Abenda usgabe Nr. 386 41. Jahrgang Ausgabe 3 Nr. 190 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenau sgabe angegeben Redaktion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dot. hoff 292-295 Tel.- Adresse: Soziale emotrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Montag 17. August 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berlager: Borwärts- Berlag Gmb Berlin S. 63, Lindenfitage o Fernsprecher: Dönhoff. 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Das Ende des Linkskartells. Die Pariser Parteitagsdebatte. Paris, 17. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Selten ist auf einem sozialistischen Rongreß der Hauptpunkt der Tagesordnung, die Frage der Politik und parlamentarischen Taktik der Partei so ruhig und leidenschaftslos behandelt worden, wie auf diesem franzöfischen Parteikongreß. Es wäre ein Irrtum, daraus den Schluß zu ziehen, als ob die französischen Genossen sich etwa der Tragweite ihrer Entscheidung nicht voll bewußt wären. Aber die Disfuffion, die darüber seit einem Jahr in zwei großen Delegiertenversammlungen, in zahlreichen Bezirksparteitagen und in der Presse geführt worden ist, hat nicht nur alle Argumente ausgeschöpft, sondern auch im voraus das Ergebnis dieser Auseinandersetzung so un 3 mei deutig festgelegt, daß die Details nur noch platonisch behandelt werden können. Was Anhänger und Gegner der Kartellpolitik und einer Beteiligung an der Regierung am Sonnabend und Sonntag gesagt haben, war und fonnte nicht mehr sein, als eine Wiederholung dessen, das darüber in den letzten Monaten bereits oft gesagt worden war. Was die Auseinandersetzung troßdem spannend machte, ist das hohe Niveau, das diesmal den Kampf zwischen Mehrheit und Minderheit auszeichnet. Einmütigkeit herrschte von Anfang an darüber, daß dem Ministerium Painlevé gegenüber eine Fortsetzung der Politik der Unterstützung nicht mehr in Frage tommt, da ſeine mehr und mehr in reaktionär nationalist sches Fahrwasser geratene Politik die Voraussetzungen zerstört, unter denen die Partei im vergangenen Jahr die Zusammenarbeit mit dem Ministerium Herrict beschlossen hatte. Worüber die Ansichten auseinandergingen, ist lediglich die Frage, welche Taktik die Partei fünftig an Stelle der aufgegebenen einschlagen solle. Die Entscheidung darüber ist um so dringender, als bei Zusammentritt des Barlaments im Herbst mit dem Ausbruch einer nerpolitischen Krise zu rechnen ist, die die Tage des Ministeriums Bainlevé als gezählt erscheinen lassen und die sozialistische Partei ſchon in kurzem vor die Frage serum bas nach faum einem Jahr an einem neu zu bildenden Ministerium gescheiterte Experiment des 11. Mai nochmals versuchen oder aber, da weder die Partei der Rechten noch die bürgerliche Linke über eine ausreichende Mehrheit verfügen, durch ihre Haltung eine Stuation schaffen will, die aller Voraussicht nach über furz oder laig zur Auflösung des Parlaments und zu einer Neubefragung des Landes führen muß. Da nach den gebundenen Mandaten, die die ParteiDelegierten haben, fein Zweifel darüber bestehen kann, daß der Kongreß mit übergroßer Mehrheit sich für die letztere dieser beiden Möglichkeiten entscheiden wird, waren es vor allem die Wortführer der Minderheit, die am Sonnabend und Sonntag in langen Ausführungen ihren Standpunkt zu verteidigen suchten. Für die Mehrheit sprach gestern zunächst 3 yromifi. 3um Bortführer der Minderheit machte sich vor allem Renaudel. Er betonte, daß die Fraktion unmittelbar nach dem Wiederzusamme tritt des Parlaments Painlevé vor die Frage zu stellen habe, er die Fortsetzung des Kartells wünsche, das er selbst mit geschaffen habe, oder ob er fünftig mit einer wechselnden Mehh regieren wolle, dessen Hauptstüge Herr Maginot sein werde. Selbst wenn Painlevé sich für das letztere entscheiden würde, dürfte die sozialistische Partei die Zusammenarbeit mit der bürgerliden die sozialistische Partei die Zusammenarbeit mit der bürgerliden Linken nicht aufgeben, weil die Wählerschaft, die unter alen Umständen den Bestand des Kartells wünsche, es nicht begreifn würde, wenn die sozialistische Partei die Verantwortung für ds Auseinanderfallen des Kartells übernehmen würde. In der Frae der Uebernahme der Mitverantwortung an der Regierung spray Renaudel sich nicht für die Beteiligung schlechthin aus, sondern er b. bDie Berliner Stadtverordnetenwahlen. Am 25. Oktober. schränkte sich auf eine an den Kongreß gerichtete Warnung, nicht durch freiwilligen Beschluß dieser Beteiligung auf absehbare Zeit den Weg zu verbauen, denn der Eintritt der Sozialisten in das Kabinett bilde unter Umständen die einzige Möglichkeit, die Entstehung eines ausgesprochenen reaktionären Ministeriums zu verhindern. Unterstüßungspolitit feineswegs automatisch das Ende der ZuAuch Grumbach vertrat die Auffassung, daß das Ende der sammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien im Gefolge haben müßte. Grumbach verwies auf die Entwicklung in den anderen Ländern und bezeichnete es als bedauerlich, daß die französische Partei eine der wenigen sei, die bisher das Experiment der Beteiligung an einer bürgerlichen Regierung abgelehnt habe. Mit dem Delegierten der Gironde, La vielle, der ebenfalls die These der Minderheit vertrat, schloß die Sonnabendfizung. Für Sonntagmorgen famen nach einer kurzen Diskussion über die Kolonialpolitik der Partei, die vor allem von den Delegierten von Tunis, Algier und Marotto bestritten wurde, und die mit dem Antrag auf Schaffung einer ständigen Kommision für Fragen der Kolonialpolitik endete, in dem Delegierten von Nancy, Doley, und dem Vertreter der Minderheit in GroßParis, Mombard, zunächst Barteigänger der Kolonialpolitik und der Beteiligung an der Regierung zu Wort. unter stürmischem Beifall der Versammlung entgegen. Ein Antrag, Ihnen trat der Generalsekretär der Partei, Paul Faure, die Rede als Broschüre der Deffentlichkeit zu übergeben, wurde an die Kommission überwiesen. Den Höhepunkt erreichte die Debatte, als von minutenlangen Ovationen begrüßt, Léon Blum die Tribüne bestieg. Er gab zunächst einen furzen Rückblick auf die Bolitik der Frattion in den legten kritischen Wochen. Die Sozialistische Partei, so führte er aus, sei den gegenüber der bürgerlichen Linten eingegangenen Berpflichtungen treu geblieben. Wenn es trotzdem zum Bruch des Kartells gekommen fei, so trage daran die Situation im Herbſt ſei ſehr ſchmer vorauszusehen. Os sei nach andere Seite ausschließliche Berantwortung. Die Entwicklung der feineswegs sicher, daß eine von der sozialistischen Fraktion ausgehende Initiative, die Painlevé vor die Wahl einer rechten oder Es feineswegs sicher, daß eine von der sozialistischen Fraktion aus linken Mehrheit stelle, genüge, um den Rücktritt des Ministeriums zu veranlassen. Aber selbst, wenn diese Eventualität eintrete, so bedeute das noch lange nicht, daß die sozialistische Fraftion nunmehr zwischen der Teilnahme an der Regierung und der Mehrheit des nationalen Blods zu wählen habe. Man dürfe in dieser Beziehung deren Mitglieder zu einem beträchtlichen Teil eher die eigene Partei Vertrauen zu der radikal fozialistischen Partei haben, verlassen und zu den Sozialisten herüberkommen würden, als sich zu einem Zusammengehen mit der Rechten bereitfinden würden. Die Neubildung der Mehrheit, die sich seinerzeit um Herriot geschart habe, sei wenig wahrscheinlich. Auf jeden Fall aber müsse der Versuch unternommen werden, die Kräfte der Linken zu konzen trieren, fei es in der Opposition, sei es in der Beteiligung an der Regierung. Aber selbst in legterem Fall komme für die Sozialistische Fraktion eine