Nr. 379 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 194 Bezngspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatli 8,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Gied lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint mochentäglich zweimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin" ab nosal Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5. Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 13. August 1925 Das Londoner Ergebnis. Volle Einigung über die Antwort an Deutschland. Paris, 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Ueber die Condoner Besprechungen ist von französischer Seite am Mittwoch nachmittag folgende amtliche Meldung ausgegeben worden:„ Die Besprechungen zwischen Briand und Chamberlain haben zu einem vollfommenen Einvernehmen über den Tegt der Note geführt, die die franzöfifche Regierung im Einvernehmen mit den alliierten Kabineffen als Antwort auf die jüngste deutsche Note, betreffend die Garantie- und Schiedsgerichtsverträge, nach Berlin richten wird. Die Aussprache hat darüber hinaus Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch über die Fassung des Sicherheitsvertrages gegeben. Ein derartiger Vertrag wird seine endgültige Form jedoch erst erhalten können, nachdem darüber zwischen den Vertretern aller daran intereffierten Parteien Verhandlungen stattgefunden haben. Die Unterhaltungen von London haben in beträchtlichem Maße dazu beigetragen, die Stunde der späteren Besprechungen zu beschleunigen, von denen ein endgültiges Ergebnis erwartet werden darf." Aus dieser amtlichen Darstellung geht hervor, daß die Londoner Verhandlungen zwar zu einer Einigung über die französische Antwort an Deutschland geführt, dagegen fein abschließendes Ergebnis gezeitigt haben für die Fassung des in Aussicht genommenen Sicherheitsvertrages. Nach den Mitteilungen der französischen Preise haben die beiden Außenminister mehrere Kompromißformeln erörtert, die, wenn sie auch eine wesentliche Annäherung der beiderseitigen Auffassungen ermöglichten, doch noch feine endgültige Formulierung erfahren haben. Die am Mittwoch morgen vom Petit Parisien" darüber gemachten Angaben werden am Abend in einem Londoner Telegramm des„ Temps" bestätigt. Danach soll es " über die Frage des Eintritts Deutschlands in den Bölkerbund zu einem prinzipiellen Einvernehmen gekommen sein, dessen Grundlage die in der deutschen Note vom 20. Juli angeregte 3 wischenlösung bilden soll, welche die Zeitspanne bis zur Berwirklichung der allgemeinen Abrüstung zu überbrücken bestimmt ist. Die englische Regierung habe angeregt, daß Deutschland schon jetzt seine Aufnahme in den Völkerbund zu beantragen ermöglicht werden soll, sein Eintritt jedoch erst effektiv werde mit dem Augenblid, wo die zuständigen alliierten Instanzen die restlose Erfüllung der verschiedenen Vertragsbestimmungen durch Deutschland offiziell festgestellt haben werden. Bezüglich der in der deutschen Note enthaltenen Vorbehalte gegenüber dem Artikel 16 des Völkerbundspattes seien die englische und französische Regie rung übereingefommen, späteren Verhandlungen darüber die Türe offenzuhalten. Auch in der Frage der automatischen Santtionen sei ein wichtiger Schritt nach vorwärts getan worden; es habe das englische Außenministerium das Zugeständnis gemacht, daß im Falle einer flagranten Berlehung der Versailler Artifel 42 bis 44 oder entsprechender Bestimmungen des SicherSchutzhaft für Skandalmacher. Eine Anordnung des Berliner Polizeipräsidenten. Amtlich wird mitgeteilt: Der Polizeipräsident hat mit fofortiger Wirkung angeordnet, daß zur rücksichtslosen Bekämpfung der überhandnehmenden Ruhestörungen in Berlin in weitestem Umfang von der Berhängung der Schuhhaft nach dem Gesetz vom 12. Februar 1850 Gebrauch gemacht werden soll. Alle Personen, die einzeln oder in Trupps die Straßenpaffanten beläftigen oder bedrohen, die Schuhpolizei durch Zurufe beleidigen oder sie in Ausübung ihres Dienftes stören, ruheftörenden Lärm verüben oder den polizeilichen Anordnungen zum Auseinandergehen oder zum Berlassen der den Ruhefförenden ausgefehten Berkehrsplähe nicht unverzüglich Folge leisten, find ohne weitere Forma1itäten in Sammeltransporten nach dem Polizeipräsidium am Bleranderplah zu befördern und dort bis mindestens zum nächsten Morgen in Schuhhaft zu behalten. Da ein solches Berfahren nur dann Erfolg verspricht, wenn es summarisch ausgeführt wird, muß der ordnungliebenden Bevölkerung befonders anempfohlen werden, fich von allen Unruhezentren fernzuhalten. Das Treiben der Hakenkreuzler vom völkischen Frontbann" hat in den letzten Tagen einen besorgniserregen den Umfang angenommen. Es ist daher begreiflich, daß der Polizeipräsident die äußersten Mittel anwenden will, um dieses terroristische Treiben einer verheßten Jugend zu unterbinden. Die neue Anordnung des Polizeipräsidenten wird sicher von all denen angegriffen werden, die von jeher die nationalen" Rowdies unter ihren Schutz genommen haben und die noch jekt alle Entschuldigung für jeden Att des Terrors aufbringen, während sie gleichzeitig das zum Schutz der Republik gegründete, Reichsbanner" tagtäglich mit den bösartigsten Verleumdungen verfolgen. Zweifellos ist die Verhängung der Schuhhaft heitspattes Paris und London auf Grund einer gemeinsamen Berständigung spontan zu handeln berechtigt seien, und daß nur Vertragsverlegungen von geringer Bedeutung Gegenstand eines Schiedsgerichtsverfahrens bzw. des in der Bölkerbundsfagung vorgesehenen Verfahrens bilden sollen. Für die Ostfragen und die damit zusammenhängenden Probleme habe die englische Regierung sich ihre endgültige Entscheidung vorbehal ten, schon jetzt aber prinzipiell erklärt, daß sie im Falle von Verwidlungen im Osten nur dann einzugreifen bereit sei, wenn der Konflikt sich zu verallgemeinern oder auf den Westen über zugreifen drohe. Die französische Antwort auf die deutsche Garantienote wird nach der nunmehr erfolgten Zustimmung Englands voraussichtlich noch im Laufe der nächsten 24 Stunden den Kabinetten von Rom und Brüssel unterbreitet werden. Mit ihrer Ueberreichung an Deutschland ist für Ende dieser oder Anfang nächster Woche zu rechnen. Es wird in Paris als feststehend angenommen, daß Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Postfcheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Schluß! Der Reichstag geht in die Ferien. Der Reichstag der Dezemberwahlen von 1924 ist gestern abend in die Ferien gegangen. Er hat zuvor eine unge heure Arbeitsleistung vollbracht und würde die Qualität der Quantität entsprechen, so hätte er sich alle möglichen Lorbeern verdient. Wie wenig das aber der Fall ist, weiß jeder, der seine Verhandlungen mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat. Die Gesetzgebungsmaschine war nicht auf die Herstellung von Qualitätsmare eingestellt, sondern auf die Massenfabria tation minderwertiger Produkte von geringer Haltbarkeit. Mit dem Fortschritt der Jahreszeit und des Ferienbedürfnisses steigerte sich das Tempo bis zum Widersinn. Schleuderhafter ist wohl überhaupt nie ein wichtiges Gesetz bearbeitet worden, wie in diesem Reichstagssommer der neue Zolltarif. Trozdem gelang es dem Reichstag nicht, das Hausa haltsgesez für das laufende Rechnungsjahr fertigzustellen. Man behalf sich mit einem Notgesetz, das der Regierung weit= gehende Vollmachten gibt. Sollen wir wieder zu geordneten Zuständen kommen, so wird es notwendig sein, daß der Reichsa haushalt in Zukunft nicht nur gründlich durchgearbeitet, sondern auch rechtzeitig fertiggestellt wird. Dr. Stresemann in den ersten Septembertagen Gelegenheit zu einem mündlichen Meinungsaustausch mit den alliierten Außenministern haben wird. Aller Voraussicht nach dürfte dafür ein Ort in der gewesen, dies zu tun, ohne fich zum Schluß über alle geschäfts Umgebung von Genf gewählt werden. London, 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die Besprechung Briands mit Chamberlain war wider Erwarten bereits am Mittwoch nachmittag um 1½ Uhr abgeschloffen. Die Borbehalte Deutsch lands für den Eintritt in den Völkerbund dürften nach wie vor für die Alliierten unannehmbar sein. Wesentlich ist die erzielte Annäherung an den deutschen Standpunkt dahin, daß Frankreich und England jetzt über die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit einer baldigen mündlichen Aussprache mit Deutschland übereinstimmen. Es verlautet, daß die alliierten Staatsmänner beschlossen haben, mit der Note an Deutschland gleichzeitig eine Einladung zu einer baldigen mündlichen Aussprache zu senden. Briand ist vollauf befriedigt. London, 12. Auguft.( Reuter.) Briand hat Pressevertretern erklärt, wie sehr ihn die Besprechungen mit Chamberlain befrie digt hätten. Immer wieder sagte er, daß das Programm der Konferenz völlig durchgeführt worden sei. Es sei ungemein wichtig, daß die Aussprache mit einer völligen ll ebereinstimmung über die Note an Deutschland geendet habe; sie werde etwa in vier bis fünf Tagen abgesendet werden, sobald die fachlichen Sachvers ständigen fie in eine ordnungsmäßige diplomatische Form gefleidet hätten. Es bestehe teine Notwendigkeit einer Neuaussprache vor dem Zusammentreten der Böllerbundsversammlung in Genf im nächsten Monat. auf Grund eines überalterten Gesetzes ein Mittel, das sehr leicht die gegenteilige Wirkung deffen erzielen fann, was damit be absichtigt war. Besonders bringt das sogenannte„ summarische Verfahren" Gefahren auch für diejenigen friedlichen Staatsbürger, die ohne ihr Zutun in einen randalierenden Menschen haufen geraten und sich aus ihm nicht schnell genug entfernen fönnen, wenn die Polizei zum Auseinandergehen" aufgefordert hat. Bei der psychologischen Verfaffung mancher Polizeioffiziere muß man leider von vornherein mit mißgriffen rechnen. Wir haben erst in diesen Tagen von dem eigenartigen Verhalten von Polizeibeamten einschließlich des kommandierenden Offiziers berichtet, das sie bei der Mißhandlung eines Mitarbeiters des Berliner Tageblatts" gegenüber dem jungen Manne an den Tag legten, der die Polizei zu der Stätte der Mißhandlung führen wollte. Wenn Polizeioffiziere solcher Veranlagung damit betraut werden, Sammeltransporte von Schuhhäftlingen zusammenzustellen, dann wird möglicherweise am Aleranderplah eher eine Versammlung von friedlichen republikanischen Mitbürgern zusammengetrieben werden, als eine solche von völkischen Radauhelden. Man muß deshalb von der Um sicht und der Energie des Polizeipräsidenten und seiner Oberbeamten erwarten, daß sie die Ausführung der Anordnung in solche Bahnen lenken, daß nicht die völkischen Rowdies ihr Wesen treiben fönnen, während Unbeteiligte und Mißhandelte schließlich in Schutzhaft genommen werden. Wir hoffen jedoch, daß schon die Veröffentlichung dieser Verordnung auf die völkischen Frontbannleute einigermaßen abfühlend wirkt und daß man infolgedessen in Berlin wieder ohne Lebensgefahr die Farben der Republik zeigen kann. Wenn die Ruhe im Berliner Westen auf solche Weise wiederhergestellt wird, dann wird sich binnen furzem auch die Anordnung der Schuhhaft von selbst überflüssig machen und ihre Aufhebung nicht lange auf sich warten lassen. Sachlich lag zweifellos die Notwendigkeit vor, die großen Finanz- und Wirtschaftsfragen der Aufwertung, der Steuern und der 3ölle zur Entscheidung zu bringen. Bei einer besseren Arbeitsdisposition wäre es wohl auch möglich ordnungsmäßigen und verfassungsrechtlichen Hemmnisse mit einem Berzweiflungssprung hinwegsehen zu müssen. Sachlich aber war es, wie gejagt notwendig, nach der Stabilisierung der Währung, der Beruhigung der außenpolitischen Verhältnisse auch für eine gewisse Stabilisierung der finanz- und wirtschaftspolitischen Grundlagen Sorge zu tragen. Erreicht worden ist diese Stabilisierung freilich nicht, denn die Unruhe wegen der Aufwertung ist nicht beseitigt, an den Steuern wird, faum daß fie beschlossen sind, wieder herumgeflickt, der Zolltarif gilt staltung der Grundlagen unserer Handelspolitik ist aber noch mur für zwei Jahre, der Kampf um die endgültige Ge nicht abgeschlossen, er bricht vielmehr jetzt erst recht los. Die Finanz- und Steuergesetze sind unter Umständen ge= macht worden, unter denen die Sozialdemokratie auf die Rolle der Opposition und der Kritik beschränkt war. In diese Rolle hat sie sich keineswegs gedrängt. Sie war und ist zu positiver Arbeit bereit, ist bereit, mit einer Geseze schafs fenden Mehrheit die Mitverantwortung zu tragen. Und gewiß hätten auch unter ihrer Mitarbeit die schwierigen Fragen, um die es ging, nicht zu allgemeiner Zufriedenheit gelöst werden fönnen. Aber ebenso gewiß wäre die einseitige plutofraa tische Härte der neuen Wirtschafts- und Steuergesetzge bung vermieden worden, wenn sie mit am Werke gewesen wäre. Hervorgegangen ist diese Gefeßgebung aus der intimen, bis zur äußersten Solidarität gesteigerten Zusammenarbeit der Rechtsparteien und des Zentrum s. Das Zentrum rühmt sich, eine Partei des Ausgleichs und der Vermittlung zu sein was aber hat man in den letten kampfesheißen Wochen von dieser ausgleichenden und vermittelnden Tätigkeit bemerft? Am Zentrum hat sich das Wort bewährt: ,, Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte." Da es sich auf die Gemeinschaft mit den Deutschnationalen eingelassen hatte, blieb ihm zum Schluß nichts anderes übrig, als jede Schändlichkeit, bis zur brutalften Vergewaltigung der Minderheit mitzumachen. Die Politiker des Zentrums müßten weniger flug sein, als sie es sind, wenn es ihnen nicht gelänge, vor einer ihnen unverbrüchlich vertrauenden Anhängerschaft ihr Verhalten mit allerhand Scheingründen zu bemänteln. Und natürlich läßt fich über die Bedeutung der Zölle und über den Sinn von Paragraphen der Geschäftsordnung oder der Verfassung ellenlang schreiben und stundenlang reden, sei es zu dem Zweck der Aufhellung oder zu dem der Verdunkelung. Aber mehr als das fann vielleicht eine einzige, wenig beachtete Tatsache zur Illustration dienen. die Zölle am Sonnabend von den Deutschnationalen nur Wenn nämlich bei Beginn des Entscheidungskampfes über 7 vom Hundert, vom 3entrum aber 33 vom Hundert der Abgeordneten fehlten, wenn also von den einen nur ein Fünfzehntel, von den anderen ein volles Drittel abwesend war, so sieht man doch schon daran deutlich genug, wer der Treiber und wer der Getriebene war. Ganz so wohl zumute, wie sie es gerne glauben machten, ist den Her ren vom Zentrum nicht: die Fehlziffern der Fraktion, das Verhalten einzelner Abgeordneter bei den entscheidenden Abstimmungen zeigt die fch were Belastung des Gewissens. Die Steuer- und Wirtschaftspolitik, die vom Zentrum mitgetragen wird, ist teine Politik der Mitte, sondern eine Politik der Rechten, eine Klassenpolitik im Interesse der Be sigenden, und eine unheilvolle Berschärfung der Klaffenkämpfe wird ihre notwendige Fogne fein. Aus den parlamentarischen Kämpfen der letzten Zeit geht die Sozialdemokratie als die unterlegene Minders heit hervor, Das auszusprechen ist durchaus teine Schande, deim im Parlament muß eben jede Partei in der Minderheit bleiben, die keine Mehrheit für sich allein darstellt, oder die nicht mit anderen Parteien zusammen eine Mehrheit bildet. Gegen Fehlurteile des Parlaments gibt es keine Hilfe' als'die Korrektur durch das Volk. Leider ist es heute noch so, daß Millionen von Proletariern sich Parteien anvertrauen, die wirtschaftspolitisch von den Interessen der Großagrarier und der Großkapitalisten geleitet werden. In dem Maße, in dem diese Proletarier zur Sozialdemokratie übergehen oder in den Parteien, denen sie bisl/er angehören, ihren nächsten Vrotinteressen Berücksichtigung erzwingen, wird die Ge- seßgebung aufhören, ein Instrument in der Hand der besitzen- den Klasse zu sein. Der Kampf ums Brot muß daher politisch weitergeführt wetden als ein Kampf für politische Aufklärung. Wirtschaftlich wird er sich in eine Reihe von Lahnkämpfen auflösen, die an die Schlagkraft der Gewerkschaften und die Widerstands- traft ihrer Mitglieder die allerhöchsten Anforderungen stellen werden. Von„G e n e r a l st r e i k" in diesem Augenblick reden, ist wirklich„G e n e r a l u n s i n n". Das fehlte gerade noch, daß die Arbeiterschaft jetzt ihre Kampfmittel sinnlos ver- pulverte und ihre Kampfkraft erschöpfte, um schließlich dem Unternehmertum willenlos ausgeliefert zu sein! Die Arbeiterschaft kann sich keine Politik der Knalleffekte leisten, wie sie die Kommunisten im Reichstag getrieben haben. Ihr ist nicht im mindesten damit gedient, wenn sich diejenigen, die ihre Vertreter sind oder sich dafür halten, von der Po- lizei aus dem Reichstag lsinauswerfen lassen. Dem Parlament aber wird dadurch schwerer Schaden zugefügt. Wäre das System des Parlamentarismus im modernen. Staat nicht das von selbst gegebene, so hätte es unter den Stößen, denen es von der Rechten wie von der äußersten Linken her ausgesetzt ist, längst zusammenbrechen müssen. Indem die Sozialdemokratie für das Recht und die Würde der Volksvertretung, zugleich aber auch für ihre b e s s e r e Z u- fammensetzung kämpft, leistet sie dem arbeitenden Volke den besten Dienst. Ihre Geschichte ist, von der P a r l a- m e n t s feite gesehen, bisher vorwiegend eine Geschichte von „Niederlagen" gewesen, von der Volks feite betrachtet, ist sie eine Geschichte eines fast ununterbrochenen Aufftiegs. In die- sen„Niederlagen", die sie im Reichstag erlitt, liegt der Keim ihrer kommenden Macht. Die Chefs üer verleumüerzentrale. Bacmrister und Leopold„fordern" Antwort. Die finanziellen Auftraggeber des Knoll-Klugc-Klausing-Bureaus zur Verwertung gestohlener Akten und zur Verleumdung der Sozialdemokratie, können sich. noch immer nicht beruhigen darüber, daß ihre geheimnisvolle Tätigkeit für die Reichspräsidenten- wähl aufgedeckt worden ist. Nachdem sie schon einmal eine spalten- lange Erklärung gleichzeitig in allen Rechtsblättern Berlins ver- pstentlicht hatten, die sich in dreisten Anforderungen an das Justiz- Ministerium erging, lassen sie jetzt, wiederum gleichzeitig in allen reaktionären Organen der Reichshauptstadt, eine spaltenlange Er- klärung los, in der sie vom preußischen Justizminister Auskunft darüber„fordern", ob er die Haussuchung bei den Staatsanwalts- allessoren Kußmann und Caspary billige" oder sie selber gar an- geordnet habe. Die besdcn Herren sind augenscheinlich gewöhnt, daß Regierungs- leute vor ihnen die Hacken zusammenschlagen und devotest jede ge- wünschte Auskunft erteilen. Da das diesmal nicht geschehen ist, so stellen sie sich furchtbar entrüstet und drohen mit einem weiteren Vresseseldzug gegen das Justizministerium. Einstweilen lassen sie ihren Zorn an dem Leiter der Kriminalpolizei, Regierungsdirettor Dr. W e i ß aus, den sie für den Verantwortlichen dafür halten, daß wirklich einmal ohne Ansehen der Person durch- g e griffen und die Verbindung von.Iustizbeamten" mit dem für die Rcichspräsidentenwahl errichteten deutschnationalen Der- leumderbureau aufgedeckt worden sind. Um Weiß zu treffen, veröffentlichen die beiden Beschützer deutschnationaler Aktendiebe sogar Aeußerungen, die Krimmalbeamte angeblich gegenüber ihrem Vorgesetzten Dr. Weiß getan haben sollen. Es wird sicher den Polizeipräsidenten und das Ministerium des Innern mehr als uns interessieren, zu erfahren, ob solche Aeußerungen wirklich gefallen und wie si�e zur Kenntnis der Bacmeister-Leopold gekommen sind. Wenn wirklich das Spitzelnest der Deutschnationalen bis in die Behördenorgani- sationen reichen sollte, so wird das Ministerium des Innern Hassent- lich dafür sorgen, daß dieses Nest ausgebrannt wird. Im übrigen wird der Justizminister sich wohl dreimal über- legen, ob er den arroganten.Forderungen" der deutschnationalen Geldgeber durch Antwortgeben sich gefügig zeigen, oder ob er dafür sorgen will, daß das gerichtliche Verfahren gegen Kußmann und Caspary und die Inhaber wie Hintermänner des Knoll-Bureaus seinen geregelten beschleunigten Gang gehe. Struckmann unü üer Staatsanwalt. Der Mifthaudelte bleibt in Haft. Der Amtsgerichtsrat Dr. Struckmann, Vernehnnmgsrichter im Berliner Polizeipräsidium, hat bekanntlich die Hastentlaffung des Kaufmanns Schnapp abgelehnt, weil nach seiner Meinung keine Not- wehr vorgelegen habe, als der von mehreren 20 Hakenkreuzlern mit Stöcken und anderen Schlaginstrumenten mißhandelle Schnapp zu seinem Schutze die Pistole zog und bedauerlicherweise einen der An- greiser tötete. Der Verteidiger, Rechtsanwall Dr. Brandt, hat nach der Cnt- scheidung des Herrn Struckmann den zuständigen Beamten der Staatsanwaltschaft III, Assessor Dr. Conrad, aufgesucht, um ihn zu bitten, die Akten möglichst bald zu prüfen, da er die