Nr. 3$9 ♦ 42. �akry. Ausgabe A Nr. 199 BezugSvretS: Wöchentlich 70 Sfennis, monatlich 8,— Reichsmark voraus»ahlbar Unter llremband für Deutschland, Dan,,». Saar- und Memeloediet. Oesterreich. Litauen. Lurembur» 4,S0 Reichsmart, kür das ilbrige Susland 5.S0 Reichsmark vra Monat. Der.Korwärts� mit der Sonntag»- beilaae»Bolt und kieit� mit»Sied- luna und Lleinaarten' sowie der Beilaae.Untcrhalluna und Bissen� und Frauenbeilaae.Frauenstimme' erscheint wochentäalich»weimal, Eonntaas und Montaus einmr'. Telearamm-Adresse: .Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Derlinev VolkSblatt �10 Pfennig) Anzellirnvrclsc: Die elnfpaIHfle Nonvareille. »eil« 80 Pfennia. SctlamojiMe 6,— Reichsmark.„Kleine An, einen' das fcttaedruckte Wort 25 Pscnnia sjulässia zwei fettgedruckte Worte». ledes weitere Wort 12 Pfcnniz. Stellengesuch« das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wart 10 Pfennig. Warte Uber 15 Buch- staden zithlen für zwei Worie. lkamilienan, eigen fllr Abonnenten Seile 40 Pfennia. Aiueigen für die nächste Nummer mllssen bis 41b Uhr nachmittags im Sauvlgefchöft. Berlin(3W SS. Linden» strastc 3. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemohratifchcn Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: öerlin EW. öS, Lindenftraße Z Beritt vreeh er! Redaktion �önhofr'294— 295 "'u.'«erlag: Dönhoff«500-2507 Der pariser parteitagsbesthluß. Keine Unterstützung der Regierung Painleve. jZaris, 18. August.(Eig. Drahtbericht.) Der Parteitag der fran- „iistscheu Sozialisten hat am Dienstag mit der Abstimmung über die ihm von der Resolutionskommisston unterbreiteten Anträge und Ent- schließungen seine Arbeiten beendet. In der Frage der politischen und parlamentarischen Taktik der Partei wurde die Resolution B l u m- Z y r o m s k i, die in der Kommission 26 Stiminen aus sich vereinigt hatte, während auf die Resolution der Minderheit (Renaudel) nur 3 Stimmen gefallen waren, mit einer Vier- fünftel-Mehrheit angenommen. Die Resolution Blum er- klärt in der Einleitung, daß die Mission der Sozialistischen Partei in erster Linie darin bestehe, die Arbeiter zu einer Partei des i n t e r- nationalen Klassenkampfes zusammenzufassen. Trotz- dem dürfe die Partei nicht achtlos an der politischen Entwick- lung der Gegenwart vorübergehen. Deshalb habe sie es sich an- gelegen sein zu lassen, die Tagespolitik durch ihre den Umständen nach Möglichkeit angepaßte Aktion im Interesse des Prole- tariats zu beeinflussen. Sie werde in diesem Sinne fortfahren und ihren ganzen parlamentarischen Einfluß an dieses Ziel wenden. Sie sei dazu um so mehr fest entschlossen, als der Nationale Block, in dem die Reaktion sich in einer für die Errungenschaften der Arbeiter- klasse und für den internationalen Frieden gefährlichen Form zusammengeschlossen habe, trotz seiner dreifachen Niederlage in den jüngsten Wahlen erneut versuche, die parlamentarische Macht an sich zu reihen. Der Sozialistischen Partei Frankreichs erscheine die Fortsetzung der parlamentarischen Unterstützung gegenüber der gegenwärtigen Regierung unmöglich, vor allem deshalb, weil sie den gegen die Reaktion«ingeleiteten Kampf nicht abzuschwächen und dem durch das allgemeine Stimm- recht zum Ausdruck gebrachten politischen Willen der Massen treu zu bleiben wünsche. Aus demselben Grunde sei sie dagegen bereit, jede Regierung nach Kräften zu unterstützen, die die Gewähr dafür biete, daß sie die von dem Proletariat verlangten Maßnahmen zur Durchführung bringen werde, insbesondere hinsichtlich der Organi- sation des F r i e d e n s. der Sanierung der Finanzen, der Siche- rung der steuerlichen Gerechtigkeit, der Verwirklichung der Sozialversicherung, der Heeresreform und der Demo- kratisierung des Unterrichtswesens. Voraussetzung für diese Unterstützung sei, daß diese Regierung in dem Kampf um diese Reformen sich nicht durch den Widerstand der vereinigten Kräfte des Kapitalismus und der politischen Reaktion hemmen lasse. Die Gefolgschaft der Partei würde in diesem Falle wiederum die Form der parlamentarischen Unterstützung annehmen, wie sie in der Resolution von Grenoble definiert sei und die, ohne die Wirksamkeit dieser Taktik abzuschwächen der Partei die volle Handlungs- f r e i h e i t wahre. Dogegen müsse �ie Partei die Dekeillguag an einem von anderen Parteien gebildeten ZNinisterium nach wie vor ablehnen. Unabhängig von den Schwierigkeiten, die sich aus der Eigenart der sozialistischen Aktion ergeben, könne die Beteiligung an der Regie- rung unter den gegebenen Umständen und angesichts der äugen- blicklichen Verfassung der Partei den Interessen der Arbeiterschaft und des Sozialismus nur schaden, ohne die Aufgabe einer demo- kratischen Regierung irgendwie erleichtern zu können. Die Rcsolu- tion appelliert sodann an die Disziplin, da die unerläßliche Vor- aussetzung fllr die Handhabung der Unterstützungspolitik die Einheit und Geschlossenheit der sozialistischen Stimmen bilde. Sie schließt mit der ausdrücklichen Betonung, daß die Partei niemals die Absicht gehabt habe, sich mit anderen Parteien zu einem p e r m a- n e n t e n Kartell oder Block zu verbinden und daß sie auch weiterhin entschlossen sei, die Unabhängigkeit ihrer Propaganda und ihrer Aktion zu wahren. Die Resolution Renaudel kritisiert sehr scharf die Politik des Ministeriums Painlevö, die statt von den Besitzenden im Interesse der finanziellen Sanierung die erforderlichen Opfer zu verlangen, mit Hilfe der Rechten eine reine Interessen- Politik eingeleitet habe. Deshalb habe die sozialistische Fraktion die Unterstützungspolitik gekündigt. Die Resolution definiert dann die Bedingungen, unter denen diese Unterstützuygspolitik wieder auf- genommen werden könne, um sodann die Frage aufzuwerfen, ob die Partei einem Ministerium gegenüber, das bereit wäre, die von der Linken geforderten Reformen zu verwirklichen und dessen Bereitschaft zur methodischen Organisation des Frie- dens über allen Zweifel erhaben wäre, eine bis zur Regierungs- b e t e i l i g u n g gehende Unterstützung verweigern könne. Es handle sich hier um eine Frage, der die Partei ebensowenig aus dem Wege gehen könne wie der Hypothese einer revolutionären Aktion gegenüber einem ausgesprochen reaktionären Ministerium. Die Entscheidung darüber könne einzig und allein von den äußeren Um- ständen abhängen. Die Resolution schließt mit der Erklärung, auf jeden Fall könne eine Mitübernähme der Verantwortung nur in Frage kommen, wenn die parte! als solche in die Regierung eintrete, d. h. wenn sie selbst ihre Delegierten innerhalb des Ministeriums be- stimmen könne. Die Abstimmung ergab 2210 Summen für die Resolution Blum und 559 Stimmen für die Resolution Renaudel bei 22 Stimm- enthalwngen. Der Parteitag nahm sodann eine Reihe weiterer Resolutionen und Anträge einstimmig an, darunter eine Entschließung zur Marokkopolitik, in der die Partei jede Verantwortung für die mili- tärischen Ereignisse in Marpkko ablehnt und ihrcin Bedauern darüber Ausdruck gibt, daß die auf der Konferenz von Madrid vereinbarten Friedensbedingungen von der französischen Regierung bis- her nicht bekanntgegeben worden sind. Ein weiterer Antrag fordert die soforkige Einberufung des Parlaments wegen der Ereignisse in Marokko und des Streiks der Bank- angestellten. Der Antrag auf Einführung der vollständigen Ver- h ä l t n i s w a h l wurde mit 2199 gegen 595 Stimmen angenommen. Matzenausfperrung in üer Textilinöuftrie. 800000 Arbeiter sollen aufs Pflaster sjeworfen werden. Leipzig, 18. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Unternehmer der sächsisch-thüringifchen Textilindustrie waren samt den Vertretern der Textilarbeiter zum 17. August vom Reichs- arbeitsministerium zu einer Einigungsverhandlung nach Berlin ge< laden. Die Verhandlungen, verliefen refullatlos. Bekanntlich geht der Hauptstreit um die Tarifdauer. Der Schiedsspruch des Chem- nitzer Schlichtungsausschusses sah eine Ivprozentige Lohnerhöhung vom 11. Juli bis 26. März 1926 vor. Von Arbeitgeberseite war die Verbindlichkeit beantragt, während die Arbeiter den Schieds- spruch ablehnten. Der sächsische Schlichter mußte die Verbindlich- keit ablehnen, schon aus formellen Gründen. Der Schlichtungsaus- schuh Chemnitz hatte nämlich über eine Reihe Tarifverträge ent- schieden, für die er absolut nicht zuständig war. Versuche des säch- fischen Schlichters, eine Einigung herbeizuführen, scheiterten an dem Starrsinn der Unternehmer, die, ohne Rücksicht auf die sich immer mehr bemerkbar machende Preissteigerung, die Tarifdaucr bis in den März hinein beibehalten wissen wollten. Nachdem nunmehr rund 5900 Arbeiter und Arbeiterinnen der Baumwollspinnerei in den Streik getreten sind, beschlossen die Unternehmer, auf den 5- September sämtliche in Westsachsen befindlichen Textilarbeiter und- arbeiterinnen auszusperren. Ss werden etwa 200 000 Arbeiter betrofsen. Für die thüringischen Färbereiarbeiler war ein Schied-. spruch gefällt, der 10 Proz. Lohnerhöhung bis Ende des Jahres vorsah. Die Arbeiter, welche den Schiedsspruch angenommen, haben die Verbindlichkeit beantragt. Obschon das hierüber eingeleitete Ver- fahren noch nicht abgeschlossen ist. ist auch diesen Fürbereiarbeitern gekündigt worden. Eine große Anzahl von Firmeninhabern im sächsisch-thüringischen Textilindustriebezirk haben ihren Betriebs- räten unverhohlen ihre Mißbilligung über den Schritt ihres ver- bandes ausgesprochen. Der Reichsarbeitsminister hat sein Eingreifen in den Kampf in der Textilindustrie auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Die Sicherheitsnote in Serlin. Ueberreichnugstag noch unbestimmt. Paris, IS. August.(MTB.) Die französische Antwort aus die deutsche Rote in der Frage des Sicherheitspakt» ist heute nachmittag an den französischen Lotschaster in Berlin de Margerie abgegangen. Sie umfaßt 5 Seiten Text. Der Botschafter wird fle der deutschen Regierung überreichen, sobald er vom Quai d'Orsay An- Weisung dazu erhallen hat, voraussichtlich Ende der Woche. » Die Verzögerung der Uebergabe dieser Note an die Reichsregieriing liegt daran, daß noch nicht alle beteiligten Ententemächte dem Wortlaut zugestimmt haben.— England und Belgien haben das zwar schon getan, aher Italien nimmt in einer Note nach Paris zu dem Entwurf Stellung. Italienische Zeitungen haben in den letzten Tagen u. a. ge- schrieben, Italien könne mit dem geplanten Garantievertrag nicht recht zufrieden sein, weil seine Grenze diese neue und weitere Garantie über Friedens- und Völkerbundsoertrag hin- aus nicht erhalte. Aber soll Deutschland etwa die Brenner- grenze garantieren, an der es nicht beteiligt und die doch wahrhaftig selbst nicht in der kühnsten Phantasie jemals als von Deutschösterreich bedroht gelten kann! Will man Deutschlands Garantie auch für die Brennergrenze— gut, dann lasse man dem ost kund- gegebenen, jederzeit neu zu bestätigenden Willen Deutfchöster� rcichs freien Lauf, man gebe ihm das Recht der Selbst- bcstimmung! Dann wird es sich gewiß der großen deutschen Republik anschließen, und dann ist der Brenner deutsche Reichs- grenze, die dos Reich auch garantieren kann! vorwärts-verlag G.m.b.H.» Serlin EW. 6$, LinSenstr.Z Posticheckkonto:«erlin 57500— Bankkonto: Direktion der Tiskonto-iSetellschaft, Teposttenkasie Lindenstrahc 5 ?n der Sackgasse. Zur weltwirtschaftlichen Situation. Von Wilhelm Dittmann. Allmählich schwinden die Ncbelwolken, mit denen der Weltkrieg die weltwirtschaftliche Situation verschleiert hatte. Auch in Deutschland hat sich der Kapitalismus wieder„stabili- sicrt", wenn auch nur in starker Anlehnung und Abhängigkeit vom angloamerikanischen Kapitalismus. Aber es will nicht gelingen, das Wirtschaftsleben wieder in den„normalen" Gang hineinzubringen, wie er den kapitalistischen Kreisen aus der Borkriegszeit als Ideal vorschwebt. Noch vor Monaten glaubte man, wenn die Kreditfragc gelöst sei, werde man die Produktion für den Weltmarkt in dem ersehnten Umfang be- treiben können. Diese Hoffnung erfüllt sich nicht und man sieht erst jetzt, daß es auch anderen Hochkapitalistischisn Ländern, wie England, wo die Kreditfrage weit günstiger liegt, nicht gelingen will, das Wirtschaftsleben zu der erträumten Blüte zu bringen. Es stellt sich immer mehr heraus, daß das Problem, dessen Lösung nicht gelingen will, nicht das Kredit- und Produktions- Problem, sondern das Absatz- und Konsumtiv ns- p r o b l e m ist. Wo ist der Absatzmarkt, der die von den kapi- talistischen Staaten mit ihrer technisch hochentwickelten Produk- tionsmaschinerie hervorgezauberten Waren aufzunehmen und zu realisieren vermag? Im Innern der kapitalistischen Staaten fehlt es der werktätigen Bevölkerung infolge der Aus- Wirkungen des Weltkrieges an der dazu notwendigen K auf- kraft. Alle Hoffnung wird deshalb auf den„W e l t m a r k t" gesetzt, der dem Einzelkapitalisten und den einzelnen Produk- tionszweigen als ein mystisches, unendlich weites Absatzfeld er- scheint, von unerschöpflicher Aufnahmefähigkeit, von dessen Ver- engerung durch den Krieg und seine Folgen sie sich aber kaum eine klare Vorstellung machen. � Im Verhältnis zu der Warenmenge, die der moderne Hoch- kapitalismus auf den Markt zu schleudern vermag, kommen die meisten der vom Kapitalismus noch nicht erschlossenen Länder als Äbnehnier, die die Absatzkrise zu lösen vermöchten, nicht in Betracht. Es gibt nur drei Gebiete, die nach ihrer Volks- zahl dafür wirklich ins Gewicht fallen können: Rußland, Indien und China. Aber diese Ricsengebiet?, die durch den Weltkrieg zum Erwachen gebracht worden sind, sind dem modernen Hochkapitalismus sowohl als Absatzmärkte wie als Anlageplätze für neue Kapitalien gegenwärtig v c r s ch l o s- s e n. Soweit das noch nicht der Fall ist, muß für die nächste Zukunft damit gerechnet werden. Die fremdenfeind- l i ch e n Bewegungen in Indien und China, deren Kraft. in den ungeheuren Menschenmassen liegt, die hinter ihnen stehen, drohen dem europäisch-amerikanischen Kapitalismus selbst die bisherigen Absatzmärkte in jenen Riesengebieten abzuschneiden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Erfolg der„natio- nalbolschewiftifchen" Bewegungen in China und Indien seine Rückwirkungen auf Borderasien und Nordafrika, wo ja bereits überall ähnliche Selbständigkeitsregungen hervorbrechen, haben wird. Aber ganz gleich, wer in diesem gigantischen Ringen schließlich Sieger sein wird, jedenfalls dauert es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, ehe die Entscheidung fällt. Während dieser Zeit aber koinmen diese Länder als Absatzgebiete für den europäisch-amerikanischen, fllr den„weißen" Kapitalismus in stärkerem Grade als bisher nicht in Betracht. Es d'stngt sich die Frage auf, ob nicht Rosa Luxem- bürg Recht hat, die in ihren beiden Standardwerken die Theorie vertritt, daß der Kapitalismus über- Haupt am Ende seines Lateins fei, sobald ihm zur Realisierung des Mehrwerts nicht mehr die Absatz- und Anlagemärkte nichtkapitalistischer Ge- sellschaftsformationen in genügendem Ausmaße zur Verfügung stehen. Jedenfalls aber ist der„Weltmarkt", mit dem i n d e r nächsten Zukunft gerechnet werden kann, äußerst kümmerlich und zwerghaft. Der„w e i ß c" K a p i t a l i s- mus steckt in einer Sackgasse. Nordamerika steht dabei noch am günstigsten da, da sein innerer Markt auf- nahmefähiger ist und der übrige amerikanische Kontinent ihm noch Absatz- und Zlntagemöglichkeiien bietet. Aber für Europa wird die weltwirtschaftliche Situation allmählig zur Katastrophe. Die Rückwirkungen der Absatzkrise machen sich im d e u t- scheu Wirtschaftsleben bereits fühlbar. Die Ver- engerung des Umsatzes versucht man durch höhere Preise, niedrigere Löhne und längere Arbeitszeit auszugleichen, deren Folgen neben der wieder zunehmenden Arbeitslosigkeit die nichtbesitzenden Volksschichten in chrer Lebenshaltung und Konsumkraft weiter herabdrückcn. Zluch die Steueverleichte- rungen für die Besitzenden durch die neuen Steuergesetze so- wie'die Zollsubventionen des neuen Zolltarifs gehören zu den Misteln, durch die sich die kapitalistischen Kreise auf Kosten des Volksganzen fllr den ihnen infolge der Absatzkrise ent- gehenden Profit schadlos zu halten suchen. Betriebsstillegungen und Ausschlachtung zusammengebrochener Unternehmungen, wie wir sie bereits beim Stinnes-Konzern erleben, zeichnen weiter den Weg, den die in die Enge getriebenen Kapitals- Hyänen gehen. Je mehr die Absatzkrise sich zum Dauer zu st and auswachsen wird, je stärker wird der kapitalistische Druck auf die Volksmassen werden, je unmög- lichc.r wird zugleich die Lösung der Krise durch E r w e i t e- rungdesinneren Marktes. Und doch ist die Lösung allein dadurch möglich. Diese Lösung rührt am W e s e n der kapitalistischen Pro- duktionsweise selbst. Sie ist nur möglich durch fühlbare Reduzierung des Mehrwertanteils und ent- sprechende Erhöhung des Lohnanteils. Bekommen die Arbeitnehmer mehr Lohn, so steigt ihre Konsumkraft, die produzierten Waren finden Absatz, aber der Profit schrumpft zusammen, schwindet schließlich ganz. Das Privatkapital verliert das Interesse an der Produktion, die ihren Antrieb nicht mehr vom Profit empfängt. Andererseits wird es zum Lebensinteresse für die Gesamtheit, die Pro- duktion für ihre Bedürfnisse in die Hand zu nehmen und zu regeln. Der Sozialismus, den der Kapitalismus end- gültig„erledigt" zu haben glaubt, drängt sich als gebieterische Konsequenz aus dem eigenen kapitalistischen Entwicklungsgang unwiderstehlich auf. Die vom Kapitalismus ins Riesenhafte entwickelten Produktivkräfte können nur so noch nutzbar k>e- macht und fortentwickelt werden. Ein Pan-Europa wird zur Notwendigkeit als Rahmen für die vergesellschaftete Pro- duktion des bisher kapitalistischen Europa. Die i n t e r- nationale Arbeitsteilung zwischen diesem hoch- industriellen Gebiet und dem agrarischen Rußland drängt sich beiden von selber auf und gewährleistet beiden Produktionsentwicklung und Volkswohlfahrt. Solche Lösung, so einleuchtend sie dem gesunden Menschen- verstände ist, widerspricht jedoch den Besitz- und Machtinter- essen der Kapitalistenklasse und sie wird deshalb von ihr auf das hartnäckigste bekämpft werden. Das Pr o l e t a r i a.t aber muß sich darüber klar werden, welchem Martyrium es entgegen geht. Es muß stine wirtschaftlichen und politischen Organisationen, mittelst deren es seinen Emanzipa- tionskampf führt,, zu gesellschaftlichen Mächten gestalten, denen der Kapitalismus nicht widerstehen kann. Alle nichtkapitalisti- schen Schichten, die den gleichen Leidensweg zu gehen haben, müssen den proletarischen ftampforganisationen ein- oder angegliedert werden, damit sie im Staats- und Wirtschaftsleben den Einfluß und die Macht erringen, in allen Phasen der kommenden Kämpfe das Interesse der Volks- g e s a m t h e i t gegenüber dem kapitalistischen Interesse zum Siege zu führen. Der Katze die Schelle! Was soll in Preußen werden? Das stürmische Verlangen der deutschnationalen Presse an ihren Fraktionsfreund Schiele und an Hindenburg, sie möchten doch um Gotteswillen Preußen bald unter Reichs- a u f s i ch t stellen und Severing beseitigen, dieses dreiste Ver- langen haben wir gestern kurz und knapp gekennzeichnet. Wir kennen die Weise zur Genüge, die jetzt wieder vonTden„Hütern der Verfassung" angestimmt wird, wir wissen ausreichend Be- scheid über das System der Dauerverleumdung, das schließlich münden soll in der„befreienden Tat", genau wie in Thüringen und Sachsen. Deshalb haben wir die Zusammenhänge festgestellt und auf das hysterische Geschrei hingewiesen, das aus Anlaß der Hakenkreuz-Rempeleien und der folgenden Polizeiverord- nungen im ganzen Blätterwalde der"Reaktion' angestimmt wurde. Als der Hindenburg-Wähler Rehnig den älteren Reichsbannermann Schulz aus politischem Fanatismus niederknallte, fand die Rechtspresse im Höchstsalle mildes Be- dauern. Aber als der Kaufmann Schnapp, der dem „Reichsbanner" ganz fern steht, nur wegen seines republikanischen Bändchens im Knopfloch von einer Horde randalierender Hakenkreuz-Iünglinge mit Knüppeln überfallen und mißhandelt, in höchster Not zu seiner Pistole griff,— da Der Totcnwalö von örunico. Von Erich Gottgetreu. Brunico, eine sehr hübsche altertümliche Stadt in Tirol, hieß früher Brnneck: die Bischöfe von Brixen haben sich dort ein Schloß errichtet: der Bildschnitzer Michael Pacher wurde in Bruneck ge- boren: wahrscheinlich stammt auch Bertha v. Bruneck, unsere Schul- bekanntschaft aus„Wilhelm Ted", aus dieser Gegend: heute ist der Ort eine beliebte Sommerfrische: der Fremdenführer nennt eine doppcltürmige Pfarrkirche, selbstverständlich auch einen Aussichtsturm, 7 Gasthöfe, 1 Konditorei, l Weinstube und was sonst noch dazu gehört. Das ist beinahe alles, das ist gewiß nicht viel Aber das Letzte, vom Gesichtspunkt des Fremdenverkehrs aus betrachtet, wohl auch das Belangloseste, ist herrlicher als jede Sehenswürdigkeit, ab mau sagen darf, es ist eine Fühlenswürdigkcit? Geht man vom Municipio, dem Gemeindeamt, rechts ob, so kommt man nach wenigen Minuten an einen begrasten und bewaldeten Berg,„jkuh- bergt" nennt ihn der Führer.