Abendausgabe Nr. 390 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 192 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Mittwoch 19. August 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Ferufprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Belgisch- amerikanisches Abkommen. Schweizer Wirtschaft und Politik. Rückzahlung der Schulden. Washington, 19. Auguft.( WIB.) Die amerikanische Schuldentommission und die belgischen Vertreter haben gestern ein endgültiges Abkommen über die Zurückzahlung der belgischen Schulden erzielt. Danach sollen die belgischen Schulden, die während des Krieges gemacht worden sind, im Betrage von 170 Millionen Dollar in 62 Jahren zurückgezahlt werden, ohne daß dafür Zinsen berechnet werden. Die Summe von 246 Millionen Dollar, die sich Belgien nach dem Waffenstillstand geliehen hat, foll gleichfalls in 62 Jahren zurückgezahlt werden, und zwar mit 3½ Pro3. Jinfen nach Ablauf der ersten 10 Jahre. Was Belgien erhält, bekommen andere nicht! Washington, 19. Auguft.( WTB.) Die amerikanische Schulden kommission weist darauf hin, daß bei der Regelung der belgischen Schulden die von dem verstorbenen Präsidenten Wilson auf der Versailler Friedenskonferenz übernommenen Verpflichtungen eine starre moralische Bindung der Vereinigten Staaten bedeuteten. Die jetzt zustandegekommenen Bedingungen dürften aber nicht als Präzedenzfall für die Verhandlungen mit anderen Läns dern angesehen werden. Insbesondere wird hervorgehoben, daß Amerifq es a bgelehnt hat, die Zahlungsverpflichtungen Belgiens von dessen Einfünften aus dem Dawes- Plan abhängig zu machen. Amerika und der Sicherheitsvertrag. Lediglich europäische Angelegenheit. Paris, 19. Auguft.( Havas.) Die Anwesenheit Houghton's bei dem offiziellen Effen und feine Unterredung mit Briand und Chamberlain gelegentlich der Londoner Besprechung haben zu Gerüchten über eine mehr oder minder direkte Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Sicherheitsfrage Anlaß gegeben. Nach Auffassung der offiziellen Kreise ist diese Annahme in feiner Weise gerechtfertigt. Die Vereinigten Staaten erwarten teine Aufforderung, und wenn sie eine solche erhielten, würden sie es wahrscheinlich a blehnen, Vertreter zu entfenden, um eine falsche Auslegung ihrer Anwesenheit zu vermeiden. Die amerikanische Regierung hat in London und Paris an der Inkraftfehung des Dames- planes teilgenommen, weil fie direkt intereffiert war; aber obwohl fie alles verfolgt, was dazu bestimmt ift, in Europa den Frieden zu gewährleisten, ist sie der Ansicht, daß die Sicherheitsfrage lediglich die europäischen Mächte angeht. „ Nieder mit den Mördern!" Bulgarenbegrüßung in Paris. Paris, 19. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Der Präsident und der Vizepräsident der bulgarischen Kammer, die augenblicklich in Baris weilen, wurden am Dienstag abend beim Berlassen der Kunstausstellung auf den Champs Elysées plötzlich von etwa 40 Bulgaren umringt und mit den Rufen: Nieder mit den Mördern!" empfangen. Ein Polizeibeamter, der die beiden Ueberfallenen Arbeitererfolg in Köln. Beilegung des Gemeindearbeiterstreiks. Köln, 19. August.( Eigener Drahtbericht.) Die Kölner Gemeindearbeiter, die am Dienstag morgen in den Streit traten, haben einen in der deutschen Gewertschaftsbewegung selten schnellen über raschenden Erfolg erzielt. Am Dienstag abend nahm eine sehr stark besuchte Versammlung der Gemeindearbeiter das von uns bereits mitgeteilte Angebot der Stadtverwaltung mit großer Mehrheit an. Damit ist der Streit beendet. Die Arbeit wurde noch in der Dienstagspätschicht wieder aufgenommen. Unersättlich! Die Agrarier wollen Regierung und Oppofition zugleich sein. Während es den Einpeitschern der Zollvorlage im Zentrum voran Herrn Stegerwald- jetzt schon Angst wird vor den Folgen der Zölle, die sie eben beschlossen haben, beginnen die Interessenten aus dem agrarischen Lager mit der Vorbereitung einer neuen Offensive gegen die Lebenshaltung des Volkes. In der Deutschen Tageszeitung" fündigt ein Herr D. von Hahnte an, daß der Reichslandbund mit der fleinen Zollvorlage sich nicht zufrieden geben werde, sondern„ grim mig" feststellt, daß sie den Agrariern nicht genug gebe. Er werde die Rolle der Opposition übernehmen: " „ Die„ geistige Leibeigenschaft", zu der in einem demokratischen Staatswesen auch die aus der Landwirtschaft erkürten Volksvertreter durch ihre ernst verpflichtende Teilnahme an der Regie rungstoalition, ohne die sie zur politischen Einflußlofigkeit verdammt wären, gezwungen werden, weist der freien berufsständischen Bertretung das Amt zu, sich als gesund reagierende Opposition einzustellen. Dazu muß fie fich völlig freimachen von der hohen Politik und in der ruchtigen Formulierung wie tatkräftigen Vertretung ihrer Forde. rungen fich feine Beschränkungen auferlegen mit Rücksicht auf die elwaige Zugehörigkeit einiger ihrer Führer zu Regierungsparteien. Bielmehr darf sie sich nur von dem einen Gesichtspunti leiten laffen: was frommt agrar- und wirtschaftspolitisch der Landwirtschaft." zu schützen suchte, wurde niedergeschlagen; erst zwei weiteren Beamten gelang es, die beiden bulgarischen Politifer zu befreien. 3wei der Hauptschreier wurden festgenommen. Der Marokkokrieg. Marschall Pétain soll es schaffen. ist am Dienstag abend, nachdem er zuvor eine längere Konferenz Paris, 19. August.( Eigener Drahtbericht.) Marschall Pétain mit dem eigens zu diesem Zwecke nach Paris zurückgekehrten Ministerpräsidenten Painlevé gehabt hatte, nach Marotto abgereift. Marschall Lyauthey abberufen und zugleich mit ihm auch Es verlautet, daß unmittelbar nach Pétains Eintreffen in Marotto General Sarrail seines Postens als Gouverneur von Syrien enthoben werden soll. Marschall Pétain wird am Donnerstag in Algeciras mit dem spanischen Diktator General Primo de Rivera zusammentreffen, um mit ihm das Zusammenwirken der franzö fischen und spanischen Truppen zu beraten. Die nene Offensive. Fes, 19. August.( Havas.) Im Abschnitt von Taza haben die französischen Streitkräfte bei den Teil angriffen, die die Vorbereitung für eine groß angelegte Offensive nach den Plänen Lyauthens und Naulins bilden, einen Erfolg erzielt. Westlich von Uezzan sind zwei französische Stützpunkte angelegt worden, die die Verbindung zur spanischen Front sichern sollen. Die Operationen Streitkräfte haben alle Angriffsziele erreicht und rücken, wie vorim Gebiete der Tfuls entwickeln sich günstig. Die französischen gesehen, vor. Der Feind mußte sich nach Norden zurüdziehen und wird vom französischen Bombengeschwader verfolgt. Süb lich vom Gebiet der Tjuls unterwarfen sich einige Stämme bedingungslos. Kantons Hilferuf. An die 2. Jnternationale. London, 19. Auguft.( TU) Aus Shanghai wird gemeldet, daß zwei Mitglieder der Regierung der Stadt Kanton an den internationalen fozialistischen Kongres in Marseille die Bitte gerichtet haben, China im Kampf gegen den englischen 3mperialismus zu unterstühen. China verlangt Zollhoheit. Peting, 19. Auguft.( WTB.) In der Einladung an die Mächte zur Tariffonferenz erinnert die chinesische Regierung daran, daß die chinesischen Vertreter bei der Mashingtoner Konferenz in einer Sigung des pazifistischen und ostasiatischen Ausschusses zum Ausdrud gebracht haben, daß China die Frage der Wieder herstellung der 3ollautonomie aufzurollen gedenke. Demgemäß schlägt die chinesische Regierung vor, diese Frage auf die Tagesordnung der bevorstehenden Konferenz zu sehen und erwartet, daß eine Regelung getroffen wird, welche die bisherigen Beschräntungen der chinesischen Zollhoheit beseitigt. Das ist das Programm der reinen Interessentenpartei. Die deutschnationale Reichstagsfraktion soll in der Regierung spielen, die die Regierung auf der Bahn der Liebesgaben bleiben, und der Reichslandbund will die Rolle der Opposition politik für die Agrarier weiter vorwärts treibt. Ein Spiel mit verteilten Rollen zur weiteren Ausplünderung des Volkes ist die Absicht. Deutschnationale Krippenjäger. Akademische Stellenvermittlung der Deutschnationalen. In der deutschnationalen Agitation spielt die angebliche ,, Krippenjägerei" der Sozialdemokraten eine Hauptrolle. Daß früher überhaupt kein Mensch zählte, der nicht mindestens Leutnant oder Mitglied eines feudalen Korps war, das haben die deutsch nationalen Agitatoren wohlweislich vergessen. Oder mindestens reden sie nicht mehr davon. In Wirklichkeit war die ganze Staatsmaschinerie in wilhelminischen Zeiten nur für die Söhne der Junker da, die allein Anspruch darauf hatten, über ihr Bolt zu regieren. Die„ Leipziger Volkszeitung" veröffentlicht einen Aufruf des deutschnationalen Studentenverbandes. Darin heißt es: " Wie bei den Korporationen die Möglichkeit besteht, durch die Altherrenschaft aussichtsreiche Lebensstellungen zu bekommen, so befißt auch der Deutschnationale Studentenverband eine mit ihm zusammenarbeitende Altakademikerschaft, deren oberster Grundsatz es ist, den Angehörigen unseres Verbandes gesicherte Existenzen zu gewähren." Wie haben sich die Deutschnationalen als Hüter besserer Sitten über die Käufer eines sozialdemokratischen Parteibuches erbost, wie haben sie an allen Eden und Enden zum Kampfe gegen die Beamtenforruption durch Parteimirtschaft aufgerufen! Und jeht veröffentlichen ihre hoffnungsvollen Sprößlinge Aufrufe, in denen fie darauf hinweisen, daß Sie Stellungen garantieren fönnen. Bei den Deutschnationalen spielt die Bluts familie wie die Bier familie gleichermaßen eine Rolle. Unter Rampf gegen die Korruption verstehen sie lediglich den Kampf für ihr Monopol auf gesicherte Existenzen". Bacelli in Berlin. Der päpstliche Nuntius, Pacelli, ist heute Dormittag zu dauerndem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. ( Brief unseres Rorrespondenten.) Die Sweiz erlebt gegenwärtig die Hochflut der Fremdensaison. Alle Kurorte sind überfüllt, ihre Besucherzahl zeigt schon wieder die gleiche Höhe wie vor dem Kriege, zum Teil ist sie fogar schon überschritten. Außergewöhnlich groß ist der Besuch der Amerikaner. Die amerikanischen Reisegesellschaften haben bereits mehr als 20 000 Personen angemeldet. 