Abendausgabe Nr. 384 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 189 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennis Sonnabend 15. August 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag Smug. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2537 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Edmund Stinnes verschenkt Aktien.„ Ohne Zögern und Erbarmen". Ein Angebot an die Belegschaft der Aga. In seinem Kampfe gegen das Stügungskonsortium des Hugo- Stinnes- Konzerns ist Dr. Edmund Stinnes, der Hauptaktionär der Aktiengesellschaft für Automobilbau in Lichtenberg, auf ein eigenartiges Mittel verfallen. Bekanntlich verweigern die Banken die zur Fortführung der durchaus rentablen Werke notwendigen Betriebskredite. Die Aga war in folgedessen bis heute mittag außerstande, die Löhne aus zuzahlen. Vielleicht aus Furcht davor, daß das Borgehen der Banken zum Konkurs führen könne und in der Annahme, daß bei der Abwehr dieser Gefahr die Hilfe der Angestellten und Arbeiter des Betriebes nüglich sein könnte, hat nun Dr. Edmund Stinnes gestern abend dem Betriebsrat seinen Entschluß mitgeteilt, die Hälfte seines Aktienbefizes an der Aga der Arbeiterschaft zum Geschenk zu machen. In welcher Form die Verwaltnug des Aftienpatets erfolgen foll, steht noch nicht fest; gedacht war daran, daß der Betriebsrat es treuhänderisch für die ganze Beleg schaft verwalten soll, um dann eine etwa zur Verteilung gelangende Dividende anteilmäßig auf die einzelnen Arbeiter zu perteilen. Der ganze Vorschlag ist ein Notwehr-, vielleicht auch ein Reklameakt. In der berechtigten Sorge, daß ein derartiges Gewinnbeteiligungsverfahren auf nichts anderes als auf eine der bekannten und, man muß schon sagen, berüchtigten Werfsgemeinschaften hinausläuft, hat der Betriebsrat bisher zu dem Schenkungsangebot noch) feine Stellung genommen. Wie wir hören, wird er sich bemühen, eine Form zu finden, in der er die llebernahme der Aktien mit den Interessen der gesamten Arbeiterschaft in Einklang bringen kann. Wie das möglich ist, derüber besteht noch feine Klarheit; es müßte wohl vorher mit den zuständigen zentralen Gewerkschaftsinstanzen verhandelt werden. Diese vorsichtige Stellungnahme des Betriebsrctes ist 3: 1 billigen. Die Gefahr, daß hier in der Abwehr von ileber griffen der Banten eine tapitalistische Wertsgemein= schaftszelle gegründet wird, die nach bekanntem Muster den Werks- und Betriebsegoismus der Belegschaft hochzüchten kann und diese schließlich die Interessen der gesamten Arbeiter schaft vergessen läßt, ist nicht zu unterschätzen. Andererseits ist es durchaus denkbar, daß man in Uebereinstimmung mit den übrigen Gewerkschaftsinstanzen eine Form findet, die diese Bedenken beseitigt und den Zusammenhalt des Betriebes zur Aufrechterhaltung der Produktion gegen die Drosselungsverfuche der Banken ermöglicht. Bezeichnend ist es jedoch in jedem Falle, wie jetzt der Erbe des großen Stinnes mit einem wirklich großzügigen Geschenk um die Gunst seiner Belegschaft wirbt, damit er den Kampf gegen die Banten aushalten kann. Man könnte dieses Borgehen als einen Verzweiflungsaft abtun. Damit Eisenbahnkatastrophen in Frankreich. Der D- Zug Köln- Paris verunglückt. Paris, 15. Auguft.( TU.) Gestern abend hat sich ein neues schweres Eisenbahnunglüd ereignet. Auf dem Bahnhof Seulis unweit St. Denis fuhr der Expreßzug Köln- Paris mit großer Gewalt auf den Liller Schnellzug auf. Die drei letzten Wagen des Schnellzuges wurden zertrümmert. Bier Perfonen wurden getötet und 50 zum Teil schwer verletzt. Durch die Dunkelheit waren die Reffungsarbeiten fehr erschwert. Unter den Berwundeten befinden sich verschiedene Personen, die aus Amiens tommen, wo fie unter den Opfern des Eisenbahnunglücks am Donnerstag Berwandte festzustellen versucht hatten. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat sich sofort an die Unglücksstelle begeben. Ein zweites Unglück. Paris, 15. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Gestern um 5 Uhr 20 ereignete sich ein Eisenbahnunglüd bei Pontoise. Ein Zug Dieppe- Paris entgleifte, wie die eingeleitete Unterfuchung festgestellt hat, infolge eines Jrrfums des Weichenstellers. 7 Personen wurden verwundet, darunter ist jedoch niemand lebensgefährlich verleht. Eisenbahnunglück in Oesterreich. Wien, 15. Auguft.( TU.) Der D- Zug Wien- Belgrad ftieß gestern nachmittag bei der Station St. Corenzen auf einen Güterzug, wobei mehrere Eisenbahnwagen zerfrümmert wurden. 15 Personen haben Berlegungen davon getragen. Einstellung der Optantenausweisung. würde man aber der Sache nicht gerecht werden. Tatsächlich handelt es sich um ein erbittertes Ringen. bei dem Gedeihen und Verderben eines bisher rentablen Betriebes auf dem Spiele stehen und zu dem es gar nicht erst hätte kommen brauchen, wenn die Herrn Kapitalisten, die untereinander streiten, den Dienst an der Produktion über die finanzillen Auseinandersetzungen stellen würden. Eine Erklärung Dr. Edmund Stinnes. Faschistenpolitik. ( Bon unserem italienischen Rorrespondenten.) Rom, 13. August 1925. M Zu den Vorgängen bei der Aga veröffentlicht Dr. Ed- schlechten Mann mitleidig die Natur". Immerhin rät die mund Stinnes folgende Erklärung: schreibt in einem seiner zahllosen Telegramme dem FaschisFarinacci, der große Rufer im Streit der Fraktionen, morgen wie heute, ohne 3ögern und ohne Erbar mus diese Regel vor: Immer vorwärts, heute wie gestern, men!" Gelegenheit zu diesem telegraphischen Vorstoß gibt Spezia, wo die Faschisten, bei Stimmenthaltung der geein sogenannter Wahl ausgang in der Hasenstadt samten Opposition, die Mehrheit und die Minderheit der Stadtverordneten erzielten. Derartige Siege" zu feiern ist eine faschistische Spezialität schamlos schuf den faschistische Bresse davon ab, in größeren Städten die KomDer Aktiengesellschaft für Automobilbau fehlt andere Großstädte feit Jahren unter außerordentlicher Vermunalwahlen anzusagen, obwohl Rom, Turin, Genua und zurzeit die normale finanzielle Unterstügung, nachdem durch waltung stehen.. Das Beispiel von Palermo war eben doch mein Ausscheiden aus der Firma Hugo Stinnes ihr die bisherigen nicht ermutigend, wo in einzelnen Abteilungen der Finanzierungsmöglichkeiten seitens der Firma Hugo Stinnes ent= zogen wurden und die früheren Bankverbindungen mit einer Ausinneren Stadt 80 Prozent antifaschistische nahme die vorher vorhandene Unterſtügung ablehnten, und zwar Vororte den Faschismus gerettet haben, wie sie seit JahrStimmen abgegeben wurden und wo überhaupt nur die wegen des Interesses derselben Banken im Hugo- Stinnes Stügungs- zehnten den Beruf in sich fühlten, den Kandidaten jedweder fonsortium. Die Führung des Bankenkonsortiums steht auf dem Regierung zu retten. Nach dem Wahlausgang von Palermo Standpunkt, daß ihr die Aktiengesellschaft für Automobilbau völlig gleichgültig jei und überläßt es der Aktiengesellschaft für Auto- sche Partei am besten weiß, was er gekostet hat, tritt die For16 000 gegen 25 000 Stimmen von denen die faschistimobilbau, ihre Forderungen gegen Hugo Stinnes im Prozeßwege derung der Abschaffung der kommunalen Auto= geltend zu machen. Damit kann man selbstverständlich keine nomie in der faschistischen Presse wieder in den VorderLöhne bezahlen und 8-10.000 Arbeiter- und Angestelltenfamilien, die direkt und indirekt von dem Werk abhängen, drohen der schen Provinzen durch einen von der Regierung ernannten grund. Die Habsburger ließen die Kommunen der italieniArbeitslosigkeit anheimzufallen, trotzdem das Unternehmen fast voll und weiter besser beschäftigt ist als die überwäl- Podesta" regieren. Was man von früherer Fremdherrschaft tigende Mehrzahl der deutschen Unternehmungen gleicher und an hat ertragen müssen, wird man auch von der heutigen hinderer Branchen. Die bisherigen Versuche, durch Bermittlung der nehmen. Aber der Faschismus schwankt hin und Reichsregierung und der Preußischen Regierung die notwendige her zwischen dem Respekt vor den Ueberresten der Verfassung Unterstügung zu erhalten, haben vorderhand noch nicht zu dem und der schlichten treuherzigen Parteigewalt. Nun tommt die Parole von oben, vom Ueber- Duce: gewünschten Erfolge geführt. Nach den von Bankseite abgegebenen Erklärungen habe ich den Eindruck, daß die Unterstügung entbietet der Provinzialrat von Bisa den Mördern des ,, ohne Zögern und ohne Erbarmen". Gleichzeitig in erster Linie deswegen unterbleibt, weil ich Besitzer der Aktienmajorität bin. So habe ich mich entschlossen, die Hälfte meines telegraphische Huldigung: jener Mord war selbst unter den Genossen Rindi seinen Gruß und sendet ihnen eine Aktienbefizes ohne Gegenwert der Arbeiterschaft des Werkes faschistischen Berbrechen