„?elleß:rinc>, entra e saluta i morti liroi che dopo cornpiuto dovere qui riposano* steht an einer hölzernen Pforte, zu deutsch heißt das:„Wanderer, tritt ein und grüße die toten Helden, die hier ruhen naä) erfüllter Pflicht." Also ein Soldateiikirchhof, ein Heldenkirchhns, wie es, leider, viele gibt, aber doch ein Kirchhof ganz besonderer Art: er ist völlig internatio- nal. Deutschs, Oesterrcicher, Russen, Italiener, Mohammedaner sielen während der grausen Kriegsjahre in dieser Gegend oder starben an ihren Krankheiten und Wunden in Brunecks Lazaretten, Deutsche, Oestcrreichcr, Russen, Italiener, Mohammedaner sind hier auf hohem Berg unter zarten hellen Lärchcnbäumen begraben. Tausend junge Menschen, einst verschiedenen Blutes, verschiede- uer Nationalität, verschiedener Sprache, verschiedener Gescllfchosts- klasicn, die sich sinnlos befehdeten und rasend bewüteten, oereint jetzt der Tod. Kein„Vaterland", keine verletzte völkisthe„Ehre", kein söbclsüchtiger Offizier, kein Zeitungsblatt und keine Lüge wird die Internationale des Sicksals je wieder zerstören. Auf dem Kuh- bergt von Bruncck fanden in Einzel- und Massengräbern tausend junge Menschen ihre letzte Ruhestätte. Ein Komitee honoriger Bür- aer und Bürgerinnen sorgt für Schönheit und Würde, knapp ist das Geld, wie der freundliche Gärtner erzählt, aber die Pflege ist gut, denn die Absicht ist edel und die Liebe ist groß. Wo aber war die Liebe, als das Morden begann? Schuldig sind wir alle am unbekannten Toten des Schlachtfeldes, schuldig an jedem Christcnkreuz, jedem Davidstern, jedem Halbmond auf den blumcnüberleuchteten Gräbern von Bruncck und anders wo. Der Baedeker cewähnt den Wäldfriedhof nur so nebenher, gleich- sam als lohnenden Spaziergang, aber 3 Sternchen. 4 Sternchen müßten beigedruckt sein. Und das Kuhbergl sollte viel ernster, viel schwerer, es sollte„Mahnberg" heißen. fällt der Chorus der Schiele-Freunde prompt ein mit dem Dauerruf nach„Reichsaufsicht" für Preußen, weil dort das Hakenkreuz nicht mehr vor Angriffen der„Hörsing-Garde" geschützt sei. Wir wollen nicht annehmen, daß dem Reichsinnenminister Schiele dieser Chorus angenehm in den Ohren klänge oder daß er ihn gar gewünscht hätte. Aber wir vermissen noch immer eine Erklärung von ihm, die dem heißen Verlangen seiner Freunde einige Abkühlung zu geben vermöchte. Deswegen sei wiederholt, was gestern hier gesagt war: Wir leben nicht mehr im Inflationsherbst 1923, sondern im Herbst des Zollwucherjahres 192S. Und wir spielen nicht Thüringen, sondern leben in Preußen, und beide Mini- sterien, das des Reiches wie das von Preußen, sind in der Millionenstadt Groß-Berlin! Auch der Versuch einer„Reichsaufsicht" über Preußen wird hier von anderen beaufsichtigt. Und schließlich hat über die Politik in Preußen nicht Schiele und nicht Hindenburg, sondern der Preußische Landtag und— der preußische Wähler zu entscheiden! Der deutschnationalen Katze ist' die Schelle umgehängt. Mit ihren Schlichen ist es nichts. Denn über sie hinweg wird derAppellan dieWähler Klarheit bringen, ob Zoll- wucher, Steuerunrecht, Aufwertungsbetrug gar noch gekrönt werden sollten durch tapsiges Eingreifen eines deutsch- nationalen Beauftragten in die preußische Staatsmaschine! Aentrumsarbeiter und Zollpolitik. Vertrauen, aber schwere Bedenken. Die Arbeitsgemeinschaft der Arbeiterzentrumswähler West- deutschlands hat in Düsseldorf eine Besprechung mit den Arbeiterabgeordneten der Zentrumsfraktion abgehalten. Die Vertrauensleute haben aus ihrer Unzufriedenheit mit der Zoll- Politik des.Zentrums kein Hehl gemacht. Sie haben schwere Bedenken geäußert wegen der Möglichkeit der preissteigernden Wirkung der Zollgesetzgebung. Schließlich haben sie eine Ver- trauensformel für die Arbeiterabgeordneten des Zentrums ge- faßt, die durch ihren Inhalt bemerkenswert ist. Sie lautet: „Die Konferenz spricht die Erwartung aus, daß die Reichs- regierung mit allem Nachdruck zu energischen Maßnahmen gegen die Preisbildung der Kartelle und Konoen- t i o n c n sowie die stillen Prcisverabredungen im Lebensmittelhan- del veranlaßt werde. Hierin erblickt die Konferenz die hauptsächlichste gesetzgeberische Aufgabe der nächsten Zukunft im Interesse eines gesunden wirt- schaftlichen und sozialen Aufbaues. Die Konferenz spricht den Arbeitervertretern im Reichstag ihr volles Vertrauen aus. Sie erwartet von ihnen, daß sie nach wie vor in zäher Ausdauer an der Besserstellung des in schwerster wirtschaftlicher Not da niederliegen- den Arbeiter st andes wirken, als der wichtigsten Aufgabe unserer gesamten Innenpolitik." Es ist das Wesen der Zollgesetzgebung, daß sie die Preis- diktatur der Kartelle und Konventionen auf dem Inlandsmarkt begünstigt und ihnen die Möglichkeit des Dumping auf Kosten der deutschen Arbeiter gibt. Energische Maßnahmen gegen die Preisbildung der Kartelle und Konventionen und Schutzzoll- Politik sind unvereinbare Dinge. v Die Aüfforderung, rastlos an der Besserstellung der Arbei- terschaft zu wirken, begegnet sich mit der Aufforderung des ADGB., um einen angemessenen Lohn zu kämpfen, um ein« Verelendung der Arbeiterschaft durch die Zollvorlage abzu- wehren. Dieser Beschluß der Arbeiterwähler des Zentrums ist des- halb alles andere, als eine Vertrauenskurckgebuna für die Zollpolitik des Zentrums. Sie ist die Antwort auf den Be- schwichtigungsoersuch der Reichstagsftaktion des Zentrums, ein Ausdruck der Opposition gegen die Versuche, das Zentrum dauernd an die Rechtsparteien zu schmieden. Weg. Von Dictor Noack. Ich kam vom Norden über die Ebene, an Laubenkolonien, Holz-,.Kohlenplätzen und Baustellen vorüber. Aus Dämmer und Nebel jungen Morgens tauchen Häusermassen des nördlichen Berlin. Der Himmel glühte im Morgenrot. Majestätisch stieg die Sonne empor in die azurne Glocke. Wolken trieben wie glitzernder Schaum. Glanz troff nieder auf die Stadt. Vergoldete Türme, Schlote und Dächer, rieselte an Mauern hinab bis auf helle Asphaltdecken und blendete schlaftrunkene Augen eilender Menschen. Ich hatte die Stadt erreicht. Eine Welt der Arbeit umgab mich. Berlin N. Arbeiter, die fernen Werkstätten zueilen, Frauen, die mit Zeitungsballen bepackte Kinderwagen dumpfigen Wohnungen zukarrten, von wo aus Mutter, Batsr und Kinder die Blätter in Hast und Eile treppauf, treppab Abonnenten zustellen. Zwischen. durch Lichtscheue, Ausgestoßene, Verlorene, deren Heim Straße, Hausflur, Boden- oder Kellertreppe. Straßenbahn und Omnibus begegnen sich. Drinnen Mädchen und Männer, verschlafene, müde und verdrossene, blutarme, nervöse Menschen. Je näher id) dem Zentrum der Stadt kam. je höher die Sonne stieg, um so aufgeregter eilten Menschen an mir vorüber, mit ab- gehetzten, kalkulierenden Gesichtern, als gelte es, fortrinnenden Se- künden nachzujagen. Unter den Linden, Friedrichstraße, Leipziger Straße: Man fängt schon wieder an, sich zu amüsieren. Mädchen streifen inmitten dränaenden Lebensstromes. Plötzlich eine stille Straße. Ich ließ den Park mit seinen schönen, weitgespannten Rasenteppichen zur Rechken liegen und schlenderte die Tiergartenstraße entlang. Villen inmitten prachtvoller Gärten, weit abgerückt von der Straße. Vornehme Ruhe. Sorglich gehakt« Kieswege, unbetreten. Kein Kind ist über die Rasenpolster gesprungen. Blumen stehen in reifer Pracht. Di« Besitzer sind auf Reisen, weilen, wo es noch schöner ist. Kurfürstendamm: Das lacht, schwatzt, prunkt und strahlt: rollt einher in Equipagen, wippt auf Rosen und schaut drein, als gehöre ihm die ganze Welt. Selbstherrliche Kinder. Pralle Leiber. Brüste, Beine, Arme. Blühende Gesundheit und Lebenslust. Schöne Frauen, kostbar gekleidet, ergehen sich unter alten, schattigen Bäumen. Kräftige Ammen mit Babys in Spitzenkleidchen. Domen und Herren kehren vom Morgenritt heim. Ab und zu ein Armer. Flüchtige Dissonanz in breit wogender Harmonie. Mit der Straßenbahn gen Osten. Lohnsklaven eilen an mir vorüber, heim von der Arbeit. Dunkler werden Straßen. Läden schließen. Nur Türen und Fenster der Destillationen bleiben hell. An Schanktischen trunkerhitzte Männer. Menschen wie Stiere, mit finstern, dunkelgeröteten Gesichtern, flachen Stirnen. Ihre Unterhaltung brutal. Erregt unterstreichen' sie ihre Worte mit Faust- schlügen auf Tischplatten. Der Fuselgeruch macht mich traurig. Ich lause rascher durch finstere Enge. Hyänen kriechen aus Schlupfwinkeln und schleichen an Häusern entlang. Deutsthnationale figitationskampagve. Wicderaufrollung des Kämpfes gegen die Schuldlüge. Die„D e u t s ch e Zeitung" setzt ihren systematischen Kampf gegen die offizielle Politik der deutschnationalen Parteileitung mit den verschiedensten Mitteln fort. Die„knorrigen" Arier des rechten Flügels sollen unter ollen Umständen aufgeputscht werden. Ein langer Leitartikel des Generals von M a l t z a h n, der offenbar in der Außenpolitik besonders befähigt ist, wird gegen S t r e s e- mann losgelassen. Die Schuldlüge muß mal wieder herhalten: „In vaterländischen Kreisen wurde unter den Norbedingun- gen des deutschnationalen Redners die Forderung der amtlichen Zurücknahme des erpreßten Bekenntnisses der Schuld am Weltkriege vermißt. Es fiel um so mehr auf, da bekannt ist, daß Graf Westarp gerade einer der eifrigsten Forderer dieses nationalen Verlangens ist. Wohl wegen dieser Unter« lassung trat der Na t i o n a l'v e r b'a n d deutscher Offi- ziere am 14. d. Mts. erneut und energisch in einem offenen Brief an den Reichskanzler für die alte Forderung ein. An dem unfeli- gen 29. August v. I. versprach die Regierung Marx-Strese- mann feierlich vor dem Reichstage die Notifizierung des Wider- rufes an alle ausländischen Regierungen. Das gegebene Wort ist bisher nicht eingelöst worden. Mit dem Kainszeichen der Blutschuld an dem Weltkriege auf der Stirn, mit der Lüge auf den Lippen, unter allen Mächten der Erde ollein den Krieg, und zwar den allgemeinen Krieg, gewollt und absichtlich herbeigeführt zu haben, kann Deutschland nicht Em- laß in den Völkerbund begehren und als gleichberechtigt inmitten „ehrenwerter Nationen" Platz nehmen. Es dürfte den deutschnationalen Ministern nicht allzuschwer werden, bei ihren Kollegen von der Deutschen Volks- parte! und dem Zentrum durchzusetzen, daß nun endlich an die Einlösung des gegebenen Wortes ihrer Führer Stress- mann und Marx gedacht werden muß. linternehmen die deutschnationalen Minister nicht wenigstens ernstlich einen Versuch hierzu, so setzen sie sich dem aus, daß man ihnen nachsagen wird, sie machten sich an dem W o r t b r u ch mitschuldig. Nach dem Nichtinnehaltcn der feierlichen Zusage, welche noch obendrein als Preis und Belohnung für die Annahme der Dawes- Gesetze ausgelobt war, sprach die Presse der Volkspartei und des Zentrums oerlegen, zur Notifizierung müsse ein geeigneter Zeitpunkt abgewartet werden. Gibt es einen noch gceigne- teren Zeitpunkt als den, in welchem von den Alliierten unser Bei- tritt zum Völkerbund verlangt wird?" Die„D e u t s ch e Zeitung" mag sich beruhigen. Auf einen Wortbruch mehr oder weniger kommt es den Deutschnationalen nicht an. Sie wollen an der Macht bleiben, darauf kommt es ihnen an. Alles andere ist nur Streusand in die Augen ihrer Anhänger. Die schönsten Artikel der„Deutschen Zeitung" haben das früher nicht geändert und werden das auch in Zukunft nicht ändern. Entwurf einer Neichsdienstftrafordnung. Vom Reichsminister des Innern wurde dem Reichstag der Ent- wurf einer Reichsdienst st rafordnung zugeleitet. Der Entwurf zerfällt in 12 Teile. Sie behandeln das materielle Dienst- strafrecht, das Verhältnis des Dienststrafverfahrens zum gerichtlichen Strafverfahren, die Dienststrafgerichlsoerfassung, das Verfahren selbst, die vorläufige Dienstenthebung, Fristen, Dollstreckung, Kosten sowie Schluß- und Uebergangsbestimmungen. In der Begründung wird daraus hingewiesen, daß das gestende. Dienststrasrecht der Reichsbcomten, wie es im Reichs- beaprtengesetz niedergelegt ist. schon seit langem verbesserungebe- dürftig ist. Als besonders schwer wurde der Mangel erschöpfender Bestimmungen über die R e ch t S kr a s t der Ent s ch c i du n ge n und die Unmöglichkeit der Wiederaufnahme des Verfahrens im Sinne der entsprechenden Borsdiristen der Strafprozeßordnung empfunden. Um die Neuregelung des Veamlenrechts überhaupt in Fluß zu bringen, so heißt es in der Begründung weiter. ging die Reichsregierung" dazu über, seine vom Standpunkt der Beamten auf der Verabschiedung am dringendsten bedürfenden Teile, soweit tunlich, herauszugreifen und vorweg zu bearbeiten. So geschah es mit dem Entwurf eines Beamtenvertretungsgesetzes und so geschieht es jetzt mit dem Entwurf einer Dienststraford- n u n g für die Reichsbeainten. historischer Schuhpuh. Der Schuhputz von Day u. Martin ist in der englischen Literatur verewigt. Sam Wella putzte mit diesem Msttel die unsterblichen Schuhe von Mister Pickwick in dem Roman von Dickens. Audi George Elliot erwähnt diesen historisdien Schuhputz und Carlyle benutzt ihn für einige seiner bizarren Gleichnisse. Das Unternehmen, das durch mehr als ein Jahrhundert in hoher Blüte stand, verdankte seine Gründung einem Zufall. Mr. Martin. ein Barbier von Doncaster, war ums Jahr 1770 mit einem aus- gedienten Soldaten befreundet, dem er viel Gutes tat und der ihm zum Dank dafür ein Geheimmittel für das Schwärzen von Schuhen verriet, das er beim Putzen der Stiefel seiner Offiziere verwendet hatte.„Macht so ein Hutzmittel und ihr werdet reich werden." sagte der alte Veteran zu Marlin, und dieser tat sich mit seinem Vetter Day zusammen und rief die berühmte Firma ins Leben. Bis 1894 hatten die Nachkommen der beiden Gründer die Führung in der Herstellung von Schuhputzmitteln. Dann aber ging es mit dem Geschäft bergab. Der hauptsächlichste Grund dafür war wahrsäi-in- lich, daß die alimodischen Besitzer sich nicht dazu entschließen konnten, m großem Maßstab in den Zeitungen zu annoncieren. Andere Schuhputzfabnkonten. die den Geist der Zeit besser erkannten, über- flugelten sie durch Benutzung der Reklame, und als Day u. Martin schl?eßllch ihren Fehler einsahen, war es zu spat. So musjte die Firma nach mehr als 150jährigem Bestehen jetzt aufgelöst werden. neue Erdbohcungen in Pennsylvanien haben zur Ausstellung eines neuen Rekords geführt: man gelangte bis zur Tiefe von 2258 Meter und erschloh damit eine neue gewaltige Erdgasguelle. Mit 240 Atmosphären Druck brechen täglich 6000 Kubikmeter Gas aus dem Bohrloch empor: Untersuchunaen über die Natur des Gases sind augenblicklich noch im Gange. Die in der Tiefe festgestellten Temperaturen waren natürlich recht hoch: bei 2000 Meter wurden 166 Grad Celsius gemessen, und am Ende des Bohrloches etwa 180 Grad Celsius. Die Bohrungen waren z. T. durch außerordent- lich harten Orkanay-Sandstein sehr erschwert, so daß man an vielen Tagen nur wenig über U Meter tiefer kam. Die Bohrung bean- spruchte im Ganzen 31 Monate und kostete rund 150 000 Dollar. An den Professor Lei sing wurde folgendes Telegramm gerichtet anlag. lich des sozialiilischen Studenientressens in Hamburg: Die in Hamburg versammelten Vertreter des Verbandes so,ialistilch-r Studentengrupven Deutschlands und OeslerrcichS erklären im Namen von 21/, taulend sozio. lisiischer Studenten, dah sie das Vorgehen der Hannoverschen Studenten gegen Sie ans das schärfste mißbilligen. Sie bitten Sie, sich durch die Flegeleien unreiser Burichcn in der freien Aeußerung Ihrer Mcinunq in keiner Weise bebindern zu lassen und hoffen, daß daS verlassunaS- mäßig garantierte Recht der Lebrireihcit auch an der Technischen Hoch. schule zu Hannover unangetastet bleibt. hellenische Kultur. Nach einer Verordnung der griechischen Generals- regierung werden in Zukunft Selbstmörder an einer Stelle beerdigt an der bisher Hunde verscharrt wurden. Dadurch hofft die Regierung.' die zurzeit in Griechenland herrschende Selbstmordepidemle eindämmen zu können. veschllche Festlegung der Sommerzelt In England. Die Sommerzeit ist jetzt in England durch Gesetz zur dauernden Einrichtung gemacht worden. Hie bcainnt in Zukunft am dritten Sonnabend des April und endet am ersten Sonnabend des Oktober. Die Aerztcschatt war in ihrem Eintreten für die Sommerzeit einmütig; ihrem Einfluß ist es zu danken, daß die auch in England anfänglich vorbandenen Gegenströmungen, besonders von leiten der Landwirtschaft, überwunden wurden. Gleichberechtigung üee berliner Wähler. Ein sozialdemokratischer Erfolg. In dem Gesetz ober die Bildung der neuen Stadtgemeind« Berlin war vorgesehen, daß Wähler zur Stadtoerordnetenoersamm- lung nur derjenige ist, der mindestens«inJahrin Berlin wohnt. Die Wahlen für die Stadwerordnetenversanrmlung müssen in diesem Jahre vorgenommen werden. Zu diesem Zwecke hatte die preußische Regierung den Ständigen Ausschuß einbe- rufen und dort beantragt, daß die Verordnung für die Wahlen vom ?fihre 1920 auch für die diesjährigen Wahlen Geltung haben sollte. Der Wahltermin ist auf den 2Z. Oktober festgesetzt worden. Bei Beratung dieser Verordnung ergab sich nun, daß die Ber- I'ner Wähler gegenüber den Gemeindewählern in der Provinz we- sentlich benachteiligt waren. Im Jahre 1919 wurde ollgemein für Preußen eine Karenzzeit von 6 Monaten für die Gemeindewahlen engeordnet. 