dierefte Beteiligung an der Regierung nicht in Frage. Es sei ein großer Irrtum, zu glauben, daß der Befiß eines oder mehrerer Portefeuilles der Partei mehr die Möglichkeit zur besseren Kontrolle der Politik gebe. Einzig und allein der Minister Präsident bestimme die Orientierung der Politik. Was die Partei wolle, sei die lle bernahme der Regierung durch die Sozialisten, nicht aber lediglich eine Teilhaberschaft. In einem bürgerlichen Ministerium würden die Delegierten der Bartei nur mit träger der Berantwortung, nicht aber Herr der Lage sein. Die Rede Blums wurde vom Parteitag mit einer stürmischen Ovation für den Redner quittiert. Die weitere Diskussion brachte nichts Bemerkenswertes. Einige Anträge wurden an die Resolutionstommission überwiesen. # lehnt eine weitere Finanzierung der Edmund- Stinnes- Betriebe ab, weil es auf diese Weise erreichen will, daß die Besizmasse von Edmund Stinnes zu der gesamten Liquidationsmasse des Der ständige Ausschuß des preußischen Landtages beschäftigte Sugo- Stinnes Ronzerns geschlagen wird. fich heute u. a. auch mit den zur Vorbereitung der Berliner Stadt- Bei dieser Gelegenheit bezeichnete Edmund Stinnes die von verordnetenwahlen notwendigen Verordnungen und Uebergangs- uns in der Sonntagsausgabe veröffentlichte Darstellung der bestimmungen. U. a. besprachen die Parteien unverbindlich auch den von der Regierung festgesetzten Termin. Nach längerer Debatte herrschte Uebereinstimmung darüber, daß der 25. Ottober als Termin für die Berliner Stadtverordnetenwahlen in Betracht fame. Zwar ist die Wahlzeit der Stadtverordnetenverfammlung am 16. abgelaufen. Der in Aussicht genommene 11. Ottober scheidet aber als jüdischer Feiertag als Termin aus, der 4. Oktober wird allgemein als zu früh erachtet. Um 18. findet ein deutschnationaler Parteitag statt, fodaß schließlich allgemein der 25. akzeptiert wurde. Unterstützung der Aga. Konferenz beim Oberpräsidenten. Die angekündigte Sigung beim Oberpräsidenten wird in Anwesenheit des Oberpräsidenten um 12 Uhr eröffnet. Außer Edmund Stinnes und dem Betriebsrat war auch ein Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandes anwesend. Dr. Edmund Stinnes legte noch einmal die Gründe der Stillegung bar, die sich aus den Auseinandersehungen in dem bekannten Konflikt mit dem Stüßungstonsortium ergeben haben. Er vertrat die Auffassung, daß es vor allem persönliche Gründe gewesen seien, aus denen die Großbanten ihre Unterstügung dem Betrieb verjagt hätten. Die gesamten Großbanken sind ja bekanntlich in dem Eretutipfomitee des Hugo- Stinnes- Ronzerns vertreten, und dieses Finanzlage als unzutreffend. Eine Berbindung der Edmund tinnes- Werke mit der Liquidationsmasse mit den Hugo- Stinnes erken fonime nur dann rechtlich in Betracht, wenn die Hugoinnes- Werte unter Geschäftsaufsicht oder in Liquidation fommen. wollen die Banken durch die Sperrung des Kredits die wirt [ aftlichen Machtmittel anwenden, um ihre Ansprüche an hund Stinnes geltend machen zu können. Trogdem Dr. Edmund Stnes auf die Intervention der Reichsbank hin eine Ausfallbürgsche für die Forderungen an den Hugo- Stinnes- Konzern im Rahen der eigenen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und im progentilen Anteil feines Vermögens an der Erbschaftsmaffe zu leisten gugegt hat, gingen die Großbanten darauf nicht ein und zwar wohleshalb, weil die Selbständigkeit der Edmund- Stinnes Wert bei einem solchen Verfahren nicht angetastet würde. Artreter des Betriebsrats unterstrichen die Ausführungen von Edmund Stinnes und wiesen vor allem darauf hin, daß die Gefahder Stillegung in unmittelbare Nähe gerückt sei. Man dürfe ir juristische Zwirnsfäden nicht stolpern, wenn es sich darum handeleeinen lebensfähigen Betrieb mit Staatstredilen am Lebi zu erhalten, wofern dadurch der Arbeitslosigtett vorgebeugt werden mm. Der Oberpräsident sagte nach längerer Diskussion seine mitwitang beim preußischen Handelsministerium und dem eichswirtschaftsministerium zu, um zusammen mit der Die reftion dellga- Berte die Wege zu finden, die zur Aufrechterhaltung des Betries beschritten werben fönnen. Die Reichsamnestie. Ein nicht eingelöstes Regierungsversprechen. Bon Otto Landsberg. Die Regierungsparteien des Reichstages haben die SelbstTeiles ihrer Mitglieder unterschäßt. Sie fürchteten, mie sich fucht des an Schutzöllen mit dem Geldbeutel interessierten gezeitigt hat, zu unrecht, daß sie ihre Leute für die Abftimfönnen, und daß es aus diesem Grunde der Sozialdemokratie mungen über den Zolltarif nicht würden zusammenhalten möglich sein würde, das Zustandekommen des Zollgesetzes zu nalen auf den vornehmen Gedanken, den Entwurf des verhindern. Um uns abzuschreden, verfielen die DeutschnatioAmnestiegesezes bis nach Annahme der Zölle von der Tagesordnung fernzuhalten. Die Sozialdemokraten sollten wissen, daß, wenn aus den Hochschutzöllen nichts wurde, auch das Amnestiegesetz in der Bersentung verschwand. Auf diese Weise hoffte man, unsere Opposition gegen den Zollwucher zu lähmen. Der Köder der Amnestie hat uns nicht zum Anbeißen rerlockt. Wir haben ohne Rücksicht auf ihr Zustandekommen gegen die Zöllner gefämpft, bis wir der brutalen Gewalt unterlagen. Hätte das Scheitern der Zollvorlage dem Amneftiegesez den Garaus bereitet, so wären wir bereit gewesen, die Verantwortung dafür zu tragen. Conful, die unter die Kampiniitel gegen die verkajte tepuDas Amnestiegeset meist die gleichen Züge auf wie alle teil werden und gibt anderen höchstens Trostpreise. Die den Deutschnationalen und ihrem Anhonge reichen Segen zugesetzgeberischen Leistungen der Luther- Regierung: Es lazi Beicflung der Massen des deutschen Boltes durch die Rölle mird jährlich mindestens eine Milliarde Mart betragen. Von. dem Anteile des Reiches an diesem ungeheueren Betrag hat man gnädigerweise anze 40 Millionen Mark jährlich für mede der Invalidenversicherung zur Verfügung gestelt, ein Trinkeld, das hinter dem üblichen Sage weit zurückbleibt. putsches, General Lüttwig und Kapitän Ehrhardt, Genau so ist es mit der Amnestie. Die Führer des Kappfind straffrei, die völkischen Geheimbündler der Organisation blit den Mendjelmord aufgenommen hatten, find straffrei, alle die Burschen, die den ersten Reichspräsidenten durch niederitüchtige Berleumdungen in Kreontheit und Tod getrieben haben, find straffrci. Soweit ist das Gejez großzügig. Warum denn auch nicht? Lüttwih und Ehrhardt haben doch, so erzählte der deutschnationale Abgeordnete die Erfezung der Nationalversammlung durch einen neu zu Lohmann im Reichsausschuß, nichts anderes bezwed, als wählenden Reichsiag; es war ihnen nur um die Ueberfei tung verfassungswidriger in verfassungsmäßige Zustände zu tun! Sie putschten also für die Weimarer Verfassung. und menn man die Geheimbündler nicht amnestierte, so hätte Herr Killinger, der, wie sein Freund Löbel, raftlos für Hindenburgs Wahl gearbeitet hatte, am Ende doch ins Gefängnis wandern müssen, falls der Retter nicht menigstens ihn rettete. Schließlich die Ebert- Beleidigungen! Leidet es denn die deutschnationale Auffassung von höherer Gerechtigkeit, in der Antastung der Chre des Sattlergesellen" etwas Strafbares zu erblicken, der die Dreiftigkeit gehabt hat, ohne jede Legitimation das von den Edelsten und Besten zugrunde gerichtete Deutschland zu retter! Der Sport der Schmähung des ersten Reichspräsidenten erfor derte feinen Geift, sondern nur die Beherrschung des Stalltones. Belcher Deutschnationale wäre also von ihm auszuschließen genötigt gewesen. Und so ist es tatsächlich immer noch leichter, unter den echt preußischen Männern einen zu finden, der sich im November 