Nr. 3$3 ♦ 42. Jahrg. Ausgabe A Nr. 196 BezuffSprriS: WöchentliS 70 Pfeuirio. mosaMH S,— Reichsmark voraus tahldar. Unter Krelubant» für Deutschland. DaiuiK. Saar» und Mrmewebiet. Leiierreich. Litauen. Luxemburg «L0 Reichsmart, für da, übrig« Ausland SA» Reichsmart uro Monat. Der �ZorwSrtz� mit der Sountags- beilage.Volk und 8cit' mit Siedlung und Kleingarten' sowie der veilage»Unterdallung und Wissen' und ssrauenbeilage. Frauenstimme' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag, und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: .Sozialdemoteat Berlin' Morgenausgabe Derlinev VolksblNtt pk«i>s,ig) Llnzeissenprei�e: Die einsoaltig« Nonssreille- »eile SO Pfennig. Rellamezeile 6.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen« das fettgedruckte Wort 2S Pfennig lzulässtg zwei fettgedruckte Worte», jedes weiter« Wort 12 Pfennig. Stcllcnaciuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Bucki- ftaben»älilcn für zwei Wort«. Uamilienanzeigcn für Abonnenten geile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bis 415 Uhr nachmittags im Sauvtgefchäft, Berlin SW SS. Linden- strafte S, abgegeben werden. Deöffnet von 9 Ubr früb bis S Uhr nachm. �entralorgan der Sozialdcmokratf fchen parte» Deutfcblands Keüaktion und Verlag: Serlin EW. 68, Linöenstraße Z ??ern?lirel»ler: Redatitou Tönboss n'v l Verlag! Tönboss-i Sonnabend, den 13. August 19Ä3 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EW. 68, Linöenstr.Z Postscheckkonto: Perlin S7SS«— Pankkouto: Direktion der Dtekonto-Sesellschai», Devofitenkaffe Lindenstrastr!l paktkonferenz in Genf. Vertrauliche Besprechungen mit dem deutschen Außenminister. Genf,»4. August.((Eigener Drahlbericht.) Am 1. Seplember, cot Beginn der Tagung des Bölkerbundsrates, werden die Auhen» minister Chamberlain,'Briand und Bandervelde in Gens eine vertrauliche Besprechung haben. Streitend« und 9 Polizei» beamte in da» Krankenhaus«ingeliesert, fünf der ersteren und einige Polizeibeamte sind so schwer verwundet, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Vermutlich find viele der verwundeten Streikenden, um sie der Verhaftung zu entziehen, in die umliegenden Dörfer gebracht worden. Von chinesischer Seite werden die Ausländer für die Unruhen verantwortlich gemacht. Dombenattentat in Cherson. Kiew, 14. August.(TU.) Im Chersonschen Sportklub fand während einer Sitzung des Sportvereins der kommunistischen Zugend eine Explosion statt. ES wurden zehn Personen ge- tötet und über 29 Personen verwundet. Unter den Verwundeten und Toten befinden sich mehrere Mitglieder der politischen Hauptverwaltung. AuS Charkow ist eine UntersuchungS- kommilfion nach Cherson abgereist. Deutschvöltisches Rowüptum. Ueberfall auf Reichsbannerleute. Breslau. 14. August.(Eigener Drahtbericht.) In(Luttentag (Oberschlesien) kam e» im Anschluß an eine Feier der Krieg»- beschädigten zu Schlägereien zwischen Deutschvölkischen und Reich«- bannermitgliedern. Mehrere Reichsbannerleute wurden von Deutsch- völlischen und Landesschützen mißhandelt und schwer verletzt. Der einzige diensthabende Polizeibeamte und mehrere HilsSbeamte standen den Schlägereien machtlos gegenüber. Ein Rädelsführer der Deutschvölkischen konnte schließlich verhaftet werden. Gegen sämtliche Terroristen ist Anzeige wegen Landfriedens- bruchs erstattet worden. Die polizeilichen Ermittelungen, die bereit» abgeschlossen sind, haben ergeben, daß die Schuld lediglich bei den LaiideSichützen und den Deutschvölkischen liegt, die die Mit- glieder de» Reichsbanners belästigt und sie nachts ohne weiteres auf den Straßen überfallen und mißhandelt haben. Znfammenstost mtt Hakenkrenzlern in Wie«.' Wien. 14. August.(WTB) Nach einer ruhig verlaufenen Versammlung der nationalsozialistischen Partei beim Weigl zogen die Teilnehmer zur Lobkowitzbrücke. wo sie sick in einzelne Gruppen auflösten. Hierbei kain es zu Zuf.mimeustößen mit politischen Gegnern. Die SicherheitSwache schritt ein und stellte die Ordnung wieder her. Eine größere Anzahl Personen wurde von der Sicherheitswache angehalten und gegen sie ein Verfahren wegen öffentlicher Gewalt laiigterlen eingeleitet. Der französische Parteitag. Bor wichtigen Entscheidungen. . Für den 15. bis 18. August hat die Sozialistische Partei Frankreichs ihren außerordentlichen Kongreß nach Paris ein- berufen. Ursprünglich war der Kongreß nur zur Prüfung der Tagesordnung des Internationalen Sozialistischen Kon- gresses in Marseille und der Borschläge der Parteileitung über die Reorganisation der Partei bestimmt. Aber die Entwick- lung der Innenpolitik, die durch den Sturz der Regierung Herriot, die politische Orientierung der Regierung Painletwf und die Marokkoaffäre gekennzeichnet wurde, hat die So- zialistische Partei vor einer Reihe neuer Probleme gestellt, die auf dem Kongreß ihre Klärung finden müssen. Dies um so mehr, als die durch die Regierung Painlevo— Caillaux geschaffene Mißstimmung, die sich durch die militärischen Ereig- nisse in Marokko noch oerschärst, auf die Partei selbst über- gegriffen hat. Die Meinungsverschiedenheiten, die bei ver- schiedenen Abstimmungen der sozialistischen Fraktion in der Kammer zutagetraten, ebenso wie die lebhafte Diskussion, die seit Wochen in der Parteipresse geführt wird, verstärken das Interesse, das in der gesamten politischen Oeffentlichkeit dieser Tagung der Sozialistischen Partei entgegengebracht wird. Das Interesse konzentriert sich vor allem auf die Stel- lung der Partei zur gegenwärtigen Regie- rung und zu einem möglichen Regierungswechsel, wie auf die Frage, inwieweit die bisher von der Parlamentsfraktion eingenommene Haltung mit den früheren Beschlüssen der Par- tei übereinstimmt. Daneben steht im Bordergrunde die Frage, welche Stellung die Partei gegenüber dem Krieg in M a- r o k k o einzunehmen hat und mit welchen Mitteln sie ihre zum Frieden drängende Politik durchführen soll. Zu der ersten Frage hat Genosse Bracke vor kurzem in einem Artikel im„Combat Social", dem Wochenblatt der Pa» riser Parteiorganisation, Ausführungen gemacht, die die ver- schiedenen Meinungen innerhalb der stanzösischen Partei charakterisieren. Er schrieb: »Der Hintergedanke, der auf all diesen Beratungen(der Par- lamentssraktion) lastete, war die Teilnahme an der Regierung. Da- nach-gliederten sich unsere Abgeordneten in drei Gruppen: Erstens, diejenigen, die diese Teilnahme für möglich halten und sie herbeizu- führen wünschen. Deshalb trachten sie die Bildung einer Links- Mehrheit zu beschleunigen, nötigenfalls durch den Sturz einer Re- gierung. Zweitens, diejenigen, die diese Teilnahme gegenwärtig für durchführbar hallen, aber darin eine Gefahr für die Partei erblicken. Daher bemühen sie sich, den Augenblick, da die Partei an die Schwelle der angeblichen„Macht" gestellt wäre, hinauszuschieben und sind bereit, nötigenfalls eine unzulängliche oder zweifelhafte Regierung zu unterstützen, um der Partei die Entscheidung über die Frage der Regierungsteilnahme zu ersparen. Drittens, diejenigen, die gegen die Teilnahme an ver Regierung sind und meinen, daß dies nicht einmal in Frage stehe. Sie lassen sich nur von dem Ge- danken leiten, was in jedem einzelnen Fall eine Partei zu wn hat, die das Proletariat vertritt." Genosse Bracke selbst gehört zu denjenigen, die die Bedin- gungen für eine Beteiligung der Sozialisten an der Regierung nicht gegeben sehen. Er oertritt aber in der Frage des Links- kartells einen Standpunkt, den man als„b e d i n g t e U n t e r- stützungspolitit" bezeichnen könnte. Im„Populaire", der Halbmonatsschrift der Partei, vom 1. August formuliert «r seine Stellung zur Unterstützungspolitik mit folgenden Worten: �Hier dürfen wir nur einer Regierung unsere Unterstützung leihen, die imstande ist. dem Massenwillen der Arbeiterklasse und ihren sozialen und politischen Forderungen Rechnung zu tragen. Eine solche Regierung darf aber nur dann unsere Unterstützung er- hallen, wenn die Vereinbarungen ökonomischer oder politischer Art derart sind, daß die Partei die Verantwortung vor der Arbeiter- tlasse zu tragen vermag."' Im Einklang mit dieser Auffassung sind tatsächlich auf einigen in der vorigen Woche abgehallenen Bezirksparteitagen mit großer Mehrheit Beschlüsse angenommen worden, die sich für den Abbruch der Unterstützungspolitik gegenüber dem Ka° binett PainlevH und gegen die Beteiligung an einer bürger- lichen Regierung aussprechen. Besonders bezeichnend war die auf dem Bezirksparteitag für Groß-Paris angenommene Re- solution Blum— Bracke— Zyromski usw., wonach die Partei die volle Handlungsfreiheit gegenüber dem Ka- binett Painlev6 wiedererlangen müsse, jedoch bereit sei, die Wiederaufnahme der Unterstützungspolitik ins Auge zu smssen, sobald die äußeren Umstände, die diese Politik im Juni 1924 empfohlen hätten, sich von neuem bieten würden. Sind in der Frage der Kartellpolittk und der Regierungs- beteiligung starke Gegensätze in der stanzösischen Partei zutage- getreten», so nicht minder in den Fragen, die mit dem M a- rokkokrieg in Verbindung stehen. Diese Meinungsver- schiedenheiten. die u. a. auch in den Abstimmungen der sozio- listtschen Kammerfraktion in die Erscheinung traten, hoben be- kanntlich auch die Julisitzung des Bureaus der Sozialistischen Arbeiterinternattonale in London beschäftigt. Roch einer aus- führlichen Darstellung des Genossen R e n a u d e l über die verschiedenen Auffassungen, die in dieser Frage innerhalb der französischen Partei bestehen, gab Genosse Otto Bauer in dieser Sitzung soigende Erklärung ab: „Die Frage der prinzipiellen Stellung der fronzösilchen Sozia- Ustischcn Partei zum Krieg in Marokko schließt im Keime in ver- Ncinertem Maßstab alle die Probleme in sich, die in der Zeit des Weltkrieges alle sozialistischen Parteien gespalten haben. Wir ver- zichten im gegenwärtigen Augenblick nur deshalb auf eine Erör- rerung dieser Frage, weil wir volles Vertrauen zur franzö- fischen Sozialistischen Partei haben, daß sie selbst die richtige Lösung dieser Frage finden wird/' Die hier ausgesprochene Erwartung ist durch den weiteren Derlauf der Ereignisse durchaus gerechtfertigt worden. In dem Maße, wie der verhängnisvolle Charakter des Marokko- abenteuers den breiten Boiksmafsen in Frankreich offenbar wurde, gelangte die Sozialistische Partei nicht nur selbst zu einer einheitlicheren Auffassung in der Kriegsfrage, sie trat auch an die Spitze der Volksbewegung, die sich gegen den marokkanischen Krieg richtet und einen schleunigen Frieden mit Abb cl Krim herbeifuhren will. Die v c r st ä r k t e F r i e d e n s a k t i o n hat bereits seit Beginn des Marokkokrieges eingesetzt. Ihr ist es zu verdanken, daß Painlcvo und Briand sich zur Einleitung von Friedensverhandlungen mit Abd el Krim bereit erklärten und von der Tribüne der Kammer die Unabhängigkeit d c s R i f s anerkannten. Die militärischen Erfolge der Fran- zosen in Mqrokko haben freilich eine gewisse Verschiebung der Situation herbeigeführt. Jetzt zeigt die französische Regierung unter dem Einfluß erobcrungslüsterner Generale die Neigung. den Frieden zu sabotieren und an Stelle der Unabhängigkeit des Rifstaates bloß eine„Verwaltungsautonomie" anzu- erkennen. Diese Schwenkung der offiziellen Regierungspolitik macht es der Sozialistischen Partei verhältnismäßig leicht, ihre Stellung in der Mtrokkofragc klar und unzweideutig zu for- mulicren und sie vor den Wählern zu vertreten. Es ist anzu- nehmen, daß der französische Kongreß auch in dieser Frage eine Entscheidung treffen wird, die seiner Verantwortung vor dem französischen Proletariat wie vor der gesamten sozia- listischen Internationale entspricht. Busschließung varennes wahrscheinlich. Paris, 14. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Parteiausschnß der Sozialdemokratischen Partei Frankreichs hat am Freitag das Programm und die Tagesordnung für den am Sonnabend in Paris zusammentretenden Parteitag festgesetzt. Er wird sich am Sonn- abend vormittag zunächst mit dem Fall des Abg. V a r e n n e zu beschäftigen habest. Es liegt dazu ein vom Wahlkreis Varennes ge- strikter Ausschlußantrag vor. Nach den Anweisungen zu schließen, welche die übergroße Mehrzahl der Parteidelegierten erhalten hat, ist anzunehmen, daß der Parteitag diesem Antrag Folge geben wird. Für die Aussprache des Parteitags über die innerpolitische Lage ist der Sonnabend nachmittag und der ganze Sonntag vorbehalten. Die Debatte dürste sich hauptsächlich mit der Frage der Fortsetzung ober Kündigung der Kartellpolitik bzw. der weiteren parlamen- tarischen Unterstützung des Ministeriums Painleve und ferner mit der Beteiligung der Sozialisten an einem n e u zu bildenden Kartell- Ministerium befassen. Die Mehrzahl der Bezirksparteitage hat sich am vergangenen Sonntag in ablehnendem Sinne ausgesprochen. Insbesondere treten die van Leon Blum und Paul F-a uro unter- zeichneten Anträge Groß-Paris für die Wiederherstellung der öl li gen Unabhängigkeit der Politik der Partei gegenüber dem Ministe ritrm nud den bürgerlichen Parteien«in. Ein Antrag R e- näudels dagegen warnt vor systematischer Opposition, die ledig- lich dem Nationalen Block zugute kommen würde. Auch Vincent A u r i o l s Entschließung richtet sich gegen eine rein negative Politik der Partei und tritt für Beteiligung der Sozialistischen Partei an der Regierung ein, und zwar in der Form eines öffentlichen Wohlfahrts- kom f ees.(?) Der Montag wird der Erörterung der Fragen gewidmet fei«, die auf der Tagesordnung des Internationalen Sozialisten- fongresie» in Marseille stehen. Der Dienstag soll die Abstimmung über die inzwischen von der Resolutionskommission formulierten Anträge und Entschließungen bringen. Gespräch. - Von Karl Bielig. Auf der kleinen Bastion am Burgberg, von der der Blick üb« die roten Dächer der Stadt, den blitzenden Strom und das dunkle Grün der Berghänge bis zu den ruhig geschwungenen Linien des fernen Gebirges schweift, trafen sie sich wieder. Beide, Peter und Paul, Schulkameraden, hatte der Krieg ge- trennt. Eine zitternde Unrast war in ihnen geblieben und hatte sie in die Fremde, hinwxg von der verträumten Kleinstadtheimat, ge- führt. Diesmal führten sie die Ferien zusammen- Die alte Stavl, die beiden als Alltag zu eng war, übte trotzdem eine Anziehungs- kraft mis sie aus, der sie gern einige Tage nachgaben. Die Freude, einander wiederzusehen, war nicht laut. Sie strahlte aus ihren Augen. Bald gingen die Gedanken nach rück- märts und landeten mit vielen„Weißt Du noch?" in der romantik- umrouschten Vergangenheit der Jungenstreiche. Da wurde Peter ernst und sah hinauf zu den Kreuzblumen des Domes, der über dcn altersdunklen Domherrenhäufern silbergrau den strahlenden Julihimmel zerstieß. ,/Wo sind sie, die braunen Jungen unserer Freundschaft, die grübelnde Burschen wurden und von hohen Zielen träumten? Hans liegt in Rußland, Otto auf irgendeinem Lazorettfriedhof, den man jetzt vielleicht Heldenhain nennt, und Fritz, dessen lichtblonde Haar- locke mir immer greifbar vor Augen sein wird, modert in einem sumpfigen Masiengrabe. In Flandern." Er schwieg. In Paul war bei den Worten Peters die lichje Stimmung des Wiedersehens und der Knabenerinnerungen ge- wichen. „Ja," sagte er,„wir beiden sind übrig geblieben von unserer Freundschaft. Mir ist es wie ein wüster Trauin, wenn ich an jene Tag« detzke. Ottos Tod erfuhr ich durch ein Stück Zeitung, in das mir meine Mutier einen Würsel kratzigen Zuckerhonig gewickelt hatte- Es war eine Anzeige seines Vaters und in einer Ecke war ein Eisernes Kreyz. Das sonnige Waldlagcr in der Ruhestellung ward mir an diesem Tage zu eng. Ohnmacht schmerzte in mir. Es war grausam." Er schwieg. Holblaut sagte Peter:„Wir ging es mit Fritz ahn- lich. Ich war der Hölle durch einen mitleidigen Schutz ciUronnsn und war den zweiten Tag hier. In tiefen Zügen atmete ich Heimat und Frieden. Selig und wehmütig zugleich ging ich den Weg, der unserer Knabenzeit Paradies war und der noch heute in das Land der Berge und Wiesen, der Steinbrüche und Bäche führt. Hinter mir lag bei der Stadt auch dos unerhörte Geschehen jener Tage uiv) ich glitt ins Traumland der Kinderjahre, das einst wirtlich war. -Da schrie eine Frauenstimme meinen Namen und als ich mich umwandte, sah ich Fritzens Mutter, die mit schmerzhafter Gebärde den Weg entlang roste. Sic klammerte meinen Arm.„Fritz!" rief sie,„Fritz! Eben jetzt ein— Telegramm— Kopsschuß!" Dann schrie sie grell und tierhast.