Abendausgabe Nr. 382+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 188 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin SW 10 Pfennig 14. August 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag and Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Demonstration mit tragischem Ausgang Eine Darstellung des Polizeipräsidenten. Polizeipräsident Grzesinsti machte heute mittag den Preffe-| vertretern eingehende Mitteilungen über die Vorgänge der letzten Tage, insbesondere auch über die bedauerlichen Ereignisse nach den fommunistischen Versammlungen vom Donnerstag abend. Zunächst sprach er über die beiden bekannten Berordnungen, die er gegen den Hafentreuzlerradau erlassen hat. Die am Abend des Verfassungstages verhafteten Ruhestörer sind zum Teil noch in Haft, werden dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden und dieser hat darüber zu befinden, ob Landfriedensbruch vorliegt, ob Antlage erhoben wird usw. Die Rechtsgültigkeit der beiden Berordnungen Qualifizierung der Ruhestörungen als Landfriedensbruch und sofortige Berbringung in Schutzhaft steht nach Auffassung des Polizeipräsidiums außer Zweifel. Der Polizeipräsident führte dann aus: Ich habe angenommen, daß alle Kreise, die das Bedürfnis haben, für Ideen auf der Straße zu demonstrieren, sich die nach den letzten Borkommnissen und meinen Verordnungen notwendige Zurüdhaltung auferlegen und insbesondere fich den im Intereffe der Berkehrsfreiheit ergehenden Vorschriften der Polizei fügen werden. Die Vorgänge von gestern abend zeigen leider, daß offenbar nicht alle Veranstalter von Demon strationen ihre Teilnehmer so in der Hand haben, wie es notwendig ist. Bertreter der KPD. waren gestern mittag bei mir und haben gefragt, ob meine Erlaffe gegen fie angewandt werden sollen. Ich habe erwidert, daß diese Erlasse ausdrücklich sich gegen Aufzüge richten, deren Teilnehmer bewaffnet sind und erkennen laffen, daß sie nicht zu friedlichen Demonstrationen für ihre Ideen, sondern zu Gewalttätigteiten zusammengekommen find. Darauf erklärten die Vertreter der KPD., daß ihre Demonstrationen selbstverständlich friedlich seien, sie hätten für den Westen absichtlich den Winterfeldtplatz und nicht den Wittenbergplatz gewählt, um nicht in die Kreise der Rechtsradikalen hineinzukommen. Der Aufmarsch der Kommunisten gestern abend war zunächst auch ganz friedlich. Ich habe mich selbst davon auf dem Landsberger Plag, dem sehr schlecht bejegten BülowPlaß und dem Winterfeldt- Blag überzeugt. Da ich im Jorden nichts vermutete, bin ich nach Hause gefahren. Die geftrigen Bufammenstoße sind darauf zurückzuführen, daß eine größere Anzahl von Demonstranten lange nach den Demonftrationen den Verkehrsanordnungen der Polizei abfichtlich nicht Folge geleistet haben. Als daraufhin die Polizei sich zu einzelnen Feststellungen genötigt jah, 1 wurden die Polizeibeamten angegriffen und so geschlagen, daß fie befürchten mußten, erschlagen zu werden. In dieser Situation haben die Beamten das Recht und die Pflicht, fich ihrer Angreifer zu erwehren mit dem Gummifnuppel, soweit er ausreicht, eventuell mit der Schußwaffe. Demonftrafionen friedlicher Art werden von der Polizei nicht verboten, Schiedsspruch im Baugewerbe. Das im Reichsarbeitsminifterium zusammengetretene Schiedsgericht fällte heute mittag für das Baugewerbe einen Schiedsfpruch, der für Facharbeiter, Bauhilfsarbeiter und Tiefbauarbeiter folgende Spihenlöhne in den einzelnen Bezicken festfeht: Provinz Sachsen und Anhalt- Mogdeburg: 1,03, 0,90, 0,73 m Halle a. d. S.: 1,01, 0,98, 0,72 m. Freistaat Sachsen: 1,10, 0,92, 0,88 m. Medienburg 0,95, 0,82, 0,67 m. Berlin 1,20, 0,92, 0,74 m. Kaffel 1,05, 0,85, 0,85 m. Unterbaden 1,13, 0,89, 0,89. Oberbaden 1,10, 0,85, 0,85 2. Soweit die Alenderung der Orisklassen noch streitig ist, bleibt die Berständigung den Tarifparteien überlassen. Bis dahin gilf der bisherige prozentuale Abstand. In denjenigen Lohnbezirken, in denen bisher durch Tarif, Vereinbarung oder Schiedsspruch die Bezüge der Lehrlinge geregelt find, verbleibt es bei dem bisherigen Brauch. Bis zur anderweitigen bezirklichen Regelung des Wertzeuggeldes oder sonstiger Entschädigungen bleibt der bisherige 3ustand bestehen. Diefe Lohnregelung gilt bis 30. November 1925. Nach beiderseitiger Annahmeerklärung haben die bezirklichen Parteien die Kampfmaßnahmen spätestens bis zum 24. Auguft aufzuheben. Beiderseitige Maßregelungen dürfen nicht stattfinden. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 19. Auguft, nachmittags 4 Uhr. Zustimmung des französischen Kabinetts. Erörterung der Londoner Vereinbarung. Paris, 14. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Ministerrat, am Donnerstag kurz nach der Rückkehr Briands im Elysee zusammengetreten ist und dann 9 Uhr abends der bis 1 Uhr nachts gedauert hat, hat den von dem Außenminifter mif Chamberlain getroffenen Vereinbarungen 3ugeftimmt. Das darüber ausgegebene Kommuniqué besagt, daß Briand dem Ministerrat Kenntnis von dem Text der Antwort an Deutschland gegeben hat, worüber es zwischen der englischen und der französischen Regierung zu einer restlosen Berständigung gekommen fei. Der Ministerrat habe dem Außenminiffer einmütig Dank für das erreichte Resultat ausgesprochen. Die Antwort werde, nachdem fie den alliierten Kabinetten zur Kenntnis gebracht worden fei, unverzüglich in Berlin überreicht werden. Briand selbst, der am Abend die Vertreter der französischen Preffe empfangen hat, hat sich über die Ergebnisse seiner Reise sehr befriedigt gemßert. Die Einigung über den Text der franzöfifchen Antwort auf sondern da sie von der Verfassung gestattet sind von der Polizei geschütt, so daß seit längerer Zeit Demonftratio nen, auf die Angriffe Andersdenkender befürchtet werden müssen, von der Polizei begleitet werden. Bei den Vereinbarungen mit den Veranstaltern von Demonstrationen wird ihren Wünschen über den Weg usw. in weitestem Maße entgegengekommen. Es wird aber ausdrücklich betont, daß die Veranstalter diese nun fest. liegenden Vereinbarungen den Teilnehmern einschärfen müssen, denn diese Vereinbarungen sind die Grundlage der Befehle an die Polizeibeamten, von denen sie nicht ab weichen dürfen. Es wird den Veranstaltern auch immer erklärt, daß auf dem Demonstrationswege auch die Berkehrsmöglichkeit für andere Leute, Fuhrwerke und dergleichen offen bleiben und daß die hierauf gerichteten Anordnungen der Polizei un bedingt befolgt werden müssen. Es kann keinem Demonstranten, auch wenn er Abgeordneter ist, zugestanden werden, daß er wegen solcher Anordnungen ein großes Balaver mit dem Polizeioffizier anfängt, denn dadurch wird erst die Nervosität hervorgerufen, die man nachher der Polizei nachfagt. Es unterliegt auch nicht der Beurteilung der Demonstranten, ob die Anordnungen der Polizei zweckmäßig und richtig sind die Nachprüfung habe ich zu treffen, wenn Beschwerden kommen. Straßenbaus so ungünstig, daß, wenn die Demonstration dort In der Brunnen- und Badstraße sind die Verhältnisse infolge längere Zeit stockte, jeder Verkehr unterbunden werden mußte. Die Polizei muß aber für seine Offenhaltung sorgen. Was für ein Opfer bedeutet es denn, wenn Demonstranten, die doch Zeit haben, irgendwo 5 Minuten stillſtehen sollen! Die Deffentlichkeit sollte den Polizeibeamten ihren Dienst erleichtern und sich stets bewußt sein, daß ihre Anordnungen im allgemeinen Verkehrsinteresse ergehen. Gestern aber sind eine ganze Reihe Polizeibeamter geschlagen und verwundet * worden.