flc. 391 ♦ 42. Jahrg. Ausgabe A Nr. 200 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich S.— Reichsmark voraus»ahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland. Don, ig. Saar- und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen. Luxemburg 4L0 Reichsmark, für das übrig« Ausland 5,50 Reichsmark vro Monat. Der.DormSrts' mit der Sonntags» b«ilase.Volk und kieit� mit»Sied» luna und Kleingarten� sowie der Beiloge»Unterhaltung und Wissen� titld ffrauenbeilage»Frauenstimme� erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: .So,iald«»»krat Berlin' Morgenausgabe r*- Derlinev Volksblatt (lO Pfennig) Anzeigenpreisc: Di« einsvatttge Nonvareillc- »eile 80 Pfennig. Rcllamezeile 5.— Reichsmark,„»leine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 25 Pfennig tzuläsfta zwei fettgedruckte Worts!. jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wart 15 Pfennig, Icdcs weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- staben zählen für zwei Wort«. Familienanzeigen für Abonnenten geile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 40i Uhr nachmittags im Sauptgeichäft, Berlin SW 08. Linden» straste 3, abgegeben werden. Geöffnet von 3 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorcyan der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfcblands Redaktion und Verlag: Serlin EW. öS, Lindenstraße Z Redaktion Döubof?— 295 Verlag: Dönhoff 2599-2507 vorwärts Verlag G.m.b.H., Serlin EW. HS, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Berlin.'17331;— Bankkonto: Direktion der DtSkovt-.Sescllschaft. Teposttenkasse Lindcnftraste» Die Paktnote> Billigung durch Belgien und Jialieu.— Paris,»S. August. g a l s ihren Anschluß vollzogen. Die Sozialistische Jnter- � nationale besitzt heute, mit der einzigen Ausnahme der etwas starrcöpfjgen schweizerischen Partei, die überhaupt keiner internationalen Organisation angehört, ihre Sektionen in allen Staaten Europas. Besonderes Interesse darf in diesem, auf die, organisatorischesAufbauarbeit" bezüglichen Kapitel noch die vielumstrittene Frage des„Standorts" des Internationalen Sekretariats beanspruchen. In der Ham- burger Sitzung der Exekutive, die unmittelbar nach dem Kongreß stattfand, wurde bekanntlich London als Sitz des Sekretariats bestimmt, jedoch haben sich seither infolge der wenig zentralen Lage Londons im Verhältnis zu den wich- tigsten europäischen Parteien und aus einer Reihe von anderen Gründen diejenigen Stimmen gemehrt, die eine Ver- legung des Bureaus nach dem Kontinent wünschen. Der kommende internationale Kongreß wird darüber zu bestimmen haben, ob diesem Wunsche, her zweifellos vieles für sich und wesentliches gegen sich hat, Folge geleistet werden wird. In der jüngsten Befragung der Parteien durch das Sekretariat hatte sich eine Stimmengleichheit für und gegen London ergeben. Unter dem Abschnitt„Beziehungen zu anderen inter- nationalen Organisationen", der das Verhältnis der Inrer- nattonale zum Internationalen Gewerkfchaftsbund, zum Internationalen Genossenschaftsbund, zum Internationalen Sozialistischen Frauenkomitec, zur Sozialistischen Jugendinternationale und zur Kom- munistischen(sogenannten 3.) Internationale behandelt, wird man mit besonderem Interesse insbesondere über die Be- Ziehungen zur letztgenannten Organisation nachlesen. De? Tätigkeitsbericht des Sekretariats stellt fest, daß die SAI. in der Berichtsperiode mit der Kommunistischen Internationale nur einmal in direkte Berührlmg getreten ist, als das Sekreta- riat anläßlich des Todes Lenins ein Telegramm nach Moskau sandte, in der die der Kommunistischen Internationale an» geschlossenen Proletarier„trotz aller tiefen Gegensätze über den Weg, den die Arbeiterklasse zu gehen hat", des Beileids der soziaiislischen Arbeiterschaft der Welt versichert tvird; Außer diesem Telegramm bestand weder zur 3. Internationale noch zu irgendeiner anderen kommunistischen Organisation irgendeine Beziehung. Im übrigen sah sich die Londoner Internationale genötigt, infolge der durch die»Linternationale Arbeiterhilfc" geschaffenen Mißverständnisse den ihr an- geschlossenen Parteien das Material über diese von Moskau inspirierte Organisation zu übermitteln und den Charakter dieser unter neutraler Flagge segelnden Organisation zu entlarven. Der letzte Teil des Berichts, der eine Uebersicht über die Struktur, die Kämpfe, die parlamentarische Tätigkeit und die besonderen Probleme sämtlicher der Internationale an- geschlossenen Parteien bietet, darf allgemeines Interesse be- anspruchen' Er ist die beste, ja die einzige vorhandene Uebersicht über den augenblicklichen Stand der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung. Diese Seiten sind von größte? Wichtigkeit für jeden, der sich selbst eine eigene Vorstellung von der Verteilung der Machtverhält- nisse zwischen den bürgerlichen und sozialistischen Parteien der Welt bilden will. Aus dieser Aufstellung geht insbesondere für den kritischen Betrachter mit größter Deutlichkeit hervor, daß der Schwerpunkt der Internationale heute noch in Europa und insbesondere in Zentral-Europa liegt. An außereuropäischen Parteien sind lediglich die sozialistischen Parteien Amerikas(lövEO Mitglieder), Argentiniens (rund 10 000 Mitglieder), Armeniens(rund 60 000 Mit- glieder), Britisch-Guyanas(rund 1000 Mitglieder), Georgiens (18 000 illegcaler Mitglieder), Palästinas(13 000 Mitglieder) angeschlossen. Parteien, die alle insgesamt in ihren Ländern mehr oder minder innerpolitisch bedeutungslos, teilweise sogar illegal(Armenien, Georgien), sind und alle zusammen ge- Hammen nicht an den Mitgliederbestand eines einzigen gut- organisierten europäischen Staates von kleinerem Umfang heranreichen. Die Einzelski, zzen geben einen ausgezeichneten Ueberblick. Es ist leider nur zu bedauern, daß bei diesen Dar- ltellung�n die verschiedenartige ideologische Einstellung der Parteien nicht den nötigen Ausdruck findet. Dies würde für die Beurteilung des gegenwärtigen Standes der internatio- nclen Bewegung von ganz außerordentlicher Bedeutung sein. Adler hat in einem, auch in der deutschen Parteipresse ver- öffentlichten Brief, in dem er um seine Enthebung vom Posten des internationalen Sekretärs ersucht, dies Problem gestreift und festgestellt, daß„die Marxisten in der internationalen Arbeiterbewegung eine Minderheit darstellen". Darüber näheres zu erfahren, wäre für jeden, der sich vor Illusionen zu hüten wünscht, wichtig gewesen. Vielleicht genügt diese Anregung, damit das Versäumte im nächsten Bericht des Internasionalcn Sekretariats nachgeholt wird. Diese naturgemäß flüchtige Betrachtung des vielfältigen Inhalts des Berichts abschließend, wird man sagen dürfen, daß tatsächlich, wie das Sekretariat in feinem Bericht fest- stellt, der organisatorische Aufbau in den zwei verflossenen Iahren überraschend gut gelungen ist— allerdings lediglich für. Europa. Die überwältigend große Aufgabe der nächsten Epoche, nach der organisatorischen Seite hin. die werdende Arbeiterbewegung, des Ostens— um die die Kommunistische internationale mit so großem Eiser ringt—, in die sozio- listische Internationale einzubeziehen, steht noch bevor. Sie wird eine der schwersten Proben auf die Fähigkeit der neu- zawählenden Exekutive der Internationale bedeuten. Denn hier wird sie. mit geringeren Mittel finanzieller Natur mit Der 3. Internationale zu ringen haben, die auch moralisch in ihren Mitteln weniger wählerisch, hinter sich den wirklich gut funktionierenden Apparat Moskaus, ihre Propaganda- Maschine seit Iahren fast ausschließlich in den Dienst der Agitation unter den erwachenden Völkern des Fernen Ostens gestellt hat. Urlaub von der Musik. l. tido-venedig, 10. August. Zeichen des Urlaubs und der gestärkten Nerven: man schaut nur' clie acht Tage in eine Zeitung. Zeichen des ewigen Stillstands: man entdeckt mit jedem Blick Unmöglichkeiten. Zum Beispiel: der Wiener Ober-Agent Guttmann hat Kleiber zu 12 Konzerten in Buenos Aires engagiert. Zeit: September und Oktober. Das heißt Abwesenheit eines Hauptverantwortlichcn der Oper für vier Monate, iv der Hochsaison. Nicht acht Tage dürfte er fehlen, oder er muß einen würdigen Ersatzmann in der Tasche haben. Daß er sich gegen Klemperer wehrt, ist verständlich. Dauernd kann aber Kroll nicht Oper zweiten Ranges bleiben. Die Spuren schrecken so gewaltig, daß ein Vertrag, in dem auf Jahre hinaus keine Prominenz neben Kleiber geduldet wird, als unsittlich, als kunsthinderlich beseitigt werden muß. Zweite Notiz: Bruno Walter hat mit den Proben in der Städtischen Oper begonnen. Das ist ein kontrollierbares Gerücht. Seit seiner Ernennung zum General hat Walter dl« Reichshauptstadt gemieden. Er ließ nur die einzelnen Offiziere, als da sind: Press«, Intendanz, Künstlerschaft, im Paradeschritt vor sich Revue passieren, nickte gnädig und erholte sich zu Beginn seiner Amtspcriode gründ- lich. Ansang August wußte noch kein Künstler in der Stadtoper, welche Rollen er studieren sollte. Zwischen Mitte und Ende August dirigiert Walter in Salzburg. Und Mitte September Eröffnung des Hauses? Der Maurerstreik, begreif ich wohl, kam allen sehr gelegen. Man streikt init. Letzte Notiz: Der Bildhauer und Architekt Poelzig hat den Auftrag bekommen, den Philharmoniesaal künstlerisch um- zugestalten. Man saßt sich zweifelnd an den Kopf, aber auch mit oaeuds. Endlich eine Umwälzung, endlich ein Weg, äußerlich in dem stimmungmordenden Lokal der Bornburger Straße Freude. Lust des Mitgcnisßcns zu erzeugen, endlich der Ausstieg vom Stall zum Fcstsaal. Die Freude ist kurz, der Wahn ist lang: es handelt sich um Wien, nicht um Berlin. Wir werden also warten, bis die Stadt Berlin»ihren" Kunsttempel baut.— Die Intendanten und General- musiker stellen jetzt ihr Repertoire für den Winter zusammen. Nun wechseln zwar die Leiter sehr oft, die Spielpläne aber selten. Der Berliner Opernspielplan ist steril seit Iahren. Er pendelt immer und ewig zwischen Wagner und Puccini hin und her, wobei er gelegentlich, an außerordentlichen Tagen, Mozart und Verdi berührt. tzroufführuugen gibt es nicht. Erstausführungen kaum. Bisher ver- lautete nicht, daß Busonis„Faust". Puccinid„Turandot", Boitos „Neronc" angenommen sei. Für die ausländischen Gäste, besonders aus Italien und Rußland, wäre Sorge für einen größeren Reichtum an Wecken zu tragen. Wie oft noch soll„Tosco" und„Rigoletto" Herhalten, um Stimm-Tummelplatz zu sein? Wir langweilen uns zu Tode. Wie wäre es mit dem„Mephistopheie" von Boito, um Schaljapin zu locken, mit der„Gioconda" von Ponchielli, um Pattiera oder Gigli zu haben, mit Donizettis„Liebestrank" und„Lucia", mit Meyerbecrs. Robert" und„Hugenotten". Verdi hat einen „Don Carlos", einen„Othello", einen„Forza bei destino" geschrieben, einen„Falstass" gar. Gluck und Händel sollen ja, wie Weber und Marjchuer m Echarlottevburg Pslegestätte finden. Gut so. Bielleicht die Verantwortung für üie Wirtschaftskrise. Demokratischer Aufruf gegen die Politik der Rechtregierung. Die Deutsche Demokratische Partei und die demokratisch« Reichstagsfraktion erlassen gemeinsam einen Aufruf, der die Politik der demokratischen Partei in den abgeschlossenen parla- mentarischen Kämpfen begründet und für die Zukunft Fort- segung der oppositionellen Haltung der Demokraten gegenüber der Regierung ankündigt. Der Aufruf stellt fest, daß fast alle verabschiedeten Gesetze unter Bruch von Wahlver- sprechungen, insbesondere von Versprechen der D e u t s ch- nationalen und der W i r t sch a f t s p a r t e i, zustande gekommen sind. Er betont die Verantwortlichkeit der Regierungsparteien für Wirtschafts- krise und Teuerung: „Erstes Gebot ist heute die Stärkung der deutscheu Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung deutscher Ausfuhr. Die jetzt verabschiedeten Steuergesetze aber be- lasten die deutsche Wirtschaft mit einer Jahreslei st ung von 10 bis 11 Milliarden, erhöhen damit die Produktionskosten und die Kosten der Lebenshaltung und schwächen Deutschland Im Kampf um die Weltmärkte, der für das deutsche Bolk. ein Existenzkampf schlechthin ist. Die Zollgesetze, deren Zweck die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit mit dem Ausland sein müßte, erschweren durch ihr geistloses Durcheinander von Kampf-, Berhandlungs- und Mindestzöllen die Handelspol i- tischen Verhandlungen und bedrohen uns mit der Gefahr, daß weitere ruinöse Wirtschaftskonflikte den unglücklichen Berhand- lungen der letzten Monate folgen. Di« jetzige, von der Rechten beherrschte Regierung kann, eingeengt durch die Forderungen von herrschbegierigen Interessenten, das deutsche Volk nicht aus der schweren wirtschaftlichen Krisenzeit, in die es hineingeraten ist, herausführen. Die gleichmäßige Ver- teuerung aller Waren, der Lebens- wie der Produktions- mittel, der Rohstoffe wie der Fertigwaren, ist die Folg« ihre» wirtschafts- und finanzpolitschen Systems." Die Rechtsparteien tragen die Verantwortung vor dem ganzen Volke. Die Opposition gegen ihre Politik ist nicht be- schränkt auf den Kreis der Parteien, die im Parlament gegen sie gekämpft haben. Sie erfaßt weite Volkskreise, die noch bei der letzten Wahl den Rechtsparteien ihre Stimme gegeben haben, und nun sehen müssen, wie ihre Jnteressen mit Füßen getreten werden. Die Entschließung der westdeutschen Z e n- trumsarbeiter, die wir gestern veröffentlichten, ist so gut wie der Aufruf der Demokratischen Partei ein Ausdruck der oppositionellen Stimmung im Volke gegen die Politik der Rechtsregierung. Sie wird der Abrechnung nicht entgehen. was geschieht gegen üie Teuerung? Man will die Preisprüfung beseitigen! Den Vätern der Zollvorlage war es schon bei ihrer De- gründung vor dem Reichstag nicht übermäßig wohl. Reichs- kanzler Dr. Luther hat in seiner Rede sogar eine Aktion in Aussicht gestellt, die eine übermäßig verteuernde Wirkung der Zölle verhindern sollte. Was bisher daraus geworden ist, darüber hört man nur wenig. Es sollen tatsächlich Besprechungen innerhalb der Reichs» und Länder- regierungen- im Gange sein, die Maßnahmen gegen die bereits außerordentlich drückende Teuerungswelle zum Gegenstand haben. Was dabei herauskommen w'td, das kann man sich jetzt schon ungefähr vorstellen. Die Sache muß wie das H o r n< berger Schießen endigen, da man ja die Zölle ab»! sichtlich zum Zwecke der Preis st eigerung und Preis» erhaltung geschaffen hat. Entweder man beseitigt sie wieder— das erlauben die Deutschnationalen nicht und die Reichstagsmehrheit ist bekanntlich für solche Aufgaben zu müde—, oder aber man versucht mit- notwirtschaft- lichen Maßnahmen das Preisniveau unter den Stand zu senken, der nach der Einführung der Zölle nun ein- mal das Normale wäre. bleibt Zeit, Cherubinis„Faniska" einzustudieren, den klassischen Bor- läufer Beethovens und Webers. Schuberts Singspiele, Wolfs„Corre- gidor", Wolff-Ferraris„Vier Grobiane", Roetzels„Meister Guido", die„Inderinnen" von