Nr. 381 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 195 Bezugsvreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuaband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten" fomie ber Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile S0 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 25 Pfennig ( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erite Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worię. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. 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Er beschäftigte sich nach einem einleitenden Referat des Mitgliedes des Bundesvors standes Eggert mit der Lage der deutschen Wirtschaft, die durch die Offensive des Unternehmertums gegen ohne und Arbeitszeit sowie durch den im Bunde mit der Reichsregierung unternommenen Versuch, auf dem Wege der Gesetzgebung die Gewinnquote von Industrie und Landwirtschaft ohne Rücksicht auf die Verbraucher, insbesondere die Arbeitnehmerschaft, 3 u erhöhen, charakterisiert ist. Die gewerkschaftspolitische Konsequenz aus dieser Situation, die eine weitere Herabsehung der Rauftraft, eine Berfümmerung des Inlandsmarktes und eine Periode verstärkter Arbeitslosigkeit zur Folge haben muß, ist die entschloffene und mit gefteigertem Nachdrud durchgeführte Fortsetzung des Kampfes um die Goldlohnhöhe, den die Gewerkschaften seit der Stabilisierungskrise aufgenommen haben. In diesem Kampfe waren die Gewerkschaften auf ihre eigene Kraft angewiesen. Sie werden auch in Zukunft von dieser Reichsregierung nichts zu erwarten haben. Daher werden sie auch die bevorstehenden verschärften Rämpfe unter geschlossenem Einsatz der eigenen Mittel führen müssen. Auch der Reichsarbeitsminister scheint sich der Schule jener Birt schaftspolitiker anzuschließen, die die Ursache der Wirtschaftskrise ausschließlich in angeblich zu hohen Gehältern und Löhnen er blickt und im Wirtschafts- und Finanzministerium den maßgebenden Einfluß ausübt. Mindestens aber scheint von ihm feine entschiedene Stellungnahme gegen die vom Wirtschafts- und Finanzministerium betriebene unheilvolle Wirtschaftspolitik zu erwarten sein. Die Gewerkschaften haben angesichts der Haltung der Reichsregierung und der Unternehmer nichts anderes zu tun, als die foziale Lage der von ihnen vertretenen Arbeiterschaft zum ausschließlichen Ausgangspunkt ihrer Politik zu machen. Das ist ihre dringendste Pflicht, der sie nur durch eine durchgreifende Cohnpolitik, nicht durch fruchtlose Verhandlungen über Preisherabsetzungen ge nügen können. Dieser Weg der sozialen Selbsthilfe ist unter den obwaltenden Verhältnissen der sicherste Weg für die Gewerkschaften, ihren Einfluß auf die Wirtschaft zur Geltung zu bringen. Darüber hinaus werden sie gerade nach den Erfahrungen der letzten Monate alles daransehen, ihr mitbestimmungsrecht in wirtschaftlichen Fragen, an denen sie unverrückbar fest halten, gegen den Widerstand der Regierung wie des Unternehmertums sicherzustellen und auszubauen. Der Bundesaus schuß hat die einmütige Auffassung der Gewerkschaften in der Inkrafttreten der Getreide- und Mehlzölle. Ende Auguft. Dem Berein Berliner Getreideproduktenhändler find Mitfeilungen zugegangen, wonach die Einfuhrzölle für Getreide und Mehl in der Zeit zwischen dem 29. August und 1. Sepfember in Kraft treten werden. Noch nicht genug! Der Reichslandbund will noch höhere Zölle. Die Großagrarier, die im Reichslandbund den Ton angeben, verfahren nach dem Grundsatz, daß ein Bucherer nicht schüchtern sein darf. Die Bertreterversammlung des Reichs landbundes hat zum Zollkompromiß folgende Entschließung gefaßt: folgenden Entschließung zusammengefaßt, die einstimmige Annahme fand: Die jetzige wirtschaftspolitische Lage in Deutschland ift getennzeichnet durch das hemmungslose Streben großer Teile des Unternehmertums in Handel, Industrie und Landwirtschaft, ihre Gewinne nicht nur im Wege des wirtschaftlichen Kampfes, fondern auch im Wege der Gefeßgebung in eigennützigfter Weise zu steigern, unbefümmert um die dadurch bedingte Schädigung der ohnehin unzulänglichen Lebenshaltung der Arbeiterftlaffe. Diese wirtschaftspolitische Situation wird grell beleuchtet durch die Denkschriften des Unternehmertums an die Regierung, durch nicht beachtung verbindlich erklärter Schiedssprüche, durch Massenkündigungen Arbeitern zum 3wede des Cohndrucs, durch die fortgefehten Angriffe auf den Acht stundentag, auf die foziale Gefehgebung, auf die Rechte der Betriebs. räte, auf alle Errungenschaften der Arbeiter und durch die vom der gesamten Bauarbeiterschaft; ferner durch die ungenügende ErUnternehmertum des Baugewerbes angedrohte Generalausfperrung höhung des steuerfreien Lohn- und Gehaltsteiles, durch die gesetzliche Erhöhung der Wohnungsmieten, vor allem aber durch die Behandlung der Zollvorlage im Reichstag. mit zunehmender Deutlichkeit begünftigen der Reichskanzler Dr. Luther und die jetzige Regierung das gewinnfüchtige und eigennützige Machtftreben des Unternehmertums. Die Zollvorlage als Produkt diefer Regierung, ihre Behandlung durch die Regierungsorgane, die Geringschähung der Gutachten hervorragender Wirtschaftswissenschaftler, die Nichtbeachtung der Notrufe und Proteste der Arbeiterschaft, die Einstellung der amtlichen Schlichtungsftellen, die vielfach in der einseitigsten Weise nur die Unternehmerwünsche berücksichtigen das alles zeigt, wie sehr die jehige Regierung in den Kurs des Unternehmertums eingeschwenkt ist. Durch die preissteigernden Wirkungen der Zollgefehgebung wird bie Lebenslage der Arbeiterschaft unerträglich sonders schwer die unbemittelte Bevölkerung der Kleinwohnungen. verschlechtert. Die Erhöhung der Wohnungsmiete trifft beDie Herauffehung des steuerfreien Einkommens von 60 Mart auf 80 Mart, die Ermäßigung der Umsatzsteuer von 1% auf 1 Proz. bringen teine Erleichterung, denn sie sind durch die starke Erhöhung der indirekten Steuern auf Genußmittel mehr als aufgehoben. So bleibt die Zollvorlage mit ihrer ganzen Schwere und in vollem Umfange als Belaffung des Arbeiterhaushalts bestehen. Das ist eine für die Arbeiterschaft unmögliche Situation. Indem der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbundes diese Tatsache feststellt, richtet er an die Arbeiterschaft die Aufforderung, fich fefter denn je in den Gewerkschaften zufammenzuschließen, um in erfolgreichen Wirtschaftszufammenzuschließen, um in erfolgreichen Wirtschaftsfämpfen die Grundlage ihres Lebens zu sichern." Der Brotwucher, der jetzt schon wirksam wird, nur ,, ein schüchterner Schritt"! Wie hoch müssen die Lebensmittelpreise getrieben werden, damit die Großagrarier zufrieden sind? Zum Konflikt im Baugewerbe. Heute Fortsetzung der Verhandlungen. Die am Donnerstag nachmittag um 2% Uhr aufgenommenen Berhandlungen konnten bis 11% Uhr nachts noch nicht zu Ende geführt werden. Die Berhandlungen wurden daher vertagt und werden heute früh um 9½ Uhr fortgesetzt. Blutige Zusammenstöße mit Kommunisten. Im Anschluß an Zolldemonstrationen: Tote und Verlehte. Wolffs Bureau berichtet: Gestern abend furz nach 8 Uhr tam es an der Ede der Badund Buttmannstraße zu einem Zusammenstoß zwischen und Buttmannstraße zu einem zusammenstoß 3 wischen einem Zuge demonstrierender kommunisten und der Schuhpolizei. Die Schuhpolizei hielt den Zug zeitweise zur Regelung des Verkehrs an. Die Teilnehmer tamen aber den Anordnungen der Polizei nicht nach, sondern gingen mit& nüffeln und Pflastersteinen zum Angriff gegen die Polizei vor. Die Polizeibeamten machten von der Schußwaffe Gebrauch. Ein Polizeibeamter und ein Demonftrant, der 50 Jahre alte 21bert Straßburg, Koloniestraße 39 wohnhaft, wurden verletzt. Straßburg starb nach Einlieferung ins krantenIn Anbetracht der katastrophalen Lage der deutschen Wirtschaft, die in der Passivität der Handelsbilanz ihren Ausdruck findet, hat der Reichslandbund Reichsregierung und Deffentlichkeit auf die Notwendigkeit starker Steigerung der nationalen Erzeugung hingewiesen. lim in erster Linie die schwer darniederliegende Landwirtschaft in den Stand zu setzen, zu ihrem Teil an der allgemeinen Produktionssteigerung mitzuwirken und allmählich die Unabhängigkeit Deutschlands von ausländischer Nahrungsmitteleinfuhr sicherzustellen, hat der Reichslandbund im Hinblid auf den starken Zollschuh, den die Industrie bereits genießt, eine einheitliche große Zollvorlage gefordert. Weder der von der Regierung vorgelegte Zolltarif noch das von den Parteien vereinbarte 3ollkompromis find ausreichend, um die Landwirtschaft in den Stand zu sehen, ihre gewaltigen natio- haus. nalen Aufgaben zu erfüllen und die volkswirtschaftlichen Gefahren Zu einem zweiten Zusammenstoß tam es in den Abendstunden der passiven Handelsbilanz zu beseitigen. Der Reichslandbund fann deshalb in dem vorliegenden Kompromiß nur einen ersten schüchternen Schrift auf dem Wege zu dem großen nationalen Ziel erkennen. Der Reichslandbund wird alle Kräfte anspannen, die end= gültige Lösung der großen volkswirtschaftlichen Fragen trotz der im Wege stehenden starken parteipolitischen Zerflüftung in dem von ihm pertretenen Sinne durchzusehen." vor dem Hause Frankfurter Allee 333, wo zwei Polizeioffiziere und einige Polizeiwachtmeister von einer großen Menge angegriffen wurden, als sie einz Festnahme vornahmen. Auf die Polizeibeamten wurde mit Stöden eingeschlagen, so daß sie von der Waffe Gebrauch machen mußten. Drei Polizeibeamten und ein Demonftrant wurden verletzt. ( Siehe auch 3. Seite.) Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Poftfcheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasie Lindenstraße 3 China und die Mächte. England. Dämmerung im fernen Often. Bon Dr. Rich. Huelsenbed. ting fuhr, faß mir gegenüber ein Mann, der seinem Aeußeren Als ich mit dem Schnellzug von Schanghai nach Nangnach unverkennbar nur dem Lande der Ford- Cars, der Wolfenfrazer, der Weiberherrschaft und des Eiswassers angehören fonnte: Amerita. Dieser Mann war, wie sich bald herausstellte, Herr Brownie, einer der Herausgeber des, Peking Obferver", der größten mit amerikanischem Geld aufgemachten Beitung Chinas. Die Unterhaltung mit Herrn Brownie freiste um ein Thema, das in der legten Zeit zu einer nie geahnten Aktualität ge= tommen ist: die langsam schwindende Macht der Engländer im fernen Often. Ich will versuchen, das Wesentliche dieser Unterhaltung wiederzugeben. Das zeigt sich vor allem in seinem Verhältnis zu Japan, England hat den Krieg im Osten verloren. das sich ökonomisch und industriell selbständig gemacht hat. Das Bündnis mit Japan gab England vor dem Krieg eine fichere Kontrolle aller östlichen Angelegenheiten in die Hand. Die Auflösung des englisch- japanischen Bündnisses, die ziemlich unbeachtet vor sich gegangen ist, war eine der wichtigsten Erscheinungen der Emanzipation des Ostens und der östlichen Bölker. Abgesehen von den zahlreichen psychologischen Gründen, die man für die wachsende Selbständigwerdung der östlichen Bölfer heranziehen fann, war es im Falle Japans hauptsächlich der Krieg, den man für die Wendung der Dinge verantwortlich machen muß. Bor zehn Jahren hatte Japan kaum ein eigenes Schiff, heute wird jeder Nagel im eigenen Lande verfertigt. Städte wie Robe und Osata haben eine Industrie, die einen Vergleich mit den industriellen Zentren Englands oder Deutschlands nicht zu scheuen brauchen. Der Krieg hat Japan praktisch und theoretisch demonstriert, daß man ohne eine sofortige und rücksichtlose, Uebernahme der modernsten westlichen Produktionsmethoden der Gefahr des Unterganges ausgesetzt ist. Motorisierung gehen in Japan in einem Tempo weiter, pon Danach hat man gehandelt. Die Maschinisierung und dem man sich in Europa nur schwer eine Vorstellung machen fann. Das deutliche Schwinden der wirtschaftlichen Macht Englands zeigt sich sehr gut in seinem Konkurrenzverhältnis zu Japan in Bezug auf China. Japan ist auf China in zweierlei Hinsicht angewiesen. Einmal ist China die Bezugsquelle für seine Rohstoffe und dann ist es und wird es in immer stärkerer Bedeutung sein sein größter Absahmarkt. Der Engländer ist dem Chinesen verhaßt, weil er bei ihm den brutalen Machthunger fühlt, der China schon mehrere Kriege und die Revolution vom Jahre 1911 eingebracht hat. Mit Japan haben die Chinesen trotz aller Feindschaft zahlreiche kulturelle Zusammenhänge, die bis auf die japanische Restauration im zwölften Jahrhundert zurückgehen. Die Chinesen find fulturell zu felbständig und zu stolz auf die Tradition ihrer großen Geschichte, als daß sie der von den Engländern importierten Moral eine ernsthafte Beachtung schenken könnten. Die Erfolge des Christentums sind nur scheinbare und es haben sich gerade in letzter Zeit aus den Kreisen der besten chinesischen Intelligenz die Stimmen gemehrt, die eine energische Ablehnung der englisch- europäischen Weltauffaffung fordern, die nach innen die Liebe predige, und nach außen brutal handele. China hat heute wie Japan begriffen, daß es ohne Annahme der zivilisatorischen Methoden der Angriffsluft seiner Gegner erliegen muß. Hierüber sind sich die Anhänger Sungatfens ebenso flar wie die Bertreter der reaktionären BupeifuGruppe. Es tommt nur darauf an, in welcher Weise man die notwendige Umstellung vornimmt. Und da hat es sich gezeigt, daß die Chinesen die Waren, die sie brauchen, lieber von Japan als von England beziehen deshalb, weil Japan infolge seiner öftlichen Einstellung und infolge der Tatsache, daß es denselben Zivilisationsprozeß durchgemacht hat, mit dem fich China heute herumquält, die chinesischen Bedürfnisse besser begreift. Die japanische Produktion versteht es, sich auf die nicht ausgesprochenen Wünsche der Chinesen einzustellen. Ueberall da, wo der Engländer brutal wird, weil sein Verständnis aufhört, fängt der Einfluß der Japaner erst an. Die Exportziffern des japanischen und englischen Handels und die Verschiebung zugunsten Japans zeigen, daß es sich hier nicht um vage Ueberlegungen, sondern um sehr ernste Wirklichkeiten handelt. Amerita ist der andere große Konkurrent, der England im Osten durch den Krieg erstanden ist. Ebenso wie Japan besaß Amerika vor dem Kriege teine eigene Flotte. Heute beherrscht es mit seinen Schiffen den pazifischen Ozean und dehnt, auf die Philippinen gestützt, seinen Machtbereich täglich meiter aus. Auch bei einem Bergleich mit Amerika läßt sich das Schwinden der englischen Macht am besten im Hinblick auf China beobachten. China ist von den Amerikanern niemals brutalisiert worden. Amerika hat das Geld, das ihm aus der Liguidation der deutschen Unternehmungen durch die chine- fische Kriegserklärung an Deutschland Mfloß, in generöser fca>u»vS-andt, irj China Universitäten und Schulen zu bauen. Der Chinese Hot bei dem Amerikaner nicht das Ge- fühl, das er christlich predigt und heidnisch handelt. Der Amerikaner muß, wenn er im Osten wirtschaftlich Erfolg haben will, seine Gedankenwelt umstellen. Da ihm das infolge seines stark ausgeprägten Selbstgefühls sehr schwer wijrd, stellen sich ihm ungeahnte Schwierigkeiten in den Weg. Um so energischer verfolgt er die Vergrößerung seiner mora- tischen Macht. Das beste Mittel, das ihm hierbei zur Ver- fügung steht, ist der amerikanische Film, der den Chinesen amer'kanischc Lebenssitten und Lebcnsgewohnheiten als vorbildlich hinstellt. Diesem Einfluß haben die Engländer nichts entgegenzusetzen. So wie sie die letzte Entscheidung in wirt- schaftlichcn Dingen an die Japaner abgeben mußten, haben sie die Rolle des unparteiischen Beraters und kulturellen Secl- sorgers der Chinesen den Amerikanern abtreten müssen. Der englisch-rusfische Gegensatz ist nichts an- dcres als ein Kampf um den wirtschaftlichen und moralischen Einfluß in den asiatischen Ländern und auch hier spielt China die Rolle des Hauptkampfplatzes. Es würde zu weit führen, wenn man die Gründe für die Neigung vieler gebildeter Chinesen zu der Ideenwelt der Bol- schewisten aufzählen wollte. Es ist jedenfalls bekannt, daß es heute in China eine revolutionäre.Partei gibt, die eine intime Anlehnung an Rußland sucht. Dagegen gibt es in dem ganzen ungeheuren Lande auch nicht ein kleines Grüppchen, das einer Freundschaft mit England das Wort redete. Was tut England, das viel zu klug Ist, um die Verände- rung seiner Lage nicht einzusehen, gegen die fortschreitende Verminderuna seiner Macht? Es beabsichtigt, S i n g a p o r e als einen Kriegshafen ersten Ranges auszubilden. Es reagiert mit dem von ihm im Laufe der Jahrhunderte erprobten Mittel einer Verstärkung feiner brutalen militärischen Ueberlegenheit. Es erscheint mehr als fraglich, ob es ihm mit solchen Mit- teln diesmal noch gelingen wird, eine Entwicklung aufzuhal- tcn, die hauptsächlich deswegen eingetreten zu sein scheint, weil England unfähig geworden ist, im Streite um die Macht im fernen Osten mit neuen Ideen vertreten zu sein. Streikunruhen in Schanghai. Rem Jork. lZ. August. fTU.) Zu Schanghai drangen flrel- (ende hasentuli» in das Chinesenviertel ein und plünderten die Nahrungsmillelläden. Die Polizei eröffnete sofort das lkeuer. wobei es Tote und verwundete gab. Die Streikenden veranstalteten darauf eine große Kundgebung im Ausländerviertel und vor der Handelskammer. Drohung ües„ßrontbanns�. „Feuer unter der Oberfläche". Ummiltelbar nach dem Reichsbannertag, am Montag abend, kündigte das Hauptorgan der völkischen Erneuerer, die„Deutsche Zeitung", drohend an, man werde unangenehme Ucberraschungen erleben: Wenn man glaubt, daß die Halbnationole Regierung und der verehrte Generalfeldmarichall als Reichspräsident bau Endziel aller vaterländischen Wünsche sei und die Partei- politisch unabhängigen vaterländischen verbände sich daher schön brav zurückzuhalten hätten, so irrt man gewaltig und wird eines Tage? sehr unangenebm überraschi sein. Die angekündigte„unangenehme Ueberraschung" trat dann auch prompt ein in Form jener völkischenRadau- t r n p p s, die im Berliner Westen allabendlich friedliche Passanten anrempeln und mißhandeln und nachgerade zu einer Landplage geworden sind. Europa als KunstlanS. Im Kunsthause zu Zürich ist. soeben die Internationale Kunstausstellung eröffnet worden. Von den Aus- stellungsstiicken, Gemälden, Bildwerken, Aquarellen und Zeich« nungen stellt Deutschland allein Mi. Aber auch qualitativ steht «z an erster Stelle. Den Mittelpunkt der deutschen Abteilung bilden die Werke von L i e b e r m a n n und C o r i n t h, die zujammon im großen Saal drei zweiten Geschosses auegestellt find. Lieberniann mit einer Reihe von fünfzehn seiner besten Bildnisse, Landschaften und figürlichen Gemälde aus den letzten Jahrzehnten: Lovis Corinth mit dreizehn seiner neuesten Werke, alle aus den Jahren darunter vor allem das große Selbstbildnis vom Walchensee, das Bildnis de» Reichspräsidenten Ebert und die letzte figürliche Komposition des Meisters, das in diesem Frühjahr entstandene„Ecce Homo": dazu Landschaften, Stilleben und Figurenbilder, hie zum größten Teil überhaupt noch nicht ausgestellt waren. Da».Troianische Pferd", das sich augenblicklich als Leihgabe in der Berliner National-Galerie befindet, und das als Mittelpunkt der Reihe von Corinth» Werken vorgesehen war, ist für die Züricher Ausstellung nicht zu erhalten gewesen. An Liebennann und Corinth ichließt sich in einem besonderen Räume Max S l e v o g t an, mit siebzehn ausgesuchten Gemälden, darunter ein Selbstbildnis als Jager, das bekannte Bild„Der Piqueur" u. a. Um diesen Kern der deutschen Abteilung gruppieren sich dann alle diejenigen Künstler, die die neue deutsche Kunst vir» treten. Da ist Karl H o f e r, in der Schweiz kein Unbekannter» mit neun für ihn typischen Gemälden, Max Beckmann mit einer Serie festumrisfener Darstellungen, Otto D ix unter anderem mit seinem vielnmstrittenen„Schützengraben", George G r o sz und Felixmüller mit einigen Proben: dann Heckel, Nolde, S ch m i d t- R o t t l u f s mit kleineren, gut gewählten Reihen. Reichhaltiger mit Gemälden und Zeichnungen ist Rudolf Groß- mann vertreten. Von deutschen Bildhauern Albiker u. a. mit seiner von der diesjährigen Berliner Akademieausstellung her bekannten„Nyx Anadyomen«", Barlach mit Holzplastiken, Porzellanen und Zeich- nungen tn einem Sonderraum, der die Schweizer besonders anzieht. De F I 0 r i mit neueren Arbeiten, Georg Kolbe und Edwin Scharff mit ausgewählten Kollektionen ihrer besten Werks. An diese siebzehn deutsche Maler und Bildhauer schließen sich die Oesterreicher Kokoschka und F a i st a u e r an. Die Franzosen sind u. a. vertreten durch Gleize», Leqer, Henri M a t i s s e, der mit stcbenimdzwanzig Gemälden und Zeich- nungen den Miitelsaal beherrscht, Picasso, R o u a u l t. der eben- falls besonders reichhaltig zur Stelle ist. dann Maurice Utrillo, der im Kuppelsaal des ersten Stockes den Mittelpunkt dieser Abteilung bildet und.in sechzehn Gemälden gezeigt wird, end» lich Vlaminck und die Bildhauer Charles Despiau und A r! st i d c M a i l lo l, von denen schöne Stück« zu sehen stnd. Von den Spaniern sieht man M a n o l a: Italien zeigt F e l i c e C a s 0 r a t i und U b a l d o 0 p p i mit stattlichen Reihen! die Russen Chagall und Kandinsky. Die Schweden sind durch Grünewald und S k ö l d vertreten, die Norweger durch ihren Angesichts der poNzeMchen Ankündigung der Schutz- haft-Sammeltransporte ruft die„Deutsche Zei- tung" unverblümt zum Wider st ande gegen die Polizei auf, indem sie schreibt: „Es ist nicht anzunehmen, daß die Demonstranten sich widerstandslos w:e ein Haufen Vieh werden zusammen- treiben und zum Polizeipräsidium befördern lassen. Die etwa dar- au» erwachsenden Aolgen fallen aus das haupk des herru Grzc- sinsski." Das war im Morgenblatt vom Donnerstag. Am Abend desselben Tages wird die„Deutsche Zeitung" noch deutlicher. Sie ruft:„Heraus mit den Frontbann-Mitgliedern!" und fügt hinzu: „Wir haben täglich betont, daß da» Aeuer unter der Ober- fläche glimmt. Man täusche sich nicht über die aufgespeicherte Er« bilterung der völkischen kreise, und man überspanne nicht den Bogen: da» Maß ist übervoll." Das ist nichts anderes als eine glatte Aufforderung zu weiteren Gewaltakten des völlischen Frontbanns oder Jungsturms, nichts anderes als der Versuch, den Polizei- Präsidenten und feine Beamten einzuschüchtern, um dann im Trüben fischen zu können. Allerdings wird dieser Nötigungs- versuch zwecklos bleiben._ vor öer Stillegung üer figa! Auswirkungen der Stinnes-Liquidation.