eine Ausgeburt der Feigheit und Rohtelegraphische Huldigung; jener Mord war selbst unter den zu übereignen, die bisher die Verwaltung bei der Umstellung auf moderne Fabrikationsmethoden bestens und voll unterstützt hatte heit. Es wird den Einwohnern der Provinz Pisa eine und die daher mit die höchsten Löhne in Berlin verdienen konnte, rechte Freude machen, daß sich ihre Vertreter offiziell soweit das Werk noch mit Ueberschuß arbeitet. Ich hoffe, daß, korrigieren die Faschisten die Amnestie vom 3. August, die mit den Mördern solidarisch erklären. Gleichzeitig nachdem nunmehr eine Majorität meinerseits bei der Aktiengesell- in ihren Augen den Fehler hat, nicht zwischen Faschisten und schaft für Automobilbau nicht mehr vorliegt, dieses Unternehmen Antinationalen zu unterscheiden, wie die vorhergegangene die erforderliche Unterstützung erhält. Um entstehenden Gerüchten in der Deffentlichkeit vorzubeugen, habe ich hier zum ersten Amnestie ihres Regimes. Freilich haben die Faschisten aus der Amnestie, die bis auf Mord und Totschlag alle poliMale seit meinem Ausscheiden persönlich Stellung genommen, da es in diesem Falle nicht um Handelsunternehmungen, Aktienbeteilitischen Verbrechen straffrei ausgehen läßt, insofern gungen und derartiges geht, sondern um Gedeih und Berderb eines gungen und derartiges geht, sondern um Gedeih und Verderb eines produttiven Betriebes mit Tausenden von Menschen. merellen Anweisung erhalten, daß die am 5. Auguft erneut ausgesprochenen Ausweisungen der deutschen Optanten vorläufig nicht zwangsweise vollstrect werden sollen. Polen und der Garantiepakt. Erklärungen des Außenministers. Paris, 15. Auguft.( TU.) Der polnische Außenminister erflärte nach seiner Unterredung mit Briand Pressevertretern, daß er den französischen Außenminister zu den Ergebnissen seiner Londoner Abmachungen beglückwünscht habe. Aus den Londoner Berhandlungen ergebe sich, daß England, ohne besondere Verpflichtungen tie anerkannt babe. Bolen bleibe bei seiner Auffassung von der einzugehen, das Prinzip der gegenwärtigen Baran gegenseitigen Hilfe, die allein eine wirksame Aufrechterhaltung des Friedens gewähre. Bei der Aufnahme Deutschlands in den Bölkerbund handele es sich nur um eine Frage der Innenpolitik. Wenn sich die öffentliche Meinung in Deutschland beruhigt habe, werde die Reichsregierung die Aufnahme in den Völker bund beantragen. Für Polen liege das Sicherheitsproblem flar. Das erste Land, das die Waffen ergreife, um Frankreich zu helfen, werde Polen sein, weil es auf Grund des Artikels 16 dazu ge3mungen sei. Der Sicherheitspaft werde große moralische Borteile mit sich bringen. Jeder Staat werde bis zu einem gewissen Grade aus Furcht vor der öffentlichen Meinung davon abgehalten werden, einen anderen anzugreifen. Japanisches Ultimatum an China. Angst um den Profit. Paris, 15. August.( TU.) Ans Tokio wird gemeldet, die japanische Regierung habe an das chinesische kabinett eine Note gerichtet, in der sie verlangt, daß fofort Maßnahmen zur. Bei legung des Streits in Schanghai ergriffen werden. Note, die ultimativen Charakter trägt, erregt beträchtliches Die Entrüftung in polnischen Rechtskreisen. Warschau, 15. Auguft.( TU.) Der polnische Innenminiffer hat gestern durch dringende Telegramme die polnischen Behörden in Posen und Pommerellen angewiesen, die Ausweisungen der deutschen Oplanten einzustellen. Nach Bekanntgabe dieser Anordnung in den Abendblättern versammelten sich die Sejmabgeordneten der Rechtsparteien und entsandten eine Abordnung zum mi- Aufsehen. nisterpräsidenten, die die sofortige Aufhebung der Berordnung des Junenministers verlangt. Die Antwort des Ministerpräsidenten stehtud brach heute ein Aufstand aus. Etwa 150 inhaftierte RomGefangenenrevolte in Polen. Im politischen Gefängnis von noch aus. In den Rechtstreifen herricht im Zufamemnhang damit muniften und Utrainer überfielen die Mache und verlegten einige große Aufregung. Wärter. Es wurde Militär herbeigeholt. Ein Häftling wurde geBeuthen, 15. August.( WIB.) Nach den vorliegenden tötet. 140 fonnten wieder eingefangen werden. Neun Häftlinge Meldungen aus Posen haben die Wojewoden von Posen und Pom- find verschwunden. 17 reichen Vorteil gezogen, als sie durch ihren Parteisekretär im Voraus von ihr wußten und also reichlich von ihr Gebrauch machten, wie die zahlreichen Ueberfälle des Monats Juli beweisen. = Wenn der König faschistisch genug gewesen wäre, die Amnestie auch auf den Lotschlag auszudehnen, wäre Amendo Ia sicher nicht mehr am Leben. Berichtete er doch selbst, daß die Aufforderung der Rädelsführer, von ihm abzulassen, mit dem Hinweis auf das Zuchthaus begründet wurde. Immerhin sucht man, wie gesagt, die Mängel der Amnestie auszugleichen. Der Kommunist Rosaviva in Mailand befand sich seit einem Monat im Gefängnis, weil er, von sechs Faschisten. überfallen, sich mit dem Revolver zur Wehr gefeht hatte und einen der Angreifer verwundete. Da der Begriff der orwehr so weit hat ausgedehnt werden müssen, um jeden faschistifchen Angriff zu decken( sogar bei der Ermordung Matteottis durch bezahlte Berufsmörder hat die fascistisde dahin, wo sich ein Nichtfaschist aus Not zur Wehr jetzt. Preffe von Notwehr gesprochen!), reicht er nicht mehr bis Rojaviva tam also ins Gefängnis, weil er sich um sein gemeines nichtfaschistisches Leben gewehrt hatte, aber die noch von veralteten Ideen angetränkelte Amnestie verschafft ihm die Freiheit. Daher am 11. August ja fchi stiicher Angriff auf seine Wohnung, ein fleines Massenaufgebot, denn Rosaviva hat 4 fleine Kinder und eine Frau, es handelte sich also schon um höhere friegerische Leistungen. Die Polizei griff ein, als die Miteinwohner eingriffen, und ver= haftete Angreifer und den-Angegriffenen. Um die nötige Distanz zwischen Faschisten und Böbel einzuhalten, wurde der Angreifer sofort, der Angegriffene erst am nächsten Tage freigelassen. Mehr als eine Forderung ist das ,, ohne 3ögern und ohne Erbarmen" die Formel der heutigen Praktik. Bedenten muß man, daß die armen Faschisten immer wieder proDoziert werden. Was haben sie sich nicht über die Demilion von Orlando ärgern müssen! Ein früherer Ministerpräsident und Inhaber des Annunziataordens, der sich aus dem politischen Leben zurückzieht mit der Begründung, daß für einen Mann seiner Partei und seiner Ueberzeugung" im heutigen öffentlichen Leben Italiens fein Raum mehr ist, zwingt die Faschisten geradezu, ihre Mistfübel über ihn zu entleeren. Man täte Unrecht, in dem Rücktritt Orlandos mehr zu sehen, als den Ausbrud des Etels und der Unluft. Mit dieser Motivierung hätte der Rücktritt nur einen prinzipiellen Sinn, menn er zur Mandatsnieberlegung aller Liberalen innerhalb der Aula oder zu ihrem Uebertritt zum Aventin geführt hatte. Aber Orlando wollte nicht als Führer handeln. Ihn hat einfach I der Etel übermannt. Wer im eigenen Baterlande die zweifel hafte Ehre genießt, das Landhaus seiner Familie von 1000| nicht mehr anders können, als durch Zerschmetterung der„ moralis| führen werde, verwies auf seine bisherigen Erlaffe und stellte weitere Mann bewacht zu sehen, den mag wohl die Freude heimatlich schen Grundlage des Diktats von Versailles" den Sicherheits- wirtjame Maßnahmen, die sich bereits in Borbereitung befänden, in paft zu zerschlagen! Oder sollten etwa auch die deutschnationalen Aussicht. Minister auf die Offiziers: erbände pfeifen? anmuten. Und das ist nun wieder eine Provokation. Denn die Faschisten lieben es nicht, daß die Leute der Opposition ins Ausland gehen. Bleiben sie im Lande, so ist das allerdings auch provozierend, wie die Lektion zeigt, die man Amendola erteilt hat, aber im Auslande tönnten sie schlecht über den Faschismus reden. Und dieser hat schon eine ungemütliche Zahl von Emigrierten: Nitti, von Sturzo, Sforza, Donati und jetzt auch Amendola, Labriola und andre mehr. Die einzig Logische Lösung dieser Situation ist das 3 wangsdomizil Wer das Pech hat, im eigenen Lande als Provokation zu mirfen, und im Ausland auch so daß die Faschistenim Auslande schon von der italienischen Parteipreffe zu Ge. walttaten gegen die Emigrierten aufgefordert werden für den ist offenbar fein Raum auf dieser Erde, außer dem Zwangsdomizil. ,, Wenn erst die faschistische Gesetzgebung vollendet ist, wird die Opposition die Zeit des Knüppels zurücksehnen", hat der Justizminister unlängst gesagt. Als geeignetes Lokal dieser Sehnsucht kommen wohl die Teufelsinseln" des vierten Italiens in Betracht. Der Börse hat man 14 Tage Ferien gegeben, weil man ihr eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber der rapide wachsenden Teuerung zutraut. Aber, wenn auch Brot und Mehl und Del und Fleisch, und alles, was man ißt, und alles, was