Verlioz Wagners„Rienzi" und„Liebessee", auch eine komische Oper Siegsried Wagners, Straußens„Feuersnoi", die drei Einakter von Hindcmitt, die neuen Balletts von Krenck und Thießen— meine Herren von der verantwortlichen Leitung: wie dünkt euch all das? Es heißt immer, es gäbe keine Opern. Es gibt sicher noch weniger Direktoren, die nach Opern suchen und die es riskieren, so etwas wie besonderen Stil oder Geschmack zu beweisen. Urlaub von der Musik: in Italien, dem Land der guten Kehlen gibt's das nicht. Aber es gibt hier auch keinen Konzertbetrieb. Laßt uns in acht Tagen wieder in die Zeitung blicken! Kurt Singer. Ein Schutzorgan gegen Gasvergiftung. Nach Untersuchungen des englischen Profesiors Joseph Barcrost, die in der bekannten Aerztezeitschrist„Lancet" veröffentlicht sind, ist die M i l ein Schutzorgan gegen Vergiftungen durch Gase. Die Milz enthält eine Blutreseroe, die sich am Blutkreislauf nicht beteiligt, sie bildet ein Hämoglobinreservoir des Körpers. Atmet ein Versuchstier Kohlenoryd in noch nicht tödlicher Menge ein, so läßt sich das Gas in den Blutproben nachweisen, nur nicht in dem Blute der Milz. Das hatte schon früher der deutsche Arzt Heger beobachtet. Bei Kaninchen, die Lust mit 0,1 Proz. Kohlen- oxydgas eingeatmet haben, vergehen zwanzig Minuten bis auch das Milzblut dieselbe Menge Gas aufweist wie das Blut des Kreislaufes. Man kann diese Frist auf vier Stunden und länger ausdehnen, wenn der Kohlenoxydgehalt der Luft so niedrig ist. daß die roten Blutkörperchen sich nur sehr langsam mit dem Gase anreichern. Bringt man die Tiere dann wieder an die frische Lust, so erholen sie sich, und zwar reinigt sich zuerst das Kreislausblut: erst nach einer Stunde wird auch das Milzblut gasfrei. Sorgt man dafür, daß die Tiere sich lebhaft bewegen, so findet der Ausgleich viel schneller statt. Die Milz hat also die Eigenschaft, sich von dem Blute des allgemeinen Kreislaufes abzusperren. Sie dient als ein Schutz für die Fälle, wo im Körper eine Verarmung an Hämoglobin ein- tritt. Bei milzlosen Tieren tritt der Tod durch Kohlenoryovergistunq viel rascher ein als bei normalen. Die Versuch« mit Dlausäuxe. die anders wirkt als Kohlenoxyd, ergeben keinen Unterschied zwischen normalen und milzlosen Tieren. Dr. M. Alfred Zllerz gestorben. Der ordentliche Professor für Tiefsee. aeographie an der Berliner Univetfltät Alfred Merz ist in Buenos Aires an den Folgen einer schweren Lungenentzündung gestorben. Er war mit einer Tiefseeforschungsexpedition, die er selbst zusammen- gestellt und ausgerüstet hatte, nach Argentinien gefahren und unter. wegs erkrankt. Professor Merz, der nur 45 Jahre alt geworden ist. stammte aus der Umgebung von Wien. Er gehörte zu den hervor. ragendsten Vertretern der wissenschaftlichen Tiesieekun-e. � hat er sich im Volksbildungswesen lebhaft und verdieustvoll betätigt, und die Berliner Volkshochschule ist dem so jung Hingegangenen vielen Dank schuldig. In seiner Gesinnung stand er unserer Partei nahe, er war vor allem ein echter demokratischer und sozialer Republikaner. In Wirklichkeit zielt man aber sogar darauf ab, der Spekulation am Warenmarkt gänzlichfreiesSpiel zu lassen. Wir wiesen bereits darauf hin, daß die Reichsregie- rung im Begriff ist, die wichtigsten Organe einer Wucher- kontrolle gerade jetzt aufzuheben, wodurch die bevorstehende Einführung der Zölle einer spekulativen Ausnutzung der breiten Massen Tür und Tor geöffnet wird. Wie weit die Dinge gediehen sind, geht aus einer amtlichen Nachricht her- vor, die offenbar beruhigend wirken soll: In der Äbendpresse vom IS. August wurde gemeldet, daß dem Reichsrat von der Reichsregierung eine Borlage zugegangen sei, die die völlige Aufhebung der letzten noch bestehenden notwirtschaftliche* Verordnungen, darunter die Berordnungen über die Preistreibereien und die Preisprüsungsstellen vorsieht. Diese Nachrichten sind un- richtig. Die Frage der Aufhebung der notwirtschaftlichen Ge- setzgebung beschäftigt bereits seit Februar d. I. die Oeffentlichkeit, die amtlichen Stellen und die gesetzgebenden Körperschaften. Der Reichsrat, der Vorläufige Reichswirtschaftsrat und der Haushalls- ausschuß des Reichstags haben sich inzwischen für eine über die ursprünglichen Absichten der Reichsregierung hinausgehende Aufhebung der notwirtschaftlichen Gesetz- gebung ausgesprochen. Die Reichsregierung hat jedoch hierzu noch keine endgültige Stellung genommen. Es hängt also nur noch von der Beschlußfassung des Reichst ab in etts ab. ob die Preisprüfungsstsllen. die neuerdings sich sehr lebhaft mit einem Eingreifen auf dem Warenmarkt beschäftigen, noch ihr Leben weiter fristen dürfen oder nicht. Wäre es der Reichsregierung ernst mit einem Kampf gegen die Teuerung oder wenigstens gegen eine spekulative Ausnutzung der Gewinnmöglichkeiten, die die Ein- führung der Zölle den Händlern und Agrarier bietet, so dürfte sie i n k e i n e m F a l l e j e tz t die einzigen Organe der Preis- Überwachung, also hauptsächlich die mitlleren Preisprüfungs- stellen abbauen. Aber auch mit ihrer Beibehaltung kann nur den schlimmsten Ausschreitungen am Warenmarkt begegnet werden. Die Wirkung der Zölle läßt sich nicht beseitigen mit papierenen Verordnungen oder gütlichem Zureden an die Interessenten. Die ganze Verantwortung für die Teue- rung fällt somit auf die bürgerlichen Parteien zurück, die der Zolloorlage zum Siege verholfen haben und die selbst vor einem Berfassungsbruch nicht zurückschreckten, um die Inter- essenten in Industrie und Landwirtschaft auf ihrer Seite zu beHallen. Um so weniger wird sich die Ar b e i t e r s ch a f t durch die Ablenkungsmanöver der Rechtsregierung und ihrer Freunde beirren lassen, wenn der Tag der Abrechnung mit der verfehlten Wirtschaftspolitik des Rechtsblocks kommt. patriotische Großagrarier. Sie wollen polnische» aber nicht deutsche Arbeiter. Breslau, 19. August.(Eigener Drahtbericht.) Großes Aufsehen erregt in Schlesien die erneute Zulassung von polnischen Saisonarbeitern für die schlesische Landwirtschaft. Die schle- fischen Landwirte haben ihre Anforderung mit den durch die eigen- artigen Temperaturverhältnisse des Sommers verursachten Arbeits- andrang begründet. Das Landesarbeitsamt zu Breslau und die Berliner Behörden haben daraufhin in Schlesien tausend polnische Saisonarbeiter zugelassen. Es ist jedoch fraglich. ob es überhaupt möglich sein wird, im Augenblick aus Polen Saison- crbeiter zu bekommen. Bon den Optanten aus Schneidemühl hat Schlesien nur sehr wenig bekommen. Die Ursache der neuen Forderung liegt darin begründet, daß die schlesischen Land- a r b e i t e r bei den vollständig unzureichenden Löhnen und auch bei den schlechten Wohnungsverhältnissen sehr zahlreich in die Industrie und in die L and w i rts cha st des Westens ab- gewandert sind. Die schlesische Landwirtschaft steht also vor der Alter- native, entweder diese Perhällnisse zu bessern und den deutschen Landarbeitern gesunde Lebensverhältnisse zu schaffen oder sie muß auf die polnischen Saisonarbeiter, die sich nicht nur die schlechten Verhältnisse, sondern auch eine Kosernierung und dauernde Unterdrückung gefallen lassen, zurückgreifen. Tntelligenzprüfungen an Verbrechern. Zu bemerkenswerten Ergebnissen ist der amerikanische Arzt Dr. Murchison gekommen, der Jntelligenzprüfungen— nach den beim Heer gebräuchlichen Methoden— an den Angestellten und Insassen eines der größeren amerikanischen Gefängnisse vorgenommen hat. Der Arzt teilt in seinem Bericht an die Iohn-Hopkins-Unioersität mit. er habe ge- funden. daß die Gefangenen um 100 Proz. intelligenter sind als ihre Wächter. Seine Untersuchungen zeigen auch, daß Gewohnheits- Verbrecher intelligenter sind als solche, die zum ersten Male im Ge- fängnis sitzen. Dr. Murchison erforschte 72 verschiedene Arten von Acrbrechern, die er in sieben Gruppen teilte, um die Intelligenz der Personen, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht hatten, abstufen zu können. Die intelligentesten Verbrecher sind, dem Er- gebnis dieser Probe zufolge, diejenigen, die sich das Eigentum ihrer Mitmenschen durch Betrug anzueignen suchen. Die etwas weniger Intelligenten tun dasselbe mit Hilfe der Gewalt. Zur drillen Gruppe gehören gewöhnliche Diebe. Die Gruppe, die die geringste Intelli- genz zeigte, waren die Sexualoerbrecher. Betrüger zeigten sich in den meisten Fällen als sehr intelligent, häusig waren es Leute mit Gymnasial- oder Universitätsbildung. «rbellsplao d« v-lksblihiie. Da«.Theakr am Blil-wplatz" wl»d im Lause de« Winter« sbakespearrS„Kaufmann von Venedia', Hebbel«„Judith" und Goeibe«.Fgusi' in neuen Inszenierungen bringen. Zur Urausiührung wurde» erworben: Krabbe«.Herzog Theodor von Golland» in der arbeitung von Rolf Lauckner.„Der beftellc Ton Ouichoite' von A. Lima!» Ichar«ln..Da« trunken« Schifs- von Paul Zech,„Der deuische Michel» von Fr.«tavenhogen(bearbeuet von Hon« Franck). Mit Alion« Baguel Ichweben Ber handluiigen über die Uraussuhrung seine« jüngsten Drama«, dessen Titel noch nicht se.'tsteht. In die Regie teilen sich Fritz Holl und Erwin PiScator. Die Des» che Hochschule«ür Politik eröfsnet am 26. Oltober ihr Minier. lcmester..Jus dem BorlesungsverzeschniS sind die solgenden Borlestingen besonder« erwähnen«werl: Die Krise der Demolratie. Pros. Dr. M. I. Bonn.— Wirlschast«.. Vcrkcdr«- und GicdlnngSgcogravbie. Dr. A. Kra- bow«ly.— England-Amerika in Wirtschaft und Politik. Pros Dr.v. Schulze- iÄaveriiik— Keschichtc der politischen Parteien. Dr. Tb. Heust(M. d. R.)— Ausgewahlte Probleme de« Völterrechl». ReichSgerichtZpiäsideni Dr. W. Simon«.— Modern« Jndustrieproblemc. Staal«!ekr. Prof. Dr. Hirsch.— ZlrbeilSrecht. Prof. Dr. Kastel.— Dazu treten eine Reihe von Üebungen und besondere Seminare. Sämtliche Vorlesungen sinden in den Ivälen Nachmiilag«. und Abendstunden statt. Nach Adschlust eine« regelmästigen viersemeftrigen Lehrgänge« kann eine Prüsung abgelegt werden, deren Be- stehen staatlich beuriundet wird. Da» Vorlesungzvcrzeichni« nebst Studien- ordnuug und Besuchsbedingungen ist gegen Einsendung von 0.20 M. iu Marken erbälilich beim Sekretariat der Deutschen Hochschule für Pollltk. Berlin W L6, Schintelplah S. Radloprüfungeu. ES ist vereinbart worden, daß alle 150 Radiosende- stationen Europa« in der Nacht zum 1. September d. IS. gleichzeitig ein zweislllndige« Programm senden, um die LeistungSsählgkeit der von der Internationale» Rundsunkoereinlgung in Gens vorgeschlagenen Peränderuug der Wellenlängen zu erproben. Jeder Sender wird sich t» kurzen Ab- ständen melden, um den«achverständigen die Feststellung elwaigcr Fehler- guellen zu ermöglichen. Die Ergebnisse werden am 2l. und 22. September in Kens rrörtert. Hieraus wird den in Betracht kommenden Regierungen ein endgültiger Plan vorgelegt. Prof. Ernst Erda, an r>. Dozent für chemisch« Technologie an derUnioer. sität Halle, ist im Turisthotel in Rättvil(Dalelarlienl an einem Qerzl-blaa gestorben. �" Zrieürich Srühne. Zu seine« 7«. Geburtstag. Heute, Donnerstag, den 20. August, begeht unser Parteigenosse Friedrich Brühne seinen siebzigsten Geburtstag. Der Wahl- kreis Hochst-Homburg-Usingen, den Brühne im Reichstag van 1893/98 und von 1907 bis zur Nationalversammlung 1919 vertreten r.at, ist das bevorzugte Arbeitsfeld seiner rastlosen Tätigkeit und Parteiarbeit gewesen. Mit der Einverleibung von Nassau in Preußen erhiell die sozialistische Bewegung in diesem Gebiet ihren Anstoß und die nun folgende Parteiarbest lag vorwiegend in den Händen Brühnes. Der Mangel jeglicher Organisation zwang oft dazu, daß Brühne gleichzeitig Einberufer. Borsitzender und Redner in den Versammlungen sein mußte. Aber nicht nur die Last der Organisation ruhte auf seinen Schultern, auch die Beschaffung der allernotwendigsten Mittel lag seiner Sorge ob. Leicht, nur allzuleicht werden diese ungeheuren Schwierigkeiten und die Opfer der Kämpfer vergessen, statt daß sie befruchtend auf den Nachwuchs der Partei wirkten. Unzähligemal ist Brühne von der parlamentarischen Arbeit über Sonntag in seinen Wahlkreis geeist, um Versammlungen abzu- hallen und doch am nächsten Tag wieder seinen Pflichten als Ab- geordneter im Reichstag zu genügen. Fahr- und Reisegelegenhest im Kreise gab es wenig und stundenweite Wege waren häufig. Dabei gab es keine Diäten aus Staatsmilleln, vielmehr mußte die Parteikasie den Abgeordneten für den Aufentholl in Berlin Diäten zahlen Das waren aber nur 6 Mark täglich, womll jedoch nicht nur die persönlichen Kosten des Abgeordneten bestrllten werden sollten, sondern auch seine Familie zu Hause damit auskommen mußte. Zu allen diesen Schwierigkeiten kam noch der Druck der staat- lichen Organe. So stand Brühne auf der Liste der Aüszuweisen- den. die auf Grund des Sozialipengesetzes am Weihnachts- abend 1887 Heim und Herd verlassen mußten. Daß Brühne trotzdem nicht mit ausgewiesen wurde, verdankt er dem Ilmstande, daß er aus der Vorschlagsliste für das bereits beschlossene Gewerbegericht stand und Miquel, damals Oberbürgermeister von Frankfurt,- Wert darauflegte, daß sein« Ausweisung nicht erfolgte. Eine große Anzahl anderer Parteigenossen wurde damals am Weih- nachtstage aus Frankfurt zwangsweise entfernt. Wenn unser Jubilar heute der aktiven Parteiarbest auch nicht mehr in dem früheren Umfange obliegt, so ist seine Testnahme am Parteileben immer noch sehr rege. Seit 27 Iahren ist er Mitglied der Kontrollkommission der Partei und sell 10 Iahren führt er deren Vorsitz. So ist er ständiger Besucher des Parteitages. Wir wünschen dem Jubilar, der als kleiner Gewerbetreibender schwer unter den Inflationswirkungen zu leiden hatte, einen Lebens- abend, der ihm die Sorgen, Mühen und Opfer seiner Parteiarbest in befriedigenden Erinnerungen genießen läßt. Die preußische /lmnestie. Grfolge sozialdemokratischer Verbesserungsarbeit im Landtagsausschutz. Staatshilfe oöer Staatsschlichtung. Ein Privatissimum für die„Rote Fahne". Manche Dinge muß man zweimal sagen. Der„Roten Fahne" muß man alles immer zweimal sagen, aber in der Regel begreift sie auch dann nicht. Denn die Regel ist, daß ihr das Begreifen verboten ist. Was jeder Sozialdemokrat und jeder Bourgeois begreift, braucht die„Rote Fahne" auf dem Präsentierteller. Es fei! Der„Vorwärts" hat am 17. August von der Staatsgewall gefordert, daß sie die Großbanken, die aus durchsichtigen Gründen über die Aga den Kreditboykott verhängt haben und den ehemaligen Generalbevollmächtigten des Stinnes- Konzerns, Edmund Stinnes, der sich gegen den Kreditboykott und die Auslieferung seiner Erbschaftswerte an die„Masse" wehrt, an einen Tisch zusammenführt. Wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht oder wem das Begreifen nicht ver- boten ist, versteht diese Forderung. Weil wir in Deutsch- land eine Rechtsregierung, d. h. eine Regierung der Groß- danken und der Schwerindustrie haben, soll diese um das Ein» greifen gegen das Faustrecht der Banken sich nicht drücken dürfen.'Weil diese Rechtsregierung die heutige Zollpolitik gemacht hat und die Berelendung der Arbeiterschaft, damit die uferlose Verschärfung der Kredit- und Wirtschaftskrise fördert, darum soll sie gezwungen sein, den Kampf zwischen Industrie» und Bankkapital, der mit der Wirtschast die Arbeiterschaft ruiniert, als eigene Sache schlichten und ordnen zu müssen. Dieser Rechtsregierung darf nicht e r- l a u b t werden, sich um die Konsequenzen ihrer wirtschafts- ruinösen Politik zu drücken. Herr Ludwig in der„Roten Fahne" aber, dreist und be- schränkt zugleich, baut dieser Regierung goldene Brücken. Ee- zwungen von der verrückten These Moskaus von dem„revolu- tionären" Kampf gegen die Dawesierung Deutschlands, über dem Staatsbegriff vergessend, daß an der Spitze des Staates heute eine rechtsgerichtete, von großkapitalistischen Banken getragene Regierung steht, fordert er Staatshilfe, statt die Entlarvung dieser Rechtsregierung, die die Rolle des Schlichters in die höllischste Verlegenheit bringen und in aller Oeffentlichkeit ihre Verantwortung für den fortschreitenden Ruin der Wirtschaft enthüllen muß. Aber der„Roten Fahne" liegt ja nichts an der Ent- larvung der D o u r g e o i s i«. Sie muß die Sozialdemokraten und die Gesellschaftsbureaukratie„entlarven". Dazu muß sie der Arbeiterschaft die Staatssuboention des englischen Kohlen- bergbaus sogar als Sieg der englischen Arbeiterschaft prüfen- stieren, statt sich darauf zu besinnen, daß jede Subvention der Unternehmer zuletzt von der Arbeiterschaft bezahll wird. Hamburg unö öas Zollgefetz. Ein Konflikt zwischen Senat und Bürgerschaft. Hamburg. 