— Was tut die Reichsregierung K Wie wir bereits vor einigen Tagen ankündigen konnten. droht die Liquidation des Hugo.- Stinnes- Privatkonzerns auch auf die sehr produktionsfähigen Betriebe überzugreifen. Der Aktiengesellschaft für Automobilbau in Lichtenberg werden die zur Fortfüh- rung des Betriebes notwendigen Kredite gesperrt, obwohl die- ses Werk gar nicht zur Vermögensmasse des verschuldeten Hugo-Stinnes-Konzerns gehört. Die Aktienmehrheit ist im Be- sitz von Edmung Stinnes. Der Betriebsrat dieses Unter- nehmens veröffenticht dazu folgenden A l a r m r u f: Wie mit der Existenzmöglichkeit von Tausenden von Arbeiter- und Angestelltensamilien gespielt wird» wenn die kapitalistischen In- teressen es erfordern, zeigt der Vorgang, der sich mit der Aga, Aktien- gcsellschaft für Automobilbau, Berlin-Lichtenberg, abspielt. Im vorigen Jahre würde in der allgemeinen Krise auch die Aga saniert. Professor Schlesinger von der Technischen Hochschul« Char- lcttcnburg sagte damals in seinem Gutachten, daß es bedauerlich für unsere Wirtschaft wäre, wenn ein so gut eingerichteter Betrieb zer- schlagen würde. Daß dieses Urteil richtig war, beweist das spätere schnelle Aufblühen des Betriebes. Jetzt steht das Werk scheinbar wieder vor dem Z us a m m e n b r u ch, trotzdem die Aga mit Ssttz Wagen Monats- lcistung rentabel produziert. Was stnd die Ursachen? Fol- gende: Der größte Teil, nämlich 6-? Proz. de» Aktienkapitals, de- findet sich im Besitz von Dr. Edmund Stinnes, dem Bruder de« jün- geren Hugo Stinnes, besten Vermögen jetzt von einem Banken- konsortium liquidiert wird. Dr. Edmund Stinnes hat sich im Mai von dem Stinnes-Konzern getrennt. Er wurde in der Erbschafts- ouseinandersetzung abgefunden und übernahm u. a. die Autoindustrie. Das Bankkonsortium, das unter Führung der Darmstädter und Nationalbank steht, sperrt nun plötzlich die zugesagten und für das Werk notwendigen Kredite, um Dr. Edmund Stinnes zur Anerkennung Ihrer Forderungen zu zwingen, auf die Gefahr hin, da- bei den Beirieb zur Sirecks zu bringen. An sich könnte es der Arbeiter- und Angestelltenschaft gleichgültig bleiben, wenn die kapitalistischen Haifische sich gegenseitig verschlingen. würden Vicht Tausende vonArbeitersamilien durch diese kapitalistischen Interestentämps« brotlos. Di« Betriebsräte de» Werkes haben sich an alle Instanzen, sowohl an die Regierung wie an die Organisationen gewandt, um dieses Der- blechen an der im Werke beschäftigten Arbeiterschaft zu verhüten. Die Betriebsräte de« Werke» verlangen von der Staats- und von der Reichsregierung, daß sie all« Mittel anwenden, um diese P t o- duktionsstätte zu erhalten. Nicht im Interest« von Dr. überragenden Edvard Münch, besten vierzehn prachtvoll« Bildet teilwei)« aus deutschem Besitz stammen, und durch Per Krogh. Schweizer Künstler findet man auf der Ausstellung nicht, weil eine vorangegangene nationale Kunstausstellung sie ausgiebig gezeigt halte und auch zurzeit durch die groß angelegte Ausstellung schweize- rischer Kunst in Karlsruhe die wichtigsten Werke festgelegt sind. Wie Dr. Wartmann, der Konservator de» Kunsthaüses Zürich, in seiner Eröffnungsrede hervorhob, handelte es sich bei dieser von der Züricher Kunstgesellschaft veranstalteten Ausstellung keinesfalls um eine Benutzung de» Klischees der großen internationalen Aus- stellungsmärtie oder Marktausstellunqen, auch nicht um irgendwelche ostizielle Demonstration dessen, was in allen Ländern von Künstlern produziert wird, sondern es war die Idee der Ausstellung, die Der- einigung von Werken heute schassender und führender Maler und Bildhauer als Repräsentanten der Kunst unserer Zeit zu geben, nicht nach Nationen oder politisch-geographischen Landesbegrifsen zusammengestellt, sondern Europa als einzige» Kunstland betrachtet und befragt. Bon diesem Standpunkt aus ist die Der- anstaltung hochbedeutend, und Deutschland hat allen Grund, den Veranstaltern im Nachbarlande besondere Anerkennung zu zollen. „Gllechen Corinth". Von f). Heinrich, Waidmannslust. Wenn man Lovis Corinth» gedenkt, wird man„Ollechen" Cormth nicht vergessen dürfen. Von der Mutter hott« der Meister in seinem Charakter vieles geerbt. Ich lernte sie in Königsberg näher kennen, wo ich von lStz< bis 188ö Flurnachbar der Eltern Eorinth» in der Stein- dammer Lavendelstraße war. Der Vater war zu jener Zeit ver- eidigter Wiegemeister im Kohlenlager der Kaufmannschaft oder beim Getreidespeicher. Die beiden Alten lebten in sehr dürstigen Ver- Hältnissen. Ollechen Corinth mußte die Pfennige zusammenhalten. Und sie war auf ihre Weise ein ökonomisches Genie. Der Vater priemte gern, Kautabak aber kostete Geld. Da sammelte„Ollechen", wenn es Backpflaumen gab, die Steine— und dieser Ersatz für Priem bekam ihrem Corinth bester al» Kautabak. Eine ähnliche ökonomische Maßnahme Ollechen» verdankt, was vielleicht unbekannt sein dürfte, Corinths Bild„Der Schnaps» r i e ch e r" seine Entstehung. Schnaps wurde bei Corinth» all« Tage gekauft, bei der fälligen Lohnzahlung, bei der auch die anderen Bedürfnist« für die nächsten zwei Wochen gedeckt wurden. Ollechen erstand dann für„ein Dittchen'(10 Pfennige) Branni- wein. Damit mußte Vater 14 Tage reichen. Natürlich tonnt« er nicht alle Tage davon trinken. Da durfte meistens nur daran gerochen werden. Corinth hat während der Zeit, wo ich Flurnachbar seiner Eltern war, dies« nicht besucht. Sie wußten auch nicht, wo ihr einziger Sohn steckte: denn, soviel ich weiß, wurden zwischen Eltern und Sohn auch keine Briefe gewechselt. Das wäre auch für„Ollechen", obwohl sie ständig von Lovis schwärmte und er- zählte, unverantwortliche Verschwendung gewesen. Daß Corinth aber die Anregung zu seinem Bild« aus der Steindammer La- vendelstraße geholt hat, beweist die Tatsache, daß der„Schnaps- riecher' die Züge seines Baters trägt. Edmund Stinnes, sondern im Interesse der deutschen Volkswirtschaft und letzten Endes der Berliner Arbeiterschaft, welch« Produktions- statten braucht. Von einer Stillegung der Aga würden unmittelbar 240» Arbeiter und Angestellte betroffen werden. Da aber die Fabrik 75 Proz. ihres zum Automobilbau benötigten Materials von anderen Unternehmungen bezieht, ist damit zu rechnen, daß eine Stillegung die Arbeitslosigkest für etwa 8 0 Öl) Ar- beiterfamilien zur Folge haben würde. Hauptsache: Sürgerblock. Sie möchten so weitermache». Die„Kreuzzeitung" widmet der Tätigkeit des Zoll- und Steuerblocks im Reichstag ein Nachwort. Sachlich ist es au? die Tonart gestimmt: immer noch nicht genug!— politisch auf die Tonart: es lebe der Bürgerblock: „Es sind große, bedeutungsvolle Gesetzeswerte, die im verflösse« nen Tagungsabschnltt verabschiedet wurden: um die hauptsächlichsten zu nennen: Auswertung, Steuerreform, Zolloorlage, Amnestie. Gegen all« diese Gesetze lassen sich schwere Bedenken erheben. es ist eben Kompromißarbeit. Aber erfreulich ist es, daß es eine bürgerliche Mehrheit war, die sie gegen Sozialdemokraten und Bolfchewisten annahm. Es macht nicht« aus, daß häusig die Fraktionen Koch(Weser) oder von Graes« die rot« Opposition verstärkten, die Scheidung zwischen Bürgerlichen und Internationalen war doch eine reinliche und darum erfolgreiche." In diesem Nachwort wird mit großer Deutlichkeit gesagt: „der Zollblock ist der Bürgerblock, und das ist er» freulich". Die Reaktionäre vom reinsten Wasser wünschen das Weiterfunktionieren dieses Bürgerblocks, um zu erreichen, was sie für diesmal noch nicht erreicht haben— was bleibt ihnen übrigens noch viel zu wünschen übrig? Sie möchten, daß das Zentrum so weiter mit ihnen arbeitet. Wir empfehlen die nachbarlichen Wünsche der„Kreuz- zeitung" den Zentrumspolitikern zur Beachtung, die eine Rechtsentwicklung in Deutschland nicht zu erkennen vermochten — selbst mitten im Zollkampf nicht. Reichsrat unü Zollvorlage. Zollvorlage und Ermächtigung angenommen. Der Reichsrat beschäftigt« sich am Donnerstag u. a. mit den Gesetzen, die der Reichstag noch kurz vor seiner Vertagung verab- schiedet hat. B»! der Besprechung der Zollvorlag« ließ die sächsische Reglern ng erklären, daß die Ermächtigung der Reichsregierung, im Falle eines dringenden wirtschaftlichen De- dürfnisses mit Zustimmung des Reichsrats und eines Reichstags- ausfchusses die Eingangszölle zu ändern oder aufzuheben oder zoll- freie Waren mit Eingangszöllen zu belegen, nach den Beschlüssen des Reichsrat» in ähnlich gelagerten früheren Fällen nur mit einer Zweidrittelmehrheit hätte erteilt werden dürfen. Dies« Mehrheit sei bei der Verabschiedung der Zollvor- läge im Reichstag nicht vorhanden gewesen. Sachsen sei aus diesem Grunde nicht in der Lage, der Vorlage zuzustimmen. Dieser Er- klärung schlössen sich die Vertreter von Lübeck, der Provinz Sachsen, der Stadt Berlin und Hessens an. Der Bericht- erstatter, Ministerialdirektor F r i ck, wies darauf hin. daß die Ver- fassungsbedenien im Ausschuß des Reichsrats besprochen worden seien, der Ausschuß des Reichsrats aber trotzdem beschlossen habe. kelnen Einspruch gegen das Gesetz zu erheben. Staatssekretär Z w e i g« r t erklärt« namens der Reichsregierung, daß an der Ver- fassungsmäßigkeit des Gesetzes nicht gezweifelt werden könne. Der Vorsitzende stellte dann, da der Antrag Sachsen nicht genügend unter- stützt wurde, fest, datz der Reichsrat mit Mehrheitsbeschluß von den B c s ch l Ls s e n des Reichstages zur Zolloorlage Kenntnis nehm«, ohne Einspruch zu erheben. Ebenso wurden die verschiedenen vom Reichstag verabschiedeten Handelsverträge zur Kenntnis genommen. Anläßlich der Aufrechterhaltung der Reichstogsbeschlüsse über die FürsorgefürSozialrentnerundKleinrentner trotz Damals war die Zeit des Sozialistengesetzes und es wehte in Königsberg eine scharfe Geheimbundsprozeßlust. Trotzdem warben wir für die Sache des Sozialismus. Dater Corinth sympathisierte sehr mit uns, konnte ober nicht so mitmachen, wie er gern wollte, weil der„vereidigte Wiegemeister" dann mit dem Berlust seiner Stellung rechnen mußte. Dagegen hat Ollechen aktiv in unsere Bewegung— resolut wie die alte Dame war— eingegriffen. Wir bezogen damals den Züricher„Sozialdemokrat" und ich war Deckadressat. Die Aerbreitung an die Genossen war Sache meiner Frau. Deckadressat für d«n„Sozialdemokrat" zu sein, war aber keine ungefährliche Sache. Wir mußten immer damit rechnen, daß dem Postboten, der das Paket brachte, die beschlagnehmende Polizei folgte. Da sprang denn Ollechen«in. Sobald das Paket mit dem„Sozialdemokraten" anlangte, ging es zu ihr und es war dort, wie sie mir lachend sagte,„sicherer wie in'nc Kirch'."___ Aaschlstlscher Thealerskandal. Unsere nationalistischen Theater- stürmer, die schon oft die Kunst in den Dienst ihrer politischen Ten- dcnzen zu stellen versuchten, haben kürzlich auch in Italien würdige Nachfolger gefunden. In Genua' wurde vor einigen Tagen die „Traxedia amorosa" von Sem Benelli ausgeführt, der als Gegner des Faschismus bekannt ist. Die zweite Aufführung des Stückes wurde durch Faschisten gestört, und es kam im Zuschauerraum und sogar auf der Bühne zu regelrechten Prügeleien. Da die italienische Polizei sich nicht in Gegensatz zum Faschismus setzen darf, hat der Polizeipräsekt von Genua kurzerhand die weiteren Vorstellungen des Wertes„im Interesse der öffentlichen Ordnung" verboten. ver humane Gaskrieg. Auf seiner jährlichen Zusammenkunft, die in Los Angeles stattfand, sprach sich der geschästsführende Aus- schuh der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft gegen das Verbot der Verwendung von Gasen im Kriege au». Der Ausschuß erklärte. der Verzicht aus die chemische Kriegsührung bedeute die Rückkehr von humaneren Methoden zu den alten grausamen Kriegsmitteln.— Es ist anzunehmen, daß die menschenfreundlich« Versammlung mit einem doppelten Hoch auf die Giftgase und Seuchenbazillen nnd auf die Derdienstmöglichkeiten, die durch sie geboten werden, schloß. Situ»ha« Kino. Infolge der neuen ftädiischen LuftbarleitSstcuern weiden fämlliche Lichlfpieitheater von Köln und Umgegend vom 17. ab ge- schloffen. Sorkl al» vrolekior etaer akralvlfchea Sledelang. Eine kandwirtschast. liche Kolonie Im ukrainischen Bezirk Poltawa balle zu Ebren Maxim Morki» sich Aorkl-Kolonle benannt. Der setzt in Zorrent weilende Dichter bat einen Brief an die Verwaltung der Kolonie gerichtet, um einige pbolo« grapbische Aufnabmen der Siedelung gebeten und zugleich die Kolonisten darauf bingeroielen. daß der jetzige bedeulungSvvlle hifforifche Moment ganz besonder« Anstrengungen fordere,.um auf Erden ein neue» freie« Leben aufzubauen'. Türkische Theater stücke In Zapaa. Wie der.Watan' meldet, ist ein« der bekanntesten türkischen Theaterstücke von einem lavoniichen Professor tn keine Muttersprache übersetzt worden und an javanischen Bühnen zur Auf» Iffbrung gelangt. E« handelt sich um da» Wert de» FreiheitSdichter« Ramvq kemal:.Tilistria'. Die Ueberjetzung weiterer Stücke in» Javantfche soll folgen. Die blutigen Demonstrationen. A« der Badstraße und Frankfurter Allee. lieber die Zusammenstöße zwischen Schutzpolizei und Kam- munisten, bei denen zwei Demonstranten getötet wurden, gibt die BS.-Korrespondenz eme ausführliche Darstellung: Die Kommunistische Partei hatte am gestrigen Donnerstag abend ihre Anhänger aus sechs großen Plätzen Berlins, und zwar nach dem Bülowplatz, dem Brunnenplatz, der Landsberger Allee, dem Hohenstaufenplatz und Winterfeldtplatz sowie nach dem Fried- richshain, zusammenberufen, wo nach den Ankündigungen gegen die Annahme der Zollgesctze Protest erhoben werden sollte. Beim Abmarsch von den Versammlungen ist es nun an zwei Stellen zu blutigen Zusammenstößen gekommen. An der Ecke der Bad- und Buttmann st rahe erschien ein Zug von etwa ö— 600 kommunistischen Demonstranten, der dort den Strahenzug vollkommen versperrte und den Verkehr unter. band. Die Kommunisten terrorisierten die Lenker der Fuhr- werke, ebenso wie die Passanten, und gingen handgreiflich gegen diejenigen vor, die sich ihren Uebergriffen zu widersetzen versuchten. Die Schutzpolizei forderte schließlich die Demonstranten auf. ihren tu g zu teilen und dem Berkehr freie Bahn zu gewähren. Als ntwort ertönte aus den Rechen der kommunistischen Frontkämpfer das Kommando:„Zum Angriff vor!" Im nächsten Augenblick stürmten etwa 100 Kommunisten, die mit Schlagringen und Knüppeln bewaffnet waren, und die außerdem unter den Jacken P f l a st e r st e i n e trugen, gegen das kleine Kommando der Schutz- polizei an. llnter dem Steinhagel mußten die Beamten, von denen mehrere verletzt worden sind, zunächst zurückweichen, machten dann aber die Schußwaffen bereit und forderten die Kommunisten nochmals auf, auseinanderzugehen. Als Antwort drang die Menge auf die Beamten«in, die nunmehr mehrere Schüsse abgaben. Einer der Demonstranten, der SOjährige Albert S t r a ß b u r g, Kolonie- straße 179 wohnhaft, brach schwergetroffen zusammen und wurde später ins Krankenhaus geschafft, wo er jedoch kurz nach seiner Einliefernug verstarb. Auch ein Polizeibeamter ist ernsthaft verletzt. Mehrere Kommu- nisten, die in der Dunkelheit Verletzungen davongetragen hatten, wurden von ihren Freunden in Nebenstraßen gebracht und dort von den Mannschaften des proletarischen Gesundheitsdienstes notdürftig verbunden. Auf die Schüsse der Polizeibeamten hin nahten schließ- lich mehrere Wagen der Schupo, die Verstärkungen heranbrachten, doch gelang es erst nach geraumer Zeit, die Menge abzudrängen. Der zweite Zusammenstoß spielte sich in der Fr a n k f u r t e r Allee gegenüber der Weber- wiese ob. Von der Landsberger Allee kamen Züge des S. und 17. Bezirks, die sich auf der Weberwiefs wieder vereinen wollten. In diesem Augenblick kam ein Wagen der Limonadensabrik von Hermann Kohl, Posener Straße 26, vorüber, der die Franr- furter Allee entlangfahren wollte. Die Kommunisten, die über diese „Störung" offensichtlich erbost waren, umringten den Wagen, rissen dem Kutscher die Zügel aus der Hand und versuchten, den Lenker vom Bock zu holen. Auf die Hilferufe des Ueberfallenen nahte ein Offizier der Schutzpolizei mit fünf Mann und forderte die Demonstranten auf, die Straße freizugeben. Als Antwort schlugen die Kommunisten mü Stöcken und Gummi- knüppeln auf die Beamten los, die in eine außerordentlich bedrängte Lage gerieten. Die Situation wurßp so ernst, daß der Offizier schließlich den Befehl gab, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Es fielen mehrere Schüsse, durch die, soweit sich bisher feststellen läßt, zwei Per- sonen schwer verletzt worden sind. Zufällig nahte in diesem Augenblick ein Lastwagen der Schutzpolizei mit zahlreichen Beamten und bei dem Herannahen der Verstärkungen ergriffen die Kcmmu� nisten die Flucht. Sie sammelten sich jedoch wenige Minuten später in der Gubener Straße wieder vor der Gastwirtschaft des Abgeordneten Paul Hofsmann und zogen abermals nach der Weberwicse. An der Ecks der Frankfurter Allee trat die Schutz- polizei den Ruhestörern wiederum entgegen und forderte sie auf, die Straße freizumachen. Die Antwort bestand in einem Steinhagel und nuninehr gingen die Polizeibeamten mit dem Gummiknüp» p e l vor. Es kani zu einem Handgemenge, bei dem wiederum«ine Anzahl Kommunisten Verletzungen davontrugen. Erst nach ge- raumer Zett, und nachdem noch weitere Verstärkungen herangezogen worden waren, gelang es die Straßen freizumachen, und die- Kommunisten abzudrängen. Nach kommunistischer Angabe ist auch an der Weberwiese ein Arbeiter tödlich verletzt worden. Nach den bisherigen Feststellungen der Polizei erfolgte der An� griff der Kommunisten auf die Beamten, als die letzteren die Ruhestörer abzuführen suchten, die sich bei dem Ueberfall auf den Wagen der Limonadenfahrik besonders heroorgetan haben. Drei Polizeibeamte sind mehr oder weniger schwcrf verletzt worden, während ein Kommunist ebenfalls' als verletzt festaeftellt werden konnte. Die übrigen Verwundeten wurden auch hier von ihren Gesinnungsgenossen in Sicherheit gebracht. des Tinspruchs des Reichsrats erklärte Staatssekretär Weißmann, daß Preußen die Durchführung der Reichstagsbeschlüsse für vollkommen unmöglich halt«, wenn das Reich nicht die ganzen Mittel zur Verfügung stelle. Die preußische Regierung werde an die Rcichsrcgierung ein ausführliches Schreiben richten und darin ersuchen, das Gesetz so lange nicht zu verkünden, als vom Reich die zu seiner Durchführung notwendigen Mittel nicht zur Verfügung gestellt sind. Die preußische Regierung wird an sämtliche Länder- rcgierungen eine Abschrift- dieses Schreibens mit der Bitte richten, im gleichen oder ähnlichen Sinne bei der Reichsregierung vorstellig zu werden. die preußische Bmneftievorlage. Erweiterung des Rahmens der politische» Delikte. Der amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Dem Ständi- gen Ausschuß des Preußischen Landtags ist jetzt die Vorlage der preußischen Staatsregierung über die preußische Landes- amnestis zugegangen. Sie sieht zunächst— entsprechend der Reichs- amnestie— für die in dieser aufgeführten Straftaten unter den gleichen Voraussetzungen und in dem gleichen Umfang Straferlaß und Niederschlagung schwebender Verfahren vor, soweit die Straf- toten nicht von Gerichten des Reiches, sondern von preußischen Ge- richten abgeurteilt oder abzuurtellen sind. Sie geht jedoch über den Rohmen der Reichsamnestie hinaus, indem sie nicht nur eine Anzahl verwandter politischer Delikte einbezieht(z. B. Ministerbeleidigungen, unerlaubten Waffen- besitz, Zuwiderhandlungen gegen die Verbote politischer Parteien oder politischer Verbände und damit im Zusammenhang stehende Straftaten), sondern auch die Amnestie überhaupt aus öffentliche Kundgebungen im politischen Kampf erstreckt, um so den der ganzen Amnestie zugrundeliegenden Gedanken einer politischen B« s r i e d u n g in möglichst weitem Umfang zu verwirklichen. Unmögliche tzanöelspolitik. Ungünstiger Stand der Verhandlungen mit Spanien. Die deutsche Delegation ist von den Verhandlungen aus Madrid zurückgekehrt. An zuständiger Stell« wird abermals festgestellt, daß von einem Bruch der Handelsvertragsverhondlungen keine Rede sein kann. Auf die gemäß den Reichstagsbeschlüssen ge- machten Dorschläge der deutschen Delegation hat Spanien Gegen- vorschlage erstattet, die Deutschland etwas entgegenkamen, aber im Verlaufe der Verhandlungen sehr stark abgeschwächt wurden. Die deutsche Delegation ist deshalb zur Einholung von Informationen nach Berlin zurückgereist. Der gewundene Stil der offiziösen Mitteilung kann die Tatsache nicht verbergen, daß die Politik der Kündigung des deutsch-fpanifchen Handelsvertrages die handelspolitische Stellung Deutschlands verschlechtert hat. Die Kündigung des dgutsch-spanischen Handelsvertrages ist aus in nervo li- tischen Gründen erfolgt, um die Deutschnationalen bei guter Laune zu halten. Diese Politik wird kostspielig! Straßers diäten. Oeffentliche Rede mit Halsentzündung während des Urlaubs. Zu unserer Notiz über„völkische Diätenfreunde" schickt uns der Reichstagsabgeordnste Gregor Strasser folgend«„Berichtigung": 1. Ich bin am LI. 6. an eitriger Halsentzünduna mit Hals- abzessen und hohem Fieber schwer ertrankt. Als unmittelbare Folge- «rscheinung erkrankte ich an akuter Nierenentzündung, die bis zum heutigen Tage andauert mit Z Proz. Eiweihverlust. Ueber beide Er- krankungen liegen für die Zeit vom LZ. Mai bis 29. Juli ärztliche Zeugnisse beim Präsidenten des Reichstags vor. 2. Ich habe am 1 S. Juli, gegen Ende meines Urlaubs, zum ersten Male öffentlich gesprochen. 3. Diesen Tatbestand habe ich dem Herrn Reichstagspräsidenten einmal rein sachlich mitgeteilt. Sonst habe ich in dieser Sache kein Wort geschrieben, noch war ich persönlich beim Präsidenten oder irgend einer Stelle„schnorren". 