„Tot!" schrie sie immer wieder und raste weiter, das bohrende Messer des Mutterschmcrzes int Hals. — Damals war die Welt für mich versckstittet. Mir war, als müsse die As.che des millionen-och-en Muttorleid« alles Leben, olles Licht verlöschen." die Sorgen ües Zentrums. Nach der Annahme der Zollvorlage. Ungeteille Freude besteht bei den Parteien, die der Zoll- vorläge zum Siege verholfen haben, nicht. Das konnten wir wiederholt feststellen. Ganz besonders gilt das für das Zentrum. Diese Partei hat ihrem starken Anhang in den Kreisen des Mittelstandes und der Arbeiterschaft den denkbar schlechte st en Dien st getan, indem sie sich von Groß- agrariern und Schwerindustrie ins Schlepptau nehmen ließ. Besonders auf dem linken Flügel des Zentrums ist die Ver- stimmung darüber ziemlich deutlich zu erkennen. Wie uns aus Essen gemeldet wird, hat besonders die„Essener Volkszeitung" scharfe Töne gegen die Methoden ge- funden, mit der die Zollvorlage zur Annahme gelangte. Dieses Blatt wendet sich weniger gegen die sachliche Stellung- nähme des Zentrums als gegen die Form, in der sie geltend gemacht wurde, es läßt aber deutlich erkennen, daß man im Zentrum auch mit der sachlichen Behandlung der Zolloorlage nicht übermäßig einverstanden ist. Das Blatt schreibt: Gerade das Zentrum als Mittelpartei hat immer betont, daß es bereit sei, mit jeder Partei zusammenzuarbeiten, die sachliche Arbeit leisten wolle. Es schelnk doch, daß in den Verhandlungen der letzten Wochen die Fühlung mit den Linksparteien gefehlt hat, denn sonst wäre es wohl kaum zu so ungeheuren Iusläadeu ge- kommen, wie man sie bei der Erledigung der Zolloorlage erleben mußte. Wer die Vorgänge im Reichstag anläßlich der zweiten und dritten Lesung der Zollvorlage mitangesehen hat, wird diese Tage nie vergessen, namentlich die Szene, als die Demokraten, Sozial- demokraten und Kommunisten am Schlusie der zweiten Lesung er- klärten, sich nicht mehr an der Fertigstellung des Gesetzes beteiligen zu können, und den Saal verließen, weil sie sich von den Regierungsparteien vergewaltigt fühlten. Aber trotz alledem glauben wir, daß es insbesondere für das Zentrum ein gewagtes Spiel war, die Cnt- wicklung so weit kommen zu lassen und sich an der Vergewaltigung der Opposition zu beteiligen. Daß einige Mitglieder des Zentrums diesen Schritt nicht mitmachten, beweist deutlich, daß die Auf- fassung darüber im Zentrum nicht einheitlich war, und wer heute Gelegenheit hatte, mit den Abgeordneten des Zentrums über diesen Punkt zu sprechen, der konnte feststellen, daß weite Kreise der Fraktion an sich nicht gewillt waren, der Vergewaltigung der Opposition zuzustimmen, und daß sie es nur taten, weil die Dinge schon so weit fortgeschritten waren. Absolut falsch ist es unseres Erachtens, daß dieser Schritt durch den Mund eines Zentrumsmannes seine Begründung im Reichstagsplenum finden mußte. Eine Partei, die in so loser Koalition mit den übrigen Parteien sich befindet, hätte die Begründung der Berge- waitigung derjenigen Parteien, mit denen sie jahrelang gemeinsam gearbeitet hat, getrost derjenigen Partei überlassen können, die das Zentrum bis vor ganz kurzer Zeit mit schwersten Vor- würfen und Angrifsen überhäuft hat. Es hätte unseres Erachtens durchaus nicht geschadet, wenn an Stelle des Herrn Fehrenbach etwa Graf Westarp die Begründung für die Abwürgung der Opposition im Reichstagsplenum gegeben hätte. Schließlich braucht das Zentrum nicht immer den Deutsch- nationalen die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Das ist für denjeniqen, der hören will, recht deutlich. Man wird abwarten muffen, ob das Zentrum gegen eine starke Opposition im eigenen Lager fortfahren wird, sich zum Handlanger einer P a r t e i k o n st e ll a t i o n zu machen, die es in klarer Erkenntnis der politischen Kon- sequenzen nicht einmal durch verantwortliche Teil- nähme an der Rechtsregierung zu unterstützen wagt. ffugenberg macht Schule. Der Schrei»ach einer Wirtschaftsdiktatur. Die Macher der Rechtsregierung sind mit dem Kabinett Luther so wenig zufrieden, daß sie mit einer Lungenkraft, die einer besseren Sache würdig wäre, nach einer Wirffchafts- diktatur rufen. Kürzlich war es Herr Hugenberg, jetzt ist es Sie schwiegen lange und sahen auf den Strom, der breit und sonnenflimmcrnd unter ihnen lag. Ein Schlepper knarrte stromauf, und von der Brücke sah eine Rotte Jungen neugierig auf den Zillenzug. ck Nach der langen Pause, während der jn beider Hirne die Ge- danken um die große Frage kreisten, gab Paul ihr Worte: „Was war es nun-eigentlich für eine Gewalt, die in uns wie ein Fremdkörper saß und alle menschlichen Gefühle unserer Seele be- schattete?" „Ein Fremdkörper? Dos dürft« kaum die recht« Bezeichnung sein. Reiß es fort und Du wirst erstaunen, daß es fester am Fleische Deiner Seele saß als Du glaubtest. Was taten wir als Jungen? Wir spielten Soldaten und spielten mit Soldaten Krieg" „Du sprichst das aus, das mich oft gequält hat in einsamen Stunden. Da fühlte ich das Tier geradezu in mir und seine Krallen wüteten in meiner Brust. Und wenn mir mein Verstand auch sagte. daß wir eben noch Menschen einer Epoche der Gewalttätigkeit sind, und daß die Erziehung und Umwelt uns bildeten, entsetzt hat mich diese Erkenntnis doch." „Was waren wir im Krieg! Unsere Gewissen lagen in den Ketten des Müssens. Kann es eine höhere Macht geben als das Gewissen? Einmal ist mir mit Entsetzen die Lage klar geworden. Ich war erst kurze Zeit im Feld. In einer von Geschützdonner durchdröhntcn Nacht stieg vor mir das Bild der Zukunft auf: Immer wieder der Graben, immer wieder Schlacht. Bis wann? Die Heimat ein fernes, sonniges Bild, nie wieder erreichbar. Da hat es in mir geschrien mit der ganzen Kraft meiner neunzehn Jahre: Leben! Das Leben habe ich geliebt wie nie zuvor mit jener großen Liebe, die uns fehlte, wenn wir dumpf und stumpf zum Todesspiele stampften." „Gegen den Erbfeind! Ja, das war das Wort, der Begriff, der in uns steckte. Laut bei den sogenannten Patrioten, ins Unterbe- wußtfein verdrängt bei uns Menschheitsgläubigen. Denn es war da, weil eine Erziehung uns darauf dressiert hatte- Alle unsere logischen Erkenntnisse verdrängten es nur, weil sie logisch waren und weil das Menschheitserlcbnis uns noch nicht erfaßt hatte. Hier Erbfeind, drüben Revanche, ein» dem anderen gleich." „Ja, bis der Tag kam, da das eiserne Band vom Mossenhirn sprang. Da konnte keiner mehr verstehen, daß das alles möglich gewesen war. Da brach der Wille zum Frieden aus Millionen her- vor, und keine Gewalt konnte ihn hemmen. Der Schallen war ge- wichen, das Gewissen sprach frei und unbeschwert." „Nein! Sieh um Dich, und lies in den Herzen derer, die da- mal» um des Menschentums willen rebellierten. Bei weitem nicht Alle, ober viel zu viele bemessen, daß die Erziehung zur Gewalt mit einer glänzenden Methodik gearbeitet hat. Sie sind und bleiben ihnen verfallen, den von einem engen Patriotismus gesegneten Mord- instinkten." Peter schwieg und sah nach den jenseitigen Höhen, die im Abend- licht nerglühtrii. Dann sprach er fest weiter, und ein Zug schöner Entschlossenheit lag auf seinem Gesicht- „Ein neues Geschlecht hernanzubildcn, ist unsere Aufgabe. Ge- löst wird sie freilich nicht nur von der ethischen Seil« her. Jeder Pazifismus führt konsequenterweise zu einem Gegnertum der heuti- gen Gesellschaft weil er eine Verurteilung des Gegenwärtigen ist, Herr Heinrichsbauer- Essen, der in dem Organ der rheinifch-westfälischen Montanindustrie, der„Deutschen Bergwerkszeitung", die Ausschaltung des Parlaments in wirt- fchafllichen Fragen fordert und eine Diktatur für ihre Rege- lung geschaffen haben will. Fragt sich nur, wer soll diktieren?— Nach der Art, wie diese Forderungen aufgestellt sind und wie diese sich gegen jede Beeinflussung der Wirtschaft durch den Staat wenden, kann man nur schließen, daß die Herren Unter» nehmer und ihre Syndizi die Sache machen sollen, Die Unternehmer, die so dafür in Betracht kommen, sind die- selben Leute, die die Inflation veranlaßt und sie nach Kräften gefördert haben, die in dem jetzt verkrachten Stinnes-Konzera das Ideal gemeinwirtschaftlicher Wirtschaftsführung sahen und die jetzt, nachdem der Karren auf das gründlichste ver- fahren ist, um die Gunst der Banken winseln. Es ist dieselbe famose Innung, die ihre Unfähigkeit so vor aller Augen demonstriert hat, daß sie eigentlich ihr Lehrgeld zurückzahlen müßte, wenn sie dazu den notwendigen Bankkredit bekäme. Man sieht, die Hundstage wirken in den Köpfen der Unternehmersyndizi nachhaltig und andauernd. Denn nur so ist es zu erklären, daß diese Idee auftauchen und selbst m Zeitungen des Großkapitals Beachtung finden konnte. Denn im Ernst: ehe man den Unternehmern eine Diktatur anoer- traut, sollten diese doch erst einmal diejenige Verantwortung gegenüber der Volkswirtschaft beweisen, die man von jedem Lehrling gegenüber seinem Werkzeug verlangt. Alles andere ist nichts anderes als ein Schrei nach der ausgesprochenen Klassenherrschaft der Unternehmerklasse, die in Wirklichkeit auf ein Privileg für nachgewiesene Dummheit und Unverant- wortlichkeit hinausläuft. Zluchtgefahr üer Zememoröer. Ehrhardt im Komplott? Die Staatsanwaltschaft in Schwerin hat zur Beruhigung der Oesfentlichkeit über die nicht verstummenden Gerüchte einer bevorstehenden Befreiung der mecklenburgischen Feme- Mörder die Ueberführung der vier Häftlinge in das Zuchthaus in Dreibergen angeordnet. Die Untersuchung des Gerichts hat ergeben, daß tatsächlich Befreiungspläne gesponnen worden waren. Die Ueberführung der vier Mörder nach dem Zuchthaus Drei- bergen begrüßen, wie das„Berliner Tageblatt" mitteilt, die Herren um den berüchtigten Dr. N e i k i n g, eine mecklenburgische völ- tische Größe, mit sichtlicher Freude. So wejß man in Schwerin und in Dreibergen jetzt schon ganz genau, daß Dr. Reiking zu- sammen mit der Frau des inhaftierten Schöler ständig die Straf» anstatt umkreist, ganz offen am hellen Tage Zutritt zu den Schwer- Verbrechern erhält und bereits einen Plan über die Lage der Zellen In Händen hat. Reiking ist seit dem Urteilsspruch ständig unter- wegs zwischen Schwerin, München, Berlin und befindet sich in Begleitung eines ehemaligen Marinesoldaten aus der Umgebung des Kapitäns Ehrhardt, der bereits den Kapp-Putsch und die übrigen völkischen Rummel in den späteren Jahren mitgemacht hat. Mit Kapitän Ehrhardt soll Reiking in München eingehend über den Befreiungsplan seiner Schützlinge beraten haben. Dabei ist die Bewachung der vier Mörder in Dreibergen- viel weniger gründlich wie in Schwerin. Fäden zwischen der einstigen Batterie der Verurteilten und dem Bewachungspersonal sind be- reits gesponnen worden. Die Verurteilten erhalten wie in Schwerin immer noch eine Sonderbehandlung und eine nahezu unbeschränkte Besuchssreiheit. so daß die Gefahr einer Gefongenenbefreiung aufs äußerste gestiegen ist Auswärtiger Ausschuß und Anlwortnole._ Der„Täglichen Rundschau" zufolge verlautet in parlamcutarischen Kreisen, daß der Auswärtige Ausschuß de« Reichstag« zwischen dem 18. und 22. August zur Besprechung der Antwortnote über den Sicherheitspakt einberufen werden soll. Die Vreuhenamuestie. Der Ständige Ausschuß des Preußi- scheu Landtags ist zur Erledigung der Amnestievorloge aus Mon» tag, den 18. August, mittags 12 Uhr, einberufen worden. Die nach uns kommen, müssen beseelt werden von dem Glauben an die Heiligkeit des Lebens, und es muß eine Gesellschaft errichtet werden, in der dies Erzogene das Gegenwärtige ist" * Zwischen den dunklen Mauern im Rücken der beiden stotterte ein lichtes Kleid. Ein kindlicher Jubelruf schallte aus der Torwöl- bung. Die beiden, die still geworden waren, drehten sich um. „Da kommt mein Junge!" sprach mit freudigem Ernst Peter und hob das lachende Gesicht des Kindes an seine Stirn. Reue Vslauzmelhoden. Die Verwendung des Luftschiffes bei der Aufforstung des amerikanischen Nordwestens ist ein neues Bei- spiel für die mannigfachen Möglichkeiten, denen das Flugzeug dienen kann. Es handelt sich um eine Gesellschaft, die ein großes Gebiet von abgeholzten Wäldern auf rasche und gründliche Weise wieder aufforsten wollte. Aussaat mit der Hand war infolge der Transport- fchwierigkeiten(sowohl für die Menschen wie für die Samen- mengen) unmöglich. So belud man ein Flugzeug niit einer reich- lichen Menge von Samen: beim Flug über das abgeholzte Gebiet warf ein Mann den Samen, und zwar etwa 7» englische Pfund pro Tag. Eine andere Holz-Company sammelte einfach Tausende von Tannenzapfen, die sie auf gleiche Weise ausstreute. Altmodi- scherer Mittel bedienten sich die Stadtväter von Soettle, als sie im Ouellgebiet von Eedar River„ dem Fluß, aus dem die Stadt Trink- wasser bezieht, zur Erzielung einer besseren Wasserscheide auf den kahlen Felswänden oberhalb des Cedar-Falls Bäume pflanzen wollten. Zu diesem Zweck, da die Felsen kaum ersteigbar sind. griff man zu Pfeil und Bogen: an der Pfeilspitze war ein Bündelchen Samen in einer dünnen Popierhülle befestigt: beim Anprall platzte das Papier und der Samen fiel heraus. Ein Teil davon fiel natürlich in den Fluß, aber es blieb immer noch genug in den Felsspalten haften, so daß die kahlen Felsen in einiger Zeit mit Zedern, Föhren und Schirling bedeckt sein werden. Wird aus den Inseln hawai ein kontinent entstehen? Edwin Fairfaux Naulty aus New Park, der schon seit einigen Jahren die Bewegungen der Erdrinde studiert, behauptet, daß im Verlause unseres Jahrhunderts die Erdoberfläche große Veränderung durch- machen werde. So sei es auch möglich, daß sich in der nächsten Zeit der Ozeangrund in der Gegend der Hawai-Jnseln so stark heben werde, daß aus dieser Inselgruppe ein ganzer Kontinent entstehen könne, der etwa die Größe Japans haben würde. Es wird noch nicht gemeldet, ob in New Park schon«ine Gesell- schost im Entstehen begriffen ist, die die neugewonnenen Reichtümer entsprechend auszubeuten gedenkt ver zwölfte Nordische Schallag. zu dem zahlreiche Kälte au? Schweden Norwegen, Dänemark und Island erschienen sind, ist in HelsingsorS er, öffnet worden. Rablndranaih Tagur reist nach Sowjetrußlaod. Jn Petersburg ist ein Telegramm von Rabindraiialh Tagur eingeiroffe», worin er seinen Beluch zur zweihunderljährigen Feier der Petersburger Akademie der Dissen- Schäften ankündigt vi« Witwe Slevllew'.cz' gestorben. Jn DojcieSzkowo ist die Witwe itS ZchristftellerS Sienkiewicz, Frau Maria Sienlietvicz, gestorbfo. Die Haussuchungen bei Kußmann-Casparp. Eine Erklärung des preuhischeu Justizministeriums. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Nach der von der Berliner Kriminalpolizei bei den Assessoren K u ß m a n n und C a s p o r y vorgenommenen Durchsuchung sind in der Presse heftige Angrisse auch gegen das preußische Justizministerium gerichtet worden. Das Ministerium hat zu den von der Kriminalpolizei eingeleiteten Ermittelungen öisentlich bisher nur insosern Stellung genommen, als es' im Einoernehmen mit dem Polizeipräsidenten die Behauptung zurückgewiesen hat. eine vom M i n i st e r i u m eingeleitete Untersuchung Hobe zu jenen kriminalpolizeilichen Durchsuchungen geführt. Das Materiol für diese Durchsuchungen rührt, wie das Justizministerium im Ein- vernehmen mft dem Polizeipräsidenten wiederholt, nicht von dem Ministerium her, auch sind die Durchsuchungen nicht aus Anweisung des Ministeriums erjolgt. Der Leiter der Kriminalpolizei hat ledig- lich im Austrage des Polizeipräsidenten am Nachmittag vor den Durchsuchungen dem Staatssekretär im preußischen Justizministerium als Dienstoorgesetzten der betroffenen Beamten von den bevor- stehenden Maßnahmen loyalerweise Mitteilung gemacht, ohne um eine Anweisung nachzusuchen. Vom Staatssekretär sind Bedenken nicht erhoben worden unter der Voraus- setzun, daß die Grundlagen für die Durchsuchung vorhanden seien. Wie schon bekannt ist, liegen die Ermittlungen jetzt in den Händen der Staatsanwaltschaft des Landgerichts l. D a s M i n i- sterium beabsichtigt nicht, vor dem Abschluß der Ermittlungen zu ihrem Gegenstand oder ihrem Ergebnis Stellung zu nehmen. Im Lause dieser Ermittlungen wird auch fort- dauernd geprüft, ob«in Anlaß zu Disziplinarmaß- nahmen gegen die beteiligten Iustizbeamten gegeben ist. Die gegen Beamte des Justizministeriums er- hobenen Vorwürfe sind unbegründet, soweit sie nicht über- Haupt so allgemein gehalten sind, daß sie sich jeder Nachprüfung ent- ziehen. Unbegründet ist insbesondere der Vorwurf, daß die Bearbei- tung der Strafsachen gegen Barmat und Kutisker den früheren Bearbeitern ohne sachlichen Grund und unter dem Ein- iluß von politischen Freunden und Anhängern der Beschuldigten ent- zogen worden ist. Ebenso unbegründet ist der Vorwurf, daß Beamte des Justizministeriums während der Tätigkeit der Untersuchungs- ausschüsse schwerwiegende Schritte getan hätten, welche die Auf- deckung der Wahrheit verhinderten. Ein Anlaß zu einem Diszipli- narverfahren, geschweige denn zu einem strafrechtlichen Einschreiten gegen Beamte des Justizministeriums liegt nicht vor. Der Geist ües Mittelalters. Gustav Rickelt über den„Jall Gärtner". Der Staatsgerichtshof in' Leipzig hat den Schauspieler Rolf Gärtner wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unterneh- mens zu 1 Jahr Z Monaten(I) Gefängnis verurteilt. Gustav Rickelt, der Präsident der Genossenschaft deutscher Bühnen- angehöriger, war von der Verteidigung als Sachverständiger vorgeschlagen worden. Der Staatsgerichtshof hat ihn abgelehnt, weil es sich bei der Beurteilung des Gärtnerischen Verbrechens .einzig und allein um die j u r i st i s ch e Beurteilung" handle. Nickelt konnte aber an der Verhandlung selber als Zuhörer teil- nehmen. Auf Grund seiner hier gewonnenen Kenntnisse wendet er sich jetzt im.Berliner Tageblatt" an die Oeffentlichkeit. Cr schildert den Werdegang Gärtners, den er als einen zwei- iellos ehrlichen, wenn auch etwas verstiegenen Idealisten charakterisiert. Don den bayerischen Behörden ist Gärtner dauernd schikaniert worden. Anderthalb Jahre war er wegen seiner Tätig- keit im Würzburger Arbeiter- und Soldatenrat zu Festungshast ver- urteilt. Später wurde er aus Bayern ausgewiesen. In Stuttgart erhielt er Gelegenheit, künstlerisch« Veranstaltungen für die kommunistischen Frauen und für die Jugend zu betreiben. Seine Verurteilung erfolgt« dann wegen des Erinnerungsfestes an den Jahrestag der bolschewistischen Revolution. Sämtliche dabei von ihm zum Dortrag verwandten Gedichte und Szenen sind in jeder Buchhandlung käuflich und nicht verboten. Rickelt schildert die ganzen Vorgänge mit einer starken �Empörung und schließt seinen Appell an die Oeffentlichkeit um Hilfe mit der Der- sicherung: .Zch habe manchmal während der Verhandlung den Kopf ge- schüttelt und das Gefühl gehabt: der Geist de» Mittelalters geht durch den Saal!" Nicht Rkckelt allein hat die« Gefühl gehabt. Jeder, der sich noch ein Empfinden für Recht bewahrt hat, wird den Urteils- spruch des Staatsgerichtshofs, der ijt künstlerischen Rezitationen Vorbereitung zum Hochverrat erblickt, als ein ungeheuerliches, das Ansehen unseres Lande» schändendes Fehl- urteil empfunden haben. Mag auch bei der immer wiederkehren- den Parteilichkeit deutscher Gerichte in politischen Prozessen mancher gegen die Ungeheuerlichkeit dieser Urteile abgestumpft sein, so darf doch die Oeffentlichkeit nicht aushören, gegen die Iustizschande zu protestieren. Auch Fechenbach ist schließlich durch den Druck der Oeffentlichkeit befreit worden. Ein Jahr und drei Monat« Gefängnis für künstlerische Rezitationen! Welcher Deutsche kann schwelgen, wenn so das Ansehen de» deutschen Namens vor aller Welt mit Füßen getreten wird. Gegen das Urteil des Staatsgerichtshoss gibt es keine Möglichkeit der Appellation, es gibt nur die Möglichkest der Begnadigung. Will der Reichs präsi- dent Hindenburg ein solches Urteil durch Ablehnung der Be- gnadigung gutheißen?