man anzieht, mit jedem Tage teurer wird, so haben wir doch die große Freude, daß einige nordamerikanische Großbanken Geld in italienischen Industrien anzulegen ge= denken. Was haben nicht die Nationalisten geschrien, als noch viel deutsches Kapital in italienischen. Industrien steckte, daß das Land zu einer deutschen Finanzkolonie würde. Und doch ist diese Gefahr heute vielleicht etwas größer. Man dente fich die Folgen einer Allianz zwischen nordamerikanischen Trusts und Faschismus. Wir fürchten, daß uns dabei sogar das Kolosseum nach New York verschoben wird: ohne Zögern und ohne Erbarmen.... Inzwischen fin ft, war zögernd, aber erbarmungslos, die Kauftraft der Lira: von 18,35 Prozent des Vorkriegs im Juli 1924 ist sie im Juli d. Is. auf 15 Prozent herabgegangen. Luthers Ehrenschuld. Offiziersverbändler gegen die Rechtsregierung. Der Nationalverband deutscher Offiziere", der Stammtisch der Unbelehrbarsten aus dem einstigen deutschen Offizierstorps, hält es zu passender und unpassender Zeit für angezeigt, mit einem schmetternden Zusch an die Deffentlichkeit zu treten. So schreibt er neuerdings in einem Offenen Brief" an den Reichstanzler Dr. Luther: ,, Am 29. August 1924 hat in einer Kundgebung im Namen der Reichsregierung der Herr Reichskanzler Marg zugesichert, daß die Reichsregierung öffentlich in einer Rundgebung das Deutschland abgepreßte Bekenntnis feiner Schulb am Weltkriege widerrufen würde. Seit einem Jahre warten Millionen deutscher Männer und Frauen vergeblich auf eine derartige Erklärung. Immer wieder wird uns von einer gewissen Presse versichert, es sei nicht zweckmäßig, mit einer derartigen Rundgebung herausmatische Verhandlungen gestört werden könnten. das, was seitdem über die Kriegsschuldlüge gedruckt und ge= sprochen worden ist, fann in seiner Wirkung eine Regierungserflärung nicht ersetzen. Nach unserer festen Ueberzeugung ist die amtliche Widerrufung jenes unfeligen erpreßten Bekennt nisses unserer Kriegsschuld eine Ehrenschuld der Regierung." Stahlhelm- Regimentsbefehl. ,, Nationale" Jugenderziehung in Neukölln. RAK. Der Verschwundene meldet fich. As die Haussuchung bei den Staatsanwaltschaftsaffessoren Rußmann und Caspary und im Bureau des angeblichen Vor uns liegt ein Stahlhelm., Regimentsbefeht"|" Dr. Kluge", der in Wirklichkeit den schlichten Namen Knoll aus der allerletzten Zeit, vom 15. Auguft. Kein Regimentsadjutant trägt, stattfinden sollte, verschwand dieser Knoll aus seinem Bureau und fein Rompagniefeldwebel fönnte ihn forscher" abfaffen, wie mit der Bemerkung:„ Ich heiße von jetzt ab Klausing!" dieser„ Gruppenführer" mit Windjacke und Hakenstock. Zur Freude unserer Leser geben wir einige Partien daraus wieder: 1) Während der Abwesenheit des Kam. Fod übernimmt Ram. Rabbow die Führung der Gruppe. 2) Es haben sich umgehend bei Kam. Hattenbach, Neukölln, Fuldastr. 6 folgende Kameraden zu melden: 3) Es ist unbedingt dafür zu sorgen, daß für das Nachrichtenblatt des Landesverbandes 3nferate gesammelt werden. Die Kameraden erhalten einen hohen Rabatt. 3ch erwarte, daß die Ortsgruppe Neukölln mindestens eine Seite mit Inseraten belegt. 4) Zum Ehrenratsmitglied murde Kam. Rabbow er nannt. Sämtliche Ehrenangelegenheiten sind diesem vorzutragen. 5) Am 22./23. August findet eine große Uebung statt. Ich erwarte, daß sowohl der Alt wie der Jungstahlhelm zahl reich daran teilnimmt, damit die Gruppe einen besseren Eindruck hinterläßt wie bei der Uebung am 14. Juli! Treffpunkt Kolonie Neu- Seddin 10 Uhr Biwat, Selbstverpflegung. 5 Uhr morg. Wecken. 6 Uhr Baden. 8 Uhr Entwidlungsübung zwischen Frersdorf und Saarmund. tereffes am Stahlhelm". 6) Folgen eine Anzahl von Ausschlüssen wegen mangelnden In7) Schluß: Ich lege in Zukunft nur Wert auf solche Kameraden, denen es flar geworden ist, wohin sowohl die wirtschaftliche wie die politische Not führt. Frontheil! H., Gruppenführer. Dieser Kommandobefehl im Stahlhelm- Jargon spricht für sich selbst. Er trifft den Ton, in dem die„ nationale" Jugend immer behandelt werden will, die vor Wolluft erschauert, wenn sie im Rasernhofstil angeschnauzt wird. Wie lange noch? " Ein aufgewerteter Herzog. Millionenwerte für Nichtstuer. Der Streit über die Abfindung" des Braunschwei. gischen Fürstenhauses neigt sich auf Grund eines Kompromißvorschlags der Regierung seinem Ende zu. Die splendide Braunschweiger Stahlhelm"-Regierung erklärt fich, gestützt auf einen Bergleichsvorschlag des Oberlandesgerichts Braunschweig, bereit, ihrem verflossenen Landesvater eine jährliche Ben fton" von 75000 m. zu zahlen und den Großteil der ehemaligen Domänen und Krongutwälder dem legten Herzog zu übereignen! " In einer Zeit, in der die Not der brutal enteigneten Sparer und Rentner zum Himmel schreit, in der Kriegsbeschädigte und Arbeitsinvaliden mit fümmerlichen Groschen abgespeist werden, hält es die Stahlhelm- Regierung in Braunschweig für angebracht, die einstigen Allerhöchsten Herrschaften für ihr Nichtstun„ aufzuwerten"! Diese Verwendung der den Rechtsregierungen anvertrauten Belber des Reichs und der Länder soll man sich sehr fest einprägen. Man wird noch oft daran erinnern müssen! Schutz vor völkischem Terror. Seit jener Zeit hat man von dem Manne mit dem falschen Doftorhut nichts mehr gehört. Aber jetzt taucht er mit einer Er. flärung in der Deutschen Zeitung" wieder auf. Dort schimpft er auf einen seiner früheren Angestellten namens Kranz, von dem er folgendes heitere Bild entwirft: Er trat an nationale Kreise heran, friefend von nationaler Gesinnung und Reinigungsbedürfnis, selbstlos bis in die Knochen, nachdem er sich einen Berg von Aften aus den Deutschen Werten verschafft hatte, von denen er ehrenwörtlich versicherte, daß er sie im Altpapierhandel erworben habe. Nachdem Kranz bereits erhebliche Vorteile aus der Aktenverwertung in nationalen Kreisen gezogen hatte, wußte er sich bedeutsame Teile dieser Atten zurüdzubeschaffen, um sie in allen möglichen politischen Lagern, von den Deutschvölkischen bis zu den kommuniften, zum Verkauf anzubieten. Während er so den an sich berechtigten Feldzug gegen die Deutschen Werke zu seinen Gunsten auszuschlachten wußte, bemühte er sich gleichzeitig, gemeinsam mit seinem Freunde, dem angeblichen Großfaufmann Aladom, erhebliche Werte aus den Beständen der von ihm selbst so schwer beschuldigten Deutschen Werke nach Argentinien zu verschieben. Nach Scheitern dieses„ Geschäfts" und einiger Erpressungsversuche, die er bei mir und anderen Personen machte, fehrte er zu seiner alten Liebe zurück. Er verkaufte alles, was er in nationalen Kreisen erfahren hatte oder glaubte erfahren zu haben, an den Vorwärts". Ergebnis: Die Aktion des Berliner Polizeipräsidiums gegen die Staatsanwälte und die Haussuchung bei mir. Mit einem Manne, der so von nationaler Gesinnung trieft", der gestohlene Atten und alles, was er weiß oder hört, verhöfert, haben sowohl Knoll- Kluge- Klausing, wie der deutschnationale Oberregierungsrat Goebel in der Geschäftsstelle der Deutsch- Korrup nationalen lange gemeinsam gearbeitet, um die tion in der Politik zu bekämpfen! Dieser Mann war der Verbindungsmann zum Assessor Kußmann und Stammgast in Moabit! Wir stellen das nur fest, um die Qualität der Reinlichkeitspriester ins rechte Licht zu rücken. Dabei sei nur ganz nebenher erwähnt, daß die Behauptung, Kranz hätte sein Wissen dem„ Borwärts" verkauft, dreiste Erfindung ist. Die Redaktion des Borwärts" hat mit dem Ehrenmann Kranz nie etwas zu tun gehabt. Sie überläßt ihn neidlos den Deutschnationalen: Völkischer Radau in Wien. Wien, 15. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Aus Anlaß des 3ioniſtentongresses veranstalteten die Nationalisten am Freitag abend eine Demonstration, die mit Unruhen endete. In einer Ber fammlung erflärte ein Student u. a., daß die bewaffneten Studenten mobilisiert werden, weil Tausende von zionistischen Turnern in die Stadt kamen. Im Anschluß an die Versammlung bildeten die Teilnehmer einen großen Zug und marschierten unter dem Gesang nationalistischer Lieder und fortgesetzten Rufen:„ Nieder mit den Juden!" Infassen infultieren wollte, griff die Polizei mit blanter Waffe ein. Eine ganze Reihe von Berhaftungen wurden vorgenommen. zukommen, weil dadurch im Gange befindliche diplo Der„ Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" beim Polizei- burch die Stadt. Ein Automobil wurde angehalten und als man die All Was soll das heißen? Marg, der Halbsozialist. Römling und Erfüllungs- Politiker, der es gewagt hat, sich dem" Retter" entgegenzustellen, friegt vom Nationalverband" eine vorzügliche Benfur, dagegen trifft Luther mit Stresemann und Schiele der Bannfluch wild gewordener Militärs! Nun wird die Reichsregierung Russische Tat. Von Mar Bernardi. Eine Droschke verbindet einen kleinen Bahnhof mit einem kleinen Dertchen. Der fleine Bahnhof liegt an einer großmächtigen Stadt, in der Autos huppen, Bahnen unter und hoch über der Erde sausen, Flugzeuge starten. Und eine alte Pferdebroschke verbindet den fleinen Bahnhof mit dem kleinen Dertchen, eine alte Droschte mit alten Pferden und einem alten Rutscher, der auf dem Kutschbock weißhaarig geworden ist. Er ist so alt, wie Wagen, Pferde und Geschirrzeug zusammengenommen. Bon dem kleinen Bahnhof fort geht es über eine endlose Chaussee. Dann macht die Straße einen Bug und teilt sich. Teilt sich in ein ehrliches, holpriges Straßenpflaster und in einen geheimnisvollen Sandweg, der sich in einen dunklen Wald verliert. Und viermal am Tage rollt der Wagen auf der Chauffee, macht einen Bug, rollt weiter holtepolter die Straße entlang dem kleinen Dertchen zu. Und wieder viermal zurüď. Fern pfeifen Lokomotiven, fern huppen Autos, fern summen Propeller. Wenn der Wagen den Bug nimmt, blicken Pferde und Lenker scheu nach dem Sandweg. Nach dem Sandweg, der sich sofort im Walde verliert. Biermal im Tage spielt eine Möglichkeit. Dieser Sandweg mit den tiefen Radfurchen! Unheimlich leise müßten Hufschlag und Radrollen werden, unheimlich schnell müßten sie alle im Walde verschwunden sein. Im Schatten an uralten Stämmen, an Moos, über Tannennadeln, grüne Lichtungen, an Wasser vorbei. Biermal am Tage blinzelt der Alte am Kutschbock, wenn die Chaussee sich gabelt. So Jahre hindurch erst zehn, dann zwanzig, jeht fünfunddreißig. Und die letzte Fahrt soll er machen. Ein Auto, gelb und flobig liegt breit in einem Haus am fleinen Bahnhof. Die letzte Fahrt soll er machen, will das Auto. Die letzte! Wieviel waren es? Nie hat er darüber gegrübelt. Und er zieht einen Bleistiftstumpf, ledt und schreibt und schreibt und leckt. Biermal am Tage macht im Monat hundertzwanzig, macht im Jahre mal zwölf, das macht so vierzehnhundertpierzig. Und fünfunddreißigmal soviel, das macht so fünfzigtausendvierhundert einfache Fahrt. Und davon ab ein paar freie Tage, eine Hochzeit, drei Taufen, zwei Feste und ein Tag grober Husten es müssen immer noch Fünfzigtausend bleiben. Fünfzigtausendmal die Chauffee, die Gabel und das holperige Bflaster und jetzt Gr fteigt auf den Bod. Und jetzt-? Irgendwo in seinem Innern ist etwas getrübt. Er weiß nicht Wie Reue überkommt es ihn, wie ein Schmerz um Verlorenes, das er eigentlich nie beseffen hatte. Aber feine Sentimenwas. talität. präsidenten. Eine Abordnung des Bundesvorstandes des Reichsbundes jüdifcher Frontsoldaten und der Ortsgruppe Berlin wurde am Freitag von dem Polizeipräsidenten Grzesinsti und Vizepräsidenten Dr. Friedensburg empfangen. In längerer Unterredung mies die Abordnung auf die tiefe Erregung hin, die sich anläßlich der Ausschreitungen völkischer Elemente nicht nur der Mitglieder des Bundes, sondern der gesamten jüdischen Bevölkerung Berfins bemächtigt habe, und lenkte die Aufmerksamkeit auf die unabfehbaren Folgen solcher Erzesse hin. Polizeipräsident Grzesinski erklärte, daß er den Schutz der ruhigen Bürgerschaft mit allen gefeglichen mitteln durch Die Pferde ziehen an. Ob sie wissen-? Weiter die Chaussee hinunter. Wie lang sie heute ist. Je näher sie der Gabelung kommen, desto schneller treibt er die Pferde an. Aus einem ganz unbestimmten Gefühl heraus. Als wenn er etwas nur rasch hinter sich legen möchte. Und da ist die Gablung und da das holperige Pflaster. Bon selbst lenken die Gäule ein. Und jetzt weiß er aufeinmal, weiß was ihn die ganze Nacht, den ganzen Morgen bedrückt hatte. Der Sandweg! vorbeifahren mußte. Man hatte ihn fünfzigtausendmal gezwungen Der Sandweg, an dem er fünfzigtaufendmal in seinem Leben die holperige Straße zu nehmen. Man hatte Er reißt die Zügel. Die Gäule wehren sich. Nein! Ach guter Herr, hier ist der Weg! Die Peitsche fauft nieder. Da verstehen die Tiere. Ganz plötz Springen auf den Sandweg um. lich. Legen die Ohren zurück, zeigen das Weiße in den Augen. Ohne Lärm, ohne Gepolter. Tiefe Furchen ziehen die Räder bis in den Wald hinein. Angst im Wageninnern. ,, Die alten Teufel gehen durch!" schreit eine Stimme voll ,, Er ist betrunken ,, Man wird ihm !" Der abgeschüttelte köhler. Unter den Optanten in Schneide mühl macht ein Herr Köhler, früher Stadtrat, unlängst wegen Bergebens gegen die Sittlichkeit verurteilt, völlische Propaganda. Er fälschte ein Telegramm an Ludendorff. Die, Deutsche Zeitung" machte aus seiner Propaganda" großes Aufheben, sie war ihr mehr wert als Silfe für die Optanten. Der Reichsgeschäftsführer der deutschböltischen Freiheitsbewegung teilt mit, daß fie mit Köhler nichts au tun habe. Um zur Hege gegen Severing zu dienen, war er der Deutschen Beitung" gerade gut genug " " famosen Mischung, die ihrer Wirkung sicher ist, Ernst Gronau einen taprigen Lebegreis, deffen Stimme ebenso hauchdünn ist wie seine zitterigen, asthmatischen Bewegungen, und Gustav von Wangenheim ein Liebhaber von tastender Schüchternheit. Trog aller Mühe in der von Hans Sturm geleiteten flotten Borstellung ist nicht einzusehen, daß ein dringendes Bedürfnis zur Auswalzung eines Schwiegermutterwiges über zwei Stunden vorgelegen hat. Dgr. Die erfte drahtlose Hilfsstation in den Alpen. Binnen furzem wird die Margaretenhütte auf dem Monte Rosa, die sich in einer Höhe von 4600 Meter auf dem Gipfel dieses gewaltigen Berges befindet, drahtlos mit einer Hilfsstation verbunden sein. Der drahtlose Apparat ermöglicht es einem Führer, jederzeit um Hilfe zu rufen. Zum erstenmal wird hierdurch die drahtlose Telephonie in den größten Höhen der Alpen in den Dienst der Hilfsstationen ge stellt und man erwartet, daß durch diese Einrichtung so manches Menschenleben gerettet werden fann. Bisher wurden foftbare Stun den verloren, wenn ein Führer um Hilfe heruntersteigen mußte, und die Opfer von Unglücksfällen starben oft, bevor die Rettungserpe ditionen anlangten. Ein frühchriftliches Kunstwert in China gefunden. In Befing ist jetzt ein historisch interessantes Kunstwert mit einer altchriftlichen Darstellung aufgetaucht, das Bild eines nestorianischen Briefters in vollem Ornat. Bisher wußte man zwar aus chinesischen Quellen, Der Wagen gleitet weiter. Gleitet wie auf Bolten, weich, unbe. baß die Nestorianer im Jahre 635 die erste chriftliche Mission in stimmt und zäh. Stämmen vorbei Die Tiere schnauben Waldluft, werfen die Schädel hoch. Ueber Tannennadeln rollen die Räder, an moosverwachsenen an Wasser an grünen Lichtungen. Bis der Wald aufhört. Weit drüben die Straße mit holprigem Pflaster und weiter, noch viel weiter das Dertchen. ,, Daß der Teufel!" Der Alte am Bod reibt die Hände. und China gründeten und etwa zwei Jahrhunderte lang eine Anzahl von Kirchen und Klöstern im Lande unterhielten. An Dokumenten ihrer Anwesenheit aber waren nicht mehr bekannt als der berühmte Inschriftenstein von 781 aus Hsianfu, der im Abguß auch ins Berliner Museum fam, und das Bruchstück einer nestorianischen Hymne, das Belliot 1906 in Tun- huang in der Provinz Kansu fand. Das neu aufgetauchte Bildnis eines Nestorianers stellt, wie die Seemannsche Kunstchronit" berichtet, offenbar einen Syrer in Begle: tung eines chinesischen Christen dar und ist daher von besonderem Fünfunddreißig Jahre, fünfzigtausendmal Teufel, ein Kerl Interesse. doch! Man wird ihm pah man hatte auch- pah man soll ihm pah- 1" -Flauer Beginn der Theatersaison. Aeltere Leser erinnern sich vielleicht noch der verklungenen Zeit, wo die Familienwigblätter eine Reihe von Jahren und dann war das Thema abgeflappert. Im von den Scherzen gegen die böse Schwiegermutter lebten. Das ging Wizblatt. Sonderbarerweise hält es das Theater noch dazu das vornehmste Berlins, die Komödie", für angebracht, den alten Schwiegermutterwig wieder aufzuwärmen, indem es mit Alexander Biffons Schwant Madame Bonivard" die sonst sehr hoffnungsvolle | Saison eröffnet. Madame Bonivard ist die ewige Schwiegermutter, der Hausdrachen, der Schrecken des jungen Eheglücks, der sich wie ein unentrinnbares Schicksal an die Fersen des Gatten heftet. An diese abgelebte Type verschwendet Hedwig Bangel ihre reichen Gaben. Als fompatter Koloß stampft sie mit Talmiwürde auf die beinahe Furcht erregend. Baul Otto gibt den geplagten Ehemann Bühne, mit ihrer furiofen Energie, selbst in lächerlichen Situationen mit Quedfilbrigkeit, Liebenswürdigkeit und Wurftigtelt, einer In der Ausstellung von Gemälden alfer Meister aus Berliner Befit in der Akademie der Künfte am Pariser Blaz wird noch ein mal am 22., mittags 12 Uhr, eine Führung stattfinden, die Herr T. F. Foerster übernommen hat. Ein Kunftantauf der Stadt Berlin. Die