4. Mein Urlaub war am 29. Juli zu Ende. Hie Mitteilung der Ungültigkeitserklärung meines Urlaubs erhielt ich am 26. Juli. Im Reichstag erschien ich zum erstenmal am 4. August, also nicht nach 24 Stunden, sondern nach 9 Tagen. Gregor Strasser, M. d. R. Herr Strasser gibt demnach zu, daß er, obschon sein Krankheits- urlaub bis zum 29. Juli gedauert hat, trotzdem in öffentlicher Per- sammlung Reden hielt. Das ist zwar sehr mutig von ihm, gleichzeitig ober sehr unvorsichtig sowohl in bezug auf sein« Krankheit als auf den Diätenbezug! Eine„führende Seit« der Deutschvöltischen Freiheitspartei" be- streitet im„Deutschen Tageblatt", daß Ludendorfs während seiner dauernden Abwesenheit vom Reichstag noch Diäten beziehe. Aber im Eifer, mehr für den Herrn und Meister zu tun. als notwendig ist, verrät die„führende Stelle" gleichzeitig, daß Ludendorfseinem Bismarck gleich sei. Denn: Wo» da» derzeitig« Fernbleiben de» Generals Ludendorff von den Reichstagssitzungen anlangt, so erinnern wir daran, daß auch Kürst Bismarck seinerzeit so verfahren ist, ohne sich etwa durch Mederleguag de» Mandat, die Möglichkeit zu verschließen, in einem besonderen Augenblick im Reichstag auszu- treten. Wer sich auf geschichtliche Aufgaben von der Größe berufen kann, wie sie General Ludendorff im Dienste des Baterlandes er- füllt hat, der hat das R e ch t z u s o l ch« r A u f f a s f u n g. Freilich möchten wir dem„Vorwärts" für all« Fälle erklären: quoä licet jovi, von licet devi. Bei den D e u t s ch völkischen nehmen sich lateinische Zitate ebenso schmuck aus, wie bei den D e u t s ch nationalen. Auch ist das Zitat hier ebenso unvorsichtig, wie das.Sermsm» ncrn necesse" der„Kreuz. zeitung". Denn da nach einfacher Uebersetzung des„Quod licet" im Deutschen gelesen werden muß:„Was einem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt", so hätte das„Deutsche Tageblatt" die lateinische Weisheit gerade bei einem Vergleich zwischen Bis- marck und Ludendorff lieber nicht anwenden sollen. Sie könnte immerhin zu Mißverständnissen führen. Senkung üe/Umfatzfteuer. Die Beschlüsse des Reichstags. Das Gesetz zur Aenderung der Berkehrsfteuer und des Berfoh- ren, und dos Gesetz über Zolländerungen sehen folgend� Milde- rungen auf dem Gebiet der Umsatzsteuer vor: � 1. Mü Wirkung vom 1. Januar 192S sind Privatgelehrte. Künstler und Schriftsteller von der Umsatzsteuer befreit, sosern die steuerpflichtigen Umsätze im Kalenderjahr den Betrag von 60 00 Mark nicht übersteigen. Bom gleichen Zeitpunkt ab sind ferner von der Umsatzsteuer befreit Handlungsag« nten und Makler, sofern die steuerpflichtigen Umsätze im KaUnder- jähr den Betrag von 6000 Mark nicht übersteigen: diese Befreiung setzt aber voraus, daß die Handlungsogenten und Makler Bücher führen. 2. Mit Wirkung vom 1. August 1926 wird die B eher der- gungssteuer, die Verwahrungssteuer, die Reittier« st euer und die Anzeigen st euer aufgehoben. Die bisher diesen erhöhten Steuern unterliegenden Leistungen sind vom 1. August 1925 ab noch den Sätzen der allgemeinen Umsatzsteuer steuerpflichtig. 3. Mit Wirkung vom 1. Ottober 1925 wird der Satz der allgemeinen Umsatzsteuer von IVi Proz. aus 1 Proz. und der Satz der Hersteller- und Kleinhandelssteuer von 10 Proz. aus 7M» Proz herabgesetzt. Die auf 1 und TA Proz. gesenkten Sätze der allgemeinen Umsatzsteuer und der Hersteller, und Kleinhandels, fteuer haben die Monatszahler erstmals bei den Umfatzstsuertoraus- Zahlungen im November 192Z, die Viertsljahrszahler erstmals bei den Umsatzsteuervorauszahwngen im Januar 1926 zugrunde zu legen. Bei den im A u g u st, September und Oktober 1926 zu leistenden Umsatzsteucroorauszahlungen haben die Monats- und die Bierteljahrszahler die Steuer in Höhe von lA Proz. und von 10 Proz. zu enrrichten. 4. In den U e b e rga ngsb e stimmungen wird in ent- sprechender Weise wie bei den Ermäßigungen der. Umsatzsteuer im Jahr« 1924 ein z i o i l r o ch t l i ch e r Anspruch auf Preienach- laß in Höhe der Steuerminderung für Leistungen aus Verträgen'ge- währt werden, die vor dem 15. August abgeschlossen worden sind, aber erst nach dem 30. September 1925 ausgeführt werden. der Zortfchrltt in London. Verhandlungen mit Teutschland auf der Grundlage voller Gleichberechtigung. Paris, 13. August.(Eigener Drahtbericht.) Es ist nicht ganz leicht, in der Fülle von Meldungen, welche die französisch« Presse über die Besprechung in London verbreitet, zu unterscheiden, was wirklich auf Tatsachen beruht und was das Produkt von Kombina- tionen und willkürlichen Auslegungen der von autorisierter Seite gemachten, ungewöhnlich lakonischen Mitteilungen ist. Eine e n d- gültige Einigung zwischen Paris und London ist, wie be- reits festgestellt, nur über den Text der französischen Antwort auf die letzte deutsche Garantienot« erzielt worden. In der Hauptfrage aber, der Festlegung der Grundlage für die künftigen Verträge sind endgültige Beschlüsse nicht gefaßt worden. Man hat sich hier auf die Formulierung gewisser Prin- zipien beschränkt, die nicht nur als Kompromiß zwischen der französischen Forderung und dem englischen Wunsch, sich unter keinen Umständen die Hände binden zu lassen, und im' Falle eines europäischen Konfliktes Herr der eigenen Entschließungen zu blei- den, angesehen werden können, sondern zu gleicher Zeü Zeugnis davon ablegen, daß man sich nunmehr auch auf französischer Seite den vom englischen Außenministerium von Anfang an vertretenen Standpunkt zu eigen gemacht hat, daß e» bei Verhandlungen dieser Art nicht angeht, die Gegenseite, d. h. in diesem Falle Deutschland, vor fertige Entschlüsse zu stellen. Die am Mittwoch ausgegebene amtliche Auslassung spielt auf diese» für Deutschland wichtigste Ergebnis der Londoner Aussprache recht unzweideutig an, wenn sie davon spricht, daß die abzuschließenden Verträge ihre endgültige Form erst auf Grund der Verhandlungen mit allen interessierten Parteien erhalten können. Nach unseren Infomationen von unterrichteter Seite glauben wir, daß die franzö- sische Rote selbst einen in ähnlichen Auedrücken gehaltenen Hinweis auf die Zweckmäßigkeit, den Notenwechsel durch die rascher zum Ziele führende direkte Aussprache zu ersetzen, enthalte», es aber der Initiativ« der deutschen Regierung über- lassen wird, den Alliierten genauere Vorschläge dafür zu unter- breiten. Wie bereits gemeldet, wird es sich dabei nicht um eme Konferenz großen Stils, sondern lediglich um eine auf die Außen- minister der beteiligten Staaten beschränkte Vorbesprechung handeln, die lediglich der Einigung über den weiterhin einzuschlagenden Weg und der Festlegung gewisser Richtlinien zu dienen bestimmt ist, und für die man in London und Paris Gens oder dessen nähere Umgebung als besonders geeignet hall. Die sranfclsische Presse beurteilt die Ergebnisse der Londoner Aussprache überaus günstig. Sie spricht von einem großen diplomatischen Erfolg Briands und verzeichnet es mit besonderer Befriedigung, daß es möglich gewesen sei, die Meinung»- Verschiedenheiten, die vor allem in der Frage der automati- schen Sanktionen zwischen Paris und London bestanden hatten, zu überbrücken. So groß auch die Annäherung gewesen sein mag, die in London zwischen den beiden Auffassungen in dieser Frage erziell worden ist, so wird man doch in der Beurteilung der praktischen Bedeutung der Formel, auf welche die beiden Außenminister sich schließlich geeinigt haben, nicht vorsichtig genug sein können. Denn es ist jedenfalls leichter, sich über gewisse Prin- zipien zu verständigen, als diesen Prinzipien dann eine klare, jede Möglichkeit an Zweifeln und Reibereien ausschließende Fassung zu geben. Das letztere aber scheint in London noch nicht eimnal ver- sucht worden zu sein. In der Frage der Sanktionen z. B. ist man dahin übereingekommen, daß Fälle schwerer Vertragsverletzung die englische und französische Regierung zu eigenmächtigem Handeln berechtigen und nur deutsche Verfehlungen von sekundärer Bedeu- tung vor den Völkerbund zu bringen seien. Ueber die Unter- scheidung, was als schwere Vertragsverletzung bzw. als „charäktsristerte feindselige Handlung", anzusehen ist. konnte eine Verständigung nicht erzielt werden, und die Kommen- tare, welche die französische Presse diesem Kapitel der Londoner Besprechungen, widmet, lassen. unschwer voraussehen, daß die Er- örterungen darüber erst in ihren Anfängen stehen. Im großen und ganzen wird man auch in Deutschland die Ergebnisse der Londoner Aussprache mit Befriedigung buchen dür- fen, insofern, al» sie nicht nur den in der letzten deutschen Rote vorgetragenen Argumenten in einem sehr beträchtlichen Umfange Rechnung zu tragen scheinen, sondern ganz unzweideutig auch den Wunsch erkennen lassen, mit Deutschland aus der Grundlag« voller Gleichberechtigung zu verhandeln und zu einem für alle Teile annehmbaren Abkommen zu gelangen- Belgische Genugtuung. Barls, 13. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Brüsseler Korre« spondent des„Temps" will erfahren haben, daß in belgischen Regie- rungstreisen große Genugtuung über das Ergebnis der Lrnv doner Aussprache zwischen Briand und Ehamberlain- herrscht. Ent- gegen den bisher verbreiteten Nachrichten werde der belgische Außen- minister Vandervelde sich nicht noch im Laufe des August nach London begeben, da Ehamberlain in Ferien reise; Vandervelde werde sich erst auf der Vollversammlung des Völkerbundes am 2. September mü Ehamberlain und Briand in Genf treffen. fiusöehnung ües vrufen-fiufstanös. Schwere französische Verluste. konstanlinopel. 13. August.(Eigener Drahtbericht). Aus Syrien treffen ununterbrochen Nachrichten ein, nach denen sich der Ausstand der Drusen weiter ausbreitet. Die französischen Behörden befürchten eine unmittelbar bevorstehende aktive Teilnahme anderer Stämme an der Bewegung. Jedenfalls ist der Aufstand bereit» über eine lokale Episode hinausgewachsen. Am Mittwoch haben die französischen Truppen wieder eine schwere Niederlage er- litten. Die Drusen erbeuteten dabei sechs Maschinengewehre bzw. drei Flugzeuge und nahmen 500 Mann gefangen. Große fron- zöstsche Truppenkontingente sind auf dem Seewege nach Syrien unterwegs. Letzte Nachrichten. Schweres Eisenbahnunglück in Frankreich. Bari». 13. August.(TU.) heule nachmittag gegen 4 Uhr ist ein Schnellzug in der NÄhe Amiens entgleist, wobei zwanzig Wagen zertrümmert wurden, vi» jetzt sind zehn Lote und zahlreiche verletzte geborgen worden. Bisher konnten über 50 verletzte au» den Trümmern befreit werden. In dem hinterher folgenden Schnellzug befand sich Auszeaminister Briand. Der Zug wurde etwa 100 Meter vor der Unglückstelle zum hallen ge- bracht. Baris. 13. August.(CB-) Ueber die Eisenbahnkatastroph« in Amien» erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die Lokamolloe halte kaum den Bahnhof von Amien» verlassen, als der Tender entgleiste und sieben wagen driller Klasse mlt sich riß. die ineinander hineingeschoben und in wenigen Augenblicken einen einzigen brennenden Trümmerhaufen bildeten, unter dem die Reisenden begraben wurden. Die Lokomotive dagegen blieb auf dem Gleise stehen, ver Umstand, daß der Lokomotivführer sofort bremste, al, er die Katastrophe gewahr wurde, hat da» Unglück noch verstärkt. da die Wagen aus diese weise alle gegen die Lokomotive anprallten. Gewerkschaftsbewegung Verständigung in der Organisationsfrage. Die Erörterung des Organisationsproblems, die bereits in den letzten beiden Sizungen im Bundesausschuß des ADGB. stattgefunden hat, wurde in einer eingehenden Aussprache wieder aufgenommen. Der Bundesvorstand hatte eine Entschließung zur Organisationsfrage vorgelegt, wonach der Gewerkschaftstongreß erneut auf die Notwendigkeit hinweisen soll, daß die dem Bunde angeschloffenen verwandten Berufsorganisationen zum Zwede möglichster Berstärkung der gewerkschaftlichen Kräfte und zur Vereinheitlichung der gesamten Organisation sich zu Industrieverbänden zusammenschließen sollen. Gemäß dieser Entschließung soll der Rongreß den Bundesvorstand beauftragen, auf Grund der neuen Sagung, die der Kongreß zu beschließen haben wird, die Indu strieorganisationen nach Möglichkeit zu fördern. Die Entschließung faßt außerdem eine Reihe von Vorschriften der Bundesfazung noch einmal zusammen, durch welche die dem Bunde angeschlossenen Gewerkschaften nachdrücklich zur stritten Befol: gung der Grundsäge aufgefordert werden, die für das Vorgehen bei gemeinsamen Lohnverhandlungen maß gebend sein sollen. Endlich wird in der Entschließung betont, daß neban der notwendigen Stär fung der Einzelverbände und neben der Förderung der Industrieorganisation die stärtste Konzentration der deutschen Gewerkschaften in der Geschlossenheit und starten Macht des ADG B. zu er blicken ist. Die Aussprache legte Zeugnis ab von dem entschiedenen Willen aller Verbandsvorstände, die Einigkeit des Bundes zuwahren und seinen Einfluß zu mehren. Nach einer gründlichen Debatte wurde die Entschließung des Bundesvorstandes mit allen gegen drei Stimmen bei einer Stimmenthaltung an. genommen. Es ist daher eine gemeinsame Grundlage in der Organisationsfrage gefunden worden, die dem Kongreß eine Entschei dung dieser Frage erleichtern wird. An der geplanten Studienreise nach den Vereinigten Staaten wird der Bundesvorstand mit zwei Delegierten teilnehmen. Die Vors stände der einzelnen Berbände werden 11 Delegierte entsenden. Der ADGB. zum Kampf im Baugewerbe. Der Bundesausschuß des ADGB. befaßte sich in seiner jüngsten Tagung im Zusammenhang mit der Diskussion über die wirtschaftliche Lage auch besonders mit den Kämpfen im Baugewerbe, die von den Unternehmern vor allem in der Abficht geführt werden, die Arbeitszeit während des Sommers auf neun Stunden zu verlängern. Dieser Kampf fann von grundsätzlicher Bedeutung werden, auch für die Arbeiter in den übrigen Berufen. Der Bundes. ausschuß sah sich infolgedessen veranlaßt, die Solidarität der Gesamtheit der Gewerkschaften berweigerten bie Arbeiter die bisher geleisteten Heberstunden. Sie wurden daraufhin am Donnerstag früh in Bahl von 350 Mann ausgesperrt. Zum Chemiearbeiterstreit bei der Riedel A.-G. Die Streifenden hielten am Donnerstag eine Betriebsver. fammlung in Boekers Feitfälen ab und beschoffen, das Ergebnis der Berhandlungen am Sonnabend abzuwarten. Die Versammelten zogen dann vor den Betrieb, um die Arbeitswilligen" auf ihr unfolidarisches Verhalten aufmertiam zu machen. Diese wurden jedoch vor einer Begegnung mit den Streifenden beschüßt, indem fie in drei Lastautos des Ueberfallfommandos abtransportiert wurden. Der Wachdienst bei den Berufsfeuerwehren. 48 Stunden Wachdienst nicht gefundheitsschädigend? Der Personalausschuß des Vorstandes des Deutschen Städtetages wollte an Stelle des 24stündigen Wachdienstes, abwechselnd mit 24stündiger Freizeit, den 48stündigen Bachdienst mit 24stündiger Freizeit eingeführt wiffen. Der Berband der Berufsfeuerwehrmänner erhob dagegen schärfften Protest, so daß der Borstand des Deutschen Städtetages von einem Beschlusse absah, da die Berhältnisse bei den einzelnen Wehren zu verschieden seien. Trotzdem stellten die reattionären Mitglieder des Personalausschusses Richtlinien" Während der Ferien- und Reisezeit kann der Vorwärts" auf jede Dauer allerorts bezogen werden. Touristen und Wanderer Gfordern das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungen, Zeitungskiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den. Vorwärts" bei einer Aufenthaltszeit unter 14 Tagen per Kreuzband durch die Hauptexpedition nachsenden. Außer dem Abonnementsbetrage ist in diesem Falle das Porto zu zahlen, welches wochentags 6 Pf. Sonntags 10 Pf. ( pro Woche 45 Pf.) beträgt. Bei längerem Aufenthalt ist der Vorwärts" durch Postüberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedition vornimmt. In letzterem Falle kommen zu dem Abonnementsbetrage die Zustellungsgebühren in Höhe von 72 Pf. pro Monat. Sobald die eine oder andere Art der Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des Vorwärts", Berlin SW 68, Lindenstraße 3, zu benachrichtigen. Abonnenten, welche den Vorwärts" bereits durch die Post beziehen, können denselben jederzeit bei dem Postamt gegen eine Gebühr von 50 Pf umbestellen. Bei Postüberweisungen bitten wir zu beachten, daß die Angabe der neuen Adresse bei der Ausgabestelle oder bei der Hauptexpedition bezw. bei der Post möglichst eine Woche vorher erfolgt, um eine rechtzeitige Zustellung des Vorwärts" zu gewährleisten. 99 VORWARTS"-VERLAG Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Fernspr. Donhoff 2506/2507 * M* msimemememememo mit den Bauarbeitern angesichts der angedrohten Kampfmaßnahmen der Bauunternehmer in der nachstehenden, einstimmig angefationen, die einmütig erklärten, daß die ununterbrochene Dienstnommenen Entschließung zum Ausdrud zu bringen: „ Die baugewerbliche Arbeiterschaft steht zu vielen Behntausenden im Kampfe um die Durchführung einer menschenwürdigen Lebenshaltung, insbesondere aber gegen die von dem Unternehmerbund geforderte Verlängerung der Arbeitszeit. Die baugewerbliche Arbeiterschaft führt den Bortampf um die Aufrechterhaltung bleje Stellung bisher if þes 21 diftunbentages und sie hat allen Bezirken des Reiches halten fönnen. Nun will der Unternehmerbund des Baugewerbes, gedrängt und geftügt von den Industriellen, zum Groß fampf übergehen. Der Unternehmerbund droht mit der Aus. Sperrung aller Bauarbeiter im ganzen Reiche, wenn nicht die Bauarbeiterverbände die bestehenden Streits aufheben, und die Arbeiter bedingungslos zur Arbeit zurückführen. Das Ziel des Unternehmerbundes ist, die Bauarbeiterverbände zum Abschluß eines Reichstarifvertrages zu zwingen, in dem die Arbeiterverbände auf den Achtstundentag, auf Ferien und auf weitere Lohnerhöhung verzichten und sich mit sonstigen Berschlechterungen gegenüber dem früheren Reichstarifvertrag einverstanden erklären. Der Bundesausschuß nimmt Kenntnis von dem Stand der Dinge und spricht der baugewerblichen Arbeiterschaft und den führenden Organisationen feine vollste Sympathie aus. Sollten die der Bauarbeiterschaft aufaezwungenen Rämpfe von den dem ADGB. angeschlossenen Bauarbeiterverbänden nicht aus eigener Kraft durchgeführt werden fönnen, so ist der ADGB. bereit, zur Unterstützung der fämpfenden Arbeiter nach bester Möglichkeit beizutragen. Der Bundesausschuß beauftragt den Bundesvorstand, gegebenenfalls die erforderlichen Maßnahmen zu veranlaffen und durchzuführen." Die Situation in der Berliner Holzindustrie. Der Schlichter für Groß- Berlin bat die von den Arbeitgebern beantragte Verbinbliteits erflärung bes Ediebsfbruches des Schlichtungsausschusses vom 31. Juli abgelehnt. Es steht nunmehr den Holzarbeitern frei, in all denjenigen Betrieben, in denen die Forderungen der Arbeiterschaft nicht anerkannt find, diese Forderungen durchzufezen. Es ist flit iebes Betriebes, von dem Verlauf der betrieblichen Verbandlungen sowohl als auch über etwaige Streifmaßnahmen der Verwal tung des Holzarbeiterberbandes fofort kenntnis zu geben. Die Ortsverwaltung wird zu der ganzen Situation in ihrer heutigen Sigung erneut Stellung nehmen. Etwaige Anträge werden in dieser Sigung entschieden. Aussperrung im Werner- Werk von Siemens. Die Berkzeugdreher, Werkzeugmacher und Schnittbauer hatten eine Lohnzulage gefordert. Da diese Forderung abgelehnt wurde, MONDAMIN Makronen PUDDING Wenn sich die Feuerwehrleute mit der Festlegung einer 24 ft u nbigen Dienstschicht einverstanden erflären, fo bringen sie dabei ein Opfer, das von den Städten wohl der Würdigung wert wäre. Dasselbe gilt für die Bertung der Bereitschafts= zeit mit nur 50 Proz. als Arbeitszeit. Die Feuerwehrleute müssen auch während dieser Zeit auf den Wachen an wesend und jederzeit alarmbereit sein, so daß sie nicht die geringste Besorgung während dieser Zeit machen können. Der Krankenstand, die Ertranfungshäufigkeit sind bei den Berufsfeuerwehren entsprechend der mit der steten Alarmbereitschaft und der Feuerbekämpfung verbundenen Schädigung der Gesundheit so hoch, daß sich jede Berlängerung des Dienstes aus menschlichen und wirtschaftlichen Gründen verbietet, wenn man nicht den Standpunkt des Geschäftsführers des Deutschen Städtetages teilt. An dem Achtstundentag, an dem durch die Verordnungen über die Arbeitszeit für die Arbeitnehmer einschließlich der Beamten gegebenen Schuß aber müssen auch die Berufsfeuerwehr= männer teilhaben. Sie dürfen nicht außerhalb des Schutzes der Arbeitszeit stehen. Der Personalabbau und die Angestellten. Die durch Reichsgefeß erfolgte Einstellung des Perfonalabbaues hat das preußische Staatsministerium veranlaßt, and die Bori riften der preußischen Ber fonalabbauberordnung für die Beamten außer Kraft zu fegen. Leider ist ein entsprechender Beschluß des Staatsministeriums für die Angestellten nicht erfolgt. Der 8entral, verband der Angestellten ist daher mit dem Ersuchen an die zuständigen preußischen Minister, herangetreten, auch für die Angestellten der Staatsverwaltung, der Gemeinden und Gemeindevertaltungen von dem Gebrauch der Personalabbauberordnung in Bulunft abzufeben. Eine Entscheidung des preußischer Staatsministeriums steht noch aus.. Schiedsspruch für die Schuhindustrie. Nach zweitägigen Berhandlungen wurde, wie wir der Schu Beitung entnehmen, im Reichsarbeitsministerium folgender Schieds spruch für die Schuhindustrie gefällt: I. 1. Bei allen Zeitlohnarbeitern erhöht sich der tatsächlich Stundenlohn mit Birtung vom 3. August 1925 für einen männlichen Arbeiter über 21 Jahre in Ortsklasse I um vier Pfennig, für die übrigen Orts-, Alters- und Geschlechtsklassen gestaffelt nach den Bestimmungen des Hauptvertrages vom 28. Februar 1924. Der Mindest stundenlohn für einen männlichen Arbeiter in Ortstlaffe I über 21 Jahre beträgt demgemäß 70 Pf. Die Mindest stundenlöhne für die übrigen Orts, Alters- und Geschlechtsklassen find gemäß den Bestimmungen des Hauptvertrages vom 28. Februar 1924 zu staffeln. 2. Der Durchschnittsstundenverdienst aller Aftordarbeiter einer Sparte wird auf Grund des Verdienstes in der Lohnwoche vom 27. Juli bis 1. August d. J. im Falle des Nichtarbeitens in dieser Zeit: auf Grund der Verdienste in der vorhergehenden Lohnmoche in ein prozentuales Berhältnis zur zahlenmäßigen Erhöhung des neuen Mindestſtundenlohnes gegenüber dem bisherigen Mindestſtundenlohn gesetzt. Um den so ermittelten Prozentsaz wird der seitherige Attordsah der Sparte erhöht.