_ Schtveiüm'h und die Verfassung. Richtcrtum und Republik. Schweidnitz, die Stadt der Stricgauer Richter, hat bei dem VerfassungStag nicht einmal eine behördliSe Ver- fassungsfeier abhalten können. Der Mogistrat der Stadt begründet diese Tatkoche damit, daß es ihm nicht möglich war. für die Verfassungsfeier einen Redner zu finden, trotzdem Schweidnitz der Sitz zahlreicher staatlicher, kommunaler und provinzieller Behörden mit hohen Beamten ist. In dieser Stadt finden in wenigen Wochen obermol« Verhandlungen gegen die Striegauer Reichsbannerkameraden statt. Man wird von gerichtlichen Behörden, die in einer derartigen Umgebung leben und unter denen wohl selbst kaum ein einziger aufrechter Republikaner ist, auch sür den Prozeß kaum etwa« Gutes er- warten können. Studenten und Verfassungsfeier. Aus studentischen Kreisen wird uns geschrieben: Bei der Der- fassungsfeier der R e i chs r« g i e r u n g hat die Studentenschaft. die doch sonst oft genug ihre Chargierten in vollem Wichs auf- ziehen läßt, nicht teilgenommen. Das dürfte sich aus der politischen Einstellung ihrer Mehrheit, und vor ollem der meisten Korporativ- nen erklären. Immerhin haben ein« nicht unbedeutend« Anzahl freiheitlich gesinnter Korporationen die Reichsregierung ge- beten, ihnen Zutritt zur Versassungsfcier zu gewähren. Sie wiesen auf Möglichkeit hin, die Chargierten so auszustellen, daß sie ein Spalier sür den aus dem Rcichstagsgebäude kommenden Reichspräst- deuten bildeten. Obwohl Platz genug auf der Treppe des Reichs- tages gewesen wäre, wurde ihr Anerbieten abgelehnt! Die gesamte Studentenschaft sei willkommen, ein Teil dagegen könne nicht zugelassen werden. Die Eisenbahnunfälle in Deutschland. Dem Reichstag ist die geforderte Denkschrift über die im Reichs- bahngebiet vorgekommenen Unglücksfälle jetzt zugegangen. Bor dem Kriege haben die deutschen Eisenbahnen in bezug auf die Betriebssicherheit eine der ersten Stellen in der We!t einge- nommen. Es betrugen die Unglücksfälle im ganzen auf l Million Zugkilometer im Jahre 1911 gleich 4.4Z, nachdem sie 1890 noch 11,3 und 1880 sogar 17,9 betragen hatten. Erst während des Krieges ist eine bedeutende Steigerung eingetreten, die im Jahre 1919 mit 10,78 ihren Höchststand erreichte und dann bis 1924 auf 6,33 sich wieder senkte. In den letzten Jahren hat, wie die Denkschrift feststellt, sich eine Anzahl schwerer Unfälle auf der Deutschen Reichsbahn ereignet. die leider eine große Anzahl Opfer an Leben und Gesundheit gefordert und in weiten Kreisen Aufsehen erregt haben. Die Denkschrift behandelt die Betriebssicherheit auf den deut- schen Bahnen in den Jahren 1911 bis 1924. Die Ursachen der Steigerung der Unfälle während des Krieges sind: Abgabe zahl- reichen und gut geschulten Personals für Heereszwecks und statt dessen Einstellung wenig geeigneter Hilfskräste. Unregelmäßigkeit des Betriebes durch Heerestransporte, Verwendung"der Beute- wagen, Verwendung von Ersatzstosfen bei der Instandhaltung von Lokomotiven und Wagen, unzureichende Schmiermittel und mangel- hafte Beleuchtungsstoffe und Kohlen. Die nachteiligen Wirtungen der Nachkriegszeit waren: Schlechter Zustand der Lokomotiven und Wagen, Mangel an Baustoffen für Ausbesserungen, Unregelmäßigkeiten des Betriebes mit starken Ver- spätungen und Betriebsstockungen, teilweise Betriebsstillegungen durch Streiks und politische Unruhen, Gewaltmaßnahmen und Schikanen der Besatzungsbehörden im besetzten und Einbruchs- gebiet, die sich auf die Betriebsführung im unbesetzten Deutschland durch Störungen aller Art auswirkten. Auch die allgemeine Ner- vosität des öffentlichen Lebens in der Nachkriegszeit, die Inflation, die Beamten, und Besoldungsnot haben die Gemüter der Eisenbahnbedienftetcn stark bedrückt und mittelbar das Zu« standekommen von Unfällen begünstigt. Im Jahre 1911 sind 3171 Unfälle vorgekommen, im Jahr« 1917 5446. im Jahre 1923 2680, 1924 2445. Im Jahre 1924 wurden 361 Entgleisungen gezählt, serner 191 Zusammenstöße und 2193 sonstige Unfälle, wie Uebersahren von Fuhrwerken, Feuer im Zuge, Kesselexplosionen und andere Ereignisse, sofern Personen ge- tötet oder verletzt worden sind. Die Zahl der beim Eisen« bahnbetrieb Getöteten oder Verletzten betrug im Jahre 1924 2701. Im gleichen Jahre kamen 843 Reisende zu Schaden, von denen 132 getötet wurden. Die Zahl der ver- unglückten Bediensteten betrug 13 7 6, von denen 343 ge- tötet wurden.— Durch technische Vervollkommnung des Betriebes wird versucht, Unglücksfälle möglichst zu verhüten. Der Auslese des Personals wird erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. Die deutschen Sicherungsanlagen haben anerkanntermaßen einen sehr hohen Grad der Vollkommenheit erreicht. Deutsch-franzö'sischer Geenzvertrag. Unterzeichnung in Paris. Paris, 14. August.(WTB.) Der am 13. April d. I. para- phierte Vertrag über die Festsetzung der deutsch-französischen Grenze ist heute nachmittag in Paris von dem deutschen Botschafter, Dr. von Hoesch, und dem Wirklichen Legationsrat Freiherrn von Grünau. sowie von dem Direktor im französischen Außenministerium, Laroche, unterzeichnet worden. Der Vertrag legt das Ergebnis der von den Grenzkommissionen vorgenommenen Vermessung»- und Gemar- kungsarbeiten fest und sieht zur Verhütung von Grenzzwischenfällen genaue Vorschriften für die Unterhaltung der Grenze vor. Abgesehen von dem Austausch einiger Gebietstelle von gering- fügigem Ausmaße, der aus praktischen Rücksichten für angezeigt ge- hallen wurde, erleidet die Landesgrenze keinerlei Veränderung gegenüber dem Zustand der Grenze vor 1871, die durch den Der- sailler Vertrag wiederhergestellt worden ist. Längs des Rheins nimmt der Vertrag die alle Eigentums- und Banngrenze auf, die vor 1871 neben der Hoheitsgrenze bestand und bestimmt, daß die Grenzen der französischen(Elsässer) Gemeinden, die auf dem rechten Rheinufer Gemeindceinkommen besitzen, nicht über die Hoheitsgrenzen hinausreichen. Anderersells legt der Vertrag die Rechte und Vergünstigungen fest, die diese Gemeinden bei der Be- wirtschaftung ihres auf deutschem Gebiet gelegenen Grundbesitzes genießen sollen. Eine Reihe von Artikeln behandelt die Rhein» brücken, die nach dem Versailler Vertrag Eigentum de» f r a n zö« s i s ch e n Staates geworden sind. Bei den festen Rheinbrücken geht die Hoheitsgrenze durch die Mitte der Gesamtlänge aller Haupt- stromöffnungen. Bei den Schiffsbrücken verläuft sie in gleichem Ab- stände von den Außenrändern der auf beiden Flußufern gelegenen Landschwellen. Im einzelnen wird festgelegt, in welcher Weise auf den östlichen Brückenhälften die deutschen Hoheitsrechte und die fran- zösischen Eigentumsrechte nebeneinander zur Gellung kommen sollen. Im Interesse ruhiger und freundschaftlicher Beziehungen der Grenz- bevölkerung beider Länder werden dieser in einer Reihe von Be« ftimmungen besondere Erleichterungen gewährt. Gleichzeitig mit dem Abschluß des Grenzvertrages ist vereinbart worden, daß die deutschen Reichsangehörigen, die auf fronzösischem Gebiet in einer Zone von fünf Kilometern längs der Grenze land- und forstwirt- schaftlichen Grundbesitz haben, ab 1. November d. I. In ihre Eigen- tumsrechte wieder eingesetzt werden. Die Wiedereinsetzung erstreckt sich nicht auf den bereits liquidierten Grundbesitz und auf solchen öffentlich-rechtlichen Charakter». Die Regierungskrise in Vanzig. Tie Folge deutschnationaler Katastrophcnpolitit. Der kleine Freistaat Danzig an der Weichselmündung erlebte während der Sommermonate ein« Regierungskrise, die nunmehr durch die Neubildung des Senats unter Beteiligung der Sozialdemokratie beendet sein dürfte. Die neue Regierung, die aus Sozialdemokraten, Liberalen und Zentrum besteht, ist eine M i n d« r h e i t s r e g i e r u n g. die in dem Danziger Parlament, das 120 Abgeordnet« zähll, nur über 67 Stimmen oerfügt. Jedoch haben die Deutsch-Danziger Volks- Partei(Hausbesitzerpartei) und die polnisch« Fraktion der neuen Regierung wohlwollende Neutralität zugesichert. Die Sozialdemokratie stand in der Freien Stadt Danzig seit Begründung dieses Staatswesens im Jahre 1920 in schärfster Opposition zu dem bisherigen Senat. Durch die Abtrennung Danzigs vom Deutschen Reich wurden seinerzeft die nationalen Leidenschaften besonders aufgepeitscht und die Deutschnationalen konnten' als die stärkste Partei ins Parlament einziehen. Zu- sammen mit dem Zentrum und zeitweilig auch mit den Liberalen schufen sie die Verfassung für Danzig und bildeten auch später mit diesen Parteien die Regierung. In dieser hatten sie jedoch über- ragenden Einfluß. Di« fünf Jahre deutjchnationaler Regiererei haben Danzig nunm-->,r an den Rand des Abgrund» geführt. Besonders die außenpolitische Lage Denzigs ist völlig verfahren. Selbstverständlich sind sich alle Danziger darüber einig, daß gegenüber dem polnischen Imperialismus die durch den Versailler Bertrag garantierte Selbständigkeit Danzigs gewahrt werden muß. Der deutschnationole Senat jedoch schoß in seiner Außenpolitik weit über das Ziel hinaus und machte Außenpolitik in der Art eines wilhelminischen Diplomaten und Leutnants a. D. Die Polen, die immerhin gegenüber dem kleinen Freistaat Danzig mit seinen 360 000 Einwohnern einen 30-Millionenstaat bilden, wurden von diesen Deutschnationalen noch immer als minderwertiges Knechtsvolk der„Polaken" angesehen. Natürlich nutzten die polnischen Machthaber und Chauvinisten dieses Gebaren des Danzigers Senats weidlich aus und der Völker» b u n d. der der garantierte Schutzherr Danzigs ist, hat in seinen Schiedssprüchen bei Danzig-polnischen Streitfragen meistenteils dem polnischen Standpunkt Rech- nung getragen. Die deutschnationale Regiererei in Danzig war also außenpolitisch betrachtet— wir erinnern nur an die vom Völkerbund genehmigte Errichtung �ines polnischen Munitionshafens in Danzig und die Errichtung einer polnischen Post— eine andauernde Kette von Mißerfolgen. Auch innenpolitisch hat sich das deutschnationale Regiment in Danzig zu einer schweren Katastrophe ausgewachsen. Di« Wirtschaftskrise hat in Danzig einen außerordentlich hohen Stand erreicht. Ein Industrie- und Handelsbetrieb nach dem anderen schließt seine Pforten: der Hafen liegt fast verödet und die Arbeitslosigkeit hat eine bisher noch nie gekannte Ausdehnung an- genommen. Kümmerte sich der deutschnationale Senat nicht um die Besserung der Wirtschaftslage, so ließ er um so mehr Eiferdem Aufbau der schwarzweißroten Verbände in Danzig zuteil werden. Iungdo, Stahlhelm usw. konnten unter behördlichem Beistand sich in Stadt und Land ausbreiten. Im Juni veranstclleten diese Organisationen einen„Deutschen Tag", bei welchem die Redner ganz offen zum Revanchekrieg— natürlich in erster Linie gegen Polen!— hetzten. Die Folge war die, daß der Völker- b u n d und sein Kommissar in Danzig den Senat ernsthaft verwarnten. Aber was kümmerte das die deutschnationalen Katastrophenpolitiker? Sie wollten den Zusammenbruch des Staatswesens, weil sie hofften, auch daraus schließlich noch für ihre nationalistische Agitation neuen Stoff einzuheimsen. Diese gefährliche Lage Danzigs hat die Sozialdemokratie ver- anlaßt, ihre bisherige Oppositionsstellung aufzugeben und eine Koalition mit Liberalen und Zentrum einzugehen. Die Danziger Regierung, der Senat besteht noch der unter dem maßgebenden Einfluß der Deutschnalionalen geschaffenen Verfassung aus 22 Köpfen. von denen acht hauptamtliche Senatoren alle vier Jahre nach Neu- wohl des Volkstages gewähll werden und dann vom Vertrauen des Parlaments abhängig sind. Ihnen stehen die 14 parlamentarischen Senatoren gegenüber, die die Regierung nebenamtlich führen. In der neuen Koalition stellt die Sozialdemokratie 6 Senatoren und Liberale und Zentrum je 4. Ferner stellt die Sozialdemokratie den Vizepräsidenten des Senats, für welchen Posten der langjährige Führer der Danziger Sozialdemokratie, Genosse Julius Gehl. in Aussicht genommen ist. Die neue Regierung wird Ihre Hauptauf- gäbe darin sehen, zu einem erträglichen Verhältnis mit Polen zu kommen, ferner das provozierend« Auftreten und den Einfluß der nationallstischen Organisationen auszuschalten und darüber hinaus auch im Staatshaushalt Ersparnisse einzuführen durch Abbau des in übermäßiger Stärk« aufgezogenen Behörden- apparates, in dessen maßgebenden Stellungen überall deutschnatlo- nale Vertrauensleute sitzen. Die Danziger Sozialdemokratie hofft, durch Beteiligung an der Koalitionsregierung die frei« Stadt Danzig vor der drohenden Katastrophe bewahren zu können. §rau kollontops Ehevermittlung. Man war in Moskau schon lange unzufrieden darüber, daß es in Norwegen zu wenig Kommunistinnen und überhaupt keine weib- lichen Agitatoren gab. Die Versuche, in Norwegen Verfechterinnen des Kommunismus zu finden, waren nicht sehr erfolgreich. Die Frage war nun, wie man die Einreiseerlaubnis für russische Lom« munistinnen nach Norwegen erhallen könnte. Die russische Ge- sandtm in Norwegen, Alexandra Kollontay, soll diese Frage nach der„Göteborgs Handels och Sjöfarts Tidning" in glänzender Weise gelöst haben. Sie hat ganz einfach junge norwegische Kommunisten nach Moskau eingeladen mit der Verpflichtung, dort die Ehe einzu- gehen mit„qualifizierten weiblichen Agitatoren". Auf diese Weise kamen die russischen Kommunistinnen nach Oslo und tonnten dank ihrer neu gewonnenen norwegischen Staats- angehörigksit nicht mehr ausgewiesen werden. Später ließen sie sich von ihren Männern scheiden, ohne aber dadurch ihre nqrwe- gische Staatsongehörigkeit zu verlieren. Die nun ledigen Ehemänner hatten sich wiederum nach Moskau zu begeben und sich dort auf Befehl der Kommunistischen Internationale abermals zu verheiraten. Di« jungen norwegischen Kommunisten haben gegen diesen Heirots- beruf nicht das geringste einzuwenden: einige suhlten sich so wohl dabei, daß sie in erstaunlich kurzer Zeit ihre Heiratsbesuch« in Moskau erneuerten. die Ermordung General Kotowskis. Moskau, 14. August.(OE.) Die Ermordung Kotowskis, des Kommandeurs des an der Südwestgrenze stationierten 2. Kanal- leriekorps der Roten Armee, wächst sich zu einer großen politischen Sensation aus. Die Version, daß der Mörder Majorow, ehemals Adjutant des Ermordeten, seinen früheren Chef infolge eines Streit» im Jähzorn niedergeschossen habe, wird jetzt allgemein abgelehnt. Iegorow, Budjennq und ander« bekannte Führer der Roten Arme« vertreten die Meinung, daß Majorow in hochverräterischer Derbin« dung mit Rumänien gestanden habe, und daß der Mord auf ru mä- nis'ch e Umtriebe zurückzuführen sei: in Rumänien sei nämlich Kotowski als leidenschaftlicher Vorkämpfer des Planes einer Wieder- gewinnung Bessarabiens für Rußland bekannt und verhaht gewesen. Ueber die Vernehmung des Mörders wird noch nichts mitgeteilt; die gesamte Presse fordert die strengste Bestrafung und genaueste Unter- suchung.