( Der Polizeipräsident zeigte hier einen furchtbaren Rnüppel vor, mit dem auf Bolizeibeamte eingeschlagen wurde und eine Anzahl Polizeischatos, die eingeschlagen sind.) Es ist auch aus den Reihen des fogenannten Roten Frontfämpfer bundes bas Kommando:„ Sturm auf, marsch, marsch!" gehört morden. Die Berkehrsanordnung wurde zunächst mit Proteftrufen aufgenommen, der Abg. Scholem protestierte und belästigte die Beamten, er wurde zunächst weggedrängt und da er nicht Ruhe gab, festgenommen. Darauf wurden die Beamten angegriffen, Scholem wurde ihnen entriffen. Die Polizei hat dort nur Schred schüsse abgegeben. Die Demonstranten liefen auseinander, dann aber fielen von allen Seiten Schüsse, die Menge strömte wieder zufammen, und bewarf die Beamten mit Steinen. Diese antworte ten wieder mit Schreckschüssen und kurz darauf Tam Verstärkung und räumte die Straße. Noch schlimmer als in der Badstraße war es in der Frantfurter Allee, wo die Beamten, die den überfallenen Kutscher befreien wollten, so schwer geschlagen wurden, daß sie sich nur mit scharfen Schüffen ihrer Haut wehren fonnten. die deutsche Garantienote sei in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens wider Erwarten schnell erzielt worden. Wenn auch zunächst die erzielte Berständigung sich nur auf dieses Dokument beschränke fo laffe doch der eingeleitete Gedankenaustausch, der demnächst in Genf feine Fortfehung erfahren wird, in sehr naher Zufunft ein volles Einvernehmen über alle mit dem Sicherheitsproblem zusammenhängenden Fragen erwarten. ,, Alles hängt vom guten Willen Berlins ab." Paris, 14. August.( WTB.) Zur Londoner Konferenz schreibt der„ Temps", sie habe etwas anderes als ein moralisches Ergebnis gezeitigt. Unabhängig von der Einigung über die an Deutschland zu richtende Antwort fei es möglich gewesen, die französische und die englische Auffassung über wesentliche Grundsäge des Sicherheitsproblems auszugleichen. Die französische Antwort auf die deutsche Note Weg ebnen. Es werde nun an der deutschen Regierung vom 20. Juli werde in weitem Umfange nützlichen Verhandlungen den land in den Bölkerbund ohne Borbedingung und ohne Einschränkung liegen, den entscheidenden Schritt zu tun. Werde Deutsch Baltes sei? Man fasse die Möglichkeit eines solchen Schrittes in eintreten, was die erste Voraussetzung für das Infrafttreten des diesem Sinne ins Auge, sollte auch seine Zulassung nur einstweilig gelten, in der Erwartung, daß es seine Entwaffnungsverpflichtungen erfüllt. Das Verfahren würde ernstliche Ungelegenheiten mit sich bringen, aber es würde gestatten, zur Lösung des Sicherheitsproblems im Laufe des Herbstes zu gelangen. Alles hänge also wieder von dem guten Willen Berlins ab. Es sei abzuwarten, wie die politischen Kreise Deutschlands und die deutsche öffentliche Meinung im allgemeinen sich gegenüber dem durch die Londoner Verhandlungen erzielten Ergebnis verhalten werden. Französischer Parteitag. Die Tagesordnung des Kongresses. Paris, 14. August.( WTB.) Der außerordentliche Kongreß der Sozialistischen Partei, der vom 15. bis 18. August in Paris tagt, hat seine Tagesordnung wie folgt festgesetzt: 1. Entgegennahme des Borschlages des ständigen Verwaltungsausschusses der Partei bezüglich des Falles Barenne. 2. Entgegennahme von Berichten über die politische Lage und Tätigkeit der sozialistischen Fraktion, sowie die auch auf der Tagesordnung des Internationalen Sozialistischen Rongresses in Marseille stehenden Themen. Die internationale Friedenspolitik des Sozialismus, die Lebensbedingungen der Arbeiter, die Streiflage und das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag Die Reichsstädteordnung. Bon Dr. Karl. Herz- Spandau. Der vom Vorstand des Deutschen Städtetages ausgearbeitete Entwurf einer Reichsstädteordnung ist jetzt erschienen und der öffentlichen Kritif unterbreitet. Es ist rüdhaltlos anzuerkennen, daß dieser Entwurf einen wesentlichen Fortschritt darstellt. Er zeigt das deutliche Bestreben, sich von dem verhängnisvollen Einfluß der polizeistaatlichen Verwaltungstradition zu befreien und sich dem Ideal der Gemeindedemokratie zu nähern, als dessen Vertreter gemeinhin der Freiherr von Stein bezeichnet wird. Dieses allgemeine Anerkenntnis schließt freilich nicht aus, daß der Entwurf in feiner jetzigen Gestalt häufig zum Widerspruch herausfordert, daß manche Abschnitte mißglückt sind, und daß es auch an Rückfällen in polizeistaatliche Auffassungen nicht fehlt. Im Gegensatz zu den meisten Städteordnungen zeichnet fich der neue Entwurf durch einen durchsichtigen Aufbau aus, die einzelnen Teile gliedern sich in geschlossener Gedankenfolge aneinander. Besondere Aufmerksamkeit beansprucht der dritte Paragraph über den Aufgabenfreis der Städte, in dem es heißt: ,, Die Städte haben die Aufgabe, die geistige, fittliche, förperliche befugt, zum Besten ihrer Einwohner alle Aufgaben frei und wirtschaftliche Wohlfahrt ihrer Einwohner zu pflegen. Sie sind Stellen ausschließlich vorbehalten sind. millig zu übernehmen, die nicht durch das Gesetz anderen maltung. Reich und Länder können Aufgaben der örtlichen VerSie sind Träger der örtlichen öffentlichen Ver= waltung örtlichen Sonderbehörden nur übertragen, wenn das staatliche Intereffe es dringend erfordert. Das Landesrecht kann die Sicherheitspolizei auf andere Behörden Zu den Aufgaben der Städte gehört die Verwaltung der Polizei. übertragen." Entscheidend ist der Absah, nach dem alle örtlichen Angelegenheiten grundsäglich den Organen der Selbstverwaltung zu übertragen sind. Freilich bringt der folgende Satz eine Einschränkung, die in der Bragis bedeutsam werden tann. Die liche Sonder behörden zu bestellen, wäre besser dahin zu an fich anzuerkennende Notwendigkeit, ausnahmsweise staatformulieren, daß nur solche örtlichen Angelegenheiten der Verwaltung durch die Städte oder noch besser der Selbstverwaltung entzogen werden fönnen, die wegen ihrer 3en= tralen Natur einer staatlichen Regelung bedürfen. Es gehört zu den Borzügen des Entwurfs, daß er die Berwaltung der Polizei ausdrücklich zu den Aufgaben der Städte rechnet selbstverständlich nur die Verwaltung der polizei, Paßpolizei, Kriminalpolizei usw.) gehört überhaupt örtlichen Polizei. Die politische Polizei( Fremdennicht zur örtlichen Polizei, sondern hat landespolizeilichen und damit staatlichen Charakter. Der Kampf zwischen Staat und Gemeinden um die lokale Polizeigewalt dreht sich aber nicht nur darum, ob die Polizei in die Hand der Gemeinden gegeben werden soll, sondern ob sie als Selbstverwaltungs- oder Auftragsangelegenheit zu übertragen ist. Der Entwurf beantwortet diese Frage nur für die Sicherheitspolizei, die nach § 5 stets als Auftragsangelegenheit gelten soll. Rückständig und zwar wahrscheinlich entgegen seiner eigenen Absicht wird der Entwurf, wenn er im§ 26 die Verwaltung der Polizei ausschließlich dem Bürgermeister zuweist. Gerade in den Verhandlungen des Preußischen Städtetages ist seit Jahren immer wieder darauf hingewiesen worden, daß die einzelnen Polizeizweige der entsprechenden Fa ch verwaltung angegliedert werden müssen, also die Baupolizei der allge= meinen Bauverwaltung, die Gefundheitspolizei der Gesundheitsverwaltung usw. Der Entwurf will offenbar das jetzt in Preußen geltende System der unter Ausschluß der Gemeindevertretungen durch Ortsgesetze auf polizeilichem Gebiet"(§ 37, Abs. 2), die erlassenen Ortspolizeiverordnungen beseitigen. Er ersetzt diese nach§ 17 von der Stadtvertretung geschlossen werden.. Wenn durch Gemeindebeschluß zustande kommen(§ 36, Abf. 2), also daraus gefolgert werden, daß auch die Polizeiserordnungen aber der Bürgermeister allein die Polizei verwaltet, fönnte ausschließlich seine Sache sind. Berkehrsordnungen, Bauordnungen, Marktordnungen usw. fönnten dann wiederum ohne beschließende Mitwirkung der Stadtverordneten zustande fommen. Für mißlungen erachte ich das Kapitel, das die 3 u sammensehung und Zuständigkeit der Organe regelt. Der Entwurf gibt im wesentlichen das rheinische Bürgermeistersystem, das in den Kreisen der sozialistischen Kommunalpolitiker allgemeine Ablehnung findet, weil es eine Vormachtstellung des Oberbürgermeisters begründet und deswegen eine Gefährdung des Selbstbestimmungsrechtes der Gemeindevertretung in sich schließt. Der Entwurf treibt diese Tendenz auf die Spize. Nach ihm ist der Bürgermeister der alleinige Stadtvorstand(§ 21). Er führt die laufende Verwaltung(§ 21), meist die Stadträte an(§ 22), verteilt die Geschäfte( 23), verwaltet die Polizei- und Auftragsangelegenheiten(§ 26). Außerdem führt er mit vollem Stimmrecht den Borsig in der Stadtverordnetenversammlung und in den AusSchüffen(§ 13), fontrolliert die Verwaltungsausschüsse(§ 38 Abs. 6), die lediglich seine Organe sind, und vertritt die Stadt nach außen. Eine günstige