( ErrechDie Errechnung des neuen Affordsages hat möglichst schnell, spätenungsbeispiel wie in dem Lohnabkommen vom 22. November 1924.) ftens bis zum 15. September d. J., zu erfolgen. Solange die Errechnung der neuen Affordsäge nicht erfolgt, find für die Affordarbeiter die Stunder fäße des Punktes I, 1 dieses Schiedsspruches zu zahlen. Der Borstand des Städtetages verhandelte zunächst mit den Organi. auf für einen 36stündigen Wachdienst mit 24stündiger Freischicht. fchicht nicht länger als 24 Stunden dauern darf und die Bereit schaftszeit mit mindestens 50 Broz. als Arbeitszeit gewertet werden müsse. Der Vorstand des Städtetages beschloß daraufhin in seiner Gigung vom 22. Juni in Saarbrüden, von einer Empfehlung der 3. Alle seit dem 20. März 1925 bezirklich oder betrieblich ge36ftündigen Dienstzeit abzusehen, den Beschluß des Bersonalauswährten Lohnzulagen für Zeit- und Affordlohnarbeiter vleihen schusses jedoch an die Mitgliedstädte weiterzuleiten mit der Bitte um neben der im Buntt I, 1 dieses Schiedsspruches behandelten Lohnden famosen Richtlinien notwendig erscheine. Brüfung, ob nach den örtlichen Verhältnissen eine Dienstzeit nach Dem Herrn Geschäftsführer des Deutschen Städtetages scheint felbst eine 36ftündige Dienstzeit noch nicht ausreichend. In Ausführung des vorerwähnten Beschlusses schrieb er den Mitgliedstädten u. a.: In der Bortriegszeit haben die Feuerwehr leute jahrzehntelang 48stündigen Bachdienst mit nachfolgender 24stündiger Freizeit per fehen. Hierbei hat sich eine besondere gesund. heitliche Schädigung des Feuerwehrpersonals, die etma über die auf der Eigenart des Feuer. wehrdienstes beruhende normale Höhe der Krantheitsziffer hinausging, nicht herausge stellt. Die besonderen Gefahren des Feuerwehrberufes haben an sich zur Folge, daß mehr wie in anderen Dienstzweigen eine frühere Pensionierung des Berfonals in Frage tommt. Derartige Gefährdungen der Gesundheit wären auch bei türzerer Arbeitszeit nicht ausgeschlossen. Die Die Arbeitszeit der Feuerwehrleute wurde in der Nachkriegszeit verfürzt, die Arbeitszeit des übrigen Personals aber verlängert." Richtig ist, daß mit der Gründung der ersten Berufsfeuerwehr im Jahre 1851 der 48stündige Bachdienst eingeführt wurde und bis zum Jahre 1914 bestehen blieb, meil den Feuerwehrleuten in folge der militärischen Organisation der Berufsfeuer wehren der Beitritt zu dem 1908 gegründeten Berband Deutscher verboten wurde. Berufsfeuerwehrmänner unter Androhung der Dienstentlassung Allein überall dort, wo der Beitritt zur Organisation nicht zwangsweise verhindert war, bestand bereits vor dem Kriege der 24 stundige Bachdienst. Dabei war aber auch schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die allgemeine 16stündige Arbeitszeit teine Seltenheit. Ihr war der Dienst der Feuerwehrleute ,, anunter auch die organisierten Feuerwehrleute, fich eine wesentliche gepaßt worden. Inzwischen aber haben die Gewerkschaften, bar Verfürzung der Arbeitszeit erfämpft, bis auf acht und zehn Stunden, Die deutschen Berufsfeuerwehrmänner glauben nicht, daß sich Stadtverwaltungen und städtische Körperschaften auf den Standpunkt ftellen, daß den Feuerwehrleuten ruhig ein längerer Dienft auf erlegt werden fann, weil sie ja infolge der mit dem Feuerwehrdienst verbundenen Gefahren doch rasch verbraucht werden. Sie erwarten vielmehr, dak ihre Dienstzeit den Berufsgefahren entsprechend gefürzt wird. Mit Befriedigung fönnen sie auch feststellen, daß ab gefehen von Effen- die städtischen Körperschaften fich der Berlängerung der Bachdienstzeit widerseßt und sie be. rämpft haben. mit knusprigen Makronen Bad- Nauheim aulage bestehen; bei den Akkordarbeitern find diese Lohnzulagen gemäß Bunkt 1, 2 diefes Schiedsspruchs mit umzurechnen. 4. Dieser Schiedsspruch findet sinngemäße Anwendung auf die Heimarbeiter. II. Den Parteien wird dringend empfohlen, alsbald eine Ver. einbarung über Herstellung einer gemeinsamen Erhebung über die Effektivverdienste zu schließen. Die Erklärungsfrist, innerhalb der sich beide Parteien entscheiden müffen, läuft bis zum 18. Auguft. Aussperrung in der sächsischen Textilindustrie. In der Mittwochmorgen- Ausgabe des Vorwärts" berichteten mir bereits über die Lohntämpfe in der mittel- und westsächsischen Tertilindustrie und die Aussperrungsandrohung der Tertilbarone. Die gestrige Arbeitgeberversammlung des Arbeitgeberverbandes der fächfifchen Textilindustrie hat nun einstimmig die Gesamtaus. sperrung der weftsächsischen und thüringischen Textilarbeiter zum 5. September beschlossen. Die Herren laffen zwar verkünden, daß sämtliche Einigungsverhandlungen mit dem Tertilarbeiterverband gescheitert sind, unterlaffen jedoch, die Gründe dafür anzugeben, weshalb diese Berhandlungen gescheitert find. Es sollen etwa 200 000 Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt werden. Nun, bis zum 5. September sind noch ein paar Tage Zeit, während der sich die Unternehmer die Sache noch einmal überlegen tönnen. Die deutsche Tertilarbeiterschaft fann schließlich die Konfurrenz mit den chinesischen Tertilarbeitern nicht aufnehmen, indem fie fich noch unter ihre Lebenshaltung herabdrücken läßt. Die Profitfucht muß gewisse Grenzen haben, und auch die Textilarbeiterschaft muß leben tönnen, wenn sie arbeiten soll. Der Konflikt in der Schmuckwarenindustrie. baben trop der Aussperrungsandrohung der Unternehmer die Die Streifenden ber Juwelenbranche in Pforzheim Arbeit am gestrigen Donnerstag nicht aufgenommen. Der Arbeitgeberverband beschloß daber, heute der gesamten Arbeiterschaft mit 14 tägiger lift zu fündigen. Die Kündigung soll nur dann rüdgängig gemacht werden, wenn in sämtlichen Betrieben die Arbeit wieder aufgenommen wird. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Kr. Entorn: Feuilleton: Dr. John Sitowski: Lokales und Sonstiges: Frik Rarftabt; Anzeigen Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerel und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sieran 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Der reine Mandelduft und der zarte Marzipangeschmack machen diesen Pudding zum Liebling aller Feinschmecker und zu einem wirklichen MONDAMIN- FEINKOST- PUDDING Hervorragende Heile folge bei. Herzkrankheiten, beginnender Arterienverkalkung, Muskel- und Gelenkrheumatismus, Gicht, Erkrankungen der oberen Luttwege, Rückenmarks-, Frauen- und Nervenleiden Vorzügliche Konzerte| Vielseitige Unterhaltungen Sport aller Art Ganzjährige Kurzeit Hessisches Staatsbad am Taunus bei Frankfurt am Main Ermäßigte Kurabgabe ab 1. September 25%, ab 1. Oktober 50% Beste Unterkunft bei angemess. Preisen| Auskunftschrift A 121 durch die Hess. Bad- n. Kurverwaltung, Bad- Nauheim Nr. SSI ♦ 42. �ahrgattg 1. Seilage öes vorwärts frektag, 14. Ttoguft 1425 Menschen und nochmals Menschen! Am Tingong stauen ste stch, auf den Wegen wälze» sie stch lawinenartig vorwärts: Billiger Sonntag im Zoo! vor den Käfigen herrscht ein unübersehbare» Gedränge. Hier wird dem Großvater, der nach Berlin zum Besuch kam, die bunt« Tierwelt gezeigt. Dort hastet eine Familie von Gehege zu Gehege; gewissenhaft liest der Dater bei jedem Gitter die Namen vor. dann geht es eiligst weiter..Schau doch mal. Dater!"' Der eine Knabe hält ihn fest..Caß da». Junget, wir haben noch so viel zu sehenl' Traurig schaut der Nein« Junge zurück aus das Gehege, in dem die Kamele Hausen. Diese armen Kinder! Wa» wird ihre Erinnerung an den Zoo sein? Worte, die ste nicht v«r> standen. Gedränge, Staub:.und dann waren auch Tier» da'. Schade!— Aber die Mehrzahl hat doch blanke, verwunderte Augen, Menschen, die fröhlich und wißbegierig die Tier« beobachten. Manch«— man hört es au» ihren Gesprächen— kommen jeden Monat her. Da» Gezerr und Geschiebe der Menge vor den Käfigen ist ihnen nichts Neue». Tiere. Wie ein lebendiges Bilderbuch der ganzen(Erde liegt der Zoo da. Die Bauart der Tierhäuser deutet die Gegenden an, aus denen ihre Bewohner stammen. Es bedarf keiner großen Phantasie, um sie in ihre natürlich« Umgebung zu versetzen. Innerhalb weniger Stunden macht man im Zickzack Reisen über unseren ganzen Planeten und sieht dabei die Tiere wahrscheinlich genauer, al» es im allge» n. einen bei wirklichen Fahrten möglich wäre. Hier hinter dem Gitter steht das all« Löwenehepaar ziemlich ungefährlich aus. Ja, wenn man sie einig« Zett beobachtet, so scheinen die beiden, die da so boshaft-träge im Sande liegen, ganz menschliche Gesichter zu be- kommen, und plötzlich hat man.liebe Bekannte in ihnen wieder- gefunden. Und dort der schwerfällige Elefant, dem keine Neckerei die Ruhe stören kann— ist das nicht der gutmütige Herr X.? Damit die Wogen der Spottlust nicht zu hoch schlagen, entdeckt man Plötz. lich sich selber.(Man braucht es ja keinem zu verraten.) Die meiste Freude aber machen die iungen Tiere, kleine Bären sehen aus wie lebendig gewordene« Spielzeug. Der Wärter säubert gerade mit einem starken Wasterstrahl ihren Käfig; schreiend lausen ste davon. Einer klettert angstvoll am Gitter empor. In halber Höhe sitzt er auf einem Ouerstab, versucht von hier den nächsten zu er» reichen, rutscht zurück:«in zweite» Mal— wieder vergeblich. Beim dritten Mal hat er den Zweck, dem unerwünschten Bad« zu ent» fliehen, vergessen: das Auf. und Abgleiten macht Ihm Spaß, und nun federt er unablässig hin und her, wie von einem Mechanismus ange- trieben.— Nebenan hausen etwa« Größere; sie balgen stch um zu» geworfene Leckerbissen wie ungezogene Jungen. Plötzlich brüllt einer laut auf, als er sich hochrichtet, fehtt an seiner Nase ein große« Stück Fell. Jammernd zieht er sich in eine Ecke zurück, die er nun auch nicht mehr vertäßt. Unablässig beleckt er sein« Pfote und benetzt mit ihr die Wunde. In einem Ziegengehege ist ein ganz junge, Zicklein allein unter drei ausgewachsenen; die haben gerade Futter vorgeworfen bekommen, das interessiert da» Kleine noch nicht; so geht es auf Abenteur an», vielleicht kann man doch in die Nach. barwohnung— die ist leer—«indringen? Ein Zicklein ist sehr geschmeidig, aber die Lücke ist wirklich zu Nein. Geht es nicht an einer anderen Stelle? Dort, oder dort? Na also! Stolz spaziert der Ausreißer auf und ab. Da» nächst« Hindernis?— Aber das widersteht jedem Dersuch. Das Klein« bescheidet sich und zupft die dürftigen Gräser, die es findet, ob, als wären es die köstlichsten Leckerbissen. Und in seinem Gehege wächst genug davon.— Zunge Schweine führen possierlich« Borkämpfe miteinander auf, balgen sich um den besten Platz bei der Alten, die die Nimmersatten ärgerlich abzuschütteln versuchst. Noch in vielen anderen Gehegen tummelt siq junger Nachwuchs. kate der Die abejfinijche �ffenftatloa. An zahlreichen Stellen im Garten steht man große bunte Pla» : Zur abessinischen Affenstation. Eicher ist der groß« Käfig mit Assenschar, die noch von keiner.Kultur' beleckt ist, sehenswert. Ela beliebtes Sc Bauobjekt. In der Tiersangstation gibt es einige halbwüchsige Affen, die gezähmt werden sollen; man hat sie daher von Ihren Kameraden getrennt. Dort sitzt einer auf dem Gitter an einer Kette, die so kurz ist. daß er nur eben herauf und herunter kann. Da» Publikum reicht ihm Süßigkeiten; er leckt daran, müde, wie ein heimwehkrankes Kmd, einmal, zweimal, dann wirft er sie weg. Plötzlich versucht er, nach außen herunterzuklettern. Die Entfernung bis zur Erde ist zu groß. er würde in halber Höhe hängen bleiben; so halten ihn mitleidige Hände fest. Er greift zu, sacht und hilslos. Dann aber plötzlich bäumt er sich auf, jagt nach der anderen Seite herab und zerrt aus Leibeskräften an semer Fessel. Sie hält fest. Da schreit er aus; sein ganzes Elend klingt aus diesem jammervollen Schrei. Die Zoo. Verwaltung mag wissen, warum sie die Aeffchen auf diese Weise zähmen muß; Zuschauer sollten dort nicht hingehen. ch Im Zoo gibt es einen Musikpavillon. Glaubt man in seiner Näh« zu fein, so ergreist man schleunigst die Flucht. Gerät man erst in den Strudel der dort kreisenden Menschenmenge, so ist man verloren. Bor einer halben Stunde kommt man nicht frei. Di« Untergrundbahnen nach Arbeitsschluß sind geräumig gegen diesen ,Erholungsplatz*. Hier ist einer dem anderen im Wege und neidooll betrachtet mancher vielleicht die Tiere, die diese drangvoll fürchterliche Enge nicht kenneu. �its den Zenftern. T» P von der Polizei sehr liebenswürdig, daß sie da» Teppich. klopfen auf«in« bestimmte Zett festsetzt und Ueberschreitungen mtt einer Geldstrafe bi» zu ISO M. belegt. Schließlich will man auch nicht immer in einer Wolke von Staub und arabischen Wohlgerüchen leben, und die Geräusche de« TeppichNopfen» würden sich vielleicht in einer Jazzkapelle ganz hübsch ausnehmen, fallen aber doch, dl#, reichlich genossen, aus die Nerven. Wenn mm die Polizei hierin direkt resor. mierend gewirkt hat, so könnte sie trotzdem Ihr Augenmerk auf ander« Handhabungen gewisser Reinlichkeitsfanattker richten. Wie es einen religiösen Wahnsinn gibt, so lebt auch in der Brust mancher Menschen ein Reinlichkestswahnsinn. Den ganzen Tag über wird die Wohnung nmgekrempelt und rein gemacht, gewischt und geschrubbt, die Klei» der werden unsanft aus den Schränken gerissen und unentwegt au»> gebürstet und gelüftet. Aber das sind Privatvergnügungen, mtt denen sich nur die Beteiligten auseinanderzusetzen haben. Peinlich jedoch wird die Angelegenheit, wenn sie in die Oefsentlichkeit getragen wirb. Diel« dieser Reinlichkeitsapostel glauben nämlich, daß es unbedingt notwendig sei, Staubtücher, Kleider und ähnliche Gegenstände durch da» Fenster auszubürsten. Nichts kann sie daran hindern, harmlos« Passanten durch Staubwolken unsichtbar zu wachen. Es gibt sogar so liebenswürdig« Zeitgenossinnen, die den Inhalt der Müllschipp« au» dem Fenster auf die Straße entleeren. Trotzdem nun eine Der» ordnung besteht, die diese Beschäftigung verbietet, übersieht der ein» zelne Polizeibeamte leicht dies« Verfehlungen. Wer aber einmal durch solchen Unfug belästigt wird und Anzeige erstallet, der darf auch' sicher sein, daß der Angezeigte zur Berantworwng gezogen wird. Wieder ein Opfer des g St«. Trotzdem sich das gesamte Laienpublikum und die Mehrzahl der Juristen schon seit langem darüber einig sind, daß das Fort» bestehen des% 218 des Strafgesetzbuches eine Ge- fahr f ü r d a« D o l k s w o h l bedeutet, hat es unsere gesetzgebend« Behörde noch immer nicht fertiggebracht, den berücfnigten Para» wiegenden Folgen des z 218. Ein b l r schenlebenistihmzumOpferg Gertrud K., ein kleines Bureaumädel, n darüber ausgesprochen, daß sie insolge des Bestehens des ominösen Paragraphen zu einer Verurteilung kommen müßten, aber alles war bisber vergebens! Soeben wieder gab eine Verhandlung vor dem EchöffengerichtMitte ein erschreckendes Bild von'den schwer- wiegenden Folgen des Z 218. Ein blühendes junges Men» . e f a l l e n. Die erst ISjährig« mußte die Folgen eines Fehl- trittes fürchten. Ein Arzt tonnte ihr infolge des 8 218 keine Hilf« bringen, und so blieb ihr in ihrer Angst nur der Weg zu einer weisen Frau übrig. Eine Frau F., die aus dem Bestehen des Paragraphen ihren Nutzen zieht, nahm den Eingriff vor, aber derartig sorglos, daß dos arme Mädel an Infekt honsfolgen starb. Frau F. stand infolgedessen wegen Lohnabtreibung und fahrlässiger Tötung vor Gericht. Sie wurde zu 1)� Jahren Zuchthaus und Ab» «rkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren verurteilt. Der Vorsitzende ließ durchblicken,:„Wenn der Z 218 in Das unbegreifliche Ich. 7] Geschichte einer Jugend. Roman von Tom kristensen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) Wir standen, ein ganzes Rudel Jungen, um ihn herum. Der schöne Harry aus dem Logirhaus„Suomi', der kleine, je Willy aus einer Kellertneipe weiter unten ßlich ein dickköpfiger Portierjunge vom Sankt Anna- platz. Ejnar erzählte und schielte dabei hin und wieder mit über- legenem Lächeln nach einem offenen Fenster der Kneipe„Dit< toria" herauf. Im Fenster stand das Stullenpaket in dem rot ?. freche Willy aus einer Kellerkneipe weiter unten am Ryhaon und schliehlich ein dickköpfiger Portierjunge vom Sankt" !r mi nein« in den karierten Schnupftuch und zuweilen steckte Scheibelein seinen struppigen Kopf heraus, um uns zu beobachten. Er glaubte, wir wollten Steine nach feinem Essen werfen. Aber wir stießen uns bloß an und flüsterten„Scheibe- lein!' und dann erzählte Ejnar weiter. Er hatte drei Bogen mit Soldaten bekommen; einen mit feigen Engländern in roten Uniformen, einen anderen mit ebenso feigen englischen Reitern und einen dritten mit tapferen Buren, die Patronen- liirtel und breitkrempige Hüte trugen. Die Engländer waren eige denn sie zerschmetterten die Köpfe der kleinen Kinder an den Rädern der Wagen. Die Buren waren tapfer und trafen ihre Feinde immer gerade zwischen die Augen und sie würden gewinnen, denn Gott war mit ihnen. Run sollten diese Soldaten zunächst auf Pappe geklebt, dann ausgeschnitten und an Klötzen befestigt werden und Ej» nar hatte von seiner Mutter, der Kirchendienerin. Erlaubnis bekommen, feine besten Freunde mit nach oben zu nehmen. ..Ich habe aber nur Pappe für die Buren und für den einen Bogen mit Engländern.' sagte er. Ich brannte darauf zu Worte zu kommen, doch Einars hohnischer Blick fiel im selben Augenblick auf mich und er sagte: ..Was bildest du dir ein. du Ba— Bastard oder Bankert! Denn so einer bist du, sagt Mutter, und solche Bankerts sind nicht Kinder Gottes, das weiß sie vom Prediger her.' Ich erschrak. Was für ein merkwürdiges Wort sollte ich sein? Ich befühlte meinen Körper. „Du kommst auch nicht mit nach oben, Willy, denn du sagst verflucht noch mal. Und Waldemar ist ein hinterlistiger Bastard, direkt hinterlistig. »Das bist du auch' brachte ich als einzig« Verteidigung hervor. .Hinterlistig, ich, nein!' antwortet« Esnar überlegen und machte den Arm krumm, um seine Muskeln zu befühlen. „Du hast gut reden, du bist stark!' sagte ich fast weinend, „das ist kein Kunststück, wenn man stark ist.' In diesem Augenblick schrie der fünfjährige Willy etwas. Es war nur ein einzelnes Schimpfwort aber es stank förmlich nach Bierneigen und Pfeifenfauce, so daß wir alle entsetzt waren. Der Kreis löste sich in wirbelnder Verwirrung auf. Willys roter Sweater leuchtete bereits ganz hinten in der Straße. Ejnar setzte ihm in voller Karriere nach, so daß seine Sohlenbeschützer in der Sonne blitzten und ich zog mich lang» sam zurück. Als Ejnar schweißtriefend gekommen war, tuschelte er geheimnisvoll mit den beiden anderen und darauf gingen sie m einer Reihe an mir vorbei zur Haustür herein. Es lag eine solche großarttge Würde über ihren abgewandten Rücken, als sie zur Tür hereingingen: aber nun weiß ich, daß in den Augen der Uneingeweihten die Eingeweihten immer so aussehen. Doch da geschah etwa» mit mir. was ich nicht verstehen kann. Der Platz wurde so leer für mich; alles war ohne Be- deutung. Aber ich zitterte vor fieberhafter Erregung. Ich mußte etwas unternehmen, ich muhte eilen, handeln. Oben im zweiten Stock wohnt« die Kirchendienerin. Es war eine Fensterreche mit gerafften Gardinen und Pelargonien auf dem Fensterbrett. Und die Fenster trugen alle einen Aus» druck. Sie glichen der großen Frau mit den hochmüttgev Augen. Rein, ich mußte etwas unternehmen! Da oben faß Ejnar mit seinen Freunden und ich war nicht dabei. Aber hatten sie genug Pappe? Rein, die hatten sie nicht. Sie hätten mich doch lieber mitnehmen sollen, denn ich hatte grenzenlos viel Pappe, mehr als alle Iungen im ganzen Viertel zusammen. Ich konnte alle Bogen mit Soldaten auf Pappe kleben und sämtliche, die in Samuelsens Laden hingen und alle aus sämt- lichen anderen Läden. Ich brauchte Samuelfen bloß darum anzubetteln, dann bekam ich eine Masse aller möglichen Re- klamefchilder. Schnell lief ich in seinen Lad,n herüber. Ich stürzte an den Ladentisch und sagte: „Ich brauche etwas Pappe!' „Du möchtest um etwas Pappe bitten, meinst du,' sagte Samuelsen und legte beide Fäuste flach auf den Tisch. „Ja, aber um viel!' „Du bist beinah so anspruchsvoll wie deine Mutten aber komm nur hierher, mein Kleiner, dann werde ich etwas Papp« für dich vorsuchen.' Ich fand ein großes Stück, steckte es unter den Arm und verschwand sofort damit. „Du könntest wohl Dankeschön sagen!' hörte ich; doch i V'■' eppe hina Die große würdige Dame machte auf und das Licht ihrer mich die Treppe hinauf und klingelte bei der Kirchendienerin. «se igelt strengen Augen fiel ganz von oben auf mich hernieder. Sie hatte straff zurückgekämmtes Haar. „Das ist für Ejnar,' sagte ich und hielt die Reklamepapptafel hin. „Willst du nicht hereinkommen?' fragte sie unfreundlich. „Rein, nein, nein. Ich muß runter zu Mutter und eine Besorgung für sie machen. Aber ich hatte Ejnar das ver- fprochen.' Ich hörte Cjnars Stimme rufen:„Was ist denn, Mutter?' Die Kirchendienerin stand mit dem großen Stück Pavve in der Hand und wollte mich hereinziehen; doch ich riß rnfch los und lief die Treppe weiter nach oben hinauf. Als ich bis zur Mansarde gekommen war, verkroch ich mich in einem dunklen Winkel und fing laut zu schluchzen an. Das tat so weh, so weh, weil ich den Jungen das große Stück Pappe gegeben hatte. Da öffnet« Schauspieler Remy mit der Künstlertolle seine Tür und sagte:„Ei, was höre ich? Ein schluchzender Licht» elf im Dunkeln.'