— Kotowski gehörte zur alten Garde des Bolschewismus, hat in allen Fcldzügen der Roten Armee mitgekämpft und � galt als ausgezeichneter Organisator der Reiterei der Roten Armee: auch bei der Bildung der Sowjetrepublik der Moldawanen war er sehr tätig. ' Nuntius pacelli wird am Dienstag, den 18. August. München verlassen und nach Berlin überfiedeln. Nach München kommt ein anderer Nuntius. Der griechische Konsul ia Tripolis ermordet. Der griechische Konsul in Tripolis wurde von einem Griechen erschossen. �iiis öer Partei. Jln die Teilnehmer des Parteitages ia heidÄberg wird das dringende Ersuchen gerichtet» wegen Beschassung von Quartieren den Tag ihrer Ankunft dem Lokalkomitee I. A m a u n, Heidelberg, Rohrbacher Str. 13. mitteilen zu wolle». i OewerMostsbewegung der Schieösspruch für öas Saugewerbe. Die Lohnerhöhungen— die er nicht bringt. Zu dein in der gestrigen Abendausgabe des.Vorwärts" veröffentlichten Schiedsspruch für das Baugewerbe erhalten wir von zuständiger Stelle folgende, das materiell« Ergebnis des Schieds- spruchcs betreffende Mitteilungen: Für die Provinz Sachsen, Magdeburg, Halle und Anhalt beträgt die Lohnerhöhung 3 P f. pro Stunde für Fach- orbeiter, die Hilfsarbeiter und Tiefbauarbeiter er- halten keine Lohnerhöhung. Für den Freistaat Sachsen beträgt die Lohnerhöhung 7 P f. pro Stunde, Bauhilfs- und Tiefbauarbeiter erhalten keine Lohnerhöhung. Für Mecklenburg beträgt die Lohnerhöhung für Fach- arbeiter 5 Pf., für Hilfe- und Tiefbauarbeiter 2 Pf. Für Berlin lag ein Schiedsspruch vor, der für die Fach- orbeiter eine Lohnerhöhung von IS Pf., für die Hilfsarbeiter eine solche von 4 Pf. und für die Tiefbauarbeiter von 2 Pf. vorsah. Dieser Schiedsspruch war abgelehnt worden. Der neue Schiedsspruch bringt Zulagen von S Pf. für Facharbeiter, bleibt also um 10 Pf. hinter dem Ber- liner Schiedsspruch zurück. Die Bauhilfsarbeiter sollen eine Zulage von 2 Pf. erhalten, mithin 2 Pf. weniger als nach dem früheren Schiedsspruch, während die Tiefbauarbeiter die 2 Pf. Zulage bekommen sollen, die ihnen bereits vordem zu- gestanden worden waren. Für Kassel lag ebenfalls«in örtlicher Schiedsspruch vor, der eine Zulage für sämtliche Arbeiter um S Pf. vorsah. Der zentrale Schiedsspruch beläßt den Facharbeitern die 5 Pf. Zulage, während die übrigen keine Zulage erhalten, also leer aus- gehen sollen. Für Baden log ein Schiedsspruch vor, dessen Verbindlich- keitserklärung wie vordem zweifellos erfolgt wäre, wenn nicht der Neichsarbeitsminister sie verhindert hätte und zwar deshalb, weil zu Mannheim die Schwesterstadt Ludwigshafen a. Rh. zu- gezogen und damit in den Schiedsspruch einbezogen war. Ludwigs- hafe» aber zu Bayern gehört. Der Schiedsspruch sah eine zehn- vrozentige Lohnerhöhung vor für alle drei Kategorien der Bau- arbeiter, etwa 12 Pf. Zulage in der Spitze. Der jetzige Schiedsspruch sieht für die Facharbeiter in Baden eine Zulage von 3 Pf. vor, läßt die Hilfs- und Tiefbauarbeiter leer ausgehen und bleibt so um 8 bzw. 9 Pf. hinter dem früheren Schiedsspruch zurück. Die Organisationen in den beteiligten Bezirken werden alsbald zu der n«uen. durch den Schiedsspruch geschaffenen Situation Stellung nehmen. Ohne dieser Stellungnahme vorzugreifen, muß es als durch- aus o e r f e h l t bezeichnet werden, daß der zentrale Schieds. spruch die vorhergehenden Schiedssprüche so wenig berücksichtigt hat. Es ist daher stark zu befürchten, daß der Schiedsspruch am Freitag die beabsichtigte Wir- kung oerfehlt, den Frieden im Baugewerbe wiederherzustellen. Es sei denn, daß noch nachträglich durch etwaige besondere Berein- borungen die notwendig« Korrektur vorgenommen wird. Mit Bedauern muß nach allem festgestellt werden, dqß mit dem neuen Schiedsspruch»er Kamps, insbesondere auch im»erltner Baugewerbe, nach nichtbeendet ist. SchlichtungSverhandluugen im Miihlenkonflikt. Ter Vorüyende des SäililbtunaSauSickusleS, Gewerberät Körner, bat die Parteien in der Berliner Mühleninduitrie zu beute vormittag zu�BergleiibSverhai dlunpen geladen Ta die Parteien ficki grundsätzlich bereit erklärt baben, einem PergleickiS- vcmchlaa näher zu treten, ist zu hoffen, daß der Konflikt bei- gelegt wirr_ Wofür die Unternehmer Geld habe«. Die.Arbeitswilligen" der chemischen Fabrik von Riedel in Britz werden jetzt zu ihrem Schutz und ihrer besseren Bequemlichkeit jeden Morgen vom Bahnhof Hermannstratze in Neukölln mit dtei Last- wagen unter starker Poli��bealeitung zur Arbeitsstätte und abend» wieder>um Bahnhof zurückgebracht. Zur Ausbesserung der miie- roble i Löhne dieier Arbeiterschaft, die täglich in Räumen, die mit Säuren unh Aasen verpestet find, schaffen muß. ist kein(Selb da. Die Beförderung der Arbeitswilligen läßt sich die Firma aber«ine Stange Geld kosten. Traurige Gesellen, dies« Streikbrecher, hie flch nicht s-dämen, ihren schwer kämpfenden Arbeitsbrüdern in den Rüitert zu fallen und sich unter Polizeiaufsicht von und zur Arbeitsstelle bringen zu lassen. „Zur AuftlarNug!" Die„Rote Fahne" vom Freitag, den 14. August, bringt unter oieser Ueberschrift eine Notiz, in der behauptet wird, von den auf den Sammellisten gezeichneten Beträgen sei Unterstützung auch an Mitglieder des Baugewertsbundes ge- zahlt worden. Außerdem hätte der Baugewerksbund durch Beteiligung an der Sammelaktion in die Berteilungskom- mission eintreten können. Zur ersten Behauptung stellen wir fest, daß all« am Streik be- tciligten Mitglieder des Baugewertsbundes die volle, statutenmäßige Unterstützung erhalten haben, was auch der betreffenden Unterstutzungskommission bekannt ist. Unser«» Kollegen wird durch die in der„Roten Fahne" ausgestellte Behauptung wider besseres Wissen nachgesagt, sie hätten doppelte Unterstützung sich auszablen lassen. Gegen diese unverschämje Verleumdung unserer Kollegen legen wir die allerschärfste Berwah. rung ein. Was die zweite Behauptung angeht, stellen wir ausdrücklich fest, daß man uns z u t e i n e r Z e i t zur Schaffung einer Unterstützung»- toinmission eingeladen hat. Am 1. August veröffentlicht die „Rote i�ahne" einen Briefwechsel mit dem Verband der ausgeschlos- senen Bauarbester. Sie zeichnet bei dieser Gelegenheit Kaiser in An dem Be.'chluß wirkten mit Kaiser vom Berband der aus- geschlossenen Bauarbeiter. Schumacher von den Bekleidungsarbeitern— beide werden>«»! run der KPD. zu den Syndikalisten gerechnet— K l« i st vom �ndustrieverband". Vertreter der Reichs- zentrale des Verbandes der ourgi'a loffenen Bauarbeiter der KPD. und der IAH. Wer die vorgenannten auch.gewerkschaftlichen. Or- aanisalioncn sind, ist der Berliner Aibciterschast hinreichend bekannt. Lür weisen bei dieser Gelegenheit korous hl-, daß wir uns bereits mir dem Örtsausschun Be�'in les ADGB. ins Benehmen gesetzt haben, um bei einer Verschärfung des Kampfes den vom gefanuen Unternehinertum uliml'übten Baulöwen die Unter» ftützung-der gesamten �''.-«'«erschaft Berlins entgegensetzen zu können. Wir bitten die Betriebsräte Groß-Derlins, das zu beachten. Deutscher Laugewerksbund, Baugewertschast Berlin Der Vorstand. „Ei« fetter Biffeu". Im Anschluß an die in Nr. 37S des.Vorwärts" erfolgte Zurückweisung«ine» Manövers der.Roten Fahne"(Nr. 170), einen Beitragssammler des Gemeindearbeiterverbandes im Gaswerk Mariendorf, der Derbandsgelder unterschlagen hat, der S P D. an die Rockschöße zu hängen, wird uns noch mitgeteilt: Der betreffende Beitrogssammler gehörte der 86. Abteilung der SPD. an. Da er jedoch seit Monaten keine Parteibeiträg« mehr gezahlt und auch im übrigen schon längere Zeit vordem kein Inter- esse für die Parteiorganisation zeigte, ist er seit I.April 1923 nicht mehr al« Parteimitglied geführt worden. Der.fette Bissen" erweist sich hiermit vollends als ein recht dürftiger Knochen, den wir der KPD. gern überlassen wollen. Die Gpfer See Schwerioüuftrie. Herr Hugenberg läßt im.Lokal-Anzeiger" von«inm nach Esten entsandten Sonderberichterstatter verkünden, wie sich die Schwer- industri« den.Weg aus der Kohlentrise" vorstellt. Gewiß, sagt das Hugenberg-Blatt, sind die Löhne der Bergarbeiter nicht zu hoch, und bei dem gegenwärtigen System der Feierschichten kann man mit einem Monatseinkommen von vielleicht 100 Mark kein erträgliches Dosein führen, besonders wenn man eine zahlreiche Familie hat. .Andererseits wird es aber für unmöglich erklärt, die Löhne auch nur um«inen Pfennig zu erhöhen, so- lange der unrentable betriebliche Leerlauf anhält." Es bliebe also nichts anderes übrig, als die schlechtesten Schächte ganz ersaufen zu lasten, hie nächstschlechtere Gruppe sti l l z u l e g e n, auf einem weiteren Teil die Förderung einzuschränken und nur bei den a l l e r b e st e n Zechen den Betrieb voll aufrechtzuerhalten. Das ist die Produktionssteigerung. Außerdem müsse.eine mäßige Mehr- arbeit im Bergbau unter Tage und«in« enlsprechende längere Mehr- arbeit aller teichkorbeiter Hand in Hand gehen, zu dem Zweck einer allgemeinen Senkung der Lebenshaltungskosten und Hebung der Kaufkraft des Lohnes." Sonst haben die Zechenbesitzer kein« Schmerzen. Zur Hebung der Kaufkraft de» Lohne», sagen sie, d. h. zur Hebung der Profitrat«, will man ungeheure Kohlenschätze ersaufen lasten, andere Zechen st i l l e g« n, auf anderen die Förderung einschränken. Damit die Bergarbeiter, soweit sie nicht arbeits- los sind, nicht übermütig werden, soll«ine.mähige Mehrarbeit im Bergbau" vorgenommen werden, und damit die anderen Arbeiter, die.Leichtarbeiter", nicht neid'sch werden, soll auch ihnen .«in« entsprechend« längere Mehrarbeit" gewährt werden. Da» alles natürlich nur im Interesse der Arbeiterschaft. Man sieht, die Schwerindustriellen sind zu den größten Opfern — der Arbeiterklasse bereit, um sich gründlich zu saniere». Man weiß«irNich«icht.«h»«« mehr Mguffe« sa-l Über die-Unverscbämt. bekt der Hugenbera. oder über die Dummheit der Leser de«.Lokal- Anzeigers", die sich solche Unverschämtheiten bieten lasten. entsprechender Weise, weil er auf den Borschlag der abtcilung" der KPD. gemeinsame Sammellisten herauszugeben, nicht eingegangen ist. Am 7. August bringt dieselbe Zeitung den Bericht von einer Sitzung, die d i e IAH. in dieser Sache arrangiert hat. Aus diesem Bericht geht hervor, das- an der betreffenden Sitzung weder der Berband der Zimmerer ncch der Berband der Maschinisten und Heizer, der Verband der Zlktcrdmcurer, geschweige denn der Bau- gewerksbuud tcügsnommen ho:. Wir find jedenfalls nicht eingeladen worden und können mit zienüicher Bestimmtheit be- haupten, daß auch die übrigen vorgenannten Organisationen nicht ge l a d e n waren. In dieser Sitzung ist beschlosten worden, S a m m e l l i st e u herauszug-ben Ncuerunge« i« der Angestclltcnve sicherung. Am 1. September treten die neueingeführten Beiträg« in Kraft. Es dürfen dann nur noch die neuen Beitragsmarken verwendet wer- den. Rückständig« Beiträge können nach dem 30. September nur noch mit den neuen Beitragsmarken der höheren Beitragssätze quittiert werden. A 50 R Abzt..___ JMW..___,______ gebet hat jetzt für diese Versicherten die vollen Beiträge allein zu entrichten. Für H a l b v e r s i ch e r t e sind vom 1. Juli 1925 an Beiträge in der Gehaltsklaste zu zahlen, die dem halben Arbeitsoerdienst entspricht. Der Grundbetrag für da» Ruhegeld aus der Angestellten- Versicherung ist ab 1. Juli von jährlich 360 Mark auf 480 Mark er- höht worden, der K i n d« r z u.s ch u ß von jährlich 36 Mark auf 90 Mark und der jährliche Steigerungssatz aus den für die Zeit seit dem 1. Januar 1924 gültig entrichteten Beiträgen von 10 Proz. aus 13 Prozent. Ruhegeld und Hinterbliebenenrenten ersahrcn damit eine Erhöhung um durchschnittlich ein D r i t- t e l. Auch die bisherigen Rentenempfänger erhalten die erhöhten Bezüge ohne Antrag im August nachgezahlt. Bis zum Schluß des »res 1928 genügt' zur Erfüllung der' Wartezeit bei den' Hinter- bliebenenrenten die Zurücklegung von 60 Beitragsmonaten auf Grund der Dersicherungspflicht. Der englische Bergwerks-Untersuchungsausschust. Ldvdo«. 14. August.(Eigener Drahtberiwt.) Die Zusammen- setzung de» Untersuchungsausschusses für die Kohlenindustri« wurde am Freitag von Äaldwin bestätigt. Die A r d e i t e r p a r t e i hat gegen den Ausschuß, zu dem kein einziger Arbeiter- Vertreter zugezogen wurde. Protest«ingelegt. Die Regierung erksärt, daß nur unparteiische Sachverständige«in objektives Urteil über den gegenwärtigen Stand und die vorzu- schlagenden Reformen für die Brubenindufirie abgeben könnew Krise i« der spanische« Kohlenindustrie. Madrid. 13. August.(TU.) Der Bergarbeiterverbond hat beim Direktorium um die Erlaubnis nachgesucht, in den Kohlenbauge- bieten Versammlungen einzuberusen, die über die Lage der ipamschen Kohlenindustrie und über die Einwirkung der englischen Kohle auf den spanischen Bergbau beraten sollen. Die Behörden haben alle Arbeiterversammlungen in Madrid verboten. Auch die Bergwerks- besitz« haben in den letzten Tagen die schwierige Lage des spanischen Bergbaues eingehend erörtert, und festgestellt, daß sich die Nachfrage verringere und da» Angebot vergrößere. E» wird verlangt, daß außer der im spanisch-englischen Vertrage auf 730 Tausend Tonnen festgesetzten Einfuhrmeng« keine Kohle nach Spanien eingeführt «erden dürfe._ Die Amsterdamer Richtung in Argentinien. In Argentinien hat sich unter dem Namen„Comitö de R«< laciones entre Sindicatos Autonomos" eine Kommistion gebildet, die dos Ziel verfolgt, zwischen den verschiedenen Gewerkschaften, die aus dem anarchistischen Gewerkschastsbund ausgetreten sind, ein organisatorisches Band zu schaffen. Das Komitee hat an den IGB., wie in deren Pressenachrichten mitgeteilt wird, ein Schreiben ge. richtet, dem wir folgendes entnehmen:„Nach 30 Iahren harter Er- fahrung und ungezählter Umstellungen und Reorganisationen ist die Arbeiterbewegung Argentiniens auch heute noch von anarchistischen Tendenzen beeinflußt. Die Gewerkschaften, die in unserem Komitee zusammengefaßt sind, haben nun ernsthaft die Aufgabe der Gründung einer neuen Landeszentral« in Angriff genommen, die ihren Be- strebung« die»echode» dpa 2GB. zngqusde legen med. Dieser Schritt ist um so bedeutungsvoller, als die argentinisch« Gewerkschafts- bewegung gerade in diesem Augenblick eine ernsthafte Krise durch- macht, die besonders die unserem Komitee nicht angeschlossenen Orga- nisationen trifft und eine Folge unglücklicher interner Streitigkeiten ist. In dem Schreiben spricht das Komitee zum Schluß den Wunsch au«, mit dem IGB. möglichst enge Beziehungen anzuknüpfen, um das argentinische Proletariat mft den übrigen Arbeitern der Welt in Kontakt zu bringen._ der deutsche holzarbeiter-verbanö. Zu seinem Verbandstag in Stuttgart. Am 16. August beginnt in Stuttgart der 14. ordentliche Ber- bandstag des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Ursprünglich war die Tagung für den 21. Juni angesetzt. Sie mußte aber vertagt werden, weil kurz vorher der große Kamps entbrannt war, in dem die Unternehmer des Holzgewerbes hofften, durch eine General- ausfperrung den Verband auf die Knie zu zwingen. � Wenn der kampferprobte Holzarbeiter-Verband einen besonders günstigen Auftakt für den Derbandstag nötig hätte, so hätte er keinen besseren finden können als diesen Kampf und sein Ergebnis. Man wird sich erinnern, wie nach wenigen Wochen der verunglückten„Generalaus- sperrung" die Arbeitgeber hilfesuchend das Arbeitsministerium an- riefen und wie sie dann, dem Verlangen des Holzarbeiter-Verbandes entsprechend, nicht durch behördlichen Spruch, sondern in freier Tarif- Verhandlung auf der ganzen Linie erhebliche Lohnzuge st änd- nisse machen mußten. So bedeutsam dieser Kampf war, so ist er doch nur einer ij der Fülle der Kämpfe, die der Verband seit dem Ende der Jnklatil» geführt hat, al- es sich darum handelte, den Ansturm des Unter- nehmertums gegen den Achtstundentag und die Stabilisierung des niedrigen Reallohnes der Inflationszeit abzuwehren. Die Streik- statistik des Verbandes verzeichnet für das Jahr 1924 über 92 000 Streikende und— trotz herabgesetzter Unterstützungssätze— eine Kampsausgabe von 2% Millionen Goldmark. Unter Berücksichtigung der finanziellen Erschöpfung am Ende der Inflation ist das eine Leistung, die nach dem Berhältnis der Mitgliederzahl von keiner anderen Organisation erreicht worden ist. Die schweren Opfer für den Berband wie für seine Mitglieder sind nicht vergeblich gebracht worden. Das zeigt sich am besten durch die Tatsache, daß in der Holzindustrie der Achtstundentag behauptet werden konnte. Der Holzarbeiter-Berband ist im ADGB. als eine der festgesügtesten Gewerkschaften anerkannt, der sowohl in seinen Ber- waltungseinrichtungen, wie in der Dertragspolitik Borbildliches leistet. Trotzdem ist auch er von der rückläufigen Bewegung nicht verschont geblieben. Gemessen an der gewerkschaftlichen Gesamt- bewegung bat sich aber der Holzarbeiter-Berband verhäftnismäßig sehr gut gehalten. Das ist um so bemerkenswerter, als er an die Opferwilligkeit seiner Mitglieder ganz besonders hohe Anforderungen stellen mußte.■ Die großen Kampsbewegungen konnten nur durch- geführt werden durch eine scharfe Anspannung der Beitragspflickt. Wiederholt mußten obligatorische Extrabeiträge ausgeschrieben wer- den. Dabei waren sämtliche Unterstützungen, mit Ausnahme der Streiklinierstü tuing. bis zum 1. Ionnor 1925 außer Kraft gesetzt. Eine lang anhaltend« schwere.Krise führte zu einer sehr großen Arbeitslosigkeit, so baß zeitweise kaum die Hälfte der Ber- bandsmitglieder voll beschäftigt war. Rechnet man schließlich noch die kommunistische ZerstSrnngsarbeit hinzu, die ihr Möglichstes tot, um den Mitgliedern die Gewerkschafts. arbeit zu verekeln, dann wird man der BerbandsleiUmg nur Re't aeben können, wenn sie in der Entwicklung während der letzten Ge- chästsperiod« kein ungünstiges Zeichen für die Zukunst sieht,-rat- sätblich geht es schon wieder stark aufwärts. Gegenwärtig hat die Mitgliederzahl 310 OOO wieder überschritten. Aus dem Berbandstaa sollen nun vornehmlich die inneren Sin richten gen. insbesetzdere dv« Beitrags- und Unterstützung. wesen überprüft und neu geregelt werden. Selbstverständlich wird aucb das Gebiet der Lohnde weguna�n und Dertrags- Politik, wie immer auf den Tagungen des Verbandes, einen gro- ßen Teil der Beratungen einnehmen. Der Derbandsvarsitzende~ar- now wird in einem Referat über„Die Stellung der Gewerks-Hriten zum Staat und zur Wirtschaft" zu den damit verbnndenen Bro- blemen Stellung nehmen. Außerliem gibt der bevorstehendeg K c- w erk.schafts k ongreß in Breslau Beranlostung, auch dieiemgen Fragen einer Betrachtung zu unterziehen, die dort voraussichtlich im Vordergrund stehen werden: insbesondere wird das die Organ t- satio»«frage sein. Nickt weniger als 278 verschiedene Antrage au» den Reiben der Mitgliedschaft zeugen von dem lebendigen Inter- esse an den Beratungen de» Verbandstages. An Beratungsstoss wird es also den Derbandstagsdelegierten nicht fehlen. Achtung. Zimmerer! »eut« sormittc«» U»r im»«w«rksSi»ft«h r k,- -bleute werden ersucht, die fitr M-nta, vorsesebeneu B e r s a m m- Inn S« u auf bsn D i en S ta« z u verlegen. Der Borstaud. BeranIwortNch wr Boliilk:«rng«»Uteri Sirischasti«-tue««»"«"! ®emctfffc>f»»be»Mun(i: ff».«S'm»! ffeu.lleton! D'. Iohu Sckikow.k'. Lokale- und Sonftiqes: ffeih«»rffidt: Anzeiaen kh.»l»«e! samtlich IN Berlin. »erlaa- B-rwärt-.Verb« S. m.h.K.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Brrlaa-anstalt Baut«inaer n?