen Justizminister bitten, Herrn Dr. D. die Schande zu erfparen, aus der Hand eines republikanischen, auf die Farben Schwarz- RotGold vereidigten Ministers eine Beförderung entgegennehmen zu müssen. Abschied von Potsdam. Rot- Gold veranstaltete gestern abend den Brüdern vom DeutschDie Potsdamer Ortsgruppe des Reichsbanners Schwarz österreichischen Schutzbund, die zum Verfassungsfest der Berliner Republikaner aus Wien gekommen waren und in Potsdam Wohnung genommen hatten, eine Abschiedskundgebung. Als gegen Borantritt der Musikkapelle zum Bahnhof marschierten, begleitete 29 Uhr die Desterreicher in ihren schmuden Lederuniformen unter eine riesige Menschenmenge unter nicht endenwollenden begeisterten zurufen die Abschiednehmenden. Auf dem Bahnhof hielt der Abteilungsleiter der österreichischen Freunde, 2 arid, eine herzliche Ansprache, in der er den Berliner und Potsdamer Republikanern für den warmen Empfang dankte und betonte, daß die gemeinsame gewaltige Rundgebung am Sonntag den Desterreichern die fefte Ueberzeugung gegeben habe, daß die deutsche Republifunbesieglich ist. Dr. Mischler sagte im Namen des Reichsbanners den Scheidenden herzliche Abschiedsmorte. Er betonte, daß der 3usammenschluß Groß- Deutschlands das Ziel aller Republikaner sein müsse und dankte den Desterreichern für ihr Rommen, das aufs neue die Solidarität der beiden Völker besiegelt habe. Unter den Klängen der Reichsbannerfapelle setzte sich um 8,49 Uhr der Zug mit den öfterreichischen Kameraden unter nicht endenwollenden Heil- Rufen in Bewegung. Die gewaltige Menschen menge brach immer wieder in begeisterte Rufe auf die österreichische Republik und die österreichischen Freunde aus, die auch ihrerseits lebhaft erwiderten. Die Ursache des letzten Eisenbahnunglücks. Schwerer Borwurf eines Mitreisenden. Zu dem Eisenbahnunglück des D- 3uges MünchenBerlin bei Beiden übersendet uns ein Mitreisender, Rechtsanwalt Dr. Martin Meyer aus Landsberg a. d. W., folgenden Bericht: Die in den letzten Jahren immer häufiger werdenden Eisenbahnunglücksfälle sprechen eine deutliche Sprache und erfordern im Interesse der Sicherheit des reisenden Publikums gebieterisch schnelle und eingreifende Maßnahmen. Bereits der einfache Vergleich der Zahl der Unglücksfälle vor dem Kriege, während des Krieges und in der darauffolgenden Zeit mit der Zahl der Unglücksfälle in den letzten Jahren zwingt zu der Feststellung, daß ein mangelim jezigen System vorliegen muß. Die erschreckende Zunahme der Unglücksfälle steht meines Erachtens nicht nur zeitlich, sondern auch ursächlich mit der sogenannten wirtschaftlichen Umstellung der Eisenbahn und nicht in letter Linie mit dem Abbauder älteren erfahrenen Beamten im engen Zusammenhang. Die start übertriebene, bei rein wirtschaftlichen Unternehmungen vielleicht zu rechtfertigende Sparsamfeit ist bei einem dem Wohl der Allgemeinheit dienenden Unternehmen nicht angängig. Bei der Eisenbahn muß zunächst die Sicherheit des Verkehrs und des reisenden Bublifums maßgebend sein. Das Unglüd bei Weiden hat in geradezu erschreckender Weise den Mangel der Organisation für die Sicherheit des reifenden Publikums dargetan. Die primitivsten Hilfsgeräte waren nicht vorhanden; weder Bell, Art, Säge oder Verbandsstoffe befanden sich im Zuge. Der Werkzeugkasten soll jetzt in den Zügen ganz allgemein abgeschafft sein. Auch Fackeln fehlten, ausgenommen die zur Sicherung des Zuges nach hinten bestimmten. In der Handhabung der vorhandenen Feuerlöschapparate war das Zugpersonal nicht geübt; es verging geraume Zeit bis es den Beamten gelang, die Schrauben der Löschapparate zu lösen. Der von Weiden gesandte Hilfszug traf erst Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 12. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: reichlich zwei Stunden nach dem Unglück an der Unfallftelle ein. Bis dahin herrschte vollständige Dunkelheit. Das Zugpersonal zeigte fich der Situation in feiner Weise gewachsen. Für die Sicherung des Buges nach hinten gegen etwa nachkommende Züge wurde wenig getan. Der Zugführer berief sich gegenüber der energischen diesbezüglichen Forderung der Reisenden auf seine Dienst anweis sung, daß er erst nach acht Minuten nach Halten des Zuges auf offener Strecke die rote Fackel anzünden dürfe. Schließlich gab er eine Fackel heraus, die zu verlöschen drohte. Lediglich das Ver halten des Lotomotivführers verdient uneinge= schränkte Anerkennung. Durch seine Geistesgegenwart hat er größeres Unglück verhütet, da er den Zug in einer Kurve auf eine Entfernung von 30 Metern bremste. Am Bahnhof Weiden fümmerte sich der Fahrdienstleiter in feiner Weise um das Publikum. Dieses blieb völlig ununterrichtet; wurde auch in feiner Weise über fein weiteres Schicksal, insbesondere über die Abfahrt eines neuen Zuges in Kenntnis gesezt. Meiner Frage wurde wenig Verständnis entgegengebracht. Bezeichnend für den Mangel jeglicher Organisation ist, daß der Bahnhof in of bei unserer Ankunft, die sieben Stunden nach dem Unglüd erfolgte, nicht einmal von dem Unglücksfall unterrichtet war. Die Direttion der Reichsbahngesellschaft wird fich hoffentlich zu diesen schwerwiegenden Vorwürfen so schnell wie möglich äußern. Die Unwetterkatastrophen im Reich. Uetersen, 11. Auguft. Die Schäden, die das Unwetter in Uetersen und Umgebung anrichtete, lassen sich erst heute morgen in ihrem ganzen Umfange übersehen. Die Straßen boten in den frühen Morgenstunden ein troftloses Bild, alle Kräfte mußten herangezogen werden, um sie wieder passierbar zu machen. Das Unwetter dauerte taum eine Viertelstunde, aber seine Wirkung war fatastrophal. Fast sämtliche nach Westen gelegenen Fenster wurden durch den Hagel zertrümmert, die Ziegeldächer durchschlagen. Viele Bäume wurden entwurzelt oder wie Streichhölzer gefnickt. Große Fabritschornsteine stürzten ein. Durch den Zusammensturz eines solchen Schornsteins, dessen Trümmer das Dach eines daneben stehenden Hauses durchschlugen, wurde ein Junge so schwer verlegt, daß er bald starb. Ueberhaupt wurden viele Personen verlegt. Ein in der Nähe von Uetersen liegendes Bauernhaus wurde durch den Sturm zusammengedrückt. Besonders schwere Schäden weisen die jungen Bestände der zahlreichen Baumschulen auf. Der Magistrat hielt bereits am frühen Morgen eine Sonderfizung ab. Heute nachmittag tagt das Stadtparlament, um über Hilfsmaßnahmen zu beraten. * Hamburg, 11. Auguft. Heute morgen versammelte sich der Vorstand der städtischen Kollegien im Rathaus, um die Hilfsattion für das durch den Zyklon verwüstete Gebiet von ueterien einzuleiten. Landrat Niendorf aus Pinneberg, der eine Besichtigung der ungeheuren Verwüstungen vornahm, war in der Sigung zugegen. Der allgemeine Eindruck ist der, daß es unmöglich ist, daß sich die schwer betroffenen Einwohner selbst helfen und die entstandenen Schäden tragen fönnen. Binneberg wird entsprechende Mittel bereitstellen, aber darüber hinaus soll auch versucht werden, die Hilfe der Landesregierung in Anspruch zu nehmen. In der Stadt Uetersen soll ein Rotstandsausschuß eingesetzt werden, der die Verteilung bewilligter Gelder vorzunehmen hat. Der Kreis Cübed, 11. Auguft. In techt sind dem gestrigen Unwetter ein Gehöft und drei Scheunen zum Opfer gefallen. In Lenschow, einem Dorfe bei Utecht, brannten zwei Anwesen vollständig nieder. Durch Blitzschlag wurde ferner ein Haus eines Handwerkers in St. Hubertus an der Straße Lübed- Razeburg vernichtet. Schwere Schäden werden außerdem aus Krummessee, Seereg und Schönberg in Medlenburg gemeldet. *** Schwere Sturmschäden in Holland. Amsterdam, 10. August. Gestern abend und heute nacht gingen sehr schwere Unwetter über