- Ich wußte, daß der verabschiedet« Schauspieler Remy und seine Frau Läuse hatten und in großem Elend hier oben iin der Mansarde wohnten. Remn grüßte stets feierlich, wenn er die Trepp« herunterkam: aber fein herzliches„Schön guten Tag!' wurde immer sehr kühl beantwortet. In der hellen Türöffnung sah ich seine dunkle Gestalt theatralisch die Arme ausbreiten. „Komm herein, mein liebes Kind.' Ich zögerte, denn ich erinnerte mich des Lächeln», mtt dem die Madams im Haus« ihm nachsahen, wenn er an ihnen vorbeigegangen war. Dann stand ich auf und ging zu ihm hin. „Weinst du, ttiern Kind? Ach, Tränen machen die blanken Augen trübe; es ist ein schlimmes Haus, in dem du lebst. Weine nicht!' Er sprach mit einer tönenden Stimme, und die Lippe» bildeten sorgfältig jedes Wort. (Fortsetzung folgt.) felnes jeigen Form nicht mehr beftehen mürbe, bam mire biele| traurige Berhandlung nicht nötig und das bedauernswerte junge Mädchen hätte nicht thr funges Leben lassen müssen. Wie viele Menschenleben müssen noch dem§ 218 zum Opfer fallen, ehe unsere Gesezgebung den Forderungen der neuen Zeit gerecht wird?! Jm Banne einer Liebe. Die Verirrungen eines früheren Diplomaten. Ein über 50 Jahre alter Ameritaner. Familienvater und in den besten Verhältnissen lebend, gerät in den Bann eines zwanzigjährigen, bildschönen Mädchens von zweifelhafter Bergangenheit, verläßt Frau und Kinder und tommt auf eine abschüffige Bahn, die ihn vor den Strafrichter führte. So geartet lag der Fall des Journalisten und früheren amerikanischen Konsulattachés Roger A. Burr aus Boston, der vor vier Wochen auf Grund eines hinter ihm erlassenen Steckbriefes zusammen mit seiner Beliebten, der zwanzigjährigen Charlotte Ziegler aus Berlin, verhaftet und dem Amtsgericht Schöneberg mit ihr zusammen zur Aburteilung vorgeführt wurde. Die Anklage gegen fie lautete auf fortgesetzten Betrug und Zechprellerei. Burr entstammt einer hochangesehenen Bostoner Familie, sein Großvater hatte eine hohe Stellung im Eisenbahnkonzern des ameritanischen Eisenbahnmilliardārs Gould. Der Vater war vor Jahren Bürgermeister von Boston gewesen. Burr selbst hatte die höhere Beamtenfarriere eingeschlagen und war im diplomatischen Dienste feines Landes verwendet worden. Bei der letzten Präsidentenwahl, die einen Umschwung der Parteiverhältnisse brachte, gehörte er zu dem Beamten heer der unterlegenen Partei, das abgebaut wurde. Er fam dann nach Berlin, um für ameritanische Zeitungen über deutsche Berhältnisse zu berichten. Bei einer Theaterpremiere hatte er die junge Berlinerin Charlotte Ziegler fennen gelernt, eine blendende Schönheit, in die sich der schon ergraute Mann derart verliebte, daß er Frau und Kinder im Stiche ließ und mit dem Mädchen zusammen ein Quartier im Lindenhotel hezog. Unter dem verhängnisvollen Einfluß dieser Frau ließ er Arbeit und Beruf im Stich. Bald waren seine Barmittel auf gebraucht. Von Hauje erhielt er fein Geld, da sein Bater alles en die in Berlin verlassene Ehefrau schickte. So fonnte er die Hotelrechnungen nicht bezahlen, deďte aber diesmal die. Schulden noch, indem er feine Motorjacht ,, Irrwisch II" in Travemünde, mit der er in der Ostsee Motorrennen bestritten hatte, für die HotelIchuld übereignete. Nun zog er mit seiner Geliebten im Westen BerHns von Pensionat zu Pensionat und entfernte sich nach einiger Zeit heimlich ohne Bezahlung der Rechnung. Auf diese Weise geriet er, els sich die Anzeigen bei der Polizei häuften, in den Verdacht eines internationalen Hochstaplers und Pensionats. schwindlers. Die Motorjacht war von ihm auch verschiedentlich verpfändet worden. Schlieklich wurde das Paar in einer Pension in Fer. Mogstraße verhaftet. Dabei tam es heraus, daß die Ehefrau Charlotte Riegler schon mehrfach wegen Diebstahls, begangen bei calanten Schäferſtündchen, vorbestraft war und auch der Berliner Sittenpolizei nicht unbekannt war. Der Angeklagte Burr versicherte allerdings, daß er von dem Vorleben seiner Geliebten feine Ahnung gehabt habe. Es sei niemals seine Absicht gemefen, zu betrügen, da die zu erwartenden Hilfsquellen ihn mit Leichtigkeit in den Stand gesetzt haben würden, alle zusammen gezogenen Schulden zu decken. Staatsanwalt Günther 30g es start in Zweifel, daß der Angeklagte der Mister Burr sei, der früher der emerikanischen Botschaft angehört habe, und es wäre, um die Tatfnche feffaustellen, beinahe zu einer Bertagung gefommen. Zu feinem Glüd aber fonnte der Angeflagte von einem anwesenden Berliner Journalisten legitimiert werden. Auf Vorschlag des Verteidigers, dem Angeklagten die Mittel zur Dedung seiner Berpflich tungen zur Verfügung zu stellen, erbot fich dieser Zeuge, Burr behilflich zu fein, damit er durch seine Arbeiten binnen furzem ellen Schaden aufmachen tönne. Der Staatsanwalt fonnte nach Miefer Zeugenausiage die Anflage nicht mehr aufrecht erhalten, daß Burr von vornherein eine betrügerische Absicht ge habt habe. Das Gericht tam zu einer Freisprechung Burrs und der Riegler. Beide Angeklagten wurden aus der Haft entlaffen, nachdem Burr feinen Verteidiger ermächtigt hatte, aus den fommenden Eingängen die Forderungen der Benfionsinhaberinnen in Höhe von 680 Mart zu decken. Er erklärte, daß er schon im nächsten Monat auf Einnahmen von 2000 bis 3000 Mart zu rechnen habe. ,, Lehrergesinnung". Unter diesem Titel veröffentlichten wir am 19. Februar diefes Sabres eine Reihe von Auffäßen, die Schüler der Reinidendorfer Bemeindeschule verfaßt batten. Cie behandelten die deutsche Berfaifuno, wie fie der Lebrer Kr. ausgelegt hatte Ar. erging fich damals in den wüsteten Befimpfungen auf die deutsche Republit, er erflärte unter anderem, die Hälfte der bgeordneten bestehe aus Zuchthäuslern und anderen belasteten Individuen. und vergiftete damit die jugendlichen Seelen. Ein Disziplinarberfahren auf Entlassung wurde gegen Kr. nicht einaeleitet, da man es nicht als erwiesen annehmen wollte, daß Kr. tatsächlich diese Ausbrüde debrant hätte. Jezt endlich erflärt das Provinzialschultollegium, daß es die erforder Lichen Schritte zur Bestrafung des Lebrers unter rom men hätte. Worin fie bestehen, wird nicht mitgeteilt. Rebenfalls mahlen alle Mühlen fofort erschredend langiam, wenn ein Beamter die Republik und ihre Vertreter beleidigt hat. Der vereitelte Munitionstransport!, Ein in Berlin wohnender litauischer Staatsangehöriger David Bachared hot fürzlich einer Firma in Kowno die Lieferung bon 1 Millionen Stud Maschinengewehr- Muniz tion an, die der Bewaffnung der litauischen Armee zugute fommen follte. Woher die Munition fommen sollte, hielt 8. geheim. Infolge Anzeige tam aber das Geschäft nicht zur Ausfüh rung, da die korrespondenz darüber beschlagnahmt und 8. feftge nommen wurde. In der ersten Instanz war er vom Gericht freigesprochen worden, da man den Erlaß des Ministers des Innern über das Verbot betr. Waffen- und Munitionshandel dahin auslegte, daß das Verbot. sich nur auf das Inland beziehe. Auf die Berufung des Staatsanwaltes wurde die Angelegenheit jezt no einmal verhandelt mit dem Erfolg, daß der Angeklagte zu 6 Monaten Gefängnis und 3000 Mart Gelbftrafe verurteilt wurde. Das Urteil wurde damit begründet, daß das betwußte Berbot auch für den Munitionshandel nach dem Ausland Geltung habe und daß auch der Versuch strafbar sei! Spurlos verschwunden. Seit dem 5. d. M. ist die 16 Jahre alte Kontoristin Gertrud Hartmann aus der Lessingstraße 9 zu Neukölln spurlos verschwunden. Das junge Mädchen, das zurzeit ohne Stellung mar, verließ am Morgen des 5. Auguft die elterliche Wohnung, um sich um einen neuen Bosten zu bemühen. Seitdem ist jede Spur von ihm verloren. Da tein Grund zum Fernbleiben vorlag, so befürchten die Angehörigen, daß dem Mädchen ein Unglud zugestoßen oder daß es einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Vermißte ist 1,50 Meter groß, hat ein blaffes Gesicht, dunkles Haar und braune Augen. Bei ihrem Fortgange trug fie eine grüne Stridjade, ein weißes Kleid, einen fleinen schwarzen Hut und schwarze halbe Schuhe. Mit teilungen über ihren Berbleib nimmt jedes Polizeirevier in Neufölln entgegen. Das Tabakhäuschen als Frühstücksftube. Auf dem Baffinplag in Potsdam liegt das Tabathaus yen, eine hiftorische Reliquie aus fridericianischer Zeit. Der Pots bamer Magiftrat hat mm- entfeglich- bie Griaubels zur Em richtung einer Raffee. und frühstücksftube in biefem Häuschen erteilt. Das bringt die völkische Deutsche Betttung fehr in Etstafe und sie wimmert ganz erschrecklich über diese pietätloje, nachnopemberliche Zeit. Eines nur haben die Maulhelden um jeden Preis vergessen: Der Bots. damer Magistrat ift reinraffig deutschnational orientiert. Die Angriffe richten sich also gegen die eigenen Kampfgenossen. Sieh, sieh, die Hüter von Potsdams großer Bergangen heit tönnen so auffallend modern und unsentimentale Schritte tun?! Es soll ein neuzeitliches Raffeehaus betrieben werden, so flagt das rechtsraditale Blatt. Wir haben es ja immer gefagt: ie fte er Fluch verbrannt wurde, so werden sie auch noch in fridericiantfüllen lernten, und anbeten, was vorher mit wildem schen Stilhäuschen mit Agrarierschmiß Jazzbands im Negerrhnthmus Fluch verbrannt wurde, so werden sie auch noch in fridericianthören, unsere Herren Deutschnationalen. Sie find an paffungsfähig, wie die Praris erweist. Der Landeskonservator will das Malheurchen mildern und stellt die Einrichtung, die aus Stil möbeln bestehen soll, zur Verfügung. Alkohol- und Nachtbetrieb findet zwar nicht statt, aber für den Tagbetrieb werden schon die Jung- Hakenkreuzler, Bismarckbündler und Totenkopfler sorgen. " Wallensteins Lager" im Stadion. Das Städtische Fremden Derkehrsbureau teilt mit: Unter den vielen Einrichtungen, die das neue Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin im Begriff ist zu treffen, um die Reichshauptstadt wieder in den Mittelpunkt des Ver fehrs zu bringen und dadurch Fremde nach Berlin zu ziehen, dürfte der Plan einer Freilichtaufführung im Berliner Stadion von großem allgemeinen Interesse sein. Am 22. und 23. August, abends 7½ Uhr findet eine Aufführung von Wallensteins Lager" bei Fackelbeleuchtung in möglichst historischer Wiedergabe statt. Ilm den im 30jährigen Kriege üblichen Heerestroß zu zeigen, werden etma 1000 Mitwirkende in Kostümen der Zeit mit Pferden, Wagen Marketendereien, Feldbädereien, Mufitforps, Trompetenbanden ufm. teilnehmen. Die Eintrittspreise werden ganz niedrig gehalten, um möglichst weiten Kreisen Teilnahme an diesem Schauspiel zu er möglichen. Ein etwaiger Ueberschuß wird auf Berqnlaffung des Oberbürgermeisters Böß der deutschen Künstlerhilfe überwiesen werden. Die Gesamtleitung wurde Albert Berthold übertragen, der auf dem Gebiete der Freilichtaufführungen über große Er. fahrungen verfügt und dem eine Anzahl hervorragender Mitarbeiter zur Seite stehen. Die Leitung der Chöre hat Herr Profeffor Schar. wenfa übernommen. Der Präsident des Landesfinanzamtes Berlin erläßt im Aneigenteil eine Bekanntmachung zum Zwed der Steueranmeldungen, auf die hiermit verwiesen wird. Die schwere Typhusepidemie in Anklam. Aus Antlam legen sehr alarmierende Rachrichten über eine erschredende 3unahme der Typhusertram tungen vor. Die Zahl der von der Seuche Betroffenen bat fich auf rund 260 erhöht, 28 Todesfälle sind bisher gemeldet. Bon einem Abflauen der Krankheit tann feineswegs gesprochen werden. Die mangelhafte Kanalisation der Stadt soll ebenfalls ungünstigen Einfluß auf die Entwicklung der Epidemie gehabt haben. Jedenfalls märe es im Interesse der Beruhigung der Bevölkerung wünschenswert, daß das Wohlfahrtsministerium über den Stand der Krankheit sowie über die getroffenen Maßnahmen der breiteren Deffentlichkeit eingehend Bericht zugehen läßt. Beschwichtigungskommuniqués wür den nur den Kombinationen der Sensationsbeflissenen weiten Spielraum geben. Die Aufräumungsarbeiten an der Unfallstelle in Rabishan find sofort begonnen worden, so daß die gesperrt gewesenen Gleise wieder befahrbar sind. Der Betrieb auf der Strede Görlig- hirsch. berg ist gestern wieder zweigleifig in vollem Umfange aufgenommen worden. Aufdedung eines Mordes. Einer Blättermeldung zufolge ist in den. Vor längerer Zeit ist die 22jährige Julie Polodnia aus LuboLuboschütz( Kreis Oppeln) ein grausiger Mord aufgedeckt wor schütz spurlos verschwunden Walezte, dessen Sohn mit der Vermißten ein Liebesverhältnis unterhielt, das nicht ohne Folgen geblieben war, wurde jezt die Leiche des Mädchens vergraben aufgefunden. Der Kör per wies zwei tödliche Schußwunden auf. Als mutmaßlicher Täter wurde der Bräutigam, der Bauernsohn Josef Balezte, verhaftet. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Auf dem Felde des Halbbauern Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsftelie: Berlin G. 14. Sebaftianstr. 37/38. Sot 2 22. Kamerabschaft Friedrichshain. Am Sonnabend, 15. Auguft, 5% Uhr, Treffen der gesamten Rameradschaft vor dem Vereinslotal Frucht Straße 36a. Sämtliche Fahnen sind mitzubringen. Trommlerkorps tritt, an. Propagandamarsch nach Weißenfee. Montag, 17. Auguft, 7% Uhr, Kamerabfchaftsverfammlung im Bereinshaus Fruchtſtr. 36a. Ramerabschaft Kreuzberg. Gonntag, 16. August, vormittags 10 Uhr, bei Biehler, Dieffenbachstr. 76, endgültige Abrechnung der Platetten, Festschriften und Programme. Ramerad schaft Bilmersdorf. Alle Beteitilgten rechnen die Einnahmen anläßlich der Berfassungsfeier unverzüglich mit dem Rasierer ab. Nicht abgefeßte Drud. fachen usw. find hierbei abzuliefern. Montag, 17. August, 8 Uhr, bei Andreas, Bfalaburger Ede Günzelstraße, 8ug- und Gruppenführerversammlung der Jugendabteilung Rameradschaft Bantow mit Untergruppen. Sonnabend, 15. Auguft, 6 Uhr, Treffen aller Kameraden, auch des Tambourkorps, Schön hauser Allee Ede Bornholmer Straße. Montag, 17. August, pünktlich 8 Uhr, fämtliche Kameraden Turnhalle Wollantstraße. Sämtliches Material von der Verfassungsfeier muß an diesem Abend abgerechnet werden. Kameradschaft Oranienburg. Sonnabend, 15. August, 8 Uhr, im Schükenhause Berfassungs Gäste herzlich willkommen. Eintritt 98 Pf., Steuer 52 Pf., zufammen 1,50 M. Fadeln zum Fadelzug werden frei abgegeben. Arbeiter Radio- Alub, Bezirk Neuköln. Rütli- Schule, 8 Uhr, Experi Arbeitersport. Der Bolfschor Tempelhof- Mariendorf( M. d. DASB.) veranftaltet am Freitag, den 14. August, abends 7 Uhr, in Tempel feier, beſtehend in feftatt und Fadelaua, fameradschaftliches Beisammensein. bof, auf der Dorfaue, am Amtsgebäude, ein Freikonzert. Abmarsch 27 Uhr Tempelhofer Hafen, Ordenemeisterstraße. Dahlinger auf dem Gelände des Pflanzervereins„ Neuköllner Dahlienschau! Am Sonntag, den 16. d. M., veranstaltet Genosse mentierabend, Röhren- Apparate. Gäste willkommen. sind auch die besten Züchtungen der letzten Jahre vertreten. DahlienSchweiz" eine Dahlienschau. Außer den schönsten älteren Sorten liebhaber sind zu dieser Schau freundlichst eingeladen. Die Neuföllner Schweiz" liegt an der Kiefholzstraße( direkt hinter der„ Märtischen Schweiz") und ist über Treptom mit der Straßenbahnlinie 93, 98 und 148, Haltestelle Kaiser- Friedrich- Brücke, Reinstahl, zu erHaltestelle Karpfenteichstraße, oder über Neukölln mit den Linien 95, reichen. Eintritt bis nachmittags 2 Uhr frei. Die Handwerksausstellung in Magdeburg. Freie Turnerschaft Charlottenburg. Jungmädchen- Wanderabteilung. Unser Turnbetrieb beginnt wieder am Montag, 17. August, in der Turnhalle der Schule Biklebenstraße. Da uns zum Herbst größere Beranstaltungen bevor mig zu besuchen. Wanderluftige Mädchen werden dortselbst noch aufgenom stehen, so ist es unbedingte Pflicht jedes Mitgliedes, die Turnstunden regel men. Turnzeiten: Montags von 28-210 Uhr. Ein Sommerschwimmfeft veranstalten am Sonntag, 16. August, nachmittags 2½ Uhr, die beiden Arbeiterschwimmvereine des Berliner Nordens, die freien Sdwimmer Norden" und der Schwimmverein Borwärts Berlin 97", Gruppe Norden, auf dem Wassersportplah Plößensee. Die Veranstaltung ist so aufgezogen, daß insbesondere über die in diesem Sommerhalbjchr geleisteten Arbeiten ein abschließendes Bild gegeben wird. Ein Wafferbellturnier und ein Schauſpringen von allen Brettern( 1-10 Meter) merden die schwimmerischen Kämpfe umrahmen. " Arbeiter Radfahrer Bund Golibazität", Ortsgruppe Berlin und Um Schmödmin: früh 4 Uhr Päger Vordersee. Start Billowstr. 55. 2. Abt.: gegend, Touren für Sonntag, den 16. Auguft. 1. bt.: 7 Uhr Jugend nach In Magdebung findet zurzeit die Mitteldeutsche Handwerksausstellung statt, in der Werke des als Künstler schaffenden Handwerks zur Schau gestellt sind. Aus ihr spricht die Liebe zur Arbeit, die nicht nur das Bert, sondern den Schaffenden edelt. Mit gutem Recht tann gesagt werden, daß das ehrliche Handwerk die Deffentlichkeit in feiner Weise zu scheuen braucht, denn gerade 12 Uhr Deerentout Gummt. Start Landsberger Blaz. darin ist ein Ziel der Ausstellung zu erbliden, daß man nicht nur das fertige Wert zeigt, sondern auch den Handwerker bei der Arbeit vorführt. Hier sei besonders das Ernährungsgewerbe hervor. gehoben, das in voller Deffentlichkeit sein Schaffen zeigt, wird es doch durch moderne Maschinen unterstützt, die immer mehr sich dem Biele nähern, Rohstoffe unter Ausschluß von Staub und schlechter Luft und unter Wegfall fast jeder Berührung durch die Hand des Schaffender, Vertrauen einflößenden Fertigprodukt umzuwandeln. Die Ausstellung der Fachschulen zeiot, wie moderne Lehrlingsausbildung beschaffen sein soll, wie wissenschaftlich geschulte Lehrfräfte mit Hilfe der besten Lehr- und Lernmittel einen Nachwuchs heranziehen können, der nicht nur das Wie" fennt, sondern auch das Barum" weiß. Das besondere Interesse des preußischen Handelsministers an der Mitteldeutschen Handwerksausstellung dürfte am besten dadurch gekennzeichnet werden, daß er für die in Aussicht genommene Prämiierung ein äußerst wertvolles Stück aus der preußischen Porzellan- Manufaktur stiftete. 5 und 10 Uhr Berlfee, Start Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Rahmerfee, nicht Hersfelde. Start 5 Uhr Laufizer Plak. 4. Abt. Werbesportfest Lichtenberg- Friedrichsfelde. Start 12 Uhr Weberwiese. 5. Abt.: 5 und 6. Abt.: 6 Uhr Rehlheide, 12 Uhr Schönwalde. Start Ropenhagener Str. 26. 7. Abt.: 5 Uhr Streifzüge durch das Blumenthal, 1 Uhr Ahrensfelde. Start RolonieStraße 147. 9. Abt.: Sonnabend nadm. 4 und 6 Uhr Italienische Nacht am Todnißfee, Conntag 1 Uhr Rubow Lindenwirtin. Start Schulftr. 114. 10. Abt.: 6 und 12 Uhr Geebad Rangsdorf. Start Comeniusplag. 11. Abt.: Großfener in einem rheinischen Mühlentverk. Die In der Reinigungsabteilung des großen niederrheinischen Oel und Kornmühlenwertes Billermühle bei Haffum brach infolge Mehlstauberplosion im Trichter ein Brand aus, der fich mit rasender Geschwindigkeit durch den ganzen linken Flügel des Bertes verbreitete. Durch die Erhauster und Trichter schlugen die Flammen in die Silos, so daß bald darauf die ganzen Stodmerfe mit 15000 3entnern Rorn in Flammen standen. Hize und die starten Rauchwolfen sprengten die Türen und Fenster, so daß sich die Flammen überallhin verbreiten fonnten. Erst nach mehrstündigen Anstrengungen gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Ber fonen find nicht zu Schaden gekommen. Die Mühle ist seit der Purzen Beit ihres Bestehens bereits zum vierten Male vom Feuer heimgesucht worden. vorübergehend bewölft. Wetter für Berfin und Amgegend. Heiter, troden und warm, mur Für Deutschland. Ueberall troden und warm. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 14. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: begleitung. 4.40 Uhr nachm.: Zehn Minuten die Frau( Die Kunst, krank zu sein, on Dorothee Goebeler). 5-6.30 Uhr 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikabends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7-7.50 Uhr abends: Hans Bredow- Schule( Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Gartenbau. Gartenbaudirektor Fritz Zahn: Aus der Geschichte des Gartens. 7.30 Uhr abends:( Hochschulkurse). Abteilung Geographie. Dr. Konrad Kretschmer: Das Erdbild im Wandel der Zeiten. 6. Vortrag: In der Neuzeit. 8.30 Uhr abends: Das deutsche Lied. Eine Vortragsreihe von Dr. Felix Günther. unter gesanglicher 5 Uhr Hennigsdorf. Start Sodyftr. 13. 12. Abt. Motorfahrer: Budow, Märkische Schweiz. Start 7 Uhr Frankfurter Allee Ede Warschauer Straße. Ortsgr. Neukölln: Rönigsheide. Start 8 Uhr: 1. Abt. Sergbergplag, 2. Abt. Bahnhof Sermannstraße. Mittags 12% Uhr Rudow Sportfeft. Start beide Abteilungen Herzbergplak. Ortsgr. Spanbau: jeden Donnerstag 6½ Uhr Spielabend. Start Neuendorfer Str. 74. Drtsgr. Treptow- Baumschulen. weg: Baruth. Start 6 Uhr Bereinslokal. Ortsgr. Bantom: Budower See. Start 6 Uhr Florastr. 24. Ortsgr. Lichtenberg: Brenden. Start 6 Uhr früh Traveplak. Ortsgr. Schöneberg: Lichtenvade Stiftungsfeft. Start 1 Uhr Stubenrauchstr. 5. Ortsgr. Charlottenburg: Summter See. Start 5 Uhr Galvanistr. 13. Rocher mitbringen. Ortsgr. Oberschöneweide: 7 Uhr Start Siemensstraße. Ortsgr. Tegel: Liepnisfee. Start 6 Uhr. Sonnabend abend 7 Uhr Unterbezirtstag in Hermsdorf, Schlieper. Gcentendorf. ſtraße 64. Drisgr. Reinidendorf: 5 Uhr Rahmer See. Start Refidenz straße 109. Arbeiter- Rabfahrer- Verein Groß- Berlin. 16. Auguft, frith 5 Uhr, Freibad Berlfee( Strandrestaurant). 1 Uhr Müggelschloß( Röpenid). Kartell- Berband Webbing. Am Montag, 17. Auguft, 7% Uhr, findet im Bebigenheim, Rimmer 19, Schönstedtstraße, eine Rartelligung ftatt. Jeder Berein und jede Abteilung muß einen Vertreter fchiden. " B Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelbe, II. Bezirk. Nach beendeten Ferien ist der Turnbetrieb auf der Salle wieder in vollem Gange. Es turnen: Schüler: Dienstag und Freitag Schule Bfarrstraße 6-8 Uhr. Schülerinnen: Montag und Donnerstag Schule Pfarrstraße 6-8 Uhr. Frauen und JungDienstag und Freitag Schule Partaue 8-10 Uhr. mädchen: Donnerstag Schule Bartaue 28-210 Uhr. Jugend und Männer: Bom Fußballturnier in Stralau. Das zweite Zwischenrundenspiel zwischen Sertha 22" und Rüftig Borwärts", Neukölln, endete mit einem Siege Serthas von 2: 1. Großes Werbesportfest in Neukölln. Zugunsten des Arbeiterfamariterbundes, Abteilung Neukölln, veranstaltet der Sportflub ,, Riftig- Borwärts 1913 Neukölln" am Sonntag, 16. Auguft, auf dem städtischen Sportplag Neuköln, Raiser- Friedrich- Straße, Ede Innitoaße, eine Werbefußballfpirl. Die Neutöllner Arbeiterfchaft wird gebeten, diese Veranstaltung au besuchen. Eintritt für Erwachsene 30 Bf. Fahrverbindung mit der Straßenbahn Linie 11, 95 und 98 bis zur Ede und Nr. 12, 15, 47, 48 und 52 bis Jägerstraße. Programme werden auf dem Blake gratis verteilt. Beginn des Festes nachmittags 1½ Uhr, Umaug durch Neukölln. Rum Abschluß findet ein Fußballspiel zwischen den beiden alten Rivalen Stralau( Ostdeutscher Meister) gegen Rüftig- Borwärts erfte Mannschaft statt. Führen Sie Buch über Ihre täglichen Ausgaben? Wir nehmen an, daß Sie regelmäßig Odol gaben Buch führen. Bitte, sehen Sie mal in benutzen und daß Sie über Ihre kleinen AusIhrem Ausgabenbuch nach, wie oft Odol darin erscheint: wahrscheinlich etwa alle zwei bis drei Monate. Wissen Sie, weshalb wir um diese Feststellung bitten? Weil wir in der heutigen Zeit der chronischen uch von Heise und Geldknappheit Wert darauf legen, Sie auf eine Tatsache aufmerksam zu machen, die Ihnen selbst Mitwirkung von Karin Lindholm, Alfred Wilde, Maria Basca Wilhelm Gutmann, Nora Pisling- Boas, Kammersänger Cornelis Bronsgeest. Letzter( 6.) Abend. Das moderne Lied. Kammersänger Cornelis Bronsgeest singt zu dem Vortrage: 1. a) Hugo Wolf: Fußreise( Mörike), b) Hugo Wolf: Daß doch gemalt all' deine Reize wären( Italienisches Liederbuch von Heise und Geibel). c) Hugo Wolf: Verschwiegene Liebe( Eichendorff), d) Hugo Wolf: Heimweh( Eichendorff). 