Stadt Berlin erwarb für ihre Kunstsammlungen jezt auf der Großen Berliner Stunstausstellung ein( Se mälde von Professor Mag Nabes aus Schwäbisch Hall Im stillen Winkel". Bergfon legt sein Völterbund samt nieder. Der Generalsekretär des Böller. bundes hat von Professor Bergson( Frankreich) ein Schreiben erhalten, in dem dieser aus Gesundheitsrüdsichten um seine Entlassung als Präsident der Rommiffion für geistige Zusammenarbeit nachsucht. Der Internationale Kongreß der europäischen Studentenhilfe, der am 4. Auguft zusammengetreten ist, wurde am Mittwoch geschlossen. Die Konferenz fagte mehrere Entschließungen betreffend Sicherung der Zu sammenarbeit der Organisationen aller Länder zur materiellen Unter ftübung der notleidenden Studenten. Da die materielle Hilfeleistung im allgemeinen Aufgabe der nationalen Organisationen geworden ist, verbleibt geflüchteten georgischen, russischen und ukrainischen Studenten, deren Lage der europäischen Studentenbilfe nur noch die Aufgabe: Unterſtüßung der äußerst bellagenswert ist. Britische Reichskonferenz. Erste Konferenz der Arbeiterparteien des britischen Weltreichs. In der letzten Juliwoche tagte in London die" British Commonrealth Labour Conference", der in der Geschichte der britischen Arbeiterbewegung außerordentliche Bedeutung zufommt. Zum ersten Male waren die Vertreter der Arbeiterparteien der verschiedenen Teile des britischen Weltreichs zu einer offiziellen Beratung zusammengetreten, um den Zusammenhang zwischen der Arbeiterbewegung im Mutterlande und in den Dominions sowie in den Kolonialländern fester zu gestalten. Der Organisationsbereich der britischen Arbeiterpartei ist auf Großbritannien im engeren Sinne beschränkt. Er umfaßt England, Wales und Schottland, während Irland, das heute die Unabhängig feit der anderen Dominions erlangt hat, auch eine selbständige Arbeiterpartei oder genauer gesagt, zwei Parteien befißt, die in der Konferenz allerdings als einzige Fraktion auftraten. Die Arbeiterparteien in Amerika, Afrika, Australien und Asien entstanden zum Teil unter dem Einfluß von englischen Auswanderern, die der Orga: nisation im Mutterlande angehört hatten. Sie sind aber vollständig unabhängig. Die Arbeiterparteien in Kanada und Australien sind voll kommen anglosächsisch, ihre Organisation ist aber auch keineswegs eine zentralisierte Einheit. So besteht in Ranada wegen der enor men Entfernungen nur ein schwacher Zusammenhang zwischen den einzelnen Organisationen. In Australien liegt der Schwerpunkt der Organisation in den einzelnen Staaten, während der Verband, der ganz Australien umfaßt, nur alle drei Jahre eine Konferenz abhält und in der Zwischenzeit von untergeordneter Bedeutung ist. Neben den angelsächsischen bestehen aber noch die Arbeiterorganisationen der Eingeborenen des Landes, die vor allem in Indien im Bordergrund stehen. Am kompliziertesten werden die Organisationsprobleme in jenen Ländern, wo es neben den weißen Einwanderern auch noch solche anderer Rassen gibt. So find in Südafrika neben den Weißen und den eingeborenen Negern noch Hundert taufende von indischen Arbeitern beschäftigt. Am drastischsten treten diese Verhältnisse vielleicht in Britisch- Guyana zutage, dem einzigen, relativ fleinen Stück Land, das Großbritannien auf dem füdamerikanischen Kontinent befigt, Seine Bevölkerung ist zufam mengesezt aus Negern, Indiern, Chinesen, Japanern und Europäern. Aber während in Britisch- Guyana in der fleinen Arbeiterpartei von nicht viel mehr als 1000 Mitgliedern alle diese Raffen unter der anerkannten Führung des Genossen H. Critchlow, eines Negers, vereinigt find, stellen die Rassenprobleme in den übrigen Teilen des britischen Weltreiches, vor allem in Indien und in Südafrifa, noch vollständig ungelöste Aufgaben dar. Die Konferenz war auf einen fleinen Kreis von Teilnehmern beschränkt. Die britische Arbeiterpartei und der Generalrat der britischen Gewerkschaften waren durch 23 Genossen vertreten. Aus Irland waren vier, aus den überseeischen Teilen des britischen Weltreiches 13 Vertreter anwesend. Außerdem waren als Vertreter des Internationalen Gewerkschaftsbundes Brown und als Vertreter der Sozialistischen Arbeiterinternationale Adler anwesend. Arbeiterpartei Neuseelands hatte umfangreiche Memoranden eingefendet. Der Vertreter der Arbeiterföderation Neufundlands war am Erscheinen verhindert. Die Die Verhandlungen der sechstägigen Konferenz wurden steno. graphisch aufgenommen und werden bald mm Druck allgemein zu= gänglich sein. Sie werden großes Interesse finden, denn wenn die Probleme auch noch weit von ihrer Lösung sind, ist es doch das Verdienst dieser Konferenz, sie zum erstenmal in vollem Umfang aufgezeigt zu haben. Die Konferenz sah davon ab, Refolutionen zu faffen. Die einzige Ausnahme bildete der Beschluß, in dem die Delegierten den Parteien, denen sie angehören, empfehlen, die Forderung Indiens nach unmittelbarer Verwirklichung der Selbstverwaltung zu unterstüßen. Im übrigen beschränkte sich die Konfe. renz auf die Formulierung von drei Fragebogen, in denen die Srbeiterparteien des britischen Weltreiches aufgefordert werden, in Memoranden ihre Stellungnahme zu den Problemen darzulegen, die als Material für die nächste Konferenz, die im Sommer 1927 in London zusammentreten foll, bestimmt find. Mit ihrer Borberei tung wurde Genosse W. Gillies, der auch als Gefretär der Ronferenz fungierte, betraut. Als Tagesordnungspunkte find in Aussicht genommen: 1. Unterworfene Bölfer; 2. Politische Beziehungen innerhalb des britischen Weltbereiches; 3. Weltfriede; 4. Staatliche Handelsbeziehungen innerhalb des britischen Weltreiches; 5. Wanderungen; 6. Sozialisierung; die Politik des britischen Reiches, der Arbeiterbewegung und bereits erreichte Resultate. Verfassungsfeier in Genf. Aus Genf wird uns geschrieben: Auch im Auslande ist des Verfassungstages gedacht worden. So veranstaltete die deutsche Kolonie in Genf am Sonnabendabend eine Reichsverfassungsfeier unter zahlreicher Teilnahme der an den Ferienfurfen der Universität Genf teilnehmenden deut schen Studenten, darunter vieler rechtsstehender( u. a. Angehörige des Jungdo). Eine große schwarzrotgoldene Fahne schmückte den Raum. Der Leiter, ein Demotrat vom alten Schlage der 48er, gab in seiner Eröffnungsansprache dem Gedanken Ausdruck, daß wir gerade in unserer außenpolitischen Ohnmacht uns um die Weimarer Verfassung, die Grundlage unseres ganzen staatlichen Seins, scharen müssen, und daß die zu den Ferienkursen der Universität Genf zahlreich anwesenden deutschen Studenten hier Gelegenheit haben, auch an der Verständigung der Völker zu arbeiten, nachdem die während des Krieges Deutschland sehr feindliche Genfer Atmosphäre sich seit einiger Zeit erfreulicherweise sehr gebessert hat. Ein Vertreter der deutschen Studenten dankte dem Komitee für die Einladung und dankte der deutschen Kolonie für ihre Arbeit für das Deutschtum. Man sang das Deutschlandlied und beschloß, ein Telegramm an den Reichspräsidenten zu senden. Auf Anfrage aus der Versammlung mußte der Leiter unter allgemeiner Aufmerksamkeit feststellen, daß das deutsche Konsulat in Genf( wenn auch der Konsul und der Bizetonful auf Urlaub find) trotz Einladung an mehrere Beamte es nicht für nötig gehalten hatte, zur Verfassungsfeier zu erscheinen oder auch nur sonst von ihr Renntnis zu nehmen. In wohltuendem Gegensatz dazu fonnte der Leiter ein Begrüßungsschreiben des Bundesvorstandes des Reichsbanners SRG. verlesen, der trotz der Vorarbeiten für den Großdeutschen Tag dieser Feier in Genf gedacht hatte. Auf die zur Verfassungsfeier in Berlin erschienenen 2000 Desterreicher wurde ein Hoch ausgebracht. Ein offensichtlich rechtsstehender Herr wünschte zwar die schwarzweißrote Fahne zurüd, betonte aber wiederholt mit Nachdruck, daß, folange Schwarz- Rot- Gold offizielle Reichsfahne ist, jeder Deutsche, besonders gerade im Auslande, verpflichtet ist, es anzuerkennen und zu ehren. Die Einreifevija nach der Schweiz. Die Schweizerische Depeschenagentur dementiert die Meldung, daß die Einreisevisa nach der Schweiz fortan ohne Inanspruchnahme eines schweizerischen Konfulats auf dem Badischen Bahnhof in Basel eingeholt werden können. Diese Meldung ist falsch. Die schweizerischen Grenzorgane find zur Erteilung von Einreisevifa fchon seit langem nur in dringenden Aus nahmefällen ermächtigt, wenn der Nachweis erbracht werden fann, daß die Zeit fehlt, um sich an das Konsulat zu wenden. Einreisevisa in die Schweiz werden nach wie vor bei den schweizerischen Ronfulaten eingeholt werden müssen. Sie werden zu vorübergehendem Aufenthalt, geschäftlichen Zwecken, Ferienreisen, Besuchen usw. ohne Zeitverluft erteilt. Das Preisfieber. Erneutes