19. August.(Eigener Drahtbericht.) Bei den Der- Handlungen im Reichsrat über die Zollvorlage hoben sich bekanntlich nur die Vertreter von Hejssen, Lübeck, Berlin und der Provinz Sachsen dem Einspruch des sächsischen Gesandten Gradnauer angeschlossen. In Hamburg hat es schärfsten Pro- t-st ausgelöst, daß sich der Hamburger Vertreter im Reichsrat diesen Ländern nicht angeschlossen hat. Unser Hamburger Parteiorgan. das �Hamburger Echo", hatte am Freitag in einem scharfgehaltenen Artikel diesen Vorgang kritisiert und daraus hingewiesen, daß sich der Hamburger Vertreter im Reichsrat mit seinem Verhalten in Wider- spruch mit der übergroßen Mehrheit der Hamburger Bevölkerung und auch den Bedürfnissen der Hamburger Wirtschaft gesetzt habe. Im hamburgischen Landesparlament stehen 83 Vertretern der Deutschnationalen, der Deutschen Dolkspartei und des Zentrums 10S Abgeordnete gegenüber, die den Parteien, die im Reichstag gegen die Zollvorlagt waren, zuzurechnen sind. Besonders bemerkenswert ist aber, daß das Organ der Volkspartei in Hamburg, der„Hamburger Correspondent". ebenfalls vom Harn- burgischen Wirtschastsstandpunkt aus die Zollvorlage verurteilte und die Behauptung ausstellte, daß der neue schutzzöllnerische Tarif dazu Am Mittwoch hat der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags die Notverordnung des Staatsministeriums über die Ge- Währung von Straffreiheit in Preußen verabschiedet. Nun öffnen sich auch die Tore der preußischen Gefängnisse für einen Teil der polstischen Gefangenen. Was von der Reichsregierung bereits nach Annahme des Londoner Pakts und der dadurch bedingten Freilassüng der rheinischen Separatisten feierlich für das ganze Reich onge- kündigt wurde, ist nun, vier Monate nach der Hindenburg-Wahl, im bescheidensten Umfange Wirklichkeit geworden. Der Erlaß einer Amnestie durch die Länder war insofern eine Notwendigkeit, als die Reichsamnestie nur die von Gerichten des Reichs abgeurteilten Delikte umfaßt. Die preußische Regierung legte deshalb unverzüglich dem Ständigen Ausschuß des � Landtags eine Notverordnung über die Gewährung von Straffreiheit in Preußen vor. Sollte kein Zustand der Rechtsungleichheit, d. h. keine Benachteiligung der durch die preußischen Gerichte ver- urteilten Politischen gegenüber den Reichsamnestierten geschaffen werden, so war zur Beseitigung dieses Notstandes die schleunig« Zu- stimmung durch den den Landtag vertretenden Ständigen Ausschuß geboten. Die Vertreter der Sozialdemokratie haben den vorgelegten Re- gierungsentwurf einer eingehenden Kritik unterzogen. Obwohl der preußische Iustizminister sich auf den Standpunkt stellte, daß die Verordnung der Regierung nur als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden könne, da die Erweiterung der Amnestie gegenüber der Reichsomneftie nicht mehr„die Beseitigung eines ungewöhnlichen Notstandes" im Sinne des Artikels 85 der Preußischen Verfassung*) bedeuten würde, ist es gelungen, die Vorlage nicht unwesentlich zu verbessern. In zirka zehnstündiger intensiver Beratung eines Unterausschusses wurde in Uebereinstimmung mit den Regierungsvertretern eine Plattform gefunden, die den Deutschnationalen sowie den Kommu- nisten die Zustimmung ermöglichte. Es muß dabei frellich mit aller Schärfe hervorgehoben werden, daß es unseren Vertretern nicht gelungen ist, die bürgerlichen Parteien zu bewegen, grundsählich über den Rahmen der Reichsamnestie hinauszugehen. Kein Hin- weis auf die jedem Volksempfinden hohnsprechenden drakonischen Zuchthausurteile gegen Arbeiter, kein Vergleich mit der Milde der Gerichte gegen Rechtsradikale konnte die bürgerlichen Abgeordneten bewegen, die Zuchthausverurteilungen bis zu einem gewissen Um- fang zu amnestieren. Gab doch selbst«in Zentrumsabgeordneter, der Richter ist, zu, daß sich leider viele seiner Sollegen noch nicht daran gewöhnen könnten,„im Ramen des Voltes" Recht zu sprechen. Ebenso bedauerlich ist es, daß man bei den Ausnahmen von der Amnestie gewissermaßen einen»Hochverrat im Rückfall" kon- struiert hat, obwohl das Gesetz einen solchen Begriff nicht kennt. Hier glaubten die Vertreter der Rechtsparteien, das»wohlverftan- dene Staatsinteresse" vor die anerkannt idealen Motive des ein- zelnen stellen zu müssen. Leider ist es auch nicht gelungen, jenen bedauernswerten Frauen zu helfen, die Opfer des% 216, des be- *) Nach Artikel 53 der Preußischen Verfassung kann der Stän- dige Ausschuß, soscrn der Landtag nicht versammelt ist, in Ueber- einstimmung mit der Regierung Verordnungen mit Gesetzeskraft erlassen, wenn die' Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit oder die Beseitigung eines dringenden Notstandes es dringend er- fordert. rüchtigten Abtreibungsparagraphen, geworden sind. Ein von den Sozialdemokraten gestellter Antrag wurde abgelehut. Es bleibt also, wie in der Reichsamnestie, auch in Preußen bei der Amnestierung aller politischen Straftaten, die mit Geldstrafen oder mit Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren Festungshaft oder Gefängnis geahndet wurden. Verfahren, die bis zum 15. Juli 1925 noch nicht zur Verurteilung führten, werden«in- gestellt, wenn voraussichtlich auf keine höhere Strafe als die eben angeführten erkannt würde. Verhängte oder noch zu verbüßende Festungs- oder Gefängnisstrafen, die über zwei Jahre hinaus- gehen, werden um zwei Jahre gekürzt. Einbezogen werden in die preußische Amnestie wie beim Reiche der Hochverrat, die Testnahme an unerlaubten Verbänden, Zuwider- Handlungen gegen das Republikschutzgesetz, Bersammlungsspren- gungen und die damit im Zusammenhang stehenden Straftoten. Darüber hinaus aber bringt die preußische Verordnung eine Amnestierung der Verurteilungen, die z. B. wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Aufforderung zum Ilo- gehorfam, Auflaufs, Londfriedensbruchs, Hausfriedensbruches, unerlaubten Waffenbesitzes. Aufteizung zu GewalllStlgkeiteu, Sachbeschädigung, öffentlicher Veleidigung, Verächtlichmachung von Staatseinrlchtungen und den damit in Zusammenhang flehenden Straftale« im politischen Kampfe erfolgten. Das Wesentlichste aber bleibt, daß darüber hinaus durch die Initiative unserer Vertreter die Amnestie ausgedehnt ist auf alle Delikte, die im wirlschastlicheu Kampfe begangen wurden. Darunter fallen also nunmehr die Strafen, die im Verfolg des Kampfes um den Achtstundentag, nach Streik» und Ausfperrungeu usw. verhängt wurden. Eine weitere Verbesserung liegt darin, daß bei Verhängung von Gesamtstrafen, die durch mehrere Verurteilungen en:- standen sind, im Gegensatz zur Reichsamnestie die Niederschlagung bezw. der Straferlaß gesondert eintritt. Das Reichsamnestiegesetz verbietet ganz allgemein einen höheren Straferlaß als zwei Jahre. Di« Amnestie erstreckt sich nicht auf die Vergehen, die aus der Inflationszeit stammen und in der wirtschafstichen Notlage jener Zeit ihre Ursache haben. Das Justizministerium Hot hierbei in einer Erklärung auf den Weg der Einzelbegnadigung verwiesen und bei Würdigkeit feierlich jedes Entgegenkommen zu- gesagt. Auf Grund der von uns bei der vorjährigen Justizdebatte eingebrachten und angenommenen Entschließungen sind übrigen« bis jetzt zirka 10 000 Cinzelbegnadigungen erfolgt. Die preußische Amnestie ist keine vollamnestle. Sie erfaßt nur die Delikte des politischen und wirtschaftspolitischen Kampfes, und auch diese nur zum Teil. Sie lehnt sich allzu eng in ihren Grund- zügen an die Reichsamnestie an. und wir, haben durchaus kein« Ursache, mit ihr zufrieden zu sein. Sie gibt vielen, denen durch „öffentlich« Rechtsprechung" offensichtlich schweres Unrecht geschehen ist, nicht den Rechtsanspruch auf die Wohltat der Amnestie. Soweit die Verordnung über den Rahmen der Reichsamaestse hinausgeht, ist es der Initiative der Sozialdemokraten zu danken. Dies« haben damit versucht, einen Teil jener Versprechungen einzulösen, die die Rechtsparteien im Ueberschwang des Sieges nach der Hindenburg-Wahl den bedauernswerten Opfern der polltischen Wirren und Kämpfe machten und schließlich— wie bei der Auf- wertung— nicht gehallen haben. O t t o M e i e r, M. d. L. beitrage, die gegenwärtige Wirtschaftskrise zu verewigen. Umso erstaunlicher mußte die Stellungnahme des Hamburger Vertreters im Reichsrat sein. Inzwischen hat sich der Hamburger S e n a t mit einer Cr- klärung an die Oefsentlichkeit gewandt, in der er zwar seine„g r u n d- sätzlich ablehnende Stellungnahme gegenüber der Zollvorlage" hervorhebt, aber den Nichteinspruch damit zu verteidigen sucht, weil vom hamburgischen Standpunkt aus die Zollvorlage besonders in der Gefriersleischfrage durch die vom Reichs- tag vorgenommene Aenderung verbessert worden fei. Uebrigens hätte auch bei dem Mchrheitsverhältnjs im Reichsrat ein Einspruch Hamburgs nur eine Demonstration dargestellt. Diese Hol- tung des Senats ist mm Anlaß zu einem Offenen Brief« des Ortsausschusses Hamburg des ADGB. an die Sozialdemokratische Partei gewesen, in welchem um Auskunft gebeten wird, ob die sozialdemokratischen Senatoren von der Instruktion des Reichsratsvertreters gewußt hoben und ob die Sozialdemokraten im Senat die Erklärung des Senats billigten. Der Vorstand der hamburgischen Bürgerschaftsfrattion hat dazu seinerseits eine Erklärung erlassen, wonach die sozialdemo- kratischen Mitglieder des Senat» von der Er- klärung nichts wußten, was Anlaß zu Auseinander- setzungen im Senat geben werde. Nun hat auch die sozialdemokratische Bürgerschaftsfraktion einge- griffen und für die am Mittwoch stattfindende Sitzung des Landes- Parlaments eine Anfrage eingebracht, in der gefragt wird, ob es richtig ist, daß sich der Vertreter Hamburgs mit der fast geschlossen gegen den Zolltarif stehenden hamburgischen Bevölkerung und Wirt- schast in unglaublicher Weise in Widerspruch gesetzt hat. ob der Senat dieses Verhalten billigt und den betreffenden Bevollmächtigten auch fernerhin mit der Vertretung Hamburgs zu betreuen gedenke. Zum Schluß wird Auskunft verlangt, wer dem Vertreter im Reichsrot die Instruktionen erteilt hat. Noch der Verfassung ist diese Anfrage innerhalb 14 Togen zu beantworten. und es steht zu erwarten, daß es in der Bürgerschaft dann zu scharfen Auseinandersetzungen kommen wird, da die zollgegnerischen Parteien sich auf jeden Fall vor Wiederholungen solcher Vorgänge sichern wollen. Ein Nemfall. Die„Ordnungsregieruug" abgeblitzt. Weimar, 19. August.(Eigener Drahtbericht.) Vor der Dienst- strafkammer in Weimar hatte sich kürzlich der«Bürgermeister von Meuselwitz. Genosse Boock. zu verantworten, weil er aus Grund eines Beschlusses seines Gemeinderates a m 1. M a i sämtliche Dienst- stellen geschlossen hielt. Boock berief sich dabei auf die thüringische Kreis- und Gemeindeordnung, die Regierung ober erblickte darin eine Verletzung der Dienstpflichten des Bürgermeisters. Sie hatte kurz vor dem 1. Mai«ine Anordnung erlassen, nach der die Dienst- räume der Gemeinden nur an gesetzlichen Feiertogen geschlossen sein dürften. Das Ministerium erkannte gegen Genossen Boock auf eine Disziplinarstrafe von 25 M. Auf Boocks Einspruch ent- schied die Dienststrafkammer jedoch, daß der Standpunkt der Regie- rung unhaltbar sei, um so mehr, als die Unterteilung der städ- tischen Berwaltungstätigkcst in Selbswerwaltungs- und Auftrags- angelegenheiten durchaus strittig fei. Es liege im Wesen der Selbst- Verwaltung, daß die Selbstverwaltungskörper an keine anderen Schranken als die bestehenden Gesetze gebunden seien. Diese seien aber im vorliegenden Fall nicht verletzt worden. Di« Dienst- ftroskammer hob die Strafe auf mit der Begründung, daß das Mini- sterium nicht das Recht habe, den Gemeinden dieäußereForm der Ausführung und Erledigung ihrer Aufgaben vorzuschreiben. sondern daß sich das Anweisungsrecht der Regierung nur auf die Erledigung selbst und ihre Gesetzlichkeit erstrecken könne. Sozialdemokratische Bürgermeister. Weimar, 19. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Zahl der sozialdemokratischen Bürgermeister in Thüringen ist wieder um einen vermehrt worden. Bei der Bürgermeisterwahl in Stei- n a ch- H a l l e n b e r g fiel die Wahl auf den Genossen H e n z e au» Hesserode. Völkische Pleite. Weimar. 19. August.(Eigener Drahtbericht.) Ueber da» Der- mögen der völkischen«Ostthüringer Warte", Druckerei und Ve.lagsanstalt G. m. b. H. in Ger o, ist da» Konkursverfahren eröffnet worden. Betriebsstillegungen. Weimar. 19. August.(Eigener Drahtbericht.) Die Textilfabri- kanten in Gera ließen durch Anschlag mitteilen, daß sie die Arbeits- Verträge zum 1. September kündigen und von diesem Tage ihr.: Betriebe schließen werden. Die provinzialwahlen. Wahltermin 25. Oktober.