2. a) Max Reger: Geistliches Lied, b) Max Reger: Das Dorf( Boelitz), c) Max Reger! Liebst du um Schönheit( Rückert), b) Gustav Mahler: Ich ging Der König bei der Krönung( Mörike). 3. a) Gustav bielleicht bisher entgangen it: namlich darauf, mit Lust durch einen grünen Wald( Aus Des Knaben Wander daß Odol nicht nur das anerkannt wirksamste, 10 Uhr abends: sondern zugleich das sparsamste Mund- und horn"), c) Gustav Mahler: Rheinlegendchen( Aus Des Knaben Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wunderhorn"). Am Flügel: Dr. Felix Günther. 10 Uhr abends: Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Bahnpflegemittel ist. gen" Jugendveranstaltungen. Heute, Freitag, den 14. Auguft. 4 Für die anläglich bes Berfaffungstages bewiesene Aufmerksamkeit, fowie die überaus freundliche Aufnahme, sagen wir den Quartiergebern und den Rameraden von Neukölln Brig herzlichsten Dank. Bericht: Unsere mit dreifachem Frei Heil!* Haftung, Raffierer! Heute von 5-7 Uhr brechnung der Beitragsmarken. Moabit I: Schule Giemensftt. 20. Bortrag: Unsere Jugendschusforderun Rorboft I: Jugendheim Neue Rönigftr. 21. Bortrag: ,, Schulreform". Rosenthaler Borstadt: Landgemeindehaus, Gophienstr. 21. Bortrag: Jugend und Politik". Weißensee: Jugendheim Röldestr. 157. Hamburger Erlebnisse". Often Str.- B.: Jugendheim Goßlerftr. 61. Mitgliederversammlung. Charlottenburg: Jugendheim Rofinenstr. 4. Mitglieder versammlung. Ren- Lichtenberg: Pestalozzi- Lyzeum, Prinz- Albert- Str. 44. Mitgliederversammlung. Buchholz: Lotal non Road, Sauptstr. 71. Bericht: ., Samburg". Geschäftliche Mitteilungen. Reidisb. Schwarz Rot- Gold Die IV. Kameradschaft Kreisverein Cottbus. # eceeeee66: 9999999998 Habe meine Praxis wieder aufgenommen, gemeinsam mit Herrn Dr. M. Wolfsohn San.- Rat Dr. Lissow Kastanienallee 26. Offene Füfse Krampfadergeschwüre. schmerzhafte Ms bewährte Rüchenhilfsmittel haben fich die Erzeugnisse der MonbaminGesellschaft erwiesen. 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August unser langjähriger treuer Mitarbeiter, der Betriebsleiter Gerhard Menge Wir alle verlieren in ihm einen lieben Kollegen, der sich ungeteilter Anerkennung und unbeschränkten Vertrauens erfreute. Dauernd werden wir dem Entschlafenen ein ehrendes Gedenken bewahren. Barmen/ Berlin L.Witte& Co. Haben Sie Wanzen? So gebrauchen Sie Mothesin. 1nfehlbares Spezial Mittel zur raditalen Bernichtung der Banzen und deren Brut. Absolut ficher und schnellste Wirkung Breis Flasche 1, 2,50 und 4, M. Nur allein echt bei Arth. Mothes. Berlin R. 31, Swinemünder Straße 41. Geg. Schwaben, Rufsen, Franzos u. Flöhe u'w.. Motten nebit Brut helf. nur meine als vorzügl. anert. Spezial- Mittel in St. à 1,-. Marten- Zigaretten kaufen Sie am billigsten Berlin, Kaiser- Wilhelm- Str. 32 Versand nach auswärts franko. 1 BRANKA Treppe Eingetert für werdende utillende Mutter ift DR.MED.HENSCHEL& CO. 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August 1925 Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Ge winne gefallen, und zwar je einer auf die 2pfe gleicher Dummer in den beiden Abteilungen 1 und 2 Nachdruck verboten Ohne Gewähr In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 Mh. gezogen 5 Gewinne zu 10000 2. 36142 247247 261549 10 Gewinne zu 3000 m. 71829 89504 112968 142260 243273 16 Gewinne zu 2000 21. 42893 45444 46593 108777 124630 144032 165747 218507 34 Gewinne au 1000. 15098 27832 49460 60328 79166 95127 107380 152709 201323 202689 207901 210526 240291 243308 245069 261910 264112 64 Gewinne zu 500 m. 17609 18433 23307 24955 26433 41491 48666 53603 60724 73970 84726 86811 92526 102176 111399 114171 137469 144233 163194 168717 170755 172282 172966 187414 192661 206573 207141 207262 223382 243144 247929 272570 182 Gewinne zu 300 M. 2073 2779 5692 8936 8968 10606 12481 13061 13914 15601 17186 23600 27587 30750 82199 34689 39532 47399 50607 51227 59130 59952 63722 70686 76019 76821 79712 81088 84617 84712 85182 86017 89550 100094 104165 109648 110277 124123 127647 127666 127672 133043 136552 139646 143314 144674 150818 151065 153210 163982 165069 168671 172263 173197 174297 176504 178835 179772 179825 183938 184561 187845 188837 197258 198381 201588 211130 211634 212160 215396 221887 233635 234168 235310 236677 237215 238729 240435 245530 248151 252414 252563 254924 257346 258557 259070 261739 267859 268603 270228 272115 In der Nachmiffagsziehung wurden Gewinne über 150 Mk. gezogen 4 Gewinne zu 50000 22. 102215 274834 2 Gewinne zu 10000 m. 91591 4 Gewinne zu 5000 m. 58037 206247 12 Gewinne zu 3000 m. 31205 79055 98102 184638 197273 272749 10 Gewinne zu 2000 m. 63019 131795 175994 213146 248355 16 Gewinne zu 1000 2. 32144 78319 82681 123512 157107 209220 227791 266282 74 Gewinne zu 500 m. 14711 17452 28061 33253 45270 46302 48844 50030 51842 54272 77701 76256 89172 103000 die Gewerkschaftsbewegung 105341 110299 111413 113988 122297 135195 140318 146167 der Nachkriegszeit Eleganter Ganzleinenband 8 M. 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HENSCHEL& Co., G. m. L. L. Berlin NO. 43. Gemeinnütziges Bestattungswesen. Eine erfolgreiche städtische Einrichtung in Lichtenberg. Auf Antrag unserer Genossen am 1. Oftober 1919 eingerichtet, hat sich das städtische Beerdigungswesen in BerlinLichtenberg während seines nunmehr sechsjährigen Bestehens zu einem Betriebe entwidelt, der an Größe alle gleichartigen Privatfirmen überflügelt hat. Zurzeit bestehen in Lichtenberg zwei Geschäfte: Das Hauptgeschäft in der Möllendorfstraße 14 und eine Filiale in der Wühlischstraße 31; des meiteren noch Bertaufs stellen in den Außenbezirken Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf. Eigenes Fuhrwesen ist ebenfalls vorhanden. STADT BEILAGE DES ber Goldsicherung abhängig gemacht wird, find daher, mie der Amtliche Preußische Pressedienst einem neuen Erlaß ber beiden Minister entnimmt, teine Bedenken dagegen zu erheben, daß die für die Genehmigung der Anleihen zuständigen Stellen eine Goldanleihe genehmigen. Ebenso wird bei Inhaber anleihen die Goldsicherung dann zugelassen werden tönnen, menn ohne fie die Begebung der Anleihe nicht oder nur zu ungünftigen Bedingungen möglich wäre. Die Wohnungsnot der linderreichen Familien! Der Landtag hatte durch eine Entschließung das Wohlfahrts ministerium ersucht, in Anbetracht des furchtbaren Wohnungselends der minderbemittelten finderreichen Familien die Richtlinien der Hauszinssteuer zugunsten solcher Familien zu ändern. Durch die Verfügung des Wohlfahrtsminsteriums vom 29. Juni d. 3. find nun I. die Richtlinien dahin geändert worden, daß den minderbemittelten finderreichen Familien 90 Prozent des Hauswertes einschließlich Grund und Boden oder 100 Prozent der reinen Baukosten aus der Hauszinssteuer gewährt werden. Die Berfügung fagt: minder bemittelte, finderreiche Familien". Wie tann aber den minderbemittelten finderreichen Familien geholfen werden, um sie in den Genuß der Hauszinssteuer zu bringen? Die Hauptsache ist jetzt, daß der Magistrat das zur Verfügung stehende Land den minderbemittel tenkinderreichen Familien in Erbpacht gibt, und daß die Hauszins steuer für die Bauvorhaben Minderbemittelter auch auf den Grund und Boden, den sie durch Erbbaurecht erlangen, gezahlt wird. Wenn die Behörden, Kommunen usw. wirklich ein Interesse daran haben, den Minderbemittelten zu helfen, so fann es nur auf diesem Wege geschehen; denn Barmittel stehen den kinderreichen Familien nicht zur Verfügung. Es sei hier auf die Verfügung des Wohlfahrtsministeriums vom 22. September 1924 hingewiesen, als welcher her vorgeht, daß den kinderreichen Familien bei Ausführung ihrer Bauvorhaben die öffentliche Hilfe in erster Linie und in möglichst weit gehendem Maße zuteil werden soll, ja daß sie sogar bevorzugt wer perben den sollen. Seit der Einrichtung im Jahre 1919 bis Mai 1925 wurden nur Ginheitsfärge geführt, weil es dem weitaus größten Teil der Bevölkerung infolge der Nachwirtungen des Krieges und ber Inflation nicht möglich war, fogenannte beffere Särge für die Berstorbenen zu kaufen. Da jedoch in der letzten Zeit die Nachfrage nach befferen Särgen immer größer wurde, sah man sich veranlaßt, mehrere Arten von Särgen einzuführen; mit ausschlaggebend für biesen Entschluß waren auch die Angriffe, die von verschie= benen Privatgeschäften gegen die städtische Ein. richtung erhoben wurden. Von dem Verein der Sargtischler und Händler, der vom ersten Tage des Bestehens des Städtischen Beerdi gungswesens nichts unversucht gelassen hat, um das städtische Geschäft bei der Bevölkerung mit Wort und Schrift in Mißkredit zu bringen, sind Angriffe und Berleumdungen häßlichster Art gegen bieses ganz und gar gemeinnüßige Juftitut gerichtet und sogar bis zum Oberpräsidenten weitergeleitet worden. Der Oberpräsident felbst hat auf Grund der von einer Firma gegen das Städtische Beerdi gungswesen gerichteten Angriffe eine intersuchung eingeleitet und Bernehmungen veranlaßt, welche ergaben, daß die als Zeugen benannten Berfonen zugeben mußten, daß die Angriffe haltlos waren. Die Aussagen dieser Personen haben sogar er wiesen, daß nur der Konturrenzneid der betreffenden Firma die Ursache dieser Anfeindungen und Verleumdungen war. Alles dieses hat aber dem Städtischen Beerdigungswesen feinen Abe bruch tun fönnen, denn es ist für 70 Pro3. aller in Lichtenberg vertorbenen und erdbestatteten Bersonen in Anspruch genommen worden. Die Inanspruchnahme würde eine noch viel größere sein, wenn nicht bei einem großen Teile der Bevölkerung die irrige Meinung vorherrschend wäre, daß nur Lichtenberger Einwohner burch das Städtische Beerdigungswesen bestattet werden können. Das Institut ist durch die Schaffung Groß Berlins eine Berliner Einrichtung geworden und steht allen Einwohnern Berlins zur Verfügung. Ueberführun gen werden ebenfalls nach allen Friedhöfen innerhalb und außerhalb Berlins ausgeführt. Der Berliner Bevölkerung fann nur immer wieder geraten werden, sich bei Todesfällen an das städtische Bereichen Familien den Anträgen der Bezirksämter zustimmt. schäft zu wenden. Es ist ja allgemein bekannt, daß bei einem Todes fall die Kopflosigkeit der Angehörigen von Privatfarggeschäften nicht felten in der schlimmsten Art und Weise ausgenugt wird; denn die Leibtragenden, die den Standpunkt vertreten, daß es bas legte sei, was sie dem Berstorbenen geben fönnen, laffen sich in ihrer Rat. losigkeit alles mögliche aufreden und zu Bestellungen verleiten, die ihre wirtschaftlichen Verhältnisse häufig übersteigen. Seine Auf gabe, preisregulierend zu wirken, hat das Städtische Beerdigungswesen bisher voll und ganz erfüllen tönnen. Die Preise des städtischen Inftituts liegen durchweg 40 bis 60 Broz. unter denjenigen ber Brivatgeschäfte. % Es ist auch ein Berdienst des städtischen Instituts, daß die Form ber fogenannten Mohlfahrtsbeerdigungen endlich bahin geändert mor. ben ist, daß den Leibtragenben bas bittere Gefühl ihrer Armut bei der Bestattung ihres Angehörigen erspart wird. Bei den jogenannten Wohlfahrtsbeerdigungen welche von Privatfirmen ausgeführt wurden, waren die Särge als solche taum anzusprechen. Um aber endlich auch die Wohlfahrtsbeerdigungen übernehmen zu können, mußte das städtische Institut in einen Breis eintreten, der den Brivatfirmen vor anderthalb Jahren unter viel günstigeren wirtschaftlichen Verhältnissen gewährt worden war. Daß das Städtische Beerdigungswesen trojdem in der Lage ist, bedeutend beffer ausgestattete Särge zu liefern, zeugt ebenfalls von seiner Leistungsfähigkeit. Golt mark- Anleihen der Gemeinden. Im Runderlaß Dom 27. Januar d. J., herausgegeben vom Preußischen Minister des Innern und dem Finanzminister, mar bestimmt worden, daß grundfäglich alle inländifchen Anleihen nur auf Reichsmart zu stellen feien. Im legten Saß des Erlases mar jedoch bereits zugelassen worden, daß ausnahmsweise Goldmart. anleihen als Uebergangsmaßnahme zugelassen werden fönnen, wenn die Notwendigkeit einer solchen Ausnahme im Einzel falle besonders nachgewiesen wird. Da der langfristige Kredit sich noch nicht vollständig auf die neue Währung umgestellt hat und gerade diejenigen Stellen, die augenblicklich hauptsächlich als tommunale Kreditgeber in Betracht kommen, noch an der Goldficherung festhalten, wird diese Ausnahme bei Schuldich ein anleihen im Augenblid noch verhältnismäßig häufig eintreten. Sofern im Einzelfalle dargelegt mird, daß bie Gewährung des Rredits von Oeffentliche Bekanntmachung. Bur Anmeldung bes fünftig maßgebenden Wirtschaftsjahres find ver. pflichtet: 1. für die Cintommensteuer, Rörperfchaftsteuer unb Umfassteuer: a) Steuerpflichtige, die Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau ober Jonftige nichtgewerbliche Bodenbewirtschaftung betreiben, wenn fie für ein anderes Wirtschaftsjahr als den Reitraum vom 1. Juli bis 30. Juni regelmäßige baues betreiben, fomie förperfchaftssteuerpflichtige Erwerbsgesellschaften, auch femeit fie fein Gewerbe betreiben, wenn fie für ein vom Ralenderjahr ab. meidendes Wirtschaftsjahr regelmäßige Abschlüffe machen; Die gemeinnnüßige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Die finderreiche Familie", Berlin N. 4, Chauffeeftr. 1, hat mit mehreren Bezirksämtern Berhandlungen geführt und diese haben sich bereit erflärt, ber Genossenschaft das Siedlungsgelände in Erbpacht zu überlassen; jedoch bedarf diese Vereinbarung der Zustimmung der Grundstücs- Deputation beim Magistrat. Da die Genossenschaft teine Bruntbauten herzustellen beabsichtigt, sondern, unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Notwendigkeit die weitestgehende Ausnutung des Bodens im Auge hat und ihre Siedlung im Reihenhaus eritehen läßt, wäre es angebracht, daß der Magistrat im Interesse der finder Um nun minderbemittelte kinderreiche Familien, die in schlechten Wohnungsverhältnissen leben, in den Nießbrauch ber Bergünstigung zu bringen, würde es sich empfehlen, daß sich biefelben ben gemeinnüßigen Bau und Siedlungsgenossenschaften anschließen resp. beitreten; denn durch den Eintritt in gemeinnügige Baugenossenschaften sparen fie erhebliche Kosten, welche ihnen bei ihren etwaigen Bauvorhaben entstehen würden. Road. 13. Berwaltungsbezirk Tempelhof. Ein eigenartiges Jubiläum fann das Bezirksbauamt unter Leitung des fürzlich zum stellvertretenden Bürgermeister gewählten Leitung des fürzlich zum stellvertretenden Bürgermeister gewählten Baurats Bräuning feiern. Am 13. August vorigen Jahres wurde durch ein Auto ein Mast der Hochspannungsleitung, welche das Bezirksamt in der Fahrdamm- Mitte der Wilhelm- Bafewald- Straße in Mariendorf er. richten ließ, umgefahren. Durch die Stromunterbrechung mußten damals die Arbeiter in den Marienfelder Werken mehrere Tage feiern. Man beabsichtigt, die Masten von der Mitte des Fahrdammes zu enfernen; da diese Absicht bisher durch das Bauamt noch nicht verwirklicht werden konnte, sind die Straßen in dem Biertel seit nunmehr einem Jahre gesperrt. Bon einer Jubiläumsfeier wird Abstand genommen, fie foll am 13. Auguft 1949 ftattfinden, falls bis dahin die Straßensperre noch bestehen sollte. Baurat Bräuning ist tein Sozialist, sondern Mitglied der Deutschen Volkspartei und wird als tüchtiger Fachmann von seinen Anhängern gepriesen. Merft's Euch zu den Wahlen. Das Ruhen auf den Ruhebänken verboten. Man schreibt uns: In jeder Stadt find unter dem Titel Wohlfahrtseinrichtungen Bartanlagen entstanden, die mit Ruhe oder Siggelegenheiten ausgestattet sind. So auch in Berlin. Sobald es die Witterung und unsere Jugend unermüdlichen Gebrauch von dieser Einrichtung. vor allem die Zeit erlaubt, macht Männlein und Weiblein und Mag dies im Friedrichshain, Kreuzberg, im großen Tiergarten oder auch im fleinen sein. Die Polizei als hüterin der öffentlichen Ordnung fcheint in legter Zeit diese Ruhepläge und Ruhebänke be sonders zu beobachten. Gewiß, es gibt in einer Stadt wie Berlin allerhand Lichtscheue, die auf Fledderei ausgehen oder die auf den Bänien Ruhenden belästigen. Dies trifft besonders in den späten Abendstunden oder des Nachts zu. Dennoch halten die Ruhenden, die vielfach in unmittelbarer Nähe ihre Wohnung haben, sich diese Elemente felbft vom Halse. In später Nachtſtunde kommt fürzlich ein Genoffe und Gewerkschaftler aus einer Versammlung. Im Abſchlüſſe machen, b) Steuerpflichtige, bie ein Gewerbe einschließlich bes Berg Drange des Geschäfts hat er vergeffen, den Haus fchlüſſel einzu 2. für die Umfassteuer: offene Sandelsgesellschaften, Rommanditgefell fhaften und andere Unternehmungen ohne Rechtspersönlichkeit, wenn fie file ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr regelmäßige Abschlüsse machen. Die Anmeldung ist bis zum 31. August 1925 bei dem zuständigen Finana Berlin, den 11. Auguft 1925. Der Bräfibent bes Sandesfinanzamts Berlin. amt einzureichen. ENVER BEY fteden. In unmittelbarer Nähe seiner Wohnung ist der Kleine Etergarten, wo er sich auf einer der dem Krankenhaus Moabit gegenüberstehenden Ruhebante niederläßt. Bald erscheinen die Hüter gesehen wurden) mit der Aufforderung, aufzustehen und der Ordnung( die natürlich von unserem Genossen beim Kommen weiterzugehen. Er lehnt ab mit dem Hinweis, das Recht zur Benugung der Ruhebant zu haben, weil er fein Lump oder Strolch jei. Prompt werden die Personalien verlangt, die aber aus RK VORWARTS dem vorherbezeichneten Grunde verweigert werden. Es folgt die berechtigte Gegenfrage auf Namensnennung der Schupobeamten. Auf der Polizeimache folgendes Schauspiel: Beim Hineintreten Ausdrehen bes Lichtes und Aufforderung zum Weitergehen. Der Genosse lehnt unter diesen Umständen ab. Wir wollen nicht auf die Einzelheiten, die sich auf der Wache des Polizeireviers ereignet haben, eingehen, sie find aber derartig unerhört, wie sie sich nicht schlimmer auf dem Kajernenhof in det Borkriegszeit abgespielt haben würden. Nur dem energischen Auftreten unseres Genossen ist es zu danken, daß es nicht zu strafbaren Handlungen gekommen ist. Das Ergebnic war, daß unser Genosse 14 M. Geldstrafe nebst 1,2002 Schreibgebühren zubiftiert erhielt wegen renitenten Benehmens(?). Selbstverständlich ist richterliche Ent. scheidung beantragt; denn es geht unter feinen Umständen an, daß anständige Leute, die bis in den späten Nachtstunden ihrer Berufstätigkeit nachgehen müffen, von der Schupo belästigt werden. Polizeiliche Anmeldungen müssen unterschrieben werden. Man Es tommt immer häufiger vor, daß Hausbesitzer oder Hausweigern, wenn ihnen die zugezogene Person nicht genehm ist oder verwalter ihre Unterschrift unter polizeilichen Anmeldungen ver wenn vor der Anmeldung vom Hauptmieter nicht die vertraglich ausbedungene Genehmigung zum Abvermieten nachgesucht wurde. Das ist nach der Polizeiverordnung vom 26. Juli 1924 unzuläffig, felbst die um Wochen oder Monate verspätete Anmeldung muß unterschrieben werden, auch wenn der Hausbesitzer oder Berwalter von dem Einwohnen des Gemeldeten nichts gewußt hat. muß also auch Anmeldungen von Personen, die als anrüchig bekannt bedacht. Diese Bestimmungen sind neben der Absicht, Obdachlosigkeit find, unterschreiben. Wer es nicht tut, wird mit einer Polizeistrafe zu vermeiden, auch zu dem Zweck getroffen worden, über zweifel. hafte Personen unterrichtet zu sein, obwohl es der Polizei bekannt ist, daß gerade diese häufig unangemeldet wohnen. Die erzwungene Unterschrift bedeutet teine Genehmigung zum Untervermieten. Der Hauswirt fann wegen unerlaubten Untervermietens die Mietaufhebungsflage anstrengen. Das Gericht muß dann auf Räumung erfennen, falls nicht während des Rämungsprozesses das Miet einigungsamt die Zustimmung des Hauswirts zum Abvermieten durch Beschluß ersetzt. Tuberkulosenfürsorge in Neukölln. Die städtische Tuberkulosenfürsorgestelle Reu. tölln veröffentlicht joeben einen ärztlichen Bericht über ihre Tätigfeit im Jahre 1924. Hiernach waren ihr fast 70 Proz. der inner. halb des Bezirts an Tuberkulose Verstorbenen vor dem Tode bekannt gegen nur 50 Proz. im Jahre 1923 und 23 Proz. im Jahre 1912. Die stärkere Erfassung der Tube..ulösen wurde durch ein straff organisiertes Melbesystem erreicht. Es wurden 1902 Fälle von an steckungsfähiger Tuberkulose befürsorgt, gegen 1550 im Jahre 1923. Die vermehrte Zahl beweist nicht etwa eine Ausbreitung der Tuber. fulose im Bezirt. sondern lediglich die gründlichere Erfassung der Tubertulösen. Es ist im Gegerteil im Jahre 1924 ein Rüd. gang der Tuberkulosesterblichkeit zu verzeichnen. Ein Fünfundsiebzigjähriger. Am 17. Auguft vollendet unser alter Genosse Wilhelm Richter, Schöneberger Straße 8, und in der 39. Ab. teilung organisiert, fein 75. Lebensjahr. Genosse Richter trat 1872 bem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein bei, der unter Hafenclevers Führung das Banner des Sozialismus vorantrug Beder die Stürme des Sozialistengejeges mit jeinen Verfolgungen und Drangsalierungen, noch die Zeit chauvinistischer Hochflut konnten ihn hindern, zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit für den Sozia lismus zu mirten und zu agitieren. Gar mancher Genosse verdankt feine sozialistische Ueberzeugung dem stets bescheiden im Hintergrund gebliebenen alten Rämpfer. Gleichen Betennermut zu zeigen, muß heute, mehr denn je, das Bestreben aller fein. Wir wünschen dem tapferen Freund und Kämpen, daß er mit seiner treuen Frau der fozialdemokratischen Bewegung noch recht lange erhalten bleiben möge. Einweihung zweier neuer Jugendherbergen. Am Sonntag, den 23. Auguft, nachmittags um 3 Uhr, findet die Weihe und Taufe Der Schwimmenden Jugendherberge 2" am Ostufer des Kalfsees dicht beim Seebad Rüdersdorf statt. Am Sonnabend, den 5. September, abends um 6 Uhr, wird die feierliche Uebergabe der Jugendherberge Gamenfee" bei Tiefensee durch den Landrat Mengel des Kreises Oberbarnim an den Zweigausschuß Brandenburg für Deutsche Jugendherbergen erfolgen. Jubiläen. Der Maurer Bith. Boche aus Seeberg bei Alt- Sandsberg, ein Yang jähriger Borwärtslefet, feierte am 12. Auguft sein 25jähriges Bartet. jubiläum. Der Relluer Otto Bernik begeht heute fein 50jähriges Dienstjubiläum als Reiner im Berliner Brater, Raftanien- Adlee 7-9, in voller förperlicher eile. Das Zauberwort MAIZENA MAIZENA 230 W 1. unübertroffen zur Bereitung nahr hafter Kinderspeisen, 2. unübertroffen zur Bindung son Suppen, Tunken, Gemüsen und 3. übertroffen zur Berftellung von Kompotis, Sandtorte, Stuchen und feinem Gebäc Buddings, Flammerie, roter Grüne, jeder Art, 4. unübertroffen zur Darreichung von leichtverdaulicher, näbrreicher Koft für Kranke und Genesende. Kochbüchlein gratis durch die Deutsche Maizena Gesellschaft A.