10 000 fommen mindestens noch außerhalb der Gesellschaftsreisen. Von den übrigen Nationen sind die Deutschen am stärksten vertreten, denen man in Zermatt, wenig wird die französische Schweiz, abgesehen von Genf, Zürich überall in großen Scharen begegnet. Berhältnismäßig Kandersteg, Interlaken, Lugano, Davos, Arosa, Bern und besucht. Besonders die Ausflugsorte der schweizerischen Riviera wie Montreux, Beven und Lausanne, flagen sehr über die AbHauptprozentsaz an Rurgästen stellten. wesenheit deutscher Ausflügler, die vor dem Kriege den der Schweiz wäre sicher noch größer, wenn nicht der immer Der Reiseverfehr von Deutschland nach noch bestehende Visumzwang manchen Reisenden ab schreckte. Dieser Visumzwang ist bisher von der Schweiz noch cufrecht erhalten worden für alle Staatsangehörigen Deutschlands, Desterreichs und Italiens. Die Schweizer Presse hat starken Einspruch erhoben, und unter dem Druck der öffentlichen in letzter Zeit gegen diese Behinderung des Reiseverkehrs Meinung hat sich jetzt der Schweizer Bundesrat endlich mit der Abschaffung des Visums befaßt. Auch das Schweizer Bollwesen ist geeignet, den Fremdenverkehr zu unterbinden, statt ihn zu fördern. Immer wieder stellt die Schweizer Presse fest, daß die Schweiz den zweifelhaften Ruhm hat, gegenArbeiter 300 bis 400 Franken monatlich, dank der Schutzzollwärtig das teuerste Land der Erde zu sein. Bepolitif, die Bundesrat Schultheß nun schon seit Jahren durchträgt doch das Existenzminimum für einen verheirateten führt. Der mit Deutschland vor einigen Monaten abgeschlossene 3ollvertrag hat zwar für einige Fertigwaren gewiffe Einfuhrerleichterungen gebracht. Aber schon fordert der Schweizer Industriellenverband die Kündigung dieses Vertrages. Auch jede Einfuhr von Bich und landwirtschaftlichen Produkten wird nahezu unmöglich gemacht. Alle Augenblicke muß ein Fall von Maul- und Klauenfeuche herhalten, um die Grenze gegen jede Einfuhr zu schließen. Es ist in der Schweiz kein Geheimmis, daß diese Politik nur dem allmächtigen Schweizer Bauernfönig Dr. Lauer zuliebe geschieht. Die Schweizer Bauern, zusammengefaßt in der katholisch- fonservativen Partei, geben zusammen mit den übrigen fonservativen Kreisen des Landes den Ausschlag. Dazu kommt, daß der Bundesrat seit dem Generalstreit von 1918 seine Sozialistenfurcht noch nicht verloren hat. des eidgenössischen Außendepartements, aber eine wirkliche Die Schweiz hat in Bundesrat Motta zwar einen Leiter Außenpolitit tennt die Schweiz seit Jahr und Tag ni t mehr. Man begnügt sich mit einer Bolitik des Ausgleichs und der Fernhaltung jeder außenschweizerischen Politik. Dabei haben die verschietenen Grenzvorfälle im Tessin erfennen lassen, daß mit dem veränderten Italien Mussolinis auch die Betonung einer Teffiner Irredenta stärker geworden ist. Die eigentliche Tessiner Bevölkerung will allerdings von die wirtschaftlichen Vorteile ihrer Zugehörigkeit zur Schweiz einer Los- von- der- Schweiz- Bewegung nichts wissen; sie weiß Tessiner Bauern. Die sogenannte Jungteffiner- Bewegung hat gut zu schäzen. Das Italien des Faschismus mit seinen großspurigen Redensarten übt keine starke Anziehungskraft auf die ihre Anhänger hauptsächlich in den intellektuellen Kreisen Bellinzongs und Luganos, die nahen Mailand Unterstügung und Anregung erhalten. Mussolini hat zwar feinerzeit offiziell jede faschistische Politik für den Kanton Tessin zurückgewiesen; aber der Faschistenhäuptling Farinacci hat erst kürzlich von dem größeren Italien" gesprochen, das auch den Tessin umschließen müßte. Popolo d'Italia" befürwortet darüber hinaus immer wieder eine energische italienische Kulturpropagamba im Tessin als erste Etappe zur Wiedervereinigung". Uebrigens bestehen auch in der Schweiz einige faschistische Ortsgruppen, die jedoch alles in allem vielleicht 1000 Mitglieder haben bei mehr als 100 000 Italienern, die gegenwärtig in der Schweiz leben. ein intimer Freund Mussolinis und wohlwollender Dabei ist der italienische Gesandte in Bern Michele Förderer des Faschismus. An metallenen Zuwendungen für ein intimer Freund Mussolinis und wohlwollender seine Freunde läßt er es natürlich nicht fehlen. " " Interessant ist die Haltung der Schweiz zum Anschluß Desterreichs an Deutschland. Man würde den Anschluß nur mit sehr gemischten Gefühlen begrüßen. Die„ Baseler Nationalzeitung" gab in letzter Zeit die allgemeine Stimmung wie folgt wieder:„ Wir wünschen aufrichtig, daß an unserer Ostgrenze Land als Staatswesen bestehen bleibt, das in seiner sozialen und selbständiges politischen Struttur so viel Aehnlichkeit mit unserem eigenen Lande hat. Es kann uns nicht gleichgültig sein, ob die Schweiz eines Tages von drei großen Nationalmächten eingeschloffen sein wird. Ihre Anziehungstraft auf die verschiedenen Nationalitäten unferes Landes fönnte einmal eine so große werden, daß sie den staatlichen Bestand der Schweiz iprengen würde." Aus diesen Zeilen spricht die nicht zu leugnende Empfindlichkeit des Schweizers gegenüber allem, was irgendwie nach deutscher Anmaßung ausschaut. Kennzeichnend dafür ist eine Auslassung des Berner Bund", des eidgenössischen Zentralblattes, aus Anlaß Weiter: Die sechzehnjährige Tochter eines Professors in einer norddeutschen Stadt gehörte der Mädchengruppe des Bismard- Bundes an. In diesem Kreise hatte sie sich an nationalem Heldentum dermaßen berauscht, daß ihr die Idee fam, fie müßte selbst eine nationale Tat" vollbringen. Dem Radikalismus ihrer Umgebung entsprechend mußte es ein Attentat auf einen namhaften Linkspolitiker fein. Sie erzählte mir davon. eines fich belanglofen Zwischenfalls man laffe, wenn, Schuld an der Zerstörung des jungen Bluts hatten, zu einer man mit uns Freundschaft pflegt, die politische Grenze Sauferei ein." liegen wie sie liegt. Wir wünschen nichts Besseres als die herzliche Freundschaft mit allen Nachbarn und als DeutschSchweizer vor allem die Freundschaft mit dem großen Kulturvolk der Deutschen, das mit seinen Leistungen auch unser Leben bereichert. Unser Dant liege darin, daß wir unser historisch gewordenes Deutschtum auf unserem Bosten pflegen und, wo nötig, es verteidigen, wie wir es verstehen und immer verstanden haben. Das liebe Deutsch ist unser täglich Brot, unser Werkzeug, Träger unserer Gefühle und Gedanken. Aber wir machen die Sprache nicht zur Grundlage der politischen Heimat. Und wenn man es schon so haben will: Der welsche Eidgenosse steht uns näher als der deutsche Ausländer!" Die Landsknechte unter sich. Hinter den Kuliffen der vaterländischen" Verbände. Was einst wirklich eine Gefahr für die Republik war, erweist sich immer mehr als ein beschämender Ueberreft der vermildernden Kriegssitten. Die Landsknechtsorganisationen, die mit Terror und Lotschlag, mit Feme und Sprengstoff jahrelang das öffentliche Leben beunruhigten, löfen sich nachgerade selbst auf, weil ihnen die Mittel ausgehen. Die Republik ist trotz allem dermaßen befestigt, daß selbst die Ehrhardt- und Roßbach- Banditen ihr nichts mehr anhaben fönnen. Roßbach selbst hat ja schon in einer öffentlichen Erklärung dem Landsknechtsleben Walet fagen müssen und seine Leute aufgefordert, das gleiche zu tun. Nun tommt einer, der lange Jahre inmitten des Treibens stand, und enthüllt in der Weltbühne" so ungeheuerliche Dinge, daß wir einiges davon hier wiedergeben wollen. Diefer Landsknecht a. D. schreibt unter anderem: In F. besuchte mich der Bater eines Schülers, der mir für seine Ferienzeit zur Ausbildung übergeben war. Der Junge war gerade in den beften legeljahren und mochte seinen Eltern viel zu schaffen machen. Sein Bater sah mir beim Ererzieren zu. " Nehmen Sie meinen Sohn ordentlich ran!" " Nicht mehr, als mir nötig erscheint." " Na, der hat's nötig und tann's vertragen. Er soll ein Soldat werden, wie sein Bater einer war." Wenige Tage später brach der Knabe auf dem Rasernenhof in fürchterlichen Herzträmpfen zusammen. Sein schwerer Herzfehler war mir perheimlicht worden. Es war eine schreckliche Stunde für mich. Ein herbeigeholter Arzt schüttelte mißbilligend den Kopf; fast bedauernd sah er mich art. Endlich kam der Knabe zu sich. Bald darauf wurde er entlaffen. Da erschien der Vater bei mir und sagte: Wie tonnten Sie fich mur von meinem Sohn so beeinflussen laffen? Das ist ein Simulant, ein Drüdeberger. Ich muß mich ja schämen- ich, seinerzeit der beste Unteroffizier meiner Kompagnie." Als ich ablehnte, den Sohn von neuem einzustellen, verließ der Bater mich zornig." Einem anderen Sprößling aus gutem Hause war bei Handgranatenübungen durch eine Sprengfapfelexplosion das das Auge herausgerissen und zerschmettert worden: ,, Ein Brief rief den Bater aus der Spreewaldgegend herbei. Kein Borwurf, teine Reue, daß doch er schließlich an dem Unglück feines Kindes die Schuld trug. Ich sah, wie er mit Interesse den Erzählungen feines Sohnes lauschte. Rein Verbot unterbrach die Pläneschmiederei des jungen Fanatikers, der hoffte, bald doch noch gegen die thüringischen Arbeiter und -wenns sein müßte auch gegen die regierungstreuen Bestand teile der Reichswehr marschieren zu