Beurteilung verbienen dagegen wieder die weiteren Abschnitte über die Gemeindebetriebe, die Ortsgefege und die Staatsaufsicht. Hier haben die Erörterungen und Er fahrungen der letzten Jahre in flarer Form ihren Niederschlag gefunden. In bürgerlichen Kreisen hat die bereits im preußischen Entwurf vorhandene Bestimmung des§ 34 Beunruhigung hervorgerufen, die besagt: In der Tat hat die Sozialdemokratie die Kapitulation des 3entrums vor den agrarischen Sonderinteressen nicht ver standen. Sie persteht es auch nicht zu würdigen, daß eine Verfassungspartei angeblich aus Furcht vor unverfassungs„ Die Städte sind berechtigt, sofern es das Gemeinwohl erfordert, mäßigen diftatorischen Gelüsten ihrer Koalitionsgenossen von durch Ortsgesetze vorzuschreiben, daß die Einwohner der rechts die Rechte der Minderheit vergewaltigen hilft und pflichtet sind, sich an bestimmte gemeinnüßige städtische fich selbst an der Aufrichtung einer Interessendittatur be Einrichtungen anzuschließen. teiligt. Das Zentrum hätte die„ tief bedauerlichen Umstände" Insbesondere fann der Anschluß oder Benuzungs- vermeiden können. Es trägt die Verantwortung, und der 3 wang vorgeschrieben werden für städtische Kanalisation, Berfuch, sie abzuwälzen, wird so wenig ernst genommen Wasserleitung, Müllabfuhr, Straßenreinigung werden, wie die gleichwertige These, daß nicht der Dieb, fondern der Bestohlene schuldig sei. und Leichenbestattung." Die verängstigten Leute, die hinter dieser Bestimmung ein neues Sozialisierungsexperiment wittern, wiffen offenbar nicht, daß diese Bestimmung ihrem Inhalt nach lediglich gel. tendes Recht wiedergibt. Sie bedeutet gegenüber dem jetzt geltenden Rechtszustande mur eine Zuständigkeitsverände rung, indem sie die Einführung des Anschlusses und Benutzungszwanges für lebenswichtige Gemeindebetriebe aus einem Recht der Polizei zu einem Recht der Gemeinde vertretung macht. Einen modernen Geist atmet auch der Abschnitt über die Ortsgesetzgebung, der aber, wie schon oben erwähnt, gleichfalls in mehreren Bunkten einer flareren Formulierung bedarf. Große Befriedigung löst endlich der Abschnitt über die Staatsaufsicht aus, der die staatliche Aufsicht auf die Kontrolle der Gesetzmäßigkeit der Gemeindeverwaltung beschränkt. Mit besonderer Freude wird man die Bestimmung begrüßen:„ Eine staatliche Bestätigung des Stadtvorstandes und städtischer Beamter findet nicht statt." Hoffentlich wird es gelingen, dieser allein befriedigenden Löfung zur gefeggeberischen Anerkennung zu verhelfen. Die Zentrumsfrattion behauptet nicht mehr und nicht weniger, als daß sie der Wirtschaft und den Reichsfinanzen die Stabilität gesichert habe: „ Die beschlossenen großen Geseze schaffen eine endgültige Grundlage für eine geordnete Wirtschafts- und Finanzpolitik." Der Zolltarif ist als Provisorium auf zwei Jahre geschaffen worden. Die Steuergesetze find so wenig ,, endgültige Grundlage", daß am Tage nach ihrer Berabschiedung die Flickerei losging. Die geordnete Wirtschaftspolitit" taumelt von einer handelspolitischen Krise in die andere. Der Beschwichtigungsversuch der Zentrumsinstanzen ist denn doch etwas zu sehr im Widerspruch mit den Tatsachen, als daß ihm Gewicht beigelegt werden könnte. Für die Beurteilung der Zentrumspolitik ist dies Plädoyer ohne Belang. Es kommt darauf an, ob das Zentrum sich von den Deutschnationalen auf die Bahn der reaktionären Klassenpolitik gegen die Arbeiter und die Verbraucher weiter vorwärts schieben lassen wird, oder ob es fich auf eine bessere Bergangenheit besinnt. Die Chronik von Weimar. Die Nationalversammlung ist vollständig vergeffen. Reichstagsabgeordneter Brodauf schreibt dem Berliner Tageblatt": Alles in allem stellt der Entwurf trotz aller Beanstandungen und trotz der grundsätzlich verfehlten Beschränkung auf städtische Gemeinden eine brauchbare Grundlage für die parlamentarische Arbeit dar. Daß er über furz oder lang auch den Reichstag beschäftigen wird, ist anzunehmen. Für die Beratung des preußischen Gesetzentwurfes ,. mit dem Deutschen den Berfassungstag festlich begangen haben, dürfte folgen In diesen Tagen, in denen Millionen von verfassungstreuen eigentlich fein Mensch innerlich einverstanden ist, ergibt sich des nicht ohne Interesse sein. Bor furzem blätterte ich gelegentlich daraus eine völlig veränderte Situation. Mit der Gewalt eines Aufenthalts in Weimar im dortigen Adreßbuch. Es steht darin einer zwangsläufigen Entwicklung feht sich die Tenden auch eine Geschichte von Weimar; sie ist ja eine ehrwürdige, tausendzur Bereinheitlichung der inneren Verwaltungsstruktur der Länder durch. Damit erhält die Weimarer Ber- jährige. In dieser Chronik sind wohl alle Fürsten oder doch faffung, die jetzt ohne fefte Grundlage in der Luft schwebt, erst den Unterbau, der ihre Lebensfähigkeit verbürgt und dem deutschen Volke den demokratischen Einheitsstaat beschert. alle Fürstenlinien aufgezählt, die in den tausend Jahren in Weimar residierten. Jeder Fürstenpatt, jede Erbteilung, durch die Stadt und Land in andere Hände übergingen, ist gewissenhaft registriert. Nicht nur Großes, wie die Zeit Goethes, auch Kleines ist mit Liebe verzeichnet. Wie zum Beispiel im Laufe der Jahr hunderte der Stadt durch wohlwollende Fürsten Marttrechte ver liehen worden sind. Nur ein großer historischer Vorgang wird nicht behandelt: Der Chronist, der zum Beispiel auch den Besuch Napoleons nicht vergißt, geht vollständig darüber hinweg, daß in Weimar im Januar 1919 die deutsche nationalversammlung zusammentrat, um auf ben alten Reiches einen Neubau zu errichten, um die Berfassung Trümmern des durch den verlorenen Krieg zusammengebrochenen für die deutsche Republit zu schaffen. Ueber bie gange Beit vom Zusammenbruch des alten Staates an berichtet der ChroDie Verteidigung des Zentrums. Nicht der Dieb, der Bestohlene ist schuldig. Reichstagsfraktion und Reichsparteivorstand des Zentrums erlaffen einen Aufruf ,, An die Zentrumspartei im Lande". Der Aufruf ist dem richtigen Gefühl entsprungen, daß die Haltung der Zentrumsfraktion im Reichstag dringend einer Verteidigung bedarf bei seiner Abfassung ist der Gesichtspunkt maßgebend gewesen, daß man der Empörung und der Kritik im eigenen Lager Argumente entgegensetzen müsse. Dieser Aufruf plädiert darauf, daß die Zentrumsfraktion guten Willens gewesen sei- fie habe auch bei der Bergewaltinist nur mit folgendem Sat: gung der Opposition das beste gewollt. Es wird an gedeutet, daß die Luther- Regierung in der Sommerpause die Zollvorlage mit Hilfe des Art. 48 verordnet hätte, wenn sie nicht verabschiedet worden wäre. Dann heißt es: ,, Die Revolution zerstörte Unerseßliches. Während der nun folgenden Regierung der sozialdemokratisch- demokratischen und danach der sozialdemokratisch- tommunistischen Parteien wurde von den durch Weimars Fürstenhaus in mehr als einem Jahrtausend geschaffenen Kulturgütern unendlich viel ber. nichtet, so daß heute gewaltige Schäden zu heilen sind..." ,, Darum haben wir die Auffassung vertreten, daß das unabweisbar gesetzgeberisch Notwendige auch rasch zu geschehen habe. Wir bedauern, daß diese Notwendigkeiten von Parteien, mit denen wir jahrelang zusammen gestört worden sein sollen, bezeichnen sollte." arbeitet haben, nicht vollauf verstanden und ges. würdigt worden sind. Hieraus haben sich bei der Erledigung des Zolltarifgefeßes tief bedauerliche Umstände ergeben, Der Chronist würde in peinlichste Berlegenheit fommen, wenn er auch nur eines von den unendlich vielen Kulturgütern, die zer für die auch jene Parteien Berantwortung zu tragen haben.". Deutsches Mannesideal. Bon Felig Scherret. Die Dollarzeit verwirrte die Begriffe; es gab teine reinliche Trennung mehr. Hakenkreuz, Sowjetstern und Dollarzeichen leb. ten in Harmonie, auf dem assessoralen Stehkragen von schwindelnder Höhentendenz saß der Kopf eines Jobbers. Alles vereinte die Jagd nach dem Dollar. Selbst Romanfabrikanten wußten nicht aus noch ein. Die alten Typen zogen nicht mehr, man mußte eine Edelkreuzung von Spetulant und Reserveleutnant erfinden, um jungfräuliche Tränendrüsen massieren zu können. Der Degen wurde mit dem Schlußscheinheft vertauscht, oder