-G. HAMBURG 15. GOLDSTULA Nr. 381+42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Die internationale Schiffahrtskrise. Die Rückwirkungen auf den Schiffbau. Bor einem knappen Jahre begann in der von den Interessenten beeinflußten Presse jene Propaganda für eine Staatshilfe zu gunsten des ,, notleidenden" deutschen Schiffbaues, die dann Anfang dieses Jahres zu dem bekannten 50- Millionen- Bauhilfsdarlehen aus Reichsmitteln führte. Nunmehr beginnt von neuem eine Bearbeitung der Deffentlichkeit, damit der im Reichsdarlehen enthaltene Gedanke praktischer ausgebaut" werde, weil die Reeder„ diese mit allerhand bedenklichen Bedingungen verknüpften Kredite weit zögernder in Anspruch nehmen, als man ursprünglich geglaubt haben mag". Der Sinn dieser Attion fann nur sein, den dem deutschen Schiffbau und der deutschen Schiffahrt mit dem Reichsdarlehen gebotenen Vorteil zu vergrößern, jene selbstverständlichen Borbehalte unwirt sam zu machen, welche die Herkunft der 50 Millionen aus den Mitteln der Erwerbslosenfürsorge nahelegte. Es wäre auch ohnedies genügend Anlaß gegeben, die Lage im Schiffbau, auf die in der letzten Zeit fortlaufend durch Meldungen über Schwierigkeiten einzelner Werften Streiflichter gefallen sind, wieder einmal zusammenhängend zu betrachten. Denn die Lage im Schiffbau ist nicht wesentlich verschieden von der allgemeinen industriellen Lage in Deutschland, und sie resultiert auch überwiegend aus den gleichen Ursachen. Was sich also in der Werstindustrie pergleichsweise flar und zahlenmäßig faßbar darbietet, das erlaubt zahlreiche Analogieschlüsse auf andere Industriezweige, deren Verhältnisse nur unbestimmt erkennbar sind. Der Hauptgrund der deutschen Schiffbaukrise liegt in der enormen Uebersteigerung der Produktionsfähigkeit, für die folgende Zahlen gegeben werden. Die Kapazität der deutschen Werstindustrie war vor dem Kriege rund eine halbe Million Bruttoregistertonnen pro Jahr, dagegen beträgt sie jetzt etwa 1,2 millionen Bruttoregiſterionnen. Für diese durch die Kriegserfordernisse und später durch allerhand erwartungsvolle Neugründungen und Betriebserweiterungen"( nicht zum wenigsten auch durch die Flucht in die Sachwerte") herbeigeführte Leistungssteigerung auf das Zweieinhalbfache fehlt es an jedem auch nur annähernd entsprechenden Auftragseingang. Nach einer Nachweisung in den Bierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches( 1925, I) be: trug in Deutschland die Zahl der 1913. 1920. 9 1921. 1922. 1923. 1924. in Auftrag gegebenen fertiggestellten Brutto- Register- Tonnen 458 755 325 922 445 400 624.856 417 798 249 788 1 345 877 1 705 413 1 726 399 1258 026 716 591 637 344 Nach Lloyds Register of Shipping waren bei deutschen Werften am 30. Juni 1925 noch in Auftrag 95 Schiffe mit zusammen 407 366 Bruttoregistertonnen. Fertiggestellt wurden auf deutschen Werften im ersten Halbjahr 1925 insgesamt 222 136 Bruttoregistertonnen. Die deutsche Werftindustrie ist vor dem Kriege mit ihren Aufgaben gewachsen. Fertiggestellte Tonnage und Leistungsgrenze maren 1913 nicht weif voneinander entfernt. Nach dem Kriege war selbst im günstigsten Falle des Jahres 1922 das Weißver häftitis zwischen Leistungsfähigteit und Leiftung fehr groß. Mit diesem Jahr 1922, das ein Höchstmaß von Fertigstellungen brachte, begann eine starke Abnahme der Aufträge, die schließlich im Jahre 1924 nur noch der Hälfte der Leistungsfähigkeit entsprachen, während die Fertigstellung auf ein Minimum fant. Jedoch ist die relativ hohe Fertigtonnage des ersten Halbjahrs 1925 Beweis sowohl für eine Besserung der Lage, wie auch für eine stärfere Tätigkeit zu Ende des Jahres 1924, als sie entsprechend der Fertigtonnagezahl für 1924 erscheint. Diese Entwicklung des deutschen Schiffbaues in den letzten Jahren muß im Verhältnis zum Weltschiffbau im ganzen noch günstig genannt werden. Es betrug nämlich die auf allen Werften der Erde fertig. gestellte Tonnage( in Bruttoregistertonnen) und der deutsche Anteil daran( in Prozent): 1913 1920 1921 1922 1923 1924 1925( 1. Halbjahr) Fertig- Tonnage Anteil Deutschlands 3 332 882 13,8 6187 588 5,3 4777 279 9,3 2467 084 25,3 1 643 181 25,4 2247 751 11,1 18,5 1.199.508 Neue Subventionen für die Werften? Die ersten Jahre nach dem Kriege galten dem Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte, die durch Kriegsverlufte und Abliefe rungen auf Grund des Friedensvertrages fast auf ein Nichts redu ziert mar. Seit 1923 tritt dann die Tätigkeit für ausländische BeKriege faft ausschließlich für die deutsche Schiffahrt tätig, so hat sich steller stärker hervor. War die deutsche Werftindustrie vor dem das inzwischen erheblich geändert. Wir müssen diese Industrie mehr und mehr als Exportindustrie werten. Diese neue Erportindustrie verdankt ihre Erfolge in erster Linie ihrer speziellen Einstellung auf den Motorschiffbau. Es waren bei deutschen Werften in Auftrag( Bruttoregistertonnen): 1920 für deutsche Rechnung Dampf chiffe Motorschiffe 72222 134 247 für ausländische Rechnung Dampfschiffe Motorschiffe 139 127 91 1653 1 429 972 1921 1922 1923 1924 1370 693 52 910 1 035 037 118 204 22 788 62 561 508 923 81610 184 394 217 725 43 205 61166 75342 170 213 Nach Lloyds Register waren bei deutschen Werften für in- und ausländische Rechnung in Auftrag am 30. Juni 1925: Motorschiffe 313 309 und Dampfschiffe 92 217 Bruttoregiſtertonnen.( Die Bertei lung dieses Auftragbestandes auf in- oder ausländische Besteller ist von Lloyd nicht nachgewiesen. Man weiß aber, daß der Anteil der Aufträge für ausländische Rechnung recht hoch ist.) Von dem gefamten Weltauftragsbestand von 1129 912 Bruttoregistertonnen Motorschiffsraum entfielen auf deutsche Werften am 30. Juni 1925 nicht weniger als 28 Proz., dagegen nur knapp 8 Proz. des DampfSchiffauftragsbestandes. Alle diese Mitteilungen lassen die Bedeutung des Motorschiffbaues für die deutsche Werftindustrie nicht nur allgemein, sondern nationalen Konkurrenzkampfe Erfaz für jene Aufträge zu suchen, ganz besonders auch hinsichtlich des 3wanges erkennen, im interdie von der deutschen Schiffahrt nicht fommen fönnen. Von dieser Seite her gesehen, erscheint das Werben für eine Staatshilfe zugunsten national- deutscher" Schiffsbeſtellungen verfehlt. Die Lage gunsten national- deutscher" Schiffsbestellungen verfehlt. Die Lage der exportierenden deutschen Werftindustrie erfordert Unterstützung billige Materiallieferungen und Beseitigung internationaler Schwierigkeiten. Es liegt auf der Hand, daß eben mit der Verabschiedung des Zollgefeges genau das Gegenteil dessen geschehen ist, was der Werstindustrie nottut: ihre Materialien werden ihr verteuert, eine Welle zwangsläufig entstehender Lohnbewegungen bedroht die Kontinuität ihrer Betriebsführung, und die Verschärfung der gesamten handelspolitischen Lage durch den Zolltarif als Instrument des deut( chen Protettionismus erschwert ihr alle internationalen Abschlüsse. Schiffahrt und Schiffbau. Die Weltkrise des Schiffbaues hängt ursächlich zusammen mit einer Welttrise der Schiffahrt. Auch diese beruht auf einer Uebersteigerung der Leistungsfähigkeit. Das Fassungsvermögen der Welthandelsflotte betrug am 30. Juni 1914 am 30. 49.089 552 Bruttoregistertonnen 102564 641 418 Die Größenzunahme beträgt von 1914 Bis 1925 Faft ein Drittel( genau 31,7 Proz.). Außerdem ist eine erhebliche Beränderung der Zusammenfezung der Weltflotte erfolgt, die eine Qualitätsverbesserung bedeutet: die Dampfer- und Motorschiffstonnage ist um 37,4 Proz. vermehrt worden, während die Seglertonnage um 30,5 Broz. abnahm. Dieser außerordentlich star fen Vermehrung des Laderaums der Welthandelsflotte steht jedoch eine wesentlich verringerte zu transportierende Gütermenge gegenüber. Das dadurch erzeugte Mißverhältnis ist ein neuer Beweis für die Anarchie der fapitalistischen Wirtschaft, an deren Folgen die Arbeiterschaft nicht nur in Deutschland in verhängnisvoller Weise leidet. Der Bergleich der deutschen Handelstonnage von 1914 und 1925 zeigt ein ganz anderes Bild. An seegehenden stählernen und eifernen Dampfern und Motorschiffen von je mehr als 100 Bruttoregistertonnen besaß Deutschland am 30. Juni 1914 am 30. " 1925 5 098 000 Bruttoregiſtertonnen 2 993 000 Der Laderaum der deutschen Schiffe betrug also 1925 nur noch rund drei Fünftel( genau 59 Proz.) des Laderaums von 1914. Aus diesen Zahlen ergibt sich der Zusammenhang der deutschen schen Schiffbestandes staatliche Mittel herzugeben. Eine solche ProSchiffbaukrise mit einer Krise des Weltfchiffbaus. Seit 1922 liegt die Tätigkeit der gesamten Werftindustrie weit unter der letzten Borkriegsleistung. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat die deutsche schiffbauende Industrie nicht schlecht zu bestehen gewußt. Und nach dem Rückschlag im Jahre 1924, der überwiegend aus den Umstellungsschwierigkeiten der stabilisierten Wirtschaft auf Weltmarktspreishöhe zu erklären ist, haben die deutschen Berften im ersten Halbjahr 1925 einen hohen Anteil an der Weltleistung erreicht. Diese Verbesserung der Lage seit der zweiten Hälfte des. Jahres 1924 ist um so bedeutungsvoller, als sie erreicht werden konnte durch Erfolge im internationalen Ron Purrenztampfe. Es betrugen, nämlich bei den deutschen Werften( in Prozent): die Aufträge bie Fertigstellungen für deutsche für ausländische für deutsche für ausländische Rechnung Rechnung 96,4 91,7 1913 3,6 92,4 • 1920 8,3 74,0 1921 96,6 3,4 90,9 7,6 26,0 9,1 1922 93,1 6,9 95,8 4,2 1923 83,4 16,6 91,1 8,9 1924 63,7 36,3 79,1 20,9 3 In dieser Tatsache liegt ein starkes Argument für eine Propaganda, aus„ nationalen" Gründen für die Vermehrung des deutpaganda übersieht freilich, daß die Schiffahrt eine internatio nale Angelegenheit ist, und daß Schiffahrtsfragen nur im Zusammenhang mit der gesamten internationalen Lage beurteilt werden können. Die relativ fleine deutsche Handelsflotte ist voll beschäftigt. Trotzdem flagen die deutschen Schiffahrtsgesellschaften über schlechtes Geschäft". Sie stehen eben auch unter dem Drud des internationalen Ueberangebots an Echiffsraum. Jede forciertę Erweiterung der deutschen Handelsflotte muß aber den internationalen Drud verstärken. Für die internationale Schiffahrtslage ist tennzeichnend der große Prozentjag der angebundenen" Schiffe besonders der Vergroße Prozentjag der angebundenen" Schiffe besonders der Bereinigten Staaten, für die feine Beschäftigungsmöglich feit vorhanden ist. Dafür ist aber auch charakteristisch das teure Zuschußgeschäft, das. die Bereinigten Staaten mit ihrem Handelsflottenbetrieb auf dem Halfe haben. Für diesen Betrieb mußten 1923/24 nicht weniger als 43 Millionen Dollar aus staat lichen Mitteln aufgebracht werden. 1924/25 waren trog größter Bemühungen, iparjamer zu wirtschaften, immer noch 30 Millionen Dollar erforderlich. Jezt wird mitgeteilt, daß das Schiffahrtsamt der Vereinigten Staaten 200 Stahlschiffe aus seinem Besiz an die Ford- Werke zum Abwraden verfaufte. Der Weg der Vereinigten Staaten ist für Deutschland nicht gangbar. Eine Flottenvergrößerung aus nationalen" Gründen Freitag, 14. August 1925 mit staatlichen Mitteln und hinterher mit allen Konsequenzen einer Uebersteigerung des Schiffsraumes würde den Regenerationsprozeß in der Werftindustrie nur stören. Es gibt für diese kein anderes Mittel, als den Erfolg im internationalen Ronkurrenzfampf. Joh. Krezeu. Zum Abschluß der Robert Bosch A.-G. A.-G. für die Frage der rationellen Betriebs. und Seit langem schon hat der Name der Stuttgarter Robert Bosch Geschäftsführung die Bedeutung eines Programms.Der Bericht A.-G. ihren Ruf noch weiter zu befestigen bemüht war. des Vorstandes über das Jahr 1924 zeigt, daß die Robert Bosch Arbeiterschaft kann das mit um so größerer Genugtuung registrieren, Die als solche Unternehmungen leider selten genug sind und wie das Beispiel der Bosch A.-G. beweist, die überlegene Betriebs- und Geschäftsorganisation nicht nur dem Unternehmer, sondern auch der Belegschaft Vorteile bringt. Ueberall in diesem Bericht tritt einem das Grundprinzip der Rationalisierung entgegen, daß nicht geringerer, sondern höherer Aufwand das Geheimnis niedrigerer Kosten und größeren Erfolges find. Man fann verschiedener Meinung sein, ob die Erfolge der Robert Bosch A.-G. mehr auf der weltumfassenden Absazorganisation ihrer Spezialprodukte für Motoren- und Automobilbedarf, oder auf Zweifel aber kann darüber sein, daß die Firma durch rationellen der technischen Ueberlegenheit ihrer Produkte selbst beruht. Kein Mehraufwand von Kapital ihre technischen Erfolge für den Absatz und ihre Absagerfolge für die technische Vervollkommnung ihrer Produfte fruchtbar zu machen weiß. Im Die Abfagorganisation der Rob. Bosch A.-G. ist als Bosch Dienst" weithin bekannt. Der Bericht nennt die in diesem Bosch- Dienst tätigen Verkaufshäuser die der Firma„ unentbehrlich gewordenen Außenposten im Weltmarkt". Jahre 1914 bestanden 14, heute sind 21( davon 11 in eigenen Gebäuden) dieser Bertaushäuser im Betrieb. In Deutschland, Defter reich, Ungarn, Tschechoslowakei, Schweiz, Italien, Schweden, werden die Absazinteressen von befreundeten Firmen wahrgenommen, Argentinien. Wo feine eigenen Verkaufshäuser vorhanden sind, so besonders in England und den Vereinigten Staaten. Was dieser Absazorganisation aber ihre eigentlichen Erfolge erst sichert, sind die unmittelbaren Dienste, die die mit den Verkaufsstellen verbundenen Werkstätten den Kunden leisten. Die Verkaufshäuser„ dienen uns als unsere Hauptstüzpunkte in einem weiten Rez von Bertre tungen, Ersakteil- Verkaufslagern, Reparatur- und Einbauwerkstätten, die wir planmäßig über den ganzen Erdball legen, und die als Bosch- Dienst" allen Kraftfahrern, wo immer sie hinfommen mögen, durch fachmännisch ausgebildete Helfer Unterstützung bieten sollen": Im Jahre 1924 wurden neue Ver tretungen vergeben in Ecuador, Honduras, Jamaica, Persien, San Domingo, Trinidad und Teilen von Ostafrita. Obwohl der Gesamtjahresumsag gegen 1923 erheblich Stuttgart noch in Feuerbach notwendig. In der Nähe der Feuer gestiegen ist, waren bauliche Erweiterungen der Werke weder in bacher Werke wurden aber beträchtliche Grundstücke für fünftig notwendige Erweiterungsbauten erworben. Die Geld und Kreditnot drosselte zwar den Inlandsabsaz, die technische Ueberlegenheit der Produkte schuf aber sofort im Ausfuhrgeschäft Erjazz. Am Jahresschluß waren sämtliche Werte vollbeschäftigt. Die Belegschaften in Deutschland betragen 10 875 Angestellte, Arbeiter und Lehrlinge In unserer planmäßigen Arbeit, unfere gesamte Organisation zu vereinfachen und zu verbilligen, haben wir stetige Fortschritte gemacht. Die dabei schon erreichte Beschleunigung des Fabrikationsgangs wirfte sich u. a. in einer mengenmäßigen Berringerung unserer Lagerbestände aus." Besondere Erleichterungen in der Materiallagerhaltung habe auch der Pachtvertrag mit der Bosch- Metallwert 2.-G. gebracht. Ebenso sei die Verständigung mit der bedeutendsten deutschen Konkurrentin, der Eisemann- Werte 2.-G. für die ebung der Betriebs. wirtschaftlichkeit" von Bedeutung gewesen. Besondere Sorgfalt wird der fachlichen Lehrlings- und Angestelltenausbildung zugewendet, über die ausführlich berichtet wird. Die Ausbildung der Lehrlinge in Lehrwertstätten und Fachschulen wurde dahin erweitert, daß die Lehrlinge ein Jahr lang im Betrieb arbeiten, und zwar in den für ihre Ausbildung geeigneten Wertstätten", wo sie lernen sollen, was auch die besten Schulen und Lehrwerkstätten nicht geben können. Ebenso werden jetzt, entsprechend den Erfordernissen der Maffen. fertigung, Lehrlinge außer für Feinmechanit auch für Wert. zeugbau aufgenommen. Ganz neu erfolgte die probeweise Einrichtung einer Werffachschule für Meister, Meisterftelt= vertreter, Kalkulatoren und Anwärter auf diese often, in der Lehrer aus den Betrieben selbst tätig sind und die theore tischen Kenntnisse der Angestellten erweitert werden sollen. technischen Daß ein solcher Betrieb, in dem alles auf die Steigerung des und organisatorischen Wirkungs. grades abgestellt ist, auch große finanzielle Erfolge hat, ist nicht verwunderlich. Auf ein Aktienkapital von 30 Mill. wird ein Rein.. gewinn ausgewiefen von rund 8 Millionen Marf oper 26,7 Broz. Die Abschreibungen scheinen de bei schon uiter Geschäftsuntoften verrechnet zu fein. An Dividende werden aber nur 8 Broz. oder 2,4 Millionen Mark verteilt. 228 000 m. fommen an die gesetzliche, 5 Millionen Mark in eine neu zu gründende Sonderrücklage zur Stärtung der Betriebsmittel". Ueber die hohen Steuern und die Reparationslaften wird auch hier ge= flagt. Aber anders als man es sonst von Unternehmerseite ges wohnt ist wird die Konsequenz gezogen, daß durch Verbesserung der Gesamtorganisation, Verbilligung des Herstellungsgangs der Erzeugnisse und der Vertriebswege" ein Ausgleich für diese besonderen Lasten zu schaffen ist. nungen neu bezogen und 4 weitere Häuser in Feuerbach und Stutt Im Jahre 1924 wurden 4 Werfwohnhäuser mit 28 oh gart für Wohnzwede angekauft. Die von der Angestellten hilfe des Werkes durchgeführten Versicherungen werden für 221 gezahlt und entwertet wurden, auf Geschäftsfoften aufgewertet. von den 389 versicherten Angestellten, deren Beiträge in Papier font von 10 auf 12 heraufgesetzt. Diskonterhöhung in Polen. Die Polnische Bank hat den Dis FÜR DIE STRASSE! MARKE SALA MANDER SALAMANDER Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, su richten 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf. Sonnabend, 15. August, 8 Uhr, Fraktionsfihung mit den Funktionären in Tempelhof, Dorfftr. 42( Gigungszimmer). Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Baltenplag. Montags und Freitags Don 6-8 Uhr im Friedrichshain, Mittwochs von 5-7 Uhr im Seim Ebertnstraße. Heute, Freitag, den 14. Auguft. 57. Abt. Charlottenburg. 7% Uhr Funktionärtonferenz bei Thunad, Wieland. straße 4. Stellungnahme aur Aufstellung der Randidaten zur Stadt- und Bezirksverordnetenwahl. 97. Abt. Reulölln. 7 Uhr Sigung aller Funktionäre bei Rohr, Siegfried ftraße 28/29. 127, Abt. Sohenschönhausen. 7% Uhr Mitgliederversammlung Soule Freienwalder Straße. Bericht der Bezirksverordnetenfraktion. Jungsozialisten. Gruppe Mitte: Gemeinsamer Gruppenabend mit der GAJ. pünktlich 8 Uhr Schule Gipsstraße 23a. Vortrag der Genoffin Epstein: Jugend und Sozialismus. Gruppe Rorben: 7% Uhr Jugendheim Lebigenheim Schönstedtstr. 1 Distuffion über den Entwurf des fozialdemokratischen Parteiprogramms.( Borwärts" vom 23. Juli mitbringen.) Morgen, Sonnabend, den 15. Auguft. 7. bt. 7 Uhr Sigung der Funktionäre und Betriebsvertrauensleute bei Bärwalbe, Schlegelftr. 8. 107. Abt. Alt- Glienice Faltenberg. 8 Uhr Borstandssigung im Jugendheim 141. Abt. Rofenthal. 7 Uhr bei Möller am Bahnhof wichtige Funktionär figung. Faltenberg. * 5. Abt. Sonntag, 16. Auguft, Familienausflug nach Bichelsberge Rum alten Freund". Treffpunkt pünktlich 9 Uhr Bahnhof Alexanderplat. Char Lottenburg umsteigen. Nachzügler bis 1 Uhr beim Alten Freund". Gäste willkommen. 20. Abt. Große Dampferfahrt am Sonntag, 16. Auguft, frith 7% Uhr, ab Westhafen, Bahnhof Putligstraße, nach Seiligensee, Fahrhaus. Karten find noch zu haben: Bofe, Rolonieftr. 15, und Goldschmidt, Stolpische Str. 36. Preis für Erwachsene 1,50, Rinder frei. Die echten holländischen POLAKG PUDDINGE Ein für allemal. Tolak deine Wahl. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 45. bt. Genore Lüdke, Forster Str. 8, ein treuer Bezirksführer, ist derftorben. Einäfcherung Sonnabend, 15. August, 26 Uhr Krematorium BaumSchulenweg. 127. Abt. Sohenschönhausen. Am Donnerstag, 6. August, verstarb plönlich unser alter Parteigenosse Ferdinand Krause im Alter von 76 Jahren. Fast 45 Jahre stand er in unserer Bewegung, ein feltenes Beispiel treuer Pflichterfüllung. Sein uneigennütiges Birten sichert ihm ein dauerndes Gedenken. Die Beisekung hat bereits stattgefunden. Sport. Rennen zu Ruhleben am Donnerstag, den 13. Auguff. 1. Stennen: 1. Lodung( Jauß jr.), 2. Königsadler( Lautenberger), 3. Blaue Adria( B. Sedert). Toto: 13:10. Blag: 12, 13: 10. Fener Itefen: Denkmünze, Heidefee. Die Fleischwunden zwangen den Franzosen zur Aufgabe des Rennens, das nun mühelos Sawall bor Rosellen und Parisof gewann. Auch den Großen Preis von Treptow", der nun in zwei Läufen, à 30 Kilometer, ausgefahren wurde, gewann Sawall im Gesamtergebnis. Den, Treptower Galopp, ein 30- Runden- Punktefahren, reservierte sich der kleine Neinas, während das Armbinde Rennen der ehemalige Rütt Schüler den Sieg Streubühr& brachte. Das Zweifiger Hauptfahren gewannen Hoffmann Tiez. # Resultate: Großer Preis von Treptow", 2 Qaufe à 30 km. 1. auf: 1. Rosellen in 30 Min., 10,1 Set., 2. Sawall( 10), 3. Parijof ( 210 m zur.). 2. Lauf: 1. Sawall in 27 Min., 15,3 Set., 2. Rosellen ( 210), 3. Parifot( 1160 m zur.). Gesamtergebnis: 1. Samall 59,990 km, 2. Rosellen 59,790 km, 3. Parisot 58,630 km gefahren. Galopp. Treptower 20- Runden- Bunttejahren: 1. Neinas 28 Punkte, 13 Min., 27 Set, 2. Schulz 17 Punkte, 3. Dtto Tiek 14 Punkte, 4. Bäusler 9 Punkte, 5. Hoffmann 9 Punkte. 8 weifiberfahren. 1. Vorlauf: 1. Schulz Meyer. 2. Hoffmann- Tiez. 2. Vorlauf: 1. ausler Müller, 2. Freiwald- Linsener. Endlauf: 1. off. mann- Sieg, 2. Häusler- Müller, 8. Schulz- Meyer, 4. Freiwald- Linsener. Bruno Demte Erinnerungsrennen, 25 km. 1. Walter Sawall 23 min., 37,2 Set., 2. Rossellen( 930), 3. Parijot( 3130 m zur.), Miquel gestürzt. Armbinderennen. 1. Borlauf: 1. Steichelt, 2. Jochheim. 2. Vorlauf: 1. Hermann Streubühr, 2. Seel. 14, ndlauf: 1. Hermann Streubühr, 2. Seel, 3. Reichelt. 2. Rennen: 1. Manrico( E. Treuhers), 2. Lebensfünstler( Sauß fr.). 3. Roblenkönigin( Hedert). Toto: 12:10. Plat: 10, 10: 10. Ferner liefen: Natal, Edelreis. 