dürfen. Noch gellt mir das dröhnende La chen der Freude über diesen so tüchtigen" und„ idealen" Sohn im Ohr. Dann lub der Alte die Unteroffiziere und den Offizier, also alle, die nach dem Bater die größte Ich ging zu den Eltern und machte sie auf die Gefahr, in der ihr Kind schwebte, aufmerksam. Erst lachte man mich aus. Als aber die herbeigerufene Tochter mit den 211üren einer Jungfrau Don Orleans die Wahrheit bestätigte, herrschte großes, Erstaunen im Saal der gnädigen Frau. Bo fie das bloß her hat? Wir sind doch so streng mit ihr. Nur in den Bis mard Bund darf sie. In der Woche zweimal." In den Augen des Baters fämpfte Angst um die Tochter mit fichtlichem Wohlgefallen. Ich erlaubte mir die Bemerkung, daß gerade dieser Bismarc- Bund für das schwärmerische Mädchen ver derblich sei. Da aber richtete sich aller 3orn der deutschnationalen" Eltern gegen mich." Der Döltische Landsknecht" findet ein treffliches Porträt in folgenden Sägen: In Roburg begegnete mir ein ehemaliger Deut. nant, der von Berlin zu Fuß herübergelaufen war, um, wie er fagte, gegen den„ Bolschewistenterror" zu fämpfen. Die Führer des Regiments haben ihn ausgelacht und ihm einen untergeordneten Posten gegeben. Leute, die aus innerster Ueberzeugung mitmachen wollen, babei aber zu anständig bleiben, um sich Fahrgeld zu schnorren", halten sie für unbrauchbar. Je geriebener, rüdfichtsloser und vorurteilsfreier ein Mann ist, um so lieber nehmen sie ihn auf, um so wichtiger wird sein Reffort. Wenn fie selbst fle nachher geprellt und betrogen werden von diesen Blüten der Menschheit, dann schütteln sie verständnislos den Kopf. In Oberfchlesien brannten nach Beendigung des Infurgentenaufstands faft alle Kompagniefeldwebel mit den Kaffen durch. Angehörige einer Batterie, die zur Sturmfahne" Desterreicher" des Oberlandbundes gehörte, verkauften auf eigene Rechnung die Pferde und teilten die Beute. Es waren nicht etwa Arbeitslose oder sonst arme Gefellen, sondern Studenten aus Steiermart. Der Regimentsadjutant des Jungdeutschen Regiments, Stab in Roburg, ein schneidiger Oberleutnant", wurde wegen Betruges, Urkundenfälschung und anderer Delikte verhaftet. De fiellte sich heraus, daß er nicht Freiherr, sondern Reliner war und den Weltkrieg als Armierungssoldat mitgemacht hatte." --Ueber das Netz der nationalen" Organisationen wird folgendes gesagt: Man fann, da es„ Baterländische Berbände", die überzeugt und tatsächlich auf dem Boden der Verfassung stehen, nicht gibt, drei Abteilungen machen: 1. Die Harmlofen, das heißt: diejenigen, die scheinbar auf dem Boden der Verfassung stehen. Das ist die größere Mehrheit der Jungdo- Balleien. 2. Die Wehrvereine, das heißt: diejenigen, die das militärische Moment in erster Linie berücksichtigen. Das die jugendvergiftenden Landsknechtsfähnlein: Stahlhelm, Jungsturm, Reichsflagge, Wifinger- Bund. find 3. Die Verschwörer, das heißt: diejenigen, die geheim für Beseitigung der demokratischen Ordnung und Aufrichtung diktatorischer Tyrannei eintreten. Zu diesen Berbrechern an der vaterländischen Gemeinschaft unseres Volfes, den Mördern an der frieblichen Entwicklung der Menschheit gehören: Oberland, Roßbach, Organisation C, Brigade Ehrhardt und nicht zuletzt die Schwarze Reichsmehr. Die Nationalsozialisten stehen vereinzelt da, als eine Mißgeburt aus Bartei und Verband der dritten Drdnung. Führend in der ganzen nationalen Bewegung sind die rigorosen Geheimbünde, denen fich mehr oder weniger die„ harmloferen" Verbände anschließen. Untereinander sind die Geheimen" selbstverständlich bitter verfeindet, so daß sich folgendes Bild ergibt: Die schöpferischen Kräfte im Kinde eft der neuen Schule durchdrungen worden if, bas zeigt bas Bon Prof. M. Morgenthal, Heidelberg. Bom 2. bis 15. August hat in Heidelberg die 3. Internationale Pädagogische Konferenz stattgefunden. Sie wurde vom Internationalen Arbeitskreis der Erneuerung der Erziehung veranstaltet, einer Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die besten Methoden der Erziehung zu erforschen und zu verbreiten". Die Konferenz behandelte als Gesamtthema„ Die Entfal tung der schöpferischen Kräfte im Kinde. Die Grundgedanken waren etwa folgende: Die alte Schule ist meift reine Unterrichtsanstalt zur Eintrichterung eines bestimmten Maßes von in seinem wirklichen Bildungswert zum Teil höchst problematischem Stoff, fie geht an der Eigenart des Kindes ebenso verständnislos vorbei wie an den feelischen und geistigen, politischen und wirtschaftlichen Nöten der Menschheit. Die staatlichen Eramina liefern die Diplome und Berechtigungen zum jozialen Aufstieg im Beruf. Die Methode beruht auf einer mit Strafen und anderen 3mangsmitteln arbeiten äußeren Disziplin. Sie schafft Untertanen, unfreie Menschen, das Kanonenfutter für die Kriege der herrschen den Schichten. Die neue Schule dagegen geht vom Kinde aus. Sie will die sittlichen und schöpferischen Kräfte, die in jedem vorhanden sind und die meist nur durch die Einflüsse des Milieus und falsche Erziehung verschüttet sind, erwecken und ausbilden. Sie fleht in den meisten Bergehen Folgen von Störungen, die beseitigt werden können und denen vorgebeugt werden sollte. Sie will zum fozialen Wesen, zur Verantwortung vor sich selbst und vor der Gemeinschaft erziehen. Alle seelischen, geistigen und körperlichen Organe sollen ausgebildet werden. An die Stelle der äußeren Autorität muß die Selbstzucht treten. Starre Stoffeinteilung, fester Stundenplan, Massenunterricht sind zu beseitigen. Der Unterricht muß sich in Form eines freieren Zusammenarbeitens zwischen Lehrer und Schüler und in einer wirklichen Arbeitsschule vollziehen. P Sehr interessant waren die Ausführungen von Batule, dem Leiter des Prager Kinderchors. Wie er ohne jede Gewalt, nur durch Güte, Kinder aus den schlimmsten Bierteln Brags, zum Teil arme Krüppel, zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen hat, die sich durch ihre Werktätigkeit und vor allem durch ihre Kunst erhält, das ist wohl ohne Beispiel. Das Konzert dieses aus etwa 40 Proletarierfindern bestehenden Batule Chors zeigte Leistungen, die manchen hochberühmten europäischen Chorvereinigungen ebenbürtig sind und sie durch ihre frische, von Routine freie Art noch übertreffen. Wenn noch eine Einzelpersönlichkeit genannt werden muß, damm ist es wilhelm Lamszus, der erprobte Pionier des Hamburger Schulwefens. Es mußte tief berühren, ihn über die vielfache Problematit und Gefährdung feiner Arbeit sprechen zu hören, die in den Steinmüften der Großstadt ein pädagogisches Paradies geschaffen hat, wo die Proletarierkinder ihre cigeren Schulen zu Boltshäusern erhoben haben. Behördliche Eingriffe, Berständnislosigkeit der Eltern bedrohen diese Arbeit banernb. Wie wenig unser öffentliches Schulmesen überhaupt bisher vom paffive Berhalten der meisten Unterrichtsverwaltungen, die mit einigen dem alten System aufgepfropften Ronzessionen wie Eltern abenden, einer Art Schülerselbstverwaltung und ähnlichem ihr Opfer an den neuen Geist gebracht zu haben glauben. Noch deutlicher wurde das durch die Berichte aus anderen Ländern, so z. B. dem über das außerordentlich fortschrittliche Bildungswesen in Bulgarien, wo überall neue Ideen in die Staatsschulen eingedrungen und wo auch nicht weniger als drei Biertel der Lehrer Sozialisten find. Der Berichterstatter Dänemarts fonnte fich über dieses fleine Land ausbreiten, nicht nur der Wissensdrang zeigen, wie durch das glänzende System von Boltshochschulen, die erzogen wird. Nicht zuletzt auf diese systematische Höherbildung der der Menschen befriedigt, sondern auch zu wirklichem Menschentum Massen ist die Tatsache zurückzuführen, daß Dänemart abgerüstet hat. Wenn wir das Ergebnis der Tagung zusammenfassend betrachten, so fönnen wir uns das durch einen Vergleich mit einer anderen pädagogischen Tagung, dem deutschen Philologentag, der im Juni ebenfalls in Heidelberg stattgefunden hat, erleichtern. Dort machte sich häufig ein sehr äußerlicher Nationalismus breit, den man wissenschaftlich zu verbrämen versuchte, hier herrschte der Geist der Humanität. Elisabeth Rotten( Berlin) burfte, als sie die Arbeit am Verfassungstag einleitete, mit vollem Recht sagen, daß hier wohl niemand anwesend sei, ob Deutscher oder Ausländer, der nicht, vom Geist der Weimarer Berfaffung erfüllt, für Bölferver fohnung arbeite. Dort lehnte man auch die bescheidensten Versuche ab, Gegenwarts- und Zukunftsströmungen zu Wort fommen zu laffen, hier war man nur darauf eingestellt. Gewiß war nicht alles gleichwertig. Auch hier begegnete man mancherlei liebenswürdiger, gelegentlich auch ein wenig hemmungsloser Dilettanterei. lleber ein so fchwerwiegendes Problem wie das der Begabung fekte man sich zu leicht hinweg. Aber überall spürte man das tiefe Streben, sich innerlich freizumachen von inhaltslos gewordenen Bindungen. Und dieses unbeirrbare strebende Bemühen ist es, worauf es vor allem ankommt. Beitungspapier Weißes Druckpapier aus Zeitungsmafulatur. wird, wie man weiß, aus Holz hergestellt, und täglich werden ganze seit Jahrzehnten Bemühungen im Gange sind, den Holzstoff der beWaldungen dafür gebraucht. Es ist daher begreiflich, daß bereits brudten Zeitungsmassen wieder neu zu benutzen; denn die Schonung der Wälder wäre ein großer Vorteil für die Volkswirtschaft aller Länder. Alle bisherigen Versuche führten aber nur zu einer halben Lösung. Das Altpapier wurde wieder zu einem Brei verarbeitet, wie es bei der Neuherstellung aus Holzstoff üblich ist; aber die Druder es bei der Neuherstellung aus Holzstoff üblich ist; aber die Drucker schwärze ließ sich durch tein