Anziehen fast aller Lebensmittelpreise. In den letzten Tagen haben die Preise für fast alle Lebens miffel angezogen, besonders start für die Fette. Margarine wollen wir hiervon ausnehmen, weil bei dieser die Verhältnisse ganz besonders geartet sind, am Margarinemarkt fämpfen zwei auslän dische Trustfirmen um die Herrschaft, die alle freie Firmen verdrängen wollen und zu diesem Zwecke vorerst die Preise so niedrig wie möglich halten. Start gefliegen find die Butterpreise. Seit dem 1. Juli ist eine Preissteigerung für inländische Butter Don 1,85 auf 2,12 M., erfolgt. Für dänische Butter von 1,87 auf 2,19 m., für schwedische Butter von 1,75 auf 2,03 m., für fibirische Butter, die man als Ware zweiter Qualität betrachten fann, von 1,52 auf 1,98 m. und für deutsche Butter von 1,75 auf 2,15 M. Das find die Engrospreise. Im Detail tann man einen Zuschlag von 25 Broz. rechnen. Nun pflegt um diese Zeit der Butterpreis stets zu steigen, denn einmal ist der Verbrauch der Landwirte in der Ernte ein erheblich größerer und dann läßt die Milchproduktion nach. Der Fremdenverkehr übt auf die Preise keinen nennenswerten Einfluß aus, weil dieser Butterkonsum ja nur eine Verschiebung erfährt. Immerhin ist festzustellen, daß unter den Einwirtungen der 3ollgefeggebung die Steigerungen in diesem Jahr erheblich höhere sind als in anderen Jahren. Vor allem lann man aber die Wirkung der Zollgesetzgebung auf die Preise beim Schmalz beobachten, die im Engros von 77 Bf. Anfang Mai auf 95% Pf. jetzt stiegen. Diese Steigerung ist eine Folge der starken amerikanischen Spekulation, für die die Bollgesetzgebung der Hauptantrieb war. Das sind die Wirkungen, die man jetzt schon jest stellen kann, wie wird es erst im Winter werden, wenn die Zölle in Kraft getreten find! So sieht der Preisabbau des KabinettsLuther aus. In bezug auf die augenblickliche Teuerung auf dem Lebensmittelmarkte wurde bei Beratung der Zollvorlage eine Ent= schließung gefaßt, worin die Reichsregierung ersucht wird, unverzüglich mit Bertretern der Organisationen der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels, des Handwerks, der Beamten, Angestellten und Arbeiterschaft eine Enquete zu veranstalten zweds Feststellung der Mittel und Wege, wie die ungeheuerliche berzeitige Spanne zwischen Erzeuger und Berbraucherpreis für lebenswichtige Waren fchleunigst beseitigt werden soll. Es soll sich dabei nicht um eine Erneuerung der Zwangswirtschaft, sondern lediglich um eine Ber fürzung des Weges vom Erzeuger zum Kleinhändler und damit um eine Verbilligung der Waren für den Berbraucher handeln. Wie wir erfahren, dürften die Erhebungen der mittleren Preisprüfungsstelle des Schöneberger Polizeipräsidiums über die Höhe der Preisspanne nunmehr soweit vorliegen, daß mit einer Veröffentlichung der als angemessen zu erachtenden Preise für Fleischwaren zu rechnen fein dürfte. Anfang der Woche werden noch einmal Berhandlungen mit den Intereifentenvertretern des Fleischgewerbes im Polizeipräsidium Schöneberg stattfinden. Werbesportfest in Neukölln. Der Fußballklub Rüstig Vorwärts", Mitglied des Ar beiter Turn- und Sport- Bundes, veranstaltet am Sonntag, den 16. b. M., einen Werbetag, dessen Kaffenüberschuß der Arbeiter Veranstaltung wird bestehen in einem um 2 Uhr beginnenden Um zug, welcher vom Hohenzollernplag aus seinen Ausgang nimmt. Samariter Rolonne" in Neukölln zugute fommen soll. Die Im Anschluß daran finden Wettspiele auf dem Sportplaz RaiserFriedrich- Straße, Ede Innstraße, statt. Der Eintritt auf den Platz beträgt 30 Pf. In Anbetracht des guten Zwedes ersuchen wir unsere Parteigenossen, die Beranstaltung zu besuchen und sich auch an dem Umzug zu beteiligen. Die Kommunisten versuchen mit den schäbigsten Mitteln die Veranstaltung zu hintertreiben. So haben sie noch gestern Abend versucht, durch ein Telefongespräch mit unserer Redaktion, bei dem sich der Anrufer als Beauftragter des A.- S.- B.- Neukölln vorstellte, die obige Betanntmachung zu vereiteln, das Fest sollte angeblich technischer Schwierig feiten megen nicht stattfinden. Das ist die Einheitsfront dieser Aucharbeitersportler! Alle unsere Parteigenossen und alle anständig denkenden Arbeiter werden mun erft recht das Fest besuchen. Das Fest der Republik im Film. In den Richard Oswald Lichtspielen in der Kantstraße gelangten am Freitag abend die Aufnahmen vom riesigen Verfassungstag des Reichsbanners zur Aufführung. Die Ankunft der Desterreicher auf dem Anhalter Bahnhof, die Begrüßung durch den Genossen Löbe, der Ulap mit den begeisterten Zehntausenden, das Riefenmeer republikanischer Männer auf der Treptower Spielwiese, das Volksfest in den Treptower Gärten, dies alles zog, von stürmischem Beifall begrüßt, als lebendiger Nachklang an den Bersammelten vorüber. Wenn auch einige Möglichkeiten dem Zuschauer einen umfassenden Begriff von der Wucht dieses Massenaufmarsches zu geben versäumt sind( der endlose Aufmarsch der Reichsbannerkolonnen auf dem Terrain der Spielwiese fehlt fast völlig) so wird der Film doch überall stärkstes Echo finden. Nicht unerwähnt sei, daß der rührige Photograph den Festschmuck des Vorwärts"-Hauses abfonterfeite. Es ist anzu nehmen, daß der Film in Kürze den einzelnen Reichsbannerfameradschaften in geschlossenen Veranstaltungen vorgeführt wird. Die letzte Zuflucht eines Verzweifelten. Zur Selbsthilfe wollte gestern der Angestellte eines Geschäftes in der Friedrichstraße schreiten. Der Angestellte hatte tontrattlich eine Forderung von 200 m. an die Firma. Die Auszahlung des Geldes hatte sich längere Zeit hingezögert, und der Gläubiger gebrauchte die Summe notwendig. Mehrmalige Mahnungen hatten feinen Erfolg. Gestern nachmittag erschien er selbst und verlangte sein Geld. Als man ihn wieder mit Ber[ prechungen hin hielt, geriet er so in But, daß er drohte, den ganzen Laden zu demolieren, wenn man ihn nicht fofort zu friedenstelle. Der Geschäftsinhaber, der eine Ausführung der Drohung befürchtete, rief das Ueberfallfommando herbei, das den Wütenden, der aber noch nichts zerschlagen hatte, beruhigte, tatsächlich schon seit längerer Zeit 200 m. zu fordern habe. Er ihn mit zur Bache nahm und sich davon überzeugte, daß der Mann ihn mit zur Bache nahm und sich davon überzeugte, daß der Mann wurde nach Feststellung seiner Personalien fofort wieder entlaffen. Das Gericht wird entscheiden, ob der Geschäftsinhaber berechtigt war, bei einem Privatstreit das Ueberfallkommando zu Hilfe zu rufen noch ehe der Gläubiger feine Drohung in Taten umgelegt hatte. Unter Umständen fann er außer den 200 m., die der Angestellte noch nicht bekommen hat, noch 150 m. Bolizeiftrafe für nicht berechtigtes Anrufen des Ueberfalltommandos bezahlen. Empfang der spanischen Aerzte. Gestern abend fand im Langenbed- Birchow- Haus, Luisenstraße, der Empfang der spanischen Aerzte durch die Medizinisch- wissenschaftliche Vereinigung statt. Professor rauß hielt in deutscher Sprache die Begrüßungsrede. Er betonte die innigen Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland, nannte Spanien das Land der Schönheit und Wahrheit und wies auf die große Bedeutung hin, die die spanische medizinische Wissenschaft in der Welt erlangt hätte. Vor allem würdigte er die Verdienste der beiden anwesenden Professoren Rosell und Ferran, der wichtige Entdeckungen auf dem Gebiete der Impfungen gemacht hat. Professor Rosell von der medizinischen Fakultät in Barzelona danfte ebenfalls in deutscher Sprache. Er erklärte, daß die spanischen Aerzte Deutschland sehr viel zu verdanken hätten und daß er sich selbst gerne seiner Studienzeit an deutschen Univerfitäten erinnere. Ein noch engeres Zusammenarbeiten der beiden Länder in wissenschaftlicher Beziehung werde bestimmt eintreten, der Auftakt dazu sei bereits durch das Erscheinen einiger medizinischer Zeitschriften in spanischer Sprache in Deutschland gegeben. Brofeffor Ferran ließ einen Vortrag über Tuberkulose- Impfung in deutscher Sprache verlesen. Er stellte seinen deutschen Kollegen frei, die Resultate seiner Forschungen nachzuprüfen, und erbot sich, die Präparate nach Berlin zu schicken. 