— Noch nach dem alten Gesetz Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mtt: Es besteht keine sichere Aussicht, daß der Entwurf eines Prooinziallanbtags- und Kreistagsgesetzes noch so rechtzestig verabschiedet werden wird, daß die Neuwahlen zu den Prooinziallandtagen und Kreistagen, bei denen die Wahlzeit der Abgeordneten nach dem Gesetzt vom 9. Juli 1925 am 1. November d. I. abläuft, rechtzestig von diesem Tag« auf Grund des neuen Gesetzes würden stattfinden können. Unter diesen Umständen scheint es geboten, die Neuwahlen noch vor dem 1. No- vcmber d. I., und zwar auf Grund des Gesetze» vom 3. Dezember 1920, vornehmen zu lassen. Auf Grund des 8 1 eben dieses Gesetzes hat das Staatsministerium deshalb be- fchlossen, daß am Sonntag, den 2 5. Oktober d. I„die Neuwahlen zu den Prooinziallandtagen der Provinzen Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Grenzmark Posen/Westpreußen, Nieder- schlesien, Sachsen. Schleswig-Holstein, Hannover, Westfalen und der Rheinprovinz sowie zu den Ko m m u n a l l a n d t a g« n der Be- zirksverbände Cassel und Wiesbaden stattzufinden haben. In einem Runderlatz des Ministers des Innern werden dem- nächst die Landräte derjenigen Kreise, in denen Neuwahlen zum Kreistage stattzufinden haben, angewiesen werden, die Kreisaus- schüsse zu oeranlassen, gemäß Z 14 des Gesetzes vom 3. Dezember 1920 die Neuwahlen zu den Kreistagen auf den gleichen Tag anberaumen zu lassen, damit die Wahlen zu den Prooinziallandtagen und zu den Kreistagen in Verbindung mit- einander vollzogen werden können. GewerMoftsbeVegung die öerliner flrbeiterschast l Auf Veranlassung des Verbandes der ausgeschlossenen Vau- arbeitet und der kommunistischen Partei Deutschlands zirkulieren seil Nochen bereits in den Berliner Betrieben Sammellisten, angeblich um mit dem Erkrag die ausgesperrten Bauarbeiter zu unlerstühen. Niederholt wurde von den führenden Bauarbeiterver- bänden öffentlich darauf hingewiesen, daß sie mit dieser Ausgabe von Sammellisten nichts zu tun haben, da sie aus eigener Kraft die erforderlichen Unlerstühungs- betrage für die kämpfenden Kollegen zu leisten vermögen. Aür den Fall einer Erweiterung des Kampfes durch Verwirk- lichurig der von den Bauherren angekündigten General- aussperrung aller Bauarbeiter hat der B u n d e s a u s s ch u ß des ADGB. den Bauarbeiterverbänden bereits tatkräftige Unter st ühung zugesichert. Der Vorstand des ADGB. würde in diesem Falle nicht zögern, die gesamte organi. f.-erte Arbeiterschaft zur vlithilse auszurufen, um den Machtwillen der Unternehmer durch die allgemeine Solidari- tat der Arbeiterschaft zu brechen. Eine solche wirklich wirksam� hilseleislung wird aber durch die jelzl umlaufenden Sammellisten parteipolitisch interessierter Sondergruppen gefährdet, lim Interesse der erfolgreichen Kampssührung sind daher diese Listen zu- rückzuweisen, um mit ganzer Kraft zu helfen, wenn die Ar- beilerschast durch ihre berufene Vertretung dazu aufgerufen wird. Der Vorstand des ADGB. Lohnverhanölunoen bei öer Reichsbahn. Am Freitag Fortsetzung. Berlin, 19. August.(WTB.) Am Mittwoch fanden in der Hauptverwaltung der deutschen Reichsbahngesellschaft Verhandlungen mit den am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaften über die Kündi- gung der Lohnbestimmungen des Tarifvertrages statt. Die G e- werkschaften hatten, wie bekannt, außer einer allgemeinen Lohnerhöhung von 12 Pf. je Stunde die höhere geld- liche Bewertung des von Arbeitern ausgeführten Beamten- d i e n st e s, die Bezahlung der im Betrieb und Verkehr be- schöstigten Arbeiter auch a n arbeitssreien Tagen sowie die Hebung der Löhne in einzelnen Bezürken des Lohn- g c b i e t e s 1 auf die Höhe der Löhne im L o h n g e b i c t 2 gc- fordert. Die Reichs bahngesellschaft glaubt nach den von ihr angestellten Erhebungen nicht in der Lage zu sein, einer allgemeinen Lohnerhöhung für die Reichsarbeiter zuzu- stimmen. Sie hat sich aber bereit erklärt, einen ausreiche n- den Ausgleich dort zu schaffen, wo die Löhne der Reichsbahn- arbeitet hinter denen der vergleichbaren Industriearbeiter zurück- bleiben. Auch bei einzelnen Punkten der übrigen Forderungen will die Reichsbahn Entgegenkommen zeigen. Die Aussprache führte zu keinem positiven Ergebnis. Beide Parteien werden nach nochmaliger eigener Beratung am Freitag nach- mittag zu gemeinsamer Verhandlung zusammentreten. Lohnbewegung im Bäckergcwcrbe. Der Preisentwicklung folgend, hatte der Deutsche Rahrungs- und Genußmittelarbeiterverband(Sitz Hamburg) bei den Bäcker- meistern und Brotfabrikanten Lohnforderungen gestellt. Die direkten Verhandlungen verliefen ergebnislos und der Schlichtungsausschuß, der dann angerufen wurde, fällte eiäen Schiedsspruch mit einer Lohnerhöhung von 3 bis 9 Proz. für die einzelnen Gruppen. Die Arbeitgeber lehnten auch den Schieds- spruch ab, da nach ihrer Behauptung„die Steigerung der P r eise s o unerheblich" sei, daß eine Lohnänderung nicht gerechtfertigt sei. I» weiteren Verhandlungen vor dem Schlichter boten die Arbeitgeber in der Spitze 2 M. Lohnerhöhung pro Woche, womit alle Preissteigerungen berücksichtigt seien. Unter dem 19. August lief die Mitteilung des Schlichters bei dem Verband ein, daß die Verbindlichkeitserklärung abgelehnt werden mußte, da die im Artikel I Z 6 der Schlich. tungsordnung vorgesehenen Doraussetzungen nicht vorliegen. Die Bäckermeister haben sich in einer Borstandssitzung aller Innungen am 18. August mit der Lohnfrage befaßt. Ob sie be- schlössen, eine höhere Zulage zu machen, ist nicht ganz sicher, doch werden sie das wohl oder übel tun müssen. Die Bäckergesellen wurden zu der Situation umgehend Stellung Die Backergssellen werden zu der Situation umgehend Stellung treffen. Quertreiberei der Bekleidungsarbeiter-,.Opposition". Wie in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" bereits mitgeteilt, ist durch die Haltung des Arbeitgeberverbandes in der Herren- konfektion eine äußerst schwierige und kritische Situation entstanden, die den Deutschen Bekleidungsarbeiter-Berband veranlaßt hat, zu heute eine Reichskonferenz zu berufen, um endgültige Be- schlüsse für die weitere Erledigung dieser Angelegenheit zu fassen. An die Mitglieder ist die Aufforderung ergangen, bis dahin v o n allen örtlichen Kampfmaßnahmen abzusehen, um nicht die E i n h e i t l i ch k e i t und Geschlossenheit der Bewegung zu gefährden. Dieses war besonders deshalb notwendig, weil der Arbeitgebcroerband ankündigte, daß bei Anwendung ein- zclner örtlicher Kampfmoßnahmen die Aussperrung für die gesamte deutsche Herrenkonfektion sofort erfolge. Da wir keinen Grund haben, uns den Kampf vom Arbeitgeber- verband aufzwingen zu lassen, sondern den Zeitpunkt hierfür nach eigenem Ermessen selbst wählen wollen, wenn ein Kampf unver- meidlich ist.— und mit Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden kann, ist strengste Geschlossenheit und größte Diszi- plin der Arbeiterschaft in der Konfektion mehr denn je erforder- lich. Diese ist jetzt erschüttert dadurch, daß der Bekleidungsarbeiter- Verband„Opposition" unter Führung von Schumacher und Fehlner in einigen Betrieben seine Mitglieder gestern in den S t r e i kch eintreten ließ. So sehr es notwendig ist, ein besseres Ergebnis zu erzielen, wie es der Arbeitgeberverband in seinem letzten Angebot machte, ist post-�lbonnentm AHamit Sie regelmäßige Zustellung öes �-�„vorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleiüet, bitten wir unsere post-fibonnenten, üas �bonne- ment für öen kommenden Monat bei Sem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. vorwärts- Verlag G. m. b. h. dieses Sondervorgchen geeignet, diese Absicht zu stören. Das Sondervorgehcn der„Opposition", das ohne Ein- vernehmen nist den übrigen Arbcitnehinerverbänden erfolgt ist, ist deshalb keine Förderung, sondern eine schwere Schädigung der Durchführung der Bewegung. Wir fordern deshalb unsere Mitglieder auf, den P a- r o l e n-d e r S o n d e r o r g a n i s a t i o n„Opposition" keinerlei Folge zu leisten und die Entscheidung der Rcichskonferenz abzuwarten. Rur geschlossenes, diszipliniertes und einheitliches Vorgehen ist die Gewähr für einen cndgiytigen'Erfolg. Deutscher Bekleiduugsarbeitcr-Verband. Tagung der Bauunternehmer. Die Bauunternehmer waren am Mittwoch in Berlin � versammelt. Ob sie zu irgendwelchen Beschlüssen gekommen sind' und was sie nunmehr beschlossen haben, darüber haben sie bis jetzt noch nichts verlauten lassen, sondern strengstes Schweigen bewahrt. Bei einiger Ueberlcgung müßten sie zugeben, daß mit dem Schieds- spruch nichts anzufangen war und erneute Verhandlungen herbei- führen._ Gewerks chastskongresi und Kommunisten. Das Gesamtergebnis von den Delegiertenwablen zum Deutschen GewerkichaftskongreßundzumKongreß der Internationalen Bereinigung der Schuh« und Lederin du st riearbeiter liegt nunmehr vor. Die Kommunisten vermochten in keinem der Wahlkreise und zu keinem der Kongresse Delegierte ihrer Richtung zum Siege zu führen. In allen Wahlkreisen wurden die Kandidaten der Amsterdamer Richtung mit großei» Vorsprüngen gc»ählt, während die Kommunisten im oll- gemeinen nicht in der Lage waren, auf ihre Kandidaten Verhältnis- mäßig groß« Stiinmenzablen zu vereinigen. Es dürfte auch dieses Resultat ein sichtbares Zeichen dafür sein, daß der Einfluß der Kommunisten in den Gewerkschaften immer geringer wird. Schiedsspruch für den Ruhrbergbau. Essen, 19. August.(Eigener Drahtbericht.) Bei den Verband- lungen am Mittwoch nMer Vorsitz des Reichs- und Staatskominisiärs M e h l i ch zur Regelung der Lohnstreitigkeiten im Ruhrbergbau wurde eine Einigung erzielt. Gegenüber den Forderungen der Bergarkeitergewcrkschaften auf Erhöhung der Löhne stellte sich der Z c ch e n v e r b a n d auf den Standpunkt, daß er angesichts der überaus schlechten Wirt- fchaftslage im Ruhrbergbau eigentlich eine Herabsetzung der Löhne fordern müsse. Aus sozialen Erwägunzen glaube er aber, zurzeit hiervon absehen z» sollen. Er fordere jedoch auf Grund des Leistungsprinzips die Festsetzung von Spannungs- lohnen derart, daß die jetzigen Schichtlöhne nur als norniale gelten sollten, daß sie aber im Einzelfalle bei Minderleistung und Minderleistungsfähigkeit bis zu 19 Proz. unterschritten werden dürfen. Die Schlichtungskammer fällte schließlich einen Schieds- spruch, nach dein die bisher gstltendc Lohnordnung ain 1. September wieder in Krafi gesetzt wird, erstmals kündbar zum Sl. Oktober. Eine Stellungnahme der Parteien zum Schiedsspruch liegt noch nicht vor. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 26. August._ Berichterstatter, die das Gras wachsen hören. Bochum. 19. August lEigener Drahlbericht). Prejseineldunge» über Verhandlungen zwecks Ausnahme der kommunistisch- syndika- listischen„Union der Hand- und Kopfarbeiter" in den Deutschen Bergarbeiter-Verband sind, wie dieser erklären läßt, rznzutreffcnd mnd werden von den Organisationsleitungen dementiert. Henry Ford als Reeder. (ITF.) Henry Ford, der amerikanische Automobilkönig, tritt seit einiger Zeit auch als Schiffahrtunternehmer auf. Allerdings handelt es sich hierbei ausschließlich um eine Reederei, die nur Fracht- güter der Fordschen Fabriken befördert, aber das genügt schon, um unter den amerikanischen Reedern einige Beunruhigungen hervor- zurufen, denn bisher war Ford mit seinem Massenbedarf und seinem Massenexport ein ausgezeichneter Kunde. Mit der Errichtung einer Reederei hat sich Ford von dem Schisfahrtskapital unabhängig gemacht. Er läßt nun die vom Auslande bezogenen Rohmaterialien selbst anfahren und die Produkte selbst in die Bestimmungshäfen leiten. Aber über dem Berlust des guten Kunden versetzt noch etwas anderes die amerikanischen Reeder in Beunruhigung. Durch die Anwendung des in seinen Fabriken mit großem finanziellen Er- folg eingeführten Lohnsystems auch in seiner Reederei ist es ihm gelungen, schnell einen tüchtigen Stab von See- l e u t c n anzumustern und diese den Reedereien wegzuschnappen. Ford zahlt nämlich in seiner Reederei Heuern, die die land- laufigen um bO bis 100 Proz. überschreiten. Die Mindestheuer ist auf 100 Dollar festgesetzt. Das erste Ford-Schiff „Oneidä" ist Anfang Juli mit der Bestimmung Bordeaux, Kopen- Hägen und Antwerpen mit einer Ladung von 6000 Automobilen und 68 Traktoren in See gegangen. Es hat eine Besatzung von 27 Mann und eine Wasserverdrängung von etwa 3600 Tonnen. Mit einem amerikanischen Schiff gleichem Umfangs verglichen ist der Unter- schied der monatlichen Heuern wie folgt: Ford- Sbipping- Privat- Schiff Boaid Recderc« Dollar 1. Offizier � �. 225 180 155 2.,.......... 175 160 130 3.„.........* 150 145 115 Bootsleute 125 75 65 Vollmatrose. 105 62,5 55 Leichtmatrose......... 100 47,5 40 Radiotelegraphist........ 150 105' 90 1. Maschinist-Assistent...... 225 180 155 2........ 175 160 130 3........ 150 145 116 Oeler.»»»».»».» 110 72,5 65 Heizer.. 105 65. 57,5 Stewards».»»».»... 160' 120 105 Küche............ 100 100 90 Messeperional......... 100 5-? 40 Die Besatzung der„Oneido" besteht u. a. aus 6 Vollmatrosen, 3 Oelern und 3 Heizern und eMspricht der Besatzung gleichgroßer amerikanischer Schiffe.> Zurzeit hat Ford 5 Schiffe in der Fahrt. Er hat kürzlich 200 Schiffe der staatlichen Handelsflotte, von der etwa*13 aufgelegt find. zum Preise von 341 200 Pfund Sterling(annähernd 7 Millionen Mark) übernommen. Wie Ford erklärt hat, sollen 170 Schiffe ab- gewrackt werden. Die übrigen Schisse sollen für Oelseuerung um- gebaut und für die eigenen Transporte der Ford-Fabrike'n ver? wendet werden._ Der belgische Metallarbeiterstreik. Brüssel, 19. August.(Eigener Drabtbericht.) Der seit über sechs Wochen dauernde belgische Metallarbeiterstreik geht immer noch weiter. Aber die Unternehmer zeigen unverkennbare Zeichen der Ermüdung, so daß der Sieg der Arbeiter nunmehr zuversichtlich erwartet werden darf. Eine Anzahl der Uniei nehmer haben ihre Forderungen zurückgezogen und damit die Wiederauf-- »ahme der Arbeit ermöglicht. Im Untcrnehmerverband beginnt Uneinigkeil um sich zu greisen. Rur einige Scharsmacher betzen noch zum Dirrchbalten, aber der Widerstand der Unternehmer scheint seinem End« nahe._----> Die Tabakarbeiterlöhne in Bulgarien abgebaut. Sofia, 19. August lWTB.). Der Abbau der Löhne in den bulgarischen Tabakfabriken ist beendet. Die Aibeiter haben sich mit einer Lohnkürzung um 10 Proz. einverstanden erklärt und die Arbeit wieder ausgenommen. Die' Texlilfabrikanten in Gera ließen durch Anschlag mit- teilen, daß iie die Arbeitsverträge zum 1. September kündigen nnd von diesem Tage ab ihr« Betriebe schließen werden.— Sie werden sie wieder aufmachen! Die Hamburger Hafenarbeiter haben den Ende August ab- laufenden Tarifvertrag gekündigt. Verhandlungen sind bereits eingeleitet. Die Gemeindearbeller in Baden fordern die Erhöhung ihres Stundenlohnes um 15 Pf. Verhandlungen mit dem Arbeitgeber- verband badisch-r Gemeinden waren erfolglos, weshalb die Bezirks- schiedsstsllc in Karlsruhe angeruken wurde. Veraitic-rrUiii, für Tolltil: Srnft Rc»!cr! Wirtschaft: Art» Saterau,! Eewc: 3chaZi«bcwc«una: ffr. 6(ito:n: lteuifleton:®t. John SiSitoiosfi: Lolalcs :iub Sonftiacs: Btiji Narstädt: Ameiqen Td. Oleie; sämtlich in Berlin. Bcriati: Borwiirt«»Lcrlae<5. m. b. t-, Berlin. Druck: Brrwärts.Buchdruckerel und Verlaasanstalt Baut Sinaer u Co. Berlin SW 6S Linden ar-he 3. Sietim 2 Beilagen,„llnterhaltnna und Willen" nnd„lsraueustlmmc". Ersatzlose und Kauflose zur iehigcu Hauptziehung der Pmistischen StaatSlotteric find noch zu haben in der von Karl Gehrle Berlin W., Potsdamer Str. 3, im Petsdamer Pia« Ncllendorf m 429. Beliellungen auf Lo!e erster jtlasse werden schon seßt entgegen genommen. Große Reicieme für Malz- und Kornkaffee bis einschließlich Mittwoch, den 26. August Allerfeinster Pfund 48 jetzt 43 Pf. Gersten- und Roggenkaffee Pfund 30 jetzt 25 Pf. Hochfeiner. Pfund 38 jetzt 33 Pf. Kornkaifee-Mischung..... Paket 25 jetzt 20 Pf. Eigene Mälzerei u. Rösterei 146 GcGchäfte '/te&ea- Nr. 391 ❖ 42. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Vonnerstag, 20. August 7025 � ä Die Preissteigerung für Lebensmittel beschränkt sich nicht bloss auf das Fleisch, sondern sie hat alle Arten von Lebensmitteln erfaßt, und auch die Preise für Gemüse und Ob st sind in diesem Jahr weit höher, als der allgemeinen Teuerung gegenüber den Vor- kriegszciten entspricht. Es dürfte von wesentlichem Interesse sein, die Faktoren, die die Preisbildung beeinflussen, kennenzulernen. Das Obst aus Ser Umgebung. Den kleinsten TS:q inacht das Obst, das aus der Umgegend von Berlin- von Werder, Glindow, Ferch usw. hierher kommt. Diese Obstzüchler haben in der Zentralmarkthalle ZZ4 Stände und verkaufen das Obst direkt an die Kleinhändler, aber nicht etwa billiger, als wenn es aus dem Umweg über den Großhändler an die Kleinhändler gelangt Sie lassen sich einfach für das Obst die Preise zahlen, die die Kleinhändler auch sonst den.Engroshändlern zahlen mühten. Außerdem haben diese Obstzüchter zirra 13l)— 200 Stände im Lustgarten und geben hier das Obst teilweise an Kleinhändler, teilweise direkt an Verbraucher ab. Ferner kauten zirka 20 Berliner Grossisten das Obst in Werder und Umgegend auf. Ein Teil von ihnen fährt mit Fuhrwerken zu den Obstzüchtern und nimmt das Obst, das er gekauft hat, sofort mit. Ein anderer Teil des angekauften Obstes wird cn eine-Sammelstelle gebracht und von dort aus nach Berlin geschafft. Die Grossisten zahlen den Obslzüchtem den Preis, den sie erhalten und berechnen für den verkauf eine Provision von 10 praz. brutto. Der Obst-»nd Gemüsekleinhandel berechnet eine Spanne van ZZ Proz., die ihm von der Preisprüfungsstelle zugebilligt worden ist, gegen 2S Proz. Zuschlag auf den Selbstkosten- preis im Frieden. Das Obst aus weiten Jemen. Nun kommt Werder für die Versorgung Berlins nur in aller- geringstem INahe in Frage. Es kann nur für wenige Wochen Berlin mit Kirschen, Johannisbeeren und Stachelbeeren beliefern, tzartobst, r.ifo Pflaumen, Birnen, Aepiel und Pfirsiche, Aprikosen werden über- heupt nicht aus Werder bezogen. Diese kommen aus Italien, aus der Tschechoilomakei und aus Ungarn. Im Spätherbst auch aus Amerika. Die deutsche Obskversergung erfolgt zu neun Zehnteln ans dem Ztnslaud, und zwar liefert Italien Pfirsiche, Weintrauben, Pflaumen, Birnen und zum Teil auch'Aepfcl. Aus der Tschechoslo- wakei kommen Birnen, Aepiel und vor ollem Pflaumen. Die Ungarn j sind, wie erwähnt, unsere chaupilieferanten für Zlprikosen, daneben' komm n aber auch ungarische Pflaumen und Weintrauben auf den deutschen Markt. Nebe» diesem eigenllichen Obst werden in Deutsch- lnnd sehr viel Apfelsinen und Bommen gegeiien, für die Italien und l Spanien die chauptbezugsquellen sind. Sie Sananeneinfuhr. �-»Die BAiesernng mit Bananen geschieht in eigenartiger Weise.! Sic ist in den Händen der United fruit? Tompagnie, eines Trusts, i der die ganze Well mit Bananen versorgt. Er beherrscht vor allen, Dingen die westindische Bananenvel wertung. ist im Besitz ganzer i Eisenbahnlinien und eigener Dampsschiffahrtslinien, die mit Extra- Heizvorrichtungen für das Reisen der Frucht während des Transports versehen sind. Ein Freihandel in Bananen ist eigentlich nur aus den Kanarischen Inseln möglich, da dort die Früchte noch nicht vom Trust erfaßt werden. Merkwürdigerweise ist der Bananenkonsum, obwohl die Banane eine verhältnismäßig sehr teuere Frucht ist, im starken Aufstieg begrissen, und es ist zu beobachten, daß das Publikum in erster Linie nicht das kaust, was vorhanden ist, sondern das verlangt. was teuer und schwer zu beschaffen ist. Es waren z. B. vor einigen Wochen grüne Bohnen am Markt, die im Engroshandel mit 4 bis 5 Pf. verkauft wurden und beim Kleinhändler mit 10 Pf. für das Pfund oder mit IS Pf. für zwei Pfund bezahlt wurden. Sie konnten nicht abgesetzt werden. Augenblicklich, wo Bohnen teurer geworden Der Straßenbaadel als Preisregler. sind, sind sie begehrter. Ein weiteres Beispiel: Ein Engroshändler hatte vor einigen Tagen zirka 300 OVO Gurken, qualitativ hochwertige Ware, holländische Salatgurken, am Lager. Rur 100 000 davon konnte er, obwohl er die Gurken zu 10 bis 20 Pf. verkaufte, an den Kleinhandel absetzen, den Rest verkaufte er an die Fabrik und an die Straßenhändler. Die Fabriken nehmen die kleinen und legen sie dann ein. Es empfiehlt sich, daß die haussrau erst dann den Küchenzettel macht, wenn sie sieht, was der Markt am vorteilhaftesten bietet. Unser Gemüseverbrauch wird zu 50 Proz. durch inländische Produktion, zu 50 Proz. durch Bezug aus dem Ausland gedecki. Und zwor vom Juni beginnend bis zum Ende des Jahres beliefern die deutschen Produzenten den Verbrauch. Die chaupllieseranten für Deutschland sind cholland, Italien und Dänemark. Holland liefert: Spinat, Salat. Blumenkohl, Gurken, Tomaten, Winterkohl-, Wirsing-, Weiß-, Rosenkohl, Kohl- rüben und Zwiebeln. Italien ist Lieferant van Vlumcnkohl, Zwie- beln, Bohnen, Tomaten, wobei dorous hinzuweisen ist, daß die Tomaten holländischer Herkunst qualitativ viel hochwertiger sind als die italienischen Tomaten. Dänemark beliefert Deutschland wahrend der Monate Februar bis Mai mit Weißkohl. Die Auslandsbezüge erfolgen in der Weise, daß die großen Importeure an Ort und Stelle bei den Produzenten die Ware aufkaufen lasten. Sie werden dann in die Waggons gebracht und nach den einzelnen Städten verladen. Da wegen der leichten Verderblichkeit die Ware innerhalb weniger Marktstunden verkaust werden muß, muß die Verteilung an die kleinen Händler durch den Großhändler vorgenommen werden. Die Preisspannen. Und nun zum Schluß etwas über die Preise. In Baden erhält der Produzent für einen Zentner Pflaumen 40 M. von dem Großhändler bzw. seinem Einkäufer. Der Großhändler vertaust diese Ware mit 46 bis 50 M. für den Zentner, und im Kleinhandel kosten die Pflaumen 60 bis 70 Ps. pro Pfund. Also die größte Spanne nimmt der Kleinhandel, das liegt daran, daß er kleinere Mengen ab. setzt, also an der Umsatzeinheit mehr verdienen muß, als der Groß- Händler. Die Preise würden noch höher sein im Kleinhandel, wenn der Strahenhandel nicht preisregulierend wirken würde. Der Straßenhandel verkauft zwar nicht die beste Ware, aber er verkaust billig, und die in der Nähe des Straßenhändlers liegenden Geschäfte � können sich schon der Konkurrenz wegen mit ihren Preisen nicht allzu . weit von den Preisen des Straßenhandels entfernen. Mohrrüben. die hier in der Nähe von Berlin gezüchtet werden, werden bei dem Produzenten mit 3 bis 4 Ps. bezahlt. 6 bis 8 Pf. pro Pfund nimmt der Großhandel, 10 Pf. der Kleinhandel. Hier ist die Spanne überall gleichmäßig. Immerhin ist sie bei allen Produkten höher wie im Frieden, und die Preise dürsten noch weiter steigen, wenn der an- genommene Zolltarif in Kraft tritt. Aus diesem Grunde haben sich sowohl Klein- wie Großfruchthandel gegen die neue Zollvorlage gewandt, sie fürchten durch Preiserhöhungen Nerringeiaiim des A!' satzes. » Die Fleischpreise sind gestiegen, und bei den anderen Nahrungsmitteln ist in Kürze ebenfalls mit einer Berteuerung zu rechnen. Es ist interessant, zu beobachten, daß die Hamburger Importeure, die den größten Teil der aus dem Ausland ein- geführten Lebensmittel noch Deutschland bringen, in den letzten Monaten sehr günstig operiert haben, d. h. ihre Waren zu günstigen Preisen eingekauft haben. Man müßte nun annehmen, daß ste diese Waren ebenfalls zu günstigen Preisen dem Verbrauch zuführen. Aber für sie entscheidet in erster Linie der Profit. Run ist auf dem Weltmarkt auch eine Teuerung der meisten Kolonial. waren eingetreten, und die Hamburger Importeure benutzen diese Gelegenheit, um ihre Waren, die sie, wie erwähnt, billig ein gekauft haben, zu teuren Preisen wieder loszu- schlagen und den Profit mitzunehmen. Wenn sie dann wieder einkaufen müssen, müssen sie ebenfalls höhere Preise anlegen, und die Konsumenten müssen das zahlen. Das ist dos Bild der augenblick lichen Marktlage, und wir dürfen uns nicht wundern, wenn in aller- nächster Zeit die Preise weiter in die Höhe gehen. Das unbegreifliche Ich. 12] Geschichte einer Jugend. Roman von Tom kristensen. (Berechtigte Uebersetzung aus dem Dänischen oon F. E. Vogel.) Wir saßen und knabberten an den Kuchen. „Kannst du Ejnar leiden?" fragte Harry plötzlich. „Nein." „Ich auch nicht, und seine Mutter ist ein Diebsstück," sagte Harry und schüttelte sich, als ob es ihm kalt über den Rücken liefe. „Ja," flüsterte ich,„unck Edith kann ich auch nicht leiden." „Rein, de»n sie ist auch ein Diebsstück." Wir flüsterten zusammen, und zuweilen sahen wir uns enifetzk an. „Ja, ein Diebsstück," stöhnte ich. Aber nachdenken konnte ich nicht. Ich konnte die Kirchen- dimerin vor mir sehen, die große Frau mit dem strass zurück- gekämmten Haar und den unfreundlichen Augen. Diebs- stück! Ich konnte Ejnar im Sportsanzug mit seiner Wasser- tolle sehen. Diebsstück! Und ich konnte Edith sehen mit ihrer Schürze und den beiden Zöpfen. Sie war nicht unartig! aber sie war ein Diebsstück. Jeb konnte nicht ganz begreifen, daß sie das sein sollte. Die Kirchsndienerin war es, Ejnar war es, dann niuhte sie es also auch sein. � „Ich muß nach Haufe," sagte ich. All das Neue hatte mich beunruhigt, und ich hatte ja auch keine Erlanfmis gehabt �"Migehen. Und ohne weiteren Uebcrgang stand ich auf und lief die Treppe herunter. Unten im Hof traf ich�dic Dame, die ich für Harrys Schwester gehalten hatte. Sie hatte eine rote Bluse an und pfiff. „Willst du etwas Schokolade haben, du kleines Manns- bild?" fragte sie. „Ja, danke schön." Sie gab mir eine ganze Tafel, von der sie nur ein Stück abgebrochen halte. „Und inach, daß du nach Hause kommst und groß wirst!" laebte sie.. Sie lachten alle zusammen so merkwürdig bicr in„S'iomi": doch ich bekam Zweiörestückc und Schokolade da geschenkt, und Harry war nicht so eingebildet. Draußen auf der Straße and ich einen Augenblick still und sah zu den Fenstern der Kirchendienerin hinauf. Sie hatten einen anderen Ausdruck als sonst. Sie waren dunkel. Regenwolken spiegellen sich in ihnen, und sie sahen dunkler und unheimlicher als olle anderen Fenster in der ganzen Straße aus. Rein, ich mußte nach Haus. Ich würde wohl Schelte kriegen: doch ich lief trotzdem, um es so schnell wie möglich zu überstehen. Als ich in den Laden kam, faß Mutter und schrieb Briefe. Sie sah aus: aber da es kein Kunde war, fuhr sie fort zu schreiben. Ich ging in mein Hinterzimmer, ohne etwas zu sagen. Mein Herz klopfte laut, und ich schnaufte nach dem Lauf. Es war da etwas, was ich nicht begreifen konnte. Ich bekam keine Schelte, und ich war doch ohne Erlaubnis auf der Straße gewesen. Von dem Tage an lief ich aus und ein, wie es mir gerade paßte. Ich war viel allein in jener Zeit, wie ich mich erinnere, und mir wurde keine biblische Geschichte mehr im Bett erzählt. Wäre ich gezwungen gewesen, zu Hause zu sitzen, hätte ich meine Einsamkeit stärker gefühlt: doch ich war viel unterwegs und kam müde zurück. Da geschah es an einem Regenwetterabend, daß meine Mutter mich bei der Hand nahm und sagte, wir wollten etwas ausgehen. „Ich habe ja keinen Mantel an, ich werde naß!" sagte ich erstaunt. „Ach. das ist ja richtig," antwortete Mutter zerstreut, und sie half mir in den Mantel, aber nicht so sorglich wie sonst. Sie hielt ihn zu hoch. Wir gingen in den Regen hinaus. Es war kalt. Die Laternenscheiben klirrten. Die Lichter flackerten, so daß die Fassaden der Häuser in unruhiger Be- wegung waren. Im Halbdunkel kam die schwarze Gestalt der Kirchen- dienerin an uns vorbei, sie hielt sich nicht mehr so aufrecht. „Mutter, ist das wahr, daß sie ein Diebsstück ist?" „Du darfst so was nicht sagen!" antwortete Mutter und schüttelte mich am Arm. „Aber Harry sagt es doch!" „Du dorfft nicht mit Harri) spielen. Aber das ist ja schließlich ganz gleich." setzte sie hinzu. Ich verstand sie nicht. j Sic sprach so merkwürdig. .La. Waldemar, ja, mein Kleiner, nun kommst du von dem allen fort, und du verlittst auch«cht viel daran." Sie sprach vor sich hin und ich konnte nicht antworten. Auf dem Sankt-Anna-Platz drehte sie sichmm und sah zu dem Laden hinüber. „Es war trotzdem ein hübscher Laden," seufzte sie. „Ja, das ist er. Alle Hüte sind so hübsch," antwortete ich. „Aber was hilft das. Die Leute sind anderer Meinung als wir beiden armen Würmer, und was nützt dann das Ganze." Wir gingen die Amaliengade herunter und unter den Säulengängen entlang. Auf dem Schloßplatz gingen einige Gardisten hin und her.