Mittel vollständig entfernen, und das Endergebnis war trop Bufag von neuer weißer Papiermasse immer ein Broduft von so grauem Farbton, daß von einer Reuverwendung in der Druderei feine Rede sein fonnte. Um se größer ist natürlich das Interesse, das man in Fachkreisen einer Nachricht aus Amerita entgegenbringt; danach ist es gelungen, durch ein verhältnismäßig einfaches Verfahren altes Zeitungspapier wieber vollständig druckreif au machen. Die Bersuche wurden bereits vor dem Krieg begonnen Mit Oberland fympathisieren: Reichsflagge, Bayern und Netch, Nationalsozialften( Bayern). Mit Organisation C sympathisieren: Brigade Ehrhardt, Wifinger- Bund, Bismard- Bund, Jungsturm, Nationalsozialisten ( Norddeutschland). Mit Roßbach sympathisiert: Stahlhelm. Abseits steht und das nicht prinzipiell der Jungdeutsche Orden. Aber alle find geeint in ihren nationalsozialistischen" Bestrebungen, eine Basis zu schaffen, auf der eine Zusammenfassung aller wenn dort nicht Führerdieser Landsknechte möglich wäre ehrgeiz mehr quälte, als ihre Borstellung vom„ vater. ländischen Gedanken". Die Schwarze Reichswehr" hat vor dem Rüstriner Putsch dieses Experiment der Bereinigung aller Nationalisten gemacht, wobei ich schließlich folgendes Gegeneinander miterlebte: Buchruder, der geschobene Diftator des Rüstriner Putsches, Ehrhardt war für seine wollte der Erste sein. Brigade und Unterführer, nicht für seine Person einverstanden. Hitler war gegen beide, v. Graefe gegen die dret. Roßba ch ließ sich nicht in die Karten guden, Mahraun, Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, wetterte gegen alle seine Konkurrenten für den Thron des Diktators. Als Buch ruder erledigt war, dachte niemand an den Schaden, den die nationale Bewegung genommen hatte, sondern alle machten Aetsch!" Dann zanften sie sich untereinander meiter: lesschlug, bevor Ehrhardt zu seiner Brigade, die in Koburg stand, Ehrhardt eontra hitler, weil dieser entgegen den Abmachungen gekommen war; v. Graefe contra beide; der Jungdeutsche Orden teilte fich: eine Abteilung unter Führung des proteftantischen Pfarrers Johnson ging zu Ehrhardt, während Mahraun die be ruhigende Feststellung machen konnte, daß seine Jünger auf dem Boden der Berfassung weniger feft stehen als auf dem Boden des Umfturzes." " Im übrigen gibt dann der Landsknecht ein anschauliches Bid über das Werden und Entstehen deffen, was er Schwarze Reichswehr" nennt. Diese Darstellung dürfte dem Wehrkreiskommando 3 und den ihm unterstellten Truppenstäben ebenso wie dem Reichswehrministerium Anlaß zur Untersuchung und zu öffentlicher Aeußerung geben. Wenn auch die Blütezeit des volfischen Landsknechts vorüber ist und die Kantine der Femeund Butschbanditen wüft und leer steht ohne Geld und Bier und Schnaps und ohne den Spiritus einer begeisternden Jbee, fo fommt der Warnruf eines Belehrten oder mit flingender Münze Befehrten nicht zu spät, um den Eltern ber Jungen einer gedankenlosen, fleinbürgerlichen Schicht den Sumpf zu zeigen, der sich hinter der Atrappe auftut, hinter dem Hakenkreuz, hinter Schwarz- Weiß- Rot"! Vom völkischen Idealhelden Mussolini. Die Entdeutschung Südtirols. " Bozen, 19. Auguft.( TU.) Im neuen Schuljahr wird in DeutschSüdtirol in allen drei Klassen der deutschen Schulen der Unterricht ausschließlich in italienischer Sprache erteilt werden. Auf diese Weise sollen nach und nach alle deutschen Schulen vollständig verwelscht werden. Gleichzeitig bereiten die Italiener die pollständige Unterdrüdung auch der bescheidensten deutschen Privat unterrichte vor, bie etwa im fommenden Schuljahr Don den Deutschen versucht werden sollten. Dabei hatte das offiziöfe Organ Popolo d'Italia" vor einigen Tagen die Unverfrorenheit, zu behaupten, daß Italien den deutschen und slawischen Minderheiten jede kulturelle Freiheit gewähre! 11 Der afghanisch- italienische Streiffall megen der Ermordung eines Italieners in Kabul ist beigelegt. Der Ünterstaatssekretär im Gesandtschaft in Kabul im Namen seiner Regierung, teilte mit, daß afghanischen Auswärtigen Amt entschuldigte sich bei der italienischen richtete je ch stausend Pfund in Gold, in der das Sühnegeld der Polizeio berst von Kabul entlassen worden sei und enteinbegriffen ist. und fürzlich zu Ende geführt. Das Atpapier wird, wie üblich, in einen mäffrigen Brei verwandelt und zuerst entfettet; denn durch die Buchdruckfarben wird das Papier auch mit Fettförpern imprägniert. Beste Druckerschwärze bestand ursprünglich aus reinem Leinöl und Ruß mit einem Firniszufaz, um rafches Trocknen zu ermög lichen. Später wurden aber vielfach billigere Erfahmittel ge= nommen: Harzöl, Harz- und Teeröle und statt des Rußes chemische Echwärzen, doch ist es niemals gelungen, den Ruß völlig zu ersehen, und daher rührt auch die Hauptschwierigkeit, das Altpapier zu regenieren; denn Ruß ist Kohlenstoff, und zum Ausbleichen von Kohlenstoff gibt es eben fein Mittel. Nach dem amerikanischen Regewaschen. Der dünne Bapierbrei wird erwärmt, mit fochender zept wird der Farbstoff aber auch nicht ausgebleicht, sondern aus wird das Ganze reichlich mit frischem Wasser durchgespült, bis die Boraglauge verfeßt und längere Zeit damit behandelt. Schließlich Boraglauge mitsamt dem aufgenommenen Farbstoff völlig entfernt ist und ein reiner Zellstoffbrei für die Herstellung eines brudreifen Papiers zurückbleibt. Damit wäre nun der ersehnte Kreisprozeß erreicht: Das junge Papier wandert aus der Papierfabrik in die Druderei, von da in die hand des Lesers, von diesem zum Müllfaften ober Althändler, und von da wieder zurück in die papier. fabrit, wo der Prozeß von neuem beginnt. daß das amerikanische Rezept sich gegenüber der europäischen Es ist nur zu hoffen, Druderschwärze ebenso gut bewährt wie in den Bereinigten Staaten. Nahrungsphysiologie eine so große Bedeutung erlangt hat, tappte Reindarstellung des Vitamin C. Die Vitaminlehre, die für die noch immer im Dunkeln, da es bisher noch nicht gelungen war, die Vitamine rein darzustellen. Man fonnte ihr Vorhandensein nur beweisen, indem das Fortlassen gewisser Nahrungsstoffe gewiffe Ausfallserscheinungen darboten und damit das Fehlen wichtiger Subftanzen anzeigten. Wie nunmehr in Reclams Univerfum berichtet ftanzen anzeigten. Wie nunmehr in Reclams Univerfum berichtet fristallinisch, also in reiner Substanz darzustellen. Bekanntlich werden wird, ist es einem russischen Biochemiter geglückt, das Vitamin C rachitische, Ausfall von B Beri- Beri, Ausfall von C storbutähnliche die drei Bitaminarten A, B und C genannt. Ausfall von A ruft Erscheinungen hervor. Die Flugunterricht für jedermann. Demnächst werden zwoel luglehrer des Aeroflubs auf dem Londoner Flughafen Apparate vorführen, mit denen bert Durchschnittsmensch nach sehnstündigem lugunterricht fliegen fann. Flugschüler eine Brämie von 10 Pfund geben, so daß der Flugunterricht Flugschüler müffen für den Flugunterricht und den Flugzeuggebrauch pre Stunde 30 Schilling zahlen, bo tird das Luftfahrtministerium jedem nur 5 Blund Toften wirb. Die gefuntie Welthilfsfprache. Die Welthilfssprache Jdo bat sich munmehr auch schon den Radiovertehr erobert. Die vor furzem in Stiem in Dienst, Nachrichten in Jdo und wird daneben auch drahtlose Unterrichtsder Ukraine neu eröffnete Funkstation gibt täglich, außer ihrem üblichen furse in der Belthufssprache bo veranstalten. Profeffor Larfen aus Stepenhagen, ber bie bemnächst in Berlin stattfindende Andersen- Uusitellung leiten wirb, wurde von der Universität Jena faffer feinfinniger Werke über die tulturelle Eigenart der verschiedenen von zum Doktor ber Philofopbie ehrenbalber promoviert. Larsen ist der Verism studierten Länder, auch Deutschlands, dessen Geistesleben er stets beson deres Verständnis entgegengebracht hat. Bekannt sind vor allem feine Berbienfte um ble f. 8. biel beachtete Ropenhagener Goethe- ustellung völkische gegen Aonisten. Zu de« Wiener Skandale«. Als Theodor Herzl in Wien Mitte der neunziger Jahre feine Schrift.Der Judenstaat* erscheinen ließ, damit die neuzionistische Bewegung begründete, und als diese ihre Anhänger zunächst zu Geldsammlungen für Werbezwecke aufforderte, da schrieb der Wiener Satiriker Karl Kraus die Gegenschrift»Eine Krone für Zion*. Darin machte er den Zionisten u. a. zum Vorwurf, daß sie auf den Anti- semitenruf.Hinaus mit euch Juden!*-gehorsam antworteten?»Ja- wohl, hinaus mit uns Juden!*. Das war ein Witz als Waffe eines Gegners. Heute aber sehen wir, daß ein Zionistenkongreß in demselben Wien nur ungestört tagen kann, wenn Tausende Polizisten ihn vor dem Ansturm der völkischen Antisemiten schirmen. Dabei hat der Zionismus sein Wesen gar nicht geändert. Sein Programm war von Anfang an die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Durch die Balfour-Deklaration von 1917, durch den zu Versailles geschlossenen Vertrag zwischen den Alliierten, durch die Aufhebung der türkischen Herrschaft über Palästina und ihre Uebertragung an den Völkerbund, der wieder England das Mandat erteill hat, Palästina zur Heimstätte für das jüdische Volk zu machen, ist jene Herzlsche Programmforderung theoretisch und darüber hinaus ms Praktische erfüllt. Jetzt befaßt sich der Zionismus mit der weiteren Durchführung des jüdischen Ansiedlungswerks in .Erez Israel*, d. h. dem Lande Israels, wie das alte Testament es nennt. Da ist also eine Bewegung, die Juden in größerer Zahl aus den Ländern ihrer uralten Diaspora tZerftreuung) nach dem asiatischen Palästina überführt, sonnt das tut, was die Antisemiten seft jeher mit dem Schlagwort.Juden raus!