1918. nicht verfronen hat, als einen, der sich nicht bemüht hätte, den Namen des Mannes in den Schmutz zu ziehen, vor dem sie einst alle fich geduct haben. Wie fümmerlich sind neben diefen weitgehenden Straf die nicht ausschließlich dem Interesse der Anhänger der stäräften befreiungen diejenigen Zugeständnisse des Amnestiegesetzes, Regierungsparteien zu dienen bestimmt sind! Erlassen werden Festung, und niedergeschlagen werden nur solche in wekenden nur Strafen bis zur Dauer von zwei Jahren Gefängnis oder Verfahren, in denen auf eine höhere als diese Strafe nicht erfannt werden würde, beides aber nur dann, wenn es sich um hochverräterische Unternehmungen, Geheimbündelei, gewiffe Bergehen gegen das Gefeß zum Schuße der Republik und jene der deutschen Republik zu zweifelhaftem Ruhme ge reichenden Fälle handelt, in denen durch die öffentliche Mitteilung des Bestehens gefeßwidriger Zustände Landesverrat begangen sein soll. Diese lettere Kategorie von Straftaten" war übrigens im ursprünglichen Regierungsentwurf nicht vorgesehen; sie ist erst auf Betreiben der preuBischen Regierung aufgenommen worden. die wegen der aufgeführten Straftaten erkannt sind, werden Höhere als zweijährige Gefängnis- und Festungsstrafen. um zwei Jabre getürzt. Das ist alles, was das Gefeß bringt. Und so unzureichend diese Gnadenerweise auch find, Rechtsregierung und Regierungsparteien haben es gleichwohl noch für nötig erachtet, solche Berurteilte, die zur Durchführung ihrer Straftaten oder in Zusammenhang damit gewisse Ber brechen begangen haben, von der Amnestie gänzlich auszuschließen. weber erlaffen noch getürzt. An ihrer Einbe Zuchthausstrafen werben durch das Gesetz ziehung hatten die Deutschnationalen fein Interesse, da die Justiz ihre Anhänger, wenn sie nicht gerade ein lyftierfprizenattentat begangen haben, mit Freiheitsstrafen der schwersten Ark verschont. Herrschte nW ftt den deutschen Gerichtssälen die sckon zum Gewohnheitsunrecht gewordene Milde gegen Angeklagte aus dem Lager der politischen Rech- ten, so würde das Amnestiegesetz anders ausgesehen haben. Das Gesetz findet Anwendung nur auf Strafen, die von Gerichten des Reiches verhängt, und auf Verfahren, die bei den gleichen Gerichten oder der Reichsanwaltschaft anhängig sind. Die Reichsregierung fand den Mut zu der heroischen Erklärung, daß das Reich zum Erlaß einer' Am- nestie auch gegenüber Urteilen der Gerichte der Länder be- fugt fei, sie fügte aber staatsmännisch hinzu, es erscheine ihr nicht zweckmäßig, von der Befugnis zu einem allgemeinen Straferlaß Gebrauch zu machen. Die Länder würden bis auf Mecklenburg das Neichsgefetz durch eigene Amnestie er- gänzen. Der Ausbau des deutschen Einheitsstaates ist also in den Augen der Luther-Regierung ein unpraktisches Be- ginnen. Wer könnte daran zweifeln, daß solcher Weisheit im Kampfe mit dem Partikularismus der Sieg zufallen muß! Die Rechtsregierung ist durch das Londoner Abkommen gezwungen worden, ohne fede Ausnahme jene nichtswürdigen Subfekts von der verdienten schweren Strafe zu befreien, die aus den verwerflichsten Beweggründen im besetzten Ruhrgebiet mit den Einbruchsmächten gemeinsame Sache gemacht hatten. Dieses Zugeständnis haben Jarres und Strefemann durch die Zusicherung einer umfassenden Amnestie für das übrige Deutschland zu beschönigen gesucht. Ihr Ver- sprechen ist durch das am Tage der letzten Sitzung des Reichstages verabschiedete Gesetz nicht eingelöst worden. Die Rechtsregierung der deutschen Republik ist nur gegen rechtsstehende Feinde dieser Republik wirklich freigebig und nachsichtig gewesen.__. Awift bei üen Nationalen. Krach zwischen Stahlhelm und Jungdo. Als die Deutschnationalsn am 29. August des vergan- genen Jahres durch ihr klägliches Auseinanderfallen bei der Reichstagsabstimmung die Annahme der Dawesgesetze ermöglichten, überschritten sie den Zenith ihrer Entwicklung. Schon die Wahlen vom 7. Dezember zeugen von dem A b- st i e g der„nationalen" Entwicklung. Inzwischen geht die Zersetzung in ihren Reihen weiter. Ein interessantes Kapitel stellen die heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Stahlhelm und dem Iungdeutschen Orden dar. Das„Berliner Tageblatt" berichtet darüber in seiner Sonn- tagsausgabe eingehend. U. a. schreibt es: „Den Angriff eröffnete der Stahlhelm mit einem Artikel in feinem Bundesblatt, in dem eine Rede des.Bundeskanzlers" des Iungdeutschen Ordens zum Anlaß genommen wurde, von einem Frontwechsel und einem.L i n k s a b m a r s ch" des Iungdeutschen Ordens zu sprechen und zu behaupten, daß eine engere Verbindung des Ordens mit dem Reichsbanner geplant sei. Auf den Angriff des Stahlhelm antwortete die Leitung des Jungdeutschen Ordens in ihrer fin Berlin erscheinenden) Tages- zcitung in einer ganzen Reihe von Artikeln. Das Verhallen der Stahlhelm-Leitung wurde als„gemeiner, treuloser llebersall", ihre Behauptungen als Verleumdung, bezeichnet. Gleichzeitig wurde dem Stahlhelm bescheinigt, daß er eine.reaktionäre" Organisation sei, deren Führer.nicht nach ihrer politischen Eignung, sondern wegen ihrer frühereu gesellschaftlichen und militärischen Stellung ausgewählt würden. Diese reaktionären Elemente erstrebten.die restlose wiedereiaführung der früheren Zustände in politischer Beziehung" und seien„in Knstengeist und Standesllberhebung be» fangen". In wirtschaftlicher Beziehung werde zu sehr der Standpunkt des persönlichen Ruhens betont und das Interesse der Gesanu- heit vergessen. Der Vorsitzende des Stahlhelm, Herr Scldte, hätte sich übrigens selbst über die reaktionären Elemente in seinem Bunde beklagt. Es wird daran erinnert, daß er als Vorsitzender des Bundes zu einem Festessen anläßlich des Deutschen Tages in Halle, an dem neben Ludendorff, Goltz eine ganze Anzahl von Generalen, Admiralen und hohen Offizieren teilnahm, nicht eingeladen worden sei. Weiter wird dem Stahlhelm die Abhängigkeit von bestimmten Sebenöige Maschinen. von Ludwig Tieffenbach. In einem Schaufenster steht ein Mädchen und legt alle zwei Sekunden einen weihen Bogen Papier oben auf die Druckmaschine. Gleich kommt der Bogen unten wieder heraus und trägt nun die Nachricht, daß der 5)err Kommerzienrat T. sich die Ehre gibt, Herrn...... und Gemahlin zu einem Butterbrot einzuladen. Das Mädchen im Schaufenster sieht ein bißchen schmal aus, und man würde es ihr nicht übel nehmen, wenn sie auf Kommerzien- rats Butterbrot neidisch wäre. Aber sie ist es nicht. Jetzt, hier im Schaufenster, denkt sie nichts, fühlt sie nichts, will sie nichts. Sie steht die jungen Männer nicht, die manchmal auffordernd durch die Masscheibe gucken— sie hat Dienst, und man weiß nicht recht, wo die Dnickniaschine aufhört und wo das Mädchen ansängt! Die Sttaße entlang wandeln nebeneinander zröei grüne Uni- formen, zwei schtgarz lackierte Helme: zwei Paar Arme sind auf dem Rücken verschränkt, zwei Paar Gamaschenbeine exerzieren mit jener Parallelität, die wir alle am Schupo-Zwilling so gerne haben. Die Sonne brennt mit Ueberstunden auf die ächzenden Staats- bürger; aber der ganz in Wolle gepackte Zwilling schwitzt nicht. Eine kurzröckige Blonde läuft, von Blicken gestreichelt, vorüber: aber der Zwilling nimmt von ihren Beinen keine Rotiz. Der Zwilling raucht auch nicht, lacht nicht— er hat Dienst! Von seinen Knie- gelenken führen unsichtbare Marionettenstrippen zumm Herrn der irdischen Heerscharen. � Bier Straßenarbeiter hauen einen eisernen Keil in den Asphalt. Sie schwingen ihre langen Hämmer im Rhythmus, und es sieht wunderschön aus, es klingt auch hübsch: aber leider sind es gerade Menschen, die diesen amüsanten Spektakel ausführen, und dieser Spektakel ist leider die Hauptbeschäftigung ihres Lebens. Woher kommt eigentlich unser Hochmut gegen die Maschinen? Beschäftigt sich nicht die Mehrzahl von uns mit Dingen, die eine primitive Maschine ebensogut oder besser machen würde? Beleidigt denn keinen der gleichförmige Takt dieser Arbeiten? Uns alle hat irgendein großer Puppenspieler am Wickel und beschäftigt uns unser Leben lang, ohne eigentlich unsere besten Kräfte auszunutzen. Ist nicht das. was ein Vogel tut, wenn er Futter sucht, eine viel reichere, verzweigtere, intelligentere Sache als das meiste, was von Menschen in Bureaus. Fabriken und hinter Postschaltern zwecks Nahrungserwerb gemacht werden muß? Und wo steckt eigentlich all das Menschliche: das Sich-Freuen und Traurigsein, das Weinen und Aufjauchzen, das Hassen und das Edelsem und was uns die Dichter lind Schauspieler sonst Schönes vormachen?