Holland nieder, deren schwere Folgen erst heute mittag in ihrem vollen Umfange bemerkt wurden. Der Sturm nahm in den östlichen Gebieten Hollands die Heftigkeit eines 3ytlons an, wie man ihn in diesem Umfange noch niemals vorher in Holland gefannt Besonders schwer mitgenommen wurden die Ortschaften Borculo, Didam, Doetinchem, Oldenzaal und Hengelo, wo viele Häuser zerstört und beschädigt wurden und zahlreiche Menschen Berlegungen erlitten. Am schwersten betroffen wurde nach neueren Meldungen aus Deventer der Ort Borculo, der durch den Wirbelwind fast vollkommen zerstört wurde. Nach den bisherigen Feststellungen ist hier mit vier Toten und Hunderten von Berlegten zu rechnen. Der Telephon- und Telegraphenverfehr hat schwere Störungen erlitten, die Telephonverbindungen mit Emden und Berlin waren zeitweise unterbrochen und fonnten später nur durch Umleitungen in Betrieb gehalten werden. Der Bürgermeister von Borculo hat Militär zur Hilfeleistung bei den Aufräumungsarbeiten angefordert. Die Rhön- Segelflüge. Ein Rüdblid über den Borwettbewerb. gestellt werden: Solch Eifer wie in diesem Jahre hat noch nie zuvor Schon heute tann über den Verlauf des Vorwettbewerbs fefthier oben auf der Wassertuppe geherrscht! Es ist dies unbedingt das seiner treuen Stüge Stamer. Aber was wären diese Führer ohne Berdienst der Martens- Schule, ihres einzigen Führers und ihre Schüler, ihren Eifer, ihren Fleiß und ihre unermüdlichkeit? am Main, Schmidt- Elberfeld, beides Schüler der Martens- FliegerAus dem großen Kreis feien genannt: Hoffmann- Frantfurt schule; ferner Seiler- Liegnig, Espenlaub- Grunau, Erich MeyerDresden, Kegel und die Flieger der Technischen Hochschulen. Der Bergische Betein für Luftfahrt, die Settion Wuppertal des Niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt, Ortsgruppe Bamberg des DLV., Modell- und Segelflugverein Fulda u. a.: sie alle famen und wollen fiegen. Doch eines sei vor allem gesagt: wir sind im Segel flug recht weit fortgeschritten. Die Erfahrungen, die dreißig, fünfzigmal täglich gemacht werden, wirken befruchtend auf den Fortschritt. Was geht für Geld, für Zeit, für Mühe, Arbeit hin, welche Sorgen find gemacht, wenn jemand glaubt, er fei Erfinder. Nun endlich müssen die Vereine nicht nur die, die sich mit Luftfahrt beschäf fegelfliegen lernen, auf sicheren, wohlerprobten Maschinen. Und nicht nur die, nein, alle müssen fommen und segelfliegen lernen! Wir sind recht weit, wir sind viel weiter, als die meisten wissen, ahnen. So muß fich Staat und Stadt, Behörde und Private der Segelfliegerei annehmen. Auch mit wenig fann geholfen werden. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musik- figen, auch wer sonst etwas vom Sport hält, muß, bet, ma begleitung. 5-6.30 Uhr nachm.: Siebentes Kinderfest der Funkstunde. 7 Uhr abends: Magistrats- Oberbaurat E. Lichtborn: Hygiene des Wohnhauses. 2. Vortrag. Der Hausschwamm und seine Bekämpfung. 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. Professor Dr. Paul Sommerfeld: Vergiftungen und Uebertragung von Krankheiten durch Nahrungs- und Genußmittel. 8. Vortrag: Vergiftungen durch pflanz1. a) Hans May: Natascha( Ernst Neubach), b), Hannes Ruch: liche Nahrungsmittel. II. Teil. 8.30 Uhr abends: Populärer Abend. Die Prinzessin( Roda Roda), c) Irving Berlin: Im Orangenland ( Rich. Rillo):( Robert Koppel). 2. a) Bukowsky: Kameradschaftsmarsch, b) Czibulka: Liebestraum nach dem Balle, Intermezzo ( 1. Berliner Bandonion- Streichorchester, Dirigent: Max Schäffer). 3. a) Rückauf: Lockruf, b) Gretschaninow: Ich wollt ein wenig mit dir plaudern, c) Meyer- Helmund: Rokokoständchen( Eugen grin", b) Friedemann: Andalusischer Liebestraum, Walzer( Erstes Transky, Tenor). 4. a) Fantasie über Richard Wagners, LohenBerliner Bandonion- Streich orchester). 5. a) Hannes Ruch: Des Handwerksburschen Lied( A. de Nora), b) Hannes Ruch: Der Handwerksbursch( Peter Schlemihl), c) H. M. Tennent: Solang die Mädchen tanzen( Rich. Rillo):( Robert Koppel). 6. a) Schäffer: Mit vollen Segeln, Marsch, b) Siede: Anamitische Zauberer. Charakterstück( Erstes Berliner Bandonion- Streichorchester). 7. a) Dickens: Du meines Lebens Sonnenschein, b) Lehár: Wenn ( Eugen Transky). Am Flügel: Professor Oskar Wappenschmitt. eine sshöne Frau befiehlt, e) Lehár: Hab' ein blaues Himmelbett 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14, Gebastianstr. 37/38. Sof 2 Tr Sonnabend, ben 15. August, und Sonntag, ben 16. Auguft, findet Reaktion. In feinem Herzen Stettin foll gezeigt werden, daß auch dort der in Stettin die Berfaffungsfeier statt. Pommern ift Sauptpunkt der fönnen, fich an diefer feier au beteiligen. Fahrpreis etwa 7 Mart. Für Frei republikanische Gedanke fortschreitet. Es ist Pflicht, soweit Kameraben es quartier wird gesorgt. Meldungen find unverzüglich an den Kameradschaftsführer abzugeben. Der Gauvorstand. Arbeiter Radio- Klub, Ortsgruppe Webbing. Donnerstag, 13. Auguft, 7% Uhr, Bastelabend im Lokal Mahlzahl, Utrechter Str. 29. Gäfte willkommen. Arbeitersport. Freie Turnerschaft Neukölln- Brig. Fußballabteilung. Intereffenten unferes Sports zur Kenntnis, daß in wenigen Wochen die Serienfpiele beginnen. Sunge, träftige Leute, zur Aufbefferung und Vervollständigung der Jugenb mannschaften, tönnen eintreten. Sigungslokal: Neukölln, Marefchstr. 14, Jdeal Clause, Freitags von 8 Uhr an, Eigener Turnplay: Neukölln, Dammweg 47. Aus der Partei. Der rote Frieder. Theater Lessing- Th. Täglich 8 Uhr: Lichtfpiele Die neue Revue HfW. Regenbogen Bois, Herrnfeld, kircher, Ury, Sister, www Schiller- Theat. Serak, Sikla, UnterOperettenspielzeit Bitter LosAndaluses 8 Uhr Annemarie Operette von Jean Gilbert u. Robert Gilbert mit DoraLeffler 12. Auguft vollendet Genosse Friedrich haug in Freiburg( Breisgau) fein 75. Lebensjahr. Der rote Frieder", wie cr in der Parteigeschichte genannt wird, nimmt auch heute noch regen Anteil an den Kämpfen unserer Partei, sowohl im Amte cines Stadtverordneten als auch in zahlreichen Ehrenstellungen, die ihm die Freiburger Parteigenoffen noch immer anvertraut haben. Die deutsche Sozialdemokratie ist Friedrich Haug zu besonderem Dant verpflichtet, denn sein Name bleibt verbunden mit einem der michtigsten Kapitel ihrer Geschichte. In seinem Buch„ Die rote Feldpost" schreibt Genosse Belli über die Tätigkeit des Genossen Haug in den Sturmjahren des Sozialistengesezes: In Freiburg gelmann- Hiller stand Genosse Haug trog Prozessen und Gefängnis von Anfang Kuthan bis Ende der Feldpost aufrecht zur Hilfe... brauchte die Sozialdemokratie Männer, bie, wie Bebel in feinen In jener Zeit Lebenserinnerungen fagt, ungeachtet aller Fehlschläge nie den Mut verloren, sondern mit gutem Humor immer neue Wege und Mittel fanden, den Behörden eine Nase zu drehen". Haug, dessen Wiege in dem Dörfchen Doffenbach stand, in dessen Nähe die Ueberreste “ Kleines Th. Täglich 8 Uhr: Die schöne Melusine Nymgau Komödie v. Lothar Spira- BaseltAnni Mewes, Scherk Maaß, Sanden Schröder- Schrom Heidemann DieLedebour SCALA 8 Uhr Internat. der Herweghschen Freischaren in den Sturmjahren 1848/49 nach Varieté einem blutigen lleberfall durch die württembergische Soldateska den Uebergang nach der Schweiz versuchten, besaß die Eigenschaft, die ein Kerl", wie Bebel und Motteler ihn damals brauchten, haben mußte. Furchtlosigkeit, Humor, Gewandtheit und List stempelten den roten Frieder" zum hervorragenden Vertreter der„ roten Feldpost" auf dem wichtigen Umschlagplay Freiburg, von wo da= mals der Züricher Sozialdemokrat", trog aller Bismarckschen Späher und Spitzel mit einer Pünktlichkeit in das Innere Deutschlands weiterbefördert wurde, um welche die Raiserliche Reichspost die rote Feldpost fast beneiden konnte. Nicht immer entwischte der rote Frieder" den häschern Bismarcs. Seine Treue zur Bartel hat er mit mehreren Gefängnisstrafen büßen müssen, darunter eine von 8% Monaten. Aber klein haben sie ihn nie getriegt. In späteren Jahren war einer der schärfsten polizeilichen Berfolger Saugs städtischer Bestattungskommissar in Freiburg. Friedrich Haug aber war inzwischen als Stadtrat Borsitzender der Fried hofstommiffion geworden. Sein früherer Freund" war nunmehr in Haugs Dienstbereich Beamter. Nie hat er ihn frühere Zeiten Lentgelten lassen. Die Sozialdemokratie Freiburgs und Badens, aber auch die Gesamtpartei Deutschlands gibt dem Wunsche Ausdruck, daß diese martante Persönlichkeit aus der Parteigeschichte uns noch möglichst lange erhalten bleibt. Parteinachrichten Einsenbungen für diese Nubrit find Berlin 88. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, zu richten 7. Rreis Charlottenburg. Donnerstag, den 13. Auguft, 7 Uhr, in der Schulaula ber 32. Gemeindeschule, Oranienstr. 15a( unmittelbar am Buisenplag), Mitgliederversammlung der Freien Schulgemeinde. Bezirksverordneter Ge noffe Raweran spricht über: ,, Die gegenwärtigen Schul- und Erziehungsfragen". Die Elternbeiräte und deren Erfagpersonen find hierdurch be fonders eingeladen. 14. Kreis Neukölln. Donnerstag, ben 13. August, 7 Uhr, im Barbeibureau, Nedarstraße, engere Kreisvorstandssigung. Heute, Mittwoch, den 12. Auguft: 19. st. 7 Uhr Rahlabend in den bebannten Lokalen. 36. Abt. 6% Uhr Funktionärsigung vor den Zahlabenden bei Bukh. Sulfiter Straße 26. 42. Abt. Rahlabend in den bekannten Bobalen. Bericht vom Beşirtstag. 46. Abt. 7 Uhr im Restaurant Baik, Schlesische Str. 28, Mitgliederversamm lung. Bortrag des Genossen Krüger- Merseburg: Deutschnationale Er rettung". 67. Abt. Grunewald. 8 Uhr Abteilungsversammlung Sindened. Bericht vom Bezirtstag. Alle müssen erscheinen. Ueber 130 mal BU. Trianon- Th. Die Tugendprinzessin Musik v. Kurt Zorlig Martin Kettner Preise: 6, 5, 4, 3, 2, 1 Metropol Theat. 8 Uhr: Tausend Thalia- Th. süße Beinchen Theater d. Westens Das große Operettenhaus Tägl. 8 Uhr: Wiener Blut Operette v. Johann Strauß Lothringer Str. 37, Casino- Theater Tägl. 8 Uhr Die dreiaktig. Posse Der kühne Unwiderruflich letzter Monat 8: Uschi Th.in d. Kommand. Str. 8 Uhr: Vetter aus Dingsda Berliner Theater 7.45 Uhr: Anneliese v. Dessau Komödienhaus 7.45 Uhr: Schwimmer Der letzte Kuß dazu das humorvolle Jubiläums- Programm van der Straaten Schaufuß, Hainisch Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: X 400 X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! 12 WINTERTEN 7 6 બા 70. Abt. Bilmersdorf. Die Abteilungsversammlung findet bereits heute 8 Im August Varieté größten Stils! bei Kroihs, Solsteinische Str. 60, statt. Aussprache über Stadtverordneten wahlen und die Randidaten. 94. Abt. Neukölln. Die Rahlabende der Abteilung fallen aus. 105. Abt. Adlershof. 8 Uhr Rahlabend oberhalb der Raiser- Wilhelm- Straße beim Genoffen Bogel, Bismardstr. 74, unterhalb der Kaiser- Wilhelm- Straße bei Bietfchte, Sedanstr. 25/26. 140. Abt. Borfigwalde. Der Rahlabend fällt aus und findet am 19. Auguft ftatt. 141. Abt. Rosenthal. Der Rahlabend findet erst am 19. Auguft ftatt. Jungsozialisten. Die Gruppenleiter reichen die Septemberprogramme filt Jugend vovan" sofort dem Geschäftsführer ein. Morgen, Donnerstag, den 13. August: 85. Abt. Tempelhof. 6. Bezirk: Lokal Lange, Ningbahnstr. 4, Bortrag bes Genoffen Lorenz über: Biochemie. 103. bt. Oberschöneweibe. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Winkler, Bil helminenhofstraße. Tagesordnung: Bericht der Bezirksverordnetenfraktion. Referent: Genosse Schneider. Bericht vom Bezirksparteitag. 132. Abt. Blankenburg. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei RKlug, Dorfstraße. 136. Abt. Reinickendorf- Dst. 8 Uhr Funktionärsigung bei Ühlich, Nesibenz straße 156. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 43. Abt. Am Montag verstarb Genosse Reim, Urbanstr. 29. Einäscherung Donnerstag 6 Uhr Krematorium Baumschulen weg. Jugendveranstaltungen. Heute, Mittwoch, den 12. Auguft, abends 7% Uhr: Baltenplay: Jugendheim Rigaer Str. 102/103. Bericht vom Hamburger Jugendtag." Often P.- B.: Jugendheim Ebertnftr. 12. Bortrag: Bir und die Gewerkschaften". Lankwig: Gemeindeschule, Schulstraße. Aussprache über ,, Hamburg". Faltenberg: Jugendheim Am Faltenberg 117. Aussprache über Samburg". Lichtenberg- Nord: Jugendheim Parkaue 10. Aussprache: Muß die SAJ. gewerkschaftlich organisiert sein?" Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, den 11. August. 1. Rennen: 1. Bieffieben( B.Esch), 2. Regina II( Barga), 3. Betrarca ( R.Torte). Toto: 26: 10. Blab: 15. 21, 46: 10. Ferner liefen: Parnaß, Melia, Stafima, Landrat, Ostfels, Opferstein, Arbela. 2. Rennen: 1. Mariza( Barga), 2. Bujdos( Prekner), 3. Stallliebling( Totb). Zoto: 114: 10. Blag: 26, 72, 210: 10. Ferner liefen: Chanterella, Runkler, Nutria, Rose Marie, Enzian, Gegenwart. 3. Rennen: 1. Ondina( Huguenin), 2. Baronesse( Thielemann), 3. Jionzo( Barga). Toto: 58: 10. Blat: 21, 16, 24: 10. Ferner liefen: Flamberg, Wippizo, Delia, Basalt, Lindwurm, Lese. 4. Rennen: 1. Adana( Huguenin), 2. Corag( Olejnil), 3. Rheinwein( W. Tarras). Toto: 74: 10. Plat: 21, 18: 10. Die Königin, Impressionist. Ferner liesen: 5. Nennen: 1. Traumdeuter( D'Neil), 2. Eichwald( Mate), 8. Kili ( H. Brown). Toto: 13:10. Blaz: 11, 16: 10. Ferner lief: Drizaba. Rauchen gestatt. Elite- Sanger BERLIN C, Gertraudtenstr. 25-26-27 PEEK& CLOPPENBURG B H Zur Einsegnung Fertig am Lager: Saccoanzug Brustweite 82 cm aus reinwollenem, dunkelblauem Cheviot.... Saccoanzug aus reinwoll, dunkelblauem Kammgarn- Cheviot Saccoanzug aus reinwoll., dunkelblauem, kräftigem Cheviot Saccoanzug aus reinwollenem, dunkelblauem Diagonalcheviot Saccoanzug aus reinwollenem, dunkelblauem Meltoncheviot Saccoanzug elarelhige zweireihige Form M. M. 42.- 44.50.- 53.56.- 59.71.- 74.71.- 74.aus reinwoll., feinem dunkelblauem Meltoncheviot 77.- 80.Saccoanzug aus kräftigem marengo Cheviot, einreihige Form M. 59.Saccoanzug aus reinwollenem marengo Cheviot, einreihige Form M. 80.Deutsches Künstler- Theater 8 Uhr 18 U. Residenz- Th. Fauteuil 47 Volksstck. m.Musik Die Koblanks Lustspiel Kottbuser Str. 6- Tel Mpl. 160 77. von Louis Verneuil Vorzeig. d. Anzeige Täglich 8 Uhr die konkurrenzlose Revue: Berlin... da kiekste! 12 Bilder. Operettenhaus am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Sichern Sie sich im Vorverkauf gute Plätze| Der kleine Kappler 94 AHRMARKT IN KLEINS BUMSDORF Heute das Kleinstadt. Ereignis mit dem Weltstadt- Programm. So' was haben Sie noch nicht erlebt! Da müssen Sie dabei sein! Eintritt 60 Pfg. ULAP enn Sie noch zu he Wenn zahlen nur Smokinganzug mit seidenem Spiegel aus reinwollenem, schwarzem Cheviot M. 115.Wäsche Hüte Unterzeuge Heute, Mittwoch, zum 26. Male: Treptow in Flammen! balbe Kassenpr. mit Todessprung und div. Ueberraschungen von 50 Pf. an Rose- Theater 81/4: Der gr. Betrug Gartenbühne: 5 Uhr: Bunter Teil 73/4: Der Soldat der Marie Zoologisch. Garten Aquarium Affen- Sonderschau Tierkunstausstellg. Tägl. ab 4 Uhr: Gr.Konzert Wochentags ab 7 U. abds. 75 Pf. METROP OF Sommerpreifen Kaufen wollen Beeilen fie sich! 6. Hennen: 1. Balu( Torte), 2. Formosa( Suguenin), 3. Sonnen- Für stärkste Figuren! Das Beste v. Besten! gott( Haynes). Zoto: 34: 10. Plak: 19, 22, 26: 10. Ferner liefen: Senoi, Malus, Froher Mut, Sturmnacht, Landolo, Komödie. 7. Rennen: 1. Lebenslauf( N. Torte), 2. Sanguiniter( B. Esch), Entzückende Pelzmäntel u. Jacken 3. Kontrahent( M. Jentsch). Toto: 18:10. Blaz: 15, 21: 10. Ferner la Ausführungen 750.