1920 beim Gesetz von Groß-Berlin wurde die ein- jährige Karenzzeit für Berlin eingeführt. 1923 wurde für die gesamten Wahlen in Stadt und Land bestimmt, daß die Karenzzeit 6 Monate betragen soll.- Dieses Gesetz galt aber ausdrücklich nicht für die Stadt Berlin. Nunmehr bot sich Gelegenheit, diese Schlechterstellung der Berliner Wähler zu beseitigen. Dagegen machten die Deutschnatio» nale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei entschieden Ein» wände und erklärten, daß sie einer solchen Gesetzesänderung nicht zustimmen würden. Die Befugnisse des Ständigen Ausschusses würden damit überschritten. Die Entrechtung der Berliner Wähler hat gar keine rechtliche Begründung. Im Gegenteil, die Karenzzeit von 6 Monaten stellt die Berliner Wähler immer noch schlechter als die Wähler in der Provinz. Für die Kreistagswahlen und Provinziallandtagswahlen besteht keinerlei Karenzzeit. Wer am Tage der Wahl 20 Jahre oll ist, kann wählen, wie bei den Reichstags- und Landtagswahlen. Die Stadt Berlin ist Stadtgemeinde und Provinz Sie hat olle die Aufgaben, die die Provinzen als Kommunaloerband zu erfüllen haben, durchzuführen. Würde man nun Berlin als Pro- r'urz betrachten, dann müßte die Ansäffigkeitsbestim- mung überhaupt beseitigt werden. Für diesen Antrag der Sozialdemokratischen Partei war aber eine Mehrheit nicht zu beben und so mußte das Ziel dahin gestellt werden, die Gleich. stellung der Berliner Wähler mit den Wählern der übrigen Ge- mcinden zu erreichen. Die sachlichen Darlegungen machten bei den reaktionären Par- teien gar keinen Eindruck. Das war um so merkwürdiger, weil das Wahlgesetz von 1023, das die Smonatige Ansässigkeit einhält, auch von den D« u t s ch n a t i o n a l« n im Landtage an- genommen worden war. Damals ist kein Versuch gemacht worden, im Landtage die 12monatige Ansässigkeit durchzusetzen. Das offenbare Unrecht, der Wahlrechtsraub, sollte aber gegen Berlin unter allen Umständen durchgeführt werden. Rur die Angst aber, schon vor der Ankündigung, daß bei den Wahlen diese unerhörte Benachteiligung der Berliner Wähler von uns gebührend aus- genutzt und dies auf das Wahlergebnis wirken könnte, hat schließ- lich die Gleichberechtigung auch für Berlin herbeigeführt. Dagegen stimmten die Deutsche Volkspartei geschlossen und einige Deutsch- nationale. Bei den nächsten Wahlen werden amtliche Stimmzellel einge- führt. Es war notwendig, auch eine andere Bestimmung des Wahlgesetzes zu beseitigen. Für Berlin werden mit dieser Wahl die Bezirkswahlen vorgenommen und neben den Kreiswahwor- s�Men werden Stadtwahlvorschläge eingereicht. Nach den bis- hepjgen Bestimmungen mußte, der Wähler auf dem Stimmzettel er- klären, ob seine Stimm« auch für die Stadtwahloorschläg« gellen soll. Diese Umständlichkeit, die zur Ungültigkeit vieler Stimmen für die Stadtwahlliste führte, ist beseitigt worden und beschlossen, daß die für die Kreiswahloorschläge abgegebenen Stimmen zugleich auch für die Stadtwahloorschläg« gellen. Es kennzeichnet die Haltung der reaktionären Parteien, daß sie erst nach langer Beratung sich dazu bequemten, die Berliner Wähler mit den übrigen Wählern gleichzustellen. Man muß sich diese Hal- lung merken, denn sie entsprach einer inneren Einstellung. Durch die jährige Karenzzeit, das wußten diese Parteien ganz genau, wurde die Sozialdemokratische Partei und auch die Kommunistische Partei am schwersten benachteiligt. Das war auch die Absicht, die die reaktionären Parteien leitete, als sie der Verbesserung den hef- tigsten Widerstand entgegensetzten. Robert Leinert, M. d. L. die preußische Amnestie. Der von dem ständigen Ausschuß eingesetzte Unterausschuß beschäftigte sich gestern mll dem von der Regierung vorgelegten Entwurf einer Amnestie und den dazu von den einzelnen Par- teien gestellten Anträgen. Die Beratungen des Unteraueschusses gelangten gestern abend zu einem gewissen Abschluß. ♦ Es ist leider nicht gelungen, die bürgerlichen Parteien zu bewegen, grundsätzlich über die Reichsamnestie hinaus zu gehen. Es bleibt also dabei, daß für politische Vergehen und Verbrechen, die mit Zuchthaus oder mit mehr als zwei Iahren Freiheitsstrafe geahndet wurden, keine Amnestie gewährt wird. Ebenso wurde abgelehnt, Hochoerratsdelikt« zu amnestieren, wenn wegen einer solchen Straftat vorher«in« Verurteilung ausge- sprachen war. Dagegen ist es unseren Vertretern gelungen, die Amnestie auch für Verurteilungen zu erwirken, die im Verlaufe w i r t s ch a f t s- politischer Kämpfe oder Kundgebungen ausgesprochen wurden. Es werden also bis zur Höhe von zwei Jahren Gefängnis oder Festung oll« Straftaten amnestiert bzw. die Versahren«ingestellt, die im politischen und wirtschaftlichen Kampfe begangen wurden. In den Kreis der Amnestie fallen insbesondere die Vergehen des Widerstandes gegen die Staatsgewall. der Aufforderung zum Un- gehorsam, des Auflaufs, des Landfriedensbruchs. des Haus- sriedensbruchs. der Aufreizung zu Gewalltätigkeiten, der Sach- befchädiguna. der öffentlichen Beleidigung und der Verächtlich. machung von Staatseinrichtungen. Die Amnestierung erstreckt sich bi» zum 15. Juli 1925. o, t Es ist zu erwarten, daß der ständige Ausschuß, der heut« Wittag 12 Uhr zusammentritt, die Dorschläge des Unterausschusses °hne A-nderung annehmen wird. Die Regierung wird dabei eine Erklärung abgeben daß sie auf dem Weg« der Einzelbegnadigung alle aus der Zeit der Inflation stammenden Verurtei- lungen, soweit es sich um Notdelitte handelt, die nicht aus gewinnsüchtiger Absicht begangen wurden, niederschlagen wird. veulsch.jüdisch« Optanten. Nach Feststellungen des Zentral- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens befinden sich ,m Schneidemühler Optantenlaaer auch annähernd 10 0 jüdische Flüchtlinge aus allen Teilen Polens. Wie ferner mstgeteill wird, geht wegen der neuerlichen polnischen Gewaltmaßnahmen eine groß« Anzahl früherer blühender jüdischer Gemeinden des Posener Lande« der Auflösung entgegen, zumal rund 90 Proz. der jüdische« Deutschen Posen» für Deutschland optiert haben. Der Kampf Stinnes' mit öen Sanken. Oeffentliche Erklärungen der Beteiligten. Schneller, als man erwarten konnte, hat der Konflikt zwischen Dr. Edmund Stinnes und den am Stinnes-Konzern interessierten Großbanken zu einer öffentlichen Auseinandersetzung geführt. Die D a r m st ä d t e r Bank, die Deutsche Bank und die Diekontogesellschaft veröffentlichen dazu eine C r- k l ä r u n g, in der sie zunächst darauf hinweisen, daß sie sich bemüht hätten, sich ein Urteil über die Lage des Gssamtkonzerns zu ver- schaffen und daß sie bereits ein Drittel der Gesamtschulden getilgt haben, ohne die öffentlichen Märkte zu belasten. Dr. Edmund Stinnes wird für die Geschästsführung und die finanzielle Lage des Stinnss-Konzerns in erster Linie mit verantwortlich gemacht. Sehr entschieden wenden die Bonken sich gegen die Zu- mutung, notleidenden Werken zu helfen: »Der Standpunkt, daß es Ausgabe der deutschen Banken sei, Unternehmungen, die sich, gleichviel aus welchem Grunde, in B e- d r ä n g n i s befinden, durch Hergabe von Krediten zu unterstützen,- ist unhaltbar. Es braucht nicht betont zu werden, daß, wenn die Banken dieser Ausfassung folgen würden, sie in kurzer Zeit ihren eigenen Kredit, der heute mehr denn je Voraussetzung für den Kredit der gesamten deutschen Wirtschaft ist, völlig untergraben würden." Weiter wird berichtet, daß am 9. Dezember 1924 zu der bereits damals in der Aga vertretenen Commerz- und Privatbank und dem Bankhaus I. H. S t e i n Vertreter der Berliner H a n- delsgesellschoft, der Diskontogesellschaft, der Darmstädter und Nationalbank und des Bank- Hasses Delbrück, Schickler u. C o. in den Aussichtsrat der Aga gewählt wurden. Diese letzteren tratenaml8. Juli wieder aus dem Aufsichtsrat des Automobilunternehmens aus mit der Be- gründung, daß sie das zwischen Edmund Stinnes und Hugo Stinnes abgeschlossene A b k o m m e n beanstande« müßten. Ueber die Gründe zu diesem Schritt heißt es in der Veröffentlichung weiter: Es handelte sich einmal darum, daß die Banken Herrn Dr. Edmund Stinnes und seinen Geschäftsauffassungen nicht dasjenige Bertrauen entgegenbringen konnten, das im Verkehr zwischen Banken und ihrer Kundschaft die notwendige Voraussetzung für eine Kreditgewährung ist, zum anderen aber darum, daß die Banken als Mitglieder des Stützungskonsortiums Hugo Stinnes nicht dem Aufsichtsrat einer Gesellschaft an- gehören kennten, deren Vorsstzender kurz vor dem Beginn der Schwierigkeiten des Stinnes-Konzerns Trans- a k t i o n e n vorgenommen hat, die vom Standpunkt« der Banken im Jriteresse aller Gläubiger des Stinnes-Konzerns bekämpft werden mußten. Die Banken haben dann weiter den Vertrag, der die Erb- schaftsauseinandersetzung des Hauses Stinnes regelt, angefochten und verlangt, daß dies« Werte der Vermögensmasse wieder ,ur Verfügung gestellt werden: „Es handelt sich dabei um rund nam.. 4 300 000,— M. Aga- Aktien, welche die Majorität dieser Gesellschaft darstellen, um sänitliche Anteile der T e l a s- Gesellschaft, um die Majorität der Nordstern Allgemeine Versicherungs-A.-G., um eine starke Minder- heit der Nordsternbank und ferner um die einen sehr erheb- lichen Wert darstellenden Anteile der Deutschen Eisenbahn- Reklame-Eesellschast und einen bedeutenden Besitz an Aktien der Disconto- und Effektenbank, Amsterdam. Außerdem hatte sich Herr Dr. Edmund Stinnes in diesem Vertrage die Zahlung v.on 60 0 0000..W. ausbedungen." Edmund Stinnes lehnte die an ihn von den Banken gestellt« Forderung ab, es kam dann unter dem Einfluß der ihm von maßgebender Seite gemachten Vorhaltungen, also offenbar der Rcichsbank. zu Unterhandlungen mit dem Bankenkonsortium. Edmund Stinnes machte nun sein Angebot einer Ausfallsbürg. s ch a f t. Damit gaben sich die Banken«icht zufrieden, sondern ver- langten eine Sicherstellung ihrer Ansprüche mit den auf Edmund Stinnes übergegangenen Werten: „Herr Dr. Ddmund Stinnes gab dann die Erklärung ab, daß er alle Werte veräußert habe bis auf das Paket Aga- Aktien und die Anteile an der Telos-Gesellschast. Es wurde von der Bankenleitung abgelehnt, sich lediglich mit diesen Werten als Sicherheit zu begnügen, und es wurde schon in dieser Unterredung verlangt, daß die übrigen Werte, die nach Holland verkaust sein sollten, entweder zurückgeschafft würden, oder aber, daß deren Gegenwert, den Herr Dr. Edmund Stinnes vereinnahmt hotte, als Unterlage mitverwendet werden müsse. Herr Dr. Edmund Stinnes tonnte genaue Aufklärungen über solche Möglichkeiten nicht geben, wollte jedoch Versuche nach dieser Rich- wag hin unternehmen." Von finanziellen Schwierigkeften der Aga sei damals nicht die Rede gewesen. Edmund Stinnes habe durch seine Weigerung, auf den Vorschlag der Banken einzugehen, die Kreditschwierig- leiten beim Werk selb st herbeigeführt. Von einer Kreditsperre der Banken könne nicht die Rede sein. Schließ- lich geben die Banken ihre Kreditsperre doch zu, indem sie sie folgendermaßen begründen: .Der von Herrn Dr. Edmund Stinnes vorgelegte Status der Aga erregte durch seine Ziffern erhebliche Bedenken, die noch dadurch vermehrt wurden, daß Herr Dr. Edmund Stinnes, wie sich in dieser Unterredung ergab, Vorgänge, die die Aga betressen und die sich auf die Verpfändung von Warenbeständen beziehen, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Aga, der dieser Unterredung beiwohnte, nicht bekanntgegeben hatte. Herr Dr. Edmund Stinnes hiett in dieser Unterredung im übrigen seine Angaben aus- recht, daß sein Besitz an Nordstern- und Nordstern-Bank-Aktien und an sonstigen Werten verkauft sei, und daß auch die Forde- rung gegen die Firma Hugo Stinnes in Höhe von ö Millionen an. eine holländische Gruppe abgetreten sei. Gleichwohl mutzten die von Herrn Dr. Edmund Stinnes abgegebenen zum Teil wider- spruchsoollen Erklärungen die Ansicht hervorrufen, daß Herr Dr. Edmund Stinnes nach wie vor in der Lage sei, über diese Werte zu verfüge m Im besonderen konnte Herr Dr. Ed- mund Stinnes nicht aufklären, aus welchem Grunde er die Werte der Nordstern-Gesellschaft zu annähernd einem Drittel dtt Preises veräußert habe, der zu erzielen gewesen wäre. Die Banken mußten infolgedessen die weiteren Verhandlungen davon abhängig machen, daß Herr Dr. Edmund Stinnes Aufklärungen nach dieser Richtung hin zu geben in der Lage sei. Sie haben jedoch auch in dieser Unterredung von neuem darauf hingewiesen, daß keinerlei Zusammenhang zwischen einer etwaigen Der- ständigung mit dem Bankenkonsortium als Vertreter der Firma Hugo Stinnes bzw. Heren Gläubiger und einer etwaigen H i l f s- oktion einzelner Banken zugunsten der Aga bestände. Eine solche Hilfsaktion von feiten der Banken könne und dürfe nur erfolgen, wenn die Verhättnisse der Aga selbst eingehend geprüft worden seien, das Unternehmen sei hierbei als l e b e n s- fähig und lebenswichtig erwiesen habe und jeglicher Ein- fluß des Herrn Dr. Edmund Stinnes ausgeschaltet werde. Die Banken ließen sich jedoch von Herrn Dr. Edmund Stinnes hierzu durch keinerlei Propaganda zwingen. Die Banken würden die ihnen gegenüber ihren' Aktionären und Gläubigern wie auch der gesamten Wirtschast obliegenden Pjlichten verletzen, wenn sie einem Unternehmen blindlings Kredit gewähren würden, das unter Einslutz des Herrn Dr. Edmund Stinnes steht." Das Unfähigkeitsattest, das hier Dr. Edmund Stinnes so berett- willig ausgesprochen wird, steht allerdings im Widerspruch zu einem technisch-wirtschaftlichem Gutachten, tos vorgestern im.Berliner Tageblatt" veröffentlicht wurde, und das die Frage der Kredit- schwierigkeit der Aga in einem anderen Lichte erscheinen läßt. Gegen- über den schweren Borwürsen, die in der vorstehenden Veröffent- lichung gegen ihn enthalten sind, gab Dr. Edmund Stinnes gestern Vertretern der Presse ausführliche Auskünfte. So er- klärte er, daß er seinerseits gar keine Warenvorräte verpfänden k o n nt«, da nur der Vorstand der Aga dazu befugt ist. Den Gegenwert der verkauften Werte habe er, soweit er über ihn ver- fügen konnte, als Kredit den Unternehmungen zur Derfügung gestellt, die er behalten hatte. Er b« st r e i t e t, daß er über die Werte, die verkauft worden sind, noch ein Berfügungsrecht habe. Mit großer Schärfe wendet er sich gegen die Auffassung, daß die Banken, die den Hugo-Stinnes-Konzern stützten, einen Anspruch auf die Vermögenswerte hätten, die er erhalten hat. Da Edmund Stinnes beabsichtigt, aus die Einzelheiten der Bankenvervffenllichung noch in einer Erwiderung zurückzukommen, können wir jetzt daraus verzichten, auf alle Einzelheiten einzugehen. Bei einer Schilderung der Entstehungsgeschichte des Konfliktes erklärte Edmund Stinnes, daß er aus sachlichen und persönlichen Gründen nicht die Wege habe gehen wollen, den die Firma Hugo Stinnes eingeschlagen habe. Die Stellung gegenüber den Banken sei damals schon der Stein des Anstoßes gewesen. Jedoch war Edmund Stinnes von der guten Verfassung des Konzern» überzeugt, andernfalls hätte er sich nicht mit einer langfristigen Bar- abfindung zufrieden gegeben. Stinnes betonte, daß seiner Meinung nach die Aga rentabel und produktionssähig sei, wenn sie dieselben Kredite bekäme wie vor zwei Monaten- Jetzt ober gibt es bereits Schwierigkeiten mit den Lieferfirmen, die die Produktion beeinträchtigen. Die Stellung der Banken ihm gegen- über sei ein Mißbrauch wirtschaftlicher Macht, wie er sich aus der allgemeinen Wirtschaftsloge entwickeln konnte, aber bekämpft werden müsse. lleberdiee sind Verhandlungen mit dem Ausland über einen Aktienverkauf der Aga im Gange. In diesem Falle würde auch das Aktiengeschenk an die Arbeiterschaft in gewissem Sinne hinfällig werden. Für den Fall eines Verkaufs der Aktien der Aga an ein amerikanisches Konsortium soll nämlich dafür gesorgt werden, daß die finanziellen Interessen der Arbeiter, denen er einen Test der Aktien habe übereignen wollen, gewahrt bleiben. Die Erklärung der Gewerkschaften zu der Uebernahme der Aktien durch die Arbeiter stehe jedoch noch aus. Am heutigen Nachmittag soll eine Gläubigerversammlung stattsinden, in der man versuchen will, durch Verhandlungen die weitere Fortführung des Werkes zu sichern. Reichsdeutsche tzakenkreuzler in Wien! Zum Radaumacheu abkommandiert. Wien. 18. August.(EP.) Ein hoher Polizeifunktionär teilt in einem Abendblatt mit: Bisher sind ungefähr 100 Verhaftungen vorgenommen worden. Es steht jetzt fest, daß die Hälfte der ver- hafteten keine wiener sind. Die meisten sind aus München und Nürnberg nach Wien gereist, aber auch Leute aus Danzig. Dortmund und Elberfeld. Im ganzen wurden gestern 21 Wachtleute, 19 Demonstran- ten und 15 Pferde der Wiener Polizei mehr oder weniger schwer durch Messerstiche usw. verletzt. Die Gesamtzahl der durch die Polizei Festgenommenen beträgt 132. Eine große Anzahl der Per- hasteten wurde kurzerhand zu 8 bis 14 Tagen Polizeiorrest ver- urteilt. Im Laufe des heutigen Tages ist da» Konzert- Hausgebäude, indem der Zionistenkongreß tagen wird, von einer Polizeikommission von oben bis unten gründlich durchsucht worden, ob eventuell Bomben im Gebäude versteckt seien. Der Zutritt zu dem Gebäude wurde erst nach 5 Uhr nachmittag» unmittelbar vor Beginn der Sitzung frei- gegeben. Da die Polizei in Anbetracht der Drohungen der Deutschvölkischen auch heute und an den folgenden Tagen während des Kongresses in Bereitichaft bleiben muß. wird allein der öffent- liche Sicherheitsdienst dem in seinen Ausgaben schwer gedrosselten Staat über eine Milliarde Kronen(SO Millionen Mark! Red.) kosten. Neue Krawallversuche. Wien. 18. August. Mttternacht.