* verlangen. Auch aus Deutsch- land und Deutschösterreisch sind schon Juden nach Palästina aus- gewandert und tun es förtgesetzt. Wenn aber auch in den deutschen Ländern die Zahl dieser Auswanderer noch nicht allzugroß ist, so ist sie dafür in den Wohnländern der Ostjuden um so größer und in demselben Grad wie die Masie der Ostjuden in Europa sich vermin- dcre, die unseren Antisemiten angeblich als ganz besonders schlimm erscheint, muß die— ohnehin vom Staat gehinderte— ostiüdisch« Zuwanderung nach Deutschland abnehmen und damit jene.Gefahr*, aufhören. Obwohl also des Zionismus Wirken mit den Wünschen der Völkischen durchausch gleichläuft, versuchen sie nun, eine Tagung des Zionismus gewaltsam zu verhindern. Don Logik ist da schon gar keine Rede mehr, man müßte sich bei aller Geringschätzung krttischen Sinns der völkischen Mannen gegen ihr« Oberen doch wundern, daß der Heerbann gerade Radaubesehlen folgt, die sich gegen ein« sozusagen gleichgerichtet» Sache wenden! Um solchen Zweifeln an der gesunden Vernunft der kommandierenden Edelinge— in Wien heißt der Ersatz- 5)itl«r Gattermayer und er hat es nicht verschmäht,«inen Auf- sichteratsposten in einer jüdischen Bank anzunehmen— von vorn- herein zu begegnen, hat die Hakenkreuzpresie seit Wochen eine vor- bereitend« Stinkgasbeschießung eingeleitet. Dabei stellt sie den Zionismus als eines der Organe einer.jüdischen Weltherrschaft- hin. deren übrige Werkzeuge u. a. die sozialdemokratische ebenso wie die kommunistische Internationale sein sollen, zwischen welchen beiden überhaupt gar kein wirklicher Unterschied besteht, da sie beide in der höheren Einheit der.jüdischen Wellherrschaft* aus» gehen, deren eine Zentrale der bolschewistische Kreml in Moskau seil Abgesehen von dem Kampf» der vor aller Augen und in allen Ländern zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten geführt wird und bei dem wahrhaftig die Fetzen fliegen, ist es Tatsache und in jeder Beröffenllichung der sozialistischen Zionisten nachzulesen, wie sie von den Sowietbehörden verfolgt werden, weder Dersamm- lungs- noch Preßfreiheit haben, in die Sowjetkerker und-ver- bannungsorte geworfen werden— ganz wie die Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre. Das alles aber sind nach völlischer Dar- siellung gleiche Brüder mit gleichen(gelben Juden-sKappen! Die Völkischen in Deutschösterreich haben bisher nicht ein einziges Mandat in Parlamenten oder größeren Gemeindevertretungen— trotz ihrem Gallermayer— ergattern können. Ihrem Straßenradau gegen Arbeiter und Republik wehrt der Republikanische Schutzbund und eine Polizeimannschast. die zum größten Teil freigewerkschaftlich organisiert ist. So fehll ihnen allerhand Betätigungsmöglichkeit, die sie anderswo genießen. Und darum haben sie sich den Zionisten- kongreß erkoren. Aber sie richten auch mit diesen verkehrten Demon- strationen nichts aus, erbittern gegen sich höchstens die Dielen in Wien, die von einer Steigerung des Fremdenverkehrs Einnahmen erhoffen, und zeigen aller Welt nur abermals ihren ideenlosen Un- geist der rohen Gewattätigkeit. Der Umfang des RadanS. Wien, 18. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Vorfälle, die sich m Montag in Wien abspielten, werden sowohl von der christlich- azialen wie der hakenkreuzlerischen und liberalen Presse stark ibertrieben. Wie die Polizei mitteilt, wurden 18 2 Der- !, a f t u n g e n vorgenommen. Bei mehreren der Verhafteten fand die Polizei Revolver. Schlagringe, Eisen stücke und Steine. Im wesentlichen bestand aber die Demonstration nur in einer Reihe von Radauszenen der'Hakenkreuzler. Die von der „Reichspost*, dem Organ des gewesenen Bundeskanzlers Dr. Sei» v e l, zur Demonstration aufgerufenen Christlichsozialen blieben dem völkischen Treiben nahezu vollkommen fern. An den Krawallen haben stcki nur einige hundert junge Leute beteiligt, an ollen Demonstrationen dürften nicht mehr als 2000 Personen teilgenommen haben. Die völkische.Deutschösterreichische Tageszeitungüberschreibt ihren Bericht mit dem Titel.Zwei Demonstranten gelötet*: im Bericht selbst ist keine Rede davon. Zwischen den Hakenkreuzlern und dem christlichsozialen.Antisemitenbund scheint es zu ein-'in Bruch gekommen zu sein, nachdem die Hakenkreuzler die christlichsozialen Antisemiten als zu schlapp erklärt hatten. Die Stimmung unter den Ehristlichsozialen ist offensichtlich tu, A b- flauen beyriffen. Ob das auf Weisung von oben geschieht, läßt iich nickt feststellen, nur vermuten. Im zionistischen Organ, der Morg�rzoitung*. erklärt aus ihr Befragen der christl.chsoziale Bundeskanzler Dr. Ramek. dessen Reg.erung den Z'on'sten- Kongreß nach Wien e i n gel a de n hat daß er uberzeugt fct, der Ziomsmu» verletze keine Interessen der christlichen Bevölkerung. «bschreckn«!, deS Fremdenverkehrs. Wien. IS August.(MTB.) Von den zionistischen Organisationen erhallen die Blätter die Mitteilung, daß man mit einem Zustrom von etwa 3 0 0 00 Gästen gerechnet habe, daß aber nach den letzten Vorfällen die Ziffer kaum 1000 0 erreichen dürfte. Der Kongreß selbst ist Dienstag abend von Dr. welzmann er- öffnet worden Bundesminister Dr. Resch(chr.-soz.) über- brachte die besten Wünsche der österreichischen Re- gierung. Rüiktvandernng ans Palästina? Warschau. Ig. August.(TU.) DerWosewodevonKotto» w i d berichtet der Regierung, daß in den letzten Tagen zahlreiche Juden au- Palästina eingetroffen seien, die in der letzten Zeit nach Palästina ausgewandert sind und jetzt nach Polen zurückkehren, da sich in Palästina keine En stenzmöalichkesten bieten. Die Emigranten lassen alles, was si« besaßen, in Palästina zurück und kehren in sehr schlecht« Lasoflnag in dr« alte Heimat znrück. Sahn durch die Stadt. Wer möchte es glauben, bah man jahrelang hinter der Stadt- bahn her sein kann, um etwas zu entdecken, was zum geistigen Wesen, zur Persönlichkeit Berlins zu gehören scheint? Die Stadtbahn, eine der sonderlichsten Eigenarten unserer Stadt, in die sie sich wohl mit wenigen anderen Städten teilt, ist damit nicht ersaßt, daß man sich das Berlin ansieht,— so gründlich dies mft flüchtigen Blicken geschehen kann—. was man an äußeren Dingen im Dorllberfahren bemerkt. Gewiß, es ist viel Reichtum, was sich uns bietet, aber die Offenbarung ist es nicht, und den Zauber, der nun einmal zum Begrissswesen Eisenbahn gehört, macht es nicht aus. Und geheimnisvoller Zauber geht gerade von dieser Stadtbahn aus, die mitten in eine Weltstadt die Ferne, die Sehnsucht nach ihr und die Poesie der Ferne, hineinlegt. Das. was man nicht sieht, wenn man oben auf dem Damm dahinfährt, ist das Märchen- reich unseres Suchens. Könnten wir gemächlich die Gleise dahin- wandern, es offenbarte sich uns eine neue und ganz andere Welt. Nichts hat sie gemeinsam mit dem Städtereich, das wir kennen, es ist ein Weg, der selbständig, ein Lebendes, ein Wirkendes für sich durch das Herz der Menschengemeinschaft geht, so ganz, als sei es nur für sich da, während er inmitten des steinernen Meeres dahinführt. Die Ferne mitten in der Stadt atmet oft berückende Stimmung. Da ist in der Nähe des Lessing-Theaters, geschmiegt an den Bahn- bogen, ein kleines Gärtchen mit einer freundlichen— Dorfwirtschaft. Wenige Schritte weg von der Straße, und wir sind ferne von Berlin und selbst hinaus über seine Vorstädte— Land, schlichtes, anmutiges Land. Im Garten reckt sich ein Wärterhäuschen in die Höhe, und wenn die Züge vorbeikommen, dann fängt das Häuschen zu erbeben und zu singen an, nicht das eiserne Wärterhäuschen allein, auch das Wirtshaus, da» in einen der traulichsten Winkel der Großstadt gestellt ist. Man kann dort wohnen— und nach Monaten fühlt man sich noch, heimkehrend von der Arbeit, im Dorffrieden, und sogar den Lärm, der in rhythmischen Abständen vorüberbraust, gewinnt man lieb, recht lieb, denn das singt von der Ferne und von der Arbeit und von der Menschenkraft. Wir wagen uns auf den Bahndamm— da schauen wir etwas, was wir sonst nicht zu sehen bekommen. Wir sind überrascht— sind wir denn überhaupt noch in Berlin? Ungeheure tot« Häuser- flächen stehen da. belebt nur mit Riesenreklameinschriften, al» seien hier nicht Menschen in der Nähe und zu Hause. Die Ferne greift nach uns, und wir vergesien die Stadt. Welter, weiter dorthin, wo Menschen sind! Und schon bietet sich uns neues: da sehen wir große und kleine Fabriken, von deren Vorhandensein wir keine Ahnung hatten, nur Menschen sehen wir nicht, denn die vorüber». fahrenden vollen Züge oerstärken in un» das Gefühl einer groß- artigen Einsamkeit und den Stimmungezauber der Ferne. Es ist eins der seltsamsten Stücke Berlins, was unbemerkt und schwer zugänglich, hier zwischen Lesiing-Theater und Bahnhof Friedrichstraße liegt— vede, feierliche Oed«, wechselnd mit gewal- tigen Arbeitsstätten und mit den Höfen von Häusern, die hier in einer sonst kaum gekannten, ganz ungroßstädtischen Kleinbürgerlich- keit den Vorüberfahrenden seffeln mühten, gönnte der Flug von Sekunden dem Auge Vermittlung nach Herz und Sinn. Das verbrechen an Sem Sonüerling. Ein RacheaN? Zu dem furchtbaren Verbrechen, dem der SO Jahre alle Kauf« mann Emil Lohmeyer in Germendorf bei Oranienburg zum Opfer gefallen ist, erfahren wir folgende Einzelheiten: Im Laufe des gestrigen Tages wurden von der Mordkommif- sion verschiedene Zeugen vernommen. Auf Grund ihrer Aus- sagen fft die Tat wahrsckeinlich schon am Sonntag verübt worden. Auch In bezug auf die Person des alten Lohmeyer hat sich jetzt ein andere» Bild ergeben. Er war geizig und mißtrauisch. und beide Eigenschaften nahmen mit den fortschreitenden Jahren immer mehr zu. E» war auch bekannt, daß Lohmeyer bares Geld auslieh. So