— Doch da fällt uns der Idealist ins Wort und sagt:«Ja, ober die Liebe! Blüht sie nicht in jedem Menschen einmal auf, macht sie nicht jeden einmal zum Dicht»?" >* Ich gehe um Mitternacht durch eine Hauptstraße. Sie ist aus- gestorben, nild das 5klch?pcrn meiner Schuhe hat plötzlich eins un- crirögliche Wichtigtuerei cm sich: Jedoch es gibt noch mehr Leute, ! die Lärra machen. An einer Straßenecke stehen ein paar Frauen mft dtckev jeidegtänzenden fernen und groß« Hüten. Mit Schmtvt- wtrkschasllichen Gruppen zum Vorwurf gemacht. Der Orden er« klärt sich bereit, unter Beweis zu stellen, daß in Stahlhelmkreisen selbst in bejug auf die Srahlhelmleitung von einem„Korrupttons. sumpf" gesprochen wurde, und will Personen benennen, welche hie geldliche Unabhängigkeit des Stahlhelms bestreiten. Ueber dieses Kapitel schreibt der Hochmeister des iungdeutschen Ordens, Lrtur Mahraun, nachfolgende bemerkenswerten Worte:„Da, wo Mittel fliehen, spielt die Interefsenpolitik ihrer Däter die ewig gleiche Rolle. Auf diese Weise sind die meisten Organisationsversuche dem gelben System verfallen. Lange Zeit ist ein großer Teil der nationalen Bewegung ausführendes Organ irgendwelcher stärkerer Wirt- schastsg nippen gewesen." Mahraun erklärte weiter, daß seine Orgo- nisation sich weigere, sich der Interefsenpolitik e i n z e�l N e r Gcldgrwppen unterzuordnen. Es müsse„mit dem System gebrochen werden, nach welchem irgendeine Gruppe von Persönlich- kciten, die von Großbanken und Konzernen finanziert wird, eine beliebige Anzahl nationaler Führer zur Lösung irgendeiner Tagesfrage unter dem Appell an die allgemein empfundene Rot- wendigkeit zusammenführt, um sie nachher zu zersplittern". Mahraun zieht dann scharf die Grenze zwischen der„n a t i o n a l k a p i t a- l i st t s ch e n" Bewegung und setner.volksnationalen" Rich- tung, die den Kamps gegen Standesdünkel, Plutokratie und unvöl- tische Reaklion führe." Kein Zweifel, daß die Zersetzung in den nattonalen Reihen Fortschritte macht. Der Spiritus der nationalen Opposition ist verslogen, geblieben ist das Phlegma einer engen und stumpfsinnigen Geldsackpolitik, deren Charakter auf die Dauer den Massen der nationalen Berbände nicht verborgen bleiben kann. Aufgaben öes preußenlanStags. Severing über die Preustenpolitik. Bielefeld. 17. August.(Eigener Drahtbericht.) Auf der gestrigen Generalversammlung der SPD. des Unterbezirks Bielefeld-Meden- brück führte Genosse Seoering in seinem Referat über die politische Lage und über die Preußenkrise u. a. aus:„Früher war Preußen der nihende Pol in der Erscheinungen Flucht. Das ist heute nicht mehr der Fall. Seit dem 7. September vorigen Jahres leben wir in einer dauernden Regierungskrise. Die- jenigen Parteien, die dieses Spiel glauben treiben zu tonnen, brauchen nicht glauben, daß sich eine verantwortungsvolle Regie- rung das immer gefallen läßt. Run ist der E t a t, der bis zum 1. April festgestellt sein mühte, noch Nicht einmal in allen seinen Teilen im Haushaltsausschuß beraten. Der Ministerpräsi- dent und ich sind nicht gewillt, Schindluder mit dem Bollswohl treiben zu lassen. Wir werden den Landtag vor bestimmte Aufgaben stellen. Wenn dann ein vernünftiges Arbeiten nicht möglich ist. werden wir den Landtag nach Haufe schicken. Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, daß wir gegen die Interessen des Landes verstoßen." Erklärungen Skrz�mskis. Seine Werbcreise in Amerika.— Der Garantiepakt. Warschau. 17. August.(MTB.) Außenminister Skrzynski wird heute vormittag aus Paris hier eintreffe». Dar seiner Abreise sprach er polnischen Pressevertretern in Paris seine Zufriedenheit über die Ergebnisse seiner Reise nach Amerika aus. Zwei Ziele hätte er mit seiner Amerikafahrt verfolgt: sich mit den Auffassungen der führenden Kreise Amerikas über die Fragen der internationalen Politik vertraut zu machen und in Amerika die Kenntnis über Polen zu erweitern, das zwar in den Vereinigten Staaten viele Sympathien besitze, die aber auf Wirtschaft- lichem Gebiet bis jetzt noch nicht sachlich begründet seien(d. h. man pumpt Polen nichts. Red.). Diese beiden Ziele glaube er erreicht zu haben. Von seiner Unterredung mit B r i a n d habe er den allerbesten Eindruck. Die Uebereinstimmung der Auf- faffungen Frankreichs und Englands fei von größtem Werte, sowohl für Polen als auch für den europäischen Frieden überhaupt. Was den Garantiepakt anlangt, so sei die Formulierung der Po- l e n betreffenden Fragen bis jetzt noch nicht erfolgt, weshalb irgendeine Nervosität nicht am Platze fei. Erst nach Besprechung dieser Fragen mit seinen Kollegen könne eine Einigung mit Frank- reich erfolgen. Jedenfalls könne der Minister schon heute versichern, daß der Garantiepakt nicht ein« begrenzte B«chenmg. fmAecn eine auf dein Grundsatz des Genfer Protokolls: ruhende Zusatz- sicherung darstellen werde.__.<*v.,. ßrieöen in Sprien? iverhandlunge« im Gange.. London. 17. August.(MTB.)„Daily Mail" behauptet in eine, Meldung aus Jerusalem, daß Frankreich dem Be rnehmen nach mit den Drusen Frieden geschlossen habe: die gen auen Bedingungen seien noch nicht bekannt, aber es heiße, daß si.e die Auferlegung einer hohen Geldbuße einschließen. Es oerlaute auch, daß gewissen Personen eine politische A m n e st i e ge währt werden wird. „Times" meldet aus Jerusalem: Die letzt en Nachrichten aus Syrien spiegeln die politische BesorgnisinDlamaskus wider. Dorthin sind 10 Panzerwagen aus Deiru t gesandt worden, um eine Kundgebung zu veranstalten. Af* Beirut wird ac- meldet, daß eine Abordnung, die zur Untsrhandl, n,g mit den Drusen entsandt wurde, aus Hauran mit folgenden Bedingungen der Drusen zurückkehrte: Erstens, Hauptmann Carbillet muß des Gouverncurpostens des Dschebel Dru- en.thoben werden: zweitens, ein französischer Gouverneur ist genehm,. vorausgefetzt, daß er von den Drusen gewählt wird: drittens, niemand darf wegen des Aufstände- bestraft werden, und W r, f f e n der Drusen dürfen nicht beschlagnahmt werden. Die S IbordnUng wurde von General Sarrail empfangen, und hierauf wurd e Befehl gegeben, die in Damaskus. Deirezzor und Kuneitra gesaugt mgesetzten Drusen freizulassen. Der Jrak-König auf Pvstenfriche. Pari,. 17. August.(EP.) Die Reise des Kimigs Faisal von Irak nach London wird von der Pariser Pr-.sie verschiedenartig kommentiert, weil der König hier als T h r o r, a n w ä r t e r für den syrischen Thron betrachtet wird. E'.nige Zeitungen behaupten nämlich, daß der Drusenausstand von K.