«ie trugen lange Umhänge, und ihre Bajonette blitzten im Schein der Laternen. „Kille, kille, kille, kille!" sagte einer von ihnen, als wir vorbeigingen. „Es brennt Licht beim König," sagte ich. „Ja, das stimmt," antwortete Mutter. „Bist du mal beim König gewesen?" „Nein, was sollte ich denn dort, mein Junge: ober i-. mußt nicht sovie fragen. Mutter ist müde und sehr, sehr traurig." Ich wischte mit der Hand über mein Gesicht, das naß vom Regen mar. Wir gingen nach der Langen Linie herunter. „Wollen wir nicht lieber nach Haufe gehen, Mutter?" „Nach Hause? Na, du sprichst, wie du es verstehst. Nein, wir müssen nach der Langen Linie hinaus." Das Gitter war verschlossen, und Mutter fing plötzlich zu weinen an. „Das Gitter ist verschlossen!" stöhnte sie, und dann er-' griff sie mich beim Arm und eilte über den Toldbodvej nach Grönningen berunter. Sic sah sich nach ollen Seiten um und flüsterte: „Hier sind so viele Menschen!" „Nein, Mutter, nein. Nur da drüben geht ein Herr und da weiter hinten noch einer. Dos sind doch nicht viele." „Sei doch stille. Junge," antwortete sie böse und zog mich hinter sich her. Unten in Grönningen blieb sie stehen und sah sich ocr- wirrt nach allen Seiten um. Es war dunkel, und der Regen prasselte auf den Blättern der Bäume. Ein Stückchen weiter blitzten verschiedene Lichtreihen übereinander aus. Das waren die Häuser. (Fortschang folgt.) Soll es so weiter gehen? Das««erträgliche Steigen der Fleischpreise. Es war nicht schwer, nach der Einbringung der Zollvorlage vorauszusagen, daß unter der Wirkung der beabsichtigten Zölle und erst recht nach der Einführung der Zolle die Lebensmittel- preise eine ungeheuerliche Steigerung erfahren würden. Diese Situation wird bereits vom Lebensmittelhandel jpekulatio ausgenutzt. Am Vi eh markt ist in den letzten Tagen eine bedeutende Preissteigerung eingetreten, die nicht etwa auf Knappheit an Vieh zurückzuführen ist, sondern deren Ursache darin liegt, daß die Landwirte in der Hoffnung, durch eine Verknappung des Verkaufsmaterials Preiserhöhungen zu� erzielen, Vieh zurückgehalten haben. Ihre Hoffnung dürfte enttäuscht werden. Der Aleischkonsum der Berliner Bevölkerung� ist beeinflußt durch die hohen preise in der letzten Zeit stark zurückgegangen. Aus der anderen Seite ist die Bachsrage nach Gefrier- fleisch ganz erheblich gestiegen. Allerdings kann diese Nachfrage ja nur zum Teil befriedigt werden, da nur ein bestimmtes Kontingent von ausländischem Gefrierfleisch zur zollfreien Einfuhr zur Der« fügung stehk. Wohin soll die Preisteuerung bei dem heutigen Ein- kommen der Arbeiter führen, bei der Weigerring der Arbeitgeber die allernotwendigsten Lohnforderungen zu bewilligen? Der Regie- rung stehen nach der Annahme der Zollgesetze und nach dem Abbau der Zwangswirtschaft allerdings nur sehr wenig Mittel zur Ver- fügung, um den Preistreibereien Einhalt zu gebieten. Und selbst diese Mittel will sie freiwillig ans der Hand geben. Dem Rcichsrat ist eine Gesetzesvorlage zugegangen, die eine Aufhebung des Wucher st rafrechts vorsteht. Es gibt eben nur eins, und das ist ein Abbau der vielen Zwischen- stationen, die bei der Ware auf dem Wege vom Produzenten zum Konsumenten bestehen. Die Ware muß aus dem kürzesten Wege zum Konsumenten gelangen und daß diese Verkürzung des Weges eine erhebliche Verbilligung bedeutet, dafür ist der beste Beweis die Tat« sache, daß die meisten Lebensmittel in den Konsumgenostenschaften und Warenhäusern, die viele Zwischenstationen des Waremimlaufs umgehen, billiger zu haben sind, als in den meisten anderen Klein- Handelsgeschäften. Wenn es sich auch nur um Pfennige handelt, bei dem geringen Einkommen, mit dem die proletarische Hausfrau heute rechnen muß, zählt eben jeder Pfennig. Lalsthe Zehn-Nentenmarkfthekne. Die Falschmünzerwerkstatt ia der Villa„Goldener Friede". Die gefährliche Falschmünzerwerkstatt in der Villa.Goldener Friede" in Zernsdorf bildete den Mittelpunkt der Anklage wegen Münzverbrechens, die vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Schöncberg gegen den Buchdruckereibesttzer Otto K e y s e r, die Kaufleute Max R a k o w und Hans Ney, den Lehrer Fritz Tretnau, den Maschinenmeister Karl Lorenz und schließlich gegen die verwitwete Frau Nanny R o me i k zur Verhandlung gelangte. Die verborgene Werkstatt wurde dadurch entdeckt, daß nach den Ermittlungen der Folschgcldobteilung der Reichsbant Keyser eine neue Druckmaschine gekauft hatte. Mit dieser Maschine mußte es eine besondere Bewandtnis haben, denn auf Grund einer vertraulichen Mitteilung, daß ein Neuköllner Kommunist nach der Fälschung von Zweibillionenscheinen falsche Rcntenmarkscheine her- stellen wollte, hatte man erfahren, daß Keyser dahinter steckte. Deshalb wurde der Abtransport der Druckmaschine be- ob achtet und von Beamten verfolgt, wodurch es schließlich ge- lang, ihren Verbleib in der Villa.Goldener Friede" in Zernsdorf bei Königswusterhausen festzustellen. Als Krimi- nalkommissar von Liebermann eindrang, fand er in einem ver- schlossenen Keller eine vollständig und modern einge- richtet«, elektrisch betriebene und mit elektrischem Licht versehene Falschmünzerwerkstatt. in der noch die Falschgelddruckplatten in der Maschine eingespannt waren und sich auch eine Anzahl fertiger falscher Zehnmarkscheine der Renten- dank befanden. Die anwesenden Angeklagten R a k o w und Frau R o m e i k, die Besitzerin der Villa und gewesene Gattin des einst vielgenannten Direktors Romeik aus dem Pommembank-Prozeh, zeigten sich sehr erstaunt und erklärten dann, zwei angebliche Mieter des Kellers namens Müller und Schmze hätten eines Tages eine anscheinend versehentlich offengelassene Geldkassette zurückgelasten, die im oberen Schlafraume stand. Dort wurde sie auch offen auf einem Bette vorgefunden: neben ihr mehrere Päckchen mit falschen Scheinen, so daß offenbar Rakow beim Zählen überrascht worden war. Im ganzen befanden sich nicht weniger als 18 0 0 Stück falsche Rentenzehnmarkscheine in der Kastette. Wieviel Falsifikate bereits in den Verkehr gebracht worden waren, darauf läßt der Umstand schließen, daß noch heute Scheine aus dieser Quelle zum Vorschein kommen. Bor Gericht belasteten sich die Angeklagten gegenseitig. Während Keyser behauptete, Rakow sei der spiritu, rtctor gewesen, erklärten die anderen, Keyser habe zunächst den Gedanken angeregt, verbotene kommuni st Ische Druck- schriften in dem Keller der Villa zu drucken, da hiermit ein gutes Geschäft zu mach«n sei. Dadurch sei Rakow veranlaßt worden, Geld zu beschaffen, und als Keyser dann damit herausgekommen wäre, daß er Falschgeld drucken wolle, sei es zu spät gewesen, sich aus der Affäre zu ziehen, zumal Keyser mit Zwang vorgegangen sei. Insbesondere behauptete auch Frau Romeik, nicht den Schatten einer Ahnung von der Affäre gehabt zu haben. Der Staatsanwalt kam nach längeren Ausführungen zu einem Schuldig gegen alle, denn auch die Angeklagte Frau Romeik, die ihre Scbmuckfachcn verpfändet habe, um Ralow das nötige Geld zu oerschaffen, sei. eine ganz gerissene Frau. Als die Haupt- schuldigen und geistigen Urheber beantragte er gegen Keyser und Rakow unter eVrsagung midernder Umstände je 5 Jahre Zucht- haus, gegen Tretnau und Ney unter Zubilligung mildernder Um- stände je 3 Jahre Gefängnis, gegen Lorenz, der sich bei dem Drucken Rakow unter Versagung mildernder Umstände je 5 Jahre Zuchthaus, gegen die Angeklagte Romeik, die zwar nicht eine aktive Tättgkeit entwickelt, aber das Gericht dreist angelogen habe, bean- tragt« der Staatsanwalt, ihr die mildernden Umstände zu versagen und sie zu 3 Jahren Zuchthaus zu verurteilen. Nach längerer Beratung verkündete der Vorsitzende folgendes Urteil: die Angellagten Keyser, Rakow und Frau Romeik wurden unter Veisagung mildernder Umstände zu je 3 Jahren Zuchthaus und je 5 Iahren Ehrverlust oerurteilt. Die Angeklag- tcn Tretnau, Ney und Lorenz, denen mildernde Umstände zugebilligt wurden, wurden zu je 3 Iahren bzw. 2 Jahren Gefängnis und drei Iahren Ehrverlust verurteilt. Ein Teil der Straf« wurde auf die erlittene U nterfuchungshaft angerechnet. Frau Romeik wurde wegen der Höhe der Strafe sofort in Haft ge- nommen. Eine Grohgarage für Autobusse. Dem stets wachsenden Verkehr und der laufenden Ergänzung des Wagenparkes der Aboag von Woche zu Woche waren die Bahnhöfe schon seit langer Zeit nicht mehr gewachsen. Um den Neubau von großen massiven Garagen, die viel Zeit in An» spruch nehmen und ungeheure Kosten verursachen, zu vermeiden, war der Plan entstanden, eine geräumige, aber dennoch möglichst billige Großgarage nach amerikanischem Muster zu bauen, die über 100 Wagen aufnehmen sollte. Nach recht langwierigen Ver- Handlungen mit der Baupolizei ist eS der Direktion der Aboag nun gesungen, die Erlaubnis zu dem Bau einer groß- zügigen Garagenanlage in der Morse st raße in Charlottenburg zu erhalten. Der Neubau ist bereits in Angriff genommen worden und soll auf Grund der von der Verkehrs- smdienkommission der Aboag in Amerika und London gesammelten Erfahrungen erfolgen. Insgesamt sollen nach der endgllltigen Fertigstellung dieser überdachten Riesenhalle etwa 160 Autobusse Unterkunft finden. Der Bau derartiger.Großbahnhöfe' ist sehr zu begrüßen, zumal die Behörden eingesehen haben, daß der Bau derartiger Großanlagen schon der bedeutend geringeren Baukosten wegen in Zukunft unumgänglich fein wird. Bis zur Ferng- stellung der Großgarage werden allerdings noch einige Monale verstreichen. Zum Mord in Germenöorf. Die Obduktion des erschlagenen Kaufmanns. Gestern nachmittag fand in der Leichenhalle in Germendorf die Obduktion des erschlagenen Kaufmanns Emil Lohmeyer statt. Sie wurde ausgeführt von dem hiesigen Gerichtsarzt Dr. Kipper und dem dortigen Kreisarzt Dr. Hartwig. Die Todesursache ist unzweifelhost in den wuchtig geführten Schlägen zu suchen. Durch den Schädelbruch ist Erbrechen hervorgerufen und daran ist der alteMann erstickt. Die Mordkommission fand bei der Besichttgung des Tatortes ein sogenanntes Knickermesser, besten Klinge 18 Zentimeter lang ist, auf dem Herde liegen. Durch die Obduktion wurde bestätigt, daß dieser Knicker die Mord- wasfe ist. Vor allem ist es setzt darum zu ttin, die BermSgensverhäliniff« des Ermordeten zu klären. Lohmeyer soll vordemKriege ein Vermögen von etwa einer halben Million beseffen haben. Wieviel er aus der Inflattonszeit gerettet hat, steht noch nicht fest. Außer dem Hause, in dem er wohnte, gehören ihm noch zwei andere Häuser im Dorfe, die er vermietet hat. Ferner wird man mit Hilfe des Inspektors der Sparkaffe jetzt feststellen, an wen er Hypotheken vergeben hat. Die Klärung der Lohmeyerschen Geschöftsangelegenheiten und seines Wohnungsinventars wird eine tagelange Arbeit erfordern. Es Ist unzweifelhaft, daß stch der Täter bei der Ausführung dieses grauenhaften Derbrechens seine Kleidung sowie seine Hände mit Blut besudelt hat. Alle Personen, die viel- leicht auf Bahnhöfen oder Chauffeen der Umgegend einen Menschen, vielleicht auf einem Rade, in blutbefleckter Kleidung gesehen haben, werden dringend ersucht, sich bei der Mordkommission zu melden. Die Behörde läßt gleichzeitig verkünden, daß wahrscheinlich eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt werden wird. Der schnellen AufNärung dieser gräßlichen Tat wird wirklich nicht damit gedient, wenn man drei Tage nach der Tat der Oesfentllchkeit noch nicht einmal Bestimmte» über die Höhe der ausgesetzten Be- lohnung mitteilen kann. Vorsicht beim Baden im Stösiensee. Vom Bezirksamt Spandau wird mitgeteilt: Der südliche Teil des PichelSwerder wird, besonders des Sonntag« und bei warmer Witterung, von Tausenden von Berlinern au« den ver- schiedensten Bezirken zum Zwecke des Badens aufgesucht. Das Baden an der sogenannten Badewiese ist aber im höchste n Grade gefährlich, weil der Boden des SiößenseeS gerade an dieser Stell« bereits ganz nahe am Rande in erhebliche Tief«— drei bi« vier Meter— abfällt. ES ist deshaib auch bereits«ine größere Zahl von Todesfällen durch Ertrinken, am veraangenen Sonntag wiederum zwei, zu bellagen gewesen. Um die Be« völkerung auf die Gefahren auimerliam zu machen, weiden dem- näckst wiederum Warnungstafeln— die letzt« ist von unbe- fugter Hand entfernt worden— Aufstellung finden, bis die in Angriff genommene Frage der Errichiung eines fachgemäß auSge- bauten Freibades ihre Erledigung gefunden hat. Den Besuchern des PichelswerderS wird auch anS Herz gelegt, diese schöne Stelle des HaveluferS nicht in rücksichtsloser Weise zu beschmutzen und durch weggeworfenes Papier zu verunreinigen. Gege« die Verunreinigung der Strasie«. E« ist in der Oeffentlichkeit wiederholt lebhafte Klag« darüber geführt worden, daß öffentliche Plätze und Straßen durch Fort- werfen von Papier, Obstschalen und dergl. verunreinigt und die Fußgänger gefährdet werden. Wie wir dazu von zuständiger Stelle erfahren, find die P o Ii z e i b e a m t en des Straßendienste» an- gewiesen, auf Gnind der bestehenden Verordnungen über die Verunreinigung von Straßen. Wegen usw. gegen das Fortwerfen von Papier, Obstschalen und dergl. auf Straßen, öffentlichen Plätzen, in Anlagen und im Walde energisch vorzugehen. Strafjustiz und Republik lautet da» Thema einer Kund- gebung, zu der das R e i ch S b a n n e r Echwarz-Rot-Gold am Donnerstag, den 20. August, abends 8 Uhr, noch der Stadthalle einladet. Das Hauptreferat wird Rechtsanwalt Dr. Brandt halten. Namhafte republikanische Aerzte, Juristen und Nichter werden im Anschluß daran zu diesem heute außerordentlich brennenden Thema da« Wort ergreifen. All« Republikaner find zur Teilnahme an der Veranstaltung, die«in« machtvoll« Kundgebung für«ine Erneuerung der deutschen Strafjustiz werden muß. eingeladen. Ein seilsamer Avfall. In den Daimler-Werken in Mariendorf ereignete sich am Mittwoch vormittag ein eigenartiger Unfall. Dem an einem Dampfhammer arbeitenden 3S Jahre alten Scbmied Schmidt au« der Waldfiratze 57 wurde ein Meißel entrissen und mit solcher Gewalt gegen die Unke Brustseite in der Herz« gegend geschleudert, daß er auf der Stelle zusammenbrach. Ein hinzugezogener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Der Lildangsoorschaß Ireptow-Daamschulenwea bietet in seiner 37. Vor- sührung wisscnschaslliiber Kilme In der Trepwwer Sternwarie am Freitag, 2t. August abend» 8 Uhr: l. den großen Knltinsilm, SJ a v«. Heute abend Treffen oller Kameraden Bahnhof Adsershof. Abfahrt 7.15 Uhr nach Berlin, Etadtballe. Die fstr heute angesetzt« Bersommluna fällt au».— Kameradschaft Teeptaw. Sämtlich« Kameraden, die am 86. Auonst an der Fahrt nach ssstrstenwalde a. d. Spree teilnehmen, haben stch sofort bei Kamera- den Ketzler, Dvaetzstr. 56«) zu melden. Zeit der Abfahrt wird noch helannt- «egeben.__ Arbeiter-Nadio-KIzb. Bezirk Neukölln. Freitag, den 21. August. H8 Uhr. Rstlltschule,„Elveriment« mit Röhrenapparaten�. Döste willkommen. Sporte Rennen zu Sarlshorst am Miilwoch, den 19. August. 1. R e n n e n: 1. Baltle Cruiser(H.NovaI, 2. Wollenschieher(Bittner), 8. Credulite(St-mql). Toto: 15:10. Platz: 12, 18, 13: l». Ferner li-ien: Euntandcarwern, Juanila III, Lddrun, WclbSteusel, Rotbart, Venus IV, Mero. L. Rennen: 1. Chane sv. Nctzsch), 2. PeScaro(». Borke), 3. Mattini kHr. Schnitzer), Tolo: 102: 10. Platz: 15. 12, 42: 10. Ferner liefen: Tieslnt, Spiritist, Eichkatze, Sarazeuer. Entschluß. 3. Rennen: 1. Maxa(E Eichhorn), 2. Maiprinz(GorZIer), 3. Kornblume lSchilllcr). Tolo: 25: 10. Platz: 18, 23, 25: 10. Ferner Ilefin: Prinz Christian. Siegl. Wiefelburg, Bcrgeßmichnicht, Allclria, MenclauS, Uaurin. 4. Rennen: 1. Mesfina(Oertel), 2. Mellarosa(Lüder). 8. Cisterne (Walter Heuer). Tolo: 14: 10. Platz: 13, 28: 10. Ferner liefen: Primavera. Puppenfce, Eisenlrone 5. R e n n e n: 1. Erdferkel(Oeriel), 2. Vertrau mal(Mate), 8. Blüm- NSalp lEngeydl). Toto: 101: 10. Platz: 28, 15, 47: 10. Ferner lielen: Peter Moor, Hohe Sonne. Cnpua, Schwertlilie, Heldenleier, Sturm, Ideal 8. R t n n e n: f. Stcrnberg(B. Wurst), 2. Sankt TbomaS.(K. Edler), 3. Otto vadiS lOertel). Toto: 28: 10. Platz: 13, 12, 11: 10. Ferner Helen; Sonnenfcheln, Mlnenhos, Märchenzauberin, Felsenroje, Tuan Fang, Settee. 7. R e n n e n: 1. Oran(v. Keller), 2. Winicrweide(v. Mctzschl, 3. Silberbatzen(Hr. Siaudlnger). Toto: 13: 10. Platz: 12, 15. 25: 10. Ferner Uesen; KriegSbruder, Stephanie, Königsadler, Welterstein II, Lena, Cebria, Trist. 