- 590.- 420.- 350.liefen: Foutamora, Nistil. Heute Abendrennen in Irepfor. Am heutigen Mittwochabend bietet die Bahn des Dftens wieder ein vielversprechendes Rennen. Der Heine Franzose Miquel, ein in Treptow fiets dankbarer und gern gesehener Fahrer, der das letzte Rennen gegen Sawall nur durch einen Steifenschaden verior, trifft heute auf den 3. St. unbestritten besten deutschen Dauerfahrer. Nach dem glänzenden Sieg Sawalls am Sonntag über Linart glauben wir nicht an einen Sieg des Franzosen, trotzdem er heute auf der ihm so wohlbekannten Bahn hinter seinem altbewährten früheren Schrittmacher Geppert fährt. Im Bestreben, dem Publikum neue Fahrer zu bieten, hat sich Treptow den schnellen Parisot, sowie e an Rosellen verschrieben. Das Fliegerprogramm bringt ein Zweifiberfahren mit 7 Baaren, sowie ein Bunftefahren über 30 Runden. Die Treptower Armbinde mit ihrer täglichen Nente von M. 10,- hat ihre Anziehungskraft auch diesmal auf die Nüttschüler nicht verfehlt. Der jegige Inbaber Puls ist nicht weniger wie 9mal herausgefordert worden. Der Beginn der Rennen ist mit Rücksicht auf die große Hize erst um 8 Uhr. Wetter für Berlin und Umgebung. Bei wechselnder Bewölkung ver leichte Gewitterregen. Westmannsche Plüschmäntel weltbekannt 175.- 125.- 89.Krimmermäntel .65.- 52. Astrachanmäntel. 68.- 45.Ulster mit u. ohne Pelz 86.- 62.- 46.- 32.. Burbury- Mäntel.. 47 27.- Moulinéart.Kostüme 54.- 32, Seiden und Alpakkamäntel..24-1650 Ottomanemäntel 75.- 42,- Jumper in 12 Farben.. 350 Sommerkleider 25.- 1650 Extra Abteilung: Trauermagazin. Große Auswahl! Billige Preise! 8 Uhr Der internat. AugustSpielplan Prima Sealplikh Mantel Jetzt Go father Tiggel Westmann einzelte le dite, were ferregen. Bettere abfäßlung. Für Deutſchland. Auch Mohrenfte 31a fr Frankfurter fee 115 im strichweise Gewitter mit Abkühlung. Apollo wieder 8 Uhr Theater 8 Uhr Varieté Ein Sensat.- Progr.m.P.Beckers Ganz kleine Eintrittspreise!! Entdeckung des NORDPOLS in Groß- Berlin Restaurant Alexanderstraße 46-48 Ecke Neue Königstraße. Berlins neueste Sensation! Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr: Stettiner Sänger Dönhoff- Brett'l: Saal und Garten Großes Familien- Varieté Anf. 8 Uhr, Sonnt. 6 Uhr Rennen zu Strausberg Mittwoch, d. 12. August nachmittags 3 Uhr Charlottenburg ab Zoo Friedrichstraße Alexanderplatz Schlesisch. Bhf. Strausberg 99 an Sonderzüge Fahrplan1246 112 1254 118 mäßige 105 128 Züge 112 134 120 140 125 225 205 225 210 310 Unyr Jold Die führende Cigarette in höchster Vollendung 50 MASCHALLAH CIGARETTENFABRIK CD Ausammenbruch öes größten Inflationskonzerns Wie die Stinnes-Liquidatiott begann.— Eine Darstellung der Bauken. Bei der großen Bedeutung, die die Liquidation des ötinnes- Konzerns auch für die Arbeiterschaft hat, haben wir uns veranlaßt gesehen, bei einer dem Stützungskonsortium nahestehenden führenden Persönlichkeit des Bankgewerbes Jnfor- Motionen über den gegenwärtigen Stand der Liquidationsentwick- lung einzuholen. Diese Informationen ergeben etwa folgendes Bild: Der Verlauf der Liquidation habe in erschreckendem Maße er- kennen lassen, in wie unzulänglicher Weise dieser in der deutschen Wirtschaft und darüber hinaus bisher so einflußreiche Konzern seit dem Tode Stinnes' geleitet worden sei. An der Spitze der einzelnen Unternehmungen hätten zum Teil Männer gestanden, die von kaufmännischer Betriebs- führung, Finanzierung und dem Bankwesen kaum eine Ahnung gehabt hätten. So sei das Exekutiv- komitee gezwungen gewesen, um nur ein einigermaßen übersichtliches Bild von der Lage der Unternehmungen und von dem Umfang der Verpflichtungen zu gewinnen, in die intimsten Einzelheiten der Werke einzudringen. Bei Beginn der Stützung hätte sich auch nicht entfernt ahnen lassen, wie unzulänglich der Konzern selbst gelei.et und wie hoch die Verpflichtungen waren, die für den Konzern in näherer oder späterer Zeit fällig werden mußten. Nach dem An- sehen, das Stinnes in Deutschland und über Deutschland hinaus genossen hätte, sei es selbstverständilch gewesen, daß dem Stinnes- Konzern im weitgehendsten Maße Kredite gewährt worden seien. Dennoch habe man in Bankkreisen keine Uebersicht über deren Umfang gewinnen können. Daran sei im besonderen auch schuld gewesen die Art der Kreditaufnahme durch das Haus Stinnes, das von allen Banken des Inlands, die es nur erreichen konnte, Kredite auch in relativ sehr kleinen Beträgen aufnahm. Obwohl einige Großbanken schon seit Jahresbeginn dem Stinnes-Konzern mit zu- nehmendem Mißtrauen gegenüber gestanden hätten, und auf die Prolongation der Kredite nur gegen Stellung börsengängiger Effekten als Deckung eingegangen seien, hätte doch die große Mehr- zahl der Stinnes kreditierenden Banken bei Beträgen von t, 2 oder 3 Millionen, die das Haus Stinnes bei ihnen aufnahm, kein Mißtrauen schöpfen können. Jedenfalls stellte sich bald nach der Bildung des Stützungskonsortiums heraus, daß die Firma Stinnes 2 2 deutschen Banken die runde Summe von 4 0 Millionen Mark schuldete. Wenn auch bei der Bildung des Stützungs- und des Garantie- konsortiums volkswirtschaftliche Interessen ent- scheidend im Vordcrgrung gestanden hätten, so sei doch auch schon damals die Furcht vor Vertu st en aus diesen Krediten für die deutschen Banken maßgebend gewesen. Die deutschen Banken seien sich bald bewußt gewesen, daß die Stützung auf eine Liquidation eines großen Teiles des Stinnes-Konzerns und letztlich auf die Rettung des Hauses Stinnes hinauskomme. Als Erwcrbsinstitute hätte es sich für sie von selbst verstanden, daß dieser Dienst am Hause Stinnes seinen Ausdruck auch in gewissen beschränkten V e r- dien st en der Banken finden müsse. So hätten die Banken für die Durchführung der Stützung, das Stillhalten mit den eigenen Forderungen und das Einspringen mit eigenen Mitteln die Summe von 1,6 Millionen Bereitstellungsprovision verlangt. Von diesen 1,6 Millionen hätten die Banken aber bis heute noch nichts zu sehen bekommen, denn sie stünden auf dem Papier und ge- hörten gewissermaßen zur Masse. Ob sie diese Provision jemals er- halten werden, fei durchaus zweifelhaft. Bis heute seien etwa 50 Millionen aus den Vermögenswerten des Hauses Stinnes zur Schuldendeckung mobilisiert worden und hätten insbesondere zur Abdeckung der kurzfristigen Auslandsschulden Verwendung finden müssen. Der Erlös aus den bisherigen Verkäufen sei ohne jeden Abzug dem Hause Stinnes zur Wdeckung seiner Verpflichtungen zur Verfügung ge- stellt worden. An Schulden seien heute noch etwa 115 Millionen M. vorhanden. Zu ihrer Deckung sei beabsichtigt, all« noch irgendwie abzustoßenden Unternehmungen zu Geld zu machen. Der Rest dW r Werk« soll, soweit es sich um lebensfähige Unternehmungen handelt, verselb st ändigt werden. Ob und inwieweit die Zechen und Kohlenhandelsinteressen der Famist« Stinnes erholten bleiben können, ließe sich heute noch nicht übersehen. Was die Krebste der Seehandlung anbelangt, so sei ein erheblicher Teil davon bereits zurückgezahlt. Jeden» falls seien die Forderungen der Seehandlung an die Stützungs- banken heute nur mehr gering. Die Forderungen der Privat- banken, die noch nicht zurückgezahst seien, und unter denen sich nur einige Banken mit höheren Beträgen befinden, seien durch Stinnes- sche Werte mehr als überdeckt. » Diese Darstellung ist in verschiedener Hinsicht wertvoll. Sie zeigt, daß die stark auf Prestige«ingestellte Kredttpolttik der deutschen Banken zusammen mtt der Unfähigkest der Leiter des Stinnes-Konzerns— es hat sich dabei immer um den sog. Privat- konzern unter Leitung des jüngeren Hugo Stinnes gehandest— jene Katastrophe heraufbeschworen hat, die heute wie ein Alb auf den deutschen Börsen lostet, die Kapitalbeschaffung für große In- dustriekreise erschwert, die Kurse tiefhält. Warum hat man nicht schon am Jahresanfang reinen Tisch gemacht, warum hat man die Kredite immer wieder verlängert, nachdem man erst einmal mißtrauisch geworden war? Der Nimbus der Stinnes, Silver- berg, Vögler, und wie sie alle heißen, die sich immer als die einzig wahren Volkswirte aufspielen, dieser Nimbus hat das verhindert: er hat die Liquidationskrise zur regelrechten Auflösung gedeihen lassen. 