°. Berlin S« Lindenftrahe 1 Pier,» 1 Beilage mn»„URterhaltuna»nd Vilsen"._ Ballon Vollendetes siegt über die Laune des Tages. Die Weltmarke bürgt tür Qualitüil He. ZSZ ♦ 42. �ahrgaög 7. Seilage öes vorwärts SounabenS, 15. August 1425 Hochbetrieb. Die größten Sensationen spielt das Leben selbst, Lustspiele und Tragödien in rasendem Wirbel. Das Tempo der Zeit hat sich ver- tausendfacht. Wir alle fliegen mit durch unsere phantastischen Tage. Der Bürger aber schlagt die Hände über dem Kopf zusammen wie Meister Anton in Hebbels Magdalena und»versteht die Welt nicht «ehr". Die große Stadt hält den Atem an. Die Straßen füllen sich. Mittag! Die ratternden Maschinen haben ousgesungen. aber ein« Maschine hält nicht still: die krachende Rotationsmaschine der Zeitungsdruckerei. Mittag. Durch belebte Straßen eilen die Zeitungshändler. Gierige Hände greifen nach den noch nach Drucker- schwärze riechenden Blättern. Schlagzeile auf Schlagzeile springt ins Gesichtsfeld. Erster Sprung: Die Ermordung des Professors. Der Doppelmord vor der Aufklärung. Der Verdacht gegen die Hausdame. Dann: die Steuerschlacht im Reichstag. Polizei säubert das Parla- ment. Grubenunglück in England: fünf Bergleute tot, zwölf schwer verwundet. Eisenbahnunglück in Deutschland: zwei Tote. Oben auf der ersten Seite ein geruhsames Beet, nein,«in Schild: Heute dreißig Grad im Schatten. Weitere heiße Tage in Sicht. Rasch wenden sich die Blätter der Zeitung. Sensation auf Sensation meldet heute das vielgelesene Bürgerblatt. Die See- schlänge ist längst schon überholt. Einmal gab es eine sogenannte »Saure Gurkenzeit". Heute sorgen Mörder, Wechselfälscher, Haken- kreuzler, Hochstapler, politische Hanswürste und ähnliche Zeitgenossen für angenehme Unterhaltung. Die Zeitung meldet: Ueberfall auf einen Kassenboten. Ein Selbstmörder springt vom Rathausturm. Ein Kino brennt. Vierundzwanzig Tote. Dann kommt hohe Politik: Englands Furcht vor der deutschen Erdölkonkurrenz. Polen richtet eine Note an die Wilhelmstrahe. Dann: Die Kinderleich« im Küchen- Herd und zum Abschluß, daß doch ein Trost für den Bürger bleibe und sein Glaube an die bestehestde Ordnung nicht erschüttert wird: Stollwerk A.-G., Köln, meldet befriedigten Geschäftsgang und stellt eine„dementsprechende" Dividende in Aussicht. Das ist die Stadt und ihre Mittagszeitung. Kinoreklame hegt vorbei, Autoanzeigen, Landhäuser zu verkaufen,«in dunNer Herr sucht eine blonde Dame, Religion Nebensache, da dunkler Herr frei denkend, auf entsprechende Mitgist aber wird Wert gelegt. In Ragusa weint die Mutter Gottes blutige Tränen über die Schlechtigkeit der Welt, Korngolds Ananas-Likör ist der Beste, die Delikatessenhändler in New Park haben eine Hymne auf die Salamiwurst dichten lasten. Das Lied beginnt so:»O Salamio..." Immer neue Sensationen und Nichtigkeiten knallen aus den Texten und Inseraten. Ein kleines Kontormädchen lieft, während sie schon im Strom der Kolleginnen nach dem Turmbau» treibt, atemlos die Meldung, daß die amerikanischen Frauen im vergangenen Jahre 2135 Millionen Dollar für Verschönerungsmittel und darunter ollein für Haarfärben dreißig Millionen Mark ausgegeben haben. Ihr Freund, ein kleiner Schreiber, erhascht als Letztes die Meldung von furchtbaren Gefängnisgreueln in Indien. In Lahore wurden die Gefangenen nicht nur durch Stockschläge bestrast, die humanen Wärter spuckten ihnen auf Befehl in den Mund, banden ihnen die Ohren zusammen und sestelten den Kops unter das Bein, damit der Herr Untersuchungsrichter recht bald zu seinem Geständnis kam... .... Die Rotationsmaschinen haben ausgedonnert. Nun beginnen die mächtigen Moschinen der Abendblätter zu sausen. Dann brüllen wieder die Stroßenhändler neue Morde, neue Derbrechen, neue Sensationen aus. Die Vorgänge anf dem Schlefischen Bahnhof. Dem ehemaligen Leiter der Roten- Kreuz- Station auf dem Schlesischen Bahnhof, I e s ch k e, wurden bekanntlich arge sittlich« Verfehlungen zur Last gelegt. Das Schöffengericht Berlin-Milte hatte ihn seinerzeit in vier Fallen der versuchten Notzucht und außerdem der Urkundenfälschung und des Betruges für schuldig be- funden, und über ihn eine Gefängnisstrafe von l Iahr und 3 Monaten oerhängt. Ieschke hatte dagegen Berufung ein« gelegt, die gestern vor der Strafkamnter des Landgerichts l zur Verhandlung kam. Dem Verteidiger des Angeklagten gelang es, die Anschuldigungen wegen versuchter Notzucht vollkommen zu er» schüttern. Das Gericht mußte den Angeklagten unter Aufhebung des ersten Urteils von diesen Delikten freisprechen. Wegen der Urkundenfälschung und des Betruges, die Ieschke zugibt, lautete das Urteil auf l Jahr Gefängnis. Der Angeklagte wurde sofort entlasten, da diese Strafe zum größten Teil durch die Unter- suchungshaft verbüßt ist._ Der, Kronprinz von Kurüiftan'. Die Fingerabdrucke Seiner Hoheit. In die Berliner Straftaten des mysteriösen»Kronprinzen von Kurdistan", der sich seit sechs Wochen im Moabiter Untersuchungsgefängnis befindet, beginnt dos jetzt«ingesetzte Ermittlungs- verfahren einigermaßen Licht zu bringen. Er nennt sich Mohammed Zerdischa Ibn Raschin of Kurdsttan und wird jetzt täglich vom Untersuchungsrichter des Landgerichts I unter Zuhilfenahme eines amerikanischen Anwalts als Dolmetscher über die ihm zur Last gelegten Straftaten vernommen.„Seine Königliche Hoheit", als der er verlangte angesprochen zu werden. hatte einen Protest gegen seine Verhaftung einreichen lasten. Nach seiner Meinung sei seine Festhaltung ein Recktsbruch, da er als Mit- glied eines herrschenden Hauses Exterritorialität genieße und in icinem Lande über den Gesetzen stehe.„Prinz Mohammed" be- hauptet, aus dem kurdischen Herrschergeschlecht zu stammen, das seit 630 Jahren unter türkischer Oberhoheit Kurdistan regiere. Er will während des letzten kurdischen Aufstandes eine Weltreise angetreten haben, um die Hilfe der europäischen Höfe und Regie- rungen, sowie die Vereinigten Staaten von Amerika anzurufen, um auf diplomatischem Wege seinem Lande Schutz gegen die tür- kische Bedrückung zu verschaffen. Nachweislich ist es ihm auch ge- lungen, von verschieden«, Ministerpräsidenten und Ministern, so in Italien, Frankreich und Griechenland empfangen zu werden: auch eine Audienz beim Präsidenten Harding in Washington hatte er erlangt. In allen Ländern wurde er als„Prinz von Kurdistan", der in diplomatischer Mistion reis«, anerkannt, bis ihn in Berlin das Schicksal ereilte. Der in goldstrotzender Uniform durch die Straßen spazierende„Prinz" wurde eines Tages unter dem Verdacht der Fälschung seines Paffes und der Fälschung von Dollarschecks von der Kriminalpolizei verhaftet. Er hatte bei der Deutschen Bank einen Scheck über 1300 Dollar vorgelegt, so hoch erschien wenigstens der auf dem Scheck angegebene Betrag bei oberflächlicher Prüfung, in Wirklichkeit war aber ein raffinierter Fästchertrick angwendet worden, denn der Scheck lautete nicht auf 1003 Dollar, sondern nur auf 1333 Cents, also nicht mehr als 13 Dollar, und dos war der Betrag, der gerade durch das Konto des angeblichen Kronprinzen bei der Bank gedeckt wurde. Die Er» mitllungen haben nun ergeben, daß der geheimnisvolle Fremd« auch schon vorher in Berlin ein arges Gaunerstückchen sich geleistet hatte. durch das zwei unbestrafte Deutsche wochenlang unter schwerster Beschuldigung ins Gefängnis gekommen waren. Als Prinz„Mobam- med" in Berlin eingetroffen war, hotte er sich schon am ersten Tage in ein B a l l o k a l begeben und dort einige Türken kennengelernt, mit denen er einen Nachtklub auffuchte. Nachdem der Prinz den Klub verlosten hatte, erschien er bald darauf in Begleitung von zwei Schupobeamten und behauptete, daß ihm zwei Klubgäste auf die Straße nachgekommen seien und ihn überfallen hätten, wobei ihm seine Brieftasche mit 2333 Dollar geraubt worden sein sollt«.„Prinz Mohammed" bezichtigt« auch zwei K e l l n e r, die als Gäste in dem Klub anwesend waren, als die Räuber und erreichte es, daß die beiden trotz ihrer Nnschuldsbeteuerungen wegen Verdachtes des Straßenraubes in Haft genommen wurden. Erst jetzt, nachdem die Person des angeblichen Prinzen in einer ganz anderen Beleuchtung erscheint, haben die Behörden auch Zweifel an der Richttgkeit dieser Beschuldigung bekommen, und die beiden unter dem schweren Ver- dacht festgenommenen Männer sind vor zwei Tagen ohne jede Sicher- heitsleistung aus der Haft entlasten worden. Auf Antrag der Staats- anwoltschaft ist gegen„Mohammed" nunmehr die Boruntersuchung wegen Paßfälschung, Scheckfälschung und weiterer falscher An- schuldigung eingeleitet worden. Gleichzeitig sind Nachrichten ein- getroffen, daß sich seine Fingerabdrücke bereits in dem be- konnten Zuchtha us der Vereinigten Staaten. Sing- Sing, befinden. Es wird auch angenommen, daß er das Mär- chen von dem Raubüberfall erfunden habe, um dadurch seine Mittel- losigkeit zu verschleiern und Anlaß zu Krediffchwindeleien zu haben. Der verhaftete„Prinz", der nur englisch und türkisch spricht, spielt aber im Gefängnis feine Rolle als Tronanwärter von Kurdistan unentwegt weiter. §ort mit üer Gesundheit! Die medizmische« Fakultäten gegen die Jozialverfichcruug Der Ruhm jener 33 Professoren, die 1315 den denkwürdigen Aufruf zur Verteidigung der deuffchen Heldentaten in Belgien und Frankreich von sich gaben, läßt die Dekane der medizinischen Fakul- täten nicht ruhen. Nachdem schon die medizinische Fakultät der Universität Königsberg vor einigen Iahren ausgerechnet dem Luden- dorff durch Verleihung des medizinischen Ehrendoktors ihre Dankbar- kett und Anerkennung— offenbar für das zur chirurgffchen Fortbil- dung der Aerzte gelieferte Menjchenmaterial— ausgesprochen hatte, erklärten sich kürzlich die Vertreter aller�medizinischen Fakultäten gegen die deutsche S o zi a l v er s i ch e run g. Denn, so wurde erläutert, bei einer Gesundung der breiten Massen würde der Lehrbetrieb durch— Fehlen von Studienobjekten behindert. Es wird deshalb von der Regierung gefordert, daß sie die Notverordnungen zur Rettung der Krankenversicherung aufhebe, da sonst die Acrztejchaft das Vertrauen zur Regierung verlieren müsse. Als Vorbedingung wird eine Neu- ordnung der Krankenversicherung verlangt. Pastende Rezepte sind bei bekannten Größen der Berliner Fakultät zu haben: ihre Güte dürste durch die Tatsache bewiesen werden, daß der eine Professor Leite' einer Klinik, ein Mann von sogenanntem Weltruf, bei einer Unterredung nicht einmal den Unterschied zwischen Kranken- und Invalidenversicherung konnte. Seine Lösung des Problems faßte er m den lapidaren Satz zusammen: »Ja, es müssen eben Marken geklebt werden, wie bei den Dienst- mädchen. Mehr kann ich noch nicht sagen, da die Herren meiner Zklinik noch nicht mit dem Entwurf fertig sind." Zur Ehre der Fakultät ist er auch noch nicht erschienen. Die medizinischen Fakultäten verlangen zur Lösung der Arztfrage Ausbau der Aerztekammern zu öffenllich-rechtlichen Standesvertretungen: mit anderen Worten eine Legalisierung des Terrors gegen andersdenkende Aerzte durch eine Clique sogen cm nl?- standestreucr Aerzte. Den Wert der bestehenden Aerzte- k a m m e r n für die Erhaltung der Ethik der deutschen Aerzteschaft beweist die Tatsache, daß noch kein Verfahren gegen jene Aerzte eingeleitet wurde, die der„Vorwärts" im August des vergangenen Jahres öffentlich brandmarkte, da sie aus Geldgier arme Kastenpattenten, die die geforderten hohen Honorare nicht zahlen konnten, während des Aerzteftreiks elendiglich umkommen ließen. Aber das sind für standestreue Aerzte solche Kleinigkeiten, daß man einem Proletarierblatt gegenüber keine Rechenschaft abzulegen hat. Diese volksoerderbliche und Volksfeind- liche Tätigkeit der ärzllichen Standesvertretungen wurde vom Ge- nosten W e y l in jener Landtagssitzung ins rechte Licht gesetzt, als er das Verlangen der Berliner Aerztekammer vorlas, durch dos Professor Liepmonn ausgefordert wurde, die ihm vom Houptverband der deutschen Krankenkassen angebotene Stelle des Direktors einer Frauenklinik abzulehnen, da es in Berlin genügend Frauenkliniken gebe, und da durch die Errichtung von Krankenkostcnkliniken all- gemeine Interessen der Aerzteschaft. insbesondere unter dem Gesichts- punkt der Schädigung des freien Berufes berührt werden. Die Aerztekammer mußte auf eine detaillierte Anfrag« des Oberpräsidenten, die auf die Anregung des Genosten Weyl ergo?«« war, ihre Erprestertaktik zugeben. Sie mußte ferner zugeben, baß sie bewußt die Reichsverfassnng verletzt, indem sie von Aerzten zwecks Ausstellung von Bescheinigungen für Behörden die Unterzeichnung von Reversen verlangt, nach denen sie niemals ohne Billigung der Aerztekammer eine Kastenarzfftellc annehmen würden, also in der ihnen durch die Reichsverfostung gewährleisteten freien Berufsausübung beschränkt werden. Gegen die Absicht, solche Standcsorganisationen mit rechtlichen Mitteln auszustatten, und sie als oberste Behörde über einen Stand wie den ärztlichen, der nach seiner Ausbildung nur im Intercste des Volksganzen handeln sollte, zu setzen, kann nicht oft und laut genug von fetten des Proletariats Protest erhoben werden. Das völkische Wohnungsamt. Zu dem Skandal auf dem Wohnungsamt Tiergar- ten. den wir im gestrigen Abendblatt mitteilten. erhalten wir eine ergänzende Information, die die Dienstauffassung der dort beschäftigten städtischen Beamten in ein eigenartiges Lichl rückt. Man teilt uns mit. daß der Dezernent für Spiel« und Sportplätze, Herr Leist, während seiner Dienststunden ganz offen das monarchi st ische Abzeichen des Stahlhelms zur Schau trägt und so im Dienst unverblümt Propaganda treibt für eine Organisation, deren einziges Ziel die Beseitigung der Das unbegreifliche Ich. 8J Geschichte einer Jugend. Roman von Tom firistenfea. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Bogel.) „Anna!" rief er.„es ist der Putzmacherin blondlockiger Sohn!" „So!" hörte ich eine scharfe Stimme sagen. „Du host wohl nichts dagegen, wenn ich ihn hereinnehme. Er ist so unglücklich. Das schlimme Haus hat ihm ein Leid angetan!" „So!" „Du host wohl nichts dagegen, Anna?" „Mach die Tür zu. es zieht!" „Ich nehme ihn also herein." „Mach doch die Tür zu! sage ich!" Remy griff mit seiner klammen Altmännerhand um meine und zog mich in ein kleines Manfardenzimmer mit fchrä» gen Wänden. Verschiedene Oelmalereien in starken Farben hingen umher. Sonst waren nur ein Tisch und ewige Stühle . und ein großer Haufen schmutziger Wäsche in der einen Ecke vorhanden. „Komm mm, mein kleiner Freund, und begrüße mewe Liebste. Sie ist mit einem Prinzen beschäftigt, der unten auf der Straße steht." „Ein Prinz?" fragte ich perplex. „Ja, selbst in der Wirklichkeit gibt es Prinzen: aber, du meine Güte, was ist das für ein Prinz. Einen Spazierstock rmd Scheitel trägt er, und von der gesaniten Prachtkleidung ist als ganzer Rest ein Schlips übriggeblieben. Rein, new, halte du dich an die Träume, an die Phantasie, mem Kind. wie ich. und verfalle nicht der Wirklichkeit, wie meine Frau." „Hör min auf mit dem Quatsch, Johannes!" stlhr ihn «ine kleine Frau mit scharfen Zügen an. Sie faß in schiefer Stellung am Fenster, um auf die Straße sehen zu können. »Aha, er sieht zu Danielsens Fenstern herauf. Natürlich, er sieht zum dritten Stock herauf. Ja, ja. Freundchen, die kleine Frau Danielsen ist zu Hause: aber ich will dir wünschen, daß der Tischler dich nicht bemerkt. Komm, Johannes, nun kannst du mal sehen, welche Aehnlichkeit die klein« Klara mit dem Prinzen hat." Ich wurde glühend rot. „Wie kann denn Klara wie ein Prinz aussehen, doch höchstens wie eine Prinzessin." „Oh, l'amonr--* seufzte Remy und lehnte die Stirne gegen die Scheiben.„Ja, wahrhaftig, dos ist doch Prinz Sigurd. Er war immer ein lofer Pogel." Ich kletterte hoch. Der freundliche Remy öffnete mir das Fenster, und ich bemerkte einen ganz alltäglichen Herrn, der vor Samuelsetts Fenstern stand und elegant seinen Stock schwang. „Ist das ein Prinz?" fragte ich, und streckte den Kopf weiter heraus, denn ich glaubte, ich irrte mich. „Ja, der da mtt dem Stock!" sagte Frau Remy eifrig. Remy legte seine kalte Hand auf meinen Kopf und legte los:„Ja, Phantasie und Wirklichkeit, mein Kind, was haben die miteinander zu schaffen. Anna, ich habe es doch immer gesagt, jedes einzelne der strahlenden Augen dieses Knaben ist wie ein Märchen. Es steckt ein Künstler in dem Sohn der Putzmacherin." „Gott, wie ähnlich Klara ihm doch sieht!" „Das finde ich nicht. Annchen." „Man muß ja blind sein, wenn man das nicht sehen kann. Das Kinn, das Kimi, lieber Johannes, und die Nase, Haupt- sächlich die Nase! Nein, die kleine Frau Danielsen kann sich nicht davon drücken: aber Gott weiß, was er an dem Schmink- topf gefunden haben mag." Remy lächelte selig und flüsterte: „Höläs, was sieht man denn eigentlich? Die Phantasie überflutet die Augen und man ist geblendet." „Ja, das ist man wohl, wie hätte ich dich sonst nehmen können." Remy reckte sich hoch.„Das war bürgerlich und pH«»- tafielos gesagt. Annchen: aber ich erwartete es. und das er- bittert mich, jawohl. Warum kannst du mich niemals an- genehm enttäuschen, kleines Annchen?" Und er knickte wieder betrübt zusammen. „Jetzt ist der Prinz gegongen," antwortete sie, und ich war nicht betrübt darüber. „Anna, haben wir nicht eine Tüte mit Näschereien? Ich meine, wir müssen eine haben." „Ja. da m der Schublade, aber die find schon ganz zer- krümell." „Ach was, der Kleine hat ja Phantasie genug, um sie trctzdem zu genießen. Komm her." Er reichte mir eine braune Tüte mit zusamrnergeklebten Bonbons, als ob es ein Bukett wäre. Und er verbeugte sich tief und galant, weil ex glaubte, daß mir das Spaß mochte; doch ich starrte auf seine schmutzigen Manschetten, die ihm über die Hände glitten. Er hat Läuse, dachte ich'md nahm die Bonbons. „Nun, das ist also der kleine Waldemar Rasn.ussen, der Sohn der Pu— utz— macherin!" sagte Frau Remy mit spöttisch verzogenem Munde und richtete ihre kleinen, schwarzen Augen auf mich. Sie hatten nicht mehr Ausdruck als schwarze Stetf- nebeln.