3wei weitere Vorträge re demnächst in der medizinischen Zeitschrift publiziert werden. Angeklagte Reichsbannerleute. Weil sie einem überfallenen Kameraden zu Hilfe tamen.. Ende Februar dieses Jahres wollte die Deutsche Volkspartei die östlichen Vororte mit Flugblätter überschütten. Sie ging dabei sehr schofel vor, denn sie wollte gefälschte Flugblätter zur Berteilung bringen. Diese Flugblätter waren nämlich von einem schwarzrotgoldenen Rand umgeben und den Flugblättern der Reichsbannerverbände nachgeahmt. Die Bis mardbundler waren gerade dabei, in Wartenberg diese Dinger zu verteilen, als sie einem Reichsbannermann mit einer schwarzrotgoldenen Fahne begegneten. Die Bismarcheldenjünglinge glaubten nun eine ganz besonders mutige Tat zu begehen, wenn sie in ihrer Uebermacht dem einzelnen Mann die Fahne entrissen. Sie hatten aber nicht damit gerechnet, daß gerade ein Trupp Reichsbannerleute den Ort besucht hatte. Einige Kameraden eilten nun ihrem bedrängten Kameraden zu Hilfe und sollen, weil sie ihren Kameraden vor den Gewalttätigteiten der Bismärder schüßen wollten, gewalttätig gegen die Schwarzweißroten geworden sei, denn ein Verfahren, das gegen die Reichsbannerleute eingeleitet worden war, lautete auf 3usammenrottung, Aufruhr und Landfriedensbruch. Die Anzeige war gestüzt auf ärztliche Atteste des bekannten deutsch nationalen Arztes Dr. Quendt, der zugleich seltsamerweise Anzeigender und Sachverständiger in einer Person war. Die Verhandlung gegen die Reichsbannerleute sollte vor dem großen Schöffengericht Lichtenberg stattfinden. Bei Beginn der Verhandlung beantragte der Berteidiger Rechtsanwalt Dr. Siegbert Loewy Einstellung des Verfahrens auf Grund des foeben beschlossenen Amnestiegesetzes. Das Gericht vertagte daraufhin den Prozeß auf unbestimmte Zeit, um festzustellen, ob dieser Fall unter das Amnestiegesetz falle. Jeder mit gefundem Menschenverstand begabte Staatsbürger fragt sich erstaunt und fassungslos, was das für eine Justiz sein muß, die es fertig bekommt, die Angegriffenen statt die Angreifer und Provofateure unter Anflage zu stellen. Gerüfteinsturz im Rheinland. Auf der im Bau befindlichen Eisenbahnftrede Belbert -Kettwig stürzte heute vormittag furz nach 11 Uhr das 30 bis 35 Meter hohe Gerüft an der Eisenbahnbrüde über den Mühlenbach bei Laupendahl zusammen und begrub eine Anzahl Arbeiter unter sich. 3wei Mann wurden getötet, zwei weitere so fchwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Ein Arbeiter wurde leicht verlegt. Untersuchung des Eisenbahnunglücks bei Amiens. Amiens, 15. Auguft.( WTB.) Die Entgleisung des Schnellzuges Paris- Boulogne, die hier vorgestern erfolgte, hat wie nunmehr amtlich festgestellt wird, elf Menschenleben gefordert. Die Zahl der Schwerverlegten beläuft sich auf 70, die der leichter Verlegten auf 78. Die eingeleitete Untersuchung hat, wie der Eisenbahnminister mitteilt, als Ursache des Unglücks die übertriebene Fahrgeschwindigkeit festgestellt, mit der der Zug in den Bahnhof von Amiens einfuhr. Ob auch eine Explosion der Gasbehälter erfolgt ist, ließ sich wegen der fast vollkommenen Vernichtung der betroffenen Wagen mit Sicherheit nicht feststellen. Auch sollen in dem Schnellzug zu leichte und ausgefahrene Wagen zur Verwendung gelangt sein. Durch den schlechten Zustand der Eisenbahnstrecke innerhalb des Bahnhofs von Amiens dürfte das Unglüd vielleicht nicht veranlaßt, aber in seiner Auswirkung noch verstärkt worden sein. Der Lokomotivführer des Unglückszuges ist vollkommen zusammengebrochen. Sport. Deutsch- französischer Borkampftag. Der vor einigen Tagen neugegründete Borring roll gab gestern im Kroll Garten seinen ersten Kampfabend. Das gestrige Programm wies Namen deutscher und französischer Kanonen" auf. Als erftes Paar trafen fich Urban Graß( Berlin) und Ferrand( Spanien). Ferrand war sehr hart im Nehmen und Geben und konnte haushoch nach Punkten gewinnen. Graß hat sehr nachgelaffen. Der mit großer Spannung erwartete Rampf Egrel( Frankreich) gegen Erich Brandl endet mit einem beispiellosen Fiasto. Bereits in der ersten Runde erhielt Brandl eine Berwarnung wegen Tiefschlags. Die zweite Runde brachte ihm wegen nochmaligen Liefschlages die verdiente Disqualifitation. Berfaffung zu befinden schien. Romario( Frankreich) und NauSchade um diesen Ausgang, zumal Brandl sich in einer blendenden jocks( Deutschland) trennten sich unentschieden, obgleich der Franzose der technisch bessere Mann war und wegen seines Draufgängertums fich bald die Sympathie des Publikums errang. Als letztes Baar standen sich Bonnel( Frankreich) und Dietmann ( Deutschland) im Ring gegenüber. Dietmann, fabelhaft in Form, trieb Bonnel vor sich her, wie er wollte, vermochte jedoch nicht den sehr harten Gegner, der sich zeitweise aber auch nur zeitweise als guter Schläger entpuppte, zu Boden zu bringen. Das Treffen endete mit einem hohen Bunftsieg Dietmanns. der Lüdde Seinen zweiten Kampfabend veranstaltet der Boxsporitlub est en e. V. und der Neuköllner Sportfreunde e. B. im Garten Berliner Kindl- Brauerei am 14. Auguſt. Es wurden für Amateurverhältnisse sehr gute Kämpfe gezeigt, die den Beifall der sehr zahlreich erschienenen Borgemeinde ernteten. Es ist erfreulich, mit welchem Interesse zur Sache die Amateure vorbild. liche Stämpfe zeigten. Zu den Kämpfen felbft: Hellrich( Westen) fiegte über Bräuer( NSF.) nach Bunften. Klemp( BC. Heros) ( NSF.) landete bei Bügge( FC. Weißenfee) bereits in der ersten schlug Friedlander( Maccabi) gleichfalls nach Punkten. Runde wuchtige Schwinger und Hafen, daß dieser aufgeben mußte. Weißfind( Maccabi) fertigt Weiß( NSF.) ebenfalls nach Bunkten ab. Den interessantesten Kampf des Abends lieferten sich die Halbschwergewichte Thill( SV. Teutonia) und Griebenow( NSV.). Thill verblüffte außerordentlich durch seine Angriffsfreudigkeit in den ersten beiden Runden, in denen sein Gegner schwere Sachen" einstecken mußte. In der dritten Runde nahm der Kampf aber eine unerwartet fenfationelle Wendung. Griebenow, der übrigens das erstemal an bie Deffentlichkeit trat, gab jeßt so gut zurüd und landete rechte Hafen, daß der völlig ausgepumpte Thill aufgeben mußte. Theater der Woche. Bom 16. August bis 24. August 1925. Oper am Königsplay: Die Fledermaus. Die Rombbie: Madame Bonipard. Leffing- Theater: Regenbogen. Große Bolksoper im Theater bes Westens: Wiener Blut. Renaissance- Theater: Totentang. Deutsches Künstler- Theater: Bartett- Fauteuil 47. Romöbienhaus: Der lekte Ruß. Berliner Theater: Anne- Liefe von Dessau. Neues Theater am Roo: Bension Schöller. Trianon- Theater: Am Teetisch. Refibenz- Theater: Die Roblants. Theater in ber Rommandantenstraße: Der Better aus Dingsda. Komische Oper: Das hat die Welt noch nicht geseh'n. Metropol- Theater: Taufend füße Beinchen. Operettenhaus am Schiffbauerbamm: Der Kleine Ruppler. Theater am Rollendorfplak: Ab 22 Auguft: Die hellblauen Schwestern. Theater am Kurfürstendamm: Mabame Revue. Meines Theater: Die schöne Melusine. Nose- Theater: Der große Betrug. Rafino- Theater: Der tilhne Schwimmer. Schloßpark- Theater Stealih: Wie die Alten fungen. Schiller- Theater: Annemarie. Schauspielhaus: 20., 22. 20. Die Rauberfiste. 21. Bajaaai. Josephslegende. 22. Boheme. 23. Lohenund 24. Jugend. 21. Brand im Operhaus. 23, Peer Gynt. Opernhaus: grin, 24. Galome. Gewerkschaftsbewegung Das Problem der zentralen Streikkaffe. Den Presseberichten des JGB. entnehmen wir folgende Darlegungen: Auf dem kürzlich abgehaltenen Kongreß des Belgischen Ge wertschaftsbundes fam u. a. auch die Frage der Gründung einer zentralen Streittasse zur Sprache. Bondas, der den von ihm und Mertens ausgearbeiteten Bericht einleitete, erklärte vor allem, daß angesichts der immer größeren Zahl von Streifs und Aussperrungen das Problem der Organisierung des nationalen Widerstandes immer mehr Bedeutung erhalte. Es handle sich keineswegs darum, die angeschlossenen Organisationen unter Vormundschaft zu stellen. Wenn es jedoch darum gehe, die Solidarität zu organisieren, so sei es auch nötig, die Landeszentrale bei Konflikten mehr einzubeziehen und mit den betroffenen Organisationen eine enge Zusammenarbeit herbei zuführen. Nach eingehender Diskussion, bei welcher u. a. a. die Schaffung einer einzigen, großen Streittasse vorgeschlagen wurde, in der alle Streiffassen zusammengelegt werden sollten, wurde das Prinzip der Schaffung einer nationalen Streiftasse einstimmig bei 18 Enthaltungen gufgeheißen. Die Erekutive wird sich nun mit der Ausarbeitung eines definitiven Entwurfes, der von einem neuen Kongreß ratifiziert werden soll, zu befassen haben. In diesem Zusammenhang ist auch ein Artikel des Organs des Schweizerischen Gemertschaftsbundes interessant. Früher hatte der Schweizerische Gewerkschaftsbund seine Refervefaffe. Sie war gewöhnlich leer, wenn sie hätte gefüllt sein sollen. Dies hinderte allerdings nicht, daß der Bund auch weiterhin um Hilfe angegangen wurde. Es wurde in verschiedener Weise geholfen: durch Darlehen bei den Berbänden, Sammlung von Geldern, Bewilligung von Beiträgen aus den Kassen der Verbände und Sektionen und den Vertrieb von Marken. Alle diese Unterstützungen mit Ausnahme der ersteren leiden an dem Mangel, daß sie gewöhnlich zu spät fommen. Andererseits ist es flar, daß es in erster Linie die