(WTB.) Während der Tag vollkommen ruhig verlies, haben heute abend erneut Kundgebungen gegen den Zionistenkongreß eingesetzt. Demonstrierende Rational- sozialisten sammelten sich gegen 9 Uhr in der Hauptverkehrsgegend bei der Oper und am Schwarzenbergplatz. Die verschiedenen Gruppen wurden von der Polizei in die Seitenstraßen abge. drängt und zerstreut. Bis 10 Uhr wurden 16 Berhaf. t u n g e n vorgenommen. Das durch eine Abordnung von Ver- tretern der völkischen Verbände gestellte Verlangen auf sofortige Freilassung der gestern Verhafteten wurde von der Polizei- direition mit dem Bemerken abgelehnt, daß diejenigen, die sich des Vergehens der Zusammenrottung oder der Aufwiegelung schuldig gemacht hätten, unnachsichtlich bestraft würden. Das von einigen Blättern wiederaegebene Gerücht, wonach die Bundes- regierung Befehl zur Zusammenziehung von Abteilungen de» Bundesheeres zum Schutz« Wiens gegeben Hab«, wird von der amtlichen Nachrichtenstelle entschieden dementiert. Zrankreichs Kolonialkriege. Frieden oder Offensive in Syrien? pari». 13. August.(Eigener Drahlbericht.) Ueber die Vor- gänge in Syrien herrscht noch immer Ungewißheit.„Paris Soir" glaubt mitieilen zu können, daß im französischen Auswärtigen Amt ein Telegramm General Sarrails eingetroffen fei, nach dem die Aufständischen in Friedensverhandlungen einzutreten wünschten. Der Sonderkorrespondent der„Times" in Beirut berichtet von französischen Truppenkonzentrationen zur Vorbereitung einer e n t- scheidenden Schlacht gegen die Drusen. Er beziffert deren Verluste auf 2000 Mann und die Zahl der in den Lazaretten von Damaskus und Beirut untergebrachten französischen Verwundeten auf 400. London. 18. August.(WTB.) Noch Drahtmeldungen aus Beirut haben sich die Aussichten auf die Wiederherstellung des Frieden« zwischen den Franzosen und Trusen gebessert. Die Druse« haben nicht nur«ine Anzahl französischer Gefangener wieder frei- gelassen, sondern auch das Feuer auf die französischen Flug- zeuge eingestellt. Ivo Bataillone in Marokko. Paris. 18. August. fällten Schiedsspruch über die Streiks und Aussperrungen in mehreren Bezirken des deutschen Reiches. Nach eingehender Beratung kommt der Beirat zu dem Be- schluß, daß er den in Frage kommenden Bezirken die Annahme des Schiedsspruches nicht empfehlen kann, sondern im Gegen- teil, die Ablehnung für geboten erachtet. Da in- zwischen bekannt geworden ist, daß die Mitgliedschaften des Bau- gewerksbundes in Berlin, Sachsen, Mecklenburg und Baden den Schiedsspruch abgelehnt haben, besteht in den maßgebenden Kreisen des Vaugewerksbundes Einmütigkeit über die Verwerfung des Spruches." Die Tagung befaßte sich dann mit den Maßnahmen, die an- gesichts dieser Stellungnahme sich für den Baugewerksbund nun- mehr notwendig machen. Diese Maßnahmen werden es den Bauarbeitern ermöglichen, auch der durch die Unternehmerorgani- fationen angekündigten und demnächst jedenfalls zur Durchführung gelangenden Generolaussperrung Im Baugewerbe zu wider- stehen. Der Kampf im Baugewerbe geht also weiter! Wir oerstehen und begrüßen den Beschluß des Beirats des Vaugewerksbundes. Der im Reichsarbeitsministerium gefällte Schiedsspruch ist nichts als ein wohloorbereitetes D i k t u m des Großunternehmertums in engem Verein mit dem Reichs- arbeitsministerium. Er bedeutet einen ernsten Vorstoß der geeinten Re- aktion gegen die durch wirtschaftliche Not hartbedrängte deutsche Gesamtarbeiterschaft, einen brutalen Vorstoß gegen aus- kömmliche Löhne und alle Sozialerrungenschaften des deutschen Proletariats. An diesem Kampfe sind deshalb alle deutschen Arbeiter, Arbeiterinnen und Angestellte gleich stark interessiert. Der Vorstand des A D G B. wird, sobald die Generalaussperrung im Baugewerbe perfekt ist, zur Ausführung des be- kannten Beschlusses seines Ausschusses vom 12. August schreiten. Den kämpfenden Bauarbeitern Deutschlands nach wie vor unser« volle Sympathie! vie Serliner Zimmerer. Kritik des Schiedsgerichts und des Schiedsspruchs. In der Zahlstellenversammlung am 17. August im Gewert- schaftshaus gab der Vorstand den Bericht vom 2. Quartal. Die Abrechnung lag gedruckt vor. An die Zentrale wurden in bar ab- geführt 31 761, KZ M. Der Bestand der Lokalkasie betrug am Schlusie des Quartals 36 280,90 M. Der Vorsitzende Repschläger berichtete hierauf über den Stand der Bewegung und den zentralen Schiedsspruch vom 14. August. � Der Redner betonte, daß eine solche Verhandlungs- Methode,' bei der dem Schiedsgericht in etwa 12 bis 14 Stunde»!, die S p e z i a l»re r h ä lt n i ff e aus etwa 12 Lohngebieten vorgetragen wurden, sich nicht wieder- holen dürfe. Sollte trotz unserer Warnung nochmals zentral ver- handelt werden, so inüsie jedes einzelne G ebiet für sich behandelt werden. Daß dieser Kampf über den Rahmen des Baugewerbes hinaus- gehe, zeigten am besten die Artikel in der„Deutschen Arbeitgeber. Zeitung", sowie die Schreiben der großen Berliner Firmen, in denen erklärt wurde, daß Industrie. Handel und Gewerbe sich voll auf die Seite der Bauunternehmer stellen. Die Industrie war im Schiedsgericht durch den Regierungs- baumeister Bolz(Siemenswerke) vertreten: dieser Herr hatte die Aufgabe nachzuweisen, daß die Bauarbeiterlöhne gegen- über den Jndustrielöhnen nicht erhöht werden dürfen. Der Saisoncharakter des Baugewerbes fand keine B e- ach t u n g. Der unparteiische Vorsitzende Kammergerichtsrat Hanschmann sei während der Verhandlungen zum größten Teil»nit seinen Gedanken nicht dabei gewesen. Das Ergebnis sei nun dieser»msoziale, arbeiterfeindliche Schiedsspruch, der nicht wert sei, darüber zu reden. Die Versammlung erledigte den Schiedsspruch wie bereits berichtet, durch Uebergang zur Tagesordnung. Zum Schluß ermahnte Repschläger die Versammelten, weiter- hin wie bisher geschlossen zusammenzustehen. Die jetzige Taktik gefalle den Heuer, Mielenz und Kompanie ab- solut nicht. Das bewiesen die täglichen Rundschreiben der Unter- nehmer an ihre Mitglieder, mit der Beschwörungsformel:„doch bloß um Gotteswillen den Gewerkschaftsvertrag nicht zu unter- schreiben". Trotzdem gehen jeden Tag Hunderte zu den geforderten Be- dingungen, d. h. zum Lohn von 1,40 M. pro Stünde für Fach- arbeiter usw., in Arbeit. Die angedrohte Generalaus- fperrung fei mit Ruhe abzuwarten Der Ttreik der Zimmerer i« Baden und in der Pfalz. INannheint. 18. August.(Mtb.). Die gestern tagenden Zim- mererversammlnngen in Mannheim. LudwigSbasen und Heidelberg haben zu dem vom ReickSschliibter gefällien Scfiiedtsprrnb Slellnng genommen. Die Zimmerer lehnte» mit großer Entrüstung den Schiedsspruch ab. Der Kampf soll weilergeführt übergibt man nur dem Nachweis des Teulsch.MuslkcrverbandcS. Berlinds?. Andreasstr. 21 tKönigstadt 4310, 4048), Geschäftszeit 9 6:3 5, Sonntags 10 bis 2 Ubr. Aus Wunsch Vertreterbesuch. werden. 61« die Forderungen der Zimmerer für Unterbaden und Vorderpialz anerlann» werde«. Entscheidung der Leipziger Bauarbeiter. Leipzig, 18. August.(Eigener Drahibericht.) Die Leipziger Bauarbeiter haben in einer Urabstimmung mit 4850 gegen 100 Stimmen den Schiedsspruch abgelehnt. Ebenso haben die Zimmerer mit 1165 gegen 53 Stimmen den Schiedsspruch abgelehnt. — Wegen Lohn- und Tarifstreitigkeilen sind am Dienstag vormittag die Tapezierer der Ledermöbelbetriebe Leipzigs in den Ausstand getreten. Zuzug ist fernzuhalten vie Aussperrung im berliner Müh'engewerbe. Der Einigungsvorfchlag abgelehnk. Die streikende Belegschaft der Humboldtmühle hat'gestern sanit den ausgesperrten Mühlenarbeitern den Einigungsvorschlag mit großer Mehrheit verworfen. Da sie die Arbeit nicht ausgenommen hat, geht die Aussperrung der Arbeiter in den übrigen Berliner Mühlen weiter. Der Einigungsvorschlag bot den Streikenden keine Sicherheit, daß die nach Wiederaufnahme der Arbeit in Aussicht gestellten Zu- geständnisse, für die sich Direktor Freudenheim einzusetzen ver- pflichtete, von der Mehrheit der Mühlenarbeiter anerkannt werden, Durch die Vorbedingung, erst Wiederaufnahme der Ar- b e i t in der Humboldtmühle, war der Einigungsvorschlag erschwert. Aber auch die vorgesehenen Zugeständnisse wurden als unzureichend erachtet._ Achtung, Transportarbeiter in Buchdruckereieu! Wir ersuchen alle in Budidruckereien beschäftigten r a n p ortarbeiter, aus nachstehenden bestreikten Schriftgießereibetrieben keine durch Streikbrecher angefertigte Arbeiten abzuholen. G. Berthold. Belle- Alliance- Straße 83. E. Gurfch, Gneisenaustraße 27, W. Wöllmer, Friedrichstraße 226, und G. Arndt, Friedrichstraße 16. Kollegen übt Solidarität! Die Streikleitung der Berliner Schriftgießereiaroetter. „Protest der ZdA.-Jugend.« In der Dienstag- Ausgabe der„Roten Fahne" wird ein „Protest der ZdA.- Jugend gegen das Blutbad" im Wortlaut einer Resolution abgedruckt, die von der„Jugend- gruppe de« ZdA, Kruppe Südwest", angenommen sein soll. Diese „Entschließung", die auch der Redaktion des„Vorwärts" über- mittelt wurde, ist in der Jugendgruppe des ZdA. überhaupt nicht zur Abstimmung gekommen. Der Leiter der Gruppe ließ.diese Abstimmung nicht zu. Der Einsender, ein sehr junges Werkzeug der verderblichen Methode der kommunistischen Parteizentrale, glaubte sich trotzdem ermächtigt, im Auftrage der Jugendmitglieder die in der Münzstraße fabrizierte Resolution per „Roten Fahne" als angenommen zuzustellen. Aber auch ohnedem war diesem Blatte der Protest, der in Wirklichkeit garnicht erhoben wurde, zur Veröffentlichung willkommen. Die Methoden der kam- munistischen Erziehungsarbeit an der Jugend führen zur Heuchelei und zum Schwindeln._ Streik der Potsdamer Gemeindearbeiter. Die im Gemeinde- und StaatSarbeiter-Verband organisierten städtischen Arbeiter haben folgende Entschließung gefaßt: „Die am Montag, den 17. August, tagende Vollversammlung der städtischen Arbeitnehmer des Gemeinde- und Staatsarbeiter- Verbandes nimmt Kenntnis vom Magistratsbeschluß vom gleichen Tage und stellt fest, daß dem Magistrat an e»ner friedlichen Lösung der Tarif st reitfachc nichts gelegen ist. Vielmehr liegt die Absicht klar zutage, einen Konflikt unter allen Umständen mit den Arbeitnehmern herbeizuführen. Die Arbeitnehmer lehnen es ab, unter Richtlinien des deutschnationolen Reichsbundes vaterländischer Arbeitervereine einen Einzelarbeitsver- trag abzuschließen. Sie ersuchen den Magistrat unter allen Umständen, mit dem Gemeinde- und Staats- arbeiteroerband d«n vom amtlichen Schlichter gefällten Schiedsspruch als Tarifvertrag zu vereinbaren. Sollte der Magistrat den Wünschen der Arbeitnehmer ablehnend gegenüberstehen, so lehnen sie jede Verantwortung ab und rrerdetz auch vor dem letzten Mittel nicht zurückschrecken. Die Bürgerschaft soll aufgeklärt werden." Als Antwort auf diesen Beschluß hat der Magistrat einen Aufruf an„Arbeitswillige" gerichtet, die an die Stelle der durch den Streikbeschluß„aus den städtischen Dienst geschiede- neu" Arbeiter treten sollen. Sämtliche städtische Arbeiter traten in den Streik. Der P o t s- damer Magi-strat hüll sich offenbar auch als Arbeitgeber zu möglichst reaktionärem Verhalten verpflichtet.' Bereits feit zwei Iahren war er bestrebt, den Tarifvertrag der Gemeinde- arbeiter zu verschlechtern, durch Verlängerung der Arbeitszeit, Ver- kümmerung der sozialen Einrichtungen und Beseitigung des Mit- bestimmungsrechts. Im Mai kündigte der Magistrat den mit dem Verbände der Gemeinde- und Staatsarbeiter abgeschlossenen Tarif- oertrag. Eine Einigung mit ihm war in der Vorverhandlung nicht zu erzielen, da er sie nicht wollte. Der tarifliche Schlichtungsausschuß unter Vorsitz des Oberpräsi- denten a. D. Winnig fällte einen Schiedsspruch, durch den die Be- stimmungen des bisherigen Tarifvertrags eine wesentliche Ein- jchränkung erfuhren. Dem Magistrat sollte nun vorbehalten sein, die Arbeitszeit in den Betrieben, die zeitweilig eine längere Arbeitszeit ersordern, zu verlängern, mit Zustimmung der Betriebsvertretung oder der Mehrzahl der Arbeiter. Allein der M a g i st r a t wollt- allein bestimmen und lehnte den Schiedsspruch ab. Die Arbeiterschaft entschied sich in Urabstimmung für Arbeitsniederlegung, was den amtlichen Schlichtungsausschuß veronlaßte, von Amts wegen einzugreifen. Eine Einigung mit dem Magistrat war wiederum nicht möglich. Es wurde ein neuer Schiedsspruch gefällt, der gegen den ersten Schiedsspruch Aenderungen zugunsten des Magistrats vorsah. Die Arbeiter nahmen dennoch wie den ersten, so auch den zweiten Schiedsspruch an. Der Alagistral lehnte auch den zweiten Schiedsspruch ab! Die von der Organisation beantragte Verbindlichkeitser- k l ä r u n g wurde nicht vollzogen, da die Voraussetzungen nach Artikel 1 8 6 der Schlichtungsordnung nicht vorlägen. Der Magistrat legte die Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung dahin aus, daß ein Vertrag mit den Arbeitern nicht mehr besteht, und er vollständig frei von jedem Vertrage sei. Er benutzte diese langersehnte Gelegenheit, um mit einer Gruppe des Reichs- bundes„vaterländischer Arbeitervereine" Tarif- bestirmnungen herauszugeben, nach denen jetzt sämtliche Ar- beiter behandlet werden sollen. Der Magistrat hat in diesem Vertrag ohne Zustimmung der einzelnen Beleg- schaften die Arbeitszeit willkürlich durchschnittlich auf neun Stunden festgesetzt. Dies bedeutet eine Der- letzung der Bestimmungen über die Arbeitszeit- Verordnung, nach der der Magistrat nicht berechtigt ist, eine längere Arbeitszeit, als sie der bisherige Tarifvertrag vorsieht, ohne Zustimmung der Belegschaft einzuführen. Der Potsdamer Magistrat hat diesen Kampf durch sein ganzes Verhalten herausbeschworen. Nicht zum Nutzen der Stadt. Tie Juwclenarbeiter in Pforzheim geben nach. Pforzheim. 18. August.(MTB.) Die Iuwelenarbeiter. die allein noch von allen Arbeitern der Psorzheimer Schmuckwarenindustrie streikten, haben Dienstag früh beschlossen, die Arbeit am Mittwoch wieder aufzunehmen. Sie wollen in den größeren Betrieben ge- sondert wegen einer Zulage vorstellig werden. Es ist anzunehmen, daß daraufhin die Arbeitgeber ihre am letzten Freitag ausge- sprochene 14tägige Kündigung der gesantten Arbetterschast zurücknehmen werden._ Tapetenarbeiterstreik in Langenhagen bei Hannover. D-e Arbeiterschaft der Tapetenfabrik Hölickier u. Breimer in Langenhagen bei Hannover befindet sich sei» dem 15. August im Ausstand, weil die Firma sieb weigert, den R e i ch s l o h n t a r i f für ihre Arbeiterschaft anzuerkennen. Die Entlohnung und die Ge- Währung der Ueberstundenzuschläge erfolgt unter den Sätzen des Reichslohntarifs. W>r bitten deshalb alle Tapetenarbeiter, den Zu- zug von Slreikbrechern nach Langenhagen bei Hannover fern- zuhalten. verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. «cht»»», Rohrerl Di«»n motflen, Donnerstag, in» Sewertschaftshaus einberufen« Strerkvrrfarnrnlung beginnt abends um 7 Uhr. verbanöstag öes vertehrsbunöes. München, 18. August.(Eigener Drahtbericht.) Der 12. Derbandstag des Deutschen Verkehrsbundes wurde am Sonntag nachmittag in München eröffnet. Der Bundesoorfitzende Schumann entbot den Kongreßteilnehmern herzlichen Willkomm und wies darauf hin, daß auf dieser Tagung der Schlußpunkt unter die Vereinbarung gesetzt werde, um im Intereffe der Kon- zentration der gewerkschaftlichen Kräfte zu einer engeren Gemein- schaft zu kommen. Die Bedeutung dieser Tagung, wie überhaupt der Gewerkschaftskongresse der letzten Jahre liege nicht mehr in der rückschauenden Betrachtung und Bewertung der unter schwierigsten Verhältnissen geleisteten Arbeit, sondern in der Behandlung von Gegenwarls- und Zukunftsfragen. Der Deutsche Verkehrsbund habe alle Schwierigkeiten überwunden und seine Position gewahrt. Wenn die Organisation ein Macht- saktor im gewerkschaftlichen Kampf geblieben sei, so sei dies der hingebungsvollen Mitarbeit der Funktionäre zu ver- danken, denen der herzlichste Dank gebühre. Der Redner dankte auch den befreundeten Verbänden des Auslandes, die die Organisation in schwerster Zeit materiell unterstützten. In besonders ehrenden Worten gedachte er des verstorbenen Reichs- Präsidenten E bert. zu dessen Ehren sich alle Tagungs- teilnehmer von den Plätzen erhoben. Aber auch in den eigenen Reihen des Verkehrsbundes habe der Schnitter Tod schmerzhafte Lücken gerissen, wobei Schumann der alten bewährten, verstorbenen Kämpfer gedachte. Schwere Kämpfe ständen der Organisation be- vor. Der Bund sei aber von dem festen Willen be.eelt, den Kampf ums Recht, um die Freiheit und um den kulturellen Aufstieg, um die politische und wirlschaslliche Gleichberechtigung � mit allen Mitteln zum Erfolg zu führen. Dazu bedürfe es der Ge- fchlossenheit und Schlagkraft der Organisation. Diese zu fördern sei Aufgabe der Tagung. Nach den üblichen Begrüßungen erfolgte die Konstituierung des Bundestages. Zu Vorsitzenden wurden Döring, Engel und Schumann gewählt. Hieran schlössen sich die Wahlen der sechs Schriftführer lind der verschiedenen Kommissionen. Am Sonntag abend war zu Ehren der Teilnehmer ein Fest- kommers in der Tonhalle unter Mitwirkung des Sängerbundes der Münchener Straßenbahner. Itas See Partei. Adolf Müller 60 Zahre all. Heut«, Mittwoch, wird der deutsche Gesandt« in Bern, Ge- noffe Adolf Müller, 60 Jahre alt. Adolf Müller, der aus Trier stammt, ging nach Studienjahren in Berlin und Straßburg, nach Reisen in Europa und Uebersee als Journalist nach München. Unser Münchener Parteiblatt, die„Münchener Post", ist unter seiner Leitung zu einem politischen Organ geworden, das weit über Bayern hinaus Ansehen genoß, im Lande selbst gefürchtet, aber dennoch vom Gegner geachtet war. 1899 entsandte die Partei Adolf Mniler in den Bayerischen Landtag, wo jede seiner oft sehr sarkastischen Reden ein Ereignis rvar. Im Kriege wirkte Müller seit 1916 im Auftrage der Reichsregierung in der Schweiz für einen Berständigungs- frieden. Es war nicht feine Schuld, daß es nicht dazu gekommen ist. Seine Fähigkeiten und Berdienste hat die Regierung der beut- schen Republik dadurch anerkannt, daß sie ihm den wichtigen Posten des Berner Gesandten anvertraute, auf dem er seitdem uner- »nüdlich im Sinne der Völkerverständigung wirkt. Die Glückwünsche nicht nur der bayerischen, sondern der ganzen Partei wandern nach der Hauptstadt des Schweizer Volkes zu dem bewährten Genossen, der an verantwortungsvoller Stelle als echter Sozialist für das Wohl de» Reiches erfolgreich tätig ist. Der Reichsaußenminislec ©fresemann hat dem hochverdienten Gesandten ein Glück- wunschtelegramm geschickt. Verantwottli» sllr Politik:«rnst R-nt«; Wirtlchafl:«rt»r«atcrnii»! W"»: Smineton: Dt. Zoh» SSik-w-Ii: Lokales «.und. S°n»»«s: gti»«atpSdt: Anzciaen Tb.«locke: sämtlich in Berlin. >>' b.«erlin. Druck: Vorwärts-Nuchilruckerei uns BerlaasanSalt Paul Sinne? u ffo. Berlin SW n?