önig Faisal unter- stützt worden wäre, um di« Franzosen ans Syrien zu ver- treiben und sich an ihre Stelle setzen zu tön nen. So schreibt das „Journal", daß die Absicht König Faisals dai-in bestehe, sowohl in Bagdad als auch in Damaskus zu herrschen. Im Irak herrsche er aber nur dank der Unterstützung der E n g l ä n d e r. Di« Volks- befragung im Irak fei eine Komödie gewesen, die von d-r Völ'kerbundskommission über Mostul gespielt worden sei. Seitdem die Wahabiten König Husiein vertrieben hätten, fühle sich König Faisal noch weniger sicher als bisher. Er lege sich da- von Rechnung ab, daß seine Regierung auf schwachen Füßen stehe. wenn die englischen Soldaten den Irak räumen würden. Seine Reise nach London sei nur erfolgt, um eine Verlängerung der englischen Besatzung zu erlangen, die nach den bestehenden Derttägen in 4 Iahren ablaufen würde. Stillegungen im Nuhrgeblet. Bochum, 17. August.(Eigener Drahtbericht.) Während im Monat Juli die Belegschaften der Zechen„Prinzregent",„Julius' Philipp",„Friederika" und.Karl Friedrich Erbstollen" zwei Schichten infolge Absatzmangcls f e t e r n mußten, ist die Verwaltung von Deutsch-Lux gezwungen, durch die steigenden Absatzschwierig. leiten heute. Montag, auf den obengenannten Zechenanlagen eine weitere Feierschicht, die dritte in diesem Monat, einzulegen. Durch die zunehmenden Absatzstockungen ist zu befürchten, bah die Verwaltung gezwungen wird, auch in den im hiesigen Bezirk liegen- den Schachtanlogen zu Betriebseinschränkungen zu schreiten, wie es bei den Schachtanlagen der Gesellschaft bei Dal« mund bereits vorgenommen worden ist. velchslaxsabgeordneler veufch gestorben. Der Vertreter Berlins in der ReicJstagsftaktion des Zentrums, Dr. Paul Veufch. ist im Alter von«2 Jahren an den Folgen«ine» Ohrsnleidens gestorben. Beufch hat eine rasche und arbeitsreich« Laufbahn hinter sich. Als Ratio na lötonom und Finanzwissenschaftler trat er 1907 m die„Zentralstelle des Bolksoereins für das katholische Deutschland" ein. 1S19 wurde er von Enberger in das Reichs- finanZ Ministerium berufen, dem er als Ministerialrat und Minist'rialdirektor bis in die letzte Zeit angehörte. Sein Nachfolger im Reichstag ist der Kaufmann Schön vorn, der feit Iahren den Sorsttz in der Berliner Zentrumsorgamfatton inne hat. Maffenverurlellungen durch die Lefahungsbehörde. Das fran- zöfifche Militärpolizeigericht Wiesbaden verurteilte wiederum nicht wenizer als l07 Personen ou» dem unbesetzt«» Gebiet zum Teil zu recht hohen Geldstrafen, weil sie nicht im Besitze eines oorfchrifts- mäßgenWPafses waren. stift und Puder sind ihre Gesichter uniformiert: sie sehen sich so ähn- lich, wie ein Soldat dem andern. Ihre katten und unheimlich tiefen Stimmen schreien und lachen durcheinander. Sie gehen immer hin und her, mit quälender Regelmäßigkeit, unermüdlich wie ein Uhrpendel. Als ich vorbeikomme, murmeln sie etwas, was zwar dem Wortlaut nach eine Lockung ist, aber einen verwelkten, ab- gestorbenen Klang hat: sie schnurren es ab wie eine Spieldose. Und mir fallen plötzlich die grellbemalten Bahnhofsautomaten ein, in di« man einen Groschen wirft und die dann eine Schachtel gebrannter Mandeln ausspucken und mir fällt auch � nebenbei— die Liebe des Idealisten ein.___ Eine chemische Fabrik auf hoher See. Unter den Chemikalien spielt das Brom für Industrie und Handel eine der wichtigsten Rollen. Der Bedarf ist während der letzten Jahre vor allem deshalb so enorm gesteigert worden, weil das Brom zur Herstellung von brennbaren Oelen für den Kraftwagenantrieb unerläßlich ist. Deutschland lieferte bisher das meiste Brom für den Weltbedarf, da es als Beiprodukt bei der Kali- und Steinfalzgewlnnung erhalten wird. Diese Lager werden aber von nicht allzu ftrner Erschöpfung bedroht. Man hat sich deshalb nach anderen als den bekannten natürlichen Quellen umgesehen und hat sich daran gemacht, das Meerwasser in bezug auf Brom auszubeuten. Frauen für den Slaatsdieust in England. Dieser Tage hat die grche, alljährliche Konkurrenzprüfung für die Klasse I des Zivil- dinftes begonnen, und zum ersten Male sind 34 weiblich« Kandi- däen zugelasfen worden. Jede erfolgreiche Bewerberin erhält eine Znstellung In irgendeinem Zivlldepartement und damit dt« Aussicht, !ie höhere Laufbahn bis zur schwindelnden Höhe einer„Per- narenten Unterstaatssekretärin" zurücklegen zu können, welche Posten, beiläufig bemerkt, im Durchschnttt mit je 3000 Pfund Sterling im Etat angesetzt sind. Die Permanenten Unterstaat-- jettetäre sind die allmächtigen Berater der betreffenden Minister uw dt« eigentlichen Chef- der Resiorts. Mit dem Zugeständnis de Teilnahme an der letzten und schwierigsten Prüfung ist die lest« Schranke für die Frauen gefallen. Die Prüfung hat ee ollerding» in sich. Sie dauert drei Wochen u» umfaßt 65 Fächer, von Zoologie und Astronomie bis zur Ztilifation der Arbeiter und dem römischen Recht, doch sind nur ffls dieser Fächer obligatorisch. Die Bewerberinnen müssen sich ji Alter von 21 bis 24 Jahren befinden. Was das Gehalt der «izelnen Stellungen betrifft, so ist nur die Grenze gefetzt, daß das rn Beamtinnen gebotene Höchstgehalt 100 Pfund Sterling niedriger t als das für Beamte festgesetzte. Di« Teilnehmerinnen an der Prüfung werden sich hauptsächlich au« denjenigen jungen Mädchen eekrutteren, welche die Frauenuniverfltüten von Girton oder Newn- hom absolviert haben. Die ältesten Fisch« der Erde. Räch einem Bericht in„Natur 4�,. fl.. 1__ a �•••_ri«-*... Neu-rdings ist man in den Bereinigten Staaten darangegangen, und Kultur" hat man in jüngster Zeit'in Oslo reiche" Funde"von Ueberresten der Ältesten Fische der Erde gemachtt Diese Fische diese Ausbeutung im großen Stile zu betreiben. Man hat euz eigens für das besondere Gewinnungsversahren geeignete Dampf schiff, das den Namen„Ethyl"(Aethyl) führt und 4300 Tonn« groß ist, erworben, das imstande sein soll, im Monat an die 50 W Kilogramm Brom aus dem Seewasser zu gewinnen. Der Dampf' ist mit seinen Vorrichtungen und Apparaten in der Lage, in!r Minute gegen 30 000 Liter Seewasser zu heben und zu bearbeitt- Sollte sich der Versuch, der seit dem 5. April d. I. auf hoher« unternommen wird, bewähren, so ist die Besitzerin dieses„ch«n- scheu" Dampfers, die Aethyl-Gasoline-Kesellschoft von New zrk, gewillt, eine ganze Flotte solcher Schiffe auszurüsten, und an beabsichtigt dann auch noch andere chemische Stoffe, z. B. Iodaus dem Gewässer zu ziehen. E» leuchtet ein, wie billig der Gewinnungsprozeß sich Ren muß, da einmal das Gelände für die Fabrik auf dem Lan �r» spart wird, sodann der Rohstoff in unerschöpflicher Füllt unlganz nahe zur Hand ist. Verlegt man nämlich die Apparate unrhalb des Wasserspiegels im Schiffe, so ist das Heraufpumpen dc See- waffers gar nicht erforderlich, da es obne weitere» hereindril und so ungehindert Tag und Nacht bearbeitet werden kann. D- Land gewinnt außerdem bei diesem Herstellungsprozeß noch in nderer Hinsicht, wenn man bedenkt, daß weder der Kohlenrauch och die sonst so lästigen Dämpf« und Abwäffer einer chemische- Fabrik hier jemanden belästtgen und sie affo dem armen Erden wohner nicht mehr die Luft verpesten. St« SestauflStzruag der hallir-ltame„Achtvag I EMU 504*«uuuchr aus Nittwoch. den 13. Angnsy pünktt-ch 7 Uhr. jestgifttz� a&uillMJtag tüchich 8-�1 Uor, zeigen, daß ein Teil der ältesten Fischarten keine Kiefer und auch keine Zähne besaß: an den Seiten des Körpers saßen den Glied- maßen entsprechende paarig angeordnete Vruststacheln. während der Kopf zwei Seitenaugen und ein Stirnauge aufwies. Der Mund war von einer Zkieferplatte eingefaßt. Zugleich mit dielen Funde» fand man auch Panzerfische. James Watts Wertstatt. Der Wohnsitz James Watts in Heath. field b« Birmingham, wo der große Erfinder von 1769 bis zu feinem Tode gelebt hat. fiel jetzt der Spitzhacke zum Opfer, um Reu- bauten Platz zu machen. Watts Erbe hat aber alle Maschinen Werkzeuge. Geräte und dergleichen dem Science-Mus-um in South Kens.ngton ubergeben: ihm haben die gegenwärtigen Eigentümer auch Zur, Fenster, Fußboden usw. von Watts Werkstatt zur Berfü- gung gestellt» so daß eine genaue Rochbildung d«s Raumes, wi« er sich mitsamt seinem Inventar zur Zeit von Watts Tode darstellte. macht wurde"""tte. der jetzt dem Publikum zugänglich ge- Bolkshochlchile �'Ars pachweste�»erb«!. Dos g» Iahe« der Volkshochlchule>_ erwdatzch«««tttebStaHital IQr Pacht'«!» irntiS eine bereit» genehmigte Lotterte aufgebracht tverSen. Grabstätten vorgenovime» hatte bare Schdengewebe. Sfeftep«ch Spanien und Marokko. Hein« Berhandlmigeu mit beut„maßlos" fotberubeu Abb el Krim. Paris, 17. August.