„Er soll einen recht schlechten Charakter haben", sagte die Kirchendienerm. .Laß mich zufrieden mit der widerlichen Kirchendiene- rint" brüllte Remy und schlug mit den Armen aus.„'vas bildet sich die alte Hexe denn alles ein, weil sie unseren lieben Gott ausmisten darf!� .Lohannes, paß doch auf, was du sagst, hier ist Kn Kind dabei!" schrie die Frau. „Ja, ein kleines Kind mit einem schlecht Tharatter. Was weiß denn die phantasielose Vettel von Kindern— mit Märcbenaugen. Komm hierher, mein Junge, und laß dir die Bonbons gut schmecken." Er legte die Haud auf meine Schulter und führte mich vor ein Bild, das er selbst gemalt halle. Ein Segelschiff mit kreideweißen Segeln bildete ein weißstreifiges Kbffwesier in einem blauen Meer. „Die Natur?" sagte er und schwenkte den Arm,„ist es nicht schön?" ,La!" antwortete ich ehrlich. „Fühlst du nicht gleichsam den Seewind?" Ich verstand ihn nicht recht: aber ich konnte ihn plötzlich gut leiden, obgleich er Läuse hatte, und unt ihn nicht zu betrüben sagte ich: „Das Bild mag ich gern." „Ja, ja," murmelte er vor sich hin,„es ist wohl doch nicht ganz richttg, ich hätte gewiß etwas grau und etwas schwarz in die Farben mischen sollen, aber ich konnte es nicht übers Herz bringen." Seine farblosen Augen ruhten auf mir. „Das Publikum liebt den Schmutz." „Was ist Publikum?" fragte ich. ,L>as sind alle die anderen, das sind alle die, die hier�im Hause wohnen, die Kirchendienerin an der Spitze, die find alle zusammen böse. Hüte dich vor ihnen, Kindcheo." Ich wurde verlegen und glaubte, er wollte sich über mich lustig machen. „Nein!" sagte ich hart,»sie sind nicht böse." ■(Fortsetzung, rcpublikamlchen StaatSform ist. Vielleicht stndet fich eine ,zu« ständig« Stelle', die auch dem genannten Herrn den Unterschied zwischen dienstlichen Pflichten und seinen PrivatiMterhaltungen mit Nachdruck auseinandersetzt! Die Reichsbahn verantwortet sich. Die Deutsch« Reichsbahn-Gesellschaft, Gruppen- -lerwaltung Bayern, teilt zu dem Unfall des Schnellzugs v 2 1 zwischen Wernberg und Luhe in der Nacht vom 8. auf 9. d. Mts. im Anschlüsse an die letzte Nachricht der Reichsbahn- direttion Regensburg noch folgendes mit: „Durch die Erhebungen ist einwandfrei festgestellt, daß der Aufstoß des Schnellzuges auf den Güterzug durch den Loko- motivführer des Schnellzuges verursacht worden ist. Dieser Lokomotivführer fuhr in voller Streckengeschwindigkeit an den auf Halt stehenden Ein- und Aussahrsignalen der Station Wernberg, deren Haltstellung ihm durch die Warnstellung der Vorsignale angekündigt war, vorbei und beachtete auch nicht die Haltesignale, die vom Fahrdienstleiter in Wernberg und vom Schluß- bremser des Güterzuges gegeben worden waren. Die Sichtbarkeit der Signale war durch Nebel oder sonstig« ungünstige Verhältnisse nicht beeinträchtigt. Den zu erwartenden gerichtlichen Feststellungen über die Ursache dieses Verhaltens des Lokomotivführers soll hier nicht vorgegriffen werden. lieber das Verhalten des Bahnpersonals nach dem Unfälle' und über die zur Hilfe und Weiterführung der Reisenden getroffenen Maßnahmen sind in der Oeffentlichkeit Angaben ver- breitet worden, die der Wirklichkeit nicht entsprechen und der Ve- richtigung bedürfen: Obwohl durch umgestürzte Wagen die Tele- graphen- und Fernsprechleitungen zerstört waren, ist es dem Per- jonal gelungen, die für Ausrüstung eines Hilfszuges in Betracht kommende Station Weiden bereits 28 Ministen nach dem Unfälle zu benachrichtigen. Schon nach weiteren 33 Minuten konnte von dort aus der Rettungswagen mit den herbeigeholten Aerzten und Rettungsmannschaften und mit den erforderlichen Geräten abfahren. Dieser Zeitaufwand war geringer, als für die Nachtzeit in den Dienstvorschriften angesetzt ist. Auch mehrere Pressemeldungen von Augenzeugen sowie Reisende des Schnellzugs haben das schnelle Eintreffen des Hilfszuges und das zweckmäßige Verhalten des Bahnpersonals anerkannt. Da weder in Weiden noch in Hof Schnellzugswagen verfüg- bor waren, wurde für die Weiterführung der Reisenden von der Station Weiden aus dort vorhandenen Wagen ein Zug zusammengestellt: gleichzeitig wurde die Station Leipzig Haupt- bahnhof veranlaßt, einen Erlatzzug aus v-Zugwagen bereitzuhalten. In Hof war Vorsorge für Verbandwechsel und für Unterbringung der Verletzten in Wagen 2. Klasse getroffen. Dort wie auch in Leipzig waren Erfrischungen und Speisen für die Reisenden bereit- gestellt. Spanische Aerzte im Berliner Rathaus. Die am Donnerstag in Berlin eingetroffene Studiengesellschaft spanischer Aerzte und Zahnärzte war am gestrigen Freitag vom Berliner Magistrat zu einer Rundfahrt eingeladen worden, auf der den auswärtigen Gästen bedeutende sanitäre Ein- richlungen der Stadt, so das Obdachlosenasyl und das Hospital in der Fröbelstraße gezeigt warben. Nachmittag? um l Uhr waren die Spanier, die sich unter Führung des Professors Rosell auf einer Rsise durch deutsche Universitätsstädte befinden, im Berliner Rat- haw- oersammelt, wo sie von Vertretern des Magistrats, der Reichs- und Staatsbehörden sowie der ärztlichen Organisationen empfangen wurden. Zu Ehren der Gäste war das Foyer des Stadtverordneten- sitzungesaales mit Blumenschmuck in den spanischen Farben ge- schmüäV morden.— Bü'germeister S ch o l tz entbot den Vertretern der spatzischen Wissenschaft den Willkommensgruß. Professor Rosell dankte si'dann in einer kurzen Rede in deutscher Sprache für die er- wiesen« Gastfreundschaft und übermittelte die Grüße und die Sym- pathie sehne Z Vaterlandes für das deutsche Volk. Prof. Dr. Rosell schloß sei»? Ansprache mit einem dreifachen„Viva" auf Berlin und das deutsch»? Volk, auf das die Spanier stürmisch einstimmten. Nach ihm sprach der Stadtmedizinalrat von Barcelona, Mery G u e r. Am Abend fand im Langenbeck-Virchow-Haus eine Festsitzung statt, die von särrVlichen medizinischen Gesellschaften Berlins veranstaltet worden war. Am heutigen Sonnabend find die Spanier Gäste der Reichs- und Staatsbehörden, wobei sie durch die Charite und dos Angiista-VVtoria-Krankenhaus zur Bekämpfung der Säuglings- sterblichkeit geführt werden. Aus Eisenbahnzugen nkchts hiuauswerfe«! ES kommt noch immer vor, daß aus fahrenden Zügen von Reisenden schwere Gegenstände hinausgeworfen werden, die auf der Strecke beschäftigte Eisenbahnbedienstete treffen und verletzen. Mehrsach sind infolgedessen schon Todesfälle zu beklagen gewesen. Es ist klar, daß schwere Gegenstände, die auS einem fahrenden Zuge geworfen werden, mil besonderer Wucht auf- schlagen und unter Umständen tödlich verletzen können. Die Reisen« den werden daher dringend darauf hingewiesen, daß nach 8 8l der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung das Hinauswerfen der- artiger Gegenstände aus den Zügen verboten ist. Wer baS Verbot nicht beachtet, gefährdet Leben und Gesundheit seiner Mit- menschen und setzt sich strafrechtlicher Verfolgung aus. Die Reisenden werden daher dringend gebeten, da» Verbot streng zn befolgen und gegebenenfalls Mitreisende unter entsprechender Be- lehrung zu seiner Befolgung anzuhalten. Im Zoologischen Garlea ist jetzt neben den zierlichen abesst- nischen Tomaligazellen eine der kleinsten Antilopenarten ausgestellt. ES ist die Maxwell-Antilope, die an Gewicht und Größe einem mitteleuropäischen Hasen ungefähr gleich ist und zu den kleinsten Huftieren gehört. Gleichzeitig werden auS dem Kongo- gebiet ein schön gefärbter Gelbrückenducker und ein weibliches Stück der sehr seltenen Vierhornantilope«ingestellt. Da die großen südafrikanischen Elenantilopen sich ausgezeichnet entwickelt haben und bald die Größe der erwachsenen Tiere erreicht haben, können jetzt in der lebenden Antiloveniammlung des Zoologischen Gartens Vergleiche zwischen den heutzutage in Afrika vorkommenden größten und kleinsten Antilopenarten angestellt werden. Todessturz vom Balkon. Die 61 Jahre alte Frau Martha A l b r e ch t war gestern abend gegen 6.30 damit beschäftigt, auf dem Balkon ihrer im vierten Stockwerk des Hauses Eldenaer Straße 48 gelegenen Wohnung Vorhänge anzubringen. Als sie dabei, um bester heranreichen zu können, auf einen Stuhl stieg. verlor sie infolge eines Schwindelanfalls das Gleichgewicht und stürzte über die Brüstung des Balkons hinweg auf den Bürger st«ig. Ein sofort herbeigerufeüer Arzt konnte nur noch den Tod infolge innerer Verblutung feststellen. Schmutzige Wäsche bei Hofral». Zu der unter dieser Spitz- marke gebrachten Mitteilung über eine nächtliche Episode in und vor der Villa eines Hofrats in Zehlendorf werden wir von fach- kundiger Seite darauf aufmerksam gemacht, daß der Hofrat sich bei der Auseinandersetzung vollkommen passiv verhalten und besonders niemanden mit Erschießen bedroht habe. Nicht seiner Frau und dem Sohn, sondern den Verwandten habe er den Zutritt zum Hause verweigert, wozu er seine besonderen Gründe hatte. Wie das Polizeipräsidium mitteilt, mußten fich infolge der Zu- sainmenstöße mit den kommunistischen Demonstrationszügen am Donnerstag allein von der Polizeiinspektion Friedrichshain IS Beamte in ärztliche Behandlung begeben. Mvtergorlen. Das Augullvrogramm weist zwar keine Kanone« auf, ist aber in jeder Hinfilbt amüsant lind vielseitig. Die EingangSnummer der drei(auch musitalischen) Clowns Carlo. Mariano und Porto spiübt von übermütlqer Laune. Auch der Clown L i t tl e P i p I f a x ist ein Erent:-k hoben Grades und verbindet erstaunliche Akrobatikleistungen mit zwerchscllcrschü!ternden Ulk. Hingegen fällt die Schlußnummer der Corn und Neil Komiker etwas ab. Ungemein liebenswürdig wirken die vier Geschwister Fahre als Gesangs- und Sandonionvirtuosen. sRcben- bei. die jungen Damen baben ein so selten prachtvolles Loreleibaar, daß man in dem Augenblick vom Bubiiopf nichts mehr wissen will.) Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 15. August. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 6.30 Uhr vorm.: Leibesübungen nach Kommandos mit Musikbegleitung. 6— 5.46 Uhr abends: Matth ias-Claudins-Kachmi ttag. 1. Einleitende Worte(gesprochen von Edlef Köppen). 2. Dichtungen(vorgetragen von Alfred Braun). 6.60—5.30 Uhr abends: 1. Beethoven: Sonate, op. 12. 2. Brahms: Sonate, op. 108(Kita Kuhnnann, Violine; Theophil Demetriescu. Klavier). 7 Uhr abends: Medizinisch-hygienische Plauderei(Sanit&tsrat Dr. Paul Frank). 7.25 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnle(Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Direktor Julius Glück: Esperanto. 8 30 Uhr abends: II. Johann-Strauß-Äbend. Dirigent: Bruno Seidler-Wmkler. Berliner Funkorchester. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik. Spanische Tanzakte verharren in ihrer nationalen TradKion. Auch die i C h i I e u o s machen darin keine Ausnahm«, aber sie legen den Aus- >-nck. den Rbhthmus und das Empfinden des modernen Menschen hinein »»Mo wirkt alles überraschend neu. Der amerikanische Jongleur T o r i n o verfügt über viele neue und verblüffende Tricks. Elegante Kraft und hohes Können entfalten drei Alrobatcntruppen: die Leiterequiltbristen Medini, die 3 Popescus am dreisachcn Reck und die Zanetti- Truppe. Das Morgenlraining einer Sportdame des Fräulein A t h e S ist prickelnd, mondän und sehr zeitgemäß._ Die Unwetterkatastrophe in NorübLhmeu. Gablonz a. d. Reiße, 13. August. Die Wirbelsturmkatastrophe in und um Gablonz und Reichenberg, über die wir schon berichteten, ist in ihrem Umfange weit größer als man erst annahm. Zu den vielen großen Schäden werden stündlich neue gemeldet. Das Unqlücksgebiet bei Gablonz wurde nach den Aussagen der Be- trofsenen in etwa vier bis fünf Sekunden verwüstet. Die Frau eines Hauses machte eben das Fenster zu, als ihr der Swrm die Flügel aus der Hand riß. Im nächsten Augenblick kamen die Scheiben durch das Zimmer geflogen, ein fürchterliches Fauchen und Gurgeln war zu vernehmen, dann ein Krachen, Ziegel stürzten herein, Holzstücke brachen von der Decke, die ganze Decke kam herab, die Wand fiel ein. Als die Bewohner aufsprangen, sahen sie sich im Finstern, da die Leiwngen zerrissen waren. Außer den Häusern ist die Z e l l u l o i d f a b r i k Thomas gänzlich abgedeckt und der Giebelmauern beraubt. Daneben stürzte der Schornstein ein und zertrümmerte das Dach. Die Druck Hütte(Glasfabrik) vor dem Biadutt ist nur etwa zwei Meter hoch erhalten, alles andere fehlt und liegt weitab. Hinter dem Madukt fehlt eine Scheune über- hcupt und von einem Pferdestall blieben fünf bis sechs Balken übrig. Ein Haus hat kein Dach und zerborstene Mauern, der Obstgarten ist ein Trümmerfeld. Entsetzlich sieht die B i l l a des Herrn Hirsch- mann jun. aus. Der Sturm stürzte den Schornstein um, der das Dach in Stücke schlug. Die großen Fenster sind zertrümmert, die Scheidewand zwischen zwei Zimmern ist eingedrückt, sämtliches Mo- bilar steht aus, als ob es mit Aexten bearbeitet worden wäre. Bon den Neubauten wurden viele schwer beschädigt. Die Malersfrau Hocke wurde durch ein herabfallendes Bild schwer verletzt und ist ins Spstal gebracht worden. Weiter bergan sind die Bäume ge- knickt oder entwurzelt und der Früchte beraubt. Schweren Schaden erlitt der Gablonzer Eislaufoerein, indem die Badeanlaaen zerstört wurden. Ein Rettungskahn wurde aus dem Waffer gehoben und sitzt jetzt auf einem Baume. An der altkatholischen Kirche ist ein Zifferblatt der Turmuhr eingedrückt, am anderen sind die Zeiger verbogen. Bon den Fabriken ist die der Firma Weiß und Kramer und L ö b e l am meisten verwüstet. Der Betrieb wird wochenlang stehen. In Pro schwitz wurden drei Häuser abgedeckt und der Giebel beraubt. In Grünwald, Reinowitz, Morchen- st e r n und bei R e i ch e n b e r g ist der Wald- und Flurschoden un- geheuer. Der Schaden beläuft sich auf viele Millionen Kro- nen. Fast niemand ist gegen Elementarschädeu oersichert. Der Stadtrat erläßt einen Aufruf zur Sammlung. In Turnau ging in gleicher Nacht ein schweres Hagel» weiter nieder, das mehrere Minuten anhielt und schweren Scha- den an den Feldern und Obstanlagen sowie Dächern und Fenstern anrichtete. In Friedland in Böhmen zündete der Blitz und äscherte das Anwesen eines Landwirtes ein. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die neue Ernte ist mit vernichtet. Wolteubruchkatastrophe im Zwickauer Grenzgebiet. Warnsdorf(Grenze), 14. August. Schwere Verwüstungen brachte das Unwetter in der Nacht zum 12. August im Grenz- gebiete von Böhmisch-Zwickau� Namentlich Morgenthau wurde arg betroffen. Das Hochwasser erreichte den bisher höchsten Stand des Jahres 189?. In der Rotmühle stand da? Wgffer einen Meter hoch, die gemauerte Brücke fft abgerissen, zahl-'' reiche Stege sind weggespült. Das Wasser brachte viel Holz. Hausgerät, Heu und Stroh sowie Gartenzäune talabwärts. Das-nu ganze enge Tal fft ein einziger reißend e r Strom gewesen. Auf den Straßen stand das Wasser ständig bis einen Meter hoch. Die Straßenfchäden sind sehr groß, tiefe Löcher Naffen und machen den Weg unfahrbar. Die Kuranstalt Bad Martinstal, eben erst von den nordböhmischen Städtekrankenkassen anaekaust, wurde arg verwüstet. Die Gortenonlage ist eine einzige Wüstenei. Die schönen Gartenwege sind metertief ausgehöhlt. Die Uferstraße ist auf 20 Meter Länge ausgeschlemmt. Staalliche Hilfe ist hier dringend nötig. Die neue große Talsperr« de» Kreibitzbaches im Bezirke Warnsdorf hat ihre erste Probe glänzend bestanden und beim Mengenabgabe vorbehalten DM-nemden J25 HnnDiosen T mit Trigem oder vlereckiga Form.. mit Stlokerel,'WlndeKorm PrlnzessrocK S35 WWMr ,„,,,...., EMS„Marke Pondo", Knmrtsdde, in allen mit Hohlsaum oder Stickerei......»"W Vziten....................-Stack| .•fcnS? 5s» '. : W V;"*. 5».� . � Ji&kZj■ v-•: v; RÜHM elegante Form, mit durchgehendem Qomml and 4 Haltern............ 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Parteinachrichten für Groß-Sferlin Sinfratmagra f*t diese Zwdrn swd «erl«»««.»«wde-ftroh, 1. vcft itaiecmanat, 2. Hos, 1 Tee», recht», t» richte» 3.*trf» SefeMna. SnolTeal Holtet Eonntag, 23. August, frei. Sehrt«ich Nouen. Besichtlaunq der Grosi-Kuutgotiou. Nähere» solot. i. Ätri» Vre«, lauer Ber». Connta«, 16. Auaust, Waldsost wi Iusentchau» Teael. Seidelsirasie. Treffpunkt: Gruppe Norden und Hort Saunen duraer Eck« Gaudultrahe 714 Uhr: Drupv« Nordosten Danzigcr Eck« Grersswaider Slrah« 7 Uhr. Freunde wiMomruen.— jtaffeebechcr tnitbringen. heute, Sonnabend, den 15. August: 36. Abt. Nörten ,ur Dampferpartie, die am Eonntos, 16. Ananst, Itotfftnbet, lind noch bei der Denolsin Wesenderp. ttan,owstr. 6, Hof M, ,n haben. 105. Abt. Baumschulen»«». 7 Uhr bei Hah, Barmischulenslr. 72, FnnltionSr- versammlun«. Morgen, Sonntag, den IS. August: 5. Abt. Samilievaurflua nach Picheloberoe JUbb ölten ffmmb*. Troff. Punkt pünktlich 3 Uhr Bahnhof Alerandervlaü. Eharlottrnbur» umstriaen. Nack, Haler bi» 1 Uhr„flmn alten Freund". Gäste millkanmie». 3. Abt. FamilienaNsslua nach Wiefenqrund. Trefspunkt 141 Uhr nachmittag» Bahnhof Putligstraste. Gäste willkommen. 26. Abt. Dampferpartie nach Seiligensee. Abfahrt 3 Uhr vom Wrslhafen. Grifte willkommen. Billett» bei den Beftirksfsthrern und auf dem Dampfer. 66. Abt. K-lensee. F-milienausflug nach dem Grunewald. lGegenllder Jagd» schlaft Grunewald Jagen 22.) Abmarsch 16 Uhr frllh Bahnhof Halensee. Genossen anderer Abteilungen willkommen. 124» Abt. Rahladorl�SSd. Familien-uaNug nach Hekdemsthle. Abmarsch 2 Uhr nachmittag» Blllowstraft- Ecke Kostanienallee. Wildau. Di« Gruppe der SPD. für Wildau und Umgegend fttrei» Teltpw) veranstaltet am Sonntag. 16. August, ein grofte» Bolkcksest. Die Graft. Berliner Barteigenossen find himu herzlichst eingeladen. Znugt-zialistr». Gruppe Tiden: Sonntag früh 614 Uhr Bahnhof Treffen zur Tagesfahrt. » Jungs-, laNfie,. Grnppe Tiergarten! Nächste sstrsonnmeukuuft! Dtvntvg. 17. August. 