-semkraii« i ■ivßo_______ � w«- � und„Unterhaltuuk»nd Wiffen�. Ersatz lose und Kauflose int jetzigen Hauptzirhung der Prcntzischen TiaatSlotteric sind noch zu haben in der j.v Lotterie>E;nn~hine von Karl Gehrle Berlin W., Potsdamer Str. Z,«m Potsdamer Platt N llendori 4?i. 429. Bcliellungei aus Laie eriter Klasse|i _ werden schon jetzt enizezen genommen. Ständiges Lager an Lieferwagen mit Kasten n. Pritschen Aufbauten von 200— 400— 700— 1000 und 1500 kg Nutzlast Vertreter der Fabriken: Adler— Fafnir— Opel— Protos THEODOR RAATZ AUTOMOBIL A.-G. Fernsprecher; Nollendorf 56-59 Berlin W 35, Potsdamer Straße 112 Telegr.-Adr.: Autoraatz Berlin ttr. 3$Q ♦ 42. Jahrgang 1. Seilage ües vorwärts Mittwoch, 19. August 1925 Z um.. Spa n oi'Grta<6�© oc K- on cT �5--- Ä bep-Kirsch e rv AU ee---------- Fuhrwerken, die heute über den Spandauer Berg zum Bock itnd weiter nach Spandau wollen, versperrt auf der Höhe der Wasser- werke eine Verbotstafel die Weiterfahrt. Aller Verkehr wird Sber die Kirschenallee und Reichsstraße umgeleitet. Die Sponüauer Chaussee fft Objekt eines großen Slraßenbauprojekles geworden. Den Le- luchern der Bockbrauerei und der Rennbahn Ruhleben, den Aus- flüglern nach Spandau und zur Havel wird sich die Straße in nicht allzu serner Zeit mit vollkommen veränderter Physiognomie zeigen. Augen und Rase werden sich dann ähnlicher Dinge wie aus dem Kaiserdamm und der Heerstraße erfreuen. Wo heute eine ländliche Chaussee mit altem Baumbestand, Kastanien und Erlen, durchsetz! von Kiefern des ehemals bis hier reichenden Grunewalds, dann eine Allee mit Bepjlanzung, wie alle neuen�Ausfahrtstraßen Berlins, der Freude jedes malerisch Besördcrten. Schrebergärten und Kolo- nien werden Villen weichen müssen. Die jetzt 18 Meter breite Chaussee soll ZS�ltteler breit werden. Zur Planierung und Ver- breitcrung des Straßenzuges wird zurzeit eine umfangreiche Erd- bewegvng ausgeführt. Der Höhenrücken, über den die Chaussee vom Wasserwerk bis zur Brauerei führt, wird abgetragen. Eine llXXI-Meter-Strecke, 8 Meter im Maximalpunkt, ergibt rund 120 000 Kubikmeter Boden. 120 Erdarbeiter, von 3 Uhr morgens bis 9 Uhr abends auf zwei Schichten verteilt, legen Feldbahngleise, fällen Bäume, graben Erdleitungsnetzen, den Eingeweiden der Groß- ftadt, ein neues Bett. Wie Truppen im Stellungskrieg verschwin- den die kleinen Häuflein der Arbeiter. Die Hauptarbeit leistet ein Z-Subikmeler-Lösselbagger, der das ganze Bild beherrscht. Hier wie überall die Maschine, die den Menschen ersetzt. Ein finsteres, schwer- sällig scheinendes Ungeheuer, schnaubend und dampfend, das sich durch die Erde wühlt, mit jedem Hieb 2 Kubikmeter Boden losreißt und in bereitstehende Loren entleert. 200 Fäusten nimmt sie Arbeit und Brot, beföroert allein bei sechzehnstündigem Betrieb 2400 Kubik- meter Erde, 150 Kubikmeter pro Stunde. Drei Lorenzüge schaffen die abgetragenen Erbmassen nordwärts ins Spreetal. Hier wird werden planiert. Historisches Land wird dort zugeschüttet: wie heute der Fürstenbrunner Weg, lief bis 1870 die einzige Verbindung von Berlin nach Spandau. Die Straße zog der erste Kurfürs», von Nürnberg kommend, und auch später haben die Zollern mit ihren Knechten noch oft die Gegend beglückt, Heerlager. Jagden, alles Dinge, die der Spießer schwer entbehrt. heule macht das ganze Gebiet deu Eindruck eines Schlachtfeldes. 200 Bäume, 50— KOjährig, find schon gefällt. Um die der Chaussee anliegenden Kolonien ziehen sich immer dichter die Sandwälle. Viel Freude haben die kleinen Leute nicht an der Veränderung des Straßenbildes. Der Wind trägt den befreiten Sand über ihre Pflanzungen, Rauch und Lärm der Maschinen zerstören ihnen ihre kurze Erholung. Die über die Chaussee nach Spandau verkehrende Straßeubahu lies die ersten Monate auf einem zu dem Zweck gelassenen Damm, nicht breiter als zwei Schienenvaarc. Aber furchtsame»! Gemütern kamen hier bei jedem kleinen Regen Vorstellungen von Dammrutsch und abstürzenden Zügen. Für den auf der Sole Stehenden wuchsen Damm, Straßenbahn und Oberleitungsmasten in phantastische Höhen. Bis zum Jahresende hofft man die Erd- arbeite» durchgeführt zu haben. Dann wird nach Fertigstellung des Straßenoberbaues der Terrainspekulation Gelände in Massen zur Verfügung stehen. Aus ist's dann mit dem Idyll um die Trabrennbahn und dem Spandauer Bock der Berliner, Avus und Heerstraße werden eine würdige Parallele haben. Die Erdarbeiten am Spandauer Bock. Der große Bagger. Zeichner an der Durchstichstelle zeichnet«, kam eine Kolonnr�lotstandsarbeiter an seinem Standort vorbei. Ihrem kurzen Verweilen und ihren Freudcnöußerungen darüber, daß man sich künstlerisch am Ort ihrer anstrengenden Arbeit interessiert, macbte ein barsches:„Los, Leute!" ein rasches Ende. .Zonntags-Sonderzug nach Hamburg. Der große Erfolg, den die am Sonntag, den 14. Juni d. I., naäi Hamburg veranstaltete sonderzugfahrl hatte, veranlaßt die Reichs- bahndirektion Berlin, diese Fahrt am Sonmag, den 23. August, zu wiederholen. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 331v Proz., der Fahrpreis 1. Klasse ab Berlin für Hin- und Rückfahrt 12,80 M., von Spandau 12,30 M., von Nauen 11,30 M. Der Sonderzug ver läßt den Lehrter Bahnhof um 6,20 vorm. und trifst um 11,17 in Hamburg ein. Die Rückfahrt ab Hamburg erfolgt um 6,53 nachm., die Ankunft in Berlin 12,20 nachts. In Hamburg find F ü h r u n gen durch die Hauptverkehrsstraßen der Stadt, Hafenrundfahrten mit Besichtigung der Hafcnanlagen und ein Besuch von Hogenbccks-Tierpark in Aussicht gc- nommen. Reisende, die an diesen Veranstaltungen, einschließlich Mittagessen, teilnehmen wollen, müssen bei Lösung der Fahrkarte Das unbegreifliche Ich. Geschichte einer Jugend. Roman von Tom Srislenseu. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen von F. E. Vogel.) „Na. na, nun mußt du verständig sein, du weißt nicht, was du sagst, du bist noch viel zu klein." „Ach. Samuelsen ist auch nicht besser, der ist ein Schuft!" „Hast du gelauscht?" und gleichzeitig wurde mir eine Ohr- feige versetzt. Sie kam so unerwartet, und ich hielt sie für so ungerecht, daß es mir Grund genug schien, laut zu schreien, obgleich es gar nicht wehgetan hatte. Und ich fing an zu heulen und mit den Beinen zu stoßen, Ich fühlte erst Er- leichterung, als ich in bewußter Raserei ein Stück von meiner Schürze zerriß. „Bist du denn vollständig verrückt??" schrie Mutter und griff nach mir, doch ich entschlüpfte ihr, und bevor ich es recht wußte, stand ich ohne Erlaubnis auf der Straße. Dieses Gefühl voi� Vogelfreiheit überwältigte mich, und als Harry von„Suomi" angelaufen kam und mit mir spielen wollte, hatte ich keine Kraft dazu. Ich konnte mich nur auf eine Treppenstufe setzen und mit ihm plaudern. Wenn ich mit ihm gespielt hätte, wäre es unartig von mir gewesen: doch wenn ich still saß wie ein artiger Junge, war es, als ob ich eigentlich gar nicht auf die Straße hinausgelaufen wäre. „Da kommt die Kirchcndienerin!" sagte ich ernst. Ich hatte ihre schwarzgekleidete hohe Gestalt erblickt. Sic kam über den Platz gegangen. „Sie inaust aus der Armenbuchse, flüsterte Harry. „ Was tut sie?" „Sie ist ein scheinheiliges Diebsstuck, sagt Mutter. „Was ist sie?" ,Sie wird bald rausaeschmisien werden von dem fromme» Pack." Ich sah ihn entsetzt an. Er war ein hübscher, friedlicher Junge. „Das sagt Mutter," behauptete er. „Ist sie eine Diebin?" fragte ich. Harry nickte und schielte verstohlen zu der Kirchendienerin hin: doch ich stierte ihr gerade ins Gesicht. Sie sah wie immer aus. „Das glaube ich nicht," antwortete ich.„Diebe haben Mmer einen schwarzen Strich auf der Stirne. „Aber Mutter sagt es doch! Du kannst ja mit rüber- kommen und sie fragen." Wir standen auf und gingen über die Straße zu dein schmalen dreistöckigen Haus mit der Steintreppe. Auf den Stufen saßen einige finnische Jungen und schwatzten miie-n- ander. Wir lächelten höhnisch über ihre unverständlichen Worte und gingen in die Schankstube herauf, wo einige See- leute saßen. An der Wand hing das Bild eines Segelschiffes in starkem Seegang. „Hallo. Jungens!" rief ein Mann in blauer Jacke und Sweater. Wir blieben vor seinen Knien stehen. „Wenn ihr diese Hand aufmachen könnt, sollt ihr jeder zwei Oere haben," sagte er und legte seine geballte Faust auf das Knie. Im Nu warfen wir uns über sie, schüttelten sie hin und her, steckten die Finger bei seinem kleinen Finger herein und versuchten sie so auszubohren. Am selben Tisch saß ein zweiter Mann mit einer Dame, deren eine Schulter entblößt war. Sie lachte laut und trieb uns an:„Feste, feste, was seid ihr für ein Paar Spließ- hörner!" Schließlich waren unsere Finger fest eingeklemmt, und wir wanden uns so, daß wir mit den Köpfen aneinander- stießen. „Nun wollen wir's genug fein lassen!" lachte der Mann und nahm uns auf den Schoß. Ich lag überm Tisch und beguckte mir die großen Gläser mit gelbem Bier und die kleinen mit etwas Wasserähnlichem darin. „Willst du mal kosten?" lachte die Dame und reichte mir ihr Glas. Ich nahm einen kräftigen Schluck, aber wie der im Munde brannte! Die Tränen stiegen mir in die Augen, und ich spie den Branntwein über den Tisch. „Seht mal den kleinen Sprengwagen an," höhnte die Dame, und beide Seeleute lachten. „Könnt ihr nicht die kleinen Würmer zufrieden lassen. Weil ihr selbst ein paar betrunkene Schweine seid, braucht ihr sie doch nicht mit Branntwein vollzugießen, versteht ihr? Hier ist mein Haus!" Harry sprang ängstlich dem Matrosen vom Schoß. Das war seine Mutter, die das gerufen hatte, eine große dicke Dame mit einem großen weißen Gesicht. „Kommt mit mir, hier dürft ihr nicht bleiben! Solche verdammte Schweinerei! Wenn ihr euch nicht zusammen- nehmt, und du, Thyra, wenn du dich das noch einmal unterstehst, werdet ihr rausgeworfen. Das ist ein anständiges Haus hier, verstanden!" Harrys Mutter schritt aus dem Lokal, und wir folgten ihr dicht auf den.Hacken. Ihr breites schaukelndes Hinterteil überwältigte mich ganz: doch Harry, der weniger Respekt vor dessen Umfang hatte, hielt die Hände ganz weit auseinander, um mich auf feine Ausdehnung aufmerksam zu machen. Hinter uns tönte ein dröhnendes Gelächter. Wir gingen durch neic rußichtc Küche, wo drei vollbusige Mädchen standen und abwuschen. „Mutier, Waldemar will nicht glauben, daß die Kirchen- dienerin ein Diebsstück ist!" schrie Harry. „Wirst du stille sein!" sagte die Mutter. Doch die Mädchen lachten laut, und eine von ihnen sagte: „Du hast ganz recht, kleiner Walde!" „Was weißt du denn davon?" bemerkte die Mutter scharf. „Das weiß doch jeder!" Die Mutter ging weiter auf eine hölzerne Galerie und eine außen angebrachte Treppe herauf. Der Hof war dunkel und feucht. Ganz oben auf der Mansarde gelangten wir in eine kleine Stube, wo Harrys Bater auf einer Chaiselongue Mittagsruhe hielt. Sein langer ehrwürdiger Bart lag ihm über den Schultern, und er stank nach Schweißfüßen. „Wenn ihr euch stille verhallet, könnt ihr hier spielen. Zum Teufel noch mal, daß euch die dummen Biester auch nicht zufrieden lassen können!" brummte sie. Man hörte raschelnde Röcke draußen auf der Treppe. Eine junge Dame mit einer hinten offenen Bluse kam herein. „Mutter," sagte sie.„kannst du mir nicht die Bluse zumachen helfen?" „Ich komme sofort, Schätzchen. Du bist verdammt spät auf den Beinen. Hier habt ihr ein paar Kuchen und das Familienjournal: aber ihr dürft'Vater nicht wecken." „Ist das deine Schwester?" fragte ich Harry. Wir saßen beide auf der Erde und schlugen uns mit einem gebundenen Jahrgang des Familienjournals herum. „Nee," grinste Harry,„das ist bloß so'ne Dame." Wir blätterten etwas in dem Buch. „Es wohnen so viele Damen hier: m der Nacht kreischen sie, so daß ich nicht schlafen kann. Ich darf des Nachts nicht aus dem Zimmer gehen. Es ist zugeschlossen. Bater und Mutter gehen spät ins Bett." „Meine Mutter geht zeitig ins Dell," bemerkte ich. (Fortsetzung solgtj j utiherdem eine Zusatztarte zum Preise von k M. lösen. Der Fa h r. kartenverkauf beginnt am Mittwoch, den 13. August, bei den Fahrkartenausgaben Berlin. Lehrter Bahnhof, Spandau, Hauptbahn- hos und Nauen, sowie bei folgenden Ausgabestellen des Mittel- europäischen Reiscbureaus: Potsdamer Bahnhof. Bahnhof Friedrich. straße, Unter den Linden S7/ö8. Kaufhaus des Westens. Touentzien- straße 21/24. Verkaufszeit bei den Fahrkartenausgaben während der Schalterdienststunden, bei den Reisebureaus in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis S Uhr nachmittags. Verkaufsschluh spätestens am Freitag, den 21. August._ kompagniefelöwebel Irieörich« Ein Reichs wehridnll Anno 1920. Ulte Erinnerungen stiegen am Montag vor dem Lichter» selber Schöffengericht auf. Idylle der Kappiftenzeit, monarchistische Reichswehrkuriosa, die uns leider, da sie zu alltäglich sind, nicht mehr kurios anmuten. Ein sehr schlankgebautxr, sehr militärischer, noch junger Mann, der vor den Schranken steht. Eine Abenteuerphysiognomie von Intelligenz. Das war der K o m p a g- niefeldwebel Friedrich, der allerdings feine Personalien aus eigenem, ohne behördliche Bekräftigung feststellt, da � er feien Paß aufweisen kann. Er diente als gesürchtete„Kompagniemutter" im alten wilhelminischen Preusienheer, wurde dann Balttkumel und später Reichswchrmann. Das Gericht ist recht skeptisch. Es zweifelt an der Identttät. Ist er's oder ist er's nicht? Eine ganze Serie von Delikten wird Friedrich vorgeworfen. Als da sind: Aufreizung, Gehör- samsverweigerung, Beleidigung von Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft, Urkundenfälschung, unter- s ch l a g u n g und Amtsanmaßung. Als der Vorsitzende den Angeklagten fragt, ob er feine Verfehlungen zugebe, nickt er be- stät'igend mit dem Kopf und sagt leise ja.--- Im Lager Zossen war Friedrich im Putschjahr 1929 so eine Art Miniatur- gewaltiger. Schneid, Suff und allerlei Putschgelüste bildeten seine hauptsächlichsten Merkmale. An Wilhelm von Ämerongens Geburtstag, den 27. Januar, läßt er in den Abendstunden die Leute alarmieren und hält eine donnernde Ansprache, die in einem Kaiserhoch und Niederrufen auf die Republik aus- klingt.(Bei einer späteren Gelegenheit feierte er aber auch den Ge- burtstag des Reichspräsidenten Ebert und den 1. Mai. Es kam ihm eben weniger auf die Person als auf die Gelegenheit zum Trinken an). Auch sonst ging es im Lager Zossen bunt zu. Er wußte sich Respekt zu verschaffen, der Feldwebel Friedrich: nur mit seinem Kompagnieführer, dem Leutnant D i n g e l d a y, stand er wie Hund und Katze. Der Leutnant machte energisch Front gegen die ein- gerissenen Disziplinlosigkeiten, und nun wandte sich Friedrichs Zlutorität gegen ihn. Der Angeklagte hatte da ein besonderes System, sich materielle Vorteile zu verschaffen, das von einigem Gaunerraffins nent zeugt. Er führte einfach die entlasienen Mann- schaften auf der Etatliste weiter und kam zu erheblichen U e b e r s ch u ß s u m m e n, die er für sich und für Mannschafts- bclohnungen höchst großzügig verwandte. Ueberhaupt sah er die Regimentskasie als seine Privatschatulle an. Sein Grundsatz lautete: .Wir wollen uns nicht gegenseitig betrügen— aber den Staat, so wir nur irgend können", wie er ja auch freimütig vor Gericht bekannte. So praßte er denn mit größtmögsicher Energie, und bei Saufgelagen der Unteroffiziere. Gendarmerie und Krimi- nalpolizei des Lagers gingen regelmäßig so an 89 bis 199 Flaschen drauf. Später inszenierte er eine Rebellion gegen den verhaßten Dingelday. Diese Attacke brach dem Abenteurer den Hals. Er kam IIMonateinHaft und wurde erst freigelassen, als die Militär. gerichtsbarkeit aufhörte. Die Sache ging dann an die Staatsanwalt- schaft und als im März dieses Jahres ein anderer Betrug Friedrichs cufgedsckt wurde, kam man auf seine Zossener Tätigkeit zurück. Recht interessant ist es. aus den vorgelesenen.Tatberichten" zu vernehmen, daß die Reichsmehrtruppen des Sammellagsrs Zossen bereits am 13. März 1929 zum"M arsch auf Berlin" gerüstet waren. Der Staatsanwalt beantragte l Iahr 9 Monate Ge» fängnis, unter Anrechnung von 11 Monaten Untersuchungs- Haft. Das Gericht faßte den Kompagniefeldwebel erheblich strenger an und erkannte auf 2 Jahre Zuchthaus. Cm neuer Morü be! Oranienburg. Der Täter noch nicht ermittelt. Sin schweres verbrechen wurde der Berliner Kriminalpolizei au» Germendorf bei Oranienburg gemeldet und die Mordkommission sofort an den Talort entsandt. Germendors liegt an der Chaussee und Bahnstrecke Oranienburg— Kremmen— Bauen, vorlselbst wurde der Materialwarenhändlcr Emil Lohmeyer in der hinter seinem Laden befindlichen Küche ermordet aufgefunden. Ein Raubmord liegt anscheinend nicht vor. Bisher konnten keine Spuren, die aus die Täler hinweisen, sestgefiellt werden. Es wurde zunächst fol- gen des ermittelt: In der Dorfftraße Nr. 29 bewohnte der 69 Jahre alle Kaufmann Emil L o h m e y e r, der im Orte geboren ist, ein kleines Haus für sich allein. Er betrieb hier einen kleinen Laden, in dem nach Dorf- sitte alles zu haben war. Der alte Mann oersah seine Wirtschaft ohne fremde Hilfe, pflegte wenig Verkehr und gall allgemein als ein Sonderling. Am Montag früh kamen Ortsbewohner in seinen Laden, um etwas einzukaufen. Es fiel ihnen auf, daß gegen alle Gewohnheit die Ladentür offen stand. Ihre Ruf« im Laden selbst blieben auch unbeantwortet und sie gingen deshalb in die Küche, um Lohmeyer nach vorn zu holen. Beim Betreten der Küche bot sich ihnen jedoch ein entsetzlicher Anblick. Lohmeyer lag zwischen dem Herd und der Wand in einer großen Blutlache tot auf dem Boden. Ihm war der Schädel eingeschlagen. Die sofort benachrichtigte Landjägerei alarmierte die Berliner Mordkommission. Ein inzwischen aus Oranienburg herbeigeholter Arzt stellte fest, daß dem Manne mit einem scharfkantigen Gegenstand, vermutlich mit einem Beile, 6 bis 7 Hieb« auf den Schädel oersetzt worden waren. Bis jetzt hat es noch nicht den Anschein, als ob ein Raubmord vor- läge. Der Inhalt der unverschlossenen Ladenkass« war unange- tostet. Di« Venanlassung zu dem Mord wird dadurch nur noch rätselhafter, da Lohmener in der Gegend keinen persönlichen Feind hatte. Auf die Ergreifung des Täters wird wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Tages eine Belohnung ausgesetzt werden. All« Mitteilungen nimmt die Mordkommission im Gemeindebureau Germendorf und im hiesigen Polizeipräsidium.Mordsach« Germen- dors" im Zimmer S47d entgegen. weitere Aufklärung zum Mäbchenmorö. Die Persönlichkeil der Toten ermittelt. Den Nachforschungen der Mordkommission ist es gelungen, die Person de» tot aufgefundenen Mädchens festzustellen. Es ist die 27 Jahre alle Luise Gehde aus der Chausseestraße 19. In ihren Kreisen nannte man sie die„Schiele-Hilde". Die Gehde war Straßenmädchen und hatte in der letzten Zell des