Absicht habe, einen neuen Haftentlassungsantrag bei der Straf- k a m m e r zu stellen. Der Herr Assessor gab dem Anwalt den Be- scheid, die Stellung eines Haftentlasiungsantrages dürfte wohl wenig Zweck haben, jedenfalls würde er nicht dazu raten. Auf die Frag« des Anwalts, wie diese Auskunst begründet werde, wurde geant- wartet, die Staatsanwaltschaft habe in Erfahrung gebracht, Dr. Struckmann habe die Akten„bereits eingehend und gewisienhaft geprüft", habe sie sogar abends mit nach Hause genommen, und wenn Struckmann nicht die Haftentlassung ausgesprochen habe, so könne daraus geschlossen werden, daß auch die Strafkammer zu keinem anderen Ergebnis gelangen werde. Nach diesem Verhalten des Bcrnehmungsrichters und des Dezer- nenten der Staatsanwaltschaft kann man freilich alle möglichen Dinge im Laufe des Verfahrens noch erwarten. Der Fall'Höfle scheint schon wieder in Vergessenheit zu geraten. Mit Recht macht die „Vossische Zeitung" darauf aufmerksam, daß immer mehr der Glaube um sich greift, in der deutschen Republik werde zweierlei Recht geübt, und zwar eines, das sich gegen Republikaner, und eist anderes, das sichfürdieFeindederRepublik auswirke. verfaffungsfeier ohne Cohmann. Er will nicht dabei gewesen sei«! Die„Kreuzzeitung" ergänzt ihren Bericht über die Berfassungs- feier im Reichstag durch folgende Mitteilung: Abgeordneter Lohmann(Altona) ersucht uns mitzuteilen, daß er während der Feier nicht im Saale gewesen ist: er hat bei Beginn einige Damen, die den Reichspräsidenten sehen wollten, zu ihren Plätzen geführt. Also nur um dem Sensationsbedürfnis einiger Damen zu dienen, die � beim Anblick des„Retters" erschauerten, hat sich Herr Lohmann in einen Saal begeben, in dem die Verfassung gefeiert wurde. Er legt Gewicht auf die Feststellung, daß er nicht mit- gemacht hat bei der Ehrung einer Verfassung, an die er als Abgeordneter gebunden ist und auf die er als Richter den Eid geschworen hat. Er begibt sich nicht in die Gesellschaft Hinden- burgs, wenn dort ein Hoch auf das in der Republik vereinte deutsche Volk ausgebracht wird. Die Gesellschaft im Reichstag ist durch das eilige Verschwinden des Herrn Lehmann nicht schlechter geworden. Denn durch seine Erklärung hat der Herr bewiesen, daß er nicht zu denen gehört, die sich a n st ä n d i g benehmen können. Weröegang öes Sozialarztes. Von Dr. med, Alfred K o r a ch. Unter Sozialärzten versteht man Aerzte, die als Ver- waltungsärzte, Schulärzte oder Fürsorgeärzte tätig sind. Ihre Zahl ist in Deutschland in den letzten Jahren a-ißerordentlich schnell gewachsen. Dies nimmt nicht Wunder, denn die Bedeutung der sozialärztlichen Arbeit im Rahmen der gesund- heitlichen Fürsorge ist von außerordentlich großer Bedeutung: sie ist ganz unentbehrlich. Es gibt im Reiche etwa 2000 Aerzte, die auf diesem Fachgebiet tätig sind. In den größeren Städten, aber auch in vielen Kreisen, nament- lich im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, ist man immer mehr dazu übergegangen, hauptamtliche Kommunal-, Schul- und Fürsorgsärzte anzustellen. In kleineren Städten und in dünn be- mahnten ländlichen Gegenden überwiegt die Zahl der Aerzte, die neben ihrer Fürsorgetätigkeit ihre Arbeitskrast einer allgemein- ärztlichen Praxis widmen. Je nach den besonderen Verhältnissen in Stadt und Land werden auch die Anforderungen, die man an die Vorbildung des Svzialarztes stellt, verschieden sein. Will man in einem Land- städtchen die Säuglingsfllrsorge einem Arzt anvertrauen, so wird man sehr zufrieden sejn. wenn der hierfür in Aussicht genommene praktische Arzt noch seiner Approbation in einer Kinderklinik ge- arbeitet oder aber im Laufe der letzten Zeit sich an Fortbildungs- kurscn auf dem Gebiete der Säuglingskrankheiten beteiligt hat. Baut man in einer Kreisstadt die Schulgesundheitspflege aus und benötigt man einen Schularzt, so wird man oft gut tun, den orts- ansässigen Kreisarzt mit den schulärztlichen Ausgaben zu betrauen. Braucht man in einer Großstadt oder in einer dicht bevölkerten Industriegegend einen leitenden ärztlichen Verwaltungsbeamten, so wird man dafür sorgen, daß eine auf dem Gebiete der Sozial- Hygiene und der Verwaltungsmedizin vorgebildete Persönlichkeit gewählt wird. Kurzum: eine gründliche Kenntnis der S o z i a l h y g i e n e ist stets erwünscht, bei dem hauptamtlichen Sozialarzt aber ein be- sonders dringendes Bedürsnis. Die erste sozialhygienische Aus- kuldung erfolgt während des Universitätsstudiums, aller- dings erst seit kurzer Zeit. Es gibt in Deutschland nur eine einzige ordentliche Professur für soziale Hygiene an einer deutschen Uni- versität: es ist dies die Lehrkanzel, die Prof. Grotjahn in Berlin inne hat. In München wirkt als Extraordinarius der Sozialhygiene Prof. Kaup, der frühere österreichische Staatssekretär für das Gesundheitswesen. Sonst sind an den anderen Unioersi- täten und technischen Hochschulen meist nur Lchraufträge für Sozial- Hygiene an bestimmte Dozenten, meistens technische Hygieniker, er- teilt worden. Wer sich aber für Sozialhygiene schon als Student besonders interessiert, hat Gelegenheit, neben den sozial-hygienischen Vorlesungen auch die an den Universitäten befindlichen Seminare für Sozialhygiene zu besuchen. Eine weitere Ausbildung gewähren die drei in Preußen er- richteten Sozialhygienischen Akademien, die sich in Charlottenburg, Breslau und Düsseldorf befinden. Ihr Besuch, der im allgemeinen auf 4 Monate bemesien ist, ist Vor- bcdingung für die Zulassung zu der preußischen Kreisarztprüfung. Der preußische Wohlsahrtsminister hat aber auch schon wiederholt die Kommunal- und Provinzialverwaltungen veranlaßt, bei der Be- setzung der Stellen von Kommunal-, Schul- und Fürsorgeärzten möglichst nur solche Bewerber zu berücksichtigen, die sich über die erfolgreiche Teilnahme an einem Kursus auf einem dieser drei In- stitute ausweisen können. Der Hörer einer Sozialhygienischen Akademie genießt dort eine theoretische und praktische Ausbildung. Er hört Vorträge über das Wesen und die Organisation der Gesund- hcitspslege und Gesundheitsfürsorge und darüber hinaus über viele Fragen verwandter Wissensgebiete. Cr vertieft seine Kenntnisse in der Volkswirtschaft, in der Psychologie und der Soziologie, im so- zialen Versicherungswesen, in der Gewerbehygiene und in der ge- werblichen Medizin. Er hat aber auch Gelegenheit, praktisch in der Säuglingsfllrsorge, in der Lungenfürsorge, in der Schulkinder. sürsorge und in vielen anderen Zweigen der Gesundheitsfürsorge tätig zu sein. Besichtigungen von gesundheitlichen Anstalten und Werken sowie von industriellen Anlagen pflegen das Programm zu vervollständigen. Kommt jedoch ein junger Arzt auf die Sozialhygienische Akademie, ohne sich vorher einigermaßen ausgiebig mit Fragen der öffentlichen Gesundheitspflege beschäftigt zu haben, so wird er von dem Besuch wenig Nutzen haben, da ein gewisses Mindestmaß sozialhygienischer Kenntnisse vorausgesetzt wird, unbedingt voraus- gesetzt werden muß! Sehr viel Hörer der Akademie pflegen auch schon vorher sozialärztlich tätig gewesen zu sein. Viele künftige Sozialärzte bilden sich in den Jahren nach dem Staatsexamen in einem Sonderfach der praktischen Medizin aus, viele werden Lungen facharzt, andere Kinderarzt.-Diese Methode hat viele Vorzüge. Namentlich in großen und mittleren Städten legt man Wert darauf, daß die Lungenfürsorgestellen und die Säuglings- und Kleinkindersürforgestellen van solchen Fachärzten geleitet werden. Auch als hauptamtliche Schulärzte wählt man gern gut vorgebildete Kinderärzte. Der junge Sozialarzt tut am besten, wenn er nach genügender erster Vorbildung, also nach dem Besuch einer sozialhygienischen Akademie und einer gewissen Zeit praktisch-ärztlicher Tätigkeit eine Stelle als Stadtassi st cnzarzt oder Schularztassistent annimmt. Es gibt auch in größeren Lungen- und Säuglingsfür- sorgen Assistentenstellen, allerdings meist nebenamtliche. Besonders geschätzt in letzter Zeit sind die Sozialärzte, die auf dem Gebiete der sportärztlichen Tätigkeit Kenntnisse und Erfahrung besitzen. Sie werden als Leiter oder Berater der an vielen Orten erstehenden Stadtämter für Leibesübungen benötigt. Man hat— namentlich in letzter Zeit— wieder sehr viel dar- über debattiert, ob man Sozialärzte anstellen soll, die innerhalb eines Bezirkes sämtliche Zweige der Gesundheitsfürsorge betreuen, oder aber Spezialisten, die immer nur als Lungensachärzte, Kinder- ärzte, Nervenärzte usw. tätig sind. Man wird keine einheitliche Lösung dieser Frag« sind«, können. Deshalb kann man denjenigen Medizinern, die Sozialärzte werden, auch keinen diesbezüglichen Rat für ihre Vorbildung geben, und dies dürfte kein Schaden sein. Der eine Arzt— auch der Sozialarzt— neigt mehr zu einer ganz ksron de Rheinbaben. Fürchtet den Wahrheitsbeweis. Vreslau. 12. August.(Eigener Drahtbericht.) Der in Mittel- schlesien gewähtte oolksparteiliche Abgeordnete Freiherr von Rheinbaben hatte unser Breslauer Parteiblatt im letzten Wahlkampf wegen Beleidigung verklagt, weil es nicht nur darauf hinwies, daß die nationalen Reden des Volksparteilers mit seinem Gebrauch französischer Visitenkarten im Ausland einen merkwürdigen Widerspruch darstellten, sondern auch die Gründe für sein damaliges Ausscheiden sowohl aus dem diplomatischen D i e n st wie später aus der parlamentarischen Beamtenlaufbahn unter der großen Koalition kritisch beleuchtet hat. Für den Beleidi- gungsprozeß hatte unser Parteiredakteur den Wahrheit«- beweis angeboten..Freiherr von Rheinbaben wird ober vor diesem peinlichen Beweis durch höhere Gewalten geschützt werden. Wie jetzt nämlich mitgeteill wird, hat das Reichs- k a b i n e t t sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt und beschlossen, den von fetten des Beklagten geladenen Zeugen Dr. Hilferding, S o l l w a n n und Dr. Strefemann selber in ihrer Eigenschaft als frühere Reichsminister die Erlaubnis zur Aussage zu verweigern. Außerdem hat das Auswärtige Amt dem eben- falls vom Beklagten als Zeugen geladenen früheren Staatssekretären v. I a g o w und Brockdorff- Rantzau die Aussage über ihre Kenntnis der Gründe für das Ausscheiden Rheinbabens aus seiner Lausbahn verboten. Da an der Spitze des Auswärtigen Amtes Rheinbabens Parteifreund Dr. Sttesemann steht, der gleichzettig auch Mitglied des Reichskabinetts ist, wird man annehmen dürfen, daß eine solche auffallende Scheu vor der Erörterung teils ganz vor dem Kriege liegender Vorgänge, teils rein innenpolitischer Kulissenkämpfe der letzten Jahre die maßgebenden Reichsstellen nicht beherrscht hätte, wenn Herr v. Rheinbaben vorher seinen Parteifreund Sttesemann in anderer Richtung beeinflußt hätte. Selgische Wiedergutmachung. Revifion des Graff-Prozesses. Brüssel, 12. August.(Agence Belge.)„Derniere heure" teilt mit, daß der Fall Grass einem gemischten deutsch-belgifchen Gerichtshof unterbreitet werden würde. Er fei Gegenstand der Prüfung der Minister für Justiz und Auswärtiges gewesen. Man sei der Auffassung, daß ein Justizirrtum vorliege. Wegen der Erschießung des belgischen Leutnants Graft in Hamborn hatte ein belgisches Ruhr-Kriegsgericht mehrere Deutsche zum Tode verurteilt. Der Stettiner Prozeß gegen die zum Teil geständigen Täter, die aus dem besetzten Gebiet geflüchtet waren, hat den Justizirrtum ziemlich erwiesen; daß er jetzt anerkannt wird und gutgemacht werden soll, ist gewiß den S o z i a l i st e n in der belgischen Negierung zu verdanken. vom Völkerbund. Programm der Ratstagung im September. Gens, 12. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Völkerbundrat wird seine 33. Tagung in der Zeit vom 2. bis 6. September abhalten. Den Vorsitz wird der französische Außenminister Briand führen. Auf der Tagesordnung stehen: die Grenzfestsetzung für das Mos- s'ulgebiet zwischen der Türkei und dem Irak, ferner das öfter- r e i ch i s ch e Problem, besonders die neuen Untersuchungsberichte de» Völkerbundkommissars, der finanzielle Wiederaufbau U n- g a r n s, Minderheitsftagen in Litauen, Rumänien Griechenland und der Türkei, der Danziger Poststreit und die Frage der polnischen Munitionsdepots im Danziger Hasen, schließlich noch die Tätigkeitsberichte der einzelnen Völkerbund- Missionen. Alle Staaten, die an der Tagesordnung interessiert sind, werden bei deren Behandlung Vertreter im Rat haben, auch wenn sie nicht Rotsmitglied oder," wie die Türkei, nicht Völkerbund- Mitglied sind._ ver österreichische Sichtvermerk. Amtlich wird mitgeteill: Die Abmachungen zwischen der österreichischen Bundesregierung und der deutschen Reichsregierung über die A u f h e b u n g des Sichtvermerks- zwange? für die beiderseitigen Staatsangehörigen treten am Witt- woch, den 12. A u g u st. in Kraft. bestimmten fürsorgerischen Tätigkeit, dem anderen ist die Lungen- fürsorge ebenso lieb wie die Säuglingsfürs o-rge, ein Dritter besitzt eine besondere Eignung für eine rein verwaltende Tätigkeit, ein Vierter fühlt sich besonders glücklich als Medizinalstatistiker! Man kann die Aussichten für die hauptamtlichen Kpm- munal-. Schul- und Fürsorgeärzte nicht gerade als übermäßig glänzend bezeichnen. Die vorhandenen Stellen sind besetzt. Es meldet sich bei Bakanzen aber dennoch stets eine reichliche Zahl von Bewerbern. Die volkswittschaftliche Wertschätzung der Gesund- h e i t s p f l e g e und Gesundheitsfürsorge wächst zusehends. Man ist kein schlechter Prophet, wenn man sagt, daß solche Erkenntnisse mit Zwangsnotwendigkeit dazu führen müssen, die gesundheitlichen Einrichtungen auszubauen und damit auch die Zahl der Sozial- ärzte zu vermehren. In einiger Zeit dürste daher auch ein größerer Kreis von Anwärtern auf Sozialarztstellen genügend Beschäfti- xungsmöglichkeit erhalten. Freilich kommt es nicht allein darauf an. daß der Sozialarzt ein gut vorgebildeter Mediziner ist. Seine Kenntnisse mögen noch so glänzend sein, er wird sie nur dann wirklich nützlich ver- wetten können, wenn er auch eine gewisse soziale Einstel- l u n g zu den Problemen der Volkswirtschaft und Sozialhygiene einzuvernehmen vermag und die Kunst besitzt, mit zahlreichen ver- schiedenen Menschen— Erwachsenen und Kindern— klug, gewandt und taktvoll umzugehen._ Eine originelle Strafe. Die Behörden des Staates Indiana- polis glauben ein Mittel gefunden zu haben, um die Zahl der Autounfälle auf ein Mindestmaß zurückzuführen. Jeder Auto- mobilist, der einen Fußgänger überfährt und tötet, wird gezwungen, eine Stunde im Leichenhaus allein mit seinem Opfer zu verbringen. Man ist der Ansicht, daß diese Tete-a-tete einer solchen Eindruck hinterlassen wird, daß ein derartig bestrafter Automobilist die vor- geschriebene Geschwindigkeit nie wieder überschreiten und über- Haupt in Zukunft sehr vorsichtig fahren wird. Der DevediMncrmönch als Slrchrrmoler.?or einigen Tagen Ist in der Erzabtei Beuren lHohenzollern) der Benediltinerpalcr D e i i d c r i u« Lenz im Alter von S3 Jahren gestorben. Lenz hat in den siebziger Jahren des vorigen Jabrhundeits die Beuroner Kunstschule begründet und ist selbst«IS Kirchenmaler mit mhstiichem Einschlag tätig gewesen. So hat er u. a. eine Reihe süddculschcr und böhmischer Kirchen und Kapellen aus- genial». Seine ästhetischen Erlenntnisse und Prinzipien hat er in einer Schrist„Zur Aesthetik der Beuroner Schule dargelegt. Ileventdeckl« Holbeln-Derle? Bor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Presse, in der Peterslirche zu Lindau am Bodensee seien Wand- bildcr entdeckt worden, die man als Arbeiten HanS Solbeins d. Ae. an- sprechen müsse. Der Entdecker der Wandbilder, der Berliner Maler Robert Richter, sertigte Kopien der Gemälde an und diese Kopien werden jetzt aus einer vom Lindaucr Kllnsllerbund veranstalteten größeren Bilderschau zum ersten Male öffentlich gezeigt. Da» Ende etiler berühmten Jinna. Ueber die allbekannte Firma I. M o l i n a r i u. S ö h n e in B r c s I a u. die einst Gustav Frey- tag bei den Schilderungen seines vielgeleienen Romans.Soll und Haben' vorgeschwebt hat, ist die GeschästSauificht vei hängt worden. Dabei hat sich herausgestellt, daß es nicht möglich ist. die Firma weiter zu -rhallen. Falls die Gläubiger den Vorschlag einer Liquidation der Firma ablehnen, ist der Konkurs unvermeidlich. Die Schlußsitzung öes Reichstags. Vertagung bis zum November. Handelsverträge und Amnestie. Bei der zweiten Beratung des deutsch-englischen Handels- und Schiffahrtsvertrages bekämpfte Abg. v. Reventlow(Volk.) den Vertrag. Besonders müsse man auch in diesem Vertrage wieder Anstoß nehmen an der Behandlung Deutscher in den englischen Kolonien. Ueber den Begriss der Ehre mit dem Außenminister zu streiten, sei zwecklos: für die völkischen habe dieser Begriss einen Inhalt, für den Außen- minister nicht.(Sehr richtig b. d. Volk.) Was hier im Haufe deutsch Ehre genannt werde, komme für den Leiter des Auswärligen Amtes nur dann in Betracht, wenn es tatsächlich eine Redensart sei. (Zustimmung und Beifall b. d. Volk.) Abg. Dr. Schnee(D. V.) hält den Vertrag in seinem ersten Teil«, auch bezüglich der Gleichberechtigung, für durchaus an- n e h m b a r. Unerfreulich sei aber der Artikel 31 des Abkommens. der besagt, daß die Vertragsbestimmungen auf die Dominions, Kola- nie» und Mandatsgebiete keine Anwendung finden, es sei denn, daß von englischer Seite dieser Wunsch geäußert werde. Im Rahmen des gegenwärtigen Handelsoertroges ließe sich das aber nicht ändern, weil die Dominions selbst st ändig Handelsverträge schließen können. Im ganzen bedeute der Vertrag einen Fortschritt, und man müsse ihm daher zustimmen. Abg. Stoecker(Komm.) lehnt den Vertrag ab, der nur scheinbar eine Meistbegünstigung enthalte. Er verliest deutschnationale Presse- stimmen, die sich noch vor wenigen Wochen scharf gegen den deutsch-englischen Vertrag ausgesprochen hätten. Die Deutschuatio- nalen stimmten heute dem Vertrage zu, ohne auch nur mit einem Worte ihren kläglich«» Umfall auch in dieser Angelegenheit zu entschuldigen. Damit schließt die Aussprache.— Vor der Abstimmung be- zweifelt Abg. Sube(Volk.) die Beschlußfähigkeit des Hauses.