10 Dan erst, he er auf der Olympia-Radrennbahn. In dem am kommen- den Sonntag auf der O 1 h m p i a- R a d r e n n b a h n zum AuStrng gelangenden Großen Sommerpreis, einem Dauerrennen über 50 km. kommt mit den Deutschen Weiß, Rofillen, Bauer lowie dem Zlraber N« s a t t t und dem Franzosen Tatudal ein sehr gleich- wertige» Fünserseld am Start. Eine große Bereicherung erfährt da» Pro» aramtu evtl noch durch die Tellnabme de» Weltmeisters L i n a r t und de« Matador« der Oltzmpta.Radrennbahn Walter Sa wall, wenn beide »der«wer von Beiden nicht In den Endlauf der Weltmeifterlchaft kommt. Zwei werter« Dauerrennen über 20 und 30 km gehen diesem Rennen voran«. In den über 20 und»0 km fAhrenden B»Dsiierreniien ist dc» auf der Olhmpia-Radrennbahn trainierenden Fahrern Äelegenheit gegeben, ibr Können vor einem großen Publikum unter Beweis zu flellen. Infolge de» reichhaltigen Programm« beginnen die Reimen bereits um Z Uhr. Die Zeit liegt nicht allzuweit zurück, wo man das Zähneputzen und das Nägelpolieren auf eine Stufe stellte. Man tat beides zur Ver- schönerung der äußeren Erscheinung, ohne sich viel Gedanken über die hygienische Notwendigkeit einer gründlichen Mund- und Zahnreinigung zu machen. Heute weiß man, daß es nicht so sehr darauf ankommt, sich die Zähne mechanisch zu' säubern, sondern daß vor allen Dingen eine anu- septische Behandlung der Mundhöhle notwendig ist, um die vorhandenen gefährlichen Keime in der Entwicklung zu hemmen oder abzutöten. Als beste? Mund-Antiseptikum hat sich O d o l bewährt. Odol ist so konzentriert, daß wenige Tropfen auf ein halbes Glas Wasser genügen. Deshalb ist Odol im Gebrauch das sparsamste Mundwasser, das wir kennen. Donnerstag 20. fiüguft 1925 -Unterhaltung unö Wissen öeilage ües vorwärts o] Mutter Wurm. Von Hugo Lufacs. (Schluß.) Mutter Wurm rang die schwieligen Hände. Sie konnte nichts anderes tun als die Gewaltigen der Welt: auch sie mußte abwarten, was da kommen werde. Und es kam so, wie sie es erwartet hatte. Ihre Söhne kamen in der Nacht nicht nach Hause. Und blieben ein« Woche weg. Da kamen sie in neuen Kleidern, blaß und übernächtigt. Sie boten der Mutter Geld an; sie warf es ihnen zu Füßen. Aber sie schwieg. Denn sie fürchtete das, was ihren Söhnen bevor- stand. Die Wut kam nicht, die Angst verscheuchte alle anderen Gefühle. Der Jüngere saß wieder im Hofe und spielte mit den Kindern und der Aeltere brachte ihnen Süßigkeiten aus der Konditorei. Und an einem Abend kam die Polizei. Vierzig Mann stark. In dieses Haus trauten sie sich nicht in geringerer Anzahl zu kommen, hier ergab sich keiner freiwillig, hier war es Ehren- fache, Widerstand zu leisten, hier wußte keiner, wem es galt. Sie flüchteten, oder sie stellten sich der Polizei entgegen, alle, die in der Mausefalle geblieben waren. Diesmal galt es den beiden Wurm. Di« ließen sich nicht widerstandslos gefangennehmen. Es kam zum Kampf, zu wüstem Lärm und wuchtigen Schlägen. Und Mutter Wurm mischte sich in den Kampf. Sie biß und kratzte--- und wurde mitgenommen. Auf der Wachstube empfing sie der Inspektor als gute Be- kannte. „Aber, aber, Mutter Wurm, Sie haben sich wieder mitnehmen lassen.* Mutter Wurm weinte. „Ja. Herr Inspektor, und ich muß dableiben, bis die Beiden ausgeliefert werden... die ganze Nacht.* Der Inspektor schaut« sie lange an, ein tiefmeoschlicher Zug von Barmherzigkeit lag in seinen Zügen. .Ja, Mütterchen, und ich weiß auch warum.* Er wußte es. Mutter Wurm wollte unbedingt mit den Beiden bleiben. Sonst würden die Polizisten die Beiden schlagen. Aber nicht, wenn sie dabei blieb. Und die Polizisten wußten auch darum und ließen sie gewähren. Sie weinte die ganze Nacht. Frühmorgens wurde sie ent- lasten. Müde und unglücklich schleppte sich Mutter Wurm nach Hause. Sie mußte oft stehenbleiben, so elend fühlte sie sich. Und einmal stand sie vor einer Kirchentüre. Frauen kamen und gingen zur Türe ein und aus. War es wegen der Müdigkest oder tauchten in ihrer Seele Kindheitserinnerungen auf— sie ging auch hinein, kniete neben einer anderen Frau am Seitenallare nieder. Aber ihre Kniee taten ihr weh und so setzte sie sich auf ihre Füße. Veten konnte sie nicht, sie hatte es längst verlernt. Sie murmelte nur vor sich hin. Worte, dumpf und traurig wie Leidensstationen auf dem Wege zu ihrem Golgatha. Sie frug sich, um was sie beten sollte? Daß Gott ihre Leiden von ihr nehme? Wie konnte er es? Ja, wenn er all das Vergangene, das ihre beiden Söhne verdorben hatte, ungeschehen machen könnt«? Ja, warum ließ er es denn geschehen? All das Ent- setzliche, Schlechte, Häßlich«? Don ihm haben e« die Menschen gelernt, erst den Sünder fallen zu lasten und nachher zu strafen. Er machte es nicht bester als Polizei und Gericht. Er strafte mit der Hölle. Ach, sie hatte keine Angst vor der Hölle, sie lebte darin. Und der Himmel als Lohn? Also nun war Vater Wurm im Himmel. Ja. wie kannte er selig sejn, wenn er aus seine Familie niedcrsah.... Wenn sie in den Himmel käme und Dater Wurm sie fragen würde: Was hast du mst meinen Söhnen ge» macht, was sollte sie ihm antworten? Nein, sie hatte Angst in den Himmel zu kommen. Das alles war ebenso schrecklich wie das Nichten einfältiger Menschen. Nein, nein. Die sterben, die wollen nur Ruhe finden. Nichts, als Ruhe. Aechzend erhob sie sich und ging. Sie vergaß das Äreuz- schlagen mit dem geweihten Wasser. Sie ging Tag für Tag In die Arbelt. Und war allein, ganz allein, mit ihrem einzigen, unverstandenen Jammer. Es kam die Verhandlung. Sie sah ihre beiden Söhn« wieder. Die VerHand- lung interessierte keinen Menschen, ce war ein zu gewöhnlicher Fall. Gewohnheitsmäßig und gelangweilt wurde- das Brimborium der Rechtsprechung abgeleiert. Die Beiden wurden zu zwei Jahren verurteilt. Für Mutter Wurm waren es schwere Zeiten der angestrengten Arbeit und Entbehrung. Jeden Bisten mußte st« sich vom Munde absparen, um einmal im Monat zu ihren Söhnen ins Gefängnis fahren zu können mit ihren armseligen Geschenken. Um einmal im Monat neben ihnen zu sitzen. Ein« Stunde lang. Sie hatten so wenig zu sagen. Sie sahen sich an, streichelten einander die Hände und lächetten einander müde, traurig zu. Und dann ging Mütterchen weinend von bannen. Matter Wurm verfiel zusehends. Immer wertloser wurde Ihre Arbeit. Und immer weniger fand sie Arbeit. Jetzt konnte sie nur jeden dritten Monat zu ihren Söhnen gehen. Und einmal— zwei Monate fehtten noch zu den zwei Jahren — brach sie zusammen. Si� kam in das Spital. Sie war nicht ganz verlasten, denn aus dem gelben Hause kamen scheu« Gäste zu ihr. Sie wußte, daß sie sterben werde. Sie ergab sich darein, nur hoffte sie noch einmal mst ihren Söhnen sprechen zu können. Da» mußt« sie. Sie mußte sie mst ihren letzten Kräften bekehren. Und dann— sie hatte noch einen Wunsch— zu Hause in der Wohnung, In dem Bette zu sterben, das auch da» Sterbebett ihres Mannes gewesen war. Nur dieser letzte Wunsch ging ihr in Erfüllung. Sie erlebte noch, daß die beiden Söhne sie abhosten. Sie lag in ihrem Bette. Doch sie hatte nicht mehr die Kraft, und auch nicht den Willen mehr. mit chren Söhnen zu rechten. Do, gelbe Haus lag still um sie. Alle sprachen leise. Es dauert« nicht lang«. Am dritten Tage ihrer Heimkehr war fie tot. Sie wurde von vielen beweint. Und begraben wurde sie. wie eine Bürgerin. Ein langer Zug begleitete sie. Alle waren gekommen, die im gelben Hause wohnten. in chren besten Kleidern gingen sie gesittet hinter dem Sarge her. alle Verbrecher, all« Totschläger. Diebe und Zuhäller. Die Polizei hätte den ganzen Kondukt absasten und einsperren können. Und in ihrem herzen war Güte und Barmherzigkeit. Jahre sind seitdem verflossen. Aber noch immer sprechen die Verkommenen da draußen von Mutter Wurm. Und in chren Ge- sichtern weicht der böse Ausdruck einem milden Lächeln. Die Legende der Mutter Wurm sollen endlich auch die„Zlnderen* kennenlernen. Denn sie erfahren manches daraus, was sie nicht wissen können und auch nicht wisten wollen. Sturm im Sürgerhause. .Das haben wir Deinem politischen versiehste zu ver- danken, daß det vrol fleener jeworden is— Du Idiot— auf Dein Geheitz hatiea wa ja alle deulfchnakional jewählt!*— Wehlauer pferöemarkt. von Lovis Corinth. D!» Zua«v!>erinn«?unq des»Inest«erstorbenen«rosten Malers Ist einem demnstchst im Deila«« von Grife n. Un»«r in «Bniaaber« erscheinenden Buche:„L o v i» Torintb, dem Ostvreusten* entnommen. Da» Bnch wurde auf Wunsch Torintd» von Paula Steiner tuslt der Mut de» Büffels. Diese sonderbare Famllie des Gnus ist über ganz Afrika verstreut: aber in größter Zahl findet sie sich in dem Wtldparadie«. das üch in dem erloschenen Krater des Ngoron- goro in Tangansika ausdehnt. In diesem natürlichen Kessel, der 2» Kilometer im Durchmesser hat und von etwa 70» Meter hohen Felsen umgeben ist, grasen gegen 4l)»<;iBt«(LS> PA1Ä1T Mark 2— bis 16,— wmBmmam Metropol- Thcat. S1/« Uhr; Tausend süße Belachen Thaläa-Th. UnwidetruCich letzter Monat 8: Usch! Tli.ind.Köiüiiiii.Sti. 8:!feHera.Dings!!a Casino-Theater Lothrin-er Str. 57. Tägl. 8 Uhr Die dreiaktig. Posse Esr üüHns Stiiwimmer daza des hümcrvcilß D iphillmris-Programm O Ceolscbss Künstler-Theater S'Unr Fauleuli 41 Lustspiel von Louis Verneuil Ii03i!lßnz-Tll. Die Moblanks Voiksstck. m Musik Vorzeit, d. Anzeige zahlen nur üalhe Hassenpr. van 60 Pf. an lAPOLLO I U. Thsattt 6 12 Varietö- Sensationen Klont Eintritlspr. I Rei chsh all en-Theater Allabendlich 8 Uhr: Stettiner Sänger Sonnt. 30.8.: Eott Nachtn.-Vorst. zi halben Pnito n. vollem JUwd-Pns: Dönhoff.BreH'l: Saal u.wundcrvoll.Oarten Großes Variete: U.a.: D. urkomische Sums AuHiger schlafen lann ich, nachdem ich mit gutem Er. folge Ilrichel*. 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Sachs Q m b tL Nt ander str. 4, Nr. 391 ♦ 42. Jahrgang 2. Seilage öes Vorwärts vonnerstog, 20. August 1925 Wirij/„ I Milch eiwras Salz Zutaten zum Eelagt 100 g Butter 100 g Zocker 50 g Mandeln V» Päckchen L" r. Oetker's Va- nillinzucker v. Zubercltuugi Zuerst bereitet man den Teig. Die Butter rührt man zu Sahne, iügt Zucker, Ei, das mit dem Backin gemischte und gesiebte Mehl. Milch und eine Prise Salz hinzu. Diesen Teig rollt man auf einem geleiteten Kuchenblech reichlich>/, cm dick aus. Die Butter zum Belag läEt man schmelzen, nimmt sie vom Feuer, fBgt den Zucker, Vanillinzucker, die gemahlenen Mandeln hinzu und verrührt alles gut miteinander, streicht die Masse auf den Teig und bäckt den Kuchen hei Mittelhitze reichlich eine halbe Stunde. Will man den Kuchen fu Ilen, so bereitet man eine Butiercr£me, indem man 1 Päckchen Dr. Oetker's Vanille-SaucenptiWer mit»'u I Milch rnd 120 g Zucker unter ständigem Umrühren zum Kochen dringt und dann die Crtme bis zum Erkalten tührt. Hierauf rührt man 100 g Butter und 20 g Palmin schaumig und gibt teelölfelwreise die erkaltete Crime darunter. Es empfiehlt sich, den Kuchen erst am Tage des Gebrauches zu backen. In den Berliner Hausfrauen-Vereinen kommt nur Dr. Oetker's Backpulver„Backin" zur Verwendung. Verlangen Sie volistSmiir.e Rezeptbücher kostenlos in den Geschäften oder, wenn vergriffen, umsonst und portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeld verbanöstag der HolZaröeiter. Stuttgart, IS. August.(Eigener Drahtbericht.) Den Bericht über die Lohn- und Tarifvertrags- Politik des Verbandes erstattete Schleicher. Die Lohnde- wsgungen der vergangenen Geschäftsperiode mußten zwangsläufig geführt werden. Zeit und Umfang waren durch das finanzielle und wirtschaftliche Elend und die Angriffe der Unternehmer vorge- schrieben. 19S3 wurden 1366 Landeslohnabkommen ab- geschlossen, 19?4 189. Oertliche Lohnabkommen wurden 1924 von den Verwaltungsstellen 2499, 1923 schätzungsweise 1 9 999 abgeschlossen. 1923 befanden sich 197 999 Personen im Streik, 1924 92 999. Die Knmpftätigkeit des Jahres 1924 erforderte einen Aufwand von 2 859 999 M. Die Gesundung der erkrankten Wirtschaft wurde von den Unternehmern nur nach dem Rezept: Ver- längerung der Arbeitszeit, Verkürzung der Löhne gesucht. Selbst 1923, als der Reallohn in der Spitze auf 5 Goldmark gesunken war, wollten die Unternehmer aus kosten der Löhne produzieren. In der Zeit der schlimmsten Not des Volkes haben sie versucht, diese Not für ihren Unternehmergcwinn auszunützen. Am Ende der In- flationskrise waren 95 999 Mitglieder(26 Proz.) arbeitslos. 25 Proz. Kurzarbeiter. Die Kasse der Verbandes war leer. In dieser Zeit der schwersten Not gingen die Unternehmer zum chauptangriff auf . die Tarifvcrtragsrechtc über. Das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit war-für die Arbeit so ungünstig wie nie zuvor. Trotz- dein schreckte der Verbandsoorstand nicht vor der konsequenten Durchführung des Kampfes um die grundsätzliche Erhaltung des Achtstundentages zurück, auch nicht vor der Zumuttmg schwerster Opfer an die Mitglieder: Herabsetzung der Streikunter- stiitzung auf die Hälfte, Aussetzung der Streikunterstützung in der ersten Streikwochen, da ohne diese Opfer der Kampf nicht hätte ge> führt werden können. Der Erfolg der Kämpfe, die besonders das Tischlergewerbe mit beispiellosem Opfermut um die Er- Haltung des Ächtstundentags geführt hat, hat die Taktik des Verbandsvorstandes vollauf gerechtfertigt. Nach einer Darstellung der Kämpfe im Jahre 1924 stellte der Referent fest, daß es zwar dem Arbeitgeberverband gelungen ist, den Reichsmonteltarifvertrag der Form nach kaputt zu schlagen, daß aber der Inhalt, auf dessen Aenderung es doch dem Arbeigeberverband ankam, in den Kämpfen des Verbandes erhalten geblieben ist. Heute stehen sämtliche Länder, außer Ostpreußen, wo die Tischler noch ausgesperrt sind, im Tarifverhältnis. Die Londesverträge enthalten ein Kompromiß in der Arbeitszeit, indem durch Verzicht auf die 46- und 47stiindige Arbeitswoche die 4Sstündlge Arbeitswoche erhallen wurde. Der Achtstundentag ist gehatten. Die Ferienregelung ist nicht emheitlich, sie konnte aber allgemein verbessert werden. Eine wichtige Tarisfrage bleibt noch dieBehandlungdes.angelernten' Arbeiters. Die Spezialisierung und die Entwicklung der Technik bobcn so große Fortschritte gemacht, daß der Tischlergeselle nicht mehr in allen Betrieben die ausschlaggebende Rolle spielt. Es muß eine Formulierung gefunden werden, die den Facharbeiter nicht be- cinträchtigt, aber den angelernten Spezialarbeiter vom Hilfsarbeiter unterscheidet. Die Zeit der großen Kämpfe um die Arbeitszeit hat d i e L o h n- frage etwas in den Hintergrund treten lassen. Vom Januar d. I. ab wurde auch sie angepackt und die ganze Kraft des Verbandes auf den Lohnkampf gerichtet. Der Verband kam in diesem Jahr nie unter 19999 Streikenden herab. Die.Ab- schlachtung' der Lohngebiete im einzelnen rief den ge- schlossenen Widerstand der Arbeitgeber hervor. Es kam zu dem großen Lohnkampf im Holzgewerbe, der mit der Generalaussperrung der Holzarbetter durch die Arbeitgeber eingeleitet wurde. Von vorn- herein stand beim Vorstand der Beschluß fest, eher den Kollegen die härtesten Kampfbedingungen zuzumuten, als sich ein Lohndiktat des Reichsarbeitsministeriums aufzwingen zu lassen. Der Erfolg recht- fertigte auch hier die Taktik des Vorstandes. Der Vorstand des Arbeitgeberverbandcs mußte nach 14 Tagen um Verhandlungen bitten. Es wurde ein Lohn vereinbart, der den Machtverhällnissen ' der beiden Organisationen entspricht. Scharf geißelte der Redner