beide Gegenstände wurden in Bersonalunion zusammengeschlossen. Der neue Romanheld spekulierte, war Geld und Brief, aber er trug mit sich herum wehmütige Erinnerungen an die alte Zeit, damals in Frankreich im Schützengraben. Vollkommen Unentwegte fonnten allerdings diese Atmosphäre nicht ertragen, fie gingen mit edler Räubergeste in die Tropen, um dort eine schmachvolle Gegenwart, Stinnes und die Inflation zu vergessen. Beinahe wäre ein neues Mannesideal entstanden, da tam die Stabilisierung, der Dollar interessierte nicht mehr, Hitler war der Mann des Tages, und begrabene Ideale er wachten zu neuem Leben. Troß Amerifanisierung und anderer Dinge ist das Ideal das gleiche geblieben: Aristokraten, unzählige Male im Kriege vermundet, benehmen sich wie fleine Angestellte, und der Held, der moderne Siegfried, zeigt eine angenehme Horizontbeschränkung. Er hat teinen Ueberblick über Tatsachen, er erledigt alles mit herkömmlichen Phrafen, die sich auf den Jargon deutschnationaler Wahlverfammlungen beschränken; dafür ist er auch immer geballter Rebensernft, forſch und schneidig, er kennt kein Lachen, sondern polſtert sich ständig mit Würde, denn er fürchtet durch Freundlichkeit jeinen Nimbus zu verlieren. O, der Aermste leidet unter der Gegenwart, unter der Schmach der Berhältnisse, er ist völliger Pflichtmensch und redet dauernd von seiner Pflicht allen möglichen ift pölliger Dingen gegenüber, aber er redet nur und tut nichts weiter, höchstens verheiratet er sich mit einer blondbufigen Jungfrau, zeugt Kinder, denen er von der Wiege an den Haß gegen alles Nichtdeutsche lehrt. Man trifft ihn überall, in Cafés, Dielen und gut bürgerlichen Mittagstischen, im Norden und auf dem Kurfürstendamm, in staatlichen Bureaus, Salons und Warenhäusern, man sigt ihm in der Untergrundbahn gegenüber oder im Stadtbahnzug, er gehört zur Physiognomie Berlins wie zu der einer fleinen, pommerschen Stadt, er ist eben aus dem Leben Deutschlands nicht fortzudenken. Bataillonsfommandant Emma, als er mit 10 Astari eine InUnruhe auch in Italienisch- Afrita. In der Cyrenika ist der fpettionsreise machte, durch Schüffe aus dem Balbe überfallen worden. Ein Askari und der Hauptmann wurden getötet. Die Berfolgung der Räuber hatte feinen Erfolg. einen schweren Eriftenztampf, und die Stimme schnarrt hin und wieder noch wie in alten Zeiten. Aber auf der Jackettklappe find distret einige Gesinnungszeichen untergebracht, ein fleiner Stahlhelm oder ein noch fleineres Hatenfreuz, vielleicht auch das Beichen irgend eines Offiziersbundes. Man muß der Mitwelt doch zeigen, was man ehemals war. Alle republikanischen Abzeichen werden mit vernichtenden Blicken ge mustert, direkt als Beleidigung empfunden. Nur wenn sie ein Borgefeßter trägt, verfintt man davor in feuscher Anbetung und entfernt diskret den Stahlhelm oder das Hakenkreuz; Ungnade ist immer eine peinliche Angelegenheit. Auch der wahre, deutsche fennt genau die Berechnung von Nußen und Schaden, auch er blickt Idealmann versteht mit der Gesinnungstonjunttur mitzugehen, er fennt genau die Berechnung von Rugen und Schaden, auch er blickt in der Straßenbahn, wenn eine alte Dame stehen muß, mit stahlblauen, ergrimmten Blicken um sich, ob niemand Neigung verspürt, sich zu erheben und bleibt ruhig fizen. Bielleicht träumt er davon, daß vergangene Zeiten eine gewisse Ritterlichkeit kultivierten und nimmt sich vor, die Jugend in treudeutschem Sinne zu erziehen. Der Zwergclown. Bon Hans Wesemann. Jeden Abend tritt er in dem Stetch Sput in der Badstube" auf. Seine Rolle besteht darin, daß er sich zu einem Batet zu fammenfneten läßt, mit dem dann zwei Riesen" Fangball spielen. Zu fomisch sieht das aus! Das Publikum wälzt sich jedesmal wird, daß seine dünnen Beinchen fliegen, und wenn er dabei gar ein vor Lachen, wenn er wie auf dem Rasperletheater herumgewirbelt mal auf den Boden fällt und die Riesen ihn als lebendigen Fußball rumfugeln, dann dröhnt der große Saal von berftender Heiterkeit. Eines Abends aber fällt er sehr heftig; er hat es wohl gemerkt, der eine Riese hat ihn absichtlich so gestoßen. Und als er zornig fich aufrappeln will, tritt ihn der Riese vor den Hintern wieder und wieder, daß er wie ein Bündel Lumpen durch die Luft fliegt. Der fleinen Fäusten, die Tränen laufen über das gefleisterte Geficht Kleine schreit vor Wut und Schmerz. Er suchtelt mit den lächerlich grobe Stiefel des Riesen tritt ihn nieder und das Publikum schreit er will fragen und beißen, wie eine gemarterte Raze. Und der und freischt vor Lachen, bis der Vorhang fällt. Da steht mit einem Male die tomische fleine Figur vor dem Borhange und droht mit den Händchen, stredt die Zunge raus in ohnmächtiger But und freischt mit hoher Fiftelſtimme Schimpfworte. Da langt aber schon eine Riesenhand durch den Spalt, padt ihn am Genic, schleudert ihn wie zum Hohne hin und her und läßt ihn dann verschwinden. Mensch, ich lach mir tot, morgen abend tomme ich wieder," lächelt verstohlen dem netten jungen Mann zu, der sie den fagt der dicke Herr in der ersten Parkettreihe zu seiner Dame. Die ganzen Abend fixiert hat.... Altpreußisches, die Erinnerung an den angenehmen Ton des Staaber Er bevorzugt nicht den amerikanischen Lebensstil, in ihm lebt fernenhofes, er flappt auch jezt noch, im republikanischen Zeitalter, gerne die Haden zusammen und verbeugt fich mit der dekorativen Steifheit des gewefenen Offiziers. Zu Hause und Freunden gegenüber schimpft er auf die Republit und immer ziert eine leise angedeutete Bornesfalte die Stirne. Der Blid ift ftahlblau und wird manchmal in seiner Schärfe von einem Monofel unterbrochen. Das Haar ist turz geschnitten, nur vorne tämpft ein kurzes Scheitelchen Fund einer Aphrodite- Statue. Auf der Insel Rhodus tourde bor kurzem bei Ausgrabungen eine vollkommen unversehrte Marmorstatue entdeckt, die die Göttin Aphrodite darstellt, wie fie am Boden fauert und mit beiben Händen ihr reiches Haar ausbreitet. Der Parifer Altertumsforscher Salomon ( 4. Jahrhundert v. Chr.). Reinach bält die Statue für ein Meisterwerf aus der Schule bes Pragiteles Unter neuer Flagge. Die Berleumderzentralen an der Arbeit. % Mit unseren Enthüllungen über die R.-R.-R. 3entrale des Herrn Dr. Kluge Knoll haben wir in ein Wespennest ge stechen. Der Hieb hat gesessen. Fieberhaft bemühen sich die Bacmeister Leopold darum, auf neuen Wegen ihr Gift in der Deffentlichkeit zu verspritzen. Unserem Nürnberger Bruderorgan, der Fränkischen Tagespost", ist ein Brief auf den Redaktionstisch geflogen, den wir hiermit veröffentlichen: Deutsche Fragen Barteiunabhängige Zeitungs- Korrespondenz für Politit, Wirtschaft und Kunst. Herausgeber Mar Dabis, Berlin- Steglitz, Sendelstr. 12. Fernsprecher: Stegliz 3222. Der verehrlichen Schriftleitung erlauben wir uns auf ausdrücklichen Wunsch des bekannten Wirtschaftspolitikers, Herrn Leopold, M. d. R., beifolgende offene Antlage des Herrn Bacmeister und Leopold zu übersenden mit der ausdrücklichen Bitte, diese am Mittwoch, den 5. August, morgens und nicht vorher in Ihrem geschätzten Blatt zum Abdruck zu bringen. Wie aus dem Inhalt hervorgeht, handelt es sich darum, endlich einmal vor der breiteften Deffentlichkeit die ausgedehnte und verderbliche Rorruption festzustellen, die sich seit den unglüdseligen Novembertagen 1918 infolge der Mißwirtschaft und der Mißregierung der Sozialdemokratischen Partei in der Verwaltung eingenistet hat und sich jetzt zu beherrschen droht, in unsere Verwaltung, die früher die sauberfte der Welt war. ,, Sauberfeit in der Justiz" ist das hohe Ziel, das es nunmehr zu verfolgen gift, nach dem der Vorwärts" gewagt hat, die öffentliche Meinung irrezuführen, muß der Angriff gegen alle in der Justiz vorgetommenen Unjauberteiten durchgeführt werden. Die öffentliche Anklage der erwähnten Herren soll als ein. heitliche Aktion in allen nationalen Zeitungen Deutschlands gleichzeitig am Mittwochmorgen erhoben werden. Wir bitten ergebenst, auch Ihre geschäzte Zeitung diesem eminent natio nalen 3wede zur Verfügung stellen zu wollen. Für Uebersendung eines Belegeeremplars wären mir sehr verbunden und geben anheim, gleichzeitig bei Abdruck des