— Präsident Lobe setzt die Abstimmung einige Zeit aus. Inzwischen süllt sich der Saal, und das Bureau ist sich einig, daß die B e- schlußfähigkeit besteht. Präsident Löbe kommt dann auf die gegen den Außenminister gerichteten Aeußerungen des Abg. v. Reventlow(Volk.) zurück, die oben im Bericht erwähnt sind und erklärt: Ich hätte nicht erwarte«. daß ein gebildeter Mann derartige Aeußerungen tut und rufe den Grasen Reventlow zur Ordnung. In der dann vorgenommenen Abstimmung wird der deutsch- englische Handelsvertrag in zweiter und dritter Lesung gegen die Stimmen der völkischen und Kommunisten endgültig angenommen. Annahme findet auch eine Entschließung des Auswärtigen Aus» schusses, die die Reichsregierung ersucht, mit der b e l a i s ch e n M e- g i e r u n g nochmals in Verhandlungen wegen Bestätigung aller für Deutsche in der belgischen Kongokolonie bestehenden Diskrimi- nierungen einzutreten. Das Haus wendet sich hierauf zu der zweiten öeratuog ües �maestiegesetzes. Abg. Landsberg(Soz) gibt als Berichterstatter eine Darstellung der Verhandlungen im Ausschuß. Während die drei Parteien der Linken sich bemüht hatten, die Vorlage zu erweitern, seien die Bemühungen der anderen Seite dahin gegangen, sie noch weiter einzuengen. Die Regierung habe die Erklärung abgegeben, daß der Reichstag be- fugt sei, eine allgemeine Amnestie zu beschließen; aber es sei richtiger, daß diese allgemeine Amnestie durch Landesamneftien würde. Rur in zwei Punkten sei eine Erweiterung beschlossen worden. Die Strasgrenz« für den Anspruch aus den Erlaß der Strase sefötfn einem auf zwei Jahre Gefängnis oder Festung hinauf- gesetzt worden, um diese Frist können auch höher« Gefängnis- oder Festungsstrafen gekürzt werden. Der Ausschuß laste keinen Zweifel darüber, daß die Straffreiheit nur in solchen Fällen eintreten solle, bei denen es sich um Bergehen handelt, die aus w i r t s ch a i t l i ch e«e Rot begangen wurden. Wo in Zeiten schwerer Rot persönliche Interessen über die Interessen der All- gemeinheit gestellt worden sind, soll die Amnestie keine Anwendung finden. Als Redner der Fraktion erinnere er daran, daß diese Amnestie ihren Ausgang genommen Hab« von dem Londoner Ab- kommen. Danial» habe sich die Regierung genötigt gesehen, eine vollständige Amnestie zugunsten derjenigen zu unterzeichnen, die während der Ruhrbesetzung sich gegen die deutschen Gesetze ver- gangen hatten. Selbst Spione mußten damals begnadigt werden. Umer dem Eindruck dieses Zwangs habe damals der Reichsinnen. minister I a r r e s versprochen, auch für das unbesetzte Gebiet eine umfassende Amnestie durchzuführen. Es verstand sich von selbst, daß man nicht Schufte in Freiheit sehen konnte, während man a n- ständig« Menschen, die mit den Gesetzen in Konflikt geraten waren, weiter in Strashaft behielt. Die Regierung hatte damals also«ine gewiss« Bindung auf sich genommen. Wenn man sich den Entwurf der Regierung ansieht, so kann man sagen, es war viel vorteil- hafter, als Spion im besetzten Gebiet, wie als anständiger Mensch im unbesetzten Gebiet mit den Gesetzen in Kon- flikt zu geraten. Das Ergebnis der Vorloge wird vor allem sein, daß etwa 30 Strafverfahren wegen Beleidigung de» verfiorbeneo Reichspräsidenten Ebert restlos zur Einstellung kommen. Weit- gehende Borteile werden die Hauptsührer des Kapp-Pulsche» haben, die sich ihrer Aburteilung bisher durch die Flucht entziehen konnten; die Verfahren yegen sie werden niedergeschlagen. Um diesen Effekt zu erreichen,»st ein Stichtag, der l. OktoberlllZZ. eingesetzt worden. Di« Regierung hotte sich im Ausschuß gegen die Niederschlagung von Zuchthausstrafen gewendet, hierbei steht sie aber im Widerspruch zu chrer eigenen Erklärung, denn man mußte mit der Möglichkeit rechnen, daß insbesondere das Verfahren gegen Ehrhardt mit einer Zuchthausstraf« geendet hätte, und dies« Zuchthausstrafe wird jetzt erlassen. Die Regierung hatte im Aus- schuß sich auch gegen die Forderung der Völkischen gewandt, daß die beiden Marineoffiziere B o l d t und D i t t m a r, die aus der Haft ausgebrochen sind, begnadigt werden. Und nun soll Ehrhardt, der bei feiner Flucht aus dem Leipziger Gefängnis eine ganze Kamorra von Helfern um sich hatte, Straffreiheit genießen. Aus welchem Grund« will die Regierung jetzt mit dem Sapp-Putsch ein Ende machen? Sie schämt sich über die Rechtszusländ« in der beut- schen Republik, sie schämt sich darüber, daß es Ehrhordt möglich war. au» dem Leipziger Gefängnis auszubrechen, sie schämt sich darüber, daß da, Strasversahreu gegen Ehrhardt nicht druchgeführt werde» kann, obgleich sein Ausenthall bekannt ist. sie schämt sich, daß es nicht möglich ist, den hostdesehl gegen Ehrhardt zu vollstrecken. weil die bayerische Regierung sich besten weigert. sie schämt sich, daß Herr v. K a h r. der ehemalige Staatsverweser, sich nicht davon abhalten ließ, in Verkehr mit Ehrhardt zu treten, obwohl gegen ihn ein Strafverfahren wegen Hochver- rats und Meineids eingeleitet war und er aus dem Gefäng- nis ausgebrochen war. Meine Freund« sind nicht gewöhnt, politische Kämpfe an der Seite de? Staatsanwalt» auszufechten. Aber es wäre doch konsequent gewesen, nicht nur gegenüber dem L ü t t w i g und E h r h a r d t großzügig zu sein, sondern auch gegenüber anderen Menschen, die aus politischen Gründen oder aus wirtschaftlicher Not ins Gefängnis kamen. Wir bedauern es außerordentlich, daß der Reichsjustizminister nicht den Ehrgeiz gehabt Hot. sich durch größere Wärm« und Milde die Herzen zu erobern. Wir haben jetzt nickt noch einmal die Anträge erneuert, die wir im Ausschuß gestellt hotten, weil wir uns in der augenblicklichen Situation keinen Erfolg davon oersprechen können und es nicht daraus ankommt, bloß zu demonstrieren. Aber daraus dürfen Sie nicht schließen, daß wir mit dem Gesetz zufrieden sind. Wir werden unserer Stimmung dadurch Ausdruck geben, daß wir eine Reihe von kommunistische» Anträgen unterstützen, wir können das um so mehr, als es sich zu- meist um solche Anträge handelt, die wir vorher im Ausschuß ge- stellt hatten. Noch einmal möge es sich aber der Reichsjustizminister überlegen, ob nicht zum mindesten die niedrigen Zuchthaus. strafen erlosten werden können.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Stöcker(Komm.) bezeichnet die Vorlage als eine völlig ein- seitig« tendenziöse Teilamnestie zugunsten der Sünder von rechts. Mindestens hätte man den Termin an das Ende der Inflation legen müssen, die die Grundursache der meisten Derurtei- lungen und Strafverfolgungen war. Eine wirkliche Amnestie müßte alle politischen Gefangenen befreien. Abg. Brodauf(Dem.) erklärt, seine Freunde würden der Vorlage zustimmen, aber sie könnten große Bedenken nicht unter- drücken. Das vorliegende Amnestiegesetz werde keine Befriedigung im Innern schassen, denn e» begünstigt die Sünder von rechts. Jede Woche bringt neue Beweise für die Ungleichheit, mst der die deutsche Justiz gegen die Unruhestifter von rechts und links vor- geht. Während vor nicht langer Zeit ein Hakenkreuzler freigelassen wurde, der einen Republikaner erschossen hat, wird jetzt ein R e- publikaner nicht aus der Untersuchungshaft entlasten, der einen Hakenkreuzler in der Notwehr erschossen hat.(Unruhe rechts und Rufe: So urteilt ein Richter über die deutsche Justiz!) Angesichts der bekannten Rechtsprechung bei polltischen verbrechen wäre es notwendig gewesen, die in solchen Fällen ver- hängten kleineren Zuchthausstrafen mit zu amnestieren, wenn man nicht in der Hauptsache nur die Hochverräter von rechts amnestieren wollte. Abg. Dietrich-Franken(Volk.) oerurteilt die lange Verzögerung der Amnestievorlage. Endlich müsse auch den anständigen Menschen die Freiheit gegeben werden, deren Straftaten schließlich nur die Folge des ersten Hochverrats vom 9. November gewesen seien(Unruhe und Widerspruch b. d. Dem.). Die jetzige, vom Volke als Hindenburg-Ämnestie bezeichnet«, komme verspätet und sei zu spärlich. Di« Regierung würde die | kommunistische Gefahr am besten durch eine umfassend« Amnestie überwinden, die den Kommunisten die Propaganda mit ihren Märtyrern vereitelt. Der unheilvolle Einfluß der Bayrischen Volkspartei habe eine Ausdehnung der Amnestie, auch aus Hitler, verhindert. Man hälle als Stichtag mindestens den Tag der Wahl Hindcnb.urgs festsetzen sollen. Die wegen des sogenannten fiitler-Putsches verurteilten hätten doch mehr oder weniger im Einverständnis mit der damaligen bayerischen Regierung gehandelt.(Sehr wahr b. d. Soz.) Abg. Loibl(Bayr. Dp.) weist die Angriffe des Vorredners gegen die Bayerische Volkspartei zurück. Damit schließt die Aussprache. Unter Ablehnung der Aenderungsanträg« wird die Vorlage in zweiter Lesung angenommen. In der d r i t t e n Beratung gibt für die sozialdemokratische Fraktion Abg. Roscaseld(Soz) eine Erklärung ab: Das Ergebnis der Ausschuhberatungen befriedigt meine Freunde nicht. Wir hatten erwartet, daß schon der unter dem Namen hindenburg angekündigte Amnestiegesetzentwurs viel uin- fassender sein würde, als es der dem Reichstag vorgelegte Gesetz- entwurf war. Im Ausschuß haben wir un» dann bemüht, die Amnestie zu erreichen. Es ist uns aber nur gelungen, das Maß der unter die Amnestie fallenden Jestungs- und Gefängnisstrafen um e i n I a h r zu erweitern: auf zwei Jahre. Dagegen waren erfolglos unser« Bemühungen, die Amnestie auch aus die von Landesgerichten abgeurteilten oder abzu- urteilenden Delikte auszudehnen, jo daß infolgedessen die Not- d e l i k t e nicht getroffen werden, vielmehr den Landesamnestien überlassen bleiben. Ebenso waren ohne Erfolg unsere Bemühungen, die Lange der zu amnestierenden Strafen auf die Zestdauer von fünf Jahren zu erweitern, die ganz willkürliche Zeitgrenze des l. Ok- lober IgZZ zu beseitigen und auch Zuchthausstrafen einzubeziehen. Insbesondere auf die Erwestening der Amnestie auf die Zucht- hausstrafen legten wir das größte Gewicht, well dieses Strafmaß i�ast ausschließlich gegen links und nur in seltensten Fällen gegen rechts angewendet wird, und deshalb eine Amnestie, die vor dem Zuchthaus Halt macht, all den Vorwürfen neue Nah- rung gibt, die dahin gehen: vor allem der Rechten soll die Sonne der Amnestie leuchten, nicht aber, oder wenig der Linken. Nicht einmal ein Amnestieausschuß wurde beschlosien, obwohl frühere Amnestiegesetze einen solchen Ausschuß vorgesehen hatten und er sich nach unserer iieberzeugung bewährt hat. Der Grund für die Ablehnung all dieser unserer Anträge ist in der völlig ablehnenden Haltung der Regierung und der M e h r- heitsparteien zu suchen. Sie, und sie allein tragen die volle Verantwortung für das Unzureichende dieses Amnestiegesetzes. Nur um nicht den allerdings viel zu wenigen politischen Gefangenen, die der Amnestie teilhastig werden sollen, die Freiheit vorzuenthalten, werden wir trotz aller unserer Bedenken schließlich sür das Amnestiegesetz stimmen, zumal sein Z u st a n d e- kommen wesentlich von unserer Zustimmung abhängig gemacht ist. Wir werden ober weiter bemüht sein, ein wirklich umfassen- des, gegen rechts und links gleichmäßig wirkendes Amnestie- gesetz zu schaffen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Stoecker(Komm.) erklärt, die Kommunisten würden dem Gesetz nur zustimmen, weil sonst die Amnestie überhaupt abgelehnt wäre. Sie würden aber den Kamps weiter führen, bis die letzten Helden der proletarischen Revolution aus den Kerkern befreit sind. Die Amnestievorlage wird daraus einstimmig angenommen. Dazu werden zwei Entschließungen des Ausschusses an- genommen, deren eine sich auf die Amnestierung von Disziplinar- strafen bezieht, während die andere den Wunsch ausspricht, daß die Länder in ihren Amnestien die aus den Verhältnissen der Inflationszeit erwachsenen Notdelikte berücksichtigen mögen. Lohnfteuerermäßiguog im nächsten Jahre. Ohne Debatte wird dann endgültig der Antrag der Regierungs- Parteien angenommen, wonach die Regierung«inen Gesetzentwurf zur Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums und der steuer- freien Abzüge vorlegen soll, wenn das Auskommen aus der Lohn- steuer in dem Halbjahr vom 1. Oktober 1325 bis 31. März 192S 600 Millionen Mark übersteigt. Reventlow gegen Löbe. Abg. Graf Reventlow(Volk.) spricht, zurückkommend auf den ihm wegen seines Angriffs auf den Außenminister erteilten Ordnungs- ruf, dem Präsidenten Löbe die Berechtigung ab, an solche Ordnung?- rufe persönliche Werturteile zu knüpfen. Präsident Löbe erklärt, er habe diesen Weg gewählt, um die Ausweisung des Grasen Reventlow, die wegen seines schweren Verstoßes von allen Parteien gebilligt worden wäre, zu vermeiden. Abg. Graf Reventlow(Dölk.) bittet, in ähnlichen Fällen ihn lieber aus dem Saale zu weisen.(Heiterkeit.) Präsident Löbe schließt darauf die Sitzung und beruft sofort eine neue zur Erledigung der noch ausstehenden Verträge ein. Eme neue Sitzung. In der neuen Sitzung werden ohne wesentliche Debatte an- genommen das vorläufige deutsch- französisch« Sadr. becken-Abkommen und die Luftvertehrverträg« mit Oe st erreich und Schweden. Sozialrentneraufbesterung. Der endgültigen Verabschiedung des Antrages, der die den Kleinrentnern gewährten Unterstützungserhöhungen auch den Sozialrentnern gewähren will, widerspricht Abg. Esser(Z.) unter Hinweis auf den vom Reichsrat dagegen erhobenen Einspruch. Die Abgg. Karsten(Soz.), Dilkmano(Soz.) und Rädel(Komm.) wenden sich lebhaft gegen diesen Einspruch. Damst werde ein vom Reichstag schon gefaßter Beschluß praktisch unwirksam gemacht und den Aermsten der Armen das von der Reichstagsmehrheit gegebene Wort gebrochen. Nachdem namentliche Abstimmung beantragt worden ist, zieht Abg. Esser seinen Antrag auf Absetzung von der Tages- Ordnung zurück. In namentlicher Abstimmung wird darauf mit 271 gegen 7? Stimmen bei 24 Enthaltungen der Einspruch de» Reich». rat» zurückgewiesen und der Rcichslagsdeschluß über die Gleichstellung der Sozialrentner mit den Kleinrentnern ausrecht erhalten. Das Gesetz ist also mit der erforderlichen Zwei- drittelmehrheil bestätigt. Präsident Löbe: Mit dieser namentlichen Abstimmung ist die Tagesordnung der Sitzung erledigt. Im Einverständnis mst dem Aeltestenrat erbitte ich die Ermächtigung, die nächste Sitzung ein- berufen zu können mit der Maßgabe, daß sie, wenn nicht außer- ordentliche Umstände eintreten, Mitte November stattfindet. (Die Ermächtigung wird erteilt.) Ich danke den A n g e st e l l t e n, Beamten und Arbeitern des Reichstags für die ungewöhn- lich starke Arbeitslast, die sie in den letzten Wochen und Monaten zu bewältigen hatten(Beifall) und wünsche ihnen gute Erholung. Schluß der Sitzung 5H Uhr. Der Saarbrücker Entführungsplan. Nur eiue Spitzclmache? Wie wir schon gemeldet haben, sind im Saargebiet eine Anzahl Rechtsradikaler verhaftet worden, weil sie den frankophilen Redak- tcur Dr. Schöttler zu entführen geplant haben sollen; in ihren Wohnungen sollen viel Waffen und Munition gefunden worden sein. Hierzu bringt das Mirbachsche Bureau folgende Darstellung: Das bisherige Untersuchungsergebnis verstärkt den Eindruck, daß der ehemalige Polizeiwachtmeister Steigler. der den Anschlag in allen Einzelheiten dem Dr. Schöttler vorher mitteilte, ein Lockspitzel ist; denn Steiger war nicht nur der Haupträdelssührer bei dem Ueberfall, sondern Hot, wie die.Saar- brücker Zeitung" mitteilt, sogar die bei den Haussuchungen vor- gefundenen Sachen selbst ge stöhlen und wenige Tage vorher in die Wohnungei» der anderen gebracht. Die Durch- führung(?) des phantastischen Entführungeplanes erweckt den Ein- druck, daß unreife Buben den Lockspitzeln ins Garn gegangen sind. Man erinnert sich an die Machenschaften des Geheimspitzels der Regierungskommission, Kennet, der während des großen Streiks der Saarbergarbeitsr im Frühjahr 1323 ein« nationalistische Verschworung im Saargebiet in Szene zu setzen versucht hat. wo- durch die berüchtigte Notverordnung der Regierungstommis- sion gedeckt und zunächst auch die vertragswidrige Anwesenheit der französischen Truppen gerechtfertigt werden sollte. Die französische Militärherrschast im besetzten Deutschland wie im—„Völterbundstaat" Saargebiet hat in der Tat soviel mit Spitzelei aller Art gearbeitet, daß wir es für richtig hasten, auch diese Darstellung mitzuteilen. Die Zememörüer im Zuchthaus. Eine Vorsichtmastnahme der mecklenburgischen Behörde». Schwerin. 12. August.(BS.) Die sich immer mehr verstärken- den Gerüchte, daß in völkischen Kreisen Mecklenburgs ernsthafte Pläne zur Befreiung der im Schweriner Fememordprozeß zum Tode verurteilten vier Angeklagten bestehen, haben die mecklenbur- zischen Behörden nunmehr zur Ergreifung von Vorsicht s- maßnahmen veranlaßt. Das Untersuchungsgefängnis in Schwerin, in dem sich Oberleutnant Schäle r, Liczka und die übrigen an der Ermordung des Holz Beteiligten seit ihrer Ver- Haftung befinden, ist gegenüber etwaigen Befreiungsoersuchen als nicht genügend sicher erachtet worden, und man hat deshalb die zum Tode Verurteilten nunmehr in das mecklenburgisch« Zucht- Haus Dreibergen übergesührt, in dem man die Gefangenen schärfer als in Schwerin bewachen kann. Hier werden die In- haftierten die Entscheidung über die von der Verteidigung gegen die Todesurteile eingelegte Revision abzuwarten haben. Aentrumszwiespalt. Scheu vor'm Reichsbanner. Breslau. 12. August.(Eigener Drahtbericht.) Während die gestrigen Bersossungsfeiern unserer Partei und d«r D« m o t r a- t e n auch hier unter starker Beteiligung reibungslos verliefen, ergab sich bei der Feier des Zentrums ein Zwischenfall, der für die gegenwärtige Situation der Zentrumspartei sehr charakteristisch ist. Die Feiern der Verfassungsparteien wurden nämlich in Verbindung mit dem Reichsbanner abgeholten. Der hiesige Zentrumssührer, Bürgermeister Dr. H« r s ch e l, weigerte sich aber, dem Einmarsch der Reichsbannerleute in die Zentrumsversammlung persönlich bei- zuwohnen, obwohl er bereits im Versammlungslokal erschienen war. Daraufhin wollte das Reichsbanner seine Beteiligung o e r s ch i e- den. während der Zentrumsvorsitzend« nunmehr die Lersarnm- lung, die überwiegend von Reichsbannerleisten besucht war. sich nicht mehr zu leiten fähig glaubte und sein« Parteifreunde auffor- derte, den Saal zu verlasien. Nur ganz wenige folgten dieser Aus- forderung, während mehrere bekannte linksstehende Zentrums- leute dem Vorsitzenden schwere Vorwürfe machten. Das Reichsbanner macht« nunmehr die Feier zu der seinen und führte in Anwesenheit einer ganzen Reihe von Zentrumsmitgliedern die Feier geordnet zu Ende. Reuer Sowjetstaat»»«»«. Die Kirgisen- Republik hat den Namen K a s a k- Republik angenommen. Der Regierungssitz ist von Orenburg nach Ksyl-Order verlegt worden, da das Gouverne- ment Orenburg zum eigenstich russischen Sowjetstaat„getreten" (worden) ist. Ein Gegner Stambuliski» ermordet. Der Wojwode Daskalost ist am Dienstag auf dem Bahnhof von Batanovici von einem Un- bekannten ermordet worden. Er hatte 1321 ein Vornbenattentot auf Stambuliski im Nationaltheater verübt. Gewerkschaftsbewegung worden sei, weil viele Konsumenten, u. a. die Belegschaft der Roten Erst so, dann so. Der BBM3. fann immer anders. Des öfteren schon hatten wir Gelegenheit, die Lohnpolitik des Verbandes Berliner Metallindustrieller einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Erinnert sei nur an die eigenartige Stellungnahme des BBMI. in bezug auf den verbindlich erklärten Schiedsspruch für die Angestellten. Diesmal handelt es sich um die in den BBMI.Betrieben beschäftigten Transportarbeiter. lanziert. Da mun durch diese Artikel die Brauerei schwer geschädigt Fahne" und andere große, sogar städtische Betriebe, von ihr fein Bier mehr bezogen, glaubte die Direktion, daß die gröbliche Pflichtverlegung des Betriebsratsvorsitzenden gegeben sei und dem Antrage auf Amtsenthebung stattgegeben werden müſſe. Am 10. Auguft sollie nun der entscheidende Termin vor dem Gewerbegericht stattfinden. Die Vertreter der Organisation waren zwar erschienen, aber teiner von den beiden Parteien. Wie nachträglich den Verbandsvertretern bekannt wurde, hat der Betriebsratsvorsitzende, als er 300 m. als Abfindung erhalten hatte, das Feld freiwillig geräumt. Es ist wirklich beschämend, daß der sonst so revolutionäre" Elan dieses Kommu nisten nicht so meit reichte, vor dem Gewerbegericht eine Sache zu vertreten, deren Entscheidung doch von Wichtigkeit für alle Betriebsräte gewesen wäre. Es ist doch bekannt, daß in vielen Betrieben die bestehenden schlechten Berhältnisse erst dann geändert wurden, wenn sie durch die Presse fritisiert wurden. Wie man als Betriebsrat bei der Entscheidung einer so wichtigen und für ihn günstig stehenden Sache kneifen kann, bleibt jedenfalls unverständlich. Aber leider gibt es noch auchfollegen", denen 300 m. mehr wert sind, als die Interessen ihrer Arbeitsbrüder. Bei den in letzter Zeit abgeschlossenen Lohnverträgen zur Regelung der Transportarbeiterlöhne legten die Metallindustriellen besonderen Wert darauf, in den Verträgen nur Mindestlohnsäge festzulegen. Ihre Ansicht ging dahin, daß bei einer Festsetzung von Höchstlohnsägen die Arbeitslust vermindert würde, weshalb man einer Begrenzung der Löhne nach oben nicht stattgeben fönne. Es sollte mithin dem Arbeiter die Möglichkeit gegeben sein, mit seinem Leistungslohn weit über den tariflichen Einstellungslohn hinauszukommen. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Arbeitgeber fommission war den Transportarbeitern damit Gelegenheit gegeben, mit ihren Leistungslöhnen auf über eine Mart in der Stunde zu fommen. Eine gewisse Zeit hatte es auch den Anschein, als ob die Unternehmer diesen Grundgedanken verwirklichen wollten. Jedenfalls verschlossen sie sich nicht einer Höherbewertung der Transportarbeiter- Hinweis auf die schlechte Finanzlage der Reichsbahn abgewiesen leistungen und gewährten den Arbeitern Leistungszulagen von 3 bis 10 Pf. die Stunde. Diese Art des Lohnvertrages ist ihnen aber anscheinend wieder unbequem geworden. Nachdem der am 26. Juli abgelaufene Lohnvertrag gekündigt war, weil die Löhne von 54 bzw. 56 Pf. angesichts der eingetretenen Teuerung völlig unzureichend geworden waren, wurde für die Zeit vom 24. Juli bis 1. November ein Schiedsspruch gefällt und auch von beiden Parteien angenommen, der eine Erhöhung der Einstellungslöhne von 6 bzw. 7 Pf. die Stunde vorsah. Es war nun anzunehmen, daß diese Zulage auf alle bisher gezahlten Löhne, die mit wenigen Ausnahmen alle über dem tariflichen Mindestlohn lagen, gezahlt werden würde. Doch weit gefehlt; man hatte nicht mit der Drehscheibenpolitik der Berliner Metallindustriellen gerechnet. Sie vertreten jetzt die Ansicht, es gäbe nur" normale" Arbeitsleistungen. Demzufolge fönne es also auch nur eine möglichst einheitliche Bezahlung geben. Der Schiedsspruch, der auf dem Papier eine Stundenlohnerhöhung von 6 bis 7 Bf vorsieht, wirft sich nun in der Praxis so aus, daß die Arbeiter, die meist alle über den Tariflohn bezahlt wurden, einen oder zwei Pfennige mehr erhalten, und in vielen Fällen gar nichts. Es muß also ausdrücklich festgestellt werden, daß die Transportarbeiter der Berliner Metallindustrie seit dem 6. April d. I. troz eines inzwischen gefällten Schiedsspruches teine Lohnzulage erhalten. Denit nun etwa der VBMI., mit dieser furiosen Lohnpolitik die Arbeitsfreudigkeit zu steigern? Die Transportarbeiter der Metallindustrie müssen aber endlich daraus die notwendigen Schlüffe ziehen und sich restlos ihrer Organisation anschließen, damit diesem Bossenspiel der Metallindustriellen einmal ein Ende gemacht werden fann. Die Verhandlungen im Baugewerbe. Unter Vorsiz des Rammergerichtsrats Hanschmann trat gestern im Reichsarbeitsministerium das Schiedsgericht zusammen, das in den verschiedenen Lohnstreitigkeiten im Baugewerbe ver mitteln und eventuell entscheiden soll. He ute vormittag werden die Berhandlungen fortgesetzt, wobei auch der Lohnstreit in Die Reichsbahn und ihre Beamtenbesoldung. Da die Beamtenorganisationen mit ihrer Forderung auf Befoldungserhöhung vor furzem von der Reichsregierung mit dem wurden, haben sie sich jetzt direkt an die Hauptverwaltung der Reichsbahn gewandt, um über die Widerstände gegen die Besol= dungsfrage endlich einmal Klarheit zu schaffen. Die Besprechungen mit der Hauptverwaltung fanden am Mittwoch statt. Gegenüber treter der Hauptverwaltung mit allerhand Zahlen, die den Nachden Forderungen der Beamtenorganisationen operierte der Berweis fühen sollten, daß die Reichsbahn eine Beamtenbesoldungserhöhung unmöglich vornehmen könne. Auf die Vertreter der Beamten machte das vorgebrachte Zahlenmaterial nicht den geringsten Eindruck; denn es fehlte ihm jede überzeugende Kraft. Da die Besprechungen zu feinem Ergebnis führten, forderten die Vertreter der Beamtenorganisationen die Fortsetzung der Verhandlungen, und zwar beim Generaldirektor der Reichsbahn, Herrn Deser selbst. Bor bald 14 Tagen fündigte die Reichsbahngesellschaft die Herausgabe einer eingehenden Darlegung der Finanzlage der Reichsbahn an. Wenn die vom Vertreter der Hauptverwaltung bei den Besprechungen mit den Beamtenvertretern angeführten Zahlen aus dieser Darlegung stammen, dann ist es allerdings leicht zu verstehen, warum die Reichsbahnverwaltung mit der Veröffentlichung ihrer Darlegung über die Finanzlage so zögert. Achtstundenfeindschaft der Nordwest lichen. Effen, 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Die in Essen stattgefundenen Arbeitszeitverhandlungen für die nordwestliche Gruppe der Metallindustrie sind ergebnislos verlaufen. Die Arbeitgeber haben die Arbeitszeitforderungen der Metallarbeiterverbände, die die Wiedereinführung des Achtstundentages auf der ganzen Linie boriehen, abgelehnt. Die Arbeitgeber haben den Schlichter zur Entscheidung über die Arbeitszeit angerufen. Die Schlichtungsverhandlungen werden am Dienstag, den 18. August, stattfinden. Beendeter Eisenbahnerstreit. Werkstätten- und Rangierarbeiter in Würzburg ist beigelegt worden. München, 12. August.( Eigener Drahtbericht.) Der Streit der sich außerstande, angesichts der nordfranzösischen und deutschen Konkurrenz die Forderung zu bewilligen, verpflichteten sich aber, die Maßnahmen zu prüfen, die zu einer Besserung der Lage führen und somit auch erlauben würden, den Bergarbeitern eine gewisse Lohnerhöhung zuzugestehen. Amsterdam und der ferne Often. ( IGB.) In fommunistischen Kreffen besteht seit einiger Zeit eine gewife Beunruhigung user dunfte pläne des JGB. im fernen Often. Wie in der Internationalen Presse- Korrespondenz" geklagt wird, ist der IGB. darauf aus, das bisherige Privi leg der Roten Gemertschaftsinternationale auf den Osten zu sprengen". Zu diesem 3wede sei geplant, in Bälde in Europa einen panasiatischen Gewerkschaftskongreß abzuhalten. Auch die„ Trud" vom 7. Juli bringt eine Notiz über eine Berliner Konferenz der Amsterdamer Internationale, die von Ber tretern der japanischen, chinesischen und indischen Gewerkschaftsorganisationen einberufen wurde. Es heißt dann weiter: Mit dieser Konferenz versucht die Amsterdamer Internationale die Bewegung im Osten ins Schlepptau zu nehmen, womit sie an dieser Bewegung einen weiteren Verrat begeht. Amsterdam versucht im Osten dieselbe Verwirrung anzurichten, für die es in der europäischen Arbeiterbewegung verantwortlich ist. Amsterdam täuscht sich jedoch in seinen Plänen, denn die wirtschaftliche und politische Lage der Arbeiter des Ostens deutet auf revolutionär Methoden. Die chinesischen Gewerkschaften stehen uns sehr nah und auch ein Teil der japanischen Gewerkschaften unterhält mit un Beziehungen. Wir werden unsere Kameraden des Ostens vor der Gefahr der Teilnahme an speziellen Konferenzen, die außerhalb eines allgemeinen Weltkongresses, an dem Vertreter aller Gewerkschaften, unabhängig davon, ob sie bei der Amsterdamer oder der Roten Gewerkschafts- Internationale angeschloffen oder außerhalb dieser Organisationen stehen, teilnehmen könnten, warnen. Die Amsterdamer sind doch zu schlechte Menschen und können es den Kommunisten niemals recht machen. Einmal wird ihnen vorgeworfen. daß sie sich nicht um Afien kümmern, dann wieder werden sie des Gegenteils beschuldigt. Chile und die Arbeitskonferenz. Paris, 11. Auguft.( WTB) Havas meldet aus Santiago de Chile, daß nach dem Besuch des Generalsekretärs des Internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas die chilenische Regierung beschlossen habe, den Beschlüssen der Internationalen Arbeitskonferenz entsprechend dem Versailler Vertrag beizutreten. Verbandstag der Lithographen. Köln, 12. Auguſt( Eigener Drahtbericht.) Am zweiten Berhandlungstage gedenkt der Vorsitzende a ß zunächst der vor 6 Jahren geschaffenen Weimarer Verfassung. Die wenigen tommunistisch en Delegierten verlassen während die= fer Rede den Saal. Nach dem Bericht der Mandatsprüfungstommission werden sämtliche 73 Mandate für richtig befunden. Hierauf wird folgende Vertrauensentschließung angenommen: ,, Der Verbandstag in Köln spricht für die geleistete Arbeit in den letzten drei Jahren der Verbandsleitung das Vertrauen aus. Es wird anerkannt, daß die Leitung in dieser schweren, bewegten Zeit alles getan hat, was im Bereich der Menschenmöglichkeit lag, um der Gesamtkollegenschaft im Reiche ihre Lage zu verbessern." Weiter wird der Antrag des Verbandsvorstandes angenommen, der alle Mitglieder verpflichtet, die Lehrlinge der LehrDie Pforzheimer Unternehmer drohen mit Aussperrung. lingsabteilung zuzuführen und ständig auf die VeranBerlin behandelt werden soll. Am Mittwochabend traten die Kaum ist der schwere Lohnkonflikt beendet und schon beschreitenstaltungen der Lehrlingsabteilungen hinzuweisen. Um die Schlichter zu einer Besprechung zusammen. die Unternehmer erneut den Kriegspfad. WTB. meldet: ** Die B. S.- Korrespondenz will gehört haben, daß die Arbeit Pforzheim, 12. Auguft. Der hiesige Arbeitgeberberband er gebervertreter es abgelehnt hätten, sich einem lägt heute in den Zeitungen eine Aufforderung an den etwaigen Schiedsspruch zu unterwerfen. Metallard, in i es heißt, daß der Arbeit Schiedsgeberverband feine in Berlin vor dem Reichsarbeitsministerium vor dem Reichsarbeitsministerium eingegangene Vergleichsverpflichtungen zur Beilegung des Streits loyal erfüllt habe, daß aber jetzt die Gewertschaften dadurch vertragsbrüchig geworden seien, daß sie für einen Teil der Arbeiter eine neue Forderung auf Erhöhung der Löhn e um 20 Broz. stellten. Die Gewoertichaften werden auf gefordert, die fofortige Wiederaufnahme der Arbeit in allen Fabriten anzuordnen. Falls bis Donnerstag die Arbeit nicht wieder aufgenommen sei, werde die Aussperrung der gesamten Arbeiterimaft noch ministerium sei ein entsprechendes Telegramm abgegangen. Der am gleichen Tage beschlossen werden. An das ReichsarbeitsArbeitgeberverband hat ferner eine Erklärung über die Lage an die gesamte Bevölkerung gerichtet. Wir bezweifeln die Richtigkeit dieser Mitteilung. Das gericht wird natürlich versuchen, eine Einigung herbeizuführen, und erst dann, wenn seine dahingehenden Bemühungen erfolglos bleiben, eventuell zu Schiedssprüchen fommen. Erst dann werden die Parteien über Annahme oder Ablehnung zu entscheiden haben auch die Arbeitnehmer! Ein revolutionärer" Betriebsrat. Eine recht eigenartige Auffassung von der Anwendbarkeit der §§ 39 und 66 des Betriebsrätegesetzes hatte die EngelhardtBrauerei in der beim Gewerbegericht beantragten Amtsent. hebung ihres Betriebsratvorsitzenden Krohn der Abteilung Bankom. Sie begründete ihren Antrag etwa folgendermaßen: Im März dieses Jahres ist Krohn Vorsitzender des Betriebsrates gewor den. Seit dieser Zeit erschienen nun in der Roten Fahne" des öfteren Artikel, die sich mit Mißständen und derglichen im Betriebe der Engelhardt- Brauerei beschäftigten und angeblich von Unwahrheiten strotten. Die Direktion behauptet mun, fein anderer als Krohn, der Kommunist ist, habe die Artikel in die„ Rote Fahne" Lohnforderungen der Bergarbeiter des Mofelgebiets. Meh, 12. August.( WTB.) Die Kohlenbergarbeiter des Mofeldepartements haben angesichts der kürzlich erfolgten Lohnerhöhung der Bergarbeiter des Saargebiets eine gleiche Erhöhung der Löhne gefordert. Die Grubenbefizer erklärten TIETZ Leipziger Strasse Zola, Romane. Wahrheit Roman in 4 Büchern, in 1 Band gebd. 722 Seiten- Fruchtbarkeit. Roman in 6 Büchern. 656 Seiten. In 1 Band gebd.- Arbeit. Roman in 3 Büchern. 806 Seiten. In 1 Band gbd. Jeder 195 Band in Leinen gebunden nur... Alexanderplatz Frankfurter Allee Barbara Velten, DieGeschichte einer Theaterpassion von Dora Wentscher. 582 Seiten. Ge- 175 bunden...... früher 4, CO, jetzt Das schwebendeSchachRoman von Louis Coubrett. perus. 332 Seiten. Geb. 110 Höchstes Glück der Hawthorne, Romane. Erdenkinder. Berliner Ro- Der scharlachrote Ruchstabe. man von Johannes Schubert, 195 448 Seiten.... ... Gebunden Die drei Lieben des Gaston Meder. Roman in drei 440 Seiten... Büchern. .gebunden Tolstoi, Romane. 65 268 Seiten. Ein tragischer Sommer. 364 Seiten.- Das Haus mit den sieben Giebeln. 353 Seiten. Der Garten des Bösen. 360 Seiten. Jeder Band elegant in Leinen ge- 195 früher 4,00, jetzt bunden Anatole France, Romane. Die Kosaken. Roman aus dem Kaukasus. Seiten. 270 Seiten. mit Illustrationen von Die Götter dürsten. Ein Roman aus der französischen Revolution. 442 Die Blütezeit des Lebens. 332 Seiten. Komōdiantengeschichte. 308 Seiten. 150 Jeder Band geb.. früher 3,00, jetzt Lancerzy- Chadschi- Murat. Roman aus den Kaukasuskämp en. 252 Seiten mit 8 Vollbildern von Lanceray- Die Kreutzersonate, mit Geleitwort von Sport und Spiel. Anleitung Gerhart Hauptmann und Orig.- Litho- und Grundzüge zur Erlernung und zum graphien von Prot. Steiner. Jeder Verständnis aller modernen Sportarten. Band in eleganten Ganzlei en- 300 Unter Mitwirkung von Sportbehörden früher 6.00 jetzt herausgegeben von Dr. W. Kranzler. 226 Seiten. Reich illustriert. jetzt band.. Das heutige Russland. Früh er 5,00 1917-1922. Wirtschaft und Kultur in 220 der Darstellung russischer Forscher. Polnisches Novellenbuch Organisation- Geldumlauf- BergbauLand- u. Forstwirtschaft- Schulen 95Pf. gebunden mit Beiträgen von Reymont, Zych, Sienkiewicz u. a. 344 Seiten, 95PL usw. Halblbd, früher 8, CO, jetzt 53 Meisterlieder 198 Versandabiellung: Leipziger Strasse Schriftl. Bestellungen werden prompt erledigt. Bei Aufträgen nach auswärts vergüten wir für je 20 M. je 80 Pf. für Porto bzw. Verpackung Bildungsbestrebungen der Lehrlingsabteilungen nach einheitlichen Gesichtspunkten zu regeln und einen Plan zur systematischen Jugendfrage aufzustellen, wird der Verbandsvorstand bevollmächtigt, gemeinsam mit der Zentrallehrlingstommiffion buld eine Konferenz der Jugendleiter einzuberufen. Abgelehnt wurden Anträge, die statistische Erhebungen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse halbjährlich verlangen und Aenderung der Schreibweise der„ Graphischen Presse" wünschen. Angenommen wurde ein Antrag, der die früheren Beschlüsse zur Frage der Industrieorganisationen bestätigt. Weiter wird in einem anderen Antrage gesagt, daß der Verbandsvorstand die Vollmacht hat, im Sinne des Zusammenschlusses der vier graphischen Ber bände weiter zu arbeiten. Die Anträge zur Jugendfrage wurden dem Verbandsvorstand übergeben, ebenso der Antrag nach Nachdem die Abstimmungen erledigt sind, wird zur Behandlung der stärkerer Schulung der Betriebsräte und Verbandsfunktionäre. Tarifpolitit des Verbandes geschritten. Berichterstatter ist der Verbandsvorsitzende H a ß. Die Verhandlung erfolgt in geschloffener Sizung. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frih Karstadt: Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen". Billige Bücher Antiquarische Werke* Restauflagen Neuausgaben Romane und Novellen 45 PI. Jeder Band 100-200 Seiten stark.... nur Becker, Der Ring der Nura| Malten. Die Erziehung eines Herzens. Roman Das silberne Mann, H., Die Tote maja Bongardt, Pferd Brentano, Baron Hüpfenstich Dreyer, M., Das Riesenspielzeug. Heitere Erzählungen Eichler, Harz Novellen Einstmann, Die das Leben erstarkte. Roman Endres, Nargileh. Novellen Passau, Das Erbe der Väter Pocci, Kasperle- Theater Poe, Abenteuer des Gordon Pym Salten, Der alte Narr. Roman Sand, Schloss Pitardu. Roman Schneider, Die Luxuskabine Türkische Schneider, Helene Tilemann. Roman einer Stuntin Grabein, Der Brief der Si- Schneider, Karriere. Roman bylle Brand Schneider. Das ewig NärHaas, Einsame Riesen. 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Gebunden modernen Italien. 452 Seiten. 95. Spuk des Alltags. Blf GeRoman aus dem fielen. Roman von Fr. Lehne. 125 Jeder Band gebunden. schichten aus Traum und Trubel von Schloss Berkehmen. Ein A. M. Frey, dem Dichter des 350 Ostpreussen- Roman von Gertr. 125 v. Brockdortt. 206 Seiten. Geb. Granens.der Groteske. Ganzl.- Bd. Gottfried Keller, Romeo Gottesgarten. Roman von und Julia auf dem Dorfe. L. v. Vogelsberg. 252 Seiten. 65Pf. 10. Schepp. Gebunden...... zählung mit Buchschmuck von 125 Broschiert u.a.: Beethoven, Frendvoll and Wiener Musik Palais de Danse Karl Heins- Album leidvoll Brahms, Alte Licbe Schumann, Frühlingsnacht- Reger, Mein Traum- Rich. Strauss, CäcilieSchubert, Ungeduld- Brahms, Feldeinsamkeit Rich. Strauss, Traum durea d.Dämmerung- Schillings, Freude soll in dein. Werken sein- Reger, Sommernacht- Schubert, Am Meer- Wich. Strauss, Ich trage meineMinneFranz, Aus meinen grossen Schmerzen- Brahms, Antd.Kirchhofe- Loewe, Die Uhr. Gesamtwert der Lieder bei Einzelkauf ca. 36,00. Gut gebunden nur 50 Schätze der Wiener Volksmusik aus alter u. Beliebte und moderne Auslands- Tänze neuer Zeit. 110 Wiener Lieder und Tänze, u. a. Kompositionen v. Ascher, Eysler, Fall, Lehar, Reinhardt, Stolz, Strauss und Ziebrer. 141 S., gutgeb. nur Bd.II Tango- Bd., Tangos Bd.III Foxtrot- Bd.. 27 Foxtrots- Bd.1V Two Step- Bd.. 24 Two Steps. In allen Band auch and.mod.Tänze. Jed, Bd.in fest, Einband nur 95 Pf. 9 beliebte und bekannte Salonsticke Inhaltsangabe: Mignon- Mondschein Serenade Selige Erinnerung Frühlingsständchen- Gruss von der Alm Herzenswunsch Ein Morgen im Gebirge Silberglöckchen Wenn Liebe treu im Herzen glüht. ..nur 95. Pf. Er Nr. 37� ❖ 42. Jahrgang 1. Oeilage öes Vorwärts donnerstag, 13. August 1H2S Doppelgänger üer Giftpilze. Die Zeit des Pilzsammslns beginnt und damit stellt sich auch die Gefahr der Pilzoergiflungen wieder ein. Es dürfte daher an- gebracht fein, auf die hauptsächlichsten und gefährlichsten Giftpilze hinzuweisen. Diese Gefahren des Pilzgcnusses halten leider noch immer sehr viele Menschen vom Genuß der Pilze ab. Da aber der frisch genossene Pilz durchaus nahrhaft ist, so kommt es lediglich darauf an, daß man bei einem vertrauenswürdigen Händler kauft, sich im übrigen aber die Kenntnis der wichtigsten Pilzarten aneignet, um imstande zu sein, beim Kauf die guten von den schlechten zu scheiden und beim eigenen Sammeln die schlechten, d. h. giftigen überhaupt nicht zu nehmen. Beim Sammeln aber darf man niemals den Pilz mit der Wurzel ausreißen. Di: giftigen Knollenblätterschwämme. Der gefährlichste und häufigste Veranlasser von Pilzvergiftungen ist unstvoii g der grünliche knollenblälterschwamm| phalloidos), dem im vergangenen Jähre so viele Menschenleben zum j Opfer gefallen sind. Die Knollenblätterschwämme, deren wir 3 Arten unterscheiden, sind: 1. Der gelbliche Knollenblätter.■ schwamm(Arnanita mappa). Der Pilz kommt von Juli bis zum| Herbst namentlich in Kiefernwäldern vor und erscheint, wie fast alle � Wulstlinge, zunächst als eiförmige Knolle und ist von einer weißen i Hüllhaut umschlossen. 2. Der grünliche knollenblätlerschwamm fAmanua plialloidcs), wie schon erwähnt, der gefährlich st e aller Giftpilze hat einen olivgrünen Hut, der aber auch ins Grau-, Gelb- oder Braungrüne übergeht. Die Hutoberhaut ist nur im Jugendzustande mit Flocken bedeckt, im Alter meist nackt. Der Hutrand ist mit dem Stiel durch einen Ring verbunden. Das Fleisch Die Pilzkenner aus Gewohnheit. ist zart und weiß, unter der Huthaut, welche abziehbar ist, grau- gelblich. Die Lamellen sind stets weiß. Der weiße, biegsame Stiel ist meist mit blaßgrünen Flecken oder flockigen Schuppchen versehen. Der Pilz erscheint im August, verschwindet aber meist schon Ende September und kommt hauptsächlich in Laubwäldern vor. Der Genuß des grünen Knollenblätlerschwammes übt furchtbar zerstörende Wirkungen(ähnlich denen der Phosphorvergiftung) auf unseren Körper aus. Es stellt sich 6 bis IS Stunden nach Genuß von Knollenblätterschwämmen zunächst ein plötzlicher, heftiger Schmerz ein, dann folgt Erbrechen, quälender Durst, choleraartiger Durchfall, völlige Entkrästung und Teilnahmlosigkeit. Erst nach 3 bis 6 qual- i vollen Tagen tritt Bewußtlosigkeit und— infolge Zerstörung der roten Blutkörperchen und fettigen Entartung von Leber, Nieren und Herz— bald darauf der Tod ein. Eine Rettung ist meist nur dann möglich, wenn nur kleine Mengen ge- nassen wurden und schnelle Entleerung des M.:gens erfolgen konnte. 3. Der sehr giftige weihe knollenblätlerschwamm oder Frühlingsknollenblätterschwamm(Amanita verna) unterscheidet sich vom gelblichen Knollenblätlerschwamm nur durch seine weiße Farbe. Der Hut ist bei feuchtem Wetter klebrig, weiß ohne Hüllreste. Er kommt von Juni bis Oktober zuweilen schon im Mai in Humus- reichen Wäldern Norddeutschlands, auch in der Umgegend von Berlin vor, hier aber selten. Er riecht ziemlich stark, unan- genehm, fast rettigartig. Der Fliegenpilz(Amanita muscana.) Dieser Pilz ist wohl jeder- mann bekannt, so daß eine nähere Beschreibung stch erübrigen dürfte. Unter den Blätterzülzen wäre dann noch der Speitäubling(Kussula emetica) zu erwähnen. Die Hutfarbe ist sehr verschieden: blut-, purpur-, hellrot oder rosa. Das weiße Fleisch ist locker, sehr leicht zerbrechlich. Die Lamellen sind weiß oder grauweiß. Der Geruch in frischem Zustande unangenehm widerlich, brechencrregend, der Geschmack sehr scharf brennend. Er kommt von Juli bis November vor.— Bezüglich der Täublinge(dieselben haben weder Ring noch Knolle) merke man, daß alle roh mild oder wenig scharf schmeckenden eßbar sind, es gibt unter den Täublingen 35 Arten gute Speisepilze. Fast alle mit geblichen oder gelben Blättern sind mild, also eßbar. Wichtige Unterjcheiöungsmerkmale. Unter den Röhrenpilzen, d. h. denjenigen Pilzen, welche anstatt der Blätter Röhren unter dem Hut haben, wie z. B. der Stein- p i l z, gibt es nur einen einzigen Gütpilz, das ist der Satanspilz (Boletus satanas). Die Beschreibung didses Pilzes ist unten bei der Gegenüberstellung der Doppelgänger unter den Speisepilzen näher angegeben. Da also jeder Giftpilz unter den guten Speisepilzen einen oder mehrere Doppelgänger hat, so sollen nun die unterscheiden- den Merkmale derselben näher angegeben werden. Die Knollen- blätterschwämme werden meist mit dem F e l d- C h a m- p i g n o n(psalliota campestris) und dem Schaf-Champignon (Psalliota arvensis) verwechselt. Die unterscheidenden Merkmale Bon den Blätterpilzen sind alle eßbar, welche rosa oder fleischfarbene Blätter haben, dagegen meide man alle Blätter- pilze mit gelbbraunen, graubraunen, lehmfarbenen, zimtbraunen oder schokoladenfarbenen Blättern, dieselben sind ungenießbar. Der Satanspilz hat einen Doppel- gänger, den Hexenpilz(Boletus luridus). sind: knollenblätterschwämme. Hut: Gelblich bis grünlich weiß oder gelbgrün. Hutrand mit »inem Ring verbunden. Oberhaut: Sehr dünn, leicht abziehbar, mit Hautfetzen und Warzen mehr oder weniger bedeckt. Fleisch: Dünn, grünlich 'der gelblich weiß, unveränder- [ich. Blätter: Stets weiß bis gelblich weiß. Stiel: Schlank, biegsam am Grund mit dicken, berandeter Knolle, die ziemlich tief im Boden sitzt. Ring: Sehr dünnhäutig und vergänglich. Geruch: Unangenehm nach Kartoffeltrieben. Champignons. Hut: Reinweiß, seiden- artig glänzend, durch Druck gelblich. Oberhaut: Ziemlich derb. glatt, nicht abziehbar.. Fleisch: Ziemlich dick, rein weiß, zuweilen völlig anlaufend. Blätter: Zuerst weißlich. später granrötlich oder rosa, zu- legt schwarzbraun. Stiel: Gleichmäßig dick, wenig biegsam, nach unten etwas keulenförmig. Ring: Breit, dickhäutig, im Stiel festgewachsen. Geruch: Angenehm, man- del- oder anisartig. Satanspilz. Hut: Hell ledcrfarben oder braungrau. Oberhaut: Kahl, glatt, bei feuchtem Wetter et- was klebrig. Fleisch: Weiß oder weißlich, beim Durchschneiden zuerst rötlich, dann violett und schließlich dunkelbraun. Röhren: Dunkelblut- rot, durch Druck blauwerdend. Stiel: Unten dunkel- rot, nach oben allmählich in Gelb übergehend, meist netz- adrig iriig. Geruch: Angenehm. D es chm a ck: Mild, obst- Hexenpllz. Hut: Dunkelolivcn- braun bis schwarzbraun. Oberhaut: Anfangs famtigfeinfilzig, grün- lichfchimmernd, später glatt und glanzlos. Fleisch: Lebhast z i t r o- n e n g e l b, beim Durchschneiden sofort dunkelblau, nach wenigen Sekunden grünblau. Röhren: Am Stiel ange- wachsen, Mündungen k a r m i n- mennig- oder g e l b r o t, innen gelb oder gelbgrünlich. Stiel: Kugelig oder bauchig, später keulenförmig, nach oben dunkclmennigrot, nach unten heller ins Grün- liche übergehend, umgekehrt wie beim Satanspilz. Geruch: Angenehm. Geschmack: Mild, miß- artig. Obgleich der Hexenpilz ein sehr guter Speisepilz ist. so ist An- fängern doch anzuraten, ihn zu meiden, wie überhaupt alle Röhren- pilze mit roten, leuchtenden«stielen und Röhren. Außer den gc- Die gelehrten Pilzkenner. 