(WTB.) Das spanische Direktorium nimmt in einer Mitteilung an die Presse zu den Friedensverhandlungen mit Abd el Krim Stellung und erklärt, die spanische Regierung, die getreulich an der Ausführung der Madrider Abmachungen arbeite und mit der französischen Regierung bezüglich des gesamten Maroktoproblems vollkommen einig gehe, wünsche ebenfalls, wie es die französische Regierung bereits getan habe, die öffentliche Mei- nvng über die Friedensverhandlungen mit Abd el Krim aufzu- klären. Das Direktorium, desien Ideal es immer gewesen sei, die durch die Marotko-Angelegenheit auferlegten L a st o n auf ein Mindestmaß herabzusetzen, Hobe niemal, ein Mittel außer -cht gclasie«, um seine Protettoratspflicht lediglich mit den unum- gänglich nötigen Gel-dopfern zu erfüllen. Deshalb habe Abd el Krim jedesmal, wenn er um Frieden gebeten habe, alle« Entgegen- kommen gefunden, das Spanien ihm im Rohmen der inter« 'nationalen Abmachungen, die seine chandlungssreiheit beschränkten, hob« bieten können. All diese Versuche seien g e- scheitert, da Abd el Krim diese Schritte zweifellos nur unter- nommen habe, um Zeit zu gewinnen, die Ernte einzubringen, die L'ffensiovorbereitungen zu treffen oder die Wirkungen der spanischen Lffensive, die stets aus das unumgänglich Notwendige be- schränkt gewesen sei, abzuschwächen. Die Bedingungen Abd el Krims enthielten maßlose Forderungen, wie z. B. die vollkommene und bedingungslose Unabhängigkeit de« Rifgebietes, U e b« r- g a b e eines Zahlreichen Ftugzeugmaterial», Bezah- l u n g größerer Summen, zweifellos als Entschädigung für die Bor- fälle von 1921, und all das, ohne daß Abd el Krim irgendeine Garantie anbot, daß dieser— übrigens unmögliche— Frieden, n cnn er geschloffen würde, dauerhaft und wirksam wäre. Es fei nicht möglich gewesen, angesichts derartiger Forderungen in Ber- Handlungen«inzutreten. Forderungen, die nur jemand aufstellen könne, der, wie Abd el Krim, den Frieden nicht wolle, weil er vom Kriege lebe. Im Einverständnis mit Frankreich und In dem Wunsch, alle friedlichen Mittel zu versuchen, und angesichts der Tatsache» daß die Betätigung Frankreichs und Spaniens als Protektoratsmächte ein Werk der Zivilisation und der Menschlichkeit sei, nicht aber kriegerischen Interessen diene, hätten beide Länder die Grundbedingungen festgelegt, unter denen Zugeständnisie bis zur Grenze des Möglichen gemacht werden könnten. Man gestehe den Aufständischen eine weitgehende und liberale Au t o n o m i« über ihr Gebiet unter der Souveränität des Sultans und des Kalifen zu, sowie alle Erleichterungen, damit die heute aufständischen Eingeborenen des RIf- und Dschebalagebietes die Lorteile der Zivilisation genießen könnten« obwohl Spanien und Frankreich deshalb wirtschaftlich» Opfer bringen müßten, die der Welt wieder einmal ihre Selbstlosigkeit be- wiesen. Wenn auch Verhandlungen noch nicht stattgefunden hätten — denn dazu müßten Abd el Krim oder der Sultan-die Initiative ergreifen—, kenne Abb el Krim sehr wohl die Grundlagen für den Frieden. Spanien und Frankreich hätten aber auch die Gewißheit, daß er weiter bei seine» Auffasiung beharre, kein« Diskussion ohne vorherige Anerkennung der Unabhängig- k e i t des Rifstaates zuzulassen. Unter derartigen Bedingungen sei eine Berhandlung nicht möglich. Die von Abd«l Krim ausgestellten Forderungen ständen mit den internationalen Verträgen und Ab- machungen in Widerspruch, die Frankreich und Spanten nicht außer Acht lassen könnten, ohne daß da« ganze Marokkoproblem mit all seinen Gefahren von neuem aufgerollt würde. Tie nrue franko-spanische Offensive. Paris, 17. August.(WTB.) Wie dem„Journal" aus Madrid gemeldet wird, ist di« Operation gegen die Alhucemas-Bucht cnd- gültig auf den 24. August anberaumt. Die Truppen werden unweit von Schi Briß gelandet werden, um Alhucemas von der Seit« her anzugreifen. Alle vorbereitenden Arbeiten seien beendet. Ss seien an Truppenoerstärkungen für die Operation 40 000 Mannn vor- gesehen.__ poincars lewet noch unb hetzt Wetter. pari«. 17. August.(TU.) Senator Poincarö hat ein Krieger- denkmal in Lerouville«ingeweiht, wobei er u. a. sagte, die deutsch« Armee Hab« eingehend die Geographie diese» Gebietes studiert und bereits lang« vor dem Kriege habe es deutsche Generalstabskarten gegeben, die nach den französischen hergestellt, aber durch gewisse militärische Angaben vervollständigt seien. Die Deutschen hätten geglaubt, di« Italiener würden(als Verbündete Deutschlands. Red.) ihre Bersaglieri in die Bogesen schicken, und daher hätten sie Karten für italienisch« Offiziere mit italienischen Bezeichnungen hergestellt. Nach Auebruch de» Krieges habe der Generalstab diese Karten, die nicht ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden konnten, an die deutschen Offizier« verteilt. Man habe derartige Karten bei Ge- fangenen und Verwundeten gefunden, und General Bourgeois Hab« ihm eine dieser Karten übermittelt, die er der Versammlung zeigte. Sie trägt das Datum 1910. Im Jahre 191» habe der Generalstab In Berlin bereits die Invasion Frankreichs vorbereitet und der!ta- tienifchen Armee hierbei«ine Rolle zugedacht. Was der Generalstab de» kaiserlichen Deutschland vielleicht getan hat— Generalstäbe haben schließlich alle Kriegsmöglichkeiten zu durchdenken und vorzubereiten— gehört langst der Geschichte an. Das Deutschland von heut« ist eine stark«ntwaffnete, ständig über- wachte Republik, deren kleines sieer gar keineiv Generalstab haben darf. Trotzdem hetzt Poincare seine Zuhörer auf, sicherlich ohne den Unterschied zwischen jenem und diesem Deutschland hervorzuheben. Er folgt damit freilich nur der«dlen Tradition von Versailles und St. Germain, wo man die beiden deutschen Republiken wider besseres Wissen so behandelt hat, als hätte man noch die beiden Miliär- Monarchien vor sich. Damit hat man den Grund gelegt zum Wieder- erwachen de» reaktionären deutschen Rationalismus, der sich im cherbst 1915, von allem Boll verlassen, in die entlegensten Höhlen verkrochen und dort noch reichlich Platz gefunden hatte. Der Natteotti-prozeß. Immer neue Verschleppung. Rom. 17. August.(SP.) Die Anklageschrift des Staats- onwalte» im Matteotti-Prozeß wird, den Blättern zufolge, in der ersten Se p t« m b« r- Hüls:« und die Entscheidung der Anklage- kammer im Oktober erwartet. Der Prozeh selbst wird aus dies« Weise nicht vor November oder Dezember beginnen können. Auch Italien hat Kolouialsorge«. Pari», 17. August.(WTB.) Havas meldet aus istom: Auf der Karawanenstraße von Aegypten nach der Cyrenaika wikd die Nachricht verbreitet, daß aufständische Araber und ein italienischer Truppeuteil. der mit der Unterdrückung de» Waffen- schmuggel« beauftragt war, zusammengestoßen seien. Ein Oberst und ew Beamter des Koloniolministeriums seien schwer verwundet worden. Die Karawane sei vernichtet. Tschonz-Iso-Lin gestorben?