kleinen und die schlechtfundierten Verbände sind, die an die Solidarität zu appellieren gezwungen sind. Gerade dieser Umstand ist es auch, der die größeren Verbände gegenüber der Errichtung einer Solidaritätskaffe mißtrauisch macht. Bei der Ausarbeitung eines endgültigen Entwurfes ist die Erefutive nicht der Ansicht, daß auf die Erhaltung eines eisernen Bestandes in dieser Kasse besonderer Wert gelegt, sondern vielmehr der Grundsak beobachtet werden soll, daß alle Gelder bzw. Unterftügungsbeträge zurückzuerstatten sind, es sei denn, daß der Ausschuß mit Vierfünftelmehrheit anders beschließt. Ferner muß der unterstützte Verband selbst Ertrabeiträge erheben. Endlich darf er aus der Solidaritätskaffe nicht mehr erhalten, als er selber aus eigenen Mitteln für die Bewegung aufbringt. Durch diese Einschränkungen glaubt man, nach und nach die Ansammlung eines Fonds von beträchtlicher Höhe zu erreichen. Was die Speisung des Fonds betrifft, so werden Solidari= tätsmarken ins Auge gefaßt, die sich ständig im Umlauf beFerner soll die Solidaritätskasse mit Geldern vermehrt werden, die à fonds perdu von Berbänden, Sektionen und anderen Verbindungen gegeben werden. Es hängt also im einzelnen von der Sammeltätigkeit ab, ob der Fonds rasch anwächst. Was nun die Bezugsberechtigung betrifft, fo gilt als erste Bedingung, daß die ansuchende Organisation den Fonds in der vorgeschlagenen Weise selbst gespeist hat, d. h. der Verband, der nicht einen festgesetzten Minimalbeitrag pro Jahr bezahlt hat, kann auch nichts verlangen. Wie bereits angedeutet, ist die Frage der zentralen Streiftasse national und international meistens noch nicht geflärt. Hingegen wird diesem Problem neuerdings im Zusammenhang mit den großen Arbeitskonflikten überall mehr Aufmerksamkeit gefchenft. So beSchloß die Internationale der Tabatarbeiter, die Frage der Errichtung eines internationalen Kampffonds bzw. Einführung einer obligatorischen Unterstützung in Fällen, wo über 25 Proz. der Mitglieder eines Verbandes im Kampf stehen, dem internationalen Borstand zu näherer Prüfung zu überweisen. Ein revolutionärer Betriebsrat. Unter Berufung auf das Preßgesetz schickt uns der Rommunist Krohn folgende Berichtigung: " Es ist wahr, daß die Engelhardt- Brauerei mich auf Grund der von Ihnen angegebenen und noch weiterer Gründe verflagt hat. Der Betriebsrat war sich flar, daß aus diesen Gründen, weil die Beweise fehlten, feine Verurteilung erfolgen fonnte; jedoch am 4. August stellte es fich heraus, daß die Engelhardt- Brauerei nicht ohne Beweismittel war, daß sich das einzige sozialdemokratische Mitglied des Betriebsrats, Lewien, dazu hergegeben hat, der Direktion die Beweismittel zu liefern, unter anderem die Liste der kommunistischen Zeilenmit glieder zu beschaffen, und ihr Mitteilungen gemacht, wer an Sigungen feilgenommen, wo die Artikel für die" Rote Fahne" beraten worden find, und andere Angaben, daß ich mich von meiner Arbeit entfernt habe, um die„ Rote Fahne" aufzusuchen. In einer Sigung am 4. August des gesamten Betriebsrats gab Lewien dieses zu, darauf war sich der Betriebsrat einig: in dieser neuen Situation wäre es zwecklos, den Spruch der Kammer abzuwarten, sondern den Bergleichsvorschlag der Firma anzunehmen, um einer neuen Klage vor einem ordentlichen Gericht aus dem Wege zu gehen." Wir müssen gestehen, daß diese Berichtigung der Gipfel tommu nistischer Unverschämtheit ist. Wir stellen fest: Lewien ist weder gewertschaftlich, noch politisch organisiert. Krohn wurde per Rohrpostfarte eingeladen, sich in einer Belegschaftsversammlung am letzten Mittwoch wegen seines Verhaltens zu rechtfertigen. Daraus geht hervor, daß jener angebliche Beschluß nicht eriſtiert. Krohn erschien nicht in der Versammlung. Er hat es auch unterlassen, angeblich weil er sich nicht in Berlin befand, fich persönlich zu rechtfertigen. Vier Tage vor der Verhandlung, also am 7. August, war Krohn auf dem Verbandsbureau und mahnte dringend, die Berhandlung nicht zu versäumen. Von einem am 4. Auguſt gefaßten Beschluß, sich mit der Firma zu einigen, war feine Rede. und muß es Die Kenntnis der kommunistischen Zelle und aller Einzelheiten besaß die Brauerei schon längst. Das weiß Krohn am besten wissen. Derartige Subjekte sind die richtigen Helden, um ale kommunistische Mauldrescher gegen Gewerkschaftsvertreter zu fungierer Das japanische Gewerkschaftsgeset. Tofio, Ende Juli.( Eigener Bericht.) Das japanische Innenministerium hat Mitte Juli der Deffentlichkeit den Entwurf eines Gewerkschaftsgesetzes unterbreitet, das in seinen Hauptpunkten folgende Bestimmungen enthält: 1. Gewerkschaften sind nach diesem Gesetze Arbeitervereinigungen, welche die Erhaltung oder Verbesserung der Arbeitsbedingungen bezwecken. Die Zwecke der Arbeitervereinigungen fönnen auch Erziehungsprobleme und wirtschaftliche Selbsthilfe einschließen. 2. Der Vertreter einer Gewerkschaft hat noch vor deren Gründung. 3. Die Gründung einer Gewerkschaft muß bei Ge richt eingetragen werden. 4. Nach der Eintragung ist eine Gewerkschaft eine juristische Person. 5. Für die Vereinigung von Gewerkschaften, die juristische Personen sind, gelten die Bes stimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches über die Vereinigung juristischer Personen. 6. Arbeitsverträge zwischen Gewerkschaften und Unternehmern müssen anerkannt werden. 7. Die Gemert schaften brauchen feine Einkommensteuer oder Eintragungsgebühr bezahlen. 8. Der Unternehmer oder die Angestellten der Unternehmer dürfen Arbeiter nicht entlassen, weil sie einer Gewerkschaft angeschlossen sind. Sie dürfen auch die Einstellung nicht davon abhängig machen, daß Arbeiter sich Gewerkschaften nicht anschließen oder aus Gewerkschaften austreten. 9. Die Präsidenten der Provinzen find berechtigt, von den Gewerkschaften Mitteilung über ihre Täigkeit, ihr Vermögen und ihre Verhältnisse zu verlangen. 10. Wenn eine Wahl oder ein Beschluß der Gewerkschaften in Widerspruch zu den Gesetzen, Verordnungen oder sonstigen behörd lichen Bestimmungen steht, fann der Minister des Innern oder der Präsident der betreffenden Provinz die Wahl oder den Beschlußz rückgängig machen oder ändern lassen. 11. Die Gewerkschaften fönnen sich gegen eine Verfügung des Präsidenten einer Provinz beim Minister des Innern beschweren. Der München- Gladbacher Textilkonflikt. München- Gladbach, 15. Auguft.( Mtb.) Im Lohnkampf der Textilindustrie fanden gestern unter dem Vorsiz des stellvertretenden Schlichters Einigungsverhandlungen statt. Ein abschließendes Er. gebnis wurde bisher nicht erzielt. Die Verhandlungen werden am kommenden Mittwoch unter Einbeziehung der Lohnfrage in der Krefelder Seidenindustrie fortgesetzt. Der Schlichter erklärte von vornherein, daß er nicht ein neues Schlichtungsverfahren aufzunehmen beabsichtige, sondern unabhängig von dem bisherigen Schlichtungsverfahren lediglich Verständigungsversuche unternehme. Die Arbeitnehmer erklärten, ihnen sei daran gelegen, für die Zukunft Berhältnisse zu schaffen, die eine Aufrechterhaltung der Betriebe auf die Dauer ermöglichten. Vorläufiges Abkommen im Bradforder Textilkampf. London, 15. Auguft.( TU.) In der bereits seit mehreren Wochen andauernden Bradforder Textilarbeiteraussperrung ist gestern ein vorläufiges Abkommen erreicht worden, wonach die Arbeit auf Grund der alten Lohnsäze wieder aufgenommen werden soll, bis die vom Arbeitsministerium eingesetzte Untersuchungsfommission ihre Arbeiten beendet hat. Bekanntlich verlangten die Textilindustriellen eine Kürzung der Löhne um 5 Broz. Zum Lohnkampf in der Aachener Nadelindustrie. Aachen, 15. August.( TU.) Zur Schlichtung der Lohnstreitig feiten in der hiesigen Nadelindustrie war für gestern vormittag durch den ordentlichen Schlichter erneut eine Schlichtungsverhandlung angejezt. Die Arbeitnehmervertreter waren erschienen, nicht jedoch die Vertreter der Arbeitgeber. Diese stehen auf dem Standpunkt, daß Schlichtungsverhandlungen in diesem Fall unzulässig sind. Gegen die Ausgebliebenen wurde eine Ordnungsstrafe verhängt. Der Bädermeister Franz Masset, Glazer Str. 7, legt Wert darauf, mit dem Bädermeister Franz Mraiek in Lichten berg, Hagenstr. 50, mit dem wir uns in der Morgenausgabe des Vorwärts" zu befassen hatten, nicht verwechselt zu werden. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Entorn; Feuilleton: e. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Vaul Ginger u. Co., Berlin S. 68. Lindenstraße 3. 00000000000 Derliner ElektrikerWer den echten Berliner Genossenschaft Kapitän- Kautahak angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller • elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. 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