6J Das unbegreifliche Ich. eschichte einer Jugend. Roman von Tom Kristensen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) „Man wird selber zum Chinesen hier draußen," sagte er. „Man verliert alle die sogenannten„seelischen Werte" von denen man daheim in Europa beinahe zerplatzte. Originalität, was ist das? Das ist nur solch ein Ehrgeiz des weißen Mannes, und deswegen sprengt er alles in die Luft, was seine Vor- fahren aufgebaut haben. Was, zum Teufel, sollen wir mit all' diesen[leinen, eingebildeten Ichmenschen anfangen?" Waldemar lehnte nach vorn und starrte auf die breite, schmeißige Stirn. Sie wirkte wie ein Stück Natur, so wie ein nasser Stein. „Die Chinesen haben schon vor mehreren hundert Jahren das gemalt und gebaut und gesagt, was wert war, gemalt, gebaut und gesagt zu werden. Sie haben Berge und Seen und Bäume gemalt, sie haben Mauern und Türen und Brücken gebaut, sie haben vom Leben und vom Tode gesungen, von Liebe und Kirieg, Weisheit und Wein, und all' das bleibt doch stets das Gleiche. Nur die Mode und der Jargon rer- ändern sich" � Er trank hastig. „Hier draußen verliert das glles zusammen seine Bedeu- itung, all' dieser individuelle Quatsch!" murmelte er. Bald darauf fuhr Waldemar nach Hause. Das Rufen und Schreien um ihn wirkte ermunternd: aber als er vor der Hotel- türe den Rickshawkuli ausgezankt hatte und auf sein Zimmer gekommen war, wurde er plötzlich von einer Melancholie nie- dergezwungcn, die auf ihn gelauert zu haben schien. Es muß- ten irgendwelche Werte sein— er wußte nicht, was für welche — die er voller Kummer in sich welken spürte. Er ging unruhig im Zimmer auf und ab, er rauchte heftig an seiner Pfeife, und es dauerte lange, bis er feine Ruhe wiederfand. Kräfte habe ich nie gehabt. Ich war schwächlich und aste wußten, daß sie mich unterkriegen konnten. Nun kam hinzu, daß Edith zu allen behauptete, ich wäre heimtückisch, und sie glaubten ihr. Keiner wollte mit mir spielen: aber ich hatte mein eigenes Krivatoergnügen. Ich ging herum und war damit beschäftigt heimtückisch zu sein. Ich wußte wohl, was das war. Es war das aufreibende Gefühl, das ich gehabt hatte, damals, als ich die Schleife an Ediths Schürze aufzog. Und ich fühlte alle meine Heimtücke in mir aufsteigen bis ganz in mein Gesicht herauf. Ich war heimtückisch, gut, und heimtückische Leute sahen den anderen niemals grade ins Ge- ficht, und sie lächelten immr so ausweichend und matt, deshalb schielte ich den ganzen Tag und gewöhnte mir ein kleines, starres Lächeln an. „Wie führst du dich denn eigentlich auf?" sagte Mutter. „Hast du Veitstanz?" „Was ist das Veitzahn?" fragte ich. Eines Tages stand ich unten an der Ladentür und drückte die Nase platt an die Scheibe. Draußen hielten zwei Droschken, und die Kutscher lagen im Innern auf dem Boden und schliefen. Etwas weiter rechts war das Pflaster aufgebrochen, Sand und Steine lagen um- her: aber die Arbeiter saßen drinnen in der Kneipe„Victoria", deren Besitzerin Addas Mutter war. Da hörte ich rufen und schrilles Gepfeife, dann Geheul und lustiges Gesinge: „Scheibelein! Scheibelein! Scheibelein!" Eine lange, vornübergebeugte Gestalt in Soldatenuniform, kam vorbeigestelzt. Ein mageres, bärtiges Säufergesicht drehte sich unruhig nach allen Seiten, um die ihn verfolgenden Iun- gen im Auge zu behalten. Grade vor mir kam plötzlich eine Hand voll Sand vorbei- geflogen und traf ihn im Nacken. Eine schwache Röte ver- suchte sich über die fahlen Wangen zu breiten und seine brannt- weinfeuchten Augen füllten sich ganz voller Wasser. Die Droschkenkutscher erwachten, sprangen auf, aber verschmähten einzugreifen. Scheibelein war ein Veteran von 64, ein Kopenhagener Original, und ihm gegenüber war alles erlaubt. Eine neue Hand voll Sand rem geflogen und traf. Schei- belein blieb stehen und reckte sich in die Hohe. Er wurde eine ganze Elle länger, so daß ihm die Jacke seiner Uniform bis an die Brust rutschte. Dann drehte er sich um und wies mit einer schauspielerhaften Geste seines langen Armes auf die Kriegs- medaille, die ihm von der Brust bauncelte. ..Jungens!" brüllte er heiser: doch seine Anrede rief nur ein unbarmherziges, brüllendes Gelächtsr hervor und est> ganzer Hngel von Sand prasselte aus ihn herunter. Er sank plötz- lich wieder zusammen, stellte sein Stullenpaket, das in ein großes rottariertes Schnupftuch gebunden war, auf unsere Ladentreppe: dann lief er unerwartet schnell auf langen Bei- nen zu den Pflastersteinen, ergriff einen von ihnen, und ihn hoch über dem Kopfe schwingend, verfolgte er die Jungen. Die Droschkenkutscher lachten. Während des Lärms steckte ich den Kopf aus der Tür, ging zu dein roten Stullenpaket herunter und nahm es an mich. Eiligst lief ich dainit am Ladenfenster vorbei und in den Hausflur. Die Kutscher brüllten laut vor Lachen. Drinnen im Hos stellte ich das Stullenpaket hin und ver- schwand über die Küchentreppe. Noch lange danach hörte ich Scheibeleins Fluchen und das Pfeifen der Iungcns. Der ganze Platz hallte von dem Gesang: „Scheibelein, Scheibelein!— Wo ist dein Veutelein?" Ich saß oben auf der Küchentreppe und lauschte. Die Sonne schien grade auf mich, und ich hatte die Empfindung, als ob der Hof und die Fenster und der Himmel gar nicht vor Händen wären. Ich hörte, wie einer der Kutscher die Jungen ausschalt und kurz darauf sah ich Scheibeleins verblaßte, blaue Uniform- mütze in dem Hausflur auftauchen. Seine ganze lange Gestalt wackelte. Er spähte unruhig uinher, als ob er sich auf ver- botenem Territorium befände, bemerkte endlich das Stullen- poket und lief hin und nahm es an sich. Seine Bewegungen waren furchtsam und unbeholfen. Er stand eine Weile still und sah durch die Haustür, und ich konnte es ihm von hinten anmerken, wie er sich vor den Jungen fürchtete. Einen Augenblick schien es mir unfaßlich, daß ich mich auch an der Neckerei beteiligt hatte: doch dann ging er. Von dem Tage an war ich berühmt wegen msiner Hinter- list, und die Jungen spielten einige Male mit mir. Ejnar sah mich herablassend und gleichzeitig verächtlich- an; aber die Ver achtung trat immer deutlicher zu Tage. Einige Zeit sonnte ich mich in meinem Ruhm, obgleich ich nicht stolz auf meine Tat war, und später, als sie mich verachteten, suchte ich mich damit zu trösten, daß ich selbst eigentlich gar nicht damit gemeint wäre. Ich war also hinterlistig und ich empfand das sowohl als Schande, wie als persönliche Eigenart, die mich stark machte. Deshalb mischte ich mich unter die anderen Jungen und blinzelte vielsagend, als ob ich irgendetwas im Schilde führte: aber es dauerte nicht lange bis Ejnar Gelegenheit fand, mir seine tiefe Verachtung zu zeigen. (Fortsetzung folgt.) nannten Giftpilzen gibt es noch eine Anzahl weniger giftige und verdächtige Pilze, der Raum gestattet es aber nicht, auf dieje näher einzugehen, fie schaden nicht allzusehr oder gar nicht der Gesundheit, vor allem wirten sie nicht tödlich. Praktische Winke für Sammler. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß auch die besten Speisepilze gesundheitsschädlich wirken können, wenn sie nicht fachgemäß behandelt werden. Es seien daher noch einige praktische Winke gegeben. 1. Man forge dafür, daß die Pilze auf dem Transport nicht zu sehr gedrückt werden, es empfiehlt sich daher, einen festen Behälter, Korb, Karton oder dergl zum Transport zu benußen, fein loses Netz oder Rudsad, in denen sie der Gefahr zerdrückt oder zerrissen zu werden ausgesetzt sind, sich auch zu sehr erhitzen. 2. Man ver meide sehr junge und sehr alte Pilze, erstere deshalb, weil sie in der Jugend selbst von erfahrenen Bilzfundigen von Giftpilzen schwer zu unterscheiden sind, sehr alte sammele man deshalb nicht, meil sie oft die Art nicht mehr bestimmen lassen und oft schon in Bersehung übergegangen sind. 3. Man sammele nicht bei Regenwetter oder unmittelbar nach dem Regen, denn nasse Pilze merden, namentlich, wenn sie nicht gleich nach dem Sammeln zubereitet werben, sehr leicht gesundheitsschädlich. 4. Wenn möglich, bereite man die Pilze noch an dem Tage, an dem sie gesammelt find, zu. Ist dies nicht möglich, so breite man sie an einem luftigen, trockenen Drfe einzeln nebeneinander aus, weil sie sich sonst erwärmen und leicht in Berseßung übergehen. 5. Anfängern ist 5. Anfängern ist anzuraten, nur solche Pilze zu sammeln, die sie kennen, oder fich on erfahrene Pilzsammler anzuschließen, die sie um Rat fragen fönnen. Wer nach diesen Regeln Pilze sammelt, wird sicher vor Bilzvergiftungen bewahrt bleiben. Schließlich sei noch im Namen aller Pilzsammler, an solche und an Spaziergänger, die herzliche Bitte gerichtet: Laffet alle Pilze, die ihr nicht kennt, stehen, denn ein nachfolgender Pilzkundiger erkennt vielleicht in dem umgeworfenen oder zerstörten Pilz einen wertvollen Speisepilz. Außerdem sind die Pilze wie die Blumen ein Schmuck des Waldes, der das Auge jedes Naturfreundes erfreut. Vater und Sohn. Die Familientragödie eines Arztes. Bor dem Schwurgericht des Landgerichts II begann am Mitt moch früh unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Walter die Verhandlung gegen den praktischen Arzt Dr. Johannes Diebel aus Friedenau, der sich unter der Anklage der vorsätzlichen Tötung seines Vaters, des Rentiers Paul Diebel, zu veraniworten hat. Daneben ist der Arzt auch wegen unerlaubten Waffenbesizes angeklagt. Der Vorgang, der sich am 21. April im Hause Dürerplatz 1, in der Wohnung des Angeklagten abspielte, erregte seinerzeit großes Aufsehen, da ein sonst sehr geachteter Mann die Waffe gegen den eigenen Bater erhoben hatte. Was ihn zu der Tat geführt hatte, soll nach der Verteidigung Notwehr gewesen sein. Der Vater wird allgemein als ein unverträglicher, zantsüchtiger Charakter geschildert und soll seine ganze Umgebung, besonders aber den Sohn, bis aufs Blut drangsaliert haben. Die Ehe meiner Eltern war, so erklärte Dr. Diebel, wie mir meine Mutter häufig erzählte, von Anfang an unglücklich. Ich erinnere mich aus meiner frühesten Kindheit, daß mein Vater die Mutter so heftig schlug, daß sie fast verzweifelte. Meine Erziehung war sehr streng. Das Leben in meinem Elternhause verfloß unter ständigen Aufregungen wegen des Verkehrs meines Vaters mit einer verheirateten Dame. Meine Mutter wußte mit unendlicher Geduld dem Vater alles unangenehme fernzuhalten und seine Quälereien zu ertragen. Zu allem tam die Gorge um das tägliche Brot. Vater hatte sein Gut nicht halten fönnen, mußte verkaufen und erwarb ein Haus in Friedenau, von dessen Erlös er seit seinem 27. Lebensjahr lebte. fünfte nicht reichten, entstanden Schulden. 3u irgendeiner Da die Ein Tätigteit war der Vater nicht zu bewegen. In der Inflation mußte er auch das Haus verkaufen und verfor den Erlös durch Spekulationen. Die Beweisaufnahme ergab ein erschreckendes Bild der Quälerei der Familie des Angeklagten, dem durch seinen Vater das Heim zur wahren Höile gemacht worden war. Die Ehefrau des Angeklagten bekundete, daß der Schwiegervater sie von Anfang an mit seinem Haß verfolgt habe. Auf ihren Mann habe er wiederholt drauflosgeschlagen, daß sie einmal sogar das Ueberfallkommando angerufen hatte. Er sah in seiner But schredenerregend aus und sie hatte vor ihm die größte Angst. Einmal drohte er:„ Ich mache es genau so wie Angerstein; aus dieser Wohnung kommt niemand mehr lebend heraus." häßliche Redensarten? 3eugin: Nein, wir hatten immer den Bors: Baren das nicht vielleicht bloß Eindruck, daß er es ernsthaft meinte. Einmal wollte er die Rufine, die feit ihrer Jugend im Hause war und für ihn sorgte, to fich lagen, so daß fie spät abends noch aus dem Hause heraus mußte. Der Vater erzählte auch, daß er auf einem Gute einen Arbeiter das Gesicht so zerschlagen habe, daß das Blut spritzte und er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Mein Mann tam ihm in jeder Weise entgegen, nur um Ruhe und Frieden zu haben. Beim Tode meiner Schwiegermutter mußte ich mich verstecken, da er Drohungen mit dem Gewehr ausstieß. Borf.: Womit beschäftigte er sich denn? 3eugin: Er tat überhaupt nichts. Bis 12 Uhr lag er im Bett und ließ sich das Frühstück an das Bett bringen. Nachher lag er auf dem Sofa bis zum Mittag. Nach dem Essen schlief er wieder bis zum Abendbrot. In der letzten Zeit wollte er niemanden sehen, und blieb allein in seinem Zimmer. Er behauptete, daß er schlechteres Essen bekäme; aber wir haben ihm immer das beste gegeben. Ueber die Vorgänge an dem verhängnisvollen Tage äußerte sich die Zeugin, daß ihr Schwiegervater ihren Mann mit wütendem Geficht aufgefordert habe, zu ihm zu kommen, da er ihn sprechen müsse. Sie habe ihren Mann gewarnt und ihm geraten, etwas zum Schutze einzustecken, da sie teine Ahnung hatte, daß er eine Waffe bei sich trug. Die Zeugin hörte dann aus dem Fenster rufen: " Papa, ruhre mich nicht an. Ich habe dir nichts gefan." Dann hörte die Zeugin einen Stoß gegen die Tür und öffnete diefe. Zum Schutz hatte sie eine Bierflasche in der Hand. Als sie auf die Schwelle trat, stand der alte Diebel mit wutverzerrtem Gesicht und ethobenen Armen vor ihr. In dem Augenblick fiel ein Schuß, und der alte Diebel stürzte auf ihren Mann zu. Sie lief darauf fort, um das Ueberfallkommando anzurufen, und hörte unterwegs einen zweiten Schuß. Nachher kam ihr Mann zu ihr in die Telephonzelle und riegelte die Tür ab, da er befürchtete, daß der alte Mann ihm nachfäme. Dieser ist auch auf den Korridor gerannt, ehe er zusammenbrach. Als die Kufine fort mußte, wurde ein Mädchen angenommen, die nur für ihn dar war und ihm jeden Wunsch erfüllen mußte. Mehrere Bekannte im Hause, darunter ein Arzt, ein Studiendirektor und andere, stellten dem Angeklagten das befte 3eugnis aus und schilderten ihn als einen besonnenen und ruhigen Menschen, feinen Bater dagegen bezeichneten sie als zanffüchtig und brutal. Unter Tränen schilderte die alte schwerhörige Tante des Angeklagten, was ihre Schwester, die verstorbene Mutter des Angeflagten, in der Ehe auszuhalten hatte. Noch im vorigen Jahre wurde der Sohn geohrfeigt. Der alte Diebel war schon in seiner Jugend ein jähzorniger roher Mensch. Mit 18 Jahren ging er auf feinen Bater mit einer Reitpeitsche los. Ein Juftizinipektor, der mit der Familie befannt war, war Zeuge, als der alte Diebel ein Bferd, das nicht ruhig stand, in sinnlosester Weise mißhandelte, indem er es mit Füßen trat und mit einem Stod auf den Kopf und überall hin schlug. Auch die Frau mißhandelte er. In seiner But schoß er den Jagdhund an. Er war ein so gewalttätiger Mensch, daß ihm alles zuzutrauen mar. Nach längerer Beratung sprach das Schwurgericht den An-| geklagten von der Anklage des Totschlages frei, wegen unerlaubten Waffenbefizes wurde Dr. Diebel zu 300 m. Geldstrafe verurteilt, welche Strafe durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wird. In den Urteilsgründen führte Landgerichtsdirektor Walter aus, daß in dem Gebrauch der Schuß waffe objektiv eine Ueberschreitung der Notwehr läge. Wenn der Angeklagte die erforderliche Entschlußkraft gehabt hätte, würde er nicht notwendig gehabt haben, die Schußwaffe gegen den eigenen Bater zu richten. Der Angeklagte sei aber in einer geistigen Gemütsveränderung gewesen, indem er das Schlimmste von seinem rasenden Bater erwarten konnte, so daß ihm die ruhige Ueberlegung fehlte. Nur der Titel macht's. wie der„ Großmeister des Ordens von St. Georg" arbeitete. Von einem Ordenskapitel und einem Ritterschlag, vom päpstlichen Barontitel und vom kolumbischen Konfulstitel, von einem päpstlichen Gesandten, einem Bischof und vielen anderen wirbelte es durcheinander, als gegen den Schriftsteller" Dr. jur. Friedrich Erbach vor dem Schöffengericht Schöneberg wegen Betruges verhandelt wurde. Erbach scheint eine recht phantastisch veranlagte Persönlichkeit zu sein. Er bildet sich ein, daß seine Familie herrlich Baron von Erbach nannte. In seiner Schwärmerei einem alten Adelsgeschlecht entstamme, weshalb er sich selbst für mittelalterliches Ritterwesen gründete er den hohen Orden der Ritter von St. Georg," dessen Ordenstapitel regelrechte Ritterschläge erteilte. Das Vorbild war der Johanniterorden. Diese Phantasterei Anders war es jedoch mit seinen Bemühungen, Leuten den päpst hätte Erbach nicht mit der Staatsanwaltschaft in Konflikt gebracht. lichen Barons titel zu verschaffen, oder die Ernennung zum folumbischen Konjul Baron" von Erbach hatte die Bekanntschaft eines Rittergutsbesizers Sch. aus Pommern gemacht und diesem gefagt, daß er vermöge seiner hohen Adelsbeziehungen deffen Ernennung zum päpstlichen Baron bewirken könne. Weniger der Rittergutsbesitzer selbst als dessen Ehefrau fing gleich Feuer. Das Ehepaar war aber evangelisch, jedoch wußte die Frau sich Rat und trat zum Ratholizismus über. Nun beschaffte Erbach ein Leumundszeugnis des Ortspfarrers und reiste damit zum Bischof von Osnabrück. Die Vermittlung mit Rom sollte ein Baron Caftrop übernehmen. Das Ehepaar hatte auch bereits 12000 Mart ge. opfert, wovon 11 000 bei der päpstlichen Rasse als Gebühr für opfert, wovon 11 000 bei der päpstlichen Raffe als Gebühr für das Dekret hinterlegt werden sollten. Es wurden aber nur 10 000 Lire dort deponiert. Der Angeklagte verbrauchte für seine Be. mühungen und Untoften 4000 Mart und der Rest muß wohl in die Tasche des Herrn v. Castrop geflossen sein. Aus der Sache wurde aber nichts, weil man fich in Osnabrück daran gestoßen hatte, daß der Ehemann evangelisch geblieben war. Bald darauf machte Erbach einen in der Nähe des Ehepaares Sch. wohnenden Pferdehändlers B. auf den Titel eines Konsuls von Kolumbien begierig, der 20 000 m. fosten sollte. Der Biedere opferte zunächst nur 2000 m., als ihm aber eines Tages ein pompös ausgestattetes Bertififat über seine Aufnahme in den„ Orden des heiligen Georgs" zuging, opferte er freudig meitere 10 000 Mart, betam aber niemals den Konsultitel. Bato stellte sich der Schwindel heraus. Auch das Ehepaar hat für sein Geld nichts erreicht. Der Angeklagte verteidigte sich sehr energisch gegen den Berdacht des Betruges und berief sich auf seine Mittelspersonen, daß er ernstlich an der Erfüllung der Versprechungen ge. arbeitet habe. Der Staatsanwalt sah den Betrug für erwiesen an. Das Schöffengericht fam aber in beiden Fällen zur Ueberzeugung, daß dem Angeklagten eine Betrugsabsicht nicht nachgewiesen werden fönne. Deshalb, mußte er mangels Beweises der betrügerischen Abficht auf Staatst often freigesprochen werden. Alte Sünden. Die Stadt Berlin richtet augenblidlich in der Rudolf- MoffeTennispläge ein. Bei der Blanierungsarbeit entdeckte die Straße, dicht an der Eberswalder Str., auf Magistratsgelände ausführende Firma, daß der Boden nachgab. Nachgrabyngen ergaben, daß in dem Terrain Kartoffelmieten lagen, die ungefähr 1000 Bentner Kartoffeln enthielten, natürlich total verfault. Abgesehen von dem furchtbaren Geftant, der die Gegend berpestet, wäre es doch interessant, au wissen, warum der Magistrat niemals diese Kartoffeln, die schäßungsweise aus dem Jahre 1920 stammen, verteilt hat. Sollten die Kartoffeln bergessen worden sein? Gardinendiebstähle in Berliner Vorortzügen. sind bekanntlich von der Reichsbahnverwaltung wieder mit Gardinen Die Personenwagen der Berliner Stadt, Ring- und Vorortzüge ausgerüstet worden, die den Reisenden die Annehmlichkeit bieten, sich vor starter Einwirtung der Sonnenstrahlen schüßen zu können. Unlautere Elemente haben leider die Gelegenheit wahrgenommen, sich an dieser, dem allgemeinen Interesse dienenden Ausrüstung der Bersonenwagen zu bereichern. In der Zeit vom 15. bis 20. Juli dieses Jahres ist, wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, auf den Strecken Berlin- Nauen und Berlin- Wustermart brachten Gardinen- bisher über 150 Gtüd im Bert von etwa aus den dort verkehrenden Vorortzügen ein großer Teil der ange450 M. sache um neue Gardinen von brauner Farbe in den Größen von entwendet worden. Es handelt sich in der Hauptmit den verschlungenen Buchstaben D. R.