„New Bork Herald' verösfentlicht «in Pekinger Teiegramm, wonach Marschall Tschang-Tso-LiN am ßuftig otatt' Kakteen. Im neuen Schöneberger Nathaus, wo man sonst wild über die Geschäftsordnung streitet, hat am Sonntag eine seltsame schwerblütige Poesie Einzug gehalten. Sie fühlte sich nicht ganz wohl in der sWtragcncn Bureaukratie dieser kalten Amtsschimmeiwände. Es ist ein kleiner Feengarten, diese entzückend vielstimmige Kakteen- schau. Erst wimmelt es von erschreckend viel komplizierten Fach- ausdrücken, aber wenn du erst die hochgelahrte Fassade überwunden hast, dann wird es sehr schön. Es sind alles Importen, aus Mexiko, Texas und Chile, und es sind Sachen dabei von bezaubernder Schön- hsit: Stücke, die ausgesuchter Gartenkultur entsprossen sind; seltsame Formen, die in bizarren, Stil zusammenfließen. Ist hier dem Äesihetoii eine köstliche Revue geboten, so kommt auch der Fachmann nicht zu kurz. Seltsam jene schneeförmig« Kaktee, die in reizvollem Spiel sarbenlustig zu Mischen scheint. In Texas hat sie gesessen. Und die Greisenhäupter, schnseweiß gebleicht in den heißen Schluchten des gliitendcn Mexiko, sind nicht minder erwähnenswert. Interessant ist der Warzenkaktus: ei» Forbenexperiment die Regenbogentaktee. Dieser kleine verschrumpclic Kaktus, der so bösartig, so erdig grau von unten schielt, ist der Giftkaktus, aus dem die Winnetous und Chingachgooks unserer Lederstruinpfjahre den giftigen Saft für ihre todbringenden Speere zogen. Heute ist das alles anders. Heut« sind aus den barbarischen Skalpschwiiigern gutbezahlt« Barietö- altraktlonen oder Dozemen für Philosophie geworden. Mächtige Kugelkakteen laden zu Wurfgeschossen für Gäste des Eafös Wilhelma ein, wiegen sie doch schwere 79 Pfund. Die Eirenen mit ihren Herr- lichen Blüten sind ein Kapitel für sich. Welch satter, siebrig-intcnsiver Klang, den die Blüie der Peitschentaktee austönt. Seltsam pittoresk jene Kattee, die der willige Bolksmund Bischofsmütze taufte. Roch eins, verehrte Kakteengesellschaft: Warum der so unmöglich hohe Eintrittspreis? 1 Mark ist zu teuer, ist viel zu teuer. Nehmt 29, nehmt 19 Pf., und Ihr werdet ein volles Hau» haben! Denn die Ausstellung»erdient es. vas Geheimnis Ser Sterbenden. Unglücksfall ober Verbrechen bei Wittenau. Die Meldung von einem Kapitalverbrechen rief gestern früh um 4 Uhr die Mordkommission nach Wittenau. Am Sonntag morgen kurz nach 2 Uhr fand ein Polizeibeamter, als er von R e i n i ck c n- d o r f- O st nach Wittenau ging, in der Roedern-Allee mitten aus der Chaussee eine Frau auf. Als er sich über sie beugte, hört« er sie nur noch im Todeskampfe röcheln. Gleich darauf war sie verschieden. Die Lage der Leiche und die Begleitumstände ließen e» nicht ausgeschlossen erscheinen, daß ein Sittltchkeitsver- brechen vorlag, und die Mordkommission wurde alarmiert. Durch hinzugerusene Schutzpolizei wurde der Fundort In weitem Um- kreise abgesperrt und der Autoverkehr umgeleitet. Die unbekannte Tote lag auf dem Rücken in einer Stellung, die sür die Opfer eines Lustmordes bezeichnend ist. An den bloßen Beinen klafften schreckliche Wunden, ein« unter dem rechten Knie und eine in der Leistengegend, die io tief war, daß sie den Hüftknachen freigelegt hatte. Außerdem wies der Kopf schwere Verletzungen aus. Alle diese Wunden hatten einen starten Blutverluft zur Folge gehabt. Ungefähr IS Schritt von der Toten entfernt lag ein hellgelber mittel- großer Hund, dem anscheinend das Rückgrat gebrochen war. Das leidende Tier, das sich nicht mehr erheben konnte, wurde durch einen Fangschuß von seinen Qualen erlöst. Zwischen dem Hund« und der Frau fand man einen Maulkorb, eine Hundepeitsche, ein Taschentuch ohne Zeichen, ein Portemonnaie und ein Paket mit Butterbroten ver- streut aus. Weder in der Kleidung der Toten noch in ihrem Porte« monnale fand man Papiere, die Ausschluß über ihre Person hält«» geb«n können. Hier kann allein die Steuermart« des Hunde», die die Nummer 58 939/23 Berlin trägt, Fingerzeige geben. Nach photo- graphischer Ausnahme des Fundortes wurde die Leiche in das schau- Haus übergeführt. Bei der vorläufigen Besichtigung äußerte Gs- hcimrat Straßmann, daß die Wunden wohl durch einen Zu- sammenstoß mit einem Auto verursacht worden sein können. Völlige Klarheit wird jedoch erst die Obduktion ergeben. Im Verlaufe der Ermittlungen neigten die Untersuchenden schon zu der Ansicht, daß in der Tat die Frau überfahren worden ist. Da meldeten sich zwei Zeugen, die bestimmte Angaben machten, die den Vor- fall in ein wesentlich anderes Licht rucken. Sie bekunden, daß sie kurz vor 2 Uhr, aus Wittenau von einem Vergnügen kommend, un- weit der Fundstelle einer Frau.die sich in Begleitung eines Mannes und eines Hundes befand, begegnet seien. Ob diese Frau mit der später tot aufgefundenen perlonengleich ist, konnte»och nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Die Tote ist ungefähr 55 bis<9 Jahre alt, 1,äS Meter groß, beleibt und untersetzt. Sie Hai ein frisches, von der Sonne gebräuntes Gesicht, dunkelblondes Haar, hellbraune Augen und ini Oberkiefer sehr lückenhafte Zähne. Be- kleidet war sie mit einem weißen Hemd mit dem Zeichen dl. G., einer weißen Unterhose, einem weihen Unterrock mit dem Zeichen dl. L., einem schottischen Kleid mit grünem Untergrund und blauen und roten Karos, einer schwarzen Latzschürze mit aufgesetzten Taschen, einer schwarzen Steickweste, einem modesarbenen, ziemlich abge- tragcnen Covercoutmantel mit aufgesetzten Taschen, schwarzen Strümpfen, die mit Spiralstrumpsbändcrn befestigt waren, und einer braunen Sandale. D,e zweite Fußbekleidung war nirgends zu finden._ Ein Tountckst der Selbftmorbe. Der Polizeibericht des gestrigen Sonntage verzeichnet eine ganz außergewöhnlich hohe Zahl von Selbstmorden. Al» der Studlenrat Dr. P., Rabeftraße wohnhaft, am Vormittage seine Wohnung, die er mit seinen Schwiegereltern teilte, betrat, fand er seine 2vIShrige Frau Ruth und feine 51 Jahre alte Schwiegermutter durch Leuchtgas vergiftet, besinnungslos auf. Ein herbeigerufener Arzt tonnte bei der Mutter nur noch den Tod feststellen, Fra» P. wurde in dos Krankenhaus am Friedrichs- Hain georacht, wo sie noch am Nachmittage gegen S Uhr verschied. Der Grund zur Tat ist unbekannt.— Aus Schwermut erhängt« sich am Nachmittage die Frau Dr. H., Motzstraß« wohnhaft.— Durch Erschießen nahm sich der 22 Jahre alte Kirchhofsarbeiter Paul Koloschinski, Chausseestraße 239 Tempelhof, an der Ecke Dorf- und Chausseestraße das Leben.— Zu Morphium griff in selbst- mörderischer Absicht am Vormittage die 54 Jahre alte Witwe B., Steglitzer Straße wohnhaft. Ein Arzt konnte nur noch den Tod fest- stellen.— Mit Leuchtgas vergiftete sich die 19 Jahr« alte Stütze Ella L ü ck, Heilbronner Straße 21.