3 Uhr, im Jugendheim. Wielef. Ecke Bremer Strafte. Er- »rterungeu im Anschluft au da» Görlider Programm. Gitfte willkommen. Sterbetafel üer Sroß-öerliner partei-Grganisation 66. Abt. Dt« veerbignng de» durch Unglücksfall verstorbenen Genosten Menge findet heut«, Sonnabend, Ist. August, nachmittag» 2 Uhr, auf dem "Mpelhofer Friedhof, Germaniastrafte. statt. gesamte b'-b Uhr. ?llgeaüveraaNaltungea. heute. Sormabcud, den 15. August: Stocheiage Fahrt: Oraniendurg-Svaiowfee. Treffpunkt 61t Ahr Bahnhof Schönbons« Allee. Morgen. Sonntag, den IS. August: Tempelhof. Badflchrt»ach bau Bild« Bordafe«. Treffpunkt Ast Ahr am Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsboauer.SchwarzRot�vold". Gefch üf t istelle: Berlin S. 14. Sebaftianstr. 37/33. Hof 2 T». San»orsta»b. ilameradenl Wir bitten,»deroll die Borführuag des Berfassungsfilw» zu verlangen.—»ameradfchaft Wedding. Die staureradschaft trifft sich am Sonnabend, Ib. August,»achmtttag» beim stamerade» MWer, Uferftr. 12. Bünklliche» und vollzählige» Erscheinen ist unbedingt notwendig.— stamerabfchatt Vrenzlaner Berg. Für Dampferpartie am 2Z. August nach Neue Mühl« stud»och Teilnehmerkarte» (Hin. und Rückfahrt 4 Person 2,— M.) bei den Zugführern zu hoben.— Sonn. obenb, 15. August, nachmittags S% Uhr, Antreten sämtlicher Kameraden am Bahnhof Prenzlauer Allee»um Marsch nach Weiftenfee. Teilnahme an der hortigen Veranstaltung.— Kameraden, die ihre Mitgliedskarte vom vorigen Jahre noch nicht zur Kontrolle vorgelegt hohen, werden aufgefordert, die« bi» zum 1. September 1325 nachzuholen. Kameraben, die Ihre Karten bi, dahin noch nicht vorgelegt baden, werden von der Mitgliederliste gestrichen und scheiden somit von selbst au».— Sämtliche Kameraden, die am 36. August an der Fahrt nach Fllrsienwald« a. b. Spree teilnehmen, haben ftch baldmöglichst heim Kameraden Dankowski, Berlin N 58, Schönhauser Allee 126, v. HI, zu melden. Stunde der Abfahrt wird später bekannigegeben.— Kameradschaft streu, Heeg. Am Sonntag, 16. August, vormittag» 1410 Uhr, engere Borstand». ftftung bei Biehler.— Dienstag. 16. August, 146 Uhr, erweiterter Vorstand mit Blockvorsiänden bei Ewald, Skalifter Str. 126. Meldungen für die Fahrt nach Llldbenn!cke»d»rs nebst u»iergr»ppen. Soweit die Kameraden nicht an der Fahrt nach Stettin teilnehmen, werden st« aufgefordert, an der am Sonnabend. 15. August, 6 Uhr, im Schütze nhau» in Oranienburg statt- findenden Berfassung-feier der Ort-arurpe Oranienburg teilzunehäieii. Arbeittr»erei« für Biochemie-»d«cbenarestir« l V.«. Fftr unsere Mit- glieder ist �entI>C1iC etwas Regen. Im übrige» Deuijchland Mller- Hiest. vperotlensplelrelt 8 Uhr Annemarie Operette von Jean Gilbert u. Robert Gilbert mit Dora— lettler— Nyinga» — Splra— Baselt— Heidemann— Die- eelmann— ttstler— Kutban— Ledebour 8 Uhr miernal. Variete 3M rairBlIlfl.Prtiiee cht rollt Pngn»» I Metropol• Theat. S'/i Uhr: Tausend a&Be Belnohea Yhalla-Th. Unwiderruflich letzter Monat 8: Uschi nünitaaniSh. 8: Vetters. Dingsda Mdltiais 7.45 Uhr: Dir iBtzt! KoB van der Straalen SchaofuS, Hainisch Theat. d. Westeos Das groBe Opereuenhans T3gt. 8 Uhr: Vtener ßlnt Operette V. Johann Straub Berüner Theater 1.45 Uhr: flmielieiev.Dnsae Eröffnung: Sonnabend, 22. Aug, Sie hellblauen Schwestern Operette von Ed. KOnnectze Lessing-Th. Täglich 8 Uhr: Die nene Bevae tegenbogen Bois, Hcrrnleld, Seratz, Sltzla, Unter- kircher, Ury, Slster, Bitter LosAodaluses Kleines Tb. Täglich 8 Uhr Die sdiOne Nemslne Komödie v. Lothar Ann! Mewes, Schcrk MaaS, Sauden Schrödcr-Schrom 6 u. Trlantra-Th. Letzt Vorstellungen nur bis Sonnabend Die Tn�end' Prinzessin Musik v. KurtZotllg Preise; 6 bis 1 Mk. Ab Sonntag 16. Aug. Dtr(»Ic intspiilerftlj Am Tee Iis di Preise: 6 bis I Mk. 8 U. Die Koblanks Volksstck. m. Musik Vorzeig. d. Anzeige zahlen aar halbe Eassenpr. tod SB PL äs OperetteDhans m Sikiffliiicnlima 8 Uhr; Derklelne Kappler Dsatsehes Elnstler-Theater 8 Uhr Fanienii 41 Lustspiel von Loois Vemenl) APOLLO II. Tkuhr II. 12 Varl«(*> Sensationen Utiit Eutritfcpr. Rose-Theater 8>/4: Der gr. Betrug Carte nbO h n e: 5 Uhr: Bunter Teil T/i' 6« SdiwtnmMnMil Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Europas meist gespielte u. somit erfolgr. Revue: X40dte Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise I LUNAPARK .rn« Ollcney mit Ihrem BALLETT-9 Uhr- BERLIN C, Gertraudfenstr. 25-26-27! PEEK& CLOPPENBURG H»WWW Zur Einsegnung Fertig am Lagen Sr»»l««n» AI an Saccoanzug aus relnwollenetn, dunkelblauem Cheviot.... 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Wrangelstr. 43 Str. 54/ Charlotten bürg M, Möllers tt. 3 C, Spitfeiraarkt U WstmersdorterStr. 122/23 Wirtschaft Bus üer Porzellan- und Steingutinöustrie. Absakdrosselung durch Preiserhöhung. In der ganzen Porzellan- und Steingutindustrie hoben die letzten Wochen Preiserhöhungen gebracht. Der Verband Deutscher Fabriken jur Gebrauchs-, Zier- und Kunstpor- z e l l a n hat seinen bisherigen Preiszuschlag oerdoppelt, der Verband der G e s ch i r r f a b r i k e n erhöhte die Preise um 10, der Stein gutverband für seine Massenartikel gar um 4 0 P r o z. Dabei sind die Lager der Warenhäuser und Spezialgeschäfte in den Großstädten sowohl wie in der Provinz schon zu den bisherigen Preisen nahezu unverkäuflich. Wie uns von mehreren Seiten übereinstimmend berichtet wird, kann man heute von einem aus- gesprochenen Streik der Käuferschaft sprechen.'Abgesehen von den Saison- und Räumungsverkäufen liegt das Geschäft tot. Der Leipziger Herb st messe sieht man in Kreisen der Händlerschast mit tiefem Pessimismus entgegen. In den Städten mit starker Arbciterbcvölkerung hat seit Juni bereits die i m voraus eingerechnete Zollverteuerung des Roh- rungs- und Kleidungsbedarss(auch die erhöhten Mieten) die zu anderen Zwecken verfügbare Kaufkraft aufgesogen. In den Mittel- und Kleinstädten, die auf Landkundschaft angewiesen sind, rächt sich der Luxuskonsum der bäuerlichen Bevölkerung während der Inflationszeit, wo ostmals für jedes Kind zwei- und dreifache Tafel- scrvicc angeschafft worden sind, jetzt in einer lähmenden Gcschästsslitle. Nun klagt die Porzellan- und Steingutindustric, die, abgesehen von ihrem bedeutenden Auslandsabsatz, auf den Verkauf ihrer Pro- dukte in den breiten Käufcrschichtcn des Inlands angewiesen sind, über mangelnde Beschästigung ihrer Betriebe und auch über zunehmende Konkurrenzunfähigkeit gegenüber dem Ausland. Die Preise seien, nachdem die Austräge im Gegensatz zur zweiten Hälfte des vorigen Jahres und der ersten Monate 1025 erheblich z u r ü ck gegangen sind, zur Rcntabilisierung der Betriebe unzulänglich geworden. Ebenso zwinge die Verteuerung der Roh- stoffc, Hilss- und Verpackungsmaterialien zu Preiserhöhungen, lieber die Einwände der Händlerschaft, dag die Preiserhöhungen die Läger noch unverkäuflicher machen und den Jnlandsabsatz noch stärker' drosseln mühe als bisher, find die Verbands- und Konzerndiktotorcn der Porzellan- und Eteingutinduslrie hinweggegangen. Es will uns scheinen, daß die Porzellan- und Steingutindustrie durch Kartcllprcisdiktate dieselbe Dummheit machen will, die die schweren Industrien mit den Zöllen gemacht haben- die Inlandspreise systematisch zu erhöhen, um der Reinigung?- krisc, deren Stunde auch für die Porzellan- und Steingutiudustrie gekommen ist, aus dem Wege zu gehen. Den Inlandsbedarf zu verteuern, um durch K a m p f p r e i s e im Ausland die Aus- dehnung des Absatzes und die Wiederherstellung der bedrohten Kon- kurrenzfähigkeit zu erzwingen. Besonders die thürinyisch-fränkische Porzellan- und Steingut- industrie scheint überorganisiert und übcrkopitalisiert zu sein. In die an sich schon überhöhten Preise werden Betriebs- und Generolkostcn, Kartcllumlagen und Gewinnansprüche einkalkuliert, als ob die Betriebe zu 100 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt wären, wäh- rend die tatsächliche Beschästigung weit darunter liegt. Dazu kommen jetzt Preiszuschläge, um mit aller Gewalt das Auslandsgeschäft zu sorcieren. Das ist ein gefährliches Spiel. So greifbor die Ge- fahren sind, Rückgang des Jnlandsabsatzcs, Erhöhung der Leer- loufkosten, gesteigerte Konkurrenz u n fähigkeit im Ausland, Vcr- fchlechterung der Rentabilität, so wenig scheint sich die Porzellan- und Steingutindustrie der Psychose der deutschen Unternehmer«nt- ziehen zu können, durch Preiserhöhungen über die industrielle Reim- gungskrise hinwegspringen zu können. Sie macht sich augenschein- lich keine Gedanken darüber, daß die Rentabilität nicht ge- steigert, sondern gefährdet wird, wenn höhere Preise mit kleinerem Absatz und höheren Selbstkosten bezahlt werden. Sic übersieht auch völlig, daß die Macht der Kartelle, so groß sie im Inland ist, im Ausland versagt und an der Auslandskonkurrenz scheitert. Nicht zuletzt wegen der unvergleichlich größeren Wider- standsfähigkcit der Auslandskonkurrenz infolge der Wohlfeilheit des Kapitals und der Kredite, die ihr zur Verfügung stehen. Gerade weil das Ergebnis nicht die Schraube ohne Ende sein kann, an deren Segen die noch immer inflationsbefan- gene deutsche Industrie insgeheim glaubt, ist die systematische Preis- crhöhungspolitik gefährlich. Diese kann, statt zur Preisschraube ohne Ende, höchstens zur klcntabilitätsgefährdPng ohne Ende führen. Monopolisierung öer Gelgewinnung aus siohle l Wie gemeldet wird, hat das unter der Führung der Bad i- schen Anilin- und Sodafabrik stehende Konsortium ein Aktisnp ,ket der Erdöl- und K o h l e n v e r w s r t u n g s A.- G., Berlin(E v a g- K o n z e r n), erworben, die die Eigentümerin der wichtigsten inländischen Patente für Oel-, Kohle- und Holz- aufschließung nach Hochdruckverfahren ist. Es handelt sich um eine Aktien Minderheit des Evag-Konzerns, die bisher in Händen von Banken lag, aber groß genug ist, um Einfluß und Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kohlenverflüssigung zu ge- währleisten. Dieser neue Erwerb des Anilin-Konzerns dürfte die Erwerbung des 10-Millionen-Pakcts der Stinnes-Riebeck-Montan an Tragweite noch übertreffen. Wird in Kreisen der Stützungsbanken das Riebeck-Montanpaket schon als der wertvollste Besitz des �tinnes-Konzerns betrachtet, so hat der Einbruch des Annilin-Konzerns in den Evag-Konzern für die Machterweiterung des Anilin-Konzerns noch größere Bedeutung als jene. Der Evag-Konzern verfügt neben anderen insbesondere auch über hochbcdcutsamc Patente zur Verflüssigung der Kohle durch Hochdruckwcrfahren und unter Umgehung der bisher unumgänglichen Bsrgasung der Kohle. Wir haben mehrfach von diesen nach ihrem Erfinder Prof. Dr. Bergius benannten Verfahren— Berginpatcnte, Bergiuisicrung— berichtet. Wie in der Generalversammlung des Evag-Konzerns vom November 1024 berichtet wurde, war die Ver- wcrlung der Berginpatentc bereits damals zur Betriebsreise gediehen. Die Vereinigung der eigenen Kohleverflüssigungspatente mit den Berginpatenren iü der Hand des Anilinkonzerns schüfe eine für die weitere industrielle Entwicklung Deutschlands bedeutsame Situation. Bei der alle anderen Jndustrickombinationen überragenden Kapitalstärke des'Anilinkonzerns würde die Beherrschung auch der Berginpatente für den Aniliukonzern das Kohleversliissi- gungsmonopol bedeuten. Es ist bekannt, daß die elende Lage der Magerkohlcnzechcn des Ruhrgebiets und hzsbesonderc die furchtbaren Zustände im Niederschlcfischen Kohlcngebiet Reichs- und Staatsbehörden zu Erwägungen veranlaßt hoben, den Aufschluß der Bergius-Patente durch Staatsmittel zu fördern. Bei der neuen Wendung der Dinge, die sich durch den Schritt des Anilinkonzerns ankündigt, muß dahingestellt bleiben, ob die Kapitalkraft des Kon- zerns auch in dieser Richtung befruchtend wirken, oder ob sich der Anilinkonzern vollständig auf die Sicherung privatwirtschaftlichcr Erwerbsvorteile beschränken wird. Der Evag-Konzern ist eine Dachgesellschaft, die außer über die deutschen Schutzrechte der„Bergivisicrung" von Stein- und Braun- kohle, Holz und Zellulose durch maßgebende Beteiligung zahlreiche andere Gesellschaften beherrscht, die mit dem weiteren Ausbau der Oel- und Kohleverwertung und der Berwertung der Potente selbst beschäftigt sind. So ist die Evag mit 50 Proz. an der Deutschen Bergin- A.-G. Heidelberg, Mannheim, Rheinau beteiligt, die eine gemeinsame Gründung der Jnternalionale Bergin- Co. im Haag und des Evag-Konzerns ist. Die übrigen 50 Proz. befinden sich in der Hand der Bataaischc Petroleum Maatschappy- Haag, die ihrerseits die R o y a l D u t ch S h c l l C o. in der Deutschen Lergin-A.-G. vertritt. Der Anlinkonzern gewinnt mit seinem Aktien- crwerb also auch indirekt Einfluß aus die chemische V e r w e r< t u n g der schweren Oele.«odann besitzt der Evag-Konzern 40 Proz. der« t e i n k o h l e n b e r g i n- A.- G., Berlin, die 1023 im Verein mit der Gesellschaft für Teerverwertung m. b. H.. Duisburg-Meiderich(Thyssen) gegründet wurde, wobei die tauf- männische Verwertung der Patente dem Evag-Konzern übertragen, die Erwerber von Lizenzen aber gebunden wurden, die zu ver- arbeilenden Kohlcnteere von der Gesellschaft für Teerverwertung zu erwerben. Weitere 25 Proz. der Steinkohlenbergin-A.-G. waren in der Hand von Fritz Thyssen, 25 Proz. bei Th. Goldschmidt, Essen. und 10 Proz. bei Är. Bergius selbst. Die Errichtung großer Kohleverflüssigunasanstalten durch die Steinkohlen- bergin-A.-G. waren im Ruhrgebiet und in Luxemburg(Arbed) geplant, konnten aber wegen der Kapitolkrise bisher nicht zur Durchführung gebracht werden. Weiter besitzt der Evag-Konzern ge- mcinsam mit der Firma Petschek-Co. Prag die Aktien der Braunkohlen- Produkte- A.»°5°mmt 95 rt Taschentücher �Ä0rS:ocPf Kurbelkanlen...... 12 Stück � U Taschentücher �Linonsse 95 n- Taschentücher��« 95 pt Arabias 95 pt Handschuhe A, D4me?-parae; 95 pf. Handschuhe 95 pt Glacehandschuhe 95 pt Herrenhandschuhe.. pMr 95 pt Büstenhalter Siufi'm;R,Qd£!n:95 pt Gurtelstrumpfhalter 95 p*. Blusen-Jumper Barchent... 95 pf- Marktkorb... 95 � Papierkorb... 95 m. Paneelbrett.. 95 pt Tablett SÄ" 95 Bürstentasche. 95 pi. Kinder-Kleider. 95 pt Kinder-Kittelstck. 95 Pantoffel fohÄs 9 5 pf. Pfi-Tage Dauern bis Sonnabend, den 22. August DirndT- Damen-Niedertreter n c ............... Paar 95 Pf. Kleider-Schotten mu�.Ä 95 pf. Hauskleidersloffej VUlie bunt bedruckt. Meter..."u Ff. Hemdenflanell.kÄ*« 95 pf. Züchen rot Renforcd Streifen, Meter und blau kariert pf Hemdentuch ftdigel?Te;m."nI-: 95 80 cm. prima fein- 0� t>« fädig...... Mtr. TU Tf. 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Unterhaltung unö AAissen Die Mehrenleserin. Don Bernhard Fanst. Di« alt« Frau war tief über dem Swppelfelde gebückt und las Zlehren auf, hin und her schwankten ihre Röcke, und die ausgedörrten 5?ände suchten auf der Erde hin unö her. Schon ehe die Sonne auf. ging, hatte sie die Stadt oerlasien und war in den funkelnden Morgen hineingewandert, bis die Felder weit und groß und reich wurden, richtige Felder, long gebogen und auf denen die Menschen in kleinen, dunklen, armseligen Punkten verschwanden. Der laute Morgen um sie jubelte, tobte, schrie, und sie fühlte sich unendlich froh und frei, wie die seinen Leute in der Sommerfrische. Dies war so der Maß- stob, den sie sich in ihrem dürftigen Dasein zurechtgezimmert hotte, r.nb mit dem sie die Dinge ihres Lebens abschätzte. Der Gedanke, ein- mal froh zu sein, schien ihr schön wie ein verirrter seltsamer Vogel, den man ängstlich hüten mutz, weil er bald fortschlüpfen kann. Sie lachte kurz auf. Wie das hier klang, hm, blechern und so gemein, die dicke Müllersche vom.Goldnen Pfau" lachte immer so. Per- legen sah die Alte um sich, sie war allein, schnell bückte sie sich wieder und las heftig weiter auf, bis närrische Gedanken sie über- mannten und sie voll innern Gelächters war, daß sie zu ersticken drohte. Da richtete sie sich auf und lachte laut mit zurückgebogenem Kopfe, dünn und tonlos, wobei der Kropf, der spitz und majestätisch cui dem chalse ragte, unruhig auf niederhüpfte. Dabei band sie die Aehren, die in der linken Hand gesammelt waren, zu einem Strauß zusammen und schüttelte die halmlosen aus der aufgebundenen Schürze in einen mitgebrachten Korb. Dann beschattete sie mit der linken Hand die Augen und sah auf da» Feld hinaus. Leise summte der Wind, und der Himmel über ihr schwang und dröhnte im klarsten Blau und war zart weiß- hauchig und silbern getupft. Die laute Pracht beschämte und be- stürzt« sie und erdrückte ihre kleine Welt, an die sie in den nassen Stadtwänden gewöhnt war. Zur Erde bog sie sich stumm zurück, und die Finger suchten darüber hin und tasteten, und ihre Gedanken tasteten und wanderten mühsam und langsam mit, wie es so einem alten Frauensmensch so eigen ist. In der linken Hand wurden die langen Aehrenhalme zu einem Strauß gesammelt und die halmlosen kamen in die Schürze, die sie noch von der Mutter seelig geerbt hatte. So eine Schürze, dachte sie, ist doch zu allem nütze, man kann sie lang und glatt über den Röcken hängen lasien oder sie hochbinden und hineinsammeln, was man unterwegs finden kann, oder sie zu einem Kopftüchel zusammen- binden. Früher, da trugen alle Männer Schürzen, und, was ihr Gustav war, der sah gar schneidig aus, wenn er sie Sonntags um- gebunden hatte und mit seinen weihen, frischgewaschenen, blanken Hemdärmcln in der Türe stand und den Nachbarn.Guten Morgen" sagte. Ja, der Gustav, das war schon einer! ein Forscher! Die bcutigen Männer, das ist alles nichts mehr, so was Falsches und Weiches, huh! und ihre Minna, die hatte auch einer sitzen lasten. Und die war doch so schwach und hustete immer, und wäre bald gestorben, als der kleine Fritzel kam. Run ging sie in die Fabrik und hustete immer. Das Hot sie vom Gustav, der hustete auch. „Nichts wie Landluft, nur Landluft", hatte die