( Deutsche Reichsbahn). Unter den entwendeten Gardinen befindet sich auch ein fleiner Teil älterer Stücke, denen als Kennzeichen Adler und Krone eingewebt sind. zweds Teilnahme an der Verfassungsfeier beurlaubt werden wollten. Dieses Urlaubsgesuch wurde abgelehnt mit der Entscheidung, daß jeder Angestellte den Urlaub persönlich bei ihm zu erbitten habe. Hiermit hoffte der wegen seiner Strenge bekannte Chef Beschäftigten den Antrag auf Beurlaubung bei dem Gewaltigen die Angestellten zurückzuschreden. Als dennoch eine Anzahl der persönlich stellte und endlich nach allerlei Einwendungen bewilligt erhielt, wurde die Kollegin zur Berantwortung" gezogen, welche die Urlauberliste aufgestellt hatte. Herr St. be dankte sich bei der betreffenden Dame mit höhnischen Worten, daß sie wieder ein paar Schäfchen für ihre große heilige Sache deutsche Republik! gefunden habe, im übrigen gedente er fie in Zukunft so zu beschäftigen, daß ihr fein Augenblid Zeit bliebe, so revolutionäre Gedanten, wie die Beteiligung an einer republitanischen Berfassungsfeier aus. zuheden(!) So ehren die Oberbeamten" der A. E. G. ihren Präsidenten Rathenau die gerichtet von der Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Berbände, seben sofort nach Freidenter- Jugendweihe. Borbereitungskurse für die Herbstweiben, einBeendigung der Schulferien in den gleichen Lokalen und zur gleichen Zeit wieder ein. Nenaumeldungen in den Unterrichtsstunden und beim Genossen Adolf Harndt, Berlin N 58, Pappel- Allee 15/16. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Bier Großefefttonzerte m Drient 1925/26. Internationale Boltstänze und Boltslieder. Steppe und BuẞtaAus der neuen Welt Der deutsche Tanz. Mitwirkende: Das Ballett und erste Soliften der Staatsoper. Künstlerische Leitung: Mag für Mufit. Abonnementspreis für alle 4 Beranstaltungen 4 M. Terpis, Ballettmeister der Staatsoper, Prof. Schünemann, Dir. der Hochschule e wichtigen Bestimmungen enthalten die Zeichnungslisten. Die Liſten liegen aus: Bei den Mitgliedern der Kreis- und Abteilungs- BildungsausAnjelitr. 6, Verband der Graph. Hilfsarbeiter, Alte Jakobstr. 5, W. Schmidt, schüsse, Bigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25, Tabafvertrieb GFG., bandlung Vorwärts, Lindenstr. 2, im Bureau des Bezirksbildungsaus N. 39, Tegeler Str. 31, Joh. Moranz. NO., Danziger Str. 46, IV, Buchschuffes, Lindenstr. 3, 2. Hof II, Bimmer 8/9. Ebert Reliefs nach dem Entwurf des Künstlers Gerstenberg. Elfenbein getönt, 1,60 M., dunkel getönt 1,80 M. pro Stüd. Bu baben im Bezirksbildungsausschuß. Lindenfirage 3. Radierungen erster Künstler( Defterle, Sela Haffe, Krommer Holz), Besichtigung und Stauf im Bezirksbildungsausschuß. geben. Wir bitten um rechtzeitige Rüdgabe der Zeichnungslisten. Die Auguft werden die Abonnementstarten für die Stonzerte ausge Suli- Beitschriften des Bücherkreises find erschienen. Zyklon im Jjergebirge. Ab Ende 3iffau( Sachfen), 12. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Eine minutenlang daherbraufende Ortanwindhose richtete in und bei. der deutschböhmischen Induſtrieſtadt Gablonz an der Neiße. millionenfchaden an. Fünf Fabriten und über 30 Häuser deckte der Sturm ab, fünf dieser Häuser find geradezu abrafiert.( 3n Gablonz stehen noch ziemlich viel fleine ältere Holzhäuser.) Feuer brach an vielen Stellen aus. Gärten sind verwüstet. In den wäldern find sogar Baumriefen gefnidt. Die betroffenen Betriebe find eingestellt. Verschüttete Menschen und Tiere fonnten zum Glüc gerettet werden. Draht- und Straßenverkehr sind unterbrochen. Reichenberg( Böhmen), 12. Auguft.( WTB.) Ein Gemitter sturm, der sich stellenweise zu einem Wirbelsturm steigerte, richtete in der Nacht zu Mittwoch im hiesigen und im Gablonzer Bezirk große Verheerungen an. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt, ganze Waldstreden entwurzelt und die Telephonleitungen zerstört. Mehrere Personen sind verlegt Bebereibetrieb stillgelegt wurde, und im Gablonzer Borort Katzenworden. Die ärgften Verwüstungen wurden in Broschwiz, wo ein loch, wo mehrere Häuser zerstört wurden, angerichtet. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 13. August, abends 71/2 Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gotenburger Str. 2. Bortrag: Großindustrielle Unternehmungsform". Hamburger Jugendtag. Ludwig Anzengruber". Unsere Hamburgfahrt". Norben: Schule Butbuser Str. 3. Bericht vom Schönhauser Berstadt I unb II: Schule Jbsenstr. 17. Johannisthal: Rathaus, am Rönigsplay. Bericht: Arbeitersport. Werbesportwoche im 18. Bezirk. Die vom 9. bis 16. August stattfindende Werbesportmoche des Arbeiter- Sport- und Kultur- Rartells im 18. Bezirf, veranstaltet von den Arbeitervereinen Weißensee, Hohenschönhausen, Malchow ungeführ siebenhundert Sportler teil. Im Zuge fielen die bahngelände eröffnet. An dem Aufmarsch mit Gefang nahmen und Wartenberg, wurde am Sonntag auf dem Weißenfeer RennFiguren des lebenden Schachspiels sowie die Wagengruppe des der Männer, Frauen und Kinder bildeten den Anfang des reichen Programms, das noch einen Bänderreigen, Voltstänze, Kunst- und Schulreigen, Rabballspiel, Geräteturnen, Hand-, Fuß- und Trommelballspiele, Olympische und Bendel- Stafetten, Lebendes Schachspiel ( Concordia") den dreifachen Reford auf: Reißen einarmig 130, sowie Ringen und Heben brachte; beim letzteren stellte smer Großen Beifall fanden die Olympiade- Freiübungen nach Musik der Schwingen einarmig 135 und Stoßen mit freiem Umsetzen 215 Bfund. Männer und Frauen des Arbeiter- Turnvereins, die schon einen künstlerischen Einschlag haben. 50 X 100 cm und 60 x 100 cm. Die Gardinen find durchwebt Sabotage der Verfassungsfeier in der AEG. Meisterschaftskämpfe der Arbeiterschachspieler. Am vergangenen Sonntag wurde die 1. und 2. Runde der Kreiswettkämpfe der Arbeiterschachspieler ausgetragen. Folgende Resultate wurden erzielt: Vereinsmeistertampt: 1. Runde: Berlin gegen Stettin und Frauendorf; 7% 2% für Röpenid. 2. Rund e: Spandau gegen Berlin; Röpenid gegen Stettin Spandau gegen Röpenid. Resultat: 7: 2 für Berlin( 1 Sängepartie); und Frauendorf. Resultat: 9: 1 für Berlin; 6% 2% für Röpenid und 1 Sängepartie. Einzelmeisterkampf: 1. Runde: Bredom( Brandenburg) gegen Sinolinsky( Belten). Refultat: 1: 0 für Bredow. Deichfel( Röpe. nid) gegen Schädler( Rottbus). Resultat: 1: 0 für Deichfel. Bible ( Stettin) gegen Sonning( Röpenid). Refuitat::. 2. unde: Schädler gegen Lübke. Stefultat: 1: 0 für Lübke. Emolinsky gegen Deichfel. Refultat: 1: 0 für Deichfel. Cymer( Berlin) gegen Bredow. Refultat: 1: 0 für Bredom. der ermordete Walter Rathenau gewesen ist, war den Angestellten, Im Kabelwert der A. E. G., deren Präsident bekanntlich die an der Verfassungsfeier teilnehmen wollten, freigestellt, bas Wert um 1.30 Uhr nachmittags zu verlaffen. Die Bureauchefs direktion getroffene Anordnung, bekanntzugeben. Wie diese waren angewiesen, ihren Angestellten diese, von der General Anordnung von den reaktionär gesinnten„ Oberbeamten" fabotiert Abteilung 9, hielt es nicht für nötig, den ihm erteilten Auftrag, wurde, schildert folgende Zuschrift an uns: Herr St., Chef der feine Angestellten von der fraglichen Direktionsbestimmung zu verständigen, auszuführen, sondern der genannte Herr versuchte noch auf seine Weise die Anordnung zu hintertreiben. Die Ber fügung der Oberleitung war von anderen Abteilungen her durch verliert aber den Ball gleich an Bormärts, die ihrerfeits wieder fofort vor das gefidert und so wurde auch Herrn St.( wie bei solchen Anlässen üblich) eine Aufstellung derjenigen Angestellten vorgelegt, welche Donnerstag, den 13. August. Das Rundfunkprogramm. Außer dem üblichen Tagesprogramm: begleitung. 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musik5-6.30 Uhr nachm.: 1. Händel: Sonate A- Dur. 2. Mozart: Sonate C- Dur. 3. Schumann: Sonate A- Moll( Konzert7 Uhr abends: Dr. Wilhelm Möller: Die preußische Mittelmeister Maurits Stromfeld, Violine; Rudolf Schmidt, Klavier). schule. 7.25 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung, Technik. 7.50 Uhr abends: Theodor Kappstein: Eine Reise durch Spanien. Ing. Otto Lich: Moderne Erntegeräte. 6. Vortrag. Beim Stierkampf. San Sebastian. Ueber Paris in den deutschen Mai. 8.30 Uhr abends: Beethoven- Konzert unter MitDas Fußballturnier in Stralau. Am Sonntag fand auf dem Gtralau- Sportplan das erste SwifchenrundenSpiel im Stralau- Turnier statt. Borwärts 20" und Gttalau" waren die Gegner. Vorwärts erschien mit wesentlich verstärkter Mannschaft, während Stralau mit 5 Mann Erfag antreten mußte. Stralau hat Anstoß, Tor ber Stralauer ziehen. Der Torwart Stralaus muß auch gleich rettenb eingreifen. Nun übernimmt Stralau eine Reitlang das Rommando, aber alle noch so gut eingeleiteten Angriffe werden eine Beute der Verteidigung. In ber 15. Minute verwirkt der rechte Verteidiger von Borwärts einen Elfmeter wegen Sand, der jedoch über die Latte gefchofen wird. Wieber greift Stralan an. Rechtsaußen flankt qut aur Mitte, ber kleine Halblinte bann mit scharfem Schuß zum ersten Sor einsenden. Borwärts verfucht den Ausgleich herbelau führen, jedoch die Sintermannfdaft Stralaus vereitelt die besten Angriffe. Vis Salbzeit tann an dem Resultat nichts geändert werden. Nach der Baufe zieht Stralau gleich wieder vor das Tor des Gegners. Erft in der 20. Minute ver mga Salbrechts zum zweiten Tor einsenden. Mit diesem Refultat scheint sich Stratau zu begnügen, benn felten fieht man sie vor dem Sor des Gerners. Aber auch Vorwäris läßt bedeutend nach. Der Mittelstütemer Stralaus fchießt ein brittes Tor. Kurz vor Schluß fann berfelbe Spieler noch das vierte Ma einfenden. Stralau hat fomit das Awischenrundenspiel mit dem Resultat 4: 0 gewonnen und nimmt nun an der Endrunde teil. fpiel. Sertha hatte etwas mehr vom Spiel unb fonnte mit 4: 1 fierreich Bor diesem Spiel trafen fich Sertha 22" und Britannia" im Gesellschaftsbleiben. Das Spiel der zweiten Mannschaften von Bertha 22" und Stralau" endete 1: 0 für Stralau. Am Dienstag trafen fich auf bem Stralau- Sportplak, Teutonia 09" und wirkung von Maurits van den Berg, Violine. Dirigent: Georg Bertha 22" im dritten Vorrundenspiel. Das Spiel endete für Sertha 3: 2. Széll. 1. Ouvertüre Nr. 2 zu Leonore. 2. Violinkonzert D- Dur ( Maurits van den Berg). 3. VIII. Sinfonie( Berliner Funkorchester). richten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten TagesnachFilmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Am heutigen Donnerstag findet das zweite Zwischenrundenspiel flatt. ,, Rüftig- Borwärts", Neukölln, und Bertha 22", Lichtenberg, ftehen sich hier gegenüber. Das Spiel findet wieder auf dem Stralau- Sportplap in der Goßlerstraße ftatt. Beginn pilnttlich 6 Uhr. Freie Turnerschaft Neukölln- Brig, 1. Männerabteilung. Das Turnen am Freitag, 14. Auguft, findet noch einmal auf dem Turnplas ftatt; vom 21. Auguft 地球 ρα wieber in der Salle Weifeftoaße. 2. Männerabteilung. Bon heute ab turnt die Abteilung wieder in der Herzberg- Halle. Alle Genossen müssen mit Nücksicht auf die Werbewoche erscheinen. Arbeitersportkartell Neukölln. Alle dem Kartell angeschloffenen Bereine müssen heute( Donnerstag) abend bis 28 Uhr vom Genoffen Quade, Neukölln, Weichselstr. 37, die Programme für die Werbewoche abholen. Sonnabend, 15. August, 7 Uhr, in der Idealklause, Marefchstraße, Außerordentliche Kartellfigung. Altersturner, auf nach Frankfurt. Am 13. Geptember ist hoher Feiertag und Fahnenweihe der Alten. Die Altersriegenturner Groß- Berlins haben sich einen Feiertag gefchaffen, den sie in Gestalt einer Turnfahrt feiern wollen. Alle Genossen über 30 Jahre find hiermit eingeladen. Am 13. September ist wieder ein Tag, auf den wir uns freuen tönnen. Der technische Ausschuß in Frantfurt a. D. ist von früh bis spät an der Arbeit, um alles, was geplant ist, fertigaustellen. Die Fahrt toftet statt 10,10. 4,25 M. Drei Musikkapellen und sämtliche Spielleute des 1. und 16. Rreises wirken mit. In Buschmühle werden wir vom 16. Rreis empfangen. Dann geht es durch Feld und herrliche Wälder an fchönen Geen entlang. Um 11 Uhr ist Frühstück in Eichwalde. Badegelegenheit bietet sich in herrlichen Seen. Um 12 Uhr geht es weiter. Eine Stunde Weg nach Frankfurt, Aufstellung auf dem Marktplag, ein Musikfilid von sämtlichen Rapellen und Tambourleuten, und nun tommt der historische Augenblid, wo feiner von uns fehlen darf, die Enthüllung der 1 Altersriegenfahne. Turngenossen, diesen Moment müssen aile, aue miterlebt haben. Ein Sängergruß, ein allgemeines Lied, und dann Abmarsch zum Schüzenhaus. Dort Mittagessen für den lächerlichen Preis von 0,55 M. Auf nebenliegender Wiefe folgt austballspiel und Barlaufspiel der Alten. Dann tommt geselliges Beisammensein. Es find besondere Borbereitungen getroffen, um dieses Gesellige so zu gestalten, daß jeder vom Programm überrascht sein wird. Treffpunkt Ede Roppenstraße und Frankfurter Allee 6,50 Uhr, Abmarsch 7,20 Uhr morgens nach dem Schlesischen Bahnhof. ** Das nächste 8ufammenturnen findet Freitag, 14. Auguft, 7 Uhr, auf dem Turnplag der Freien Turnerschaft Neukölln am Dammweg statt. Fahrt bis Bahnhof Raiser- Friedrich- Straße. Dort werdet ihr von Turngenossen abgeholt. Erkennungszeichen Bundesnadel. Es ist Pflicht eines jeden, dort zu erscheinen, um die legten Borbereitungen der Altersriegenturnfahrt zu besprechen. Es wird an diesem Turnabend die gesamte Neuköllner Kapelle mufizieren. Sportliche Vereinigung Lichtenberg- Friedrichsfelbe 01. Am Sonntag, den 16. Auguft 1925, veranfialtet die Sportliche Bereinigung Lichtenberg- Friedrichsfelde 04( e. B.) unter Mitwirkung der Freien Turnerschaft LichtenbergFriedrichsfelde ihr diesjähriges großes Werbesportfest verbunden mit Bannerweihe. Nach dem sportlichen Teil findet um 5 Uhr die Bannerweihe der Sportlichen Vereinigung Lichtenberg- Friedrichsfelde in Tempels Festsälen, Friedrichsfelbe, Prinzen- Allee 30, statt. Eintritt dafelbft 1,20 M. Die Weihe des Banners vollzieht der Landtagsabgeordnete Mag Sellheim. Die Staffel wird ausgetragen in Mannschaften von je 10 Mann à 200 Meter. Startgeld wird nicht erhoben. Um dem Werbefest einen gewaltigen Auftakt zu geben, bitten wir alle Bundesvereine, sich an dem Staffellauf sowie an dem Festumaug darech Friedrichsfee recht zahlreich zu beteiligen. Berliner Schwimmverein Freiheit". Die Abreffen des in der General versammlung vom 31. Juli 1925 neugewählten Borstandes find folgende: 1. Borsigender: Frik Bethte, Charlottenburg, Rofinenste. 4 II; 1. Rajjierer: Richard Schulz, NO., Belforter Str. 12 I; 1. Schriftführer: Alfred Schüler, NO 55, Jmmanueltirchstr. 35; Technischer Leiter: Adolf Lena, Trestowstr. 56. Die Uebungsstunden des Vereins finden regelmäßig Montags und Donners tags, abends 5-7 Uhr, im Stadtbad Prenzlauer Berg, Oberberger Straße, ftatt. Am Donnerstag, 13. Auguft, findet anschließend an dem Baden, also um 7% Uhr, eine außerordentliche Vorstandssigung statt. Lokal wird in der Badeanstalt bekanntgegeben. Touristenverein ,, Die Naturfreunde", 8entrale Wien. Freitag 8 Uhr im Jugendheim Haefelerstr. 16b( Westend) Glaßbrennerabend. Gäste willkommen. Die Fahrt am Sonntag 16. Auguft, zum Uebersee fällt aus, statt dessen Arbeitstag am Naturfreundehaus, Kremmener Gee. Freie Turnerschaft Schöneberg. Nach Beendigung der Sommerferien beginnt das Turnen in der Salle mieder. Rnaben: Montag und Donnerstag von 6-8 Uhr; Jugend: Montag und Donnerstag von 8-10 Uhr in der Turnhalle Belziger Straße: Mädchen: Montag und Donnerstag von 6-8 Uhr in der Turnhalle Eberstraße: Junamädchen: Freitag von 8-10 Uhr in der Turnhalle Rüdertschule, Räterstraße; Männer: Freitag von 8-10 Uhr in der Mittelschule Räterstraße. Berfammlung der Männer am Freitag, 14. Auguft, nach dem Turnen bei Roschena, Apostel- Baulus- Straße 27. Ericheinen aller ist notwendig. Sport. Rennen zu Strausberg am Mittwoch, den 12. Auguft. 1. Rennen: 1. Maipring( Gorsler), 2. Glüdsstunde(. Rovat), 3. Feuertaufe( Willi Heuer). Toto: 64:10. Blag: 28, 27, 392: 10. Ferner liefe: Friedchen, Gilda, Adalbert v. Wiesenthal, Zuversicht, Coran, Transuje, Türmerin, Brandung, Nurmi, Veritas. 2. Rennen: 1. Beleda( Albers), 2. Balamon( B.Tarras), 3. Roberta Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: X 400 X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! Apollo Wieder Varieté 8 Uhr Theater 8 Uhr Ein Sensat.- Progr.m.P.Beckers Ganz kleine Eintrittspreise!!' Berliner Prater Kastanienallee 7-9 Heute Gr. Volkstag Gr. Varieté- Vorstellung Auf allen Plätzen 50 Pf., außer Logen Anfang 4%, Uhr LUNA Heute Elite- Tag Gr. Feuerwerk Erna Offeney mit ihrem Ballett PARK Reichshallen-Theater Allabendlich 8 Uhr: Stettiner Sänger Sonnt. 30.8.: Erste Nachm.- Vorst. zu halben Preisan m.vollem Abend- Progr. Dönhoff- Brett'l: Saal u.wandervoll. Garten Großes Varieté! U. a.: D. urkomische Sums Bate- Sänger Kottbuser Str. 6- Te!. Mph. 160 77. Täglich 8 Uhr die konkurrenzlose Revue: Berlin... da kiekste! Sichern Sie sich im Vorverkauf gute Plätze 12 Bilder. Neue Welf Arnold Scholz, Hasenheide 108/114 Jeden Donnerstag ( M. Schmidt). Toto: 1223: 10. Blab: 72, 15, 20 10. Ferner liefen Großes Riesen- W Liebesgedante, Eutandcarmem, Dzema, Glashäger, Habanera, Pandora, Cea, Houlgate, Savitri. 3. Rennen: 1. Peter Moor( Schuller), 2. Kedes Trumpf( Kränzlein), 3. Sturm( Willi Heuer). Toto: 105: 10. Blab: 24, 20, 28: 10. Ferner liefen: Barjus, Stamperl, Stista, Trabant, Blümlisalp, Trude gef., Rose III, Fuchsie, Hebe, Palma, Erdfertel. 4. Rennen: 1. Piasti( B.Tarras), 2. Herbststurm( Quade), 3. Falter ( F. Kasper). Toto: 51: 10. Kunstfeuerwerk Märchen aus 1001ner Nacht abgebrannt von dem Kunstfeuerwerker E. Nielandt Außerdem: Blaz: 18, 47, 13: 10. Ferner liefen: all, Großes Konzert Oddrun, Sonnenschein, Rih, Teufelsnärrin. 5. Rennen: 1. Meffina( v. Borfe), 2. Stummer Teufel( v. Westernhagen), 3. Wippchen II( Hr.Staudinger). Toto: 16:10. Blak: 17, 23:10. Ferner liefen: Wetterbege, Sabine. 6. Rennen: 1. Amara( Einfinger), 2. Oceana( Willi Heuer), 3. Dntel Otto( H. Scholz). Toto: 91: 10. Blag: 16, 13, 15: 10. Ferne: liefen: Mundschent, Cisterne, Centrifugal, Eisenritter. 7. Rennen: 1. Striegsbruder( Lt. Jay), 2. Farce( b. Westernhagen), 3. Teifi( v. Borle). Toto: 66: 10. Plag: 21, 25: 10. Ferner liefen Ordensritter, Anyulam. 8. Rennen: 1. Interim( Kovanda), 3. Anarchist II( Blafczyk). Zoto: 31: 10. liefen: Zbicus, Jrish Stew. Theater, Lichtspiele usw. Schiller- Theat. Lessing- Th. Operettenspielzeit 8 Uhr Täglich 8 Uhr: 8 U. 2. Koroby( F. Lürig), und Varieté- Vorstellung Ganz neues Programm! 35 Künstler Einlaẞ 3 Uhr Anfang 4 Uhr Play: 18, 14: 10. Berner Amtliche Wettannahme Deutsches su. Trianon- Th. Letzt Vorstellungen Künstler- Theater nur bis Sonnabend 8 Uhr Die Tugend- Fauteuil 47 Lustspiel Musik v. Kurt Zorlig prinzessin von Louis Verneuil Die neue Revue Ab Sonntag 16. Aug. Preise: 6 bis 1 MK Rose- Theater Annemarie Regenbogen Der große Lustspielerfolg 84: Der gr. Betrug Am Gartenbühne: Bois, Herrnfeld, Preise: 6 bis 1 Mk 5 Uhr: Bunter Teil 73/4: Der Soldat der Marie Operette von Jean Serak, Sikla, UnterGilbert u. Robert kircher, Ury, Sister, Gilbert mit Dora- Bitter LosAndaluses Thalia- Th. Casino- Theater Leffler Nymgau Spira- BaseltDie Kleines Th. Heidemann gelmann- Hiller Kuthan- Ledebour Täglich 8 Uhr: Die schöne Melusine SCALA Komödie v. Lothar 8 Uhr Internat. Anni Mewes, Scherk Maaß, Sanden Schröder- Schrom Unwiderruflich letzter Monat 8: Uschi Th. ind. Remmand. Str. 8: Vetter a. Dingsda Komödienhaus 7.45 Uhr: Varieté Berliner Theater Der letzte Kuß 7.45 Uhr: van der Straaten Metropol Theat. Anneliese v. Dessau Schaufuß, Hainisch 82 Uhr: Tausend süße Beinchen Tueat. d.Westens Das große Operetienhaus Tägl. 8 Uhr: Wiener Blut Operette v. Johann Strauß 8U. Residenz- Th Die Koblanks Volksstck. m.Musik Vorzeig. d. Anzeige zahlen nur balbe Massenpr. yon 50 Pf. an Operettenhaus am Schiffbauerdamm 8 Uhr: Der kleine Kuppler! Lothringer Str. 37. 