Artikels ein weiteres Exemplar Ihres Blattes dem preußischen Justizministerium zu übersenden. Hochachtungsvoll Schriftleitung der Deutschen Fragen". Ein eminent nationaler 3wed" in der Tat, diese syste matische Verleumdung. Denn wovon sollen die Nationalisten anders leben als von der Berleumdung. Sauberfeit in der Juftiz", d. h. Aufrechterhaltung des famosen Idealzustandes, bei dem die Deutschnationalen ihre Parteiziele mit Hilfe von Staatsanmälten und staatsanwaltlichen Pressetam. ihre Gemeinheit erkennt man immer wieder. Das eble Baar pagnen erreichen. Und wenn sie auch tausend Gewande anziehen, Bacmeister- Leopold mag fich beruhigen. Die Sauber feit in der Justiz wird hergestellt werden! Mit ihren Me thoben wird aufgeräumt! Schnapp heute entlassen. Der Kaufmann Snapp, der bekanntlich in der Notwehr den 16jährigen Dölle am vergangenen Sonntag auf dem Kurfürffen. damm erschossen hat, ist heute auf Antrag feines Verteidigers Rechts anwalt Dr. Arthur Brandt aus der Haft entlassen. Der erste Staatsanwalt hat dem Antrage zugestimmt, da nach seiner Ansicht ein Fluchtverdacht nicht vorliegt. Das Verfahren nimmt jedoch seinen Fortgang. Die Deutsch nationalen, deren Mitglied der Sechzehnjährige gewesen ist, wollen von Steglitz aus dem Erschoffenen ein großes Begräbnis bereiten und die Böltischen wollen sich dem anschließen. Pension Schöller, Schwant in brei Aften von Lauff. Holde Rüderinnerungen an die Zeit, wo Provinzontel mit Familien nach Berlin tamen und im Theaterpartett saßen neben Gartenlaubeund Töchteralbumleferinnen und Pensionsmüttern mit ihren Küfen. Die Schaubühne am 300 muß doch ihrer Sache sicher sein, daß alle diese Gattungen noch recht zahlreich existieren; denn sonst wäre meber die Ausgrabung des Stüdes noch die Darstellung zu verstehen, die man in Kößschenbroda ja vielleicht als erfttlaffig empfunden hätte. Einzig Franz Sondiger als Schauspieleraspirant, der das" nicht aussprechen fann, würde einiges Lob verdienen, wenn er nicht gleichzeitig für die Spielleitung verant wortlich zeichnete. Allerdings hätte sich aus diesem unzulänglichen werk mit diesen unzulänglichen Kräften viel mehr wohl auch nicht herausholen laffen. Ganz fleine Lichtblicke bot manchmal Gustav Trauhold. Der Rest sei Schweigen. SZ. Ein neues Lebenseligier? Das British Medical Journal" be.. richtet von einem großen Erfolg der pharmatologischen Forschung. Dr. Herbert Nott hat ein Bräparat zusammengestellt, das im wahrsten Sinne des Wortes ein Lebenselirier sein soll. Der Hauptbestandteil der Nottschen Mischung ist Mangan, ein Element und Metall, dem Eisen chemisch nahe verwandt. Aus der chemischen Berwandtschaft folgerte Dr. Nott auch eine phyfiologische. Tieregperimente be ftätigten feine Vermutungen. Ratten, die längere Zeit mit der Manganmischung gefüttert wurden, zeigten bald zunehmende Lebens. energie. Die Tiere wuchsen schneller, die Fellhaare wurden feibigfinder, baß es sich bei seinem Präparat nicht um ein Reiz- oder glänzend und lang, und die Ratten selbst wurden sehr angriffsluftig und lebhaft. Aus der Gewichtszunahme der Tiere bewies der ErAnregungsmittel handeln kann, sondern daß es ein wirkliches Nährpräparat ift. Nach den erfolgreichen Tierversuchen wurde die Manganmischung auch an Menschen erprobt. Bon mehreren Hunderten von Personen, die an Blutstörungen( Anämien) erkrankt waren, wurden über 70 Proz. in furzer Zeit durch Einnehmen des Nottschen Bräparates geheilt. Daraufhin hat die englische Gesundheitsbehörde die Berteilung größerer Quantitäten des Eliriers an Freigabe des Mittels, um es der allgemeinen Berordnung zugängKinderspitäler angeordnet. In Aerztefreisen erwartet man eine lich machen zu können. Rommiffion eingefeßt, die Maßnahmen für die internationale Be Bekämpfung der Schlaffrankheit. Der Böllerbundrat hatte eine tämpfung der Schlaffrankheit im tropischen Afrika vorbereiten sollte. Diese Kommiffion empfiehlt nun, wie in der Deutschen Medizini schen Wochenschrift" berichtet wird, die Einsetzung eines wissenschaftlichen Komitees, das seinen Siz in dem englischen Seucheninstitut nämlich des Professors A. Kleine, der bei der Erprobung des zu Entebbe in Uganda am Bictoria- Njanja- See haben soll. Dafür wird die Mitarbeit eines deutschen Arztes verlangt, Heilmittels Baner 205" so große Erfolge erzielt hat. Es soll ein frankheit in den einzelnen Kolonien geschaffen werden, und weiter ständiger Austausch der Nachrichten über den Stand der Schlafwerden durchgreifende Maßnahmen gegen den untontrollierten Bertehr der Eingeborenen zwischen den einzelnen Seuchengebieten, die Einführung eines Gefundheitspaßzwanges and die scharfe Kontrolle verseuchter Landftriche gefordert. die sozialistischen Studenten. Eine Tagung in Hamburg. Anläßlich des 4. deutschen Arbeiter-Iugendtages fand auch em Treffen des Verbandes sozialistischer Stu- dentengruppen Deutschlands und Oesterreichs statt, an dem Vertreter der Universitäten Wien, Berlin, Leipzig, Bonn, Hamburg, Breslau, Frankfurt a. M., Königsberg, Freiburg, Heidelberg. Kiel und Würzburg teilnahmen. Am Sonnabend nachmittag wurden im vollbesetzten Hörsaal des Museums für Bölkerkunde Vorträge zu dem Thema„Der Sozialismus und die geistigen Arbeiter" gehalten. Der Rektor der Hamburger Universität, Genosie Pros. Dr. Laun behandelte das Problem von der historischen Seite aus und kennzeichnete die weltanschauliche Scheidung zwischen denen, die nach dem Erhalten der bestehenden Zustände trachten und denen, die sie ändern wollen. Dr. Adolf Braun gab in eingehender Weise einen soziolo- gischen Ausriß der intellektuellen Zwischenschicht, die sich in Ab' hängigkeit vom Kavital befindet, sich aber gesellschaftlich den Schichten der Kapitalseigner zurechnet. Rur die wenigsten sind in der Lage, das ihre schwache wirtschaftliche Position bedingende Je- sellschaftliche System zu erkennen. Selbst dort, wo solche Ansätze keimen, ist bis zur Einreihung in die große Armee des Sozialismus ein sehr weiter Weg. Der Sozialismus hat aber in den letzten Jahren gezeigt, daß er auch in diesen Schichten Expansionsfähigkeiten besitzt, und der Programmentwurf wird ausdrücklick der Auffassung gerecht, daß wir nicht nur eine Partei der Hand-, sondern auch der Kopfarbeiter sind. Bemerkenswert war an den Ausführungen Dr. Brauns, daß er sich vor allem auch mit den Studierenden der technischen und Fachhochschulen befaßte, die noch in weit geringerer Zahl, als da» bei den Studierenden an den Universitäten der Fall ist, zur Sozialdemokratie kommen. Als letzter Redner sprach der Berbandsleiter Dr. Ot t o Fried- l a e n d e r über die gegenwärtige Lage der sozialistischen Studenten. Er ging davon aus, daß die Studentenschast nur damals revo- lutionär gewesen sei, als es sich um den Kamps der bürgerlichen Klasse gegen den Feudalismus handelte. Heute dagegen ist st« traditionsgemäß so stark an die bürgerliche Klasse gebunden, daß die Spannung zwischen der wirtschaftlichen Proletarisierung und dem Streben, sich in der traditionellen Umgebung zu halten, zu jenem Standesdünkel führt, der ein Zeichen innerer Unsicherheit ist. Bei der eigenartigen Haltung der Studentenschaft und bei der nicht minder eigenartigen Lage der modernen Universität ist es fast . verwunderlich, daß es überhaupt sozialistische Studenten und neuerdings doch in nicht ganz unbedeutender Anzahl gibt. Ihrer Herkunft nach sind vier Typen zu unterscheiden: Der Student aus einer aufgelockerten bürgerlichen Schicht, der durch das Empfinden eines starten Unrechtes, durch eine Unter- drückung religiöser, sozialer oder weltanschaulicher Art in Gegensatz zu seiner Klasie gerät, des weiteren der Student, der durch die deutsche Jugendbewegung gegangen ist und so innerlich ein Gemeinschaftsempsinden hegt. Die beiden genannten Typen werden erst dann aus ihrem gefühlsmäßigen Erlebnis heraus zu wirklich standsesten Sozialisten werden, wenn diesem Gefühl sich eine gründliche wifienschaftliche Erkenntnis beigesellt. Reu hinzu tritt der Student, der aus einer Arbeiterfamilie, womöglich aus sozialistischem Milieu, kommt, und den in der gewohnten Gedankenwelt festzuhalten, eine der wichtigsten Aufgaben der