— Durch Leuchtgas vergifteten sich weiterhin am Vormittage der 32 Jahre alte Arbeiter Bruno A r n h o l d t, Swinemünder Straße 83 wohnhaft, wegen schlechter Arbeitsverhältnisse und Chezerwürfnissen, sowie der 28 Jahre alte Händler und Hausverwalter Bruno K r a tz« l, Türschmidtstraß« 34. Die Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr blieben hier ohne Erfolg. Ebenso vergiftete sich mit Leuchtgas di« 58 Jahre alte Frau Aurelie Thiesler, Beußelsttaße 81, angeblich wegen Familien- streltlgteiten._ 50 Jahre KSpenickcr Bank. Am Sonnabend Abend beging di« Köpenicker Bant im Dereine- Haus zu Köpenick die Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens. Prof. Dr. S t e i n. der Anwalt der A l l g e m e t n» n Deutschen G e- nossenschast, gab in seiner Festred«»inen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Instituts. Unter dem Nomen Köpenick«? Kreditverein wurde es am 15. August 1875 gegründet. Trotzdem Köpenick damals nur 8599 Einwohner zählte, gehörten der Genossen- fchaft bereits im ersten Jahre 59 Mitglieder an. Die Grundlage des Krediwereins bildete das wissenschastliche System von Dr. Hermann Schulze-Delitzsch mit seinem Grundgedanken der Selbsthils«, Selbst» MOMUng und Sellchverontwoctuag. Der Lreditvereiu erwte» ßch dann auch im Laufe der Jahre al» starte Hilfe des wirtschaftlichen Mittelstandes. Von Jahr zu Jahr wuchsen Einlagen und Umsatz. Die Inflation selbst konnte nicht die soliden Grundlagen der Bank er- schüttern. Sie kam ungefährdet über die Krisen hinweg und gehör?, wie besonders Direktor Dr. Rappmund von der Dresdner Bank später ausführte, zu den wenigen Instituten, die heute Geld geben und nicht nehmen. Es sprachen darauf die Vertreter der einzelnen Körperschaften: in allen Reden spiegelte sich die Hochachtung, die die Köpenicker Bank allgemein genießt. Deklamatorische Darbietungen von Alfred Braun und Lieder- und Arienoorträge des Basssiten Magreen von der Staatsoper beschlossen den Abend. Sranöstister an See flrbeit. Ein großer Brand kam am Sonntag nachts 1 Uhr vermutlich durch Brand st istung in Steglitz in dem Eckhaus« P e s ch k«- sl r a ß e 21 und Rhein st rohe zum Ausbruch und verursachte der Feuerwehr viel Arbeit. Als die Gefahr bemerkt wurde, schlugen die Flammen schon an mehreren Stellen aus den Dachluken hell empor. Bon fünf Seiten wurde die Feuerwehr fast gleichzeitig alarmiert. Branddirektor Flacker ließ nach seiner Ankunft sofort „M i t t e l f e u e r" an alle Wachen melden, worauf Löschzüge aus Wilmersdorf und Schöneberg usw. zur Verstärkung der Züge aus Steglitz und Friedenau ausrückten. Ueber die verqualmten Treppen und mechanische Leitern wurde mit fünf Schlauchleitungen angegriffen und längere Zeit tüchtig gelöscht. Es konnte aber nicht mehr verhindert werden, daß der Dachstuhl des modernen Eckhause» niederbrannte und die oberen Geschosse Wasserschaden erlitten. Nach mehrstündiger Tätigkeit konnte die Wehr wieder abrücken.— Ein zweiter Dachstuhlbrand beschäftigte nachts um 3H Uhr die Feuerwehr In Weißensee, Friebrichstr. 22/25 länger« Zeit. Dort brannten auf dem Boden Säcke u. a. in einem Sortlerroum, so daß auch hier kräftig Wasser gegeben werden muhte. Hier war es noch möglich, die Entstehung des Feuers aufzuklären. Ein dritter Brand wurde aus der F e n n st r a ß e 22/28 gemeldet. Heute früh in der neunten Stunde kam ebenfalls, vermutlich durch B r a n d st i f t u n g, in dem Eckhause W e i s e st r. 28, Ecke Allerstraße, ein Feuer zum Ausbruch. Als die Feuerwehr an der Brandstelle ankam, stand der D a ch st u h l des großen Wohnhauses schon vollständig in Flammen. Diese hatten reiche Nahrung gefunden und gefährdeien auch das angrenzende Wohnhaus. Die Feuerwehr mußte deshalb mit 19 Schlauchleitungen angreisen und bis gegen Mittag loschen. Der D a ch st u h l ist vollständig niedergebrannt. Don den Wohnungen haben die in dem oberen Stock erheblichen Wasserschaden erlitten. Zum Teil sind auch die Decken durchgebrannt. Die Aufräumungsarbeiten werden die Feuerwehr noch einige Zeit beschäftigen. Der Abschied der spanischen Aerzle. Am letzten Tag« ihre» Berliner Aufenthaltes unternahmen die spanischen Aerzte eine Fahrt nach Potsdam, wo sie das Dersorgungskrankenhaus für lungenkranke Kriegsbeschädigte vcsichtigten. Um zwei Uhr traten sie dann eine Dampferfahrt von Potsdam nach Nikolassee an. Die Berliner Aerztetamnier hatte die Spanier als Gäste zu einem Früh- stück auf dem Dampfer eingeladen. Daran schloß sich die Besichti- gung des Oskar-Heiene-Heims in Zehlendorf. Nach eingehender Be- stchtigung fanden Vorführungen der Verkrüppelten statt. Armlose Kinder gaben ein Konzert, Verkrüppelte veranstalteten einen Weit- lauf. Prof. Dr. R o s e l l von der Universität in Barcelona dankte Oberregierungsmedlzinalrat Franke und gab zum Auedruck, daß kluge pädagogische Leitung auch den von der Natur stiefmütterlich Behandelten frohe Stunden bereiten könnte, er sprach warme, an- erkennende Worte über die deutsche medizinische Wissenschaft und hoffte, daß sich ein eingehendes, geschlossenes Zusammenarbeiten der spanischen und deutschen Aerzte ermöglichen lassen würde. Der Tag schloß mit einem Bankett Im Zoologischen Garten. Ilugzeugabstürze. Villingen. 17. August. Sin Flugzeug der Hessischen Fluggesellschaft, das am Sonntag früh in Darmstadt auf- gestlegen war, um sich an einem der gestern nachmittag veranstalteten Schauflüge zu beteiligen, geriet auf der Gemarkung Nußbach zwischen Sommerau und Triberg in starken Bodennebel. Um sich zu orien- tieren, mußte das Flugzeug heruntergehen, geriet aber dabei tu ein Hindernis und stürzte in einem Hohlwege ob. Der Apparat wurde zertrümmert, die beiden Insassen wurden erheblich ver« letzt. Der Monteur mußte aus den Trümmern herausgesägt werden. Würzbnrg, 17. August. Anläßlich des dritten bayerischen Fliegergedenktages, zu dem u. a. Reichspräsident v. Hindenbura und Ministerpräsident Dr. Held Begrüßunostele» gramme geschickt hatten, fand auf dem Galgenberg ein Schau- fliegen statt. Bei der Ausführung eines Geschicklichtettssluges stürzte Hauptmann Roptsch in einer scharfen niedrigen Kurv« ab. Nach einer Blättermeldung ist der Verunglückte seinen Verletzungen bereits erlegen.___ Raubüberfall in einem Eisenbahnzug. In der Nacht auf Sonntag wurde aus einen Reisenden de» 12,18 von Braunschweig abgehenden Zuge« Braun- schwel g�-S e e s e n bei Leifelde ein Raubüberfall verübt. Der Reisende befand sich in einem vorderen Waggon dritterKlass«, von dem nur drei Abteile besetzt waren. Mitreisende bemerkten am Bahnhof Leifelde, nachdem sich der Zug bereits in Bewegung setz:n wollte, aus einem Abteil ein verdächtiges Geräusch von Poltern und Stöhnen. Nachdem auch der Schaffner daraus aufmerksam gemacht worden war, öffnete man die Tür und sah einen Mann in liegender Stellung, der eine andere Person niederdrückte. Aus die Frage des Schaffners, erhob sich der Mann blitzartig, öffnete die dem Bahnsteig entgegengesetzt« Tür, sprang aus dem Zuge und verschwand im Dunkeln. Der Ueberfallen« tonnt« nur angeben, daß er nach Sedwigburg wolle. Cr vermißte seine Akten« tnsche, Hut und Wertsachen.!)>o?i dem Räuber war im Dunkel keine Spur zu sehen. Einer der Mitreisenden will gesehen haben, wie zwei Personen aus dem Zuge sprangen. Die Typhusepidemie im Erlösche»? Auf unsere Erkundigungen teilt un, da» Pressedezernat im Wohlfahrtsmini st erium mit, daß die in A ü t l a m, Hanau und S o l I n g e n ausgebrochenen Tyvhusepide» mten im Erlöschen begriffen seien. Die mehrfach verbreitet« Annahme, daß die Epidemien durch pasteurisierte Molkereimilch her- vorgerufen worden seien, ist nach den bakteriologischen Analysen un- zutreffend. Geheimrat S e n z hat sich zu einer neuen Inspektion»- reise in das Cpidemiegebiet begeben.— Im gewissen Gegensatz zu dem optimistischen Eommunique der zuständigen Stellen stehen di« Nachrichten, di« in letzter Zeit insbesondere aus Anklam über die Entwicklung der Seuche gekommen sind. Groß-Serliner Parteinachrichten. l».«rei». Dienstag, im, t». August, 7>/,Udr, Gitzuug d»«Umugeamlchasse» Im IuaendH-im. Br«It»str._. Ii. und IS. Mt. S-ut« OTanlofl 7V, Uhr Fr-oeuab-nb M»aldbach, Mmiiqil.T. Llchtdild-rv-ntr-g R-f««nofft Schrclb»r.______. 5J.«St. aharlatt,»tmrg. tznitt 7>,,UhtFrau»»e>m Bldrechtlir. 47? Zuug�UMst«ägrm>?'-»rtnHeubotf. Dleu�a» VI, Uhr. Im«««dad, Restdmqftr __ Elliuna der tzrlser.._ t«.«dt.««uMBn. Dienstag,?'/, Uhr, FunkttonSrstgung bei«randt. DiPper- im Heim'Äldrechttir. — �«rufann. D' ZdUringerstr. iallstengru»; Drupoenabend. | Sterbetafel öer Se»K-SerU«er partei»