öfteren mit der Polizei zu tun. Sie war eine starke Trin- k e r i n und hatte sich neuerdings auch dem Kokaingenuß ergeben. Lei den Sachen der Toten fand man noch eine leere Schnapsslasch« und mehrere Kuverts mit Kokain. Da es dem Mädchen fett einiger Zeit sehr schlecht ging, so hatte es wieder- holt Selb st mordgedanken geäußert und immer hinzuge- fügt, daß es mit dem Russen, dem es besonders zugetan war, ge- meinsam in den Tod gehen wolle. Die Annahme� daß Kamychen- kofs die Gehde auf eigenen Wunsch erschossen hat. gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, zumal in den inzwischen übersetzten russsschen Lbschiedsbriefen des Mörders derselbe Gedankengang zu finden ist. Er gibt außerdem eine genaue Darstellung der Vorgänge. Die beiden Leichen werden heute im Schauhause obduziert werden. Re- gisseur Murnau wird nach seiner Rückkehr, die voraussichtlich heute erfolgt, von der Mordkommission eingehend vernommen werden, da Kamychenkoff anscheinend mehrere Gegenständ« aus dem Besitz seines Dienstherrn versetzt hat. Nach dem Gutachten des Gerichtsarzt«, Dr. Kipper, ist der Russe Gregor Kamychenkoff übrigens nicht von der Kugel eines Kriminalbeamten, sondern durch einen von ihm selbst abgegebenen Schutz tödlich getroffen worden. Kleingärtner. Ein soziales Problem der Großstädte. Im blauen Saal des.Rhemgold" fand gestern mittag ein« Pressebesprechung des Reichsverbandes der Kleingärt- n« r statt. Der' Vorsitzende R e i n h o l d führte ungefähr aus: Immer mehr spitzt sich die Frage der Kleingärtner und Lauben- kolonisten zu einem fozialen Problem zu. Man übersieht oft die tiefere soziale Grundlage dieser Frage. Trotzdem ist die Bewegung eines der markantesten Kennzeichnen der Reaktion gegen die Groß- stadt. Di« Industrialisierung des europäischen Leoens verdrängte allmählich alle Gärten, die früher die Stadt umgaben. Schon früh regte sich in manchen Städten, so in Kiel bereits im Jahre 1822, eine Gegenwehr gegen diesen, allein den Unternehmerstandpunkt berück- sichtigenden Stadtbauplan. In Berlin zeigte sich aber erst in den achtziger Iahren diese Reaktion. Immer wieder versuchten die Unternehmer die Kleinsiedlungen weiter hinauszu- drängen, denn der allmählich in Berlin unerschwinglich teuer gewordene Boden verzinste sich besser, wenn man auf ihm Miets- kasernen errichtete. Und dieser Kampf gegen den Kleingärtner ist eigentlich nichts weiter als der Kampf des Großunterneh- mers gegen das Proletariat. Denn aus welchen Schichten fetzen sich die Kleingärtner zusammen? Klein« Angestellte, Arbeiter und Handwerker suchen hier ihre Glieder, die in Schreibstuben und Maschinensälen' lahm geworden sind, durch Erdarbeit zu kräftigen. Was dem jungen Manne der Sport ist, das ist dem alternden der Kleingarten. Der Großstadtmensch will fühlen, daß er nicht nur ein Neines Rad in einem unübersehbaren Mechanismus ist. Deshalb ist im Grunde die Frage überflüssig, ob Nutz- oder Ziergärten besser seien. Die Entwicklung ging ungefähr so, daß zuerst Ziergärten angelegt wurden, die sich im Kriege in Nutzgärten verwandelten, und heute wird eine Mischung aus beiden Elementen bevorzugt. Nach einer Statistik des Bundesstaates Sachsen wurden dort im Vorjahr etwa 5509 Zentner Frischobst aus Kleingärten geerntet. Hinzu kommt noch etwas anderes: auch die Industrie gewinnt bei der Unterstützung des Kleingärtners, denn die Errichtung der Lauben und Umzäunungen verlangt eine Menge Baumaterial: man darf nie vergessen, daß bereits heute trotz aller Schwierigkeiten, die die Magistrate der einzelnen Städte dem Kleingärtner auflegen, 114 Millionen Kleingärten in Deutschland bestehen. Man darf in der Frage der Kleingärten niemals von dem Wirtschaft- lichen Gewinn ausgehen, von der Intensivierung der Dodenerzeug- niss«. Das wirtschaftliche Produkt, der Gewinn, kommt erst In zweiter Linie. Di« Wirkung des Kleingartens ist eher eine psychologische und hygienische als eine wirtschaftliche. Und deshalb sind die Kl e i n- gärten für Berlin eine der dringendsten Notwen- d 1 g k e i t e n. Gerade hier im Freien fühlt sich der Grotzstädter wieder an die Natur gebunden, er vergißt hier sein Wohnungselend und die Kinder lernen erkennen, daß es noch andere Dinge gibt als die Großstädte. Selbstverständlich ist es, daß Kleingartenanlagen in Verkehrsstraßen allmählich verschwinden müssen, aber den Klein- gartenbesitzern an der Peripherie der Stadt müßte Dauer ihres Vachteigentums garantiert werden. Durch die ständige Vertreibung des Kleingartensiedlers wird viel Doltsoermögen zer- stört und selbstverständlich wird jeder gerne eine kleine Erhöhung der Vachtsumme auf sich nehmen, wenn ihm dadurch eine Dauer seiner Siedlung gewährleistet wird, und er sich von Schikonen jeder Be- Hörde frei weiß. Darum Schutz den Kleingartensiedlern! Reichswehr exerziert vor Republikanerfeinde«. Man teilt un» aus Strausberg mft: Am Donnerstag, den 1?. d. SP?, haben auf dem Gelände südlich der Stadt Strausberg 16 Mann vom Schützenbataillon Nr. 9, Lichterfeld«, unter Führung von Leutnant Sauer vor zahlreichen Zufchauern, die sich aus Lehrern der höheren Schule sowie Stahlhelm- und Iungdo-Iüngern zusammen- fetzten, Schauexerzitien(angeblich sportliche Vorführungen) ver- anstaltet. Der Führer eröffnete die Leranstattung mit einer An- spräche, in welcher er auf die Bedeutung des Sportes hinwies. Die Reichswehr führt« zunächst Freiübungen vor. Daran anschsie- hend Exerzieren in voller Ausrüstung, Marsch- und Gefechtsübungen. u. a. auch Handgranatenwerfen(blind). Die Abteilung führte ein leichtes M.-G. mtt. welches beim Exerzieren nicht benutzt wurde. Nach Beendigung der Uebungen haben die Soldaten mit Führer und den Zuschauern im Restaurant„Zur Lindenwirtin" bis in den Morgen hinein gezecht. Die Reichswehrabteilung fuhr erst Freitag vormittag nach Berlin zurück. Es wäre interessant fest- zustellen, von welcher Kommandostelle und auf wessen Veranlassung die„sportliche Veranstaltung" angeordnet worden ist. Die Tatsach«, daß der Jungdo unter Führung des Zeichenlehrers an der Real- schule, Schornsheim, am Freitag am gleichen Platze zum größten Teil dieselben Geländeübungen veranstaltete, läßt darauf schließen, daß die Reichswehrübungen vom Jungdo bestellt waren. vielleicht äußert sich das Reichswehrkommando zu diesen prä- zisen Angaben._ Ei« beleidigter Bürgerblockführer. Der Buckdruckereibefitzer S t e i n, der Führer der Bürgerblöckler in der Bezirksverordnetenversammlung in Köpenick, hatte vor einiger Zeit gegen unseren Genossen, den Bezirksverordneten Roh de Klage angestrengt, weil dieser ihn angeblich in einer Bezirksverordnetenversammlung beleidigt hatte. Genosse Rhode hatte in der fraglichen Sitzung, die sich mit Abbau- maßnahmen beschäftigte, Herrn Stein mehrere erhebliche Inkorrekt- heiten vorgeworfen. Der Prozeß war erstmalig am 27. Mai zur Verhandlung gekommen und wegen neuer Beweisanträge vertagt worden. In der gestrigen Verhandlung in Moabit wurde ans An- regung de» Vorsitzenden ein vergleich geschlossen, dessen Fassung der Beklagte bestimmt« und der dem Genossen Rohde weitesten« entgegenkommt. Die von dem Beklagten abgegebene Erklärung geht in der Sache kaum einen Schritt zurück. Stein nahm die Bedingungen de« Genossen Rohde mit einigem Zögern und nach kurzer Beratung mit seinen Fraktionskollege» an. Die Fnristische Sprechstunde findet von henke ab bis ans weitere» täglich außer Sonnabend» von 5 bl» 7 Uhr stall. So»«. abend» geschlossen. Das Rundfunkprograinm. Mittwoch, den 19. Aagnst. Außer dem üblichen Tagesprogramni: S— 8.80 Uhr abends: Achtes Kinderfest der Fnnkstnode. 7 Uhr abends: Leopold Lehmann;«Die Wunder Aegyptens". 7.45 Uhr abend«; Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Dr. Richard H. Stein:„Nordische Tonknnst". 1. Vortrag:«Die Musik Finnlands". 8.30 Uhr abends: Konzert. 1. a) Beethoven: Mennett. b) Field: Walzer(KanzertmeiaterManritsStiorafeld, Violine). 2 a) Schubert: Liebesbotsohaft(Reils tab), bl Schubert; An die Musik(Schober), e) Sohubert; La Pastorella(deutsch von Rehbanm), d) Schubert: Wiegenlied(Höltz)(Emmy v. Stetton, Sopran). 3. Mozart: Duo O-Dnr für Violine und Brateche(Konzertmeister Manrits Stromfeld and Hermana Spitz).«. a) Schumann: Mondnacht(Richen- dorif). b) Schumann: Er, der Harrliehst« tob allen(Chaaisso), o) Schumann; Du bist irie eine Blnrae(Heine), d) Marionwürm- chen(Aus ,Des Knaben Wunderhorn")(Emmy v. Stetton). 5. a) Dittersdorf: Scherzo, b) Beethoven: Rondino über ein Thema (bearbeitet von Kreisler), o) Kreisler: Liebeslied(Konzertmeister Maurits Stromfeld). Am Flügel: Ludwig PreiB. tO Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zoitansao-ei Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Zeugen gesucht. Personen, die genau beobachtet Haben, wie bei der ersten Agitationsversammlung der SPD im Sportpalast, Potsdamer Straße, am 27. Januar d. I. unser Parteigenosse Schuldt wegen angeblicher.Richlbefolgung polizeilicher Anordnung" zur Wache sistiert wurde, werden gebeten, ihre Beobachtungen sofort der Lokalredaklion des.Borwätts' mitzuteilen. Zugendweih« Neukölln. Die LeSenSkundevorderelwng für die ge- meldeten Kinder zur Jugendweihe findet an folgenden Tagen natmlttagS 4 Uhr in der Knaben-Mitt-Ischllle Donaustrafie ItS statt: Heute, Mittwoch. den IS. August, sowie am 11, 15., 18. und 25. September. Anmeldungen werden dort noch entgegengenommen. Zuaendweihe Pankow. Die LebenSkimdevorbereitung beginnt heute, Mittwoch, den 19. August, nachmittag» 4 Uhr im Jugendheim, Pankow, Breitestr. 32(Hof, Eing. Finanzamt). vrandanglück Im Nordseebad Nord darf auf«wrnm. In dem zurzeit von zahlreichen Kurgästen besuchten Nordseebade Norddors auf Amrum brach am Montag ein Feuer aus, dem zehn Häuser und eine Scheune zum Opfer gefallen sind. Da» Feuer ist. wie au« LSesterland gedrahtet wird, durch Funlenüber- ipringen aus einem schadhailen Schornstein verursacht worden und hat durch den zurzeit herrschenden starken Nordweststurm sich über- aus ra'ch über die strohgedeckten Häuser verbreiten können.� Unter den volllommen eingeäscherten Häusern, die sämtlich Kurgäste be- Herbergen, befand sich auch ein Hotel. Der Sachschaden ist er- heblich; zum Teil sind auch Koffer und Kleidungsstücke der Kur- gaste mitverbrannt. Dagegen trifft die Nachricht nicht zu, daß Kurgäste obdachlos geworden find und auf Amrum nicht mehr untergebracht werden konnten. Sämtliche Kurgäste, die durch dos Feuer ihr Ouartier verloren haben, sind entweder in W i t t d ü n oder in Nebel untergebracht. Wetter fSr Berfln and llmgegend: W-chstlnd bewöltt ohne erh-bllch- Nitdeifchlägt. Temperaturen wenig geändert.— Für venfichland: Im Nordosten mibeständig, im übrigen Deutfchland ziemlich heiter. /lrbeitersports Iußball. Zum werbesportsest in Neukölln standen sich am Sonntag der ostdeutsche Meister»S t ra l a u* und ,R ü st i g- B o r w ä r t s" gegenüber. Mit dem Anstoß von Stralau entwickelte sich ein flottes Spiel. Stralau setzt sich gleich vor das Rüstig-Tor, doch alle Angriffe scheitern an der guten Verteidigung. Rüstig-Vorwärts zieht los und es gelingt ihnen durch Eckball. mittels Kopfftoß des Mittelstürmers, das erste Tor zu erzielen, Nun verteiltes Spiel, bis Stralau einen Elfmeter zugesprochen be- kommt, welchen der Mittelstürmer unhaltbar einsendet. Kurz darauf ist Halbzeit. Nach der Pause findet sich Rüstig-Vorwärts zusammen und es entstehen kritische Situationen vor dem Stralau» Tor. Rüstig erzielt eine Eck«, die der Halblinke verwandelt. Nach dem Anstoß zieht Stralau los, um den Ausgleich zu erzielen. Auf eine Flanke von rechts wird ihnen derselbe leicht gemacht, indem der Rüftig-Torwart den Ball ins eigne Netzt lenkt. 29 Minuten vor Schluß bekommt Rüstig einen Elfmeter zugesprochen, welcher' vom Halblinken verwandelt wird. Stralau versucht mit Macht den Ausgleich zu erringen, welches ihnen nicht gelingt. Bis zum Schluß verteiltes Spiel und der Unparteiische trennt die beiden Gegner mit dem Resultat 3:2 für Rüstig-Vorwärts. Die zweiten Mannschaften trennten sich mit dem Re- sullat 2: 1 für Rüstig. Das Spiel der Iugendmannschaften endete mtt dem Siege der Stralauer. 4:3 lautete das Resultat. Endspiel im Stralau-Zuhballturnier. Am Freitag, den LI. August, findet aus dem Stralau-Sportplatz in der Goßlersttaße das Endspirf im Turnier des Sportoereins Stralau statt. �Hertha 22" und.Stralau" sind hier die Gegner. Aus den Vor- und Zwischenrundspielen sind beide Mann- schaften noch gut in Erinnerung. In der Hauptfache ist es wohl Hertha, die in den Spielen gegen Teutonia 99 bewiesen haben, daß sie mit zu den spielstärksten Mannschaften der Arbeiter-Fuß- ballbewegung Berlins gehören. Stralau spielt mit ihrer alten, gut eingespielten Mannschaft, mit der sie die ostdeutsche Meisterfchast gewinnen konnte. Beginn des Spieles pünktlich 6 Uhr. Internationales Sportfest des VfL. Leipzig-Südost. Unser« Leipziger Sportgenossen hatten am Sonntag nach der Olympiade finnländische und lettische Leichtathleten zu Gast. Fast alle Wettbewerbe waren außerordentlich gut besetzt, teil- weise wurden ganz ausgezeichnete Lefftungen erzielt. Das Wetter war ungünstig, es regnete am Nachinittag. Im 2ll9-Meter-Lauf stellte Rutfit mit 22,9 Sek. eine neue lettische Höchstletswng auf; im 499-Meter-Lauf konnte Seidel-Leipzig-Ost mit 53,7 Sek. eine neue Bundeshöchstleistung erzielen. Im Kugelstoßen erreichte Korpi-Finnland 12,73 Meter. Im 5999-Meter-Lauf siegte Wagner-Leipzig in der Zeit von 15:46,7 Sek., Zweiter wurde Salmi-Finnland 199 Meter zurück. Beim 199-Meter--Lauf wurde Etholen-Finnlond mit 11,1 Sek. Erster, S e i d e l mit 11,5 Sek. zweiter. Im Diskus, und Speerwurf waren die aus- landischen Gäste weit überlegen. Be! den Sportlerinnen gelang es R u s ch e l- L e i p z i g mit 8,25 Meter einen Bundes- r e k o r d im Kugelstoßen aufzustellen, ebenso Anders im Schleuderballwersen mtt 32,79 Metern. Bei dem 199-Meter-Damen- Lauf siegte Interson-Lettland mtt 13L Sekunden. Inter- nationale Fußballspiele: Olympiamannschaft Finnland gegen Zeitz 5: 9. gegen Gera 3: 2(1: 2). gegen Forst 7: 2(4: 1). ."Kffhnf. Um ffwitefl, fcen 2t. August, abend, » Übe, bei Seidel. Schönbauter Alle« ISS. Mitaliedeeverscmmlun«. PllnkilicV, StfdKinen aller Mitglieder erbeien. Die Uebunasadend« linden re�Imiiäi, Msniofl- und Sonnerstog, 6V. bis 7 Apr im Eiadibad Prenzlauer Berg, Oderderaer Streft«. statt. Daran, ei«: Am ffreitofl, den 18. Sertomd-r. abends 8 Udr. bei Seidel.©tMndauOt Alle« 158,«i-herorbentliÄrf Generalverfämm» tun«. U. a. Beicklu�assun« übet den ncm Darstand««stellten Antta« kxtt-iis eitUMguna des Derem» in da, amtti»« Dereinmvailttr. Dazu Referat des Echmimmeenallen W. Putl>« mit anfchli-li-ndn Di-kuMon. Der«mrtaereia..«iche'-Serzleld«(Mitgl. d. AAD.) macht darauf auf- merksam. da» das Werlttlparifest»am I». August aus Eanntag. den SU. August. verlesst«orden ist. Bereine, die qewlllt sind, schon Sonnabend hier ein�u- treffe» und Rachtonartier denötiqen. sowie widwirkende Bereine niSqen ibro Lwdenstr �"senden erscheinendea Sooltlec an Richard Kiele, Serzfrld«, Kost feöer Mensch besitzt gewisse Vorurteile. Man sollte gegen solche„vor'gefaßle,.vor'eilige Meinungen ankämpfen und sich bemühen, über alle Dinge zu Vorurteils freien Ansichten zu gelangen. Biels Menschen haben zum Beispiel ein Borurteil gegen Teer. Das ist begreiflich, denn Teer ist schwarz, schmierig und hat einen unangenehmen Geruch. Dieses Vorurteil gegen Teer dürfen wir indessen nicht auf P i x a v o n, die bekannt«, helle, angenehm duftende Teer-Haarwaschjeife übertrogen. Pixavon weist keine der unangenehmen Eigenschaften des Teers auf, während es die von altersher bekannte belebende Wirkung des Teer» auf den Haarwuchs in vollem Umfange besitzt. Eine Haarwäsche mit Pixavon läßt sich selbst bei besonders starkem Haar leicht vornehmen. da der reichliche Schaum mühelos von dem Haar heruntergespüll werden kann. Schon nach wenigen Pixavon-Haarwaschungen ves- spüren Sie die wohltuende Wirkung und sind überzeugter Anhänger der Pixaoon-Haarpflege. Zwischen Pixavon und gewöhnlicher Teer- seife ist ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht. Pixavon gibt es nur in den bekannten, geschlossenen Originalslaschen. Eine Flasche Pixavon, Preis M. 2,59, überall erhältlich, reicht Monate. verbanöstag öer holzarbettsr. Slultgarl, 18. August.(Eigener Drahtbericht.) Der 14. Veroandstag des Deutschen Holzarbeiterverbandes wurde am Sonntag abend in Stuttgart, wo die Wiege des Verbandes stand, mit einer Feier eröffnet. Besonders herzlich wurde dabei des Vorkämpfers der Holzarbeiterbewegung, Karl Kloß, gedacht. Bon ausländischen Vertretern sind erschienen: Martin Petersen und P. I e n s e n(Kopenhagen). L a m m e r s(Amster- dam), M r t w i ck a(Wien), H a l m e r(Zürich), M a x a n t- Reichen- berg(Böhmen). Als Vertreter des Bundesvorstandes des ADGB. nimmt Genosse K n o l l an der Tagung teil. In der ersten Sitzung des Verbandstages begrüßte Petersen (Kopenhagen) als Vertreter des skandinavischen Holzarbeiter-Sekre- tariats, das 70 808 Arbeiter umfaßt, den Verbandstag, zugleich im Auftrag der übrigen ausländischen Delegierten. Er sprach besonders den Dank der dänischen Kollegen für die Unterstützung in dem schweren dänischen Arbeitskampf aus.