sozialistischen Studentenschast sein kann. Dazu kommt der eigentliche Arbeiter st udent, der jetzt In geringer Zahl bereits die Uni- versität besucht, und der durch sein enges Verwurzeltsein in der Arbeiterschaft in allererster Linie dazu berufen erscheint, die so- genannten Intellektuellen und die Arbeiterschaft fest miteinander zu verknüpsen. Schwierig wird die Lage für den sozialistischen Akademiker bei der Berufswahl. Es ist nur selten möglich, daß der Akademiker auf der Basis einer sozialistischen Weltanschauung einen Beruf findet. Es ist durchaus wünschenswert, daß Sozialisten sich in allen bürger- lichen Berufsarten umtun. Rur ein« Position ist für jeden So- zialisten undenkbar ohne Aufgab« seiner selbst, da» ist der Beruf eines Arbeitgeber-Syndiku». In der Periode des„konstruktiven Sozialismus", wie Hilferding die gegen- wärtige Zeit gelegentlich treffend nennt, sind gerade gut ausge- bildete Konstrukteur« vonnöten. De» soziallstischen Studenten und Akademikers harren im Dienste der Partei hier große Aufgaben. und wenn auch immer noch nicht das große Problem: Die In- tellektuellen und die Arbeiterschaft in der Parteibewegung sin der eifrig zu arbeiten erste Pflicht jedes sozialistischen Studenten sein muß) gelöst ist, so gibt es doch zwei sozialistisch« Akademiker, zu denen sich alle Sozialisten in freudiger Einsicht bekennen, und denen wir nur nachzufolaen brauchen, um auf dem rechten Weg« zu sein: Marx und Lassalle! Der Rede folgte ein gemeinsamer Sang der Internationale, mit dem die Kundgebung ihren erhebenden Abschluß fand. An den weiteren Kundgebungen der Arbeiterjugend, insbesondere an dem abendlichen Fackelzug und der Sonntagsdemonstration beteiligten sich die Studenten gleichfalls geschlossen und in großer Zahl. Gemäßigte Temperatur. Wolken versuchen am Himmel drohend« Stimmung zu machen, sie ballen sich zusammen, stellen dekorative Figuren und bemühen sich, die Sonnenstrahlen zu oergewaltigen. Aber die Wolken sind Hann- losen Charakters, es bleibt beim Vorsatz, die Sonn« ist Sieger, saugt alles Gewölk auf. Die Regenfreudigkeit der letzten Wochen ist ver- schwunden, die Wasieroorräte des Himmels scheinen erschöpft zu sein dank einer geheimnisvollen Organisation. Merkwürdig über- Haupt die ganz« Wettereinrichtung, sie hat«ine große Vorliebe für die Extreme, entweder schmilzt de: Asphalt oder er wird vom Regen durchlöchert. Man weiß nicht, wie lange die jetzt herrschende ge- mäßigte Stimmung dauern wird, jedenfalls nicht lange, der Himmel wird sich bestimmt in kurzer Zeit auf seine alte radikale Gesinnung einstellen und sonderbare Gebräuche annehmen. Augenblicklich scheint jedenfalls gemäßigte Temperatur anhalten zu wollen. Dem Berliner ist dabei sehr angenehm zumute. Das Wetter hat jetzt nichts brausend Iugendhoftes oder ver- grämt Altjüngferliches, es befindet sich im ausgereiften Mannesalter, es geht unbeirrbar seinen Weg. Die Wärme ist nicht erschlasfend oder dumpf brütend, sie bleibt belebend, anspornend. Man kann noch baden, bei offenem Fenster schlafen oder sich in anderen spart- lichen Uebungen gefallen, ohne der Gefahr einer grundlegenden Er- kältung ausgesetzt zu sein, auch die Vorsichtigsten brauchen noch nicht ihre keusche Männcrbrust mit einem Wollhemd zu' umpanzern, die linden Sonnenstrahlen haben wärmende Kraft. Aber die Abende bringen eine Ahnung des Herbst«. Die Sonne verschwindet schon früh,« beginnt bereits die Romantik der Laternen, die noch ihr Licht durch dichtbelaubte Baumkronen werfen und phantastische Schatten auf den Asphalt malen. Die Abende sind leicht, silbern, mit einem Hauch von Melancholie durchtränkt. Man sitzt auf den Bänken der Anlagen, auf den Terrassen der Tose», man atmet die beruhigt«, erwürnile Luft, doch hin und wieder treibt bereits der Wind ein vertrocknetes Blatt vor sich her. Wie lang« noch und die Bäume stehen wieder entlaubt da. Eine neue Danmenfchranbe für Mieter. Bei der Leleihung von Wohnhäusern fordern die Hypotheken- banken jetzt vielfach i*« Bornahm« äußerer Instandsetzungen, was den Mietern nur angenehm sein kann, aber außerdem die Erhöhung der Friedensmieten, wenn diese nach Ansicht des Beleihers dem ortsüblichen Preisstande vom 1. Juli 1314 nicht entsprechen. Wohl oder übel müssen die Hausbesitzer auf die Forderung de» Hypotheken- giö«btS-»»-«tng>h». Dm« hoben jämtkche Mieter der betreisende» Häuser oder deren Bevollmächtigte nach dem Mieteinigungsamt zu marschieren, wo gewöhnlich die Erhöhung der Friedensmieten durch Vergleich oder Beschluß zustandekommt. Ist keine Einigung zu er- zielen, so wird ein Sachverständiger zur Abschätzung entsandt, was mindestens hundert Mark Kosten verursacht, wozu noch die Terminkosten kommen. Die Mieter solcher Häuser stehen also vor der trüben Aussicht, in naher Zeit nicht nur die voll« Friedensmiete, sondern noch zehn bis zwanzig Prozent mehr zahlen zu müssen. Außerdem haben sie gemeinsam die Hälfte der Kosten d« Versahrens zu tragen._ Das Nittelalter im Tiergarten! Unglaublicher Skandal auf einem Wohnungsamt. Wir sind im Verlauf der sieben Jahre Republiksabotage durch höhere und niedere Bureaukratie mancherlei, in jedem anderen Staat der Welt undenkbare Ausschreitungen reaktionärer Beamter ge- wöhnt. Das aber, was heute morgen das.Berliner Tageblatt" berichtet, ist so empörend, so unerhört, daß kein Wort der Kritik scharf genug scheint. Das offenbart eine unerträgliche Rechtsanarchie im Gebiete offizieller und nichtosst» zieller Stellen. Schauplatz des mittelalterlich anmutenden Dorfalls ist das Wohnungsamt des Bezirks Tiergarten: das Opfer ein sich d i e n st l i ch dort befindlicher jüdischer Rechtsanwalt. Da der Anwalt längere Zeit zu warten genötigt war, setzte er sich, wie üblich, auf einen der dort stehenden leeren Stühle. Plötzlich stürzte sich ein Kerl— das.Berliner Tageblatt bezeichnet ihn als einen im Raum anwesenden Vertreter völkischer Observanz— auf ihn, beschimpfte ihn aufs unflätigste und brüllte, daß nur ein.3 u d e n d r e ck s ch n�e i n" sich unterstehe, einen Stuhl einzu- nehmen, der ihm nicht angeboten sei. Dann riß dieser Rowdie den Anwalt von seinem Stuhle. Der Angegriffen« wollte sich gegen den Menschen wehren und wurde sofort von einer Rotte überfallen, die ihn wie wild mit F a u st s ch l ä g e n ins Gesicht trak- tierte, so daß dem Mißhandelten das Blut über das Gesicht lief. Jetzt kam das ganz Unglaubliche: der diensttuende Beamte, der hier für Ordnung zu sorgen hatte, rief dem beschwerdeführenden Anwalt zu, dahermitderSachenicht» zutun habe und li e f aus dem Zimmer.(!) Dieser famose Herr, es soll der Stadtrat M a g u h n sein(nicht Maraun, wie da».Berliner Tageblatt" schreibt), Mitglied der Deutschen D o l k s p a r t e i,(!!) verstieg sich, um dem Skandal die Krone aus- zusetzen, noch dazu, seinem Personal zu befehlen, den.K e r l" vor die Tür zu setzen und eventuell durch die Polizei heraus- schmeißen zu lassen. Die anwesenden Wohnungsbeamten äußerten über den Vorfall ganz unverblümt ihre helle Freude, und liefen auf den Gang, wo sie das Publikum intensiv bearbeiteten, um ihre Unschuld darzulegen. Der schwer mißhandelte An- w a l t ging zum Zentralwohnungsamt, um den einzig da- stehenden Fall zur Sprache zu bringen. Das erklärte sich unzu- st ä n d i g. Dann wandte er sich zur P o l i z e i d i r e k t i o n. Dort sagte man ihm unoerschämterweise, und das charakterisiert das empörende Verhalten gewisier Polizeioffiziere ganz un- übertrefflich, er solle direkt zum sozialdemokratischen Mini st er Seoering gehen, woselbst er auf Ver» ständni» zu rechnen habe. Also: offener Hohn, offene Schmähung des ersten Vorgesetzten, d« preußischen Minister» des Innern. Der Vorsitzende der Polizeiabteilung wei- gerte sich überhaupt, den Anwalt zu empfangen, der Kriminal- kommisiar vom Dienst lehnt« es zuerst ab, die wesentlichen Aus- sagen des Ueberfallenen zu Protokoll zu bringen und tot es schließlich mit höhnischen, verletzenden Randbe» merkungen. Auch ein Zigarrenliebhaber. Das leidenschaftliche.Rauchen" von— Schokoladenzigarren brachte den 16jährigen Telegrommbesteller F. au» Wannsee in«ine unangenehme Lage. In den