sollen eine ganze Reihe von Leuten, nicht nur aus Gerniendorf selbst, sondern auch aus der Umgegend, in seiner Schuld gestanden hoben. Diese Leute bildeten durch ihre Verpflichtung in der Hauptsache seinen Kundenkreis. Sein Miß- trauen ging so weit, daß er die Käufer nur bis zum Ladentisch kommen ließ, die Hinteren Räume sind höchstens von 1 oder 2 Per» sonen außer ihm betreten worden. Hier wie im Laden herrschte die denkbar größte Unordnung und Unsauberkeit. Es wimmelte von Ungeziefer, seit langer Zeit waren die Räume nicht mehr aufgewischt und vom Staube gereinigt worden. Das Eh» gc schirr, die Möbel und das Bett waren in einer Weise vernach» täsiigt, die jeder Beschreibung spottet. Nach Aussage der anderen Dorfbewohner soll Lohmeyers Behausung stets so ausgesehen haben, wie die Berliner Beamten sie vorfanden. Am vergangenen Sonn- tag fand nun auf der Dorswiese, an der auch Lohmeyers Haus steht, ein Erntefest stall. Mehrere Festteilnehmer glauben, den alten Mann gegen 1 Uhr vor seinem Hause gesehen zu haben. Seit dieser Zeit hat ihn niemand mehr gesehen. Gegen K Uhr abends pflegte er sich bei einem benachbarten Bauern seine Abendmilch abzuholen. Hier ist er ani Sonntag nicht mehr erschienen. Er kam auch am Montag nicht zum Vorschein und wurde erst am Dienstag als Leiche aufgefunden. Es hat also den An- schein, als wäre der Mord am Sonntag zwischen 2 und S Uhr nachmittags begangen worden. Obwohl fast alle Dorfbewohner auf der Festwiese oersammelt waren, hat niemand eine verdächtige Person gesehen oder Hilferufe gehört. Ob überhaupt etwas geraubt ist. hat sich bisher noch nicht feststellen lassen: e« ist ober unwahr- scheinlich. Der Grund zu dem Verbrechen wird vermutlich in einem Racheakt zu sucken sein. Das Veil, das zur Ausführung der Tat wahrscheinlich benutzt worden ist, wurde noch nicht gefunden. Die Mordkomm�lsion hat sich wieder an den Tatort begeben, um weitere Nachforschungen anzustellen. Alle zweckdienlichen Mit- teilungen sind an das Gemeindebureau oder an dos hiesige Polizei- Präsidium, Zimmer 547b, zu richten. „Das Mittelalter im Tiergarten." Zu dem am lt. August im„Vorwärts* erschienenen Artikel ..Das M i t t e l a l t e r.i m Tiergarten*, den wir dem„Ver- liner Tageblatt* entnahmen, sendet uns das Bezirksamt Tiergarten folgende Berichtigung: Der Sachoerhalt, wie er durch Zeugenvernehmung einwandfrei festgestellt wurde, ist folgender: Am Freitag, dem 7. August 1925, einem Sprechtag, hat Herr Rechtsanwalt Löwenfeld, ohne daß hierzu die geringste Veranlassung vorlag, einen im Dienst befind- lichen Beamten unseres Wohnungsamtes in gröblichster Weise be- schimpft, indem er ihn„freches Subjekt* nannte. Gleichzeitig griff er ihn tätlich an, indem er ihm einen Faustschlag versetzte. Der Beamte hat den Schlag nicht erwidert, sondern hat den Angreifer nur in der Notwehr aus seinem Zimmer in den Darteraum ge- drängt und hat dabei in begreiflicher Erregung entgegnet:„Wenn ich für Sie ein freches Subjekt bin, dann sind Sie für mich ein freches.Ludensubjekt*. Hierauf oersetzte ihm der Rechtsanwalt, trotzdem sich verschiedene Personen zwischen ihn und den Beamten gedrängt hatten, einen zweiten Schlag, der ihn ins Aug« traf und mit solcher Gewalt geführt war, daß ein« erhebliche Schwellung und Verfärbung der Augengegend eintrat. Die Verletzungen de, Be- amten sind durch den Stadtarzt festgestellt. Auf das laute Schreien und das Toben des Anwalts hin erschienen der Bureauvorstcher und der Vorsitzende der Deputation für das Wohnungswesen. Letzterer hatte sich, nachdem der Aawall bereits vorher versucht hatte, gewalt- sam in sein Zimmer einzubringen, berett erklärt» ihn zu empfangen. Als er aber das unglaubliche Benehmen des Anwalts erfahren hatte, erklärte er ihm, daß er es nunmehr ablehne, ihm Geyör zu schenken. Gleichzeitig forderte er den Bureauvorsteher auf, falls der Rechts- anmalt sich nicht mäßigen sollte, ihn hinauszuweisen und bei Wider- stand polizeiliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er fügte hinzu, daß es nicht darauf ankäme, welchen Beruf jemand bekleide, sondern wie er sich ausführe. Der Anwalt wurde hierauf aufgefordert, die Dienst- räume zu verlasien, was er erst nach mehrfachem Hin und Her und schimpfend tat. Es wird ausdrücklich festgestellt, daß der Angriff von dem Anwalt ausging, daß andererseits der angegriffene Beamte— der als besonders ruhig und freundlich in seiner Dienst- stelle bekannt ist— und auch dessen hinzueilende Kollegen keinen Schlag gegen ihn geführt sondern den Angreifer nur zur Tür hin- ousgedrängt haben. Das Wort„Judendreckschwein* ist überhaupt nicht gefallen, ebensowenig hat der Vorsitzende den Ausdruck„Kerl* gebraucht. Gegen den Anwalt ist Strafanzeige erstattet. außerdem wird die Angelegenheit zur Kenntnis der Anwaltkammer gebracht werden. Die von dem Beamten in seiner begreiflichen Erregung gebraucht Aeußerung:„dann sind Sie für mich ein freches Judensubjekt*, kann natürlich vom Bezirksamt nicht gebilligt werden. Wir bedauern, daß das„Berliner Tageblatt* diese Mitteilungen gebracht hat, ohne vorher Erkundigungen einzuziehen. Auch die Vorgänge auf der Polizeidirektion haben sich nicht so abgespielt, wie sie von dem Anwalt geschildert wurden. Feuer in einer Fabrik fenerfester Erzengnifse. Ein gewaltiger Brand brach am DienStag abend bei der Firma Martin u. Pagenstecher, Fabrik feuerfester Erzeugnisi« in Köln-Mülheim aus. Das Feuer verbreitete sich mit Windes- eile auf die gesamte Fabrikanlage, so daß im Nu hauSbohe Flammen emporschosien. Bis in die Morgenstunden binein gelang es nicht, deS Feuers Herr zu werden. Ein großer Teil der Fabrikanlage ist niedergelegt. Der Brand drohte gefährliche Ausmaße anzunehmen, weil in nächster Nähe der Brandstelle ein großes Holzlager lag und unweit davon sich ein großer Gaikesiel befand, die aber beide glück- licherweis« vom Feuer verschont blieben.— Hoffentlich haben sich die in dem Gebäude aufgespeicherten feuerfesten Erzeugnisie fester gegen daS Feuer erwiesen als das Gebäude selbst. „Milchknappheit"— aber nnr in Berlin. Nach Meldungen aus Interessentenkreisen besteht in Berlin Milch- knappheit. Der Ausfall an Milch soll 50 Proz. und mehr betragen. Diese Knappheit wird auf Witterungseinslüsse, Mangel an Futter und dergleichen mehr zurückgeführt und ist merkwürdigerweise immer dann behoben, wenn erhöhte Preise fest- g e s e tz t s i n d. Im Gegensatz zu Groß-Berlin gibt es, wie uns mitgeteill wird, in den nicht eingemeindeten Bororten Milch im Ueberfluß, die aber wegen des hohen Preises und de» geringen Verdienste» der Arbeitnehmerschaft nicht abgesetzt werden kann. Um so ausfälliger ist es, daß die Bolle A.-G. fett Montag, die Ortschaften Zropenick, Grünau,«ebmöckwiü, Eichmalde durch ein großes neues Milchauto mit Milch, Sahne, Butter, Mar- garine usw. beglücken läßt. In Eichwalde sind drei Milchgeschäfte, die in jahrelanger, zäher Arbeit ausgewachsen sind und die täglich Ueber- stand an Milch haben. Der A.-G. Bolle liegt natürlich nicht so sehr die Sorge um die Milchversorgung der Bevölkerung am Herzen, wie die Erstrebung des Milchmonopols für Berlin und Umgegend. Wird diese Monopolstellung unter Vernichtung der kleinen Existenzen er- reicht, dann kann die Firma Bolle im Verein mit den Landbund- genossenschaften die P'reise diktieren für diejenigen, die noch zahlen können, dann wird auch die periodische Milchknapphest aufhören. Auch ein Zubllium. In der Rödernollee brannle zum 30. M o.l« der dortige Müllabladeplatz. Die Feuerwache Wittenau mußte mit mehreren Schlauchleitungen kräftig Sosier geben, um deS FeuerS Herr zu werden. Eine Lese» in unsere» Stalte», die nach langer«lrkeitSIosigleit endlich wieder Heimarbeit erhtell, bat am vergangenen Sonntag, abends gegen 6 Uhr. ein Patet mit 1t zugeschnittenen Damentleidern i« der Stratzen« bahn, Linie 68, liegen lassen. Der ftinder de« Pakete«, der beobachtet wurde, wird herzlichst gebeten, dasselbe an Frau Margarethe Pohl, Lichtenberg, Möllendorlstr. 28, abzugeben. Katastrophe auf einem amerikanischen dampfer. 23 Personen getStel. Rewport(Rhode Island). 19. August. Auf dem Dergnügungs- dampfer Mackincic, auf dem sich 6/7 Ausstügler, darunter viele Frauen und Kinder befanden, explodierte der Dampskesiel. Der ganz« mittlere Teil des Schiffes wurde durch die Explosion zer- stört. Unter den Pasiagieren entstand«ine Panik. 17 Personen erlitten durch den micsiröm-nden Damvi lidlich« Be-irdrouti�en. 75 wurden zum Teil sehr schwer verletzt Da sich die Explosion in der Nähe eines Marineübunasplatzes ereignete, tonnte das Schiff mit den darauf verbliebenen Passagieren, wenn auch unter arohen An- strengungen von den in der Nähe befindlichen Kriegsschiffen ans Ufer gebracht werden. Das Schlachtschiff Wyoming, sowie eine Reihe von Aufklärungskreuzern und Torpedobootszerstörern wurden durch Funkspruch an die Unglücksstätte gerufen und beteiligten sich an der Rettung der mit den Wellen ringenden Pasiagiere. Ein weiteres Telegramm meldet: Nach den letzten Meldungen beträgt die Zahl der bei dem Explolionsunolück auf dem Ver- gnügungsdampfer„Mackinae* umgekommenen Personen 23. Grosifener in L-uedlinburg. Quedlinburg a. Harz. 19. August. Heute nacht sind in Quedlinburg am Harz vier große Fabrikgebäude der Metall- warenfabrit Gebr. Arndt niedergebrannt. Unermeßlicher Schaden ist dadurch entstanden, daß Riesenvorräte fertiger Waren mit- verbrannt sind. Dos Warenlager, die Poliererei und der Packraum sind bis auf die Umfassungsmauern vernichtet. Wie weit der Be- trieb wieder aufgenommen werden kann, läßt sich zur Stund« noch nicht überblicken. Der Brand soll durch Selbstentzündung von Holz- wolle entstanden sein._ Sroft-öerliner partewachrickttea. 