die Schädigung der Arbeilerinkeressen durch das Verhalten der kommunistischen Presse, die aktiv zum Schaden der kämpfenden Arbeiterschaft in den Kampf eingriff. Die Richtlinien für die weitere Durchführung der Tarifoer. tregspolitik sind in einer Entschließung des Referenten ent- halten, die er dem Verbandstag zur Beschlußfassung vorlegt. Sie spricht sich für große Reichs- oder Landestarifver- träge aus, füx deren Abschluß jedoch das Derhandensein von ver- tiagswilligen und-fähigen Unternehmer- und Arbeitnehmerverbänden Voraussetzung ist. Der Abschluß von Tarifverträgen für die Arbeiterschaft muß das alleinige Recht der Gewerkschaften unter Ausschluß der Werk- und Betricbsgemeinschasten bleiben. Die Festlegung ausreichender Löhne, die' 4 8- S t u n d e n- Woche als Höchstmaß der regelmäßigen Arbeitszeit und der weitere Ausbau der Arbeiterferien sind die dringendsten Forde- rungen für den künftigen Ausbau der Tarifverträge. Die Schlich- tung von Streitigkeiten im Gewerbe muß in erster Linie Aufgabe der vertragsschließenden Unternehmer. und Arbettnehmerverbände selbst sein. In allen Tarif- rebieten sind zur Neuregelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie zur Auslegung von Tarifvertragsbestimmungen tarifliche Schlichtungs stellen anzustreben, denen gegenüber den staat- lichcn Schlichtungsbehörden der Vorzug zu geben ist. Das Referat wurde ergänzt durch ein Referat von D a m m e r. der besonders die Branchen beweg ung behandelte und auf die Verhältnisse in der Metallindustrie einging. Dann wurde in die Aussprache über die Lohn- und Tarifvertrogspolitik eingetreten. verbanöstag des verkehrsbunöes. München, 18. August. Am Montag vormittag begannen die Verhandlungen des 12. Bundestages. Unter den Gästen waren anwesend: Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, des Allgemeinen Deutschen Veamtenbundes, des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands, des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter, der Allgemeinen Deutschen Postgewerkschaft, der Internationalen Transportarbeiter-Födcration, ferner Vertreter aus Dänemark, England, Frankreich, Holland, Oeft erreich, Schweden, Schweiz und Tschechoslowakei. Nach der Wahl der 21 Delegierten zum Gewerkschaftskongreß erstattete Schumann den Geschäftsbericht über die Ge- schäftsperiode 1922 bis 1925, die das düsterste Kapitel in der Ent- wicklung des Bundes bedeute. Ruhrbesetzung, Inflation und Still- legung von Betrieben brachten auch der Bewegung Schaden. Sei: 1924 ist aber die Bewegung wieder im wachsen. Dieser Wiederausstieg ist nur dem Festhalten an den Grundsätzen der allbewährten Taktik gegenüber den zellenbildnerischen Tendenzen zu verdanken. Der Lerkehrsbund kann nur eine Parte: unterstützen, die für Erhaltung eines im Sinne der Arbeiterschaft arbeitenden Parlaments ein- tritt. Es ist zu hoffen, daß durch den Zusammenschluß mit der Allgemeinen Deutschen Postgewerkschaft sowie durch das Zusammen- arbeiten mit den Berufskraftfahrern und den Binnenschiffern eine weitere Stärkung des Bundes erfolgt. Die beste Gewähr für die Durchsetzung der Forderungen des Verkehrsbundes ist und bleibt eine starke, in sich geschlossene Organisation. Der Vorsitzende hob hervor, daß gerade die organisierte Arbeiterschaft es war, die beim Ruhreinbruch den Separationsbestrebungen«inen entschlossenen Widerstand entgegensetzte und rechtzeitig für den Abbruch des passiven Widerstandes eintrat. In letzter Hinsicht wurden die Anregungen der Arbeiter nicht beachtet und es mußte dann der passive Wider- stand im ungünstigsten Zeitpunkt aufgegeben werden, wodurch der deutschen Wirtschast und damit auch der deutschen Arbeiterschaft ein schwerer Schaden zugefügt wurde. Es wird einigster Arbeit de- dürfen, um diese Schäden wieder gutzumachen. Im übrigen schilderte der Referent die Tätigkeit des Bundes in der Berichtszeit beim Abschluß von Tarifverträgen, bei den Beratungen der gesetzgebenden Körperschaften, im Reichswirtschafts- rat usw. Er wies darauf hin. daß der Bund bestrebt sei. in den Verkehrs- und W i r t s ch a f t s f r a g e n dem Reich das Schwergewicht zu verleihen, weil nur dadurch die Forderungen der Arbeiter, soweit sie die Gestaltung des Verkehrs und der Wirt- schaft betresfen, durchgesetzt werden können. Durch die Sammlung oller freigewerkschaftlich gerichteten Kräfte, der Beamten sowohl als der Lohnempfänger, ist dieses Ziel zu erreichen. Die Ausführungen des Vorsitzenden wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. wünchen, 19. August.(Eigener Drahtbericht.) Der Verbandstag nahm am Dienstag die vom Vorstand vor- gelegten Richtlinien für eine Vereinbarung über einen Kartell- vertrag zwischen dem Deutschen Eisenbahnerrierband, dem Deutschen Verkehrsbund und dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter sowie über die Organisationszuständigkeit des Deutschen Vcrkehrsbundes und des Deutschen Baugewerksbundes, ferner den Entwurf für eine zwischen der Allgemeinen Deutschen Postgewerkschaft und dem Deutschen Verkehrsbund abzuschließende Vereinbarung einstimmig an. Ebenso � wurde die Entschließung über das Tarifabkommen mit den Kon- sumvereinsgenossenschaften und die Einführung einer obligatorischen Rechtsschutz- und Hastpfttchtunterstützung für die Kraftfahrer beschlossen. Dem Bundesvorstand wurde Er- mächtigung erteilt, mit dem Schiffahrtsbund weitere Ver- Handlungen wegen seines Anschlusses zu pflegen. Sodann wurde eine Entschließung angenommen, in der der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß der Breslauer Gewerkschafts- k o n g r e ß sich in der Frage der Industrieoerbände einmütig auf den vom Bundesvorstand eingenommenen Standpunkt stelle und die entsprechenden Satzungsänderungen vornehme. Eine weitere Ent- schließung wendet sich gegen die Außerkraftsetzung der Be- stimmungen über die Sonntagsruhe und verlangt die sofortige Zurücknahme der Richtlinien des Reichs- arbeitsmini st eriums sowie eine reichsgesehlichc Neuregelung der Sonntagsruhe. Im Schlußwort zur Debatte über den Geschäftsbericht betonte der Vorsitzende Schumann, daß der Verkehrsbund niemand in seinen Reihen aufnehme, der von vornherein bewußt und absichtlich in der Organisation eine Zellenbildung versuche zu dem Zweck, die Organl- sation in ein bestimmtes Fahrwasser zu drängen. Der Verkehrsbund sehe in der Sozialdemokratischen Partei seine parlamentarische Vertretung solange, bis eine andere Partei den Beweis erbracht habe, daß sie die Arbeiterinteressen besser vertrete. Diese Versicherung löste lebhaften Beifall aus. (Den nun folgenden Vortrag des Staatssekretärs Prof. Dr. Hirsch über„Wi rtschastsentwicklung und Wirtschafts- demokratie' bringen wir seiner besonderen Bedeutung wegen aussührttch an anderer Stelle.) ?ugenüveranftaltungen. heule. Donnerstag, den 20. August, abends 7� Uhr: Sesi»ildbnttti!i;t>: Schule Gotbenburaer Str. A, Dortrag: ,, Gemeinschaft und gugendbeweauna".— Schönhauser Dorstadt I: Schule Zhsenstr. 17,„Wege ,ur Gemeinschaft".— Südwesten- Jugendheim Lindcnstr. 3.„Eindrücke vom Reichs- iugendtag".— Johannisthal: Rathaus am Rönigsulah, Dortrag:„Lebens- reform und Reformklcidung". Ziulendangen für diese Rubrik sind Derl'u SW. 63, Luldeuftr-H, 3, parteinachrichten für Groß-S�rlin Net» an da,«ezirkisetret-rtat, i. Sos, 2 Treu, recht», tu richten. SezirksvorjlaaS. Sonnabend, den 22. August, abend» 6 Ahr. wichtige Sitzung des erweiterten Bezirksvorstandes im Zugendheim. Liudenstratze 1 (Alle kreise müssen vertreten sein.) 13. kreis Tempethof, Alanen darf, Alarievfelde. Lichtenrade. Sountaa, de» 23.«»«»st, Sommersrst in Temvekhof. Birken Wäldchen. D». «in» 3 Uhr. stonzert, Gesang, Sütel nnd Tan», steftansprach«! Senaste BSrger. »>«ist«r Karl Seid. ZK. d. L. Eintritt 5« Ps(an der«aste 73 Ps.l. Arbeits- las« frei. * 1. Kreil Ritte, ssreitag, den Zl. August, HZ Uhr, Sit ung de» erweiterten Äreisvorstantes bei Dobrohlow. Swinemünder Str. U. Tagesordnung: Stellungnahme»u den Stadt- und Bcairlsverordnetenwahlen. 3. strei, Wedding, ssreitag, den 2i. August, 7 Uhr, im Pahenhoser Ausschank. Chaussoestr. 6t, Aieisvertretitrversammlung. Tagesordnung: Ausstellung der_ standidaien für die Stadt- und Beüirksvcroidnetenwahlen. 4. Äreis Prenzlauer Berg. Arbeiterwohlfahrt und Rinderschuh: greita«. den ZL August, 8 Uhr, bei stlua, Datuiger Str. 71, Sihung aller in der Wohl. fahrtspfleg« tätigen Genossinnen und Genossen. E der-. garten abrechnen. 7. ikrei, Eharlattcnburg. Freitag, den 21. August. 3 Uhr, Rathaus, stimm« 5, Sihung aller in der Wohlfahrtspfleg« tätigen Genossen und Genossinnen. sLichtbild mitbringen für neu« Auswcistarten.)— tltndersreund« Ehar. lottendurg: Alle Gruppenkinder werden gebeten, heute, Donnerstag, 7 Uhr. im Seim Rosinenftr. 4 pünktlich zu erscheinen zu ein« kurzen Bcsvrechung. 17. strei» Lichtenberg. Freitag, den 21. August, 7H Uhr, Vorüandssihung in der Bibliolhek. Weichselstr. 28. Stellungnahme zur Stadt- und Bezirks- »erordurtenwahl. Alle Abteilungen müssen vertreten sein. heute. Donnerstag, den 20. August: 14. Abt. 7H Uhr Funftionilrsttung mit de» Rreisvertretern bek Gilltvow, Putbus« Str. 24. 82. Abt. 7H Uhr Funktionärversammlung be! Schulz. Kobrrchtstr. H, Zuitgs-zialiste». Grnope Renkall»! 7H Uhr stinderlesehall« Rogatstr. H—II Portrag des Genossen Sturm:„Erfahrungen und Eindrück« mein« Reise durch England". Gäste willkommen. Morgen. Freitag, den 21. August: ZI. Abt. 7H Uhr Funktionärkonseren« bei Post, Lvchener. Ecke Stargarder Strasse. Stellungnahme zur Stadtverordnetenwahl. 41. Abt. 7H Uhr bei Schult, Mariendorf« Str. 5, ausserordentlich« Funk» tionErsissung. i 44. Abt. 7H Uhr bei Ragel. Manteuffelstr. 47, ausserordenILche Funktionär- stssung. Stellungnahme zur Stadt- und Bezirks»«ordrietenwohl. 4«. Abt. 8 Uhr bei Eichholz. Euvrnftr. 23, wichtig« Funktionärsissung. M. Abss. Ehar lottendurg. 1. Gruvv«: TH Uhr Grimpenabend. itantstr. 62. Nestwahl und Parteiangelegenheiten. TZ. Abt. Wannsee. 8 Uhr MitaUederveriammlung im Reichsadler, stönigstr. 26. Tagesordnung: Stellungnahme zu den Stadt, und Bezirk so ero rdneten- wählen. Referent Genosse Siadtv. Draemert. Renkiilln. Ii. Abt. 7H Uhr wichtige Borstandsstssang bei Stahmann, Münch«- n«. Eck« Reutetstrasse.—»3. Abt. 7H Uhr bei Ruvvel. Kaiser-Friedrich. Strasse 172, wichtige Funvionärsissung. Di« Bezirkssühr« laden hierzu ein. Stellungnahme zu den Stadt- und Bezirksverordnetenwahlen. 161. Abt. und 102. Abt. Treptow nnd Banmtckmlenweg. Bildungsausschuss: 8 Uhr in der Treptow« Sternwarte 37. Dorfübrung wissenschaftlicher Film«. Programm: Lava, Kulturgrossftlm von Vulkanen. Menschen und Ti«e de, Mittelmeer». 2. Derfossunosfei« 1325 im Treptower Park. Karten zu 60 Pf. in der Spedition stessl«, Graessstr. 50, und an der Abendkasse. 141. Abt. Roienthal. Pünktlich 7H Uhr Midgliederversammlunq bei Mäll« am Bahnhof. Aufstellung der Kandidaten für d i« Stadtverordneten. wählen. Die Bezirkssühr« laden dazu«in. Ardetteri»g«»d nnd Zungsozialifte» de» 20.«reise». Freitag 3 Uhr„Gedenk- stunde der Internalionalitüt" in der Aula d« 5. Gemeindeschul« Reinicken- dors-West, AnauLr. Pretoria-Allee 38.— Gruppe Norden: Die Mitglieder beteiligen sich geschlossen an der„Gedenkfeier der Internationalität" der Gruppe Reinickendorf im Seebad. Residenzstr. 43.' 7H Uhr.— Gruppe Schäncberg: 7% Uhr Gruppenabend im Jugendheim Rubcnsstrasse(Solls. tonzraum). Besprechung der steitschristen. Frauenveranstaltung Freilag. den 21. August: »t. 124» Mrchlsdors.Süd. 7H Uhr bei Diess, Uhlanbstr. 18. Bortrag bea Genossen Schreiber. • 58. Abt. Ehattotteuburg. Sountog. den«. August. FamNenausflug nach her Iungfernheid«. Abmarsch nachulittag» 1 Uhr von den Lokalen Schweikert und Lux. Gäste willkommen. Sterbetafel Oer Groß-Verliner Partei-Grganifation j 47. Abt. Sonnabend, de« 15. August, verstarb unk« Genosse G u st a» Start k an Gehirnschlag im Alt« von 68 Jahren. Einäscherung Freitag nachmittag 4 Uhr im Krematorium Baumschulenweg. 108. Abt.»Spe»ick. Genosse Mar F- ch m e f, r. Glienick« Str. JS, ist verstorben. Einäscherung Freitag nachmittag 3H Uhr im Krematorium Baumschulenwea._ Arbeitersport. 4. Bezirk. ckSchw im»«ersparte. Am Sonntag, den 2». August, nachmittag, 3 Uhr. findet im Seebad Mariendorf, Burggrofenstrasse, da, Bezirksschwimm. fast statt. Da e» das erste Arbeiters chwimmsest in Mariendorf ist, bitten wir um Unterstüssung durch»ahlreichen Besuch. Nachmittag» 1 Uhr Festzug. Dorf-, Ecke Rathausstrassc. T,»rikte»»ereio„Die N»t»rfte»nd«", vrt�ruppe Berlin(Zentrale Asten). Monatsmitgliederversammluna in der Beinnreisterftr. 16—17, pünktlich 7H Uhr. Vortrag der Genossin Maria Krisch«:„Die Frau und das Freidenkertum". Gäste willkommen. Arb«it«r.Radi».Kl»b, Gruppe, Weddl»«». Prenzliru«»erg. Am Donnerstag. den 20. August, abends 7H Uhr. findet im Lokal Marzahn. Utrechter Strasse 23, ein Gemeinfchaftswerbeabend. verbunden mit einem Lichtbilder- Vortrag, statt. Anschliessend Lautivrecherempfona. Thema des Bortrag«»:„Der Aufbau des deutschen Rundfunks". Werktätige Funkfreund«, Arbeiter und Arbeiterinnen, welch« Interesse an tm Arbeiterradiobcwcqung haben, sind als Gäste willkommen. Eintritt frei. Erscheinen der Mitglieder von beiden Gruppen ist unbedingte Pflicht. Frei« Ma»doliniste».P«r«iniMl»a Neukölln ,008(Mitql. d. Dtsch. Arb.- Mand..Bundes) iejtt Neukölln, Weserstr. 51, Restaurant Ohm. Gäste herzlich willkommen. Blattkundige Spieler werden jederzeit aufgenommen. Sriefkasten der Redaktion. K. C. M. F. R. MLll«. B«Nn E., Aleranderstr. 37».— V. P. 37.«in vreusstscher Morgen hat 180 Quadratruten,«ine Quadratrute 14,846 Quadrat» Biet«. Ein Morgen also etwa 2L53 Quadratmet«. F. P. 38, Köpenick. Wenden Ei« sich an da» Bezirksamt Köpenick. ».«. 1900. Das Gewitter war Sonntag, den 13. April 1302. Wetter für Berila und llmgegeud: Wechselnde Bewölkung ohne wesent. liche Niederschläge.— Für Denlschlond: In der nordöstlichen Hälfte Deutsch- land» noch einzelne leichte Stlichregen. Temperaturen überall wenig ge- ändert. Am 18. August, früh 3>/, Uhr, ent- schliei sanft nach kurzem, aber schwerem Leiden mein tnnigstgelievtcr, herzensguter Mann. lieber Bruder. Schwager, guter Schwiegersohn und Onkel Max Ball kurz»ach seinem 43. Geburtstag«. Die» zeigen im Namen d« Hm!«- bliedenen schmerzerfllllt an ÜmlMv Ball nebst Mutter Neukölln, Biebrichstr. 3 Die Einäscherung findet am Sonn- abend, nachm. 4 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. Kieiholzstrasse, statt. Von der Rel»e lurück Dr. Stulz Ner.enarrt« Herr Dr. med. S. In 2. hat mlt Odern: eyettS Medizinal Kertta-Keif- «zielt. Per 6t SB.-.06, so°-° verstärkt 6« unreinem Teint prächtige Ersolae mt 1— Zur Nachbehandlung ist Herdw Creme besonders zu empfehlen. ta allen und Pa >the?en, Hämorrhoiden? Hovosan-Zäp?chen und Pasta bringen Hilfe! lu beziehen durch alle Apotheken. B«sand durch Schwan-Apotheke, Dresden-R. 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