verschiedensten Klubs in Wannse« befinden sich Automaten, die Fernsprechmarken enthalten. F. hate sie zu kontrollieren und zu füllen. Da sein Einkommen mit seinem Bedarf an Schokoladenzigarren nicht in Einklang zu dringen war. so vergrößerte er es dadurch, daß er den Vertrieb der Fern- sprechmarken auf eigene Rechnung übernahm. In keinem Automaten waren Marken, kein Angestellter konnte damit aushelfen und infolgedessen waren die Marten ein sehr begehrter Artikel. F., der konkurrenzlos arbeitete, machte stets ein gutes Ge- schüft. Als Retter in der Not bekam er nicht nur die onsüblichen IS Pf., sondern meist auch noch ein kleines Trinkgeld. Allmählich fiel sein reicher Martenbcsitz aber doch auf und er wurde zur Rede gestellt. Er gab den Schwindel zu und behauptete, daß ihm, der ein eifriger Turner ist, der Genuß der süßen Zigarren die Freude am Sport erhöh«. Hossentlich läßt man da» unvorsichtige Leckermaul mit einem Verweis lausen. Er schnauzt vom Verkehrsturm herab. Zum Verkehrston der Berliner Polizei liefert uns ein Leser den folgenden chaiakteristischen Beitrag: Auf dem Verkehrsturm des Potsdamer Platze» regiert auch ein stattlicher Polizeibeamter, der schon von weitem durch seinen wundervoll gepflegten Schnurrbart.Es ist erreicht" auffallt. Kürzlich klappt« bei der Verkehrsregelung etwas nicht ganz. Cr beugte sich deswegen aus dem offenen Fenster des Verkehrsturms heraus und brüllte über den Platz hinweg zu den Chauffeuren und Kutschern, die nach der Bellevuestraße wollten:.Ihr seid wohl ganz und gar yerrückt geworden!" Wir schlagen vor, daß der Mann befördert wird. Als Hausknecht in der.Wilhelma" würde er sich wahrscheinlich gar nicht übel machen. Kein Wunder übrigens, daß sich dann die Chauffeure und Kutscher in ihrer Art gegen solchen Ton wehren und daß sich daraus jene Art Wortgefechte entweckeln, bei deren Anhören der Fremde am liebsten Berlin sofort wieder verlosten möchte. In den Städten des Westens und Südens ist die Polizei im allgemeinen gemütlicher._ Ein Hans mit 7V Hauswirten! Da» Haus Graetzstr. 25 in Treptow hat seit dem 1. Februar 1V24, also in anderthalb Iahren, nicht weniger als siebzig verschiedene Hauswirte gehabt. Di« Mieter- Vertretung machte schnell kurzen Prozeß, setzte eine sogenannte Ge- schäftsführung ohne Aufsicht ein, die noch heute besteht, bezahlt« aus den Mieten alle Hauslosten und hinterlegte die Ueberschüste beim Amtsgericht. Wieviel mögen wohl die siebzig Hauswirte bei der kortwährenden Weiterverschiebung des Hauses oerdient haben? ZS spanische Aerzle. geführt von Profestor Dr. Jose Maria Rosell, der in Berlin und Würzburg studierte und seinen Doktortitel erwarb, trafen heute aus dem Stettiner Bahnhof ein. Der Besuch der spanischen Aerzte soll eine Kundgebung der spanischen Mediziner für die deutsche medizinische Wistenschaft bilden. Die Gäste sind voll des Lobes über ihren Empfang in Malmö. Kopenhagen und>'�- sonders Hamburg, dessen Tropeninstiwt ihr Erstaunen wach rief. Sie wollen besonders die organisatorisch« und medizin i- sche Einrichtung der großen Berliner Institute studieren.. Schwerer Zusammenstoß zweier Straßenbahnwage«. Heute vormittag kurz nach 8 Uhr fuhr ein Straßenbahnwagen der Linie 40O vor dem Hause Bernauer Str. 41 aus einen Triebwagen der Linie 31 mit voller Wucht aus. Dabei wurden drei Personen verletzt. Der Vorderperron d« Straßenbahnwagen» der Linie 40E wurde völlig zertrümmert. Der Zusammenstoß soll durch DersageuderBrems« hervorgerufen worden sein. Reue Keilefahrer. Eine» der unbekanntesten, aber der gleichwohl reiz' vollsten und bcmertenSwettesten«andergebiet« Deutfchiand« ist die O b« r« psalch»od der Oberpfälzer vald im nordäßNchen vayer». Oe Dell fährt auf der Strecke Berka— München hindurch, ohne es zu beachten. Die beiden Heimatforsqer«roh und M ü h 1 b» s e r hoben eS nuninedr unternommen, ein Wanderbuch über den Bald zu schreibe»«Verlag HanS Gollwitzer, Weiden, Oberpfalz, das mit einer ganz ausgezeichneten Karte und einer«rohen Anzahl guter Bilder ausgestattet ist. Da» Büchlein zeichnet fich durch kurze knappe Angaben aaS. Da« Hiftorifche ist gut be- rllckficht. lieber dte heutigen Verhältnisse erfährt«an leider nicht genug. Da« Büchlein ist durchaus empfehlenswert.— Der bodtfche Verkehr«Oer- band Karlsruhe hat einen Führer über die Höhenwege de«Schwarz- Walde« herausgegeben nebst UebersichlSlarte, der bei der Festlegung»on Schwarz waldsahrten unbedingt zurale gezogen werde» sollt«(Verlag Druckeret Fidelita«, Karlsruhe). »Die Wunder de»«mazooeustrowe»' werde» in dem berühmten Film am Sonnabend, abends 8 Uhr, und Sonntag um 4, ö und 8 Uhr aus der Tceptow-Sternwarte gezeigt. das Eisenbahnunglück bei �lmieas. Verschulden des Lokomotivführers.— Visher 14 lote. Das Eisenbahnunglück bei Amien» ist, wie die eingeleitete Untersuchung ergeben hat, auf das Verschulden des Lokomotiv- führers zurückzuführen, der verhaftet worden ist. Es hat sich herausgestellt, daß der Zug mit einer Stundengeschwin- digkeit von 92 Kilometern statt vorschriftsmäßig mit 22 Kilometer in den Bahnhof eingefahren ist. Durch das plötzliche Bremsen wurden außer der Lokomotive und dem Tender sieben Wagen zur Entgleisung gebracht. Drei weitere Wagen fingen Feuer und oerbrannten. Die Zahl der Toten beträgt 14. die der Verletzten 110, von denen 71 Personen schwer verletzt sind. Eine andere Meldung will wissen, daß der Zugführer betrunken war. Von Augenzeugen wird mitgeteilt, daß sich nach der Katastrophe entsetzliche Szenen abgespiell haben. Zehn Wagen, die aus den Schienen gesprungen, waren Ineinander geschoben und es machte unsägliche Mühe, die eingeklemmten Passagiere herauszuholen. Un- mittelbar hinter dem verunglückten Zug kam der Zug, in dem sich der französische Außenminister Briand, der am Morgen aus London abgereist war, mit seiner Begleitung befand. Der Zug des Ministers fuhr gleichfalls mit voller Geschwindigkeit. Es bedurste der größten Anstrengung, um ihn wenige Minuten vor der Stätte der Katastrophe zum Halten zu bringen. Grohfeuer im Breslauer Konsumverein Vorwärts. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag gegen 3412 Uhr brach in der Tauentzienstraße 127 in einem Speicherhau» des Konsumvereins Vorwärts Großfeuer aus. Der Speicher liegt mitten in dem Häuserkomplex, in dem der Konsumverein seine Waren untergebracht hat. Die Einwohner de» angrenzenden Wohn. hause« bemerkten den Brand erst, als bereits ein großer Teil des Gebäude» vom Feuer erfaßt worden war, sie alarmierten sofort die Feuerwehr, die mit zehn Löschzügen eintraf. Das Feuer hatte sich in rascher Zeit über das ganze obere Stockwerk des Speicher», in dem die Firma Cwadlew große Getreidevorräte untergebracht hatte, ausgebreitet. Es gelang der Feuerwehr, den Brand nach einstün- diger Arbeit zu lokalisieren, so daß für die angrenzenden Lager- Häuser keine Gefahr mehr besteht. Der Schaden für die Firma Cwadlew läßt sich noch nicht übersehen. Znternottonale Arbeiterjängerverbäade. Anläßlich der Luzerner Festtag« wurde zwischen den Vorsitzenden der Arbeitersäna er- verbände in Deutschland, Schweiz. Tschcchoslowalei und Elsaß- Lothringen die Möglichkeit und Notwendigkeit besprochen, eine Arbeitersänger-Jnternationale zu schaffen. E« soll zunächst ein Auttauich von Informationen und eine Zentrale in Berlin errichtet werden._ GeVeMhQstsbewegung Gewalt vor Recht. Ja der ZNüucheu-Gladbacher Textilindustrie. Au» München-Giadbach wird uns geschrieben: Seit vielen Iahren sind in dem Gebiet der rheinischen Textil- industrie die Lohn- und Arbeitsbedingungen torisvertroglich geregell worden. Bor einem Bierteljahr begannen die Verhandlungen um die Neugestaltung des Tarifoertrages. Ein« Einigung war nicht zu erzielen. Infolgedessen kam es zu Verhandlungen vor dem amtlichen Schlichter in Köln. Dieser fällte einen Schiedsspruch, der eine sechsprozentige Erhöhung der Tariflöhne vor- sah. Dieser Spruch hatte an sich keine verbindliche Kraft. Da aber dos Nichtzustandekommen einer zwingenden Vereinbarung eine Ge- fährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung bedeutet hätte, hat sich der Reichsarbeitsminister am 24. Juli 1925 entschlossen, den