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August WohlfahrtsWoh Geld- Lotterie 130909 Lose, 4917 Gewinne und 1 Prämie M. 120000 Höchstgewinn M. 1 Hauptgewinn M. 1 Prämie M. 1 Hauptgewinn M. 60 10 20000 10000 usw. Alle Gewinne bar ohne Abzug zahlbar. Lose zu 330 Postgebühr u. M. Liste 30 P.) erhältlich bel den Staatl. Letterle Einnehmern u. Lotterlegeschäften. G. Dischlatis& Co, Berlin C2 Königstraße 51. Postscheckkonto Berlin 31 041 Unsere neueste Schöpfung! Ectftein Cigaretten W volles Format Emildes Aroma A- MECKSTEIN& SOHNE DRESDEN 998 イ Wirtschaft Preissenkungs- Kartelle? Aus Kreifen der Konsumgenossenschaften wird uns geschrieben: Reichskanzler Dr. Luther hat bei Gelegenheit der Sigung des Reichsteges über die Zollvorlage am 8. August die E: lärung abgegeben, daß die Regierung bis jetzt bei Senkung der Umsatzsteuer leider eine entsprechende Preissenfung nicht beobachten. fonnte. Jetzt aber müsse erwartet werden, daß dies geschieht, denn durch die verabschiedeten neuen Steuergeseze feien die Voraussegungen dafür geschaffen. Die Reichsregierung würde allen in Betracht kommenden Berbänden der Wirtschaft gegenüber eine einheitliche Preissentung für den 1. Oftober nachdrücklich betreiben und notfalls von ihrer geseglichen Handhabe zur Preissenfung Gebrauch machen. Aus dieser Mitteilung ersieht man, daß die Regierung den Billen hat, die Preise zu senken. Die frohe Botschaft hört man wohl, es fehlt einem aber der Glaube; denn wenn eine Preissentung vor sich gehen soll, müßte man den Kartellen und sonstigen Preisbereinigungen gegenüber ganz andere Maßnahmen als bisher anwenden. Nicht nur, daß von den Kartellen und Handelsvereinigungen alles aufgeboten wird, um bestimmte Wirtschaftsorganisationen, u. a. die Einkaufszentrale der dem Zentralverband deutscher Konsumvereine angeschlossenen Konsumvereine, die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine m. b. 5., Hamburg, entweder überhaupt nicht zu beliefern oder aber ihnen die Rabatte, die der Großhandel bekommt, zu perweigern, geht man neuerdings dazu über, für bestimmte Artikel Berkaufspreise festzusetzen und die Konsumvereine zu veranlassen, diese Verkaufspreise einzuhalten. Man droht bei Nichteinhaltung dieser Bedingungen mit der Lieferungssperre, eine Maßnahme, die man bis jetzt nur in ganz wenigen Fällen ohne jede Wirkung durch geführt hatte. Der Beweis für diese Behauptung wird aus folgender Tatsache gebracht. In einer füddeutschen Stadt betreibt der Konsumverein feit 20 Jahren den Kohlenhandel, und zwar dahingehend, daß er seine Mitglieder mit Kohlen versorgt und dafür einen Preis nimmt, der einen Aufschlag der Untoften deckt. Der Konsumverein lieferte demgemäß im Juli dieses Jahres Ruhr- Nußkohle ab Lager. do. 9 frei Haus. Braunfohlenbriketts frei Haus ab Lager do. für M. 2,10 pro Ztr. 2,30 1,50 1,30 Unterm 20. Juli dieses Jahres erhielt er vom Verein der Kohlenhändler von.... und Umgegend, e. V., das nachstehende Schreiben: " Ronsumperein, hier. • Mit Gegenwärtigem gestatten wir uns, Ihnen die festgesetzten Verkaufspreise für den hiesigen Platz mitzuteilen. Wir bitten Sie, die Preise zu halten, da uns von feiten der Syndikate der Preisschuh zugesichert wurde. Sollte am hiesigen Platz der Preis nicht gehalten werden, so müßte über die betreffende Firma die Liefersperre beantragt werden. Dieser Schutz wurde uns zugesichert, und bitten wir Sie höflichft, die Preise zu halten. Die Bestimmung lautet: An Orten mit anerkannten Handelsvereinigungen sind bei Weiterverkauf die von diesen unter Zustimmung des Synditats festgesetzten Preise und Bedingungen einzuhalten. Das Mitteldeutsche Braunkohlensyndikat hat uns nach Prüfung die Preise genehmigt und die Sperre zugesichert. Hochachtungsvoll. Verein der Rohlenhändler von und Umgegend, e. B." Hieraus ist zu ersehen, daß dem Verein ein Preis für Kohlen und Briketts vorgeschrieben werden soll, der einen so hohen Nutzen enthält, wie er niemals notwendig ift und auch noch niemals gefordert wurde. Der Verein der Kohlen: händler verlangt einen Mehr aufschlag von 30 Pf. für Ruhrnußtohle und einen Mehrausschlag von 35 Bf. für Braunkohlenbritetts, der, wenn die Sache durchgeführt wird, in erster Linie den Kohlenhändlern zugute fommt; denn der Konsumverein hat fein Interesse daran, seinen Mitgliedern einen höheren Preis abzunehmen, als es tatsächlich der Einkaufspreis zuzüglich eines entsprechenden Aufschlages erforderlich macht. Vergleicht man den verlangten Mehr aufschlag von 35 Pf. für einen Zentner Brifetts, so weiß jeder, der früher den Verdienst auf Kohlen gekannt hat, daß dieser Aufschlag eine unerhörte Zumutung ist. Wie aus dem Schreiben des Vereins der Kohlenhändler ersicht lich ist, soll dem Konjumverein die Lieferung mit Kohlen gesperrt werden, wenn er die vorgeschriebenen Preise seinen Mitgliedern nicht abnimmt, und zwar durch das Mitteldeutsche Brauntohlensyndikat. Während bis jetzt die Kohlensyndicate nur die Preise für ihre Produkte ab Werf festlegten, zeigt diese Maßnahme, daß man dazu übergeht, die Preise auch für den Handel fest, zulegen, und zwar so, daß den Händlern ein Gewinnzuge schanzt wird, der meit über das tatsächliche Erfor dernis geht. Dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Reichswirtschaftsminister ist Kenntnis von der Angelegenheit gegeben und auf Grund der Mitteilung im Reichstag beantragt, für fofortige Aufhebung einzutreten. Wer jedoch die Machtvollkommenheit der Kartelle und Synbifate gesehen hat, wird voraus wiffen, daß es der Regierung nicht möglich sein wird, erfolgreich gegen die Kartelle vorzugehen, und deshalb muß die Erklärung des Herrn Reichskanzlers ange= zweifelt werden. Die Regierung hat scheinbar den Willen, aber gar nicht die Macht, in die Befugnisse der Kartelle eingreifen zu fönnen. Es muß verlangt werden, daß alle Wirtschaftsgruppen nicht mur beliefert werden, sondern auch in ihrer ganzen Handlungsweise freie Hand behalten; denn nur auf der Basis der freien Kon turrenz ist es möglich, eine Preisfentung vorzunehmen. Wenn die Regierung tatsächlich den Willen hat, eine Preissenfung herbeizuführen, dann soll sie schleunigst eingreifen und die Mißstände abstellen. Eine Liquidationsbilanz der Firma Stinnes. Die als„ Stüßungsaftion begonnene und offiziell zur Liqui tation gewordene Sanierung des Stinnes- Konzerns ist zu einer öffentlichen Angelegenheit größten Stiles geworden. Die Information der Deffentlichkeit über den Verlauf dieser Liquidation liegt im allgemeinen Interesse. Wir geben deshalb eine Gegenüberstellung des Stinnes'schen Hausvermögens, wie es sich Ende Mai d. J., kurz vor Beginn der Stühungsaktion und nach der Abfindung von Edmund Stinnes sich darstellte, und der bisher er: folgten Verkäufe. Da mit der Vorstellung von der Ausdehnung des Stinnes- Konzerns meist das Konzernbild nerknüpft wird, das Hugo Stinnes bis zu seinem Tode dem Konzern gegeben hatte, schicken wir eine zeitlich geordnete Tabelle jener Konzernausdehnungen Doraus, die von den Erben nach dem Tode des Vaters vorgenommen wurden. Das ist um so notwendiger, als diese Er: weiterungen nicht unwesentliche Ursachen der späteren Finanz verlegenheiten des Konzerns gewesen sein dürften. Wir verfahren dabei nach einer Darstellus, die in Nr. 32 des Hamburger Wirtschaftsdienstes" gegeben wurde. Ausdehnungen des Stinnes Fjerns feit Hugo Stinnes' Tod. Juni 1924: Erweiterung des Interesses am Barmer Bank verein( Finanzabteilung des Hauses Stinnes). Auguft 1924: Erwerb der A.-G. für Automobilbau Berlin ( 2 ga), Farbwerke Hipp und andere chemische Fabriken im Rhein- Parteinachrichten land. Oftober 1924: Gründung der Lettländischen Industrie A.-G. Riga und der H. Stinnes A.-G. für Südosthandel und Induſtrie in Wien. Mehrheitskauf der Rasquin A.-G. Farbenfabrik Köln. Kupfer und Meffingwerfe 21.-G. Elberfeld. Investition weitere: Millionen in der Westi Filmgesellschaji. März 1925: Erwerb eines Patets des Baroper WalzBaroper Walzwerks mit folgenden Stinnes'schen Eisenunterneh werks durch die Stinnes Eisen A.-G. Mühlheim und Fusion des mungen: Rhein- Lenne- Eisenwert A.-G. Mühlheim, Drahts industrie A.-G., St. Tönnis, Zich- und Preßwerke A.-G. Hannover und Eisenwerke Reisholz G. m. b. H. Gründung der Hugo Stinnes Ltd. in Edinburgh mit 100 000 Pfund Sterling zum Zweck des Kohlenhandels. Erwerb der Eisengroßhandels A.-G. William Szalay und Söhne, Wien. Abfindung von Edmund Stinnes. Zur Abfindung von Edmund Stinnes wurden verwandt: die A.-G. für Automobibau Berlin( Aga), die Teles Verkehrs G. m. b. H., die Nordstern Allg. Versich. A.-G. Bilanz der Liquidation bis zum 10. August. Bermögen der Firma Stinnes Ende Mai. ea 10 000 ha Land- und Waldgüter Hamburger Hafengelände. Berkauft oder liquidietf. Erlös 2500 ha Wald verk ca. 1,92 min verkauft ca. 4,5 Mill. Beteiligungen an Rhein- Elbe Union: nom. 21 Mill. Aftien Deutsch.- Luxemburg nom. 3 Siemens& Halste Kleinere Beteil. an Gelsenkirchen u. Boch. Verein nom. 12 Mill. Attien der Rhein- Westf. El- Werke-G. verkauft nom. 7% Berliner Handels- Gesellschaft vertaust nom. 6,3 des Barmer Bankvereins verkauft A.-G. Hugo Stinnes für Geeschiffahrt und Ueberseehandel. " " Hugo Stinnes- Riebed Del- A.- G.( Api, Olea u Stinnes verkauft verkauft) verkauft ca. 13 Mil ca. 12 Min. ca. 10 Mill. ca. 5 Mill. ca. 16 Min. nom. 19 Mill. Aftien Stinnes- Riebed- Montan Delwerte verkauft Del- 6 m. b. H.) verkauft Exportabteilung Importabteilung mit zahlreichen Unterabteilungen verkauft, wird liquidiert Samburger Berkehrs- A- G( 6 Hotels Bert ca. 40 Mil) Sugo Stinnes- Linien( 220 000 Tonnen) Roholyt A.-G.( Papier und Sellulose) Nordd. Buchdr. und Verlagsanstalt( D. A. 3. und J. und H.- Zeitung) Die engeren Interessen des Hauses Stinnes Sugo Stinnes Eisen A- G Mehrheitsbeteiligung am Mühlheimer Berg. Verein von 7 Mill Mathias Stinnes Rechen Rohlenhandelsgeschäft und Rohlenflotte( jährl. Rente 2-3 Mill.) *) Wo ein Erlös nicht ausbrüdlich angegeben, ist dieser nicht bekannt. Die Angaben über die zu deckenden Verbindlichkeiten der Firma Stinnes schwanken zwischen 165 und 180 Millionen. Mindestens 60 Millionen dürften durch Verkäufe heute gedeckt sein. Für den Rest steht die Bantengarantie über 90 Millionen und der noch nicht verkaufte Befiz. Dieser haftet natürlich auch für die Forderungen der Banken aus ihren Stügungsfrediten. Die Käufer. Als Käufer der einzelnen Objekte werden genannt für die Siemens- Halske, die Barmer Bankvereins- und die Handelsgesellschafts- Attien jeweilige Freunde der Verwaltung", für das Hamburger Hafengelände der Staat Hamburg, für die 10 000 Morgen Wald der preußische Forstfistus, für die Aktien der Rhein.- Westf. Elektrizitätsmerke der preußische Staat, für Deutsch- Luxemburg ein ausländisches Konsortium( J. Henry Schröder- London), für die Hugo Stinnes Riebed Montanaftien ein Inlandsfonsortium, geführt von der Badischen Anilin- und Sodafabrik. Dem Stühungskonfortium naheftehende Käufer: Handelsgesellschaft den Banten des Stüßungskonsortiums als MitBon den Käufern stehen außer Barmer Banfverein und Berliner glieder oder durch Freundschaft nahe: Otto Witthoeft, Mitglied des Stützungstonsortiums, Inhaber der A. D. Meyer Hamburg, bzm. übernimmt und die Firma J. Henry Schröder, London, die die Import- und Exportabteilung der A.-G. Hamburg liquidiert die an der Spize des Konsortiums stand, das feinerzeit 40 Millionen Schröder Konsortium gehört ebenfalls an das der Rhein.- Elbe- Union Berwertungsaktien der Deutschen Bant übernahm. Dem Henry nahestehende Bankhaus Dillon, Read& Co., das außer Thyssen auch der Siemensgruppe und der Rhein.- Elbe- Union Auslandsanleihen vermittelt hat. Haufes Kursveränderungen während der Liquidation. Im Verlauf der Liquidation traten dn den Attienpaketen des Stinnes starte Kursverluste ein. am 20. Mai 3. Juni 31. Juli 83,0 61,75 So standen Deutschluremburg. Rhein. Weftf. Elet.- Werke Stinnes Riebed 93,75 111,0 105,0 97,90 93,5 80,2 78,0 Barmer Bankverein 78,0 82,50 Berliner Handelsgesellschaft 132,5 128,0 Mühlh. Bergwert. 111,0 1,06,0 67,50 128,75 85,5 Die deutsche Maschinenindustrie im Juli. Vom Verein Deutscher Maschinenbauanstalten wird uns u. a. geschrieben: Während eine Reihe von Industriezweigen im Monat Juli über eine erhebliche Berschlechterung der Wirtschaftsverhältnisse flagt, hat sich die Lage der Maschinenindustrie noch als einigermaßen widerstandsfähig erwiesen. Im Gegensatz zum Juni, der eine gewisse Erleichterung gebracht hatte, war die Entwicklung im Juli aber nicht einheitlich, und bei einer erheblichen Zahl von Firmen ist doch eine recht fühlbare Verschlechterung eingetreten. Immerhin scheinen die Rückschläge an der einen Stelle durch Verbesserungen an anderen Stellen wenigstens zum Teil noch ausgeglichen worden zu sein, so daß der Eingang der Inlandaufträge sich noch im Durchschnitt auf dem Stand des Vormonats gehalten haben dürfte. Dagegen hat sich der Eingang von Auslandaufträgen noch weiter verschlechtert, und zwar allem Anschein nach in empfindlicher Weise. Start ist die Stimmung auch dadurch gedrückt, daß der Eingang von Anfragen foist. Die Aussichten für die Zukunft werden daher vielfach wohl aus dem Inlande wie vom Auslande weiter zurückgegangen schlechter als sonst beurteilt, um so mehr, als bei manchen Werken auch der Bestand alter Aufträge start zu schwinden be ginnt. Bei einer größeren Anzahl von Firmen reicht jedenfalls der Auftragseingang nicht aus, um die erledigten Aufträge zu ersetzen. Nach einer Kritik der bisherigen Zoll- und Handelspolitik heißt es im Bericht weiter: Daß die bisherige Entwicklung ausfuhrfördernd sei, darf unter diefen Umständen wohl taum behauptet werden. Die Industrie ist nollständig auf sich selbst angewiesen, um das Zieußerste von ihren Werken und Belegschaften abzuwenden. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer muß daher auch als dringliche Aufgabe angefehen werden, gemeinsam an der Hebung der Intenfität und Qualität der Arbeit in den Werfen und der Schnelligkeit und Pünktlichkeit der Lieferungen zu arbeiten. der Maschinenindustrie in der derzeitigen Wirtschaftskrisis wesentlich Vielleicht ist die verhältnismäßig große Widerstandsfähigkeit darauf zurückzuführen, daß sie nach dieser Richtung hin mit Erfolg tätig ist. Nach den Erhebungen des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten bei fast 700 seiner Vereinsfirmen waren die rechnerischen Selbst kosten vom Januar bis Juni 1925 im Mittel 11 m 4 bis 6 r.. gestiegen. dagegen der durchschnittliche Tonnenpreis ihrer Erzeugnisse im gleichen Zeitraum um mehr als 10 v. 5. gesunken. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 63. Sindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Saf. 2 Trev. rechts, au richten. 6. Sre's cuzberg. , 14. August, 7½½ Uhr erweiterte Kreis. vorstandsstei, Bieler, Dificabadftr. 76. 13. Kreis Tempelhof, Mariendors, Lichtenrade, Marienfelde. Freitag 8 Uhr Beamtenversammlung bei Hoch, Mariendorf, Chausseestr. 44, Ede BergStraße. 20. Kreis Reinickendorf. Freitag, 14. Auguft, 7 Uhr, im feinen Gigungsfaal des Rathauses Wittenau Sigung des engeren Kreisvorstandes mit den besonders geladenen Genossen und Genofsinnen. 28. Abt. Heute, Donnerstag, den 13. August: 24. Abt. Karten für die Dampferfahrt nach Heiligensee am Sonntag, 16. August, find bei der Genoffin Sydow, Jmmanuelfirchstr. 12, au haben. 25. Abt. Karten für die am Sonntag, 16. August, stattfindende Dampferfahrt nach Heiligensee sind bei der Genossin Barkowski, Woldenberger Straße 6, zu haben. 27. Abt. Karten für die am Sonntag, 16. August, stattfindende Dampferfahrt nach Heiligensee find bei der Genoffin Römhild, Sonnenburger Straße 25, zu haben. Karten für die am Sonntag, 16. Auguft, stattfindende Dampferfahrt nach Heiligensee sind bei der Genoffin Wesenberg, Ranzowstr. 8, zu haben. 31. Abt. Karten für die am Sonntag, 16. August, stattfindende Dampferfahrt nach Seiligensee find bei dem Genoffen Goldschmidt, Stolpische Straße 36, au haben. Sungsozialisten. Versammlung sämtlicher Gruppen Montag, 17. Auguft. 7½ Uhr, im roten Saal, Belle- Alliance- Str. 7/10. 1. Lichtbildervortrag: ,, Eine Reise durch Stalien". Referent: Genosse Gottfurch vom 85A. 2. Bericht vom Bezirkstag. Gruppe Prenzlauer Berg. 8 Uhr Baraden, Danager Str. 62. Vortrag des Genossen Rickisch über: Außenpolitit. Gruppe Norden. 8 Uhr Aussprache über den Entwurf des Parteiprogramms.( Vorwärts mitbringen.) Gruppe Friedrichshain. 7½ Uhr Jugendheim Tilsiter Str. 4. Bortrag des Genossen Obermayr: Paneuropa. Gruppe Neukölln. 8 Uhr Jugendheim Nogathstr. 15. Bortrag des Genossen Walter Eschbach: Kunst und Proletariat. Morgen, Freitag, den 14. August:" 3. Abt. 8 Uhr wichtige Gikuna aller Funktionäre und Funktionärinnen bei Emil Krilger, Engelufer 23. 25. Abt. 8 Uhr bei Gott, Kniprodestr. 6, außerordentlich wichtige Funktionärsigung. Tagesordnung: Stadtverordnetenwahlen. 29. Abt. 8 Uhr bei Burg Funktionärversammlung. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. Charlottenburg. 51. Abt. 8 Uhr wichtige Funktionärversammlung bei Lehmann, Königsweg 8. Der Abteilungsvorstand trifft sich eine Stunde früher. 56. bt. 8 Uhr Funktionärsigung bei Liersch, Kantstr. 62. Wichtige Tagesordnung. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. 101. Abt. Treptow. 7 Uhr Vorstandssikung mit den Bezirksführern und Bürgerdeputierten. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl und zur Aufstellung der Kandidaten. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Sozialdemokratischer Männerchor Friedrichshain". Die Gattin des Ganges. bruders Riehle ist verstorben. Beerdigung Donnerstag nachmittag 5 Uhr Friedhof Stralau. Rege Beteiligung erwartet der Vorstand. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". カラ Gefäftsstefie: Berlin G. 14. Sebastianfte. 37/38, Sof 2 Tr. Gauvorstand. Der anläßlich des großdeutschen Tages aufgenom mene Film läuft vom Freitag ab in den Richard- Oswald- Lichtspielen, Charlottenburg, Kantstr. 163. Rameraden zahlen gegen Borzeigung ihrer Mitgliedstarte auf allen Blähen nur 50 Pf. Eintritt. Außerdem läuft der Film in den Lichtspielen Friedenau, Rheinstraße, und Union- Theater, Charlottenburg, Berliner Straße. Weitere Lichtspieltheater werden in Rürze bekanntgegeben. Sonnabend, den 15., und Sonntag, den 16. Auguft. Fahnenweihe in Stettin. Fahrpreis etwa 6,80 M. Durch die starke Teilnahme der Stettiner Kameraden in Berlin wird auch vollzählige Teilnahme an der Stettiner Feier von den Berliner Kameraden erwartet. Es wird der Zug Sonntag früh 6 Uhr empfohlen, mit dem auch das Ganbanner nachy Stettin fährt. Rameradschaft Charlottenburg. Donnerstag, 13. Auguft, 7 Uhr, Abrechnung der Berfassungsfeier im Wilhelmshof, Berliner Straße, Eingang Spreestraße. Sämtliche Kameraden, die nod) Programme und Festabzeichen haben, müssen erscheinen. Dafelbft Zugversammlung des Ruges 800. Kameradschaft Weißensee mit Unterbezirken. Sonnabend, 15. Auguft, 6 Uhr, Antreten zum Propagandamterfd in 18. Berwaltungsbezirt, in Weikenige in Bannerkleidung. Fahnen sind mitzubringen. Greifswalder Ede Lehderftraße bei Gallas. Sämtliche attiven und passiven Rameraden find verpflich tet, au erfcheinen. Um 8½ Uhr sit unsere Berfassungsfeier in der BorussiaBrauerei, Berliner Allee 213. Republikaner und Gäste find herzlich willtommen. Kameradschaft Bankow mit Untergruppen. Sämtliche Rameraden Sonabend abend 7 Uhr Bornholmer Straße Ede Schönhauser Allee. Er. scheinen Pflicht. Kameradschaft Zehlendorf Freitag, 14. August, punit 8 Uhr, bei Michlen Zusammenkunft zweds Besprechung der Stettinfahrt. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Bosen, Groß- Berlin. Bereins fizung am Donnerstag, 13. August, 8 Uhr, in der Rindlbrauerei, Neukölln, Sermannstr. 214/219. Einheitsverband sozialistischer Unternehmer. Die Monatsversammlung findet am Donnerstag, 13. August, im Rosenthaler Sof, Rosenthaler Str. 11/12, statt. Erscheinen aller parteigenössischen Gewerbetreibenden dringend erwünsdt. Arbeiter Radio Klub, Prenzlauer Berg. Donnerstag, 13. Auguft, 8 Uhr, bei Morad, Kopenhagener Str. 9, Verfuchs- und Prüfabend verschiedener Apparate am Lautsprecher. Lautsprecher und Akkumulator sind da, Apparate mitbringen. Gäste willkommen! Filehner Landsmannschaft zu Berlin. Donnerstag, 13. Auguft, Jocks Ber. einshaus, Oranienstraße 36, 8 Uhr. Gäste willkommen. Deutsche Friedensgesellschaft, Ortsgruppe Berlin. Dr. Hans Wehberg fpricht am Donnerstag, 13. Auguft, 8 Uhr, über das Thema: Das Genfer Protokoll und seine Bedeutung" im Café Burchardt, Belle- Alliance- Plag 4. Verein heimattrener Westpreußen, Berlin- Süden, e. B. Freitag 8 Uhr im Klubhaus, Ohmstr. 