— Anschließend wurde ein Begrüßungsschreiben des am Erscheinen verhinderten Sekretärs der Lmernationalen Holzarbeiter-Union, Woudenberg(Amsterdam), und ein Begrüßungstelegramm des Zentralkomitees der russischen Holz- arbeiter verlesen. Der Bericht des Vorstandes gab der Vorsitzende T a r n o w. Er wies auf die außergewöhnliche Geschäftsperiode hin, die durch die Tatsachen des Zusammenbruchs und des Neuauf- baues der Währung charakterisiert ist. Sie machte häufig außer- gewöhnliche Mahnahmen notwendig, für die der Vorstand die Ver- antwortung meist allein übernehmen mußte. Die Finanzlage des Verbandes war im Herbst 1S2Z katastrophal und erforderte ein- schneidende Spar- und Abbaumaßnahmen, die auf die Entwicklung des Verbandes nicht ohne Einfluß bleiben konnten. In dieser schwersten Zeit war die Unterstützung durch die ausländischen Kollegen besonders wertvoll. Der Unterstützungsbetrag von 50 000 Goldmark für den Verband ist inzwischen an die Internationale Union als Fonds für ähnliche Fälle zurückgezahlt worden. Die schweren Opser, die von den Mitgliedern, besonders durch Einstellung der sozialen Unterstützungen, gefordert waren, wurden in dem schweren Kampf, den der Verband in diesem Jahre zu führen hatte, reichlich belohnt. Seine siegreiche Durchführung wäre ohne die bereitgestellten Kampfmittel nicht möglich gewesen. Die Ausgaben im Jahre 1924 für Kampf zw ecke betrugen annähernd 3000000 Mark und werden in dieser Höhe nur durch die Ans- gaben des Kampfjahres 1907 erreicht. Auf den Kopf des Mit- gliedes betrugen die Ausgaben 9,57 M., womit der Holzarbeiter- verband an der Spitze aller Verbände steht. Neben dem günstigen Fortgang der Mitgliederbewegung ist besonders erfreulich die Neubelebung des Vcrbandslebens, die in der regen Mitarbeit der Mitglieder zum Ausdruck kommt. Der Ausschluß von 49 Mitgliedern war notwendig wegen Verstoßes gegen Verbandstaqsbeschlüffe. Es wurde dabei mit äußerster Zurückhaltung und Nachsicht oerfahren und nur soweit vorgegangen, als durch die kommunistischen Treibereien der Bestand der Bewegung gefährdet war. Die Teilnahme des Kollegen Frei- berger(München) an der Arbeiterdelegation für Rußland, als deren Führer er tätig ist, wurde näher beleuchtet. Die russische Presse erklärte Freiberger als �Vizepräsidenten des Rates der Gewerk- schaften Bayerns". T a r n o w drückte wiederholt den Wunsch nach einem einheit- lichen Zusammenschluß der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt aus. Es sei aber Sache der russischen Organisationen, den Nachweis ju siefern, daß sie die notwendigen Voraussetzungen für eine Zu- ammenarbeit, die besonders Voraussetzungen des Vertrauens sind, erfüllen. Schließsich berichtete Tornow kurz über die Ergebnisse der Bildungsarbeit und die Tätigkeit der Verlagsunternehmungen. Zum Schluß sprach er besonderen Dank den ehrenamtlich mit- arbeitenden Kollegen aus, den er aber auch auf die Arbeit der Angestellten des Verbandes ausdehnte. Den Kassenbericht erstattete der Hauptkassierer L e h- mann, den Bericht des Verbandsousschusses H a u ck, den Bericht der»Holzarbeiter-Zeitung* deren Redakteur Kayfer, den Bericht der Pressekommssion Kollege Hank« (Berlin), der sich zum Wortführer der Wünsche der k o m m u- nisti�schen Opposition machte, die allerdings infolge ihrer Schwäche im Holzarbeiteroerband völlig bedeutungslos ist. In der anschließenden Aussprach« kam fast ausnahmslos Zustimmung zu der Tätigkeit de« Vorstande, zum Ausdruck. Vereinzelte unsachliche Krisik von kommunistischer Seite wurde von den Delegierten selbst entschieden zurückgewiesen, wobei geradezu drastisch« Beispiele der gewerkschastszerstörenden und arbeiterverräterischen Tätigkeit der Kommunisten mitgeteilt wurden. Eine Reihe von Wünschen kam zu organisatorischen Fragen zum Ausdruck, darunter mehrfach die Forderung nach Wiederein- richhmg der volkswirtschaftlichen Abteilung beim Zentralvorstand. verbanöstag öer Lithographen. Am Donnerstagnachmittag wurde ein Referat des Kollegen H e r b st über die wirtschaftliche und technische Eni» wicklung in den graphischen Berufen entgegengenom- men. Herbst stellte die Forderung auf: Aenderunoen in der Be- trachtungsweise zur Arbeit. Arbeit und Technik ist theoretisch zu beherrschen. Man hat in jedem Arbeitsgang selbständig zu denken. Nur so kann höchste Leistungsfähigkeit entwickelt werden. Höhere Entwicklung der Arbeitskraft verschafft dem Arbeiter eine Position. die ihn instand setzt, seinen Willen durchzusetzen. Eine Aende- rung in der Betrachtungsweise der Arbeit kann nur durch eine b esj e r e» u s b l l d u n g erreicht werden. Weitere Ausführungen machte Kollege Herbst noch über den technischen Organisationsbereich. Nach eingehender Debatte wurde folgende Eutschließuna an- genommen: .Der Verbandstag bestätigt die mit dem Verband Deutscher Buchdrucker vereinbarten Richtlinien, soweit diese die Einstel- lung von Buchdruckern als Ueberläufer in den in- direkten Flachdruck betreffen. Der Lcrbandstag fordert. daß der U ebertritt folch« Ueberläufer in unseren Verband späte st ens nach drei Monaten zu erfolgen hat. Die tech- nischen Veränderungen in der Herstellung graphischer Erzeuanisie erfordern eingehend« Beobachtung. Dem Verbandsvorstand wurde Vollmacht erteilt, im Benehmen mit dem Beirat des Verbandes olle Vorbedingungen zu erfüllen, die ausgiebige Belehrung der Mitglieder in Wort und Schrift gewährleisten. Die Vollmacht erstreckt sich auch darauf, zur Anstellung eines geeigneten Kollegen für die Bearbeitung technischer Fragen zu schreiten, wenn die Notwendigkeit hier- zu gegeben ist. Die Mitglieder des Verbandes sind verpflichtet, an allen Arbeiten aus diesem Gebiete tatkräftig teilzunehmen. Der Ausbildung des beruslichen Nachwuchses und der Weiterbildung der Gehilfen ist erhöhte Auf- merksamteit zu widmep. Das Organisationsgebiet erstreckt l sich für unseren Verband auf all« Arbeitsgeräte des Flach- und Tiefdrucks sowie aus alle Arbeits- Methoden der Bilderzeugung. Weiter wurde dann der Punkt Satzungsänderungen behandelt. Folgende Entschließungen wurden angenommen. Zur Leitungsfrage: .Die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Kollegen ist die wichtigste Aufgabe des Verbandes. Aus ihr resultieren die Kämpfe, die der Verband ununterbrochen führt. Diese Kämpfe können aber nur mit Erfolg geführt werden, wenn neben der geistigen Bereitschaft der Kollegen auch dem Verbände durch Leistung von Beiträgen die notwendigen finanziellen Mittel zugeführt werden. In der Vorkriegszeit wurde als wöchentliche finanzielle Leistung an den Verband die Entrichtung von zwei Durchschnittsstundenlöhnen als Wochsnbeitrag für notwendig er- kannt. Der Kölner Derbandstag bestätigt erneut, daß der Verband seine Verpflichtungen nur erfüllen kann, wenn auch in Zukunft zwei Durchschnittsstundeulöhne als Vollbeitrag wöchentlich an den Verband entrichtet werden. Er beantragt des- halb Derbandsvorftand, Lerbandsausschuß und Derbandsbeirat, die Entwicklung scharf zu beobachten und nach Veränderung der Ein- kommensverhältnisse der Kollegen eine Ausgleichung des Beitrags und gen der Unterstützungssätze nach den satzungsgemäßen Bestimmun- vorzunehmen. Der V o l l b e i t r a g wird deshalb vom Beginn des 4. Quartals 1925 auf 2 Hl. festgesetzt." Zum Kampfsonds:.Der Verbandstag bekennt sich zu der Anschauung, daß der jkampsfonds mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu stärken ist. Der Beitragsanteil für diese Zwecke muß durch entsprechende Maßnahmen unter Berücksichtigung der not- wendigen Unterstützungseinrichtungen vergrößert werden. Der Der- bandstag begrüßt die vom Verbandsoorstand bereits unternommenen Schritt« und verpflichtet die zentralen Körperschaften, je nach Lage der Zeitverhältnisse diese Bestrebungen mit allem Nachdruck fort- zuführen." Neu geregelt wurden auch der Ausschluß, das Auskunftswesen. die Arbeitslosen-, Kranken-, Invaliden-, Witwenunterstützung, das Sterbegeld. Die Erhöhung der Unterstützungssätze ist sehr wesentlich. Di« Wahlen ergaben die Wiederwahl der bisherigen Verbands angestellten. Der Verbandsvorsitzende Haß schloß mit einem zündenden Schlußwort den Lerbandstag der Lithographen, Stein- drucker und verwandten Berufe, der eine Woche lang schwere und für die Orgauisotion gewiß fruchtbringende Arbeit geleistet hat. Parteinachrichten für Sroß-Serlin «hts«»d»»Sr» fHt diese Stadril sw» «etil«««.«. Lui»e»ftr-b»>- ritt» m da»«eztrr»let»etart-t. 2. b»l. 2 Tee», recht»,»» richte» Arbeiksgemeinschafl sozialdemokratischer ElterabeirLke Groh-Derlia. Vichts»« Sitz» na vlnrnerata», de» 20. Äi-ansi, 7 Utt, im Di»k»llü»r,- itmmer de» Zugendheil»» Liadcnstr. 3, 2. Kos, 3 Zr. * 3. ftrei« Mitte. Sa» nadend, den 22. Sluqllst. findet im Bertiner Brater. Nastanienalle« 7— S, ein«rofic» D-Mefest statt. M«inner chor, Hmder- belustiaunaen, ffestrete. Barietevroaiainin. Beainn« Uhr.«arten wr Vorverkauf R Vf.<-n der Kasse 75 Vf.) sind noch ,u haben bei voll. stein. Liedmannstr. 5; Sorsch, Engelufer 25; M-thi-, Sinienfkr. 28, Dobrohlaui, Swinemllnder Str. U. und bei Dadws. Schlegelstr. 8. 2.*teta Xiecgartcn. Kreit«», den 21. Buqust. 7>4 Uhr. erweitert- Rtei». notftondassfcima hei Lausch, Bredow-, Eck« Wiclefltrage.»,, 7. Ätc» Eharlotteuburg. Donncreta». den 20. August, 7% Uhr, Kreismit. gliederversaimntun» in der Aula des«vchiller-ReiNgiMnastutn«, Schiller- st raste 25. Vortrag des Gen, Abraham über.Lugend und S-gialismus". 13.»rei» kerrrechof, Mariendorf. Rarienfeld«, Lichtenrade. Donnerstag, den 20. August, abend» 8 Uhr, Sistunq de» Vildungsausf-huss-s im Voller dienstgedSud«, Limmer 10, Maniendorf, Rathausstrast«. L-stie Vorderei- tung lum Lonnnerfest.— Sonntag, den 23. August, So mm erfest in Tempel- Hof. Virkenivüldckicn. Deginn 3 Uhr. Krn�nt. Gesang, Spiet und Tan,. Isestonlvrockx, grast« Verlosung. Eintritt 50 Vf., an der Kasse 75 VI. Arbeitslose frei... lt. K-et, Pankow, ssreitog. den 21. August, 7� Uhr. erweiterte Krersoor. (hmbsfitmna bei Meier, Tüllisches Zeit. Breit« Str. lt. heule, Mittwoch, den 10. August: 2». Abt. 8 Uhr Mitgllederverfannnlun« im Aitereheim Dangl�er Str. 52. Vortrag de» Gen. Sdadtv. Keitmann:„Die Arbeit der eondbemottatit In der Kommune". ttL Adt. Mahl«darf. 8 Uhr Extra, abladend bei Breidan, Hb na wer Ltraste. Morgen. Donnerstag, den 20. August: <3. tut 7% Uhr ffunktionstrststung bei Krüger, G�immstr. 1. Stellung- nahm« ,u den Stadt- und Be,irk«o«rordnetenwahlen. 12». Abt. Reinickendorf. Ost. Arbeitsgemeinschaft der Äinderfreunde: 8 Uhr Zusammenkunft de» Elt-rnverein» im Realgnmnastum Berner Straste. Dortraq über..Schule und Kinderfreunte". Rcfercntin Genosssn Irma Eppstein. Arauenoeranstallung Donnerstag, den 20. August: «8. Abt. Kalenfe«. Ttd Uhr bei Klingebeil. Iohgnn-Georg�tr. 15, Thema: „Wa» erwarten wir von den Stadt, und Beziiksverordnetenwablen?" Referent Genosse Woywod._ Jugenüveranstaltungen. heule. Mittwoch, den 19. August, 71/2 Uhr: Acht»»», Abteilungsleiter! Die Septewber-Programme müssen unbedingt heut, abgeliefert werden. « Berlin S. lt. Scbastianstr.»7/28. Löf 2«r. w »«Uppen. Kreitag, den SL ct., abeut» 8 Uhr, im Berein», immer des Stadt. Iheatcrs Köpenick, erweiterte Vorstandsststung mit Zug- und Gruppenführern. Auch müssen sämtliche Untergruppen vertreten sein.— Kameradschaft Pankow. Donnerstag, den 20. August, abends 7 Uhr, Antreten sämtlicher Kameraden zur Kundgebung in der Städthall-, Schönhauser Alle«, Ecke Bornholmer Straste. Sonntag, den 22. August, vormittags lisch Uhr, Treffen sömtiicher Kameraden, auch Tomdourkorps, Schönhauser Allee, Ecke Bornholmer Straste. Nachrichten. dienst ladet«in. Roimen sind mitzubringen. Erscheinen Ehrenriiickt.— Kameradschaft Sichwalde und Untergruppen. Llibbcn-FahrCr! Freitag, den 21. August, abends 8 Uhr, bestimmt bei Lindner. Berel« der ssreidenker für Uenerbefiattung.«. B.. Bezirk Zchlendarf. Mit- »liederverfammlung Mittwoch, den 10. August, abend» Ichs Uhr, im Lokal .Lindcnpark, Berliner Str. 8(Kinofgal). Tagesordnung::„Was hat da» arbeitende Volk von der Kirche zu erwarten?" Referent Rudolf Zimmer-Berlin. Aussprach«. Berschiedene». Der Lichtende?»,« B»lk»ch»r(Dirigent Paul Kurz) Hot nach den sserien seine Uebungsstunden im Iohn-Realanmnastum, Marktstr. 2, an sedem Mitt> woch von 8—10 Uhr wieder aufgenommen. Songesfreudige Herren und Damen finden Aufnahm«. Bereinigung für Schul-»nd Erziehung, fragen, Berlin-Treptow. ssreiiaq, den 21. August, abends 8 Uhr. im Zeichensaal der 8. Treptower Gemeinde- schule, Wildenbruchstr. 52, 8 Tr., Vortrag:„Zur Wertbestimmung der Er- ziehungslttafen". Referent Regierungsrat Lnlla. Eintritt frei. Ea»»»rsta»d. Di« Kameraden werden ersucht, sofort mit ihren Kameradschast»kasst«r«rn Plaketten und Geld von der Bersassungs- feier abzurechnen.— Kameradschaft Tiergarten. Achtung! Kameraden, die a» der Beranstaltung in Lllbben am Sonnabend, den 22., und Sonntag, den 23. August, teilnehmen wollen, Milden sich bei Kamerad Zeck! er, Steglister Straste 54. Telephon: Kurfürst 1805. Rege Beteiligung erwünscht. Fahr- preis 2.10 R.— Kameradschast isri-dr!ch«hal-. Treffen der gesamten«am-- radschaft Donnerstag, den 20., abends 7 Uhr, vor dem Vereinslokal zum - efck'*......-—--------------------------------- ffamilienfahrt na» Sadowa.— Kameradschaft Ober-, Riedrrlckönn»- Jahanniethal. Donnerstag, den 20. August, pünktlich 5'ä Uhr, Treffpunkt der Sportler zum Uebungrlauf(Stafette) Wilhclmincuhofftr. SS. SpIcNeute! Kameraden, die als Pselfer mitwirken wollen, treffen sich 7 Uhr abend» bei Räthel, Brückenstraste 15.—«»meeadichaft Wilmeredorf. Donnerstag, den 20. August, abend» 7 Uhr, Antreten Untergrundbahnhof Lohenzollernplast zur Teilnahm« an der Kundgebung in der Stadthalle, Klosterstrast«. Di« Sport- Übungen fallen an diesem Tage au». Di« beteiligten Kameraden werden noch- mal» an eine schleunige Abrechnung der Einnahmen und Aussaben an- löstlich der Berfassunqsfeier erinnert.— Kameradschaft Köpenick und Unter- Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, den 18. August. 1. Rennen: 1. Rückgrat(E. Hoffmann), 2. Black Bridge(Rofen- kränz), 3. Heid(Gangwol». Toto: 57: 10, Platz: 12, 11, 12:10. Ferner liefen: Rinaldo, Samballat, Belladone, Lafette, 2.Rennen: 1. Frechdach«(NlberS), 2. Gourmet(O'Nelll), 3. Hochstapler(M. Dreißig). Toto: 28:10. Platz: 15, 18, 36:10. Ferner liefen: Beryll. Impresario, La Bouree, Marquis, Regina 17, 3. Rennen: 1. Pompcjus(Hahnes), 2. Hödur(Olefnik), 3, Prcda (Torke). Toto: 23:10, Platz: 21, 27: 10, Ferner liefen: Tirano, Runklrr. 4. R e« n e n: 1. Theokrtt(Hahnes), 2. Double Hind(H, Blume), 3. Mixcd Double(G, Esch). Tolo: 26:10, Platz: 14, 15, 55: 10. Ferner liefen: Bajuware, Barde, Pan Robert, Katchine, 5, R e n n e n: 1. Ich dien(Barga), 2. Clotbilde(ü. Müller), 3. Turba (R, Torle). Toto: 17: 10. Platz: 14. 28. 33: 10, Ferner liefen: Rlbal- berqa, Morgenfonne, Sturmnacht, Ping Pong, Lori, Ouednau, Triebkraft, Anlunst, Fünf Ubr, Ilse 77. 6, Rennen: 1. Tibia(Haynes), 2. Marienburg(Varga), 3, Hanum (Olefnik) Toto: 18: 10. Platz: 11. 12. 13: 10. Ferner liefen: Lelia, Sternschnuppe, Goldenes Horn, Grabnrg, Lenor. 7. R e n n e n: 1. Ulan 77(M.Jentzfch), 2. Lultpost(Hahnes), 3, Herbst- stürm(M. Schmidt). Toto: 1U: 10. Platz: 38, 22, 15:10, Ferner iese»: Kasbek, Räuberhauptmann, Licht Alberich, Paulus, Rasoidr. Gestbästlicke Mitteilungen. Südamerikanisch« Mo de-Extr apaganze». Die neueste Modetorheit der slld» amerikanischen Damen ist— leuchtende» Haar bei nächtlichen Gartenfestrn. Do» Haar wird zunächst dadurch locker und wie Seide glänzend gemacht, dast man e» mit Piro von wäscht, dann kunstvoll frisiert und mit grofen Leuchtkäfern besteckt, worauf ein feine» Haarnci» darüber gespannt wird. Der Effekt soll überraschend sein. Wir erfahren leider nicht, ob diese Mode auch für den„Bubikopf" geeignet ist. Herz- und Reruenheilbab kndowa. Der Lauptstrom der Kurgäste ist vor- über und kommt iettt die Zeit, wo der Gast einen ruhigeren Kuraufenthalt ge- niesten kann, wobei alle sonstigen Annehmlichkeiten, wie Kurniustk, verschiedene Veranstaltungen, Theater usw., noch in vollem Umfange gebotcn werden. Auch bieten die kommenden Serdsttag«. wo hier stet» auf dauernd schön» Wetter zu rechnen ist, jedem Naturfreund in unseren herrlichen Anlagen ein sarbcnprächtige» Bild. Ab 1. Seoiember werden auch die Preise für Kur- taze und Mineralbäder etwa»«rmästigt und ist Auswahl an Penstonshänsern in reichlichem Waste und zu mästigen Preisen vorhanden, U K•: r s■■ fv __-_<_>.<•- v l?:\v'4 Gedenken zum Sterbetage Am 19. August vorigen Jahres ging unsere innigstgeliebte Mutter Elisabeth Radtkc geb. NoU nach kurzem Krankenlager von uns in die Ewigkeit. Ihr von starker Willenskraft erfülltes Leben war schlicht und selbsilos. nur Aroeit, von trüben Zeiten nicht verschont, das treue Mutterherz unsagbar voll von Liube und Güce. Wer das reiche Wirken der Edlen kannte, wird mil ups diesen Tag in weher Trauer gedenken und ermessen, wie unendlich viel wir alle durch Ihren Heimgang auf Erden verloren haben. Reichenberger Straße 57 Die Kinder. Deutsditrftrctaüartciiefverliand, Berlin (lezirksieiiung des 17. Bezirkes. Am 14. August oerstarb unser 1 lanofährlge» Mitglied, der Kollege| Friedrich Ehrenpreis Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Mitt- woch, den 19 August» nachm. 6 Uhr. im Krematorium Gerichtstrafie statt Von der Reise zum k Dr. Erich Wossidlo Nieren-, Blasen-, Harnleiden. 4—\ Sonnabd. 8— N Am KarUbad 1 a. Erfinder— Vorwärts strebende gute Berdienstmöglichkett! llustlärung»nd Anregung gedd Broschüre „Ein neuer Geist- :rati« durch: Brdninnn& Co.. Berlin, Köuidgriiger Straste 71. «tr tt&rHste FUurenl Besie OnaiiUlen! Wundervolle SeidcnplüscbmSntel jetzt noch ISO.—, 149.—, 99,— Pelzmäntel, Prachtstücke«... 1299.-, 909.—, 549.—, 360.— Ulster, Modelle, weiche, mollige QualUätcn, mit und ohne Pclx•.. 99.—, 6Sb—, 52.-, 39.—, 26.— Jetzt I I I Seiden- und Ottomane Mantel••••• 68.—, 42— Durburymäntel.......•••. 59-, 36.-, 27.— Tuchmäntel in 9 Sertea....... 49.—, 25.—, 19.— Kostüme u. CompleU in 4 Serien 69.-« 55.-, 42.—, 38.— Gummimäntel für Damen und Herren 37.—, 15.— Sommerkleider(, 19.—, 12— Jumper, kunstseideoe••• t« 3�0 �-Abt föinznrutyaün, e/tmann Hohren/frafie 37a'$rTfJ(xnRfwrJttrfiv //i Amerikanische unö deutsche Hetreiöepreise. Vor der Inkraftsetzung der Zölle. Die Preisbewegung für Getreide in den Vereinigten Staaten, Sie für das von überseeischen Lieferländern abhängige Europa größte Bedeutung hat. ist im Kampf um die Zolloorlage oft für Beweis- führungen herangezogen worden. Insbesondere wurde von agra- rischer Seite immer wieder auf eine sinkende Tendenz und auf die .Gefahr" eines katastrophalen Preissturzes am Weltmarkte hin- gewiesen. Dagegen erklärte zum Beispiel noch Ende Juni der Kieler Professor Harms in einem Vortrage im Hamburgischen Uebersee- klub(jetzt auch im Druck unter dem Titel.Gegenwartsaufgaben der deutschen Handelspolitik" bei Gustav Fischer in Jena):„Prag- nose ist Parkettboden, auf dem man leicht aus- rutscht. Im ganzen darf im Hinblick auf das, was künftig sein wird, nur mit Wahrscheinlichkeiten gerechnet werden. Die Wahrscheinlichkeit aber spricht auf Grund aller Beobachtungen, die wir machen, mehr dafür, daß wir einer Zeit hoher, als einer Zeit niedriger G e t r e i d e p r e i s e ent- gegengehen." Professor Harms fügte dem jedoch hinzu, es fei nicht völlig ausgeschlossen, daß die jetzt im Schnitt besindliche Welternte die Wirkung habe, die Weltmarktpreise für Getreide stark zu drücken. Inzwischen sind wir klüger, weil wir bereits einen Teil der be- einflußten Preislinie sehen, ohne damit aber eine sichere Voraussicht über den Gesamioerlauf der Preisbewegung in der neuen Ver- forgungsperiode zu haben. Die Preisbildung in den Vereinigten Staaten war lange Zeit hauptsächlich von der spekulativen Aus- wertung einer für die Zeit vor Einbringung der neuen Ernte er- warteten internationalen Versorgungsiwtlage bestimmt. Infolge- dessen notierte Getreide zur Lieferung in den letzten Monaten des vergangenen Dersorgungsjahres besonders hoch. Zn spekulativer llebersleigerung vorweggenommener Potslandspreise gelangte an der Börse von Chikago der Weizen am 28. Januar auf einen höchsten Preis von 205 Cents je Bushel für Mailieferung. Dieser Preis lag 128 Proz. über dem Iahresdurchfchnittspreis 1313 in Chikago und (in der Umrechnung auf Tonnen und in Mark) 63 Proz. über dem zollüberhöhten Berliner Durchschnittspreis des Jahres 1913. Die in der Folge eingetretene Abfchwächung des Weizenpreises in Chikago kann deshalb nur als Berichtigung einer spekulativen Ueberbewertung gelten. Um so bedeutungsvoller ist die P r e i s h ö h e ,. die nach der Verringerung der spekulativ überhöhten Preise bestehen geblieben ist. Darüber informiert die folgende Tabelle. Es kostete an der Börse in Chikago Weizen: Es hat also tatsächlich ein Preisabbau stattgefunden, aber die abgebouten Preise liegen weit über den Vorkriegspreisen. Dabei ist charakteristisch, daß sich die Preise nach dem Tiefstand im April wieder erhöhen konnten und im August nach einem erneuten Rück- gang trotz größerer Sicherheit über den Aussall der neuen Welt- ernte erheblich über dem Aprilpreis lagen. 