Schied»- spruch gemäß der Schlichtungsordnung für verbindlich zu er- klären. Durch diesen Verwaltungsakt ist also zwangsweise ein Tarifverhältnis zwischen den streitenden Parteien geschaffen worden. In dem so geschaffenen Tarifvertrag heißt es ausdrücklich, daß die beteiligten Organisationen verpflichtet sind, für die Durch- s ü h r u n g des Vertrages Sorge zu tragen und Ihre Mitglieder zur Tariftreue anzuhalten. Trotz erheblicher Schwierigkeiten in ihren eigenen Reihen haben die Gewerkschaften das getan und Erfolg dabe, gehabt. Dagegen blieb es dem Unternehmersyndikus Artz vorbehalten da» Gegenteil zu tun. Er hat die Firmen zur Sabotage de» für verbindlich erklärten Schiedsspruches ausdrücklich ousgef ordert. Da» ist eine Verhöhnung des Rechtes und der Staatsautontät. Dabei ergibt sich folgendes Bild: Ein Streit um die Aus- gestaltung des Tarifvertrages ist zwischen den Organisationen nicht vorhanden. Insbesondere sind zurzeit von Arbeiterseite aus keinerlei Forderungen gestellt. Mithin ist zu irgendwelchen wirtschaftlichen und sozialen Machtkämpfen nicht der geringste An- laß vorhanden. Möglich, daß die Arbeitgeber Zweifel in bezug auf die Wirk- samkett und Tragweite der Verbindlichkeitserklärung haben. Da» ist eine rein juristische Angelegenheit. Do wir ober nicht mehr im leben, ist es selbstverständlich, daß sich gesittete Staatsbürger über leben, st es selbstverständlich, daß sich gesittet« Staatsbürger über eine reine Rechtsfrage nicht mit Gewaltmitteln befehden, sondern die Frage dem Richter zur Entscheidung vorlegen. Es hat unter der Arbeiterschaft außerordentlich viel böses Blut abgesetzt, daß Herr Artz. der nicht nur Syndikus, sondern auch von Beruf» wegen ein Anwalt des Rechtes ist, diesen im Zeichen de» Rechtsstaate« selbstverständlichen Weg nicht beschritten, vielmehr anstatt dessen Ge- waltmoßnahmen angedroht hat, indem er die ihm nahestehenden Mitgliedsfirmen der Arbeitgeberverbänd« veranlaßt Hot, allen Arbeitern Entlassung in Aussicht zu stellen, die an dem getenn- zeichneten Rechtsstandpunkte festhalten wollen. Wie die Rechtslage im einzelnen sein mag, ist grundsätzlich uner- heblich. Das Bedeutsame de, drohenden Kampfes liegt darin, daß die Idee de» Rechte» selbst in Mitleidenschaft gezogen ist. Es handelt sich nicht so sehr um«in paar Pfennige Lohn, oder um die Arbeitszeit, sondern es handelt sich darum, ob es in Deutschland möglich und erlaubt ist, Rechtsfragen unter Znrückfchiebnna der ver- fassungsmäßig gestellten Gerichte durch die Mittel roher Gewalt zu entscheiden._ Konflikt in bet Likörindustrie. Di« Urabstimmung der dem Lebensmittel- und Geträrckearbeiter- verband sowie dem Deutschen Berkehrsbvnd angeschlossenen SUSr- arbeite? hat die Annahme de» am 5. August gefällten Schteds- fpruches ergeben. Die Arbeitgeber haben jedoch mktgeteilt, daß fie den Schiedsspruch nicht annehmen können, weil ihnen u. a. dtr durch den Schiedsspruch festgesetzte Lohn von 41 Mk. für Kraft- wagenführ« Z» hoch ist. Wenn man bedenkt, daß die Arbeitnehmer dem Schiedsspruch trotz der nur ungefähr sechsprozentigen Lohnerhöhung zugestimmt haben, so tann man die Stellungnahme der Unternehmer nur als eine bewußte Herausforderung ihrer Arbeiter betrachten. Während die Arbeiterorganisationen die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs beantragt haben, haben die Unternehmer die Ablehnung der Berbindlichkeitserklärung beantragt. Sollte dem Antrag der Arbeitgeber stattgegeben werden, so trifft die Schuld für einen daraus entstehenden Konflikt allein die Unternehmer, für die bei der augenblicklichen Geschäftslage die verhältnismäßig geringen Lohnerhöhungen durchaus tragbar find. Was nun? So fragt die Rote Fahne" in einem von Verlegenheiten und Berlogenheiten strozenden Artikel. Was nun, nach Annahme der Zollvorlage? Die Leser des Bolschewiſtenblattes werden vergebens die fällige Parole" suchen. Der kommunistischen Weisheit letzter Schluß fieht so aus: " Da aber der ADGB.- Vorstand gewillt ist, außer des Appellierens an die Schlichtungsinstanzen des Klassenstaats nichts zu tun, die Lohnkämpfe nicht zu sanktionieren, so fann es gar nicht anders kommen, als daß sich die Not der Massen in unsanttionierte Streits entlädt, gegen die die schießende Schupo aufgeboten wird. In der Redaktion der„ Roten Fahne" setzt man sich nicht nur über die elementarsten Regeln der deutschen Sprache hinweg; man kennt dort ebensowenig die des gewerkschaftlichen Kampjes. Man braucht daher nicht zu wissen, daß der ADGB. weder Lohnfümpfe zu sanktionieren, noch an Schlichtungsinstanzen zu appellieren hat, weil die Führung von Lohnkämpfen Sache der einzelnen Gewerkschaften ist. Benn die KPD. also nicht weiß, was sie will und soll, so hat| Vermittlungsversuche im französischen Bankbeamtenstreik der Bundesausschuß des ADGB. ein Kampfprogramm beschlossen, das die entsprechende Antwort auf die Annahme der Zollvorlage ist. Was nun? O Bolschewiftenblatt. Die Lohnbewegung der Spritmonopolarbeiter beendet. Zwischen der Reichsmonopolverwaltung für Branntwein, Berwertungsstelle Berlin, und dem Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter haben wegen des Konflikts, der aus dem letzten Schiedsspruch entstand, nochmals Verhandlungen stattgefunden, in denen eine Einigung erzielt worden ist. Der Lohn beträgt demnach für ungelernte Arbeiter wöchentlich 38 M. Die übrigen Gruppen erhalten die im Tarifvertrag festgesezten prozentualen Zuschläge auf den Grundlohn, als welcher der Lohn der ungelernten Arbeiter gilt. Der Lohnkonflikt in der polnischen Landwirtschaft. Warschau, 12. August.( Ost- Expreß). Angesichts der großen Hoffnungen, die unter dem Gesichtspunkt der Stügung des 3loty auf die diesjährige Ernte gesetzt werden, wurde der Ausgang der Lohnstreitigkeiten in der Landwirtschaft mit Spannung erwartet. Die wegen des drohenden Arbeitskonflikts einberufene außerordentliche hat nunmehr einen Schiedsspruch über die Lohnregelung für die Landarbeiter in Posen, Pommerellen und Kongreßpolen gefällt. Den Deputatarbeitern( die zahlreichste Klasse der Landarbeiter), die ihren Lohn bisher im Gegenwert eines Doppelzentners Roggen bezogen, ist eine über dem derzeitigen Getreidepreis liegende Umrechnungseinheit, nämlich 25 31oty, zuerkannt worden. Für Tagelöhner und Saisonarbeiter sind mit Rücksicht auf die außergewöhnlich intensive Arbeit, die in diesem Jahr wegen der atmosphärischen Bedingungen erforderlich ist, Prämien festgesezt worden. Die Zustimmung der Arbeitnehmer und der Landwirte zu dem Schiedsspruch ist noch nicht erfolgt. Paris, 14. August.( TU.) Der Ministerpräsident hat gestern abend wieder mit den Vertretern der Banken und der Banfangestellten verhandelt, jedoch wurde wiederum feine Einigung erzielt, da die Direktoren jede Gehaltserhöhung ablehnten. Die Zahl der Streitenden hat sich heute beträchtlich vermehrt. Jm Terfilgroßhandel haben am Dienstag Verhandlungen stattDie Vers gefunden über die Erhöhung der Löhne der Arbeiter. handlungen haben zu feinem Ergebnis geführt. Der Deutsche Vertehrsbund hat darauf den Schlichtungsausschuß angerufen. Westfalen scheint zu einem vollen Erfolg zu führen. Die Die Bewegung der Heizungsmonteure von Rheinland und Unternehmer find in eine so bedrängte Lage geraten, daß sie bereits von sich aus den Schlichter angerufen haben. Am Sonnabend finden in Dortmund entscheidende Verhandlungen statt. In dem Bereich der Regierungsbezirke Aachen, Köln, Düsseldorf und die Provinz Westfalen, über die sich die Bewegung erstreckt, haben bereits 102 Firmen die Forderungen der Gewerkschaften, die einen Spizenlohn von 1,30 M. vorsehen, schriftlich bewilligt. Außerdem zahlen 10 Firmen den neuen Lohn ohne schriftliche Zusicherung. Das bedeutet die vollkommene Durchlöcherung der Arbeitgeberfront. Die Warschauer Metallarbeiter sind wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ektorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski: Lotales und Sonstiges: Frik Rarstädt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Vaul Ginger u. Co., Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. 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