3. Rennen: 1. Steden: 1. Clematis blau( G.Grube), 2. Barones Lybia( J. Mills), 3. Manfred( Finn). Zoto: 106: 10. Blak: 25, 21, 33: 10. Ferner liefen: Pring Adbell, Baron Klatawab, Zeitgeist, Altgold, Buchdruder, Winnie, Bora. 2. Steen: 1. Zora( Ch.Mills), 2. Baroneiz Lybia( J. Mills), 3. Clematis blau( 5. Grube). Toto: 16:10. Blas: Ferner liefen: Zeitgeist. Winnie, Prinz Adbell, Altgold. 23, 15: 10. 3. Steen: 1. Barones Lybia( 3. Mins), 2. Clematis blau( H. Grube), 3. Zora( Ch. Mills). Toto: 83: 10. Blag: 16, 21: 10. Ferner lief: Winnie. Entscheidungslauf: 1. Barones Lybia( J.Mills), 2. Clematis blau( H. Grube), 3. Zora( Ch. Mills). Toto: 18:10. Drei liefen. 4. Rennen: 1. Laterne( Sauk fr.), 2. Dele Marion( 2. Weiß), 3. Weinbrand( E. Treubers). Zoto: 16:10. Blat: 10, 10, 11:10. Ferner liefen: Gerhard, Möglich, Eitelfried, Constanz. 5. Rennen: 1. Fenelon( E. Elias), 2. Heiderofe B.( A. Frömming), 3. Fislus( M. Gardain). Toto: 40: 10. Plat: 25, 51, 70: 10. Ferner Itefen: Höhenfonne, Batschari, Carl Alexander, Razzbach, Lump, Odessa, Linsko, Mädel, Adler. 6. Rennen: 1. Porb Ellerslie( Großmann), 2. Addie( Jauß jr.), 3. Dui vive( 3. Mills). Toto: 29: 10. Plaz: 14, 12: 10. Ferner liefen: Doritha, Trotteur. 7. Rennen: 1. Arion J.( G. Lautenberger), 2. Shtoarzwaldmäbel ( Baade), 3. Gladiator I( Snöonadel jr.). Toto: 135: 10. Blaz: 49, 34, 96: 10. Ferner liefen: Etatshöferin, Kapitän Halle, Lybia Watts. Kinoftern, Mailuft, Lezter Mohilaner, Belvedere, Alarich, Goudster jr., Knider, Benedict, Dichtung, Chrano, Katharina. 8. Rennen: 1. Simpel( Sauß it.), 2. Heidemann( 3. Mils), 3. Chester Belle( Ch. Mills). Toto: 75: 10. Blaz: 19, 23, 15:10. Ferner liefen: Native Forbes, Amorette, Ballonkönigin, Alpenfer, Cobra Sawall in Treptow siegreich! Auch der Mittwoch- Renntag, den die fleine im Osten gelegene Bahn veranstaltete, wies wieder guten Besuch auf. Die Dauer rennen waren befest für Deuticaland bon samall und Rosellen, für Frankreich bon Miquel und Parisof. Das Bruno Demte Erinnerungsrennen über 25 kilo. meter brachte einen böien Stura des tapfer fahrenden Miquel. Sawall, ber zuerst Anschluß fand, übernahm die Führung des Steberfelbes bor Roiellen, Miquel und Parisof. Dant seiner glänzenden Fahrweise verdrängte Miquel Rosellen bald vom 2. Plaz und zog nun gegen Sawall los. Mitten im Tempo ein Sturz! Man sah Miquel infolge Bruch seiner Lentstange in voller Fahrt gegen die Barriere faufen, um dann die Bahn hinunterzustürzen. Jung gewohntalt getan. Dieses Sprichwort sollte in großen Lettern über jedem Kinderwaschtisch stehen. Wer in der Jugend gewöhnt wird, auf sein Aeußeres zu achten und die Regeln der Hygiene zu befolgen, wird auch im Alter daran festhalten. Darum soll man schon seinen Kindern regelmäßig das Haar mit dem Talisman der Haarpflege, dem Kopfwaschmittel Schaumpon mit dem schwarzen Kopf" waschen, sie werden dann, beglückt von der überraschenden Wirkung, auch später die Kopfwäsche selbst besorgen und sich so ihr Haar glänzend, locker und seidenweich erhalten. Man verlange daher beim Kauf das oben genannte Fabrikat, kurz gesagt ,, Schwarzkopf. Schaumpon", und kann gewiß sein, das beste, wirkungsvollste und beliebteste Kopfwaschmittel zu erhalten. Billige Lebensmittel Tietz Mengenangabe vorbehalten Frisches Fleisch Hammelvorderfleisch............ Pfand 70PL Pfand 76 Pt. Hammelrücken Kalbskamm Pr. 80P. Kalbskeulen Pfd. 100 Kalbsrücken u.-brust.... Pfund 90Pt. Schweinebauch ohne Bellage.......... 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Der jüngere der beiden Fischer sitzt auf dein Bootsrand. Er blickt voraus und greift ab und zu in die Hebel. Der ältere hat sich auf das Netzgarn gelegt. Er schläft. Unter dem dünnen Holze des Bootes sinkt das Wasser hundcrtundachtzig Meter tief hinab, aber er schläft wie in einem Bett. Sein braunes Gesicht ist fern von Gedanken und Träumen. Cr liegt wie einer jener Fischer, die Jünger und Apostel wurden, und Fritz von Uhde hätte um dieses gebräunte schlafende Fischergcsicht eine biblische Legende malen können. Der kleine Benzmotor zieht uns unaufhaltsam über das rauschende Wasser. Der See wird immer größer um uns, und weil das Boot so flach ist, daß ich die Hand ins Master tauchen kann, '■ebt sich die wogende Fläche scheinbar um uns zu fernen hohen Horizonten. Die Mainau versinkt schon weit hinter uns im Duft der Ferne- das fruchtrots Schloß leuchtet weich. Meersburg zog vorüber. Das Konstanzer Münster verblaßt auf ganz schmalem Uferstrich zwischen See und Himmel. Friedrichshofen hebt zwei winzige Türme in den grenzenlosen Glanz. Die Alpen /sind nicht zu sehen: man weiß nur, daß sie über den Hügeln des Schweizer Ufers hinter den dichten Gehängen des Dunstes stehen— man weiß das und das macht ihre Unsichtbarteit so geheimnisvoll. Ganz fern schaukelt die Silhouette von Langenargen über den Wellen. Stunden sind vergangen. Der Fischer am Motor erhebt sich von Zeit zu Zeit, steigt auf die Sitzbank und späht hoch aus den schwankenden See hinaus. Er sucht die Boote, die schon draußen sind. Sie haben am Tage vorher.den Fisch" gesucht. Er hat sich hoch in den Obersee hinaufgezogen. Bor Langenargen soll er stehen. Aber kein Boot ist zu sehen. Der Fischer ändert den Kurs. Mit puffendem Motor knattern wir über die Fläche. Der Kiel schlitzt das Master. Drüben schaukelt das Schweizer Ufer. Nach einer halben Stunde ruft der Fischer: Da sind sie! Ich sehe nur Lichtfunken auf dem Wasser, wie lautlos aufblitzende Schüsse. Aber der Alte erhebt sich mitten aus tiefstem Schlafe, blickt hinaus und macht schweigend das Gerät fertig. Nun sehe auch ich die Boote, kleine, tanzende, treisende Splitter im springenden Glänze des Masters. Die fernsten scheinen über dem Wasser im Dunste zu schweben. Wir halten scharf darauf zu. Die schwarzen Boote tanzen heran, der See weitet sich um sie und dann— nach drei- «nhalbstündiger Fahrt— sind wir mitten unter ihnen. Alle Ein- samkeit ist mit einem Male ausgewischt. Die Boote bevölkern den See als weit verstreute ineinander kreisende Schar. Ich zähle siebenundachtzig Fischerboot«, und der blanke Raum ist erfüllt vom Klopien ihm Motore. Ohne Verweilen, noch im letzten Hineingleiten in die Schar, haben.meine" Fischer die Arbeit begonnen. In gestoppter Fahrt, in der der Motor wie eine Steppmaschme hämmert, haben sie sich einen Dvaum zwischen den kreisenden Booten gesucht. Der Alte wirst die„Schwebe" ins Waster, ein Bündel schwimmender Korkplatten am Tau. Eine daran gebundene Schweinsblase macht die Schwebe im Wasser besser sichtbar. Das lange Tau gleitet über den Boots- rand. Es verbindet die Schwebe mit dem Netz, das nun, während das Boot tn großem Kreisbogen gesteuert wird, mit raschen raffen- dgn Griffen ins Wasser geworfen wird. Runde glatte Feldstein« spannen das Netz in die Tiefe: die„Flotten", lange runde Holz- schwimme? am oberen Netzrande, erhalten es schwimmend. Damit das Garn im kristallklaren Wasser nicht so sichtbar ist, färben es die Fischer mit Kaschu, einer rotbraunen Farbe, die das Garn gleich. zeitig hallbarer macht— vielleicht ist das auch der eigentliche Zweck. Das Netz hängt wie eine rostrote Gardine im grünen Waster. Ein großes kreisrundes Maschengitter, das in der Tiefe sich zum„Sack", zum geschlostenen Netz, verengt. Und wenn das letzte Garn ins Waster geworfen ist. läuft wieder ein Tau ab. indes der Fischer mit raschem Motorengang auf die schaukelnde Schwebe zufährt und sie mit der Hand aus dem Wasser aufhebt. So geschickt handhabt er Motor und Steuer, daß die heranwirbelndc«chwebe immer im rechten Augenblick gegen die Bootswand klopft. Nun ist der Kreis geschlossen— hundertzwanzig Meter etwa ist das Klusgarn, wie der Fischer dieses Netz nennt, lang und im Wasser bildet es einen Kreis von achtzig bis hundert Metern im Umfang.. Sobald die Schwebe gefangen und der Netzkreis geschlossen ist, wird der Motor abgestellt. Der Fischzug beginnt. Beide Fischer, jeder an seinem Ende, holen mit raffenden Bewegungen das Nei ein, wabei es mit geschickten Griffen so geordnet gelegt wird, das die Steingewichte über den Dootsrand hängen, die Holzflotten neben- eiuander auf das geschichtete Garn zu liegen kommen. Damit liegt es für das nächste Auswerfen schon wieder bereit. Die Fischer raffen in gleichmäßigem ruhigen Takt, während das Boot langsam quer hintrcibt. Immer kleiner wird der Netz- kreis, die ziehende Netzgasse im Wasser wird immer enger. Die letzten Holzschwimmer sind herein, der Kreis ist vom Boote auf- genommen und nun wird mit raschen Bewegungen der Sack des Netzes aufgeholl— eine triefende springende blitzende Last taucht aus dem Wasser auf, wird hereingeschwenkt und aus dem geöffneten Netze glitschen fünf, sechs blanke blausilberne Fische. Sie springen auf dem nassen Boden herum, sie flattern wahrhaftig mit ihren blanken schnellenden Leibern. Der Fischer greift sie und schlägt sie mit einem Eisenstück zwei-, dreimal auf den Kopf. Unter diesen knatschenden Schlägen verzuckt der Fisch, das verzweifelte Schnellen seines glatten Leibes sinkt in der Hand des Fischers zusammen, das Maul klasft rund und rührend auf, einige Tropfen dünner roter Lymphe dringen /lusgleichenöe Gerechtigkeit. Schnapp ist nicht Rehnig 'Und Rehnig nicht Schnapp. Kriegt Rehnig zu wenig, kriegt Schnapp nicht zu knapp. heraus und mit starren erstaunten Augen schickt sich der Fisch in seinen Tod. Er wird in den mit nassen Lappen ausgelegten Korb geworfen und der Fischer greift den nächsten Fisch, der hilflos und wie wahnsinnig aus der nassen Planke flattert... Und wieder klopft der Motor, wieder fliegt die Schwebe ins spritzende Wasser, wieder rundet das Boot den großen Kreis, den Todesring für die Felchen, und wieder raffen die Fischer im Takte dos triefende Netz. Das ist ihre Arbeit. Stunde um Stunde. Es gibt kein Der- weilen— die Schwebe fliegt und der Motor klopft die Runde— und oft kommt das Netz leer heraus. In fünfstündiger Arbeit fing unser Boot in achtzehn Zügen dreiunddreißig Fische: zweiund- dreißig Felchen und eine Forelle. Es war ein schlechter Tag. * In einer kurzen Pause frühstücken die Fischer Brot und Wurst. Der„Most", das dünne weinartige Erfrischungsgetränk, war ver- geffen worden. Die Fischer banden ein Eisenftück an eine Flasche und warfen diese an langer Schnur ins Wasser. Nach geraumer Zeit stieg weitab vom Boot ein Sprudel klarer Luftperlen auf. Die gefüllte Flasche wurde heraufgezogen. Das Waster war rein wie Glas und kalt wie Eis. Und wieder wird das Netz geworfen. Zwischen Fischzug und Fischzug muh das mit dem Netz hereingcschleppte Wasser heraus- gepumpt werden. Es ist niit dem Oel des Motors vermischt. Rings um das Boot breitet sich eine übelriechende schillernde Oslhaut auf dem Waster aus. Immer wieder flattern und sterben die Fische. .Der See blitzt wie ein riesiger Blendspiegel. Der Glanz schneidet in die Augen. Die Sonne brennt wie spritzendes Feuer auf der Haut. Im Dunste stehen jetzt wie fahle Träume die zackigen Um- risse der Alpen mit weißen Schneekanten. Der Schwärm der kreisen- den Boote zieht sich immer mehr ans Schweizer Ufer heran, er folgt dem ziehenden Fisch. Rohrschach flimmert über den Wellenspitzen. Ringsum hämmern die Motore der siebenundachtzig Borne. Es klingt wie sanftes Gewehrfeuer über die blendende Fläche. Die Pumpen gurgeln blechern. Noch in der flirrenden Ferne ziehen Boote ihre Kreise. Alle Stadien des Fischzuges spielen sich rundum gleichzeitig ab. Immer wieder folgt auf den Wurf der Schwebe. auf die klopfende Kreisfahrt das rhythmische Raffen des Reges— man denkt an biblische Bilder, an den See Genezareth, an Pctri Fischzug. So uralt ist der Takt, in dem die Fischer, nebenernandtr an der geneigten Bootskante stehend, ihre Netz» raffen. In das rieselnde Triefen des Garns schallt aus benachbarten Booten der fletschende Schlag des Eisens auf die Fischköpfe. » Mit einem Male ist lautlose Stille ringsum. Kein Motor klopft mehr. Es ist drückend heiß. Der Fisch ist in kühlere Tiefen ge- gangen, in denen ihn kein Netz mehr erreicht. Siebenundachtzig Boote liegen oerstreut still auf dem blitzenden Waster und warten, bis der Fisch wieder heraufkommt. Es kann stundenlang dauern. Es kann darüber Abend werden. Die Fischer ziehen ihre Messer, mit denen sie vorhin Brot und Wurst schnitten. Sie beginnen die Fische auszuschlachten. Ein Messerschnitt, ein Fingergrisf in hervorquellende Eingeweide, ein Wurf in den Korb und ein Wurf in den See, über den lauernd weiße Möwen schweben. Die Sonne brennt. Die Wellen blitzen wie gläserne tanzende Scherben. Es riecht schwer nach Benzol, nach Oel, nach Waster und Fischen. Eingeweide schaukeln in felligem Wasser. » Nach zwei Stunden, während der die Boote wie schlafend auf dem Waster lagen, frischt Alpenwind den See auf. Und wie von ihm geweckt, klopfen draußen auf dem Wasser einige Motore ihren raschen Takt. Andere setzen ein. Auch wir schießen in hämmernder Fahrt neuen Revieren zu. Es ist, als hälle sich ein Bann gelöst. Die lastende Schwüle hat sich vom Waster gehoben. Frisch und kühl und kristallklar rauscht es um unser Boot und aus den Dünsten tritt in sanfter Klarheit der hohe Wall der Berge, vor dem fern, vom Wasser umtanzt, die grünen Ufer und die blinkenden Städte der Schweiz liegen. Die Schwebe fliegt spritzend ins Waiser und die rostbraunen Maschenwolken des Netzes entfallen sich in der schimmernden Tiefe. Wie St Helena besiedelt wurde. Der Besuch, den der Prinz von Wales auf seiner Weltreis« dieser Tage der Insel St. Helena abstattete, gibt englischen Blättern Gelegenheit, an die Besiedclungs- geschichte dieses öden, durch Napoleons Gesangenschaft berühmt ge- wordenen Felseneilands zu erinnern. St. Helena wurde am 2?. Mai Jnfel� zu verpflanzen und neue Getreidearten auszusäen, Als dann ""-Ostindische Kompagnie 1657 gegen Abtretung des Kaps die 1502 am Namenstag der heiligen Helena,, von der es auch den Namen empfing, von dem Portugiesen Joao de Noza entdeckt. Das Eiland war damals vollständig unbewohnt. Die Portugiesen begannen zwar die Anpflanzung, legten aber keine eigentlichen Nieder- assungen an, sondern begnügten� sich damtt, neue Tiere nach der 'el zu verpflan Engllsch-vmni der guten Hoffnung St. Helena erhielt, begann man damit, englische Kolonisten heranzuziehen. Die englische Regierung versprach den Auswanderungslustigen allerlei Erleichterungen und Bergünsti- gungen, hatte aber bei ihrer Werbetätigkeit nur geringen Erfolg. Da kam ihr der Zufall zu Hilfe. Der große Brand, der im Jahre 1666 London heimsuchte und ganze Stadtviertel mtt mehr als 1Z000 Häusern vernichtete, halle zahlreiche Bewohner obdachlos gemacht, ..v-prjjgjT. die nicht wußten, wo sie ihr wählte die englische Regierung die ersten Ein- und aus der Zahl dieser Ungli Hauot betten sollten. wanoerer. Sie gingen nach St. Helena in der Hoffnung, sich dort ein neues Leben aufbauen zu können. Um den Unterhall brauchten sie sich in den ersten Iahren nicht zu kümmern. Der englische Gouverneur hatte von der Regierung die Anweisung erhalten, jeden Tag ein großes Mahl zu veranstalten, an dem alle Kolonisten der Insel auf Kosten der Regierung teilnehmen durften. Auf diesem Wege gelang es, einen festen Stamm von Kolonisten zu bilden. Die Größe der Weereswellea. Die genaue Berechnung der Länge und Hohe von Meereswellen ist bisher auf große Schwierig- kellen gestoßen. Mit Hilse besonders gebauter photographischer Apparate ist es jetzt aber gelungen, einwandfreie Messungen vor- unehmen und genaue Größenverhältniste festzustellen. Die Wellen den bei mäßig bewegter See eine Höhe von zwei bis vier Metern. die sich bei starkem Wind auf acht bis neun und bei Orkanen auf zehn bis zwölf Meter steigern kann. Eine darüber etwa noch hin- ausgehende Höhe der Meereswellen ist auch bei Vornahme von vlulloaraphische,, Aufnahmen bei wildbewegtestom Seegänge nicht festgestellt worden, und früher genannte Zahlen von fünfzehn und noch mehr Metern sind demnach ins Reich der Fabel zu oerweisen. Die Länge einer solchen Meereswell«, d. h. die Entsernung von Wellenkamm zu Wellenkamm, beträgt etwa dreihundert Meter. Die teit, in der ein Wellenberg auf den andern folgt, dauert zwanzig etunden, so daß die Geschwindigkeit einer großen Welle rund zwanzig Meter in der Sekunde, also Schnellzugsgeschwindi-»!»»». beträgt. Marina. 4] Von Gabriela PreissvvL. (Autorisierte Uebersetzung au» dem Tschechischen von A. Berchtald.) „Mll dem Rechte der Liebe, die über alle» geht, können wir auch'zusammenkommen. Lassen Sie sich scheiden, ich mache Sie zu meiner rechtmäßigen Frau, und auf Händen will ich Sie tragen." „So einen Tausch verstehe ich nicht." wehrre sie sich gerode so. wie vor einer Woche dort beim Fenster.„Um Gottes willen, lassen Sie mich in Ruhe. Bedenken Sie. mein Mann ist ein guter Mensch, eii ordentlicher Handwerker, wir haben unser eigenes Häuschen. Die Leute würden nur sagen, daß ich vom Teufel besessen bin." Also an andere denken Sie. nur nicht an mich und meine auf- richtige Liebe Was habe ich Ihnen getan, daß Sie mir meine Ruhe -rnd den Verstand genommen haben? Am besten, ich werfe mich mit meiner Qual unter den Zug. dann ist mit einem Schlage alles zu Dann erst werden Sie an meine Liebe glauben!" Di'e Stimme versagte ihm.«r log nicht in diesem Augenblicke. Das fühlte auch Marina deutlich, während sie leise�erwidorte:„Jesus Christus, was soll denn aus uns beiden werden? Der Bursche fühlte aus den Worten„uns beiden"«in süßes Be- tenntnis des geliebten Weibes. Seine Seele jauchzte und schwang sich hoch hinauf, wie das Lied der Lerche über dem Kornfeld-. Plötz- 'ich umarmt« er den Nacken Marinas und sie wurde stumm, als wen? ihr etwas zuraunte:„Das ist das große Glück dieser Well. halle es fest, verscheuche es nicht." Sie wußte selbst nicht, wie es geschah, daß sie sich der Um. ormung willig überließ und ihr Kops an die Brust des Burschen sank. der nicht ihr angetrauter Mann war. Sie hörte nur. wie er ihr zuflüsterte:„Warte nur. Kindchen. wir werden es dort im Wächterhäuschen über alles schön haben. Wir haben dort Hühner, Tauben und Kaninchen und einen schönen Garten, ich werde dir die ollerschönsten Blumen in deine Fenster stellen. 2m Garten wachsen Reseden, Salbei, Lilien und Sonnen- blumen, so schön, wie nirgends in der Umgebung. Der Vater, der arme, kann kaum noch länger als ein paar Tage am Leben bleiben, ich werde seinen Posten bekommen, und dann sollen uns in der Einsamkeit weder die Menschen noch ihr Gerede etwas kümmern! Schau iNur, Marina, wie dort vom Wächterhäuschen die zwei Lichter auf dich herüberleuchten. Dort wirst du mein« Hausfrau fein und niemand'-nf dir Uebles antun. Bereite ruhig deine Kleider vor und olles, dir gehört, und wenn dein Mann aus dem Hause ist, trage die Sachen zu uns, am besten in der Dämmerung, und wirf sie über den Zaun in den Garten, wenn ich nicht selbst dir entgegenkommen könnte. Fürchte dich nicht, mein Täubchen, du wirst sehen, es wird alles gut werden, vertraue mir nur." Er überschüttete ihr wie in Ohnmacht erstarrtes Gesicht mit Küsten und fügte noch hinzu:„Wir dürfen uns noch nicht verraten. Ich warte jetzt geduldig, da ich weiß, daß du mein wirst. Geh jetzt nach Hause, meine Liebe wird dich begleiten, und komm dann, sobald du kannst, zu meinem Garten. Wir haben dort eine hübsche Laube. Der Voter wird nichts hören, und die Schwester kommt nur mittags. Kehr» jetzt nach Hause zurück, Marina, ich werde dich zu jeder Stunde erwarten. Denk daran, daß du mir das Leben gerettet hast. Ich dachte schon an das Ende meiner Qualen auf den Eisanbahnschienen. Du gabst mir das Leben wieder.... Gute Nacht, süße Marina!" Iura wendete sich ab, ging ein wenig abseits und über die Berg- lehne hinunter. Das war nicht mehr der wilde Bursche, das war nun ein weicher, ergebener Mensch, und wie schön erschien er ihr und süß in dieser Dämmerstunde! Iura blieb in einiger Entfernung stehen und blickte dem Weibe noch, wie ee langsam den Alleeweg hinaufschritt, bis es verschwunden war. Er warf sich zur Erde nieder und vergrub seine heiße Stirne in den kühlen Rasen. Ganz nahe auf einer blühenden AkaZie piepte ein Vögelein, zwei Grillen zirpten verliebt im Grase, und am Himmel huschten weiße, kleine Wölkchen dahin, anzusehen wie spie- lende Lämmlein. Wie schön ist doch das Leben— wie schön! Der Mensch möchte die ganze Well umarmen, nur um einen.Kuh von Marina. Am liebsten hätte Iura hier auf diesem schönen Erden- fleck die Nacht verbracht. Aber die ihm verblieben« Vernunft hieß ihn nach Hause gehen. Er kehrte langsam zurück, ganz wonnetrunken, keine Sorge trübte mehr seinen Glauben. Zu Hause angekommen, fragte er den Vater nach seinem B>.- finden und stellte den Wecker auf 1 Uhr, weil um%2 Uhr der Last zug durchfahren sollte. „Ich werde nicht verschlafen, mein Junge," sagte der Vater, „ich werde dich schon zur Zeit wecken." „Schlafen Sie nur ruhig, Väterchen, heute sst eine wunderschöne, milde Nacht," erwiderte Jura. Er zog Schuhe und Nock aus, vergrub seinen Kopf tn die weichen Kissen und schlief sofort den Schlaf der gesunden Jugend. Marina war zum beleuchteten Fenster ihres Hauses gekommen und klopfte daran. Sie sah ihren Mann beim Tische sitzend lesen. Ueber der Stirne hatte er einen grünen Schirm zum Schutze der Augen. Cr beeilte sich, die Haustüre zu öffnen und bewillkommssre sie freundlich:„Na, gut, daß du schon da bist. Ich habe einen Kaffee gekocht, einen sehr guten, dämit du siehst, daß ich auch etwas kann." Trotz des freundlichen Willkommengrußes erschrak Marina vor dem ihr bekannten Augenschirm des Mannes. Es schien ihr. als od er einen spähenden, mißtrauischen Blick auf sie richte. Dann kam ihr vor, daß sie die hohe Gestalt des„anderen" wieder draußen vor dem Hause gehen höre. Der arme Iura! Wie leicht kann er aus lauter Sehnsucht und Liebe die Vernunft verlieren. Heilige Maria,«rbarine dich seiner und auch meiner! „Waren in Studnitz viel Leute?" fragt« der Mann. „Genug Leute." anwortete sie, sich zusammennehmend. „Habt Ihr große Auslagen gehabt?" „Die Bahn hat ungefähr 8 Kronen gekostet, 50 Heller habe ich in die Büchse gegeben und einen Sechser dem Kirchendiener in den Klingelbeutel." „Und für dich hast du nichts gekauft?" „Nichts!"(Fortsetzung folgt.) Für wenig Geld müssen Sie heute Ihren Bedarf an gutem Schuhwerk decken können, die Geldknappheit zwingt Sie dazu. 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