22 deutsche Banken waren glücklich, Geldgeber dieses großen Kon- zerns und seiner Leiter zu sein— heute wissen sie nicht einmal, ob sie die Provision auch bekommen werden, auf die sie nach den Regeln des kapitalistischen Bankoerkehrs Anspruch zu haben glauben. Und weil man sich dem Nimbus beugte, wurden die n o t w e n- d i g e n wirtschaftlichen Maßnahmenverzögert. In gerade- zu h o ch st a p l e r i s ch e r Weise hat der Mann, von dem man nicht weiß, ob sein Vermögen zur Schuldendeckung ausreicht, noch vor wenigen Wochen erklärt, es handle sich bei dem.Abbau' nicht um die Abstoßung nennenswerter Objekte'. Die Banken haben sich niemals in aller Eindeutigkeit über den Stand der Dinge geäußerf. So entstand jene Stimmung, die die Hastung der Banken selbst in fragwürdigem Lichte erscheinen ließ. Ob die Kritik berechtigt ist, die man noch später auf Grund der Aeußerungen des Stinnes-Konzerns selbst und auf Grund der Vorgänge üben mußte, die der Oeffentlichkeit nicht entgehen konnten, das aufzuklären gibt es nur ein Msttel: volle Klarstellung der Liquidation, ihrer Gründe und ihrer Technik. Eine Mitverantwortung trifft die Banken in jedem Falle. Bankvertreter sitzen in Masse in den Aufsichtsrätcn der Stinnes-Gesellschaften. Oefsentlich g«- warnt haben sie erst, nachdem sie selbst Verluste befürchteten, nachdem der Volkswirtschaft Gefahr drohte. Ob später alles getan worden ist, um ein Uebergreifen der Krise auf die Produktion zu verhindern, das bedarf ebenfalls der Aufklärung. Es berührt jedenfalls eigenartig, wenn jetzt verlautet, daß der Aktiengesellschaft für Automobilfabrikaston(Aga) in Lichtenberg Kredite, die zur Aufrechterhaltung des Betriebes und Absatzes nötig sind, entzogen werden, weil zwischen dem Besitzer dieses Wertes, Edmund Stinnes, und den Banken über gewisse Fragen keine Einigung erzielt werden konnte. Es berührt ferner eigenartig, daß noch heute Zuschußbetriebe, wie die.Deutsche Allgemeine Zeitung', weiter an der Liquidationsmasse zehren, daß ein Stinnesdirektor, Herr Leopold, nach wie vor sein Gehast für politische Brunnenvergiftung bezieht. Wenn für solche gewiß nicht produktiven Zwecke noch reichlich Geld vorhanden sst, so muß dos Befremden erregen. Es wäre zu wünschen, daß da» Exekutiv- komitee seine Nachprüfung auch auf dies« Betriebszweig« ausdehnt und die bei der geschilderten Geschäftslage gebotenen Konsequenzen daraus zieht. Des üeutjchen Volkes Stiefelverbrauch. Die im allgemeinen noch sehr lückenhafte und ousbaubedürftige deutsche Wirtschaftsstatistik gibt leider nur wenig Anhaltspunkte Sur die Feststellung des tatsächlichen Verbrauches des deutschen Zolles an wichtigsten Konsumgütern. Um so erfreulicher ist es, daß der Verband der Deutschen Schuh- und Schässtc- sabrikanten eine Produktionsstatistik und Verbrauchsstatistik für Straßenschuhwerk aufgenommen hat. Hiernach betrug die deutsche Gesamtproduktion in Straßenschuhwerk aller Art für das Jahr 1924, ohne die Produktion in Hausschuhen, Pantoffeln usw., 61,3 Mill. Paar. Hiervon entfallen auf Damenschuhe 40 Proz., Herrenschuhe 27,5 Proz., Knabenschuhe 4,7 Proz., Mädchen- und Kinderschuhwerk 23,8 Proz. und Babyschuhe 4 Proz. Die Ge- samtausfuhr an Starßenschuhwerk betrug 4 Millionen Paar, so daß sich für die deutsche Bevölkerung ein Jahresverbrauch von 57,3 Mill. Paar ergibt. Mithin kommen auf den Kopf der deutschen Bevölkerung alle 13 Monate etwa 1 Paar Strahenschuhe. — Wie sehr der deutsche Schuhverbrauch hinter dem des reicheren und besser wirtschaftenden Auslands zurückbleibt, das geht aus der Tatsache hervor, daß in den Vereinigten Staaten nach Angabe von Pros. 5)irsch jährlich 4— 5 Paar Stiefel gekauft und verbraucht werden. Infolge der konsumfeindlichen Lohn-, Steuer- und Zollpolitik Deutschlands ist eine derartige Steigerung des deutschen Verbrauchs in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Und doch wäre sie die Grundlage für eine gewaltige Steigerung der Produktion und des Exports, die bei uns durch kurzsichtige Unternehmer- und Interessenpolitik planmäßig verhindert wird! Die Jahresproduktion Deutschlands in Pantoffeln, Turnschuhen usw. wird auf etwa 60 Mill. Paar geschätzt, wovon allerdings ein großer Teil auf den Export entfällt. Eine Erwiderung des Lanöwkrtsihastsrates. Der.Vorwärts' hat in Nr. 371 vom 8. August 1925 an den Deutschen Landwirtschaftsrat die öffentliche Ausforderung gerichtet, ihm zu erklären, ob in der vom Deutschen Landwirtschastsrat vor- gelegten V e r s ch u l d u n g s st a t i st i k, die auf t�xund von Fragebogen zustande gekommen ist, sämtliche beantworteten Fragebogen ausgenommen worden sind oder ob ein Teil dieser Fragebogen sich als unbrauchbar erwiesen hat. Hierauf ist zu erwidern, daß bis zu dem Tage der ersten Vorlage des Materials vor dem Agrarenquete-Ausschuß ausgefüllte Bogen über 1 SSV Betrieb« vorg�eg« haben. Davon find für dt« erste Zusammenstellung 1512 Betrieb« benutzt worden. Drei Statistikbogen waren unbrauchbar, weil die Angaben unvollständig waren, und fünf wurden bei der Bearbeitung ausgemerzt, weil die Nachkriegsverschuldung unwahrscheinlich hohe Ziffern auswies. Nach der ersten Vorlage des Ergebnisses im Agrarenquete-Aus- schuß sind noch weitere 156 Etat i st i k b o g e n eingegangen, von denen 70 bereits in einer neuen Veröffentlichung des Deutschen Landwirtschaftsrats in Pr. 31 der.Mitteilungen der Preisberichts- stelle beim Deutschen Landwirtschastsrat' vom 12. August ausgewer- tet sind. Ueber die Art der Erhebung und die Methode der Ver- arbeitung ist ausführlich in Nr. 27 und 29 der.Mitteilungen der Preisberichtsstelle beim Deutschen Landwirtschastsrat' vom 8. und 22. Juli berichtet worden. Die Erwiderung befaßt sich nur mtt der einen möglichen Fehlerquelle, die in der Derschiildungsstatistik des Landwirtschafts- rats möglicherweise enthalten sein konnte. Nachdem auf Grund amllicher Angaben das Reichsfinanzministerium und der öffentlichen Bankinstitute feststeht, daß die Gesamtverschuldung der Landwirt- schaft viel geringer ist, als es der Landwirtschastsrat ermittelle, bleibt nur der Schluß übrig, daß eben von vornherein nicht typische, sondern nur übermäßig verschuldete Betriebe überhaupt befragt worden sind. Aleischwarentadustrie und Schutzzölle. Vom Reichsverband der deutschen Fleischwarenindustrie«. B. Berlin wird uns geschrieben: Die Lage der Fleischwarenindustrie hat sich im Berichtsmonat wesent- lich verschlechtert. Die Kochwurstfabrikation ist zwar in der jetzigen Jahreszeit wesentlich eingeschränkt, doch ist in diesem Jahre der sonst durch das lebhafte Saisongeschäst in Rohwurst und sonstigen Dauer- waren gegebene Ausgleich nicht eingetreten. Die Entwicklung derSchlachtoiehprei.se wirkt sich für unsere Industrie immer bedrohlicher aus. Während auch im Berichtsmonat die Preise für sämtliche Roh- und Hilfsmaterialien weiter stiegen— bei Schweinen beispielsweise auf den Hauptmärkten Hamburg und Berlin erneut um 12—15 Proz.