Müllersche geschrien, »nd die wußte das. Wie schwer doch der Klee von drüben roch und duftete! Wie es da vor ihr hastete und zirpte und jagte und lustiges Wesen trieb, nichts wie Landarbeit, nur Landarbeit! Da hätte der Fritzel zu staunen, und der Ausschlag würde bald heil werden in der vielen Sonne und die Augen hell und ruhig. Daß nur die Güthnern richtig auf ihn aufpaßte! So eine Frau, die schon seit dreißig Iahren nicht mehr aus der Stube gekommen ist, wird doch immer mehr unzuverlässiger. Ja. die Güthnern, die würde schön aucken, wie weit die Welt noch hinterm Stadtberge daliegt, und das ist schon ein weites Stück Weg. Sie soll aber auch ein Süppchen baben, wenn sie aufpaßt, am Sonntag, oder so ein schönes Mehl- süppchen, und warm, mit Margarine, die dick daraufschwimmt. O du st-!ber Himmel, die vielen Aehren, die da noch liegen, o du liebe» Gtfltchen! Solcherlei flinkes Wesen trieben die Gedanken in ihr. Als die Sonne hoch im Süden stand, richtete sich die Alte auf und setzte sich mit ihrem gesammelten Reichtum an den weichen Feldrain, wo sie aus einem rotgestreiften Taschentuche einige Brotstückchen wickelte und bedächtig abbröckelte und in den Mund hineinschob. Mittag ist Mittag, dachte sie, und alles muß seine Richtigkeit haben. Heiß zitterte die Luft, und aus der Ferne wimmerte ein Mittogsglöcklein matt zu ihr herüber. Mücken und Bienen und dunkle Käfer summ- »sn und surrten um sie, und über den Getreidepuppen jagten sich weiße Schmetterlinge, liebe, leichte Dinger, und flogen plötzlich auf und hoch in die sommerliche Lieblichkeit hinein. Die Alte kam sich so Marina. Zs von Gabriela Preissovä. (Autorisierte llebersetzung aus dem Tschechischen von L. Lcrchtold.) .Du hättest dir schon etwas gönnen dürfen, wenigstens ein neues Tuch, da» hätte mich gefreut: wozu habe ich dir zwanzig Kronen gegeben? Doch nicht, damit du sie wieder nach Hause bringst." Er nahm vom Herde eine bemalte Kanne mit Kaffee, schnitt ein Stück Brot ab und brachte beides nebst einer Zuckerbüchse aus einer Taste galant seiner Frau. Marina kam er jetzt so lächerlich unbedeutend vor. daß sie gezwungen war. den Blick von ihm zu wenden. Sie legt« die Jacke ab. zog die Schuhe aus und begann dann, mit scheuem Blick die Stube musternd, den Kaflee zu trinke». Der Mann streichelte ihren Ellbogen, sie schüttelte fröstelnd ab. „Ist dir kalt? Ja. noch der langen Fahrt packt einen die Kälte an. Mir für meinen Teil wäre die Wallfahrt kein Vergnügen, aber da es dir eine Freude macht, möchte ich es dir nicht verbieten." .Was jür ein guter Mensch er doch ist," dachte Marina, und laut sagte sie:.Ich«erde mich schon niederlegen, mein Körper ist ganz wie zermalmt." .Geh' dich nur ausruhen. Kindchen, ich» werde nur noch die Zettung zu Ende lesen. Die Hühner sind im Stalle, die Ziege ist versorgt. Du brauchst kein« Sorge mehr zu haben— und morgen wirst du mir alles erzählen.— Bei uns war heute nur der junge Wächter aus dem Eisenbahnhäuschen. hat sich ein paar Hausschuhe bestellt. Cr sagte mir, daß er die Stelle nach dem Voter bekommt, wenn sie den Allen ins Grab legen werden, aber der Wachtmeister bat mir verweile abends im Gasthaus« gesagt, daß sein Bruder den Posten bekommt, die Herren von der Eisenbahn haben es ihm ganz bestimmt versprochen." Marina schleppte sich nun, ohne zu antworten, in die Kammer und kauerte sich dort auf ihrem Bett zusammen. Sie mußte nach- denken:„Also man wird den armen Iura au» seinem Wächterhaus jagen. Er wird keinen Platz finden, wohin er sich wenden könnte, verlosten vor. als sie still hochgehuscht waren, genau wie damals verlasten, wie ihr Mann seelig mit Eichenbrettern zugenagell und in die kalte Erde hinuntergesentt wurde. Die kalle Erde da in der Stadt, und gruslig war st«! Scheu legte die Alle die Hand auf den Boden und fühlte gespannt und mit zitternder Ausmerksamkeit. Nun, nun, dachte sie, d i e Erde ist warm und gut, ja, das ist was anderes, das hier. Ja, ja, die Erde... die Erde... ja, die warme, wette ... und dann legte sie sich seufzend in das Gros zurück und schlief erschöpft und glücklich ein. Die sommerblauen Schatten waren schon long, als sie erwachte, und die Sonne hatte sich nach dem Westen gesenkt und schien milder und nachsichtiger. Erschrocken und ein wenig beschämt darüber, den Nachmittag verschlafen zu haben, stand die Alte auf und glättete hostig ihre Kleider. Dann schob sie zum Schutz das Kopftuch über die Stirne vor und ging gebückt weiterlesend zwischen den Reihen auf und ab. Sie war noch müde und schläfrig und die Gedanken, Der öauherr. .Recht aus Arbeit"? Mir genügt das.Recht auf Aussperrung". »........... i■«inra— w tr— die losen, die wollten keine Gespräche weiterspinnen. Man taugt nichts mehr, rein gar nichts, wenn das Alter in den krummen Körper schleicht. Das betrübte sie und das Bücken wurde ihr schwerer und schwerer. Das ist schon eine liebe Not, haderte sie, ober sie trösteie sich damit, daß ihr Körbchen bald gefüllt sein würde. Das Glück, ihre bescheidene Lebenspslicht getan zu haben, erfüllte sie ganz und strömte liebevoll und mit friedlicher Mattigkeit durch die alten, morschen Glieder.— Daß es doch so viel Schönes gibt, jubelte sie, so Schönes! o du mein liebes Gottchen! o du mein! Und nun geschah es, daß ihr strahlendes Glück von einem groben Schatten verdüstert wurde, grob und plump, wie der einer aufge- blähten Wolke. Erschrocken blieb sie gebückt, und das Herz brannte und stach furchtsam in ihr, vom Herzschlag getrieben, zitterten und kratzten die Hände ausgeregt über die harten Stoppeln. Hinter ihr aber grollte und prustete es dumpf»nd tief auf. „Na... na... na, sag' ich!" höhnte eine bittere Stimme, daß eine ausgeschreckte Maus verstört in ihr schmales Loch heimflüchtete. Die Alte wagte nicht aufzusehen. O du mein, du mein! stammelte die Angst in ihr. Die Kehle war trocken und wie zugeschnürt, müh- sein« Blumen und das Gärtchen muß er einem anderen überlassen. Er wird vielleicht weit von hier weggehen müssen, das Herz wird ihm brechen. LH, warum mußten wir uns damals am Johannis- feiertage begegnen?.. Armer Iura! Jedes Mädchen würde gern einem solchen Burschen zum Altar folgen,— aber gerade sie selbst, was könnte sie, an ihren Eid gebunden, für ihn sein?.... Ihre Augen überströmten von Tränen, eine schmerzliche, sieberhafte Sehn- sucht entquoll ihrem Herzen, am liebsten wäre sie aus dieser Kammer entflohen. Mit ihm entflohen in die weite Welt! Wie wehe war ihr um diesen süßen Burschen, gern würde sie ihr Leben hingegeben haben, um ihm zu helfen. Und so gern würde sie mit ihm darüber sprechen! Er hatte sie aufgefordert, hinzukommen in sein Gärt- chen, wenn es dunkel ist»nd niemand sie sehen konnte. Dieses Gärtchen, von dem er glaubt, daß es ihm gehören werde. Kann sie ihm diesen Traum rauben? Soll sie ihm die Wahrheit mitteilen? Ihr Mann hat einen tiefen Schlaf, wenn der einmal schläft, kann ihn jeder über die Schwelle tragen, ohne daß er erwachte. Sollte sie es wagen? Noch heute könnte sie sich ausraffen und zu dem Wächterhause laufen.... Um l Uhr muh Jura herauskommen. wenn der Lastzug vorüberfährt. Da kann er noch heute die ganze traurige Wahrheit wissen. Und sie kann ihm sagen:«Siehst du, Jura, wie es mit mir steht, auch ich finde keine Ruhe mehr. Nur deinetwegen bin ich heute bei der Studnitzer Jungfrau Maria ge- wesen, um zu bitten, daß sie diese Sünde von mir nimmt, ich hätte ja sonst nichts zu beichten gehabt, als meine sündige Liebe zu dir. Und ich nahm darauf die Kommunion. Jetzt begreife ich auch, warum mich die Jungfrau am Altare so traurig und vorwurfsvoll- anblickte. Jetzt weiß ich nicht, was aus mir werden soll. Meineidig kann ich doch nicht werden, mein Mann ist ja nicht einmal bös«. Ich werde dem Iura sagen:„Nimm mich mit dir auf das Gleise, wir wollen zusammen in den Tod gehen. Bei der Hand wollen wir uns hatten, und rein, wie ich von der heiligen Maria kam, will ich mit dir sterben und in das himmlische Paradies eingehen, da wird die Heilige gewiß für uns bitten.... Hier am Tische will ich einen Zettel lasten, worin ich den Mann, die Eltern und alle Menschen sam schluckte sie und brachte kein Wort hervor. 2m Bücken drehte sich die alte Frau langsam um. Ein vorgestoßener Bauch war es, wqs sie zuerst sah, und eine mattgoldene Uhrkette, die an der auf- gesperrten Weste baumelte. Darunter quollen dicke Beine in braunen Ledergamaschen prächtig hervor und standen fest und prahlerisch auf dem Boden. Links auf dem Stocke stützte sich eine rotfleischige Hand. „Wer hat dir denn gesagt, daß du in meinem Felde rumwühlen kannst? he? Runter, runter, sag' ich, sofort runter vom Felbel He, he!... was willst du?... Runter, runter, sag' ich! Runter, alte Hexe!..." Diese harten Worte risten die Alte jäh steil hoch, daß es ihr weh tat. Ihr Gesicht war bleich geworden und das Kopstuch in den Nocken gerutscht. Dürstig wackelte wehleidig ihr dünner Schopf in der Luft und machte sie häßlich und in ihrer Hilflosigkeit unendlich rührend. Vor sich sah sie nichts, als ein schweißtriefendes, breites Gesicht. das in roten, kreisrunden Flecken vor ihren Augen tanzte. „O du mei liebes Herrchen! feins ock e bissel gut, um Christi willen! So enn paar Hälmchcn!.. liebes, gutes, bestes Herrcchen!.. Un den lieben, langen, geschlagnen Tag uff'n Beinen... ach du mei Gütchen! Wenn man ock so alt wird.. versündgen sich nich.. bestes Herrechen! Sie hab'n ooch Kinnerchcn daheeme, kleine, süße Puperchen... un en Frauchen... Lassen se mir das da.... Sehn' se, so fleißig war'ch, ich altes Wcibele..." ...„Weg vom Felde! Runter, runter, sag' ich! Weg da... altes Pack!... Hier schütt'ste den Dreck hin, hier, hier... au die Garben hier hin, sag' ich!... Los, los, sag' ich... Runter. sofort runter dann! Verdamm' mich! he, he... Los, los, runter. runter! Keen Fuß wieder daherrs... he, keen Fuß, sag ich!" Der dicke Mann prustete und wütete und sein Stock wühlte und quirlte die Erde auf, er schimpfte und polterte, bis der Himmel die letzte Lösung fand und ein Einsehen hatte und langsam schwere Regentropfen aufklatschen ließ, daß der alte Grobian mit seinen poltrigen Bosheiten flüchtete, nicht eher aber, bis die Alte aus seinem Bereich und hinter einem hingekrümmten Höhenhügel verschwunden war. Der Wind pfiff und stöhnte durch die Bäume, in den Blättern peitschte schräg der Regen. Die Alte schritt der Stadt zu, die fern aus dem Nebel unheimlich hell leuchtete und glitzerte. Matt stampfte sie vorwärts und zählte schluchzend die Kirschbäume längs der Land- stiaße. Ihr fieberte ein wenig, und die Augen waren heiß und wurden tränenversiegt, und weh und wund brannte die Brust, so weh. Vor der Stadt blieb sie auf einem Meilensteine sitzen und sah zurück in den Regen und in das schweigende Land hinaus. Das war gespenstisch und wild und düster und voller Grauen. Sie fror, und die Angst kroch ans Herz und umspannte es mit giftig langen, spitzen Fingern. Mühsam schlurfte sie weiter, und der leere Korb drückte grausam auf den alten Rücken, wie noch niemals zuvor. Regcnbogenfarbcn der Meere. Reisende, die in diesen warmen Sommertagen zum erstenmal das Meer aufsuchen, sind manchmal enttäuscht, wenn sie nicht die schöne blaue Farbe finden, die sie erwartet haben. Die Meere der einzelnen Erdteile sind sehr ver- schieden gefärbt und können in allen Farben des Regcnbogens strahlen: sie nehmen fast jede Tinte an vom Gelb bis zum tiefen Purpur. Die blaue Farbe, die die Dichter so oft am Meere preisen, wird durch den Salzgehalt des Wassers hervorgerufen, denn die unzähligen kleinen Salzteilchen im Wasser werfen das blaue Licht der Sonnenstrahlen zurück. Meere mit einem großen Salzgehalt haben das tiefste Brau, so z. B. das sehr salzreiche mittelländische Meer. Die Färbung des Stillen Ozeans ist meist so dunkel, daß man sie Indigoblau nennen muß. In der Nähe der Küste wandelt sich oft die Meeresfärbung in Grün. Der weiße Sand auf dem Grund stachen Wassers ruft dieses Lichtgrün hervor, während der duukclgetbe Sand, mit dein Blau des Wassers vereinigt, ein tieferes Grün her- vorruft. In der Loango-Bai erscheint das Wasser tiefrot infolge des roten Meeresgrundes. Eine andere U'-fache für Was'erfärbungen ist die große Anzahl von winzigen Oraanirmen, die darin leben. In einigen Salzseen Tibets und ebenso in einigen Seen Südfronk- reich» befinden sid, gewisse rote Tierchen, die dem Wasser eine leb- hafte karmoisinrote Färbung verleihen. An manchen Stellen des Kanals in der Nähe der großbritannischen Küste leuchtet das Wasser tatsächlich in jeder Farbe des Regenbogens, eine Erscheinung, die durch die eigenartige Sonnenstrahlung hervorgerufen wird. Shakespeares Garten. Neben dem Landhoule William Shokc- spear« in Stratford am Avon wurde ein Garten eingeridstet, in dem etwa 300 verschiedene Blumensorten, und zwar alle, die in den Werken des Dichters erwähnt sind, gezüchtet werden. Das ist ein feinsinniger Gedanke, aber leider begeistern die Besucher sich so dafür, daß die Blumen förmlich geplündert werden. Deshalb muß der Garten zeitweilig gesperrt werden. bitte, sie sollen mir verzeihen und uns zusammen in ein Grad legen. Meine Schwester soll dann unser Grab mit all den schönen Blüm- chen bepflanzen, die in deinem Gärtchen wachsen." Sie mußte mit Anstrengung das hervorbrechende Schluchzen unterdrücken, das nun ihre Brust zu sprengen drohte, damit ihr Mann in der Nebenstube nichts hörte. Iura, durch das Rufen des Vaters geweckt, sprang schnell aus dem Bette, entzündete die Laterne und zog sich Schuhe und Rock on. Die Nach: war dunkel und sternenlos, die Luft erstickend schwül, als wenn es jeden Augenblick regnen wollte. Wie schade, gezwungen zu sein, aufzustehen, wo es sid) so wunderschön träumen läßt von der geliebten Marina mit den Scidcnwangen und dem demütig ge- neigten Nacken. Aber Iura war nicht vergebens Soldat gewesen, um seine Pflicht zu vergessen. Hier hört alles Seufzen auf. Er eilte schnell hinaus und überblickte rasch den Eisenbahn- dämm, so weit die Augen reichten. Noaj war gar nichts zu hören. sonst ließ sich der Zug schon von weitem vernehmen. Aeraerlich, daß man auch nod) vielleicht eine Stunde warten muß! Er kehrte ins Haus zurück, um sid, eine Zigarette zu holen, zündete sie an und ging wieder hinaus, den Zug zu erwarten. Da plötzlich oernabm er ein Geräusch, und beim Gartenzaun tauchte eine Frauenaestalt auf. „Mein Gott im Himmel, die Marina!" So bald hatte er sie nicht erwartet. Sein Herz podzte stürmisch. Er schleuderte die Zigarette weg, lies zu Marino und umfaßte sie mft beiden Armen. „Du bist gekommen," jauchzte er mit oedämpfter Stimme. „Meine Süße, Einzige! Wie hast du das so schnell gemacht, mein Seelchen?" „Als Hat�ik tief eingeschlafen war, bin ich aus dem Hause gelaufen," antwortete sie mit müder Stimme, und trotz der schwülen Nacht bemerkte Iura an ihr ein Frösteln. „Ich bin gekommen, mein Iura, um dir zu sagen: Ich möchte gern, daß wir mit allem ein Ende machen!"(Schluß folgt.) Irotteur Plüsch, mti fescher S Bandgamiemng.. ,\ß oSrXif igenabgäbe behalten Mengenab vor um unseren bisherigen Kunden unsere Leistungsfähigkeit — und neue Kunden zu werben Damenwäsche zu beweisen- Kleiderstoffe Handarbeiten Schürzen 1.75 2.45 ! 2.95 Damenhemd Trigedonn mit Laognettcn Damenhemd mit breiter Stickerei.... Hemdhose � mit Hohlsaum-Garnicrung< Prinzehrockbrdfer Sdckerei-Garnlenmg. Nadithemd« /,«? mit Stldcerei-Gamienmg OaTTw Damen-Konfektion Kleiderrock engt< /»c gemustert, moderne Firben l.OO Kasak ans buntem 4 QCT gemusLBwimwoII-Mnuelln l.S/O Schotten-Kleider moderne Krawatte, and CT LackgUrtel....... V» I w Uebergangs- Mäntel. Tersdued. 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Bruder,. Schwager,. Onkel« und Neffen Ernst Berbig sagen wir hierdurch innig ff en Dank. Besonderen Dank Herrn St whrisfiani für die zu Setzen gehenden Worfe, dem Refchsbanner Dchwanz.Rof.Mofd für die erwiesene legte Shre n. d Winner- quartett(üt den erhebenden Gesang. vi« tiefbetcflblcn(Elfern zugleich auch im«amen aller anbeten Angehörigen. linieren Teilnehmern an der Berfaffmigöfefer in Berlin, fit In so Uberems reichem Masse(Soft" irenndschaft gewöhrt worden Wir sagen unseren Neri Kameraden und freunden, besonder» der Kameradschaft Frubrichehain unsern herzlichsten Dank. Lanb«d«raa.W.1Z.Ang.lSÄ jcctchcll! Reichsbanner Schwarz. Rot.(Sold. «reisverein Landsderz a B. Der Boritand. Adolf hoffmana Episoden und Zwischenrufe aus der Varlament». und Minislerzeit. Vre«, t Statt Porto 5 Pfennig. Vorrätig in allen vorwärf»- Ausgabesielleu. k Kenataeazbtttten ffannenh billig. Nah, llastanienallee 04._ Monatmarderob», Lothringerstroffe SC, eine Treppe, Nosenthalerplah. von Millionören. 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Simmerftr 59, an den«eschai,«tagen in der Zeit von 9 di, 2 Uhr während der oben bezeichneten Frist zur Einsicht«us. 8ut miinditchen Erörterung der recht» zeitig erhabenen Einwendungen wird vor unterem ikommiffar, Stadlinspeitor iiunäe. -ui Mittwoch. den- September 1925, oorm 9 Uhr, In unserem Bureau ein Termin anberaumt. ,» dem die Unlernehmerin sowie die Widersprechenden nnier der Er» Sffnnng geladen werden, daff auch bei ihrem Ausbleiben mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wirb «erlin, den 18. August 1921. Dar St.dtaasschuC Berlin, Abt I _ Schneidet. B iscMas s&s I, 15 T«a iW ikm PID« dneltift nrin. Osnrtislbirt Ht ltrfoljt SnUtigr»? ig( tifemin. arat), empfohlen. 'mlitastnb'Ol. Mi. M.(«ioIii 10-12. iZsin Metall betten StahloiätratZn Kinderbetten dir. an Prlv. Kat30A frei. Eiscnmöbelfabr Suhl Thür. Verkäufe Reiff, enge(Richter-Präzistanl. Sifflet. Heits-Solbfülliederbolter. Bureaubedarks- bau» Lindner. Neukölln. 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