3m Verhältnis zum Berliner Durchschnittspreis im 3ohre 1313 stellten sich die Preise für Weizen in Chikago(umgerechnet in Mark»Wd je Tonne) wie folgt: Januar 1325 Februar.. März... April... Mai.... Juli.... 1.— 15. August 293.75 292.33 265.23 232,13 255.45 243.45 235,53 248.15 46 Proz. mehr 47. 33. 1?. 28. � 22. 18. 25 Die amerikanischen Weizenpreise garantierten also der deutschen Landwirtschaft bisher höhere Preise, als sie im Jahre 1313 einschließlich des Zollprofits erhielt. Anders gestalteten sich die amerikanischen Roggenpreise. Roggen gelangte ebenfalls am 28. Januar aus einen göchsten Preis von 183,75 Cents je Bushel. Dieser Pre>s war weit stärker gesteigert gegenüber dem Durchschnittspreis von 1913 als der Weizen- preis. Er lag nicht weniger als 187 Proz. höher, und die Spanne zwischen Roggen- und Weizenpreis, die 1913 im Durchschnitt 33 Proz. des Weizenpreises betragen hatte, sank auf weniger als 14 Proz. In der Folge hat auch der Roggenpreis eine starke Senkung er. fahren, und zwar stärker als der Weizenpreis. Es kostete an der Börse in Chikago der Roggen: im Durchschintt CcntZ je Bushel Liefertermin mehr ali 1913 des Januar 1925.. 164,55 Mai 161 Prozent deZ Februar.... 164.45 Mai 161. des Mär,..... 135,33 Mai 114 de? April..... 111,20 Mai 77 des Mai..... 119,63 Mai 93, fe-Z Juni..... 139,45 Juli 74. des Juli..... 95,95 Juli 52 der 1. August-Hälfte. 105,25 Seplbr. 67, Trotz starken Preisabbaus sind also die Chikagoer Roggenpreise ebenfalls weit über den Vorkriegspreisen stehengeblieben. Wenn sie trotz der zu erwartenden russischen Konkurrenz im August stark anzogen(für Dezember-Lieferung stärker als sür September-Liese- rung), so ist das immerhin ein Beweis dakür, daß man die Ver- sorgungslage noch für recht knapp hält. Im verhällnis zum Berliner Durchschnittspreis im Zahre 1913 stellten sich die Preise für Roggen in Chikago(umgerechnet in Mark und je Tonne) wie folgt: Januar 1915.... 272,13 66 Proz. mehr Februar...... 271,90 65,, Mär,....... 223,20 36. April....... 183.95 12. Mai........ 197,75 20, Juni....... 180,95 10,, Juli....... 158,65 3, weniger 1.— 15. August.... 174,05 6, mehr Auch die Chikagoer Roggenpreise garantierten also der beut- schen Landwirtschaft mit alleiniger Ausnahme des Monats Juli höhere Preise als sie im Jahre 1913 einschließlich des Zollprofits erhielt. Dabei ist zu beachten, daß die zum Vergleich herangezoge- nen Preise der Börse von Chikago normalerweise beträchtlich unter den New Porker Preisen liegen.(Die Chikagoer Preise sind im allgemeinen Unterwcltmarktpreise.) Bei aller Zurückhaltung, die in der allgemeinen Krsse notwendig erscheint, ist doch mit Nachdruck zu sagen, daß bis jetzt die tatsächliche Bewegung der Getreidepreisc am Weltmarkt keinen Grund für die Wiedereinführung der Getreidezölle ergeben hat. Und schließlich erscheint es auch nicht mehr als wahrscheinlich, daß eine Preisminderung im Katastrophenmaß die Getreidezölle noch nach- träglich rechtfertigen wird. Was natürlich die Regierung nicht hin- dern wird, sie in Kraft zu setzen. In Deutschland war in derselben Zeit die Preisbewegung, wenn sie auch im allgemeinen der amerikanischen folgte, durch be» sondere Verhältnisse mitbestimmt. In erster Linie kommt dabei die Kreditnot in Betracht. Der deutsche Getreidehandel zögert, Engagements einzugehen, die eventuell langes Durchhalten er- fordern und schließlich zu Zwangsrealisationen führen können, vor j denen die Stinnes-Liquidation einen allgemeinen Horror erzeugt hat. Es kommt hinzu, daß die Ausfuhrbeschränkungen bis jetzt noch nicht aufgehoben sind und daß über das Inkrafttreten der Getreide- zölle und deren Höhe lange Zeit Ungewißheit bestand. Der Ber- liner Markt zeigte im Juli und August deutlich eine ausgesprochene Unsicherheit. Im Juli ist an der Berliner Börse annähernd regelmäßig für Weizen nur eine Notiz sür prompte Ware zustande gekommen, die verschieden keweriet wurde, aber km ganzen steigende Tendenz zeigte. Der Monatsdurchschnitt hielt sich mit 264,43 M. etwa auf der Juni» höhe(266,75 M.) und war 33 Proz. höher als der Durchschnitts- preis von 1913. Seit Ende Juli erfolgen Preisanschreibungen für märkischen, für September- und Oktober-Weizen. Die Bewertung ist nicht einheitlich, wenn auch eine gewisse Parallelität u. a. auch mit der Chikagoer Notierung, aber über dieser, unverkennbar ist. Am deutlichsten ist die Unsicherheit am Roggenmarkt. Regel- mäßig notiert wurde im Juli märkischer Roggen und Juli-Lieserung, deren Monatsdurchschnittspreis fast gleich war(212,33 bzw. 212,73 Mark), wahrend die tägliche Preislinie sich kreuzte. Charakteristisch ist die starke Ueberhöhung der Berliner Roggenpreise im Vergleich mit den Chikagoer Preisen. Darin kommt bereits die Zollverteuc- rung teilweise zum Ausdruck. Das Maß dieser Zollverteuerung wird sich bei Inkrafttreten der Zölle immer klarer abzeichnen und die Folge werden voraussichtlich steigende Getreidepreise in Deutsch. land sein, auch wenn die Weltmarktpreise etwas nachgeben sollten. Ioh. Kretzcn. 30 Jahre internationale? Genossensthafisbuuö. Heute, am 19. August, begeht der Internationale Genossen- schaftsbund den 33. Jahrestag seiner Errichtung als unab hängige Organisation zur Verwirklichung des genossenschaftlichen Ideals_ der Schaffung eines genossenschaftlichen Gemeinwesens. Von 1869 bis 1895 hatte der verborgene Gedanke eines Jnter» nationalen Bundes in jenen Ländern unseres Erdteils geglimmt, in denen die Bewegung die größte Entwicklung erreicht hatte. Der all- jährliche Austausch gleichgesinnter Vertreter zu den Kongressen der verschiedenen Landesorganisationen hatte den Gedanken eines organischen Zusammenschlusses gefördert und die Stimmung der Genossenschaftler für engere Beziehungen angeregt. Auf dem britischen Kongreß im Jahre 1886 in P l y m o u t h war es, wo Emile de B o y v e aus N i m e s, unter tatkräftiger Mitwirkung von Edward Vansittart Reale vom Britischen Ber- bände, den ersten bestimmten Vorschlag zur Bildung eines Jnter- nationalen Bundes machte. Aus der wohlwollenden Aufnahme, die der Vorschlag fand, ergaben sich praktisch die ständigen Bemühungen der nächsten neun Jahre, die für eine unabhängige, aller Länder vertretende Organisation notwendigen Voraussetzungen zu schassen. Georg Jakob H o l y o a k e, der Historiker und Vorkämpfer in der Frühzeit des Genossenschaftswesens in England, war es, aus dessen Antrag auf dem im Saale der Gesellschaft sür schöne Künste in London abgehaltenen Kongreß am 19. August 1895 der Bund gegründet wurde. Heute umfaßt der Bund die nationalen Genossenschaftsorgani- sationen von 34 Ländern und nicht weniger als 53 Millionen Mit- glieder.__ Das Münchener Werk der Deutschen Werke(die ehemaligen Artillericwcrkstätten) ist von der Stadt München angekauft worden. Wie es heißt, wird die Stadt die Gebäude als Straßen- bahnhof und Strahenbahnwerkstätte vcrweckben. Sredilaktion Preußens für den gewerblichen Mittelstand. Nach- dem der Preußische Landtag die Bereitstellung von Mitteln zur Behebung der Kredit not des gewerblichen Mittel- st a n d e s beschlossen hat, sind von der preußischen Staats- b a n k 22 Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden, die über die preußische Zentralgenosscnschastskasse. die Dresdner Bank(Gc nossenschaitsabteilung), die Giro-Zentrale und die Landesbank-Zen- trale dem Handwerk, dem Einzelhandel, den Konsum- Genossenschaften und sonstigen Waren genossen s ch a f t e n zugeleitet werden. Die Kredite sollen auf geschäftlicher Grundlage in der Regel gegen Wechsel begeben werden, deren, Laufzeit H Jahr beträgt, und deren Prolongation in Aussicht ge- nvmmen ist. Im allgemeinen sollen im Einzelsolle nicht incht�tfßO 1333 M. gegeben werden. Der Höchstzinssatz für den letzten Kredit- nehmer wird nicht mehr als 3 Proz. über den jeweiligen Reich:- bankdiskont betragen. Liquidation der Hugo Stinnes Eisen Zll-G.. Mülheim. Di« Hugo StinNes Eisen A.-G., Mülheim-Ruhr, wird, wie die Konjunktur- Korrespondenz" hört, in Liquidation treten. Der Mehrzahl der Angestellten ist bereits zum 1. Oktober gekündigt worden. Die Stadt Mülheim führt Verhandlungen zwecks lieber- nähme des Verwaltungsgebäudes der Gesellschaft. kr'.' rv"•- ,,',*'»1-, tf-y 5Ä v- /SVv.v-Ktsst' ■ i'--/<7 ■uj/y*, �' ZU Ö EiSONDER. S BILLIGE N PR.EISE >■■■•■. Wischestoff Stickerei Seidenband -Reste mmmmmma Waschstoff- Reste Kleiderstoff- Reste Seidenstoff- Reste Met. von 60 k.». von 90 an Pf. .■etat VOn Gardinen Möbelstoff' Linoleum Reste an Handtücher 65, 80, 95 Stack S 9 019 angestaubte Voileblusen und Jumper �90�90�90 Angesteubte dB IQ Damen-Hemde nvonl an Angestaubte Dumper» top wb UnterfiaiiEen......# T Mittwoch 19. August 1925 Unterhaltung unö Wissen Vellage ües vorwärts 21 Mutter Vurm. Von Hugo Cutäcs. Er blickte wild auf die Nachdrängenden. „Packt's euch weg. ihr blödes Gesindel." Wie aufgescheuchte Vögel verschwanden sie. Da kamen die beiden Buben und stellten sich neben die Mutter. „Na. da seid ihr auch." Der Riese lachte schon gutmütig. ..Nichts für ungut, Mutter Wurm. Der Lump dort hinten hat es gut getroffen. Hinter Ihrer Schürze ist er sicher. Und ihr beide, ihr i�rmaledeiten Lausbuben, ihr tätet es auch besser, immer bei der Mutter zu stecken." Der Hans steckte das Messer ein, schaute sich verlegen um. „3hr seid ein Malefizmutterl", lachte er im Hinausgehen. Die Alte setzte sich müde. Auch der Verfolgte schlich aus dem Zimmer. Die beiden Söhne schauten stolz auf die Mutter. Ungelenk wollten sie ihr ihre Liebe zeigen. Und sagten Dummheiten, etwas ganz anderes, als sie wollten. Und� Mutter Wurm wollte die Gelegenheit nützen. Sie ließ eine ihr�r Straf- und Moralpredigten vom Stapel. Die Kinder wurden verdrossen. Und je mehr Mutter Wurm es merkte, um so böser wurden ihre Worte, bis zuletzt die Predigt mehr und mehr zu einem ununterbrochenen Strpm von Flüchen wurde. Die Jungen drückten sich. Und als sie wiedr allein geblieben war, weinte das alte Mütterlein. Wieviel hatte diese arme alte Frau schon geweint. Ströme von Tränen waren in den Falten ihres Gesichtes geflosien: man konnte glauben, die Bäche der Tränen hätten sie für sich gegraben. Aber in all ihre Bitterkeit mengte sich ein Schimmer von Glücksgefühl. All die schlechten, unedlen Leidenschaften dieses Hauses lnachen sich an ihrer Schwelle. Die Menschen, die die ganze Welt und einander ohne jedes Erbarmen bestehlen, ließen sie ungeschoren. Sie konnte Türen und Kasten ossenhalte», nie kam etwas abhanden. Was war es denn, was sie für diese erbärmliche Menschen unbe- rührbar machte? Das Wunder bestand nicht darin, daß sie die einzige im Hause war, die in aller Not und Pein ehrlich geblieben war, sondern, daß die andern daran glaubten. Ihre Güte, ihre Milde, ihre Bravheit zeigte sich nicht in Worten. Ihr Leben heiligte sie. Die verkommenen Menschen dieses Hauses glaubten an keines Menschen Ehrlichkeit. Sie oerlachten jede», der an die Menschen glaubte. Für sie waren die„Ehrlichen" verlogene Betrüger, sie wußten es so, daß die ganze Welt aus Dieben, Wucherern und Zuhältern bestehe. Das Gesetz wurde von einem Teil der Schurken gegen die anderen gemacht und angewendet. Das Leben war ein Kampf des Schlechten gegen den Schlechten. Nur an Mutter Wurm muhten sie glauben. Und dieser Glaube bezwang sie. All das fühlte die alte weinende Frau. Und sie dachte dankenden Herzens an Vater Wurm, an"hr kurzes Glück, das sie für alle Tage ver- pflichtete, auszudauern in braver Ehrlichkeit. Mutier Wurm murmelte, wie immer, wenn sie allein war— Ke war ja fast immer allein— abgerissene Worte vor sich hin. Diesmal waren es stille gute Worte, unzusammenhängend, wie Wegweiser an einer längen Reihe von Gedanken. Da blickte sie aus dem Fenster und kalt überlief es sie. Es war gar nichts Besonderes, was sie sah. Die beiden Brüder saßen im Hofe an einem Haufen hier vergessener Ziegelsteine. Der ältere sprach ein- dringlich zu dem jüngeren, der hie und da zustimmend nickte. Mutter Wurm ahnte Unheil. Sie fühlte instinktiv: die beraten eine„Arbeit"! Angst um ihre Söhne, Verachtung der Sünde, Abwehr des Schlechten, Unanständigen, machten sie erzittern. Sie fürchtete aber, sie verabscheute auch das Schicksal ihrer Söhne : nd fühlte in ihren zitternden Knien ihr vollkommene Ohnmacht, den Dingen, die da kommen mußten, zu steuern. Sie rief ihre Söhne mit der Stimme einer, die der Alb drückt. Die Söhne blickten zu ihr hinauf. Sie waren erschrocken. Für einen Moment hotte dieser Schrei sie in ihre Kinderjahre versetzt. Wie ertappte Buben waren sie zusammengefahren. Doch schnell erholten sie sich und lachend über die komische Alte, sie freundlich spöttisch grüßend, gingen sie fort. Sie hatte das Gefühl, als müßte sie ihnen nach- laufen, sie zurückhalten. Vor was, das wußte sie nicht sicher, aber sie hatte in ihrer beklemmenden Angst die Sicherheit, daß etwas häßliches. Gefährliches, Schlechtes geschehen werde. Kraftlos sank sie auf ihren Stuhl zurück, faltete ihre alten, zermürbten Hände und saß da wie Frau Sorge selbst. Sie wußte, jetzt kam für sie wieder die Zeit des langen, öden, verzweifelten Wartens. Sie wußte auch, wo die Beiden jetzt waren. An der Ecke im Kaffeehaus„Zum grünen Frosch". Sie war ja nie darin gewesen. Für sie war das die Hölle, wo die abscheulichsten Leidenschaften bausten, wo olle zusammen, die weglos sich durch die Nacht des Lebens schleichen, verfolgt, unsicher, belastet. Und die sich hier schadlos halten wollten im Rausche, im Taumel des Lasters. Und wo sie ihre finsteren und blutigen Pläne ausheckten. Sie wußte: jetzt saßen die Beiden dort und besprachen leise, was sie ver- brechen wollten. Was sollte sie beginnen? Wie das Unheil beschwören? An wen sich wenden? Rund herum lag die große Stadt. An jeder dritten Ecke stand ein Wachmann. Zur Sicherung des Lebens und der Güter der Bürger hatten sie Polizei, Richter. Gesängnisse. Kein Verbrecher entging ihnen. Aber waren denn alle diese Leute blind, taub, ran Dummheit geschlagen? Wußten sie denn nicht, daß da zwei Menschen saßen, die sich auf eine verbotene Tat vorbereiteten? Sie wußten es: sie mußten es wissen. Ebenso mußten sie es nissen, wie Mutter Wurm es wußte. Alle, die in diesem Hause d»r Verkommenheit wohnten, sind von Zeit zu Zeit wieder ge- zwungen, Verbrechen vorzubereiten, um ihr Leben weiter zu fristen, i'm ihren Lastern fröhnen zu können. Wer ihre Lebensweise erkannt hat der konnte immer mit tödlicher Sicherheit bestimmen. wenn die Zeit zn einem neuen Verbrechen gekommen war. Warum gab es keinen, der es verhüten konnte? Oder wollten sie es nicht. k'- Anderen, die Vielen? Wenn sie sah, wie der Wachmann ihrem Hause in weitem Voaen auswich, hatte sie das Gefühl, als ob rr auf der Lauer läge. Als ob die Anderen es wünschten.. daß d'e hier dem Verbrechen versallen mögen, um sie dann mit aller Härte verfolgen zu können. Wie gemein, wie feig, wie dumm die waren. Und Mutter Wurm merkte mcht. daß sie. die rein geblieben war inmitten all dieses Schmutzes, eines gemein hatte mit ihren Söhnen, mit allen Verbrechern um sie herum: den Haß gegen sie Anderen, die schlecht und feig ihren Taten nicht wehrten, nur hinterher ihre Meute aufboten, wenn es schon zu spät war. fSchluß folgt.) Lotalanzeigerleser. Sehn Sie, meine Herr», üas ist ein ötättchen, Wo einem öas Herz im Leibe lacht! Da haben Sie täglich ein frisches öukettchen von sozialistischer Niedertracht! Und wie w i r unter den alten Zarbe» fils Unternehmer hungern und darben! Natürlich aus strengnationalem Motiv, Sei Einfuhrzöllen und flbbautarif. z. ö. das mit dem internatlonasn Jamca Klein 8 U. Buropas meist gespielte u. somit erfolgr Revue i N400X Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreis« I Metropel» Theat. 8'/, Uhr: Tausend suBe Beinchen Thalla>Th. Unwiderruflich letzter Monat 8: Uschi TyiijoniinaniUti. HetteraJngsila Toeai.dJesteos Das große Operelteahans Tägl.SUhr: Wiener Blut Operette v. Johann Strauß Operellenhtus to UiiffbaiicrilioD 8 Uhr; Dertlelnelnppler Deutsehes KBnsder-Theater 8 Unr Fauleoil 47 Lustspiel von Louis verneuii bnmtaf nn 25. Kalt Pnnienli 4? su Mim-Ji Die Koblanks VolKsstck, m.Musin Vorzeig, d, Anzeige zahlen nur bllbe lassenpr. Ton 80 Pf. an Eefllnef Mß! Gastspiel PrL Lotte Ferry ».Deutsch Landes theater Prag 7JS Uhr: InDßlißißT.Oßtsao Tbeaier am loUondortpiatz connai end 7 Uhr Premiere: Die hellblauen Schwestern Operette Ed. Künneke leitiiöwi-hiiKraiüD! Am Sonntag, den 23. August 1925: MmMiiMi«! (Spreewald) Die Berliner Kameraden find hiermit freund- lichst eingeladen. Der Vorstaad Züge zur Benutzung vom Görlitzer Babn- Hof: Abfahrt Sonntag irtih 7 Uhr und 7.50 Uhr Fahrpreis: SonntagS-Rückfahrlarte Mark 3,10. »06 7 IS Uhr; DnleMS »an der Slraatcn Schauiuil, Hainisch Rose-Theater 8>/«! Der gr. Betrug Garte nbuhnt-; t Uhr; Bunter Teil 7*/«; Up Mtrinmldiiildtl SÄpÖuÖ ■ I II. Thtaicr 83 I Vnrietö ■ Sensalionen W llani timrlttipr. ME TU UP Ol n VABIZTL Iz 1 Uhr Dir inicrnat. August- Spielplan ZOOlfl fioi Aquarium Mß-wlMZii rigrkDBttaosstellj, TS gl ah« Uhr: fir.Kopzerl Wochentags ab TU. abds. 75 Pf. hbttk stetzd Loralno Die Feuerwelle in 38 m Höhe. 104 Eintritt S0 Pfg- aet � aebtis tiestimmt bei Aldbf »r» Maass Möbelt P'rekder VerkanJ an Private nur Im Fabrikgebäude.- iUcsenanswahl Berlin, Brunnenstr. 35 spielt nur vom 26. Kus. bis 21. Sept. in Berlin, Schönhauser Allee Hochbahnstation Danziger Strasse i S neue �cli nie gezeigten Darbietungen Die grosse altrömische Circus-Rennbahn Zum ersten Mal in Europa. Echte Sioux- Indianer. 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