— und auch die sonstigen Fabrikations- kosten vor allem durch Lohnerhöhungen gewachsen sind, war infolge des verringerten Absatzes ein großer Teil der Produktion inur zu Verlust preisen unterzubringen. Aus dieser Gestaltung der �age heraus mußte zu weiteren Betriebseinschränkungen geschritten werden, teilweise kam es sogar zu Stillegungen von Betrieben, da es bei den gegenwärtigen Kapttalverhältnissen nur den wenigsten Firmen möglich ist, Kredite zu tragbaren Bedingungen zu erhallen und eine verlustbringende Produktion längere Zell durchzuführen. Die Agrarzollvorlage hat zweifellos ihre Schatten schon v o r a u s g e w o r f« n, noch bevor die Zölle in Kraft getreten sind. 9 Rentenbankkredilansialt und Deutsche Girozentrale. Nach§ 4 des Gesetzes über die Errichtung der Deutschen Rentenbanktredit- anstall sind eine Reihe von Banken(sogenannte Derkehrsbankeni als Vermittler des Personal- und Realkredits der neuen Rentenbank- kreditanstall zugelassen worden, die namentlich ausgeführt sind. Das einzige Bankinstitut, das sowohl im Realtredit als auch im Personalkredit die Gelder der Rentenbankkreditanstall wetter- zuleiten hat, ist die Deutsche Girozentrale, die Spitzenbank der Sparkassen und Girozentralen. Dies« Sonderstellung ist darin begründet, daß die ihr angeschlossenen Sparkassen das langfristige und kurzfristige Kreditgeschäft mit der Landwirtschaft betreiben, während beispielsweise die Genossenschaften lediglich den Personal- tredit und Hypothekenbanken ausschließlich den Realkredit pflegen. Das über ganz Deutschland ziemlich gleichmäßig verbreitet« Kom- munal-Gironetz ist auch der geeignetste und schnellst« Kanal, die zur Verfügung gestellten Mittel an die zu versorgenden kleinen und mittleren Landwirte weiterzuletten. Eine internationale Konferenz der Notenbanken. Daß der ge- meinsame Besuch der Gouverneure der Londoner und der New Porter Zentralnotenbank beim Reichsbankpräsidenten Schacht in Berlin mehr als ein H ö s l i ch k« i t s a k t war, stand von vstkn- herein fest. Zweck des Besuchs und Gegenstand der Verhandlungen blieben aber.bis heute im Dunkeln. Nun hat sich das Land otTHf Chamber of Commerce Journal darüber geäußert. Der Berliner Besuch sei der Anfang einer Reih« von Bespre- ch u n g e n gewesen, die auf die Veranstaltung einer internationalen Konferenz der Notenbanken abzielen. Die Anregung dazu sei vom Präsidenten Coolidge persönlich ausgegangen. Den An- laß zu den Besprechungen habe das Eintreffen neuer umfangreicher Kreditgesuche von deutscher Seite gegeben, denen aber auch Kreditgesuche aus Ländern gegenüberstehen, deren Schuldoer- pflichtungen gegenüber Amerika noch nicht sundiert sind. Gegen- stand der Berliner Besprechung und der weiteren Besprechungen sei die künftige Gestaltung der internationalen Wäh- r u n g e n im Zusammenhang mit den von Amerika bereits ge- währten und noch zu gewährenden Krediten und mtt den Problemen, die sich nach Ablauf der Schutzfrist aus der Uebcrtragung der Repa- rationszahlungen ergeben werden. Der ganze Fragenkomplex soll als Ganzes auf der ins Auge gefaßten Konferenz der Notenbanken behandelt werden.— So wenig gezweifelt werden kann, daß die Vereinigten Staaten bei diesen Besprechungen Verwendung für ihre hohen Goldbestände suchen werden, um deren Entwertung vorzubeugen, so sehr ist die geplante Konferenz zu begrüßen. Es dürfte durchaus im Interesse Deutschlands liegen, wenn die bald fällig werdende Frage der vollen Reparationszahlungen, des Transfers und der Amerikakredite der Politik der Kabinette ent- zogen und als allgemeine Fragen internationaler Kredit- und Finanzpolitik neutralisiert würden, was von der Konferenz der Notenbanken wohl erwartet werden darf. übergibt man nur dem Nachweis des Teutfch.Mulitei Verbandes. Berlin 027. Andi eaSitr. 21 tKönigltadt 4310,4048), GeichäjtSzcit 9 IiiSö, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch. m Pücmu DUR« DIE WELT ftOUE*? PF« Mittwoch 12. August 1925 Unterhaltung und Wissen Wander- Miniaturen. Aufbruch. Wie Gefangene aus ihren Bellen, fo brachen wir aus dem Riefensteinmeer der Großstadt auf. Ferien- Wanderfahrt, Worte, die das Herz weiten und schneller schlagen lassen. Alle Borbereitungen find lange vorher getroffen. Im Sturm zum Bahnhof. Ueber. fillte Züge, quetschende, quietschende, fingende Enge. Der Schweiß tinnt in Strömen, aber es wird alles fröhlich ertragen, weil es ier Freiheit entgegengeht. Ratternde, frachende Bahnfahrt. Wir Broleten fahren selbstverständlich standesgemäß viermal erster Classe. Da ist es herrlich, gemütlich. Volt, nur Bolt. WanderLieder steigen, Schnurren werden erzählt, Bize gerissen, die wie Blige durch die schwüle Temperatur zuden. Der ganze Wagen eine Boltsgemeinschaft". Da soll noch einer sagen, so was wäre nicht möglich. Stundenlange, äußerst lebendige Fahrt. Der Ausgangspunkt. was In Halle steigen wir aus und nehmen einen Glücklichen in Empfang. Der hat schon zwei Wochen Harzwanderung hinter sich, ist wundervoll braun gebrannt und auffallend ruhig, meil er schon eine vierzehntägige Nerventur hinter sich hat. Aber Halle ist Halle? An dieser grauen Stadt reizt uns in dieser Stunde abjoIit nichts. Wir fahren weiter bis Naumburg, der Stadt mit einem berühmten Dom, einem ebenso berühmten Oberstaatsanwalt und vielen pensionierten Beamten und Offizieren. Warum also Naumburg? Das mögen die Götter wissen! Wahrscheinlich aber wohl deshalb, weil der Name einen etwas romantischen Klang hat, weil die Stadt an der Saale liegt und nicht selten als Ausgangs punkt einer Thüringenwanderung gewählt wird. In der Lat ist bas gar nicht so übel. Auf dem Wege von Naumburg nach Kösen, mitten in greller Mittagssonne, geht es an prächtigen Obftgärten, bescheidenen Weinbergen vorbei durch den ersten Laubwald. Hinter Stösen mit seinen Gradierwerfen, Heilquellen und vielen Babegästen, auf Schulpforta zu, gelangen mir in felten schönen Buchenwald. Schlante, wuchtige, filbergraue Stämme reden fich empor in die flare Luft und bilden mit ihrem dichten Blätterdach gewaltig rauschende Näume heilige Hallen. Im Park von Schulpforta gibt es viel des Interessanten zu sehen und zu hören.... Burg Saaled. Es ist wie seit Jahrtausenden auf allen Wanderungen, ob es sich um Völker, Stämme oder Gruppen handelte: der Strom ist auch unsere Richtschnur. Wir setzen die Saalewanderung fort, bergauf und bergab, an malerischen in sattes Grün gebetteten Dörfern vorbei. Burgruinen und andere Sehenswürdigkeiten" interessieren uns zunächst nicht. Wir müssen immer nur schauen: Trinkt ihr 2lugen, was die Wimper hält, von dem Ueberfluß der Welt. In diesem Wasserlauf, ob man nun auf ragender Höhe oder im Tal steht, fällt es Aug' und Wimper wirklich schwer, eine solche Fülle des Schönen zu fassen. Abend wird es wieder... und vom jenjeitigen Ufer des Stromes grüßen Rudelsburg und Saaled. Bon Fer Rudelsburg mit ihrer bewegten Bergangenheit wußten wir, daß fie heute nur noch eine Studenten- und Spießerfneipe ist. Aber ihr verwittertes Gegenüber, Burg Saaled, das ist noch etwas anderes. Aus der niedrigen Umfassungsmauer ragen zwei tahle Sürme. In dem einen hausten die Rathenau- Mörder, bis sie ihrem Leben ein Ende machten. Aber darum geht es nicht! Es dunkelt und aus dem schwarzverhangenen Himmel tropft schwerer Regen hernieder. Romantik erfüllt die Luft. Sollen wir hinauf oder nicht? Zwei von uns dreien find dafür, also los. Die umfassungsmauer, anderthalb meter hoch, ist bald erreicht. Einer fett ohne Rucksack zur Erkundung hinüber. Hallo! Der eine Turm steht offen, arg verfallen zwar, aber am Eingang ist ein feines Stübchen, verhältnismäßig gut erhalten, Plaz genug für drei enspruchslose Wanderer. Als wir Einzug halten, nicht wie die