2, Mitgliederversammlung mit anschließender Fidelitas. Landsleute und Gäste herzlich willkommen. Vereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, 14. Auguft, 8 Uhr, im Reichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbrudystr. 53 UI, Bortrag: Was bedeutet Erziehung?"( Regierungsrat Hylla). Eintritt frei. " Schlesier Verein Rübezahl, Charlottenburg. Bersammlung jeden 2. und 4. Gonntag im Monat, jeden Freitag 8 Uhr Gefangsübung des gemischten Chors im Bereinslokal Würzburger Sof, Sprecftr. 8. Landsleute, Damen und Herren, als Gänger und Gäste willkommen. Wetter für Berlin und Umgegend. Heiter bis wollig. Icine Niederschläge. Tagsüber wieder wärmer. Für Deutschland. 11eberall troden und ziemlich beiter, später im Nordwesten wieder zunehmende Bewölkung. Henko zum Einweichen der Wafche! Gutes Einweichen ist halbes Waschen! Das vorherige Einweichen lockert Schmutz und Flecke und erleichtert die nachfolgende Reinigung der Wäsche außerordentlich. Die seit nahezu 50 Jahren beliebte Henko Henkel's Wasch- und Bleich- Soda ist das gegebene Einweichmittel. Henko ist vollkommen unschädlich, ohne Chlor und schädliche Bestandteile. Vonnerstag 73. fiuguft?925 nterhaltung unö öeilage ües vorwärts Sommergesang. Von Walther G. Oschllewskl. Die Berge dampfen; Sonne knistert im Laub, Und der Himmel hängt tief. Blühende Bäume dampfen wie Träume Und einer rief: „Korn in den Winden, du Iohannisleib!" Da brausten die Bienen unter dem goldenen Stein. Die Erde sang, ein Waldruf sprang Und lief in glühenden Sommer hinein. O Sommer: Herz, du reifende Frucht! Schon duftet das Mehl im Aehrenfeld. Der Wald duftet auch, aus den Tälern quillt Rauch: Du wirst zum Erntemann dieser feurigen Welt! Der Hut. Bon Max Bernard i. Er haute ihr eine herunter. Noch eine! Ach— es tat wohl! Zwei blitzende Augen aus einem glühenden Gesicht, zwei kleine Fäuste ganz dicht unter seiner Nase.— Und dann ein Keuchen— Weinen— Wimmern. Sie hotte sich auf den Stuhl geworfen, hielt die Hände vors Gesicht. Die Ellbogen stützten sich auf dem blankgescheuerten Küchentisch. Er war zurückgetreten. Teufel auch, er wollte doch sehen! Wo war denn sein Hut? Jetzt wollte er justament gehen.— Daß es wieder so kommen mußte! Konnte er dafür? Sie wollte es ja so. Er war der beste Mensch, nur durste man— Sie schluchzte. Der gemeine Kerl! Ins Gesicht schlagen! Wo hatte sie nur ihre Augen gehabt— den rohen Menschen zu— Er suchte seinen Hut. Er hatte ihn doch dort aufgehängt. Oder war er vorhin heruntergefallen? Nein— da lag er ja, neben ihr auf dem Tisch-— Wie sie weinte! Nein, er ging nicht so nah« an sie heran. Er konnte ja auch ohne Hut gehen. Warum sollte er nicht chne Hut gehen?— Wenn sie bloß zu weinen aufhören würde. Sie blinzelte aus den Tränen heraus nach dem Hut. Ob er sich wohl den Hut holt? Der gemeine Kerl! Weshalb regte er sich so ruf— sie war auch nervös— darauf konnte er auch Rücksicht nehmen. Aber er, er— Ob er wirklich ohne Hut gehen sollte? Es könnte auffallen. Es sah so aus, als käme er von einer Rauferei. Zum Donnerwetter— es ließ sich kein richtiger Gedanke fasten. Vorhin hatte er ja auch nicht gedacht— Er nimmt den Hut nicht! Er sieht ihn doch— oder sieht er ihn nicht? Sie rückte unter Schluchzen ein wenig mit den Ellenbogen. Jetzt müßte er ihn doch bemerken!— Weshalb nimmt er ihn nicht? Ich werde ihn doch nehmen, den Hut. Weshalb eigentlich nicht? — Noch immer weint sie so schrecklich. So weh kann es doch gar nicht getan haben. Oder weinte sie, weil er so— Wenn er nicht bald den Hut nimmt, werde ich oerrückt! Er will doch fort. Es wird so spät. Er hat ohnehin keine— Ich werde den Hut doch nicht nehmen. Ich kann ja Kopf. schmerzen haben. Habe ich vielleicht keine Kopfschmerzen? Schon den ganzen Tag über- Und zehn Stunden Arbeit. Und dann heim» kommen und wiederum—— nein, er konnte nicht dafür. Mein Gott nocheinmal— Er hott ihn nicht. Er geht ohne Hut! Er wird sich«rkätten! Wo er immer über Kopfschmerzen klagt. Und dann die kalt« Nachtluft! Sie weinte oerstärkt.. Jetzt sängt sie von neuem an. Wo ich mir doch gerade den Hut holen wollte! Eine weinende Frau abends zehn Uhr ist ungemütlich. Jetzt geht er! Ohne Hut! Sie schluchzte in tiefem Weh. Er ging ohne Hut. Die dunkle Treppe hinab. „Max—■!* „Ja—!* Sie flog die Stufen hinunter. „Du sollst doch den Hut—* sie hielt den Hut in der Hand. „Ach— den Hut sollte ich--* und in der Austegung erstickte er fast an dem Wort: Die Tettenrngs-Krone. Da öes Schutzzolls arges Wert gedieh, VaZ man seine Ireunöschaflstat belohne. Nohn sich feierlich dem kanzlerthroae Dankbar nach gelöstem Zollproblem Junkertum sowohl«le Industrie, Reicht man ihm das Teurungsüiadem. Recht so! dem Verdienste seine Krone! „Du Liebe!" „Du Guter!" Sie umschlangen sich herzlich. Der Hut fiel zu Boden. Zwei Arm« streckten fich danach. Er und sie. Hoben ihn auf und trugen ihn gemeinsam die Treppe hinauf. Und auf dem Treppenabsatz wurde er noch einmal aufs Fensterbrett abgesetzt. Dann weiter ins Heim. Es war ja wieder alles in Ordnung. Wozu brauchten sie überhaupt den Hut?— Marina. 3] Von Gabriela Preisfooü. (Autorisierte Uebersetzung aus dem Tschechischen von A. Berchtold.) Und er lief, gleich nachdem der Zug an dem Wächterhäuschen vorübergefahren war, zu dem Fenster des Schusterhauses. Er hotte gehofft, daß heute, am Sonntag, der Schuster wie gewöhnlich ins Wirtshaus gegangen sei, um seine Zeitung zu lesen. Diese Hoffnung aber betrog ihn, wie ihm alles in der letzten Zett fehlgegangen war. Auf sein Klopsen kam der Hatlik selbst, die Türe zu öffnen. Iura trat, sich zu einem Gruße zwingend, ruhig ein und meldete dem Meister, daß er gekommen sei, um sich Schuhe zu bestellen, vorläufig nur ein Paar niedriger Hausschuh« aus irgendeinem beliebigen Leder. „Auch solch« Schuhe sind heuzutage nicht billig," antwortete der Schuster.„Setzen Sie sich bei uns ein bißchen nieder!" Jura blickte sich in der Stube wohlgefällig um, alles atmet« hier behagliche Ordnung. Bei ihm zu Hause in dem Wächterhäuschen war alles ganz anders,— so verwirrt—, wohl eine Folge der Krank- beit des Vaters. So denkend, war er dankbar, daß ihm ein Ge- sprächsstoff einfiel.„Mein Vater ist immer kränklich," seufzte er auf.„es geht schon bedenklich zu Ende mit ihm!" „Ich habe davon gehört," antwortete ruhig der Schuster,„und er ist ja gar nicht so alt, der Arme! Glauben Sie, nach ihm die Stellung zu bekommen? Da würden Sie es gut haben!" „Ich hoste, daß ich den Posten bekomme, der Streckenmeister ist mein Pate." „Na also, da könnten Sie von Glück reden, sogar pensions- berechtigt wären Sie dann, nicht wahr?" „Ja, alle Eisenbahner bekommen Pension, aber von Glück reden — welches Glück, da doch der Vater vorher sterben müßte!" „Freilich, freilich, man spricht nur so— alles auf der Well kann einmal geschehen!" „Ig, alles kann einmal geschehen," dachte Jura, während er den Schuh auszog,„auch die Marina kann die Meine werden!" Als der Schuster vor ibm kniete, um ihm das Maß zu nehmen. verdroß es ihn, daß Hatlik noch ziemlich schöne Haare habe. Er dachte daran, daß der Schuster nicht einmal so häßlich war. als er gemeint hatte. Nur diese garstigen, abstehenden Ohren, und im gan. zen recht unansehnlich! Jura heftete seine Augen auf die Türe: „Sehr still haben Sie es hier" „Wer sollte hier Lärm machen? Mein Weib ging schon zeitig früh aus, und Kinder sind noch keine im Haufe." Das Wort„Kinder" berührt« Jura sehr unangenehm. Trotzig den Kopf schüttelnd, fragte er:„Wohin ging die Meisterin so zeitig?" „Sie ging mit ihrer Mutter und Schwester noch Studniy zur Jungfrau Maria. Die Weiber holten etwas auf die Wallfahrt!" „Das ist bei ihnen immer ein wichtiges Ereignis," bemerkte Jura etwas gereizt. „Ich dagegen bin keiner von den Frommen," sagte lächelnd der kleine Schuster;„ich lese lieber meine Zeitung. Der Mensch muß mit dem Fortschritte gehen, nicht wahr?" Jura interesiierten die Ansichten de» Schusters nicht weiter. „Wann wird Marina zurückkommen," dacht« er bei sich und fügt« laut hinzu:„Welch langer Weg bis Stübnitz. Und da sind sie zu Fuß gegangen?" „Ah, woher zu Fuß! Mtt der Eisenbahn sind sie gefahren. Heutzutage erspart man die Eisenbahn an den Schuhen.— Sonst könnten sie auch nicht in einem Tage zurück sein, die Schwägerin hat Kinder zu Hause und ihre Wirtschost." „Da werden sie abends auf die Haltestelle kommen," dachte Jura zitternd, ober er sprach es nicht aus. aus Angst, es könnte dem Schuster auffällig sein. Also Marina war des morgens an ihm vorbeigefahren,-ünd er konnte ihr nicht einmal mit dem Taschentuchs zuwinken. „Wann werden die Hausschuhe fertig sein?" fragte er nun gleichgültigen Tones,„ich möchte wünschen, daß sie einstweilen mein Vater benützt, wenn er zeitweilig au» dem Bette steigt, er soll es bequem haben!" „Na. jetzt habe ich ziemlich viel Arbeit, aber weil es sich um den Kranken handelt, will ich sie noch diese Woche fertigmachen." „Gut, ich werde nächstens nachfragen." „So Donnerstag abend," versprach Hallik. „Gut, gut, ich werde kommen. Aus Wiedersehen, Meister!" „Und nach dem Preis fragen Sie nicht?" „Oh nein." antwortete Jura, mit der Hand abwehrend,„wir «erden uns schon einigen." „Grüßen Sie also den Vater von mir, ich wünsche, daß er diese Krankheit glücklich überstehe!" „Danke Ihnen!" Jura brach ein vertrocknetes Aestchen von dem jungen Zwetschen- bäume und zerbröckelte es in seiner Hand. „Der Mensch muß mit dem Schuster noch freundlich plaudern, wie mit einem Kameroden," sagte sich Iura bitter.„Die Schachtel mit dem Tabak und Zigarettenpapier habe ich auch vergesien, als ich mir zu Hause den neuen Rock anzog. So verliere ich ganz meinen Kops. Wer weiß, ob mich die Marina auf dem Wege von der Bahn über- Haupt anblicken wird, die zwei Weiber gehen mit ihr, und ihr Mann kommt ihr vielleicht gar entgegen!" Schließlich scheint sie mit auch so eine Heiline zu sein, mit der schwer zu reden ist!" So blieb er bis zum Abend in llnsicherheit ganz verstört. Aber was wird aus dieser seiner starken Liebe?--- Der Abendzug sauste schnell bei seinem Wächterhause vorbei, zu erkennen war niemand, nur die Lichter huschten rasch an ihm vor- über. Jura legte seine Laterne ab und eilte schleunigst dem Zuge nach bis zur Haltestelle. Da erblickte er auch schon die drei Frauen. Vor ihnen zwei unbekannte Männer. Also der Schuster ist seiner Frau nicht entgegengegangen. Jetzt war es nur geboten, den drei Frauen, vom Wege abbiegend, von weitem zu folgen, vielleicht wer- den sie sich schon in der Allee trennen! Er hatte recht geraten. Am Ende des Dorses verabschiedeten sich die Mutter und ihre ältere Tochtei( von Marina und bogen recht» ab. Marina stieg allein durch die Lindenallee hinan zu ihrem Häuschen. Juras Herz schlug heftig. Er mußte seine Schritte noch ein Weilchen mäßigen. Trotz der Dunkelheit bemerkte er scharfen Auges, daß jemand der Marina entgegenging. Also doch der Schuster? Gott sei Dank, nein! Ihr Mann war es nicht, und nicht einmal ein Bekannter, der sie aufgehalten hätte. Ein alter Mann ging gleichgültig an ihr vorüber. Letzt aber begann Iura ihr schnell nachzulaufen, erreichte alsbald die junge Pilgerin und begann nach kurzem Gruße hastig zu sprechen: „Ich war heute bei euch oben, habe mir ein Paar Pantoffel bestellt, und da erfuhr ich, daß Sie abends mit dem Zuge ankämen, da bin ich Ihnen also entgegengegangen" Sie mähigte ihre Schritte, ja, sie blieb sogar stehen:„Was machen Sie da um Gotteswillen, was ist das für eine Ausführung? Bedenken Sie doch, ich komme vom heiligen Orte und war dort bei der Beichte..... Lassen Sie mich. Grüß Gott!" Mühsam reichte sie ihm die Hand. Iura ließ sich durch ihre Ermahnung nicht einschüchtern, noch ent- waffnen. Er behielt ihre Hand wie mit einer Zange umschlosien. Vergebens suchte sich die Frau dieser eisernen Faust zu entziehen. „Ich beabsichtige ja nichts Böses mit Ihnen," sagte er mit sanfter Stimme,„daß ich von meiner großen Liebe spreche, das kann Gott selbst hören, der sie mir eingegeben hat.— Warum sind Sie, Ma- rina, nicht ein einziges Mal zu den Steinbrüchen gekommen, wie ich Sie so eindringlich bat? Noch pie im Leben habe ich jemand so demütig um etwas gebeten." „Ich bitte Sie.— was wollen Sie von mir?" entgegnete sie erschrocken.„Ich bin verheiratet, wie dürfte ich Ihnen nachlaufen?" (Fortsetzung folgt.) AAAA Wir veröffentlichen heute bas Ergebnis unseres Preisausschreibens, das von zahlreichen Einsendern sicher schon mit großer Ungeduld erwartet wurde. Die Veröffentlichung sollte eigentlich schon früher erfolgen, aber die Durchsicht der überaus zahlreichen Eingänge erforderte boch weit mehr Zeit, als wir ursprünglich selbst annahmen. Wir müssen deshalb wegen der Verzögerung um Entschuldigung bitten. Sehr schwierig gestaltete sich die Entscheidung selbst, denn 1000 Mark find für heutige Verhältnisse ein recht ansehnlicher Betrag, und es ist selbstverständlich, daß wir diesen nur einer wirklich treffsicheren Einsendung zuerkennen wollten. Im allgemeinen befriedigt uns das Ergebnis nicht, denn wir hatten unsere Erwartung auf wizigere Einsendungen eingestellt. Bahlreiche Einsender müssen mit Rücksicht darauf, daß für dieses Preisausschreiben insgesamt 100 Preise ausgesetzt wurden, Ieer ausgehen, und der Unmut der Leerausgehenden wird teilweise vielleicht etwas groß sein, zumal jeder Einsender die Ansicht vertritt, daß er allein den besten Gedanken hatte. Mit diesem Unmut rechnen wir bei unseren Preisausschreiben von vornherein und können deshalb biefenigen Einsender, die bef biefem Preisausschreiben nicht zu der Klasse der Sieger gehören, nur auf ein anderes Mal vertrösten Die Entscheidung selbst ist unparteiisch erfolgt und infolgedeffen endgültig und unanfechtbar. Die Preisfrage Iautete: ,, Bas würden Ste einem Berkäufer antworten, der Ihnen, wenn Ste efits der dret echten Rutirol- Präparate verlangen, etwas anderes aufzureden versuchte?" Den 1. Preis von 1000 Mart in bar erhielt Frau Hilde Lundberg, Berlin- Friebenan, Niebstr. 31. Reden Sie ruhig weiter, ich hol mir inzwischen Ruticol Den 2. Preis von 750 Mart in bar erhielt Herr Eduard Döring, Berlin CB 60, 3immerstr. 86. Sie stehen wohl bei der Kutirol- Fabrit auf der Biste ber faulen Runden, weil Sie die legte Rechnung nicht bezahlt haben?" Den 3. Preis pon 500 Mart in bar erhielt Serr Erich Behft, Berlin O 34, Warschauer Str.&. Wat, Rutirol ha'm Sie nich? Sie ha'm woll Ihren Baben noch nicht janz eröffnet?" Den 4. Preis von 350 Mart in bar erhielt Serr A. Schmelzer, Berlin- Friebenau, Bornstr. 6. 3hr Talent zum Reben, dazu ne Rutizol- Bertretung und to war' n gemachter Mann." Den 5. Preis von 250 Mart in bar erhielt Frau Hedwig Eichberg, Berlin NO 55, Zetterstr. 1, vorn IV. Der andere will fich wohl auch eine Weltreisevilla taufent Wie viel Prozente triegen Sie denn ab?" Den 6. Breis von 250 Mart in bar erhielt Frau Frieda Nehfifch, Berlin NO, Hufelanbfte. 15, vorn IV. Ich nehme mur Rulirol, bomit meine Füße so gut funktio nieren, wie Shr Mundwert." Außerdem brachten wir 44 Preife à 100 Mart and 50 Preise à 50 Mart, alfo insgesamt zur Auszahlung 10000 Reichsmark in bar Die glüdlichen Preisträger beglüdwünschen wir nochmals, während wir allen Einsendern hieruit unseren verbindlichsten Dank für die Bemühungen und das damit bekundete Interesse für unsere, in der ganzen Welt bekannten Rutirol- Präparate aussprechen. Wir begrüßen die vielen Millionen Verbraucher unserer Präparate mit einem breifachen Ruli- rol und bestellen noch einen schönen Gruß von Herrn Dr. Unblutig, ber zurzeit in Köln am schönen deutschen Rhein weilt. Sollten Ihnen an Stelle unserer am meisten gekauften Rutirol- Präparate von einem Verkäufer andere Präparate als aud fehr gut angeboten werden, dann antworten Sie bitte: Reden Gie ruhig weiter, ich hol mir inzwischen Auftrol." Sie erhalten die Kutirol- Präparate, bie die besten und infolgedessen am meisten getauften Fußpflege- Präparate find, In Beinate jeder Apotheke und Drogerie. Kukirol- Fabrik Kurt Krisp, Groß- Salze bei Magdeburg Fernsprecher: Schönebec/ Elbe 666, 667, 668. Drahtanschrift: Rukirolfabrik Großfalze. Verkaufsbüro: Berlin W 62, Kleiftstraße 23, L. Quaffelstrippe: Stephan 5471. Hämorrhoiden? Walter Kießling, Dresden 21, Schlüterstr. 16 Chem.- pharmac. Präparate. Bon Am 10. August 1925 abends verstarb in Neuhaus bei Schliersee( Oberbayern) das Mitglied des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft Herr Geheimer Kommerzienrat Eduard Arnhold Der Verstorbene hat ein Menschenafter lang sein reiches Wissen und seine unermüdliche Arbeitskraft in den Dienst der Eisenbahn gestellt. Mitglied des preußischen Landeseisenbahnrats, des Bezirkseisenbahnrats Berlin, Vorsitzender des Ausschusses der Verkehrsinteressenten in der Ständigen Tarifkommission und seit Gründung der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft Mitglied ihres Verwaltungsrats, war er als hervorragender Kenner des Eisenbahntarifwesens und des gesamten Wirtschaftslebens der gegebene Vermittler zwischen Wirtschaft und Eisenbahn. In Wehmut gedenken wir des treuen, liebenswürdigen, vornehmen Freundes. Wir werden seine ausgezeichnete Mitarbeit vermissen und ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Berlin, den 11. August 1925. Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft Der Präsident des Verwaltungsrats: Der Generaldirektor: Dr. C. F. v. Siemens Oeser Allen Parteigenoffinnen und Genoffen, lieben Freunden und Bekannten flir thre liebe Anteilnahme, insbeson bere bem Herrn D. Meter für seine troftreichen Worte am Sarge meines lieben Mannes meinen aufrichtigen Dant. Für die vielen Beweise innigfter Anteilnahme an dem Ableben meiner lieben unvergeßlichen Frau und unserer Mutter fagen wir allen auf diesem Wege unferen tiefgefühlteften Dank. E. Albrecht. H. Burscheid und Kinder. Gewinn- Auszug 2. Biehungstag 5. Klasse 25. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie 12. August 1925 Auf jede gezogene Nummer find awei gleich hohe Ge. winns gefallen, und zwar je einer auf die Zofe gleicher Bummer in den beiden Abteilungen 1 und 2 Nachdruck verboten Ohne Gewähr In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 Mk. gezogen 2 Gewinne zu 5000 21. 139758 14 Gewinne zu 3000 m. 14329 69789 162499 163671 177579 233857 248191 8 Gewinne zu 2000. 46249 60979 160925 251179 10 Gewinne zu 1000 221. 5424 69341 111296 116792 243898 86 Gewinne zu 500 m. 764 6488 38508 48457 56858 61210 62474 65278 69151 71154 82137 91766 106860 111546 122369 139995 140493 144632 152359 152892 160818 161793 167844 168906 172528 174283 187406 188662 195113 200534 202042 202982 208872 209736 212421 213587 217861 237432 251344 255384 255388 255783 267248 188 Gewinne au 300. 21 245 5418 15704 15861 18557 28592 81938 33242 33918 84471 36100 37636 40077 40874 49230 51784 54833 60840 641059 74617 81203 83841 86143 88734 83765 96862 98248 99090 101080 113053 115051 117939 120727 1224.0 125809 131621 133027 136926 137616 139867 141424 142727 142801 147387 148542 150703 156064 159792 160842 161618 166567 175695 180281 186290 186837 187867 188412 191039 192887 193879 194377 197226 199306 200073 200612 202640 206662 207266 211715 216485 223888 226174 226489 231319 234192 235278 237045 242543 243416 246716 246982 250460 252143 253835 253956 262466 263419 266991 266993 268721 269991 270271 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 tk. gezogen 4 Gewinne zu 10000 2. 236684 263468 8 Gewinne zu 3000 m. 42247 87819 148660 264259 16 Gewinne zu 2000. 15801 27781 86137 94379 123083 127776 176532 191561 26 Gewinne zu 1000 2. 6474 29818 38637 70417 75745 95513 121261 169749 187362 208638 227451 241221 273482 62 Gewinne zu 500 22. 8688 18834 85944 88094 40046 49585 59805 61740 69991 76584 92220 95847 97583 103424 111458 114176 133668 139810 143440 144713 146271 169558 194087 209857 213973 216110 241632 247541 258377 265835 268972 212 Gewinne zu 300 2. 1644 1924 1964 3729 3908 6797 8604 11306 11858 16209 24044 24107 28915 32964 35650 88663 39346 41442 42999 43928 44093 45426 45892 48612 58961 59267 63390 67827 68322 69688 72283 77056 78383 86981 96724 92260 92488 92753 96726 98452 111227 112835 114103 122075 123288 123999 124280 126677 129714 181167 133286 186154 143555 145661 148369 149681 150413 151759 155056 156331 158621 158634 158795 163666 164168 165832 166739 172146 176557 177578 177946 179813 179954 182567 182727 183736 185458 186864 194233 195238 197293 200366 200756 204919 206682 208973 217698 219648 222401 223511 223582 223965 234096 237244 237945 242145 246887 251495 255937 257983 261289 267174 267203 269099 269319 271142 Fahrräder Geldverkehr Arbeitsmarkt Stellenangebote 1912 Anzüge 29, Sofen 3,50. 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