74. Abt. gehl«,dari. Wir ersuchen unserr Mtlgllebrr. welche MUglleder de, VoU-chor, 5<60 flnb, morgen abend unbedingt 0N der bereit» anzelUndigten Funstiondrsitzung weqm wichtiger Belorrchung ieilzunehnien. JtnoaaM».«>e am Mittwoch, den 19.«itonft salligr Mitgl. rderoersaimnlung findet »ich» statt. Nächste Dersammlang Mittwoch, 16«eplewder. Spott. Um die Weltmeisterschaft der Dauerfahrer. Am Dienstag sollte in Amsterdam der Kampf der Dauerfahrer um die Weltmeisterschast über 100 Kilometer beginnen. Und zwar sollte der erste und zweste Lauf am Dienstag, und der dritte und viere Lauf am Mittwoch mit sol- gender Einteilung steigen: I.Lauf: Grasiin. Banderstuyft, Toricelli: 2. Lauf: Linart, Heck, Blekemolen: 3. Laus:©eres, Saldo w, Andersen: 4. Lauf: Sawall, Euter, Snoek. Wie wir erfahren, wurde der erst« Laus nicht zu End« gefahren, da einer der Teilnehmer, Heck- Luxemburg, am Start nicht erschien »nb der Holländer Blekemolen da» Rennen ausgab. Der weiterfahrende Linart- Belgien blieb nun allein übrig und wurde zum Sieger des ersten Laufe, erklärt. Den zweiten Lo u k gewann G r a s s i n- Frankreich vor Banderstuyft-Belgien nnd TorteeLl-Ltollen. Gewerkschaftsbewegung Was nun? bildung sei notwendiger als eine Betriebsratsausbildung, zumal die Betriebsrätefrage für die Holzindustrie weniger dringend sei, da hier der Großbetrieb nicht dominiert. Die Frage der Heranziehung eines geeigneten jungen Nachwuchses sei in hohem Maße eine Frage der Begeisterungsfähigkeit für Ideen. Diese Begeisterungsfähigkeit ist zwar heute in der Jugend größer als früher, doch ist die Anziehungskraft der Gewerkschaftsbewegung in einer Zeit revolutionärer Bewegungen geringer. Wir können nicht versprechen strippen, die Brechstange löfte sich aus der Kettenschlinge und der Träger faufte in die Tiefe. Plößlich eine gewaltige Erschütterung des Tunnels bzw. der Absteifungsträger, die den Oberbau der Ronftruttion tragen und der 120-3entner- Träger wird- infolge falscher Weichenstellung der in den Tunnel führenden BahnBon besonderer Seite, die nur daran interessiert ist, daß die von seinem geraden Lauf abgelenkt und findet einen Salt an den stüßenden Trägern, die, 30 Zentner schwer, wie ein FidelBautätigkeit möglichst bald wieder in Gang tommt, wird uns gebogen zusammengedrückt werden. Durch den Zufall der falschen schrieben: Beichenstellung ist das größte Bauunglüd, das Berlin Selten ist durch einen Schiedsspruch die Situation zwischen den hier bedrohte, verhütet worden. Ohne diesen 3ufall hätte Parteien so verwickelt worden wie durch den salomonischen„ Durch der Träger das Pumpenhaus, die Vorrichtungen, die das Wasser schnitts" schiedsspruch für bas Baugewerbe. Für Berlin in der Tiefe halten, ebenso die Absteifungen, auf denen die Straßenwenigstens fann behauptet werden, daß die Unternehmer dede ruht, durch die ungeheure Wucht des Anpralls glatt wegrafiert. jelber nicht weniger von diesem Schiedsspruch überrascht wurden Der Tunnel wäre erfoffen und den nächstliegenden Häusern drohte der Einsturz. Eine Reihe vernichteter Menschenleben und über ihn entsetzt waren als die Arbeitnehmer. Sie wissen, daß hätten für Minuten das öffentliche Gewissen erschüttert und wohl wichtigste Arbeit in der Arbeiterbewegung iſt auf die gewerkschaftanderen bringen, selbst wenn er für verbindlich erklärt werden sollte. noch tiefer würde den ruinierten Millionenwerten nachgetrauert bewegung ein Nachwuchs heran, zu dem man Vertrauen haben sie mit diesem Schiedsspruch feinen einzigen Ziegelstein auf den aus, wie ihn die Arbeitnehmer aushalten können. Inzwischen aber wird nicht gebaut. Schließlich und endlich muß ja der Zeitpunkt kommen, da beide Parteien sich irgendwie auf vernünftiger Grundlage zusammenfinden müssen. Je länger aber dieser Zeitpunkt hinaus geschoben wird, um so länger ruht die Bautätigkeit, um so größer sind die Opfer, die auf beiden Seiten gebracht werden. Die Ber= Iiner Unternehmer sind sich auch darüber einig, daß die angedrohte Aussperrung nicht der rechte Beg ist zur baldigen Bei legung des Konflifts, ganz abgesehen von der Frage, wie lange fie es dabei aushalten können. Worauf es jetzt antommt ist, die Vertreter des Berliner Baugewerbes unverzüglich an den Verhandlungstisch zu bringen. Verhandlungen aus Anlaß eines eventuellen Antrages auf Verbindlichkeitserklärung werden zentral geführt und versprechen daher für Berlin feinen oder doch nur einen Erfolg erst nach weiterem langen Hin und Her. Je rascher es zu einer Verständigung kommt, desto besser für Unternehmer, Arbeiter und die Bautätigkeit. Es wäre also von Amts wegen oder wenn dies formale Schwierigkeiten macht von anderen Körperschaften der Bersuch zu machen, für Berlin in der Lohnfrage eine Einigung herbetzuführen. 97 Gerade durch den verfehlten Schiedsspruch ist die Stimmung in Berliner Unternehmerkreisen so, daß es nur des Anstoßes bedarf, um im Zeitraum von wenigen Stunden zu einer Berständigung zu tommen. Bietet sich der Bauarbeiterfchaft die Möglichkeit eines annehmbaren Vergleichs, dann wird auch sie bereit sein, dem Streit ein Ende zu machen, den sie nicht gesucht fie bereit sein, dem Streit ein Ende zu machen, den sie nicht gesucht und den sie nicht heraufbeschworen hat. Die Lage in der Herrenkonfektion. Die Arbeiterschaft der Berliner Herrenkonfektion befaßte sich in der am 17. August vom Bekleidungsarbeiterverband einberufenen Besammlung mit dem Schiedsspruch. Kuzzebach, Mitglied der Zentralleitung, wieß darauf hin, daß der in München durch das Reichsarbeitsministerium gefällte Schiedsspruch von derselben Instanz nicht für verbindlich erklärt wurde. Bei dem überaus schlechten Lohnstand von 71 Pfennig Stundenlohn für Berlin, der in den niederen Serien heruntergehe bis zu 64 Pfennig, hätte man erwarten dürfen, daß die Zulage von 12 Broz. von den Arbeitgebern angenommen würde. Trotz des hohen hohen Preisstandes für Betleidung lehnten die Arbeitgeber die Zulage ab. worden sein. Die Aufräumungsarbeiten nahmen längere Zeit in Anspruch. Der Umsicht und Anregung der auf dem Bau beschäftigten Poliere und Betriebsräte ist es zu danken, daß dabei Unheil verhütet wurde. Erst nachdem die nötigen Absteifungen durchgeführt waren, fonnten die ineinandergeflemmten Eisenträger ausgeschnitten werden. Am vorschriftsmäßig an seine Stelle gebracht. Da es sich hier um ein Nachmittag des 10. Auguft wurde dann der Träger sachkundig und städtisches Regieunternehmen handelt, müßte die Firma erst recht gehalten werden, auch die notwendigen und möglichen Schutz vorrichtungen nach den Bestimmungen der Unfallverhütungsvorschriften zu treffen. Der Vorfall muß zur War nung dienen und dazu führen, daß die Bauarbeiterschuhvorschriften nicht in solcher Weise vernachlässigt werden. " die Sterne vom Himmel zu holen. Die Gewerkschaftsbewegung verlangt nüchterne Sachlichkeit und kann also den Himmelsstürmern feine Konkurrenz machen. Doch unsere stabileren Ideen werden sich bald wieder durchsetzen. Die Die Gewerkschaften leisten praktische Arbeit im Klassenkampf. liche Heeressäule übergegangen. Hier wächst in unserer Jugendfann. Wirtschaft Zur Wiederkehr der Einfuhrscheine. Noch bei der Einbringung der Zollvorlage war sich die Reichsregierung darüber unschlüssig, ob sie gleichzeitig das Einfuhrscheinsystem der Borkriegszeit wieder in Kraft setzen sollte, das befanntlich eine Ausfuhrprämie für deutsches Getreide darstellt und vor dem Kriege den größten Teil des Ertrags der Getreidezölle wieder aufzehrte. Kaum ist die Zollvorlage unter Dach und Fach, so läßt die Regierung erklären, daß man sich schon über die Schaffung der Einfuhrscheine einig sei, daß man nur einige Aenderungen gegenüber der Vorkriegszeit vornehmen wolle. Zur Klärung dieser Frage fand am Montag im Reichstag eine Sigung der in Reichsernährungsministeriums von Ministerialdirektor Beyerlein geleitet wurde. Dabei wurde von allen Seiten die Wiedereinführung der bisherigen Einfuhrscheine gefordert. Der Getreidehandel ver langte unter Zustimmung des Regierungsvertreters, daß die Einfuhrscheine nur auf die Zölle für Getreide zur Abrechnung tommen sollen, nicht aber, wie es zeitweilig auch der Fall war, auch für Kaffee oder Petroleum. Zigarren und Zigarettenverkauf in Gaststätten. In einer„ ll nlautere Geschäftsprattifen" überschriebenen Notiz in Nr. 180 des Vorwärts" vom 17. April wurde gegen die Firmen Willy Wiesner, Rottbuser Ufer 25a, und Rudolf Jahn, Potsdamer Straße 27a, die in einer Reihe von Ber- teressierten Sachverständigen statt, die im Auftrage des liner Gastwirtsbetrieben den Zigarren- und Zigarettenverkauf gepachtet haben, folgender Vorwurf gerichtet: Von den Angestellten der Firma würden auf die Tabakwaren 10 Proz. Aufschlag erhoben. Das Publikum zahle diesen Aufschlag in der Meinung, er stelle das für Kellner übliche Bedienungsgeld dar. Die Firmen zahlten jedoch den Verkäufern nur 6 Proz. und steckten die übrigen 4 Proz. in ihre Tasche. Diese Darstellung wurde in Nr. 191 des„ Vorwärts" vom 23. April dahin berichtigt, daß die Firma Jahn ihren Ver. fäufern die 10 Proz. voll ausbezahlt, auf sie also die gerügte Geschäftspraftit nicht zutreffe. Der Firma Wiesner gegenüber wurden jedoch die gemachten Angaben aufrecht er. halten. Die Firma Wiesner hat uns nunmehr in Berfolg eines Schiedstermins Gelegenheit gegeben, in ihren Geschäftsbetrieb Einficht zu nehmen. Dabei stellten wir fest: Die Interessenten, die mit dem Handel von Einfuhrscheinen ein gutes Geschäft machen, verlangten übereinstimmend