Sänger in die Wartburg, sondern fein still und vorsichtig, entsteht Teges Leben zu unsern Häuptern: Dohlen, Raben, Fledermäuse und anderes beflügeltes Getier flattert aufgescheucht umher, wir glauben sogar, eine fliehende Kaze gesehen zu haben. Drüben, fnapp zwanzig Meter weiter, fampierten vor drei Jahren zwet Mörder. Unser Bedarf an Romantit ist schnell gedeckt. Im blaffen ondenschein bereiten wir unser Abendessen vor, effen, trinten, rauchen, plaudern, dann und wann vor irgendeinem Geräusch unterbrochen. Von der Rudelsburg tönt lauter Gesang herüber, dem man die alkoholische Färbung auf tausend Meter Entfernung anmertt. Da sind wir Wilden doch bessere Menschen.. Unser glücklicher Harzwanderer berichtet anschaulich von einem ähnlichen 21 Marina. Bon Gabriela Preisfová. ( Autorisierte Uebersetzung aus dem Tschechischen von A Berchtold.) Ich Ihnen etwas Böses tun," sadte Jura stockend unter dem Einflusse ihrer traurig blickenden Samtaugen und ihrer geröteten Bangen, da möchte ich lieber mein Leben für Sie hergeben, mein Geelchen!" ,, Was wollen Sie also," sagte sie gereizt, mollen Sie mir vielleicht etwas Bernünftiges sagen?" Bernünftiges?" wiederholte Jura. Warum sperren Sie sich hier so ein, wozu diese beschlagene Türe wie in einem Arreste?" Ich bin ja allein zu Hause, wir leben hier in der Einsamkeit, einmal schon hat man meinem Mann eine halbe Kalbshaut ge stohlen, die er sich zum Trocknen vor das Haus gehängt hatte." Warum hängt er denn die Haut vor das Haus? Unsinn!" jagte Jura, um nur etwas verächtliches vom Schuster zu sagen. ,, Sie war mit Fischtran eingelassen, er wollte, daß sie auslüftet," sprach wieder die junge Frau, und Jura erwiderte in einem geringschäzigen Tone:" Gescheit war es nicht von ihm, und diese Cifengitter hier, die hat er wohl schmieden lassen, damit niemand seine Frau entführen fann? Gelt?" " Oh, die waren schon hier, bevor wir famen." 4 „ Ich habe aber noch nie gehört, daß ein Mann seiner Frau verbietet, daß sie einen bekannten Mann über ihre Schwelle läßt. „ Er hat es mir nicht verboten, das ist mir selbst eingefallen." ,, Und warum um Gotteswillen? Bin ich denn irgendein her gelaufener Lump? Wie viele Länder habe ich durchwandert, und fein Mensch wagte es, mir ein böses Wort nachzureden." Mein Gott, schreien Sie nicht so, ich habe ja nichts Böses Cefagt." Na, na," feufzte jetzt der Bursche, auf einmal bescheiden. Sie fönnen leicht sagen nichts Böses", aber ich laufe hier herum mie ein Narr und Sie, Sie lachen mich hinter Ihrem Fenster aus." Oh, ich lache nicht," seufzte jetzt die Marina. Lassen Sie mich also, wie es sich gebührt, in die Stube herein, gerade bei diesem Fenster tann uns jemand bemerken und Ihnen Hebles nachreden." Ich aber habe doch nichts mit Ihnen zu verhandeln, ich bin nicht ledig." Quartier im Selfetal: In der Hütte eines Kuhhirten, der mit 400 Stud Rindvieh und zwei Schäferhunden vom Frühling bis zum Herbst draußen ist. Alle zwei Wochen bringt ihm seine Frau aus Ballenstedt Nahrung und was sonst der Mensch braucht. Biele Jahre führt der Mann dies Leben und so wird er zum Einsiedler, zum Grübler, Sinierer und Münchhausen. Münchhaufiaden muß der komische Kauz viele im Schädel haben, die denkbar tollsten Geschichten von Hunden, Wildschweinen, Hirschen, Weibern und Die Krokodilsträne. „ Das deutsche Volk ist beklagenswert." TW ( Reichskanzler Luther am 8. August 1925 im Reichstag.) sich selbst. Wir mußten viel lachen und gingen dann ,, schlafen". Das heißt wir versuchten zu schlafen. Mit einigen Zeitungen als Matraze, dem Rudsad als Kopffissen und dem Lodenzeug als zu decke hatten wir eigentlich ein ideales Nachtquartier. Wir konnten trotzdem nicht schlafen. Woran es lag, mögen die Götter wissen. Beim ersten Morgengrauen zogen wir aus. Einen heldenhaften Eindruck haben wir wohl nicht gemacht. Aber schön war's doch. Der Bäcker, dem wir die dampfenden Brötchen fast aus dem Ofen holten, war sehr erstaunt, zu so früher Stunde schon Runden im Laden zu haben. Als wir ihm sagten, daß wir soeben von Burg, Saaled herniedergestiegen seien, schüttelte er ungläubig mit dem Ropfe... Durch den Thüringer Wald. Hinter Jena beginnen die Ausläufer des Thüringer Waldes. Und hier beginnt unsere eigentliche Waldwanderung. Lobeda und Kahla find noch Industrienester: Holz und Porzellan Bon Orlamünde, das auf stolzer Höhe thront, wandern wir, zur Linken das blinkende Silberband der Saale, auf felten schönem Stammweg bis die Ruhe, das önnen Sie! Uebrigens, ich habe Eile, in einer Weile fährt der Laftzug vorüber, da muß ich auf meinem Bosten sein! Der Bater liegt frant an der Gicht, tann sich nicht vom Bette rühren, ich muß ihn vertreten." wollte sie das Gespräch in andere Bahnen lenken. Der arme Alte!" bedauerte Marina. Und ist er dort allein?" Ich bin ja jeden Augenblick bei ihm, und meine verheiratete Schwester tommt zu uns aufräumen und bringt das Mittagsmahl." „ Sie hätten aber nicht vom Hause gehen sollen," sagte Marina schnell,„ der Laftzug fährt ja gleich, ich bitte, gehen Sie schon nach Hause!" Nach Hause gehen," wiederholte der Bursche in einem bitteren Tone. Rann ich denn irgendwo Ruhe finden? Ich muß hierher laufen, wenn ich sehe, daß Ihr Mann ausgegangen ist, und dort zu Hause ist mir schon alles gleichgültig, auch wenn zwei Züge zusammenstoßen... und im Geiste fügte sie noch hinzu:„ Er ist wirklich närrisch gewor Jungfrau Maria!" entfuhr es den Lippen der jungen Frau, den, was soll ich armes Frauenzimmer anfangen?" Ihre Augen streiften wortlos die hohe Gestalt Juras. Wie er so die Stirne an den Fensterladen gestützt hatte, die rechte Hand auf die Hüfte geftemmt, sah der junge Mann wirklich aus, wie von einem schweren Unglüd betroffen. Das Mitleid fing an auch schon ihre Vernunft zu trüben. Wie im Nebel erschienen ihr die ganze Stube und draußen die Maßliebchen, Butterblumen und der aufgeblühte Kümmel in dem Gärtchen. Und wie kam das alles nach dieser unglückseligen Johannisfirchweih?„ Sie sprechen mit mir nicht wie mit einer Frau, die schon seit acht Monaten verheiratet ist," sprach sie befangen, und ich bin doch fein schlechtes Frauenzimmer!" Was reden Sie da von Schlechtigteit?" entgegnete Jura mit zitternder Stimme. Ich habe ja nichts Böses mit Ihnen vor, und ich fürchte für Sie mehr, als für mich selbst. Für Sie möchte id) mich freuzigen lassen, und niemand darf Ihnen etwas Böses nach reden!" ,, Aber mein eigener Mann, was wird er sagen, wenn er erfährt, daß Sie hier waren?" Jura scharrte mit der Spitze seines Stiefels auf dem Boden, bevor er antwortete:„ Andere fommen ja auch her, fich Schuhe zu bestellen, was sollte ich anderes mit ihm reden, wenn er mich hier treffen sollte?" 