die Einfuhrscheine mit sofortiger Wirkung. Demgegenüber betonte die Regierung, es bestände die Gefahr, daß die Einfuhrscheine in der nächsten Zeit nicht der eigenen Landwirtschaft zugute fommen wür den, da man versuchen werde, das in großer Menge hereingeströmte Auslandsgetreide wieder auszuführen, um in den Besiz der Zollvergütung zu gelangen. Es find näm1. daß die Firma auf Grund einer behördlichen Ermächtigung lich gewaltige Mengen von Getreide und Mehl im Juni und Juli Dom 29. August 1923 berechtigt war, auf ihre in Gaststätten dieses Jahres hereingekommen, von einzelnen Waren fogar mehr feilgehaltenen Waren einen Aufschlag von 10 Proz. zu er heben. Von dieser Berechtigung machte die Firma Bebrauch, als im ganzen Jahre 1913. Von einem Sachverständigen des Geindem sie den Aufschlag direkt auf den Kleinverkaufs: treidehandels wurde allerdings gegen den Widerspruch anderer vorpreis legte, so daß ihre Berkäufer oder Verkäuferinnen einen geschlagen, eine zwei- bis dreimonatige Uebergangszeit einzuführen, besonderen Aufschlag für sich nicht zu fordern hatten; innerhalb deren jeder Getreideexporteur eine eidesstattliche Ver2. daß den Berkäufern der Firma nicht 10 Proz. Versicherung abzugeben habe, daß es sich nicht um Auslandsgetreide gütung zugefichert wurden. Die prozentuale Bergütung handelt. richtete fich vielmehr je nach dem durchschnittlichen Umfah, der in den einzelnen Lokalen verschieden groß ist, und auch hier wieder je nach der Jahreszeit wechselt. Berkäufer in größeren Lokalen er halten nur 6 Proz. Provision, solche in Lokalen mit geringem Umfaz dagegen bis zu 20 Proz. Bei großem Umjag ergeben 6 Broz. natürlich einen wesentlich höheren Verdienst, als etwa 10 und mehr Prozent bei geringem Umfaz. Die Firma Wiesner sucht einen gewiffen Ausgleich au schaffen, indem sie die Provision je nach ginen in den allgelnen gotaten verschieben bemist, der Umfagmöglichkeit in den einzelnen Lokalen verschieden bemißt. Das Einkommen der Verkäufer aus ihren verschiedenen Provifionen schwankt trotzdem in der gegenwärtig stillen Zeit zwischen 17 und 30 Mart wöchentlich. Der Verbandstag hat nun die Weisung gegeben, örtliche Lohnforderungen zu stellen, da an verschiedenen Orten schr wohl die Möglichkeit besteht, daß die Parteien sich einigen. Allein der Arbeitgeberverband hindere auch diesen Weg, da er das. Bestreben habe, die Richtlinien der Bereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände durchzuführen. Um alle m: alle weiteren Maßnahmen zu treffen, ist zu morgen, Donnerstag, die Reichskonferenz der Herrenkonfektion nach Berlin berufen worden. Die Stellungnahme der Konferens sei abzuwarten, damit eine Verzettelung der Kräfte vermieden wird. In der Diskussion verlangten verschiedene Redner sofort attive Maßnahmen, während ein anderer Teil das Verhalten der Arbeitgeber fennzeichnete. In seinem Schlußwort wies der Referent auf die Beschlüsse des Verbandstages hin, der die Grundlage für die Stär. tung und den Ausbau der Organisation geschaffen habe. Das Verhalten des Arbeitgeberverbandes liefere so unendlich viel Agitationsstoff, daß auch der letzte Mann und die letzte Heim arbeiterin für den Deutschen Bekleidungsarbeiterverband zu geminnen seien. Die Haltung der gut besuchten Versammlung ließ erkennen, daß fie die Beschlüsse der Organisationsleitung billigt und tatkräftig dafür eintreten werde. Bernachlässigter Arbeiterschuh. Beim Bau des Untergrundbahnhofs Hermann. plaz führt die Firma Drudemüller die Eisentonstruktionsarbeiten aus. Wie uns berichtet wird, wird dabei mit einer ge. radezu sträflichen Leichtfertigteit vorgegangen. Die Unfallverhütungsvorschriften scheinen für die Firma nicht zu existieren. Die meist recht jungen Arbeiter müssen ihre Arbeien unter lebensgefährlichen Verhältnissen aus führen. An einer Stelle sind über einige Balfen drei Bretter gelegt, auf denen die Feldschmiede steht, an der die Leute arbeiten. Dort, wo jeweils gearbeitet wird, wirft man einfach ein Brett herüber. Tritt der Arbeiter auch nur einen Schritt auf dem Brett über den Balfen, dann gibt es eine Wippe" und der Mann stürzt in die Tiefe nur weil das Brett nicht befestigt wird. Am Donnerstag, den 6. August, hatte die Firma einen 120 3entner schweren Eisenträger nach dem Bauplatz gebracht, um ihn in den Tunnel hinabzulassen. Die Arbeit wurde in der mangelhaften Weise ausgeführt, daß um den Träger eine Kette geschlungen und dann durch die Kettenverschlingung eine eiserne Brechstange gesteckt wurde. Die Stange wurde an jedem Ende mit einer etwa 3 millimeter starten Eisendrahtstrippe befestigt, die Strippe über eine Winde gelegt und ihre Enden an den Bauzaun gebunden. Als der frühere Träger taum einige Meter auf abschüssiger Bahn gerutscht war, rissen die DrahtLinoleum- Spezialhaus Auslegen von Dielen, Kinos, Cafés, Treppenaufgangen durch meine eigene Linoleum- Legerei Vertreterbesuch ohne Verbindlichkelt Kostenanschläge vollständig gratis Reparaturen werden sauber und billig ausgeführt Großes Lager In Tapeten, Läuferstoffen, Kokos- u. Fußabtretern Billigste Preise bel kulantesten Bedingungen 017 Grüner Weg 40 Tel: Königst- 728.5255 Haker N 31 Brunnenstr.67 Eing. Demminer Str. 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August wegen angeblicher Unrentabilität beschlossen. 1300 Arbeiter und Angestellte werden entlassen. Es handelt fich hier um die dritte dem Lothringer Konzern gehörende Zeche im Landkreis Hörde, welche ftillgelegt wird. Bon den vorhandenen 17 3e chen im Landkreis Hörde sind jezt noch fünf in Betrieb. In etwa 14 Tagen wird über die Stillegung der Zeche" Admiral" beschlossen. Auf dem Phönir" in Hörde wird am 28. Auguft eine Steinfabrit mit 50 Mann Belegschaft stillgelegt. Am 15. August sind auf den Blechwalzwerken des" Phönig" in Hörde etwa 800 Mann„ bes urlaubt" worden. Beifriff der oberschlesischen Werke zur Rohftahlgemeinschaft. Berlin, die Oberschlesische Eisenindustrie- Gesellschaft, Gleiwiß, und Wie die Konjunktur- Korrespondenz" meldet, sind das Borsigwert, die Oberschlesische Eisenbahnbedarfs A.-G. dem Abkommen zwischen treten. Dieses Abkommen gilt für die Erzeugnisse dieser Märkte der Eisen schaffenden und Eisen verarbeitenden Industrien beigerückwirkend vom 1. März 1925. fabrikanten von Australien hat vor der Handelskammer von Mel Deutsche Klaviere in Australien. Ein Vertreter der Klavierburne erklärt, daß seit der Aufhebung des Einfuhrverbotes von deutschen Klavieren nach Australien im Jahre 1922 die Einfuhr von deutschen Klavieren einen solchen Umfang angenommen habe, daß 46 Proz. des gesamten australischen Klavierhandels deutscher Herkunft seien. Vor dem Jahre 1922 wurde fein einziges deutsches Klavier in Australien verkauft. Aus der Partei. Handbücher der amerikanischen Arbeiterbewegung. Die amerikanische Arbeiterbewegung verfügt über ein vorzüglich arbeitendes Studieninstitut, die Rand School of Social Science, unter dessen Anleitung auch verschiedene Publikationen erscheinen, die als Nachschlagewerke und Hilfsbücher von großem Nußen sind. So ist vor kurzem ein Verzeichnis der amerikanischen Arbeiterpresse( American Labor Preß Directory) erschienen, das neben einer genauen Zusammenstellung aller Zeitungen der Arbeiterbewegung auch eine kleine Uebersicht der Hauptorgane der anderen Länder enthäit. Das amerikanische Arbeiterjahrbuch ( American Labor Dear Boot) 1925 ist gleichfalls vor kurzem herausgekommen; dieses übersichtliche Handbuch ist von seinen früheren Jahrgängen her wohlbekannt. Schließlich wird in der allernächsten Zeit ein amerikanisches Personenlerikon der Arbeiterbewegung ( American Labor Who's Who) erscheinen, das auf 400 Seiten ungefähr 1500 biographische Notizen über die in der amerikanischen und internationalen Arbeiterbewegung hervorragend tätigen Per Herne, 19. Auguft.( Eigener Drahtbericht.) Am 11. September wird die Zeche Teutoburgia" des Bochumer Vereins volltommen stillgelegt. Von der Entlassung werden 800 Bergsonen enthalten wird. Eine ähnliche Publikation gab es, abgesehen leute und 35 Beamte betroffen. Verbandstag der Holzarbeiter. Stuttgart, 18. Auguft. Der zweite Sigungstag brachte den Abschluß der Aussprache über den Borstandsbericht. In seinem Schlußwort fündigte Tarnow den Kommunisten, die heute im Verband erledigt sind, schärfste Abmehr gegen etwaige weitere Störungsversuche an. Durch das Branchenreffort beim Verbandsvorstand sollen die Zentralkommisfionen nicht ausgeschaltet werden. Eine bessere GewerkschaftsausSchlafzimmer! Eiche, prima Arbeit, kompl. mit Federboden- Auflage, echtem Marmor, Stühlen, Handtuchhalter 160 cm 180 cm gr. Schrank 695 M. 745 M. frei Haus Auch Einzelstücke werden hiervon abgegeben. Paul Neugebauer G. m. b. H. Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 128 Ecke Schillerstraße Erste Etage Kein Laden von dem französischen sozialistischen Lexikon von Compère- Morel bisher nur in England( The Labour Who's Who 1924), doch war diese auf die Biographien der Angehörigen der englischen Arbeiterbewegung beschränkt. Das verdienstvolle Studieninstitut( Labor Research Department) der Rand School of Social Science steht unter der Leitung der Genossen Solon de Leon und Nathan Fine. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn: Feuilleton: Dr. John Sailowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen Th. Glode: sämtlich in Berlin. und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GW. 68. Lindenstrake 3. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher. Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. 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