3u welchem Ende sollte es aber führen, Jungfrau Maria?" „ Schau, schau, wie Sie mich jetzt gescheit daran erinnern, daß 3u welchem Ende? Heiraten würde ich Sie gern, auf dem Sie nicht ledig find, aber dem Menschen die Vernunft rauben und| Amte als meine rechtmäßige Frau. Es wäre doch ganz leicht mög| Beilage des Vorwärts vor die Tore vor Rudolstadt. Stilles, verträumtes Thüringer Städtchen, ringsum von weitgedehnten, geheimnisvollen Wäldern umgeben. Weiter- nach Blankenburg. Wir verlassen den Lauf der Saale und stehen am Eingang des Schwarzatales. Die Berge gipfeln höher, das Tal wird enger, der Tannenwald düsterer, die die landschaftliche Szene abwechslungsreicher, packender. Hinter jeder Wendung, die des schäumenden Flusses Lauf in großer Zahl macht, neue Gruppierungen, neue Bilder, von den Höhen den schönsten Rundblick. Schwarzburg, in einem drückend engen Tal und auf halber Höhe im Rottannenwald gesiedelt, schwarze Schieferdächer, schwarze Ziegeldächer, blizsauber, wie aus der Spielschachtel hingesetzt aber einstmals Residenzstadt. Auch das ist echt thüringisch. Wir sind mitten im Thüringer Wald, wir Großstadtmenschen. Die Lungen atmen tief, pumpen den Ozon märchenhafter Wälder ein, die Herzen schlagen frei und die Augen schauen in dem Meer von Grün und Sonnenlicht klar und weit. In dieser anderen Welt wird der Mensch erst wirklich sehend. Unsere Wege führen weit ab von den großen Verkehrsstraßen, Kammwege oder stundenlang durch das wohlgeordnete Straßennez der Jagen, Flußläufe hinauf und hinunter, Schluchten überquert, Gipfel erstiegen, das Reh und den Hirsch beobachtet, die Vogelwelt belauscht, stundenlange Gespräche mit dem Holzfäller und Wurzelroder, tiefe Einblicke in soziales Elend, bereiten unfere Mahlzeiten selber zu, sind von Hotel und Gasthof, Alkohol und Tabat so gut wie unabhängig, haben nur eines im Sinn: wir wandern mir wandern... Kickelhahn. Ueber allen Wipfeln ist Ruh" O grausamer Hohn, Goetehes Verse schön eingerahmt der stechenden Neugier und dem lärmenden Betrieb der Ausflügler ausgeliefert. Elgersburg, föstlich im Tannenwald gebettet. Borbei an Oberhof, dem Kulturpest verbreitenden Kurort der oberen Zehntausend. Aber höher hinauf: Rennstieg und Inselsberg zu. Thüringer, eingeborene Thüringer, eisgraue Leute, wundern sich baß und befreuzigen sich, als sie hören, daß wir im Abendschein noch stundenweiten Hochwald durchqueren wollen. Nachtwanderungen sind für sie der Schrecken aller Schreden. Aber gewildert wird trotzdem. So ist Thüringen, so sind die Thüringer. Den Inselsberg, die ragende Bastei des Thüringer Waldes, erffimmen und überschreiten wir im Berlauf einer Nachtwanderung, nach Mitternacht, in tiefster Ruhe; im Osten färbt sich schon der Himmel rötlich und schwaches Morgengrauen beginnt die Nachtdunkelheit zu verdrängen. Das ist zauberhaft, reizvoll- wieder eine andere Welt. Schon auf dem Rennstieg, nördlich des Inselberges, macht der duftende Tannenwald hochstämmigem, wuchtig ausladendem Buchenwald Plaz. Auf der Strecke vom Inselsberg bis Eisenach herrscht fast allein der sattgrüne Laubbaum vor. Die Wartburg ist das vorläufige Ziel unserer Wanderung. In alter Schönheit ragt die Burg auf steiler Höhe aber der Betrieb ist häßlich, abstoßend. Quartiere. Zum Abschluß noch einiges über Quartiere. Das Beispiel von Burg Saaled haben wir mehrfach zu wiederholen versucht. Wir haben es versucht meistens ist es mißlungen! Es gibt nur noch wenige Thüringer Burgen wir meinen die ohne Hotelbetrieb die dem Wanderer eine Nacht Unterschlupf und romantisches Hochgefühl bieten. Oft haben wir am Fuße einer Burgruine auf daunenweichem Moos zwischen hohen Farngewächsen geschlafen. Das stärft Glieder und Nerven, regt gewaltig die Eßlust an, ist eine wahre Wohltat für den Körper des Großstadtmenschen. Versucht's nur malt Mit den Schutzhütten, die es auf dem Thüringer Wald zahlreich gibt, hatten wir ein ähnliches Glück wie mit den Burgruinen: mir fanden sie in der Regel erst am nächsten Morgen, indessen wir die Nacht auf moosigem Waldboden erquickend geschlafen hatten. Einmal, nachdem wir stundenlang durch strömenden Regen gewaret waren, fanden wir unsere geliebte Schutzhütte hoch oben auf dem mehr als 800 Meter hohen Hahnenberg am Eingang zum Schwarzatal. Wir beschlossen, die Nacht zu bleiben und haben es sehr bereut. Während der ganzen Nacht hatten wir ungebetenen Besuch, der uns nicht zur Ruhe kommen ließ: Ratten, Ratten, Ratten! Unser nächtliches Jagen hat nicht geholfen, nach einigen Minuten waren die efelhaften Biester immer wieder da. Aber wir hielten bis zum Morgen aus und hatten dann noch von der Spize des Aussichtsturms einen wunderbaren Sonnenaufgang.... * Südlich von Eisenach erstreckt. sich das Meininger Land, vom Norden nach Süden durchschnitten vom Werratal. Südwestlich breitet sich die Rhön aus, von hohen Bergspigen gesehen ein großartiges Bild vom Berg und Wald und Wald und Berg. Hier beginnt ein neuer Abschnitt unserer Wanderung.... F. P. lich, wenn Sie sich scheiden lassen und aus der Kirche austreten! Heutzutage sieht kein vernünftiger Mensch etwas Schlechtes darin." Marina preßte jetzt beide Handflächen an ihre Schläfen:„ Ich begreife es nicht," entgegnete sie mit zitternder Stimme, das muß irgendeine Sinnestäuschung sein...... Und der Zug wird gleich bei Ihrem Wächterhause vorüberfahren. Niemand wird dort machen! Es tann ein Unglück geschehen, laufen Sie nur schnell, mein Gott, schnell! Jura zog aus seiner leinenen, mit einem Riemen umgürteten je die Uhr, wirklich, es war höchste Zeit...„ Ja ich muß mich beeilen! Aber beurteilen Sie nicht schlecht, was ich Ihnen vorschlug. Ich erwarte sehnsüchtig Ihre Antwort. Täglich abends werde ich eine Stunde lang dort unter den Steinbrüchen herumlaufen und auf Sie warten, mie auf eine Erlösung wie auf eine Erlösung! Du, meine süße Marina!.. Und schon flog Jura wie der Wind, den Hut in der Hand, die Anhöhe herunter zu seinem Wächterhäuschen. Marina taumelte vom Fenster zum Tische, ihren Kopf auf den Ellbogen stützend. Was für gute, liebe Worte er für sie hatte! Du meine füße Marina! Niemand auf der Welt hatte sie noch so genannt! Und in dieser russischen Leinenbluse, die er aus der Gefangenschaft mitgebracht hat, schien er ihr wie der Märchenprinz, von dem sie gelesen hatte! Wie war es nur? Die jüngste der drei Schwestern war ver stoßen worden, da erblickte sie der Prinz... Woher er fam, niemand wußte es, und genau so, wie er auf dem Bilde im Märchenbuche aus. sah, sah er dem Jura ähnlich! Sie stieg auf den Schemel, suchte aus dem Wandschranke das Buch heraus und schlug die Seite auf, wo das Märchen von dem Prinzen begann. ,, Ja, ja, nicht anders, gerade sieht er so aus wie der Jura! Jungfrau Maria! Wer hätte es jemals gehört, daß ein verheiratetes Weib solche Gedanken habe! Und scheiden sollte sie sich lassent Daß er nicht gestraft wird, der Jura, für seine sündhafte Rede! Ah, es ist nötig, daß ich heil dir, o Königin und„ Du mein Schuhengel" bete!" hatte, dort den Fußsteig auf und ab, aber er wartete vergebens Jura ging allabendlich zu den Steinbrüchen, wie er es gefagt fünf Tage hindurch. Dieses Beib ist ganz anders wie die anderen," miederholte er immer voll Sehnsucht, aber gerade deshalb möchte ich mein Leben für sie geben. Heute aber muß ich sie endlich sehen, oder ich lege meinen Kopf auf die Schienen,' dann wird sie doch müssen an meine Liebe glauben!" ( Fortsetzung folgt.) VORTEILHAFTE ANGEBOTE 16hotoartifel Celloidinpapier 40P. 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Großvater Hermann Kupke 3 Sage por fenem 69. Geburtstage. Dies zeigt in tieter Trauer im Namen her Sinterbliebenen an Wilhelmine Kupke geb. Treusel. Einäſcherung Donnerstag, 13. aug. nachm. 3 Uhr, t. Baumschulen meg, Are matorium Rrausfpend. höft. verbeten. Am 9. Auguft 1925 entschltet fanft nach langem, schmerem Zeiben mein lieber Mann, unfer guter Bater Julius Großkreutz im 57. Bebensjahr Dies geigen tiefbetrübt an FrauEmma Großfreuz nebstKindern. DieCinäscherung findet am Donners tag, ben 18 August, nachm. 51, Uhr, im Krematorium Baumschulenmeg statt. Am 8. Aug. abbs. 1014 Uhr verfhted infolge miederholten Schlag anfalles mein geliebt Gatte, Bruder, Schwager u. Ontel, der penfionierte Krantenfaffenbeamte der Allgem Ortstrantentaffe der Stabt Berlin Otto Jacobi im 58. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an Die trauernde Gattin nebst Angeh. Einds.: Donnerst, 18 Aug, abbs. 6 Uhr, Rremat. Baumschulenmeg. Abessinier- Pumpen 1. Laubenkolonist. z. Selbstaufstll. 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